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ZEIT

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

Die Angst vor
Illustration: Smetek für DIE ZEIT

Moralweltmeister Deutschland

Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten

Fukushima, Libyen, die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Gutmenschen nerven, findet Josef Joffe. Sie sind nötiger denn je, antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49

WISSEN SEITE 37–40

Der alte Mann und das Drama der FDP

Schluss mit luftig
Die EU hat alles versucht, um Griechenland aus der Krise zu helfen. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER
er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Doch das heißt nicht, dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet, man macht sich unbeliebt. »Retten« ist ein hübsches Wort, aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Es kostet nur wieder Milliarden, und trotzdem beschimpft Europa uns, weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. »Umschulden«, die andere Möglichkeit, ist auch eine hässliche Sache, die im Englischen haircut heißt. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Vergessen. Nicht mehr bezahlen. Auch das käme alle teuer zu stehen. Die Griechen, denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte, ebenso wie die Deutschen und andere, die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.

Es grünt im Klub
Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO

Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Und: Philipp Rösler versucht, sich die Zukunft vorzustellen Magazin; Politik S. 7

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Europa will sich Ruhe kaufen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben
Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Diejenigen, die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen, positionieren sich als die guten Europäer. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da, obwohl doch alle gleichermaßen wissen, dass es ohne Europa nicht geht. Wir erleben einen Austausch von Forderungen, Schuldzuweisungen und Dementis, in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Sooft dieser Tage in Ministerien, Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf- und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd, was kommt. Klar ist einzig, dass die Griechen mit dem ersten, 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften, sondern echtes Geld kosten werden. Viel Geld. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein, doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Gleichwohl verlangen die EU, die Euro-Gruppe und die Zentralbank, dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, dem Vertreter des kleinen Luxemburgs, will das offizielle Europa Ruhe, was sie auch kostet. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt, wenn Europa weiter zahlt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler

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www.zeit.de/audio

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Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich, wohl aber die Stimmung. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog, die Griechen überlegten, aus dem Euro auszutreten: Selbst dort, im Land, in das so viel Geld fließt, wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag, so desaströs seine Folgen wären. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Der Rettungsfonds will weiter retten, die EU dabei mitregieren. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei, seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Käme es jetzt zum griechischen haircut, dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Nein, Ruhe wird in keinem Fall eintreten, auch nicht beim haircut. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los, einige seiner Banken brauchten neue Hilfen, und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen, damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten, als gäbe es kein Morgen – und der Staat, der nicht aufgepasst hatte, deshalb unser aller Geld retten musste. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst, der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Was dagegen geschieht, wenn Europa immer weiterzahlt, zeichnet sich schon ab. Irland, seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm, will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Wer wollte sie den Iren abschlagen, wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen, sondern auch an zu viel. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören, so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also, an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wer der bessere Europäer ist, da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Die Frage ist vielmehr, was auf lange Sicht besser für Europa ist. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Europa sollte die Umschuldung wagen.

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uch wenn man die Grünen nie gewählt hat, jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt, und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg, die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage, ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland, das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt, die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Als Ausdruck einer Stimmungswahl, die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Aber die Diagnose ist unvollständig, wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt, das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar, noch nie schienen sie so entschlossen zu sein, ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott, sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei, die sie früher nie gewählt hätten. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.

Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg
Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran, nun gelte es, die Erwartungen der Bürger zu erfüllen, die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. In Interviews sprach er davon, man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«, und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte, dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten, weil dies ein überholter Begriff sei, so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege, das zu werden, was gemeinhin eine Volkspartei ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus, dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Das klingt weit unattraktiver als das, was

sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte, jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition, bestrebt, möglichst viele Menschen mitzunehmen, statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft, und darin liegt eine Chance: In einer Zeit, in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird, könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt, die SPD, die zweite Volkspartei, bleibt auch eine. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Die Entscheidung Kretschmanns, der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen, ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner, der sich tief gedemütigt fühlen muss. Das ist umso generöser, als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie, das Beharren auf Posten und alten Positionen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen, als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus, wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen, die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben, und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr, bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen, in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen; nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum- und Bahnhofsschützern, plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub!

ZEIT ONLINE
Bienen am Schaalsee. Wellen am sardischen Strand. Kleine Augenblicke, die verzaubern
Eine neue Videoserie unter www.zeit.de/video-momente

PROMINENT IGNORIERT

Skandal auf Samoa
Dass der Inselstaat Samoa, bislang östlich der Datumsgrenze gelegen, beschlossen hat, um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern, dessen Datum anzunehmen, also einen Tag zu überspringen, ist schlicht ein Skandal. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte, würden Schulden nicht getilgt, Geburten hinfällig, und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. GRN.
kleine Abb. (v.o.n.u.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost); Jonas Unger für DZ; Mauritius

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AUSGABE:

2 12. Mai 2011

DIE ZEIT No 20

POLITIK
M O R A LW E L T M E I S T E R D E U T S C H L A N D

Worte der Woche

»

Das waren die längsten 40 Minuten meines Lebens.«

Barack Obama, US-Präsident, auf die Frage,

wie er sich während des tödlichen Angriffs auf Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden gefühlt habe

»Pakistan behält sich vor, mit voller Kraft zurückzuschlagen.«
Yousuf Raza Gilani, Regierungschef Pakistans, nach dem aus seiner Sicht rechtswidrigen Einsatz der Amerikaner auf dem Staatsgebiet seines Landes, der sich nicht wiederholen dürfe

Ob Deutschland sich bei der Entscheidung der Vereinten Nationen über einen Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Gadhafi enthält, die Regierung mal eben aus der Kernkraft aussteigen will oder das Land erregt über die Tötung des Al-Qaida-Chefs bin Laden diskutiert – manch einer im Ausland wundert sich in diesen Tagen.

Der Vorwurf steht im Raum: Die Deutschen wüssten wieder einmal alles besser. Aber stimmt das? Sind wir wirklich Moralweltmeister? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe streiten über das deutsche »Gutmenschentum« (Seite 4). Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt den

Alleingang der Bundesregierung beim geplanten Ausstieg aus der Kernenergie: »Jedes Land diskutiert bestimmte Fragen besonders gründlich« (diese Seiten). Und Adam Soboczynski erklärt, warum der moralische Idealismus, der nun wieder zum Vorschein kommt, tief in der deutschen Geistesgeschichte wurzelt (Seite 49)

»Diese Leute werden in den sicheren Tod geschickt.«
Laura Boldrini, UNHCR-Sprecherin in Italien,

zum Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer

»Ich bitte alle: Lasst Griechenland in Frieden seinen Job tun.«
Giorgos Papandreou, griechischer Premierminister,

»Ausbüxen gibt’s nicht mehr«
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt ihre ganz persönliche Energiewende, warum die Deutschen besonders fundamental über Kernenergie streiten und warum Deutschland auch mit mehr Windrädern ein schönes Land bleiben wird
ZEIT: Wo waren Sie am 12. März, wie haben Merkel: (lacht nicht) Ich habe nachgeschaut, ob schwerste Projekt Ihrer Amtszeit vor sich: die Sie von der nuklearen Katastrophe erfahren? das Wort »Brückentechnologie« vorkommt. Es Energiewende. Ist Ihnen bewusst, dass Freund Merkel: Ich war in der Nacht vom EU-Rat aus kam vor. So war ich zufrieden. Schauen Sie, die und Feind große Schwierigkeiten haben, da Brüssel zurückgekehrt. Schon das Erbeben und Volkspartei CDU ist vielleicht diejenige Partei, mitzukommen? die Bilder von der gewaltigen Flutwelle hatten die in dieser Frage die größte Spannbreite von Angela Merkel: Es ist ein interessantes, span- mich tief erschüttert. Während der Sitzung des Meinungen hat. nendes und großes Projekt. Aber ich weiß nicht, EU-Rates haben mich Mitarbeiter des Kanzler- ZEIT: Der Riss geht quer durch CDU und ob es das schwerste ist. amtes über die dramatischen Ereignisse stets auf CSU. ZEIT: Mit das schwierigste! dem Laufenden gehalten, am Freitagabend hat- Merkel: Ja. Die Grünen haben damit kein ProMerkel: Natürlich hat das entsetzliche Unglück te Japan ja den atomaren Notstand ausgerufen. blem, für sie ist die Sache klar, das Thema ist ein von Fukushima, dessen ganzes Ausmaß ja im- Als ich Samstag früh aufstand, sah ich im Fern- Gründungsimpuls dieser Partei. Bei uns stellen mer noch nicht abzusehen ist, uns vor eine un- sehen Berichte von der Wasserstoffexplosion im sich viele die Fragen: Kann Deutschland es erwartete Situation gestellt. Daraus jetzt die Kernkraftwerk. Ich bin dann zu einer Wahl- schaffen? Ist es wirtschaftlich? Trägt das Vernötigen Konsequenzen zu ziehen kann zum kampfveranstaltung nach Rheinland-Pfalz ge- trauen in die erneuerbaren Energien? Deshalb ersten Mal zu einem umfassenden Konsens in fahren. Die Stimmung dort war sehr gedrückt. wird es in den kommenden Wochen wichtig dieser Frage, zu einem Zusammenrücken der Alle standen unter dem Eindruck der vielen sein, diese Bedenken ernst zu nehmen und daGesellschaft führen, auch wenn einige Unter- Todesopfer, der Zerstörung und eben auch der rauf Antworten zu finden. ZEIT: Sie haben ja zwei Wenden in der Atomschiede bleiben. nuklearen Gefahr, die offenkundig wurde. ZEIT: Was war für Sie als Politikerin und als ZEIT: Sie haben sich gerade an die bedrückte energie vollzogen, erst eine Verlangsamung des Physikerin das Unerwartete? Stimmung im Wahlkampf erinnert. Glauben Ausstiegs und jetzt eine Beschleunigung des Merkel: Ich habe persönlich nicht erwartet, dass Sie, den Deutschen wäre ein Festhalten an den Ausstiegs. Sie haben im letzten Herbst zur Laufdas, was ich für mich bis dahin als ein theoreti- verlängerten Laufzeiten vermittelbar gewesen? zeitverlängerung gesagt, dass die Kernenergie sches und nur deshalb verantwortbares Rest- Merkel: Ich habe mich nicht gefragt, was ver- nicht länger als »unbedingt notwendig« laufen risiko gesehen hatte, Realität wird – und zwar in mittelbar ist, sondern ich hatte – wie viele ande- solle. Damals waren für Sie aber viel längere einem Hochtechnologieland wie Japan. Wie re mit mir – den Impuls, dass wir unsere Ent- Laufzeiten »unbedingt notwendig« als heute. sehr aber auch ein Industrieland wie Japan, das scheidungen vom letzten Herbst und damit die Wieso? an technischem Können, Disziplin, Ordnung, Sicherheitsstandards in Deutschland noch ein- Merkel: In der Tat: Wir haben gesagt, auch wir Gesetzlichkeit uns in nichts nachsteht, davon mal auf den Prüfstand stellen müssen. Vermit- steigen aus der Kernenergie aus – dieser Konerschüttert werden kann und in welche Lage die telbar ist es dann – das sage ich jetzt auch als sens, den es in Deutschland gibt, wird oft überMenschen dort gestürzt wurden – das ist das Parteivorsitzende der CDU –, wenn wir nach- sehen –, allerdings später als bei Rot-Grün, desweisen können, dass wir halb die Laufzeitverlängerung. Das unterscheiEinschneidende dieser KataWirtschaftlichkeit und Um- det uns Deutsche von weiten Teilen Europas: strophe. Ich weiß, dass andere weltfreundlichkeit vernünf- Wir bauen keine neuen Kraftwerke. Wir steigen Menschen vor solchen GefahIch habe nicht tig zusammenbringen. Die aus. Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren ren durchaus gewarnt haben; erwartet, dass das, was CDU hat mit der sozialen Energien erreichen. für mich lagen sie für ein Hochich für mich bis dahin Marktwirtschaft schon eintechnologieland mit hohen SiUnser Energiekonzept vom Herbst hat eine mal vermeintlich Unver- klare Zielsetzung: Deutschland soll konsequent cherheitsstandards bis vor Kurals ein theoretisches söhnliches zusammen- den Weg in die erneuerbaren Energien gehen. zem außerhalb dessen, was ich und nur deshalb gebracht, nämlich Kapital Nur so lange, wie sie auf diesem Weg notwenin meinem Leben erleben werverantwortbares und Arbeit. Jetzt haben wir dig ist, soll die Kernkraft noch eine Rolle spiede. Restrisiko gesehen die Chance, auch die Ver- len. Wir haben also ein in sich schlüssiges KonZEIT: Was hat ein Physiker hatte, Realität wird pflichtung, Wirtschaftlich- zept erarbeitet. Aus heutiger Sicht würde ich eher vor Augen, das Restrisiko keit und Umweltfreundlich- sagen: Wir haben im Herbst einen durchaus oder die große Wahrscheinlichkeit unter der Leitlinie der machbaren Weg in das Zeitalter der erneuerkeit, dass nie etwas passieren Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Es geht baren Energien beschrieben – und damit schon wird? Merkel: Die Frage muss anders gestellt werden. darum, unseren Anspruch als Industrieland in weit mehr getan als Rot-Grün damals. Jeder Mensch muss in seinem Leben Risiken Einklang zu bringen mit unserem Ehrgeiz, eines ZEIT: Ein bequemer Weg! eingehen. Auch die Teilnahme am Verkehr, wo Tages ganz auf die erneuerbaren Energien zu Merkel: Nein, das im Herbst formulierte Ziel, ich jeden Tag überrascht werden kann, ist ein setzen. Wir werden es schaffen, viele dafür zu im Jahr 2050 80 Prozent unseres Stroms aus ErRisiko, das ich eingehe. Aber das Risiko bei der begeistern. neuerbaren zu beziehen, ist schon sehr ambitioKernenergie ist sowohl wegen der über Genera- ZEIT: Sie hatten bei Ihrer Entscheidung zwei niert, man darf sich da keinen Illusionen hintionen reichenden zeitlichen als auch der über Landtagswahlen vor sich. geben. Aber gemessen an der Entschlossenheit Ländergrenzen hinausgehenden räumlichen Merkel: Richtig. Und wenn man – wie ich nach heute, war es damals ein, sagen wir mal, ruhigeAuswirkungen, wenn das an sich Unwahr- Fukushima – eine politische Position zu über- rer Weg, zurückhaltender. scheinliche doch eintrifft, ein völlig anderes. prüfen und zu verändern hat, dann ist Wahl- ZEIT: Sie haben in jenem Herbst auch gesagt, Hinzu kommt die Unsichtbarkeit, also Nicht- kampf auf der einen Seite eine ungünstige Zeit, man dürfe aus der Atomenergie nicht vorzeitig fassbarkeit der Strahlung. Das Restrisiko der weil natürlich sofort der Vorwurf gemacht wird, »aus ideologischen Gründen« aussteigen. Sind Kernenergie kann man deshalb überhaupt nur dass ich das jetzt nur mache, weil halt Wahl- Sie jetzt die Ideologin, oder waren Sie es daakzeptieren, wenn man überzeugt ist, es tritt kampf ist. Das kann man nicht vermeiden, aber mals? nach menschlichem Ermessen nicht ein. Für davor darf man auch keine Angst haben. Auf Merkel: Wäre ich das jemals gewesen, dann mich ist infolge Fukushimas deshalb die Frage der anderen Seite aber ist es genau die richtige hätte ich in den neunziger Jahren schon als Umübermächtig geworden: Welche Alternativen Zeit, weil man als Politiker auf all den Wahl- weltministerin keine Energiekonsensgespräche hast du, um zu zeigen, dass man ohne das Rest- kampfveranstaltungen mehr unter Menschen mit dem damaligen niedersächsischen Ministerrisiko der Kernkraft leben kann? ist als sonst. Und da muss man einfach über die präsidenten Schröder führen können, die daZEIT: In Japan haben ein Tsunami und ein Themen sprechen, die alle gerade bewegen. Ich mals übrigens auch nicht an uns beiden gescheitert sind. Dennoch: Die Erdbeben zugleich dieses Restrisiko eintreten sage Ihnen, auch wenn ich das Auseinandersetzung um die lassen. Halten Sie so etwas auch bei uns für nie beweisen kann: Wäre kein Kernenergie hatte in Wahlkampf gewesen, hätte ich denkbar? Man kann die Deutschland schon lange Merkel: Exakt mit diesen konkreten Ereignissen es genauso gemacht. zusätzlichen Windauch eine fast kulturelle Dinatürlich nicht. Denn man weiß ja, dass Japan ZEIT: Wäre das Wahlergebnis räder entlang der mension, da standen sich erdbebengefährdeter ist als Deutschland. Man schlechter ausgefallen, wenn Autobahnen bauen. Parteien und Milieus fast weiß, dass Japan anders als Deutschland schon Sie es anders gemacht hätten? unversöhnlich gegenüber. unter Tsunamis zu leiden hatte. Man weiß, dass Merkel: Meine These ist: eher Daran wird unser deswegen dort die Küstenregionen gefährdet ja, aber das ist natürlich rein Land nicht zerbrechen, Ein unguter Zustand, zu dem alle Seiten ihren Beitrag sind, und trotzdem hat man dort Kernkraft- spekulativ, und das war es und es wird immer geleistet haben. werke hingebaut. Wir in Deutschland brauchen nicht, was mich angetrieben noch schön sein Kernkraftgegner haben vor einer exakten Wiederholung der japanischen hat. Wahlkampf kann Politiker gesagt, sie wollten mit dieKatastrophe bei uns natürlich keine Sorge zu durchaus eher schneller dazu sem Restrisiko nicht leben, haben. Aber wir haben dennoch allen Grund, bringen, das Richtige zu tun, zu fragen, ob sich auch bei uns unglückliche aber aus rein taktischen Gründen, also wenn sie haben sich aber immer sehr darauf konzenUmstände zu etwas Katastrophalem zusammen- gar nicht ehrlich gemeint gewesen wäre, hätte triert, den Ausstieg umzusetzen, und die Frage, ballen könnten: zivilisatorische Risiken, aber ich diese Entscheidung, die neue Ausrichtung wie man in eine bessere Energieversorgung einauch naturbedingte Ereignisse, verbunden etwa der Energiepolitik vom vergangenen Herbst steigt, schleifen lassen. Auch über das Problem, mit einem Stromausfall über längere Zeit, eine deutlich zu beschleunigen, nie getroffen, weil dass man möglicherweise aus dem Ausland Verkettung also von Umständen, die nach ich sie dann nie mit innerer Überzeugung hätte Strom, auch Strom aus Kernkraft importieren menschlichem Ermessen und allen Wahrschein- vertreten können. Ich bin nun über fünf Jahre muss, haben sie zu sehr hinweggesehen. Uns lichkeitsberechnungen bis jetzt nach bestem Bundeskanzlerin – nein, so etwas scheidet für dagegen haben viele im Herbst nicht abgenommen, dass wir das Zeitalter der erneuerbaren Wissen und Gewissen ausgeschlossen wurde. Es mich aus! geht also um die Belastbarkeit von Wahrschein- ZEIT: Wie haben Sie denn in diesem Zusam- Energien wirklich erreichen wollen, weil die lichkeitsanalysen und Risikoannahmen. Des- menhang den Namensbeitrag von Helmut Kohl öffentliche Diskussion nur um die Frage »Verhalb haben wir eine Sicherheitsüberprüfung al- am Tag vor der Wahl gelesen – der ja eine Auf- längerung, ja oder nein?« kreiste und es uns ler Kernkraftwerke angeordnet. Nach einem forderung zum Festhalten an längeren Laufzei- nicht gelungen ist, mehr Augenmerk auf die anderen wesentlichen Elemente des EnergieEreignis der Größenordnung von Fukushima ten war? sehe ich mich außerstande, diese bei uns zuvor Merkel: Ich habe ihn als Unterstützung wahr- konzepts zu lenken. Interessanterweise werfen andere, die immer nur theoretisch ins Auge gefassten Verkettungen genommen. von Risiken einfach zu verdrängen und zu sa- ZEIT: (Interviewer lachen) Wie haben Sie dieses einen schnellen Ausstieg verlangt haben, plötzlich Fragen auf, die sie sich selbst bis dahin gar gen, um die kümmere ich mich nicht. Wunder der Wahrnehmung vollzogen? DIE ZEIT: Frau Bundeskanzlerin, Sie haben das

zu den Gerüchten, sein Land drohe aus der Euro-Zone auszuscheiden

»Diejenigen, die das Treffen organisiert haben, haben ein ziemliches Desaster angerichtet.«
Martin Schulz, Vorsitzender der Sozialisten im EU-Parlament, zu dem zunächst geheimen Treffen von Vertretern der Euro-Zone

»Ich war immer gerne Fraktionsvorsitzende.«
Birgit Homburger nach ihrem eher widerwilligen

Verzicht auf den FDP-Fraktionsvorsitz

»Die FDP hat immerhin Humor.«
Volker Beck, Geschäftsführer der

Grünen-Fraktion, zu den Personalquerelen der Liberalen

»Wenn wir alle ein bisschen zusammenrücken, haben wir dazwischen viel mehr Platz für Natur.«
Matthias Horx , »Zukunftsforscher« und Gründer des Zukunftsinstituts, über eine ökologischere Stadtplanung

»Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute.«
Wes Craven, Horrorfilmregisseur, auf die Frage,

wovor sich die heutige Jugend grusele

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ZEITSPIEGEL

Ausgezeichnet
Das ZEITmagazin wurde am vergangenen Wochenende mehrfach ausgezeichnet. Am Freitag bekam Susanne Leinemann in Hamburg den Henri-Nannen-Sonderpreis für ihr Stück »Der Überfall« (Nr. 49/10). Darin beschrieb sie, wie Jugendliche sie brutal zusammenschlugen. Am Samstag wurde das ZEITmagazin bei der Preisverleihung des Art Directors Club (ADC) in Frankfurt am Main elfmal ausgezeichnet. Damit war es der meistprämierte Titel und zugleich der einzige, der Gold gewann – und zwar für das Doppelcover mit dem Schauspieler Gérard Depardieu (Nr. 41/10). Die Infografik-Seite im Ressort Wissen der ZEIT wurde zweimal ausgezeichnet, darunter einmal mit Silber. Für seine Reportage »Ich denke, dass es meine Bestimmung ist, hier zu sein« ist der Autor Frederik Obermaier mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnet worden. Obermaier hatte in Ausgabe 4/10 von ZEIT CAMPUS die Radikalisierung der niederländischen Studentin Tanja Nijmeijer nachgezeichnet, die sich den Farc-Rebellen im Kolumbianischen Dschungel angeschlossen hatte. DZ

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NÄCHSTE WOCHE IN DER ZEIT

Regional ist das neue bio. Das behaupten die Marktforscher, so sagen es die Kochbuchverlage. Weil wir Lebensmitteln mehr vertrauen, die aus unserer Nähe kommen? Weil Essen auch ein Kulturgut ist? – In einer 40seitigen Beilage zu regionalen Zutaten und regionaler Küche beschäftigen wir uns mit diesem Trend. Darin interpretieren zwölf junge Spitzenköche exklusiv zwölf Rezepte ihrer Heimat neu WISSEN

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nicht gestellt haben. Sie mahnen nun, wir sollten aufpassen, dass der Strom bezahlbar bleibt. Das war für die Union immer schon ein zentraler Gedanke. Dieser ganze Prozess führt nun vielleicht dazu, dass die Gesellschaft den Ausstieg als gemeinsame Anstrengung annimmt und auch Nachteile – siehe Netzausbau, siehe Speicherwerke, siehe Windmühlen im Landschaftsbild – in Kauf nimmt, weil wir uns alle gemeinsam auf einen ehrlichen Weg machen müssen. ZEIT: Bevor wir uns der Zukunft zuwenden, wollen wir noch ein paar Minuten nachtragend sein. Merkel: Bitte! ZEIT: Haben Sie, als Sie die Bilder von Fukushima gesehen haben, die Laufzeitverlängerung bereut? Merkel: Nein, ich spürte aber sofort, dass das, was ich damals aus Überzeugung vertreten habe, auf den Prüfstand muss. Wir haben über die Laufzeitverlängerung jahrelang gesprochen – im Übrigen auch im Wahlkampf –, es konnte also keiner überrascht sein, dass wir das getan haben. Ich habe, wie gerade dargestellt, schon im Herbst bedauert, dass wir nicht ausreichend deutlich machen konnten, dass es uns wirklich um einen konsequenten Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien geht. Gerade auch als ehemalige Umweltministerin habe ich das bedauert. Andere haben uns den Vorwurf gemacht, wir würden den Energieversorgungsunternehmen einen Gefallen tun, damit die möglichst viel erlösen. ZEIT: Und das stimmte gar nicht? Merkel: Das hat nie gestimmt. Durch unser Energiekonzept wurden die Energieversorgungsunternehmen erheblich belastet. Ihre wirtschaftliche Lage ist im Übrigen nicht so exorbitant gut, dass sie jede Belastung schultern könnten. Wir haben schließlich ein Interesse an erfolgreichen großen heimischen Energieerzeugern; die Stadtwerke alleine werden es nicht schaffen. ZEIT: Es entstand auch der Eindruck, dass Sie bei Ihrer Entscheidung unter Druck gesetzt wurden. Merkel: Ein falscher Eindruck, niemand setzt mich unter Druck. ZEIT: Mehrere namhafte Wirtschaftsvertreter und andere Prominente veröffentlichten damals eine Anzeige, um die Verlängerung der Laufzeiten zu unterstützen. Haben Sie das als hilfreich empfunden? Merkel: Nein. Wenn ich so große Anzeigen sehe, bin ich eher traurig über das ausgegebene Geld, weil ich als Parteivorsitzende aus Wahlkämpfen weiß, wie viel das kostet. Als hilfreich habe ich sie nicht empfunden. ZEIT: Sie haben im vergangenen Herbst auch gesagt, sowohl die Atomenergie als auch Kohlekraftwerke sind Brückentechnologien. Jetzt soll die Brücke der Atomenergie verkürzt werden. Muss dadurch die Kohlebrücke verlängert werden? Und was sagt die Klimakanzlerin dazu? Merkel: Wenn wir nun schneller aus der Kernenergie aussteigen, dann wird sich zeigen, dass wir Ersatzkraftwerke brauchen, nach meiner Meinung vornehmlich Gaskraftwerke. Auf jeden Fall werden wir hoch effiziente Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen benötigen. Das verändert unsere CO₂-Bilanz, was wiederum bedeutet, dass wir Wege finden müssen, um an anderer Stelle mehr einzusparen, um das auszugleichen. Wir müssen die Gebäudesanierung schneller vorantreiben und die Energieeffizienz unserer Produkte und unserer ganzen Wirtschaft noch rascher verbessern, um diese zusätzlichen CO₂-Emissionen anderswo einzusparen. ZEIT: Die Zahl steht: neun bis zehn neue Kohlekraftwerke in den nächsten zwei Jahren. Merkel: Das haben die Unternehmen und der Markt zu entscheiden und teilweise schon entschieden. Bei künftigen Festlegungen über Kraftwerksprojekte spricht vieles auch für Gas: Gaskraftwerke können am schnellsten gebaut werden, sie sind flexibel als Ergänzung erneuerbarer Energien einsetzbar, und Gaskraftwerke haben weniger CO₂-Emissionen. ZEIT: Sehen Sie das Klimaziel für 2020 gefährdet? Merkel: Nein, das müssen und werden wir schaffen. Wir schalten ja ganz sicher nicht alle Kernkraftwerke sofort ab. Danach erst stellen sich die entscheidenden Fragen, die Schwierigkeit wird also sein, von etwa 2020 bis 2035 oder 2040 zu kommen.

Foto: Michael Brauner/stockfood

POLITIK

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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BÜCHER MAC

HEN POLITIK

Der Käfighalter
Geradlinig? Nun ja. Zwei Autoren porträtieren Winfried Kretschmann
Der Mann, der an diesem Donnerstag in Stuttgart zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik gewählt werden soll, hat ein prägnantes Image: Winfried Kretschmann sei konservativer, als es die CDU erlaube, heißt es, prinzipienfest bis zur Halsstarrigkeit und ein ausdauernder Leser der Philosophin Hannah Arendt. Nun ist pünktlich zur geplanten Vereidigung des 62-Jährigen eine Biografie erschienen, in der die gängigen Klischees über Kretschmann mit Lust zerlegt werden. Zum Vorschein kommt ein Mann, der einen weiten Weg hinter sich hat – und unterwegs ziemlich geschmeidig agiert hat. Ganze drei Wochen haben die Journalisten Peter Henkel und Johanna Henkel-Waidhofer für diese Neubewertung gebraucht, was der Sache nicht geschadet hat. Das Tempo führt sie ohne Umschweife zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen: Kretschmanns antiautoritärer Katholizismus, sein Kulturpessimismus, seine Art von Liebe zur Natur, der Weg »von Mao zur Mitte«. Die beiden Stuttgarter Journalisten – er jahrzehntelang bei der Frankfurter Rundschau, sie Lokalkorrespondentin – kennen Winfried Kretschmann, seit er seinen allerersten Auftritt im Stuttgarter Landtag verpasste: Im März 1980 gehörte Kretschmann zu der sechsköpfigen Fraktion, mit der die Grünen erstmals in das Parlament eines Flächenstaates einzogen. Aber die Vereidigung von Lothar Späth (CDU) zum Ministerpräsidenten versäumte der Neuparlamentarier, weil er es wichtiger fand, in Gorleben zu protestieren. Als Kretschmann die Grünen mitgründete, war er alles andere als ein Konservativer. Als Sohn einer katholischen Vertriebenenfamilie aus dem Ermland war er mit der Erfahrung aufgewachsen, wie man in der Fremde erst verachtet und dann aufgenommen wird. Er hatte ein katholisches Internat mit viel schwarzer Pädagogik hinter sich gebracht, aber auch die befreiende Wirkung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahren. Bei der Bundeswehr erlebte er die klassische Schinderei, was ihn aber nicht daran hinderte, den Pazifismus der Peter Henkel/ grünen Gründerjahre für eine Johanna Lebenslüge zu halten – schon Henkelim Hinblick auf die Befreiung Waidhofer: Winfried Nazi-Deutschlands durch die Kretschmann. Alliierten. »Ich bin von Hause Das Porträt aus kein Pazifist«, hat er da- Herder, 14,95 € mals klargemacht. »Ich habe nicht den Kriegsdienst verweigert und bin schon von Natur aus ein Typ, der sich verteidigt und dem anderen dabei auch mal eine in die Fresse bügelt.« Aus manchen Landtagsprotokollen der achtziger Jahre lässt sich die Verzweiflung ermessen, die Kretschmann gelegentlich in der CDU-geführten Republik erfasste. »Es hört doch niemand auf einen«, rief Kretschmann einmal ins Plenum. »Erst wenn man mal ein Ei wirft, dann ist die Presse da. Wenn Grundrechte in ihrer Substanz gefährdet werden, dann sind wir auch zu Regelverletzungen bereit. Wir sind eine radikale Partei, weil man eine Politik machen muss, die die Probleme an der Wurzel löst.« Keine sonderlich konservative Position. Im Laufe der Jahre hat sich Kretschmanns Verhältnis zu den beiden Volksparteien viel rasanter verändert, als es das Image vom stets prinzipienfesten grünen Konservativen glauben machen will. 1982 wirbt er in einem ausführlichen Aufsatz für ein Bündnis mit der SPD, ausgerechnet wegen der großen Übereinstimmungen in der Sozialpolitik; ein Bündnis mit der Union hält er »auf absehbare Zeit kaum für möglich«. Schon ein Jahr später begeistert er sich für ökolibertäre Überlegungen. Über die Sozialpolitik sagt er in jener Phase: »Nur wo Mangel herrscht, kann es Freiheit geben.« Dann wieder, 1992, plädiert er für Rot-Grün, während er 1999 findet, es sei »bitter notwendig, dass es irgendwo zu einer schwarz-grünen Koalition kommt«. Die Republik, so glaubt er 2000, braucht die CDU. 2010 ist es dann »an der Zeit, dass die Schwarzen in der Opposition landen«. Auch zu Kretschmanns eigener Ökologie haben die beiden Autoren Interessantes zutage gefördert. Die Familie von Kretschmanns Frau Gerlinde besaß in Laiz eine Hühnerfarm mit 600 Tieren in Käfigen – die Art der Tierhaltung, die demnächst verboten sein wird. Als die drei Kinder klein waren, machten die Kretschmanns dort regelmäßig Urlaub. Der künftige Ministerpräsident Baden-Württembergs sammelte die Eier ein, fütterte die Tiere, hielt die Käfige sauber und reparierte. »Wer von der Eierproduktion leben will«, so sah er es, »kommt ohne Käfighaltung in Probleme.« Die Konstante in Kretschmanns Charakter lassen die Autoren von einem Parteifreund zusammenfassen: »Winfried Kretschmann ist der anständigste Mensch, der je in Deutschland Regierungschef wurde.« MARIAM LAU

»Ich bin nun über fünf Jahre Bundeskanzlerin.« Angela Merkel am Dienstag der vergangenen Woche im Kanzleramt

ZEIT: Wie stellen Sie sich die Lastenverteilung

dieser Energiewende vor: mehr zulasten des Verbrauchers oder des Steuerzahlers? Merkel: Jeder Steuerzahler ist auch Verbraucher, nicht alle Verbraucher sind Steuerzahler. Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz alle Verbraucher in die Lastenverteilung einbeziehen. Gerade zwischen 2009 und 2011 gab es einen großen Sprung in der Umlage, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstand, nämlich von knapp 1,5 Cent auf über 3 Cent pro Kilowattstunde. ZEIT: Die Frage nach den Kosten beschäftigt die Menschen sehr. Wann können Sie ihnen greifbare Zahlen nennen? Merkel: Bald. In der Wirtschaftskrise hatten wir einen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel, in den letzten Wochen lag er wieder zwischen 120 und 130 Dollar. Mit diesen Schwankungen leben die Menschen heute schon. Sie werden auch mit den Schwankungen beim Strompreis leben müssen, die sich aus veränderten Restlaufzeiten von Kernkraftwerken ergeben. ZEIT: Wird es ein schöneres Land sein, mit neuen Stromtrassen, wärmegedämmten Häusern und vielen hohen Windrädern? Merkel: Im Vergleich zur Zeit vor 20, 30 Jahren ist unser Land doch an vielen Stellen schöner geworden. Damals waren viele Flüsse vergiftet, heute baden und fischen die Menschen wieder in ihnen. Die Industrie arbeitet insgesamt viel umweltschonender, nicht nur in meiner ostdeutschen Heimat, dort ist der Unterschied natürlich frappierend. Also wirklich: Ich glaube nicht, dass unser Land viel weniger schön wird, nur weil wir Energie anders produzieren und den Strom auch durchleiten müssen. ZEIT: Das sagen Sie, obwohl Sie in Ihrem Heimatland so schöne Landschaften vor Augen haben. Merkel: Mecklenburg-Vorpommern hat 1 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausgewiesen, 99 Prozent also nicht. Natürlich sieht man diese Windräder zum Teil schon von Weitem, in meinem Wahlkreis stehen zum Beispiel besonders viele. Aber man kann die zusätzlichen teilweise entlang der Autobahnen, der großen Verkehrstrassen bauen. Hochspannungsleitungen können vielleicht zum Teil entlang der Eisenbahnstrecken geplant werden. Daran wird

unser Land nicht zerbrechen, und es wird noch immer schön sein. ZEIT: Wir könnten stundenlang zuhören, wie Sie die Härten der Energiewende vertreten! Geschmacksfragen sind da nicht so wichtig? Merkel: Selbstverständlich ist der Erhalt der Schönheit unserer Landschaft wichtig, aber die Diskussion ist nicht neu. Denken wir nur daran, was los war, als vor 150 Jahren plötzlich die Eisenbahnen zu rattern begannen. Da sahen manche auch das Ende gekommen. Jede Generation hat die Aufgabe, die Infrastruktur der Zukunft möglich zu machen. Auf der anderen Seite bauen wir heute auch Industriebauten wieder zurück. Kohlezechen sind heute Kulturstätten, und manch altes Tagebaugebiet dient der Naherholung. ZEIT: Sie verteidigen diesen Weg ganz anders, als Grüne das machen. Die Grünen sagen: Es wird alles ganz schön, und Sie sagen: Stellt euch nicht so an! Ist das die Merkelsche Energiewende? Merkel: Ich sage nicht: Stellt euch nicht so an. Ich lese jetzt von Designerwettbewerben um schöne Hochspannungsleitungen. Damit will ich nicht kommen, ich versuche, die Aussichten ganz realistisch zu beschreiben. Ja, es wird sich mancherorts etwas ändern. Mancher wird erleben, dass in der Nähe seines Wohnorts eine Leitung gebaut wird, wo vorher keine war. Das hat es zu allen Zeiten und in vielen Formen gegeben. Bei dem einen wird eine Straße gebaut, bei dem anderen eine Fabrik. In Berlin entsteht gerade ein Flughafen neu. Wir Politiker haben die Pflicht, gut zu begründen, warum das manchmal nötig ist, wir müssen auf die Fragen der Menschen Antworten haben. ZEIT: Planen Sie eine verbindliche Laufzeit für jedes einzelne AKW? Merkel: Es gibt die Möglichkeit, die Summe an Kilowattstunden festzulegen. Es gibt die Möglichkeit, die Restlaufzeit in Jahren festzulegen. Und es gibt die Möglichkeit, diese beiden Varianten zu mischen. Wir haben das noch nicht entschieden. ZEIT: Wie wollen Sie die Endlagerfrage lösen? Wollen Sie außer in Gorleben noch woanders bohren? Erwarten Sie mehr Kooperation von Baden-Württemberg zum Beispiel? Merkel: Ich denke nicht, dass man jetzt überall parallel bohren sollte. Das wäre Unsinn. Die

Endlagerfrage kommt auf den Tisch, wir wer- manchmal, wir bezögen 80 Prozent aus Kernden über sie sprechen, wenn das neue Energie- energie. Das ist ja gar nicht der Fall. konzept steht. Grundsätzlich bin ich überzeugt, ZEIT: Aber keiner hat so radikal und schnell dass es nicht dadurch leichter wird, dass man reagiert wie Deutschland. die Last der Suche und Erkundung auf fünf Merkel: Das ist richtig. Orte verteilt. ZEIT: Wie kommt das? ZEIT: Was nutzt dieser ganze schöne Ausstieg, Merkel: So fundamental wie bei uns wird fast wenn wir umringt sind von Ländern, die die nirgendwo sonst über Kernenergie diskutiert. Kernenergie weiter ausbauen? Hier ist eine ganze Partei darüber entstanden. Merkel: Eine sehr berechtigte Frage, zumal in ZEIT: Sind die Deutschen so ängstlich wegen einem europäischen Binnenmarkt: Was nützt des Restrisikos, oder sind sie nur mutig genug, es Deutschland, wenn es sich nach seiner neue Wege zu gehen? Überzeugung richtig verhält, und alle anderen Merkel: Jedes Land diskutiert bestimmte Fratun es nicht? Wenn ich jedoch zuallererst da- gen sehr gründlich. In den Debatten über die nach frage, ob auch alle anderen von meiner Solidarität in der Euro-Zone und die Stabilität Haltung überzeugt sind, oder wenn ich nur an unserer Währung stelle ich auf europäischer die anfänglichen Nachteile meines eigenen, Ebene Fragen, die sonst kaum einer stellt und von mir für richtig erachteten Verhaltens den- die manche wohl auch manchmal anstrengend ke – dann drehen wir uns im Kreis. finden, die sagen dann, das sei schon wieder so Als in Deutschland Bereine Merkel-Idee. Das ist vielleicht eine Kehrseite unserer tha Benz mit dem ersten AuPräzision und unseres Erfintomobil über die Straßen gedungsgeistes. rumpelt ist, haben auch viele Ich werde darauf achten, Zeitgenossen gesagt: So ein dass wir den richtigen Weg Quatsch, die eine Pferdestärfinden, unsere Energie zu erke einer Kutsche reicht doch, zeugen, einen Weg, der zu eiund wer weiß, wie gefährlich nem ökologisch denkenden diese neue Erfindung ist. In Industrieland und einer beihren Augen war Bertha Benz Die Kanzlerin beim Intereine Geisterfahrerin auf ei- view mit Bernd Ulrich (links) deutenden Wirtschaftsmacht passt. Dieser Weg ist dann nem seltsamen Sonderweg – und Giovanni di Lorenzo aber auch eine Verpflichtung. aber das Auto hat sich durchDann kann nicht jeder komgesetzt. Deutschlands Wohlstand gründet sich auch darauf, dass wir men und sagen: So viele neue Leitungen wollen manchmal als Erste einen neuen Weg gegangen wir nicht, und die Windenergie passt uns eisind. Als ich 1994 Umweltministerin wurde, gentlich auch nicht, die Umlage für die Photokamen 4 Prozent unserer Stromerzeugung aus voltaik ist eh zu hoch, und gegen den Anbau erneuerbaren Quellen. Heute sind wir bei 17 von Pflanzen zur Energieerzeugung bin ich aus Prozent. Das ist schon beachtlich. Jetzt wollen Prinzip auch, aber aus der Kernenergie müssen wir bis 2020 auf 40 Prozent kommen, was sehr wir sofort raus. Einen Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ambitioniert ist. Das wird uns Kraft kosten. Aber wenn wir glauben, dass wir Vorteile da- ist die große Herausforderung im Augenblick. von haben, und das ist ja offensichtlich, dann Wir müssen in den nächsten ein, zwei Monaten alle sagen: Dazu stehen wir! Ein Ausbüxen ist das zu schaffen. ZEIT: Unser Sonderweg ist also eine Avantgar- gibt’s jetzt nicht mehr. derolle? Merkel: Es gibt eine ganze Reihe europäischer Das Gespräch führten GIOVANNI DI LORENZO Länder, die nicht auf Kernkraft setzt. Deutsch- und BERND ULRICH land hat immer einen Energiemix gehabt. Bei uns macht die Kernenergie ein Fünftel aus. Energie: Wie die Wende funktionieren kann www.zeit.de/energie Wenn man die Diskussion verfolgt, denkt man

Fotos: Anatol Kotte für DIE ZEIT; Vignette: Smetek für DIE ZEIT

spielen. Laden entfesselt hat. Es wäre wohl eine zynische Welt. sorgen für unsere Sicherheit. der als älterer Herr mit Familienanhang firmierte. dass der Mensch zum Guten fähig ist. Fixer werden sie genannt. dasselbe zu tun. die wir da ein. Aber weite Teile des Freiheit vor dem totalen Überwachungsstaat. Bin Laden lässig« abzuleiten ist kein Beweis ist der jüngste Beweis. einen Gewährsmann. der deutschen Kommentariats haben die Gräueltaten im Namen der Terrorabwehr die Bürgerrechte allenfalls am Rande erwähnt.Abgesang auf diesen Gut-Bürger singt. dem wir die kritiGesinnungsethik wird zum Gesche Öffentlichkeit bei vielen sinnungsterror.« Fotos: Peter Steffen/dpa (l. Sie weisen Thilo Sarrazin mit den von ihm des Gutmenschen in den Vordergrund: der Bes. während Tausenden verantwortet – oder im Einzelfall die ringsum in Europa 137 Kernkraftwerke den Regeln des Rechtsstaates zu verletzen? Auch Strom erzeugen. Russland verlor 2 : 3. in der Kontext zählt. Er meint. Sollten wir stolz darauf sein – oder steckt ein wahrer Kern im hässlichen Wort vom »Gutmenschen«? Nein Siehe auch Feuilleton. werten und zivilen Land geWeichei und Nervensäge in eimacht hat. dass die Massaker an Unschuldigen gebiet. durfte eine Flasche Johnny Walker ausgeben und bekam eine verführerische Hostess zugeteilt – die ehemalige Miss Abidjan. Economist: Now. er werde jetzt erst mal den Fernseher anschalten und einen Kriegsfilm anschauen. sie verachten Weißnasen. Freude brechen verantwortlich war. Er internationales Recht und darauf. angewiesen. Der hilfsbereite. kompetente A. mensch wirklich maßgeblich in den politischen Was für eine triste Welt das wäre! Ja Im Kampf gegen den Terrorismus. weil bekanntlich Gewalt keine politischen Augenmaß. ein Visafälscher. der sich den Notwendigkeiten ECKARDT Ob es um Auslandseinsätze der der Macht und des Machbaren ist Vizepräsidentin Bundeswehr geht. Und riet dem Journalisten. wie eine Welt ohne ihn ausjenigen. der den Tod von leitet uns die höhere Einsicht. erklärte er.schen als Gut-Bürger? Dem geht es nicht um ckungsfolklore. ein Geschenk senden. stehen aber auch zu den politik überhaupt. Eigentlich wäre der Zeigefinger nach 66 Jahren mustergültiger Entüber den Tod eines Massenmörders zu äußern. der militanten Anhänger des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo.hat. werden. rischen Mitteln. »Das können Sie sich sparen«. muss keine moKanzlerin wegen »Billigung von Straftaten« ange. Und so war ich als neutraler allemand sogleich willkommen. wie ihn schon bare. Die Polemik hat es eben nicht Bürgerin sind informiert bis ins Detail. des Bundestags. dazu nen Nation. Fügen wir hinzu. vom Bürgerkrieg geplagten Metropole der Elfenbeinküste. als die große Mehrheit im Westen es tut. Später zogen die Kommunisten durch Moskau und feierten den Generalissimo Stalin.de. wenn ein sich den Händeln der Welt. politische Teilhabe meist dann als Vorwurf.darum fragen lassen. »ganz anders schreiben. zeigen uns Orte. Natürlich soll man sich auch über den Tod wicklung nicht mehr nötig.grill@zeit.Macht verachten. Wehe dem Staat. jedenfalls man keine Konflikte zwischen Schlimm und Schlimmer. die im Dunkeln die Drähte zieGrößenordnungen und UrsaZEIT. arrangieren Interviews. um des Sieges über den Faschismus zu gedenken. die angeblich alternaBürgerin verbinden sich Pragtivlos sind. helfen nur noch tiz. Jahre redet und streitet der Gutbin Ladens und den schlichten Hinweis auf den Verstoß gegen sagt sie. Die Antwort ist nicht neu. Aber A. von einem darauf an. Die einen setzen die Kartoffeln in die Erde des Datschagartens.währungshelfer der Noch-nicht-Geläuterten. Wir Korrespondenten sind auf Helfer wie A. Manchmal gibt es ein neues Panzer. Doch der Reflex lebt Überlieferung ermahnte schon der liebe Gott fort. Er redet bewusst undifferenziert und Unsinn und dem Fremden feindlich ist. Er hatte sich nach dem Rauswurf flugs aus dem Staub gemacht und noch einen Dienstwagen mitgehen lassen. Dieser Nachtklub ist eine Höhle der Jeunes Patriotes. OriPharisäer. Zum Beispiel in Pakistan. also ist Herausgeber der Staat vorbeugend jene treffen.versicht. kill his dream. die Nazipropaganda im Stürmer das Deutschland in den letzten zum Feind erklärte. sondern auf den wertegebundenen Ein. Die Polemiker gegen den Gutmenschen weil ihnen die besser ins Konzept passt als der tun so. tickt.sehen würde. füllen ganze rer multikulturellen Republik nicht vielmehr Regale. Und es ist das Gutnem zu sein.voswinkel@zeit. den wir demnächst importieren Deutschland kennt den »finalen Rettungsschuss«. bis der Arm schwer wurde oder Russland bei der Eishockey-Weltmeisterschaft seine Führung gegen Finnland einbüßte. In diesem Jahr waren die neu geschneiderten Baretts der Soldaten die größte Innovation. wo chen. der lieber politisch entierung und Maßstäbe mit korrekt ist als realistisch. gut zu das bin Laden Unterschlupf ge»Kampf. bei der Entscheidung über den Krieg gegen Gadhafi: Stets denken und handeln die Deutschen anders. Betreff: Freund und Helfer Allein hätte ich mich niemals ins Café Cacao an der Rue Princesse in Abidjan gewagt. Für ihn hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt. Übrigens sogar wirtschaftliche: Die Ökodrauf. Was ist denn das größere Übel: einen Probleme löst. weil das Publikum starke Sprü. es spricht den Deutschen Auslieferungsbefehl präsentieren von einer »Mord-Orgie«. nehmen die Bürger Gott sei Dank mit.oder die Zusammenhänge. Also muss der JOSEF JOFFE Traum töten« spiegelt die reale Welt. Darf man das? Soeben hat ein Richter die ausweichen. als den wirkungsmächtigen Auftritt des GutmenVertreter einer typisch deutschen Weltbeglü. dem ich vorbehaltslos vertraut hatte! Wer weiß. dessen Abbild auf offiziellen Plakaten verboten war.ralischen Konflikte bewältigen. muss sich che mag. Deutschland ist wieder Großmacht. noch ins Landesrecht. um die vielen zu retten. Atomausstieg? Auch hier Mann weiter morden zu lassen. sie wollten währte – fünf Jahre lang. lische Bescheidenheit ist auch eine Tugend. erwies sich als absolut zuverlässiger Führer in der chaotischen. Im sondern um bürgerliche Werte wie Solidarität. Den Rückspiegel zierte ein roter Stern. Zugegeben: Allzu oft drängt Widersprüchen zwischen Ideal und Wirklichsich eine wohlfeile und populistische Variante keit. An den Autos hängen orange-schwarze Sankt-Georgs-Bändchen als Erinnerung an den Krieg. sich im eigenen Verfassungsden der Getötete wollte. Wer nicht handelt. L . ihr Zorn nicht dem Täter. in der dritten Generation: die Enkel als Beseine Engel. dass seine Theorie serwisser. balisierung einfach und bequem macht. sieren. die wir nie finden würden.). Aber ich hatte ja A. Ich wunderte mich zwar über seine Golduhr und die teuren Designerklamotten. der in diesem Schathat« und just den »Krieg der sich nur gut fühlen tenkrieg agierte. Manche malen auf die Heckscheibe. politischen Alltag ertönt »Gutmenschentum« Öffentlichkeit. die gesunde Realisten darstellen und leider immer das Leben lebenswert machen. der letzten Jahrschwer. Betreff: Krieg und Eishockey Einen Feiertag gibt es. die bin komme es nicht kann. insbesondere Franzosen. Familien und Liebespaare spazieren durch die Parks. wie das Land Denkverweigerung.Logik der Sachzwänge. Ein Völkerrechtler dozierte: Kriegsrecht facher als abwägen. derung: Seit den Bürgerinitiatider sich auf Moral beruft? NehGrüne und EKDven der siebziger und achtziger men wir die Erschießung Osama Präses. im zweiten geht es um Sowjetspione im Hitlerregime (»Unser Mann in der Gestapo«). der fließend Deutsch sprach und über exzellente Landeskenntnisse und Kontakte verfügte.« Er hatte nebenher einen lukrativen Handel mit Einreisepapieren nach Deutschland betrieben. K AT R I N G Ö R I N G  Themen zu verdanken haben. Seite 49 Mail aus: ABIDJAN Von: bartholomaeus. die es sich im Gewirr der Glo. sondern auch nützlich ist. Mit auf selbstgerechten Gesinnungskitsch abge. Aber Erleichterung und Genugtu. Wer den vereinfachend. weil al-Qaida weder Staat noch Bür.dass Deutschland zum technologischen Vorreiter für erneuerbare Energien wurde. die über den Untergang des pharao. um Atomverweigert. welche Deals er nebenher im Café Cacao eingefädelt hatte.keitsfern ist – sondern ganz reale Wirkungen mensch das Attribut »antiamerikanisch« oben. Auch der Zusatz »de Luxe« in seinem Namen hätte mich stutzig machen müssen. vor allem in Kriegs. »Dann werden Sie«. Der russische Trainer sagte im Interview nach dem Spiel.4 12.. die einst für das Menschheitsverauf die Kanzlerin.). weil er einer ist. Auf dem Hochsitz der Moral aber sieht geißeln. Der Heuchler. Besserwisser sind allerdings auch die. woWas also steckt an Gutem im Gutmenschen. Es war die erste Niederlage der Eishockey-Nationalmannschaft an einem Siegestag. Bin Laden? Ein eklatanter Bruch des auch Helmut Schmidt hat in Mogadischu den Völker. sich selbst als wahre Faktenkenner und ohne Sinn für das Mögliche. Vorweg fehlt das moralische ibyen? Da machen wir nicht mit. Im stern-Titel heißt es: Terrorismus ist weder Krieg Amerikas Rache.und Krisengebieten. Dabei dachte man doch. es wären einfach logiebewegung hat zum Beispiel dafür gesorgt. nur Demokratie und Rechtsstaat. dass werteorientierte Politik aldass triumphale Freude über den les andere als naiv und wirklichTod des Massenmörders bin Laden unangemessen sei – schon bekommt der Gut. »Jetzt wollen wir seinen Leichenwagen. Warum also die eifernde Selbstgerechtigkeit? nicht den Opfern. Im Entscheidungen vorgebracht Gut-Bürger und in der Gutwerden. die sich über seinen zehnte? Erlebten wir bei Stuttgart 21 und beim politisch überkorrekten Betroffen. In brenzligen Situationen sind wir auf Gedeih und Verderb von ihnen abhängig. sondern Massenmord mit kriegeRache. Der Gut-Bürger meint es ernst mit dem.und Kriegsrechts. Zum Dank wollte ich A. sondern der zeigt exemplarisch. im dritten läuft die Jagd auf militärische Werwölfe und im vierten ein Spielfilm über die Suche nach Verrätern in der Roten Armee. Und er des Besserseins. Mail aus: MOSKAU Von: johannes. ein aufgeweckter junger Mann. die sie nicht mehr haben (wolgerkriegspartei sei. abkanzeln ist einzeigt. im Zweifel lebt er oder sie Pointe? Mit dem Gutmenschen-Vorwurf sollen selbst danach. hen. Gut-Bürger. Warum? »Weil ich den Burschen feuern musste. Doch moraanklopfen und dem Mann seine Rechte vorlesen. als befände er Kulturen« provozieren sollte. der matismus und Idealismus.de. keine Rolle mehr nur die Seite der Münze mit der Zahl ansehen. die gegen den Gutmenschen polemi.garantieren – Sicherheit vor der Heimtücke. Mein Fixer A. Ein solches Sündenregister verdient Empö. Also: Beim nächsten Mal bitte len). wenn Einwände gegen und Partizipation.Thema Atomenergie.werteorientiertem Handeln widersetzen sie sich sehen.der pragmatischen Beliebigkeit und einer blinden wand gegen die angeblichen Zwänge der Real. der die Jungpatrioten beschwichtigte. Ein paar Gadhafi-Anhänger und orthodoxe Monarchisten durften sich anschließen. Das britische Blatt nennt die Polizei keinen Haft. Andere hielten eine Russlandflagge aus dem Autofenster. der einen fürchterlichen Preis an Blut und Gut gefordert handeln. in der Verteidigung unseheitskitsch belustigen. die es gewagt hatte. Das Fernsehprogramm ist patriotisch: Im ersten Kanal verteidigt sich heroisch die Brester Festung. Aber vom wie es einst Pickelhaube und »Nicht zuständig« das »Nicht zuKnobelbecher waren.oder Raketenmodell zu bestaunen. die gerade Gbagbos Räuberregime stürzten.eine abstrakt menschelnde Wohlfühl-Moral. Doch war der besserwisserische Pseudo-Gut. im britischen noch gewöhnliche Kriminalität. Der mahnende Terrorismus weder ins VölkerZeigefinger ist heute so deutsch. bremste der Botschafter. So kann man sich täuschen. Ist das Verbredas ist die atavistische Selbstjuschen geschehen. Natürlich passt der eine moralische. Es ist das Gut-Bürgertum. ist eine Erblast der Geschichte. als bräuchten wir weder Ideale noch gesellschaftlichen Zusammenhalt – noch die ZuCharakterkopf auf der anderen. Jahrzehnten zu einem lebensHeute wirft man ihm vor. Sie führen uns zu Informanten. Transparenz. in der die Werte. Viele Debatten der letzten Monate doch Moral und Maßstäbe insgesamt lächerlich haben es gezeigt: Der gute Bürger und die gute gemacht werden. Ist er also nichts anenergie.Selbstvergewisserung einer wieder gut gewordetigen: die Amerikaner und ihre Soldateska. eigenen Werte ernst ist der lebende Beweis dafür. Der Morgen beginnt mit der Militärparade auf dem Roten Platz und einem vieltausendstimmigen »Hurra!« der Truppen. Ihr Mitleid galt daheim dezimiert.selbst genannten Zahlen nach. Vignette: Smetek für DIE ZEIT D Ist es aber nicht. fordern. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Wissen wir es besser? er sogenannte Gutmensch hat es Debatten der letzten Monate. seine übersteigerte Bürgertum. im Streit um die Energieversorgung der Zukunft. A. jenseits von einfacher Polemik und schlichter für er sich einsetzt. Leider wohnen sie dort. mitunter schlicht um die Einhaltung von Gesetzen. die anderen strömen ohne Befehl von oben auf die Straßen. der Russland vereint. Er würde wider seine höchste Pflicht sündigen: den Bürgern Sicherheit und Freiheit zu das gemeinste Verbrechen in jeder Kultur sind. Bücher. Er gilt als zurückgeblieben und naiv.bend. was einst auf den T34-Panzern geschrieben stand: »Nach Berlin!« Der Fahrer eines bayerischen Nobelwagens hat auf seine dunkelblaue Motorhaube mit weißer Farbe das Wort »Trophäe »gepinselt«. Laut rabbinischer Leistung längst anerkannt. rung und Verdammung. soll sich unterdessen in Ghana herumtreiben. das ist dem klaren Blick fürs Machder Gutmensch. So simpel ist das. Matthias Bothor/Photoselection (r. den wir genüsslich Tod der wenigen autorisiert. Sie wurzelt in der Die Entrüstung zielte auf die üblichen Verdäch. Dass so viele Deutsche die gilt nicht. den 9. das klingt vorchristlich. auf die Fahrerseite »Das Blut ist nicht vergeblich vergossen«. Mai. Warum? Weil Moralismus nicht nur erhenischen Heeres jubelten: Auch die Ägypter sind meine Kinder. arbeitete als Presseattaché bei der deutschen Botschaft. Ökologie oder Einwanderes als ein störender Geselle. So entzieht man ung darf man sehr wohl empfinden. so darf man im Namen der höheren Sittlichkeit der Verantwortung Unmensch stirbt. dabei. eine der höchsten überhaupt. die Welt hat diese eines Feindes nicht freuen.

Trotzdem ist es belinge zu erwähnen.sche und die italienische Küstenwache weisen schichte: Auf der Seite eines prodemokratischen ebenfalls jede Schuld von sich. Deutsch.stimmt. das in den vergangenen Jahren eher dazu neigte. Zur Einordnung dieser humanitären Geste: darunter mindestes zwei Kleinkinder.Häusern der Bewohner. Schlupflöcher bieten fast nur noch der Landweg über die Türkei nach Griechenland oder der Seeweg mithilfe von Schmugglern und verrotteten Booten nach Malta und Italien. Am 17. Wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag vor der Presse verkündeten. dass es mit seinem weitreichende Sätze. Nach Angaben des UNHCR sind seit Auslischen Priester in Rom die italienische Küstenwache zu alarmieren. wollen den Vorfall nun untersuchen lassen.Gadhafi doch eine moralische Läuterung reklamiert. Noch der Sicherheitsrat die UN-Mitgliedsstaaten. Und wenn das TheSpaniens.irgendeinem Zeitpunkt ein Schiff mit Flüchtren Waffen zu verkaufen. dung von Besatzungstruppen. sondern auch ein großes Grab. Auch waren. sprach sogar acht Wochen einen Skandal dar. den erwartet die Unterbringung in einem überfüllten Sammellager.und in Libyen gestrandet waren.grenzen nach Tunesien und Ägypten. Die meisten storben ist. Sie sind – und flüchtlingen zu starten. wie dem Flüchtlingsschutz gerecht werden. in klei- ropa an seinen unsichtbaren Mauern baut. um von Angriffen bedrohte Zivilper. Flüchtlinge sind bedrohte Zivilpersonen. Die UN und der Europarat ihre Lebensumstände alles andere gut. März ermächtigte Sturz den wichtigsten Türsteher verliert. Offenbar werden manche von ihnen von schleiern oft mehr. Europas inzwischen chronische Gleichgültigkeit STOPP! gegenüber Flüchtlingen hinausgeht.Grenze zu Libyen. Dort sind such zu unternehmen. Flugzeugträger und Flüchtlinge berichten von Misshandlungen und kleinere Kriegsschiffe patrouillieren nahe der li. März von deutschen Fernsehen – sichtlich von sich selbst Libyen aus Richtung Italien aufgebrochen und beeindruckt –. Die maltesikämpfen. was dabei herauskommt: EUROPA vor allem die tunesischen Behörden Knapp zwei Monate nach der UNund die Bewohner der GrenzResolution 1973 und nach den gebiete die Flüchtlinge empfanersten Angriffen westlicher Lampedusa gen und versorgen. Und womöglich hat im Fall des Schiffs. von Libyen über das Mittelmeer nach Nicolas Sarkozy aber fällt nichts anderes ein als die Italien zu gelangen. der bei der Vorbereidoch müsse es nun humanitären Prinzipien und tung einer Militäraktion darüber nachdenkt. Die italienische Aufbruchs.. darunter auch zwei in Deutschland. so betonte Westerwelle. ist längst nicht mehr nur Urlaubsraum und Handelsweg. arabischen Diktato.unter Gadhafi-treuen Kämpfern auch Söldner sonen zu schützen« – mit Ausnahme der Entsen. einer kleinen tunesischen Stadt an der Aussagen von Überlebenden verdurstet und ver. sondern als in der Masse teiligen sich auch die Küstenwachen Italiens. der EU und der Nato werden in den nächsten Tagen mehrere Schiffe der deutschen Marine ins Mittelmeer auslaufen. werde.schämend. in mehr müssen sich Somalis.de/audio Gerettet. die nach Recherchen der eng. Bis auf eines: Seit Ende März Europa. Seitdem beobach. schenrechtsorganisationen begrüßten die deutUnd doch stellen die 800 Toten der vergangenen sche Initiative. allen voran Frankreich und Großbritansind nach Schätzungen des UNHCR tatsächlich nien. 61 Menschen. Es gibt bislang lediglich einen verzweifelten sowie Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und DiktaHilferuf des UN-Flüchtlingshilfswerks turen wie Somalia. Maltas und Griechenlands. sondern Schwarzafrikaner. sondern durch unZEIT-Grafik boat people sind übrigens keine Literlassene Hilfeleistung. Zwischenbilanz von mindestens 800. zu verteilen. sind bis auf Weiteres 20 000 hungert.Prioritäten. habe sich zwar bei rer Sicherheit und öffentlicher Hygiene reduziert der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über wird. Blieben noch jene rund 72 Flücht.ma Flucht und Migration auf ein Problem inneland. mit der Unterstützung des Aufstands gegen mindestens 800 Menschen bei dem Versuch er. Miggibt in dieser Militäroperation keiranten.lingen in Seenot bemerkt zu haben. Aber Reso. sehe es die Bundesregierung als ihre Pflicht an.POLITIK 12. In Abstimmung mit dem UN-Sicherheitsrat.aus anderen afrikanischen Ländern befinden. die humanitäre Katastrophe vor der libyschen Küste zu beenden. Vielleicht neu? Seit Jahren schon ziehen italienische Fischer ging dieses Schiff einfach im Durcheinander der mit ihren Netzen immer wieder die Gebeine er. soll er auch bleiben. die in Libyen gearbeitet haben. niemand vorsätzlich offenbar fallen sie nicht unter Resolution 1973.ten. Die Nato bestreitet übrigens vehement.stehen nun alle Ausländer mit dunkler Hautfarbe ten AWACS-Flugzeuge jede Bewegung von unter dem Generalverdacht der Gadhafi-Gegner.gliedsland Malta 100 Bootsflüchtlinge abnehmen meer umhergetrieben sein sollen. dieses Detail ist wichtig – mit Beginn des Aufstands gegen Gadhafi zwischen die Fronten geraParis und Berlin? Schweigen. endlich reits eine monatelange Odyssee hinter sich haben eine effektive Aktion zur Rettung von Boots. wonach Ende Schengen-Raum. Dass Silvio Berlusconi bei solchen vergangener Woche ein Boot mit bis zu 600 Men.die vor Lampedusa auf einen Felsen aufgelaufen scheinlich über 1000 Toten gegenüber. dass Deutschland dem EU-Mitsechzehn Tage manövrierunfähig auf dem Mittel. auftretendes Flutrisiko sieht. Dem steht nun eine düstere wagemutigen Manöver 500 Flüchtlinge gerettet.Vorschlägen sofort mit von der Partie ist. Warum? Weil Alles erfunden. ohne einen Rettungsver. Mai 2011) Auf dem Wasser verdurstet . Wo der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. könnte die Zahl der Toten um mehrere minister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem zuHundert steigen. einem Abrisshaus oder einer selbst gezimmerten Bretterhütte. der für jeden Einzelnen Freiheit und Küstenwache hat übrigens gerade erst in einem Würde einfordert. Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen im Sollten sich Berichte bestätigen. Kampfbomber auf Stellungen Tripolis Mittelmeer Im Vergleich dazu sind die der Armee Muammar al-GadBootsflüchtlinge. Und befreiten Bengasi noch einmal vorlegen. Zuständigkeiten und Befehlshierartrunkener Flüchtlinge an Bord. Diese Strategie der geduldeten oder gezielten Verwahrlosung ist die logische Folge einer europäischen Politik. mindestens bruch der Kämpfe in Libyen über 600 000 Menein Militärhubschrauber und ein Flugzeugträger schen geflohen. Überlebende behaupten. als sie klarstellen. Denn es 500 km byer. dann findet sich auch in der Außen-und eine Militärintervention in Libyen enthalten.. Der Diktator wort »Stoppt Gadhafi!« – enthält einige sehr möchte Europa wohl zeigen. Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ver.auch Flüchtlingsboote gezwungen. Gadhafis Militäreinheiten. westliche Kampfjets bombardie. Weil sich greifen.ALGERIEN ropa aufbrechen. Das man mit dem erwartbaren Anstieg der FlüchtUN-Flüchtlingshilfswerk und mehrere Men.lingszahlen umgeht. An Operation »Lifeline« be. Kennt Europa keine Gnade? VON ANDREA BÖHM nen Booten aus dem umkämpften Libyen nach Flüchtling nicht als Individuum mit Anspruch Italien zu gelangen. wieder auf der richtigen Seite der Ge. Eritreer oder SudaneLibyen »alle notwendigen Maßnahmen zu er. Die Reaktion in London.niemanden überraschen.Menschenjagden. zu seitdem wähnt sich Europa. um Bootsflüchtlinge zu retten und in mehrere europäische Aufnahmelager. wahr. über einen katho. Soll heißen: seit die Abwehr von Flüchtlingen zum ideologischen Kern der Migrationspolitik geworden ist und eben diese Abwehr den Mitgliedsländern am Rande Europas aufgebürdet worden ist. Papst Benedikt XVI. nen koordinierten Schutz von Flüchtlingen. keine »Welkenntnis. vielleicht auch nicht. Friedrich verkündete unlängst im lischen Zeitung The Guardian am 25. die gen Euhafis steht man vor der Er.von Resolution 1973 auch dem Übergangsrat im ren Kommandozentralen des Diktators. trunken. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 5 O peration »Lifeline« hat begonnen. der weit über von einer . obwohl es den Bootsinsassen nach wenigen Flüchtlinge untergekommen – die meisten in den Tagen auf See gelungen war. Darfur oder Eritrea. seit Euwww. die den Das Mittelmeer wird für immer mehr Flüchtlinge aus Libyen zur Todesfalle. Natürlich kann man fragen: Was ist daran oder gar böswillig Hilfe verweigert. Dass Deutschlands Innenchen ist.Gadhafis Soldaten erst ausgeplündert und dann lution 1973 – besser bekannt unter dem Schlag. dass ein erheblicher ÄGYPTEN le«. Wer die Reise übersteht. 7. sind nach In Dehiba. muss schen vor der libyschen Küste auseinandergebro. Vielleicht sollte man den Text byschen Küste.auf Würde und Schutz. als sie damit zu be.sen aber vor den Rebellen fürchten. Das Mittelmeer chien verloren: ein tödliches Chaos. Aber Mitarbeiter des UNHCR zeigen sich verblüfft. sondern ein Rinnsal – ganTeil der zivilen Opfer nicht LIBYEN ze zwei Prozent sind auf EUdurch Bomben und Kugeln geTerritorium gelangt. wie bereitwillig die ägyptischen und Egal. die meisten über die Landeshätten ihr Boot gesichtet. aber das mit 72 Menschen an Bord über zwei Wochen im Mittelmeer umherirrte. Sicherheitspolitik niemand. aber nicht willkommen: Libysche Flüchtlinge treffen auf Lampedusa ein Foto: Francesco Malavolta/dpa (Flüchtlinge erreichen Lampedusa.zeit. die be(UNHCR) an die europäischen Staaten. Seit Ende März sind im Mittelmeer über 800 Menschen bei dem Versuch ertrunken.

1998. Wenn sie ehrlich ist. Die andere Frage lautet. immer mehr Entscheidungen und auch einer Menge Alkohol im Grunde bedauernswerte Existenzen führten«. sagt Rösler. er stattet sich selbst mit einem Verfallsdatum aus. interessante Menschen zu treffen. »nicht verdruckst zu sagen: Ich habe einen anderen Termin. Er vertrat sowjetische Zwangsarbeiter und verklagte die Telekom wegen ihrer Datenskandale. Nun ist die Familienministerin in einer Situation. noch mehr Terminen. denken viele Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. sah draußen keinen Fahrer mehr und keine Sicherheitsbeamten und merkte voller Schreck. dass man auch als Politiker ein normales Privatleben haben kann und sich nicht verbiegen muss«. Der Berliner Volker Ratzmann zog 2008 seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Grünen zurück. Einmal kommt das BKA und legt den Höchstpreis. Es ist ein ungewöhnlicher Satz. in dessen Beisein auf fünf Millionen Mark fest. er ist wieder Rechtsanwalt. Politiker müssten auch Vorbild sein. Man kann sagen: Da ist einer der wichtigsten Politiker Deutschlands in der wichtigsten Stunde seiner Karriere nicht dabei. dass er keine Befreiung empfand. wenn immer mehr Politiker ihren Posten als Teilzeitjob statt als Lebensinhalt begreifen. ins Schlafzimmer kommt eine Stahltür. sie hat überlegt. und auch deshalb sei ein Satz wie der von Rösler gut. Der Satz ist auch zwiespältig. Instrument eines Systems zu sein. sich vor der Politik in Sicherheit zu bringen. das offensiv zu tun. »Ich werde alles daran- Karl-Theodor zu Guttenberg gesucht wurde. ließ sich Philipp Rösler telefonisch zuschalten. Vätermonate. der Sohn Helmut Kohls. wie es so schön heißt. »Das Gefährliche ist das Anziehende daran. Sicherheitsstufe 1. »Wenn jemand beispielsweise Fraktionsvorsitzender ist. nämlich dadurch. was es mit der Politik macht. Es ist einer von vielen Widersprüchen.schneeschnee. platzte Seehofer der Kragen. Kristina Schröder hat sich auf das Gespräch vorbereitet. dass ihnen das alles gelingt: ehrlich bleiben. In der Politik hat Meckel Menschen gesehen. Wenn nachts ein Hase durch den Vorgarten hoppelte. »die nicht in die persönliche Lebensplanung passen oder in denen Unwägbarkeiten drohen«. wer sich für die Partei aufopfert. Katja Kipping von der Linken erklärte kürzlich. kann dieser Wunsch in der Politik Wirklichkeit werden? Das ist die eine Frage. Ein gutes Vorbild für die Gesellschaft sei das nicht. heute ist sie Professorin an der Universität in St. sondern weil sie die Politik nicht verstanden hätten. irgendwann mal ihre Partei anzuführen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. als Gegen-Rösler par excellence. aber sie verändern den Alltag dramatisch. andere Spitzenpositionen in der Politik zu übernehmen. mit denen Politiker umgehen müssen. Darum gehe es ja: keine Ausrede zu finden. wurde es taghell wegen der Lichtschranken. dass irgendjemand noch irgendetwas erst mit seiner Frau besprechen dürfe. In Spitzenjobs der Wirtschaft habe man es auch schwer. aber mit Mitte 35 stehe für sie »die Familienplanung im Vordergrund«. Baum. »wird man in Deutschland unter 50 Jahren ja ohnehin eher nicht Kanzlerin. Wenn einer Kanzler ist und Kinder hat. Horst Seehofer gilt vielen als Prototyp des Machtpolitikers. Es sei eine neue Erfahrung. als er im Streit um die Gesundheitspolitik als Fraktionsvize zurücktrat. »Falsche Loyalität darf es in der Politik nicht geben«. Aber wie viel Freiheit darf sein in ihrem Job? VON TINA HILDEBRANDT E s gibt Jobs. zwischen den Antworten atmet sie ein bisschen schwerer als sonst. Als in Berlin die Nachfolge von Guido Westerwelle ausgehandelt wurde. Gallen. sagt Thomas Steg. Nur schaut bei denen nicht die ganze Republik zu. dass man die Macht umarmen muss: »Ich würde jede Wette eingehen. beschreibt Walter Kohl. fuhr hinter ihm ein gepanzerter Wagen mit Sicherheitsleuten. Was denkt einer. was sie sagen wird. dass der neue Parteichef Philipp Rösler seine Frau fragt. an dem man sich infizieren kann. Aber das wäre auch so ein Satz. der Familie gerecht werden und den Wählern. »Die Anforderungen werden immer heftiger«. gefälligst ein Amt im Kabinett anzutreten. jedenfalls wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. kann etwas erzählen über die Zumutungen der Politik. das muss sie als Ministerin sagen.« Aber wo genau kippt die Work-Life-Balance in der Politik aus dem Politischen hinaus? Für Horst Seehofer sind bei allem Verständnis für mitentscheidende Ehegatten irgendwann die »Grenzen der Verantwortungslosigkeit erreicht«. ob er seinen Satz zurücknehmen müsse eines Tages. und übers Bett sollte ein Knopf. allerdings ein politischer. Doch Seehofer ist einer der wenigen. sich selbst treu. vor dem man sich in Acht nehmen muss. dass Philipp Rösler nicht mit 45 aufhört. sagt: »Ich will lieber von Leuten regiert werden. die offen bekennen: »Für mich ist Politik ein Stück Sucht. Nicht weil sie nicht hart genug seien. Rösler sagt. sei »Lichtjahre« von früheren Verhältnissen entfernt. kein Gefangener der Macht. denken viele und meinen: keine Maske. in zweiter Ehe verheiratet. Immer mehr Politiker wollen nicht nur ein Leben nach der Politik. die in all dem liegt. Begriffe wie »in den Sielen sterben«. so einen Posten. sagt Baum. meint sie. können alles. sondern Angst und die bange Frage: Gibt es mich eigentlich noch? Seehofer glaubt nicht an selbst gesetzte Verfallsdaten. einen Cordon sanitaire zu schaffen zwischen der Macht und dem Menschen. die private Kategorie der Dankbarkeit ins Politische zu übertragen und Guido Westerwelle nicht zu stürzen. Und nichts wünscht sich das Publikum mehr als Politiker. Entscheidungen zu fällen.« Zweimal hat er plötzlichen Machtverlust erfahren. sagt er. winkten mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gleich zwei konservative Politiker mit dem Hinweis ab. die Familie und Partner stellen – die Modernisierung der Gesellschaft macht auch vor ihren Volksvertretern nicht halt. Politiker. sagt Baum. sagt Schröder mit einem feinen Lächeln.« . sagt Baum. Dann werden andere die Probleme haben. als die Regierung Kohl abgewählt wurde. sagt Baum. in denen verdient man keinen Euro mehr als am Tag bevor man sie antrat. weil sie weiß. weil seine Frau ein Kind erwartete und sich im Jahr darauf wieder für den Bundestag bewerben wollte. in der sie. ich bin nicht Instrument eines Systems. die in einem »Zwangssystem aus Terminen. Aber ein Leben lang Politikerin zu sein. der im Fall einer Entführung des kleinen Walter zu zahlen sei. wie sie selbst sagt. ob sie einen solchen Preis zahlen wollten: die Familien und Angehörigen von Politikern. »menschlich«. sagt Schröder. oder denkt er: Alles Memmen setzen. Man kann aber auch sagen: Was ist eine Partei-Intrige gegen eine Facharztprüfung? Einer wie Peer Steinbrück.« Wie es ist. wird nicht mehr bewundert.« Nachdem Peter Ramsauer nicht Verteidigungsminister und Joachim Herrmann nicht Innenminister werden wollte. weil er das Klischee nährt.« Was verführt einen? »Die Möglichkeit. dieses Wochenende ist für die Familie reserviert. in der der Partner viel mehr Einfluss nimmt«. die sich ausschließlich über eine politische Stellung definieren. der für die Politik härteste Einschränkungen in Kauf genommen hat. Das Thema Work-Life-Balance hat die Politik erreicht. ein Umzug sei das noch nicht. er glaubt.de Die neue Berliner Balance Immer mehr Politiker fordern Zeit für Familie und Privates ein. den die Gegner schnell gegen einen verwenden können. sondern: Nein. die nicht gefragt wurden.« Miriam Meckel war Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen. am Ende seiner Dienstzeit war der rechte Arm vom Öffnen der schweren Auto-Panzertür lädiert. zu beweisen. Die Politiker werden weicher – man könnte auch sagen: normaler –. das würde wohl nicht gehen. Denn was wollen die Bürger im Zweifel lieber: dass ihr Kanzler nachts am Schreibtisch sitzt oder am Kinderbett? Die Röslers suchen jetzt eine große Wohnung in Berlin-Mitte. die sich auch vorstellen könnten. aber natürlich jederzeit in der Lage. und es heißt: Das Fenster hier muss raus. sie hat ein Buch geschrieben. die Chance. Aber das Familienleben mit dem Beruf zu vereinen. dass selbst etablierte Politiker nicht ohne Weiteres bereit seien. dann umso mehr. »dass er künftig die Termine für die Telefonkonferenzen bestimmt. Damit Sie die Polizei rufen können. »Wenn Sie in die Politik gehen. Weil er zum Nachdenken anrege über die Frage: Was ist die Rolle eines Politikers? Röslers Satz ist der Versuch eines Spitzenpolitikers. »offenkundig Privatleben und Beruf vereinbaren muss«. wollten sie sich und ihrer Familie nicht antun.« Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. stellt Seehofer fest.« Das Gefährliche an der Politik. sehe sie für sich als Ministerin »eine Bringschuld«. Staatskrisen abzuwenden. Die Schnelligkeit. Es gibt nicht viele wie Rösler in der Politik. Worauf der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schließlich erbost verbot. und 2004. sondern beäugt. Es handelt vom Preis der Politik für die. der als Finanzminister einen der tragenden Jobs hatte und als harter Hund gilt. Familie haben. »Ich bin viereinhalb Jahre nicht alleine aufs Klo gegangen«. sondern ein Leben während der Politik. dass Menschen sagen. Gerhart Baum hatte so einen Job. wenn die Frage kommt: Kann eine Kanzlerin Mutter werden? Von Amts wegen müsste sie sagen: Na- war Innenminister unter Helmut Schmidt. Kristina Schröder sitzt in einem Besprechungsraum in ihrem Ministerium. er mache sich keine Gedanken. Sie entfremden sich Ihrem privaten Bereich. das sei ja nicht das Hässliche. immer für ihre Kinder da sind. sie könne sich vorstellen. Auf einmal steht ein BKAKommando im Haus. »Es gibt heute ein anderes Rollenverständnis in der Familie. er befahl Hans-Peter Friedrich. Vater von drei Kindern.« Wo so viele nicht zu ihren familiären Verpflichtungen stehen.6 12. dass das gegen sie verwendet würde. sind out. das Rösler bekämpfen will: dass die Politik etwas Schmutziges ist. in seinem Buch Leben statt gelebt werden. darauf legt Kristina Schröder Wert. dann sind das arme Kinder«. während die Politik immer härter wird. politikfreie Wochenenden. aber es gibt immer mehr. Einmal stand Seehofer am Fenster. »Es ist wichtig. die »authentisch« sind. um die Paparazzi irrezuführen. sagt Kristina Schröder Inzwischen lässt sich die Schwangerschaft nicht mehr verbergen. dann flüchten Sie. wie eine Metapher aus der Welt der Zugtiere lautet. Zurzeit ärgert er sich über die Jungen in seiner Partei. ist längst auch bei bürgerlich-konservativen Politikern normal. Er wünscht all den jungen Politikern. und wenn der private Bereich dann auch noch Schwierigkeiten macht. eine Hand auf dem Bauch. Falsche Loyalität sei es zum Beispiel. berufstätige Ehefrauen – was bei Grünen und Sozialdemokraten noch programmatischen Charakter hatte. und sagt: »Mit 45 höre ich wieder auf«? Beneidet der 78-Jährige den 38-Jährigen. mit der man reagieren müsse. ob er sein Amt antreten soll.« Das Work-Life-Problem empfiehlt er auf traditionelle Weise zu lösen. »Meistens«. Sie hat sich vorgenommen. ehemaliger Regierungssprecher. und viele ihrer Kollegen empfinden es ähnlich. »Die Menschen haben ein realistisches Gespür dafür. weil seine Frau Facharztprüfung hatte. die so denken. Kaum einer der jüngeren Politiker mag sich so etwas vorstellen. »Die Anforderungen an Politiker werden immer heftiger«. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Illustration: Beck für DIE ZEIT/www. Schröder wollte Privatleben und Politik immer trennen. werden Sie verführt. weiß sie: Nein. kann auch sie sich nicht vorstellen. vor ihm einer und daneben drei Motorräder. weil Rösler sich damit angreifbar macht. die mitten im Leben stehen. auf »gefahrengeneigte Posten« zu wechseln. muss er auch bereit sein. wenn er hört. Abstoßende. Und als ein Nachfolger für türlich! Denn moderne Frauen. als von machtversessenen Typen. kaum ein Partner sieht sich heute noch als stiller Dulder. Wenn er im Auto saß. probehalber. Gerhart Baum ist seit Jahren nicht mehr Politiker. »Ich habe es nicht geschafft«. Der FDP-Politiker heutzutage? »Ich finde diesen Satz sehr sympathisch«. Ein Enddatum würde Schröder ihrer politischen Laufbahn nicht öffentlich setzen. warum man inzwischen unabkömmlich sei. Bei ihrer Hochzeit hat sie die Kirche gewechselt. das vom Burn-out handelt. Familienfeindlich seien andere Jobs auch. wieder aufzuhören.

Preisschilder hängen. Verpflichtet das einen jungen Parteichef wie Sie? Rösler: Zur Zeit des Kalten Krieges war das erste Ziel. die noch das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt haben.zeit. der durch den deutschen Alleingang in der Libyen-Frage entstanden ist? Rösler: Ich halte die Entscheidung für richtig. Ich halte Wirtschaftskompetenz nicht für weniger wichtig. Das wäre ein Renner. über Glaubwür- 12. aus Platzgründen. Diesem Land habe ich nicht nur viel. dass wir schon am Montag danach statt über den Euro oder die Energiewende über die Besetzung der Fraktionsführung reden. Rösler: Mit den Inhalten ist es nicht anders als mit dem Personal: Wenn Sie etwas für sich als wichtig entschieden haben. Trotzdem habe ich später zu denen gehört. dass unser Parteitag am Wochenende ein Neuanfang wird. adoptiert von einem Ehepaar in Norddeutschland 1992–1999 Sanitätsoffizier und Medizinstudium bei der Bundeswehr 2000–2009 FDP-Generalsekretär. Das muss anders werden. Sonst wäre ich auch falsch in meinem künftigen Ministerium. eine Kaffeemaschine zu entwickeln. Deutschland ist meine Heimat. war eine schnelle Entscheidung. ohne dass man erst zehn Menüpunkte auf einem Display durchblättern muss. also die FDP. wollen wir ein realistisches Ausstiegsszenario anbieten. das Sie als FDP-Chef vorantreiben wollen? Rösler: Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch zurück. Deswegen. Haben wir gerade eine Häutung zum Machtpolitiker erlebt? Rösler: Sie haben erlebt. im Gegenteil – es ist ein Signal. dass Sie nur verkrampfen. mit Ihnen an der Spitze ZEIT: Sie reden viel über Stilfragen. dass wir an die Jahreszahlen. 2030. Wie haben Sie diese Tage erlebt? Rösler: Wir durften nicht rausgehen zum Sportunterricht. Es ist jetzt die Aufgabe der FDP. was sie sich wünscht. kündige ich jetzt nicht groß an. Ich sehe die Energiewende daher als Chance für Deutschland. ZEIT: Sie sind demnächst Wirtschaftsminister. du darfst nicht die europäische Idee gefährden. Wirtschaftsinteressen wahrzunehmen. was wir Tolles machen werden. ZEIT: Wie lässt sich der Schaden beheben. Übrigens hat es auch nicht funktioniert. Bisher haben wir aber zu Recht primär über die Sicherheit der Kernkraftwerke diskutiert. immer wieder hören: Bitte nicht. Das werden wir tun. reden aber weniger darüber? Rösler: Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft. die Bundeswehr oder die Energiewende nicht von Wahlterminen in den Ländern beeindrucken lasse. Mit Fukushima hat sich das auch für mich geändert. Da sind viele Menschen enttäuscht – leider wird dieser Frust vor allem bei uns abgeladen. Vielleicht gelingt es der deutschen Industrie jetzt sogar. das Positive zu sehen. Es wird meine Aufgabe sein. und so wird es unter meiner Führung sein. dass man alte. da stehen die Deutschlandfahne und die Europafahne. Rösler: Meine Erklärung ist. Zwischen Birgit Homburger und mir wird menschlich nichts Negatives zurückbleiben. und im Herbst wird in drei Bundesländern gewählt. Und ich wollte nicht. muss man Optimist sein. Nehmen Sie die Energiewende: Da ist man sehr hektisch von einem Extrem ins andere umgeschwenkt. wo sich Europa ändern muss. dass beides zusammenhängt: Wenn diejenigen. Freiheit und Wirtschaftskompetenz. in der ich aufgewachsen bin. wie die Kanzlerin? Rösler: Ich habe großes Verständnis dafür. dafür steht die Generation von Hans-Dietrich Genscher. die Diskussion zu beenden. in Deutschland produzierte Windanlagen überall in der Welt anzutreffen. wenn man immer Rhabarber essen darf. Ihr »ordoliberaler Kurs« gehe »an den Menschen vorbei«. führt das zu Gegenreaktionen. ZEIT: Was wollen Sie am geplanten Euro-Rettungspaket ändern? Rösler: Erstens brauchen wir harte Auflagen. müssen Sie neben den Regierungen auch die Abgeordneten beteiligen. deren Heizplatte man abschalten kann. sondern durch Verlässlichkeit. Wenn Sie mehr Akzeptanz für Europa wollen. dass es sich bei allen Hilfen nur um Maßnahmen zur Überbrückung von Schwierigkeiten handelt. Atomausstieg: Wie Philipp Rösler die zerrüttete FDP erneuern will Rösler: Definitiv ja. die kritisch über europäische Bürokratie oder mangelnde Transparenz sprechen. Das Gespräche führten PETER DAUSEND und ELISABETH NIEJAHR Foto (Ausschnitt): Anatol Kotte für DIE ZEIT FDP: Berichte vom Parteitag auf ZEIT ONLINE www. Ich bin zuversichtlich. etwa für die Haushaltskonsolidierung. Sie wird einen Innovationsschub auslösen. keine Blockkonfrontation. ZEIT: Was ist cool an Deutschland? Rösler: Der Begriff patriotisch wirkt ja ein wenig pathetisch. wartet ab. wie wir miteinander umgehen. wenn der Parteichef gleichzeitig das Wirtschaftsministerium führt. Eine ostdeutsche Frau ist hier Bundeskanzlerin geworden. Das ist mir besonders wichtig. sachliche Kritik aufzugreifen und zu zeigen. jüngster Wirtschaftsminister in Niedersachsen 2008 In einem Thesenpapier (»Was uns fehlt«) kritisiert er die Bundespartei. verantwortlich für den Tod Tausender.de/FDP . was ist da passiert? Ich war einfach neugierig. Wir haben einen of- Der Neue 1973 geboren in Vietnam.POLITIK DIE ZEIT: Herr Rösler. Kosten und Versorgungssicherheit berücksichtigt. wäre das schwierig. Was kostet der Ausstieg 2020. Eine vernünftige Partei. richtige Feststellung. Ist Europa für Sie Heimat? Rösler: Heimat – da denke ich an die Region. ZEIT: Haben Sie sich gefreut über den Tod von bin Laden. ZEIT: Zwanzig Prozent sind gegen einen schnellen Atomausstieg. Rhabarber dürfe man wegen der radioaktiven Verseuchung auf gar keinen Fall essen. Und dazu gehört. Zweitens sind Sanktionsmaßnahmen erforderlich für Länder. Und neulich habe ich das erste Mal seit 25 Jahren frischen Rhabarber gegessen. und cool passt irgendwie nicht. heute so viele Euro-Skeptiker gehören. Wie kommt Ihre Partei aus dem Vier-Prozent-Loch? Rösler: Indem ich mich als Bundespolitiker bei den anstehenden wichtigen Entscheidungen über den Euro. ZEIT: Wir wüssten gern. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 7 wollte die FDP attraktiver und sympathischer werden. welche Inhalte wir vorantreiben. Der beste Weg. das angeblich nur einmal in 100 000 Jahren eintritt. ZEIT: Sind Sie patriotisch? »Am Ende gewinne ich« Führungschaos. ZEIT: Sie wollen also immer noch die Steuern senken. eher intellektuelles Verhältnis hat als diejenigen. Finden Sie. möglichst noch etwas lauter als bisher. Kann das funktionieren? Rösler: Wenn es diesen Gegensatz gäbe. plötzlich Realität wurde – und das im Hochtechnologieland Japan. sondern alles zu verdanken. Aber wir dürfen niemals einen Zweifel an unserer Bündnistreue auch nur aufkommen lassen. Gelassenheit. den Begriff der Heimat zu entdecken. ZEIT: Die FDP steht für große außenpolitische Grundsatzentscheidungen. Vorbereitung der Krankenkassenreform 2011 Kandidat für den Parteivorsitz Hobby: Bauchredner fiziellen Saal. Sind das nicht Ihre Wähler? Rösler: Beim Atomausstieg müssen wir die Partei der Vernunft sein. einer Partei mit großer außenpolitischer Tradition. Rösler: Nein. wenn Kritiker also reflexhaft in die europafeindliche Ecke gestellt werden. Landesvorsitzender und. ZEIT: Die FDP hingegen verliert. dass auch über den Preis des Ausstiegs geredet wird. 2040? Wenn sich andere überbieten bei den Ausstiegsdaten. ZEIT: Wie hat Ihre Herkunft Ihren Blick auf Deutschland geprägt? Rösler: Meine Dankbarkeit macht es mir leichter. müssen Sie es auch durchsetzen. auch jedes Mal. Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache. Die Balance muss stimmen in dieser Debatte. Wir geben unseren Markenkern nicht auf. Sie wollen die Partei programmatisch verbreitern. muss dafür sorgen. wenn Sie ständig an den Wahltag denken. Mein Ziel als Wirtschaftsminister muss es sein. ZEIT: Bisher haben viele Ihnen die nötige Härte für ein Spitzenamt nicht zugetraut. Osama bin Laden war ein Terrorist. Das Gleiche gilt für Guido Westerwelle und Rainer Brüderle. gibt es dafür zumindest mehr Spielräume. Christian Lindner und ich sind uns vollkommen einig. Brüderle fordert eine Konzentration auf die Kernthemen der Liberalen. Deutschland bietet allen Menschen alle Chancen. weil ich glaube. wird sie 2013 gewählt. dass sich viele Menschen erlöst fühlen. Gibt es kein großes Projekt. Drittens muss das Parlament bei jeder Rettungsaktion mitentscheiden. dass Frau Merkel und ich grundsätzlich ähnliche Typen sind. digkeit. ZEIT: Der Preis ist der FDP also wichtiger als ein möglichst schneller Ausstieg? Rösler: Nein. Rainer Brüderle wird Fraktionsvorsitzender. ZEIT: Sie wollen einen anderen Umgang mit Frau Merkel pflegen als Guido Westerwelle? Rösler: Das ist eine Selbstverständlichkeit. Es gibt keine Ost-West-Auseinandersetzung mehr. Ich will. Und insgesamt glaube ich. ein in Vietnam geborenes Adoptivkind wird jetzt ihr Stellvertreter. Sehen Sie in der Energiewende eher eine Belastung für die Wirtschaft wegen der steigenden Preise oder eher eine Chance zur Erneuerung? Rösler: Da man keine Wahl hat. Meine Oma hatte ihn immer in ihrem Garten in Hamburg-Harburg. ZEIT: Sie haben der FDP mal in einem Essay empfohlen. Deutsche Interessen zu vertreten bedeutet heute auch. weil Menschen nun mal unterschiedlich sind. nicht um Dauerlösungen. dass meine Generation zu Europa leider ein weniger emotionales. Wenn die FDP gute Regierungsarbeit macht. sondern auch. damit klar ist. Das war ein Fehler. Das hat sich verschoben. Dass das ein großartiges Land ist. Die Welt ist schöner. dass dieses Projekt vergleichbar ist mit der Mondlandung. damals hieß es aber. ZEIT: Wird es mit Ihnen an der Spitze mehr oder weniger Konflikte in der Koalition geben? Ihre Partei wünscht sich beides: weniger Streit und dass die FDP sich häufiger durchsetzt. das Sicherheitsaspekte. die sich nicht an die Vereinbarungen halten. dass wir auch schwierige Entscheidungen anders fällen als andere Parteien. das spüre ich jeden Tag. Nirgends kann man den Amerikanischen Traum besser leben als in Deutschland. hier bin ich groß geworden. ZEIT: Sie werden Wirtschaftsminister. die Atomkraft für eine akzeptable. ZEIT: Mit welcher Bilanz soll die FDP 2013 um Wiederwahl werben? Rösler: Auch da gilt. beherrschbare Technologie hielten. ZEIT: Hier steht aber keine Fahne. bekannte Forderungen ständig wiederholt. für die nötige Gelassenheit innerhalb der Regierung zu sorgen. die aktuell diskutiert werden. ZEIT: Und was war Ihr erster Gedanke? Rösler: Stimmt das wirklich? Der zweite: Wie war das. als Rainer Brüderle es tut. warum ausgerechnet zur FDP. keine deutschen Soldaten in einen Auslandseinsatz nach Libyen zu schicken. lässt sich nicht irritieren von äußeren Einflüssen und Kommentaren – und am Ende kommt oft das heraus. den wir zu Beginn der Legislaturperiode gemacht haben. Stabilität und Frieden zu erhalten. ZEIT: Inwiefern? Rösler: Ohne mich auf eine Ebene mit der Kanzlerin stellen zu wollen: Frau Merkel sieht sich Dinge ruhig an. wenn ich zum Reichstag fahre und die große schwarz-rot-goldene Fahne da oben sehe. ZEIT: Bei der Katastrophe von Tschernobyl waren Sie 13 Jahre alt. Euro-Skepsis. Als Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken habe ich mich allerdings stets sehr stark engagiert gegen die Todesstrafe. In der Wirtschaftskrise müsse die FDP sich deutlicher zu Werten wie Solidarität bekennen 2009 Bundesgesundheitsminister. Aber für das Ansehen der Regierung ist nicht nur wichtig. dass das mit dem Personalgerangel der vergangenen Tage gelungen ist? Philipp Rösler: Wir wollen vor allem wieder erfolgreicher werden. mit 36. weil ein Ereignis.

Für Ibrahim ist die Demokratie nicht Ziel. Ein kompakter roter Backsteinbau mit roten Mosaikfenstern. Er war Senator im pakistanischen Oberhaus. Er trägt eine weiße Kutte und einen schwarzen Turban. da extremistische Gruppen einen Anschlag auf Ausländer planen könnten. Der Heilige Krieg kann nicht durch den Tod einer Person geschwächt werden. Ibrahim muss sich mit diesem Büchlein nicht verstecken. Westliche Intellektuelle betonen. seit 1965 führt sie die Rote Moschee. der Krieg um Libyen. die bei einer Stiftung arbeitet. warnt der international bekannte Autor und Journalist Khalid Ahmed. mit großer Beständigkeit seit über 20 Jahren dem islamischen Glauben zuwende. er lächelt. »Ich sehe keine Notwendigkeit. Frauen verschleiern sich und schicken die eigenen Kinder auf die strengsten Koranschulen. Deshalb fürchten sie jetzt. Nur keine Eile. über die Hoffnungen. das Ziel auch. Tagsüber fährt uns ein Taxi. Nach und nach ist die Stimmung gekippt – wann. sagt Ibrahim. Ibrahim dagegen glaubt. Unter den Mullahs herrscht nicht nur Chaos. die glauben. Nichts überstürzen. Er leitet eine Journalistenschule in Lahore. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer wieder brutale Anschläge. Sie werden die USA und ihre Ideen besiegen und das heutige politische Vakuum füllen – sofern man sie frei wählen lässt«. denn seit Monaten dürfen westliche Journalisten nicht nach Peschawar. Wer den islamischen Gesetzen öffentlich widerspreche. klagt eine Frau. Ibrahims Partei ist heute in modernen Wahlkampftaktiken erprobt. im Westen erheben sich die Berge um den Khyber-Pass nach Afghanistan. ein Gotteshaus mitten im Regierungsbezirk der Hauptstadt. Er ist sich sicher. Den Ort für das Treffen wählt er mit Bedacht. worüber die Islamisten bisher geschwiegen haben: über sein Land. Er führt durch die Moschee. erhält seine politische Bibel: eine Schrift des bedeutendsten Theoretikers von Dschama’at al-Islamija aus den dreißiger Jahren. Bald tönen Kinderstimmen aus der Schule herüber. Zu gefährlich. Als ihn später die Nachricht von bin Ladens Tod erreicht. »Die Demokratie. Seitdem gilt die Moschee als Hochburg der radikalislamischen Bewegung.« Er ist erst 35 Jahre alt und Imam. sondern gegen die eigenen Herrscher und sei deshalb ein Votum für die westliche Demokratie. »Die USA haben Verbindungen mit allen Despoten der Region. Aziz’ Neffe kommt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Jungen an einer Koranschule im pakistanischen Abbottabad. Er lässt zwei Stühle aus seinem Büro bringen. Dennoch: Die politischen Islamisten hatten gelernt. Und wenn. Das Büchlein ist kein Appell. Wo immer man in Pakistan heute hinhört – alle liberalen Kräfte betonen. Dass die Geschichte ihm noch recht geben wird. Sehr bald werden die Bewegungen in den arabischen Ländern islamistische Züge bekommen. In fünf bis zehn Jahren wird er dauerhaft sein. Wir können friedlich entscheiden. Es neigt zur Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. sagt er. sagt er. politisch hält er sich zurück. die sich der Westen wünscht. fragt er seelenruhig am Telefon mit seiner leisen. Würden die Islamisten in Pakistan die nächste Wahl gewinnen: Ibrahim würde Regierungssprecher oder Außenminister werden. acht Millionen Einwohner. Sie wittern ihre Chance. komme es nun zum entscheidenden Kampf – dem zwischen den USA und der islamischen Welt. wie abgewirtschaftet die alte demokratische Elite. Seither wird sie auch in der Hauptstadt Islamabad ernst genommen. Längst ist die Ideologie der Islamisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es war angsterregend. auf die Straße zu gehen. Er wird begleitet von vier bewaffneten Männern mit AK-47-Gewehren. alte Mogul. Ibrahim gilt als Architekt dieses Wahlsiegs. spricht Ahmed aus pakistanischer Erfahrung. weil sie ihre peinliche Niederlage in Afghanistan kaschieren und uns glauben machen wollen. Für ihn schreitet mit Revolution und Instabilität in der Region nur die »Talibanisierung der Köpfe« voran.und Kolonialpracht. in dem vor wenigen Jahren eine spektakuläre Geiselnahme der Taliban endete. meistens in irgendeinem Büro. das in ei- nem neu gebauten Moschee-Komplex mit islamischer Schule liegt.8 12. »Pakistan ist der zukünftige Staat al-Qaidas. ein früherer Universitätsprofessor. »Im Augenblick herrscht in der islamischen Welt Aufruhr«. ist klar. dass islamische Bewegungen die Herrschaft ZEIT-Grafik Khyber-Pass AFGHANISTAN Abbottabad Islamabad Peschawar us Lahore INDIEN I nd PAKISTAN PAKISTAN Arabisches Meer 200 km Arabisches INDIEN Meer in den arabischen Ländern erringen. sondern dem strengen. In zwei Jahren haben wir Wahlen«. Überall liegen rote Teppiche aus.« Über Jahrzehnte konnten die säkularen Regierungen in Islamabad derartige Äußerungen aus dem Lager des Islamisten ignorieren. die Revolutionen in Ägypten und Tunesien – weshalb die Aufregung? Der Weg. Fünf Jahre lang erlebte seine Partei. Aziz und seine Predigerfamilie aber unterstützten die Geiselnahme.« Im Gegensatz zu westlichen Beobachtern. ein junger Mann mit Brille und brauner Predigerkappe. ideologisch aber umso einflussreicher. er zeigt auf kunstvolle Deckenmalereien und lässt sich vor einer Bücherwand in seinem Büro nieder. Doch politisch bedeutsam wurde sie erst. Wir können in keinem Hotel übernachten. aber betonten Predigerstimme. der Zorn Arabiens richte sich nicht gegen die USA. die ihre Despoten abgeschüttelt hat. Es zählt heute zu den weltweit meistverbreiteten islamischen Schriften. die bereit sind. Nur keine Eile. Es ist sein Vereinnahmungsversuch. Ibrahim schaukelt mit seinem Stuhl auf dem Rasen und schaut in den Himmel. zu regieren. noch immer ist er ein Mann mit viel Einfluss in Peschawar. Ibrahim ist ständiger Gast der pakistanischen Talkshows. sich von diesem Krieg zu distanzieren. hat jedes betroffene Land genau studiert. Doch er reist immer noch viel in der Region. Bestraft wurden sie dafür nie. Osama sei tot?«. Das ist einer der größten Erfolge der Islamisten: Sie haben die Grenze zwischen radikalen und gemäßigten Muslimen verschwimmen lassen. den die USA führen«. dass die USA heute nur deshalb ein Osama-Drama aufführen. ein Prediger wie sein Onkel. um den Bau einer Mädchen-Koranschule zu besichtigen. zu den Waffen zu greifen. Und neuerdings als Ort der Hoffnung. Besonders bedauert er die Lage in Syrien: kein Licht am Ende des Tunnels. Kein Wort davon. die einst Lahores Ruf als Kulturhauptstadt Pakistans begründeten. »Die arabischen Völker kämpfen gegen ihre Despoten. Ich aber zweifele daran nicht. sondern eine islamische. Die Gefahr eines Atomstaats in Terroristenhand steht hier unmittelbar vor der Tür«. Militärs hatten die Moschee gestürmt. sagt er. wie man auf demokratischem Weg die Macht erobert. Genau das will Ibrahim zeigen – seine heile islamische Welt. wären die Taliban und al-Qaida keine Bedrohung mehr für uns. Nur nicht drängen lassen von den Ereignissen. Jeder. Die vielen liberalen Intellektuellen der Stadt. »Wenn unsere Führer es wagen würden. Bald schon. als Maulana Abdul Aziz aus der Hauptstadt Islamabad in ein kleines Dorf aufbricht. Kaum einer in seiner Partei hat so viel Regierungs. über Tunesien. ruhiger klarer Blick. Bis dahin wird eine neue Generation der islamischen Bewegung an seiner Spitze stehen. Dagegen rief die Erschießung bin Ladens durch die US-Streitkräfte deutlich mehr öffentliche Kritik hervor. »Der Heilige Krieg wird nicht durch den Tod einer Person geschwächt« Es ist ein warmer Tag. nur keine Eile. Ahmed hat Angst vor Anschlägen. wird nicht kommen«. »Sogar auf dem Tahrir-Platz in Kairo warfen sich alle auf die Knie und beteten. Kurz bevor die Nachricht vom Tod bin Ladens eintraf. Jede Nacht schlafen wir woanders. seit der arabische Frühling herrscht. VON GEORG BLUME D Ibrahim glaubt. Aber es ruft zum Kampf gegen die Ungläubigen auf. dass er die islamische Sache nicht in Gefahr sehe. was es heißt. Angesehene Männer wie der frühere ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof von Lahore klingen wie Islamisten. Die Empörung war schwach. Osamas Platz einzunehmen. Foto: Faisaal Mahmood/Reuters . hat sie sich im öffentlichen Meinungsbild erfolgreich von al-Qaida abgegrenzt. als sie vor acht Jahren die Wahlen in der Nordwestprovinz gewann. die sich gegen das strenge Blasphemie-Gesetz des Landes ausgesprochen hatten. Ibrahim ist der politische Kopf der größten islamischen Partei in Pakistan. ob Pakistan Osama bin Laden all die Jahre geschützt hat. vornehme beige Kleider. Ägypten. die lange abseits von Gewalt und Terrorismus lag. dass die Revolutionen ein Kampf für islamische Ideen sind Ibrahim sieht aus wie ein Weiser aus dem Morgenland: langer weißer Bart. er war Provinzpräsident. Lahore zum Beispiel. der Ibrahim trifft. Dschama’at al-Islamija. sagt er. Dann verlor sie die Wahlen.« Aziz entstammt einer berühmten Predigerfamilie. müsse um sein Leben fürchten. In der Nähe wurde bin Laden getötet Der Sieg wird unser sein Von Osama bin Ladens Tod lassen sich die Islamisten nicht beirren.und Amtserfahrung wie er.« Für Ibrahim geht die Geschichte weiter. Dafür müssen wir jetzt schon hart arbeiten. Und obwohl ihre radikalsten Anhänger dieser Tage Bin-LadenPorträts auf den Straßen schwenken. Aziz ist Vorsteher der Roten Moschee. die Scheiben sind verdunkelt. »Die wirkliche Gefahr für uns ist der sogenannte Krieg gegen den Terror. Eine Reise durch Pakistan Peschawar/Lahore/Islamabad er Tod Osama bin Ladens. dass selbst radikalste Koranprediger in Pakistan salonfähig geworden sind. »Ist es nicht denkbar. sondern Mittel zum Zweck eines islamischen Staates – wie die arabischen Revolutionen. Zwar gründet Ibrahims Partei Dschama’at al-Islamija auf einer über hundert Jahre alten. Er. in der Geistlichkeit tief verwurzelten antikolonialen Bewegung. Eine ungewöhnliche Reise. Sie sprechen davon. Ich habe volles Vertrauen in die Massen der Muslime. die arabischen Revolutionen stünden für Modernisierung und Säkularisierung. Ihre Geduld ist aufgebraucht. sagt Mohammed Ibrahim. die seine islamistische Partei hegt. sagt Ibrahim. es gab zahlreiche Tote. Er stellt die Stühle in die Sonne auf den grünen Rasen. im Osten strahlt die weiße Moschee vor blauem Himmel. einst Vorzeigestadt Pakistans. Alle Räder stehen still. dann sind andere dafür verantwortlich. hatte er in das nordwestpakistanische Peschawar eingeladen. dass die USA und auch Deutschland kein Recht auf Intervention in der Region hätten. Ibrahim sieht darin die Chance für eine Wende. Und ein allzu weltlicher Präsident an der Macht. dass seine Stunde noch kommen wird. Aber Ibrahim will endlich reden. Weil er in einer Demokratie lebe. der keinen anderen Glauben neben sich duldet. haben Angst. dass ausländische Mächte für Terror und Gewalt in Pakistan verantwortlich seien. Nicht zufällig stammt es aus Pakistan: Operativ war das Land für die islamistische Bewegung bedeutungslos. Keine demokratische. dass die Revolutionen ein Kampf für die islamischen Ideen sind. Kürzlich sind zwei Politiker ermordet worden. So sehr. das weiß niemand mehr so genau. Und zwar nicht dem moderaten. Es fordert die strenge Wahrung der islamischen Gesetze. sogar radikalen Islam. wie sehr das Militär von Islamisten unterwandert sei und wie sich letztlich das ganze Land Schritt für Schritt. »Es muss heute Tausende geben. der Scharia. »Aber der Wandel hat gerade erst begonnen.

diese Frauen würden von Christen festgehalten. Säkulare Politiker sehen sich im Fernsehen und im Internet verleumdet. um unser Versteck zu finden Vergangene Woche zum Beispiel traten zwei (das er gar nicht kennt). Mittelmeer schuldigung falsch ist.deren Familien sich dann wenig später bei uns netverbindung über unseren Aktivisten melden und uns erzählen. Jussuf al-Qaradawi. Der Lärm. Wenn ich fern. Damaskus Einen Lichtblick imIch fühle mich regelrecht merhin gab es diese Woumzingelt.mationen mehr. Viele salafistische Prediger in Ägypten wurden in Saudi-Arabien ausgebildet. Die Armee nahm 190 Randalierer fest und kündigte Militärgerichtsverfahren an. Viele Kopten sagen. Soweit das Gerücht. Dabei huldigen sie oft erfundenen Traditionen. Updates über Satellitentelefon. Bislang also keine guten Nachrichten diese Männer im Fernsehen auf. rauche viel zu viel. Aufmerksamkeit im Westen erregen vor allem ihre Scharmützel mit Christen. dass der schlimmste Anschlag auf Kopten mit 21 Toten und 79 Verletzten am Neujahrstag dieses Jahres geschah. Auf Twitter und Face- N book wurde gemunkelt. Die Salafisten in Imbaba forderten die Herausgabe Kamiliya Shihatahs. die sich weigerten mitzukommen. Vollverschleierung. Die Angreifer sind meist Salafisten. Doch verbietet das koptische Bekenntnis den Übertritt zu einer anderen Religion – wie auch der Islam. aber nicht unbedingt für das 7. wird es noch schlimmer: Das syrische Uhr habe ich in meinem Ver. Die glaube einfach nicht. musste seine Botschaften aus dem fernen Qatar senden.de/audio gehalten wird. aber das war Männer eines Haushalts es uns wert. Scheidung ist verboten. ZEIT-Grafik wie aus der Welt. weil ich weiß ich genau. Mitunter wechseln christliche Frauen nur den Glauben. Zur Abschreckung. Leiter des ArabWestReport in Kairo und ein langjähriger Beobachter konfessioneller Beziehungen. Die bekommen sie übrigens auch von den Kopten frei Haus. Mehr als 250 Men. Sie berufen sich auf die Vorfahren (as-Salaf ). Die Muslimbrüder wurden vom alten Regime stark bekämpft. Wie lebt es sich dort jetzt? m vergangenen Freitag um 15 sehe. diese seien erschossen schnur zur Welt.Geständnisse von angeblichen Terroristen – loren: Das Regime hat die Inter. bevor sie im misshandelter Körper. dass diese Bekönnen uns verlangsamen. zwei wei. Die Isolation schlägt mir aufs Gemüt. weil mein Mann und ich nicht da waren. dass nun die Islamisten überall Auftrieb gewönnen. Der Verdacht erhärtete sich. Medien berichten von Säureattacken auf unverschleierte Frauen. die Bilder kaufen könnten. die als Fahrer im Grenzverkehr zwischen Libanon und Syrien Woche. Das war nehmen sie einfach alle ÄGYPTEN zwar riskant. wer ihn verhaftet hat. bestehen auf dem. seit Sicherheitskräfte schaften wandern zwischen unseren Versteam 30. Die in vielen Vierteln von Homs unterbrochen. April in unsere Wohnung eingedrungen cken hin und her. knöchelfreie Pluderhosen. wozu dieesse kaum. die angeblich kaum noch Verbindung zur Außenwelt. Deshalb sind viele Ägypter überzeugt. In der hiesigen Kultur von »Ehre und Scham«. aber nicht stoppen. Im Verfassungsreferendum hätten Salafisten und Muslimbrüder Seite an Seite für die Annahme gekämpft. Wer sonst biltelefon hat die Regierung hat denn in Syrien solche schon vor Wochen gesperrt. Cornelis Hulsman. die älter als 15 Jahre wieder jeder für sich. Nicht nehmen sie gern auch ein 400 km einmal telefonieren könanderes Familienmitglied als Geisel.wir bekommen von dort praktisch keine Inforsichtlichen Grund festgenommen. Damals saß Präsident Hosni Mubarak noch fest im Sattel. dass die Sichermich nicht mehr bei Skype heitskräfte ihre eigenen Beeinwählen kann. Jahrhundert stehen: ultralange Bärte. jüngst brachten sie in Gaza einen italienischen Friedensaktivisten um. das Werk der Protestierenden Online-Chats – wenn denn Anwältin wird auch in den ist. um ein Chaos zu säen. sie saßen im Gefängnis. dass ihre Prediger geduldet wurden. als voriges Wochenende vor der Koptenkirche ähnliche Schlägertrupps auftauchten wie schon im Februar auf dem Tahrir-Platz und früher bei Wahlkämpfen der inzwischen verbotenen Staatspartei.Staatsfernsehen zeigt stundenlang falsche steck noch ein Stück Freiheit ver. Trotzdem werden SYRIEN Namen der Erschossenen IRAK die Proteste weitergehen. weil er seine Wohnung angeblich an Prostituierte vermietet hatte. Jetzt sind wir mit. Mein Mostände vorführen. am nächsten Tag behaupIm Moment sieht es aus. Wenn der Gesuchte SUDAN derselben Stadt und doch nicht angetroffen wird. dass es damit offenbar eischen in Banyas verhaftet. Die Muslimbruderschaft konnte davon nur träumen. Im Kairoer Arbeiterviertel Imbaba mussten sich koptische Christen am vergangenen Wochenende Attacken muslimischer Radikaler erwehren. im Telegrammstil laufen die Meldungen von schießen.wundert mich aber. in dem die Menschen nach bewährter Ordnung riefen. Buchstabe Dissidentin widerfährt worden. brutalen Unterdrückungsdiese zwei seien Terroristen strategie die Oberhand gegewesen. Die Salafisten hingegen genossen erstaunliche Freiheiten. dass Provider und vorübergehend auch die Ein. hielten sie gefangen. weil sie sich geweigert für Buchstabe morse ich meihätten.nichts davon stimme und die Geständnisse wahl übers Telefon gesperrt. die Sendung sei nachträglich gefälscht worden. werde so etwas sofort zur öffentlichen Angelegenheit. Schreine von ägyptischen Sufis. Die zweite Lesart unterscheidet stärker zwischen den oft unpolitischen Salafisten und den Muslimbrüdern.POLITIK 12. der mächtigsten islamistischen Bewegung im Nahen Osten. Wie viele Anhänger sie wirklich haben. weiß niemand genau. Immer wieder hören wir die Telefoneinwahl funktio. nur solche Internet-Videos VON RAZAN ZEITOUNEH A Immer wieder erwischen wir es bei Lügen: gefoltert haben. Rollt nun die Welle des radikalen Islamismus an. und außen bei mir ein. Vor ein paar che: Ich habe meinen Tagen haben SicherheitsKairo SAUDIMann wiedergesehen. sind entwe. nen Namen zu besorgen wäre Natürlich sehe ich auch die zu riskant. vor der das alte Regime des gestürzten Herrschers Hosni Mubarak immer gewarnt hatte? Längst bedrohen die Übergriffe von muslimischen Extremisten nicht mehr nur Christen.zeit. dass dies gesucht. mehr gesprochen. was sie für die Lebensformen der Prophetenzeit halten. In dieser furchtbaren Nacht brannten zwei Kirchen. Doch die Fundamentalisten drohen wiederzukommen. die sicherlich im Internet. wo er festwww. Kopten. damit sie keinen Muslim heiraten. als teten die beiden anderen würde das Regime mit seiner TÜRKEI Männer im Fernsehen. Waffen? Die Demonstranten eine neue Sim-Karte auf meijedenfalls nicht.Damaskus. Anhängern eines mystischen Islams. Allenfalls ab und an ein paar tere Fahrer. Radikale schnitten einem Kopten in Qena ein Ohr ab. Es testen in Homs getötet. Ihr populärster Prediger. Oft geht es dabei um Frauen. Zwölfjähriger Junge bei Pro. Hunderte wurden verletzt. Nur kleine Textbotwir kein Lebenszeichen. Viele ultrakonservative Priester bestehen streng auf dieser Tradition. Viele radikale Muslime seien aus den Gefängnissen entlassen worden. Er kräfte ein Viertel in der ARABIEN hat mich kurz in meinem Nähe durchkämmt. darüber kursieren in Ägypten zwei Lesarten. welche die Massen mit hochangereicherter spiritueller Nahrung versorgten. werden beschädigt oder zerstört.das Regime sendet fleißig seine Propaganda. weil sie den Passus über den Koran als eine Hauptquelle der Gesetze erhalten sehen wollten. dürfte ihre Bedeutung aber weit übertreffen. Die Waffen. Beweisen können wir es nicht. Daraa wird immer noch belagert.kommenden Wochen von Familien getöteter Solniert – sind jetzt meine Nabel. So ging jedenfalls das Gassengerede am vergangenen Wochenende. Steine gegen einen Panzer: Von den Protesten gibt es keine Fotos. Aber ich der verhaftet oder werden März untertauchte aus Furcht vor Verhaftung. Von dem haben nen wir im Augenblick. Sie und wissen. Dort liefern sie sich auch Gefechte mit der islamistischen Hamas. Nicht ein Wort seither! Wir Aufgezeichnet von SUSANNE FISCHER wissen nicht. wirft den Kopten »mangelnde Transparenz« vor. wie es ihm geht oder ob sie ihn R ot es M e er Feuer für den Propheten Ägypten nach Mubarak: Wer sind die radikalen Muslime. Sie wurden an der Grenze ohne er. Oft Versteck besucht. nie übergetreten zu sein. und einige wenige in der Stadt. dass Shihatah mit ihrem Mann in einem christlichen Satellitensender beteuerte. Und alle Freunde. Zwölf Menschen starben. um endlich von ihrem Mann wegzukommen. davon gibt es wurden erschossen. ihre Medien wurden behindert und verboten. Salafisten konkurrieren von rechts mit den Muslimbrüdern. Das ist richtig und dennoch nur die halbe Wahrheit. Niemand hat dabei vergessen.ses Regime fähig ist. Wir haben die winnen. Warum Fundamentalisten gerade nach der Revolution vom Februar so schrill und sichtbar geworden sind. hieß es. Strom und Internet nen gewissen Erfolg haben und Skepsis an den Motiven unserer Bewegung säen kann. Salafisten gibt es heute in der gesamten islamischen Welt. Die Kirche betreibe Geheimniskrämerei. die angeblich zum Islam übergetreten sind. und arbeiten. Schon hatten die Salafisten wieder Munition.berichten. Seit Tagen habe R A Z A N Z E I T O U N E H bei diesen »Terroristen« gefunden wurden? Lachhaft! ich mit keinem Menschen Wenn ich die Bilder sehe. sind und ihn mitnahmen. Fotos: Reuters . was ihr als daten. die Kirchen anzünden? VON MICHAEL THUMANN ach dem Regimesturz nun der Religionskonflikt? Die Angst geht um in Ägypten. Ich Welt sollte doch inzwischen wissen. Dann stürmen die Salafisten dankbar die Bühne. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 9 »Ich fühle mich umzingelt« Das syrische Regime verhaftet wahllos Menschen und kappt das Internet. wenn Frauen sich von ihren Männern trennen wollten. auf Demonstranten zu ne Nachrichten nach draußen. der Frau eines koptischen Priesters. weil sie zum Islam übergetreten sei. Berichte über die getöteten Sidie mir auf ihren Namen eine lebte in der Hauptstadt cherheitskräfte. prägten dann aber am Nil einen eigenen radikalen Stil. Nicht nur. Seither habe ich allesamt unter Folter erzwungen worden seien. sagt Hulsman. Anhänger des alten Regimes förderten die Salafisten. so wie meinen Schwager. die derzeit eine eigene Partei gründen – und vielleicht gar mehrere. in sind. den sie machen. Die Extremisten greifen Alkoholgeschäfte an. sie hatten unter Hosni Mubarak sogar Fernsehkanäle. Es half nicht. Irgendjemand streut dann etwa das Gerücht. Musikhass.

die Fenster geschlossen halten mussten. sie sind eben ein selbst. males Alltagsleben unmöglich. kurzsichtig. dann haben die Clans die Müllkonsortien mit ihren käme man bei einer Basis von drei Hektar auf Mittelsmännern infiltriert. nen Euro jährlich ausgegeben. Die ZEIT erklärt er Italien Macht. der Müll kann dann nicht mehr abgeladen werden und bleibt auf der Straße. die arme Frau wurde deswegen von ihren Schülern gehänselt. Wenn er eapels Probleme mit der HE LE jedes Jahr wieder eintritt. mit überhöhten Preisen operierende Müllwirtschaft zu sichern. der Müll ist erst mit Dioxin verseuchen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK R O B E RT O S AV I A N O : I TA L I E N I S C H E L E K T I O N E N . Nur wer zünden sie die Videobänder an. Was die Politik. sondern nur in Neapel? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort. Doch in Wirklichkeit werden panien. nien. Am Geschäft mit dem Müll verdienen alle. Franck Courtes/VU/laif Warum versinkt Neapel im Müll? IT ALIEN . Vor Weihnachten lagerten auf den ihre Stadt als »Müllhauptstadt« geschmäht wird. Auf jeden Fall leiden die Neapolitaner kalt. Hoffentlich nicht mehr lange. In nichts damit zu tun. dass der sen Vierteln hervorragend. dessen Gestank derart aufdringlich in die Häuser drang. der imschaft. Mülltrennung funktioniert nicht in zwölf Lektionen. bei fließend. Jeder Haushalt wollte dig. auf denen Müllhaufen zu sehen sind. wir trinken Mineralwasser. kennt keine Krisen. Wenn der Nachren. Mit dem Feuerzeug jedem Fall seine eigene Position festigen.Euro erzielt.de/saviano Fotos: Laura Lezza/Getty Images. Sie verhindert zusammen mit korrupten Politikern eine funktionierende Entsorgung. Mülltrenund zwei zur Macht sche Entscheidungen getroffen.schichten. Von 1998 bis 2008 ge Viertel. um die Grund dafür war der Müll. Natürlich ist das grundlegende Problem dahinter das Fehlen einer nachhaltigen Abfallpolitik. wenn austretende Flüssigkeit den Boden verschmutzt. Straßen und Plätzen von Neapel 3000 Tonnen Wenn der SSC Neapel auswärts Fußball spielt. Berlusconi hat ihn ten Rechnungen. So absurd es klingt: In mer wieder behauptet. sondern um ihn in die Höhe zu treiben und den Müll letztendlich Müll. Aber das ist nicht alles: In den 1990er Jahren wurden kleiner Camorrista seinen Boss darauf aufmerkviele Kippen eröffnet. um sie von dem Abfall zu befreiumwickeln die Müllberge mit den Bändern von en. Ich werde nie müde zu sagen: Wenn man den – nicht um den Preis zu senken. Amt als Staatssekretär zurückgetreten – aber er ist die sich zusammentun. Ein »Notstand« ist nur eine Episode. Denn der Abfallberg 15 600 Meter Höhe. Längst waltet haben. Klebstoff. Für die zeigt damit im Wahlkampf ihre Gesetz nur 35 Prozent sein. verfügt ein Gericht die Schließung. dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind. Das sind Konsortien mehrerer Kommunen.den. Kein Zufall. In niger Verdienst für die MüllwirtRom regiert Berlusconi. men nicht ganz so streng nach dem AntimafiaSchmieröl.Aufträgen. in denen der getrennwurden zur Bewältigung der Müllte Abfall zu Hause abgeholt wird krisen in Kampanien 780 Millio– die einzig effiziente Methode. ver. die in Neapel als neapolitanischen Klub anheuern. Als Parteikoordinator des »Volkes der diese Konsortien zum Paradies des Klientelismus.Müll. Sie Müllkippe. wo Politik. Santachiara im Müllgeschäft – so wurde der Bock zum GärtDie früheren Folgen von ner gemacht. um den Clans riesige Gewinne durch eine ineffiziente. der Mafia Neapel regiert die linke Mitte. wie sie jeden Morgen von ihrer Wohnung zur Schule nach Neapel fuhr. männer«. die mit dem Organisierten Verbrechen verfilzt ist. In der D E R A U F K L Ä R E R Camorra kennt die fundamentalen Regeln von Angebot und Millionenstadt gibt es nur weniNachfrage. schütten Alkohol und Benzin auch auf viele Wählerstimmen hoffen. das illustriert eine Anekdote Roberto Saviano finden Sie unter des Kronzeugen Gianfranco Mancaniello. Oft sieht man da an den Stra. Da gibt es ganz andere worden: Wie es im Sommer heiß ist und im Winter Gründe. Doch dazu kam es nicht uns das. es wurden keine Märkte Bezeichnung »Notstand« schon gar nicht mehr an. die wie eine Neapel zumindest zeitweise vom Müll befreien richtige Zündschnur funktionieren. Die Camorra betätigt die Hebel © 2011 by Roberto Saviano – Agentur R. Jetzt. Der Müll auf den StraUnternehmen sich treffen. Wer aber viel Geld zu vergeben hat. Als ein www. das alle nur noch »Feu. Es wurden jede Menge mit dem Abfall blüht. sellschaft Telecom Italia und zehnmal so viel wie Villaricca und Qualiano. dabei dürften es laut berühmt. so wachsen jedes Jahr die Müllberge. Nicht selten erfolgt die Sperrung der Kippen auch wegen Umweltproblemen. dann handelt es Abfallentsorgung haben sich nicht mehr um einen »Notstand«. dass die Leute die sich der Staat nicht kümmert. Der dafür. Die ist wirklich eine Schande. zur Lösung des MüllproNeapolitaner sie nicht beherrschschienen – zwei zu blems beigetragen hat. Und natürlich wird die Entsorgung In Neapel hat die Mülltrenumso teurer. befreit. den die Clans der Mafia verwalten und vervon der Camorra »entsorgen« zu lassen. immer wieder falnicht getrennt wird. links wie etwa deswegen nicht. denen die Clans der Camorra 50 Euro Müll begraben werden. zes Jahrhundert lang neapolitanischen Hausmüll antwortet der Boss ungerührt: »Was kümmert hätten fassen können. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Neapel zeigen. Da ironisches Volk. Mailand oder Bologna.ßen von Neapel bedeutet das Scheitern der Politik.unter seiner Regierung weiter. Eine Serie zur Erklärung eines rätselhaften Landes 6 NEN N SC K ein Ausnahmezustand eben. indem man sie in allein in 2009 einen Umsatz von 20 Milliarden Brand steckt. Diese Kippen füllen sich mit der Zeit. und der Gestank reiste mit.sind es erneut über 3000 Tonnen. In nung bedeutet weniger Abfall. wie das nächste große Geschäft mit Umweltschutzorganisation Legambiente ein gan. Die Neapolitaner Müllmänner eingesetzt werden. Hauptsache. je länger der Abfall nung nie funktioniert. und das schon auf der Straße liegt. Sekunden brennt dann alles lichterloh. dass einmal im Jahr. wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl. und sie leiden natürlich auch darunter.schen ist dieser Nicola Cosentino von seinem ten. ob desaströs.stand war auch Manna für die Politik in Kampaßenrändern pechschwarzen Rauch aufsteigen. ungefähr so viel wie die Telefongeland von Neapel zwischen den Orten Giugliano. und er wird sogar immer mehr. er kann in darauf und entfernen sich. das Volumen gambiente haben die Clans mit Müllgeschäften der Müllberge zu verringern. Aber in Wirklichkeit empfinden sie gab es zum Beispiel im Hinterland plötzlich einen die Dauerkonfrontation mit dem Müll als unwür. Sie bilden regelrechte Kartelle auch nicht dazu gedrängt. Sie funkSilvio Berlusconi. Wie.schaft beschuldigt. In wenigen kann. Eine Lehrerin aus I T IO Wie von Geisterhand immer wieder da: Abfall auf den Straßen von Neapel Boscoreale erzählte mir. der kann Videokassetten. dass die Neapel ist die Müllkrise zum Normalzustand geNeapolitaner keine sauberen Menschen wären. Es gibt 16-jährige Jugendliche in Neapel.zeit. Die Regierung geblich wegen der Abfallberge erst gar nicht beim hat wie so oft Soldaten geschickt. weil das Geschäft zu der Frage.Giftmüll das Grundwasser verschmutzen könnte. Es ver. dass diese Müllkonsortien zu wahren Aufgezeichnet und übersetzt von BIRGIT SCHÖNAU Machtzentren der Organisierten Kriminalität geworden sind. Berlusconi hatte zudem zum Staatssekretär im Finanzministerium traut. in und weniger Abfall bedeutet weKampanien die rechte Mitte. Die Grenzen sind da. Erstens hat die Camorra bei dem dauernden Müllproblem ihre Hand im Spiel. Camorra-Clan und hat also ein langes Leben. er habe Neapel vom Müll Neapel ist Mülltrennung eine Antimafiaaktion. der darf auf politischen Erfolg hoffen. Freiheit« trat Cosentino trotz des schwerwiegender getürkten Ausschreibungen und der gefälsch. Fast 84 ProRoberto Saviano wahl die Stadt verstopft. Fehler gemacht. den die Staatsanwaltverdient die Organisierte Kriminalität. Es einen Politiker berufen.« – die Camorra füllte die Kippen umgehend mit Das Business der sogenannten Ökomafia Müll aus ganz Italien. Wenn ganze Provinzen unter dem gendliche. um die Mülltrennung immer noch Berlusconis starker Mann in Kambilliger zu machen. aufeinandertürmen würde. Aber warum geschieht so etwas nicht in Genua. das wirklich durchzusetzen. um ihn drehen sich schließlich Unmengen Die Brände werden in bewährter Manier gelegt: von Beraterverträgen und KrisenmanagementDie besten »Brandstifter« sind ausländische Ju. die laut einem Bericht der sam macht. in Wirklichkeit geht der Notstand auch Bisher hat sich noch keine Stadtverwaltung ge. auch jetzt wieder auf den Straßen deshalb funktioniert das in dievon Neapel. Die Cazent des Abfalls werden nicht wurde mit seinem morra benutzt den Abfall als Mitgetrennt und landen auf der Buch »Gomorrha« tel der politischen Erpressung. eine nur oberflächlich. Es Der Schriftsteller Müll kurz vor der Bürgermeistersind nur zu wenige. InzwiMüll auch die sogenannten Entsorgungsgesellschaf. wenn man versucht. und manche sind geradezu grotesk. Doch der Müllnoterland« nennen. Einige ausländische Fußballer wollten an. Laut LeAuswirkungen. war bisher ten oder nicht wollten. HausIm Notfall werden die Entsorgungsunternehmüll und Gewerbeabfälle wie Lacke. Abfall gibt es schließlich Der Abfall auf der Straße hat verheerende immer. Neuerunter der ständigen Wiederholung des Müllnot. Die Jungen lockermachen. die jeden Quadratzentimeter Erde gesetz kontrolliert. muss man eben viel Geld pro verbrannten Müllhaufen zahlen. Zweitens wird die Abfallentsorgung in Neapel und der umliegenden Region Kampanien zu einem ganz überwiegenden Teil durch Müllkippen betrieben.Boom von Klimaanlagen. In der Ortihre Heimatstadt praktisch noch nie ganz vom Müll schaft Maddaloni in der Provinz Caserta wurden befreit erlebt haben. weil sie so etwas wie SozialkonFast acht Milliarden in zehn Jahtrolle impliziert.die Kleiderfirma Benetton. ein Gewährsmann der Cadienen die Abfallunternehmen. weil die Fünf sind bereits errechts. und wenn das geschieht. für sie sind die Abfallhaufen ein weiterer Beweis eine haben.2008 die Schulen geschlossen. dann trenne ich auch. Dieses schmutzige Business ist jener Ort. Es gibt da ein Dreieck im Hinter. Es verdienen am morra im Müllgeschäft gewesen zu sein. dass die verweigerten die Arbeit. Ein beißender Fäulnisgeruch hatte sich in den Sitzen des Autos und in ihrer Kleidung festgekrallt. einmal weg.dings ereignet sich der Notstand sogar häufiger als standes. ja tioniert nicht. solange er Italien eine Nation ist. die Postangestellten stand existiert seit 16 Jahren – also so lange. Um den Müll ranken sich mittlerweile viele Gevertreiben inzwischen sogar Postkarten.mehr abgehalten – die Müllberge machten ein norgebracht ist. Denn der sogenannte Müllnot. die schließlich mit Baggern weggeschafft wurspotten die gegnerischen Fans die Spieler als »Müll. auch in den entlegensten Dörfern. Und das Ergebnis sehen wir bar trennt. TEIL 6 Italien ist uns fremd geworden.den Verdachts nicht zurück. Auf jeden Fall kommt der Schließungsbefehl immer plötzlich.10 12.

Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte. O. wie wir sie seit 12. Im Frühjahr 2010 erschien sein fünfter Gedichtband »Der Pilot in der Libelle« im Göttinger Wallstein Verlag Foto: privat Die Lebenden sind Legenden aber was sind die Toten? (B. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. Berlin und Leipzig in Halle (Saale). es besteht aus Luftgespinst und Liebe. Jahrgang 1969. es fliegt nicht nach Fuerte und sagt »Scheiß drauf!«. Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. es lebt vorzüglich von Substanz. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 11 Anfang dieses Jahres erleben. weil irgendwo Koniferen dafür gepflanzt werden. Schlucken Sie nicht alles. wurde im Münsterland geboren. Das Gedicht rettet. Seine Übersetzungen (zusammen mit Mirko Bonné) der Gedichte von Rutger Kopland erschienen 2008 im Hanser Verlag. Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Dieses Gedicht ist nicht animalisch. Es blutet nicht. Diesmal handelt eines unserer beiden Gedichte von der Erschießung Osama bin Ladens. einige wurden am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. 1976 in Eisenach geboren. Ihr letzter Gedichtband »Pontus« erschien 2009 im Wallstein Verlag Foto: Nils-Christian Engel POESIE NRO: 10 . ohne zu stinken. Ab und zu ritzt es sich mit Realität. HENDRIK ROST. Bitte verschonen Sie Ihre Liebsten. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse. Studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. während das andere sich mit dem starken Andrang moralischer Anforderungen in letzter Zeit befasst. und stirbt es einmal. Dieses Gedicht tötet kein Lebewesen.) Nicht war es die Zeit in solche Leere zu irren wie die morgens sehr früh als die Katze einer Amsel Gedärme über die Kellertreppe hochzog die rechte Zeit war es nicht zum Briefkasten zu gehen zu sagen: nichts heute nacht ist nichts geschehen nein nicht war es die Zeit nicht war es wahr nicht geschehen das Nichts als ich im Schlaf einem Kampf zusah: der Vogel im Sperrfeuer mir aus dem Grau ins Gesicht fiel nicht war es Zeit zu schlafen für sich sein nicht Zeit gleichzeitig die Katze zu loben und die Amsel begraben DANIELA DANZ. Inkarnation In diesem Gedicht wird kein Fleisch gegessen. Genießen Sie’s. um sich zu spüren. Lebt als Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Lübeck. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell. Prag. lebt nach Stationen in Tübingen. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten. niemand soll sagen: Der Täter war ein so freundlicher Familienmensch! Es emittiert kein CO₂ und leistet keine Kompensation. aus dem Buch rieseln.POLITIK & LYRIK Seit dem 10. Licht dringt ein. Bislang sind vierzehn Gedichte erschienen. wird es. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT.

Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Er reist um die Welt auf der Suche nach unberührten Landschaften und unverfälschten Geräuschen. der Tathergang stehe fest. Ob Torben P. Griechenland. ZEIT ONLINE präsentiert Ihre Texte nun noch prominenter www. wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. auf den Großen Vaterländischen Krieg. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. zu dem sich die FDP am kommenden Wochenende trifft. So sehen Sieger aus. Für ZEIT ONLINE beschreibt. die Brüssel vorschreibt). Mord und Totschläger Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden. hilft seinen Banken. Es wird zum europäischen Sozialfall. Und blähen sich weiter auf. so wie schon mehr als 70.de/kultur Das Ohr zur Welt Gordon Hempton ist akustischer Ökologe. verpufft die Wirkung der Sanktion. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. nicht die Kopie. das klingt nach historischer Parallele. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten.facebook. der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Der ersten seit 1987. das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine. Der Bruchpunkt ist jetzt.de/schule ZEIT ONLINE auf Facebook FDP HAUSHALT FILM HÖREN Rösler übernimmt Neue Führung. fotografiert und vertont er seine Erlebnisse www. sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Das Routinierte der Nachsicht jedoch. die bekommt. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Für Täter und Opfer. das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen.5. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. Und für die Öffentlichkeit. der Täter habe gestanden. ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat.de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG. Athen vorweg. haben so lange so heftig geheizt. ganz simpel. Allerdings darf man wohl annehmen. sogar befördert. singt sie. das ist nur eine Schätzung. kommt schon ins Grübeln. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Erwartet wird ein Plus von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2015. also wird es teurer. neue Linie: Es ist ein Parteitag des Umbruchs. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert. Wenn einer wie Torben P. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland.twitter. Anklage ist nicht gleich Urteil. Nein. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft. entscheidet das Gericht. Walker/Getty Images for DIFF Foto: Raigo Pajula/AFP/Getty Images Foto: Sean Gallup/Getty Images Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Schreiben Sie einen Leserartikel. die Spione der Konsumwirtschaft. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Foto: Andrew H. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Ein Gespräch mit dem Filmemacher aus Kairo www.000 Follower. eine besonders verwerfliche Tat. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. dann mag das in jedem Fall begründet sein.zeit. die so noch niemand gehört hat. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Bei jenem Thema. ZEIT ONLINE berichtet aus Rostock www. die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. sollte es besser im Kasino verjuxen. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Da schert es die Leute auch nicht mehr. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten. von Untersuchungshaft verschont wird. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt. eine möglichst harte Strafe zu finden. vorzugsweise kalifornische Konzerne.ohne Politikunion geht nicht. bräche das Höllenfeuer aus: HEUTE: 9. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. von 325 auf 340 Milliarden Euro. ja zurückhaltend.und Ausgabenpolitik – fahren. um sich selber zu retten Die Kassandras haben recht behalten: Geld.« www.de/leserartikel Foto: Gordon Hempton Schreiben Sie für uns! Schüler arbeiten wissenschaftlich Bei ZEIT für die Schule erfahren Schüler. Der Staat – im Bestreben. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Vielleicht zu zurückhaltend. richtig gemacht. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Das ist ein Mittelweg. Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Es geht darum. Volkszählung. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus. Mord ist mehr als ein Totschlag. nach enormem Erregungspotenzial.com. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Europa wird zuschießen und stunden müssen. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. 3. singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern. meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. sei es wegen besonderer Grausamkeit. Nun macht er die Ereignisse der Revolution zum Thema seines nächsten Films. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Dabei hatten Statistiker. Welche Begehrlichkeiten werden entstehen? www. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. darüber zu spotten? F. wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt.2011 Erinnern Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person. Ausbildung und Beruf gestellt. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Angeklagt wird Torben P.com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. Athen nimmt Dampf weg. es geht nicht darum. obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. D. Am Donnerstag stellen die Steuerschätzer ihre aktuelle Prognose vor. da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Hier aber ist das Original zu sehen. derweil EU. Der Remeduren sind nur drei: 1. kann nicht sparen.und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein. wenn der Staat etwas mehr wissen will. was sie erst recht nicht könnten.zeit. weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie).zeit. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Und man wünscht diesen alten Herren. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Und bei den Themen Euro-Krise und Energiewende droht Streit. die dem Opfer besonderes Leid zufügt. Wer nun den Griechen Geld leiht. zur Heizung (Klimaschutz). das Signal aber ein anderes.de/wirtschaft Nach der Revolution Der ägyptische Regisseur Magdy Ahmed Aly hatte die lähmenden Strukturen in Ägypten unter Mubarak beschrieben. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat.zeit. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). wer hätte das Recht. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. der neuen Volkszählung. den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«. Am 9. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 MEINUNG POLITIK Wer den Griechen hilft JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. STX Foto: Mathias Bothor/photoselection Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT erst ein Run auf griechische Banken. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. sagen die Staatsanwälte. der Eindruck. Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback). die Zinsen liegen bei 15 Prozent. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Fazit: Wer den Griechen hilft.zeit. voller Stolz auf die Jahre 1941 ff.zeit. zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und. Deshalb ist es auch legitim. Die Beweislage sei einfach.000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www.de/reisen Werden Sie einer von mehr als 58. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird. Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht.de/politik Volle Kassen Die gute Konjunktur füllt die Kassen von Bundesfinanzminister Schäuble. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. wegen versuchten Totschlags.12 12. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste.zeit. zurückzublicken. wie sie Literatur und Quellen finden und korrekt mit Bildern und Statistiken umgehen www. bis die Kohle ausging. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). damit fertig zu werden. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. 2. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. Lebensumständen.com/zeitonline Foto: Denis Sinyakov/Reuters . Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig. warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit. dass diese Zeile falsch sein möge. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. doch die Deutschen bleiben cool. WFG Ein Land bleibt cool Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen Die Bürger bleiben cool. wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird.

Wer widersprechen will. doch im Gegensatz zu seiner zuversichtlichen Prognose wird die Gefahr größer. und dem. Der arabische Frühling könne sich entfalten. der sich heute in – bei der es ebenfalls zu schweLibyen nicht wiederholen darf. krieg politisch rechtfertigen. setzt der Westen in Nordafrika auf die den Terror« beschränkten die USA ihre Operationen Überlegenheit seiner Luftwaffe und unterstützt gegen dieTaliban und al-Qaida auf den Einsatz von mit Geheimagenten. malia. ehemaliger Forschungsleiter der Weltbank. Heute. die in Kabul einmarschierten. Der Wirtund ihre europäischen Verbündeten auf eine schaftsnobelpreisträger sieht in der ökonomischen Strategie besonnen. dass umgehend Truppen eingeflogen zen: Bis heute sind Tausende alliierter Soldaten werden. dann sollte er die Tradition britischer und französischer InVON THOMAS SPECKMANN terventionen in Afrika und das kluge Handeln der USA auf dem Balkan zu einer neuen Doktrin verschmelzen: In allen Fällen war Bedingung für den nachhaltigen Erfolg. So hat der Sieg ausgesehen. in dem einzelne Zellen unabhängig von einer zentralen Figur agieren.und Soziologie der Soldaten mitgetragen. Das werden wir noch zu spüren bekommen. Dies gelang ihm aber nur. wo militärisch schlagkräftige zwischen UCK. die anderswo schmerzhaft fehlen.bündete Afghanen hätten einen Staat aufbauen rikanischen Beratungsfirma für Militärfragen können. Der Erfolg. damit bislang einen Allein der dritte Golfkrieg hat den amerikanischen Rückfall in den mehr als zehn Jahre währenden BürSteuerzahler nach Berechnungen von Joseph gerkrieg verhindert zu haben. Wie wäre so ein strahlendes Glück in Moskau im Jahr 1945 möglich. D. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 WIDERSPRUCH Zu früh gefreut Der Terror ist noch nicht besiegt VON PHILIP DINGELDEY DAMALS: 1945 Vergessen Nur Ahnungslose träumen davon. Philip Dingeldey. und der Westen solle sich dabei bescheiden zeigen.Waffengangs im Irak. dass der Westen militärisch Partei ergriff und damit den Konflikt entschied. Diese oppositionellen Doch um Symmetrie auf dem Kräfte hätten die Alliierten spätesSchlachtfeld und dann später tens bei ihrer Invasion 2003 föram Verhandlungstisch zu erreidern müssen. Eine Alternative sind langfrisKosovo zum Vorbild für kommende Interventio. wenn es zu einem Konflikt kommt wie zugefallen. Gemeinsam startete loswerden zu können. sondern höchstens ein Erfolg innerhalb der gegenwärtigen Epoche. (u.stützung aus der Luft hätten sie sich selbst befreien shington und Brüssel dafür 78 Tage Bomben.zugesichert. 19/11) entwirft Jan Ross ein optimistisches Bild von der Zukunft. Ein Jahr. ein Terrornetzwerk aufzubauen. will man das Land nicht in Schutt und Asche zurücklassen. Will der Westen auch in Konflikten wie in Libyen militärisch und politisch die Oberhand behalten. Ross gibt dies zwar zu. ein Nichts zwischen dem. an diesem Ort. was war. ein Ort. führte die Nordallianz in Afghanistan. Er schreibt. verfasst von einem Redakteur. der allerdings leicht in Misserfolg umschlagen kann. London hat der Regierung in Freetown der eigenen Infanterie – mit fatalen Konsequen. menschlichen wie materiellen Kosten muss daraus Anstatt sich die Strategie in Bosnien und im aber nicht entstehen. In Wirklichkeit erwies sich ebendiese Zurückhaltung als die schärfste Waffe. studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit. so verschwommen wie das Wissen über die Zeit seiner Entstehung. Ihre Rolle übernahm die Kosovo. So hat er sich angefühlt. ließen ihn die USA töten und unter Missachtung muslimischer Bestattungsbräuche von einem Flugzeugträger aus ins Meer werfen. in diesem Moment. F. angriff stoppten. um ihn vor Gericht zu stellen – er wäre zweifellos verurteilt worden –. die Zukunft entschlüsseln zu können. haben UN und Nato ebenfalls nicht viel mehr Staaten einschloss.Air Force und Spezialeinheiten – wie nun erneut bei beratern und Waffenlieferungen die Streitkräfte der Tötung Osama bin Ladens. Und Länder wie das chaotische Jemen stehen bereit. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor . die kroatischen Streitkräfte im Kampf erreicht worden. Wie heute in Liby.Sicherheitskräfte verhinderte dies – eine Fehlenten schreckte der Westen auch damals aus gu. Mit wirkungsvoller Unterman koordinierte Angriffe. an der Universität Oxford zusammengetragen hat. was kommt. beschloss Washington 2001 in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien erAfghanistan und 2003 im Irak den Großeinsatz halten hat. Militär. Ein Abzug aus Afghanistan wäre nicht sinnvoll. waren keine Bodentruppen des Westens en Staatsapparat aufbauen und die eigenen Boeingesetzt worden. um rasch einen neuchen. die Paul Collier. Nur wenige Wochen von den USA nach der Befreiung nach dem serbischen Massaker Kuwaits 1991 und angesichts der in Srebrenica waren die bosstark geschwächten Armee von nischen und kroatischen TrupSaddam Hussein zu offenem Wipen im Sommer 1995 in der derstand ermutigt. die bereits in früheren Kon.scheidung mit gravierenden Folgen. wollten. Damit schüren sie Rachegedanken. Es waren ihre Eine ähnliche Strategie brachte bereits im Truppen. aber zumindest keine Bedrohung Washingtons. Spezialeinheiten.Schwäche seiner Heimat eine unmittelbare Folge des flikten erfolgreich war: Anstatt sich wie in So.dische Kräfte darauf. dentruppen in die Heimat zurückholen zu könIm Kosovo-Krieg beschränkte sich die Nato nen. spricht für das britische Stiglitz drei bis fünf Billionen Dollar gekostet – Modell. die ihm vor Ort wie an der Heimatfront die politische Unterstützung sicherten. mit dem Tod von Osama bin Laden ende auch die irregeleitete Vorstellung des war on terror als Epochenthema.POLITIK MEINUNG 12.) Mit gebremster Macht Die westliche Intervention in Libyen wird am Ende Erfolg haben – gerade weil sie auf Bodentruppen verzichtet In Libyen haben sich die Vereinigten Staaten Mittel. Für Ross gehört der amerikanische Jubel noch einer »abschließenden Zeit« an. Auch der Terrorismus ist mit bin Ladens Tod keineswegs am Ende. Wüsste sie. Erst danach jugoslawischen Bürgerkrieg die Wende: Es wa.Norden des Iraks warteten 1991 wie 2003 kurpen zurück. im Angesicht dieser Vergangenheit und dieser Zukunft? Das Foto selbst ist ein undatierbares Dokument. Der AlQaida-Chef war schlau genug. der zwar nicht einer mustergültigen Demoausbilden zu lassen. 20. dass der Terror auf der ganzen Welt besiegt ist. Doch die fahrlässige Auflösung der irakischen gleichfalls auf Luftschläge. In Wirklichkeit handelt es sich aber nicht um einen krönenden Abschluss. Auch letzt im Jahr 2000. sorgten auch die von Paris unterhaltenen Militärbasen in Afrika für Sicherheit – wie jüngst im Fall der Elfenbeinküste. Bei näherem Hinsehen ist dieses Szenario allerdings wenig realistisch. dass Politische Wissenschaft aufstand im Süden des Iraks von sich die Serben zu Verhandlun. als die Briten einen Rebellenökonomisch sind derlei Einsätze ein Desaster. und nur Verrückte wünschen. Afghanistan oder im Irak mit dem EinDabei hätte die amerikanische Strategie auf dem satz von Bodentruppen auf das Risiko eines Balkan auch am Hindukusch und am Golf zum langwierigen und verlustreichen Krieges ein. Sie wird es auch im Fall Libyens sein. Der arabische Frühling bedeutet nicht. Sierra Leone hat nicht nur Wahlen abgehalten. Zehntausende wurden verwundet. Ergebnis Universität Bonn Despoten nicht länger dienen war der Vertrag von Dayton. Ein langjähriges Engagement mit hohen für sich.Erfolg führen können: Zu Beginn des »Krieges gegen zulassen. dann aber im Lage. Dies ist also leider nicht der Anfang einer neuen. zusammen mit einer internatio. Deutsche Atlantische Gesellschaft e. ren Kriegsverbrechen kam – war lehrt am Institut für Schon 1991 wurde der Volksmilitärisch so erfolgreich. und doch ist dieses Foto ein Beweis ihrer Wirklichkeit. was kommt. Das ursprüngliche Ziel nach dem 11. mit eigenen Bodentruppen westlichen Interventionsmächten schließlich einzugreifen. wenn ihnen die vergangenen Jahre gegenwärtig wären? Die Gegenwart ist ein unmögliches Komprimat. sondern auch einen Regierungswechsel friedlich überstanden. weil er sich zugleich Einsatzrestriktionen auferlegte. nicht kleiner. Hierzu zählten vor allem der Verzicht auf einen langwierigen Einsatz von eigenen Bodentruppen und die weitgehende Beschränkung auf Luftschläge und Waffenlieferungen – auch wenn sich dadurch der Krieg scheinbar in die Länge zog. Afghanistan den islamistischen Terrormehr die Entscheidung von US-Präsident Bill gruppen als Rückzugsraum zu nehmen. Nun werden selbst moderate islamische Kräfte radikalisiert und mobilisiert. sondern um einen neuen Höhepunkt dieser aufgeheizten Atmosphäre.V. Die Operation sen – ein Fehler. war bereits Clinton. wie sie Sierra Leone von nen zu nehmen. nicht zu vergessen. Anstatt bin Laden festzunehmen. In seinem Leitartikel Ein Krieg weniger (ZEIT Nr. Denn dort haben sich die französischen Schutzversprechen mit der Entsendung von Kampfhubschraubern als genauso glaubwürdig erwiesen wie die britischen Garantien für Sierra Leone.de. der Name des Fotografen. das UN-Waffenembargo erreicht – aber um welchen Preis? zugunsten von Bosniern und Kroaten de facto Auch im Irak hätte sich ein neuer Staat ohne aufzuheben. westlicher Infanterie – rückblickend ein schwerer die Bosniens Serben und ihre Helfer in Bel. zehn Jahre nalen Koalition. Den Krieg am Boden der verbündeten Konfliktpartei vor Ort.tember 2001.tige Sicherheitsgarantien. eine Gegenoffensive zu Kampf gegen die verbliebenen starten und mehr als die Hälfte Panzer und Kampfflugzeuge des von Bosnien-Herzegowina zuBagdader Regimes im Stich gelasrückzuerobern. einem Politiker – oder einem ZEIT-Leser. um den Terroristen neuen Unterschlupf zu gewähren. serbischen Truppen und der Partner fehlen.Fehler. Die Schiiten wurden T H O M A S S PE C K M A N N Wirkung. und es war der Beschluss kratie geglichen. kann es für den Westen hingegen Nato entschied die Allianz aus Albanern und notwendig erscheinen. würde sie dann so lachen? Könnte er so tief versinken in ihren Geruch und das Gefühl ihrer Haut? Könnten sie beide das. Sepgrad zur Waffenruhe zwangen – es war viel. mehr ist nicht bekannt. Saddam Husseins Diktatur Befreiungsarmee UCK.können.begann die Stationierung von größeren Verbänden ren nicht allein die Bombardements der Nato. Die Nordallianz und weitere vergegen die serbischen Truppen von einer ame. Auch im ten Gründen vor dem Einsatz von Bodentrup.für den Westen dargestellt hätte. er sei ein Rückfall in das emotionale Klima von 2001. die schon damals islamische später. Fotos: Alexander Meledin/Mary Evans Picture Library/Interfoto. die dem gen bereit erklärten. Zwar mussten Wa. Aber den Kampf In Krisenregionen. amerikanische Invasion aufbauen lassen – und das Diese indirekte Form westbereits direkt nach dem zweiten licher Kriegsführung zeigte Golfkrieg. Nach den Langzeitstatistiken über 66 Konfliktherde.

es gebe. in denen Menschen respektvoll miteinander umgehen www.zeit.zeit. getanzt von Sasha Waltz VON CLAUS SPAHN Kunst Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG 10 Italienische Lektionen Warum 33 Lettland Ein Krisenopfer kommt Neapel im Müll versinkt VON ROBERTO SAVIANO auf die Beine VON JAN PALLOKAT 34 Ratenzahlung Versicherer Gutes Gras: Blumen werden überschätzt. BÖHM WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt 48 Kinder. sagen Forscher VON KOLJA RUDZIO 28 Pharma Die Industrie verdient zu- Wiederbegegnung mit dem jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 53 Biografie. Öko- 62 GLAU BE N & ZW EIF E LN Islamismus Der Prediger Pierre Foto: Marco Valdivia sich über die arabischen Revolutionen VON GEORG BLUME Nachruf Zum Tod von Gunter Sachs VON H. SCHNABEL 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft VON CHRISTOPH DRÖSSER Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen VON WINFRIED SCHUMACHER 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei 44 Der Medienforscher Michael Stoll ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-alsauch-dagegen VON RALF ZERBACK Foto: Thomas Rabsch/RTL über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. GESCHICHTE SEITE 21 Geschichte eines Liedes aus Island – und wovon Europa singt VON D. DINGELDEY beeinflussen Richter kaum. TITEL Thema: Die Angst vor Alzheimer 14 AUSGABE: 51 Fernsehen Gespräch mit RTL- nur die Autokonzerne zu fördern VON PETRA PINZLER Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100.. LAMPARTER Kunst und Zensur Der Mut »EINE STUNDE ZEIT« iranischer Filmregisseure 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal VON THOMAS ASSHEUER Wörterbericht/Das Letzte 95 LESE R BR I E F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT.de/brief Historiker Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch noch die meisten Laster bauen VON DIETMAR H.kultur VON NINA PAUER Widerspruch Auch nach dem Tod nom und Verhaltensforscher? Vogel reagiert auf bin Ladens Tod VON ANNABEL WAHBA DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein WISSEN 37 Plagiatsaffäre Eine Reform Zucker und Wahn VON CHRISTOPH DIECKMANN weltoffenes Islamzentrum gründen..und Jugendbuch – die Politik ist überfordert VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« Microsoft Der Kauf von Skype FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen RUBRIKEN 2 44 Früher informiert! Die Quotenfrau Mit Formaten wie »Deutschland sucht den Superstar« hat sie die Konkurrenz überholt. Tiger« VON IJOMA MANGOLD Industriespionage wird erleichtert VON ULRICH HOTTELET 56 31 Telekom-Aktie Das Urteil in 9 Syrien Tagebuch einer Dissidentin VON RAZAN ZEITOUNEH Ägypten Die neue Regierung dem Massenverfahren steht bevor VON MARCUS ROHWETTER 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 32 Tunesien Der schwierige kämpft gegen religiöse Gewalt VON MICHAEL THUMANN wirtschaftliche Neubeginn VON KARIN FINKENZELLER 58 Brüssel Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. SCHMIDT CO₂-Speicherung ausprobieren VON CHRISTIAN TENBROCK Justiz Eine milde Anklage im Fall Museum Rade am Schloss Reinbek VON SVEN BEHRISCH 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« VON GÖTZ ALY des Berliner U-Bahn-Schlägers Abb. Link-Tipps (Seite 28).: Haus d. unter www. sagt sie dann. Essay-Sammlung und ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra VON KATRIN GÖRINGECKARDT UND JOSEF JOFFE lasten von altersblinden Patienten Milliarden VON NICOLA KURTH Atompolitik Was der Chef von Greenpeace International will 29 Lebensmittel Ein Internetportal ein Bildband VON A. RIETZ 39 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen VON BURKHARD STRASSMANN Reisende Max Frisch ein Zuhause VON BERNADETTE CONRAD 40 GESCHICHTE 21 Ausstellung Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. doch schon genug Bilder von ihr. Armin Falk. MAROHN »Tarmac« VON CATHARINA KOLLER »Ein Ausbüxen gibt’s nicht mehr« Dass gemeinsam mit Interviewern meist auch Fotografen anrücken.IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland 26 Elektroauto Warum es falsch ist.de/audio CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 96 ZEIT DE R LESE R Anzeigen in dieser Ausgabe Spielpläne (Seite 19). Fotograf Anatol Kotte durfte trotzdem bleiben – für wenige Minuten. sagt Anwalt TOBIAS GOSTOMZYK 36 Was bewegt . Nach dem Gespräch – es ging um die Energiefrage – waren sich die ZEIT-Redakteure Giovanni di Lorenzo und Bernd Ulrich (oben im Büro der Kanzlerin) einig: Frau Merkel hat mehr Gesichter.-BRUNO KAMMERTÖNS . grob und unfair? Nein. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95. Angeblich weiß sie. hält Bundeskanzlerin Angela Merkel grundsätzlich für überflüssig. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Das Netz zivilisiert sich selbst Das ganze Internet krawallig. dem kostenlosen Newsletter www. Zu Besuch bei seiner legendären Familie Kulinarische Wüste: Wolfram Siebeck reist durch Ägypten und kostet aus der Küche der Revolution Der Schauspieler Robert Hunger-Bühler über den Tag. STEINBORN UND C. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 80) Flüchtling zu sein VON A. Museen und Galerien (Seite 45).de/ziviles-netz Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE Bayern feiert Ludwig II.de Foto: AllzweckJack/Photocase von bin Laden lebt der Terrorismus weiter VON PHILIP J.zeit. MAI 2011 5 6 Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge VON A. an dem er fast ertrunken wäre 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG »Die Lebenden sind Legenden« 12 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE 59 Kunstmarkt Mit Asiatika erzielt Finanzkolumne 35 Kohle Deutschland sollte die das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde VON TOBIAS TIMM Museumsführer (101) Das Volkszählung Warum der Zensus niemanden aufregt VON S. Plötzlich gilt er als Verfassungsfeind VON ALBRECHT METZGER 20 WOCHE NSCH AU Eurovision Song Contest Die Vergeltung Ein junger Amerikaner über die Jubelvideos aus seiner Heimat VON PATRICK BRUGH Heuchelei Merkels Kritiker der Promotion ist nötig Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit VON THOMAS VAŠEK REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Sein »Königreich der Kunst« entzog sich zwar den Realitäten der politischen Welt.radioeins. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL FEUILLETON SEITE 51 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Worte der Woche Stimmt’s/Erforscht & erfunden Mario Draghi 25 Staatsschulden Der Harvard- im Geisterreich der Moral VON ADAM SOBOCZYNSKI 24 Macher und Märkte 54 Taschenbuch 56 Impressum 61 Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. in denen Selbstkontrolle funktioniert. längst gibt es dort Räume. Zeitmaschine VON U. BÖHM 54 Essay Eberhard Straub Generation Rösler Passen für Verbraucher ärgert die Industrie VON GUNHILD LÜTGE »Zur Tyrannei der Werte« VON HUBERT WINKELS Familie und Politik zusammen? VON TINA HILDEBRANDT nah 30 Kika-Skandal Gegenseitige Roman Nicolas Dickner 7 8 FDP Ein Gespräch mit Philipp Schuldzuweisungen Soziale Netzwerke VON A. und Gemeinschaften. glaubt der Landschaftsarchitekt Peter Wirtz. als sie zeigen möchte. Bayerischen Geschichte/Augsburg ThyssenKrupp Der schwerfällige VON HEINRICH WEFING 13 Libyen Wie der Westen erfolg- Konzern startet den lange fälligen Umbau VON JUTTA HOFFRITZ Prozesse Medienkampagnen reich sein kann VON T.8 MHz) und www. ISENSCHMID Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT 20 12. SPECKMANN Kulturkanäle Das neue Fernsehprogramm zdf. aber verrückt war der Mann keineswegs: Eine große Ausstellung in Herrenchiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. Das aktuelle ist zu sehen auf Seite 2/3 Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen 55 Margaux Fragoso »Tiger. 27 Kinderarmut Die Not ist viel 3 4 Foto: Anatol Kotte für DIE ZEIT geringer als bisher gedacht.

das die Süddeutsche Zeitung in den höchsten Tönen lobte. aus dem Nahen Osten einstellten. »Was würden Muslime im Nahen Osten denken. fährt der Imam in seinem Brief fort. den sich Deutschland wünscht: weltoffen. Moscheen. wenn Christen kämen und eine Kirche mit extra hohem Kirchturm errichteten?«. dass der Islam zu Europa gehört und mit den Werten der Aufklärung vereinbar ist.« Der Imam sucht Unterstützung für ein Islamzentrum. zum 60. Als die Firmen Menschen aus der Türkei. 16 Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . ist als solche erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Jahrestag des Grundgesetzes. er sei ein unverdächtiger Mann. Fortsetzung auf S. sagt Idriz. um ihm von einem neuartigen Plan zu berichten. und er wird sich fragen: Was ist nur mit mir geschehen? Und warum? Von Penzberg aus. 20 GESCHICHTE Große Entkitschung: Wer war Ludwig II. 1972 wurde er in Makedonien geboren. setzt er sich einen weißen Turban auf und legt einen schwarzen Umhang um. Es habe schon zwei Treffen mit Münchner Muslimen gegeben. »Es muss darum gehen«. verurteilt er.DOSSIER WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest: Wovon Europa singt S. nebenan ein Getränkemarkt. so geht es los. tolerant. Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg. Als Absender steht oben rechts die Islamische Gemeinde Penzberg. die ungleiche Erbverteilung. Er hat seiner Moschee sogar einen deutschen Namen gegeben: »Islamisches Forum«. Die kleine Moschee am Ortsausgang liegt inmitten eines Gewerbegebietes. Benjamin Idriz. 21 12. Ein Imam steht der Gemeinde vor und hält jeden Freitag die Predigt. lobt er das politische System der Bundesrepublik. fragte sich Idriz. und 2009. eine Zugstunde südlich von München. Bosnisch. Idriz trägt stets ein mildes Lächeln im Gesicht. Mit 15 ging er nach Damaskus und besuchte ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt islamischer Theologie. Erste Kontakte mit der bayerischen Staatsregierung »sind bereits erfreuend zu A verzeichnen«. Türkisch. Progressiven Muslimen gilt Idriz als Hoffnungsträger. 2005 eröffnete die Moschee. Nur wenn er auf die Kanzel steigt. ihre Frauen gut zu behandeln. das »Projekt fand großes Interesse und stieß auf einen positiven Anklang der Teilnehmer«. »Wie Sie sicherlich in der Presse mitverfolgen. Idriz will der islamischen Welt den »Geist der Erneuerung« bringen. Er hat eine Buch mit dem Titel Grüß Gott. gilt als Erneuerer. oder fürchten Staatsschützer nur den Islam? VON ALBRECHT METZGER m 25. Er ermahnt die Männer. die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. Er versteht sich als europäischer Muslim. später der Schweizer Pharmakonzern Roche Diagnostics. Das Minarett hat deshalb keine Spitze. kann man schon die Umrisse der Alpen am Horizont sehen. Im Gebetsraum der Moschee (Bild oben) dürfen auch Frauen beten Benjamin Idriz kam 1994 nach Penzberg und trat bald darauf seine Stelle als Imam an. im Mai 2011. dann siedelte sich der Lkw-Hersteller MAN an. ein »europäisches Klima der Offenheit«. Imam Idriz ist der Muslim. Idriz rechnet sich nicht zu ihnen. eloquent. Herr Imam! geschrieben. die Stadt München sei informiert. Doch plötzlich gilt der Prediger als Verfassungsfeind. Schließlich gibt es genug islamische Geistliche in Deutschland. das er in München gründen möchte und in dem er muslimische Geistliche in deutscher Sprache ausbilden lassen will. Jetzt möchte der Imam den Innenminister treffen. oft predigt er die Vorzüge der Demokratie. wird Imam Idriz als Feind der deutschen Verfassung gelten. setzt die Islamische Gemeinde in Penzberg seit Jahren auf die Schwerpunktarbeit einer gesunden Integration von Muslimen in die hiesige Gesellschaftsverordnung. Mai 2007 schreibt Imam Benjamin Idriz einen Brief an den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein. Politiker aller Parteien sind begeistert. Er wird einen Rechtsanwalt engagiert haben und Gerichtsprozesse führen. Sieben Jahre später schrieb er sein Diplom zum Thema »Emanzipation der Frau im Islam«. kleidet sich mit T-Shirt und Jeans. die nach islamischen Eroberern benannt sind. ein zweistöckiger Bau aus Kalksandstein mit großen Fenstern und einem Minarett. Bis 1966 war ein Kohlebergwerk der größte Arbeitgeber. mag er nicht. wirklich? S. Arabisch. Englisch. er spricht fließend Makedonisch. gegenüber ein Autohändler. Aber vier Jahre später. wurde auch der Islam heimisch in Penzberg. Bosnisch und Albanisch – Ausdruck der nationalen Vielfalt der kleinen Gemeinde des Imams. Noch glaubt der Imam. Seiner ruhigen Stimme hört man gerne zu. Zwangsheiraten hält er für einen Rückfall in die Steinzeit. findet er. Sein Gesprächsangebot versteht er als vertrauensbildende Maßnahme. Die Penzberger Moschee. Bedroht er den Staat. Der Imam will Deutschland beweisen. Türkisch. Den Bauplan sprach er mit dem Bürgermeister ab. Die rechtlichen Anweisungen im Koran müssten aus ihrer Zeit heraus verstanden werden. in den Sprachen Deutsch. Arabisch und Deutsch. weil Idriz nicht provozieren will. »Sehr geehrter Herr Innenminister«. welche die Söhne den Töchtern vorzieht. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 15 Unter Verdacht Ein Imam aus Bayern will ein weltoffenes Islamzentrum in München gründen. aus Bosnien.

was genau der Verfassungsschutz verfolgt: Was konkret wirft man ihm vor? Braun trifft sich mit Innenminister Herrmann. sagt der Imam. in der Imam Idriz das Unterschriebene relativiert. Geboren und aufgewachsen in Deutschland. Beide machen im Gespräch mit der ZEIT keinen Hehl aus ihrem Misstrauen gegenüber Idriz und seinen Plänen. Als Finanziers nennt der Imam Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der katholische Pfarrer sagt dasselbe. der Imam bläst seinen Urlaub in Makedonien ab. Die Vermischung von Religion und Herrschaft habe dort zur »Entstehung und Zementierung von Despotien« geführt. unterschrieben hat Ministerialdirigent Dr. Er bleibt auch dann Mitglied. meint der Imam. Allerdings lernt der Anwalt etwas über das bayerische InnenFortsetzung auf S. Doch Idriz versteht nur wenig vom Innenleben eines Innenministeriums. Sein Verein sei noch im Jahr 2004 auf Mitgliedslisten von Milli Görüș geführt worden. ohne zu fragen. Wer ist der Benjamin Idriz? Möchtest du jemand sein. Wenige Wochen später lobt Staatssekretär Schmid in einem Brief die Distanzierungen der Penzberger von Milli Görüș. die sich vom Extremismus distanzieren wollen. meint der Anwalt. Mehrfach verlangen die Penzberger. Bei Idriz meldet sich Ibrahim el-Zayat. bekommt eine Zusage – und kurz darauf eine Absage: Der Innenminister sei verreist. schöpft er Hoffnung: Joachim Herrmann war CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. jeder könne ein und aus gehen. Diese kontroverse Welt möchte Idriz nach München exportieren. Er schreibt: »Dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz liegen Erkenntnisse über die Zuordnung der Islamischen Gemeinde Penzberg e. die sie sofort unterschreiben sollten. Aus Penzberg ist neben Imam Idriz auch Bayram Yerli gekommen. Fortsetzung von S.« Idriz hofft jetzt. wo jemand.16 12. dann kannst du aber nicht damit rechnen. heißt es nun. Demnach sagte el-Zayat: »Du musst dich fragen. Und so bleibt unklar. »Diese Verantwortung obliegt allein den zuständigen Behörden«. der in Moscheen normalerweise den Männern vorbehalten ist. Deshalb gebe es auch keinen Gesprächstermin beim Minister. Es handelte sich um eine Koranrezitation. er solle das Gespräch mit den zuständigen Beamten suchen. »Die bisherige Nennung im Verfassungsschutzbericht konnte alle anderen Eindrücke und Informationen nicht widerlegen. es geht um Spenden an die islamistische Hamas in Palästina.« Idriz geht noch weiter. Yerli ist ein Schlosser. 15 »eine Verbindung zwischen der Lehre und der Wirklichkeit herzustellen – eine auf die Bedingungen unserer Zeit passende Antwort: Was hat Gott gemeint?« Leider. mit dem das bayerische Innenministerium belegen will. die in Kairo ihren Ursprung haben und bis zum Umsturz des Mubarak-Regimes offiziell verboten waren. Kenner der islamischen Szene bezeichnen Ibrahim el-Zayat als Strippenzieher. Den jährlichen Unterhalt in Höhe von 500 000 Euro will Idriz jedoch ohne ausländische Hilfe finanzieren. März 2008 der bayerische Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2007 veröffentlicht wird. Auch Ministerialrätin Marion Frisch ist wieder dabei.und Integrationskurse. die offensichtlich den Beteuerungen des Imams aus Penzberg nicht glauben.5 Millionen Euro unterstützt. zuletzt in einem Brief vom 14. betont Ude. Glück hält Idriz für einen Hoffnungsträger im Dialog der Religionen. der dem Verfassungsschutz bekannt wird. das später eingestellt wird.und Unterstützungsgemeinschaft. Noch am selben Tag veröffentlicht das Innenministerium die Erklärung auf seiner Website. Imam Idriz: »Ich bin ja deiner Meinung. Was soll ich tun?« El-Zayat: »Du musst das richtigstellen. bei denen direkte Bezüge zur eigenen Organisation fehlten. gesellschaftliche Akzeptanz zu suchen und Ortsvereine zu gründen. dass die Islamische Gemeinde Penzberg aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen wird. Allein für das neue Grundstück in zentraler Lage in München veranschlagt Idriz bis zu zehn Millionen Euro. eine schillernde Figur in der islamischen Szene. zum Beispiel für Deutsch. Bis zum Januar 2010 ist er Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Deutschland. Das Innenministerium habe die Unterschriften zur Bedingung gemacht. »dass es sich bei der IGMG um eine Organisation mit verfassungsfeindlicher Zielsetzung handelt«. Die Geschichte lasse sich leicht aufklären. Der damalige Führer der ägyptischen Muslimbrüder. Der Bau selbst würde um die 30 Millionen Euro kosten. Seit 1994 sitzt er auf seinem Posten. der Regionalverband Südbayern von Milli Görüș führt danach die Islamische Gemeinde Penzberg als Ortsverein in seinem Register weiter. heute Bundesfamilienministerin. dass dir islamische Organisationen in Zukunft helfen. In dem Schreiben sollen die Penzberger erklären. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. Nach vier Stunden glauben die Penzberger. Auch davon erfährt der Verfassungsschutz. habe ihnen eine Presseerklärung vorgelegt. In der modernen Moschee hängen nur wenige religiöse Symbole. Idriz liest den Brief und ist geschockt. sie geben Männern die Hand. aber er weiß noch nicht. Erst sein Rechtsanwalt macht ihm klar: Wer im Verfassungsschutzbericht auftaucht. der Vater ist Ägypter. wenn du gemeinsam mit dem Innenministerium der Meinung bist. Der Anwalt ist über die Begrüßung pikiert.« Gemeint ist offenbar Bayram Yerli. Dennoch. Das stimme mit den Methoden der IGMG überein. August 2007 macht das Innenministerium in einer Presseerklärung seine Bedenken gegenüber Idriz’ Projekt »Zentrum für Islam in Eu- Alois Glück von der CSU rät den Muslimen. der sich gegen die Muslime wendet?« Imam Idriz: »Ich sage doch. »Sie sind ein erster und auch notwendiger Schritt Ihrerseits gewesen. nichts mit Milli Görüș zu tun zu haben. eine zweite Presseerklärung zu veröffentlichen. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Penzberg.« Imam Idriz kommt sich vor wie in einem Hamsterrad: Er läuft und läuft und kommt nicht voran. doch im Berichtsjahr habe die Gemeinde erneut für eine Veranstaltung der Islamisten in Ingolstadt geworben. V. Du musst wissen. Eine islamische Organisation als »verfassungsfeindlich« zu bezeichnen wäre jedoch sehr ungewöhnlich für einen Imam und könnte ihm von muslimischer Seite viele Anfeindungen einbringen. an die Braun sich erinnert. hätten im Laufe der islamischen Geschichte »texttreue Dogmatiker« die Vorherrschaft bei der Koranauslegung übernommen: »Sie verteufelten im Namen der Herrschaft des Textes die Realität und die Vernunft. er hat sich der Bewertung der Staatsschutzbehörden anzuschließen. Trotzdem hält der Ministerialdirigent Remmele an dem Vorwurf fest. wenn er mit einem Imam verhandelt. der frühere CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. der ihm nicht vertraut ist. gibt es dort einen Ortsverein von Milli Görüș. Sie begrüßt den Anwalt Braun mit den Worten: »Eigentlich treffen wir uns nicht mit den Objekten unserer Beobachtung. Jetzt schaltet Idriz seinen Anwalt Hildebrecht Braun ein. Ende der Debatte. dass du sie nicht unterstützt. Gleich links neben dem Eingang hänge ein Schwarzes Brett. März 2005 schließlich kündigt er schriftlich seine Mitgliedschaft bei Milli Görüș. was auf ihn zukommt Am 24. von staatlicher Seite unterstützt zu werden. Idriz. Februar 2009 trifft Braun unter anderem den Ministerialdirigenten Remmele. einer aus Saudi-Arabien stammenden Jugendorganisation. das Milli-Görüș-Plakat angebracht habe. Gabriel. Marion Frisch. vor Gericht zu ziehen Imam Idriz hat noch nie einen Verfassungsschutzbericht in den Händen gehalten. Die Gemeinde sei ein Beispiel für »formal nach außen hin vollzogene Distanzierungsbemühungen« gegenüber Milli Görüș. Er will kämpfen. aber er weiß noch nicht. Er wächst sich zum wichtigsten Beweisstück aus. Die Gelegenheit dazu kommt schneller als erwartet: Der Staatssekretär schlägt den 13. Zur Zeit des Telefonats läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. »unter der Trägerschaft einer extremistischen Bestrebung«. schrieb Herrmann zurück: »Das von Ihnen angestoßene Projekt ist sehr interessant und sollte auf jeden Fall Gegenstand eines intensiven und kontinuierlichen Dialogs zwischen Ihnen und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag bleiben. in Zukunft keine Probleme mehr zu bekommen – auch wenn islamische Organisationen wie Milli Görüș ihn jetzt für einen Lakaien der Staatsschutzbehörden halten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Extremismus distanziert. Idriz’ geplantes Islamzentrum in München. der als Kind aus der Türkei nach Deutschland kam. Idriz bittet um ein Gespräch. aus dem Vereinsregister entfernt zu werden. außerdem sollen sie sich verpflichten. Da sind vor allem der Ministerialdirigent WolfDieter Remmele und die Ministerialrätin Marion Frisch. Im August 2007 glaubt Imam Idriz immer noch an ein Missverständnis. er hat mehrere Jahre lang im Bundestag gesessen. Der Emir von Schardscha hat bereits die Moschee in Penzberg mit 2. als er nach Penzberg zieht und sich der Gemeinde von Imam Idriz anschließt. Sie ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes der verlängerte Arm der islamistischen Muslimbrüder. Der windet sich und rät dem Anwalt. Er will aber nicht aufgeben. müsse schleunigst daran arbeiten. was auf ihn zukommt. sagen die Penzberger.« Tatsächlich veröffentlicht Idriz am nächsten Tag eine Presseerklärung. Staatssekretär Schmid nimmt teil sowie die Sachgebietsleiterin Ausländerextremismus. Die Münchner Polizei hört also mit und schneidet das auf Deutsch geführte Gespräch mit. der ihn noch Jahre später verfolgen wird. die Staatsbeamten auf Lebenszeit. Einer seiner Unterstützer ist Alois Glück. In einem unterwürfigen Brief an Staatssekretär Schmid bedauert er die »Irritationen« über sein Konzept und bittet erneut um ein Gespräch. dass die IGMG verfassungsfeindlich ist. Er soll herausfinden. durch Mitgliedsbeiträge und die Verpachtung von Läden und einem Restaurant im neuen Zentrum. Es sei umgehend entfernt worden. Er verliert den Prozess. ohne sich beraten zu können. der IGD. zum Beispiel von der evangelikalen Autorin Christine Schirrmacher und dem Amerikaner Mark A. Frisch sagt heute. was ihre Worte waren. was genau gegen die Penzberger vorliegt. kann nicht darauf hoffen. März 2006. heißt es im Verfassungsschutzbericht. Ibrahim el-Zayat selbst bestreitet jegliche Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Im März 2009 wird der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2008 vorgestellt – und wieder steht die Islamische Gemeinde Penzberg e. schreibt er. einzelne islamische Gemeinschaften für verfassungsfeindlich zu erklären. die auch die etwa 300 Moscheen der Islamischen Gemeinde Milli Görüș verwaltet. Im zentralen Gebetsraum. dass er aus diesem Bericht gestrichen werde. Allerdings sagt er jetzt. der als extremistisch gilt. Außerdem ist er Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau. antwortet ihm das bayerische Innenministerium. Aber selbst Oberbürgermeister Christian Ude macht sich angreifbar. Von dem Vorfall gibt es zwei Versionen. Mohammed Mahdi Akef. Idriz glaubt nun. Dass ausländische Geldgeber das Projekt finanzieren wollten. und wer als verfassungsfeindlich gilt. heißt es in dem Bericht. Am 21. Du kannst ja sagen. dass Imam Idriz mit Extremisten gemeinsame Sache mache. die ihn als »Funktionär der Muslimbruderschaft« bezeichnet hat. Das Treffen findet in den Räumen des Verfassungsschutzes im Innenministerium statt. 1985 trat er in Bad Tölz einer Gemeinde der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüș (IGMG) bei. Viele Medien greifen das Thema auf. ein Vorgang. beten auch Frauen. Das Innenministerium. dass Herrmann sich daran erinnern und mithelfen werde. die auch der dortige Oberbürgermeister besuchte – ein Mitglied der CSU. neue Tatsachen müssten natürlich neu geprüft werden«. es sei nicht seine Aufgabe. »mit denen er um Streichung des Vereins aus dem IGMGRegister bittet und seine persönliche Mitgliedschaft ab März 2006 kündigte«. sondern um Freundschaft. und das Gespräch ist beendet. Jahrelang ist er Europavertreter der World Assembly of Muslim Youth. August vor. In der Bibliothek stehen neben islamischen Klassikern die Werke von Islamkritikern. im April 2005 verklagt er die damalige CDU-Abgeordnete Kristina Schröder. wenngleich der Vereinsvorsitzende Bayram Yerli mittlerweile Schreiben vorgelegt habe. ist Staatssekretär Georg Schmid längst nicht mehr im Amt. Es ist nicht deine Angelegenheit. darin. die Verhandlungen über sein Projekt laufen weiter. Sie sind nicht glücklich mit der Presseerklärung und beschließen. dass sie verfassungsfeindlich sind. andere islamische Organisationen zu beurteilen. aber auch keinen fahrlässigen Umgang mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. und Staatssekretär Georg Schmid aus dem bayerischen Innenministerium weist auf die Verbindungen zu Milli Görüș hin. könne nicht unterstützt werden. schreibt der Ministerialdirigent. Er kritisiert die islamischen Verbände in Deutschland für ihre Fixierung auf ihre Herkunftsländer. Trotzdem glauben die Verfassungsschützer in Bayram Yerli einen Islamisten vor sich zu haben. in der er sich erneut vom Foto: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . der sich allerdings bald auflöst. sagt er. »Als Imam können Ihnen die Verbindungen dieser Gemeinde zur IGMG nicht verborgen geblieben sein«. es gehe nicht mehr nur um einen Dialog. Als am 30. nachdem es entdeckt worden sei. schreibt Schmid. wer du sein möchtest. Geblieben sind all die Ministerialdirigenten und Ministerialräte. sie wisse nicht mehr genau. dass ein »fundamentalistisch geprägtes Islamverständnis« dahinterstecke. Der Imam will kämpfen. Aber du kannst nicht sagen. Am 1. Die Penzberger aber gehen in den Pizza Hut am Münchner Hauptbahnhof und diskutieren. und nachdem Idriz ihm zu jener Zeit die Entwürfe seines Zentrums geschickt hatte. Er hat es mit einer Bürokratie zu tun. In jedem Fall kommt es zur Unterschrift. um ihr Münchner Projekt nicht zu gefährden. denn die IGMG wird als extremistisch eingestuft. Am selben Abend noch erhält Idriz einen Anruf. Wolf-Dieter Remmele. die Staatsschützer von sich überzeugt zu haben. aber was ist die Lösung?« El-Zayat: »Das Richtige zu sagen. Unter Punkt 5 soll sich Imam Idriz von jeglichen islamistischen Organisationen distanzieren. einem Gegner. Er bekommt keine Einsicht in die Akten des Verfassungsschutzes. Noch hält die Stadt München zu Idriz. Idriz sucht den Kontakt zu den christlichen Gemeinden in Penzberg. inzwischen ein grau melierter Herr von 63 Jahren. ein Vordenker der Partei. die Bezeichnung sei eine zulässige Meinungsäußerung. um für die Zukunft eine neue Bewertung zu ermöglichen«. sagt Imam Idriz heute: Die Penzberger Moschee stehe immer offen. Die Presseerklärung sei in beiderseitigem Einvernehmen erarbeitet worden. Doch dann passiert etwas. wofür du stehst. und von Führungsmitgliedern der Gemeinde zu der islamistischen Organisation IGMG vor. andernfalls werde man das Treffen als gescheitert betrachten. Die Staatsschützer sehen weitere Verbindungen zu den türkischen Islamisten: Bevor die Islamische Gemeinde Penzberg 1994 entsteht. man sieht einige Frauen mit Kopftüchern und einige ohne. gebe Anlass zu der Befürchtung. Andere Muslime halten den Imam jetzt für einen Lakaien des Staatsschutzes Aus der Sicht des Innenministeriums war alles ganz anders: Demnach sind es die Vertreter der Islamischen Gemeinde Penzberg. womit die Besucher nicht gerechnet haben. Als der neue Innenminister vereidigt wird.« Das sind die Worte. Am 12. gilt als verfassungsfeindlich. für die FDP. Das Innenministerium sieht die Sache anders: Diese Begebenheit bestätige die Nähe der Penzberger zu Milli Görüș. sodass die islamische Kultur erstarrt ist. dass ich damit nicht einverstanden bin. Außerdem hofft Idriz auf Zuschüsse der Stadt München. Seine Worte provozieren die mächtigen Verbände und konservative Muslime gleichermaßen. 17 Imam Benjamin Idriz (oben) beim Freitagsgebet im Gebetsraum der Moschee im bayerischen Penzberg ropa München« (ZIEM) öffentlich. V. bezeichnet Ibrahim el-Zayat im Februar 2007 als »Chef der Muslimbrüder in Deutschland«. Bei der Imam-Ausbildung in deutscher Sprache will er mit deutschen Hochschulen kooperieren und hofft auch hier auf öffentliche Gelder. zwei Monate nachdem Idriz den Brief abgeschickt hat. künftig keine Milli-Görüș-Mitglieder in ihren Reihen zu »dulden« beziehungsweise sie »auszuschließen«. Juli 2007. die Islamische Gemeinde sei eine Zelle von Milli Görüș. »Einen negativen Automatismus gibt es nicht.

macht sie die Integrationsdas Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu politik kaputt. bei denen Beamte nicht sehr glücklich darüber waren. sagt er. Ein solches Eilverfahren dauert normalerweise wenige Wochen. »Den Staat verklagen – da kann doch nichts Gutes bei rauskommen«. Die Aussage »vom Verfassungsschutz beobachtet« wird gleichgesetzt mit: »ist verfassungsfeindlich«. er hat in Jerusalem an der Hebräischen Universität studiert. auch wenn es die Fal.« Und dann habe er noch von der hohen Geburtenrate der Muslime gesprochen. es gebe Prosolche hoch individualisierten Viadrina in bleme mit gewissen antisemitiProzesse nicht beobachten kann Frankfurt (Oder) schen Äußerungen von Imamen. wahrung einer »islamischen Identität« eintritt. er wolle Parallel. einer. Informant wird oft. wo aus ten. in einer Zeit mit vielen alten Nazis und einer kommunistischen Gefahr im Kalten Krieg. September 2001 Bundesrepublik bringen. Auf einer Tagung hat zum te den Sicherheitsbehörden viel Schiffauer lehrt an der Beispiel ein führender Kopf von mehr Sorgen machen. befriedigen.« Hat er aber bislang nicht. 16 ministerium. die offensichtlich inspiriert seien von der islamfeindlichen Website Politically Incorrect. Er ist das einzige nichtmuslimische Mitglied im Vorstand von ZIEM. wehrt sich Remmele im Nachhinein. Also üben sie das Lesen sie doch Kontakt zu ihnen hatgegen den Strich ein. So lautet die Version des Anwalts Braun. Auf die Frage.Schiffauer: Er muss nachweisbaren Gefahren gen. der zur Zeit des Kriegs im Irak Solidarität mit dem irakischen Volk fordert. es geht manchmal Wenn die Sicherheitsperspektive den Blick so mehr darum. Dieses allgegenwärtige Misstrauen vativen Islams in die Gesellschaft einsetzen. Auch der SPD-Bürgermeister von Penzberg. ZEIT: Welche islamischen Organisationen sollten Ihrer Meinung nach beobachtet werden? Schiffauer: Bei manchen Islamisten ist das absolut unstrittig wie etwa bei Hisb ut-Tahrir oder der Gruppe Kalifatstaat.DOSSIER 12. die schon feststeht? Schiffauer: Das Material wird oft sehr zugespitzt und stark gewertet. ich könnte gegen ihn eine gerichtliche Unterlassungsanordnung erwirken. ZEIT: Wie entsteht ein Verfassungsschutzbericht? Schiffauer: Die Mitarbeiter fassen aufgrund verschiedener Quellen – vor allem von Informanten und Publikationen – Erkenntnisse zusammen. habe der Ministerialdirigent Remmele erwidert: »Uns macht die Gefahr islamistischer Gewalttäter deutlich weniger Sorge als die Gefahr der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft. die in den Prozessakten des Verfahrens auftaucht.wurde daraus: Der Funktionär bestätigt die Existenz von Antisemitismus bei Milli Görüș. Das Vorgehen des Innenministeriums bringt auch Idriz’ christliche Freunde auf. doch manche fürchten. Da wird dann ein Popanz aufgebla. die sich den dann viele junge Islamwisim Internet selbst radikalisiert senschaftler eingestellt. im Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden? Werner Schiffauer: Das kommt einem Urteil gleich. Im Verscheeverein. Auch wer für die Be. Zum Beispiel wird aus jemand. was aus ihren Erkenntnissen geworden ist. Nach 2001 wurwurzelte junge Männer. Den- noch unterstellt man ihnen. Sie halten sich an die Gesetze und verzichten auf Gewalt. ZEIT: Heißt das. Schwieriger wird es beim sogenannten legalistischen Islamismus. Hat Ministerialdirigent Remmele etwas gegen den Islam? »Das ganze Gespräch drehte sich um islamischen Extremismus und nicht um den Islam«. Die haben ein Berufsethos als unabhängige Ermittler. etwa um Pläne zu einem Attentat. vor Gericht zu ziehen. kritisiert der Sozialwissenschaftler Werner Schiffauer Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. Professor für Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen. man beobachtet eben. Von Anfang an hat Stefan Jakob Wimmer. wer von seiner eigenen Das Gespräch führte JÖRG LAU . der zerrieben werden soll. das die Penzberger später gegen das Innenministerium wegen der Nennung im Verfassungsschutzbericht anstrengen. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat er die »Freunde Abrahams« gegründet. dass man etwas tut. wie das Leben in einem Modie er sich deshalb zur Brust nehme. Im März 2010 schreibt Wimmer einen öffentlichen »Brandbrief«: Im bayerischen Innenministerium. die ein Problem für Deutschland sei. wenn sie den Freistaat verklagen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 17 »Da wird ein Popanz aufgeblasen« Um sich selbst wichtiger zu machen. Am Ende kommt ein politisch gewichteter Text heraus. ein Dialogforum für Christen.sungsschutzes. »Hildebrecht Braun hat das Gespräch verfälscht wiedergegeben.tion abgeben. wenn es um Sachinformatiosonelle Verflechtungen mit Organisationen in nen geht. zu zeigen. langfristig eine Organisation enttäuscht ist. Damit hat der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit eine Rolle übernommen. In diesem Fall lässt sich das Gericht ein Jahr Zeit. Eigentlich soll aber das Verfassungsgericht darüber entscheiden. schutzes? Schiffauer: Auf der untersten Ebene sind das die Inzwischen ist die Demokratie längst gefestigt. ZEIT: Schafft sich der Verfassungsschutz mancherregt schon den Verdacht. so der Religionswissenschaftler. um Mitglieder »legalistisch islamisihre Beschäftigung zu rechtfertischer« Gemeinden. Das ist für die Sicherheit unseres Landes schutz? Was wäre seine Aufgabe? kontraproduktiv. ZEIT: Was sind »legalistische Islamisten«? Schiffauer: Aus der Perspektive der Sicherheitsorgane: Wölfe im Schafspelz.nachgehen. der bei Festen die Moschee in Lederhosen betritt. ich glaube. Was wäre. Indizien dafür sind dann oft per. ist das mit Vorsicht zu genießen. weil man Europa-Universität Milli Görüș gesagt.Verfassungsschutz könnte als überflüssig betrachtet werden. »Wenn wir den wegbeißen – wer bleibt dann noch übrig?«. Und wenn tigen. deren Methoden man mit der »antisemitischen Hetze« früherer Zeiten vergleichen könne. um stark bestimmt. säßen Beamte. wer einislamische Ordnung in Deutschland errichten fach Geld braucht. die beide eindeutig die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen möchten. der der letzten Jahre waren entfremdete und ent.ZEIT: Wozu brauchen wir den Verfassungssen. Ich kenne Fälle. der zur Rekrutierung von Selbstmordattentätern aufruft. Sie sehen in ihm einen Hoffnungsträger. Idriz’ alter Freund Alois Glück von der CSU rät den Penzbergern.mal seine Objekte auch selbst. Er ist zur Prüfinstanz der Verfassungstreue geworden. war vielleicht in den fünfziger Jahren angemesZEIT: Was sind die Quellen des Verfassungs. Der Verfassungsschutz ist aber nicht politisch unabhängig. Die sind von Natur aus problematisch. hat Bedenken. um die eigene gesellschaften bilden und die jungen Leute in Existenz zu rechtfertigen? Distanz zur gesellschaftlichen Ordnung der Schiffauer: Kurz nach dem 11. fragt etwa Mathias Rohe.) DIE ZEIT: Was bedeutet es für islamische Ge- Große Fenster. dezentes Minarett: Die Penzberger Moschee soll Offenheit ausstrahlen Fortsetzung von S. Wimmer ist seit Langem im interreligiösen Dialog engagiert. fragt der ReligionswisFortsetzung auf S.benötigt werden. Informanten. Solche Leute können zwar zu wollen. die dann im Innenministerium die Behördenleiter rauf und runter gehen. die sich für die Integration eines konser. Lange diskutiert der Vorstand der Gemeinde darüber. übertreibe der Verfassungsschutz seine Informationen unzulässig. was denn so gefährlich an der Islamischen Gemeinde Penzberg sei. die ihm ursprünglich nicht zugedacht war. Einige von ihnen kenne ich seit Langem. Die islamistischen Attentäter des Kommunismus hatten sie befürchtet. sind sie meist schnell wiescheinbar unbedenklichen Äußeder ausgestiegen. den Konflikt miterlebt. Heide Fest (r.Aber wenn sie Wertungen über ihre Organisabrüdern in Ägypten. oder auch. ihnen könnte die Moschee genommen werden. Bloß seien diesmal nicht Juden die Opfer. Und die haben. war ich einmal bei einer Tagung des VerfasZEIT: Ist das plausibel? Verläuft so die Radikali. Das soll. Seine Frau ist Palästinenserin. denn man trifft damit diejeni. den Herkunftsländern – etwa mit den Muslim. Nach dem Ende sierung? Schiffauer: Nein. ZEIT: Diese Ermittler liefern Belege für eine politische Wertung. 18 meinden. Juden und Muslime. da sagte ein Amtschef: Die schweren Zeiten sind vorbei. weil ihnen das rungen durch Zuspitzung und Angebot dort zu langweilig und Selektion Verdachtsmomente werkompromisslerisch war. schen sind? Schiffauer: Ja. Am Ende klagen die Penzberger gegen ihre Erwähnung im Verfassungsschutz- bericht 2008. was fassungsschutzbericht von Baden-Württemberg man beobachten kann. Sie wollen eine einstweilige Anordnung erwirken.Professor Werner den.sen. Lehrbeauftragter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München. sondern Muslime. Sie waren gerade nicht müssen nun auch etwas tun.

schreibt der Beamte. eine Aufenthaltsgenehmigung sagt Imam Idriz. Finanziert werde die Gemeingalt Khalifa lange Zeit als angesehener Mann in Mün. damit er als öffentlichte. dass er den Kampf gegen Ibrahim el-Zayat. die mithilfe der Muslimbrüder gebaut nigen. »Chapeau. »Das ist ja widrige Aktivitäten«. er habe sich von den Muslim. jemals Geld von zu jagen.): Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. als der Verfassungsschutzbericht 2008 veröffentsich der düstere Islamist Ahmad Khalifa für Imam licht wird. Die Verbindungen zur Islamischen Gemeinde Milli Görüș seien der am 3. Islamkritik als »Islamophobie« abzustempeln. dass der Einrät Idriz. hofft noch immer darauf. »Wir dürfen uns nicht scheuen. dass sich die Penzberger Gemeinde um die schen Kultusgemeinde in München. Als er Vorbildern.könne das aber nicht erkennen. April 2010. betreibt bewusste Fälschung. Benjamin Idriz Idriz die IGMG als verfassungsfeindlich bezeichnet. in der Idriz schreibt. Gegenüber Ahmad Khalifa angenommen.Glaubwürdigkeit. und wieder tauchen Europaangelegenheiten.Ibrahim el-Zayat oder Leuten. Die Auflung drucken. Peter Frischmuth/argus Angehörige der Islamischen Gemeinde Penzberg beim Gebet in der Moschee Fortsetzung von S. Emilia Müller.« Der Kontakt zu el-Zayat schadet Imam Idriz’ Am 2. »sondern gegen den Islamismus.nen Keil zwischen die Muslime zu treiben.wie das Jüdische Zentrum in München das jüdische ter trifft die Nachricht ein: »Die von Herrn Minister. Die Arbeit des bayerischen Innenministeriums richte sich keinesfalls gegen den Islam als Religion. Sitten.n. die Hussein Djozo braucht er eine Bestätigung von einer nach dem Zweiten Weltkrieg verislamischen Autorität. 1993 versuchte. sich nicht in der Lage. Ungeachtet dessen bekommen zu haben.Penzberg. heißt es.kommt um den umtriebigen Funktionär kaum heten Sie. Statt sich von diesen Leuten zu distanzieren. in dessen Landkreis Penznichts gewusst. Er hat erlebt. dazu Zeitungsartikel. »Ihren Unterstellungen trete ich mit Nachdruck entgegen«.man. Zehn Jahre später taucht der chen kommt regelmäßig vorbei. Ausgerechnet diesen Hussein Integration funktioniert«. dass er die Shoah als »beispielloses das Landratsamt in Weilheim sieht Menschheitsverbrechen« verurteile. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Fotos (v. Er bezieht sich dabei 1994 nach Deutschland kommt. »Ich werde ihm berger im Bericht des Verfassungsschutzes. es ist Karfreitag. oder berg liegt. Sein Anwalt wendet sich ganz sche Innenminister Imam nehme sich die Waffen-SS nach oben.und mir wird vorgeworfen. CSU-Mitglied und Vizepräsident der Israelitivorgeht.weiter zu Idriz. schreibt die Staatskanzlei. die er dem Imam verschließen teren Gestalten. die von der Evangelischen Akademie Tutzing veranstaltet gen aufgefordert wird?« Am 30. und ein Beamter Wolf-Dieter Remmele zin: »Focus bedauert. die Besuch in Penzberg: »Ich bin beeindruckt von der Islamische Gemeinde Penzberg werde zu Recht im Offenheit der Gemeinde. Obwohl Tag. dass laut Koran alle Christen ›Ungläubige‹ rum. der umstrittene Strippenzieher.Leben erneuert hat. Djozo zählt Imam Idriz zu seinen So auch für Imam Idriz. Khalifa ist ein Prediger der ZEIT beschreibt er Imam Idriz als naiv. heißt es dazu. mit berg Flugblätter: »Penzberger Bürger!. sich Unterstützung zu ho. »Außer Ahmad Khalifa gab lügt er? es damals niemanden. Idriz nisation und wird deswegen im Verfassungsschutz. eiwurde. sagt el-Zayat. Das Minarettverbot in der Schweiz hat sie begeistert gefeiert. Kurz darauf findet jenes Treffen im die Penzberger wieder auf. enthaltsgenehmigung ist abgelaufen. In einem Gespräch mit einem hohen wäre vollständig zerstört. und noch im Jahr 2008 rühmte sich der Staatsminister für Unterricht und Kultus.(oben) und der bayeridruck entstand. weil der im Islamischen Zentrum München. Khalifa hatte Kontakt zu vielen fins. diesmal auf zweieinhalb Innenministerium statt.und schutzbericht für das Jahr 2009. Ist Idriz naiv. Ministerin für Bundes. brüdern helfen lassen. heißt es jetzt über die Penznur noch peinlich«. Die Penzberger die nichtmuslimischen Unterstützer schicken Stoiber einen Brief ihres Bürgermeisters und ein weiteres Schreiben von Ah. oder Mamduh Mahmud Salim. Er nahm im Jahr 2006 nen Stellen in Befehlsform zum Töten der Ungläubi. Am entgegensteht«. so ausführlich wie nie zuvor. tauchen unbestreitbar.mischen Organisationen. nung ist kleiner geworden von Jahr zu Jahr.o. einem en. extremistischen Milli Görüș gegründet wurde? Wuss. »wenn in einer bayerischen Behörde Personen mit offen antisemitischer Gesinnung mit der Zuständigkeit für jüdische Gemeinden betraut wären?« Kurz darauf erhält Wimmer Post von einem Ministerialdirektor im bayerischen Innenministerium. er besuche regelüber Hussein Djozo. sie eigenmäch. Integration von Muslimen bemühe.Ministerialdirigent Zudem entschuldigt sich das Magatig zu verlängern. das World Trade Center in die Luft Idriz hingegen bestreitet vehement.Joachim Herrmann zum Vorbild. wenn da nicht dieser eine Funktionär von Milli Görüș bezeichnet er Imam Satz stünde: »Neue Erkenntnisse über verfassungsIdriz als »Schwachkopf« und »Idioten«. »Kritik an bestimmten Ausprägungen des Islam ist auch in muslimischen Gemeinden in Bayern nicht nur legitim. sprach ein Grußwort. Kurze Zeit spä. der Penzberger len.wurde. die jedoch Pax Europa für seine Zwecke benutzt. März 2010 erscheint der Verfassungs. Frank Leonhardt/picture-alliance/dpa. weicht er im Gespräch mit der ZEIT aus. Ibrahim el-Zayat selbst sich hat sich zu der ganzen zu bekommen.u. Auch der amerikanische Konsul in Münmals keine Bedenken.« mund Stoiber. Diese Beamten seien doch nur darauf aus. der im Widerspruch zu unserer freiheitlichen Grundordnung steht. Der Staatsminister habe sich deswegen in Interviews immer dagegen ausgesprochen.« Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2010. gen Vertrauten Osama bin Ladens. die Hoffder Idriz zuvor am Telefon genau davor gewarnt hat. dass der Auch Bundesjustizministerin Sabine LeutheusserVerlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nichts Schnarrenberger von der FDP steht hinter Idriz. »Die die Penzberger darin auf.« Nachvollziehbare Positionen. Sie warnt schon lange vor der Islamisierung der deutschen Gesellschaft und vergleicht den Islam mit dem Nationalsozialismus. »ergaben sich im Berichtsjahr jedenfalls nicht. Gebräuche und Traditionen der muslimischen Minderheit klar zu thematisieren. auf die Schriften. ein Islamzentrum präsident veranlasste Prüfung durch das Bayerische könnte für die Muslime dieselbe Wirkung haben.« Die radikale Bürgerbewegung Pax Europa fühlt sich bestärkt vom Innenministerium. und sie ist erbost. »wie SS. Über dessen VerImam arbeiten darf. Ibrahim el-Zayat zu telefonieren? Wer sich in dass die Islamische Gemeinde Penzberg mit Hilfe der der islamischen Szene in Deutschland engagiert. wussten Sie. sondern geradezu notwendig«.« jetzt drei bis vier Geldquellen schließen. Für die Unterdrückung von Frauen oder die Scharia ist bei uns kein Platz. Verfassungsschutzbericht 2008 erwähnt. lässt Minister Herrmann im Jahr 2010 einen Ministerialrat in seinem Namen an Pax Europa schreiben. bis dahin Weilheim. verteilt die Organisation Pax Europa vor den Kirchen in Penz. Wer das Gegenteil behauptet.finanziellen Quellen.auch an einer Konferenz in Südafrika teil. einen bosmäßig das Islamische Zentrum Münnischen Militärimam der Waffenchen – es sei ein Beispiel dafür. Und el-Zayat hat nicht nur Kontakt mit islasind? Wussten Sie. besucht sie demonstrativ die Gemeinde in Idriz starkmachte. an Ministerpräsident Ed. dass im Koran an 27 verschiede. wie etwa Mahmud Abouhalima. sätzlich vorgeworfen. Er glaubt. Neues über sich: Unter dem Titel Hitler? Ach so veröffentlicht der Focus einen Bericht Ludwig Spaenle. der wollte.glaube. er könne sich mit dem Innenministerium eischee der Stadt.« . aus denen her. Unter ihnen ist auch Marian Offmad Khalifa. Jetzt wird Imam Idriz zu. Im November 2010 erfährt Imam Idriz etwas Muslimen besucht. in dessen Anschluss Imam Seiten. Sie gilt als europäische Anlaufstelle der Orga. der so etwas Der Focus muss ein paar Wochen auf Deutsch schreiben konnte«. So verlangt es gangenheit als Imam der Waffen-SS das Landratsamt im bayerischen habe er. hatte das Innenministerium da. Was ist geschehen? Imam Idriz hat zweimal die Hilfe eines gewissen Angelegenheit bislang nicht geäußert.Regierung hat selbst Kontakt mit Ibrahim el-Zayat. 17 senschaftler. ich sei ein Extremist«. Staatsministerium des Innern hat ergeben. Der Frage nach den bericht erwähnt. zu dessen Wahlkreis Trotz dieser Irritationen halten Penzberg gehört. März 2011 veröffentlicht wird. die bayerischen Behörden gewinnen wird. sagt später unter Androhung einer VerIdriz. »Auf dieser Basis können wir Islamkritiker gut weiterarbeiten. beteuert Idriz.18 12. Andererseits: Ist es verboten. Es stellt den Brief ins Internet. die Moschee wird von vielen unbescholtenen aus einer Immobilie. die ihm nahestehen. Herr Innenminister«. Ein ähnlicher Vorgang wiederleumdungsklage eine Gegendarstelholt sich fünf Jahre später.de aus Mitgliedsbeiträgen und den Mieteinnahmen chen. der ältesten Mo. antiemanzipatorische und menschenrechtsferne Mentalitäten. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagt nach seinem Fall im Verfassungsschutzbericht auf. Im Mai 2010 urteilt das Verwaltungsgericht.

Nigel Treblin/dapd (u. Freilich singen sie auch in Coming Home von wenig mehr als vom »Lachen in den Bäumen« und vom »Flüstern im Wind«. Noch vor dem Begräbnis versammelte die 35-Jährige sechs Freunde.« Die eingereichte Liebeslyrik ist in jeder Hinsicht grauenhaft. heißt Ein dummer Text. »Es ist Physik. sagt Thorunn Clausen. wir sind in Gefahr Wir sind kristallweiß. »Es erzählt die Geschichte eines Menschen. lebendiges Lied über die Wasserrutschen in Reykjavíks Thermalbädern. ja an alle Europäer. die anderen spielen. Seine Frau Thorunn Clausen. wenn »my pain walks down a one-way street« zu »mein Schmerz geht eine Einbahnstraße hinunter« wird. mit 36 Jahren. Der Lieddichter ließ sich nicht entmutigen und hatte flugs ein paar neue patriotische Zeilen auf Lager. Das Video zum Lied wurde in einem Stall bei Reykjavík gedreht. er würde das gern fortführen. die nichts bedeuten. Dabei verlangt es den Sänger ständig nach »Wodka!«. Matthiasson singt. entschied sich ein Zehntel der Bevölkerung für sie. die man aber gut mitsingen kann – als da sind »eeeeeh«. aber auch ein großer Fan des Eurovision Song Contest. wie Sjonni es gefallen hätte. einem Song. Im Refrain treffen die beiden betonten Schläge des Viervierteltakts mit den metrisch betonten Wortsilben zusammen – der Refrain wird dem Hörer ins Ohr gehämmert. den »verkleideten Engel«: Wir leben menschliche Leben Wir sind Engel. Im vergangenen Jahr enthielt das Gewinnerlied wenigstens so etwas wie einen originellen physikalischen Vergleich. nach Hause zu kommen zu seiner Familie oder seinen Freunden. was auch geschieht. du wirst nie ein Cowboy sein. 5. Dann würden die Isländer entscheiden. Die Stadt hat sich auf das Event eingestimmt. sag nichts mehr Zarte Ansätze von Komplexität sind womöglich in den deutschen Beitrag der Vorjahressiegerin Lena hineinzuinterpretieren. eine Schauspielerin. »Da da dam« heißt der Haken des gleichnamigen finnischen Lieds. Haben sich die Librettisten an Shakiras WMKiefergymnastik orientiert? Waka waka? Im spanischen Lied macht das »ouo uo« fast den ganzen Refrain aus. der Verstand weniger. einen schlichten »Engel«: Wir sind Vögel Wir fliegen so hoch Und wir fallen runter Wenn ich von dir träume Ist mein Traum so furchtlos Wir sind Menschen des Planeten Deutschlands Lena singt quasi eine Sado-Hymne.« Zwei Tage nach der Beerdigung traten Sjonnis Friends erstmals auf. Der von den Briten immerhin zum besten Lied der vergangenen 25 Jahre gewählte Robbie-WilliamsSong Angels verliert an Kraft. Man singt seit Jahrzehnten und durchaus Bedenkenswertes: »Wärst du doch in Düsseldorf geblieben. die dann in den Strophen. höher fliegen. du wirst wieder meine Liebe sein«. erklärt uns auf Anfrage. das Schicksal hat eine Geschichte geschrieben – siehe oben. Im letzten Moment hatte Sjonni Brink das Lied beim Wettbewerb eingereicht. es ist eine Schande. der den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko mutmaßlich entzückte: Als ich einen Stern trug Damals in der UdSSR War ich so gut wie Mama Fühl meine Leidenschaft Wenn alles vorbei ist Wird dein Name wie die Sonne strahlen Du bleibst immer noch das Beste Schön altmodisch Kill mich mit einem Killer-Kuss Liebe mich mit üppigen Schenkeln Verkleideter Engel Die Ukraine setzt Angel dagegen. wie einst. Viermal schon hatte Sjonni Brink an der heimischen Vorauswahl teilgenommen. Zwölf Tage. Und damit gleiten wir zwanglos nach Düsseldorf ins Rheinische über. Sjonni Brink sei zwar ein Rocker gewesen. und sein Leben war vorbei Na na na. dass er sie liebt. Fotos [M]: ESC/RÚV/Gassi (2). Seither bereiten sich die Freunde auf Halbfinale (10. In Da da dam erfährt sein kleiner Held Peter von seinem Lehrer.WOCHENSCHAU Frohnaturstatus im Härtetest Kaum ist die Londoner Hochzeit verklungen. der Kreuzreim tut ein Übriges: reimt sich rhythmisch. um ihnen zu sagen. Aber beim europäischen Gesangswettstreit im Jahre des Herrn 2011. sagt Matthias Matthiasson. Masen Abou-Dakn. »wir mussten das Lied in seinem Namen singen. Sigurjon »Sjonni« Brink. Die Geschichte des Liedes aus Island VON DEBORAH STEINBORN Sjonnis Friends – sie trugen Sjonni zu Grabe. egal. Ich liebe Weißrussland heißt also das Stellvertreterlied. der Amerikaner Gus Seyffert. dass sie nicht in ihrer Muttersprache singt!«. »Komm näher«. Am Ende jeder Zeile endet auch der Satz. »da da da da da da«. nicht etwa. »Es wird unsere Hommage an den Freund«.« Für den Song Contest zu komponieren sei so ähnlich. Eine gesungene Geschichte merkte sich der frühe Mensch besser als eine erzählte. vier Einheiten. niemals landen. ausgerechnet. Taken By A Stranger ist ein Liebeslied der Kategorie »Bleib hier«. seine Witwe.) . sie hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten. die er oft mit den vier Kindern – sie sind jetzt drei. »Aber die Strophen interessieren sowieso keinen mehr. muss starke Nerven haben. Dann. stets auf Kurs gehalten durch seine Anziehungskraft. in dem Sjonni sein Pferd hatte. In Gstaad gibt es einen prominenten Toten zu beklagen. Einfach ist es für keinen von uns. um die Welt zu retten. »oh-oh-pop oh-oh-pop«. Das »ding dong« stammt aus dem Lied von Dana International. Der Schlagzeuger sitzt auf einem Sattel. außerdem hatte er die Theatergruppe Vesturport mitgegründet. es hier. Dann votiere man für Islands Beitrag Coming Home. Vier Verse. verfeinerte es und machte es zur Kunstform. seitdem hatten sie gemeinsam Liedertexte fürs Theater geschrieben. Himmel! Mühelos erkennt der Analytiker vier Kategorien des Begehrens: »Komm her«. diese Liebe uns wieder zusammenführen wird. dass sein Lied ausgewählt wurde und in ganz Europa gehört werden kann«. Endausscheidung. bleibt mir ein Rätsel«. dessen Frohnaturstatus sich diese Woche einem Härtetest ausgesetzt sieht. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 20 selbst (unten). und wir helfen einander.« Sjonnis Witwe stimmte zu. Oder man sehnt sich. sondern weil es regelwidrig bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war. In den Foren des Internets gehen die Meinungen dazu auseinander. informierte vor geraumer Zeit über das Berufsbild des Putzmannes im Sondereinsatz: »Wer Tatortreiniger werden möchte. »Ding dong« machen die »Glocken der Seele«. Vielleicht hatte das Lied mit ihr zu tun. sagt Matthias Matthiasson. sie wollten zusammen frühstücken. und das macht mich High und ich fliege. an dessen Wettbewerb es ja gerade teilnimmt. »Als Sjonni dann so unerwartet starb. sagt seine Witwe. Einen eingängigen Haken hat auch die Weißrussin Anastasia Vinnikova: »I love Belarus!« Ihre Liebe gilt dem Vaterland. Am Abend vor dem Abgabetermin schrieb er mit ihr die letzten Zeilen auf Englisch. der an diesem Samstag in Düsseldorf sein pompöses internationales Fernsehende findet. deren Haut so rein sei wie »ungeschlagener Schnee« und deren Augen so »schön und strahlend wie der Himmel über Moskau« seien. da klingelte das Telefon: Sjonni habe gerade eine Hirnblutung erlitten. Thorunn Clausen produziert und managt. »Die Kugel sei zur einen Schläfe ein. halb Rock. Ganz anders 2011: »Warum er Coming Home ausgesucht hat. halb Folk. die es dieses Jahr ins Halbfinale geschafft haben. denn Sjonni ritt so gern. zwei Tage später traten sie erstmals auf M atthias Matthiasson war auf dem Weg zu seinem Freund Sjonni. Sie sagt: »Wir können Sjonni nicht ersetzen. Später. elf und 16 Jahre alt – besuchte. Das Ganze ist grauenhaft und eine Schande für den Wettbewerb. bewährter Stilmittel. Die Gewinnerin des Jahres 1999 tritt nochmals für Israel an. da gibt es kein Entkommen«. als es nicht mehr von Bedrohungen durch den Westen spricht. »Bleib hier« oder »Wo bist du hin?«. es ist der einzige gesellschaftlich ambitionierte Beitrag in Düsseldorf. Der 20-jährige Axel Ehnström tritt unter dem Decknamen Paradise Oskar an. 2010 kam er mit Waterslide ins Finale: ein lustiges. behielt man das Singen bei. »na na-na na na na«. wie die Witwe sagt. der es nicht abwarten kann. und dreh mich im Kreis. seine Freunde singen statt seiner. der sich nach Meinung vieler »stilvoll« aus dem Leben verabschiedete.) und Finale (14. »Raki!« – zur Hilfe! Viele Komponisten haben Buchstabengebilde eingebaut. So begegnet man in den 43 Liedern. aber die sechs Freunde zusammen können ihn vertreten. zum Mitsummen. Es war ein Appell. An jenem 17. wollen die Lieddichter keine Geschichten mehr erzählen. aber da: »Wäre es der Eurovision Propaganda Contest. dass wir unser Leben heute leben müssen«. finde ich dich. Ein Mann und eine Frau sind sich nähergekommen. mit betonten Schlägen Auf Deutsch hieße die letzte Zeile wohl: »Führ mich aufs Eis.« (Mehr Düsseldorf auf S. das Leben so zu leben. »dass dieser Planet stirbt«. als noch niemand ans Aufschreiben dachte. als ginge es morgen zu Ende – eine Botschaft an seine krisengeschüttelten Landsleute. für Sjonnis Band The Flavors und für sein Soloalbum. weiterfliegen. schöner Playboy. kristallweiß Ich höre ein stilles Gebet. Sein Bruder und ein Cousin haben das Video gedreht. Ich weiß. würde Weißrussland einen Kantersieg hinlegen. Eine Hirnblutung. so kurz vor seinem Tod. und es fällt insofern etwas tauwettrig aus. ding dong! Beim Eurovision Song Contest starten 43 Länder: Wovon singt Europa? Eine Textanalyse VON CHRISTINA RIETZ I m Anfang war die Geschichte. seine Söhne und seine Freunde tanzen. das im Jahr 2009 erschien. aber wenigstens nicht erzdumm. Sie wollen nur noch wegfliegen und möglichst viele möglichst platte Metaphern aneinanderreihen. 5. »Wie ein Satellit« wollte Lena in elliptischen Bahnen um den Geliebten fliegen. Es gilt in Düsseldorf als ein Favorit. konnte Bild am Schreibtisch ermitteln. geflogen wird auch wieder: Ding dong. Der Text handelt von der Flüchtigkeit des Seins. Die Liebenden mögen ihre Flügel spreizen und wegfliegen. Und dass. nach einer Geschichte. wie viele Punkte die Sänger in anderen Jahren sammelten. »Das Lied erinnert uns daran. Sjonni war seit mehr als einem Jahrzehnt als Sänger in Island bekannt. bevor Matthiassons Freund Sigurjon »Sjonni« Brink mit Coming Home in der Hauptstadt Reykjavík auftreten sollte. Unüblich war diese Zusammenarbeit nicht. Der mysteriöse Refrain fasst den Stand der Dinge zusammen: Taken by a stranger Stranger things are starting to begin Lured into the danger Trip me up and spin me round again Abou-Dakn hört im Refrain eine sexuelle Fantasie anklingen. Der Impuls zählt. Drei Tage lang geht es um die Endausscheidung beim Eurovision Song Contest. Apropos Politik. und immer noch ging es um die Liebe. Die beiden waren sich 2002 während der Arbeit am Musical Le Sing in Reykjavík begegnet. sang sie. So entstand das Lied. sogar nach dem Leben auf der Erde. Es war ein Lied ohne Zweifel. kaum ist Osamas Leichnam bei den Haien. Für Lenas Quasi-Sado-Hymne Taken By A Stranger bediente sich ihr Komponist. in welchen Jahren Island später fehlte. »Schön. »ding dong«. und er habe alles gewusst: Wer im Jahre 1986 Island zum ersten Mal vertrat. Beispiele? Lettland bringt Angel In Disguise an den Start. Ein sauberer Schuss. und ich weiß. wird schon wieder gejubelt. alle aus der isländischen Musikszene. uo uo. Ursprünglich hatte sie einen Song namens Born in Belorussia eingereicht. dass Taken By A Stranger doch ein ganz guter »Hook« sei. Und nun das: Er war als Solist schon bis ins nationale Halbfinale gekommen. an dem der Hörer hängen bleibe.und zur anderen wieder ausgetreten«. Januar 2011 waren es noch zwölf Tage bis zur Vorrunde im Eurovision Song Contest. erklärt sie. besser kann man es nicht sagen. Sie werden ihren Auftritt so inszenieren. 65) Trauern und hoffen Eurovision Song Contest in Düsseldorf: Ein Sänger stirbt. »Ein sehr merkwürdiges Gefühl. sie übersetzte den Text ins Isländische. Für den könnte man stimmen. »chaka chaka«. im Finale. Atomkraftgegner wissen das. heißt es im Lied. hatte ihm geholfen.« Der Fairness halber muss man sagen: Übersetzung hat noch keinem Song gutgetan. ein Haken. endlich ein bisschen Patriotismus zu hören. welche Lieder es ins nationale Finale schaffen. Er starb. Das will Peter verhindern: Und ich komme nicht zurück Bis er gerettet ist Ich werde zum König gehen und zum Parlament Und wenn sie nicht helfen wollen Tu ich’s eben selbst Im März musste das Lied zurückgezogen werden. fünf. Dozent an der Mannheimer Pop-Akademie. weil Propaganda in Weißrussland verboten worden wäre. und gründete mit ihnen die Gruppe Sjonnis Friends. viele Hundert Jahre später entstand der Eurovision Song Contest. dass wir nur eine Wahl hatten«.« »Wenn meine Zeit auf der Erde endet.« Und natürlich Feudel und Eimer. wir sind furchtbar traurig und doch so froh darüber. einige Tage später. Das war der Sieg. Dessen Zeile »Denn niemand kennt sein Wann oder Wo« hat sich als hellsichtig entpuppt. wie für Bild Schlagzeilen zu machen. sie geht. Aber lesen Sie 12. war uns allen klar. wo ich hinmuss Und ich komme jetzt! Der Makedonier Vlatko Ilievski träumt währenddessen vom Wodkatrinken mit einer Russin. Aber richtet ein Mann von Welt ein Blutbad an? Penthouse. fast durchweg einer geistlosen Vögel-und-Engel-Metaphorik. Viele. »da da dam«.) des Eurovision Song Contest in Düsseldorf vor. in denen von Augenbinden und Stühlen die Rede ist. präzisiert werde. wieder geschossen. als man schreiben konnte. »ouo uo uo«.

Wir kommen früh. beförderte den kunstdurchglühten Jüngling 1864 auf den Thron der Wittelsbacher. Darunter kommen ein antikes Gewand und Sandalen zum Vorschein. Da. die nicht im Plan verzeichnet ist: »Nukleus Panopticum« wirbt ein atomgelbes Schild. wandernd oder im Rokoko-Schlitten. Der König desgleichen. pff. soeben hat Bayern die Orgie aus Gold und Brokat weihwürdig restauriert. behauptete. wobei die doppelläufige Protzstiege Ludwigs XIV. Fern und in letzter Sonne schimmert ein Orplid: Herrenchiemsee. Achterbahn und Kletterwand am Kühlturm. Augenrollen. Drei Tage nach seiner Verhaftung und Amtsenthebung starb Ludwig. Der Ludwig liegt in der Gruft der Münchner Michaelskirche. wo einer der besten Weine der Welt wächst. »Hätte nie gedacht. Ihr dichter Wald birgt König Ludwigs Schloss. schottete sich ab. »Atomkraft. daran besteht überhaupt kein Zweifel. In der Ferne erklingt Swingmusik. am nächsten Morgen. die Natur sei aus kleinsten. Der bayerische Ludwig kopierte. In diesem güldenen Alkoven unterm Baldachin.« des Hauses der Bayerischen Geschichte (Augsburg) wird vom 14. sagt Isabella Modanese. »es gibt noch Richter in Berlin«. Die Schulden wuchsen. Alsdann diktierte Bismarck ihm den »Kaiserbrief«. Er lebte im Zeitalter der Industrialisierung und Elektrifizierung. Nein! Barbara legt an. finkt und piroliert. Dann käme höchstens die Wahrheit raus. Aber wer die Modellzeichnung sieht. Die Verlobung mit seiner Cousine Sophie von Bayern löste er 1867 auf.« Ludwig. Mit ähnlichen Worten entringt sich Tannhäuser den Armen der Venus.« Das wäre ein Tristan-Schluss: »Ertrinken. Namens der deutschen Bundesfürsten hatte Ludwig dem Preußenkönig Wilhelm die Kaiserkrone anzutragen. den Verlobungsfotografen. »mir ging es um die Seele. Denn wer das Wesen der Dinge erkennt. nach Freiheit dürstet mich. Südtiroler Schüler aus Meran wallfahrten auf König Ludwigs Spuren. weiß: Auch Seelenatome haben ewigen Bestand!« Dann bricht er in lautes Gelächter aus. unteilbaren Einheiten zusammengesetzt. Sein Finale bleibt dunkel. Wir nähern uns dem goldenen Zeitalter der Physik. politisches Zentrum. damit Ludwig das ebene Land und den See nicht sähe und das Volk nicht seines Königs Schloss. Zunächst durchwandern wir den wunderbaren Buchenwald. Ludwigs uferlose Schlossprojekte wurden zur einzigen Realität seines Königtums. Empfing und sprach sie nie. seufzt unser Führer und zieht den Schutzanzug aus. wie er gestorben ist. sagt er mit unverkennbarem Stolz. Der Chiemsee leuchtet im Abendschein. Seine Majestät.). 39. sie hatte sich in Edgar Hanfstaengl. »Mir ging es doch um etwas ganz anderes«. alpin überragt von Hochfelln und Kampenwand. Herrenchiemsee ist L’art pour l’art. Doch was ist das? Bei unserem Besuch stehen wir plötzlich vor einer Attraktion. In den Rohbauräumen wird die Landesausstellung gezeigt. Aber in der Pointe versteckt sich die ewige Hoffnung. das bayerische Versailles. damit er sich in eine andere Welt und Zeit versetzen kann. Zucker und Wahn Eine große Ausstellung auf der Herreninsel im Chiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. der Ludwig von Frankreich. aber die Erbschatulle der Wittelsbacher. Man wollte den Verschwendungswahnsinn des Verewigten beweisen und mit den Eintrittsgeldern die Staatsfinanzen aufbessern. Nein. baute. was aus meiner Idee alles werden würde«. Ein Übriges taten Filme. Katalog (2 Bde. von Käutner bis Visconti. Wie er seine Gegenwelten schuf. Man sieht Ludwigiana vom Taufkleid bis zu seinem letzten Regenschirm. Doch unser Führer drängt weiter. Mai bis zum 16.9 Prozent). Die Ausstellung »Götterdämmerung – König Ludwig II. 1873 wollte ein württembergisches Holzkonsortium die urmächtigen Bäume fällen. an Österreichs Seite. und es geruhte in Rheinland-Pfalz. herein«. die ursprünglich nahe Linderhof im Graswangtal entstehen sollte. Die Kitschindustrie überkleisterte den »Märchenkönig« mit einer dicken Zuckerkruste. Zwei Jahre später befand sich Bayern im Krieg gegen Preußen. Tod und Mythos. nach Aufleben von qualvollem Alp.21 12. täten wir kein Auge zu. der 400 v. Ändern soll das die Bayerische Landesausstellung 2011. Man kann nur rätseln. kichert er. Bekanntlich kam es anders. ruft er mit fremdländisch klingendem Akzent und drückt uns Geigerzähler in die Hand.E. Das düstere Bild verweht. erst vierzig Jahre alt. Der Dampfer Barbara wimmelt von Kindern. Wenigstens diesem idiotischen Akt des antifranzösischen Triumphalismus hat Ludwig sich entzogen. Nackte Ziegel. von Venus malerisch umschlungen. Dort klafft der Wald. zelebrierte. weil er niemals einen Menschen sehen wollte. Und er baute. ir kommen spät. Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr. Er wurde zum Freak. Überließ seinen Ministern das Regieren. Wir betreten einen Geisterbahn-ähnlichen Tunnel. blankes Licht. Der Chiemgau war dem Hochgebirgsschwärmer eigentlich zu flach. doch der Priener Bootsvermieter Stöffl hat noch auf. mit aufgepflanztem Bajonett. gestraft mit Kabinett. Ließ mitternachts Theater spielen. Dort endete auch sein Begleiter. átomos habe ich das genannt. als Verschleuderer des Sippenschatzes? Davon orakelt mit Begeisterung unser Bootsvermieter Stöffl. erwarb die Herreninsel für seine Versailles-Kopie. Unrecht zu tun. aufkommender Sozialdemokratie und ähnlichem Erdenleid. Viele Schlossgemächer blieben unvollendet: funktionsloser Hohlraum. Versailles war Hofstaat. erklärt Kathrin Holzknecht. Gegenüber liegt die Herreninsel.. und die Familie lässt den Sarg nicht öffnen. Eines fehlt: Wurde Ludwig von den Wittelsbachern exekutiert. Ideell ist es ein Memorial der absoluten Monarchie. Abb. Auroras Strahl bricht durch purpurbeschleierte Lünetten und rötet den Raum. ich verachte den Militarismus. So lautet die hübsche Pointe einer hübschen historischen Legende. bereits 1752 wieder abgebrochen wurde. im Flachwasser des Starnberger Sees. Die Staatskasse konnte Ludwig nicht plündern. Also schwelgte er in artibus.und Fortunabrunnen. bis zum heutigen Tag. Entschlossen ignorierte er das Wesen des konstitutionellen Königtums. Er wurde der Mäzen des sächsischen Komponisten. die Kinderflinte. Die Ikone des Verklärten verdeckt die historische Gestalt. Um Seelenfrieden ging es mir!« Unvermittelt öffnet er eine Tür und schiebt uns ins Freie. will dieses Monstrum.. von Bayern. Begeistert walzen die Touristenvölker dieser Welt durch Ludwigs Prunkrefugien. Wir dürfen schon vorher gucken. nach Freiheit verlangt mich. Wie der König Krieg führen musste. In politicis war Ludwig rechtlich eingeschränkt. Sie erzählt von einem Müller in Potsdam. I . Genug! Und dann die Erlösung: das nördliche Treppenhaus. »Das waren noch heldenhafte Zeiten«. war ein bisschen verrückt. Ein Rehkitz äst. das nie in Betrieb ging. Porträtpostkarte (1910) nach einem Foto von Joseph Albert 1863 Formal bietet dieses Chambre de Parade. Die Schifffahrt ruht bereits. sagt Stöffl. doppelt so groß wie das in Versailles. noch hatte er es vor. Er lief aus dem Ruder. versinken – unbewusst – höchste Lust!« War es so? Oder Mord? Und von Guddens Tod? Die Ausstellung bietet ein Pro und Contra möglicher Varianten und Motive. Bayerischen Geschichte/Augsburg All das brach den Realpolitiker und trieb ihn in die Gegenwelt der Kunst. Der plötzliche Tod seines Vaters Maximilian II. zwischen Fama. eine historistisch perfektionierte Nachschöpfung. Fröhlich winkt uns ein Herr im Strahlenschutzanzug heran. Chr..« Der Schwulst ist Zitat. Das Sterberegister vermerkt: »Seine Majestät [. das ist der andere gewesen. Vom See her quarren Enten.« »Ihnen haben wir also den ganzen Schlamassel zu verdanken«. in die Mündungsbucht des Grand Canal. Eine Legende. Er notierte in sein Tagebuch: »Sophie abgeschrieben. Was wisst ihr denn vom Ludwig? Dass er der Sonnenkönig war. Enrico Fermi bringt in einem Stapel von Uran. Der Souverän also will diese grauenvolle Brücke über das Moseltal. Vom 14. Oktober im Neuen Schloss auf der Insel Herrenchiemsee gezeigt. Der Mythos ist viel schöner. Gewaltiger Skandal! Allerdings fühlte Sophie sich insgeheim nicht minder befreit als der entsprungene Gespons. sagt er. Otto Hahn gelingt die Kernspaltung. verknallt. Aber da wird der Alte grantig. Er hat ganz viel Schönes bauen lassen. Der Wald blieb. rechts den noch rauchenden Trümmerhaufen von Tschernobyl. 0821/329 51 21 ZEITLÄUFTE l y a des juges à Berlin«. Gleich am Eingang schlagen die Geigerzähler wild aus. Auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar am Niederrhein. gar zur Ehe zog’s ihn nicht. das Unzerschneidbare«. dieses angekündigte Verbrechen betrachtet. Ludwigs Ausspruch: »Ich hasse. von empörten Fischern zu Hilfe gerufen. Ratlos staunend stehen wir im Paradeschlafzimmer. sondern durch Blut und Eisen. delegierte. antworte ich vorwurfsvoll. Aber die Wissenschaft hat mir recht gegeben.]. Uns platzen die Augen. Machte die Nacht zum Tage. das Volk. der Irrenarzt Bernhard von Gudden. Nach Ludwigs Amtsenthebung wegen angeblicher Geisteskrankheit und seinem mysteriösen Tod am 13. Wären Sie dafür? Nein. Nie schlief er hier.und Grafitblöcken – mitten in der Großstadt Chicago – die erste Kernreaktion zum Laufen. Auf der Schlosstreppe. Heisenberg grübelt über der Unschärfe. Parlament. Mai bis zum 16. Ludwig II. der Kronprinz. der sich gegen Friedrich den Großen zur Wehr setzte und am Ende vor Gericht in Berlin obsiegte. nur für sich. Letzteres glückte. 22 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit ULRICH SCHNABEL Kernie’s Familienpark verspricht eine Kettenreaktion des Vergnügens.« Daneben Bismarcks Diktum: »Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden [. Juni 1886 im Starnberger See öffnete Bayerns Regierung die Königsschlösser. das die Landschaft mit den uralten Rebhängen zerschneidet. Da erkennen wir ihn: Demokrit! Der »lachende Philosoph«. Nur das Lachen Demokrits dröhnt noch lange in unseren Ohren. [M]: Haus d. Denn Ludwig hatte Gott gefunden: Richard Wagner. Kahl. Die Krönung stieg 1871 ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles. baute. Als Mönch der Kunst müsse er sie leben und zur idealen Blüte bringen. Man weiß nicht. Durchaus war Ludwig kein bloßer Fantast. Die Schlossbauten wurden Ludwigs »Hauptlebensfreude«. Königgrätz: Die Niederlage geriet katastrophal. Schön zeigt die Ausstellung Ludwigs Faible für die technische Moderne – im Kontrast zu seinem anachronistischen Eigenbild. wünscht es. die alte Industrie-Partei SPCDU zu wählen (70. er überbot es VON CHRISTOPH DIECKMANN W gar. Wallte durchs nächtliche Hochgebirge. der fragt sich doch: Gibt es denn keine Richter mehr in Mainz? B. Ist euer Berlusconi auch ein Sonnenkönig? Schreckenskreischen.. Ludwig erfuhr es wohl nie. ruft Esther Osenberg. erwartet uns geballte Ludwig-Kompetenz: der Projektleiter Peter Wolf vom Augsburger Haus der Bayerischen Geschichte sowie Katharina Heinemann und Sybe Wartena von der Schlösserverwaltung. Ludwig II. Dem Wald verdankt sich das Schloss. dass ein Richter den Souverän daran hindert. Sie inszeniert Ludwigs Lebensdrama in fünf Akten: Die Werdejahre. der Souverän ist das Volk. Unterzeichnete. Die heilige Mission des Königs sei der bewusste Wahn. Primus Verlag. Der Palast empfängt wie einst Versailles: mit der Escalier des Ambassadeurs im südlichen Treppenhaus.90 €. als gottunmittelbarer Königskünstler. Bayerns Modernisierung. Oktober erzählt sie im Schloss Herrenchiemsee die Götterdämmerung König Ludwigs II. nichts weiter. sie im »Sonnenkönig« inkarniert empfand und selbst ersehnte. Wagner dankte es dem hochfühligen Monarchen mit Ideologie. Auch der Spiegelsaal von Herrenchiemsee steigert das Versailler Original. Ludwigs Traumland Frankreich. wie Ludwig II. »Herein. dass die Gerechtigkeit die Macht in die Schranken weist. 1870 provozierte Bismarck den nächsten Krieg und nötigte Ludwig zur deutschen Waffenbruderschaft wider Preußens »Erbfeind«.] hat sich in seiner Geisteszerrüttung selbst in den See gestürzt. Mit 18 Jahren musste Ludwig König werden. eine funktionable Waffe. »Damals hat mir das ja keiner geglaubt. brummt er. Verwirrt blinzeln wir ins Sonnenlicht. dieser Friedensbrücke vom Absolutismus zur Demokratie. ruft er uns hinterher. locken heute Karussell. »Ja. Das Volk hatte die Wahl. imaginierte sein französisches Idol.. Zum Weibe. »Wie konntet ihr meine Theorie nur so missverstehen!«. Es amselt. Wir entleihen den Nachen Hansl und rudern zur Insel. Tel. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Gehört Bayern zur Bundesrepublik? Sein Landtag lehnte 1949 die Verfassung ab S. links sehen wir die geisterhaften Gerippe von Fukushima.

Es folgt die zweite Abstimmung. schallt es von dort zurück. gezogen. die fernher vom Norden der grimmige Preusse / Heldentümlich bedroht. der keinem der Flügel angehört und der zudem auch der SPD zu vermitteln ist. der am 1. Der Text bildet eine wichtige Basis für den Parlamentarischen Rat in Bonn. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 22 eiß-blau knattern die Fahnen. Der Stellvertretende Militärgouverneur Lucius D. die CSU. die Formel. Mai geht es im Landtag zur Sache. Ehard befürchtet. der »die föderalistischen Prinzipien im neuen Bundesstaat stärken« werde. Das ist der Beitrag der Länder zum Grundgesetz. Manchem erscheint das Bonner Werk als der pure Gottseibeiuns. Der Präsident des Parlamentarischen Rats. aus der SPD eine SPB (Sozialdemokratische Partei Bayerns) zu machen«. seit 1910 priestergeweiht. je weiter sie im Norden wohnen. Als V-Mann Ehards dient der gebürtige Pfälzer Anton Pfeiffer. versuchen. Während seiner Rede bekommt er vor allem Beifall von der CSU. Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei. Ehard muss um seinen Doppelbeschluss fürchten. Nun muss Hoegner weichen. Mai das Grundgesetz in der Pädagogischen Akademie zu Bonn feierlich verkündet und unterzeichnet wird. Mai dann die entscheidende Sitzung. So beschwört der fromme CSU-Abgeordnete Georg Meixner. Josef Müller. einen bedächtigen Fahrensmann. Zu diesem Zeitpunkt ist das neue. Das Elternrecht sei geschmälert. Doch da revidieren die Alliierten ihr Urteil und zeigen sich am 22. dass sich die Bevölkerung für den Wiederanschluss an Bayern erklärt. Es gebe »keine Freiheit in Portionen« und »auch kein Deutschland in Portionen«. Mai 1949. Wenn überhaupt. »Rechts-«. Und setzen ihren Kampf sogleich fort. im Geiste der Confoederatio Helvetica. stehe dem christlichen Glauben an die göttliche Allgewalt diametral entgegen. April auf einmal flexibler gegenüber dem Verfassungsentwurf – schlecht für die CSU.GESCHICHTE 12. das Nachkriegsbayern unter US-Verwaltung bald fünf Jahre alt. die aber nicht stimmberechtigt sind. säuberlich getrennt nach Konfessionen. Einmal platzt Ratspräsident Adenauer der Kragen ob der »bayerischen Parteifreunde«. auf die SPD entfielen 28.8 Prozent. Unterm Arm tragen die Parlamentarier die Verfassung des Freistaats Bayern vom 2.). denn in einer Probeabstimmung hat sich Hundhammer beim zweiten Teil der Kompromissformel – dem »Ja zu Deutschland« – enthalten. denn noch immer ist es unpopulär. ist ebenfalls nur kurz im Amt. Er will ein breites Bayern-Bündnis schmieden mit BonnGegnern aus CSU. wie Adenauer mürrisch bilanziert. Zumal das Verfassungswerk zu einem beträchtlichen Teil sein eigen Kind ist.u. 101 zu 64. Bayernpartei und SPD. kennt. davon sind acht Mitglied der CSU.« Und Carlo Schmid dichtet im homerischen Stil: »Wo auf den Bergen der Schütz. der 20. »Sozial-« und als »Kulturstaat« bezeichnet. es thront über der kriegsversehrten Stadt wie zu Königs Zeiten. Oktober 1948 im Bonner Hotel Königshof am Rhein zu einem Abendessen mit dem nordrhein-westfälischen Innenminister Walter Menzel. Außerdem muss er einerseits Hundhammer vom Vorwurf des Separatismus freisprechen. Am 1. Dezember 1946. »nachdem im Sinne der Bayern die Entscheidung gefallen ist«. hatte es doch zunächst »deutscher Bund« und nicht »Bundesstaat« geheißen. Vaterland« soll es jetzt »Heimaterde. dass die Partei heute stolz auf ihren Kampf gegen das Grundgesetz zurückblickt. Dort ist er. zum andern begründen.« Die Mehrheitspartei der Konstituante. Alois Hundhammer (mit Bart) und Josef »Ochsensepp« Müller (M. Denn er selber ist es. Auch die Diskussionsgrundlage. und nun. »Separatisten!«. Im Plenum stimmt die CSU ihren Klagegesang an. Grafik: Anne Gerdes gefährdet. des Bundesrats. Trotz des Ergebnisses bleibt Hoegner auf Wunsch der Militärregierung Ministerpräsident. streitet indessen hingebungsvoll vor sich hin. Sie wollen eine zu weit gehende Eigenstaatlichkeit vermeiden. Außerdem böte das Grundgesetz »unheilvollen Entwicklungen im Parteileben« keine Schranke. Es ist die vierte in der bayerischen Geschichte nach 1808. die Gegenseite sieht ebendiesen Föderalismus als Hitlers erstes Opfer. Nicht immer freilich herrscht Eintracht. Derweil ertrinken die deutsche Zivil. Die beiden Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei und die beiden Kommunisten (alle vier aus NRW). einer »Bundesrepublik«? Um neun Uhr morgens beginnt die Debatte. ist von bayerischen Experten verfasst. Tatsächlich bringt die CSU am Ende ganz neue Themen auf wie zum Beispiel das Elternrecht – gemeint ist das Recht. »Ich traue den Herren. mit ihrem Nein geselle sich die CSU den Kommunisten zu.und die amerikanische Militärverwaltung in Arbeit. Und er jammert. Und Eugen Rindt. 1818 und 1919. Ehard berichtet später. Bald kommt es zu Spannungen zwischen ihm und der Militärverwaltung. die Liberalkonservativen und die Erzkonservativen. Zwar empfindet Pfeiffer den Beistand als »peinlich«. Hundhammer werden – nicht zum ersten Mal und nicht ohne Grund – separatistische und monarchistische Neigungen nachgesagt. die SPD zu sich herüberzuziehen. Der erste Nachkriegslandtag versammelt sich am 21. das wiederhergerichtete Maximilianeum. 14 Abgeordnete stellt Bayern. denn Pfeiffer und Ehard haben ganze Arbeit geleistet. Auf Druck der Amerikaner war der Artikel ohnehin umformuliert worden. Die US-Besatzer haben ihre liebe Not. Doch er wütet umsonst« – umsonst. Anton Pfeiffer. Er ist sogar Leiter der CDU/CSU-Fraktion. SPD und FDP enthalten sich. Am Ende freilich bekennt er sich »angesichts der weltpolitischen Lage« zur neuen Konstitution. in der die Länderregierungen das Sagen haben und nicht – wie bei der »SenatsLösung« – die Wähler. Am 19. etwa bei der Finanzverwaltung oder bei der Aufteilung der Steuern. Die Alliierten monieren am 2. den die Nazis 1934 aufgehoben und dessen Sitz die Bomben zerstört haben. Staatsstolz wird das Land in den ersten drei Artikeln als »Freistaat« – also als Republik –. kritisiert die Finanzverfassung und die zu geringen Rechte des Bundesrats. Die SPD hat eine »Interpellation gegen die Bemühungen monarchistischseparatistischer Kreise in Bayern« eingebracht. Da kommt Hilfe in höchster Not. Ehard aber ist zufrieden. Eine knappe Mehrheit verwirft die Idee. September seine Arbeit aufnimmt. ebenfalls von der CSU. dies gegebenenfalls zu verweigern. Bei den Wahlen zu diesem Konvent haben sich 58. Aus der SPD-Fraktion sind »Pfui«-Rufe zu hören. wo der allzeit explosionsbereite Kurt Schumacher sogar das Recht auf einen eigenen bayerischen Landesverband der SPD infrage stellt. Angst vor dem rechten Flügel der CSU. Um die Souveränität zu betonen. Geschlossen votiert die CSU gegen das Grundgesetz. Territorial blieb es fast unberührt. Unten: Hundhammer stimmt ab weiterer Entwurf hervor. Weiteren Geländegewinn vor Augen. die Beleuchtung schummrig. einer ist Freidemokrat. die Heraufkunft eines »gottlosen Zwangsstaats«. resümierte. was er an Länderrechten im Grundgesetz durchgeboxt hat.. So kann die CSU in Bonn wie in München guten Gewissens gegen das Grundgesetz stimmen – folgenlos. M.o. Selbst aus der Bayernhymne will die Partei jeden Hinweis auf Deutschland getilgt sehen. Jetzt steht die Ratifizierung an.) mit Adenauer (r. finden dort Unterschlupf. Die neue deutsche Republik wird ein »gottloser Zwangsstaat« Drei Tage später stimmt der Rat in Bonn ab. Statt »deutsche Erde. In ihr versammeln sich Anhänger eines souveränen Freistaats. treu dem Hause Wittelsbach. der SPD-Mann Wilhelm Hoegner. dass eine Zustimmung von zwei Dritteln der elf Landtage zum Grundgesetz ausreichen soll. Die Bayern querulieren weiter. lange nach Mitternacht. die Kinder auf »Bekenntnisschulen« zu schicken. Ehard ist der einzige Ministerpräsident. er lebt in Frankfurt a.). Von Pfeiffer eingefädelt. Knoeringen spottet. Bayern habe eine »Chance. Als die Diskussion um die zukünftige deutsche Verfassung beginnt. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt.3 Prozent der Wähler für die CSU entschieden. sie endet um halb drei nachts. Wie kann das Land seine Identität wahren? Soll es mitmachen bei einem künftigen geeinten Deutschland? So schickt Hoegner gleich eine Sonderration Kartoffeln in die Rheinpfalz. er habe beim ersten Wahlgang noch »mit Mantel und hochgeschlagenem Kragen im hinteren Teil des Saales« gestanden. Der Landtag. Die neue starke Kraft im Lande. die beiden Delegierten der rechtsnationalen Deutschen Partei aus Niedersachsen und sechs der acht CSU-Männer aus Bayern votieren gegen das Grundgesetz (nur zwei fränkische CSU-Abgeordnete sind dafür). Zur Not der Einheimischen kommt die der Flüchtlinge aus dem Osten und der Displaced Persons. ruft Thomas Dehler. einen strammen Konservativen. Waldemar von Knoeringen (SPD) reizt die Rechte bis aufs Blut mit der These. Mai ist angebrochen. warum dies nicht genug ist. Die beiden Hauptkontrahenten innerhalb der CSU. Mai 1949 halten Hundhammer wie auch Bayernparteiler flammende Reden für ein freies Bayern. Die Formel für diese wirre Dialektik ist rasch gefunden: Nein zum Grundgesetz. Auch Hans Ehard setzt seinen Namen unter die Urkunde. Schon am 13. über allen Verhandlungen in Bonn habe der »bayerische Zweifel« gestanden. 65 Delegierte entsenden die Länderparlamente nach Bonn. die der CSU erneut eine kräftige Mehrheit bescheren. Zudem beinhalte Artikel 178 der neuen bayerischen Verfassung. die in Bonn ein Verbindungsbüro unterhält. als gegen Ende der Debatte Wilhelm Hoegner das Wort ergreift. Thomas Dehler. Ehard muss mehrere Spagatkunststückchen zugleich vorführen: zum einen stolz präsentieren. Es gibt jedoch einen Ausweg. abgesehen von einigen wenigen Mitgliedern.. Gut 70 Prozent aller abstimmenden Bayern billigen am 1. meinte bereits 1946 der spätere Landtagspräsident Michael Horlacher. Das alles aber hindert Bayerns Politiker nicht.n. Hitlers Münchner Anfänge hätten im Dunstkreis des bayerischen Föderalismus gelegen.): AP. Archiv Friedrich (2). das Grundgesetz abzulehnen. dass der Ausdruck »bayerischer Staatsangehöriger« nicht im Gegensatz zum Begriff des deutschen Staatsangehörigen zu sehen sei. der die Amerikaner um Unterstützung gebeten hat. hinzu kommen fünf Abgesandte aus West-Berlin. Doch eigentlich will Ehard den Beitritt Bayerns zum Bund. einem SPD-Mann. Aus allen Winkeln des Freistaats sind sie nach München geeilt. dass er dies selbst vor dem Parlament deutlich macht. nicht ahnend. Darunter eine turbulente Szene im Landtag: Ehard (l. wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. Die FDP höhnt über »Hoegners Traum. W Den Herren aus dem protestantischen Norden ist nicht zu trauen Die Ministerpräsidenten lösen sich nun ab wie die Faschingsprinzen. »Landesverräter!«. dass er in Kürze zum neuen Chefbayern bestellt werden sollte. der »Entwurf eines Grundgesetzes«. gleich die beiden ersten Buchstaben A und B behandeln die Bayern-Frage: »Der Anton pfeift aus dem ff / adagio jetzt und jetzt andante / die Arien des Ochsenseph / der Aloys schnalzt die Älplervariante . den er im Schweizer Exil ausgearbeitet hat. kein Recht. Soll Bayern Teil eines westdeutschen Bundesstaats werden. ist Fraktionsvorsitzender. Bayern im Glück. Vaterland Gehört Bayern überhaupt zur Bundesrepublik Deutschland? Im Mai 1949 lehnte sein Landtag das Grundgesetz ab. Theodor Heuss reimt ein ABC des Parlamentarischen Rates. Aber über das gloriose Votum vom 20. bedeute die Sache plötzlich nichts mehr. Ehard droht nun mit Rücktritt für den Fall eines doppelten Nein. Mal ist es die Finanzverfassung. SPD und FDP sind empört. gut ein Jahr. Dezember 1946 noch in der Aula der ausgebombten Universität. tönt es von links nach rechts. später Bundesvorsitzender der FDP. die ihnen nicht passt. der »Ochsensepp« und Vertreter des liberalen Flügels. auch wenn er es sich noch föderalistischer gewünscht hätte. Auch andere Verfassungsväter sehen überall Weiß-Blau. Gegenseitig schlägt man sich die Geschichte um die Ohren: vom Heiligen Römischen bis zum »Dritten Reich«. Ehard muss dem Hundhammer-Flügel etwas bieten: das Nein zum Grundgesetz. Doch keiner von beiden hat eine Chance. zu streiten für Bayerns Freiheit. Einigen Herrgottswinkel-Advokaten ist das Ganze auch zu wenig christlich. Doch da passiert etwas Seltsames: Ehard empfiehlt. eine Verfassung. Gemeinsam heckt die Rhein-Isar-Entente eine »Bundesrats-Lösung« aus. um einen Kandidaten gegen den jeweils anderen Flügel durchzusetzen. es verkommt zu einem Klein-Klein. Seinen größten Coup landet der Bayer bei der Gestaltung der zweiten Kammer. Ehard sieht im Grundgesetz die Hoheit der Länder Fotos (Ausschnitte v. als am 23. einen eigenen bayerischen Staatspräsidenten. jetzt muss Ehards komplizierter Plan glücken. Was treibt ihn um? Es ist die Angst. Mai seine Kompromissformel. Vaterland« heißen. Mai die Ablehnung als visionären Schachzug präsentiert. auch die Monarchisten. führt den Vorsitz. Clay hält in einem Schreiben fest. Orgeltöne erklingen. ferner als »Volks-«. empfiehlt er seinen CSU-Freunden nun die Zustimmung: Man könne nicht immer Nein sagen. die sich – verdächtig bescheiden – »Grundgesetz« nennt. März 1949 den Grundgesetz-Entwurf. ist in sein neues Quartier. Dezember 1946 die neue Verfassung. Für Joseph »Pepperl« Baumgartner von der Bayernpartei ist das Grundgesetz ein Bruch der bayerischen Verfassung. In seiner Bilanz hält er als einen Haupterfolg den »Kampf um die Eigenstaatlichkeit Bayerns« fest. ein Anhänger der Senats-Idee. Es ist der 19. Doch heute wird im Plenum über eine andere Verfassung abgestimmt. Der Bund ist ihnen im Grundgesetz-Entwurf immer noch viel zu dominant geraten. Schon bei der Wahl von Hoegners Nachfolger kann man sich nicht einigen. Die Ämter sind genau verteilt: Alois Hundhammer. Dann die Abstimmung. bis 1933 war er Vorsitzender der Bayerischen Volkspartei.oder Landesfinanzverwaltung als Hindernis bezeichnet. Dabei zeigte vor allem die CSU schon früh ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen VON RALF ZERBACK Vom Wählervolk ganz zu schweigen. fünf der SPD. Dementsprechend fallen deren Rechte üppig aus. der regelmäßig in die Debatten eingreift. vom deutschen Zentralisten zu einem überzeugten Föderalisten geworden. der den Versammelten einen Verfassungsentwurf präsentiert. Doch seltsam: Auf der Internetseite der CSU findet sich zwar eine detaillierte Chronik jener Jahre. Die CSU habe »immer und immer wieder« die Frage der Bundes. Die Alliierten und der Parlamentarische Rat haben festgelegt. Ein denkwürdiger Doppelbeschluss. Warum nur? Der Autor ist Historiker und Journalist. allein in der Hoffnung. die sich als junge Alternative empfiehlt: die Bayernpartei. Schäffer intrigiert bereits seit 1948. in einer zweiten Abstimmung im Landtag dann ausdrücklich den Grundsatz der Zweidrittelmehrheit zu billigen und das Grundgesetz für rechtsgültig auch in Bayern zu erklären. Und doch hat sich die Renitenz der Bayern am Ende für sie gelohnt. Konrad Adenauer. Mai erfährt man dort nichts. lässt in Abwesenheit zu Protokoll geben. Der Argwohn der Südländer ist gewaltig. und zwar – oh Wunder! – in denselben Punkten wie die CSU: Die Bundesrechte seien zu stattlich.). Man träumt von einem Aufstand des Volkes gegen das Grundgesetz. ist Parteichef. Prompt schießen die Wogen hoch. talwärts gezwiebelter Turm / Hüten die Freiheit. Heimaterde. allzu eng mit den Besatzern zu kooperieren. Überall herrschen Zerstörung und Mangel. Spannend wird es. die CSU. da es sich noch nicht um Landtagswahlen gehandelt hat. nach einem halben Jahr wird er seines Amtes enthoben. dann wollen sie nur einem stark föderalistischen Deutschland beitreten. damals bayerischer. Am 15. Doch die Bayern siegen. Vergebens hat Adenauer noch am Tag zuvor Ehard um ein Votum zur neuen Verfassung gebeten. sofern die meisten anderen Landtage Ja sagen. weiß-blau glühen die Herzen der Volksvertreter. Mehr noch: In einer höchst akrobatischen Volte kommen Ehard und seine Christgenossen auf die Idee. bloß zwei Gruppen: entschlossene Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit und feurige Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit. wonach Bayern einem künftigen deutschen Bundesstaat beitreten wolle. ja zu Deutschland. Aus dem berühmten »Verfassungskonvent von Herrenchiemsee« geht ein Bild oben: Bayerns Ministerpräsident Ehard (l. schäumt. Unter Ehard zeigt die Regierung zunächst gesamtdeutsches Engagement. Schließlich präsentieren die Hundhammer-Leute einen Kompromisskandidaten: Hans Ehard. Lediglich die verlorenen Westgebiete – die Rheinpfalz und der Kreis Lindau am Bodensee – stehen unter französischer Verwaltung. Der Nachfolger Schäffers. »an einen Heizkörper gelehnt«. als die Amerikaner ihm zunächst das Hissen der geliebten weiß-blauen Fahne verbieten. sich dem wichtigsten Thema überhaupt hinzugeben: der »bayerischen Frage«. umso weniger«. dass die Mannen um Hundhammer und Schäffer zur Bayernpartei wechseln. Hoegner ist es auch. der Heros des rechten Flügels. Man sollte also meinen. Immer wieder hat er wegen seiner Heimatliebe Rüffel von der SPD-Zentrale in Hannover erhalten. dann wieder sind es die Rechte des Bundesrats. Er hat am 19. seine Regierung die einzige. trifft sich Ehard am 26. Zugleich finden die ersten Landtagswahlen statt. es ist eisig kalt. Sie haben »viel erreicht«. fordern einige Mitglieder neben dem Ministerpräsidenten auch ein richtiges Staatsoberhaupt. andererseits ihn dazu bringen. . Die Militärregierung kennt Ehards Nöte und billigt am 5. Dann stimmt eine große Mehrheit gegen das Grundgesetz. so lautet das Ergebnis. 97 Parlamentarier bekennen sich zur Rechtsgültigkeit der Bonner Verfassung. wie sie nie mehr wiederkehrt«. als er von der Absprache hinter seinem Rücken erfährt. die SPD jubiliert. Angst dazu noch vor einer anderen Partei. Er ist schon seit 1947 nicht mehr Chef der bayerischen SPD und hat sich mit seiner erzbajuwarischen Position weit von der Haltung seiner Partei entfernt. lädt er Experten aus den elf westdeutschen Ländern für den August 1948 auf die Herreninsel im Chiemsee ein. Bereits im November 1945 gab er die Parole aus: »Vor allem aber wollen wir wieder unsere eigenen Herren im ›Gasthaus zum Bayerischen Löwen‹ sein. Juli 1946 tritt die Verfassunggebende Versammlung in München zusammen. Das hehre Werk der Verfassungsgebung. Schon im Mai 1945 haben die Amerikaner Fritz Schäffer zum Ministerpräsidenten ernannt.

müsste die deutsche Regierung bei einer Staatspleite erst einmal einige deutsche Banken retten. das Problem zu lösen. Würde die Drachme dann gegenüber dem Euro deutlich abgewertet. Portugal und Irland wackeln. Nun ist das Geld fast weg. ein Drittel der Verluste müsste Deutschland tragen. Auch dort müssten Bürger und Investoren um ihr Geld fürchten. Die deutschen Steuerzahler müssten auch nicht für Irland oder Portugal bürgen. 110 Milliarden Euro wurden schon zugesagt. Genau wie der Schuldenberg. Umgerechnet zahlt Microsoft für jeden Nutzer knapp 1000 Dollar.« 750 Milliarden Euro nahmen die Regierungen Europas vor genau einem Jahr in die Hand. und alles wäre vorbei. als könne man die Probleme Europas mit der Präzision eines Chirurgen lösen. Kein Wunder: Schließlich wird uns der demografische Wandel schon bald einen akuten Nachwuchsmangel bescheren. wenn man schon eine Flatrate fürs Surfen hat? 145 Millionen aktive Kunden konnte Skype damit gewinnen. wie sich nicht nur an den vielen Langzeitarbeitslosen dieser Altersklasse zeigt. Panik wäre die Folge. Und das ist das wahre Euro-Drama. Und mit jedem Versuch. Ist der Kaufpreis nun zu hoch? Schwer zu sagen. Zwar muss es so weit nicht kommen. Das würde auch in Irland. Drama. Wie hoch sie genau wären. um die Probleme der Krisenstaaten zu lösen. Die indirekten wären weitaus größer – für die Deutschen und für die Griechen. unterwegs bei der Autofahrt oder beim Spaziergang. DIETMAR H.. Am vergangenen Wochenende. Die Abkehr vom Euro verspräche ein Exportwunder ohne Schmerzen. für Europa. Auch sie bräuchte wohl eine Kapitalspritze. beim Bundesparteitag in Rostock. Das Ergebnis: Schutz vor Schwindlern? Lebensmittelverbraucher wehren sich im Netz S. Und der europäische Rettungsfonds hat 37. Statt mühsam die Löhne zu senken. dass die FDP zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben wird. 42 Jahre. Griechenland steht vor der Pleite. in Finnland. die das Unternehmen neben den Gratisgesprächen anbietet. wie wenig er weiß VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ 30 SEKUNDEN FÜR Generation 55 plus Bundesregierung. die Griechen könnten frei von Spardiktaten agieren. Verweigert die Regierungspartei der eigenen Regierung die Gefolgschaft. Im Jahr darauf wären weitere 38 Milliarden Euro nötig. mit neuen Auflagen. das Nationale drückt aufs Internationale.de ZUM THEMA: Interview zur Schuldenkrise mit dem Harvard-Historiker Niall Ferguson auf Seite 25 Ende März vergangenen Jahres erscheint in der Bild am Sonntag ein Artikel über das Treffen der europäiFortsetzung auf S. um ihr eigenes Geschäftsmodell zu schützen. Mit Microsoft hat Skype nun einen starken Partner.smetek. Baby. Europaweit rebellieren Bürger und Parlamentarier. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 23 INTERNET Punkt für Microsoft Mit dem Kauf von Skype greift der Konzern Apple und Google an Verließe Griechenland die Euro-Zone. bekämen die Griechen schon lange kein Geld mehr aus Deutschland. käme das Deutschland teuer zu stehen. »Viele Delegierte wollen sich nicht länger hinhalten lassen. In der Hoffnung. welche Risiken man eingehen will – und welche nicht. Die Griechen sparen. In Deutschland. Das Ende der Währungsunion würde auf dem ganzen Kontinent eine Spur der Verwüstung hinterlassen. wenn sie nur genug Zeit bekommen – und genug Geld. Ein Land nach dem anderen könnte aus dem Währungsverbund herausbrechen. um wieder konkurrenzfähig zu werden. Es hat sich eingebürgert. Portugal oder Spanien drohen. 24 . wie wichtig ihnen ältere Arbeitnehmer seien. Und sie rechnen. allein im kommenden Jahr braucht die Regierung rund 27 Milliarden Euro zusätzlich. Skype betrachtet Telefonate und Videogespräche ebenso als Datenverkehr wie das herkömmliche Surfen im Internet. 2. All das ist typisch für die Krise des Euro: Internationale Entscheidungen haben nationale Folgen. Das Bankensystem würde kollabieren. damit würden griechische Waren im Ausland billiger. Gebracht hat die Retterei wenig. Und keiner gibt zu. in ein neues Betriebssystem für Mobiltelefone. Die Regierungen agieren unter enormem Zeitdruck. Die Staatspleite wäre perfekt. 22 Milliarden Euro soll Deutschland vom Herbst an für den europäischen Rettungsfonds aufbringen. Gerade noch rechtzeitig haben Mannheimer Forscher entdeckt: Arbeitnehmer bis 65 sind nicht weniger leistungsfähig als jüngere. Die ist bei Microsoft traditionell stärker ausgeprägt als bei Skype: Gerade mal sechs Prozent nutzen dort bisher die kostenpflichtigen Zusatzdienste. MARCUS ROHWETTER Wie kommen wir da raus? Die Deutschen ringen um die Zukunft des Euro. aber die Kürzungen haben die Krise weiter verschärft. der Zahlungsverkehr zusammenbrechen. beim Landesparteitag der FDP Nordrhein-Westfalen. klingt es. sagt die französische Finanzministerin Christine Lagarde.WIRTSCHAFT D ie jüngste Niederlage hat ihn siegessicher gemacht. zum Argwohn von Deutscher Telekom & Co. die Skype in ihren Netzen lange unterdrückt haben. wenn es um die eigene Zukunft geht. Doch nun erlebt dieses Europa seine Schicksalstage. Die Griechen haben ihre Schulden in Euro aufgenommen.9 Milliarden Euro verliehen. LAMPARTER Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. von Europa als »Schicksalsgemeinschaft« zu sprechen. der viel Geld investiert.5 Milliarden Dollar übernimmt der Softwarekonzern den Anbieter von kostenlosen Internettelefonaten. noch höhere Kosten. wo die Euro-Skeptiker bei den jüngsten Wahlen 22 Prozent der Stimmen abräumten. dass die Griechen ihre Kredite zurückzahlen können. Die Oldies könnten sogar besser mit Stress umgehen und machten weniger Fehler. Auch wenn man die Vorgänge bei der FDP beobachtet. Frank Schäffler. Für 8. »Die Basis tobt«. Diese Option klingt so verlockend. Der Vorteil für Griechenland: Man könnte die eigene Währung beliebig abwerten. Auch die Europäische Zentralbank ist in Griechenland engagiert – angeblich mit 153 Milliarden Euro. Allein in diesem Jahr könnte die griechische Wirtschaftsleistung um mehr als drei Prozent schrumpfen. Parteien und Arbeitgeber betonen neuerdings. Es kommt auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden an. und wir werden damit weitermachen«. Am kommenden Wochenende. Ein einziger Schnitt. könnten die Griechen ihre Euro-Schulden erst recht nicht mehr bezahlen. In verschiedenen Ministerien beschäftigen sich Regierungsbeamte mit den Details. Euro-Gegner und Parteirebell: Ginge es nach ihm. ist das wenig ermutigend. ist unkalkulierbar. Finanzexperte der FDP. 1. In die Spielekonsole Xbox. Für Deutschlands Steuerzahler hieße das: noch mehr Verluste. um seinen Rückstand zu Apple und Google aufzuholen. in eine Kooperation mit dem Handyhersteller Nokia. Diese blieben auch nach Wiedereinführung der Drachme bestehen. dass sie bei betrieblichen Fortbildungsangeboten meist außen vor bleibt. brachte er seine Forderungen als Antrag ein – und scheiterte knapp. Es ist wie in einer antiken Tragödie: Es mag zwar Alternativen geben – aber alle erscheinen sie schrecklich. In der kommenden Woche treffen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten. könnten sie die Drachme wieder einführen. Für einen wie Schäffler sind das 22 Milliarden Euro zu viel. Positiv zu spüren bekommt das die Generation 55 plus aber kaum. wäre das ein dreifacher Schaden – für die Partei. dass sie auch in der Bundesregierung erörtert wird. in den Niederlanden. »Wir retten Griechenland seit einem Jahr. All das wären freilich nur die direkten Kosten. sagt er. Die schöne Option vom griechischen Ausstieg könnte also grässliche Folgen haben. Die Griechen haben zu viele Schulden angehäuft? Dann werfen wir sie aus der Währungsunion! Oder lassen sie pleitegehen! Deutschland wäre nicht länger Zahlmeister. Das scheint nicht allzu viel. daran glaubt Schäffler fest. 29 12. Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Sicher kann niemand sagen. bei der jetzt schon die 45-Jährigen zu alt für einen Führungsjob sind. Drama Wenn Frank Schäffler redet. Aber zur Realität in einer komplexen Welt gehört. sollte sie sich am Markt kein Kapital leihen können. Die Erlebniswelten von Microsoft werden gegenüber denen von Apple und Google attraktiver. um zu beraten. Warum also Gesprächsminuten extra zahlen. Und der Widerstand gegen neue Kürzungen wächst. Möglich. aus Angst vor der Zwangsumstellung und dem Wertverlust ihrer Sparguthaben. erschaffen sie zig neue. Für die FDP ist es wohl zu spät. was besser ist. aber vielleicht könnten ja andere Organisationen aus der Studie lernen. Wieselwörter Microsoft kauft Skype. In Griechenland würden die Bürger die Banken stürmen. werde die Abstimmung anders ausgehen. dass man sich immer wieder fragen muss. Überall könnte Skype nun eingebunden werden und Menschen verbinden: ob beim virtuellen Tennismatch vor dem Wohnzimmerbildschirm. ob man den Griechen überhaupt noch helfen kann – und wie. Mit dem Kauf zeigt Microsoft Siegeswillen im Kampf um die Kommunikation von morgen. die Probleme aber sind immer noch da. für die Koalition. sondern auch daran. Weil deutsche Banken sehr viel Geld in Griechenland verliehen haben – geschätzte 17 Milliarden Euro allein an den griechischen Staat –. Deshalb bereitet die EU ein neues Hilfsprogramm vor. dass Deutschland nicht mehr mitmacht.

die von den Krisenländern mit Zinsen zurückbezahlt werden müssen. im Westen trifft das nur auf 45 Prozent zu. dass vom engeren Zusammenrücken alle profitieren. Griechenland. Der Streit um die Rettung des Euro ist voller Wieselwörter. 63 Jahre. wissen bereits. Wenige Stunden zuvor hat Spiegel Online berichtet. Nur sagt das niemand offen. 2/3) hat sich Angela Merkel nun erstmals direkt zur Kandidatenfrage geäußert – und ihre Sympathien für Draghi erkennen lassen. Fast 400 Milliarden Euro würde es Deutschland kosten. Vielmehr gehe es darum.und Regierungschefs: »Die Mitgliedstaaten der EuroGruppe werden entschlossen und koordiniert handeln. Geheimdiplomatie. Alle wissen das – es sagt nur keiner. Bis jetzt stimmt das auch. Am Ende ist der Turm unfassbar hoch. weil in Nordrhein-Westfalen gewählt wird. Das Problem ist nur. Als Griechenland dann Ende April tatsächlich Finanzhilfe beantragt. ergreift Michael Burda das Mikrofon. Das geht aus einer Studie der Versicherungsforen Leipzig GmbH hervor. der neue Herr über den Euro? Der Amtsinhaber Jean-Claude Trichet tritt im Herbst ab. gebürtiger Amerikaner und Wirtschaftsprofessor an der Humboldt-Universität. den die Gegner der Griechenlandhilfen gern als ihren Kronzeugen anführen.zeit. der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber. die Angela Merkel vorwerfen. verliert der andere. Das ist weit mehr als doppelt so viel wie der Preis an der Leipziger Strombörse.und Regierungschefs wenige Tage zuvor. Das Grauen trägt bei Sinn den Titel Warum Deutschland ein SchuldenTsunami droht. Ihr zufolge beträgt der Wert eines Erbes im Osten in rund 60 Prozent der Fälle weniger als 25 000 Euro. Dagegen haben in den alten Bundesländern 19 Prozent aller Hinterlassenschaften einen Wert von mehr als 100 000 Euro. Ohnehin waren Merkels Optionen begrenzt: Außer Weber hatte Deutschland keinen qualifizierten Kandidaten. schrieb der Philosoph Jürgen Habermas kürzlich in der Süddeutschen Zeitung. »deutsche Interessen« zu verteidigen? Hart sein um der Härte willen? Die Griechen pleitegehen lassen. ergreifen sie erst recht die Flucht. Er ist ein Anhänger einer stabilen Währung. wird sie innerhalb von wenigen Tagen genehmigt. Heute geht es den Deutschen gut. die Umfragewerte sind mies. ganz offen Als Wolfgang Schäuble am vergangenen Freitag im Luxemburger Schloss Senningen eintrifft. den er in diesen Tagen oft hält. Griechenland wolle die Euro-Zone verlassen. ist der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi Favorit. Und deshalb betonen deutsche Politiker immer wieder. Als der Bundestag im vergangenen Jahr über das Griechenlandpaket abstimmte. der polarisiert. Dann steigen die Marktzinsen für alle Staaten. die Politik zu analysieren und zu bewerten – sondern greift selbst ein.und Westdeutsche erben annähernd gleich oft. Was damals keiner ahnt: Im Prinzip haben Europas Politiker das Hilfspaket längst beschlossen. Es sei nicht Aufgabe der Politik. Denn was bedeutet es. 400 Milliarden Euro sind mehr als der gesamte Bundeshaushalt. Wenn Investoren wissen. gut klingend. Im Osten gilt das nur für knapp drei Prozent. einzugreifen. Sie haben es sogar verkündet – in einem dieser diplomatisch verschwurbelten Bulletins. die Griechenland konkrete Hilfszusagen machen wollten. Auch Rosen gehen gut. Viele in CDU und CSU sind dagegen. ist die schwarzgelbe Mehrheit im Bundesrat weg. »ein naturwüchsiges Meinungsspektrum bloß abzubilden«. Griechenland zu stützen. Europa müsse jetzt für die Fehler der Vergangenheit bezahlen. Im Gespräch mit der ZEIT (siehe S. Draghi gilt nach dem Rückzug Axel Webers weithin als der beste Mann für den Posten. Schäuble gilt als Verfechter eines weiter zusammenwachsenden Europas. wobei jeder Stein für einen Geldbetrag steht.4 Prozent. Szenarien.de/finanzkrise Fotos: www. Merkels Koalition hat einen schlechten Start hingelegt. aber ihr Marktanteil betrug zuletzt erst 2. Seit sich der deutsche Kandidat. Weil der Druck auf die Griechen aufrechterhalten werden soll. Dabei würde sich die Politik nur den Launen der Märkte ausliefern. sogar von der Gründung einer rechtspopulistischen Partei. ihre Kernkraftwerke gegen einen schweren Atomunfall wie in Fukushima versichern. wenn in Griechenland die Wirtschaft rund läuft. Am beliebtesFair-Trade-Produkten ten war zuletzt wiederum fair gehandelter Kaffee (7200 Tonnen). weil es den Griechen und den Iren gut ging. sie knicke vor den Staaten Südeuropas ein. Ein Mann. VO Sozialbewusst 27 In Deutschland haben Verbraucher im vergangenen Jahr Fair-Trade-Produkte im geschätzten Wert von rund 340 Millionen Euro gekauft. Dass griechische Rettungspakete auch deutschen Unternehmen zugutekommen. Schon der noch moderat erscheinende Cent-Betrag bedeutete deshalb das ökonomische Aus für die Meiler. »wie verlogen die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird«. dass in der Wirtschaftsgeschichte alle Versuche scheiterten. er ist erfahren im Zentralbankgeschäft. Etwa die »Gläubigerbeteiligung«. als »weich« zu gelten. Am 11. Aus Angst vor der Wut des Volkes. Die vor allem nach sozialen Produktionsbedingungen ausgewählten Waren werden in etwa 30 000 Supermärkten. Irland. Kosten. LÜT Geheimtreffen in Luxemburg: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am vergangenen Freitag Ungleiche Erben Ost. Deshalb dürfen bis jetzt nur Kredite vergeben werden. Einer. Denn bei den 14 Cent bliebe es nur. aber ihres Inhalts beraubt – so wie ein von einem Wiesel ausgesaugtes Ei. auch wenn es der hiesigen Wirtschaft schadet? Vielleicht wäre es ja im deutschen Interesse gewesen. heißt es oft. wäre der durch Kernenergie erzeugte Strom nicht mehr als preisgünstig im Vergleich zu anderen Energiequellen anzusehen«. an »einem öffentlichen Prozess der Meinungsbildung« mitzuwirken. Das ergab eine Studie der Postbank. Das Papier ist das für solche Treffen übliche Briefing der Beamten für ihren Minister: eine Auflistung von Optionen. ob ein reicher Bayer für einen armen Saarländer bezahlt oder ein reicher Finne für einen armen Griechen. Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. muss er eigentlich gar nichts mehr sagen. Zumal wenn er so unterschiedliche Länder umfasst wie Deutschland und Griechenland. Anstelle der Steuerzahler sollten die Banken ran. Europa darf alles sein. Das war fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Dort steht er und kann nicht anders Dies ist der Mann. Denn das Kapital bleibt zu Hause. wenn die Versicherungssumme über 100 Jahre angespart werden könnte. die in Europa 2011 zu treffen ist: Wer wird der nächste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Im Ministerium kennen diesen Sprechzettel nur acht oder neun Personen. Die Rettungsprogramme sind für ihn »eine tickende Zeitbombe. Sie kennen seinen Sprechzettel. Seine Sicht sei jedoch ein wenig »national«. weil es den Griechen und den Iren schlecht geht. zurückgezogen hat. Es klingt nach Eigenverantwortung und Härte gegenüber der Finanzindustrie.tvr-news. für viele Bürger und Parlamentarier aber auch attraktiv. den Deutschland zahlen muss. nur keine Haftungsgemeinschaft. keine Spuren an der Schale zu hinterlassen. Dass er überhaupt bekannt wird. Merkel braucht solche Berichte. Oder es bezahlt. Finanziert wurde sie vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) – und der Auftrag erging schon im Januar. »Ich kenne Mario Draghi«. zeigt: Der Konflikt um die Rettung des Euro teilt nicht nur Europa. einer Ausgründung aus der Universität Leipzig. um die finanzielle Stabilität in der Euro-Zone insgesamt zu sichern. Sinn wirft lange Zahlenreihen an die Wand. erst recht in der FDP. direkt nach einem Gipfeltreffen Monate zuvor. dagegen zu votieren. aber im Westen erbt man üblicherweise deutlich mehr. die ins schier Bodenlose stürzen. Er stimme seinem »Freund Hans-Werner« in fast allen Punkten zu. Dass die Deutschen mehr exportieren können. LÜT schen Staats. Portugal und Spanien pleitegingen.24 12. eine unrealistische Annahme. Sie fürchten vor allem das T-Wort – T wie Transferunion. Februar 2010 heißt es in der Abschlusserklärung nach dem Treffen der Staats. Dagegen kann sie auf das Lob der Fachwelt zählen. Seine These ist umstritten. bei der die Starken dauerhaft für die Schwachen bezahlen. er häuft einen Turm aus bunten Bausteinen an. Bioläden und sogeProzent beträgt das nannten Weltläden anWachstum von geboten.« Damit geht die Bundeskanzlerin ein innenpolitisches Risiko ein. 23 fessor und Chef des Münchner ifo Instituts. und er hat für die G 20 die Reform der internationalen Finanzmärkte koordiniert. so Björn Klusmann. sondern als Bürger eines geeinten Europas – in dem es keinen Unterschied macht. sagte sie. heißt es in der 150-seitigen Studie der Versicherungsfachleute.de (4). Hans-Werner Sinn. Am Montag dieser Woche präsentiert er seine Thesen an der Humboldt-Universität in Berlin. Ob bewusst oder unbewusst: An diesem Abend entwift Hans-Werner Sinn das Gegenmodell. Pro Kilowattstunde würde sich Atomstrom laut der Expertise um mindestens 14 Cent verteuern. »Eisern« ist so ein Wieselwort. Dass die Menschen sich irgendwann einmal nicht in erster Linie als Deutsche oder Franzosen begreifen. Nur die Bundesregierung hatte sich noch nicht festgelegt – und als größte Wirtschaftsmacht hat Deutschland de facto ein Vetorecht.« Entschlossen und koordiniert bedeutet: Europa ist bereit. Er geht auch mitten durch die deutsche Regierung. statt in die Peripheriestaaten zu fließen. er zeigt Diagramme mit Kurven. Das war die Leitlinie bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht. bevor die Lage eskaliert? Auch um den Preis. Weitere Informationen im Internet: www. »Er ist eine sehr interessante und erfahrene Persönlichkeit. Und so beschränkt er sich nicht mehr darauf. Je öfter in Berlin die Beteiligung der Gläubiger gefordert wird. Die deutschen Bürger sind gegen ein Hilfspaket für Griechenland. verteuerten den Atomstrom um mindestens vier Euro pro Kilowattstunde. Früher ging es den Deutschen schlecht. die sich als »Brücke zwischen Versicherungswissenschaft und Versicherungspraxis« versteht. als »eiserne Kanzlerin« gefeiert. noch vor der Katastrophe von Fukushima. und es war die Leitlinie bei den Beratungen zu den Rettungspaketen. wenn ein Staat pleitegeht – das klingt sozial gerecht und ordnungspolitisch sauber. desto näher rücken die Krisenländer dem Staatsbankrott. action press (u. Das Nachrichtenportal zitiert aus einer »internen Vorlage« des Bundesfinanzministeriums. Seine europäischen Kollegen. Tatsächlich dürfte aber die zu erwartende Kostensteigerung weit höher sein. Wirtschaftspro- Fortsetzung von S. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 STAATEN IN DER SCHULDENKRISE WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Atom-Versicherung Müssten RWE & Co. Die Zeitung beschreibt. wäre Atomstrom in Deutschland unbezahlbar – und alle 17 Meiler würden sofort stillgelegt. sofern das nötig ist. einen Währungsraum ohne Haftungsgemeinschaft zu errichten. Eine Diktatur des Volkes sollte sie nicht sein. der über das Grauen spricht. Die griechische Krise hat sich zugespitzt. Deutschland könnte eine Kandidatur von ihm für das Amt des EZB-Präsidenten unterstützen. die mit ihm an der geheimen Zusammenkunft der Finanzminister teilnehmen. was ihn beschäftigt. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat den Begriff der Wieselwörter bekannt gemacht. Vielleicht ist es eher so: Entweder korrigiert Europa die Fehler der Vergangenheit. Als »Kämpferin für die Stabilität des Euro und deutsche Interessen« wird sie bejubelt.) . wie sich Angela Merkel in Brüssel erfolgreich gegen andere Mitgliedsstaaten zur Wehr gesetzt habe. deren Sprengkraft selbst die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit übersteigt«. Wenn das größte Bundesland verloren geht. Ein Italiener an der Spitze der Notenbank – das wird jenen Kritikern neue Nahrung liefern. beispielsweise zehn Jahre. Kürzere Ansparfristen. die Krise habe den Steuerzahler noch keinen Cent gekostet. Für Sinn ist das weitgehend ein Nullsummenspiel – was der eine gewinnt. Von einer drohenden Regierungskrise ist die Rede. Hans-Werner Sinn hat eine klare Vorstellung von der Welt. sagt Burda. dem Land geht das Geld aus. denn das Tier schafft es. so heißt ein Vortrag. die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers empört das Volk. dass sie ihren Einsatz verlieren könnten. wenn Draghis Chancen Es ist die wichtigste Personalentscheidung. »Anders als bislang vielfach behauptet. 4. schrieb er Abgeordnete an und riet ihnen. Als Sinn fertig ist. Bisher war die Idee der europäischen Integration. denn wenige Wochen nach dem Treffen wird in NordrheinWestfalen gewählt. 3. Geschäftsführer des BEE. Und für die angeschlagenen Länder könnten sie schnell zu hoch sein. Die Ergebnisse zeigten. Gemeint sind Sprachhülsen. Er steht unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe. Aber auch. Neben Italien hat sich auch Frankreich für Draghi ausgesprochen.

senken die Steuern und führen die Staatsquote zurück. Mal abgesehen von den möglichen ökonomischen und strategischen Konsequenzen für die Zukunft des Westens: Was wir erleben. Wir bilden uns ein. und zwar so überEnkelkinder ein Problem haben. als es für bruch bedroht sind. wenn die gesamte Haus. sich dar. viele Amerikaner wer. Es ist auch kein glaubwürdiges Szenario diskutiert.« Ferguson will GeReich und die Habsburgerlen Voraussetzungen immer schichte anwendbar machen monarchie. Noch können sie den Niedergang abwenden. dass man hanzu Ende. ist das historische Mandat verloren gegangen.und Finanzkraft auf Kurs zu halten. bevor das Vertrauen verloren geht.Prozent voraus. sondern auch für den Rest der Welt? ZEIT: Sie sprechen von einer Verschiebung des Ferguson: Ganz genau.. mit denen wir bisher tutionell defekt und wirtgearbeitet haben. aber les sah danach aus.WIRTSCHAFT STAATEN IN DER SCHULDENKRISE 12. aber als Sieger werden sie sich dennoch nicht feiern können..in dieser apokalyptischen Zukunftsvision? Imten in den asiatisch-pazifischen Raum.den steigenden Goldpreis als Anzeichen dafür lette mit dem Staatshaushalt. bin ich absolut kein Kulturpessimist. den sich mit einem wesentlich niedrigeren Le. Stagflation also.scheußlich genug werden: Griechenland wird te ein allgemeines Gefühl von amerikanischer pleitegehen. wird das Chinesen ihren wirtschaftlichen Einfluss in straviel schlimmere Konsequenzen haben.. Niedergang Amerikas schrittleicht. volkstümlich und genial. Wir zuschalten. Es ist eine ziemlich nehmen.und unzufriedene CDU-Wähler fragen sich. sondern sich sehr Hyperinflation von Weimar. Geeuropäische Politik es unter alte Weisheit«. Und im Zentrum der europäischen für US-Staatsanleihen nächste Woche verdop. was Spengler angeht.Vertrauen entzogen haben.schlossenheit. menfallen. ist eine weniger Generationen. heißt es dann. Indien und China holen auf. mit ren mit den portugiesischen Seefahrern begann.Mal seit drei Generationen fühlen die Deutschen dammt ernst. Das sind Aufstieg von China und Indien ist mehr als ein die Stammwähler.chen will.Ferguson: Das ist ja das Problem der Euro-Zone.25 Zweifel über die Kreditwürdigkeit der Amerika. weil wir es erfunden Status als Supermacht zu sehr gewöhnt haben. ist. Das größte Versagen der Bundesregiebeitsmarkt zusätzlich beigetreten. ganz so spektakulär wird es. und die Geschichte ständigte. und es hat vor allem einer Analyse der amerikaeines gezeigt: Zum ersten Mal nischen Wirtschaftskrise wird oft ein willkür. Ich sehe mich als Warnlicht. den Obama gehen will. Ich habe mich in letzter Zeit viel deln muss. wie entschlossen die Griff bekommt. dann ist es Europa. Zum ersten pelt. Ich sage dagegen. wie die Zukunft aussehen könnte. und die EZB wird wie Schwäche.falls davon ausgehen. Die Ermordung von Osama bin Laden heiß läuft und wenn sich die USA bei den Chine.auch außenpolitisch scheint Amerika schwächer druckmaschine der wichtigsten Leitwährung denn je. in der das Know-how. Die Märkte haben ghanistan zwar vereinfacht haben. nommen ist das ja jetzt schon der Fall.und Fiskalpolitik darauf basiert.ZEIT: Wo sehen Sie Europa und die Euro-Zone schaftliche Zentrum der Welt wandert vom Wes. schaftlich extrem ungleich. nämlich das Bankensystem über Wasser zu halten und gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. zeigt. Und anstatt Konvergenz zu ZEIT: Was nimmt man stattschaffen. dass die bis China die US-Militärdominanz im Pazifik Schulden ein Problem sind. teme. Das Gespräch führte JOHN F. die Frau Merkel nicht verscheuFünftel der Weltbevölkerung dem globalen Ar. Das wirt. dann ist es der jetzt mit viel weniger Geld auskommen – und deutsche Mittelstand. Mittlerweile schlägt deutsche Löhne zu zahlen. ZEIT: Das klingt ja danach. lässt sich auch auf geostrategische ist diese Vorherrschaft konkurrenzlos.und Südamerika aus. denn am Ende rede ich doch vom Aufstieg des Ostens. Dennoch herrscht herausfordern kann. wabensstandard abfinden müssen. »Nur tut nau wie das Byzantinische den gegebenen institutioneles keiner. als dass Europa keiner besonders rosigen Zukunft entgegenblickt. davon gehe ich aus. komplexe Systeme nicht vor knapp zwanzig Jahren mit Nehmen Sie das Beispiel unbedingt linearen Gesetzen einer Detailstudie über die Lohnstückkosten: Sobald die folgen. Und das ist doch positiv. ist das halts. und das liegt vor fahr existiert im Cyberspace. Die Chinesen haben längst Amerikaner kann sich eine Welt vorstellen. Ich würde ihnen zu der ersten Alternative raten. und als Konsequenz werden populistische Bewegungen an Einfluss gewinnen. aber das war schwierig JFJ weise vonstattengehen? Bei genug. den Wählern nicht deutlich zu den ungelernten amerikanischen Arbeiter ist da. Europa debattiert Niall Ferguson vor dem Swiss-Re-Tower in London Foto (Ausschnitt): Tom Stockill/Camera Press/Picture Press Ziele zu verfolgen. das die Amerikaner vor einer unmittelbar drohenden Gefahr warnt.könnte ein sehr aggressiver Gegner sein. einem lausigen Zustand. die von der Euro-Krise Teilen des Landes müssen die Menschen schon bisher verschont geblieben ist. Griechenland oder Portugal pleitegehen . Amerika hat ein Problem . allem daran.Ferguson: Genau.len.ZEIT: . Angesichts dessen können Sie zu keinem anderen Schluss kommen. Schließlich haben sie erst ZEIT: Die Tage der Weltmacht Amerika sind also gehandelt. von 1945 eine politische Supermacht. sonnen Büchern und Fernsehdokuveau deutscher Produktivität dern plötzlich in sich zusammentationen lieber den großen zu erreichen. oder sie entscheiden sich für den europäischen Weg. das die Finanzmärkte beun. Kurzum. Dennoch wird es Jahrzehnte dauern. Bedenken Sie. Was Amerika von zählt.nicht geholfen wird. sich nicht dafür verantwortlich. Aber der Paradigmenwechsel. Darauf basiert das amerikanische SelbstSeit 1872 sind sie die größte Volkswirtschaft. Schließlich lebe ich dort. Der bedeutet hier und da ein paar Einsparungen und höhere Steuern. wieder geschafft. Wenn es einen Wirtschaftsraum gibt. die Weltmacht Amerika Integrationsprozess durch ihre Wirtschafts. und steigende Inflation wird ner breit.Wenn das militärische Ziel darin besteht. der still und zufrieden seine zwar nicht erst seit der Finanzkrise.mag den Abzug amerikanischer Truppen aus Afsen immer mehr verschulden. Unter den Rating-Agenturen macht sich US-Wirtschaft allenfalls ein Wachstum von 1. als die Finanzmärkte nacheinander den Griechen. Wenn Sie gen spielen seit fast zehn Jahren russisches Rou.. dass die Amerikaner sich an ihren dass uns das Internet gehört. Durch den Produkte weiter nach China exportiert.ganz ähnlich aussehen: Die Prognosen sagen der ruhigt. dass Geschichte saisonal verläuft und jede Zivilisation eines Tages einen schrecklich kalten Winter erlebt. haben. und seit 1991 dem ich rede.rum sie Iren oder Portugiesen unterstützen sollen. wird das Problem schon nächste Woche ver. Ich halte es für plausibel. ist. Charaktereigenschaften: jovial. ich bin nicht für den Niedergang Amerikas. dass höhere Produktivität in den asiatischen Ländern zu einem höheren Lebensstandard führt und dort viel weniger Menschen in Armut leben als noch vor zwanzig Jahren. und alüber die drohende Pleite Griechenlands. Das Römische historischen und globalen BoReich verschwand binnen gen. dass sie einen Flugzeugträker ein. Das Wirtschaftswachs. der vor sechshundert Jah.. um den Status quo mit neuen das anders wäre. Ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit? Als ich ein Teenager war. Nehmen Sie das Problem der schlecht integrierten muslimischen Immigranten und die demografische Entwicklung von immer älter werdenden Gesellschaften. Die Zukunft könnte ein Niveau erreicht. schaft. Europäer wirklich sind. als könnten wir alle einpacken. und wenn die bisher gibt es kaum Anzeichen dafür. dass die ihre Schulden nicht in den Griff kriegt. nicht kommen. denn die Regierun. und dieser merhin herrscht in der europäischen Politik EntProzess könnte ohne Weiteres beschleunigt wer. dass Weltmächte nicht der Harvard-Professor mit seiohne dabei jemals das Nilangsam verschwinden. Die Republikaner müssen einen neuen Ronald Reagan finden. dann hat China längst aufgeholt und erleben gerade das Ende der westlichen Vorherr. Aber die Zukunft wird und nach dem verlorenen Vietnamkrieg herrsch. tischen Entscheidungen der kollabierte. wenn anderen Euro-Ländern frühere Generationen war. dass deutsche Banken vom Zusammendurch ungleich schwieriger geworden. oder nicht? Verstehen Sie mich nicht falsch. Niall Ferguson: Das ist milde ausgedrückt. ZEIT: Was muss also geschehen? Ferguson: Die Amerikaner haben jetzt die Wahl: Entweder kehren sie zu dem alten Modell zurück. 2050 könnten unsere den Rückwärtsgang eingelegt. der die japanische Stagflation der neunziger Jahre erleben wird. dass wir von Europa in Zukunft ebenfalls nur ein schwaches Wachstum erwarten dürfen. das Schuldenproblem zu lösen. dafür ist der Austritt tum war schwach. In weiten Wenn es eine Gruppe gibt. sagt er. Davon abgesehen. JUNGCLAUSSEN Zur Person . dass Investoren immer weniger Vergefährliche Strategie. Zivilidie das große Bild der GeschichLänder dem Euro beigetresationen sind komplexe Syste um ein Puzzlestück vervollten waren. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 25 »Russisches Roulette mit dem Haushalt« Der britische Historiker Niall Ferguson glaubt. fingen sie an.. und ich ZEIT: Was hätten die tun sollen? glaube. Computerviren das Stromnetz des Gegners aushat seinen Höhepunkt längst überschritten. seit bewusstsein.Desintegration liegt Deutschland. den Iren und den Portugiesen das Ihrer Meinung nach gezählt? Ferguson: Nicht nur die Tage Amerikas sind ge. Warum sollte der Ferguson: Fürs Erste vielGegenwart leisten. Die USA sind immer globalen Weltmachtanspruchs nach Osten. wir Historiker müssen uns von den zykli. Deswegen wird in Washington Technologien aus den Angeln zu heben. Ferguson: Doch. den europäischen ZEIT: Angenommen. dass amerikanische Militärausrüstung die Schuldensituation in den nächsten fünf bis mit chinesischen Computerchips ausgestattet zehn Jahren stabilisieren würde. das bekannt. riesige ein ziemlich wahrscheinliches Szenario. hat das Ungleichdessen? gewicht zwischen den groFerguson: Wir müssen von Der Wirtschaftshistoriker Niall ßen Ländern und denen an der Wissenschaft lernen. Aber sind die sauber? Oder werden sie Sie das in einem größeren Zusammenhang: Der eines Tages unvermittelt den Dienst versagen? Aufstieg des Westens. Afallen Grund. als würden die Russen den auch die amerikanischen Staatsschulden haben Kalten Krieg gewinnen. ZEIT: Ein Optimist sind Sie nicht gerade.. was passiert dann genau? Ferguson: Ganz einfach. »Dass wir aus der GeZEIT: Gleichwohl hat die schichte lernen können. Wenn Sie so wolstürzt von der Klippe. raschend. Der Aufstieg des Westens insgesamt geht den Europäern lernen kann. rika hat ein Riesenproblem.in seiner Geschichte hat das europäische Projekt licher Zeithorizont gesetzt. wirtschaftlich schwächeren plötzlich verändern. Bitte betrachten wurde. Ferguson: Also. zumalen. Gesucht: Hollywoodschauspieler fürs Präsidentenamt. Und Konjunkturpakete zu schnüren. die Öffentlichkeit hat langsam begriffen. Die Sowjetunion breitete sich in immer versuchen. Das Leben für rung liegt darin.. Auch ger bauen. Ame.machen. dass wir es noch gar nicht wahrgenomAber wenn der Anleihenmarkt die Risikoprämie men haben. den.glaube ich. immer wahrscheinlicher . dass die Chinesen ihre U-Boot-Flotte erneuern. wenn die Geld. die Inflation außer Kontrolle. Irland auch. und wir müssen ebenZEIT: Hat die Politik eine Antwort darauf? Ferguson: Allmählich sehen nicht nur die Politi. Aber noch die größte Volkswirtschaft. Ferguson: Wir wissen. dass es so nicht weitergehen kann. die Märkte und einen Beitrag zu den poliwie rasant die Sowjetunion zu beruhigen. dass der Lauf der Geschichte eben nicht so linear ist. mit Komplexitätstheorie beschäftigt. ZEIT: Dann ist der Zusammenbruch des Euro lohnt sich ein Blick zurück in die siebziger Jahre. Oder ist es doch nur Ihr Kulturpessimismus? Der »Untergang des Abendlandes« wurde ja von dem Historiker Oswald Spengler schon vor neunzig Jahren vorausgesagt. Der Unterschied zwischen den Kernländern und der Peripherie wird zunehmen. ZEIT: Amerika stellt nicht nur eine Gefahr für ghanistan ist so instabil wie eh und je. Eine akute strategische Gekeine große Eile in Washington. der hat argumentiert. zwei sich widersprechende DIE ZEIT: Professor Ferguson. als wenn tegische und militärische Macht ummünzen . befand sich Amerika in Ferguson: Nein. Und genau ge. dass Ferguson begann seine Karriere der Peripherie zugenommen. aus dem Euro zu teuer.trauen in die Zukunft des Dollar haben. Um sich aber aus. dass die USA mit ihren Schulden in die gleiche Lage geraten könnten wie Griechenland Afrika und Mittel. unruhig zu sein. wenn Amerika seine Schulden nicht in den Ferguson: Ich frage mich. Kaum ein Fragen anwenden.. Aber in zwei Jahren oder sogar noch früher könnte es zu spät sein.. schen Modellen verabschieSie war von Anfang an instiden.

erwarb ein größeres Aktienpaket bei MAN und stockte seinen Scania-Anteil bis zum Erreichen der Stimmenmehrheit auf. umweltfreundlichen Autos überall ans Netz können. Rund 200 Millionen Euro könne man etwa durch einen gemeinsamen Einkauf einsparen. die von 2013 an Pflicht ist. holte sich eine Abfuhr.de/audio eu. Eine vertrackte Situation. Danach ging Volkswagen in die Offensive. Standards für die Ladestationen zu entwickeln oder Schilder für Plätze erfinden. Scania zu übernehmen. eine völlig neuartige Lkw-Fabrik in Brasilien hochziehen. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer »integrierten Nutzfahrzeug-Gruppe« gelang immerhin. das sich ausschließlich auf das lukrative Segment schwerer Laster konzentriert. gut erreichbare Ladestationen und kluge Buchungssysteme unterstützt würde. Statt über das »Auto« sollten alle Beteiligten mehr über »Mobilität« nachdenken. Schließlich gilt Scania. Denn danach soll die Bundesregierung der E-Mobilität endlich zum Durchbruch verhelfen und dafür tief in die Staatskasse greifen. verbunden mit großen Hoffnungen. Nötige Gesetzesänderungen sollten ein Leichtes sein. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hatte seine Liebe zu den großen Brummern bereits entdeckt. der Bundeskanzlerin ihren Bericht übergeben. Für die E-Mobilität wäre genau das die Chance – wenn Bund. Mehr Elektromobile auf Deutschlands Straßen wären dann tatsächlich ein Einstieg. MAN (98 000) plus Scania (46 000) könnten deutlich aufrücken. Die jetzt fällige Kartellprüfung (mit positivem Ausgang) werde eine engere Zusammenarbeit ermöglichen. Klar. als MAN die brasilianische Lkw. Bahn und Bus erleichterten. Rein zahlenmäßig würde eine MAN-Scania-VWAllianz aber an Marktmacht gewinnen: Bislang führen bei den international tätigen Herstellern noch Daimler (252 000 Lkw von 6 Tonnen aufwärts im Jahr 2010) und Volvo (129 000) das Feld an. dann umsteigen Nicht das E-Auto gehört gefördert. Stromkonzernen und verschiedenen Verbänden sitzen. dass sich wieder einmal eine Industrie die Entwicklung neuer Produkte zumindest zum Teil vom Steuerzahler finanzieren lassen will. www. wohl auch. als ein größeres Paket des schwedischen Lkw-Bauers Scania zu haben war.zeit. Was Piëch gewaltig wurmte. aber nicht mehr unbedingt das eigene Auto benutzen. Doch noch fehlt es an günstigen Modellen. aber wenig erreicht. zumindest darf es wohl kein Politiker laut fordern. dem mittlerweile zum Volkswagen-Konzernchef avancierten langjährigen PiëchWeggefährten. Die beiden VWBeteiligungen wurden zur engeren Kooperation aufgefordert. Später. Die Autoren wünschen sich eine Hilfe von fast vier Milliarden Euro. Länder und vor allem auch Städte durch viele kleine Maßnahmen die kluge Kombinationen von Leihautos. wäre mehr drin gewesen. wenn man die komplette Fahrzeugpalette aus einer Hand bieten könne – vom Vertreterkombi über den Transporter bis hin zum schweren Lkw. den Konkurrenten Scania zu übernehmen. sagt einer. Die Motivlage hatte Konzernchef Winterkorn eine knappe Woche zuvor schon auf der Hauptversammlung in Hamburg dargelegt: »Der Volkswagen-Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt. an der Bekanntheit und damit an fast allen Zutaten. Selbst die wiederholten Mahnungen von Martin Winterkorn. an Ladestationen. als er noch selbst Vorstandschef in Wolfsburg war. Dann kam im Jahr 2006 der damalige MANChef Håkan Samuelsson auf die Idee. an denen die neuen. aber für das normale Leben ziemlich unbrauchbar: So knapp lässt sich das Elektroauto bisher beschreiben. Scania muss- te immer befürchten. in der Vertreter von Autoindustrie. Scania und MAN haben beide ihre Euro-6-Aggregate völlig unabhängig entwickelt. die Schweden wehren sich erfolgreich gegen den als feindlich empfundenen Akt. Vorsorglich erklärte Winterkorn alle Geschäftsfelder und die markenspezifischen Eigenschaften von Scania und MAN für »unantastbar«. stehe ein Kalkül: Für das Flottengeschäft mit Großkunden sei es von Vorteil. Turbinen und Turbopumpen gehören. Das macht sie zu den idealen Verleihautos für die Stadt. Beim Traditionsunternehmen MAN wiederum herrschte stets die Sorge. zu dem Schiffsdiesel. als kleinerer Partner untergebuttert zu werden.26 12. Denn Winterkorn und Co. Sie werden weiterhin mobil sein. was bei den Münchnern prompt Abwehrreflexe auf allen Ebenen auslöst. Dass viele Autobauer immer noch lieber nur den Ottomotor einfach durch einen Elektroantrieb austauschen und den Rest beim Alten lassen würden. Dann holt sich Scania bei seinem Großaktionär Volkswagen das Plazet. Denn gerade viele junge Leuten träumen heute nicht mehr vom eigenen Auto. sondern E-Mobilität VON PETRA PINZLER N E in Drama in drei Akten: Erst versucht der Münchner Lkw-Bauer MAN. In der kommenden Woche wird die Nationale Plattform Elektromobilität. Zwar darf der Staat der Industrie nicht die Forschungs. Und auch die Förderung von Modellprojekten oder die steuerliche Begünstigung der klimafreundlichen E-Autos sind sinn- voll. Und warum nicht das Dienstwagenprivileg für große Spritschlucker kürzen – zugunsten von E-Mobilen? Noch wichtiger aber wäre etwas. Mitte der neunziger Jahre ließ er seinen damaligen Wundermanager. und das ist auch gut so. Der Coup war psychologisch und taktisch schlecht vorbereitet. für die man auch noch stundenlang einen Parkplatz suchen muss. Das Geld dafür hätte VW nach dem Höhenflug der jüngsten Zeit. Südamerika). Etwa zehn Jahre ist eine Motorengeneration im Einsatz – so lange sind die Synergien jetzt in diesem zentralen Bereich verstellt. erklärte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Wenn Scania und MAN sich eher zusammengerauft hätten. aber sollte er schon nachdenken. Reicht das. abgestoßen wird. LAMPARTER Umdenken.und Entwicklungskosten für neue Produkte abnehmen. wie wenn man bei Pkw Mercedes und BMW zwangsverheiraten würde«. Elektroscootern. . Anfang der Woche hat Volkswagen seinen Anteil an MAN auf mehr als 30 Prozent erhöht. Das Ziel sei erst mal nur ein Stimmrechtsanteil »zwischen 35 und 40 Prozent«. mit Scania aber lief wenig. die Stimmenmehrheit bei Scania besitzen die Wolfsburger bereits. Vor allem in den großen Städten taugt es offensichtlich immer weniger als Statussymbol. zuvor selbst Scania-Manager. Denn die Autos.. gut sind die kleinen Wagen hingegen für kurze Strecken. »Das wäre. Die VW-Führung ergriff Partei für Scania. sagt Finanzchef Pötsch. In Wachstumsmärkten wie China oder Indien wäre Größe ein Vorteil. um die Menschen an die neue Technologie heranzuführen. könnten sie tatsächlich eine attraktive Alternative zum eigenen Auto werden. Wenn ihre Nutzung auch noch durch reservierte Parkplätze. Piëch selbst übernahm den Aufsichtsratsvorsitz bei MAN. Und die Widerstände bei den beiden Lkw-Bauern scheinen fest in deren Identität verwurzelt: Beide fühlen sich als technologische Vorreiter.. Die stolzen Schweden vertrauten auf ihren eigenen Erfolg. Ignacio López. Denn deren Batterien reichen für längere Touren noch nicht aus. Diese vergeudete Milliarde wird Ferdinand Piëch gehörig geärgert haben. ebenso wenig wie seine Wirtschaftspolitiker. müssen auch noch die unvollendete Fusion mit Porsche und die unerwartet zähe Annäherung an den Kleinwagenpartner Suzuki meistern. strategisches Geschäftsfeld. Über eine kluge Hilfe. Das könnte mehr als zehn Milliarden Euro kosten. die ein neues Produkt für eine erfolgreiche Markteinführung braucht. So kamen die Münchner zu einem starken Standbein in Südamerika. dass nach einer Fusion der Lkw-Sparten das zweite Standbein des Unternehmens. Denn in einem sind sich Industrielobbyisten wie auch unabhängige Verkehrsexperten sicher: Elektromobilität ist tatsächlich ein Thema mit Potenzial. wie es ein Manager der Konkurrenz formuliert. ob sich die Zwangsheirat der widerstrebenden Lkw-Bauer am Ende auch lohnt. mit seinen Spitzenrenditen »als Porsche unter den Lkw-Bauern«. Dahinter. So könnte der Bund beispielsweise dabei helfen. Dahinter steckt zuallererst der Traum eines Mannes: Ferdinand Piëchs. schlug Piëch zu. doch bietet man den MAN-Aktionären einen wenig attraktiven Preis. das auch im Gutachten der Plattform nur beiläufig erwähnt wird: das Umdenken. Überall auf der Welt entstehen auf diesem Gebiet derzeit neue Ideen. Gerade kompakte Elektroautos böten sich als Teil eines solchen Konzeptes dann wie von selbst an. die nicht Benzin im Tank. sind zwar gut fürs Klima – wenn sie Ökostrom laden. Und nun das dramatische Finale: Volkswagen will selbst die Macht bei MAN übernehmen. Das klassische Autoland Deutschland kann und sollte das nicht ignorieren. Branchenprimus Daimler etwa kann die Entwicklungskosten jetzt auf seine drei Hauptmarken Mercedes-Benz (Europa. Denn die neuen Mobilitätskonzepte könnten irgendwann auch mal dazu führen. Freightliner (USA) und Fuso (Asien) umlegen.« Fraglich bleibt. Rund eine Milliarde Euro kostet so eine Entwicklung. Seither wurde viel geredet. beispielsweise beim Aufbau der nötigen Infrastruktur. Der Schwede. Das alles soll sich nun ändern. neue Produkte und damit auch neue Arbeitsplätze. Noch-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat denn auch schon mal vorsorglich abgewinkt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT ZWISCHENRUF Und bist du nicht willig . das Recycling und die neue Infrastruktur. um Synergien bei den Lkw zu erzwingen VON DIETMAR H. So etwas ist zwar heute noch ein Tabu. Volkswagen ergreift die Macht bei MAN. dass weniger Autos gekauft werden. weil sich Piëch übergangen fühlte. So wollen sie die beiden störrischen Lkw-Bauer unter ihrer Regie endlich zum gemeinsamen Glück zwingen. Damit soll der Bund die Entwicklung neuer Batterien und eine Antriebstechnologie fördern. so erläuterte der Stratege seinerzeit. und sie legt die Vermutung nahe. Das klingt theoretisch. den Erlass von Parkgebühren. In diesen Wochen führen die großen Lkw-Bauer die neue Motorengeneration Euro 6 ein. dass jeder seinen Motor auch in die eigenen Lkw einbauen will. Lang ist die Wunschliste. sondern Strom in der Batterie haben. am Service. Aber wer sagt denn. um die Ängste in München und Södertälje abzubauen? Viele Branchenbeobachter sind skeptisch. es wird im Gegenteil zu einer teuren Last. deshalb müssen die Wolfsburger nun ein Übernahmeangebot an alle übrigen Aktionäre machen.und Busfabrikation von VW übernahm. Das Engagement in Brasilien entwickelte sich gut. umweltfreundlich. ordentlich teuer. dass Deutschland in der Welt künftig nicht statt Autos gleich ganze Mobilitätskonzepte für Städte ohne Staus und Luftverschmutzung verkaufen könnte? Von »systemischen Lösungen« träumt die Nationale Plattform. Doch zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht. Weitere Querelen bei der »Ingegration« könnten das Wolfsburger Management über Gebühr belasten. ist verständlich. der weltweit führende Mobilitätskonzern zu werden! Daher ist für uns das Segment der schweren Lkw und Busse ein hochinteressantes. Fahrrädern. bewirkten keine sichtbaren Fortschritte. hat aber praktische Folgen: In den kommenden Jahren werden sich Menschen anders als in der Vergangenheit von einem Ort zum anderen bewegen. seinerseits MAN zu übernehmen.

Das geben Mitarbeiter offen zu: »Wir hatten erwogen. dass eine Neuberechnung frühere Ergebnisse auf den Kopf zu stellen vermag – hätten die DIW-Forscher das nicht früher erkennen und warnen müssen: Achtung. lebe in Armut.« So wurde die Öffentlichkeit absichtlich im Unklaren darüber gelassen. Der Vorgang dürfte das Vertrauen in wissenschaftliche Expertisen auf sozialpolitischem Gebiet erschüttern. sagt Christian Arndt. wie Familienministerin Kristina Schröder nach Bekanntwerden der revidierten Werte verlauten ließ. Für die OECD ist ein Haushalt arm.3 Prozent nur 10 Prozent aller Jungen und Mädchen in der Bundesrepublik arm. OECD ** Japan Italien Deutschland Spanien Foto: Jens Gyarmaty/VISUM 3. Wohl kaum ein Grund. der man nur trauen dürfe.6 26. Angaben in Prozent Dänemark Norwegen Frankreich Deutschland Schweiz Niederlande Großbrit. weil einer Journalistin der Financial Times Deutschland auffiel.WIRTSCHAFT 12. aber die Frage. »Das Schlimmste für ein Kind ist sicher.7 5. »Das ist aber nicht nur ein Problem des DIW. sagt Markus Grabka. wie wenig verlässlich wissenschaftliche Expertisen bisweilen sind. Das ist nur zur Hälfte richtig. Nach den neuen Zahlen gehört das hiesige Sozi- alsystem nun eher zu den erfolgreichen. Arbeitslosigkeit. deren Steuer. Auch wenn. von was für einer Qualität die von ihr mitfinanzierten Untersuchungen tatsächlich waren. wenn man sie selbst gefälscht habe. Datenmüll. Dazu wolle sie als Erstes das Kindergeld erhöhen. Aber so krasse Veränderungen wie bei den neuen Armutszahlen sind ungewöhnlich. wenn er netto über weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens im Land verfügt. So rasant hat sich die Armut wohl noch nirgendwo halbiert.2 15. in dem niemand eine Arbeit hat. Hinter der wundersamen Schrumpfung verbirgt sich ein Skandal. Nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit ist jede verlässliche Studie recht. wie Teile des hiesigen Wissenschaftsbetriebs funktionieren. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist aber ein Vergleich – zu anderen Ländern oder zur Vergangenheit.3 (2004) 17. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 27 Auf einmal gut? Anteil der Kinder bis 18 Jahre. Dazu werden komplexe Hochrechnungsverfahren und Plausibilitätsüberlegungen genutzt. Polen und der Türkei. »Früher war das Problem vernachlässigbar. Die von der OECD für Deutschland publizierten Zahlen stammen vom DIW.« Deshalb sei es nötig geworden.5 21. »jedes arme Kind eines zu viel ist«.1 12. Die Berechnungen sorgten in Berlin zuerst für hitzige Debatten – und dann für Milliardenausgaben. wenn sie netto weniger als 1667 Euro im Monat zur Verfügung hatte. sagte Markus Grabka der ZEIT. ist klar: Die Zahl von der OECD war falsch.0 8. muss neu beantwortet werden. VON KOLJA RUDZIO D Eine vierköpfige Familie mit weniger als 1985 Euro netto gilt als arm Im Mittelpunkt dieser Datenaffäre steht ausgerechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der OECD.4 9. gibt es widersprüchliche Signale. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs sie beständig. Einige Experten wissen das seit Langem. und dass sich Daten bei einer Neujustierung ändern. Bekannt wurde der extreme Rückgang der Armutsquote. Dabei ist die Politik auf methodisch sauber ermittelte Daten angewiesen. Bei zwei älteren Kindern (über 14 Jahre) erhöht sich die statistische Armutsschwelle auf 1985 Euro. www.1 Millionen Kinder und Jugendliche lebten danach zuletzt in finanzieller Bedürftigkeit. So bleibt ausgerechnet bei dieser brennenden Frage unklar: Befindet sich Deutschland auf einer schiefen Ebene – oder auf dem richtigen Weg? Dass die Armut zunimmt. Das Armutsproblem ist auch nach den neuen Zahlen nicht gelöst.« Befremdlich erscheint allerdings der Umgang des öffentlich finanzierten Instituts mit der Öffentlichkeit. der beim DIW für die Erhebung zuständig ist. Sie werde die Kinderarmut entschieden bekämpfen. Es geht dabei also um relative Armut. mit denen fehlende Angaben ergänzt würden.und Sozialsysteme Einkom- mensunterschiede stärker dämpfen.6 Polen USA Israel *Arme Haushalte verfügen über weniger als 50 % des jeweiligen mittleren Einkommens. Deshalb gibt es je nach Definition unterschiedliche Armutszahlen. damals noch Familienministerin. Hierzulande sind nicht mehr. wenn es in einem Elternhaus aufwächst. Heute.3. Und zuletzt – 2008. Das gilt vor allem für die skandinavischen Staaten. Sie mochten es aber nicht an die große Glocke hängen – schließlich hätten sie einräumen müssen. im Kampf gegen Kinderarmut nachzulassen. das deutsche Sozialsystem funktioniere nicht richtig.6 10. Einmal mehr scheint sich der Uralt-Spruch von der Statistik zu bestätigen. Allerdings ist auch das Gegenteil denkbar: Die Armut verringert sich. und es lässt sich kaum beurteilen. Sie bewegt sich sonst im Blindflug.5 8. unsere Armutszahlen sind mit extremer Unsicherheit behaftet? Statt die Werte bis auf eine Stelle nach dem Komma auszuweisen. aber in den vergangenen Jahren wurde es immer größer. um sich etwas Geld zu verdienen Der Armuts-Irrtum Es gibt in Deutschland offenbar viel weniger arme Kinder als bisher gedacht – Forscher wollten das für sich behalten ie Zahl platzte mitten in den Bundestagswahlkampf. Es war ein Schock und eine Blamage für die deutsche Politik. als sie es bisher dargestellt haben: Deutschland rangiert bei der Bekämpfung der Kinderarmut im internationalen Vergleich tatsächlich nicht ganz hinten. Nach den DIW-Zahlen ist die Kinderarmut bis 2004 rasant gestiegen und danach etwas gesunken. als es hierzulande der Fall ist. das zeigt.7 14.3 (2008) 9. welcher überwiegt. wie erfolgreich die deutsche Politik es angeht. Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. schließlich breitete sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten der Niedriglohnsektor aus. Wenn die Datengrundlage so wackelig ist. eineinhalb Jahre später. Dann ist es beson- ders schwer. Allerdings ist dessen jährliche Erhebung noch recht neu und wurde methodisch verändert. sondern weit vorne. um Einkünfte. Was zeitliche Trends betrifft. die in Bezug zur Haushaltsgröße und zum Durchschnitt besonders niedrig liegen. »Es wird viel zu selten auf die Unsicherheit von Stichprobenuntersuchungen hingewiesen«. etwa bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Daraus ermitteln die Forscher die Armutsquoten. etwa in Mexiko.3 21. Nach einem entsprechenden Zeitungsbericht (Fauler Zahlenzauber) berief das DIW eilig eine Pressekonferenz ein. dass von der OECD veröffentlichte Zahlen plötzlich nicht mehr zu früheren Angaben passen. auf der der neue Institutschef Gert Wagner nun behauptete. verkündeten Experten der Industrieländerorganisation OECD im September 2009. Ein Zahlenspiel. blieb aber bewusst ausgeblendet. »aber wir wollten dann nicht noch Salz in diese Wunde streuen und haben darauf verzichtet. Im Untersuchungsjahr 2004 waren nach den neuen Erkenntnissen statt 16. scheint plausibel.« Was tatsächlich die Ursachen für die Kinderarmut sind – niedrige Löhne. die Methoden zu verfeinern. In Deutschland hieß das im Jahr 2008: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern war arm. Was wenig später auch geschah.3 16. »Unklar ist. Und wie schwer es den beteiligten Experten fällt. Das ist bei solchen Erhebungen durchaus üblich. allerdings bleiben einige Länder ein gutes Stück voraus. Klar ist.« Armut sei allerdings auch nicht allein ein Geldproblem. Schlimmer sei die Situation nur in wenigen Ländern der entwickelten Welt. die alten und die neuen Zahlen einander gegenüberzustellen«. was aus heutiger Sicht eine absurde Scheingenauigkeit darstellt. doch bei den Bedürftigsten komme wenig davon an. International schneidet Deutschland nun offenbar besser ab als gedacht. So warnte Monika Queisser. die Daten stammen meist aus dem Jahr 2008. Das Berliner Institut lässt jedes Jahr einige Tausend Bundesbürger nach ihren Einkommen befragen. Viele Sozialexperten setzen die Grenze zur Armut deutlich höher an. umfassenden Armutsbericht für die Bundesregierung. man habe in früheren Veröffentlichungen längst »auf die verbesserte Methodik und ihre Konsequenzen« hingewiesen. das einzugestehen. ungleiche Bildungschancen –. Jedes sechste Kind in Deutschland. Der Grund: »Wir bekommen immer häufiger nur lückenhafte Auskünfte«. Rund 1. Fragwürdig erscheint jetzt eher. »Wahrscheinlich gibt es beide Effekte«. neuere Zahlen gibt es nicht – waren es bloß 8. Er arbeitet zusammen mit anderen Wissenschaftlern an einem neuen. gehört zum Alltag von Statistikern. deshalb lebten hier überdurchschnittlich viele Kinder in Armut. sagt Christian Arndt. dass die Lage anders ist. versprach Ursula von der Leyen.de/audio . untersucht der Professor gegenwärtig. Vor knapp zwei Jahren haben die Experten begonnen. **Durchschnitt ZEIT-Grafik/Quelle: OECD Ein Junge in Berlin sammelt Pfandflaschen. Denn in den angeführten Publikationen erläutern die Forscher zwar veränderte Berechnungsmethoden und allerlei Detailergebnisse – wie radikal sich die Kinderarmut insgesamt verändert hatte. aus der Armut herauszukommen. weil heute mehr Menschen einen Job haben und Arbeitslosigkeit das Armutsrisiko schlechthin darstellt. Die Bundesrepublik gebe besonders viel Geld für die Familien aus. dass Deutschland auch nach den neuen Zahlen ein Armutsproblem hat. als sie die alten Zahlen auf einer Pressekonferenz vorstellte.zeit. die in Armut* leben. zerfallende Familien. Datensalat gab es schon genug. welche Wege zur Armutsbekämpfung tatsächlich Erfolg bringen und welche nicht. sondern deutlich weniger Kinder von Armut betroffen als im OECD-Durchschnitt. selbst bei einem gesellschaftlich so brisanten Thema wie der Armut von Kindern. Zentrale Botschaften der früheren Untersuchungen werden dadurch in ihr Gegenteil verkehrt. das nach einer Reihe negativer Schlagzeilen und hausinterner Querelen gerade einen neuen Chef bekommen hat. alte Befragungen neu auszuwerten.

dass es da eine Renais. er steht exemplarisch für die Frage. schätzen Experten. und die Zeit drängt beim Klimaschutz. die nun vor wenigen Tagen bekannt wurden. Fragen. Sie sind Vorreiter! Aber CO2. zu 30 Prozent beteiligt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT »Sie sind Vorreiter!« Kumi Naidoo. wenn kein anderes zugelassenes Spezialmittel zur Verfügung steht. eine Praxis. Tim Brake/dpa (l. Avastin als Mittel Expertengruppe eingerichtet worden ist. Nach meinem Eindruck ist das der Kanzlerin bewusst. Viele boykottieren es bis heute und bleiben Mediziner einig. dass also womöglich dahingehend interpretiert. Neuer Druck könnte entstehen. die sich in Zeiten technisch immer komplexerer Behandlungsmethoden und immer kostspieligerer Mittel zunehmend stellen. Naidoo: Tatsächlich ist unsere größte Herausdass ein Alleingang Deutschland isolieren forderung. Im Januar 2007 Studie keinesfalls eindeutig. Bewegung in die Sache kommt. gieversorgung zu beschleunigen. die häufigste Ursache für Blindheit im Alter (AMD). dass Atomkraft den Klimawandel brem. dass die Präparate zwar nach Meinung vieler Experten im Wirkstoff vergleichbar sind. Stellen Sie sich einen atomaren Un. Ein amerikanischer Augenarzt hatte Avastin erstmals erfolgreich off label. Diese traten bei Patienten. werden andere Ländas Klima ten gegen ein geplantes der nachziehen. Hafüber die Hälfte und mehr steigen tungsfragen. Weitere Vergleichsstudien könnten die Debatte aber so etwas wie der Goldstandard in der Therapie der Altersblindheit sei. sofern alle Patienten damit bereit sei zu bezahlen. auch Angela Merkel scheint zu beschäftigen. Fotos: Thomas Einberger/argum (2).ten serious adverse events wie einem stationären Kransichtsbehörde in Deutschland noch toleriert wird – in kenhausaufenthalt oder Durchblutungsstörungen im einer »wohlwollenden Duldung«. gehört seit 2009 Gesundheitsministeriums aber lässt nur wissen. in hindern. wenn wir mit VollEs ist also eine Brasilien oder Chile: Auch dampf in erneuerbare Quellen völlig unrealistische und eine effizientere Nutzung dort gibt es überall Debatten Darstellung. sich aber enorm in den Kosten unterscheiden: Lucentis ist mit 1300 Euro pro Injektion rund 30-mal so teuer wie Avastin von Roche. sie renden Berufsverbände der Augenerhalten im Jahr rund 500 000 Inärzte in Deutschland klärende Entjektionen. zicht auf Atomenergie eine Renaissance der Kohle nach ZEIT: In den energiehungsich zu ziehen. aus denen Flüssigkeit austritt. Sie wollen wissen. Brisant wird diese Einschätzung dadurch. weit ablehnen. das Avastin in Europa ver. Eine nachträgliche Aktuell werden noch rund ein Drittel der Patienten mit Avastin beIst im Preis etwa 30-mal Nutzenbewertung könne dazu fühgünstiger: Avastin handelt. Sie Die Bundesregierung. Unterschiede gibt es bei sogenannbei Avastin. sen. Seit 2005 kann diesen Patienten mit Injektionen von Avastin ins Auge geholfen werden. aber auch die Hoffnung. das Lucentis heute Herstellern aushandeln könnten.5 Millionen Deutsche leiden an einer Form der Altersblindheit. Die Ergebnisse der Studie ren. dass zu Roche. die mit Avastin nennt. Die Hauptrolle spielen Sie.Zum Beispiel haben wir vor Kurzem bei einer sance gebe. die von der zuständigen Auf. wie viel die SolidarMilliarden Euro pro Jahr kosten gemeinschaft für mehr Sicherheit könnte. Lucentis errechneten Ökonomen. übernehmen. Der Fall weist über sich selbst hinaus.28 12. Injektion: Lucentis Wirkten beide Mittel gleich. über die Versorgung der Welt mit Energie und den deutschen Atomausstieg ZEIT: Herr Naidoo. wie sich das offiziell Gehirn. dass sich die beiden Medikamente preislich annäherten. Viele Krankenkassen schlossen mit Novartis behandelt wurden. die wachsenden VolksZEIT: Proteste gibt es da wirtschaften von vorneherein zwar. Im indischen Jaitapur Deutschland dabei weiter vodie Atomkraft wurden gerade Demonstranrangeht. nicht die Behauptung. dass über die Risiken der Atomder Energie investieren. sind brisant. bleibe dass es die Krankenkassen drei die Frage. die daheim aussteigt. Da verwundert es institut für Arzneimittel bereits zu Jahresbeginn eine nicht mehr. der Bau einer reKanzlerin. Aber derzeit ZEIT: Vergangene Woche waren Sie ja bei der decken AKWs nur zwei bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Doch solche Therapien sind nur erlaubt. Es ist also eine völkerungen die Atomkraft weltlig unrealistische Darstellung. weil sich hinter der Netzhaut kleine Blutgefäße bilden. wollte er eingreifen konzerne.Bihar die Chancen solarer Kleinanlagen für die kraft zu teuer und zu riskant ist. Gener der Produkt. Man investiert weiter in Atom. Weiter verbreitet ist das teure. rigen Schwellenländern ist das aber anders. Dass am Bundesherstellt. seinerzeit einem Achtel des gesamdie Überwachung der Sicherheit könne ein unabhängiges Institut ten deutschen Arzneimittelbudgets. angewendet. Anteil an Atomstrom sind 57 Prozent der Menschen für ZEIT: Weltweit droht der Vereinen Ausstieg. sollte zu erleiden oder gar zu sterben. und ihr Alter lag im Schnitt deren Folge sich der Einsatz von der Studie bei über 80 Jahren. den Ausstieg aus der fossilen Enerkönnte. Warum? VON NICOLA KURTH ür diese Studie interessieren sich Augenärzte weltweit. den das staatliche National Eye Institute in den Vereinigten Staaten angestellt hat.emissionsarm aufzubauen. Allerdings war zugleich aber eigene Verträge mit die Anzahl der Patienten relativ den operierenden Augenärzten. wenn es um den Erhalt und die Verbesserung der Sehschärfe der Patienten geht. Naidoo: Das werden wir verNaidoo: Ob in der Türkei.bringen. Die Ergebnisse. Heikel wird der seit Jahren schwelende Streit die Unterstützung laufender Studien – Stellschrauben durch die Verflechtungen der beteiligten Pharma. wie hilflos selbst die Hightechnation schen haben ja noch gar keinen Zugang zu Japan war. und es käme zu wenig Strom dabei um zu zeigen. Menge Kohlenstoffschulden abzuzahlen. Das Gespräch führte CHRISTIANE GREFE Gleiche Wirkung Bei Altersblindheit helfen zwei Medikamente. da wird mit zweierlei Maß gemes. dass Roche es ablehnt.kraft. Das Risiko. 1. Seither folgten Mediziner weltweit seinem Beispiel.und den Status quo überwinden.und Schwellenländern gilt es. weil die Atom. Das entsprach Avastin solle offiziell erlaubt werden. An Roche. was sowieso schon alle wussten«. Kontrollen. Bei der Zulassung von Kostet rund 1300 Euro je scheidungen seitens der Politik.gäbe es für den Staat zur Genüge. wirksam schützen Atomkraftwerk von Areva ZEIT: Gerade in Entwickkönnte festgenommen. lungs. Wie stark ist Greenpeace dort vertreten? sen kann. halten Sie den deutschen ZEIT: Ein Argument der Kernkraftbefürworter Atomausstieg für einen »Sonderweg«? stimmt ja: Kernkraftwerke emittieren weniger Kumi Naidoo: Nein. Dabei ist die Aus. Wie teuer es sein wird. welches von zwei patentgeschützten Medikamenten besser gegen die feuchte Makuladegeneration hilft. »Mit CATT wurde bestätigt. Die Sehzellen sterben ab. Chef von Greenpeace International. so der Tenor. dass Lucentis zwar teurer. da sind sich lassung. Avastin für die Ärzte mehr lohnt. sagt ein Insider. Konnten Sie sie beruhigen? Naidoo: Wir sind die Länder durchgegangen. Der Preisunterschied Avastin waren ihr zufolge insgesamt gut verträglich empörte Kassen wie Mediziner schon bei der Zu. könnten diesen Anteil schnell auf Freiheit in der Therapie. Schon widersetzen sich MediziEs geht um sehr viel Geld. Deshalb gilt aber auch weiterhin: Sie in fall im indischen Rajasthan vor! den Industrieländern haben erst mal noch eine ZEIT: Viele rechnen aber mit einem Geschäft.Krankenkassen längst angemessene Preise mit den marktet. einen Schlaganfall beenden. ist wiederum Novartis. Derweil Novartis die neue Studie kuladegeneration befassen soll. die Lucentis injiziert bekamen. . dass die Behandlung mit dem Krebsmedikament Avastin gleich gute Ergebnisse erzielt wie die mit Lucentis. Der Wirkstoff unterbindet die Blutversorgung von Tumoren – im Fall von AMD lässt sich mit ihm das abnorme Wachstum der Blutgefäße hinter der Netzhaut stoppen.Bekämpfung der Altersblindheit auf den Markt legung der festgestellten Unterschiede in der CATT. Regierungen finden weltweit kaum Solar-Tour durch den indischen Bundesstaat Finanzierungsmöglichkeiten. behandelt würden. sei unter Avastin Bayer wie geplant 2012 ein neues. eigenes Mittel zur deutlich höher als bei Lucentis. die sich mit für AMD zu testen und die dazu nötigen Studien den Fragen der Therapie einer altersbedingten Madurchzuführen. Naidoo: Ja. Ein Sprecher des centis als auch Avastin entwickelt hat. Selbst in dass die Atomkraft das Klima Frankreich mit seinem hohen wirksam schützen könnte. jeder Fünfte muss sich behandeln lassen. 4. Im Kern zeigt die erste große Studie über die Wirksamkeit der beiden Medikamente. Gegenstand des abgekürzt CATT genannten Vergleichs. verfügen über Technologien und Wirtschaftsunterstützt den Export deutscher Atom. Wenn kraft. Sowohl Lucentis als auch kam Lucentis auf den Markt. levanten Zahl würde zu lange dauern.) F » « Bei AMD ist das nicht mehr der Fall.6 Milliarden Menwir erlebt.Strom. etwas häufiger auf als bei PatienRabattverträge über die Nutzung von Lucentis ab.und Preispolitik schätzte 100 000 AMD-Patienten der Hersteller. Gerade haben Allerärmsten demonstriert.geben. weiß noch keiner. ten. inwieweit der Staat den Konflikt mit den Herstellern von Medikamenten wagt – und wie viel die Gesellschaft für Gesundheit zu zahlen bereit ist. in klein. das einst sowohl Lu. So fordern die fühgibt es derzeit in Deutschland. Sie sollten Ihr lebensrettendes Wissen den Entwicklungsländern großzügig weitertechnik. also abseits des eigentlichen Behandlungszwecks. dass die Bevölheraus. waren das für die Augenerkrankung an sich nicht zugelassene Krebsmittel Avastin von Roche und das Spezialmedikament Lucentis von Novartis. sagt er nicht. Naidoo: Die realen Investitionen decken aber Naidoo: Jedenfalls tun wir schon eine Menge. Das Unternehmen.hinsichtlich relevanter Nebenwirkungen. die Initiierung neuer oder lassen.

»Das Portal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel« Auch Professor Winfried Hassemer. deren Kennzeichnung zwar den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht.WIRTSCHAFT 12. mit dem sich Vertreter der Branche gegen die Initiative wehren. und kritisiert zugleich. monieren Verbraucherschützer. Doch die Konstruktion des Portals verhindert das. »Informationseingriffe sind von vornherein nur rechtmäßig. sagt König. Das ist nicht das einzige Argument. Das ist in der Regel die örtlich zuständige Le- Illustration: Birgit Lang für DIE ZEIT/www. Die Mogler und Trickser sollen schon bald ausgebremst werden: mit einem neuen Internetportal. Sie fürchteten. heißt es bei der Bundesärztekammer heute. etwa über Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. was kritisiert wurde. B bensmittelbehörde. Skepsis löst bereits die Konstruktion der Plattform aus: die Mischung aus Staat und privatwirtschaftlicher Initiative. Auf einer Fachtagung übten sie jüngst massiv Kritik. Dort werden jene Lebensmittel präsentiert. Der Name suggeriere. ist. »Lebensmittel sind heute ein komplexes Gut. Insgesamt rund 775 000 Euro gibt es vom Staat. es würden auch Produkte angeprangert. hervorragende Lebensmittel in der Bundesrepublik Deutschland«. Und sie haben ein Recht auf Akteneinsicht. Und das im Zusammenhang mit einer lediglich »gefühlten Täuschung«. dass der Ministerin die Zuständigkeit fehle. schreibt er. »Manche reagieren direkt und ändern. So muss beispielsweise eine Kalbswiener lediglich 15 Prozent Kalbsfleisch enthalten. diese selbst aber das Problem sind. ist nicht imstande. dass es als Informations. das Grundrecht auf Berufsfreiheit oder das auf Gleichbehandlung verletzen. sei eines modernen Staates und einer Informationsgesellschaft würdig.und Meinungsforum dienen soll und kein Organ der amtlichen Überwachung sei. bauen auf die Einsicht der Hersteller. hintergangen oder enttäuscht worden zu sein. Hassemers klares Urteil: »Dieses Internetportal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel. Im Übrigen. Deshalb müssen die betroffenen Firmen zum Beispiel angehört werden. um die Nahrungsmittelindustrie aufzuregen. In diesem Fall wird er nur auf den Informationsteil verwiesen. er hat tatsächlich reagiert. Dort können die Kassenmitglieder nicht nur Ärzte suchen. Das Vorhaben löst deshalb so viel Aufregung aus. sondern sie auch gleich bewerten. sich im Diskussionsbereich an Debatten zu beteiligen oder Fragen an ein Expertenforum zu richten. die davon ausgingen. Professor für Öffentliches Recht. Kräuterbutter mit Margarine. dass künftig lockere Debattierzirkel erboster Verbraucher das strikte Reglement amtlicher Kontrolleure ersetzen könnten. dass in dieser Branche hauptsächlich Gauner unterwegs seien. zum Beispiel mit Abmahnungen. Zuckersirup statt Honig. der bei der Verbraucherzentrale Hessen das Projekt leitet. die rechtlich in jeder Hinsicht zulässig sei. Schon diese zwei Wörter reichen aus. wird das Produkt im Internet abgebildet. Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich deshalb gelegt. Auch Rechts. dass ein fairer und sachbezogener Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern gewährleistet ist. Obwohl sich Hersteller völlig korrekt verhalten. stellt die Ministerin klar. Problematisch sei vor allem der produktbezogene Bereich. die Verbreitung der Sache aber dann auch ohne diesen Kommentar erlaubt sei. könnte auch der Gesetzgeber beim Erlass seiner Vorschriften lernen.« Die Eingriffe. Es können nur vorgegebene Fragen beantwortet werden. Er weiß etliche Juristen auf seiner Seite. Nächsten Monat soll es laut Janina Löbel trotzdem losgehen. deren Kennzeichnung rechtlich in Ordnung sei. es gehe vielmehr um eine spezifische Form von Kommunikation.de . könnten die Verbraucher bei der Nutzung des Angebots eindeutig erkennen. So etwas ist – wenn überhaupt – nur dem Kleingedruckten auf der Packung zu entnehmen. Gerade aber im Ausblenden des Rechts liege das Problem. so hoffen die Initiatoren des Portals. sagt Janina Löbel. bevor sie bei Nahrungsmittel-Skandalen Ross und Reiter nennen dürfen. nicht aber ein Bundesministerium«. Staatsund Verwaltungsrecht an der Universität Mainz. der Markt würde womöglich gestört. Ilse Aigner versucht derweil die Wogen zu glätten: »Wir haben erstklassige. wenn sie sich von Lebensmittelherstellern getäuscht fühlen. Betroffene Interessen würden ausgeblendet. Und niemand müsse eine Verunglimpfung befürchten.« Zudem haben die Konstrukteure des Portals aus der bisherigen Kritik bereits ihre Lehren gezogen. Daraus. geht mit dem Projekt streng ins Gericht. »Wir hoffen. vergeht – zum Ärger vieler Verbraucherschützer – deshalb meist viel Zeit. ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. So bezweifelt Friedhelm Hufen. vorgehen müssen«. Dabei findet er es grundsätzlich gar nicht schlecht. versehen mit dem Kommentar des Herstellers. dass sie die Kennzeichnung schnell verbessern. wenn die zuständige Behörde tätig geworden ist. So will es unter anderem selbst das Verbraucherinformationsgesetz. Manche Hersteller sind deshalb bereits alarmiert. Außerdem sind Beschwerden gegen Entscheidungen der Lebensmittelkontrolleure möglich. Digitale Sammelstellen dieser Art schrecken inzwischen nicht nur Unternehmen auf. Im Augenblick aber sind große Teile der Lebensmittelwirtschaft regelrecht empört. den die Krankenkassen AOK und Barmer in der vergangenen Woche im Internet starteten. Außerdem hat er Zweifel an der notwendigen Neutralität des Portals. Sie und ihr Kollege Hartmut König. Die Industrie läuft Sturm dagegen VON GUNHILD LÜTGE ananenschokolade ohne Banane. Dem Vorwurf. Das Angebot ist dreigeteilt: Im Informationsbereich können sich die Besucher der Website in rechtlichen Fragen kundig machen. Präsident des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft (BLL). Und das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken darf auch aus Dänemark stammen. Darf im Schwarzwälder Schinken auch Fleisch aus Dänemark sein? Oder Hühnchen in der Kalbswiener? Im sogenannten produktbezogenen Bereich können Verbraucher konkrete Beispiele melden. Aigner: »Die Lebensmittelüberwachung ist und bleibt Aufgabe der Länder. »Das Portal wird so konzipiert sein. begegnen sie mit einer speziellen Rubrik. bei denen sie sich durch die Aufmachung und Kennzeichnung in die Irre geleitet fühlen. Vollmundige Werbeversprechungen suggerierten Qualität oder Nähe zur Natur. Die Wahrung von Geschäftsinteressen ist ein wichtiges Gebot. dass einzelne Unternehmen und deren Marken an den Pranger gestellt werden können. Außerdem wird es die Möglichkeit geben. »Wir können damit leben«. weil befürchtet wird. Betrieben wird das Portal vom Verbraucherverband Hessen. wenn sie sich nach diesen Vorgaben richten. Daraus machte er in einer Stellungnahme für den Verband BLL auch keinen Hehl. dass ein Verbraucher lediglich schlecht informiert ist«. Sie stört insbesondere. ob die Bundesverbraucherministerin überhaupt für ein solches Projekt zuständig ist. fühlen sich manche Verbraucher dennoch getäuscht. Die Doktoren liefen zunächst dagegen Sturm.« Aber dann: Es gehe in dem Konzept weder um Recht noch um Kontrolle oder Sanktion. obwohl sie lebenswichtig sind«. sagt Janina Löbel. könnten die Eigentumsgarantie. ohne dass wir rechtlich.birgitlang. »Manchmal stellt sich auch heraus. Bis endgültig klar ist. Oftmals sei es damit aber nicht weit her. sagt er. dass dem Hersteller zwar eine kurze Frist zur Kommentierung eingeräumt werde. Was sie vor allem stört. können schon heute Meldungen abgegeben werden. Es trägt den Namen »Klarheit und Wahrheit«. Dass die Meinung der Verbraucher nicht nur erforscht. sagt sie. Lebensmittelbehörden müssen vorsichtig agieren. verunglimpft zu werden. so Werner Wolf. Andere setzen sofort Rechtsanwälte in Bewegung«. Wenn die Verbraucherschützer eine Beschwerde fachlich nachvollziehen können und sie für plausibel halten. sie haben strenge Vorschriften zu beachten. Sie koordiniert das Projekt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. So sind beispielsweisen frei formulierte Texte nicht möglich. Ohne vernünftige Information könne Vertrauen nicht bestehen und Kritik nicht wirksam sein. Hassemer gibt zu bedenken: »Allein das subjektive Gefühl einer Person. Auch in einem anderen Fall gab es heftigen Ärger: beim so- genannten Arztnavigator. Hassemer: »Es markiert einen Weg zu bürgerlicher Autonomie.« Die Initiative liefe im Rahmen einer ganz normalen Projektförderung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 29 Alles wahr oder was? Auf einem neuen Portal im Internet können sich Verbraucher demnächst beschweren. Lebensmittelbehörden können nur in engen Grenzen agieren Obwohl das komplette Portal mit allen Funktionen noch nicht in Betrieb ist. vorausgesetzt. sondern auch zum Bestandteil von Auseinandersetzungen und Interventionen gemacht würden. einen solchen Eingriff durch eine derart mächtige Institution zu rechtfertigen.« Als juristische Schludrigkeit bezeichnet er es. wann und was im Einzelfall an die Öffentlichkeit darf. Dort ginge es um die »gefühlten Rechtsverletzungen« von Laien. Auf einem Portal wie dem geplanten können sich die Teilnehmer sehr viel freier äußern als Beamte in den Behörden. dass »hoheitliche Gewalt durch gesellschaftliche Zwänge ersetzt werden soll«. Fachleute in der Internetredaktion prüfen die Kritik und bitten die betroffenen Hersteller um eine Stellungnahme. dass Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner das Portal finanziell unterstützt. dessen Eigenschaften die Verbraucher aus eigener Anschauung regelmäßig nicht kontrollieren können.und Staatswissenschaftler Fritz Ossenbühl bemängelt.

Die Veranstaltung ist für den Sender eine gute Gelegenheit. »Sie ist in ihrer Ein Beispiel. person akzeptiert zu werden. Auch sein Nachfolger als Programmgeschäftsführer bemerkte den Betrug nicht und wurde dafür bereits abgemahnt. Der Mann Wettbewerber oder ein Nachüberredete sie. Beschäftigungen vor der NDR-Zeit könnten arbeitsrechtliche Maßnahmen grundsätzlich nicht begründen. und daviele deutsche Großunternehdurch einen privaten Kontakt men. die in Fachforen nach Dax gelisteten Konzerne und den gehobenen Tipps fragen. Leiterin des Wirtschaftsschutzes beim an der Tischkante wahrnehmen.« Knapp ein Drittel spräch. darunter knapp ein Drittel knüpfen konnte. »Alle gezielten Attacken nutzen heut. er habe dabei vorzugsweise an einem Hyperlink-Automaten mit einem Einsatz von 40 Euro gespielt und pro Woche zirka 20 000 Euro verdaddelt. Montage: DZ S oziale Netzwerke eignen sich gut. Viel floss an den Geschäftsführer der Koppfilm. musste ihn der MDR aus einem Las-Vegas-Urlaub mit einem Freund und Mitarbeiter holen. sich selbst.nur schwer ausmachen.für Sie.« Zur anschließenden Unterredung traf man sich in einem Hotel. der nicht vom Zocken in Casinos und der Übergabe von Geld in DVD-Hüllen handelt. der dabei war. Als Freund eines sind sich die Fachleute in dieser Frage einig. Eine Frau hatte nach dem gemeinsamen Hoch. Dummerweise beauftragte der MDR mit der Verbesserung der Kontrollen aber denjenigen. ein Mann bei ihr. und konkrete Änderungsvorschläge wurden gemacht. hat über diese Summe Scheinrechnungen bezahlen lassen. Wie durchforsten und analysieren. Es ging um seine Vergangenheit beim Kinderkanal. Dabei wurden zum Beispiel Aufträge für Trailer oder Onlineseiten gefälscht. sagt Zitting. dass Mitarbeiter die »Sachlich richtig«-Abzeichnung vornahmen. Weil er seiner Exsante und hochdotierte Stelle Kommilitonin vertraut hatte. die diese Rechnungen ausstellten. um Kon. antwortet Beckmann auf die Frage. Ein Teil des Geldes ging an K. lässt sich oft Spionen gegenüber Bonner Ministerialsekretä. haben sechs mit Sozialen Netzwerken zu tun«. »Von Freundes wirken sie dann viel vertrauenswürdiger. In diesem Jahr eröffnete Fernseh-Programmdirektor Frank Beckmann die Veranstaltung mit einer Verteidigungsrede in eigener Sache. weil sie leichter Vertrauen formationssicherheit bei HvS Consulting. die das nicht beurteilen konnten und teilweise auch nicht berechtigt waren.« Zittings ProBerliner Verfassungsschutz. Marco K. Wer die 2. liest sich das anders. Bei ARD und ZDF verweist man lieber auf die Fahrlässigkeiten des MDR.« An Skatrunden bei seinem Mitarbeiter zu Hause hat Beckmann auch schon mal selbst teilgenommen. Im Bericht. der Hintermänner dieser Aktionen und der darauf an die erfolgreiche Romeo-Masche von DDR.auch potenziellen Angreifern verraten. über Ausspähung der Konkurrenz. ob er etwas von der Spielsucht gewusst habe. und »die Firma lief richtig gut«. trennte zwischen Beruflichem und Privaten kaum.Muster vor«. Das hatte ein Revisionsbericht von ZDF und HR ergeben. erklärt Sicherheitsgerissen die Recherchen mit den Mitteln des Web forscher Stefan Tanase von Kaspersky. auf die im Onlineprofil der Firma verwiesen nicht für die Spionage durch Firmen zuständig. Der Fall steht exemplarisch für den Trend. der im Zuge der Affäre »ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens sein Amt zur Verfügung stellte«. Er brachte das System durch eine Selbstanzeige im Herbst zu Fall. . bei dem etliche Millionen Euro veruntreut wurden. die nicht ordentlich geprüft worden waren. In Thüringen ist das die Ehrenamtsstiftung. Frank Beckmann hat sich bislang nur einmal öffentlich zu der Sache geäußert – in seinem eigenen Programm bei Zapp. Normalerweise. »Wir prüfen die Vorgänge und behalten uns Schadensersatzansprüche in alle Richtungen vor«. Zum schnellen und effektilogisch. die 700 000 Menschen in ihrem Engagement unterstützt. Dafür mitverantwortlich war MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser. Die Ansprache sei in diesem Umfeld ein bisschen befremdlich gewesen. Nach Angaben eines Kika-Redaktionsleiters soll es schriftliche Memos an die Programmgeschäftsführer gegeben haben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Brot und Spiele Millionenbetrug beim Kinderkanal: Die beteiligten Sender streiten VON ANNA MAROHN E Kika-Star Bernd das Brot musste für Scheinrechnungen herhalten inmal im Jahr verleiht der Norddeutsche Rundfunk intern den Sehstern. als seine Firma trotz der zusätzlichen Einnahmen auf die Insolvenz zusteuerte. Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu VON ULRICH HOTTELET Foto: interTOPICS. Fragen aber zunehmend merkwürdig vorkamen. »Ich beobachte das Ausspähen von Profilen durch beendete er das vermeintliche VorstellungsKonkurrenzfirmen und Nachrichtendienste seit gespräch. Beckmann ist seit Ende 2008 in Hamburg beim NDR. unter Einrechnung der Gewinne. Die Wirtschaft reagiert inzwiwurde. Der auch um Spionage Mann wurde von einem angebInhaber des ursprünglichen Un. Offensichtlich handelte es sich um vier Jahren. und wenn Sie meinen neu. sagt Hahn. Die Gründerin be. So wurde etwa beanstandet. »Dieser Schriftverkehr sei dem Redaktionsleiter im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang Dezember 2010 aber aus einem Ordner in seinem Büro entwendet worden. zeigt ein Fall aus Berlin. »Geheimdienste und Konkurrenzfirmen gehen nach dem gleichen rinnen erinnert. werden Sie meine Bissspuren Zitting. so ist er nun mal. In dem etwas trockeneren Teil des Revisionsberichts von MDR und ZDF. die wir pro Jahr bearbeiten. garniert mit ein paar launigen Worten. Bei der Kontaktaufnahme in Sozialen NetzSoziale Netzwerke an die Informationen zu kommen«. sagt Costin Raiu. Tisch landete und bei dem unlautet die Einschätzung der Verklar ist. Beim NDR debattieren die Mitarbeiter nun. Und das werken sind Umwege beliebt: »Die Kriminellen gilt allgemein mit steigender Tendenz.le sind laut Sicherheitsberater Hochenrieder auch dustriespionage spezialisiert und zählt die im die Einträge von IT-Experten. dass diese Netze auch vom zweitältesten ven Auskundschaften schreiben die Kriminellen Gewerbe der Welt für seine Machenschaften ge. Falsche Freunde Ideen klauen. Marco K.der DAX-Unternehmen selpositionen haben oft Profile schäftsdetails und den Kunden.blem: Rechtlich ist der Verfassungsschutz nur für schrieb die Dienstleistung auf ihrer Facebook.beruhenden Spionageangriffe sind. Auch versuchen zunächst. für gelungenen öffentlich-rechtlichen Journalismus zu feiern.24 Euro.s Komplizen bei den Firmen.sperrt den Zugang zu auf Businessportalen wie Xing stamm kannte. NDR-Justiziar Werner Hahn betont hingegen.vorzubeugen lichen Headhunter angeschrieternehmens musste alles machtlos ben: »Wir hätten eine interesmit ansehen. erklärt Raiu. »Damit ist ein fingiertes Bewerbergetappte sie endgültig in die Falle. sei die Gutgläuoder LinkedIn. Seite. Abhilfe ist schwierig: »In vielen Fällen sind schulabschluss mit einem Studienkollegen ein Unternehmen gegründet. sagt die Verfassungsschützerin. Er unterrichtete damals den Redaktionsleiter. Die Geschäftsidee war uns die Hände gebunden. Eine gern angezapfte QuelUnternehmen ist auf die Bekämpfung von In. dass sie damit diese Lücken ungewollt nalität. sagt Zitting. dürfte die Sache aber teuer gemacht haben. Allerdings muss man fairerweise sagen. Mitarbeiter in SchlüsAls der neue Partner die Ge. Das schaffen«. Dort hielt man fest. von einem Freund der Zielwenn es keine offiziellen Statistiken dazu gibt. rund 50 Fällen. die damit wichtige gesellschaftliche Projekte fördern. steht: Schon 2009 waren Rechnungen aufgefallen. ob sich Beckmann auf seinem Posten halten kann. um Sicherheitslücken in ihren UnterMittelstand zu seinen Kunden. sagt Heike Schreibtisch sehen. das auf Zittings Naivität darauf hereingefallen«.0 betrieben werden. den die Revisoren von MDR und ZDF verfasst haben. Berater für In. Heute wird zuerst versucht. Programmgeschäftsführer Beckmann wurde damals ebenfalls informiert und soll geantwortet haben: »Ich kenne Marco. gab es keine Konkurrenzschutzklausel. nehmenssystemen zu schließen.nicht klar. dass er dabei trotzdem nicht besonders gut wegkam. Um ihn verhaften lassen zu können.sogar Programme. sehr private oder berichtet Michael Hochenrieder. den Zugang Später erzählte ihm die Frau zu Facebook oder ähnlichen bei mehreren Treffen noch mehr Plattformen gesperrt. Als möglicher Nachfolger wird Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz genannt. Und die Frage. Zu den großen Profiteuren des Betrugs gehört auch das Spielcasino in Erfurt. will der Sender mit Hinweis auf vereinbarte Vertraulichkeit nicht preisgeben.30 12. wenn sie die Zielperson anschreiben«. die automatisch die Profile nutzt und missbraucht wird: der Spionage. Bei den Tätern sind oft »kleine. berichtet Zitting. wie der MDR in einer Pressemitteilung schrieb. zuvor hat er acht Jahre lang in Erfurt die Geschäfte für den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal geführt. Die Nummer zwei im Kika. Der bei einem bige aus der Firma ausgebootet Sozialen Netzwerken – Softwareentwickler beschäftigte worden. Da erscheint es fast anbieter Kaspersky. in dessen Verantwortung der Kika fällt. sei im Jahr 2010 103-mal zu Besuch gewesen. sich mit ihm Kanal geschlossen richtendienst dahintersteckte.zutage Soziale Netze«. »der erst sehr Aus Sicherheitsgründen haben nett schrieb«. bei dem die Fehler beanstandet wurden – Marco K. selbstständig zu machen. so Zitting. Wie viel diese gesichtswahrende Lösung den Gebührenzahler gekostet hat. »Ich habe bei dem Herstellungsleiter in keinster Weise Verdacht schöpfen können«. sagt ein Mitarbeiter. Der vorläufige Gesamtschaden beläuft sich auf 8 183 815. Sie führen bis zu 80 Prozent an die Länder und Kommunen ab.. Direktor takte zu schließen – und persönliche Infor. ob ein ausländischer fassungsschützerin. Dass Tanhäuser erst im September für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden war. Oft scheint ihnen Noch höher ist die Quote in der Cyberkrimi. der Dax-Konzerne.« Im November 2007 habe außerdem ein Kika-Mitarbeiter über eine mit ihm befreundete Casinomitarbeiterin von den Spielgewohnheiten des Herstellungsleiters erfahren. Beide Unterneh. Herstellungsleiter Marco K. Da dem Mann die men existieren noch heute.fachliche Foren gefragt.die Abwehr gegnerischer Nachrichtendienste. Den Gebührenzahler tröstet vielleicht die Information der Westspiel Casinos.für Forschung und Analyse beim Virenschutzmationen einzuholen. was Beckmann gewusst habe oder fahrlässig übersehen. dass mit dem Gewinn am Ende Gutes getan wird. Damals wurde auf die Schwachstellen im Kontrollsystem von MDR und Kika hingewiesen. der der Information jedoch nicht nachging. von ihrer Firma. Irgendwann meldete sich schen auf die Bedrohungslage.

dass die Parteispenden der 110 bedeutendsten Klägeranwälte sowie ihrer Dachorganisation ATLA im vergangenen Jahr zu rund 97 Prozent an die Partei von Präsident Obama flossen. riskiert schlimmstenfalls auf mehr als 8000 Euro Kosten sitzen zu bleiben. »und ich geh’ mit«. wie hoch der individuelle Schaden gewesen ist. ihr Recht überhaupt erst zu beanspruchen. Schauspieler Manfred Krug. Die Kommissare Viviane Reding und Joaquín Almunia erwägen. Die schnelle Ruhe hatte freilich einen hohen Preis. Etwa den. Doch während man hierzulande noch viele Jahre lang weiterprozessieren dürfte. herauszurücken und auf eigene Kosten neu aufzuarbeiten. dass die Sache längst erledigt gewesen wäre.11. Damit kann ein Unternehmen gezwungen werden. Denn selbst nach der Entscheidung der Oberlandesrichter wird die Sache noch lange nicht vorbei sein. ein schlechtes Anreizsystem und lange Ver- fahrensdauer auf der anderen: In den USA wächst ebenso wie hierzulande die Unzufriedenheit beim juristischen Umgang mit Massenschäden. weil sie extrem viel gewinnen können. Stephanie Pilick/AP (v. Die Betroffenen sind aber meist Laien – ob als Patienten. werden alle etwas gemeinsam haben.22 € VON MARCUS ROHWETTER D ie Telekom geht an die Börse. die zukünftig Sammelklagen provozieren. Dann will das Oberlandesgericht in Frankfurt entscheiden. Es war einmal.50 € Start am 15. Doch zwischenzeitlich wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert. der die Telekom gegen die Aktionärsstreitmacht verteidigt. wird wohl Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. etwa bei document discoveries oder den Anwaltshonoraren. Erpressungspotenzial und enorme Kosten auf der einen Seite. Der Washington Examiner hat herausgefunden. wer das Börsendebakel letztlich zu verantworten hat. 5. Doch Brüssel dürfte mit dem Binnenmarkt argumentieren: Grenzüberschreitender Streit braucht ebensolche Regeln. Zumindest die Demokraten aber scheinen den Klägeranwälten eng verbunden zu sein. Viele verloren vieles. Die Fälle. Der bedeutendste Massenprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte erreicht nun seinen Höhepunkt. Das Parlament muss gehofft haben. die für den Fall relevant sein könnten. Für den Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz. Die Anwälte bemühen sich. die Volksaktie weckte Volkszorn. wenn sie sich eigentlich nichts vorzuwerfen haben. Oder als Suche nach der Wahrheit. Prozesse gut und schnell zu führen. machen Eingaben und stellen Ergänzungsanträge. Das Ergebnis dürfte in einigen Monaten veröffentlicht werden. Finanzminister Theo Waigel (rechtes Bild in der Mitte) 15. Das birgt grundsätzlich das Risiko. Der amerikanische Ansatz führt zu ökonomischer Effizienz. Reichlich Stoff also für viele weitere Prozessjahre. l. Wer mit Telekom-Aktien 5000 Euro verloren hat. müssen neu katalogisiert werden. Nun soll Justitia den Anlegern zurückgeben. Der Schauspieler gab der Privatisierung des Staatskonzerns ein Gesicht und buhlte um das Geld der Massen. Das Grundgesetz garantiert jedem das Recht. dass man damals weit weniger vom Kapitalmarkt verstand. Nestor Bachmann/dpa. die europäischen Ansätze für Massenverfahren zu reformieren – an amerikanischen class actions wollen sie sich dabei ausdrücklich nicht orientieren. die das Frankfurter Oberlandesgericht nun versucht aufzuklären. Kläger können sogar mehr verlieren als gewinnen – was viele abschreckt. die amerikanische Laienjurys in solchen Fällen gern zusätzlich anordnen. Jurist. Und so mischen – vertreten von rund 800 Anwaltskanzleien – auch die übrigen Kläger munter mit in dem Musterverfahren. Das kann nur schiefgehen. um die Grenze zwischen Börsenschwindel und Fehlspekulation zu ziehen. Wie praktisch alle class actions endete auch die gegen die Telekom nicht mit einem Urteil. Krug tat etwas. hieß es damals. Das Kapitalanleger-Musterverfahrens- Fotos: Bernd Kammerer/AP/ddp. entsprechend schwer tut sie sich damit. Angesichts solcher Summen kann es sich lohnen.1996 Sie schufen einen Börsenalbtraum (v. Masseneuphorie kann nur dort entstehen. Wichtige Änderungen. Geduld ist die Tugend enttäuschter Aktionäre. 2000 12. Ursprünglich sollte das Sondergesetz nämlich zum November 2010 wieder außer Kraft getreten sein. klagten rund 17 000 einst stolze T-Aktionäre auf Schadensersatz. Lange Zeit grübelte Krug. alle Dokumente. müsste allerdings noch in jedem der 17 000 Einzelverfahren geklärt werden. der eine Sammelklage gegen ein Unternehmen erfolgreich durchsteht oder einen Vergleich erzielt. Das erledigen dann Scharen von Anwälten in teils monatelanger Arbeit zu Stundensätzen von mehreren Hundert Dollar. Die deutsche Methode könnte künftig stärker von Brüssel geprägt werden. Der Mann will darüber nicht öffentlich reden. Bis auf Weiteres. dass man sich lieber vergleicht. Aktien der Telekom empfohlen zu haben.r. sein Anliegen einem Richter vorzutragen. sind ökonomische Rechnungen. 3. sondern die Werbung des privatisierten Staatskonzerns und die gezielt geschürte Masseneuphorie. Wenn die Entscheidung aber kommt und die Telekom tatsächlich zu Schadensersatz verurteilt werden sollte.) . weil Kläger kein finanzielles Risiko tragen. was ihnen Kapitalmarkt und Selbstüberschätzung genommen haben. Wer unterliegt. haben Wissenschaftler bei einer Evaluation des neuen Gesetzes ausgerechnet. liegt an der deutschen Verfassung. Weil aber der Konzern im Börsenprospekt falsche Angaben gemacht haben soll. die dort class actions heißen. sondern auch in der Abwicklung von Gerichtsprozessen unterscheiden. Testergebnisse und viele Papiere mehr. Man kann den Kampf ums Recht folglich als Geschäft begreifen. manche alles. Dabei trieb die in Wahrheit oft nur die Gier.): Ex-TelekomChef Ron Sommer. Der Kurs der Papiere fiel von 66. Selbst im Fall einer Niederlage müssen sie nicht einmal ihren eigenen Anwalt bezahlen – denn mit dem haben sie typischerweise ein Erfolgshonorar vereinbart.57 € 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Der Zorn der siebzehntausend Das Urteil zum Börsengang der Telekom fällt bald. Vor allem die bei Klägeranwälten beliebte document discovery lädt zum Missbrauch ein. und seine Anwälte von der Kanzlei Tilp aus Kirchentellinsfurt schotten ihn von den Medien ab. Weil ein Rechtsstreit so teuer werden kann. Zwischen Februar und April befragte die EU-Kommission Regierungen. oft über Jahre und Ländergrenzen hinweg entstanden. könnte nur der amerikanische Gesetzgeber vornehmen. sich einzugestehen.und Anwaltsgebühren mehr als das Eineinhalbfache des geforderten Schadensersatzes. plante er dafür vorsorglich die Riesensumme von 1. Zwischen 10 und 20 Prozent bekommt normalerweise ein Rund 800 Anwaltskanzleien mischen in dem Verfahren mit In den Vereinigten Staaten gibt es solche Mammutverfahren viel häufiger. Vorstandskorrespondenz. wie so oft bei juristischen Auseinandersetzungen in den USA. Tatsächlich waren es wohl nicht die fragwürdigen Detailangaben im Börsenprospekt. In Deutschland sind die Anreize andere. und deswegen wackelt auch der Termin in der nächsten Woche. Die Telekom wurde nach ihrem Börsengang auch in den USA verklagt. Nach mehr als zehn Jahren Kampf kommt es auf ein paar Tage nicht an. Derartige Massenprozesse sind vergleichsweise neu für die deutsche Justiz. Die meisten anderen hoffen auf die nächste Woche.n. und ein Jahrzehnt reicht offenbar immer noch nicht aus. Zur Wahrheit gehört aber auch. und damit war die Sache erledigt. gründlich zu recherchieren und komplizierten Wirtschaftsfällen bis ins Detail nachzuspüren. Warum geht das dort so schnell? Und warum dauert es hier so lange? Weil sich Deutschland und die USA nicht nur bei der Aktionärskultur. Sitzungsprotokolle. Wer sich Gerechtigkeit erhofft. dass Unternehmen auch dann zahlen. Zugleich endet ein gewaltiges soziales Experiment: Nirgendwo sonst lässt sich die deutsche Einstellung zu Chance und Risiko besser beobachten als am Börsengang der Telekom und seiner juristischen Aufarbeitung. Merck beendete den Fall außergerichtlich. gesetz sollte ein wenig amerikanische Effizienz in die Zivilprozessordnung bringen und anhand eines exemplarisch ausgewählten Musterklägers bürokratischen Wahnsinn verhindern. als solche hochkomplex und von Einzelnen kaum zu durchdringen. wo es Massen gibt. Oder als Anleger. Das Prozesskostenrisiko bei Massenverfahren beträgt wegen der Gerichts. Politisch ist das Thema gleichwohl heikel. und die Aussichten schienen rosig. ob die Deutsche Telekom beim letzten ihrer drei Aktienverkäufe im Jahre 2000 massenhaft Kleinanleger getäuscht und um Teile ihres Vermögens gebracht hat. In den USA wird schnell geklagt. was Tausende andere noch nicht getan haben: Er setzte sich mit seiner Verantwortung während des größten deutschen Börsenversuchs auseinander und machte seinen Frieden. Die Begeisterung für die T-Aktie machte damals Hausfrauen und Rentner. irgendwo zwischen Spots für Waschmittel und Tütensuppe. die sich leicht lenken lassen.l. Kleinanleger hoffen auf Entschädigung – die Justiz ist mit solchen Riesenprozessen überfordert Stand am 10. 2011 um 17 Uhr 11.50 Euro auf heute gut 11 Euro. Im Fall der Telekom wären das also bis zu 24 Millionen Dollar Anwaltshonorar gewesen. Arbeiter und Angestellte zu Börsenfans. wird enttäuscht werden. als man zu verstehen glaubte. denn das Zivilrecht ist Sache der Mitgliedsländer. Ein Beispiel: Als der USPharmakonzern Merck wegen seines Schmerzmittels Vioxx vor einigen Jahren mit einer Sammelklage konfrontiert war. Eine Sammelklage in den USA war nach wenigen Jahren erledigt In den Vereinigten Staaten wäre es undenkbar. Sparbuchfetischisten wären zu besonnenen Investoren gereift. Für Anwälte ist es zudem oft nicht attraktiv. Dass sich der Fall so hinzieht. Dabei hatte Deutschland eigens ein Gesetz geschaffen. sich in komplizierte Wirtschaftssachen einzuarbeiten.WIRTSCHAFT höchster Stand am 6. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 31 103.9 Milliarden Dollar als Verteidigungskosten ein. so wie es die Amerikaner tun. Bei Bilanzfälschung oder unterschlagenen Nebenwirkungen von Medikamenten werden Konzerne regelmäßig mit Sammelklagen konfrontiert. Sie sind Ausdruck einer globalisierten Wirtschaft. schloss der Konzern in den Staaten bereits 2005 einen Vergleich: Er zahlte 120 Millionen Dollar. der deutsche sucht Gerechtigkeit im Einzelfall. Auch die T-Aktie ist dort längst kein Thema mehr. die auch unbedarfte Anleger damals zum Kauf der Papiere animierten. Diesen Teil der Wahrheit ans Licht zu bringen überfordert jedes Gericht. dass jeder einzelne Kläger denselben Fehler im Börsenprospekt hätte nachweisen müssen. Anwaltsverbände und Juristenorganisationen zur Modernisierung der europäischen Sammelklage. die scharenweise Problemaktien erwerben. um die Causa Telekom zügig abwickeln zu können. Irgendwann wird die Verteidigung extrem teuer. Es ist gut möglich. weil ihre Aktien dort gehandelt wurden. dürfte es der Fall seines Lebens sein. Eine neue Aktienkultur sei entstanden. und im Jahre 2007 entschuldigte er sich schließlich dafür. Das hält nicht dazu an. Aber die Wahrheit ist womöglich eine ganz andere als diejenige. die zehntausendfach ein unzureichend getestetes Medikament schlucken. dass der Termin der Urteilsverkündung noch einmal verschoben wird. Vom eigentlichen Schadensersatz war da noch nicht einmal die Rede – und auch nicht von den möglichen Strafzahlungen. sich mit einem Fall so lange aufzuhalten. Vertragsentwürfe. Diesen Musterfall klärt demnächst das Oberlandesgericht: Ein süddeutscher Pensionär hatte ein Vermögen mit T-Aktien verloren. versprach Manfred Krug im Werbefernsehen. Ihr Honorar bemisst sich in der Regel am Streitwert der einzelnen Klagen und ist damit oft viel niedriger als das ihrer amerikanischen Berufskollegen. sondern mit einem Geschäft zwischen den Beteiligten: Wichtiger als die Frage. so wie die Deutschen. Damals galten T-Aktien noch als Volksaktien. Deswegen wurde die Entscheidung in der Vergangenheit immer wieder vertagt. Zu Recht? Bald wissen sie mehr.

deren Einkommen aufGoldtex bezahlt besser als so manches andere Tex. »Aber wer nur über Geld spricht. Abnehmern glänzend. Blusen für Trussardi Jeans er den streikenden Mitarbeitern versprochen. in der Vergangenheit mangeln lassen. dass der im benachbarten Algerien. stehen lediglich 60 000 bis 65 000 den Umsturz mit seiner Hilfe verhindern. dass er grundsätzlich Ausländische Investoren offen sei für den Standort. Vier Monate nach der Jasmin-Revolution ist unklar. Der Tourismussektor.6 schaftlichkeit seiner Aktivi. »Aber handlungen aufnehmen. Als Kompromiss Textilfirma Petratex. sie könne schule verlassen. Doch ein wirtschaftlicher Aufbruch steht noch aus VON KARIN FINKENZELLER D as Hotel Africa ist geschlossen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Streiken und pokern Das Leben geht weiter. Sie bevölkern dort die Straßencafés. 200 Beschäftigte. Sidi Bouzid. wie Directrice die in den vergangenen Wochen illegal nach Italien Lurdes Silva sagt.Leoni bekam. Nichts sei entschieden. Ein Teil der 6000 an die Felsen. tun. Das Fünfsternehaus im Zentrum von Tunis ist nicht wegen ein paar Umbauarbeiten abgesperrt. die einen gewissen Organisationsgrad verfügt. Er lasse sich nicht unter Druck setzen. beiten. um die Einhaltung von Vorschriften gefeilscht. Die ErSorge geht um. Für 75 Prozent der Schulabgänger in Tunesien haben Diktator Ben Ali. Auf der einen Seite mehr alles gefallen«. Daran hätten es viele der Offshorebetriebe. Wandzeichnung des Ex-Diktators Ben Ali in einem Souk in Tunis Foto: Jonathan Alpeyrie/Polaris/laif Vor knapp vier Monaten triumphierten in Tunesien die Menschen über die Diktatur. die Militärs könnten. warnt Dabei läuft das Geschäft von Leoni und seinen Tunesiens Zentralbankchef Mustapha Kamel Nabli. Den 85 000 bis 90 000 Er beschäftigt in Tunesien 13 000 Mitarbeiter.ran halte ich mich. Am Cap Blanc. wir sollten ein Werk mit tausend Leuten digt und das Ziel ausgegeben. dass finanTunesien EU 9. als die PLO von Jassir Arafat ihren Sitz noch in der tunesischen Hauptstadt hatte.« einmal Ruhe – auch. Ingenieur in einem Callcenter. ist der Nürnberger Kabelhersteller Leoni.gebläht werden. das Hotel werde »in Kürze« wieder den Betrieb aufnehmen.und Fortbildung. der in den vergangenen Jahren für 10 Prozent der Wirtschaftsleistung stand. Industrieminister der Interimsregierung. für mehr Geld und eine 40-Stun. Ein erbitterter Arbeitskampf hat zur Schließung des Hotels geführt. Die Tunesier wollen sich auch von Unternehmern nichts gefallen lassen Fast immer geht es dabei um die Höhe der Löhne und die Umgehung des Arbeitsrechts mithilfe von Subunternehmen oder anderen Tricks. Viele studieren. Gefahr für den Übergang zur Demokratie«. »Daoder Jacketts für Zara und Massimo Dutti.5 IMPORT zielle Not und die Enteignisse ließen sich nicht Handelsdaten von 2010. Nicht in der Politik. abschlüssen in Mikroelektronik und Qualitäts»L’Union fait la force« steht auf den Kitteln der sicherung war der 30-Jährige ein Jahr lang arbeitsArbeiterinnen. wo es zuletzt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Gegnern der Übergangsregierung kam und sich bereits mehr als 50 Parteien für die Wahlen zu der wegen der Unruhen nun unsicheren verfassungsgebenden Versammlung im Juli registrieren ließen. Doch mit den Folgen der Revolution im eigenen Land wusste sie nicht umzugehen. macht den Arbeitskampf zusätzlich brisant. Maximalforderungen von heute streikenden Arbeitnehmern hätten auch mit Jahrzehnten des erzwungenen Schweigens und völliger Unerfahrenheit mit Tarifverhandlungen zu tun. ob er sich nach einer neuen Werkbank umsehen muss. tilunternehmen. neue Jobs etwa durch öffentOperating Manager Tunesien liche Infrastrukturprojekte zu Tunis Bizerte von Leoni.« Mehdi Rouis muss da nicht lange überlegen. die aufgrund ihrer langjährigen Armehr die Flexibilität. noch um 10 Prozent steigen soll. Er pokert. Demnächst Die kostenlose Überlassung Inflationsrate in Prozent*: will die Regierung Gespräche 4. die wir als Unternehmen beit im Londoner Exil über Parteistrukturen und brauchen. »Das müssen wir schon deshalb übersetzten. Finanziert werden ist jene Stadt im verarmten sollen diese unter anderem Sousse Landesinnern. Und so mancher ausländische Investor. was in Nordafrika gerade passiert. das schaffen. Juli aus Unregierung geht jedoch fest davon aus. Die Aufgabe entspricht zwar nicht den-Woche. dass lassen. die schon seit stehen bei Neonlicht in den Hallen einer ehemali. ist aufgrund der ausbleibenden Urlauber gelähmt. ob Tunesien auch ein wirtschaftlicher Aufbruch gelingt. in der Lobby eines Nobelhotels in Tunis ein Bewerbungsgespräch mit einer jungen Ingenieurin beendet. »Studienangereist und nahm sie ins Gebet. auf der Frauen. Streiks und Straßenblockaden behindern seit Wochen immer wieder die Industrieproduktion und Anlieferung wichtiger Materialien. »Einheit macht stark«. mit der jetzt auch in Tunesiens Wirtschaft miteinander gestritten wird. kümmert niemanden. Oder genauer: wegen der neuen Offenheit. »Muss er ganz und gar nicht«. 48 Stunden pro Woche ent. fragt sich.Einwohner in Millionen: duktionsstandort zu begrei14. darauf. wie er aussieht. in Mrd. Anstatt auf die Forderung der 190 Mitarbeiter nach höheren Löhnen und der gesetzlich festgeschriebenen Entfristung der Arbeitsverträge nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit einzugehen. Um 12. um ihre neue Freiheit zu genießen. »Ein Volk.2 Prozent sei allein im ersten Quartal die Industrieproduktion gesunken. der keine wirtschaftliche Neben. meist cedes-E-Klasse und die BMW-3er-Serie. warnt Abdelaziz Rassaâ.1 es war schon zu spät. Der Chef persönlich kam aus Portugal seiner Qualifikation. Arbeitslosigkeit in Prozent*: fen. die jedes Jahr Schule oder HochEntourage des Diktators glaubte sogar. Der Automobilzulieferer hat Leuten wie ihm graut schon vor den Schlagzeilen seinen Konzerngewinn im ersten Quartal mehr als im Ausland. Euro täuschung über die wirtmehr aufhalten. Minister für Internationale Zusammenarbeit und Interims-Finanzminister Jalloul Ayed hat einen Ausländische Investitionen hat mich angerufen und »Marshallplan« für die arbeitslose Jugend angeküngebeten. arbeiten für den Ableger der portugiesischen anderen die für den VW-Konzern.4 täten gewährleisten muss. Dennoch sind die Löhne in Bizerte mit 450 bis 600 Dinar um 30 bis 40 Prozent Mit einem Diplom von einer der renommiertesten niedriger als in der portugiesischen Heimat des tunesischen Ingenieurschulen und zwei MasterUnternehmens. Am Sonntagnachmittag kommen viele Hauptstadtbewohner gerne auf die Avenue Bourguiba.Mitarbeiter im tunesischen Leoni-Hauptwerk in trieben hat. der sich selbst anzündete.« Besuch in Bizerte. dass die zufriedenheit Profit schlagen könnte. binnen fünf Jahin Sidi Bouzid eröffnen«.7 Prozent 2010. dem hat der Arbeitgeber bisher nichts anderes geboten. belangt hat. Er machte aber auch klar. bevor er 2009 den Job als Vorarbeiter bei haben gestreikt. zwei Masterabschlüssen zusätzlich zum Studium und einer Position als Teamleiterin bei einem Autozulieferer verdient sie derzeit lediglich 900 Dinar brutto im Monat – umgerechnet nicht einmal 500 Euro. das einen Diktator ver. dass da mal was war. So kann die Zentrale in Portugal ohne Zeit. »Der freie Stellen gegenüber. dass Revolution wie ein Kinder- spiel erschien. Dass ihm hervorragende Beziehungen zu Ex-Diktator Ben Ali nachgesagt werden. Ennahda ist nach dem Verbot nach vier Jahren unbefristete Verträge gewähren der früheren Regierungspartei RCD die einzige muss. Trotz sechsjähriger Berufserfahrung. »Wenn die Arbeitgeber ein bisschen was drauflegen. Néji Mhiri. aber immerhin. Tunesien in Zahlen . nachdem die Tunesiens Wirtschaft eine größere Bedeutung er. Das habe Marke Isabel Marant. wo die Revodurch die Privatisierung von lution mit der SelbstverbrenUnternehmen und BeteiSidi Bouzid ligungen von Ben Ali und nung des jungen Mohamed seinem Clan.Polizei seinen Gemüsekarren konfisziert hatte. Die Direktion des Hauses wenige Meter neben dem Innenministerium auf der Prachtstraße Avenue Habib Bourguiba hat Hunderte internationaler Konferenzen organisiert und diskret auch so manches Geheimtreffen.mindestens sechs Jahren im Betrieb arbeiten. erren mehrere Hunderttausend zählt Mohamed Larbi Rouis. An je. »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine große zu Demokratie und Rechtsstaat führen sollen. sondern wegen der Revolution. Aber es ist nicht ungewöhnmacht fördern wollte und Lizenzen für einheimische lich.an einem Obststand arbeitet oder ein ausgebildeter duktionsstätten ausländischer Betriebe praktisch. Nur Haken an den Wänden erinnern noch die unter Ben Ali verbotene islamisch geprägte daran. Schätzungen Buazizi ihren Ausgang nahm. Diktator Sein al-Abidin Ben Ali war so schnell und leicht vertrieben. hätten wir nicht Gruppierung. waren die Pro. sagt Cheneval. ließ der Inhaber.« Und die Forderung nach Lohndem Arbeitsplatz zählt ein Computer die fertigen erhöhungen? »Sie müssen sich entscheiden. dass müssten aber auch aufhören. wissen.« So wird auch in den neuen Zeiten. Doch der Neuanfang nach 23 Jahren Diktatur in Tunesien ist nicht so entspannt. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus. Ihm gehören rund zehn Prozent der Hotelbetten in Tunesien sowie ein Möbelimperium. lässt sich von einem Unternehmer nicht Sousse arbeitet auch samstags.Partei Ennahda bei der Wahl am 24.Abitur. bei einem Wahlsieg der Operating Manager auch künftig nicht automatisch Partei einschreiten. sagt Rouis. sollte die Islamistenpartei als stärkste verdreifacht und die Umsatz. Vor allem wird befürchtet. kritisiert er. dem nördlichen Ende Afri- kas. Gut möglich. ob wir Stücke. Das sind etwa 30 Prozent der abhängig beschäftigten Arbeitnehmer. unbegen Schokoladenfabrik T-Shirts für die französische fristete Verträge bekommen.« »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine Rund 600 000 Menschen arbeiten in Tunesien große Gefahr für die Demokratie« für Offshoreunternehmen. Auch die Übergangs. Die EXPORT 11. weil auch die Preise für Lebensmittel und andere Waren steigen. dass Tunesiens Wirtschaft dieses Jahr um lediglich 1. Seither ist erst kollegen von mir haben bis heute keine Arbeit. ist Claude Cheneval überzeugt. und dass auf dem Mittelstreifen ein Panzer steht und keinen Meter neben der Kaffeetasse Stacheldrahtrollen aufgetürmt liegen. Gerade hat der französische Unternehmensberater. der seit Jahren im Land lebt und auch mit der deutsch-tunesischen Handwerkskammer zusammenarbeitet.3 eine der Voraussetzungen Unternehmern über Tarifver*Schätzung für 2011 gewesen. Schon geht Werksgründung kommt.32 12. oder mit 3000. hinter denen Militärs mit lässig umgehängten Maschinenpistolen das Innenministerium vor einer Demonstration schützen. Und nicht in der Wirtschaft.sollen demnächst 480 Beschäftigte. wie 1992 betont Rouis. sagt Sonia Ben Salid. Sie ist des Hofes entstehen die Kabelstränge für die MerPersonalchefin bei Goldtex. bekommen sie höchst qualifizierte Leute zu einem immer noch sehr guten Preis«. Die jungen Leuten. Mittelmeer zufolge entzogen der ExAm Telefon in seinem Büro TUNESIEN Diktator und seine Familie im Industriegebiet des Küsder tunesischen Wirtschaft tenortes Sousse signalisierte ZEIT-Grafik ALGERIEN LIBYEN jährlich rund zwei Prozent Rouis dem Minister tags 200 km des Wachstums. Ein Schild an einer weißen Metallabsperrung vor dem Haus verspricht.« Inzwischen hat Rouis die ZEIT-Grafik/Quelle: GTAI schaftliche Entwicklung den zu Diktaturzeiten obligapolitischen Neuanfang getorischen Fotos von Ben Ali im Werk abhängen fährden könnten. etwa eine Autostunde nördlich von Tunis. Auch sie los.3 Prozent wachsen wird – nach 3. dass ein Jurist mangels adäquater Alternativen Unternehmensgründungen von Gunstbezeugungen als Verkäufer für einen Mindestlohn von 280 Dinar der Antragsteller abhängig machte. machte sie das Hotel lieber zu. mahnt Ayed. das in Bouazizi. der Tunesien in den vergangenen Jahren als Billiglohnland in Europas Nähe schätzte. peitscht der Wind die Wellen des Mittelmeers für 2011 deutlich angehoben. die durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben angelockt wurden. Auch Mohamed Eines der ausländischen Unternehmen. »Würden wir das umsetzen. Ebenso wichtig sei aber die Wertschätzung der Mitarbeiter etwa durch Investition in deren Aus.0 einer Werkshalle sei daher Wirtschaftswachstum in Prozent*: mit Gewerkschaftern und 1.und Gewinnprognose Kraft aus den Wahlen hervorgehen. saß ein Universitätsdiplom.hier mit 6000 Leuten und moderaten Löhnen arverzug mitlesen. wie er sagt. weil die Bezahlung dieses Jahr Einer von ihnen gehörte zu den jungen Tunesiern. das Unternehmen die WirtTunesien als billigen Pro10. das Gerücht um.

Manchen Wirtschaftsexperten gilt Lettlands Rosskur als beispielhaft. Statistikbüro Lettland nun die Lastwagen. Lettland ist zu klein und zu abgelegen. Anders als in Deutschland.und thek. »waren die Letten wohl derart erschrocken. wieder Rücklagen zu bilden. die sich in einem Haus am Rande der Rigaer Altstadt einquartiert hat. des Lats. im Boom eher dem Nachbarn Estland gleichzutun. Allerdings fehlen 2008 2009 2010 nicht mehr regelmäßig bedieVertriebschef Juris Kudeiko nen. auf zuletzt 17. ruinierte die Staatsfinanzen.und Wirtschaftskrise mit unerbittlicher Härte zu: Die Wirtschaft schrumpfte allein 2009 um 18 Prozent. ist Schönsein in Lettland so billig zu haben wie lange nicht mehr. baute Amerika mit ein paar Freundinnen auf ein Netz kleiner Boutiquen in Deutschland und Skandinavien. Der Kollaps des sozialistischen Riesenreichs traf Lettland hart. aus denen sich Bauernhöfe oder Flugzeuge zusammenstecken lassen. Papierfabriken zu errichten würde viel Kapital erfordern.« wirtschaft. gründete Amerika vor einigen Jahren ein Modelabel. Ihr Besitz ist nach Ostlettland.WIRTSCHAFT 12.) . das nicht in ausländischen Händen ist. ein Café im Zentrum (Mitte).1 dem Absturz meist deutlich men spürt den Wirtschafts*Ende 2010 weniger wert als die Hypoaufschwung in Mittel. nach harten Reformen und Einschnitten. sobald der Markt wieder pleitegegangen. sagt eine Mitarbeiterin im Rigaer Day Spa. mit Holzspielzeug und Ökopullis ein Land zum Wohlstand führen? Wahrscheinlich bleibt den Letten vorerst nichts anderes übrig. zeigten noch alle Zahlen nach oben: das Wachstum. »Zudem braucht es Knowhow. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes lag 2009 bei nicht einmal neun Prozent.« Als die Blase platzte. Lettland lebte dank seiner drei Ostseehäfen Riga. Das UnternehInflationsrate in Prozent*: –1. der die lettische Wirtschaft hatte heißlaufen lassen. Zu Beginn der Krise gab es genau eine einzige größere Demonstration. ganze Familie mit preiswerDie Chancen darauf stehen tem Essen aus dem eigenen ESTLAND gar nicht schlecht. um seine Banken mit ZwangsversteigeWaren nach Westen zu brinrungen zurück. Inzwischen allerdings.1 ten 120 000 Kredite aufgeStecklatten für Saunen und nommen. Noch halten sich die ZEIT-Grafik/Quelle: Zentr. Ende 2008. Das war hart«.und Konsumboom. vom Tourismus und – wegen seiner ausgedehnten Wälder – vom Holzexport. früher haben wir möglich. war das dünn besiedelte Land als Teil der ehemaligen Sowjetunion einst zu einem Industriestandort aufgebaut worden. So verlässt zum Beispiel Holz das Land tonnenweise. wie man spart und neue Einnahmequellen auftut. Im Boom allerdings blähten sich vor allem der Einzelhandel. sich dem Unvermeidlichen zu beugen und auf ihre Chance zu warten. Während ihre Landsleute noch mit Immobilien zockten. dass die Balten in Jahrhunderten der Fremdherrschaft gelernt haben. »Wir gehen weniger Ostsee deuten darauf hin. die sich bevorzugt in Euro verschuldet hatten. Alle Zahlen Garten. Sogar im traditionell agrarischen Litauen liegt er weit höher. Lettland in Zahlen Das verarbeitende Gewerbe zu fördern ist erklärtes Ziel der Regierung. dass sie es seither nie mehr wagten. Lettland machte durch. Auch das Bier in den Gaststätten der Hauptstadt.6 18. Er hinterließ Zigtausende arbeitslose Industriearbeiter. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 33 »Das geht nur mit Arbeit« Lettlands Wirtschaft brach in der Krise ein. Und eine lands Wirtschaftsabsturz vorerst LETTLAND Kollegin fügt hinzu: »Beim gestoppt ist. des einzigen lettischen Kreditinstituts von Bedeutung. die Löhne. davon kann inzwiBlockhäuser wieder stärker geschen jeder dritte die Raten fragt sind. steigenden Löhnen dazu hinDas merkt zum Beispiel reißen ließen. Die Arbeitslosenrate schnellte nach oben. drei Jahren. Dann aber ging es in die umgekehrte Richtung. Der Familienbetrieb lässt in der lettischen Provinz Holzbaukästen fertigen. Das ser war weit drastischer als der gegenwärtige Ab. nur um als teures Importpapier wieder zurückzukehren. aber auch jegliches Vertrauen internationaler Investoren in die Überlebensfähigkeit der Baltenrepublik untergraben – und noch mehr Unternehmen und Privatleute in den Ruin getrieben. »Jahrelang ging es darum.2 kaufen. der Käse auf dem Wochenmarkt: Vieles ist preiswerter als noch vor zwei. Und wer den benachbarten russischen Markt bedienen will. verkürzte die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld und kappte die Zuschüsse an den öffentlichen Nahverkehr. urteilt der Ökonom Morten Hansen.« Fotos (Ausschnitt): Roman Koksarov/AP/ddp (u. produziert dort besser direkt. Sinkende Preise sind ein Krisensymptom. Das Ende kam abrupt und mit Wucht. Deren Verbindlichkeiten wären weiter gestiegen. zahlten in Lettland überwiegend Arbeiter und Angestellte die Zeche. »Es war im Prinzip das gleiche Spiel. Inzwischen arbeiten zwölf Mitarbeiter für die Firma Ameri. Ein weiteres Beispiel für die Chancen in der Nische ist der Holzspielzeughersteller Varis. die der Griechenlands ähnelt. »Das geht nur mit Mühsal und Arbeit. »Ich Immerhin lag die Verschuldung des Staates in muss manchmal tagelang telefonieren. sagt KolonnaChefin Ieva Plaude-Röhlinger. das in Lettland nicht vorhanden ist. Es war ein kreditfinanzierter Immobilien. Allerdings errichten Industriekonzerne aus dem Ausland im Baltikum keine Fabriken.2 Prozent. Für wirtschaftliche Dynamik sorgen dagegen eine Vielzahl kleiner Firmen. und ausländische Anbieter steuern in Schwung kommt. um »endlich mal was Kreatives zu machen«. schon sturz. nahm der Staat Notkredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch und beugte sich im Gegenzug dem Spardiktat der Geldgeber. die mit Fleiß. Liepaja (Libau) und Ventspils (Windau) von Transport und Transit.ginnen werde. »Nur war die Blase. was im Ökonomendeutsch »interne Abwertung« genannt wird. sagt Finanzstaatssekretär Martins Bicevskis. der etwa von der Jahrtausendwende bis 2008 währte. Eine Abwertung der eigenen Währung. sie erinnern sich noch an den wirtschaftlichen Kollaps nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – die. viel gewaltiger. Als dabei ein paar Fensterscheiben zu Bruch gingen. mit aller Kraft Löhne und Preise zu drücken. das Freiheitsdenkmal eit die bekannte lettische Kosmetikkette Kolonna ihre Preise um rund ein Viertel gesenkt hat. Dabei geht es darum. Nun war plötzlich die Frage. versorgt jetzt die resbeginn gilt. vor allem jene. der einzigen Metropole des Baltikums.aus Jekabpils auf. Immerhin: »Am Ende brauchten wir keine einzige unserer 40 Niederlassungen aufgeben«. wo ein ziemlich starker Staat die Beschäftigten mittels Kurzarbeit und Konjunkturprogrammen einigermaßen vor der Krise schützte. ddp (2) . dieses Jahr scheint Riga Einkaufen schaue ich jetzt ein leichtes Wachstum wieder genauer hin. als roher Stamm. Laut Statistik haben von Bruttosozialprodukt in Milliarden Euro Nordeuropa und besonders in 600 000 lettischen HaushalDeutschland. Örtliche Spediteure sind während der Krise te sich allerdings ändern. da transportierten die niedriger als in westeuropäischen Krisenländern. hätte zwar den gleichen Effekt gehabt. Erstaunlicherweise erlebte das Land keine Unruhen. Zuverlässigkeit und den inzwischen wieder niedrigeren Löhnen Nischen bedienen. Auch Varis verkauft direkt an ausgesuchte Spielwarenläden in ganz Europa. Lettland stand kurz vor der Pleite. scheint ein neuerlicher Aufschwung möglich.0 18. Nach harten Reformen könnte es 2011 wieder aufwärts gehen VON JAN PALLOKAT S Blick von Rigas Kathedrale (oben). aber bereits weiter fortgeschritten ist – und die manche Beobachter als Blaupause für Athen betrachten. Mit seiner Hauptstadt Riga. auch das gibt es zu wenig«. Auch im Baltikum schlug die globale Finanz. Getragen wird es fast einfach in den Wagen gelegt. Kann man aber mit Kleinstfirmen. unverarbeitet.einen freien Lkw bekomme«. nahm die Baltenrepublik eine Entwicklung. sagt Kudeiko. die sich in den lettische Waren wieder attrakBoomjahren von den rasant tiver gemacht. »Die Lehre aus der Krise ist: Es gibt nicht den einfachen Weg zum Wohlstand«. zu protestieren«. 2010 ging es noch ein bisschen weiter nach unten. Während des lettischen Booms. bevor ich Lettland vor Beginn der Krise bei nur etwa 20 Pro. wo die Gemeinschaftswährung seit Jaheine Last. und luden für die Rückfahrt die Bretter und Latten dass die Regierung mit dem Ende der Krise be. Zum Beispiel die Firma von Ginta Amerika: Ehemals Beamtin in der Rigaer Stadtverwaltung. und die Letten glaubten der Welt sehr gern. Zu zent des Bruttosozialprodukts und damit weitaus Boomzeiten war das anders. Vom Gipfel des Booms bis zum bisherigen Tiefpunkt der Krise verlor das Land ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung und brach damit so stark ein wie kein anderes europäisches Land. sich an einen hohen Lebensstandard zu gewöhnen. die Miete für die Rigaer Wohnung. spottet ein Diplomat in Riga. Wohnungen der Holzverarbeiter Osukalns Einwohner in Millionen: 2. das Bauwesen und der Finanzsektor auf. wo Bauholz und 23. vor allem in Deutschland. erklärt der in Riga lehrende Ökonom Morten Hansen. Geld auszugeben. relativ zur Größe des Landes. Viele Letten hatten auch gar keine Gelegenheit. Lastwagen aus dem Westen Baustoffe nach Lettland Finanzstaatssekretär Bicevskis verspricht zudem. Damit ließen sich die Preissenkungen finanzieren. allein von der kleinen ExportLITAUEN was uns gefiel. sagt die Kleinunternehmerin Amerika. Die konservative Regierung wurde im vergangenen Herbst sogar wiedergewählt. Die Welt sprach bewundernd vom »baltischen Tiger«.könnte auch Lettlands erklärtem Ziel helfen. Das dürf. Also werden alte Überlebensstrategien neu im Jahr 2014 den Euro einzuführen und es damit belebt: Die Oma auf dem Land. Lettland erhöhte die Umsatzsteuer auf 22 Prozent. dass Lettaus«. Freuen kann sich jedoch niemand darüber. Die daher verfügten Sparmaßnahmen summieren sich bisher auf mindestens 16 Prozent der Wirtschaftsleistung. das man auch in Ländern wie Spanien gesehen hat«. Auf Knopfdruck lässt sich die industrielle Basis nicht vergrößern. Wahrscheinlich liegt die nachgerade unwirkliche Ruhe daran.3 oder Häuser auf Kredit zu aus Jekabpils (Jakobstadt) in Arbeitslosigkeit in Prozent*: 17. das Land am Rand der EU kaum noch an. dass es bisweilen klüger ist. damit die Wirtschaft zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren kann. die Preise. Die Kosmetiker und Masseure bei Kolonna mussten Lohnkürzungen um bis zu 40 Prozent hinnehmen. die Rettung der wankenden Parex-Bank. Die deutlich reduzierZEIT-Grafik 100 km Viel härter trifft es hinten Produktionskosten haben gegen jene. die Pullis und Röcke aus Lettland in ihr Sortiment aufnahmen.gen. weil es kaum Käufer gibt. die Löhne im öffentlichen Dienst wurden um 40 Prozent gesenkt.

oder Deflationsszenarien hat der Silberpreis womöglich weniger zu tun als gedacht. Dann Absturz. den sie damals bekam. ihre sicherungen.35 ein Verbraucherdarlehenskritisieren. Das war aus heutiger Sicht etwas hoch gegriffen. mathematik ist das.Klauseln zu Teilzahlungszuschlägen zukünftig nicht pflichtversicherungen. »dass bei PräTrotz der jüngsten Teilerfolge der Verbrauchermienratenzahlungsklauseln in Versicherungsbedin. machten es für den fen nun.9 % 1. Glaubt man den Versicherern. ohne dass der BGH zur Sache effektiven Jahreszins. wie sie sagt. Ein geschickter Schachzug der Huk – ein Die Verbraucherzentrale Hamburg und RechtsAnerkenntnisurteil kann nicht auf andere Fälle anwalt Bluhm setzen deswegen auf Verbandsklagen: übertragen werden. wie hoch der Zuschlag sei. denn der Silberpreis erholte sich etwas. heißt das Teilzahlung. Es ist ein klassisches Mittel. die Klauseln Prozent. den sie sich von der Website der Verbraucherternehmen verunsichert waren und zunächst mau. Ende April hatte die Chicagoer Rohstoffbörse höhere Sicherheitsleistungen auf Silberkontrakte verlangt.1 % 1514 US$/ FEINUNZE +6. Doch diese Urteile sind bei wohl dem VZBV recht geben würde. wie viel wurde. Das gelang ihnen im Rechtsstreit der det und zu Beginn eines Jahres fällig sind. dann ist das ein dem Landgericht Bamberg gegen die Versicherung.35 Pro- zent war. Die Jahreszins angegeben werden. der Preis brach daraufhin ein. dass die Un. Denn geklärt ist die knifflige Sache noch lange nicht. »Wenn dann Einzelfallcharakter haben. Euro Jahresprämie und Krankenversicherungen Pia Lanze nutzte für ihr Anliegen einen Musterausgenommen. um ein höchstrichterliches Urteil zu ihren UngunsUnd Ende April wurde die Stuttgarter Lebensver. dass die meisten Versicherungen ihre Prämien auf Jahresbasis kalkuliert haben. Pia Lanze ging lange Zeit davon aus.schützer herrscht längst noch keine Klarheit. dass Jahresprämien geschulabzuwenden. Wie wenig Neues gibt es doch am Finanzmarkt. Und dafür erheben die Versicherungen einen Aufschlag. Im Fall Pia Lanze unterjährige Zahlweise wie Verbraucherschützer beträgt der Effektivzins 11. wie sie erwartet hatte. Dann kamen Tränen der Angst. der für die Verbraucherzentrale Hamburg nicht angegeben hatte. Darin forderte sie erten. Und forderte Geld von ihrer Versicherung zurück. Nicht nur Heraeus macht übrigens Spekulanten für die Silberpreiskapriolen verantwortlich. dass der zuständige Senat gangenen Monaten. sagt Bluhm. effektive Jahreszinssatz ausgewiesen werden muss«.4 % GELD UND LEBEN Boom.2 % RTS: 1928 +8. in den späten siebziger Jahren. rung. Da wundert es nicht. wie die Assekuranz betonte.brief.seit Vertragsbeginn auf Basis des gesetzlichen Zinszen. weil zur selben Zeit die Tötung Osama bin Ladens diskutiert wurde).5 % 7. mit Inflations. trieben Spekulanten den Silberpreis bis an die 50Dollar-Marke.5 % 103 US$/BARREL +15.geladen. die lediglich Einzelfallcharakter haben. Es geht um Riesterverträge und Lebensver. klassischer Ratenkredit«.ten zu verhindern. sagt Rechtsanwalt Joachim die den effektiven Jahreszins in Riesterverträgen Bluhm.»Dort spielt auch keine Rolle. weil der Verbraucher nicht trale Hamburg sind lediglich Verträge unter 200 erkennen könne. doch Investitionen bleiben gefährlich Der Silberpreis steigt rasant! Nein. schicken schen einem in Verträgen ausgewiesenen Zuschlag aber nur wenige diesen Brief dann auch ab. aber auch um Kfz-. rückwirkend nur den gedie Versicherer den Ratenzahihn das Bezahlen in setzlichen Effektivzins von vier lern einen Kredit oder nicht? Raten tatsächlich kostet Prozent zahlen müssen. satzes von 4 Prozent« und die »Rückerstattung der Bei dem Streit geht es um einen kleinen. Illustration: Karsten Petrat für DIE ZEIT/www. werden schied das Landgericht Hamburg in einem Rechts. Damals erfuhr sie von einem langen Rechtsstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern. vierteljährlich oder der Effektivzins. so wie viele andere auch. musste mehr Geld hinterlegen. Jahresprämie nicht auf den« somit jeden Monat etwas Die »Kulanz« ihrer Versicheeinen Schlag. kam Bewegung ins Spiel.9 % 12 745 +10. dass sie ihre Jahresprämie monatlich abstottert. Im Juni 2010 erhielt sie einen dreistelligen Betrag – bei Weitem nicht so viel. soll viele andere Versicherer auf Urteile aus den versich abgezeichnet haben. Insgesamt geht es womöglich um Millionen Verträge.und Haft. sondern kleiner wurden. die Ergo nennt eine monatlichen Zahlung von Pia mittlere vierstellige Zahl an Briefen und Anfragen. der dann Fast alle Versicherer argumenfällig wird. Es waren die Brüder Nelson Bunker und William Herbert Hunt. Es fehlt bis heute ein höchst.diese allen anderen Gerichten zum Abschreiben streit der Verbraucherzentrale Hamburg und der vorgelegt«. rechnung dieses Zuschlags ist stets die die Berechnung des Bedie volle Jahresprämie – auch wenn trags. Sie man beispielsweise auch bestimträgen schien plötzlich mögbegründen das mit men. den sie dafür zahlt. Neue Leben Lebensversicherung AG. denn binnen weniger Tage Anfang Mai verlor der Silberpreis rund 20 Prozent (was öffentlich allerdings nur wenig beachtet wurde. Die Huk genauerer Betrachtung nicht immer wasserdicht. Wird die Jahresprämie gestückelt. Im Fall der unteren vierstelligen Bereich«.1 % NIKKEI: 9819 –5. Versicherungsnehmer im Einzelfall ist«. Kleinere Schlachten und schlechter Vergütung der Rechtsanwälte seien werden gewonnen. »Verfür die Stückelung der Jahresprämie und einem einzelte Anfragen« habe man bekommen. Mai 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 20 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7526 +7.34 12. Das räumte auch ihr geschäft oder Finanzierungsin den Verträgen Versicherer ein. so ist zu hören. die in Wirklichkeit anders heißt.com Abgesichert oder abgezockt? Viele Versicherte begleichen ihre Prämien in Raten. die Prämie Monat für Monat abgeerklären sollte. Verbraucher hofhilfe zu behandeln«. Boom Der Silberpreis steigt wieder. Der VZBV gewann 2006 vor gegen Ratenzuschläge abzutragen. »ohne Anerkennung einer Rechtspflicht«. eine Rückzahlung des Differenzbetrags. rung ist aber ein Beleg dafür.4 % 2659 US$/ TONNE +6. Für Versicherungsnehmer wie Pia Lanze und für die Assekuranzen. Erst als Lanze einen Anwalt einschaltete. Dann Begrenzung. Dann wieder von vorne. Nun gilt das Urteil des Land. Lanzes Versicherung höheren Verwaltungsgünstig ist. Für Normalanleger ist das ein sicheres Zeichen: Diese Woche von Finger weg! Als der deutMarcus Rohwetter sche Edelmetallkonzern Heraeus am vergangenen Montag in Hanau seine Bilanz vorlegte. Nachteile für die gesamte Branche Versicherer vorschreibt. gerichts. dass beim Silber immer noch sehr viele Spekulanten unterwegs seien. Es ist ein Drahtseilakt. Sache ging bis vor den Bundesgerichtshof. stottert sie halbjährAussagekräftiger ist deshalb dass in der Branche zeitweise lich. Brisant aber bleibt der Streit. Dafür zahlen sie einen Aufschlag. Erst Spekulation. sagt Bluhm.splitintoone. was für ein Typ der richterliches Urteil mit Grundsatzcharakter. Sie wurden erst durch die Anordnung höherer Sicherheitsleistungen gestoppt. stieg doch der Silberpreis binnen eines Jahres von weniger als 20 Dollar je Feinunze auf rund 50 Dollar. schwante ihr erst Anfang 2010. also monatlich. Diese zögerte und verweigerte dann. Doch die Firmen verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG P ia Lanze wollte Gerechtigkeit. Mittlerweile weiß sie.dort schlechte Entscheidungen ergehen. Die Referenz bei der BeLanze erhielt eine Tabelle. Doch die meisten Kunden zahlen »unterjährig«. Höhere Finanz. aber die Versicherer meist weit überlegen. Die Tabelle ist stottert wurde und Lanzes »SchulBezahlt ein Kunde seine furchtbar unübersichtlich. dass sie. Lanze war es ein Zuschlag von fünf Prozent. Was den Verbraucherschützern unterdessen Bei Individualklagen mit niedrigen Streitwerten gelingt. Anfang Mai erst ent. mit ihm kann Rückabwicklung von VerZusatzkosten. dass sie für ihre monatliche Zahlungsweise fünf Prozent mehr aufbringen muss. die die Branche vielleicht zahlen müsse. Und reine Kulanz. Umgekehrt heißt das: Mit den Aussichten der Weltwirtschaft. Laut der Verbraucherzen.44 US/$ +7. Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach einmal von 15 Milliarden Euro. Bei der unterjährige Zahlung wird – wenn überhaupt – in Generali liegt die Zahl nach eigenen Angaben »im Prozent des Jahresbeitrags angegeben. Crash. »dass es keine kosten und entgangenen gibt es komplizierte Berechrechtliche Verpflichtung gibt. vierteljährlich oder halbjährlich.sich offenbar sehr ungeschickt. aber zu viel gezahlten Zinsen«. so die tatsächlich zu berappenden Preis. Es kam zu einem sogenannten An. Dass es tatsächlich ein effektiver Jahreszins von 11. Zunächst waren es Freudentränen. Er ist verbrauVerunsicherung herrschte. Der Ratenzuschlag für die »einige Hundert Anschreiben« die DEVK. Die Kursausschläge sind unvorhersehbar. Deshalb müsse auch der effektive kassierte diese Entscheidung dann aber wieder. Es scheint. wenn wichtige Angatieren wie Lanzes Versicheben zum Zins im Vertrag fehlen.sicherung am Landgericht Stuttgart verurteilt. Und mancher Kläger verhielt selbst etwas entschied. Und gungen für den erhobenen Ratenzuschlag auch der die Versicherer werden weiterhin alles unternehmen. um Spekulationen einzudämmen. er fällt ins Bodenlose! Oder halt: Jetzt steigt er ja doch wieder! Was denn nun? Das begehrte Metall hat vielen in der Finanzbranche gleich mehrfach glänzende Augen beschert.Huk. Pia Lanze schrieb ihrer Versicherung. dann aber Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gegen anbietet. als habe sich die Geschichte wiederholt. Den Unterschied zwi. Zinseinnahmen. Während Die Versicherung von Pia Lanze beruft sich wie der mündlichen Verhandlung. die Hoffnung machen. Im Klartext: Wer mit Silber spekulieren wollte. Der Silberpreis ist ja auch schon wieder gestiegen. Sie hält den Aufschlag. Für den Effektivzins betont heute. Unfall. Verbraucherschützer Die Versicherer sind alarmiert halten dagegen: »Wenn der und versuchen. monatlich ab. benennt den Denn auch die komplette die meisten Versicherer »echten Preis«. Teilzahlung . Doch nungsformeln. verlangen cherfreundlicher. Die 53-Jährige. »äußerst wenige« meldet die Continentale.In einigen Fällen ging es im Kern gar nicht um den erkenntnisurteil.17 US$/ SCHEFFEL +14. wenn der effekGenau das ist der juristiKunden nicht transtive Jahreszins nicht angegeben sche Knackpunkt: Gewähren parent genug. knickte ein. Inzwischen sind sie etwas entspannter. berichteten Manager davon.zentrale Hamburg herunterlud. diese Jahresprämien in unterjährigen Raten die Huk-Coburg. auch eine »Neuberechnung des Ratenzahlungszuschlags weil die Verbraucherschützer sich auf Urteile stüt. sind Etappensiege. Und schließlich flossen Tränen der Erleichterung. ob ein Darlehen teuer oder lich. Laut Verbraucherzengewichtigen Unterschied – den von Ratenzuschlag trale wurde dieser Brief fast 200 000-mal herunterund effektivem Jahreszins. Denn schon einmal. hatte etwas an der Ratenzahlung für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung und ihre Altersvorsorge auszusetzen.mehr zu verwenden. Das Oberlandesgericht Prozesse führt. für zu hoch.

der Ehren-Aufsichtsratsvorsitzende und heimliche Herrscher des Konzerns. NieKSB INTAX in Fachkreise diskutieren in diesem Hannover. Kommunikationsprozesse wäh. Das hat letztlich auch eine wissenschaftliche Erhebung über den Einfluss von Medienberichten auf Richter und Staatsanwälte dokumentiert.und auch der klassische QualitätsTechnologiekonzern vor. Diese Stromfabriken und die Mutlosigkeit vieler Landespolitiker.WIRTSCHAFT ANALYSE UND MEINUNG Probiert’s doch mal! Kohlestrom kann man sauberer machen. die Erprobung – und möglicherweise bisher auch. und Medien. Deshalb. weshalb zuletzt alle verfügbaren Mittel in neue Hochöfen und Walzwerke gesteckt wurden. Importierte Steinfernhalten will. Eine wirtschaftliche Analyse der Kommunikationsstrategie von Kachelmann würde vermutlich nicht zu einem positiven Ergebnis führen.bund Deutschlands und der WWF. A DIE ANALYSE 12.Ländern zu überlassen. vorbei. die in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt sind. Sollen die alle nur anderswo stehen. Bevor er neue Investitionen tätigen kann. Zusammenhang über Litigation-PR. Sechs Milliarden Euro. Gerade die Richter im Fall Kachelmann demonstrieren.das Recht der Herausarbeiten der eigenen Argumenrum. Doch das braucht Zeit – gerade in einem scher Schätzung maximal 1. Kohleverstromung wird notgedrungen. Doch wäre es naiv. sondern bauplan für den Stahl. allzu früh entstehende Klimagift Kohlendioxid aufgefan. des damaligen Vor.de/gruenegeschaefte eingespartes CO2 die Kraftwerksbetreiber min- tausendwende kündigte das Kaum mehr als 100 Tage ist Unternehmen schon mal eiThyssenKrupp-Chef Heinnen Börsengang an. ist aber anspruchsvoll. sich an das Victory-Zeichen von Josef ständig über den Fall zu berichten. Lagerstätten müssten gebaut.nach Sparten. kann Verfahren: Niemand weiß bislang etwa. ob Kachelmann schuldig zu sprechen sei oder nicht. Aber der Stromerzeugung in einem Kohlekraftwerk CCS nicht einmal erproben heißt. bis im Spätsommer 2000 Aufzüge 5 das Unternehmen mit. wie lange etwa die Aufzugbauer Platz drei noch halten können. Der Plan FORUM Lernen aus dem Fall Kachelmann Kommunikationsberatung bei Gerichtsverfahren nützt weniger als gedacht VON TOBIAS GOSTOMZYK Wer vor Gericht steht. kohleverbrauch nahezu verEnglischen jene Spezies doppeln. aber seit Erfindung des Lakshmi Mittal. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 35 Un-Gestaltung ThyssenKrupp baut um und ab. Klima.nige Tausend Anlagen. Einfluss. denn die mussten in dieser Zeit fast ohne Investitionen auskommen. Etliche Medien aktuelle Studie der Kommunikationswissenschaftund nicht zuletzt deren Publikum haben spekuliert. Doch er bleibt die Entscheidung schuldig. Hunderte Kilometer man den Eindruck. Vielmehr dürfte schaftslenker vor Gericht bekommen der scheinbar nicht versiegende Inforgroße Aufmerksamkeit: Viele erinnern mationsfluss mit dazu geführt haben. Innerdachte Weltklimarat.jährlich so viel CO2 wie zwei Millionen Autos. alle Bereiche mit der nötigen Liquidität zu versorgen. Ähnlich ist die Situation in Niedersachsen. Mittels Es kann also gut sein. vor Beginn des MannesSteuern ließ sich die Presse dagegen mann-Prozesses. kämpft manchmal um zwei. konzern RWE sämtliche Konzessionen zurück.und Kohlestrom. Einzig bei der Bestimmung der Strafhöhe gibt es einen. Eine gewaltige Summe – selbst bei einem Börsengang der Edelstahl-Sparte.den Einsatz von Carbon Dioxid Capture and schen Gesteinsschichten – in Deutschland Storage nicht vorstellen. werden noch immer Schuld daran sind der Widerstand der Bürger neue Kohlemeiler gebaut.Option ist. Der Arcelor-Chef gründete für die korrosionsbeständigen Werkstoffs vor 100 Jahren ungeliebte Tochter eine neue Gesellschaft namens ist viel passiert: Längst können Chinesen den Edel. Auch Angela Merkel warb Mensch. lungs. Diese Fülle macht es einem Chef schwer. der vor einigen Jahjubeln. in Milliarden Euro sollte nicht nur Edel-.zeit. Vom Edelstahl stahl aus dem Portfolio verAuto Edelstahl will er sich trennen schwinden. Kartellrechtlich wäre das sicher nicht ganz einfach geworden – noch ist lösung der Autoteile-Sparte werden nur begrenzt ThyssenKrupp einer der großen Edelstahl-Anbieter Erlöse fließen: Die Fahrwerk-Fabriken will Thyssenweltweit. Die Autoteile werden weniger. mand sollte deshalb ernsthaft meinen. teste Marke des Konzerns. Schwerpunkte Medien manipulieren zu können.zehn klimaschädlichsten Stromfabriken Europas suchung möglicher Kohlendioxidlager verbieten stehen in deutschen Landen. so teilt hin. was auf diese Weise gespeichertes auch die Anwendung – von CCS allein anderen Gas für die anliegenden Grundwasservorkom. und wirtschaftlichen Interessen. ZEIT-Grafik/Quelle: Geschäftsbericht wie sie zu Jahresbeginn Branhat auch Vorgänger Ekkehard chenprimus Arcelor-Mittal Schulz schon versucht – und zwar vergeblich. winnen. aber vom eigenen Hinterhof fernhalten CCS der Energiebedarf eines Kraftwerks um will (Not in my backyard). ren mit seinen Prognosen über die Kosten des Natürlich gibt es berechtigte Zweifel an dem Klimawandels weltweit Aufsehen erregte. frachtet werden. ob sich den Kampf gegen den Klimakollaps ohne die zur CO2-Lagerung vorgesehenen unterirdi. Nimby heißt im Englischen jene Spezies Mensch. relativ kurzfristig die Luft über suchskraftwerk. Insgesamt würde eine Tonne Weitere Informationen im Internet: blog. als lebten in abhängigen Energieversorschung von CCS sein soll. Eisengießereien und Essener auch versuchen. sagte überantworten. als dass sich CCS wie Ideen eben sein müssen.Medien und der te gegenüber Journalisten lässt sich für rend juristischer Auseinandersetzungen Telekommunikation den eigenen Standpunkt etwas erreichen – selbst wenn das angesichts der vorauszudenken und gegebenenfalls zu Foto: privat Tendenz vieler Medien zur Skandalisierung und Personalisierung unwahrscheinlich klingen mag. senKrupp offen – allerdings käme dabei kein Cent Mehr als einmal versuchte der Konzern die Spar. Unklar ist istisch. Allerdings emittiert selbst ein modernes Kohdie ihm die Erkundung unterirdischer CO2. auf die intensive Erprobung Betrieben wird es von dem schwedischen Kon. Der Fall des Wettermoderators Jörg Kachel. Fragt sich. Vorstandschef der Deutschen Bank. um Manipulation von Justiz diale Begleitung über Monate hinweg. Die Causa Kachelmann hat zwar ein breites. als lebten in Deutschland lange Pipelines zwischen Stromfabriken und sehr viele dieser Zeitgenossen. wenn er ernsthaft Hand an den Mischkonzern legt. Mit dem Umbauprogramm will sich Hiesinger von einem Viertel des Umsatzes (2010: 43 Milliarden Euro) trennen. Eben. ob Berthold Beitz. Ziel sei es. müssen erst mal die alten Schulden weg. Die Begründung: Rund ein Viertel der gesamten deutschen Kohlenmangelnde Akzeptanz in Politik und Bevölke. Die Frage ist. wird sich der Welt»Nimby« heißt im mit Milliarden.aufzugeben. CCS versucht also. in den USA und sich ebenso für das Verfahin Deutschland sind es etwa ren ausgesprochen wie der 50. Auch der tiativen mögen über den Teilausstieg aus CCS Ökonom Nicholas Stern. doch vieles. dafür baut der Konzern weiter Aufzüge. ThyssenKrupp war einst Weltspitze beim Edelstahl und hat die Position verloren. Der Qualitätsstahl macht auch nach dem Abschied vom Edelstahl noch gut ein Drittel des Portfolios aus. Der Vorwurf Staatsanwälten in Mode gekommen. in Pipelines geleitet und schließlich in gen noch für Jahrzehnte einen wesentlichen Teil Lagerstätten tief unter der Erdoberfläche ver. zu schweigen.bringen dürfte. da Umsatz von ThyssenKrupp 2010 legt er einen gewaltigen Um. die reichlich vorhandene heiKohle hat man den das Grundlage für die Erpromische Braunkohle gilt als wichtiger Garant einer unbung und weitere ErforEindruck. Eineine neue und für Laien eigenartig seiner Arbeit sind zig durch sachliches. meint er. In wurde – am schnellen Atomdieser Woche beraten Bunausstieg. so die Ungewöhnlich am Fall ist aber eine massive me. und Debatte um saubere einmal mehr über ein Gesetz. Deutschland hat die großindustrielle Anwendung des und nicht als Ersatz für abgeVerfahrens fürs Erste kaum noch eine Chance.12 xibilität« für den Ausbau at. Briten. Des Weiteren ist es nicht erfolgversprechend. alte Meiler nachgerüstet werden. Heinrich Hiesinger muss klare Entwicklungslinien schaffen. den Standpunkt von Unternehmen oder Privatpersonen.des Verfahrens zu verzichten. Einzig im brandenburgischen Ketzin wird die CO2-Speicherung noch ausprobiert.und Strafverfahrens für KachelAuch die Auftritte bekannter Wirtmann vorteilhaft war.dioxidemissionen entfallen gegenwärtig nur auf rung. vom öffentlichen Druck unabhängig sein zu wollen. über Medien auf den Ausgang von Auseinandersetzungen Einfluss nehmen zu wollen. werden aller Wahrscheinlichkeit nach für 40 bis Ende April gab der Atom. Dieser Weg stünde auch Thyssorgte Nirosta für reichlich Verlust. Letztere besitzt ihren eigenen.lekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung noch Lagerstätten im CDU/FDP-regierten Schleswig. Vergangen. den neuen Mann auch gewähren lässt.4 6 (verbleibt im und auch vom AutozulieferDebatten zogen sich so lange Konzern) 1. eine gute Entwicklung ist dies nicht. äußerungen den juristischen Sieg kosten können. dass alle Tests am Ende Carbon Dioxid Capture and Storage soll das bei mit dem einen Urteil enden: Lieber nicht.6 geschäft. Das klingt simpel. zu glauben. »Fledie Konjunktur einknickte. Verkauft werden sollen ledigPartner winkten direkt ab. Eine sorgfältige Verzahnung von Rechts. Theater und Medien in Hannover.Gegenwärtig erzeugt China – wo fast wöchentschutz und Kohlenutzung zusammenzubrin.Bargeld in die Kasse. Es geht da. Handel wäre deshalb eine Abspaltung was der neue Chef nun plant. dass unbedachte Interviewerlei: sein Recht und seine öffentliche Reputation. Zur Jahr. In Strom angesehen.Wirtschaftskanzlei ihrer eigenen Berichterstattungslogik standschefs der Deutschen Post. Sicher nehmen auch Richter des Landgerichts Mannheim die Berichte über das Kachelmann-Verfahren wahr. Deutschland viele gung. unermüdliches anmutende Disziplin. Ackermann. Auflagen zu formulieren. . Doch viele Deutsche wollen das Verfahren nicht einmal testen VON CHRISTIAN TENBROCK Das Kürzel CCS steht für eine große Idee. Was ist geschehen? Leicht lässt sich dies bei der bei Anwälten und PR-Beratern. Die sicherste Alternative 13 wird abgespalten Das klingt gut.oder Technologiekonzern sein soll. Sie folgt Zumwinkels. Das ergibt auch eine und Sachverständige wurden gehört. so destens 50 Euro kosten – zu viel. Kriegsschiffe und Wälzlager für Windmühlen. Der Gebrauch von Litigation-PR ist nicht nur mann bietet dafür ein prominentes Beispiel. Viele Zeugen wird sie dabei eher kritisiert. Gesamt Qualitäts. Gegenwärtig hat mindestens 20 Prozent. Beides ist falsch: Es ist die detaillierte Veröffentlichung des T O B I A S nicht ersichtlich. halb von 20 Jahren. Umbau hier und da reicht nicht.der weltweiten Energieversorgung ausmachen. beim Nachbarn Polen mit einem Nobelpreis besogar über 90 Prozent. bekannt zu machen. lerin Vanessa Tahal von der Hochschule für Musik. Beide Kohlesorten Aber eigentlich könnten sich dieser Zeitgenossen werden als unverzichtbarer Abgeordnete und LandesverGrundstoff für deutschen treter ihre Arbeit sparen. denn auch bei der Aufte Wettbewerbern anzudienen.Dass es aber auch falsch sein kann. In den Medien einer Vergewaltigung steht im Raum. Lebendig bleiben ist Rechtsanwalt nicht. Im vergangenen Jahrzehnt an seine Aktionäre. Auch die Kosten sind ein Problem: Nach dem angenehmes durchaus dem Nachbarn überantgegenwärtigen Stand der Technik erhöht sich mit worten. ob ThyssenKrupp künftig Stahl. Im Wissen. Es gehe.derts ohne Kohle nicht auskommen wird und falls im SPD-geführten Land Brandenburg steht weil CCS gegenwärtig die einzig bekannte in Schwarze Pumpe das einzige deutsche Ver. Doch die Kartellwächter kamen gar nicht Krupp ebenfalls bargeldlos in eine »strategische Partdazu.5 Milliarden Euro einbehäbigen Konzern wie ThyssenKrupp. Die Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger und Thomas Zerback fanden heraus: Schuldig oder nicht schuldig ist keine Frage guter Presse. dass man jemandem mittels Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen zum juristischen Sieg verhelfen könnte. Aber eine neue Form bekommt der Mischkonzern so nicht VON JUTTA HOFFRITZ Viel Spielraum kann Konzernchef Hiesinger mit seinen Plänen also nicht gewinnen. schaltete Atomkraftwerke.Aperam und verschenkte deren Anteile kurzerhand stahl billiger herstellen.und Kommunikationsstrategie ist dafür notwendig. Die Welt benötige eiüberwiegend unter der Norddeutschen Tief. Grüne Parteipolitiker und lokale Bürgerini.landläufige Meinung.lich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht – gen. aber meist negativ besetztes Bewusstsein für diese Beratungsleistung geschaffen.selbst der hartnäckigste Sanierer der Branche. scheint es unKohlendioxid aus dem Rauchgas getestet wird. Das erklären Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzzern Vattenfall. Letztlich besteht das Ziel von Litigation-PR darin. die Übersicht zu behalten – und noch schwerer. die sich teils pro und teils contra auch die Bilder der Verhaftung Klaus bei der Kachelmann positionierte.stahl Damit hatte sich die Sache 43 4 Anlagenbau 1 Kriegsschiffe traktiverer Geschäfte zu geerst mal erledigt. Wert. dass Medien neue Anlässe fanden. aber ebene und vor der Nordseeküste – das aus Kohlemeilern abgeschiedene Gas wirklich für Jahr. so die DER STANDPUNKT: Amerikaner und Australier Prognose seriöser Energiefördern seine Erprobung experten. verantwortlich. die Verfeuerung von Braunkohle. Die Internationale Energieagentur hat damit 80 Prozent seines Stroms. liegt nologie auch in Deutschland gerne dem Nachbarn nicht – wie auch in dieser vorangetrieben werden. Beim Edelstahl kapitulierte nämlich Beispiel Edelstahl: »Nirosta« ist zwar die bekann. dass die fortlaufende Privatlebens des Moderators und G O S T O M Z Y K Weitergabe von Details des ErmittGründers eines Wetterdienstes.keinesfalls in Deutschland? Es ist reichlich egohunderte sicher speichern können. in dem die Abscheidung von Kohlekraftwerken zu entlasten. Sie leben und arbeiten nicht auf dem Mond. Und sechs der wo eine schwarz-gelbe Koalition die Unter.50 Jahre am Netz bleiben. Natürlich könnten die lich die Autoblech-Pressen. Doch die internen Auto 4. Die potenziellen nerschaft« einbringen. die Tochter an die Börse zu Federfabriken des Konzerns – was nach optimistibringen. »Mit fröhUnangenehmes zwar land kein Ende der Kohlenlichem Gemüt« solle die Techutzung in Sicht ist. die potenziell Dass auch in Deutscheinmal für CCS. vormachte. die potenziell Unmen bedeutet. Weil die Republik vor Mitte des Jahrhunwill. ein klein wenig besser machen sollen. Industrieanlagen.beeinflussen. In der destag und Bundesrat zwar kohle ist relativ billig. Holstein ermöglicht hätten. Damals rich Hiesinger im Amt. sondern auch bei Verworrenheit des Falls nicht sagen. aber Zeitung schon suggeriert die Kanzlerin noch im Jahr vom eigenen Hinterhof 2007. Das wäre ein Problem. auch wirtschaftlichen wenn sie zum Beweismittel des Gegners werden. Beim normalen Stahl verteidigt der Konzern Platz sechs im Branchenranking. für Juristen nicht verwunderlichen. wenn sie die Welt gegenwärtig lohnen könnte.

muss fragen. Sind Märkte perfekt und Menschen rationalund sozialpolitische Antworten? DIE ZEIT: Wie wird ein friedensbewegter Junge Der Preisträger Es ist ungewöhnlich. Bei ihm ist. als ich Abi. Die Steuern gibt es auch ein gutes Angebot öffentlicher traditionelle Auffassung davon hätte mich wahr. was andere Wahrheit ZEIT: Nirgendwo wird mehr mit Gerechtigkeit nennen. so. Bevor man warum die einzelnen Menschen so handeln.bessere Chancen verschafft. wie einem Bändchen von Niklas Luhmann von 1968. dass Risikoeinstellungen über schen zu verbessern? verschiedene Lebensbereiche sehr verschieden Falk: Ökonomie ist schon das Richtige für mich. FähigkeiZEIT: Dann wird es höchste Zeit. dass auch eine Vertrauenskrise war. andere flusst. legende Fähigkeiten mit Nachdruck zu fördern. Und mehr Risikofreude unter dem doch gibt es Korrekturbedarf. In gründung war Fairness. den LeibnizPreis.das weitverbreitete Dogma gegen staatliches Handeln. Zudem sind Bürger viel eher bereit. desto besser die ökonomischen wissenschaftlich salonfähig: Der Modelle und die Politikberatung. aus dem Rheinland zum Ökonomen? ZEIT: Wie das? Armin Falk: Zum Glück wusste ich erst gar nicht Falk: Menschen brauchen das Gefühl: Für hohe genau. denen Fairness ein Anliegen die entscheidenden Fähigkeiten entstehen – wie ist.genau aus dem Rationalitätsglauben ergab sich ja bild der Ökonomen. Und ZEIT: Diese Reziprozität verändert das Menschen. dass sumenten sind nicht so schlau wie sich der untere Teil der Gesellschaft gedacht. wenn die stark durch den Liberalismus geprägt. Partei der Desillusionierten sein. nähmen wir dafür sehr viel Geld in die Fragen in einfache Verhaltensprobleme übersetzen. denn jeder Euro mehr Diplom gemacht – mit einer Arbeit über Finanz. tue aber nichts nur um des Risikos willen. diese durch ihre Arbeit finanzieren. dass ich glaube. Sein Institut an der Bonner Universität liegt in einem alten Reihenhaus nahe dem Juridicum. und dem. ZEIT: Angenommen. die voranZEIT: Führende Ökonomen loZürich gilt als Nobelpreiskommen möchten. Was hat ein Ökonom schen befragt habe. Ökonomen können viel zu einer besseren Politik beitragen. Zu dieser Frage haben wir kürzlich benswirklichkeit der Menschen verbessern kann. gehen selbst mit gutem Beispiel voran. ren und mehr Selbstvertrauen. In der praktidass Sie etwas über Geldpolitik verfassten.Funktion. dem linken Harvard-Ökonomen. um wirklich zu verstehen. Er erforscht. Gute sozialdemokratische Politik ist es Dafür braucht man Empathie. An realen politischen Fragen genauso wie an ökonomischen oder philosophischen Problemen. Beispiel. klein: Michael Hauri/imagetrust (l. Kandidat.. Beim TeleForschungsgemeinschaft niert. Heute kann man als Volkswirt beides musste man darüber abstimmen. der Mensch. Ich wird das gesamte Einstellungsprofil von Eltern auf kann mir auch etwas ganz anderes vorstellen. Ginge das? Falk: Natürlich. Anders als ben Sie als besonders kreativ. die Gerechtigkeitsprobleme vom Ende her modellverliebt ist.. Einstellungen. Grün: Quatsch. die negative ist stärker von Leibniz-Preis abräumt – das ist neu. inwiefern Kinder ihren durchgesetzt. sind. ein SoDie Kombination finde ich nach wie vor wichtig. Märkte und Wettbewerb gabe. dass zugen risikobereite Männer und umgekehrt. Falk: Ökonomen beschäftigen sich heute mit Präferenzen. man Arbeitsfähigkeit feststellt.ten. sagte er. dass er nun auch den Yrjö Jahnsson Award erhält. die Kinder übertragen. Wo stehen Sie? nen Wirtschaft bei allen Transaktionen Vertrauen Falk: Hartz IV soll nicht auf Dauer ein gutes Leben eine Rolle spielt. Könnte sein. tungen erwartet. ganze Bevölkerungsgrupdem Chef der Deutschen nicht. Doch das tut er eben suchen. sie darf nicht die dass in Zürich einiges geschah.ZEIT: Hartz IV wurde renoviert.Man kann innovative Ideen ausprobieren und wird aus risikobereit. Er begeistert. wenn man selbst len oder Kindergärten kostet. lies mal etwas von John Kenneth Falk: Reziprozität heißt da. bei dem die allerdings mehr mit Blick aufs individuelle Ent. positiv wie negativ. Zwar hat er sich vom ersten Preisgeld auch vorlesungsfreie Semester gegönnt. welches Falk: Auslöser war der Philosoph Gerd Achenbach.ZEIT: Der Junge aus Bergisch Gladbach hat sich tiven Studie untersucht. Und Sie? Falk: Ich würde nicht sagen. wie groß unser Lebenserfolg ist und wie zufrieden Auf einer Skala von 0 (gar nicht risikobereit) bis wir sind. ZEIT: Das sind Grundregungen der Gerechtigkeit. Wir erforschen das konkret anhand von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen. kann psychologische Motive in den wirt. zialsystem überhaupt erst zu schaffen. Mit einem Teil erforschen Sie nun. Und langsam merkt man. Wäre das leistung erbringen müssen – oder nicht. ZEIT: Immer gab es auch linke Ökonomen in der Falk: Sie gehören zu den wichtigsten Motiven. Ziel war es da. die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt seit den ReforZEIT: Sie durften nicht – und haben doch weiter men erheblich zugenommen hat. kaufen Dinge. Es spielt auch eine wichtige Rolle. bin ich risiko. weil er sich begeistert. während die anderen scheidungsverhalten. Interessanterweise Wissenschaftler arbeite. Ernst Fehr von der Uni öffnen für Menschen. Für einen alltäglichen Auto. nachdenkt und überprüft.. ZEIT: Kommen wir zur Fairness. Falk: Tatsächlich ist die deutsche Ökonomenzunft Es ist individuell manchmal von Vorteil. Und der Aufschrei zunehmend ablöst. Und Untersuchungen belegen ja. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausFalk: Das ist keine sinnvolle Aufschütten. Ein Gespräch Falk: Sicher. der Evolution geprägt. Viel spannender lichen Abhängigkeit herauszustreben. oft en schreiben. Ein sehr lohnendes sehen ist »Fördern und fordern« das Gegenteil Buch. wie Falk: Mentorenprogramme für diese Kinder zum wir das nennen. Und die Politik muss komGladbach.ist das. Und als wir über meine Studienwünsche argumentiert als in der Arbeits. der große Auszeichnungen wie den oft von uns erwartet. Ich bin bereit. sich in die zu lösen. Er faszinierte mich extrem. dass nicht nehmen ohne ernste Konsequenzen. sondern eine asoziale Handlung. was sie tun. Aber hat die Ökonomie auch seine Eltern in ihrer Risikobereitschaft ähneln. die Lebensumstände der Menden dabei heraus. dann ist ohne Staat alles wunderbar. Innerhalb der SPD stehe ich insoweit eher rechts. der/Steinbrück-Sozialdemokrat.und Sozialpolitik. sondern auch ein Jahr zuvor den unter Ökonomen wichtigen Gossen-Preis. die richtiArmin Falk erste Erfolge dass es dafür öffentlicher Untergen Fragen zu stellen und dafür stützung bedarf. Strich gut ist. dass die Gesellschaft Galbraith . Die ZEIT: Sie sind ein Verhaltensforscher. es kann ZEIT: Sie waren mal SPD-Mitnicht sein.geben sollte.higkeit zur Selbstkontrolle entsteht. 10 (sehr risikobereit) bin ich eine 8. Und jetzt kommt das Interessanteste: Die BeZEIT: Als Student hatten Sie es noch schwerer. sehr nahe. dass sich Ökonomie glied. die zu bringen. Die wissenschaftlichen Nase rumtanzen.zu verhindern.Befunde der Verhaltensökonomik zeigen. Gelb. Zu helfen ist sinnvoll. aber davon abgedas einfach Vertrauen heißt.garantieren. wo sie kann. Rot. Bei ei. UJH egoistisch. zu zahlen. ob dadurch mehr Fäjemandem etwas Gutes zu tun. aus Hartz IV und der staatmarktinnovationen in Kanada.eingesammelt. soll das auch tun. desto Motive eine wichtige Rolle spielen. Sehen Sie. Sie besonders überrascht? Falk: Ein Beispiel: Wir haben in einer repräsenta. dass Steuerbetrug kein Kavaliersdelikt tur machte und Zivildienstleistender war. wenn er mich vor. Und darum muss es doch gehen. Werde ich dagegen bereitschaft. Menschen eine Diskrepanz zwischen dem. wie man die Le. Bundesrepublik. Aber ein sozialdemokratischer Die positive Reziprozität wird in der Gesellschaft Ökonom.einen Transfers empfangen. bereit. DFG . die Kanzlerin riefe an: Herr Falk.Wissenschaft diszipliniert. Falk: Für Experimente muss man wissenschaftliche zient. dass die anderen auch ZEIT: Beeinflusste Sie jemand bei der Studien. der tut sich schwer. Erhöhen Sie die mal. was das eigentlich ist. mehr Risikoher anständig behandelt hat. Proband. ob sind zentral für Wohlstand.erbringen kann. sprachen. freudigkeit der Bevölkerung ab. Aber alle Professoren lehnten ab. Persönlichkeit. aber auch mehr Empathie mit andeunfair behandelt. Wer eine Gegenleistung Köln wollten Sie eine Diplomarbeit über Vertrau. selbst wenn sie es gut meinen.Hoffnungen erfüllt. wie wir sozial funktionieren. dann wäre ich wohl auch den eine dramatisch große Zustimmung dafür. ja. weil wir gar nicht wissen.Güter. Wo hat Ihr Politik sollte sich übrigens öfter melden. in dem Hilfeempfänger eine Gegenschaftlichen Entscheidungen erforschen. wie zwischen Menschen. Steuern scheinlich nicht überzeugt. wenn andere unfair sind. problemen hineinzuversetzen. wenn es darum geht. was es bedeutet. Und auf einstiegs. sie können einem nicht auf der erleben wir eine Öffnung. Staat kann helfen. Da wurde ich mit offenen Arsondern muss die Partei der Aufmen empfangen. Es war also eigentlich eine zen. Und genau die bestimmen ganz wesentlich. in dem er Vertrauen definierte als riskante von »unfair«. Luhmann erklärte. Hand. Wir köneigentlich wollen. was ökonomisch sinnvoll ist. Ich bin überzeugt: Je realistischer nicht wollen. sondern ein Faszinosum. es ist eher eine Drohkulisse mit der trale Wirtschaftsfrage. was ich wollte. Vielleicht bekäme Nehmen Sie die Lebensmittelman mehr Wachstum. Falk erhält den Leipnizhätte man früher gesagt. weiß ich noch nicht. ich war selbst noch nie Gegen. die Industrielobby intervepen zu indoktrinieren. sondern die Entstehung dieser Probleme emotionalen Verwerfungen von Entscheidungs.ZEIT: Der Kerngedanke der Hartz-Reformen. Falk: Bei Galbraith kam das Interesse an Wirt. Falk: Tatsächlich hatte ich die Ursprungsidee aus schen Politik ist dann natürlich die Frage. weil und trinken mehr. dass er sie deswegen nachhaltig verändert. mehr Alkoholiker und Unfalltote. und echten Egoisten. Dadurch wird eine linke Position das Menschenbild. ein Experiment gemacht. Aber ob ich immer als nem anderen ist es umgekehrt. schaft zusammen mit der Frage. Es wäre höchst effizu entwickeln. als Falk: Ich habe dann gesehen. wie Armin Falk als Chef und Forscher funktioniert. in welcher Rolle man nachher ist. auch das. In Deutschland hängt der Bildungserfolg besonders stark von der Bildung der Eltern ab. grundder Industrie zeigt ja die Wirkung. die sie hinterher es unkompliziert war. aber gar nicht bei Gesundheitsfragen. Aber der Mann für die richtigen Fragen lebt deswegen noch lange nicht im Elfenbeinturm. was sie Falk: Wir können es uns nicht aussuchen. die wichtigste Anerkennung für europäische Ökonomen unter 45. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WAS BEWEGT ARMIN FALK? WIRTSCHAFT »Ich bin risikobereit« Als sozialdemokratischer Starökonom ist Armin Falk ein Sonderfall. dann reagiere ich abweisend.36 12.und Entwicklungswilligen mal konnte ich genau das masein. für eine sozialpolitische Leistung auch GegenleisZEIT: . der zu nicht. Genau das ist ja positive Reziwahl? prozität. wie man Kindern aus benachteiligten Familien hältnis zur Fairness. Wir wollen sehen. das regelt Preis von Matthias Kleiner. unser ZEIT: Bloß sind Politiker auch Wachstum hängt von der RisikoMenschen und machen Fehler.verringert den Anreiz. alle Menschen eigennützig und rational sind. Ändert sie auch wirtschafts. Hier versäumen wir es. Falk: Wenn ich an eine Sache glaube. zum Beispiel bei der Steuermoral. geht es nicht (lacht). Die Forderung nach deutlich höheren Sätzen entstammt falschen an die Ökonomie geglaubt? Falk: Ich habe erst mal aus Pflichtbewusstsein das Gerechtigkeitsüberlegungen. Sind Sie risikoverliebt? Falk: Auch wenn ich schon viele Tausend Men. ZEIT: Ein paar wie Sie gab es Falk: Ich fühle mich der Partei damals schon. die Menschen in reguläre Beschäftigung kauf genauso wie jetzt für die Weltfinanzkrise. Zum Essen geht es ins Studentenlokal um die Ecke. Im Schnitt sind wir unseren Eltern also sehr ähnlich. und die Konfonat würde ich dann sagen. dass ich ein knallharter ZEIT: Was meinen Sie mit »Intervention«? Egoist bin. Drinnen herrscht Betriebsamkeit unter den vielen jungen Forschern. Der heute 43-jährige Rheinländer Armin Falk hat nicht nur 2009 den höchstdotierten deutschen Förderpreis für herausragende Wissenschaftler gewonnen. ein Ökonom. Menschen beschränkt rational sind und soziale ZEIT: Je mehr Verhaltensökonomen lernen. ob es ein System machen. Aber heute anderen wissen. und Falk ist mittendrin. Jemand. dass in der moder. Wir fan. Unter den fairen Typen man deren Entwicklung durch Interventionen im gibt es wieder zwei Gruppen: Die einen wehren frühkindlichen Lebensabschnitt positiv beeinsich vor allem.steuerehrlich sind. Ich neige zu reziprokem Verhalten.. wie aber wusste. Sie essen nen auch nicht einfach zum alten Modell zurück. Ich hatte aber immer das Gefühl. dass ein wissenschaftlicher Außenseiter so jung die großen Preise in seinem Metier abräumt. wenn es um finanzielle Dinge durch die hohen Standards einer gestandenen geht.dazu zu sagen? stand meiner Studien. Ein und derselbe Mensch ist vielleicht über. aber auch ampel. Man sollte ohnedies nicht verder Markt. Risikobereite Frauen bevorAber Experimente und Befragungen zeigen. wenn sie glauben. Wir fanimmer noch unmöglich. Sie können einem nichts weg. Falk ist der erste deutsche Preisträger. was Menschen als gerecht empfinden.munizieren. Die Wirklichkeit ist für ihn kein Störfall. Sie unterscheiden Wer mehr soziale Mobilität will.Falk: Richtig. Vorleistung. vor allem für dann die richtigen Experimente sozial benachteiligte Kinder. die uns Schuhabe ich erlebt. Vielfach erleben vielgestaltiger präsentiert sich die Wirklichkeit. Und vergangene Woche wurde bekannt. Übrigens ähneln sich Das Gespräch führte UWE JEAN HEUSER Fotos: Michael Dannenmann für DIE ZEIT. der nicht bereit ist. Bei ihm feierte andere Parteien weiß die SPD. sie handeln. ZEIT: Sie haben durch einen Forschungspreis und ZEIT: Zwei Kategorien menschlichen Tuns haben EU-Mittel rund vier Millionen Euro für Forschung Sie besonders erforscht: Wagemut und unser Ver.). Sie wirken wie ein Schröin so etwas erschöpft. nicht Ökonom geblieben. Sie muss Perspektiven erchen. Vorbild führende Politiker und andere EntscheiGründer der Philosophischen Praxis in Bergisch dungsträger abgeben. Aber die ist auch wichtig. auch die Ehepartner.

doch noch irgendwie gebraucht zu werden.« Alzheimer – schon der Begriff löst bei vielen Horrorvorstellungen aus. die ihre engsten Angehörigen nicht mehr erkennen und am Ende nicht mal mehr sich selbst. per Schienenersatzverkehr. Mit Fahrgästen (Fachjargon: Fleischgewicht) sind sie zehn Tonnen schwerer.philippwente. Die medizinische Diagnostik nimmt allerdings vor allem die Defizite in den Blick: den schleichenden. dass ihm Namen. erklärt er einfach. Manchmal schaue er in seiner alten Firma vorbei. seine Frau Beate pflegt ihn (siehe Seite 40). sagt Zimmermann und macht eine lange Pause. Alles falsch. sich verständlich zu machen. HALB ein Teil der Brücke habe abgerissen werden müssen. der auf die Herstellung von Kunststoffspiegeln spezialisiert ist. An schlechten Tagen. Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten. Ein Plädoyer für einen neuen Blick VON THOMAS VAŠEK it ihm sei es wie mit einer Sandburg. Richtig dagegen ist die Meldung über die jüngste Fehlkalkulation: Nachdem die Deutsche Bahn die Brücke saniert hatte. seit 1897. geht mit Freunden spazieren – oder berichtet anderen von seiner Situation. die lallend durch die Altenheime irren. Immerhin erkenne er noch heute. Oder: Der Baumeister habe richtig gerechnet. lässt die Einkaufstüte im Supermarkt liegen oder bringt die falschen Dinge nach Hause. Seine Bilder helfen ihm. das Portemonnaie. dieses Schicksal möchte niemand erleiden. Wie Befragungen zeigen. 47 Kinder. Die im Nachthemd auf die Straße laufen.WISSEN KINDERZEIT Hoffnung im Gepäck: Was es bedeutet. So viel etwa wiegen die Züge – ohne Personen. das Handy. aber falsch nachgerechnet und sich aus Scham über den (falschen) Fehler in den Tod gestürzt. hat unser Autor in einem besonderen Heim erfahren (Seite 39). Er sucht die Schlüssel. Die damals schier unglaubliche Konstruktion reizte zur Legendenbildung: Der Baumeister habe falsch gerechnet. sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen. wenn die Mitarbeiter wieder einmal etwas falsch zusammenbauten – obwohl er es selbst nicht mehr zusammenbrächte. jahrelangen Prozess der Hirnveränderung. »Dann sitzt man da und schaut«. sagt Christian Zimmermann: »Ständig bröckelt etwas ab. er habe Alzheimer. Dabei kann man auch mit dieser Krankheit Freude am Leben haben. wenn er wieder einmal die Worte nicht findet. Beispielhaft zeigt der Fall. die Gedanken auseinanderfallen. Beim Autofahren verlor er die Orientierung. Gunter Sachs hat sich – so schreibt er in seinem Abschiedsbrief – aus Angst vor »der ausweglosen Krankheit A. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt. SAM WISSEN . vom Gefühl. steige die Angst in ihm hoch.« Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch dieser Woche der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft.com Fleischfrei fahren Womöglich liegt doch ein Fluch auf der Müngstener Brücke. von »welken Hüllen«. natürlich von der halb fertigen Brücke. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind von Demenz betroffen – Tendenz steigend. Ihre Zufriedenheit hängt ab von erfüllenden Tätigkeiten. Orte und Begriffe verloren gehen. ihn umzusetzen. Wenn ihm die Sätze. Irgendwann machte er plötzlich Fehler. die irgendwann so groß werden. Es ist die Rede von »lebenden Toten«. Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden. 48 12. Mit Dreitagebart und Nickelbrille sitzt er am Küchentisch seiner Dachwohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen und redet über seine Krankheit. von echten Doktorarbeiten unterschieden werden. Eigentlich sei es die »bestbetreute Zeit« seines Lebens. dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt die Wupper. sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. die Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen. Eines Tages fiel er aus der Duschkabine. 38 Foto: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Der Fotograf Philipp Wente hat sie für uns begleitet Damit die Würde bleibt T I T E LG E S C H I C H T E Die Diagnose Alzheimer löst oft Horrorvorstellungen aus. Vorher arbeitete er in seinem Betrieb. sagt Zimmermann. Und dass auch pflegende Angehörige Hilfe brauchen und wie man mit einem dementen Partner Urlaub macht. An guten Tagen malt er. weil er so lange zum Einpacken braucht. wenn die Leute überrascht reagieren. die sei »standhaft«. so wie es ein Maler mit einem schlechten Bild mache. Hat es damit bewiesen. die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen. Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst.« erschossen. So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten. Doch Menschen mit Demenz (von der es neben dem Alzheimer-Typ noch andere Formen gibt) erleben sich selbst keineswegs nur im Zustand abgrundtiefer Verzweiflung. diesen Alzheimer »übermalen«. Zimmermann spricht gern in Bildern. überfuhr Bordsteinkanten. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. bis ihm der Neurologe ein Bild seines atrophierten Gehirns zeigte. dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat. »Dann reagieren die immer ganz betroffen und packen mit mir zusammen die Tüte ein. einfach so. Dann kommt es vor. dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre. Es freut ihn. Flüchtling zu sein S. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen.zeit. sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden. ANDREAS SENTKER Bernd Linde leidet an Alzheimer. Es ist höchste Zeit. Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden. einmal sägte er sich fast den Finger ab. Praktische Tipps und Informationen zum Thema: www. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 37 P L A G I AT S A F FÄ R E Doktor-Prüfung Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest. Und wenn die Leute im Supermarkt mal wieder grantig werden. Jetzt ergründet die Forschung. Nun wird überbrückt. dass wieder etwas abbröckelt. finden sie durchaus noch Freude am Leben. von der Bindung an Familie und Freunde. Man denkt an sabbernde Greise. Der lange Weg durch die medizinische »Maschinerie« begann. Alzheimer. Der Tod schien ihm die bessere Alternative. Man müsse die Krankheit eben »überlisten«. die sei immer noch da.und Jugendbuch S. ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. die sinnlos dahinvegetierten. erzählt er. beantragte sie die Freigabe für Personenzüge bis 72 Tonnen.de/alzheimer M Zimmermann will raus aus seiner Burg.« Doch die Burg. Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen. dass die Betroffenen Fortsetzung auf S. lesen Sie auf Seite 40. Wie man gut mit ihnen umgeht. Seit vier Jahren lebt der 62-Jährige mit der Diagnose Alzheimer. wie die Kranken die Welt erleben (diese Seite).

oder man stellt sie mit Psychopharmaka ruhig. sie reagierte auf keine normale Ansprache mehr. Ärger oder Traurigkeit zu. diese in Handeln umzusetzen. Was etwa soll man von der Heimbewohnerin halten. das sich einseitig am kognitiven Leistungsvermögen orientiert: Wer geistig nicht mehr folgen. Auch in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können sie mitteilen. Doch als die Frau das letzte Blatt ausgespannt hatte. sagt Peter Wißmann. den Würdeanspruch von Demenzkranken zu relativieren – und damit auch unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenüber den Betroffenen. Ich weiß nicht. Überall fehlt es an Geld und an Personal. Erinnern oder Vergessen. Selten ist in diesem Zusammenhang davon die Rede. nach ihren noch verbliebenen Wertvorstellungen zu leben. sie seien »ein Haufen Mist« – oder eine »seltsame Kreatur«. Manchen gelingt es sogar. Und da uns die Medizin wenig Hoffnung auf eine wirksame Therapie macht. einer bestimmten Logik. Diese Erfahrungen schlagen sich nieder in Gewohnheiten. müssten wir uns ebenso bemühen. Ich fühle mich wie ein Außenseiter.com Fortsetzung von S. Oft helfen die intakten Langzeiterinnerungen.« Demenzkranke Menschen entwickeln aber auch Strategien. ob er nicht doch was falsch gemacht habe mit seiner Burg. Wer wirklich zuhört. der Demenzbetroffene in München-Haidhausen. Wenn die Menschen Zuwendung und Ansprache bekämen. auch wenn der Kranke später andere Präferenzen zeige. Schon vor Jahren hatte diese ihr Artikulationsvermögen verloren. Aber wir dürfen nicht aufhören. zog daraus tiefe Befriedigung. der ständig mit dem Rollstuhl unterwegs ist. vom »Jemand« zum »Etwas«. Und diese Fähigkeit besäßen selbst hochdemente Menschen: Mit ihren Emotionen brächten sie weiterhin ihre Wertvorstellungen zum Ausdruck. Wegen ihrer kognitiven Defizite neigten wir allerdings dazu. kaum noch Emotionen oder einen Ausdruck von Selbst. erklärte der Mann – im Heim hingegen sei er »nichts«. die Selbstbestimmung demenzkranker Menschen einzuschränken – aus Überfürsorglichkeit. auf den er sich etwas notiert hat. Das Seelische drücke sich aus. der braucht Zuhörer. wie ich selbst überdeutlich spreche. Aus den »Krüppeln« von einst sind weitgehend gleichberechtigte Dialogpartner geworden. Warum die Leute nicht mehr mit mir reden. Sein Vater erkrankte vor Jahren an frontotemporaler Demenz. Als Ellis den Ton nachahmte. also sinngeleitete Wesen. ihre Freuden. Als ihr die Forscher eine alte Schreibmaschine und Papier gaben. das »Abbröckeln«. der selbst an Alzheimer erkrankte und nun an einem DemenzForschungsprojekt teilnahm. das persönliche Erleben von Demenzkranken zu erforschen – ihre Ängste. Mehr als eine Million demenzbetroffene Menschen leben derzeit in Deutschland. Forscher der Universität Bangor in Wales etwa befragten Heimbewohner mit leichter bis mittelschwerer Demenz. Eine unsterbliche Idee«) kennt die Demenzproblematik aus der eigenen Familie. die mit leuchtenden Augen ihre Tätigkeit als Sekretärin in der Einrichtung beschrieb. die irgendwie auf die Erde gekommen sei: »Aber ich weiß nicht. was los mit mir ist. Demenzkranke auch im täglichen Leben in ihrer Autonomiefähigkeit gezielt zu fördern. Obwohl er kaum noch verstand. die Autonomie einer Person basiere lediglich auf ihrer rationalen Fähigkeit zum Planen und Entscheiden. »Das schleppst du immer mit. bettlägerigen Frau studierte. dass wir bei einem dementen Menschen nichts Kognitives mehr finden. ist mittlerweile sprachund bewegungsunfähig und wird zu Hause gepflegt .38 12. sollten wir uns mehr auf die Menschen dahinter konzentrieren. steigerte die bloße Mitwirkung sein Selbstwertgefühl: Als Projektteilnehmer könne er »viel mehr machen«. ist auch die Person zerstört. jede zweite Frau könnte – so warnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft – im Laufe des Lebens an einer Demenz erkranken. bis Christian Zimmermann. wie es tatsächlich ist. das ist der Knackpunkt. glaubt Kruse. ihre Türen werden verschlossen. es erfordert Entschleunigung.« Von »Selbstaktualisierung« spricht Andreas Kruse. ist sie noch da. Die Alzheimerkrankheit rührt auch an unser Menschenbild. von ihren Bildern. können wir die kognitive Ungleichheit überwinden – und damit das Gefühl der Fremdheit. hat keine Vorstellung davon. Nach ihrer These machen schwer demenzkranke Menschen durchaus Sinnerfahrungen. die geweckt werden könnten. die Suche nach Sinn. Per Videokamera beobachteten die Forscher demente Heimbewohner in verschiedenen Alltagssituationen – wenn sie Besuch von Verwandten bekamen. um mit dem fortschreitenden geistigen Verfall zurechtzukommen. Heute geht es um die Rechte von Menschen mit Demenz. Entfremdung und Einsamkeit. Immer mehr Betroffene gehen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. Das erlebte zum Beispiel die schottische Psychologin Maggie P. Jahrhundert die Person als »denkendes. atmete sie tief ein. Die Frage nach der Autonomie von Demenzkranken treibt ebenso den Deutschen Ethikrat um. worum es in dem Projekt überhaupt ging. im Austausch mit anderen. dass wir Menschen mit Demenz als Personen ernst nehmen müssen – und dass wir ihnen Selbstbestimmung zugestehen sollten. gehen in Selbsthilfegruppen. Aus der Rückschau auf ihr früheres Leben schöpfen viele neues Selbstwertgefühl. ebenso wenn sie ihren Lieblingsaktivitäten nachgingen. Ihr Sinnpotenzial verwirkliche sich durch das Erzählen. diesen Sinn zu entschlüsseln. auch wenn ihnen jegliche Möglichkeit fehlte. so meint Bär. solange sie dazu noch irgendwie in der Lage sind. Heute bestimmen Philosophen das Personsein auf der Basis von Kriterien. Durch das Erzählen erschaffen wir unser Selbst. das Endstadium mit künstlicher Ernährung. Empfindungen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen zu erfassen. wenn ein schwer Demenzkranker erkennen lässt. TV Spielerisches – abwechselnd produzierten die beiden ihre Töne und lachten immer wieder dabei. »Unser Selbstverständnis an das Gehirn zu knüpfen beraubt uns der Ganzheit des Lebendigen«. zum Verstehenwollen. vom kleinsten Stirnrunzeln bis zum Anflug eines Lächelns. Unser Selbst steckt demnach nicht in einem bestimmten Hirnareal. Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg. weil sie ihre früheren Rollen nicht mehr ausüben können. Die Gesellschaft dürfe Menschen mit Demenz nicht länger »ins Abseits der Krankheit und Pflegebedürftigkeit« schieben. kann von Menschen wie Zimmermann lernen – von ihrer Kreativität. sagt Kruse. habe daher Vorrang. sagt der Bonner Gerontopsychiater Rolf Hirsch. mit ihren Defiziten humorvoll umzugehen. die er einst so akribisch geplant hatte. wer wir sind. Statt den Blick nur auf die Krankheit zu richten. was ihnen wichtig ist. Thomas Vašek. Dann reißt das Seil. einen Sinn verfolgen – auch wenn es für Außenstehende oft schwierig ist. Demente Menschen tun im Grunde nichts anderes. und sein Kollege Peter Singer von der Universität Princeton spricht deshalb schwer demenzkranken Menschen das Personsein überhaupt ab. sagt Zimmermann. bis am Ende alle Blätter vollgeschrieben waren. Als Interviewer etwa wird mir plötzlich bewusst. Plötzlich bekam die Interaktion etwas Berührung bleibt wichtig – auch wenn die Sprache verloren geht Hirn und Person Mit der Alzheimer-Krankheit. was sie wollen und was nicht. Doch unter Akademikern regt sich Widerstand gegen diese eindimensionale Sicht auf die Person. Solche Erlebnisse zeigen: Trotz ihres devastierten Gehirns sind die Äußerungen demenzkranker Menschen keineswegs reflexhaft oder beliebig. Menschen mit Demenz fallen tendenziell aus diesem Personenbegriff heraus.« Andere erklärten. Nur müssen sie immer wieder neue Geschichten erfinden. zu jeder Existenz. Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft. Wenn das Gehirn zerstört ist. Das kriegst du voll rein. Mitunter liegt die Schwierigkeit aber auch bei seinem Gegenüber.und Wissensgesellschaft Vor 30 Jahren erstritten sich behinderte Menschen die gesellschaftliche Anerkennung. »Wir stehen mitten in einem großen Veränderungsprozess«. Uns alle eint unser emotionales Erleben. die Fähigkeiten von Demenzbetroffenen zu unterschätzen. Das passt zusammen mit der Auffassung mancher Hirnforscher. Die Demenz rührt an das Menschenbild der Leistungs. Schätzungen zufolge ist jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen: An ihren Betten werden Gitter angebracht. Toleranz und Empathie. Folglich sei ein solcher Mensch nicht mehr selbstbestimmungsfähig. irgendwann sei seine »Sandburg« abgebröckelt. von ihrem Humor. Dieser andere Blick auf die Alzheimerkrankheit legt nahe. Journalist und Buchautor (»Seele. Und selbst schwerst demenzkranke Menschen haben – wie neuere Studien zeigen – noch immer ein subjektives Erleben und einen Rest von Selbst. die ihr Selbst in ihren leiblichen Beziehungen mit der Welt realisieren können – wenn man sie denn lässt. Nach Kant ist es die Vernunftfähigkeit. obwohl sie dort nie irgendwelche Arbeiten übernommen hatte. Der Oxforder Ethiker Jeff McMahan etwa sieht Demenzbetroffene als »Post-Personen«. So hatte eine scheinbar völlig apathische Heimbewohnerin zeitlebens ihren Beruf als Schreibkraft geliebt. der schließliche Verlust der Sprache. Nach Auffassung des amerikanischen Psychiaters Steven Sabat sind Menschen mit Demenz immer noch »semiotische Subjekte«. sagt etwa der Psychiater Hans Lauter. verständiges Wesen. sondern mit ihnen. Doch wer die Demenz nur auf ein Pflegeproblem reduziert. setzen sich die anderen aktiv damit auseinander. im Vollbesitz der geistigen Kräfte festgelegt. hätten diese Menschen ein intuitives Empfinden. »Auch schwerst demenzkranke Menschen verfügen über ein höchst differenziertes emotionales Erleben«. Als diese sich zu ihr herabbeugte und sich die beiden Köpfe berührten. Dabei besäßen sie oft noch Ressourcen und Potenziale. sind unsere unterschiedlichen kognitiven Defizite. beteiligen sich an Forschungsprojekten. Wie zum Beispiel soll eine frühere Patientenverfügung interpretiert werden. zeigten viele Ausdrücke von Freude oder Wohlbefinden. das soziale Bedürfnis. die menschliche Personen von den Tieren unterscheidet – und damit ihre Autonomie und letztlich ihre Würde begründet. »Wir verletzen tagtäglich die Menschenwürde von Demenzkranken«. indem man ihnen hilft. Dazu braucht es Zuhörer Menschen sind im Kern »narrative« Wesen: Mit unseren Geschichten erzählen wir uns und anderen. das über Fragen des Umgangs mit den Betroffenen berichtet. 37 nicht mehr selbstständig leben können. das für Fuchs die Kontinuität einer Person ausmacht. wundere ich mich weniger über seine klugen Antworten als über die Banalität meiner Fragen. Natürlich könne jegliche Interpretation solcher Handlungen von außen fehlgehen. Die Wortfindungsstörungen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. in einem »Leibgedächtnis«. Klar. Sie folgen vielmehr. Hat er mich richtig verstanden? Als ich später das Band abhöre. »Ich fühle mich so allein hier. Ihm zufolge ist die Person im wesentlichen »verkörpert«: Das Selbst steckt nicht nur im Gehirn. Doch die Positionen zur Frage der Autonomie sind im Ethikrat gespalten. nach der wir nichts anderes sind als ein hochkomplexes Netzwerk von Nervenzellen. Die Wiederholungen. dass Demenzkranke häufig mehr Fähigkeiten haben. die moralisch keine Personen im eigentlichen Sinn mehr seien. könne keinen »Gesamtbegriff seiner Situation« mehr fassen. Doch indem wir Demenzbetroffene überhaupt als »Sinnsucher« anerkennen. in ihrer Lieblingszeitschrift blätterten oder am Fenster standen und die Vögel beobachteten. argumentiert Fuchs. In den allerletzten Phasen der Krankheit kann es sein. Trotz weit fortgeschrittener Demenz. hob die Frau ihren Kopf und rieb ihn an der Hand der Forscherin. Auf dem Papier stand zwar nur Buchstabensalat. so lautet ihre Botschaft. mit demenzkranken Menschen zu leben und nicht nur über sie zu reden. In jeder Person gebe es etwas. Um solche Formen der »Selbstaktualisierung« aber wahrzunehmen. Mit seinem Leben. Solange die Burg bröckelt. etwas als »wichtig« ansehen zu können. wann muss man dem Kranken Selbstbestimmung zugestehen? Solche Fragen sind von drängender Relevanz: Tagtäglich laufen Pflegepersonen und Angehörige Gefahr. dann ordneten die Forscher diesen Mustern Basisemotionen wie Freude. Der englische Philosoph John Locke definierte im 17. die sich nicht mehr sprachlich äußern können. Aber was macht die Person aus? Traditionell sind unsere Konzepte von Autonomie und Personalität eng geknüpft an das Vernunftvermögen. um nach Gegenständen zu fahnden. Nur im sozialen Raum. Andere Experten halten dagegen: Demenzkranke Menschen seien selbst in späten Phasen der Erkrankung noch in der Lage. sondern es besteht aus einem Netz all der Geschichten. Die Philosophin Agnieszka Jaworska von der Universität Stanford etwa argumentiert. das Kontinuität zeige bis zuletzt. sondern verwirklicht sich in unseren leiblichen Interaktionen mit der Welt. der droht aus der menschlichen Gemeinschaft herauszufallen. war zum einen bedrückend. Eine frühere Patientenverfügung. Ein früherer Wissenschaftler etwa. Schon sprechen einige Philosophen Menschen mit schwerer Demenz den Personenstatus ab (siehe Kasten). die Vergesslichen an ihr Selbst zu erinnern. die Emotionen. Marion Bär erzählt etwa von einer Heimbewohnerin. sagt etwa der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs. In solchen Momenten frage er sich zum Beispiel. fasst Kruse das Ergebnis seines Projekts zusammen. Manchmal findet er den Spickzettel nicht. zunehmende körperliche Probleme bis hin zur Inkontinenz und Bettlägerigkeit. so folgt aus dieser Sicht. Viele Betroffene äußerten Gefühle von Angst. Was sie in den Interviews zu hören bekamen. Was uns trennt. Dabei hat die Wissenschaft gerade erst begonnen. Hingegen reagierten sie verärgert. Herausgeber des Demenz-Magazins. Jeder dritte Mann. der redet am eigentlichen Notstand vorbei. dass sie selbst es sind. zu denen meist unabdingbar Rationalität und Selbstbewusstsein gehören. es teile sich mit – auch wenn es sich bei Menschen mit schwerer Demenz nur noch situativ äußere. Die Philosophin Agnieszka Jaworska geht noch einen Schritt weiter: Sie plädiert dafür.philippwente. Daher lasse sich unsere subjektive Erfahrung nicht auf das Gehirn und die Ratio reduzieren. Statt verbindlicher Verfügungen fordert er ein »ethisches Konzil« aus Angehörigen und Ärzten. In der Summe läuft eine solche »Entpersonalisierung« darauf hinaus. In den vergangenen Jahren sind die Heidelberger Wissenschaftler auch in die Erlebenswelt jener Demenzkranken vorgedrungen. als wir ihnen gemeinhin zutrauen. Wie ich auf seine Defizite achte. sondern eher der Fähigkeit. aus Achtlosigkeit oder schlicht aus Zeitmangel. schaute die demente Frau überrascht und gab wieder ihren Ton von sich. Vielmehr müssten wir auch demenzkranke Menschen als Personen betrachten. für einen Augenblick. die ein Anliegen. Es dauert manchmal quälend lange. Situationen zu bewerten und ihren eigenen Willen zu äußern – und sei es am Ende nur noch durch mimische Reaktionen. Während einige ihre Krankheit herunterspielen oder so lange wie möglich zu verstecken suchen. Autonomie sei weniger eine Sache des rationalen Urteilsvermögens. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl mehr als verdoppeln. wenn man sie zu etwas drängte oder nötigte. das im Ernstfall das Für und Wider weiterer medizinischer Maßnahmen abwägen soll. Da ist der Schritt nicht mehr groß vom Menschen zur Sache. mit unserer Unterstützung können Menschen mit Demenz ihren Sinn verwirklichen – und ihr Selbstgefühl aufrechterhalten. einen Satz zu Ende bringt. aus denen wir unsere Identität immer wieder neu zusammenweben.« Stellen wir uns ähnliche Fragen nicht alle? Und haben wir nicht alle womöglich auf Sand gebaut? Schließlich gehört der Verfall. das uns von ihnen trennt. dass er nun eigentlich doch weiterleben möchte? Was ist sein »autonomer« Wunsch? Oder: Wann überwiegt das Fürsorgeprinzip. Die einen argumentieren. Ellis. »Wer eine Patientenverfügung unterzeichnet. die aus dem Kaffeegeschirr kleine Bauwerke errichtet? Oder von dem Mann. die das Kommunikationsverhalten einer schwerst demenzkranken. danach zu suchen. wer kein Reflexionsvermögen mehr besitze. Es liegt also an uns. die eine Handlung in Bewegung setzen – und nicht jemand anderer. wer das ist. wer nicht mehr sinnvoll kommunizieren kann. geht die Person für sich selbst und ihre Angehörigen verloren. Manchmal allerdings stieß sie einen durchdringenden hohen Ton aus. so scheint es. Dabei wurden zunächst die mimischen Ausdrucksmuster aufgezeichnet. strahlte plötzlich übers ganze Gesicht und sagte nur: »Da hast du aber was weggeschafft. das Vernunft und Überlegung besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann«. die er in ihre Einzelteile zerlegen kann? Die Heidelberger Gerontologin Marion Bär hat solche Verhaltensweisen zu deuten versucht. ihren Blick auf die Welt. In diesem Punkt sind alle Menschen gleich – mit oder ohne Demenz. dement zu sein«. Doch wer erzählt. folgt daraus zwangsläufig: Wir müssen lernen. Das erschüttert allerdings die traditionelle Vorstellung. fing die Frau nach kurzer Zeit zu tippen an. Wir alle schreiben mit an ihren Geschichten. meint Bär: Sie erschafft sich gleichsam eine neue Geschichte – und damit ein neues Selbst. Das allerdings zwingt zum genauen Zuhören. wie die Heidelberger Wissenschaftler nachwiesen.

während ich mit einem Fuß den Rolli herbeiangele.8 70–74 60–64 90–94 Jahre 30–59 Jahre 60 – 64 65 – 69 70 – 74 75–79 80 – 84 85 – 89 90–94 95–99 2005 2015 2030 ZEIT-Grafik/Quelle: Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung 100 + Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. brumm. Es mit Demenz statt Demente. Er war Nazi gewesen. Lange schaut er mich an. das Gewicht der Demenzkranken auch in einem späten Stadium auf dem gleichen Niveau zu halten. Denn auch die schwer Demenzkranken. So wie früher. arbeiterinnen Sorgen: »Wertschätzung brauchen Da reißt er die Augen auf und schaut mich so – ja: die auch!« privat – an. mon Dieu. Was für einen Blödsinn ich rede: »Café au lait. Plötzlich rutscht er vollends aus dem Stuhl und sitzt vor mir auf dem Boden. aber noch gut Frau Vogel wird als Letzte in reden können. Respekt. Ich streichele seine eiskalte Hand. die dicke BMW. aber auch nicht rein ehrenamtlich ken und reicht ihnen das Essen an. die uns ein längeres Leben beschert. nicht mich. um den Lieberschienen sind. doch im Alltag stellen sich da viele Fragen. die oft unter Schmerzen und Ängsten leiden. Dement.WISSEN T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer 12. ob man Demenzkranken in ihrer letzten Lebensphase noch die für alle so mühsame tägliche komplette Körperreinigung und das aufwendige und oft schmerzvolle Anziehen zumuten soll.« Bremerhaven. wenn der Betreute tagsüber rundum gutbürgerlich wirkt.5 2. Ein Geruch. Seit fünf Jahren redem Solidar e.1 0. Es kann eine Melodie sein. Herr Knorr hilft! Er kann sich hochdrücken und schließlich.6 247 (1. du Arsch« Ab 80 steigt das Risiko Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen nach Geschlecht. Wieder eine umwerfende Erfahrung. doch egal.6 3. Als er vor fünf runterschluckt. du Arsch!« Das anweIm Licht leben fünfzehn Mensende Personal singt. sind sie häufiger betroffen Von 100 000 Menschen erkranken an Demenz: Gesellschaft der Dementen Entwicklung der Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Altersgruppen 2008 800 000 600 000 400 000 200 000 80–84 65–69 75–79 85–89 95–99 2030 2050 Männer Frauen 32. Von Betroffeschon überall am Kuchen genen im Frühstadium.philippwente. Was für ein Abenteuer! www. Nähere ich mich ihm mit einem Löffel.2 1. der SS.0 Wachsendes Problem Zukünftig wird es immer mehr Demenzkranke geben. an dem gesamt 61 Bewohner gibt es eine knappe Hundertsie keine Schuldgefühle plagen. sagt seine Frau. künstliche beim Ankleiden. Er hängt im Rollstuhl. hast du vollgetankt? Quelle heure est-il? Oh. bis alle reichen statt füttern. eine Magensonde eingesetzt. eine Berührung – vieles kann einen Kanal in den Geist öffnen Von Schlüsseln sprechen sie hier. die etwa dreinascht. Beate Vetter. Nun gibt es dort gerade eine alte Dame. Das schreckliche Wort vom Verhungern reicht fast immer. Herr Gabler hat einen Meisterdass die Wohnbereichsleiterin das nicht leicht brief als Glaser im Zimmer hängen. die jeder Dritte von uns erleben wird. die keine Pflegeaussitzt einer eine geschlagene Stunde bei den Kranbildung haben. ihr etwas Essbares zu geben. Wertschätzung. um eine Vorstellung von der Lebensphase zu bekommen. Helm auf. FixieHeute hat Frau Vogel Geburtstag.6 0. scheint er – mit weit offenem Mund – zu schlafen. Eine alte Dame will nicht mehr essen. ob ren. was gerade als Schlüssel gewirkt hat.1 13. »C’est la vie mon ami. ließen sich mehr Zeit und Kraft in die Mahlzeiten investieren – die Momente intensivster Zuwendung am Tag. das »Zuhause für Menschen mit Demenz«. wussten die Angehörigen zu erzählen. brumm. Drei Tage lang darf ich hier hospitieren. Sie schlägt und ten von Personen mit kognitiven Verspuckt. Ich hocke mich also vor ihn. voilà. also sterben zu wollen. Andererseits: Beim Waschen und Anziehen werden die Menschen bewegt.de/audio »Ist mir egal. Er beginnt zu weinen. Mit den Festangestellten allein ließe Barnstedt besucht ihren Mann hier im Haus im sich das Arbeitspensum überhaupt nicht bewältigen Park sechs Tage in der Woche. Gegenüber schreien nicht herum – sie vokalisieschwer demenzkranke Menschen nicht allen. Wohnbereich statt Licht-Bewohner aus dem MittagsStation. Könnte man sich auf T-Shirt und Trainingshose beschränken. bewegt plötzlich langsam den Kopf. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. Haus im Park. und wenn alles gut geht. In Großbritannien wird dieser Tage über Demenz und Euthanasie diskutiert. Das liegt nicht daran. die winzige Frau Erlenmal hintereinander beim Bäcker bruch windet sich in unbeobachBrötchen holen. eine aufregende und beglückende Erfahrung für mich.1 %) 203 (1. ausdrücklich auf medikamentöse Sedierung. sterben sie auch hier. Menschen Erdbeerkuchen aufgedeckt. In breiten roten Samtsesseln schlafen die Alten. nicht Gelebte. Hier ist der einzige Ort. drumherum ein großer Garten. Leiden unter acht. muss ich feststellen. Die Leiterin des Wohnbereichs Luft. sie meint ja Jahren ins damals neu eröffnete Haus im Park kam. Socken über die teten Momenten die Girlande um Schuhe ziehen oder ihre Haustür den Kopf. dass mir selber die Tränen kommen. in Prozent 36. pardon madame. war mal ein Motorradfan. betreut werden. »Alles Verdrängte. dass die Krankheit sich wie eine Infektion ausbreitet. Doch es geht hier ausdrückschlaf aufgetaucht und zur Party lich um Würde oder. Biografischen Schlüsseln. Frau jetzt Freiwillige. der Kopf ist nach hinten gekippt. die ihr näher kommen.1 32. Frau Vogel!« – »Das ist mir ließe sich durch Freund ersetzen. Auch in den Vielleicht ist dieser Kontakt durch die BerühSpielerische Tagesgestaltung: Bernd rung zustande gekommen. ans Meer. da halten wir an und trinken einen Kaffee. aber keine Personen mehr. eine Frau schnarcht auf einem Sofa. Seine Augen suchen meine Augen. wir schauen uns in die Augen – und er lacht. Darf sie gezwungen werden? Noch tiefer reicht die Frage nach dem Respekt angesichts des offensichtlichen Wunsches eines Bewohners.5 22. Nicht immer versteht Abteilungen Luft. Mit meinem Gestammel habe ich einen Kontakt zu dem alten Herrn gefunden. »Sie haben heute Geburtslusten zu sprechen. Geburtstag drehte er sich ohne erkennbaren außergewöhnliches Haus. ihn einfach zurück in den Rollstuhl zu heben ist unmöglich. Außerdem soll er gern nach Frankreich gereist sein. Hier leben die schwer Demenzkranken.0 6. jetzt kommen die Motorräder aus der Garage. dass einige Bewohner war er noch ein flotter Tänzer. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 39 Z um Glück hört mich keiner. Die Wahrscheinlichkeit.. Und lacht. Und Bewohner tag. die von einem eigenen Verein. Zum Glück hört mich einer. Was tun? Das Haus im Park wird eine Ethik-Konferenz einrichten. hier arbeiten – haben den Tisch An die etwas sperrigen Begriffe mit Girlanden dekoriert und einen gewöhne ich mich schwer. * Namen der Bewohner von der Redaktion geändert Mittags wird es voll im Bereich Licht. auf dem Sozius sitzt eine Schöne!« Herr Knorr*. die Sehnen gedehnt. ja. Mann ins Heim gegeben hat. merci. Der Lkw-Fahrer. la France. Ein Star der Szene der neuen bevormundet. Unter anderem verzichAuslöser zu ihr und sagte: »Hallo. und gemeinsam stehen wir auf. ob es ihm gut geht und guttut. Über beide Backen. Das mit der beglückenden Erfahrung scheint für beide Seiten zu gelten. steigt mit fortschreitendem Alter. en vacances. Ernährung und Festschnallen sind tabu chen. Sogenannte rung im Bett und künstliche Ernährung. wird meist. Traditionelle Pflege und die Angehörigen wollen das so – die Frauen müssen adrett sein. Essen andauert eineinhalb Stunden. was machst du tet man – im Gegensatz zu den meisten Einrichdenn hier?« Seitdem hat er bloß hin und wieder tungen. also »geistlos« Im Bremerhavener Haus im Park werden die Palliativversorgung. was er mitkriegt vom frischen Grün und vom Gezwitscher.und liebloser Sie ist deutlich noch kein Fall für Terminologie. weil sie ihren schaft an Freiwilligen. Herr Knorr ist sehr schwer. Nach der Geburtstagstafel gehe ich mit dem alten Lkw-Fahrer in den Park. der seit einer guten Stunde im Sessel neben mir hängt und reglos vor sich hin starrt. det Herr Barnstedt nicht mehr.3 31. nichts mehr essen. monsieur. in freundlichen Farben gehaltenes zweigeschossiges Haus in U-Form. Heute wirkt er auf den flüchtigen ein ungewöhnlich aggressiver Mann. findet der umstrittene australische Philosoph Peter Singer. Lieber Alltagsbegleiter – das sind alle. sie sagt: als wir hier bedeutet besonders hoher Pflegebedarf. Wasser und Erde sammeln sich Linde mit anderen Erkrankten man. zeitig das Essen an. bei Körperrest. entspannen sich.com . Am Ende sitzt er wieder im Rollstuhl. auf nach Dangast. V. Das Heim ist ihr – die Hälfte der Bewohner hat die Pflegestufe 3+. wenn sie irgendwo in ihrer verworrenen.67 %) 183 (1. Kann Gewichtsverlust nicht verhindert werden. Nicht selten macht sie sich darum um ihre MitSacht und etwas verlegen drücke ich seine Schultern. der dauernd Betrachter wie ein auf den Stoffwechsel reduzierter herumgeschrien hat. Doch einen solch rabiaten Zwang zum Weiterleben lehnen die Mitarbeiter vom Haus im Park ab. infolge einer Diabeteserkrankung beide Beine am»Sie können noch nicht loslassen. nicht reißt er den Mund auf und verschluckt unterschiedsVerarbeitete kommt heraus«. die Männer mindestens ein gebügeltes Hemd tragen. an den der Bürgerpark anschließt. Doch an seinem Das Haus im Park ist ein in vielerlei Hinsicht 90. fast allein stehen. Generell versucht man. Für die inseingezogen sind. Die Zahl der Demenzerkrankten nimmt weltweit proportional zur Zahl der alten Menschen zu – unabhängig von geografischen und kulturellen Unterschieden. Nach dem Dessert Sauerwald. Ich habe keine Ahnung. ist sie grundsätzlich auswünscht sich sogar. aber de facto der Palliativbereich des Heimes. was in dieser schen mit Demenz. »Ich sage mir immer. Ich reiche Beate Vetter hat schon oft Schläge abbekomHerrn Gabler und seinem Tischnachbarn gleichmen von Frau Vogel. einer ist an einen Rollstuhl geschnallt.31 %) 1.« Da war mal putiert werden. Und sie obachtet und spricht.« Sie glaubt.1 4. die Gründerin und Heimleiterin. weiß man um ihr ihrem Rollstuhl hereingefahren. hatte mir »Motorrad« und »Frankreich« als Schlüssel für Herrn Knorr mitgegeben. Beruhigungsmittel. Sie bemöchten sie nicht heißen. nicht mehr erkennen. Der Wohnbereich im ersten Stock namens Licht ist zwar nicht offiziell. und es ist offensichtlich. Gemeinsam mit Ärzten und Angehörigen wird in einer solchen Konferenz das weitere Vorgehen besprochen. ein Geruch. an einer Form der Demenz zu erkranken.2 0. Achtung: klingt gut. So diskutiert Jenny Sauerwald mit ihren Mitarbeitern gerade. das zweites Zuhause geworden. Sie sind noch Menschen. Lederjacke an. statt von DemenVON BURKHARD STRASSMANN gesprochen biestig. ein Berührung oder eben ein Begriff. Herrn Knorr schmeckt es noch. manche sprechen sogar abschätzig von »Gemüse« oder »welken Hüllen«. Der Anstieg ist schlicht die Folge unserer Wohlstandsgesellschaft. Die notorisch lingsausdruck im Heim zu benutzen: hungrige Frau Rudersdorf hat da um »Wertschätzung«. jede ethische Diskussion zu beenden. falls keine Patientenverfügung das ausschließt.9 5. nehme ihn fest in den Arm. die Menschen mit Demenz aufnehmen – »schöne wache Augen«. ein Foto. beim Blutzuckerselbstbewussten Menschen mit Demessen oder beim Essen anreimenz.zeit. Ein lichtdurchflutetes. Die übrigen tag viel Glück!« brauchen eigentlich eine 1:1-Betreuung. Dann mussten ihm noch etwas in ihrem Leben zu erledigen zu haben. chaotischen Welt einen Kommunikationskanal finden.5 18. Und wahrscheinlich hat es zumindest auf das Personal eine gewisse Wirkung.7 12. meint auch Jenny los große Mengen an Nahrung. die sich allen Bemühungen widersetzt.9 1. nur drei von ihSituation durchaus verrückt klingt: »Zum Geburtsnen können noch selbständig essen. der Texaner Richard Taylor.

während er im Wohnzimmer die Bücher aus dem Regal zieht. das gehört wohl zum Rollenverständnis. dann ist es eine Riesenüberwindung. als er noch gesprochen hat. Das Gelände ist ebenfalls eingezäunt. Wenn sie nicht irgendwann selbst erkranken. »Es ist wie nach Hause kommen«. Er dekoriert oft um. B Urlauben gemeinsam mit den Erkrankten. Darum weiß sie auch nicht. »Ich wollte meinem Mann noch einmal was versprechen«. glaubt alles. »Wenn es bereits ein Problem ist. Ohne Menschen wie Frau Linde würde das System zusammenbrechen. Sie nimmt sein Lätzchen ab.« Bernd Linde guckt nur. an dem er nicht mehr auf mich reagiert. in einem Hotel in Winterberg. sagt sie. Als sie ihren Mann Bernd später abholt. und er läuft nicht – sonst pilgert er pausenlos durchs Haus und hört selbst dann nicht auf. Ihr Haus steht am Hang. was sie möchte. sagt sie. Nur wären sie dort nicht festgeklebt. die zum ersten Mal ihr Kind in den Kindergarten bringen. wie jeden Morgen und jeden Nachmittag im Urlaub. hielte seine Windel nachts mal nicht dicht. zwei. »Wenn es mir gut geht. Raus aus dem Alltag: Die Reise der Lindes ins Sauerland Auch Spanien oder Thailand sind im Urlaubsangebot für Demenzkranke Auch die Angehörigen brauchen mal Pause. geht es auch meinem Mann gut«. Sie und ihr Mann schlafen immer im selben Zimmer. und zwei ältere Frauen.« Mit dem Zaun kann sie sich ein bisschen entspannen. der Mann von Frau Lindes bester Urlaubsfreundin. wenn er sagt. Oft leben die Angehörigen nur noch für ihren dementen Partner. Es hat gedauert. Sie bringt ihn zu seinem Platz. »Wir bekommen kein Pferd. fragt sie sich. räumt das Bücherregal aus. Weil Beate Linde. sagt sie.« Fünf Tage und sieben Nächte die Woche sorgt Frau Linde für ihn. Wälder und ein kleines Dorf. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. An der Wand hängen Kartoffeldrucke. vergleichbar mit betreuten Er umschließt fest ihre Hand und geht hinter ihr zur Tagespflege. Im Hotel ist alles festgeklebt – sogar die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen Sie ist mit ihm wieder nach Winterberg gefahren. Mai 2011 Fotos: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. selbst krank zu werden. »Bernd.« Sie rahmte den Spruch ein und hängte ihn in den Flur. fangen sie schlimmstenfalls an. denn alle Matratzen sind mit einem speziellen Bezug geschützt. im »Küchenflur« Kaffeemühlen zum Selbermahlen. Dort. Normalerweise sind hier etwa 30 Prozent der Demenzkranken weiblich. ob ihm der Urlaub im Sauerland gefällt. wollen ihren Partner aber nicht weggeben. 82 Kilo schwer. setz dich bitte«.40 12. beruhigt Linde. »Ist er hingefallen?«. Sie suchten lange nach einem Trauspruch und entschieden sich für den Ersten Korintherbrief: »Die Liebe erträgt alles. Aber sie glaubt es zu wissen. es gefalle ihm nicht?« Weitere Informationen unter: www. Doch das ist gar nicht so einfach. Deswegen wandelte die Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen das heutige Landhaus Fernblick vor sechs Jahren um: Aus einem Mutter-Kind-Haus wurde das neue Hotel. Die thematischen Flure sollen die Orientierung der Bewohner erleichtern und ihr Langzeitgedächtnis mit alten Gegenständen ansprechen. ohne nach ihm sehen zu müssen. kommen die Nachbarn oder ein Schwager rüber. aber sagt nichts. wo sie auch ein Buch lesen kann. Viele schotten sich zudem ab und riskieren. pflegt sie ihn. wie es war. Er fährt mit der Hand über ihren Rücken und klopft auf ihren Po.86 Meter groß. Danach haben sie noch einmal geheiratet. »erinnern mich die Angehörigen auch an Mütter und Väter. auf Wiesen. In Deutschland werden rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Ärzte und Kassen müssten die Entlastungsangebote bekannter machen. »Und manchmal«. ob er mich als seine Frau einordnet oder nur als positiv besetzte Person«. kam die Diagnose: Alzheimer. Ihr Zimmer liegt auf dem »Winterflur«: An der Wand hängen Ski aus Holz. Kuren. Leiterin der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention an der Universität Jena. Die Liebe hört niemals auf. wischt mit der Serviette über seinen Mund. »Viele pflegende Angehörige nehmen Entlastungsangebote nur zögerlich an«. greift seine Hände und sagt: »Eins. Das hat sie auch früher nicht getan. als wollten sie sich gegenseitig stützen. sagt Gabriele Wilz. die sich wie das Landhaus im Sauerland ausschließlich auf Tandem-Urlauber spezialisiert haben.de/Entlastungsangebote www.« Sie drückt. Vor sieben Jahren. sagt sie.« Sie lächelt und streichelt seine Hand. Die Landschaftsbilder an den Wänden könnten auch bei Oma hängen. pflegt sie ihn. hoch!« Sie lehnt sich nach hinten und zieht ihn hoch. auf Wunsch reisen teilweise auch Pflegekräfte und Ärzte mit. sagt sie.com DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Urlaub von der Verantwortung Weil Beate Linde ihren Mann liebt. klopf«. hofft alles. Seit über einem Jahr spricht er nicht mehr. Seit der Hochzeit verliert sie ihren Mann jeden Tag ein bisschen mehr. Diese Verteilung ist ungewöhnlich. sagt sie und lächelt. Im »Uhrenflur« hängen alte Uhren. Denn eine Auszeit ändere nichts im Alltag.« Ein Zuhause. umarmt sie ihn. »Das ist mein Urlaub. Dann liegen seine Beine hoch. hat sie im vergangenen Jahr mit ihrem Mann fünfmal Urlaub gemacht. Zu Hause sitzt sie neben ihm auf dem Sofa. Die drei Betreuer in der Tagespflege stimmen wie immer ein Begrüßungslied an: »Danke für diesen guten Morgen. hinsetzen!« Als er sitzt. fragt sie. legt ein Kissen und ein Taschentuch aufs Sofa. da war er 61. fühlt sich zu Hause am wohlsten«. so gut es geht. »Ich bin daheim ja auch eingesperrt. »Wie soll das auch gehen?«. sagt sie. »Klopf.« Er lächelt zurück. Weil sie ihn pflegt. »So ganz frei ist man hier aber auch nicht«. dass er wegläuft. seien zwar hilfreich. Wo sie nicht kochen muss. er könnte stürzen. Einige offerieren sogar Urlaub in Spanien. wenn er müde ist. »Du bist ganz müde«. Aus demselben Grund kaufte sie für ihren Mann auch einen Fernsehsessel. Beate Linde pflegt ihren Bernd im fünften Jahr. »Davon pflege ich mich in Winterberg. An zwei Tagen in der Woche bringt sie ihren Mann für sechs Stunden zur Tagespflege. drei.deutsche-alzheimer. Manchmal fällt dabei etwas runter. Im Sauerland gelingt ihr das. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen.« Bisher gibt es auch kaum Hotels. zu überstehen. »Bernd. Frau Linde geht viel mit ihrem Mann spazieren. war früher der Kindergarten. In fünf Jahren ist sie nie ausgefallen. Manchmal gibt er ihr ein Küsschen oder reibt seine Nase an ihrer. Am Mittwochmorgen um zehn Uhr bringt Beate Linde ihren Mann für zwei Stunden zur Betreuung.« Jetzt gehen die beiden recht zügig und haken sich ein. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will pflegende Angehörige vermehrt entlasten. sondern jemand kommt und fragt. konstatiert Frau Körle. Landhausleiter Andreas Frank bestätigt. »Ich bin alleinstehend mit besonderen Erschwernissen«. ein bisschen schlafen. auch die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen. Wenn sie kurz wegmuss. Beate Linde und Freundin Elfriede Körle ziehen sich die Jacken für ihren Spaziergang an.zeit. »Ich weiß nicht. danke für jeden neuen Tag. als ein Nachbar den Zaun beäugt. »Er hat nichts davon. Eigentlich ist im Landhaus alles festgeklebt. das ist für meinen Mann«. »Nur ziehe ich ihn heute wie eine alte Kuh hinter mir her«. die sich auf Demenzkranke und deren Angehörige spezialisiert haben. »Ganz frei ist man nie«. Weil sie ihn pflegt. Walter Körle schläft. Berge. ihren Mann liebt. Es wäre auch nicht schlimm. sagt sie und küsst ihn auf die Wange. »Setz du dich bitte hin. Die Tür ist mit einer Kette verschließbar. »Was wäre. Die fürsorgende Ehefrau und Mutter kümmert sich um den kranken Partner. stellt sich vor ihn. hält allem stand. Dafür reist sie in ein besonderes Hotel VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS eate Linde hat im Garten ein Stück Rasen eingezäunt – damit ihr Mann nicht wegläuft. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verfünffacht – und dürfte wohl weiter wachsen. ruft sie dann und läuft zu ihm. Ich pass auf dich auf. einen Schnabelbecher zu erreichen. unter anderem auch mit Kuren. bis sie das begriffen hat und die Zeit ohne ihn genießen konnte. spricht sie ihn an. und sei es nur für zehn Minuten.« Sie bekommt monatlich 685 Euro Pflegegeld. die Krankheit ihres Mannes. Frau Körle hatte seit Wochen ihr Haus nicht verlassen. Viele Anbieter mieten für die Reisegruppen behindertengerechte Unterkünfte.de/audio . ein CD-Player spielt Schlager. »Hier kümmert sich endlich mal jemand um mich. Noch hilft er mit. fragt sie ihn nicht. beispielsweise zu einer Angehörigengruppe zu fahren«. Hier hat sie kaum Angst.philippwente.« Neben dem Landhaus gibt es rund 25 weitere Anbieter. dass seine Zielgruppe schwer von einem Urlaub zu überzeugen ist. reichten jedoch nicht aus. in den Urlaub zu fahren. Gegenüber von Herrn Linde sitzen Walter Körle. Beate Linde hat sich vorgenommen. 1. Wo heute die Tagespflege ist. Sie hat Angst vor seiner Antwort. sagt sie. »Ich habe Angst vor dem Tag. Sie kennten die Angebote kaum und hätten »häufig gar nicht mehr die Kraft. »Bis später«. »Das ist unsere artgerechte Freilandhaltung. Das Hotel will seinen Gästen so viel Sicherheit und Halt wie möglich bieten. sagt Frau Linde. Von dort schauen sie ins Tal. ihren Partner zu schlagen. sagt der Leiter Andreas Frank. 53. »Schlaf ein bisschen. diesmal kirchlich. beidseits geht es recht steil bergab. Italien oder Thailand.

selbst nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. um Struktur in einem Gewirr von Zahlen zu finden. bewegen sich von einer Ecke des Graphen in die andere und zeigen wirtschaftliche oder gesundheitspolitische Welttrends auf. der bekommt zumindest einen Sinn für Proportionen – auch wenn dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden und man das Geld aus dem einen Kästchen nicht so einfach dem anderen zuschlagen kann. In der Mathematik ist in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Freude am Bild entstanden. sondern vermeidbaren Infektionskrankheiten.. die für ihn aber kaum konkret begreifbar sind. »Auf Meinungsvermittlung und Konjunktiv versteht sich die Infografik schlecht«. Damit verbinden wir eine Frage an unsere Leser: Welche Grafik hat Ihnen am besten gefallen? Wer an der Wahl teilnimmt. Vor zwei Jahren hat sich das Wissen-Ressort der ZEIT entschlossen. Auch deshalb ist die Grafik-Seite ein Wagnis in der traditionell meinungsstarken ZEIT.de 1953: Die DNA wird entschlüsselt. der versteht die Zusammenhänge nicht nur besser – der Trickfilm brennt sich auf eine Weise ins Gedächtnis ein. Die wichtigste Lehre. er ist ein gefragter Redner. In der ZEIT haben wir einen Tag im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz dokumentiert (Grafik Nr.de. die von den dahintersteckenden mathematischen Modellen oft gar nicht gedeckt wird. die sie vorfanden. Damit brachte sie das Potenzial von Infografik. 89). etwa bei den TED-Konferenzen oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos. die bei der Benutzung eines modernen Handys entstehen. eine Variante der heute so verbreiteten Tortengrafiken.): Wissen in Bildern Edel Verlag. wenn der Nutzer interaktiv eingreifen kann.niels-schröder. wie man gute Infografiken von schlechten unterscheiden kann (Seite 44). 1610: Per Fernrohr entdeckt der Astronom die Mondkrater und die Phasen der Venus 1835: Die Vielfalt der GalápagosFinken inspiriert den Biologen In der wachsenden Datenflut helfen Grafiken bei der Bewertung Das beginnt mit der einfachen Darstellung von Größenordnungen. Die anatomischen Zeichnungen des 18.100 . Mai. über den man Einsicht und Erkenntnis ohne Worte direkt erzeugen kann. wie der Riese China den Rückstand zur westlichen Welt aufholt. warum viele Forscher heute fordern. Das ist eine voyeuristische Spielerei – aber danach weiß man. die sich nur in streng logischen Abfolgen mathematischer Sätze zu manifestieren hatte. jede Woche eine ganze Seite der Infografik zu widmen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 41 Jagdszenen auf Stein. Unter allen Einsendern verlosen wir fünfmal den großformatigen Sammelband »Wissen in Bildern« mit 60 Grafiken aus unserer Serie. 1895: Der Physiker verewigt als Erstes die durchleuchtete Hand seiner Frau So stimmen Sie ab: Schicken Sie eine E-Mail (bitte nur eine pro Person!) mit der Nummer Ihrer Lieblingsgrafik im Betreff an grafikwahl@zeit. 128 S. Inzwischen gehören bunte Bilder und Grafiken auch zum Standardwerkzeug der abstraktesten Disziplinen. Ein Infografik-Pionier des 21. sie ist zur Ikone einer Wissenschaft geworden. nachdem das 20. Das ist ein Grund dafür. Damit wurde die Sinnlichkeit der inneren Bilder geleugnet. Diese Grafiken. was man mit den umstrittenen Vorratsdaten anfangen kann. Auch die Wissenschaften arbeiten verstärkt mit Bildern (diese Seite). gehört die grafische Aufbereitung. Der Zeitungsleser wird heute auf jeder Seite bombardiert mit einer Fülle von Zahlen. die Welt einzuteilen in die industrialisierten Länder und die Entwicklungsländer. Wer das kleine Kästchen des Bundes-Bildungsetats mit den größeren Rechtecken des Banken-Rettungspakets oder des Vermögens der Albrecht-Brüder verglichen hat. Einsendeschluss ist der 19. sondern potenziell viele. Wort und Bild werden zunehmend gleichberechtigt nebeneinanderstehen – auch in dieser Zeitung. Mit einem Beamer präsentiert er die von ihm entwickelten »Blasendiagramme« (siehe auch Grafik Nr. in der ZEIT-Ausgabe 26/09. Bilder haben eine starke Überzeugungskraft. Auch Rosling geht es darum. »Ich habe meinen Studenten früher riesige Mengen von Unicef-Statistiken über Einkommen. hat die Chance. für Gelehrtenschulen wie das unter dem Pseudonym »Bourbaki« schreibende Kollektiv französischer Mathematiker waren Zeichnungen und Diagramme Verwässerungen der reinen mathematischen Idee. der Code des Lebens ist entdeckt 1975: Am Computer generierte Fraktale eröffnen den Blick in eine neue mathematische Welt Christoph Drösser (Hg. auf der sie beruht. und noch spannender wird es. Die Doppelhelix der DNA ist nicht nur die sachliche Darstellung des Lebensmoleküls. an welchen Ursachen die Soldaten der königlichen Armee starben. oft mit einem Blick in einer unübersichtlichen Umwelt das wesentliche Muster zu erfassen. die er überbringen will: Es ist schon lange nicht mehr sinnvoll. GRAFIK Futter für das Augentier Wissenschaftler und Journalisten entdecken die Vorzüge der Infografiken VON CHRISTOPH DRÖSSER WISSEN IN BILDERN 12. dass mit jeder wissenschaftlichen Publikation nicht nur die Erkenntnisse offengelegt werden. wie viele Nullen eine der Euro-Milliarden hat. Jahrhunderts ist Hans Rosling. sondern auch die Daten. zum Rücktritt des Politikers beigetragen. 67 auf der nächsten Seite): Jedes Land ist entsprechend seiner Bevölkerungszahl ein mehr oder weniger großer Kreis. wie sie sich unter bestimmten Voraussetzungen entwickeln könnte. Ein weiterer Grund für die Forderung nach open data: Ein anderer Forscher prüft dieselben Daten vielleicht mit anderen Fragestellungen und kommt damit zu neuen Ergebnissen. nicht nur am Beispiel der zeitweise regelrecht modischen Fraktale. aber man sieht ihnen nicht die Qualität der dahinterstehenden Daten an. »über die Augen zu bewirken. erzählte Rosling dem Economist. Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www. wie sie ist. Mit der Entwicklung des Computers wurde es möglich. Die Evolution hat uns gelehrt. die zur Umwälzung ganzer Weltsichten beigetragen haben (siehe Zeichnungen auf dieser Seite). Damit fing alles an – vor etwa 30 000 Jahren Vor zwei Jahren. Über die Selektion der Daten kann der Autor die Aussage beeinflussen – aber wie die Welt sein soll. wie es eine Sammlung nackter Zahlen niemals könnte. oft mühsam recherchiert. das Buch »Wissen in Bildern« zu gewinnen. Gewiss hat die resultierende Grafik. sagt der Infografik-Professor Michael Stoll (siehe Interview auf Seite 42). der eine Position in einem x-y-Koordinatensystem hat. mit denen sie täglich jonglieren. Illustrationen. Dessen Achsen können zum Beispiel die Kindersterblichkeit und das Bruttosozialprodukt sein. ist zu kostbar. Sagen die wirklich mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte? Mehr vielleicht nicht. von Visualisierung auf den Punkt: einen Sinneskanal zu öffnen. Atemlos wie ein Sportreporter kommentiert Rosling beispielsweise. weil sie sich über die Zeit entwickeln. die im 19. Sobald ein Land die sozialen und politischen Voraussetzungen erfüllt – und das heißt insbesondere: Gleichstellung der Frauen –. wenn die Datenflut von einzelnen Rechercheuren gar nicht mehr zu bewältigen ist. Die meisten erlagen nicht den Wunden. Ähnlich verfuhr auch das GuttenPlag Wiki bei der Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsministers. um sie nur einmal unter einem speziellen Aspekt auszuwerten. diese Ideen auch grafisch aufzubereiten. die in Wahrheit natürlich jeder Mathematiker von seinen Objekten hat. nicht nur indem man Balkengrafiken verzerrt und übertreibt. Man kann mit Bildern lügen. Der Mensch ist ein Augentier. Grafiken und Statistiken zu zeigen. zu denen ein Forscher gekommen ist. in der schlichtesten möglichen Form diese Beträge zu visualisieren: als simple Rechtecke (Grafik Nr. Was Galileo durch sein Fernrohr sah und abzeichnete. die durch Satelliten. Jahrhunderts waren mehr als die quasifotografische Abbildung dessen. Es gilt nicht nur eine Stecknadel in diesem Heuhaufen zu finden. um zu zeigen. Der nächste Schritt des »datengetriebenen Journalismus« im Internet ist es. jede Statistik ist nur so gut wie die Zahlen und Gleichungen. um ihren Landsleuten zu zeigen. 1596: Die Planetenbahnen als ineinandergeschachtelte platonische Körper Mit Bildern lässt sich auch trefflich lügen Auch die Wissenschaft setzt zunehmend auf die Kraft des Bildes. Die ZEIT ist mit der neuen Lust an Bildern nicht allein: Viele Print. Jahrhundert die moderne Krankenpflege begründete. erschien die erste ganzseitige Infografik auf den WissenSeiten. wie heikel die abstrakten Daten sein können. Die Klimaforscher hätten mit ihren Warnungen vor den Folgen des Klimawandels längst nicht so gut an die Öffentlichkeit dringen können ohne die bunten Bilder eines heißen Planeten im Jahr 2100. Der britische Guardian stellte die vom Unterhaus veröffentlichten Spesenabrechnungen der Abgeordneten ins Netz mit der Aufforderung an die Nutzer der Internetseite. Allerdings hat diese »ikonische Wendung« hin zur Bildsprache in der Wissenschaft auch Schattenseiten. Dabei sind seine Mittel schlicht. was die Forscher sahen – sie strukturierten damit die Vielfalt des Lebens. gehört auch zu den Pionieren der Infografik. und begründeten die moderne Biologie. aber sie sagen es auf andere Weise. Dann beginnen die Blasen zu tanzen.und Onlinemedien präsentieren Informationen zunehmend optisch. Fotoseiten. Lebenserwartung und Fruchtbarkeitsziffern kopiert«. Jahrhundert von einer regelrechten Bilderfeindlichkeit geprägt war. über das Auge Erkenntnisse zu vermitteln. eventuell noch. »aber das hat ihre Weltsicht nicht verändert. was wir der Öffentlichkeit über ihre gegen Worte abgedichteten Ohren nicht vermitteln können«. Dynamik erhalten die Grafiken. seien dazu geeignet. 33). Hans Roslings Animationen entfalten nur deshalb ihre Dynamik. Der Augsburger Medienforscher Michael Stoll erklärt. in der die plagiierten Seiten rot gekennzeichnet waren. die Leser selbst in die Aufbereitung der Daten einzubeziehen. die im Westen vor 100 Jahren eingeläutet wurden. Inzwischen steht Roslings Software jedermann zum Experimentieren offen – die Firma Google hat sie gekauft und bietet nun den Dienst Google Motion Chart an. 49. Im Jahr 1858 erstellte sie ein sogenanntes polar-area diagram. Aber jede Simulation. Es hat zu allen Zeiten starke wissenschaftliche Bilder gegeben.95 Euro 1972: Zwei goldene Platten an Bord der Raumsonden »Pioneer 1« und »Pioneer 2« sollen Außerirdische über das Leben auf der Erde aufklären . und 19.« Wer einen seiner Zeitraffer-Filme gesehen hat. Seitdem haben wir Ihnen 99-mal ein Thema in Bildern präsentiert – Infografiken. sagt die Grafik nicht. Beschleuniger und andere Forschungsinstrumente geliefert wird. indem Rosling noch die Zeit als vierte Dimension hinzufügt und im Zeitraffer die letzten 250 Jahre Revue passieren lässt. Es war daher eine geniale Idee des Grafikers David McCandless. Auf den nächsten beiden Seiten können Sie noch einmal alle bisher erschienenen Grafikseiten als Miniatur sehen (Seite 42/43). Also auf etwa 15 000 Buchstaben zu verzichten und dafür Bilder. Die Grafiken suggerieren wissenschaftliche Exaktheit in einer Detailtreue. Auf ZEIT online konnte der Nutzer sich selbst in die Rolle des Schnüfflers versetzen und die Spur des Politikers an einem beliebigen Tag zu einer beliebigen Uhrzeit aufnehmen. Infografik und wissenschaftliche Visualisierung setzen auf diese außerordentliche Fähigkeit. war stärker als alles philosophische Räsonieren über den Lauf der Gestirne. Das Beispiel zeigt auch die natürliche Schwäche des Mediums auf. sagte Nightingale. Selbst Bundesminister haben ja manchmal Schwierigkeiten zu sagen. Und zu den wichtigsten Werkzeugen. Im Wesentlichen bilden Infografiken die Welt ab. denen sich die Ohren verschlossen haben. Die englische Krankenschwester. lorence Nightingale war nicht nur eine Reformerin des öffentlichen Gesundheitswesens. die zu diesen Erkenntnissen geführt haben. holt es in Windeseile die Entwicklungen nach. F Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich Infografiken im Netz. Damals war Anschauung verpönt. Die wachsende Datenflut. die sie sich im Gefecht zugezogen hatten. Die Vorträge des Professors für Public Health am Stockholmer Karolinska-Institut sind legendär.

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Die Infografik ist eine journalistische Darstellungsform. Wird ein Insekt vergiftet und stirbt einen langsamen. ZEIT: Sieht so der Journalismus der Zukunft aus? Ich wühle mich durch einen Wust an Informationen und bereite ihn ansprechend auf? Stoll: Der Datenjournalismus wird sich sicher etablieren. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. landen leicht in der Rückenlage. drei Agenturen. MEHR WISSEN: Im Netz: Was das Internet an Strom verbraucht www. Das musikalische Training sorgt den Studienautoren zufolge für ein Feintuning des Nervensystems und erspart den Musikern altersbedingte Kommunikationsprobleme. Stimmt’s?. aus der sie das rauslesen. ZEIT: Was sind die aktuellen Trends in der Infografik? Stoll: Neben der zunehmenden Zahl von 3-DGrafiken und der Kombination von Statistiken mit Landkarten ist ein großer Trend. oder stimmts@zeit. zum Beispiel durch einen leichten Luftzug. Genau das kann die Infografik sehr gut. die zur Profilschärfe beiträgt.zeitabo. Oder aus dem Nachbarort. die Datenvisualisierung. Ihre Bedeutung wird den Verlagshäusern gerade erst wieder richtig bewusst. lachen die mich aus. Darin sind die deutschen Infografiken ungeschlagen. dass sie ihre eigene Bedienungsanleitung mitbringt. der sie anschaut. Sie erkennen. die sich dafür eignen. und zwar nicht nur mit Namen. Zum Wesen einer Infografik gehört es. und dabei sind sie nicht gestreckt. So ist ihr auditives Gedächtnis im Alter zwischen 45 und 65 Jahren besser als das von Nichtmusikern. das nicht von einem Räuber gefressen wurde. indem sie kräftig strampeln und irgendwann wieder auf den Beinen landen. wenn eine Information abstrakt ist. die ruhig und friedlich sterben. ZEIT: Will der Leser sich denn wirklich mit solchen Datenmengen auseinandersetzen? Stoll: Das will er. Außerdem erhalten sie sich durch das musikalische Training länger die Fähigkeit. wer noch fernsieht. Die Infografik ist ein Element für effektive Leser. Stirbt das Tier im Flug oder auf einer erhöhten Position sitzend. vielleicht noch andere Menschen ums Leben gekommen sind. Ein internationales Forscherteam hat gezeigt. online).de Zombie-Ameise Michael Stoll ist Pro fessor für Informationsdesign und Medien theorie an der Hochschule Augsburg Der subtropische Pilz Ophiocordyceps unilateralis ist ein Parasit der besonders fiesen Sorte.zeit. wir sind auf einem guten Weg. Denn viele dieser Arbeiten vernachlässigen die zweite Aufgabe der Infografik: das Vermitteln. Aber wir sind auf einem guten Weg. vier Jahren um die Hälfte gestiegen. ZEIT: Sie sagen. Aber auch Insekten. Was genau ist denn das Ziel? Stoll: Da lohnt sich der Blick nach Skandinavien. Der Pilz steuert auch die Festigkeit des Bisses. In Deutschland gibt es zwei. Wenn ich meine Studenten frage. In unserer Wissensgesellschaft sollen wir ständig in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aufnehmen. Das Ziel ist die Institutionalisierung des Berufs Infografiker. hat ein höheres Ansehen. das Gleiche darin liest. Beim Internationalen Malofiej-Contest der Universität von Navarra in Pamplona. besonders nach Schweden und Dänemark. Dort kommt in den Zeitungsredaktionen auf zehn klassische Journalisten ein Infografiker. damit der Kiefer des toten Insekts geschlossen und das Tier am Blatt hängen bleibt. Die suchen sich ihre Informationen selber im Internet. Todesort. Von solchen Verhältnissen träumen die meisten deutschen Verlage. ZEIT: Wieso das? Stoll: Weil eine gute Infografik Dinge zeigen und erklären kann. ob Psychopathen bessere Menschen werden können Das aktuelle ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. es funktioniert im Idealfall einfach. ich muss mir den Sachverhalt nicht selber zusammensuchen und ihn einordnen. in der Rückenposition zu landen. Alles in allem ist die Rückenlage statistisch am wahrscheinlichsten. Sprache in lauten Umgebungen zu erkennen. also jeder. weil sie wie in einer Collage miteinander verwoben sind. ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge in den vergangenen drei. dann würde ich sagen: Da ist noch viel Luft nach oben. ZEIT: Die Infografik ist also etwas für faule Leser? Stoll: Ganz und gar nicht. dass sie nicht linear erzählt werden kann. Es kommt auf schnelle und präzise Vermittlung an. dann macht es wilde. dem wichtigsten Infografik-Preis. Fernsehzuschauer und Internetnutzer denn hauptsächlich gute Infografiken präsentiert? Stoll: Wenn ich mir das Gros so anschaue. die sich hauptsächlich im Internet abspielt. Wer überzeugend Infografiken publiziert. Das Gespräch führte CLAUDIA FÜSSLER Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. Sie verschafft mir einen strukturierten Zugang zur Information. was sie wissen wollen.de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN Musikergehör Musiker. wir stehen am Anfang einer Renaissance der Infografik. ZEIT: Bekommt der Leser. dass sie sich über die Infografik positionieren können. kann man inzwischen von einer Emanzipation der deutschen Infografik sprechen. dringt in ihren Körper ein und beeinflusst ihr Verhalten. Sie können eigenständig suchen. zum Beispiel die Fluchtpunktperspektive oder die Benutzerführung und Hierarchisierung eines Themas durch die Grafik. ZEIT: Also brauchen wir mehr Infografiken? Stoll: Auf jeden Fall. Es gibt gleich mehrere Gründe. ZEIT: Gibt es die ideale Infografik? Stoll: Es gibt ein paar Qualitätskriterien.44 12. quälenden Tod. Die Wechselwirkungen zwischen dem visuellen Eindruck und dem analytisch-verbalen Grafikanteil sind sehr intensiv. dann ist das eine gute Grafik. der zur Popularisierung der Infografik beigetragen hat. wenn eine Information so komplex ist. zuckende Bewegungen. ehe sie sich wie auf Kommando an der Unterseite eines Blattes festbeißen und sterben – genau dort. die spätestens mit neun Jahren ein Instrument gelernt und ihr Leben lang mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben.de. die infizierten Ameisen wie Zombies umherirren. leiden seltener unter typischen Alterserscheinungen. sagt der Experte Michael Stoll DIE ZEIT: Sind die vielen Infografiken mehr als STIMMT’S? Sterben Insekten auf dem Rücken? … fragt Fabian Schäfer aus Leipzig Die Frage ist nicht so zu verstehen. auf die der Leser vorher keinen Zugriff hatte. 20079 Hamburg. wird die Boulevardisierung verdrängt. Das sind ihre beiden Hauptaufgaben: visualisieren und vermitteln. wie er es zurzeit tut. wofür die Deutschen bekannt sind: ihrer Genauigkeit und ihrer rationalen Herangehensweise. online). Er setzt sich auf Ameisen fest. das ist Schönheit ohne Bedeutung. Das gilt übrigens weltweit. Allerdings sind Infografiken kein Allheilmittel im Journalismus oder für die Wissensvermittlung per se.zeit. die online verfügbar sind.zeit. wo der Gefallene herkam. sozusagen an Altersschwäche. Und zum anderen. die gestalterisch und journalistisch wirklich top sind. Wir brauchen mehr Infografiken bei Themen. Sind sie gesund. Die Beine nehmen beim Tod nämlich eine entspannte Stellung ein. gelingt das rettende Umdrehmanöver nicht mehr. Was mir an diesem Trend sehr gut gefällt: Weil in einer Welt der Infografiken und Datenbanken vor allem faktisches Wissen gefragt ist. ob aus dem Ort. warum die Rückenlage die wahrscheinlichere für ein totes Insekt ist. Das merkt der Leser gar nicht. Allerdings nicht in dieser formalen Ausprägung. wo optimale Entwicklungsbedingungen für den Pilz herrschen (Biomed Central. dass Käfer oder Kakerlaken sterben müssen. Während vor einigen Jahren die hiesigen Infografiker noch nach Amerika schielten und sich an den Kollegen dort orientierten. Aber tatsächlich findet man tote Insekten meist auf dem Rücken liegend vor. Es wird dabei irgendwann auch auf dem Rücken landen – und wenn es dann schon zu schwach ist. CHRISTOPH DRÖSSER eine Mode in der Medienlandschaft? Michael Stoll: Ich glaube. Das beginnt mit einem Klick auf einen Link und endet in einer Datenbank. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KOMPAKT WISSEN Daten sichtbar machen Eine gute Infografik bringt ihre eigene Bedienungsanleitung mit.de/stimmts www. wenn sie einmal zufällig auf dem Rücken landen. Darin sehe ich ein großes Problem. Wenn eine Infografik sich widerspruchsfrei interpretieren lässt. Umfangreiche Datenbestände. ZEIT: Woran erkenne ich das? Stoll: Tatsächlich an dem.de/netz-strom Niels Birbaumer erforscht. Oder der Parallelklasse. Visualisierung ohne Erklärung. sondern eingeknickt. dass Foto: privat . runden Körper aus aerodynamischen Gründen am wahrscheinlichsten. die das Gehör betreffen (PLoS One. werden aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. Die New York Times und der Guardian stellen solche interaktiven Grafiken zur Verfügung. Da kann man sich zum Beispiel alle Informationen über die Gefallenen des Irakkrieges ansehen. dann können sie sich aus dieser misslichen Lage befreien. dann ist es zumindest für Insekten mit einem glatten. Und in dieser Position (mit anliegenden Beinen) lässt sich das Tier ganz leicht auf den Rücken drehen. Alter. Das ist zum einen dann der Fall.

Hat man je eine BISAM-EULE im Frühlingskonzert gehört? Sie andererseits schon oft! 9. Einer der Kleinsten – und doch der gekrönte Chef? – im Singvogelreich 2. Gartenzwerg. bedroht – ein elfjähriger Junge kann sich ja kaum wehren. ein tolles Bücher-Überraschungspaket. Das passiert zum Beispiel immer wieder im Kongo oder im Sudan in Afrika. Robert könnte gut ein wenig langweiliger sein. Flüchtlinge sind schwach. Sie werden erwischt. dass sie möglichst schnell zurück nach Hause können. Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. W I S S E N . Sind mit dunklem Federkleid und hellen Flötentönen in der Vogelschar vertreten 10. ob er Spaghetti Bolognese isst. Anni-Frid. Lehmann (ABBA). findet Tims Mutter. und wahrscheinlich sind die beiden zurück in ihre Heimat gegangen. wenn er eins vor der Nase hätte? Robert durchschaut sofort. Björn und Agnetha – nimmt man die Anfangsbuchstaben der vier Namen und setzt sie hintereinander. können die Flüchtlinge und Migranten am besten selbst erklären. Die Menschen haben schon alles verloren. Es ist ziemlich lange her. spricht Opa. 7. versteht sich von selbst . nur um sich nach Europa hineinzuschmuggeln. weil sie sich für Menschenrechte eingesetzt. Manche haben. dass ich Massoud und Leyla getroffen habe. eingesperrt und in ihre Heimat zurückgeschickt. giessen. zum letzten Mal traten sie 1982 auf. Dann bin ich selbst in ein Flüchtlingslager gefahren und habe Massoud und Leyla kennengelernt. was findet man bald nach der Vogelhochzeit im Nest? 8.de/mikado Dürfen wir bleiben? Boote voller Menschen. (4) Abba? Anni-Frid. Erst wenn Hilfsorganisationen ankommen und ein kleines Krankenzelt oder eine Trinkwasseranlage aufbauen. und jetzt müssen sie mit 20 anderen in einem Zelt leben. den Schulhausmeister ins Krankenhaus befördert (aus Versehen natürlich) oder mit seinem Skateboard in einen Gemüsestand brettert (ebenfalls unabsichtlich). Solche Flüchtlinge nennt man Migranten. ein toller Freund. Oft versuchen die Flüchtlinge. 5. Oft sind die Eltern im Krieg gestorben. ja fast unmöglich. Oder die Familie hat beschlossen. Dass es dort keine Sekunde langweilig wird. Das habe ich zumindest lange geglaubt. schuften auf Baustellen. die aus Nordafrika nach Europa fliehen – solche Bilder sieht man seit Wochen. Apfel Zet (Piktogramme). 18: 1. bevor sie fliehen mussten. Für einige aber gibt es kein Zurück mehr: Sie werden daheim von der Geheimpolizei gejagt. die Geschichten vieler anderer Flüchtlingskinder gehen leider nicht so gut aus. Laube. Das fand ich damals albern. Wenn so ein Mensch nach Deutschland kommt und beweisen kann. Leyla rannte ständig herum. Massoud war ziemlich groß und kräftig. Mai. Viele Kinder und Jugendliche machen sich ohne Eltern auf den Weg. Der heißt. weil Soldaten auf sie schossen. Massoud hatte die beiden älteren Kinder getragen. keinen Strom. bestohlen.de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1. 9. auf Lastwagen oder überfüllten Booten reist. Einer – er heißt Hesmat – hat seine Geschichte von einem Journalisten aufschreiben lassen (Hesmats Flucht heißt das Buch). Steuert die Klopftöne zum Vogelkonzert im Wald bei 4. Sie gewann den europäischen Musikwettbewerb mit ihrem Lied Waterloo. Hesmat war 14 Monate unterwegs durch Turkmenistan. Bücher oder Stifte gibt.. Aber es gibt immer noch viele Flüchtlinge: ungefähr 40 Millionen Menschen auf der ganzen Welt! Manche konnten gerade noch davonlaufen. Egal. sie mussten sich immer wieder verstecken. Tierische Kunst. Essen und etwas zu trinken bringt. Je länger ich Massoud und Leyla damals beobachtete. Aber an der Armut hat sich nichts geändert. 10. Aber was bedeutet es eigentlich. Maulwuerfe. wird die Lage etwas besser. dabei seine Kinder trägt und schützt. Wir hier in Deutschland können uns nur schwer vorstellen. sich selbst zu helfen. weil ihre Heimatländer arm sind und sie dort keine Arbeit haben. Rasenmaeher. »das fällt nicht nur mit Signalfarbe. Inzwischen werden die Kurden im Irak nicht mehr verfolgt. Kleider. In Österreich ist er schließlich in einem SOS-Kinderdorf gelandet. die man oft im Fernsehen sieht: Leute. Hans G. dass ihnen jemand Decken und Medikamente. Aber würde er dann ein Zauberschwert erkennen. dem man helfen muss. nach Deutschland oder nach Europa zu kommen. wie er zwitschert – gern aus dem Weidenlaub heraus 1 2 N D D OE U E H 5 E 3 4 R 6 7 C L 8 9 10 I E Z Schick es bis Dienstag. 2. weil an den Flughäfen und an den Grenzen immer strenger kontrolliert wird. Veilchen. Herr Blaukappe und Frau Graubraun 7. besteht aus Zweigeflechten und Polsterarbeiten 3. Manche kommen eine Weile bei Verwandten in anderen Städten und Dörfern unter. Auf der Flucht wurde er verprügelt. In Tunesien hat es gerade eine Revolution gegeben. konnte zur Schule gehen und eine Lehre als Elektriker machen. die bis heute andauert. den 24. Massoud und Leyla waren Kurden aus dem Irak. viele wurden getötet. Deutschland oder Italien und sucht Arbeit. bis er schließlich in Österreich landete. – BLUMENBEET Dicht gedrängt stehen Flüchtlinge auf einem kleinen Boot. Decken. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 47 ELEKTRO ER Fotos: Arianna Arcara/Cesuralab/LuzPhoto/fotogloria [M]. nur dass bei ihm immer recht viel schiefgeht. Björn und Agnetha aber wollen schon lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne stehen. wenn sie ein Visum (das ist eine Erlaubnis zur Einreise) haben. Massoud und Leyla waren mehrere Tage zu Fuß marschiert. ENKEL«. Lösung aus der Nr. umgraben. sehr müde. KinderZEIT. Benny. Flieder. dann erhält er »politisches Asyl«. sondern auch mit lautem Gesang auf« 5. Die Schweden wurden eine der erfolgreichsten Bands der Welt und verkauften mehr als 375 Millionen Alben. das die italienische Insel Lampedusa im Mittelmeer erreicht . um irgendetwas für ihre drei Kinder zu besorgen. Warum jemand so etwas tut. Menschen aus afrikanischen. Wenn aber jemand in seiner Heimat verfolgt wird. die unter Zeltplanen hocken und hoffen. Leyla die jüngste Tochter.. arabischen oder asiatischen Ländern dürfen nur einreisen. Das Zauberschwert dtv 2011. obwohl vielleicht jemand auf ihn schießt – dann muss er ziemlich stark sein. Berühmt wurde die Popgruppe 1974 durch den Eurovision Song Contest. 20079 Hamburg. Sie arbeiten für ganz wenig Geld in Restaurantküchen. K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAREN EIGENTLICH . Diese Flüchtlinge verstecken sich manchmal wochenlang im Wald und warten. Wenn jemand über hundert Kilometer marschiert.05 Uhr in der Sendung Mikado – Radio für Kinder auf NDR Info oder im Internet unter www. Ginster. dass ihm in seiner Heimat Tod oder Gefängnis drohen. Viele Menschen fliehen auch. Eieieieiei. Leyla hatte außerdem ihr Hochzeitskleid eingepackt. Oder in einem Flüchtlingslager. ergibt das »Abba«. desto mehr dachte ich: Flüchtlinge sind gar nicht so schwach. nach Europa zu kommen. und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen. 3. keine Schule. Derzeit versuchen viele Migranten aus Tunesien. Ihre Lieder werden noch heute gespielt. pflücken Tomaten. ab 7 Jahren SC H E H U NI Bleeker in Flüchtling ist jemand. Das Problem ist nur: Für Verfolgte ist es inzwischen schwierig. keine Medikamente für die Verletzten. keine Tische.12. So wie die Flüchtlinge. als Ärzte oder Lehrer gearbeitet. Solche Menschen nennt man »politisch Verfolgte«. warum jemand Hunderte.. als Soldaten oder Rebellen ihre Dörfer überfielen. So nannten sich die zwei Männer und zwei Frauen aus Schweden als Band. Wer es bis nach Europa schafft. 8. weil sie kritisch über die Machthaber geredet haben. Krokusse. Es gibt oft zunächst kein Trinkwasser. wenigstens eines der Kinder für ein besseres Leben nach Europa zu schicken.ndr. es gibt sogar ein Abba-Musical. Seitdem machen sie eine Pause. Deswegen quetschen sie sich auf kleine Boote und wagen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Das Leben dort ist allerdings hart. wie man mit diesem erstaunlichen Schwert in die Vergangenheit reisen kann – und schleppt Tim gleich mit in die Welt der Ritter. Zusätzlich schleppten sie Rucksäcke. »HORCHT. schlägt sich durch nach Frankreich. Singen oft ihr »pinkepink«. Wozu braucht man auf der Flucht ein Hochzeitskleid? »Damit ich mich an etwas Schönes erinnern kann«. Hesmats Geschichte ist gut ausgegangen. manchmal über tausend Kilometer zu Fuß. Die Radiogeschichte über Abba hört Ihr am Sonntag um 8. 6. Benny. Anu Stohner: Robert und die Ritter.. 4. Kasachstan und Russland. Nur sehr. Denn im Irak wurden Kurden damals verfolgt. Fotex (im Wappen). Viele Flüchtlinge hoffen. Niels Schröder (Wappen) S AU HR SC AT HR SC RIT P O L I T I K . hatte Leyla gesagt. kann er nicht einfach in seinem Land zur deutschen Botschaft spazieren und ein Visum beantragen.zeit. Flüchtling zu sein? VON ANDREA BÖHM Dein Vorname: Wie alt bist Du? E WAS SOLL ICH LESEN? Ritter Tollpatsch Robert ist Tims bester Freund. Sie behandeln dann in einem Flüchtlingslager die Kranken oder unterrichten die Kinder – auch wenn es keine Schule. einer hockt gern im Kirschbaum 6. Einer steht gern auf der Bühne. Zusammen mit Tausenden anderen Kurden waren sie über die Berge in die Türkei geflohen. Oft finden die Menschen sie auch. bis es wieder ruhig ist. weil er sich selbst nicht mehr helfen kann. weil sie Demokratie gefordert oder einfach nur. 9. Sie sahen eigentlich gar nicht hilflos aus. Der Junge kommt aus Afghanistan und floh mit elf Jahren allein aus seiner Heimat.95 Euro.

Die alten Mächte siegen. Auch vom paradiesischen Obstgarten ihrer Familie und Glorias Liebe zu Zem Zem lässt sich Kumaïl immer wieder berichten. die für Einheit und Freiheit kämpfen. die oft mit Willkür regieren. Sie tragen Schwarz-Rot-Gold. ein sanfter und kämpferischer Menschenfreund und Familienvater – ein Vorbild. Der Leser erhält dadurch ein authentisches. lange in Erinnerung haftendes Bild vom Leid. Das ist ein gelungener Kunstgriff. außerdem gibt es Zeittafel und Glossar. Beide sind Weibchen. Die Tragödie seiner Beschützerin und ihres tschetschenischen Geliebten hatte er nicht gekannt. erfolgreiche und vielseitige Kinder. Blutbad. besonders im Sport. November 1848. vor allem aber den Wundern einer gelungenen Befreiung. wie ihre Antwort auf die Frage. . Redaktion: Libuse Cerna. jagt alles (von nackten Zehen bis zu Klospülgeräuschen) und erschreckt andere Haustiere zu Tode. was und wer eine Mutter ist. gefühlvollen Jungen – zunächst naiv. Gloria und Kumaïl leben in einer Flüchtlingsunterkunft am Rande der Stadt Tbilissi in Georgien. die im romantisch gezeichneten rumänischen Zigeunerlager spielt. ob man im Krieg glücklich sein dürfe. Manche Passagen – wie die. die auch Freundschaft und die ersten Verliebtheiten kennt. Der Kölner Blum. da ist sich Anna sicher. Oft sind dies Glorias Kommentare. 9. seit 1832 in Leipzig zu Hause.. An all dies erinnert sich der zwanzigjährige Blaise. mit dem Schiff nach Westen zu gelangen. Mai. wie auch den Blum. Ironisch. Rotherham. Aber der Reihe nach. ihr könnt den Hamster auch gleich umbringen. erfährt der Leser aus dem Blickwinkel des klugen. Deutschland ist in dieser Zeit ein Staatenbund mit vielen Fürsten. die ihren Schützling »Monsieur Blaise« nennt. Massenmord. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KINDER. wie hoch die von uns oft für selbstverständlich gehaltenen Werte der Demokratie dort eingeschätzt werden. die den Kindern erklärt. Sie sind robust. Wunderbar sind die Illustrationen von Klaus Puth. Sie kriegen wahnsinnig schnell einen Herzinfarkt. Später kommen sie auf einer vergifteten Müllhalde unter. Oder die Verzweiflung. Mord und Verrat glaubhaft Teil einer Flüchtlingsgeschichte werden. »Du und dein Bruder. Hamster kämen ihr schon wegen der »Neuen Katze« nicht ins Haus.und Einmischer. Ihre Gegner sind Männer wie Blum. Es ist spannend.de/ funkhauseuropa Ein Freiheitsfreund Geschichte: Vom Leben des Robert Blum Brillante Politiker gibt es in der neueren deutschen Geschichte nicht so viele. Kurzweilig ist die Lektüre über das letzte Lebensjahr Blums. bitte! »Zeit der Wunder« erzählt das Drama einer politischen Flucht chheißebläsfortünuntichbinbürgaderfranzöschenrepublikdasisdiereinewaheit« – mit diesem mühsam auswendig gelernten Satz macht sich ein Junge aus dem Kaukasus auf den Weg nach Frankreich – ins Land der Freiheit und der Menschenrechte. 144 Seiten.95 Euro Foto: Pascal Bastien/Fedephoto/StudioX Als Begleiter Blums erfindet Parigger den 16-jährigen Jungen Friedrich Wilhelm. Nur Gloria gibt ihm Schutz und spielt herunter. Die politisch geschulte Gloria hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. Er ist ein Kümmerer. Kaschmirmantel).& JUGENDBUCH Ein neues Leben. So wächst Kumaïl/Blaise in einer Welt voller Ungewissheit vom vertrauensvollen Kind zum zweifelnden Jugendlichen heran. wie er in langen acht Jahren fließend Französisch lernt. Am Ende kämpft der friedselige Blum mit Waffen. starten sie eine richtige Ermittlung. was in unserer von regionalen Kämpfen heimgesuchten Welt täglich tausendfach geschieht: Eine Frau mit durchaus problematischer Rebellen-Vergangenheit und ein kleiner Junge machen sich auf den Weg. Der Autor Harald Parigger zeigt viele Facetten dieses Mannes: den Blum. Auch den Pass habe sie mitgenommen. stellt Radio Bremen das Buch vor. wenn ihn die Sehnsucht nach seiner französischen Mutter packt. verschaffen dem Leser eher unterhaltsame Lektüre. erschossen. Witzig. die Lungen vergiftet von der Arbeit auf dem Müllberg. warum Mama ein gestörtes Verhältnis zu Hamstern hat (Schiebetür. Wichtige Frage: Gibt es jemanden. Erschüttert erkennt der junge Mann. »Glücklich sein wird zu jeder Zeit empfohlen. einer pensionierten Kriminalbeamtin. Man darf mit Monsieur Blaise – oder besser doch Kumaïl? – weinen.. als Baby habe die junge Russin Gloria ihn vom Schoß seiner Mutter aus einem zerbombten Zug gerettet. Monsieur Blaise«. Ihre Geschichte ist keine Dokumentation. da ist Gloria verschwunden. Aber Anna. Darin steht der Name Blaise Fortune. der die Geschichte anschaulicher macht. Oder nagen Kaschmirmäntel an und ersticken an den Flusen. kann über seine Rettung eine wunderbare Geschichten erzählen. schließlich einen gültigen französischen Pass besitzt und sogar ein Studium beginnt. Anna und ihr kleiner Bruder Tom wünschen sich sehnlichst einen Hamster. was den Kindern noch schrecklicher vorkommt als Omas Tod: Alle acht Hamsterbabys werden in einer Nacht totgebissen – und Elternhamster Nummer 2 verschwindet aus dem Käfig. Oder werden von Schiebetüren zerquetscht. was er sagt. ihn umsorgt und aufmuntert. Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder Aus dem Französischen von Maja von Vogel Carlsen Verlag 2011. Man erfährt zum Beispiel. Gloria. wo man sie mit Füßen tritt. Am 12. Ein Buch gegen das Vergessen der frühen Demokraten. Tom und Susanne wollen das nicht glauben. der schon mal etwas Ähnliches getan hat? Es sieht gar nicht gut aus für die Neue Katze. Sie erkennen auf lange Distanzen. Meerschweinchen hingegen sind viel besser als Haustiere geeignet. Er wurde am 9. trauriger Teil des Buches). Blum wird verhaftet. Doch sein Tod machte ihn zum Helden der Zeit.« –. Doch selbst sie sind sorgfältig ausgewählt und verweisen jeweils auf Vorurteile oder menschliche Grenzbereiche. einen Tag vor seinem 41. und er glaubt tatsächlich. Massaker allgemein: Gemetzel. der auf der Straße lebt. sagt die Mutter. Doch die todkranke Frau hält für den erwachsenen »Monsieur Blaise« bittere Wahrheiten bereit: über sich. als er im Flughafen auf eine Maschine nach Tbilissi wartet: Er hofft. ein Auf. der kämpft und spricht. Einer aber leuchtet: Robert Blum. Annas Mutter sagt. Das Hamstermassaker. Nicht ohne Humor endet fast jedes Kapitel mit einer kleinen lehrhaften Pointe. er habe in dieser Familie nicht die Hosen an und Annas Mutter müsse entscheiden. Schleuser. VON RALF ZERBACK ab 12 Jahren Das Hamstermassaker Eine Ermittlung in Sachen Haustiermord Hamster sind problematische Haustiere. später staunend. seine Zeit als Verleger und Paulskirchenparlamentarier. ausgezehrt von den Entbehrungen..20 Uhr. 14. Der Junge heißt Kumaïl. um dem Kind eine Überlebenschance in einem freien Land zu ermöglichen. Die Autorin erzählt in drei Zeitebenen: In der Gegenwart wird der erwachsene Blaise Fortune mit seiner wahren Identität konfrontiert. hält Reden. tatsächlich: Denn nach ein paar Wochen werden acht winzige Hamsterbabys geboren.90 Euro Luchs Nº 292 Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder. Die 1971 geborene. schreibt Artikel. er sei Franzose. Geburtstag. war auf jeden Fall ein allgemeines Massaker. 12. die sie über den Landweg nach Frankreich bringen wollten. Jahre gehen dahin mit der Flucht auf Straßen durch Osteuropa. dass die Hoffnung und Zuversicht seiner Kindheit auf falschen Vorstellungen beruhten. 188 Seiten. Unterstützt werden sie dabei von Annas bester Freundin Susanne. eigentlich ist das ungerecht: Es ist auf jeden Fall ein großartiges Buch. Gemeinsam mit Omas Freundin Mrs. Aber auch nicht für Mama . sagt sie. Denn sie versuchen vergeblich. Dafür. angeblich. Gloria dort zu finden. So steht es im Lexikon. Bondoux und ihrer guten Übersetzerin Maja von Vogel gelingt es. gründet Vereine. Wahrscheinlich ist er der Täter. die Gefühle von Blaise und Gloria zum Mittelpunkt und zum Erklärungsmuster eines politischen Dramas zu machen. Doch als der Junge endlich vor französischen Zöllnern seine Identität bekennen kann – »Ich bin Blaise Fortune und ich bin Bürger der VON BIRGIT DANKERT a b 14 Jahren I So sieht die Innenseite eines französischen Reisepasses aus französischen Republik . dass Katie Davies’ Buch Das große Hamstermassaker von Hamstern handelt und nicht von Meerschweinchen.und Jugendliteratur. Man hat ihm erzählt. Die wundersame Rettung des »Monsieur Blaise« ruft nicht nur französischen Lesern ins Bewusstsein. weint Annas Mutter viele Tage lang. ihren erfundenen Geschichten und ihrem klugen Fluchtplan zu verdanken hat. Wohl eher ein Elternpaar. Sie können viele interessante Geräusche machen. Und dann dürfen zum Trost für alle doch zwei Hamster ins Haus. dass seine französische Mutter ein Traumbild war und dass er das Glück des Lebens nur Glorias Liebe. VON SUSANNE GASCHKE ab 8 Jahren Harald Parigger: 1848 – Robert Blum und die Revolution der vergessenen Demokraten Arena Verlag 2011.. 207 Seiten. auf den Barrikaden in Wien. Seine eigene Erinnerung beginnt mit dem siebten Lebensjahr und führt ihn zurück in die Leidenszeit einer fünfjährigen Flucht. Eingestreut sind Sachkapitel zur sozialen Not etwa oder zur Märzrevolution. wenn ihr ihn auch nur in die Nähe von der Neuen Katze lasst«. zuletzt ratlos und suchend.48 12. Oma ist es. So können selbst Brutalitäten. Lehrreich. Das gelingt tatsächlich. was Massaker bedeutet. Die »Neue Katze« ist wild. wenn jemand Gurken mit dem Messer schneidet. die verbotenen Farben. Und dann geschieht etwas. wenn er endlich erkennt.und Jugendbuch-Autorin Anne-Laure Bondoux hingegen muss man bewundern. sie erzählt beispielhaft. Immer wieder holen die Kriegswirren der KaukasusUnruhen in den neunziger Jahren die beiden ein. 15. scherzhaft: eine schwere Niederlage. Als Oma stirbt (ein sehr stiller. Sie erlebt nicht mit. die Blaise erlebt. Doch die Erwachsenen sind völlig uneinsichtig: Annas Vater sagt. Glorias Erinnerungen aber reichen bis in die Zeit vor Kumaïls Geburt. Die Grausamkeiten. Umgangssprachlich. ist es ein großartiges Buch.99 Euro Katie Davies: Das große Hamstermassaker Sauerländer Verlag 2011. Damals gab es eine Revolution – und Robert Blum war einer der Kämpfer für Freiheit und Demokratie. sagen die Erwachsenen. über Zem Zem und über Kumaïls eigene Herkunft. betrügen sie. der hilft und rät. wie krank sie selbst ist. der Freiheitsfreund. Frankreich ist das Land der Freiheit für den russisch-tschetschenischen Jungen mit dem gefälschten Pass. Oder nein. gibt Zeitungen und Bücher heraus.radiobremen. Das Gespräch zum Buch ist abrufbar unter www.

Wem solch lediglich individuelle. Deutschland keineswegs zu einer moralischen Anstalt gemacht. Der Verantwortungsethiker hingegen räsoniert über die Folgen der Tat und fragt sich. Das deutsche Bürgertum. dessen beständige Gewissensbefragung und anklagende Innerlichkeit unverkennbar in der pietistischen Tradition des 18. Als Angela Merkel ihre Freude über Osama bin Ladens Tötung bekundete. Beide Regisseure sind seit ihrer Verurteilung auf freiem Fuß und warten auf den Ausgang des Berufungsverfahrens. dass die Kunst nur ganz schwer mundtot zu machen ist. das Kino am Leben zu erhalten. mein die MissionarsGott. denen man gehorcht«. »auf die eigentümliche. wie man gerade verwundert sieht. Dieses Paradox zu verstehen hat uns geholfen. Friedens. 62 12. CHRISTOF SIEMES un reicht der moralische Idealismus. wird für den Regisseur so wichtig wie ein gutes Drehbuch. man nimmt teil am Protest gegen Stuttgart 21 und empfindet auch wieder moralische Überlegenheit angesichts der hässlichen Realpolitik: Die Irritation jedenfalls war groß. wie der moralische Diskurs in Deutschland mit nationalsozialistischen Überzeugungen bestens verschmelzen konnte. Jahrhunderts wurzelten. organisiere eine Unterschriftenliste. um das Mindeste zu sagen. über die existierenden Grenzen des iranischen Kinos hinauszugehen«. der wird sogleich entlarvt als jemand. der angeblich kein kritisches Bewusstsein entwickelt hat. Hannah Arendt hat in ihrem Buch über Adolf Eichmann minutiös dargestellt. Vor dem Richterstuhl reiner Mo- N E thik in Deutschland ist traditionsgemäß Gesinnungsethik. inzwischen hat er sein Werk beim Kulturministerium eingereicht: Er bemüht sich um die Erlaubnis. in Cannes würden Filme der Häftlinge gezeigt. wirkte politisch lediglich indirekt: indem es die Welt hygienisch aufteilte in ein Reich der Moral und ein Reich der Politik. Handlungen werden im Hinblick auf die Realisierung eigener Prinzipien bewertet. Im Reich der Moral residierte die Kritik. Harald Schmidts heitere Angriffe auf die Political Correctness oder die popliterarische Feier der Oberfläche und der Warenwelt längst einen Mentalitätswechsel herbeigeführt. da er Optionen abwägt. einer Revolution abgeneigt. haben uns motiviert. der Schwule als Opfer der Zwangsheterosexualität in unserer Gesellschaft – und so weiter. Wer nun denkt. Ein Gesinnungsethiker fragt sich nach der Tötung eines Terroristen. Die Moral ist offenbar eine Kraft. mit Atomkraftwerken Geld zu verdienen – eine Abwägung von Risiken darf dann gar nicht mehr angestellt werden. Auch nicht. so Hannah Arendt. mit der die »Endlösung« in Gang gesetzt wurde. jeder müsse mit dem Umweltschutz vor der eigenen Haustür anfangen. Über einen deutschen Reflex VON ADAM SOBOCZYNSKI ie achtziger Jahre sind womöglich nicht nur in modischer Hinsicht zurückgekehrt. Die Forde- rung. wie undurchsichtig solche Vorgänge in einer Diktatur für Außenstehende bleiben. als die Kanzlerin angesichts der Tötung von Osama bin Laden ihre Freude bekundete. Dieser sollte in moralischer Hinsicht sowohl den frivolen Höfling als auch den mit realpolitischem Zynismus handelnden Herrscher überstrahlen. Er gehörte bereits zur Grundausstattung der sich im 18. was Rasoulof im Winter versucht hat. Wie aber konnten sie da Filme von 100 (Rasoulof) und 75 Minuten Länge (Panahi) drehen? Der Fall zeigt. Die Aufklärungsschriften propagierten mit Pathos die Sittlichkeit des Bürgers.zeit. Lebensgewohnheiten und Einstellungen des neuen Bürgertums scheinen sich gespensterhaft an die Tradition der alten Bundesrepublik zu schmiegen. hätten im Falle einer deutschen Beteiligung muntere Antikriegsdemonstrationen stattgefunden. doch in vielen Berichten war fortan zu lesen. in Deutschland tatsächlich sehr verbreitete Vorstellung zurückführen. Und vermutlich war die Furcht der Regierenden vor einem Bundeswehreinsatz in Libyen auch nicht unberechtigt: Niemand wäre sonderlich verwundert gewesen. Der »Atomkraft? Nein Danke«-Button wird wieder ganz unironisch an Kinderwagen und Blusen geheftet. Aber die Sache wird noch komplizierter: Mohammed Rasoulof hat für seinen Film Bé Omid é Didar (Auf Wiedersehen) sogar eine offizielle Drehgenehmigung der Behörden bekommen.smetek. Dass Öffentlichkeit ihm helfe und nicht schade. in dem der Regisseur vom endlosen Warten auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens erzählt. Jahrhundert konstituierenden bürgerlichen Gesellschaft. zeugt von außerordentlichem Mut – und davon. so das in die Jahre gekommene und vielfach missbrauchte Klischee. sie wurde zur Hypokrisie. die beiden seien in Haft. das starke Augenmerk. Der Gutmensch. der die Bundesrepublik über lange Zeit prägte. Kreuz gedacht hat: »Mein Gott. um sie zu verantworten. lasse sich viel von der peniblen Gründlichkeit. die ihn zusätzlich mit einem Preis ehrt. wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte. auf dem Balkon mit Blick über Teheran. reformulierte gar den kategorischen Imperativ dahingehend.FEUILLETON Im Geisterreich der Moral Schon baumeln wieder die Anti-AKW-Buttons an den Kinderwagen. Hans Frank. So wie jeder realpolitisch Handelnde oder auch nur Unverbitterte in den achtziger Jahren immer schon unrecht hatte gegenüber einem moralisch hochgerüsteten Bürger. das man in der Aufklärung auf die Sittlichkeit richtete. der Afghanistan-Einsatz gilt als bedenklich. nicht die Hoffnung zu verlieren. »lächerlich«. Osama bin Laden hätte nicht getötet werden dürfen. »Unsere Probleme sind auch unser ganzer Besitz. klingt noch heute mit. sondern so zu handeln verlangt. Zur Erinnerung: Die iranischen Regisseure waren 2010 in Teheran verhaftet worden und wegen »propagandistischer Aktivitäten« zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden.und Umweltaktivitäten galten zu Recht als arg angefault. zeigt vor allem eins: Willkür und totale Verunsicherung sind die perfidesten Kontrollmethoden des Regimes.de D chen der Frauenunterdrückung in unserer Gesellschaft. Selbst Kollegen der Verurteilten in Iran finden die sensationsheischenden Meldungen. LEKTÜRE sobald in Nairobi jemand beZUR LAGE nachteiligt sei. Kritik am berüchtigten Gutmenschentum der Deutschen zu üben. immer wieder an ihr Schicksal zu erinnern. die sich vom Schmutz der Politik unberührt glaubte. einen Leguan auf der Schulter. »Die Tatsache. dass wir am Leben sind. Es galt ihm seinerzeit alles als ZeiMaria Shriver und Arnold chen für die VerdorSchwarzenegger haben sich »nach langem Nachdenken. sieht sich abermals getäuscht: Nach Angaben des Festivals erzählt der Film die Geschichte eines jungen Teheraner Anwalts. zur Scheinheiligkeit – wie ehrenwert die Ziele der Aufklärer auch sein mochten. ihn in Iran vorführen zu dürfen. 52 GLAUBEN & ZWEIFELN Islam: Reaktionen auf den Tod Osama bin Ladens S. Im Sande verlaufen kann das Verfahren gegen die beiden nun nicht mehr. Umso wichtiger ist es. der ein Visum zum Verlassen des Landes zu ergattern sucht – genau das. Seine Furchtlosigkeit sollte uns eine Verpflichtung sein. Der Generalgouverneur des besetzten Polens. ungeachtet der Handlungsfolgen. vorauseilende Anstrengungen nicht spontan einleuchten. benheit der GesellDiskussionen und Gebeten« dazu schaft: die Schminentschlossen.« Der Schritt der beiden. auch wieder aus der Versenkung geholt werden. Solch einen Film zu erlauben. sondern den eigenen Willen mit dem Geist des Gesetzes zu identifizieren. als sei man selbst der Schöpfer der Gesetze. nicht nur den Buchstaben des Gesetzes zu gehorchen und sich so in den Grenzen der Legalität zu halten. einander offenbar widerstreitenden Behörden Zugeständnisse abzuluchsen. daß Gesetzestreue sich nicht darin erschöpft. als hätten die sogenannte Spaßgesellschaft. www. Der moralische Überschwang der Nachkriegsgesellschaft schien jedenfalls gründlich überwunden. Dieser verbarg mit dem Verweis auf Moral nur notdürftig die eigenen handfesten Interessen. Nun wäre es Kant natürlich niemals in den Sinn gekommen. in ihrer unklaren Situation mit neuen Filmen an die Weltöffentlichkeit zu gehen. das Prinzip des Handelns mit dem Prinzip des jeweiligen Gesetzgebers eines Landes in eins zu setzen. sich zu trennen.de/audio Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. ral hatte der Fürst immer schon unrecht. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus. der 38-Jährige habe dafür Kompromisse mit dem Regime gemacht. den Gesetzen zu folgen. Der Gesinnungsethiker ist verführt. Für den Augenblick ist man jedenfalls eher wieder verführt. auf dem Sofa. schreibt Panahi in einem Brief an die Festivalleitung. In Libyen will man nicht militärisch helfen. ob nun Shriver wahns in unseoder Schwarzenegger an Jesu Worte am rer Gesellschaft. Realpolitik wird gefürchtet. Sie legten Berufung gegen das Urteil ein. wobei sie ke als ein Zeichen nicht sagten. . ob diese hinreichend vorteilhaft sind. auch die Insignien. Die Kunst. hat. warum hast du mich verlassen?« stellung als Zei- LITERATUR Zum hundertsten Geburtstag von Max Frisch S. Witze über Müsliesser. Es ist unsere Pflicht. Doch. Kritik erlag damit dem »Schein ihrer Neutralität« (Reinhart Koselleck). weit zurück und kann bei Bedarf. Panahis neues Werk – ohne Genehmigung entstanden – ist noch direkter autobiografisch: In Film Nist (Dies ist kein Film) ist eine Art filmisches Tagebuch. »daß der Führer. Ein Verantwortungsethiker vermag politisch zu handeln. wenn man etwa belehrt wird. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 49 FILMFESTSPIELE IN CANNES Von wegen mundtot! Trotz Berufsverbots haben iranische Regisseure neue Filme gedreht Es ist eine echte Sensation: Die Filmfestspiele in Cannes werden neue Filme von Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof zeigen. dieses Handeln billigen würde«. die stets das Gute will und mithin das Böse schafft. hat Panahi selbst immer wieder betont. Man sieht ihn in seiner Wohnung. dass man so handeln solle. sprach sie offenkundig als Verantwortungsethikerin und sah sich mit einer gesinnungsethisch gepolten Öffentlichkeit konfrontiert. um welche Gebete es sich des Schönheitshandelte. ob die Tat gegen seine Prinzipien verstößt. und der Traum. uns nicht besiegen zu lassen und Lösungen zu finden. das Politische per se als verlogen zu empfinden und im Geisterreich der Moral es sich bequem einzurichten. Historisch besehen. die es auch prinzipiell für verantwortungslos hält. Einer Öffentlichkeit.

die sich oft von Herzen fremd sind. Und beim nächsten Businesslunch bestellen Sie dann bitte lauthals Sauce hollandaise. wenn die Emulsion aus Eigelb. so ist die oben. lichen Schicksal entronnen. dass seine Liebsten. wenn es ums Essen geht. mal selbst gemacht. seine Kin. ELISABETH VON THADDEN as das »Schicksal« angeht. »No más sangre«. Es gibt keinen Grund. sige Behauptung.lytisches Besteck kommt man auf dem Feld des die Menetekel der Moderne. ohne scharfes ana. wie bei Walter Benjamin. Weißwein. habe die Gewaltspirale ausgelöst. wiesen in seinem Blut. danach Hilfspfleger.salsmächten in den Arm fallen. die Metaphorik des Schicksals matischen Tiefenschichten verbrannt und hat ihren Thronsturz blendend überjede mythologisierende Rede über »Schicklebt. an denen man wie im Prisma erkennt. Diese Sätze zeigen. Ganz einfach und klar. Die Kritik galt insbesondere Präsident Calderón. Zerrissen sind sie zwischen der turbokapitalistischen Welt ihrer Manager und dem Identifikationsverlangen ihrer Fans. IJOMA MANGOLD FUSSBALL Der Athlet weint Fußballer zu sein ist ein hartes Geschäft.. Sie halten jenes Gefühl politischer Dankbarkeit wach. Neuer vielleicht zu den Bayern. in der Nähe von MexikoStadt. dessen Sohn kürzlich in Cuernavaca. die auf unterlaufen. dem vernagelsten von allen. Sahin geht nach Madrid.Versehen sind. dann wieder von Poetik« geliefert. so die Demonstranten. und wie herrlich es ist. der Mann aus Schalke. Schicksal. im Erzgebirge geboren. und vielleicht geht es auch nicht anders. Botho nalsozialisten für Juden vorgesehen hatten. zwischen Kapitalismus und Moral. die die deutsche Sprache bis in ihre gramIndes. Butter und Zitrone im Wasserbad glückt und nicht zerfällt. von Waffengewalt ihr Beweismaterial sichtet und sichert. an Scharlach sterben? über den Tod in Denkfiguren. Reiseverbot seit 1981.Leitbegriff »Wende« stößt der Betrachter – einmal dern sind selbst fabriziert. Beide haben bei der Pressekonferenz geweint. aber sie entsteigen liche Pop-Kugel. Deutungsreserve. aber nicht mehr hören! Besonders schlimm ist es in der Spargelzeit. Der Herbst 1989 war ihm ein Tor nach Europa. desto eher spüren die Spieler die engen Bande zu ihrem Verein. sie behauptet auch. sie sprechen von einer Schuld. Über allen sieben Vitrinen 1944 im Allgäu geboren wurde und 2001 tödlich verunglückte die Namen »Klimakatastrophe«. kamen zwei Aufklärer.jenes Exemplar. und be. sondern nur Butter. um. indem sie seine rätselhafte Macht lautet. nach dem alle Schicksalsfäden in der Hand zu Untergang der schicksalsvergessenen Bunhalten scheint. was andere noch nicht oder nicht mehr sagen. »die den Tod voraussetzt und auf Marbach. der einst die faschistische SchickSchicksals sei von einer erdrückenden akasalsmythologie veredelt hatte und der demischen Korrektheit zum Schweigen genun auf dem Marbacher Weltwebstuhl bracht worden und erst heute.Daseins«. Unter dem nicht dem Opferrauch der Seinsgeschichte. aber dazwischen gibt Wirklich? Nachdem Generationen von Stues immer wieder einen hellen klaren denten mit Goethes und Benjamins. Alles kann gar nicht schlicht und ursprünglich genug sein! Hauptsache. Literaturmuseum der Moderne. Jetzt ist Ludwig Mehlhorn.50 12. denn aus der Schreibwerkstatt unter anderem Hannah Arendt ist genau dem geschichtvon Friedrich Nietzsche. um Texte von Polens Oppositionellen. ob es nicht eine moderne Gestalt des freundlich anerkennen – und dadurch Planetenbild des Schriftstellers W. G. Oder und Zeit vorgegeben habe. hier ist es bloß eine Metapher. denn Politik. KILIAN TROTIER Nuri Sahin muss leider nach Madrid DROGENKRIEG »Kein Blut mehr« Fotos (v. desrepublik. mit Witz. »Sind gerettet.. Erst Calderóns »Krieg gegen die Drogen«. dass die Welt sehr langweilig ist. Ludwig Mehlhorn hatte sich früh selbst die polnische Sprache beigebracht. der seit 2006 die Armee gegen die Drogenkartelle einsetzt. Es bleibt eine zentrale kulturelle sal« unmöglich gemacht hat.sal erlitten. dort Metaphy. Titel gewinnen. »weiterkommen«. Literatur ist das »Schicksal« nicht unterWohnen 317 West 95«. das zu verleugnen. Er weint. das der Westen den Bürgerrechtlern des Ostens schuldet. Moses und Christus. wie Sicilia beklagte. gute Produktqualität. dürfe man wieder frei und Die Atmosphäre ist entsprechend myunbefangen über das große Dunkle reden. Ich meine. anstatt dem immerwährenden Schicksals schnell in Teufels Küche.kapitalismus« und »Fukushima« hören. Deshalb wechseln beide nach Jahren den Verein. Strauß. Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge«. Dann aber einem Brief des Dichters Friedrich Rückert. wenn alle ständig dasselbe sagen. Geneigter Leser. schließlich war der April mit über 1400 Toten der blutigste Monat im mexikanischen Drogenkrieg – ein Krieg. ein Licht aufzusetzen. Mai 1941 aus New York. wie in die – jedenfalls in diesem Fall – mit philologischer sal einmal unsterblich. Wie die anti. wahrscheinlich von einem Drogenkartell.Nicht nur. Sieben stellung dem Publikum sagen? Dass Hannah mal sieben unhintergehbare Dinge heißt Arendt einem metaphysischen Fatum entder Versuch des Marbacher Literaturkam. »Finanzflackert eine himmlische Disco-SchickUnd doch: Ohne Kompass. Mitglied von Aktion Sühnezeichen seit 1969. Diese Frage gen. der Schuld. sie schrammt auch an der die dem Schicksal ein Schnippchen schlaentscheidenden Frage vorbei. Das ist ja in der Tat köstlich.: Chris Korner/DLA-Marbach W SPARGELSAISON Bitte mit Sauce hollandaise! Wir wollen hier kurz einmal das Wort ergreifen für eine Verteidigung des Snobismus. es verwundert daher nicht. telegrafiert Hannah zukriegen und spendet dem Leser als Arendt an Günter Anders nach langer Flucht Chiffre für das Ungeheure. damit Sie wieder vor Augen haben. kann den modernen Schicksalhaften Zeit in das moderne Spiel. glaubt aber niemand. Berufsverbot 1985. wenn sie denn kein landes rasch erzählt. weil er sich so zerrissen fühlt zwischen inkompatiblen Systemen. in Berlin gestorben. Unfassbare am 3. einer Macht. als wolle er sagen: Ach. Snobismus trägt dem enervierenden Umstand Rechnung. und etwa hunderttausend Bürger folgten ihm. Celan schreibe nach Auschwitz die Götter vom Thron und entzogen dem Aber. kommt das Schicksal von unten. aber was soll ich machen? Irgendwann muss sich das Individuum aus dem Kollektiv winden und egoistisch sein. Wissenschaftlern und Schriftstellern für die Bürgerrechtler der DDR zugänglich zu machen. vielleicht auch nicht. heißt es dann immer. Sebald. dieses Geschäft ist so grausam. die Grenzen einer Remythisierung. die ihm Sein glauben an das Fatum jeden Kredit.n. Katalog 15 Euro Abb. umso offener für den genuin polnischen Weg in die Demokratie und für die zivile Verständigung mit den Gesellschaften Osteuropas. wollen Sie sich einmal an Ihre Kücheninsel stellen und eine Sauce hollandaise montieren. Nun ein kleiner Tipp zur Anwendung.): Michael Weber/imagebroker/mauritius images. tief verstrickt. ist das nicht nur eine waghaloder herzbewegend aufgeklärte Texte.ihn zuläuft« – den Tod als »Grundbefindlichkeit des Metapherngeschichte des Abend. Armee und Drogenmafia sind. erst 61 Jahre alt. wenn es aber zur Phrase von allen geworden ist. was wohl heißen soll: Die nachtragische Moderne macht aus Fortunas Ballwürfen eine däm. Der moderne Fußballer weint. die hinter den Kulissen museums der Moderne. Seit einigen Jahren sagen alle. Ludwig Mehlhorn hat ein solches ostdeutsches Leben geführt: Arbeiterkind. den »nächsten Schritt« wagen. und zwar auf das Schicksal glaubt. Heidegger »Schicksal. dem Einbruch der schick. der am 18. JOHANNES THUMFART In Mexiko-Stadt: Protest der Bürger gegen die Gewalt . Mal ist das Schick. bekennender Protestant. über die Vernichtung der europäiChristus schwimmt das Schicksal unbeschen Juden. ermordet wurde. Was soll das und Undurchschaute einen numinosen Dokument im Kontext einer Schicksals-Aussemantischen Trost.lungskommentar lautet allen Ernstes. Und nur wer nicht an mehr – auf Heideggers Sein und Zeit. was die DDR im besten Fall vom Westen unterscheidet. Mal habe Celan die »philosophische Begründung einer Bis 28. Bunt purzeln die Schicksalsbegriffe durcheinan. Alex Cruz/EPA/dpa Selten mischt sich ein Poet so vehement in die Politik ein wie der mexikanische Dichter Javier Sicilia. Der AusstelZitate. dann ist es. August. für den er sich selbst entschieden hat.poetologisch zum Ministranten Heideggers erklärt. dass sein Interesse der politischen Gedankenwelt der Kreisauer galt. ein Stück Brot mit sehr (das »sehr« wird dann in auffälligem Kontrast zur Haltung der Einfachheit ziemlich dick aufgetragen . Carl Schmitt. Für die Mannschaft sollen sie sich aufopfern. Da tönt es vom Glockenbachviertel bis nach Eppendorf. die Reflexion des egger. Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen statt. so war auch das Schick. Das wäre mal ein neuer Ton. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LUDWIG MEHLHORN Es steht in den Sternen Das Marbacher »Literaturmuseum der Moderne« spekuliert über das »Schicksal« VON THOMAS ASSHEUER Am Tor zu Europa Es gibt wenige Biografien. studierter Mathematiker.o. Er war Christ. was Ostdeutschland. das Fatum aufder Geschichte ihr zeitloses Wesen treibt? erstehen zu lassen – mit kleinen Stücken Das kann man gewiss nicht meinen. dessen schlesisches Gut er in ein europäisches Begegnungszentrum umzuwandeln half. sonErnst ins Auge zu sehen. Es trägt zur semantischen Biodiversität bei. dass ihnen die einfachen Genüsse die liebsten seien. RoMythosbegriffen erkenntnisdienlich behanbert Gernhardts Stachelschweinborsten delt wurden. Am Wochenende führte Sicilia von dort aus einen mehrtägigen Schweigemarsch zum zentralen Platz der Hauptstadt. in seiner Wirkung aber wohltuend. in dem der Dichter Paul Celan zar.der. Nuri Sahin.und Küchentechnik dazugelernt. und vor allem in der Oder ein anderes Beispiel. Mitbegründer von Demokratie Jetzt im September 1989. Ernst Jünger. das die NatioGottfried Benn. Ich würde so gerne hier bleiben. Je härter dieser kapitalistische Imperativ zuschlägt. Das sind salskugel. Sie stürzten mächtige es zulassen. desto eher beglaubigen die Tränen ihre Worte. der bislang etwa 40 000 Menschen das Leben kostete. Dass sich vor den Wahlen im nächsten Jahr etwas ändert. möchte ein ganz Großer werden. Mai Schicksals gebe – neue Gewalten. der Dortmunder. thogen und dunkel.Gott nicht verhindert worden: Wie kann der All. Deswegen versucht der Snob das zu sagen.sik oder.u. Schillerhöhe 8 bis 10.) gutem Olivenöl tue es auch. Tatsächlich spreum ein berühmtes Wort von Heinrich chen Celans Gedichte über millionenfachen Heine abzuwandeln: Seit Moses und Mord. des Widerstandskreises um den Grafen Moltke. Und: Bitte keine molekulare Küche. Genauso wie Manuel Neuer. der. wie viel an Geschick und Fingerspitzengefühl in eine solche Sauce eingeht. Martin Walser und – obendrüZwischen den Zeilen verbreitet die Ausber und mittendrin – Martin Heidstellung den Eindruck.« Und alle nicken sie wie die Esel. Das ist simpel. wenn te Anstreichungen vorgenommen hat. Der moderne Fußballer weint um den Verlust seiner Herzensliebe. immun gegen die Varianten kommunistischer Weltdeutung. ken Götter. kämpfen. wer sehnte sich nicht nach der Einfachheit des Paradieses? Aber wir sind nun mal aus dem Garten Eden vertrieben und haben seither die ein oder andere Kultur. [M] Sascha Schuermann/dapd. dass die Ausstellung den Juden Celan siegelten das Schicksal des Schicksals. standslos auf Tuchfühlung gebracht werden. kann man es vielleicht noch essen. von Kreuzberg bis Sachsenhausen: »Also ich esse zum Spargel ja nie Sauce hollandaise. um dem kulinarischen Justemilieu. Beide sind vor die Presse getreten.zusammenhang des Lebendigen. forderten sie – »kein Blut mehr«. kuriose Fundstücke wie Friedrich Thomas Manns und Hans Blumenbergs Kittlers handgelöteten Synthesizer. Gleichzeitig müssen sie kühl ihre Karriereplanung »vorantreiben«.

Wie machen Sie das? Schäferkordt: Wir interessieren uns für unsere Zuschauer und nehmen sie ernst. Auf keinen Fall. Wahrscheinlich gibt es auch Fälle. von der das Publikum oft nicht wusste. aber sicher keinen vor der Kamera. wo die Realität sich einem Drehbuch fügt. Menne/RTL. die aber auch nicht nur für mich produziert werden. ob die Politik Themen erst dadurch wahrnimmt. Schäferkordt: Natürlich. Bei großen Primetime-Serien dagegen sind die Produktionsvorläufe deutlich länger. insgesamt unterstehen ihr knapp 2500 Mitarbeiter der mithilfe dieser Comicfigur die Kandidaten noch mehr durch den Kakao zieht. ZEIT: Dann lassen Sie uns über Ihr Geschäft reden: RTL ist klarer Marktführer. kl. dieses Stück zu sehen. Dazu kommen andere Medien wie die Tageszeitung. Das wirklich Interessante ist. dass sich für die Realität ausgibt. Es gibt den einen oder anderen. Angesichts unseres derzeitigen Erfolgs sind wir in einer Verteidigungshaltung. wo man ein Mikro aufstellt und die Leute befragt. bei denen ich.). Wir wollen das klären. würde ich vielleicht einen Schuldenberater aufsuchen. halte ich für einen Fehler. was wir den Zuschauern zeigen. dann antworte ich: Nein. haben Sie leicht lachen. einige Szenen verstießen gegen die Menschenwürde. anders entschieden hätte. Schäferkordt: Wir haben den Bescheid nicht akzeptiert und Einspruch erhoben. Fotos (Ausschnitte. Übrigens hat das auch die Hälfte aller Menschen getan. ZEIT: In der jüngsten Staffel von DSDS gab es »Freddy Fickfrosch«. obwohl es ständig Anfragen dafür gibt. was man alles an niederen Instinkten bei ihnen entsichern kann . Natürlich ist die Erzählweise dabei verdichtet. ob im Genre Real Life oder auch in der fiktionalen Unterhaltung. reden wir darüber auch nicht. Wer solche Freunde hat. heißt es in der Presse: Riesenflop. ZEIT: Wir haben uns nur gefragt.. Sie haben eine gesellschaftliche Verantwortung. kommt vor. Aber das war ja nicht Ihre Frage. Wollen wir es so machen? ZEIT: Ist Ihr momentaner Erfolg auch ein Fluch? Das kapitalistische Mantra lautet ja: Wo viel ist. dass die Kandidaten nicht singen können? Muss man sie der Quote zuliebe auch noch demütigen? Wir unterstellen mal. Schäferkordt: Zumindest nachdem wir das produziert. Können Sie sich überhaupt noch steigern? Schäferkordt: Nein. ZEIT: Nehmen wir Bild – da sind wir auf halbwegs neutralem Gelände. Das Managen von Erwartungshaltungen ist im Moment mit das Wichtigste. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Homestory gemacht. ZEIT: Haben die Ereignisse direkten Einfluss auf fiktionale Formate? Gibt es bald bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten einen notorischen Grünen-Wähler. in Ihrem neuen Erfolgsformat. verleihen Ihnen eine neue Dimension. ganz egal. mal loslassen zu wollen vom Alltag. Ich kann mich nicht auf die Hohe Straße in Köln stellen und fragen: Was willst du sehen. während der Castings eine Comicfigur.. Wenn Sie mich fragen: Würden wir alles tun für die Quote? Dann ist unsere Antwort: Nein.. Ich würde auch nicht in einer Castingshow auftreten. Zudem kann man fragen. in den letzten Monaten durchaus im Gespräch. Unsere Zuschauer haben zunächst sehr viel Nachrichten geguckt. das man »gewünschtes Antwortverhalten« nennt: Bitte noch mehr Informationsangebote und Dokumentationen! Oder: Die barocke Oper findet viel zu wenig statt! Die Wahrscheinlichkeit. Schauen Sie sich die US-Quoten an: Wenn ein Network in der Primetime elf Prozent erreicht. Schäferkordt: So einfach funktioniert es ja nicht. ist das schon ein Erfolg. Spaß haben zu wollen. der Journalist veräppelt mich. bei dem wir an den Quotenverläufen genau sehen. was zeigen wir nicht? Eine Diskussion über persönlichen Geschmack zu führen. und das ist quer durch die Genres schon sehr vielfältig. lieber Zuschauer? Und er sagt: Ich fände eine Unterhaltungsshow toll. Schäferkordt: Es gibt ja einen Grund. Das wäre vermessen. Sie bestimmen mit über den gesellschaftspolitischen Diskurs in Deutschland. bei der auf der Bühne gepinkelt wurde. die in den Dschungel gehen. v. die »Super Nanny« und »Raus aus den Schulden« mit Peter Zwegat (von links). wahrscheinlich nicht. Damit die eigene Erwartungshaltung und auch die der Gesellschafter nicht zu hoch ist. offen gestanden. Aber natürlich kommt überall. ein Kollege hat Sie neulich in einem Porträt als »wonder woman« der deutschen Medienlandschaft angehimmelt. N-tv hatte den erfolgreichsten Monat seiner Geschichte und den Marktanteil verdoppelt. für die es gemacht ist. ZEIT: Sonst müssten Sie sich hinterher womöglich noch wie die »Dschungelcamp«-Bewohner beschweren. Die Kommission für Jugendmedienschutz findet. in Wirklichkeit aber nur entlang von Klischees über die Wirklichkeit erfunden wurde. Schäferkordt: Nein. das virulent ist in der Gesellschaft. ZEIT: Dennoch verhelfen Sie Themen zu einer enormen Sichtbarkeit. dass wir sie zum Thema machen. ZEIT: Ein konkretes Beispiel. die vorher noch nicht da waren! Ich würde uns zwar immer gern als einflussreich sehen. ZEIT: Aber durch die hohen Quoten blasen Sie all die Themen auf. Wir müssen vor allem realistisch bleiben. Aber das Schöne ist ja: Das kriegen wir gratis! Im Ernst: Ganz so einfach ist es nicht. weil es so schön einfach ist. Ich habe mich damals im Theater nur aufgeregt. ehrlich gesagt. Es hat immer alles seine Vor. Sie haben gefragt. Nur würde ich mich dabei von einer Kamera begleiten lassen? Nein. Aber ich kann mir ja schlecht – wie die Chefs in der Sendung – einen Bart wachsen lassen. halte ich. Schäferkordt: Das dürfte eher schwierig werden. Eindrücke aus der eigenen Lebensrealität – daraus formt sich ein Weltbild.. hat es extrem angesprochen.. sich mal nur gut unterhalten zu fühlen. erreichen wir automatisch vier Millionen Menschen. Wir liegen zurzeit bei einem Zuschauermarktanteil von über 19 Prozent. ist aber okay? Schäferkordt: Das ist in vielen Ländern eine Delikatesse! Es ist einfach. ein bisschen verkürzt. Wir müssen schauen. ZEIT: Den würden Sie sonst wohl einstellen. aber wir kennzeichnen das auch entsprechend. Da haben Sie Grenzen überschritten. dass der Zuschauer auch loslassen will. wie Sie das jetzt darstellen. nur wie oft und wie differenziert oder eben auch nicht wollen Sie die Diskussion führen? Sie können definitiv fragen. bewusst auszublenden. wie Sie leben. Beim »Dschungelcamp« – es tut mir leid. Aber wenn Ihre Frage dahin zielt. ob ich von etwas Erfundenem gut unterhalten werde oder von etwas. Das Format ist relativ teuer und der Januar nicht der werbeintensivste Monat. relativ elitäre Gruppe machen. was die Leute wollen? Reden Sie mit Ihrem Taxifahrer? Schäferkordt: Es ist jetzt nicht unser Hauptforschungsgebiet. Zuschriften. und wir nehmen sie wahr.FEUILLETON 12. was Sie nicht mehr zeigen. die ein nachhaltiges Interesse an Wahrheitsfindung haben. war Controllerin bei Bertelsmann und Senderchefin bei Vox. Das Gespräch führten ANNA MAROHN und CHRISTOF SIEMES Fotos: Thomas Rabsch/RTL (o. ZEIT: Sie könnten es ja als Undercover Boss versuchen. ob der Fickfrosch des Guten zu viel war. bei dem ich sagen würde: Wir könnten ihn einstellen und das Gegenteil von dem tun. Solche Sender gibt es ja bereits.): Gregorowius/RTL. dass ich Geld dafür bezahlt habe. was kann ein DSDS-Kandidat erwarten. oder? Anke Schäferkordt: Ich bin kein großer Freund von Artikeln über mich persönlich.n. ZEIT: Sie haben sich mal über eine Aufführung im Kölner Theater aufgeregt. Aber auch formal geht es für uns um die nicht unwesentliche Frage. aber er meinte es ernst. dass ich nicht singen kann. Es gibt sehr viele Grenzen. die nicht mein persönlicher Geschmack sind. obwohl es eine gute Quote verspricht? Schäferkordt: Das kann man pauschal nicht sagen. auf einem ähnlichen Niveau wie während der Krise 2009. im australischen Dschungel spielt. ZEIT: Mitten in der Finanzkrise haben Sie gesagt. Deutschland sucht den Superstar. auch beim Gesamtpublikum liegen Sie deutlich vor ARD und ZDF. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 51 Die Quotenfrau Angeblich weiß sie. ist sehr groß.« Ich dachte erst. Ein Großteil der Zuschauer hat das wahrgenommen. zwischen Kameras im neuen RTL-Studio in Köln. Schäferkordt: Sie unterstellen wieder. schalten die Zuschauer um. Muss das sein? Schäferkordt: Das ist eine Geschmacksfrage. der Frosch. Schäferkordt: Auch nicht die gehobenen Instinkte? Da bin ich jetzt erstaunt. Wenn wir ein neues Format mit 16 Prozent Marktanteil starten. das besagt. dass die Geschichten gescriptet. wenn er sich für die Show bewirbt. Sie erfüllen die Bedürfnisse der Leser. Da ganz kurzfristig auf politische Ereignisse zu setzen. das Ergebnis fanden wir aber nicht so gut. Schäferkordt: Sein offizieller Name war übrigens Freddy. Das ist auch zynisch. Die treiben täglich eine Sau durchs Dorf. die komödiantische Aspekte bietet. die Leute wollen sich jetzt lieber entspannen und nicht so viel Konflikt im Programm.l. dass man Ihnen übel mitgespielt habe. Das Bild von der Gesellschaft formt sich aus der Gesamtheit der Informationen. braucht keine Feinde. weil Sie den Frosch nicht gut finden. also geschrieben sind.und Nachteile. ZEIT: Die Frage. Im Moment sucht der Zuschauer diesen Ausgleich verstärkt. dass auch Sie das grenzwertig finden. Schäferkordt: In einen Stahlhelm. Das wird alles wiederkommen. heißt das doch nicht: So ist es in jedem Haushalt. und die Zielgruppe. die wir den ganzen Tag über beziehen. Er kommt in die achte Staffel. es ist das Konzept dieses Formats. ZEIT: Schaffen Sie nicht manchmal auch Bedürfnisse? Die Zuschauer des »Dschungelcamps« haben vielleicht gar nicht gewusst. Die Instinkte des Menschen können wir im Fernsehen so wenig beeinflussen wie Sie im Zeitungsbereich. dort sehen wir schon eine Veränderung. Sie lesen sie. ob es um Nachrichten oder Unterhaltungsformate geht. den wir machen können – zu glauben. das können sie sehr gut. und wir schicken Prominente dorthin. welches Thema interessiert. die an diesen Abenden in Deutschland Fernsehen geschaut hat. Jeden Tag treffen wir Einzelfallentscheidungen. Schäferkordt: Wenn ich da kurz widersprechen darf: Es wäre der größte Fehler. Es steht im Vorspann und im Abspann. wir gaukelten etwas vor. Ob sich da gleich einer einen Atombunker baut? Das wäre am Vorabend wohl zu teuer . Schäferkordt: Es gibt bestimmt Sachen. ZEIT: Aber ist es nicht ein blödes Gefühl. würden wir dem. was täglich vermutlich tau- über die Kandidaten machen! Vor allem nehmen wir uns selbst mal richtig auf die Schippe. um genau das zu klären: Verletzt auch derjenige die Menschenwürde. mein Ausdruck war falsch: Ich wollte sagen. ist doch mitunter fragwürdig. Die Digitalisierung hat die Programmvielfalt unendlich gesteigert. als Zuschauer. damit ein Thema. Wir würden Fernsehen für eine kleine. ob ein Format wie DSDS Grenzen bewusst überschreitet. wie Sie richtig sagen. was er empfiehlt. dass er weiß. Wir nehmen alle ernst. quer durch alle Bildungsschichten. in der Politik ankommt. wo wir nicht Marktführer sind. ZEIT: Aber wo ist für Sie persönlich die Grenze? Würden Sie Hartz-IV-Empfänger im Rhein um einen Arbeitsplatz um die Wette schwimmen lassen? Schäferkordt: Nein. Wenn wir Fernsehen für Sie machen würden. auch wenn wir den einen oder anderen Witz Vier von Schäferkordts Erfolgsformaten: »Deutschland sucht den Superstar«. was ihn erwartet. Damit geht aber Hand in Hand. Nun gibt es einen Atom-GAU und Krieg in Libyen. Muss Ihr Programm jetzt noch seichter werden? Schäferkordt: Da muss man in die einzelnen Genres schauen. Mit ihrem Informationsinteresse genauso wie mit ihrem Wunsch. was ich zum Glück nicht bin. der sich im Garten einen Atombunker baut? Schäferkordt: Natürlich finden Sie vor allem in den Soaps wieder. ZEIT: Aber Ihr Sender ist nun einmal Marktführer. Seit 2005 leitet sie die Mediengruppe RTL Deutschland Das funktioniert so nicht. ZEIT: Wie finden Sie heraus. die mich fesselt und unterhält? ZEIT: Aber es ist doch ein kategorialer Unterschied. ob Sie selber ins Camp gehen würden. Genau darum geht es eben nicht. wenn ich Sie an der Stelle enttäuschen muss – habe ich mich einfach köstlich amüsiert. Auch wir werden unsere Baustellen im Programm bekommen und daraus lernen müssen. es gibt kaum einen Sendeplatz. dass ein Format in Menschen Instinkte produzieren kann. Jeden Tag treffen wir in den Redaktionen diese Entscheidungen. das würden wir natürlich nicht tun. Darin waren wir immer am besten: aus Fehlern zu lernen. Schäferkordt: Ganz offen: Wenn das mein einziger Beweggrund zum Lachen wäre. Das ist nicht so. Schäferkordt: Das sind komplett verschiedene Sendungen! ZEIT: Können die Zuschauer unterscheiden zwischen »echten« Fällen und den erfundenen? Schäferkordt: Ja. was gerade in der Realität meist jüngerer Menschen relevant ist. So einen Zuschauer würden Sie kaum finden. 48. ist ziemlich gering. dass es von nun an nur noch bergab gehen kann? Schäferkordt: Ach Gott .r. und deshalb sendfach in deutschen Familien passiert. weil wir den Stoff aufgreifen. Am Ende tun Sie das Gleiche wie wir: Sie erfüllen auch nur die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe. ZEIT: Natürlich! Wir vertreten nur die Wahrheit! Schäferkordt: Entschuldigung. schauen hinab auf die armen Würste unten im Dschungel und machen sich darüber lustig. das »Dschungelcamp«. wäre ich der leitende Redakteur. ZEIT: Wie gehen Sie mit Ihrer Verantwortung um? Wo verläuft die Grenze dessen. nicht mehr gerecht werden. Anrufe. Mit öffentlicher Kritik bekommen sie noch einmal hohe Aufmerksamkeit. Anke Schäferkordt. Schäferkordt: Bitte! Sie glauben doch nicht. der Menschenunwürdiges zeigt und dokumentiert? Auch wir haben die Szene intern lange diskutiert. ZEIT: Solange es so gut läuft und gutes Geld verdient. wann und mit welchem Grund in unser Programm eingegriffen wird. ZEIT: Lesen Sie eigentlich Fernsehkritiken? Manchmal hat man das Gefühl. weil ich hier im Haus dann doch zu bekannt bin. Schäferkordt: Das hängt vom Kritiker ab. Schäferkordt: Schon klar. Als Marktführer haben wir eine besondere Verantwortung. ZEIT: Für eine Folge der Super Nanny hat RTL gerade einen Bußgeldbescheid über 30 000 Euro erhalten. auch im Gespräch mit der Kommission. was die Menschen reden. mit einer Show oder mit einer eher leichten Serie.. dann machen Sie alles genau entgegen dem Kritikerwunsch – und sind erfolgreich. vielleicht auch eine politische Brisanz. das man dort zum Beispiel von Arbeitslosen vermittelt bekommt. Mich drängt es nicht auf den Bildschirm. und das würde mich erschrecken. ob es richtig ist. Auch wenn ich hoch verschuldet wäre. die Wahrscheinlichkeit.. Interessant wäre es sicher. da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. Wir zeigen Geschichten aus dem Alltag. Zudem bekommen wir über tägliche Magazine wie Punkt 12 ein Feedback. für müßig. Schäferkordt: Natürlich sind die Sehbedürfnisse der Zuschauer nicht eindeutig. Die Frage kommt immer wieder.. aber Sie werden lachen: Das mache ich gerne. In Zukunft wird der stärkste Sender nicht mehr einen Marktanteil von 20 Prozent haben. eine Idee von Dieter Bohlen. ZEIT: Aber das Bild. ZEIT: Aber was wir vom Camp sehen. Jedes Medium hat sie. Wenn Sie eine solche Geschichte zeigen. Er war nicht mein persönlicher Favorit. hätte ich an der Stelle nichts zu lachen gehabt. Wenn die Spaghetti Bolognese beim Hartzler zu Hause unbedingt vom Bauch der Freundin gegessen werden müssen . ist genauso eine Fiktion wie die »Scripted Reality« im Nachmittagsprogramm. ist es mir. Wir werden den Vorsprung nicht halten können auf lange Sicht. welche Grenzen wir uns setzen: was zeigen wir. kann immer noch mehr sein. Radio. Friese/RTL. getestet und erfolgreich platziert hätten. stellt sich wahrscheinlich nicht. denn der Frosch war. dass Sie danach Ihr Programm gestalten und damit die Mehrheit der Zuschauer erreichen. Schäferkordt: Die stellt sich definitiv nicht. was wir wollen. dass es den meisten Zuschauern völlig egal ist. im Januar hatten Sie bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 21 Prozent. Ich habe angemessenes Feedback. Wir kriegen auch viel Zuschauerfeedback. Aber ich distanziere mich deshalb nicht von unserem Format. Wenn wir bei einem Thema danebenliegen oder es auf einem falschen Sendeplatz senden. ZEIT: Wir fragen Sie als Gesamtverantwortliche für das RTL-Programm. Bahn zu fahren und zu hören. So. dass diese Sau überhaupt existiert. Bedeutet das nicht auch eine gewisse politische Macht? Schäferkordt: Ich kann oder möchte mir nicht vorstellen. Die Westfälin studierte Betriebswirtschaft. aber das glaub’ ich beim besten Willen nicht. auch wenn Sie das jetzt weit von sich weisen. dass es erst unserer Sendungen bedarf. etwas heraus. Einmal fiel dabei der schöne Satz: »Frau Schäferkordt. den Zuschauer permanent zu unterschätzen. ZEIT: Dass in Ihrem Programm Känguru-Hoden runtergewürgt werden. ZEIT: Ist die Inszenierung beim »Dschungelcamp« nicht ein Sinnbild für die gesamte Haltung von RTL? Die Moderatoren stehen oben auf der Brücke. aber keine ethische Diskussion. die so oder so ähnlich stattgefunden haben oder stattfinden könnten. ZEIT: Und? Schäferkordt: Montags morgens war DSDS. Es ist extrem erfolgreich. unser Leser hat ein Recht darauf zu erfahren. die wir ziehen. die gar nicht so skandalträchtig sind. bitte. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL DIE ZEIT: Frau Schäferkordt. Schäferkordt ist auch für Sender wie Vox und n-tv verantwortlich. Dinge zu skandalisieren. aber das müssen wir nicht ausführen. Nach einer großen Show ist es auch spannend. ZEIT: Warum reicht es nicht zu zeigen. ZEIT: Wir wollen das ja auch gar nicht. das ist nicht so. Gregorowius/RTL . Sie fragen nur: Ist das eine Geschichte. Schäferkordt: Dass Kandidaten hinterher manchmal sagen. Dazu gehört. warum wir bestimmte Dinge nicht gezeigt haben. Wirtschaftlich ist es kein großer Erfolg. die eine Zeit lang auf sich gestellt sind und mit der Kamera beobachtet werden.

Ich bin einfach nicht bereit. sondern Kinder und Enkel der alten Masken. alles bauhausmäßig klar. im Letzten nicht unversöhnliche Melancholie gehört zur Dialektik einer fortschrittlichen Literatur. Es war das Mantra seines Zeitalters. Eine sanfte. Frisch wusste es selbst und hat nicht ohne Ironie davon gesprochen: Er blieb ein Leben lang der Kleinbürger. die ihn in eine längst vergangene Zeit katapultieren. Er möchte ein Herr White werden. seitdem die Selbstverwirklichung überall im Sonderangebot zu haben ist. Woran liegt das? Auf den ersten Blick ließen sich leichte Erklärungen finden. Im Gegenteil. sondern auch ein Erbe der vorletzten Jahrhundertwende. Für uns war und blieb er der Autor einer Lebensdringlichkeit. hinterrücks gealtert wäre. Geiser. Ihn nun. die »pflanzenhaft vor sich hin dösen«. Da gibt es die Befremdlichkeiten im ersten Tagebuch aus den vierziger Jahren. ist sein trockener Humor. der so leidenschaftlich auf einem abenteuerlichen »wirklichen Leben« besteht. weil er hundert wird. Es sind Fragen. verbarrikadiert sich in seinem Schweizer Bergdorf und baut Pagoden aus Knäckebroten. ihres backenbärtigen Paternalismus und ihres vitalistischen Pathos war. die man gerne für unsere eigene gehalten hätte. Dazu sind sie – auch im literaturpolizeilichen Sinn – zu unbedeutsam. Für ihn wie auch für seinen Freund und Lektor Uwe Johnson war es eine Frage zeitgemäßer Männlichkeit. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR gramms und zugleich der Urahne für die Gantenbeins. und Gantenbein kommt ohnehin den gesamten Roman über kaum einmal hinter seiner Blindenspielbrille hervor. Stillers wichtigstes Problem ist: er selber. Daher die vielen Shortcuts in Montauk. sondern nur ein Dasein. Auch hier setzt er auf erzählerische Dialektik. Das mag. Wie eine Flaschenpost aus Märchenzeiten liest sich auch der nahezu verschollene Roman Antwort aus der Stille. dessen Prinzip Hoffnung 1959 erschien. Siehe auch Reisen Seite 63 . wenn man sich und der Welt noch viel zutraut. Stiller ist noch immer ein bewundernswertes Buch voller hinreißender ironischer Sentimentalität. diese 1954 bei Suhrkamp im zerstörten Nachkriegsdeutschland zur Welt gekommene Figur. aus Ironie Überlegenheit. Er sagte: »Wir leben auf einem laufenden Band. seiner großartigen Autobiografie. Der Roman galt als das Paradestück der damals groß in Mode kommenden Ich-Diffusion. ein Schweizer Herr mit Hamsterbacken und Krötenhals. vielen so gegangen sein. noch gar kein Leben. Aber das stört nicht. Ein Bergmannsroman. nach Mexiko. der auf Mamas Schokoladenkuchen lauert. In jeder Hinsicht ein Jugendautor. in dem man sich unausgesetzt aufgefordert sah. nachdem die gemeinsame Tochter. In dieser Aufbruchstimmung nach D Foto: Robert Lebeck/Max Frisch-Archiv. »hoffe ich halt immer schon. Filmschauspielerin. die gealtert sind und die den Toten plötzlich für geradezu unverschämt jung halten. Seitenlang sitzt man in der Boutique und begutachtet Dior-Kostüme. Es war auch nicht nur das Mantra seiner Figuren. neue Ehen. Heliosstraße 31. auf Flucht. unterhält eine zweite Liebschaft in New York und gedenkt die Mutter der ersten am Romanende in Athen zu heiraten. von der »kein Weibsbild« einen Kerl abzubringen vermag. Frisch ließ das Buch 1937 in NaziDeutschland publizieren und hat es später nicht in seine Gesammelten Werke aufgenommen. Kommen allerdings ausschließlich im Geliebtenfach zum Einsatz. war so üblich und ging niemanden etwas an. vorwärtsdrängenden Epoche besser beschwören als Max Frisch. zuweilen geneigt. gar nichts Dringliches mehr einzuwenden wissen. Inzwischen sind wir nüchterner geworden. die Nichtigkeit noch für das Beste am Menschen zu halten. den Peter von Matt vor zwei Jahren aus der Versenkung holte. dass er wirklich noch so jung ist. Stiller. Dass Max Frisch 1991 gestorben ist. ein nichtiger und unwesentlicher Mensch zu sein«. Dass er gegen dieses Alter aufbegehrte mit immer imposanteren Automobilen. In jedem Fall eine Sehnsucht. in den Tagebüchern sitzt man im Flugzeug. Stiller mutiert zu einer Art Waldschrat. ein Mann mit südamerikanischen Geschäftsbeziehungen. ein nichtiger Mensch zu sein. Liest man den Roman heute. Es gibt seine irritierende politische Indifferenz in der Kriegszeit. Daher die zärtliche Kaltschnäuzigkeit. Seine Hauptsorge: Er möchte nicht Herr Stiller sein. Zum Beispiel ein Stiller-Leben in Zürich mit Atelier und Oberlicht. Faber bekommt Magenkrebs. Hat mal jemand die Flugmeilen im Homo faber nachgezählt? Walter Faber. reist mit seiner jungen Liebschaft durch Frankreich. Mein Name sei Gantenbein. seine Träume. wie ein Bub vor. Mai 1911 in Zürich. als ich es bin? Es sind diese Fragen. neue Häuser. des Frisch-Jahrhunderts. Sie sind wahlweise Mannequin. geboren am 15. als die sich die erste Geliebte entpuppt hat. hat man missbilligend zur Kenntnis genommen. nach Guatemala und so weiter. was sich dieser Anatol Ludwig Stiller von der Verwandlung in einen Mister White versprochen hat. »Neureicher« im Leben und im Schreiben. wenn dieser auf der Suche nach dem »wirklichen Leben« ist. Sie stand ihren Benutzern weit offen. Aber ich habe mich nicht. der die »männliche Tat« verklärt. hat diese fortschrittliche Gestimmtheit des vorigen Jahrhunderts.52 12.« Wenige konnten die Träume unserer in sich selbst verliebten.« Ein schöner Schlusssatz ist das. Trotzdem erinnern sie uns daran. Nach Paris. Ingenieure. hoffe ich doch in allem auf Verwandlung. seitdem wir an diese Utopie nicht mehr glauben. Contessa oder Staatsanwaltsgattin. nach Athen. Aus Selbsterniedrigung wird Selbsterhöhung. Fabers und Geisers. die uns diesen hemdsärmligen jungen Menschen fremd erscheinen lassen. Ein wenig verwundert versucht man nachzubuchstabieren. die. Darum werden wir erst. Ballerina. die großen Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens – Tagebuch 1946-1949. einzuwenden hat. schon damals den Rückzug aufs Private. fotografiert von Robert Lebeck Das Prinzip Frisch Der Schweizer Schriftsteller wäre jetzt 100 – Wiederbegegnung mit einem unverschämt jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 1900. Doch gerade deswegen fehlt uns Max Frisch. Montauk. die Künstler. Der Schrecken rührt daher. in eine knappe Sentenz gefasst: »Ich bin. ehrlich genommen. der ewig Junge. eine neue Existenz zu wählen im Warenhaus der literarischen und philosophischen Lebensentwürfe. Der Frisch-Erzähler findet sich grundsätzlich lächerlich. seine Heiterkeit. wo es wehtut. daß ich eben durch diese Einsicht kein nichtiger Mensch mehr sei. die man stellt. und es gibt keine Hoffnung. das »sich formen lässt von jedem. so kurz und bündig wie auf einer Grabinschrift. der in sehr preußischblauen Hemden an sehr kompakten Tessiner Steintischen saß und weißweintrinkend sein Leben Revue passieren ließ. Immer wieder in den Romanen. Natürlich geht dennoch alles vorbildlich schlecht aus in Frischs Theaterstücken und Romanen. der literarisch groß auf die Pauke haut. Seine lebenslange Jugendlichkeit mag hier ihren Ursprung haben. neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. nach New York. Der Mensch erscheint im Holozän –. in dem das Beständigste noch seine riesige schwarze Brille blieb und in dem die letzte Geliebte bereits die Tocher einer früheren war. Tagebuch 1966-1971. der das Erwachsenwerden ablehnte. Sie benehmen sich auch so. steht im Zentrum aller großen Frisch-Romane. die es macht. die Frisch so jung machen. Aber es ist ein Buch. der da kommt«. Das ist bei strenger Betrachtung ganz und gar nicht mehr an der Klamotte vorbeigeschrammt. Sie verleiht ihren Helden. den man las. Italien und Griechenland. versteht man nicht mehr ohne Weiteres. Zürich Max Frisch auf der Boccia-Bahn seines Hauses in Berzona. der verstanden werden kann als die literarische Variante der Schweizer Nichteinmischungsdoktrin. so hat Frisch das in einem seiner späten Fernsehinterviews gesagt. heißt es im Stiller. nun doch entgegen seinem lebenslangen Widerstand. sagt der kühne Jüngling.« Stiller. der die Romane bis heute lebendigund unverbraucht erscheinen lässt: ihre neusachliche Heiterkeit. Stadelhoferstraße 28. Diese Hoffnung war nicht nur das Mantra von Frischs eigenem Leben. Er habe. wie er es spöttisch nannte. Die Frisch-Welt hatte mehr zu bieten. Eine neue Welt bauen. angeblich niemals zuteilwerden konnte. nach Texas. das nicht mehr auf der Höhe unserer Desillusion ist. Aber was erwartet er sich von der Liebe? Und was von seinem Leben? Ein wenig kommt einem Stiller. in denen man neue Leben anprobiert wie Kleider. hinter er erste Impuls: Man glaubt ihm die hundert Jahre nicht. und andere Grobheiten. Frisch-Frauen sind immer mondän. Der die Enge der Heimat und der Herkunft mit der Menge der Geliebten und der Wohnsitze aufwiegt. ist ein Wiedersehen mit sanftem Schrecken. Und dass wir es sind. Man ist schließlich modern. der sich in Frischs verworfenem Jugendroman nach einer männlichen Tat sehnt. Im Grunde. Dabei war der Nonkonformist fasziniert von der Konvention. Wir werden diesen jungen Hundertjährigen noch lange lesen. Raus aus der Vergangenheit – das traf einen Nerv. Einer. dass Max Frisch uns ein wenig entrückt ist. wie er es immer sein wollte. Weltreisende. die Folgen hatte. Einer. Das Prinzip Frisch ist ein Prinzip Hoffnung. Das Haus von Biedermann brennt ab. Was Frisch rettet aus der Peinlichkeit dieser Aufsteiger-Prahlerei. Einer Utopie. und niemals anhalten. ein nichtiger Mensch zu sein. auch sich selbst gegenüber. Doch an solchen Verschmocktheiten liegt es nicht. Er fasst das literarische und biografische Programm des Autors in zehn Wörtern zusammen: Er war einfach nicht bereit. Es fehlen seine Verspieltheit. nach vollzogenem Inzest an einem Schlangenbiss (ernsthaft: Schlangenbiss!) verendet ist. Die Bemerkungen über die »Neger«. die so neu nicht waren. Dass er irgendwann alt und behäbig war. Ihre Fragen sind groß und immer dieselben. sich nicht auf weitschweifige Gefühligkeit einzulassen. Dann aber mit allem divenhaften Drum und Dran. Ernst Bloch. neue Leben. abzubrechen oder ironisch zu werden. Nicht weil er. gerade weil er es heroisch meint. über den widerstandslosen Charakter des »Weibes«. was er gegen seine Ehefrau. von Anfang an ein heroisches Format. die schöne Julika. »Mit der Einsicht. Und das dem kleinen Mann. dass Frisch nicht nur unser Zeitgenosse. April 1991 in Zürich. aber niemals kleine Männer sind. kurz und knapp zu halten und da. die noch kommen sollten. als man selber jung war und auch nicht erwachsen werden wollte. die den Verlierer immer gewinnen lässt. Ein. Ein Herr White mit amerikanischer Vergangenheit wäre ihm lieber als ein Herr Stiller aus Zürich. die vieles ausschloss. Frisch hütet sich vor dem Heroischen. die immerzu erwartungsfroh neue Leben anprobierten. Wie wollen wir leben? Gibt es ein Leben hinter dem Grauschleier des Alltags? Wie komme ich dahin? Wie werde ich ein anderer. Das macht er klar durch einen Kunstgriff. die »Statthalterin der Utopie« sein sollte. Frisch ist doch immer jung gewesen. Homo faber. dass man Frisch und seinen Helden gewogen bleibt. der Identitätsfragen und Rollenspiele. wie der ständige Abriss und Neubau des Lebenslaufs einmal mit so viel Hoffnung verknüpft sein konnte. man gestatte den Kalauer: entgegen seinen lebenslangen Frischhaltebemühungen. Oder auch nur ein Fluchtbedürfnis. Auch begreift man nicht mehr. in dieser Feier des Lebens. in dem man zum Friseur und ins Büro geht und in dem die Liebe zuverlässig in »tödlicher Kameraderie« verendet. die zugegeben ein bisschen fünfziger-Jahre-steif ist mit Kostüm und Handtasche und immer höflich und adrett. Wir sind auch nicht mehr die Bewohner von Umkleidekabinen. der Held des späten Romans Der Mensch erscheint im Holozän. gestorben am 4. wiederzulesen. Diese Sehnsucht nach einem bedeutsameren Leben als dem. mit immer jüngeren Frauen. ein neues Ich. ist der Urtyp dieses »Darum-werden-wir-erst«-Pro- der sich das Ich-Pathos verbirgt und die bis heute das Beste am ganzen Frisch ist. das man überall (und sehr bald auch auf den Schlachtfeldern) suchte. aus Trauer Hoffnung. gegen das wir. dass wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. Das ist nun alles lange her.und Verstellungskomödien und der Illusionskünste der deutschen Romantik. konnte man im Fernsehen sehen. der sich an sein Heim und seine Kaffeetasse klammert.

Seite für nem Sterben aussöhnte. und dich erschlagen. aber hilflosen Gewissheit.« Pause. »Paris ist ein ideales SelbstmordTschechow über Tolstoi... Wir sehen die Zeichnungen des Hauses. Er fühlte sich 1935 sehr weit ins deutsche Wesen ein. wovon ich da unten beim Grenzstein reden könnte. 1911 – 1954. Etwa ein Drittel der 291 Fotos sind Erstveröffentlichungen. Biographie Max Frisch. ja. da muss jedes Interview ein Knüller werden. Bald schon gleich ist Schütt im Meer seines Materials steht sein Haus. einige Seiten 595 S. interessante Frage. Der Soldat Frisch hält im April 1945 auf einem Grenzstein einen »gemütlichen Hock« mit einem deutschen Soldaten. Veranda«. Als das Haus fertig war. die nächsten 25 Jahre.FEUILLETON LITERATUR 12. Meine 25 Jahre mit Max Frisch: Ich kann nur von zwei bemerkenswerten Ereignissen erzählen. Zum Beispiel die Frage: »Wenn Sie einen Toten sehen: welche seiner Hoffnungen kommen Ihnen belanglos vor. Volker Hage cheln sich in einer Schaufensterscheibe Das fertige Haus erfuhr er als Ärgernis. und ich weiß nicht. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 53 Könnte ich dich packen. der soldatischen Grenzwacht – »Stahlgewitter à la Suis. Fangen wir an. fassbar. viel Besuch kommt. Hoffnung und Heimat. Es kam kein Name. der die Wende bedeutet.Nagel & Noch in den sechziger Jahren vermutete richten soll. Osten gar kein See. die gebauten aber starrten Berlin 2011..hat. die es gibt. selbst oft schmerzlich zerrissen. wenn ich einen prominenten Menschen interviewe. Was dachte der Soldat Max Frisch so viele Bilder des Au. Einmal befreite ihn eine Frau vom »schweren Verhängnis. eine Frau. jetzt erzähle er mir was. lief dreimal um den Frühstückstisch und sagte dann. Max Frisch machte es so: Er stellte in seinem Tagebuch einen Fragebogen an den Anfang. Max. Er sagte noch.. und er »Früher war ich Architekt«. will einen Schutzschirm aufbauen. Zürich der Bruder als Grund von Max’ Depressionen. Max! Eine meisterliche Biografie. ja. In die herbstliche Luft über Kimche. doch leicht ins Irreale – vielleicht sei der See im Max Frisch lieber ist ihm die Nuance. unverrückbar. Frisch beschreibt darin.: Victor Radnicky/Interfoto/Privatbesitz: VG Bild-Kunst. dass es dazu nie gekommen ist?«. Abb. In einer vergessenen Kritik aus der Zeitschrift Du attackierte Frisch 1941 den Film Gilberte de Courgenay. der ein Mörder ist. Noch kein Jahr ist es her. mit diesen Nachrichten fertig werden soll. Zuden dreizehn Zimmern«. In der Pubertät massierte er seine Nase. er habe sich einmal ein Messer gekauft. So bleibe ich auf dem halben Wege doch sitzen. Im Unterschied zu seinem Freund. wollte er in der Beatrice von Matt zum Frisch-Jubiläum ersten Fassung in den gelingenden Suizid publiziert hat. man kitschelt und geschäftelt nicht neben Sterbebetten.« Schließlich hat Schütt den Text gefunden. Auf einigen Seite ist dieser Band getrüffelt mit unpuhinreißenden Seiten entfaltete er die blizierten Frisch-Zitaten. wie 2011. Wie sah Madeleine Seigner aus? Das zeigt Volker Hages opulenter Bildband. die als »Gnade« empfindet. Und irgendwann jemanden treffen.von Matt. Das erste Haus geistert schicken. »Ich lebe aus keinem eigenen Verlass heraus«. tat das aber in einer Ausstellungskritik. darstellerisch und gedanklich Frisch streicht »die hölzernen Säulen der gewachsen.Frisch angesichts der Kriegsgefahr? »Entweder übertors machen. die den gezeigten Antisemitismus »empörend« nannte und angesichts ausdruckslos betrachtender Berliner sagte: »Wir bewundern solche Disziplin. beginnt er setzt vieles in neues Licht – den Vater. Klischees hervorzuholen. dem Welterfolg. Frischs er sich als lebendig«. 25 Jahre Fragen von Max Frisch. Schütt nimmt. Teufel. klagte Frisch 1946. Immer denke: Diese Fragen sind ein derartiger Knüller. »Einen Sonderplatz« Bruder das Grundstück besichtigt. Und dann. – eine Bewegung der Angst. dem Germanisten Emil Staiger. sympathisierte er keine Sekunde mit den Schweizer Nazianhängern. das um diese Dinge herumgeht. Er und sein Spiegelbild läFrisch definitiv zum Schreiben geführt. das der Frischianer im Jubiläumsjahr neben sich haben sollte. Ich saß damit vor Politikern. Werde ich ein andermal davon reden?« Am Ende der kleinen Erzählung hat Frisch die »neuen Berichte von Buchenwald gelesen. weil ich immer wieder denke. nachdenkt und Zeit hat. ob hinter diesen Fragen nicht die Gliederung seines Lebens steckt.): Max zu. Journalist und Politiker. Man könnte nun lange darüber nachdenken. sind das Meisterstück seines Buches.das Meer. die auf keine WänExistenzkampf geworfen wurdest«. dass sich Frisch durch die fünfziger Jahre »immer von neuem in Madeleine Seigner verliebte«. vielleicht stehe das Biographie eines Schütts Frisch ist im Verhältnis zu sich Haus »weiter im Norden«. Es brauchte Schütts Ohren und Quellenkenntnis. etwa mit einer Frage wie: »Welche Hoffnungen haben Sie aufgegeben?« Das Scheitern begann in der Regel mit einem Moment der Stille. was er des nationalen Gewissens. ja. me ja aus einem Morast von Ressentiment wird zum Dementen. Bonn 2011 . und er stand auf. das Frisch für seinen Bruder erträumte. Obstbäume in den Tapeten«. In der Ereignislosigkeit der rüd chauvinistische Frisch der dreißiger Jahre. in nicht untergegangen. sondern: kein Bildnis machen« experimen. und auch sonst nichts. will ein Bild von sich entwerfen. Schütt fand in einer Rezension die Quellen von Frischs Deutschenbild. um zu bemerken. che Vielfalt des Möglichen« der Eindeutiggefangen«. durch die Beziehungslosigkeit hatte es doch Aussicht durch alles hinzu unserem Vater und durch dessen Tod durch. ihm Flügel . eine höchst politische und psychologische Zeitchronik der Jahre 1966 bis 1971 zu beginnen. über den Tod. Die Stille meiner Interviewpartner verschwand in einer anderen Wahrheit: Wer heute interviewt wird. Frisch Suhrkamp. stilistisch. Immer endet es in der einzigen. geradezu zu singen begann: »Ja. nie mehr das der biblischen Formel »Du sollst dir Meer zu sehen. zuletzt. drei unveröffentlichte Gespräche Hages mit Frisch.Verhältnis zur Schweiz. 24. Am nächsten Tag fand das Interview statt. Das Fazit ist leider niederschmetternd: Ich habe keine Seele aufgeschlossen. Max. Name ist Frisch dem er für ihn ein Einfamilienhaus er. 160 S. nach der Michel Friedman. in New England. Schließlich Aufstiegs. Und er erzählt am Tag. zum Schluss zu Stiller. zu schreiben fand Frisch Scham. 24. der damals die Schweizer entzückte: »Es ist einfach keine Zeit dafür. das ich im Grunde gegen mich bin«. Frischs Reichtum hinter den die Fragetechnik. (. klima – aufpassen!« Den Stiller. Freundschaft. Natürlich stellte ich die Mord-Frage. als ich in sein Gesicht blickte. seinen élan vital. Frisch wollte als Jugendlicher Nationaltorwart werden. Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich.90 € Schicksal. Verblüffend. dass ich seit nun 25 Jahren die Fragen von Max Frisch dabeihabe. 256 S. falsche Fährten legen. Frisch hat als Verteidiger der schweizerischen »Der Schriftsteller Max Frisch«. um vom einen zum anderen zu geVor »dem ihm auf den Leib gerückten Tod erfährt langen.« tiert hat. oder haben sie schon nichts mehr zu unterdrücken?« Es musste Schütt kommen. auch sein Land erneuern. konnte man den Gesichtern ablesen. und die vierte Frage hieß »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Immer wieder unterbricht Frisch die 432 Seiten seines Tagebuches mit Frageblöcken. 15. Die Enthüllung der Liebe zu Madeleine SeignerBesson ist eine der schönsten Trouvaillen bei Schütt.« ersten journalistischen Arbeiten schon da. in einem Hotel irgendwo in der deutschen Provinz.« Wie viele 34-Jährige schrieben mit dieser Klarheit? Alle Wege Frischs beschreibt Schütt umsichtig: den in die Ehe und ins Zürcher Bürgertum.. Überraschend ihre Skizze eines exis. Schade wäre es. es nicht gerade ein anderes auf Erden gab. »Lidice. fürchtete aber. als »die unverbindlidurch sein Spiegelbild »begrenzt. die unerfüllten oder die erfüllten?« Ich möchte hier aber nur von einer kleinen Beobachtung berichten. Einmal war es die Frage »Wären Sie gerne Ihre eigene Frau?«. ich dachte daran. den durch den Kalten Krieg. In kein anderes Werk ist die umfassende Zerrissenheit Frischs mit solcher Wucht eingegangen. das Haus in der Schrift hingegen verlieh Frisch könnte ich diese Scheibe einboxen und dich packen. tat er es sogleich mit dem »Ich als souplesse: »Die Arbeit als Architekt hat Währung«. Interviewpartner heutzutage wollen Fragen abwehren. Schütt zeigt. der die Frisch beim schreibenden Bau eines Todesnähe bei einem Selbstmordversuch Hauses kehrt wieder in den Essays. Müntefering sagte. in dessen Frühstücksraum ich am nächsten Morgen sehr früh ein Interview führen sollte mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Hier der erst apolitische. vor Wirtschaftsführern. Beatrice von Matts Aufsätze folgen der im Gedankenstrich abbrechende Satz. über Frauen. bin ich aufgewacht. einen SPD-Mann . einen Politiker. als Hitlers Angriff drohte und der »28jährige Bursche« nur dachte »Schade wäre es. die Zeugen. Ich habe sie dabei. ob diese Fragen nicht der eigentliche Schlüssel zu seiner Biografie sind.und Berg. Dann verschiebt er sein Haus Julian Schütt: diskret. vor großen und kleinen Stars. das von Matt ausgegraben hat. nicht: ein Buch. der sich imaginativ mit seieines Aufstiegs. will etwas loswerden und nichts ergründen. keit des Wirklichen weichen musste. man trennt sich. Der Kierkegaard. Die Schwester des Regisseurs Benno Besson und die Mutter von Frischs letzter Lebensgefährtin Karin Pilliod war bislang fast unbekannt. Viel ist in den sich spielen. Postkarten des Soldaten Frisch. nie habe ich mit ihnen eine neue Dimension erobert. Gemälde von Otto Dix. Der Traum ging so: Ich stellte Müntefering die FrischFrage »Gesetzt den Fall. »Max. seines Triumphs mit dem Stiller.90 € wieder drin«. da zeigten Das wichtigste Buch zum Frisch-Jubiläum ist die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch den alten ohne Zweifel Julian Schütts Max Frisch. dass uns kein Denken. darüber müsse man mal nachdenken. Als Glücksdimension sie werden in einen Zusammenhang voller Nuancen dieses Existenzialismus erweist von Matt in einem gesetzt. Max!« Suizid – ein Spiel. um einen Menschen zu töten. Bevor er den Namen sagen konnte. ZeitFrisch hat Besuch von der toten Mutter lebens hat ihn der Gedanke an den Suizid und unterhält sich beim Frühstück mit begleitet. ja. schrieb Frisch im Moment weiter schwebt es durchs Totenreich. womit sie ihre Meinung unterdrücken. und schwieg. as es nicht alles für Möglichkeiten gegeben hätte. Er scheut die Pointe nicht. Er schreibt elegant. ich sehe nicht ein. Interessante Frage. die damit zu tun hat. auf Matt: Mein gibt er der »Nicht-Beziehung« zum Vater. Oradour. wirklich weiterführen kann. ich würde das Meer nie mehr sehen«. Immer denke: Die Tiefe der Gedanken wird den Weg in jedes Bewusstsein weisen. die Briefe. Sie blieb bei ihrem Mann und den Kindern und lebte zugleich in aller Freiheit mit Frisch die offene Ehe. voll einer milden und herbstlich in die Welt hinaus und in einen einsamen versponnenen Sonne.90 € ihn an. in Seenähe. Man duzt sich.. man würde ihn wegen seines zu großen Penis auslachen. eine Essay-Sammlung und ein Bildband erhellen uns die Welt des Max Frisch VON ANDREAS ISENSCHMID »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT W N och nie konnten sich die Leser von erstaunlichen Essay das Meer. Und dann folgte – weitere Stille. dass Frischs verständnisvolle Schilderung des »deutschen Wesens« in seinem Schwanken »zwischen Minderwertigkeitsangst und übersteigertem Selbstbewusstsein« ein verdecktes Selbstporträt war. geprägt. nicht zulassen. man weiß ja nie. ja. (Hrsg. dem Impuls. die diesen im Stiller so sehr faszinierte. das Buch.. ja. um sie zu verlängern. die sich vordem nur aus dem Buch kannte. wie sie den Unendlich verwickelt war für alle Zeiten Frischs Stiller zu Pirandellos Roman Mattia Pascal in Be. 1960er Jahre Kultur sehr merkwürdige Sätze über die Emigranten in der Schweiz von sich gegeben. Dort der sozialistische Humanist in der Rolle son-Leser entdeckt in der Wirklichkeit. wie unsereines. wenn nicht davon. um das erste Aufklingen des kritischen Frisch der fünfziger Jahre zu hören. Die freiesten und amüsantesten. Erstmals sehen wir Madeleine Seigner mit Frisch auf Korsika. wie er mit seinem Beatrice von zweiflungen Frischs.« Die zweite Sache habe ich geträumt. die Irrungen »den Grundriss der hölzernen Villa mit und Wirrungen der dreißiger Jahre. Er ist seiner Sache Wiesen. Schon als Kind fühlte sich Frisch de traf.. und ich bin »städtischen Altersheim«. Archive. will etwas verkaufen. aber dazu fehle ihm wirklich die Zeit. über Geld. den zu den großen Dramen. Und dann noch mal: »Ja. durch ein Zeitungsfeuilleton aus dem Jahr Schütt zeichnet Linien zu den Ver1942. Max Frisch wollte sich mit seinen Fragen Wahrheiten nähern. der immer wieder mit lebe ich oder nicht. Auschwitz. Die 350 Seiten. »dass Du viel zu früh durch das den Weinreben entwirft er ein »Haus. Ich werde also weiterhin das blaue SuhrkampTaschenbuch mitnehmen.. Als er. Schütt kennt die Fantasie eines »Lebensabendhauses«. das Haus zu einem Berlin 2011. dann bisweilen tenzialistischen Frisch. »Ich komfliegt es durch Raum und Zeit.) Buchenwald bei Weimar. mit diesen Fragen kann nichts schiefgehen.auch vier antisemitische Sätze auf dem Kerbholz se« – findet er zu sich. wenn es uns nicht einfach an Vorstellung fehlt. Wie sich selbst will er fortan unangenehme Sätze werden nicht unterschlagen. und am Ende: nichts. empnach dem Tod des Vaters. Max Frisch hat sich diese Fragen selbst gestellt. die und zeichnet in einem New Yorker Café journalistischen Anfänge. Von Matt deutet das Feuilleton mit begann. »ein Liebesdrama« nennt es ziehung setzt. Mit erzählten Häusern ließ Suhrkamp.

wie viele Zitronen gebraucht würden. taucht an allerhand zu geißeln. die einen Po. Ich lebe in Österreich. was da verhandelt wird. einen Kolumnisten genannt hat. Eigentlich hätte Straub immer dann ein Fest zu feiern. Für Hopes Familie gilt das seit Generationen. wollen zugleich Erfreuliches und Nützliches über das Leben sagen. Max Goldt nicht zu zitieren? Es liegt auf der Hand. was uns quer zum herrschenden Kartell und verbündet sich frommt und uns belästigt. Wer wenig Geld hat. hat damit etwas Gediegenes in der Hand! Das gelbe Buch ist mit einem Zitat von Karlo Tobler versehen: »Zitiere nie Max Goldt zum Scherz. »Von Max Goldt entzückt sein« ist zum Beispiel so eine Geste. um die Energie einer Atombombe zu erreichen. list alter Schule sieht Straub den Begriff des Wertes geprägt von den Produktions. mehr lemiker auszeichnet. 249 S. Ebendies.. aber selten gleichzeitige Abwesenheit von großer Liebe. kreiert abstruseste Querverbindungen und schafft es so. dass er Teil unserer DNS geworden war«.54 12. die Dich H TASC ENB U CH Was ist kanarienvogelgelb wie das Kleid der Queen? Richtig: Max Goldts neues Geschenk-Büchlein nicht lieben‹ oder ›Wein ist. verflüssigt hätten. Schließlich bleiben saurer Regen. Der Markt generiert den »wert« auf. Goldt wird Ende Mai in Wien sein. Sie sind so nahe an Platons Ideen wie an Auch immer gerne mit dem AntikapitalisRabattmarken. ist für nicht wenige Wiener aufregend. talität und der Wertherschen gelben hosen. hat der Abendlanddenker Eberhard Straub zutragen. wie man es vom Kleid her kennt. Die neuen alten Werte sind mal auf der langen Bank des politischen Alltags. die europäische Aufklärung. Sie sind Joker. wenn das Bier alle ist‹. 8. der gemäß TierKolumnen so: »Kolumnen sind Meinungspfleger die zufriedensten Menschen auf beiträge in journalistischen Medien.« den Schlaumeiern und Sprücheklopfern Unter anderem aus diesem Ton. versucht. bezieht sich auch bei Goldt erfahren. Tatsächlich liegt ein Schwerpunkt der Überlegung in jener Zeit vor 1900. warum es besser ist. Goethe und die Weltliteratur und alles zusammen oder in verschiedenen Legierungen. 17. eine positive Idee des Menschen verbindlich zu machen. aber auch nicht schlecht belehren. Das Buch empfiehlt sich als Geschenk. / denn er fühlt wie du den Schmerz.99 € Der Skepsis fallen ganze Kategorien zum schaft zwischen großen österreichischen Opfer: »Der Alltag ist eine inzwischen etwas Traditionen und Max Goldt behaupten abgenutzte essayistische Kategorie – ich kann.Eberhard Das Lemma lautet »werther(i)sch« und ist Straub: wie folgt belegt: »es wäre nicht nur eine gen aufzuzwingen. Wenn nichts mehr hilft. Tarmac über ein bloßes Generationsporträt hinausreichen zu lassen. die sich durchsetzen und andere niedermachen wollen. M.« furchterregenden Polemik. Juli 2001. die in den Ausläufern des Kalten Krieges mit dem Warten auf die Katastrophe aufwachsen. . Sehr schön ist das Taschenbuch Max Goldt: Ein Buch namens Zimbo (rororo 25569). was jede Vorstellungskraft übersteigt: Was passiert. eine Sünde wider bend wirkt der Naturalismus der Biowis. Das kann man an politischen Diskussionen sehen. aber von Artistik eleSo wirbelt man einen Haufen philosophischer gant im Zaum gehalten. Aus demselben Jahrhundert stammt die zweite. gebeten darauf. 2011. jemanden zu zitieren. weil sie es nicht bis auf M Die Zuckerstückchenedition Heutzutage kommen wir Kritiker mit ein paar Gesten gut über die Runden. wie ›Aufräumen ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR Warten auf das Ende In »Tarmac« beschreibt Nicolas Dickner seine apokalyptische Generation VON CATHARINA KOLLER ickey ist mehr als fasziniert von Hope: Während die anderen im Chemieunterricht noch versuchen. sagte ich. ein Stil und eine Haltung heim. Nicolas Dickner: Tarmac – Apokalypse für Anfänger FVA. nicht zuletzt bei Max Goldt. und das geht am besten. ändert wenig. Dann verlässt die Handlung vollends den Bereich des Wahrscheinlichen: Der 17. hilft das christliche Menschenbild.. Nicht nur deshalb lobt man VON HUBERT WINKELS W heute statt traditioneller Werte lieber kompetitive Stärken. Die Dichter. da die Geschichtlichkeit. Sie sind religiös und numemus Marxscher Prägung. wie sie beschworen werden. bevor Besuch kommt‹ oder ›Die Überbevölkerung sind alle. 19. in Tarmac – Apokalypse für Anfänger seine Altersgenossen. Weihmanierierter Umgang mit ihm. wollen wir in diesem Moment ihrer Leser gieren. dass man eine Verwandt. ein Talent zur nachten und Krieg zu verstehen. Sie können nerven. leiht sich dort Furor und Polemik. Bei Stuttgart 2010. Im Kolumnenkasten toben sich die Menschen und ihre Meinungen aus. und das wußte nie genau. deren Verteidigung bekommt sogar die 173 S. Ebendas passiert aber nach diversen Stemmversuchen von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende bis zur Ausländerpolitik des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch kaum mehr. hieß es bei Horaz. die Industrialisierung auf dem Gipfel und Nietzsche die Höhe der unantastbaren Individualität ihrer seine unzeitgemäßen Betrachtungen schrieb.« Kann man aus dem herauslesen.der Werte den heiligen geist. Da denkt der Ideenhistoriker aus dem Geist des 19. zitiert gerne teste Kandidat dafür. Er tut dies nach Art einer negativen Theologie. den 17.kann man darüber.90 € Im Zorn geschrieben Eberhard Straubs Essay »Zur Tyrannei der Werte« vibriert vor Angriffslust erte stehen in einem schlechten Ruf. Dafür jongliert er mit Bibelzitaten. den man gegen seinen Willen ebenfalls auf das vermeintlich geistig Überlegene.. wenn man es zitiert. setzt Hope auf den Zufall und erwürfelt ihr Datum. in einem Comic liest Hope von einer prophetischen Schrift mit ebenjenem Datum – Grund genug. sollte man weitergeben. Frankfurt a. Jahrhunderts. Andererseits haben Goldts Schriften die Eigenschaft.. und zwiren Autoren sich dadurch auszeichnen.« Diese absurde Rechnung drückt das Ringen um Greifbarkeit dessen aus. Straub operiert also im Wesentlichen mit Nietzsche und Marx. Es sei heute unmöglich.. und es ist plump. definiert Nach einer Überlegung. aus einer historischen oder und höherer Kavaliersreisen in die europäische Geintellektuellen Festung heraus seine Angriffe vor. dann treibt es einem Polemiker alteuropäischer Provenienz wie dem Journalisten Eberhard Straub die Zornesfalten ins Gesicht. FRANZ SCHUH . mal an der moralischen Empörung gescheitert. Mangas und Wissenssendungen. der sich hütet.. die handfestere Deduktion der Ent-Wertung von Fraglosigkeiten: Die Marxsche politische Ökonomie erkennt die Abhängigkeit einer jeden Wertschöpfung von der Mehrwertproduktion und jeder Wertsetzung vom Handeln auf dem Markt. der so treffend formuliert. Probleme auf.und Grimms Wörterbuch weist sage und schreiTauschverhältnissen des kapitalistischen be sechzehn Spalten allein für das Adjektiv Warenverkehrs. Da ist der moderne Buch. Und das auch noch in jener Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie. nämlich der sentimensenschaften mit seinem deterministischen Klett-Cotta.« nach Karl Kraus klingt. deErden sind. dekliniert er in Tarmac die Apokalypse durch. »Wertabstufung« bis »Wertzuwachs« – zuStraub fahndet nach weiteren Kandidaten sammen fast so wertvoll wie ein kleines für seine Angriffslust. der namens Zimbo Rowohlt Verlag. Der schönste Eintrag darunter ist Staat. doch die Werte sind der schlechunerwarteten Stellen der Geschichte auf.Zur Tyrannei impolitesse gewesen. dass Strom fließt. keine Tyrannen.« Die Wikiquote im Internet hält sich nicht daran. Und wenn dies dann als Wertesubstanz des Grundgesetzes aufgerufen wird.199 S. talismus. Max Goldt. Straub sieht die formale Reinheit der rechtlichen Regel durch bloße Meinungen überlagert. was man macht.95 € das lustige pläsier mutwillig zu zerstören« (Wilhelm Raabe). spielerischer. Einem Familienfluch gleich offenbaren sich jedem Familienmitglied in der Pubertät exaktes Datum und Hergang des Weltuntergangs. überschlägt sie bereits. nicht töten. Wenn man demnächst bei Laune ist. Jahrhundert. Und aktuell zorntrei. zehn für das Substantiv und einzelnen Wert und das System der Werte. folgt die Volte: ». die Differenzierung der Gesellschaft und die Ironisierung aller Verhältnisse. wenn die Atombombe einschlägt? »Vorkriegsgeneration« nennt der frankokanadische Autor Nicolas Dickner. wenn wieder einmal deutsche Leitkultur ausgerufen wird. Angriff auf die Würde des Menschen. und er schreibt ein Buch über Die Tyrannei der Werte. Einzelexemplare gebracht hat. dass sie gut unterhalten. dass der Autor auf sie Wert legt. »Wir hatten so lange auf den Weltuntergang gewartet. Die Schönheit des Buches ist warenästhetisch gemeint: Es ist in einem Gelb gehalten. eine Zitrone so mit Drähten zu verstöpseln. der auf immer weiteren Feldern zweifellos der unmittelbar vor »Werthöhe«. Das Ergebnis: »Die Sauerfruchtproduktion Floridas über einen Zeitraum von 6000 Jahren. will Eberhard Straub nicht anerkennen. Wie ein Materiarisch zu fassen. Die sogenannte Respektlosigkeit. stellt Mickey fest. Im Zitieren reißt man sich eine fremde Originalität unter den Nagel. schließe ich un. was man trinkt. Das ist schade. weil er als Bildungsbürger alter Schule um die Anerkennung von Derivaten ehemals tauglicher Allgemeinbegriffe ringt. überlassen. Tierwelt ihr Fett ab. Er zieht eine Guerillataktik vor. Um dem Warten auf diesen Wahn zu entgehen. auch ihre Liebesgeschichte wagt nicht so recht. das die englische Königin zur Hochzeit ihres Enkels trug. die es hier einst unter Alltag sei heutzutage wohl so etwas wie die gab: scharfer Verstand. dem Individuum seine Wertsetzun. Sie zitiert Max Goldt.schichte. und diese spezifische Originalität von Max Goldt kommt nicht zuletzt daher. der Relativismus und damit der Nihilismus alles. einem Land der allzu einflussreichen Kolumnisten. sich zu entwickeln. Vor diesem schrillen Plot wirken die Figuren Hope und Mickey pubertär blass. Sie sind so gut wie alles. wenn sie sich dem Punkt der Letztbegründung nähern. als Neurasthenie als Krankheit Mode war. wie er sich selbst zitiert: »Ich sollte eine private Zuckerstückchenedition herausbringen mit aphoristischen Definitionen. Dass der Fall der Berliner Mauer das Ende der atomaren Bedrohung einleitet. Da kommt Als ich einmal in Definitionslaune war. was damit eigentlich gemeint ist.. aber anderes zählt: Während Dickner in seinem viel gelobten Debüt Nikolski Landkarten und Piratenlegenden mit Phänomenen des Informationszeitalters kurzschließt. Eberhard Straub ist ein strategischer GedankenGebildet im Sinne verschwenderischer Zitatkunst anarchist. den Spuren bis Tokyo nachzujagen. schen Zufriedenheit und Glück zu unterdass sie unverhohlen nach Zustimmung Max Goldt: Ein Buch scheiden. Juli ist plötzlich Mindesthaltbarkeitsdatum auf sämtlichen Packungen japanischer Instantnudeln. Jahrgang 1972. Sie verlieren an Wert in ebendem Maße.Reinbek 2011. Ozonloch und Jahrtausendwende. vor und nach dem Kapimit seinen Feinden bis zur Ununterscheidbarkeit. die einst durch Heinrich Heine in die deutsche Welt kam. Deshalb klingt immer nach frühem 20. die humanistische Tradition. auch die Ideen und Vorstellungen des Zusammenlebens. vierunddreißig Spalten für Komposita von über das eine Gesellschaft sich organisiert. Was man von Goldt Nützliches lernen kann.

Und wenn dem Geschicht formulieren könnten. ist das Buch auch gender Familienvater in die Brust zu schon fast vorbei. der jungen Margaux als ein Engel erscheint. Peter der Zurückgezogenheit und Zärtlichkeit zu bieten.FEUILLETON LITERATUR 12. Sie zwängt ihm keine anderen Botschaften Sie hat ja sonst niemanden. und bevor die Erzählerin und der Leser auch autistischen Verkapselung herausreißt. Das ist grauenvoll. Tiger ist ein gutes Beispiel damit es endlich zu einem Bewusstdafür. die aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt und glücklich ist.. dass nicht aufgeschrieben werden darf. Tiger hat die Autorin Margaux Fragoso. beginnend im Alter von sieben Jahren. Sie geben ihr das Gefühl. Sie könne ihn ja jederzeit ins Gefängnis bringen. geht sie mit Peter in eine Kirche. Das Buch hat 460 Seiten. Zum Ende hin geht ohnehin alles sehr schnell. wie Literatur fremde Erfahrung seinssprung kommt und sich die Autounserem eigenen Bewusstsein zugänglich rin bewertend in die Vorgänge ein. die Reflexionsgeschich. in der das Geheimnis. lange er mich attraktiv findet. ohne es zu publizieren? Natürlich. Das liest sich aber so sagen: Das ist doch nur sein Trick. Ich tue doch nur. Teil der Gesellschaft zu sein. dass Margaux über die sexuellen Dienste. weil dieses pädophile Ausnutzungsverhältnis tatsächlich das Maximum an Glück für das arme Kind darstellt. nur eine individuelle Ge. hat es für viele Diskussionen gesorgt. über das. Margaux schafft es über. klemmte mich unter seinen Arm. Ich möchte dich so sehen. ob es die alten. Von einem intendierten medialen Hype war die Rede.oder verweigert. um antwortungsbewusster und verallgemeinerungs. Die fürchterlichsten Momente dieses Buches sind die Videositzungen. er hat Angst. solange ich sein Begehren wecke. Es liegt aber auch ein moralisches Recht darin. anschauden Leser schwer erträglich. geschaffen hat. Margaux liest den 23. was nicht sein darf. Schrecklich deshalb. Das ist ein heftiger Stoff. Doch diese Position verweigert der Andrea Fischer. dann betrachtet sie ihn mit den Augen der Siebenjährigen. Zwar weiß auch Marbau dann doch wertschätzen: »Durch das Nieder. Ihr Mann. Margaux Fragoso kann man nicht vorwerfen. indem sie ihm Zugang zu Sex gewährt Generationen verfolgen. schleuderte mich herum und freute sich dabei wie ein kleines Kind. ist ein trauriger und zugleich gewalttätiger Charakter. 24. Auch diese Loslösungsgeschichte wäre interessant. Als er stehenblieb.]: Brian Shumway/Redux/laif . sieht Margaux darin einen Vertrauensbeweis. er sei also ganz in VON IJOMA MANGOLD I Darf in einer Geschichte über sexuellen Missbrauch das Wort Liebe vorkommen? ihrer Hand. hinterlässt er eine Schneise der VerwüsNachgeschichte. M. die in ihrer nur sehr schlecht umgehen.« Das ist bestimmt ein ver. ein Pädophiler. 2011. ihre damaligen Erlebnisse werden nicht durch retrospektive Einsichten gedeutet oder erklärt. Das sagt sich immer schnell. Als das Buch in der englischsprachigen Welt erschien. das sie teilen. Und kann man sie kritisieren. dass ein Erwachsener sie ernst nimmt und mit ihr im Wasserbecken spielt. hingegen kann mit ihrer neuen Selbstständigkeit Geschickt baut er die Mutter mit ein. hat meine Einsamkeit bösartig ausgenutzt.len. wenn Peter und Margaux sich Pornos anschauen. Während sich die 12-jährige Margaux glücklich geborgen in Peters Arme kuschelt. der als scheinbarer Glücksbote seines Opfers auftritt: Dieses Verfahren sorgt für eine bedrückende Lektüre.Lebens hat Peter leichtes Spiel. Erst mit Peters Selbstmord kann sich Margaux langsam aus dieser Bindung lösen. als wäre die Geschichdas Alter der Erzählerin und das Alter te in unserer eigenen Nachbarschaft der Protagonistin langsam annähern. Ernst: Alles im Leben ist ein Tauschgeschäft.. Frankfurt Margaux’ Vater. Sie schreibt nicht: »Dieser Schuft. den der Leser als einen Teufel erkennt. die a.gültig sein.gaux. um ihre ihr noch nicht widerfahren ist). In dem Moment. sagt Peter zu ihr. indem sie das Ungeheuerliche des Vorgangs nicht kommentierend benennt und aufbricht. die meine Familie seit Peter hat. Ungedullich und flüssig zu erzählen. Tiger. stehen dem Leser die Haare zu Berge. chiatrie einweisen lassen. Angesichts dieser Dauerhölle des häuslichen raschender Weise aufs College.nicht links liegen lassen. sie hätte der Faktizität ihrer Geschichte etwas grell Inszeniertes hinzugefügt. wie Gott dich tende Schriftstellerin. und die Lektüre ist beklemmend. Zumal es totale mediale Unschuld nicht gibt. sondern tiert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 55 Das Maximum an Liebe Perfide Einheit von sexuellem Missbrauch und Geborgenheit: Margaux Fragoso erzählt die Geschichte ihrer zerstörten Kindheit n Tiger. dass es jemanden gibt.. Selbst der Eremit in der Wüste wehrt sich nicht gegen Berichterstattung . nicht stimmt. Zusammen lesen sie auch Nabokovs Lolita und das gibt ihnen ein ähnliches Gefühl des Aufgehobenseins in größeren Kontexten.464 S. sondern Fragoso beschreibt ihr vergangenes Leben so. was Frauen Männern bieten. die unserem Bedürfnis nach begrifflicher ebenso emotionale. heimnis teilt. die Autorin ist dann 23 Jahre alt. wie sie es im jeweiligen Alter wahrgenommen hat.Margaux machen kann. geboren Ende der siebziger Jahre. tief verwurzelten Muster von Leiden und einem gefällt oder nicht) und dass sie Macht über Missbrauch aufzubrechen. Leser. was Margaux habe. »so Margaux Fragoso hat Literaturwissenschaft und tun. weil der Mann. ist das Buch auch Vater der Verdacht kommt. Ein Vorwurf lautete: Die Autorin setze darauf. sagt die Mutter. Er zeichnet dem jungen Mädchen ein schlimmes Bild der Welt. das Buch nicht einfach für sich schreiben können. Ihre Erlebnisse also nicht mehr Tiger Margaux’ Mutter leidet an Depressionur notiert. als mit Peters FVA. Die Erzählerin – das ist zumindest die formale »Fiktion« in diesem autobiografischen Buch – ist nicht klüger als die Protagonistin. dass ich dass sie der Zugänglichkeit und Transparenz ihrer dich genau so sehen will. Tiger aber nicht. und die beiden zelebrieren ihre geheime Hochzeit. so lange wird er mich Tiger liegt eben darin. die unbewusst ahnt. als der offizielle psycho-pädagogische Diskurs den Opfern andient. Die erzählt Tiger. Das alles ist kaum zu ertragen. das Buch überhaupt geschrieben zu haben? Diese Haltung läuft darauf hinaus. ihr gesteht. doch das Einzige. Sie ist keine bedeuPlaneten. war die Welt aus dem Gleichgewicht geraten. als wären wir auf unserem eigenen kleinen Kreatives Schreiben studiert. wie mir heute klar ist. sie hat weiter Kon. Er stillt mein Verlangen. der sie als Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt. und nimmt Glücksverantwortung abnimmt und dessen Gegensich das Leben. Sie ist dann Teil einer symbolischen Ordnung.Peter dauerhaft emotional an sich zu binden: Sofähiger Satz.« Und noch als Peter. Hätte sie.90 € tung. was auch andere tun. passiert. v. Margaux einen Ort takt zu Peter. Als Außenstehender würde man Klärung entgegenkommen. sondern reflektiert. Margaux fühlt sich in dieser Kompli. als ein Eigentum zu verfügen. Und dafür andere Formen zu wählen. dass seine Apathie froh ist. er bietet Emozäh und papieren. in dem Fragoso mit einigen psychologischen. dass wir Fragosos grundsätzlichen tionalität im Tausch für Sexualität! Aber vielleicht Verzicht auf einen diskursiv-pädagogischen Über. (weil etwas Besseres als dieses Schlimme aber Schriftstellerin genug. sich mit dem Thema ins Gerede zu bringen.« Ein Kinderschänder im Glorienschein der Erlösung. ihre eigene sexuelle Missbrauchsgeschichte aufgeschrieben. d. was einem widerfahren ist. ist für Biografie angemessen präzise. Engl. zuverlässig schweigt und nicht »Verrat« übt. Seine körperlichen Interessen werden als metaphysische Liebesbedürftigkeit überhöht. wurde deshalb angeregt. dass es ein Tauschverhältnis ist (aber mal im schreiben meiner Erinnerungen habe ich versucht. wenn sie Wie Peter diesen moralischen Eisie ohne den Einsatz auffälliger literarigenkosmos rhetorisch aufbaut und wie scher Darstellungsformen erzählt. der weitaus längste Teil erzählt von den 14 Jahren. weil Margaux diese Filme liebt. Peter sei wort. in Gänze. dass sich Unmittelbarkeit. dass mit Peter etwas schon vorbei. auch Sie versteht vom Schreiben so viel. aber die Eindringlichkeit von Tiger. und ein seltsames weißes Licht umstrahlte sein Gesicht wie eine Korona. mit einer dig wartet er deshalb darauf. Treue heißt für ihn. die sie erbringt. Fragoso erzählt streng aus der Perspektive der Protagonistin. ein intimes Verhältnis zu dem mehr als 40 Jahre älteren Peter hatte. Als Margaux 14 ist. in denen sie.ist das zu analytisch gedacht. mit dem sie ein Ge. Fragoso: Tiger. weil er sich an den gemeinsamen Töchtern vergangen habe. nen und muss sich regelmäßig in die PsyA.« Geschichte den größten Dienst erweist. aber doch in seiner psychologischen Detailarbeit höchst aufschlussreich. Margaux nur einmal durchatmen und eine Moral von der und Peter sehen sich fast täglich. Margaux vermacht er seinen alten wart die Tochter aus ihrer sozialen Isolierung und Mazda. aber auch keine schlechte. damit Margaux lernt. wie du bist. publizistischen Nutzen aus einem Erlebnis zu schlagen. Wenn man so will – und manche Kritiker hat das an diesem Buch sehr empört – reproduziert Fragoso erzählend noch einmal die Unwahrheit und Ungerechtigkeit. »Wir wollen«. therapeutischen und juristischen Kategorien hanPeter sucht nicht nur sexuelle Intimität. aber auch einen ersten Freund. wie diese Filme zeigen. Peter ist dabei ein Meister des moralischen Diskurses. Ich liebe dich so sehr. Das heißt.werfen. Anders sich Margaux darin glücklich einrichtet ausgedrückt: Sie ist keine große Stilistin. zum kostbaren Rückzugsraum von Vertrauen und Nähe wird. um sich am nächsten Tag als sorte beginnen könnte. Das Verallgemeinern überlässt Fragoso dem zenschaft als moralisches Subjekt ernst genommen. weil die Gesellschaft diese Art der Liebe nicht zulasse. deine Kniekehlen. irdische und himmlische Liebe auf perfide Weise in eins gesetzt. und sie setzt diese Macht ein. Wenn Margaux das erste Mal ihrem späteren Peiniger Peter im Freibad von Union City in New Jersey begegnet. Foto [M. Im Suff Tod.« Stattdessen beschreibt sie die Schwimmbadszene so: »Dann schnappte mich (Peter). der ihr die pädophilen Taten auffliegen könnten. dass sie weiß. dass seine erste Frau ihn verlassen habe.auf als die Faktizität ihrer Lebensgeschichte. Psalm: »Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. sagt er. schaltet. Auch deine Füße. der eine Politik der expliziten Offenheit verfolgt. Ich werde ihm nicht gleichschichte ohne Generalisierungsanspruch zu erzäh. kein Akt der Veröffentlichung ist frei davon.dass sie für die Wahrheit zu schwach ist. Roman. Es gibt dann tatsächlich noch ein kurzes Nach.

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Irgendwann an seine Frau und ihre Stiftung Kinder in Not.00. (Computer). Skulpturen von ineinander bezeichnete. Robert Leicht Dr.. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer. Wilfried Herz. Henning Sußebach E-Mail: zeitmagazin@ zeit.: 0041-562 104 950. Politischer Korrespondent: Lamparter. Reporter: Dr. Tribut an das Alter seiner Frage beschäftigte ihn mit zunehmendem Alter Freunde – und an das eigene. für Studenten € 119. erlebt und & Sachs AG. Thomas Groß. ein kleiner Pavillon für Yoga und Medita. das stets frei von Konventionen gewesen sei.Leben!« Es klang wie ein Schwur! Vielleicht waren schlusshandlung gewesen.1 Megapixel. Beim Dinner durch schickte er auf eisaß er in der Mitte des groner altmodischen Postkarßen Tisches. Sein Buch mit dem mathematischen Beweis für Krankheit. E-Mail: blumegeorg@yahoo. KG. Ein Selbstgefühl sei es gewesen. Kanarische Inseln € 5. man besonders gern Jurist. die er in wähnt. Griechenland € 5. Wolfgang Büscher. 39. Fax: 069/24 24 49 63. damals. Tanja und Kirstin. Rainer Esser. Christian Spiller (Sport). Schweden SEK 61.randow@zeit.20. zwölf in meinem ganzen man seinen Schritt akzeptiert. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik). sagen jene. Peter Kümmel. 1972 Bei Dreharbeiten in Norwegen. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. c. von denen ich geträumt habe.: 0091-96-50 80 66 77. was eigentlich verschlungenen Körpern. A-1090 Wien. mit verwunschenen Bildern.Reihen im Blick. Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr. Fax: 030/59 00 00 39. Postmaster: Send address changes to: DIE ZEIT. Kornkamp 11. Wo. Kai Biermann (Digital/Wissen). einen irdischen Garten sagiere.de. E-Mail: angela. Tropez.56 12. Wenke Husmann . der anderen Seite der Bucht Mit Ehefrau Mirja. Spanien € 5. Steffen Richter (Meinu ng). dahinter. Über die deutschen Expressionisten findet er kästen vor den Fenstern. Schmidt (Kulturkorres pondent). Tel. Nun ja. Grobkörnige Bilder. Fritz Vorholz Reporter: Tina Hildebrandt. was immer mehr. Metallkräne. August 1966 St. Jasmin Müller-Stoy (Koordina tion Außen politik). Aagaard/Keystone Pressedienst Foto (Ausschnitt): Rudar/StudioX Foto: Keystone/Picture-Alliance/dpa Foto: Monti Bild/Keystone Pressedienst Junge Leser: Dr. 1969 Gunter Sachs (1932–2011) im Jahr 1972 in St. Mechthild Fortmann. Peter Dausend. Redakteur). E-Mail: mark. rutschte ihm die Bemerkung heraus: »Ihr müsst wissen. Dr. charterte er ein Flugzeug für wurde 78 Jahre alt. Darf man das? Er hätte gewollt. max. Trend versuchen. Auch hier war Platz für mal er ja gern um die Häuser zieht. Mariam Lau. Anzeigen: DIE ZEIT. Alzheimer. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung.niger technisch. 0014259) is published weekly by Zeitverlag. 4 –6.00. Lon don. 60322 Frankfurt a. Parvin Sadigh (Gesellschaft). Ein Leben habe Roger Vadim. Arnavutköy 34345. 129110 Moskau. Martin Spiewak. Anna Kemper. war Extrovertiertheit schickte eine Mail. Gunter Hofmann. Nina Grunen berg. St. Christoph Dowe (Geschäftsf. Italien € 5. Tel.de/audio Foto: R. Carolin Ströbele (Leitung: Kultur. Herausgeber: Iris Radisch (Literatur). Ulrich Greiner. Ruten berg. hatte lange ein Beduinenzelt gestanden. Hans Schuh-Tschan (Wissenschaft). Tilman Steffen. Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Der Letzte seiner Art Ein Mann. war ein großzügiger Mann. aber er war an diesem Ort auch gern albei Gelegenheit auch mit einem Tiger. Kirsten Haake. Finnland € 6. Dr. Petra Kipphoff. Claudia Schiffer als »Heldin«. die nicht mehr hier. Dr. 20 Millionen Daten. Davina Domanski. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft). Achiltibuie by Ullapool. nicht umgekehrt. Dr.de Washingtoner Redaktion: Martin Klingst. Reisen).koeckritz@zeit. die Häuser mit einem zu den Surrealisten – Sachs ist angekommen. Titelgeschichten: Hanns-Bruno Kammertöns (Koordination) Ilka Piepgras. Broadway.de Pariser Redaktion: Gero von Randow.schieritz@zeit. Josef Joffe Kulturreporter: Dr.70.). Gunhild Lütge. KG. Niederlande € 4.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto. Aber nach diesen wilden Jahren nicht. Theo Sommer (Editor-at-Large). die an den half. de * 0. Tropez gewiss in die engere ten. Helmut Schmidt Dr. 20045. dass man und kündigte einen Abvom Platz des Hausherrn stecher in sein Atelier südaus den Leuchtturm auf lich von München an. Petersburg. Fax: 00972-3/525 03 49.: 007-495/680 03 85. Konto-Nr. Katrin Guddat. Dr.: 0044-2073/54 47 00. PO Box 9868. Christine Meffert Internationaler Korrespondent: Matthias Naß (Textchefin). Ehemalige Models. Dagmar Rosenfeld. Gstaad.00 per annum. ein Ge. Multimedia-Formate. Seine gletscherfarbenen Haare fielen ihm braune Elfenkörper unter Wüstensonne.: 069/24 24 49 62. Wie es hinter seine Factory seit knapp dem Horizont weiterging. Oliver Nagel. Meike Fries (Studium). Chefredakteurin). Manchmal meldete er sich über Monate der Leine führt. Franziska Kelch (Community). Hauke Friederichs.14 €/Min. Blumengas.00 Ausland: Dänemark DKR 43. Tel Aviv. Der entschied Gunter Sachs. Dabei hätte Zigarettenschachtel. Angela Köckritz. Birgit Schönau.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen. Freunde. Aus der Schublade seines Schreibtisches lange konnte er jemandem zuhören. Dr. Ehemalige Models. Pe. Sebastian Horn. Ludwig Greven. 1040 Brüssel. der mit irPalm Springs. Dorothee Schöndorf. Claus Spahn. M3B 1Y8 Telefon: 001-416/391 41 92 Fax: 001-416/391 41 94 E-Mail: info@gcnews. Tina Klopp. 56 vom 1. Reiner Luyken. webiegt er ein in Richtung Moderne. Kw. Suite 851. den Computer eingab.jungclaussen @ zeit. Layout). Stefan Willeke (verantwortlich).de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404. Karin Geil.de New Yorker Redaktion: Heike Buchter. Portugal € 5. Dieter Buhl. Dagny Lüdemann. 10004 New York. Kaum jemand. Matthias Breitinger (Auto).bittner@zeit.40. 129 00 02 07. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. Im Flugzeug dösten die beiHäuser an der Plage de Pampelonne hatte er einen den Guards vor sich hin. Washington. Rue de la Loi 155.com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel. das Zelt einzurollen und ein winddichtes liebt den Geretteten. »12. Scheinwerfer und Fotos. Lebensart. der nung. der so auste Grüße aus Bora Bora gerichtet war. Steffen Dobbert. seine Honorare reichte er weiter schenk des Königs von Marokko. sehen konnte.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur). Tel.besorgte Anwälte.20 ISSN: 0044-2070 Fotos: (Ausschnitt) Rainer Binder (großes Foto). Christiane Grefe. Jutta Hoffritz. 1955 Kostümball mit Mirja. 153 S Dean St. Video. Meike Dülffer (Textchefin). Residence Palace. Tel. 10117 Berlin. seine Sammlungen te er. 1966 Mit Brigitte Bardot. Tel.zeit. Afrika war es nicht. Jörg Burger. Vielleicht war es ein erstes Zeichen für das. K. Dafür danke ich dem Schicksal. wer ist am wenigsten mehr so wirken und leben. eine verehrte Bob Wilson. Dr. Er habe sich befreien wollen von dieser zeugt. KG.luyken@zeit. Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse.O. Filme. Michael Schlieben (Reporter).teuwsen@zeit. Anne Fritsch. Tina Groll (Karriere). dann käme sein Anwesen in den Weg machten. war er glücklich? Schräg hinter seinem Pool konnten. Christoph Drösser Dr.thumann@zeit. Sina Giesecke. Hanno Rauterberg. einfach zu lange her. Alexandra Endres. Hin und wieder wischte er sich mit der rechten Hand über die Nase und schaute hinaus rück an einen Satz im Flugzeug damals bei der Reise nach St. Gerhard Jör der. dass Vielleicht waren es zwölf. aus dem deutschen Mobilfunknetz Abonnement für Österreich Schweiz restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice 20080 Hamburg Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. da er tot ist. David Hugendick (Literatur). wie er es wollte. Ontario. Eine Assistentin zeit so viel heller machte. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). meinem Leben!« Wie bei so manchem Eilig ist sein Leben imkreativen Geist verbarg mer gewesen. Kolja Rudzio. wenn nicht Glück verlassene Freunde.00. kommt die Erinnerung zufühlte. Tel. Christian Tenbrock Autoren: Dr. Zufrieden sah er dann aus. 525 52 52.eine astrologische Kraft. Reinhard Bardoux. welches verbindet sich mit Aber Sachs hatte sich entschieden. Philip Faigle. Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich).noch einmal eine Nachricht. Florian Fritzsche. Katja Nico de mus. ZEIT Campus). er wird Kunst. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG. Ulrich Ladurner. E-Mail: martin. Großbritannien GBP 4. Alexander Schwabe (Chef/-in vom Dienst). er nickte. Für diese Reise hatte er. 50. Perger. Fax: 040/32 80-404. kleiner als eine ein Bonmot nachsichtig abwarten. Stefanie Flamm. befand er. Zu.deren Anvertrauten. Tillmann Prüfer (Style Director). Heuser (verantwortlich). Kerstin Kohlenberg. Adam Sobo czynski (Koordination).com Einzelverkaufspreis Deutschland: € 4. Bevor er auf Reisen ging. Marcus Rohwetter. E-Mail: jochen. Freunde. eine Pointe. Christoph Dieckmann. Tel. weil er sich da sicher Aufforderung. Delia Wilms Infografik: Gisela Breuer. Khuê Pham. Umgeben von Freunden. Fax: 030/59 00 00 40 Frankfurter Redaktion: Mark Schieritz (Finanzmarkt). klären. Stefan Schmitt. Norwegen NOK 60.: 0032-2/230 30 82.Sachs gern in Gstaad auf. dischen Gütern reicher gewieder Gstaad. Petra Pinzler. 11. Sonja Mohr. 0. in sicherer Entfer. Redaktionsleiterin). durften mit ihm rechnen. Vorn das Geäst der und von seinem Platz ganz hinten hatte er alle alten Olivenbäume. Markus Horeld (Politik). Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) Tanja Stelzer (Stellv. Sabine Etzold. Zwei Chalets. Er auf die ZEIT zukam. spiele. Kerstin Bund. vom Bojen vor sich hin dümpelten. Philipp Schultz. Arne Storn. Zwischensegnet war. Buceriusstraße. Er hörte lieber zu. Ob er ben.: German Language Pub. Elisabeth Niejahr Dorotheenstraße 33. Pascal Struckmann. Frida Thurm (Nachrichten). Chef redakteur). Burk hard Straßmann. Harro Albrecht. »ein buntes Völkchen«. sein Studio. Uwe J. das erschoss sich. was dann kam – diese Frage wollte er gelegentlich 30 Jahren. Er ersteht seinen ersten Druck. 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Karsten Polke-Majewski (Stellv. in den letzten Jahren je glücklich war? Er hätte legte er in seinem Tempo doch allen Grund gehabt. Kein Vergleich zu der Mühe.: 030/59 00 48-0. Dem Mann. womöglich werde er es weiter gegen den mit Cowboy. Rüdiger Jungbluth. Prof. Peking. Susanne Gaschke (verantwortlich). Tropez. Helga Ernst. Posta kutusu 2. Jutta Schein. den er an lein. Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer. Dr. Anna Marohn. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich). Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich). 10117 Berlin. Wolfgang Lechner (verantwortlich) ZEITmagazin: Christoph Amend (Chefredakteur). die er sich immer gemacht hatte.: 0044-7802/50 04 97. Jungclaussen. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. kein fachärztlicher Befund. rue Cambronne. Kurhessenstr. Ich fünf Jahren eine große Foto-Ausstellung in St. Frank Drieschner.: 0043-664/426 93 79. Daniel Angeli/Agence Angeli (r. Art-Direktorin: Katja Kollmann Matthias Krupa. Tel. Anita Blasberg. Tel. aber dann schickte er wieder einen Brief aus musste man ihn schon fragen.Häuer. Domenika Ahlrichs (Stellv.P. Heike Faller. Hamburg Geschäftsführer: Dr. die Begegnungen mit Dalí und in Gstaad tot aufgefunden haben. Hartmut Neitzel. Sieling (i. Dr..20. E-Mail: stefan.20. der ewige Kümmerer. Ungarn HUF 1605. V. Slowakei € 6. Anfang der Neun. Sascha Venohr (Entwicklung) Geschäftsführer: Dr.de Abonnement Jahresabonnement € 187. vielleicht auch.95. Paris. Werner A. Seine Fotos im Marmorpalast des Russischen Museums! Gut und gerne 100 Paswww. E-Mail: johnf. Bartholomäus Grill.de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann.wünsche mir keine Vollendung. Tel. Tschechische Republik CZK 175. Urs Willmann Tomas Nieder berg haus. Mit welchem Sternzeichen wird eine Selbstdiagnose. holte Sachs eine Kamera hervor. Er sammler.

« Ich kaufe ein paar Schlüsselanhänger. sagt Bassem Sabry. dass der ägyptische Antisemitismus tiefere Wurzeln hat als die Ablehnung der israelischen Politik.ständige Sushi unter belaubtem Pavillon. Viele Menschen trauern noch. Nach einer mehrwöchigen Ver. das Datum der Revolution. die eine ben. Vom Fremdenführer bis zum politischen Aktivisten sprach jeder Ägypter. außer einigen Busladungen an Briten von närrischer Unerschütterlichkeit sind es vor allem Liebespaare. und dennoch entwickelte er die tiefe und hintergründige Vorstellung eines vernünftigen Glaubens. dass er die Ägypter davon ablenkt. »Niemand weiß das«.« Seine waren Beduinen. Sie schenkt mir ein ungläubiges Lächeln. auf der sie von Martin Luther King hörte. KonUSA noch von der EU regiert lässt das Volk zum werden. Das öffentliche Mittagsgebet be. »482 Frauen. ich sehe sogar eine stattliche Frau mit einem Gesichtsschleier. sagt Mohammed. was Aufklärung ist. sondern auch eine große jüdische Gemeinschaft einschließt und ihrer Meinung nach mit einer muslimisch fundierten Kultur vereinbar sei – während die jüngsten Angriffe auf Kopten eine Anomalie darstellten. ein junger Filmproduzent. »die einzige funktionierende Institution in diesem gottverlassenen Land«. Voltaire zog gegen den Machtmissbrauch des Klerus zu Felde. zu. dem es oblag. erzählt Bassem über das Massaker. mir die Pyramiden und die Sphinx zu zeigen. »Er war es. ob wir Paris am Nil sind. die apathischste Gruppe in diesem Land. aber und anderen antiken Sehenswürdigkeiten führt. Im heutigen Ägypten jedoch gibt sich selbst der liberale Präsidentschaftskandidat ElBaradei als Befürworter von Artikel 2 zu erkennen.). Nichtsdestotrotz bestanden die Aufklärer des 18. dass ich nicht weiß. Doch begegne ich niemandem. Ekramy möchte mich sogar zum Essen einladen. Diese Verbeslassen sich die ägyptische Fahne serungen sind im Wesentlichen der aufs Gesicht malen. als wir selbst es tun. »Das sind meine Großväter. sagt Ekramy. Ein Restaurant bietet anbis in Kleopatras Tage zurück.« Hunderte kamen ums Le. Decken ihn frage. 818 Männern«. er weiß sogar mehr über uns. aber die Pyramiden sind etwas anderes. So viel zur islamistischen Ablehnung der Götzenverehrung. »Auch Obama muss sich in der Kirche zeigen«. während ihre Eltern Lieder und neoliberalen Wirtschaftspolitik von Mubaraks Sohn Reden anhören. obwohl wir ihre Völker sumgüter sind leichter zu bekomersten Mal Selbstvon Herzen lieben. Das Leben der Frauen hier ist hart. Kinder sind allgegenwärtig. Er verlegte sich auf ein Studium der Politischen Philosophie an der AinShams-Universität in Kairo. jenem umstrittenen Verfassungszusatz. »Es sollte ein Wendepunkt der Revolution darstellte. Wir beide wissen. Jahrhundert floss selbst der Nil anders. Dalias Leben erfuhr 2006 eine Wende. ich wäre Alexander Hamilton«. »Sie haben die Pyramiden noch nicht besichtigt?«. fragt mich Mohammed. Gebiets. sondern aus Patriotismus unterstützt man Mütter tragen Plakate mit Bildern ihrer Söhne. und wenn der Revolution hat er wenig Arbeit.Trotz. »Sie wollen die Regierung nicht übernehmen«. Geld wollen sie keines für den Tagestrip. sagt Dalia. uns hier nicht. »Kant hat mein Leben verändert«.schlossene Wirtschaft bedrohten.« Als ich die Einzigen. war ein Stück Land und etwas Wasser. aber kaum ausländische Touristen die Pyramiden »Kant hat mein Leben verändert« Was ist Aufklärung? Die Philosophin SUSAN NEIMAN reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen. »Ich würde immer noch meinen Thomas Jefferson brauchen. heißt Antisemitismus. Institutionen. doch wären es ohne die Muslimbruderschaft Rebellion innerhalb der Armee befürchteten. dass Ägypten auf eine lange Tradition des religiösen Pluralismus zurückblickt. weil sie keinen Grundrechtekatalog enthielt. Wasser. »wenn man den Sonnenaufgang sehen kann. vertrieb ihn in Ägypten und im Jemen und schloss sich mit anderen Aktivisten zusammen.Gamal zu verdanken.tausend Minarette oder das pulsierende Herz des Panlich verankert habe? arabismus. nur nicht zu seinen zaghaften agnostizistischen Tendenzen? Auch die westliche Aufklärung war nie so religionsfeindlich wie allgemein angenommen. Die Erfahrung ist die Kluft zwischen den Reichsauf dem Tahrir-Platz ein Transten und den Ärmsten in Ägypten parent: »Wir wollen weder von den der Revolution geringer als in den USA. sich mit ihren eigenen Problemen zu befassen. meinen James Madison. 50 Prozent jedoch die säkulare WAFD-Partei bevorzugen. »Wir Citizens United über die Wahlkampfwerbung von wissen nie. sagt Amr. als verGründe zurück. d. und Abwehrmaßnahmen mobilisieren konnten. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch I m April brach ich auf. und die Juden erfüllen diesen Zweck. die Stadt der Unternehmen den Verkauf politischer Ämter gesetz. Dalia Ziada leitet das Nordafrikabüro der Amerikanisch-Islamischen Konferenz.« kommt die Antwort unverzüglich: »Geht mit gutem Nicht weit vom Staub und Lärm des Tahrir-PlatBeispiel voran. kontrolliert das Militär zwischen 30 und 40 Prozent der Volkswirtschaft. »Sie wissen gar nichts über die Juden. doch bereut er ihr Eigentum konfisziert würde. »Das Referendum (zur Änderung der Verfassung. Diese Leute werden nicht einfach wieder einschlafen. die Bausch und Bogen ablehnen. Heute sorgt sich Dalia vor allem darum. was sei mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinig. der Touristen zu den Pyramiden Hochschulabsolventen vielleicht als Kellner. die Amr viel mehr beunruhigt. der die Demonstranten bindungen bis zu demokratischen antrieb.« Der Mann ist halb so alt wie ich und weiß wie viele seiner Mitstreiter nicht nur so viel mehr über uns.schiedene Leute vorschlugen. doch seine Kant-Lektüre überzeugte ihn davon. auf Arabisch. von heute aus gefragt: Sind die jüngsten Nachrichten aus Kairo über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen der charakteristische Ausdruck für ein Land im Umbruch? Ich glaube eher nicht. »Achten Sie volutionen brechen mit Vorliebe aus. sagt Bassem. um arme Frauen über ihr Wahlrecht und gebildete Frauen über Wahlkampfmethoden aufzuklären. aber dessen Lauf vor zweihundert Jahren geändert wurde. Zwar beeindruckt sie die Festschreibung des Religionsgesetzes in dem kürzlich abgehaltenen Verfassungsreferendum nicht. die Methoden des gewaltlosen Kampfes zu erlernen und weiterzuvermitteln. dass ich überrascht war. die eine liberale Demokratie ermöglicht. die ihre Enkelin die Stufen der Pyramide hinabführt. »Ägypten war ein mutloses den dortigen Aufstand auslöste. dieser Gedanke ist neu für sie. und Autos ausgelassene Stimmung. »In Kairo arbeiten Land«. der Revolution der sicherste Ort. die sich um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen bemühen. als sie einen Aufsatzwettbewerb gewann und zu einer Konferenz in Kairo eingeladen wurde. sie waren den nationalen Diskurs nach rechts drängen. Ich frage sie. Ägypdass der Lebensstandard seit 2005 viele Ägypter ihres ter zu sein. sagt Amr. mit einer in Zeiten politischer Umwälzungen seltenen Reife von der Geduld. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 57 Gegenwärtig besuchen viele Ägypter. aber die meisten sagen auch. oder hat we can«. sagen die schaft zu übernehmen. um den Tahrir-Platz zu verteidigen. sagt Amr Bargisi. wie so viele Völker. Junge Männer spazieren Hand in Hand mit ihren in farbenfrohen Hijabs gewandeten Frauen umher. erwidert Amr. Auf der anderen. und sie scheint ihn so köstlich wie unmöglich zu finden. Diese Woche fanden sich 1200 Menschen zu einer Bürgerversammlung über Wasserpolitik ein. »Dass es ernst war mit der Revolution. sich in einem der geschenken zu misstrauen. »und es war während dieser Revolution schämten wir uns alles Ägyptischen. der nicht nur die Kopten. der Aufstieg der Muslimbruderschaft aber beunruhigt sie. rechnen in Jahrzehnten. warum sich schnaufpause wurden die Freitagsdemonstrationen die Armee seinem Versuch widersetzte. und selbst die. »Man roch zweites Tiananmen werden. ob ägyptische Männer Angst vor Frauen haben.« Dalia sagt auch. sagt Amr mit Blick auf die SelbstverbrenFurcht befreien«. die die Sphinx beäugen. wenn sich Leauf ihre Augen. Programmleiter der »Ägyptischen Union der liberalen Jugend«. ein anderes leiter in Mohamed ElBaradeis Wahlkampfteam für einen großartigen Blick über den Nil. dass einer meiner Gesprächspartner sich bereitwillig zu jedem beliebigen Thema zitieren lassen wollte. in der Wüste zu schlafen. dass dies das Gegenteil von Aufklärung ist. dass die Revolution in den Händen nahmen die Kontrolle des Militärs über eine gedes Volkes bleibt.« dass im Westen alles besser funkDie wirtschaftlichen Ungleichtionierte – von den Internetverheiten waren ein Faktor in dem Der neue Stolz Unmut.« Was aber bedeutet Aufklärung in einem Land von immer noch solcher Religiosität. Ob wohl auch Ägypter die Pyramiden besichtigen? »Am schönsten ist es um fünf Uhr morgens«. fand aber stattdessen eine ermutigende Situation vor«. Ist es aber überhaupt eine Revolution.« Die gepflegten Gärten und prächtigen Diese jungen Wortführer verdienen jede Unter. um das Freude ist nicht das einzige unübersehbare Gefühl Heft nur noch fester in der Hand zu halten? Nicht auf dem Tahrir-Platz. erklärt. die sich seit Langem mit der Aufklärung beschäftigt. Anm.) hat gezeigt. aus Furcht. Julian Roeder/Ostkreuz [M. die Erwartungen zuins Licht. den Motiven von Fremden mit Gast. »Tunesien ist ganz ginnt mit der Bitte: »Möge Gott unsere Herzen von anders«. nur sollte sie möglichst geräuscharm aus. der der Armee Fesseln anlegen möchte: Sie ist. dass die politische Macht der Fundamentalisten wachsen wird. Ich liebe es. Und will ich wirklich meine Wurzeln in einer autokratischen Sklavenhaltergesellschaft entdecken?« Ekramy sieht das anders. wie die Muslimbruderschaft Gefühle ausnutzt: Sagt Ja zu Allah. ergänzt Dalia. berichtet der Soziologe Todd Gitlin. rechnete ich mit einer postrevolutionären Malaise. der die Verfassung nicht unterzeichnete. bestand darin. die man nun haben müsse. die sie am Tag des Referendums durchführte. dass zwar 38 Prozent der Ägypter für eine Regierungsbeteiligung der Bruderschaft sind. Zurzeit besichtigen mehr Ägypter als ausländische Touristen die Pyramiden. als wir über sie wissen. »Aber sie sind eher wie die Republikaner im US-Kongress. »Bis zu ist erschwinglich«.] . Stammten die Präsidentschaftswahlen. »Sie hatten sich orga. bis Ägypten die Art von gebildeter Öffentlichkeit hervorgebracht hat. Mohammed und Mustafa haben mir angeboten. verfallenden Häusern fallen. »Yes nehmen und die Geduld nachlässt. – »Ich bin in Ägypten. als sich uns auf dem Tahrir-Platz arme Frauen anschlossen. verfasste aber auch herrliche Lobgesänge auf den Deismus.zu den von Rissen gezeichneten. in Ägypten ein mutiger Schritt. das Tahrir-Platz zu eröffnen.« Im versmogten Kairo ist kein einziger Stern zu sehen. dem äußeren Anschein zum tion hätten die Ägypter. Die jüngste Umfrage ergab. eine Insel mitten im Nil. Red. Ohne dieses Bild verlöre sie ihren Daseinszweck. »Die Islamisten geben Anlass zur Sorge«. Ahmed Saled. »Hier wird Politik gemacht. Dalia erinnert mich daran. würde nicht einer eine Frau im Präsidentenamt akzeptieren.« Gibt es eine antike Zivilisation. von der sich für die Neuerfindung von Traditionen zehren ließe? »Die ägyptische Zivilisation ist eine französische Erfindung«. den Ras. Die Leute schauen in die Sonne und bensbedingungen verbessern. Sie übersetzte einen Comic über den Montgomery-Busboykott ins Arabische. hatte er Ingenieurwissenschaften studiert. erzählt Dalia. den wirtschaftlichen Status der Familie zu festigen. die nisiert. die Mittagshitze zu greifen. Für Kant überstieg die Erkenntnis Gottes die menschlichen Fähigkeiten.« Die Korruption in Ägypten. der Kolonialismus reicht dortigen Cafés zu treffen. wollte ich wissen: Wie sieht sie aus in Kairos staubigen Straßen? Oder. aber nie von King.« Es hat die Anhänger der säkularen Opposition sie nicht in Demokratie unterstützt und den Befehl erteilt. wurde mir in dem Moment klar.« Kleinlaut räume ich ein. der Mossad stünde hinter den jüngsten Haiangriffen im Roten Meer. Als ältester Sohn. es gibt zu viele Wachmänner rund um doch waren wir zugleich überzeugt.« men als früher: Klimaanlagen sind bewusstsein spüren Auf dem Tahrir-Platz herrscht kein Luxusartikel mehr. Jahrhunderts auf der Trennung von Kirche und Staat. gibt er zes entfernt liegt Zemalek. und alle machen mit. »Als ich nach Kairo kam. meinen Benjamin Franklin und sogar meinen Elbridge Gerry. wer Elbridge Gerry war. wie der Westen Ägypten helfen kann.« Revon sich selbst verändert«. dass er sein Leben nicht auf instrumentelle Erwägungen gründen wollte.« Unlängst verkündete merklich gestiegen ist. aus den wohlhabendsten Familien? »Zemalek sismus der Kolonialmächte verinnerlicht. Sie ist Direktorin des EinsteinForums in Potsdam Fotos: Katja Hoffmann/laif (o. Was für die Menschen zählte. dass es noch Jahrzehnte dauern wird. die wie die meisten Frauen in Ägypten mit einem Hijab den Kopf bedeckt. also gibt es Verrücktheiten wie die Behauptung. »Am schlimmsten war weigerte. »Die Revolution hat das Bild der Menschen jemanden. erzählt er mir.Häuser auf Zemalek stehen in so scharfem Gegensatz stützung. »In Ägypten erfahren wir von Malcolm X. Die fromme Muslimin. der es von der Polizei zurückerhält. um die Revolution zu sehen.« – »Die Revolution ist großartig. die in Stein verwandelt wurden‹. dass seine MaßOrganisatoren. Amr glaubt. ein enttäuschendes Ergebnis: Von 1300 Teilnehmern. dann wüssten sie nichts.« Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Zuletzt erschien von der Amerikanerin Susan Neiman »Moralische Klarheit«.FEUILLETON 12. besonders seitdem sie den Befehl vergenau hier ermordet wurden. dass die patriarchalischen Strukturen tief verankert sind. nannte man sie ›die Leute. Die allgemeine Freude ist in der nung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. von wem die Schätzung stammt. dessen jüngste Entscheidung im Fall »Widersprüchliche Identitäten«. meint ein Kairoer. Seit nicht als Gemüsehändler auf der Straße. die Präsidentwieder aufgenommen – um sicherzustellen. ohne sie gesehen zu haben. »Wer bist du. Die Polizei jagte Zwar grollten viele Menschen dem Imperialismus. Unsere Anknüpfungspunkte ans alte Ägypten sind also äußerst dürftig. »Es fehlt ihnen an nichts. als hätte man keine Adresse. Er hat Artikel gegen den Antisemitismus publiziert.meine Kontaktpersonen. den ich traf. um anschließend mit einem Doktorandenstipendium an die Universität von Chicago zu gehen. mit all den Sternen am Himmel. vor der Revolu. doch sind sich alle einig. warum selbst hat sich das Militär vorbildlich verhalten. ten Staaten. Aber sie arbeiten daran: Dalia hat Programme ins Leben gerufen. Zum ersten Mal im Lange schämten sich Leben sind wir stolz darauf.« Dennoch ergab eine Befragung. der sich taktvoll jeden Anflugs von Selbstgefälligkeit enthält. steht auf der einen Seite. die die Armee. das Feuer auf die Demonstranten am der Gestank«. wenn sich der Bildungsstand in Ägypten nicht verbessert. Die Schattenseite. »Nehmen wir einmal an.« Ekramy.um eine Kopie der Île Saint-Louis zu erschaffen. die genügend Nahrung. aber die jüngeren Offinichts mehr außer Blut.ziere setzten ihre Vorgesetzten unter Druck. »Anfangs galt meine Sorge weniger der moralischen Dimension als dem Umstand. die Häuser der Reichen. Sie können nicht abreisen. Jeder hier hält einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina für eine tragende Säule des Fortschritts im Nahen Osten. Als Philosophin. aber er hat auch die Pharaonen adoptiert. musste am eigenen Leib eine Genitalverstümmelung erleben – doch diese Praxis auszumerzen ist nur eines ihrer Ziele.« Je nachdem. sei ein seit Langem bestehendes Problem. der die Scharia zur Grundlage des ägyptischen Rechts erhebt. wenn du deine Großväter hasst? Das ist.« Auf dem Bild Israels als des ewigen Feindes beruht die Macht der Armee. Die Ägypter blicken auf Jahrhunderte guter im Rest von Kairo.Bürger gut zu behandeln. Tatsächlich Landes. Einer der Gründe. die Armee einfach einen Herrscher abgesetzt. was der Westen schon fast vergessen hat. Als man die Statuen fand. »Die Befehle waren ziemlich als Kamelschlacht bekannt geworden ist und den unmissverständlich«. um in Ägypten zu erkunden.« Sie war inspiriert und begann. wie Amr formuliert. »Vor dem 19. die in Ehren halten. Zugleich ist es eine Pervertierung der Vernunft: Eine einfache Erklärung für alles Böse in der Welt muss her. Seitdem Tausende gewesen – der Hauptgrund.

er ist auch ein Trainer der Vorstellungskräfte. Viel Mühe und Zeit investiert er. vor Ungeduld.und Formenspeck! Runter mit den Bedeutungspfunden! Nicht wenige Künstler der letzten hundert Jahre waren geniale Diätmeister: Sie entschlackten die Motive. Wir stehen vor einer großen Videoleinwand. sich vom irdischen Dasein zu lösen und im buddhistischen Sinne eins mit der Natur zu werden. Zurück bleibt der krude Schmerz.dukten bestehenden Zivilisationsschrott. wie die gemächlich untergehende Sonne die Schatten in der Landschaft länger und dunkler werden lässt und wie in der Nacht dann Sturmböen heraufziehen. die wir eben noch für groß und real hielten. wie zu hören ist. an dem sich Waltz und Hosokawa versucht haben: Matsukaze und Murasame sind Arbeiterinnen in einer Salzmühle. hat sich in der Hin. gefangen in einer der Pfeifferschen Endlosschleifen – für immer muss er dort bäuchlings auf einem Sofa zappeln. sondern auch die Betrachter herausfinden aus den vorgestanzten Mustern des Sehens und der Bewunderung. auch das unübersehbar. Alles ist postkartenschön arrangiert. Er Japan vor allem den aus Autos und Industrieprohat in Freiburg beim Schweizer Kompositionspro. Denn zu sehen ist ja nur. bis man sich sehnsüchtig wünscht. So wie Pfeiffers Fußballheroen jede Ursache abhandenkam. damit auf seinen Videos und Fotografien am Ende möglichst wenig zu sehen ist. sondern nur blauer Himmel und gischtendes Meer. Keiner foult so schön. erledigt. seine Kunst erzählt von Ermächtigung. Noch das heißeste Spektakel wird bei ihm kalt serviert. Diese Wand steht für die Grenze zwischen der wirklichen Welt und dem Jenseits. Doch geht die Hingabe an das Filigrane und fein Ziselierte auch mit einer gewissen Theaterblässe einher. Hosokawa.« Er Zitherinstrument Koto spielte. sie strahlt immer weiter. Im Gegenteil. Dennoch oder gerade deshalb: Die Bilder haften. Aus fernöstlichem Blickwinkel hingegen ist die Neuvertonung eines Nō-Spiels eine gewagte Tat.und Waltz hätten lange darüber diskutiert. Mitten in den Berliner Proben zu Die Figuren schweben zwischen Diesseits und Jenseits dieser Oper bebte in Japan die Erde. immer nur Ikonen und Legenden zu sein. das dort drinnen eine Kamera jene Kleinstwelt filmt. Weg mit dem Farb. enträumlicht sie.feld gleichsam vorwurfsvoll am Ufer zurückließ. Sie ist ein bisschen zu schön. in der sie verdammt sind. Das gilt Bezug nehmen sollen. um stark zu sein. der Gesang und der Tanz bringen ihnen am Ende die Erlösung. Auch dort sei der Malakt von der geistigen Konzentration bis zu den ausholenden und nachschwingenden Armbewegungen viel umfassender als das. Wohl auch deshalb scheint er seine Kunst mitunter als Befreiungskommando zu begreifen. gelegentlich schwanken die Begrenzungsseile. Menschen. Immer wieder baute er sich solche Miniaturwelten. kommendes Jahr wird er. nicht das übliche Gehakel und Geschubse. »Wir haben vater ein Ikebana-Lehrer war und dessen Mutter das vergessen«. auf den berühmten Bildern am Strand. Schluss mit dem kalorienreichen Pathos des 19. der Katalog kostet 35 Euro Fotos: Thomas Dashuber/Courtesy Sammlung Goetz. der Bildern misstraut. wie Paul Pfeiffer. bis nur noch waschbrettstramme Abstraktionen übrig blieben. Wir treten näher heran an das Pult – und in diesem Moment ist sie dann doch da. Auch der New Yorker Medienkünstler Paul Pfeiffer.sein Gedächtnis eingebrannt habe.58 12. erblickt die Politkulisse im Puppenstubenformat und begreift. was erklingt. und unter diesem lässt er sie verschwinden. in vention unhinterfragt lässt. Rhythmus und polyfone Strukturen spielen in seinen Stücken kaum eine Rolle. Und in gewissem Sinne ist das auch für die Betrachter eine Erlösung. als es ist. Zu offenkundig ist die medienkritische Belehrung. dass nichts zu sehen ist – was bleibt uns also übrig.und Fotokünstlern. für Pop. Dem westlichen Betrachter mag das Projekt wie ein Bekenntnis zur japanischen Theatertradition vorkommen. Blue)«. scheint in seinen Werken genauso bedeutsam zu sein wie das. scheint sich für diese Kunst der Entsagung zu begeistern. an dem der amerikanische Präsident seine Reden zur Lage der Nation hält. seine Botschaft. Keine üppigen Erzählungen mehr. die Bannerwerbung. Erst die Musik. die in ihrer Musik Befindlichkeiten wild gezackt und kompliziert geschichtet ausleben. dass er bei den Bildern aus Hosokawa ist kein altjapanischer Traditionalist. nur um im nächsten Moment böse zu straucheln. wachsende. Die Klangfarben des Orchesters geben uns ein Bild davon. was am Ende als Tuschestrich auf dem Papier sichtbar werde. dass Mensch und Natur ehrten Dichters Zeami. Solches Streben nach Reduktion und Verdichtung zum Essenziellen ist auch in der Musik von Hosokawa und der Choreografie von Waltz stets zu spüren. Das Publikum glotzt dennoch gebannt auf den leeren Boxring. für Hollywood-Filme. sogar den Ball und die rempelnden Mitspieler. Die Illusion zerbirst. aber ganz freisprechen von diesem Vorwurf kann man auch seine Matsukaze-Oper nicht. Pfeiffer begeistert sich für Sport. So kennt man die Kompositionen von Toshio Hosokawa. sehen auf dieser das Pult. Doch so groß seine Begeisterung für Massenphänome auch sein mag. nie will er sich davon beherrschen lassen. Jahrgang 1966. »was Natur ist. etwa wenn er auf winzigen Bildschirmen viele bekannte Hollywood-Größen zu Hollywood-Zwergen schrumpfen lässt. . als die Leerstellen mit eigenen Bildern zu füllen? Pfeiffer ist eben nicht nur ästhetischer Diätmeister. der Feuerball glimmt sehnsuchtsfarben. um den Stoff auch szenisch-choreografisch ganz aus der Gegenwartsperspektive zu entwickeln. immer wieder und wieder. Er sieht in seiner musikalischen Arbeit Parallelen zur japanischen Kunst der Kalligrafie. Gefallene Helden – die Videoinstallation »Caryatid (Red. Ein großer Zauber liegt über der eineinhalbstündigen Brüsseler Uraufführung. sie gewinnen Kristallines. geschlagen. sie leuchtet. will keine Medienfigur sein. Die Oper handelt auch so von nichts sechshundert Jahre alten Nō-Spiel des in Japan ver. Es geht auch nicht um Bundesligapunkte oder Finaleinzug. er entrückt das Vertraute in geradezu mythische Sphären. Er geht sparsam mit den Tönen um. Er interessiert sich vielmehr für die Eigendynamik der Klänge und weit gespannte melodische Verlaufsformen. Doch nichts geschieht. Yellow. sagte Hosokawa. Keiner foult so hässlich. dessen Groß. bis sie halb zerdrückt auf dem Gras liegen bleiben. Es ist ein poetischer Abend der zarten musikalischen Gesten und der kalligrafisch in den Raum gemalten Tänzerbewegungen. wie Paul Pfeiffer. in Endlosschleife. da ist nun keine Monroe mehr. Mit gigantischem Aufwand schneidert er ihnen am Computer eine Art digitalen Tarnumhang. Manchmal zappeln aber auch wir. den die fessor Klaus Huber studiert und in Stuttgart bei Tsunamiwelle mit sich führte und als TrümmerHelmut Lachenmann.) Dübgen mit viel Feingespür für die Stille zwischen den Versen ins Deutsche übertragen hat. die in ihren bunten Leibchen über den Rasen stürmen. 2008 ielleicht sollte man die Geschichte der modernen Kunst als große Schlankheitskur verstehen. nicht nur in seiner Kunst. Doch die eigene Bedeutung scheint ihm unheimlich. Bilder von den muskelbepackten Fußballmännern zum Beispiel. auf der Documenta in Kassel ausstellen. ebenso allerdings die Begeisterung des Betrachters. Die Musik ist fließende. dass aus dem Kunstschauen ein Kunstschaudern wird. Er zählt zwar schon seit etlichen Jahren zu den wichtigsten Video. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Zittern der Natur Zu schön. In ihr bewegen sich Barbara Hannigan als Matsukaze und Charlotte Hellekant als Murasame stimmlich wie darstellerisch grandios frei schwebend wie Insektenopfer in einem Schicksalsspinnennetz. dass Hosokawa sich mit Sasha Waltz und ihrem Berliner Tanzensemble zusammengetan hat. Wir hören das Schwirren des Windes in den Bäumen und das Kräuseln der Meereswellen am Ufer. die über ihren Tod hinaus der Liebe zu einem Mann nachhängen und deshalb als unerlöste Geister durch die Welt spuken. Er will. Sie basiert auf einem zu Recht. Pfeiffer interessiert sich einzig für den Leib und seine brachialen Verformungen. Oktober. was nicht erklingt. zitternde und aufbrausende Natur. Das gilt freilich nicht für den Coup. Denn wer durch das Loch sieht. Pfeiffer erlöst Marilyn Monroe ebenso wie Michael Jackson oder Muhammad Ali. Sie haben es nicht getan – auch für seine Oper Matsukaze. und irgendwann scheint sich die Sonne tatsächlich dem Horizont zu nähern. erwarten seinen Auftritt. nichts ist zu erblicken. nur ein winziges Spähloch in der Leinwand. getanzt von Sasha Waltz in Brüssel VON CLAUS SPAHN ie Hauptrolle in dieser Oper spielen die Klänge der Natur. so lange. dessen neue Oper Matsukaze vergangene Woche in Brüssel uraufgeführt wurde. der keine Komponierkon. um stark zu sein: Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. Doch zeigt Pfeiffer glücklicherweise auch ein Talent für das Böse und Absurde. Wo zuvor die Monroe stand. Wir sind auf einer zauberischen Insel: Wie sich das Land sanft aus dem Meer erhebt. ferenz vor der Premiere. Und so erkennen manche in seinen Fußballern auch Inbilder der Geworfenheit. Die beiden Schwestern geben in der Handlung ein Bild für den künstlerischen Prozess. Doch sie geht nicht unter. so hat sie den leeren Raum mit einem Gewirr aus schwarzen Seilen durchzogen. Der Japaner gehört nicht zu den Komponisten. den sich die Bühnenbildnerin Chiharu Shiota für die Zwischenwelt der Schwestern ausgedacht hat. Bernd Uhlig (l. Denn so paradox es klingt: Er ist ein Bildermensch. sich stürzend zu verbiegen und irrwitzig zu verrenken. denn diese Theaterform wird streng traditionalistisch und in ihrer Choreografie bis ins kleinste Fingerspreizen unverändert über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben. Das zumindest scheint als Hoffnung in vielen Werken mitzuschwingen: dass nicht nur die Motive. nur um sie später im Hinterhof mit Kerosin zu übergießen und anzuzünden. Und schon jetzt richtet ihm die Sammlung Goetz in München eine umsichtig komponierte Retrospektive aus. das ist unübersehbar. Klein Paul liebte die Rolle des Schöpfers. ob sie wendung zur westlichen Avantgarde einen neuen in ihrer Produktion auf die aktuellen Ereignisse Zugang zur Kunst seiner Heimat verschafft. er reißt sie aus jener Hölle. so fehlt auch hier das Eigentliche. Schon als Kind hatte Pfeiffer ein großes Faible für Puppenstuben. Ihre Liebessehnsucht hindert sie daran. die Botschaft. Selbst der Megastar Tom Cruise wird zum Miniwicht. wenngleich eine anstrengende.anderem als der Utopie. er sei ein Sonnenuntergang. Alles andere hat er aus den Aufnahmen getilgt: die Nummern der Spieler. der seine Schöpfung auslöscht. Bei ihm ist das Foul kein Regelverstoß. Bis zum 1. V Pfeiffer wäre eine solche Deutung schon wieder viel zu pathetisch. ganz wie einst Andy Warhol. so als hätte eine höhere Macht sie am Wickel und würde sie durch die Luft schleudern und niederwerfen. das traditionelle Nō-Theater mache ihn schnell müde. von dem man denkt. Und Alis bekannteste Kämpfe finden jetzt ohne ihn statt und ohne seine Gegner. Er will nicht festgelegt werden auf eine Rolle. Wunderschön ist Pfeiffers Kunst und wunderschrecklich. in großen Bögen sich aufwölbend. Er hält sich zurück. Hinzu kommt. Hosokawa erklärte. Jahrhunderts. das die Librettistin Hannah im Einklang leben. gelegentlich rauscht eine Möwe vorbei. Hosokawa erzählte in einer PressekonDas hört sich fernöstlich entrückter an. die sich winden und krümmen. Keiner foult schöner Bei ihm zappelt nicht nur Tom Cruise in den Endlosschleifen: Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG D Ein grandioses Schicksalsspinnennetz spannt sich über die Bühne Die Geschichte erzählt das Schicksal der Schwestern Matsukaze und Murasame. Wie sich die unendliche Sehnsucht der beiden in Hosokawas Musik vielfädig ausspinnt. zu vordergründig der Versuchsaufbau. irgendjemand möge doch das Licht ausmachen. Er will Herrscher sein – und die Betrachter dazu machen. Drei Monate dauert Pfeiffers Film über den Bau eines Wespennests und noch viel länger sein Sonnenaufgang. Noch heute wohnt diese Erfahrung in seiner Kunst. so steigen die Klänge aus der Stille auf. Bei ihm ist das vergängliche Spiel ewiges Drama: Pfeiffer entzeitlicht seine Szenen. auch im richtigen Leben.

dass nach seinen Berechnungen schon im vergangenen Jahr 33 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Kunstversteigerungen in China gemacht wurden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 59 Dieser chinesische Tisch aus ZitanHolz wurde bei Nagel in Stuttgart für 1.und Fernsehpublikum der sechziger und siebziger Jahre die Wunder der Welt ins Wohnzimmer. Ist die Zeichnung fertig. der am vergangenen Freitag im Stuttgarter Auktionshaus Nagel einen Tisch aus dem kaiserlichen China ersteigerte. Dagegen forderte der Sammler bei der Eröffnung. sodass sie der traditionell im Juni stattfindenden Ur-Art-Basel keine Konkurrenz auf einem anderen Kontinent mehr machen wird. Fotos: Nagel Auktionen. könnte einer höfischen Szene des 18. machte das Objekt aus der Qianlong-Periode zum wahrscheinlich teuersten Tisch der Welt. und wie Bernhard Grzimek. begründet der Messedirektor Marc Spiegler den Zukauf. Jahrhunderts entstammen. Das Bietgefecht. Die Art HK hat sich – zumindest aus westlicher Sicht – als die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst im asiatischen Raum etabliert. Amerika. Da ist die hügelige Landschaftsidylle eines tibetischen Künstlers. In Indianerreservaten in Neumexiko stieß er auf die Technik der Sandmalerei. in dem man auf engstem Raum von der Stammeskunst Melanesiens über Wahlplakate aus Ghana bis zu den Zeichnungen der Inuit im Norden Kanadas eine Sammlung derart bunter Kunstwerke sowohl von Amateuren als auch von Nationalmalern besichtigen kann. Wie Luis Trenker. Michael Trautmann hat dem Auktionshaus in Deutschland über die Jahre den besten Ruf bei den Asiaten erworben. Gut 300 Chinesen saßen während der Auktion im Stuttgarter Auktionshaus. Es gab Widerstände gegen das Museum. der die Weltenbummelei inzwischen zu seinem Beruf gemacht hatte. der zuständige Asienexperte bei Nagel. das sich so gar nicht in die backsteinern norddeutsche Leitkultur integrieren mag. weil er Farbe in ihr Leben bringt. in den zwanziger Jahren gelangte er in den Besitz des deutschen Mediziners Edmund Dipper. in der er als Homosexueller das Schlimmste zu befürchten hatte. einen ägyptischen Teppich von Helmut Schmidt. Es ist ein kluger Schachzug. Mit Aufgeld hat Nagel in seiner zweitägigen Auktion asiatischer Kunst insgesamt 20 Millionen Euro umgesetzt – in etwa also so viel. die dem Geschmack S Der China-Boom Mit Asiatika erzielt das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde. »Abstrus!«. Erhaben schließlich die Einsicht. und man könne sich dort ein wenig wie in der Schweiz fühlen – wegen der liberalen Steuergesetze und Freihäfen der Stadt. der Tierfilmer. weltweit die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst. ein Wandbild vom Präsidenten des Senegal. Trügen die Frauen nicht zackige Dreispitze als Kopfbekleidung. dem sie wie einem Fetisch zu huldigen scheinen. ein Pudel hechelt verbindlich. wo er auch als Kunstlehrer gearbeitet hatte. Bunte Marktstände. Die Zukunft des Marktes liegt im fernen Osten VON TOBIAS TIMM der asiatischen. das war 1931. 15 in schwarze und weiße Felle vermummte Gestalten versammeln sich um einen roten Fußball. aber nicht unbedingt der europäischen Sammler zusagten. vor allem aber und immer wieder nach Afrika schrieb er viele Bücher.33 Millionen Euro gekostet hat? Die Frage möchte man dem Milliardär aus Hongkong stellen. und wer über 500 000 Euro ausgeben will. Asien. bis 29. höchst ungewöhnliches Ensemble. ein Huanghuali-Bücherkasten für 240 000 Euro (jeweils ohne das Aufgeld des Auktionshauses von 33 Prozent). wie das Haus noch 2002 mit all seinen Auktionen in einem ganzen Jahr umsetzte. denn das Geschäft in China könnte bald zum wichtigsten der Welt werden. Titel: Die schöne iranische Sonne. Er war Konsul mehrerer afrikanischer Staaten und ließ überhaupt recht wenig aus in seinem Leben. dann aber von diesem nicht bezahlt worden war. Zusammengetragen hat Italiaander seine Sammlung mit bescheidenen Mitteln. Vom persischen Schah die Ansicht eines Wüstendorfs unter gleißender Sonne. Und so lassen sich mit altem chinesischem Kunsthandwerk derzeit die unglaublichsten Gewinne machen. muss vor der Auktion eine Depotzahlung an das Auktionshaus überweisen. Verblüffend ist die Zahl der Materialien und I Stile. Kulturschock für einen Euro fünfzig Der ZEIT-Museumsführer: Das Museum Rade am Schloss Reinbek TÄGLICH GEÖFFNET. Auch andere Lose erzielten spektakuläre Preise. der in Peking das Deutsche Hospital leitete und Leibarzt des letzten Kaisers Puyi war. der von der Erhabenheit der Alpen schwärmte. Mit Manfred von Richthofen. schrieb Rolf Italiaander sein erstes Buch: So lernte ich Segelfliegen. rote Dächer und neben einem weiß blühenden Baum die Kirche im Dorf. der sich laut Bildbeschreibung als Jäger und Fischer ernährte. wie das Leben sich überall gleicht. Mit Fälschungen. Museum Rade . Die Figuren mit den überlängten Beinen wirken. Ähnliches gilt für Ein Markt am Stadtrand von Rio einer brasilianischen Malerin. Einmal Kulturschock in Reinbek kostet einen Euro fünfzig. Reiseromane. und die Art Basel geht nach Hongkong. Wer zahlt so viel Geld für diese Möbel? Es sind zumeist chinesische Sammler.KUNSTMARKT 12. Die Haltung des jüdischen Königs Salomo auf einem aus Äthiopien mitgebrachten Ölgemälde auf Ziegenfell. die auf mögliche Kopien hinweisen. glücklich schockiert nach der Auktion. Italiaander hat ausschließlich Naive gesammelt. wie er sich da vor der Königin zu Saba zu einem Handkuss verneigt. Hörspiele. Nach dem Krieg gründete er eine Gesellschaft deutscher Übersetzer und die Freie Akademie der Künste in Hamburg. Jahrhundert wurde für 600 000 Euro versteigert. Das Rechercheunternehmen Artprice gab kürzlich bekannt. Hongkong. habe man in den vergangenen Jahren kaum noch Probleme gehabt. dass Italiaander einigen Einfluss nahm. Mit 19 Jahren radelte er quer durch Afrika. er wurde aus dem extrem langsam nachwachsenden Zitan-Holz geschnitzt. dass der Markt für alte chinesische Kunst derzeit unglaublich boomt. Kinderbücher. den sie vermitteln. In Afrika. um an seine Werke zu gelangen. Gut drei Prozent mehr als in den USA. anders als die Konkurrenten bevorzugte er für die Nagel-Auktionen schon früh solche Lose. Der Millionen-Euro-Tisch etwa stammt aus dem kaiserlichen Palast. dafür spricht eine andere Meldung des vergangenen Wochenendes: Die Eigentümer der Art Basel. dem einst wichtigsten Kunstmarkt der Welt. Als Autor von Fliegerromanen rettete er sich über die NS-Zeit. sondern »nur« das Leben reflektiert. aus dem der Mann aus Hongkong am Ende siegreich hervorging. sagt Michael Trautmann. Und so konnte er sich auch für die jetzige Auktion wieder einige mit moderaten Schätzpreisen versehene Meisterstücke sichern. aus Deutschland kommen unter anderem Sprüth Magers. versuchte sich als Dramatiker und entdeckte als Verleger den noch unbekannten Wolfgang Borchert. in der eine Familie zwischen Bäumen an einem Fluss spazieren geht. so der Vorwurf. Das entgrenzte Lächeln aller Beteiligten entbehrt nicht einer gewissen Komik. Contemporary Fine Arts und Eigen + Art. Mit so hohen Zuschlägen hätte auch er nicht gerechnet. darunter auch bekannte europäische Namen wie Louis Vivin oder Hector Trotin. Und die Fliegerei begleitete ihn bis an sein Lebensende. Selbst die Kultbilder und die religiösen Motive aus fernen Ländern wirken vertraut. Jetzt war der Tisch mit einer Taxe von 20 000 bis 30 000 Euro versehen. Sie kommen nicht heran an eine Lithografie des kanadischen Inuit Iye. übernehmen 60 Prozent der Anteile der Hongkonger Kunstmesse Art HK. Spektakulär war im vergangenen Herbst der Fall jener Qianlong-Vase. der beste Jagdflieger des großen Krieges gelang ihm sogar ein Bestseller. Ob sie es taten. und oft brachte er Kunstwerke mit nach Hause.33 Millionen Euro versteigert chreibt es sich besser an einem Tisch. obwohl er weiß. Seit 1987 beherbergt das Museum Rade am Schloss Reinbek die Sammlung Italiaanders – ein grandioses. brachte Italiaander dem staunenden Lese. 2001 war die Bücherkiste bei Sotheby’s in London noch für 7000 Pfund (inklusive Aufgeld) versteigert worden. Die Navaho-Indianer streuen mit buntem Sand Zeichnungen ihrer Götter auf den Boden. der ballspielende Männer ebenso wie Urwaldtiere malte und sein Geld als Zöllner verdiente. die für 43 Millionen Pfund im kleinen englischen Auktionshaus Bainbridge’s einem chinesischen Sammler zugeschlagen. dieses Jahr stellen hier vom 25. Italiaander präparierte eine Platte mit Leim und brachte einen Navaho dazu. es gebe keine Zensur. weil sie nicht die Geschichte der Kunst. Viele der Arbeiten bekam er geschenkt. von dem sie erzählt. der 1. Sie gehören zu den schönsten Stücken der afrikanischen Abteilung. das Flugzeug brachte ihn. machen sie sie – glaubensbedingt – am Abend wieder kaputt. Überfremdung sei in Reinbek nicht erwünscht. als wäre ein starker Wüstenwind durch Giacomettis Gestalten gerauscht. die Szene könnte en plein air statt im Himalaya auch bei Bruhnskoppel in der Holsteinischen Schweiz gemalt worden sein. ein Paar Huanghuali-Armlehnstühle aus dem 17. Insolvente Bieter versucht man in Stuttgart – wie in anderen Auktionshäusern auch – mit bestimmten Regeln fernzuhalten: So dürfen Sammler nicht über gewisse Limits hinaus mitbieten. Es ist nicht das einzige Mal. 4500 Stück des vierbändigen Auktionskatalogs hatte man in den Wochen zuvor an Interessenten in China verschicken müssen. Fest steht jedoch: Es gibt kein zweites Museum in Deutschland. Dass die vermögenden Chinesen nicht nur an altem Kunsthandwerk interessiert sind. seine Zeichnung statt auf den Sandboden auf die Platte zu streuen. Die neuen Eigentümer verlegen die Hongkonger Messe ab nächstem Jahr von Ende Mai in den Februar. »die Schleswig-Holsteiner müssen sich neu besinnen«. aus Baumwurzeln Skulpturen zu schnitzen. Sein Museum hat etwas von diesem Staunen ins Heute herübergerettet. Ihr prominentester Vertreter ist Henri Rousseau. Der Mann hat sich einen Pullover um die Hüfte geknotet. sei eine panasiatische Stadt. Man hat diese Kunst als »naive Kunst« bezeichnet. Hauser & Wirth und David Zwirner aus. und die Zahlungsmoral der Höchstbietenden aus China ist zuweilen sehr gering. er steigerte seinen mittleren Schätzpreis also um das Vierzigfache. sagt Trautmann. Über seine Reisen nach Ozeanien. wir wissen es nicht. Dramen. zu geschult sei inzwischen der eigene Blick und zu eng das Netzwerk der Experten. Mai große Galerien wie Gagosian. die in den vergangenen Jahren extrem reich geworden sind und sich nun das entsprechende Kulturgut leisten wollen: Die neuen Kaiser von China bevorzugen Kaiserliches. Mit der Gründlichkeit des Ethnologen und dem Gespür des Sammlers durchstreifte Italiaander die Kontinente. animierte er seine Schüler dazu. doch hat der Markt auch seine Tücken: Es kursieren viele Fälschungen. Und bescherte dem Auktionshaus Nagel seinen ersten Millionen-Euro-Hammerpreis sowie den deutschen Rekordumsatz mit einer Spezialauktion. Doch sie zeigen das bekannte Europa. Überwältigend der Eindruck von der Vielfalt der Welt. AUSSER MONTAGS VON SVEN BEHRISCH 101 Ein Häuptlingsstuhl aus Melanesien N° m Alter von 18 Jahren. schließlich an viele entlegene Orte der Erde.

Man sieht diesen Blick auf dem Schulhof. dieses Kabelgewirr! Erbärmlich. Das humane und liberale Gegenstück zu Fischers Selbstporträt präsentierte in diesen Wochen bezeichnenderweise der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU). als er gegen die Mehrheit seiner Partei den militärischen Schutz der bosnischen Muslime vor den serbischen Aggressoren verlangte. die elitären Weltverbesserungsfantasien innerhalb der westdeutschen Linken zu überwinden. dass die Fünfundvierziger. dem verwegenen Freibeuter. und das Möbel sieht aus. Reden und Texte beim zeitweisen Joggen hatte verfertigen können. wie er indigniert bemerkt. »Osama. PETER KÜMMEL www. mit intelligenteren Methoden zu verteidigen als nur mit dem Traditionsargument. Allerdings wird das Wort auch (gern unter jungen U-Bahn-Fahrern) benutzt. in der es sich ereignet – der bohrende Lustblick als die schnellste intime Erfahrung. und zieht doch »keine gänzlich negative Bilanz«: »1968 und die folgende Zeit haben die Establishments aller Richtungen gezwungen. Was ist mit den Weibern im Orient los? Es kann natürlich sein.FEUILLETON Weniger Feuilleton Das Fernsehprogramm zdf. Alsdann blieb ihm »eine Position in Europa« versagt. Er allein führt die Regie. von Eitelkeit und Kontrollwahn getrieben. als käme es direkt vom Baumarkt. so hatte die vierte Folge der Räuberpistole Fluch der Karibik eben in Los Angeles Premiere. Der Filmheld hat erhebliche Verdienste vorzuweisen. Wenn der Bestarrte den Blick senkt. oder von Klaus Störtebeker.kultur. die. als er davon schwärmt. dessen Schiff voller Gold und Silber war. später als Außenminister bis 2005. wie Fischer sagt. alte Räuber mag es geben. so die Erklärung des Programms. weil dort versucht worden sei. in deren Gemächern orientalische Pracht zu finden sei. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 61 Das Letzte Arme. Während Pepe Danquarts Film Joschka und Herr Fischer steht Fischer im Ambiente einer Art Tiefgarage. der seinen Erinnerungen 1922 den Titel Ereignisse und Gestalten verpasste. sie stelle sich nicht mehr. dem edlen Rächer der Gerechten. Und das war immerhin etwas. Offensichtlich musste dieses Land nach der Gewaltorgie des »Dritten Reiches« durch solche Auseinandersetzungen »ein Stück weit hindurch«. Wer auch immer seinen Kinderwunsch. einer Reportage über die erste Heavy Metal Band in Bagdad. endlich in die Tat umsetzen will. miteinander in Streit zu geraten. Und trotzdem musste er den Fernseher mutterseelenallein bedienen. dürfte die skeptische Generation der 20. traten die Sendungen dazwischen. Er verfährt nach dem Prinzip von Wilhelm II. Zumindest vorerst. Gelegentlich kommen Duzfreunde zu Wort. er scheint mit genau dieser Mischung aus Kult und Kultur zu bestehen zu sein.zeit. Fischers politische Gegner werden nur als Witzfiguren eingeblendet. wir sehen weder Ali Baba noch die vierzig Räuber und ihre sagenhaften Schätze. Und auch die Nostalgie wird gleich von der ersten Woche an bedient: Die Ratesendung Dalli. ›wie wir’s dann zuletzt‹ – nach 1945 – ›so herrlich weit gebracht‹. sozusagen im Joschkabunker. die sich mit Angriffen auf einzelne Frankfurter Polizisten hervortat. die ihn ebenso prägte wie er sie«. Später hielt der Nichtpazifist Deutschland aus dem Irakkrieg heraus. das den Theaterkanal ablöst. so lautete am Sonntag die schlichte Ansage eines der tausend neuen FacebookFreunde auf der Profilseite von zdf. nicht die Achtundsechziger. den intensiven Augenkontakt zwischen zwei möglichen Geschlechtspartnern. Ein »Medium von morgen« war dem jungen Zuschauer schon vor dem Start des neuen digitalen Fernsehkanals zdf. Die Bielefelder Rede. ist er vernichtet. Fischer zählte damals zu den fünf Delegierten des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. Sie.de/audio . Ein Räuber mit Fernbedienung! Und was bedient er? Einen 14 Zoll kleinen Röhrenfernseher. Das wäre sozusagen ein VoodooZauber nach Märklin-Art. Eine ganze westdeutsche Protestgeneration hat sie mit ihm begangen. was während seiner Lebenszeit alles geschehen sei – einer »Epoche. während er einige Sekunden lang perfekt in das berühmte Foto montiert erschien.. wesentlich zum Aufbau und zum Gelingen der zweiten deutschen Republik beigetragen haben. und da weiß ich keine Antwort mehr. die darauf folgte. So viel zur Ästhetik. Vor allem aber trug er 25 Jahre lang in schier unendlichen Auseinandersetzungen dazu bei. man habe das »prinzipienlose Spektakel« unter Protest verlassen. sollte mit wirklich allem rechnen. dass die NS-Verbrechen verfolgt wurden und in den sechziger Jahren an den Schulen Filme und Texte gezeigt wurden. will auch keine mehr wissen.oder Popkultur. Fischer könne es kaum fassen. dass der furchtbare Osama in dieser Hinsicht eher furchtsam war. »Weitermachen«. Unter dem Schlachtruf »Weniger Feuilleton!« solle sich der junge Erwachsene nicht mehr voll schlechten Gewissens von Inhalten abwenden. aber bevor es zu ulkig wurde. wo es langgeht und was machen. Was übrigens die Räuberei. die er als Initiator der Widerstandsorganisation »Bund Freiheit der Wissenschaft« ausstand. das umso häufiger vorkommt. nicht zuletzt wegen des besseren Gedankenflusses.kultur will der denkfaulen Jugend eine Freude machen VON NINA PAUER Schlange gestanden hatten die Signalwörter. eindimensional und kalt. Die Frage nach Hoch. Er nannte seine Erinnerungen Böse Jahre. der Kampf zweier Menschen. ließ langhaarige HimmelskörperExperten die »animalische« Wirkung der Gestirne erläutern. die aus dem Zentrum der medienüberladenen. seine Frauen und Kinder behandelt er als Unpersonen. Der Protagonist schnipselt sein Leben für das Goldrähmchen zurecht. die von den Frankfurter Spontis zum Terrorismus führten. etwas. Maier lässt seine Töchter zu Wort kommen. in der Disco. In der Art von Hofschranzen berichten sie ausschließlich Lobenswertes. »die palästinensische Revolution unter Kontrolle zu bringen«. Wenn er standhält und zurückstarrt. Bild veröffentlicht dazu ein Foto der formidablen Penélope Cruz und schreibt in vertraut subtiler Diktion: »Ihr Dekolleté – pralle Beute für Seeräuber. die »ganz überwiegende Mehrheit« der Neuen Linken habe sich vom »neobakunistischen Gewaltkult« abgewandt. Obama. Konzertmitschnitten von Bands wie Mando Diao und Björk. Dalli erlebt unter der Woche am Mittag ihre Renaissance. selektive Einblicke in mehr als 60 Jahre Leben gewähren. Seinen Vater. setzten durch. er befehlige eine Bergfestung. konzediert er. denn es wird berichtet.Kultur am vergangenen Wochenende versprochen worden. wir sehen einen alten Mann. die keine Zeit hatten. je größer die Stadt ist. zu sehen waren abwechselnd Fragmente des klassischen Kulturkanons aus Oper und Sinfonieorchester und rappende Straßenmusiker. Einer von ihnen berichtete nach der Rückkehr. wie gut er Gedanken. wo dienstbare Geister auf einen Wink des Herrschers mit der Wasserpfeife herbeieilten? Nichts davon zeigt uns das von den Amerikanern veröffentlichte Foto. Ebendeshalb bleibt Fischer weit unter seinem Niveau. Das Umdenken. sollte es sich gut überlegen. mittendrin die größte Gestalt – der Kaiser als ewiger Rechthaber. oh Drama«. Lieber Unternehmer! Da darf man ganz legal räubern. gut möglich. gehört zu seinen Glanzleistungen und zu den wenigen Höhepunkten des Films. die Grünen zu der Partei zu formen. nicht uninformierten oder uninteressierten. eine nie dagewesene Mischung aus »Popkultur« und «Lebensgefühl«. er habe drei Ehefrauen besessen. sprach Jo Schück in der ersten Ausgabe seines Popmagazins Der Marker ebenso trocken wie sinnfrei. in der Kneipe: Einer durchsengt einen Schwächeren mit dem Hass-Laser.« Möglich immerhin. nach uralten Regeln. einer wurde dabei lebensgefährlich verletzt. aber genauso wenig von Mainstream-Plattheiten angeödet fühlen. der Zeit als hessischer Umweltminister. mit der Fernbedienung in der Hand. Poetry-Slam-Live-Übertragungen und ein stets selbstironischer Grundton der Moderatoren. doch bleibt er merkwürdig unpersönlich.« So wurde er Taxifahrer.bis 40-jährigen Mediennutzer tatsächlich goutieren. so erläutert Herr Fischer sein Leben. wo er seine Märklin H0 im Maßstab 1 : 87 fahren ließ (just jenes Modell. Eine gewagte Prognose angesichts einer Zielgruppe. Er bezeichnet. Ansehen und vielleicht gar das Bundesverdienstkreuz. die ihm als kulturell bedeutsam diktiert werden. Frauen sind zum Ehrendienst nicht zugelassen. Wohl deshalb schweigt er über sein postpolitisches Dasein als wenig beachteter Lobbyist. gewinnt Reichtum. Wie anders der schreckliche Osama bin Laden! Hätte man nicht denken sollen. ebenso die VerbindunVON GÖTZ ALY B Sehenswert The Four Lions von Christopher Morris An einem Samstag von Alexander Mindadze Das Hausmädchen von Img Sang-soo gen. um von Gewalt zu reden. die heute von so vielen gewählt werden kann. herangezoomt. erbärmlich. Wahrscheinlich hatte er eine Modelleisenbahn im Keller. Fischer heute wegen solcher Fehltritte zu diskreditieren. den wilden Jahren.« Zu diesen Veränderungen hat Joschka Fischer beigetragen – im Bösen und im Guten. Darin flimmern auf Leinwänden wechselnde Fotos und Filmausschnitte. Er neigt mittlerweile zu Floskeln. Räuberhauptmann zu werden. Inhaltlich fehlt jede kritische Brechung. diese Steckdosenleiste. Solche Untaten bagatellisiert der einstige Straßenkämpfer. dass Osama bin Laden diesbezüglich besser versorgt war. Es gibt keinen Grund. gute Jahre. Immerhin. mit der Fischer 1999 – von einem roten Farbbeutel getroffen und am Trommelfell verletzt – in knapp fünf Minuten den deutschen Kampfeinsatz gegen Serbien auf dem Parteitag der Grünen rechtfertigte. aber doch leicht ablenkbaren Jugend der Fernsehzuschauer rekrutiert wurden. Auch darüber schweigt der Film. 12. Doch was letzten Samstag um 6. Aber eingeleitet hatte Fischer diese Wende bereits 1995. beginnt. Das philosophische Quartett und aspekte werden regelmäßig auch im Kultursender zu sehen sein. also die Halbwüchsigen. Der Quotentest beim Jungmenschen. Er erzählt aus der Kindheit. Eine ebenso seriöse wie skurrile Dokumentation zur Erotik des Mondes. die Zwischenstadien und Übergänge lässt er im Nebel. konnten meine Freunde nicht verstehen. Lächerlich! Foto: Nadja Klier/X-Verleih WÖRTERBERICHT Blickfick(en) Ein Begriff aus eiligen Zeiten. genauer die Seeräuberei betrifft. als Verb wie als Substantiv. anders als noch vor drei Jahren. umhüllt von einer Wolldecke. «Internet und Fernsehen«. In aller Bescheidenheit sagen kann er das nicht. Die Fotos von der propalästinensischen Konferenz in Algier 1969 fehlen. miteinander auch nur ins Gespräch zu kommen. die das Mutterhaus in den neuen Kanal exportiert: Die heute nachrichten. er schwärmt von Robin Hood. seine Mutter.« Dazu wäre ihm zu raten. Sein 1979 verfasster Aufsatz Durchs wilde Kurdistan trug dazu bei. die Arme über dem Bauch verschränkt. nachdem wir uns zum Thema Rüstungspolitik oder vorehelichem Geschlechtsverkehr angebrüllt hatten. aber wer Räuberhauptmann werden will. 1973 gehörte Fischer zur Frankfurter »Putzgruppe«. die keine Zeit haben. wie es war: Joschka Fischer. der auf einem schäbigen Schreibtisch steht. in dem die Nachkriegsjugend aufwuchs. dass er seinen Feind Obama als Puppe auf den Tender setzte und gegen den Prellbock fahren ließ. denen 1945 die Freiheit geschenkt wurde. Unter Hinweis auf die Killerkommandos der RAF und die islamische Revolution hatte er damals geschrieben: »Zuviel wird noch gefragt.30 Uhr mit dem neuen Video Make Some Noise der Beastie Boys auf Sendung ging. Dank solcher Wandlungen stellte Richard Löwenthal ebenfalls 1979 erleichtert fest. »Ist das Kultur?«. Beworben wird der Film mit dem Satz. die auf derartige Ansprachen wie keine andere notorisch mit allergischem Argwohn reagiert. und die älteste schreibt über ihre Konflikte mit dem Vater: »Dass wir. Zu Recht erwähnt Fischer das »moralische Zwielicht«. Verfassungsstaat und Demokratie mit mehr Phantasie. aber der Mythos erzählt uns etwas ganz anderes. das Horst Seehofer laut Spiegel auch besitzt). Das Ganze dauert 140 Minuten und ermüdet enorm. FINIS War schon alles gut so. umgeben von den Bildern seiner selbst Im Joschkabunker Ein wahrer Staatsmann muss auch im eigenen Film herrschen: »Joschka und Herr Fischer« laues Hemd. Natürlich sind das haltlose Spekulationen. Fischer folgt den Meilensteinen seines Lebens. die darüber aufklärten. Nur einmal. Herausgekommen ist dabei – so zeigt es wenigstens das erste Sendewochenende – ein schneller Rhythmus von Bildabfolgen. fragte im ersten Vorstellungsfilmchen eine strenge Stimme aus dem Off. So wie es umgekehrt nicht undenkbar erscheint. dass auch Obama eine Modelleisenbahn besitzt und seinen Feind Osama entgleisen ließ. Und diese Unordnung. zusammen Schumann-Lieder am Klavier sangen.« In aller Ruhe schildert Maier die schwarze Seite der Achtundsechziger-Revolte und die Kämpfe. spricht er von der Zukunft: »Vielleicht fange ich das Laufen wieder an. das den Stab des amerikanischen Präsidenten bei der Beobachtung von Osama bin Ladens Tötung zeigt – und sprang anschließend kommentarlos zum nächsten Thema über.

dass sie fasten«) und im Wörterbuch Hochdeutscher Mundart (»Scheinheilig ist. er ist ein Showtalent. es mache einen Unterschied. Ob das den Prediger beunruhigt? Nein. dann zog er den Aufruf wieder zurück und wollte nur noch über Islam und Terrorismus reden. wenn ich ein Totengebet mache. antwortet sein Pressemann in seinem Namen. welchen Jugendlichen beeinflusst das? Ich widerlege die Argumente der Gewaltbereiten. musste ich erst die Ansprache meines Präsidenten hören. um den Tod eines Feindes zu feiern. Außerdem braucht es keinen Pierre Vogel. was schnell passiert. »Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung«. Sie merkte gar nicht. Der Name bin Laden dürfe in seiner Rede nicht fallen. das wir für Blut vergießen. Stattdessen schimpft er auf die Medien. ist weiteres Blut. dass die Veranstaltung hier draußen ist. Dass der Verfassungsschutz wieder einmal aufmerksam wurde. Der radikale Prediger ist bei jungen Muslimen beliebt F und blickt die Reporterin direkt an. in der Bibel (»Heuchler geben sich ein trübseliges Aussehen. bei Vogels letztem Auftritt in Frankfurt waren es dreimal so viele. und wenn er sich falsch zitiert fühlt. die mit Osama bin Laden sympathisieren. in dem man nicht mittels Lügen andere Menschen zerstört!!!« Jetzt sitzt Pierre Vogel lächelnd vor einem Kentucky Fried Chicken am Rande Frankfurts. Auf seiner Homepage steht das Video eines Interviews mit Spiegel TV. dann vergessen wir. Pierre Vogel steht am vergangenen Samstagabend wie immer etwas breitbeinig auf der Bühne. Ein Satz des deutschen Militärtheoretikers Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1608 geht mir nicht aus dem Sinn: »Durch krieg kompt der frieden / und sollen die jenige / so in fried und ruhe leben wollen / in wahffen geübte leute sein. schlechte Morde. dafür ergötzten sie sich eine geschlagene Woche an der rhetorischen Frage: Darf man sich über den Tod eines Menschen freuen? Ja.. Er braucht die Medien nicht. Der Verein Einladung zum Paradies hat einen YouTube-Ausschnitt von Helmut Schmidts Besuch bei Beckmann auf die Homepage gestellt. die Islamphobie vieler Deutscher anzuheizen. hält sich auch als Prediger für unverwundbar. hatte Vogel auf Facebook als Freund hinzugefügt. wie er es ihnen auf seiner Homepage geraten hat. Auch die jungen Angestellten von Kentucky Fried Chicken sehen ehrfürchtig zu ihm herüber. antwortete mit einem Bibelwort aus der Genesis: »Wer Menschenblut vergießt. der sich einen Weihnachtsbaum aufstellt und mit dem man auch mal einen trinken kann. »Wir rächen Blut mit Blut. zwei US-Soldaten erschoss. Pierre Vogel verehre. fragt er als Erstes seine Anhänger. ein geistlicher Berater Obamas. herausgeschnitten wurden. der die Argumente von alQaida widerlegt hat. in denen er Anschläge verurteilte. Vogel: Man kann Leute nur zusammenbringen. der sich einen Spaß daraus machte. witzelt Vogel: »Sollen wir ihn hauen?« Vogel meint den Passanten. In Wahrheit kommt sie aber von Bosheit. weil sie Steuern zahlen. Auf dem Höhepunkt der Konfessionskriege im 16. liebe Sprachpolizei. wer für ihn betet. D.markus-kirchgessner. was ist ein heiliger Krieg und was ist Heuchelei? Was gerecht ist. was ein strenggläubiger Muslim eigentlich nicht tut. Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Patrick Brugh. Ein deutscher Muhammad Ali! Pierre Vogel alias Abu Hamsa hätte die Menschen verbinden können. weil ihm der Zeitungsfotograf im Weg steht. Vogel ärgert sich. Derzeit forscht er an der Herzog-AugustBibliothek Wolfenbüttel über frühe Kriegsromane . das ist Heuchelei. Facebook und Twitter verbreiten aber auch ein anderes Zitat. die kürzlich in Düsseldorf festgenommen wurden. Moralisten zu verhöhnen. endlich die moralischen Dilemmata zu sehen. ZEIT: Die Merkmale eines Mordes sind in beiden Fällen gegeben. Trotzdem ereiferte sich die Republik. dass ihm für den Zweck des Heiligen Krieges jedes Mittel recht sei. Den Namen bin Ladens nennt er tatsächlich nicht. Vogel: Was ist denn ein abscheulicherer Mord: wenn jemand einem Kind die Kehle durchschneidet oder wenn jemand denkt. dann werden Leute kommen.« Dilich nennt den kriegerischen Menschen Friedenskämpfer und rechtfertigt den Kreislauf der Gewalt. und 17. Das ist doch gegenseitige Einschleimerei. (27). Wir bekämpfen Finsternis mit Finsternis. geschlagen zu werden«. Das ist Schwachsinn. allerdings außerhalb der Stadt auf einem Freigelände am Rebstockpark. gleichzeitig rela- tivieren Sie den Mord an den Soldaten. I’m islamic oder I love Islam. Er spricht die Sprache der Jugend. dass er heute am Stadtrand predigt. Vogel: Das Wichtigste ist. Einen Tag nach der Veranstaltung in Frankfurt wird bekannt. Es mag auch daran liegen. dass die Scharia von Gott ist und absolute Gültigkeit hat. Auf der Wiese nebenan wird gegrillt. als sei alles ganz einfach. Ein guter Muslim. um überall auf der Welt Krieg zu führen. dass die dümmsten Bauern die größten Moralapostel sind und dass Ehrpusseligkeit von Mangel an Verstand kommt. Die Gäste blicken von ihren frittierten Hühnchen auf. »Das moralische Verurteilen ist die Lieblingsrache der geistig Beschränkten«. Seit einiger Zeit strebt das Bundesinnenministerium ein Verbot des Vogel nahestehenden Vereins »Einladung zum Paradies« an. Die Menschenwürde ist so universell.. Moral begründen schwer. Er distanziert sich zwar von Gewalt. dass wir sogar den Tod eines Massenmörders nicht feiern wollen. Ein guter Muslim. Vogel: Diese Leute haben null Einfluss. weil er ein Subjekt mit einer Würde ist. sondern allenfalls Erleichterung. Wir feiern in Finsternis. wann sie erfahren hätten. was selbstgerecht ist. Junge Männer. Vogel wurde in dem TV-Beitrag mit dem Satz zitiert. ZEIT: Warum sagen Sie den jungen Leuten nicht klar und deutlich. Doch wenn wir Amerikaner so jubeln wie letzte Woche. stellt sich in seine Nähe. D. ist ihm egal. Pierre Vogel stört das nicht. Nicht mal den Mumm. ZEIT: Die islamische Religionsgemeinschaft Hessen rief auf. also den Staat repräsentieren. ob jemand Zivilisten töte oder Soldaten. Und wenn er uns genützt hätte? Wäre uns bin Ladens Würde dann wurst? Moral predigen ist leicht. 7. Mir als Amerikaner in Deutschland war der rowdyhafte Hurrapatriotismus peinlich. ZEIT: Sie tun. heißt es in den Auflagen. er gibt sich jetzt höflich interessiert VON ANNABEL WAHBA Pierre Vogel (rechts) sprach letzten Samstag in Frankfurt am Main über Islam und Terror. Das mag daran liegen. Jetzt steigt er auf die Bühne und spricht. auf Mord steht »lebenslänglich«. das Verwaltungsgericht genehmigte ihn doch. und so kann ich mit ihnen über Terrorismus reden. hat das Problem scheinheiligen Moralisierens unterschätzt. wenn der Mann mit dem langen Bart von Osama bin Laden spricht. weil die Sätze. sogar von ultrareligiösen wahhabitischen Salafisten. indem man fragt. wie das die Muslimverbände tun? Vogel: Das sind doch Sesselfurzer. dass wir auch die Würde eines Mannes wahren müssen. ist traurig genug – ein Dilemma ist eben unlösbar. Vogels Anhänger tragen T-Shirts mit dem Aufdruck Don’t panic. Vogel: Also nach deutschem Strafrecht gibt es unterschiedliche Haftstrafen . zumal die Medien ihm eine ganze Weile folgten. wie sich soeben in der bigottesten Debatte des Jahrzehnts gezeigt hat. Das Publikum in Frankfurt applaudiert. Dass aber deutsche Moralapostel so tun. Die Antwort steht. EVELYN FINGER Totengebete verboten Wie Deutschlands bekannteste Islamist Pierre Vogel auf das Ende bin Ladens reagierte rüher stieg Pierre Vogel in den Ring. das sei natürlich nur Spaß. als habe Angela Merkel eigenhändig den Al-Qaida-Chef getötet. Böse musste man schon sein. wie oft Friedenshoffnungen als Argu- ment für Aufrüstung missbraucht wurden. Denn hier liegt ja schon das erste Dilemma: Das Leben eines Menschen ist uns so viel wert. bevor sie gemeinsam zum Rebstockpark aufbrechen. Deprimiert setzte ich mich wieder an den Schreibtisch. Vielleicht können wir es so zusammenfassen: Heuchler erkennt man daran. der bringt vielleicht morgen meine Leute um. die dem Journalismus misstraut.und Vergeltungsszenarien erinnern an heutige Abschre- ckungspolitik: Wenn wir genug Waffen besitzen. dessen Blut soll auch durch Menschen ver- gossen werden. Darin sagt der Altkanzler. als sei man der größte Demokrat. regt er sich über die Schlechtigkeit seiner Mitmenschen auf. Eine Interviewanfrage der ZEIT hatte Pierre Vogels Pressemann kürzlich noch mit den Worten abgelehnt: »Wenn Sie ein ehrlicher und verantwortungsbewusster Mensch sind. was für ein fatales Argument das war: Dieser Tod hat uns nichts genützt. Hass kann Hass nicht beenden: Das kann nur die Liebe. Dann wird er wieder ernst. wenige Stunden vor seinem Auftritt. 32. wo der 21-jährige Arid U. da wird dann gesagt. Jeder Muslim glaubt. der seine Karriere als Profiboxer ohne Niederlage beendete.de (Frankfurt. darf man auf dem Friedhof lachen? Gegenfrage: Was ist ein gerechter Krieg. Vogel kokettiert gern mit seiner Boxervergangenheit. Doch seine Botschaften sind zwiespältig. der zum Muslim wurde. begreift man am besten.. Pierre Vogel. Die meisten Dschihadisten mit Deutschlandbezug kamen aus dem sa- Zwiegespräch mit der Menge. ist Germanistikdozent im Staat Missouri. dieser Soldat ist ein Verbrecher. um die USA zu kritisieren. dann veröffentlicht er die Originalfassung. Denn in der sonst so ruhigen Stimme lag diese unheimliche Spannung. ein Demokrat ist er nicht. junge Frauen mit und ohne Kopftuch. in dem es heißt. er wolle Jugendliche zum Gewaltverzicht bekehren. in die der Terrorismus uns gestürzt hat. Mit dem jüngsten Akt des Blutvergießens ist also nichts erreicht. dass der. Aus alten Kriegsbüchern wissen wir. Doch nach wenigen Sätzen hielt ich es nicht mehr aus. das von Martin Luther King stammt: »Hass mit Hass zu vergelten wird nur den Hass vergrößern und eine bereits sternenlose Nacht in noch tiefere Finsternis tauchen. wen ich anspreche. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 62 ETHIK UND OSAMA Was ist Heuchelei? Über den Heiligen Krieg und die deutsche Sprachpolizei Wenn der deutsche Rechthaber recht behalten will. weil sie ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei. Wenn wir also die Universalität der Menschenrechte verteidigen wollen. Arid U. weil er Gesetze als von Gott gemacht ansieht. dessen Wohnung von der Polizei durchsucht wurde. an das nächste Kapitel meiner Doktorarbeit. das von der Instrumentalisierung der Idee des Friedens für den Krieg handelt. man akzeptiere es. ZEIT: Gute Morde. Familien mit Kindern. Aber ich muss auch gucken. ZEIT: Bin Laden ist ein Massenmörder. Finsternis kann Finsternis nicht vertreiben: Das vermag nur das Licht. er tänzelt auf den Zehenspitzen hin und her. die auf Bäume klettern und Fahnen schwenken. und er weiß seine Worte zu wählen. Pierre Vogel kann sich seinem Gegenüber gut anpassen. sagt er. wie alles Wichtige. ich muss auch eine gewisse Rhetorik benutzen. um sich mit seinen Gegnern zu schlagen. weil bei einem seiner Vorträge das indizierte Buch Frauen im Schutz des Islam auslag. dabei ist Ihre Sicht nicht die der meisten Muslime. als stünden Sie für den wahren Islam. es ist Samstagmittag. um Sterne zu erschaffen. regte die Deutschen weniger auf. der sich selbst ins moralische Abseits gestellt hat. Salafismus gilt als unvereinbar mit der parlamentarischen Demokratie. Eine deutsche Justizministerin a. Er sucht das Ein Gegendemonstrant hält in Frankfurt das Kreuz Jesu Christi wie ein Banner hoch gebet massiv kritisiert.GLAUBEN & ZWEIFELN alle Fotos: Markus Kirchgessner/laif für DIE ZEIT/www. dass eine gewisse Art Moralismus die Rache der geistig Beschränkten ist. Frauen »genießen es. DIE ZEIT: Sie wurden für Ihren Aufruf zum Toten- lafistischen Milieu. sind solche Aussagen doch salafistisch. über Reizthemen zu reden. Jedes Interview. Pierre Vogels Disziplin ist jetzt die Rhetorik. was scheinheilig ist. in die Hölle geht. Das Ordnungsamt verbot seinen Auftritt in der Frankfurter Innenstadt. entspannt lehnt er sich im Stuhl zurück. das er gibt. können wir Osama bin Laden nicht als Unmenschen behandeln. das war nach dem Anschlag am Frankfurter Flughafen. greift uns niemand an. das ist ein Fundamentalist. Er behauptet. Ursprünglich hatte Vogel. Tatsächlich hatte sie die Worte »Ich freue mich« mit einer Leichenbittermiene gesprochen. sie habe sich über den Tod Osama bin Ladens gefreut. dass Sie gegen Terrorismus sind. erkennt man am klarsten. null Mut. er hat seine Homepage. Als Vogel endlich die Bühne betritt. um überhaupt Leute zu beeinflussen. aber ein Profi im Austeilen ist er noch immer. Das vermisse ich in diesem interreligiösen Dia-Lüg. ehe sie endlich die Frage stellten: Ist dieser Jubel moralisch? Pfarrer Jim Hunter. Als sich ein Passant beschwert. wie bei einem Jungen. verlassen Sie Ihre Werbeagentur und suchen sich einen ehrlichen Job. wenn man ehrlich ist. dass sie sich über ein falsches Wort mehr aufregen als über eine fragwürdige Tat. Vogel: Aber ich war es. für das sich jemand rächen wird. hier gibt er nun doch das Interview. das ist keiner. weil er junge Muslime zu oft als Problemjugendliche stigmatisiert. So argumentiert al-Qaida: Wir dürfen Amerikaner umbringen. wird gefilmt. dass hier nicht Freude im Sinne von Frohlocken gemeint war. zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufgerufen. wenn da jemand mit Krawatte gegen Gewalt ist. Dass er getötet wurde.« Wir Amerikaner haben die Hoffnung auf eine Welt ohne Terror benutzt. Was nutzt das. dass sie über der Kritik am Krieg-gegen-den-Terror beinahe den Terror vergessen und dass ihr wohlfeiler Pazifismus sie hindert. schrieb er in Jenseits von Gut und Böse. dass wir in Finsternis feiern und nicht im Licht. mit seinem Geheimnis herauszuplatzen. Aber wie verhindern wir. Der politische Salafismus ist die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland und hat enorme Sogwirkung auf die zweite und dritte Einwanderergeneration. der vor zehn Jahren zum Islam konvertierte und heute einer der populärsten deutschen Prediger ist. hat einem amerikanischen Botschafter a. indem man fragt. vorgeworfen. Osama bin Laden hatte gesagt. den äußern Schein der Heiligkeit annehmend. Blut. Ich habe Morddrohungen bekommen von Terroranhängern! Ich rufe permanent dazu auf. dass die Tötung bin Ladens die strenggläubigen Muslime nicht in dem Maße aufbringt. In dem amerikanischen Schnellrestaurant trifft er sich mit seinen Weggefährten. Der Boxer. Vielleicht hatte Nietzsche doch recht. Vogel: Trotzdem kriegt der eine vielleicht Sicherheitsverwahrung und der andere 15 Jahre. die man auch als moralphilosophischen Kern der Menschenrechte ansehen kann: Eine Zweck-Mittel-Relation ist auf den Menschen nicht anwendbar. Solche alten Droh. dass einer einen Heiligen Krieg führt? Und wer schützt die Würde seiner potenziellen Opfer? Dass diese alten Fragen offen bleiben.« Hunter scheint den dialektischen Charakter dieses Verses übersehen zu haben. Allerdings sind diesmal nur 400 Leute gekommen. Wenn es um die Scharia geht. der den Islam nicht annimmt. er darf nicht zum Objekt degradiert werden. um der Bundeskanzlerin zu unterstellen. ohne es wirklich zu sein«). Später auf der Veranstaltung am Rebstockpark verhalten sich seine Anhänger so vorbildlich. Er ist zwar längst kein Profiboxer mehr. Damit verneinte er die Kantsche Definition des Menschlichen. dass man sich hier an die Gesetze halten muss. nicht im Licht« Warum ein junger Amerikaner in Deutschland sich für die Jubelvideos aus seiner Heimat schämt VON PATRICK BRUGH U m die Nachricht von Osama bin Ladens Tod zu glauben. Jetzt haben wir also Videos grölender Amerikaner gesehen. aber er hat sich entschieden. der es nicht erwarten kann. sagt Pierre Vogel. Und auch die negativen Medienberichte treffen ihn nicht. Aber das sind viele Verbände nicht. Vogel mag sich in der Öffentlichkeit von Gewalt distanzieren. Auch wenn sich Pierre Vogel nicht als Salafist bezeichnet. Sie sind Vertreter eines neuen selbstbewussten Pop-Islams. er finde die Tötung bin Ladens in Pakistan »zweischneidig«. Ihre Veranstaltung zu boykottieren. Vogel wurde viel kritisiert für seinen Aufruf zum Totengebet. Man tut. zu spalten. ZEIT: Sie verurteilen den Anschlag. Und was heute noch heilig sein könnte. dass der 19-jährige Abiturient Amid Ch. Pierre Vogel: Ich weiß genau. Mai 2011) 12. und erschießt den? ZEIT: Mord ist Mord. damit die Leute merken. als müsse Angela Merkel nur die richtigen Worte sprechen. Pierre Vogel ist der Star einer Szene. Keiner hat sich gegen Terrorismus so klar positioniert wie ich. Nietzsche wollte sagen. Jahrhundert boten sie eine moralische Rechtfertigung für die entstehende Rüstungsindustrie. weil Interviews immer gekürzt werden. Er. ob man sie besser findet als das Grundgesetz. wie er geglaubt hat. Bereitwillig lassen sie sich von den Polizisten durchsuchen. durch bin Ladens Tod würden die islamistischen Anschläge nicht weniger. Doch Internetforen und Seminare dienen als Kontaktbörse auch für Extremisten. einer der drei Terrorverdächtigen. Für die Werbung in eigener Sache nimmt er gern in Kauf. uns zu sagen. Selbst Friedrich Nietzsche. die unmissverständlich klarmachte.

an dem Frisch »außerhalb von allem« sein konnte. heißt es im Tagebuch. Ein schönes Tal. der Mühe hat. Zehn Jahre später dominierte bei ihm eine andere. windet sich in engen Schlingen um überhängende Felsen. wenige Kilometer von der Grenze entfernt. tief unten rauscht der Isorno. So unheimlich still. hinter denen einem alles entgegenkommen kann. in vertrautes Gelände. die mit ihrer Familie hergezogen ist und nun mit fünf anderen Frauen zusammen das alte Handwerk des Strohflechtens in einem kleinen Atelier wieder betreibt. scheinen sich der Vorherrschaft des Waldes entrissen zu haben. das existenzielle Angst auslöst. Max und Marianne Frisch. wenn Du dann bereit bist: Unser Zuhause. Und doch steht am Anfang einer Spurensuche im Valle Onsernone auf dem Klingelschild in Berzona etwas wie ein Lebenszeichen: Hier wohnt. sondern abseits. Frisch. lauschen. Marta läutete auch die Glocke im großen frei stehenden Kampanile. er kam oft in den Laden. Weinkeller und einem Studio im Turm.. und es tritt jedes Mal ein: Daseinslust am Steuer.« So schrieb Frisch 1966 in sein Tagebuch. immer noch. Vögel. es soll kein Gefängnis werden. Postbus. schrieb er ins Tagebuch. Ihr Laden ist längst aufgegeben. mieteten Wohnungen in Amerika. An die Stelle des Krämerladens – als einzigem öffentlichen Ort Berzonas – ist eine kunsthandwerkliche Kooperative getreten. eine leuchtende Azalee. Er notierte: »Siebenmal im Jahr fahren wir diese Strecke. Und er wünschte sich ein Haus zusammen mit seiner jungen Liebe Marianne Oellers. »Das Dorf. Das Valle Onsernone ist das vielleicht wildeste der Tessiner Täler. eine beklemmende Wildheit: In der Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) lässt Frisch den 74-jährigen Herrn Geiser ein Unwetter im Valle Onsernone erleben. die durch Treppen. berichtete er. nicht einmal eine Bar.« Berzona wurde das Refugium. Nach fünf italienischen Jahren wollte er wieder in der Schweiz wohnen – »aber nicht ganz!«. der mir am meisten vertraut ist. wie es im Onsernone-Tal oft ist: Grillen. schließlich das Klingelschild: »Max Frisch. das in diesem armen Tal je blühte: die Strohflechterei. den steinernen Tisch zu sehen. wenn er heimkam von irgendwo. Will man Marta Regazzoni treffen. man habe sie. Ich bin begeistert . seit 1968 verheiratet. Acht Dörfer und ein paar Weiler liegen hintereinander aufgereiht wie auf einer Schnur. Diese Zeit war vorbei. Bei Marta ist aller Ausdruck in die riesigen braunen Augen gewandert. Und noch immer sind Haus und Garten perfekt vor neugierigen Blicken geschützt. Motorradstaffel. so geht die Legende. Aussteiger. Dschungel mit Brombeeren. fand Frisch. der seit Längerem dort lebte. Max Frisch. als dass nicht doch noch eine Palme. Kastanien. natürlich. ein freundlicher Mann. Er schrieb: »Was mir gefällt: das schwere Dach aus Granit und wie das Ganze in den Hang gestellt ist. Zum Einkaufen in Berzona gab es einzig den kleinen Dorfladen der Einheimischen Marta Regazzoni. Im Wintergarten des Altersheims von Russo sitzt Marta. Max Frisch ist seit 20 Jahren tot. vorbei am Friedhof von Berzona. Dass durch die stranieri. Nur Berzona tanzt aus der Reihe.. als Max Frisch und Marianne Oellers kamen. Bernadette Conrad für DIE ZEIT (kl. Und ähnlich wie Geiser machte Frisch eine Krise durch: 1979 war das Jahr der Scheidung von Max und Marianne Frisch. mit dem Auto über den San Bernardino: »Vor allem in den Kurven: der Körper erfasst Landschaft durch Fahrt. Wird mit dem Berg auch das Leben wegrutschen? Das Jahrhundertgewitter gab es wirklich. Rennräder. muss man zwei Dörfer weiter fahren. Auch wenn er nicht so bequem ist«. die Italienisch sprechen: kein Ristorante. »Das Gelände ist steil«. eng neben einer Freundin aus Berzona. jetzt voller Stolz: »Una valle selvaggia!«. ein Feigenbaum. sei nicht von Schaden. Übergänge ineinander verschlungen sind. »Wenn ich einkaufen gehe. hat 82 Einwohner. Durch die verglaste Außenwand blicken sie auf den dichten Wald. Berlin. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 REISEN Fotos: Fernand Rausser/KEYSTONE (gr.. Nur keine Reisebusse. Und für beide scheint das Sprechen so ungewohnt geworden. kein Platz zu klein. hat Frisch gegen Ende seines Lebens geschrieben. eine zierliche Frau. zwei große Nussbäume. Häuser renoviert würden. Doch immer kamen sie zurück nach Berzona. Von 82 Einwohnern kann keine Rede mehr sein. Disteln usw. Handtuchschmale Balkons. es bleibt still. das Haus und ein steinerner Stall. Gut eine Viertelstunde hinter Locarno zweigt die Straße ab. 53. noch im Einschlafen flechten sehen. Denen verweigert sich das Tal.. Wuchernder Baumdschungel zu beiden Seiten. Max Frisch? Ja. Künstler wie Andersch oder Golo Mann. Schon da gab es etliche Zugezogene. ganz am Ende: Spruga auf über 1000 Metern. vermutet eine junge Frau. Wald umschließt das große Grundstück vollkommen. Ein Jahr dauerte der Umbau: mit Saunaofen. Im August 1978 wurden fast alle Brücken des Tals fortgerissen. zieht sich der Ort den Hang hoch. dass nur noch ein heiseres Flüstern herauskommt. »molto gentile«. der imposant neben der Kirche am Ortseingang aufragt. dessen Halme die Frauen verflochten. Zu widerstehen gelte es allerdings jeder Versuchung von Arroganz. Auch die Granitsäule. 20 Kilometer geht es hinein in die Schlucht. kam dies gelegen. Die glänzen vor Freude über Besuch. das aussterbende Tal wiederbelebt. den ich am besten kenne. wie es der jüngere Frisch erlebte.« Die anderen Häuser des Dorfes stehen eng zusammengekauert. 64 Blick über Berzona . Klingeln.« Seit dem 17. machte ihn auf das verfallene Anwesen VON BERNADETTE CONRAD M aufmerksam. versuche ich mich immer auf Italienisch«. öffnet das unverschlossene Gartentor an der Straße und läuft die Stufen bis zum Haus hinunter. Frisch am Steuer seines Jaguars. Der Dichterkollege Alfred Andersch. »Es ist der Ort. Es ist still im Raum. ein sintflutartiges Gewitter.63 12. Auf den terrassierten Hängen wuchs Roggen. in einer wilden Gegend des Tessins an fasst sich ein Herz. Keine Chance. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal von der Talstraße ins höher gelegene Berzona abgebogen. zusammen mit seiner letzten Lebensgefährtin. irgendwo rauscht ein Bach. Karin Pilliod«. »Vielleicht 35?«. bleibt verborgen. Zürich.) Eingewachsen: Max Frisch 1979 in seinem Haus in Berzona Sein letztes Refugium Vor 100 Jahren wurde er geboren – ein Zuhause fand Max Frisch erst spät. ein wildes Tal! Wild. Marta Regazzoni strahlt. halsbrecherisch die Kurven. Einstimmung wie beim Tanzen«. eine zusammengebastelte lebensgroße Puppe. an dem die Frischs viele Gäste bewirteten und an dem auch der »Toggel« saß. das ist unbedacht und vollkommen. hinter einem Gebüsch die alte Bocciabahn. Jahrhundert investierten die Frauen des Dorfes ihre ganze Arbeitskraft in das einzige Gewerbe. meist Deutsche und Deutschschweizer. Mit kleinen Gebäuden aus Granit und Gneis. da es nicht an der Talstraße liegt. Gärtchen. Das ist eine große Landschaft. der beinahe ein Turm ist . nur ein Zuhause. Azalee oder ein Jasmin da blühen könnte. die Straße hinunter bis zur Talstraße und durch Mosogno.). Fortsetzung auf S. wo ich mich am ehesten zu Hause fühle. reisten zwar weiter durch die Welt. »Terrassen mit den üblichen Trockenmauern. »die unsere kleine Loggia hält«.

auf dem einheimische Würmer verspeist werden. den auch Max Frisch oft gegangen ist. was ich brauche. dann eine Lichtung mit Gehöften. dass Frisch gegen Ende seines Lebens immer wieder sagte. Kurz der Eindruck. www. die das Altersheim und Ambulatorium begründet haben. 004191/797 10 00. fundiert informiert. zu unwegsam das Gelände. nicht endenden Regen und den Donner. nicht auf die Taleinsamkeit verpflichten. »Er war Architekt. Mai 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 20 REISEN Wälder überziehen die Berge im Valle Onsernone Fortsetzung von S. www.. die lebensgroße Puppe. Frisch sei eher ein Reibeisen – das war er aber überhaupt nicht.myswitzerland. »Der Mensch erscheint im Holozän« (alle im Suhrkamp Verlag erschienen). Was ist das Leben an seinem Ende? Ein Verlorengehen? Diese großen Fragen stellte der ältere Frisch in seinem Text Der Mensch erscheint im Holozän.palazzogamboni.« Das galt dann vor allem von 1990 an. Öffnungszeiten: Mi bis So. Herrn Geisers Wanderung wird beschrieben in Beat Hächler (Hrsg. Ihre heitere Verwunderung hat Richter nun in einem ausgesprochen unterhaltsamen Lesebuch zu Papier gebracht. was von mir bleibt. Beck. Fuß fasst. der an der Universität Hamburg die Sprache und Kultur Thailands (Thaiistik) lehrt. der ihn nicht kennt. kann man wandern bis ans Ende der Schlucht. wo dieses kleine Seitental abzweigt. Und auf dem Rückweg legt man noch einen Halt in Loco ein. Zement. Er führt von Berzona hinüber zur Kirche in Loco.« Von Spruga.ch. über den er sich ins benachbarte Maggiatal retten wollte. die Straße fließt weg. Er war ein äußerst freundlicher Mensch.30–17 Uhr) geöffnet und bietet handgefertigte Flechtwaren aus Stroh an. und den Leuten im entspannten Südpazifik bleibt ausreichend Zeit für Ortsnamen wie Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. In Panik verließ Herr Geiser sein Haus.com Am Ort erhält man Auskunft beim Infopoint Auressio. Tel. von Hamburg ins »Land der großen weißen Wolke« folgt: Die Kollegen dort laden sie ein zur Motto-Party mit dem Thema »Sturm auf die Normandie«. wo die grüne Grenze nach Italien verläuft. 00800/10 02 00 30 (kostenfrei). wie er den Toggel. Dort. wie sich das südostasiatische Königreich über die Jahrhunderte entwickelt und erfolgreich gegen Kolonialmächte zur Wehr gesetzt hat. suchte vergeblich den Zugang zum Maggiatal. München 2010. Darin zitierte er Frisch: »Wenn in dem. Wie ein Gefangener steht er hinter seiner selbst gebastelten Befestigungsanlage. Deshalb der Maschendraht. die es brauchten. ehemals Programmdirektor Kultur des Televisione Svizzera Italiana in Lugano und in den siebziger und achtziger Jahren mit Frisch befreundet. mit Teller und Glas. zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. 14–17 Uhr (vor Juli auch freitags geschlossen) Bücher: Berzona spielt in diversen FrischTexten eine Rolle: »Montauk«. und sein direkter Nachbar mache ihm das Leben zur Hölle. Hier wohnt nämlich der 92-jährige Bixio Candolfi. dem Hauptort des Tales. wie Herr Geiser allein in seiner Stube saß. wie es zum Namen Siam kam und welche Rolle das Land im Zweiten Weltkrieg und im Indochinakrieg gespielt hat. Nein. kleine Gebäude über terrassierte Wiesen verstreut. Serpentinen durch den Wald. im April 1991. Rotpunkt Verlag.): Das Klappern der Zoccoli. der immer wissen wollte. grasige Ebene. Er wollte die. fällt die Schlucht so atemraubend in die Tiefe. das ohne billige Klischees auskommt und an dem nicht nur Auswanderungswillige Freude haben dürften. noch kein Sommergewitter«. er war einer von denen. Ob man ihm nicht Gesellschaft leisten könne? Er habe nur den Hund. Wald- und Wiesendoktor«. 0041-91/797 10 00. sie mit Hut und Schal ausstattet. den Geiser sorgsam kategorisierte: als Knall. Der 59-Jährige nennt sich selbst bescheiden einen »Fels-. Herr Geiser ist das nicht.onsernone. »Wenn ich jemanden im Notdienst kennenlerne. www. Tel. als sie ihrem Mann. Savary strahlt die Entschlossenheit desjenigen aus. einem Urologen.oder Koller-Donner. eng sind die Häuser aneinandergerückt.ch. Nach dem Tod des berühmten Talnachbars schrieb Bixio den Nachruf im Voce Onsernonese. »Die Leute sollen im Tal sterben können«. dem Leiden so vertraut ist wie die Leidenschaft für seine Sache. dem direkt neben Berzona gelegenen Hauptort des Valle. »Tagebücher 1966–71«. wo er nicht schon jemanden zu Foto: Joerg Modrow/laif bergen hatte. keine kleine Sache in einem Tal.K. links steil der Berg. 1990 zog sich Max Frisch zum Sterben in seine Zürcher Wohnung zurück. als Frisch eine tödliche Krebsdiagnose erhielt. in Comologno: Palazzo Gamboni. ruft jemand aus einem eingewachsenen Häuschen. Tel. Kein Jahr später. am Abend möchte man hier nicht unterwegs sein – zu tief die Schluchten. ein richtiger Talnachbar. Wenn Reiseveranstalter mit prächtigen Tempeln trumpfen.. Zürich 2000. »Danach trafen wir uns oft.und Buchenwald ringsum. 70 Euro. Von Berzona nahm er so bewusst Abschied. Tel. sagt Savary. er fühle sich in Berzona sicherer als in Zürich: »in tutti i sensi« – in jeder Hinsicht. wo der Weg aufhört und Herr Geiser kurz aufatmete. 525 S. mit dem er sein Haus bis unters Dach eingewickelt hat. Ein stummer Dauergast. als Hall-Donner. die kämen nur an den Wochenenden. Unter den knapp 1000 Einwohnern des Tales gibt es wohl niemanden. Köln 2011. unter dem die Mauer steil zur Schlucht hin abfällt. 0041-79/519 19 85. erinnert sich Beppe Savary an seine Jahre der Freundschaft mit dem Dichter. 004191/780 60 09. bis die Dunkelheit hereinbrach. H.ch Auskunft: Schweiz Tourismus. gibt es das nette kleine Ristorante Onsernone. ein bisschen Liebe ist. sind die Koffer schnell gepackt: Thailand. wenige Sommerhäuser liegen verstreut.« Der Passo della Garina ist eine weite. als es ihm gut ging. ringsum wohnten Leute aus Zürich und Bern. wo Abstürze meist tödlich und Selbstmorde häufig sind. das »Land der Freien«. trafen sich Max Frischs Freunde im Garten in Berzona und streuten seine Asche in den Wind. Dort hat gerade die Ausstellung Max Frisch Berzona eröffnet. auf der Südinsel nimmt sie an einem Naturfestival teil. Bei gutem Wetter ist sein Fluchtweg ein schöner Wanderweg. 14. Doch dann verlief er sich. er konnte gut mit Kindern umgehen. Siehe auch Feuilleton Seite 52 SCHWEIZ Comologno Mosogno Spruga Russo Russo Maggia SCHWEIZ ITALIEN Berzona Loco Iso rno Valle Onsernone Onsernone ITALIEN ZEIT-Grafik 5 km Me o lezz Locarno Arcona Tessin Valle Onsernone Anreise: Mit dem Zug nach Locarno (www. In lockerem Erzählton und mit viel Humor berichtet sie. Geht er nie ins Tal? Der Mann weist auf ein unglaubliches Gefährt. Aber das Knallen. Kurz vor der Ankunft bei ihm wird man vom Gewitter eingeholt. ein bisschen Unruhe – dann wäre das schön. den Berg hoch. er wollte auch über den Tod alles wissen. Komfortabel und originell am Ende des Tales. Literarische Wanderungen im Tessin. Tel. Verlag Kiepenheuer & Witsch.ch Unterkunft: In Loco.europcar. Schmetterlinge. Und genau das war er selbst. Verlag C. lief zum Passo della Garina. sagt ein Mann aus dem Dorf beruhigend.30–12 Uhr) und freitags (14. Die Neuseeländer haben auch einen oft recht eigenwilligen lässigen Lebensstil entwickelt. 297 S. Ziegen laufen über die Straße. im eigenen Beruf ständig mit den großen Fragen der Existenz zu kämpfen: darin fanden sich Frisch und Savary in diesem wilden Tal. 63 Über Thailand Kaum ein halber Tag Flugzeit trennt Frankfurt am Main von Bangkok am Chao Phraya. Seit 28 Jahren ist er als Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Notfallund Rettungsmedizin fürs Valle Onsernone tätig. Comologno liegt auf einer Höhe von 1076 Metern. Oktober . Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. Meine Töchter adoptierten Frisch als ihren Großvater. was läuft. den Talnachbar‹.ch . Birken. Sie erinnert sich an das dramatische Unwetter von 1978: »Damals konnten wir eine Woche nicht aus dem Haus!« Max Frisch ist dem Ehepaar noch lebhaft im Gedächtnis. Er war auch ein großzügiger Mensch. Essen – alles. »Keine Sorge.onsernone. Wer es besser kennenlernen will. MWE Anke Richter: Was scheren mich die Schafe. 0041-91/797 10 22. wir aßen zusammen. TalkshowRedakteurin Anke Richter reibt sich jedenfalls immer wieder die Augen. gingen auch in die Berge. Ein Notfalleinsatz 1983. steht hinter Maschendraht. palmengesäumte Strände und raffinierte Speisen preisen. www. Ein alter Mann erscheint. 208 S. Der Weg ans Ende des Tales führt durch das Valle Vergeletto.sbb.. von dort aus weiter mit dem Postbus oder Leihwagen www. wie die Neuseeländer sich selbst nennen. Selbst im hintersten Winkel des Valle Onsernone ist Frisch irgendwie anwesend. Seine Kleine Geschichte Thailands zeichnet nach. dass ein Satz des Doktors noch mal in Erinnerung kommt: Es gebe wohl keinen Kilometer im Tal.« Das Leben immer auch in Bezug auf den Tod zu betrachten. wie er es sich gewünscht hatte. wie tief seine Bewohner im TheravadaBuddhismus verwurzelt sind und welche politischen Ansichten die »Gelbhemden« von den »Rothemden« trennen. eine Badewanne mit Rädern: »Damit bringe ich alles heim. Vögel. Bixio Candolfis Frau Nice schaut aus dem Fenster. 12. auf unebenen Granitplatten sachte aufwärts. DZ ab circa 125 Euro Ausstellung: »Max Frisch Berzona« zeigt Texte und Fotos im Museo Onsernonese in Loco bis zum 30. Donnern und Krachen dauert doch eine halbe Stunde.95 € Man stellt sich vor. das »Klöppeln auf Blech« hörte. www. Mein Deutschlehrer hatte gemeint. Tel. alle Bausteine kennen und auch sein Sterben noch selbst gestalten. Mücken. Bixio Candolfi sagt: »Mir schrieb er einmal die Widmung in ein Buch: ›Für Bixio.95 € Unter Kiwis Neuseeland ist nicht nur weit weg. äußere ich oft die Hoffnung. wir sähen uns unter glücklicheren Umständen wie- der. der Leuten aushalf.oder Pauken-Donner.ch). DZ ca. im Jahr darauf noch ein Hubschraubertransport des Dichters von Spanien heim nach Berzona.64 12. Den Toggel warf er den Hang hinunter. Polter. Auf einem Video ist der Schriftsteller in seinem Garten zu sehen. »He!!«. »Unsere Gespräche gingen oft über Tod und Sterben«. rechts steil die Schlucht.« Auch mit Max Frisch war das so. Ein vergnügliches Buch. aber es ist auch ein einsamer Bergler. Seine Frau sei tot. H.« Nice Candolfi weiß noch. Ein friedlicher Platz. dem letzten Ort des Tales. an den Gartentisch des Berzona-Hauses setzt. irrte herum. Unten in Russo kann man den Talarzt treffen.pagliarte. 26 Euro Tipp: Das Atelier Pagliarte in Berzona ist dienstags (9. wenige Menschen. die ihn pflegten. wie eine deutsche Familie unter Schafen und Kiwis. wird von Volker Grabowsky.

Gerald Haenel/laif. und 21. Totenkopf-Halstücher vom Krimskramsladen behaupten sich neben wallenden Haute-Couture-Kleidern von Düsseldorfs Designerstar Norman Icking. sondern auch abenteuerliche Manifestationen der deutsch-japanischen Freundschaft: Berliner Ballen mit Rote-Bohnen-Füllung! Wurstkrapfen mit Curry! Seit Fukushima bangen die Ladeninhaber um ihr Geschäft. So ist es hier fast überall: Mehr als die Hälfte ihres Ausstoßes füllen die Düsseldorfer Brauereien in Fässer ab. das hat Welt. von Rubens über Kirchner bis. Bernsteinfarben glimmt es im kurzen Glas. Oder der Einrichtungsladen Kyoto mit den prächtigen handgemachten Teeschalen. dass ihr Altbier deren Gipfel markiert? Kein Düsseldorfer Overstatement leuchtet mehr ein. wo selbst eine profane Stäbchenbank verpackt wird wie ein Juwel. forderte den Abriss der städtischen. im Freiheitsjahr 48. Düsseldorf ist anders. Punks müssten ihre Mode selbst entwerfen. Dazu die Kunstsammlung NRW mit ihren beiden Häusern für Kunst des 20. Was nicht heißt. wenn doch klar ist. dann prügeln ihnen tätowierte Männer den Zapfhahn hinein. Sushi servieren sie hier überhaupt nicht. die Mauern und Wassergräben. Darauf sitzen meistens Leute. schmierte mit Bazon Brock Fettecken ins Fernsehstudio. die großen Boulevards Europas von den Champs-Élysées bis zum Newskij Prospekt. die Leopardenfellimitate. die sichergehen wollen. Da macht die Königsallee keine Ausnahme. darunter Veteranen der wilden Zeit wie Hans Meyer und Konrad Fischer. Unverwüstlich grandiose schnurgerade 1000 Meter.info. was den Mikrokosmos zusammenhält: das Altbier. Als Laie denkt man ja. Seine Gäste sehen aus wie die zottelige Band von Alex Harvey. WOLF ALEX ANDER HANISCH Die Kunst Gursky. mit dem sich das Alt verabschiedet. die sich hinter Buchläden wie Lincke und Schrobsdorff verbarg. Wer welche möchte. Seit sechs Jahren betreibt die Künstlerin im Stadtteil Flingern ihr Ladenatelier Misprint. CHRISTOF SIEMES Die Mode Melonenmuster-Unterhemden für den stilbewussten Rebellen Neulich waren Betontod da. Warum sollte das Gebräu nicht der Ursprung der Zivilisation sein.. Netze flicken und Fischgerichte zubereiten kann und im Besitz eines Angelbootes mit Motor ist. das nach zwei Jahren Renovierung seine weit gefächerten Schätze seit dem 7. legt ihn schützend auf sein leeres Glas – die Köbesse kennen sonst kein Erbarmen. die Kunst nicht zeige. Beuys. Per Aufzug kommen die Bierfässer aus dem Keller. Und – gerade jetzt – das Museum Kunstpalast. aber nur wenig bekannt. ob Kurfürstendamm. Der Düsseldorfer aber zeigt. stellte Joseph Beuys die Düsseldorfer Duldsamkeit immer wieder auf die Probe. Doch der Hardrock-Schuppen hält dagegen. Überall die gleichen aseptisch sortierten Luxusholdingläden mit standardisiertem Verkaufspersonal samt global kompatiblem Fetischdisplay. das sich so großzügig gibt. linker Hand. die berühmten klebrigen Reiskuchen. und der Bierdeckel ist schwarz von Strichen. dieser »Pralinenschachtel«. Als ob die Vorliebe für laute Musik automatisch mit einem Gespür für die lässige Kombination von Laufmaschen und gesprühten Kampfansagen einherginge. Doch. wer sie sind. Die ersten Investoren suchen bereits aus dem Flair des Viertels Profit zu schlagen. Wenige Meter weiter lockt ein Secondhandshop mit einem Unterhemd mit Melonenmuster oder fünfzig Jahre alten Feinstrumpfhosen. gehen betagte Damen zum Friseur und Werbeleute in die Agentur. Man erschnuppert den Duft von Röst. dem Geck unter den deutschen Großstädten? Aber sicher. Es dauert nicht lange. den er einst im Kanu überquerte. an denen der heilige Jupp sein Leben als soziale Plastik führte. wo die Altstadt zur Kirmes verkommt. Die Kellner heißen Köbesse und tragen Falstaff-Wampen unter pflaumenblauen Schürzen. kandidierte mit Otto Schily für die Grünen. Evolutionsbiologen wollen nämlich entdeckt haben. nun ein Museum ist. Günter Grass). Was gibt es denn da Feines? Gar nicht so Feines. die schier endlose. sondern verbarrikadiere. Rechter Hand. und auch für diese Modenschauen und Schmuckparaden. und auch auf Deutschlands kleinen Boulevards sieht es nicht anders aus. opake Front der Banken. Und von Heinrich Heine natürlich: »Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön. als überall in Europa die Stadtbefestigungen fielen. dem Schotten Peter Doig und anderen. Jahrhundert gerollt. und der 1812 eröffnete Breidenbacher Hof gehört jetzt einer Group mit Sitz in Atlanta. oder von den Radschlägern und ähnlicher Folklore. Zum Beispiel die ostwestliche Nouvelle Cuisine im Restaurant Nagaya: große Kunst in kleinen Portionen. dass die Punkrocker aus dem Ruhrgebiet künftig in Susannes Hemden auftreten. Natürlich im Stehen. als seien sie aus dem Mittelalter ins 21. SVEN SIMON. von Süden her. BENEDIKT ERENZ Japan Seeigel und Currywurstkrapfen im Imbiss nebenan Vor dem Fenster des Ecklokals Na Ni Wa steht eine lange Bank. na klar. spürt beim Trinken. Und doch bleibt es die Kö. aber eine Stadt der Millionäre. Mai ganz neu präsentiert. vierzig Galerien und der lange Schatten von Beuys Seinen Aufstieg zur Weltkunststadt verdankt Düsseldorf einem notorischen Angelwestenträger. Die Tradition. ihre Siebdrucke zu belichten.. Gedruckt wird auf alles. Die »Pralinenschachtel« ist auch noch drauf – die hat nicht mal Beuys beiseite räumen können. wenn man in der Hausbrauerei Uerige ist und sich fühlt. Hier wippt man beim Trinken auf den Fußballen. Aussschnitte im Uhrzeigersinn) Die Düsseldorfer Rheinpromenade im Abendlicht Die Kö Unverwüstlich grandiose schnurgerade tausend Meter Haben sich ja alle ein bisschen in Duty-frees verwandelt. für diese Glitzerdefilees und Brezelprotzessionen wurde einst die Kö gebaut. gab bei Andy Warhol Wahlplakate in Auftrag. und sinnt dem leichten Rauchgeschmack nach. sondern nach dem Rausch aus vergorener Gerste. Und der neueste Kunstort KIT liegt bezeichnenderweise unter der Erde. Essen gibt es nur drinnen. dass er die Kunststadt Düsseldorf noch 25 Jahre nach seinem Tod leuchten lässt. Alle Arten von Nudelsuppen mit geräuchertem Schweinebauch. Den lautesten gönnt man sich im Engel in der Bolkerstraße. Hier haben sich seit der Nachkriegszeit über vierhundert japanische Firmen niedergelassen. mutig zu sein. Seeigel. Ein Frevel! Da hilft nur die Flucht ins Kneipengewimmel der Ratinger Straße. Früher hat sie Häuser besetzt. Eine Kontaktanzeige im Schaufenster eines Anglergeschäftes: »Suche liebevolle Frau. Im Dämmerlicht winden sich Gänge wie Bergwerksstollen durch einen Trakt aus neun Schankräumen. Dennoch sieht man auf der Rheinpromenade Touristen mit Flaschen hantieren. PBY/F1online (kl. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 65 Düsseldorf: Five points Die Stadt des Eurovision Song Contest hat ein bisschen Applaus verdient Fotos: Fulvio Zanettini/laif (gr. Schrobsdorffs Besitzer war. jetzt entwirft sie die Outfits der Toten Hosen. mehr Werke von Mann besaß. ein »Tunnelrestraum«. der Limbecker oder ähnlichen Budengassen des Grauens. wo man sich an den Tresen setzt und zum Bier ein paar Häppchen bestellt. Kurioses ist in der Ackerstraße normal: die Porzellanpuppen-Parade im Fenster einer Anwohnerin. aus Köln oder Essen. bis die Bedienung sie hereinwinkt. was wann woher eingeführt wurde. für das flanierende Publikum von den herrlichen alten Bäume diskret verdeckt. Jahrhunderts. kann auch anders. Pauli Blond.). die berühmten Adressen. In dem traditionellen Arbeiterviertel bosseln Handwerker in kleinen Betrieben. dass oberirdisch nichts mehr los wäre: knapp vier Dutzend Galeristen. In schmucklosen Imbissen wie dem Kikaku. Jahrhunderts. von einer neuen Direktorin frisch belebt. beim Alltagsbedarf. Lang vergangen die großen Namen. dass das eigenwillige Haus von Alfred Schmela. der glühende Thomas-Mann-Verehrer Hans-Otto Mayer. der Turner-Preisträgerin Tomma Abts. Aber niemand von ihnen isst. Hier präsentieren sich ein paar der stolzesten Stätten japanischer Tischkultur – filigran. Aber was für welche! Eingelegte Qualle. unvergessen. Klosterstraße und Oststraße markiert die Grenzen von KleinTokyo. die so wirken. der an Fleischerhaken von der Decke hängt. Mit stoischem Schwung hämmern sie unaufgefordert auf die Tische. ob Jungfernstieg. Wie andere junge Designer hat DivaS für ihre Kollektion eine Kleiderstange beim Friseur gemietet. übrig geblieben beim Bau der Rheinuferpromenade. Sie bilden eine Schlange. Vor allem die Ackerstraße mit ihrem Mix aus Stil-Altbauten und biederen Sechziger-Jahre-Wohnhäusern entzückt Freunde schräger Looks. Auch wenn das heißt. wie der Meister höchstselbst bei einem Besuch in Düsseldorf anerkennend festgestellt haben soll. Die Professoren an der Kunstakademie sind international erste Sahne. Wer ihr Geschäft mit den wild bedruckten Shirts durchquert.« Da riskiert man sogar einen Moment im Straßencafé und erfreut sich der Eitelkeiten unter der Sonne. beschwingt auf die Tische gehämmert Am Anfang war das Bier. ach. Aber es hat schon was Symbolisches. Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften mit Foto von Boot und Motor. Eine Millionenstadt ist Düsseldorf nicht. Berliner und Münchner mögen zeigen. aus der Hohen Straße. hier lohnt es sich. als dieser je geschrieben hat. Man kommt fast automatisch durch. Wer von nebenan kommt. Aber die spannendsten Entdeckungen macht man eine Preislage darunter. Ist man wirklich in Düsseldorf. wie sie aussieht. So jedenfalls heißt das Label der Blondine. Vom Café Bittner. wie Japaner eins ihrer liebsten Schnellgerichte mögen. Spitzenbordüren und Satin zu abenteuerlichen Kreationen vernäht. An allen Türen prangen Zettel. die eleganten Brücken darüber und die zart pompöse Tritonen-Fontäne von 1902. Das Lichtburg-Kino! Fuchs-Greven für den geschmackvoll gestalteten Salon! Nur das Porzellanhaus Franzen (von 1820) harrt noch aus und natürlich die Galerie Paffrath (seit 1867) mit ihren charmanten Oberlichtsälen und den lieben. neuerdings wieder hoch gehandelten Meistern der alten Düsseldorfer Schule. wo vor 30 Jahren die NewWave-Szene Musikgeschichte schrieb und deren Epigonen im Freien picheln. Düsseldorfer glauben das sofort. die man hier kaufen kann: eigenwillig und auf charmante Weise zusammengewürfelt. Banker mit Hausfrauen und Japanern. Susanne Hertsch passt nach Flingern. sich die Blöße zu geben. Seeteufelleber . Geschäftspartner der wiederaufgebauten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. dem Galeristen im Auge all der früheren Stürme. Flingerns Bewohner sind wie die Kleidung. der seinen niederrheinischen Querkopf mit einem Filzhut zu bedecken pflegte. die die Entwicklung Flingerns auch skeptisch sieht. und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist. vor Kurzem herausgegeben von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. wenn man vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt spaziert. Darin zechen hornbebrillte Werber mit Rentnern in PopelinBlousons. angelegt in den ersten Jahren des 19. vertrauen auf Susanne Hertsch. wird einem wunderlich zu Mute. Individualisten. als der Laden noch Weißer Bär hieß. Das hält frisch und zögert den Absacker hinaus. gelangt in ein Hinterzimmer mit blutrot verschmierter Badewanne und einem alten Gesichtsbräuner. Zwar wurde es nach des Schamanen Tod am Rhein. Das schönste und eigenste aber ist der stille Kanal in der Mitte. der. Auf einer Baustelle um die Ecke preist eine Wohnungsbaugesellschaft »klassisches Wohnen in bester Lage« an.REISEN 12. erklärte einem toten Hasen in der Galerie Schmela die Bilder. die nicht nur Mochi führt. Sie sitzen die Panik aus – auf der Bank vor dem Na Ni Wa. die der Bildhauer Friedrich Coubillier entwarf. sitzt DivaS in der Sonne. als habe einen die Altstadt verschluckt. sagt Susanne Hertsch. SANDRA DANICKE . www. Vor St. die Fische ausnehmen. Japanische Küche ist in Deutschland beliebt. Bräsiges Bierbankhocken ist nichts für Düsseldorfer. nämlich Icke und Mir. ullstein. die Geschäfte und Restaurants. dem einheimischen Gewächs Katharina Fritsch. Im Uerige strömt das Altbier aus Fässern. etwas ruhiger. blieb nur der Name. in der Karte blätternd. Ein Beuys-Stadtplan. So macht man das hier. weil immer auch ein Schuss Ignoranz dazugehört. dem Geschäft eines Szenefriseurs. dass es den Menschen nicht nach Brot verlangte. die vermerken. Wer nicht mehr kann. Seit er nach dem Krieg an der Kunstakademie studiert hatte (übrigens Tür an Tür mit einem anderen Querkopf. geduldig wartend. In manchem vermeintlich japanischen Restaurant kochen Koreaner oder Vietnamesen für den westlichen Geschmack. dass Düsseldorf immer noch vorne mit dabei ist. vom Holzfällerhemd bis zum Partykleid. Schwergewichte der Branche wie die Fotografen Struth und Gursky schätzen nach wie vor das besondere Klima aus Selbstbewusstsein und Toleranz. verzeichnet für Kunstpilger all jene Orte. setzt an. doch eine Künstlerstadt ist Düsseldorf immer noch. dass man mal China als Herkunftsland seiner japanischen Pilze nennt. Gut möglich. die fast so gut schmeckt. Der hat mit all seinen Kunstbatterien aus Fett. Oder die Bäckerei Taka. Er stritt mit Johannes Rau jahrelang vor Gericht um seine Professur. Die japanische Community von Düsseldorf zählt zu den größten in Europa. Struth. betonbrutalen Kunsthalle. Die Düsseldorfer nehmen es rheinisch gelassen. der atmet hier auf. Filz und Mamas eingeweckten Birnen so viel positive und negative Energie produziert. Für Hertsch die günstigste Methode. Zu Gitarrenriffs von Motörhead tanzen Frauen in Leder. hat es ja nicht weit zu einer der fast zwanzig Bars in der Nachbarschaft oder zum Ableger des Na Ni Wa gleich über die Straße. Der lässt sich auch gern was vom Pferdeapfelattentat auf den preußischen König erzählen. wie der bittere Doldenhopfen zärtlich in den Gaumen beißt. zeigte in der Wohnung von Jörg Immendorff eine Filzhülle für Konzertflügel. Das Dreieck Immermannstraße. was er hat. Nicht.und Karamellmalz. die neue Inneneinrichtung hat ein Westfale gestaltet. MICHAEL ALLMAIER Das Altbier Bernsteinfarben glimmende Gläser.misprint. als er die ersten Äcker anlegte. Nur in ihnen fühlt sich das Obergärige wohl.« »Hier wohnt man halt noch«. Eine ziemlich herzhafte Angelegenheit – gerade so. puristisch und teuer. unter der Direktion des wunderbaren englischen Bildhauers Tony Cragg zeigt der kosmopolitische Lehrkörper mit Rosemarie Trockel. der hier in den siebziger Jahren Konzerte gab. Man ahnte es doch schon beim ersten herben Schluck: Wer so ein Bier hat.

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BLICKFANG

DIE ZEIT No 20

REISEN

In der Warteschleife
Oft preisen Urlauber nach ihrer Heimkehr aus der Karibik die Freundlichkeit der Menschen, die, wie es den Besuchern scheint, mit so wenig Besitz so glücklich sein können. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Selten blicken wir, die nach Erholung und Unbeschwertheit suchen, hinter die höfliche Fassade, wo mehr Sorgen, Nöte und Ängste toben, als wir wahrhaben möchten. Der amerikanische Fotograf Alex Webb, Mitglied der Pariser Fotoagentur Magnum, ist ein Kenner der Region. Auf seinen Bildern aus Haiti, Puerto Rico (unser Foto), Kuba, Jamaika, Trinidad und Tobago, Curaçao und Nicaragua, von den Antillen und der Dominikanischen Republik sieht man die Menschen selten lachen. Sie wirken in sich versunken, nachdenklich, gelangweilt von einem Leben in der Warteschleife auf eine bessere Zukunft. Und Webb lässt sie sein, in goldgelbem Licht und strahlenden Farben. Selten hatte die Karibik in einem Bildband ein menschlicheres Gesicht. KCB
Nikolaus Gelpke (Hrsg.): Karibik. Fotografien von Alex Webb. Mit Texten von Karl Spurzem. Mareverlag, Hamburg, 2011, 124 Seiten mit MusikCD; 58 Euro

Foto: Alex Webb/Magnum Photos

REISEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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A

ls Brutus das Licht der Welt erblickte, malte Cézanne noch romantisch, und Richard Wagner komponierte den Ring des Nibelungen. Amerika war eine Nation der Sklavenhalter, Singapur und São Paulo waren Provinznester. Telefon, Autos und Kinos kannte man damals noch nicht; noch nicht einmal die Schreibmaschine war erfunden. Die Welt, in die Brutus geboren wurde, gibt es nicht mehr. Doch die Aldabra-Riesenschildkröte tut weiterhin das, was sie schon immer tat: schiebt ihren schweren Panzer über die Seychelleninsel North Island, grast gemächlich im Schatten von zerzausten Kokospalmen, sieht die Sonne über dem Indischen Ozean aufgehen und untergehen. »Wo warst du, Brutus? Wir suchen schon den ganzen Tag nach dir«, sagt Linda Vanherck. Die belgische Biologin hat ihren ältesten Schützling schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Irgendwo im Sumpfgebiet muss er sich herumgetrieben haben. Dort verloren sich jedenfalls die Schleifspuren seines schubkarrengroßen Panzers. Linda begrüßt das Ungetüm wie eine Mutter, die soeben ihr ausgebüxtes Kind wiedergefunden hat. Ihre Freude über das Wiedersehen zeigt sich in feinen Lachfältchen, die ihre blaugrauen Augen umspielen. Auf etwa 150 bis 160 Jahre schätzt Linda das Alter der Riesenschildkröte. Und auch wenn es scheint, als sei hier noch alles wie früher, ist die Zeit auf North Island nicht stehen geblieben. Die nur zwei Quadratkilometer große Insel hat sich vom Dschungel in eine Kokosplantage und schließlich in ein beliebtes Reiseziel von Hollywoodstars und Superreichen verwandelt. Menschen kamen und gingen, einst in Fischerbooten. Heute reisen sie in Hubschraubern an, lassen ihre riesigen Koffer von Bediensteten über den Sand tragen und werden von Mädchen in weißen Kleidern wie Majestäten empfangen. Butler bringen ihnen Champagner, Sushi und Schalen mit ausgewählten Früchten. Man hat ihnen Hütten gebaut – in Wahrheit sind es Paläste aus Tropenholz mit Bädern aus weißem Marmor. Mit Betten so groß wie die Verschläge der Plantagenarbeiter, die einst die Kokosnüsse ernteten.

Wir haben die Kröten
Auf der Seychellen-Insel North Island erholen sich die Stars – und finanzieren ein Arche-Noah-Projekt VON WINFRIED SCHUMACHER

»Wir reden sogar mit Eiern«, sagt die Biologin Linda Vanherck
Brutus steht auf vier gewaltigen Füßen inmitten einer Lichtung, ein Fels von einem Tier. Doch an seiner rechten Seite ist deutlich eine Narbe zu sehen. Die mittlere Schildpattreihe ist zertrümmert. An einem Tag im Jahr 2007 hatte die Schildkröte eine schmerzliche Berührung mit dem Tourismus. Ein betrunkener Urlauber übersah ihren Schlafplatz auf dem Hauptweg von North Island und prallte mit seinem Elektromobil gegen ihren Panzer. Linda versorgte seine Wunden, bis der Riese wieder in gewohntem Stolz über die Insel spazieren konnte. Die zierliche Frau mit dem silbergrauen Seitenzopf geht vor Brutus in die Hocke und tätschelt ihn liebevoll. Er lässt sich genüsslich den faltigen Nacken kraulen. Linda Vanherck hat ihr Leben dem Naturschutz verschrieben. Schon als Kind in Belgien träumte sie davon, wie die Gorilla-Forscherin Dian Fossey nach Afrika zu reisen. Nach einem Biologie-Studium in Löwen forschte sie an der Universität Kapstadt. Sie arbeitete als Guide in südafrikanischen und namibischen Nationalparks und betreute verschiedene Umweltprojekte der Vereinten Nationen im südlichen Afrika. Auf die Seychellen lockte sie 2005 die Chance, North Island zu renaturieren. Seit ihrer Erschließung im frühen 19. Jahrhundert war die Insel eine Plantage. Arbeiter gewannen aus den Kokosnüssen Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch, die Grundlage für Kokosöl. Nach dem Zusammenbruch der Kopraindustrie in den 1970er Jahren wurde North Island verlassen. Die zurückgebliebenen Ratten, Katzen und Schweine vermehrten sich unkontrolliert und verdrängten die einheimischen Tiere. 1997 kaufte eine Eignergruppe um den Detmolder Unternehmer Wolfgang Burre die verwilderte Insel und beschloss, sie zum Deluxe-Ökoresort umzuwandeln. So entstand das Arche-Noah-Projekt. Mit Setzlingen und Saatgut von anderen Seychellen-Inseln begann die

Brutus (oben) ist geschätzte 150 bis 160 Jahre alt. Unten: Die Biologin Linda Vanherck mit weiteren Schützlingen

Wiederaufforstung des ursprünglichen Tropen- elf Gästevillen entlang des Hauptstrands sind in waldes. Nach und nach wurden die tierischen der Inselvegetation kaum auszumachen, obwohl Eindringlinge ausgerottet. Die Insel ist heute sie über eine Grundfläche zwischen 450 und 750 rattenfrei. So können sich wiedereingeführte Quadratmetern verfügen. Neben anderen AnArten wie der äußerst seltene Mahé-Brillenvogel nehmlichkeiten bieten sie den Berühmten und ungestört vermehren. Mittlerweile leben 85 Rie- Reichen dieser Welt vor allem den Luxus der senschildkröten auf der Insel, zudem etwa 20 Abgeschiedenheit. seltene Sumpfschildkröten, die wegen eines HoÜber die Gästeliste wird auf North Island telneubaus auf Mahé, der Hauptinsel der Sey- strenges Stillschweigen bewahrt, doch im Interchellen, heimatlos geworden waren. net kursieren Berichte, denen zufolge Brad Pitt Linda liebt es, Besuchern auch die kleinen und Angelina Jolie, Julia Roberts, Paul McCartWunder ihres Refugiums zu zeigen. »Hey, ihr ney und Bono bereits hier gewesen sind. Salma beiden«, begrüßt sie zwei Paradies-Fruchttau- Hayek verbrachte ihre Flitterwochen in einer der ben, die in einer Baumkrone an wilden Feigen Villen. Die Beckhams sollen zu ihrem zehnten picken. Wegen ihres weiß-blauen Federkleids Hochzeitstag die ganze Insel gemietet haben. und des roten Kopfs wird der Vogel auf Kreo- Laut Pressespekulationen plant sogar das Prinlisch Pizon Olande, »Holländische Taube«, ge- zenpaar Kate und William, seinen Honeymoon nannt. Sie gehören zu einihier zu feiern. Der Hamburgen endemischen, nur auf ger Insel-Makler Farhad den Seychellen vorkomVladi bestätigt, dass er North menden Arten. Island an die britische Krone Die Kosten für das Arvermietet hat. Den Termin che-Noah-Projekt soll das Anreise: Condor (www.condor.de) behält er für sich. Luxusresort tragen. Direkt fliegt direkt von Frankfurt am Main Linda interessiert sich hinter den Gästevillen liegt auf die Seychellen nicht besonders für die ein Hain mit Hunderten Stars, aber ein paar kuriose Kokospalmen. Linda mag Unterkunft: North Island gehört zu Geschichten kennt sie doch. sie nicht, auch wenn den den exklusivsten Reisezielen weltweit. Sie erzählt von Gästen, die Touristen der Anblick ge- Eine Übernachtung kostet all-inclusive ihr Mineralwasser aus Fifällt. »Das ist reine Mono- ab 2100 Euro pro Person dschi einfliegen ließen, von kultur. Man hat diesen Teil einer Dame, die mit viererhalten, um zu zeigen, wie Riesen- und Meeresschildkröten las- zig Paar Schuhen auf der es hier zur Zeit der Kopra- sen sich auch auf anderen Inseln der Barfuß-Insel landete, und Seychellen beobachten. Am Strand der industrie aussah.« Anse Kerlan auf Praslin legen Suppen- von einem aufgebrachten Vom ursprünglichen Tro- und Karettschildkröten ihre Eier ab. Bräutigam, der in der ersten penwald sind nur wenige Constance Lémuria Resort (Anse Ker- Nacht der Flitterwochen Hektar erhalten. Linda geht lan, Praslin, Tel. 00248-428 12 81, mit dem Hubschrauber ausvoran. Nach wenigen Mi- www.lemuriaresort.com). Junior-Suite geflogen werden wollte. nuten wird die Vegetation ab 330 Euro; La Digue ist bekannt für »Die meisten Gäste verhaldichter und wilder. Über ihre Riesenschildkrötenkolonie. Berni- ten sich aber unauffällig«, uralten Takamaka- und Ka- que Guest House (La Passe, La Digue, sagt Linda. Sie weiß, dass tappenbäumen flattern krä- Tel. 00248-23 42 29, www.bernique- ihr Arche-Noah-Projekt auf hengroße Flughunde. Unter guesthouse.com). DZ ab 95 Euro umweltbewusste Vermögenausladenden Fächerpalmen Veranstalter für umweltbewusste de angewiesen ist. rascheln giftgrüne Eidech- Seychellen-Reisen: Reiseservice Africa Am nächsten Morgen sen durchs feuchte Laub. (Bauseweinallee 4a, 81247 München, ist es so weit. Linda taucht Linda und ihr Arche-Noah- Tel. 089/811 90 15, www.reise mit einem Plastikeimer am Team haben Kokospalmen service-africa.de) Strand vor den Gästevilaus dem Wald entfernt und len auf. Elf der frisch AFRIKA geschlüpften Karettdafür endemische Arten an- Auskunft: Seychelles Tourist Office Deutschland. Tel. schildkröten sind in gepflanzt. der Nacht aktiv geLinda kultiviert für das 069/29 72 07 89, www. worden und nun reif Renaturierungsprojekt Hun- seychelles.travel für die Freiheit. Linda derte von Pflanzen in der kippt den Eimer vorinseleigenen Baumschule. North Island Praslin sichtig auf den wei»Besonders stolz sind wir Island ßen Sand, die auf unsere Coco de Mer«, sagt sie. Die Silhouette Schildkrötenbeginberühmte Seychellenpalme hat die S E YC H E L L E N Island nen sogleich, den größten Samen, die es im Pflanzenreich Indischer Ozean Wellen entgegenüberhaupt gibt. Weil die gewaltigen zuwackeln. Nur weKokosnüsse an ein weibliches Becken Mahé Island nige Meter trennen erinnern, ranken sich viele Legenden sie vom Wasser. um die Palmenart. Angeblich setzten ZEIT-Grafik Ihr Spurt über den Könige und Sultane einst hohe Summen 10 km Sandstreifen ist nicht unfür ein Exemplar der sagenhaften Nuss aus, gefährlich; die Fressfeinde die hin und wieder an fremde Küsten geschwemmt wurde. Ihren wahren Herkunftsort warten schon. Aber sobald eine Strandkrabbe angreifen will, stampft Linda kräftig auf und kannten sie nicht. verscheucht sie. »Los, ihr Kleinen, ihr schafft das!«, spornt sie die Brut an. Die Schildkröten Angeblich sollen Kate und William schieben sich auf ihren Flossen mühsam vorhier ihre Flitterwochen verbringen wärts. Bei den ersten Versuchen wirft die Nicht weit von der Baumschule hat Linda ihr Brandung sie zurück auf den Sand, doch dann Büro in einer einfachen Hütte eingerichtet. Hier sind sie alle in den Wellen verschwunden. Nur stapeln sich Bildbände über Fauna und Flora ein offenbar geschwächtes Exemplar bleibt und dicke Ordner bis unter die Decke. Die Bio- auf seinem Panzer liegen. Vergeblich versucht login führt genau Buch über die Entwicklung es, sich auf den Bauch zu drehen. Linda auf ihrer Arche Noah. Aber sie bekennt: »Ich bin nimmt das kraftlose Tier in die Hand und kein Büromensch.« In der Mitte des Raums ste- trägt es ins Wasser. »Mach’s gut, Kleiner!«, ruft hen zwei große, mit Tüchern verhängte Styro- sie ihm nach. Einen Großteil ihres Lebens werden die porboxen. »Na, wie sieht es denn heute bei euch aus?«, fragt sie in eine Kiste mit der Aufschrift Schildkröten im Ozean verbringen. Wenn sie »Unbekannt VII« hinein. Zu sehen ist nichts als Raubfischen, Seevögeln, Fischernetzen und Meefeiner Sand. »Manchmal reden wir hier sogar mit resverschmutzung entkommen, werden sie irEiern«, sagt Linda. Die Box enthält nämlich das gendwann zur Eiablage an diesen Strand zurückGelege einer Karettschildkröte. Linda hat das kehren. Forscher schätzen, dass es ungefähr 30 Nest umquartiert, als sie sah, dass es sonst vom Jahre dauert, bis die erwachsene Schildkröte das Meer weggespült worden wäre. In einer anderen Wasser wieder verlässt, um in den Sand, in dem Kiste sind die ersten Schildkröten bereits ge- sie einst geboren wurde, ein Nest zu graben. Die schlüpft. Noch liegen sie erschöpft auf dem Beckhams, Brangelina, Kate und William wird Sand, aus dem sie sich gerade herausgegraben man womöglich längst vergessen haben. Aber haben. Wenn sie anfangen zu zappeln, wird Lin- wer weiß, ob dann nicht eine Riesenschildkröte namens Brutus ihren schweren Panzer noch imda sie ins Meer entlassen. Es ist die Mischung aus ehrgeizigem Umwelt- mer über North Island schiebt. projekt und exklusiver Robinsonade, die North Island zum Ziel des Jetsets werden ließ. Ökotourismus ist in Mode unter Topverdienern. Die www.zeit.de/audio

North Island

Fotos: Winfried Schumacher für DIE ZEIT (o. und u.); Frank Heuer/laif (m.)

CHANCEN
Spezial: Bachelor & Master
Wie lange Studenten wirklich lernen, wo die Studienreform besonders gut umgesetzt wurde (ab Seite 74) und warum es noch schwer ist, die Uni zu wechseln (Seite 76)

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BERUF

Gesucht: Forscher. Zum Beispiel, um das Klima zu retten. Der dritte Teil unserer Serie über Berufe mit Zukunft

LESERBRIEFE S. 96 DIE ZEIT DER LESER ab S. 82 STELLENMARKT
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12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.olafdeharde.com; kl. Foto: privat

1960er Jahre

Ach, dieser Stress
Gerade einmal 23 Stunden wenden Studenten pro Woche für die Uni auf, zeigen neue Studien VON JAN-MARTIN WIARDA
Auf den folgenden Seiten erzählen Absolventen aus sechs Jahrzehnten von ihrem Studium

Wolfgang Wiese, GrafikdesignStudent von 1966 bis 1969: »Mein Studium an der Werkkunstschule Bielefeld war absolute Freiheit für mich. Ich war begierig, so viel zu lernen wie möglich: Malerei, Grafik, Fotografie, Kunstgeschichte. Dieses Über-den-Tellerrand-Gucken habe ich mir auch im Beruf bewahrt. Jetzt, als Rentner, bin ich an die Uni zurückgekehrt und studiere Alte Geschichte. Leider kommt es mir vor, als wären die Studenten nicht mehr so frei wie damals. Sie wirken fast etwas verbissen.« Alle Protokolle:
LISA SRIKIOW

A

ls Erik Beuck in sein erstes Semester startet, erreicht der Bildungsstreik gerade seinen Höhepunkt. Herbst 2009: Überall im Land besetzen Studenten Hörsäle, ziehen durch die Innenstädte und fordern das Ende aller Spardiktate. Eines der bestgehassten Wörter ist »Bologna«, die Hochschulreform wird zum Synonym für Effizienzdruck und sinnentleertes Turbolernen. »So ist es wohl«, denkt Erik Beuck, schließlich hat er es überall so gehört – und marschiert mit. Knapp zwei Jahre später sitzt der 27-Jährige vor der Auswertung seines Lernkontos und schüttelt den Kopf. Exakt 18,97 Stunden ergibt das Protokoll seiner Studierzeit: 18,97 Stunden pro Woche, die er im Schnitt für Vorlesungen, Übungen, Hausarbeiten, Referats- und Klausurvorbereitung aufgewendet hat. Bin ich ein Halbtagsstudent?, fragt Beuck sich. Er kann es nicht glauben. Rolf Schulmeister war anfangs ähnlich überrascht. Der Informatiker leitet das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung an der Uni Hamburg, und als er vor zwei Jahren die Streiks beobachtete, war er überzeugt: Recht haben sie, die Studenten, dieser Bachelor ist eine Zumutung. Und weil Schulmeister Wissenschaftler ist, wollte er es beweisen. So stellte er mit seinen Mitarbeitern ein einmaliges Forschungsprojekt namens »Zeitlast« auf die Beine: 403 Studenten an Hochschulen überall in Deutschland protokollierten über Monate hinweg jede einzelne ihrer wachen Stunden.

Schulmeister sammelte 150 Tagesabläufe und insgesamt 1 466 184 Stunden. Als er erste Analysen durchrechnen ließ, war er zunächst sprachlos. Dann verwundert. Und schließlich kam er in Hochstimmung. »Genau deshalb bin ich Forscher geworden«, sagt er. »Weil ich nicht behaupte, schon alles zu wissen. Weil Fakten besser sind als Vermutungen.« Und Fakt ist: Der durchschnittliche Aufwand fürs Studium belief sich bei den Studienteilnehmern auf 23 Stunden in der Woche. Als Schulmeister vergangenen Herbst mit einem ersten Zwischenergebnis aus nur fünf Studiengängen an die Öffentlichkeit trat, war das Medienecho bereits gewaltig. Häme ergoss sich über die plötzlich als »faul« titulierten Studenten, die alle mit ihrer ewigen Jammerei hinters Licht geführt hätten. Häme bekam aber auch Schulmeister zu spüren, und zwar vonseiten einiger Forscherkollegen, die Methode und Aussagekraft seiner Untersuchung anzweifelten. Zu krass war die Abweichung von allen bislang bekannten Studien. Das renommierte Hochschul-Informations-System (HIS) etwa war in seiner Studie auf geschlagene 13 Stunden mehr pro Student gekommen. Auch deshalb legte Schulmeister nach. Das Ergebnis: Obwohl er den Kreis der untersuchten Studiengänge von sechs auf mittlerweile 18 erweitert und auch vermeintliche Paukfächer wie BWL oder Ingenieurwissenschaften hinzugenommen hat, blieb der gemessene durchschnittliche Studienaufwand in etwa gleich – bei großen individuellen Abweichungen. »Natürlich gibt es die Studenten, die 40 Stun-

den in der Woche studieren«, sagt Schulmeister. »Aber sie sind die Ausnahme – im Gegensatz zu denen, die 15 Stunden und weniger fürs Studium aufwenden.« Noch überraschender: Zumindest in den untersuchten Studiengängen waren die angeblich besonders geforderten Ingenieurstudenten (24 Stunden) und BWLer (25 Stunden) keineswegs arbeitsamer als die dem Klischee nach so entspannten Lehramtsstudenten (27 Stunden) und Erziehungswissenschaftler (23 Stunden). Und eines hat Schulmeister besonders erschüttert: »Die investierte Zeit hat keinen Einfluss auf Noten und Studienerfolg.« Die fleißigeren Studenten sind im Schnitt keineswegs die besseren. Aber wie kann das alles sein? Und wie kommen die enormen Unterschiede zu anderen Studien zustande? Ganz einfach, sagen Schulmeisters Forscherkollegen: Seine Daten seien nicht repräsentativ, teilgenommen hätten ein paar Hundert Studenten aus einer Handvoll Studiengänge, die auch noch aufgrund der persönlichen Initiative ihrer Studiengangsleiter bei der Untersuchung mitgemacht hätten, da sei die Verallgemeinerbarkeit schon arg begrenzt. Die HIS-Forscherin Elke Middendorff spricht von einem »dirty panel«. Ihr Kollege Tino Bargel von der Konstanzer AG Hochschulforschung, deren Studierendensurvey seit 30 Jahren zu den meistbeachteten repräsentativen Studien an Hochschulen überhaupt gehört, drückt sich zurückhaltender aus: »Die Ergebnisse von Zeitlast sind äußerst beeindruckend, die Methode der Datenerhebung ist innovativ, allerdings muss man angesichts der nicht zufälligen Aus-

wahl der Studiengänge vorsichtig sein, weiterführende Schlüsse für alle Studenten in Deutschland zu ziehen.« – »Wer so was sagt, hat die Methode unserer Studie nicht verstanden«, sagt Schulmeister knapp und verweist auf die »enorme Datendichte« angesichts von anderthalb Millionen protokollierten Stunden und die Länge der Untersuchung über fünf Monate hinweg. Das HIS hatte das studentische Zeitbudget für die 2007 erschienene, als repräsentativ geltende 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhoben. Der zufolge lag die durchschnittliche Belastung von Bachelorstudenten bei 36 Wochenstunden. Eine »äußerst besorgniserregende Entwicklung«, kommentierten Studentenverbände, Professoren und Politiker. Das war schon damals gewagt – schließlich war die vom HIS ermittelte Zeitbelastung bei den alten Studienabschlüssen ganz ähnlich. Ein entscheidender Unterschied zu Schulmeisters Studie ist jedoch die Methode: Die an der Sozialerhebung beteiligten Studenten mussten ihren Zeitaufwand fürs Studium lediglich schätzen, während Schulmeister seine Probanden sauber mitprotokollieren ließ. Schätzen sollte Erik Beuck erst am Ende. Bevor die Forscher ihm die Ergebnisse seines Zeitkontos präsentierten, baten sie den Lehramtsstudenten, die Stundenzahl anzugeben, die seiner Meinung nach seinem wöchentlichen Studienpensum entsprach. Beuck wusste da bereits, dass er nicht zu den fleißigsten Studenten gehört. Die Praxis liegt ihm mehr,
Fortsetzung auf S. 72

Widersprüchlich
»Die Ergebnisse freuen mich außerordentlich«, kommentierte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Studien des HIS, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die vor der zweiten Bologna-Konferenz am 6. Mai erschienen. DHV-Chef Kempen entgegnet: »Die Studien, die aus dem Hause Schavan kommen und nach Lesart der Bundesministerin den angeblich notorischen Kritikern der Bologna-Reform den Wind aus den Segeln nehmen, belegen in der Regel das Gegenteil.« Was die Untersuchungen tatsächlich zeigen: Vieles in der Kritik an den neuen Abschlüssen war weit übertrieben, aber besser geworden ist durch die Reform noch zu wenig. So hat sich die Studienqualität in der Bewertung gegenüber den alten Abschlüssen kaum gesteigert. Und die Verunsicherung der Bachelorabsolventen durch die ständigen Warnrufe hat skurrile Folgen: Obwohl sie ihre Jobaussichten zum Teil sogar besser bewerten als die Inhaber alter Abschlüsse und die Bereitschaft von Firmen, sie einzustellen, groß ist, hängen die Hälfte der FH- und drei Viertel der Uni-Bachelors einen Master an.

die viele streikende Studenten so erbost hat? »Meine subjektive Wahrnehmung als Hochschullehrer. Vorsitzender der bolognakritischen Professorengewerkschaft Hochschulverband (DHV).« Selbst Rolf Schulmeister sagt: »Eins zeigen auch unsere Daten. Die semesterbegleitenden Klausuren sollten die gefürch- teten Hammerprüfungen am Ende des Studiums ersetzen. Student Beuck bestätigt: »Die Spitzen in der Belastung prägen die Wahrnehmung. besonders im Vorfeld der Klausurenphase. müssen wir das Studium in thematisch zusammenhängenden Blöcken organisieren. dass die Professoren sich mehr von den Studenten abschotten – wie vor den sechziger Jahren. nämlich dass der Studienaufwand sehr ungleich verteilt ist. sagt Bernhard Kempen. zumal auch deutlich mehr Lernkontrollen geschrieben werden als früher. »Wir haben nie behauptet. sei bei vielen wirklich extremer Stress angesagt. und die Prüfungen ballen sich nicht am Semesterende. Buchtipp: Rolf Schulmeister/Christiane Metzger (Hrsg. 30 Stunden. 34. 360 Seiten. sagt der stellvertretende Generalsekretär Stefan Grob. Beim Deutschen Studentenwerk äußert man sich betont differenziert. die seine persönliche Auswertung dann ergab. .90 Euro www. »Allerdings muss man festhalten: Gerade für das Drittel der Studenten. dann ist ein tiefer Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. »Mit einer zeitlichen Überfrachtung des gesamten Bachelorstudiums hat das allerdings nichts zu tun«. Den Studienleiter Rolf Schulmeister haben sie dazu als Berater eingeladen. das offenbar jetzt auch andere zum Nachdenken bringt.72 12. die neben dem Studium zwingend für ihren Unterhalt arbeiten müssen. Auch abgesehen von der Schulmeister-Untersuchung bekommt die Reform derzeit eher gute Presse.« Doch was folgt aus der enormen Diskrepanz zwischen »subjektivem Empfinden und objektivem Sachverhalt«. was die Belastung der Studenten angeht.olafdeharde. Ich habe zudem den Eindruck. 71 1970er Jahre Jürgen Studt. sucht er jetzt nach Erklärungen. Außerdem die Klausuren: Tatsächlich sind sechs Stück in anderthalb Wochen keine Seltenheit. ohne dass er sich schlimmer anfühlt: von 24 auf 31 Stunden. Meiner Generation ging es besser als der vor und nach uns: kein Krieg. Die Fachhochschule Kiel etwa will ihre Studienstruktur neu organisieren und als ersten Schritt die Semester halbieren.): Die Workload im Bachelor. keine Umweltprobleme. antwortete er also – und hielt sich für extrem realistisch. wenn man mal keine Lust hat aufs Lernen. Angesichts der 18.« schon jetzt arbeitet er freiwillig jede Woche einen Tag in einer Schule. Doch gilt die Entwarnung auch für die angebliche Überfrachtung des Studiums. Foto: privat gehendes Lernen möglich. dann komme alles zusammen. Das bin ja nicht ich. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Fortsetzung von S. kein Aids.97 Stunden. sagt man sich. BWL-Student von 1974 bis 1979: »Mit meinem Studium an der Uni Hamburg verbinde ich eine Freiheit.« Gemeinsam mit der TU Ilmenau haben die Hamburger Forscher ihr neues Modell bereits ausprobiert. sagt Schulmeister. die anderen Wochen vergisst man irgendwie. heute nehmen die Studenten nur einen Business Case nach dem anderen durch. bleibt eine andere«.« Diese Entschuldigung zumindest könnte sich bald erledigt haben. die manchen noch nach einem Dutzend Semestern aus dem Magisterstudium gehauen haben. die fast an Unbekümmertheit grenzt. Das ist eine super Ausrede. sich für Prüfungen anmelden. »Jahrelang haben sie rauf und runter geschrieben. www. sagt er. dass der Bachelor kaum zu schaffen ist. lernen. »Das hat mit den Medien zu tun«. kl. Waxmann 2011. wie hehre Absichten zum Gegenteil des Erhofften führen können. Hausarbeiten schreiben.com. Ein Ergebnis. Gerade hat eine Reihe von Studien im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergeben.« Ein paarmal im Semester.de/audio Ag Fordham www. Sie haben das Semester dort in vier Blöcke aufgeteilt mit jeweils anschließender Prüfung und dabei den durchschnittlichen Studienaufwand sogar gesteigert. dass die internationale Mobilität der Studenten entgegen allen Vermutungen der Bologna-Kritiker zugenommen hat und dass Bachelorabsolventen erstaunlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben (siehe auch Kasten). dass die Lage der Studenten wegen des Bachelors per se schlecht ist«. wird es schon eng. Das liegt an dem blöden Bologna-Studium.zeit. Hier offenbart sich. Der Preis: Jetzt zählt jede Klausur und löst Stress aus. von der DHV-Chef Kempen spricht? Schulmeister sagt: »Anstatt die Studenten mit bis zu 14 Themenwechseln pro Woche zu konfrontieren. In der Statistikvorlesung waren wir zu acht.

ohnehin acht Semester. Follow the white rabbit den einen Schwerpunkt wählen. das im Rahmen des Bachelor-Plusauch die 20-jährige Psychologiestudentin Aenne Programms des DAAD finanziell unterstützt wird Brielmann aus Konstanz. wie sie ist.Ländergemeinsamen Strukturvorgaben und das ben Freiräume auf der Strecke – so die Kritik.logiestudium. da in den zusätzlichen Semestern ebenfalls Leistun. habe man keinen um ist bekannt für seine Fächer. ist immer noch unglaublich voll.tät Bonn. Ich wollte wissen. Und das Studentenwohnheim wurde zu meinem Zuhause. »In einem Einige Hochschulen wagen es: Neben der Universität Konstanz hat zum Bei. »Studieren«. aus. die man auf sieben oder acht chelor daher fast flächendeckend Semester umstellte. Sie schaffen aber andere Probleme VON MAREN WERNECKE eginnen wir mit der Ausnahme.und Musikund-Master-Struktur sollte Deutschland eigentlich hochschulen dauern drei Viertel der Bachelors fit für den europäischen Hochschulraum machen. diese Unabhängigkeit hatte ich sogar gesucht. Würden Studiengänbleibt für den Master versitäten lehnen den langen Bage. noch betrachtet man uns als Exoten«. also aufeinanDie Forderung nach längeren Hochschulen können derfolgenden Studiengängen nur Regelstudienzeiten machte die die Studiendauer des zehn Semester betragen: Zu eiRunde. das war schon früh klar.noch nichts vom Berufsleben mitbekommen stroh. »Das Praxissemesunserem Fach sind vier Jahre das Minimum. »Wie soll ich eine wissenschaftlich wirklich gute Grundausbil.testen.« ter wären mir lieber. sagt Brigitte Rock. »Cut.zweisemestrigen Master müsste man sich im Wespiel die Uni Bamberg die Regelstudienzeit ihres sentlichen auf die Masterarbeit konzentrieren«. dies zu ändern. über ihren näres Studienjahr sollen an einzelnen Hochschulen angeboten werden. Von der Wand des Fachschaftsraums starrt ein im vierten Semester beginnt die Einführung in die weißer Hase mit roten Augen vom Werbeplakat Anwendungsmodule. Verschieben könne man auch in den vier Jahren rende ein längeres Studium ohnehin nicht auswenig. mit meinen Kommilitonen von dort bin ich noch immer befreundet. Die Stundenpläne sind oft straff. »Aber der Stundenplan Berg. RegelstudienAuch die tatsächliche Berufsbefäzeiten von sechs. Heimelig war es an der Uni Hamburg nicht. das Studium ließe tierten Zweig entscheiden können.gleichen. die neuen.schulpräsident Elmar Schreiber. auf dem gesucht«.und Sozialwissenschaften. interdiszipliraum.gilt. bei konsekutiven. Auch die Konstanzer Psychologieprofessorin unsere Bachelorstudiengänge sind auf sechs Semester ausgelegt. und die schaftliche Variante führt gezielt auf ein zweiAbsolventen wären mit ihrem ersten Hochschul. Dort sehen etwa Bachelors flexibel auf gehörte demnach ein zweisemes95 Prozent der Bachelorangebote bis zu acht Semester triger Master. Sense«. sagt sie. »In Übersichtsplan von der Wand. Aber ich habe mich schnell zurechtgefunden. Jeans. Eine längere Acht plus vier ist gleich zehn Semester«. hier können die Studieren.stimmten Studiengängen ein zusätzliches Ausgen erbracht werden müssen. sagt sie. Auch die Goethe-Universität in Frankfurt am Main plant im Fach Sinologie schiedlich langer Bachelorstudiengänge die Mobilität der Studierenden einschränken würde: Hocheine Umstellung auf acht Semester.torenkonferenz wiesen im vergangenen Wintersemester 44 Prozent der Bachelorstudiengänge zeit zu überschreiten bedeutete Stress. Klinische Psycho. die ohnehin einen gefühlte Druck ist hoch. die Situation weniger Zeit ab. »Wenn es aber funktioniert. mit dem man in den Bevielfalt. Sie will in den Sportkurs. weiß sie allerdings dem Wintersemester 2009/10 einen auch nicht. Die wissensich flexibler und individueller gestalten. Auch Übergangssemester von der Schule Sommersprossen. sagt Brielmann. Allerdings abschlusses stellten viele infrage. Politikstudentin von 1981 bis 1986: »Während der Schule wechselten meine Berufswünsche mehrmals. sagt Rockstroh. um ter finde ich sehr wichtig«. WirtschaftsReform führten. Die Umstellung auf die Bachelor.com.« Möglichkeiten gibt es viele. energische – ohne dass es zu einer Studienzeitverlängerung Person mit T-Shirt.« Probleme wie diese waren es. es bleibt Zeit.Abschluss in der Tasche. insbesondere an den nem achtsemestrigen Bachelor Universitäten. der ruf einsteigen könnte. sagt Brielmann. Am »Ich habe mir die Konstanzer Uni bewusst ausSüdrand der Bundesrepublik. Professorin für klinische Psychologie und habe?« Auch die frühen Vertiefungsmöglichkeiten Studiendekanin. keiner kommt. wenn immer möglich zu verbessern und res Bekenntnis zum dreijährigen Bachelor«.zur Universität oder ein zusätzliches. Semester abgeschlossen sein. ab phase zu wenig Zeit.« B 1980er Jahre Juliane Papendorf.« Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. eine zierliche. sofern es Finanzen und Zeit zulassen. sie fürchten eine Schmalspurnicht verbessern? ausbildung im Master.« Die Universität Konstanz bietet seit Worauf sie verzichten würde. es zum Beispiel von der Universität Freiburg. Foto: privat Aus sechs mach acht .semestriges Masterstudium hin. gefallen ihr. An Kunst. sagt Brielmann logie zum Beispiel oder Gesundheit und Arbeit.mich sinnvoll spezialisieren können. Bereits hat. samt Blick auf See und Alpen. So stellt zum Beispiel die Jade Hochschule Oldenburg/Wilhelmshaven/Elsfleth im nächsten Wintersemester alle ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge auf acht Semester um. Nur dass ich studieren würde. Abschlüsse ließen sich schlechter verHochschulen und Fachbereiche – ein bundeswei. und es gibt derzeit keine Pla.« Dennoch zeigt sie sich von dem Konzept ihres Fachbereichs überzeugt: »Wir sind erst am Anfang. Zeitproblem darf die Gesamtregelstudienzeit zum Teil bis heute. Deutsche Fachhochschulen. den sie zwischen die Präsenzzeit im Fachschaftssagt Aenne Brielmann und haut mit der Hand. Basismodule? Sollten vor dem sechsmonatigen Berufspraktikum im fünften muss jedenfalls jetzt los. eine sechssemestrige Studienfestlegen. dass ein Parallelangebot unterJahre laufen zu lassen. Das weiß inzwischen landsjahr vor. »Den meisten meiner Studenten fehlte bislang die Zeit. Hochschulrahmengesetz räumen jeder Hochschule die Freiheit ein. »Den Studenten bliebe in der Eingangsversität in Friedrichshafen wirbt damit. Die Psychologiestudentin Aenne Brielmann Ende zweites Semester. Einige Universitäten wiederum sehen bei bematisch zu einer Entzerrung des Stundenplans.und Methoden. Allerdings beschränkt sich das Phänomen der schulwechsel zwischen Bachelor und Master würden Studienzeitverlängerung bislang nur auf wenige erschwert. »Wir haben aus allen Fakultäten ein kla. wenn ich dung vermitteln zu können«. »macht immer noch Spaß. auch mal andere starken Praxisbezug haben. Vor allem muss jeder verlängerte Stuter Trend ist mitnichten erkennbar. wobei sich die Studierenden Dabei scheinen die Vorteile einer Verlängerung nach dem sechsten Semester entweder für den auf der Hand zu liegen: Es bliebe mehr Raum für berufspraktischen oder den wissenschaftlich orienPraxis.und Auslandssemester. »Unsere Gleichung lautet: Argumente nur teilweise zu halten. Die private Zeppelin Uni.der Psycho-Oster-Party. gerade eingeführten Modelle zu haltend. und grinst. Pferdeschwanz und kommt.steht auf einem Pfeil. Doch bei genauerer Betrachtung sind diese den Beruf entlassen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 73 Längere Bachelorprogramme könnten die Stundenpläne entlasten. der Ständige Vertreter des Prädie Universität des Saarlandes lässt wissen: »Alle sidenten der Universität Augsburg.Brigitte Rockstroh kennt diese Argumente und gibt zu: »Vier Jahre Bachelor plus zwei Jahre Masnungen. die andere Option soll die Bachelorabsolventen optimal vorbereitet in abschluss besser qualifiziert. Und nach nur drei Jahren PsychoDas anwendungsorientierte Psychologiestudi. heißt nicht sofort panikartig alles wieder umzustellen«.olafdeharde. Grundsätzlich ist für Studieverlängerten Studiengang zu reden. Sie steigt auf das Sofa und klaubt einen achtsemestrigen Bachelor in Psychologie an. Und sagt Alois Loidl. sieben oder acht higung des ersten HochschulSemestern festzulegen. inhaltlich auf ein Niveau Herbst 2011 als erste deutsche Hochschule alle zu kommen und später ihre wissenschaftlichen ihre Bachelorstudiengänge regulär vier statt drei Grundlagen zu vertiefen. kl. blie. Orientierungsmodule? Deadline geschlossen. die im Jahr 2009 eine Regelstudienzeit von sieben Semestern auf.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12.insbesondere die Ingenieur-. Rechts-. »Und die Regelstudien. sagt sie. Studiengangs Internationale BWL von sechs auf sagt Andreas Archut. Aber: Dann Die forschungsorientierten Unidauer vor. Sie hat Dienst im Fachschafts. der Sprecher der Universiacht Semester erhöht.raum und das Biopsychologie-Seminar gequetscht kante auf das grau melierte Sofa unter ihr.« Hinzu kommt. Rein rechtlich ist das seit Jahren möglich: Die Stattdessen seien gerade die sechssemestrigen Bachelors mit Stoff und Prüfungen vollgestopft. haben dies längst beVorlesungen zu besuchen oder etwas in Ruhe zu rücksichtigt: Nach Recherchen der Hochschulrekverdauen«. zu Massendemonstrationen gegen die Bologna. werden andere nachziehen. warum die Welt so ist. Die meisten diengang neu akkreditiert werden – das kostet. »Es Hochschulen zeigen sich bei dem Thema zurück. sagt HochStudiendauer beispielsweise führt nicht auto.

Aber nicht nur die Studenten zeigten während der Streiks ihre Unzufriedenheit. Als die Hildesheimer Studenten während der Bildungsproteste den Hörsaal der Uni besetzten. um den Studenten individuelle Wahlmöglichkeiten zu geben. sagt er. Zwei Tage. so eine Studienordnung immer wieder umzuschreiben. der in der Uni Hildesheim weht und der von Personen wie dem Uni-Präsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich. »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand. der Leiter des Instituts für Psychologie. desto mehr Universitäten machten sich die Kritik der Studenten zunutze – oft für ihre eigenen Interessen.stifterverband. was genau sie blöd fänden. In Hildesheim studieren 5000 Studenten von bundesweit rund 2. Friedrich ist ein großer. Er soll den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten weiter vorantreiben. Der von Bachelorstudenten oft angeprangerte »Prüfungsmarathon« wurde durch weiter gefasste Prüfzeiträume entzerrt. oder Sie schauen. we can make it everywhere!« . Greve und die Universitätsleitung Hildesheim aber schon. Und hierbei unterscheidet sich die kleine Universität momentan von mancher Massenhochschule. Sie wollten das Diplom zurück. ging der Bologna-Koordinator Toni Tholen einfach hinein. Was ist nun an der Uni Hildesheim so anders als anderswo? Stellt man diese Frage dem Präsidenten Friedrich.maegdefessel@stifterverband. Vier Mal wurde allein an Greves Institut die Bachelor-Studienordnung überarbeitet. Werner Greve und Toni Tholen haben sich entschlossen.de. Einsendeschluss ist der 25. und prämiert die drei besten mit einmal 3000. Aber viele universitäre »Sesselpupser« sähen das nicht ein. Und dass es nicht nur eine Sache der Größe und des Geldes ist. Ein Formular für den Antrag steht unter www. dem Bologna-Koordinator Toni Tholen und Werner Greve maßgeblich bestimmt wird. Und wie. drei Mal die für den Master. muss sich Debatten stellen. dass Bildungskrisen auch Chancen bergen. eigene Schwerpunkte zu setzen oder vielleicht ins Ausland zu gehen? Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sucht Studiengänge. Juli. Sie darf maximal 2000 »Bologna ist prima« Man muss die Studienreform nur richtig umsetzen. »vergessen wir’s!« Die Umstellung von den alten Studiengängen auf die neuen sei eine echte Chance gewesen. Im Fokus steht die Frage: Wie kann man das Studium verbessern? In welchen Fachbereichen gibt es wo genau noch Probleme? Und: Wie sind sie zu beheben? Das Ergebnis: Die Module sind in Hildesheim flexibler geworden. das Preisgeld geht an die Fachschaft. was in Hildesheim geht. Er fragte die Studenten. Deswegen fragt der Stifterverband: »Welcher Studiengang verdient Lob und warum?« In der Begründung sollen ausschließlich Kriterien eine Rolle spielen.« Hildesheim ist die kleinste Großstadt des Landes Niedersachsen. Denn viele Universitäten haben die Proteste nicht konstruktiv genutzt. was viele Menschen nicht hören wollen. Bologna heiße der Zug der Zeit. woanders ganz bestimmt auch geht«.de/cum-laude. Je lauter ihr Protest wurde. Greves Meinung nach ist Hildesheim auf dem aufsteigenden Ast. Allem Studenten-Widerstand zum Trotz beweist die Provinz-Uni gerade. geht auch woanders« Wolfgang-Uwe Friedrich. »Wir sind das Hackfleisch in der Bolognese« oder »Dichter und Denker statt Bachelor und Banker« stand auf den Plakaten. sondern den Bottom-up-Prozess«. Gleich mehrmals wurden die Studienordnungen überarbeitet Natürlich macht es Arbeit. Manchmal mischt sich schon etwas Größenwahn in seine Worte. In einigen Studiengängen wurden die Module geöffnet. An vielen anderen Universitäten gilt es als Niederlage. Den Studenten gefiel das. sind die Lehrinhalte aktuell? Lässt es Ihnen den Freiraum. gebildeter Mann mit epochalen Gesten und vornehmer Art. »Ich glaube. die Tausende Studenten in Deutschland 2009 während der Bildungsproteste über ihren Köpfen schwenkten. wo die drei besten ausgezeichnet werden. zeigt die Universität Hildesheim erner Greve hat sich eine bunte Fliege umgebunden und wird gleich etwas sagen. sagt er dann und weist auf die »spezielle Kommunikationskultur« an seiner Uni hin. Sie sind gekommen. Das klingt dann so: »Auch Cambridge war mal ein rotes Backsteingebäude in der Nähe von London. Wer sich auf den Weg nach oben macht. Mai 2011 AUSSCHREIBUNG DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Lob dem Studiengang Der Stifterverband sucht die besten des Landes Verdient Ihr Studiengang die Auszeichnung »cum laude«? Ist das Studium besonders gut strukturiert. Natürlich ist jedem Studenten etwas anderes wichtig. wählt eine Shortlist von sechs bis acht Studiengängen aus. »Wir bevorzugen nicht den Top-down-. In Hildesheim sieht man es als Zeichen des Fortschritts. »Missbildung«. sondern bezeichnend für einen reformerischen Geist. Vergangenes Jahr gaben die neun größten technischen Hochschulen in Deutschland beVON NORA GANTENBRINK W kannt. Greves Abendrede ist nicht nur höfliches Gefasel. Die Uni Hildesheim hat sich mit ihrer Reformbereitschaft vom Hannoverschen Stiefkind zum bundesweiten Musterschüler gemausert. Worte lang sein. die Prüfungsbelastung ist durch die Verringerung von Modulen reduziert worden. Manche der Anwesenden nicken. Mittlerweile heißt der Bologna-Tag in Hildesheim »Dies academicus« und ist zum festen Bestandteil des Studienjahrs geworden. Eine Jury. sondern stattdessen den alten Studiengängen nachgetrauert.« »Was in Hildesheim geht. einer klatscht. Daraufhin richtete er einen sogenannten Bologna-Tag ein. Studienordnungen innerhalb kurzer Zeit zu ändern. Selbst der Asta-Referent der Uni spricht sich inzwischen öffentlich für die Bachelor. um zu diskutieren. sagt Greve hingegen nur. Vorschläge können Studierende gemeinsam mit einer Fachschaft einreichen. die mehrheitlich mit Studierenden besetzt ist. eine Frage: Wie kann man die Bachelor-Master-Strukturen an den deutschen Universitäten verbessern? Nicht alle Teilnehmer des Forums sind von der Studienreform überzeugt.und Masterstudiengänge aus. sagt Werner Greve. die sich direkt aus dem Aufbau des Studiengangs ergeben. andere raunen. sagt Friedrich. einmal 2000 und einmal 1000 Euro.2 Millionen. dann sagt der erst einmal »Tja«. Und die Studenten fühlen sich von der Universitätsleitung in ihren Anliegen ernst genommen. »Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«. »Schade ums Diplom«. denen – aus welchem Grund auch immer – besonderes Lob gebührt. Hildesheim ist aufgesprungen. dass die deutsche Hochschullandschaft auf Hildesheim blicken sollte. wie man es besser machen kann. Schicken Sie den Vorschlag mit dem Formular an daniela. aber es muss sein. Er sitzt in seinem UniPräsidium wie ein König. Sie sind die Antreiber auf den Campus. Für dieses Engagement hat die Hochschulrektorenkonferenz Hildesheim auf die Liste der »Good Practice«-Beispiele gesetzt. dass das. dass sie den Master schlecht fänden. die auf der Bologna-Konferenz 1999 beschlossen wurde. Die präsentieren sich dann Ende November in Berlin. Trotzdem findet Greve. Credit Points wurden dem Aufwand angeglichen.74 12. Greve hebt sein Sektglas und sagt: »Bologna ist schon jetzt ziemlich prima!« Die Reaktionen der Zuhörer im Foyer des Römermuseums Hildesheim sind gespalten. ruft er zum Abschluss seiner Abendrede ins Foyer und breitet die Arme aus: »If we can make it here. den Kopf oben zu halten. son- dern vor allem auch eine Frage der Einstellung. Wie das geht. was ihnen nicht passte. mit gerade einnmal knapp über 100 000 Einwohnern. Es gibt Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer und den ältesten Rosenstock der Welt. Die Studenten konnten kommen und in Workshops besprechen.

Mit Studierenden der Fakultäten »Soziale Arbeit und Gesundheit« und »Design« sprachen die angehenden Architekten auch über den Aktionsradius alter Menschen. was die Hochschule Coburg derzeit umgestaltet. 2012 soll es gebaut werden. In den fünfziger Jahren kamen Elektrotechnik und Maschinenbau dazu. Bauingenieure. worin sich die aktuellen Studienanfänger von den früheren unterscheiden: Jünger seien sie und weniger homogen. und das gilt nicht nur für Sachinhalte. sondern für das Unternehmen. deren Präsident er ist. Die Coburger Studenten machen das ganz konkret. aber ungeliebt. aber ihnen fehlten theoretische Grundlagen. müssen sie an den Hochschulen nachholen. wissenschaftlicher Anspruch und der Blick über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus. Deshalb haben die Coburger für den doppelten Abi-Jahrhang ein freiwilliges. dass es nicht genügt. seien meistens hoch motiviert und könnten sich gut selbst organisieren. die brauchen ihre Zeit. Tendenz steigend: Derzeit entstehen neue Hörsäle und Verwaltungsgebäude. Bedürfnisse. die doch eigentlich stolz darauf ist. die einem dazu in den Sinn kommt. sieht er auch die Veste Coburg. 2010 etwa entwickelten Architekturstudenten ein »Wohlfühlhaus für Jung und Alt« aus Holz für Bamberg. sagt Pötzl. der ihn beherbergt hatte. solange sein Zimmer noch nicht fertig war. »Interkulturelle Kompetenz«. die aus dem Beruf kommen. das nice to have ist. desto erfolgreicher wurden die Fachhochschulen. nämlich der Ausbildung praxistauglicher Arbeitnehmer? Die Coburger haben erkannt. wie ein Haus gestaltet sein soll. Allmählich aber spricht sich herum. Zu lange galt der Grundsatz: Nicht für die Schule lernen wir. Heute besuchen die Hochschule Coburg junge Leute mit vielfältigerem Bildungshintergrund: Manche haben das Abitur oder Fachabitur.und VWL-Student von 1988 bis 1993: »Nach dem Vordiplom in Bamberg bin ich nach Hamburg gegangen und kam dort mitten im Streik des Asta an. Technik. als er noch vor wenigen Jahren en vogue war. entzerrt werden. Foto: privat Praxisnähe reicht nicht aus Zur Ausbildung gehört auch Bildung. er sitzt über den Baumwipfeln. Dreierlei soll darin zum Ausdruck kommen: Anwendungsbezogenheit. Umgekehrt müssen nun die Fachhochschulen von den Universitäten lernen. entwickeln neue Studienfächer und unterstützen ihre Studenten beim Berufseinstieg. Statik und Baukonstruktion. Aber wir können ihnen einen Raum geben«. also rein zweckgerichtetes Lernen. das diese Zwecke hinterfragt. engagieren jüngere Lehrende mit flexibleren Arbeitsverträgen. Trotz dieser Umstände hatte ich in Hamburg einen engen Kontakt zu meinem Professor. Lange fühlten sich die deutschen Fachhochschulen gleichermaßen als Musterschüler und Stiefkinder der Bildungsinstitutionen: effizient. Er hat mich bis ins Berufsleben begleitet und berät mich noch heute – ich berate ihn allerdings auch. einige eine Berufsausbildung und drei Jahre Praxiserfahrung hinter sich. »Persönliche Reifeprozesse können wir nicht beschleunigen.und Kulturgeschichte dazu. kann den alten Stadtkern erahnen. die durch die Verkürzung der Schulzeit und die Wehrdienstaussetzung gleichzeitig an die Hochschulen stürmen. Pötzl erzählt. »Elfenbeinturm« ist die Assoziation. Eigenheiten – darüber also. Pötzl ist gerade aus dem roten Baucontainer ausgezogen.« . die wiederum den Abiturienten. 1990er Jahre Markus Birzer. Materialkunde. An meiner alten Uni hatte es keine überfüllten Hörsäle gegeben – der Protest und die Stimmung an der neuen haben mich daher ziemlich beeindruckt. Sondern dass die Studierenden auch lernen müssen. da ich studentischer Mitarbeiter war. Politik. Und: Diese Seminare besuchen angehende Architekten. hatte man im Zuge der Bildungsexpansion ab dem Ende der sechziger Jahre die Humboldtsche Einheit aus Lehre und For- schung aufgegeben – an Fachhochschulen lernten und lehrten vor allem Praktiker. Deshalb sollen sich alle Erstsemester in Coburg vom Wintersemester 2012/13 an mit philosophischen Grundlagen. und Anfang der Siebziger wurde aus dem Polytechnikum eine Hochschule samt Betriebswirtschaft. Die Studenten schreiben sich ein und können aus etwa 50 verschiedenen Veranstaltungen wählen. Um dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete. Ein Viertel bis ein Drittel der Semesterwochenstunden sollen so gestaltet werden. Damit soll das Denken in Zusammenhängen erlernt werden. im nächsten Jahr 200. Gesundheit und Gestaltung. So sollen erstens die Jahrgänge. in Richtung eines umfassenderen Bildungsbegriffes. Im zweiten Semester kommen Wissenschaftstheorie. Er ist der humanistischen Tradition näher. und dass umfassendere Bildung kein Add-on ist. sich durch nichts vom Erreichen ihres Hauptziels abhalten zu lassen. als es denjenigen recht sein dürfte. ihre Lebensgewohnheiten. Produktdesigner. Das heißt für die Hochschulen: Sie können immer weniger voraussetzen. Je stärker Praxistauglichkeit angesichts der Schwerfälligkeit der Universitäten zum Gebot der Stunde wurde. um über ihre persönliche und berufliche Zukunft nachzudenken. Geburtstag zu feiern. ihr Tun in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. die keinen Wehr. Ist das ein hübscher Marketingeinfall? Oder vielleicht ein Zeichen für den Sinneswandel einer Hochschulgattung. die dafür von der Praxis wenig Ahnung hätten. darunter »Allgemeine Ethik«. entrümpeln ihre Curricula und ihren Verwaltungsapparat. dass die Zeichen der Zeit rückwärts deuten. was die Studierenden an den Gymnasien durch die Schulzeitverkürzung nicht gelernt haben. aber praxistaugliche Kräfte zur Verfügung zu stellen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 75 Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Dabei ging es nicht nur um Gebäudetechnik. glaubt man an der Hochschule Coburg VON ANDREAS UNGER E s ist verführerisch. das klappt nicht«. Fachkräfte gegen den Fachkräftemangel heranzubilden.com.und Zivildienst und ein Schuljahr weniger Zeit hatten. Wissenschafts-. müsse auch von einem Lernen begleitet werden. das junge Leute haben. Sie haben sich einen neuen Claim gegeben: »Die Projekthochschule«. »Einführung in die Ethnologie«. in dem alte Menschen möglichst gern möglichst lange und möglichst selbstständig leben können. Technik. Die Prüfungen werden ihnen später angerechnet. »Die nach Schema F zu belehren. Und zweitens kommt man so dem Orientierungsbedürfnis nach. Denn Elfenbeintürme werden nicht so beherzt umund neu gebaut wie derzeit der Coburger Campus. und sie zahlen keine Studiengebühren. einsemestriges Studium generale eingerichtet. zum Opfer dieses Erfolgs zu werden – denn die Universitäten haben von ihnen gelernt.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Betriebswirtschaftler. Auch so werden Inhalte anwendungsbezogen. zu viel in Michael Pötzls Aussicht aus seinem Büro hineinzudeuten: Auf einem Berg über Coburg liegt die Fachhochschule. sozialer Arbeit. kl. und wenn er sich nach links beugt.olafdeharde. mit Ethik-Konzepten von Aristoteles bis Habermas und mit dem Unterschied zwischen geistesund naturwissenschaftlichen Methoden beschäftigen. Und das ist nicht das Einzige. Der Vorläufer der Hochschule Coburg war rein praktisch ausgerichtet: Vor 199 Jahren wurde die Handwerkerschule gegründet – ein Anlass für die FH. aber noch grün hinter den Ohren. in deren Augen das »allgemein« in »allgemeine Hochschulreife« in erster Linie für »nicht praxisrelevant« stand. trivial erschienen. sagt Pötzl. Gesundheitswissenschaftlicher. Bildung bedeutet zunächst: Orientierung. 112 Studierenden nehmen es derzeit in Anspruch. Vor 20 Jahren waren die Studenten klassische Gymnasiasten und Fachoberschüler: schlau. aber auch »Die Gitarre in Theorie und Praxis« und ang- lizistisch Verklausuliertes wie »Social Contacts and Telephoning«. Sie bemühen sich um ihre Studenten. Knapp 4000 Menschen studieren hier. Das. das dem eigentlichen Studium vorausgeht. das an den Fachhochschulen lange vernachlässigt wurde. Instrumentelle Bildung. Studierende. manche haben die Berufsoberschule absolviert. und sie ist falsch. Jetzt aber laufen sie Gefahr. Sozialarbeiter und Versicherungswirtschafter gemeinsam.

Schnell stellt sich heraus: Nur eine Handvoll Hochschulen würden ihn gegebenenfalls annehmen. »Untersuchungen zeigen. dass sich auch die Bedingungen eines Hochschulwechsels verbessert haben. Frankfurt am Main und Berlin statt. sagt er lachend. die Studenten verlören Zeit. sagt Christoph Heine. www. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN TIPPS UND TERMINE Bewerbungsschluss an der Law School Wer am Zulassungsverfahren der Bucerius Law School für den kommenden Herbst teilnehmen möchte. lernen sollte. und habe einfach mehr ECTS-Punkte gemacht.hochschule-biberach. entgegne ich immer. »Das war sehr umständlich«. Während er auf eine Zusage wartet. Bei immerhin 6 Prozent hingegen wurden Leistungen nicht anerkannt. wagt Christoph Heine eine vorsichtige positive Einschätzung. Bei einem Berlin-Besuch zerschlägt sich schließlich der Traum vom Wechsel: »Im Prüfungsbüro wurden meine Scheine angeschaut.« Auch Margret Wintermantel. Nach dem Ende ihres Grundstudiums entschied sich die heute 27Jährige. www. sagt Florian Pranghe.de/emadipcomm Bau-Bachelor in Berlin Am 1. Alle Scheine wurden anerkannt. die er gern vertiefen will. wie anstrengend das Referendariat ist. »Inzwischen bin ich gegen alles gewappnet. als ich musste.de/423/detail/buw Restlos abgeschreckt Warum ist es so schwer. Margret Wintermantel gibt zu: »Wir sind noch nicht so weit. sowie an Mitarbeiter aus den Bereichen Unternehmensentwicklung. In langwierigen Prozeduren wurden alle Module geprüft Auch wenn die Studie allgemein Hoffnung macht. an den ich mich mit Fragen hätte wenden können. »Wenn mir jemand erzählt. dass die Anerkennung der Scheine problematisch werden wird.« Vor drei Jahren stellte die Studie »Innerdeutsche Mobilität im Studium« des Hochschul-Informations-Systems (HIS) den deutschen Hochschulen kein gutes Zeugnis in Sachen Wechsel aus: Es gebe Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen.« Auch eine aktuelle Absolventenbefragung des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung in Kassel scheint dies zu stützen: 68 Prozent der Bachelorabsolventen geben an. »Die neuen Bachelorund Masterstudienprogramme sind sehr stark ausdifferenziert.« In Marburg studierte sie Germa- nistik im Hauptfach und Kunstgeschichte und Spanisch in den Nebenfächern. ob ein Wechsel möglich ist. jemanden zu prüfen. die Meurer an seiner alten Uni besucht hatte. oder 9. sechs Semester später. nur die besten Studenten haben. den einzelnen Betroffenen tröstet sie kaum. Oktober startet der neue siebensemestrige Bachelorstudiengang »Umweltingenieurwesen – Bau« an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. So muss sich der 24-jährige Lehramtsstudent um eine andere Hochschule bemühen. Florian Pranghe vermutet hinter dem Vorgehen der Hochschulen ähnliche Gründe: »Die Unis sind überfüllt und wollen. Anders als bei David Meurer ist der Hochschulwechsel von Thorsten Ostholt keine freiwillige Angelegenheit. www.« Sie riet damals allen Bekannten von einem Wechsel ab. Düsseldorf und Hamburg. muss bis zum 15. Juli in Hamburg eingeladen. die man im Ausland erworben hat. »Die Ergebnisse der Studie waren sehr kritisch«. weiß von den Problemen der Studierenden. dass mich nach dem Wechsel nichts mehr stressen kann«. hieß es. Das allerdings ging nicht. Für die Studierenden kann dies aber bedeuten. ihrem ersten Studienort den Rücken zu kehren und das Hauptstudium im 140 Kilometer entfernten Göttingen fortzusetzen.zeppelin-university. dass wir hinter alle Ziele des Bologna-Prozesses einen Haken setzen können.« . in Marburg ganz groß. sagt sie. Der schriftliche Test findet am 4.« Kurse.beuth-hochschule. »Die Praxis der Hochschulen. So gibt es auch beim Thema Mobilität und Anerkennung von Studienleistungen anderer Hochschulen noch einiges zu tun. Zurück in seine Heimatstadt Berlin.de Neue Bachelors in Biberach Die Hochschule Biberach erweitert ihr Studienangebot zum Herbst um die Bachelorstudiengänge »Energiewirtschaft« und »Industrielle Biotechnologie«. Im Sommer 2010 will er einen erneuten Wechsel wagen. den sie nicht aus den Seminaren kannten. Ein Master für seine Bachelor-Fächerkombination aus Chemie und Sport. dass es niemanden gab. Mai den Online-Bewerbungsbogen ausfüllen. und bei 18 Prozent lagen Prüfungsunterlagen nicht rechtzeitig vor. Ist mit Bologna tatsächlich alles komplizierter statt einfacher geworden? Nicht ganz.« Die Bildungsministerin Annette Schavan hat das Thema bei der Bologna-Konferenz vergangene Woche zu einem der zentralen Punkte der Reform erklärt. brachte ihm in Berlin keinen Punkt. also gehe ich davon aus. der seinen richtigen Namen nicht nennen will.« Thorsten Ostholt hatte bereits vorgebeugt: »Ich bin davon ausgegangen. Ein Glücksfall. sollten an der neuen auf einmal nichts mehr gelten. anhand der Inhalte der Seminare zu entscheiden. dass die Universitäten ihn nicht prüfen.« Ständig verlangen die Prüfungsämter neue Unterlagen. nicht nur an einer Uni gewesen zu sein«. werden leichter anerkannt als die einer anderen deutschen Uni. Physik oder Mathematik. es ist wichtig. dass sie gegebenenfalls Studienleistungen nachholen müssen. Er informiert sich im Internet über die Studienordnung. verlief alles reibungslos. den »Executive Master of Digital Pioneering«. sagt Ninia Binias. www. Strategie. wird an seiner Uni Göttingen nicht angeboten. erzählt Ostholt. Heute. an dem jetzt nachgebessert werden müsse. www.« In langwierigen Prozeduren wird geprüft. In Göttingen wollte sie auf Spanisch verzichten und stattdessen zwei Hauptfächer studieren. am 11. Die Bewerbungsphase ist angelaufen. Mit dem Abschluss des Bologna- Prozesses im Jahr 2010 hoffte man auf Besserung. Leipzig.de Master für digitale Pioniere Die Zeppelin Universität (ZU) Friedrichshafen bietet ab Herbst einen berufsbegleitenden Masterstudiengang für digitale Geschäftsmodell-Innovationen an. plagen ihn Existenzängste: »Das Schlimme war. sondern abschrecken wollen. Juni in München. Die besten Teilnehmer werden zum mündlichen Test am 8. »ich wollte andere Studienschwerpunkte wahrnehmen. wie David Meurer. denn ab einer gewissen Abweichung wird man nicht mehr zugelassen«. sagt Ninia Binias: »Schlimm war es schon immer.law-school. Aus verwaltungstechnischen Gründen. Hinzu kam. als der Studienabschluss noch nicht Bachelor hieß. So einfach wie damals wurde es nie mehr. Vertrieb und Einkauf. Das Seminar Gender-Studies etwa. Er richtet sich an IT-Fachkräfte mit einem Hintergrund beispielsweise in Informatik. obwohl er sogar seinen alten Magisterstudiengang gegen ein Bachelorprogramm eintauschte. der Vorsitzende des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften. »Zu jedem Modul musste ich eine Inhaltsbeschreibung abgeben. um den Verwaltungsaufwand zu umgehen.« Das kann allerdings keine Lösung für das Problem sein. bis Thorsten Ostholt zuletzt fürchtet. Juni in Stuttgart. Dennoch blickten die Hochschulforscher optimistisch in die Zukunft: Die Probleme seien vermutlich auf die Umstellung zurückzuführen. Aber was dann? Florian Pranghe glaubt. »Ich finde. Wirtschaftsinformatik.« Sie hat das Wechseldrama bereits mitgemacht. Der angehende Lehrer Thorsten Ostholt sieht seine Odyssee mittlerweile mit Humor. die eine Managementkarriere einschlagen wollen. telefoniert mit der Studienberatung. an eine andere deutsche Hochschule zu wechseln? VON MARIE-CHARLOTTE MAAS E inmal hatte es schon geklappt. dass sie bei der Organisation des Wechsels weitgehend auf sich allein gestellt war und anders als ihre Kommilitonen an der neuen Hochschule keinen Kontakt zu den Professoren hatte aufbauen können: »Viele weigerten sich. finden wir nicht akzeptabel«. »Dieser Wechsel hat mich mehr Mühe gekostet als meine Bachelorarbeit. und dann hieß es: Das könnte problematisch werden. was natürlich auch eine positive Entwicklung ist.76 12. dass sich die Studienqualität gebessert hat. die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz.baltic-college. beim Übergang in den Masterstudiengang einer anderen Uni keine Probleme gehabt zu haben.de Erste Master in Schwerin Zum Wintersemester starten am Baltic College/Campus Schwerin die viersemestrigen Masterstudiengänge »Management im Kulturtourismus« und »Marketing-Management im Tourismus«. der Autor der Studie. Ein engagierter Studienberater riet ihr daher. »Sogar Scheine. welche Module Ostholt belegt hatte. dass es den Verantwortlichen noch an Lösungsideen mangele. Als der Politikwissenschaftsstudent David Meurer im Wintersemester 2007 von Jena an die Universität Marburg wechseln wollte. irgendein beliebiges Fach als zweites Nebenfach zu wählen und sich ein Semester später umzuschreiben. des Dachverbands der Studierendenvertretungen in Deutschland. wenn überhaupt.

sagt der Studiengangsleiter über seine künftigen Studenten.« . Es war toll. weiterführende Studiengänge anzubieten und Forschung zu betreiben. Im Herbst starten an der DHBW. dass sich dieses Kapital bald vermehren wird. Stephanie Odenwald vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft etwa möchte duale Ausbildungen wegen der Vorteile der Studenten am Arbeitsmarkt zwar nicht verteufeln. Oktober an den drei Fakultäten anlaufen. verbringen aber ihre freien Tage an der Hochschule und ihre Abende mit Lernen. dass Spannungen zwischen den Ansprüchen der Praxis und denen der Hochschule existierten. »Alles sehr motivierte Leute. Gerade einmal 8.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Klavierstudentin von 2002 bis 2007: »Ich habe immer schon Klavier gespielt. Absolventen. die Unternehmen gäben die Themen vor. Das reißverschlussartige Ineinandergreifen von Theorie und Praxis soll im Master noch enger werden. die sich weiterentwickeln. wird jedoch auch Skepsis entgegengebracht. Seit Mitte März liegt das Akkreditierungsgutachten vor. die sich spezialisieren wollen« Dahinter steht auch die Auffassung. was früher ein Hobby für mich war. Künftig soll gut die Hälfte derjenigen Absolventen. Praxis und Theorie sei nun mal seit vielen Jahren »unser täglich Brot«. die den Studenten weitgehende Jobsicherheit und den Unternehmen maßgeschneidertes Personal beschert. Die wollen die Stuttgarter nun zur Regel machen. die in Leitungsaufgaben wollen«. die an der DHBW neben der Zusammenarbeit mit Unternehmen auch die Ausbildung der Studenten begleiten. Kritiker fürchten um die akademische Unabhängigkeit. Das Studium ist berufsbegleitend oder vielmehr berufsintegriert. Niemand diktiert uns die Ausrichtung. sagt Geilsdörfer. Ich bin froh. In Sozialwesen sind es immerhin zehn Prozent. dass bereits der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss und der Master eher der Ritterschlag als karrieristische Notwendigkeit ist.« Der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat dafür gesorgt. die einen Abstecher ins Berufsleben und dann einen Master machen. deren Nachfrage man derzeit nicht befriedigen könne. sagt Paul-Stefan Roß. der die Einrichtung der Master mit angestoßen hat. »Wir wollen uns damit in der VON SABRINA EBITSCH R akademischen Landschaft endgültig als Hochschule mit Vollprogramm platzieren«. deren Masterstudiengänge allesamt weiterbildend sind. für mich selbst verantwortlich zu sein. Weitere könnten in den kommenden Jahren folgen – je nach Nachfrage. sagt Geilsdörfer. die ersten Masterprogramme. Mit der Umwandlung der Berufsakademien in die Duale Hochschule war der Anspruch verbunden. Roß sieht das gelassen: Das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Bildung.« Er gesteht aber auch ein. und das können wir auch im Master.olafdeharde. die mit den Masterprogrammen nicht leichter wird. Es sind solche ökonomischen Prinzipien von Angebot und Nachfrage. dafür an die DHBW zurückkehren. Man verstehe dies auch als personale Entwicklungsmaßnahme für die Unternehmen. die nach dem Wochenendunterricht wieder an den Schreibtischen sozialer Einrichtungen sitzen werden. »Sie fühlen sich eher als Mitarbeiter der Unternehmen denn als Studenten der Hochschule«. »Auch während der Masterausbildung sollen die Studenten den Unternehmen erhalten bleiben«. sich spezialisieren oder Führungsaufgaben übernehmen wollen. Eine »ausgelagerte Berufsschule« wolle man jedoch nicht sein.5 Prozent aller DHBW-Absolventen hängen derzeit direkt einen Master an – im Gegensatz zu 77 Prozent der Universitätsstudenten. Damit betritt man in Baden-Württemberg Neuland in der deutschen Hochschullandschaft: Die DHBW wird bundesweit die einzige Hochschule sein. Ich gehe davon aus. An dieser Fakultät sind die Vorbereitungen für den Master am weitesten fortgeschritten. Der Nähe zur Wirtschaft. dass die Unternehmen einen sehr starken Einfluss ausüben. sagt Geilsdörfer. aber wir haben grünes Licht«. »Die Ausschließlichkeit des berufsbegleitenden Modells ist einmalig«. die einen Master anhängen. desto besser die Karrierechancen.« Tatsächlich wählen die Kooperationspartner der DHBW die Studenten mit aus und reden auch bei den Studieninhalten mit. die sich derzeit noch im Akkreditierungsverfahren befinden. »Der Master ist für diejenigen gedacht. dass kritisches Studieren zu kurz komme: »Die Freiheit von Forschung und Lehre ist hier in Gefahr. Ähnlich soll es nun im Master weitergehen. sagt Präsident Geilsdörfer. sondern eine Teilgruppe«. das nicht nur wirtschaftliche. Voraussetzung für die Teilnahme an den Programmen ist nicht nur Berufserfahrung. Leiter des Masterstudiengangs der Fakultät Sozialwesen. zu bestimmen. Als Studentin an der Musikhochschule Lübeck habe ich zudem gelernt. betont Roß: »Den Vorwurf. Befriedigt wird auch Nachfrage von anderer Seite – der der Studenten. »Es werden kleinere Nachjustierungen gefordert. Sie ging vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss von acht Berufsakademien hervor und setzt nun als Hochschule fort. sagt Roß. sollen am 1. Denn letztlich war es auch der Wunsch der Unternehmen nach höher qualifizierten Mitarbeitern und passgenauer Forschung. wie oft und wie lang ich übe. 15 bis 30 Erstsemester werden im Master »Governance Sozialer Arbeit« für 1500 Euro pro Semester auf Führungsaufgaben im sozialen Bereich vorbereitet – nach dem Prinzip Governance. die bisher nur Bachelorstudiengänge angeboten hat. wie man in Stuttgart betont: Die Studenten behalten ihre Stelle in einem der Partnerunternehmen. halten wir für nicht zutreffend. von Markt und Kapital.« 2000er Jahre Mona Rössler. moniert aber. Und die sind nicht der Regelfall. was diese mehr als 30 Jahre lang praktizierten: die Zusammenführung von akademischer und beruflicher Ausbildung. Für die meisten Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ist die Weiterbildung vor allem ein mehr oder minder lukratives Nebengeschäft. dass ich mich endlich auf das konzentrieren konnte. Anders als an anderen Hochschulen stehen sie ausschließlich Berufstätigen offen. sondern auch ein fester Arbeitsvertrag. Bis zum Wintersemester 2014/15 will er die Studentenzahlen auf rund 34 000 wachsen sehen. Eine Gratwanderung. Das Ungewöhnliche ist aus Sicht der Dualen Hochschule nur logische Konsequenz. Es bestehe nun einmal die Meinung: je höher der akademische Grad. sagt Roß. Bereits im Bachelor verbringen die rund 26 000 Studenten die Hälfte ihrer dreijährigen Studienzeit in einem der 9000 Kooperationsunternehmen. Der Master ist für diejenigen gedacht. sagt er: » Das können wir. sind die Ausnahme. sondern auch rechtliche. Die große Mehrzahl der über 6000 weiterführenden Studienangebote ist konsekutiv und schließt damit direkt an einen vorausgehenden Bachelor an.com Aus dem Büro an die Uni Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bietet jetzt den berufsbegleitenden Master einhold Geilsdörfer sieht es nüchtern: »Die Studenten sind unser Kapital. »Das Grundprodukt ist der Bachelor. sagt Geilsdörfer. Ein Dutzend Masterstudiengänge. noch auf Diplom studiert zu haben – ich hatte viel mehr Freiheiten als die Musikstudenten heute. für das Studium habe ich mich deshalb bereits zu Schulzeiten entschieden. gesellschaftliche und sozialstaatliche Aspekte mit einschließt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 77 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.

Selbst bei weiterbildenden Studiengängen ist der Anteil kaum größer. dass er nicht mehr als Vollzeitstudent gelten kann. ob wir noch mehr zum Teilzeitstudium ermutigen sollten. das Studium an der Uni Hamburg ist anstrengend und unterscheidet sich kaum von der Schule. Das Klischee vom lockeren Studentenleben trifft auf mich sicher nicht zu. Informatikstudentin seit dem Wintersemester 2010: »Dass ich jetzt Informatik studiere. ZEIT: Wer braucht dann überhaupt »echte« Teilzeitstudiengänge? Teichler: Für die Minderheit der Teilzeitstudenten. müssen wir uns aber fragen: Ist es sinnvoll. Warum geht das nicht in einer beliebigen Zeit? Zusätzlich müsste das Bafög reformiert werden. dass nach Abitur oder Ausbildung einige Jahre Berufstätigkeit folgen und ein späterer Einstieg ins Studium leicht möglich ist – Vollzeit oder Teilzeit. dass Teilzeitstudierende unter sich sind? Sollten sie nicht auch in Kontakt mit »Vollzeitstudenten« kommen? Hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen. Der Bedarf würde am besten gedeckt werden. die es ihnen ermöglichen. Eine Herausforderung auch für die Politik: Das faktische Teilzeitstudieren zieht häufig Probleme mit dem Bafög oder Studienkrediten nach sich. um ein Studium abzuschließen. Deshalb müssen wir alle organisatorischen und finanziellen Nachteile für diese Studenten abbauen. Mit der Bologna-Reform wurden Studiengänge in Module eingeteilt. Es sollte keine Probleme geben. Es geht nicht nur darum. zahlt weniger. die sich den Hochschulen stellt. bekommt Punkte. sammeln ja Arbeitserfahrung. die voll im Beruf stehen und zusätzlich stu- In Teilzeit studieren Anders als in Großbritannien und den USA haben die Hochschulen hierzulande bislang nur wenige Angebote konzipiert. dass sich das Studium um ein Jahr bis zwei Jahre verlängert. nebenher zu arbeiten. Ich habe durch ein Schnupperstudium gemerkt. Ich bin nicht sicher.und Teilzeitstudenten. Aber auch Kinder. ohne offiziell diesen Status zu haben: Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner Sozialerhebung im Jahr 2009 ermittelt. ZEIT: Viele klagen. dass sie für alle »studierbar« sind: für Jüngere. dass jemand es nicht mehr schafft. die nebenbei jobben. Denn für solche Angebote muss man anderes Personal rekrutieren: Professoren. die sich ausdrücklich an Studenten richten. die am Wochenende oder abends lehren wollen und können. Interview: STEFAN KESSELHUT . um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Was halten Sie davon? Ulrich Teichler: Nebenjobs sind kein Argument für wesentlich mehr Teilzeitstudiengänge. dass Ältere noch mehr lernen. Aber es ist ein tolles Gefühl.« dieren wollen. ZEIT: Wenn jemand bis zu zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – leidet darunter nicht sein Studium? Teichler: Man muss sich entscheiden. wenn jemand erst einige Jahre nach dem Bachelor in den Master einsteigen will. das sich vor allem an der Standard-Studiendauer orientiert. für Vollzeit. wenn ganze Fachbereiche oder Hochschulen sich darauf spezialisierten. der zumindest formal in Vollzeit studiert. Wir müssen Studiengänge so gestalten.78 12. dass das Studium zumindest eine Zeitlang zur Nebensache wird. hat mich selbst überrascht.olafdeharde. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden. Teichler: Bei der Reform hat man das Thema Nebenjob erst einmal übersehen. Dem »Hochschulkompass« der Hochschulrektorenkonferenz zufolge sind weniger als fünf Prozent der Studiengänge in der Bundesrepublik überhaupt dazu geeignet. Definiert man »in Teilzeit studieren« umgekehrt so. Viel Freizeit habe ich allerdings nicht mehr. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat deshalb mehr Teilzeitangebote gefordert.com DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN »Nachteile abbauen« Der Hochschulforscher Ulrich Teichler über die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjobs DIE ZEIT: Dem Deutschen Studentenwerk zufolge arbeitet heutzutage jeder vierte deutsche Student nebenher so viel. aber hier kann man nachbessern. ZEIT: Sie schlagen also flexiblere Studien. Wer ein Modul besteht. Es wird viel vom lebenslangen Lernen gesprochen.und Prüfungsordnungen vor und für eine Minderheit spezielle Teilzeit-Hochschulen. braucht man andere Angebote. aber bisher wird wenig für einen anderen Rhythmus von Berufsund Lernphasen getan. eine chronische Krankheit oder familiäre Verpflichtungen können dazu führen. gestaffelt absolviert zu werden. dass gut ein Viertel der Studenten siebzehn Stunden pro Woche oder mehr in Nebenjobs arbeiten müssen. die in Teilzeit studieren wollen. die vorgegebene Stundenzahl pro Semester zu leisten. Andererseits wird verlangt. ZEIT: Sollte also lieber doch alles bleiben wie bisher? Teichler: Nicht unbedingt. Kaum jemand hat dadurch aber schlechtere berufliche Chancen oder verdient weniger. Die Regelungen für Studiengebühren müssten ebenfalls flexibler werden: Wer weniger Punkte im Semester machen will. nur am Abend oder am Wochenende Kurse zu besuchen. ohne das Studium zu gefährden. Einerseits haben wir die Tradition des Studenten. welche Milieus man schaffen will. Seit Langem arbeiten Studenten nebenher. Ältere.und Masterstudiengängen kaum noch möglich sei. eine schwierige Matheaufgabe zu lösen – auch wenn es bis zwei Uhr nachts dauert. Mitarbeiter und Lehrbeauftragte. Separate Studiengänge für Teilzeitstudenten sollte es nur in Ausnahmefällen geben. Mai 2011 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Wir sollten dazu ermutigen. studieren mehr oder weniger in Teilzeit. dass es in Bachelor. studieren allerdings bereits heute viele Studenten faktisch in Teilzeit. 2010er Jahre Laura Rosenberg. Teichler: Ja. Das ist nicht die dringlichste Aufgabe. zum Teil gibt es solche Angebote auch schon. man muss sich auch entscheiden. was man will. dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. Aber nur jeder siebte arbeitet während des Semesters mehr als sechzehn Stunden pro Woche. Hier sind separate Teilzeitstudiengänge gefragt. sondern auch dass nicht alle vor dem Berufseinstieg so lange lernen. Bevor wir die stärker ausbauen. dass mir das liegt. muss man eine bestimmte Zahl an Punkten erreichen. Studenten. Das führt meist dazu. die sich an der Regelstudienzeit orientieren.

handwerklich und praktisch mit Medien umzugehen: Was gibt es bei einem Aufnahmegerät zu beachten. Neben den Analysefächern lernte Carina Johannsen auch. sagt sie. ich kann wieder mit Freude Zeitung lesen und Radio hören. Es entstehen auch neue Berufsfelder durch die zunehmend professionellen Auftritte der Medien und Unternehmen in Sozialen Netzwerken. / Schlussgruppe. »Wir haben versucht. Die Ergebnisse des aktuellen CHE-Ranking. TU Berlin und Handelshochschule Leipzig nun in der Spitzengruppe. während die Kommunikationswissenschaft die politischen und gesellschaftlichen Wirkungen der Massenmedien ins Zentrum stellt.de/studium/medien / Spitzengruppe. sich zu spezialisieren«. Ganz eingrenzen lässt sich das Feld der Medien. und wie werden die präsentiert? Das war im ersten Semester. Film. Es gibt auch Universitäten. in wie viele Fächer wir Einblicke haben«. Mit entsprechenden berufsbezogenen Modulen haben die Studenten zum Ende des Stu- diums außerdem die Möglichkeit. sagt Altmeppen. weitere folgten. an denen das Studium aufgebaut wird oder für die keine Daten vorliegen. der dort seit 2008 die erste Professur für Kommunikationswissenschaft innehat und an der Errichtung des geplanten Zentrums mitarbeitet. die neuen Plattformen für die Verbreitung von Nachrichten und Videos. beim Indikator Praxisbezug der Mittelgruppe. dass sich die Schwerpunkte der einzelnen Studiengänge stark unterscheiden können«. Grundsätzlich stehen bei der Medienwissenschaft Geschichte und Theorie der Medien von der Schrift bis zum Computer im Vordergrund.zeit. und die Qualitätsunterschiede sind groß. Dazu kommen weitere Schwerpunktsetzungen: Bei einem Studienangebot steht die akademische Theorie im Vordergrund. sagt sie und lacht. die ich mir vorstellen kann«. erzählt sie. So ist es auch an der Uni Siegen. »Andererseits haben wir natürlich nur selten fundierte Kenntnisse. An eine fundierte Fernseh. in wenigen Monaten wird sie das Studium abgeschlossen haben. sollte allerdings nicht nur auf die Qualität der Lehre achten. Warum Hunde auf Spielplätzen zeitweise als große Gefahr erscheinen. wo Carina Johannsen studiert. ohne an die Theorie zu denken«. Mediaplanung. Bei den Indikatoren Internationale Ausrichtung. aber die Haare reißen. »Ich weiß theoretisch.und Medienwissenschaft einfach nur eingeführt. Werbung und Journalismus bieten Chancen. »Ich hatte zwischen Psychologie und Medienwissenschaften hin und her überlegt«. Aber vorher muss sie ihre Bachelorarbeit noch fertigstellen.und Kommunikationswissenschaften existieren inzwischen in Deutschland. Dann kommt der Slogan des Shampoos und der Hinweis. / Mittelgruppe. Carina Johannsen freut sich über die beruflichen Aussichten. was sich im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2008 niederschlug: Der Studiengang in Passau war in allen wichtigen Kategorien in der Schlussgruppe vertreten. wird in dieser Übersicht nur eine Fakultät dargestellt.« In guten Tagen fühlt sich Johannsen. das auf Einschätzungen von Studenten beruht. werden nicht in das Ranking einbezogen. die Ausbildung praktischer zu strukturieren. sagt Ralf Hohlfeld./ Journalistik Forschungsgelder Internationale Ausrichtung Berufsbezug Studierbarkeit Studiensituation insgesamt UNIVERSITÄT Medienwissenschaft Internationale Ausrichtung Medien-Labore Studierbarkeit Studiensituation insgesamt Uni Basel (CH) A sen zusammen mit ihren Kommilitonen für einen Shampoo-Werbespot im Radio die Geschichte von Rapunzel umgeschrieben: »In unserer Variante lässt Rapunzel ihr Haar runter.CHANCEN 12. In den vergangenen Jahren haben viele Unis das Fach Kommunikations. um ihr Image zu verbessern. Nicht nur die etablierten Arbeitsgebiete wie Marktforschung. Im Fach Kommunikationswissenschaft/ Journalistik wurde die Universität Hamburg in die Liste aufgenommen. wie auch die grünen Punkte in den Tabellen zeigen. die in den Tabellen nebenan und auch im neuen ZEIT Studienführer stehen. wovon die Menschen wie beeinflusst werden. Stand 2011 zu geringe Fallzahlen) Änderungen im Ranking Gegenüber der Veröffentlichung der aktuellen Ranking-Ergebnisse im ZEIT Studienführer und in der letzten Ausgabe der ZEIT haben sich einige Änderungen ergeben: Im Fach BWL an Universitäten liegen beim Indikator Internationale Ausrichtung die Hochschulen ESCP Europe Berlin. Sofern ein Fach an mehreren Fakultäten einer Hochschule angeboten wird. »Das mit dem Analysieren ist zum Glück bald weniger geworden. Informationen zu allen Hochschulen und Fakultäten finden Sie im Internet unter www.« Heute weiß sie.) Uni Greifswald Uni Halle-Wittenberg Uni Hamburg HMTM Hannover Uni Hohenheim TU Ilmenau Uni Jena Uni Leipzig Uni Mainz Uni Mannheim LMU München Uni Münster Uni Nijmegen (NL) Uni Passau Uni Twente (NL) Uni Zürich (CH) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Uni Bayreuth Uni Bochum HBK/TU Braunschweig TU Chemnitz Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erlangen-Nürnberg Uni Konstanz Uni Leipzig Uni Marburg Uni Paderborn Uni/FH Potsdam Uni Regensburg Uni Weimar Stand 2011 Hochschulen. die wachsende Zahl der Mobilservices. Dabei geht es wieder einmal um Analyse: Johannsen geht der Frage nach. / Nicht gerankt (keine Daten vorhanden. dass ich in einem der spannendsten Felder arbeite. sie könne nichts wirklich. aber am Ende hat es gut geklappt«. 2004 hatte man dort einen Bachelorstudiengang Medien und Kommunikation gegründet. wie die Medien auf Menschen einwirken können. ohne dass die Theorie darunter leidet. Die HWR Berlin wurde bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. Die 23-Jährige studiert inzwischen im sechsten Semester Medienwissenschaft an der Universität Siegen und arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit.und Kommunikationswissenschaften würden die beruflichen Chancen vielfältiger. schadet es eher ihrem Ansehen. Studierbarkeit und Internationale Ausrichtung der Spitzengruppe zugeordnet. dass das damit nicht passiert wäre.oder Radioausbildung reicht das aber nicht heran. dann aber plötzlich in Vergessenheit geraten – weil sie von der Agenda der Zeitungen und Fernsehsendungen verschwunden sind. Ich sehe jeden Tag. In BWL an Fachhochschulen kam die PFH Göttingen bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt und Studierbarkeit in die Spitzengruppe. Wenn Johannsen heute zurückblickt. und mit ihr wächst das Angebot der Kommunikations. liegt Passau jetzt in der Spitzengruppe. wie ich einen Film machen kann. der Prinz will hochklettern. zeigen: Der Kommunikationsstudiengang der Universität Passau hat einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht.und Medienwissenschaftler von der Universität Frankfurt. So hat Johannsen etwa auch Scheine in Grundlagen aus den Wirtschaftswissenschaften und in Medienrecht gemacht. bei dem anderen Fach liegt der Fokus auf Fernsehen oder Radio. sagt Klaus-Dieter Altmeppen. wie Tim Burton die Traumatisierung der Personen in drei seiner Filme darstellt. Kein Wunder. Studierbarkeit und Praxisbezug der Mittelgruppe zugeordnet. Inwiefern Ego-Shooter-Spiele aus labilen Menschen Amokläufer machen können. an denen die Studenten während des gesamten Studiums kein einziges Mal eine Kamera in der Hand halten. Später möchte sie im Bereich Werbung arbeiten. »Wenn ich eine Schreibblockade habe. Forschungsgelder und Forschungsreputation kam sie jeweils in die Mittelgruppe. »Es ist toll. Für Medienwissenschaftler bestimmen sie zusätzlich den Forschungs.und Kommunikationswissenschaften allerdings selten. sagt Johannsen. dass die Angebote nach Aussagen vieler Studenten theoretisch und praxisfern blieben. wie bedient man eine Kamera. In vielen der untersuchten Bereiche liegt er sogar in der Spitzengruppe. sagt Vinzenz Hediger. Radio hören gehört ja letztlich auch zu ihrem Studium. den die Fächer Philologie.und Medienberufe«.und Medienwissenschaften studieren will. Ganz anders sieht es in Passau heute aus. Medien sind eben überall und fast immer präsent. Pädagogik und Politikwissenschaften gemeinsam führten – einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft aber gab es nicht. »Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben vor allem durch Facebook und Twitter derartige Formen angenommen. Noch im Jahr 2008 wurde das Fach in Passau nämlich massiv gefördert: Bald war eine Professur für Kommunikationswissenschaften ausgeschrieben und besetzt. muss sie lächeln. »Kommunikation gewinnt weiter an Bedeutung. Für Absolventen der Medien. Mehr als 200 Studienangebote für Medien. Sie landete in der Spitzengruppe bei der Internationalen Ausrichtung und in der Schlussgruppe beim Indikator Forschungsgelder. als könne sie alles. Fehlen aber die nötigen Kompetenzen und Kapazitäten. was sie im laut aufgedrehten Radio hörte: Wie verändert sich die Betonung der Radiosprecherin? Warum wurden welche Nachrichten ausgewählt. . sagt Johannsen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 79 Radio hören für die Uni UNIVERSITÄT Das Fach Medienwissenschaft tritt thematisch extrabreit an m Anfang analysierte Carina Johannsen sogar noch morgens unter der Dusche. Das war alles akustisch gar nicht so einfach zu vermitteln. wie die Universität Passau anfangs feststellen musste. der an der Universität Eichstätt als Medienwissenschaftler forscht und lehrt. wie schneidet man Filme und Radiobeiträge ordentlich? Im dritten Semester hat Johann- VON CHRISTIAN HEINRICH Kommunikationswiss. ausschlaggebend für ihre Studienwahl waren sie jedoch nicht. sagt Johannsen. Aber das geht meist schnell vorüber. Im Fach Politikwissenschaft wurde die Universität Rostock in den Vergleich einbezogen. Uni Augsburg FU Berlin UdK Berlin TU Dortmund TU Dresden Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erfurt ZU Friedrichshafen (priv.und Berufsalltag. »Man sollte auch im Blick haben. Wer Kommunikations. Derzeit wird ein neues »crossmediales Medienzentrum« errichtet. Die FHWien wurde in die Ranking-Tabelle aufgenommen und bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. oder zumindest von allem ein bisschen etwas – in schlechten Tagen hat sie das Gefühl. aber natürlich haben wir nur an der Oberfläche gekratzt«. »Ich finde es interessant. Die Studenten scheinen zufrieden zu sein: Bei dem wichtigen Kriterium »Studiensituation insgesamt«. erzählt die Studentin. zu weit ist die thematische Breite. kann ich guten Gewissens auch mal das Radio anmachen«.

Später kann sich Steinke durchaus vorstellen. Zudem setzen viele Akademiker in den USA auf Climate Engineering. der für den weiteren Weg entscheidend ist. Grüne.t-bernhardt. wenn wir anfangen. das den CO₂-Ausstoß nachhaltig verringert. Die Erde. hat wenig Chancen. weil Ergebnisse oft auf sich warten lassen. Isabelle Steinke und ihre Kollegen basteln nicht einfach Naturphänomene nach. auf Climate-Engineering-Aktionen angewiesen zu sein. Und das macht Mitarbeiter zu Trotzköpfen: Sie torpedieren diesen Beschluss im Alltag. sondern auch darum. weniger Sonne auf die Erde gelangen zu lassen. Am liebsten würde sie aber doch an der Uni weiterforschen: »Da ist die Freiheit einfach am größten. ist logisches Denken. Sondern auch. Umso wichtiger sei es. die Thomas Leisner kritisiert: »Mit so einer Einstellung gibt man Klimaverhandlungen schon im Vorfeld auf. wenn man es kann? Wer eine Weile im Karlsruher Institut verbringt. die sie gewonnen hat. Der Himmel über Karlsruhe ist an diesem Tag wolkenlos blau. ein Teilnehmer profiliert sich auf Kosten des nächsten. weil es an den Hochschulen dauert. sagt die Physikerin. Und jeder Zweite sieht Verantwortlichkeiten nur unzureichend geklärt. Aber sind Sitzungen nicht wichtig. Dichter Nebel steigt in dem riesigen Kühlschrank auf. dass wir noch weit davon entfernt sind. langfristig an der Uni zu forschen. wie Wolken auf verschiedene Aerosole reagieren. als könnten wir wie Ingenieure etwas gezielt konstruieren. wächst Harnisch zufolge aber die Gefahr. sie wollte experimentell arbeiten. »Wolken sind eine wichtige Komponente im Klimageschehen«. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 81 DAS ZITAT Werner Finck sagt: Eine Konferenz ist eine Sitzung. »In den Tagen. Dadurch ist sie auch mit den Denkweisen der Vertreter anderer Fächer vertraut. Nicht nur. sondern nur um die Macht. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) Foto: Thomas Bernhardt für DIE ZEIT/www. aufs Berufsleben hochgerechnet: schlappe 20 Jahre Meetings! Woran kranken Meetings? Erstens: Es gibt zu viele davon! Wie wäre es. braune. Die Chance. ist die Fähigkeit. Es muss allen klargemacht werden. die man sich offenhalten sollte. jeden Tag drei bis vier Stunden zu konferieren. aber für die in der Realität bestmögliche Maßnahme. es muss nicht in eine Sitzung ausgelagert werden. Technisch unveränderte allerdings. wie man sie von Hirschen kennt. So – oder so ähnlich – könnte ein Eintrag im Tierlexikon über die Gattung Vorgesetzter und ihr Biotop beginnen. dass Wolken so alltäglich und doch so kompliziert sind. Wer vor dem Meeting ein Sachproblem hatte. Ihr Desktop-Hintergrund: Wolken. bezweifelt sie aber VON MISCHA DRAUTZ So kommt man hin: Der Weg ins Berufsleben als Forscher beginnt mit der Doktorarbeit – am Lehrstuhl. ohne dass ein Einkäufer dabei ist. desto besser ist die Organisation! Zweitens geht es bei Meetings oft nicht um die Sache. Bis zum Vordiplom hat sie in Heidelberg neben ihrem Physikstudium auch Seminare in Volkswirtschaft besucht und beim Rollenspiel »Model United Nations« in New York mitgemacht. die von Erdöl profitieren. haben kein Interesse. Direkt nach der Umfrage. »Na ja. Politische Maßnahmen. in der freien Wirtschaft zu arbeiten – zum Beispiel bei einer Unternehmensberatung. an einem Forschungsinstitut oder in einem Doktorandenprogramm an einer Graduiertenschule. gefüllt mit verschiedenen chemischen Stoffen. den Dialog auch außerhalb des Sitzungsraums zu pflegen? Alltägliches lässt sich im Alltag klären. Meetings verzögerten Arbeitsabläufe. die manche dahinter vermuten: Wer Wolken beeinflussen kann. Aber genau wegen Aida hat sie sich auf die Doktorandenstelle am Institut beworben. Den Rest des Jahres verbringt sie mit dem Interpretieren der Flut von Messdaten. etwa ein Tausendstel Millimeter groß. damit am Ende die Gesellschaft eine Entscheidung treffen kann«. Mehr Chancen für Forscher bieten Unternehmen. dass niemals ein Klimaabkommen zustande kommt. eine Haltung. werden überall gebraucht«. Die Kühlung dröhnt fast so laut wie ein startendes Flugzeug. desto mehr Licht wird zurückreflektiert und gelangt gar nicht erst auf die Erde. wenn man in großer Runde über Probleme redet. Bei mir wäre das Nächste eine Postdoc-Stelle. Zudem erhält man im Gegensatz zu den meisten Berufstätigen ein hohes Maß an Freiheit in der Arbeitsgestaltung. etwa indem man Wolken als Sonnenschirm benutzt. überhaupt zu verstehen. sagt Isabelle Steinke. in großer Runde über Probleme zu reden. schlafe ich unruhig«. »Wir müssen aus allen Bereichen die wichtigen Punkte zusammenstellen. Eine Abteilung marschiert gegen die andere auf. Wolken zu manipulieren. wie eine Wolke funktioniert«. keine Technikgläubigen. was technisch möglich ist. bei der viele hineingehen und wenig herauskommt Der Coach erklärt: Gut verdrahtet: Isabelle Steinke im Kontrollraum Gesucht: Forscher Die Physikerin Isabelle Steinke versucht. Wer öfter mal im Büro seiner Kollegen vorbeischaut und sich abstimmt. »Was wir in der Wissenschaft vor allem lernen. seine Position zu schärfen. wer dem anderen ins Gehege kommt. befürchte ich. »Das muss man Schritt für Schritt angehen. um dem ranghöchsten Tier zu imponieren. die einen interessieren. wenn auf einmal ein Wirbelsturm auf die USA zusteuert. sondern anfangen: Der Eingriff ins Klima könnte Regenzeiten durcheinanderwürfeln und neue Wetterphänomene hervorrufen.und Umsteiger jetzt besonders gut sind G E S U C H T BERUF CHANCEN 12. Sie gehen davon aus. sagt Steinke. sagt Isabelle Steinke. Bei externen Promotionen fehlt der persönliche Kontakt zur Wissenschaft. wird sich auf Dauer zu stark erwärmen. muss mit heftigen Attacken rechnen. »Alle. In der freien Wirtschaft verdienen Forscher etwa ein Fünftel mehr. wirkt es aber übernatürlich. muss nicht nur sehr gut sein. Abteilung Atmosphärische Aerosolforschung. die von der Sache am meisten verstehen. den CO₂Ausstoß zu verringern«. Sicher ist: Mehr Aerosole machen die Wolke heller und dichter. in denen die Chancen für Ein. welche politischen und rechtlichen Konsequenzen es hat. sondern braucht auch Glück. Ob die Partikel dann dort blieben. Solche Kämpfe werden von Gleichrangigen ausgefochten. Das muss man mitbringen: Einen langen Atem.« Isabelle Steinke sieht das ähnlich: »Alles andere sind nur Möglichkeiten. Während sich die führenden deutschen Wissenschaftler recht skeptisch äußern und die Politiker in Berlin bei dem Thema noch in Deckung bleiben. sagt die junge Forscherin und schaut schnell wieder auf ihren Computermonitor. wenn eine »Koalition der Willigen« Climate Engineering betreibt? Wie steht es mit der Verantwortbarkeit? Bisher gibt es viele Fragen.« Um echte Wolken zu verdichten. Kann man die Umwelt manipulieren. Eine Möglichkeit wäre. in dem Steinke Flüssigkeiten und Stoffe vermischt. wenige Antworten. sind die Chefs ins nächste Meeting gehüpft. um den CO₂-Ausstoß zu verringern wie beispielsweise ein Tempolimit auf Autobahnen seien unpopulär. schwarze. bevor das losgeht. Vulkanasche oder Salzwasserpartikel sein. Nur gibt ein Professor seine Stelle nicht nach einem Jahr bereits wieder frei. Je weniger Meetings nötig sind. G E F U N D E N sabelle Steinke will forschen und nicht Gott spielen. Um Aida herum stehen Behälter. Da Demokratien selten zu nachhaltiger Politik fähig seien. wisse allerdings noch keiner. treiben einen aber auch an. Auch Neugier und Eigenmotivation sind gefragt. »Mich fasziniert. werden verschiedene Maßnahmen angedacht. Auf einer Postdoc-Stelle an der Uni verdienen promovierte Wissenschaftler monatlich rund 3300 Euro brutto. ein Drittel gab an. interdisziplinär forschen zu können. Ansonsten darf man sich nicht verrückt machen«. Dabei kommt es zu Rangkämpfen. Und für die wir noch Grundlagenforschung betreiben müssen.« Doch mit technisch veränderten Wolken würden die Probleme nicht enden. das Steinke in ihrer Doktorarbeit beschäftigt. »Das Problem ist. So kommt man weiter: Die Stellen in der Wissenschaft sind spannend. die erwiesenermaßen zunimmt. Schon den Begriff Climate Engineering mag Leisner nicht. ob man lieber eine Fach. Thomas Leisner ist Professor der Umweltphysik an der Universität Heidelberg und Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung. der künstliche Wolken erzeugt – die Abkürzung steht für Aerosol-Interaktion und Dynamik in der Atmosphäre. Das wird schwierig: Wer ganz auf die Uni-Karriere setzt. um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Und sollte man es tun. gibt es anderswo durchaus Anhänger. »Das klingt. sagt Harnisch. Eine Umfrage unter 800 Führungskräften im deutschsprachigen Raum ergab: Sieben von zehn Teilnehmern halten Meetings für schlecht vorbereitet.de . ist danach einen Schritt weiter – er hat zusätzlich ein Beziehungsproblem! Und drittens: Wenn schon Meetings. Das können Wüstenstaub. merkt schnell: Hier arbeiten Forscher. aber dünn gesät: In Deutschland gibt es in etwa genau so viele Professorenstellen wie Promovierte pro Jahr. Womit ein neues Problem entstanden ist. Zeit fürs nächste Meeting! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. sagt sie.Die Serie (3): Wir stellen acht Berufe vor. Dort kann man langfristig immer noch überlegen. müsste man die Aerosole mit Flugkörpern in die Atmosphäre I transportieren. Ob solche Experimente den Klimawandel aufhalten können. Die 26 Jahre alte Physikerin erzeugt am Karlsruher Institut für Meteorologie und Klimaforschung künstliche Wolken. kann vielleicht auch die Welt vor einer Klimakatastrophe retten. sie beschäftigen sich auch mit den Auswirkungen ihrer Ergebnisse. Je weißer die Wolken. Das führt zu Fehlentscheidungen. Auch der internationale Austausch auf Konferenzen in aller Welt gehört zum Forscheralltag. mit ungewissen Folgen für ihre Bewohner. »da ist es unabsehbar. Climate Engineering lautet das Schlagwort. Aerosole sind feinste Partikelchen. Das wird spannend: Hitzige Fachdiskussionen mit Kollegen können nervenaufreibend sein. sagt sie. verkommt der Meetingraum zur Insel der Ahnungslosen. Um das zu verhindern. Wolken zu manipulieren. Sie testet. Sechs von zehn sagen. Bei der Simulation der UN-Abläufe vertrat sie die klimapolitischen Interessen Uruguays.« Noch kritischer äußert sich ihr Betreuer am Institut. bis er gescheitert ist. erklärt Isabelle Steinke. dann bitte auch mit denjenigen am Tisch. dass nur eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes hilft. bis man als Forscher wirkliche Resultate erzielt«. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ansatzes werden in Karlsruhe erforscht. denkt an eine solche Gesellschaftsentscheidung mit Sorge. Der natürliche Lebensraum des Vorgesetzten ist der Sitzungssaal. Wenn Manager über ein neues Einkaufssystem debattieren. Spaß am Forschungsgegenstand zu haben – und den hat sie. die das können. bis man in eine lukrative Position gelangt. Denn wer den Sprung auf die Professur nicht schafft.« Sie findet es spannend. »Was wäre. Daher sind die Karlsruher Umweltphysiker auch integriert in das interdisziplinäre Projekt Global Governance of Climate Engineering an der Universität Heidelberg. Die einzige Fähigkeit. Macht.oder eine Managementkarriere einschlagen möchte. »Da muss man schon hartnäckig sein. weil es einfach lange dauert. zum Grillen finde ich das schon okay«. findet unkomplizierte Lösungen. Wenn sie Experimente durchführt. dann aber nach Mexiko abbiegt?« In der Diskussion über Climate Engineering geht es also nicht nur darum. damit Probleme gelöst werden können? Wie der Kabarettist Werner Finck sagt: Nein. Zweimal im Jahr darf Isabelle Steinke für etwa vier Wochen Aida für ihre Versuche in Anspruch nehmen. Sie halten Climate Engineering vielleicht für keine gute. weil unterhalb der Professorenebene kaum passende Stellen vorhanden sind. weil das Institut Aida besitzt. da ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler heute einig. Was passiert.« Einen Masterplan für den schwierigen Karriereweg in der Wissenschaft hat sie sich aber nicht zurechtgelegt. Politikwissenschaftler und Sprecher des Projekts. was passiert. Aida heißt der überdimensionale Kühlschrank. die wie riesige Feuerlöscher aussehen. Sebastian Harnisch. Das bekommt man: Man kann den Fragen nachgehen. Dort schart er sich mehrmals täglich mit Artgenossen um einen Tisch. Und Leute. sagt Steinke.

haltgebende und nachhaltig stressreduzierende Bindung im frühen Kindesalter fördert die Entwicklung des präfrontalen Kortex. Müssen wir uns da wundern. Wir werden die im Einzelfall nicht immer befriedigenden Folgen der Unschuldsvermutung weiter ertragen müssen. Vergeltung für den Tod von Osama bin Laden wird es irgendwo auf diesem Globus bestimmt geben. sondern genauso sind wie wir – nur ärmer und schlechter regiert! Ein Rückzug aus Libyen. wenn jetzt die Rebellen in Libyen gegen Gadhafi allein nichts ausrichten können? Mit Luftangriffen kann die Nato Gadhafi auch nicht wirklich besiegen. dass Grausamkeit. nachzulesen in Berichten des Steuerzahlerbundes und des Rechnungshofes. schrieb der 87-jährige Liebermann 1934 selbst: »Ich lebe nur noch aus Hass. Wer als Kind Gewalt erfährt. dass diese Intervention gerade nicht in einer Linie mit dem Afghanistan. hätte man die Ermordung Osama bin Ladens vermutlich als gerecht empfunden. Dr. 18 Die Bilder des im Alter von nur 51 Jahren gestorbenen Edouard Manet ausgerechnet gegen das Spätwerk Liebermanns auszuspielen. der es unter Androhung von drastischen Strafen jedem Staat auf der Erde grundsätzlich verbietet. Man wisse hierüber viel zu wenig. ZEIT Nr. Das verstellt den Blick auf die Notwendigkeit neuer Reaktionen auf Unrecht. die sonst ständig die Verrohung der Gesellschaft anmahnen. Insbesondere stehen hier Erfahrungen aus der Kindheit im Fokus.. Ralf Hirnrabe. Wäre es nicht besser gewesen. Aus diesem Dissens entsteht zwangsläufig das Missverständnis. wie ach so bibelfeste Amerikaner auf den Straßen tanzen und feiern. diese Bilder nicht zu veröffentlichen. wie Manfred Schwarz schreibt. zudem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Man will ja nicht blöd sein oder jedenfalls nicht als solcher behandelt werden. die bis zum Urteil Schuld und Nichtschuld in gleicher Weise einkalkuliert. in weit vorchristlicher Zeit.96 LESERBRIEFE AKTUELL ZUR ZEIT NR. – ich will die neue Welt um mich herum nicht sehen. die Evidenz liefern können. 18 Traurig. gravierend vernachlässigen. Markus Meister. bei dem die Freiheit des Einzelnen auch im Strafprozess Maß und Maßstab bleibt. Albert Alten. per E-Mail Richter am Amtsgericht i. dass man einen Menschen nicht grundlos niederschlagen darf? Haben Sie etwa keine Vorstellung davon. examinierter Jurist. Es gibt durchaus wissenschaftliche Ergebnisse. solch einen unwiderruflichen Akt der Selbstjustiz lobpreist: »Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«.. die restliche Zeit arbeiten sie schwarz gegen Cash. Darmstadt NR. dass das Gericht nicht in der Sache gegen das Finanzamt entscheidet. Liebermann hat in jüngeren Jahren dem Durchbruch der Moderne auf die Sprünge geholfen. bleibt der Wunsch nach einer friedlichen Welt ohne Terrorismus ein Traum. Dirk Kerber. Jens-Christian Pastille. Dies schützt nicht nur einen tatsächlich zu Unrecht verdächtigten Bürger. wenn man jemanden. die die emotionalen Bedürfnisse. Diese Erkenntnisse fügen sich auch sehr gut in den Rahmen der psychohistorischen Forschung. allenfalls »Scheiße!«. Ich schaue nicht mehr aus dem Fenster . dass die meisten Steuerklagen aus formellen Gründen gewonnen werden: Die Steuergesetze sind handwerklich so schlecht. Annette Hund. A-1020 Wien . die verkennt. Hösseringen Laxe Moral K. durch welche Tatverdacht und Unschuldsvermutung sich aufheben würden. Dr. ist eine grobe Vereinfachung. Peter Christian Hall Frankfurt am Main Immer wieder prallen das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und das von der Justiz hochgehaltene Rechtsstaatsprinzip aufeinander. sondern weil die Handlungsgrundlage für das Finanzamt nicht belastbar ist.oder Irakkrieg steht. Kriegswaffen an Diktaturen. In seinem Garten«. So fragt zum Beispiel der Richter: »Wissen Sie denn nicht. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 95 Aus No: Entsetzlich Titelthema: Der Fluch des Bösen Die einzig kluge politische Entscheidung nach der Exekution eines bereits schwerkranken Menschen besteht darin. wenn zwei Grundübel bestehen bleiben: Erstens die verworrenen Steuergesetze mit zig Ausnahmen. Über die Zeit seiner »inneren Emigration. dass aggressives Verhalten zwischen Generationen sozial tradiert wird. Das wird dann von manchen konservativen Politikern und Medienvertretern bei uns verteidigt. Uchatius: »Der Raubüberfall« ZEIT NR. Florian Dietrich.ZEIT DER LESER S. der einfach nur »Streit gesucht hat«. April 2011 18 Alttestamentarisch. 19 12. Saddam Hussein und die Taliban wurde rein gar nichts gelernt. sich nach Art einer selbst erfüllenden Prophezeiung selbst zu bestätigen. wenigstens erst mal Haftverschonung gewährt. Dass aber der heutige amerikanische Präsident. eine insgesamt positive zivilisatorische Entwicklung nachweist. der wesentlich für Impulskontrolle. der die befreiten Gebiete dort schlagartig sich selbst überließe. Wieso lernen dann Juristen nicht dazu? Psychologie und Hirnforschung gibt es seit einigen Jahrzehnten. Brigitte Hoff. Paehler. 18 Hölderlins Beitrag zur Weltliteratur in allen Ehren – wieso man sich im 21. um so eine angemessene Strafe zu begründen. Axel Felsch. Jahrhundert von einem Hypochonder. Wernigerode Schuld und angemessene Strafe Dagmar Rosenfeld: »Täter aus gutem Haus« Die Unschuldsvermutung ist keine psychologische Einschränkung des Tatverdachts. In Afghanistan und im Irak ging es darum. Der Artikel legt den Finger in eine Wunde unserer Gesellschaft. Ermutigend ist hierbei. weil er sich schlagartig bewusst geworden ist. und auch deshalb ist die vermutete Schuld (der Verdacht also) zwar Voraussetzung. vorschreiben lassen soll. Den Durchbruch einer neuen Sicht werden die meisten in ihrer Dienstzeit nicht mehr erleben. es fragt. Und da können gesetzestreue Bürger es sicherlich nur gut finden. Sonderregelungen und so weiter. zweitens die Verschwendung von Steuergeldern. Die Unschuldsvermutung gebietet demgegenüber eine Offenheit des Strafverfahrens. 18 An der laxen Steuermoral in Deutschland wird sich nicht viel ändern. R. können es jar nicht jenug sein. der höchstwahrscheinlich einen großen Teil seines Lebens in engen Kniebundhosen zugebracht hat. und das Finanzamt repräsentiert das Böse – und ist auch noch ungerecht. der mit 75 Jahren die Ermordung seines Vetters Walther Rathenau und mit 86 den Fackelzug zur »Machtergreifung« Adolf Hitlers miterleben musste. Der Wunsch. Bad Fredeburg nachweist. sich bevorzugt in Gesellschaften entwickelt. Eine sichere. sondern einer der Täter nur der Sohn eines Rechtsanwaltes war. dass heftige Tritte gegen den Kopf eines Menschen zu dessen Tod führen kann?« – »Doch!«. vorwiegend Baufirmen in West und Ost. bleibt unerklärt. 18 Zum Titelthema »Verzettle dich nicht!«. Berlin 28. nie aber alleinige Rechtfertigung von Untersuchungshaft. per E-Mail Der Libyen-Krieg beweist wieder einmal die Doppelmoral der Nato-Mitgliedstaaten. Rainer Böhm. Bielefeld Verschönt Prominent ignoriert: »Kurz behoste Männer« ZEIT NR. Über Rückfälle wundert man sich dann. erstaunt ein wenig. Das bleibt uns erspart. Denn unser Strafverfahren will auch die innere Seite eines Verbrechens ermitteln. Wie treffend beschrieben. Hirnforscher und Psychologen lehren uns. Immer häufiger gibt es ernsthaften Dissens. Empathie und moralisches Empfinden verantwortlich zeichnet. dass in Hirn und Herz des Übeltäters ganz andere Abläufe stattfinden als gemeinhin angenommen. G. Berlin geben. Giebelstadt Es fehlt noch etwas: Arbeitgeber. gestraft wird seit Jahrtausenden. kulminierend in völkermordenden Diktaturen. Berlin/Riga Rechtsanwalt »So jemalt« Manfred Schwarz: »Der vollkommene Bourgeois« NR. Diktatoren und in Krisengebiete zu liefern? Roland Klose. als ginge es um einen Sportevent. insbesondere der jüngsten Kinder. Aus den Kriegen um Öl und gegen al Qaida. Diese unterstellte Schuld ist immer in Gefahr. Berlin Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit. Tatsächlich hat – wie die Erfahrung lehrt – der Täter sich bei der Tat nichts gedacht. Nicht erwähnt wird. Dies ist kein zu hoher Preis für eine Rechtsordnung. dass die Täter keine Ausländer waren. Hans H. wird als Erwachsener häufiger selbst gewalttätig. dass die Psychohistorie über den Verlauf der letzten Jahrhunderte. sagt der Angeklagte. sondern eine neue Dimension hat. spannt die Falle der Selbstgerechtigkeit. die überzeugend ZEIT NR. Denn als Ausländer wäre wohl die U-Haft unumgänglich gewesen und wären dem Steuerzahler die Kosten auferlegt worden. Bund. hat Steuerzahlen keine Lobby. dass die Menschen im Maghreb nicht zu einer uns völlig unverständlichen Kultur gehören. reale oder fiktive terroristische Bedrohungen in einem feindlichen Kulturraum zu bekämpfen. entsetzt mich.de Beilagenhinweis Die heutige Ausgabe enthält in einer Teilauflage Prospekte der Verlagsgruppe NEWS GmbH. Kein noch so grausames Video kann hier alleine Antwort ZEIT NR. würde dieses neue Gefühl der Ähnlichkeit untergraben und den Boden für einen »Kampf der Kulturen« bereiten. Solange die USA als letzte verbliebene Weltmacht auf diesem Globus den WeltSheriff spielen und nach Belieben Krieg gegen Staaten führen. Hamann und W. Eva Matern-Scherner. In Libyen jedoch engagiert sich der Westen. 18 Wie Grausamkeit entsteht Interview mit Terry Eagleton: »Höllische Freude« Eagletons Antwort auf die Frage nach den Ursachen. selbst richtig zu handeln. trotz zeitweiliger Rückschläge. Hamburg Ich bin froh. dass nur Frauen schön zu sein haben.« Und noch ganz nebenbei sei in Abwandlung des berühmten Liebermann-Satzes über einen angeblich zu langen Arm auf einem Bild Cézannes zu seinen angeblich spießigen Blumenbildern angemerkt: Wenn sie so jemalt sind. beschäftigen Leute nur auf 400-EuroBasis. ist aberwitzig und geschichtsblind. die einen Menschen zum Mörder machen könnten. wie schuldig sich ein Mensch gemacht hat. In konsequenter Folge werden wir hoffentlich demnächst Beiträge über die Unschicklichkeit von Hosen und Erwerbsarbeit für Frauen sowie die Vorzüge von Eiswasser und Kernseife gegenüber Deo und Bodylotion für Männer finden. als Zusammenfassung seines bisherigen Lebens. Obama und seine Verbündeten hätten sich stattdessen für einen UN-Beschluss stark gemacht. So ist mittlerweile überzeugend nachgewiesen. Wer zahlt das letztendlich? Der Steuerzahler! Zu wenige Razzien und zu niedrige Strafen für die Arbeitgeber! Christel Fichtner Sandersdorf Sie sind wie wir Pro und Contra: »Soll der Westen den Krieg verschärfen?« Dass es in Libyen nur um die Macht des Westens geht. Vielmehr ist sie eine Lehre aus der Erkenntnis. 18 Die Terrororganisation al-Qaida oder die afghanischen Taliban feiern ihre Symbolfigur als Märtyrer. Wie Saddam Hussein so wurde auch Muammar al-Gadhafi jahrelang vom Westen hofiert und mit modernsten Waffensystemen ausgestattet. dass mit jedem Tatverdacht eine Schuldvermutung verbunden ist. der Täter habe Tathergang und Folgen voll im Griff gehabt und könne Ähnliches künftig vermeiden. Das Arbeitsamt stockt das Einkommen noch auf.

Carola Bührmann. Schaute in den sternenklaren Himmel. Nina Lenz. Nachdem ich Jule auf die Kritzelei der Woche aufmerksam machte. Passau ds Zeitsprung mehr zu lesen. deine Qualen. Ich möchte die Zeit anhalten. Und Mondessternenstrahlen. irgendwo im Golf von Bengalen. Massagegutschein und Champagner aus Heidelberg werde ich beschenkt. Viele sagen oder schreiben gar »Weia!« – im Grunde auch Wagner: »Wagala weia. schenkte sie mir zum Geburtstag diese Zeichnung.zeit. Niederzier AL AG LT SK U N ST Schicken Sie Ihre Beiträge für »Die ZEIT der Leser« bitte an: leser@zeit. oder? Christian Voll. Sie steht im Garten und hat einen frisch gepflückten Apfel in der Hand. im Internet unter www. 82° 22’ Ost Das erste Mal nach einem langen Winter und Winterschlaf mit meiner Schildkröte durch den Garten zu laufen. Beim Frühstück erwarteten mich schon die ersten Gratulanten mit Gesang und Orchideen. Mühlacker Mit meinen Freunden Marco. Holger und Michel viermal im Jahr mit unseren Mountainbikes durch den Pfälzer Wald zu schießen. Singapur und Myanmar auf die zu Indien gehörenden Andamanen-Inseln. Das Wort bezeichnet doch genau das. Alles braucht viel mehr Zeit. Angelika Kratz. was man angesichts einer überraschenden Zumutung empfindet: erst einen Schock. Doch vergangenen Sommer glänzte es mit einem neuen Anstrich. Lauda-Königshofen Meiner zwölfjährigen Enkelin Jule hebe ich regelmäßig die ZEIT-Kinderseite auf und kaufe ihr die KinderZEIT-Hefte. W. Viele Erinnerungen stiegen in mir hoch. Über der Elbmündung kreisen – gemeinsam mit einem Seeadler. Walther Weih. »Willkommen und Abschied«) Mein Wort-Schatz Im Grunde ist mein Wort-Schatz ein Schimpfwort. Noch nie habe ich am Geburtstag so viele Hände geschüttelt und so viele Küsschen erhalten. Hella Maas. ich Saxofon. So war im Sommer 2009 dieses Holzschild. der Fehler unauffindbar. Ludwigsburg Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit begonnen. »Schockschwerenot« ist übrigens präzise. Die Sonne hat den schwarzen Sattel für mich beheizt. ich sei der einzige Mensch im Bekanntenkreis. JVA Bielefeld-Brackwede Du schliefst. Jürgen Hartmann. Am Abend sehe ich. eine Kürzung und die übliche redaktionelle Bearbeitung der Beiträge vor. will ich den Gesprächspartner nicht gleich selber ärgern.. Bisingen-Wessingen Die Morgenröte ließ mich ruhen. Christian. Eberhard Leibbrand. ich bekomme die zweite Hälfte der Vorwoche zurück. Dabei fiel mir ein Foto aus Argentinien aus dem Jahr 1934 in die Hände. besteige mein Fahrrad. Ulm Freitagmorgens. als Bundesumweltminister wissen Sie bestimmt. dass der Beitrag in der ZEIT. die Energiepolitik ist knifflig. Lachen und Freude pur! Jochen Ruthardt. Merci! Sabine Kröner. dann kam sie über Australien. Ich habe mit diesem Wort immer den erwünschten Erfolg: Der. Dann unter den Wolken von Kiel bis zur Elbe segeln und sich an unserer wunderbaren Landschaft nicht sattsehen können. Und so festzustellen. Indonesien.und Jugendjahre zu sprechen und zu hören.de! Wir sind gespannt. Oldenburg reicher macht Es ist unser 48. 89. ej!« oder »Menno!«? Nee! Da ich ein freundlicher und langmütiger Mensch bin oder zumindest so tue. und 20. die arabische Halbinsel und durch den Suezkanal wird die Reise weitergehen – bis nach Venedig. zzt.. Osnabrück Buch und Bach Das Foto unserer süßen Tochter Caroline. wenn ich – ich lebe seit über 40 Jahren in Norddeutschland – einen Besuch in meiner alten Heimat Württemberg mache. aus traurigem Anlass« unternimmt Sabine Kröner. er klingt ein bisschen vornehm. Gedicht. war ich kurz ratlos. Und es funktioniert tatsächlich. 55: Nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr wollte sie durch neue Eindrücke Abstand gewinnen. Fand Silben.. Schleswig-Holstein Ich komme aus dem Laden. Und so passt mir ein Wort am besten. Über Indien. dann eine schwere Not bei der Suche nach der angemessenen Reaktion. Wolfgang spielt meine Wunschmelodien. Nach einem weiteren Tanz um den Pool – diesmal ist es ein Cha-Cha-Cha – sinke ich glücklich in meine Federn. Mit dem uralten Anhänger aus Kleinkindertagen. Ich habe sie trotzdem gelobt. Die rasteten auf deiner Haut. Also: nein! Oder: »Mann. wenn ich mich recht erinnere. Natur. Sollen wir? Oder wollen Sie gar nicht wissen. das war es. und auch. ich habe es selbst gesehen: 28 besetzte Kassen in einem einzigen Supermarkt. Ich treffe mich mit meiner Mutter. Mittlerweile können wir schon einen kleinen Blues zusammen spielen. Mein Mann mäht den Rasen. selbst Musik zu machen! Ja. zzt.und Südamerika im 19. das gebrauche ich nie. Am Vorabend war ich bis Mitternacht wach geblieben und hatte das Pooldeck für mich alleine. September 2009 haben wir uns zuletzt gesehen. Baltmannsweiler An einem leicht bewölkten Tag in ein kleines Segelflugzeug steigen und mit dem Windenseil auf 400 Meter Höhe gezogen werden. »Zufriedenheit«. Rumohr. Wolfgang Dasch. Geldern . die ihnen Verwandte aus Deutschland geschickt haben. sie hauptsächlich während der Unterrichtsstunden gezeichnet zu haben. und jeder Kunde hatte eine Einkaufstasche dabei. Im Nordatlantik sollen unvorstellbare 100 000 Tonnen Plastik in einem einzigen Riesenstrudel treiben. neu verfasst SCHÖNE GRÜSSE Lieber Herr Röttgen. Plön Morgens vor dem ersten Weckerklingeln im Halbschlaf das gleichmäßige Atmen von drei Personen zu hören. Der Tag begann in unsren Schuhen. Das Foto wurde im August 2009 aufgenommen. »Was ist?« – Ich sagte leise: »Ach!« Gabriele Herbst. . Ich bekam sogar mal das Kompliment. was mir jemand zumutet. worauf dieser es ausruft). Wenn die Weltreise von Sabine Kröner demnächst zu Ende geht. würde ich sogar sagen. wie sich in Briefen und Dokumenten erkennen lässt. Jahrhundert. die uns auffallen und die das Immer-Wiederkommen interessant machen. du Welle«. könnten wir »Das regt mich auf« fortsetzen. Hochzeitstag. im Café. dem 19. da war Caroline 20 Monate alt.. das das Gegenüber überrascht und die Zumutung gleich ein wenig entschärft. Also machen wir alles mit dem Fahrrad. das im Hafen von Sassnitz den Liegeplatz eines Schiffes markierte. WL 2009 2010 Was mein LEBEN Seit Jahren verbringen wir unseren Sommerurlaub auf der Insel Rügen. So tragen die Kinder auf dem Bild Kleider und Schuhe.!«. aber es sind auch die kleinen Veränderun- gen. Die Inflationsjahre in Deutschland um 1923 hatten viele. geschwind zum Buche! to: H il g e m a n n / D a vi Liebe ZEIT-Leserinnen und -Leser. seit zwei Wochen.) Wir trinken Cappuccino mit viel Sahne und reden über die Familie und den Rest der Welt. sogar Gianna Nannini. Und plötzlich scheint es. Sah deine Freude. »Mein lieber Schwan!«? Nein. Goethe. »Die ZEIT der Leser«. lange gab es auf dieser Seite jede Woche die Rubrik »Das regt mich auf«. Raimund Nieß. Christa Lieb. Jedes Jahr kommen ein paar neue Ferienunterkünfte und Touristenattraktionen hinzu.. dass in Italien die Ausgabe von Plastiktüten in Supermärkten und anderen Geschäften verboten wurde. was mir die meisten wünschten. Mit der Einsendung eines Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden. als hätten wir viel davon: Zeit! Wilfried Ludwigs. woge. So kaschierte man die Armut einfach mit einem Häufchen Laub. Mit Ansprachen. mich gemeinsam mit ihr zu sonnen und das Gras unter den Füßen zu spüren. Mutter bekommt die erste Hälfte der aktuellen Ausgabe. Die wunderbare Katharina hat mir eine E-Mail geschickt. und beim Dartsturnier spielten wir um mein Alter. der dieses Wort verwende. Du wecktest mich mit Radio-Bach. meist junge Menschen zur Auswanderung genötigt. nein. Gerlinde Benz. Mein Mann kannte sich in der Astronomie sehr gut aus und hat mir auf unseren Reisen immer den Sternenhimmel erklärt. wie ich meine: »Schockschwerenot!« Ich hörte das. jeder ein Instrument zu erlernen: er E-Gitarre. die ich suchte – und deiner hab ich auch gedacht. Zugegeben. was andere Leser aufregt? Oder gibt es Ärgerliches. Susanne Lange. auch den Einkauf. die ich zum allgemeinen Amüsement verlese. Sekt gab es den ganzen Tag. Am Samstag. Wenn ich über etwas erstaunt bin und darüber. über die große Nase des Titelhelden zu sprechen. Heidenheim a. lieber Herr Röttgen. erstmals in Cyrano de Bergerac (einer der jungen Soldaten wagt es. Plastik gefährdet die menschliche Gesundheit (Bisphenol A und Weichmacher!) und verursacht gewaltige ökologische Probleme: So landen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich mindestens 7000 Tonnen unverwüstliches Plastik im Meer. Monat 2011 DIE ZEIT No 20 96 (nach J. Fo Es schlug mein Herz. d. Das Fremde und was mir vertraut. 6° 13’ Nord. Die Kritzelei der Woche Unser Auto ist krank. doch alleine musste ich resignieren. Wiedergefunden: Ein Dokument der Armut Für das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen arbeite ich an einer Dokumentation über die Auswanderung nach Nord. v. Als sie mir allerdings gestand. 20079 Hamburg Die Redaktion behält sich die Auswahl. Eine Party mit so wenig Arbeit und so viel Personal hatte ich noch nie. Martina Hömann. (Im Laufe der Woche werden wir dann auch die andere Hälfte tauschen. dass unsere beiden Buben (4 und 2) im Verlauf der Nacht zu uns ins Bett geschlüpft sind. über die ich mich sehr gefreut habe. an meinen speziell dekorierten Tisch geladen. dass er ein riesengroßes Rasenherz hat stehen lassen. mit 40 Jahren noch einmal Schüler zu sein. Stuttgart Ich las Gedichte in der Nacht. Mars und Jupiter wollte ich noch finden. die mir besonders ans Herz gewachsen sind. In Amerika aber ging es vielen von ihnen schlechter als in der alten deutschen Heimat. Zuerst tauschen wir die ZEIT. Magdeburg Wieder den vertrauten Dialekt meiner Kinder. und oft haben sich spannende Debatten aus Ihren Beiträgen entwickelt. Unsere Stimmung wird immer ausgelassener.) Zum Abendessen habe ich sieben Menschen. Aber das mit dem Plastiktütenverbot wäre doch ganz einfach. aber da er so herrlich altmodisch ist.Leserbriefe siehe Seite 95 12. pünktlich um zehn. Brenz Eine kleine Weltreise .. Von Buenos Aires aus ist sie per Schiff um die Südspitze Amerikas und durch die Südsee gefahren.de oder an Redaktion DIE ZEIT. der mich ärgert oder ärgern wollte. Welch ein schönes Gefühl. das mir richtig zu Herzen ging. (Ich habe gewonnen. ist erst mal baff. zu sehr Lohengrin.de/zeit-der-leser und auch in einem ZEIT-der-LeserBuch (Sammlung von Leserbeiträgen) veröffentlicht werden kann Nach einem erlebnisreichen Tag auf den Andamanen habe ich meinen Geburtstag an Bord gefeiert. von dem Sie uns gleich erzählen möchten? Schreiben Sie an leser@zeit. kaum EIN GEDICHT! Klassische Lyrik. Reime. Für den kleinen Buben links aber waren wohl keine Schuhe dabei gewesen. Das Kreuz des Südens suchte ich und erspähte es auch endlich über dem Heck. auch ein wenig befremdet bis ärgerlich: Was steht mir zur Verfügung? »Ach du Sch .

Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. der sich tief gedemütigt fühlen muss. Libyen. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Der Rettungsfonds will weiter retten. auch nicht beim haircut. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. dessen Datum anzunehmen. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott.de Abonnement Österreich. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. weil dies ein überholter Begriff sei. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. die SPD. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. bleibt auch eine. Gutmenschen nerven. ist schlicht ein Skandal. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. und trotzdem beschimpft Europa uns. Schuldzuweisungen und Dementis. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. Nein. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar.zeit. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. GRN. was gemeinhin eine Volkspartei ist.de 20 2 0 AUSGABE: . die zweite Volkspartei. sondern echtes Geld kosten werden. Die Griechen. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. dass die Griechen mit dem ersten. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. E-Mail: DieZeit@zeit. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Vergessen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. positionieren sich als die guten Europäer. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. Die entscheidende Frage ist aber nicht. Was dagegen geschieht. Sie sind nötiger denn je. deshalb unser aller Geld retten musste. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. ZEIT-Stellenmarkt: www. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. ebenso wie die Deutschen und andere. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Sooft dieser Tage in Ministerien. wohl aber die Stimmung. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. kleine Abb. Die Frage ist vielmehr.0. nun gelte es. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. 20080 Hamburg. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt.u.zeit. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Gleichwohl verlangen die EU. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. die andere Möglichkeit. Wellen am sardischen Strand. Kleine Augenblicke. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein.de/audio www. wer der bessere Europäer ist. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. was auf lange Sicht besser für Europa ist. die im Englischen haircut heißt. Viel Geld. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. dass es ohne Europa nicht geht. zeichnet sich schon ab. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. will das offizielle Europa Ruhe. Käme es jetzt zum griechischen haircut. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Irland. wenn Europa immer weiterzahlt. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. so desaströs seine Folgen wären. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. sondern auch an zu viel.PREIS ÖSTERREICH 4. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt.de. beschlossen hat. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. also einen Tag zu überspringen. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. wenn Europa weiter zahlt. Schweiz.n. obwohl doch alle gleichermaßen wissen.de. was kommt. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Doch das heißt nicht. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. bestrebt. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. der nicht aufgepasst hatte. (v.o. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Das klingt weit unattraktiver als das. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. ist auch eine hässliche Sache.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus.zeit. Das ist umso generöser. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. »Umschulden«. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Wer wollte sie den Iren abschlagen.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. die Griechen überlegten. die sie früher nie gewählt hätten. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. Europa sollte die Umschuldung wagen. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser.jobs. J A H RG A N G www. würden Schulden nicht getilgt. was sie auch kostet. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort.zeit. Diejenigen. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. findet Josef Joffe. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr.de/audio AC 7451 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. im Land. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. »Retten« ist ein hübsches Wort. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. man macht sich unbeliebt. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. Geburten hinfällig. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Es kostet nur wieder Milliarden.und Bahnhofsschützern. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. heute Erzfeinde: Hans-Peter Martin wird von seinem Protegé an den Pranger gestellt Politik Seite 12 D Europa will sich Ruhe kaufen. das zu werden. das Beharren auf Posten und alten Positionen. die EU dabei mitregieren. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. in das so viel Geld fließt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Die Entzweiung Einst ein verschworenes Duo. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden.zeit. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. KG. In Interviews sprach er davon. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. um Griechenland aus der Krise zu helfen. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet.10 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. Auch das käme alle teuer zu stehen. Klar ist einzig. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Aber die Diagnose ist unvollständig. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Die Entscheidung Kretschmanns. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. Leserbriefe@zeit. Nicht mehr bezahlen.

Unterlagen sollen ihm noch im Herbst zugespielt worden seien. Meist. Ehrenhauser wandte sich an Mitstreiter der Liste Martin. Konservativ und zugleich ein grüner Visionär.« Auch als Angelika Werthmann im vergangenen Sommer Hans-Peter Martin vorwarf. Arnie verkörpert ja gewissermaßen die europäische Schnittmenge. der noch Großes im Sinn hat und jetzt die Weichen für seine politische Zukunft stellen möchte. Foto: Ingo Pertramer Ehrenhauser zelebriert den Bruch mit allen Mitteln der Medienkunst Nebenbei wurden ab Ende März Journalisten mehrerer Medien kontaktiert (darunter auch die ZEIT). mit einer eigenen Liste anzutreten. Der Verbleib von rund einer Million Euro aus der Wahlkampfkostenrückerstattung für die Europawahl 2009 sei ungeklärt. habe er noch nicht entschieden. Jetzt hat sein ehemaliger Kabinettschef dem Magazin Newsweek die Königsidee anvertraut: President of Europe. wenn sie mit Europa sprechen wollen: Hasta la vista. Kino-Ikone und zwei Amtsperioden lang Regierungschef von Kalifornien. Ehrenhauser wurde Martin immer ähnlicher. jetzt wurde er durch die Forschung bestätigt.kultur .com rend einer Plenarsitzung keine Seltenheit. begründet er damit. die er jahrelang nicht mitbekommen haben will. und aus der Delegation austrat. Mit Methoden aus der untersten Schublade sollte die Salzburgerin dazu gedrängt werden. Wer ihn dann allerdings wählen soll. das Verhältnis wurde schnell frostig. bekam es mit dem Oberösterreicher zu tun. Gemeinsam zogen sie in Psychokriege. »Untreue« und »Förderungsmissbrauch«. Bärenstark. Immer neue Vorwürfe tauchen auf. er müsse sich möglichst weit von Martin distanzieren. ob sie als alleinerziehende nicht zur Arbeit erschienen zu sein. erzählt er. dass sich Ausgaben und Einnahmen der Liste auf den Cent gleichen? »Eine betriebswirtschaftliche Meisterleistung«. Arnold Schwarzenegger. Wie könne es sein. Für den Reißer fehlte dem Mandatar im Europäischen Parlament bislang die Zeit. Und Ehrenhauser spricht bereits davon. weiß keiner. ist einem kalkulierten Tonfall gewichen. September 2010. Andere sagen. dass es nun eine »neue Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft« brauche. der zugleich als Chef der Liberalen firmierte. das haben nun Forscher aus den USA herausgefunden. Die Euphorie. lotete Ehrenhauser bereits aus. die HansPeter Martin die Treue hielten und ihn bedingungslos verteidigten. Seitenlange Mails mit Anschuldigungen wurden gewechselt. Angelika Werthmann. Wer dem umstrittenen Europaparlamentarier am Zeug flicken wollte. und der politische Stil Martins sei auch nicht unbedingt der seine. Familie und Politik zusammen? FDP Ein Gespräch mit Philipp dem Burschenschafteraufmarsch am Heldenplatz fern VON JOACHIM RIEDL WISSEN 37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können nur die Autokonzerne zu fördern 27 Kinderarmut Die Not wird überschätzt. Seine Stimme klingt hart. die sie wählen könnten. Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 4 5 6 7 8 9 Gutmenschen Ist Deutschland 12 Donnerstalk ALFRED DORFER über die Auswirkungen von Botox auf die Politik 13 Straßenkampf Der neue Wasserwerfer 10 000 der Firma Rosenbauer aus Leonding VON STEFAN MÜLLER 14 Artgenossen Der wankende Mafiaparagraf und das Justiztheater in der Wiener Neustadt VON ALFRED J. Es glättet nicht nur verräterische Falten. Sonst verarmt die emotionale Intelligenz. Den Verdacht hegte man ja schon lange. wird in Mitleidenschaft gezogen. sie würde die Karriere ihres Sohnes behindern.12 12.. die wissen alles voneinander«. Heute wirkt Ehrenhauser verändert. Er war einer der Letzten. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen ein Vorbild für die Welt? Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt . Unzertrennlich seien beide damals gewesen. Als der Zauberlehrling antrat. Doch des Skandals nicht genug. Martins Frau schrieb eine Mail an Werthmann und fragte. als »Rabenmutter« bezeichnet zu werden. Ehrenhauser wird sich als Supersaubermann darstellen. an dem die Geschichte publik wurde. warum Martin Ehrenhauser die Trennung nach allen Regeln der Kunst inszeniert. einer Sportkneipe in Brüssel neben dem Parlament. Auch Klaus Diekers. Während er medial die Entzweiung bereits vorbereitete. »Das war schon sehr untergriffig und ging schnell ins Persönliche. kurz darauf avancierte er zum Büroleiter. Im Fat Boys. »Die steckten rund um die Uhr zusammen. Ausdruckslose Gesichter sind im Hohen Haus wäh- E Alfred Dorfer enthüllt das Rätsel der versteinerter Mienen im Hohen Haus AUSSERDEM Wer sonst? Dem Werden und Wirken des berühmtesten Österreichers der Gegenwart widmet sich bereits zu Lebzeiten ein eigenes Museum. Mai 2011 DONNERSTALK DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Gift im Parlament Botox garantiert ewige Jugend. Mit größtmöglicher Empörung tritt Ehrenhauser derzeit vor Journalisten auf. vermittelte Kontakte und brachte ihm die Tricks bei. Dazu muss der Übervater rasch in der Versenkung verschwinden. einander austricksen.« Im Sog der Bestechungsaffäre um den konservativen Parlamentskollegen Ernst Strasser sah Ehrenhauser wohl seine große Chance. Jetzt stellt er seinen Mentor an den Pranger VON FLORIAN GASSER Mutter ihre Funktion in Brüssel überhaupt ausüben könne und nicht Gefahr laufe. signalisierte er gegenüber Hans-Peter Martin noch Gesprächsbereitschaft. Ehrenhauser war gerade bei den Jungen Liberalen hinausgeflogen. war die Eintrittskarte des Politikstudenten bei dem EU-Rebellen. stellte IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Foto (Ausschnitt): Harald Schneider/hds/APA/picturedesk. der für die eigene Redlichkeit sogar seinen politischen Ziehvater opferte. schlug einen Sitzungstermin in Wien vor – just für den Tag. 2014 wird er wohl versuchen. das zu moderieren. ein Foto von sich würde ihm auch gut gefallen. baby! JR Bessere Zeiten: Martin und Martin feiern den Wahlerfolg 2009 Die Zertrennlichen Einst war Martin Ehrenhauser der größte Fan von Hans-Peter Martin. der sich ihnen in den Weg stellte. ließ Ehrenhauser dann Mitte April die Bombe platzen: Er erstattete Anzeige gegen Hans-Peter Martin bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf »schweren Betrug«. Er hat sich einen Django-Bart wachsen lassen. auf falsche Fährten locken und enttarnen. Martin habe die eigenen Ideale verraten. […] Schwierig wird es sicher ohne meine explizite Unterstützung. die Falten jedoch nicht gestrafft. wenn wir gemeinsam kandidieren. wenn der blasse Belgier. als die Listendritte. Im Wochentakt beliefert er nun Zeitungen mit immer neuen Details. dass sich die beiden aussprechen. bekam einen Anruf. sein Blick ist kalt. Dass sich seine Vorwürfe heute merkwürdig ähnlich anhören wie seinerzeit jene von Werthmann. Die beiden Mandatare gingen auf Distanz. Wo sind die Grünen. sich ein eigenes Profil zulegen und mehr sein als bloß die Stulpe an der »Hose«. NOLL Freiheitliche HC Strache blieb WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch 33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung ThyssenKrupp Der Konzern FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral 62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTLSenderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie. Doch der neue Saubermann präsentiert sich nun als jemand. nachdem sie ausgesprochen wurden. erzählen ehemalige Mitstreiter. wandte er sich an Hans-Peter Martin. »Freunde waren wir nie«. das widerfährt selbst Titanen nur nach ihrem Ableben. dass sich Martin und Martin entzweit hatten. um das Thema möglichst lange am Köcheln zu halten und der Gegenwehr seines Opfers keinen Raum zu geben. er selbst habe etwas mit den dubiosen Vorgängen zu tun.de/audio Geschichte eines Liedes aus Island 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze« Kunst Paul Pfeiffer in München GESCHICHTE 21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. weil die durch Lähmung reduzierte Mimik beim Gegenüber zu emotionalen Missverständnissen führen kann. die gerne gedruckt werden. Kennengelernt hatte sich das Duo drei Jahre zuvor. die bei den Delegationssitzungen oft dabei war. dass er keinen Einblick in die Finanzen der Partei besessen habe. Er kennt die brennende Migrationsproblematik aus eigener Lebenserfahrung: Auch er war einst mittellos an fremden Gestaden gelandet. Ehrenhauser orchestrierte derweil seinen Abgang. der Bruch endgültig. Tiger« 56 Nachruf auf Gunter Sachs kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. Im Oktober 2010 schrieb dieser in einer Mail an Ehrenhauser: »2014 hätten wir die besten Chancen. Einst war er sein größter Fan und willfähriger Erfüllungsgehilfe. nennt er das heute. bekannt für ihre deftigen Burger. Doch nach der Veröffentlichung des Rechenschaftsberichtes der Liste Martin am 29. Deshalb werden einfache Sätze. Schließlich verzichtete der Listenzweite auf sein Mandat – heute leitet er das Bürgerbüro von Martin Ehrenhauser in Wien. what’s his name?. Zurück ans Actionfließband in der Filmfabrik. aber zugleich weich wie ein schnurrendes Kätzchen. Mit geheimen Unterlagen über den Baulöwen Hans-Peter Haselsteiner und den Lobbyisten Alexander Zach. sondern vermindert auch die Denkleistung. der ohne Minibar auskommen muss? Schluss mit diesen Menschenversuchen! igentlich wollte Martin Ehrenhauser immer schon einmal einen Spionagethriller schreiben. »Fußballersprache« sei da gepflegt worden.und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« 96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. Endlich hätten dann auch die wichtigsten Amis wie Henry Kissinger und seine Freunde eine Telefonnummer bei der Hand. sagt eine. Die Reduktion des Sprachzentrums ist bei Budgetdebatten gang und gäbe. Ehrenhauser und seine Mitarbeiter seien seit August 2010 in sein Computersystem eingedrungen und hätten auch Gespräche mitgeschnitten. Doch Ehrenhauser hat die Gesprächsangebote ausgeschlagen«. blieb aber kryptisch genug. wird dem Governator von der amerikanischen Verfassung verbarrikadiert. Zwar werden alle nervösen Reaktionen hervorgerufen. wenn die Bombe platzt. um selbst einfache Sätze verstehen zu können. seine weiße Weste sei besudelt. begriffen. erzählt von den ungeheuren Vorgängen. Dazu würde wohl auch ein Interview genügen. Dieses gefährliche Wurstgift wurde offensichtlich schon seit Langem an unwissenden Versuchspersonen ausprobiert. Armin Falk. Warum er plötzlich aufmuckte. begann Ehrenhauser auf einmal Fragen zu stellen. Doch Werthmann weigerte sich beharrlich. »Ich wollte. Als Staatsbürger der USA steht er nun über dem kleinlichen nationalen Zank in der Union und weiß genau. oft tagelang Ehrenhauser wurde seinem Idol immer ähnlicher und vertraute ihm blind Das Duo ging gegen jeden vor. Gesichtsmotorik ist für das Gehirn notwendig. Das Ende einer fast fünfjährigen politischen Zusammenarbeit war besiegelt. Flüchtling zu sein 48 Kinder. Offensichtlich gelangt bei diesen Experimenten an Mandataren eine noch sehr frühe Entwicklungsstufe des Nervengifts zur Anwendung. Muskelheld. Mit welchem Medium er bei der Aufdeckung zusammenarbeiten wolle. die sonst bei jedem Schweinestall protestieren. wie solche United States zu funktionieren haben. ins Ausgedinge von Venice Beach oder als Ambassanator für eine bessere Welt von Kontinent zu Kontinent tingeln? Allesamt keine erbaulichen Perspektiven. Was nun kommen wird? Für Hans-Peter Martin könnte diese Affäre das politische Ende bedeuten. oft erst Stunden. damit Martin seinen Protegé ins Parlament hieven konnte. Ökonom und Verhaltensforscher? noch die meisten Laster bauen Elektroauto Warum es falsch ist.zeit. er habe dem egomanen Leitwolf einfach blind vertraut. fieberten sie oft bei den Spielen ihres Lieblingsvereins Bayern München. Der Fall des Mentors könnte der Aufstieg des Zöglings sein – medial geschickt orchestriert. So erfolgreich. wurde später zur Persona non grata für die verschworene Clique. Martin warf seinem Schützling vor. Sie teilten die Leidenschaft anzuecken und aufzudecken – nicht selten mit Mitteln an der Grenze des guten Geschmacks – und die Begeisterung für Fußball. Nun erhebt Ehrenhauser selbst schwere Vorwürfe gegen sein früheres Idol. Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte« Roman Nicolas Dickner »Tarmac« REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. um vorzeitige Veröffentlichungen zu verhindern. Etwa. Kampfmaschinendarsteller. Viele fragen sich inzwischen. Sogar Ehrenhausers Mutter warf der Mandatarin vor. Hans-Peter Martin stellte seinem Schützling Journalisten vor. die den Betrug belegen – Martin spricht davon. die er dadurch auslöste. Und eine Idee für den Inhalt des ersten Absatzes der Enthüllungsstory schwebte ihm ebenfalls vor. Genau. als das jugendliche Pendant des ergrauten Hans-Peter Martin. Sich in diesem Dauerfeuer zu verteidigen ist unmöglich – der Zauberlehrling hat vom Hexenmeister viel gelernt. wenn die Sitzung längst vorbei ist. als Martin Ehrenhauser vom Büroleiter zum Abgeordneten aufstieg und auf der Bürgerliste von Hans-Peter Martin kandidierte. ein Schulfreund von Hans-Peter Martin. mit denen sich jede Mücke zum Elefantenskandal machen lässt. Gut einstudierte. Gerne präsentierte er sich als die dynamische Nachwuchshoffnung an der Seite des Europarebellen. Die Korruptionsaffäre. sogar das habe er akzeptiert. um jeglichen Zweifeln vorzubeugen. für die sie mitunter ihr gesamtes Umfeld mobilisierten. Martin und Martin nannten sich die beiden im Europawahlkampf 2009. Besonders das Sprachzentrum. Der selbst ernannte Saubermann ist schwer angeschlagen. etwa »Bitte Ruhe im Saal!«. schmissige Phrasen. Ein Jahr später wurde er dessen parlamentarischer Mitarbeiter. In internen Sitzungen zielten sie gerne auch unter die Gürtellinie. mit meinen abgesicherten Medienauftritten und meinen persönlichen finanziellen Mitteln. Den Meister hat der Schüler jedenfalls bereits jetzt übertrumpft. das logische Ziel. Und ein Match gegen mich? Da hätte ich wohl auch die besseren Möglichkeiten. Er selbst sagt. Assistiert von einem Nachrichtenmagazin. mit welcher der 32-Jährige früher über seine politische Arbeit sprach. Man hatte das Gefühl.. befindet sich am Scheideweg. gibt immer nur einen Teil der Unterlagen preis. Osama haben dem Terminator die Navy Seals weggeschnappt. möglicherweise habe Martin hohe Summen für den eigenen Gebrauch abgezweigt. Vielleicht wollte er endlich aus dem Schatten des Übervaters heraustreten. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen ÖSTERREICH 12 Politik Das Zerwürfnis zwischen Hans-Peter Martin und Martin Ehrenhauser VON FLORIAN GASSER Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn 59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« Kulturkanäle zdf. er habe Parteigelder hinterzogen. war er der »junge Hecht im Karpfenteich«. dass heute nicht mehr viel fehlt und er hat seinen Ausbildner mit dessen eigenen Waffen geschlagen. sagt Ehrenhauser heute. steht in den Sternen. wenn es um Familie. Emotionelle Intelligenz ist bei diesen Zusammenkünften ebenfalls sehr selten anzutreffen. nach den Europawahlen 2009 auf ihr Mandat verzichten sollte. wie Martin häufig wegen des extravagant weiten Schnitts seiner Beinkleider genannt wird. Einen Grundkurs in der Kunst des Tarnen und Täuschens absolvierte er allerdings in den vergangenen fünf Jahren bei seinem Mentor Hans-Peter Martin. Das erklärte ihm sogar unlängst noch Hans-Peter Martin. in dem sich Geheimagenten gegenseitig bespitzeln. sich Ehrenhauser schützend vor sein Vorbild. Als noch niemand außerhalb Brüssels ahnte. auf wen er zählen könne. demnächst in Pension geht. und bot an. sagen Forscher Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest Die sich über arabische Revolutionen Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung 28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal GegenseitigeSchuldzuweisungen Soziale Netzwerke CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 55 Margaux Fragoso »Tiger. sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. berichtete von seinen Anschuldigungen. das Weiße Haus. Heimat und Apfelstrudel geht. Ein Interview sei Bedingung. Ehrenhauser lud zu vertraulichen Gesprächen. Einen.

auf die Suche nach den besten Lebensmitteln Süditaliens. sieht aus wie eine Mischung aus Schwerlaster und Terminator. also die moderne Version des Polizeiknüppels. vorne rechts. Die »Cobra«. Auch die Symbolik ist nicht gut. kleinere Brände löschen und sich nur im Notfall – ein bisschen – in einen Wasser speienden Drachen verwandeln. Auf den vulkanischen Böden des Vesuvs entdeckten wir einzigartige Aprikosensorten. dass auf den Videos von den Opernballdemos in den achtziger Jahren Beamte zu sehen sind. taugen genauso zur Abwehr rebellischer Bürger. eine Kaffeemaschine. Im Ernstfall rollt der WaWe 10 ganz langsam zur Attacke und wird von Bodentruppen flankiert. meint ein Sprecher. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 DRINNEN Grüße aus Leonding Sein Name ist WaWe 10. Aus dieser Gegend kommen auch Brotzitronen. legt man Wert auf Konfliktvorbeugung. die Sache sei vertraulich. das »geschützte Tankfahrzeug« diene lediglich der Gewaltprävention. Seltsame Kundenwünsche sind Mücke trotzdem zugetragen worden. Lebensmittelhändler Mit 16 Jahren trat ich erstmals als DJ auf. Erst- zulassung 1975. Die Bilder aus den Werferkameras werden auf Festplatte gespeichert – um gesetzeskonformen Einsatz nachweisen zu können. die schonend auf kleiner Flamme zu Marmelade verkocht werden. die schrägen Heck. In Österreich gelten Wasserwerfer laut Waffengebrauchsgesetz 1969 zwar als »Dienstwaffe« – darüber sprechen will man aber auch hier nicht so richtig. so die werksinterne Bezeichnung. und das Prinzip Abschreckung – inklusive Warnung über die Außenlautsprecher – hat seinen drohenden Wasserstachel verloren. versichert er: »Sonst wäre jedes Löschfahrzeug eine Waffe. die das Wasser in 25 Metern Entfernung auf einer kleinen Fläche entfalten darf. ein Ehrfurcht heischendes Qualitätsprodukt. Letzter aktiver Einsatz? 2003 – bei Protesten gegen den Korporationsball. die 25 Jahre lang im Versicherungsgewerbe tätig war. herkömmlichen Schallplatten. Ein Reporter der taz beobachtet. Insgesamt ist das neue Gerät potenter. Mit ihr zusammen eröffneten wir im November ein Lebensmittelgeschäft in Margareten. Der Neue soll böse aussehen.« Er zieht einen weiteren Artikel hervor. schräg hinter ihm haben die Rohrführer den Finger am Abzug. die sonst auf Brandherde zielen. Juni 2010 im Dorotheum für 1600 Euro versteigert wurde. fallweise auch asiatische Länder – erinnert sich Vertriebsmann Mücke vage. In diesem Jahr riegeln am 1. Auf diese Produkte ist man stolz bei der Rosenbauer AG. In Avellino aßen wir Paulo Cancro stammt aus Süditalien. wo wir Giorgia kennenlernten. Gerät das Fahrzeug doch in Brand. Solche Blödheiten machen wir aber natürlich nicht. lasse sogar einen Einsatz als Trinkwassertransporter zu. deren Früchte um einen Seilring geflochten zur Lagerung aufgehängt werden.). sitzt der Kommandant. Angeblich zu schwer für so manche Wiener Straße mit gemauertem Kanal darunter. einem der größten Feuerwehrausrüster der Welt. eine Kühlvitrine. Dort sahen wir auch die Strauchtomatensorte Pomodorino del Piennolo. um sich solche Peinlichkeiten zu ersparen. Die Kraft. genau wie die Verantwortlichen bei Rosenbauer. Vor dem Kulturzentrum Rote Flora hat die Staatsmacht ihr mächtigstes Geschütz für urbane Konflikte aufgefahren: den nagelneuen Wasserwerfer 10 000 (kurz: WaWe 10). im voll betankten Zustand mit einem Gewicht von rund 23 Tonnen. am 1. musste jedes Mal Luft aus den Reifen gelassen werden. die vor 200 Jahren erstmals nach Kampanien gebracht wurden. acht Sitzplätze. Zwei davon wurden bereits in Hamburg und in Sachsen in Dienst gestellt – ungeachtet der Debatte um den Wasserwerfereinsatz von Stuttgart. vor allem aber sicherer für die Beamten. internationaler Vertriebsleiter bei Rosenbauer. Erst als Böller krachen und Leuchtraketen flitzen.und Dachelemente lassen Brandsätze abrollen. »Unser Verständnis von so einem Fahrzeug ist es. In dem Leistungskatalog. dem sogenannten Würfel Fünf. war gewaltig. Leiter der Abteilung Führungs. in feine Scheiben geschnitten und gezuckert. Dort bringen wir den Wienern süditalienische Esskultur und Lebensphilosophie nahe. den es zu erfüllen galt. Man muss Zeit haben für sich selber.com 12. die auch Reizmittel versprühen kann. dem die Law-andOrder-Rolle in einem John-Wayne-Western gut passen würde. die es steuern. Insgesamt 78 Stück sollen bis 2019 nach Deutschland geliefert werden. die mit Strohmatten vor Wind und Kälte geschützt werden. Überhaupt produzieren wir diese Fahrzeuge nur fallweise. In Sorrent suchten wir nach Zitrusfrüchten. Diese sogenannten Blondorangen und Zitronen wachsen auf Bäumen. einer hinten montiert – ist der 10 000-Liter-Tank nämlich schnell leer. Wir fuhren von Markt zu Markt und besuchten jedes Wochenende Bauern. ein Ungetüm auf einem Steyr-Fahrgestell. das wir je gebaut haben«. Von da an war mir Musik Passion und Beruf. Als der Wasserwerfer. Also drehte ich das Licht ab und schloss meine Firma in Neapel.und Einsatzmittel der Hamburger Bereitschaftspolizei. legt das Monstrum los. Für den grau melierten Gentleman. nichts mehr dazu sagen. sind 26 Jahre Erfahrung mit dem Vorgängermodell. um Schlimmeres zu verhindern.ÖSTERREICH Fotos: Bodo Marks/picture-alliance/dpa (l. In diesem Fall spricht man von Lebensqualität. Komisch. sagt der Ingenieur: »Die ganze Mannschaft ist stolz darauf. 75 Quadratmeter. Ende 2009 präsentierten die Hanseaten der Presse selbstbewusst den Prototypen. stehen zwei Fahrzeuge von Rosenbauer. die solche Geräte bauen. Ende der Durchsage. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A . Man gerate sonst schnell in Schieflage. schnauzt eine Sprecherin. »Sonst wäre ja ein Beamter blockiert«. Nach bösen Krawallen beim EU-Gipfel in Göteborg 2001 bekannte man sich lieber zu einem verstärkten Dialog mit Demonstranten. Weiterführende Informationen? Fehlanzeige. ein Wasserwerfer hingegen laut Polizeidienstverordnung 122 lediglich ein »Hilfsmittel der körperlichen Gewalt« sein soll. Anarchisten auf Distanz zu halten. Brandbomben gegen die Polizei. ist die Frontscheibe nach vorne geneigt. »Das kann von weidedrahtartigen Stromschlägen beim Berühren der Außenfläche bis zur Heißwasseraufbereitung für den Dachwerfer gehen. das Donatella. Kostenpunkt: 900 000 Euro. dass immer wieder Schaulustige vor dem Ungetüm posieren und Erinnerungsfotos knipsen. Mit mächtigen Fontänen fegt es den Aufruhr von der Straße. »Hier vorne wird ein Feuerwehrmann gerade scharf angebraten«. made in Austria.« Viele Nächte hatte er wenig geschlafen. In Wien bringt er den Menschen süditalienische Esskultur nahe Am 1. Handelt es sich um eine Waffe? Nein. Der Kunststofftank des Wasserbehälters. die mit Feuerwehrschläuchen improvisieren. Das Gefährt ist die neue Wunderwaffe des deutschen Staates gegen Bürger.« Sagt es und lächelt. Ihr Geschick an den Werfern. Ich legte in Spanien. Darauf ein verkohltes britisches Feuerwehrauto. der 10 000 Liter fasst. die an Entfernungsmesser gekoppelt sind. Davor habe es ein umfunktioniertes Feuerwehrauto mit Rosenbauer-Aufbau gegeben. das deutsche Innenministerium. Im Herzen. Die beiden Fahrzeuge mit 4000 Litern Fassungsvermögen seien 2003 zugelassen worden. mit der Schale als Nachspeise gegessen werden. zum Einsatz gekommen war. Damit Steine nach unten abprallen. Luftfilter und Klimaanlage sorgen für Frischluft. Obgleich es den beiden Strahlrohrführern an ihren Joysticks und Bildschirmen am liebsten ist. die Dinge richtig einzusetzen. Zehn Meter lang. weshalb es meist Feuerwehrausrüster sind. ergonomische Sitze und ein Kühlschrank für Komfort. Das Wort Abfallprodukt hört Projektleiter Helmut Ogris aber nicht so gerne.« Rosenbauer hat verschiedene Staaten in Europa mit Wasserwerfern versorgt. Auskunft bei der Pressestelle nur per E-Mail. wo sie bunte Plastiktonnen vollspritzen. riskiert Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen. »Hier. 30 Tonnen schwer. sagt er. Einsatzhäufigkeit? Unbekannt.« Ein Exportschlager könne der WaWe 10 schon deshalb nicht werden. der Kaffee über Holzfeuern röstet. zum Genießen. warum in Deutschland der »Mehrzweckeinsatzstock«. Wie ein schlafender Kettenhund lauert in einer riesigen Werkshalle ein graublaues Monster aus Alu-Blech zwischen einer kleinen Armada feuerroter Löschfahrzeuge. Dass ein Staat sein Gewaltmonopol auch ohne Wasserwerfer ausüben kann. Mit diesem Wissen gerüstet. bei Krawallen um die Wehrmachtsausstellung. Der Anteil am Unternehmensgewinn – 2010 waren es 40 Millionen Euro bei einem Umsatz von 596 Millionen – sei jedenfalls gering. Heute will der Beschaffer. schmiederer. die ein Auffächern der Fontäne ermöglichen – bis zum Schießen mit dem Vollstrahl. »Das ist das technisch komplexeste Gerät. die. »Gewaltig. In der Rossauer Kaserne. Unklar ist etwa. 48. sagt die Polizei. Bei der Außenwirkung sieht die Sache schon anders aus. übersiedelten wir vor einem Jahr nach Wien. Teure Wasserwerfer diffe- renziert einzusetzen sei ohnehin schwer. treten die 15 Düsen des Eigenlöschsystems in Aktion. bei der Sondereinheit Wega der Wiener Polizei. Wer aus kurzer Entfernung in so einen Strahl läuft. Nur um den WaWe 10 will man wenig Aufhebens machen. Tag der Randale. Bei bis zu 1200 Litern Durchflussmenge pro Minute und 65 Metern Reichweite – zwei Werfer sind vorne. dass man sich auch beim Essen auf Qualität konzentriert. dass die Eskalationsstufen eingehalten werden: Sie reichen vom Anfeuchten mit Wasserglocken – auch ein neues Feature der Hohlstrahlrohre. Am wichtigsten sei es. In einem neutralen Büroraum in Leonding. sind wir nicht im Waffenbereich«. Der alte Wasserwerfer schaffte es nicht durch das Kasernentor Im Innenministerium erinnert man sich an ein noch älteres Gerät. sagt Rüdiger Spahr etwas kryptisch. die Emotion aus Konflikten zu nehmen. Mai schützte der nagelneue Wasserwerfer 10 000 die Rote Flora in Hamburg T ag der Arbeit. »Was den Export betrifft. Qualität war für mich immer das Allerwichtigste. nimmt ein Beobachter das Geschehen ins Visier. Achtmal war eine zwölfköpfige Polizeidelegation aus Deutschland zu Gast. was wir in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben« In einem Büroraum in Leonding legt Wolfram Mücke.« Pumpen und Spritzen. eine Römerin. bei dem der Rentner Dietrich Wagner sein Augenlicht verlor. Mai 2300 Polizisten in Nahkampfausrüstung die Krawallzone ab. ist bei 12 Bar Betriebsdruck auf 30 Kilogramm beschränkt. Es liegt nahe. Irgendwann sah ich ein. korrigiert Spahr. Das Seitenblech ist gegen Durchstiche mit Eisenstangen gerüstet. ist die Sache klar: Die Anrüchigkeit des Produkts werde medial geschürt. Vielleicht ist es der Polizei unangenehm. Athen. Was wir hier in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben. Zeitungsberichte auf den Tisch. Sie sollen Brände löschen und Leben retten. schulen die Beamten auf weitläufigen Testgeländen. neben dem Fahrer. beweist Schweden. wenn sie den Auslöser nicht drücken müssen. dass jenes kleine. »Werfen« heiße das. die Randale machen. Schweden und Deutschland auf. dem in die Jahre gekom- menen WaWe 9000 des deutschen Mitbewerbers Ziegler. Die Aufgabe von Wasserwerfern beschränke sich längst nicht mehr auf das »Studentenwaschmaschinentum«. In der Umgebung von Neapel fanden wir einen Familienbetrieb. Wir durchstreiften Olivenplantagen. Alljährlich wüten im Schanzenviertel von Hamburg wilde Straßenschlachten. Also machte ich mich eines Tages mit meiner Frau Donatella. 408 PS stark. zeigte der Tacho 60 100 Kilometer. eingeflossen. Bleibt zu hoffen. Das sind einfach Abfallprodukte aus dem Löschfahrzeugbau. dass die Menschen für Musikkonserven kein Geld mehr ausgeben. zum Nachdenken. Käse und fanden die dazugehörigen Rinder: braune Kühe. Um im leeren Zustand durch das Tor in die Rossauer Kaserne zu passen. 27 Jahre lang führte ich einen Musikvertrieb und verkaufte sehr viel von den alten. Auch im Alltag. Es komme immer darauf an. Leonding bei Linz. sagt Kommissar Martin Lundin von der schwedischen Bundespolizei: »Der Effekt bei einem motivierten Gegner ist begrenzt. schrottreife Relikt noch im April 2002. Er ist der dickste Brummer im Arsenal der deutschen Polizei – ein Qualitätsprodukt aus Österreich VON STEFAN MÜLLER Vulkanische Aprikosen Ein Neapolitaner in Wien: Paolo Cancro. betont Rüdiger Spahr. Löschaufgaben würden wichtiger. weil die Hälfte seiner Bestandteile aus Deutschland stamme und die Wartung im Ausland zu aufwendig wäre. als Waffe gilt. die Kabine hält dem Aufprall einer Betonplatte aus dem dritten Stock stand.

weil er ihm nicht mehr opportun war. Freiheit bei der Realisierung einräumten. In diesem Jahr war es wieder so weit.com Bleibt nachzutragen. dort wo im Ständestaatregime der 1.denn ein Gedenktag in NaziMoll sei. las er vom Zettel ab – womit Opfer und Täter auf eine Stufe gestellt. die junge Regisseurin auch im Stück selbst mit einer Hauptrolle zu bedienen. Man würde darstellerischem mitteln. befinde sich an diesem Tag der Vorhof zu »Wallhalls prangender Burg« (so singt Brünnhilde in Götterdämmerung) am Äußeren Burgtor. Eine fabelhafte Ensembleleistung vor einem klar konturierten Bühnenbild. Mörder und Ermordete in ein gemeinsames freiheitliches Massengrab geworfen wurden. und aus diesem Anlass erfasst die rückläufige Gruppierung der schlagenden Burschenschafter wagnerianisches Wehmutspathos. Wer nun den Griechen Geld leiht. die Prägnanz und Aussagekraft dieser Aufführung zu wiederholen. die sich wieder in den Kommandostrukturen der Freiheitlichen eingenistet haben. der fortan als »Verräter« galt. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. wie schon 2004. Griechenland. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland.14 12. stellt sich das Stück als die das Leben. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. und das Gros der Wählerschaft gibt auf den völkischen Bombast keinen Pfifferling. um seine Bewegungsfreiheit nicht zu gefährden. Doch der Unterstützung dieser Gruppe verdankte es Strache. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. 3.geschmäcklerischen Änderungen hinreißen ließe.müssen.« A s gehört zum guten Ton der. Einige Hundertschaften der Polizei waren ausgerückt.geschuldeten Unsinnlichkeit: Was Großartiges in kum ausbreitete. bunt kostümiert und mit lohendem Fackellicht. die 66 Jahre zurückliegt. Es wird schwer werden. Allein. vermutet sie. wenn sern? Kaum. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. Athen vorweg. wertfrei formuliert. Im nationalen Lager steht er jetzt unter Beobachtung VON JOACHIM RIEDL Die Kassandras haben recht behalten: Geld. anbringen zu müssen glaubte: Man gedenke hier gleichermaßen aller Toten des Weltkrieges. NOLL D Wie sollte denn. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Hoffnung stirbt zuletzt JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. hätte wohl sensible Nationalgefühle verletzen können. sondern die Schlamperei der Polizei. Wer hier glaubt. In manchen Jahren jedoch eskaliert der morbide Spuk zu einem Politikum. Die Heldenopabeschwörung wurde niedergejohlt und niedergetrillert. um sich selber zu retten Gespensterstunde FPÖ-Chef Strache verweigerte den Totengedenkdienst. zumal wir nicht hoffen dürfen. Kernmaterial und radioaktiven Stoffen. Im nationalen Lager dürfte Strache nun unter Beobachtung stehen. So wie der Herzog niemals nach Hornberg kam. gender strafbarer Handlungen. das lässt sich nur auf der BühDer Autor hatte seine Spielvorlage unter dem ne zum Ausdruck bringen.und bis zur physischen Erschöpfung durchhielt. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. um eine bunte und lautstarke Protestallianz auf Distanz zu halten. wenn man sich zu zeitgeistigmitteln ausgerichtet ist.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. Mai schwarzumflort in die Welt zu blicken. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. grollte kryptisch auf seiner Heimatseite im weltweiten Netz über eine »politisch-moralisch-ideologische Bankrotterklärung«.und Kulturgemeinschaft« beinhalten wird. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private Foto: Mathias Bothor/photoselection E Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Aber derartige Darstellungen leiden an Unstrafrechtlicher Substanz und der Länge und anschaulichkeit und einer dem analytischen Zugang Breite. der Schlep. was sie erst recht nicht könnten. dass das ausschließlich durch Bundessubventionen in Höhe von knapp sechs Millionen Euro ermöglichte Spiel eine Wiederholung erfahren wird. forensische Unverhältnismäßigkeit und legistische Paranoia. In den vergangenen Jahren hatte er die deutschnationale Andachtsstunde gemieden. In der gerade zu Ende gegangen Aufführung des Landesgerichts Wiener Neustadt hatte man das Hornberger Schießen auf den Spielplan gesetzt. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. der Europaabgeordnete Andreas Mölzer. wäre nicht die Handlung in die Gegenwart versetzt und in skandalträchtiger Weise durch eine geschickte Abänderung der ursprünglich handelnden Personen neu belebt worden. Deren Sprachrohr. Sonja Arleth vermittelte während einiger Monate überaus nachvollziehbar das Bild einer überforderten Richterin. diesem Stoff steckt. die auf die Stadt zukamen. die Freiheit oder das Möglichkeit einer grenzenlos schöpfeVermögen bedrohen. Am vergangenen Sonntag wurde der freiheitliche Parteiobmann Heinz-Christian Strache. der Stargast. Lampenfieber vor der stimmgewaltigen Publikumskulisse? Das Kalkül. von dem sich heute das Trauerkorps natürlich in seinen Lippenbekenntnissen distanziert. Athen nimmt Dampf weg. um der Toten eines noch schlimmeren Blutbades zu gedenken. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Nicht Kanonen ließ man donnern. Will man der strafbarer Handlungen im Bereich der se. Der Remeduren sind nur drei: 1. Es wird zum europäischen Sozialfall. Diesmal wollte er. die es zu vermeiden gelte. Was wir heute über § Titel § 278a StGB in dürre Worte gekleidet: 278a StGB wissen. Selten noch haben sich Laiendarsteller derart gut in Szene gesetzt. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. die man dem Stück in überkommener Darstellung nicht abzugewinnen können glaubte. Der Verweis darauf. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. der mit Salut empfangen werden sollte. Wie ein Raubtierkäfig war die Totengedenkstätte eingegittert worden. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. vom Ordurch schöpferische Eigensinnigkeit auszeichne. bis die Kohle ausging. wie eine um die Rechtfertigung jedes einzelnen Subventionscents ringende Staatsanwaltschaft ausschließlich um des ersehnten Publikumserfolges willen an Unvertretbarem fest.Einfluß auf Politik oder Wirtschaft anstrebt . wer die Sache leitet. die körperliche die Grundvoraussetzung für die Unversehrtheit.sich das kostbare Gut kreativer Bühnenbearbeitung xuellen Ausbeutung von Menschen. VON ALFRED J. Gehaltvollen Stoff vorausgesetzt.ohne Politikunion geht nicht. erfordert ein Großaufgebot der Polizei und lähmt den Verkehr in der Innenstadt von Wien – vor allem immer dann. Welch unternehmensähnliche Verbindung Potenzial in den wenigen Zeilen ENOSS TG einer größeren Zahl von Persteckt. kann nicht sparen.bewahren. Foto: Georg Hochmuth/APA/picturedesk. alljährlich am 8.. dass sich das Haus entschlossen hatte. Natürlich verprellte der Gedenkdienstverweigerer dadurch die nationalen Politkommissare. das einst der Nationalsozialismus verschuldet hatte. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. sollte es besser im Kasino verjuxen. indem das künftige Parteiprogramm demnächst neuerlich ein Bekenntnis zur »deutschen Volks. erneut eine »Totenrede« zum Besten geben. ein Mitglied des Wiener Gemeinderats. Jetzt soll das prekäre Vertrauensverhältnis wieder gestärkt werden. so musste das Publikum schon cherung in großem Umfang oder erheblichen bei der Lektüre der Ankündigung fragen. ruft Demonstrationen auf den Plan. es findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. vermag eine kluge Führung des Ensembles Einsichten zu vermitteln. 2. der nähme dem plante Begehung schwerwieStück das Wesentliche – just so. Der Bruchpunkt ist jetzt. Fazit: Wer den Griechen hilft. um dann mit einer besonderen Volte zu glänzen: Der Freispruch für alle Angeklagten kam ihr derart unvermittelt und die seit Monaten in der Luft liegende Schelte für die Ermittlungsbeamten derart leichtgängig über die Lippen. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. wenn Ehre weiterhin Treue heißen solle. die der Regie daher Anweisungen.und Ausgabenpolitik – fahren. In Abwesenheit Straches geriet die Gespensterstunde zur blamablen Farce. mit welchem Effekt sich die Personen in Szene setzen konnten: Gewiss war es eine besondere Note der Inszenierung. Und am Ende der auf über 14 Monate ausgedehnten Aufführung waren es nicht die Postkutsche und auch keine Rindviecher. die dadurch eine Berei. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Einerlei. wenn sich einige prominente Figuren aus der Freiheitlichen Partei allzu vorlaut unter die akademischen Narbengesichter mischen. die. schon allein. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland.. die sich zwar sich mühelos von Mafia bis bin Laden.Grenzen setzen. und gar noch nie auf einer heimischen Bühne durfte man erleben. Die allenthalben bekannte Episode hätte vermutlich niemanden in den Saal gelockt. haben so lange so heftig geheizt. Erwartungsgemäß hatte die gesamte Regierung angesichts des Spuks ihren Kopf in den Sand gesteckt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. Und blähen sich weiter auf. Der dramaturgische Kniff der Aufführung lag gewiss in der mutigen Verbindung einer auf den ersten Blick lachhaften Anklage gegen wild zusammengefangene Tierschützer mit der schier unendlich anmutenden Dauer der Aufführung. Meist kümmert das anachronistische Ritual nur wenige. so erschien auch der Rechtsstaat niemals in Wiener Neustadt. Falschgeld oder Sucht. Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien und Mitglied im Ausschuss der Wiener Rechtsanwaltskammer A N . wie das bei anderen Anlässen heißt. am Burgtor erwartet. Schließlich wird man diese Leute höchstwahrscheinlich künftig noch für Koalitionsverhandlungen benötigt. ner solchen Verbindung als Lässt sich das Stück verbesMitglied beteiligt. zog es vor zu kneifen.« Was ließe sich daraus nicht alles machen – ner derart mittelmäßigen Anklage eine auf Unterhaltung und Erbauung zielende Aufführung und was hat man daraus in Wiener Neustadt gelingen? Diese Zweifel müssen auch den Autor nicht alles gemacht! Jedes Wort des gewieften befallen haben. wie es ist. dorthin pilgern sie. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. Dadurch ging im Lärm aus der antifaschistischen Fankurve der letzte Affront unter. oder schwerwiegenrischen Interpretationsfreiheit dar. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Geschick Gewalt antun und ihm unerträgliche gefährlichen Abfällen. den Akteuren aber eine schier unendliche nerhaltung reichen. In Wien. auf durch Präzisierung optimieren die wiederkehrende und gezu können. Das Spiel vom wankenden Paragrafen Nachtrag zu einer Groteske: Kritik einer Aufführung am Justiztheater von Wiener Neustadt as moderne Regietheater ist vielfältigen Anfeindungen ausgesetzt – oft zu Unrecht. sondern die Geschütze der Staatsanwaltschaft. der den Rest des Jahres lieber Discoprinz spielt. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Europa wird zuschießen und stunden müssen. als er das Stück erdachte – er gab Werkes löst assoziative Verbindungen aus. die Koalitionstauglichkeit nicht zu gefährden? Immerhin scharrt seine Partei derzeit an der Schwelle zur Regierungsbeteiligung. wie es ist.ganhandel oder Waffenschmuggel bis zur Hühten. dass er sich seinerzeit im innerparteilichen Machtkampf gegen Jörg Haider durchsetzen konnte. Es ist der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. hilft seinen Banken. deutschnational gesinnten Kreise in Österreich. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. mit ei. derweil EU. Es schien an der Zeit. von 325 auf 340 Milliarden Euro. dann wird man das Stück so nehmen perei oder des unerlaubten Verkehrs mit Kampf. Es kommt eben darauf an. das wissen wir durch die Auf»Wer eine auf längere Zeit angelegte führung von Wiener Neustadt. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. auf italienischem Lega-Nord-Territorium fand Strache vorübergehend Exil. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). Haider hatte seinen Recken einst den antiquierten Kampfbegriff aus dem teutonischen Credo kurzerhand gestrichen. Kaum je hat auf österreichischen Bühnen eine Protagonistin die Grenzen verbeamteter Wankelmütigkeit derart plastisch werden lassen. vor dem harten Kern der Partei wieder einmal Gesinnung in Habtachtstellung zu zeigen. Vergeblich warteten die Totengedenker auf ihren Stargast Strache Zwar repräsentiert der deutschnationale Flügel nur eine Minderheit im Wählerreservoir. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. auch nicht ausschließlich. Gleichviel. in die man dieses Nullum vor dem Publi. dass großes Lob gerechtfertigt scheint. sondern es wurde die Ankunft des Rechtsstaats in Aussicht gestellt. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Republik ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Habsburgermonarchie im vorangegangen Weltkrieg errichtet worden war. Der Es gibt kritische Erörterungen des Stoffes sonder Witz der Komödie lag im Missverhältnis von Zahl. den der Ersatzredner Wolfgang Jung. Erwartet wurde diesmal nicht der Herzog von Württemberg. das lässt die Darbietung aber E R sonen gründet oder sich an eierst schemenhaft erahnen. dass der Jahrestag der endgültigen Befreiung vom NS-Regime doch eher ein fröhlicher Feier.

de 20 2 0 AUSGABE: . die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Doch das heißt nicht. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. ZEIT-Stellenmarkt: www. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. die Griechen überlegten. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Jonas Unger.de. Nein. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. beschlossen hat. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. auch nicht beim haircut. zeichnet sich schon ab. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. Der Rettungsfonds will weiter retten. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. die im Englischen haircut heißt. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt.und Bahnhofsschützern. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. so desaströs seine Folgen wären. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. Aber die Diagnose ist unvollständig. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Geburten hinfällig. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. sich die Zukunft vorzustellen Magazin. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 .de/audio www. wer der bessere Europäer ist. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie.u.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa.de Abonnement Österreich. der nicht aufgepasst hatte. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. Das klingt weit unattraktiver als das. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. sondern echtes Geld kosten werden. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. was kommt. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. um Griechenland aus der Krise zu helfen. ist auch eine hässliche Sache. Wer wollte sie den Iren abschlagen. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. dass es ohne Europa nicht geht. In Interviews sprach er davon. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. wenn Europa weiter zahlt. Europa sollte die Umschuldung wagen. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht.): Pfeiffer/ullstein.de. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern.n. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Auch das käme alle teuer zu stehen. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. man macht sich unbeliebt. positionieren sich als die guten Europäer. Die Entscheidung Kretschmanns. der sich tief gedemütigt fühlen muss. Schweiz. Die entscheidende Frage ist aber nicht. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. die zweite Volkspartei. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. GRN.0. ebenso wie die Deutschen und andere. Wellen am sardischen Strand. Und: Philipp Rösler versucht. Klar ist einzig. Was dagegen geschieht. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. deshalb unser aller Geld retten musste. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. was gemeinhin eine Volkspartei ist. Leserbriefe@zeit. Käme es jetzt zum griechischen haircut. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. Vergessen. ist schlicht ein Skandal. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten WISSEN SEITE 37–40 Der alte Mann und das Drama der FDP Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Diejenigen. in das so viel Geld fließt. die sie früher nie gewählt hätten. die andere Möglichkeit.jobs. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. als gäbe es kein Morgen – und der Staat.o. nun gelte es. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. Schuldzuweisungen und Dementis. Es kostet nur wieder Milliarden. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. bleibt auch eine. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. »Retten« ist ein hübsches Wort. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. Nicht mehr bezahlen. also einen Tag zu überspringen. Gleichwohl verlangen die EU. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Politik S.zeit. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. bestrebt. dass die Griechen mit dem ersten. weil dies ein überholter Begriff sei.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. Das ist umso generöser. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. wohl aber die Stimmung. Sooft dieser Tage in Ministerien. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. was sie auch kostet. KG.zeit. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. das zu werden. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. wenn Europa immer weiterzahlt.PREIS SCHWEIZ 7. J A H RG A N G www. Irland. die EU dabei mitregieren. Kleine Augenblicke. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte.zeit. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten.zeit. was auf lange Sicht besser für Europa ist.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. die SPD. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. würden Schulden nicht getilgt. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. »Umschulden«. will das offizielle Europa Ruhe. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Die Frage ist vielmehr. Die Griechen. kleine Fotos (v. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können.zeit. sondern auch an zu viel. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Viel Geld. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. 7 D Europa will sich Ruhe kaufen. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. und trotzdem beschimpft Europa uns. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. E-Mail: DieZeit@zeit. dessen Datum anzunehmen. 20080 Hamburg. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Auf ewig: Frisch Aufführen! Warum er jetzt auf die Bühne muss Raus aus der Klause! Der Schriftsteller als Redner Politik Seite 12/13 Jüngster Hundertjähriger Feuilleton Seite 52/53 Wandern im Holozän Reisen Seite 63 Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. im Land. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt.

Die literarische Rede war für Frisch die öffentliche Anzettelung eines Gesprächs. eine halbe Stunde. die Frage nach Parteitages in Hamburg geäußert. als sich bloß als nützlich zu erweisen. dass wichtige Köpfe in Zürich blieben und dass dort international beachtete Uraufführungen stattfanden.« Wenn der Schriftsteller zum Redner wird. Doch das war es! Mehr kam zum Festjahr nicht vom Schauspielhaus Zürich. das ist auch Ihre Haltung. das Schauspielhaus böte das. Darum geht es Schriftstellern aber selten. einem Album mit Fotografien von Günter Grass ich weiß.auch als Pressemitteilung der SPD verschicktes tagen der schweizerischen und der deutschen Schreiben des damaligen Parteivorsitzenden und Sozialdemokratie auf. In dieser Eröffnung zeigt sich ein wesentliches der Vorstellung. war Günter Grass. jedenfalls keine routinierte Gedenkveranstaltung. Anders ist es nicht zu erklären. was zählen. vor lauter Leuten mit toten und maskenhaften Gesichtern. Mai 2011 ergänzen kann. war Frisch mehr als bewusst. muss er es verstehen. überholt weil es parabelhaftpädagogisch und moralinsauer sein soll. sondern ein Roman von ihm einstudiert wurde. Angst als des Bürgers erste Pflicht. keine plakativen Forderungen oder mora. welche Attraktion sich seine Heimbühne überlegen würde. So ambitioniert. sondern Szene: zwischen einem Mann.?« Soll er wirklich? Auf die Gefahr hin. Kann lischen Anklagen zu erheben. wie sehr man es seitens der PoliKosten der Demokratie bereit war (eine Problema. die nichts an Bedeutung verloren hat). sich bloß von seiner sonntäglichen Seite zu zeigen. weil er sich ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. wenn er zum Redner wird? Er kann zum Festredner werden.dieser Frischs Fragen eine nach der anderen durchge Assistenz der Intellektuellen eine geschicht. sämtliche Inszenierungen wären hoch riskant. Ich fürchte. wie gegenwärtig Frischs Einfälle noch sind. an der Frisch als Jürgen Habermas und andere) wirkungsmächtigste Redner.steller offen bleiben? Das ist zuhause.geht: die Frage nach der ethischen Legitimation liche Chance hat«. den Beitrag der Intellektuellen in ihre In dieser höchst aufgeladenen Stimmung.« Dass von ihm als Preisträger eine »nützliche« Rede erwartet würde. Meist hat Frisch Reden gehalten. gegen den amtierenden Kanzler Ludwig Erhard antrat und trotz der Unterstützung von Grass die Wahl verlieren sollte. die wir nicht Ambition und politischer Mission. die ich mir wünschte . nächst einmal seine Solidarität Frisch war es ernst. zumindest der sozialdemokratischen Politik. die in der Paulskirche zu halten ist. Schon Tagesgeschäft eingestiegen. vor den ver. unter den aufgeben. dazu geplaudert: Alle Achtung! oder aber: Schon wieder eine Grass-Show?« Frisch hat von den Wahlkampfauftritten des Schriftstellerkollegen aber nicht nur gelesen. sich gemessen die damals an der Macht war: 100 Jahre alt geworden hat. Frisch blättert in es heißt: zur Rettung der Demokratie) – das alles. zweitens. in dem nicht denken konnte. öffentliche Zwiesprache mit sich selbst einzubeziehen versucht. Günter Grass. muss er sein Metier also grundsätzlich wechseln: weg vom geschriebenen und hin zum gesprochenen Wort. ob dies tatsächlich zu seinen Aufgaben gehört.« Welche Zuhörerschaft er sich stattdessen gewünscht hätte. ich bewundere. nicht als Gesang über Wassern. Insgeheim hoffte ich. und einer Zuhörer- Foto (Ausschnitt): Isolde Ohlbaum/www. Mit diesen Worten hat er sich eines Rechtsstaats. aber sie fordert. später aber vor allem das Schauspielhaus von Frisch. was Max Frisch sich zum Geburtstag gewünscht hätte: ein Wagnis. stellte als Auszeichnung empfand. wie er mit Dürrenmatt die Pfauenbühne nach dem Krieg immer wieder aus ihrer Lethargie und Selbstzufriedenheit riss und dazu beitrug. wie Sie Klassikern die Schwere austreiben. Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist die Bundestagswahl von 1965. sondern öffentlich einer als Wahlkämpfer eindeutig sein. war für Frisch der so scheint es im Augenblick. sehr geehrte Barbara Frey.« lichen Fragens. was Schmidt. also Dankes-. Diese unsere Hoffnung. dem Text den Lebenssaft zu nehmen. Goetze ging wie eine Dracula-Tochter vor. dem das Zürcher Schauspielhaus am meisten verdankt: Max Frisch. junge Grass. Ja. seine Offenheit einzubüßen und sich vor einen Karren spannen zu lassen? Der Abbruch des Fragesatzes zeugt von der Selbstverständlichkeit dieser Erwartung an den Schriftsteller ebenso wie von der Unschlüssigkeit Frischs darüber. (Heinrich Böll. Sein Titel: Grass als Redner. wie es sein Geschäft ist. Doch diese Risikofreude erwarte ich von Ihnen. ein Pfeife rauchendes Theaterfossil. und einem wie Max Frisch schon gar nicht. und zwar als Ereignis an einem Ort. das sich ebenso auf eine vorgän. und sein rismus« in Verdacht geratenen Wort hatte Gewicht.Noch der private Grass. um dem Dramatiker Max Frisch. aus der einsamen Schreibstube hinaus und auf die Bühne hinauf.12 12.ohlbaum. dass ich mir über den Stand meiner politischen Erwartungen klar werde. antizyklisch müsste Ihre Bühne sein. zum Schutze seiner Ordnung 1977 in einer Rede vor den Delegierten des SPD. vielleicht sogar eine Provokation. wenn sie nicht willens oder Nachgefechte des »Deutschen Herbstes«. alles Theatermögliche zu unternehmen. 1966–1971. Was also geschieht mit dem Schriftsteller. Diskussionsrunden in Ehren. der »Sozialdemokraten! Die Zukunft. und außerdem Lobreden (auf Alfred Andersch oder Peter Bichsel) und Totenreden W (auf Kurt Hirschfeld oder Peter Noll). ziger Jahren mehrfach als Redner auf den Partei. Schlimmer noch: Max Frisch scheint Ihnen peinlich zu sein. indem kein Stück. also inmitten der aus einer Partei wird. Im Text Grass als Redner schreibt er: »Rede ist nicht Hymnus. wie uns Experten gebetsmühlenhaft verkünden. Vielleicht würden Sie aber auch die Kritiker mit ihren vorgefassten Meinungen über den angeblich antiquierten Bühnen-Frisch Lügen strafen.und schildert in einer Serie von scharfen Beobachtungen und knappen Feststellungen. wie er im Nachhinein bekannte.steller usw. sollte eine nützliche sein. dann denke ich: Dieses Haus wäre zu einem anderen Einsatz verpflichtet.« er vor sich sieht – ob nun tatsächlich oder bloß in Erstens.tik. sondern eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Theaterwerk. wie es die Absicht verfolgt. Willy Brandt und Helmut Lebenswerte stiftet. wie zunächst Frisch vom Schauspielhaus profitierte. also vor mir selber antrete. Gegen sämtliche Stücke lässt sich vieles einwenden. Im zweiten Tagebuch. eigenständig. um mit mit allen als »Vorbeter des Terro100 Jahre Frisch Peter Bichsel zu reden. als SchriftFragen zu stellen. wäre der wohl Die Figur. nirgends. im November 1977. Grass gibt die Antwort mit seinem Beispiel. Wieso nicht Biografie: Ein Spiel? Wieso nicht Graf Öderland? Selbst Triptychon oder die wegen der Atomproblematik wieder erschreckend aktuelle Chinesische Mauer wären einen Versuch wert. Hingegen habe ich drei Fragen. ein Revival auf der Bühne zu gestatten. In Willy Brandts Stellungnahme kommt auch die Politik zu sehr weitgehenden Abwehrmaßnahmen gegen die Bedrohung der Demokratie auf zum Ausdruck. mit dem es so viel verband. und insbesondere als und sprach dann an die Adresse Autor der Schweiz der anwesenden Politprominenz. findet sich eine längere Pasdamit zu betreiben ist: Abbau der Demokratie (wie sage mit dem Titel »Album«. das Menschwerdung fördert und vor Herbert Wehner. sein Publikum in ein Gespräch zu verwickeln: indem er ihm nicht einfach Meinungen auftischt wie ein Politiker oder ihm einen Vortrag hält wie ein Akademiker. Freunde haben Grass auf Band von Lübeck nach Zürich gebracht. aber letztlich kann nur das Theater zeigen und prüfen. Alle Buchveröffentlichungen.kurz nach seiner Rede erhielt er ein ausführliches. ler. braucht Ihnen kein Hergereister zu er. sondern indem er das Publikum in die offene.stellers. wie was das Wort »nützlich« im Brief an Johnson genau besagen soll. Aber das Schauspielhaus hätte die verdammte Pflicht. und auch nur auf einer geschützten Nebenbühne. Stattdessen haben Sie sich für die voreilige Kapitulation entschieden. das Ihre Party stört. »Soll ein Schriftsteller usw. politischer Redner. muss einen Text beiziehen. Wenn ich mir vor Augen halte. Jedenfalls hat Frisch es in eine gewisse Spannung gebracht zu dem. Obwohl der Redner als Einziger spricht. und schließlich die Frage. Frisch hat aber nicht nur Festreden. als es ihn jetzt erbracht hat. zu halten in einem hochehrwürdigen sonntäglichen Rahmen. Als er sich 1976 auf seine Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vorbereitete. Ich dachte nach dem Stiller-Abend nur eines: Das kann es nicht gewesen sein. die in ihrer politischen Eindeutigkeit möglicherweise nicht seiner literarischen Offenheit entspricht. Wer wissen will. Ihre jüngste Inszenierung von Tschechows Platonow ist die perfekte Antwort auf die aktuelle Krisen.dem politischen Entwurf eines Zusammenlebens sammelten SPD-Granden der damaligen Zeit. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ OFFENER BRIEF »Verdammte Pflicht« Frisch-Biograf Julian Schütt wirft der Schauspielhaus-Chefin Mutlosigkeit vor Sehr geehrte Barbara Frey. schrieb er in einem Brief an Uwe Johnson: »Die Rede. der etwas zu sagen hat? Der ein Anliegen verfolgt und Stellung bezieht? Worin unterscheidet er sich dann noch von einem Politiker? Und inwiefern ist seine Rede noch ein literarischer Text? Das sind mit Blick auf Max Frisch keine rhetorischen Fragen. Festvorträge. Selbst dann hat er sich aber nicht darauf beschränkt.? Seine Antwort: sein Beispiel.?« as geschieht mit einem Schriftsteller. geInbegriff eines redenden Schrifthört der Angst und nicht der Hoffnung auf Mehr. zuerst einmal vor sich selber antreten – will er mehr tun. Zu Beginn seines Feuilletons zeigt sich Frisch nicht ohne Skepsis. Entschuldigen Sie meine Deutlichkeit: Sie handeln Frischs Geburtstag wie eine Strafaufgabe ab. Grass. Ich verlange von Ihnen keinen inszenierten Kniefall vor dem toten Jubilar. Ich wünsche Ihnen und dem Schauspielhaus trotzdem alles Gute. was das politische Engagement von Grass betrifft: »Günter Grass als Wanderredner zur Bundestagswahl – auch in der Ferne hat man reichlich davon gelesen. bekundete zuschen Belange einmischte. gilt zur Zeit als Verharmlosung des Terrorismus. drittens.notfalls Menschenleben zu opfern. tik. wie diese Antwort lautet. dass Ihr Haus vergangenes Jahr dem Stückeschreiber Frisch eine Abfuhr erteilte. Sie hätten nur gewinnen können. fähig ist. Keine Lust oder Fantasie. Es ist eine Technik des öffent. muss der Schriftsteller. Ihr Julian Schütt CH »Soll ein Schriftsteller usw. dass »Politik ohne die lästi. Vielleicht würden Sie kolossal scheitern. sondern er hat sie – und das ist für ihn das Entscheidende – auch gehört. der Menschen. So trat er in den sieb. zu Hause beim Vorlesen. Einer der Einträge lautet: »Soll ein SchriftMoment der Rhetorik von Max Frisch: die Technik. wenn sie Reden halten. der ihm »ziemlich widerwärtig« war. Und das macht mich wütend. Er tat dies. der vierzig Minuten lang das Wort hat. weil er geehrt wurde und sich mit einer Rede dafür bedanken musste. seine Rede samt Echo im Saal: »Das ist wichtig: Reden muss man hören. den Frisch 1965 in der ZEIT veröffentlicht hat. bleibt ebenso unklar. Chapeau! Nur zu einem Klassiker fällt Ihnen leider bedenklich wenig ein. evoziert die Frage nach dem öffentlichen Grass mit der Rede gleich Vorschläge für die Antworten – und damit auch die allgemeine Frage nach dem öffentlichen Schriftsteller: nach dem Schriftstelzu unterbreiten. in der pragmatische Arbeit einzubinden. er liest vor.de . spielt keine Rolle. Eröffnungs. wenn er zu einem Redner wird.. das einst in aller Welt gespielt wurde und heute. die es darauf abgesehen hatte. Wie mancher Frisch-Fan war ich ganz besonders gespannt.und Geburtstagsreden gehalten. sondern er Frischs rhetorische Fragetechnik im Angesicht ist auch immer wieder als Redner ins politische der Macht hat ihre Wirkung nicht verfehlt. weg vom Monolog und hin zum Dialog. wenn Frisch sich in die eigenen herrschaftspolitisich Frisch hin. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. Die Regisseurin Heike M. gige Analyse stützt.und Selbstabschaffungsstimmung im Theaterbetrieb. wie man Schriftstellern und Intellektuellen Am 15. Und es müssten nicht unbedingt die Schulstoffstücke Biedermann und die Brandstifter oder Andorra zur Aufführung gelangen. Was Einträgen von 1970. nämlich Stiller. was er für die Pflicht des Schriftstellers bei solchen Anlässen hielt: Bevor er vor sein Publikum tritt. der den Spagat schafft zwischen literarischer Demokratie. Dessen hundertster Geburtstag wird derzeit überall gefeiert. der seinem Publikum einen schön geflochtenen Wörterstrauß überreicht. Dann hätten Sie es aber probiert und müssten sich nicht von einem in Ihren Augen wohl hoffnungslos bildungsbürgerlichen Reaktionär wie mir Mutlosigkeit vorwerfen lassen. der sich hinstellt und eine Sache verficht. als Willy Brandt. und das ist ausgerechnet der Klassiker.. damals noch Regierender Bürgermeister zu Berlin.

diesem aber politisch nicht angehören will. die nicht seine eigene ist. Das zeigt sich in seinen Beobachtungen zu Grass so gut wie in seinen eigenen Reden. der Feierabend nicht ausreicht – gehört man zu dieser Art von Schriftstellern. weil er diesem Montag.« Der Bundesrat aber will nicht führen. Der bilaterale Weg führe zu will mit der ungewöhnlichen LoSouveränitätsverlust und sei »ein cation auf den unfertigen ChaHandling von Abhängigkeiten«. da Frisch weltweit erfolgreich war und eine breite gesellschaftliche Wirkung entfaltete. Vor 61 Jahren gab der französische Außenminister Robert Schuman das Volk fürchtet. Der Schriftsteller als Redner: Das meint den Schriftsteller. die sich »anständigerweise ja erst von einer gewissen Wirkung an« stellt. das der Schriftsteller macht. zu verspotten. Citoyen das Bild von Max Frisch. Sommaruga muss. das sie genau hinhören. Sie bestellt Exper.die Sprachartistik. Und das wiederum heißt: Verantwortung ist eine Folge des Erfolges. Aber er hatte es ja schon in der Garderobe tut sie bereits unheimlich gut. um sie zu widerlegen oder zu bestätigen. etwas kokett: »Wieso dies eine Ehre sein soll.Kamel. es handle sich um ein Gespräch und die Rede antworte spontan auf die Gedanken und Gefühle im Saal. als heute kolportiert wird.) Frisch bei der Dankesrede zum Friedenspreis 1976 in der Frankfurter Paulskirche – vor lauter Leuten. Reden halten. Frisch tut dies weniger..« Und in 30 Minuten eröffnet Michael Dossier handelt. rednerin ein. der sich engagiert und einmischt. Man biete für die nicht – Kraft ihres Amtes dem »Generation 50+ gemischtes Optimismus verschrieben.. sogar zum Irrtum verstiegen habe. später im Gespräch als »eine weitere Einübung in Es sind Sätze wie »Ein Schweizer ist nie dagegen. die ich mir wünschte. Die – aber irgendwie passt er zum Gemischtes Wohnen: Verhältnis zwischen der Schweiz Botschafter Reiterer und Sozialdemokratin hat ihr Herz wieder einmal der Vernunft und und Europa.. sich »einzumischen«. sondern die von ihm vor allem erwartet. Auch wenn Frisch zum Inbegriff des Schriftstellers geworden ist. dass er es ihr tatsächlich auch sagt. Kontakt ist nicht Einverständnis. dass wir sie angesprochen haben!« Weniger beglückt als verdutzt sieht sich Frisch einer Forderung gegenüber. rückläufig sozusagen. wie Frisch es vorschwebte und Grass es vormachte. Sie vertritt ein Land.. man soll sich zeigen. Sie sitzt aus. Das ist nicht nur unangebracht gegenüber den heutigen Schriftstellergenerationen. so ist man weniger beglückt als verdutzt. sagt Massimo Rocchi in seiner behelfs. Aber auch Bundesrätin. sondern mich.?« Ja. die vom Schriftsteller nicht bloß erwartet. Simonetta Sommaruga. das sich kultu. Nun. es ist mehr: »Man hebt das Schweigen. Kaum je ist Frisch als historische Figur in der Gegenwart so präsent (von Gedenkjahren und Aufregungen um den Nachlass einmal abgesehen). in der Öffentlichkeit zu sein gelingt auch jedem Rennfahrer und jedem Minister. um zu schreiben.H. der er auf suggestive Weise Meinungen unterstellt. die das leichte Glück haben. So rächt sich die Öffentlichkeit dafür. Und noch mehr: plötzlich soll man etwas zu sagen haben. Das nennt man in der Schweiz tenberichte. raus leitet die offizielle Schweiz eine Haltung ab. die in einem völlig anderen diskursiven – politischen. Um den abgebrochenen Fragesatz aus dem zweiten Tagebuch wieder aufzunehmen: »Soll ein Schriftsteller usw. dazu. Widerspruch einzulegen im Namen des Lebendigen. im Sinne einer Selbstvergewisserung im Spiegel des veröffentlichten Ich. sobald es darum geht.« Bedürfnis nach Kommunikation: Das ist eine andere Formulierung für das Gesprächsangebot.Rocchi. das sie er rettet sich angesichts des heiklen Themas in »meinen Blaumann« nennt. sondern sie ist eine Einladung an die Waghalsigen unter der Zuhörerschaft. Er darf alles sagen. ohne sie aber letztlich zu seinem Schreibimpetus zu erklären. mentalitären und so weiter – Umfeld zu agieren haben als Max Frisch. Der Statthalter der EU in der Schweiz ohne die Nachteile klar und deutlich zu benennen.« Es muss für den redenden Schriftsteller also darum gehen. zu ermutigen.kein Zweiter in diesem Land.« (links) »Sozialdemokraten!«: Frisch mit Helmut Schmidt auf dem SPD-Parteitag 1977 (rechts) Max Frisch gilt als Ikone des Schriftstellers. wenn man die Folgen sieht: – man soll. Und einen Bauarbeiterhelm mit auf den Die Regierung duckt sich weg. der neuen Europäischen Gemeinschaft einen Deshalb versucht sie es auf der Baustelle auf ihre Satz mit auf den Weg: »L’Europe ne se fera pas Weise – auch wenn es sich nicht um ihr ureigenes d’un coup. Statt den Weg zu gehen. Wie alles an diesem Bundesrätin Sommaruga der Position untergeordnet. © Adrian Moser (kl. so müsste ich sagen. der seine Schreibklause verlässt und auf die Agora hinaustritt. wie der Redende. gab es Auberginenröllchen. das man aber bitte nicht so schon lange existieren. zersetzend zu sein mit den eigenen Mitteln.« Gesellschaftliche Verantwortung als rückläufiger Irrtum: Das passt nicht gerade ins Bild von Max Frisch. das öffentliche. die aufs Dilemma hindeuten. man klar ansprechen. Abend. Kontakt entsteht aus der suggestiven Fiktion. patag«. weder Anklage noch Plädoyer. um Wirkung nach außen zu erzielen als vielmehr nach innen. Juncker mal so beschrieben hat: »Wer den Wäh»Was soll ich nur von der Schweiz und Europa lern immer nur nachläuft. wenn er es so kann. Sie Wohnen« an. Die Rede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von 1958.« Für sich selbst reklamiert Frisch einen ganz anderen Antrieb. der wird den Menerzählen? Mamma mia! Es ist alles so verdammt schen nie ins Gesicht sehen. Mai 2011.« Andere mit dem Anspruch: »Um die Welt zu verändern. Das ist klar. endlich. sondern den Beruf des Schriftstellers ausüben. dass ich überhaupt aus solcher Verantwortung heraus schreibe . Insbesondere in der Schweiz ist Frisch zur Ikone dieses Schriftstellertypus erstarrt – mit der Folge. Deshalb muss man ruhig!«. um seine Spitzen zu bemerken. seinen Text zu veröffentlichen? Ist es die Eitelkeit.die Vorteile des bilateralen Weges gepriesen. nämlich mit den Mitteln der Sprache. Denn sie tut hier etwas. Sie sagt. Daraus aber kann umgekehrt eine gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers erwachsen. Es ist halb sechs Uhr an mene Mehrheitsmeinung nachplappern. Das wird verlangt. 9. ist in ein Kleid gehüllt. er soll – aber eigentlich nur. Ein Euphemismus erntet dankbaren Applaus. auf im Bedürfnis nach Kommunikation. einen gelungenen Abend. in der Öffentlichkeit zu stehen? Dazu Frisch. wie sie sagt. dass Frisch selbst diese Rolle weit weniger enthusiastisch annahm. wie wenn sich wieder das öffentliche Bedürfnis nach dichterischen Verlautbarungen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen regt. der einfach schreibt. seine erste ganz große Rede vor großem Publikum. sondern es blendet auch aus. Dass diese baut. eine Metapher für die Eidgenossenschaft sehen. meine neue Aufgabe« bezeichnen wird. und genau darin unterschied er sich als Künstler vom Politiker. Da. dass er etwas zu sagen hat. um sich gesellschaftliches Gehör zu verschaffen – und der im Idealfall auch gehört wird. die er freilich beherrscht wie isch Anpackendes. Die Magistratin ist ein biss. für eigene Gedanken und Gefühle haftbar zu werden.« Frisch bekennt sich zu einer dritten Fraktion: »Um zu schreiben!« Wer als Schriftsteller Geld verdienen oder die Welt verändern will. die Haupt. gibt er sich mit dieser Verantwortung noch auf eine eigenartige Weise unvertraut: »Spreche ich von mir selbst. sondern damit an die Öffentlichkeit zu gelangen. dass den Schreibenden hierzulande und heutzutage bei jeder Gelegenheit der Name Max Frisch als leuchtendes Vorbild vor die Nase gehalten wird. die den Kabarettisten schwitzen lassen. Und dennoch nahm Frisch diese Verantwortung an. zu einem Zeitpunkt also. Und dann kommt Massimo Fünf Minuten vor der Zeit trifft. zum Beispiel. Er sitzt im Max Frisch-Stiftungsrat und in der Jury für den Schweizer Buchpreis 2011 CH SCHWEIZERSPIEGEL Sommarugas Eiertanz Ein schweizerisch-europäischer Abend in Köniz VON PEER TEUWSEN Es sind nicht nur die Temperaturen im Baucon. Nur böswillige Menschen wollten darin rell und wirtschaftlich als Teil Europas versteht. Darchinger/Friedrich-Ebert-Stiftung. gegenüber allen Formeln einer in Angst und Misstrauen erstarrten Welt. Was aber bewegt einen Schriftsteller der dritten Fraktion. sonst entEin Altersheim wird hier gestünden »Tabus«. der sich einmischt: Er hat nur zögerlich und widerstrebend in diese Rolle gefunden. Frischs rhetorisches Ideal war keine Rhetorik der Manipulation. Das leuchtet jedem ein. Aber das aber auch nie dafür«. dass ich die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers nicht bloß angenommen. Wohl deshalb mimt er als Zugabe ein beschreiben. amtsfrische weil er es wie kein anderer sagen kann. Worin aber besteht die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers? Frisch hat es für sich selbst so definiert: Sie besteht darin.den der luxemburgische Premier Jean-Claude tainer. nicht nur zu schreiben. Der Autor ist Privatdozent für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und SNF-Förderprofessor an der Hochschule der Künste Bern.erklärend führen und nicht nur die angenommäßigen Garderobe. zersetzend gegenüber Phrasen. dass sie auch in Fällen von Gelingen keinerlei Berufung empfinden.SCHWEIZ 12. sondern eine Rhetorik der aufklärerischen Selbstbewusstwerdung. Öffentlichkeit als Partner. die man im besten Fall als »heimlifeiss« im Crevetten und Brötchen mit Europa-Fähnchen schlechtesten Fall als »feige« bezeichnen kann. die Offenheit seiner Rede auszuspielen: Die literarische Rede ist weder Predigt noch Statement. weil ihnen Schreiben noch eher gelingt als Leben und weil für diesen Versuch. man habe zu lange nur Reiterer auf einer Baustelle in Köniz den »Euro. beginnt er mit dem Bekenntnis: »Gehört man zu den Schriftstellern. sondern die der Öffentlichkeit – einer Öffentlichkeit. das kann sich daraus ergeben. Es ist nicht bloß naive Machlust. auch von den Medien stark beförderten Wahrnehmung beherrscht Max Frisch.Weg nach Hause. medialen. In der breiteren. dabei entstehen die Gedanken und Gefühle im Saal eben durch die Rede selbst. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren.die anderen waren einfach nur hingerissen. wenn er sich an die Öffentlichkeit wendet. . sagt sie nennen soll. Man muss schon chen nervös. »ein Paradox« geahnt. rakter seines Arbeitgebers hinDiese »Ambivalenzen« müsse weisen. bloß weil man Schriftsteller ist. Denn dieser war ein ästhetischer und kein pamphletischer. die sich ja auch hinter geschlossenen Türen austoben könnte. gegenüber Ideologien. Monsieur Vogelfrei. In seiner Rede Öffentlichkeit als Partner von 1958. Wie aber sah er selbst diese Rolle? VON THOMAS STRÄSSLE schaft. Es hat etwas europä. Citoyen. Das weiß auch Sommaruga. drauf. muss unbedingt an die Öffentlichkeit treten. bleibt rätselhaft. Écrivain. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 Foto (Ausschnitt): J. das Leben schreibend zu bestehen. Warum schreibt ein Schriftsteller? Einige Schriftsteller wehren sich mit der Behauptung: »Um Geld zu verdienen. umringt von dunklen Anzügen.

Damit traf der ehemalige Absolvent des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums im bernischen Langenthal den Nerv des Internet-Zeitalters. . Mal eruierte man die Nähe der Politiker zum Gewerbeverband. aber die Ängste der Bevölkerung seien ernst zu nehmen. Wenn ein Journalist keine Meinung hat. »Es kommt ohnehin anders. Am Apparat: Fernsehstationen. die Hetze gegen Minderheiten? »Unsere Gesellschaft erträgt solche Stimmen. seinem vor zwei Jahren verstorbenen Geschäftspartner und Freund. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Zeitungen. Es wird zum europäischen Sozialfall. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt.« Die Schweizer Politikjournalisten leiden an »Expertitis«. der die gerufenen Geister nicht mehr loswerde. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den Bushido-Song: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.« Doch der Politik-Vermesser ist mehr als ein erfolgreicher Geschäftsmann. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. ZEIT wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt.und Politszene nur wenige. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. fein säuberlich aufgeräumten Büro auf dem Irchel in Zürich. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). Eintracht schaffen statt Zwist säen. die langen Beine verschränkt. von 325 auf 340 Milliarden Euro. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. In den kommenden Jahren erlebte die Schweizer Politik einen Vermessungsboom. Eine gute Frage. Ein Schweizer. Sie ist robust und hat nicht nur eine dünne zivilisatorische Oberfläche. er wohnt mit seiner Partnerin im Zürcher Kreis 5. Etwa jenes der blockierten Regierung. welches Abstimmungsverhalten als links. »Mich stört selbst. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. klingelt das Telefon heiß. Einzig die linke WoZ mahnte vor den Eidgenössischen Wahlen 2007 zur Vorsicht: »Ist Michael Hermann ein schrecklicher Vereinfacher?«. Athen nimmt Dampf weg. Griechenland. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. . dass die SVP der Schweiz schade. wirkt ernst. nur weil man ihr ein Wachstum prognostiziert. als Auskunft zu geben. was sie erst recht Josef Joffe ist nicht könnten. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. mit einer entspannten Haltung zur SVP. Beobachter. schrieb Marcel Hänggi – notabene ein Wissenschaftsjournalist. sei gescheitert. derweil EU. Als ihn wenig später ein Journalist anrief. Chef-Erklärer der Schweizer Politlandschaft. Noch bevor der Drachmen-Druck angelaufen wäre. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Die Missionare hockten im Täufer-Land in den Kirchen.14 12. dessen Tischtuch das Konterfei von Barack Obama ziert. Selber war er 15 Jahre SP-Mitglied. Hermann will das Regierungssystem retten – zu den Details schweigt er. der an der Uni Zürich als Lehrbeauftragter arbeitet. Seine Erfindung die Verortung im »Spinnennetz« bedeutet. Hermann ist die personifizierte Mitte. Wer ist der Mann. Immer weniger leisten sich eine eigene Meinung. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. der beim ersten Kontakt mit der Rechten gleich konvertiere. Baudirektionen. 39-jähriger Sozialgeograf. Nun waren politische Positionen vergleichbar. Zu faszinierend war diese neue Einfachheit. Gegen eine Zersplitterung der Schweiz in Ghettos von Gleichgesinnten.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. kann nicht sparen. Die Spinnennetz-Grafik veranschaulicht das Profil eines Politikers – und des Wählers – in acht thematischen Dimensionen: von der außenpolitischen Öffnung. brachte er Ordnung in die komplizierten politischen Realitäten. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Die zwei jungen Geografen. Wer nun den Griechen Geld leiht. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Auch persönlich hat er keine Berührungsängste vor der wählerstärksten Partei des Landes. hier im schmucklosen. Die Welt lässt sich durch Daten nur illustrieren. die neoliberale Revolution. konservativ. weil er so ist wie sie. Wahrhaben wollten dies in der Medien. Beide waren Mitglieder in der SVP damals die Partei der Bauern. Und die Vergiftung des politischen Klimas. Welche Partei er wählt. Bankiervereinigung. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. er ist froh darum. nachdenklich. Sein Einfluss als Politexperte sei sowieso geringer als angenommen: »Die SVP wird nicht mehr oder weniger gewählt. Oder wenn ihn eine Gruppe CVP-Parlamentarier fragt. Doch niemand hinterfragte die Aussagekraft der Diagramme. um sich selber zu retten JOSEF JOFFE: N Die Kassandras haben recht behalten: Geld.und Ausgabenpolitik gehorcht. Für eine starke Zuwanderung. L’Hebdo. Der Bruchpunkt ist jetzt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Im Januar 2010 war er Gast an der SVP-Kadertagung im Hotel Bad Horn am Bodensee.ohne Politikunion geht nicht. Der Gescholtene reagierte cool. Im Gegenteil. wie jüngst in Baden-Württemberg oder im Kanton Zürich. Politgeograf Steuerwettbewerb. die polternde. der Dritte Weg von Blair und Schröder faszinierte ihn. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. weltoffen oder isolationistisch gilt – und was das für Landvermesser H. liberal. 517 namentliche Abstimmungen der großen Kammer hatten die beiden ausgewertet. Zusammen mit Heiri Leuthold. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. Also fragen sie andere – am liebsten Michael Hermann. Hermann war damals 28. Und blähen sich weiter auf. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Und Michael Hermann. die kompakte Linke. Interpharma. In seinen Texten irritiert Hermann sein linksliberales Milieu. aber im Parlament chancenlose SVP. Der Schlaks mit Hipster-Brille ist gesuchter als die Grandseigneurs der Branche. aber gegen einen entfesselten Foto: Martin Ruetschi/Keystone Foto: Mathias Bothor/photoselection »Wo bleibt Eure Überzeugung?« Michael Hermann. Spricht man ihn darauf an. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. hilft seinen Banken. sagt er: »Ich kann doch ein positives Bild einer Partei haben und trotzdem meinen eigenen Standpunkt beibehalten. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Etwa als Mitte Januar in der TV-Arena zum Berner Ständeratswahlkampf alle Kandidaten mit ihren Profilen »wedelten«. Hermann sagt: »Wenn ich für alle arbeite. Im Juni erscheint sein Buch über die Konkordanz. aber ihr Gesellschaftsprojekt. der wirtschaftlichen Liberalisierung über die restriktive Migrationspolitik zum Ausbau des Sozialstaats. Die Karte zeigte die exakte Position aller Nationalräte zwischen den drei Polen links. sie integriere die extremen Kräfte. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Begonnen hat alles im Oktober 1999. Er ist ihre Denkprothese. rechts. Er behält den kühlen Blick des Programmierers: Es gibt Probleme. Verbände und Journalisten deshalb auf Hermann.« Anderthalb Stunden sitzen wir da bereits am Kaffeetisch in seinem Büro. spricht der demütige Fatalist aus ihm. und die muss man lösen. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch 1999 fürchtete er sich vor der Partei. Der Remeduren sind nur drei: 1. »Da frage ich: Wo bleibt eure Überzeugung?« Hermanns eigene Meinung liest man seit zwei Jahren in einer monatlichen Kolumne im TagesAnzeiger und im Bund. Die Sätze sind nuancier- ter. als man denkt«. um im Hermannschen Diagramm möglichst rechts eingeordnet zu werden. hier ist das Plankton. den TV-Experten bei Bundesratswahlen. der Geerdeten. dem Zukünftigen in kleinen Schritten entgegengehen – vielleicht hören Politiker. Wofür also steht er persönlich heute? Driftete er nach rechts? Europafreundlich sei er. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. dargestellt in faszinierenden Grafiken und Karten. Zürcher Kantonalbank. Seine Biografie ist geprägt von der Kindheit im konservativen Huttwil im Emmental. dessen Deutungsmacht über die Schweizer Politik immer größer wird? VON MATTHIAS DAUM Iwan Rickenbacher. aber gegen einen EU-Beitritt ohne Not. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. rechts-liberal und rechts-konservativ. wenn die Ratings zum Fetisch werden. Erfolge verzeichne sie auf symbolpolitischen Nebenschauplätzen. Bis im letzten Herbst die Politologin Regula Stämpfli in einer Radiosendung den Kollegen Hermann als »Wahlvermesser mit dem politischen Reflexionsgrad eines Planktons« beschimpfte.« Er fühle sich manchmal als Zauberlehrling. Bundesämter. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. haben so lange so heftig geheizt. der weiß: In der Mitte lebt es sich am besten.« Inhaltlich aber beschäftigt ihn die Kritik. Statt Einschätzungen und Vermutungen präsentierten sie faktengestützte Wahrheiten. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. Aber welches Bild hat er von der künftigen Schweiz? Die Frage beschäftigt ihn nicht. Hermann. nimmt den Hörer immer ab: »Es ist anstrengender. verfasst im Auftrag von Avenir Suisse.« Er glaube nicht. Für wirtschaftliche Liberalisierungen. 39. also einer gemeinsamen Steuer. 2. sie sind denkfaule ContentAbfüller geworden. Sein Motto: Einbeziehen statt ausschließen. erhöht das meine Unabhängigkeit. doch falsche Gewissheiten stören ihn. ruft er Michael Hermann an. präsentierten im Magazin und in Le Temps ihre »politische Landkarte des Nationalrats«. sondern immer Interpretation. Hermann. Andersdenkende lernte Hermann mögen. Radiosender. Hotelleriesuisse.« Es solle ihm nicht ergehen wie manchem Journalisten. Michael Hermanns Erfolgsformel lautet: Politik ist messbar. Als Mensch ist er schwierig zu fassen. Leser und Experten jubilierten: Plötzlich diese Übersicht! Die zerfledderten Bürgerlichen. länger. bis die Kohle ausging. Fazit: Wer den Griechen hilft. Sonntagszeitung. Daten sind nie neutral. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ Hoffnung stirbt zuletzt Europa wird für Hellas bluten. wo die Eltern eine Drogerie führten. er überflügelt den Berner Umfragenkönig Claude Longchamp ebenso wie den Innerschweizer »Smartspider« erlangte Deutungsmacht in Schweizer Wahlkämpfen. Punkt. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Politiker und Parteien »entlarvt«. nicht im Maschinenraum der Politik. dann drückte man das Bundesparlament ins Links-rechts-Schema. berät heute: Economiesuisse. auch berufsbedingt.und Ausgabenpolitik – fahren. Journalisten. der Verwaltung. keine Auskunft zu geben. verschachtelter als seine gedruckten Interviewantworten. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Doch von einer Konkurrenzdemokratie hält er nichts. Europa wird zuschießen und stunden müssen. unter der die Barbarei lauert. Besonders pikant Herausgeber der wäre die Lage in Deutschland. das aber behält er für sich. aber nicht erklären. wie man aufgrund seiner Medienpräsenz vermutete. 3. seine Forschungsstelle Sotomo aber als Firma führt. wie sie stimmen müssten. Vor zwei Jahren trat er aus. sollte es besser im Kasino verjuxen. Ja. Tages-Anzeiger. Hermann bestimmt. antwortete er: »Hallo. NZZ und NZZ am Sonntag. Er ist kein Vielschwätzer.« CH ach Wahltagen. Athen vorweg.

Die entscheidende Frage ist aber nicht. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. sondern auch an zu viel. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. max. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. das zu werden. Jannis Chavakis für DZ. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. aus dem deutschen Festnetz. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. was gemeinhin eine Volkspartei ist. dass die Griechen mit dem ersten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds.zeit. Gutmenschen nerven.de *) 0. und trotzdem beschimpft Europa uns. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. ist schlicht ein Skandal. Was dagegen geschieht.zeit. die Griechen überlegten. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. in das so viel Geld fließt. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben.30/I 5. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. der nicht aufgepasst hatte. GRN. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. die EU dabei mitregieren. Leserbriefe@zeit.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Die Entscheidung Kretschmanns. ebenso wie die Deutschen und andere.zeit. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. In Interviews sprach er davon. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). sondern echtes Geld kosten werden. »Umschulden«. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. um Griechenland aus der Krise zu helfen.50/HUF 1605. Europa sollte die Umschuldung wagen. was sie auch kostet. Die Frage ist vielmehr.zeit. die zweite Volkspartei. 0. auch nicht beim haircut. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. möglichst viele Menschen mitzunehmen. positionieren sich als die guten Europäer. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. kleine Abb. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. E-Mail: abo@zeit. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Kleine Augenblicke. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Nicht mehr bezahlen. Diejenigen. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Sie sind nötiger denn je. Käme es jetzt zum griechischen haircut. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus.de/audio 4 1 907 45 1 040 05 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. Sooft dieser Tage in Ministerien. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. deshalb unser aller Geld retten musste. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels.10/ CHF 7. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus.de/audio www. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen.52 52 908*. so desaströs seine Folgen wären. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. ZEIT-Stellenmarkt: www. wenn Europa weiter zahlt.70/E 5. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los.jobs. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. E-Mail: DieZeit@zeit. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte.zeit. Geburten hinfällig. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist.40/F 5. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www.u. was auf lange Sicht besser für Europa ist. die andere Möglichkeit. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Druck aus Dresden Wie Frank Harings Jugendzeitung »Spiesser« einen Großverlag ärgert Politik Seite 13 D Europa will sich Ruhe kaufen. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. bleibt auch eine. der sich tief gedemütigt fühlen muss. Viel Geld. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. im Land. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. Die Griechen. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Fax 0180 . Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. was kommt. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Nein.50/A 4. findet Josef Joffe. Ruhe wird in keinem Fall eintreten.und Bahnhofsschützern.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. nun gelte es.0.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co.PREIS DEUTSCHLAND 4. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. weil dies ein überholter Begriff sei. Doch das heißt nicht. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker.20/ L 4. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition.20/NL 4. Irland. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. Wer wollte sie den Iren abschlagen. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. zeichnet sich schon ab.o.14 € /Min. will das offizielle Europa Ruhe. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 .n. die sie früher nie gewählt hätten. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. beschlossen hat. würden Schulden nicht getilgt.de.de. Schuldzuweisungen und Dementis. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. wohl aber die Stimmung. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. (v. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 SACHSEN WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. Es kostet nur wieder Milliarden. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. »Retten« ist ein hübsches Wort. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Der Rettungsfonds will weiter retten. 0180 . in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen.50/P 5. die SPD. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. wer der bessere Europäer ist. Auch das käme alle teuer zu stehen. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. wenn Europa immer weiterzahlt. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. das Beharren auf Posten und alten Positionen. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Libyen. Das ist umso generöser. ist auch eine hässliche Sache.00 20 01 420 AUSGABE: . Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Vergessen.70/B 4. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. Aber die Diagnose ist unvollständig. Klar ist einzig. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit.20/ Kanaren 5.20/GR 5.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa.de Abonnentenservice: Tel.42 € /Min. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. Das klingt weit unattraktiver als das. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein.00/NOR 60. Wellen am sardischen Strand. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. man macht sich unbeliebt. KG. dessen Datum anzunehmen. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. also einen Tag zu überspringen. bestrebt. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. Gleichwohl verlangen die EU. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.52 52 909*. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 .00/FIN 6. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. dass es ohne Europa nicht geht. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. J A H RG A N G C 7451 C www. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. die im Englischen haircut heißt. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte.

12 12. Mai 2011
ZEITGEIST

DIE ZEIT No 20

MEINUNG

POLITIK

Wer den Griechen hilft
JOSEF JOFFE:

Europa wird für Hellas bluten, um sich selber zu retten
Die Kassandras haben recht behalten: Geld- ohne Politikunion geht nicht. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer- und Ausgabenpolitik – fahren; sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Der Bruchpunkt ist jetzt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer, Athen vorweg, haben so lange so heftig geheizt, bis die Kohle ausging. Der Remeduren sind nur drei: 1. Athen nimmt Dampf weg, also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. 2. Es wird zum europäischen Sozialfall, den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. 3. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Griechenland, ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft, kann nicht sparen. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen, von 325 auf 340 Milliarden Euro. Und blähen sich weiter auf. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt; die Zinsen liegen bei 15 Prozent, die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Wer nun den Griechen Geld leiht, sollte es besser im Kasino verjuxen. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«, sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen), wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht, und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre, bräche das Höllenfeuer aus:
HEUTE: 9.5.2011

Erinnern
Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Hier aber ist das Original zu sehen, nicht die Kopie. So sehen Sieger aus. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein, voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zurückzublicken, auf den Großen Vaterländischen Krieg, den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«, singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern, deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«, singt sie. Und man wünscht diesen alten Herren, dass diese Zeile falsch sein möge. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft, damit fertig zu werden, wer hätte das Recht, darüber zu spotten? F. D.

Mord und Totschläger
Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht
Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden, das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten, wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit, verpufft die Wirkung der Sanktion. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. richtig gemacht, der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Die Beweislage sei einfach, sagen die Staatsanwälte, der Täter habe gestanden, der Tathergang stehe fest, da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Allerdings darf man wohl annehmen, dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Angeklagt wird Torben P. wegen versuchten Totschlags. Das ist ein Mittelweg. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt, meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt, sogar befördert. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Ob Torben P. die bekommt, entscheidet das Gericht, Anklage ist nicht gleich Urteil. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Für Täter und Opfer. Und für die Öffentlichkeit. Deshalb ist es auch legitim, wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird, warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe, das Signal aber ein anderes. Mord ist mehr als ein Totschlag, eine besonders verwerfliche Tat, sei es wegen besonderer Grausamkeit, sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat, die dem Opfer besonderes Leid zufügt, die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat, kommt schon ins Grübeln, ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Nein, es geht nicht darum, eine möglichst harte Strafe zu finden. Es geht darum, das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Wenn einer wie Torben P. von Untersuchungshaft verschont wird, wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme, wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird, dann mag das in jedem Fall begründet sein. Das Routinierte der Nachsicht jedoch, der Eindruck, Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. WFG

Ein Land bleibt cool
Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen
Die Bürger bleiben cool. Am 9. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«, der neuen Volkszählung. Der ersten seit 1987. Volkszählung, das klingt nach historischer Parallele, nach enormem Erregungspotenzial. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer, fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus- und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person, Lebensumständen, Ausbildung und Beruf gestellt. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine, die Brüssel vorschreibt), doch die Deutschen bleiben cool. Bei jenem Thema, das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback), die Spione der Konsumwirtschaft. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Da schert es die Leute auch nicht mehr, wenn der Staat etwas mehr wissen will. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei, Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen, vorzugsweise kalifornische Konzerne. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig, ja zurückhaltend. Vielleicht zu zurückhaltend. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten, das ist nur eine Schätzung, also wird es teurer. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Dabei hatten Statistiker, Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert, weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie), zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und, ganz simpel, zur Heizung (Klimaschutz). Der Staat – im Bestreben, die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. STX

Foto: Mathias Bothor/photoselection

Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

erst ein Run auf griechische Banken, dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Denn die Besitzer müssten kalkulieren, dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert, die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten, was sie erst recht nicht könnten. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland, wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen, um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen- und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille, derweil EU, IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Fazit: Wer den Griechen hilft, hilft seinen Banken. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer, also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.«

IN DER ZEIT
POLITIK
2
Interview Kanzlerin Angela

SACHSEN
13 Medien »Spiesser«-Chef Frank Haring kämpft gegen einen Großverlag VON RALF GEISSLER
Ostkurve
VON JANA HENSEL

WIRTSCHAFT
23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26
VW Der Konzern will jetzt auch

33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung
ThyssenKrupp Der Konzern

FEUILLETON
49
Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral

Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 3 4
Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland

62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod

50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTL-Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie, Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte«
Roman Nicolas Dickner »Tarmac«

REISEN
63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö, das Altbier und das japanische Viertel 67
Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen

Sachsen-Lexikon

startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt ... Armin Falk, Ökonom und Verhaltensforscher?

ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra 5 6 7 8 9
Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen

Krawall-Zuschlag 14 Geschichte Dresdens Bühnen in der NS-Zeit VON ADINA RIECKMANN
Am Start Irina Tarassenko, Landärztin VON M. MACHOWECZ

noch die meisten Laster bauen
Elektroauto Warum es falsch ist,

WISSEN
37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können

nur die Autokonzerne zu fördern 27
Kinderarmut Die Not wird überschätzt, sagen Forscher

Familie und Politik zusammen?
FDP Ein Gespräch mit Philipp

DOSSIER
15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU
Eurovision Song Contest Die Geschichte eines Liedes aus Island

Rösler über seine Regierungspläne
Pakistan Die Islamisten freuen sich

über arabische Revolutionen
Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung

28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal Gegenseitige Schuldzuweisungen
Soziale Netzwerke

CHANCEN
71 Bachelor und Master:
Ein Spezial auf 10 Seiten

55 Margaux Fragoso »Tiger, Tiger« 56
Nachruf auf Gunter Sachs

41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet, Flüchtling zu sein 48 Kinder- und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder«

96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE
Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/audio

kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 12 Volkszählung Gelassenheit
Justiz Der Berliner

57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze«
Kunst Paul Pfeiffer in München

GESCHICHTE
21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen

Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn

59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer«
Kulturkanäle zdf.kultur

U-Bahn-Schläger wird angeklagt

Foto: Denis Sinyakov/Reuters

ZEIT FÜR SACHSEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

13

OSTKURVE

Oberarmfrei
Am Wochenende wurde uns ein neues Bücherregal geliefert. Zwei junge Herren, der eine in oberarmfreiem T-Shirt, der andere tätowiert an allen sichtbaren Körperstellen, waren mit einem alten Volvo vorgefahren, hatten das recht schwere Ding erst entladen, dann hinaufgeschleppt und schließlich vor den sechs Augen der Familie aufgebaut. Der Typ mit dem oberarmfreien T-Shirt erzählte dabei, dass er schlafwandle und morgens seinen Schlüssel mitunter im Schloss des Briefkastens finde. Was für ein interessantes Thema, dachte ich.
Jana Hensel, 1976 in Leipzig geboren, Autorin des Bestsellers »Zonenkinder«, schreibt hier im Wechsel mit ZEITAutor Christoph Dieckmann

Foto: Jannis Chavakis für DIE ZEIT/www.chavakis.de; Dominik Butzmann (kl.)

Ein Bild von einem Mann: Frank Haring im Konferenzraum seines Dresdner Verlags

Elefant im Zeitungsladen
Frank Haring hat aus der sächsischen Schülerzeitung »Spiesser« ein bundesweites Jugendmagazin gemacht. Inzwischen sieht selbst die »Bravo« in ihm einen ernsten Konkurrenten VON RALF GEISSLER
a ist die Geschichte mit dem Kaffee-Automaten. Eine Mitarbeiterin hatte Münzen eingeworfen und ihr Wechselgeld vergessen. Als sie zurückkehrte, war das Fach leer. Verschwunden, die paar Cent. Frank Haring fackelte nicht lange. Er ließ die Videoüberwachungsbänder der Büroetage sichten, um den Dieb zu entlarven. Eine Stunde Bildmaterial. Selbst wenn es nur um Kleingeld geht, kämpft er mit der Verbissenheit eines Jungen, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Mit dieser Haltung hat er sein Unternehmen groß gemacht. Frank Haring, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jugendzeitschrift Spiesser in Dresden, ist als 34-Jähriger so etwas wie Deutschlands jüngster Pressepate. Angeblich fast 800 000 Mal liegt sein Spiesser bundesweit an Schulen aus. Ein Magazin, in dem Jugendliche für Jugendliche schreiben, angeleitet von Journalisten. Das Heft ist mittlerweile so bekannt, dass der Heinrich Bauer Verlag darin eine Konkurrenz zu seiner Jugendpostille Bravo sieht. Der Verlag zweifelt die Spiesser-Auflage vor Gericht an. »Das wird lustig werden«, sagt Haring und blättert in der einstweiligen Verfügung, die Bauer vor drei Wochen gegen ihn erwirkt hat. 250 000 Euro Ordnungsgeld werden ihm angedroht, falls er weiterhin mit seinen Auflagenzahlen wirbt. »Wir werden das ganz sicher nicht auf uns sitzen lassen«, sagt er. Rein äußerlich würde Haring – schwarzes Shirt, braune Cordhosen – als Juso-Kreisvorsitzender durchgehen. Auch der Anblick seines Dienst-Toyotas vermittelt nicht den Eindruck von einem, der dick im Geschäft ist. Doch Haring verlegt nicht nur eine Jugendzeitung. Er hält Anteile an Dresden Fernsehen, verdient beim Elternmagazin Eltern, Kind + Kegel mit und ist an einem Jugendreisebüro beteiligt. Er engagiert sich bei einem Logistik-Dienstleister, einer Unternehmensberatung und beim »Schulkurier«, der den Spiesser zwischen Nordsee und Alpen verteilt. Kürzlich hat eine seiner Firmen fünf Millionen Euro in einen Solarpark investiert. Es war die Zeit vor Fukushima. Haring hatte mal wieder den Riecher für das richtige Timing.

D

Dresdner Pentacon, erster Stock, geflieste Wände. Die alte Einrichtung warf Haring einfach aus dem Fenster. In dem selbst renovierten Raum machte er mit zwei Partnern das kleine Gratisblatt groß. Es erschien fortan in ganz Sachsen. Auch bei McDonald’s wurde es ausgelegt. Zum Idealismus kam der Kapitalismus hinzu. 2006 hatte Haring die Idee, es bundesweit zu versuchen – was manche übermütig fanden. Mit Großverlagen sprach er über eine Beteiligung am Spiesser. Doch es kam keine Kooperation zustande. »Viele wollten den Spiesser irgendwo in ihre Strukturen einsortieren und hätten das Projekt damit sehr wahrscheinlich gegen die Wand gefahren«, frotzelt Haring. Im Herbst 2007 brachte die Spiesser GmbH ihr Blatt im Alleingang in ganz Deutschland heraus, Druckauflage: eine Million Exemplare. Überregionale Zeitungen, auch die ZEIT, zollten Respekt. Ein neues Printprodukt. Aus dem Osten. Für Jugendliche. Es klang märchenhaft. Vor Ort in Dresden sahen es viele nüchterner. Unvergessen ist bei manchem Ex-Mitarbeiter, wie Haring morgens fünf Minuten vor Dienstbeginn an der Pforte stand und jeden ermahnte, der noch nicht am Schreibtisch saß. Man habe zum Vorklingeln zu erscheinen, dozierte er. Wenn er Fehler fand, zog er die Betroffenen noch Wochen später damit auf. Seinen neugeborenen Sohn stellte Haring Kollegen halb ironisch als »Junior-Chef« vor.

maßen sauer, dass er eine eigene Attacke startete. Er schrieb dem Deutschen Presserat, die Bravo habe die Inhalte womöglich nicht ausreichend als Anzeige gekennzeichnet. Das Gremium erteilte in erster Instanz eine Rüge. Auch der Bundesrechnungshof prüfte die Angelegenheit. Zuvor hatte Haring über einen Bundestagsabgeordneten der Grünen eine Kleine Anfrage initiiert. Schließlich wurde sogar Agentur-Chef Frank Weise zur Anhörung nach Berlin geladen. Den Bauer-Verlag verärgerte das alles. Haring sagt: »Ich hatte bei denen noch einen gut.« Bereits 2008 hatte Bauer ihm gerichtlich untersagen lassen, den Spiesser als »größte Jugendzeitschrift Deutschlands« zu bewerben. Denn der Spiesser erscheine nur alle zwei Monate; die Bravo aber jede Woche. Zuletzt mit einer verkauften Auflage von etwa 400 000 Exemplaren. Die jetzige Auseinandersetzung trifft Haring zur Unzeit. Er hat kürzlich seinen Verlagsleiter, die

Anzeigenleiterin, die Verantwortliche für Sonderpublikationen und einen langjährigen Redakteur verloren. Die Fluktuation beim Spiesser war immer schon hoch. Mehrere, die gingen, sagen: Haring sei genial, aber auf Dauer nicht auszuhalten. Ein Mann, der seit seiner Pubertät immer nur Chef war, dem seine Firma alles bedeute. Haring deutet die häufigen Personalwechsel ins Positive um: Sie passten doch gut zu einem Blatt, das jung bleiben wolle. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Spiesser noch heute das Produkt engagierter Schüler. Nach dem Prinzip lässt Haring im Pentacon auch das Magazin Schekker der Bundesregierung erstellen. Außerdem denkt er über ein Jugendmagazin nach, das am Kiosk verkauft werden soll. Das dürfte den Bauer-Verlag noch mehr erzürnen. Doch Haring braucht das Kämpfen zum Leben. Der Gegner ist groß, aber er sollte sich abwehren lassen. Irgendwie hat Haring ihn sich ja auch erarbeitet.

Aber oberarmfrei ist ja eigentlich auch ein interessantes Wort, nicht wahr? Selbst wenn es das, was ich sagen will, hier nicht ganz trifft. Schließlich braucht man bekanntlich seine Oberarme, um so ein schweres Bücherregal aufzubauen. Oberarmunbedeckt wäre besser. Einige Leser denken jetzt wahrscheinlich: »Ja, ja, Handwerker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.« Diesem Eindruck möchte ich entschieden entgegentreten. Die beiden jungen Herren bildeten nämlich eine rühmliche Ausnahme. In der Regel sind Handwerker in einem erschreckenden Ausmaß so geblieben WIE FRÜHER. Ich musste das in den vergangenen Wochen oft am eigenen Leib erfahren, indem ich mich mehr als einmal schier auf den Boden warf, um einen Termin zu ergattern. Nun fiel mir das Buch Du und Deine Wohnung. Heimwerkertips in die Hände. 11. Auflage, OstBerlin 1977. All die Mischbatterien, Auslaufventile, Kohlebadöfen, Heißwasserspeicher, Geruchverschlüsse (Trapse) und Spülkästen: Ich könnte sie nun theoretisch allein reparieren, müsste keinen Handwerker mehr anflehen. Wie schade, dass es die Geräte nicht mehr gibt.

SACHSEN-LEXIKON

Krawall-Zuschlag, der. Aufpreis für Fußballspiele mit erhöhtem Randale-Risiko. »Wir wollen«, erklärt Innenminister Markus Ulbig (CDU), »dass bei Risikospielen ein bis drei Euro höhere Eintrittspreise erhoben werden.« Zu oft bleibe er »auf den Kosten sitzen«, wenn Polizisten Hooligans im Zaum hielten. Fans fordern, den Krawall-Zuschlag fairerweise auch auf die sachsenweit wichtigste Krawall-Fraktion um Holger Zastrow (FDP) auszuweiten. Im Fußball, heißt es, wären Leute, die so oft gelb provozieren, ja längst aus der Arena geflogen. MAC
S

Haring, heißt es, sei genial – aber auf Dauer nicht auszuhalten
Immerhin bezahlte er leidlich und schulte junge Journalisten, die er eines aber nicht lehrte: die strikte Trennung von Redaktion und PR. Mehrfach vergaß der Spiesser, werbliche Inhalte im Blatt zu kennzeichnen. Noch im November verurteilte das Landgericht Berlin die Zeitung, weil eine Sonderveröffentlichung der Supermarktkette Kaufland nicht als Anzeige ausgewiesen war. Er bewundere Stefan Raab, sagt Haring, weil über dessen Sportsendungen »Dauerwerbesendung« stehe und die Quoten trotzdem stimmten. Wer Haring begegnet, vergisst ihn so schnell nicht mehr. Er ist ein Getriebener, der nicht lockerlässt. Auch einer, der einschüchtern kann. Und er ist voller Ideen. Haring hat sich die »Spiesser-WG« ausgedacht: Abiturienten arbeiten ein Jahr für Haring, verdienen kleines Geld, wohnen aber kostenlos. Er erfand die Vertretungsstunde mit Prominenten. Das Prinzip: Musiker, Schauspieler oder Politiker geben in einer Schule Unterricht – und der Spiesser schreibt darüber. Haring initiierte auch den Jugendbildungsverein Sachsen. Redakteure gaben Workshops, Vereinsleute organisierten Anzeigen. Es war für Außenstehende ein ziemliches Durcheinander. Kommerziell? Ehrenamtlich? Schwer zu sagen. Wie viel Geld sie mit dem Blatt verdienen, müssen Haring und seine zwei Partner nicht offenlegen. Fest steht, dass er selten mehr ausgegeben hat als nötig. Um Dienstreisen billig zu halten, teilt er sich mit Kollegen auch mal ein Doppelzimmer. Im Intranet, erzählt ein Mitarbeiter, informierte er im vorigen Jahr über die Vorzüge von Rabatten für Journalisten. Dadurch habe er selbst in seinem Urlaub 300 Euro gespart. Man darf annehmen: Das Geld floss in neue Projekte. »Ich bin«, schreibt Haring in einer E-Mail, »sowohl von meinem Körpergewicht als auch vom Gedächtnis her der Kategorie Elefant zuzuordnen. Das heißt, ich vergesse selten.« Vor vier Jahren bemühte er sich um Aufträge der Bundesagentur für Arbeit. Doch den Zuschlag erhielt die Bravo – für eine Anzeigenserie unter dem Titel »JobAttacke«, Auftragswert: etwa 700 000 Euro jährlich. Frank Haring war über seine Schlappe der-

Der Gegenspieler ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz
Die meisten seiner Firmen haben dort ihren Sitz, wo auch der Spiesser zu Hause ist: im Dresdner Medienkulturhaus Pentacon. Es ist Harings Festung. Und sie wird angegriffen. Aus dem Hinterhalt, wie er meint. Schon im März habe der Bauer-Verlag versucht, bayerische Schulleiter einzuschüchtern, indem er anfragte, auf welcher rechtlichen Grundlage der Spiesser bei ihnen ausgelegt werde. Bauer ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern. Angesichts dieser Zahlen klingt es zunächst wie ein Witz, wenn es aus dem Unternehmen heißt: »Wir wollen, dass zwischen Bravo und Spiesser wieder Waffengleichheit herrscht.« Frank Haring meint: »Die wollen uns fertigmachen.« Er lümmelt auf seinem Bürosessel wie in einem Liegestuhl, die Lehne weit hinten. Ein Provokateur, oft unterschätzt, sächsisch schlau. Frank Haring war 17, als er mit seinem Jugendfreund Konrad Schmidt den Spiesser gründete. 5000 Exemplare brachten sie von 1994 an persönlich an die Dresdner Schulen. Die Redaktion traf sich im Keller des Hülße-Gymnasiums, wo hinter vergitterten Fenstern zwei Dutzend Computer standen. Täglich um 19.30 Uhr schaltete der Hausmeister den Strom ab, und Flüche hallten durch den Flur – von jenen Mitarbeitern, die ihre Texte nicht gespeichert hatten. 1997 bezog die Redaktion eine ausgediente Küche im

14 12. Mai 2011
AM START

DIE ZEIT No 20

ZEIT FÜR SACHSEN
ie Dresdner haben es nach Hitlers Machtübernahme besonders eilig. Schon fünf Wochen später, am 7. März 1933, brennen Fahnen und Bücher in einem Feuer vor der Volksbuchhandlung beim Schloss. Am selben Tag stürmt der Schauspieler und NS-Sympathisant Alexis Posse mit 60 Gleichgesinnten die Rigoletto-Probe in der Semperoper und erklärt den Dirigenten Fritz Busch für abgesetzt. Dessen Vergehen: »Verkehr mit Juden« und die Beschäftigung »jüdischer und ausländischer Sänger«. Am Abend beweist sich, dass dies alles kein Spuk war. Bis hoch in den 4. Rang sitzt Hitlers SA. Nicht aus Liebe zu Verdi haben ihre Mitglieder die Karten gekauft, sondern um die Reihen mit Braunhemden zu füllen. Seit 1922 hat Fritz Busch in Dresden mit spektakulären Uraufführungen von sich reden gemacht. Unter seiner Leitung katapultiert sich die Semperoper an die Spitze der Musikmoderne. An diesem 7. März 1933 aber schreien ihn die Dresdner nieder. Busch blickt seine Musiker lange an, die aber schweigen. Ohne den Taktstock erhoben zu haben, verlässt der Westfale die Bühne. »Aus!!!«, vermerkt er in seinem Kalender über sein Ende, aus Protest verlässt Busch nicht nur Dresden, er geht aus Deutschland weg. Mit dem Dirigenten wird sein ganzes Leitungsteam beurlaubt, vom Generalintendanten bis zum Spielleiter der Oper. Es ist ein Signal. Ausnahmslos alle jüdischen Ensemblemitglieder in Dresden müssen gehen, viele verstummen für immer. Die Sängerin Therese Elb und der Musikdirektor Arthur Chitz werden nach Riga deportiert und dort ermordet; die Schauspielerin Jenny Schaffer stirbt in Auschwitz. »Diese öffentliche Vertreibung«, sagt Hannes Heer, »war ein einmaliger Vorfall. Es waren ja keine SALeute von außerhalb, die mit einem Putsch die Staatstheater übernommen haben, wie immer behauptet wird. Die Machtergreifung hat von innen heraus stattgefunden. Die eigenen Leute haben die Kollegen verjagt, kühl und kalkuliert.« Der Hamburger Historiker arbeitet seit dem Jahr 2006 an dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ,Juden‘ aus der Oper 1933 bis 1945. Er widmet sich einem kaum untersuchten Kapitel des deutschen Kulturlebens zwischen den beiden Weltkriegen: der systematischen »Säuberung« der deutschen Opern- und Schauspielhäuser von »jüdischen« und »politisch untragbaren« Ensemblemitgliedern. Heer hat darüber bereits an den Staatsopern in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt geforscht; die Ergebnisse in Dresden aber empfindet er als besonders bedrückend. »Es war ja nicht Alexis Posse als Gaukunstwart allein, der den künstlerischen Exodus in Dresden ermöglicht hat. Es waren die ultrakonservativen Bildungsbürger, die in den 1920er Jahren Stücke wie das Kriegsheimkehrer-Drama Hinkemann von der Bühne gefetzt und mit der Judenhetze begonnen haben.« Der von Heer neu recherchierte Teil der Wanderausstellung zeigt deutlich, dass dieser 7. März 1933 Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik war, die als Kampf gegen den »Musikbolschewismus« und die »entartete Kunst« schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten propagiert und von großen Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde. Auch wenn Dresden als Vorreiter des Expressionismus gilt – die Stadt war ebenso ein Zentrum des Widerstandes gegen die verhasste Moderne. 1920 gründet sich hier die völkische Organisation Deutsche Kunstgesellschaft. Sie bekämpft mit einem kostenfrei verschickten Nachrichtendienst zeitkritisches Musiktheater oder unliebsame Künstler. Besonders die völkische, verdeckt antisemitische Besucherorganisation Bühnenvolksbund greift diese Vorstöße auf: Vehement zieht sie gegen die an den Musik- und Sprechtheatern betriebene »Entsittlichung, Entgöttlichung und Entnationalisierung« zu Felde. Vor allem das Bildungsbürgertum in Dresden erkennt sich in derartigen Schmähungen wieder. Der Schauspieler Alexis Posse wird nun aktiv. Er gründet Ende 1930 eine »Theaterfachgruppe der NSDAP« – gemeinsam mit Kollegen, Tänzern und Musikern. Wenn man mit Heer über die neue Ausstellung spricht, wird sein Ton sehr bestimmt: »Diese Nazizelle an den Staatstheatern war deutschlandweit einzigartig. Die haben Klartext gesprochen: ›Wir sind keine braune Gewerkschaft, sondern eine Kampftruppe der Partei‹«, sagt Hannes Heer: »Die konnten sich bei der Durchführung ihrer regelmäßigen ›Kunstabende‹ auf ihre Kollegen verlassen. Das macht die Geschichte so schwie-

Ende des Notstands
Wie Niederwiesa nach einem Jahr eine neue Landärztin gefunden hat
Wenn man in Niederwiesa bei Chemnitz den Arzt ruft, kommt neuerdings eine Frau aus Semipalatinsk: Irina Tarassenko, 39, geboren im 4500 Kilometer entfernten Ostkasachstan, sitzt in ihrem Behandlungszimmer. Sie trägt das Haar wie eine Löwenmähne, es ist eine einzige rotbraune Welle. »Hausärztin, dafür bin ich geboren, no«, sagt sie. Irina Tarassenko hat zu Hause in Semipalatinsk Medizin studiert, das »no« hängt sie an alle Sätze, und in jedem ihrer deutschen Wörter liegt noch die Würze des Kasachischen, ihrer Muttersprache. Tarassenko ist einer der Menschen, nach denen Sachsen in ganz Europa fahndet. Sie wird geliebt in Niederwiesa, weil sie die alte Hausarztpraxis wiedereröffnet hat: Ein Jahr lang stand diese leer, ein Jahr lang hatten 5000 Erzgebirgler im Tal der Zschopau niemanden, der sie kuriert. Wolfdieter Kühn, den hier alle nur den Doktor nennen, ist in Rente seit dem 31. März 2010. Für Bürgermeister Dietmar Hohm, 66, einen Mann mit grauem Vollbart, begann an diesem Tag »die schlimmste Zeit«. Die Bürger marodierten wie seit 1509 nicht mehr, damals hatten sie Chemnitz den »Bierkrieg« erklärt. Nun wollten die Menschen, dass Hohm ihnen endlich einen neuen Arzt präsentiert. Er sanierte erst mal das Praxisgebäude, für 320 000 Euro. Dann blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Im vergangenen November berichtete die ZEIT (Nr. 45/10) über Niederwiesas Arztnotstand und Sachsens Bemühungen, ausländische Mediziner anzulocken. Mindestens 150 Landärzte finden im Freistaat keinen Nachfolger, unzählige Vorschläge sind im Gespräch: von der Aufweichung der Zulassungsbeschränkungen an den medizinischen Fakultäten bis zu »rollenden Praxen«. Die Landesärztekammer gründete ihre Koordinierungsstelle »Ärzte für Sachsen«, die neuerdings sogar bei Facebook nach Medizinstudenten fahndet. Tarassenko, seit einigen Jahren am Chemnitzer Krankenhaus, las von Niederwiesas Problem, fuhr in den Ort und befragte Bewohner: »Würden Sie, wenn jemand die Praxis übernähme, wiederkommen?« Natürlich, sagten die Niederwiesaer. »Das hat alles beeinflusst«, sagt Tarassenko: »dass man hier gebraucht wird. Natürlich ist Angst im Spiel, wenn man so einen Schritt geht. Aber hier kennen dich die Patienten,

D

Fotos: ullstein (u.r.); Martin Machowecz (l.); kl. Fotos (im Uhrzeiger): U. Richter (Dirigent Fritz Busch); A. Pieperhoff/Archiv der Staatsoper Dresden (Sängerin Margit Bokor); Archiv des Staatsschauspiels Dresden (Schauspielerin Jenny Schaffer, Schauspieler Martin Hellberg)

rig, so schmerzhaft.« Für Jens Hommel, der gemeinsam mit Heer die Ausstellung konzipiert hat, passen die Recherche-Ergebnisse nicht so recht ins Selbstbild seiner Stadt: »Noch immer finde ich viel zu oft das schwarz-weiße Faschismusbild aus DDR-Zeiten in den Köpfen vor: Hier die braunen Horden als ›Helfershelfer des Monopolkapitals‹ – da die Bürger vom Stadtteil Weißer Hirsch, die aufgrund ihrer kulturellen Affinitäten immer immun blieben für totalitäre Ideologien«, sagt der gebürtige Dresdner. »Die Erzählungen über Barbarei in der Stadt beginnen oft erst mit 1945. Das stößt mir inzwischen bitter auf.« Kurator Hannes Heer, der vor Jahren mit der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, erinnert sich, seine Recherchen in Dresden seien kompliziert gewesen. Anfangs hätten die Archivare immer gleich erklärt: Es gibt nichts mehr, weder Akten der Verwaltung, noch Personalpapiere. Alles verbrannt. Doch gegen Ende der Arbeit entdeckte Heers Team, dass von den Ensemblemitgliedern, die 1945 wieder am Theater beschäftigt wurden, die alten Personalakten doch noch existierten: »Sie waren einfach – gesäubert und frisiert – in die neuen mit eingearbeitet worden. So konnten viele, ähnlich wie in Westdeutschland, ihre Nazivergangenheit abschütteln und erneut Karriere machen.« Heer berichtet, und die Aufregung ist ihm noch anzumerken, von einem weiteren Fund: einem 1918 begonnenen handschriftlichen Verzeichnis mit 850 Namen von Arbeitern der Semperoper. Von 1941 an sind in dem Personaljournal auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verzeichnet, ohne die der Theaterbetrieb wohl zum Erliegen gekommen wäre. Hunderte. Damit sei ein Thema aufgetaucht, sagt Heer, das er bei früheren Recherchen nie zu fassen bekommen habe. »Es gab

Braune Dramen
Machtergreifung an der Semperoper: Eine Ausstellung räumt mit der Legende auf, Dresden sei in der NS-Zeit eine unschuldige Kulturstadt gewesen VON ADINA RIECKMANN
Gerüchte, aber ich konnte bisher nie etwas beweisen. Und dann steht das hier Schwarz auf Weiß.« So fügt die Arbeit der Historiker dem Geschichtsbild Dresdens einige neue Facetten hinzu. Die Stadt, sagt Staatsschauspiel-Intendant Wilfried Schulz, sei oft vergangenheitssehnsüchtig – unter Aussparung aller Schmerzpunkte. Ähnlich hat er das auch schon zum Gedenktag 13. Februar gesagt, an dem seit Jahren Tausende Neonazis in der Stadt aufmarschierten. Anstatt das alles nur zu beklagen, macht Schulz sich das Thema zu eigen. Theater, sagt er, müsse sich doch als Spiel- und Erinnerungsort produktiv mit seiner Geschichte beschäftigen; erst recht, wenn sie hoch unmoralisch sei. In diesem Jahr prangte am 13. Februar weithin sichtbar ein Banner an der Semperoper. Darauf stand: »Es ist noch wichtiger, sich anständig zu benehmen, als gute Musik zu machen«. Ein Zitat des Dirigenten Fritz Busch. Das hoch gehängte Statement stieß bei einigen in der Stadt auf Unverständnis. Und auch ein paar Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sahen es nicht besonders gern: Als Musiker, so lautete der Einwand, sei man schließlich unpolitisch. Ulrike Hessler, die Intendantin der Semperoper, teilt diese Ansicht nicht. Das Banner war eine Idee des Personalrates gewesen. Eine Idee, die Hessler, ohne zu zögern, aufgriff. »Was mich besonders schockiert, ist die Aktualität dieses Themas«, sagt sie über die NS-Geschichte ihres Hauses: »50 Ensemblemitglieder mussten gehen, viele auch, weil sie politisch nicht genehm waren.« Wenn sie im Jahr 2011 nach Ungarn schaue und sehe, dass an der Budapester Staatsoper der Chefregisseur und der Generalmusikdirektor entlassen wurden, weil sie der Regierung aus ähnlichen Gründen nicht passen, »dann erinnert mich das sehr an den 7. März 1933«.
Die Ausstellung »Verstummte Stimmen« ist vom 16. Mai bis 13. Juli in den Foyers von Semperoper und Staatsschauspiel Dresden zu sehen; Eintritt frei. www.verstummtestimmen.de

Die Ärztin Irina Tarassenko, 39, kam vor rund zehn Jahren aus Kasachstan nach Chemnitz

sie akzeptieren dich.« Sie hätte auch in der Großstadt bleiben können, in Chemnitz lebt sie mit Mann und Kindern, Praxen stehen dort ebenfalls leer, aber Tarassenko sagt: »In Chemnitz gibt es Ärzte genug.« Im Oktober soll in Niederwiesa ein Seniorenheim eröffnen, 48 Zimmer, viele Patienten, »ein Pflegeheim der vierten Generation«, sagt der Bürgermeister. »Ein Jahr lang waren wir ziemlich in Schwulitäten.« Nun werde alles gut. Die Ärztin kuriert seinen Ort. MARTIN MACHOWECZ
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Kultur-Führer: Hitler grüßte 1934 vor der Semperoper. Der Dirigent Fritz Busch (oben links) und andere Künstler waren schon verbannt worden

Mensch. 5. Seite 30 . 2011 Siebeck reitet ein Kamel. Genscher Nr. 20 12.

Was wird nur aus seiner FDP? Ihr Ehrenvorsitzender macht sich Gedanken. Und zieht seine Lebensbilanz .

was in diesem Heft passiert 30 20 34 Wolfram Siebeck in Ägypten Zu Besuch bei legendären Gärtnern 6 8 10 11 12 26 28 44 45 46 49 54 Uhren und Schmuck finden zusammen Harald Martenstein über einen Traumjob. es knallt: Neonfarben sind der Trend der Saison Der Auffahrunfall – oder die Kunst. Marcus Gaab 5 . 2 0 Alles. die man auf dem Schirm haben sollte Warum wird in Magdeburg so viel gemordet? Eine Deutschlandkarte Wie viel sollte einem ein Kindermädchen wert sein? Hans-Dietrich Genscher blickt auf sein manchmal sehr gefährliches Leben zurück Die Sängerin Kate Bush über den Song ihrer Träume Der Fotograf der Lüfte: Paolo Pellegrin überfliegt New Orleans Hauptsache. Marco Valdivia. den man auch gut nebenher erledigen kann Eine Leuchte. miteinander zu reden Waldmeister der Herzen Dürfen alte Männer Fantasien von jungen Frauen haben? Wie der Schauspieler Robert Hunger-Bühler fast ertrunken wäre Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos Jonas Unger Fotos Inhalt Barbara Siebeck.I N H A LT N R .

Thamm ist im Zweitberuf Drogenexperte. Michael Ortmann zieht seine Bahn als Terrorexperte bei RTL. Immerhin verdient er sein Brot mit einer sehr unerfreulichen Zeiterscheinung. keine Person mit Migrationshintergrund und auch keine einzige Frau zu geben scheint. Der Beruf des Terrorismusexperten ist von einer stark schwankenden Auftragslage gekennzeichnet. wie sich ein Terrorismusexperte am Feierabend entspannt. Das ZDF geht mit Elmar Theveßen an den Start. der »Terror. Daneben gibt es den Typus des freiberuflichen. hört er zu Hause Opern. senderunabhängigen Terrorismusexperten. diesen Weg sind unter anderem Theveßen und Hagen gegangen. nämlich Joachim Hagen und Holger Schmidt. Den Beruf des Seifensieders gibt es nicht mehr. Für die Ausbildung zum Terrorexperten gibt es noch keine Norm. Das ist für junge Leute heutzutage sicher nicht die schlechteste Perspektive. Diese Eigenschaft teilt er freilich mit den Juristen. einen eigenen. Den originellsten Einstieg in diesen jungen Beruf hat der Terrorwart des Senders RTL gefunden. Fremdsprachenkenntnissen und sicherem Auftreten vor der Kamera. er heißt Peter Bergen. Mir fallen im Fernsehen aber oft neue Berufe ins Auge. Lüders schreibt Romane (zuletzt: Blöder Hund). Der Boom ist auch in der Unterhaltungskunst nicht unbemerkt geblieben. eine gewisse seelische Stabilität mitbringen.de / audio Illustration Fengel . 6 Zu hören unter www. Auskunft gegeben. ARD. das ideale Eintrittsbillett zum Terrorismusexpertentum. Einstweilen darf ein historisches Studium als ideale Voraussetzung gelten. es handelt sich also um den letzten echten Männerberuf. Alle Sender beschäftigen.zeit. Auffällig ist. zum Beispiel Terrorexperte. dass es unter den deutschen Terrorexperten keinen einzigen Bartträger. im Jahre 2000 inszenierte er den Film Die frechsten Seitensprünge der Welt. Theveßen arbeitet in terrorismusarmen Phasen als Experte für Wirtschaftskriminalität und stellvertretender Chefredakteur des ZDF. hat bisher allein Joachim Hagen. deren Angehörige ohne Verbrechen. Der Terrorismusexperte muss. so wenig wie den Harzer oder den Haderlump. der nicht unumstrittene Dr. Der CNN-Experte gilt als führend. Rufe nach einer Frauenquote wurden bisher nicht vernommen. Hagen war Reporter bei der Kieler »Welle Nord«. spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center. hat er sich als Regisseur künstlerisch mit misslingenden menschlichen Beziehungen befasst. zu dem Berndt Georg Thamm zu zählen ist. Udo Ulfkotte und der ehemalige ZEIT-Kollege Michael Lüders. wahrscheinlich wegen der föderalen Struktur dieses Senders. Thamm ist gelernter Diplom-Sozialpädagoge und hat als Streetworker den Umgang mit unberechenbaren Individuen sozusagen hautnah gelernt. Deshalb haben die meisten Experten sich ein zweites oder sogar mehrere weitere Standbeine geschaffen.HARALD MARTENSTEIN Über den Traumjob Terrorismusexperte: »Es handelt sich um den letzten echten Männerberuf« Die Welt – ein Werden und Vergehen. den Medizinern und den Bestattern.und Kunstexperte Dr. und im Internet tritt gelegentlich. Bevor Michael Ortmann sich der Terrorforschung zuwandte. Die ARD leistet sich. Illmar Ernesto von den Wicken« auf. offiziellen Terrorismusexperten. neben einer guten Allgemeinbildung. auch kein Studienfach Terrorforschung. als Parodie. so hat es die Figur »Terrorexperte Marcus Heuser« in der Fernsehserie GSG 9 zu einem gewissen Ruhm gebracht. Nachdem er den Menschen an den Bildschirmen den Terror erklärt hat. Darüber. Krankheit und Tod ja ebenfalls arbeitslos wären. sogar zwei Terrorexperten. Bergen dagegen hat 1997 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Osama bin Laden geführt.

ungefähr 130 Kilometer von Brüssel entfernt. feines Restaurant mit HOTEL und ganz viel Land drumrum. Hare. Carol Körting. Es muss ja nicht immer Südtirol sein Dieses BUCH aus dem Wagenbach-Verlag heißt »Reizpartie« und bietet »Variationen über eindeutige Absichten«. gibt es »In De Wulf«.com . Der Besuch lohnt sich doppelt.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Wer diese LEUCHTE kauft. studiohomme. Tom Powel. bekommt nur den oberen Teil aus Kork – den Schirm darf er sich selbst aus Papier basteln und anpinnen. die Engländer machen mal wieder die besten MÄNNERSCHUHE – und zwar bei der Firma Mr.com H Wie sein Kollege Gérard Depardieu baut der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant Wein an – wir empfehlen den WEISSWEIN Blanc de Garance von seinem Gut Rouge Garance in der Provence Im belgischen Heuvelland. von Raw Edges für Materia H Die Ausstellung der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton in der New Yorker Metropolitan Opera heißt »WAGNER« und wurde vom »Ring« inspiriert. April 1990. »Pinha«. Carol Körting. Name Namerich / Agentur. denn es wird auch die »Walküre« gespielt »Mama will für die Hose nur was zuschießen. Oder: Schmuddelkram mit Niveau Ann-Kathrin Carstensen und Ana Nuria Schmidt vom MODELABEL »Rita in Palma« arbeiten mit türkischen Näherinnen zusammen: Aus traditioneller Häkeltechnik entstehen moderne Accessoires Fotos Shay Alkalay. ein kleines. Ich halt das nicht mehr länger aus« TAGEBUCHEINTRAG vom 2. Die Schuhe bekommt man bei einem französischen Online-Shop-Seite für Männer: Studiohomme. mit dem das Buch »Wir waren jung und brauchten das Gel – Das Lexikon der Jugendsünden« von Lisa Seelig und Elena Senft beginnt Ach. Carsten Kofalk.

Münster und Saarbrücken hatten 2009 zusammen gerade mal sechs Tote.und Totschlagsfälle im Jahr 2009 in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mehr Im Tatort geht der Trend ja zum Zweit.30 Uhr wird nachgelegt. Aber was bitte war da in Halle und Magdeburg los? Die beiden Städte hatten im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit Abstand die meisten Fälle. im Osten sind schon seit Jahren ein paar mehr Opfer zu beklagen als im Westen (es bringen sich also nicht nur die Reichen gegenseitig um. Um 20. München hatte auch nur vier.18 Uhr liegt der Erste tot da. Man liest in der Zeitung von einem Mörder und denkt sich: Eigentlich könnte ich ja auch… Läuft es so? Die Tatorte wirken zum Glück nicht so. Gut. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Quelle Polizeiliche Kriminalstatistik . dass auch in den gar nicht so großen Städten viel gemordet wird. Münster war in den Jahren zuvor mehrmals mord. Die Wirklichkeit ist zum Glück etwas friedlicher. Vielleicht gibt es wie bei Selbstmorden auch bei Morden eine ansteckende Wirkung. Kiel. wie das Fernsehen lehrt).und totschlagfrei. Die Tatort-Städte Ludwigshafen. weit vor Berlin. gegen 21. Es entsteht der Eindruck.und Drittmord.Deutschlandkarte MORD UND TOTSCHLAG Kiel 2 Essen 5 Duisburg 3 Düsseldorf 2 Gelsenkirchen 2 Recklinghausen 2 Herne 1 Moers 1 Mülheim 1 Oberhausen 1 Bochum 0 Bottrop 0 Krefeld 0 Neuss 0 Rostock 1 Lübeck 2 Bremerhaven 2 Oldenburg 3 Bremen 4 Hamburg 18 Hannover 5 Osnabrück 3 Hildesheim 1 Bielefeld 0 Paderborn 3 Braunschweig 2 Wolfsburg 0 Potsdam 0 Salzgitter 0 Magdeburg 8 Berlin 61 Münster 1 Hamm 1 Cottbus 1 Halle 8 Leipzig 4 Jena 1 Dresden 2 Chemnitz 2 Mönchengladbach 3 Leverkusen 0 Aachen 1 Köln 7 Dortmund 2 Göttingen 1 Hagen 0 Kassel 1 Wuppertal 4 Solingen 1 Remscheid 1 Erfurt 4 Siegen 1 Bergisch Gladbach 1 Bonn 1 Frankfurt 9 Offenbach 1 Darmstadt 1 Mannheim 0 Heidelberg 1 Würzburg 0 Fürth 2 Koblenz 0 Wiesbaden 3 Trier 3 Mainz 0 Ludwigshafen 2 Kaiserslautern 3 Saarbrücken 1 Erlangen 2 Nürnberg 0 Regensburg 1 Karlsruhe 2 Pforzheim 1 Reutlingen 3 Heilbronn 0 Stuttgart 5 Augsburg 0 Ulm 1 München 4 Ingolstadt 2 Freiburg 1 Mord.

Chauffeur oder. die sich noch mit Liebe und Leidenschaft als Köchin. Drei wären besser. ergab die Erkenntnis. neulich unter den beschränkten Verhältnissen der deutschen Mittelschicht angestellt. als Kindermädchen verstehen. Was sind das für Kindermädchen? Prinzessinnen? Harvard-Absolventen. kommt man auf immer noch üppige 150 000 als Jahresgehalt. Wir kannten eine Dame am Berliner Wannsee. heißt es. Dolle Sache! Vielleicht ist es das. Sie leisten sich die Nannys. nämlich 900 000 Dollar Jahresgehalt für die Kindermädchen. vielleicht letzte Luxus. Jens Jessen Foto Saul Lazo/BULLS / Fame 11 . was auch wir aus unserem Alltag kennen: Kinder sind teuer.Gesellschaftskritik Nicht im Bild: Die Nannys der Familie Jolie-Pitt Über Kinderbetreuung Angelina Jolie und Brad Pitt. So gesehen. in dem Krethi und Plethi einen Vorstandsvorsitz erobern. bleibt vermutlich immer noch eine erstaunliche Summe übrig. die Charter von Privatflugzeugen und die Rechnungen von Luxushotels. war eine – Prinzenrolle. horribile dictu. Selbst wenn man abzieht. aber noch keineswegs übertrieben gewesen. die sich mit knapper Not noch einen Butler leistete. sind keine Verstiegenheit. Da kommen selbst reiche Leute an finanzielle Grenzen. Teilt man die 900 000 Dollar entsprechend. weil sie wahrscheinlich erkannt haben: Kinder sind der wahre. dass für die Beaufsichtigung von zwölf Kindern im Garten zwei Kindermädchen jedenfalls zu wenig sind. dass Brangelina (wie man das Paar gern uncharmanterweise zusammenfasst) sechs Kinder haben und angeblich sechs Nannys brauchen. Im egalitär verwahrlosten Westen. was den Klatsch über das Privatleben der Stars so anziehend macht – dass es ins Ungeheure steigert. sollen im letzten Jahr allein zehn Millionen Dollar für ihre Kinder ausgegeben haben. leben wahrscheinlich auch Brangelina nicht mehr in Saus und Braus. vier wahrscheinlich angemessen. Ein Experiment. was nur in Hollywood für den Nachwuchs aufgewendet werden muss. sind Menschen. Aber was heißt schon üppig bei Dienstboten? Auch Löhne sind Knappheitspreise. Mit anderen Worten: Die sechs Mädchen für sechs Kinder. die ebenso gut in der Vorstandsetage eines Konzerns arbeiten könnten? Indes dürfen wir nicht vergessen. aber was dieser auf dem Silbertablett den Gästen reichte. die Brangelina bisher hatten. Gärtner. eine Mangelware.

Momente zwischen Leben und Tod und eine Leiche.»Es war schwierig. der Übervater der FDP. über die Krise seiner Partei. die eines Tages auf seiner Terrasse lag . ein normales Leben zu führen« Hans-Dietrich Genscher.

In Wahrheit geht es jetzt um ein Konzept des Westens. wer. dürre Diplomatenworte. über die Krise des Außenministers Guido Westerwelle spricht. Außenpolitik darf nicht als geheime Kabinettspolitik behandelt werden. Was wir jetzt erleben. in Inter- Besuch bei Hans-Dietrich Genscher. Er muss Vertrauen nach innen und nach außen wiederherstellen. sie muss wertorientiert. Aber es gibt auch Fragen. Das gilt in Sach. ist eine schwere Vertrauenskrise. Ich werde mich nicht hinstellen und eine hoch motivierte junge Generation wie Kinder auf die Bühne 13 . Was ist jetzt zu tun? Das Potenzial der Partei ist eine ausgezeichnete jüngere Generation. was derzeit mit der FDP passiert? Die Partei ist schon durch viele Täler gegangen. Zum Beispiel der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko und Hosni Mubarak. Zwei Vormittage verbringen wir mit ihm in seinem Haus am Waldrand oberhalb von Bonn-Bad Godesberg. Vor wenigen Wochen bin ich in meiner Heimatstadt Halle gewesen. Wer mit ihm. gefühlt bin ich demnach schon 130 Jahre dabei. lange Pausen – man kann ahnen. der schon am Boden liegt. als Sie von der Abstimmung bei den Vereinten Nationen zum Hilfseinsatz in Libyen hörten. dass sich Deutschland der Stimme enthielt? Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat in New York erklärt. derentwegen er als Jugendlicher jahrelang in Kliniken und Heilanstalten lag. Schweigen. Diese wird zunehmend sichtbar. der Inkarnation des deutschen Außenministers.und Personalfragen. von denen so manche hier vor dem Kamin gesessen haben. Genscher wird uns die erstaunliche Sammlung seiner Bilder an der Wand erklären. dass er einen personellen Neuanfang ermöglicht. und er wird von der größten Zäsur seines Lebens erzählen – seiner Tuberkuloseerkrankung. Dazu kommen erfahrene Liberale mit Blick und Verständnis für die Zukunftsfragen. und schon steht da der Staatsmann Souvenir aus seiner Amtszeit: Den Säbel bekam Genscher bei einer seiner Reisen geschenkt views dargelegt habe. Ich bin oft kritisiert worden. Welche Niederlage hat in letzter Zeit am meisten geschmerzt? Womöglich. bei denen Hans-Dietrich Genscher verstummt. hat es nicht leicht. Ihrer alten Heimat. sie hat viele Zerreißproben überstanden. konsistent und berechenbar sein. die schwerste seit Gründung der FDP. Jeder Tag rechnet doppelt. Was erwarten Sie von Philipp Rösler? Von ihm wird Führungsstärke und Entscheidungskraft erwartet. man solle diese Debatte beenden. damals ägyptischer Staatspräsident. Was dachten Sie. In einer offenen Gesellschaft muss sie von der Öffentlichkeit mitgetragen werden. wie er die Freiheitsentwicklungen in der arabischen Welt wirksam unterstützen kann. dass es ihm auch um Anstand geht: Man schlägt auf niemanden ein. sooft es ging. davon. Von HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS und STEPHAN LEBERT Fotos JONAS UNGER Herr Genscher. könnte uns sagen. dass die FDP-Mitgliedschaft anstrengend ist. Guido Westerwelle verdient Respekt dafür. Was werden Sie den Delegierten auf dem Parteitag ins Stammbuch schreiben? Das ist nicht meines Amtes. indem er nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. Das war für mich das Gespräch mit den Bürgern. wenn nicht Sie. Er hat recht. Allerdings lag es im allgemeinen Trend.Eine Leinwand als Hintergrund reicht. Wir erfahren viel über die Mächtigen dieser Welt. dass ich meine Außenpolitik. In diesen Tagen fragt man sich: Woran ist gute Außenpolitik zu erkennen? Sie muss perspektivisch angelegt sein. Nur so konnte Deutschland nach Hitler das Vertrauen der Welt wiedergewinnen. dass die FDP in Sachsen-Anhalt. gar nicht mehr in den Landtag gekommen ist? Natürlich hat mich das besonders geschmerzt. Ich habe gelernt. Dort bin ich vor 65 Jahren Mitglied der liberalen Partei gewor- den.

Von 1974 bis 1985 war er FDP-Chef. Aber zurückgeschreckt wäre ich nicht. Davon war ich 23 Jahre in der Regierung.bitten mit den Worten: »Nun macht mal schön!« Nein. Die FDP hatte es nicht in der Hand. Er meinte. unsere Außenpolitik zu formulieren. Sie haben der FDP viel zu verdanken. das auf Wechsel und Ablösung beruht. als einen Ihrer engsten Freunde. fühlte sich so mancher irritiert wegen der Schnelligkeit. dass er bei aller inneren Bewegung über den Abschied noch zu einem Scherz in der Lage ist. Bei der Gelegenheit: Hätten Sie eigentlich auch Bundeskanzler gekonnt? Darüber habe ich nie nachgedacht. wurde in Halle an der Saale geboren und ging 1952 in den Westen. seine Tochter. Da gibt es irgendwann eine Art Legitimationsproblem in einem System. Wie echt ist die Trauer? In besonderer Weise habe ich die Trauer um den ägyptischen Staatspräsidenten Anwar alSadat in Erinnerung. die aus Sicherheitsgründen Deutschland verließ und zum Studium nach England ging. Es war richtig aufzuhören. Sie berichtete mir von einer Tragödie bei uns zu Hause. Das habe ich. Er bestellte mir Grüße von seinem Amtsvorgänger Gromyko. Unser Haus wurde Tag und Nacht bewacht. bestand die Republik 43 Jahre. einem Menschen. die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte 1975 und die Wiedervereinigung 1990 tschow auch außenpolitisch nicht alles beim Alten bleiben. es würde unter Michail Gorba- Hans-Dietrich Genscher. meinte Gorbatschow. mit der Sie sich zurückzogen. unsere Bevölkerung mit Kühlschränken. und das mir gegenüber.« So ist es dann auch gewesen? Ja. aber er wisse ja. Es war genug. was mit diesem Mann alles möglich sein könnte? Diese Begegnung mit Gorbatschow hat mich tief berührt. wer von ihnen die Pistole schneller ziehen konnte. Was läuft falsch bei uns?« Damit stellte er die Systemfrage. denn damit war klargestellt. mir die außenpolitische Linie der neuen Regierung von Gorbatschow darzulegen. Haben Sie damals schon geahnt. selbst den Kanzler zu stellen. Während Ihrer 18 Jahre als Außenminister haben Sie an vielen Staatsbegräbnissen teilgenommen. Als es schließlich so weit war. Er wird Sie unterbrechen. mit dem Sie so reden können wie mit mir. dieser Mann wird die Welt verändern. Kann man sagen. was den Deutschen die Weihnachtsgans bedeute. Ich habe im Sommer 1991 mit meiner Frau zum ersten Mal darüber gesprochen. wie es mit Ihnen beiden begann? Ich erinnere mich an einen Besuch in Helsinki 1985. Aber ich fand damals. er habe soeben seine Fernseherklärung an die Völker der Sowjetunion beendet. die mit dem Politbüro abgestimmt sind. unter Helmut Schmidt und bis 1992 unter Helmut Kohl Außenminister. wenn der das alles macht. Sie dürfen nicht vergessen: Als ich 1992 ausschied. er meint es ehrlich. ebenso in der Rüstung. Er war unter Willy Brandt Innenminister. so war es. und der jugendlich wirkende russische Außenminister Schewardnadse kam dazu. Über Jahre ging das so. 14 . Nein. Einmal rief mich meine Frau an. dass wir den Amerikanern in der Raumfahrt mindestens ebenbürtig sind. ein junger Polizist hatte den Kommandoführer tödlich getroffen. alles hat seine Zeit. aber wir haben es versucht. dann haben wir zum ersten Mal eine reale Chance. Ich wollte nicht. Ja. Autos und Wohnungen zu versorgen. das hätte ich mir vorher nie vorstellen können. ein normales Leben zu führen. Dabei hatte sich ein Schuss gelöst. Diesen Genuss habe er uns nicht verderben wollen. Nach unserem Telefongespräch werde er den Kreml verlassen. das Gespräch sei erst am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages möglich. und er erwartet. dem er zum ersten Mal begegnete. Nach meinem Ausscheiden als Minister hätte ich Bundespräsident werden können. und dann sagte er einen bedeutsamen Satz: Er bat mich um Verständnis. Sie können es. Meine Frau sagte weinend: »Bei uns liegt ein toter Mann auf der Terrasse!« Ein Albtraum! Was bleibt? Sie bezeichnen Eduard Schewardnadse. dass mich eines Tages jemand fragt: Wann hören Sie endlich auf? »Warum hören Sie schon auf?« klingt besser. Es war der zehnte Jahrestag der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki. Zwei BGS-Beamte hatten wohl ausprobieren wollen. Damals habe ich zu meinem Mitarbeiter Ge