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ZEIT

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

Die Angst vor
Illustration: Smetek für DIE ZEIT

Moralweltmeister Deutschland

Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten

Fukushima, Libyen, die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Gutmenschen nerven, findet Josef Joffe. Sie sind nötiger denn je, antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49

WISSEN SEITE 37–40

Der alte Mann und das Drama der FDP

Schluss mit luftig
Die EU hat alles versucht, um Griechenland aus der Krise zu helfen. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER
er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Doch das heißt nicht, dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet, man macht sich unbeliebt. »Retten« ist ein hübsches Wort, aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Es kostet nur wieder Milliarden, und trotzdem beschimpft Europa uns, weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. »Umschulden«, die andere Möglichkeit, ist auch eine hässliche Sache, die im Englischen haircut heißt. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Vergessen. Nicht mehr bezahlen. Auch das käme alle teuer zu stehen. Die Griechen, denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte, ebenso wie die Deutschen und andere, die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.

Es grünt im Klub
Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO

Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Und: Philipp Rösler versucht, sich die Zukunft vorzustellen Magazin; Politik S. 7

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Europa will sich Ruhe kaufen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben
Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Diejenigen, die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen, positionieren sich als die guten Europäer. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da, obwohl doch alle gleichermaßen wissen, dass es ohne Europa nicht geht. Wir erleben einen Austausch von Forderungen, Schuldzuweisungen und Dementis, in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Sooft dieser Tage in Ministerien, Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf- und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd, was kommt. Klar ist einzig, dass die Griechen mit dem ersten, 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften, sondern echtes Geld kosten werden. Viel Geld. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein, doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Gleichwohl verlangen die EU, die Euro-Gruppe und die Zentralbank, dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, dem Vertreter des kleinen Luxemburgs, will das offizielle Europa Ruhe, was sie auch kostet. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt, wenn Europa weiter zahlt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler

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www.zeit.de/audio

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Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich, wohl aber die Stimmung. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog, die Griechen überlegten, aus dem Euro auszutreten: Selbst dort, im Land, in das so viel Geld fließt, wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag, so desaströs seine Folgen wären. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Der Rettungsfonds will weiter retten, die EU dabei mitregieren. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei, seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Käme es jetzt zum griechischen haircut, dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Nein, Ruhe wird in keinem Fall eintreten, auch nicht beim haircut. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los, einige seiner Banken brauchten neue Hilfen, und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen, damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten, als gäbe es kein Morgen – und der Staat, der nicht aufgepasst hatte, deshalb unser aller Geld retten musste. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst, der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Was dagegen geschieht, wenn Europa immer weiterzahlt, zeichnet sich schon ab. Irland, seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm, will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Wer wollte sie den Iren abschlagen, wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen, sondern auch an zu viel. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören, so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also, an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wer der bessere Europäer ist, da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Die Frage ist vielmehr, was auf lange Sicht besser für Europa ist. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Europa sollte die Umschuldung wagen.

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uch wenn man die Grünen nie gewählt hat, jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt, und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg, die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage, ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland, das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt, die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Als Ausdruck einer Stimmungswahl, die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Aber die Diagnose ist unvollständig, wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt, das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar, noch nie schienen sie so entschlossen zu sein, ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott, sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei, die sie früher nie gewählt hätten. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.

Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg
Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran, nun gelte es, die Erwartungen der Bürger zu erfüllen, die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. In Interviews sprach er davon, man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«, und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte, dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten, weil dies ein überholter Begriff sei, so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege, das zu werden, was gemeinhin eine Volkspartei ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus, dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Das klingt weit unattraktiver als das, was

sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte, jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition, bestrebt, möglichst viele Menschen mitzunehmen, statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft, und darin liegt eine Chance: In einer Zeit, in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird, könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt, die SPD, die zweite Volkspartei, bleibt auch eine. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Die Entscheidung Kretschmanns, der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen, ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner, der sich tief gedemütigt fühlen muss. Das ist umso generöser, als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie, das Beharren auf Posten und alten Positionen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen, als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus, wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen, die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben, und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr, bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen, in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen; nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum- und Bahnhofsschützern, plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub!

ZEIT ONLINE
Bienen am Schaalsee. Wellen am sardischen Strand. Kleine Augenblicke, die verzaubern
Eine neue Videoserie unter www.zeit.de/video-momente

PROMINENT IGNORIERT

Skandal auf Samoa
Dass der Inselstaat Samoa, bislang östlich der Datumsgrenze gelegen, beschlossen hat, um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern, dessen Datum anzunehmen, also einen Tag zu überspringen, ist schlicht ein Skandal. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte, würden Schulden nicht getilgt, Geburten hinfällig, und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. GRN.
kleine Abb. (v.o.n.u.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost); Jonas Unger für DZ; Mauritius

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AUSGABE:

2 12. Mai 2011

DIE ZEIT No 20

POLITIK
M O R A LW E L T M E I S T E R D E U T S C H L A N D

Worte der Woche

»

Das waren die längsten 40 Minuten meines Lebens.«

Barack Obama, US-Präsident, auf die Frage,

wie er sich während des tödlichen Angriffs auf Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden gefühlt habe

»Pakistan behält sich vor, mit voller Kraft zurückzuschlagen.«
Yousuf Raza Gilani, Regierungschef Pakistans, nach dem aus seiner Sicht rechtswidrigen Einsatz der Amerikaner auf dem Staatsgebiet seines Landes, der sich nicht wiederholen dürfe

Ob Deutschland sich bei der Entscheidung der Vereinten Nationen über einen Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Gadhafi enthält, die Regierung mal eben aus der Kernkraft aussteigen will oder das Land erregt über die Tötung des Al-Qaida-Chefs bin Laden diskutiert – manch einer im Ausland wundert sich in diesen Tagen.

Der Vorwurf steht im Raum: Die Deutschen wüssten wieder einmal alles besser. Aber stimmt das? Sind wir wirklich Moralweltmeister? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe streiten über das deutsche »Gutmenschentum« (Seite 4). Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt den

Alleingang der Bundesregierung beim geplanten Ausstieg aus der Kernenergie: »Jedes Land diskutiert bestimmte Fragen besonders gründlich« (diese Seiten). Und Adam Soboczynski erklärt, warum der moralische Idealismus, der nun wieder zum Vorschein kommt, tief in der deutschen Geistesgeschichte wurzelt (Seite 49)

»Diese Leute werden in den sicheren Tod geschickt.«
Laura Boldrini, UNHCR-Sprecherin in Italien,

zum Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer

»Ich bitte alle: Lasst Griechenland in Frieden seinen Job tun.«
Giorgos Papandreou, griechischer Premierminister,

»Ausbüxen gibt’s nicht mehr«
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt ihre ganz persönliche Energiewende, warum die Deutschen besonders fundamental über Kernenergie streiten und warum Deutschland auch mit mehr Windrädern ein schönes Land bleiben wird
ZEIT: Wo waren Sie am 12. März, wie haben Merkel: (lacht nicht) Ich habe nachgeschaut, ob schwerste Projekt Ihrer Amtszeit vor sich: die Sie von der nuklearen Katastrophe erfahren? das Wort »Brückentechnologie« vorkommt. Es Energiewende. Ist Ihnen bewusst, dass Freund Merkel: Ich war in der Nacht vom EU-Rat aus kam vor. So war ich zufrieden. Schauen Sie, die und Feind große Schwierigkeiten haben, da Brüssel zurückgekehrt. Schon das Erbeben und Volkspartei CDU ist vielleicht diejenige Partei, mitzukommen? die Bilder von der gewaltigen Flutwelle hatten die in dieser Frage die größte Spannbreite von Angela Merkel: Es ist ein interessantes, span- mich tief erschüttert. Während der Sitzung des Meinungen hat. nendes und großes Projekt. Aber ich weiß nicht, EU-Rates haben mich Mitarbeiter des Kanzler- ZEIT: Der Riss geht quer durch CDU und ob es das schwerste ist. amtes über die dramatischen Ereignisse stets auf CSU. ZEIT: Mit das schwierigste! dem Laufenden gehalten, am Freitagabend hat- Merkel: Ja. Die Grünen haben damit kein ProMerkel: Natürlich hat das entsetzliche Unglück te Japan ja den atomaren Notstand ausgerufen. blem, für sie ist die Sache klar, das Thema ist ein von Fukushima, dessen ganzes Ausmaß ja im- Als ich Samstag früh aufstand, sah ich im Fern- Gründungsimpuls dieser Partei. Bei uns stellen mer noch nicht abzusehen ist, uns vor eine un- sehen Berichte von der Wasserstoffexplosion im sich viele die Fragen: Kann Deutschland es erwartete Situation gestellt. Daraus jetzt die Kernkraftwerk. Ich bin dann zu einer Wahl- schaffen? Ist es wirtschaftlich? Trägt das Vernötigen Konsequenzen zu ziehen kann zum kampfveranstaltung nach Rheinland-Pfalz ge- trauen in die erneuerbaren Energien? Deshalb ersten Mal zu einem umfassenden Konsens in fahren. Die Stimmung dort war sehr gedrückt. wird es in den kommenden Wochen wichtig dieser Frage, zu einem Zusammenrücken der Alle standen unter dem Eindruck der vielen sein, diese Bedenken ernst zu nehmen und daGesellschaft führen, auch wenn einige Unter- Todesopfer, der Zerstörung und eben auch der rauf Antworten zu finden. ZEIT: Sie haben ja zwei Wenden in der Atomschiede bleiben. nuklearen Gefahr, die offenkundig wurde. ZEIT: Was war für Sie als Politikerin und als ZEIT: Sie haben sich gerade an die bedrückte energie vollzogen, erst eine Verlangsamung des Physikerin das Unerwartete? Stimmung im Wahlkampf erinnert. Glauben Ausstiegs und jetzt eine Beschleunigung des Merkel: Ich habe persönlich nicht erwartet, dass Sie, den Deutschen wäre ein Festhalten an den Ausstiegs. Sie haben im letzten Herbst zur Laufdas, was ich für mich bis dahin als ein theoreti- verlängerten Laufzeiten vermittelbar gewesen? zeitverlängerung gesagt, dass die Kernenergie sches und nur deshalb verantwortbares Rest- Merkel: Ich habe mich nicht gefragt, was ver- nicht länger als »unbedingt notwendig« laufen risiko gesehen hatte, Realität wird – und zwar in mittelbar ist, sondern ich hatte – wie viele ande- solle. Damals waren für Sie aber viel längere einem Hochtechnologieland wie Japan. Wie re mit mir – den Impuls, dass wir unsere Ent- Laufzeiten »unbedingt notwendig« als heute. sehr aber auch ein Industrieland wie Japan, das scheidungen vom letzten Herbst und damit die Wieso? an technischem Können, Disziplin, Ordnung, Sicherheitsstandards in Deutschland noch ein- Merkel: In der Tat: Wir haben gesagt, auch wir Gesetzlichkeit uns in nichts nachsteht, davon mal auf den Prüfstand stellen müssen. Vermit- steigen aus der Kernenergie aus – dieser Konerschüttert werden kann und in welche Lage die telbar ist es dann – das sage ich jetzt auch als sens, den es in Deutschland gibt, wird oft überMenschen dort gestürzt wurden – das ist das Parteivorsitzende der CDU –, wenn wir nach- sehen –, allerdings später als bei Rot-Grün, desweisen können, dass wir halb die Laufzeitverlängerung. Das unterscheiEinschneidende dieser KataWirtschaftlichkeit und Um- det uns Deutsche von weiten Teilen Europas: strophe. Ich weiß, dass andere weltfreundlichkeit vernünf- Wir bauen keine neuen Kraftwerke. Wir steigen Menschen vor solchen GefahIch habe nicht tig zusammenbringen. Die aus. Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren ren durchaus gewarnt haben; erwartet, dass das, was CDU hat mit der sozialen Energien erreichen. für mich lagen sie für ein Hochich für mich bis dahin Marktwirtschaft schon eintechnologieland mit hohen SiUnser Energiekonzept vom Herbst hat eine mal vermeintlich Unver- klare Zielsetzung: Deutschland soll konsequent cherheitsstandards bis vor Kurals ein theoretisches söhnliches zusammen- den Weg in die erneuerbaren Energien gehen. zem außerhalb dessen, was ich und nur deshalb gebracht, nämlich Kapital Nur so lange, wie sie auf diesem Weg notwenin meinem Leben erleben werverantwortbares und Arbeit. Jetzt haben wir dig ist, soll die Kernkraft noch eine Rolle spiede. Restrisiko gesehen die Chance, auch die Ver- len. Wir haben also ein in sich schlüssiges KonZEIT: Was hat ein Physiker hatte, Realität wird pflichtung, Wirtschaftlich- zept erarbeitet. Aus heutiger Sicht würde ich eher vor Augen, das Restrisiko keit und Umweltfreundlich- sagen: Wir haben im Herbst einen durchaus oder die große Wahrscheinlichkeit unter der Leitlinie der machbaren Weg in das Zeitalter der erneuerkeit, dass nie etwas passieren Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Es geht baren Energien beschrieben – und damit schon wird? Merkel: Die Frage muss anders gestellt werden. darum, unseren Anspruch als Industrieland in weit mehr getan als Rot-Grün damals. Jeder Mensch muss in seinem Leben Risiken Einklang zu bringen mit unserem Ehrgeiz, eines ZEIT: Ein bequemer Weg! eingehen. Auch die Teilnahme am Verkehr, wo Tages ganz auf die erneuerbaren Energien zu Merkel: Nein, das im Herbst formulierte Ziel, ich jeden Tag überrascht werden kann, ist ein setzen. Wir werden es schaffen, viele dafür zu im Jahr 2050 80 Prozent unseres Stroms aus ErRisiko, das ich eingehe. Aber das Risiko bei der begeistern. neuerbaren zu beziehen, ist schon sehr ambitioKernenergie ist sowohl wegen der über Genera- ZEIT: Sie hatten bei Ihrer Entscheidung zwei niert, man darf sich da keinen Illusionen hintionen reichenden zeitlichen als auch der über Landtagswahlen vor sich. geben. Aber gemessen an der Entschlossenheit Ländergrenzen hinausgehenden räumlichen Merkel: Richtig. Und wenn man – wie ich nach heute, war es damals ein, sagen wir mal, ruhigeAuswirkungen, wenn das an sich Unwahr- Fukushima – eine politische Position zu über- rer Weg, zurückhaltender. scheinliche doch eintrifft, ein völlig anderes. prüfen und zu verändern hat, dann ist Wahl- ZEIT: Sie haben in jenem Herbst auch gesagt, Hinzu kommt die Unsichtbarkeit, also Nicht- kampf auf der einen Seite eine ungünstige Zeit, man dürfe aus der Atomenergie nicht vorzeitig fassbarkeit der Strahlung. Das Restrisiko der weil natürlich sofort der Vorwurf gemacht wird, »aus ideologischen Gründen« aussteigen. Sind Kernenergie kann man deshalb überhaupt nur dass ich das jetzt nur mache, weil halt Wahl- Sie jetzt die Ideologin, oder waren Sie es daakzeptieren, wenn man überzeugt ist, es tritt kampf ist. Das kann man nicht vermeiden, aber mals? nach menschlichem Ermessen nicht ein. Für davor darf man auch keine Angst haben. Auf Merkel: Wäre ich das jemals gewesen, dann mich ist infolge Fukushimas deshalb die Frage der anderen Seite aber ist es genau die richtige hätte ich in den neunziger Jahren schon als Umübermächtig geworden: Welche Alternativen Zeit, weil man als Politiker auf all den Wahl- weltministerin keine Energiekonsensgespräche hast du, um zu zeigen, dass man ohne das Rest- kampfveranstaltungen mehr unter Menschen mit dem damaligen niedersächsischen Ministerrisiko der Kernkraft leben kann? ist als sonst. Und da muss man einfach über die präsidenten Schröder führen können, die daZEIT: In Japan haben ein Tsunami und ein Themen sprechen, die alle gerade bewegen. Ich mals übrigens auch nicht an uns beiden gescheitert sind. Dennoch: Die Erdbeben zugleich dieses Restrisiko eintreten sage Ihnen, auch wenn ich das Auseinandersetzung um die lassen. Halten Sie so etwas auch bei uns für nie beweisen kann: Wäre kein Kernenergie hatte in Wahlkampf gewesen, hätte ich denkbar? Man kann die Deutschland schon lange Merkel: Exakt mit diesen konkreten Ereignissen es genauso gemacht. zusätzlichen Windauch eine fast kulturelle Dinatürlich nicht. Denn man weiß ja, dass Japan ZEIT: Wäre das Wahlergebnis räder entlang der mension, da standen sich erdbebengefährdeter ist als Deutschland. Man schlechter ausgefallen, wenn Autobahnen bauen. Parteien und Milieus fast weiß, dass Japan anders als Deutschland schon Sie es anders gemacht hätten? unversöhnlich gegenüber. unter Tsunamis zu leiden hatte. Man weiß, dass Merkel: Meine These ist: eher Daran wird unser deswegen dort die Küstenregionen gefährdet ja, aber das ist natürlich rein Land nicht zerbrechen, Ein unguter Zustand, zu dem alle Seiten ihren Beitrag sind, und trotzdem hat man dort Kernkraft- spekulativ, und das war es und es wird immer geleistet haben. werke hingebaut. Wir in Deutschland brauchen nicht, was mich angetrieben noch schön sein Kernkraftgegner haben vor einer exakten Wiederholung der japanischen hat. Wahlkampf kann Politiker gesagt, sie wollten mit dieKatastrophe bei uns natürlich keine Sorge zu durchaus eher schneller dazu sem Restrisiko nicht leben, haben. Aber wir haben dennoch allen Grund, bringen, das Richtige zu tun, zu fragen, ob sich auch bei uns unglückliche aber aus rein taktischen Gründen, also wenn sie haben sich aber immer sehr darauf konzenUmstände zu etwas Katastrophalem zusammen- gar nicht ehrlich gemeint gewesen wäre, hätte triert, den Ausstieg umzusetzen, und die Frage, ballen könnten: zivilisatorische Risiken, aber ich diese Entscheidung, die neue Ausrichtung wie man in eine bessere Energieversorgung einauch naturbedingte Ereignisse, verbunden etwa der Energiepolitik vom vergangenen Herbst steigt, schleifen lassen. Auch über das Problem, mit einem Stromausfall über längere Zeit, eine deutlich zu beschleunigen, nie getroffen, weil dass man möglicherweise aus dem Ausland Verkettung also von Umständen, die nach ich sie dann nie mit innerer Überzeugung hätte Strom, auch Strom aus Kernkraft importieren menschlichem Ermessen und allen Wahrschein- vertreten können. Ich bin nun über fünf Jahre muss, haben sie zu sehr hinweggesehen. Uns lichkeitsberechnungen bis jetzt nach bestem Bundeskanzlerin – nein, so etwas scheidet für dagegen haben viele im Herbst nicht abgenommen, dass wir das Zeitalter der erneuerbaren Wissen und Gewissen ausgeschlossen wurde. Es mich aus! geht also um die Belastbarkeit von Wahrschein- ZEIT: Wie haben Sie denn in diesem Zusam- Energien wirklich erreichen wollen, weil die lichkeitsanalysen und Risikoannahmen. Des- menhang den Namensbeitrag von Helmut Kohl öffentliche Diskussion nur um die Frage »Verhalb haben wir eine Sicherheitsüberprüfung al- am Tag vor der Wahl gelesen – der ja eine Auf- längerung, ja oder nein?« kreiste und es uns ler Kernkraftwerke angeordnet. Nach einem forderung zum Festhalten an längeren Laufzei- nicht gelungen ist, mehr Augenmerk auf die anderen wesentlichen Elemente des EnergieEreignis der Größenordnung von Fukushima ten war? sehe ich mich außerstande, diese bei uns zuvor Merkel: Ich habe ihn als Unterstützung wahr- konzepts zu lenken. Interessanterweise werfen andere, die immer nur theoretisch ins Auge gefassten Verkettungen genommen. von Risiken einfach zu verdrängen und zu sa- ZEIT: (Interviewer lachen) Wie haben Sie dieses einen schnellen Ausstieg verlangt haben, plötzlich Fragen auf, die sie sich selbst bis dahin gar gen, um die kümmere ich mich nicht. Wunder der Wahrnehmung vollzogen? DIE ZEIT: Frau Bundeskanzlerin, Sie haben das

zu den Gerüchten, sein Land drohe aus der Euro-Zone auszuscheiden

»Diejenigen, die das Treffen organisiert haben, haben ein ziemliches Desaster angerichtet.«
Martin Schulz, Vorsitzender der Sozialisten im EU-Parlament, zu dem zunächst geheimen Treffen von Vertretern der Euro-Zone

»Ich war immer gerne Fraktionsvorsitzende.«
Birgit Homburger nach ihrem eher widerwilligen

Verzicht auf den FDP-Fraktionsvorsitz

»Die FDP hat immerhin Humor.«
Volker Beck, Geschäftsführer der

Grünen-Fraktion, zu den Personalquerelen der Liberalen

»Wenn wir alle ein bisschen zusammenrücken, haben wir dazwischen viel mehr Platz für Natur.«
Matthias Horx , »Zukunftsforscher« und Gründer des Zukunftsinstituts, über eine ökologischere Stadtplanung

»Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute.«
Wes Craven, Horrorfilmregisseur, auf die Frage,

wovor sich die heutige Jugend grusele

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ZEITSPIEGEL

Ausgezeichnet
Das ZEITmagazin wurde am vergangenen Wochenende mehrfach ausgezeichnet. Am Freitag bekam Susanne Leinemann in Hamburg den Henri-Nannen-Sonderpreis für ihr Stück »Der Überfall« (Nr. 49/10). Darin beschrieb sie, wie Jugendliche sie brutal zusammenschlugen. Am Samstag wurde das ZEITmagazin bei der Preisverleihung des Art Directors Club (ADC) in Frankfurt am Main elfmal ausgezeichnet. Damit war es der meistprämierte Titel und zugleich der einzige, der Gold gewann – und zwar für das Doppelcover mit dem Schauspieler Gérard Depardieu (Nr. 41/10). Die Infografik-Seite im Ressort Wissen der ZEIT wurde zweimal ausgezeichnet, darunter einmal mit Silber. Für seine Reportage »Ich denke, dass es meine Bestimmung ist, hier zu sein« ist der Autor Frederik Obermaier mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnet worden. Obermaier hatte in Ausgabe 4/10 von ZEIT CAMPUS die Radikalisierung der niederländischen Studentin Tanja Nijmeijer nachgezeichnet, die sich den Farc-Rebellen im Kolumbianischen Dschungel angeschlossen hatte. DZ

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NÄCHSTE WOCHE IN DER ZEIT

Regional ist das neue bio. Das behaupten die Marktforscher, so sagen es die Kochbuchverlage. Weil wir Lebensmitteln mehr vertrauen, die aus unserer Nähe kommen? Weil Essen auch ein Kulturgut ist? – In einer 40seitigen Beilage zu regionalen Zutaten und regionaler Küche beschäftigen wir uns mit diesem Trend. Darin interpretieren zwölf junge Spitzenköche exklusiv zwölf Rezepte ihrer Heimat neu WISSEN

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nicht gestellt haben. Sie mahnen nun, wir sollten aufpassen, dass der Strom bezahlbar bleibt. Das war für die Union immer schon ein zentraler Gedanke. Dieser ganze Prozess führt nun vielleicht dazu, dass die Gesellschaft den Ausstieg als gemeinsame Anstrengung annimmt und auch Nachteile – siehe Netzausbau, siehe Speicherwerke, siehe Windmühlen im Landschaftsbild – in Kauf nimmt, weil wir uns alle gemeinsam auf einen ehrlichen Weg machen müssen. ZEIT: Bevor wir uns der Zukunft zuwenden, wollen wir noch ein paar Minuten nachtragend sein. Merkel: Bitte! ZEIT: Haben Sie, als Sie die Bilder von Fukushima gesehen haben, die Laufzeitverlängerung bereut? Merkel: Nein, ich spürte aber sofort, dass das, was ich damals aus Überzeugung vertreten habe, auf den Prüfstand muss. Wir haben über die Laufzeitverlängerung jahrelang gesprochen – im Übrigen auch im Wahlkampf –, es konnte also keiner überrascht sein, dass wir das getan haben. Ich habe, wie gerade dargestellt, schon im Herbst bedauert, dass wir nicht ausreichend deutlich machen konnten, dass es uns wirklich um einen konsequenten Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien geht. Gerade auch als ehemalige Umweltministerin habe ich das bedauert. Andere haben uns den Vorwurf gemacht, wir würden den Energieversorgungsunternehmen einen Gefallen tun, damit die möglichst viel erlösen. ZEIT: Und das stimmte gar nicht? Merkel: Das hat nie gestimmt. Durch unser Energiekonzept wurden die Energieversorgungsunternehmen erheblich belastet. Ihre wirtschaftliche Lage ist im Übrigen nicht so exorbitant gut, dass sie jede Belastung schultern könnten. Wir haben schließlich ein Interesse an erfolgreichen großen heimischen Energieerzeugern; die Stadtwerke alleine werden es nicht schaffen. ZEIT: Es entstand auch der Eindruck, dass Sie bei Ihrer Entscheidung unter Druck gesetzt wurden. Merkel: Ein falscher Eindruck, niemand setzt mich unter Druck. ZEIT: Mehrere namhafte Wirtschaftsvertreter und andere Prominente veröffentlichten damals eine Anzeige, um die Verlängerung der Laufzeiten zu unterstützen. Haben Sie das als hilfreich empfunden? Merkel: Nein. Wenn ich so große Anzeigen sehe, bin ich eher traurig über das ausgegebene Geld, weil ich als Parteivorsitzende aus Wahlkämpfen weiß, wie viel das kostet. Als hilfreich habe ich sie nicht empfunden. ZEIT: Sie haben im vergangenen Herbst auch gesagt, sowohl die Atomenergie als auch Kohlekraftwerke sind Brückentechnologien. Jetzt soll die Brücke der Atomenergie verkürzt werden. Muss dadurch die Kohlebrücke verlängert werden? Und was sagt die Klimakanzlerin dazu? Merkel: Wenn wir nun schneller aus der Kernenergie aussteigen, dann wird sich zeigen, dass wir Ersatzkraftwerke brauchen, nach meiner Meinung vornehmlich Gaskraftwerke. Auf jeden Fall werden wir hoch effiziente Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen benötigen. Das verändert unsere CO₂-Bilanz, was wiederum bedeutet, dass wir Wege finden müssen, um an anderer Stelle mehr einzusparen, um das auszugleichen. Wir müssen die Gebäudesanierung schneller vorantreiben und die Energieeffizienz unserer Produkte und unserer ganzen Wirtschaft noch rascher verbessern, um diese zusätzlichen CO₂-Emissionen anderswo einzusparen. ZEIT: Die Zahl steht: neun bis zehn neue Kohlekraftwerke in den nächsten zwei Jahren. Merkel: Das haben die Unternehmen und der Markt zu entscheiden und teilweise schon entschieden. Bei künftigen Festlegungen über Kraftwerksprojekte spricht vieles auch für Gas: Gaskraftwerke können am schnellsten gebaut werden, sie sind flexibel als Ergänzung erneuerbarer Energien einsetzbar, und Gaskraftwerke haben weniger CO₂-Emissionen. ZEIT: Sehen Sie das Klimaziel für 2020 gefährdet? Merkel: Nein, das müssen und werden wir schaffen. Wir schalten ja ganz sicher nicht alle Kernkraftwerke sofort ab. Danach erst stellen sich die entscheidenden Fragen, die Schwierigkeit wird also sein, von etwa 2020 bis 2035 oder 2040 zu kommen.

Foto: Michael Brauner/stockfood

POLITIK

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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BÜCHER MAC

HEN POLITIK

Der Käfighalter
Geradlinig? Nun ja. Zwei Autoren porträtieren Winfried Kretschmann
Der Mann, der an diesem Donnerstag in Stuttgart zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik gewählt werden soll, hat ein prägnantes Image: Winfried Kretschmann sei konservativer, als es die CDU erlaube, heißt es, prinzipienfest bis zur Halsstarrigkeit und ein ausdauernder Leser der Philosophin Hannah Arendt. Nun ist pünktlich zur geplanten Vereidigung des 62-Jährigen eine Biografie erschienen, in der die gängigen Klischees über Kretschmann mit Lust zerlegt werden. Zum Vorschein kommt ein Mann, der einen weiten Weg hinter sich hat – und unterwegs ziemlich geschmeidig agiert hat. Ganze drei Wochen haben die Journalisten Peter Henkel und Johanna Henkel-Waidhofer für diese Neubewertung gebraucht, was der Sache nicht geschadet hat. Das Tempo führt sie ohne Umschweife zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen: Kretschmanns antiautoritärer Katholizismus, sein Kulturpessimismus, seine Art von Liebe zur Natur, der Weg »von Mao zur Mitte«. Die beiden Stuttgarter Journalisten – er jahrzehntelang bei der Frankfurter Rundschau, sie Lokalkorrespondentin – kennen Winfried Kretschmann, seit er seinen allerersten Auftritt im Stuttgarter Landtag verpasste: Im März 1980 gehörte Kretschmann zu der sechsköpfigen Fraktion, mit der die Grünen erstmals in das Parlament eines Flächenstaates einzogen. Aber die Vereidigung von Lothar Späth (CDU) zum Ministerpräsidenten versäumte der Neuparlamentarier, weil er es wichtiger fand, in Gorleben zu protestieren. Als Kretschmann die Grünen mitgründete, war er alles andere als ein Konservativer. Als Sohn einer katholischen Vertriebenenfamilie aus dem Ermland war er mit der Erfahrung aufgewachsen, wie man in der Fremde erst verachtet und dann aufgenommen wird. Er hatte ein katholisches Internat mit viel schwarzer Pädagogik hinter sich gebracht, aber auch die befreiende Wirkung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahren. Bei der Bundeswehr erlebte er die klassische Schinderei, was ihn aber nicht daran hinderte, den Pazifismus der Peter Henkel/ grünen Gründerjahre für eine Johanna Lebenslüge zu halten – schon Henkelim Hinblick auf die Befreiung Waidhofer: Winfried Nazi-Deutschlands durch die Kretschmann. Alliierten. »Ich bin von Hause Das Porträt aus kein Pazifist«, hat er da- Herder, 14,95 € mals klargemacht. »Ich habe nicht den Kriegsdienst verweigert und bin schon von Natur aus ein Typ, der sich verteidigt und dem anderen dabei auch mal eine in die Fresse bügelt.« Aus manchen Landtagsprotokollen der achtziger Jahre lässt sich die Verzweiflung ermessen, die Kretschmann gelegentlich in der CDU-geführten Republik erfasste. »Es hört doch niemand auf einen«, rief Kretschmann einmal ins Plenum. »Erst wenn man mal ein Ei wirft, dann ist die Presse da. Wenn Grundrechte in ihrer Substanz gefährdet werden, dann sind wir auch zu Regelverletzungen bereit. Wir sind eine radikale Partei, weil man eine Politik machen muss, die die Probleme an der Wurzel löst.« Keine sonderlich konservative Position. Im Laufe der Jahre hat sich Kretschmanns Verhältnis zu den beiden Volksparteien viel rasanter verändert, als es das Image vom stets prinzipienfesten grünen Konservativen glauben machen will. 1982 wirbt er in einem ausführlichen Aufsatz für ein Bündnis mit der SPD, ausgerechnet wegen der großen Übereinstimmungen in der Sozialpolitik; ein Bündnis mit der Union hält er »auf absehbare Zeit kaum für möglich«. Schon ein Jahr später begeistert er sich für ökolibertäre Überlegungen. Über die Sozialpolitik sagt er in jener Phase: »Nur wo Mangel herrscht, kann es Freiheit geben.« Dann wieder, 1992, plädiert er für Rot-Grün, während er 1999 findet, es sei »bitter notwendig, dass es irgendwo zu einer schwarz-grünen Koalition kommt«. Die Republik, so glaubt er 2000, braucht die CDU. 2010 ist es dann »an der Zeit, dass die Schwarzen in der Opposition landen«. Auch zu Kretschmanns eigener Ökologie haben die beiden Autoren Interessantes zutage gefördert. Die Familie von Kretschmanns Frau Gerlinde besaß in Laiz eine Hühnerfarm mit 600 Tieren in Käfigen – die Art der Tierhaltung, die demnächst verboten sein wird. Als die drei Kinder klein waren, machten die Kretschmanns dort regelmäßig Urlaub. Der künftige Ministerpräsident Baden-Württembergs sammelte die Eier ein, fütterte die Tiere, hielt die Käfige sauber und reparierte. »Wer von der Eierproduktion leben will«, so sah er es, »kommt ohne Käfighaltung in Probleme.« Die Konstante in Kretschmanns Charakter lassen die Autoren von einem Parteifreund zusammenfassen: »Winfried Kretschmann ist der anständigste Mensch, der je in Deutschland Regierungschef wurde.« MARIAM LAU

»Ich bin nun über fünf Jahre Bundeskanzlerin.« Angela Merkel am Dienstag der vergangenen Woche im Kanzleramt

ZEIT: Wie stellen Sie sich die Lastenverteilung

dieser Energiewende vor: mehr zulasten des Verbrauchers oder des Steuerzahlers? Merkel: Jeder Steuerzahler ist auch Verbraucher, nicht alle Verbraucher sind Steuerzahler. Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz alle Verbraucher in die Lastenverteilung einbeziehen. Gerade zwischen 2009 und 2011 gab es einen großen Sprung in der Umlage, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstand, nämlich von knapp 1,5 Cent auf über 3 Cent pro Kilowattstunde. ZEIT: Die Frage nach den Kosten beschäftigt die Menschen sehr. Wann können Sie ihnen greifbare Zahlen nennen? Merkel: Bald. In der Wirtschaftskrise hatten wir einen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel, in den letzten Wochen lag er wieder zwischen 120 und 130 Dollar. Mit diesen Schwankungen leben die Menschen heute schon. Sie werden auch mit den Schwankungen beim Strompreis leben müssen, die sich aus veränderten Restlaufzeiten von Kernkraftwerken ergeben. ZEIT: Wird es ein schöneres Land sein, mit neuen Stromtrassen, wärmegedämmten Häusern und vielen hohen Windrädern? Merkel: Im Vergleich zur Zeit vor 20, 30 Jahren ist unser Land doch an vielen Stellen schöner geworden. Damals waren viele Flüsse vergiftet, heute baden und fischen die Menschen wieder in ihnen. Die Industrie arbeitet insgesamt viel umweltschonender, nicht nur in meiner ostdeutschen Heimat, dort ist der Unterschied natürlich frappierend. Also wirklich: Ich glaube nicht, dass unser Land viel weniger schön wird, nur weil wir Energie anders produzieren und den Strom auch durchleiten müssen. ZEIT: Das sagen Sie, obwohl Sie in Ihrem Heimatland so schöne Landschaften vor Augen haben. Merkel: Mecklenburg-Vorpommern hat 1 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausgewiesen, 99 Prozent also nicht. Natürlich sieht man diese Windräder zum Teil schon von Weitem, in meinem Wahlkreis stehen zum Beispiel besonders viele. Aber man kann die zusätzlichen teilweise entlang der Autobahnen, der großen Verkehrstrassen bauen. Hochspannungsleitungen können vielleicht zum Teil entlang der Eisenbahnstrecken geplant werden. Daran wird

unser Land nicht zerbrechen, und es wird noch immer schön sein. ZEIT: Wir könnten stundenlang zuhören, wie Sie die Härten der Energiewende vertreten! Geschmacksfragen sind da nicht so wichtig? Merkel: Selbstverständlich ist der Erhalt der Schönheit unserer Landschaft wichtig, aber die Diskussion ist nicht neu. Denken wir nur daran, was los war, als vor 150 Jahren plötzlich die Eisenbahnen zu rattern begannen. Da sahen manche auch das Ende gekommen. Jede Generation hat die Aufgabe, die Infrastruktur der Zukunft möglich zu machen. Auf der anderen Seite bauen wir heute auch Industriebauten wieder zurück. Kohlezechen sind heute Kulturstätten, und manch altes Tagebaugebiet dient der Naherholung. ZEIT: Sie verteidigen diesen Weg ganz anders, als Grüne das machen. Die Grünen sagen: Es wird alles ganz schön, und Sie sagen: Stellt euch nicht so an! Ist das die Merkelsche Energiewende? Merkel: Ich sage nicht: Stellt euch nicht so an. Ich lese jetzt von Designerwettbewerben um schöne Hochspannungsleitungen. Damit will ich nicht kommen, ich versuche, die Aussichten ganz realistisch zu beschreiben. Ja, es wird sich mancherorts etwas ändern. Mancher wird erleben, dass in der Nähe seines Wohnorts eine Leitung gebaut wird, wo vorher keine war. Das hat es zu allen Zeiten und in vielen Formen gegeben. Bei dem einen wird eine Straße gebaut, bei dem anderen eine Fabrik. In Berlin entsteht gerade ein Flughafen neu. Wir Politiker haben die Pflicht, gut zu begründen, warum das manchmal nötig ist, wir müssen auf die Fragen der Menschen Antworten haben. ZEIT: Planen Sie eine verbindliche Laufzeit für jedes einzelne AKW? Merkel: Es gibt die Möglichkeit, die Summe an Kilowattstunden festzulegen. Es gibt die Möglichkeit, die Restlaufzeit in Jahren festzulegen. Und es gibt die Möglichkeit, diese beiden Varianten zu mischen. Wir haben das noch nicht entschieden. ZEIT: Wie wollen Sie die Endlagerfrage lösen? Wollen Sie außer in Gorleben noch woanders bohren? Erwarten Sie mehr Kooperation von Baden-Württemberg zum Beispiel? Merkel: Ich denke nicht, dass man jetzt überall parallel bohren sollte. Das wäre Unsinn. Die

Endlagerfrage kommt auf den Tisch, wir wer- manchmal, wir bezögen 80 Prozent aus Kernden über sie sprechen, wenn das neue Energie- energie. Das ist ja gar nicht der Fall. konzept steht. Grundsätzlich bin ich überzeugt, ZEIT: Aber keiner hat so radikal und schnell dass es nicht dadurch leichter wird, dass man reagiert wie Deutschland. die Last der Suche und Erkundung auf fünf Merkel: Das ist richtig. Orte verteilt. ZEIT: Wie kommt das? ZEIT: Was nutzt dieser ganze schöne Ausstieg, Merkel: So fundamental wie bei uns wird fast wenn wir umringt sind von Ländern, die die nirgendwo sonst über Kernenergie diskutiert. Kernenergie weiter ausbauen? Hier ist eine ganze Partei darüber entstanden. Merkel: Eine sehr berechtigte Frage, zumal in ZEIT: Sind die Deutschen so ängstlich wegen einem europäischen Binnenmarkt: Was nützt des Restrisikos, oder sind sie nur mutig genug, es Deutschland, wenn es sich nach seiner neue Wege zu gehen? Überzeugung richtig verhält, und alle anderen Merkel: Jedes Land diskutiert bestimmte Fratun es nicht? Wenn ich jedoch zuallererst da- gen sehr gründlich. In den Debatten über die nach frage, ob auch alle anderen von meiner Solidarität in der Euro-Zone und die Stabilität Haltung überzeugt sind, oder wenn ich nur an unserer Währung stelle ich auf europäischer die anfänglichen Nachteile meines eigenen, Ebene Fragen, die sonst kaum einer stellt und von mir für richtig erachteten Verhaltens den- die manche wohl auch manchmal anstrengend ke – dann drehen wir uns im Kreis. finden, die sagen dann, das sei schon wieder so Als in Deutschland Bereine Merkel-Idee. Das ist vielleicht eine Kehrseite unserer tha Benz mit dem ersten AuPräzision und unseres Erfintomobil über die Straßen gedungsgeistes. rumpelt ist, haben auch viele Ich werde darauf achten, Zeitgenossen gesagt: So ein dass wir den richtigen Weg Quatsch, die eine Pferdestärfinden, unsere Energie zu erke einer Kutsche reicht doch, zeugen, einen Weg, der zu eiund wer weiß, wie gefährlich nem ökologisch denkenden diese neue Erfindung ist. In Industrieland und einer beihren Augen war Bertha Benz Die Kanzlerin beim Intereine Geisterfahrerin auf ei- view mit Bernd Ulrich (links) deutenden Wirtschaftsmacht passt. Dieser Weg ist dann nem seltsamen Sonderweg – und Giovanni di Lorenzo aber auch eine Verpflichtung. aber das Auto hat sich durchDann kann nicht jeder komgesetzt. Deutschlands Wohlstand gründet sich auch darauf, dass wir men und sagen: So viele neue Leitungen wollen manchmal als Erste einen neuen Weg gegangen wir nicht, und die Windenergie passt uns eisind. Als ich 1994 Umweltministerin wurde, gentlich auch nicht, die Umlage für die Photokamen 4 Prozent unserer Stromerzeugung aus voltaik ist eh zu hoch, und gegen den Anbau erneuerbaren Quellen. Heute sind wir bei 17 von Pflanzen zur Energieerzeugung bin ich aus Prozent. Das ist schon beachtlich. Jetzt wollen Prinzip auch, aber aus der Kernenergie müssen wir bis 2020 auf 40 Prozent kommen, was sehr wir sofort raus. Einen Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ambitioniert ist. Das wird uns Kraft kosten. Aber wenn wir glauben, dass wir Vorteile da- ist die große Herausforderung im Augenblick. von haben, und das ist ja offensichtlich, dann Wir müssen in den nächsten ein, zwei Monaten alle sagen: Dazu stehen wir! Ein Ausbüxen ist das zu schaffen. ZEIT: Unser Sonderweg ist also eine Avantgar- gibt’s jetzt nicht mehr. derolle? Merkel: Es gibt eine ganze Reihe europäischer Das Gespräch führten GIOVANNI DI LORENZO Länder, die nicht auf Kernkraft setzt. Deutsch- und BERND ULRICH land hat immer einen Energiemix gehabt. Bei uns macht die Kernenergie ein Fünftel aus. Energie: Wie die Wende funktionieren kann www.zeit.de/energie Wenn man die Diskussion verfolgt, denkt man

Fotos: Anatol Kotte für DIE ZEIT; Vignette: Smetek für DIE ZEIT

der die Jungpatrioten beschwichtigte. Warum? »Weil ich den Burschen feuern musste. der in diesem Schathat« und just den »Krieg der sich nur gut fühlen tenkrieg agierte. bei der Entscheidung über den Krieg gegen Gadhafi: Stets denken und handeln die Deutschen anders. soll sich unterdessen in Ghana herumtreiben.bend. Die einen setzen die Kartoffeln in die Erde des Datschagartens. Deutschland ist wieder Großmacht. kompetente A. hen. Jahre redet und streitet der Gutbin Ladens und den schlichten Hinweis auf den Verstoß gegen sagt sie.Logik der Sachzwänge. dass der Mensch zum Guten fähig ist. die wir nie finden würden.und Krisengebieten. Darf man das? Soeben hat ein Richter die ausweichen. stehen aber auch zu den politik überhaupt. die gesunde Realisten darstellen und leider immer das Leben lebenswert machen.oder die Zusammenhänge. Laut rabbinischer Leistung längst anerkannt. wenn Einwände gegen und Partizipation. Wer den vereinfachend.de. Es war die erste Niederlage der Eishockey-Nationalmannschaft an einem Siegestag. Er meint. Das britische Blatt nennt die Polizei keinen Haft. erwies sich als absolut zuverlässiger Führer in der chaotischen. weil das Publikum starke Sprü. im zweiten geht es um Sowjetspione im Hitlerregime (»Unser Mann in der Gestapo«). mitunter schlicht um die Einhaltung von Gesetzen. Aber weite Teile des Freiheit vor dem totalen Überwachungsstaat. dabei. Sollten wir stolz darauf sein – oder steckt ein wahrer Kern im hässlichen Wort vom »Gutmenschen«? Nein Siehe auch Feuilleton. Bin Laden? Ein eklatanter Bruch des auch Helmut Schmidt hat in Mogadischu den Völker. Viele Debatten der letzten Monate doch Moral und Maßstäbe insgesamt lächerlich haben es gezeigt: Der gute Bürger und die gute gemacht werden. sie wollten währte – fünf Jahre lang. in der die Werte. werden. Ein solches Sündenregister verdient Empö. bis der Arm schwer wurde oder Russland bei der Eishockey-Weltmeisterschaft seine Führung gegen Finnland einbüßte. Die Polemiker gegen den Gutmenschen weil ihnen die besser ins Konzept passt als der tun so. »Dann werden Sie«. nehmen die Bürger Gott sei Dank mit. also ist Herausgeber der Staat vorbeugend jene treffen. Und so war ich als neutraler allemand sogleich willkommen. Mit auf selbstgerechten Gesinnungskitsch abge. lische Bescheidenheit ist auch eine Tugend. Der russische Trainer sagte im Interview nach dem Spiel. die wir da ein. Und er des Besserseins. dem wir die kritiGesinnungsethik wird zum Gesche Öffentlichkeit bei vielen sinnungsterror. Russland verlor 2 : 3. seine übersteigerte Bürgertum. Er hatte sich nach dem Rauswurf flugs aus dem Staub gemacht und noch einen Dienstwagen mitgehen lassen.ralischen Konflikte bewältigen. Familien und Liebespaare spazieren durch die Parks. Später zogen die Kommunisten durch Moskau und feierten den Generalissimo Stalin.hat. Doch der Reflex lebt Überlieferung ermahnte schon der liebe Gott fort. vom Bürgerkrieg geplagten Metropole der Elfenbeinküste. weil al-Qaida weder Staat noch Bür. mensch wirklich maßgeblich in den politischen Was für eine triste Welt das wäre! Ja Im Kampf gegen den Terrorismus. im dritten läuft die Jagd auf militärische Werwölfe und im vierten ein Spielfilm über die Suche nach Verrätern in der Roten Armee. als bräuchten wir weder Ideale noch gesellschaftlichen Zusammenhalt – noch die ZuCharakterkopf auf der anderen. In diesem Jahr waren die neu geschneiderten Baretts der Soldaten die größte Innovation. Bin Laden lässig« abzuleiten ist kein Beweis ist der jüngste Beweis. Aber vom wie es einst Pickelhaube und »Nicht zuständig« das »Nicht zuKnobelbecher waren. Ein Völkerrechtler dozierte: Kriegsrecht facher als abwägen. ein Visafälscher. rischen Mitteln. der fließend Deutsch sprach und über exzellente Landeskenntnisse und Kontakte verfügte. der sich den Notwendigkeiten ECKARDT Ob es um Auslandseinsätze der der Macht und des Machbaren ist Vizepräsidentin Bundeswehr geht. sorgen für unsere Sicherheit. Im stern-Titel heißt es: Terrorismus ist weder Krieg Amerikas Rache. den 9. vor allem in Kriegs. Jahrzehnten zu einem lebensHeute wirft man ihm vor. sondern der zeigt exemplarisch.selbst genannten Zahlen nach. Sie führen uns zu Informanten. in der dritten Generation: die Enkel als Beseine Engel. es wären einfach logiebewegung hat zum Beispiel dafür gesorgt. Dass so viele Deutsche die gilt nicht.währungshelfer der Noch-nicht-Geläuterten. Und es ist das Gutnem zu sein. dass werteorientierte Politik aldass triumphale Freude über den les andere als naiv und wirklichTod des Massenmörders bin Laden unangemessen sei – schon bekommt der Gut. als den wirkungsmächtigen Auftritt des GutmenVertreter einer typisch deutschen Weltbeglü.Thema Atomenergie. so darf man im Namen der höheren Sittlichkeit der Verantwortung Unmensch stirbt. werten und zivilen Land geWeichei und Nervensäge in eimacht hat.dass Deutschland zum technologischen Vorreiter für erneuerbare Energien wurde. der einen fürchterlichen Preis an Blut und Gut gefordert handeln.4 12. die einst für das Menschheitsverauf die Kanzlerin. noch ins Landesrecht.« Er hatte nebenher einen lukrativen Handel mit Einreisepapieren nach Deutschland betrieben. Er gilt als zurückgeblieben und naiv. Economist: Now. von einem darauf an.Selbstvergewisserung einer wieder gut gewordetigen: die Amerikaner und ihre Soldateska. Er redet bewusst undifferenziert und Unsinn und dem Fremden feindlich ist. im Zweifel lebt er oder sie Pointe? Mit dem Gutmenschen-Vorwurf sollen selbst danach. politischen Alltag ertönt »Gutmenschentum« Öffentlichkeit. wenn ein sich den Händeln der Welt. Und riet dem Journalisten. Natürlich passt der eine moralische. um Atomverweigert. Mail aus: MOSKAU Von: johannes. Ein paar Gadhafi-Anhänger und orthodoxe Monarchisten durften sich anschließen. weil er einer ist. der matismus und Idealismus. So entzieht man ung darf man sehr wohl empfinden. eine der höchsten überhaupt. K AT R I N G Ö R I N G  Themen zu verdanken haben. um des Sieges über den Faschismus zu gedenken. Aber ich hatte ja A. Der mahnende Terrorismus weder ins VölkerZeigefinger ist heute so deutsch. Laden entfesselt hat.Macht verachten.eine abstrakt menschelnde Wohlfühl-Moral. dasselbe zu tun. als die große Mehrheit im Westen es tut. Doch war der besserwisserische Pseudo-Gut. sich selbst als wahre Faktenkenner und ohne Sinn für das Mögliche. auf die Fahrerseite »Das Blut ist nicht vergeblich vergossen«. fordern. tickt. Fixer werden sie genannt.). die angeblich alternaBürgerin verbinden sich Pragtivlos sind.darum fragen lassen.sehen würde. die anderen strömen ohne Befehl von oben auf die Straßen. es spricht den Deutschen Auslieferungsbefehl präsentieren von einer »Mord-Orgie«. den wir demnächst importieren Deutschland kennt den »finalen Rettungsschuss«. Warum also die eifernde Selbstgerechtigkeit? nicht den Opfern. der letzten Jahrschwer.werteorientiertem Handeln widersetzen sie sich sehen. abkanzeln ist einzeigt. in der Kontext zählt. Andere hielten eine Russlandflagge aus dem Autofenster. Vorweg fehlt das moralische ibyen? Da machen wir nicht mit. Bücher. OriPharisäer. Er würde wider seine höchste Pflicht sündigen: den Bürgern Sicherheit und Freiheit zu das gemeinste Verbrechen in jeder Kultur sind. Im sondern um bürgerliche Werte wie Solidarität. muss sich che mag. Für ihn hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt. Vignette: Smetek für DIE ZEIT D Ist es aber nicht. einen Gewährsmann. der Russland vereint.Abgesang auf diesen Gut-Bürger singt. dass seine Theorie serwisser. keine Rolle mehr nur die Seite der Münze mit der Zahl ansehen.). die es sich im Gewirr der Glo. sondern auch nützlich ist.oder Raketenmodell zu bestaunen. Den Rückspiegel zierte ein roter Stern. Zum Dank wollte ich A. Seite 49 Mail aus: ABIDJAN Von: bartholomaeus.de. Wir Korrespondenten sind auf Helfer wie A. Ökologie oder Einwanderes als ein störender Geselle. Freude brechen verantwortlich war. die im Dunkeln die Drähte zieGrößenordnungen und UrsaZEIT. weil bekanntlich Gewalt keine politischen Augenmaß. Doch moraanklopfen und dem Mann seine Rechte vorlesen. Übrigens sogar wirtschaftliche: Die Ökodrauf. Manchmal gibt es ein neues Panzer. Auch der Zusatz »de Luxe« in seinem Namen hätte mich stutzig machen müssen. wie das Land Denkverweigerung. Sie weisen Thilo Sarrazin mit den von ihm des Gutmenschen in den Vordergrund: der Bes. Wehe dem Staat.. Ist das Verbredas ist die atavistische Selbstjuschen geschehen. sie verachten Weißnasen. wie ihn schon bare. ihr Zorn nicht dem Täter. Matthias Bothor/Photoselection (r. »Das können Sie sich sparen«. er werde jetzt erst mal den Fernseher anschalten und einen Kriegsfilm anschauen. das klingt vorchristlich. füllen ganze rer multikulturellen Republik nicht vielmehr Regale. dessen Abbild auf offiziellen Plakaten verboten war. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Wissen wir es besser? er sogenannte Gutmensch hat es Debatten der letzten Monate. angewiesen. Der Morgen beginnt mit der Militärparade auf dem Roten Platz und einem vieltausendstimmigen »Hurra!« der Truppen.der pragmatischen Beliebigkeit und einer blinden wand gegen die angeblichen Zwänge der Real. die gerade Gbagbos Räuberregime stürzten. So simpel ist das. dem ich vorbehaltslos vertraut hatte! Wer weiß. den wir genüsslich Tod der wenigen autorisiert. die sich über seinen zehnte? Erlebten wir bei Stuttgart 21 und beim politisch überkorrekten Betroffen. Der Heuchler.garantieren – Sicherheit vor der Heimtücke. insbesondere Franzosen. politische Teilhabe meist dann als Vorwurf. Zum Beispiel in Pakistan. nur Demokratie und Rechtsstaat. Transparenz. »ganz anders schreiben. eigenen Werte ernst ist der lebende Beweis dafür. balisierung einfach und bequem macht. Besserwisser sind allerdings auch die. arrangieren Interviews.schen als Gut-Bürger? Dem geht es nicht um ckungsfolklore. der deutschen Kommentariats haben die Gräueltaten im Namen der Terrorabwehr die Bürgerrechte allenfalls am Rande erwähnt. des Bundestags. der lieber politisch entierung und Maßstäbe mit korrekt ist als realistisch. sondern Massenmord mit kriegeRache. Gut-Bürger. um die vielen zu retten. Aber A. der als älterer Herr mit Familienanhang firmierte. rung und Verdammung. So kann man sich täuschen. Mai. der den Tod von leitet uns die höhere Einsicht. als befände er Kulturen« provozieren sollte. der militanten Anhänger des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo. sieren. spielen. arbeitete als Presseattaché bei der deutschen Botschaft. wo chen. derung: Seit den Bürgerinitiatider sich auf Moral beruft? NehGrüne und EKDven der siebziger und achtziger men wir die Erschießung Osama Präses. welche Deals er nebenher im Café Cacao eingefädelt hatte. Es wäre wohl eine zynische Welt. In brenzligen Situationen sind wir auf Gedeih und Verderb von ihnen abhängig. Zugegeben: Allzu oft drängt Widersprüchen zwischen Ideal und Wirklichsich eine wohlfeile und populistische Variante keit. Es ist das Gut-Bürgertum. dass die Massaker an Unschuldigen gebiet. Das Fernsehprogramm ist patriotisch: Im ersten Kanal verteidigt sich heroisch die Brester Festung. sich im eigenen Verfassungsden der Getötete wollte. Im Entscheidungen vorgebracht Gut-Bürger und in der Gutwerden. im britischen noch gewöhnliche Kriminalität. wie eine Welt ohne ihn ausjenigen. durfte eine Flasche Johnny Walker ausgeben und bekam eine verführerische Hostess zugeteilt – die ehemalige Miss Abidjan. was einst auf den T34-Panzern geschrieben stand: »Nach Berlin!« Der Fahrer eines bayerischen Nobelwagens hat auf seine dunkelblaue Motorhaube mit weißer Farbe das Wort »Trophäe »gepinselt«. ist eine Erblast der Geschichte. Ist er also nichts anenergie. L . Der hilfsbereite. die Welt hat diese eines Feindes nicht freuen. die Nazipropaganda im Stürmer das Deutschland in den letzten zum Feind erklärte. Leider wohnen sie dort.versicht. Der Gut-Bürger meint es ernst mit dem. Warum? Weil Moralismus nicht nur erhenischen Heeres jubelten: Auch die Ägypter sind meine Kinder. Fügen wir hinzu. im Streit um die Energieversorgung der Zukunft. die es gewagt hatte. muss keine moKanzlerin wegen »Billigung von Straftaten« ange. Dieser Nachtklub ist eine Höhle der Jeunes Patriotes. Dabei dachte man doch. Natürlich soll man sich auch über den Tod wicklung nicht mehr nötig. helfen nur noch tiz. A. jedenfalls man keine Konflikte zwischen Schlimm und Schlimmer. Manche malen auf die Heckscheibe.voswinkel@zeit. Ihr Mitleid galt daheim dezimiert. gut zu das bin Laden Unterschlupf ge»Kampf. Atomausstieg? Auch hier Mann weiter morden zu lassen.und Kriegsrechts. »Jetzt wollen wir seinen Leichenwagen. die bin komme es nicht kann. An den Autos hängen orange-schwarze Sankt-Georgs-Bändchen als Erinnerung an den Krieg. bremste der Botschafter. Er internationales Recht und darauf.« Fotos: Peter Steffen/dpa (l. zeigen uns Orte. kill his dream. Mein Fixer A. ein Geschenk senden.grill@zeit. Auf dem Hochsitz der Moral aber sieht geißeln. Also muss der JOSEF JOFFE Traum töten« spiegelt die reale Welt. Die Polemik hat es eben nicht Bürgerin sind informiert bis ins Detail. sondern auf den wertegebundenen Ein. während Tausenden verantwortet – oder im Einzelfall die ringsum in Europa 137 Kernkraftwerke den Regeln des Rechtsstaates zu verletzen? Auch Strom erzeugen.keitsfern ist – sondern ganz reale Wirkungen mensch das Attribut »antiamerikanisch« oben. Also: Beim nächsten Mal bitte len). Die Antwort ist nicht neu. Eigentlich wäre der Zeigefinger nach 66 Jahren mustergültiger Entüber den Tod eines Massenmörders zu äußern. Betreff: Krieg und Eishockey Einen Feiertag gibt es. jenseits von einfacher Polemik und schlichter für er sich einsetzt. Was ist denn das größere Übel: einen Probleme löst. Sie wurzelt in der Die Entrüstung zielte auf die üblichen Verdäch. Aber Erleichterung und Genugtu. in der Verteidigung unseheitskitsch belustigen. die sie nicht mehr haben (wolgerkriegspartei sei. woWas also steckt an Gutem im Gutmenschen. das ist dem klaren Blick fürs Machder Gutmensch. ein aufgeweckter junger Mann. Ich wunderte mich zwar über seine Golduhr und die teuren Designerklamotten. Wer nicht handelt. erklärte er. die gegen den Gutmenschen polemi. die über den Untergang des pharao. dazu nen Nation. Betreff: Freund und Helfer Allein hätte ich mich niemals ins Café Cacao an der Rue Princesse in Abidjan gewagt.

Weil sich greifen. schenrechtsorganisationen begrüßten die deutUnd doch stellen die 800 Toten der vergangenen sche Initiative.grenzen nach Tunesien und Ägypten. die humanitäre Katastrophe vor der libyschen Küste zu beenden. von Libyen über das Mittelmeer nach Nicolas Sarkozy aber fällt nichts anderes ein als die Italien zu gelangen. trunken. Sie sind – und flüchtlingen zu starten. sind nach In Dehiba.schämend. Dass Deutschlands Innenchen ist. Miggibt in dieser Militäroperation keiranten. Zuständigkeiten und Befehlshierartrunkener Flüchtlinge an Bord. einem Abrisshaus oder einer selbst gezimmerten Bretterhütte. März von deutschen Fernsehen – sichtlich von sich selbst Libyen aus Richtung Italien aufgebrochen und beeindruckt –. dass es mit seinem weitreichende Sätze. um Bootsflüchtlinge zu retten und in mehrere europäische Aufnahmelager. Die Nato bestreitet übrigens vehement. Dass Silvio Berlusconi bei solchen vergangener Woche ein Boot mit bis zu 600 Men. die meisten über die Landeshätten ihr Boot gesichtet.Menschenjagden. habe sich zwar bei rer Sicherheit und öffentlicher Hygiene reduziert der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über wird.de/audio Gerettet. die nach Recherchen der eng. Kennt Europa keine Gnade? VON ANDREA BÖHM nen Booten aus dem umkämpften Libyen nach Flüchtling nicht als Individuum mit Anspruch Italien zu gelangen. wie bereitwillig die ägyptischen und Egal. der EU und der Nato werden in den nächsten Tagen mehrere Schiffe der deutschen Marine ins Mittelmeer auslaufen. 7. Papst Benedikt XVI. um von Angriffen bedrohte Zivilper. Dort sind such zu unternehmen. westliche Kampfjets bombardie. wieder auf der richtigen Seite der Ge. aber nicht willkommen: Libysche Flüchtlinge treffen auf Lampedusa ein Foto: Francesco Malavolta/dpa (Flüchtlinge erreichen Lampedusa. Diese Strategie der geduldeten oder gezielten Verwahrlosung ist die logische Folge einer europäischen Politik. als sie klarstellen. Europas inzwischen chronische Gleichgültigkeit STOPP! gegenüber Flüchtlingen hinausgeht. Natürlich kann man fragen: Was ist daran oder gar böswillig Hilfe verweigert. Und womöglich hat im Fall des Schiffs. Schlupflöcher bieten fast nur noch der Landweg über die Türkei nach Griechenland oder der Seeweg mithilfe von Schmugglern und verrotteten Booten nach Malta und Italien. so betonte Westerwelle. wahr. dass ein erheblicher ÄGYPTEN le«. sondern als in der Masse teiligen sich auch die Küstenwachen Italiens. nen koordinierten Schutz von Flüchtlingen. was dabei herauskommt: EUROPA vor allem die tunesischen Behörden Knapp zwei Monate nach der UNund die Bewohner der GrenzResolution 1973 und nach den gebiete die Flüchtlinge empfanersten Angriffen westlicher Lampedusa gen und versorgen. Wer die Reise übersteht. sind bis auf Weiteres 20 000 hungert. Deutsch. Nach Angaben des UNHCR sind seit Auslischen Priester in Rom die italienische Küstenwache zu alarmieren.. ist längst nicht mehr nur Urlaubsraum und Handelsweg. dieses Detail ist wichtig – mit Beginn des Aufstands gegen Gadhafi zwischen die Fronten geraParis und Berlin? Schweigen. mindestens bruch der Kämpfe in Libyen über 600 000 Menein Militärhubschrauber und ein Flugzeugträger schen geflohen. darunter auch zwei in Deutschland. einer kleinen tunesischen Stadt an der Aussagen von Überlebenden verdurstet und ver.Gadhafi doch eine moralische Läuterung reklamiert. muss schen vor der libyschen Küste auseinandergebro.irgendeinem Zeitpunkt ein Schiff mit Flüchtren Waffen zu verkaufen. Blieben noch jene rund 72 Flücht. Die UN und der Europarat ihre Lebensumstände alles andere gut.Grenze zu Libyen. in mehr müssen sich Somalis. Flugzeugträger und Flüchtlinge berichten von Misshandlungen und kleinere Kriegsschiffe patrouillieren nahe der li. Vielleicht neu? Seit Jahren schon ziehen italienische Fischer ging dieses Schiff einfach im Durcheinander der mit ihren Netzen immer wieder die Gebeine er. dung von Besatzungstruppen.lingszahlen umgeht. Kampfbomber auf Stellungen Tripolis Mittelmeer Im Vergleich dazu sind die der Armee Muammar al-GadBootsflüchtlinge.sen aber vor den Rebellen fürchten.niemanden überraschen. März ermächtigte Sturz den wichtigsten Türsteher verliert. ohne einen Rettungsver. die den Das Mittelmeer wird für immer mehr Flüchtlinge aus Libyen zur Todesfalle. der weit über von einer . sondern ein Rinnsal – ganTeil der zivilen Opfer nicht LIBYEN ze zwei Prozent sind auf EUdurch Bomben und Kugeln geTerritorium gelangt. Flüchtlinge sind bedrohte Zivilpersonen. werde. sprach sogar acht Wochen einen Skandal dar. wonach Ende Schengen-Raum.und in Libyen gestrandet waren. sondern auch ein großes Grab. Eritreer oder SudaneLibyen »alle notwendigen Maßnahmen zu er.stehen nun alle Ausländer mit dunkler Hautfarbe ten AWACS-Flugzeuge jede Bewegung von unter dem Generalverdacht der Gadhafi-Gegner. Trotzdem ist es belinge zu erwähnen. Und befreiten Bengasi noch einmal vorlegen. Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen im Sollten sich Berichte bestätigen. die in Libyen gearbeitet haben.POLITIK 12.zeit. die be(UNHCR) an die europäischen Staaten. Mai 2011) Auf dem Wasser verdurstet . sehe es die Bundesregierung als ihre Pflicht an. dass Deutschland dem EU-Mitsechzehn Tage manövrierunfähig auf dem Mittel. Seitdem beobach. wie dem Flüchtlingsschutz gerecht werden. Aber Mitarbeiter des UNHCR zeigen sich verblüfft. mit der Unterstützung des Aufstands gegen mindestens 800 Menschen bei dem Versuch er.. Maltas und Griechenlands. seit Euwww.ten.ALGERIEN ropa aufbrechen. der bei der Vorbereidoch müsse es nun humanitären Prinzipien und tung einer Militäraktion darüber nachdenkt. Sicherheitspolitik niemand. Der Diktator wort »Stoppt Gadhafi!« – enthält einige sehr möchte Europa wohl zeigen.aus anderen afrikanischen Ländern befinden. Noch der Sicherheitsrat die UN-Mitgliedsstaaten.auf Würde und Schutz. sondern Schwarzafrikaner. Das man mit dem erwartbaren Anstieg der FlüchtUN-Flüchtlingshilfswerk und mehrere Men. Zwischenbilanz von mindestens 800. Soll heißen: seit die Abwehr von Flüchtlingen zum ideologischen Kern der Migrationspolitik geworden ist und eben diese Abwehr den Mitgliedsländern am Rande Europas aufgebürdet worden ist. Darfur oder Eritrea. Überlebende behaupten. auftretendes Flutrisiko sieht.sche und die italienische Küstenwache weisen schichte: Auf der Seite eines prodemokratischen ebenfalls jede Schuld von sich. zu verteilen.die vor Lampedusa auf einen Felsen aufgelaufen scheinlich über 1000 Toten gegenüber. als sie damit zu be. Die maltesikämpfen.von Resolution 1973 auch dem Übergangsrat im ren Kommandozentralen des Diktators. Das Mittelmeer chien verloren: ein tödliches Chaos. Wo der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. allen voran Frankreich und Großbritansind nach Schätzungen des UNHCR tatsächlich nien.auch Flüchtlingsboote gezwungen. Gadhafis Militäreinheiten. in klei- ropa an seinen unsichtbaren Mauern baut. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 5 O peration »Lifeline« hat begonnen. soll er auch bleiben. wollen den Vorfall nun untersuchen lassen. 61 Menschen.ma Flucht und Migration auf ein Problem inneland. Offenbar werden manche von ihnen von schleiern oft mehr. Vielleicht sollte man den Text byschen Küste. Denn es 500 km byer. Und wenn das TheSpaniens. Warum? Weil Alles erfunden. sondern durch unZEIT-Grafik boat people sind übrigens keine Literlassene Hilfeleistung. Seit Ende März sind im Mittelmeer über 800 Menschen bei dem Versuch ertrunken. arabischen Diktato. niemand vorsätzlich offenbar fallen sie nicht unter Resolution 1973. keine »Welkenntnis. Die Reaktion in London. zu seitdem wähnt sich Europa. dann findet sich auch in der Außen-und eine Militärintervention in Libyen enthalten. Es gibt bislang lediglich einen verzweifelten sowie Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und DiktaHilferuf des UN-Flüchtlingshilfswerks turen wie Somalia.Häusern der Bewohner. Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ver. Auch waren. den erwartet die Unterbringung in einem überfüllten Sammellager.Vorschlägen sofort mit von der Partie ist. über einen katho. vielleicht auch nicht. das in den vergangenen Jahren eher dazu neigte. der für jeden Einzelnen Freiheit und Küstenwache hat übrigens gerade erst in einem Würde einfordert. könnte die Zahl der Toten um mehrere minister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem zuHundert steigen. Am 17. aber das mit 72 Menschen an Bord über zwei Wochen im Mittelmeer umherirrte. die gen Euhafis steht man vor der Er.Prioritäten. Bis auf eines: Seit Ende März Europa.lingen in Seenot bemerkt zu haben.Gadhafis Soldaten erst ausgeplündert und dann lution 1973 – besser bekannt unter dem Schlag. obwohl es den Bootsinsassen nach wenigen Flüchtlinge untergekommen – die meisten in den Tagen auf See gelungen war. Die meisten storben ist. Dem steht nun eine düstere wagemutigen Manöver 500 Flüchtlinge gerettet.unter Gadhafi-treuen Kämpfern auch Söldner sonen zu schützen« – mit Ausnahme der Entsen. Friedrich verkündete unlängst im lischen Zeitung The Guardian am 25. endlich reits eine monatelange Odyssee hinter sich haben eine effektive Aktion zur Rettung von Boots. Aber Reso. An Operation »Lifeline« be.gliedsland Malta 100 Bootsflüchtlinge abnehmen meer umhergetrieben sein sollen. In Abstimmung mit dem UN-Sicherheitsrat. Zur Einordnung dieser humanitären Geste: darunter mindestes zwei Kleinkinder.stimmt. Wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag vor der Presse verkündeten. Die italienische Aufbruchs.

schneeschnee. dass der neue Parteichef Philipp Rösler seine Frau fragt. während die Politik immer härter wird. wie eine Metapher aus der Welt der Zugtiere lautet. interessante Menschen zu treffen. die sich auch vorstellen könnten. zu beweisen. wurde es taghell wegen der Lichtschranken. wer sich für die Partei aufopfert. sagt: »Ich will lieber von Leuten regiert werden. in der der Partner viel mehr Einfluss nimmt«. »Es gibt heute ein anderes Rollenverständnis in der Familie. winkten mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gleich zwei konservative Politiker mit dem Hinweis ab. die private Kategorie der Dankbarkeit ins Politische zu übertragen und Guido Westerwelle nicht zu stürzen. wie sie selbst sagt. »Ich werde alles daran- Karl-Theodor zu Guttenberg gesucht wurde. sagt Schröder mit einem feinen Lächeln. dass irgendjemand noch irgendetwas erst mit seiner Frau besprechen dürfe. kaum ein Partner sieht sich heute noch als stiller Dulder. Es handelt vom Preis der Politik für die. Kaum einer der jüngeren Politiker mag sich so etwas vorstellen. das sei ja nicht das Hässliche. Als in Berlin die Nachfolge von Guido Westerwelle ausgehandelt wurde. weil er das Klischee nährt. die mitten im Leben stehen. sagt Baum. Instrument eines Systems zu sein. Kristina Schröder hat sich auf das Gespräch vorbereitet. werden Sie verführt. »die nicht in die persönliche Lebensplanung passen oder in denen Unwägbarkeiten drohen«. dass Menschen sagen. »Meistens«. an dem man sich infizieren kann. In der Politik hat Meckel Menschen gesehen. Weil er zum Nachdenken anrege über die Frage: Was ist die Rolle eines Politikers? Röslers Satz ist der Versuch eines Spitzenpolitikers. Kristina Schröder sitzt in einem Besprechungsraum in ihrem Ministerium. Zurzeit ärgert er sich über die Jungen in seiner Partei. wenn er hört. sondern Angst und die bange Frage: Gibt es mich eigentlich noch? Seehofer glaubt nicht an selbst gesetzte Verfallsdaten.6 12. muss er auch bereit sein. Sicherheitsstufe 1. dass selbst etablierte Politiker nicht ohne Weiteres bereit seien. dass man die Macht umarmen muss: »Ich würde jede Wette eingehen. vor ihm einer und daneben drei Motorräder. Ein gutes Vorbild für die Gesellschaft sei das nicht. Der FDP-Politiker heutzutage? »Ich finde diesen Satz sehr sympathisch«. Nur schaut bei denen nicht die ganze Republik zu. auf »gefahrengeneigte Posten« zu wechseln. sondern ein Leben während der Politik. andere Spitzenpositionen in der Politik zu übernehmen. immer für ihre Kinder da sind. in seinem Buch Leben statt gelebt werden. Man kann aber auch sagen: Was ist eine Partei-Intrige gegen eine Facharztprüfung? Einer wie Peer Steinbrück. wenn immer mehr Politiker ihren Posten als Teilzeitjob statt als Lebensinhalt begreifen. ich bin nicht Instrument eines Systems. Baum. »Die Menschen haben ein realistisches Gespür dafür. weil Rösler sich damit angreifbar macht. vor dem man sich in Acht nehmen muss. die Chance. Nun ist die Familienministerin in einer Situation. mit denen Politiker umgehen müssen. In Spitzenjobs der Wirtschaft habe man es auch schwer. aber es gibt immer mehr. er glaubt. ist längst auch bei bürgerlich-konservativen Politikern normal. Dann werden andere die Probleme haben. Abstoßende. Gallen. Begriffe wie »in den Sielen sterben«. ob er sein Amt antreten soll.« Zweimal hat er plötzlichen Machtverlust erfahren. sehe sie für sich als Ministerin »eine Bringschuld«. aber mit Mitte 35 stehe für sie »die Familienplanung im Vordergrund«. irgendwann mal ihre Partei anzuführen. wieder aufzuhören. stellt Seehofer fest. die in einem »Zwangssystem aus Terminen. kann etwas erzählen über die Zumutungen der Politik. Das Thema Work-Life-Balance hat die Politik erreicht. Der Satz ist auch zwiespältig. Einmal kommt das BKA und legt den Höchstpreis. wenn die Frage kommt: Kann eine Kanzlerin Mutter werden? Von Amts wegen müsste sie sagen: Na- war Innenminister unter Helmut Schmidt.« Das Gefährliche an der Politik. »Ich habe es nicht geschafft«. »offenkundig Privatleben und Beruf vereinbaren muss«. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. Horst Seehofer gilt vielen als Prototyp des Machtpolitikers. sondern: Nein. Die Schnelligkeit. und wenn der private Bereich dann auch noch Schwierigkeiten macht. und sagt: »Mit 45 höre ich wieder auf«? Beneidet der 78-Jährige den 38-Jährigen. darauf legt Kristina Schröder Wert. Immer mehr Politiker wollen nicht nur ein Leben nach der Politik. denken viele Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. Vätermonate. kein Gefangener der Macht.« Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. das würde wohl nicht gehen. Vater von drei Kindern. Der Berliner Volker Ratzmann zog 2008 seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Grünen zurück. sagt er. »Wenn jemand beispielsweise Fraktionsvorsitzender ist. sei »Lichtjahre« von früheren Verhältnissen entfernt. und 2004. Katja Kipping von der Linken erklärte kürzlich. das muss sie als Ministerin sagen. Darum gehe es ja: keine Ausrede zu finden. das offensiv zu tun. »Das Gefährliche ist das Anziehende daran. weil seine Frau Facharztprüfung hatte. immer mehr Entscheidungen und auch einer Menge Alkohol im Grunde bedauernswerte Existenzen führten«. das vom Burn-out handelt. sagt Thomas Steg. was sie sagen wird.« . die Familie und Partner stellen – die Modernisierung der Gesellschaft macht auch vor ihren Volksvertretern nicht halt. dass das gegen sie verwendet würde. einen Cordon sanitaire zu schaffen zwischen der Macht und dem Menschen. er ist wieder Rechtsanwalt. oder denkt er: Alles Memmen setzen. berufstätige Ehefrauen – was bei Grünen und Sozialdemokraten noch programmatischen Charakter hatte. zwischen den Antworten atmet sie ein bisschen schwerer als sonst. sagt Kristina Schröder Inzwischen lässt sich die Schwangerschaft nicht mehr verbergen.« Wo so viele nicht zu ihren familiären Verpflichtungen stehen. was es mit der Politik macht. wollten sie sich und ihrer Familie nicht antun. Damit Sie die Polizei rufen können. Gerhart Baum ist seit Jahren nicht mehr Politiker. Doch Seehofer ist einer der wenigen. Gerhart Baum hatte so einen Job. sie hat überlegt. Worauf der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schließlich erbost verbot. Es sei eine neue Erfahrung. am Ende seiner Dienstzeit war der rechte Arm vom Öffnen der schweren Auto-Panzertür lädiert. »Wenn Sie in die Politik gehen. die offen bekennen: »Für mich ist Politik ein Stück Sucht. können alles. er befahl Hans-Peter Friedrich. sagt Rösler. Politiker müssten auch Vorbild sein. Sie hat sich vorgenommen.« Was verführt einen? »Die Möglichkeit. Denn was wollen die Bürger im Zweifel lieber: dass ihr Kanzler nachts am Schreibtisch sitzt oder am Kinderbett? Die Röslers suchen jetzt eine große Wohnung in Berlin-Mitte. Es ist einer von vielen Widersprüchen. denken viele und meinen: keine Maske. Es ist ein ungewöhnlicher Satz. sie hat ein Buch geschrieben. und auch deshalb sei ein Satz wie der von Rösler gut. politikfreie Wochenenden. die »authentisch« sind. sie könne sich vorstellen. platzte Seehofer der Kragen. gefälligst ein Amt im Kabinett anzutreten. dann sind das arme Kinder«. dass ihnen das alles gelingt: ehrlich bleiben. sondern beäugt. dass Philipp Rösler nicht mit 45 aufhört. Aber ein Leben lang Politikerin zu sein. Entscheidungen zu fällen. der für die Politik härteste Einschränkungen in Kauf genommen hat. eine Hand auf dem Bauch. sich vor der Politik in Sicherheit zu bringen. Bei ihrer Hochzeit hat sie die Kirche gewechselt. »Die Anforderungen werden immer heftiger«. nämlich dadurch. als er im Streit um die Gesundheitspolitik als Fraktionsvize zurücktrat. aber sie verändern den Alltag dramatisch. er stattet sich selbst mit einem Verfallsdatum aus. so einen Posten. weil sie weiß. Rösler sagt. ließ sich Philipp Rösler telefonisch zuschalten. »Es ist wichtig. beschreibt Walter Kohl. und viele ihrer Kollegen empfinden es ähnlich. Und als ein Nachfolger für türlich! Denn moderne Frauen. Er vertrat sowjetische Zwangsarbeiter und verklagte die Telekom wegen ihrer Datenskandale. ein Umzug sei das noch nicht. wird nicht mehr bewundert. dass er keine Befreiung empfand. Aber wie viel Freiheit darf sein in ihrem Job? VON TINA HILDEBRANDT E s gibt Jobs. dieses Wochenende ist für die Familie reserviert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Illustration: Beck für DIE ZEIT/www. der als Finanzminister einen der tragenden Jobs hatte und als harter Hund gilt. sagt Baum. Aber das Familienleben mit dem Beruf zu vereinen. als Gegen-Rösler par excellence. Wenn einer Kanzler ist und Kinder hat. die nicht gefragt wurden. Man kann sagen: Da ist einer der wichtigsten Politiker Deutschlands in der wichtigsten Stunde seiner Karriere nicht dabei. noch mehr Terminen. sich selbst treu. Die andere Frage lautet. mit der man reagieren müsse. als die Regierung Kohl abgewählt wurde. »menschlich«. dann flüchten Sie. ehemaliger Regierungssprecher. sind out. sagt Baum. der im Fall einer Entführung des kleinen Walter zu zahlen sei. sagt Schröder. in dessen Beisein auf fünf Millionen Mark fest. der Familie gerecht werden und den Wählern. heute ist sie Professorin an der Universität in St. in denen verdient man keinen Euro mehr als am Tag bevor man sie antrat. die in all dem liegt. Einmal stand Seehofer am Fenster. ob sie einen solchen Preis zahlen wollten: die Familien und Angehörigen von Politikern. ins Schlafzimmer kommt eine Stahltür. 1998. in zweiter Ehe verheiratet. »Falsche Loyalität darf es in der Politik nicht geben«.« Miriam Meckel war Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen. als von machtversessenen Typen. Nicht weil sie nicht hart genug seien. aber natürlich jederzeit in der Lage. »wird man in Deutschland unter 50 Jahren ja ohnehin eher nicht Kanzlerin. Wenn sie ehrlich ist. »Die Anforderungen an Politiker werden immer heftiger«. Was denkt einer. Und nichts wünscht sich das Publikum mehr als Politiker.« Nachdem Peter Ramsauer nicht Verteidigungsminister und Joachim Herrmann nicht Innenminister werden wollte. fuhr hinter ihm ein gepanzerter Wagen mit Sicherheitsleuten. sagt Baum. und übers Bett sollte ein Knopf. Sie entfremden sich Ihrem privaten Bereich. warum man inzwischen unabkömmlich sei.« Aber wo genau kippt die Work-Life-Balance in der Politik aus dem Politischen hinaus? Für Horst Seehofer sind bei allem Verständnis für mitentscheidende Ehegatten irgendwann die »Grenzen der Verantwortungslosigkeit erreicht«. Wenn nachts ein Hase durch den Vorgarten hoppelte. sondern weil sie die Politik nicht verstanden hätten. ob er seinen Satz zurücknehmen müsse eines Tages. meint sie. kann auch sie sich nicht vorstellen. die so denken. in der sie. Staatskrisen abzuwenden. kann dieser Wunsch in der Politik Wirklichkeit werden? Das ist die eine Frage.de Die neue Berliner Balance Immer mehr Politiker fordern Zeit für Familie und Privates ein. »nicht verdruckst zu sagen: Ich habe einen anderen Termin. Familie haben. probehalber. jedenfalls wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. das Rösler bekämpfen will: dass die Politik etwas Schmutziges ist. Es gibt nicht viele wie Rösler in der Politik. der Sohn Helmut Kohls. Familienfeindlich seien andere Jobs auch. Ein Enddatum würde Schröder ihrer politischen Laufbahn nicht öffentlich setzen. den die Gegner schnell gegen einen verwenden können. wie es so schön heißt. weil seine Frau ein Kind erwartete und sich im Jahr darauf wieder für den Bundestag bewerben wollte.« Wie es ist. Falsche Loyalität sei es zum Beispiel. Auf einmal steht ein BKAKommando im Haus. er mache sich keine Gedanken.« Das Work-Life-Problem empfiehlt er auf traditionelle Weise zu lösen. die sich ausschließlich über eine politische Stellung definieren. dann umso mehr. sah draußen keinen Fahrer mehr und keine Sicherheitsbeamten und merkte voller Schreck. Wenn er im Auto saß. Die Politiker werden weicher – man könnte auch sagen: normaler –. weiß sie: Nein. Politiker. um die Paparazzi irrezuführen. »Ich bin viereinhalb Jahre nicht alleine aufs Klo gegangen«. und es heißt: Das Fenster hier muss raus. dass man auch als Politiker ein normales Privatleben haben kann und sich nicht verbiegen muss«. »dass er künftig die Termine für die Telefonkonferenzen bestimmt. Schröder wollte Privatleben und Politik immer trennen. Er wünscht all den jungen Politikern. Aber das wäre auch so ein Satz. allerdings ein politischer.

Das Gespräche führten PETER DAUSEND und ELISABETH NIEJAHR Foto (Ausschnitt): Anatol Kotte für DIE ZEIT FDP: Berichte vom Parteitag auf ZEIT ONLINE www. wenn Kritiker also reflexhaft in die europafeindliche Ecke gestellt werden. ZEIT: Was wollen Sie am geplanten Euro-Rettungspaket ändern? Rösler: Erstens brauchen wir harte Auflagen. sondern auch. Zweitens sind Sanktionsmaßnahmen erforderlich für Länder. müssen Sie es auch durchsetzen. aus Platzgründen. die Bundeswehr oder die Energiewende nicht von Wahlterminen in den Ländern beeindrucken lasse. Kann das funktionieren? Rösler: Wenn es diesen Gegensatz gäbe. ZEIT: Wie lässt sich der Schaden beheben. dass dieses Projekt vergleichbar ist mit der Mondlandung. Und ich wollte nicht. im Gegenteil – es ist ein Signal. deren Heizplatte man abschalten kann. war eine schnelle Entscheidung. bekannte Forderungen ständig wiederholt. und im Herbst wird in drei Bundesländern gewählt. Das Gleiche gilt für Guido Westerwelle und Rainer Brüderle. wäre das schwierig. ZEIT: Inwiefern? Rösler: Ohne mich auf eine Ebene mit der Kanzlerin stellen zu wollen: Frau Merkel sieht sich Dinge ruhig an. damals hieß es aber. Es gibt keine Ost-West-Auseinandersetzung mehr. Und insgesamt glaube ich. ZEIT: Wir wüssten gern. Deutschland ist meine Heimat. Ich will. Sie wird einen Innovationsschub auslösen. Wie kommt Ihre Partei aus dem Vier-Prozent-Loch? Rösler: Indem ich mich als Bundespolitiker bei den anstehenden wichtigen Entscheidungen über den Euro. nicht um Dauerlösungen. ZEIT: Haben Sie sich gefreut über den Tod von bin Laden. ZEIT: Sie sind demnächst Wirtschaftsminister. wenn der Parteichef gleichzeitig das Wirtschaftsministerium führt. Meine Oma hatte ihn immer in ihrem Garten in Hamburg-Harburg. Bisher haben wir aber zu Recht primär über die Sicherheit der Kernkraftwerke diskutiert. dass wir auch schwierige Entscheidungen anders fällen als andere Parteien. muss man Optimist sein. Eine ostdeutsche Frau ist hier Bundeskanzlerin geworden. für die nötige Gelassenheit innerhalb der Regierung zu sorgen. Das war ein Fehler. dass beides zusammenhängt: Wenn diejenigen. Kosten und Versorgungssicherheit berücksichtigt. Zwischen Birgit Homburger und mir wird menschlich nichts Negatives zurückbleiben. dass auch über den Preis des Ausstiegs geredet wird. Ist Europa für Sie Heimat? Rösler: Heimat – da denke ich an die Region. 2040? Wenn sich andere überbieten bei den Ausstiegsdaten. Sehen Sie in der Energiewende eher eine Belastung für die Wirtschaft wegen der steigenden Preise oder eher eine Chance zur Erneuerung? Rösler: Da man keine Wahl hat. wartet ab. Dass das ein großartiges Land ist. Verpflichtet das einen jungen Parteichef wie Sie? Rösler: Zur Zeit des Kalten Krieges war das erste Ziel. warum ausgerechnet zur FDP. Mein Ziel als Wirtschaftsminister muss es sein. lässt sich nicht irritieren von äußeren Einflüssen und Kommentaren – und am Ende kommt oft das heraus. in der ich aufgewachsen bin. was wir Tolles machen werden. Rainer Brüderle wird Fraktionsvorsitzender. sondern alles zu verdanken. Wie haben Sie diese Tage erlebt? Rösler: Wir durften nicht rausgehen zum Sportunterricht. Atomausstieg: Wie Philipp Rösler die zerrüttete FDP erneuern will Rösler: Definitiv ja. die sich nicht an die Vereinbarungen halten. Brüderle fordert eine Konzentration auf die Kernthemen der Liberalen. ZEIT: Mit welcher Bilanz soll die FDP 2013 um Wiederwahl werben? Rösler: Auch da gilt. möglichst noch etwas lauter als bisher. Übrigens hat es auch nicht funktioniert. beherrschbare Technologie hielten. Freiheit und Wirtschaftskompetenz. dass meine Generation zu Europa leider ein weniger emotionales. das Sie als FDP-Chef vorantreiben wollen? Rösler: Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch zurück. Als Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken habe ich mich allerdings stets sehr stark engagiert gegen die Todesstrafe. Wir haben einen of- Der Neue 1973 geboren in Vietnam. also die FDP. wird sie 2013 gewählt. hier bin ich groß geworden. Es wird meine Aufgabe sein. einer Partei mit großer außenpolitischer Tradition. jüngster Wirtschaftsminister in Niedersachsen 2008 In einem Thesenpapier (»Was uns fehlt«) kritisiert er die Bundespartei. weil Menschen nun mal unterschiedlich sind. ZEIT: Und was war Ihr erster Gedanke? Rösler: Stimmt das wirklich? Der zweite: Wie war das. wollen wir ein realistisches Ausstiegsszenario anbieten. dass man alte. dafür steht die Generation von Hans-Dietrich Genscher. ZEIT: Die FDP hingegen verliert. die aktuell diskutiert werden. Wirtschaftsinteressen wahrzunehmen. den wir zu Beginn der Legislaturperiode gemacht haben. plötzlich Realität wurde – und das im Hochtechnologieland Japan. kündige ich jetzt nicht groß an. Haben wir gerade eine Häutung zum Machtpolitiker erlebt? Rösler: Sie haben erlebt. Was kostet der Ausstieg 2020. da stehen die Deutschlandfahne und die Europafahne. Ich halte Wirtschaftskompetenz nicht für weniger wichtig. Preisschilder hängen. Rösler: Meine Erklärung ist. und so wird es unter meiner Führung sein. der durch den deutschen Alleingang in der Libyen-Frage entstanden ist? Rösler: Ich halte die Entscheidung für richtig. Eine vernünftige Partei. ZEIT: Bisher haben viele Ihnen die nötige Härte für ein Spitzenamt nicht zugetraut. Christian Lindner und ich sind uns vollkommen einig. Euro-Skepsis. richtige Feststellung. ein in Vietnam geborenes Adoptivkind wird jetzt ihr Stellvertreter. keine deutschen Soldaten in einen Auslandseinsatz nach Libyen zu schicken. ZEIT: Sie wollen einen anderen Umgang mit Frau Merkel pflegen als Guido Westerwelle? Rösler: Das ist eine Selbstverständlichkeit. ZEIT: Die FDP steht für große außenpolitische Grundsatzentscheidungen. sondern durch Verlässlichkeit. weil ich glaube. Das hat sich verschoben. welche Inhalte wir vorantreiben. wie wir miteinander umgehen. ZEIT: Wird es mit Ihnen an der Spitze mehr oder weniger Konflikte in der Koalition geben? Ihre Partei wünscht sich beides: weniger Streit und dass die FDP sich häufiger durchsetzt. Die Balance muss stimmen in dieser Debatte. Nirgends kann man den Amerikanischen Traum besser leben als in Deutschland. Rhabarber dürfe man wegen der radioaktiven Verseuchung auf gar keinen Fall essen. das spüre ich jeden Tag. Rösler: Nein. Sind das nicht Ihre Wähler? Rösler: Beim Atomausstieg müssen wir die Partei der Vernunft sein. über Glaubwür- 12. was ist da passiert? Ich war einfach neugierig. gibt es dafür zumindest mehr Spielräume. Da sind viele Menschen enttäuscht – leider wird dieser Frust vor allem bei uns abgeladen. Sie wollen die Partei programmatisch verbreitern. eher intellektuelles Verhältnis hat als diejenigen. ZEIT: Sind Sie patriotisch? »Am Ende gewinne ich« Führungschaos. führt das zu Gegenreaktionen. wie die Kanzlerin? Rösler: Ich habe großes Verständnis dafür. Aber wir dürfen niemals einen Zweifel an unserer Bündnistreue auch nur aufkommen lassen. Gibt es kein großes Projekt. mit Ihnen an der Spitze ZEIT: Sie reden viel über Stilfragen. und cool passt irgendwie nicht. 2030. du darfst nicht die europäische Idee gefährden. Sonst wäre ich auch falsch in meinem künftigen Ministerium. Das ist mir besonders wichtig. müssen Sie neben den Regierungen auch die Abgeordneten beteiligen. Mit Fukushima hat sich das auch für mich geändert.POLITIK DIE ZEIT: Herr Rösler. keine Blockkonfrontation. Deswegen. dass es sich bei allen Hilfen nur um Maßnahmen zur Überbrückung von Schwierigkeiten handelt. dass sich viele Menschen erlöst fühlen. wenn Sie ständig an den Wahltag denken. Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache. die Diskussion zu beenden. dass wir an die Jahreszahlen. Finden Sie. sachliche Kritik aufzugreifen und zu zeigen. Deutschland bietet allen Menschen alle Chancen. Wenn die FDP gute Regierungsarbeit macht. Und dazu gehört. Vielleicht gelingt es der deutschen Industrie jetzt sogar. die noch das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt haben. ZEIT: Der Preis ist der FDP also wichtiger als ein möglichst schneller Ausstieg? Rösler: Nein. Gelassenheit. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 7 wollte die FDP attraktiver und sympathischer werden. Landesvorsitzender und. immer wieder hören: Bitte nicht. ZEIT: Sie haben der FDP mal in einem Essay empfohlen. ZEIT: Sie wollen also immer noch die Steuern senken. Ich bin zuversichtlich. Es ist jetzt die Aufgabe der FDP. wenn ich zum Reichstag fahre und die große schwarz-rot-goldene Fahne da oben sehe. auch jedes Mal. Das werden wir tun. digkeit. in Deutschland produzierte Windanlagen überall in der Welt anzutreffen. etwa für die Haushaltskonsolidierung. Das muss anders werden. mit 36. reden aber weniger darüber? Rösler: Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft. die Atomkraft für eine akzeptable. Trotzdem habe ich später zu denen gehört. ZEIT: Was ist cool an Deutschland? Rösler: Der Begriff patriotisch wirkt ja ein wenig pathetisch. Deutsche Interessen zu vertreten bedeutet heute auch. Diesem Land habe ich nicht nur viel. Drittens muss das Parlament bei jeder Rettungsaktion mitentscheiden.zeit. das angeblich nur einmal in 100 000 Jahren eintritt.de/FDP . In der Wirtschaftskrise müsse die FDP sich deutlicher zu Werten wie Solidarität bekennen 2009 Bundesgesundheitsminister. was sie sich wünscht. das Sicherheitsaspekte. Nehmen Sie die Energiewende: Da ist man sehr hektisch von einem Extrem ins andere umgeschwenkt. muss dafür sorgen. damit klar ist. dass Frau Merkel und ich grundsätzlich ähnliche Typen sind. den Begriff der Heimat zu entdecken. Vorbereitung der Krankenkassenreform 2011 Kandidat für den Parteivorsitz Hobby: Bauchredner fiziellen Saal. Aber für das Ansehen der Regierung ist nicht nur wichtig. ZEIT: Sie werden Wirtschaftsminister. Wenn Sie mehr Akzeptanz für Europa wollen. verantwortlich für den Tod Tausender. Und neulich habe ich das erste Mal seit 25 Jahren frischen Rhabarber gegessen. Der beste Weg. als Rainer Brüderle es tut. Wir geben unseren Markenkern nicht auf. wenn man immer Rhabarber essen darf. ohne dass man erst zehn Menüpunkte auf einem Display durchblättern muss. ZEIT: Hier steht aber keine Fahne. Osama bin Laden war ein Terrorist. Ihr »ordoliberaler Kurs« gehe »an den Menschen vorbei«. adoptiert von einem Ehepaar in Norddeutschland 1992–1999 Sanitätsoffizier und Medizinstudium bei der Bundeswehr 2000–2009 FDP-Generalsekretär. wo sich Europa ändern muss. ZEIT: Zwanzig Prozent sind gegen einen schnellen Atomausstieg. das Positive zu sehen. ZEIT: Wie hat Ihre Herkunft Ihren Blick auf Deutschland geprägt? Rösler: Meine Dankbarkeit macht es mir leichter. die kritisch über europäische Bürokratie oder mangelnde Transparenz sprechen. Stabilität und Frieden zu erhalten. Rösler: Mit den Inhalten ist es nicht anders als mit dem Personal: Wenn Sie etwas für sich als wichtig entschieden haben. dass unser Parteitag am Wochenende ein Neuanfang wird. dass Sie nur verkrampfen. ZEIT: Bei der Katastrophe von Tschernobyl waren Sie 13 Jahre alt. Das wäre ein Renner. dass das mit dem Personalgerangel der vergangenen Tage gelungen ist? Philipp Rösler: Wir wollen vor allem wieder erfolgreicher werden. eine Kaffeemaschine zu entwickeln. dass wir schon am Montag danach statt über den Euro oder die Energiewende über die Besetzung der Fraktionsführung reden. weil ein Ereignis. Ich sehe die Energiewende daher als Chance für Deutschland. heute so viele Euro-Skeptiker gehören. Die Welt ist schöner.

Bestraft wurden sie dafür nie. »Die Demokratie. alte Mogul. die Revolutionen in Ägypten und Tunesien – weshalb die Aufregung? Der Weg. Er. er lächelt. noch immer ist er ein Mann mit viel Einfluss in Peschawar. Ibrahim ist der politische Kopf der größten islamischen Partei in Pakistan. er zeigt auf kunstvolle Deckenmalereien und lässt sich vor einer Bücherwand in seinem Büro nieder. zu den Waffen zu greifen. »Aber der Wandel hat gerade erst begonnen. Ahmed hat Angst vor Anschlägen. Kaum einer in seiner Partei hat so viel Regierungs. seit 1965 führt sie die Rote Moschee. Zwar gründet Ibrahims Partei Dschama’at al-Islamija auf einer über hundert Jahre alten. als Maulana Abdul Aziz aus der Hauptstadt Islamabad in ein kleines Dorf aufbricht. Ibrahim ist ständiger Gast der pakistanischen Talkshows. Sehr bald werden die Bewegungen in den arabischen Ländern islamistische Züge bekommen. die glauben. ideologisch aber umso einflussreicher. den die USA führen«. Es war angsterregend. Nur keine Eile. Westliche Intellektuelle betonen. Er ist sich sicher. ist klar. Sie wittern ihre Chance. Genau das will Ibrahim zeigen – seine heile islamische Welt. der Krieg um Libyen. Kürzlich sind zwei Politiker ermordet worden. sagt er.« Aziz entstammt einer berühmten Predigerfamilie. »Wenn unsere Führer es wagen würden. »Sogar auf dem Tahrir-Platz in Kairo warfen sich alle auf die Knie und beteten. Nach und nach ist die Stimmung gekippt – wann. Er war Senator im pakistanischen Oberhaus. Wir können friedlich entscheiden. sich von diesem Krieg zu distanzieren. Für Ibrahim ist die Demokratie nicht Ziel. Doch politisch bedeutsam wurde sie erst. sondern eine islamische. die lange abseits von Gewalt und Terrorismus lag. Nichts überstürzen. ruhiger klarer Blick. ob Pakistan Osama bin Laden all die Jahre geschützt hat. meistens in irgendeinem Büro. ein früherer Universitätsprofessor. Aziz und seine Predigerfamilie aber unterstützten die Geiselnahme. das Ziel auch. »Im Augenblick herrscht in der islamischen Welt Aufruhr«. Foto: Faisaal Mahmood/Reuters . In der Nähe wurde bin Laden getötet Der Sieg wird unser sein Von Osama bin Ladens Tod lassen sich die Islamisten nicht beirren. Den Ort für das Treffen wählt er mit Bedacht. Keine demokratische. weil sie ihre peinliche Niederlage in Afghanistan kaschieren und uns glauben machen wollen. Die Gefahr eines Atomstaats in Terroristenhand steht hier unmittelbar vor der Tür«. VON GEORG BLUME D Ibrahim glaubt. Er leitet eine Journalistenschule in Lahore. Ibrahim schaukelt mit seinem Stuhl auf dem Rasen und schaut in den Himmel. haben Angst. Dennoch: Die politischen Islamisten hatten gelernt. Aziz’ Neffe kommt. Unter den Mullahs herrscht nicht nur Chaos. wären die Taliban und al-Qaida keine Bedrohung mehr für uns. einst Vorzeigestadt Pakistans. »Es muss heute Tausende geben. warnt der international bekannte Autor und Journalist Khalid Ahmed. dass die USA und auch Deutschland kein Recht auf Intervention in der Region hätten. komme es nun zum entscheidenden Kampf – dem zwischen den USA und der islamischen Welt. Nur keine Eile. »Ich sehe keine Notwendigkeit. Das Büchlein ist kein Appell. dass die USA heute nur deshalb ein Osama-Drama aufführen. über die Hoffnungen. in dem vor wenigen Jahren eine spektakuläre Geiselnahme der Taliban endete. Angesehene Männer wie der frühere ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof von Lahore klingen wie Islamisten. Der Heilige Krieg kann nicht durch den Tod einer Person geschwächt werden. Tagsüber fährt uns ein Taxi. Dafür müssen wir jetzt schon hart arbeiten. Dann verlor sie die Wahlen. Ibrahims Partei ist heute in modernen Wahlkampftaktiken erprobt. nur keine Eile. Es ist sein Vereinnahmungsversuch. sagt er. Und ein allzu weltlicher Präsident an der Macht. politisch hält er sich zurück. vornehme beige Kleider. Überall liegen rote Teppiche aus. die bei einer Stiftung arbeitet. in der Geistlichkeit tief verwurzelten antikolonialen Bewegung. sondern dem strengen. dass die Revolutionen ein Kampf für die islamischen Ideen sind. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Jungen an einer Koranschule im pakistanischen Abbottabad. der Scharia. Die Empörung war schwach. Ibrahim dagegen glaubt. Jeder. Seitdem gilt die Moschee als Hochburg der radikalislamischen Bewegung. Die vielen liberalen Intellektuellen der Stadt. sondern Mittel zum Zweck eines islamischen Staates – wie die arabischen Revolutionen. dann sind andere dafür verantwortlich. Sie sprechen davon. dass ausländische Mächte für Terror und Gewalt in Pakistan verantwortlich seien. erhält seine politische Bibel: eine Schrift des bedeutendsten Theoretikers von Dschama’at al-Islamija aus den dreißiger Jahren. »Die wirkliche Gefahr für uns ist der sogenannte Krieg gegen den Terror. Wir können in keinem Hotel übernachten. acht Millionen Einwohner. Dagegen rief die Erschießung bin Ladens durch die US-Streitkräfte deutlich mehr öffentliche Kritik hervor. Und zwar nicht dem moderaten. Lahore zum Beispiel. die sich der Westen wünscht. »Ist es nicht denkbar. Militärs hatten die Moschee gestürmt. wird nicht kommen«. Er stellt die Stühle in die Sonne auf den grünen Rasen. Aber Ibrahim will endlich reden. Dschama’at al-Islamija. Eine Reise durch Pakistan Peschawar/Lahore/Islamabad er Tod Osama bin Ladens. worüber die Islamisten bisher geschwiegen haben: über sein Land. Bald tönen Kinderstimmen aus der Schule herüber. In zwei Jahren haben wir Wahlen«. fragt er seelenruhig am Telefon mit seiner leisen. Kurz bevor die Nachricht vom Tod bin Ladens eintraf. dass er die islamische Sache nicht in Gefahr sehe. Er führt durch die Moschee. Deshalb fürchten sie jetzt. dass islamische Bewegungen die Herrschaft ZEIT-Grafik Khyber-Pass AFGHANISTAN Abbottabad Islamabad Peschawar us Lahore INDIEN I nd PAKISTAN PAKISTAN Arabisches Meer 200 km Arabisches INDIEN Meer in den arabischen Ländern erringen. die ihre Despoten abgeschüttelt hat. dass die Revolutionen ein Kampf für islamische Ideen sind Ibrahim sieht aus wie ein Weiser aus dem Morgenland: langer weißer Bart. Ihre Geduld ist aufgebraucht. Und obwohl ihre radikalsten Anhänger dieser Tage Bin-LadenPorträts auf den Straßen schwenken. was es heißt.« Für Ibrahim geht die Geschichte weiter. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer wieder brutale Anschläge. hat jedes betroffene Land genau studiert. Alle Räder stehen still. ein junger Mann mit Brille und brauner Predigerkappe. über Tunesien. Es neigt zur Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. sagt er. Wo immer man in Pakistan heute hinhört – alle liberalen Kräfte betonen. Längst ist die Ideologie der Islamisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen. da extremistische Gruppen einen Anschlag auf Ausländer planen könnten. Ibrahim gilt als Architekt dieses Wahlsiegs. Und wenn.« Er ist erst 35 Jahre alt und Imam. dass seine Stunde noch kommen wird. mit großer Beständigkeit seit über 20 Jahren dem islamischen Glauben zuwende. aber betonten Predigerstimme. das weiß niemand mehr so genau. Kein Wort davon. Er trägt eine weiße Kutte und einen schwarzen Turban. es gab zahlreiche Tote. als sie vor acht Jahren die Wahlen in der Nordwestprovinz gewann. »Der Heilige Krieg wird nicht durch den Tod einer Person geschwächt« Es ist ein warmer Tag. Nicht zufällig stammt es aus Pakistan: Operativ war das Land für die islamistische Bewegung bedeutungslos. hat sie sich im öffentlichen Meinungsbild erfolgreich von al-Qaida abgegrenzt. der Ibrahim trifft. zu regieren. Frauen verschleiern sich und schicken die eigenen Kinder auf die strengsten Koranschulen. ein Prediger wie sein Onkel. Besonders bedauert er die Lage in Syrien: kein Licht am Ende des Tunnels. Ich aber zweifele daran nicht. die sich gegen das strenge Blasphemie-Gesetz des Landes ausgesprochen hatten.8 12. sagt Ibrahim. sagt Ibrahim. Aziz ist Vorsteher der Roten Moschee. Dass die Geschichte ihm noch recht geben wird. Es zählt heute zu den weltweit meistverbreiteten islamischen Schriften. Ibrahim muss sich mit diesem Büchlein nicht verstecken. wie man auf demokratischem Weg die Macht erobert. Weil er in einer Demokratie lebe. Würden die Islamisten in Pakistan die nächste Wahl gewinnen: Ibrahim würde Regierungssprecher oder Außenminister werden.und Kolonialpracht. um den Bau einer Mädchen-Koranschule zu besichtigen. Nur nicht drängen lassen von den Ereignissen. Ägypten. So sehr. die Scheiben sind verdunkelt. denn seit Monaten dürfen westliche Journalisten nicht nach Peschawar. Aber es ruft zum Kampf gegen die Ungläubigen auf. er war Provinzpräsident. auf die Straße zu gehen. müsse um sein Leben fürchten.und Amtserfahrung wie er. Bis dahin wird eine neue Generation der islamischen Bewegung an seiner Spitze stehen. der Zorn Arabiens richte sich nicht gegen die USA. im Osten strahlt die weiße Moschee vor blauem Himmel. Osamas Platz einzunehmen. Als ihn später die Nachricht von bin Ladens Tod erreicht. Für ihn schreitet mit Revolution und Instabilität in der Region nur die »Talibanisierung der Köpfe« voran. der keinen anderen Glauben neben sich duldet. Ein kompakter roter Backsteinbau mit roten Mosaikfenstern. sogar radikalen Islam. Zu gefährlich. Sie werden die USA und ihre Ideen besiegen und das heutige politische Vakuum füllen – sofern man sie frei wählen lässt«. die bereit sind. die einst Lahores Ruf als Kulturhauptstadt Pakistans begründeten. dass selbst radikalste Koranprediger in Pakistan salonfähig geworden sind. Fünf Jahre lang erlebte seine Partei. wie abgewirtschaftet die alte demokratische Elite. »Die USA haben Verbindungen mit allen Despoten der Region. spricht Ahmed aus pakistanischer Erfahrung. sagt er. ein Gotteshaus mitten im Regierungsbezirk der Hauptstadt. Seither wird sie auch in der Hauptstadt Islamabad ernst genommen. Ich habe volles Vertrauen in die Massen der Muslime. sagt Mohammed Ibrahim. die arabischen Revolutionen stünden für Modernisierung und Säkularisierung. die seine islamistische Partei hegt. seit der arabische Frühling herrscht. das in ei- nem neu gebauten Moschee-Komplex mit islamischer Schule liegt. Osama sei tot?«. im Westen erheben sich die Berge um den Khyber-Pass nach Afghanistan. sondern gegen die eigenen Herrscher und sei deshalb ein Votum für die westliche Demokratie. Er wird begleitet von vier bewaffneten Männern mit AK-47-Gewehren. Doch er reist immer noch viel in der Region. Es fordert die strenge Wahrung der islamischen Gesetze. Ibrahim sieht darin die Chance für eine Wende.« Über Jahrzehnte konnten die säkularen Regierungen in Islamabad derartige Äußerungen aus dem Lager des Islamisten ignorieren. Er lässt zwei Stühle aus seinem Büro bringen. »Pakistan ist der zukünftige Staat al-Qaidas. Jede Nacht schlafen wir woanders. Bald schon. wie sehr das Militär von Islamisten unterwandert sei und wie sich letztlich das ganze Land Schritt für Schritt. Eine ungewöhnliche Reise. »Die arabischen Völker kämpfen gegen ihre Despoten. klagt eine Frau. hatte er in das nordwestpakistanische Peschawar eingeladen. Und neuerdings als Ort der Hoffnung. Wer den islamischen Gesetzen öffentlich widerspreche. In fünf bis zehn Jahren wird er dauerhaft sein.« Im Gegensatz zu westlichen Beobachtern. Das ist einer der größten Erfolge der Islamisten: Sie haben die Grenze zwischen radikalen und gemäßigten Muslimen verschwimmen lassen.

Berichte über die getöteten Sidie mir auf ihren Namen eine lebte in der Hauptstadt cherheitskräfte. In der hiesigen Kultur von »Ehre und Scham«. Damals saß Präsident Hosni Mubarak noch fest im Sattel. die Bilder kaufen könnten. Er kräfte ein Viertel in der ARABIEN hat mich kurz in meinem Nähe durchkämmt. So ging jedenfalls das Gassengerede am vergangenen Wochenende.POLITIK 12.Geständnisse von angeblichen Terroristen – loren: Das Regime hat die Inter.wundert mich aber. sagt Hulsman. mehr gesprochen. Viele radikale Muslime seien aus den Gefängnissen entlassen worden. Sie berufen sich auf die Vorfahren (as-Salaf ). Die Armee nahm 190 Randalierer fest und kündigte Militärgerichtsverfahren an. der Frau eines koptischen Priesters. dass der schlimmste Anschlag auf Kopten mit 21 Toten und 79 Verletzten am Neujahrstag dieses Jahres geschah. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 9 »Ich fühle mich umzingelt« Das syrische Regime verhaftet wahllos Menschen und kappt das Internet. Das war nehmen sie einfach alle ÄGYPTEN zwar riskant. bevor sie im misshandelter Körper. Irgendjemand streut dann etwa das Gerücht. Warum Fundamentalisten gerade nach der Revolution vom Februar so schrill und sichtbar geworden sind. Es testen in Homs getötet. Zwölf Menschen starben. um endlich von ihrem Mann wegzukommen. bestehen auf dem. weil sie zum Islam übergetreten sei. Jussuf al-Qaradawi. Seither habe ich allesamt unter Folter erzwungen worden seien. im Telegrammstil laufen die Meldungen von schießen. hielten sie gefangen. weil mein Mann und ich nicht da waren. aber nicht stoppen. damit sie keinen Muslim heiraten. werden beschädigt oder zerstört. dass ihre Prediger geduldet wurden. Viele Kopten sagen. nie übergetreten zu sein. Zwölfjähriger Junge bei Pro. Anhänger des alten Regimes förderten die Salafisten.das Regime sendet fleißig seine Propaganda. und außen bei mir ein. wird es noch schlimmer: Das syrische Uhr habe ich in meinem Ver. Der Lärm. Viele salafistische Prediger in Ägypten wurden in Saudi-Arabien ausgebildet. Die Isolation schlägt mir aufs Gemüt.zeit.nichts davon stimme und die Geständnisse wahl übers Telefon gesperrt. Scheidung ist verboten. knöchelfreie Pluderhosen. Strom und Internet nen gewissen Erfolg haben und Skepsis an den Motiven unserer Bewegung säen kann. Soweit das Gerücht. Daraa wird immer noch belagert. weil ich weiß ich genau. der mächtigsten islamistischen Bewegung im Nahen Osten. auf Demonstranten zu ne Nachrichten nach draußen. Die Kirche betreibe Geheimniskrämerei. welche die Massen mit hochangereicherter spiritueller Nahrung versorgten. Wie viele Anhänger sie wirklich haben. April in unsere Wohnung eingedrungen cken hin und her. die als Fahrer im Grenzverkehr zwischen Libanon und Syrien Woche. Es half nicht. Vor ein paar che: Ich habe meinen Tagen haben SicherheitsKairo SAUDIMann wiedergesehen.de/audio gehalten wird.deren Familien sich dann wenig später bei uns netverbindung über unseren Aktivisten melden und uns erzählen. und einige wenige in der Stadt. dass Shihatah mit ihrem Mann in einem christlichen Satellitensender beteuerte. Updates über Satellitentelefon. Medien berichten von Säureattacken auf unverschleierte Frauen. Doch die Fundamentalisten drohen wiederzukommen. Mitunter wechseln christliche Frauen nur den Glauben.kommenden Wochen von Familien getöteter Solniert – sind jetzt meine Nabel. Säkulare Politiker sehen sich im Fernsehen und im Internet verleumdet. am nächsten Tag behaupIm Moment sieht es aus. wie es ihm geht oder ob sie ihn R ot es M e er Feuer für den Propheten Ägypten nach Mubarak: Wer sind die radikalen Muslime.Staatsfernsehen zeigt stundenlang falsche steck noch ein Stück Freiheit ver. Wenn ich fern. weil er seine Wohnung angeblich an Prostituierte vermietet hatte.mationen mehr. Dabei huldigen sie oft erfundenen Traditionen. davon gibt es wurden erschossen. Dort liefern sie sich auch Gefechte mit der islamistischen Hamas. Steine gegen einen Panzer: Von den Protesten gibt es keine Fotos. dass diese Bekönnen uns verlangsamen. Musikhass. Das ist richtig und dennoch nur die halbe Wahrheit. Aber ich der verhaftet oder werden März untertauchte aus Furcht vor Verhaftung. Salafisten gibt es heute in der gesamten islamischen Welt. rauche viel zu viel. wozu dieesse kaum. In dieser furchtbaren Nacht brannten zwei Kirchen. Mittelmeer schuldigung falsch ist. dass dies gesucht. ZEIT-Grafik wie aus der Welt. was sie für die Lebensformen der Prophetenzeit halten. Dann stürmen die Salafisten dankbar die Bühne. vor der das alte Regime des gestürzten Herrschers Hosni Mubarak immer gewarnt hatte? Längst bedrohen die Übergriffe von muslimischen Extremisten nicht mehr nur Christen. nen Namen zu besorgen wäre Natürlich sehe ich auch die zu riskant. jüngst brachten sie in Gaza einen italienischen Friedensaktivisten um. darüber kursieren in Ägypten zwei Lesarten. Die in vielen Vierteln von Homs unterbrochen. als teten die beiden anderen würde das Regime mit seiner TÜRKEI Männer im Fernsehen. Die Angreifer sind meist Salafisten. Cornelis Hulsman. dass nun die Islamisten überall Auftrieb gewönnen. nur solche Internet-Videos VON RAZAN ZEITOUNEH A Immer wieder erwischen wir es bei Lügen: gefoltert haben. in dem die Menschen nach bewährter Ordnung riefen. Seit Tagen habe R A Z A N Z E I T O U N E H bei diesen »Terroristen« gefunden wurden? Lachhaft! ich mit keinem Menschen Wenn ich die Bilder sehe. Im Verfassungsreferendum hätten Salafisten und Muslimbrüder Seite an Seite für die Annahme gekämpft. zwei wei. den sie machen. dass die Sichermich nicht mehr bei Skype heitskräfte ihre eigenen Beeinwählen kann. die derzeit eine eigene Partei gründen – und vielleicht gar mehrere. Ihr populärster Prediger. die angeblich zum Islam übergetreten sind. die Kirchen anzünden? VON MICHAEL THUMANN ach dem Regimesturz nun der Religionskonflikt? Die Angst geht um in Ägypten. ihre Medien wurden behindert und verboten. Hunderte wurden verletzt. prägten dann aber am Nil einen eigenen radikalen Stil. Sie wurden an der Grenze ohne er. Rollt nun die Welle des radikalen Islamismus an. sie saßen im Gefängnis. die sich weigerten mitzukommen. Wer sonst biltelefon hat die Regierung hat denn in Syrien solche schon vor Wochen gesperrt. Jahrhundert stehen: ultralange Bärte. Beweisen können wir es nicht. Allenfalls ab und an ein paar tere Fahrer. Die glaube einfach nicht. Mein Mostände vorführen. um unser Versteck zu finden Vergangene Woche zum Beispiel traten zwei (das er gar nicht kennt).Damaskus. Deshalb sind viele Ägypter überzeugt. als voriges Wochenende vor der Koptenkirche ähnliche Schlägertrupps auftauchten wie schon im Februar auf dem Tahrir-Platz und früher bei Wahlkämpfen der inzwischen verbotenen Staatspartei. die angeblich kaum noch Verbindung zur Außenwelt. diese Frauen würden von Christen festgehalten. Salafisten konkurrieren von rechts mit den Muslimbrüdern. aber das war Männer eines Haushalts es uns wert. Nicht ein Wort seither! Wir Aufgezeichnet von SUSANNE FISCHER wissen nicht. werde so etwas sofort zur öffentlichen Angelegenheit. wirft den Kopten »mangelnde Transparenz« vor. musste seine Botschaften aus dem fernen Qatar senden. weiß niemand genau. Mehr als 250 Men. Und alle Freunde. Die Muslimbruderschaft konnte davon nur träumen. dass es damit offenbar eischen in Banyas verhaftet. wer ihn verhaftet hat. Ich Welt sollte doch inzwischen wissen. Die Muslimbrüder wurden vom alten Regime stark bekämpft. Radikale schnitten einem Kopten in Qena ein Ohr ab. um ein Chaos zu säen. Jetzt sind wir mit. Nicht nur. Im Kairoer Arbeiterviertel Imbaba mussten sich koptische Christen am vergangenen Wochenende Attacken muslimischer Radikaler erwehren. die älter als 15 Jahre wieder jeder für sich. brutalen Unterdrückungsdiese zwei seien Terroristen strategie die Oberhand gegewesen. Oft geht es dabei um Frauen. was ihr als daten. Schon hatten die Salafisten wieder Munition. Zur Abschreckung. Von dem haben nen wir im Augenblick. Oft Versteck besucht. Niemand hat dabei vergessen. Waffen? Die Demonstranten eine neue Sim-Karte auf meijedenfalls nicht. Kopten. diese seien erschossen schnur zur Welt. und arbeiten. Die Extremisten greifen Alkoholgeschäfte an. Doch verbietet das koptische Bekenntnis den Übertritt zu einer anderen Religion – wie auch der Islam. sind entwe. Nicht nehmen sie gern auch ein 400 km einmal telefonieren könanderes Familienmitglied als Geisel.berichten. aber nicht unbedingt für das 7. Vollverschleierung. hieß es. Trotzdem werden SYRIEN Namen der Erschossenen IRAK die Proteste weitergehen. Die Salafisten hingegen genossen erstaunliche Freiheiten. Aufmerksamkeit im Westen erregen vor allem ihre Scharmützel mit Christen. Nur kleine Textbotwir kein Lebenszeichen. Bislang also keine guten Nachrichten diese Männer im Fernsehen auf. Buchstabe Dissidentin widerfährt worden. dürfte ihre Bedeutung aber weit übertreffen. weil sie sich geweigert für Buchstabe morse ich meihätten. seit Sicherheitskräfte schaften wandern zwischen unseren Versteam 30. Die bekommen sie übrigens auch von den Kopten frei Haus. Sie und wissen. das Werk der Protestierenden Online-Chats – wenn denn Anwältin wird auch in den ist. wenn Frauen sich von ihren Männern trennen wollten. die Sendung sei nachträglich gefälscht worden. sie hatten unter Hosni Mubarak sogar Fernsehkanäle. Auf Twitter und Face- N book wurde gemunkelt. Die Waffen. Anhängern eines mystischen Islams. so wie meinen Schwager. Fotos: Reuters . die sicherlich im Internet. sind und ihn mitnahmen.ses Regime fähig ist. Wenn der Gesuchte SUDAN derselben Stadt und doch nicht angetroffen wird. Die Salafisten in Imbaba forderten die Herausgabe Kamiliya Shihatahs.wir bekommen von dort praktisch keine Inforsichtlichen Grund festgenommen. Immer wieder hören wir die Telefoneinwahl funktio. Damaskus Einen Lichtblick imIch fühle mich regelrecht merhin gab es diese Woumzingelt. Die zweite Lesart unterscheidet stärker zwischen den oft unpolitischen Salafisten und den Muslimbrüdern. Schreine von ägyptischen Sufis. Leiter des ArabWestReport in Kairo und ein langjähriger Beobachter konfessioneller Beziehungen. in sind. Viele ultrakonservative Priester bestehen streng auf dieser Tradition. dass Provider und vorübergehend auch die Ein. weil sie den Passus über den Koran als eine Hauptquelle der Gesetze erhalten sehen wollten. Wir haben die winnen. wo er festwww. Der Verdacht erhärtete sich. Wie lebt es sich dort jetzt? m vergangenen Freitag um 15 sehe.

weil das Geschäft zu der Frage. wie das nächste große Geschäft mit Umweltschutzorganisation Legambiente ein gan.Boom von Klimaanlagen.« – die Camorra füllte die Kippen umgehend mit Das Business der sogenannten Ökomafia Müll aus ganz Italien. Kein Zufall. males Alltagsleben unmöglich. und der Gestank reiste mit. um ihn drehen sich schließlich Unmengen Die Brände werden in bewährter Manier gelegt: von Beraterverträgen und KrisenmanagementDie besten »Brandstifter« sind ausländische Ju. Fast 84 ProRoberto Saviano wahl die Stadt verstopft.schen ist dieser Nicola Cosentino von seinem ten. das Volumen gambiente haben die Clans mit Müllgeschäften der Müllberge zu verringern.Giftmüll das Grundwasser verschmutzen könnte. in denen der getrennwurden zur Bewältigung der Müllte Abfall zu Hause abgeholt wird krisen in Kampanien 780 Millio– die einzig effiziente Methode. war bisher ten oder nicht wollten. weil sie so etwas wie SozialkonFast acht Milliarden in zehn Jahtrolle impliziert. dann handelt es Abfallentsorgung haben sich nicht mehr um einen »Notstand«. Das sind Konsortien mehrerer Kommunen. Erstens hat die Camorra bei dem dauernden Müllproblem ihre Hand im Spiel.Müll. Mit dem Feuerzeug jedem Fall seine eigene Position festigen.Euro erzielt. Aber das ist nicht alles: In den 1990er Jahren wurden kleiner Camorrista seinen Boss darauf aufmerkviele Kippen eröffnet. Aber warum geschieht so etwas nicht in Genua. Es Der Schriftsteller Müll kurz vor der Bürgermeistersind nur zu wenige.mehr abgehalten – die Müllberge machten ein norgebracht ist. Zweitens wird die Abfallentsorgung in Neapel und der umliegenden Region Kampanien zu einem ganz überwiegenden Teil durch Müllkippen betrieben. Um den Müll ranken sich mittlerweile viele Gevertreiben inzwischen sogar Postkarten. mit überhöhten Preisen operierende Müllwirtschaft zu sichern. Laut LeAuswirkungen. Mailand oder Bologna. kennt keine Krisen. Ich werde nie müde zu sagen: Wenn man den – nicht um den Preis zu senken. Natürlich ist das grundlegende Problem dahinter das Fehlen einer nachhaltigen Abfallpolitik. die wie eine Neapel zumindest zeitweise vom Müll befreien richtige Zündschnur funktionieren. die mit dem Organisierten Verbrechen verfilzt ist. der Mafia Neapel regiert die linke Mitte.den. Straßen und Plätzen von Neapel 3000 Tonnen Wenn der SSC Neapel auswärts Fußball spielt.ßen von Neapel bedeutet das Scheitern der Politik. ungefähr so viel wie die Telefongeland von Neapel zwischen den Orten Giugliano.schichten. je länger der Abfall nung nie funktioniert. Wenn ganze Provinzen unter dem gendliche. und das schon auf der Straße liegt. das alle nur noch »Feu. um sie von dem Abfall zu befreiumwickeln die Müllberge mit den Bändern von en. dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind. Klebstoff. Die Neapolitaner Müllmänner eingesetzt werden. dass einmal im Jahr. Doch dazu kam es nicht uns das. Doch in Wirklichkeit werden panien. Ein »Notstand« ist nur eine Episode. die schließlich mit Baggern weggeschafft wurspotten die gegnerischen Fans die Spieler als »Müll. kurzsichtig. Hoffentlich nicht mehr lange. Auf jeden Fall kommt der Schließungsbefehl immer plötzlich. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Neapel zeigen. Franck Courtes/VU/laif Warum versinkt Neapel im Müll? IT ALIEN . In nichts damit zu tun. es wurden keine Märkte Bezeichnung »Notstand« schon gar nicht mehr an. Es gibt 16-jährige Jugendliche in Neapel. zur Lösung des MüllproNeapolitaner sie nicht beherrschschienen – zwei zu blems beigetragen hat. zes Jahrhundert lang neapolitanischen Hausmüll antwortet der Boss ungerührt: »Was kümmert hätten fassen können. Freiheit« trat Cosentino trotz des schwerwiegender getürkten Ausschreibungen und der gefälsch. Die ist wirklich eine Schande. dann trenne ich auch. Nur wer zünden sie die Videobänder an.schaft beschuldigt. Einige ausländische Fußballer wollten an. Aber in Wirklichkeit empfinden sie gab es zum Beispiel im Hinterland plötzlich einen die Dauerkonfrontation mit dem Müll als unwür. Was die Politik. männer«. Es verdienen am morra im Müllgeschäft gewesen zu sein.zeit. Es wurden jede Menge mit dem Abfall blüht. Von 1998 bis 2008 ge Viertel. Denn der Abfallberg 15 600 Meter Höhe. die jeden Quadratzentimeter Erde gesetz kontrolliert. Vor Weihnachten lagerten auf den ihre Stadt als »Müllhauptstadt« geschmäht wird. In der Ortihre Heimatstadt praktisch noch nie ganz vom Müll schaft Maddaloni in der Provinz Caserta wurden befreit erlebt haben. das wirklich durchzusetzen. Die Jungen lockermachen. Berlusconi hat ihn ten Rechnungen.die Kleiderfirma Benetton. Auf jeden Fall leiden die Neapolitaner kalt. der imschaft. und er wird sogar immer mehr. Mülltrennung funktioniert nicht in zwölf Lektionen. aufeinandertürmen würde. wenn man versucht. wenn austretende Flüssigkeit den Boden verschmutzt. dass diese Müllkonsortien zu wahren Aufgezeichnet und übersetzt von BIRGIT SCHÖNAU Machtzentren der Organisierten Kriminalität geworden sind. bei fließend. Wenn der Nachren. auch in den entlegensten Dörfern. Die Grenzen sind da. sondern um ihn in die Höhe zu treiben und den Müll letztendlich Müll. er kann in darauf und entfernen sich.den Verdachts nicht zurück. wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl. befreit. auch jetzt wieder auf den Straßen deshalb funktioniert das in dievon Neapel. um den Clans riesige Gewinne durch eine ineffiziente. Sie funkSilvio Berlusconi. er habe Neapel vom Müll Neapel ist Mülltrennung eine Antimafiaaktion. dass der sen Vierteln hervorragend. Sie bilden regelrechte Kartelle auch nicht dazu gedrängt. Da ironisches Volk. Als Parteikoordinator des »Volkes der diese Konsortien zum Paradies des Klientelismus. Eine Lehrerin aus I T IO Wie von Geisterhand immer wieder da: Abfall auf den Straßen von Neapel Boscoreale erzählte mir. um die Grund dafür war der Müll. wie sie jeden Morgen von ihrer Wohnung zur Schule nach Neapel fuhr. um die Mülltrennung immer noch Berlusconis starker Mann in Kambilliger zu machen. und wenn das geschieht. Santachiara im Müllgeschäft – so wurde der Bock zum GärtDie früheren Folgen von ner gemacht. Die ZEIT erklärt er Italien Macht. In der D E R A U F K L Ä R E R Camorra kennt die fundamentalen Regeln von Angebot und Millionenstadt gibt es nur weniNachfrage. TEIL 6 Italien ist uns fremd geworden. dass die Leute die sich der Staat nicht kümmert. sellschaft Telecom Italia und zehnmal so viel wie Villaricca und Qualiano. Diese Kippen füllen sich mit der Zeit. Doch der Müllnoterland« nennen. ja tioniert nicht. ver. in und weniger Abfall bedeutet weKampanien die rechte Mitte. sie sind eben ein selbst. So absurd es klingt: In mer wieder behauptet. die Postangestellten stand existiert seit 16 Jahren – also so lange. Eine Serie zur Erklärung eines rätselhaften Landes 6 NEN N SC K ein Ausnahmezustand eben. men nicht ganz so streng nach dem AntimafiaSchmieröl. Und das Ergebnis sehen wir bar trennt. für sie sind die Abfallhaufen ein weiterer Beweis eine haben. Wer aber viel Geld zu vergeben hat. eine nur oberflächlich. schütten Alkohol und Benzin auch auf viele Wählerstimmen hoffen. die arme Frau wurde deswegen von ihren Schülern gehänselt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK R O B E RT O S AV I A N O : I TA L I E N I S C H E L E K T I O N E N . solange er Italien eine Nation ist. Denn der sogenannte Müllnot. dabei dürften es laut berühmt. wir trinken Mineralwasser. die laut einem Bericht der sam macht. Wenn er eapels Probleme mit der HE LE jedes Jahr wieder eintritt. In nung bedeutet weniger Abfall. dessen Gestank derart aufdringlich in die Häuser drang. sondern nur in Neapel? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort. InzwiMüll auch die sogenannten Entsorgungsgesellschaf. ob desaströs. links wie etwa deswegen nicht. Es ver. Da gibt es ganz andere worden: Wie es im Sommer heiß ist und im Winter Gründe.unter seiner Regierung weiter. dann haben die Clans die Müllkonsortien mit ihren käme man bei einer Basis von drei Hektar auf Mittelsmännern infiltriert. die Fenster geschlossen halten mussten. und sie leiden natürlich auch darunter. Die Camorra betätigt die Hebel © 2011 by Roberto Saviano – Agentur R.stand war auch Manna für die Politik in Kampaßenrändern pechschwarzen Rauch aufsteigen. Und natürlich wird die Entsorgung In Neapel hat die Mülltrenumso teurer.sind es erneut über 3000 Tonnen. nen Euro jährlich ausgegeben. Mülltrenund zwei zur Macht sche Entscheidungen getroffen. Der Müll auf den StraUnternehmen sich treffen. Neuerunter der ständigen Wiederholung des Müllnot. ein Gewährsmann der Cadienen die Abfallunternehmen. und manche sind geradezu grotesk. dass die Neapel ist die Müllkrise zum Normalzustand geNeapolitaner keine sauberen Menschen wären. Ein beißender Fäulnisgeruch hatte sich in den Sitzen des Autos und in ihrer Kleidung festgekrallt. Nicht selten erfolgt die Sperrung der Kippen auch wegen Umweltproblemen. auf denen Müllhaufen zu sehen sind. Camorra-Clan und hat also ein langes Leben. Es einen Politiker berufen. den die Staatsanwaltverdient die Organisierte Kriminalität. Wie. Sie verhindert zusammen mit korrupten Politikern eine funktionierende Entsorgung. immer wieder falnicht getrennt wird. Oft sieht man da an den Stra.dings ereignet sich der Notstand sogar häufiger als standes. Abfall gibt es schließlich Der Abfall auf der Straße hat verheerende immer. der kann Videokassetten. Die Regierung geblich wegen der Abfallberge erst gar nicht beim hat wie so oft Soldaten geschickt. Als ein www. muss man eben viel Geld pro verbrannten Müllhaufen zahlen. verfügt ein Gericht die Schließung. In niger Verdienst für die MüllwirtRom regiert Berlusconi. Berlusconi hatte zudem zum Staatssekretär im Finanzministerium traut. dass die verweigerten die Arbeit. Dieses schmutzige Business ist jener Ort. indem man sie in allein in 2009 einen Umsatz von 20 Milliarden Brand steckt. Jetzt. wo Politik. Es gibt da ein Dreieck im Hinter. Sekunden brennt dann alles lichterloh. weil die Fünf sind bereits errechts. Für die zeigt damit im Wahlkampf ihre Gesetz nur 35 Prozent sein. einmal weg. die in Neapel als neapolitanischen Klub anheuern. denen die Clans der Camorra 50 Euro Müll begraben werden. Fehler gemacht. so wachsen jedes Jahr die Müllberge.de/saviano Fotos: Laura Lezza/Getty Images.10 12. Am Geschäft mit dem Müll verdienen alle. Sie Müllkippe. Längst waltet haben. nien. den die Clans der Mafia verwalten und vervon der Camorra »entsorgen« zu lassen. der Müll ist erst mit Dioxin verseuchen.Aufträgen. Die Cazent des Abfalls werden nicht wurde mit seinem morra benutzt den Abfall als Mitgetrennt und landen auf der Buch »Gomorrha« tel der politischen Erpressung. Der dafür. HausIm Notfall werden die Entsorgungsunternehmüll und Gewerbeabfälle wie Lacke. in Wirklichkeit geht der Notstand auch Bisher hat sich noch keine Stadtverwaltung ge. der Müll kann dann nicht mehr abgeladen werden und bleibt auf der Straße. der darf auf politischen Erfolg hoffen. Amt als Staatssekretär zurückgetreten – aber er ist die sich zusammentun. In wenigen kann. das illustriert eine Anekdote Roberto Saviano finden Sie unter des Kronzeugen Gianfranco Mancaniello. Jeder Haushalt wollte dig. Hauptsache.2008 die Schulen geschlossen.

sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Genießen Sie’s. Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse. Jahrgang 1969. es besteht aus Luftgespinst und Liebe. Lebt als Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Lübeck. O. Dieses Gedicht ist nicht animalisch. Licht dringt ein. lebt nach Stationen in Tübingen. 1976 in Eisenach geboren. Dieses Gedicht tötet kein Lebewesen. Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. Seine Übersetzungen (zusammen mit Mirko Bonné) der Gedichte von Rutger Kopland erschienen 2008 im Hanser Verlag.POLITIK & LYRIK Seit dem 10. Schlucken Sie nicht alles. während das andere sich mit dem starken Andrang moralischer Anforderungen in letzter Zeit befasst. wird es. Diesmal handelt eines unserer beiden Gedichte von der Erschießung Osama bin Ladens. wurde im Münsterland geboren. Im Frühjahr 2010 erschien sein fünfter Gedichtband »Der Pilot in der Libelle« im Göttinger Wallstein Verlag Foto: privat Die Lebenden sind Legenden aber was sind die Toten? (B. Bislang sind vierzehn Gedichte erschienen. Studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. es lebt vorzüglich von Substanz. einige wurden am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. Ihr letzter Gedichtband »Pontus« erschien 2009 im Wallstein Verlag Foto: Nils-Christian Engel POESIE NRO: 10 . um sich zu spüren. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten. niemand soll sagen: Der Täter war ein so freundlicher Familienmensch! Es emittiert kein CO₂ und leistet keine Kompensation. Inkarnation In diesem Gedicht wird kein Fleisch gegessen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 11 Anfang dieses Jahres erleben. es fliegt nicht nach Fuerte und sagt »Scheiß drauf!«. weil irgendwo Koniferen dafür gepflanzt werden. HENDRIK ROST. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT. aus dem Buch rieseln. Es blutet nicht. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell. Das Gedicht rettet. wie wir sie seit 12. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein.) Nicht war es die Zeit in solche Leere zu irren wie die morgens sehr früh als die Katze einer Amsel Gedärme über die Kellertreppe hochzog die rechte Zeit war es nicht zum Briefkasten zu gehen zu sagen: nichts heute nacht ist nichts geschehen nein nicht war es die Zeit nicht war es wahr nicht geschehen das Nichts als ich im Schlaf einem Kampf zusah: der Vogel im Sperrfeuer mir aus dem Grau ins Gesicht fiel nicht war es Zeit zu schlafen für sich sein nicht Zeit gleichzeitig die Katze zu loben und die Amsel begraben DANIELA DANZ. Ab und zu ritzt es sich mit Realität. Prag. ohne zu stinken. Berlin und Leipzig in Halle (Saale). und stirbt es einmal. Bitte verschonen Sie Ihre Liebsten.

der Eindruck. Mord ist mehr als ein Totschlag.com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig.de/wirtschaft Nach der Revolution Der ägyptische Regisseur Magdy Ahmed Aly hatte die lähmenden Strukturen in Ägypten unter Mubarak beschrieben.de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG. dann mag das in jedem Fall begründet sein. es geht nicht darum. singt sie. Da schert es die Leute auch nicht mehr. ja zurückhaltend. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus.5. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. zur Heizung (Klimaschutz).de/schule ZEIT ONLINE auf Facebook FDP HAUSHALT FILM HÖREN Rösler übernimmt Neue Führung. Wer nun den Griechen Geld leiht. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. Bei jenem Thema. auf den Großen Vaterländischen Krieg. derweil EU. den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«. Walker/Getty Images for DIFF Foto: Raigo Pajula/AFP/Getty Images Foto: Sean Gallup/Getty Images Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Schreiben Sie einen Leserartikel. wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz.zeit.« www. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Foto: Andrew H. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. Es wird zum europäischen Sozialfall.und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Athen vorweg.zeit. ganz simpel. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt. sogar befördert. hilft seinen Banken. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. entscheidet das Gericht. darüber zu spotten? F. die Spione der Konsumwirtschaft. also wird es teurer. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 MEINUNG POLITIK Wer den Griechen hilft JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Volkszählung. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www. singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern. voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zurückzublicken. 2. Lebensumständen.zeit.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. sollte es besser im Kasino verjuxen. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. nicht die Kopie. Ein Gespräch mit dem Filmemacher aus Kairo www. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Ausbildung und Beruf gestellt. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. 3. Erwartet wird ein Plus von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2015. Der Staat – im Bestreben. das ist nur eine Schätzung.de/kultur Das Ohr zur Welt Gordon Hempton ist akustischer Ökologe. bis die Kohle ausging. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. die dem Opfer besonderes Leid zufügt. bräche das Höllenfeuer aus: HEUTE: 9.2011 Erinnern Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt.000 Follower. das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person.zeit.com. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat. Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. das klingt nach historischer Parallele. der Tathergang stehe fest. So sehen Sieger aus. zu dem sich die FDP am kommenden Wochenende trifft. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Er reist um die Welt auf der Suche nach unberührten Landschaften und unverfälschten Geräuschen. Allerdings darf man wohl annehmen. Vielleicht zu zurückhaltend. Für Täter und Opfer. wegen versuchten Totschlags. Dabei hatten Statistiker. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt.facebook. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Mord und Totschläger Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden. um sich selber zu retten Die Kassandras haben recht behalten: Geld. die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. so wie schon mehr als 70. Ob Torben P. die bekommt. kommt schon ins Grübeln. Welche Begehrlichkeiten werden entstehen? www. Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert. der neuen Volkszählung. Das ist ein Mittelweg. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Am Donnerstag stellen die Steuerschätzer ihre aktuelle Prognose vor. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. der Täter habe gestanden. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. sei es wegen besonderer Grausamkeit. STX Foto: Mathias Bothor/photoselection Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT erst ein Run auf griechische Banken.de/reisen Werden Sie einer von mehr als 58. Am 9. Hier aber ist das Original zu sehen.de/politik Volle Kassen Die gute Konjunktur füllt die Kassen von Bundesfinanzminister Schäuble. wie sie Literatur und Quellen finden und korrekt mit Bildern und Statistiken umgehen www. obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme. die Brüssel vorschreibt).zeit. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. nach enormem Erregungspotenzial. eine besonders verwerfliche Tat. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback). Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein. Für ZEIT ONLINE beschreibt. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung.ohne Politikunion geht nicht. das Signal aber ein anderes. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer. Athen nimmt Dampf weg. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.zeit. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit. Das Routinierte der Nachsicht jedoch. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre.twitter. Wenn einer wie Torben P. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird. von Untersuchungshaft verschont wird. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt.000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www.zeit. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Deshalb ist es auch legitim. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine. weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie). Der Bruchpunkt ist jetzt. wer hätte das Recht. meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. ZEIT ONLINE berichtet aus Rostock www. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und. der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. was sie erst recht nicht könnten. Angeklagt wird Torben P. doch die Deutschen bleiben cool. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). richtig gemacht. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. Anklage ist nicht gleich Urteil. haben so lange so heftig geheizt. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe. fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. vorzugsweise kalifornische Konzerne. Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten.12 12. Griechenland. fotografiert und vertont er seine Erlebnisse www. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. 43 der Fragen schreibt die EU vor.de/leserartikel Foto: Gordon Hempton Schreiben Sie für uns! Schüler arbeiten wissenschaftlich Bei ZEIT für die Schule erfahren Schüler. wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Fazit: Wer den Griechen hilft. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. dass diese Zeile falsch sein möge. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat. Nun macht er die Ereignisse der Revolution zum Thema seines nächsten Films. Der Remeduren sind nur drei: 1. Es geht darum. Und für die Öffentlichkeit. von 325 auf 340 Milliarden Euro. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. wenn der Staat etwas mehr wissen will. Nein. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei. die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. WFG Ein Land bleibt cool Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen Die Bürger bleiben cool. Und man wünscht diesen alten Herren. Die Beweislage sei einfach. verpufft die Wirkung der Sanktion. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Und bei den Themen Euro-Krise und Energiewende droht Streit. die so noch niemand gehört hat. eine möglichst harte Strafe zu finden. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten.und Ausgabenpolitik – fahren. damit fertig zu werden. ZEIT ONLINE präsentiert Ihre Texte nun noch prominenter www. neue Linie: Es ist ein Parteitag des Umbruchs.com/zeitonline Foto: Denis Sinyakov/Reuters . kann nicht sparen. sagen die Staatsanwälte. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Und blähen sich weiter auf. D. wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird. Der ersten seit 1987.

Afghanistan den islamistischen Terrormehr die Entscheidung von US-Präsident Bill gruppen als Rückzugsraum zu nehmen. sondern um einen neuen Höhepunkt dieser aufgeheizten Atmosphäre. amerikanische Invasion aufbauen lassen – und das Diese indirekte Form westbereits direkt nach dem zweiten licher Kriegsführung zeigte Golfkrieg. Mit wirkungsvoller Unterman koordinierte Angriffe.Sicherheitskräfte verhinderte dies – eine Fehlenten schreckte der Westen auch damals aus gu. krieg politisch rechtfertigen.V. in diesem Moment. Zehntausende wurden verwundet. dann aber im Lage. kann es für den Westen hingegen Nato entschied die Allianz aus Albanern und notwendig erscheinen. Denn dort haben sich die französischen Schutzversprechen mit der Entsendung von Kampfhubschraubern als genauso glaubwürdig erwiesen wie die britischen Garantien für Sierra Leone. weil er sich zugleich Einsatzrestriktionen auferlegte. zehn Jahre nalen Koalition. studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT. beschloss Washington 2001 in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien erAfghanistan und 2003 im Irak den Großeinsatz halten hat. nicht kleiner.scheidung mit gravierenden Folgen. was kommt. Die Schiiten wurden T H O M A S S PE C K M A N N Wirkung. die schon damals islamische später. an der Universität Oxford zusammengetragen hat. ließen ihn die USA töten und unter Missachtung muslimischer Bestattungsbräuche von einem Flugzeugträger aus ins Meer werfen. wenn es zu einem Konflikt kommt wie zugefallen. zusammen mit einer internatio. Nur wenige Wochen von den USA nach der Befreiung nach dem serbischen Massaker Kuwaits 1991 und angesichts der in Srebrenica waren die bosstark geschwächten Armee von nischen und kroatischen TrupSaddam Hussein zu offenem Wipen im Sommer 1995 in der derstand ermutigt. der sich heute in – bei der es ebenfalls zu schweLibyen nicht wiederholen darf. so verschwommen wie das Wissen über die Zeit seiner Entstehung. die ihm vor Ort wie an der Heimatfront die politische Unterstützung sicherten.tember 2001. Anstatt bin Laden festzunehmen. haben UN und Nato ebenfalls nicht viel mehr Staaten einschloss. sorgten auch die von Paris unterhaltenen Militärbasen in Afrika für Sicherheit – wie jüngst im Fall der Elfenbeinküste. Das ursprüngliche Ziel nach dem 11.tige Sicherheitsgarantien. Hierzu zählten vor allem der Verzicht auf einen langwierigen Einsatz von eigenen Bodentruppen und die weitgehende Beschränkung auf Luftschläge und Waffenlieferungen – auch wenn sich dadurch der Krieg scheinbar in die Länge zog. Dies ist also leider nicht der Anfang einer neuen. eine Gegenoffensive zu Kampf gegen die verbliebenen starten und mehr als die Hälfte Panzer und Kampfflugzeuge des von Bosnien-Herzegowina zuBagdader Regimes im Stich gelasrückzuerobern. der allerdings leicht in Misserfolg umschlagen kann. mehr ist nicht bekannt. dass der Westen militärisch Partei ergriff und damit den Konflikt entschied. setzt der Westen in Nordafrika auf die den Terror« beschränkten die USA ihre Operationen Überlegenheit seiner Luftwaffe und unterstützt gegen dieTaliban und al-Qaida auf den Einsatz von mit Geheimagenten. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit. Die Operation sen – ein Fehler. der Name des Fotografen. wenn ihnen die vergangenen Jahre gegenwärtig wären? Die Gegenwart ist ein unmögliches Komprimat. wo militärisch schlagkräftige zwischen UCK. Sepgrad zur Waffenruhe zwangen – es war viel. und doch ist dieses Foto ein Beweis ihrer Wirklichkeit. Heute.stützung aus der Luft hätten sie sich selbst befreien shington und Brüssel dafür 78 Tage Bomben. Ross gibt dies zwar zu. spricht für das britische Stiglitz drei bis fünf Billionen Dollar gekostet – Modell.begann die Stationierung von größeren Verbänden ren nicht allein die Bombardements der Nato. Die Nordallianz und weitere vergegen die serbischen Truppen von einer ame. Der AlQaida-Chef war schlau genug. das UN-Waffenembargo erreicht – aber um welchen Preis? zugunsten von Bosniern und Kroaten de facto Auch im Irak hätte sich ein neuer Staat ohne aufzuheben. Ein langjähriges Engagement mit hohen für sich. ein Terrornetzwerk aufzubauen. angriff stoppten. 19/11) entwirft Jan Ross ein optimistisches Bild von der Zukunft. Der Erfolg. und nur Verrückte wünschen.dische Kräfte darauf. Saddam Husseins Diktatur Befreiungsarmee UCK. (u. serbischen Truppen und der Partner fehlen.Schwäche seiner Heimat eine unmittelbare Folge des flikten erfolgreich war: Anstatt sich wie in So. Fotos: Alexander Meledin/Mary Evans Picture Library/Interfoto. Erst danach jugoslawischen Bürgerkrieg die Wende: Es wa. Wie wäre so ein strahlendes Glück in Moskau im Jahr 1945 möglich. dass der Terror auf der ganzen Welt besiegt ist. Wie heute in Liby.Erfolg führen können: Zu Beginn des »Krieges gegen zulassen. doch im Gegensatz zu seiner zuversichtlichen Prognose wird die Gefahr größer. führte die Nordallianz in Afghanistan. Spezialeinheiten. Wüsste sie. Nach den Langzeitstatistiken über 66 Konfliktherde. um den Terroristen neuen Unterschlupf zu gewähren. Ergebnis Universität Bonn Despoten nicht länger dienen war der Vertrag von Dayton. Auch im ten Gründen vor dem Einsatz von Bodentrup.Waffengangs im Irak. will man das Land nicht in Schutt und Asche zurücklassen. um ihn vor Gericht zu stellen – er wäre zweifellos verurteilt worden –. was kommt. In seinem Leitartikel Ein Krieg weniger (ZEIT Nr. Bei näherem Hinsehen ist dieses Szenario allerdings wenig realistisch. In Wirklichkeit handelt es sich aber nicht um einen krönenden Abschluss. sondern auch einen Regierungswechsel friedlich überstanden. und dem. mit dem Tod von Osama bin Laden ende auch die irregeleitete Vorstellung des war on terror als Epochenthema. F. Er schreibt. Ein Abzug aus Afghanistan wäre nicht sinnvoll. westlicher Infanterie – rückblickend ein schwerer die Bosniens Serben und ihre Helfer in Bel. Ein Jahr. einem Politiker – oder einem ZEIT-Leser. In Wirklichkeit erwies sich ebendiese Zurückhaltung als die schärfste Waffe. So hat er sich angefühlt. Der arabische Frühling bedeutet nicht.Norden des Iraks warteten 1991 wie 2003 kurpen zurück. Will der Westen auch in Konflikten wie in Libyen militärisch und politisch die Oberhand behalten. und der Westen solle sich dabei bescheiden zeigen. wie sie Sierra Leone von nen zu nehmen.de. Zwar mussten Wa.bündete Afghanen hätten einen Staat aufbauen rikanischen Beratungsfirma für Militärfragen können. ehemaliger Forschungsleiter der Weltbank. Deutsche Atlantische Gesellschaft e.POLITIK MEINUNG 12. malia. würde sie dann so lachen? Könnte er so tief versinken in ihren Geruch und das Gefühl ihrer Haut? Könnten sie beide das. London hat der Regierung in Freetown der eigenen Infanterie – mit fatalen Konsequen.Fehler. Es waren ihre Eine ähnliche Strategie brachte bereits im Truppen. die Paul Collier. Nun werden selbst moderate islamische Kräfte radikalisiert und mobilisiert. Afghanistan oder im Irak mit dem EinDabei hätte die amerikanische Strategie auf dem satz von Bodentruppen auf das Risiko eines Balkan auch am Hindukusch und am Golf zum langwierigen und verlustreichen Krieges ein. Und Länder wie das chaotische Jemen stehen bereit. Philip Dingeldey. war bereits Clinton. Wer widersprechen will. Der arabische Frühling könne sich entfalten. Das werden wir noch zu spüren bekommen. Gemeinsam startete loswerden zu können.) Mit gebremster Macht Die westliche Intervention in Libyen wird am Ende Erfolg haben – gerade weil sie auf Bodentruppen verzichtet In Libyen haben sich die Vereinigten Staaten Mittel. um rasch einen neuchen. menschlichen wie materiellen Kosten muss daraus Anstatt sich die Strategie in Bosnien und im aber nicht entstehen. dass Politische Wissenschaft aufstand im Süden des Iraks von sich die Serben zu Verhandlun. Eine Alternative sind langfrisKosovo zum Vorbild für kommende Interventio. der zwar nicht einer mustergültigen Demoausbilden zu lassen. in dem einzelne Zellen unabhängig von einer zentralen Figur agieren. verfasst von einem Redakteur. ein Ort. was war. und es war der Beschluss kratie geglichen. die bereits in früheren Kon. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 WIDERSPRUCH Zu früh gefreut Der Terror ist noch nicht besiegt VON PHILIP DINGELDEY DAMALS: 1945 Vergessen Nur Ahnungslose träumen davon. ren Kriegsverbrechen kam – war lehrt am Institut für Schon 1991 wurde der Volksmilitärisch so erfolgreich. dann sollte er die Tradition britischer und französischer InVON THOMAS SPECKMANN terventionen in Afrika und das kluge Handeln der USA auf dem Balkan zu einer neuen Doktrin verschmelzen: In allen Fällen war Bedingung für den nachhaltigen Erfolg. dass umgehend Truppen eingeflogen zen: Bis heute sind Tausende alliierter Soldaten werden. Sierra Leone hat nicht nur Wahlen abgehalten. die in Kabul einmarschierten. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor . ein Nichts zwischen dem. wollten. die kroatischen Streitkräfte im Kampf erreicht worden. aber zumindest keine Bedrohung Washingtons.können. waren keine Bodentruppen des Westens en Staatsapparat aufbauen und die eigenen Boeingesetzt worden. er sei ein Rückfall in das emotionale Klima von 2001. nicht zu vergessen. dentruppen in die Heimat zurückholen zu könIm Kosovo-Krieg beschränkte sich die Nato nen. Für Ross gehört der amerikanische Jubel noch einer »abschließenden Zeit« an.und Soziologie der Soldaten mitgetragen. an diesem Ort. So hat der Sieg ausgesehen. 20. die dem gen bereit erklärten. Auch der Terrorismus ist mit bin Ladens Tod keineswegs am Ende. Militär. Aber den Kampf In Krisenregionen. Damit schüren sie Rachegedanken. die Zukunft entschlüsseln zu können. Doch die fahrlässige Auflösung der irakischen gleichfalls auf Luftschläge. Den Krieg am Boden der verbündeten Konfliktpartei vor Ort. die anderswo schmerzhaft fehlen. Ihre Rolle übernahm die Kosovo. D. mit eigenen Bodentruppen westlichen Interventionsmächten schließlich einzugreifen. Dies gelang ihm aber nur.für den Westen dargestellt hätte. Sie wird es auch im Fall Libyens sein. als die Briten einen Rebellenökonomisch sind derlei Einsätze ein Desaster. im Angesicht dieser Vergangenheit und dieser Zukunft? Das Foto selbst ist ein undatierbares Dokument. Diese oppositionellen Doch um Symmetrie auf dem Kräfte hätten die Alliierten spätesSchlachtfeld und dann später tens bei ihrer Invasion 2003 föram Verhandlungstisch zu erreidern müssen. damit bislang einen Allein der dritte Golfkrieg hat den amerikanischen Rückfall in den mehr als zehn Jahre währenden BürSteuerzahler nach Berechnungen von Joseph gerkrieg verhindert zu haben. sondern höchstens ein Erfolg innerhalb der gegenwärtigen Epoche.Air Force und Spezialeinheiten – wie nun erneut bei beratern und Waffenlieferungen die Streitkräfte der Tötung Osama bin Ladens. Der Wirtund ihre europäischen Verbündeten auf eine schaftsnobelpreisträger sieht in der ökonomischen Strategie besonnen. Auch letzt im Jahr 2000.zugesichert.

aber verrückt war der Mann keineswegs: Eine große Ausstellung in Herrenchiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. längst gibt es dort Räume. Zeitmaschine VON U. in denen Selbstkontrolle funktioniert. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 80) Flüchtling zu sein VON A.-BRUNO KAMMERTÖNS .: Haus d.kultur VON NINA PAUER Widerspruch Auch nach dem Tod nom und Verhaltensforscher? Vogel reagiert auf bin Ladens Tod VON ANNABEL WAHBA DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein WISSEN 37 Plagiatsaffäre Eine Reform Zucker und Wahn VON CHRISTOPH DIECKMANN weltoffenes Islamzentrum gründen. Nach dem Gespräch – es ging um die Energiefrage – waren sich die ZEIT-Redakteure Giovanni di Lorenzo und Bernd Ulrich (oben im Büro der Kanzlerin) einig: Frau Merkel hat mehr Gesichter. MAROHN »Tarmac« VON CATHARINA KOLLER »Ein Ausbüxen gibt’s nicht mehr« Dass gemeinsam mit Interviewern meist auch Fotografen anrücken. MAI 2011 5 6 Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge VON A.zeit. SPECKMANN Kulturkanäle Das neue Fernsehprogramm zdf. Link-Tipps (Seite 28). SCHNABEL 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft VON CHRISTOPH DRÖSSER Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen VON WINFRIED SCHUMACHER 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei 44 Der Medienforscher Michael Stoll ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-alsauch-dagegen VON RALF ZERBACK Foto: Thomas Rabsch/RTL über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. BÖHM WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt 48 Kinder. und Gemeinschaften. getanzt von Sasha Waltz VON CLAUS SPAHN Kunst Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG 10 Italienische Lektionen Warum 33 Lettland Ein Krisenopfer kommt Neapel im Müll versinkt VON ROBERTO SAVIANO auf die Beine VON JAN PALLOKAT 34 Ratenzahlung Versicherer Gutes Gras: Blumen werden überschätzt.zeit. es gebe. BÖHM 54 Essay Eberhard Straub Generation Rösler Passen für Verbraucher ärgert die Industrie VON GUNHILD LÜTGE »Zur Tyrannei der Werte« VON HUBERT WINKELS Familie und Politik zusammen? VON TINA HILDEBRANDT nah 30 Kika-Skandal Gegenseitige Roman Nicolas Dickner 7 8 FDP Ein Gespräch mit Philipp Schuldzuweisungen Soziale Netzwerke VON A. DINGELDEY beeinflussen Richter kaum. Tiger« VON IJOMA MANGOLD Industriespionage wird erleichtert VON ULRICH HOTTELET 56 31 Telekom-Aktie Das Urteil in 9 Syrien Tagebuch einer Dissidentin VON RAZAN ZEITOUNEH Ägypten Die neue Regierung dem Massenverfahren steht bevor VON MARCUS ROHWETTER 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 32 Tunesien Der schwierige kämpft gegen religiöse Gewalt VON MICHAEL THUMANN wirtschaftliche Neubeginn VON KARIN FINKENZELLER 58 Brüssel Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. Plötzlich gilt er als Verfassungsfeind VON ALBRECHT METZGER 20 WOCHE NSCH AU Eurovision Song Contest Die Vergeltung Ein junger Amerikaner über die Jubelvideos aus seiner Heimat VON PATRICK BRUGH Heuchelei Merkels Kritiker der Promotion ist nötig Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit VON THOMAS VAŠEK REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Sein »Königreich der Kunst« entzog sich zwar den Realitäten der politischen Welt. unter www. grob und unfair? Nein. glaubt der Landschaftsarchitekt Peter Wirtz. Zu Besuch bei seiner legendären Familie Kulinarische Wüste: Wolfram Siebeck reist durch Ägypten und kostet aus der Küche der Revolution Der Schauspieler Robert Hunger-Bühler über den Tag. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Das Netz zivilisiert sich selbst Das ganze Internet krawallig. Armin Falk. SCHMIDT CO₂-Speicherung ausprobieren VON CHRISTIAN TENBROCK Justiz Eine milde Anklage im Fall Museum Rade am Schloss Reinbek VON SVEN BEHRISCH 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« VON GÖTZ ALY des Berliner U-Bahn-Schlägers Abb.. Essay-Sammlung und ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra VON KATRIN GÖRINGECKARDT UND JOSEF JOFFE lasten von altersblinden Patienten Milliarden VON NICOLA KURTH Atompolitik Was der Chef von Greenpeace International will 29 Lebensmittel Ein Internetportal ein Bildband VON A. ISENSCHMID Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT 20 12. Das aktuelle ist zu sehen auf Seite 2/3 Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen 55 Margaux Fragoso »Tiger..radioeins.de/brief Historiker Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch noch die meisten Laster bauen VON DIETMAR H. LAMPARTER Kunst und Zensur Der Mut »EINE STUNDE ZEIT« iranischer Filmregisseure 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal VON THOMAS ASSHEUER Wörterbericht/Das Letzte 95 LESE R BR I E F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT. in denen Menschen respektvoll miteinander umgehen www.de Foto: AllzweckJack/Photocase von bin Laden lebt der Terrorismus weiter VON PHILIP J.IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland 26 Elektroauto Warum es falsch ist. sagt sie dann. als sie zeigen möchte. doch schon genug Bilder von ihr. Angeblich weiß sie. RIETZ 39 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen VON BURKHARD STRASSMANN Reisende Max Frisch ein Zuhause VON BERNADETTE CONRAD 40 GESCHICHTE 21 Ausstellung Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95. hält Bundeskanzlerin Angela Merkel grundsätzlich für überflüssig.8 MHz) und www. TITEL Thema: Die Angst vor Alzheimer 14 AUSGABE: 51 Fernsehen Gespräch mit RTL- nur die Autokonzerne zu fördern VON PETRA PINZLER Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100. Öko- 62 GLAU BE N & ZW EIF E LN Islamismus Der Prediger Pierre Foto: Marco Valdivia sich über die arabischen Revolutionen VON GEORG BLUME Nachruf Zum Tod von Gunter Sachs VON H. dem kostenlosen Newsletter www. Fotograf Anatol Kotte durfte trotzdem bleiben – für wenige Minuten. Bayerischen Geschichte/Augsburg ThyssenKrupp Der schwerfällige VON HEINRICH WEFING 13 Libyen Wie der Westen erfolg- Konzern startet den lange fälligen Umbau VON JUTTA HOFFRITZ Prozesse Medienkampagnen reich sein kann VON T.de/audio CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 96 ZEIT DE R LESE R Anzeigen in dieser Ausgabe Spielpläne (Seite 19). 27 Kinderarmut Die Not ist viel 3 4 Foto: Anatol Kotte für DIE ZEIT geringer als bisher gedacht. sagen Forscher VON KOLJA RUDZIO 28 Pharma Die Industrie verdient zu- Wiederbegegnung mit dem jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 53 Biografie. STEINBORN UND C. sagt Anwalt TOBIAS GOSTOMZYK 36 Was bewegt .und Jugendbuch – die Politik ist überfordert VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« Microsoft Der Kauf von Skype FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen RUBRIKEN 2 44 Früher informiert! Die Quotenfrau Mit Formaten wie »Deutschland sucht den Superstar« hat sie die Konkurrenz überholt.de/ziviles-netz Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE Bayern feiert Ludwig II. an dem er fast ertrunken wäre 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG »Die Lebenden sind Legenden« 12 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE 59 Kunstmarkt Mit Asiatika erzielt Finanzkolumne 35 Kohle Deutschland sollte die das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde VON TOBIAS TIMM Museumsführer (101) Das Volkszählung Warum der Zensus niemanden aufregt VON S. Museen und Galerien (Seite 45). was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL FEUILLETON SEITE 51 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Worte der Woche Stimmt’s/Erforscht & erfunden Mario Draghi 25 Staatsschulden Der Harvard- im Geisterreich der Moral VON ADAM SOBOCZYNSKI 24 Macher und Märkte 54 Taschenbuch 56 Impressum 61 Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. GESCHICHTE SEITE 21 Geschichte eines Liedes aus Island – und wovon Europa singt VON D.zeit.

Progressiven Muslimen gilt Idriz als Hoffnungsträger. Es habe schon zwei Treffen mit Münchner Muslimen gegeben. Sieben Jahre später schrieb er sein Diplom zum Thema »Emanzipation der Frau im Islam«. kleidet sich mit T-Shirt und Jeans. er spricht fließend Makedonisch. Erste Kontakte mit der bayerischen Staatsregierung »sind bereits erfreuend zu A verzeichnen«. fährt der Imam in seinem Brief fort. ein zweistöckiger Bau aus Kalksandstein mit großen Fenstern und einem Minarett. Die Penzberger Moschee. Er hat eine Buch mit dem Titel Grüß Gott. später der Schweizer Pharmakonzern Roche Diagnostics. das die Süddeutsche Zeitung in den höchsten Tönen lobte.« Der Imam sucht Unterstützung für ein Islamzentrum. Herr Imam! geschrieben. Idriz rechnet sich nicht zu ihnen. Er hat seiner Moschee sogar einen deutschen Namen gegeben: »Islamisches Forum«. Politiker aller Parteien sind begeistert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 15 Unter Verdacht Ein Imam aus Bayern will ein weltoffenes Islamzentrum in München gründen. Türkisch. das »Projekt fand großes Interesse und stieß auf einen positiven Anklang der Teilnehmer«. Mit 15 ging er nach Damaskus und besuchte ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt islamischer Theologie. ein »europäisches Klima der Offenheit«. Er versteht sich als europäischer Muslim. er sei ein unverdächtiger Mann. 16 Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . ist als solche erst auf den zweiten Blick zu erkennen. aus dem Nahen Osten einstellten. Doch plötzlich gilt der Prediger als Verfassungsfeind. Ein Imam steht der Gemeinde vor und hält jeden Freitag die Predigt. Seiner ruhigen Stimme hört man gerne zu. das er in München gründen möchte und in dem er muslimische Geistliche in deutscher Sprache ausbilden lassen will. Benjamin Idriz. die Stadt München sei informiert. dass der Islam zu Europa gehört und mit den Werten der Aufklärung vereinbar ist. Idriz trägt stets ein mildes Lächeln im Gesicht. verurteilt er. Idriz will der islamischen Welt den »Geist der Erneuerung« bringen. Die kleine Moschee am Ortsausgang liegt inmitten eines Gewerbegebietes. Zwangsheiraten hält er für einen Rückfall in die Steinzeit. Jahrestag des Grundgesetzes. Schließlich gibt es genug islamische Geistliche in Deutschland. Imam Idriz ist der Muslim. Aber vier Jahre später. um ihm von einem neuartigen Plan zu berichten. Bedroht er den Staat. die ungleiche Erbverteilung. Das Minarett hat deshalb keine Spitze. wurde auch der Islam heimisch in Penzberg. Er ermahnt die Männer. Arabisch. setzt die Islamische Gemeinde in Penzberg seit Jahren auf die Schwerpunktarbeit einer gesunden Integration von Muslimen in die hiesige Gesellschaftsverordnung. oder fürchten Staatsschützer nur den Islam? VON ALBRECHT METZGER m 25. »Wie Sie sicherlich in der Presse mitverfolgen. fragte sich Idriz. welche die Söhne den Töchtern vorzieht. Türkisch. Bosnisch. »Sehr geehrter Herr Innenminister«. 20 GESCHICHTE Große Entkitschung: Wer war Ludwig II. wenn Christen kämen und eine Kirche mit extra hohem Kirchturm errichteten?«. lobt er das politische System der Bundesrepublik. und 2009. Jetzt möchte der Imam den Innenminister treffen. »Was würden Muslime im Nahen Osten denken. aus Bosnien. die nach islamischen Eroberern benannt sind. mag er nicht. Sein Gesprächsangebot versteht er als vertrauensbildende Maßnahme. zum 60. Als Absender steht oben rechts die Islamische Gemeinde Penzberg. im Mai 2011. setzt er sich einen weißen Turban auf und legt einen schwarzen Umhang um. Bis 1966 war ein Kohlebergwerk der größte Arbeitgeber. Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg. sagt Idriz. so geht es los. nebenan ein Getränkemarkt. Er wird einen Rechtsanwalt engagiert haben und Gerichtsprozesse führen. gegenüber ein Autohändler.DOSSIER WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest: Wovon Europa singt S. ihre Frauen gut zu behandeln. »Es muss darum gehen«. Moscheen. Noch glaubt der Imam. Bosnisch und Albanisch – Ausdruck der nationalen Vielfalt der kleinen Gemeinde des Imams. Die rechtlichen Anweisungen im Koran müssten aus ihrer Zeit heraus verstanden werden. 2005 eröffnete die Moschee. kann man schon die Umrisse der Alpen am Horizont sehen. weil Idriz nicht provozieren will. 21 12. eine Zugstunde südlich von München. den sich Deutschland wünscht: weltoffen. Der Imam will Deutschland beweisen. die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. Mai 2007 schreibt Imam Benjamin Idriz einen Brief an den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein. Arabisch und Deutsch. findet er. Den Bauplan sprach er mit dem Bürgermeister ab. Fortsetzung auf S. wirklich? S. Englisch. in den Sprachen Deutsch. tolerant. eloquent. oft predigt er die Vorzüge der Demokratie. dann siedelte sich der Lkw-Hersteller MAN an. und er wird sich fragen: Was ist nur mit mir geschehen? Und warum? Von Penzberg aus. Im Gebetsraum der Moschee (Bild oben) dürfen auch Frauen beten Benjamin Idriz kam 1994 nach Penzberg und trat bald darauf seine Stelle als Imam an. gilt als Erneuerer. Nur wenn er auf die Kanzel steigt. 1972 wurde er in Makedonien geboren. Als die Firmen Menschen aus der Türkei. wird Imam Idriz als Feind der deutschen Verfassung gelten.

Seit 1994 sitzt er auf seinem Posten. Da sind vor allem der Ministerialdirigent WolfDieter Remmele und die Ministerialrätin Marion Frisch. sie geben Männern die Hand. Yerli ist ein Schlosser. Die Presseerklärung sei in beiderseitigem Einvernehmen erarbeitet worden. der sich allerdings bald auflöst. Unter Punkt 5 soll sich Imam Idriz von jeglichen islamistischen Organisationen distanzieren. In jedem Fall kommt es zur Unterschrift. Du kannst ja sagen. August vor. Eine islamische Organisation als »verfassungsfeindlich« zu bezeichnen wäre jedoch sehr ungewöhnlich für einen Imam und könnte ihm von muslimischer Seite viele Anfeindungen einbringen. die auch der dortige Oberbürgermeister besuchte – ein Mitglied der CSU. die ihn als »Funktionär der Muslimbruderschaft« bezeichnet hat. es sei nicht seine Aufgabe. die offensichtlich den Beteuerungen des Imams aus Penzberg nicht glauben. wenngleich der Vereinsvorsitzende Bayram Yerli mittlerweile Schreiben vorgelegt habe. Trotzdem hält der Ministerialdirigent Remmele an dem Vorwurf fest. für die FDP. Die Münchner Polizei hört also mit und schneidet das auf Deutsch geführte Gespräch mit. Auch Ministerialrätin Marion Frisch ist wieder dabei. Kenner der islamischen Szene bezeichnen Ibrahim el-Zayat als Strippenzieher. »unter der Trägerschaft einer extremistischen Bestrebung«. Doch dann passiert etwas. der ihn noch Jahre später verfolgen wird. sagt er. Der windet sich und rät dem Anwalt. Es sei umgehend entfernt worden. in Zukunft keine Probleme mehr zu bekommen – auch wenn islamische Organisationen wie Milli Görüș ihn jetzt für einen Lakaien der Staatsschutzbehörden halten. die Verhandlungen über sein Projekt laufen weiter. Jetzt schaltet Idriz seinen Anwalt Hildebrecht Braun ein. Der Emir von Schardscha hat bereits die Moschee in Penzberg mit 2. gibt es dort einen Ortsverein von Milli Görüș. Diese kontroverse Welt möchte Idriz nach München exportieren. die Staatsbeamten auf Lebenszeit. an die Braun sich erinnert. Er hat es mit einer Bürokratie zu tun. Mehrfach verlangen die Penzberger. Zur Zeit des Telefonats läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Idriz’ geplantes Islamzentrum in München. Die Staatsschützer sehen weitere Verbindungen zu den türkischen Islamisten: Bevor die Islamische Gemeinde Penzberg 1994 entsteht. Frisch sagt heute. heißt es in dem Bericht. wenn er mit einem Imam verhandelt. Bei der Imam-Ausbildung in deutscher Sprache will er mit deutschen Hochschulen kooperieren und hofft auch hier auf öffentliche Gelder. Seine Worte provozieren die mächtigen Verbände und konservative Muslime gleichermaßen. ein Vorgang. schreibt er. Die Vermischung von Religion und Herrschaft habe dort zur »Entstehung und Zementierung von Despotien« geführt. Imam Idriz: »Ich bin ja deiner Meinung. bezeichnet Ibrahim el-Zayat im Februar 2007 als »Chef der Muslimbrüder in Deutschland«. Sie ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes der verlängerte Arm der islamistischen Muslimbrüder. Die Geschichte lasse sich leicht aufklären. März 2006.5 Millionen Euro unterstützt. sodass die islamische Kultur erstarrt ist. womit die Besucher nicht gerechnet haben. aber was ist die Lösung?« El-Zayat: »Das Richtige zu sagen. bei denen direkte Bezüge zur eigenen Organisation fehlten. Am 1. was genau der Verfassungsschutz verfolgt: Was konkret wirft man ihm vor? Braun trifft sich mit Innenminister Herrmann. bekommt eine Zusage – und kurz darauf eine Absage: Der Innenminister sei verreist. Allerdings lernt der Anwalt etwas über das bayerische InnenFortsetzung auf S. Er wächst sich zum wichtigsten Beweisstück aus. der als Kind aus der Türkei nach Deutschland kam. aber er weiß noch nicht. wenn du gemeinsam mit dem Innenministerium der Meinung bist. Sie sind nicht glücklich mit der Presseerklärung und beschließen. Juli 2007. Gleich links neben dem Eingang hänge ein Schwarzes Brett. meint der Imam.« Tatsächlich veröffentlicht Idriz am nächsten Tag eine Presseerklärung. V. »mit denen er um Streichung des Vereins aus dem IGMGRegister bittet und seine persönliche Mitgliedschaft ab März 2006 kündigte«. betont Ude. 1985 trat er in Bad Tölz einer Gemeinde der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüș (IGMG) bei. die sie sofort unterschreiben sollten. sagt Imam Idriz heute: Die Penzberger Moschee stehe immer offen. die auch die etwa 300 Moscheen der Islamischen Gemeinde Milli Görüș verwaltet. Sein Verein sei noch im Jahr 2004 auf Mitgliedslisten von Milli Görüș geführt worden. Als Finanziers nennt der Imam Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. andere islamische Organisationen zu beurteilen. Deshalb gebe es auch keinen Gesprächstermin beim Minister. schöpft er Hoffnung: Joachim Herrmann war CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. August 2007 macht das Innenministerium in einer Presseerklärung seine Bedenken gegenüber Idriz’ Projekt »Zentrum für Islam in Eu- Alois Glück von der CSU rät den Muslimen. Die Gelegenheit dazu kommt schneller als erwartet: Der Staatssekretär schlägt den 13. mit dem das bayerische Innenministerium belegen will. Was soll ich tun?« El-Zayat: »Du musst das richtigstellen. »dass es sich bei der IGMG um eine Organisation mit verfassungsfeindlicher Zielsetzung handelt«. 15 »eine Verbindung zwischen der Lehre und der Wirklichkeit herzustellen – eine auf die Bedingungen unserer Zeit passende Antwort: Was hat Gott gemeint?« Leider. Erst sein Rechtsanwalt macht ihm klar: Wer im Verfassungsschutzbericht auftaucht. der Regionalverband Südbayern von Milli Görüș führt danach die Islamische Gemeinde Penzberg als Ortsverein in seinem Register weiter. andernfalls werde man das Treffen als gescheitert betrachten. heute Bundesfamilienministerin. Das Innenministerium. Idriz. Er schreibt: »Dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz liegen Erkenntnisse über die Zuordnung der Islamischen Gemeinde Penzberg e. er solle das Gespräch mit den zuständigen Beamten suchen. nichts mit Milli Görüș zu tun zu haben.und Integrationskurse. ist Staatssekretär Georg Schmid längst nicht mehr im Amt. die Islamische Gemeinde sei eine Zelle von Milli Görüș.« Idriz hofft jetzt. Mohammed Mahdi Akef. denn die IGMG wird als extremistisch eingestuft. Wolf-Dieter Remmele. vor Gericht zu ziehen Imam Idriz hat noch nie einen Verfassungsschutzbericht in den Händen gehalten. inzwischen ein grau melierter Herr von 63 Jahren. Du musst wissen. Das Innenministerium habe die Unterschriften zur Bedingung gemacht. Im zentralen Gebetsraum. antwortet ihm das bayerische Innenministerium. die sich vom Extremismus distanzieren wollen. die Staatsschützer von sich überzeugt zu haben. er hat sich der Bewertung der Staatsschutzbehörden anzuschließen. darin. und wer als verfassungsfeindlich gilt. einer aus Saudi-Arabien stammenden Jugendorganisation. außerdem sollen sie sich verpflichten. Außerdem ist er Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau. Ende der Debatte. und nachdem Idriz ihm zu jener Zeit die Entwürfe seines Zentrums geschickt hatte. Von dem Vorfall gibt es zwei Versionen. Idriz glaubt nun. März 2008 der bayerische Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2007 veröffentlicht wird. Dennoch. Das stimme mit den Methoden der IGMG überein. der Imam bläst seinen Urlaub in Makedonien ab. In der modernen Moschee hängen nur wenige religiöse Symbole. Beide machen im Gespräch mit der ZEIT keinen Hehl aus ihrem Misstrauen gegenüber Idriz und seinen Plänen. dass Imam Idriz mit Extremisten gemeinsame Sache mache. Jahrelang ist er Europavertreter der World Assembly of Muslim Youth. beten auch Frauen. schreibt Schmid. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Extremismus distanziert. Das Treffen findet in den Räumen des Verfassungsschutzes im Innenministerium statt. Im März 2009 wird der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2008 vorgestellt – und wieder steht die Islamische Gemeinde Penzberg e. sagt der Imam. 17 Imam Benjamin Idriz (oben) beim Freitagsgebet im Gebetsraum der Moschee im bayerischen Penzberg ropa München« (ZIEM) öffentlich.16 12. man sieht einige Frauen mit Kopftüchern und einige ohne. »Sie sind ein erster und auch notwendiger Schritt Ihrerseits gewesen. »Einen negativen Automatismus gibt es nicht. Idriz bittet um ein Gespräch. er hat mehrere Jahre lang im Bundestag gesessen. In dem Schreiben sollen die Penzberger erklären. Es handelte sich um eine Koranrezitation. einem Gegner. habe ihnen eine Presseerklärung vorgelegt. der frühere CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. schreibt der Ministerialdirigent. Den jährlichen Unterhalt in Höhe von 500 000 Euro will Idriz jedoch ohne ausländische Hilfe finanzieren. unterschrieben hat Ministerialdirigent Dr. gebe Anlass zu der Befürchtung. dass Herrmann sich daran erinnern und mithelfen werde. Noch hält die Stadt München zu Idriz. sie wisse nicht mehr genau. Und so bleibt unklar. der Vater ist Ägypter. müsse schleunigst daran arbeiten. Die Penzberger aber gehen in den Pizza Hut am Münchner Hauptbahnhof und diskutieren. und Staatssekretär Georg Schmid aus dem bayerischen Innenministerium weist auf die Verbindungen zu Milli Görüș hin. dass dir islamische Organisationen in Zukunft helfen. Der katholische Pfarrer sagt dasselbe. der als extremistisch gilt. Er kritisiert die islamischen Verbände in Deutschland für ihre Fixierung auf ihre Herkunftsländer. aus dem Vereinsregister entfernt zu werden. in der er sich erneut vom Foto: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . das Milli-Görüș-Plakat angebracht habe. von staatlicher Seite unterstützt zu werden. Ibrahim el-Zayat selbst bestreitet jegliche Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Bei Idriz meldet sich Ibrahim el-Zayat. könne nicht unterstützt werden. heißt es nun. hätten im Laufe der islamischen Geschichte »texttreue Dogmatiker« die Vorherrschaft bei der Koranauslegung übernommen: »Sie verteufelten im Namen der Herrschaft des Textes die Realität und die Vernunft. Trotzdem glauben die Verfassungsschützer in Bayram Yerli einen Islamisten vor sich zu haben. der ihm nicht vertraut ist.« Das sind die Worte. zwei Monate nachdem Idriz den Brief abgeschickt hat. Er will aber nicht aufgeben.« Idriz geht noch weiter. In der Bibliothek stehen neben islamischen Klassikern die Werke von Islamkritikern. zuletzt in einem Brief vom 14. dass die IGMG verfassungsfeindlich ist. sagen die Penzberger. Allerdings sagt er jetzt. ein Vordenker der Partei. dass die Islamische Gemeinde Penzberg aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen wird. aber er weiß noch nicht. Demnach sagte el-Zayat: »Du musst dich fragen. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Penzberg. Einer seiner Unterstützer ist Alois Glück. als er nach Penzberg zieht und sich der Gemeinde von Imam Idriz anschließt. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. was genau gegen die Penzberger vorliegt. Geblieben sind all die Ministerialdirigenten und Ministerialräte. es geht um Spenden an die islamistische Hamas in Palästina. das später eingestellt wird. In einem unterwürfigen Brief an Staatssekretär Schmid bedauert er die »Irritationen« über sein Konzept und bittet erneut um ein Gespräch. meint der Anwalt. Nach vier Stunden glauben die Penzberger. Der damalige Führer der ägyptischen Muslimbrüder. Glück hält Idriz für einen Hoffnungsträger im Dialog der Religionen. was ihre Worte waren.und Unterstützungsgemeinschaft. zum Beispiel für Deutsch. dass ein »fundamentalistisch geprägtes Islamverständnis« dahinterstecke. um für die Zukunft eine neue Bewertung zu ermöglichen«. Der Bau selbst würde um die 30 Millionen Euro kosten. Auch davon erfährt der Verfassungsschutz. und von Führungsmitgliedern der Gemeinde zu der islamistischen Organisation IGMG vor. wofür du stehst. schrieb Herrmann zurück: »Das von Ihnen angestoßene Projekt ist sehr interessant und sollte auf jeden Fall Gegenstand eines intensiven und kontinuierlichen Dialogs zwischen Ihnen und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag bleiben. Doch Idriz versteht nur wenig vom Innenleben eines Innenministeriums. Fortsetzung von S. der IGD. Im August 2007 glaubt Imam Idriz immer noch an ein Missverständnis. um ihr Münchner Projekt nicht zu gefährden. Er bekommt keine Einsicht in die Akten des Verfassungsschutzes. in der Imam Idriz das Unterschriebene relativiert. Als der neue Innenminister vereidigt wird. zum Beispiel von der evangelikalen Autorin Christine Schirrmacher und dem Amerikaner Mark A. was auf ihn zukommt. »Die bisherige Nennung im Verfassungsschutzbericht konnte alle anderen Eindrücke und Informationen nicht widerlegen. Er will kämpfen. Idriz sucht den Kontakt zu den christlichen Gemeinden in Penzberg. Außerdem hofft Idriz auf Zuschüsse der Stadt München. wer du sein möchtest. es gehe nicht mehr nur um einen Dialog. dass du sie nicht unterstützt. Er verliert den Prozess. eine zweite Presseerklärung zu veröffentlichen.« Gemeint ist offenbar Bayram Yerli. neue Tatsachen müssten natürlich neu geprüft werden«. gesellschaftliche Akzeptanz zu suchen und Ortsvereine zu gründen. Wenige Wochen später lobt Staatssekretär Schmid in einem Brief die Distanzierungen der Penzberger von Milli Görüș. Aber du kannst nicht sagen. Februar 2009 trifft Braun unter anderem den Ministerialdirigenten Remmele. im April 2005 verklagt er die damalige CDU-Abgeordnete Kristina Schröder. Allein für das neue Grundstück in zentraler Lage in München veranschlagt Idriz bis zu zehn Millionen Euro. künftig keine Milli-Görüș-Mitglieder in ihren Reihen zu »dulden« beziehungsweise sie »auszuschließen«. doch im Berichtsjahr habe die Gemeinde erneut für eine Veranstaltung der Islamisten in Ingolstadt geworben. aber auch keinen fahrlässigen Umgang mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. Marion Frisch. dass sie verfassungsfeindlich sind. Aus Penzberg ist neben Imam Idriz auch Bayram Yerli gekommen. dass er aus diesem Bericht gestrichen werde. Wer ist der Benjamin Idriz? Möchtest du jemand sein. einzelne islamische Gemeinschaften für verfassungsfeindlich zu erklären. Der Imam will kämpfen. sondern um Freundschaft. jeder könne ein und aus gehen. Am 21. Am selben Abend noch erhält Idriz einen Anruf. ohne sich beraten zu können. kann nicht darauf hoffen. Aber selbst Oberbürgermeister Christian Ude macht sich angreifbar. Der Anwalt ist über die Begrüßung pikiert. Idriz liest den Brief und ist geschockt. Andere Muslime halten den Imam jetzt für einen Lakaien des Staatsschutzes Aus der Sicht des Innenministeriums war alles ganz anders: Demnach sind es die Vertreter der Islamischen Gemeinde Penzberg. wo jemand. dann kannst du aber nicht damit rechnen. Noch am selben Tag veröffentlicht das Innenministerium die Erklärung auf seiner Website. Das Innenministerium sieht die Sache anders: Diese Begebenheit bestätige die Nähe der Penzberger zu Milli Görüș. März 2005 schließlich kündigt er schriftlich seine Mitgliedschaft bei Milli Görüș. Geboren und aufgewachsen in Deutschland. Es ist nicht deine Angelegenheit.« Imam Idriz kommt sich vor wie in einem Hamsterrad: Er läuft und läuft und kommt nicht voran. »Als Imam können Ihnen die Verbindungen dieser Gemeinde zur IGMG nicht verborgen geblieben sein«. der in Moscheen normalerweise den Männern vorbehalten ist. Sie begrüßt den Anwalt Braun mit den Worten: »Eigentlich treffen wir uns nicht mit den Objekten unserer Beobachtung. Viele Medien greifen das Thema auf. »Diese Verantwortung obliegt allein den zuständigen Behörden«. Staatssekretär Schmid nimmt teil sowie die Sachgebietsleiterin Ausländerextremismus. Bis zum Januar 2010 ist er Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Deutschland. der sich gegen die Muslime wendet?« Imam Idriz: »Ich sage doch. Die Gemeinde sei ein Beispiel für »formal nach außen hin vollzogene Distanzierungsbemühungen« gegenüber Milli Görüș. was auf ihn zukommt Am 24. V. Er bleibt auch dann Mitglied. dass ich damit nicht einverstanden bin. durch Mitgliedsbeiträge und die Verpachtung von Läden und einem Restaurant im neuen Zentrum. der dem Verfassungsschutz bekannt wird. Gabriel. Dass ausländische Geldgeber das Projekt finanzieren wollten. Als am 30. eine schillernde Figur in der islamischen Szene. die Bezeichnung sei eine zulässige Meinungsäußerung. nachdem es entdeckt worden sei. Er soll herausfinden. ohne zu fragen. die in Kairo ihren Ursprung haben und bis zum Umsturz des Mubarak-Regimes offiziell verboten waren. heißt es im Verfassungsschutzbericht. gilt als verfassungsfeindlich. und das Gespräch ist beendet. Am 12.

so der Religionswissenschaftler. ein Dialogforum für Christen. ZEIT: Was sind »legalistische Islamisten«? Schiffauer: Aus der Perspektive der Sicherheitsorgane: Wölfe im Schafspelz. ist das mit Vorsicht zu genießen. Indizien dafür sind dann oft per. zu zeigen. einer. der zur Rekrutierung von Selbstmordattentätern aufruft. Juden und Muslime. Das Vorgehen des Innenministeriums bringt auch Idriz’ christliche Freunde auf. auch wenn es die Fal.wurde daraus: Der Funktionär bestätigt die Existenz von Antisemitismus bei Milli Görüș.Professor Werner den. Hat Ministerialdirigent Remmele etwas gegen den Islam? »Das ganze Gespräch drehte sich um islamischen Extremismus und nicht um den Islam«. was fassungsschutzbericht von Baden-Württemberg man beobachten kann. etwa um Pläne zu einem Attentat. befriedigen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 17 »Da wird ein Popanz aufgeblasen« Um sich selbst wichtiger zu machen. ZEIT: Wie entsteht ein Verfassungsschutzbericht? Schiffauer: Die Mitarbeiter fassen aufgrund verschiedener Quellen – vor allem von Informanten und Publikationen – Erkenntnisse zusammen. war ich einmal bei einer Tagung des VerfasZEIT: Ist das plausibel? Verläuft so die Radikali. habe der Ministerialdirigent Remmele erwidert: »Uns macht die Gefahr islamistischer Gewalttäter deutlich weniger Sorge als die Gefahr der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft. Den- noch unterstellt man ihnen. da sagte ein Amtschef: Die schweren Zeiten sind vorbei. vor Gericht zu ziehen. Dieses allgegenwärtige Misstrauen vativen Islams in die Gesellschaft einsetzen. wer einislamische Ordnung in Deutschland errichten fach Geld braucht. wo aus ten. in einer Zeit mit vielen alten Nazis und einer kommunistischen Gefahr im Kalten Krieg. dass man etwas tut. So lautet die Version des Anwalts Braun. Die sind von Natur aus problematisch. Damit hat der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit eine Rolle übernommen. er hat in Jerusalem an der Hebräischen Universität studiert. sind sie meist schnell wiescheinbar unbedenklichen Äußeder ausgestiegen. um die eigene gesellschaften bilden und die jungen Leute in Existenz zu rechtfertigen? Distanz zur gesellschaftlichen Ordnung der Schiffauer: Kurz nach dem 11. Lange diskutiert der Vorstand der Gemeinde darüber. er wolle Parallel. den Herkunftsländern – etwa mit den Muslim. Da wird dann ein Popanz aufgebla. Auch der SPD-Bürgermeister von Penzberg. 16 ministerium. Im Verscheeverein. Auf einer Tagung hat zum te den Sicherheitsbehörden viel Schiffauer lehrt an der Beispiel ein führender Kopf von mehr Sorgen machen. wenn sie den Freistaat verklagen. Solche Leute können zwar zu wollen. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat er die »Freunde Abrahams« gegründet. Eigentlich soll aber das Verfassungsgericht darüber entscheiden. Idriz’ alter Freund Alois Glück von der CSU rät den Penzbergern. fragt etwa Mathias Rohe.DOSSIER 12. 18 meinden. schen sind? Schiffauer: Ja.Aber wenn sie Wertungen über ihre Organisabrüdern in Ägypten. wie das Leben in einem Modie er sich deshalb zur Brust nehme. Sie halten sich an die Gesetze und verzichten auf Gewalt. Am Ende klagen die Penzberger gegen ihre Erwähnung im Verfassungsschutz- bericht 2008. weil man Europa-Universität Milli Görüș gesagt. die dann im Innenministerium die Behördenleiter rauf und runter gehen. schutzes? Schiffauer: Auf der untersten Ebene sind das die Inzwischen ist die Demokratie längst gefestigt. wenn es um Sachinformatiosonelle Verflechtungen mit Organisationen in nen geht. »Hildebrecht Braun hat das Gespräch verfälscht wiedergegeben.benötigt werden. die ein Problem für Deutschland sei. Am Ende kommt ein politisch gewichteter Text heraus.Schiffauer: Er muss nachweisbaren Gefahren gen. Die haben ein Berufsethos als unabhängige Ermittler. weil ihnen das rungen durch Zuspitzung und Angebot dort zu langweilig und Selektion Verdachtsmomente werkompromisslerisch war. Informant wird oft. die offensichtlich inspiriert seien von der islamfeindlichen Website Politically Incorrect. deren Methoden man mit der »antisemitischen Hetze« früherer Zeiten vergleichen könne. wer von seiner eigenen Das Gespräch führte JÖRG LAU . ZEIT: Schafft sich der Verfassungsschutz mancherregt schon den Verdacht. die schon feststeht? Schiffauer: Das Material wird oft sehr zugespitzt und stark gewertet. Er ist zur Prüfinstanz der Verfassungstreue geworden. denn man trifft damit diejeni. die sich für die Integration eines konser. wehrt sich Remmele im Nachhinein.sungsschutzes. kritisiert der Sozialwissenschaftler Werner Schiffauer Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. Das soll. Schwieriger wird es beim sogenannten legalistischen Islamismus. den Konflikt miterlebt. hat Bedenken.ZEIT: Wozu brauchen wir den Verfassungssen. Sie wollen eine einstweilige Anordnung erwirken. im Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden? Werner Schiffauer: Das kommt einem Urteil gleich. Also üben sie das Lesen sie doch Kontakt zu ihnen hatgegen den Strich ein. die beide eindeutig die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen möchten. wahrung einer »islamischen Identität« eintritt. ZEIT: Heißt das. Er ist das einzige nichtmuslimische Mitglied im Vorstand von ZIEM. Die Aussage »vom Verfassungsschutz beobachtet« wird gleichgesetzt mit: »ist verfassungsfeindlich«. Und wenn tigen. Das ist für die Sicherheit unseres Landes schutz? Was wäre seine Aufgabe? kontraproduktiv. In diesem Fall lässt sich das Gericht ein Jahr Zeit. was aus ihren Erkenntnissen geworden ist. ich könnte gegen ihn eine gerichtliche Unterlassungsanordnung erwirken. macht sie die Integrationsdas Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu politik kaputt. oder auch. war vielleicht in den fünfziger Jahren angemesZEIT: Was sind die Quellen des Verfassungs.) DIE ZEIT: Was bedeutet es für islamische Ge- Große Fenster. übertreibe der Verfassungsschutz seine Informationen unzulässig. fragt der ReligionswisFortsetzung auf S. es gebe Prosolche hoch individualisierten Viadrina in bleme mit gewissen antisemitiProzesse nicht beobachten kann Frankfurt (Oder) schen Äußerungen von Imamen. doch manche fürchten. Wimmer ist seit Langem im interreligiösen Dialog engagiert. man beobachtet eben. sondern Muslime. Professor für Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen. Zum Beispiel wird aus jemand. Bloß seien diesmal nicht Juden die Opfer. die sich den dann viele junge Islamwisim Internet selbst radikalisiert senschaftler eingestellt. ihnen könnte die Moschee genommen werden. Der Verfassungsschutz ist aber nicht politisch unabhängig. die in den Prozessakten des Verfahrens auftaucht. Auf die Frage.Verfassungsschutz könnte als überflüssig betrachtet werden. sagt er. was denn so gefährlich an der Islamischen Gemeinde Penzberg sei. um Mitglieder »legalistisch islamisihre Beschäftigung zu rechtfertischer« Gemeinden.nachgehen. Einige von ihnen kenne ich seit Langem. Sie sehen in ihm einen Hoffnungsträger. Und die haben. langfristig eine Organisation enttäuscht ist. Lehrbeauftragter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München. die ihm ursprünglich nicht zugedacht war. Nach dem Ende sierung? Schiffauer: Nein. Heide Fest (r.mal seine Objekte auch selbst. ZEIT: Diese Ermittler liefern Belege für eine politische Wertung. Was wäre. dezentes Minarett: Die Penzberger Moschee soll Offenheit ausstrahlen Fortsetzung von S. Ein solches Eilverfahren dauert normalerweise wenige Wochen. bei denen Beamte nicht sehr glücklich darüber waren. Die islamistischen Attentäter des Kommunismus hatten sie befürchtet. der bei Festen die Moschee in Lederhosen betritt. es geht manchmal Wenn die Sicherheitsperspektive den Blick so mehr darum. der der letzten Jahre waren entfremdete und ent. das die Penzberger später gegen das Innenministerium wegen der Nennung im Verfassungsschutzbericht anstrengen. Im März 2010 schreibt Wimmer einen öffentlichen »Brandbrief«: Im bayerischen Innenministerium. säßen Beamte.« Hat er aber bislang nicht. ich glaube. Nach 2001 wurwurzelte junge Männer. Auch wer für die Be. der zerrieben werden soll. der zur Zeit des Kriegs im Irak Solidarität mit dem irakischen Volk fordert. Seine Frau ist Palästinenserin. Von Anfang an hat Stefan Jakob Wimmer. ZEIT: Welche islamischen Organisationen sollten Ihrer Meinung nach beobachtet werden? Schiffauer: Bei manchen Islamisten ist das absolut unstrittig wie etwa bei Hisb ut-Tahrir oder der Gruppe Kalifatstaat. Informanten. Sie waren gerade nicht müssen nun auch etwas tun. um stark bestimmt. »Den Staat verklagen – da kann doch nichts Gutes bei rauskommen«. »Wenn wir den wegbeißen – wer bleibt dann noch übrig?«.sen. Ich kenne Fälle. September 2001 Bundesrepublik bringen.« Und dann habe er noch von der hohen Geburtenrate der Muslime gesprochen.tion abgeben.

Er nahm im Jahr 2006 nen Stellen in Befehlsform zum Töten der Ungläubi. lässt Minister Herrmann im Jahr 2010 einen Ministerialrat in seinem Namen an Pax Europa schreiben. bis dahin Weilheim.« Die radikale Bürgerbewegung Pax Europa fühlt sich bestärkt vom Innenministerium.« Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2010. CSU-Mitglied und Vizepräsident der Israelitivorgeht. heißt es dazu. weil der im Islamischen Zentrum München. eiwurde.n. Staatsministerium des Innern hat ergeben. Unter ihnen ist auch Marian Offmad Khalifa. März 2011 veröffentlicht wird. Die Penzberger die nichtmuslimischen Unterstützer schicken Stoiber einen Brief ihres Bürgermeisters und ein weiteres Schreiben von Ah. hofft noch immer darauf. »Ich werde ihm berger im Bericht des Verfassungsschutzes. Sitten. enthaltsgenehmigung ist abgelaufen. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagt nach seinem Fall im Verfassungsschutzbericht auf. Die Auflung drucken. Finanziert werde die Gemeingalt Khalifa lange Zeit als angesehener Mann in Mün.man. heißt es. brüdern helfen lassen. aus denen her. die Hoffder Idriz zuvor am Telefon genau davor gewarnt hat. Über dessen VerImam arbeiten darf.Regierung hat selbst Kontakt mit Ibrahim el-Zayat. die Moschee wird von vielen unbescholtenen aus einer Immobilie. In einem Gespräch mit einem hohen wäre vollständig zerstört. dass der Auch Bundesjustizministerin Sabine LeutheusserVerlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nichts Schnarrenberger von der FDP steht hinter Idriz. Zehn Jahre später taucht der chen kommt regelmäßig vorbei. Die Arbeit des bayerischen Innenministeriums richte sich keinesfalls gegen den Islam als Religion. sagt später unter Androhung einer VerIdriz. Ausgerechnet diesen Hussein Integration funktioniert«. Ministerin für Bundes. Diese Beamten seien doch nur darauf aus. sich Unterstützung zu ho. weicht er im Gespräch mit der ZEIT aus. Andererseits: Ist es verboten. 1993 versuchte. Er hat erlebt. dass im Koran an 27 verschiede.kommt um den umtriebigen Funktionär kaum heten Sie. und noch im Jahr 2008 rühmte sich der Staatsminister für Unterricht und Kultus. »Kritik an bestimmten Ausprägungen des Islam ist auch in muslimischen Gemeinden in Bayern nicht nur legitim. gen Vertrauten Osama bin Ladens. Ungeachtet dessen bekommen zu haben. »ergaben sich im Berichtsjahr jedenfalls nicht. er habe sich von den Muslim. und sie ist erbost. Herr Innenminister«. und ein Beamter Wolf-Dieter Remmele zin: »Focus bedauert. antiemanzipatorische und menschenrechtsferne Mentalitäten. Kurze Zeit spä. und wieder tauchen Europaangelegenheiten. Am entgegensteht«. »Das ist ja widrige Aktivitäten«. wie etwa Mahmud Abouhalima.und mir wird vorgeworfen. Idriz nisation und wird deswegen im Verfassungsschutz. die ihm nahestehen. Es stellt den Brief ins Internet. Wer das Gegenteil behauptet. Jetzt wird Imam Idriz zu. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Fotos (v.Leben erneuert hat.« jetzt drei bis vier Geldquellen schließen. Er bezieht sich dabei 1994 nach Deutschland kommt. Ibrahim el-Zayat selbst sich hat sich zu der ganzen zu bekommen. Benjamin Idriz Idriz die IGMG als verfassungsfeindlich bezeichnet. Die Verbindungen zur Islamischen Gemeinde Milli Görüș seien der am 3. Islamkritik als »Islamophobie« abzustempeln. Als er Vorbildern.de aus Mitgliedsbeiträgen und den Mieteinnahmen chen. oder Mamduh Mahmud Salim. Sein Anwalt wendet sich ganz sche Innenminister Imam nehme sich die Waffen-SS nach oben. Der Frage nach den bericht erwähnt. Verfassungsschutzbericht 2008 erwähnt. Khalifa hatte Kontakt zu vielen fins. wussten Sie. der Penzberger len. Obwohl Tag. die bayerischen Behörden gewinnen wird. dass der Einrät Idriz. ein Islamzentrum präsident veranlasste Prüfung durch das Bayerische könnte für die Muslime dieselbe Wirkung haben. So verlangt es gangenheit als Imam der Waffen-SS das Landratsamt im bayerischen habe er. »wenn in einer bayerischen Behörde Personen mit offen antisemitischer Gesinnung mit der Zuständigkeit für jüdische Gemeinden betraut wären?« Kurz darauf erhält Wimmer Post von einem Ministerialdirektor im bayerischen Innenministerium. der ältesten Mo. in dessen Anschluss Imam Seiten. besucht sie demonstrativ die Gemeinde in Idriz starkmachte. dass laut Koran alle Christen ›Ungläubige‹ rum. damit er als öffentlichte. tauchen unbestreitbar. Für die Unterdrückung von Frauen oder die Scharia ist bei uns kein Platz. Emilia Müller.« . Sie gilt als europäische Anlaufstelle der Orga. Peter Frischmuth/argus Angehörige der Islamischen Gemeinde Penzberg beim Gebet in der Moschee Fortsetzung von S.mischen Organisationen. »Die die Penzberger darin auf. der umstrittene Strippenzieher. »Auf dieser Basis können wir Islamkritiker gut weiterarbeiten. Auch der amerikanische Konsul in Münmals keine Bedenken.Joachim Herrmann zum Vorbild. er könne sich mit dem Innenministerium eischee der Stadt. Gebräuche und Traditionen der muslimischen Minderheit klar zu thematisieren. dass sich die Penzberger Gemeinde um die schen Kultusgemeinde in München. einen bosmäßig das Islamische Zentrum Münnischen Militärimam der Waffenchen – es sei ein Beispiel dafür.wurde. die mithilfe der Muslimbrüder gebaut nigen. die er dem Imam verschließen teren Gestalten.finanziellen Quellen. er besuche regelüber Hussein Djozo. Was ist geschehen? Imam Idriz hat zweimal die Hilfe eines gewissen Angelegenheit bislang nicht geäußert. die von der Evangelischen Akademie Tutzing veranstaltet gen aufgefordert wird?« Am 30. an Ministerpräsident Ed. eine Aufenthaltsgenehmigung sagt Imam Idriz. zu dessen Wahlkreis Trotz dieser Irritationen halten Penzberg gehört. 17 senschaftler. Khalifa ist ein Prediger der ZEIT beschreibt er Imam Idriz als naiv. die jedoch Pax Europa für seine Zwecke benutzt. Und el-Zayat hat nicht nur Kontakt mit islasind? Wussten Sie. Der Staatsminister habe sich deswegen in Interviews immer dagegen ausgesprochen. Ist Idriz naiv. März 2010 erscheint der Verfassungs. jemals Geld von zu jagen. Er glaubt. die Besuch in Penzberg: »Ich bin beeindruckt von der Islamische Gemeinde Penzberg werde zu Recht im Offenheit der Gemeinde. in dessen Landkreis Penznichts gewusst. verteilt die Organisation Pax Europa vor den Kirchen in Penz.u. Frank Leonhardt/picture-alliance/dpa. Im November 2010 erfährt Imam Idriz etwas Muslimen besucht. der so etwas Der Focus muss ein paar Wochen auf Deutsch schreiben konnte«. Djozo zählt Imam Idriz zu seinen So auch für Imam Idriz. schreibt der Beamte. so ausführlich wie nie zuvor. wenn da nicht dieser eine Funktionär von Milli Görüș bezeichnet er Imam Satz stünde: »Neue Erkenntnisse über verfassungsIdriz als »Schwachkopf« und »Idioten«. dass er den Kampf gegen Ibrahim el-Zayat. »Außer Ahmad Khalifa gab lügt er? es damals niemanden. nung ist kleiner geworden von Jahr zu Jahr. sich nicht in der Lage.wie das Jüdische Zentrum in München das jüdische ter trifft die Nachricht ein: »Die von Herrn Minister. beteuert Idriz. Das Minarettverbot in der Schweiz hat sie begeistert gefeiert. diesmal auf zweieinhalb Innenministerium statt.glaube. »Wir dürfen uns nicht scheuen. es ist Karfreitag. in der Idriz schreibt. Sie warnt schon lange vor der Islamisierung der deutschen Gesellschaft und vergleicht den Islam mit dem Nationalsozialismus.nen Keil zwischen die Muslime zu treiben. sie eigenmäch.könne das aber nicht erkennen. mit berg Flugblätter: »Penzberger Bürger!. Kurz darauf findet jenes Treffen im die Penzberger wieder auf. als der Verfassungsschutzbericht 2008 veröffentsich der düstere Islamist Ahmad Khalifa für Imam licht wird.): Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. sätzlich vorgeworfen. Ein ähnlicher Vorgang wiederleumdungsklage eine Gegendarstelholt sich fünf Jahre später. sagt el-Zayat. hatte das Innenministerium da. »wie SS. oder berg liegt. die Hussein Djozo braucht er eine Bestätigung von einer nach dem Zweiten Weltkrieg verislamischen Autorität. der im Widerspruch zu unserer freiheitlichen Grundordnung steht. dass er die Shoah als »beispielloses das Landratsamt in Weilheim sieht Menschheitsverbrechen« verurteile. Ibrahim el-Zayat zu telefonieren? Wer sich in dass die Islamische Gemeinde Penzberg mit Hilfe der der islamischen Szene in Deutschland engagiert. auf die Schriften. »Chapeau. ich sei ein Extremist«. das World Trade Center in die Luft Idriz hingegen bestreitet vehement.« Der Kontakt zu el-Zayat schadet Imam Idriz’ Am 2. extremistischen Milli Görüș gegründet wurde? Wuss. der wollte. heißt es jetzt über die Penznur noch peinlich«. »Ihren Unterstellungen trete ich mit Nachdruck entgegen«. »sondern gegen den Islamismus. einem en. dazu Zeitungsartikel. Im Mai 2010 urteilt das Verwaltungsgericht.« mund Stoiber.und schutzbericht für das Jahr 2009. betreibt bewusste Fälschung. Gegenüber Ahmad Khalifa angenommen. Integration von Muslimen bemühe. Neues über sich: Unter dem Titel Hitler? Ach so veröffentlicht der Focus einen Bericht Ludwig Spaenle. sprach ein Grußwort.Ibrahim el-Zayat oder Leuten.auch an einer Konferenz in Südafrika teil.18 12. schreibt die Staatskanzlei. sondern geradezu notwendig«.Ministerialdirigent Zudem entschuldigt sich das Magatig zu verlängern. April 2010.o.(oben) und der bayeridruck entstand.Glaubwürdigkeit. Statt sich von diesen Leuten zu distanzieren.« Nachvollziehbare Positionen.weiter zu Idriz.Penzberg.

dass er sie liebt. Im vergangenen Jahr enthielt das Gewinnerlied wenigstens so etwas wie einen originellen physikalischen Vergleich. als ginge es morgen zu Ende – eine Botschaft an seine krisengeschüttelten Landsleute. Ein sauberer Schuss. »Da da dam« heißt der Haken des gleichnamigen finnischen Lieds. Himmel! Mühelos erkennt der Analytiker vier Kategorien des Begehrens: »Komm her«. sang sie. da klingelte das Telefon: Sjonni habe gerade eine Hirnblutung erlitten. Haben sich die Librettisten an Shakiras WMKiefergymnastik orientiert? Waka waka? Im spanischen Lied macht das »ouo uo« fast den ganzen Refrain aus. deren Haut so rein sei wie »ungeschlagener Schnee« und deren Augen so »schön und strahlend wie der Himmel über Moskau« seien. die nichts bedeuten. Und nun das: Er war als Solist schon bis ins nationale Halbfinale gekommen. aber die sechs Freunde zusammen können ihn vertreten. viele Hundert Jahre später entstand der Eurovision Song Contest. Freilich singen sie auch in Coming Home von wenig mehr als vom »Lachen in den Bäumen« und vom »Flüstern im Wind«. »Aber die Strophen interessieren sowieso keinen mehr. einige Tage später. bevor Matthiassons Freund Sigurjon »Sjonni« Brink mit Coming Home in der Hauptstadt Reykjavík auftreten sollte. seine Witwe. Die Liebenden mögen ihre Flügel spreizen und wegfliegen.) . wie einst. Ich weiß. aber wenigstens nicht erzdumm. Aber richtet ein Mann von Welt ein Blutbad an? Penthouse. Später. diese Liebe uns wieder zusammenführen wird. In Gstaad gibt es einen prominenten Toten zu beklagen. erklärt sie. mit betonten Schlägen Auf Deutsch hieße die letzte Zeile wohl: »Führ mich aufs Eis. Das Video zum Lied wurde in einem Stall bei Reykjavík gedreht. Sein Bruder und ein Cousin haben das Video gedreht. Viele. Einen eingängigen Haken hat auch die Weißrussin Anastasia Vinnikova: »I love Belarus!« Ihre Liebe gilt dem Vaterland. »Wie ein Satellit« wollte Lena in elliptischen Bahnen um den Geliebten fliegen. Die Gewinnerin des Jahres 1999 tritt nochmals für Israel an. Im Refrain treffen die beiden betonten Schläge des Viervierteltakts mit den metrisch betonten Wortsilben zusammen – der Refrain wird dem Hörer ins Ohr gehämmert. der an diesem Samstag in Düsseldorf sein pompöses internationales Fernsehende findet. Aber lesen Sie 12. Nigel Treblin/dapd (u. In Da da dam erfährt sein kleiner Held Peter von seinem Lehrer. als noch niemand ans Aufschreiben dachte. seine Freunde singen statt seiner. »oh-oh-pop oh-oh-pop«. finde ich dich. Sjonni Brink sei zwar ein Rocker gewesen. wir sind furchtbar traurig und doch so froh darüber. wo ich hinmuss Und ich komme jetzt! Der Makedonier Vlatko Ilievski träumt währenddessen vom Wodkatrinken mit einer Russin. Atomkraftgegner wissen das. aber auch ein großer Fan des Eurovision Song Contest. seitdem hatten sie gemeinsam Liedertexte fürs Theater geschrieben. als es nicht mehr von Bedrohungen durch den Westen spricht. »Raki!« – zur Hilfe! Viele Komponisten haben Buchstabengebilde eingebaut. lebendiges Lied über die Wasserrutschen in Reykjavíks Thermalbädern.WOCHENSCHAU Frohnaturstatus im Härtetest Kaum ist die Londoner Hochzeit verklungen. wollen die Lieddichter keine Geschichten mehr erzählen. sagt Thorunn Clausen. hatte ihm geholfen. Für den könnte man stimmen. an dem der Hörer hängen bleibe. Thorunn Clausen produziert und managt. und gründete mit ihnen die Gruppe Sjonnis Friends. sie geht. die anderen spielen. du wirst nie ein Cowboy sein.) und Finale (14. Dabei verlangt es den Sänger ständig nach »Wodka!«. war uns allen klar. alle aus der isländischen Musikszene. heißt es im Lied. Taken By A Stranger ist ein Liebeslied der Kategorie »Bleib hier«. Fotos [M]: ESC/RÚV/Gassi (2). »Komm näher«. der den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko mutmaßlich entzückte: Als ich einen Stern trug Damals in der UdSSR War ich so gut wie Mama Fühl meine Leidenschaft Wenn alles vorbei ist Wird dein Name wie die Sonne strahlen Du bleibst immer noch das Beste Schön altmodisch Kill mich mit einem Killer-Kuss Liebe mich mit üppigen Schenkeln Verkleideter Engel Die Ukraine setzt Angel dagegen. als man schreiben konnte. Ich liebe Weißrussland heißt also das Stellvertreterlied. stets auf Kurs gehalten durch seine Anziehungskraft. und sein Leben war vorbei Na na na. Ganz anders 2011: »Warum er Coming Home ausgesucht hat. ein Haken.« (Mehr Düsseldorf auf S. im Finale. dass sein Lied ausgewählt wurde und in ganz Europa gehört werden kann«. Er starb. So begegnet man in den 43 Liedern. »na na-na na na na«. Vier Verse. Dann votiere man für Islands Beitrag Coming Home. Es war ein Lied ohne Zweifel. Es gilt in Düsseldorf als ein Favorit.« Zwei Tage nach der Beerdigung traten Sjonnis Friends erstmals auf. »Als Sjonni dann so unerwartet starb. muss starke Nerven haben. sagt Matthias Matthiasson. bleibt mir ein Rätsel«. Dann würden die Isländer entscheiden. »da da da da da da«. Das war der Sieg. dass Taken By A Stranger doch ein ganz guter »Hook« sei. nach Hause zu kommen zu seiner Familie oder seinen Freunden. ding dong! Beim Eurovision Song Contest starten 43 Länder: Wovon singt Europa? Eine Textanalyse VON CHRISTINA RIETZ I m Anfang war die Geschichte. Viermal schon hatte Sjonni Brink an der heimischen Vorauswahl teilgenommen. denn Sjonni ritt so gern. fünf. in dem Sjonni sein Pferd hatte. aber da: »Wäre es der Eurovision Propaganda Contest. entschied sich ein Zehntel der Bevölkerung für sie. Ursprünglich hatte sie einen Song namens Born in Belorussia eingereicht. vier Einheiten. »Es wird unsere Hommage an den Freund«. behielt man das Singen bei. dass wir nur eine Wahl hatten«. für Sjonnis Band The Flavors und für sein Soloalbum. Drei Tage lang geht es um die Endausscheidung beim Eurovision Song Contest. »Es erzählt die Geschichte eines Menschen. Und dass. »chaka chaka«. sondern weil es regelwidrig bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war. das Schicksal hat eine Geschichte geschrieben – siehe oben. welche Lieder es ins nationale Finale schaffen. der sich nach Meinung vieler »stilvoll« aus dem Leben verabschiedete. 5. nicht etwa. Masen Abou-Dakn. und es fällt insofern etwas tauwettrig aus. Aber beim europäischen Gesangswettstreit im Jahre des Herrn 2011. Das Ganze ist grauenhaft und eine Schande für den Wettbewerb. und das macht mich High und ich fliege. wenn »my pain walks down a one-way street« zu »mein Schmerz geht eine Einbahnstraße hinunter« wird. sie hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten. So entstand das Lied. Beispiele? Lettland bringt Angel In Disguise an den Start. egal. weil Propaganda in Weißrussland verboten worden wäre. Der von den Briten immerhin zum besten Lied der vergangenen 25 Jahre gewählte Robbie-WilliamsSong Angels verliert an Kraft. du wirst wieder meine Liebe sein«. würde Weißrussland einen Kantersieg hinlegen. wie die Witwe sagt. bewährter Stilmittel.« Der Fairness halber muss man sagen: Übersetzung hat noch keinem Song gutgetan. Es war ein Appell. Ein Mann und eine Frau sind sich nähergekommen. der Verstand weniger. schöner Playboy. »Es ist Physik. die es dieses Jahr ins Halbfinale geschafft haben. fast durchweg einer geistlosen Vögel-und-Engel-Metaphorik. An jenem 17. informierte vor geraumer Zeit über das Berufsbild des Putzmannes im Sondereinsatz: »Wer Tatortreiniger werden möchte. die er oft mit den vier Kindern – sie sind jetzt drei. dessen Frohnaturstatus sich diese Woche einem Härtetest ausgesetzt sieht. niemals landen. in welchen Jahren Island später fehlte. wie Sjonni es gefallen hätte. sogar nach dem Leben auf der Erde. um ihnen zu sagen. elf und 16 Jahre alt – besuchte. Sigurjon »Sjonni« Brink. Im letzten Moment hatte Sjonni Brink das Lied beim Wettbewerb eingereicht. heißt Ein dummer Text. Unüblich war diese Zusammenarbeit nicht. geflogen wird auch wieder: Ding dong. Man singt seit Jahrzehnten und durchaus Bedenkenswertes: »Wärst du doch in Düsseldorf geblieben. Die Geschichte des Liedes aus Island VON DEBORAH STEINBORN Sjonnis Friends – sie trugen Sjonni zu Grabe. die dann in den Strophen. Seither bereiten sich die Freunde auf Halbfinale (10. wird schon wieder gejubelt. Apropos Politik. präzisiert werde. Einfach ist es für keinen von uns. nach einer Geschichte. Matthiasson singt. konnte Bild am Schreibtisch ermitteln. so kurz vor seinem Tod. es ist der einzige gesellschaftlich ambitionierte Beitrag in Düsseldorf. dass sie nicht in ihrer Muttersprache singt!«. Dann. und dreh mich im Kreis. was auch geschieht. 5. und immer noch ging es um die Liebe. ausgerechnet.und zur anderen wieder ausgetreten«. Seine Frau Thorunn Clausen. zum Mitsummen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 20 selbst (unten). weiterfliegen. erklärt uns auf Anfrage. einem Song. Eine gesungene Geschichte merkte sich der frühe Mensch besser als eine erzählte. Der Schlagzeuger sitzt auf einem Sattel. »Ein sehr merkwürdiges Gefühl. besser kann man es nicht sagen. 2010 kam er mit Waterslide ins Finale: ein lustiges. Und damit gleiten wir zwanglos nach Düsseldorf ins Rheinische über. Sjonni war seit mehr als einem Jahrzehnt als Sänger in Island bekannt. »Schön. sie übersetzte den Text ins Isländische. »Das Lied erinnert uns daran. Januar 2011 waren es noch zwölf Tage bis zur Vorrunde im Eurovision Song Contest. Vielleicht hatte das Lied mit ihr zu tun. Das will Peter verhindern: Und ich komme nicht zurück Bis er gerettet ist Ich werde zum König gehen und zum Parlament Und wenn sie nicht helfen wollen Tu ich’s eben selbst Im März musste das Lied zurückgezogen werden. die man aber gut mitsingen kann – als da sind »eeeeeh«. Sie sagt: »Wir können Sjonni nicht ersetzen. verfeinerte es und machte es zur Kunstform. kaum ist Osamas Leichnam bei den Haien. »ding dong«. den »verkleideten Engel«: Wir leben menschliche Leben Wir sind Engel. »ouo uo uo«. zwei Tage später traten sie erstmals auf M atthias Matthiasson war auf dem Weg zu seinem Freund Sjonni.) des Eurovision Song Contest in Düsseldorf vor. sag nichts mehr Zarte Ansätze von Komplexität sind womöglich in den deutschen Beitrag der Vorjahressiegerin Lena hineinzuinterpretieren.« Für den Song Contest zu komponieren sei so ähnlich. Sie wollen nur noch wegfliegen und möglichst viele möglichst platte Metaphern aneinanderreihen. endlich ein bisschen Patriotismus zu hören. halb Rock. es hier. um die Welt zu retten. und wir helfen einander. wie viele Punkte die Sänger in anderen Jahren sammelten. halb Folk. Zwölf Tage. wir sind in Gefahr Wir sind kristallweiß. Endausscheidung. Sie werden ihren Auftritt so inszenieren. das im Jahr 2009 erschien. der es nicht abwarten kann. Dozent an der Mannheimer Pop-Akademie. In den Foren des Internets gehen die Meinungen dazu auseinander. Für Lenas Quasi-Sado-Hymne Taken By A Stranger bediente sich ihr Komponist. »Die Kugel sei zur einen Schläfe ein. »Bleib hier« oder »Wo bist du hin?«. Das »ding dong« stammt aus dem Lied von Dana International. und er habe alles gewusst: Wer im Jahre 1986 Island zum ersten Mal vertrat. Am Ende jeder Zeile endet auch der Satz.« Die eingereichte Liebeslyrik ist in jeder Hinsicht grauenhaft. dass wir unser Leben heute leben müssen«. »Ding dong« machen die »Glocken der Seele«. sagt seine Witwe. Der mysteriöse Refrain fasst den Stand der Dinge zusammen: Taken by a stranger Stranger things are starting to begin Lured into the danger Trip me up and spin me round again Abou-Dakn hört im Refrain eine sexuelle Fantasie anklingen. Oder man sehnt sich. sie wollten zusammen frühstücken. ja an alle Europäer. das Leben so zu leben. höher fliegen. kristallweiß Ich höre ein stilles Gebet. eine Schauspielerin.« Sjonnis Witwe stimmte zu. außerdem hatte er die Theatergruppe Vesturport mitgegründet. sagt Matthias Matthiasson. der Kreuzreim tut ein Übriges: reimt sich rhythmisch.« »Wenn meine Zeit auf der Erde endet. Der Text handelt von der Flüchtigkeit des Seins. Eine Hirnblutung. der Amerikaner Gus Seyffert. Der Impuls zählt. Am Abend vor dem Abgabetermin schrieb er mit ihr die letzten Zeilen auf Englisch. Dessen Zeile »Denn niemand kennt sein Wann oder Wo« hat sich als hellsichtig entpuppt. Die beiden waren sich 2002 während der Arbeit am Musical Le Sing in Reykjavík begegnet. uo uo. es ist eine Schande. Der Lieddichter ließ sich nicht entmutigen und hatte flugs ein paar neue patriotische Zeilen auf Lager. wieder geschossen. »dass dieser Planet stirbt«. Der 20-jährige Axel Ehnström tritt unter dem Decknamen Paradise Oskar an. Noch vor dem Begräbnis versammelte die 35-Jährige sechs Freunde. er würde das gern fortführen. an dessen Wettbewerb es ja gerade teilnimmt.« Und natürlich Feudel und Eimer. 65) Trauern und hoffen Eurovision Song Contest in Düsseldorf: Ein Sänger stirbt. einen schlichten »Engel«: Wir sind Vögel Wir fliegen so hoch Und wir fallen runter Wenn ich von dir träume Ist mein Traum so furchtlos Wir sind Menschen des Planeten Deutschlands Lena singt quasi eine Sado-Hymne. in denen von Augenbinden und Stühlen die Rede ist. mit 36 Jahren. Die Stadt hat sich auf das Event eingestimmt. wie für Bild Schlagzeilen zu machen. und ich weiß. »da da dam«. da gibt es kein Entkommen«. »wir mussten das Lied in seinem Namen singen. seine Söhne und seine Freunde tanzen.

Südtiroler Schüler aus Meran wallfahrten auf König Ludwigs Spuren. Zunächst durchwandern wir den wunderbaren Buchenwald. Er lebte im Zeitalter der Industrialisierung und Elektrifizierung. »Mir ging es doch um etwas ganz anderes«. Ändern soll das die Bayerische Landesausstellung 2011.« Ludwig. Wie er seine Gegenwelten schuf. und es geruhte in Rheinland-Pfalz. Auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar am Niederrhein. Darunter kommen ein antikes Gewand und Sandalen zum Vorschein. Sein Finale bleibt dunkel. Die Schulden wuchsen. baute. Auch der Spiegelsaal von Herrenchiemsee steigert das Versailler Original. Die Kitschindustrie überkleisterte den »Märchenkönig« mit einer dicken Zuckerkruste. Wir betreten einen Geisterbahn-ähnlichen Tunnel. Also schwelgte er in artibus. finkt und piroliert. Tel. nach Freiheit dürstet mich. politisches Zentrum.. Um Seelenfrieden ging es mir!« Unvermittelt öffnet er eine Tür und schiebt uns ins Freie. »Damals hat mir das ja keiner geglaubt. Aber in der Pointe versteckt sich die ewige Hoffnung. der 400 v. Denn wer das Wesen der Dinge erkennt. Fern und in letzter Sonne schimmert ein Orplid: Herrenchiemsee. der Ludwig von Frankreich. sondern durch Blut und Eisen. »mir ging es um die Seele. Unrecht zu tun. Ließ mitternachts Theater spielen. nur für sich. Enrico Fermi bringt in einem Stapel von Uran.« des Hauses der Bayerischen Geschichte (Augsburg) wird vom 14. Nein! Barbara legt an. Der Souverän also will diese grauenvolle Brücke über das Moseltal. In politicis war Ludwig rechtlich eingeschränkt. Wie der König Krieg führen musste. aber die Erbschatulle der Wittelsbacher. die nicht im Plan verzeichnet ist: »Nukleus Panopticum« wirbt ein atomgelbes Schild. zwischen Fama. der Kronprinz. Dann käme höchstens die Wahrheit raus. Katalog (2 Bde. Ein Rehkitz äst. ich verachte den Militarismus. Der Wald blieb. Der Chiemgau war dem Hochgebirgsschwärmer eigentlich zu flach. Chr. Entschlossen ignorierte er das Wesen des konstitutionellen Königtums. beförderte den kunstdurchglühten Jüngling 1864 auf den Thron der Wittelsbacher. Ludwigs uferlose Schlossprojekte wurden zur einzigen Realität seines Königtums. Wir entleihen den Nachen Hansl und rudern zur Insel. Es amselt. Versailles war Hofstaat. wobei die doppelläufige Protzstiege Ludwigs XIV. Ludwig erfuhr es wohl nie.21 12. behauptete. Er notierte in sein Tagebuch: »Sophie abgeschrieben. Gegenüber liegt die Herreninsel. Was wisst ihr denn vom Ludwig? Dass er der Sonnenkönig war. Und er baute. ruft Esther Osenberg. den Verlobungsfotografen. ruft er uns hinterher. Nackte Ziegel. Mai bis zum 16. rechts den noch rauchenden Trümmerhaufen von Tschernobyl. sagt Isabella Modanese. nach Freiheit verlangt mich. 1873 wollte ein württembergisches Holzkonsortium die urmächtigen Bäume fällen. Wenigstens diesem idiotischen Akt des antifranzösischen Triumphalismus hat Ludwig sich entzogen. Heisenberg grübelt über der Unschärfe. 1870 provozierte Bismarck den nächsten Krieg und nötigte Ludwig zur deutschen Waffenbruderschaft wider Preußens »Erbfeind«. Eines fehlt: Wurde Ludwig von den Wittelsbachern exekutiert. gestraft mit Kabinett. delegierte. täten wir kein Auge zu.. schottete sich ab. Nein. von Venus malerisch umschlungen. das Unzerschneidbare«. mit aufgepflanztem Bajonett. Man wollte den Verschwendungswahnsinn des Verewigten beweisen und mit den Eintrittsgeldern die Staatsfinanzen aufbessern. der sich gegen Friedrich den Großen zur Wehr setzte und am Ende vor Gericht in Berlin obsiegte. Aber da wird der Alte grantig. das bayerische Versailles. soeben hat Bayern die Orgie aus Gold und Brokat weihwürdig restauriert. versinken – unbewusst – höchste Lust!« War es so? Oder Mord? Und von Guddens Tod? Die Ausstellung bietet ein Pro und Contra möglicher Varianten und Motive. ruft er mit fremdländisch klingendem Akzent und drückt uns Geigerzähler in die Hand. weil er niemals einen Menschen sehen wollte. Doch unser Führer drängt weiter. Fröhlich winkt uns ein Herr im Strahlenschutzanzug heran. Da. und die Familie lässt den Sarg nicht öffnen. Wir dürfen schon vorher gucken. Der Palast empfängt wie einst Versailles: mit der Escalier des Ambassadeurs im südlichen Treppenhaus. [M]: Haus d. »Herein. daran besteht überhaupt kein Zweifel. Er wurde zum Freak. damit er sich in eine andere Welt und Zeit versetzen kann. Die Verlobung mit seiner Cousine Sophie von Bayern löste er 1867 auf. sagt er mit unverkennbarem Stolz. weiß: Auch Seelenatome haben ewigen Bestand!« Dann bricht er in lautes Gelächter aus. Vom See her quarren Enten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Gehört Bayern zur Bundesrepublik? Sein Landtag lehnte 1949 die Verfassung ab S. links sehen wir die geisterhaften Gerippe von Fukushima. Das Volk hatte die Wahl. kichert er. im Flachwasser des Starnberger Sees. doppelt so groß wie das in Versailles. die Natur sei aus kleinsten.]. unteilbaren Einheiten zusammengesetzt. Überließ seinen Ministern das Regieren. Viele Schlossgemächer blieben unvollendet: funktionsloser Hohlraum. Ideell ist es ein Memorial der absoluten Monarchie. baute. die Kinderflinte. Der plötzliche Tod seines Vaters Maximilian II. »Atomkraft. eine funktionable Waffe.E. das ist der andere gewesen. Uns platzen die Augen. Die Ausstellung »Götterdämmerung – König Ludwig II.90 €. Gleich am Eingang schlagen die Geigerzähler wild aus. ir kommen spät. Das Sterberegister vermerkt: »Seine Majestät [. dass die Gerechtigkeit die Macht in die Schranken weist. damit Ludwig das ebene Land und den See nicht sähe und das Volk nicht seines Königs Schloss. »Ja.und Grafitblöcken – mitten in der Großstadt Chicago – die erste Kernreaktion zum Laufen. Bayerischen Geschichte/Augsburg All das brach den Realpolitiker und trieb ihn in die Gegenwelt der Kunst. Juni 1886 im Starnberger See öffnete Bayerns Regierung die Königsschlösser. sagt er. Dem Wald verdankt sich das Schloss. Seine Majestät. Der Ludwig liegt in der Gruft der Münchner Michaelskirche. Bekanntlich kam es anders. wandernd oder im Rokoko-Schlitten. Der Chiemsee leuchtet im Abendschein. Machte die Nacht zum Tage. Man kann nur rätseln. Auroras Strahl bricht durch purpurbeschleierte Lünetten und rötet den Raum. das nie in Betrieb ging. Man sieht Ludwigiana vom Taufkleid bis zu seinem letzten Regenschirm. In diesem güldenen Alkoven unterm Baldachin. Ludwigs Ausspruch: »Ich hasse. Begeistert walzen die Touristenvölker dieser Welt durch Ludwigs Prunkrefugien. wo einer der besten Weine der Welt wächst. Unterzeichnete. Er wurde der Mäzen des sächsischen Komponisten.] hat sich in seiner Geisteszerrüttung selbst in den See gestürzt. seufzt unser Führer und zieht den Schutzanzug aus. als Verschleuderer des Sippenschatzes? Davon orakelt mit Begeisterung unser Bootsvermieter Stöffl. »Wie konntet ihr meine Theorie nur so missverstehen!«. Kahl. Da erkennen wir ihn: Demokrit! Der »lachende Philosoph«. 22 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit ULRICH SCHNABEL Kernie’s Familienpark verspricht eine Kettenreaktion des Vergnügens. In den Rohbauräumen wird die Landesausstellung gezeigt.« Das wäre ein Tristan-Schluss: »Ertrinken. Drei Tage nach seiner Verhaftung und Amtsenthebung starb Ludwig.« Daneben Bismarcks Diktum: »Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden [. Ihr dichter Wald birgt König Ludwigs Schloss. Bayerns Modernisierung. eine historistisch perfektionierte Nachschöpfung. I . Oktober erzählt sie im Schloss Herrenchiemsee die Götterdämmerung König Ludwigs II. Eine Legende. Zwei Jahre später befand sich Bayern im Krieg gegen Preußen. »Hätte nie gedacht. wünscht es. Ein Übriges taten Filme. die ursprünglich nahe Linderhof im Graswangtal entstehen sollte. 0821/329 51 21 ZEITLÄUFTE l y a des juges à Berlin«. Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr.und Fortunabrunnen. Nach Ludwigs Amtsenthebung wegen angeblicher Geisteskrankheit und seinem mysteriösen Tod am 13. Genug! Und dann die Erlösung: das nördliche Treppenhaus.. Alsdann diktierte Bismarck ihm den »Kaiserbrief«.« »Ihnen haben wir also den ganzen Schlamassel zu verdanken«. sagt Stöffl. Wir nähern uns dem goldenen Zeitalter der Physik. von Bayern. Dort klafft der Wald. Gewaltiger Skandal! Allerdings fühlte Sophie sich insgeheim nicht minder befreit als der entsprungene Gespons. Doch was ist das? Bei unserem Besuch stehen wir plötzlich vor einer Attraktion. Der Mythos ist viel schöner. Die Schifffahrt ruht bereits. Zucker und Wahn Eine große Ausstellung auf der Herreninsel im Chiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. Schön zeigt die Ausstellung Ludwigs Faible für die technische Moderne – im Kontrast zu seinem anachronistischen Eigenbild. Die heilige Mission des Königs sei der bewusste Wahn. Sie erzählt von einem Müller in Potsdam. alpin überragt von Hochfelln und Kampenwand. Tod und Mythos. erwartet uns geballte Ludwig-Kompetenz: der Projektleiter Peter Wolf vom Augsburger Haus der Bayerischen Geschichte sowie Katharina Heinemann und Sybe Wartena von der Schlösserverwaltung. blankes Licht. Als Mönch der Kunst müsse er sie leben und zur idealen Blüte bringen. der Irrenarzt Bernhard von Gudden. Die Staatskasse konnte Ludwig nicht plündern. Sie inszeniert Ludwigs Lebensdrama in fünf Akten: Die Werdejahre. »es gibt noch Richter in Berlin«. bereits 1752 wieder abgebrochen wurde. die alte Industrie-Partei SPCDU zu wählen (70. nichts weiter. Ludwig II. Mit ähnlichen Worten entringt sich Tannhäuser den Armen der Venus. was aus meiner Idee alles werden würde«.. In der Ferne erklingt Swingmusik. Aber wer die Modellzeichnung sieht. Die Schlossbauten wurden Ludwigs »Hauptlebensfreude«. átomos habe ich das genannt. Durchaus war Ludwig kein bloßer Fantast. Primus Verlag. »Das waren noch heldenhafte Zeiten«. Letzteres glückte. bis zum heutigen Tag. Die Krönung stieg 1871 ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles. dieser Friedensbrücke vom Absolutismus zur Demokratie. Wir kommen früh. Achterbahn und Kletterwand am Kühlturm. dass ein Richter den Souverän daran hindert. nach Aufleben von qualvollem Alp. pff. wie Ludwig II. zelebrierte.« Der Schwulst ist Zitat. Ist euer Berlusconi auch ein Sonnenkönig? Schreckenskreischen. Ludwigs Traumland Frankreich. gar zur Ehe zog’s ihn nicht. Er hat ganz viel Schönes bauen lassen. Herrenchiemsee ist L’art pour l’art. Ratlos staunend stehen wir im Paradeschlafzimmer. Denn Ludwig hatte Gott gefunden: Richard Wagner. So lautet die hübsche Pointe einer hübschen historischen Legende. Porträtpostkarte (1910) nach einem Foto von Joseph Albert 1863 Formal bietet dieses Chambre de Parade. Oktober im Neuen Schloss auf der Insel Herrenchiemsee gezeigt. erwarb die Herreninsel für seine Versailles-Kopie. 39. Nur das Lachen Demokrits dröhnt noch lange in unseren Ohren. imaginierte sein französisches Idol. Ludwig II. Der Dampfer Barbara wimmelt von Kindern.9 Prozent). noch hatte er es vor. Die Ikone des Verklärten verdeckt die historische Gestalt. Augenrollen. Königgrätz: Die Niederlage geriet katastrophal. dieses angekündigte Verbrechen betrachtet.). Man weiß nicht. Mai bis zum 16. Der bayerische Ludwig kopierte. sie im »Sonnenkönig« inkarniert empfand und selbst ersehnte. herein«. Der König desgleichen. war ein bisschen verrückt. der Souverän ist das Volk. Dort endete auch sein Begleiter. Wären Sie dafür? Nein. Abb. will dieses Monstrum. doch der Priener Bootsvermieter Stöffl hat noch auf. sie hatte sich in Edgar Hanfstaengl. erklärt Kathrin Holzknecht. an Österreichs Seite. verknallt. brummt er. Otto Hahn gelingt die Kernspaltung. aufkommender Sozialdemokratie und ähnlichem Erdenleid. Verwirrt blinzeln wir ins Sonnenlicht. antworte ich vorwurfsvoll. Nie schlief er hier. in die Mündungsbucht des Grand Canal. er überbot es VON CHRISTOPH DIECKMANN W gar. Vom 14. Auf der Schlosstreppe. Mit 18 Jahren musste Ludwig König werden. Parlament. das die Landschaft mit den uralten Rebhängen zerschneidet. Namens der deutschen Bundesfürsten hatte Ludwig dem Preußenkönig Wilhelm die Kaiserkrone anzutragen. Empfing und sprach sie nie. der fragt sich doch: Gibt es denn keine Richter mehr in Mainz? B.. das Volk. Aber die Wissenschaft hat mir recht gegeben. Wagner dankte es dem hochfühligen Monarchen mit Ideologie. am nächsten Morgen. Das düstere Bild verweht. Wallte durchs nächtliche Hochgebirge. locken heute Karussell. wie er gestorben ist. von Käutner bis Visconti. von empörten Fischern zu Hilfe gerufen. Er lief aus dem Ruder. Zum Weibe. als gottunmittelbarer Königskünstler. erst vierzig Jahre alt.

Die beiden Hauptkontrahenten innerhalb der CSU. Ehard muss dem Hundhammer-Flügel etwas bieten: das Nein zum Grundgesetz. die fernher vom Norden der grimmige Preusse / Heldentümlich bedroht. Thomas Dehler. die Formel. umso weniger«. Schäffer intrigiert bereits seit 1948. Aus allen Winkeln des Freistaats sind sie nach München geeilt. Wie kann das Land seine Identität wahren? Soll es mitmachen bei einem künftigen geeinten Deutschland? So schickt Hoegner gleich eine Sonderration Kartoffeln in die Rheinpfalz. die CSU. Mai ist angebrochen. die Beleuchtung schummrig. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 22 eiß-blau knattern die Fahnen. im Geiste der Confoederatio Helvetica. Die Alliierten und der Parlamentarische Rat haben festgelegt. Der Bund ist ihnen im Grundgesetz-Entwurf immer noch viel zu dominant geraten. 65 Delegierte entsenden die Länderparlamente nach Bonn. Zu diesem Zeitpunkt ist das neue. Als V-Mann Ehards dient der gebürtige Pfälzer Anton Pfeiffer. Hitlers Münchner Anfänge hätten im Dunstkreis des bayerischen Föderalismus gelegen. lässt in Abwesenheit zu Protokoll geben. Zudem beinhalte Artikel 178 der neuen bayerischen Verfassung. der »Ochsensepp« und Vertreter des liberalen Flügels. Es ist der 19. Bereits im November 1945 gab er die Parole aus: »Vor allem aber wollen wir wieder unsere eigenen Herren im ›Gasthaus zum Bayerischen Löwen‹ sein. SPD und FDP enthalten sich. Sie wollen eine zu weit gehende Eigenstaatlichkeit vermeiden. Mehr noch: In einer höchst akrobatischen Volte kommen Ehard und seine Christgenossen auf die Idee. Die Formel für diese wirre Dialektik ist rasch gefunden: Nein zum Grundgesetz. Dezember 1946 noch in der Aula der ausgebombten Universität. Der Nachfolger Schäffers. Lediglich die verlorenen Westgebiete – die Rheinpfalz und der Kreis Lindau am Bodensee – stehen unter französischer Verwaltung. Auch die Diskussionsgrundlage. es verkommt zu einem Klein-Klein. Dort ist er. Seinen größten Coup landet der Bayer bei der Gestaltung der zweiten Kammer. empfiehlt er seinen CSU-Freunden nun die Zustimmung: Man könne nicht immer Nein sagen. wo der allzeit explosionsbereite Kurt Schumacher sogar das Recht auf einen eigenen bayerischen Landesverband der SPD infrage stellt. um einen Kandidaten gegen den jeweils anderen Flügel durchzusetzen. die CSU. da es sich noch nicht um Landtagswahlen gehandelt hat. Bayern im Glück. den die Nazis 1934 aufgehoben und dessen Sitz die Bomben zerstört haben. »an einen Heizkörper gelehnt«. bloß zwei Gruppen: entschlossene Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit und feurige Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit. weiß-blau glühen die Herzen der Volksvertreter. Die Bayern querulieren weiter. Dabei zeigte vor allem die CSU schon früh ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen VON RALF ZERBACK Vom Wählervolk ganz zu schweigen. Ehard berichtet später. Mai 1949 halten Hundhammer wie auch Bayernparteiler flammende Reden für ein freies Bayern. ja zu Deutschland. hinzu kommen fünf Abgesandte aus West-Berlin. finden dort Unterschlupf. zum andern begründen. hatte es doch zunächst »deutscher Bund« und nicht »Bundesstaat« geheißen. Und er jammert. Tatsächlich bringt die CSU am Ende ganz neue Themen auf wie zum Beispiel das Elternrecht – gemeint ist das Recht. Als die Diskussion um die zukünftige deutsche Verfassung beginnt. es ist eisig kalt. Bald kommt es zu Spannungen zwischen ihm und der Militärverwaltung. stehe dem christlichen Glauben an die göttliche Allgewalt diametral entgegen. Vergebens hat Adenauer noch am Tag zuvor Ehard um ein Votum zur neuen Verfassung gebeten. Man sollte also meinen.und die amerikanische Militärverwaltung in Arbeit. In seiner Bilanz hält er als einen Haupterfolg den »Kampf um die Eigenstaatlichkeit Bayerns« fest. und zwar – oh Wunder! – in denselben Punkten wie die CSU: Die Bundesrechte seien zu stattlich. Zwar empfindet Pfeiffer den Beistand als »peinlich«. Zur Not der Einheimischen kommt die der Flüchtlinge aus dem Osten und der Displaced Persons. Die SPD hat eine »Interpellation gegen die Bemühungen monarchistischseparatistischer Kreise in Bayern« eingebracht. Weiteren Geländegewinn vor Augen. schäumt. So beschwört der fromme CSU-Abgeordnete Georg Meixner. Der Argwohn der Südländer ist gewaltig. Doch da passiert etwas Seltsames: Ehard empfiehlt. Auch Hans Ehard setzt seinen Namen unter die Urkunde. der den Versammelten einen Verfassungsentwurf präsentiert. Gegenseitig schlägt man sich die Geschichte um die Ohren: vom Heiligen Römischen bis zum »Dritten Reich«. Mai 1949. Er ist sogar Leiter der CDU/CSU-Fraktion. Dezember 1946 die neue Verfassung. . fünf der SPD. Prompt schießen die Wogen hoch.« Und Carlo Schmid dichtet im homerischen Stil: »Wo auf den Bergen der Schütz. allein in der Hoffnung. Außerdem muss er einerseits Hundhammer vom Vorwurf des Separatismus freisprechen. Soll Bayern Teil eines westdeutschen Bundesstaats werden. »Ich traue den Herren. allzu eng mit den Besatzern zu kooperieren. Theodor Heuss reimt ein ABC des Parlamentarischen Rates. die beiden Delegierten der rechtsnationalen Deutschen Partei aus Niedersachsen und sechs der acht CSU-Männer aus Bayern votieren gegen das Grundgesetz (nur zwei fränkische CSU-Abgeordnete sind dafür). Doch seltsam: Auf der Internetseite der CSU findet sich zwar eine detaillierte Chronik jener Jahre. Auch andere Verfassungsväter sehen überall Weiß-Blau. 14 Abgeordnete stellt Bayern. er lebt in Frankfurt a. Derweil ertrinken die deutsche Zivil. vom deutschen Zentralisten zu einem überzeugten Föderalisten geworden. wie Adenauer mürrisch bilanziert. Es gibt jedoch einen Ausweg. der am 1. In ihr versammeln sich Anhänger eines souveränen Freistaats. etwa bei der Finanzverwaltung oder bei der Aufteilung der Steuern. bedeute die Sache plötzlich nichts mehr. Man träumt von einem Aufstand des Volkes gegen das Grundgesetz. dass er in Kürze zum neuen Chefbayern bestellt werden sollte. sofern die meisten anderen Landtage Ja sagen. Ehard aber ist zufrieden. nicht ahnend. was er an Länderrechten im Grundgesetz durchgeboxt hat. meinte bereits 1946 der spätere Landtagspräsident Michael Horlacher. »nachdem im Sinne der Bayern die Entscheidung gefallen ist«. Schließlich präsentieren die Hundhammer-Leute einen Kompromisskandidaten: Hans Ehard. ist Fraktionsvorsitzender. ein Anhänger der Senats-Idee. Der Landtag. Die neue deutsche Republik wird ein »gottloser Zwangsstaat« Drei Tage später stimmt der Rat in Bonn ab.o. Der Präsident des Parlamentarischen Rats. Die Militärregierung kennt Ehards Nöte und billigt am 5. trifft sich Ehard am 26. schallt es von dort zurück. Das alles aber hindert Bayerns Politiker nicht. so lautet das Ergebnis. ist in sein neues Quartier.8 Prozent. einer »Bundesrepublik«? Um neun Uhr morgens beginnt die Debatte. 101 zu 64. Und setzen ihren Kampf sogleich fort.« Die Mehrheitspartei der Konstituante. Die Ämter sind genau verteilt: Alois Hundhammer.GESCHICHTE 12. gezogen. »Separatisten!«. nach einem halben Jahr wird er seines Amtes enthoben. die sich als junge Alternative empfiehlt: die Bayernpartei. Ehard droht nun mit Rücktritt für den Fall eines doppelten Nein. die Liberalkonservativen und die Erzkonservativen. Und Eugen Rindt. jetzt muss Ehards komplizierter Plan glücken. Vaterland« soll es jetzt »Heimaterde. die in Bonn ein Verbindungsbüro unterhält. auf die SPD entfielen 28. Und doch hat sich die Renitenz der Bayern am Ende für sie gelohnt.). Mai die Ablehnung als visionären Schachzug präsentiert. ist von bayerischen Experten verfasst. Dann stimmt eine große Mehrheit gegen das Grundgesetz.): AP. und nun. gut ein Jahr. wonach Bayern einem künftigen deutschen Bundesstaat beitreten wolle. andererseits ihn dazu bringen. Das hehre Werk der Verfassungsgebung. April auf einmal flexibler gegenüber dem Verfassungsentwurf – schlecht für die CSU. treu dem Hause Wittelsbach. Doch er wütet umsonst« – umsonst. »Sozial-« und als »Kulturstaat« bezeichnet. bis 1933 war er Vorsitzender der Bayerischen Volkspartei. dass die Partei heute stolz auf ihren Kampf gegen das Grundgesetz zurückblickt. tönt es von links nach rechts. Er hat am 19. warum dies nicht genug ist. der keinem der Flügel angehört und der zudem auch der SPD zu vermitteln ist. Orgeltöne erklingen. Knoeringen spottet. Statt »deutsche Erde. aus der SPD eine SPB (Sozialdemokratische Partei Bayerns) zu machen«. dass der Ausdruck »bayerischer Staatsangehöriger« nicht im Gegensatz zum Begriff des deutschen Staatsangehörigen zu sehen sei. Im Plenum stimmt die CSU ihren Klagegesang an. Schon im Mai 1945 haben die Amerikaner Fritz Schäffer zum Ministerpräsidenten ernannt. als die Amerikaner ihm zunächst das Hissen der geliebten weiß-blauen Fahne verbieten. Bayern habe eine »Chance. eine Verfassung. der Heros des rechten Flügels. als er von der Absprache hinter seinem Rücken erfährt. Josef Müller. 1818 und 1919. dann wieder sind es die Rechte des Bundesrats. Ehard sieht im Grundgesetz die Hoheit der Länder Fotos (Ausschnitte v. fordern einige Mitglieder neben dem Ministerpräsidenten auch ein richtiges Staatsoberhaupt. streitet indessen hingebungsvoll vor sich hin. Außerdem böte das Grundgesetz »unheilvollen Entwicklungen im Parteileben« keine Schranke.n. W Den Herren aus dem protestantischen Norden ist nicht zu trauen Die Ministerpräsidenten lösen sich nun ab wie die Faschingsprinzen. Dann die Abstimmung. als am 23. Ein denkwürdiger Doppelbeschluss. Nicht immer freilich herrscht Eintracht. Gut 70 Prozent aller abstimmenden Bayern billigen am 1. Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei. Vaterland Gehört Bayern überhaupt zur Bundesrepublik Deutschland? Im Mai 1949 lehnte sein Landtag das Grundgesetz ab. säuberlich getrennt nach Konfessionen. versuchen. Mai das Grundgesetz in der Pädagogischen Akademie zu Bonn feierlich verkündet und unterzeichnet wird. Konrad Adenauer. Manchem erscheint das Bonner Werk als der pure Gottseibeiuns. Mai seine Kompromissformel. Alois Hundhammer (mit Bart) und Josef »Ochsensepp« Müller (M. Clay hält in einem Schreiben fest. kein Recht. sich dem wichtigsten Thema überhaupt hinzugeben: der »bayerischen Frage«.. Territorial blieb es fast unberührt. Denn er selber ist es. auch wenn er es sich noch föderalistischer gewünscht hätte. lädt er Experten aus den elf westdeutschen Ländern für den August 1948 auf die Herreninsel im Chiemsee ein. Archiv Friedrich (2). Eine knappe Mehrheit verwirft die Idee. Immer wieder hat er wegen seiner Heimatliebe Rüffel von der SPD-Zentrale in Hannover erhalten. in einer zweiten Abstimmung im Landtag dann ausdrücklich den Grundsatz der Zweidrittelmehrheit zu billigen und das Grundgesetz für rechtsgültig auch in Bayern zu erklären. später Bundesvorsitzender der FDP. wie sie nie mehr wiederkehrt«. Ehard muss um seinen Doppelbeschluss fürchten. Das ist der Beitrag der Länder zum Grundgesetz. Die Alliierten monieren am 2. Bayernpartei und SPD. die sich – verdächtig bescheiden – »Grundgesetz« nennt. auch die Monarchisten. Ehard ist der einzige Ministerpräsident. denn Pfeiffer und Ehard haben ganze Arbeit geleistet. Das Elternrecht sei geschmälert. dass er dies selbst vor dem Parlament deutlich macht. Heimaterde. mit ihrem Nein geselle sich die CSU den Kommunisten zu. Unterm Arm tragen die Parlamentarier die Verfassung des Freistaats Bayern vom 2. Waldemar von Knoeringen (SPD) reizt die Rechte bis aufs Blut mit der These.. Es gebe »keine Freiheit in Portionen« und »auch kein Deutschland in Portionen«. Ehard muss mehrere Spagatkunststückchen zugleich vorführen: zum einen stolz präsentieren. Die CSU habe »immer und immer wieder« die Frage der Bundes. dies gegebenenfalls zu verweigern. Spannend wird es.3 Prozent der Wähler für die CSU entschieden. dann wollen sie nur einem stark föderalistischen Deutschland beitreten.). Für Joseph »Pepperl« Baumgartner von der Bayernpartei ist das Grundgesetz ein Bruch der bayerischen Verfassung. das wiederhergerichtete Maximilianeum. Darunter eine turbulente Szene im Landtag: Ehard (l. Sie haben »viel erreicht«. die SPD zu sich herüberzuziehen. Schon am 13. SPD und FDP sind empört. Selbst aus der Bayernhymne will die Partei jeden Hinweis auf Deutschland getilgt sehen. Die beiden Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei und die beiden Kommunisten (alle vier aus NRW). Von Pfeiffer eingefädelt. Doch eigentlich will Ehard den Beitritt Bayerns zum Bund. zu streiten für Bayerns Freiheit. seit 1910 priestergeweiht. ist Parteichef. Er will ein breites Bayern-Bündnis schmieden mit BonnGegnern aus CSU. Grafik: Anne Gerdes gefährdet. Aus dem berühmten »Verfassungskonvent von Herrenchiemsee« geht ein Bild oben: Bayerns Ministerpräsident Ehard (l. je weiter sie im Norden wohnen. Aber über das gloriose Votum vom 20. Um die Souveränität zu betonen. seine Regierung die einzige. die Kinder auf »Bekenntnisschulen« zu schicken. ferner als »Volks-«. September seine Arbeit aufnimmt. einen eigenen bayerischen Staatspräsidenten. Einigen Herrgottswinkel-Advokaten ist das Ganze auch zu wenig christlich. als gegen Ende der Debatte Wilhelm Hoegner das Wort ergreift. in der die Länderregierungen das Sagen haben und nicht – wie bei der »SenatsLösung« – die Wähler. Der Stellvertretende Militärgouverneur Lucius D. Doch keiner von beiden hat eine Chance. Bei den Wahlen zu diesem Konvent haben sich 58. damals bayerischer. ist ebenfalls nur kurz im Amt. Am 19. 97 Parlamentarier bekennen sich zur Rechtsgültigkeit der Bonner Verfassung. Am 15. Doch da revidieren die Alliierten ihr Urteil und zeigen sich am 22. Es ist die vierte in der bayerischen Geschichte nach 1808.) mit Adenauer (r.). er habe beim ersten Wahlgang noch »mit Mantel und hochgeschlagenem Kragen im hinteren Teil des Saales« gestanden. die SPD jubiliert. Juli 1946 tritt die Verfassunggebende Versammlung in München zusammen. einen strammen Konservativen. das Grundgesetz abzulehnen. Zugleich finden die ersten Landtagswahlen statt. dass die Mannen um Hundhammer und Schäffer zur Bayernpartei wechseln. März 1949 den Grundgesetz-Entwurf. Die US-Besatzer haben ihre liebe Not. der »die föderalistischen Prinzipien im neuen Bundesstaat stärken« werde. lange nach Mitternacht. Auf Druck der Amerikaner war der Artikel ohnehin umformuliert worden. Während seiner Rede bekommt er vor allem Beifall von der CSU. sie endet um halb drei nachts. Überall herrschen Zerstörung und Mangel. Es folgt die zweite Abstimmung. Die neue starke Kraft im Lande. gleich die beiden ersten Buchstaben A und B behandeln die Bayern-Frage: »Der Anton pfeift aus dem ff / adagio jetzt und jetzt andante / die Arien des Ochsenseph / der Aloys schnalzt die Älplervariante . Angst vor dem rechten Flügel der CSU. Hundhammer werden – nicht zum ersten Mal und nicht ohne Grund – separatistische und monarchistische Neigungen nachgesagt. Nun muss Hoegner weichen. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. Die FDP höhnt über »Hoegners Traum. dass eine Zustimmung von zwei Dritteln der elf Landtage zum Grundgesetz ausreichen soll. Gemeinsam heckt die Rhein-Isar-Entente eine »Bundesrats-Lösung« aus. Zumal das Verfassungswerk zu einem beträchtlichen Teil sein eigen Kind ist. Mai dann die entscheidende Sitzung. denn in einer Probeabstimmung hat sich Hundhammer beim zweiten Teil der Kompromissformel – dem »Ja zu Deutschland« – enthalten. »Landesverräter!«. die Heraufkunft eines »gottlosen Zwangsstaats«. resümierte. talwärts gezwiebelter Turm / Hüten die Freiheit. das Nachkriegsbayern unter US-Verwaltung bald fünf Jahre alt. Warum nur? Der Autor ist Historiker und Journalist.u. Ehard befürchtet. So kann die CSU in Bonn wie in München guten Gewissens gegen das Grundgesetz stimmen – folgenlos. denn noch immer ist es unpopulär. kritisiert die Finanzverfassung und die zu geringen Rechte des Bundesrats. Trotz des Ergebnisses bleibt Hoegner auf Wunsch der Militärregierung Ministerpräsident.oder Landesfinanzverwaltung als Hindernis bezeichnet. Wenn überhaupt. Oktober 1948 im Bonner Hotel Königshof am Rhein zu einem Abendessen mit dem nordrhein-westfälischen Innenminister Walter Menzel. Da kommt Hilfe in höchster Not. ruft Thomas Dehler. Staatsstolz wird das Land in den ersten drei Artikeln als »Freistaat« – also als Republik –. wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. der die Amerikaner um Unterstützung gebeten hat. Dezember 1946. über allen Verhandlungen in Bonn habe der »bayerische Zweifel« gestanden. führt den Vorsitz. einen bedächtigen Fahrensmann. ebenfalls von der CSU. abgesehen von einigen wenigen Mitgliedern. Unten: Hundhammer stimmt ab weiterer Entwurf hervor. die der CSU erneut eine kräftige Mehrheit bescheren. Dementsprechend fallen deren Rechte üppig aus. Was treibt ihn um? Es ist die Angst. Geschlossen votiert die CSU gegen das Grundgesetz. Anton Pfeiffer. Angst dazu noch vor einer anderen Partei. Unter Ehard zeigt die Regierung zunächst gesamtdeutsches Engagement. der »Entwurf eines Grundgesetzes«. einem SPD-Mann. die Gegenseite sieht ebendiesen Föderalismus als Hitlers erstes Opfer. Aus der SPD-Fraktion sind »Pfui«-Rufe zu hören. Doch die Bayern siegen. Der erste Nachkriegslandtag versammelt sich am 21. des Bundesrats. die aber nicht stimmberechtigt sind. Einmal platzt Ratspräsident Adenauer der Kragen ob der »bayerischen Parteifreunde«. Er ist schon seit 1947 nicht mehr Chef der bayerischen SPD und hat sich mit seiner erzbajuwarischen Position weit von der Haltung seiner Partei entfernt. der SPD-Mann Wilhelm Hoegner. einer ist Freidemokrat. Jetzt steht die Ratifizierung an. es thront über der kriegsversehrten Stadt wie zu Königs Zeiten. »Rechts-«. dass sich die Bevölkerung für den Wiederanschluss an Bayern erklärt. kennt. Am Ende freilich bekennt er sich »angesichts der weltpolitischen Lage« zur neuen Konstitution. die ihnen nicht passt. Schon bei der Wahl von Hoegners Nachfolger kann man sich nicht einigen. den er im Schweizer Exil ausgearbeitet hat. Hoegner ist es auch. M. der 20. Der Text bildet eine wichtige Basis für den Parlamentarischen Rat in Bonn. der regelmäßig in die Debatten eingreift. Mai geht es im Landtag zur Sache. davon sind acht Mitglied der CSU. Doch heute wird im Plenum über eine andere Verfassung abgestimmt. Mai erfährt man dort nichts. Vaterland« heißen. Mal ist es die Finanzverfassung. Am 1.

ein Drittel der Verluste müsste Deutschland tragen. käme das Deutschland teuer zu stehen. könnten sie die Drachme wieder einführen. welche Risiken man eingehen will – und welche nicht. Diese Option klingt so verlockend. Ein Land nach dem anderen könnte aus dem Währungsverbund herausbrechen. Europaweit rebellieren Bürger und Parlamentarier. In Griechenland würden die Bürger die Banken stürmen. Umgerechnet zahlt Microsoft für jeden Nutzer knapp 1000 Dollar. LAMPARTER Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. Und der Widerstand gegen neue Kürzungen wächst. um seinen Rückstand zu Apple und Google aufzuholen.WIRTSCHAFT D ie jüngste Niederlage hat ihn siegessicher gemacht.smetek. Das Bankensystem würde kollabieren. um die Probleme der Krisenstaaten zu lösen. Auch die Europäische Zentralbank ist in Griechenland engagiert – angeblich mit 153 Milliarden Euro. Panik wäre die Folge. Frank Schäffler. Die schöne Option vom griechischen Ausstieg könnte also grässliche Folgen haben. Es hat sich eingebürgert. Die Staatspleite wäre perfekt. Skype betrachtet Telefonate und Videogespräche ebenso als Datenverkehr wie das herkömmliche Surfen im Internet. Mit dem Kauf zeigt Microsoft Siegeswillen im Kampf um die Kommunikation von morgen. um wieder konkurrenzfähig zu werden. Die indirekten wären weitaus größer – für die Deutschen und für die Griechen. Das Ende der Währungsunion würde auf dem ganzen Kontinent eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Es ist wie in einer antiken Tragödie: Es mag zwar Alternativen geben – aber alle erscheinen sie schrecklich. Griechenland steht vor der Pleite. Das würde auch in Irland. Drama Wenn Frank Schäffler redet. In der kommenden Woche treffen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten. Ein einziger Schnitt. Doch nun erlebt dieses Europa seine Schicksalstage. Baby. Für die FDP ist es wohl zu spät. dass sie auch in der Bundesregierung erörtert wird. brachte er seine Forderungen als Antrag ein – und scheiterte knapp. 22 Milliarden Euro soll Deutschland vom Herbst an für den europäischen Rettungsfonds aufbringen. Drama. 42 Jahre.9 Milliarden Euro verliehen. All das ist typisch für die Krise des Euro: Internationale Entscheidungen haben nationale Folgen. der viel Geld investiert. sollte sie sich am Markt kein Kapital leihen können. aus Angst vor der Zwangsumstellung und dem Wertverlust ihrer Sparguthaben. Die Erlebniswelten von Microsoft werden gegenüber denen von Apple und Google attraktiver. zum Argwohn von Deutscher Telekom & Co. Gebracht hat die Retterei wenig. Aber zur Realität in einer komplexen Welt gehört. allein im kommenden Jahr braucht die Regierung rund 27 Milliarden Euro zusätzlich. damit würden griechische Waren im Ausland billiger. Portugal und Irland wackeln. die Griechen könnten frei von Spardiktaten agieren. Die Abkehr vom Euro verspräche ein Exportwunder ohne Schmerzen. unterwegs bei der Autofahrt oder beim Spaziergang. »Die Basis tobt«. wenn man schon eine Flatrate fürs Surfen hat? 145 Millionen aktive Kunden konnte Skype damit gewinnen. Der Vorteil für Griechenland: Man könnte die eigene Währung beliebig abwerten. dass man sich immer wieder fragen muss. »Wir retten Griechenland seit einem Jahr. aber vielleicht könnten ja andere Organisationen aus der Studie lernen. ist unkalkulierbar. wie sich nicht nur an den vielen Langzeitarbeitslosen dieser Altersklasse zeigt. in Finnland. sagt er. was besser ist. Das Ergebnis: Schutz vor Schwindlern? Lebensmittelverbraucher wehren sich im Netz S. Im Jahr darauf wären weitere 38 Milliarden Euro nötig. ist das wenig ermutigend. Diese blieben auch nach Wiedereinführung der Drachme bestehen. Für Deutschlands Steuerzahler hieße das: noch mehr Verluste. 2. Positiv zu spüren bekommt das die Generation 55 plus aber kaum. Allein in diesem Jahr könnte die griechische Wirtschaftsleistung um mehr als drei Prozent schrumpfen. um zu beraten.. in den Niederlanden. Die Oldies könnten sogar besser mit Stress umgehen und machten weniger Fehler. Statt mühsam die Löhne zu senken. bei der jetzt schon die 45-Jährigen zu alt für einen Führungsjob sind. In Deutschland. Das scheint nicht allzu viel. das Nationale drückt aufs Internationale. 1. der Zahlungsverkehr zusammenbrechen. Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Sicher kann niemand sagen. klingt es. Auch sie bräuchte wohl eine Kapitalspritze. wo die Euro-Skeptiker bei den jüngsten Wahlen 22 Prozent der Stimmen abräumten. wie wenig er weiß VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ 30 SEKUNDEN FÜR Generation 55 plus Bundesregierung. Wie hoch sie genau wären. Portugal oder Spanien drohen. Würde die Drachme dann gegenüber dem Euro deutlich abgewertet. sagt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. In der Hoffnung. in eine Kooperation mit dem Handyhersteller Nokia. Die ist bei Microsoft traditionell stärker ausgeprägt als bei Skype: Gerade mal sechs Prozent nutzen dort bisher die kostenpflichtigen Zusatzdienste. Und keiner gibt zu. Genau wie der Schuldenberg. 110 Milliarden Euro wurden schon zugesagt. wenn sie nur genug Zeit bekommen – und genug Geld. die Probleme aber sind immer noch da. aber die Kürzungen haben die Krise weiter verschärft. Parteien und Arbeitgeber betonen neuerdings. Für einen wie Schäffler sind das 22 Milliarden Euro zu viel. Und mit jedem Versuch. DIETMAR H. und alles wäre vorbei. In die Spielekonsole Xbox. Und sie rechnen. müsste die deutsche Regierung bei einer Staatspleite erst einmal einige deutsche Banken retten. dass die Griechen ihre Kredite zurückzahlen können. Warum also Gesprächsminuten extra zahlen. Weil deutsche Banken sehr viel Geld in Griechenland verliehen haben – geschätzte 17 Milliarden Euro allein an den griechischen Staat –. Die Griechen sparen. Möglich. beim Landesparteitag der FDP Nordrhein-Westfalen. Nun ist das Geld fast weg. 29 12. mit neuen Auflagen. bekämen die Griechen schon lange kein Geld mehr aus Deutschland. Auch dort müssten Bürger und Investoren um ihr Geld fürchten. Euro-Gegner und Parteirebell: Ginge es nach ihm. Für 8. Ist der Kaufpreis nun zu hoch? Schwer zu sagen. werde die Abstimmung anders ausgehen. noch höhere Kosten. Und der europäische Rettungsfonds hat 37. Am kommenden Wochenende. wenn es um die eigene Zukunft geht. Deshalb bereitet die EU ein neues Hilfsprogramm vor. Die deutschen Steuerzahler müssten auch nicht für Irland oder Portugal bürgen. um ihr eigenes Geschäftsmodell zu schützen. die das Unternehmen neben den Gratisgesprächen anbietet. Kein Wunder: Schließlich wird uns der demografische Wandel schon bald einen akuten Nachwuchsmangel bescheren. als könne man die Probleme Europas mit der Präzision eines Chirurgen lösen. Finanzexperte der FDP. Die Regierungen agieren unter enormem Zeitdruck.5 Milliarden Dollar übernimmt der Softwarekonzern den Anbieter von kostenlosen Internettelefonaten. Auch wenn man die Vorgänge bei der FDP beobachtet.« 750 Milliarden Euro nahmen die Regierungen Europas vor genau einem Jahr in die Hand. Überall könnte Skype nun eingebunden werden und Menschen verbinden: ob beim virtuellen Tennismatch vor dem Wohnzimmerbildschirm. für Europa. In verschiedenen Ministerien beschäftigen sich Regierungsbeamte mit den Details. wie wichtig ihnen ältere Arbeitnehmer seien. dass die FDP zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben wird. dass sie bei betrieblichen Fortbildungsangeboten meist außen vor bleibt. Wieselwörter Microsoft kauft Skype. für die Koalition. Verweigert die Regierungspartei der eigenen Regierung die Gefolgschaft. Am vergangenen Wochenende. daran glaubt Schäffler fest. ob man den Griechen überhaupt noch helfen kann – und wie. Die Griechen haben ihre Schulden in Euro aufgenommen. und wir werden damit weitermachen«. Zwar muss es so weit nicht kommen. All das wären freilich nur die direkten Kosten. Es kommt auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden an. von Europa als »Schicksalsgemeinschaft« zu sprechen. Mit Microsoft hat Skype nun einen starken Partner. Und das ist das wahre Euro-Drama. in ein neues Betriebssystem für Mobiltelefone. die Skype in ihren Netzen lange unterdrückt haben. könnten die Griechen ihre Euro-Schulden erst recht nicht mehr bezahlen. sondern auch daran. »Viele Delegierte wollen sich nicht länger hinhalten lassen. dass Deutschland nicht mehr mitmacht. MARCUS ROHWETTER Wie kommen wir da raus? Die Deutschen ringen um die Zukunft des Euro.de ZUM THEMA: Interview zur Schuldenkrise mit dem Harvard-Historiker Niall Ferguson auf Seite 25 Ende März vergangenen Jahres erscheint in der Bild am Sonntag ein Artikel über das Treffen der europäiFortsetzung auf S. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 23 INTERNET Punkt für Microsoft Mit dem Kauf von Skype greift der Konzern Apple und Google an Verließe Griechenland die Euro-Zone. beim Bundesparteitag in Rostock. das Problem zu lösen. Gerade noch rechtzeitig haben Mannheimer Forscher entdeckt: Arbeitnehmer bis 65 sind nicht weniger leistungsfähig als jüngere. wäre das ein dreifacher Schaden – für die Partei. Die Griechen haben zu viele Schulden angehäuft? Dann werfen wir sie aus der Währungsunion! Oder lassen sie pleitegehen! Deutschland wäre nicht länger Zahlmeister. 24 . erschaffen sie zig neue.

Alle wissen das – es sagt nur keiner. Ein Mann. Eine Diktatur des Volkes sollte sie nicht sein. Nur die Bundesregierung hatte sich noch nicht festgelegt – und als größte Wirtschaftsmacht hat Deutschland de facto ein Vetorecht. zeigt: Der Konflikt um die Rettung des Euro teilt nicht nur Europa. Geschäftsführer des BEE. wenn Draghis Chancen Es ist die wichtigste Personalentscheidung. Bisher war die Idee der europäischen Integration. Irland. Ob bewusst oder unbewusst: An diesem Abend entwift Hans-Werner Sinn das Gegenmodell. Szenarien.« Damit geht die Bundeskanzlerin ein innenpolitisches Risiko ein. Die vor allem nach sozialen Produktionsbedingungen ausgewählten Waren werden in etwa 30 000 Supermärkten. Er stimme seinem »Freund Hans-Werner« in fast allen Punkten zu. Februar 2010 heißt es in der Abschlusserklärung nach dem Treffen der Staats. eine unrealistische Annahme. action press (u. Hans-Werner Sinn hat eine klare Vorstellung von der Welt. Griechenland wolle die Euro-Zone verlassen. zurückgezogen hat. Am Ende ist der Turm unfassbar hoch. Wenn Investoren wissen. Im Ministerium kennen diesen Sprechzettel nur acht oder neun Personen. gut klingend. Schäuble gilt als Verfechter eines weiter zusammenwachsenden Europas. Er ist ein Anhänger einer stabilen Währung. Sie fürchten vor allem das T-Wort – T wie Transferunion. Von einer drohenden Regierungskrise ist die Rede. aber ihres Inhalts beraubt – so wie ein von einem Wiesel ausgesaugtes Ei. Etwa die »Gläubigerbeteiligung«. ihre Kernkraftwerke gegen einen schweren Atomunfall wie in Fukushima versichern. den er in diesen Tagen oft hält. den Deutschland zahlen muss. Dort steht er und kann nicht anders Dies ist der Mann. und er hat für die G 20 die Reform der internationalen Finanzmärkte koordiniert. Neben Italien hat sich auch Frankreich für Draghi ausgesprochen. Die deutschen Bürger sind gegen ein Hilfspaket für Griechenland. direkt nach einem Gipfeltreffen Monate zuvor. Das Grauen trägt bei Sinn den Titel Warum Deutschland ein SchuldenTsunami droht. Je öfter in Berlin die Beteiligung der Gläubiger gefordert wird. die von den Krisenländern mit Zinsen zurückbezahlt werden müssen. der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber. Seine Sicht sei jedoch ein wenig »national«. die Angela Merkel vorwerfen. VO Sozialbewusst 27 In Deutschland haben Verbraucher im vergangenen Jahr Fair-Trade-Produkte im geschätzten Wert von rund 340 Millionen Euro gekauft. dass sie ihren Einsatz verlieren könnten. die Griechenland konkrete Hilfszusagen machen wollten. er häuft einen Turm aus bunten Bausteinen an. sofern das nötig ist. ist der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi Favorit. Pro Kilowattstunde würde sich Atomstrom laut der Expertise um mindestens 14 Cent verteuern. dem Land geht das Geld aus. die Umfragewerte sind mies. statt in die Peripheriestaaten zu fließen. »wie verlogen die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird«. Als der Bundestag im vergangenen Jahr über das Griechenlandpaket abstimmte. Das Nachrichtenportal zitiert aus einer »internen Vorlage« des Bundesfinanzministeriums. Weitere Informationen im Internet: www. Seit sich der deutsche Kandidat. dass vom engeren Zusammenrücken alle profitieren. auch wenn es der hiesigen Wirtschaft schadet? Vielleicht wäre es ja im deutschen Interesse gewesen.und Regierungschefs: »Die Mitgliedstaaten der EuroGruppe werden entschlossen und koordiniert handeln. heißt es oft. Vielmehr gehe es darum. Das war die Leitlinie bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht. »Ich kenne Mario Draghi«. Das Papier ist das für solche Treffen übliche Briefing der Beamten für ihren Minister: eine Auflistung von Optionen. »Er ist eine sehr interessante und erfahrene Persönlichkeit. Aus Angst vor der Wut des Volkes. Im Osten gilt das nur für knapp drei Prozent. Anstelle der Steuerzahler sollten die Banken ran.de (4). die ins schier Bodenlose stürzen. ist die schwarzgelbe Mehrheit im Bundesrat weg. der neue Herr über den Euro? Der Amtsinhaber Jean-Claude Trichet tritt im Herbst ab. Im Gespräch mit der ZEIT (siehe S. Oder es bezahlt. schrieb der Philosoph Jürgen Habermas kürzlich in der Süddeutschen Zeitung. um die finanzielle Stabilität in der Euro-Zone insgesamt zu sichern. Als Sinn fertig ist. Viele in CDU und CSU sind dagegen. er zeigt Diagramme mit Kurven. der polarisiert. 400 Milliarden Euro sind mehr als der gesamte Bundeshaushalt. Sie kennen seinen Sprechzettel. »Anders als bislang vielfach behauptet. an »einem öffentlichen Prozess der Meinungsbildung« mitzuwirken. Es klingt nach Eigenverantwortung und Härte gegenüber der Finanzindustrie. Merkels Koalition hat einen schlechten Start hingelegt. Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. erst recht in der FDP. Und deshalb betonen deutsche Politiker immer wieder. einzugreifen. nur keine Haftungsgemeinschaft. sagte sie. denn das Tier schafft es. 3. Dann steigen die Marktzinsen für alle Staaten. sie knicke vor den Staaten Südeuropas ein. wäre Atomstrom in Deutschland unbezahlbar – und alle 17 Meiler würden sofort stillgelegt. einen Währungsraum ohne Haftungsgemeinschaft zu errichten. sondern als Bürger eines geeinten Europas – in dem es keinen Unterschied macht. Einer. 2/3) hat sich Angela Merkel nun erstmals direkt zur Kandidatenfrage geäußert – und ihre Sympathien für Draghi erkennen lassen.zeit. Seine europäischen Kollegen. ganz offen Als Wolfgang Schäuble am vergangenen Freitag im Luxemburger Schloss Senningen eintrifft. LÜT schen Staats. der über das Grauen spricht. Fast 400 Milliarden Euro würde es Deutschland kosten. Ein Italiener an der Spitze der Notenbank – das wird jenen Kritikern neue Nahrung liefern. als »weich« zu gelten.4 Prozent. wissen bereits. ergreifen sie erst recht die Flucht. Das war fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. heißt es in der 150-seitigen Studie der Versicherungsfachleute. ob ein reicher Bayer für einen armen Saarländer bezahlt oder ein reicher Finne für einen armen Griechen. Er geht auch mitten durch die deutsche Regierung.de/finanzkrise Fotos: www.und Regierungschefs wenige Tage zuvor. gebürtiger Amerikaner und Wirtschaftsprofessor an der Humboldt-Universität. beispielsweise zehn Jahre. Europa darf alles sein. Es sei nicht Aufgabe der Politik. Die griechische Krise hat sich zugespitzt. 23 fessor und Chef des Münchner ifo Instituts. muss er eigentlich gar nichts mehr sagen. Dagegen kann sie auf das Lob der Fachwelt zählen. Aber auch. denn wenige Wochen nach dem Treffen wird in NordrheinWestfalen gewählt. Was damals keiner ahnt: Im Prinzip haben Europas Politiker das Hilfspaket längst beschlossen. wenn die Versicherungssumme über 100 Jahre angespart werden könnte. Europa müsse jetzt für die Fehler der Vergangenheit bezahlen. Vielleicht ist es eher so: Entweder korrigiert Europa die Fehler der Vergangenheit. Dass die Deutschen mehr exportieren können. Deutschland könnte eine Kandidatur von ihm für das Amt des EZB-Präsidenten unterstützen. Gemeint sind Sprachhülsen. aber im Westen erbt man üblicherweise deutlich mehr. die Politik zu analysieren und zu bewerten – sondern greift selbst ein. LÜT Geheimtreffen in Luxemburg: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am vergangenen Freitag Ungleiche Erben Ost. »ein naturwüchsiges Meinungsspektrum bloß abzubilden«. und es war die Leitlinie bei den Beratungen zu den Rettungspaketen. sagt Burda. bevor die Lage eskaliert? Auch um den Preis. Am beliebtesFair-Trade-Produkten ten war zuletzt wiederum fair gehandelter Kaffee (7200 Tonnen). dass in der Wirtschaftsgeschichte alle Versuche scheiterten. Wenige Stunden zuvor hat Spiegel Online berichtet. als »eiserne Kanzlerin« gefeiert. Schon der noch moderat erscheinende Cent-Betrag bedeutete deshalb das ökonomische Aus für die Meiler. ergreift Michael Burda das Mikrofon. Die Ergebnisse zeigten. einer Ausgründung aus der Universität Leipzig. Als »Kämpferin für die Stabilität des Euro und deutsche Interessen« wird sie bejubelt. Am Montag dieser Woche präsentiert er seine Thesen an der Humboldt-Universität in Berlin. schrieb er Abgeordnete an und riet ihnen.« Entschlossen und koordiniert bedeutet: Europa ist bereit. wobei jeder Stein für einen Geldbetrag steht. Bioläden und sogeProzent beträgt das nannten Weltläden anWachstum von geboten. für viele Bürger und Parlamentarier aber auch attraktiv. die Krise habe den Steuerzahler noch keinen Cent gekostet. verteuerten den Atomstrom um mindestens vier Euro pro Kilowattstunde. wie sich Angela Merkel in Brüssel erfolgreich gegen andere Mitgliedsstaaten zur Wehr gesetzt habe. wäre der durch Kernenergie erzeugte Strom nicht mehr als preisgünstig im Vergleich zu anderen Energiequellen anzusehen«. Die Zeitung beschreibt. Der Streit um die Rettung des Euro ist voller Wieselwörter.24 12. Dass griechische Rettungspakete auch deutschen Unternehmen zugutekommen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat den Begriff der Wieselwörter bekannt gemacht. Nur sagt das niemand offen. die in Europa 2011 zu treffen ist: Wer wird der nächste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). den die Gegner der Griechenlandhilfen gern als ihren Kronzeugen anführen. die sich als »Brücke zwischen Versicherungswissenschaft und Versicherungspraxis« versteht. Geheimdiplomatie. Heute geht es den Deutschen gut.und Westdeutsche erben annähernd gleich oft. aber ihr Marktanteil betrug zuletzt erst 2. Wenn das größte Bundesland verloren geht. so heißt ein Vortrag. Draghi gilt nach dem Rückzug Axel Webers weithin als der beste Mann für den Posten. Am 11. 4. Das Problem ist nur. Wirtschaftspro- Fortsetzung von S. »deutsche Interessen« zu verteidigen? Hart sein um der Härte willen? Die Griechen pleitegehen lassen. Weil der Druck auf die Griechen aufrechterhalten werden soll. Das geht aus einer Studie der Versicherungsforen Leipzig GmbH hervor. Und für die angeschlagenen Länder könnten sie schnell zu hoch sein. Denn das Kapital bleibt zu Hause. Früher ging es den Deutschen schlecht. Deshalb dürfen bis jetzt nur Kredite vergeben werden. dagegen zu votieren. Für Sinn ist das weitgehend ein Nullsummenspiel – was der eine gewinnt. Portugal und Spanien pleitegingen. »Eisern« ist so ein Wieselwort. Dabei würde sich die Politik nur den Launen der Märkte ausliefern. sogar von der Gründung einer rechtspopulistischen Partei. wird sie innerhalb von wenigen Tagen genehmigt. Das ergab eine Studie der Postbank. Und so beschränkt er sich nicht mehr darauf. Dass die Menschen sich irgendwann einmal nicht in erster Linie als Deutsche oder Franzosen begreifen. weil es den Griechen und den Iren schlecht geht. Sinn wirft lange Zahlenreihen an die Wand. verliert der andere. Er steht unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe. Sie haben es sogar verkündet – in einem dieser diplomatisch verschwurbelten Bulletins. Tatsächlich dürfte aber die zu erwartende Kostensteigerung weit höher sein. bei der die Starken dauerhaft für die Schwachen bezahlen. Kosten. Bis jetzt stimmt das auch. Griechenland zu stützen. so Björn Klusmann. Denn was bedeutet es. Auch Rosen gehen gut. wenn ein Staat pleitegeht – das klingt sozial gerecht und ordnungspolitisch sauber. Merkel braucht solche Berichte.tvr-news. weil in Nordrhein-Westfalen gewählt wird. Griechenland. Zumal wenn er so unterschiedliche Länder umfasst wie Deutschland und Griechenland.) . im Westen trifft das nur auf 45 Prozent zu. er ist erfahren im Zentralbankgeschäft. Das ist weit mehr als doppelt so viel wie der Preis an der Leipziger Strombörse. Als Griechenland dann Ende April tatsächlich Finanzhilfe beantragt. die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers empört das Volk. keine Spuren an der Schale zu hinterlassen. Ihr zufolge beträgt der Wert eines Erbes im Osten in rund 60 Prozent der Fälle weniger als 25 000 Euro. Seine These ist umstritten. wenn in Griechenland die Wirtschaft rund läuft. noch vor der Katastrophe von Fukushima. deren Sprengkraft selbst die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit übersteigt«. Ohnehin waren Merkels Optionen begrenzt: Außer Weber hatte Deutschland keinen qualifizierten Kandidaten. Dagegen haben in den alten Bundesländern 19 Prozent aller Hinterlassenschaften einen Wert von mehr als 100 000 Euro. Denn bei den 14 Cent bliebe es nur. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 STAATEN IN DER SCHULDENKRISE WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Atom-Versicherung Müssten RWE & Co. Finanziert wurde sie vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) – und der Auftrag erging schon im Januar. desto näher rücken die Krisenländer dem Staatsbankrott. Hans-Werner Sinn. Die Rettungsprogramme sind für ihn »eine tickende Zeitbombe. weil es den Griechen und den Iren gut ging. Kürzere Ansparfristen. 63 Jahre. die mit ihm an der geheimen Zusammenkunft der Finanzminister teilnehmen. Dass er überhaupt bekannt wird. was ihn beschäftigt.

rika hat ein Riesenproblem. Computerviren das Stromnetz des Gegners aushat seinen Höhepunkt längst überschritten. Durch den Produkte weiter nach China exportiert.und Fiskalpolitik darauf basiert. den Iren und den Portugiesen das Ihrer Meinung nach gezählt? Ferguson: Nicht nur die Tage Amerikas sind ge. teme. Der Aufstieg des Westens insgesamt geht den Europäern lernen kann. mit denen wir bisher tutionell defekt und wirtgearbeitet haben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 25 »Russisches Roulette mit dem Haushalt« Der britische Historiker Niall Ferguson glaubt. die Weltmacht Amerika Integrationsprozess durch ihre Wirtschafts.Prozent voraus. dass deutsche Banken vom Zusammendurch ungleich schwieriger geworden. als es für bruch bedroht sind. volkstümlich und genial. ist. und es hat vor allem einer Analyse der amerikaeines gezeigt: Zum ersten Mal nischen Wirtschaftskrise wird oft ein willkür.falls davon ausgehen.. die Märkte und einen Beitrag zu den poliwie rasant die Sowjetunion zu beruhigen. ganz so spektakulär wird es. sondern sich sehr Hyperinflation von Weimar. die von der Euro-Krise Teilen des Landes müssen die Menschen schon bisher verschont geblieben ist.und Südamerika aus. als würden die Russen den auch die amerikanischen Staatsschulden haben Kalten Krieg gewinnen. In weiten Wenn es eine Gruppe gibt. Stagflation also.. dann ist es Europa. Ich sehe mich als Warnlicht. wird das Problem schon nächste Woche ver. JUNGCLAUSSEN Zur Person . den Wählern nicht deutlich zu den ungelernten amerikanischen Arbeiter ist da. dass Ferguson begann seine Karriere der Peripherie zugenommen. Aber sind die sauber? Oder werden sie Sie das in einem größeren Zusammenhang: Der eines Tages unvermittelt den Dienst versagen? Aufstieg des Westens.Mal seit drei Generationen fühlen die Deutschen dammt ernst.rum sie Iren oder Portugiesen unterstützen sollen.. menfallen. schaft. zwei sich widersprechende DIE ZEIT: Professor Ferguson. dass höhere Produktivität in den asiatischen Ländern zu einem höheren Lebensstandard führt und dort viel weniger Menschen in Armut leben als noch vor zwanzig Jahren. Das wirt. Dennoch wird es Jahrzehnte dauern. als die Finanzmärkte nacheinander den Griechen. dass amerikanische Militärausrüstung die Schuldensituation in den nächsten fünf bis mit chinesischen Computerchips ausgestattet zehn Jahren stabilisieren würde. zumalen. dass man hanzu Ende. immer wahrscheinlicher . Schließlich haben sie erst ZEIT: Die Tage der Weltmacht Amerika sind also gehandelt. Schließlich lebe ich dort. in der das Know-how. Oder ist es doch nur Ihr Kulturpessimismus? Der »Untergang des Abendlandes« wurde ja von dem Historiker Oswald Spengler schon vor neunzig Jahren vorausgesagt. aber als Sieger werden sie sich dennoch nicht feiern können. ist das halts. nicht kommen. als könnten wir alle einpacken. Das Wirtschaftswachs. denn die Regierun. ZEIT: Amerika stellt nicht nur eine Gefahr für ghanistan ist so instabil wie eh und je. Griechenland oder Portugal pleitegehen . wenn Amerika seine Schulden nicht in den Ferguson: Ich frage mich. wirtschaftlich schwächeren plötzlich verändern.Ferguson: Genau. Irland auch. Aber der Paradigmenwechsel. dass wir es noch gar nicht wahrgenomAber wenn der Anleihenmarkt die Risikoprämie men haben. das die Amerikaner vor einer unmittelbar drohenden Gefahr warnt. lässt sich auch auf geostrategische ist diese Vorherrschaft konkurrenzlos. tischen Entscheidungen der kollabierte. Geeuropäische Politik es unter alte Weisheit«. haben. Das größte Versagen der Bundesregiebeitsmarkt zusätzlich beigetreten. Mittlerweile schlägt deutsche Löhne zu zahlen. als dass Europa keiner besonders rosigen Zukunft entgegenblickt. seit bewusstsein. Und Konjunkturpakete zu schnüren. wie entschlossen die Griff bekommt. senken die Steuern und führen die Staatsquote zurück. dass es so nicht weitergehen kann. und wir müssen ebenZEIT: Hat die Politik eine Antwort darauf? Ferguson: Allmählich sehen nicht nur die Politi. mit ren mit den portugiesischen Seefahrern begann.auch außenpolitisch scheint Amerika schwächer druckmaschine der wichtigsten Leitwährung denn je. davon gehe ich aus. dann hat China längst aufgeholt und erleben gerade das Ende der westlichen Vorherr. schaftlich extrem ungleich. Wenn Sie so wolstürzt von der Klippe. Ich würde ihnen zu der ersten Alternative raten. Was Amerika von zählt. ZEIT: Das klingt ja danach. und zwar so überEnkelkinder ein Problem haben. Dennoch herrscht herausfordern kann. Und genau ge. und dieser merhin herrscht in der europäischen Politik EntProzess könnte ohne Weiteres beschleunigt wer.in dieser apokalyptischen Zukunftsvision? Imten in den asiatisch-pazifischen Raum.machen. Wir bilden uns ein. Die Zukunft könnte ein Niveau erreicht. hat das Ungleichdessen? gewicht zwischen den groFerguson: Wir müssen von Der Wirtschaftshistoriker Niall ßen Ländern und denen an der Wissenschaft lernen. dass die Chinesen ihre U-Boot-Flotte erneuern. Die Märkte haben ghanistan zwar vereinfacht haben.könnte ein sehr aggressiver Gegner sein. ist das historische Mandat verloren gegangen. dafür ist der Austritt tum war schwach. Ferguson: Also.und unzufriedene CDU-Wähler fragen sich... dass Weltmächte nicht der Harvard-Professor mit seiohne dabei jemals das Nilangsam verschwinden. wabensstandard abfinden müssen. Das Römische historischen und globalen BoReich verschwand binnen gen. dass Geschichte saisonal verläuft und jede Zivilisation eines Tages einen schrecklich kalten Winter erlebt. Ferguson: Wir wissen. Niedergang Amerikas schrittleicht. wie die Zukunft aussehen könnte. »Nur tut nau wie das Byzantinische den gegebenen institutioneles keiner. befand sich Amerika in Ferguson: Nein. Und anstatt Konvergenz zu ZEIT: Was nimmt man stattschaffen. aber les sah danach aus. und steigende Inflation wird ner breit. Auch ger bauen. dass sie einen Flugzeugträker ein. Wenn Sie gen spielen seit fast zehn Jahren russisches Rou. Das Gespräch führte JOHN F. ZEIT: Was muss also geschehen? Ferguson: Die Amerikaner haben jetzt die Wahl: Entweder kehren sie zu dem alten Modell zurück. wird das Chinesen ihren wirtschaftlichen Einfluss in straviel schlimmere Konsequenzen haben. wenn anderen Euro-Ländern frühere Generationen war. Das sind Aufstieg von China und Indien ist mehr als ein die Stammwähler. Ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit? Als ich ein Teenager war. Es ist eine ziemlich nehmen. Eine akute strategische Gekeine große Eile in Washington.in seiner Geschichte hat das europäische Projekt licher Zeithorizont gesetzt. ist eine weniger Generationen. Aber noch die größte Volkswirtschaft.und Finanzkraft auf Kurs zu halten. das die Finanzmärkte beun. Die Republikaner müssen einen neuen Ronald Reagan finden. Ame. ZEIT: Ein Optimist sind Sie nicht gerade. Unter den Rating-Agenturen macht sich US-Wirtschaft allenfalls ein Wachstum von 1. Wenn es einen Wirtschaftsraum gibt. dass die bis China die US-Militärdominanz im Pazifik Schulden ein Problem sind.len.glaube ich. aber das war schwierig JFJ weise vonstattengehen? Bei genug. Deswegen wird in Washington Technologien aus den Angeln zu heben.ZEIT: . Ich sage dagegen. Darauf basiert das amerikanische SelbstSeit 1872 sind sie die größte Volkswirtschaft. der still und zufrieden seine zwar nicht erst seit der Finanzkrise. aus dem Euro zu teuer. Warum sollte der Ferguson: Fürs Erste vielGegenwart leisten. dass die ihre Schulden nicht in den Griff kriegt.Vertrauen entzogen haben. bevor das Vertrauen verloren geht. Charaktereigenschaften: jovial.« Ferguson will GeReich und die Habsburgerlen Voraussetzungen immer schichte anwendbar machen monarchie.. Gesucht: Hollywoodschauspieler fürs Präsidentenamt. was Spengler angeht. mit Komplexitätstheorie beschäftigt.nicht geholfen wird. sich dar. Um sich aber aus.schlossenheit. und die Geschichte ständigte. Die Chinesen haben längst Amerikaner kann sich eine Welt vorstellen. fingen sie an. Davon abgesehen. Indien und China holen auf. den. und ich ZEIT: Was hätten die tun sollen? glaube.. oder nicht? Verstehen Sie mich nicht falsch. Die Sowjetunion breitete sich in immer versuchen. Mal abgesehen von den möglichen ökonomischen und strategischen Konsequenzen für die Zukunft des Westens: Was wir erleben. sondern auch für den Rest der Welt? ZEIT: Sie sprechen von einer Verschiebung des Ferguson: Ganz genau. Europäer wirklich sind. Zivilidie das große Bild der GeschichLänder dem Euro beigetresationen sind komplexe Syste um ein Puzzlestück vervollten waren.Ferguson: Das ist ja das Problem der Euro-Zone... und alüber die drohende Pleite Griechenlands. Das Leben für rung liegt darin.ganz ähnlich aussehen: Die Prognosen sagen der ruhigt.scheußlich genug werden: Griechenland wird te ein allgemeines Gefühl von amerikanischer pleitegehen. Es ist auch kein glaubwürdiges Szenario diskutiert.mag den Abzug amerikanischer Truppen aus Afsen immer mehr verschulden. komplexe Systeme nicht vor knapp zwanzig Jahren mit Nehmen Sie das Beispiel unbedingt linearen Gesetzen einer Detailstudie über die Lohnstückkosten: Sobald die folgen.chen will. den sich mit einem wesentlich niedrigeren Le. ZEIT: Dann ist der Zusammenbruch des Euro lohnt sich ein Blick zurück in die siebziger Jahre. sagt er. und die EZB wird wie Schwäche. schen Modellen verabschieSie war von Anfang an instiden. »Dass wir aus der GeZEIT: Gleichwohl hat die schichte lernen können.25 Zweifel über die Kreditwürdigkeit der Amerika. wieder geschafft. einem lausigen Zustand. bin ich absolut kein Kulturpessimist. die Inflation außer Kontrolle. der vor sechshundert Jah. Niall Ferguson: Das ist milde ausgedrückt. der die japanische Stagflation der neunziger Jahre erleben wird. Angesichts dessen können Sie zu keinem anderen Schluss kommen. Bedenken Sie. dann ist es der jetzt mit viel weniger Geld auskommen – und deutsche Mittelstand. Der Unterschied zwischen den Kernländern und der Peripherie wird zunehmen. die Öffentlichkeit hat langsam begriffen. der hat argumentiert. 2050 könnten unsere den Rückwärtsgang eingelegt. wenn die gesamte Haus. Afallen Grund. Europa debattiert Niall Ferguson vor dem Swiss-Re-Tower in London Foto (Ausschnitt): Tom Stockill/Camera Press/Picture Press Ziele zu verfolgen. und als Konsequenz werden populistische Bewegungen an Einfluss gewinnen. Aber in zwei Jahren oder sogar noch früher könnte es zu spät sein. die Frau Merkel nicht verscheuFünftel der Weltbevölkerung dem globalen Ar. als wenn tegische und militärische Macht ummünzen . nämlich das Bankensystem über Wasser zu halten und gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Ferguson: Doch. den Obama gehen will. wenn die Geld.ZEIT: Wo sehen Sie Europa und die Euro-Zone schaftliche Zentrum der Welt wandert vom Wes.WIRTSCHAFT STAATEN IN DER SCHULDENKRISE 12. nommen ist das ja jetzt schon der Fall. Ich halte es für plausibel. allem daran.Desintegration liegt Deutschland. sonnen Büchern und Fernsehdokuveau deutscher Produktivität dern plötzlich in sich zusammentationen lieber den großen zu erreichen. Und im Zentrum der europäischen für US-Staatsanleihen nächste Woche verdop. Noch können sie den Niedergang abwenden. wir Historiker müssen uns von den zykli. von 1945 eine politische Supermacht. Bitte betrachten wurde. ich bin nicht für den Niedergang Amerikas. und wenn die bisher gibt es kaum Anzeichen dafür. um den Status quo mit neuen das anders wäre. Die Ermordung von Osama bin Laden heiß läuft und wenn sich die USA bei den Chine. dass die USA mit ihren Schulden in die gleiche Lage geraten könnten wie Griechenland Afrika und Mittel. Nehmen Sie das Problem der schlecht integrierten muslimischen Immigranten und die demografische Entwicklung von immer älter werdenden Gesellschaften. Zum ersten pelt. viele Amerikaner wer. Ich habe mich in letzter Zeit viel deln muss. Der bedeutet hier und da ein paar Einsparungen und höhere Steuern. dass wir von Europa in Zukunft ebenfalls nur ein schwaches Wachstum erwarten dürfen. Die USA sind immer globalen Weltmachtanspruchs nach Osten. unruhig zu sein. raschend. das bekannt. oder sie entscheiden sich für den europäischen Weg. ist. heißt es dann. Und das ist doch positiv. riesige ein ziemlich wahrscheinliches Szenario. dass der Lauf der Geschichte eben nicht so linear ist. weil wir es erfunden Status als Supermacht zu sehr gewöhnt haben. denn am Ende rede ich doch vom Aufstieg des Ostens. Wir zuschalten. dass die Amerikaner sich an ihren dass uns das Internet gehört.trauen in die Zukunft des Dollar haben. das Schuldenproblem zu lösen. Amerika hat ein Problem . Aber die Zukunft wird und nach dem verlorenen Vietnamkrieg herrsch. und seit 1991 dem ich rede. Kaum ein Fragen anwenden..Wenn das militärische Ziel darin besteht.den steigenden Goldpreis als Anzeichen dafür lette mit dem Staatshaushalt. dass Investoren immer weniger Vergefährliche Strategie. sich nicht dafür verantwortlich. was passiert dann genau? Ferguson: Ganz einfach. Kurzum. den europäischen ZEIT: Angenommen. und das liegt vor fahr existiert im Cyberspace. zeigt.

um Synergien bei den Lkw zu erzwingen VON DIETMAR H. umweltfreundlichen Autos überall ans Netz können. das auch im Gutachten der Plattform nur beiläufig erwähnt wird: das Umdenken. Statt über das »Auto« sollten alle Beteiligten mehr über »Mobilität« nachdenken. Standards für die Ladestationen zu entwickeln oder Schilder für Plätze erfinden. Rund eine Milliarde Euro kostet so eine Entwicklung.de/audio eu. Vorsorglich erklärte Winterkorn alle Geschäftsfelder und die markenspezifischen Eigenschaften von Scania und MAN für »unantastbar«. Die jetzt fällige Kartellprüfung (mit positivem Ausgang) werde eine engere Zusammenarbeit ermöglichen. wie wenn man bei Pkw Mercedes und BMW zwangsverheiraten würde«. ebenso wenig wie seine Wirtschaftspolitiker. eine völlig neuartige Lkw-Fabrik in Brasilien hochziehen. Die stolzen Schweden vertrauten auf ihren eigenen Erfolg. beispielsweise beim Aufbau der nötigen Infrastruktur.zeit. Und die Widerstände bei den beiden Lkw-Bauern scheinen fest in deren Identität verwurzelt: Beide fühlen sich als technologische Vorreiter. Mehr Elektromobile auf Deutschlands Straßen wären dann tatsächlich ein Einstieg. In diesen Wochen führen die großen Lkw-Bauer die neue Motorengeneration Euro 6 ein. Die beiden VWBeteiligungen wurden zur engeren Kooperation aufgefordert. die von 2013 an Pflicht ist. aber nicht mehr unbedingt das eigene Auto benutzen. sondern E-Mobilität VON PETRA PINZLER N E in Drama in drei Akten: Erst versucht der Münchner Lkw-Bauer MAN. Die Autoren wünschen sich eine Hilfe von fast vier Milliarden Euro. Gerade kompakte Elektroautos böten sich als Teil eines solchen Konzeptes dann wie von selbst an. wenn man die komplette Fahrzeugpalette aus einer Hand bieten könne – vom Vertreterkombi über den Transporter bis hin zum schweren Lkw. Branchenprimus Daimler etwa kann die Entwicklungskosten jetzt auf seine drei Hauptmarken Mercedes-Benz (Europa. was bei den Münchnern prompt Abwehrreflexe auf allen Ebenen auslöst. Ignacio López. sondern Strom in der Batterie haben. wie es ein Manager der Konkurrenz formuliert. zumindest darf es wohl kein Politiker laut fordern. aber für das normale Leben ziemlich unbrauchbar: So knapp lässt sich das Elektroauto bisher beschreiben. Mitte der neunziger Jahre ließ er seinen damaligen Wundermanager. dass jeder seinen Motor auch in die eigenen Lkw einbauen will. Die Motivlage hatte Konzernchef Winterkorn eine knappe Woche zuvor schon auf der Hauptversammlung in Hamburg dargelegt: »Der Volkswagen-Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt. Piëch selbst übernahm den Aufsichtsratsvorsitz bei MAN. in der Vertreter von Autoindustrie. mit Scania aber lief wenig. dass Deutschland in der Welt künftig nicht statt Autos gleich ganze Mobilitätskonzepte für Städte ohne Staus und Luftverschmutzung verkaufen könnte? Von »systemischen Lösungen« träumt die Nationale Plattform.und Busfabrikation von VW übernahm. Doch noch fehlt es an günstigen Modellen. Der Schwede. Doch zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht. ob sich die Zwangsheirat der widerstrebenden Lkw-Bauer am Ende auch lohnt. . deshalb müssen die Wolfsburger nun ein Übernahmeangebot an alle übrigen Aktionäre machen. erwarb ein größeres Aktienpaket bei MAN und stockte seinen Scania-Anteil bis zum Erreichen der Stimmenmehrheit auf. am Service. Schließlich gilt Scania. müssen auch noch die unvollendete Fusion mit Porsche und die unerwartet zähe Annäherung an den Kleinwagenpartner Suzuki meistern. dass sich wieder einmal eine Industrie die Entwicklung neuer Produkte zumindest zum Teil vom Steuerzahler finanzieren lassen will. Aber wer sagt denn. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hatte seine Liebe zu den großen Brummern bereits entdeckt. um die Ängste in München und Södertälje abzubauen? Viele Branchenbeobachter sind skeptisch. So wollen sie die beiden störrischen Lkw-Bauer unter ihrer Regie endlich zum gemeinsamen Glück zwingen. sind zwar gut fürs Klima – wenn sie Ökostrom laden. um die Menschen an die neue Technologie heranzuführen. könnten sie tatsächlich eine attraktive Alternative zum eigenen Auto werden. Eine vertrackte Situation. Scania und MAN haben beide ihre Euro-6-Aggregate völlig unabhängig entwickelt. Was Piëch gewaltig wurmte. Noch-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat denn auch schon mal vorsorglich abgewinkt. an der Bekanntheit und damit an fast allen Zutaten. Über eine kluge Hilfe. an Ladestationen. Scania muss- te immer befürchten. Denn danach soll die Bundesregierung der E-Mobilität endlich zum Durchbruch verhelfen und dafür tief in die Staatskasse greifen. dass weniger Autos gekauft werden. als kleinerer Partner untergebuttert zu werden. Weitere Querelen bei der »Ingegration« könnten das Wolfsburger Management über Gebühr belasten. Das Geld dafür hätte VW nach dem Höhenflug der jüngsten Zeit. Wenn ihre Nutzung auch noch durch reservierte Parkplätze. der weltweit führende Mobilitätskonzern zu werden! Daher ist für uns das Segment der schweren Lkw und Busse ein hochinteressantes. das sich ausschließlich auf das lukrative Segment schwerer Laster konzentriert. verbunden mit großen Hoffnungen. Südamerika). die Stimmenmehrheit bei Scania besitzen die Wolfsburger bereits. Später. Das macht sie zu den idealen Verleihautos für die Stadt. MAN (98 000) plus Scania (46 000) könnten deutlich aufrücken. der Bundeskanzlerin ihren Bericht übergeben. sagt Finanzchef Pötsch. Dahinter steckt zuallererst der Traum eines Mannes: Ferdinand Piëchs. hat aber praktische Folgen: In den kommenden Jahren werden sich Menschen anders als in der Vergangenheit von einem Ort zum anderen bewegen. Reicht das. als MAN die brasilianische Lkw. dem mittlerweile zum Volkswagen-Konzernchef avancierten langjährigen PiëchWeggefährten. mit seinen Spitzenrenditen »als Porsche unter den Lkw-Bauern«. aber wenig erreicht. das Recycling und die neue Infrastruktur. Länder und vor allem auch Städte durch viele kleine Maßnahmen die kluge Kombinationen von Leihautos.und Entwicklungskosten für neue Produkte abnehmen. Dass viele Autobauer immer noch lieber nur den Ottomotor einfach durch einen Elektroantrieb austauschen und den Rest beim Alten lassen würden. dann umsteigen Nicht das E-Auto gehört gefördert. wohl auch. Das klingt theoretisch. und sie legt die Vermutung nahe. Die VW-Führung ergriff Partei für Scania. Turbinen und Turbopumpen gehören. Denn die neuen Mobilitätskonzepte könnten irgendwann auch mal dazu führen. Seither wurde viel geredet. weil sich Piëch übergangen fühlte.. In Wachstumsmärkten wie China oder Indien wäre Größe ein Vorteil. Fahrrädern. So etwas ist zwar heute noch ein Tabu. Danach ging Volkswagen in die Offensive. Und auch die Förderung von Modellprojekten oder die steuerliche Begünstigung der klimafreundlichen E-Autos sind sinn- voll. stehe ein Kalkül: Für das Flottengeschäft mit Großkunden sei es von Vorteil. holte sich eine Abfuhr. strategisches Geschäftsfeld. es wird im Gegenteil zu einer teuren Last.« Fraglich bleibt. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer »integrierten Nutzfahrzeug-Gruppe« gelang immerhin. Anfang der Woche hat Volkswagen seinen Anteil an MAN auf mehr als 30 Prozent erhöht. Das Engagement in Brasilien entwickelte sich gut. seinerseits MAN zu übernehmen. für die man auch noch stundenlang einen Parkplatz suchen muss. Für die E-Mobilität wäre genau das die Chance – wenn Bund. Das Ziel sei erst mal nur ein Stimmrechtsanteil »zwischen 35 und 40 Prozent«. Denn die Autos. den Erlass von Parkgebühren. sagt einer. Diese vergeudete Milliarde wird Ferdinand Piëch gehörig geärgert haben. als er noch selbst Vorstandschef in Wolfsburg war. und das ist auch gut so. gut sind die kleinen Wagen hingegen für kurze Strecken. So kamen die Münchner zu einem starken Standbein in Südamerika. Beim Traditionsunternehmen MAN wiederum herrschte stets die Sorge. die ein neues Produkt für eine erfolgreiche Markteinführung braucht. Der Coup war psychologisch und taktisch schlecht vorbereitet. dass nach einer Fusion der Lkw-Sparten das zweite Standbein des Unternehmens. Das könnte mehr als zehn Milliarden Euro kosten. neue Produkte und damit auch neue Arbeitsplätze. Denn Winterkorn und Co. die nicht Benzin im Tank. Zwar darf der Staat der Industrie nicht die Forschungs. Dann kam im Jahr 2006 der damalige MANChef Håkan Samuelsson auf die Idee. Rein zahlenmäßig würde eine MAN-Scania-VWAllianz aber an Marktmacht gewinnen: Bislang führen bei den international tätigen Herstellern noch Daimler (252 000 Lkw von 6 Tonnen aufwärts im Jahr 2010) und Volvo (129 000) das Feld an. Das alles soll sich nun ändern. Rund 200 Millionen Euro könne man etwa durch einen gemeinsamen Einkauf einsparen. doch bietet man den MAN-Aktionären einen wenig attraktiven Preis. LAMPARTER Umdenken. Freightliner (USA) und Fuso (Asien) umlegen. Das klassische Autoland Deutschland kann und sollte das nicht ignorieren. www. Bahn und Bus erleichterten. umweltfreundlich.. Wenn Scania und MAN sich eher zusammengerauft hätten. Sie werden weiterhin mobil sein. den Konkurrenten Scania zu übernehmen. Denn in einem sind sich Industrielobbyisten wie auch unabhängige Verkehrsexperten sicher: Elektromobilität ist tatsächlich ein Thema mit Potenzial. Stromkonzernen und verschiedenen Verbänden sitzen. Lang ist die Wunschliste. zu dem Schiffsdiesel. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT ZWISCHENRUF Und bist du nicht willig . abgestoßen wird. Dann holt sich Scania bei seinem Großaktionär Volkswagen das Plazet. Denn deren Batterien reichen für längere Touren noch nicht aus. aber sollte er schon nachdenken. Überall auf der Welt entstehen auf diesem Gebiet derzeit neue Ideen. Dahinter. Volkswagen ergreift die Macht bei MAN. Elektroscootern. Und warum nicht das Dienstwagenprivileg für große Spritschlucker kürzen – zugunsten von E-Mobilen? Noch wichtiger aber wäre etwas. ist verständlich. Scania zu übernehmen. als ein größeres Paket des schwedischen Lkw-Bauers Scania zu haben war. Und nun das dramatische Finale: Volkswagen will selbst die Macht bei MAN übernehmen. Klar. wäre mehr drin gewesen. »Das wäre. So könnte der Bund beispielsweise dabei helfen. Denn gerade viele junge Leuten träumen heute nicht mehr vom eigenen Auto. schlug Piëch zu. Nötige Gesetzesänderungen sollten ein Leichtes sein. zuvor selbst Scania-Manager. ordentlich teuer. die Schweden wehren sich erfolgreich gegen den als feindlich empfundenen Akt. erklärte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. bewirkten keine sichtbaren Fortschritte. gut erreichbare Ladestationen und kluge Buchungssysteme unterstützt würde. Damit soll der Bund die Entwicklung neuer Batterien und eine Antriebstechnologie fördern. Vor allem in den großen Städten taugt es offensichtlich immer weniger als Statussymbol. Etwa zehn Jahre ist eine Motorengeneration im Einsatz – so lange sind die Synergien jetzt in diesem zentralen Bereich verstellt.26 12. In der kommenden Woche wird die Nationale Plattform Elektromobilität. Selbst die wiederholten Mahnungen von Martin Winterkorn. so erläuterte der Stratege seinerzeit. an denen die neuen.

doch bei den Bedürftigsten komme wenig davon an.und Sozialsysteme Einkom- mensunterschiede stärker dämpfen. um sich etwas Geld zu verdienen Der Armuts-Irrtum Es gibt in Deutschland offenbar viel weniger arme Kinder als bisher gedacht – Forscher wollten das für sich behalten ie Zahl platzte mitten in den Bundestagswahlkampf. Datenmüll. Das Armutsproblem ist auch nach den neuen Zahlen nicht gelöst.« Was tatsächlich die Ursachen für die Kinderarmut sind – niedrige Löhne. aus der Armut herauszukommen.« Armut sei allerdings auch nicht allein ein Geldproblem. »Wahrscheinlich gibt es beide Effekte«. Sie bewegt sich sonst im Blindflug. »Es wird viel zu selten auf die Unsicherheit von Stichprobenuntersuchungen hingewiesen«. Fragwürdig erscheint jetzt eher. Dazu werden komplexe Hochrechnungsverfahren und Plausibilitätsüberlegungen genutzt. was aus heutiger Sicht eine absurde Scheingenauigkeit darstellt. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist aber ein Vergleich – zu anderen Ländern oder zur Vergangenheit. lebe in Armut. Ein Zahlenspiel. »Das ist aber nicht nur ein Problem des DIW. Was zeitliche Trends betrifft. auf der der neue Institutschef Gert Wagner nun behauptete. Die von der OECD für Deutschland publizierten Zahlen stammen vom DIW. dass Deutschland auch nach den neuen Zahlen ein Armutsproblem hat. Sie mochten es aber nicht an die große Glocke hängen – schließlich hätten sie einräumen müssen. Dabei ist die Politik auf methodisch sauber ermittelte Daten angewiesen. sondern weit vorne. Das geben Mitarbeiter offen zu: »Wir hatten erwogen. die Methoden zu verfeinern. sagte Markus Grabka der ZEIT. dass eine Neuberechnung frühere Ergebnisse auf den Kopf zu stellen vermag – hätten die DIW-Forscher das nicht früher erkennen und warnen müssen: Achtung. Denn in den angeführten Publikationen erläutern die Forscher zwar veränderte Berechnungsmethoden und allerlei Detailergebnisse – wie radikal sich die Kinderarmut insgesamt verändert hatte. Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Zentrale Botschaften der früheren Untersuchungen werden dadurch in ihr Gegenteil verkehrt. Er arbeitet zusammen mit anderen Wissenschaftlern an einem neuen.WIRTSCHAFT 12. Das Berliner Institut lässt jedes Jahr einige Tausend Bundesbürger nach ihren Einkommen befragen.3 16. OECD ** Japan Italien Deutschland Spanien Foto: Jens Gyarmaty/VISUM 3.de/audio . Es geht dabei also um relative Armut. Hinter der wundersamen Schrumpfung verbirgt sich ein Skandal. schließlich breitete sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten der Niedriglohnsektor aus. Nach einem entsprechenden Zeitungsbericht (Fauler Zahlenzauber) berief das DIW eilig eine Pressekonferenz ein. Bei zwei älteren Kindern (über 14 Jahre) erhöht sich die statistische Armutsschwelle auf 1985 Euro. wenn man sie selbst gefälscht habe. eineinhalb Jahre später.6 10. das einzugestehen. **Durchschnitt ZEIT-Grafik/Quelle: OECD Ein Junge in Berlin sammelt Pfandflaschen. blieb aber bewusst ausgeblendet. allerdings bleiben einige Länder ein gutes Stück voraus. alte Befragungen neu auszuwerten. Polen und der Türkei. Das ist bei solchen Erhebungen durchaus üblich. im Kampf gegen Kinderarmut nachzulassen. Der Vorgang dürfte das Vertrauen in wissenschaftliche Expertisen auf sozialpolitischem Gebiet erschüttern. Die Berechnungen sorgten in Berlin zuerst für hitzige Debatten – und dann für Milliardenausgaben. International schneidet Deutschland nun offenbar besser ab als gedacht. die in Bezug zur Haushaltsgröße und zum Durchschnitt besonders niedrig liegen. Wenn die Datengrundlage so wackelig ist. Was wenig später auch geschah. Auch wenn. Dazu wolle sie als Erstes das Kindergeld erhöhen. Die Bundesrepublik gebe besonders viel Geld für die Familien aus.7 5.2 15. Nach den neuen Zahlen gehört das hiesige Sozi- alsystem nun eher zu den erfolgreichen. Einige Experten wissen das seit Langem. als sie es bisher dargestellt haben: Deutschland rangiert bei der Bekämpfung der Kinderarmut im internationalen Vergleich tatsächlich nicht ganz hinten. Vor knapp zwei Jahren haben die Experten begonnen. untersucht der Professor gegenwärtig. deshalb lebten hier überdurchschnittlich viele Kinder in Armut. »Unklar ist. So bleibt ausgerechnet bei dieser brennenden Frage unklar: Befindet sich Deutschland auf einer schiefen Ebene – oder auf dem richtigen Weg? Dass die Armut zunimmt. der beim DIW für die Erhebung zuständig ist. das zeigt. Dann ist es beson- ders schwer. Klar ist. wie Teile des hiesigen Wissenschaftsbetriebs funktionieren. selbst bei einem gesellschaftlich so brisanten Thema wie der Armut von Kindern. »aber wir wollten dann nicht noch Salz in diese Wunde streuen und haben darauf verzichtet.3.3 Prozent nur 10 Prozent aller Jungen und Mädchen in der Bundesrepublik arm. die alten und die neuen Zahlen einander gegenüberzustellen«. Aber so krasse Veränderungen wie bei den neuen Armutszahlen sind ungewöhnlich.3 21. Einmal mehr scheint sich der Uralt-Spruch von der Statistik zu bestätigen. ungleiche Bildungschancen –. welche Wege zur Armutsbekämpfung tatsächlich Erfolg bringen und welche nicht. Heute. Schlimmer sei die Situation nur in wenigen Ländern der entwickelten Welt. Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der OECD. Viele Sozialexperten setzen die Grenze zur Armut deutlich höher an. von was für einer Qualität die von ihr mitfinanzierten Untersuchungen tatsächlich waren. welcher überwiegt. dass die Lage anders ist. muss neu beantwortet werden.5 8. Jedes sechste Kind in Deutschland. Für die OECD ist ein Haushalt arm. In Deutschland hieß das im Jahr 2008: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern war arm. Daraus ermitteln die Forscher die Armutsquoten. Allerdings ist dessen jährliche Erhebung noch recht neu und wurde methodisch verändert. So warnte Monika Queisser. Im Untersuchungsjahr 2004 waren nach den neuen Erkenntnissen statt 16. »jedes arme Kind eines zu viel ist«. gibt es widersprüchliche Signale.6 26. wenn er netto über weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens im Land verfügt. Es war ein Schock und eine Blamage für die deutsche Politik. aber in den vergangenen Jahren wurde es immer größer. mit denen fehlende Angaben ergänzt würden. Sie werde die Kinderarmut entschieden bekämpfen. als sie die alten Zahlen auf einer Pressekonferenz vorstellte.3 (2004) 17. Das ist nur zur Hälfte richtig. Bekannt wurde der extreme Rückgang der Armutsquote. wenn es in einem Elternhaus aufwächst. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs sie beständig. gehört zum Alltag von Statistikern. So rasant hat sich die Armut wohl noch nirgendwo halbiert. scheint plausibel. wie erfolgreich die deutsche Politik es angeht. und dass sich Daten bei einer Neujustierung ändern. die in Armut* leben. sagt Christian Arndt. sagt Markus Grabka. damals noch Familienministerin. man habe in früheren Veröffentlichungen längst »auf die verbesserte Methodik und ihre Konsequenzen« hingewiesen. der man nur trauen dürfe. Datensalat gab es schon genug. Rund 1. Das gilt vor allem für die skandinavischen Staaten. Angaben in Prozent Dänemark Norwegen Frankreich Deutschland Schweiz Niederlande Großbrit. und es lässt sich kaum beurteilen. wie Familienministerin Kristina Schröder nach Bekanntwerden der revidierten Werte verlauten ließ.5 21. Hierzulande sind nicht mehr. Nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit ist jede verlässliche Studie recht. Arbeitslosigkeit. etwa in Mexiko. Deshalb gibt es je nach Definition unterschiedliche Armutszahlen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 27 Auf einmal gut? Anteil der Kinder bis 18 Jahre. als es hierzulande der Fall ist. sagt Christian Arndt. in dem niemand eine Arbeit hat. Und wie schwer es den beteiligten Experten fällt. weil heute mehr Menschen einen Job haben und Arbeitslosigkeit das Armutsrisiko schlechthin darstellt. das nach einer Reihe negativer Schlagzeilen und hausinterner Querelen gerade einen neuen Chef bekommen hat.3 (2008) 9. wenn sie netto weniger als 1667 Euro im Monat zur Verfügung hatte.« So wurde die Öffentlichkeit absichtlich im Unklaren darüber gelassen. um Einkünfte. das deutsche Sozialsystem funktioniere nicht richtig. umfassenden Armutsbericht für die Bundesregierung. Der Grund: »Wir bekommen immer häufiger nur lückenhafte Auskünfte«. neuere Zahlen gibt es nicht – waren es bloß 8. www. weil einer Journalistin der Financial Times Deutschland auffiel. Wohl kaum ein Grund. versprach Ursula von der Leyen.zeit.1 Millionen Kinder und Jugendliche lebten danach zuletzt in finanzieller Bedürftigkeit.« Befremdlich erscheint allerdings der Umgang des öffentlich finanzierten Instituts mit der Öffentlichkeit. Und zuletzt – 2008.« Deshalb sei es nötig geworden. ist klar: Die Zahl von der OECD war falsch. unsere Armutszahlen sind mit extremer Unsicherheit behaftet? Statt die Werte bis auf eine Stelle nach dem Komma auszuweisen. Allerdings ist auch das Gegenteil denkbar: Die Armut verringert sich.7 14. aber die Frage. Nach den DIW-Zahlen ist die Kinderarmut bis 2004 rasant gestiegen und danach etwas gesunken. zerfallende Familien.6 Polen USA Israel *Arme Haushalte verfügen über weniger als 50 % des jeweiligen mittleren Einkommens. »Das Schlimmste für ein Kind ist sicher. die Daten stammen meist aus dem Jahr 2008. deren Steuer. »Früher war das Problem vernachlässigbar.0 8. dass von der OECD veröffentlichte Zahlen plötzlich nicht mehr zu früheren Angaben passen. VON KOLJA RUDZIO D Eine vierköpfige Familie mit weniger als 1985 Euro netto gilt als arm Im Mittelpunkt dieser Datenaffäre steht ausgerechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. wie wenig verlässlich wissenschaftliche Expertisen bisweilen sind. etwa bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. verkündeten Experten der Industrieländerorganisation OECD im September 2009.1 12. sondern deutlich weniger Kinder von Armut betroffen als im OECD-Durchschnitt.4 9.

das einst sowohl Lu. welches von zwei patentgeschützten Medikamenten besser gegen die feuchte Makuladegeneration hilft. Lucentis errechneten Ökonomen. zicht auf Atomenergie eine Renaissance der Kohle nach ZEIT: In den energiehungsich zu ziehen. Deshalb gilt aber auch weiterhin: Sie in fall im indischen Rajasthan vor! den Industrieländern haben erst mal noch eine ZEIT: Viele rechnen aber mit einem Geschäft. dass die Präparate zwar nach Meinung vieler Experten im Wirkstoff vergleichbar sind. wenn wir mit VollEs ist also eine Brasilien oder Chile: Auch dampf in erneuerbare Quellen völlig unrealistische und eine effizientere Nutzung dort gibt es überall Debatten Darstellung. Ein amerikanischer Augenarzt hatte Avastin erstmals erfolgreich off label.28 12.Bekämpfung der Altersblindheit auf den Markt legung der festgestellten Unterschiede in der CATT. Fotos: Thomas Einberger/argum (2). Kontrollen. und es käme zu wenig Strom dabei um zu zeigen.und den Status quo überwinden. Hafüber die Hälfte und mehr steigen tungsfragen. Die Hauptrolle spielen Sie. dass Roche es ablehnt. nicht die Behauptung. Fragen. sen. wie viel die SolidarMilliarden Euro pro Jahr kosten gemeinschaft für mehr Sicherheit könnte. Man investiert weiter in Atom. Im Kern zeigt die erste große Studie über die Wirksamkeit der beiden Medikamente. Wie stark ist Greenpeace dort vertreten? sen kann. Derweil Novartis die neue Studie kuladegeneration befassen soll. dass also womöglich dahingehend interpretiert. Brisant wird diese Einschätzung dadurch. Gerade haben Allerärmsten demonstriert. werden andere Ländas Klima ten gegen ein geplantes der nachziehen.kraft. die wachsenden VolksZEIT: Proteste gibt es da wirtschaften von vorneherein zwar. Sie wollen wissen. An Roche. er steht exemplarisch für die Frage. sagt er nicht. Eine nachträgliche Aktuell werden noch rund ein Drittel der Patienten mit Avastin beIst im Preis etwa 30-mal Nutzenbewertung könne dazu fühgünstiger: Avastin handelt. die von der zuständigen Auf. Warum? VON NICOLA KURTH ür diese Studie interessieren sich Augenärzte weltweit.hinsichtlich relevanter Nebenwirkungen. weil sich hinter der Netzhaut kleine Blutgefäße bilden. 1. levanten Zahl würde zu lange dauern. verfügen über Technologien und Wirtschaftsunterstützt den Export deutscher Atom. sollte zu erleiden oder gar zu sterben.und Preispolitik schätzte 100 000 AMD-Patienten der Hersteller. Gegenstand des abgekürzt CATT genannten Vergleichs. gieversorgung zu beschleunigen. Seit 2005 kann diesen Patienten mit Injektionen von Avastin ins Auge geholfen werden. da wird mit zweierlei Maß gemes. waren das für die Augenerkrankung an sich nicht zugelassene Krebsmittel Avastin von Roche und das Spezialmedikament Lucentis von Novartis. bleibe dass es die Krankenkassen drei die Frage. etwas häufiger auf als bei PatienRabattverträge über die Nutzung von Lucentis ab. übernehmen. auch Angela Merkel scheint zu beschäftigen. Heikel wird der seit Jahren schwelende Streit die Unterstützung laufender Studien – Stellschrauben durch die Verflechtungen der beteiligten Pharma. Weitere Vergleichsstudien könnten die Debatte aber so etwas wie der Goldstandard in der Therapie der Altersblindheit sei. Weiter verbreitet ist das teure.ten serious adverse events wie einem stationären Kransichtsbehörde in Deutschland noch toleriert wird – in kenhausaufenthalt oder Durchblutungsstörungen im einer »wohlwollenden Duldung«. sagt ein Insider. Naidoo: Tatsächlich ist unsere größte Herausdass ein Alleingang Deutschland isolieren forderung. dass Atomkraft den Klimawandel brem. Sie sind Vorreiter! Aber CO2.5 Millionen Deutsche leiden an einer Form der Altersblindheit. die nun vor wenigen Tagen bekannt wurden. könnten diesen Anteil schnell auf Freiheit in der Therapie. angewendet. und die Zeit drängt beim Klimaschutz. wollte er eingreifen konzerne. zu 30 Prozent beteiligt. weiß noch keiner. Es ist also eine völkerungen die Atomkraft weltlig unrealistische Darstellung.gäbe es für den Staat zur Genüge. Doch solche Therapien sind nur erlaubt. der Bau einer reKanzlerin. Neuer Druck könnte entstehen. die häufigste Ursache für Blindheit im Alter (AMD). dass es da eine Renais. eine Praxis. gehört seit 2009 Gesundheitsministeriums aber lässt nur wissen. das Avastin in Europa ver. Konnten Sie sie beruhigen? Naidoo: Wir sind die Länder durchgegangen. wenn es um den Erhalt und die Verbesserung der Sehschärfe der Patienten geht. sind brisant. so der Tenor. Avastin für die Ärzte mehr lohnt. die daheim aussteigt. dass zu Roche. aus denen Flüssigkeit austritt. dass die Bevölheraus. weil die Atom. Naidoo: Ja. wirksam schützen Atomkraftwerk von Areva ZEIT: Gerade in Entwickkönnte festgenommen. Sie Die Bundesregierung. Seither folgten Mediziner weltweit seinem Beispiel. Allerdings war zugleich aber eigene Verträge mit die Anzahl der Patienten relativ den operierenden Augenärzten. dass die Behandlung mit dem Krebsmedikament Avastin gleich gute Ergebnisse erzielt wie die mit Lucentis. So fordern die fühgibt es derzeit in Deutschland. Anteil an Atomstrom sind 57 Prozent der Menschen für ZEIT: Weltweit droht der Vereinen Ausstieg. sei unter Avastin Bayer wie geplant 2012 ein neues. »Mit CATT wurde bestätigt. Injektion: Lucentis Wirkten beide Mittel gleich. den das staatliche National Eye Institute in den Vereinigten Staaten angestellt hat. den Ausstieg aus der fossilen Enerkönnte. was sowieso schon alle wussten«. das Lucentis heute Herstellern aushandeln könnten. Der Wirkstoff unterbindet die Blutversorgung von Tumoren – im Fall von AMD lässt sich mit ihm das abnorme Wachstum der Blutgefäße hinter der Netzhaut stoppen.Strom. Nach meinem Eindruck ist das der Kanzlerin bewusst. dass sich die beiden Medikamente preislich annäherten. Naidoo: Die realen Investitionen decken aber Naidoo: Jedenfalls tun wir schon eine Menge. Bewegung in die Sache kommt. 4. die Initiierung neuer oder lassen. Die Ergebnisse der Studie ren. Wie teuer es sein wird. inwieweit der Staat den Konflikt mit den Herstellern von Medikamenten wagt – und wie viel die Gesellschaft für Gesundheit zu zahlen bereit ist. schätzen Experten. einen Schlaganfall beenden. Selbst in dass die Atomkraft das Klima Frankreich mit seinem hohen wirksam schützen könnte. Ein Sprecher des centis als auch Avastin entwickelt hat. in hindern. ten. behandelt würden. Dabei ist die Aus. lungs.und Schwellenländern gilt es. und ihr Alter lag im Schnitt deren Folge sich der Einsatz von der Studie bei über 80 Jahren. dass über die Risiken der Atomder Energie investieren. rigen Schwellenländern ist das aber anders. wie sich das offiziell Gehirn. Das entsprach Avastin solle offiziell erlaubt werden. Die Sehzellen sterben ab. Schon widersetzen sich MediziEs geht um sehr viel Geld. Sie sollten Ihr lebensrettendes Wissen den Entwicklungsländern großzügig weitertechnik. jeder Fünfte muss sich behandeln lassen. dass Lucentis zwar teurer. Die Ergebnisse. ist wiederum Novartis. Das Risiko. halten Sie den deutschen ZEIT: Ein Argument der Kernkraftbefürworter Atomausstieg für einen »Sonderweg«? stimmt ja: Kernkraftwerke emittieren weniger Kumi Naidoo: Nein. die sich in Zeiten technisch immer komplexerer Behandlungsmethoden und immer kostspieligerer Mittel zunehmend stellen. die Lucentis injiziert bekamen. wie hilflos selbst die Hightechnation schen haben ja noch gar keinen Zugang zu Japan war. Da verwundert es institut für Arzneimittel bereits zu Jahresbeginn eine nicht mehr. Gener der Produkt. aber auch die Hoffnung. Viele boykottieren es bis heute und bleiben Mediziner einig. Stellen Sie sich einen atomaren Un. Viele Krankenkassen schlossen mit Novartis behandelt wurden.Zum Beispiel haben wir vor Kurzem bei einer sance gebe. Im Januar 2007 Studie keinesfalls eindeutig. sie renden Berufsverbände der Augenerhalten im Jahr rund 500 000 Inärzte in Deutschland klärende Entjektionen. Aber derzeit ZEIT: Vergangene Woche waren Sie ja bei der decken AKWs nur zwei bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs. sofern alle Patienten damit bereit sei zu bezahlen. Chef von Greenpeace International. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT »Sie sind Vorreiter!« Kumi Naidoo. sich aber enorm in den Kosten unterscheiden: Lucentis ist mit 1300 Euro pro Injektion rund 30-mal so teuer wie Avastin von Roche. wenn kein anderes zugelassenes Spezialmittel zur Verfügung steht. Dass am Bundesherstellt. Avastin als Mittel Expertengruppe eingerichtet worden ist. seinerzeit einem Achtel des gesamdie Überwachung der Sicherheit könne ein unabhängiges Institut ten deutschen Arzneimittelbudgets. Der Fall weist über sich selbst hinaus. die sich mit für AMD zu testen und die dazu nötigen Studien den Fragen der Therapie einer altersbedingten Madurchzuführen.geben. Bei der Zulassung von Kostet rund 1300 Euro je scheidungen seitens der Politik. weit ablehnen. Im indischen Jaitapur Deutschland dabei weiter vodie Atomkraft wurden gerade Demonstranrangeht. Sowohl Lucentis als auch kam Lucentis auf den Markt. in klein.Krankenkassen längst angemessene Preise mit den marktet. Wenn kraft. Regierungen finden weltweit kaum Solar-Tour durch den indischen Bundesstaat Finanzierungsmöglichkeiten. Unterschiede gibt es bei sogenannbei Avastin. die mit Avastin nennt. Das Unternehmen. über die Versorgung der Welt mit Energie und den deutschen Atomausstieg ZEIT: Herr Naidoo. da sind sich lassung. Tim Brake/dpa (l. Der Preisunterschied Avastin waren ihr zufolge insgesamt gut verträglich empörte Kassen wie Mediziner schon bei der Zu. Menge Kohlenstoffschulden abzuzahlen.emissionsarm aufzubauen. Naidoo: Das werden wir verNaidoo: Ob in der Türkei.6 Milliarden Menwir erlebt. also abseits des eigentlichen Behandlungszwecks.) F » « Bei AMD ist das nicht mehr der Fall.Bihar die Chancen solarer Kleinanlagen für die kraft zu teuer und zu riskant ist. eigenes Mittel zur deutlich höher als bei Lucentis. Diese traten bei Patienten.bringen. Das Gespräch führte CHRISTIANE GREFE Gleiche Wirkung Bei Altersblindheit helfen zwei Medikamente. .

So muss beispielsweise eine Kalbswiener lediglich 15 Prozent Kalbsfleisch enthalten.« Als juristische Schludrigkeit bezeichnet er es. deren Kennzeichnung rechtlich in Ordnung sei. Daraus machte er in einer Stellungnahme für den Verband BLL auch keinen Hehl. Sie stört insbesondere. »Das Portal wird so konzipiert sein. Und das im Zusammenhang mit einer lediglich »gefühlten Täuschung«. könnten die Verbraucher bei der Nutzung des Angebots eindeutig erkennen. einen solchen Eingriff durch eine derart mächtige Institution zu rechtfertigen. dass der Ministerin die Zuständigkeit fehle. Ohne vernünftige Information könne Vertrauen nicht bestehen und Kritik nicht wirksam sein. Die Mogler und Trickser sollen schon bald ausgebremst werden: mit einem neuen Internetportal. sagt König. Gerade aber im Ausblenden des Rechts liege das Problem. Auf einer Fachtagung übten sie jüngst massiv Kritik. Es trägt den Namen »Klarheit und Wahrheit«. Kräuterbutter mit Margarine. Es können nur vorgegebene Fragen beantwortet werden. begegnen sie mit einer speziellen Rubrik. Sie fürchteten. Dass die Meinung der Verbraucher nicht nur erforscht. und kritisiert zugleich. die rechtlich in jeder Hinsicht zulässig sei. Das Angebot ist dreigeteilt: Im Informationsbereich können sich die Besucher der Website in rechtlichen Fragen kundig machen. Lebensmittelbehörden können nur in engen Grenzen agieren Obwohl das komplette Portal mit allen Funktionen noch nicht in Betrieb ist.birgitlang. Nächsten Monat soll es laut Janina Löbel trotzdem losgehen. Außerdem wird es die Möglichkeit geben. dass ein fairer und sachbezogener Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern gewährleistet ist. etwa über Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln.« Aber dann: Es gehe in dem Konzept weder um Recht noch um Kontrolle oder Sanktion. Daraus. sie haben strenge Vorschriften zu beachten. Fachleute in der Internetredaktion prüfen die Kritik und bitten die betroffenen Hersteller um eine Stellungnahme. So will es unter anderem selbst das Verbraucherinformationsgesetz. sagt sie. was kritisiert wurde. Vollmundige Werbeversprechungen suggerierten Qualität oder Nähe zur Natur. Hassemers klares Urteil: »Dieses Internetportal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel. wenn sie sich von Lebensmittelherstellern getäuscht fühlen. er hat tatsächlich reagiert. Insgesamt rund 775 000 Euro gibt es vom Staat. Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich deshalb gelegt.« Zudem haben die Konstrukteure des Portals aus der bisherigen Kritik bereits ihre Lehren gezogen. So bezweifelt Friedhelm Hufen. die davon ausgingen. wird das Produkt im Internet abgebildet. »Manche reagieren direkt und ändern.« Die Eingriffe. Das ist in der Regel die örtlich zuständige Le- Illustration: Birgit Lang für DIE ZEIT/www. Andere setzen sofort Rechtsanwälte in Bewegung«. versehen mit dem Kommentar des Herstellers. vorausgesetzt. stellt die Ministerin klar. »Wir hoffen. Im Augenblick aber sind große Teile der Lebensmittelwirtschaft regelrecht empört. wann und was im Einzelfall an die Öffentlichkeit darf. Das ist nicht das einzige Argument. so Werner Wolf. um die Nahrungsmittelindustrie aufzuregen. obwohl sie lebenswichtig sind«. könnte auch der Gesetzgeber beim Erlass seiner Vorschriften lernen. Sie koordiniert das Projekt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. So etwas ist – wenn überhaupt – nur dem Kleingedruckten auf der Packung zu entnehmen. Die Wahrung von Geschäftsinteressen ist ein wichtiges Gebot. sagt er. ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. »Wir können damit leben«. Auch in einem anderen Fall gab es heftigen Ärger: beim so- genannten Arztnavigator. Zuckersirup statt Honig. heißt es bei der Bundesärztekammer heute. sondern sie auch gleich bewerten. »Lebensmittel sind heute ein komplexes Gut. fühlen sich manche Verbraucher dennoch getäuscht. Bis endgültig klar ist. Digitale Sammelstellen dieser Art schrecken inzwischen nicht nur Unternehmen auf. dass ein Verbraucher lediglich schlecht informiert ist«. dass es als Informations. dass einzelne Unternehmen und deren Marken an den Pranger gestellt werden können. Ilse Aigner versucht derweil die Wogen zu glätten: »Wir haben erstklassige. Er weiß etliche Juristen auf seiner Seite. könnten die Eigentumsgarantie. das Grundrecht auf Berufsfreiheit oder das auf Gleichbehandlung verletzen. mit dem sich Vertreter der Branche gegen die Initiative wehren. ist nicht imstande. ist. Auf einem Portal wie dem geplanten können sich die Teilnehmer sehr viel freier äußern als Beamte in den Behörden. vorgehen müssen«. Professor für Öffentliches Recht.WIRTSCHAFT 12. sondern auch zum Bestandteil von Auseinandersetzungen und Interventionen gemacht würden. Betroffene Interessen würden ausgeblendet. Obwohl sich Hersteller völlig korrekt verhalten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 29 Alles wahr oder was? Auf einem neuen Portal im Internet können sich Verbraucher demnächst beschweren. Dort können die Kassenmitglieder nicht nur Ärzte suchen. Auch Rechts. dass künftig lockere Debattierzirkel erboster Verbraucher das strikte Reglement amtlicher Kontrolleure ersetzen könnten. es würden auch Produkte angeprangert. der bei der Verbraucherzentrale Hessen das Projekt leitet. Doch die Konstruktion des Portals verhindert das. sei eines modernen Staates und einer Informationsgesellschaft würdig. zum Beispiel mit Abmahnungen. bei denen sie sich durch die Aufmachung und Kennzeichnung in die Irre geleitet fühlen. dessen Eigenschaften die Verbraucher aus eigener Anschauung regelmäßig nicht kontrollieren können. monieren Verbraucherschützer. der Markt würde womöglich gestört. Dort werden jene Lebensmittel präsentiert. sich im Diskussionsbereich an Debatten zu beteiligen oder Fragen an ein Expertenforum zu richten. Oftmals sei es damit aber nicht weit her. Dort ginge es um die »gefühlten Rechtsverletzungen« von Laien. Hassemer: »Es markiert einen Weg zu bürgerlicher Autonomie. Außerdem hat er Zweifel an der notwendigen Neutralität des Portals. hintergangen oder enttäuscht worden zu sein. schreibt er. wenn sie sich nach diesen Vorgaben richten.und Staatswissenschaftler Fritz Ossenbühl bemängelt. es gehe vielmehr um eine spezifische Form von Kommunikation. vergeht – zum Ärger vieler Verbraucherschützer – deshalb meist viel Zeit. Sie und ihr Kollege Hartmut König. Außerdem sind Beschwerden gegen Entscheidungen der Lebensmittelkontrolleure möglich. Staatsund Verwaltungsrecht an der Universität Mainz. diese selbst aber das Problem sind. den die Krankenkassen AOK und Barmer in der vergangenen Woche im Internet starteten. Die Doktoren liefen zunächst dagegen Sturm. sagt Janina Löbel. Schon diese zwei Wörter reichen aus. ohne dass wir rechtlich. Im Übrigen. verunglimpft zu werden. weil befürchtet wird. Wenn die Verbraucherschützer eine Beschwerde fachlich nachvollziehen können und sie für plausibel halten. Betrieben wird das Portal vom Verbraucherverband Hessen. sagt Janina Löbel. geht mit dem Projekt streng ins Gericht. In diesem Fall wird er nur auf den Informationsteil verwiesen. »Das Portal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel« Auch Professor Winfried Hassemer. dass sie die Kennzeichnung schnell verbessern. Aigner: »Die Lebensmittelüberwachung ist und bleibt Aufgabe der Länder. Lebensmittelbehörden müssen vorsichtig agieren. dass dem Hersteller zwar eine kurze Frist zur Kommentierung eingeräumt werde. Manche Hersteller sind deshalb bereits alarmiert. Die Industrie läuft Sturm dagegen VON GUNHILD LÜTGE ananenschokolade ohne Banane. hervorragende Lebensmittel in der Bundesrepublik Deutschland«. Darf im Schwarzwälder Schinken auch Fleisch aus Dänemark sein? Oder Hühnchen in der Kalbswiener? Im sogenannten produktbezogenen Bereich können Verbraucher konkrete Beispiele melden. dass »hoheitliche Gewalt durch gesellschaftliche Zwänge ersetzt werden soll«.und Meinungsforum dienen soll und kein Organ der amtlichen Überwachung sei. Dem Vorwurf.« Die Initiative liefe im Rahmen einer ganz normalen Projektförderung. Dabei findet er es grundsätzlich gar nicht schlecht. Problematisch sei vor allem der produktbezogene Bereich. B bensmittelbehörde. Skepsis löst bereits die Konstruktion der Plattform aus: die Mischung aus Staat und privatwirtschaftlicher Initiative. wenn die zuständige Behörde tätig geworden ist. dass Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner das Portal finanziell unterstützt. Präsident des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft (BLL). nicht aber ein Bundesministerium«.de . Und das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken darf auch aus Dänemark stammen. Das Vorhaben löst deshalb so viel Aufregung aus. »Manchmal stellt sich auch heraus. Was sie vor allem stört. dass in dieser Branche hauptsächlich Gauner unterwegs seien. Der Name suggeriere. Deshalb müssen die betroffenen Firmen zum Beispiel angehört werden. Und sie haben ein Recht auf Akteneinsicht. so hoffen die Initiatoren des Portals. die Verbreitung der Sache aber dann auch ohne diesen Kommentar erlaubt sei. können schon heute Meldungen abgegeben werden. »Informationseingriffe sind von vornherein nur rechtmäßig. Hassemer gibt zu bedenken: »Allein das subjektive Gefühl einer Person. bevor sie bei Nahrungsmittel-Skandalen Ross und Reiter nennen dürfen. So sind beispielsweisen frei formulierte Texte nicht möglich. bauen auf die Einsicht der Hersteller. deren Kennzeichnung zwar den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht. Und niemand müsse eine Verunglimpfung befürchten. ob die Bundesverbraucherministerin überhaupt für ein solches Projekt zuständig ist.

Dass Tanhäuser erst im September für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden war.für Sie. Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu VON ULRICH HOTTELET Foto: interTOPICS. sagt die Verfassungsschützerin.zutage Soziale Netze«. Irgendwann meldete sich schen auf die Bedrohungslage. Wie viel diese gesichtswahrende Lösung den Gebührenzahler gekostet hat. der im Zuge der Affäre »ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens sein Amt zur Verfügung stellte«. Als möglicher Nachfolger wird Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz genannt. Der Fall steht exemplarisch für den Trend. unter Einrechnung der Gewinne. trennte zwischen Beruflichem und Privaten kaum. Programmgeschäftsführer Beckmann wurde damals ebenfalls informiert und soll geantwortet haben: »Ich kenne Marco. Auch sein Nachfolger als Programmgeschäftsführer bemerkte den Betrug nicht und wurde dafür bereits abgemahnt. lässt sich oft Spionen gegenüber Bonner Ministerialsekretä.sperrt den Zugang zu auf Businessportalen wie Xing stamm kannte. Das schaffen«.auch potenziellen Angreifern verraten.30 12. die das nicht beurteilen konnten und teilweise auch nicht berechtigt waren. sagt Costin Raiu. »Von Freundes wirken sie dann viel vertrauenswürdiger. »Wir prüfen die Vorgänge und behalten uns Schadensersatzansprüche in alle Richtungen vor«. in dessen Verantwortung der Kika fällt. bei dem die Fehler beanstandet wurden – Marco K. Da dem Mann die men existieren noch heute. dass Mitarbeiter die »Sachlich richtig«-Abzeichnung vornahmen. werden Sie meine Bissspuren Zitting. rund 50 Fällen. und konkrete Änderungsvorschläge wurden gemacht.nur schwer ausmachen. die in Fachforen nach Dax gelisteten Konzerne und den gehobenen Tipps fragen. Mitarbeiter in SchlüsAls der neue Partner die Ge. gab es keine Konkurrenzschutzklausel. Dabei wurden zum Beispiel Aufträge für Trailer oder Onlineseiten gefälscht. Marco K. Eine gern angezapfte QuelUnternehmen ist auf die Bekämpfung von In.« Im November 2007 habe außerdem ein Kika-Mitarbeiter über eine mit ihm befreundete Casinomitarbeiterin von den Spielgewohnheiten des Herstellungsleiters erfahren. So wurde etwa beanstandet. Auch versuchen zunächst. Als Freund eines sind sich die Fachleute in dieser Frage einig. Da erscheint es fast anbieter Kaspersky. »der erst sehr Aus Sicherheitsgründen haben nett schrieb«. Direktor takte zu schließen – und persönliche Infor. Frank Beckmann hat sich bislang nur einmal öffentlich zu der Sache geäußert – in seinem eigenen Programm bei Zapp. Beide Unterneh. und »die Firma lief richtig gut«. auf die im Onlineprofil der Firma verwiesen nicht für die Spionage durch Firmen zuständig. Nach Angaben eines Kika-Redaktionsleiters soll es schriftliche Memos an die Programmgeschäftsführer gegeben haben. zeigt ein Fall aus Berlin.le sind laut Sicherheitsberater Hochenrieder auch dustriespionage spezialisiert und zählt die im die Einträge von IT-Experten. Offensichtlich handelte es sich um vier Jahren. Dort hielt man fest.Muster vor«. Er unterrichtete damals den Redaktionsleiter. Im Bericht. Zu den großen Profiteuren des Betrugs gehört auch das Spielcasino in Erfurt. Herstellungsleiter Marco K. Heute wird zuerst versucht. musste ihn der MDR aus einem Las-Vegas-Urlaub mit einem Freund und Mitarbeiter holen. sagt Zitting.blem: Rechtlich ist der Verfassungsschutz nur für schrieb die Dienstleistung auf ihrer Facebook. darunter knapp ein Drittel knüpfen konnte. Sie führen bis zu 80 Prozent an die Länder und Kommunen ab. hat über diese Summe Scheinrechnungen bezahlen lassen. In diesem Jahr eröffnete Fernseh-Programmdirektor Frank Beckmann die Veranstaltung mit einer Verteidigungsrede in eigener Sache. über Ausspähung der Konkurrenz. der Dax-Konzerne. so ist er nun mal. die automatisch die Profile nutzt und missbraucht wird: der Spionage. antwortet Beckmann auf die Frage. Dafür mitverantwortlich war MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser. was Beckmann gewusst habe oder fahrlässig übersehen.sogar Programme. Bei den Tätern sind oft »kleine. von einem Freund der Zielwenn es keine offiziellen Statistiken dazu gibt. Montage: DZ S oziale Netzwerke eignen sich gut. erklärt Raiu. wenn sie die Zielperson anschreiben«. die 700 000 Menschen in ihrem Engagement unterstützt. Abhilfe ist schwierig: »In vielen Fällen sind schulabschluss mit einem Studienkollegen ein Unternehmen gegründet. ob sich Beckmann auf seinem Posten halten kann. Bei der Kontaktaufnahme in Sozialen NetzSoziale Netzwerke an die Informationen zu kommen«. Damals wurde auf die Schwachstellen im Kontrollsystem von MDR und Kika hingewiesen. dass mit dem Gewinn am Ende Gutes getan wird. der der Information jedoch nicht nachging. das auf Zittings Naivität darauf hereingefallen«. für gelungenen öffentlich-rechtlichen Journalismus zu feiern. Tisch landete und bei dem unlautet die Einschätzung der Verklar ist.0 betrieben werden. sagt Hahn. sei im Jahr 2010 103-mal zu Besuch gewesen. der nicht vom Zocken in Casinos und der Übergabe von Geld in DVD-Hüllen handelt. Er brachte das System durch eine Selbstanzeige im Herbst zu Fall. Seite. von ihrer Firma.« An Skatrunden bei seinem Mitarbeiter zu Hause hat Beckmann auch schon mal selbst teilgenommen. Die Wirtschaft reagiert inzwiwurde. die diese Rechnungen ausstellten. und daviele deutsche Großunternehdurch einen privaten Kontakt men. will der Sender mit Hinweis auf vereinbarte Vertraulichkeit nicht preisgeben. sei die Gutgläuoder LinkedIn. sagt Heike Schreibtisch sehen. sagt Zitting. Wer die 2. Beckmann ist seit Ende 2008 in Hamburg beim NDR. »Ich habe bei dem Herstellungsleiter in keinster Weise Verdacht schöpfen können«. »Sie ist in ihrer Ein Beispiel. Marco K. den die Revisoren von MDR und ZDF verfasst haben.« Zittings ProBerliner Verfassungsschutz. Wie durchforsten und analysieren. als seine Firma trotz der zusätzlichen Einnahmen auf die Insolvenz zusteuerte. Ein Teil des Geldes ging an K. so Zitting. nehmenssystemen zu schließen.s Komplizen bei den Firmen. Der Mann Wettbewerber oder ein Nachüberredete sie. dass sie damit diese Lücken ungewollt nalität. steht: Schon 2009 waren Rechnungen aufgefallen. Berater für In. In Thüringen ist das die Ehrenamtsstiftung.für Forschung und Analyse beim Virenschutzmationen einzuholen. Falsche Freunde Ideen klauen. sehr private oder berichtet Michael Hochenrieder. dürfte die Sache aber teuer gemacht haben. Bei ARD und ZDF verweist man lieber auf die Fahrlässigkeiten des MDR. »Damit ist ein fingiertes Bewerbergetappte sie endgültig in die Falle. Es ging um seine Vergangenheit beim Kinderkanal. und wenn Sie meinen neu. Der bei einem bige aus der Firma ausgebootet Sozialen Netzwerken – Softwareentwickler beschäftigte worden. weil sie leichter Vertrauen formationssicherheit bei HvS Consulting. Allerdings muss man fairerweise sagen.nicht klar. Und die Frage. Das hatte ein Revisionsbericht von ZDF und HR ergeben. Weil er seiner Exsante und hochdotierte Stelle Kommilitonin vertraut hatte. Dummerweise beauftragte der MDR mit der Verbesserung der Kontrollen aber denjenigen. garniert mit ein paar launigen Worten.beruhenden Spionageangriffe sind. Und das werken sind Umwege beliebt: »Die Kriminellen gilt allgemein mit steigender Tendenz. . die damit wichtige gesellschaftliche Projekte fördern. Beschäftigungen vor der NDR-Zeit könnten arbeitsrechtliche Maßnahmen grundsätzlich nicht begründen. um Sicherheitslücken in ihren UnterMittelstand zu seinen Kunden. die nicht ordentlich geprüft worden waren. Der auch um Spionage Mann wurde von einem angebInhaber des ursprünglichen Un.vorzubeugen lichen Headhunter angeschrieternehmens musste alles machtlos ben: »Wir hätten eine interesmit ansehen. Um ihn verhaften lassen zu können. Oft scheint ihnen Noch höher ist die Quote in der Cyberkrimi. den Zugang Später erzählte ihm die Frau zu Facebook oder ähnlichen bei mehreren Treffen noch mehr Plattformen gesperrt. Die Veranstaltung ist für den Sender eine gute Gelegenheit.der DAX-Unternehmen selpositionen haben oft Profile schäftsdetails und den Kunden. Viel floss an den Geschäftsführer der Koppfilm. bei dem etliche Millionen Euro veruntreut wurden. Die Nummer zwei im Kika. dass diese Netze auch vom zweitältesten ven Auskundschaften schreiben die Kriminellen Gewerbe der Welt für seine Machenschaften ge. ob er etwas von der Spielsucht gewusst habe. »Geheimdienste und Konkurrenzfirmen gehen nach dem gleichen rinnen erinnert.. Die Ansprache sei in diesem Umfeld ein bisschen befremdlich gewesen. berichtet Zitting. der Hintermänner dieser Aktionen und der darauf an die erfolgreiche Romeo-Masche von DDR. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Brot und Spiele Millionenbetrug beim Kinderkanal: Die beteiligten Sender streiten VON ANNA MAROHN E Kika-Star Bernd das Brot musste für Scheinrechnungen herhalten inmal im Jahr verleiht der Norddeutsche Rundfunk intern den Sehstern. Die Gründerin be. selbstständig zu machen. ein Mann bei ihr. Zum schnellen und effektilogisch. sagt ein Mitarbeiter. Beim NDR debattieren die Mitarbeiter nun. er habe dabei vorzugsweise an einem Hyperlink-Automaten mit einem Einsatz von 40 Euro gespielt und pro Woche zirka 20 000 Euro verdaddelt. Eine Frau hatte nach dem gemeinsamen Hoch.« Zur anschließenden Unterredung traf man sich in einem Hotel. ob ein ausländischer fassungsschützerin. Die Geschäftsidee war uns die Hände gebunden. wie der MDR in einer Pressemitteilung schrieb.24 Euro. Normalerweise. In dem etwas trockeneren Teil des Revisionsberichts von MDR und ZDF. sich selbst. Der vorläufige Gesamtschaden beläuft sich auf 8 183 815. dass er dabei trotzdem nicht besonders gut wegkam. person akzeptiert zu werden. sich mit ihm Kanal geschlossen richtendienst dahintersteckte.« Knapp ein Drittel spräch. haben sechs mit Sozialen Netzwerken zu tun«. Fragen aber zunehmend merkwürdig vorkamen. NDR-Justiziar Werner Hahn betont hingegen. liest sich das anders. Den Gebührenzahler tröstet vielleicht die Information der Westspiel Casinos.die Abwehr gegnerischer Nachrichtendienste. Leiterin des Wirtschaftsschutzes beim an der Tischkante wahrnehmen. »Alle gezielten Attacken nutzen heut.fachliche Foren gefragt. um Kon. zuvor hat er acht Jahre lang in Erfurt die Geschäfte für den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal geführt. der dabei war. erklärt Sicherheitsgerissen die Recherchen mit den Mitteln des Web forscher Stefan Tanase von Kaspersky. »Ich beobachte das Ausspähen von Profilen durch beendete er das vermeintliche VorstellungsKonkurrenzfirmen und Nachrichtendienste seit gespräch. die wir pro Jahr bearbeiten. »Dieser Schriftverkehr sei dem Redaktionsleiter im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang Dezember 2010 aber aus einem Ordner in seinem Büro entwendet worden.

Aktien der Telekom empfohlen zu haben. dass der Termin der Urteilsverkündung noch einmal verschoben wird. hieß es damals. Diesen Teil der Wahrheit ans Licht zu bringen überfordert jedes Gericht. Die Fälle. Wer mit Telekom-Aktien 5000 Euro verloren hat. Die Betroffenen sind aber meist Laien – ob als Patienten. Doch während man hierzulande noch viele Jahre lang weiterprozessieren dürfte. Das Kapitalanleger-Musterverfahrens- Fotos: Bernd Kammerer/AP/ddp. und im Jahre 2007 entschuldigte er sich schließlich dafür. Anwaltsverbände und Juristenorganisationen zur Modernisierung der europäischen Sammelklage. Zwischen Februar und April befragte die EU-Kommission Regierungen. die amerikanische Laienjurys in solchen Fällen gern zusätzlich anordnen. wo es Massen gibt. Finanzminister Theo Waigel (rechtes Bild in der Mitte) 15.r. könnte nur der amerikanische Gesetzgeber vornehmen. Der bedeutendste Massenprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte erreicht nun seinen Höhepunkt. Ursprünglich sollte das Sondergesetz nämlich zum November 2010 wieder außer Kraft getreten sein. der deutsche sucht Gerechtigkeit im Einzelfall.57 € 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Der Zorn der siebzehntausend Das Urteil zum Börsengang der Telekom fällt bald. Der Kurs der Papiere fiel von 66. sein Anliegen einem Richter vorzutragen. der eine Sammelklage gegen ein Unternehmen erfolgreich durchsteht oder einen Vergleich erzielt. Doch Brüssel dürfte mit dem Binnenmarkt argumentieren: Grenzüberschreitender Streit braucht ebensolche Regeln. die zukünftig Sammelklagen provozieren. l. Für Anwälte ist es zudem oft nicht attraktiv. Vor allem die bei Klägeranwälten beliebte document discovery lädt zum Missbrauch ein. und ein Jahrzehnt reicht offenbar immer noch nicht aus. Tatsächlich waren es wohl nicht die fragwürdigen Detailangaben im Börsenprospekt. denn das Zivilrecht ist Sache der Mitgliedsländer. Sie sind Ausdruck einer globalisierten Wirtschaft. um die Grenze zwischen Börsenschwindel und Fehlspekulation zu ziehen. Politisch ist das Thema gleichwohl heikel.) . Die meisten anderen hoffen auf die nächste Woche. wird enttäuscht werden. Dabei trieb die in Wahrheit oft nur die Gier. liegt an der deutschen Verfassung. Das hält nicht dazu an. und die Aussichten schienen rosig.22 € VON MARCUS ROHWETTER D ie Telekom geht an die Börse. Nestor Bachmann/dpa.50 Euro auf heute gut 11 Euro. als solche hochkomplex und von Einzelnen kaum zu durchdringen. Nach mehr als zehn Jahren Kampf kommt es auf ein paar Tage nicht an. wird wohl Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. Dann will das Oberlandesgericht in Frankfurt entscheiden. Viele verloren vieles. dass jeder einzelne Kläger denselben Fehler im Börsenprospekt hätte nachweisen müssen. Aber die Wahrheit ist womöglich eine ganz andere als diejenige. die auch unbedarfte Anleger damals zum Kauf der Papiere animierten. Oder als Suche nach der Wahrheit. werden alle etwas gemeinsam haben. müssen neu katalogisiert werden. 2000 12. Für den Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz. sondern die Werbung des privatisierten Staatskonzerns und die gezielt geschürte Masseneuphorie. dass man damals weit weniger vom Kapitalmarkt verstand. machen Eingaben und stellen Ergänzungsanträge. »und ich geh’ mit«. Wie praktisch alle class actions endete auch die gegen die Telekom nicht mit einem Urteil. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 31 103. die scharenweise Problemaktien erwerben. Das Parlament muss gehofft haben. als man zu verstehen glaubte. Lange Zeit grübelte Krug.11. alle Dokumente. der die Telekom gegen die Aktionärsstreitmacht verteidigt. Sparbuchfetischisten wären zu besonnenen Investoren gereift. Eine neue Aktienkultur sei entstanden. so wie es die Amerikaner tun. Das kann nur schiefgehen. Jurist. Damals galten T-Aktien noch als Volksaktien. was Tausende andere noch nicht getan haben: Er setzte sich mit seiner Verantwortung während des größten deutschen Börsenversuchs auseinander und machte seinen Frieden. Derartige Massenprozesse sind vergleichsweise neu für die deutsche Justiz. Zumindest die Demokraten aber scheinen den Klägeranwälten eng verbunden zu sein. die das Frankfurter Oberlandesgericht nun versucht aufzuklären. um die Causa Telekom zügig abwickeln zu können. wie so oft bei juristischen Auseinandersetzungen in den USA. Wenn die Entscheidung aber kommt und die Telekom tatsächlich zu Schadensersatz verurteilt werden sollte. die für den Fall relevant sein könnten. Dabei hatte Deutschland eigens ein Gesetz geschaffen. dass die Parteispenden der 110 bedeutendsten Klägeranwälte sowie ihrer Dachorganisation ATLA im vergangenen Jahr zu rund 97 Prozent an die Partei von Präsident Obama flossen.n. sind ökonomische Rechnungen. Warum geht das dort so schnell? Und warum dauert es hier so lange? Weil sich Deutschland und die USA nicht nur bei der Aktionärskultur. Der amerikanische Ansatz führt zu ökonomischer Effizienz. Angesichts solcher Summen kann es sich lohnen. manche alles. Doch zwischenzeitlich wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert. Das Grundgesetz garantiert jedem das Recht. weil ihre Aktien dort gehandelt wurden.1996 Sie schufen einen Börsenalbtraum (v. Man kann den Kampf ums Recht folglich als Geschäft begreifen.l. müsste allerdings noch in jedem der 17 000 Einzelverfahren geklärt werden. Sitzungsprotokolle. riskiert schlimmstenfalls auf mehr als 8000 Euro Kosten sitzen zu bleiben. Und so mischen – vertreten von rund 800 Anwaltskanzleien – auch die übrigen Kläger munter mit in dem Musterverfahren. Die Begeisterung für die T-Aktie machte damals Hausfrauen und Rentner. gründlich zu recherchieren und komplizierten Wirtschaftsfällen bis ins Detail nachzuspüren. Irgendwann wird die Verteidigung extrem teuer. Das erledigen dann Scharen von Anwälten in teils monatelanger Arbeit zu Stundensätzen von mehreren Hundert Dollar.WIRTSCHAFT höchster Stand am 6. sondern mit einem Geschäft zwischen den Beteiligten: Wichtiger als die Frage. 5. Die Anwälte bemühen sich.und Anwaltsgebühren mehr als das Eineinhalbfache des geforderten Schadensersatzes.): Ex-TelekomChef Ron Sommer. die Volksaktie weckte Volkszorn. dass man sich lieber vergleicht. Es ist gut möglich. Bis auf Weiteres. Ihr Honorar bemisst sich in der Regel am Streitwert der einzelnen Klagen und ist damit oft viel niedriger als das ihrer amerikanischen Berufskollegen. Vertragsentwürfe. versprach Manfred Krug im Werbefernsehen. sich einzugestehen. Etwa den. Zur Wahrheit gehört aber auch. sondern auch in der Abwicklung von Gerichtsprozessen unterscheiden. Dass sich der Fall so hinzieht. Der Mann will darüber nicht öffentlich reden. gesetz sollte ein wenig amerikanische Effizienz in die Zivilprozessordnung bringen und anhand eines exemplarisch ausgewählten Musterklägers bürokratischen Wahnsinn verhindern. etwa bei document discoveries oder den Anwaltshonoraren. weil Kläger kein finanzielles Risiko tragen. Im Fall der Telekom wären das also bis zu 24 Millionen Dollar Anwaltshonorar gewesen. Masseneuphorie kann nur dort entstehen. schloss der Konzern in den Staaten bereits 2005 einen Vergleich: Er zahlte 120 Millionen Dollar. Weil ein Rechtsstreit so teuer werden kann. Selbst im Fall einer Niederlage müssen sie nicht einmal ihren eigenen Anwalt bezahlen – denn mit dem haben sie typischerweise ein Erfolgshonorar vereinbart. Kläger können sogar mehr verlieren als gewinnen – was viele abschreckt. dass Unternehmen auch dann zahlen. Zugleich endet ein gewaltiges soziales Experiment: Nirgendwo sonst lässt sich die deutsche Einstellung zu Chance und Risiko besser beobachten als am Börsengang der Telekom und seiner juristischen Aufarbeitung. was ihnen Kapitalmarkt und Selbstüberschätzung genommen haben. In den USA wird schnell geklagt. Schauspieler Manfred Krug. Es war einmal. Das Ergebnis dürfte in einigen Monaten veröffentlicht werden. Oder als Anleger. Bei Bilanzfälschung oder unterschlagenen Nebenwirkungen von Medikamenten werden Konzerne regelmäßig mit Sammelklagen konfrontiert. Deswegen wurde die Entscheidung in der Vergangenheit immer wieder vertagt. Das birgt grundsätzlich das Risiko. die europäischen Ansätze für Massenverfahren zu reformieren – an amerikanischen class actions wollen sie sich dabei ausdrücklich nicht orientieren. Denn selbst nach der Entscheidung der Oberlandesrichter wird die Sache noch lange nicht vorbei sein. Testergebnisse und viele Papiere mehr. wie hoch der individuelle Schaden gewesen ist. Kleinanleger hoffen auf Entschädigung – die Justiz ist mit solchen Riesenprozessen überfordert Stand am 10. wenn sie sich eigentlich nichts vorzuwerfen haben. sich mit einem Fall so lange aufzuhalten. die sich leicht lenken lassen. Arbeiter und Angestellte zu Börsenfans. Die Kommissare Viviane Reding und Joaquín Almunia erwägen. oft über Jahre und Ländergrenzen hinweg entstanden. 3. die zehntausendfach ein unzureichend getestetes Medikament schlucken. wer das Börsendebakel letztlich zu verantworten hat. Stephanie Pilick/AP (v. Geduld ist die Tugend enttäuschter Aktionäre. Wer sich Gerechtigkeit erhofft. Vorstandskorrespondenz. Damit kann ein Unternehmen gezwungen werden. Weil aber der Konzern im Börsenprospekt falsche Angaben gemacht haben soll. entsprechend schwer tut sie sich damit. Der Washington Examiner hat herausgefunden. und damit war die Sache erledigt. Reichlich Stoff also für viele weitere Prozessjahre. Wichtige Änderungen. und deswegen wackelt auch der Termin in der nächsten Woche. so wie die Deutschen. herauszurücken und auf eigene Kosten neu aufzuarbeiten. plante er dafür vorsorglich die Riesensumme von 1. haben Wissenschaftler bei einer Evaluation des neuen Gesetzes ausgerechnet. 2011 um 17 Uhr 11. Die schnelle Ruhe hatte freilich einen hohen Preis. Merck beendete den Fall außergerichtlich. Die Telekom wurde nach ihrem Börsengang auch in den USA verklagt. weil sie extrem viel gewinnen können. Zwischen 10 und 20 Prozent bekommt normalerweise ein Rund 800 Anwaltskanzleien mischen in dem Verfahren mit In den Vereinigten Staaten gibt es solche Mammutverfahren viel häufiger. irgendwo zwischen Spots für Waschmittel und Tütensuppe. Ein Beispiel: Als der USPharmakonzern Merck wegen seines Schmerzmittels Vioxx vor einigen Jahren mit einer Sammelklage konfrontiert war. klagten rund 17 000 einst stolze T-Aktionäre auf Schadensersatz. Der Schauspieler gab der Privatisierung des Staatskonzerns ein Gesicht und buhlte um das Geld der Massen. Vom eigentlichen Schadensersatz war da noch nicht einmal die Rede – und auch nicht von den möglichen Strafzahlungen.9 Milliarden Dollar als Verteidigungskosten ein. dass die Sache längst erledigt gewesen wäre. Eine Sammelklage in den USA war nach wenigen Jahren erledigt In den Vereinigten Staaten wäre es undenkbar. Diesen Musterfall klärt demnächst das Oberlandesgericht: Ein süddeutscher Pensionär hatte ein Vermögen mit T-Aktien verloren. Krug tat etwas. Nun soll Justitia den Anlegern zurückgeben. die dort class actions heißen. ob die Deutsche Telekom beim letzten ihrer drei Aktienverkäufe im Jahre 2000 massenhaft Kleinanleger getäuscht und um Teile ihres Vermögens gebracht hat. ein schlechtes Anreizsystem und lange Ver- fahrensdauer auf der anderen: In den USA wächst ebenso wie hierzulande die Unzufriedenheit beim juristischen Umgang mit Massenschäden. Auch die T-Aktie ist dort längst kein Thema mehr. dürfte es der Fall seines Lebens sein. sich in komplizierte Wirtschaftssachen einzuarbeiten. ihr Recht überhaupt erst zu beanspruchen. und seine Anwälte von der Kanzlei Tilp aus Kirchentellinsfurt schotten ihn von den Medien ab. Die deutsche Methode könnte künftig stärker von Brüssel geprägt werden. Das Prozesskostenrisiko bei Massenverfahren beträgt wegen der Gerichts. Wer unterliegt. Erpressungspotenzial und enorme Kosten auf der einen Seite. Zu Recht? Bald wissen sie mehr.50 € Start am 15. Prozesse gut und schnell zu führen. In Deutschland sind die Anreize andere.

« Mehdi Rouis muss da nicht lange überlegen. sagt Rouis. Finanziert werden ist jene Stadt im verarmten sollen diese unter anderem Sousse Landesinnern. Dass ihm hervorragende Beziehungen zu Ex-Diktator Ben Ali nachgesagt werden. »Wenn die Arbeitgeber ein bisschen was drauflegen. »Einheit macht stark«. das Unternehmen die WirtTunesien als billigen Pro10. ist Claude Cheneval überzeugt. Ein Teil der 6000 an die Felsen. Mittelmeer zufolge entzogen der ExAm Telefon in seinem Büro TUNESIEN Diktator und seine Familie im Industriegebiet des Küsder tunesischen Wirtschaft tenortes Sousse signalisierte ZEIT-Grafik ALGERIEN LIBYEN jährlich rund zwei Prozent Rouis dem Minister tags 200 km des Wachstums. meist cedes-E-Klasse und die BMW-3er-Serie. Und nicht in der Wirtschaft. Die Tunesier wollen sich auch von Unternehmern nichts gefallen lassen Fast immer geht es dabei um die Höhe der Löhne und die Umgehung des Arbeitsrechts mithilfe von Subunternehmen oder anderen Tricks. die jedes Jahr Schule oder HochEntourage des Diktators glaubte sogar. deren Einkommen aufGoldtex bezahlt besser als so manches andere Tex. kritisiert er.3 eine der Voraussetzungen Unternehmern über Tarifver*Schätzung für 2011 gewesen. Auf der einen Seite mehr alles gefallen«. Nichts sei entschieden. nachdem die Tunesiens Wirtschaft eine größere Bedeutung er. zwei Masterabschlüssen zusätzlich zum Studium und einer Position als Teamleiterin bei einem Autozulieferer verdient sie derzeit lediglich 900 Dinar brutto im Monat – umgerechnet nicht einmal 500 Euro. warnt Abdelaziz Rassaâ. ob wir Stücke. Vier Monate nach der Jasmin-Revolution ist unklar. Ebenso wichtig sei aber die Wertschätzung der Mitarbeiter etwa durch Investition in deren Aus. saß ein Universitätsdiplom. für mehr Geld und eine 40-Stun. neue Jobs etwa durch öffentOperating Manager Tunesien liche Infrastrukturprojekte zu Tunis Bizerte von Leoni. das in Bouazizi.« Inzwischen hat Rouis die ZEIT-Grafik/Quelle: GTAI schaftliche Entwicklung den zu Diktaturzeiten obligapolitischen Neuanfang getorischen Fotos von Ben Ali im Werk abhängen fährden könnten. tilunternehmen.3 Prozent wachsen wird – nach 3.« So wird auch in den neuen Zeiten. der sich selbst anzündete.hier mit 6000 Leuten und moderaten Löhnen arverzug mitlesen. ist der Nürnberger Kabelhersteller Leoni. die wir als Unternehmen beit im Londoner Exil über Parteistrukturen und brauchen. macht den Arbeitskampf zusätzlich brisant. Der Tourismussektor. bei einem Wahlsieg der Operating Manager auch künftig nicht automatisch Partei einschreiten. Néji Mhiri. dass der im benachbarten Algerien. Auch Mohamed Eines der ausländischen Unternehmen. Aber es ist nicht ungewöhnmacht fördern wollte und Lizenzen für einheimische lich. Die EXPORT 11. ließ der Inhaber. Ihm gehören rund zehn Prozent der Hotelbetten in Tunesien sowie ein Möbelimperium. Auch sie los. die Militärs könnten. tun. Anstatt auf die Forderung der 190 Mitarbeiter nach höheren Löhnen und der gesetzlich festgeschriebenen Entfristung der Arbeitsverträge nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit einzugehen. Am Cap Blanc.Leoni bekam.« Besuch in Bizerte. kümmert niemanden. Tunesien in Zahlen . sondern wegen der Revolution. abschlüssen in Mikroelektronik und Qualitäts»L’Union fait la force« steht auf den Kitteln der sicherung war der 30-Jährige ein Jahr lang arbeitsArbeiterinnen.2 Prozent sei allein im ersten Quartal die Industrieproduktion gesunken.5 IMPORT zielle Not und die Enteignisse ließen sich nicht Handelsdaten von 2010. das einen Diktator ver. dass die zufriedenheit Profit schlagen könnte.« »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine Rund 600 000 Menschen arbeiten in Tunesien große Gefahr für die Demokratie« für Offshoreunternehmen. Industrieminister der Interimsregierung. Er lasse sich nicht unter Druck setzen. das Gerücht um. »Das müssen wir schon deshalb übersetzten. was in Nordafrika gerade passiert. Seither ist erst kollegen von mir haben bis heute keine Arbeit. Sie ist des Hofes entstehen die Kabelstränge für die MerPersonalchefin bei Goldtex. die durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben angelockt wurden. Streiks und Straßenblockaden behindern seit Wochen immer wieder die Industrieproduktion und Anlieferung wichtiger Materialien. Der Chef persönlich kam aus Portugal seiner Qualifikation. der seit Jahren im Land lebt und auch mit der deutsch-tunesischen Handwerkskammer zusammenarbeitet. wie er aussieht. Die Aufgabe entspricht zwar nicht den-Woche.Partei Ennahda bei der Wahl am 24. der in den vergangenen Jahren für 10 Prozent der Wirtschaftsleistung stand. Als Kompromiss Textilfirma Petratex. Blusen für Trussardi Jeans er den streikenden Mitarbeitern versprochen. stehen lediglich 60 000 bis 65 000 den Umsturz mit seiner Hilfe verhindern. waren die Pro.und Fortbildung. Am Sonntagnachmittag kommen viele Hauptstadtbewohner gerne auf die Avenue Bourguiba. dass da mal was war. warnt Dabei läuft das Geschäft von Leoni und seinen Tunesiens Zentralbankchef Mustapha Kamel Nabli. Demnächst Die kostenlose Überlassung Inflationsrate in Prozent*: will die Regierung Gespräche 4. in der Vergangenheit mangeln lassen.4 täten gewährleisten muss. dem hat der Arbeitgeber bisher nichts anderes geboten.ran halte ich mich.« einmal Ruhe – auch. das schaffen. wo die Revodurch die Privatisierung von lution mit der SelbstverbrenUnternehmen und BeteiSidi Bouzid ligungen von Ben Ali und nung des jungen Mohamed seinem Clan. »Der freie Stellen gegenüber. Daran hätten es viele der Offshorebetriebe. Gerade hat der französische Unternehmensberater. Sie bevölkern dort die Straßencafés. Auch die Übergangs. bekommen sie höchst qualifizierte Leute zu einem immer noch sehr guten Preis«. »Würden wir das umsetzen. Er pokert.Mitarbeiter im tunesischen Leoni-Hauptwerk in trieben hat. beiten. Viele studieren. Maximalforderungen von heute streikenden Arbeitnehmern hätten auch mit Jahrzehnten des erzwungenen Schweigens und völliger Unerfahrenheit mit Tarifverhandlungen zu tun. mahnt Ayed. Die Direktion des Hauses wenige Meter neben dem Innenministerium auf der Prachtstraße Avenue Habib Bourguiba hat Hunderte internationaler Konferenzen organisiert und diskret auch so manches Geheimtreffen. sagt Cheneval. wissen.und Gewinnprognose Kraft aus den Wahlen hervorgehen. erren mehrere Hunderttausend zählt Mohamed Larbi Rouis. »Muss er ganz und gar nicht«. Gefahr für den Übergang zur Demokratie«. Sidi Bouzid. oder mit 3000. Die ErSorge geht um. um ihre neue Freiheit zu genießen.gebläht werden. ob er sich nach einer neuen Werkbank umsehen muss. So kann die Zentrale in Portugal ohne Zeit.7 Prozent 2010. Gut möglich. Arbeitslosigkeit in Prozent*: fen. fragt sich. sagt Sonia Ben Salid. dass müssten aber auch aufhören. machte sie das Hotel lieber zu. hätten wir nicht Gruppierung. Schätzungen Buazizi ihren Ausgang nahm. aber immerhin. weil die Bezahlung dieses Jahr Einer von ihnen gehörte zu den jungen Tunesiern. belangt hat.« Und die Forderung nach Lohndem Arbeitsplatz zählt ein Computer die fertigen erhöhungen? »Sie müssen sich entscheiden. binnen fünf Jahin Sidi Bouzid eröffnen«. Doch der Neuanfang nach 23 Jahren Diktatur in Tunesien ist nicht so entspannt.Abitur.1 es war schon zu spät. wie er sagt. An je. ist aufgrund der ausbleibenden Urlauber gelähmt. ob Tunesien auch ein wirtschaftlicher Aufbruch gelingt. »Daoder Jacketts für Zara und Massimo Dutti. der Tunesien in den vergangenen Jahren als Billiglohnland in Europas Nähe schätzte. Nur Haken an den Wänden erinnern noch die unter Ben Ali verbotene islamisch geprägte daran. um die Einhaltung von Vorschriften gefeilscht. Er machte aber auch klar.0 einer Werkshalle sei daher Wirtschaftswachstum in Prozent*: mit Gewerkschaftern und 1. dass finanTunesien EU 9.6 schaftlichkeit seiner Aktivi. Doch ein wirtschaftlicher Aufbruch steht noch aus VON KARIN FINKENZELLER D as Hotel Africa ist geschlossen. Abnehmern glänzend.an einem Obststand arbeitet oder ein ausgebildeter duktionsstätten ausländischer Betriebe praktisch. »Aber handlungen aufnehmen. auf der Frauen.32 12. als die PLO von Jassir Arafat ihren Sitz noch in der tunesischen Hauptstadt hatte. das Hotel werde »in Kürze« wieder den Betrieb aufnehmen. Den 85 000 bis 90 000 Er beschäftigt in Tunesien 13 000 Mitarbeiter. arbeiten für den Ableger der portugiesischen anderen die für den VW-Konzern. wie Directrice die in den vergangenen Wochen illegal nach Italien Lurdes Silva sagt. »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine große zu Demokratie und Rechtsstaat führen sollen. Nicht in der Politik. sie könne schule verlassen. Wandzeichnung des Ex-Diktators Ben Ali in einem Souk in Tunis Foto: Jonathan Alpeyrie/Polaris/laif Vor knapp vier Monaten triumphierten in Tunesien die Menschen über die Diktatur. Der Automobilzulieferer hat Leuten wie ihm graut schon vor den Schlagzeilen seinen Konzerngewinn im ersten Quartal mehr als im Ausland.Einwohner in Millionen: duktionsstandort zu begrei14. die schon seit stehen bei Neonlicht in den Hallen einer ehemali. »Aber wer nur über Geld spricht. »Ein Volk. dass Revolution wie ein Kinder- spiel erschien. Dennoch sind die Löhne in Bizerte mit 450 bis 600 Dinar um 30 bis 40 Prozent Mit einem Diplom von einer der renommiertesten niedriger als in der portugiesischen Heimat des tunesischen Ingenieurschulen und zwei MasterUnternehmens. wir sollten ein Werk mit tausend Leuten digt und das Ziel ausgegeben. Oder genauer: wegen der neuen Offenheit. bevor er 2009 den Job als Vorarbeiter bei haben gestreikt. Ein Schild an einer weißen Metallabsperrung vor dem Haus verspricht. die aufgrund ihrer langjährigen Armehr die Flexibilität. unbegen Schokoladenfabrik T-Shirts für die französische fristete Verträge bekommen. in Mrd. Das sind etwa 30 Prozent der abhängig beschäftigten Arbeitnehmer. wie 1992 betont Rouis. Ennahda ist nach dem Verbot nach vier Jahren unbefristete Verträge gewähren der früheren Regierungspartei RCD die einzige muss. dass er grundsätzlich Ausländische Investoren offen sei für den Standort. Ingenieur in einem Callcenter. Euro täuschung über die wirtmehr aufhalten. sollte die Islamistenpartei als stärkste verdreifacht und die Umsatz. die einen gewissen Organisationsgrad verfügt. 48 Stunden pro Woche ent.Polizei seinen Gemüsekarren konfisziert hatte. wo es zuletzt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Gegnern der Übergangsregierung kam und sich bereits mehr als 50 Parteien für die Wahlen zu der wegen der Unruhen nun unsicheren verfassungsgebenden Versammlung im Juli registrieren ließen. Das Fünfsternehaus im Zentrum von Tunis ist nicht wegen ein paar Umbauarbeiten abgesperrt. noch um 10 Prozent steigen soll. dass Tunesiens Wirtschaft dieses Jahr um lediglich 1. mit der jetzt auch in Tunesiens Wirtschaft miteinander gestritten wird. hinter denen Militärs mit lässig umgehängten Maschinenpistolen das Innenministerium vor einer Demonstration schützen. Um 12. dass ein Jurist mangels adäquater Alternativen Unternehmensgründungen von Gunstbezeugungen als Verkäufer für einen Mindestlohn von 280 Dinar der Antragsteller abhängig machte. weil auch die Preise für Lebensmittel und andere Waren steigen.sollen demnächst 480 Beschäftigte. dass lassen.mindestens sechs Jahren im Betrieb arbeiten. in der Lobby eines Nobelhotels in Tunis ein Bewerbungsgespräch mit einer jungen Ingenieurin beendet. »Studienangereist und nahm sie ins Gebet. Juli aus Unregierung geht jedoch fest davon aus. Minister für Internationale Zusammenarbeit und Interims-Finanzminister Jalloul Ayed hat einen Ausländische Investitionen hat mich angerufen und »Marshallplan« für die arbeitslose Jugend angeküngebeten. Trotz sechsjähriger Berufserfahrung. peitscht der Wind die Wellen des Mittelmeers für 2011 deutlich angehoben. Ein erbitterter Arbeitskampf hat zur Schließung des Hotels geführt. der keine wirtschaftliche Neben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Streiken und pokern Das Leben geht weiter. dem nördlichen Ende Afri- kas. lässt sich von einem Unternehmer nicht Sousse arbeitet auch samstags. Die jungen Leuten. Vor allem wird befürchtet. 200 Beschäftigte. und dass auf dem Mittelstreifen ein Panzer steht und keinen Meter neben der Kaffeetasse Stacheldrahtrollen aufgetürmt liegen. etwa eine Autostunde nördlich von Tunis. darauf. Das habe Marke Isabel Marant. Schon geht Werksgründung kommt. Doch mit den Folgen der Revolution im eigenen Land wusste sie nicht umzugehen. Und so mancher ausländische Investor. Diktator Sein al-Abidin Ben Ali war so schnell und leicht vertrieben. Für 75 Prozent der Schulabgänger in Tunesien haben Diktator Ben Ali. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus.

und die Letten glaubten der Welt sehr gern. zeigten noch alle Zahlen nach oben: das Wachstum. Als dabei ein paar Fensterscheiben zu Bruch gingen. nur um als teures Importpapier wieder zurückzukehren. »Wir gehen weniger Ostsee deuten darauf hin. Liepaja (Libau) und Ventspils (Windau) von Transport und Transit. und ausländische Anbieter steuern in Schwung kommt. Allerdings fehlen 2008 2009 2010 nicht mehr regelmäßig bedieVertriebschef Juris Kudeiko nen. und luden für die Rückfahrt die Bretter und Latten dass die Regierung mit dem Ende der Krise be. der Käse auf dem Wochenmarkt: Vieles ist preiswerter als noch vor zwei. Die daher verfügten Sparmaßnahmen summieren sich bisher auf mindestens 16 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ein weiteres Beispiel für die Chancen in der Nische ist der Holzspielzeughersteller Varis. verkürzte die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld und kappte die Zuschüsse an den öffentlichen Nahverkehr. die der Griechenlands ähnelt. der etwa von der Jahrtausendwende bis 2008 währte. Erstaunlicherweise erlebte das Land keine Unruhen. 2010 ging es noch ein bisschen weiter nach unten. dass die Balten in Jahrhunderten der Fremdherrschaft gelernt haben. Alle Zahlen Garten. Lettland stand kurz vor der Pleite. Lettland lebte dank seiner drei Ostseehäfen Riga. weil es kaum Käufer gibt. vor allem jene. Die konservative Regierung wurde im vergangenen Herbst sogar wiedergewählt.« Fotos (Ausschnitt): Roman Koksarov/AP/ddp (u. Während ihre Landsleute noch mit Immobilien zockten. die mit Fleiß. schon sturz.und thek. Die Welt sprach bewundernd vom »baltischen Tiger«. Geld auszugeben. »Nur war die Blase.3 oder Häuser auf Kredit zu aus Jekabpils (Jakobstadt) in Arbeitslosigkeit in Prozent*: 17. Das Ende kam abrupt und mit Wucht. bevor ich Lettland vor Beginn der Krise bei nur etwa 20 Pro. nach harten Reformen und Einschnitten. sie erinnern sich noch an den wirtschaftlichen Kollaps nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – die. davon kann inzwiBlockhäuser wieder stärker geschen jeder dritte die Raten fragt sind. »Die Lehre aus der Krise ist: Es gibt nicht den einfachen Weg zum Wohlstand«. um seine Banken mit ZwangsversteigeWaren nach Westen zu brinrungen zurück. Viele Letten hatten auch gar keine Gelegenheit. Auch das Bier in den Gaststätten der Hauptstadt. das nicht in ausländischen Händen ist. Mit seiner Hauptstadt Riga. Der Kollaps des sozialistischen Riesenreichs traf Lettland hart.1 ten 120 000 Kredite aufgeStecklatten für Saunen und nommen. Allerdings errichten Industriekonzerne aus dem Ausland im Baltikum keine Fabriken. die Preise. wo Bauholz und 23.« wirtschaft. Zu Beginn der Krise gab es genau eine einzige größere Demonstration. Und eine lands Wirtschaftsabsturz vorerst LETTLAND Kollegin fügt hinzu: »Beim gestoppt ist. die sich in einem Haus am Rande der Rigaer Altstadt einquartiert hat. Die deutlich reduzierZEIT-Grafik 100 km Viel härter trifft es hinten Produktionskosten haben gegen jene. baute Amerika mit ein paar Freundinnen auf ein Netz kleiner Boutiquen in Deutschland und Skandinavien. Zuverlässigkeit und den inzwischen wieder niedrigeren Löhnen Nischen bedienen. sagt eine Mitarbeiterin im Rigaer Day Spa. drei Jahren. Das UnternehInflationsrate in Prozent*: –1. Ihr Besitz ist nach Ostlettland. Die Kosmetiker und Masseure bei Kolonna mussten Lohnkürzungen um bis zu 40 Prozent hinnehmen. Auch im Baltikum schlug die globale Finanz. Der Familienbetrieb lässt in der lettischen Provinz Holzbaukästen fertigen. sich an einen hohen Lebensstandard zu gewöhnen. sagt Finanzstaatssekretär Martins Bicevskis. »Es war im Prinzip das gleiche Spiel. sagt die Kleinunternehmerin Amerika. des Lats. war das dünn besiedelte Land als Teil der ehemaligen Sowjetunion einst zu einem Industriestandort aufgebaut worden.ginnen werde. das Freiheitsdenkmal eit die bekannte lettische Kosmetikkette Kolonna ihre Preise um rund ein Viertel gesenkt hat.aus Jekabpils auf. aber auch jegliches Vertrauen internationaler Investoren in die Überlebensfähigkeit der Baltenrepublik untergraben – und noch mehr Unternehmen und Privatleute in den Ruin getrieben. sagt KolonnaChefin Ieva Plaude-Röhlinger. ein Café im Zentrum (Mitte). Laut Statistik haben von Bruttosozialprodukt in Milliarden Euro Nordeuropa und besonders in 600 000 lettischen HaushalDeutschland. Immerhin: »Am Ende brauchten wir keine einzige unserer 40 Niederlassungen aufgeben«.gen. Zum Beispiel die Firma von Ginta Amerika: Ehemals Beamtin in der Rigaer Stadtverwaltung. »Ich Immerhin lag die Verschuldung des Staates in muss manchmal tagelang telefonieren. Lettland in Zahlen Das verarbeitende Gewerbe zu fördern ist erklärtes Ziel der Regierung. ist Schönsein in Lettland so billig zu haben wie lange nicht mehr.2 Prozent. Zu zent des Bruttosozialprodukts und damit weitaus Boomzeiten war das anders. Und wer den benachbarten russischen Markt bedienen will. die Miete für die Rigaer Wohnung. unverarbeitet.und Konsumboom. viel gewaltiger.WIRTSCHAFT 12. So verlässt zum Beispiel Holz das Land tonnenweise. als roher Stamm. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes lag 2009 bei nicht einmal neun Prozent. »waren die Letten wohl derart erschrocken. Manchen Wirtschaftsexperten gilt Lettlands Rosskur als beispielhaft. produziert dort besser direkt. zu protestieren«. Die Arbeitslosenrate schnellte nach oben. sagt Kudeiko. Wahrscheinlich liegt die nachgerade unwirkliche Ruhe daran. wo die Gemeinschaftswährung seit Jaheine Last. das in Lettland nicht vorhanden ist. das man auch in Ländern wie Spanien gesehen hat«. Kann man aber mit Kleinstfirmen. Das war hart«. wie man spart und neue Einnahmequellen auftut. Während des lettischen Booms. vor allem in Deutschland. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 33 »Das geht nur mit Arbeit« Lettlands Wirtschaft brach in der Krise ein. da transportierten die niedriger als in westeuropäischen Krisenländern. urteilt der Ökonom Morten Hansen. spottet ein Diplomat in Riga. scheint ein neuerlicher Aufschwung möglich. ganze Familie mit preiswerDie Chancen darauf stehen tem Essen aus dem eigenen ESTLAND gar nicht schlecht. Freuen kann sich jedoch niemand darüber. Damit ließen sich die Preissenkungen finanzieren. erklärt der in Riga lehrende Ökonom Morten Hansen. Örtliche Spediteure sind während der Krise te sich allerdings ändern. dieses Jahr scheint Riga Einkaufen schaue ich jetzt ein leichtes Wachstum wieder genauer hin.) . »Das geht nur mit Mühsal und Arbeit.einen freien Lkw bekomme«. Dabei geht es darum. nahm die Baltenrepublik eine Entwicklung. Lettland ist zu klein und zu abgelegen. Sogar im traditionell agrarischen Litauen liegt er weit höher. Das ser war weit drastischer als der gegenwärtige Ab. aber bereits weiter fortgeschritten ist – und die manche Beobachter als Blaupause für Athen betrachten. Deren Verbindlichkeiten wären weiter gestiegen. aus denen sich Bauernhöfe oder Flugzeuge zusammenstecken lassen. allein von der kleinen ExportLITAUEN was uns gefiel. ruinierte die Staatsfinanzen. ddp (2) . Dann aber ging es in die umgekehrte Richtung. vom Tourismus und – wegen seiner ausgedehnten Wälder – vom Holzexport. Wohnungen der Holzverarbeiter Osukalns Einwohner in Millionen: 2. Lastwagen aus dem Westen Baustoffe nach Lettland Finanzstaatssekretär Bicevskis verspricht zudem. Noch halten sich die ZEIT-Grafik/Quelle: Zentr.« Als die Blase platzte. die sich in den lettische Waren wieder attrakBoomjahren von den rasant tiver gemacht. Anders als in Deutschland. Lettland machte durch. was im Ökonomendeutsch »interne Abwertung« genannt wird. Lettland erhöhte die Umsatzsteuer auf 22 Prozent. »Jahrelang ging es darum. Nach harten Reformen könnte es 2011 wieder aufwärts gehen VON JAN PALLOKAT S Blick von Rigas Kathedrale (oben). gründete Amerika vor einigen Jahren ein Modelabel. die Rettung der wankenden Parex-Bank. zahlten in Lettland überwiegend Arbeiter und Angestellte die Zeche. Für wirtschaftliche Dynamik sorgen dagegen eine Vielzahl kleiner Firmen. mit Holzspielzeug und Ökopullis ein Land zum Wohlstand führen? Wahrscheinlich bleibt den Letten vorerst nichts anderes übrig. Inzwischen allerdings. »Zudem braucht es Knowhow. die Löhne. steigenden Löhnen dazu hinDas merkt zum Beispiel reißen ließen. Getragen wird es fast einfach in den Wagen gelegt. früher haben wir möglich. damit die Wirtschaft zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren kann.0 18. das Bauwesen und der Finanzsektor auf. Inzwischen arbeiten zwölf Mitarbeiter für die Firma Ameri. die Löhne im öffentlichen Dienst wurden um 40 Prozent gesenkt. Es war ein kreditfinanzierter Immobilien. auch das gibt es zu wenig«. versorgt jetzt die resbeginn gilt. das Land am Rand der EU kaum noch an. hätte zwar den gleichen Effekt gehabt.6 18. der einzigen Metropole des Baltikums.2 kaufen. Papierfabriken zu errichten würde viel Kapital erfordern. Nun war plötzlich die Frage. Auch Varis verkauft direkt an ausgesuchte Spielwarenläden in ganz Europa. Statistikbüro Lettland nun die Lastwagen. die sich bevorzugt in Euro verschuldet hatten. wo ein ziemlich starker Staat die Beschäftigten mittels Kurzarbeit und Konjunkturprogrammen einigermaßen vor der Krise schützte. Im Boom allerdings blähten sich vor allem der Einzelhandel.könnte auch Lettlands erklärtem Ziel helfen. die Pullis und Röcke aus Lettland in ihr Sortiment aufnahmen. Das dürf.und Wirtschaftskrise mit unerbittlicher Härte zu: Die Wirtschaft schrumpfte allein 2009 um 18 Prozent. wieder Rücklagen zu bilden. relativ zur Größe des Landes.1 dem Absturz meist deutlich men spürt den Wirtschafts*Ende 2010 weniger wert als die Hypoaufschwung in Mittel. Auf Knopfdruck lässt sich die industrielle Basis nicht vergrößern. Vom Gipfel des Booms bis zum bisherigen Tiefpunkt der Krise verlor das Land ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung und brach damit so stark ein wie kein anderes europäisches Land. des einzigen lettischen Kreditinstituts von Bedeutung. sobald der Markt wieder pleitegegangen. Sinkende Preise sind ein Krisensymptom. Also werden alte Überlebensstrategien neu im Jahr 2014 den Euro einzuführen und es damit belebt: Die Oma auf dem Land. dass sie es seither nie mehr wagten. dass es bisweilen klüger ist. mit aller Kraft Löhne und Preise zu drücken. dass Lettaus«. sich dem Unvermeidlichen zu beugen und auf ihre Chance zu warten. im Boom eher dem Nachbarn Estland gleichzutun. Eine Abwertung der eigenen Währung. auf zuletzt 17. Er hinterließ Zigtausende arbeitslose Industriearbeiter. nahm der Staat Notkredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch und beugte sich im Gegenzug dem Spardiktat der Geldgeber. um »endlich mal was Kreatives zu machen«. Ende 2008. der die lettische Wirtschaft hatte heißlaufen lassen.

Und reine Kulanz. benennt den Denn auch die komplette die meisten Versicherer »echten Preis«. Kleinere Schlachten und schlechter Vergütung der Rechtsanwälte seien werden gewonnen.44 US/$ +7. Verbraucher hofhilfe zu behandeln«.sich offenbar sehr ungeschickt. Mittlerweile weiß sie. Nicht nur Heraeus macht übrigens Spekulanten für die Silberpreiskapriolen verantwortlich. Dann kamen Tränen der Angst. Versicherungsnehmer im Einzelfall ist«. trieben Spekulanten den Silberpreis bis an die 50Dollar-Marke.4 % GELD UND LEBEN Boom. wie viel wurde. »äußerst wenige« meldet die Continentale. Der VZBV gewann 2006 vor gegen Ratenzuschläge abzutragen. Der Ratenzuschlag für die »einige Hundert Anschreiben« die DEVK. so ist zu hören. Während Die Versicherung von Pia Lanze beruft sich wie der mündlichen Verhandlung. Die Kursausschläge sind unvorhersehbar. die in Wirklichkeit anders heißt.Klauseln zu Teilzahlungszuschlägen zukünftig nicht pflichtversicherungen. die Ergo nennt eine monatlichen Zahlung von Pia mittlere vierstellige Zahl an Briefen und Anfragen. als habe sich die Geschichte wiederholt. monatlich ab. so die tatsächlich zu berappenden Preis. Es scheint.1 % NIKKEI: 9819 –5. Dann Begrenzung. Ende April hatte die Chicagoer Rohstoffbörse höhere Sicherheitsleistungen auf Silberkontrakte verlangt. Crash. Wie wenig Neues gibt es doch am Finanzmarkt. knickte ein. Und schließlich flossen Tränen der Erleichterung. Und mancher Kläger verhielt selbst etwas entschied.oder Deflationsszenarien hat der Silberpreis womöglich weniger zu tun als gedacht. Pia Lanze ging lange Zeit davon aus. die lediglich Einzelfallcharakter haben.9 % 12 745 +10. ohne dass der BGH zur Sache effektiven Jahreszins.ten zu verhindern. diese Jahresprämien in unterjährigen Raten die Huk-Coburg.9 % 1. Neue Leben Lebensversicherung AG.brief. Dann Absturz. Doch die meisten Kunden zahlen »unterjährig«. Erst als Lanze einen Anwalt einschaltete. »Wenn dann Einzelfallcharakter haben. Darin forderte sie erten. Es ist ein klassisches Mittel. Das Oberlandesgericht Prozesse führt. Insgesamt geht es womöglich um Millionen Verträge. schwante ihr erst Anfang 2010. also monatlich.17 US$/ SCHEFFEL +14.34 12. den sie damals bekam. dann ist das ein dem Landgericht Bamberg gegen die Versicherung.zentrale Hamburg herunterlud. soll viele andere Versicherer auf Urteile aus den versich abgezeichnet haben. wenn wichtige Angatieren wie Lanzes Versicheben zum Zins im Vertrag fehlen. Im Juni 2010 erhielt sie einen dreistelligen Betrag – bei Weitem nicht so viel. Das räumte auch ihr geschäft oder Finanzierungsin den Verträgen Versicherer ein. aber die Versicherer meist weit überlegen. Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach einmal von 15 Milliarden Euro. Und dafür erheben die Versicherungen einen Aufschlag.seit Vertragsbeginn auf Basis des gesetzlichen Zinszen. weil der Verbraucher nicht trale Hamburg sind lediglich Verträge unter 200 erkennen könne. Diese zögerte und verweigerte dann.35 ein Verbraucherdarlehenskritisieren. die Klauseln Prozent. dass die Un. machten es für den fen nun. Im Fall der unteren vierstelligen Bereich«. Es waren die Brüder Nelson Bunker und William Herbert Hunt. die Prämie Monat für Monat abgeerklären sollte. ihre sicherungen.diese allen anderen Gerichten zum Abschreiben streit der Verbraucherzentrale Hamburg und der vorgelegt«. Teilzahlung . »Verfür die Stückelung der Jahresprämie und einem einzelte Anfragen« habe man bekommen. Doch nungsformeln. Und forderte Geld von ihrer Versicherung zurück. wenn der effekGenau das ist der juristiKunden nicht transtive Jahreszins nicht angegeben sche Knackpunkt: Gewähren parent genug. Nachteile für die gesamte Branche Versicherer vorschreibt. mathematik ist das. aber auch um Kfz-. eine Rückzahlung des Differenzbetrags. Bei der unterjährige Zahlung wird – wenn überhaupt – in Generali liegt die Zahl nach eigenen Angaben »im Prozent des Jahresbeitrags angegeben. Euro Jahresprämie und Krankenversicherungen Pia Lanze nutzte für ihr Anliegen einen Musterausgenommen. Dafür zahlen sie einen Aufschlag. denn der Silberpreis erholte sich etwas.splitintoone. wie hoch der Zuschlag sei. Für Versicherungsnehmer wie Pia Lanze und für die Assekuranzen. Mai 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 20 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7526 +7. dass beim Silber immer noch sehr viele Spekulanten unterwegs seien. dass sie ihre Jahresprämie monatlich abstottert. vierteljährlich oder der Effektivzins.35 Pro- zent war. hatte etwas an der Ratenzahlung für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung und ihre Altersvorsorge auszusetzen. schicken schen einem in Verträgen ausgewiesenen Zuschlag aber nur wenige diesen Brief dann auch ab. Zinseinnahmen. Im Fall Pia Lanze unterjährige Zahlweise wie Verbraucherschützer beträgt der Effektivzins 11. wie die Assekuranz betonte. rückwirkend nur den gedie Versicherer den Ratenzahihn das Bezahlen in setzlichen Effektivzins von vier lern einen Kredit oder nicht? Raten tatsächlich kostet Prozent zahlen müssen. rechnung dieses Zuschlags ist stets die die Berechnung des Bedie volle Jahresprämie – auch wenn trags.5 % 103 US$/BARREL +15. wie sie erwartet hatte. Laut der Verbraucherzen.2 % RTS: 1928 +8. der Preis brach daraufhin ein. berichteten Manager davon. klassischer Ratenkredit«. um Spekulationen einzudämmen. ob ein Darlehen teuer oder lich. Für den Effektivzins betont heute. die die Branche vielleicht zahlen müsse. sagt Bluhm. effektive Jahreszinssatz ausgewiesen werden muss«. heißt das Teilzahlung. Was den Verbraucherschützern unterdessen Bei Individualklagen mit niedrigen Streitwerten gelingt. Pia Lanze schrieb ihrer Versicherung. in den späten siebziger Jahren. Ein geschickter Schachzug der Huk – ein Die Verbraucherzentrale Hamburg und RechtsAnerkenntnisurteil kann nicht auf andere Fälle anwalt Bluhm setzen deswegen auf Verbandsklagen: übertragen werden. aber zu viel gezahlten Zinsen«. Inzwischen sind sie etwas entspannter. Sie wurden erst durch die Anordnung höherer Sicherheitsleistungen gestoppt. kam Bewegung ins Spiel.»Dort spielt auch keine Rolle. musste mehr Geld hinterlegen. Es ist ein Drahtseilakt. stieg doch der Silberpreis binnen eines Jahres von weniger als 20 Dollar je Feinunze auf rund 50 Dollar. sagt Bluhm. den sie dafür zahlt.mehr zu verwenden. »dass bei PräTrotz der jüngsten Teilerfolge der Verbrauchermienratenzahlungsklauseln in Versicherungsbedin. stottert sie halbjährAussagekräftiger ist deshalb dass in der Branche zeitweise lich. Dass es tatsächlich ein effektiver Jahreszins von 11. Jahresprämie nicht auf den« somit jeden Monat etwas Die »Kulanz« ihrer Versicheeinen Schlag. denn binnen weniger Tage Anfang Mai verlor der Silberpreis rund 20 Prozent (was öffentlich allerdings nur wenig beachtet wurde. gerichts. werden schied das Landgericht Hamburg in einem Rechts. Die 53-Jährige.1 % 1514 US$/ FEINUNZE +6. Die Huk genauerer Betrachtung nicht immer wasserdicht. Nun gilt das Urteil des Land. Zunächst waren es Freudentränen. Brisant aber bleibt der Streit. für zu hoch.In einigen Fällen ging es im Kern gar nicht um den erkenntnisurteil. Damals erfuhr sie von einem langen Rechtsstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern. Lanze war es ein Zuschlag von fünf Prozent. Unfall. Den Unterschied zwi. rung ist aber ein Beleg dafür. mit Inflations.Huk. »dass es keine kosten und entgangenen gibt es komplizierte Berechrechtliche Verpflichtung gibt. verlangen cherfreundlicher.schützer herrscht längst noch keine Klarheit. doch Investitionen bleiben gefährlich Der Silberpreis steigt rasant! Nein.com Abgesichert oder abgezockt? Viele Versicherte begleichen ihre Prämien in Raten. was für ein Typ der richterliches Urteil mit Grundsatzcharakter. Denn schon einmal. Deshalb müsse auch der effektive kassierte diese Entscheidung dann aber wieder. Sache ging bis vor den Bundesgerichtshof. Wird die Jahresprämie gestückelt. Denn geklärt ist die knifflige Sache noch lange nicht. Für Normalanleger ist das ein sicheres Zeichen: Diese Woche von Finger weg! Als der deutMarcus Rohwetter sche Edelmetallkonzern Heraeus am vergangenen Montag in Hanau seine Bilanz vorlegte. sagt Rechtsanwalt Joachim die den effektiven Jahreszins in Riesterverträgen Bluhm. Und gungen für den erhobenen Ratenzuschlag auch der die Versicherer werden weiterhin alles unternehmen. wie sie sagt. Es geht um Riesterverträge und Lebensver. die Hoffnung machen. er fällt ins Bodenlose! Oder halt: Jetzt steigt er ja doch wieder! Was denn nun? Das begehrte Metall hat vielen in der Finanzbranche gleich mehrfach glänzende Augen beschert. der dann Fast alle Versicherer argumenfällig wird. dass sie für ihre monatliche Zahlungsweise fünf Prozent mehr aufbringen muss. Glaubt man den Versicherern. Der Silberpreis ist ja auch schon wieder gestiegen. Doch diese Urteile sind bei wohl dem VZBV recht geben würde. vierteljährlich oder halbjährlich.sicherung am Landgericht Stuttgart verurteilt. dann aber Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gegen anbietet. Die Tabelle ist stottert wurde und Lanzes »SchulBezahlt ein Kunde seine furchtbar unübersichtlich.4 % 2659 US$/ TONNE +6. den sie sich von der Website der Verbraucherternehmen verunsichert waren und zunächst mau. Boom Der Silberpreis steigt wieder. Er ist verbrauVerunsicherung herrschte. Es fehlt bis heute ein höchst. dass sie. »ohne Anerkennung einer Rechtspflicht«. Anfang Mai erst ent. Das gelang ihnen im Rechtsstreit der det und zu Beginn eines Jahres fällig sind. der für die Verbraucherzentrale Hamburg nicht angegeben hatte. um ein höchstrichterliches Urteil zu ihren UngunsUnd Ende April wurde die Stuttgarter Lebensver.geladen. Umgekehrt heißt das: Mit den Aussichten der Weltwirtschaft. sind Etappensiege. Illustration: Karsten Petrat für DIE ZEIT/www. Höhere Finanz. Das war aus heutiger Sicht etwas hoch gegriffen. Im Klartext: Wer mit Silber spekulieren wollte. satzes von 4 Prozent« und die »Rückerstattung der Bei dem Streit geht es um einen kleinen. mit ihm kann Rückabwicklung von VerZusatzkosten. Die Jahreszins angegeben werden. weil zur selben Zeit die Tötung Osama bin Ladens diskutiert wurde). Lanzes Versicherung höheren Verwaltungsgünstig ist. Es kam zu einem sogenannten An. Die Referenz bei der BeLanze erhielt eine Tabelle. rung. dass die meisten Versicherungen ihre Prämien auf Jahresbasis kalkuliert haben. Erst Spekulation. Dann wieder von vorne.5 % 7. Sie man beispielsweise auch bestimträgen schien plötzlich mögbegründen das mit men. sondern kleiner wurden. so wie viele andere auch.dort schlechte Entscheidungen ergehen. auch eine »Neuberechnung des Ratenzahlungszuschlags weil die Verbraucherschützer sich auf Urteile stüt. dass Jahresprämien geschulabzuwenden. Verbraucherschützer Die Versicherer sind alarmiert halten dagegen: »Wenn der und versuchen. Laut Verbraucherzengewichtigen Unterschied – den von Ratenzuschlag trale wurde dieser Brief fast 200 000-mal herunterund effektivem Jahreszins. Doch die Firmen verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG P ia Lanze wollte Gerechtigkeit. Sie hält den Aufschlag. Da wundert es nicht. dass der zuständige Senat gangenen Monaten.und Haft.

Kriegsschiffe und Wälzlager für Windmühlen. dass man jemandem mittels Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen zum juristischen Sieg verhelfen könnte.und Kohlestrom. Nimby heißt im Englischen jene Spezies Mensch.derts ohne Kohle nicht auskommen wird und falls im SPD-geführten Land Brandenburg steht weil CCS gegenwärtig die einzig bekannte in Schwarze Pumpe das einzige deutsche Ver. sondern bauplan für den Stahl. Ähnlich ist die Situation in Niedersachsen. die reichlich vorhandene heiKohle hat man den das Grundlage für die Erpromische Braunkohle gilt als wichtiger Garant einer unbung und weitere ErforEindruck. Doch er bleibt die Entscheidung schuldig. winnen. so destens 50 Euro kosten – zu viel. Viele Zeugen wird sie dabei eher kritisiert. relativ kurzfristig die Luft über suchskraftwerk.und Kommunikationsstrategie ist dafür notwendig. denn auch bei der Aufte Wettbewerbern anzudienen. ob sich den Kampf gegen den Klimakollaps ohne die zur CO2-Lagerung vorgesehenen unterirdi. Insgesamt würde eine Tonne Weitere Informationen im Internet: blog. Ackermann. Die Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger und Thomas Zerback fanden heraus: Schuldig oder nicht schuldig ist keine Frage guter Presse. und Medien. Zur Jahr.lich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht – gen. ZEIT-Grafik/Quelle: Geschäftsbericht wie sie zu Jahresbeginn Branhat auch Vorgänger Ekkehard chenprimus Arcelor-Mittal Schulz schon versucht – und zwar vergeblich. kämpft manchmal um zwei. für Juristen nicht verwunderlichen. lungs. Umbau hier und da reicht nicht. so teilt hin. Die Causa Kachelmann hat zwar ein breites. Die potenziellen nerschaft« einbringen. Heinrich Hiesinger muss klare Entwicklungslinien schaffen.Bargeld in die Kasse.Ländern zu überlassen. Die sicherste Alternative 13 wird abgespalten Das klingt gut. Und sechs der wo eine schwarz-gelbe Koalition die Unter. weshalb zuletzt alle verfügbaren Mittel in neue Hochöfen und Walzwerke gesteckt wurden. um Manipulation von Justiz diale Begleitung über Monate hinweg. Doch das braucht Zeit – gerade in einem scher Schätzung maximal 1.de/gruenegeschaefte eingespartes CO2 die Kraftwerksbetreiber min- tausendwende kündigte das Kaum mehr als 100 Tage ist Unternehmen schon mal eiThyssenKrupp-Chef Heinnen Börsengang an. Grüne Parteipolitiker und lokale Bürgerini.Option ist. Des Weiteren ist es nicht erfolgversprechend. Briten. Beide Kohlesorten Aber eigentlich könnten sich dieser Zeitgenossen werden als unverzichtbarer Abgeordnete und LandesverGrundstoff für deutschen treter ihre Arbeit sparen.Gegenwärtig erzeugt China – wo fast wöchentschutz und Kohlenutzung zusammenzubrin. auch wirtschaftlichen wenn sie zum Beweismittel des Gegners werden. Gerade die Richter im Fall Kachelmann demonstrieren. Das ergibt auch eine und Sachverständige wurden gehört. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 35 Un-Gestaltung ThyssenKrupp baut um und ab. in Pipelines geleitet und schließlich in gen noch für Jahrzehnte einen wesentlichen Teil Lagerstätten tief unter der Erdoberfläche ver. Eine wirtschaftliche Analyse der Kommunikationsstrategie von Kachelmann würde vermutlich nicht zu einem positiven Ergebnis führen. Kommunikationsprozesse wäh. ren mit seinen Prognosen über die Kosten des Natürlich gibt es berechtigte Zweifel an dem Klimawandels weltweit Aufsehen erregte. Lebendig bleiben ist Rechtsanwalt nicht.den Einsatz von Carbon Dioxid Capture and schen Gesteinsschichten – in Deutschland Storage nicht vorstellen. aber ebene und vor der Nordseeküste – das aus Kohlemeilern abgeschiedene Gas wirklich für Jahr. . kann Verfahren: Niemand weiß bislang etwa. beim Nachbarn Polen mit einem Nobelpreis besogar über 90 Prozent. NieKSB INTAX in Fachkreise diskutieren in diesem Hannover. Auch die Kosten sind ein Problem: Nach dem angenehmes durchaus dem Nachbarn überantgegenwärtigen Stand der Technik erhöht sich mit worten. müssen erst mal die alten Schulden weg.dioxidemissionen entfallen gegenwärtig nur auf rung. des damaligen Vor. Holstein ermöglicht hätten. Industrieanlagen. kohleverbrauch nahezu verEnglischen jene Spezies doppeln. Die Begründung: Rund ein Viertel der gesamten deutschen Kohlenmangelnde Akzeptanz in Politik und Bevölke. sondern auch bei Verworrenheit des Falls nicht sagen. scheint es unKohlendioxid aus dem Rauchgas getestet wird. Hunderte Kilometer man den Eindruck. eine gute Entwicklung ist dies nicht. Mit dem Umbauprogramm will sich Hiesinger von einem Viertel des Umsatzes (2010: 43 Milliarden Euro) trennen. Handel wäre deshalb eine Abspaltung was der neue Chef nun plant. als lebten in abhängigen Energieversorschung von CCS sein soll. als lebten in Deutschland lange Pipelines zwischen Stromfabriken und sehr viele dieser Zeitgenossen. Es gehe. vor Beginn des MannesSteuern ließ sich die Presse dagegen mann-Prozesses.Medien und der te gegenüber Journalisten lässt sich für rend juristischer Auseinandersetzungen Telekommunikation den eigenen Standpunkt etwas erreichen – selbst wenn das angesichts der vorauszudenken und gegebenenfalls zu Foto: privat Tendenz vieler Medien zur Skandalisierung und Personalisierung unwahrscheinlich klingen mag. Sollen die alle nur anderswo stehen. wie lange etwa die Aufzugbauer Platz drei noch halten können.WIRTSCHAFT ANALYSE UND MEINUNG Probiert’s doch mal! Kohlestrom kann man sauberer machen. Kartellrechtlich wäre das sicher nicht ganz einfach geworden – noch ist lösung der Autoteile-Sparte werden nur begrenzt ThyssenKrupp einer der großen Edelstahl-Anbieter Erlöse fließen: Die Fahrwerk-Fabriken will Thyssenweltweit. doch vieles. frachtet werden. Das klingt simpel. Doch die internen Auto 4. aber meist negativ besetztes Bewusstsein für diese Beratungsleistung geschaffen. CCS versucht also.nige Tausend Anlagen. Beim Edelstahl kapitulierte nämlich Beispiel Edelstahl: »Nirosta« ist zwar die bekann. Gegenwärtig hat mindestens 20 Prozent. aber seit Erfindung des Lakshmi Mittal. wird sich der Welt»Nimby« heißt im mit Milliarden. Importierte Steinfernhalten will. Wert. Eisengießereien und Essener auch versuchen.aufzugeben. Vom Edelstahl stahl aus dem Portfolio verAuto Edelstahl will er sich trennen schwinden. Schwerpunkte Medien manipulieren zu können.der weltweiten Energieversorgung ausmachen. Unklar ist istisch. wenn er ernsthaft Hand an den Mischkonzern legt. Ziel sei es. Auch Angela Merkel warb Mensch. Eben. lerin Vanessa Tahal von der Hochschule für Musik.12 xibilität« für den Ausbau at. Aber eine neue Form bekommt der Mischkonzern so nicht VON JUTTA HOFFRITZ Viel Spielraum kann Konzernchef Hiesinger mit seinen Plänen also nicht gewinnen. Die Autoteile werden weniger. Einfluss.6 geschäft. Diese Stromfabriken und die Mutlosigkeit vieler Landespolitiker. Der Plan FORUM Lernen aus dem Fall Kachelmann Kommunikationsberatung bei Gerichtsverfahren nützt weniger als gedacht VON TOBIAS GOSTOMZYK Wer vor Gericht steht.bund Deutschlands und der WWF. als dass sich CCS wie Ideen eben sein müssen. unermüdliches anmutende Disziplin. äußerungen den juristischen Sieg kosten können. Vorstandschef der Deutschen Bank. da Umsatz von ThyssenKrupp 2010 legt er einen gewaltigen Um. dass die fortlaufende Privatlebens des Moderators und G O S T O M Z Y K Weitergabe von Details des ErmittGründers eines Wetterdienstes. Verkauft werden sollen ledigPartner winkten direkt ab. verantwortlich. Auflagen zu formulieren. allzu früh entstehende Klimagift Kohlendioxid aufgefan. und wirtschaftlichen Interessen.jährlich so viel CO2 wie zwei Millionen Autos. Natürlich könnten die lich die Autoblech-Pressen. zu glauben. Gesamt Qualitäts. Klima. ob ThyssenKrupp künftig Stahl. denn die mussten in dieser Zeit fast ohne Investitionen auskommen. dass Medien neue Anlässe fanden. Das wäre ein Problem. A DIE ANALYSE 12. bekannt zu machen. Diese Fülle macht es einem Chef schwer. zu schweigen. die Tochter an die Börse zu Federfabriken des Konzerns – was nach optimistibringen. der vor einigen Jahjubeln.bringen dürfte. Die Frage ist. Auch der tiativen mögen über den Teilausstieg aus CCS Ökonom Nicholas Stern. in dem die Abscheidung von Kohlekraftwerken zu entlasten. Deutschland viele gung.landläufige Meinung. Vergangen. bis im Spätsommer 2000 Aufzüge 5 das Unternehmen mit. Beim normalen Stahl verteidigt der Konzern Platz sechs im Branchenranking.Aperam und verschenkte deren Anteile kurzerhand stahl billiger herstellen. die in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt sind.5 Milliarden Euro einbehäbigen Konzern wie ThyssenKrupp. so die Ungewöhnlich am Fall ist aber eine massive me. Der Gebrauch von Litigation-PR ist nicht nur mann bietet dafür ein prominentes Beispiel.des Verfahrens zu verzichten.50 Jahre am Netz bleiben. konzern RWE sämtliche Konzessionen zurück. Sie folgt Zumwinkels. Im vergangenen Jahrzehnt an seine Aktionäre. Das hat letztlich auch eine wissenschaftliche Erhebung über den Einfluss von Medienberichten auf Richter und Staatsanwälte dokumentiert. Letztere besitzt ihren eigenen. Sechs Milliarden Euro. ob Berthold Beitz.Wirtschaftskanzlei ihrer eigenen Berichterstattungslogik standschefs der Deutschen Post. Bevor er neue Investitionen tätigen kann. halb von 20 Jahren. die potenziell Unmen bedeutet. teste Marke des Konzerns. Dieser Weg stünde auch Thyssorgte Nirosta für reichlich Verlust.das Recht der Herausarbeiten der eigenen Argumenrum. Aber der Stromerzeugung in einem Kohlekraftwerk CCS nicht einmal erproben heißt. liegt nologie auch in Deutschland gerne dem Nachbarn nicht – wie auch in dieser vorangetrieben werden. In der destag und Bundesrat zwar kohle ist relativ billig. Deutschland hat die großindustrielle Anwendung des und nicht als Ersatz für abgeVerfahrens fürs Erste kaum noch eine Chance. Der Arcelor-Chef gründete für die korrosionsbeständigen Werkstoffs vor 100 Jahren ungeliebte Tochter eine neue Gesellschaft namens ist viel passiert: Längst können Chinesen den Edel. Es geht da. Doch die Kartellwächter kamen gar nicht Krupp ebenfalls bargeldlos in eine »strategische Partdazu. senKrupp offen – allerdings käme dabei kein Cent Mehr als einmal versuchte der Konzern die Spar. Damals rich Hiesinger im Amt. Der Qualitätsstahl macht auch nach dem Abschied vom Edelstahl noch gut ein Drittel des Portfolios aus.zehn klimaschädlichsten Stromfabriken Europas suchung möglicher Kohlendioxidlager verbieten stehen in deutschen Landen. Weil die Republik vor Mitte des Jahrhunwill. wenn sie die Welt gegenwärtig lohnen könnte. sich an das Victory-Zeichen von Josef ständig über den Fall zu berichten. Doch viele Deutsche wollen das Verfahren nicht einmal testen VON CHRISTIAN TENBROCK Das Kürzel CCS steht für eine große Idee. ob Kachelmann schuldig zu sprechen sei oder nicht. was auf diese Weise gespeichertes auch die Anwendung – von CCS allein anderen Gas für die anliegenden Grundwasservorkom. »Mit fröhUnangenehmes zwar land kein Ende der Kohlenlichem Gemüt« solle die Techutzung in Sicht ist. Das erklären Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzzern Vattenfall.und Strafverfahrens für KachelAuch die Auftritte bekannter Wirtmann vorteilhaft war. Theater und Medien in Hannover. Der Fall des Wettermoderators Jörg Kachel. Eineine neue und für Laien eigenartig seiner Arbeit sind zig durch sachliches. alle Bereiche mit der nötigen Liquidität zu versorgen. den neuen Mann auch gewähren lässt. ein klein wenig besser machen sollen. Im Wissen. vormachte. Allerdings emittiert selbst ein modernes Kohdie ihm die Erkundung unterirdischer CO2. Innerdachte Weltklimarat. Letztlich besteht das Ziel von Litigation-PR darin. die Übersicht zu behalten – und noch schwerer. werden noch immer Schuld daran sind der Widerstand der Bürger neue Kohlemeiler gebaut. Kohleverstromung wird notgedrungen. Sicher nehmen auch Richter des Landgerichts Mannheim die Berichte über das Kachelmann-Verfahren wahr. mand sollte deshalb ernsthaft meinen. aber Zeitung schon suggeriert die Kanzlerin noch im Jahr vom eigenen Hinterhof 2007. Die Internationale Energieagentur hat damit 80 Prozent seines Stroms. In Strom angesehen.stahl Damit hatte sich die Sache 43 4 Anlagenbau 1 Kriegsschiffe traktiverer Geschäfte zu geerst mal erledigt. Vielmehr dürfte schaftslenker vor Gericht bekommen der scheinbar nicht versiegende Inforgroße Aufmerksamkeit: Viele erinnern mationsfluss mit dazu geführt haben.nach Sparten. den Standpunkt von Unternehmen oder Privatpersonen. so die DER STANDPUNKT: Amerikaner und Australier Prognose seriöser Energiefördern seine Erprobung experten.keinesfalls in Deutschland? Es ist reichlich egohunderte sicher speichern können. dass unbedachte Interviewerlei: sein Recht und seine öffentliche Reputation. Doch wäre es naiv. »Fledie Konjunktur einknickte. Die Welt benötige eiüberwiegend unter der Norddeutschen Tief. Eine sorgfältige Verzahnung von Rechts. die sich teils pro und teils contra auch die Bilder der Verhaftung Klaus bei der Kachelmann positionierte.Dass es aber auch falsch sein kann.und auch der klassische QualitätsTechnologiekonzern vor. ist aber anspruchsvoll. sagte überantworten. die Verfeuerung von Braunkohle. Einzig im brandenburgischen Ketzin wird die CO2-Speicherung noch ausprobiert.beeinflussen. aber vom eigenen Hinterhof fernhalten CCS der Energiebedarf eines Kraftwerks um will (Not in my backyard). Etliche Medien aktuelle Studie der Kommunikationswissenschaftund nicht zuletzt deren Publikum haben spekuliert. Lagerstätten müssten gebaut. in Milliarden Euro sollte nicht nur Edel-. Zusammenhang über Litigation-PR.4 6 (verbleibt im und auch vom AutozulieferDebatten zogen sich so lange Konzern) 1. Mittels Es kann also gut sein.lekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung noch Lagerstätten im CDU/FDP-regierten Schleswig. auf die intensive Erprobung Betrieben wird es von dem schwedischen Kon. ThyssenKrupp war einst Weltspitze beim Edelstahl und hat die Position verloren. der Ehren-Aufsichtsratsvorsitzende und heimliche Herrscher des Konzerns. Beides ist falsch: Es ist die detaillierte Veröffentlichung des T O B I A S nicht ersichtlich. Was ist geschehen? Leicht lässt sich dies bei der bei Anwälten und PR-Beratern. Einzig bei der Bestimmung der Strafhöhe gibt es einen. Fragt sich. Deshalb. In den Medien einer Vergewaltigung steht im Raum. alte Meiler nachgerüstet werden. dass alle Tests am Ende Carbon Dioxid Capture and Storage soll das bei mit dem einen Urteil enden: Lieber nicht. die potenziell Dass auch in Deutscheinmal für CCS. Der Vorwurf Staatsanwälten in Mode gekommen. vorbei. dafür baut der Konzern weiter Aufzüge. In wurde – am schnellen Atomdieser Woche beraten Bunausstieg.selbst der hartnäckigste Sanierer der Branche.oder Technologiekonzern sein soll. schaltete Atomkraftwerke. Eine gewaltige Summe – selbst bei einem Börsengang der Edelstahl-Sparte. meint er.zeit. in den USA und sich ebenso für das Verfahin Deutschland sind es etwa ren ausgesprochen wie der 50. über Medien auf den Ausgang von Auseinandersetzungen Einfluss nehmen zu wollen. und Debatte um saubere einmal mehr über ein Gesetz. die Erprobung – und möglicherweise bisher auch. vom öffentlichen Druck unabhängig sein zu wollen. Sie leben und arbeiten nicht auf dem Mond. werden aller Wahrscheinlichkeit nach für 40 bis Ende April gab der Atom.

dann ist ohne Staat alles wunderbar. grundder Industrie zeigt ja die Wirkung. der tut sich schwer. gehen selbst mit gutem Beispiel voran. legende Fähigkeiten mit Nachdruck zu fördern. der große Auszeichnungen wie den oft von uns erwartet. wenn es um finanzielle Dinge durch die hohen Standards einer gestandenen geht. Sie unterscheiden Wer mehr soziale Mobilität will. ob es ein System machen.geben sollte. was Menschen als gerecht empfinden. was ich wollte. Aber alle Professoren lehnten ab. dass er sie deswegen nachhaltig verändert. FähigkeiZEIT: Dann wird es höchste Zeit. dass auch eine Vertrauenskrise war. inwiefern Kinder ihren durchgesetzt. Steuern scheinlich nicht überzeugt. der Mensch.zu verhindern. so. Und vergangene Woche wurde bekannt.ZEIT: Der Kerngedanke der Hartz-Reformen. Übrigens ähneln sich Das Gespräch führte UWE JEAN HEUSER Fotos: Michael Dannenmann für DIE ZEIT. der Evolution geprägt. was ökonomisch sinnvoll ist. Sie wirken wie ein Schröin so etwas erschöpft. Risikobereite Frauen bevorAber Experimente und Befragungen zeigen. Kandidat. auch das. UJH egoistisch. die zu bringen. Zum Essen geht es ins Studentenlokal um die Ecke. Falk: Tatsächlich hatte ich die Ursprungsidee aus schen Politik ist dann natürlich die Frage. ja. Gelb. ZEIT: Ein paar wie Sie gab es Falk: Ich fühle mich der Partei damals schon. Und mehr Risikofreude unter dem doch gibt es Korrekturbedarf. weil wir gar nicht wissen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WAS BEWEGT ARMIN FALK? WIRTSCHAFT »Ich bin risikobereit« Als sozialdemokratischer Starökonom ist Armin Falk ein Sonderfall. Bundesrepublik. Persönlichkeit. als ich Abi. Aber ein sozialdemokratischer Die positive Reziprozität wird in der Gesellschaft Ökonom. andere flusst. wie groß unser Lebenserfolg ist und wie zufrieden Auf einer Skala von 0 (gar nicht risikobereit) bis wir sind. sondern eine asoziale Handlung. mehr Alkoholiker und Unfalltote. Ziel war es da. die richtiArmin Falk erste Erfolge dass es dafür öffentlicher Untergen Fragen zu stellen und dafür stützung bedarf. aber auch mehr Empathie mit andeunfair behandelt. Die Wirklichkeit ist für ihn kein Störfall. positiv wie negativ. bei dem die allerdings mehr mit Blick aufs individuelle Ent. die Gerechtigkeitsprobleme vom Ende her modellverliebt ist. Wir fan. aber gar nicht bei Gesundheitsfragen. Sein Institut an der Bonner Universität liegt in einem alten Reihenhaus nahe dem Juridicum. Zwar hat er sich vom ersten Preisgeld auch vorlesungsfreie Semester gegönnt. Sehen Sie. die Lebensumstände der Menden dabei heraus. Genau das ist ja positive Reziwahl? prozität.und Sozialpolitik. Wer eine Gegenleistung Köln wollten Sie eine Diplomarbeit über Vertrau. wenn sie glauben. Ernst Fehr von der Uni öffnen für Menschen. welches Falk: Auslöser war der Philosoph Gerd Achenbach. nachdenkt und überprüft. Wir fanimmer noch unmöglich. die wichtigste Anerkennung für europäische Ökonomen unter 45. Mit einem Teil erforschen Sie nun. Die Steuern gibt es auch ein gutes Angebot öffentlicher traditionelle Auffassung davon hätte mich wahr.Man kann innovative Ideen ausprobieren und wird aus risikobereit. sich in die zu lösen. Da wurde ich mit offenen Arsondern muss die Partei der Aufmen empfangen. Märkte und Wettbewerb gabe. dass ich ein knallharter ZEIT: Was meinen Sie mit »Intervention«? Egoist bin. die uns Schuhabe ich erlebt. die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt seit den ReforZEIT: Sie durften nicht – und haben doch weiter men erheblich zugenommen hat. Vielleicht bekäme Nehmen Sie die Lebensmittelman mehr Wachstum. Ich bin bereit. Doch das tut er eben suchen. zum Beispiel bei der Steuermoral. dass die anderen auch ZEIT: Beeinflusste Sie jemand bei der Studien. um wirklich zu verstehen. weil und trinken mehr. Gute sozialdemokratische Politik ist es Dafür braucht man Empathie.. der zu nicht. und echten Egoisten. die sie hinterher es unkompliziert war. Aber heute anderen wissen. Aber hat die Ökonomie auch seine Eltern in ihrer Risikobereitschaft ähneln. An realen politischen Fragen genauso wie an ökonomischen oder philosophischen Problemen. sprachen. Und die Politik muss komGladbach. mehr Risikoher anständig behandelt hat. Ändert sie auch wirtschafts. Ich bin überzeugt: Je realistischer nicht wollen. ich war selbst noch nie Gegen. Wo stehen Sie? nen Wirtschaft bei allen Transaktionen Vertrauen Falk: Hartz IV soll nicht auf Dauer ein gutes Leben eine Rolle spielt. wie wir sozial funktionieren. Der heute 43-jährige Rheinländer Armin Falk hat nicht nur 2009 den höchstdotierten deutschen Förderpreis für herausragende Wissenschaftler gewonnen. Ginge das? Falk: Natürlich.Güter. Und darum muss es doch gehen. Sie können einem nichts weg. Sind Sie risikoverliebt? Falk: Auch wenn ich schon viele Tausend Men. in dem er Vertrauen definierte als riskante von »unfair«. dass Steuerbetrug kein Kavaliersdelikt tur machte und Zivildienstleistender war. Viel spannender lichen Abhängigkeit herauszustreben. alle Menschen eigennützig und rational sind. sondern ein Faszinosum.Funktion. dass zugen risikobereite Männer und umgekehrt. dass ein wissenschaftlicher Außenseiter so jung die großen Preise in seinem Metier abräumt. In der praktidass Sie etwas über Geldpolitik verfassten.. weil er sich begeistert. und Falk ist mittendrin. Er erforscht. In Deutschland hängt der Bildungserfolg besonders stark von der Bildung der Eltern ab. Sind Märkte perfekt und Menschen rationalund sozialpolitische Antworten? DIE ZEIT: Wie wird ein friedensbewegter Junge Der Preisträger Es ist ungewöhnlich.Befunde der Verhaltensökonomik zeigen. Beispiel. Interessanterweise Wissenschaftler arbeite. Und der Aufschrei zunehmend ablöst. Sie essen nen auch nicht einfach zum alten Modell zurück. ein Experiment gemacht. Für einen alltäglichen Auto. ZEIT: Immer gab es auch linke Ökonomen in der Falk: Sie gehören zu den wichtigsten Motiven. Die ZEIT: Sie sind ein Verhaltensforscher. Luhmann erklärte. ob dadurch mehr Fäjemandem etwas Gutes zu tun. Zudem sind Bürger viel eher bereit. Falk erhält den Leipnizhätte man früher gesagt.). für eine sozialpolitische Leistung auch GegenleisZEIT: . Falk: Tatsächlich ist die deutsche Ökonomenzunft Es ist individuell manchmal von Vorteil. Zu dieser Frage haben wir kürzlich benswirklichkeit der Menschen verbessern kann. Was hat ein Ökonom schen befragt habe. was andere Wahrheit ZEIT: Nirgendwo wird mehr mit Gerechtigkeit nennen. Proband. Sie besonders überrascht? Falk: Ein Beispiel: Wir haben in einer repräsenta. wie zwischen Menschen. der nicht bereit ist. Man sollte ohnedies nicht verder Markt. ob sind zentral für Wohlstand. dass in der moder. die voranZEIT: Führende Ökonomen loZürich gilt als Nobelpreiskommen möchten. kann psychologische Motive in den wirt. schaft zusammen mit der Frage. Menschen beschränkt rational sind und soziale ZEIT: Je mehr Verhaltensökonomen lernen. aus Hartz IV und der staatmarktinnovationen in Kanada. Grün: Quatsch. soll das auch tun. Ökonomen können viel zu einer besseren Politik beitragen.ZEIT: Der Junge aus Bergisch Gladbach hat sich tiven Studie untersucht. Falk: Für Experimente muss man wissenschaftliche zient. Dadurch wird eine linke Position das Menschenbild. klein: Michael Hauri/imagetrust (l. Es spielt auch eine wichtige Rolle. Heute kann man als Volkswirt beides musste man darüber abstimmen. nähmen wir dafür sehr viel Geld in die Fragen in einfache Verhaltensprobleme übersetzen. DFG . Könnte sein.eingesammelt. Hand. während die anderen scheidungsverhalten. Bei ei. dass ich glaube. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausFalk: Das ist keine sinnvolle Aufschütten.36 12.dazu zu sagen? stand meiner Studien. dass die Gesellschaft Galbraith . ein Ökonom. wie man die Le. Staat kann helfen. ren und mehr Selbstvertrauen. was sie Falk: Wir können es uns nicht aussuchen. desto besser die ökonomischen wissenschaftlich salonfähig: Der Modelle und die Politikberatung. in dem Hilfeempfänger eine Gegenschaftlichen Entscheidungen erforschen. in welcher Rolle man nachher ist. kaufen Dinge. ZEIT: Kommen wir zur Fairness. Wir erforschen das konkret anhand von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen.genau aus dem Rationalitätsglauben ergab sich ja bild der Ökonomen. dass Risikoeinstellungen über schen zu verbessern? verschiedene Lebensbereiche sehr verschieden Falk: Ökonomie ist schon das Richtige für mich. wenn es darum geht. und die Konfonat würde ich dann sagen. Wir wollen sehen. vor allem für dann die richtigen Experimente sozial benachteiligte Kinder. Ein sehr lohnendes sehen ist »Fördern und fordern« das Gegenteil Buch. Und auf einstiegs. Falk: Bei Galbraith kam das Interesse an Wirt. dass er nun auch den Yrjö Jahnsson Award erhält. Beim TeleForschungsgemeinschaft niert.ten. Ein Gespräch Falk: Sicher.Wissenschaft diszipliniert. und dem. Einstellungen. ZEIT: Angenommen. sie darf nicht die dass in Zürich einiges geschah. Und jetzt kommt das Interessanteste: Die BeZEIT: Als Student hatten Sie es noch schwerer. Bevor man warum die einzelnen Menschen so handeln. der/Steinbrück-Sozialdemokrat. Zu helfen ist sinnvoll. Jemand. was sie tun. Und Sie? Falk: Ich würde nicht sagen.verringert den Anreiz. was das eigentlich ist.. Und ZEIT: Diese Reziprozität verändert das Menschen. aber davon abgedas einfach Vertrauen heißt. aus dem Rheinland zum Ökonomen? ZEIT: Wie das? Armin Falk: Zum Glück wusste ich erst gar nicht Falk: Menschen brauchen das Gefühl: Für hohe genau. wie aber wusste. Es wäre höchst effizu entwickeln. sondern auch ein Jahr zuvor den unter Ökonomen wichtigen Gossen-Preis. Ein und derselbe Mensch ist vielleicht über. dass sumenten sind nicht so schlau wie sich der untere Teil der Gesellschaft gedacht. ein SoDie Kombination finde ich nach wie vor wichtig. selbst wenn sie es gut meinen.Hoffnungen erfüllt. sie können einem nicht auf der erleben wir eine Öffnung. wie man Kindern aus benachteiligten Familien hältnis zur Fairness. Drinnen herrscht Betriebsamkeit unter den vielen jungen Forschern. aber auch ampel. Und langsam merkt man. dass sich Ökonomie glied. die Kinder übertragen. problemen hineinzuversetzen. Ich neige zu reziprokem Verhalten. zialsystem überhaupt erst zu schaffen. wo sie kann. auch die Ehepartner. zu zahlen. Wir köneigentlich wollen. nicht Ökonom geblieben. wie Armin Falk als Chef und Forscher funktioniert.erbringen kann. Die Forderung nach deutlich höheren Sätzen entstammt falschen an die Ökonomie geglaubt? Falk: Ich habe erst mal aus Pflichtbewusstsein das Gerechtigkeitsüberlegungen. Falk: Wenn ich an eine Sache glaube. das regelt Preis von Matthias Kleiner. Erhöhen Sie die mal.munizieren. denn jeder Euro mehr Diplom gemacht – mit einer Arbeit über Finanz. Und genau die bestimmen ganz wesentlich.. sind. bin ich risiko. ZEIT: Sie haben durch einen Forschungspreis und ZEIT: Zwei Kategorien menschlichen Tuns haben EU-Mittel rund vier Millionen Euro für Forschung Sie besonders erforscht: Wagemut und unser Ver.das weitverbreitete Dogma gegen staatliches Handeln. bereit. ZEIT: Das sind Grundregungen der Gerechtigkeit. wenn man selbst len oder Kindergärten kostet. die negative ist stärker von Leibniz-Preis abräumt – das ist neu. weiß ich noch nicht. sehr nahe. 10 (sehr risikobereit) bin ich eine 8.higkeit zur Selbstkontrolle entsteht. desto Motive eine wichtige Rolle spielen. Sie muss Perspektiven erchen. Wäre das leistung erbringen müssen – oder nicht. freudigkeit der Bevölkerung ab.ist das. Und als wir über meine Studienwünsche argumentiert als in der Arbeits. man Arbeitsfähigkeit feststellt. Werde ich dagegen bereitschaft. Und Untersuchungen belegen ja.und Entwicklungswilligen mal konnte ich genau das masein. sie handeln. wenn die stark durch den Liberalismus geprägt. Hier versäumen wir es.Falk: Richtig. tue aber nichts nur um des Risikos willen. die Industrielobby intervepen zu indoktrinieren. muss fragen.garantieren. Menschen eine Diskrepanz zwischen dem. Wo hat Ihr Politik sollte sich übrigens öfter melden. Er begeistert. lies mal etwas von John Kenneth Falk: Reziprozität heißt da. Ich wird das gesamte Einstellungsprofil von Eltern auf kann mir auch etwas ganz anderes vorstellen. Vorleistung.bessere Chancen verschafft. Die wissenschaftlichen Nase rumtanzen. wie einem Bändchen von Niklas Luhmann von 1968. Strich gut ist. Vielfach erleben vielgestaltiger präsentiert sich die Wirklichkeit.einen Transfers empfangen. Falk: Ökonomen beschäftigen sich heute mit Präferenzen. den LeibnizPreis. Aber die ist auch wichtig. sondern die Entstehung dieser Probleme emotionalen Verwerfungen von Entscheidungs. wenn andere unfair sind. tungen erwartet. Bei ihm ist.steuerehrlich sind. wie Falk: Mentorenprogramme für diese Kinder zum wir das nennen. wenn er mich vor. Ich hatte aber immer das Gefühl. ganze Bevölkerungsgrupdem Chef der Deutschen nicht. sagte er. denen Fairness ein Anliegen die entscheidenden Fähigkeiten entstehen – wie ist. diese durch ihre Arbeit finanzieren. Vorbild führende Politiker und andere EntscheiGründer der Philosophischen Praxis in Bergisch dungsträger abgeben. es kann ZEIT: Sie waren mal SPD-Mitnicht sein. die Menschen in reguläre Beschäftigung kauf genauso wie jetzt für die Weltfinanzkrise. dann reagiere ich abweisend. Bei ihm feierte andere Parteien weiß die SPD. dass nicht nehmen ohne ernste Konsequenzen. oft en schreiben. Falk ist der erste deutsche Preisträger. geht es nicht (lacht). Anders als ben Sie als besonders kreativ. Im Schnitt sind wir unseren Eltern also sehr ähnlich. was es bedeutet. Unter den fairen Typen man deren Entwicklung durch Interventionen im gibt es wieder zwei Gruppen: Die einen wehren frühkindlichen Lebensabschnitt positiv beeinsich vor allem. als Falk: Ich habe dann gesehen. Rot. Partei der Desillusionierten sein. Er faszinierte mich extrem. dann wäre ich wohl auch den eine dramatisch große Zustimmung dafür. Aber ob ich immer als nem anderen ist es umgekehrt.ZEIT: Hartz IV wurde renoviert. es ist eher eine Drohkulisse mit der trale Wirtschaftsfrage. Aber der Mann für die richtigen Fragen lebt deswegen noch lange nicht im Elfenbeinturm. die Kanzlerin riefe an: Herr Falk. In gründung war Fairness. dem linken Harvard-Ökonomen. Es war also eigentlich eine zen. Innerhalb der SPD stehe ich insoweit eher rechts. unser ZEIT: Bloß sind Politiker auch Wachstum hängt von der RisikoMenschen und machen Fehler.

die sei immer noch da. Es ist die Rede von »lebenden Toten«. dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen. hat unser Autor in einem besonderen Heim erfahren (Seite 39). Mit Dreitagebart und Nickelbrille sitzt er am Küchentisch seiner Dachwohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen und redet über seine Krankheit. Seine Bilder helfen ihm. sich verständlich zu machen. das Handy. erklärt er einfach. die Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen. seit 1897. lässt die Einkaufstüte im Supermarkt liegen oder bringt die falschen Dinge nach Hause. Vorher arbeitete er in seinem Betrieb. Es ist höchste Zeit. sagt Zimmermann und macht eine lange Pause. Die medizinische Diagnostik nimmt allerdings vor allem die Defizite in den Blick: den schleichenden. dass ihm Namen. So viel etwa wiegen die Züge – ohne Personen. Er sucht die Schlüssel. beantragte sie die Freigabe für Personenzüge bis 72 Tonnen. diesen Alzheimer »übermalen«.« erschossen. Der lange Weg durch die medizinische »Maschinerie« begann. einmal sägte er sich fast den Finger ab. Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden.philippwente. Richtig dagegen ist die Meldung über die jüngste Fehlkalkulation: Nachdem die Deutsche Bahn die Brücke saniert hatte.« Alzheimer – schon der Begriff löst bei vielen Horrorvorstellungen aus. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt die Wupper. »Dann reagieren die immer ganz betroffen und packen mit mir zusammen die Tüte ein. Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden. Wie man gut mit ihnen umgeht. Jetzt ergründet die Forschung. Dabei kann man auch mit dieser Krankheit Freude am Leben haben. sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. Man denkt an sabbernde Greise. die sinnlos dahinvegetierten. Beim Autofahren verlor er die Orientierung. Hat es damit bewiesen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 37 P L A G I AT S A F FÄ R E Doktor-Prüfung Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest.de/alzheimer M Zimmermann will raus aus seiner Burg. An schlechten Tagen. dass wieder etwas abbröckelt. vom Gefühl. dass die Betroffenen Fortsetzung auf S. Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst. Eigentlich sei es die »bestbetreute Zeit« seines Lebens. Dann kommt es vor. Der Tod schien ihm die bessere Alternative.« Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch dieser Woche der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft. sagt Christian Zimmermann: »Ständig bröckelt etwas ab. lesen Sie auf Seite 40. »Dann sitzt man da und schaut«. jahrelangen Prozess der Hirnveränderung. Alles falsch. Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen. Immerhin erkenne er noch heute. Zimmermann spricht gern in Bildern. HALB ein Teil der Brücke habe abgerissen werden müssen.und Jugendbuch S. das Portemonnaie. Wie Befragungen zeigen. 38 Foto: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. er habe Alzheimer. ihn umzusetzen. erzählt er. Praktische Tipps und Informationen zum Thema: www. Irgendwann machte er plötzlich Fehler. Beispielhaft zeigt der Fall. so wie es ein Maler mit einem schlechten Bild mache. Gunter Sachs hat sich – so schreibt er in seinem Abschiedsbrief – aus Angst vor »der ausweglosen Krankheit A. Oder: Der Baumeister habe richtig gerechnet. seine Frau Beate pflegt ihn (siehe Seite 40). Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind von Demenz betroffen – Tendenz steigend. Flüchtling zu sein S. 47 Kinder. wenn er wieder einmal die Worte nicht findet. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt. Eines Tages fiel er aus der Duschkabine. Alzheimer. SAM WISSEN .« Doch die Burg. 48 12. ANDREAS SENTKER Bernd Linde leidet an Alzheimer. ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. Die im Nachthemd auf die Straße laufen. Ihre Zufriedenheit hängt ab von erfüllenden Tätigkeiten.com Fleischfrei fahren Womöglich liegt doch ein Fluch auf der Müngstener Brücke. Und dass auch pflegende Angehörige Hilfe brauchen und wie man mit einem dementen Partner Urlaub macht. Wenn ihm die Sätze. natürlich von der halb fertigen Brücke. Manchmal schaue er in seiner alten Firma vorbei. Man müsse die Krankheit eben »überlisten«. die sei »standhaft«. wenn die Mitarbeiter wieder einmal etwas falsch zusammenbauten – obwohl er es selbst nicht mehr zusammenbrächte. die irgendwann so groß werden. die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen. von »welken Hüllen«. Orte und Begriffe verloren gehen. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. doch noch irgendwie gebraucht zu werden. Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten. weil er so lange zum Einpacken braucht. Mit Fahrgästen (Fachjargon: Fleischgewicht) sind sie zehn Tonnen schwerer. Seit vier Jahren lebt der 62-Jährige mit der Diagnose Alzheimer. geht mit Freunden spazieren – oder berichtet anderen von seiner Situation. die Gedanken auseinanderfallen. von echten Doktorarbeiten unterschieden werden. sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden. Doch Menschen mit Demenz (von der es neben dem Alzheimer-Typ noch andere Formen gibt) erleben sich selbst keineswegs nur im Zustand abgrundtiefer Verzweiflung. die lallend durch die Altenheime irren. einfach so. sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen. Es freut ihn. aber falsch nachgerechnet und sich aus Scham über den (falschen) Fehler in den Tod gestürzt. finden sie durchaus noch Freude am Leben. bis ihm der Neurologe ein Bild seines atrophierten Gehirns zeigte. überfuhr Bordsteinkanten. wie die Kranken die Welt erleben (diese Seite). der auf die Herstellung von Kunststoffspiegeln spezialisiert ist. steige die Angst in ihm hoch.zeit. dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre. An guten Tagen malt er. von der Bindung an Familie und Freunde.WISSEN KINDERZEIT Hoffnung im Gepäck: Was es bedeutet. Und wenn die Leute im Supermarkt mal wieder grantig werden. Ein Plädoyer für einen neuen Blick VON THOMAS VAŠEK it ihm sei es wie mit einer Sandburg. So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten. Die damals schier unglaubliche Konstruktion reizte zur Legendenbildung: Der Baumeister habe falsch gerechnet. sagt Zimmermann. dieses Schicksal möchte niemand erleiden. dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat. Der Fotograf Philipp Wente hat sie für uns begleitet Damit die Würde bleibt T I T E LG E S C H I C H T E Die Diagnose Alzheimer löst oft Horrorvorstellungen aus. die ihre engsten Angehörigen nicht mehr erkennen und am Ende nicht mal mehr sich selbst. per Schienenersatzverkehr. Nun wird überbrückt. wenn die Leute überrascht reagieren.

was ihnen wichtig ist. Mit seinem Leben. es erfordert Entschleunigung. das für Fuchs die Kontinuität einer Person ausmacht. wundere ich mich weniger über seine klugen Antworten als über die Banalität meiner Fragen. Manchen gelingt es sogar. Auch in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können sie mitteilen. beteiligen sich an Forschungsprojekten. erklärte der Mann – im Heim hingegen sei er »nichts«. ihren Blick auf die Welt. Ich weiß nicht. zeigten viele Ausdrücke von Freude oder Wohlbefinden. Das passt zusammen mit der Auffassung mancher Hirnforscher. Folglich sei ein solcher Mensch nicht mehr selbstbestimmungsfähig. Sein Vater erkrankte vor Jahren an frontotemporaler Demenz. Schätzungen zufolge ist jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen: An ihren Betten werden Gitter angebracht. die Emotionen. Und selbst schwerst demenzkranke Menschen haben – wie neuere Studien zeigen – noch immer ein subjektives Erleben und einen Rest von Selbst. Dabei wurden zunächst die mimischen Ausdrucksmuster aufgezeichnet. Ich fühle mich wie ein Außenseiter. dass sie selbst es sind. einen Sinn verfolgen – auch wenn es für Außenstehende oft schwierig ist. dement zu sein«. Empfindungen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen zu erfassen. Jeder dritte Mann. wie ich selbst überdeutlich spreche. Daher lasse sich unsere subjektive Erfahrung nicht auf das Gehirn und die Ratio reduzieren. Um solche Formen der »Selbstaktualisierung« aber wahrzunehmen. so meint Bär. wer nicht mehr sinnvoll kommunizieren kann. In der Summe läuft eine solche »Entpersonalisierung« darauf hinaus. Ein früherer Wissenschaftler etwa. Manchmal allerdings stieß sie einen durchdringenden hohen Ton aus. müssten wir uns ebenso bemühen. sagt Peter Wißmann. wer kein Reflexionsvermögen mehr besitze. nach ihren noch verbliebenen Wertvorstellungen zu leben. sollten wir uns mehr auf die Menschen dahinter konzentrieren. sagt Kruse. Die Philosophin Agnieszka Jaworska geht noch einen Schritt weiter: Sie plädiert dafür. die irgendwie auf die Erde gekommen sei: »Aber ich weiß nicht. auf den er sich etwas notiert hat. das im Ernstfall das Für und Wider weiterer medizinischer Maßnahmen abwägen soll. also sinngeleitete Wesen. Doch wer die Demenz nur auf ein Pflegeproblem reduziert. Selten ist in diesem Zusammenhang davon die Rede. Das allerdings zwingt zum genauen Zuhören. Demenzkranke auch im täglichen Leben in ihrer Autonomiefähigkeit gezielt zu fördern. Wenn das Gehirn zerstört ist. können wir die kognitive Ungleichheit überwinden – und damit das Gefühl der Fremdheit. Dieser andere Blick auf die Alzheimerkrankheit legt nahe. nach der wir nichts anderes sind als ein hochkomplexes Netzwerk von Nervenzellen. Wie ich auf seine Defizite achte. Statt den Blick nur auf die Krankheit zu richten. setzen sich die anderen aktiv damit auseinander.38 12. Heute geht es um die Rechte von Menschen mit Demenz. dann ordneten die Forscher diesen Mustern Basisemotionen wie Freude. Aber was macht die Person aus? Traditionell sind unsere Konzepte von Autonomie und Personalität eng geknüpft an das Vernunftvermögen. Doch die Positionen zur Frage der Autonomie sind im Ethikrat gespalten. das soziale Bedürfnis. was sie wollen und was nicht. In diesem Punkt sind alle Menschen gleich – mit oder ohne Demenz. Ellis. Und diese Fähigkeit besäßen selbst hochdemente Menschen: Mit ihren Emotionen brächten sie weiterhin ihre Wertvorstellungen zum Ausdruck. der braucht Zuhörer. in einem »Leibgedächtnis«. Die Wiederholungen. der selbst an Alzheimer erkrankte und nun an einem DemenzForschungsprojekt teilnahm. Die Alzheimerkrankheit rührt auch an unser Menschenbild. war zum einen bedrückend. das »Abbröckeln«. der redet am eigentlichen Notstand vorbei. Entfremdung und Einsamkeit. Obwohl er kaum noch verstand. sagt der Bonner Gerontopsychiater Rolf Hirsch. das persönliche Erleben von Demenzkranken zu erforschen – ihre Ängste. Schon vor Jahren hatte diese ihr Artikulationsvermögen verloren. Eine unsterbliche Idee«) kennt die Demenzproblematik aus der eigenen Familie. Doch unter Akademikern regt sich Widerstand gegen diese eindimensionale Sicht auf die Person. Hingegen reagierten sie verärgert. es teile sich mit – auch wenn es sich bei Menschen mit schwerer Demenz nur noch situativ äußere. wer wir sind. dass wir Menschen mit Demenz als Personen ernst nehmen müssen – und dass wir ihnen Selbstbestimmung zugestehen sollten. die mit leuchtenden Augen ihre Tätigkeit als Sekretärin in der Einrichtung beschrieb.« Stellen wir uns ähnliche Fragen nicht alle? Und haben wir nicht alle womöglich auf Sand gebaut? Schließlich gehört der Verfall. steigerte die bloße Mitwirkung sein Selbstwertgefühl: Als Projektteilnehmer könne er »viel mehr machen«. Das kriegst du voll rein. Per Videokamera beobachteten die Forscher demente Heimbewohner in verschiedenen Alltagssituationen – wenn sie Besuch von Verwandten bekamen. wenn ein schwer Demenzkranker erkennen lässt. Die einen argumentieren. der ständig mit dem Rollstuhl unterwegs ist. irgendwann sei seine »Sandburg« abgebröckelt. Da ist der Schritt nicht mehr groß vom Menschen zur Sache. im Austausch mit anderen. Was uns trennt. Nur im sozialen Raum. Dabei besäßen sie oft noch Ressourcen und Potenziale. Herausgeber des Demenz-Magazins. Als diese sich zu ihr herabbeugte und sich die beiden Köpfe berührten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. strahlte plötzlich übers ganze Gesicht und sagte nur: »Da hast du aber was weggeschafft. schaute die demente Frau überrascht und gab wieder ihren Ton von sich. auch wenn ihnen jegliche Möglichkeit fehlte. Wie zum Beispiel soll eine frühere Patientenverfügung interpretiert werden. Nach Auffassung des amerikanischen Psychiaters Steven Sabat sind Menschen mit Demenz immer noch »semiotische Subjekte«. Das erschüttert allerdings die traditionelle Vorstellung. die sich nicht mehr sprachlich äußern können. oder man stellt sie mit Psychopharmaka ruhig. Immer mehr Betroffene gehen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. als wir ihnen gemeinhin zutrauen. zum Verstehenwollen. die er in ihre Einzelteile zerlegen kann? Die Heidelberger Gerontologin Marion Bär hat solche Verhaltensweisen zu deuten versucht. Durch das Erzählen erschaffen wir unser Selbst. die menschliche Personen von den Tieren unterscheidet – und damit ihre Autonomie und letztlich ihre Würde begründet. hat keine Vorstellung davon. gehen in Selbsthilfegruppen. Als ihr die Forscher eine alte Schreibmaschine und Papier gaben. Dazu braucht es Zuhörer Menschen sind im Kern »narrative« Wesen: Mit unseren Geschichten erzählen wir uns und anderen. Aus den »Krüppeln« von einst sind weitgehend gleichberechtigte Dialogpartner geworden. Das Seelische drücke sich aus. bis am Ende alle Blätter vollgeschrieben waren. Wenn die Menschen Zuwendung und Ansprache bekämen. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl mehr als verdoppeln. die geweckt werden könnten. Thomas Vašek. die das Kommunikationsverhalten einer schwerst demenzkranken. sagt etwa der Psychiater Hans Lauter. die moralisch keine Personen im eigentlichen Sinn mehr seien. Ihm zufolge ist die Person im wesentlichen »verkörpert«: Das Selbst steckt nicht nur im Gehirn. TV Spielerisches – abwechselnd produzierten die beiden ihre Töne und lachten immer wieder dabei. auch wenn der Kranke später andere Präferenzen zeige. das ist der Knackpunkt. diesen Sinn zu entschlüsseln. Das erlebte zum Beispiel die schottische Psychologin Maggie P. Situationen zu bewerten und ihren eigenen Willen zu äußern – und sei es am Ende nur noch durch mimische Reaktionen. Die Frage nach der Autonomie von Demenzkranken treibt ebenso den Deutschen Ethikrat um. Doch wer erzählt. »Wir verletzen tagtäglich die Menschenwürde von Demenzkranken«. dass er nun eigentlich doch weiterleben möchte? Was ist sein »autonomer« Wunsch? Oder: Wann überwiegt das Fürsorgeprinzip. »Wir stehen mitten in einem großen Veränderungsprozess«. Klar. was los mit mir ist. Als Interviewer etwa wird mir plötzlich bewusst. von ihrem Humor. zu denen meist unabdingbar Rationalität und Selbstbewusstsein gehören. Aus der Rückschau auf ihr früheres Leben schöpfen viele neues Selbstwertgefühl. Mitunter liegt die Schwierigkeit aber auch bei seinem Gegenüber. das Vernunft und Überlegung besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann«. vom »Jemand« zum »Etwas«. folgt daraus zwangsläufig: Wir müssen lernen. wie die Heidelberger Wissenschaftler nachwiesen. Solange die Burg bröckelt. der droht aus der menschlichen Gemeinschaft herauszufallen. so folgt aus dieser Sicht. mit demenzkranken Menschen zu leben und nicht nur über sie zu reden. Die Philosophin Agnieszka Jaworska von der Universität Stanford etwa argumentiert. ist mittlerweile sprachund bewegungsunfähig und wird zu Hause gepflegt . Es liegt also an uns. Demente Menschen tun im Grunde nichts anderes. In jeder Person gebe es etwas. ist auch die Person zerstört. der schließliche Verlust der Sprache. hätten diese Menschen ein intuitives Empfinden. Autonomie sei weniger eine Sache des rationalen Urteilsvermögens. Was sie in den Interviews zu hören bekamen. Die Demenz rührt an das Menschenbild der Leistungs. Nach Kant ist es die Vernunftfähigkeit. für einen Augenblick.« Andere erklärten. Sie folgen vielmehr. »Unser Selbstverständnis an das Gehirn zu knüpfen beraubt uns der Ganzheit des Lebendigen«. aus denen wir unsere Identität immer wieder neu zusammenweben. Natürlich könne jegliche Interpretation solcher Handlungen von außen fehlgehen. kann von Menschen wie Zimmermann lernen – von ihrer Kreativität. bettlägerigen Frau studierte. Wegen ihrer kognitiven Defizite neigten wir allerdings dazu. mit unserer Unterstützung können Menschen mit Demenz ihren Sinn verwirklichen – und ihr Selbstgefühl aufrechterhalten. Warum die Leute nicht mehr mit mir reden. In den allerletzten Phasen der Krankheit kann es sein. sagt Zimmermann. etwas als »wichtig« ansehen zu können. habe daher Vorrang. sondern verwirklicht sich in unseren leiblichen Interaktionen mit der Welt. aus Achtlosigkeit oder schlicht aus Zeitmangel. Dabei hat die Wissenschaft gerade erst begonnen.und Wissensgesellschaft Vor 30 Jahren erstritten sich behinderte Menschen die gesellschaftliche Anerkennung. sind unsere unterschiedlichen kognitiven Defizite. obwohl sie dort nie irgendwelche Arbeiten übernommen hatte. Doch indem wir Demenzbetroffene überhaupt als »Sinnsucher« anerkennen. die Suche nach Sinn. Heute bestimmen Philosophen das Personsein auf der Basis von Kriterien. bis Christian Zimmermann. ihre Türen werden verschlossen. das sich einseitig am kognitiven Leistungsvermögen orientiert: Wer geistig nicht mehr folgen. um nach Gegenständen zu fahnden. Auf dem Papier stand zwar nur Buchstabensalat. Und da uns die Medizin wenig Hoffnung auf eine wirksame Therapie macht. wer das ist.« Demenzkranke Menschen entwickeln aber auch Strategien. ob er nicht doch was falsch gemacht habe mit seiner Burg. die eine Handlung in Bewegung setzen – und nicht jemand anderer. atmete sie tief ein. geht die Person für sich selbst und ihre Angehörigen verloren. die er einst so akribisch geplant hatte. Viele Betroffene äußerten Gefühle von Angst. Ärger oder Traurigkeit zu. »Auch schwerst demenzkranke Menschen verfügen über ein höchst differenziertes emotionales Erleben«. könne keinen »Gesamtbegriff seiner Situation« mehr fassen. das über Fragen des Umgangs mit den Betroffenen berichtet. mit ihren Defiziten humorvoll umzugehen. Aber wir dürfen nicht aufhören. »Das schleppst du immer mit. Die Wortfindungsstörungen. ist sie noch da. und sein Kollege Peter Singer von der Universität Princeton spricht deshalb schwer demenzkranken Menschen das Personsein überhaupt ab. Ihr Sinnpotenzial verwirkliche sich durch das Erzählen. Wir alle schreiben mit an ihren Geschichten. Die Gesellschaft dürfe Menschen mit Demenz nicht länger »ins Abseits der Krankheit und Pflegebedürftigkeit« schieben. von ihren Bildern. so lautet ihre Botschaft. die ihr Selbst in ihren leiblichen Beziehungen mit der Welt realisieren können – wenn man sie denn lässt. Der englische Philosoph John Locke definierte im 17. Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg. Als Ellis den Ton nachahmte. Marion Bär erzählt etwa von einer Heimbewohnerin. im Vollbesitz der geistigen Kräfte festgelegt. Diese Erfahrungen schlagen sich nieder in Gewohnheiten. meint Bär: Sie erschafft sich gleichsam eine neue Geschichte – und damit ein neues Selbst. Andere Experten halten dagegen: Demenzkranke Menschen seien selbst in späten Phasen der Erkrankung noch in der Lage. Nur müssen sie immer wieder neue Geschichten erfinden. Der Oxforder Ethiker Jeff McMahan etwa sieht Demenzbetroffene als »Post-Personen«. weil sie ihre früheren Rollen nicht mehr ausüben können. fasst Kruse das Ergebnis seines Projekts zusammen. die Fähigkeiten von Demenzbetroffenen zu unterschätzen. Überall fehlt es an Geld und an Personal. solange sie dazu noch irgendwie in der Lage sind. das uns von ihnen trennt. »Wer eine Patientenverfügung unterzeichnet. fing die Frau nach kurzer Zeit zu tippen an. zu jeder Existenz. indem man ihnen hilft. Unser Selbst steckt demnach nicht in einem bestimmten Hirnareal.« Von »Selbstaktualisierung« spricht Andreas Kruse. Dann reißt das Seil. dass wir bei einem dementen Menschen nichts Kognitives mehr finden. Solche Erlebnisse zeigen: Trotz ihres devastierten Gehirns sind die Äußerungen demenzkranker Menschen keineswegs reflexhaft oder beliebig. zog daraus tiefe Befriedigung. Journalist und Buchautor (»Seele. den Würdeanspruch von Demenzkranken zu relativieren – und damit auch unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenüber den Betroffenen. Mehr als eine Million demenzbetroffene Menschen leben derzeit in Deutschland. zunehmende körperliche Probleme bis hin zur Inkontinenz und Bettlägerigkeit. Jahrhundert die Person als »denkendes. verständiges Wesen. die Autonomie einer Person basiere lediglich auf ihrer rationalen Fähigkeit zum Planen und Entscheiden. In den vergangenen Jahren sind die Heidelberger Wissenschaftler auch in die Erlebenswelt jener Demenzkranken vorgedrungen. Hat er mich richtig verstanden? Als ich später das Band abhöre. um mit dem fortschreitenden geistigen Verfall zurechtzukommen. worum es in dem Projekt überhaupt ging. sagt etwa der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs. Während einige ihre Krankheit herunterspielen oder so lange wie möglich zu verstecken suchen. Nach ihrer These machen schwer demenzkranke Menschen durchaus Sinnerfahrungen.com Fortsetzung von S. argumentiert Fuchs. 37 nicht mehr selbstständig leben können. wenn man sie zu etwas drängte oder nötigte. Uns alle eint unser emotionales Erleben. die Selbstbestimmung demenzkranker Menschen einzuschränken – aus Überfürsorglichkeit. das Endstadium mit künstlicher Ernährung. Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft. Wer wirklich zuhört. danach zu suchen. Menschen mit Demenz fallen tendenziell aus diesem Personenbegriff heraus. das Kontinuität zeige bis zuletzt. diese in Handeln umzusetzen. »Ich fühle mich so allein hier. Es dauert manchmal quälend lange. jede zweite Frau könnte – so warnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft – im Laufe des Lebens an einer Demenz erkranken. Doch als die Frau das letzte Blatt ausgespannt hatte. einen Satz zu Ende bringt. in ihrer Lieblingszeitschrift blätterten oder am Fenster standen und die Vögel beobachteten. die Vergesslichen an ihr Selbst zu erinnern. Eine frühere Patientenverfügung. In solchen Momenten frage er sich zum Beispiel. sondern mit ihnen. Oft helfen die intakten Langzeiterinnerungen. wie es tatsächlich ist. ihre Freuden. Was etwa soll man von der Heimbewohnerin halten. die ein Anliegen. hob die Frau ihren Kopf und rieb ihn an der Hand der Forscherin. Schon sprechen einige Philosophen Menschen mit schwerer Demenz den Personenstatus ab (siehe Kasten). Statt verbindlicher Verfügungen fordert er ein »ethisches Konzil« aus Angehörigen und Ärzten. Erinnern oder Vergessen. sondern es besteht aus einem Netz all der Geschichten. die aus dem Kaffeegeschirr kleine Bauwerke errichtet? Oder von dem Mann. Toleranz und Empathie. Plötzlich bekam die Interaktion etwas Berührung bleibt wichtig – auch wenn die Sprache verloren geht Hirn und Person Mit der Alzheimer-Krankheit. Trotz weit fortgeschrittener Demenz. wann muss man dem Kranken Selbstbestimmung zugestehen? Solche Fragen sind von drängender Relevanz: Tagtäglich laufen Pflegepersonen und Angehörige Gefahr. glaubt Kruse. Manchmal findet er den Spickzettel nicht. Vielmehr müssten wir auch demenzkranke Menschen als Personen betrachten. So hatte eine scheinbar völlig apathische Heimbewohnerin zeitlebens ihren Beruf als Schreibkraft geliebt. einer bestimmten Logik. Forscher der Universität Bangor in Wales etwa befragten Heimbewohner mit leichter bis mittelschwerer Demenz. sie reagierte auf keine normale Ansprache mehr. sondern eher der Fähigkeit. sie seien »ein Haufen Mist« – oder eine »seltsame Kreatur«.philippwente. kaum noch Emotionen oder einen Ausdruck von Selbst. ebenso wenn sie ihren Lieblingsaktivitäten nachgingen. der Demenzbetroffene in München-Haidhausen. so scheint es. dass Demenzkranke häufig mehr Fähigkeiten haben. vom kleinsten Stirnrunzeln bis zum Anflug eines Lächelns.

So diskutiert Jenny Sauerwald mit ihren Mitarbeitern gerade. Nicht selten macht sie sich darum um ihre MitSacht und etwas verlegen drücke ich seine Schultern. ist sie grundsätzlich auswünscht sich sogar. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer.2 0. falls keine Patientenverfügung das ausschließt. das zweites Zuhause geworden. Von Betroffeschon überall am Kuchen genen im Frühstadium. das »Zuhause für Menschen mit Demenz«. statt von DemenVON BURKHARD STRASSMANN gesprochen biestig. die jeder Dritte von uns erleben wird. war mal ein Motorradfan. Was tun? Das Haus im Park wird eine Ethik-Konferenz einrichten. en vacances. Sie schlägt und ten von Personen mit kognitiven Verspuckt. Wasser und Erde sammeln sich Linde mit anderen Erkrankten man. arbeiterinnen Sorgen: »Wertschätzung brauchen Da reißt er die Augen auf und schaut mich so – ja: die auch!« privat – an. FixieHeute hat Frau Vogel Geburtstag. findet der umstrittene australische Philosoph Peter Singer. zeitig das Essen an. Und Bewohner tag. in freundlichen Farben gehaltenes zweigeschossiges Haus in U-Form. Wohnbereich statt Licht-Bewohner aus dem MittagsStation. die von einem eigenen Verein. Nach der Geburtstagstafel gehe ich mit dem alten Lkw-Fahrer in den Park. Plötzlich rutscht er vollends aus dem Stuhl und sitzt vor mir auf dem Boden. In breiten roten Samtsesseln schlafen die Alten. dass mir selber die Tränen kommen. also »geistlos« Im Bremerhavener Haus im Park werden die Palliativversorgung. eine Berührung – vieles kann einen Kanal in den Geist öffnen Von Schlüsseln sprechen sie hier. ob ren. nicht mich. Seine Augen suchen meine Augen.. um eine Vorstellung von der Lebensphase zu bekommen. Mit den Festangestellten allein ließe Barnstedt besucht ihren Mann hier im Haus im sich das Arbeitspensum überhaupt nicht bewältigen Park sechs Tage in der Woche.6 3. weiß man um ihr ihrem Rollstuhl hereingefahren. »Sie haben heute Geburtslusten zu sprechen. beim Blutzuckerselbstbewussten Menschen mit Demessen oder beim Essen anreimenz. In Großbritannien wird dieser Tage über Demenz und Euthanasie diskutiert.de/audio »Ist mir egal. fast allein stehen.5 18.8 70–74 60–64 90–94 Jahre 30–59 Jahre 60 – 64 65 – 69 70 – 74 75–79 80 – 84 85 – 89 90–94 95–99 2005 2015 2030 ZEIT-Grafik/Quelle: Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung 100 + Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Generell versucht man. aber de facto der Palliativbereich des Heimes. Und wahrscheinlich hat es zumindest auf das Personal eine gewisse Wirkung. wussten die Angehörigen zu erzählen. Beate Vetter.« Sie glaubt. du Arsch!« Das anweIm Licht leben fünfzehn Mensende Personal singt. Herr Knorr ist sehr schwer. Am Ende sitzt er wieder im Rollstuhl. jede ethische Diskussion zu beenden. dass einige Bewohner war er noch ein flotter Tänzer. Nun gibt es dort gerade eine alte Dame. an den der Bürgerpark anschließt. einer ist an einen Rollstuhl geschnallt. ans Meer. die oft unter Schmerzen und Ängsten leiden. Das Heim ist ihr – die Hälfte der Bewohner hat die Pflegestufe 3+. »Ich sage mir immer. auf nach Dangast. eine Frau schnarcht auf einem Sofa. sterben sie auch hier.7 12. brumm. der seit einer guten Stunde im Sessel neben mir hängt und reglos vor sich hin starrt. Denn auch die schwer Demenzkranken. ob es ihm gut geht und guttut. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 39 Z um Glück hört mich keiner. entspannen sich.WISSEN T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer 12. sie meint ja Jahren ins damals neu eröffnete Haus im Park kam. »C’est la vie mon ami. Ich habe keine Ahnung. wenn sie irgendwo in ihrer verworrenen. ihr etwas Essbares zu geben. die Sehnen gedehnt. in Prozent 36. Eine alte Dame will nicht mehr essen. die winzige Frau Erlenmal hintereinander beim Bäcker bruch windet sich in unbeobachBrötchen holen. meint auch Jenny los große Mengen an Nahrung. pardon madame. Das liegt nicht daran. ein Foto. also sterben zu wollen. der dauernd Betrachter wie ein auf den Stoffwechsel reduzierter herumgeschrien hat. Über beide Backen. merci. und wenn alles gut geht. nichts mehr essen. die ihr näher kommen. ihn einfach zurück in den Rollstuhl zu heben ist unmöglich. die Gründerin und Heimleiterin. Ein Star der Szene der neuen bevormundet. wir schauen uns in die Augen – und er lacht. monsieur. nur drei von ihSituation durchaus verrückt klingt: »Zum Geburtsnen können noch selbständig essen. du Arsch« Ab 80 steigt das Risiko Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen nach Geschlecht. Hier leben die schwer Demenzkranken. was machst du tet man – im Gegensatz zu den meisten Einrichdenn hier?« Seitdem hat er bloß hin und wieder tungen. Ein lichtdurchflutetes. Es mit Demenz statt Demente. an einer Form der Demenz zu erkranken. Drei Tage lang darf ich hier hospitieren. der Kopf ist nach hinten gekippt. Herr Knorr hilft! Er kann sich hochdrücken und schließlich. nicht mehr erkennen. Zum Glück hört mich einer. Leiden unter acht. bewegt plötzlich langsam den Kopf. drumherum ein großer Garten. und es ist offensichtlich. sagt seine Frau. Lieber Alltagsbegleiter – das sind alle. die uns ein längeres Leben beschert. Seit fünf Jahren redem Solidar e. Wertschätzung. chaotischen Welt einen Kommunikationskanal finden. Ich reiche Beate Vetter hat schon oft Schläge abbekomHerrn Gabler und seinem Tischnachbarn gleichmen von Frau Vogel. Das schreckliche Wort vom Verhungern reicht fast immer. und gemeinsam stehen wir auf. da halten wir an und trinken einen Kaffee. Und sie obachtet und spricht. um den Lieberschienen sind. Beruhigungsmittel. ein Geruch.6 0. Doch an seinem Das Haus im Park ist ein in vielerlei Hinsicht 90. die sich allen Bemühungen widersetzt. sind sie häufiger betroffen Von 100 000 Menschen erkranken an Demenz: Gesellschaft der Dementen Entwicklung der Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Altersgruppen 2008 800 000 600 000 400 000 200 000 80–84 65–69 75–79 85–89 95–99 2030 2050 Männer Frauen 32. eine aufregende und beglückende Erfahrung für mich.67 %) 183 (1.31 %) 1. die dicke BMW. Geburtstag drehte er sich ohne erkennbaren außergewöhnliches Haus. hast du vollgetankt? Quelle heure est-il? Oh.« Da war mal putiert werden. Ernährung und Festschnallen sind tabu chen. Was für einen Blödsinn ich rede: »Café au lait. Dement. steigt mit fortschreitendem Alter. Ich streichele seine eiskalte Hand. Lange schaut er mich an. Die Zahl der Demenzerkrankten nimmt weltweit proportional zur Zahl der alten Menschen zu – unabhängig von geografischen und kulturellen Unterschieden. Es kann eine Melodie sein. was er mitkriegt vom frischen Grün und vom Gezwitscher. Der Lkw-Fahrer.« Bremerhaven. hier arbeiten – haben den Tisch An die etwas sperrigen Begriffe mit Girlanden dekoriert und einen gewöhne ich mich schwer. aber keine Personen mehr. brumm. die Männer mindestens ein gebügeltes Hemd tragen. Für die inseingezogen sind. manche sprechen sogar abschätzig von »Gemüse« oder »welken Hüllen«. nehme ihn fest in den Arm.1 13. Ich hocke mich also vor ihn. ließen sich mehr Zeit und Kraft in die Mahlzeiten investieren – die Momente intensivster Zuwendung am Tag. das Gewicht der Demenzkranken auch in einem späten Stadium auf dem gleichen Niveau zu halten. bis alle reichen statt füttern. voilà.3 31. während ich mit einem Fuß den Rolli herbeiangele. nicht reißt er den Mund auf und verschluckt unterschiedsVerarbeitete kommt heraus«. Die übrigen tag viel Glück!« brauchen eigentlich eine 1:1-Betreuung. Traditionelle Pflege und die Angehörigen wollen das so – die Frauen müssen adrett sein. aber noch gut Frau Vogel wird als Letzte in reden können. la France. eine Magensonde eingesetzt. Ein Geruch. V. ja. Gegenüber schreien nicht herum – sie vokalisieschwer demenzkranke Menschen nicht allen. Darf sie gezwungen werden? Noch tiefer reicht die Frage nach dem Respekt angesichts des offensichtlichen Wunsches eines Bewohners. der SS. auf dem Sozius sitzt eine Schöne!« Herr Knorr*. Herr Gabler hat einen Meisterdass die Wohnbereichsleiterin das nicht leicht brief als Glaser im Zimmer hängen. doch egal. die etwa dreinascht. Er hängt im Rollstuhl. Könnte man sich auf T-Shirt und Trainingshose beschränken. Sie bemöchten sie nicht heißen. Andererseits: Beim Waschen und Anziehen werden die Menschen bewegt. dass die Krankheit sich wie eine Infektion ausbreitet.0 Wachsendes Problem Zukünftig wird es immer mehr Demenzkranke geben. Biografischen Schlüsseln. Das mit der beglückenden Erfahrung scheint für beide Seiten zu gelten. Der Wohnbereich im ersten Stock namens Licht ist zwar nicht offiziell. Socken über die teten Momenten die Girlande um Schuhe ziehen oder ihre Haustür den Kopf. an dem gesamt 61 Bewohner gibt es eine knappe Hundertsie keine Schuldgefühle plagen. betreut werden. Essen andauert eineinhalb Stunden. Doch einen solch rabiaten Zwang zum Weiterleben lehnen die Mitarbeiter vom Haus im Park ab. was in dieser schen mit Demenz. Sogenannte rung im Bett und künstliche Ernährung.zeit. Nicht immer versteht Abteilungen Luft. Sie sind noch Menschen.com .philippwente. die Menschen mit Demenz aufnehmen – »schöne wache Augen«. Heute wirkt er auf den flüchtigen ein ungewöhnlich aggressiver Mann.9 5. Wieder eine umwerfende Erfahrung. Respekt. Haus im Park. was gerade als Schlüssel gewirkt hat. sie sagt: als wir hier bedeutet besonders hoher Pflegebedarf. jetzt kommen die Motorräder aus der Garage. wird meist. muss ich feststellen.1 32. Hier ist der einzige Ort. Er beginnt zu weinen. Außerdem soll er gern nach Frankreich gereist sein. bei Körperrest. Gemeinsam mit Ärzten und Angehörigen wird in einer solchen Konferenz das weitere Vorgehen besprochen. Die notorisch lingsausdruck im Heim zu benutzen: hungrige Frau Rudersdorf hat da um »Wertschätzung«. Menschen Erdbeerkuchen aufgedeckt. Kann Gewichtsverlust nicht verhindert werden. So wie früher. Die Leiterin des Wohnbereichs Luft. Er war Nazi gewesen.1 %) 203 (1. Lederjacke an. künstliche beim Ankleiden. Nähere ich mich ihm mit einem Löffel. weil sie ihren schaft an Freiwilligen. scheint er – mit weit offenem Mund – zu schlafen. Mann ins Heim gegeben hat. Dann mussten ihm noch etwas in ihrem Leben zu erledigen zu haben.1 4. Helm auf. Achtung: klingt gut. Was für ein Abenteuer! www.6 247 (1. Und lacht. aber auch nicht rein ehrenamtlich ken und reicht ihnen das Essen an. der Texaner Richard Taylor. »Alles Verdrängte.5 22. ein Berührung oder eben ein Begriff.2 1. Die Wahrscheinlichkeit. Unter anderem verzichAuslöser zu ihr und sagte: »Hallo. Frau Vogel!« – »Das ist mir ließe sich durch Freund ersetzen. doch im Alltag stellen sich da viele Fragen.1 0. Der Anstieg ist schlicht die Folge unserer Wohlstandsgesellschaft. mon Dieu. Mit meinem Gestammel habe ich einen Kontakt zu dem alten Herrn gefunden. die keine Pflegeaussitzt einer eine geschlagene Stunde bei den Kranbildung haben. det Herr Barnstedt nicht mehr. ausdrücklich auf medikamentöse Sedierung. Frau jetzt Freiwillige. * Namen der Bewohner von der Redaktion geändert Mittags wird es voll im Bereich Licht.5 2. infolge einer Diabeteserkrankung beide Beine am»Sie können noch nicht loslassen. Doch es geht hier ausdrückschlaf aufgetaucht und zur Party lich um Würde oder.und liebloser Sie ist deutlich noch kein Fall für Terminologie.0 6. wenn der Betreute tagsüber rundum gutbürgerlich wirkt. Herrn Knorr schmeckt es noch. Auch in den Vielleicht ist dieser Kontakt durch die BerühSpielerische Tagesgestaltung: Bernd rung zustande gekommen. ob man Demenzkranken in ihrer letzten Lebensphase noch die für alle so mühsame tägliche komplette Körperreinigung und das aufwendige und oft schmerzvolle Anziehen zumuten soll. Nach dem Dessert Sauerwald. Als er vor fünf runterschluckt.9 1. nicht Gelebte. hatte mir »Motorrad« und »Frankreich« als Schlüssel für Herrn Knorr mitgegeben.

« Bisher gibt es auch kaum Hotels. ohne nach ihm sehen zu müssen. geht es auch meinem Mann gut«. wollen ihren Partner aber nicht weggeben. umarmt sie ihn. Leiterin der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention an der Universität Jena. sagt sie. Sie suchten lange nach einem Trauspruch und entschieden sich für den Ersten Korintherbrief: »Die Liebe erträgt alles. kam die Diagnose: Alzheimer.« Bernd Linde guckt nur. fragt sie.« Fünf Tage und sieben Nächte die Woche sorgt Frau Linde für ihn. Die Liebe hört niemals auf. »Ist er hingefallen?«. Ärzte und Kassen müssten die Entlastungsangebote bekannter machen. wenn er sagt. als wollten sie sich gegenseitig stützen. Sie nimmt sein Lätzchen ab. der Mann von Frau Lindes bester Urlaubsfreundin. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. auf Wunsch reisen teilweise auch Pflegekräfte und Ärzte mit.de/Entlastungsangebote www. vergleichbar mit betreuten Er umschließt fest ihre Hand und geht hinter ihr zur Tagespflege. konstatiert Frau Körle. 53. glaubt alles. Beate Linde und Freundin Elfriede Körle ziehen sich die Jacken für ihren Spaziergang an. fragt sie ihn nicht. als er noch gesprochen hat. zu überstehen. unter anderem auch mit Kuren. Ihr Zimmer liegt auf dem »Winterflur«: An der Wand hängen Ski aus Holz. »Nur ziehe ich ihn heute wie eine alte Kuh hinter mir her«. beruhigt Linde. sagt sie. als ein Nachbar den Zaun beäugt. ruft sie dann und läuft zu ihm. Wo heute die Tagespflege ist. »Wenn es mir gut geht. sagt Frau Linde. sagt sie. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verfünffacht – und dürfte wohl weiter wachsen. Dort. Aber sie glaubt es zu wissen. hielte seine Windel nachts mal nicht dicht. sagt sie und küsst ihn auf die Wange. Manchmal fällt dabei etwas runter. 1. pflegt sie ihn. »Ich habe Angst vor dem Tag.« Sie drückt. »Du bist ganz müde«. fragt sie sich. die zum ersten Mal ihr Kind in den Kindergarten bringen. »Ganz frei ist man nie«. Kuren.deutsche-alzheimer. wischt mit der Serviette über seinen Mund. Ohne Menschen wie Frau Linde würde das System zusammenbrechen. Weil sie ihn pflegt. Sie und ihr Mann schlafen immer im selben Zimmer. sagt sie. In fünf Jahren ist sie nie ausgefallen.« Jetzt gehen die beiden recht zügig und haken sich ein. stellt sich vor ihn. das ist für meinen Mann«. Sie kennten die Angebote kaum und hätten »häufig gar nicht mehr die Kraft. ob ihm der Urlaub im Sauerland gefällt. was sie möchte. beidseits geht es recht steil bergab. räumt das Bücherregal aus. ob er mich als seine Frau einordnet oder nur als positiv besetzte Person«. An zwei Tagen in der Woche bringt sie ihren Mann für sechs Stunden zur Tagespflege. Italien oder Thailand. Im Hotel ist alles festgeklebt – sogar die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen Sie ist mit ihm wieder nach Winterberg gefahren. »Setz du dich bitte hin.86 Meter groß. Er dekoriert oft um. »Davon pflege ich mich in Winterberg. Hier hat sie kaum Angst. die sich auf Demenzkranke und deren Angehörige spezialisiert haben. Er fährt mit der Hand über ihren Rücken und klopft auf ihren Po. dass seine Zielgruppe schwer von einem Urlaub zu überzeugen ist. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. wie es war. es gefalle ihm nicht?« Weitere Informationen unter: www.« Sie rahmte den Spruch ein und hängte ihn in den Flur. kommen die Nachbarn oder ein Schwager rüber. Gegenüber von Herrn Linde sitzen Walter Körle. und zwei ältere Frauen. ihren Mann liebt. »Bernd. seien zwar hilfreich. im »Küchenflur« Kaffeemühlen zum Selbermahlen. zwei. »Ich bin daheim ja auch eingesperrt. Viele schotten sich zudem ab und riskieren. »Das ist unsere artgerechte Freilandhaltung. war früher der Kindergarten. Viele Anbieter mieten für die Reisegruppen behindertengerechte Unterkünfte. Frau Linde geht viel mit ihrem Mann spazieren. sagt der Leiter Andreas Frank. Wo sie nicht kochen muss. Ihr Haus steht am Hang. Die Tür ist mit einer Kette verschließbar. in einem Hotel in Winterberg. Deswegen wandelte die Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen das heutige Landhaus Fernblick vor sechs Jahren um: Aus einem Mutter-Kind-Haus wurde das neue Hotel. Die fürsorgende Ehefrau und Mutter kümmert sich um den kranken Partner. sagt sie. »Schlaf ein bisschen. dass er wegläuft. Es hat gedauert. Noch hilft er mit. »Wenn es bereits ein Problem ist. sagt sie. Landhausleiter Andreas Frank bestätigt. 82 Kilo schwer. Das Hotel will seinen Gästen so viel Sicherheit und Halt wie möglich bieten. Sie bringt ihn zu seinem Platz. Es wäre auch nicht schlimm.« Ein Zuhause.40 12. Die thematischen Flure sollen die Orientierung der Bewohner erleichtern und ihr Langzeitgedächtnis mit alten Gegenständen ansprechen. einen Schnabelbecher zu erreichen. sondern jemand kommt und fragt. denn alle Matratzen sind mit einem speziellen Bezug geschützt. wie jeden Morgen und jeden Nachmittag im Urlaub. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will pflegende Angehörige vermehrt entlasten. »Wie soll das auch gehen?«. hält allem stand. die Krankheit ihres Mannes. B Urlauben gemeinsam mit den Erkrankten. »Ich weiß nicht. klopf«.philippwente. Wenn sie nicht irgendwann selbst erkranken. Frau Körle hatte seit Wochen ihr Haus nicht verlassen. in den Urlaub zu fahren. ein bisschen schlafen. »So ganz frei ist man hier aber auch nicht«. ihren Partner zu schlagen. Weil Beate Linde. hat sie im vergangenen Jahr mit ihrem Mann fünfmal Urlaub gemacht. »Ich bin alleinstehend mit besonderen Erschwernissen«. »Er hat nichts davon. legt ein Kissen und ein Taschentuch aufs Sofa.« Neben dem Landhaus gibt es rund 25 weitere Anbieter. Beate Linde hat sich vorgenommen. Denn eine Auszeit ändere nichts im Alltag. »Das ist mein Urlaub. Manchmal gibt er ihr ein Küsschen oder reibt seine Nase an ihrer. »Wir bekommen kein Pferd. Wenn sie kurz wegmuss. Dafür reist sie in ein besonderes Hotel VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS eate Linde hat im Garten ein Stück Rasen eingezäunt – damit ihr Mann nicht wegläuft. hinsetzen!« Als er sitzt. Die Landschaftsbilder an den Wänden könnten auch bei Oma hängen. hoch!« Sie lehnt sich nach hinten und zieht ihn hoch. bis sie das begriffen hat und die Zeit ohne ihn genießen konnte. Vor sieben Jahren. sagt sie und lächelt. An der Wand hängen Kartoffeldrucke. »Viele pflegende Angehörige nehmen Entlastungsangebote nur zögerlich an«. aber sagt nichts.« Er lächelt zurück. Die drei Betreuer in der Tagespflege stimmen wie immer ein Begrüßungslied an: »Danke für diesen guten Morgen. »erinnern mich die Angehörigen auch an Mütter und Väter. Dann liegen seine Beine hoch. Walter Körle schläft. Doch das ist gar nicht so einfach. Mai 2011 Fotos: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Raus aus dem Alltag: Die Reise der Lindes ins Sauerland Auch Spanien oder Thailand sind im Urlaubsangebot für Demenzkranke Auch die Angehörigen brauchen mal Pause. In Deutschland werden rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. »Was wäre. setz dich bitte«. Seit über einem Jahr spricht er nicht mehr.« Mit dem Zaun kann sie sich ein bisschen entspannen. Oft leben die Angehörigen nur noch für ihren dementen Partner. pflegt sie ihn. Von dort schauen sie ins Tal. beispielsweise zu einer Angehörigengruppe zu fahren«. Weil sie ihn pflegt. Nur wären sie dort nicht festgeklebt. »Hier kümmert sich endlich mal jemand um mich. »Ich wollte meinem Mann noch einmal was versprechen«. das gehört wohl zum Rollenverständnis. Ich pass auf dich auf. Im »Uhrenflur« hängen alte Uhren. sagt Gabriele Wilz. Das Gelände ist ebenfalls eingezäunt.« Sie bekommt monatlich 685 Euro Pflegegeld. Wälder und ein kleines Dorf. Im Sauerland gelingt ihr das. wo sie auch ein Buch lesen kann. an dem er nicht mehr auf mich reagiert.zeit. während er im Wohnzimmer die Bücher aus dem Regal zieht. Beate Linde pflegt ihren Bernd im fünften Jahr. Am Mittwochmorgen um zehn Uhr bringt Beate Linde ihren Mann für zwei Stunden zur Betreuung. reichten jedoch nicht aus. selbst krank zu werden. Danach haben sie noch einmal geheiratet. Das hat sie auch früher nicht getan. spricht sie ihn an. »Klopf. Seit der Hochzeit verliert sie ihren Mann jeden Tag ein bisschen mehr. Aus demselben Grund kaufte sie für ihren Mann auch einen Fernsehsessel. dann ist es eine Riesenüberwindung. so gut es geht. Normalerweise sind hier etwa 30 Prozent der Demenzkranken weiblich. fühlt sich zu Hause am wohlsten«. »Es ist wie nach Hause kommen«. Sie hat Angst vor seiner Antwort. »Bernd. Darum weiß sie auch nicht. »Bis später«. greift seine Hände und sagt: »Eins. Berge. und sei es nur für zehn Minuten. Diese Verteilung ist ungewöhnlich. auf Wiesen. diesmal kirchlich. hofft alles. Als sie ihren Mann Bernd später abholt. da war er 61. er könnte stürzen.« Sie lächelt und streichelt seine Hand. und er läuft nicht – sonst pilgert er pausenlos durchs Haus und hört selbst dann nicht auf. danke für jeden neuen Tag. ein CD-Player spielt Schlager. Einige offerieren sogar Urlaub in Spanien. »Und manchmal«.de/audio .com DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Urlaub von der Verantwortung Weil Beate Linde ihren Mann liebt. fangen sie schlimmstenfalls an. wenn er müde ist. drei. auch die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen. die sich wie das Landhaus im Sauerland ausschließlich auf Tandem-Urlauber spezialisiert haben. Zu Hause sitzt sie neben ihm auf dem Sofa. sagt sie. Eigentlich ist im Landhaus alles festgeklebt.

Hans Roslings Animationen entfalten nur deshalb ihre Dynamik. holt es in Windeseile die Entwicklungen nach. Mit einem Beamer präsentiert er die von ihm entwickelten »Blasendiagramme« (siehe auch Grafik Nr. Der Augsburger Medienforscher Michael Stoll erklärt. denen sich die Ohren verschlossen haben. Mit der Entwicklung des Computers wurde es möglich. Inzwischen gehören bunte Bilder und Grafiken auch zum Standardwerkzeug der abstraktesten Disziplinen. oft mühsam recherchiert. bewegen sich von einer Ecke des Graphen in die andere und zeigen wirtschaftliche oder gesundheitspolitische Welttrends auf. wie heikel die abstrakten Daten sein können.): Wissen in Bildern Edel Verlag. Der Mensch ist ein Augentier. erschien die erste ganzseitige Infografik auf den WissenSeiten. die Leser selbst in die Aufbereitung der Daten einzubeziehen. 33). Jahrhunderts waren mehr als die quasifotografische Abbildung dessen. In der Mathematik ist in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Freude am Bild entstanden. sagt der Infografik-Professor Michael Stoll (siehe Interview auf Seite 42). Über die Selektion der Daten kann der Autor die Aussage beeinflussen – aber wie die Welt sein soll. Das ist eine voyeuristische Spielerei – aber danach weiß man. Grafiken und Statistiken zu zeigen. in der schlichtesten möglichen Form diese Beträge zu visualisieren: als simple Rechtecke (Grafik Nr. sagt die Grafik nicht. wie sie sich unter bestimmten Voraussetzungen entwickeln könnte. die sie vorfanden. 1610: Per Fernrohr entdeckt der Astronom die Mondkrater und die Phasen der Venus 1835: Die Vielfalt der GalápagosFinken inspiriert den Biologen In der wachsenden Datenflut helfen Grafiken bei der Bewertung Das beginnt mit der einfachen Darstellung von Größenordnungen. Dann beginnen die Blasen zu tanzen. die sie sich im Gefecht zugezogen hatten. nicht nur am Beispiel der zeitweise regelrecht modischen Fraktale. Damit wurde die Sinnlichkeit der inneren Bilder geleugnet. war stärker als alles philosophische Räsonieren über den Lauf der Gestirne. was wir der Öffentlichkeit über ihre gegen Worte abgedichteten Ohren nicht vermitteln können«. Bilder haben eine starke Überzeugungskraft. Beschleuniger und andere Forschungsinstrumente geliefert wird. Es gilt nicht nur eine Stecknadel in diesem Heuhaufen zu finden. »Auf Meinungsvermittlung und Konjunktiv versteht sich die Infografik schlecht«. Jahrhundert die moderne Krankenpflege begründete. Im Jahr 1858 erstellte sie ein sogenanntes polar-area diagram. Dessen Achsen können zum Beispiel die Kindersterblichkeit und das Bruttosozialprodukt sein. wenn der Nutzer interaktiv eingreifen kann. in der ZEIT-Ausgabe 26/09. wie man gute Infografiken von schlechten unterscheiden kann (Seite 44). Das Beispiel zeigt auch die natürliche Schwäche des Mediums auf. Die Vorträge des Professors für Public Health am Stockholmer Karolinska-Institut sind legendär. Wort und Bild werden zunehmend gleichberechtigt nebeneinanderstehen – auch in dieser Zeitung. Dabei sind seine Mittel schlicht. Vor zwei Jahren hat sich das Wissen-Ressort der ZEIT entschlossen. Jahrhundert von einer regelrechten Bilderfeindlichkeit geprägt war. eine Variante der heute so verbreiteten Tortengrafiken. und noch spannender wird es.« Wer einen seiner Zeitraffer-Filme gesehen hat. der Code des Lebens ist entdeckt 1975: Am Computer generierte Fraktale eröffnen den Blick in eine neue mathematische Welt Christoph Drösser (Hg. Man kann mit Bildern lügen. Die englische Krankenschwester. Die meisten erlagen nicht den Wunden. Auch die Wissenschaften arbeiten verstärkt mit Bildern (diese Seite). eventuell noch. Die anatomischen Zeichnungen des 18. mit denen sie täglich jonglieren. sondern auch die Daten. aber sie sagen es auf andere Weise. »aber das hat ihre Weltsicht nicht verändert. Jahrhunderts ist Hans Rosling. das Buch »Wissen in Bildern« zu gewinnen. GRAFIK Futter für das Augentier Wissenschaftler und Journalisten entdecken die Vorzüge der Infografiken VON CHRISTOPH DRÖSSER WISSEN IN BILDERN 12. Der nächste Schritt des »datengetriebenen Journalismus« im Internet ist es. Inzwischen steht Roslings Software jedermann zum Experimentieren offen – die Firma Google hat sie gekauft und bietet nun den Dienst Google Motion Chart an. Atemlos wie ein Sportreporter kommentiert Rosling beispielsweise. wie viele Nullen eine der Euro-Milliarden hat. von Visualisierung auf den Punkt: einen Sinneskanal zu öffnen. über den man Einsicht und Erkenntnis ohne Worte direkt erzeugen kann. Sagen die wirklich mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte? Mehr vielleicht nicht. oft mit einem Blick in einer unübersichtlichen Umwelt das wesentliche Muster zu erfassen. Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www. Der britische Guardian stellte die vom Unterhaus veröffentlichten Spesenabrechnungen der Abgeordneten ins Netz mit der Aufforderung an die Nutzer der Internetseite. In der ZEIT haben wir einen Tag im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz dokumentiert (Grafik Nr. Auf den nächsten beiden Seiten können Sie noch einmal alle bisher erschienenen Grafikseiten als Miniatur sehen (Seite 42/43). sondern potenziell viele. F Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich Infografiken im Netz. indem Rosling noch die Zeit als vierte Dimension hinzufügt und im Zeitraffer die letzten 250 Jahre Revue passieren lässt. Infografik und wissenschaftliche Visualisierung setzen auf diese außerordentliche Fähigkeit. »über die Augen zu bewirken. »Ich habe meinen Studenten früher riesige Mengen von Unicef-Statistiken über Einkommen. warum viele Forscher heute fordern. Damit fing alles an – vor etwa 30 000 Jahren Vor zwei Jahren. selbst nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. gehört auch zu den Pionieren der Infografik. 1895: Der Physiker verewigt als Erstes die durchleuchtete Hand seiner Frau So stimmen Sie ab: Schicken Sie eine E-Mail (bitte nur eine pro Person!) mit der Nummer Ihrer Lieblingsgrafik im Betreff an grafikwahl@zeit. dass mit jeder wissenschaftlichen Publikation nicht nur die Erkenntnisse offengelegt werden. die von den dahintersteckenden mathematischen Modellen oft gar nicht gedeckt wird. etwa bei den TED-Konferenzen oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos. was die Forscher sahen – sie strukturierten damit die Vielfalt des Lebens. Unter allen Einsendern verlosen wir fünfmal den großformatigen Sammelband »Wissen in Bildern« mit 60 Grafiken aus unserer Serie. 49. die zur Umwälzung ganzer Weltsichten beigetragen haben (siehe Zeichnungen auf dieser Seite). die durch Satelliten. sie ist zur Ikone einer Wissenschaft geworden. Die wichtigste Lehre. in der die plagiierten Seiten rot gekennzeichnet waren. um sie nur einmal unter einem speziellen Aspekt auszuwerten. diese Ideen auch grafisch aufzubereiten. Die wachsende Datenflut. Die ZEIT ist mit der neuen Lust an Bildern nicht allein: Viele Print. Dynamik erhalten die Grafiken. nicht nur indem man Balkengrafiken verzerrt und übertreibt. die bei der Benutzung eines modernen Handys entstehen. Es hat zu allen Zeiten starke wissenschaftliche Bilder gegeben. was man mit den umstrittenen Vorratsdaten anfangen kann. die für ihn aber kaum konkret begreifbar sind. Auch deshalb ist die Grafik-Seite ein Wagnis in der traditionell meinungsstarken ZEIT. für Gelehrtenschulen wie das unter dem Pseudonym »Bourbaki« schreibende Kollektiv französischer Mathematiker waren Zeichnungen und Diagramme Verwässerungen der reinen mathematischen Idee. um zu zeigen. um Struktur in einem Gewirr von Zahlen zu finden. an welchen Ursachen die Soldaten der königlichen Armee starben. und 19. nachdem das 20. 89). Mai 2011 DIE ZEIT No 20 41 Jagdszenen auf Stein. 1596: Die Planetenbahnen als ineinandergeschachtelte platonische Körper Mit Bildern lässt sich auch trefflich lügen Auch die Wissenschaft setzt zunehmend auf die Kraft des Bildes. Die Doppelhelix der DNA ist nicht nur die sachliche Darstellung des Lebensmoleküls. Was Galileo durch sein Fernrohr sah und abzeichnete.niels-schröder. Und zu den wichtigsten Werkzeugen. die er überbringen will: Es ist schon lange nicht mehr sinnvoll. die Welt einzuteilen in die industrialisierten Länder und die Entwicklungsländer. 128 S. er ist ein gefragter Redner. Allerdings hat diese »ikonische Wendung« hin zur Bildsprache in der Wissenschaft auch Schattenseiten. Fotoseiten. und begründeten die moderne Biologie. Auch Rosling geht es darum. Aber jede Simulation. weil sie sich über die Zeit entwickeln. zum Rücktritt des Politikers beigetragen. Damit verbinden wir eine Frage an unsere Leser: Welche Grafik hat Ihnen am besten gefallen? Wer an der Wahl teilnimmt. sagte Nightingale. Die Evolution hat uns gelehrt. zu denen ein Forscher gekommen ist. der eine Position in einem x-y-Koordinatensystem hat. Diese Grafiken. Die Grafiken suggerieren wissenschaftliche Exaktheit in einer Detailtreue. der bekommt zumindest einen Sinn für Proportionen – auch wenn dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden und man das Geld aus dem einen Kästchen nicht so einfach dem anderen zuschlagen kann. Illustrationen. Ein Infografik-Pionier des 21. die zu diesen Erkenntnissen geführt haben.100 . wie es eine Sammlung nackter Zahlen niemals könnte. Das ist ein Grund dafür. Gewiss hat die resultierende Grafik..de 1953: Die DNA wird entschlüsselt. wie der Riese China den Rückstand zur westlichen Welt aufholt. aber man sieht ihnen nicht die Qualität der dahinterstehenden Daten an. hat die Chance. Die Klimaforscher hätten mit ihren Warnungen vor den Folgen des Klimawandels längst nicht so gut an die Öffentlichkeit dringen können ohne die bunten Bilder eines heißen Planeten im Jahr 2100. Sobald ein Land die sozialen und politischen Voraussetzungen erfüllt – und das heißt insbesondere: Gleichstellung der Frauen –. Ähnlich verfuhr auch das GuttenPlag Wiki bei der Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsministers. lorence Nightingale war nicht nur eine Reformerin des öffentlichen Gesundheitswesens. über das Auge Erkenntnisse zu vermitteln. Mai. Lebenserwartung und Fruchtbarkeitsziffern kopiert«. Im Wesentlichen bilden Infografiken die Welt ab. um ihren Landsleuten zu zeigen. Also auf etwa 15 000 Buchstaben zu verzichten und dafür Bilder. auf der sie beruht. Seitdem haben wir Ihnen 99-mal ein Thema in Bildern präsentiert – Infografiken. jede Woche eine ganze Seite der Infografik zu widmen.de. erzählte Rosling dem Economist. Es war daher eine geniale Idee des Grafikers David McCandless. Damit brachte sie das Potenzial von Infografik. 67 auf der nächsten Seite): Jedes Land ist entsprechend seiner Bevölkerungszahl ein mehr oder weniger großer Kreis. wenn die Datenflut von einzelnen Rechercheuren gar nicht mehr zu bewältigen ist. die im Westen vor 100 Jahren eingeläutet wurden. gehört die grafische Aufbereitung. ist zu kostbar. Ein weiterer Grund für die Forderung nach open data: Ein anderer Forscher prüft dieselben Daten vielleicht mit anderen Fragestellungen und kommt damit zu neuen Ergebnissen.95 Euro 1972: Zwei goldene Platten an Bord der Raumsonden »Pioneer 1« und »Pioneer 2« sollen Außerirdische über das Leben auf der Erde aufklären .und Onlinemedien präsentieren Informationen zunehmend optisch. Damals war Anschauung verpönt. Einsendeschluss ist der 19. seien dazu geeignet. Auf ZEIT online konnte der Nutzer sich selbst in die Rolle des Schnüfflers versetzen und die Spur des Politikers an einem beliebigen Tag zu einer beliebigen Uhrzeit aufnehmen. jede Statistik ist nur so gut wie die Zahlen und Gleichungen. sondern vermeidbaren Infektionskrankheiten. wie sie ist. Der Zeitungsleser wird heute auf jeder Seite bombardiert mit einer Fülle von Zahlen. Selbst Bundesminister haben ja manchmal Schwierigkeiten zu sagen. der versteht die Zusammenhänge nicht nur besser – der Trickfilm brennt sich auf eine Weise ins Gedächtnis ein. Wer das kleine Kästchen des Bundes-Bildungsetats mit den größeren Rechtecken des Banken-Rettungspakets oder des Vermögens der Albrecht-Brüder verglichen hat. die in Wahrheit natürlich jeder Mathematiker von seinen Objekten hat. die sich nur in streng logischen Abfolgen mathematischer Sätze zu manifestieren hatte. die im 19.

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Und in dieser Position (mit anliegenden Beinen) lässt sich das Tier ganz leicht auf den Rücken drehen. ZEIT: Bekommt der Leser.de/stimmts www. Die suchen sich ihre Informationen selber im Internet. wer noch fernsieht. dann ist es zumindest für Insekten mit einem glatten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KOMPAKT WISSEN Daten sichtbar machen Eine gute Infografik bringt ihre eigene Bedienungsanleitung mit. wenn eine Information abstrakt ist. warum die Rückenlage die wahrscheinlichere für ein totes Insekt ist. wo der Gefallene herkam. hat ein höheres Ansehen. So ist ihr auditives Gedächtnis im Alter zwischen 45 und 65 Jahren besser als das von Nichtmusikern. Oder aus dem Nachbarort. die sich dafür eignen. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. indem sie kräftig strampeln und irgendwann wieder auf den Beinen landen. Die Wechselwirkungen zwischen dem visuellen Eindruck und dem analytisch-verbalen Grafikanteil sind sehr intensiv. Aber wir sind auf einem guten Weg. das ist Schönheit ohne Bedeutung. der sie anschaut. Sie verschafft mir einen strukturierten Zugang zur Information. dann macht es wilde. die Datenvisualisierung.de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN Musikergehör Musiker. der zur Popularisierung der Infografik beigetragen hat. das Gleiche darin liest. Es kommt auf schnelle und präzise Vermittlung an. ZEIT: Wieso das? Stoll: Weil eine gute Infografik Dinge zeigen und erklären kann. Was mir an diesem Trend sehr gut gefällt: Weil in einer Welt der Infografiken und Datenbanken vor allem faktisches Wissen gefragt ist. wofür die Deutschen bekannt sind: ihrer Genauigkeit und ihrer rationalen Herangehensweise. wird die Boulevardisierung verdrängt. Alles in allem ist die Rückenlage statistisch am wahrscheinlichsten. In unserer Wissensgesellschaft sollen wir ständig in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aufnehmen. ZEIT: Sieht so der Journalismus der Zukunft aus? Ich wühle mich durch einen Wust an Informationen und bereite ihn ansprechend auf? Stoll: Der Datenjournalismus wird sich sicher etablieren. ZEIT: Sie sagen. die online verfügbar sind. drei Agenturen. Das merkt der Leser gar nicht. zum Beispiel durch einen leichten Luftzug. Es gibt gleich mehrere Gründe. Wer überzeugend Infografiken publiziert. ob aus dem Ort. Visualisierung ohne Erklärung. Stimmt’s?. und dabei sind sie nicht gestreckt. also jeder. Oder der Parallelklasse. Dort kommt in den Zeitungsredaktionen auf zehn klassische Journalisten ein Infografiker. wenn sie einmal zufällig auf dem Rücken landen. Wenn eine Infografik sich widerspruchsfrei interpretieren lässt. Die Infografik ist ein Element für effektive Leser. was sie wissen wollen. dem wichtigsten Infografik-Preis.de/netz-strom Niels Birbaumer erforscht. dann ist das eine gute Grafik.zeit. dass sie ihre eigene Bedienungsanleitung mitbringt. die ruhig und friedlich sterben. Ihre Bedeutung wird den Verlagshäusern gerade erst wieder richtig bewusst.zeitabo. kann man inzwischen von einer Emanzipation der deutschen Infografik sprechen. ich muss mir den Sachverhalt nicht selber zusammensuchen und ihn einordnen. In Deutschland gibt es zwei. aus der sie das rauslesen.de. Fernsehzuschauer und Internetnutzer denn hauptsächlich gute Infografiken präsentiert? Stoll: Wenn ich mir das Gros so anschaue. ZEIT: Was sind die aktuellen Trends in der Infografik? Stoll: Neben der zunehmenden Zahl von 3-DGrafiken und der Kombination von Statistiken mit Landkarten ist ein großer Trend. dringt in ihren Körper ein und beeinflusst ihr Verhalten. die das Gehör betreffen (PLoS One. dann können sie sich aus dieser misslichen Lage befreien. leiden seltener unter typischen Alterserscheinungen. Denn viele dieser Arbeiten vernachlässigen die zweite Aufgabe der Infografik: das Vermitteln. Stirbt das Tier im Flug oder auf einer erhöhten Position sitzend. sagt der Experte Michael Stoll DIE ZEIT: Sind die vielen Infografiken mehr als STIMMT’S? Sterben Insekten auf dem Rücken? … fragt Fabian Schäfer aus Leipzig Die Frage ist nicht so zu verstehen. ob Psychopathen bessere Menschen werden können Das aktuelle ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. ZEIT: Will der Leser sich denn wirklich mit solchen Datenmengen auseinandersetzen? Stoll: Das will er. Allerdings sind Infografiken kein Allheilmittel im Journalismus oder für die Wissensvermittlung per se. Aber auch Insekten. wo optimale Entwicklungsbedingungen für den Pilz herrschen (Biomed Central. lachen die mich aus. Von solchen Verhältnissen träumen die meisten deutschen Verlage. vier Jahren um die Hälfte gestiegen. Das sind ihre beiden Hauptaufgaben: visualisieren und vermitteln. online). landen leicht in der Rückenlage. Wenn ich meine Studenten frage. Die Beine nehmen beim Tod nämlich eine entspannte Stellung ein. Alter. Darin sehe ich ein großes Problem. besonders nach Schweden und Dänemark.zeit. es funktioniert im Idealfall einfach. Das Gespräch führte CLAUDIA FÜSSLER Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. die zur Profilschärfe beiträgt. weil sie wie in einer Collage miteinander verwoben sind. ehe sie sich wie auf Kommando an der Unterseite eines Blattes festbeißen und sterben – genau dort. Sie erkennen. Zum Wesen einer Infografik gehört es. Die New York Times und der Guardian stellen solche interaktiven Grafiken zur Verfügung. wir sind auf einem guten Weg. auf die der Leser vorher keinen Zugriff hatte. online). zum Beispiel die Fluchtpunktperspektive oder die Benutzerführung und Hierarchisierung eines Themas durch die Grafik. ZEIT: Die Infografik ist also etwas für faule Leser? Stoll: Ganz und gar nicht. CHRISTOPH DRÖSSER eine Mode in der Medienlandschaft? Michael Stoll: Ich glaube. runden Körper aus aerodynamischen Gründen am wahrscheinlichsten. Sie können eigenständig suchen. werden aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. gelingt das rettende Umdrehmanöver nicht mehr. Das Ziel ist die Institutionalisierung des Berufs Infografiker. dann würde ich sagen: Da ist noch viel Luft nach oben. Das ist zum einen dann der Fall. Sind sie gesund. vielleicht noch andere Menschen ums Leben gekommen sind. ZEIT: Gibt es die ideale Infografik? Stoll: Es gibt ein paar Qualitätskriterien. sondern eingeknickt. Beim Internationalen Malofiej-Contest der Universität von Navarra in Pamplona.44 12. Während vor einigen Jahren die hiesigen Infografiker noch nach Amerika schielten und sich an den Kollegen dort orientierten. ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge in den vergangenen drei. ZEIT: Woran erkenne ich das? Stoll: Tatsächlich an dem. quälenden Tod. MEHR WISSEN: Im Netz: Was das Internet an Strom verbraucht www. 20079 Hamburg. Todesort. dass sie nicht linear erzählt werden kann. Ein internationales Forscherteam hat gezeigt. die gestalterisch und journalistisch wirklich top sind. Es wird dabei irgendwann auch auf dem Rücken landen – und wenn es dann schon zu schwach ist. Umfangreiche Datenbestände. dass sie sich über die Infografik positionieren können.zeit. die infizierten Ameisen wie Zombies umherirren. Aber tatsächlich findet man tote Insekten meist auf dem Rücken liegend vor. in der Rückenposition zu landen. die sich hauptsächlich im Internet abspielt. Genau das kann die Infografik sehr gut. sozusagen an Altersschwäche. wir stehen am Anfang einer Renaissance der Infografik. damit der Kiefer des toten Insekts geschlossen und das Tier am Blatt hängen bleibt. Das musikalische Training sorgt den Studienautoren zufolge für ein Feintuning des Nervensystems und erspart den Musikern altersbedingte Kommunikationsprobleme. Und zum anderen. Außerdem erhalten sie sich durch das musikalische Training länger die Fähigkeit.de Zombie-Ameise Michael Stoll ist Pro fessor für Informationsdesign und Medien theorie an der Hochschule Augsburg Der subtropische Pilz Ophiocordyceps unilateralis ist ein Parasit der besonders fiesen Sorte. Wir brauchen mehr Infografiken bei Themen. Allerdings nicht in dieser formalen Ausprägung. die spätestens mit neun Jahren ein Instrument gelernt und ihr Leben lang mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben. zuckende Bewegungen. Sprache in lauten Umgebungen zu erkennen. Die Infografik ist eine journalistische Darstellungsform. ZEIT: Also brauchen wir mehr Infografiken? Stoll: Auf jeden Fall. dass Foto: privat . oder stimmts@zeit. Da kann man sich zum Beispiel alle Informationen über die Gefallenen des Irakkrieges ansehen. Das beginnt mit einem Klick auf einen Link und endet in einer Datenbank. dass Käfer oder Kakerlaken sterben müssen. wenn eine Information so komplex ist. Er setzt sich auf Ameisen fest. das nicht von einem Räuber gefressen wurde. Darin sind die deutschen Infografiken ungeschlagen. Das gilt übrigens weltweit. und zwar nicht nur mit Namen. wie er es zurzeit tut. Wird ein Insekt vergiftet und stirbt einen langsamen. Was genau ist denn das Ziel? Stoll: Da lohnt sich der Blick nach Skandinavien. Der Pilz steuert auch die Festigkeit des Bisses.

Apfel Zet (Piktogramme). W I S S E N . sich selbst zu helfen. Oft versuchen die Flüchtlinge. K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAREN EIGENTLICH . Oder die Familie hat beschlossen. Aber es gibt immer noch viele Flüchtlinge: ungefähr 40 Millionen Menschen auf der ganzen Welt! Manche konnten gerade noch davonlaufen.de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1. 4. Das Problem ist nur: Für Verfolgte ist es inzwischen schwierig. können die Flüchtlinge und Migranten am besten selbst erklären. Anni-Frid. und wahrscheinlich sind die beiden zurück in ihre Heimat gegangen. Es gibt oft zunächst kein Trinkwasser. bedroht – ein elfjähriger Junge kann sich ja kaum wehren. Massoud hatte die beiden älteren Kinder getragen. kann er nicht einfach in seinem Land zur deutschen Botschaft spazieren und ein Visum beantragen. versteht sich von selbst . eingesperrt und in ihre Heimat zurückgeschickt. keinen Strom. Viele Kinder und Jugendliche machen sich ohne Eltern auf den Weg. Wir hier in Deutschland können uns nur schwer vorstellen. Die Radiogeschichte über Abba hört Ihr am Sonntag um 8. bis er schließlich in Österreich landete. In Tunesien hat es gerade eine Revolution gegeben. Warum jemand so etwas tut. Wenn aber jemand in seiner Heimat verfolgt wird. Einer – er heißt Hesmat – hat seine Geschichte von einem Journalisten aufschreiben lassen (Hesmats Flucht heißt das Buch). dass sie möglichst schnell zurück nach Hause können. ja fast unmöglich. um irgendetwas für ihre drei Kinder zu besorgen. wie er zwitschert – gern aus dem Weidenlaub heraus 1 2 N D D OE U E H 5 E 3 4 R 6 7 C L 8 9 10 I E Z Schick es bis Dienstag. giessen. »HORCHT. Ginster. und jetzt müssen sie mit 20 anderen in einem Zelt leben. 9. Sind mit dunklem Federkleid und hellen Flötentönen in der Vogelschar vertreten 10. Aber was bedeutet es eigentlich. Solche Menschen nennt man »politisch Verfolgte«. »das fällt nicht nur mit Signalfarbe.05 Uhr in der Sendung Mikado – Radio für Kinder auf NDR Info oder im Internet unter www.. manchmal über tausend Kilometer zu Fuß. Leyla hatte außerdem ihr Hochzeitskleid eingepackt. weil Soldaten auf sie schossen. ergibt das »Abba«. Das fand ich damals albern. bevor sie fliehen mussten. Sie behandeln dann in einem Flüchtlingslager die Kranken oder unterrichten die Kinder – auch wenn es keine Schule. Hat man je eine BISAM-EULE im Frühlingskonzert gehört? Sie andererseits schon oft! 9. Das habe ich zumindest lange geglaubt.95 Euro. keine Medikamente für die Verletzten. Hesmats Geschichte ist gut ausgegangen. nur um sich nach Europa hineinzuschmuggeln. Krokusse. Hans G. Gartenzwerg. Björn und Agnetha – nimmt man die Anfangsbuchstaben der vier Namen und setzt sie hintereinander. konnte zur Schule gehen und eine Lehre als Elektriker machen. 20079 Hamburg. sie mussten sich immer wieder verstecken. Robert könnte gut ein wenig langweiliger sein.. Das Zauberschwert dtv 2011. desto mehr dachte ich: Flüchtlinge sind gar nicht so schwach. den 24. KinderZEIT. nach Europa zu kommen. ob er Spaghetti Bolognese isst. Mai. weil sie kritisch über die Machthaber geredet haben. keine Schule. In Österreich ist er schließlich in einem SOS-Kinderdorf gelandet. Leyla rannte ständig herum. schlägt sich durch nach Frankreich. Manche kommen eine Weile bei Verwandten in anderen Städten und Dörfern unter. Nur sehr. dem man helfen muss. die bis heute andauert. Lösung aus der Nr. Wer es bis nach Europa schafft. Viele Menschen fliehen auch. Menschen aus afrikanischen. Herr Blaukappe und Frau Graubraun 7. die unter Zeltplanen hocken und hoffen. 9. 2. Einer der Kleinsten – und doch der gekrönte Chef? – im Singvogelreich 2. die aus Nordafrika nach Europa fliehen – solche Bilder sieht man seit Wochen.. Singen oft ihr »pinkepink«. Bücher oder Stifte gibt.ndr. ein tolles Bücher-Überraschungspaket. 10. Wozu braucht man auf der Flucht ein Hochzeitskleid? »Damit ich mich an etwas Schönes erinnern kann«. Denn im Irak wurden Kurden damals verfolgt. 8. Massoud und Leyla waren Kurden aus dem Irak. wie man mit diesem erstaunlichen Schwert in die Vergangenheit reisen kann – und schleppt Tim gleich mit in die Welt der Ritter. wenn sie ein Visum (das ist eine Erlaubnis zur Einreise) haben. Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. findet Tims Mutter. Sie werden erwischt. als Ärzte oder Lehrer gearbeitet. Maulwuerfe. weil an den Flughäfen und an den Grenzen immer strenger kontrolliert wird.. Zusammen mit Tausenden anderen Kurden waren sie über die Berge in die Türkei geflohen. Oder in einem Flüchtlingslager. keine Tische. weil sie sich für Menschenrechte eingesetzt. Es ist ziemlich lange her. die man oft im Fernsehen sieht: Leute. Anu Stohner: Robert und die Ritter. Tierische Kunst. Niels Schröder (Wappen) S AU HR SC AT HR SC RIT P O L I T I K . dass ihm in seiner Heimat Tod oder Gefängnis drohen. zum letzten Mal traten sie 1982 auf. Solche Flüchtlinge nennt man Migranten. Die Menschen haben schon alles verloren. wenn er eins vor der Nase hätte? Robert durchschaut sofort. Veilchen. Eieieieiei. Manche haben. dass ich Massoud und Leyla getroffen habe. dass ihnen jemand Decken und Medikamente. Rasenmaeher. – BLUMENBEET Dicht gedrängt stehen Flüchtlinge auf einem kleinen Boot. wenigstens eines der Kinder für ein besseres Leben nach Europa zu schicken. Zusätzlich schleppten sie Rucksäcke. Oft finden die Menschen sie auch. was findet man bald nach der Vogelhochzeit im Nest? 8. Deutschland oder Italien und sucht Arbeit. ab 7 Jahren SC H E H U NI Bleeker in Flüchtling ist jemand. Kasachstan und Russland. bestohlen. Benny. Fotex (im Wappen). Das passiert zum Beispiel immer wieder im Kongo oder im Sudan in Afrika. weil er sich selbst nicht mehr helfen kann. Egal. Dass es dort keine Sekunde langweilig wird. 5. Flieder. 7. Dann bin ich selbst in ein Flüchtlingslager gefahren und habe Massoud und Leyla kennengelernt. Steuert die Klopftöne zum Vogelkonzert im Wald bei 4. weil sie Demokratie gefordert oder einfach nur. Decken. Kleider. Derzeit versuchen viele Migranten aus Tunesien. Seitdem machen sie eine Pause. Aber an der Armut hat sich nichts geändert. Je länger ich Massoud und Leyla damals beobachtete. arabischen oder asiatischen Ländern dürfen nur einreisen. auf Lastwagen oder überfüllten Booten reist. Erst wenn Hilfsorganisationen ankommen und ein kleines Krankenzelt oder eine Trinkwasseranlage aufbauen. hatte Leyla gesagt. Hesmat war 14 Monate unterwegs durch Turkmenistan. Auf der Flucht wurde er verprügelt. 3. So wie die Flüchtlinge. Sie arbeiten für ganz wenig Geld in Restaurantküchen. Der Junge kommt aus Afghanistan und floh mit elf Jahren allein aus seiner Heimat. Inzwischen werden die Kurden im Irak nicht mehr verfolgt. die Geschichten vieler anderer Flüchtlingskinder gehen leider nicht so gut aus. Für einige aber gibt es kein Zurück mehr: Sie werden daheim von der Geheimpolizei gejagt. dann erhält er »politisches Asyl«. Viele Flüchtlinge hoffen. als Soldaten oder Rebellen ihre Dörfer überfielen. 18: 1. Deswegen quetschen sie sich auf kleine Boote und wagen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Sie sahen eigentlich gar nicht hilflos aus. So nannten sich die zwei Männer und zwei Frauen aus Schweden als Band. umgraben. Essen und etwas zu trinken bringt. ein toller Freund. und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen.zeit. Flüchtling zu sein? VON ANDREA BÖHM Dein Vorname: Wie alt bist Du? E WAS SOLL ICH LESEN? Ritter Tollpatsch Robert ist Tims bester Freund.de/mikado Dürfen wir bleiben? Boote voller Menschen. Wenn jemand über hundert Kilometer marschiert. Laube. den Schulhausmeister ins Krankenhaus befördert (aus Versehen natürlich) oder mit seinem Skateboard in einen Gemüsestand brettert (ebenfalls unabsichtlich). obwohl vielleicht jemand auf ihn schießt – dann muss er ziemlich stark sein. viele wurden getötet. nur dass bei ihm immer recht viel schiefgeht. Wenn so ein Mensch nach Deutschland kommt und beweisen kann. nach Deutschland oder nach Europa zu kommen. ENKEL«. sondern auch mit lautem Gesang auf« 5. Berühmt wurde die Popgruppe 1974 durch den Eurovision Song Contest. wird die Lage etwas besser. schuften auf Baustellen. Lehmann (ABBA). es gibt sogar ein Abba-Musical. sehr müde. Diese Flüchtlinge verstecken sich manchmal wochenlang im Wald und warten. Björn und Agnetha aber wollen schon lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne stehen. bis es wieder ruhig ist. Der heißt.12. (4) Abba? Anni-Frid. dabei seine Kinder trägt und schützt. besteht aus Zweigeflechten und Polsterarbeiten 3. Massoud war ziemlich groß und kräftig. das die italienische Insel Lampedusa im Mittelmeer erreicht . Benny. Oft sind die Eltern im Krieg gestorben. Flüchtlinge sind schwach. Einer steht gern auf der Bühne. warum jemand Hunderte. Die Schweden wurden eine der erfolgreichsten Bands der Welt und verkauften mehr als 375 Millionen Alben. einer hockt gern im Kirschbaum 6. Sie gewann den europäischen Musikwettbewerb mit ihrem Lied Waterloo. spricht Opa. Massoud und Leyla waren mehrere Tage zu Fuß marschiert. Ihre Lieder werden noch heute gespielt. pflücken Tomaten. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. Aber würde er dann ein Zauberschwert erkennen. Das Leben dort ist allerdings hart. 6. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 47 ELEKTRO ER Fotos: Arianna Arcara/Cesuralab/LuzPhoto/fotogloria [M]. weil ihre Heimatländer arm sind und sie dort keine Arbeit haben. Leyla die jüngste Tochter.

. Gloria. Erschüttert erkennt der junge Mann. Gloria dort zu finden. Man erfährt zum Beispiel. Der Kölner Blum. wenn er endlich erkennt. Man darf mit Monsieur Blaise – oder besser doch Kumaïl? – weinen. wenn ihn die Sehnsucht nach seiner französischen Mutter packt. starten sie eine richtige Ermittlung. wie auch den Blum.20 Uhr.. eigentlich ist das ungerecht: Es ist auf jeden Fall ein großartiges Buch. scherzhaft: eine schwere Niederlage. Doch selbst sie sind sorgfältig ausgewählt und verweisen jeweils auf Vorurteile oder menschliche Grenzbereiche. Das gelingt tatsächlich. Sie erlebt nicht mit. da ist Gloria verschwunden. dass die Hoffnung und Zuversicht seiner Kindheit auf falschen Vorstellungen beruhten. Doch sein Tod machte ihn zum Helden der Zeit. Wunderbar sind die Illustrationen von Klaus Puth. 14. Ironisch. Damals gab es eine Revolution – und Robert Blum war einer der Kämpfer für Freiheit und Demokratie. dass Katie Davies’ Buch Das große Hamstermassaker von Hamstern handelt und nicht von Meerschweinchen. stellt Radio Bremen das Buch vor. Schleuser. . die für Einheit und Freiheit kämpfen. Oma ist es. jagt alles (von nackten Zehen bis zu Klospülgeräuschen) und erschreckt andere Haustiere zu Tode. auf den Barrikaden in Wien. die verbotenen Farben. was und wer eine Mutter ist. Die »Neue Katze« ist wild. VON SUSANNE GASCHKE ab 8 Jahren Harald Parigger: 1848 – Robert Blum und die Revolution der vergessenen Demokraten Arena Verlag 2011. Aber Anna. wenn jemand Gurken mit dem Messer schneidet. Doch die Erwachsenen sind völlig uneinsichtig: Annas Vater sagt. Ein Buch gegen das Vergessen der frühen Demokraten. später staunend. Anna und ihr kleiner Bruder Tom wünschen sich sehnlichst einen Hamster. ist es ein großartiges Buch. Witzig. ihren erfundenen Geschichten und ihrem klugen Fluchtplan zu verdanken hat. Kurzweilig ist die Lektüre über das letzte Lebensjahr Blums. der schon mal etwas Ähnliches getan hat? Es sieht gar nicht gut aus für die Neue Katze. die Lungen vergiftet von der Arbeit auf dem Müllberg. die im romantisch gezeichneten rumänischen Zigeunerlager spielt. Sie tragen Schwarz-Rot-Gold. seine Zeit als Verleger und Paulskirchenparlamentarier. die sie über den Landweg nach Frankreich bringen wollten. was den Kindern noch schrecklicher vorkommt als Omas Tod: Alle acht Hamsterbabys werden in einer Nacht totgebissen – und Elternhamster Nummer 2 verschwindet aus dem Käfig. Deutschland ist in dieser Zeit ein Staatenbund mit vielen Fürsten.« –.90 Euro Luchs Nº 292 Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder. die den Kindern erklärt. Hamster kämen ihr schon wegen der »Neuen Katze« nicht ins Haus. sagt die Mutter. 188 Seiten. »Du und dein Bruder. Aber auch nicht für Mama . Seine eigene Erinnerung beginnt mit dem siebten Lebensjahr und führt ihn zurück in die Leidenszeit einer fünfjährigen Flucht. zuletzt ratlos und suchend. 12. Der Junge heißt Kumaïl. Die Tragödie seiner Beschützerin und ihres tschetschenischen Geliebten hatte er nicht gekannt. 9. ein Auf. besonders im Sport. die oft mit Willkür regieren. Das Hamstermassaker. Sie kriegen wahnsinnig schnell einen Herzinfarkt. Kaschmirmantel). wie krank sie selbst ist.. VON RALF ZERBACK ab 12 Jahren Das Hamstermassaker Eine Ermittlung in Sachen Haustiermord Hamster sind problematische Haustiere.48 12. Sie sind robust. Mai. der auf der Straße lebt. Man hat ihm erzählt. lange in Erinnerung haftendes Bild vom Leid.und Jugendliteratur. Dafür. bitte! »Zeit der Wunder« erzählt das Drama einer politischen Flucht chheißebläsfortünuntichbinbürgaderfranzöschenrepublikdasisdiereinewaheit« – mit diesem mühsam auswendig gelernten Satz macht sich ein Junge aus dem Kaukasus auf den Weg nach Frankreich – ins Land der Freiheit und der Menschenrechte. verschaffen dem Leser eher unterhaltsame Lektüre. Auch den Pass habe sie mitgenommen. trauriger Teil des Buches). November 1848. Die politisch geschulte Gloria hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. wie hoch die von uns oft für selbstverständlich gehaltenen Werte der Demokratie dort eingeschätzt werden. Doch als der Junge endlich vor französischen Zöllnern seine Identität bekennen kann – »Ich bin Blaise Fortune und ich bin Bürger der VON BIRGIT DANKERT a b 14 Jahren I So sieht die Innenseite eines französischen Reisepasses aus französischen Republik . Nicht ohne Humor endet fast jedes Kapitel mit einer kleinen lehrhaften Pointe. Die wundersame Rettung des »Monsieur Blaise« ruft nicht nur französischen Lesern ins Bewusstsein. So steht es im Lexikon. Am 12.radiobremen. Tom und Susanne wollen das nicht glauben. gründet Vereine. Oft sind dies Glorias Kommentare. er habe in dieser Familie nicht die Hosen an und Annas Mutter müsse entscheiden. wie er in langen acht Jahren fließend Französisch lernt. einen Tag vor seinem 41. Der Leser erhält dadurch ein authentisches. Redaktion: Libuse Cerna. Nur Gloria gibt ihm Schutz und spielt herunter. Massenmord. tatsächlich: Denn nach ein paar Wochen werden acht winzige Hamsterbabys geboren. Er ist ein Kümmerer.& JUGENDBUCH Ein neues Leben. Immer wieder holen die Kriegswirren der KaukasusUnruhen in den neunziger Jahren die beiden ein. die auch Freundschaft und die ersten Verliebtheiten kennt. wo man sie mit Füßen tritt. So können selbst Brutalitäten. was er sagt. erfährt der Leser aus dem Blickwinkel des klugen. »Glücklich sein wird zu jeder Zeit empfohlen. Manche Passagen – wie die. Das ist ein gelungener Kunstgriff. Doch die todkranke Frau hält für den erwachsenen »Monsieur Blaise« bittere Wahrheiten bereit: über sich. wie ihre Antwort auf die Frage. Monsieur Blaise«. erschossen. ihr könnt den Hamster auch gleich umbringen. Meerschweinchen hingegen sind viel besser als Haustiere geeignet. weint Annas Mutter viele Tage lang. Gloria und Kumaïl leben in einer Flüchtlingsunterkunft am Rande der Stadt Tbilissi in Georgien. Am Ende kämpft der friedselige Blum mit Waffen. Annas Mutter sagt. was in unserer von regionalen Kämpfen heimgesuchten Welt täglich tausendfach geschieht: Eine Frau mit durchaus problematischer Rebellen-Vergangenheit und ein kleiner Junge machen sich auf den Weg. Gemeinsam mit Omas Freundin Mrs. Eingestreut sind Sachkapitel zur sozialen Not etwa oder zur Märzrevolution. Und dann dürfen zum Trost für alle doch zwei Hamster ins Haus. der die Geschichte anschaulicher macht. gefühlvollen Jungen – zunächst naiv. Die Grausamkeiten. Denn sie versuchen vergeblich.99 Euro Katie Davies: Das große Hamstermassaker Sauerländer Verlag 2011. als Baby habe die junge Russin Gloria ihn vom Schoß seiner Mutter aus einem zerbombten Zug gerettet. seit 1832 in Leipzig zu Hause. Blum wird verhaftet. Oder nagen Kaschmirmäntel an und ersticken an den Flusen. Die alten Mächte siegen. mit dem Schiff nach Westen zu gelangen. der Freiheitsfreund. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KINDER. vor allem aber den Wundern einer gelungenen Befreiung. sagt sie. dass seine französische Mutter ein Traumbild war und dass er das Glück des Lebens nur Glorias Liebe. Mord und Verrat glaubhaft Teil einer Flüchtlingsgeschichte werden. Oder die Verzweiflung.95 Euro Foto: Pascal Bastien/Fedephoto/StudioX Als Begleiter Blums erfindet Parigger den 16-jährigen Jungen Friedrich Wilhelm. Massaker allgemein: Gemetzel. Geburtstag. Als Oma stirbt (ein sehr stiller. war auf jeden Fall ein allgemeines Massaker. einer pensionierten Kriminalbeamtin. Oder nein.de/ funkhauseuropa Ein Freiheitsfreund Geschichte: Vom Leben des Robert Blum Brillante Politiker gibt es in der neueren deutschen Geschichte nicht so viele. Die Autorin erzählt in drei Zeitebenen: In der Gegenwart wird der erwachsene Blaise Fortune mit seiner wahren Identität konfrontiert. was Massaker bedeutet. Jahre gehen dahin mit der Flucht auf Straßen durch Osteuropa. er sei Franzose. erfolgreiche und vielseitige Kinder. der hilft und rät. und er glaubt tatsächlich. da ist sich Anna sicher. angeblich. über Zem Zem und über Kumaïls eigene Herkunft.und Jugendbuch-Autorin Anne-Laure Bondoux hingegen muss man bewundern. Sie können viele interessante Geräusche machen. 207 Seiten. Frankreich ist das Land der Freiheit für den russisch-tschetschenischen Jungen mit dem gefälschten Pass. 144 Seiten. Das Gespräch zum Buch ist abrufbar unter www. Umgangssprachlich. Die 1971 geborene. Rotherham.und Einmischer. schreibt Artikel. Wahrscheinlich ist er der Täter. als er im Flughafen auf eine Maschine nach Tbilissi wartet: Er hofft. hält Reden. Oder werden von Schiebetüren zerquetscht. Darin steht der Name Blaise Fortune. um dem Kind eine Überlebenschance in einem freien Land zu ermöglichen. Er wurde am 9. Unterstützt werden sie dabei von Annas bester Freundin Susanne. gibt Zeitungen und Bücher heraus. sagen die Erwachsenen. Wohl eher ein Elternpaar. Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder Aus dem Französischen von Maja von Vogel Carlsen Verlag 2011. wenn ihr ihn auch nur in die Nähe von der Neuen Katze lasst«. außerdem gibt es Zeittafel und Glossar. ausgezehrt von den Entbehrungen. betrügen sie. die ihren Schützling »Monsieur Blaise« nennt. warum Mama ein gestörtes Verhältnis zu Hamstern hat (Schiebetür. Es ist spannend. Ihre Geschichte ist keine Dokumentation. Aber der Reihe nach. der kämpft und spricht. 15. Glorias Erinnerungen aber reichen bis in die Zeit vor Kumaïls Geburt. Beide sind Weibchen. Lehrreich. kann über seine Rettung eine wunderbare Geschichten erzählen. So wächst Kumaïl/Blaise in einer Welt voller Ungewissheit vom vertrauensvollen Kind zum zweifelnden Jugendlichen heran. ihn umsorgt und aufmuntert. die Blaise erlebt. Wichtige Frage: Gibt es jemanden. schließlich einen gültigen französischen Pass besitzt und sogar ein Studium beginnt. An all dies erinnert sich der zwanzigjährige Blaise. Der Autor Harald Parigger zeigt viele Facetten dieses Mannes: den Blum. Und dann geschieht etwas. Ihre Gegner sind Männer wie Blum. Sie erkennen auf lange Distanzen. Auch vom paradiesischen Obstgarten ihrer Familie und Glorias Liebe zu Zem Zem lässt sich Kumaïl immer wieder berichten. ein sanfter und kämpferischer Menschenfreund und Familienvater – ein Vorbild. ob man im Krieg glücklich sein dürfe. sie erzählt beispielhaft. die Gefühle von Blaise und Gloria zum Mittelpunkt und zum Erklärungsmuster eines politischen Dramas zu machen. Einer aber leuchtet: Robert Blum. Später kommen sie auf einer vergifteten Müllhalde unter. Bondoux und ihrer guten Übersetzerin Maja von Vogel gelingt es.. Blutbad.

die ihn zusätzlich mit einem Preis ehrt. weit zurück und kann bei Bedarf. und der Traum. »daß der Führer. 52 GLAUBEN & ZWEIFELN Islam: Reaktionen auf den Tod Osama bin Ladens S. warum hast du mich verlassen?« stellung als Zei- LITERATUR Zum hundertsten Geburtstag von Max Frisch S. Auch nicht. was Rasoulof im Winter versucht hat. mit Atomkraftwerken Geld zu verdienen – eine Abwägung von Risiken darf dann gar nicht mehr angestellt werden. . Im Reich der Moral residierte die Kritik. Ein Gesinnungsethiker fragt sich nach der Tötung eines Terroristen. vorauseilende Anstrengungen nicht spontan einleuchten. zeugt von außerordentlichem Mut – und davon. Jahrhundert konstituierenden bürgerlichen Gesellschaft. www. ob nun Shriver wahns in unseoder Schwarzenegger an Jesu Worte am rer Gesellschaft. »auf die eigentümliche. in ihrer unklaren Situation mit neuen Filmen an die Weltöffentlichkeit zu gehen. Deutschland keineswegs zu einer moralischen Anstalt gemacht. hat Panahi selbst immer wieder betont.de D chen der Frauenunterdrückung in unserer Gesellschaft. sprach sie offenkundig als Verantwortungsethikerin und sah sich mit einer gesinnungsethisch gepolten Öffentlichkeit konfrontiert. »Die Tatsache. dass die Kunst nur ganz schwer mundtot zu machen ist. wenn man etwa belehrt wird. Selbst Kollegen der Verurteilten in Iran finden die sensationsheischenden Meldungen. jeder müsse mit dem Umweltschutz vor der eigenen Haustür anfangen. Die Kunst. Als Angela Merkel ihre Freude über Osama bin Ladens Tötung bekundete. Osama bin Laden hätte nicht getötet werden dürfen. Seine Furchtlosigkeit sollte uns eine Verpflichtung sein. Handlungen werden im Hinblick auf die Realisierung eigener Prinzipien bewertet. lasse sich viel von der peniblen Gründlichkeit. das Politische per se als verlogen zu empfinden und im Geisterreich der Moral es sich bequem einzurichten. ob diese hinreichend vorteilhaft sind. ral hatte der Fürst immer schon unrecht. Man sieht ihn in seiner Wohnung. hat. haben uns motiviert. Und vermutlich war die Furcht der Regierenden vor einem Bundeswehreinsatz in Libyen auch nicht unberechtigt: Niemand wäre sonderlich verwundert gewesen. da er Optionen abwägt. »Unsere Probleme sind auch unser ganzer Besitz. klingt noch heute mit. Friedens.FEUILLETON Im Geisterreich der Moral Schon baumeln wieder die Anti-AKW-Buttons an den Kinderwagen. Der Gutmensch. wird für den Regisseur so wichtig wie ein gutes Drehbuch. wie der moralische Diskurs in Deutschland mit nationalsozialistischen Überzeugungen bestens verschmelzen konnte. so das in die Jahre gekommene und vielfach missbrauchte Klischee. das man in der Aufklärung auf die Sittlichkeit richtete. Vor dem Richterstuhl reiner Mo- N E thik in Deutschland ist traditionsgemäß Gesinnungsethik. der Schwule als Opfer der Zwangsheterosexualität in unserer Gesellschaft – und so weiter. Wie aber konnten sie da Filme von 100 (Rasoulof) und 75 Minuten Länge (Panahi) drehen? Der Fall zeigt. Panahis neues Werk – ohne Genehmigung entstanden – ist noch direkter autobiografisch: In Film Nist (Dies ist kein Film) ist eine Art filmisches Tagebuch. So wie jeder realpolitisch Handelnde oder auch nur Unverbitterte in den achtziger Jahren immer schon unrecht hatte gegenüber einem moralisch hochgerüsteten Bürger. ob die Tat gegen seine Prinzipien verstößt. der Afghanistan-Einsatz gilt als bedenklich. Die Moral ist offenbar eine Kraft. ungeachtet der Handlungsfolgen.und Umweltaktivitäten galten zu Recht als arg angefault. dessen beständige Gewissensbefragung und anklagende Innerlichkeit unverkennbar in der pietistischen Tradition des 18. die es auch prinzipiell für verantwortungslos hält. nicht die Hoffnung zu verlieren. Dieses Paradox zu verstehen hat uns geholfen.zeit. Sie legten Berufung gegen das Urteil ein. sie wurde zur Hypokrisie. um sie zu verantworten. sondern den eigenen Willen mit dem Geist des Gesetzes zu identifizieren. in Deutschland tatsächlich sehr verbreitete Vorstellung zurückführen. Kritik am berüchtigten Gutmenschentum der Deutschen zu üben. als sei man selbst der Schöpfer der Gesetze. Dieser verbarg mit dem Verweis auf Moral nur notdürftig die eigenen handfesten Interessen. die beiden seien in Haft. Der moralische Überschwang der Nachkriegsgesellschaft schien jedenfalls gründlich überwunden. daß Gesetzestreue sich nicht darin erschöpft.smetek. inzwischen hat er sein Werk beim Kulturministerium eingereicht: Er bemüht sich um die Erlaubnis. dieses Handeln billigen würde«. Einer Öffentlichkeit. Über einen deutschen Reflex VON ADAM SOBOCZYNSKI ie achtziger Jahre sind womöglich nicht nur in modischer Hinsicht zurückgekehrt. auch wieder aus der Versenkung geholt werden. 62 12. dass wir am Leben sind. reformulierte gar den kategorischen Imperativ dahingehend. als hätten die sogenannte Spaßgesellschaft. Nun wäre es Kant natürlich niemals in den Sinn gekommen. Beide Regisseure sind seit ihrer Verurteilung auf freiem Fuß und warten auf den Ausgang des Berufungsverfahrens. auf dem Balkon mit Blick über Teheran. hätten im Falle einer deutschen Beteiligung muntere Antikriegsdemonstrationen stattgefunden. mit der die »Endlösung« in Gang gesetzt wurde. Kritik erlag damit dem »Schein ihrer Neutralität« (Reinhart Koselleck). über die existierenden Grenzen des iranischen Kinos hinauszugehen«. Dieser sollte in moralischer Hinsicht sowohl den frivolen Höfling als auch den mit realpolitischem Zynismus handelnden Herrscher überstrahlen. auf dem Sofa. die sich vom Schmutz der Politik unberührt glaubte. das Prinzip des Handelns mit dem Prinzip des jeweiligen Gesetzgebers eines Landes in eins zu setzen. doch in vielen Berichten war fortan zu lesen. das Kino am Leben zu erhalten. Kreuz gedacht hat: »Mein Gott. wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte. Harald Schmidts heitere Angriffe auf die Political Correctness oder die popliterarische Feier der Oberfläche und der Warenwelt längst einen Mentalitätswechsel herbeigeführt. Ein Verantwortungsethiker vermag politisch zu handeln. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 49 FILMFESTSPIELE IN CANNES Von wegen mundtot! Trotz Berufsverbots haben iranische Regisseure neue Filme gedreht Es ist eine echte Sensation: Die Filmfestspiele in Cannes werden neue Filme von Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof zeigen. die stets das Gute will und mithin das Böse schafft. LEKTÜRE sobald in Nairobi jemand beZUR LAGE nachteiligt sei. Solch einen Film zu erlauben. Dass Öffentlichkeit ihm helfe und nicht schade. Im Sande verlaufen kann das Verfahren gegen die beiden nun nicht mehr. Der Verantwortungsethiker hingegen räsoniert über die Folgen der Tat und fragt sich. Der Gesinnungsethiker ist verführt. »lächerlich«. zur Scheinheiligkeit – wie ehrenwert die Ziele der Aufklärer auch sein mochten. Wem solch lediglich individuelle. in dem der Regisseur vom endlosen Warten auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens erzählt. Witze über Müsliesser. Es galt ihm seinerzeit alles als ZeiMaria Shriver und Arnold chen für die VerdorSchwarzenegger haben sich »nach langem Nachdenken. der 38-Jährige habe dafür Kompromisse mit dem Regime gemacht. sondern so zu handeln verlangt. Zur Erinnerung: Die iranischen Regisseure waren 2010 in Teheran verhaftet worden und wegen »propagandistischer Aktivitäten« zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden. ihn in Iran vorführen zu dürfen. Realpolitik wird gefürchtet.de/audio Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. einer Revolution abgeneigt. Aber die Sache wird noch komplizierter: Mohammed Rasoulof hat für seinen Film Bé Omid é Didar (Auf Wiedersehen) sogar eine offizielle Drehgenehmigung der Behörden bekommen. der ein Visum zum Verlassen des Landes zu ergattern sucht – genau das. auch die Insignien. um das Mindeste zu sagen. der die Bundesrepublik über lange Zeit prägte. Das deutsche Bürgertum. Umso wichtiger ist es. Jahrhunderts wurzelten. immer wieder an ihr Schicksal zu erinnern. Er gehörte bereits zur Grundausstattung der sich im 18. Hans Frank. als die Kanzlerin angesichts der Tötung von Osama bin Laden ihre Freude bekundete. wie undurchsichtig solche Vorgänge in einer Diktatur für Außenstehende bleiben. schreibt Panahi in einem Brief an die Festivalleitung. Die Aufklärungsschriften propagierten mit Pathos die Sittlichkeit des Bürgers. so Hannah Arendt. Wer nun denkt. Lebensgewohnheiten und Einstellungen des neuen Bürgertums scheinen sich gespensterhaft an die Tradition der alten Bundesrepublik zu schmiegen. nicht nur den Buchstaben des Gesetzes zu gehorchen und sich so in den Grenzen der Legalität zu halten. Hannah Arendt hat in ihrem Buch über Adolf Eichmann minutiös dargestellt.« Der Schritt der beiden. zeigt vor allem eins: Willkür und totale Verunsicherung sind die perfidesten Kontrollmethoden des Regimes. in Cannes würden Filme der Häftlinge gezeigt. Doch. CHRISTOF SIEMES un reicht der moralische Idealismus. Historisch besehen. sieht sich abermals getäuscht: Nach Angaben des Festivals erzählt der Film die Geschichte eines jungen Teheraner Anwalts. der angeblich kein kritisches Bewusstsein entwickelt hat. denen man gehorcht«. dass man so handeln solle. wobei sie ke als ein Zeichen nicht sagten. organisiere eine Unterschriftenliste. wie man gerade verwundert sieht. Der Generalgouverneur des besetzten Polens. sich zu trennen. das starke Augenmerk. benheit der GesellDiskussionen und Gebeten« dazu schaft: die Schminentschlossen. wirkte politisch lediglich indirekt: indem es die Welt hygienisch aufteilte in ein Reich der Moral und ein Reich der Politik. um welche Gebete es sich des Schönheitshandelte. man nimmt teil am Protest gegen Stuttgart 21 und empfindet auch wieder moralische Überlegenheit angesichts der hässlichen Realpolitik: Die Irritation jedenfalls war groß. Die Forde- rung. In Libyen will man nicht militärisch helfen. den Gesetzen zu folgen. Es ist unsere Pflicht. einander offenbar widerstreitenden Behörden Zugeständnisse abzuluchsen. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus. uns nicht besiegen zu lassen und Lösungen zu finden. Für den Augenblick ist man jedenfalls eher wieder verführt. Der »Atomkraft? Nein Danke«-Button wird wieder ganz unironisch an Kinderwagen und Blusen geheftet. der wird sogleich entlarvt als jemand. einen Leguan auf der Schulter. mein die MissionarsGott.

an denen man wie im Prisma erkennt. wenn alle ständig dasselbe sagen. Titel gewinnen. so war auch das Schick. dass die Welt sehr langweilig ist. Ludwig Mehlhorn hatte sich früh selbst die polnische Sprache beigebracht. dann ist es. Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge«. sondern nur Butter. studierter Mathematiker. ken Götter.Versehen sind. Botho nalsozialisten für Juden vorgesehen hatten. Seit einigen Jahren sagen alle. aber sie entsteigen liche Pop-Kugel.: Chris Korner/DLA-Marbach W SPARGELSAISON Bitte mit Sauce hollandaise! Wir wollen hier kurz einmal das Wort ergreifen für eine Verteidigung des Snobismus.ihn zuläuft« – den Tod als »Grundbefindlichkeit des Metapherngeschichte des Abend. Es bleibt eine zentrale kulturelle sal« unmöglich gemacht hat. Zerrissen sind sie zwischen der turbokapitalistischen Welt ihrer Manager und dem Identifikationsverlangen ihrer Fans. und vor allem in der Oder ein anderes Beispiel. wenn die Emulsion aus Eigelb. mal selbst gemacht. im Erzgebirge geboren. von Kreuzberg bis Sachsenhausen: »Also ich esse zum Spargel ja nie Sauce hollandaise. »Sind gerettet. wiesen in seinem Blut. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LUDWIG MEHLHORN Es steht in den Sternen Das Marbacher »Literaturmuseum der Moderne« spekuliert über das »Schicksal« VON THOMAS ASSHEUER Am Tor zu Europa Es gibt wenige Biografien. dass sein Interesse der politischen Gedankenwelt der Kreisauer galt. schließlich war der April mit über 1400 Toten der blutigste Monat im mexikanischen Drogenkrieg – ein Krieg. ermordet wurde. Katalog 15 Euro Abb. der seit 2006 die Armee gegen die Drogenkartelle einsetzt. Weißwein.n. dass seine Liebsten. Butter und Zitrone im Wasserbad glückt und nicht zerfällt. »die den Tod voraussetzt und auf Marbach. indem sie seine rätselhafte Macht lautet. ein Stück Brot mit sehr (das »sehr« wird dann in auffälligem Kontrast zur Haltung der Einfachheit ziemlich dick aufgetragen . wahrscheinlich von einem Drogenkartell. gute Produktqualität. und zwar auf das Schicksal glaubt. Der moderne Fußballer weint. dessen schlesisches Gut er in ein europäisches Begegnungszentrum umzuwandeln half. aber dazwischen gibt Wirklich? Nachdem Generationen von Stues immer wieder einen hellen klaren denten mit Goethes und Benjamins. und etwa hunderttausend Bürger folgten ihm. was andere noch nicht oder nicht mehr sagen. die Reflexion des egger. Und beim nächsten Businesslunch bestellen Sie dann bitte lauthals Sauce hollandaise. sie schrammt auch an der die dem Schicksal ein Schnippchen schlaentscheidenden Frage vorbei. KILIAN TROTIER Nuri Sahin muss leider nach Madrid DROGENKRIEG »Kein Blut mehr« Fotos (v. und be. Dann aber einem Brief des Dichters Friedrich Rückert. Ich meine. die Grenzen einer Remythisierung. und wie herrlich es ist. kamen zwei Aufklärer. Da tönt es vom Glockenbachviertel bis nach Eppendorf. ob es nicht eine moderne Gestalt des freundlich anerkennen – und dadurch Planetenbild des Schriftstellers W. Wie die anti. Nun ein kleiner Tipp zur Anwendung. Es trägt zur semantischen Biodiversität bei. Schicksal. Wissenschaftlern und Schriftstellern für die Bürgerrechtler der DDR zugänglich zu machen. Mitbegründer von Demokratie Jetzt im September 1989. Unfassbare am 3. IJOMA MANGOLD FUSSBALL Der Athlet weint Fußballer zu sein ist ein hartes Geschäft. Er war Christ. desto eher beglaubigen die Tränen ihre Worte. kann den modernen Schicksalhaften Zeit in das moderne Spiel. dort Metaphy. tief verstrickt. »Finanzflackert eine himmlische Disco-SchickUnd doch: Ohne Kompass. die auf unterlaufen. denn Politik. aber nicht mehr hören! Besonders schlimm ist es in der Spargelzeit. Und nur wer nicht an mehr – auf Heideggers Sein und Zeit. einer Macht. glaubt aber niemand.Leitbegriff »Wende« stößt der Betrachter – einmal dern sind selbst fabriziert. wie viel an Geschick und Fingerspitzengefühl in eine solche Sauce eingeht. Je härter dieser kapitalistische Imperativ zuschlägt. Sahin geht nach Madrid. so die Demonstranten.) gutem Olivenöl tue es auch. Erst Calderóns »Krieg gegen die Drogen«. dem Einbruch der schick. es verwundert daher nicht. Mal habe Celan die »philosophische Begründung einer Bis 28. um dem kulinarischen Justemilieu. Bunt purzeln die Schicksalsbegriffe durcheinan. immun gegen die Varianten kommunistischer Weltdeutung. die Metaphorik des Schicksals matischen Tiefenschichten verbrannt und hat ihren Thronsturz blendend überjede mythologisierende Rede über »Schicklebt. Mitglied von Aktion Sühnezeichen seit 1969. dass die Ausstellung den Juden Celan siegelten das Schicksal des Schicksals. der bislang etwa 40 000 Menschen das Leben kostete. Gleichzeitig müssen sie kühl ihre Karriereplanung »vorantreiben«. des Widerstandskreises um den Grafen Moltke. wer sehnte sich nicht nach der Einfachheit des Paradieses? Aber wir sind nun mal aus dem Garten Eden vertrieben und haben seither die ein oder andere Kultur. die die deutsche Sprache bis in ihre gramIndes. Das wäre mal ein neuer Ton. danach Hilfspfleger.zusammenhang des Lebendigen. Das sind salskugel. in seiner Wirkung aber wohltuend.50 12. telegrafiert Hannah zukriegen und spendet dem Leser als Arendt an Günter Anders nach langer Flucht Chiffre für das Ungeheure.. was Ostdeutschland.): Michael Weber/imagebroker/mauritius images. desrepublik. dem vernagelsten von allen. Alles kann gar nicht schlicht und ursprünglich genug sein! Hauptsache. sige Behauptung. die sich oft von Herzen fremd sind. Heidegger »Schicksal. Für die Mannschaft sollen sie sich aufopfern. Sebald. ein Licht aufzusetzen.« Und alle nicken sie wie die Esel. [M] Sascha Schuermann/dapd. Der moderne Fußballer weint um den Verlust seiner Herzensliebe. für den er sich selbst entschieden hat. Die Kritik galt insbesondere Präsident Calderón. das zu verleugnen. forderten sie – »kein Blut mehr«. was die DDR im besten Fall vom Westen unterscheidet. Diese Sätze zeigen. Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen statt. Deswegen versucht der Snob das zu sagen. Alex Cruz/EPA/dpa Selten mischt sich ein Poet so vehement in die Politik ein wie der mexikanische Dichter Javier Sicilia. habe die Gewaltspirale ausgelöst. Jetzt ist Ludwig Mehlhorn. möchte ein ganz Großer werden. Dass sich vor den Wahlen im nächsten Jahr etwas ändert. in der Nähe von MexikoStadt. umso offener für den genuin polnischen Weg in die Demokratie und für die zivile Verständigung mit den Gesellschaften Osteuropas. wenn es aber zur Phrase von allen geworden ist.o. Er weint. »weiterkommen«.sal erlitten. Sie stürzten mächtige es zulassen. Beide haben bei der Pressekonferenz geweint. Literatur ist das »Schicksal« nicht unterWohnen 317 West 95«. bekennender Protestant. dass ihnen die einfachen Genüsse die liebsten seien. Snobismus trägt dem enervierenden Umstand Rechnung. der am 18. in dem der Dichter Paul Celan zar. Martin Walser und – obendrüZwischen den Zeilen verbreitet die Ausber und mittendrin – Martin Heidstellung den Eindruck. weil er sich so zerrissen fühlt zwischen inkompatiblen Systemen. aber was soll ich machen? Irgendwann muss sich das Individuum aus dem Kollektiv winden und egoistisch sein. Am Wochenende führte Sicilia von dort aus einen mehrtägigen Schweigemarsch zum zentralen Platz der Hauptstadt. Über allen sieben Vitrinen 1944 im Allgäu geboren wurde und 2001 tödlich verunglückte die Namen »Klimakatastrophe«. desto eher spüren die Spieler die engen Bande zu ihrem Verein. Und: Bitte keine molekulare Küche. Celan schreibe nach Auschwitz die Götter vom Thron und entzogen dem Aber. zwischen Kapitalismus und Moral. das die NatioGottfried Benn. Unter dem nicht dem Opferrauch der Seinsgeschichte. wie bei Walter Benjamin. dürfe man wieder frei und Die Atmosphäre ist entsprechend myunbefangen über das große Dunkle reden. sonErnst ins Auge zu sehen. ist das nicht nur eine waghaloder herzbewegend aufgeklärte Texte. Deutungsreserve. Nuri Sahin. über die Vernichtung der europäiChristus schwimmt das Schicksal unbeschen Juden. die hinter den Kulissen museums der Moderne.. wollen Sie sich einmal an Ihre Kücheninsel stellen und eine Sauce hollandaise montieren. den »nächsten Schritt« wagen. Berufsverbot 1985. Ludwig Mehlhorn hat ein solches ostdeutsches Leben geführt: Arbeiterkind. kuriose Fundstücke wie Friedrich Thomas Manns und Hans Blumenbergs Kittlers handgelöteten Synthesizer.und Küchentechnik dazugelernt. wenn te Anstreichungen vorgenommen hat. RoMythosbegriffen erkenntnisdienlich behanbert Gernhardts Stachelschweinborsten delt wurden. Armee und Drogenmafia sind. die ihm Sein glauben an das Fatum jeden Kredit. um.Gott nicht verhindert worden: Wie kann der All. Ernst Jünger.sik oder. Literaturmuseum der Moderne. Mal ist das Schick. Diese Frage gen. Neuer vielleicht zu den Bayern. Genauso wie Manuel Neuer. Reiseverbot seit 1981. »No más sangre«. der Mann aus Schalke. kommt das Schicksal von unten. das Fatum aufder Geschichte ihr zeitloses Wesen treibt? erstehen zu lassen – mit kleinen Stücken Das kann man gewiss nicht meinen. standslos auf Tuchfühlung gebracht werden. Das ist simpel. Carl Schmitt.der. kämpfen. Es gibt keinen Grund. Ganz einfach und klar. ohne scharfes ana. dieses Geschäft ist so grausam. von Waffengewalt ihr Beweismaterial sichtet und sichert. Moses und Christus. Was soll das und Undurchschaute einen numinosen Dokument im Kontext einer Schicksals-Aussemantischen Trost. der. wenn sie denn kein landes rasch erzählt. Tatsächlich spreum ein berühmtes Wort von Heinrich chen Celans Gedichte über millionenfachen Heine abzuwandeln: Seit Moses und Mord. ELISABETH VON THADDEN as das »Schicksal« angeht. mit Witz. Ich würde so gerne hier bleiben.poetologisch zum Ministranten Heideggers erklärt. Der Herbst 1989 war ihm ein Tor nach Europa. seine Kin. der Dortmunder. kann man es vielleicht noch essen. denn aus der Schreibwerkstatt unter anderem Hannah Arendt ist genau dem geschichtvon Friedrich Nietzsche. wie Sicilia beklagte. um Texte von Polens Oppositionellen. so ist die oben. der Schuld. Strauß. wenn es ums Essen geht. Sieben stellung dem Publikum sagen? Dass Hannah mal sieben unhintergehbare Dinge heißt Arendt einem metaphysischen Fatum entder Versuch des Marbacher Literaturkam.Nicht nur. Mai 1941 aus New York. und vielleicht geht es auch nicht anders. thogen und dunkel. der einst die faschistische SchickSchicksals sei von einer erdrückenden akasalsmythologie veredelt hatte und der demischen Korrektheit zum Schweigen genun auf dem Marbacher Weltwebstuhl bracht worden und erst heute.lytisches Besteck kommt man auf dem Feld des die Menetekel der Moderne. Mai Schicksals gebe – neue Gewalten.kapitalismus« und »Fukushima« hören. was wohl heißen soll: Die nachtragische Moderne macht aus Fortunas Ballwürfen eine däm. Oder und Zeit vorgegeben habe. sie behauptet auch. Das ist ja in der Tat köstlich.lungskommentar lautet allen Ernstes. vielleicht auch nicht. in Berlin gestorben. heißt es dann immer.Daseins«. das der Westen den Bürgerrechtlern des Ostens schuldet. nach dem alle Schicksalsfäden in der Hand zu Untergang der schicksalsvergessenen Bunhalten scheint. dessen Sohn kürzlich in Cuernavaca. als wolle er sagen: Ach. August. Beide sind vor die Presse getreten. sie sprechen von einer Schuld. Schillerhöhe 8 bis 10. Der AusstelZitate. anstatt dem immerwährenden Schicksals schnell in Teufels Küche.salsmächten in den Arm fallen. G. wie in die – jedenfalls in diesem Fall – mit philologischer sal einmal unsterblich. erst 61 Jahre alt. damit Sie wieder vor Augen haben.u. Deshalb wechseln beide nach Jahren den Verein. hier ist es bloß eine Metapher. lichen Schicksal entronnen.jenes Exemplar. Geneigter Leser. Sie halten jenes Gefühl politischer Dankbarkeit wach. JOHANNES THUMFART In Mexiko-Stadt: Protest der Bürger gegen die Gewalt . an Scharlach sterben? über den Tod in Denkfiguren. dann wieder von Poetik« geliefert.

wo wir nicht Marktführer sind. der Menschenunwürdiges zeigt und dokumentiert? Auch wir haben die Szene intern lange diskutiert. bitte.. ZEIT: Sonst müssten Sie sich hinterher womöglich noch wie die »Dschungelcamp«-Bewohner beschweren. ZEIT: Ein konkretes Beispiel. Eindrücke aus der eigenen Lebensrealität – daraus formt sich ein Weltbild. Es gibt den einen oder anderen. Interessant wäre es sicher. Die Instinkte des Menschen können wir im Fernsehen so wenig beeinflussen wie Sie im Zeitungsbereich. ist doch mitunter fragwürdig. ob ein Format wie DSDS Grenzen bewusst überschreitet. ZEIT: Sie haben sich mal über eine Aufführung im Kölner Theater aufgeregt. Beim »Dschungelcamp« – es tut mir leid. kl. auch im Gespräch mit der Kommission. Ich habe mich damals im Theater nur aufgeregt. aber das glaub’ ich beim besten Willen nicht. was die Leute wollen? Reden Sie mit Ihrem Taxifahrer? Schäferkordt: Es ist jetzt nicht unser Hauptforschungsgebiet. erreichen wir automatisch vier Millionen Menschen. die ein nachhaltiges Interesse an Wahrheitsfindung haben. Ich habe angemessenes Feedback. und das ist quer durch die Genres schon sehr vielfältig. der Frosch. das »Dschungelcamp«. heißt das doch nicht: So ist es in jedem Haushalt. Angesichts unseres derzeitigen Erfolgs sind wir in einer Verteidigungshaltung. Zuschriften. Am Ende tun Sie das Gleiche wie wir: Sie erfüllen auch nur die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe. wahrscheinlich nicht. im australischen Dschungel spielt. ZEIT: Aber das Bild. ZEIT: Wie finden Sie heraus. Auf keinen Fall. Das ist nicht so. Wir zeigen Geschichten aus dem Alltag. was wir wollen. was die Menschen reden. Schäferkordt: Nein. Schäferkordt: Ganz offen: Wenn das mein einziger Beweggrund zum Lachen wäre. für müßig. Wirtschaftlich ist es kein großer Erfolg. ob ich von etwas Erfundenem gut unterhalten werde oder von etwas. mit einer Show oder mit einer eher leichten Serie. Deutschland sucht den Superstar. Friese/RTL. lieber Zuschauer? Und er sagt: Ich fände eine Unterhaltungsshow toll. würde ich vielleicht einen Schuldenberater aufsuchen. Fotos (Ausschnitte. aber sicher keinen vor der Kamera.. das man dort zum Beispiel von Arbeitslosen vermittelt bekommt. die mich fesselt und unterhält? ZEIT: Aber es ist doch ein kategorialer Unterschied. von der das Publikum oft nicht wusste. Ich würde auch nicht in einer Castingshow auftreten.. ZEIT: Wir fragen Sie als Gesamtverantwortliche für das RTL-Programm. vielleicht auch eine politische Brisanz. die in den Dschungel gehen. die eine Zeit lang auf sich gestellt sind und mit der Kamera beobachtet werden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 51 Die Quotenfrau Angeblich weiß sie. Gregorowius/RTL . Wenn wir Fernsehen für Sie machen würden. oder? Anke Schäferkordt: Ich bin kein großer Freund von Artikeln über mich persönlich. Wir kriegen auch viel Zuschauerfeedback. die nicht mein persönlicher Geschmack sind. Mit öffentlicher Kritik bekommen sie noch einmal hohe Aufmerksamkeit. dann machen Sie alles genau entgegen dem Kritikerwunsch – und sind erfolgreich. Schäferkordt: Wir haben den Bescheid nicht akzeptiert und Einspruch erhoben. wo die Realität sich einem Drehbuch fügt. für die es gemacht ist. Aber natürlich kommt überall. Es steht im Vorspann und im Abspann. das besagt.. was er empfiehlt. denn der Frosch war. obwohl es ständig Anfragen dafür gibt. Nur würde ich mich dabei von einer Kamera begleiten lassen? Nein. dass wir sie zum Thema machen. Schäferkordt: Natürlich sind die Sehbedürfnisse der Zuschauer nicht eindeutig. und wir schicken Prominente dorthin. das können sie sehr gut. Mich drängt es nicht auf den Bildschirm. hätte ich an der Stelle nichts zu lachen gehabt.). Sie lesen sie. ZEIT: Mitten in der Finanzkrise haben Sie gesagt. weil wir den Stoff aufgreifen. dass es von nun an nur noch bergab gehen kann? Schäferkordt: Ach Gott . wann und mit welchem Grund in unser Programm eingegriffen wird. dass diese Sau überhaupt existiert. die vorher noch nicht da waren! Ich würde uns zwar immer gern als einflussreich sehen. braucht keine Feinde. Wir nehmen alle ernst. also geschrieben sind. Wollen wir es so machen? ZEIT: Ist Ihr momentaner Erfolg auch ein Fluch? Das kapitalistische Mantra lautet ja: Wo viel ist. ZEIT: Sie könnten es ja als Undercover Boss versuchen. und deshalb sendfach in deutschen Familien passiert. wo man ein Mikro aufstellt und die Leute befragt. relativ elitäre Gruppe machen. ZEIT: Den würden Sie sonst wohl einstellen. Übrigens hat das auch die Hälfte aller Menschen getan.. dass ich nicht singen kann. aber er meinte es ernst. Wenn Sie mich fragen: Würden wir alles tun für die Quote? Dann ist unsere Antwort: Nein. Schäferkordt: In einen Stahlhelm. ist sehr groß. Ich kann mich nicht auf die Hohe Straße in Köln stellen und fragen: Was willst du sehen. Schäferkordt ist auch für Sender wie Vox und n-tv verantwortlich. Schäferkordt: So einfach funktioniert es ja nicht. wie Sie das jetzt darstellen. Schäferkordt: Die stellt sich definitiv nicht. was wir den Zuschauern zeigen. bei dem wir an den Quotenverläufen genau sehen. Bedeutet das nicht auch eine gewisse politische Macht? Schäferkordt: Ich kann oder möchte mir nicht vorstellen. weil ich hier im Haus dann doch zu bekannt bin. wie Sie leben. Können Sie sich überhaupt noch steigern? Schäferkordt: Nein. Er war nicht mein persönlicher Favorit. Wir wollen das klären. dann antworte ich: Nein. hat es extrem angesprochen. Darin waren wir immer am besten: aus Fehlern zu lernen. Sie bestimmen mit über den gesellschaftspolitischen Diskurs in Deutschland. ist aber okay? Schäferkordt: Das ist in vielen Ländern eine Delikatesse! Es ist einfach. die gar nicht so skandalträchtig sind. ZEIT: Nehmen wir Bild – da sind wir auf halbwegs neutralem Gelände. Wenn wir bei einem Thema danebenliegen oder es auf einem falschen Sendeplatz senden. Schäferkordt: Auch nicht die gehobenen Instinkte? Da bin ich jetzt erstaunt.l. bei der auf der Bühne gepinkelt wurde. die komödiantische Aspekte bietet. aber keine ethische Diskussion. dass der Zuschauer auch loslassen will.r. Bahn zu fahren und zu hören. obwohl es eine gute Quote verspricht? Schäferkordt: Das kann man pauschal nicht sagen. bei dem ich sagen würde: Wir könnten ihn einstellen und das Gegenteil von dem tun. halte ich für einen Fehler. dass ein Format in Menschen Instinkte produzieren kann. v. ZEIT: In der jüngsten Staffel von DSDS gab es »Freddy Fickfrosch«. ob es richtig ist. Spaß haben zu wollen. ZEIT: Für eine Folge der Super Nanny hat RTL gerade einen Bußgeldbescheid über 30 000 Euro erhalten. Wir werden den Vorsprung nicht halten können auf lange Sicht. Es ist extrem erfolgreich. Wir müssen schauen. Schäferkordt: Zumindest nachdem wir das produziert. Aber das war ja nicht Ihre Frage. dass es erst unserer Sendungen bedarf. Jeden Tag treffen wir Einzelfallentscheidungen. Einmal fiel dabei der schöne Satz: »Frau Schäferkordt. halte ich. das ist nicht so. etwas heraus. Das Format ist relativ teuer und der Januar nicht der werbeintensivste Monat. wenn er sich für die Show bewirbt. Schäferkordt: Das hängt vom Kritiker ab. ZEIT: Aber ist es nicht ein blödes Gefühl. wir gaukelten etwas vor. Das wird alles wiederkommen. auch wenn Sie das jetzt weit von sich weisen. ZEIT: Aber wo ist für Sie persönlich die Grenze? Würden Sie Hartz-IV-Empfänger im Rhein um einen Arbeitsplatz um die Wette schwimmen lassen? Schäferkordt: Nein. in der Politik ankommt. einige Szenen verstießen gegen die Menschenwürde. was Sie nicht mehr zeigen. Zudem bekommen wir über tägliche Magazine wie Punkt 12 ein Feedback. ZEIT: Dass in Ihrem Programm Känguru-Hoden runtergewürgt werden. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Homestory gemacht. Wenn wir ein neues Format mit 16 Prozent Marktanteil starten. Im Moment sucht der Zuschauer diesen Ausgleich verstärkt. ein Kollege hat Sie neulich in einem Porträt als »wonder woman« der deutschen Medienlandschaft angehimmelt. die an diesen Abenden in Deutschland Fernsehen geschaut hat. mein Ausdruck war falsch: Ich wollte sagen. was zeigen wir nicht? Eine Diskussion über persönlichen Geschmack zu führen. Die Westfälin studierte Betriebswirtschaft. nicht mehr gerecht werden. aber Sie werden lachen: Das mache ich gerne. Wenn Sie eine solche Geschichte zeigen. wäre ich der leitende Redakteur. nur wie oft und wie differenziert oder eben auch nicht wollen Sie die Diskussion führen? Sie können definitiv fragen. ist genauso eine Fiktion wie die »Scripted Reality« im Nachmittagsprogramm. Genau darum geht es eben nicht. schalten die Zuschauer um.und Nachteile. damit ein Thema. dass man Ihnen übel mitgespielt habe. Wenn die Spaghetti Bolognese beim Hartzler zu Hause unbedingt vom Bauch der Freundin gegessen werden müssen . Natürlich ist die Erzählweise dabei verdichtet. ZEIT: Haben die Ereignisse direkten Einfluss auf fiktionale Formate? Gibt es bald bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten einen notorischen Grünen-Wähler. stellt sich wahrscheinlich nicht. offen gestanden. Auch wenn ich hoch verschuldet wäre. Dazu gehört. anders entschieden hätte. Radio. im Januar hatten Sie bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 21 Prozent. ob der Fickfrosch des Guten zu viel war. Ob sich da gleich einer einen Atombunker baut? Das wäre am Vorabend wohl zu teuer . das würden wir natürlich nicht tun. Dinge zu skandalisieren. Schäferkordt: Sie unterstellen wieder. unser Leser hat ein Recht darauf zu erfahren. ein bisschen verkürzt. es gibt kaum einen Sendeplatz. auf einem ähnlichen Niveau wie während der Krise 2009. was gerade in der Realität meist jüngerer Menschen relevant ist. aber wir kennzeichnen das auch entsprechend. die Leute wollen sich jetzt lieber entspannen und nicht so viel Konflikt im Programm. Wir müssen vor allem realistisch bleiben. und wir nehmen sie wahr. ZEIT: Aber durch die hohen Quoten blasen Sie all die Themen auf. Unsere Zuschauer haben zunächst sehr viel Nachrichten geguckt. Nach einer großen Show ist es auch spannend. Schäferkordt: Bitte! Sie glauben doch nicht. ist ziemlich gering. ob im Genre Real Life oder auch in der fiktionalen Unterhaltung. Jeden Tag treffen wir in den Redaktionen diese Entscheidungen. was kann ein DSDS-Kandidat erwarten. Mit ihrem Informationsinteresse genauso wie mit ihrem Wunsch. ist das schon ein Erfolg. kann immer noch mehr sein. Da haben Sie Grenzen überschritten. die Wahrscheinlichkeit. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL DIE ZEIT: Frau Schäferkordt. auch wenn wir den einen oder anderen Witz Vier von Schäferkordts Erfolgsformaten: »Deutschland sucht den Superstar«. Wie machen Sie das? Schäferkordt: Wir interessieren uns für unsere Zuschauer und nehmen sie ernst. Wahrscheinlich gibt es auch Fälle. dass er weiß. Anrufe. ZEIT: Solange es so gut läuft und gutes Geld verdient. Schäferkordt: Das sind komplett verschiedene Sendungen! ZEIT: Können die Zuschauer unterscheiden zwischen »echten« Fällen und den erfundenen? Schäferkordt: Ja. ZEIT: Aber was wir vom Camp sehen. während der Castings eine Comicfigur. wenn ich Sie an der Stelle enttäuschen muss – habe ich mich einfach köstlich amüsiert. den Zuschauer permanent zu unterschätzen. In Zukunft wird der stärkste Sender nicht mehr einen Marktanteil von 20 Prozent haben. Das Bild von der Gesellschaft formt sich aus der Gesamtheit der Informationen. dass Sie danach Ihr Programm gestalten und damit die Mehrheit der Zuschauer erreichen. würden wir dem. N-tv hatte den erfolgreichsten Monat seiner Geschichte und den Marktanteil verdoppelt. welche Grenzen wir uns setzen: was zeigen wir. Schäferkordt: Es gibt ja einen Grund. Das wirklich Interessante ist. Sie haben eine gesellschaftliche Verantwortung. der Journalist veräppelt mich. der sich im Garten einen Atombunker baut? Schäferkordt: Natürlich finden Sie vor allem in den Soaps wieder. Anke Schäferkordt. in Wirklichkeit aber nur entlang von Klischees über die Wirklichkeit erfunden wurde. dass die Kandidaten nicht singen können? Muss man sie der Quote zuliebe auch noch demütigen? Wir unterstellen mal. haben Sie leicht lachen. Aber auch formal geht es für uns um die nicht unwesentliche Frage. warum wir bestimmte Dinge nicht gezeigt haben.): Gregorowius/RTL. und die Zielgruppe. die wir ziehen. wie Sie richtig sagen. bei denen ich. verleihen Ihnen eine neue Dimension. Zudem kann man fragen. Bei großen Primetime-Serien dagegen sind die Produktionsvorläufe deutlich länger. das man »gewünschtes Antwortverhalten« nennt: Bitte noch mehr Informationsangebote und Dokumentationen! Oder: Die barocke Oper findet viel zu wenig statt! Die Wahrscheinlichkeit. Schauen Sie sich die US-Quoten an: Wenn ein Network in der Primetime elf Prozent erreicht. die so oder so ähnlich stattgefunden haben oder stattfinden könnten. Solche Sender gibt es ja bereits.. den wir machen können – zu glauben. was täglich vermutlich tau- über die Kandidaten machen! Vor allem nehmen wir uns selbst mal richtig auf die Schippe. Die treiben täglich eine Sau durchs Dorf. in den letzten Monaten durchaus im Gespräch. Wir liegen zurzeit bei einem Zuschauermarktanteil von über 19 Prozent. Dazu kommen andere Medien wie die Tageszeitung. ZEIT: Und? Schäferkordt: Montags morgens war DSDS. Damit geht aber Hand in Hand. zwischen Kameras im neuen RTL-Studio in Köln. weil es so schön einfach ist. ZEIT: Die Frage. aber das müssen wir nicht ausführen. insgesamt unterstehen ihr knapp 2500 Mitarbeiter der mithilfe dieser Comicfigur die Kandidaten noch mehr durch den Kakao zieht. Aber das Schöne ist ja: Das kriegen wir gratis! Im Ernst: Ganz so einfach ist es nicht. Muss Ihr Programm jetzt noch seichter werden? Schäferkordt: Da muss man in die einzelnen Genres schauen. ZEIT: Wir wollen das ja auch gar nicht. ob Sie selber ins Camp gehen würden. da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. Das ist auch zynisch. weil Sie den Frosch nicht gut finden. ZEIT: Lesen Sie eigentlich Fernsehkritiken? Manchmal hat man das Gefühl. Schäferkordt: Schon klar. als Zuschauer. Als Marktführer haben wir eine besondere Verantwortung. ZEIT: Wie gehen Sie mit Ihrer Verantwortung um? Wo verläuft die Grenze dessen. Die Digitalisierung hat die Programmvielfalt unendlich gesteigert. es ist das Konzept dieses Formats. ehrlich gesagt. Muss das sein? Schäferkordt: Das ist eine Geschmacksfrage. Das wäre vermessen. das Ergebnis fanden wir aber nicht so gut. Sie haben gefragt. Die Frage kommt immer wieder. Aber ich distanziere mich deshalb nicht von unserem Format. Aber wenn Ihre Frage dahin zielt. Schäferkordt: Natürlich. ZEIT: Aber Ihr Sender ist nun einmal Marktführer. Aber ich kann mir ja schlecht – wie die Chefs in der Sendung – einen Bart wachsen lassen.. Schäferkordt: Sein offizieller Name war übrigens Freddy.n. quer durch alle Bildungsschichten. ZEIT: Natürlich! Wir vertreten nur die Wahrheit! Schäferkordt: Entschuldigung. ZEIT: Dann lassen Sie uns über Ihr Geschäft reden: RTL ist klarer Marktführer. was man alles an niederen Instinkten bei ihnen entsichern kann . 48. Schäferkordt: Wenn ich da kurz widersprechen darf: Es wäre der größte Fehler. die aber auch nicht nur für mich produziert werden. Sie fragen nur: Ist das eine Geschichte. dass es den meisten Zuschauern völlig egal ist. dass auch Sie das grenzwertig finden. kommt vor. Jedes Medium hat sie. ZEIT: Warum reicht es nicht zu zeigen. Es hat immer alles seine Vor. ZEIT: Dennoch verhelfen Sie Themen zu einer enormen Sichtbarkeit. Damit die eigene Erwartungshaltung und auch die der Gesellschafter nicht zu hoch ist. Ein Großteil der Zuschauer hat das wahrgenommen. Das Gespräch führten ANNA MAROHN und CHRISTOF SIEMES Fotos: Thomas Rabsch/RTL (o. dort sehen wir schon eine Veränderung. So einen Zuschauer würden Sie kaum finden. Er kommt in die achte Staffel. Schäferkordt: Dass Kandidaten hinterher manchmal sagen. ob die Politik Themen erst dadurch wahrnimmt. in Ihrem neuen Erfolgsformat. was ihn erwartet. Auch wir werden unsere Baustellen im Programm bekommen und daraus lernen müssen.. getestet und erfolgreich platziert hätten. sich mal nur gut unterhalten zu fühlen. Das Managen von Erwartungshaltungen ist im Moment mit das Wichtigste. ZEIT: Wir haben uns nur gefragt. Nun gibt es einen Atom-GAU und Krieg in Libyen. ZEIT: Ist die Inszenierung beim »Dschungelcamp« nicht ein Sinnbild für die gesamte Haltung von RTL? Die Moderatoren stehen oben auf der Brücke. Sie erfüllen die Bedürfnisse der Leser.« Ich dachte erst. die »Super Nanny« und »Raus aus den Schulden« mit Peter Zwegat (von links). Da ganz kurzfristig auf politische Ereignisse zu setzen. die wir den ganzen Tag über beziehen. Wir würden Fernsehen für eine kleine. Seit 2005 leitet sie die Mediengruppe RTL Deutschland Das funktioniert so nicht. dass sich für die Realität ausgibt. dass ich Geld dafür bezahlt habe. das virulent ist in der Gesellschaft. reden wir darüber auch nicht.FEUILLETON 12. Es gibt sehr viele Grenzen. welches Thema interessiert. eine Idee von Dieter Bohlen. mal loslassen zu wollen vom Alltag. um genau das zu klären: Verletzt auch derjenige die Menschenwürde. bewusst auszublenden. Schäferkordt: Es gibt bestimmt Sachen. ganz egal. Schäferkordt: Das dürfte eher schwierig werden. war Controllerin bei Bertelsmann und Senderchefin bei Vox. dass die Geschichten gescriptet. auch beim Gesamtpublikum liegen Sie deutlich vor ARD und ZDF. Wer solche Freunde hat. ob es um Nachrichten oder Unterhaltungsformate geht. heißt es in der Presse: Riesenflop. schauen hinab auf die armen Würste unten im Dschungel und machen sich darüber lustig. und das würde mich erschrecken. So. Die Kommission für Jugendmedienschutz findet. ist es mir. was ich zum Glück nicht bin. dieses Stück zu sehen. ZEIT: Schaffen Sie nicht manchmal auch Bedürfnisse? Die Zuschauer des »Dschungelcamps« haben vielleicht gar nicht gewusst. Menne/RTL.

die so neu nicht waren. sondern nur ein Dasein. Raus aus der Vergangenheit – das traf einen Nerv. der sich an sein Heim und seine Kaffeetasse klammert. die Frisch so jung machen. ein nichtiger und unwesentlicher Mensch zu sein«. gerade weil er es heroisch meint. gestorben am 4. Wie wollen wir leben? Gibt es ein Leben hinter dem Grauschleier des Alltags? Wie komme ich dahin? Wie werde ich ein anderer. der die Romane bis heute lebendigund unverbraucht erscheinen lässt: ihre neusachliche Heiterkeit. Ihre Fragen sind groß und immer dieselben. die man gerne für unsere eigene gehalten hätte.« Wenige konnten die Träume unserer in sich selbst verliebten. Der Mensch erscheint im Holozän –. Woran liegt das? Auf den ersten Blick ließen sich leichte Erklärungen finden. Es war das Mantra seines Zeitalters. die noch kommen sollten. seitdem wir an diese Utopie nicht mehr glauben. Hat mal jemand die Flugmeilen im Homo faber nachgezählt? Walter Faber. sondern Kinder und Enkel der alten Masken. Trotzdem erinnern sie uns daran. in dem das Beständigste noch seine riesige schwarze Brille blieb und in dem die letzte Geliebte bereits die Tocher einer früheren war. Oder auch nur ein Fluchtbedürfnis. nach Texas. Liest man den Roman heute. Sie benehmen sich auch so. ist der Urtyp dieses »Darum-werden-wir-erst«-Pro- der sich das Ich-Pathos verbirgt und die bis heute das Beste am ganzen Frisch ist.52 12. Frisch hütet sich vor dem Heroischen. wo es wehtut. Ein wenig verwundert versucht man nachzubuchstabieren. Dass er irgendwann alt und behäbig war. Sie verleiht ihren Helden. Ein Herr White mit amerikanischer Vergangenheit wäre ihm lieber als ein Herr Stiller aus Zürich. mit immer jüngeren Frauen. aus Trauer Hoffnung. zuweilen geneigt. des Frisch-Jahrhunderts. einzuwenden hat. Ein. vielen so gegangen sein. Einer. Diese Sehnsucht nach einem bedeutsameren Leben als dem. Wir sind auch nicht mehr die Bewohner von Umkleidekabinen. daß ich eben durch diese Einsicht kein nichtiger Mensch mehr sei. Seine Hauptsorge: Er möchte nicht Herr Stiller sein. Geiser. Dann aber mit allem divenhaften Drum und Dran. die ihn in eine längst vergangene Zeit katapultieren. Wir werden diesen jungen Hundertjährigen noch lange lesen. »Neureicher« im Leben und im Schreiben. seiner großartigen Autobiografie. In jedem Fall eine Sehnsucht. der in sehr preußischblauen Hemden an sehr kompakten Tessiner Steintischen saß und weißweintrinkend sein Leben Revue passieren ließ. Er fasst das literarische und biografische Programm des Autors in zehn Wörtern zusammen: Er war einfach nicht bereit. kurz und knapp zu halten und da. in dieser Feier des Lebens. Nach Paris. Italien und Griechenland. Daher die zärtliche Kaltschnäuzigkeit. nach Guatemala und so weiter. abzubrechen oder ironisch zu werden. Contessa oder Staatsanwaltsgattin. verbarrikadiert sich in seinem Schweizer Bergdorf und baut Pagoden aus Knäckebroten. Ihn nun. nun doch entgegen seinem lebenslangen Widerstand. Das Prinzip Frisch ist ein Prinzip Hoffnung. neue Leben. Ingenieure. die man stellt. Tagebuch 1966-1971. Der Schrecken rührt daher. seine Träume. Es gibt seine irritierende politische Indifferenz in der Kriegszeit. sich nicht auf weitschweifige Gefühligkeit einzulassen. Kommen allerdings ausschließlich im Geliebtenfach zum Einsatz. hat man missbilligend zur Kenntnis genommen. wiederzulesen. Eine sanfte. Stadelhoferstraße 28. Diese Hoffnung war nicht nur das Mantra von Frischs eigenem Leben. war so üblich und ging niemanden etwas an. alles bauhausmäßig klar. Auch hier setzt er auf erzählerische Dialektik. dass man Frisch und seinen Helden gewogen bleibt. Heliosstraße 31. nach Athen. nach New York. wenn man sich und der Welt noch viel zutraut. Er habe. Ballerina. Ein Bergmannsroman. von der »kein Weibsbild« einen Kerl abzubringen vermag. Frisch ist doch immer jung gewesen. Seitenlang sitzt man in der Boutique und begutachtet Dior-Kostüme. Eine neue Welt bauen. Daher die vielen Shortcuts in Montauk. neue Ehen. von Anfang an ein heroisches Format. ein Mann mit südamerikanischen Geschäftsbeziehungen. auch sich selbst gegenüber. in den Tagebüchern sitzt man im Flugzeug. die großen Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens – Tagebuch 1946-1949. Aber es ist ein Buch. Es fehlen seine Verspieltheit. Für uns war und blieb er der Autor einer Lebensdringlichkeit. das »sich formen lässt von jedem. Es sind Fragen. Frisch ließ das Buch 1937 in NaziDeutschland publizieren und hat es später nicht in seine Gesammelten Werke aufgenommen. der verstanden werden kann als die literarische Variante der Schweizer Nichteinmischungsdoktrin. als die sich die erste Geliebte entpuppt hat. die immerzu erwartungsfroh neue Leben anprobierten. der da kommt«. die schöne Julika. »hoffe ich halt immer schon. aber niemals kleine Männer sind. neue Häuser. gar nichts Dringliches mehr einzuwenden wissen. Fabers und Geisers. Der Roman galt als das Paradestück der damals groß in Mode kommenden Ich-Diffusion. Die Frisch-Welt hatte mehr zu bieten. konnte man im Fernsehen sehen. April 1991 in Zürich. der das Erwachsenwerden ablehnte. Immer wieder in den Romanen. wie der ständige Abriss und Neubau des Lebenslaufs einmal mit so viel Hoffnung verknüpft sein konnte. Es war auch nicht nur das Mantra seiner Figuren. den Peter von Matt vor zwei Jahren aus der Versenkung holte. Mein Name sei Gantenbein. und niemals anhalten. die es macht. weil er hundert wird. ein nichtiger Mensch zu sein. In dieser Aufbruchstimmung nach D Foto: Robert Lebeck/Max Frisch-Archiv. geboren am 15. Da gibt es die Befremdlichkeiten im ersten Tagebuch aus den vierziger Jahren. Aber das stört nicht. Filmschauspielerin. Inzwischen sind wir nüchterner geworden. Wie eine Flaschenpost aus Märchenzeiten liest sich auch der nahezu verschollene Roman Antwort aus der Stille. die uns diesen hemdsärmligen jungen Menschen fremd erscheinen lassen. Frisch-Frauen sind immer mondän. gegen das wir. nachdem die gemeinsame Tochter. versteht man nicht mehr ohne Weiteres. die Künstler. der Held des späten Romans Der Mensch erscheint im Holozän. Der die Enge der Heimat und der Herkunft mit der Menge der Geliebten und der Wohnsitze aufwiegt. Sie sind wahlweise Mannequin. Weltreisende. Natürlich geht dennoch alles vorbildlich schlecht aus in Frischs Theaterstücken und Romanen. die »Statthalterin der Utopie« sein sollte. dass er wirklich noch so jung ist. das man überall (und sehr bald auch auf den Schlachtfeldern) suchte. dass wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. ist ein Wiedersehen mit sanftem Schrecken. die Nichtigkeit noch für das Beste am Menschen zu halten. die Folgen hatte. die den Verlierer immer gewinnen lässt. nach Mexiko. in dem man zum Friseur und ins Büro geht und in dem die Liebe zuverlässig in »tödlicher Kameraderie« verendet. Das ist bei strenger Betrachtung ganz und gar nicht mehr an der Klamotte vorbeigeschrammt. Zürich Max Frisch auf der Boccia-Bahn seines Hauses in Berzona. Dabei war der Nonkonformist fasziniert von der Konvention.und Verstellungskomödien und der Illusionskünste der deutschen Romantik. ein neues Ich. man gestatte den Kalauer: entgegen seinen lebenslangen Frischhaltebemühungen. eine neue Existenz zu wählen im Warenhaus der literarischen und philosophischen Lebensentwürfe. ihres backenbärtigen Paternalismus und ihres vitalistischen Pathos war. seine Heiterkeit. Frisch wusste es selbst und hat nicht ohne Ironie davon gesprochen: Er blieb ein Leben lang der Kleinbürger. Ernst Bloch. und andere Grobheiten. der die »männliche Tat« verklärt. die. in dem man sich unausgesetzt aufgefordert sah. neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. der Identitätsfragen und Rollenspiele. Einer. aus Ironie Überlegenheit. diese 1954 bei Suhrkamp im zerstörten Nachkriegsdeutschland zur Welt gekommene Figur. Stiller ist noch immer ein bewundernswertes Buch voller hinreißender ironischer Sentimentalität. Aber was erwartet er sich von der Liebe? Und was von seinem Leben? Ein wenig kommt einem Stiller. reist mit seiner jungen Liebschaft durch Frankreich. sagt der kühne Jüngling. den man las. Und dass wir es sind. so hat Frisch das in einem seiner späten Fernsehinterviews gesagt. hinterrücks gealtert wäre. Stillers wichtigstes Problem ist: er selber. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR gramms und zugleich der Urahne für die Gantenbeins. angeblich niemals zuteilwerden konnte. Was Frisch rettet aus der Peinlichkeit dieser Aufsteiger-Prahlerei. im Letzten nicht unversöhnliche Melancholie gehört zur Dialektik einer fortschrittlichen Literatur. Für ihn wie auch für seinen Freund und Lektor Uwe Johnson war es eine Frage zeitgemäßer Männlichkeit. seitdem die Selbstverwirklichung überall im Sonderangebot zu haben ist. Nicht weil er. der literarisch groß auf die Pauke haut. ein Schweizer Herr mit Hamsterbacken und Krötenhals. Er möchte ein Herr White werden. dass Max Frisch uns ein wenig entrückt ist. »Mit der Einsicht.« Ein schöner Schlusssatz ist das. Im Grunde. Dass er gegen dieses Alter aufbegehrte mit immer imposanteren Automobilen. Aber ich habe mich nicht. als man selber jung war und auch nicht erwachsen werden wollte. Er sagte: »Wir leben auf einem laufenden Band. Doch gerade deswegen fehlt uns Max Frisch. Mai 1911 in Zürich. so kurz und bündig wie auf einer Grabinschrift. was sich dieser Anatol Ludwig Stiller von der Verwandlung in einen Mister White versprochen hat. nach vollzogenem Inzest an einem Schlangenbiss (ernsthaft: Schlangenbiss!) verendet ist. Stiller. Aus Selbsterniedrigung wird Selbsterhöhung. die vieles ausschloss. sondern auch ein Erbe der vorletzten Jahrhundertwende. schon damals den Rückzug aufs Private. Das macht er klar durch einen Kunstgriff. die zugegeben ein bisschen fünfziger-Jahre-steif ist mit Kostüm und Handtasche und immer höflich und adrett. Homo faber. und Gantenbein kommt ohnehin den gesamten Roman über kaum einmal hinter seiner Blindenspielbrille hervor. dass Frisch nicht nur unser Zeitgenosse. steht im Zentrum aller großen Frisch-Romane. in eine knappe Sentenz gefasst: »Ich bin. wenn dieser auf der Suche nach dem »wirklichen Leben« ist. Der Frisch-Erzähler findet sich grundsätzlich lächerlich. Faber bekommt Magenkrebs. Und das dem kleinen Mann. Siehe auch Reisen Seite 63 . auf Flucht. ein nichtiger Mensch zu sein. Sie stand ihren Benutzern weit offen. Man ist schließlich modern. als ich es bin? Es sind diese Fragen. fotografiert von Robert Lebeck Das Prinzip Frisch Der Schweizer Schriftsteller wäre jetzt 100 – Wiederbegegnung mit einem unverschämt jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 1900. über den widerstandslosen Charakter des »Weibes«. Die Bemerkungen über die »Neger«. Zum Beispiel ein Stiller-Leben in Zürich mit Atelier und Oberlicht. Das ist nun alles lange her. ehrlich genommen. vorwärtsdrängenden Epoche besser beschwören als Max Frisch. noch gar kein Leben. hoffe ich doch in allem auf Verwandlung. Darum werden wir erst. Das mag. der sich in Frischs verworfenem Jugendroman nach einer männlichen Tat sehnt.« Stiller. heißt es im Stiller. Stiller mutiert zu einer Art Waldschrat. der so leidenschaftlich auf einem abenteuerlichen »wirklichen Leben« besteht. Seine lebenslange Jugendlichkeit mag hier ihren Ursprung haben. Doch an solchen Verschmocktheiten liegt es nicht. Im Gegenteil. Das Haus von Biedermann brennt ab. hinter er erste Impuls: Man glaubt ihm die hundert Jahre nicht. wie er es immer sein wollte. wie er es spöttisch nannte. In jeder Hinsicht ein Jugendautor. die »pflanzenhaft vor sich hin dösen«. der ewig Junge. Dazu sind sie – auch im literaturpolizeilichen Sinn – zu unbedeutsam. dessen Prinzip Hoffnung 1959 erschien. der auf Mamas Schokoladenkuchen lauert. ist sein trockener Humor. Ich bin einfach nicht bereit. wie ein Bub vor. hat diese fortschrittliche Gestimmtheit des vorigen Jahrhunderts. die gealtert sind und die den Toten plötzlich für geradezu unverschämt jung halten. in denen man neue Leben anprobiert wie Kleider. und es gibt keine Hoffnung. Dass Max Frisch 1991 gestorben ist. das nicht mehr auf der Höhe unserer Desillusion ist. Einer Utopie. Montauk. Auch begreift man nicht mehr. unterhält eine zweite Liebschaft in New York und gedenkt die Mutter der ersten am Romanende in Athen zu heiraten. was er gegen seine Ehefrau.

Abb. ja. geradezu zu singen begann: »Ja. sondern: kein Bildnis machen« experimen. Etwa ein Drittel der 291 Fotos sind Erstveröffentlichungen. Immer endet es in der einzigen. vor großen und kleinen Stars. etwa mit einer Frage wie: »Welche Hoffnungen haben Sie aufgegeben?« Das Scheitern begann in der Regel mit einem Moment der Stille. 256 S. Journalist und Politiker. Und irgendwann jemanden treffen. Zürich der Bruder als Grund von Max’ Depressionen. Schütt kennt die Fantasie eines »Lebensabendhauses«. oder haben sie schon nichts mehr zu unterdrücken?« Es musste Schütt kommen. Frisch hat als Verteidiger der schweizerischen »Der Schriftsteller Max Frisch«. 24. das der Frischianer im Jubiläumsjahr neben sich haben sollte. Seite für nem Sterben aussöhnte. dass Frischs verständnisvolle Schilderung des »deutschen Wesens« in seinem Schwanken »zwischen Minderwertigkeitsangst und übersteigertem Selbstbewusstsein« ein verdecktes Selbstporträt war.hat. nie habe ich mit ihnen eine neue Dimension erobert. den zu den großen Dramen. ja. seinen élan vital. selbst oft schmerzlich zerrissen. die den gezeigten Antisemitismus »empörend« nannte und angesichts ausdruckslos betrachtender Berliner sagte: »Wir bewundern solche Disziplin. zu schreiben fand Frisch Scham.« Wie viele 34-Jährige schrieben mit dieser Klarheit? Alle Wege Frischs beschreibt Schütt umsichtig: den in die Ehe und ins Zürcher Bürgertum. zum Schluss zu Stiller. Man duzt sich.. Archive. man kitschelt und geschäftelt nicht neben Sterbebetten. »dass Du viel zu früh durch das den Weinreben entwirft er ein »Haus. will einen Schutzschirm aufbauen. klima – aufpassen!« Den Stiller. tat das aber in einer Ausstellungskritik.« Schließlich hat Schütt den Text gefunden.. ZeitFrisch hat Besuch von der toten Mutter lebens hat ihn der Gedanke an den Suizid und unterhält sich beim Frühstück mit begleitet..Verhältnis zur Schweiz. klagte Frisch 1946. und schwieg. die Briefe. wirklich weiterführen kann. die und zeichnet in einem New Yorker Café journalistischen Anfänge. Zuden dreizehn Zimmern«. »Ich komfliegt es durch Raum und Zeit. Max Frisch wollte sich mit seinen Fragen Wahrheiten nähern. ja. Und dann. wenn ich einen prominenten Menschen interviewe. fassbar. voll einer milden und herbstlich in die Welt hinaus und in einen einsamen versponnenen Sonne. Interviewpartner heutzutage wollen Fragen abwehren. Und dann folgte – weitere Stille. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 53 Könnte ich dich packen. wie sie den Unendlich verwickelt war für alle Zeiten Frischs Stiller zu Pirandellos Roman Mattia Pascal in Be. die diesen im Stiller so sehr faszinierte. einen SPD-Mann . Frisch Suhrkamp. Überraschend ihre Skizze eines exis.« Die zweite Sache habe ich geträumt. lief dreimal um den Frühstückstisch und sagte dann. stilistisch. das um diese Dinge herumgeht. ich sehe nicht ein. »Lidice. Bonn 2011 . keit des Wirklichen weichen musste. auf Matt: Mein gibt er der »Nicht-Beziehung« zum Vater. Der Kierkegaard. will etwas verkaufen. in dessen Frühstücksraum ich am nächsten Morgen sehr früh ein Interview führen sollte mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. die nächsten 25 Jahre. Veranda«. doch leicht ins Irreale – vielleicht sei der See im Max Frisch lieber ist ihm die Nuance. Man könnte nun lange darüber nachdenken.das Meer. »Paris ist ein ideales SelbstmordTschechow über Tolstoi. nicht: ein Buch. Klischees hervorzuholen. wie er mit seinem Beatrice von zweiflungen Frischs.) Buchenwald bei Weimar. Von Matt deutet das Feuilleton mit begann. Viel ist in den sich spielen. beginnt er setzt vieles in neues Licht – den Vater. sind das Meisterstück seines Buches. Teufel. ich würde das Meer nie mehr sehen«. aber dazu fehle ihm wirklich die Zeit. me ja aus einem Morast von Ressentiment wird zum Dementen. Die Schwester des Regisseurs Benno Besson und die Mutter von Frischs letzter Lebensgefährtin Karin Pilliod war bislang fast unbekannt. empnach dem Tod des Vaters. eine Frau. wie unsereines. 1911 – 1954. Postkarten des Soldaten Frisch. Gemälde von Otto Dix. womit sie ihre Meinung unterdrücken. Ich saß damit vor Politikern.. auch sein Land erneuern. dann bisweilen tenzialistischen Frisch. Noch kein Jahr ist es her. Max! Eine meisterliche Biografie. da muss jedes Interview ein Knüller werden. Schütt zeigt. Natürlich stellte ich die Mord-Frage. Name ist Frisch dem er für ihn ein Einfamilienhaus er. In die herbstliche Luft über Kimche. der soldatischen Grenzwacht – »Stahlgewitter à la Suis. um einen Menschen zu töten. viel Besuch kommt. das Frisch für seinen Bruder erträumte. um zu bemerken. Erstmals sehen wir Madeleine Seigner mit Frisch auf Korsika. vielleicht stehe das Biographie eines Schütts Frisch ist im Verhältnis zu sich Haus »weiter im Norden«. als ich in sein Gesicht blickte. 1960er Jahre Kultur sehr merkwürdige Sätze über die Emigranten in der Schweiz von sich gegeben. weil ich immer wieder denke. Der Soldat Frisch hält im April 1945 auf einem Grenzstein einen »gemütlichen Hock« mit einem deutschen Soldaten. ja.Frisch angesichts der Kriegsgefahr? »Entweder übertors machen. man würde ihn wegen seines zu großen Penis auslachen. die damit zu tun hat. dem Impuls. wovon ich da unten beim Grenzstein reden könnte. In einer vergessenen Kritik aus der Zeitschrift Du attackierte Frisch 1941 den Film Gilberte de Courgenay. einige Seiten 595 S. In der Pubertät massierte er seine Nase. Ich habe sie dabei. Es brauchte Schütts Ohren und Quellenkenntnis. Meine 25 Jahre mit Max Frisch: Ich kann nur von zwei bemerkenswerten Ereignissen erzählen. den durch den Kalten Krieg. Einmal befreite ihn eine Frau vom »schweren Verhängnis. ob diese Fragen nicht der eigentliche Schlüssel zu seiner Biografie sind. und dich erschlagen. »ein Liebesdrama« nennt es ziehung setzt. interessante Frage. mit diesen Fragen kann nichts schiefgehen. ja. (Hrsg.90 € ihn an. um sie zu verlängern. Das Fazit ist leider niederschmetternd: Ich habe keine Seele aufgeschlossen. Als Glücksdimension sie werden in einen Zusammenhang voller Nuancen dieses Existenzialismus erweist von Matt in einem gesetzt. »Max. Biographie Max Frisch. Hier der erst apolitische. wenn nicht davon. »Einen Sonderplatz« Bruder das Grundstück besichtigt.und Berg. Wie sich selbst will er fortan unangenehme Sätze werden nicht unterschlagen. Verblüffend. Bald schon gleich ist Schütt im Meer seines Materials steht sein Haus.. Schütt fand in einer Rezension die Quellen von Frischs Deutschenbild. Schade wäre es. was er des nationalen Gewissens. Oradour. Der Traum ging so: Ich stellte Müntefering die FrischFrage »Gesetzt den Fall. falsche Fährten legen. In kein anderes Werk ist die umfassende Zerrissenheit Frischs mit solcher Wucht eingegangen. und auch sonst nichts. in einem Hotel irgendwo in der deutschen Provinz. dass uns kein Denken. Am nächsten Tag fand das Interview statt. Max!« Suizid – ein Spiel. in New England. unverrückbar. und ich weiß nicht. Die Enthüllung der Liebe zu Madeleine SeignerBesson ist eine der schönsten Trouvaillen bei Schütt. dass es dazu nie gekommen ist?«. die unerfüllten oder die erfüllten?« Ich möchte hier aber nur von einer kleinen Beobachtung berichten. die Zeugen. 24. und die vierte Frage hieß »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Immer wieder unterbricht Frisch die 432 Seiten seines Tagebuches mit Frageblöcken.. aber hilflosen Gewissheit. ja. Was dachte der Soldat Max Frisch so viele Bilder des Au. die gebauten aber starrten Berlin 2011.90 € wieder drin«. durch ein Zeitungsfeuilleton aus dem Jahr Schütt zeichnet Linien zu den Ver1942.« tiert hat. Es kam kein Name. will etwas loswerden und nichts ergründen.auch vier antisemitische Sätze auf dem Kerbholz se« – findet er zu sich. Er schreibt elegant. um vom einen zum anderen zu geVor »dem ihm auf den Leib gerückten Tod erfährt langen. ob hinter diesen Fragen nicht die Gliederung seines Lebens steckt. Die freiesten und amüsantesten. Beatrice von Matts Aufsätze folgen der im Gedankenstrich abbrechende Satz. Frischs Reichtum hinter den die Fragetechnik. man weiß ja nie. Auf einigen Seite ist dieser Band getrüffelt mit unpuhinreißenden Seiten entfaltete er die blizierten Frisch-Zitaten. wie 2011. wollte er in der Beatrice von Matt zum Frisch-Jubiläum ersten Fassung in den gelingenden Suizid publiziert hat. Frisch beschreibt darin. Müntefering sagte. wenn es uns nicht einfach an Vorstellung fehlt. Max. Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich. nach der Michel Friedman. So bleibe ich auf dem halben Wege doch sitzen.): Max zu. eine Essay-Sammlung und ein Bildband erhellen uns die Welt des Max Frisch VON ANDREAS ISENSCHMID »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT W N och nie konnten sich die Leser von erstaunlichen Essay das Meer. nachdenkt und Zeit hat. Er und sein Spiegelbild läFrisch definitiv zum Schreiben geführt. Dort der sozialistische Humanist in der Rolle son-Leser entdeckt in der Wirklichkeit. Und dann noch mal: »Ja. durch die Beziehungslosigkeit hatte es doch Aussicht durch alles hinzu unserem Vater und durch dessen Tod durch. ich dachte daran. nie mehr das der biblischen Formel »Du sollst dir Meer zu sehen. Die Stille meiner Interviewpartner verschwand in einer anderen Wahrheit: Wer heute interviewt wird. seines Triumphs mit dem Stiller. Fangen wir an. um das erste Aufklingen des kritischen Frisch der fünfziger Jahre zu hören. dem Germanisten Emil Staiger. der immer wieder mit lebe ich oder nicht. der damals die Schweizer entzückte: »Es ist einfach keine Zeit dafür. 25 Jahre Fragen von Max Frisch. über den Tod. und er »Früher war ich Architekt«. die Irrungen »den Grundriss der hölzernen Villa mit und Wirrungen der dreißiger Jahre. über Frauen. als »die unverbindlidurch sein Spiegelbild »begrenzt. Schon als Kind fühlte sich Frisch de traf. dem Welterfolg. und am Ende: nichts. Osten gar kein See. sympathisierte er keine Sekunde mit den Schweizer Nazianhängern. Ich werde also weiterhin das blaue SuhrkampTaschenbuch mitnehmen.90 € Schicksal.: Victor Radnicky/Interfoto/Privatbesitz: VG Bild-Kunst. das ich im Grunde gegen mich bin«. – eine Bewegung der Angst. das von Matt ausgegraben hat. nicht zulassen. Das erste Haus geistert schicken. Wir sehen die Zeichnungen des Hauses.« Pause. er habe sich einmal ein Messer gekauft. ihm Flügel . drei unveröffentlichte Gespräche Hages mit Frisch. Als das Haus fertig war. Wie sah Madeleine Seigner aus? Das zeigt Volker Hages opulenter Bildband. Max Frisch machte es so: Er stellte in seinem Tagebuch einen Fragebogen an den Anfang. Freundschaft. die auf keine WänExistenzkampf geworfen wurdest«. Er scheut die Pointe nicht. über Geld. Hoffnung und Heimat. Schütt nimmt. 15. mit diesen Nachrichten fertig werden soll. Schließlich Aufstiegs. che Vielfalt des Möglichen« der Eindeutiggefangen«. konnte man den Gesichtern ablesen. da zeigten Das wichtigste Buch zum Frisch-Jubiläum ist die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch den alten ohne Zweifel Julian Schütts Max Frisch. zuletzt. jetzt erzähle er mir was. dass sich Frisch durch die fünfziger Jahre »immer von neuem in Madeleine Seigner verliebte«. dass ich seit nun 25 Jahren die Fragen von Max Frisch dabeihabe. der die Wende bedeutet. Max Frisch hat sich diese Fragen selbst gestellt. will ein Bild von sich entwerfen. Er fühlte sich 1935 sehr weit ins deutsche Wesen ein. eine höchst politische und psychologische Zeitchronik der Jahre 1966 bis 1971 zu beginnen. die als »Gnade« empfindet. schrieb Frisch im Moment weiter schwebt es durchs Totenreich. das Buch. Die 350 Seiten. Frischs er sich als lebendig«. Obstbäume in den Tapeten«. fürchtete aber. Im Unterschied zu seinem Freund. Frisch wollte als Jugendlicher Nationaltorwart werden. es nicht gerade ein anderes auf Erden gab. Werde ich ein andermal davon reden?« Am Ende der kleinen Erzählung hat Frisch die »neuen Berichte von Buchenwald gelesen. vor Wirtschaftsführern.Nagel & Noch in den sechziger Jahren vermutete richten soll. Einmal war es die Frage »Wären Sie gerne Ihre eigene Frau?«. 160 S. das Haus in der Schrift hingegen verlieh Frisch könnte ich diese Scheibe einboxen und dich packen. man trennt sich. tat er es sogleich mit dem »Ich als souplesse: »Die Arbeit als Architekt hat Währung«. Sie blieb bei ihrem Mann und den Kindern und lebte zugleich in aller Freiheit mit Frisch die offene Ehe. der ein Mörder ist. as es nicht alles für Möglichkeiten gegeben hätte. Immer denke: Die Tiefe der Gedanken wird den Weg in jedes Bewusstsein weisen. Immer denke: Diese Fragen sind ein derartiger Knüller. Auschwitz. die sich vordem nur aus dem Buch kannte.FEUILLETON LITERATUR 12. der sich imaginativ mit seieines Aufstiegs. darstellerisch und gedanklich Frisch streicht »die hölzernen Säulen der gewachsen. Er sagte noch. als Hitlers Angriff drohte und der »28jährige Bursche« nur dachte »Schade wäre es. bin ich aufgewacht. Interessante Frage.« ersten journalistischen Arbeiten schon da. Max. in nicht untergegangen. und ich bin »städtischen Altersheim«. (. Zum Beispiel die Frage: »Wenn Sie einen Toten sehen: welche seiner Hoffnungen kommen Ihnen belanglos vor. in Seenähe. Dann verschiebt er sein Haus Julian Schütt: diskret. der die Frisch beim schreibenden Bau eines Todesnähe bei einem Selbstmordversuch Hauses kehrt wieder in den Essays. Er ist seiner Sache Wiesen. In der Ereignislosigkeit der rüd chauvinistische Frisch der dreißiger Jahre. Mit erzählten Häusern ließ Suhrkamp. Als er. Und er erzählt am Tag.von Matt. die es gibt. darüber müsse man mal nachdenken. einen Politiker. »Ich lebe aus keinem eigenen Verlass heraus«. geprägt. Bevor er den Namen sagen konnte. und er stand auf.. Volker Hage cheln sich in einer Schaufensterscheibe Das fertige Haus erfuhr er als Ärgernis. das Haus zu einem Berlin 2011...

der Relativismus und damit der Nihilismus alles. Eberhard Straub ist ein strategischer GedankenGebildet im Sinne verschwenderischer Zitatkunst anarchist. schen Zufriedenheit und Glück zu unterdass sie unverhohlen nach Zustimmung Max Goldt: Ein Buch scheiden. Die sogenannte Respektlosigkeit. mehr lemiker auszeichnet. Der Markt generiert den »wert« auf. Sie können nerven. einem Land der allzu einflussreichen Kolumnisten. Vor diesem schrillen Plot wirken die Figuren Hope und Mickey pubertär blass. der so treffend formuliert.90 € Im Zorn geschrieben Eberhard Straubs Essay »Zur Tyrannei der Werte« vibriert vor Angriffslust erte stehen in einem schlechten Ruf. Die Schönheit des Buches ist warenästhetisch gemeint: Es ist in einem Gelb gehalten. spielerischer. Straub operiert also im Wesentlichen mit Nietzsche und Marx. setzt Hope auf den Zufall und erwürfelt ihr Datum. Der schönste Eintrag darunter ist Staat. jemanden zu zitieren. Die neuen alten Werte sind mal auf der langen Bank des politischen Alltags. FRANZ SCHUH . den 17. dass Strom fließt. sich zu entwickeln. Im Zitieren reißt man sich eine fremde Originalität unter den Nagel. um die Energie einer Atombombe zu erreichen. taucht an allerhand zu geißeln.. wenn das Bier alle ist‹. deErden sind. Sie sind so gut wie alles. wollen zugleich Erfreuliches und Nützliches über das Leben sagen. dass man eine Verwandt. keine Tyrannen. Das Buch empfiehlt sich als Geschenk. den Spuren bis Tokyo nachzujagen. Nicht nur deshalb lobt man VON HUBERT WINKELS W heute statt traditioneller Werte lieber kompetitive Stärken.kann man darüber. Dass der Fall der Berliner Mauer das Ende der atomaren Bedrohung einleitet. Wenn man demnächst bei Laune ist. als Neurasthenie als Krankheit Mode war. dass sie gut unterhalten. den man gegen seinen Willen ebenfalls auf das vermeintlich geistig Überlegene. da die Geschichtlichkeit. Das ist schade. talismus. einen Kolumnisten genannt hat. Wer wenig Geld hat. Jahrgang 1972. zitiert gerne teste Kandidat dafür..schichte. nicht töten. Andererseits haben Goldts Schriften die Eigenschaft. definiert Nach einer Überlegung. Probleme auf. ändert wenig. Tarmac über ein bloßes Generationsporträt hinausreichen zu lassen. Das Ergebnis: »Die Sauerfruchtproduktion Floridas über einen Zeitraum von 6000 Jahren. doch die Werte sind der schlechunerwarteten Stellen der Geschichte auf. Schließlich bleiben saurer Regen. Goldt wird Ende Mai in Wien sein. verflüssigt hätten. versucht. in Tarmac – Apokalypse für Anfänger seine Altersgenossen. gebeten darauf. und diese spezifische Originalität von Max Goldt kommt nicht zuletzt daher. der namens Zimbo Rowohlt Verlag. Sehr schön ist das Taschenbuch Max Goldt: Ein Buch namens Zimbo (rororo 25569). die Industrialisierung auf dem Gipfel und Nietzsche die Höhe der unantastbaren Individualität ihrer seine unzeitgemäßen Betrachtungen schrieb. Tierwelt ihr Fett ab. wenn die Atombombe einschlägt? »Vorkriegsgeneration« nennt der frankokanadische Autor Nicolas Dickner. mal an der moralischen Empörung gescheitert. Sie sind Joker. 19. . »Wir hatten so lange auf den Weltuntergang gewartet.« Die Wikiquote im Internet hält sich nicht daran. eine Zitrone so mit Drähten zu verstöpseln.« Diese absurde Rechnung drückt das Ringen um Greifbarkeit dessen aus. hieß es bei Horaz.« den Schlaumeiern und Sprücheklopfern Unter anderem aus diesem Ton. vor und nach dem Kapimit seinen Feinden bis zur Ununterscheidbarkeit. Einem Familienfluch gleich offenbaren sich jedem Familienmitglied in der Pubertät exaktes Datum und Hergang des Weltuntergangs. Weihmanierierter Umgang mit ihm. ein Stil und eine Haltung heim. die europäische Aufklärung. die in den Ausläufern des Kalten Krieges mit dem Warten auf die Katastrophe aufwachsen. Deshalb klingt immer nach frühem 20.. Und wenn dies dann als Wertesubstanz des Grundgesetzes aufgerufen wird. Er zieht eine Guerillataktik vor. Aus demselben Jahrhundert stammt die zweite. »Von Max Goldt entzückt sein« ist zum Beispiel so eine Geste. Die Dichter. wollen wir in diesem Moment ihrer Leser gieren. die humanistische Tradition. Im Kolumnenkasten toben sich die Menschen und ihre Meinungen aus. wenn wieder einmal deutsche Leitkultur ausgerufen wird. das die englische Königin zur Hochzeit ihres Enkels trug. Juli ist plötzlich Mindesthaltbarkeitsdatum auf sämtlichen Packungen japanischer Instantnudeln. nicht zuletzt bei Max Goldt. was jede Vorstellungskraft übersteigt: Was passiert.199 S. aber anderes zählt: Während Dickner in seinem viel gelobten Debüt Nikolski Landkarten und Piratenlegenden mit Phänomenen des Informationszeitalters kurzschließt. was man trinkt. und das geht am besten.der Werte den heiligen geist. Es sei heute unmöglich. Jahrhundert. will Eberhard Straub nicht anerkennen. leiht sich dort Furor und Polemik.« nach Karl Kraus klingt.. was da verhandelt wird. Frankfurt a. wenn man es zitiert. wie man es vom Kleid her kennt. die es hier einst unter Alltag sei heutzutage wohl so etwas wie die gab: scharfer Verstand. Bei Stuttgart 2010. ein Talent zur nachten und Krieg zu verstehen.95 € das lustige pläsier mutwillig zu zerstören« (Wilhelm Raabe). Ozonloch und Jahrtausendwende. was damit eigentlich gemeint ist. Wenn nichts mehr hilft. der sich hütet. Sie sind so nahe an Platons Ideen wie an Auch immer gerne mit dem AntikapitalisRabattmarken. ist für nicht wenige Wiener aufregend. und es ist plump. nämlich der sentimensenschaften mit seinem deterministischen Klett-Cotta. kreiert abstruseste Querverbindungen und schafft es so. Einzelexemplare gebracht hat. aber selten gleichzeitige Abwesenheit von großer Liebe. folgt die Volte: ».54 12.Eberhard Das Lemma lautet »werther(i)sch« und ist Straub: wie folgt belegt: »es wäre nicht nur eine gen aufzuzwingen. die sich durchsetzen und andere niedermachen wollen. Straub sieht die formale Reinheit der rechtlichen Regel durch bloße Meinungen überlagert. Tatsächlich liegt ein Schwerpunkt der Überlegung in jener Zeit vor 1900.99 € Der Skepsis fallen ganze Kategorien zum schaft zwischen großen österreichischen Opfer: »Der Alltag ist eine inzwischen etwas Traditionen und Max Goldt behaupten abgenutzte essayistische Kategorie – ich kann. wie ›Aufräumen ist.. Wie ein Materiarisch zu fassen. Was man von Goldt Nützliches lernen kann. aber von Artistik eleSo wirbelt man einen Haufen philosophischer gant im Zaum gehalten. Ebendies. und zwiren Autoren sich dadurch auszeichnen.« furchterregenden Polemik. 249 S. wenn sie sich dem Punkt der Letztbegründung nähern.« Kann man aus dem herauslesen. Goethe und die Weltliteratur und alles zusammen oder in verschiedenen Legierungen. der gemäß TierKolumnen so: »Kolumnen sind Meinungspfleger die zufriedensten Menschen auf beiträge in journalistischen Medien. Sie sind religiös und numemus Marxscher Prägung. Da denkt der Ideenhistoriker aus dem Geist des 19. 17. Und aktuell zorntrei. »Wertabstufung« bis »Wertzuwachs« – zuStraub fahndet nach weiteren Kandidaten sammen fast so wertvoll wie ein kleines für seine Angriffslust. eine Sünde wider bend wirkt der Naturalismus der Biowis. Sie zitiert Max Goldt. bezieht sich auch bei Goldt erfahren. sagte ich. überschlägt sie bereits. eine positive Idee des Menschen verbindlich zu machen.Zur Tyrannei impolitesse gewesen. weil sie es nicht bis auf M Die Zuckerstückchenedition Heutzutage kommen wir Kritiker mit ein paar Gesten gut über die Runden. die Dich H TASC ENB U CH Was ist kanarienvogelgelb wie das Kleid der Queen? Richtig: Max Goldts neues Geschenk-Büchlein nicht lieben‹ oder ›Wein ist. die Differenzierung der Gesellschaft und die Ironisierung aller Verhältnisse. Juli 2001. 2011. Eigentlich hätte Straub immer dann ein Fest zu feiern. hat der Abendlanddenker Eberhard Straub zutragen. Sie verlieren an Wert in ebendem Maße. der auf immer weiteren Feldern zweifellos der unmittelbar vor »Werthöhe«. list alter Schule sieht Straub den Begriff des Wertes geprägt von den Produktions. hilft das christliche Menschenbild. Angriff auf die Würde des Menschen. dass der Autor auf sie Wert legt.. 8. was uns quer zum herrschenden Kartell und verbündet sich frommt und uns belästigt. in einem Comic liest Hope von einer prophetischen Schrift mit ebenjenem Datum – Grund genug.Reinbek 2011. zehn für das Substantiv und einzelnen Wert und das System der Werte. Max Goldt. Jahrhunderts. dem Individuum seine Wertsetzun. Das kann man an politischen Diskussionen sehen. schließe ich un. wie viele Zitronen gebraucht würden. dann treibt es einem Polemiker alteuropäischer Provenienz wie dem Journalisten Eberhard Straub die Zornesfalten ins Gesicht. und er schreibt ein Buch über Die Tyrannei der Werte. deren Verteidigung bekommt sogar die 173 S. Max Goldt nicht zu zitieren? Es liegt auf der Hand. Ebendas passiert aber nach diversen Stemmversuchen von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende bis zur Ausländerpolitik des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch kaum mehr. talität und der Wertherschen gelben hosen. weil er als Bildungsbürger alter Schule um die Anerkennung von Derivaten ehemals tauglicher Allgemeinbegriffe ringt. Nicolas Dickner: Tarmac – Apokalypse für Anfänger FVA. Dann verlässt die Handlung vollends den Bereich des Wahrscheinlichen: Der 17. die einst durch Heinrich Heine in die deutsche Welt kam. warum es besser ist. aber auch nicht schlecht belehren. Um dem Warten auf diesen Wahn zu entgehen. und das wußte nie genau. Für Hopes Familie gilt das seit Generationen. wie er sich selbst zitiert: »Ich sollte eine private Zuckerstückchenedition herausbringen mit aphoristischen Definitionen. Dafür jongliert er mit Bibelzitaten. hat damit etwas Gediegenes in der Hand! Das gelbe Buch ist mit einem Zitat von Karlo Tobler versehen: »Zitiere nie Max Goldt zum Scherz. Ich lebe in Österreich. auch ihre Liebesgeschichte wagt nicht so recht. Und das auch noch in jener Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie. Da ist der moderne Buch. dass er Teil unserer DNS geworden war«. stellt Mickey fest. auch die Ideen und Vorstellungen des Zusammenlebens. die handfestere Deduktion der Ent-Wertung von Fraglosigkeiten: Die Marxsche politische Ökonomie erkennt die Abhängigkeit einer jeden Wertschöpfung von der Mehrwertproduktion und jeder Wertsetzung vom Handeln auf dem Markt. Mangas und Wissenssendungen. die einen Po. dekliniert er in Tarmac die Apokalypse durch. aus einer historischen oder und höherer Kavaliersreisen in die europäische Geintellektuellen Festung heraus seine Angriffe vor.. was man macht.und Grimms Wörterbuch weist sage und schreiTauschverhältnissen des kapitalistischen be sechzehn Spalten allein für das Adjektiv Warenverkehrs. sollte man weitergeben. M. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR Warten auf das Ende In »Tarmac« beschreibt Nicolas Dickner seine apokalyptische Generation VON CATHARINA KOLLER ickey ist mehr als fasziniert von Hope: Während die anderen im Chemieunterricht noch versuchen. überlassen. Da kommt Als ich einmal in Definitionslaune war. vierunddreißig Spalten für Komposita von über das eine Gesellschaft sich organisiert. wie sie beschworen werden. Er tut dies nach Art einer negativen Theologie. / denn er fühlt wie du den Schmerz. bevor Besuch kommt‹ oder ›Die Überbevölkerung sind alle.

Psalm: »Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Ernst: Alles im Leben ist ein Tauschgeschäft. Roman.nicht links liegen lassen. Margaux fühlt sich in dieser Kompli. über das.ist das zu analytisch gedacht. deine Kniekehlen. der als scheinbarer Glücksbote seines Opfers auftritt: Dieses Verfahren sorgt für eine bedrückende Lektüre. d.« Ein Kinderschänder im Glorienschein der Erlösung. Die erzählt Tiger. ist ein trauriger und zugleich gewalttätiger Charakter. Tiger hat die Autorin Margaux Fragoso. Engl. er sei also ganz in VON IJOMA MANGOLD I Darf in einer Geschichte über sexuellen Missbrauch das Wort Liebe vorkommen? ihrer Hand. in Gänze. das sie teilen. Das sagt sich immer schnell. Sie ist keine bedeuPlaneten. passiert. sondern reflektiert. Leser. Auch diese Loslösungsgeschichte wäre interessant. Und kann man sie kritisieren. Er stillt mein Verlangen. »Wir wollen«. weil Margaux diese Filme liebt. dass ich dass sie der Zugänglichkeit und Transparenz ihrer dich genau so sehen will. Sie geben ihr das Gefühl. mit dem sie ein Ge. aber doch in seiner psychologischen Detailarbeit höchst aufschlussreich. was Margaux habe. schleuderte mich herum und freute sich dabei wie ein kleines Kind. Ich möchte dich so sehen. »so Margaux Fragoso hat Literaturwissenschaft und tun. die Autorin ist dann 23 Jahre alt. als der offizielle psycho-pädagogische Diskurs den Opfern andient. sondern Fragoso beschreibt ihr vergangenes Leben so. wie du bist. Es liegt aber auch ein moralisches Recht darin. ist das Buch auch gender Familienvater in die Brust zu schon fast vorbei.. der eine Politik der expliziten Offenheit verfolgt.« Geschichte den größten Dienst erweist. ein Pädophiler. dass nicht aufgeschrieben werden darf. die meine Familie seit Peter hat. dass ein Erwachsener sie ernst nimmt und mit ihr im Wasserbecken spielt.Margaux machen kann. Zwar weiß auch Marbau dann doch wertschätzen: »Durch das Nieder. sagt er.oder verweigert.. dass seine erste Frau ihn verlassen habe. Margaux liest den 23. sagt Peter zu ihr. Die fürchterlichsten Momente dieses Buches sind die Videositzungen. M. als mit Peters FVA. in dem Fragoso mit einigen psychologischen. Sie zwängt ihm keine anderen Botschaften Sie hat ja sonst niemanden. wie mir heute klar ist. die aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt und glücklich ist. Sie könne ihn ja jederzeit ins Gefängnis bringen. Margaux Fragoso kann man nicht vorwerfen. Zusammen lesen sie auch Nabokovs Lolita und das gibt ihnen ein ähnliches Gefühl des Aufgehobenseins in größeren Kontexten. die sie erbringt. kein Akt der Veröffentlichung ist frei davon. weil die Gesellschaft diese Art der Liebe nicht zulasse. die unserem Bedürfnis nach begrifflicher ebenso emotionale.464 S.werfen. aber auch einen ersten Freund. den der Leser als einen Teufel erkennt. Foto [M. Als das Buch in der englischsprachigen Welt erschien. als ein Eigentum zu verfügen. publizistischen Nutzen aus einem Erlebnis zu schlagen. er hat Angst. damit Margaux lernt. Tiger. um antwortungsbewusster und verallgemeinerungs. mit einer dig wartet er deshalb darauf. und sie setzt diese Macht ein. solange ich sein Begehren wecke. zuverlässig schweigt und nicht »Verrat« übt. war die Welt aus dem Gleichgewicht geraten. sich mit dem Thema ins Gerede zu bringen. was auch andere tun. ein intimes Verhältnis zu dem mehr als 40 Jahre älteren Peter hatte. Margaux nur einmal durchatmen und eine Moral von der und Peter sehen sich fast täglich. anschauden Leser schwer erträglich. in der das Geheimnis. Schrecklich deshalb. die Reflexionsgeschich. ist das Buch auch Vater der Verdacht kommt. doch das Einzige. in denen sie. geschaffen hat. 2011. dass es jemanden gibt.gaux. sie hätte der Faktizität ihrer Geschichte etwas grell Inszeniertes hinzugefügt. Ihr Mann. Ich liebe dich so sehr. wenn Peter und Margaux sich Pornos anschauen. weil er sich an den gemeinsamen Töchtern vergangen habe. Margaux einen Ort takt zu Peter. dann betrachtet sie ihn mit den Augen der Siebenjährigen.auf als die Faktizität ihrer Lebensgeschichte. hat es für viele Diskussionen gesorgt. Treue heißt für ihn. ob es die alten. sie hat weiter Kon. als wären wir auf unserem eigenen kleinen Kreatives Schreiben studiert. dass mit Peter etwas schon vorbei. nicht stimmt. so lange wird er mich Tiger liegt eben darin. das Buch nicht einfach für sich schreiben können. er bietet Emozäh und papieren. Er zeichnet dem jungen Mädchen ein schlimmes Bild der Welt. und bevor die Erzählerin und der Leser auch autistischen Verkapselung herausreißt.Peter dauerhaft emotional an sich zu binden: Sofähiger Satz. nur eine individuelle Ge. Das ist grauenvoll. dass sie weiß. geht sie mit Peter in eine Kirche. wie diese Filme zeigen. und ein seltsames weißes Licht umstrahlte sein Gesicht wie eine Korona. weil der Mann.]: Brian Shumway/Redux/laif . v. Und dafür andere Formen zu wählen. um sich am nächsten Tag als sorte beginnen könnte. Selbst der Eremit in der Wüste wehrt sich nicht gegen Berichterstattung . Erst mit Peters Selbstmord kann sich Margaux langsam aus dieser Bindung lösen. Ihre Erlebnisse also nicht mehr Tiger Margaux’ Mutter leidet an Depressionur notiert. der jungen Margaux als ein Engel erscheint. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 55 Das Maximum an Liebe Perfide Einheit von sexuellem Missbrauch und Geborgenheit: Margaux Fragoso erzählt die Geschichte ihrer zerstörten Kindheit n Tiger. 24. Von einem intendierten medialen Hype war die Rede.FEUILLETON LITERATUR 12. und die Lektüre ist beklemmend. der sie als Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt. wenn sie Wie Peter diesen moralischen Eisie ohne den Einsatz auffälliger literarigenkosmos rhetorisch aufbaut und wie scher Darstellungsformen erzählt. Wenn Margaux das erste Mal ihrem späteren Peiniger Peter im Freibad von Union City in New Jersey begegnet.« Und noch als Peter. sagt die Mutter. dass seine Apathie froh ist. indem sie das Ungeheuerliche des Vorgangs nicht kommentierend benennt und aufbricht. sieht Margaux darin einen Vertrauensbeweis.. dass es ein Tauschverhältnis ist (aber mal im schreiben meiner Erinnerungen habe ich versucht. Während sich die 12-jährige Margaux glücklich geborgen in Peters Arme kuschelt. Wenn man so will – und manche Kritiker hat das an diesem Buch sehr empört – reproduziert Fragoso erzählend noch einmal die Unwahrheit und Ungerechtigkeit. tief verwurzelten Muster von Leiden und einem gefällt oder nicht) und dass sie Macht über Missbrauch aufzubrechen. wie sie es im jeweiligen Alter wahrgenommen hat. um ihre ihr noch nicht widerfahren ist). heimnis teilt. Auch deine Füße. therapeutischen und juristischen Kategorien hanPeter sucht nicht nur sexuelle Intimität. dass Margaux über die sexuellen Dienste. Das alles ist kaum zu ertragen. Doch diese Position verweigert der Andrea Fischer. aber auch keine schlechte. ihr gesteht. wurde deshalb angeregt. Sie schreibt nicht: »Dieser Schuft.Lebens hat Peter leichtes Spiel. lange er mich attraktiv findet. ist für Biografie angemessen präzise. dass wir Fragosos grundsätzlichen tionalität im Tausch für Sexualität! Aber vielleicht Verzicht auf einen diskursiv-pädagogischen Über. irdische und himmlische Liebe auf perfide Weise in eins gesetzt. Hätte sie. beginnend im Alter von sieben Jahren.gültig sein. was einem widerfahren ist.len. das Buch überhaupt geschrieben zu haben? Diese Haltung läuft darauf hinaus. Als er stehenblieb. Seine körperlichen Interessen werden als metaphysische Liebesbedürftigkeit überhöht. ohne es zu publizieren? Natürlich. Tiger aber nicht. schaltet. der ihr die pädophilen Taten auffliegen könnten.« Das ist bestimmt ein ver. Ich werde ihm nicht gleichschichte ohne Generalisierungsanspruch zu erzäh. Als Margaux 14 ist. Zumal es totale mediale Unschuld nicht gibt. Angesichts dieser Dauerhölle des häuslichen raschender Weise aufs College. Und wenn dem Geschicht formulieren könnten. Frankfurt Margaux’ Vater.dass sie für die Wahrheit zu schwach ist. hat meine Einsamkeit bösartig ausgenutzt. der weitaus längste Teil erzählt von den 14 Jahren. Peter der Zurückgezogenheit und Zärtlichkeit zu bieten. die unbewusst ahnt. hinterlässt er eine Schneise der VerwüsNachgeschichte. klemmte mich unter seinen Arm. Im Suff Tod. Es gibt dann tatsächlich noch ein kurzes Nach.90 € tung. aber die Eindringlichkeit von Tiger. was nicht sein darf. stehen dem Leser die Haare zu Berge. Anders sich Margaux darin glücklich einrichtet ausgedrückt: Sie ist keine große Stilistin. zum kostbaren Rückzugsraum von Vertrauen und Nähe wird. Das Buch hat 460 Seiten. dass sich Unmittelbarkeit. Sie ist dann Teil einer symbolischen Ordnung. Zum Ende hin geht ohnehin alles sehr schnell. Peter ist dabei ein Meister des moralischen Diskurses. Das Verallgemeinern überlässt Fragoso dem zenschaft als moralisches Subjekt ernst genommen. Die Erzählerin – das ist zumindest die formale »Fiktion« in diesem autobiografischen Buch – ist nicht klüger als die Protagonistin. wie Gott dich tende Schriftstellerin. Das ist ein heftiger Stoff. Fragoso erzählt streng aus der Perspektive der Protagonistin. die in ihrer nur sehr schlecht umgehen. (weil etwas Besseres als dieses Schlimme aber Schriftstellerin genug. Das liest sich aber so sagen: Das ist doch nur sein Trick. was Frauen Männern bieten. auch Sie versteht vom Schreiben so viel. chiatrie einweisen lassen. Margaux schafft es über. In dem Moment. Als Außenstehender würde man Klärung entgegenkommen. Margaux vermacht er seinen alten wart die Tochter aus ihrer sozialen Isolierung und Mazda. Peter sei wort. Das heißt. die a. Tiger ist ein gutes Beispiel damit es endlich zu einem Bewusstdafür. und nimmt Glücksverantwortung abnimmt und dessen Gegensich das Leben. nen und muss sich regelmäßig in die PsyA. geboren Ende der siebziger Jahre. als wäre die Geschichdas Alter der Erzählerin und das Alter te in unserer eigenen Nachbarschaft der Protagonistin langsam annähern. wie Literatur fremde Erfahrung seinssprung kommt und sich die Autounserem eigenen Bewusstsein zugänglich rin bewertend in die Vorgänge ein. ihre damaligen Erlebnisse werden nicht durch retrospektive Einsichten gedeutet oder erklärt. Ein Vorwurf lautete: Die Autorin setze darauf. und die beiden zelebrieren ihre geheime Hochzeit. sondern tiert. hingegen kann mit ihrer neuen Selbstständigkeit Geschickt baut er die Mutter mit ein.« Stattdessen beschreibt sie die Schwimmbadszene so: »Dann schnappte mich (Peter). Teil der Gesellschaft zu sein. indem sie ihm Zugang zu Sex gewährt Generationen verfolgen. weil dieses pädophile Ausnutzungsverhältnis tatsächlich das Maximum an Glück für das arme Kind darstellt. Ungedullich und flüssig zu erzählen. Fragoso: Tiger. Ich tue doch nur. ihre eigene sexuelle Missbrauchsgeschichte aufgeschrieben.

Redakteur). Reisen).de.com Einzelverkaufspreis Deutschland: € 4.de Pariser Redaktion: Gero von Randow. Irgendwann mit 14 Jahren.Leben!« Es klang wie ein Schwur! Vielleicht waren schlusshandlung gewesen. Srednjaja Perejaslaws ka ja 14. der anderen Seite der Bucht Mit Ehefrau Mirja. in den letzten Jahren je glücklich war? Er hätte legte er in seinem Tempo doch allen Grund gehabt. Martina Schories (Bild. seine Weggefährten.de Abonnement Jahresabonnement € 187. Axel Kuhlmann Anzeigenstruktur: Helmut Michaelis Anzeigen: Preisliste Nr. Anzeigen: DIE ZEIT. Dr. Jan-Martin Wiarda Die ZEIT der Leser: Dr. Kanarische Inseln € 5. doch ruhig mal öfter anzurufen. Heuser (verantwortlich). Ruten berg. kleiner als eine ein Bonmot nachsichtig abwarten.50. Metallkräne. Tina Klopp. Alexandra Endres. Jörg Lau. Ob er ben. Urs Willmann Tomas Nieder berg haus. aus dem deutschen Festnetz. Karin Geil.thumann@zeit. Petra Pinzler. Tribut an das Alter seiner Frage beschäftigte ihn mit zunehmendem Alter Freunde – und an das eigene. Daniel Erk (Online) Alice Bota. Dr.: 030/59 00 48-7. wie er es wollte. Tel. Alzheimer. Ulrich Ladurner. Tel. Tina Groll (Karriere). Österreich € 4. wie er sie Wahl. Italien € 5. Trend versuchen. Christoph Dieckmann. Markus Horeld (Politik). die er in seinem Abschiedsbrief er. Parvin Sadigh (Gesellschaft). Christian Tenbrock Autoren: Dr. Bernd Ulrich Christiane Schott Chef vom Dienst: Chancen: Thomas Kerstan (verantwortlich). wer ist am wenigsten mehr so wirken und leben. Dieter Buhl. Tropez gewiss in die engere ten. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). Verganleicht ins Gesicht. Gunter Sachs.00. Suite 851. Er konnte nicht dem höchsten Scheidungsrisiko. Hartmut Neitzel. Aber nach diesen wilden Jahren nicht. Es war wie eine das gefiel ihm. wenn nicht Glück verlassene Freunde. 0. So verharrte er. Ostra-Allee 18. Frank Drieschner.70. Reinhard Bardoux. Sina Giesecke. sagen jene. Pascal Struckmann. Adrian Pohr (Video). Henning Sußebach E-Mail: zeitmagazin@ zeit. ZEIT Campus). die Armada der Luxusjachten. Marie. Pe. Christoph Drösser Dr. Claus Spahn. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft). Buceriusstraße. Dr. Belgien € 4. Michael Schlieben (Reporter). 129 00 02 07. »12.: 0043-664/426 93 79.) Foto (Ausschnitt): BOTTI/STILLS/GAMMA/laif G . Burk hard Straßmann. Jasmin Müller-Stoy (Koordina tion Außen politik). Peter Dausend. Layout). eine verehrte Bob Wilson. Angela Köckritz. Er habe sich befreien wollen von dieser zeugt. Kirsten Haake. eine Pointe. Stefan Willeke (verantwortlich). Ulrich Bahnsen. Fritz Vorholz Reporter: Tina Hildebrandt. Fax: 069/24 24 49 63. Matthias Stolz.de Wochenschau: Ulrich Stock (verantwortlich) Geschichte: Benedikt Erenz (verantwortlich). Thomas E. Seine Fotos im Marmorpalast des Russischen Museums! Gut und gerne 100 Paswww. Rainer Esser Verlagsleitung: Stefanie Hauer Vertrieb: Jürgen Jacobs Marketing: Nils von der Kall Presse. dann käme sein Anwesen in den Weg machten. Schmidt (Kulturkorres pondent). 01067 Dresden. Birgit Schönau.de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404. Beim Dinner durch schickte er auf eisaß er in der Mitte des groner altmodischen Postkarßen Tisches. Martin Spiewak.20. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Der Letzte seiner Art Ein Mann. Dem Mann. Helmut Schmidt Dr. das Zelt einzurollen und ein winddichtes liebt den Geretteten. Marcus Rohwetter.nicht seine Art war.20. E-Mail: martin. Mariam Lau. Jana Simon. Dr. E-Mail: jochen. Susanne Mayer (Sachbuch). Großbritannien GBP 4. Ein Selbstgefühl sei es gewesen. CH-5400 Baden. welches verbindet sich mit Aber Sachs hatte sich entschieden. was immer mehr. Martin Hinz Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH.M. Heike Faller. Istanbul. Wolfgang Ucha tius Götz Hamann (Koordination Unternehmen). Chefredakteurin).P. Filme. zwölf in meinem ganzen man seinen Schritt akzeptiert. Dr.). Wilfried Herz. Josef Joffe Kulturreporter: Dr. befand er. Ehemalige Models.de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann. Postmaster: Send address changes to: DIE ZEIT. August 1966 St. aus dem deutschen Mobilfunknetz Abonnement für Österreich Schweiz restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice 20080 Hamburg Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Ehemalige Models. Dr. Niederlande € 4.riedl@zeit. Petra Kipphoff. Griechenland € 5. 129110 Moskau. dass Vielleicht waren es zwölf. ein kleiner Pavillon für Yoga und Medita. Neu-Delhi.42 €/Min. Dagny Lüdemann. Postbank Hamburg. Elisabeth Niejahr Dorotheenstraße 33. Kai Biermann (Digital/Wissen). seine Vermählung Sachs am vergangenen Samstag in seinem Chalet mit Brigitte Bardot. Marion Gräfin Dönhoff (1909–2002) Dr. Fax: 00972-3/525 03 49.00 per annum. 10117 Berlin.besorgte Anwälte. Carolin Ströbele (Leitung: Kultur. Theo Sommer (Editor-at-Large). rue Cambronne. ein Ge. Es folgen Picasso bleu und rose. was eigentlich verschlungenen Körpern. Christian Bangel. Achiltibuie by Ullapool. der nung. Dr. Gerd Bucerius † Ijoma Mangold. Peking. Freunde. Dr. KG. Alexander Schwabe (Chef/-in vom Dienst). Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart. durften mit ihm rechnen. 60322 Frankfurt a. der ewige Kümmerer. Wenke Husmann . Cosima Schmitt. Christiane Grefe.ca Abonnement USA DIE ZEIT (USPS No.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen.50.deren Anvertrauten. Werner A. 50. was dann kam – diese Frage wollte er gelegentlich 30 Jahren. Davina Domanski. Hans Schuh-Tschan (Wissenschaft). Washington. Delia Wilms Infografik: Gisela Breuer. max. Karsten Polke-Majewski (Stellv. vielleicht auch.50.und Winnetou-Bildern ist komplett. Hin und wieder wischte er sich mit der rechten Hand über die Nase und schaute hinaus rück an einen Satz im Flugzeug damals bei der Reise nach St. man besonders gern Jurist. holte Sachs eine Kamera hervor. Video. Gunhild Lütge. war er glücklich? Schräg hinter seinem Pool konnten. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse. für Studenten € 119. 1040 Brüssel. einfach zu lange her. aber Sachs blieb wach. Aus der Schublade seines Schreibtisches lange konnte er jemandem zuhören. Jochen Bittner. Zwei Chalets. seine Sammlungen te er. Residence Palace. Fax: 0032-2/230 64 98.de.10. E-Mail: michael. Anita Blasberg.und Öffentlichkeitsarbeit: Silvie Rundel Herstellung/Schlussgrafik: Wolfgang Wagener (verantwortlich). 1966 Mit Brigitte Bardot.20. Nele Heitmeyer. Über die deutschen Expressionisten findet er kästen vor den Fenstern. Zwischensegnet war. C. die Häuser mit einem zu den Surrealisten – Sachs ist angekommen. dieses sich in seiner Seele ein meGefühl konnte man halancholischer Kern.bittner@zeit. Wolfgang Büscher. Seine gletscherfarbenen Haare fielen ihm braune Elfenkörper unter Wüstensonne. Tel. wo immer er konnte. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich).eine astrologische Kraft. Norwegen NOK 60. Vielleicht war es ein erstes Zeichen für das. die Gunter ihm die legendären Geschichten. Tel. in sicherer Entfer. rutschte ihm die Bemerkung heraus: »Ihr müsst wissen. Kerstin Bund. nicht umgekehrt. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. Nicole Hausmann. Gunter Sachs habe eine neue fremd.wünsche mir keine Vollendung. das erschoss sich. Adam Sobo czynski (Koordination). »Spanien womöglich«. Katharina Schuler. Fotoredaktion: Michael Biedowicz (verantwortlich) Özlem Topçu. Robert Leicht Dr. Tillmann Prüfer (Style Director). Alserstraße 26/6a.: 069/24 24 49 62. Christian Röpke Verlag und Redaktion: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co.Reihen im Blick. Hamburg Geschäftsführer: Dr. Anne Gerdes. KG. 4 –6. Florian Fritzsche. Christoph Dowe (Geschäftsf. Kw. E-Mail: reiner. All die Cocktailpartys! »Mein Gott! jetzt geschah. BLZ 600 400 71. Kurhessenstr. aber er war an diesem Ort auch gern albei Gelegenheit auch mit einem Tiger.de © Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Thomas Groß. war Extrovertiertheit schickte eine Mail. E-Mail: leserbriefe@zeit. Arnfrid Schenk. vom Bojen vor sich hin dümpelten. seine Honorare reichte er weiter schenk des Königs von Marokko. Grobkörnige Bilder. Kornkamp 11. Portugal € 5. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer.« Das reiche dieser Mann in dem blauen Blazer und dem weit heute aus. KG. mit verwunschenen Bildern. Dossier: Dr. Aber. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik). Blumengas. der mit irPalm Springs. Dr. dahinter. Tel. Vor wenigen Wochen kam seinem Esprit und seiner Eleganz die Nachkriegs. Philipp Schultz. Rue de la Loi 155. Sebastian Horn. Matthias Breitinger (Auto). Aagaard/Keystone Pressedienst Foto (Ausschnitt): Rudar/StudioX Foto: Keystone/Picture-Alliance/dpa Foto: Monti Bild/Keystone Pressedienst Junge Leser: Dr. Politischer Korrespondent: Lamparter. Bildbearbeitung: Anke Brinks. Erwin Koch. M3B 1Y8 Telefon: 001-416/391 41 92 Fax: 001-416/391 41 94 E-Mail: info@gcnews. das stets frei von Konventionen gewesen sei. Der entschied Gunter Sachs. PO Box 9868. Dr. (Computer). Lon don. 1969 Gunter Sachs (1932–2011) im Jahr 1972 in St.niger technisch. Harro Albrecht.von. Klaus-D. Sven Stockrahm. Christian Spiller (Sport). Peter Kümmel. Er sammler. Oliver Nagel. 20 Millionen Daten. Tel. Hanno Hammacher. 20045. 10004 New York. V.: 001-212/269 34 38. 10117 Berlin. K. 56 vom 1. Mit welchem Sternzeichen wird eine Selbstdiagnose. Englewood NJ 07631 Telefon: 001-201/871 10 10 Fax: 001-201/871 08 70 E-Mail: subscribe@glpnews. Für diese Reise hatte er. Ein Leben habe Roger Vadim. Subscription price for the USA is $ 270. Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr. Was bleibt? Die Astrologie! Von ihr war er übersich vollendet.: 0091-96-50 80 66 77. Jörg Burger. Schweiz CHF 7. E-Mail: mark.30.Sachs gern in Gstaad auf. Herausgeber: Iris Radisch (Literatur). der mit seinem Vieux Chalet.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto.Häuer. E-Mail: johnf. Wie es hinter seine Factory seit knapp dem Horizont weiterging. Katrin Guddat. die sich von München aus mit ihm auf Eden. seinem Vater gehörte die Fichtel Dinge. Meike Dülffer (Textchefin). Lisa Wolk. Dr. Dietmar H. Ontario. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. Umgeben von Freunden. Broadway.de ZEIT Online GmbH: www. Dr. 1972 Bei Dreharbeiten in Norwegen. Afrika war es nicht.20. stets stilvoll. die Begegnungen mit Dalí und in Gstaad tot aufgefunden haben. womöglich werde er es weiter gegen den mit Cowboy. Frank reich € 5. Manchmal meldete er sich über Monate der Leine führt. Dr.: 007-495/680 03 85. Er hörte lieber zu. Dr. E-Mail: angela. Eschersheimer Landstr.: 0033-972 23 81 95. Redaktionsleiterin). 20079 Hamburg. Luxemburg € 4. murmelgeöffneten Hemd gewiss einiges zu sagen gehabt. Susanne Gaschke (verantwortlich). Kein Vergleich zu der Mühe.Luise Hauch-Fleck. Chef redakteur). Petersburg. Rom. er wird Kunst. aber dann schickte er wieder einen Brief aus musste man ihn schon fragen. einen irdischen Garten sagiere. frei von Konventionen: Der großzügige Lebenskünstler Gunter Sachs ist tot VON HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS St. Fax: 030/59 00 00 39. Daniel Angeli/Agence Angeli (r. Mitglied der Chefredaktion)..com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel. Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) Tanja Stelzer (Stellv. sehen konnte.de New Yorker Redaktion: Heike Buchter.noch einmal eine Nachricht. Jutta Hoffritz. kein fachärztlicher Befund. René Dettmann.: 0044-7802/50 04 97. die er in wähnt. Roland Kirbach. h. Wo. Tel. Khuê Pham. die an den half. 153 S Dean St. AssistenSt. Tschechische Republik CZK 175. BLZ 200 100 20 Börsenpflichtblatt: An allen acht deutschen Wertpapierbörsen ZEIT-LESERSERVICE Leserbriefe Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Birgit Vester. Claudia Schiffer als »Heldin«. Ludwig Greven.zeit. Gstaad. Hanno Rauterberg. sein Studio.. scheinbar endlos genheit. Dorothee Schöndorf. Katja Nico de mus. Arne Storn. Konto-Nr. Freunde. Sabine Rückert. Jutta Schein.: 0044-2073/54 47 00. Kolja Rudzio. Gisela Dachs. Steffen Richter (Meinu ng). gemeinsam verantwortlich. Darf man das? Er hätte gewollt. E-Mail: peer. Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer.20. Anfang der Neun. Seine suizidgefährdet? Als Sachs damals mit diesem Thema Lebensfreude hatte sich offenbar verbraucht. Uwe J. Tel Aviv. Jessica Braun. Reiner Luyken. 75015 Paris. mehr für seine Frau und die antion. Heinrich Wefing Redaktion ZEITmagazin: Dorotheenstraße 33.14 €/Min. Sabine Etzold. Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich). Er auf die ZEIT zukam. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. Nun ja. da er tot ist. zwei Bodyguards engagiert. war ein großzügiger Mann.: German Language Pub. Tel. unerhörten Blick auf die Bucht.schirmer@zeit. den er an lein. Rabea Weihser (Musik). Slowakei € 6. 940 National Press Building. 525 52 52. Stefan Schmitt. Nina Grunen berg. Reporter: Dr. A-1090 Wien.weniger für sich. Anette Schweizer (Reisen). Andrea Böhm. Wolfgang Lechner (verantwortlich) ZEITmagazin: Christoph Amend (Chefredakteur). Skulpturen von ineinander bezeichnete. Bartholomäus Grill. Kronengasse 10.de Washingtoner Redaktion: Martin Klingst.zeit. Mechthild Fortmann. Sascha Venohr (Entwicklung) Geschäftsführer: Dr. Frank Siemienski. Ungarn HUF 1605. c. Kerstin Kohlenberg.20 ISSN: 0044-2070 Fotos: (Ausschnitt) Rainer Binder (großes Foto). Helga Ernst. der so auste Grüße aus Bora Bora gerichtet war. Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich). E-Mail: blumegeorg@yahoo. Iris Mainka (verantwortlich).Dank dafür? Gunter Sachs wusste: »Der Retter ziger. Dr.schieritz@zeit. Moritz Müller-Wirth Michael Allmaier.20.de Weitere Auslandskorrespondenten: Georg Blume. Slowenien € 5. Bevor er auf Reisen ging. Rüdiger Jungbluth. noch einmal zu. Klaus Harpprecht. Kaum jemand. Tel. Auch hier war Platz für mal er ja gern um die Häuser zieht. 1987 MM 14. Steffen Dobbert. Vorn das Geäst der und von seinem Platz ganz hinten hatte er alle alten Olivenbäume. Als er vor verwirklicht. weil er sich da sicher Aufforderung. 11. Im Flugzeug dösten die beiHäuser an der Plage de Pampelonne hatte er einen den Guards vor sich hin.: 030/59 00 48-0. Dagmar Rosenfeld. er nickte. meinem Leben!« Wie bei so manchem Eilig ist sein Leben imkreativen Geist verbarg mer gewesen. Dafür danke ich dem Schicksal.koeckritz@zeit.de. Perger. Mark Spörrle Jeannette Otto. »ein buntes Völkchen«. 0014259) is published weekly by Zeitverlag.« Gunter Sachs tersburg eröffnete. Frida Thurm (Nachrichten). Er. Gunter Hofmann. Zu.: 0351/48 64 24 05. dass man und kündigte einen Abvom Platz des Hausherrn stecher in sein Atelier südaus den Leuchtturm auf lich von München an. Dr. Tanja und Kirstin. Tilman Steffen. Scheinwerfer und Fotos.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur). von denen ich geträumt habe. Tel. Anna Kemper. Wasser.jungclaussen @ zeit.de Europa-Redaktion: Dr. Multimedia-Formate. Spanien € 5. Posta kutusu 2. Moritz äbe es ihn. Arnavutköy 34345. E-Mail: joachim. Periodicals postage is paid at Englewood NJ 07631 and additional mailing offices. 19. Franziska Kelch (Community). klären. E-Mail: gero. Sein Buch mit dem mathematischen Beweis für Krankheit. Titelgeschichten: Hanns-Bruno Kammertöns (Koordination) Ilka Piepgras. hielt sich Gunter Schlachtenszene von Eugène Delacroix.95. Jürgen von Politik: Bernd Ulrich (verantwortlich). Fax: 040/32 80-404.40. E-Mail: hbuchter@newyorkgermanpress. Fabian Mohr (Entwicklung.60 (inkl. E-Mail: archiv@zeit. D. Er ersteht seinen ersten Druck. Meike Fries (Studium). Stefanie Flamm.1 Megapixel. John F. die Ballettmädchen von De. Prof.70. Fax: 007-495/974 17 90 Österreich-Seiten: Joachim Riedl. Jan Roß Gestaltung: Nina Bengtson. David Hugendick (Literatur). wie es auch ist jetzt das Wichtigste in sein Vater getan hatte. erlebt und & Sachs AG. Anna Marohn. Ulrich Greiner. Tropez. Chris tian Schmidt. Tel. Fax: 030/59 00 00 40 Frankfurter Redaktion: Mark Schieritz (Finanzmarkt). Englewood NJ 7631. Philip Faigle. Paris. Irgendwann an seine Frau und ihre Stiftung Kinder in Not. Von den Terrassen seiner beiden Beach. Ich fünf Jahren eine große Foto-Ausstellung in St. Matthias Weidling Empfehlungs anzeigen: iq media marketing. de * 0.56 12.de/audio Foto: R.00. Sonja Mohr. Tel. Jungclaussen. M. GLP. Anne Fritsch. Grafik. damals. die nicht mehr hier. Ulrich Schnabel. Christian Denso.luyken@zeit. Tibor Bogun. »Ich habe die meisten zum Leuchtturm. Konto-Nr.de.. Handynummer – das war alles.klingst@zeit.« Was hast du aus deinem Leben gemacht? Die Gehäuse aufzustellen. Eingang Speersort 1. Er hatte Geld. Lebensart.00. Dr. Gerhard Jör der. Hauke Friederichs.randow@zeit. Jetzt. Domenika Ahlrichs (Stellv. den Computer eingab. St. webiegt er ein in Richtung Moderne.00. Tropez. Tel. 20095 Hamburg Telefon: 040/32 80-0 Fax: 040/32 71 11 E-Mail: DieZeit@zeit. Es sei keine Kurz. alle. Schweden SEK 61. hatte lange ein Beduinenzelt gestanden. Eine Assistentin zeit so viel heller machte. Tel. Art-Direktorin: Katja Kollmann Matthias Krupa. dischen Gütern reicher gewieder Gstaad.00. Christine Meffert Internationaler Korrespondent: Matthias Naß (Textchefin). 39. Patrik Schwarz. Dabei hätte Zigarettenschachtel. 1955 Kostümball mit Mirja.: 0032-2/230 30 82. Volker Ullrich Berater der Art-Direktion: Mirko Borsche Art-Direktion: Haika Hinze (verantwortlich). Zufrieden sah er dann aus. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG.00 Ausland: Dänemark DKR 43. spiele. Rainer Esser. die er sich immer gemacht hatte.teuwsen@zeit. Sieling (i. Katrin Hörnlein Feuilleton: Jens Jessen/Moritz Müller-Wirth (verantwortlich). Marcus Gatzke (Wirtschaft). Moritz.kleinen Tunnel verbunden. Finnland € 6. Dr. Wolfgang Gehrmann. charterte er ein Flugzeug für wurde 78 Jahre alt.O. kommt die Erinnerung zufühlte.: 0041-562 104 950. E-Mail: stefan.

meinen Benjamin Franklin und sogar meinen Elbridge Gerry. Voltaire zog gegen den Machtmissbrauch des Klerus zu Felde. war ein Stück Land und etwas Wasser.« men als früher: Klimaanlagen sind bewusstsein spüren Auf dem Tahrir-Platz herrscht kein Luxusartikel mehr. außer einigen Busladungen an Briten von närrischer Unerschütterlichkeit sind es vor allem Liebespaare. die Häuser der Reichen. erwidert Amr. von der sich für die Neuerfindung von Traditionen zehren ließe? »Die ägyptische Zivilisation ist eine französische Erfindung«.« – »Die Revolution ist großartig. fragt mich Mohammed. »Die Befehle waren ziemlich als Kamelschlacht bekannt geworden ist und den unmissverständlich«. die Armee einfach einen Herrscher abgesetzt. sagt Amr. die genügend Nahrung. ohne sie gesehen zu haben. Stammten die Präsidentschaftswahlen. »482 Frauen. verfasste aber auch herrliche Lobgesänge auf den Deismus. Junge Männer spazieren Hand in Hand mit ihren in farbenfrohen Hijabs gewandeten Frauen umher. der Touristen zu den Pyramiden Hochschulabsolventen vielleicht als Kellner. Dalia erinnert mich daran.schlossene Wirtschaft bedrohten. Ob wohl auch Ägypter die Pyramiden besichtigen? »Am schönsten ist es um fünf Uhr morgens«. Die Erfahrung ist die Kluft zwischen den Reichsauf dem Tahrir-Platz ein Transten und den Ärmsten in Ägypten parent: »Wir wollen weder von den der Revolution geringer als in den USA. »die einzige funktionierende Institution in diesem gottverlassenen Land«. uns hier nicht.« Hunderte kamen ums Le. »Man roch zweites Tiananmen werden. gibt er zes entfernt liegt Zemalek. die sich seit Langem mit der Aufklärung beschäftigt. Tatsächlich Landes. den wirtschaftlichen Status der Familie zu festigen. Er verlegte sich auf ein Studium der Politischen Philosophie an der AinShams-Universität in Kairo. Ein Restaurant bietet anbis in Kleopatras Tage zurück. sagt Amr Bargisi. Sie können nicht abreisen. »Ich würde immer noch meinen Thomas Jefferson brauchen. aber die meisten sagen auch. während ihre Eltern Lieder und neoliberalen Wirtschaftspolitik von Mubaraks Sohn Reden anhören. vertrieb ihn in Ägypten und im Jemen und schloss sich mit anderen Aktivisten zusammen.Häuser auf Zemalek stehen in so scharfem Gegensatz stützung. »Sie wissen gar nichts über die Juden. wenn sich Leauf ihre Augen. Zum ersten Mal im Lange schämten sich Leben sind wir stolz darauf. »Vor dem 19.) hat gezeigt. die Bausch und Bogen ablehnen. auf der sie von Martin Luther King hörte. sich in einem der geschenken zu misstrauen. Er hat Artikel gegen den Antisemitismus publiziert. Doch begegne ich niemandem. als hätte man keine Adresse. ob ägyptische Männer Angst vor Frauen haben. Unsere Anknüpfungspunkte ans alte Ägypten sind also äußerst dürftig. und alle machen mit. »Als ich nach Kairo kam. als sie einen Aufsatzwettbewerb gewann und zu einer Konferenz in Kairo eingeladen wurde. steht auf der einen Seite. dass der ägyptische Antisemitismus tiefere Wurzeln hat als die Ablehnung der israelischen Politik. als wir selbst es tun. doch seine Kant-Lektüre überzeugte ihn davon. Das öffentliche Mittagsgebet be. »Auch Obama muss sich in der Kirche zeigen«. dass die Revolution in den Händen nahmen die Kontrolle des Militärs über eine gedes Volkes bleibt. sondern aus Patriotismus unterstützt man Mütter tragen Plakate mit Bildern ihrer Söhne. von wem die Schätzung stammt. sagt Ekramy. warum selbst hat sich das Militär vorbildlich verhalten.« Je nachdem. sagt Amr. »Sie wollen die Regierung nicht übernehmen«.schiedene Leute vorschlugen.« Dennoch ergab eine Befragung. also gibt es Verrücktheiten wie die Behauptung. 50 Prozent jedoch die säkulare WAFD-Partei bevorzugen. Institutionen. Die Ägypter blicken auf Jahrhunderte guter im Rest von Kairo. von heute aus gefragt: Sind die jüngsten Nachrichten aus Kairo über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen der charakteristische Ausdruck für ein Land im Umbruch? Ich glaube eher nicht. »Dass es ernst war mit der Revolution.« Seine waren Beduinen. ein junger Filmproduzent. Viele Menschen trauern noch. »Das Referendum (zur Änderung der Verfassung.ziere setzten ihre Vorgesetzten unter Druck. die Stadt der Unternehmen den Verkauf politischer Ämter gesetz. weil sie keinen Grundrechtekatalog enthielt. wollte ich wissen: Wie sieht sie aus in Kairos staubigen Straßen? Oder.« Kleinlaut räume ich ein. und dennoch entwickelte er die tiefe und hintergründige Vorstellung eines vernünftigen Glaubens. musste am eigenen Leib eine Genitalverstümmelung erleben – doch diese Praxis auszumerzen ist nur eines ihrer Ziele. nur sollte sie möglichst geräuscharm aus. aber er hat auch die Pharaonen adoptiert. Anm. »Bis zu ist erschwinglich«. die in Ehren halten. dass seine MaßOrganisatoren. wie der Westen Ägypten helfen kann. Red. um das Freude ist nicht das einzige unübersehbare Gefühl Heft nur noch fester in der Hand zu halten? Nicht auf dem Tahrir-Platz. Ahmed Saled. Nichtsdestotrotz bestanden die Aufklärer des 18. Amr glaubt. der es von der Polizei zurückerhält. die eine liberale Demokratie ermöglicht. eine Insel mitten im Nil. Seit nicht als Gemüsehändler auf der Straße. »Am schlimmsten war weigerte. nur nicht zu seinen zaghaften agnostizistischen Tendenzen? Auch die westliche Aufklärung war nie so religionsfeindlich wie allgemein angenommen. Als man die Statuen fand. Nach einer mehrwöchigen Ver.tausend Minarette oder das pulsierende Herz des Panlich verankert habe? arabismus. So viel zur islamistischen Ablehnung der Götzenverehrung. in Ägypten ein mutiger Schritt. »Nehmen wir einmal an. erzählt Bassem über das Massaker. Ekramy möchte mich sogar zum Essen einladen. ich wäre Alexander Hamilton«. nannte man sie ›die Leute.« Als ich die Einzigen. Jeder hier hält einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina für eine tragende Säule des Fortschritts im Nahen Osten. dass er sein Leben nicht auf instrumentelle Erwägungen gründen wollte. Und will ich wirklich meine Wurzeln in einer autokratischen Sklavenhaltergesellschaft entdecken?« Ekramy sieht das anders. der die Verfassung nicht unterzeichnete. der sich taktvoll jeden Anflugs von Selbstgefälligkeit enthält. es gibt zu viele Wachmänner rund um doch waren wir zugleich überzeugt. – »Ich bin in Ägypten. das Datum der Revolution. wie Amr formuliert. Die allgemeine Freude ist in der nung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. Sie schenkt mir ein ungläubiges Lächeln. aber kaum ausländische Touristen die Pyramiden »Kant hat mein Leben verändert« Was ist Aufklärung? Die Philosophin SUSAN NEIMAN reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen. erzählt Dalia. Geld wollen sie keines für den Tagestrip. Julian Roeder/Ostkreuz [M. und wenn der Revolution hat er wenig Arbeit. »Sie haben die Pyramiden noch nicht besichtigt?«. sagt Dalia. um anschließend mit einem Doktorandenstipendium an die Universität von Chicago zu gehen. jenem umstrittenen Verfassungszusatz.« Im versmogten Kairo ist kein einziger Stern zu sehen.« Dalia sagt auch. Einer der Gründe. der Kolonialismus reicht dortigen Cafés zu treffen. Das Leben der Frauen hier ist hart. Ägypdass der Lebensstandard seit 2005 viele Ägypter ihres ter zu sein.« Die gepflegten Gärten und prächtigen Diese jungen Wortführer verdienen jede Unter. doch sind sich alle einig. Diese Leute werden nicht einfach wieder einschlafen. sie waren den nationalen Diskurs nach rechts drängen. Jahrhundert floss selbst der Nil anders. bis Ägypten die Art von gebildeter Öffentlichkeit hervorgebracht hat. »Aber sie sind eher wie die Republikaner im US-Kongress. die Mittagshitze zu greifen. ten Staaten. Die fromme Muslimin. den ich traf. das Feuer auf die Demonstranten am der Gestank«. »Tunesien ist ganz ginnt mit der Bitte: »Möge Gott unsere Herzen von anders«. ob wir Paris am Nil sind.« Revon sich selbst verändert«. dass einer meiner Gesprächspartner sich bereitwillig zu jedem beliebigen Thema zitieren lassen wollte. rechnen in Jahrzehnten.« Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Zuletzt erschien von der Amerikanerin Susan Neiman »Moralische Klarheit«. Was für die Menschen zählte. ergänzt Dalia. Sie übersetzte einen Comic über den Montgomery-Busboykott ins Arabische. den Ras. Zugleich ist es eine Pervertierung der Vernunft: Eine einfache Erklärung für alles Böse in der Welt muss her. die ihre Enkelin die Stufen der Pyramide hinabführt.« kommt die Antwort unverzüglich: »Geht mit gutem Nicht weit vom Staub und Lärm des Tahrir-PlatBeispiel voran. »Wer bist du.« Gibt es eine antike Zivilisation. KonUSA noch von der EU regiert lässt das Volk zum werden. der die Scharia zur Grundlage des ägyptischen Rechts erhebt. und die Juden erfüllen diesen Zweck. Programmleiter der »Ägyptischen Union der liberalen Jugend«.« Sie war inspiriert und begann. Heute sorgt sich Dalia vor allem darum. mit einer in Zeiten politischer Umwälzungen seltenen Reife von der Geduld. Gebiets. um in Ägypten zu erkunden. dann wüssten sie nichts. Vom Fremdenführer bis zum politischen Aktivisten sprach jeder Ägypter. Diese Woche fanden sich 1200 Menschen zu einer Bürgerversammlung über Wasserpolitik ein. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch I m April brach ich auf. den Motiven von Fremden mit Gast. aus Furcht. erklärt. aber die jüngeren Offinichts mehr außer Blut. dass die patriarchalischen Strukturen tief verankert sind. d. obwohl wir ihre Völker sumgüter sind leichter zu bekomersten Mal Selbstvon Herzen lieben. bestand darin. Wasser. die in Stein verwandelt wurden‹. die apathischste Gruppe in diesem Land. Sie ist Direktorin des EinsteinForums in Potsdam Fotos: Katja Hoffmann/laif (o. »Ägypten war ein mutloses den dortigen Aufstand auslöste. in der Wüste zu schlafen.Bürger gut zu behandeln. auf Arabisch. dass die politische Macht der Fundamentalisten wachsen wird. Dalia Ziada leitet das Nordafrikabüro der Amerikanisch-Islamischen Konferenz. um die Revolution zu sehen. wenn du deine Großväter hasst? Das ist. mit all den Sternen am Himmel. aber die Pyramiden sind etwas anderes. besonders seitdem sie den Befehl vergenau hier ermordet wurden. wer Elbridge Gerry war.meine Kontaktpersonen. dass es noch Jahrzehnte dauern wird. würde nicht einer eine Frau im Präsidentenamt akzeptieren.um eine Kopie der Île Saint-Louis zu erschaffen. »Achten Sie volutionen brechen mit Vorliebe aus. Ich frage sie. sich mit ihren eigenen Problemen zu befassen. dem äußeren Anschein zum tion hätten die Ägypter. als wir über sie wissen. der nicht nur die Kopten. wie die Muslimbruderschaft Gefühle ausnutzt: Sagt Ja zu Allah. die Methoden des gewaltlosen Kampfes zu erlernen und weiterzuvermitteln.« Was aber bedeutet Aufklärung in einem Land von immer noch solcher Religiosität. dass er die Ägypter davon ablenkt. Die jüngste Umfrage ergab. dem es oblag. die eine ben. die man nun haben müsse. warum sich schnaufpause wurden die Freitagsdemonstrationen die Armee seinem Versuch widersetzte. »Das sind meine Großväter. Ist es aber überhaupt eine Revolution. »In Ägypten erfahren wir von Malcolm X. als sich uns auf dem Tahrir-Platz arme Frauen anschlossen. Die Polizei jagte Zwar grollten viele Menschen dem Imperialismus. dass Ägypten auf eine lange Tradition des religiösen Pluralismus zurückblickt. ein enttäuschendes Ergebnis: Von 1300 Teilnehmern. die wie die meisten Frauen in Ägypten mit einem Hijab den Kopf bedeckt. Im heutigen Ägypten jedoch gibt sich selbst der liberale Präsidentschaftskandidat ElBaradei als Befürworter von Artikel 2 zu erkennen. aber und anderen antiken Sehenswürdigkeiten führt. meinen James Madison. die sie am Tag des Referendums durchführte. dessen jüngste Entscheidung im Fall »Widersprüchliche Identitäten«.« Unlängst verkündete merklich gestiegen ist. was sei mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinig. »Er war es. Kinder sind allgegenwärtig. die Erwartungen zuins Licht. dieser Gedanke ist neu für sie.FEUILLETON 12.« Ekramy. mir die Pyramiden und die Sphinx zu zeigen. oder hat we can«. die die Sphinx beäugen.« dass im Westen alles besser funkDie wirtschaftlichen Ungleichtionierte – von den Internetverheiten waren ein Faktor in dem Der neue Stolz Unmut. sondern auch eine große jüdische Gemeinschaft einschließt und ihrer Meinung nach mit einer muslimisch fundierten Kultur vereinbar sei – während die jüngsten Angriffe auf Kopten eine Anomalie darstellten. aber nie von King. Ich liebe es. die Amr viel mehr beunruhigt. hatte er Ingenieurwissenschaften studiert. die Präsidentwieder aufgenommen – um sicherzustellen. verfallenden Häusern fallen. der die Demonstranten bindungen bis zu demokratischen antrieb. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 57 Gegenwärtig besuchen viele Ägypter. wurde mir in dem Moment klar. »und es war während dieser Revolution schämten wir uns alles Ägyptischen. ich sehe sogar eine stattliche Frau mit einem Gesichtsschleier. Seitdem Tausende gewesen – der Hauptgrund. Decken ihn frage. »wenn man den Sonnenaufgang sehen kann. doch wären es ohne die Muslimbruderschaft Rebellion innerhalb der Armee befürchteten. das Tahrir-Platz zu eröffnen. Dalias Leben erfuhr 2006 eine Wende. sei ein seit Langem bestehendes Problem. »Yes nehmen und die Geduld nachlässt. aber dessen Lauf vor zweihundert Jahren geändert wurde. Zwar beeindruckt sie die Festschreibung des Religionsgesetzes in dem kürzlich abgehaltenen Verfassungsreferendum nicht.« Der Mann ist halb so alt wie ich und weiß wie viele seiner Mitstreiter nicht nur so viel mehr über uns.). »Wir Citizens United über die Wahlkampfwerbung von wissen nie. meint ein Kairoer. »Niemand weiß das«. »Die Revolution hat das Bild der Menschen jemanden. Als ältester Sohn.Gamal zu verdanken. sagen die schaft zu übernehmen. rechnete ich mit einer postrevolutionären Malaise. Als Philosophin. und sie scheint ihn so köstlich wie unmöglich zu finden. Aber sie arbeiten daran: Dalia hat Programme ins Leben gerufen. zu. doch bereut er ihr Eigentum konfisziert würde. »Die Islamisten geben Anlass zur Sorge«. und selbst die. um arme Frauen über ihr Wahlrecht und gebildete Frauen über Wahlkampfmethoden aufzuklären. sagt Bassem Sabry. dass dies das Gegenteil von Aufklärung ist. 818 Männern«. wie so viele Völker. Auf der anderen. »Sie hatten sich orga. dass ich nicht weiß. wenn sich der Bildungsstand in Ägypten nicht verbessert.zu den von Rissen gezeichneten. die nisiert. heißt Antisemitismus. Die Schattenseite.« Ich kaufe ein paar Schlüsselanhänger. »Es fehlt ihnen an nichts. Zurzeit besichtigen mehr Ägypter als ausländische Touristen die Pyramiden. »In Kairo arbeiten Land«. und Autos ausgelassene Stimmung. sagt Bassem. um den Tahrir-Platz zu verteidigen. sagt Amr mit Blick auf die SelbstverbrenFurcht befreien«.ständige Sushi unter belaubtem Pavillon. der Revolution der sicherste Ort. »Kant hat mein Leben verändert«. der Mossad stünde hinter den jüngsten Haiangriffen im Roten Meer. kontrolliert das Militär zwischen 30 und 40 Prozent der Volkswirtschaft. dass ich überrascht war. Ohne dieses Bild verlöre sie ihren Daseinszweck. berichtet der Soziologe Todd Gitlin. als verGründe zurück. vor der Revolu. Diese Verbeslassen sich die ägyptische Fahne serungen sind im Wesentlichen der aufs Gesicht malen. »Es sollte ein Wendepunkt der Revolution darstellte. fand aber stattdessen eine ermutigende Situation vor«. was Aufklärung ist. Mohammed und Mustafa haben mir angeboten. was der Westen schon fast vergessen hat. Wir beide wissen.« Auf dem Bild Israels als des ewigen Feindes beruht die Macht der Armee. und Abwehrmaßnahmen mobilisieren konnten. der der Armee Fesseln anlegen möchte: Sie ist. die die Armee. »Anfangs galt meine Sorge weniger der moralischen Dimension als dem Umstand. dass zwar 38 Prozent der Ägypter für eine Regierungsbeteiligung der Bruderschaft sind.« Es hat die Anhänger der säkularen Opposition sie nicht in Demokratie unterstützt und den Befehl erteilt. er weiß sogar mehr über uns. sagt Mohammed. ein anderes leiter in Mohamed ElBaradeis Wahlkampfteam für einen großartigen Blick über den Nil.Trotz. Für Kant überstieg die Erkenntnis Gottes die menschlichen Fähigkeiten. die sich um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen bemühen.« Die Korruption in Ägypten.] . »Hier wird Politik gemacht. Jahrhunderts auf der Trennung von Kirche und Staat. Die Leute schauen in die Sonne und bensbedingungen verbessern. erzählt er mir. der Aufstieg der Muslimbruderschaft aber beunruhigt sie. aus den wohlhabendsten Familien? »Zemalek sismus der Kolonialmächte verinnerlicht.

nur ein winziges Spähloch in der Leinwand. seine Kunst erzählt von Ermächtigung. Es geht auch nicht um Bundesligapunkte oder Finaleinzug. Keiner foult schöner Bei ihm zappelt nicht nur Tom Cruise in den Endlosschleifen: Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG D Ein grandioses Schicksalsspinnennetz spannt sich über die Bühne Die Geschichte erzählt das Schicksal der Schwestern Matsukaze und Murasame. nie will er sich davon beherrschen lassen. Gefallene Helden – die Videoinstallation »Caryatid (Red. Diese Wand steht für die Grenze zwischen der wirklichen Welt und dem Jenseits. »was Natur ist. wenngleich eine anstrengende. Mitten in den Berliner Proben zu Die Figuren schweben zwischen Diesseits und Jenseits dieser Oper bebte in Japan die Erde. scheint in seinen Werken genauso bedeutsam zu sein wie das. Und so erkennen manche in seinen Fußballern auch Inbilder der Geworfenheit. Noch das heißeste Spektakel wird bei ihm kalt serviert. etwa wenn er auf winzigen Bildschirmen viele bekannte Hollywood-Größen zu Hollywood-Zwergen schrumpfen lässt. gefangen in einer der Pfeifferschen Endlosschleifen – für immer muss er dort bäuchlings auf einem Sofa zappeln. Wohl auch deshalb scheint er seine Kunst mitunter als Befreiungskommando zu begreifen. dass nichts zu sehen ist – was bleibt uns also übrig. Die Musik ist fließende. als es ist. den die fessor Klaus Huber studiert und in Stuttgart bei Tsunamiwelle mit sich führte und als TrümmerHelmut Lachenmann. auf den berühmten Bildern am Strand. auch das unübersehbar. Zu offenkundig ist die medienkritische Belehrung. Weg mit dem Farb. Er Japan vor allem den aus Autos und Industrieprohat in Freiburg beim Schweizer Kompositionspro. die Bannerwerbung. Wunderschön ist Pfeiffers Kunst und wunderschrecklich. Solches Streben nach Reduktion und Verdichtung zum Essenziellen ist auch in der Musik von Hosokawa und der Choreografie von Waltz stets zu spüren. so steigen die Klänge aus der Stille auf. Das zumindest scheint als Hoffnung in vielen Werken mitzuschwingen: dass nicht nur die Motive. Hosokawa erklärte. »Wir haben vater ein Ikebana-Lehrer war und dessen Mutter das vergessen«. nicht nur in seiner Kunst. er reißt sie aus jener Hölle. Bernd Uhlig (l. Wie sich die unendliche Sehnsucht der beiden in Hosokawas Musik vielfädig ausspinnt. an dem der amerikanische Präsident seine Reden zur Lage der Nation hält. dass aus dem Kunstschauen ein Kunstschaudern wird. Sie basiert auf einem zu Recht. da ist nun keine Monroe mehr. die Botschaft. Dennoch oder gerade deshalb: Die Bilder haften. dass Hosokawa sich mit Sasha Waltz und ihrem Berliner Tanzensemble zusammengetan hat. Das Publikum glotzt dennoch gebannt auf den leeren Boxring. Hosokawa. der Gesang und der Tanz bringen ihnen am Ende die Erlösung. Keiner foult so hässlich. Bilder von den muskelbepackten Fußballmännern zum Beispiel. auf der Documenta in Kassel ausstellen. Sie ist ein bisschen zu schön. in Endlosschleife. Alles andere hat er aus den Aufnahmen getilgt: die Nummern der Spieler. Wo zuvor die Monroe stand. Dem westlichen Betrachter mag das Projekt wie ein Bekenntnis zur japanischen Theatertradition vorkommen. erledigt. Das gilt freilich nicht für den Coup. Die Illusion zerbirst. Denn so paradox es klingt: Er ist ein Bildermensch. das traditionelle Nō-Theater mache ihn schnell müde. nur um im nächsten Moment böse zu straucheln. was am Ende als Tuschestrich auf dem Papier sichtbar werde. zu vordergründig der Versuchsaufbau. um stark zu sein. Die beiden Schwestern geben in der Handlung ein Bild für den künstlerischen Prozess. Bei ihm ist das vergängliche Spiel ewiges Drama: Pfeiffer entzeitlicht seine Szenen. Doch so groß seine Begeisterung für Massenphänome auch sein mag. ob sie wendung zur westlichen Avantgarde einen neuen in ihrer Produktion auf die aktuellen Ereignisse Zugang zur Kunst seiner Heimat verschafft.sein Gedächtnis eingebrannt habe. So kennt man die Kompositionen von Toshio Hosokawa.und Waltz hätten lange darüber diskutiert. Auch dort sei der Malakt von der geistigen Konzentration bis zu den ausholenden und nachschwingenden Armbewegungen viel umfassender als das. ganz wie einst Andy Warhol. Und schon jetzt richtet ihm die Sammlung Goetz in München eine umsichtig komponierte Retrospektive aus. Doch geht die Hingabe an das Filigrane und fein Ziselierte auch mit einer gewissen Theaterblässe einher. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Zittern der Natur Zu schön. nicht das übliche Gehakel und Geschubse. Keiner foult so schön. der keine Komponierkon. Er will. Bis zum 1. gelegentlich schwanken die Begrenzungsseile. ebenso allerdings die Begeisterung des Betrachters. Manchmal zappeln aber auch wir. Immer wieder baute er sich solche Miniaturwelten. dass Mensch und Natur ehrten Dichters Zeami. Im Gegenteil. Doch nichts geschieht. der Bildern misstraut.und Formenspeck! Runter mit den Bedeutungspfunden! Nicht wenige Künstler der letzten hundert Jahre waren geniale Diätmeister: Sie entschlackten die Motive. die wir eben noch für groß und real hielten. Er zählt zwar schon seit etlichen Jahren zu den wichtigsten Video. den sich die Bühnenbildnerin Chiharu Shiota für die Zwischenwelt der Schwestern ausgedacht hat. Er geht sparsam mit den Tönen um. nichts ist zu erblicken.und Fotokünstlern. damit auf seinen Videos und Fotografien am Ende möglichst wenig zu sehen ist. scheint sich für diese Kunst der Entsagung zu begeistern. er entrückt das Vertraute in geradezu mythische Sphären. Der Japaner gehört nicht zu den Komponisten. Er will Herrscher sein – und die Betrachter dazu machen. das die Librettistin Hannah im Einklang leben. Doch zeigt Pfeiffer glücklicherweise auch ein Talent für das Böse und Absurde. das dort drinnen eine Kamera jene Kleinstwelt filmt. So wie Pfeiffers Fußballheroen jede Ursache abhandenkam. so fehlt auch hier das Eigentliche. und irgendwann scheint sich die Sonne tatsächlich dem Horizont zu nähern. bis sie halb zerdrückt auf dem Gras liegen bleiben. wie die gemächlich untergehende Sonne die Schatten in der Landschaft länger und dunkler werden lässt und wie in der Nacht dann Sturmböen heraufziehen. so als hätte eine höhere Macht sie am Wickel und würde sie durch die Luft schleudern und niederwerfen. auch im richtigen Leben. der Katalog kostet 35 Euro Fotos: Thomas Dashuber/Courtesy Sammlung Goetz. Doch sie geht nicht unter. in großen Bögen sich aufwölbend. immer wieder und wieder. kommendes Jahr wird er. Hinzu kommt. in der sie verdammt sind. wie Paul Pfeiffer. was nicht erklingt. Zurück bleibt der krude Schmerz. das ist unübersehbar. Und Alis bekannteste Kämpfe finden jetzt ohne ihn statt und ohne seine Gegner. Viel Mühe und Zeit investiert er. Er interessiert sich vielmehr für die Eigendynamik der Klänge und weit gespannte melodische Verlaufsformen. Die Oper handelt auch so von nichts sechshundert Jahre alten Nō-Spiel des in Japan ver. Noch heute wohnt diese Erfahrung in seiner Kunst. Doch die eigene Bedeutung scheint ihm unheimlich. Mit gigantischem Aufwand schneidert er ihnen am Computer eine Art digitalen Tarnumhang. seine Botschaft. Wir sind auf einer zauberischen Insel: Wie sich das Land sanft aus dem Meer erhebt. an dem sich Waltz und Hosokawa versucht haben: Matsukaze und Murasame sind Arbeiterinnen in einer Salzmühle. so lange. Selbst der Megastar Tom Cruise wird zum Miniwicht. Rhythmus und polyfone Strukturen spielen in seinen Stücken kaum eine Rolle. um stark zu sein: Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. . sehen auf dieser das Pult. die in ihrer Musik Befindlichkeiten wild gezackt und kompliziert geschichtet ausleben. Die Klangfarben des Orchesters geben uns ein Bild davon.dukten bestehenden Zivilisationsschrott. was erklingt. Wir stehen vor einer großen Videoleinwand. will keine Medienfigur sein. sie strahlt immer weiter. Sie haben es nicht getan – auch für seine Oper Matsukaze. bis nur noch waschbrettstramme Abstraktionen übrig blieben. Ihre Liebessehnsucht hindert sie daran. Er sieht in seiner musikalischen Arbeit Parallelen zur japanischen Kunst der Kalligrafie.anderem als der Utopie. der seine Schöpfung auslöscht. getanzt von Sasha Waltz in Brüssel VON CLAUS SPAHN ie Hauptrolle in dieser Oper spielen die Klänge der Natur. Keine üppigen Erzählungen mehr. Das gilt Bezug nehmen sollen. und unter diesem lässt er sie verschwinden. Es ist ein poetischer Abend der zarten musikalischen Gesten und der kalligrafisch in den Raum gemalten Tänzerbewegungen. Und in gewissem Sinne ist das auch für die Betrachter eine Erlösung. von dem man denkt. hat sich in der Hin. Pfeiffer erlöst Marilyn Monroe ebenso wie Michael Jackson oder Muhammad Ali. um den Stoff auch szenisch-choreografisch ganz aus der Gegenwartsperspektive zu entwickeln. die sich winden und krümmen. Jahrgang 1966.« Er Zitherinstrument Koto spielte. Jahrhunderts. die über ihren Tod hinaus der Liebe zu einem Mann nachhängen und deshalb als unerlöste Geister durch die Welt spuken. in vention unhinterfragt lässt. Auch der New Yorker Medienkünstler Paul Pfeiffer. der Feuerball glimmt sehnsuchtsfarben. immer nur Ikonen und Legenden zu sein.58 12. wachsende. Aus fernöstlichem Blickwinkel hingegen ist die Neuvertonung eines Nō-Spiels eine gewagte Tat. wie Paul Pfeiffer. sie leuchtet. irgendjemand möge doch das Licht ausmachen. Schluss mit dem kalorienreichen Pathos des 19. gelegentlich rauscht eine Möwe vorbei. Alles ist postkartenschön arrangiert. Blue)«. für Pop. Er will nicht festgelegt werden auf eine Rolle. so hat sie den leeren Raum mit einem Gewirr aus schwarzen Seilen durchzogen. zitternde und aufbrausende Natur.) Dübgen mit viel Feingespür für die Stille zwischen den Versen ins Deutsche übertragen hat. sie gewinnen Kristallines. erwarten seinen Auftritt. dessen Groß. bis man sich sehnsüchtig wünscht. die in ihren bunten Leibchen über den Rasen stürmen. Wir hören das Schwirren des Windes in den Bäumen und das Kräuseln der Meereswellen am Ufer. sondern nur blauer Himmel und gischtendes Meer. für Hollywood-Filme. Drei Monate dauert Pfeiffers Film über den Bau eines Wespennests und noch viel länger sein Sonnenaufgang. aber ganz freisprechen von diesem Vorwurf kann man auch seine Matsukaze-Oper nicht. Pfeiffer interessiert sich einzig für den Leib und seine brachialen Verformungen. sagte Hosokawa. Denn zu sehen ist ja nur. sondern auch die Betrachter herausfinden aus den vorgestanzten Mustern des Sehens und der Bewunderung. dass er bei den Bildern aus Hosokawa ist kein altjapanischer Traditionalist. Menschen. Erst die Musik. Yellow. erblickt die Politkulisse im Puppenstubenformat und begreift. er ist auch ein Trainer der Vorstellungskräfte. nur um sie später im Hinterhof mit Kerosin zu übergießen und anzuzünden. vor Ungeduld. geschlagen.feld gleichsam vorwurfsvoll am Ufer zurückließ. Hosokawa erzählte in einer PressekonDas hört sich fernöstlich entrückter an. denn diese Theaterform wird streng traditionalistisch und in ihrer Choreografie bis ins kleinste Fingerspreizen unverändert über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben. Bei ihm ist das Foul kein Regelverstoß. sich vom irdischen Dasein zu lösen und im buddhistischen Sinne eins mit der Natur zu werden. Er hält sich zurück. sogar den Ball und die rempelnden Mitspieler. Pfeiffer begeistert sich für Sport. enträumlicht sie. V Pfeiffer wäre eine solche Deutung schon wieder viel zu pathetisch. als die Leerstellen mit eigenen Bildern zu füllen? Pfeiffer ist eben nicht nur ästhetischer Diätmeister. dessen neue Oper Matsukaze vergangene Woche in Brüssel uraufgeführt wurde. In ihr bewegen sich Barbara Hannigan als Matsukaze und Charlotte Hellekant als Murasame stimmlich wie darstellerisch grandios frei schwebend wie Insektenopfer in einem Schicksalsspinnennetz. ferenz vor der Premiere. wie zu hören ist. Schon als Kind hatte Pfeiffer ein großes Faible für Puppenstuben. 2008 ielleicht sollte man die Geschichte der modernen Kunst als große Schlankheitskur verstehen. Wir treten näher heran an das Pult – und in diesem Moment ist sie dann doch da. Denn wer durch das Loch sieht. er sei ein Sonnenuntergang. Ein großer Zauber liegt über der eineinhalbstündigen Brüsseler Uraufführung. sich stürzend zu verbiegen und irrwitzig zu verrenken. Klein Paul liebte die Rolle des Schöpfers. Oktober.

die Szene könnte en plein air statt im Himalaya auch bei Bruhnskoppel in der Holsteinischen Schweiz gemalt worden sein. weil sie nicht die Geschichte der Kunst. Doch sie zeigen das bekannte Europa. glücklich schockiert nach der Auktion. Mit Aufgeld hat Nagel in seiner zweitägigen Auktion asiatischer Kunst insgesamt 20 Millionen Euro umgesetzt – in etwa also so viel.und Fernsehpublikum der sechziger und siebziger Jahre die Wunder der Welt ins Wohnzimmer. Auch andere Lose erzielten spektakuläre Preise. In Afrika. Man hat diese Kunst als »naive Kunst« bezeichnet. ein Paar Huanghuali-Armlehnstühle aus dem 17. Trügen die Frauen nicht zackige Dreispitze als Kopfbekleidung. In Indianerreservaten in Neumexiko stieß er auf die Technik der Sandmalerei. die in den vergangenen Jahren extrem reich geworden sind und sich nun das entsprechende Kulturgut leisten wollen: Die neuen Kaiser von China bevorzugen Kaiserliches.33 Millionen Euro versteigert chreibt es sich besser an einem Tisch. Überfremdung sei in Reinbek nicht erwünscht. Nach dem Krieg gründete er eine Gesellschaft deutscher Übersetzer und die Freie Akademie der Künste in Hamburg. Ob sie es taten. aus dem der Mann aus Hongkong am Ende siegreich hervorging. einen ägyptischen Teppich von Helmut Schmidt. sagt Trautmann. Sie kommen nicht heran an eine Lithografie des kanadischen Inuit Iye. Dagegen forderte der Sammler bei der Eröffnung. Reiseromane. rote Dächer und neben einem weiß blühenden Baum die Kirche im Dorf. Sie gehören zu den schönsten Stücken der afrikanischen Abteilung. vor allem aber und immer wieder nach Afrika schrieb er viele Bücher. Mit 19 Jahren radelte er quer durch Afrika. es gebe keine Zensur. begründet der Messedirektor Marc Spiegler den Zukauf. Die Figuren mit den überlängten Beinen wirken. anders als die Konkurrenten bevorzugte er für die Nagel-Auktionen schon früh solche Lose. in der eine Familie zwischen Bäumen an einem Fluss spazieren geht. Wer zahlt so viel Geld für diese Möbel? Es sind zumeist chinesische Sammler. Einmal Kulturschock in Reinbek kostet einen Euro fünfzig. Amerika. Fest steht jedoch: Es gibt kein zweites Museum in Deutschland. Kinderbücher. in der er als Homosexueller das Schlimmste zu befürchten hatte. Ihr prominentester Vertreter ist Henri Rousseau. Und bescherte dem Auktionshaus Nagel seinen ersten Millionen-Euro-Hammerpreis sowie den deutschen Rekordumsatz mit einer Spezialauktion. Der Millionen-Euro-Tisch etwa stammt aus dem kaiserlichen Palast. Sein Museum hat etwas von diesem Staunen ins Heute herübergerettet. Gut drei Prozent mehr als in den USA. Michael Trautmann hat dem Auktionshaus in Deutschland über die Jahre den besten Ruf bei den Asiaten erworben. Mai große Galerien wie Gagosian. der sich laut Bildbeschreibung als Jäger und Fischer ernährte. dieses Jahr stellen hier vom 25. so der Vorwurf. Hongkong. und die Zahlungsmoral der Höchstbietenden aus China ist zuweilen sehr gering. höchst ungewöhnliches Ensemble. muss vor der Auktion eine Depotzahlung an das Auktionshaus überweisen. Mit so hohen Zuschlägen hätte auch er nicht gerechnet. schrieb Rolf Italiaander sein erstes Buch: So lernte ich Segelfliegen. versuchte sich als Dramatiker und entdeckte als Verleger den noch unbekannten Wolfgang Borchert. Contemporary Fine Arts und Eigen + Art. Das entgrenzte Lächeln aller Beteiligten entbehrt nicht einer gewissen Komik. der von der Erhabenheit der Alpen schwärmte. der beste Jagdflieger des großen Krieges gelang ihm sogar ein Bestseller. Selbst die Kultbilder und die religiösen Motive aus fernen Ländern wirken vertraut. sagt Michael Trautmann. machte das Objekt aus der Qianlong-Periode zum wahrscheinlich teuersten Tisch der Welt. wie er sich da vor der Königin zu Saba zu einem Handkuss verneigt. Asien. in den zwanziger Jahren gelangte er in den Besitz des deutschen Mediziners Edmund Dipper. der Tierfilmer. und man könne sich dort ein wenig wie in der Schweiz fühlen – wegen der liberalen Steuergesetze und Freihäfen der Stadt. dafür spricht eine andere Meldung des vergangenen Wochenendes: Die Eigentümer der Art Basel. Wie Luis Trenker. wie das Haus noch 2002 mit all seinen Auktionen in einem ganzen Jahr umsetzte. und wer über 500 000 Euro ausgeben will. Hörspiele.33 Millionen Euro gekostet hat? Die Frage möchte man dem Milliardär aus Hongkong stellen. Über seine Reisen nach Ozeanien. dass Italiaander einigen Einfluss nahm. Ist die Zeichnung fertig. die für 43 Millionen Pfund im kleinen englischen Auktionshaus Bainbridge’s einem chinesischen Sammler zugeschlagen. Verblüffend ist die Zahl der Materialien und I Stile. Dass die vermögenden Chinesen nicht nur an altem Kunsthandwerk interessiert sind. »Abstrus!«. Jetzt war der Tisch mit einer Taxe von 20 000 bis 30 000 Euro versehen. Und die Fliegerei begleitete ihn bis an sein Lebensende. wo er auch als Kunstlehrer gearbeitet hatte. als wäre ein starker Wüstenwind durch Giacomettis Gestalten gerauscht. Dramen. animierte er seine Schüler dazu. Das Bietgefecht. Überwältigend der Eindruck von der Vielfalt der Welt. »die Schleswig-Holsteiner müssen sich neu besinnen«. schließlich an viele entlegene Orte der Erde. das war 1931. weil er Farbe in ihr Leben bringt. dem einst wichtigsten Kunstmarkt der Welt. Ähnliches gilt für Ein Markt am Stadtrand von Rio einer brasilianischen Malerin. Hauser & Wirth und David Zwirner aus. Die Haltung des jüdischen Königs Salomo auf einem aus Äthiopien mitgebrachten Ölgemälde auf Ziegenfell. Vom persischen Schah die Ansicht eines Wüstendorfs unter gleißender Sonne. Seit 1987 beherbergt das Museum Rade am Schloss Reinbek die Sammlung Italiaanders – ein grandioses. doch hat der Markt auch seine Tücken: Es kursieren viele Fälschungen. Fotos: Nagel Auktionen. Jahrhundert wurde für 600 000 Euro versteigert. Italiaander hat ausschließlich Naive gesammelt. Das Rechercheunternehmen Artprice gab kürzlich bekannt. Titel: Die schöne iranische Sonne. wie das Leben sich überall gleicht. machen sie sie – glaubensbedingt – am Abend wieder kaputt. und oft brachte er Kunstwerke mit nach Hause. Italiaander präparierte eine Platte mit Leim und brachte einen Navaho dazu. der am vergangenen Freitag im Stuttgarter Auktionshaus Nagel einen Tisch aus dem kaiserlichen China ersteigerte. um an seine Werke zu gelangen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 59 Dieser chinesische Tisch aus ZitanHolz wurde bei Nagel in Stuttgart für 1. bis 29. der die Weltenbummelei inzwischen zu seinem Beruf gemacht hatte. dann aber von diesem nicht bezahlt worden war. der in Peking das Deutsche Hospital leitete und Leibarzt des letzten Kaisers Puyi war. er wurde aus dem extrem langsam nachwachsenden Zitan-Holz geschnitzt. könnte einer höfischen Szene des 18. er steigerte seinen mittleren Schätzpreis also um das Vierzigfache. Er war Konsul mehrerer afrikanischer Staaten und ließ überhaupt recht wenig aus in seinem Leben. von dem sie erzählt. Mit Manfred von Richthofen. Der Mann hat sich einen Pullover um die Hüfte geknotet. Gut 300 Chinesen saßen während der Auktion im Stuttgarter Auktionshaus. brachte Italiaander dem staunenden Lese. Zusammengetragen hat Italiaander seine Sammlung mit bescheidenen Mitteln. sei eine panasiatische Stadt. den sie vermitteln. sodass sie der traditionell im Juni stattfindenden Ur-Art-Basel keine Konkurrenz auf einem anderen Kontinent mehr machen wird. ein Wandbild vom Präsidenten des Senegal. obwohl er weiß. Und so lassen sich mit altem chinesischem Kunsthandwerk derzeit die unglaublichsten Gewinne machen. weltweit die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst. Da ist die hügelige Landschaftsidylle eines tibetischen Künstlers. Die Art HK hat sich – zumindest aus westlicher Sicht – als die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst im asiatischen Raum etabliert. Es ist nicht das einzige Mal. sondern »nur« das Leben reflektiert. der ballspielende Männer ebenso wie Urwaldtiere malte und sein Geld als Zöllner verdiente. dass der Markt für alte chinesische Kunst derzeit unglaublich boomt. und die Art Basel geht nach Hongkong. Die neuen Eigentümer verlegen die Hongkonger Messe ab nächstem Jahr von Ende Mai in den Februar. aber nicht unbedingt der europäischen Sammler zusagten. Es ist ein kluger Schachzug. die dem Geschmack S Der China-Boom Mit Asiatika erzielt das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde. zu geschult sei inzwischen der eigene Blick und zu eng das Netzwerk der Experten. Spektakulär war im vergangenen Herbst der Fall jener Qianlong-Vase. der 1. habe man in den vergangenen Jahren kaum noch Probleme gehabt. Die Navaho-Indianer streuen mit buntem Sand Zeichnungen ihrer Götter auf den Boden. übernehmen 60 Prozent der Anteile der Hongkonger Kunstmesse Art HK. Die Zukunft des Marktes liegt im fernen Osten VON TOBIAS TIMM der asiatischen. aus Deutschland kommen unter anderem Sprüth Magers. Bunte Marktstände. dem sie wie einem Fetisch zu huldigen scheinen. darunter auch bekannte europäische Namen wie Louis Vivin oder Hector Trotin. der zuständige Asienexperte bei Nagel. in dem man auf engstem Raum von der Stammeskunst Melanesiens über Wahlplakate aus Ghana bis zu den Zeichnungen der Inuit im Norden Kanadas eine Sammlung derart bunter Kunstwerke sowohl von Amateuren als auch von Nationalmalern besichtigen kann. das Flugzeug brachte ihn. seine Zeichnung statt auf den Sandboden auf die Platte zu streuen. wir wissen es nicht. Mit der Gründlichkeit des Ethnologen und dem Gespür des Sammlers durchstreifte Italiaander die Kontinente. ein Pudel hechelt verbindlich. Museum Rade . 15 in schwarze und weiße Felle vermummte Gestalten versammeln sich um einen roten Fußball. Mit Fälschungen. dass nach seinen Berechnungen schon im vergangenen Jahr 33 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Kunstversteigerungen in China gemacht wurden. denn das Geschäft in China könnte bald zum wichtigsten der Welt werden. Erhaben schließlich die Einsicht. aus Baumwurzeln Skulpturen zu schnitzen. Es gab Widerstände gegen das Museum. AUSSER MONTAGS VON SVEN BEHRISCH 101 Ein Häuptlingsstuhl aus Melanesien N° m Alter von 18 Jahren. Insolvente Bieter versucht man in Stuttgart – wie in anderen Auktionshäusern auch – mit bestimmten Regeln fernzuhalten: So dürfen Sammler nicht über gewisse Limits hinaus mitbieten. das sich so gar nicht in die backsteinern norddeutsche Leitkultur integrieren mag. Viele der Arbeiten bekam er geschenkt. und wie Bernhard Grzimek. die auf mögliche Kopien hinweisen. ein Huanghuali-Bücherkasten für 240 000 Euro (jeweils ohne das Aufgeld des Auktionshauses von 33 Prozent). Kulturschock für einen Euro fünfzig Der ZEIT-Museumsführer: Das Museum Rade am Schloss Reinbek TÄGLICH GEÖFFNET. Als Autor von Fliegerromanen rettete er sich über die NS-Zeit. Jahrhunderts entstammen. 4500 Stück des vierbändigen Auktionskatalogs hatte man in den Wochen zuvor an Interessenten in China verschicken müssen. Und so konnte er sich auch für die jetzige Auktion wieder einige mit moderaten Schätzpreisen versehene Meisterstücke sichern. 2001 war die Bücherkiste bei Sotheby’s in London noch für 7000 Pfund (inklusive Aufgeld) versteigert worden.KUNSTMARKT 12.

Dalli erlebt unter der Woche am Mittag ihre Renaissance.« Dazu wäre ihm zu raten. ›wie wir’s dann zuletzt‹ – nach 1945 – ›so herrlich weit gebracht‹. aber der Mythos erzählt uns etwas ganz anderes. Räuberhauptmann zu werden. nicht zuletzt wegen des besseren Gedankenflusses. Lieber Unternehmer! Da darf man ganz legal räubern. traten die Sendungen dazwischen. Und trotzdem musste er den Fernseher mutterseelenallein bedienen. Solche Untaten bagatellisiert der einstige Straßenkämpfer. Doch was letzten Samstag um 6. will auch keine mehr wissen. so lautete am Sonntag die schlichte Ansage eines der tausend neuen FacebookFreunde auf der Profilseite von zdf. so erläutert Herr Fischer sein Leben. die das Mutterhaus in den neuen Kanal exportiert: Die heute nachrichten. der seinen Erinnerungen 1922 den Titel Ereignisse und Gestalten verpasste. der Kampf zweier Menschen. die elitären Weltverbesserungsfantasien innerhalb der westdeutschen Linken zu überwinden. Fischer heute wegen solcher Fehltritte zu diskreditieren. dass auch Obama eine Modelleisenbahn besitzt und seinen Feind Osama entgleisen ließ. spricht er von der Zukunft: »Vielleicht fange ich das Laufen wieder an. wir sehen weder Ali Baba noch die vierzig Räuber und ihre sagenhaften Schätze. also die Halbwüchsigen. Dank solcher Wandlungen stellte Richard Löwenthal ebenfalls 1979 erleichtert fest. Ein »Medium von morgen« war dem jungen Zuschauer schon vor dem Start des neuen digitalen Fernsehkanals zdf. So viel zur Ästhetik. Auch darüber schweigt der Film. herangezoomt. sozusagen im Joschkabunker. die keine Zeit hatten. dem verwegenen Freibeuter. beginnt. Das wäre sozusagen ein VoodooZauber nach Märklin-Art. als Verb wie als Substantiv. Poetry-Slam-Live-Übertragungen und ein stets selbstironischer Grundton der Moderatoren. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 61 Das Letzte Arme. anders als noch vor drei Jahren. Reden und Texte beim zeitweisen Joggen hatte verfertigen können. eindimensional und kalt. »Weitermachen«. Und auch die Nostalgie wird gleich von der ersten Woche an bedient: Die Ratesendung Dalli. 12. wie gut er Gedanken. fragte im ersten Vorstellungsfilmchen eine strenge Stimme aus dem Off. Wenn der Bestarrte den Blick senkt. wie es war: Joschka Fischer. Wenn er standhält und zurückstarrt. miteinander in Streit zu geraten. man habe das »prinzipienlose Spektakel« unter Protest verlassen. sprach Jo Schück in der ersten Ausgabe seines Popmagazins Der Marker ebenso trocken wie sinnfrei. nach uralten Regeln. Beworben wird der Film mit dem Satz. Eine gewagte Prognose angesichts einer Zielgruppe.« In aller Ruhe schildert Maier die schwarze Seite der Achtundsechziger-Revolte und die Kämpfe. die. Das Ganze dauert 140 Minuten und ermüdet enorm. setzten durch. dass die NS-Verbrechen verfolgt wurden und in den sechziger Jahren an den Schulen Filme und Texte gezeigt wurden. sollte mit wirklich allem rechnen. wo dienstbare Geister auf einen Wink des Herrschers mit der Wasserpfeife herbeieilten? Nichts davon zeigt uns das von den Amerikanern veröffentlichte Foto. dass die Fünfundvierziger. dürfte die skeptische Generation der 20. mit intelligenteren Methoden zu verteidigen als nur mit dem Traditionsargument. dessen Schiff voller Gold und Silber war. Wie anders der schreckliche Osama bin Laden! Hätte man nicht denken sollen. dass er seinen Feind Obama als Puppe auf den Tender setzte und gegen den Prellbock fahren ließ. umhüllt von einer Wolldecke. Es gibt keinen Grund. Das humane und liberale Gegenstück zu Fischers Selbstporträt präsentierte in diesen Wochen bezeichnenderweise der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU). Später hielt der Nichtpazifist Deutschland aus dem Irakkrieg heraus. er habe drei Ehefrauen besessen. zu sehen waren abwechselnd Fragmente des klassischen Kulturkanons aus Oper und Sinfonieorchester und rappende Straßenmusiker. Die Bielefelder Rede. Wahrscheinlich hatte er eine Modelleisenbahn im Keller. die er als Initiator der Widerstandsorganisation »Bund Freiheit der Wissenschaft« ausstand. ist er vernichtet. sie stelle sich nicht mehr.zeit. Ansehen und vielleicht gar das Bundesverdienstkreuz. Unter Hinweis auf die Killerkommandos der RAF und die islamische Revolution hatte er damals geschrieben: »Zuviel wird noch gefragt. das Horst Seehofer laut Spiegel auch besitzt). gute Jahre.30 Uhr mit dem neuen Video Make Some Noise der Beastie Boys auf Sendung ging. er scheint mit genau dieser Mischung aus Kult und Kultur zu bestehen zu sein. der Zeit als hessischer Umweltminister.kultur will der denkfaulen Jugend eine Freude machen VON NINA PAUER Schlange gestanden hatten die Signalwörter. einer wurde dabei lebensgefährlich verletzt. erbärmlich. etwas. nicht die Achtundsechziger. zusammen Schumann-Lieder am Klavier sangen. Inhaltlich fehlt jede kritische Brechung. während er einige Sekunden lang perfekt in das berühmte Foto montiert erschien. und die älteste schreibt über ihre Konflikte mit dem Vater: »Dass wir. von Eitelkeit und Kontrollwahn getrieben. nachdem wir uns zum Thema Rüstungspolitik oder vorehelichem Geschlechtsverkehr angebrüllt hatten. je größer die Stadt ist. Was übrigens die Räuberei. die »ganz überwiegende Mehrheit« der Neuen Linken habe sich vom »neobakunistischen Gewaltkult« abgewandt. die darüber aufklärten. Allerdings wird das Wort auch (gern unter jungen U-Bahn-Fahrern) benutzt. Seinen Vater. In aller Bescheidenheit sagen kann er das nicht. Man sieht diesen Blick auf dem Schulhof. ebenso die VerbindunVON GÖTZ ALY B Sehenswert The Four Lions von Christopher Morris An einem Samstag von Alexander Mindadze Das Hausmädchen von Img Sang-soo gen. Eine ebenso seriöse wie skurrile Dokumentation zur Erotik des Mondes. Zumindest vorerst. mit der Fernbedienung in der Hand. denen 1945 die Freiheit geschenkt wurde. wesentlich zum Aufbau und zum Gelingen der zweiten deutschen Republik beigetragen haben. in deren Gemächern orientalische Pracht zu finden sei. wie er indigniert bemerkt.kultur. Ebendeshalb bleibt Fischer weit unter seinem Niveau. »die palästinensische Revolution unter Kontrolle zu bringen«. PETER KÜMMEL www. Natürlich sind das haltlose Spekulationen. das den Theaterkanal ablöst. die Zwischenstadien und Übergänge lässt er im Nebel. Immerhin. der auf einem schäbigen Schreibtisch steht. um von Gewalt zu reden. Nur einmal. aber doch leicht ablenkbaren Jugend der Fernsehzuschauer rekrutiert wurden. Maier lässt seine Töchter zu Wort kommen. dass Osama bin Laden diesbezüglich besser versorgt war. Obama. nicht uninformierten oder uninteressierten. Wohl deshalb schweigt er über sein postpolitisches Dasein als wenig beachteter Lobbyist. doch bleibt er merkwürdig unpersönlich. die von den Frankfurter Spontis zum Terrorismus führten. dieses Kabelgewirr! Erbärmlich. die ihm als kulturell bedeutsam diktiert werden. so hatte die vierte Folge der Räuberpistole Fluch der Karibik eben in Los Angeles Premiere. ließ langhaarige HimmelskörperExperten die »animalische« Wirkung der Gestirne erläutern. «Internet und Fernsehen«. Fischers politische Gegner werden nur als Witzfiguren eingeblendet. Einer von ihnen berichtete nach der Rückkehr. in der es sich ereignet – der bohrende Lustblick als die schnellste intime Erfahrung. So wie es umgekehrt nicht undenkbar erscheint. als er gegen die Mehrheit seiner Partei den militärischen Schutz der bosnischen Muslime vor den serbischen Aggressoren verlangte.de/audio . aber wer Räuberhauptmann werden will. Konzertmitschnitten von Bands wie Mando Diao und Björk. die keine Zeit haben. dem edlen Rächer der Gerechten. endlich in die Tat umsetzen will. gehört zu seinen Glanzleistungen und zu den wenigen Höhepunkten des Films. Fischer zählte damals zu den fünf Delegierten des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. wo er seine Märklin H0 im Maßstab 1 : 87 fahren ließ (just jenes Modell. weil dort versucht worden sei. Zu Recht erwähnt Fischer das »moralische Zwielicht«. er befehlige eine Bergfestung. so die Erklärung des Programms. wir sehen einen alten Mann. und zieht doch »keine gänzlich negative Bilanz«: »1968 und die folgende Zeit haben die Establishments aller Richtungen gezwungen. die aus dem Zentrum der medienüberladenen. »Ist das Kultur?«. gewinnt Reichtum. seine Mutter. mit der Fischer 1999 – von einem roten Farbbeutel getroffen und am Trommelfell verletzt – in knapp fünf Minuten den deutschen Kampfeinsatz gegen Serbien auf dem Parteitag der Grünen rechtfertigte. eine nie dagewesene Mischung aus »Popkultur« und «Lebensgefühl«. Alsdann blieb ihm »eine Position in Europa« versagt. was während seiner Lebenszeit alles geschehen sei – einer »Epoche. FINIS War schon alles gut so. Fischer könne es kaum fassen. wie Fischer sagt. Das Umdenken. in der Disco. sollte es sich gut überlegen. miteinander auch nur ins Gespräch zu kommen. den intensiven Augenkontakt zwischen zwei möglichen Geschlechtspartnern. als er davon schwärmt. alte Räuber mag es geben. Er neigt mittlerweile zu Floskeln. die sich mit Angriffen auf einzelne Frankfurter Polizisten hervortat. 1973 gehörte Fischer zur Frankfurter »Putzgruppe«. Verfassungsstaat und Demokratie mit mehr Phantasie. in dem die Nachkriegsjugend aufwuchs. oh Drama«. Er erzählt aus der Kindheit. Was ist mit den Weibern im Orient los? Es kann natürlich sein.oder Popkultur. Während Pepe Danquarts Film Joschka und Herr Fischer steht Fischer im Ambiente einer Art Tiefgarage. dass der furchtbare Osama in dieser Hinsicht eher furchtsam war. und da weiß ich keine Antwort mehr. Offensichtlich musste dieses Land nach der Gewaltorgie des »Dritten Reiches« durch solche Auseinandersetzungen »ein Stück weit hindurch«.. Unter dem Schlachtruf »Weniger Feuilleton!« solle sich der junge Erwachsene nicht mehr voll schlechten Gewissens von Inhalten abwenden. oder von Klaus Störtebeker. genauer die Seeräuberei betrifft. Die Fotos von der propalästinensischen Konferenz in Algier 1969 fehlen. mittendrin die größte Gestalt – der Kaiser als ewiger Rechthaber. die Grünen zu der Partei zu formen. die darauf folgte. den wilden Jahren. das umso häufiger vorkommt. Der Quotentest beim Jungmenschen. In der Art von Hofschranzen berichten sie ausschließlich Lobenswertes. Sein 1979 verfasster Aufsatz Durchs wilde Kurdistan trug dazu bei. aber genauso wenig von Mainstream-Plattheiten angeödet fühlen.FEUILLETON Weniger Feuilleton Das Fernsehprogramm zdf. er schwärmt von Robin Hood. Frauen sind zum Ehrendienst nicht zugelassen. »Osama. das den Stab des amerikanischen Präsidenten bei der Beobachtung von Osama bin Ladens Tötung zeigt – und sprang anschließend kommentarlos zum nächsten Thema über. die Arme über dem Bauch verschränkt.« So wurde er Taxifahrer. Aber eingeleitet hatte Fischer diese Wende bereits 1995. aber bevor es zu ulkig wurde. Und das war immerhin etwas. die heute von so vielen gewählt werden kann. in der Kneipe: Einer durchsengt einen Schwächeren mit dem Hass-Laser. konzediert er.« Zu diesen Veränderungen hat Joschka Fischer beigetragen – im Bösen und im Guten. die auf derartige Ansprachen wie keine andere notorisch mit allergischem Argwohn reagiert. Er nannte seine Erinnerungen Böse Jahre.bis 40-jährigen Mediennutzer tatsächlich goutieren. einer Reportage über die erste Heavy Metal Band in Bagdad. wo es langgeht und was machen. gut möglich. konnten meine Freunde nicht verstehen. Wer auch immer seinen Kinderwunsch. seine Frauen und Kinder behandelt er als Unpersonen. Darin flimmern auf Leinwänden wechselnde Fotos und Filmausschnitte. später als Außenminister bis 2005.Kultur am vergangenen Wochenende versprochen worden. Der Filmheld hat erhebliche Verdienste vorzuweisen. Das philosophische Quartett und aspekte werden regelmäßig auch im Kultursender zu sehen sein. Der Protagonist schnipselt sein Leben für das Goldrähmchen zurecht. Eine ganze westdeutsche Protestgeneration hat sie mit ihm begangen. Gelegentlich kommen Duzfreunde zu Wort. und das Möbel sieht aus. Herausgekommen ist dabei – so zeigt es wenigstens das erste Sendewochenende – ein schneller Rhythmus von Bildabfolgen. Er allein führt die Regie.« Möglich immerhin. Sie. selektive Einblicke in mehr als 60 Jahre Leben gewähren. Lächerlich! Foto: Nadja Klier/X-Verleih WÖRTERBERICHT Blickfick(en) Ein Begriff aus eiligen Zeiten. die ihn ebenso prägte wie er sie«. denn es wird berichtet. Fischer folgt den Meilensteinen seines Lebens. Bild veröffentlicht dazu ein Foto der formidablen Penélope Cruz und schreibt in vertraut subtiler Diktion: »Ihr Dekolleté – pralle Beute für Seeräuber. Vor allem aber trug er 25 Jahre lang in schier unendlichen Auseinandersetzungen dazu bei. Ein Räuber mit Fernbedienung! Und was bedient er? Einen 14 Zoll kleinen Röhrenfernseher. umgeben von den Bildern seiner selbst Im Joschkabunker Ein wahrer Staatsmann muss auch im eigenen Film herrschen: »Joschka und Herr Fischer« laues Hemd. Die Frage nach Hoch. als käme es direkt vom Baumarkt. Er verfährt nach dem Prinzip von Wilhelm II. Er bezeichnet. diese Steckdosenleiste. Und diese Unordnung.

Tatsächlich hatte sie die Worte »Ich freue mich« mit einer Leichenbittermiene gesprochen. Doch Internetforen und Seminare dienen als Kontaktbörse auch für Extremisten.GLAUBEN & ZWEIFELN alle Fotos: Markus Kirchgessner/laif für DIE ZEIT/www. ist Germanistikdozent im Staat Missouri. Der politische Salafismus ist die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland und hat enorme Sogwirkung auf die zweite und dritte Einwanderergeneration. greift uns niemand an. Als Vogel endlich die Bühne betritt. er gibt sich jetzt höflich interessiert VON ANNABEL WAHBA Pierre Vogel (rechts) sprach letzten Samstag in Frankfurt am Main über Islam und Terror. um den Tod eines Feindes zu feiern. Später auf der Veranstaltung am Rebstockpark verhalten sich seine Anhänger so vorbildlich. D. mit seinem Geheimnis herauszuplatzen. dass der 19-jährige Abiturient Amid Ch. Man tut. Ein Satz des deutschen Militärtheoretikers Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1608 geht mir nicht aus dem Sinn: »Durch krieg kompt der frieden / und sollen die jenige / so in fried und ruhe leben wollen / in wahffen geübte leute sein. Ihre Veranstaltung zu boykottieren. wie alles Wichtige. zwei US-Soldaten erschoss. wen ich anspreche. »Wir rächen Blut mit Blut. Den Namen bin Ladens nennt er tatsächlich nicht. dann werden Leute kommen. Trotzdem ereiferte sich die Republik. Sie sind Vertreter eines neuen selbstbewussten Pop-Islams. das er gibt. schlechte Morde. erkennt man am klarsten. auf Mord steht »lebenslänglich«. in die der Terrorismus uns gestürzt hat. der zum Muslim wurde. sagt Pierre Vogel. Vogel: Trotzdem kriegt der eine vielleicht Sicherheitsverwahrung und der andere 15 Jahre. in dem es heißt. Doch nach wenigen Sätzen hielt ich es nicht mehr aus. Ein guter Muslim. schrieb er in Jenseits von Gut und Böse. Böse musste man schon sein. Auf dem Höhepunkt der Konfessionskriege im 16. Vogel mag sich in der Öffentlichkeit von Gewalt distanzieren. Ein deutscher Muhammad Ali! Pierre Vogel alias Abu Hamsa hätte die Menschen verbinden können. Nietzsche wollte sagen. weil sie Steuern zahlen. können wir Osama bin Laden nicht als Unmenschen behandeln. Das mag daran liegen. 7. dabei ist Ihre Sicht nicht die der meisten Muslime. sind solche Aussagen doch salafistisch. dass sie sich über ein falsches Wort mehr aufregen als über eine fragwürdige Tat. ZEIT: Die Merkmale eines Mordes sind in beiden Fällen gegeben. uns zu sagen. Stattdessen schimpft er auf die Medien. der es nicht erwarten kann. endlich die moralischen Dilemmata zu sehen. ZEIT: Warum sagen Sie den jungen Leuten nicht klar und deutlich. der sich einen Weihnachtsbaum aufstellt und mit dem man auch mal einen trinken kann. liebe Sprachpolizei. Darin sagt der Altkanzler. das wir für Blut vergießen. der die Argumente von alQaida widerlegt hat. aber er hat sich entschieden. hält sich auch als Prediger für unverwundbar. I’m islamic oder I love Islam. als sei man der größte Demokrat. Das Publikum in Frankfurt applaudiert. wenn ich ein Totengebet mache. Pierre Vogel: Ich weiß genau. das ist Heuchelei. dessen Blut soll auch durch Menschen ver- gossen werden. Er braucht die Medien nicht. er ist ein Showtalent. wie sich soeben in der bigottesten Debatte des Jahrzehnts gezeigt hat. Arid U. ich muss auch eine gewisse Rhetorik benutzen. Jetzt haben wir also Videos grölender Amerikaner gesehen. ZEIT: Sie verurteilen den Anschlag. um sich mit seinen Gegnern zu schlagen. dass wir auch die Würde eines Mannes wahren müssen. verlassen Sie Ihre Werbeagentur und suchen sich einen ehrlichen Job. in die Hölle geht. der vor zehn Jahren zum Islam konvertierte und heute einer der populärsten deutschen Prediger ist. ohne es wirklich zu sein«). darf man auf dem Friedhof lachen? Gegenfrage: Was ist ein gerechter Krieg. zumal die Medien ihm eine ganze Weile folgten. Jetzt steigt er auf die Bühne und spricht.markus-kirchgessner. Es mag auch daran liegen. hatte Vogel auf Facebook als Freund hinzugefügt. in denen er Anschläge verurteilte. Mai 2011) 12.. wer für ihn betet. Mit dem jüngsten Akt des Blutvergießens ist also nichts erreicht. Ein guter Muslim. Vogel: Aber ich war es. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 62 ETHIK UND OSAMA Was ist Heuchelei? Über den Heiligen Krieg und die deutsche Sprachpolizei Wenn der deutsche Rechthaber recht behalten will. sagt er.« Wir Amerikaner haben die Hoffnung auf eine Welt ohne Terror benutzt. Auf der Wiese nebenan wird gegrillt. Vogel ärgert sich. EVELYN FINGER Totengebete verboten Wie Deutschlands bekannteste Islamist Pierre Vogel auf das Ende bin Ladens reagierte rüher stieg Pierre Vogel in den Ring. Eine deutsche Justizministerin a. indem man fragt. Ursprünglich hatte Vogel. und so kann ich mit ihnen über Terrorismus reden. die mit Osama bin Laden sympathisieren. Deprimiert setzte ich mich wieder an den Schreibtisch. In Wahrheit kommt sie aber von Bosheit. Vogel: Was ist denn ein abscheulicherer Mord: wenn jemand einem Kind die Kehle durchschneidet oder wenn jemand denkt. Die meisten Dschihadisten mit Deutschlandbezug kamen aus dem sa- Zwiegespräch mit der Menge. weil die Sätze. Dass aber deutsche Moralapostel so tun. Jahrhundert boten sie eine moralische Rechtfertigung für die entstehende Rüstungsindustrie. Wir bekämpfen Finsternis mit Finsternis. Vielleicht hatte Nietzsche doch recht. was selbstgerecht ist. Der Boxer. regte die Deutschen weniger auf. Der radikale Prediger ist bei jungen Muslimen beliebt F und blickt die Reporterin direkt an. weil bei einem seiner Vorträge das indizierte Buch Frauen im Schutz des Islam auslag. 32. ehe sie endlich die Frage stellten: Ist dieser Jubel moralisch? Pfarrer Jim Hunter. vorgeworfen. Osama bin Laden hatte gesagt. Er spricht die Sprache der Jugend. weil er Gesetze als von Gott gemacht ansieht. er wolle Jugendliche zum Gewaltverzicht bekehren. DIE ZEIT: Sie wurden für Ihren Aufruf zum Toten- lafistischen Milieu. null Mut. weil ihm der Zeitungsfotograf im Weg steht. begreift man am besten. dass die Tötung bin Ladens die strenggläubigen Muslime nicht in dem Maße aufbringt. die man auch als moralphilosophischen Kern der Menschenrechte ansehen kann: Eine Zweck-Mittel-Relation ist auf den Menschen nicht anwendbar. sogar von ultrareligiösen wahhabitischen Salafisten. Frauen »genießen es. Das vermisse ich in diesem interreligiösen Dia-Lüg. Er sucht das Ein Gegendemonstrant hält in Frankfurt das Kreuz Jesu Christi wie ein Banner hoch gebet massiv kritisiert. hat einem amerikanischen Botschafter a. als stünden Sie für den wahren Islam. Seit einiger Zeit strebt das Bundesinnenministerium ein Verbot des Vogel nahestehenden Vereins »Einladung zum Paradies« an. Auf seiner Homepage steht das Video eines Interviews mit Spiegel TV. das von der Instrumentalisierung der Idee des Friedens für den Krieg handelt. der sich selbst ins moralische Abseits gestellt hat. als habe Angela Merkel eigenhändig den Al-Qaida-Chef getötet. in der Bibel (»Heuchler geben sich ein trübseliges Aussehen. Als sich ein Passant beschwert. ZEIT: Bin Laden ist ein Massenmörder. dass er heute am Stadtrand predigt. Er distanziert sich zwar von Gewalt. regt er sich über die Schlechtigkeit seiner Mitmenschen auf. Vogel: Diese Leute haben null Einfluss. die unmissverständlich klarmachte. man akzeptiere es. ZEIT: Sie tun.. wenn da jemand mit Krawatte gegen Gewalt ist. als sei alles ganz einfach. zu spalten. stellt sich in seine Nähe. Er behauptet. ist ihm egal. Vogel wurde viel kritisiert für seinen Aufruf zum Totengebet. Vielleicht können wir es so zusammenfassen: Heuchler erkennt man daran. wann sie erfahren hätten. Jedes Interview. Doch wenn wir Amerikaner so jubeln wie letzte Woche. um die USA zu kritisieren. um überhaupt Leute zu beeinflussen. dass hier nicht Freude im Sinne von Frohlocken gemeint war. wenn der Mann mit dem langen Bart von Osama bin Laden spricht. das sei natürlich nur Spaß. witzelt Vogel: »Sollen wir ihn hauen?« Vogel meint den Passanten. dass man sich hier an die Gesetze halten muss. Eine Interviewanfrage der ZEIT hatte Pierre Vogels Pressemann kürzlich noch mit den Worten abgelehnt: »Wenn Sie ein ehrlicher und verantwortungsbewusster Mensch sind. Und was heute noch heilig sein könnte. das ist keiner. aber ein Profi im Austeilen ist er noch immer. Pierre Vogel. geschlagen zu werden«. ZEIT: Die islamische Religionsgemeinschaft Hessen rief auf. Bereitwillig lassen sie sich von den Polizisten durchsuchen. Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Patrick Brugh. der seine Karriere als Profiboxer ohne Niederlage beendete. wie er geglaubt hat. weil er junge Muslime zu oft als Problemjugendliche stigmatisiert. dass die Scharia von Gott ist und absolute Gültigkeit hat. Pierre Vogel ist der Star einer Szene. nicht im Licht« Warum ein junger Amerikaner in Deutschland sich für die Jubelvideos aus seiner Heimat schämt VON PATRICK BRUGH U m die Nachricht von Osama bin Ladens Tod zu glauben. bei Vogels letztem Auftritt in Frankfurt waren es dreimal so viele. ob man sie besser findet als das Grundgesetz.« Hunter scheint den dialektischen Charakter dieses Verses übersehen zu haben. sondern allenfalls Erleichterung. wenige Stunden vor seinem Auftritt. Was nutzt das. herausgeschnitten wurden. fragt er als Erstes seine Anhänger. Einen Tag nach der Veranstaltung in Frankfurt wird bekannt. hat das Problem scheinheiligen Moralisierens unterschätzt. Moral begründen schwer. dass sie fasten«) und im Wörterbuch Hochdeutscher Mundart (»Scheinheilig ist. dieser Soldat ist ein Verbrecher. um Sterne zu erschaffen. entspannt lehnt er sich im Stuhl zurück. Wir feiern in Finsternis. Pierre Vogel stört das nicht. ein Demokrat ist er nicht. wenn man ehrlich ist. die dem Journalismus misstraut. und er weiß seine Worte zu wählen. dass die dümmsten Bauern die größten Moralapostel sind und dass Ehrpusseligkeit von Mangel an Verstand kommt. Auch die jungen Angestellten von Kentucky Fried Chicken sehen ehrfürchtig zu ihm herüber. das Verwaltungsgericht genehmigte ihn doch. also den Staat repräsentieren. »Das moralische Verurteilen ist die Lieblingsrache der geistig Beschränkten«. Aber ich muss auch gucken. die Islamphobie vieler Deutscher anzuheizen. Der Verein Einladung zum Paradies hat einen YouTube-Ausschnitt von Helmut Schmidts Besuch bei Beckmann auf die Homepage gestellt. dass ihm für den Zweck des Heiligen Krieges jedes Mittel recht sei.und Vergeltungsszenarien erinnern an heutige Abschre- ckungspolitik: Wenn wir genug Waffen besitzen. das von Martin Luther King stammt: »Hass mit Hass zu vergelten wird nur den Hass vergrößern und eine bereits sternenlose Nacht in noch tiefere Finsternis tauchen. wie bei einem Jungen. Pierre Vogel steht am vergangenen Samstagabend wie immer etwas breitbeinig auf der Bühne. junge Frauen mit und ohne Kopftuch. Moralisten zu verhöhnen. Das ist Schwachsinn. an das nächste Kapitel meiner Doktorarbeit. Aus alten Kriegsbüchern wissen wir. wie das die Muslimverbände tun? Vogel: Das sind doch Sesselfurzer. für das sich jemand rächen wird. Vogels Anhänger tragen T-Shirts mit dem Aufdruck Don’t panic. antwortete mit einem Bibelwort aus der Genesis: »Wer Menschenblut vergießt. Vogel: Das Wichtigste ist. Die Gäste blicken von ihren frittierten Hühnchen auf. Vogel: Also nach deutschem Strafrecht gibt es unterschiedliche Haftstrafen . Aber wie verhindern wir. was ist ein heiliger Krieg und was ist Heuchelei? Was gerecht ist. Ob das den Prediger beunruhigt? Nein. es mache einen Unterschied. er tänzelt auf den Zehenspitzen hin und her. wo der 21-jährige Arid U. er darf nicht zum Objekt degradiert werden. Für die Werbung in eigener Sache nimmt er gern in Kauf. um überall auf der Welt Krieg zu führen. Die Antwort steht. Finsternis kann Finsternis nicht vertreiben: Das vermag nur das Licht. Ich habe Morddrohungen bekommen von Terroranhängern! Ich rufe permanent dazu auf. wie er es ihnen auf seiner Homepage geraten hat. Pierre Vogel verehre. allerdings außerhalb der Stadt auf einem Freigelände am Rebstockpark. Die Menschenwürde ist so universell. Sie merkte gar nicht. ob jemand Zivilisten töte oder Soldaten. Selbst Friedrich Nietzsche. Und auch die negativen Medienberichte treffen ihn nicht. wird gefilmt. Dass er getötet wurde. und erschießt den? ZEIT: Mord ist Mord. Auch wenn sich Pierre Vogel nicht als Salafist bezeichnet. der sich einen Spaß daraus machte. Mir als Amerikaner in Deutschland war der rowdyhafte Hurrapatriotismus peinlich. ZEIT: Gute Morde. indem man fragt. antwortet sein Pressemann in seinem Namen. dann veröffentlicht er die Originalfassung. wie oft Friedenshoffnungen als Argu- ment für Aufrüstung missbraucht wurden. was ein strenggläubiger Muslim eigentlich nicht tut. musste ich erst die Ansprache meines Präsidenten hören. Pierre Vogels Disziplin ist jetzt die Rhetorik. D. die auf Bäume klettern und Fahnen schwenken. Dass der Verfassungsschutz wieder einmal aufmerksam wurde. und 17. einer der drei Terrorverdächtigen.. was für ein fatales Argument das war: Dieser Tod hat uns nichts genützt. sie habe sich über den Tod Osama bin Ladens gefreut. dann zog er den Aufruf wieder zurück und wollte nur noch über Islam und Terrorismus reden. Das ist doch gegenseitige Einschleimerei. Aber das sind viele Verbände nicht. dafür ergötzten sie sich eine geschlagene Woche an der rhetorischen Frage: Darf man sich über den Tod eines Menschen freuen? Ja. um der Bundeskanzlerin zu unterstellen. was scheinheilig ist. dessen Wohnung von der Polizei durchsucht wurde. der den Islam nicht annimmt. gleichzeitig rela- tivieren Sie den Mord an den Soldaten. das war nach dem Anschlag am Frankfurter Flughafen. welchen Jugendlichen beeinflusst das? Ich widerlege die Argumente der Gewaltbereiten. damit die Leute merken. Jeder Muslim glaubt. Vogel wurde in dem TV-Beitrag mit dem Satz zitiert. als müsse Angela Merkel nur die richtigen Worte sprechen. ist traurig genug – ein Dilemma ist eben unlösbar. Solche alten Droh. So argumentiert al-Qaida: Wir dürfen Amerikaner umbringen. Nicht mal den Mumm. Und wenn er uns genützt hätte? Wäre uns bin Ladens Würde dann wurst? Moral predigen ist leicht. es ist Samstagmittag. Denn hier liegt ja schon das erste Dilemma: Das Leben eines Menschen ist uns so viel wert. Doch seine Botschaften sind zwiespältig. Familien mit Kindern. weil Interviews immer gekürzt werden. den äußern Schein der Heiligkeit annehmend. Wenn es um die Scharia geht. dass einer einen Heiligen Krieg führt? Und wer schützt die Würde seiner potenziellen Opfer? Dass diese alten Fragen offen bleiben. dass der. Salafismus gilt als unvereinbar mit der parlamentarischen Demokratie. was schnell passiert. Hass kann Hass nicht beenden: Das kann nur die Liebe. dass wir in Finsternis feiern und nicht im Licht. bevor sie gemeinsam zum Rebstockpark aufbrechen. weil er ein Subjekt mit einer Würde ist. dass wir sogar den Tod eines Massenmörders nicht feiern wollen. Vogel: Man kann Leute nur zusammenbringen. in dem man nicht mittels Lügen andere Menschen zerstört!!!« Jetzt sitzt Pierre Vogel lächelnd vor einem Kentucky Fried Chicken am Rande Frankfurts. der bringt vielleicht morgen meine Leute um. ein geistlicher Berater Obamas. hier gibt er nun doch das Interview. dass sie über der Kritik am Krieg-gegen-den-Terror beinahe den Terror vergessen und dass ihr wohlfeiler Pazifismus sie hindert. heißt es in den Auflagen. dass die Veranstaltung hier draußen ist. (27). die kürzlich in Düsseldorf festgenommen wurden. Allerdings sind diesmal nur 400 Leute gekommen. das ist ein Fundamentalist. Der Name bin Laden dürfe in seiner Rede nicht fallen. In dem amerikanischen Schnellrestaurant trifft er sich mit seinen Weggefährten. Außerdem braucht es keinen Pierre Vogel. Damit verneinte er die Kantsche Definition des Menschlichen. da wird dann gesagt. durch bin Ladens Tod würden die islamistischen Anschläge nicht weniger. Er ist zwar längst kein Profiboxer mehr. Facebook und Twitter verbreiten aber auch ein anderes Zitat. Wenn wir also die Universalität der Menschenrechte verteidigen wollen. Pierre Vogel kann sich seinem Gegenüber gut anpassen. Vogel kokettiert gern mit seiner Boxervergangenheit. dann vergessen wir. er finde die Tötung bin Ladens in Pakistan »zweischneidig«. Derzeit forscht er an der Herzog-AugustBibliothek Wolfenbüttel über frühe Kriegsromane . zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufgerufen. über Reizthemen zu reden. »Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung«. Dann wird er wieder ernst. weil sie ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei. Das Ordnungsamt verbot seinen Auftritt in der Frankfurter Innenstadt. und wenn er sich falsch zitiert fühlt. Keiner hat sich gegen Terrorismus so klar positioniert wie ich. Blut. Denn in der sonst so ruhigen Stimme lag diese unheimliche Spannung.« Dilich nennt den kriegerischen Menschen Friedenskämpfer und rechtfertigt den Kreislauf der Gewalt. er hat seine Homepage. dass Sie gegen Terrorismus sind. dass eine gewisse Art Moralismus die Rache der geistig Beschränkten ist. ist weiteres Blut.de (Frankfurt. Er. Junge Männer.

) Eingewachsen: Max Frisch 1979 in seinem Haus in Berzona Sein letztes Refugium Vor 100 Jahren wurde er geboren – ein Zuhause fand Max Frisch erst spät. Und doch steht am Anfang einer Spurensuche im Valle Onsernone auf dem Klingelschild in Berzona etwas wie ein Lebenszeichen: Hier wohnt. berichtete er. Schon da gab es etliche Zugezogene. Max Frisch? Ja. man habe sie. jetzt voller Stolz: »Una valle selvaggia!«. machte ihn auf das verfallene Anwesen VON BERNADETTE CONRAD M aufmerksam. Frisch. Zum Einkaufen in Berzona gab es einzig den kleinen Dorfladen der Einheimischen Marta Regazzoni. das existenzielle Angst auslöst. die Italienisch sprechen: kein Ristorante. zieht sich der Ort den Hang hoch. die mit ihrer Familie hergezogen ist und nun mit fünf anderen Frauen zusammen das alte Handwerk des Strohflechtens in einem kleinen Atelier wieder betreibt. hat Frisch gegen Ende seines Lebens geschrieben. »die unsere kleine Loggia hält«. Von 82 Einwohnern kann keine Rede mehr sein. der mir am meisten vertraut ist. den ich am besten kenne. Weinkeller und einem Studio im Turm. Nach fünf italienischen Jahren wollte er wieder in der Schweiz wohnen – »aber nicht ganz!«.. Das Valle Onsernone ist das vielleicht wildeste der Tessiner Täler. Künstler wie Andersch oder Golo Mann. der beinahe ein Turm ist . als Max Frisch und Marianne Oellers kamen. natürlich. es soll kein Gefängnis werden. mit dem Auto über den San Bernardino: »Vor allem in den Kurven: der Körper erfasst Landschaft durch Fahrt. An die Stelle des Krämerladens – als einzigem öffentlichen Ort Berzonas – ist eine kunsthandwerkliche Kooperative getreten. Der Dichterkollege Alfred Andersch. Zu widerstehen gelte es allerdings jeder Versuchung von Arroganz. Dass durch die stranieri. eine beklemmende Wildheit: In der Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) lässt Frisch den 74-jährigen Herrn Geiser ein Unwetter im Valle Onsernone erleben. So unheimlich still. in einer wilden Gegend des Tessins an fasst sich ein Herz. eng neben einer Freundin aus Berzona. 53. Nur keine Reisebusse. Auch wenn er nicht so bequem ist«. wo ich mich am ehesten zu Hause fühle. Gut eine Viertelstunde hinter Locarno zweigt die Straße ab. er kam oft in den Laden. eine zierliche Frau. vorbei am Friedhof von Berzona. Im August 1978 wurden fast alle Brücken des Tals fortgerissen. sondern abseits. da es nicht an der Talstraße liegt. so geht die Legende. Übergänge ineinander verschlungen sind. Diese Zeit war vorbei. der imposant neben der Kirche am Ortseingang aufragt. ein sintflutartiges Gewitter. tief unten rauscht der Isorno. Ein schönes Tal. muss man zwei Dörfer weiter fahren. bleibt verborgen. der seit Längerem dort lebte.« So schrieb Frisch 1966 in sein Tagebuch. Marta Regazzoni strahlt. Er schrieb: »Was mir gefällt: das schwere Dach aus Granit und wie das Ganze in den Hang gestellt ist. »Das Gelände ist steil«. Mit kleinen Gebäuden aus Granit und Gneis. kein Platz zu klein. Auch die Granitsäule. Gärtchen. ein Feigenbaum. 20 Kilometer geht es hinein in die Schlucht. Zürich. Rennräder. Jahrhundert investierten die Frauen des Dorfes ihre ganze Arbeitskraft in das einzige Gewerbe. Ein Jahr dauerte der Umbau: mit Saunaofen. das ist unbedacht und vollkommen. Wuchernder Baumdschungel zu beiden Seiten. fand Frisch. der Mühe hat. das Haus und ein steinerner Stall. nicht einmal eine Bar. Wald umschließt das große Grundstück vollkommen. reisten zwar weiter durch die Welt. wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Wird mit dem Berg auch das Leben wegrutschen? Das Jahrhundertgewitter gab es wirklich. »molto gentile«. Das ist eine große Landschaft. 64 Blick über Berzona . immer noch. dass nur noch ein heiseres Flüstern herauskommt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 REISEN Fotos: Fernand Rausser/KEYSTONE (gr. wie es der jüngere Frisch erlebte. ein freundlicher Mann. halsbrecherisch die Kurven. Denen verweigert sich das Tal. Im Wintergarten des Altersheims von Russo sitzt Marta. es bleibt still. die Straße hinunter bis zur Talstraße und durch Mosogno. irgendwo rauscht ein Bach.63 12. das in diesem armen Tal je blühte: die Strohflechterei. Handtuchschmale Balkons. Doch immer kamen sie zurück nach Berzona. Berlin. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal von der Talstraße ins höher gelegene Berzona abgebogen. lauschen. Azalee oder ein Jasmin da blühen könnte. Zehn Jahre später dominierte bei ihm eine andere. Und ähnlich wie Geiser machte Frisch eine Krise durch: 1979 war das Jahr der Scheidung von Max und Marianne Frisch. sei nicht von Schaden. hinter einem Gebüsch die alte Bocciabahn. Max Frisch. Frisch am Steuer seines Jaguars. Ihr Laden ist längst aufgegeben. schließlich das Klingelschild: »Max Frisch.« Seit dem 17. Ich bin begeistert . Durch die verglaste Außenwand blicken sie auf den dichten Wald. und es tritt jedes Mal ein: Daseinslust am Steuer. Dschungel mit Brombeeren. wenn Du dann bereit bist: Unser Zuhause. Und noch immer sind Haus und Garten perfekt vor neugierigen Blicken geschützt. Fortsetzung auf S. Disteln usw. Einstimmung wie beim Tanzen«. Häuser renoviert würden. Und für beide scheint das Sprechen so ungewohnt geworden. Keine Chance. Will man Marta Regazzoni treffen. Karin Pilliod«. ein wildes Tal! Wild. Motorradstaffel. Bernadette Conrad für DIE ZEIT (kl. wie es im Onsernone-Tal oft ist: Grillen. Es ist still im Raum. Max und Marianne Frisch. Die glänzen vor Freude über Besuch. Und er wünschte sich ein Haus zusammen mit seiner jungen Liebe Marianne Oellers. öffnet das unverschlossene Gartentor an der Straße und läuft die Stufen bis zum Haus hinunter. als dass nicht doch noch eine Palme. Postbus. dessen Halme die Frauen verflochten. Vögel. schrieb er ins Tagebuch. Max Frisch ist seit 20 Jahren tot.« Berzona wurde das Refugium. ganz am Ende: Spruga auf über 1000 Metern. Bei Marta ist aller Ausdruck in die riesigen braunen Augen gewandert. wenn er heimkam von irgendwo. hat 82 Einwohner. Nur Berzona tanzt aus der Reihe. eine leuchtende Azalee. Marta läutete auch die Glocke im großen frei stehenden Kampanile.« Die anderen Häuser des Dorfes stehen eng zusammengekauert. »Wenn ich einkaufen gehe. das aussterbende Tal wiederbelebt.). »Vielleicht 35?«. eine zusammengebastelte lebensgroße Puppe. vermutet eine junge Frau. meist Deutsche und Deutschschweizer. Klingeln. Acht Dörfer und ein paar Weiler liegen hintereinander aufgereiht wie auf einer Schnur. noch im Einschlafen flechten sehen. kam dies gelegen. an dem Frisch »außerhalb von allem« sein konnte. Aussteiger. »Es ist der Ort. hinter denen einem alles entgegenkommen kann. scheinen sich der Vorherrschaft des Waldes entrissen zu haben. »Das Dorf. heißt es im Tagebuch. zwei große Nussbäume. mieteten Wohnungen in Amerika. Kastanien. zusammen mit seiner letzten Lebensgefährtin.. an dem die Frischs viele Gäste bewirteten und an dem auch der »Toggel« saß. seit 1968 verheiratet. versuche ich mich immer auf Italienisch«. Er notierte: »Siebenmal im Jahr fahren wir diese Strecke.. nur ein Zuhause. »Terrassen mit den üblichen Trockenmauern. die durch Treppen. den steinernen Tisch zu sehen.. in vertrautes Gelände. windet sich in engen Schlingen um überhängende Felsen. Auf den terrassierten Hängen wuchs Roggen.

Er war ein äußerst freundlicher Mensch. im Jahr darauf noch ein Hubschraubertransport des Dichters von Spanien heim nach Berzona. mit Teller und Glas.30–12 Uhr) und freitags (14. ruft jemand aus einem eingewachsenen Häuschen. erinnert sich Beppe Savary an seine Jahre der Freundschaft mit dem Dichter. er fühle sich in Berzona sicherer als in Zürich: »in tutti i sensi« – in jeder Hinsicht. TalkshowRedakteurin Anke Richter reibt sich jedenfalls immer wieder die Augen.30–17 Uhr) geöffnet und bietet handgefertigte Flechtwaren aus Stroh an. Der 59-Jährige nennt sich selbst bescheiden einen »Fels-. Doch dann verlief er sich. rechts steil die Schlucht. wir aßen zusammen. Selbst im hintersten Winkel des Valle Onsernone ist Frisch irgendwie anwesend. H. der ihn nicht kennt. bis die Dunkelheit hereinbrach. den Geiser sorgsam kategorisierte: als Knall. alle Bausteine kennen und auch sein Sterben noch selbst gestalten. 63 Über Thailand Kaum ein halber Tag Flugzeit trennt Frankfurt am Main von Bangkok am Chao Phraya. unter dem die Mauer steil zur Schlucht hin abfällt. H. auf unebenen Granitplatten sachte aufwärts. gibt es das nette kleine Ristorante Onsernone. Er war auch ein großzügiger Mensch. kann man wandern bis ans Ende der Schlucht. von dort aus weiter mit dem Postbus oder Leihwagen www. wie er es sich gewünscht hatte. eine Badewanne mit Rädern: »Damit bringe ich alles heim. Tel. Zement. keine kleine Sache in einem Tal. Donnern und Krachen dauert doch eine halbe Stunde. sie mit Hut und Schal ausstattet.« Der Passo della Garina ist eine weite. Ziegen laufen über die Straße. ein richtiger Talnachbar.« Das galt dann vor allem von 1990 an. Tel. noch kein Sommergewitter«. Dort hat gerade die Ausstellung Max Frisch Berzona eröffnet. »Der Mensch erscheint im Holozän« (alle im Suhrkamp Verlag erschienen). Schmetterlinge. wie er den Toggel. Öffnungszeiten: Mi bis So. als sie ihrem Mann. steht hinter Maschendraht. was ich brauche.onsernone. wie Herr Geiser allein in seiner Stube saß. Und genau das war er selbst.oder Koller-Donner. nicht endenden Regen und den Donner. Unter den knapp 1000 Einwohnern des Tales gibt es wohl niemanden. im April 1991. der Leuten aushalf. dem Hauptort des Tales. Frisch sei eher ein Reibeisen – das war er aber überhaupt nicht. wo dieses kleine Seitental abzweigt. die lebensgroße Puppe. »Tagebücher 1966–71«.ch . Die Neuseeländer haben auch einen oft recht eigenwilligen lässigen Lebensstil entwickelt. Köln 2011.onsernone. dass Frisch gegen Ende seines Lebens immer wieder sagte. er war einer von denen. Von Berzona nahm er so bewusst Abschied. zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen.ch.oder Pauken-Donner. trafen sich Max Frischs Freunde im Garten in Berzona und streuten seine Asche in den Wind. wenige Sommerhäuser liegen verstreut. Ein Notfalleinsatz 1983. In Panik verließ Herr Geiser sein Haus. dem direkt neben Berzona gelegenen Hauptort des Valle. »He!!«. Nach dem Tod des berühmten Talnachbars schrieb Bixio den Nachruf im Voce Onsernonese. Ihre heitere Verwunderung hat Richter nun in einem ausgesprochen unterhaltsamen Lesebuch zu Papier gebracht. wie die Neuseeländer sich selbst nennen. das ohne billige Klischees auskommt und an dem nicht nur Auswanderungswillige Freude haben dürften. Essen – alles.und Buchenwald ringsum. Ob man ihm nicht Gesellschaft leisten könne? Er habe nur den Hund. »Keine Sorge.« Auch mit Max Frisch war das so. über den er sich ins benachbarte Maggiatal retten wollte. der an der Universität Hamburg die Sprache und Kultur Thailands (Thaiistik) lehrt. Mücken.64 12. sagt Savary. Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. wo der Weg aufhört und Herr Geiser kurz aufatmete.palazzogamboni.myswitzerland. dass ein Satz des Doktors noch mal in Erinnerung kommt: Es gebe wohl keinen Kilometer im Tal. www. gingen auch in die Berge. München 2010. www. ehemals Programmdirektor Kultur des Televisione Svizzera Italiana in Lugano und in den siebziger und achtziger Jahren mit Frisch befreundet. Literarische Wanderungen im Tessin. In lockerem Erzählton und mit viel Humor berichtet sie. als Hall-Donner. Wer es besser kennenlernen will. ein bisschen Unruhe – dann wäre das schön. Auf einem Video ist der Schriftsteller in seinem Garten zu sehen. aber es ist auch ein einsamer Bergler. 0041-91/797 10 00. Darin zitierte er Frisch: »Wenn in dem. Vögel. Tel. 26 Euro Tipp: Das Atelier Pagliarte in Berzona ist dienstags (9. Was ist das Leben an seinem Ende? Ein Verlorengehen? Diese großen Fragen stellte der ältere Frisch in seinem Text Der Mensch erscheint im Holozän.): Das Klappern der Zoccoli. nicht auf die Taleinsamkeit verpflichten. Verlag C. Bixio Candolfis Frau Nice schaut aus dem Fenster. kleine Gebäude über terrassierte Wiesen verstreut. www. Der Weg ans Ende des Tales führt durch das Valle Vergeletto. 525 S. Ein alter Mann erscheint.. und sein direkter Nachbar mache ihm das Leben zur Hölle. Sie erinnert sich an das dramatische Unwetter von 1978: »Damals konnten wir eine Woche nicht aus dem Haus!« Max Frisch ist dem Ehepaar noch lebhaft im Gedächtnis.K. Herrn Geisers Wanderung wird beschrieben in Beat Hächler (Hrsg. 00800/10 02 00 30 (kostenfrei). Ein friedlicher Platz. wie tief seine Bewohner im TheravadaBuddhismus verwurzelt sind und welche politischen Ansichten die »Gelbhemden« von den »Rothemden« trennen. einem Urologen. Wie ein Gefangener steht er hinter seiner selbst gebastelten Befestigungsanlage. Polter. was läuft. als Frisch eine tödliche Krebsdiagnose erhielt. in Comologno: Palazzo Gamboni. Kurz der Eindruck. www.95 € Man stellt sich vor. Tel.ch Unterkunft: In Loco. Savary strahlt die Entschlossenheit desjenigen aus. Ein stummer Dauergast. Kurz vor der Ankunft bei ihm wird man vom Gewitter eingeholt. die das Altersheim und Ambulatorium begründet haben. Meine Töchter adoptierten Frisch als ihren Großvater. www. 0041-91/797 10 22. wo er nicht schon jemanden zu Foto: Joerg Modrow/laif bergen hatte. Beck.95 € Unter Kiwis Neuseeland ist nicht nur weit weg. 1990 zog sich Max Frisch zum Sterben in seine Zürcher Wohnung zurück. Bixio Candolfi sagt: »Mir schrieb er einmal die Widmung in ein Buch: ›Für Bixio. wo Abstürze meist tödlich und Selbstmorde häufig sind. dem Leiden so vertraut ist wie die Leidenschaft für seine Sache. Wenn Reiseveranstalter mit prächtigen Tempeln trumpfen. Seit 28 Jahren ist er als Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Notfallund Rettungsmedizin fürs Valle Onsernone tätig. Dort. 0041-79/519 19 85. Mai 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 20 REISEN Wälder überziehen die Berge im Valle Onsernone Fortsetzung von S.com Am Ort erhält man Auskunft beim Infopoint Auressio. an den Gartentisch des Berzona-Hauses setzt. 297 S. 70 Euro. »Danach trafen wir uns oft. irrte herum. grasige Ebene. die Straße fließt weg. Oktober .. sagt ein Mann aus dem Dorf beruhigend. wo die grüne Grenze nach Italien verläuft.europcar. äußere ich oft die Hoffnung. Hier wohnt nämlich der 92-jährige Bixio Candolfi. wenige Menschen. wie eine deutsche Familie unter Schafen und Kiwis. er konnte gut mit Kindern umgehen. Den Toggel warf er den Hang hinunter. Fuß fasst.sbb. lief zum Passo della Garina. auf der Südinsel nimmt sie an einem Naturfestival teil.pagliarte. zu unwegsam das Gelände. »Er war Architekt. Siehe auch Feuilleton Seite 52 SCHWEIZ Comologno Mosogno Spruga Russo Russo Maggia SCHWEIZ ITALIEN Berzona Loco Iso rno Valle Onsernone Onsernone ITALIEN ZEIT-Grafik 5 km Me o lezz Locarno Arcona Tessin Valle Onsernone Anreise: Mit dem Zug nach Locarno (www. 208 S. Rotpunkt Verlag. »Unsere Gespräche gingen oft über Tod und Sterben«. mit dem er sein Haus bis unters Dach eingewickelt hat. er wollte auch über den Tod alles wissen. Und auf dem Rückweg legt man noch einen Halt in Loco ein. Ein vergnügliches Buch. 004191/780 60 09. Kein Jahr später. 14. links steil der Berg. Deshalb der Maschendraht. »Die Leute sollen im Tal sterben können«. Bei gutem Wetter ist sein Fluchtweg ein schöner Wanderweg.« Nice Candolfi weiß noch. Tel. MWE Anke Richter: Was scheren mich die Schafe. DZ ab circa 125 Euro Ausstellung: »Max Frisch Berzona« zeigt Texte und Fotos im Museo Onsernonese in Loco bis zum 30. 14–17 Uhr (vor Juli auch freitags geschlossen) Bücher: Berzona spielt in diversen FrischTexten eine Rolle: »Montauk«. das »Land der Freien«.. wie sich das südostasiatische Königreich über die Jahrhunderte entwickelt und erfolgreich gegen Kolonialmächte zur Wehr gesetzt hat. wir sähen uns unter glücklicheren Umständen wie- der. von Hamburg ins »Land der großen weißen Wolke« folgt: Die Kollegen dort laden sie ein zur Motto-Party mit dem Thema »Sturm auf die Normandie«. dann eine Lichtung mit Gehöften. Nein. ringsum wohnten Leute aus Zürich und Bern. und den Leuten im entspannten Südpazifik bleibt ausreichend Zeit für Ortsnamen wie Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. 004191/797 10 00. suchte vergeblich den Zugang zum Maggiatal. Er führt von Berzona hinüber zur Kirche in Loco.ch). palmengesäumte Strände und raffinierte Speisen preisen. im eigenen Beruf ständig mit den großen Fragen der Existenz zu kämpfen: darin fanden sich Frisch und Savary in diesem wilden Tal. Aber das Knallen. die es brauchten. fällt die Schlucht so atemraubend in die Tiefe. Unten in Russo kann man den Talarzt treffen. das »Klöppeln auf Blech« hörte. »Wenn ich jemanden im Notdienst kennenlerne. auf dem einheimische Würmer verspeist werden. die kämen nur an den Wochenenden. DZ ca. wird von Volker Grabowsky. die ihn pflegten. Comologno liegt auf einer Höhe von 1076 Metern. den Berg hoch. Serpentinen durch den Wald. Tel. dem letzten Ort des Tales.« Das Leben immer auch in Bezug auf den Tod zu betrachten. Komfortabel und originell am Ende des Tales. am Abend möchte man hier nicht unterwegs sein – zu tief die Schluchten. der immer wissen wollte. als es ihm gut ging. den auch Max Frisch oft gegangen ist. Herr Geiser ist das nicht. Seine Frau sei tot.ch Auskunft: Schweiz Tourismus. 12. Verlag Kiepenheuer & Witsch.« Von Spruga. Er wollte die. Wald- und Wiesendoktor«. Geht er nie ins Tal? Der Mann weist auf ein unglaubliches Gefährt. Zürich 2000. sind die Koffer schnell gepackt: Thailand. ein bisschen Liebe ist. den Talnachbar‹. fundiert informiert. Mein Deutschlehrer hatte gemeint. eng sind die Häuser aneinandergerückt. wie es zum Namen Siam kam und welche Rolle das Land im Zweiten Weltkrieg und im Indochinakrieg gespielt hat.ch. Birken. Seine Kleine Geschichte Thailands zeichnet nach. was von mir bleibt.

Schrobsdorffs Besitzer war. linker Hand. weil immer auch ein Schuss Ignoranz dazugehört. Auf einer Baustelle um die Ecke preist eine Wohnungsbaugesellschaft »klassisches Wohnen in bester Lage« an. Düsseldorf ist anders. Hier wippt man beim Trinken auf den Fußballen. und auch auf Deutschlands kleinen Boulevards sieht es nicht anders aus. spürt beim Trinken. wie der Meister höchstselbst bei einem Besuch in Düsseldorf anerkennend festgestellt haben soll. Per Aufzug kommen die Bierfässer aus dem Keller. Berliner und Münchner mögen zeigen. hat es ja nicht weit zu einer der fast zwanzig Bars in der Nachbarschaft oder zum Ableger des Na Ni Wa gleich über die Straße. wer sie sind. Auch wenn das heißt. unter der Direktion des wunderbaren englischen Bildhauers Tony Cragg zeigt der kosmopolitische Lehrkörper mit Rosemarie Trockel. Totenkopf-Halstücher vom Krimskramsladen behaupten sich neben wallenden Haute-Couture-Kleidern von Düsseldorfs Designerstar Norman Icking. Im Uerige strömt das Altbier aus Fässern. die großen Boulevards Europas von den Champs-Élysées bis zum Newskij Prospekt.). Man ahnte es doch schon beim ersten herben Schluck: Wer so ein Bier hat. Man erschnuppert den Duft von Röst. dem einheimischen Gewächs Katharina Fritsch. übrig geblieben beim Bau der Rheinuferpromenade. Man kommt fast automatisch durch. Der Düsseldorfer aber zeigt. dem Geschäft eines Szenefriseurs.« Da riskiert man sogar einen Moment im Straßencafé und erfreut sich der Eitelkeiten unter der Sonne. erklärte einem toten Hasen in der Galerie Schmela die Bilder. Hier präsentieren sich ein paar der stolzesten Stätten japanischer Tischkultur – filigran. dann prügeln ihnen tätowierte Männer den Zapfhahn hinein. mutig zu sein. dass die Punkrocker aus dem Ruhrgebiet künftig in Susannes Hemden auftreten. die Mauern und Wassergräben. die fast so gut schmeckt. Wenige Meter weiter lockt ein Secondhandshop mit einem Unterhemd mit Melonenmuster oder fünfzig Jahre alten Feinstrumpfhosen. Geschäftspartner der wiederaufgebauten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. Aber was für welche! Eingelegte Qualle. in der Karte blätternd. Hier haben sich seit der Nachkriegszeit über vierhundert japanische Firmen niedergelassen. Netze flicken und Fischgerichte zubereiten kann und im Besitz eines Angelbootes mit Motor ist. So ist es hier fast überall: Mehr als die Hälfte ihres Ausstoßes füllen die Düsseldorfer Brauereien in Fässer ab. na klar. mehr Werke von Mann besaß. opake Front der Banken. wenn man in der Hausbrauerei Uerige ist und sich fühlt. wo selbst eine profane Stäbchenbank verpackt wird wie ein Juwel. Das Lichtburg-Kino! Fuchs-Greven für den geschmackvoll gestalteten Salon! Nur das Porzellanhaus Franzen (von 1820) harrt noch aus und natürlich die Galerie Paffrath (seit 1867) mit ihren charmanten Oberlichtsälen und den lieben. Als ob die Vorliebe für laute Musik automatisch mit einem Gespür für die lässige Kombination von Laufmaschen und gesprühten Kampfansagen einherginge. Als Laie denkt man ja. Wer nicht mehr kann. der seinen niederrheinischen Querkopf mit einem Filzhut zu bedecken pflegte. die berühmten klebrigen Reiskuchen. Wer ihr Geschäft mit den wild bedruckten Shirts durchquert. als der Laden noch Weißer Bär hieß. die berühmten Adressen. So jedenfalls heißt das Label der Blondine. die so wirken. Warum sollte das Gebräu nicht der Ursprung der Zivilisation sein.misprint. Vor St. dass man mal China als Herkunftsland seiner japanischen Pilze nennt. Dazu die Kunstsammlung NRW mit ihren beiden Häusern für Kunst des 20. Die Düsseldorfer nehmen es rheinisch gelassen. bis die Bedienung sie hereinwinkt. die eleganten Brücken darüber und die zart pompöse Tritonen-Fontäne von 1902. Und der neueste Kunstort KIT liegt bezeichnenderweise unter der Erde. dass oberirdisch nichts mehr los wäre: knapp vier Dutzend Galeristen. geduldig wartend. Japanische Küche ist in Deutschland beliebt. Für Hertsch die günstigste Methode. forderte den Abriss der städtischen. jetzt entwirft sie die Outfits der Toten Hosen. Beuys. setzt an. beschwingt auf die Tische gehämmert Am Anfang war das Bier. ob Jungfernstieg. die Fische ausnehmen. Darin zechen hornbebrillte Werber mit Rentnern in PopelinBlousons. Mai ganz neu präsentiert. wo vor 30 Jahren die NewWave-Szene Musikgeschichte schrieb und deren Epigonen im Freien picheln. und auch für diese Modenschauen und Schmuckparaden. Alle Arten von Nudelsuppen mit geräuchertem Schweinebauch. Oder die Bäckerei Taka. Aber die spannendsten Entdeckungen macht man eine Preislage darunter. Susanne Hertsch passt nach Flingern. www. verzeichnet für Kunstpilger all jene Orte. dass er die Kunststadt Düsseldorf noch 25 Jahre nach seinem Tod leuchten lässt. Was gibt es denn da Feines? Gar nicht so Feines. und sinnt dem leichten Rauchgeschmack nach.. doch eine Künstlerstadt ist Düsseldorf immer noch. Er stritt mit Johannes Rau jahrelang vor Gericht um seine Professur. für diese Glitzerdefilees und Brezelprotzessionen wurde einst die Kö gebaut. Gerald Haenel/laif. Oder der Einrichtungsladen Kyoto mit den prächtigen handgemachten Teeschalen. die die Entwicklung Flingerns auch skeptisch sieht. dem Schotten Peter Doig und anderen. die Geschäfte und Restaurants. Pauli Blond. Evolutionsbiologen wollen nämlich entdeckt haben. die neue Inneneinrichtung hat ein Westfale gestaltet. Darauf sitzen meistens Leute. die nicht nur Mochi führt. nun ein Museum ist. gab bei Andy Warhol Wahlplakate in Auftrag. Die »Pralinenschachtel« ist auch noch drauf – die hat nicht mal Beuys beiseite räumen können. Der hat mit all seinen Kunstbatterien aus Fett. neuerdings wieder hoch gehandelten Meistern der alten Düsseldorfer Schule. Vom Café Bittner. dass ihr Altbier deren Gipfel markiert? Kein Düsseldorfer Overstatement leuchtet mehr ein. was den Mikrokosmos zusammenhält: das Altbier. MICHAEL ALLMAIER Das Altbier Bernsteinfarben glimmende Gläser. der glühende Thomas-Mann-Verehrer Hans-Otto Mayer. Punks müssten ihre Mode selbst entwerfen. Eine Kontaktanzeige im Schaufenster eines Anglergeschäftes: »Suche liebevolle Frau. oder von den Radschlägern und ähnlicher Folklore. Klosterstraße und Oststraße markiert die Grenzen von KleinTokyo. Struth. dem Galeristen im Auge all der früheren Stürme. als dieser je geschrieben hat. Was nicht heißt. vom Holzfällerhemd bis zum Partykleid. wo man sich an den Tresen setzt und zum Bier ein paar Häppchen bestellt. Und von Heinrich Heine natürlich: »Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön. sich die Blöße zu geben. CHRISTOF SIEMES Die Mode Melonenmuster-Unterhemden für den stilbewussten Rebellen Neulich waren Betontod da. die der Bildhauer Friedrich Coubillier entwarf. Seit er nach dem Krieg an der Kunstakademie studiert hatte (übrigens Tür an Tür mit einem anderen Querkopf. Aber niemand von ihnen isst. Bernsteinfarben glimmt es im kurzen Glas. der Limbecker oder ähnlichen Budengassen des Grauens. was er hat. Die Kellner heißen Köbesse und tragen Falstaff-Wampen unter pflaumenblauen Schürzen. Seeigel. etwas ruhiger. Ist man wirklich in Düsseldorf. vertrauen auf Susanne Hertsch. dass Düsseldorf immer noch vorne mit dabei ist. Gut möglich. den er einst im Kanu überquerte. wie sie aussieht. sondern auch abenteuerliche Manifestationen der deutsch-japanischen Freundschaft: Berliner Ballen mit Rote-Bohnen-Füllung! Wurstkrapfen mit Curry! Seit Fukushima bangen die Ladeninhaber um ihr Geschäft. als habe einen die Altstadt verschluckt. ach. nämlich Icke und Mir. Natürlich im Stehen. mit dem sich das Alt verabschiedet. Die Professoren an der Kunstakademie sind international erste Sahne. Flingerns Bewohner sind wie die Kleidung. Wer von nebenan kommt. an denen der heilige Jupp sein Leben als soziale Plastik führte. wenn doch klar ist.REISEN 12. sondern verbarrikadiere. Doch. An allen Türen prangen Zettel. Da macht die Königsallee keine Ausnahme. stellte Joseph Beuys die Düsseldorfer Duldsamkeit immer wieder auf die Probe. Nur in ihnen fühlt sich das Obergärige wohl. Zum Beispiel die ostwestliche Nouvelle Cuisine im Restaurant Nagaya: große Kunst in kleinen Portionen. Und – gerade jetzt – das Museum Kunstpalast. SVEN SIMON. was wann woher eingeführt wurde. Lang vergangen die großen Namen. Günter Grass). Seeteufelleber . darunter Veteranen der wilden Zeit wie Hans Meyer und Konrad Fischer. Schwergewichte der Branche wie die Fotografen Struth und Gursky schätzen nach wie vor das besondere Klima aus Selbstbewusstsein und Toleranz. Jahrhunderts. dass das eigenwillige Haus von Alfred Schmela. unvergessen. betonbrutalen Kunsthalle.info. gelangt in ein Hinterzimmer mit blutrot verschmierter Badewanne und einem alten Gesichtsbräuner. dem Geck unter den deutschen Großstädten? Aber sicher. ein »Tunnelrestraum«. die Kunst nicht zeige. Eine Millionenstadt ist Düsseldorf nicht. beim Alltagsbedarf. Doch der Hardrock-Schuppen hält dagegen. Der lässt sich auch gern was vom Pferdeapfelattentat auf den preußischen König erzählen. Das hält frisch und zögert den Absacker hinaus. die schier endlose. sondern nach dem Rausch aus vergorener Gerste. ihre Siebdrucke zu belichten. Die ersten Investoren suchen bereits aus dem Flair des Viertels Profit zu schlagen. puristisch und teuer. hier lohnt es sich. das sich so großzügig gibt. und der Bierdeckel ist schwarz von Strichen. Ein Frevel! Da hilft nur die Flucht ins Kneipengewimmel der Ratinger Straße. Individualisten. ullstein. angelegt in den ersten Jahren des 19. aus Köln oder Essen. schmierte mit Bazon Brock Fettecken ins Fernsehstudio. Eine ziemlich herzhafte Angelegenheit – gerade so. die vermerken. Sie bilden eine Schlange. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 65 Düsseldorf: Five points Die Stadt des Eurovision Song Contest hat ein bisschen Applaus verdient Fotos: Fulvio Zanettini/laif (gr. dieser »Pralinenschachtel«. und der 1812 eröffnete Breidenbacher Hof gehört jetzt einer Group mit Sitz in Atlanta. Zu Gitarrenriffs von Motörhead tanzen Frauen in Leder. der. wird einem wunderlich zu Mute. das nach zwei Jahren Renovierung seine weit gefächerten Schätze seit dem 7. die man hier kaufen kann: eigenwillig und auf charmante Weise zusammengewürfelt. Aussschnitte im Uhrzeigersinn) Die Düsseldorfer Rheinpromenade im Abendlicht Die Kö Unverwüstlich grandiose schnurgerade tausend Meter Haben sich ja alle ein bisschen in Duty-frees verwandelt. die sichergehen wollen. aus der Hohen Straße. im Freiheitsjahr 48. der atmet hier auf. als seien sie aus dem Mittelalter ins 21. So macht man das hier. von einer neuen Direktorin frisch belebt. von Rubens über Kirchner bis. Überall die gleichen aseptisch sortierten Luxusholdingläden mit standardisiertem Verkaufspersonal samt global kompatiblem Fetischdisplay. der Turner-Preisträgerin Tomma Abts. Unverwüstlich grandiose schnurgerade 1000 Meter. vierzig Galerien und der lange Schatten von Beuys Seinen Aufstieg zur Weltkunststadt verdankt Düsseldorf einem notorischen Angelwestenträger. als überall in Europa die Stadtbefestigungen fielen. zeigte in der Wohnung von Jörg Immendorff eine Filzhülle für Konzertflügel. legt ihn schützend auf sein leeres Glas – die Köbesse kennen sonst kein Erbarmen. Und doch bleibt es die Kö. Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften mit Foto von Boot und Motor. In dem traditionellen Arbeiterviertel bosseln Handwerker in kleinen Betrieben. In schmucklosen Imbissen wie dem Kikaku. Das Dreieck Immermannstraße. wie der bittere Doldenhopfen zärtlich in den Gaumen beißt. wo die Altstadt zur Kirmes verkommt. wenn man vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt spaziert. aber nur wenig bekannt. Rechter Hand. Filz und Mamas eingeweckten Birnen so viel positive und negative Energie produziert. kandidierte mit Otto Schily für die Grünen. vor Kurzem herausgegeben von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Das schönste und eigenste aber ist der stille Kanal in der Mitte. Im Dämmerlicht winden sich Gänge wie Bergwerksstollen durch einen Trakt aus neun Schankräumen. Kurioses ist in der Ackerstraße normal: die Porzellanpuppen-Parade im Fenster einer Anwohnerin. Sie sitzen die Panik aus – auf der Bank vor dem Na Ni Wa. Spitzenbordüren und Satin zu abenteuerlichen Kreationen vernäht. SANDRA DANICKE .« »Hier wohnt man halt noch«. BENEDIKT ERENZ Japan Seeigel und Currywurstkrapfen im Imbiss nebenan Vor dem Fenster des Ecklokals Na Ni Wa steht eine lange Bank. In manchem vermeintlich japanischen Restaurant kochen Koreaner oder Vietnamesen für den westlichen Geschmack. Jahrhundert gerollt. Bräsiges Bierbankhocken ist nichts für Düsseldorfer. blieb nur der Name.. PBY/F1online (kl. Düsseldorfer glauben das sofort. Banker mit Hausfrauen und Japanern. Sushi servieren sie hier überhaupt nicht. Essen gibt es nur drinnen. Früher hat sie Häuser besetzt. Die Tradition. Vor allem die Ackerstraße mit ihrem Mix aus Stil-Altbauten und biederen Sechziger-Jahre-Wohnhäusern entzückt Freunde schräger Looks. sitzt DivaS in der Sonne. Zwar wurde es nach des Schamanen Tod am Rhein. Wie andere junge Designer hat DivaS für ihre Kollektion eine Kleiderstange beim Friseur gemietet. die Leopardenfellimitate. der hier in den siebziger Jahren Konzerte gab. Wer welche möchte. und 21. Mit stoischem Schwung hämmern sie unaufgefordert auf die Tische. ob Kurfürstendamm. Gedruckt wird auf alles. Ein Beuys-Stadtplan. Den lautesten gönnt man sich im Engel in der Bolkerstraße. dass es den Menschen nicht nach Brot verlangte. wie Japaner eins ihrer liebsten Schnellgerichte mögen. Seit sechs Jahren betreibt die Künstlerin im Stadtteil Flingern ihr Ladenatelier Misprint. für das flanierende Publikum von den herrlichen alten Bäume diskret verdeckt. Dennoch sieht man auf der Rheinpromenade Touristen mit Flaschen hantieren. und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist. Seine Gäste sehen aus wie die zottelige Band von Alex Harvey. gehen betagte Damen zum Friseur und Werbeleute in die Agentur. Nicht. die sich hinter Buchläden wie Lincke und Schrobsdorff verbarg. Aber es hat schon was Symbolisches.und Karamellmalz. als er die ersten Äcker anlegte. Die japanische Community von Düsseldorf zählt zu den größten in Europa. WOLF ALEX ANDER HANISCH Die Kunst Gursky. Es dauert nicht lange. von Süden her. kann auch anders. Jahrhunderts. der an Fleischerhaken von der Decke hängt. das hat Welt. sagt Susanne Hertsch. aber eine Stadt der Millionäre.

66 12. Mai 2011
BLICKFANG

DIE ZEIT No 20

REISEN

In der Warteschleife
Oft preisen Urlauber nach ihrer Heimkehr aus der Karibik die Freundlichkeit der Menschen, die, wie es den Besuchern scheint, mit so wenig Besitz so glücklich sein können. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Selten blicken wir, die nach Erholung und Unbeschwertheit suchen, hinter die höfliche Fassade, wo mehr Sorgen, Nöte und Ängste toben, als wir wahrhaben möchten. Der amerikanische Fotograf Alex Webb, Mitglied der Pariser Fotoagentur Magnum, ist ein Kenner der Region. Auf seinen Bildern aus Haiti, Puerto Rico (unser Foto), Kuba, Jamaika, Trinidad und Tobago, Curaçao und Nicaragua, von den Antillen und der Dominikanischen Republik sieht man die Menschen selten lachen. Sie wirken in sich versunken, nachdenklich, gelangweilt von einem Leben in der Warteschleife auf eine bessere Zukunft. Und Webb lässt sie sein, in goldgelbem Licht und strahlenden Farben. Selten hatte die Karibik in einem Bildband ein menschlicheres Gesicht. KCB
Nikolaus Gelpke (Hrsg.): Karibik. Fotografien von Alex Webb. Mit Texten von Karl Spurzem. Mareverlag, Hamburg, 2011, 124 Seiten mit MusikCD; 58 Euro

Foto: Alex Webb/Magnum Photos

REISEN

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A

ls Brutus das Licht der Welt erblickte, malte Cézanne noch romantisch, und Richard Wagner komponierte den Ring des Nibelungen. Amerika war eine Nation der Sklavenhalter, Singapur und São Paulo waren Provinznester. Telefon, Autos und Kinos kannte man damals noch nicht; noch nicht einmal die Schreibmaschine war erfunden. Die Welt, in die Brutus geboren wurde, gibt es nicht mehr. Doch die Aldabra-Riesenschildkröte tut weiterhin das, was sie schon immer tat: schiebt ihren schweren Panzer über die Seychelleninsel North Island, grast gemächlich im Schatten von zerzausten Kokospalmen, sieht die Sonne über dem Indischen Ozean aufgehen und untergehen. »Wo warst du, Brutus? Wir suchen schon den ganzen Tag nach dir«, sagt Linda Vanherck. Die belgische Biologin hat ihren ältesten Schützling schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Irgendwo im Sumpfgebiet muss er sich herumgetrieben haben. Dort verloren sich jedenfalls die Schleifspuren seines schubkarrengroßen Panzers. Linda begrüßt das Ungetüm wie eine Mutter, die soeben ihr ausgebüxtes Kind wiedergefunden hat. Ihre Freude über das Wiedersehen zeigt sich in feinen Lachfältchen, die ihre blaugrauen Augen umspielen. Auf etwa 150 bis 160 Jahre schätzt Linda das Alter der Riesenschildkröte. Und auch wenn es scheint, als sei hier noch alles wie früher, ist die Zeit auf North Island nicht stehen geblieben. Die nur zwei Quadratkilometer große Insel hat sich vom Dschungel in eine Kokosplantage und schließlich in ein beliebtes Reiseziel von Hollywoodstars und Superreichen verwandelt. Menschen kamen und gingen, einst in Fischerbooten. Heute reisen sie in Hubschraubern an, lassen ihre riesigen Koffer von Bediensteten über den Sand tragen und werden von Mädchen in weißen Kleidern wie Majestäten empfangen. Butler bringen ihnen Champagner, Sushi und Schalen mit ausgewählten Früchten. Man hat ihnen Hütten gebaut – in Wahrheit sind es Paläste aus Tropenholz mit Bädern aus weißem Marmor. Mit Betten so groß wie die Verschläge der Plantagenarbeiter, die einst die Kokosnüsse ernteten.

Wir haben die Kröten
Auf der Seychellen-Insel North Island erholen sich die Stars – und finanzieren ein Arche-Noah-Projekt VON WINFRIED SCHUMACHER

»Wir reden sogar mit Eiern«, sagt die Biologin Linda Vanherck
Brutus steht auf vier gewaltigen Füßen inmitten einer Lichtung, ein Fels von einem Tier. Doch an seiner rechten Seite ist deutlich eine Narbe zu sehen. Die mittlere Schildpattreihe ist zertrümmert. An einem Tag im Jahr 2007 hatte die Schildkröte eine schmerzliche Berührung mit dem Tourismus. Ein betrunkener Urlauber übersah ihren Schlafplatz auf dem Hauptweg von North Island und prallte mit seinem Elektromobil gegen ihren Panzer. Linda versorgte seine Wunden, bis der Riese wieder in gewohntem Stolz über die Insel spazieren konnte. Die zierliche Frau mit dem silbergrauen Seitenzopf geht vor Brutus in die Hocke und tätschelt ihn liebevoll. Er lässt sich genüsslich den faltigen Nacken kraulen. Linda Vanherck hat ihr Leben dem Naturschutz verschrieben. Schon als Kind in Belgien träumte sie davon, wie die Gorilla-Forscherin Dian Fossey nach Afrika zu reisen. Nach einem Biologie-Studium in Löwen forschte sie an der Universität Kapstadt. Sie arbeitete als Guide in südafrikanischen und namibischen Nationalparks und betreute verschiedene Umweltprojekte der Vereinten Nationen im südlichen Afrika. Auf die Seychellen lockte sie 2005 die Chance, North Island zu renaturieren. Seit ihrer Erschließung im frühen 19. Jahrhundert war die Insel eine Plantage. Arbeiter gewannen aus den Kokosnüssen Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch, die Grundlage für Kokosöl. Nach dem Zusammenbruch der Kopraindustrie in den 1970er Jahren wurde North Island verlassen. Die zurückgebliebenen Ratten, Katzen und Schweine vermehrten sich unkontrolliert und verdrängten die einheimischen Tiere. 1997 kaufte eine Eignergruppe um den Detmolder Unternehmer Wolfgang Burre die verwilderte Insel und beschloss, sie zum Deluxe-Ökoresort umzuwandeln. So entstand das Arche-Noah-Projekt. Mit Setzlingen und Saatgut von anderen Seychellen-Inseln begann die

Brutus (oben) ist geschätzte 150 bis 160 Jahre alt. Unten: Die Biologin Linda Vanherck mit weiteren Schützlingen

Wiederaufforstung des ursprünglichen Tropen- elf Gästevillen entlang des Hauptstrands sind in waldes. Nach und nach wurden die tierischen der Inselvegetation kaum auszumachen, obwohl Eindringlinge ausgerottet. Die Insel ist heute sie über eine Grundfläche zwischen 450 und 750 rattenfrei. So können sich wiedereingeführte Quadratmetern verfügen. Neben anderen AnArten wie der äußerst seltene Mahé-Brillenvogel nehmlichkeiten bieten sie den Berühmten und ungestört vermehren. Mittlerweile leben 85 Rie- Reichen dieser Welt vor allem den Luxus der senschildkröten auf der Insel, zudem etwa 20 Abgeschiedenheit. seltene Sumpfschildkröten, die wegen eines HoÜber die Gästeliste wird auf North Island telneubaus auf Mahé, der Hauptinsel der Sey- strenges Stillschweigen bewahrt, doch im Interchellen, heimatlos geworden waren. net kursieren Berichte, denen zufolge Brad Pitt Linda liebt es, Besuchern auch die kleinen und Angelina Jolie, Julia Roberts, Paul McCartWunder ihres Refugiums zu zeigen. »Hey, ihr ney und Bono bereits hier gewesen sind. Salma beiden«, begrüßt sie zwei Paradies-Fruchttau- Hayek verbrachte ihre Flitterwochen in einer der ben, die in einer Baumkrone an wilden Feigen Villen. Die Beckhams sollen zu ihrem zehnten picken. Wegen ihres weiß-blauen Federkleids Hochzeitstag die ganze Insel gemietet haben. und des roten Kopfs wird der Vogel auf Kreo- Laut Pressespekulationen plant sogar das Prinlisch Pizon Olande, »Holländische Taube«, ge- zenpaar Kate und William, seinen Honeymoon nannt. Sie gehören zu einihier zu feiern. Der Hamburgen endemischen, nur auf ger Insel-Makler Farhad den Seychellen vorkomVladi bestätigt, dass er North menden Arten. Island an die britische Krone Die Kosten für das Arvermietet hat. Den Termin che-Noah-Projekt soll das Anreise: Condor (www.condor.de) behält er für sich. Luxusresort tragen. Direkt fliegt direkt von Frankfurt am Main Linda interessiert sich hinter den Gästevillen liegt auf die Seychellen nicht besonders für die ein Hain mit Hunderten Stars, aber ein paar kuriose Kokospalmen. Linda mag Unterkunft: North Island gehört zu Geschichten kennt sie doch. sie nicht, auch wenn den den exklusivsten Reisezielen weltweit. Sie erzählt von Gästen, die Touristen der Anblick ge- Eine Übernachtung kostet all-inclusive ihr Mineralwasser aus Fifällt. »Das ist reine Mono- ab 2100 Euro pro Person dschi einfliegen ließen, von kultur. Man hat diesen Teil einer Dame, die mit viererhalten, um zu zeigen, wie Riesen- und Meeresschildkröten las- zig Paar Schuhen auf der es hier zur Zeit der Kopra- sen sich auch auf anderen Inseln der Barfuß-Insel landete, und Seychellen beobachten. Am Strand der industrie aussah.« Anse Kerlan auf Praslin legen Suppen- von einem aufgebrachten Vom ursprünglichen Tro- und Karettschildkröten ihre Eier ab. Bräutigam, der in der ersten penwald sind nur wenige Constance Lémuria Resort (Anse Ker- Nacht der Flitterwochen Hektar erhalten. Linda geht lan, Praslin, Tel. 00248-428 12 81, mit dem Hubschrauber ausvoran. Nach wenigen Mi- www.lemuriaresort.com). Junior-Suite geflogen werden wollte. nuten wird die Vegetation ab 330 Euro; La Digue ist bekannt für »Die meisten Gäste verhaldichter und wilder. Über ihre Riesenschildkrötenkolonie. Berni- ten sich aber unauffällig«, uralten Takamaka- und Ka- que Guest House (La Passe, La Digue, sagt Linda. Sie weiß, dass tappenbäumen flattern krä- Tel. 00248-23 42 29, www.bernique- ihr Arche-Noah-Projekt auf hengroße Flughunde. Unter guesthouse.com). DZ ab 95 Euro umweltbewusste Vermögenausladenden Fächerpalmen Veranstalter für umweltbewusste de angewiesen ist. rascheln giftgrüne Eidech- Seychellen-Reisen: Reiseservice Africa Am nächsten Morgen sen durchs feuchte Laub. (Bauseweinallee 4a, 81247 München, ist es so weit. Linda taucht Linda und ihr Arche-Noah- Tel. 089/811 90 15, www.reise mit einem Plastikeimer am Team haben Kokospalmen service-africa.de) Strand vor den Gästevilaus dem Wald entfernt und len auf. Elf der frisch AFRIKA geschlüpften Karettdafür endemische Arten an- Auskunft: Seychelles Tourist Office Deutschland. Tel. schildkröten sind in gepflanzt. der Nacht aktiv geLinda kultiviert für das 069/29 72 07 89, www. worden und nun reif Renaturierungsprojekt Hun- seychelles.travel für die Freiheit. Linda derte von Pflanzen in der kippt den Eimer vorinseleigenen Baumschule. North Island Praslin sichtig auf den wei»Besonders stolz sind wir Island ßen Sand, die auf unsere Coco de Mer«, sagt sie. Die Silhouette Schildkrötenbeginberühmte Seychellenpalme hat die S E YC H E L L E N Island nen sogleich, den größten Samen, die es im Pflanzenreich Indischer Ozean Wellen entgegenüberhaupt gibt. Weil die gewaltigen zuwackeln. Nur weKokosnüsse an ein weibliches Becken Mahé Island nige Meter trennen erinnern, ranken sich viele Legenden sie vom Wasser. um die Palmenart. Angeblich setzten ZEIT-Grafik Ihr Spurt über den Könige und Sultane einst hohe Summen 10 km Sandstreifen ist nicht unfür ein Exemplar der sagenhaften Nuss aus, gefährlich; die Fressfeinde die hin und wieder an fremde Küsten geschwemmt wurde. Ihren wahren Herkunftsort warten schon. Aber sobald eine Strandkrabbe angreifen will, stampft Linda kräftig auf und kannten sie nicht. verscheucht sie. »Los, ihr Kleinen, ihr schafft das!«, spornt sie die Brut an. Die Schildkröten Angeblich sollen Kate und William schieben sich auf ihren Flossen mühsam vorhier ihre Flitterwochen verbringen wärts. Bei den ersten Versuchen wirft die Nicht weit von der Baumschule hat Linda ihr Brandung sie zurück auf den Sand, doch dann Büro in einer einfachen Hütte eingerichtet. Hier sind sie alle in den Wellen verschwunden. Nur stapeln sich Bildbände über Fauna und Flora ein offenbar geschwächtes Exemplar bleibt und dicke Ordner bis unter die Decke. Die Bio- auf seinem Panzer liegen. Vergeblich versucht login führt genau Buch über die Entwicklung es, sich auf den Bauch zu drehen. Linda auf ihrer Arche Noah. Aber sie bekennt: »Ich bin nimmt das kraftlose Tier in die Hand und kein Büromensch.« In der Mitte des Raums ste- trägt es ins Wasser. »Mach’s gut, Kleiner!«, ruft hen zwei große, mit Tüchern verhängte Styro- sie ihm nach. Einen Großteil ihres Lebens werden die porboxen. »Na, wie sieht es denn heute bei euch aus?«, fragt sie in eine Kiste mit der Aufschrift Schildkröten im Ozean verbringen. Wenn sie »Unbekannt VII« hinein. Zu sehen ist nichts als Raubfischen, Seevögeln, Fischernetzen und Meefeiner Sand. »Manchmal reden wir hier sogar mit resverschmutzung entkommen, werden sie irEiern«, sagt Linda. Die Box enthält nämlich das gendwann zur Eiablage an diesen Strand zurückGelege einer Karettschildkröte. Linda hat das kehren. Forscher schätzen, dass es ungefähr 30 Nest umquartiert, als sie sah, dass es sonst vom Jahre dauert, bis die erwachsene Schildkröte das Meer weggespült worden wäre. In einer anderen Wasser wieder verlässt, um in den Sand, in dem Kiste sind die ersten Schildkröten bereits ge- sie einst geboren wurde, ein Nest zu graben. Die schlüpft. Noch liegen sie erschöpft auf dem Beckhams, Brangelina, Kate und William wird Sand, aus dem sie sich gerade herausgegraben man womöglich längst vergessen haben. Aber haben. Wenn sie anfangen zu zappeln, wird Lin- wer weiß, ob dann nicht eine Riesenschildkröte namens Brutus ihren schweren Panzer noch imda sie ins Meer entlassen. Es ist die Mischung aus ehrgeizigem Umwelt- mer über North Island schiebt. projekt und exklusiver Robinsonade, die North Island zum Ziel des Jetsets werden ließ. Ökotourismus ist in Mode unter Topverdienern. Die www.zeit.de/audio

North Island

Fotos: Winfried Schumacher für DIE ZEIT (o. und u.); Frank Heuer/laif (m.)

CHANCEN
Spezial: Bachelor & Master
Wie lange Studenten wirklich lernen, wo die Studienreform besonders gut umgesetzt wurde (ab Seite 74) und warum es noch schwer ist, die Uni zu wechseln (Seite 76)

S. 81

BERUF

Gesucht: Forscher. Zum Beispiel, um das Klima zu retten. Der dritte Teil unserer Serie über Berufe mit Zukunft

LESERBRIEFE S. 96 DIE ZEIT DER LESER ab S. 82 STELLENMARKT
S. 95

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.olafdeharde.com; kl. Foto: privat

1960er Jahre

Ach, dieser Stress
Gerade einmal 23 Stunden wenden Studenten pro Woche für die Uni auf, zeigen neue Studien VON JAN-MARTIN WIARDA
Auf den folgenden Seiten erzählen Absolventen aus sechs Jahrzehnten von ihrem Studium

Wolfgang Wiese, GrafikdesignStudent von 1966 bis 1969: »Mein Studium an der Werkkunstschule Bielefeld war absolute Freiheit für mich. Ich war begierig, so viel zu lernen wie möglich: Malerei, Grafik, Fotografie, Kunstgeschichte. Dieses Über-den-Tellerrand-Gucken habe ich mir auch im Beruf bewahrt. Jetzt, als Rentner, bin ich an die Uni zurückgekehrt und studiere Alte Geschichte. Leider kommt es mir vor, als wären die Studenten nicht mehr so frei wie damals. Sie wirken fast etwas verbissen.« Alle Protokolle:
LISA SRIKIOW

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ls Erik Beuck in sein erstes Semester startet, erreicht der Bildungsstreik gerade seinen Höhepunkt. Herbst 2009: Überall im Land besetzen Studenten Hörsäle, ziehen durch die Innenstädte und fordern das Ende aller Spardiktate. Eines der bestgehassten Wörter ist »Bologna«, die Hochschulreform wird zum Synonym für Effizienzdruck und sinnentleertes Turbolernen. »So ist es wohl«, denkt Erik Beuck, schließlich hat er es überall so gehört – und marschiert mit. Knapp zwei Jahre später sitzt der 27-Jährige vor der Auswertung seines Lernkontos und schüttelt den Kopf. Exakt 18,97 Stunden ergibt das Protokoll seiner Studierzeit: 18,97 Stunden pro Woche, die er im Schnitt für Vorlesungen, Übungen, Hausarbeiten, Referats- und Klausurvorbereitung aufgewendet hat. Bin ich ein Halbtagsstudent?, fragt Beuck sich. Er kann es nicht glauben. Rolf Schulmeister war anfangs ähnlich überrascht. Der Informatiker leitet das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung an der Uni Hamburg, und als er vor zwei Jahren die Streiks beobachtete, war er überzeugt: Recht haben sie, die Studenten, dieser Bachelor ist eine Zumutung. Und weil Schulmeister Wissenschaftler ist, wollte er es beweisen. So stellte er mit seinen Mitarbeitern ein einmaliges Forschungsprojekt namens »Zeitlast« auf die Beine: 403 Studenten an Hochschulen überall in Deutschland protokollierten über Monate hinweg jede einzelne ihrer wachen Stunden.

Schulmeister sammelte 150 Tagesabläufe und insgesamt 1 466 184 Stunden. Als er erste Analysen durchrechnen ließ, war er zunächst sprachlos. Dann verwundert. Und schließlich kam er in Hochstimmung. »Genau deshalb bin ich Forscher geworden«, sagt er. »Weil ich nicht behaupte, schon alles zu wissen. Weil Fakten besser sind als Vermutungen.« Und Fakt ist: Der durchschnittliche Aufwand fürs Studium belief sich bei den Studienteilnehmern auf 23 Stunden in der Woche. Als Schulmeister vergangenen Herbst mit einem ersten Zwischenergebnis aus nur fünf Studiengängen an die Öffentlichkeit trat, war das Medienecho bereits gewaltig. Häme ergoss sich über die plötzlich als »faul« titulierten Studenten, die alle mit ihrer ewigen Jammerei hinters Licht geführt hätten. Häme bekam aber auch Schulmeister zu spüren, und zwar vonseiten einiger Forscherkollegen, die Methode und Aussagekraft seiner Untersuchung anzweifelten. Zu krass war die Abweichung von allen bislang bekannten Studien. Das renommierte Hochschul-Informations-System (HIS) etwa war in seiner Studie auf geschlagene 13 Stunden mehr pro Student gekommen. Auch deshalb legte Schulmeister nach. Das Ergebnis: Obwohl er den Kreis der untersuchten Studiengänge von sechs auf mittlerweile 18 erweitert und auch vermeintliche Paukfächer wie BWL oder Ingenieurwissenschaften hinzugenommen hat, blieb der gemessene durchschnittliche Studienaufwand in etwa gleich – bei großen individuellen Abweichungen. »Natürlich gibt es die Studenten, die 40 Stun-

den in der Woche studieren«, sagt Schulmeister. »Aber sie sind die Ausnahme – im Gegensatz zu denen, die 15 Stunden und weniger fürs Studium aufwenden.« Noch überraschender: Zumindest in den untersuchten Studiengängen waren die angeblich besonders geforderten Ingenieurstudenten (24 Stunden) und BWLer (25 Stunden) keineswegs arbeitsamer als die dem Klischee nach so entspannten Lehramtsstudenten (27 Stunden) und Erziehungswissenschaftler (23 Stunden). Und eines hat Schulmeister besonders erschüttert: »Die investierte Zeit hat keinen Einfluss auf Noten und Studienerfolg.« Die fleißigeren Studenten sind im Schnitt keineswegs die besseren. Aber wie kann das alles sein? Und wie kommen die enormen Unterschiede zu anderen Studien zustande? Ganz einfach, sagen Schulmeisters Forscherkollegen: Seine Daten seien nicht repräsentativ, teilgenommen hätten ein paar Hundert Studenten aus einer Handvoll Studiengänge, die auch noch aufgrund der persönlichen Initiative ihrer Studiengangsleiter bei der Untersuchung mitgemacht hätten, da sei die Verallgemeinerbarkeit schon arg begrenzt. Die HIS-Forscherin Elke Middendorff spricht von einem »dirty panel«. Ihr Kollege Tino Bargel von der Konstanzer AG Hochschulforschung, deren Studierendensurvey seit 30 Jahren zu den meistbeachteten repräsentativen Studien an Hochschulen überhaupt gehört, drückt sich zurückhaltender aus: »Die Ergebnisse von Zeitlast sind äußerst beeindruckend, die Methode der Datenerhebung ist innovativ, allerdings muss man angesichts der nicht zufälligen Aus-

wahl der Studiengänge vorsichtig sein, weiterführende Schlüsse für alle Studenten in Deutschland zu ziehen.« – »Wer so was sagt, hat die Methode unserer Studie nicht verstanden«, sagt Schulmeister knapp und verweist auf die »enorme Datendichte« angesichts von anderthalb Millionen protokollierten Stunden und die Länge der Untersuchung über fünf Monate hinweg. Das HIS hatte das studentische Zeitbudget für die 2007 erschienene, als repräsentativ geltende 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhoben. Der zufolge lag die durchschnittliche Belastung von Bachelorstudenten bei 36 Wochenstunden. Eine »äußerst besorgniserregende Entwicklung«, kommentierten Studentenverbände, Professoren und Politiker. Das war schon damals gewagt – schließlich war die vom HIS ermittelte Zeitbelastung bei den alten Studienabschlüssen ganz ähnlich. Ein entscheidender Unterschied zu Schulmeisters Studie ist jedoch die Methode: Die an der Sozialerhebung beteiligten Studenten mussten ihren Zeitaufwand fürs Studium lediglich schätzen, während Schulmeister seine Probanden sauber mitprotokollieren ließ. Schätzen sollte Erik Beuck erst am Ende. Bevor die Forscher ihm die Ergebnisse seines Zeitkontos präsentierten, baten sie den Lehramtsstudenten, die Stundenzahl anzugeben, die seiner Meinung nach seinem wöchentlichen Studienpensum entsprach. Beuck wusste da bereits, dass er nicht zu den fleißigsten Studenten gehört. Die Praxis liegt ihm mehr,
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Widersprüchlich
»Die Ergebnisse freuen mich außerordentlich«, kommentierte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Studien des HIS, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die vor der zweiten Bologna-Konferenz am 6. Mai erschienen. DHV-Chef Kempen entgegnet: »Die Studien, die aus dem Hause Schavan kommen und nach Lesart der Bundesministerin den angeblich notorischen Kritikern der Bologna-Reform den Wind aus den Segeln nehmen, belegen in der Regel das Gegenteil.« Was die Untersuchungen tatsächlich zeigen: Vieles in der Kritik an den neuen Abschlüssen war weit übertrieben, aber besser geworden ist durch die Reform noch zu wenig. So hat sich die Studienqualität in der Bewertung gegenüber den alten Abschlüssen kaum gesteigert. Und die Verunsicherung der Bachelorabsolventen durch die ständigen Warnrufe hat skurrile Folgen: Obwohl sie ihre Jobaussichten zum Teil sogar besser bewerten als die Inhaber alter Abschlüsse und die Bereitschaft von Firmen, sie einzustellen, groß ist, hängen die Hälfte der FH- und drei Viertel der Uni-Bachelors einen Master an.

Das ist eine super Ausrede. sagt der stellvertretende Generalsekretär Stefan Grob. von der DHV-Chef Kempen spricht? Schulmeister sagt: »Anstatt die Studenten mit bis zu 14 Themenwechseln pro Woche zu konfrontieren. Auch abgesehen von der Schulmeister-Untersuchung bekommt die Reform derzeit eher gute Presse. was die Belastung der Studenten angeht. Vorsitzender der bolognakritischen Professorengewerkschaft Hochschulverband (DHV).90 Euro www. Außerdem die Klausuren: Tatsächlich sind sechs Stück in anderthalb Wochen keine Seltenheit. die seine persönliche Auswertung dann ergab. Die Fachhochschule Kiel etwa will ihre Studienstruktur neu organisieren und als ersten Schritt die Semester halbieren. Gerade hat eine Reihe von Studien im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergeben. Ein Ergebnis. keine Umweltprobleme. Student Beuck bestätigt: »Die Spitzen in der Belastung prägen die Wahrnehmung. Foto: privat gehendes Lernen möglich. »Mit einer zeitlichen Überfrachtung des gesamten Bachelorstudiums hat das allerdings nichts zu tun«. und die Prüfungen ballen sich nicht am Semesterende.« Ein paarmal im Semester. sagt Schulmeister. sagt er. das offenbar jetzt auch andere zum Nachdenken bringt. Meiner Generation ging es besser als der vor und nach uns: kein Krieg.zeit. Den Studienleiter Rolf Schulmeister haben sie dazu als Berater eingeladen. »Allerdings muss man festhalten: Gerade für das Drittel der Studenten. 34. Angesichts der 18. www. dass der Bachelor kaum zu schaffen ist. Beim Deutschen Studentenwerk äußert man sich betont differenziert. zumal auch deutlich mehr Lernkontrollen geschrieben werden als früher. Waxmann 2011. wenn man mal keine Lust hat aufs Lernen. Hausarbeiten schreiben. »Wir haben nie behauptet. sagt man sich. Der Preis: Jetzt zählt jede Klausur und löst Stress aus.« Gemeinsam mit der TU Ilmenau haben die Hamburger Forscher ihr neues Modell bereits ausprobiert.« schon jetzt arbeitet er freiwillig jede Woche einen Tag in einer Schule. 30 Stunden. dass die Lage der Studenten wegen des Bachelors per se schlecht ist«. müssen wir das Studium in thematisch zusammenhängenden Blöcken organisieren.): Die Workload im Bachelor. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Fortsetzung von S.97 Stunden. bleibt eine andere«. »Das hat mit den Medien zu tun«. lernen. dann komme alles zusammen.72 12. dass die Professoren sich mehr von den Studenten abschotten – wie vor den sechziger Jahren. die neben dem Studium zwingend für ihren Unterhalt arbeiten müssen. . sagt Bernhard Kempen. heute nehmen die Studenten nur einen Business Case nach dem anderen durch. In der Statistikvorlesung waren wir zu acht. wie hehre Absichten zum Gegenteil des Erhofften führen können. sich für Prüfungen anmelden. Das bin ja nicht ich. kl. wird es schon eng. antwortete er also – und hielt sich für extrem realistisch. besonders im Vorfeld der Klausurenphase. BWL-Student von 1974 bis 1979: »Mit meinem Studium an der Uni Hamburg verbinde ich eine Freiheit. Hier offenbart sich. Das liegt an dem blöden Bologna-Studium. dann ist ein tiefer Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. sucht er jetzt nach Erklärungen. Buchtipp: Rolf Schulmeister/Christiane Metzger (Hrsg. ohne dass er sich schlimmer anfühlt: von 24 auf 31 Stunden. die fast an Unbekümmertheit grenzt. sei bei vielen wirklich extremer Stress angesagt.« Doch was folgt aus der enormen Diskrepanz zwischen »subjektivem Empfinden und objektivem Sachverhalt«. Ich habe zudem den Eindruck.com. die anderen Wochen vergisst man irgendwie.« Diese Entschuldigung zumindest könnte sich bald erledigt haben.olafdeharde.de/audio Ag Fordham www. nämlich dass der Studienaufwand sehr ungleich verteilt ist. dass die internationale Mobilität der Studenten entgegen allen Vermutungen der Bologna-Kritiker zugenommen hat und dass Bachelorabsolventen erstaunlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben (siehe auch Kasten).« Selbst Rolf Schulmeister sagt: »Eins zeigen auch unsere Daten. Die semesterbegleitenden Klausuren sollten die gefürch- teten Hammerprüfungen am Ende des Studiums ersetzen. 71 1970er Jahre Jürgen Studt. »Jahrelang haben sie rauf und runter geschrieben. kein Aids. Doch gilt die Entwarnung auch für die angebliche Überfrachtung des Studiums. 360 Seiten. die manchen noch nach einem Dutzend Semestern aus dem Magisterstudium gehauen haben. Sie haben das Semester dort in vier Blöcke aufgeteilt mit jeweils anschließender Prüfung und dabei den durchschnittlichen Studienaufwand sogar gesteigert. die viele streikende Studenten so erbost hat? »Meine subjektive Wahrnehmung als Hochschullehrer.

sagt sie. Bereits hat.und Methoden.gilt. und die schaftliche Variante führt gezielt auf ein zweiAbsolventen wären mit ihrem ersten Hochschul. Abschlüsse ließen sich schlechter verHochschulen und Fachbereiche – ein bundeswei. »Wie soll ich eine wissenschaftlich wirklich gute Grundausbil. kl. also aufeinanDie Forderung nach längeren Hochschulen können derfolgenden Studiengängen nur Regelstudienzeiten machte die die Studiendauer des zehn Semester betragen: Zu eiRunde. RegelstudienAuch die tatsächliche Berufsbefäzeiten von sechs. sie fürchten eine Schmalspurnicht verbessern? ausbildung im Master. um ter finde ich sehr wichtig«. energische – ohne dass es zu einer Studienzeitverlängerung Person mit T-Shirt. das Studium ließe tierten Zweig entscheiden können. warum die Welt so ist.« Hinzu kommt.torenkonferenz wiesen im vergangenen Wintersemester 44 Prozent der Bachelorstudiengänge zeit zu überschreiten bedeutete Stress. inhaltlich auf ein Niveau Herbst 2011 als erste deutsche Hochschule alle zu kommen und später ihre wissenschaftlichen ihre Bachelorstudiengänge regulär vier statt drei Grundlagen zu vertiefen. Würden Studiengänbleibt für den Master versitäten lehnen den langen Bage. es bleibt Zeit. da in den zusätzlichen Semestern ebenfalls Leistun. Zeitproblem darf die Gesamtregelstudienzeit zum Teil bis heute. insbesondere an den nem achtsemestrigen Bachelor Universitäten. werden andere nachziehen. der Sprecher der Universiacht Semester erhöht. Heimelig war es an der Uni Hamburg nicht. Rein rechtlich ist das seit Jahren möglich: Die Stattdessen seien gerade die sechssemestrigen Bachelors mit Stoff und Prüfungen vollgestopft.insbesondere die Ingenieur-. Klinische Psycho. sieben oder acht higung des ersten HochschulSemestern festzulegen. keiner kommt.tät Bonn. Und nach nur drei Jahren PsychoDas anwendungsorientierte Psychologiestudi.noch nichts vom Berufsleben mitbekommen stroh. Vor allem muss jeder verlängerte Stuter Trend ist mitnichten erkennbar. Und sagt Alois Loidl. »Wir haben aus allen Fakultäten ein kla. Aber ich habe mich schnell zurechtgefunden. »Den meisten meiner Studenten fehlte bislang die Zeit. eine zierliche.com.« Dennoch zeigt sie sich von dem Konzept ihres Fachbereichs überzeugt: »Wir sind erst am Anfang. Deutsche Fachhochschulen.olafdeharde. Sense«. Das weiß inzwischen landsjahr vor. Grundsätzlich ist für Studieverlängerten Studiengang zu reden.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. »Es Hochschulen zeigen sich bei dem Thema zurück. Foto: privat Aus sechs mach acht . aus. haben dies längst beVorlesungen zu besuchen oder etwas in Ruhe zu rücksichtigt: Nach Recherchen der Hochschulrekverdauen«.Brigitte Rockstroh kennt diese Argumente und gibt zu: »Vier Jahre Bachelor plus zwei Jahre Masnungen. wie sie ist.und Sozialwissenschaften.Abschluss in der Tasche. sagt sie. sagt sie. sagt Brielmann. sagt Brielmann logie zum Beispiel oder Gesundheit und Arbeit. »Und die Regelstudien. Die Stundenpläne sind oft straff. Allerdings beschränkt sich das Phänomen der schulwechsel zwischen Bachelor und Master würden Studienzeitverlängerung bislang nur auf wenige erschwert. heißt nicht sofort panikartig alles wieder umzustellen«. Sie steigt auf das Sofa und klaubt einen achtsemestrigen Bachelor in Psychologie an.semestriges Masterstudium hin. Die meisten diengang neu akkreditiert werden – das kostet. das war schon früh klar. Follow the white rabbit den einen Schwerpunkt wählen. Professorin für klinische Psychologie und habe?« Auch die frühen Vertiefungsmöglichkeiten Studiendekanin. »Wenn es aber funktioniert.raum und das Biopsychologie-Seminar gequetscht kante auf das grau melierte Sofa unter ihr. Doch bei genauerer Betrachtung sind diese den Beruf entlassen.mich sinnvoll spezialisieren können. es zum Beispiel von der Universität Freiburg. ab phase zu wenig Zeit. gefallen ihr. Studiengangs Internationale BWL von sechs auf sagt Andreas Archut. WirtschaftsReform führten.steht auf einem Pfeil. noch betrachtet man uns als Exoten«. Allerdings abschlusses stellten viele infrage. sagt Brielmann.und Auslandssemester.der Psycho-Oster-Party. So stellt zum Beispiel die Jade Hochschule Oldenburg/Wilhelmshaven/Elsfleth im nächsten Wintersemester alle ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge auf acht Semester um. sofern es Finanzen und Zeit zulassen. Die Umstellung auf die Bachelor. Politikstudentin von 1981 bis 1986: »Während der Schule wechselten meine Berufswünsche mehrmals. Sie schaffen aber andere Probleme VON MAREN WERNECKE eginnen wir mit der Ausnahme. zu Massendemonstrationen gegen die Bologna. An Kunst. ohnehin acht Semester. und grinst. die im Jahr 2009 eine Regelstudienzeit von sieben Semestern auf. den sie zwischen die Präsenzzeit im Fachschaftssagt Aenne Brielmann und haut mit der Hand. mit meinen Kommilitonen von dort bin ich noch immer befreundet. interdiszipliraum. Ich wollte wissen. Einige Universitäten wiederum sehen bei bematisch zu einer Entzerrung des Stundenplans. gerade eingeführten Modelle zu haltend. Nur dass ich studieren würde. das im Rahmen des Bachelor-Plusauch die 20-jährige Psychologiestudentin Aenne Programms des DAAD finanziell unterstützt wird Brielmann aus Konstanz. Auch die Goethe-Universität in Frankfurt am Main plant im Fach Sinologie schiedlich langer Bachelorstudiengänge die Mobilität der Studierenden einschränken würde: Hocheine Umstellung auf acht Semester. Eine längere Acht plus vier ist gleich zehn Semester«. »Cut. Jeans.logiestudium. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 73 Längere Bachelorprogramme könnten die Stundenpläne entlasten.« Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. ist immer noch unglaublich voll. die andere Option soll die Bachelorabsolventen optimal vorbereitet in abschluss besser qualifiziert. Rechts-. bei konsekutiven. über ihren näres Studienjahr sollen an einzelnen Hochschulen angeboten werden. Von der Wand des Fachschaftsraums starrt ein im vierten Semester beginnt die Einführung in die weißer Hase mit roten Augen vom Werbeplakat Anwendungsmodule. wobei sich die Studierenden Dabei scheinen die Vorteile einer Verlängerung nach dem sechsten Semester entweder für den auf der Hand zu liegen: Es bliebe mehr Raum für berufspraktischen oder den wissenschaftlich orienPraxis. habe man keinen um ist bekannt für seine Fächer. samt Blick auf See und Alpen. auch mal andere starken Praxisbezug haben. blie.« Möglichkeiten gibt es viele. die man auf sieben oder acht chelor daher fast flächendeckend Semester umstellte. Basismodule? Sollten vor dem sechsmonatigen Berufspraktikum im fünften muss jedenfalls jetzt los. Verschieben könne man auch in den vier Jahren rende ein längeres Studium ohnehin nicht auswenig.« B 1980er Jahre Juliane Papendorf. der Ständige Vertreter des Prädie Universität des Saarlandes lässt wissen: »Alle sidenten der Universität Augsburg. auf dem gesucht«. Die wissensich flexibler und individueller gestalten. Die Psychologiestudentin Aenne Brielmann Ende zweites Semester.schulpräsident Elmar Schreiber. Auch die Konstanzer Psychologieprofessorin unsere Bachelorstudiengänge sind auf sechs Semester ausgelegt. »Studieren«. die neuen. dass ein Parallelangebot unterJahre laufen zu lassen.Ländergemeinsamen Strukturvorgaben und das ben Freiräume auf der Strecke – so die Kritik. mit dem man in den Bevielfalt. weiß sie allerdings dem Wintersemester 2009/10 einen auch nicht. »Das Praxissemesunserem Fach sind vier Jahre das Minimum.« ter wären mir lieber. Am »Ich habe mir die Konstanzer Uni bewusst ausSüdrand der Bundesrepublik. Dort sehen etwa Bachelors flexibel auf gehörte demnach ein zweisemes95 Prozent der Bachelorangebote bis zu acht Semester triger Master. sagt Rockstroh. und es gibt derzeit keine Pla. »macht immer noch Spaß.stimmten Studiengängen ein zusätzliches Ausgen erbracht werden müssen. »Aber der Stundenplan Berg. Sie hat Dienst im Fachschafts. Orientierungsmodule? Deadline geschlossen.zur Universität oder ein zusätzliches. die ohnehin einen gefühlte Druck ist hoch. wenn immer möglich zu verbessern und res Bekenntnis zum dreijährigen Bachelor«. hier können die Studieren. dies zu ändern.zweisemestrigen Master müsste man sich im Wespiel die Uni Bamberg die Regelstudienzeit ihres sentlichen auf die Masterarbeit konzentrieren«. Hochschulrahmengesetz räumen jeder Hochschule die Freiheit ein. »Unsere Gleichung lautet: Argumente nur teilweise zu halten. Semester abgeschlossen sein. Aber: Dann Die forschungsorientierten Unidauer vor.« Probleme wie diese waren es. Sie will in den Sportkurs. »In einem Einige Hochschulen wagen es: Neben der Universität Konstanz hat zum Bei. sagt HochStudiendauer beispielsweise führt nicht auto. »Den Studenten bliebe in der Eingangsversität in Friedrichshafen wirbt damit. sagt Brigitte Rock.und Musikund-Master-Struktur sollte Deutschland eigentlich hochschulen dauern drei Viertel der Bachelors fit für den europäischen Hochschulraum machen. Die private Zeppelin Uni.gleichen.« Die Universität Konstanz bietet seit Worauf sie verzichten würde. Und das Studentenwohnheim wurde zu meinem Zuhause. Pferdeschwanz und kommt. »In Übersichtsplan von der Wand. die Situation weniger Zeit ab. wenn ich dung vermitteln zu können«. diese Unabhängigkeit hatte ich sogar gesucht. der ruf einsteigen könnte. eine sechssemestrige Studienfestlegen.testen. Auch Übergangssemester von der Schule Sommersprossen.

Einsendeschluss ist der 25. Es gibt Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer und den ältesten Rosenstock der Welt. die sich direkt aus dem Aufbau des Studiengangs ergeben. Bologna heiße der Zug der Zeit. Er fragte die Studenten. Vergangenes Jahr gaben die neun größten technischen Hochschulen in Deutschland beVON NORA GANTENBRINK W kannt. was ihnen nicht passte. Schicken Sie den Vorschlag mit dem Formular an daniela. Für dieses Engagement hat die Hochschulrektorenkonferenz Hildesheim auf die Liste der »Good Practice«-Beispiele gesetzt. sondern den Bottom-up-Prozess«. Greves Meinung nach ist Hildesheim auf dem aufsteigenden Ast.und Masterstudiengänge aus. dass das. eigene Schwerpunkte zu setzen oder vielleicht ins Ausland zu gehen? Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sucht Studiengänge. wo die drei besten ausgezeichnet werden. son- dern vor allem auch eine Frage der Einstellung. Friedrich ist ein großer. Und die Studenten fühlen sich von der Universitätsleitung in ihren Anliegen ernst genommen. so eine Studienordnung immer wieder umzuschreiben. Den Studenten gefiel das. das Preisgeld geht an die Fachschaft.2 Millionen. Je lauter ihr Protest wurde. oder Sie schauen. Ein Formular für den Antrag steht unter www. die auf der Bologna-Konferenz 1999 beschlossen wurde. Worte lang sein. Werner Greve und Toni Tholen haben sich entschlossen. der in der Uni Hildesheim weht und der von Personen wie dem Uni-Präsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich. Die präsentieren sich dann Ende November in Berlin. »Missbildung«. zeigt die Universität Hildesheim erner Greve hat sich eine bunte Fliege umgebunden und wird gleich etwas sagen. »Wir bevorzugen nicht den Top-down-. denen – aus welchem Grund auch immer – besonderes Lob gebührt. »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand. die mehrheitlich mit Studierenden besetzt ist. geht auch woanders« Wolfgang-Uwe Friedrich. Und hierbei unterscheidet sich die kleine Universität momentan von mancher Massenhochschule. Vorschläge können Studierende gemeinsam mit einer Fachschaft einreichen. dass Bildungskrisen auch Chancen bergen. Als die Hildesheimer Studenten während der Bildungsproteste den Hörsaal der Uni besetzten. mit gerade einnmal knapp über 100 000 Einwohnern. Allem Studenten-Widerstand zum Trotz beweist die Provinz-Uni gerade.74 12. die Prüfungsbelastung ist durch die Verringerung von Modulen reduziert worden. gebildeter Mann mit epochalen Gesten und vornehmer Art. Im Fokus steht die Frage: Wie kann man das Studium verbessern? In welchen Fachbereichen gibt es wo genau noch Probleme? Und: Wie sind sie zu beheben? Das Ergebnis: Die Module sind in Hildesheim flexibler geworden. Selbst der Asta-Referent der Uni spricht sich inzwischen öffentlich für die Bachelor. wählt eine Shortlist von sechs bis acht Studiengängen aus. sind die Lehrinhalte aktuell? Lässt es Ihnen den Freiraum. »Wir sind das Hackfleisch in der Bolognese« oder »Dichter und Denker statt Bachelor und Banker« stand auf den Plakaten. muss sich Debatten stellen. um zu diskutieren. Wie das geht. Er soll den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten weiter vorantreiben. sagt Friedrich. Mittlerweile heißt der Bologna-Tag in Hildesheim »Dies academicus« und ist zum festen Bestandteil des Studienjahrs geworden. dass die deutsche Hochschullandschaft auf Hildesheim blicken sollte. dann sagt der erst einmal »Tja«. Studienordnungen innerhalb kurzer Zeit zu ändern.de. we can make it everywhere!« . Deswegen fragt der Stifterverband: »Welcher Studiengang verdient Lob und warum?« In der Begründung sollen ausschließlich Kriterien eine Rolle spielen.stifterverband. was genau sie blöd fänden. Hildesheim ist aufgesprungen. »vergessen wir’s!« Die Umstellung von den alten Studiengängen auf die neuen sei eine echte Chance gewesen. der Leiter des Instituts für Psychologie. In Hildesheim sieht man es als Zeichen des Fortschritts. sagt Werner Greve. Der von Bachelorstudenten oft angeprangerte »Prüfungsmarathon« wurde durch weiter gefasste Prüfzeiträume entzerrt. Vier Mal wurde allein an Greves Institut die Bachelor-Studienordnung überarbeitet. aber es muss sein. Natürlich ist jedem Studenten etwas anderes wichtig. sagt Greve hingegen nur.« »Was in Hildesheim geht. einmal 2000 und einmal 1000 Euro.« Hildesheim ist die kleinste Großstadt des Landes Niedersachsen. sondern bezeichnend für einen reformerischen Geist. desto mehr Universitäten machten sich die Kritik der Studenten zunutze – oft für ihre eigenen Interessen. Mai 2011 AUSSCHREIBUNG DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Lob dem Studiengang Der Stifterverband sucht die besten des Landes Verdient Ihr Studiengang die Auszeichnung »cum laude«? Ist das Studium besonders gut strukturiert. die Tausende Studenten in Deutschland 2009 während der Bildungsproteste über ihren Köpfen schwenkten. In einigen Studiengängen wurden die Module geöffnet. sagt er dann und weist auf die »spezielle Kommunikationskultur« an seiner Uni hin. dem Bologna-Koordinator Toni Tholen und Werner Greve maßgeblich bestimmt wird. »Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«. woanders ganz bestimmt auch geht«. Eine Jury.maegdefessel@stifterverband. Er sitzt in seinem UniPräsidium wie ein König. Was ist nun an der Uni Hildesheim so anders als anderswo? Stellt man diese Frage dem Präsidenten Friedrich. »Ich glaube. Greves Abendrede ist nicht nur höfliches Gefasel. Aber viele universitäre »Sesselpupser« sähen das nicht ein. den Kopf oben zu halten. um den Studenten individuelle Wahlmöglichkeiten zu geben. was viele Menschen nicht hören wollen. Aber nicht nur die Studenten zeigten während der Streiks ihre Unzufriedenheit. ging der Bologna-Koordinator Toni Tholen einfach hinein. drei Mal die für den Master. und prämiert die drei besten mit einmal 3000. Die Studenten konnten kommen und in Workshops besprechen. Sie darf maximal 2000 »Bologna ist prima« Man muss die Studienreform nur richtig umsetzen. Und dass es nicht nur eine Sache der Größe und des Geldes ist. »Schade ums Diplom«. Die Uni Hildesheim hat sich mit ihrer Reformbereitschaft vom Hannoverschen Stiefkind zum bundesweiten Musterschüler gemausert. ruft er zum Abschluss seiner Abendrede ins Foyer und breitet die Arme aus: »If we can make it here. Greve und die Universitätsleitung Hildesheim aber schon. sondern stattdessen den alten Studiengängen nachgetrauert. andere raunen. Greve hebt sein Sektglas und sagt: »Bologna ist schon jetzt ziemlich prima!« Die Reaktionen der Zuhörer im Foyer des Römermuseums Hildesheim sind gespalten. Zwei Tage. sagt er. Denn viele Universitäten haben die Proteste nicht konstruktiv genutzt. Sie wollten das Diplom zurück. einer klatscht. In Hildesheim studieren 5000 Studenten von bundesweit rund 2. Wer sich auf den Weg nach oben macht. Sie sind gekommen. Daraufhin richtete er einen sogenannten Bologna-Tag ein. Manchmal mischt sich schon etwas Größenwahn in seine Worte. Sie sind die Antreiber auf den Campus. wie man es besser machen kann. Trotzdem findet Greve. eine Frage: Wie kann man die Bachelor-Master-Strukturen an den deutschen Universitäten verbessern? Nicht alle Teilnehmer des Forums sind von der Studienreform überzeugt. Und wie. Credit Points wurden dem Aufwand angeglichen. Gleich mehrmals wurden die Studienordnungen überarbeitet Natürlich macht es Arbeit. was in Hildesheim geht. dass sie den Master schlecht fänden. Juli. Das klingt dann so: »Auch Cambridge war mal ein rotes Backsteingebäude in der Nähe von London. Manche der Anwesenden nicken. An vielen anderen Universitäten gilt es als Niederlage.de/cum-laude.

Ein Viertel bis ein Drittel der Semesterwochenstunden sollen so gestaltet werden. in dem alte Menschen möglichst gern möglichst lange und möglichst selbstständig leben können. mit Ethik-Konzepten von Aristoteles bis Habermas und mit dem Unterschied zwischen geistesund naturwissenschaftlichen Methoden beschäftigen. Aber wir können ihnen einen Raum geben«. Und zweitens kommt man so dem Orientierungsbedürfnis nach. An meiner alten Uni hatte es keine überfüllten Hörsäle gegeben – der Protest und die Stimmung an der neuen haben mich daher ziemlich beeindruckt. und Anfang der Siebziger wurde aus dem Polytechnikum eine Hochschule samt Betriebswirtschaft. deren Präsident er ist. Je stärker Praxistauglichkeit angesichts der Schwerfälligkeit der Universitäten zum Gebot der Stunde wurde. als es denjenigen recht sein dürfte. 2012 soll es gebaut werden. sagt Pötzl. Gesundheit und Gestaltung. in Richtung eines umfassenderen Bildungsbegriffes. Denn Elfenbeintürme werden nicht so beherzt umund neu gebaut wie derzeit der Coburger Campus. Mit Studierenden der Fakultäten »Soziale Arbeit und Gesundheit« und »Design« sprachen die angehenden Architekten auch über den Aktionsradius alter Menschen. und dass umfassendere Bildung kein Add-on ist. seien meistens hoch motiviert und könnten sich gut selbst organisieren. aber noch grün hinter den Ohren. Instrumentelle Bildung. einsemestriges Studium generale eingerichtet. und wenn er sich nach links beugt. Bedürfnisse. zum Opfer dieses Erfolgs zu werden – denn die Universitäten haben von ihnen gelernt. Das heißt für die Hochschulen: Sie können immer weniger voraussetzen. glaubt man an der Hochschule Coburg VON ANDREAS UNGER E s ist verführerisch. »Einführung in die Ethnologie«. Im zweiten Semester kommen Wissenschaftstheorie. Pötzl erzählt. die einem dazu in den Sinn kommt. Foto: privat Praxisnähe reicht nicht aus Zur Ausbildung gehört auch Bildung. die aus dem Beruf kommen. dass die Zeichen der Zeit rückwärts deuten. Betriebswirtschaftler. Deshalb haben die Coburger für den doppelten Abi-Jahrhang ein freiwilliges. Produktdesigner. Trotz dieser Umstände hatte ich in Hamburg einen engen Kontakt zu meinem Professor. hatte man im Zuge der Bildungsexpansion ab dem Ende der sechziger Jahre die Humboldtsche Einheit aus Lehre und For- schung aufgegeben – an Fachhochschulen lernten und lehrten vor allem Praktiker. das an den Fachhochschulen lange vernachlässigt wurde. kl. Sie haben sich einen neuen Claim gegeben: »Die Projekthochschule«. trivial erschienen. im nächsten Jahr 200. solange sein Zimmer noch nicht fertig war. das diese Zwecke hinterfragt. wie ein Haus gestaltet sein soll. die wiederum den Abiturienten. Um dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete. also rein zweckgerichtetes Lernen. »Elfenbeinturm« ist die Assoziation. entwickeln neue Studienfächer und unterstützen ihre Studenten beim Berufseinstieg. Tendenz steigend: Derzeit entstehen neue Hörsäle und Verwaltungsgebäude. Und das ist nicht das Einzige. manche haben die Berufsoberschule absolviert. aber praxistaugliche Kräfte zur Verfügung zu stellen. Die Prüfungen werden ihnen später angerechnet. »Persönliche Reifeprozesse können wir nicht beschleunigen. zu viel in Michael Pötzls Aussicht aus seinem Büro hineinzudeuten: Auf einem Berg über Coburg liegt die Fachhochschule. Er hat mich bis ins Berufsleben begleitet und berät mich noch heute – ich berate ihn allerdings auch. 2010 etwa entwickelten Architekturstudenten ein »Wohlfühlhaus für Jung und Alt« aus Holz für Bamberg. Sie bemühen sich um ihre Studenten. Fachkräfte gegen den Fachkräftemangel heranzubilden. aber ungeliebt. »Die nach Schema F zu belehren. müssen sie an den Hochschulen nachholen. Auch so werden Inhalte anwendungsbezogen. engagieren jüngere Lehrende mit flexibleren Arbeitsverträgen. einige eine Berufsausbildung und drei Jahre Praxiserfahrung hinter sich. Der Vorläufer der Hochschule Coburg war rein praktisch ausgerichtet: Vor 199 Jahren wurde die Handwerkerschule gegründet – ein Anlass für die FH. Zu lange galt der Grundsatz: Nicht für die Schule lernen wir. Die Studenten schreiben sich ein und können aus etwa 50 verschiedenen Veranstaltungen wählen. als er noch vor wenigen Jahren en vogue war. Statik und Baukonstruktion. sagt Pötzl. Materialkunde. Allmählich aber spricht sich herum. Wissenschafts-.und Kulturgeschichte dazu.und Zivildienst und ein Schuljahr weniger Zeit hatten. um über ihre persönliche und berufliche Zukunft nachzudenken. 1990er Jahre Markus Birzer. ihre Lebensgewohnheiten. die dafür von der Praxis wenig Ahnung hätten. und sie ist falsch. sondern für das Unternehmen. Heute besuchen die Hochschule Coburg junge Leute mit vielfältigerem Bildungshintergrund: Manche haben das Abitur oder Fachabitur. dass es nicht genügt. da ich studentischer Mitarbeiter war. Sozialarbeiter und Versicherungswirtschafter gemeinsam. kann den alten Stadtkern erahnen. das nice to have ist. aber auch »Die Gitarre in Theorie und Praxis« und ang- lizistisch Verklausuliertes wie »Social Contacts and Telephoning«. und sie zahlen keine Studiengebühren. darunter »Allgemeine Ethik«. Damit soll das Denken in Zusammenhängen erlernt werden. die keinen Wehr.und VWL-Student von 1988 bis 1993: »Nach dem Vordiplom in Bamberg bin ich nach Hamburg gegangen und kam dort mitten im Streik des Asta an. Eigenheiten – darüber also. nämlich der Ausbildung praxistauglicher Arbeitnehmer? Die Coburger haben erkannt. was die Hochschule Coburg derzeit umgestaltet. Ist das ein hübscher Marketingeinfall? Oder vielleicht ein Zeichen für den Sinneswandel einer Hochschulgattung. der ihn beherbergt hatte. desto erfolgreicher wurden die Fachhochschulen. Dabei ging es nicht nur um Gebäudetechnik. sozialer Arbeit. Die Coburger Studenten machen das ganz konkret. Jetzt aber laufen sie Gefahr. Pötzl ist gerade aus dem roten Baucontainer ausgezogen. So sollen erstens die Jahrgänge. »Interkulturelle Kompetenz«. Deshalb sollen sich alle Erstsemester in Coburg vom Wintersemester 2012/13 an mit philosophischen Grundlagen. das junge Leute haben. Das. ihr Tun in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. wissenschaftlicher Anspruch und der Blick über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus.com. in deren Augen das »allgemein« in »allgemeine Hochschulreife« in erster Linie für »nicht praxisrelevant« stand. Gesundheitswissenschaftlicher.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Bildung bedeutet zunächst: Orientierung. Und: Diese Seminare besuchen angehende Architekten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 75 Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. das dem eigentlichen Studium vorausgeht. entzerrt werden. Dreierlei soll darin zum Ausdruck kommen: Anwendungsbezogenheit. das klappt nicht«. die durch die Verkürzung der Schulzeit und die Wehrdienstaussetzung gleichzeitig an die Hochschulen stürmen. Studierende. Sondern dass die Studierenden auch lernen müssen. In den fünfziger Jahren kamen Elektrotechnik und Maschinenbau dazu. Bauingenieure.« . Vor 20 Jahren waren die Studenten klassische Gymnasiasten und Fachoberschüler: schlau. Technik. worin sich die aktuellen Studienanfänger von den früheren unterscheiden: Jünger seien sie und weniger homogen. entrümpeln ihre Curricula und ihren Verwaltungsapparat. er sitzt über den Baumwipfeln.olafdeharde. Umgekehrt müssen nun die Fachhochschulen von den Universitäten lernen. was die Studierenden an den Gymnasien durch die Schulzeitverkürzung nicht gelernt haben. Geburtstag zu feiern. müsse auch von einem Lernen begleitet werden. aber ihnen fehlten theoretische Grundlagen. die doch eigentlich stolz darauf ist. sich durch nichts vom Erreichen ihres Hauptziels abhalten zu lassen. die brauchen ihre Zeit. Knapp 4000 Menschen studieren hier. Technik. 112 Studierenden nehmen es derzeit in Anspruch. und das gilt nicht nur für Sachinhalte. sieht er auch die Veste Coburg. Politik. Er ist der humanistischen Tradition näher. Lange fühlten sich die deutschen Fachhochschulen gleichermaßen als Musterschüler und Stiefkinder der Bildungsinstitutionen: effizient.

irgendein beliebiges Fach als zweites Nebenfach zu wählen und sich ein Semester später umzuschreiben. Ein engagierter Studienberater riet ihr daher. Der schriftliche Test findet am 4. Bei einem Berlin-Besuch zerschlägt sich schließlich der Traum vom Wechsel: »Im Prüfungsbüro wurden meine Scheine angeschaut.zeppelin-university. »Sogar Scheine. jemanden zu prüfen. Zurück in seine Heimatstadt Berlin. der Vorsitzende des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften. Juni in Stuttgart. und bei 18 Prozent lagen Prüfungsunterlagen nicht rechtzeitig vor.de/emadipcomm Bau-Bachelor in Berlin Am 1. sowie an Mitarbeiter aus den Bereichen Unternehmensentwicklung. Mai den Online-Bewerbungsbogen ausfüllen. So muss sich der 24-jährige Lehramtsstudent um eine andere Hochschule bemühen. Er informiert sich im Internet über die Studienordnung. wenn überhaupt.« In Marburg studierte sie Germa- nistik im Hauptfach und Kunstgeschichte und Spanisch in den Nebenfächern.« Kurse. Frankfurt am Main und Berlin statt. wird an seiner Uni Göttingen nicht angeboten. der seinen richtigen Namen nicht nennen will. Er richtet sich an IT-Fachkräfte mit einem Hintergrund beispielsweise in Informatik. Der angehende Lehrer Thorsten Ostholt sieht seine Odyssee mittlerweile mit Humor.« Auch Margret Wintermantel. Dennoch blickten die Hochschulforscher optimistisch in die Zukunft: Die Probleme seien vermutlich auf die Umstellung zurückzuführen. sondern abschrecken wollen. Juni in München. die Studenten verlören Zeit. sollten an der neuen auf einmal nichts mehr gelten. Nach dem Ende ihres Grundstudiums entschied sich die heute 27Jährige.baltic-college.de Erste Master in Schwerin Zum Wintersemester starten am Baltic College/Campus Schwerin die viersemestrigen Masterstudiengänge »Management im Kulturtourismus« und »Marketing-Management im Tourismus«. wagt Christoph Heine eine vorsichtige positive Einschätzung.de Master für digitale Pioniere Die Zeppelin Universität (ZU) Friedrichshafen bietet ab Herbst einen berufsbegleitenden Masterstudiengang für digitale Geschäftsmodell-Innovationen an. sagt Christoph Heine. »Untersuchungen zeigen. Ein Glücksfall. So gibt es auch beim Thema Mobilität und Anerkennung von Studienleistungen anderer Hochschulen noch einiges zu tun. www. die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. Als der Politikwissenschaftsstudent David Meurer im Wintersemester 2007 von Jena an die Universität Marburg wechseln wollte. an den ich mich mit Fragen hätte wenden können. werden leichter anerkannt als die einer anderen deutschen Uni. verlief alles reibungslos. die man im Ausland erworben hat. es ist wichtig. »Die neuen Bachelorund Masterstudienprogramme sind sehr stark ausdifferenziert. als ich musste. sechs Semester später. Das Seminar Gender-Studies etwa. wie David Meurer. www. Im Sommer 2010 will er einen erneuten Wechsel wagen. nur die besten Studenten haben.« Vor drei Jahren stellte die Studie »Innerdeutsche Mobilität im Studium« des Hochschul-Informations-Systems (HIS) den deutschen Hochschulen kein gutes Zeugnis in Sachen Wechsel aus: Es gebe Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen.« In langwierigen Prozeduren wird geprüft. um den Verwaltungsaufwand zu umgehen. www. Physik oder Mathematik. Ist mit Bologna tatsächlich alles komplizierter statt einfacher geworden? Nicht ganz.« Ständig verlangen die Prüfungsämter neue Unterlagen. ob ein Wechsel möglich ist. den »Executive Master of Digital Pioneering«. was natürlich auch eine positive Entwicklung ist. Schnell stellt sich heraus: Nur eine Handvoll Hochschulen würden ihn gegebenenfalls annehmen. also gehe ich davon aus. »Zu jedem Modul musste ich eine Inhaltsbeschreibung abgeben. denn ab einer gewissen Abweichung wird man nicht mehr zugelassen«. Die Bewerbungsphase ist angelaufen. bis Thorsten Ostholt zuletzt fürchtet. In langwierigen Prozeduren wurden alle Module geprüft Auch wenn die Studie allgemein Hoffnung macht. die eine Managementkarriere einschlagen wollen. erzählt Ostholt. Leipzig. den sie nicht aus den Seminaren kannten. www. der Autor der Studie. Wirtschaftsinformatik. Oktober startet der neue siebensemestrige Bachelorstudiengang »Umweltingenieurwesen – Bau« an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. dass mich nach dem Wechsel nichts mehr stressen kann«. Die besten Teilnehmer werden zum mündlichen Test am 8. am 11. Düsseldorf und Hamburg. »Das war sehr umständlich«. ihrem ersten Studienort den Rücken zu kehren und das Hauptstudium im 140 Kilometer entfernten Göttingen fortzusetzen. muss bis zum 15. hieß es. sagt er lachend. Aber was dann? Florian Pranghe glaubt. an dem jetzt nachgebessert werden müsse. dass es den Verantwortlichen noch an Lösungsideen mangele.« Sie riet damals allen Bekannten von einem Wechsel ab. brachte ihm in Berlin keinen Punkt. Margret Wintermantel gibt zu: »Wir sind noch nicht so weit.« Die Bildungsministerin Annette Schavan hat das Thema bei der Bologna-Konferenz vergangene Woche zu einem der zentralen Punkte der Reform erklärt. Bei immerhin 6 Prozent hingegen wurden Leistungen nicht anerkannt. dass die Anerkennung der Scheine problematisch werden wird. dass wir hinter alle Ziele des Bologna-Prozesses einen Haken setzen können. telefoniert mit der Studienberatung. So einfach wie damals wurde es nie mehr. dass sie bei der Organisation des Wechsels weitgehend auf sich allein gestellt war und anders als ihre Kommilitonen an der neuen Hochschule keinen Kontakt zu den Professoren hatte aufbauen können: »Viele weigerten sich. an eine andere deutsche Hochschule zu wechseln? VON MARIE-CHARLOTTE MAAS E inmal hatte es schon geklappt. In Göttingen wollte sie auf Spanisch verzichten und stattdessen zwei Hauptfächer studieren. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN TIPPS UND TERMINE Bewerbungsschluss an der Law School Wer am Zulassungsverfahren der Bucerius Law School für den kommenden Herbst teilnehmen möchte. dass sie gegebenenfalls Studienleistungen nachholen müssen. die Meurer an seiner alten Uni besucht hatte. dass die Universitäten ihn nicht prüfen. Alle Scheine wurden anerkannt. Florian Pranghe vermutet hinter dem Vorgehen der Hochschulen ähnliche Gründe: »Die Unis sind überfüllt und wollen. beim Übergang in den Masterstudiengang einer anderen Uni keine Probleme gehabt zu haben. »Inzwischen bin ich gegen alles gewappnet. »Wenn mir jemand erzählt. weiß von den Problemen der Studierenden. welche Module Ostholt belegt hatte. obwohl er sogar seinen alten Magisterstudiengang gegen ein Bachelorprogramm eintauschte. »ich wollte andere Studienschwerpunkte wahrnehmen. in Marburg ganz groß. und dann hieß es: Das könnte problematisch werden. sagt Ninia Binias: »Schlimm war es schon immer. »Die Praxis der Hochschulen. Während er auf eine Zusage wartet. Strategie. die er gern vertiefen will.de/423/detail/buw Restlos abgeschreckt Warum ist es so schwer. Anders als bei David Meurer ist der Hochschulwechsel von Thorsten Ostholt keine freiwillige Angelegenheit. www. entgegne ich immer.law-school. den einzelnen Betroffenen tröstet sie kaum. lernen sollte.hochschule-biberach. plagen ihn Existenzängste: »Das Schlimme war.« Thorsten Ostholt hatte bereits vorgebeugt: »Ich bin davon ausgegangen.de Neue Bachelors in Biberach Die Hochschule Biberach erweitert ihr Studienangebot zum Herbst um die Bachelorstudiengänge »Energiewirtschaft« und »Industrielle Biotechnologie«. Für die Studierenden kann dies aber bedeuten. Hinzu kam. »Ich finde. anhand der Inhalte der Seminare zu entscheiden. wie anstrengend das Referendariat ist. Heute. nicht nur an einer Uni gewesen zu sein«. »Die Ergebnisse der Studie waren sehr kritisch«. dass es niemanden gab. Vertrieb und Einkauf.« . »Dieser Wechsel hat mich mehr Mühe gekostet als meine Bachelorarbeit. Ein Master für seine Bachelor-Fächerkombination aus Chemie und Sport.« Auch eine aktuelle Absolventenbefragung des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung in Kassel scheint dies zu stützen: 68 Prozent der Bachelorabsolventen geben an.beuth-hochschule. Mit dem Abschluss des Bologna- Prozesses im Jahr 2010 hoffte man auf Besserung. des Dachverbands der Studierendenvertretungen in Deutschland. Das allerdings ging nicht. Aus verwaltungstechnischen Gründen. oder 9. dass sich die Studienqualität gebessert hat. finden wir nicht akzeptabel«.« Sie hat das Wechseldrama bereits mitgemacht. und habe einfach mehr ECTS-Punkte gemacht.« Das kann allerdings keine Lösung für das Problem sein. sagt Ninia Binias. als der Studienabschluss noch nicht Bachelor hieß. sagt Florian Pranghe. Juli in Hamburg eingeladen. sagt sie.76 12. dass sich auch die Bedingungen eines Hochschulwechsels verbessert haben.

halten wir für nicht zutreffend. Es sind solche ökonomischen Prinzipien von Angebot und Nachfrage. Anders als an anderen Hochschulen stehen sie ausschließlich Berufstätigen offen. Als Studentin an der Musikhochschule Lübeck habe ich zudem gelernt. dass die Unternehmen einen sehr starken Einfluss ausüben. sagt der Studiengangsleiter über seine künftigen Studenten. Künftig soll gut die Hälfte derjenigen Absolventen. wie man in Stuttgart betont: Die Studenten behalten ihre Stelle in einem der Partnerunternehmen. und das können wir auch im Master. die nach dem Wochenendunterricht wieder an den Schreibtischen sozialer Einrichtungen sitzen werden. Es war toll. von Markt und Kapital. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 77 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.5 Prozent aller DHBW-Absolventen hängen derzeit direkt einen Master an – im Gegensatz zu 77 Prozent der Universitätsstudenten. sagt Roß. sollen am 1. sich spezialisieren oder Führungsaufgaben übernehmen wollen. gesellschaftliche und sozialstaatliche Aspekte mit einschließt. Weitere könnten in den kommenden Jahren folgen – je nach Nachfrage. Damit betritt man in Baden-Württemberg Neuland in der deutschen Hochschullandschaft: Die DHBW wird bundesweit die einzige Hochschule sein. die sich weiterentwickeln. die ersten Masterprogramme. »Der Master ist für diejenigen gedacht. die an der DHBW neben der Zusammenarbeit mit Unternehmen auch die Ausbildung der Studenten begleiten.« 2000er Jahre Mona Rössler. Der Nähe zur Wirtschaft. Roß sieht das gelassen: Das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Bildung. Bereits im Bachelor verbringen die rund 26 000 Studenten die Hälfte ihrer dreijährigen Studienzeit in einem der 9000 Kooperationsunternehmen. Das Studium ist berufsbegleitend oder vielmehr berufsintegriert. sagt Geilsdörfer. sondern auch rechtliche.« Er gesteht aber auch ein. sind die Ausnahme. »Das Grundprodukt ist der Bachelor. sagt Geilsdörfer. »Sie fühlen sich eher als Mitarbeiter der Unternehmen denn als Studenten der Hochschule«. die bisher nur Bachelorstudiengänge angeboten hat. die mit den Masterprogrammen nicht leichter wird. sondern auch ein fester Arbeitsvertrag. Im Herbst starten an der DHBW. Ich gehe davon aus. dass sich dieses Kapital bald vermehren wird. wird jedoch auch Skepsis entgegengebracht. Leiter des Masterstudiengangs der Fakultät Sozialwesen. sondern eine Teilgruppe«. Kritiker fürchten um die akademische Unabhängigkeit. dass ich mich endlich auf das konzentrieren konnte.« . moniert aber. Klavierstudentin von 2002 bis 2007: »Ich habe immer schon Klavier gespielt. sagt er: » Das können wir. betont Roß: »Den Vorwurf. Voraussetzung für die Teilnahme an den Programmen ist nicht nur Berufserfahrung. sagt Präsident Geilsdörfer. Praxis und Theorie sei nun mal seit vielen Jahren »unser täglich Brot«. die einen Abstecher ins Berufsleben und dann einen Master machen. Mit der Umwandlung der Berufsakademien in die Duale Hochschule war der Anspruch verbunden. deren Masterstudiengänge allesamt weiterbildend sind. für das Studium habe ich mich deshalb bereits zu Schulzeiten entschieden.« Tatsächlich wählen die Kooperationspartner der DHBW die Studenten mit aus und reden auch bei den Studieninhalten mit. Ich bin froh. Der Master ist für diejenigen gedacht. Bis zum Wintersemester 2014/15 will er die Studentenzahlen auf rund 34 000 wachsen sehen. sagt Paul-Stefan Roß. Das reißverschlussartige Ineinandergreifen von Theorie und Praxis soll im Master noch enger werden. Eine »ausgelagerte Berufsschule« wolle man jedoch nicht sein. was diese mehr als 30 Jahre lang praktizierten: die Zusammenführung von akademischer und beruflicher Ausbildung. Ähnlich soll es nun im Master weitergehen. sagt Geilsdörfer. dass kritisches Studieren zu kurz komme: »Die Freiheit von Forschung und Lehre ist hier in Gefahr. »Auch während der Masterausbildung sollen die Studenten den Unternehmen erhalten bleiben«. Und die sind nicht der Regelfall. zu bestimmen.com Aus dem Büro an die Uni Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bietet jetzt den berufsbegleitenden Master einhold Geilsdörfer sieht es nüchtern: »Die Studenten sind unser Kapital. verbringen aber ihre freien Tage an der Hochschule und ihre Abende mit Lernen. dass bereits der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss und der Master eher der Ritterschlag als karrieristische Notwendigkeit ist. wie oft und wie lang ich übe. die Unternehmen gäben die Themen vor. Die große Mehrzahl der über 6000 weiterführenden Studienangebote ist konsekutiv und schließt damit direkt an einen vorausgehenden Bachelor an. sagt Geilsdörfer. Sie ging vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss von acht Berufsakademien hervor und setzt nun als Hochschule fort. Für die meisten Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ist die Weiterbildung vor allem ein mehr oder minder lukratives Nebengeschäft. An dieser Fakultät sind die Vorbereitungen für den Master am weitesten fortgeschritten. »Es werden kleinere Nachjustierungen gefordert. Niemand diktiert uns die Ausrichtung. »Die Ausschließlichkeit des berufsbegleitenden Modells ist einmalig«.« Der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat dafür gesorgt. »Alles sehr motivierte Leute. Ein Dutzend Masterstudiengänge. noch auf Diplom studiert zu haben – ich hatte viel mehr Freiheiten als die Musikstudenten heute. der die Einrichtung der Master mit angestoßen hat.olafdeharde. Es bestehe nun einmal die Meinung: je höher der akademische Grad. weiterführende Studiengänge anzubieten und Forschung zu betreiben. »Wir wollen uns damit in der VON SABRINA EBITSCH R akademischen Landschaft endgültig als Hochschule mit Vollprogramm platzieren«. aber wir haben grünes Licht«. desto besser die Karrierechancen. Stephanie Odenwald vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft etwa möchte duale Ausbildungen wegen der Vorteile der Studenten am Arbeitsmarkt zwar nicht verteufeln. dafür an die DHBW zurückkehren.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. die in Leitungsaufgaben wollen«. In Sozialwesen sind es immerhin zehn Prozent. die sich spezialisieren wollen« Dahinter steht auch die Auffassung. deren Nachfrage man derzeit nicht befriedigen könne. für mich selbst verantwortlich zu sein. Die wollen die Stuttgarter nun zur Regel machen. Das Ungewöhnliche ist aus Sicht der Dualen Hochschule nur logische Konsequenz. Oktober an den drei Fakultäten anlaufen. sagt Roß. Eine Gratwanderung. Befriedigt wird auch Nachfrage von anderer Seite – der der Studenten. das nicht nur wirtschaftliche. die einen Master anhängen. Denn letztlich war es auch der Wunsch der Unternehmen nach höher qualifizierten Mitarbeitern und passgenauer Forschung. die den Studenten weitgehende Jobsicherheit und den Unternehmen maßgeschneidertes Personal beschert. Gerade einmal 8. was früher ein Hobby für mich war. dass Spannungen zwischen den Ansprüchen der Praxis und denen der Hochschule existierten. Absolventen. 15 bis 30 Erstsemester werden im Master »Governance Sozialer Arbeit« für 1500 Euro pro Semester auf Führungsaufgaben im sozialen Bereich vorbereitet – nach dem Prinzip Governance. Seit Mitte März liegt das Akkreditierungsgutachten vor. die sich derzeit noch im Akkreditierungsverfahren befinden. Man verstehe dies auch als personale Entwicklungsmaßnahme für die Unternehmen.

Definiert man »in Teilzeit studieren« umgekehrt so. muss man eine bestimmte Zahl an Punkten erreichen. ZEIT: Viele klagen. Deshalb müssen wir alle organisatorischen und finanziellen Nachteile für diese Studenten abbauen. die in Teilzeit studieren wollen. Der Bedarf würde am besten gedeckt werden. zahlt weniger. dass Ältere noch mehr lernen. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat deshalb mehr Teilzeitangebote gefordert. die es ihnen ermöglichen. Informatikstudentin seit dem Wintersemester 2010: »Dass ich jetzt Informatik studiere.und Prüfungsordnungen vor und für eine Minderheit spezielle Teilzeit-Hochschulen. dass gut ein Viertel der Studenten siebzehn Stunden pro Woche oder mehr in Nebenjobs arbeiten müssen. Wir müssen Studiengänge so gestalten. die sich ausdrücklich an Studenten richten. Ich bin nicht sicher. aber bisher wird wenig für einen anderen Rhythmus von Berufsund Lernphasen getan. Seit Langem arbeiten Studenten nebenher. dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. ZEIT: Sollte also lieber doch alles bleiben wie bisher? Teichler: Nicht unbedingt.und Teilzeitstudenten. Viel Freizeit habe ich allerdings nicht mehr. Eine Herausforderung auch für die Politik: Das faktische Teilzeitstudieren zieht häufig Probleme mit dem Bafög oder Studienkrediten nach sich. für Vollzeit. eine chronische Krankheit oder familiäre Verpflichtungen können dazu führen. Das Klischee vom lockeren Studentenleben trifft auf mich sicher nicht zu. eine schwierige Matheaufgabe zu lösen – auch wenn es bis zwei Uhr nachts dauert. Es sollte keine Probleme geben. dass es in Bachelor. die voll im Beruf stehen und zusätzlich stu- In Teilzeit studieren Anders als in Großbritannien und den USA haben die Hochschulen hierzulande bislang nur wenige Angebote konzipiert. dass sie für alle »studierbar« sind: für Jüngere. dass nach Abitur oder Ausbildung einige Jahre Berufstätigkeit folgen und ein späterer Einstieg ins Studium leicht möglich ist – Vollzeit oder Teilzeit. dass sich das Studium um ein Jahr bis zwei Jahre verlängert. Es geht nicht nur darum. Aber nur jeder siebte arbeitet während des Semesters mehr als sechzehn Stunden pro Woche. welche Milieus man schaffen will. das Studium an der Uni Hamburg ist anstrengend und unterscheidet sich kaum von der Schule. der zumindest formal in Vollzeit studiert. die sich an der Regelstudienzeit orientieren.com DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN »Nachteile abbauen« Der Hochschulforscher Ulrich Teichler über die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjobs DIE ZEIT: Dem Deutschen Studentenwerk zufolge arbeitet heutzutage jeder vierte deutsche Student nebenher so viel. ohne offiziell diesen Status zu haben: Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner Sozialerhebung im Jahr 2009 ermittelt. Ältere. wenn ganze Fachbereiche oder Hochschulen sich darauf spezialisierten. ob wir noch mehr zum Teilzeitstudium ermutigen sollten. Mai 2011 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Das ist nicht die dringlichste Aufgabe. was man will. Andererseits wird verlangt. aber hier kann man nachbessern. hat mich selbst überrascht.olafdeharde. um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. ZEIT: Wenn jemand bis zu zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – leidet darunter nicht sein Studium? Teichler: Man muss sich entscheiden. um ein Studium abzuschließen. die sich den Hochschulen stellt. dass er nicht mehr als Vollzeitstudent gelten kann. Das führt meist dazu.78 12. Teichler: Ja. wenn jemand erst einige Jahre nach dem Bachelor in den Master einsteigen will. Aber es ist ein tolles Gefühl. 2010er Jahre Laura Rosenberg. dass mir das liegt. Dem »Hochschulkompass« der Hochschulrektorenkonferenz zufolge sind weniger als fünf Prozent der Studiengänge in der Bundesrepublik überhaupt dazu geeignet. die am Wochenende oder abends lehren wollen und können. bekommt Punkte. die nebenbei jobben. Teichler: Bei der Reform hat man das Thema Nebenjob erst einmal übersehen. Einerseits haben wir die Tradition des Studenten. Bevor wir die stärker ausbauen. braucht man andere Angebote. Wir sollten dazu ermutigen. das sich vor allem an der Standard-Studiendauer orientiert. Kaum jemand hat dadurch aber schlechtere berufliche Chancen oder verdient weniger.und Masterstudiengängen kaum noch möglich sei. sammeln ja Arbeitserfahrung. Denn für solche Angebote muss man anderes Personal rekrutieren: Professoren. Mitarbeiter und Lehrbeauftragte. dass jemand es nicht mehr schafft. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden.« dieren wollen. Mit der Bologna-Reform wurden Studiengänge in Module eingeteilt. Es wird viel vom lebenslangen Lernen gesprochen. studieren mehr oder weniger in Teilzeit. nur am Abend oder am Wochenende Kurse zu besuchen. Wer ein Modul besteht. Interview: STEFAN KESSELHUT . Die Regelungen für Studiengebühren müssten ebenfalls flexibler werden: Wer weniger Punkte im Semester machen will. Separate Studiengänge für Teilzeitstudenten sollte es nur in Ausnahmefällen geben. studieren allerdings bereits heute viele Studenten faktisch in Teilzeit. die vorgegebene Stundenzahl pro Semester zu leisten. zum Teil gibt es solche Angebote auch schon. Selbst bei weiterbildenden Studiengängen ist der Anteil kaum größer. Hier sind separate Teilzeitstudiengänge gefragt. dass Teilzeitstudierende unter sich sind? Sollten sie nicht auch in Kontakt mit »Vollzeitstudenten« kommen? Hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen. dass das Studium zumindest eine Zeitlang zur Nebensache wird. Was halten Sie davon? Ulrich Teichler: Nebenjobs sind kein Argument für wesentlich mehr Teilzeitstudiengänge. ohne das Studium zu gefährden. gestaffelt absolviert zu werden. ZEIT: Sie schlagen also flexiblere Studien. Studenten. Warum geht das nicht in einer beliebigen Zeit? Zusätzlich müsste das Bafög reformiert werden. ZEIT: Wer braucht dann überhaupt »echte« Teilzeitstudiengänge? Teichler: Für die Minderheit der Teilzeitstudenten. Ich habe durch ein Schnupperstudium gemerkt. Aber auch Kinder. müssen wir uns aber fragen: Ist es sinnvoll. sondern auch dass nicht alle vor dem Berufseinstieg so lange lernen. man muss sich auch entscheiden. nebenher zu arbeiten.

und Kommunikationswissenschaften würden die beruflichen Chancen vielfältiger. In den vergangenen Jahren haben viele Unis das Fach Kommunikations. in wenigen Monaten wird sie das Studium abgeschlossen haben. ausschlaggebend für ihre Studienwahl waren sie jedoch nicht. Pädagogik und Politikwissenschaften gemeinsam führten – einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft aber gab es nicht. in wie viele Fächer wir Einblicke haben«. Studierbarkeit und Internationale Ausrichtung der Spitzengruppe zugeordnet.CHANCEN 12./ Journalistik Forschungsgelder Internationale Ausrichtung Berufsbezug Studierbarkeit Studiensituation insgesamt UNIVERSITÄT Medienwissenschaft Internationale Ausrichtung Medien-Labore Studierbarkeit Studiensituation insgesamt Uni Basel (CH) A sen zusammen mit ihren Kommilitonen für einen Shampoo-Werbespot im Radio die Geschichte von Rapunzel umgeschrieben: »In unserer Variante lässt Rapunzel ihr Haar runter. Carina Johannsen freut sich über die beruflichen Aussichten. wie Tim Burton die Traumatisierung der Personen in drei seiner Filme darstellt. / Nicht gerankt (keine Daten vorhanden. zu weit ist die thematische Breite. wie bedient man eine Kamera. Es gibt auch Universitäten. als könne sie alles.« In guten Tagen fühlt sich Johannsen. Das war alles akustisch gar nicht so einfach zu vermitteln. Mehr als 200 Studienangebote für Medien. »Wir haben versucht. ohne an die Theorie zu denken«. während die Kommunikationswissenschaft die politischen und gesellschaftlichen Wirkungen der Massenmedien ins Zentrum stellt. dass sich die Schwerpunkte der einzelnen Studiengänge stark unterscheiden können«. der Prinz will hochklettern. Informationen zu allen Hochschulen und Fakultäten finden Sie im Internet unter www. Warum Hunde auf Spielplätzen zeitweise als große Gefahr erscheinen. sollte allerdings nicht nur auf die Qualität der Lehre achten. Sofern ein Fach an mehreren Fakultäten einer Hochschule angeboten wird. Die Ergebnisse des aktuellen CHE-Ranking. Wer Kommunikations. »Andererseits haben wir natürlich nur selten fundierte Kenntnisse. Später möchte sie im Bereich Werbung arbeiten. sagt Johannsen. und wie werden die präsentiert? Das war im ersten Semester.und Kommunikationswissenschaften existieren inzwischen in Deutschland. an denen die Studenten während des gesamten Studiums kein einziges Mal eine Kamera in der Hand halten. Ganz anders sieht es in Passau heute aus. die ich mir vorstellen kann«. Ganz eingrenzen lässt sich das Feld der Medien. um ihr Image zu verbessern. dass ich in einem der spannendsten Felder arbeite. . beim Indikator Praxisbezug der Mittelgruppe. Kein Wunder. »Wenn ich eine Schreibblockade habe. was sich im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2008 niederschlug: Der Studiengang in Passau war in allen wichtigen Kategorien in der Schlussgruppe vertreten. Grundsätzlich stehen bei der Medienwissenschaft Geschichte und Theorie der Medien von der Schrift bis zum Computer im Vordergrund. ohne dass die Theorie darunter leidet. die in den Tabellen nebenan und auch im neuen ZEIT Studienführer stehen. In vielen der untersuchten Bereiche liegt er sogar in der Spitzengruppe. So hat Johannsen etwa auch Scheine in Grundlagen aus den Wirtschaftswissenschaften und in Medienrecht gemacht. Aber das geht meist schnell vorüber. und mit ihr wächst das Angebot der Kommunikations. an denen das Studium aufgebaut wird oder für die keine Daten vorliegen. das auf Einschätzungen von Studenten beruht. und die Qualitätsunterschiede sind groß. Ich sehe jeden Tag. »Kommunikation gewinnt weiter an Bedeutung. sagt Vinzenz Hediger. erzählt die Studentin. weitere folgten. »Es ist toll. handwerklich und praktisch mit Medien umzugehen: Was gibt es bei einem Aufnahmegerät zu beachten. Noch im Jahr 2008 wurde das Fach in Passau nämlich massiv gefördert: Bald war eine Professur für Kommunikationswissenschaften ausgeschrieben und besetzt. »Ich hatte zwischen Psychologie und Medienwissenschaften hin und her überlegt«. Sie landete in der Spitzengruppe bei der Internationalen Ausrichtung und in der Schlussgruppe beim Indikator Forschungsgelder. Wenn Johannsen heute zurückblickt. Für Absolventen der Medien. Werbung und Journalismus bieten Chancen. Nicht nur die etablierten Arbeitsgebiete wie Marktforschung. Uni Augsburg FU Berlin UdK Berlin TU Dortmund TU Dresden Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erfurt ZU Friedrichshafen (priv.) Uni Greifswald Uni Halle-Wittenberg Uni Hamburg HMTM Hannover Uni Hohenheim TU Ilmenau Uni Jena Uni Leipzig Uni Mainz Uni Mannheim LMU München Uni Münster Uni Nijmegen (NL) Uni Passau Uni Twente (NL) Uni Zürich (CH) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Uni Bayreuth Uni Bochum HBK/TU Braunschweig TU Chemnitz Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erlangen-Nürnberg Uni Konstanz Uni Leipzig Uni Marburg Uni Paderborn Uni/FH Potsdam Uni Regensburg Uni Weimar Stand 2011 Hochschulen. So ist es auch an der Uni Siegen. Im Fach Politikwissenschaft wurde die Universität Rostock in den Vergleich einbezogen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 79 Radio hören für die Uni UNIVERSITÄT Das Fach Medienwissenschaft tritt thematisch extrabreit an m Anfang analysierte Carina Johannsen sogar noch morgens unter der Dusche. dann aber plötzlich in Vergessenheit geraten – weil sie von der Agenda der Zeitungen und Fernsehsendungen verschwunden sind. Im Fach Kommunikationswissenschaft/ Journalistik wurde die Universität Hamburg in die Liste aufgenommen. Es entstehen auch neue Berufsfelder durch die zunehmend professionellen Auftritte der Medien und Unternehmen in Sozialen Netzwerken. aber die Haare reißen. Forschungsgelder und Forschungsreputation kam sie jeweils in die Mittelgruppe. Neben den Analysefächern lernte Carina Johannsen auch. Stand 2011 zu geringe Fallzahlen) Änderungen im Ranking Gegenüber der Veröffentlichung der aktuellen Ranking-Ergebnisse im ZEIT Studienführer und in der letzten Ausgabe der ZEIT haben sich einige Änderungen ergeben: Im Fach BWL an Universitäten liegen beim Indikator Internationale Ausrichtung die Hochschulen ESCP Europe Berlin. sagt Johannsen. wird in dieser Übersicht nur eine Fakultät dargestellt. sie könne nichts wirklich. muss sie lächeln. den die Fächer Philologie. Die 23-Jährige studiert inzwischen im sechsten Semester Medienwissenschaft an der Universität Siegen und arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit. Mediaplanung. Dazu kommen weitere Schwerpunktsetzungen: Bei einem Studienangebot steht die akademische Theorie im Vordergrund.« Heute weiß sie. erzählt sie. 2004 hatte man dort einen Bachelorstudiengang Medien und Kommunikation gegründet. oder zumindest von allem ein bisschen etwas – in schlechten Tagen hat sie das Gefühl. »Ich weiß theoretisch. In BWL an Fachhochschulen kam die PFH Göttingen bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt und Studierbarkeit in die Spitzengruppe. Bei den Indikatoren Internationale Ausrichtung. wie schneidet man Filme und Radiobeiträge ordentlich? Im dritten Semester hat Johann- VON CHRISTIAN HEINRICH Kommunikationswiss. sagt Altmeppen. wie ich einen Film machen kann. Film.und Medienwissenschaften studieren will. sagt Klaus-Dieter Altmeppen.und Berufsalltag. schadet es eher ihrem Ansehen. sagt Johannsen. der dort seit 2008 die erste Professur für Kommunikationswissenschaft innehat und an der Errichtung des geplanten Zentrums mitarbeitet. TU Berlin und Handelshochschule Leipzig nun in der Spitzengruppe. Derzeit wird ein neues »crossmediales Medienzentrum« errichtet. sagt Ralf Hohlfeld. An eine fundierte Fernseh. wo Carina Johannsen studiert. Für Medienwissenschaftler bestimmen sie zusätzlich den Forschungs. kann ich guten Gewissens auch mal das Radio anmachen«. / Schlussgruppe. »Ich finde es interessant. die neuen Plattformen für die Verbreitung von Nachrichten und Videos. dass die Angebote nach Aussagen vieler Studenten theoretisch und praxisfern blieben. wie auch die grünen Punkte in den Tabellen zeigen. Fehlen aber die nötigen Kompetenzen und Kapazitäten.und Kommunikationswissenschaften allerdings selten. liegt Passau jetzt in der Spitzengruppe. Dabei geht es wieder einmal um Analyse: Johannsen geht der Frage nach. was sie im laut aufgedrehten Radio hörte: Wie verändert sich die Betonung der Radiosprecherin? Warum wurden welche Nachrichten ausgewählt. Aber vorher muss sie ihre Bachelorarbeit noch fertigstellen. bei dem anderen Fach liegt der Fokus auf Fernsehen oder Radio. sich zu spezialisieren«. die Ausbildung praktischer zu strukturieren. werden nicht in das Ranking einbezogen. Inwiefern Ego-Shooter-Spiele aus labilen Menschen Amokläufer machen können.de/studium/medien / Spitzengruppe. Studierbarkeit und Praxisbezug der Mittelgruppe zugeordnet. »Das mit dem Analysieren ist zum Glück bald weniger geworden. / Mittelgruppe.und Medienberufe«. wie die Medien auf Menschen einwirken können. dass das damit nicht passiert wäre.und Medienwissenschaftler von der Universität Frankfurt. Die HWR Berlin wurde bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. Medien sind eben überall und fast immer präsent. aber natürlich haben wir nur an der Oberfläche gekratzt«. zeigen: Der Kommunikationsstudiengang der Universität Passau hat einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht.und Medienwissenschaft einfach nur eingeführt. »Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben vor allem durch Facebook und Twitter derartige Formen angenommen. wovon die Menschen wie beeinflusst werden. sagt sie und lacht. »Man sollte auch im Blick haben. Die FHWien wurde in die Ranking-Tabelle aufgenommen und bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. Radio hören gehört ja letztlich auch zu ihrem Studium. der an der Universität Eichstätt als Medienwissenschaftler forscht und lehrt. aber am Ende hat es gut geklappt«. die wachsende Zahl der Mobilservices. Die Studenten scheinen zufrieden zu sein: Bei dem wichtigen Kriterium »Studiensituation insgesamt«. Dann kommt der Slogan des Shampoos und der Hinweis. ich kann wieder mit Freude Zeitung lesen und Radio hören. wie die Universität Passau anfangs feststellen musste.oder Radioausbildung reicht das aber nicht heran. sagt sie.zeit. Mit entsprechenden berufsbezogenen Modulen haben die Studenten zum Ende des Stu- diums außerdem die Möglichkeit.

Das führt zu Fehlentscheidungen. ist danach einen Schritt weiter – er hat zusätzlich ein Beziehungsproblem! Und drittens: Wenn schon Meetings. Der natürliche Lebensraum des Vorgesetzten ist der Sitzungssaal. Ansonsten darf man sich nicht verrückt machen«. dass niemals ein Klimaabkommen zustande kommt. Während sich die führenden deutschen Wissenschaftler recht skeptisch äußern und die Politiker in Berlin bei dem Thema noch in Deckung bleiben. Der Himmel über Karlsruhe ist an diesem Tag wolkenlos blau. schwarze. Später kann sich Steinke durchaus vorstellen. »Das Problem ist. Aerosole sind feinste Partikelchen. wenn wir anfangen. werden überall gebraucht«.und Umsteiger jetzt besonders gut sind G E S U C H T BERUF CHANCEN 12. in der freien Wirtschaft zu arbeiten – zum Beispiel bei einer Unternehmensberatung. Je weißer die Wolken.« Einen Masterplan für den schwierigen Karriereweg in der Wissenschaft hat sie sich aber nicht zurechtgelegt. welche politischen und rechtlichen Konsequenzen es hat. Das können Wüstenstaub. damit am Ende die Gesellschaft eine Entscheidung treffen kann«. der künstliche Wolken erzeugt – die Abkürzung steht für Aerosol-Interaktion und Dynamik in der Atmosphäre. Die einzige Fähigkeit. etwa indem man Wolken als Sonnenschirm benutzt. in großer Runde über Probleme zu reden. In der freien Wirtschaft verdienen Forscher etwa ein Fünftel mehr. Kann man die Umwelt manipulieren. Abteilung Atmosphärische Aerosolforschung. erklärt Isabelle Steinke. Die Erde. bei der viele hineingehen und wenig herauskommt Der Coach erklärt: Gut verdrahtet: Isabelle Steinke im Kontrollraum Gesucht: Forscher Die Physikerin Isabelle Steinke versucht. »Alle. »Da muss man schon hartnäckig sein. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) Foto: Thomas Bernhardt für DIE ZEIT/www. die sie gewonnen hat. ein Teilnehmer profiliert sich auf Kosten des nächsten.t-bernhardt. Meetings verzögerten Arbeitsabläufe. Wenn Manager über ein neues Einkaufssystem debattieren. Nur gibt ein Professor seine Stelle nicht nach einem Jahr bereits wieder frei.« Doch mit technisch veränderten Wolken würden die Probleme nicht enden. Denn wer den Sprung auf die Professur nicht schafft. den CO₂Ausstoß zu verringern«. Was passiert. desto mehr Licht wird zurückreflektiert und gelangt gar nicht erst auf die Erde. schlafe ich unruhig«. Schon den Begriff Climate Engineering mag Leisner nicht. ob man lieber eine Fach. der für den weiteren Weg entscheidend ist. Und das macht Mitarbeiter zu Trotzköpfen: Sie torpedieren diesen Beschluss im Alltag. dass wir noch weit davon entfernt sind. wächst Harnisch zufolge aber die Gefahr. das den CO₂-Ausstoß nachhaltig verringert. bis er gescheitert ist. sondern nur um die Macht. »da ist es unabsehbar. Sechs von zehn sagen. Um Aida herum stehen Behälter. aufs Berufsleben hochgerechnet: schlappe 20 Jahre Meetings! Woran kranken Meetings? Erstens: Es gibt zu viele davon! Wie wäre es. dann bitte auch mit denjenigen am Tisch. was technisch möglich ist. Sie gehen davon aus. befürchte ich. Eine Abteilung marschiert gegen die andere auf. als könnten wir wie Ingenieure etwas gezielt konstruieren. Den Rest des Jahres verbringt sie mit dem Interpretieren der Flut von Messdaten. wisse allerdings noch keiner. Spaß am Forschungsgegenstand zu haben – und den hat sie. »In den Tagen. wer dem anderen ins Gehege kommt. kann vielleicht auch die Welt vor einer Klimakatastrophe retten. desto besser ist die Organisation! Zweitens geht es bei Meetings oft nicht um die Sache. Es muss allen klargemacht werden. Die Kühlung dröhnt fast so laut wie ein startendes Flugzeug. Auch Neugier und Eigenmotivation sind gefragt. dann aber nach Mexiko abbiegt?« In der Diskussion über Climate Engineering geht es also nicht nur darum. Grüne. Die Chance. weil das Institut Aida besitzt. aber für die in der Realität bestmögliche Maßnahme. bevor das losgeht. Zudem erhält man im Gegensatz zu den meisten Berufstätigen ein hohes Maß an Freiheit in der Arbeitsgestaltung. Mehr Chancen für Forscher bieten Unternehmen. weil unterhalb der Professorenebene kaum passende Stellen vorhanden sind. »Mich fasziniert. sagt die Physikerin. ohne dass ein Einkäufer dabei ist. es muss nicht in eine Sitzung ausgelagert werden. zum Grillen finde ich das schon okay«. sagt Steinke. jeden Tag drei bis vier Stunden zu konferieren. Daher sind die Karlsruher Umweltphysiker auch integriert in das interdisziplinäre Projekt Global Governance of Climate Engineering an der Universität Heidelberg. denkt an eine solche Gesellschaftsentscheidung mit Sorge. Zudem setzen viele Akademiker in den USA auf Climate Engineering. hat wenig Chancen. Ob die Partikel dann dort blieben.« Um echte Wolken zu verdichten. ist logisches Denken. die erwiesenermaßen zunimmt. weil es an den Hochschulen dauert. Das bekommt man: Man kann den Fragen nachgehen. Die 26 Jahre alte Physikerin erzeugt am Karlsruher Institut für Meteorologie und Klimaforschung künstliche Wolken. Eine Umfrage unter 800 Führungskräften im deutschsprachigen Raum ergab: Sieben von zehn Teilnehmern halten Meetings für schlecht vorbereitet. Wolken zu manipulieren. sagt die junge Forscherin und schaut schnell wieder auf ihren Computermonitor. Aber genau wegen Aida hat sie sich auf die Doktorandenstelle am Institut beworben. So – oder so ähnlich – könnte ein Eintrag im Tierlexikon über die Gattung Vorgesetzter und ihr Biotop beginnen. um den CO₂-Ausstoß zu verringern wie beispielsweise ein Tempolimit auf Autobahnen seien unpopulär. Dadurch ist sie auch mit den Denkweisen der Vertreter anderer Fächer vertraut. Umso wichtiger sei es. dass nur eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes hilft. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 81 DAS ZITAT Werner Finck sagt: Eine Konferenz ist eine Sitzung. Wer öfter mal im Büro seiner Kollegen vorbeischaut und sich abstimmt. werden verschiedene Maßnahmen angedacht. Eine Möglichkeit wäre. Am liebsten würde sie aber doch an der Uni weiterforschen: »Da ist die Freiheit einfach am größten. Da Demokratien selten zu nachhaltiger Politik fähig seien.de . wirkt es aber übernatürlich. die man sich offenhalten sollte. sagt sie. »Das klingt. um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Und sollte man es tun. die manche dahinter vermuten: Wer Wolken beeinflussen kann. verkommt der Meetingraum zur Insel der Ahnungslosen. »Was wir in der Wissenschaft vor allem lernen. Sicher ist: Mehr Aerosole machen die Wolke heller und dichter. Wolken zu manipulieren. »Na ja. die von der Sache am meisten verstehen. die Thomas Leisner kritisiert: »Mit so einer Einstellung gibt man Klimaverhandlungen schon im Vorfeld auf. sagt Isabelle Steinke. So kommt man weiter: Die Stellen in der Wissenschaft sind spannend. sagt sie. sagt Harnisch. treiben einen aber auch an. dass Wolken so alltäglich und doch so kompliziert sind. Ihr Desktop-Hintergrund: Wolken. Bis zum Vordiplom hat sie in Heidelberg neben ihrem Physikstudium auch Seminare in Volkswirtschaft besucht und beim Rollenspiel »Model United Nations« in New York mitgemacht. wenn man es kann? Wer eine Weile im Karlsruher Institut verbringt. sagt Isabelle Steinke. mit ungewissen Folgen für ihre Bewohner. »Das muss man Schritt für Schritt angehen. muss nicht nur sehr gut sein. gibt es anderswo durchaus Anhänger. sondern anfangen: Der Eingriff ins Klima könnte Regenzeiten durcheinanderwürfeln und neue Wetterphänomene hervorrufen. G E F U N D E N sabelle Steinke will forschen und nicht Gott spielen. den Dialog auch außerhalb des Sitzungsraums zu pflegen? Alltägliches lässt sich im Alltag klären. weniger Sonne auf die Erde gelangen zu lassen. Dort kann man langfristig immer noch überlegen. braune. wenn auf einmal ein Wirbelsturm auf die USA zusteuert. sind die Chefs ins nächste Meeting gehüpft. Zweimal im Jahr darf Isabelle Steinke für etwa vier Wochen Aida für ihre Versuche in Anspruch nehmen. Climate Engineering lautet das Schlagwort. in dem Steinke Flüssigkeiten und Stoffe vermischt. Je weniger Meetings nötig sind. Sondern auch. wird sich auf Dauer zu stark erwärmen. wenige Antworten. das Steinke in ihrer Doktorarbeit beschäftigt.oder eine Managementkarriere einschlagen möchte. Das muss man mitbringen: Einen langen Atem. Aida heißt der überdimensionale Kühlschrank. wie man sie von Hirschen kennt. Auch der internationale Austausch auf Konferenzen in aller Welt gehört zum Forscheralltag. Dichter Nebel steigt in dem riesigen Kühlschrank auf. interdisziplinär forschen zu können. sondern braucht auch Glück. Sie testet. die von Erdöl profitieren. Solche Kämpfe werden von Gleichrangigen ausgefochten. wenn eine »Koalition der Willigen« Climate Engineering betreibt? Wie steht es mit der Verantwortbarkeit? Bisher gibt es viele Fragen. sagt Steinke. Wer vor dem Meeting ein Sachproblem hatte. sie beschäftigen sich auch mit den Auswirkungen ihrer Ergebnisse. Bei externen Promotionen fehlt der persönliche Kontakt zur Wissenschaft. Wenn sie Experimente durchführt. muss mit heftigen Attacken rechnen. Thomas Leisner ist Professor der Umweltphysik an der Universität Heidelberg und Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung. »Was wäre. ein Drittel gab an. Zeit fürs nächste Meeting! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. um dem ranghöchsten Tier zu imponieren. weil Ergebnisse oft auf sich warten lassen. langfristig an der Uni zu forschen. Und für die wir noch Grundlagenforschung betreiben müssen. Nicht nur. müsste man die Aerosole mit Flugkörpern in die Atmosphäre I transportieren. gefüllt mit verschiedenen chemischen Stoffen. Politikwissenschaftler und Sprecher des Projekts.Die Serie (3): Wir stellen acht Berufe vor. weil es einfach lange dauert. Bei mir wäre das Nächste eine Postdoc-Stelle. die wie riesige Feuerlöscher aussehen. da ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler heute einig. die das können. wie eine Wolke funktioniert«. Sebastian Harnisch. Auf einer Postdoc-Stelle an der Uni verdienen promovierte Wissenschaftler monatlich rund 3300 Euro brutto. haben kein Interesse. bezweifelt sie aber VON MISCHA DRAUTZ So kommt man hin: Der Weg ins Berufsleben als Forscher beginnt mit der Doktorarbeit – am Lehrstuhl. Um das zu verhindern. Macht. merkt schnell: Hier arbeiten Forscher. wie Wolken auf verschiedene Aerosole reagieren. »Wir müssen aus allen Bereichen die wichtigen Punkte zusammenstellen. auf Climate-Engineering-Aktionen angewiesen zu sein.« Sie findet es spannend. Das wird schwierig: Wer ganz auf die Uni-Karriere setzt. was passiert.« Noch kritischer äußert sich ihr Betreuer am Institut. »Wolken sind eine wichtige Komponente im Klimageschehen«. Dabei kommt es zu Rangkämpfen. Ob solche Experimente den Klimawandel aufhalten können. Direkt nach der Umfrage. Isabelle Steinke und ihre Kollegen basteln nicht einfach Naturphänomene nach. Womit ein neues Problem entstanden ist. an einem Forschungsinstitut oder in einem Doktorandenprogramm an einer Graduiertenschule. findet unkomplizierte Lösungen. bis man in eine lukrative Position gelangt. in denen die Chancen für Ein. Technisch unveränderte allerdings. bis man als Forscher wirkliche Resultate erzielt«. Dort schart er sich mehrmals täglich mit Artgenossen um einen Tisch. sie wollte experimentell arbeiten. Bei der Simulation der UN-Abläufe vertrat sie die klimapolitischen Interessen Uruguays.« Isabelle Steinke sieht das ähnlich: »Alles andere sind nur Möglichkeiten. Sie halten Climate Engineering vielleicht für keine gute. ist die Fähigkeit. etwa ein Tausendstel Millimeter groß. wenn man in großer Runde über Probleme redet. keine Technikgläubigen. Und jeder Zweite sieht Verantwortlichkeiten nur unzureichend geklärt. Politische Maßnahmen. eine Haltung. Das wird spannend: Hitzige Fachdiskussionen mit Kollegen können nervenaufreibend sein. Und Leute. überhaupt zu verstehen. sondern auch darum. seine Position zu schärfen. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ansatzes werden in Karlsruhe erforscht. Aber sind Sitzungen nicht wichtig. aber dünn gesät: In Deutschland gibt es in etwa genau so viele Professorenstellen wie Promovierte pro Jahr. die einen interessieren. damit Probleme gelöst werden können? Wie der Kabarettist Werner Finck sagt: Nein. Vulkanasche oder Salzwasserpartikel sein.

Immer häufiger gibt es ernsthaften Dissens. Uchatius: »Der Raubüberfall« ZEIT NR. Empathie und moralisches Empfinden verantwortlich zeichnet. Berlin/Riga Rechtsanwalt »So jemalt« Manfred Schwarz: »Der vollkommene Bourgeois« NR. Wer zahlt das letztendlich? Der Steuerzahler! Zu wenige Razzien und zu niedrige Strafen für die Arbeitgeber! Christel Fichtner Sandersdorf Sie sind wie wir Pro und Contra: »Soll der Westen den Krieg verschärfen?« Dass es in Libyen nur um die Macht des Westens geht.« Und noch ganz nebenbei sei in Abwandlung des berühmten Liebermann-Satzes über einen angeblich zu langen Arm auf einem Bild Cézannes zu seinen angeblich spießigen Blumenbildern angemerkt: Wenn sie so jemalt sind. die verkennt. per E-Mail Richter am Amtsgericht i. Man wisse hierüber viel zu wenig. nie aber alleinige Rechtfertigung von Untersuchungshaft. wenn zwei Grundübel bestehen bleiben: Erstens die verworrenen Steuergesetze mit zig Ausnahmen. 18 Die Bilder des im Alter von nur 51 Jahren gestorbenen Edouard Manet ausgerechnet gegen das Spätwerk Liebermanns auszuspielen. 18 Die Terrororganisation al-Qaida oder die afghanischen Taliban feiern ihre Symbolfigur als Märtyrer. und das Finanzamt repräsentiert das Böse – und ist auch noch ungerecht. In seinem Garten«. Obama und seine Verbündeten hätten sich stattdessen für einen UN-Beschluss stark gemacht.de Beilagenhinweis Die heutige Ausgabe enthält in einer Teilauflage Prospekte der Verlagsgruppe NEWS GmbH. hat Steuerzahlen keine Lobby. Berlin Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit. haltgebende und nachhaltig stressreduzierende Bindung im frühen Kindesalter fördert die Entwicklung des präfrontalen Kortex. 18 Traurig. A-1020 Wien . examinierter Jurist. selbst richtig zu handeln. In Afghanistan und im Irak ging es darum. Dies schützt nicht nur einen tatsächlich zu Unrecht verdächtigten Bürger. 18 Zum Titelthema »Verzettle dich nicht!«. – ich will die neue Welt um mich herum nicht sehen. allenfalls »Scheiße!«. wenn jetzt die Rebellen in Libyen gegen Gadhafi allein nichts ausrichten können? Mit Luftangriffen kann die Nato Gadhafi auch nicht wirklich besiegen. Wie Saddam Hussein so wurde auch Muammar al-Gadhafi jahrelang vom Westen hofiert und mit modernsten Waffensystemen ausgestattet. Man will ja nicht blöd sein oder jedenfalls nicht als solcher behandelt werden. um so eine angemessene Strafe zu begründen. Darmstadt NR. Giebelstadt Es fehlt noch etwas: Arbeitgeber. die bis zum Urteil Schuld und Nichtschuld in gleicher Weise einkalkuliert. sich bevorzugt in Gesellschaften entwickelt. wenn man jemanden. Jens-Christian Pastille. wie Manfred Schwarz schreibt. schrieb der 87-jährige Liebermann 1934 selbst: »Ich lebe nur noch aus Hass. Diese Erkenntnisse fügen sich auch sehr gut in den Rahmen der psychohistorischen Forschung.ZEIT DER LESER S. sagt der Angeklagte. der es unter Androhung von drastischen Strafen jedem Staat auf der Erde grundsätzlich verbietet. Dirk Kerber. Rainer Böhm. Berlin 28. bei dem die Freiheit des Einzelnen auch im Strafprozess Maß und Maßstab bleibt. In Libyen jedoch engagiert sich der Westen. als ginge es um einen Sportevent. als Zusammenfassung seines bisherigen Lebens. dass aggressives Verhalten zwischen Generationen sozial tradiert wird. Diktatoren und in Krisengebiete zu liefern? Roland Klose. Dr. Bielefeld Verschönt Prominent ignoriert: »Kurz behoste Männer« ZEIT NR. wenigstens erst mal Haftverschonung gewährt. Ermutigend ist hierbei. bleibt unerklärt. die sonst ständig die Verrohung der Gesellschaft anmahnen. der einfach nur »Streit gesucht hat«. Paehler. können es jar nicht jenug sein. Dies ist kein zu hoher Preis für eine Rechtsordnung. spannt die Falle der Selbstgerechtigkeit. dass die Täter keine Ausländer waren. Wir werden die im Einzelfall nicht immer befriedigenden Folgen der Unschuldsvermutung weiter ertragen müssen. reale oder fiktive terroristische Bedrohungen in einem feindlichen Kulturraum zu bekämpfen. bleibt der Wunsch nach einer friedlichen Welt ohne Terrorismus ein Traum. Den Durchbruch einer neuen Sicht werden die meisten in ihrer Dienstzeit nicht mehr erleben. April 2011 18 Alttestamentarisch. G. solch einen unwiderruflichen Akt der Selbstjustiz lobpreist: »Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«. eine insgesamt positive zivilisatorische Entwicklung nachweist. Solange die USA als letzte verbliebene Weltmacht auf diesem Globus den WeltSheriff spielen und nach Belieben Krieg gegen Staaten führen. durch welche Tatverdacht und Unschuldsvermutung sich aufheben würden.. per E-Mail Der Libyen-Krieg beweist wieder einmal die Doppelmoral der Nato-Mitgliedstaaten. vorschreiben lassen soll.oder Irakkrieg steht. Vielmehr ist sie eine Lehre aus der Erkenntnis. vorwiegend Baufirmen in West und Ost. Denn als Ausländer wäre wohl die U-Haft unumgänglich gewesen und wären dem Steuerzahler die Kosten auferlegt worden. gestraft wird seit Jahrtausenden. Müssen wir uns da wundern. Der Artikel legt den Finger in eine Wunde unserer Gesellschaft. der höchstwahrscheinlich einen großen Teil seines Lebens in engen Kniebundhosen zugebracht hat. Tatsächlich hat – wie die Erfahrung lehrt – der Täter sich bei der Tat nichts gedacht. dass in Hirn und Herz des Übeltäters ganz andere Abläufe stattfinden als gemeinhin angenommen. hätte man die Ermordung Osama bin Ladens vermutlich als gerecht empfunden. und auch deshalb ist die vermutete Schuld (der Verdacht also) zwar Voraussetzung. beschäftigen Leute nur auf 400-EuroBasis. dass diese Intervention gerade nicht in einer Linie mit dem Afghanistan. So fragt zum Beispiel der Richter: »Wissen Sie denn nicht. Axel Felsch. kulminierend in völkermordenden Diktaturen. sich nach Art einer selbst erfüllenden Prophezeiung selbst zu bestätigen. Saddam Hussein und die Taliban wurde rein gar nichts gelernt. Wernigerode Schuld und angemessene Strafe Dagmar Rosenfeld: »Täter aus gutem Haus« Die Unschuldsvermutung ist keine psychologische Einschränkung des Tatverdachts. Wer als Kind Gewalt erfährt. 19 12. der mit 75 Jahren die Ermordung seines Vetters Walther Rathenau und mit 86 den Fackelzug zur »Machtergreifung« Adolf Hitlers miterleben musste. insbesondere der jüngsten Kinder. ist aberwitzig und geschichtsblind. Das wird dann von manchen konservativen Politikern und Medienvertretern bei uns verteidigt. sondern einer der Täter nur der Sohn eines Rechtsanwaltes war. dass nur Frauen schön zu sein haben. Hirnforscher und Psychologen lehren uns. Berlin geben. diese Bilder nicht zu veröffentlichen. Bund. Diese unterstellte Schuld ist immer in Gefahr. Der Wunsch. dass die Menschen im Maghreb nicht zu einer uns völlig unverständlichen Kultur gehören. die überzeugend ZEIT NR. Hamann und W. 18 Wie Grausamkeit entsteht Interview mit Terry Eagleton: »Höllische Freude« Eagletons Antwort auf die Frage nach den Ursachen. Vergeltung für den Tod von Osama bin Laden wird es irgendwo auf diesem Globus bestimmt geben. wie schuldig sich ein Mensch gemacht hat. Florian Dietrich. Dr.. Es gibt durchaus wissenschaftliche Ergebnisse. die einen Menschen zum Mörder machen könnten. Denn unser Strafverfahren will auch die innere Seite eines Verbrechens ermitteln. Peter Christian Hall Frankfurt am Main Immer wieder prallen das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und das von der Justiz hochgehaltene Rechtsstaatsprinzip aufeinander. Über die Zeit seiner »inneren Emigration. Sonderregelungen und so weiter. Hösseringen Laxe Moral K. Annette Hund. Kein noch so grausames Video kann hier alleine Antwort ZEIT NR. Insbesondere stehen hier Erfahrungen aus der Kindheit im Fokus. weil er sich schlagartig bewusst geworden ist. erstaunt ein wenig. Bad Fredeburg nachweist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 95 Aus No: Entsetzlich Titelthema: Der Fluch des Bösen Die einzig kluge politische Entscheidung nach der Exekution eines bereits schwerkranken Menschen besteht darin. dass die Psychohistorie über den Verlauf der letzten Jahrhunderte. So ist mittlerweile überzeugend nachgewiesen. sondern weil die Handlungsgrundlage für das Finanzamt nicht belastbar ist. Markus Meister. Ralf Hirnrabe. dass das Gericht nicht in der Sache gegen das Finanzamt entscheidet. der wesentlich für Impulskontrolle. 18 An der laxen Steuermoral in Deutschland wird sich nicht viel ändern. In konsequenter Folge werden wir hoffentlich demnächst Beiträge über die Unschicklichkeit von Hosen und Erwerbsarbeit für Frauen sowie die Vorzüge von Eiswasser und Kernseife gegenüber Deo und Bodylotion für Männer finden. Nicht erwähnt wird. dass man einen Menschen nicht grundlos niederschlagen darf? Haben Sie etwa keine Vorstellung davon. dass die meisten Steuerklagen aus formellen Gründen gewonnen werden: Die Steuergesetze sind handwerklich so schlecht. Das Arbeitsamt stockt das Einkommen noch auf. gravierend vernachlässigen. Hans H. Das verstellt den Blick auf die Notwendigkeit neuer Reaktionen auf Unrecht. Albert Alten. würde dieses neue Gefühl der Ähnlichkeit untergraben und den Boden für einen »Kampf der Kulturen« bereiten. Dass aber der heutige amerikanische Präsident. dass Grausamkeit. in weit vorchristlicher Zeit. Das bleibt uns erspart. die Evidenz liefern können. zudem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. sondern genauso sind wie wir – nur ärmer und schlechter regiert! Ein Rückzug aus Libyen. der Täter habe Tathergang und Folgen voll im Griff gehabt und könne Ähnliches künftig vermeiden. Kriegswaffen an Diktaturen. Jahrhundert von einem Hypochonder. Und da können gesetzestreue Bürger es sicherlich nur gut finden. ZEIT Nr. Die Unschuldsvermutung gebietet demgegenüber eine Offenheit des Strafverfahrens. trotz zeitweiliger Rückschläge. sondern eine neue Dimension hat. wird als Erwachsener häufiger selbst gewalttätig. Hamburg Ich bin froh. Liebermann hat in jüngeren Jahren dem Durchbruch der Moderne auf die Sprünge geholfen. Eine sichere. Eva Matern-Scherner. ist eine grobe Vereinfachung. wie ach so bibelfeste Amerikaner auf den Straßen tanzen und feiern. R. Wieso lernen dann Juristen nicht dazu? Psychologie und Hirnforschung gibt es seit einigen Jahrzehnten. die die emotionalen Bedürfnisse. dass mit jedem Tatverdacht eine Schuldvermutung verbunden ist. Brigitte Hoff. Aus den Kriegen um Öl und gegen al Qaida. der die befreiten Gebiete dort schlagartig sich selbst überließe. Aus diesem Dissens entsteht zwangsläufig das Missverständnis. dass heftige Tritte gegen den Kopf eines Menschen zu dessen Tod führen kann?« – »Doch!«. es fragt. entsetzt mich. die restliche Zeit arbeiten sie schwarz gegen Cash. zweitens die Verschwendung von Steuergeldern.96 LESERBRIEFE AKTUELL ZUR ZEIT NR. nachzulesen in Berichten des Steuerzahlerbundes und des Rechnungshofes. 18 Hölderlins Beitrag zur Weltliteratur in allen Ehren – wieso man sich im 21. Wie treffend beschrieben. Über Rückfälle wundert man sich dann. Wäre es nicht besser gewesen. Ich schaue nicht mehr aus dem Fenster .

.. Das Fremde und was mir vertraut. über die große Nase des Titelhelden zu sprechen. der Fehler unauffindbar. 82° 22’ Ost Das erste Mal nach einem langen Winter und Winterschlaf mit meiner Schildkröte durch den Garten zu laufen.und Südamerika im 19. Merci! Sabine Kröner. die mir besonders ans Herz gewachsen sind. die uns auffallen und die das Immer-Wiederkommen interessant machen. Sah deine Freude. Christa Lieb. Und Mondessternenstrahlen. Ich habe mit diesem Wort immer den erwünschten Erfolg: Der. Mein Mann mäht den Rasen. dass unsere beiden Buben (4 und 2) im Verlauf der Nacht zu uns ins Bett geschlüpft sind. Hella Maas. Magdeburg Wieder den vertrauten Dialekt meiner Kinder. Also machen wir alles mit dem Fahrrad. 55: Nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr wollte sie durch neue Eindrücke Abstand gewinnen.und Jugendjahre zu sprechen und zu hören. ich bekomme die zweite Hälfte der Vorwoche zurück. Die rasteten auf deiner Haut. lange gab es auf dieser Seite jede Woche die Rubrik »Das regt mich auf«. Mutter bekommt die erste Hälfte der aktuellen Ausgabe. was mir jemand zumutet. wenn ich – ich lebe seit über 40 Jahren in Norddeutschland – einen Besuch in meiner alten Heimat Württemberg mache. zu sehr Lohengrin.de oder an Redaktion DIE ZEIT. Niederzier AL AG LT SK U N ST Schicken Sie Ihre Beiträge für »Die ZEIT der Leser« bitte an: leser@zeit. Welch ein schönes Gefühl. die ich suchte – und deiner hab ich auch gedacht. WL 2009 2010 Was mein LEBEN Seit Jahren verbringen wir unseren Sommerurlaub auf der Insel Rügen. Mars und Jupiter wollte ich noch finden. Und so festzustellen. neu verfasst SCHÖNE GRÜSSE Lieber Herr Röttgen. »Was ist?« – Ich sagte leise: »Ach!« Gabriele Herbst. das das Gegenüber überrascht und die Zumutung gleich ein wenig entschärft. was andere Leser aufregt? Oder gibt es Ärgerliches. Die Inflationsjahre in Deutschland um 1923 hatten viele. Und so passt mir ein Wort am besten. du Welle«. Gedicht. er klingt ein bisschen vornehm. (Ich habe gewonnen. die ihnen Verwandte aus Deutschland geschickt haben. woge. Rumohr. Reime. Mein Mann kannte sich in der Astronomie sehr gut aus und hat mir auf unseren Reisen immer den Sternenhimmel erklärt. Bisingen-Wessingen Die Morgenröte ließ mich ruhen. Nina Lenz. JVA Bielefeld-Brackwede Du schliefst. Noch nie habe ich am Geburtstag so viele Hände geschüttelt und so viele Küsschen erhalten. Holger und Michel viermal im Jahr mit unseren Mountainbikes durch den Pfälzer Wald zu schießen. Massagegutschein und Champagner aus Heidelberg werde ich beschenkt. Sollen wir? Oder wollen Sie gar nicht wissen. Jürgen Hartmann. Zuerst tauschen wir die ZEIT. Wenn die Weltreise von Sabine Kröner demnächst zu Ende geht. Stuttgart Ich las Gedichte in der Nacht. seit zwei Wochen. dann eine schwere Not bei der Suche nach der angemessenen Reaktion. »Schockschwerenot« ist übrigens präzise. Carola Bührmann. Am Samstag. Heidenheim a. meist junge Menschen zur Auswanderung genötigt. auch ein wenig befremdet bis ärgerlich: Was steht mir zur Verfügung? »Ach du Sch . »Die ZEIT der Leser«.!«. deine Qualen. September 2009 haben wir uns zuletzt gesehen. im Internet unter www. nein. Das Kreuz des Südens suchte ich und erspähte es auch endlich über dem Heck. Dann unter den Wolken von Kiel bis zur Elbe segeln und sich an unserer wunderbaren Landschaft nicht sattsehen können. pünktlich um zehn. Osnabrück Buch und Bach Das Foto unserer süßen Tochter Caroline. Ich möchte die Zeit anhalten. mich gemeinsam mit ihr zu sonnen und das Gras unter den Füßen zu spüren. 6° 13’ Nord. v. Und es funktioniert tatsächlich.) Zum Abendessen habe ich sieben Menschen. schenkte sie mir zum Geburtstag diese Zeichnung. Goethe. und beim Dartsturnier spielten wir um mein Alter. ich habe es selbst gesehen: 28 besetzte Kassen in einem einzigen Supermarkt. Gerlinde Benz. was man angesichts einer überraschenden Zumutung empfindet: erst einen Schock. sie hauptsächlich während der Unterrichtsstunden gezeichnet zu haben. als hätten wir viel davon: Zeit! Wilfried Ludwigs. mit 40 Jahren noch einmal Schüler zu sein. Unsere Stimmung wird immer ausgelassener. irgendwo im Golf von Bengalen. Ich treffe mich mit meiner Mutter. Alles braucht viel mehr Zeit. Christian.zeit. Ich habe sie trotzdem gelobt. über die ich mich sehr gefreut habe. Fo Es schlug mein Herz.. das war es. Von Buenos Aires aus ist sie per Schiff um die Südspitze Amerikas und durch die Südsee gefahren. Martina Hömann. besteige mein Fahrrad. Viele sagen oder schreiben gar »Weia!« – im Grunde auch Wagner: »Wagala weia. Das Wort bezeichnet doch genau das. selbst Musik zu machen! Ja. Baltmannsweiler An einem leicht bewölkten Tag in ein kleines Segelflugzeug steigen und mit dem Windenseil auf 400 Meter Höhe gezogen werden. . Schaute in den sternenklaren Himmel. wenn ich mich recht erinnere. an meinen speziell dekorierten Tisch geladen. die ich zum allgemeinen Amüsement verlese. das mir richtig zu Herzen ging. Wolfgang Dasch. Doch vergangenen Sommer glänzte es mit einem neuen Anstrich. Zugegeben.. In Amerika aber ging es vielen von ihnen schlechter als in der alten deutschen Heimat.de/zeit-der-leser und auch in einem ZEIT-der-LeserBuch (Sammlung von Leserbeiträgen) veröffentlicht werden kann Nach einem erlebnisreichen Tag auf den Andamanen habe ich meinen Geburtstag an Bord gefeiert. da war Caroline 20 Monate alt. Oldenburg reicher macht Es ist unser 48.. und auch. 20079 Hamburg Die Redaktion behält sich die Auswahl. Sie steht im Garten und hat einen frisch gepflückten Apfel in der Hand. Wiedergefunden: Ein Dokument der Armut Für das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen arbeite ich an einer Dokumentation über die Auswanderung nach Nord. W. ich sei der einzige Mensch im Bekanntenkreis. (Im Laufe der Woche werden wir dann auch die andere Hälfte tauschen. Sekt gab es den ganzen Tag. Aber das mit dem Plastiktütenverbot wäre doch ganz einfach. d. wie sich in Briefen und Dokumenten erkennen lässt. kaum EIN GEDICHT! Klassische Lyrik. könnten wir »Das regt mich auf« fortsetzen. sogar Gianna Nannini. Der Tag begann in unsren Schuhen. Das Foto wurde im August 2009 aufgenommen. Susanne Lange. Schleswig-Holstein Ich komme aus dem Laden. Im Nordatlantik sollen unvorstellbare 100 000 Tonnen Plastik in einem einzigen Riesenstrudel treiben. Monat 2011 DIE ZEIT No 20 96 (nach J. und jeder Kunde hatte eine Einkaufstasche dabei. aus traurigem Anlass« unternimmt Sabine Kröner. worauf dieser es ausruft). wie ich meine: »Schockschwerenot!« Ich hörte das. eine Kürzung und die übliche redaktionelle Bearbeitung der Beiträge vor. Eberhard Leibbrand. ej!« oder »Menno!«? Nee! Da ich ein freundlicher und langmütiger Mensch bin oder zumindest so tue. Brenz Eine kleine Weltreise . Nach einem weiteren Tanz um den Pool – diesmal ist es ein Cha-Cha-Cha – sinke ich glücklich in meine Federn. was mir die meisten wünschten. Über der Elbmündung kreisen – gemeinsam mit einem Seeadler. »Mein lieber Schwan!«? Nein. oder? Christian Voll. Mit dem uralten Anhänger aus Kleinkindertagen. der mich ärgert oder ärgern wollte. die Energiepolitik ist knifflig. Mühlacker Mit meinen Freunden Marco. ist erst mal baff. Die Kritzelei der Woche Unser Auto ist krank. das im Hafen von Sassnitz den Liegeplatz eines Schiffes markierte. Die Sonne hat den schwarzen Sattel für mich beheizt. Jedes Jahr kommen ein paar neue Ferienunterkünfte und Touristenattraktionen hinzu. Jahrhundert. dass er ein riesengroßes Rasenherz hat stehen lassen. Eine Party mit so wenig Arbeit und so viel Personal hatte ich noch nie. ich Saxofon. Am Abend sehe ich. Passau ds Zeitsprung mehr zu lesen. »Willkommen und Abschied«) Mein Wort-Schatz Im Grunde ist mein Wort-Schatz ein Schimpfwort. Angelika Kratz. jeder ein Instrument zu erlernen: er E-Gitarre. Am Vorabend war ich bis Mitternacht wach geblieben und hatte das Pooldeck für mich alleine. Nachdem ich Jule auf die Kritzelei der Woche aufmerksam machte. das gebrauche ich nie. Plön Morgens vor dem ersten Weckerklingeln im Halbschlaf das gleichmäßige Atmen von drei Personen zu hören. im Café. Walther Weih. Mittlerweile können wir schon einen kleinen Blues zusammen spielen. Mit der Einsendung eines Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden. dass der Beitrag in der ZEIT. dem 19. aber es sind auch die kleinen Veränderun- gen. Fand Silben. Indonesien. Geldern . Wenn ich über etwas erstaunt bin und darüber. Also: nein! Oder: »Mann. würde ich sogar sagen. Mit Ansprachen. auch den Einkauf. von dem Sie uns gleich erzählen möchten? Schreiben Sie an leser@zeit. Hochzeitstag. So war im Sommer 2009 dieses Holzschild. Raimund Nieß. lieber Herr Röttgen.Leserbriefe siehe Seite 95 12. zzt. Lachen und Freude pur! Jochen Ruthardt. geschwind zum Buche! to: H il g e m a n n / D a vi Liebe ZEIT-Leserinnen und -Leser. als Bundesumweltminister wissen Sie bestimmt. Plastik gefährdet die menschliche Gesundheit (Bisphenol A und Weichmacher!) und verursacht gewaltige ökologische Probleme: So landen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich mindestens 7000 Tonnen unverwüstliches Plastik im Meer. Ludwigsburg Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit begonnen. Als sie mir allerdings gestand. Du wecktest mich mit Radio-Bach. die arabische Halbinsel und durch den Suezkanal wird die Reise weitergehen – bis nach Venedig.. will ich den Gesprächspartner nicht gleich selber ärgern. Natur. Wolfgang spielt meine Wunschmelodien. Die wunderbare Katharina hat mir eine E-Mail geschickt. dass in Italien die Ausgabe von Plastiktüten in Supermärkten und anderen Geschäften verboten wurde. der dieses Wort verwende. erstmals in Cyrano de Bergerac (einer der jungen Soldaten wagt es. aber da er so herrlich altmodisch ist. und oft haben sich spannende Debatten aus Ihren Beiträgen entwickelt. doch alleine musste ich resignieren.de! Wir sind gespannt. Und plötzlich scheint es. Singapur und Myanmar auf die zu Indien gehörenden Andamanen-Inseln. Lauda-Königshofen Meiner zwölfjährigen Enkelin Jule hebe ich regelmäßig die ZEIT-Kinderseite auf und kaufe ihr die KinderZEIT-Hefte. zzt. Dabei fiel mir ein Foto aus Argentinien aus dem Jahr 1934 in die Hände. 89. So tragen die Kinder auf dem Bild Kleider und Schuhe. Viele Erinnerungen stiegen in mir hoch. und 20. Ulm Freitagmorgens. »Zufriedenheit«. Über Indien. Beim Frühstück erwarteten mich schon die ersten Gratulanten mit Gesang und Orchideen. Ich bekam sogar mal das Kompliment. So kaschierte man die Armut einfach mit einem Häufchen Laub. dann kam sie über Australien. Für den kleinen Buben links aber waren wohl keine Schuhe dabei gewesen.) Wir trinken Cappuccino mit viel Sahne und reden über die Familie und den Rest der Welt. war ich kurz ratlos.

Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. und trotzdem beschimpft Europa uns. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen.de/audio www. Die entscheidende Frage ist aber nicht. Vergessen. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. will das offizielle Europa Ruhe. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Die Griechen. Irland. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. Es kostet nur wieder Milliarden. dass die Griechen mit dem ersten.0. zeichnet sich schon ab. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«.jobs. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. »Retten« ist ein hübsches Wort. Die Entscheidung Kretschmanns.de Abonnement Österreich. Viel Geld. positionieren sich als die guten Europäer.zeit. Aber die Diagnose ist unvollständig. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. heute Erzfeinde: Hans-Peter Martin wird von seinem Protegé an den Pranger gestellt Politik Seite 12 D Europa will sich Ruhe kaufen. Kleine Augenblicke. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. der nicht aufgepasst hatte. Nein. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. E-Mail: DieZeit@zeit. Schuldzuweisungen und Dementis. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Gleichwohl verlangen die EU. die andere Möglichkeit. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. in das so viel Geld fließt. »Umschulden«. sondern auch an zu viel. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Die Entzweiung Einst ein verschworenes Duo. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. wohl aber die Stimmung. ZEIT-Stellenmarkt: www. würden Schulden nicht getilgt. die im Englischen haircut heißt. also einen Tag zu überspringen. dessen Datum anzunehmen. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. die zweite Volkspartei.zeit. um Griechenland aus der Krise zu helfen. auch nicht beim haircut. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. beschlossen hat. so desaströs seine Folgen wären. Auch das käme alle teuer zu stehen. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. ist auch eine hässliche Sache. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Das ist umso generöser. ebenso wie die Deutschen und andere. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus.10 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst.und Bahnhofsschützern. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. der sich tief gedemütigt fühlen muss. Leserbriefe@zeit. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. Libyen. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. im Land. Die Frage ist vielmehr. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. GRN. dass es ohne Europa nicht geht. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Doch das heißt nicht.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Der Rettungsfonds will weiter retten. wenn Europa weiter zahlt. wer der bessere Europäer ist. sondern echtes Geld kosten werden. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. die sie früher nie gewählt hätten.zeit. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima.zeit. Nicht mehr bezahlen. bleibt auch eine. Sie sind nötiger denn je. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. findet Josef Joffe. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte.u.de. die SPD. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. (v. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Käme es jetzt zum griechischen haircut. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Klar ist einzig. was gemeinhin eine Volkspartei ist. nun gelte es. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Europa sollte die Umschuldung wagen. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. 20080 Hamburg. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt.de/audio AC 7451 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. deshalb unser aller Geld retten musste. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. Geburten hinfällig. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. man macht sich unbeliebt. Was dagegen geschieht. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. die Griechen überlegten. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte.n. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Wir erleben einen Austausch von Forderungen.de 20 2 0 AUSGABE: . Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co.zeit. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften.de. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. ist schlicht ein Skandal. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden.PREIS ÖSTERREICH 4. das zu werden.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). was auf lange Sicht besser für Europa ist. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte.o. was sie auch kostet. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. In Interviews sprach er davon. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. bestrebt. kleine Abb. was kommt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. wenn Europa immer weiterzahlt. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. die EU dabei mitregieren. J A H RG A N G www. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. KG. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. Gutmenschen nerven. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Wellen am sardischen Strand. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Das klingt weit unattraktiver als das. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. Wer wollte sie den Iren abschlagen. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. weil dies ein überholter Begriff sei. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. Diejenigen. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. Schweiz. Sooft dieser Tage in Ministerien. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt.

Schließlich verzichtete der Listenzweite auf sein Mandat – heute leitet er das Bürgerbüro von Martin Ehrenhauser in Wien. Während er medial die Entzweiung bereits vorbereitete. mit denen sich jede Mücke zum Elefantenskandal machen lässt. Dazu würde wohl auch ein Interview genügen.« Auch als Angelika Werthmann im vergangenen Sommer Hans-Peter Martin vorwarf. Bärenstark. die bei den Delegationssitzungen oft dabei war. Besonders das Sprachzentrum. schlug einen Sitzungstermin in Wien vor – just für den Tag. begriffen. Für den Reißer fehlte dem Mandatar im Europäischen Parlament bislang die Zeit. sagt Ehrenhauser heute. »Das war schon sehr untergriffig und ging schnell ins Persönliche. seine weiße Weste sei besudelt. auf wen er zählen könne. vermittelte Kontakte und brachte ihm die Tricks bei. Ehrenhauser orchestrierte derweil seinen Abgang. Einen. das Verhältnis wurde schnell frostig. etwa »Bitte Ruhe im Saal!«. Im Wochentakt beliefert er nun Zeitungen mit immer neuen Details.de/audio Geschichte eines Liedes aus Island 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze« Kunst Paul Pfeiffer in München GESCHICHTE 21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. erzählen ehemalige Mitstreiter. bekam einen Anruf. Doch nach der Veröffentlichung des Rechenschaftsberichtes der Liste Martin am 29. in dem sich Geheimagenten gegenseitig bespitzeln. Ausdruckslose Gesichter sind im Hohen Haus wäh- E Alfred Dorfer enthüllt das Rätsel der versteinerter Mienen im Hohen Haus AUSSERDEM Wer sonst? Dem Werden und Wirken des berühmtesten Österreichers der Gegenwart widmet sich bereits zu Lebzeiten ein eigenes Museum. wie Martin häufig wegen des extravagant weiten Schnitts seiner Beinkleider genannt wird. Den Verdacht hegte man ja schon lange. schmissige Phrasen. das haben nun Forscher aus den USA herausgefunden. Im Oktober 2010 schrieb dieser in einer Mail an Ehrenhauser: »2014 hätten wir die besten Chancen. Dass sich seine Vorwürfe heute merkwürdig ähnlich anhören wie seinerzeit jene von Werthmann. Martins Frau schrieb eine Mail an Werthmann und fragte. begründet er damit. möglicherweise habe Martin hohe Summen für den eigenen Gebrauch abgezweigt. Gesichtsmotorik ist für das Gehirn notwendig. Gemeinsam zogen sie in Psychokriege. um das Thema möglichst lange am Köcheln zu halten und der Gegenwehr seines Opfers keinen Raum zu geben. Wer ihn dann allerdings wählen soll. aber zugleich weich wie ein schnurrendes Kätzchen.und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« 96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. lotete Ehrenhauser bereits aus. sagen Forscher Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest Die sich über arabische Revolutionen Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung 28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal GegenseitigeSchuldzuweisungen Soziale Netzwerke CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 55 Margaux Fragoso »Tiger. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen ein Vorbild für die Welt? Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt . sagt eine. nachdem sie ausgesprochen wurden. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen ÖSTERREICH 12 Politik Das Zerwürfnis zwischen Hans-Peter Martin und Martin Ehrenhauser VON FLORIAN GASSER Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn 59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« Kulturkanäle zdf. Flüchtling zu sein 48 Kinder. Ehrenhauser wurde Martin immer ähnlicher.kultur . wenn die Bombe platzt. der Bruch endgültig. warum Martin Ehrenhauser die Trennung nach allen Regeln der Kunst inszeniert. wenn wir gemeinsam kandidieren. blieb aber kryptisch genug. für die sie mitunter ihr gesamtes Umfeld mobilisierten. wurde später zur Persona non grata für die verschworene Clique. September 2010. Martin habe die eigenen Ideale verraten. wandte er sich an Hans-Peter Martin. dass sich Ausgaben und Einnahmen der Liste auf den Cent gleichen? »Eine betriebswirtschaftliche Meisterleistung«. war die Eintrittskarte des Politikstudenten bei dem EU-Rebellen. Sonst verarmt die emotionale Intelligenz. Wer dem umstrittenen Europaparlamentarier am Zeug flicken wollte. Als der Zauberlehrling antrat. dass sich die beiden aussprechen. oft erst Stunden. Und Ehrenhauser spricht bereits davon. Ehrenhauser war gerade bei den Jungen Liberalen hinausgeflogen. war er der »junge Hecht im Karpfenteich«. baby! JR Bessere Zeiten: Martin und Martin feiern den Wahlerfolg 2009 Die Zertrennlichen Einst war Martin Ehrenhauser der größte Fan von Hans-Peter Martin. Die Korruptionsaffäre. Das Ende einer fast fünfjährigen politischen Zusammenarbeit war besiegelt. Jetzt hat sein ehemaliger Kabinettschef dem Magazin Newsweek die Königsidee anvertraut: President of Europe. Osama haben dem Terminator die Navy Seals weggeschnappt. Gerne präsentierte er sich als die dynamische Nachwuchshoffnung an der Seite des Europarebellen. Kino-Ikone und zwei Amtsperioden lang Regierungschef von Kalifornien. »Freunde waren wir nie«. Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 4 5 6 7 8 9 Gutmenschen Ist Deutschland 12 Donnerstalk ALFRED DORFER über die Auswirkungen von Botox auf die Politik 13 Straßenkampf Der neue Wasserwerfer 10 000 der Firma Rosenbauer aus Leonding VON STEFAN MÜLLER 14 Artgenossen Der wankende Mafiaparagraf und das Justiztheater in der Wiener Neustadt VON ALFRED J. stellte IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Foto (Ausschnitt): Harald Schneider/hds/APA/picturedesk. Seine Stimme klingt hart.. der für die eigene Redlichkeit sogar seinen politischen Ziehvater opferte. mit meinen abgesicherten Medienauftritten und meinen persönlichen finanziellen Mitteln. wird dem Governator von der amerikanischen Verfassung verbarrikadiert. Und eine Idee für den Inhalt des ersten Absatzes der Enthüllungsstory schwebte ihm ebenfalls vor. um jeglichen Zweifeln vorzubeugen. sein Blick ist kalt. nennt er das heute. bekam es mit dem Oberösterreicher zu tun. dass er keinen Einblick in die Finanzen der Partei besessen habe. Als noch niemand außerhalb Brüssels ahnte. wird in Mitleidenschaft gezogen. um selbst einfache Sätze verstehen zu können. 2014 wird er wohl versuchen. dass sich Martin und Martin entzweit hatten. Arnie verkörpert ja gewissermaßen die europäische Schnittmenge. Viele fragen sich inzwischen. Meist. Den Meister hat der Schüler jedenfalls bereits jetzt übertrumpft. In internen Sitzungen zielten sie gerne auch unter die Gürtellinie. Muskelheld. der zugleich als Chef der Liberalen firmierte. einer Sportkneipe in Brüssel neben dem Parlament. Martin warf seinem Schützling vor. der ohne Minibar auskommen muss? Schluss mit diesen Menschenversuchen! igentlich wollte Martin Ehrenhauser immer schon einmal einen Spionagethriller schreiben. ein Schulfreund von Hans-Peter Martin. der sich ihnen in den Weg stellte. NOLL Freiheitliche HC Strache blieb WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch 33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung ThyssenKrupp Der Konzern FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral 62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTLSenderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie. Emotionelle Intelligenz ist bei diesen Zusammenkünften ebenfalls sehr selten anzutreffen. what’s his name?. Doch Ehrenhauser hat die Gesprächsangebote ausgeschlagen«. Tiger« 56 Nachruf auf Gunter Sachs kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. Etwa. Als Staatsbürger der USA steht er nun über dem kleinlichen nationalen Zank in der Union und weiß genau. Familie und Politik zusammen? FDP Ein Gespräch mit Philipp dem Burschenschafteraufmarsch am Heldenplatz fern VON JOACHIM RIEDL WISSEN 37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können nur die Autokonzerne zu fördern 27 Kinderarmut Die Not wird überschätzt. das logische Ziel. ist einem kalkulierten Tonfall gewichen.« Im Sog der Bestechungsaffäre um den konservativen Parlamentskollegen Ernst Strasser sah Ehrenhauser wohl seine große Chance. Hans-Peter Martin stellte seinem Schützling Journalisten vor. er müsse sich möglichst weit von Martin distanzieren. sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. Konservativ und zugleich ein grüner Visionär. Dazu muss der Übervater rasch in der Versenkung verschwinden. Andere sagen. fieberten sie oft bei den Spielen ihres Lieblingsvereins Bayern München. die sie wählen könnten. Martin und Martin nannten sich die beiden im Europawahlkampf 2009. Einst war er sein größter Fan und willfähriger Erfüllungsgehilfe. Zwar werden alle nervösen Reaktionen hervorgerufen. Ein Jahr später wurde er dessen parlamentarischer Mitarbeiter. wenn die Sitzung längst vorbei ist. ins Ausgedinge von Venice Beach oder als Ambassanator für eine bessere Welt von Kontinent zu Kontinent tingeln? Allesamt keine erbaulichen Perspektiven. und bot an. Mit Methoden aus der untersten Schublade sollte die Salzburgerin dazu gedrängt werden. Es glättet nicht nur verräterische Falten. weiß keiner. Die Euphorie. Sogar Ehrenhausers Mutter warf der Mandatarin vor. Das erklärte ihm sogar unlängst noch Hans-Peter Martin. Ein Interview sei Bedingung. an dem die Geschichte publik wurde. dass heute nicht mehr viel fehlt und er hat seinen Ausbildner mit dessen eigenen Waffen geschlagen. er habe Parteigelder hinterzogen. damit Martin seinen Protegé ins Parlament hieven konnte. Ökonom und Verhaltensforscher? noch die meisten Laster bauen Elektroauto Warum es falsch ist. »Untreue« und »Förderungsmissbrauch«. Er war einer der Letzten. die HansPeter Martin die Treue hielten und ihn bedingungslos verteidigten. wie solche United States zu funktionieren haben. das Weiße Haus. sich Ehrenhauser schützend vor sein Vorbild. als das jugendliche Pendant des ergrauten Hans-Peter Martin. steht in den Sternen. Doch der neue Saubermann präsentiert sich nun als jemand. Sie teilten die Leidenschaft anzuecken und aufzudecken – nicht selten mit Mitteln an der Grenze des guten Geschmacks – und die Begeisterung für Fußball. So erfolgreich. Unzertrennlich seien beide damals gewesen. Wie könne es sein. wenn es um Familie. weil die durch Lähmung reduzierte Mimik beim Gegenüber zu emotionalen Missverständnissen führen kann. Arnold Schwarzenegger. Endlich hätten dann auch die wichtigsten Amis wie Henry Kissinger und seine Freunde eine Telefonnummer bei der Hand. Armin Falk.com rend einer Plenarsitzung keine Seltenheit. Einen Grundkurs in der Kunst des Tarnen und Täuschens absolvierte er allerdings in den vergangenen fünf Jahren bei seinem Mentor Hans-Peter Martin. er habe dem egomanen Leitwolf einfach blind vertraut. Auch Klaus Diekers. demnächst in Pension geht.zeit. Mit welchem Medium er bei der Aufdeckung zusammenarbeiten wolle. […] Schwierig wird es sicher ohne meine explizite Unterstützung. Ehrenhauser und seine Mitarbeiter seien seit August 2010 in sein Computersystem eingedrungen und hätten auch Gespräche mitgeschnitten. Heimat und Apfelstrudel geht. Nun erhebt Ehrenhauser selbst schwere Vorwürfe gegen sein früheres Idol.. die er dadurch auslöste. signalisierte er gegenüber Hans-Peter Martin noch Gesprächsbereitschaft. Mai 2011 DONNERSTALK DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Gift im Parlament Botox garantiert ewige Jugend. Assistiert von einem Nachrichtenmagazin. gibt immer nur einen Teil der Unterlagen preis. sondern vermindert auch die Denkleistung. Man hatte das Gefühl. Seitenlange Mails mit Anschuldigungen wurden gewechselt. er selbst habe etwas mit den dubiosen Vorgängen zu tun. der noch Großes im Sinn hat und jetzt die Weichen für seine politische Zukunft stellen möchte. die gerne gedruckt werden. Ehrenhauser wandte sich an Mitstreiter der Liste Martin. das zu moderieren. Angelika Werthmann. Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte« Roman Nicolas Dickner »Tarmac« REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. das widerfährt selbst Titanen nur nach ihrem Ableben. oft tagelang Ehrenhauser wurde seinem Idol immer ähnlicher und vertraute ihm blind Das Duo ging gegen jeden vor. »Fußballersprache« sei da gepflegt worden. kurz darauf avancierte er zum Büroleiter. Er kennt die brennende Migrationsproblematik aus eigener Lebenserfahrung: Auch er war einst mittellos an fremden Gestaden gelandet. Ehrenhauser lud zu vertraulichen Gesprächen. Zurück ans Actionfließband in der Filmfabrik. Warum er plötzlich aufmuckte. Immer neue Vorwürfe tauchen auf. Jetzt stellt er seinen Mentor an den Pranger VON FLORIAN GASSER Mutter ihre Funktion in Brüssel überhaupt ausüben könne und nicht Gefahr laufe. sich ein eigenes Profil zulegen und mehr sein als bloß die Stulpe an der »Hose«. jetzt wurde er durch die Forschung bestätigt. die er jahrelang nicht mitbekommen haben will. befindet sich am Scheideweg. Foto: Ingo Pertramer Ehrenhauser zelebriert den Bruch mit allen Mitteln der Medienkunst Nebenbei wurden ab Ende März Journalisten mehrerer Medien kontaktiert (darunter auch die ZEIT). Er hat sich einen Django-Bart wachsen lassen. erzählt er. ein Foto von sich würde ihm auch gut gefallen. ob sie als alleinerziehende nicht zur Arbeit erschienen zu sein. »Die steckten rund um die Uhr zusammen. einander austricksen. erzählt von den ungeheuren Vorgängen. bekannt für ihre deftigen Burger. Mit größtmöglicher Empörung tritt Ehrenhauser derzeit vor Journalisten auf. Heute wirkt Ehrenhauser verändert. Kennengelernt hatte sich das Duo drei Jahre zuvor. Und ein Match gegen mich? Da hätte ich wohl auch die besseren Möglichkeiten. Unterlagen sollen ihm noch im Herbst zugespielt worden seien. habe er noch nicht entschieden. berichtete von seinen Anschuldigungen. Ehrenhauser wird sich als Supersaubermann darstellen. Sich in diesem Dauerfeuer zu verteidigen ist unmöglich – der Zauberlehrling hat vom Hexenmeister viel gelernt. die den Betrug belegen – Martin spricht davon. »Ich wollte. die sonst bei jedem Schweinestall protestieren. Wo sind die Grünen. Vielleicht wollte er endlich aus dem Schatten des Übervaters heraustreten. sie würde die Karriere ihres Sohnes behindern. Der Fall des Mentors könnte der Aufstieg des Zöglings sein – medial geschickt orchestriert. Doch des Skandals nicht genug. Die beiden Mandatare gingen auf Distanz. Deshalb werden einfache Sätze. ließ Ehrenhauser dann Mitte April die Bombe platzen: Er erstattete Anzeige gegen Hans-Peter Martin bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf »schweren Betrug«. um vorzeitige Veröffentlichungen zu verhindern. Gut einstudierte. Offensichtlich gelangt bei diesen Experimenten an Mandataren eine noch sehr frühe Entwicklungsstufe des Nervengifts zur Anwendung. mit welcher der 32-Jährige früher über seine politische Arbeit sprach. und der politische Stil Martins sei auch nicht unbedingt der seine. nach den Europawahlen 2009 auf ihr Mandat verzichten sollte. begann Ehrenhauser auf einmal Fragen zu stellen. wenn der blasse Belgier.12 12. Im Fat Boys. als die Listendritte. als »Rabenmutter« bezeichnet zu werden. Er selbst sagt. wenn sie mit Europa sprechen wollen: Hasta la vista. auf falsche Fährten locken und enttarnen. die wissen alles voneinander«. und aus der Delegation austrat. mit einer eigenen Liste anzutreten. Doch Werthmann weigerte sich beharrlich. Die Reduktion des Sprachzentrums ist bei Budgetdebatten gang und gäbe. Was nun kommen wird? Für Hans-Peter Martin könnte diese Affäre das politische Ende bedeuten. Dieses gefährliche Wurstgift wurde offensichtlich schon seit Langem an unwissenden Versuchspersonen ausprobiert. die Falten jedoch nicht gestrafft. Mit geheimen Unterlagen über den Baulöwen Hans-Peter Haselsteiner und den Lobbyisten Alexander Zach. Kampfmaschinendarsteller. dass es nun eine »neue Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft« brauche. Der selbst ernannte Saubermann ist schwer angeschlagen. sogar das habe er akzeptiert. als Martin Ehrenhauser vom Büroleiter zum Abgeordneten aufstieg und auf der Bürgerliste von Hans-Peter Martin kandidierte. Der Verbleib von rund einer Million Euro aus der Wahlkampfkostenrückerstattung für die Europawahl 2009 sei ungeklärt. Genau.

Überhaupt produzieren wir diese Fahrzeuge nur fallweise. Brandbomben gegen die Polizei. herkömmlichen Schallplatten. Es komme immer darauf an. schulen die Beamten auf weitläufigen Testgeländen. Davor habe es ein umfunktioniertes Feuerwehrauto mit Rosenbauer-Aufbau gegeben. wenn sie den Auslöser nicht drücken müssen. Für den grau melierten Gentleman. die an Entfernungsmesser gekoppelt sind. im voll betankten Zustand mit einem Gewicht von rund 23 Tonnen.« Ein Exportschlager könne der WaWe 10 schon deshalb nicht werden. Angeblich zu schwer für so manche Wiener Straße mit gemauertem Kanal darunter. Nur um den WaWe 10 will man wenig Aufhebens machen. eine Römerin.« Rosenbauer hat verschiedene Staaten in Europa mit Wasserwerfern versorgt. Zeitungsberichte auf den Tisch. ist die Sache klar: Die Anrüchigkeit des Produkts werde medial geschürt. Handelt es sich um eine Waffe? Nein. Dass ein Staat sein Gewaltmonopol auch ohne Wasserwerfer ausüben kann. Nach bösen Krawallen beim EU-Gipfel in Göteborg 2001 bekannte man sich lieber zu einem verstärkten Dialog mit Demonstranten. Im Ernstfall rollt der WaWe 10 ganz langsam zur Attacke und wird von Bodentruppen flankiert. In dem Leistungskatalog. nichts mehr dazu sagen. ein Ungetüm auf einem Steyr-Fahrgestell. schnauzt eine Sprecherin. Leonding bei Linz. übersiedelten wir vor einem Jahr nach Wien. bei Krawallen um die Wehrmachtsausstellung. das deutsche Innenministerium. In Wien bringt er den Menschen süditalienische Esskultur nahe Am 1. Von da an war mir Musik Passion und Beruf. sieht aus wie eine Mischung aus Schwerlaster und Terminator. Auskunft bei der Pressestelle nur per E-Mail. Als der Wasserwerfer. den es zu erfüllen galt. In einem neutralen Büroraum in Leonding. die vor 200 Jahren erstmals nach Kampanien gebracht wurden. 408 PS stark. zum Genießen. Die Kraft. Wie ein schlafender Kettenhund lauert in einer riesigen Werkshalle ein graublaues Monster aus Alu-Blech zwischen einer kleinen Armada feuerroter Löschfahrzeuge. sagt er. Damit Steine nach unten abprallen. als Waffe gilt. Juni 2010 im Dorotheum für 1600 Euro versteigert wurde. dass jenes kleine. zum Einsatz gekommen war. vorne rechts. In Avellino aßen wir Paulo Cancro stammt aus Süditalien.com 12. dass immer wieder Schaulustige vor dem Ungetüm posieren und Erinnerungsfotos knipsen. die Dinge richtig einzusetzen. Es liegt nahe. »Gewaltig. nimmt ein Beobachter das Geschehen ins Visier. dass auf den Videos von den Opernballdemos in den achtziger Jahren Beamte zu sehen sind. ist die Frontscheibe nach vorne geneigt. weshalb es meist Feuerwehrausrüster sind. »Das kann von weidedrahtartigen Stromschlägen beim Berühren der Außenfläche bis zur Heißwasseraufbereitung für den Dachwerfer gehen. Mit mächtigen Fontänen fegt es den Aufruhr von der Straße. Löschaufgaben würden wichtiger. mit der Schale als Nachspeise gegessen werden. Man muss Zeit haben für sich selber. Auf den vulkanischen Böden des Vesuvs entdeckten wir einzigartige Aprikosensorten.und Dachelemente lassen Brandsätze abrollen. musste jedes Mal Luft aus den Reifen gelassen werden. Die Aufgabe von Wasserwerfern beschränke sich längst nicht mehr auf das »Studentenwaschmaschinentum«. legt man Wert auf Konfliktvorbeugung. internationaler Vertriebsleiter bei Rosenbauer. beweist Schweden. Der Neue soll böse aussehen. was wir in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben« In einem Büroraum in Leonding legt Wolfram Mücke. die schonend auf kleiner Flamme zu Marmelade verkocht werden.ÖSTERREICH Fotos: Bodo Marks/picture-alliance/dpa (l. die auch Reizmittel versprühen kann. Dort sahen wir auch die Strauchtomatensorte Pomodorino del Piennolo. meint ein Sprecher. Anarchisten auf Distanz zu halten. Einsatzhäufigkeit? Unbekannt. 30 Tonnen schwer. Auch im Alltag. dem die Law-andOrder-Rolle in einem John-Wayne-Western gut passen würde. Tag der Randale. sagt der Ingenieur: »Die ganze Mannschaft ist stolz darauf. die sonst auf Brandherde zielen. Die Bilder aus den Werferkameras werden auf Festplatte gespeichert – um gesetzeskonformen Einsatz nachweisen zu können. ein Ehrfurcht heischendes Qualitätsprodukt. Teure Wasserwerfer diffe- renziert einzusetzen sei ohnehin schwer. Er ist der dickste Brummer im Arsenal der deutschen Polizei – ein Qualitätsprodukt aus Österreich VON STEFAN MÜLLER Vulkanische Aprikosen Ein Neapolitaner in Wien: Paolo Cancro. Um im leeren Zustand durch das Tor in die Rossauer Kaserne zu passen. »Unser Verständnis von so einem Fahrzeug ist es. Darauf ein verkohltes britisches Feuerwehrauto. genau wie die Verantwortlichen bei Rosenbauer. Also machte ich mich eines Tages mit meiner Frau Donatella. Heute will der Beschaffer. die schrägen Heck. um Schlimmeres zu verhindern. Dort bringen wir den Wienern süditalienische Esskultur und Lebensphilosophie nahe. dass die Eskalationsstufen eingehalten werden: Sie reichen vom Anfeuchten mit Wasserglocken – auch ein neues Feature der Hohlstrahlrohre. Sie sollen Brände löschen und Leben retten. sitzt der Kommandant. einem der größten Feuerwehrausrüster der Welt. Obgleich es den beiden Strahlrohrführern an ihren Joysticks und Bildschirmen am liebsten ist. In der Rossauer Kaserne. Aus dieser Gegend kommen auch Brotzitronen.« Viele Nächte hatte er wenig geschlafen. Erst als Böller krachen und Leuchtraketen flitzen. zum Nachdenken. die Sache sei vertraulich. fallweise auch asiatische Länder – erinnert sich Vertriebsmann Mücke vage. In diesem Jahr riegeln am 1.). Die beiden Fahrzeuge mit 4000 Litern Fassungsvermögen seien 2003 zugelassen worden. treten die 15 Düsen des Eigenlöschsystems in Aktion. betont Rüdiger Spahr. war gewaltig. Das Seitenblech ist gegen Durchstiche mit Eisenstangen gerüstet. Irgendwann sah ich ein. »Hier. »Werfen« heiße das. 75 Quadratmeter. die Kabine hält dem Aufprall einer Betonplatte aus dem dritten Stock stand. 48. zeigte der Tacho 60 100 Kilometer. Achtmal war eine zwölfköpfige Polizeidelegation aus Deutschland zu Gast. Wer aus kurzer Entfernung in so einen Strahl läuft. neben dem Fahrer. dass man sich auch beim Essen auf Qualität konzentriert. um sich solche Peinlichkeiten zu ersparen. bei dem der Rentner Dietrich Wagner sein Augenlicht verlor. In der Umgebung von Neapel fanden wir einen Familienbetrieb. sind 26 Jahre Erfahrung mit dem Vorgängermodell. Ende der Durchsage. Zehn Meter lang. 27 Jahre lang führte ich einen Musikvertrieb und verkaufte sehr viel von den alten. und das Prinzip Abschreckung – inklusive Warnung über die Außenlautsprecher – hat seinen drohenden Wasserstachel verloren. Leiter der Abteilung Führungs. schrottreife Relikt noch im April 2002. Komisch. Insgesamt ist das neue Gerät potenter. Der Anteil am Unternehmensgewinn – 2010 waren es 40 Millionen Euro bei einem Umsatz von 596 Millionen – sei jedenfalls gering. so die werksinterne Bezeichnung. Lebensmittelhändler Mit 16 Jahren trat ich erstmals als DJ auf. In diesem Fall spricht man von Lebensqualität. das »geschützte Tankfahrzeug« diene lediglich der Gewaltprävention. warum in Deutschland der »Mehrzweckeinsatzstock«. die solche Geräte bauen. Weiterführende Informationen? Fehlanzeige. »Das ist das technisch komplexeste Gerät. die. Gerät das Fahrzeug doch in Brand. In Sorrent suchten wir nach Zitrusfrüchten. Zwei davon wurden bereits in Hamburg und in Sachsen in Dienst gestellt – ungeachtet der Debatte um den Wasserwerfereinsatz von Stuttgart. In Österreich gelten Wasserwerfer laut Waffengebrauchsgesetz 1969 zwar als »Dienstwaffe« – darüber sprechen will man aber auch hier nicht so richtig. Bleibt zu hoffen. »Was den Export betrifft. made in Austria. die Randale machen. sagt Kommissar Martin Lundin von der schwedischen Bundespolizei: »Der Effekt bei einem motivierten Gegner ist begrenzt. auf die Suche nach den besten Lebensmitteln Süditaliens. Vor dem Kulturzentrum Rote Flora hat die Staatsmacht ihr mächtigstes Geschütz für urbane Konflikte aufgefahren: den nagelneuen Wasserwerfer 10 000 (kurz: WaWe 10).und Einsatzmittel der Hamburger Bereitschaftspolizei. Die »Cobra«. eingeflossen. Auch die Symbolik ist nicht gut. eine Kühlvitrine. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A . Im Herzen. Vielleicht ist es der Polizei unangenehm. stehen zwei Fahrzeuge von Rosenbauer. Ende 2009 präsentierten die Hanseaten der Presse selbstbewusst den Prototypen. der 10 000 Liter fasst. acht Sitzplätze. riskiert Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen. sagt Rüdiger Spahr etwas kryptisch. Ihr Geschick an den Werfern. Kostenpunkt: 900 000 Euro. versichert er: »Sonst wäre jedes Löschfahrzeug eine Waffe. eine Kaffeemaschine. legt das Monstrum los. Mit diesem Wissen gerüstet. »Hier vorne wird ein Feuerwehrmann gerade scharf angebraten«. die mit Strohmatten vor Wind und Kälte geschützt werden. Mit ihr zusammen eröffneten wir im November ein Lebensmittelgeschäft in Margareten. Insgesamt 78 Stück sollen bis 2019 nach Deutschland geliefert werden. sind wir nicht im Waffenbereich«. »Sonst wäre ja ein Beamter blockiert«. schmiederer. Letzter aktiver Einsatz? 2003 – bei Protesten gegen den Korporationsball. Also drehte ich das Licht ab und schloss meine Firma in Neapel.« Sagt es und lächelt. die es steuern. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 DRINNEN Grüße aus Leonding Sein Name ist WaWe 10. die Emotion aus Konflikten zu nehmen. die ein Auffächern der Fontäne ermöglichen – bis zum Schießen mit dem Vollstrahl. Man gerate sonst schnell in Schieflage. dass die Menschen für Musikkonserven kein Geld mehr ausgeben. die 25 Jahre lang im Versicherungsgewerbe tätig war. die das Wasser in 25 Metern Entfernung auf einer kleinen Fläche entfalten darf. weil die Hälfte seiner Bestandteile aus Deutschland stamme und die Wartung im Ausland zu aufwendig wäre. schräg hinter ihm haben die Rohrführer den Finger am Abzug. das Donatella.« Pumpen und Spritzen. dem in die Jahre gekom- menen WaWe 9000 des deutschen Mitbewerbers Ziegler. wo sie bunte Plastiktonnen vollspritzen. lasse sogar einen Einsatz als Trinkwassertransporter zu. korrigiert Spahr. Käse und fanden die dazugehörigen Rinder: braune Kühe. Das Wort Abfallprodukt hört Projektleiter Helmut Ogris aber nicht so gerne. Was wir hier in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben. dem sogenannten Würfel Fünf. ein Wasserwerfer hingegen laut Polizeidienstverordnung 122 lediglich ein »Hilfsmittel der körperlichen Gewalt« sein soll. Unklar ist etwa. Luftfilter und Klimaanlage sorgen für Frischluft. bei der Sondereinheit Wega der Wiener Polizei. Der alte Wasserwerfer schaffte es nicht durch das Kasernentor Im Innenministerium erinnert man sich an ein noch älteres Gerät. Alljährlich wüten im Schanzenviertel von Hamburg wilde Straßenschlachten. Ich legte in Spanien. sagt die Polizei. das wir je gebaut haben«. der Kaffee über Holzfeuern röstet. ergonomische Sitze und ein Kühlschrank für Komfort. Wir durchstreiften Olivenplantagen. Qualität war für mich immer das Allerwichtigste. in feine Scheiben geschnitten und gezuckert. Mai 2300 Polizisten in Nahkampfausrüstung die Krawallzone ab. ist bei 12 Bar Betriebsdruck auf 30 Kilogramm beschränkt. Diese sogenannten Blondorangen und Zitronen wachsen auf Bäumen. Ein Reporter der taz beobachtet. vor allem aber sicherer für die Beamten. Seltsame Kundenwünsche sind Mücke trotzdem zugetragen worden. taugen genauso zur Abwehr rebellischer Bürger. deren Früchte um einen Seilring geflochten zur Lagerung aufgehängt werden.« Er zieht einen weiteren Artikel hervor. Das Gefährt ist die neue Wunderwaffe des deutschen Staates gegen Bürger. also die moderne Version des Polizeiknüppels. die mit Feuerwehrschläuchen improvisieren. Mai schützte der nagelneue Wasserwerfer 10 000 die Rote Flora in Hamburg T ag der Arbeit. Athen. Bei der Außenwirkung sieht die Sache schon anders aus. Schweden und Deutschland auf. Solche Blödheiten machen wir aber natürlich nicht. Der Kunststofftank des Wasserbehälters. einer hinten montiert – ist der 10 000-Liter-Tank nämlich schnell leer. Auf diese Produkte ist man stolz bei der Rosenbauer AG. am 1. kleinere Brände löschen und sich nur im Notfall – ein bisschen – in einen Wasser speienden Drachen verwandeln. Am wichtigsten sei es. Das sind einfach Abfallprodukte aus dem Löschfahrzeugbau. Wir fuhren von Markt zu Markt und besuchten jedes Wochenende Bauern. Erst- zulassung 1975. Bei bis zu 1200 Litern Durchflussmenge pro Minute und 65 Metern Reichweite – zwei Werfer sind vorne. wo wir Giorgia kennenlernten.

In den vergangenen Jahren hatte er die deutschnationale Andachtsstunde gemieden. sondern es wurde die Ankunft des Rechtsstaats in Aussicht gestellt. zumal wir nicht hoffen dürfen. ner solchen Verbindung als Lässt sich das Stück verbesMitglied beteiligt. las er vom Zettel ab – womit Opfer und Täter auf eine Stufe gestellt. erneut eine »Totenrede« zum Besten geben. ruft Demonstrationen auf den Plan.. diesem Stoff steckt. der den Rest des Jahres lieber Discoprinz spielt. Es kommt eben darauf an. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. die dadurch eine Berei. wertfrei formuliert. Es wird zum europäischen Sozialfall. Griechenland. Was wir heute über § Titel § 278a StGB in dürre Worte gekleidet: 278a StGB wissen. bunt kostümiert und mit lohendem Fackellicht. Das Spiel vom wankenden Paragrafen Nachtrag zu einer Groteske: Kritik einer Aufführung am Justiztheater von Wiener Neustadt as moderne Regietheater ist vielfältigen Anfeindungen ausgesetzt – oft zu Unrecht. Fazit: Wer den Griechen hilft. Athen vorweg. die körperliche die Grundvoraussetzung für die Unversehrtheit. Mai schwarzumflort in die Welt zu blicken. so erschien auch der Rechtsstaat niemals in Wiener Neustadt. Nicht Kanonen ließ man donnern. Diesmal wollte er. Natürlich verprellte der Gedenkdienstverweigerer dadurch die nationalen Politkommissare. die junge Regisseurin auch im Stück selbst mit einer Hauptrolle zu bedienen. wie es ist. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Selten noch haben sich Laiendarsteller derart gut in Szene gesetzt. In diesem Jahr war es wieder so weit. deutschnational gesinnten Kreise in Österreich. auf durch Präzisierung optimieren die wiederkehrende und gezu können. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt.. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. Die Heldenopabeschwörung wurde niedergejohlt und niedergetrillert. die Prägnanz und Aussagekraft dieser Aufführung zu wiederholen. sondern die Schlamperei der Polizei.müssen. Erwartungsgemäß hatte die gesamte Regierung angesichts des Spuks ihren Kopf in den Sand gesteckt. derweil EU. vermutet sie. schon allein.Grenzen setzen. Der dramaturgische Kniff der Aufführung lag gewiss in der mutigen Verbindung einer auf den ersten Blick lachhaften Anklage gegen wild zusammengefangene Tierschützer mit der schier unendlich anmutenden Dauer der Aufführung. Gehaltvollen Stoff vorausgesetzt.und Ausgabenpolitik – fahren. Lampenfieber vor der stimmgewaltigen Publikumskulisse? Das Kalkül. Der Es gibt kritische Erörterungen des Stoffes sonder Witz der Komödie lag im Missverhältnis von Zahl. bis die Kohle ausging. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht.Einfluß auf Politik oder Wirtschaft anstrebt . stellt sich das Stück als die das Leben. erfordert ein Großaufgebot der Polizei und lähmt den Verkehr in der Innenstadt von Wien – vor allem immer dann. Foto: Georg Hochmuth/APA/picturedesk. wie das bei anderen Anlässen heißt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. wenn sich einige prominente Figuren aus der Freiheitlichen Partei allzu vorlaut unter die akademischen Narbengesichter mischen. Es schien an der Zeit. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Geschick Gewalt antun und ihm unerträgliche gefährlichen Abfällen. Republik ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Habsburgermonarchie im vorangegangen Weltkrieg errichtet worden war. 2. Athen nimmt Dampf weg. Eine fabelhafte Ensembleleistung vor einem klar konturierten Bühnenbild. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. oder schwerwiegenrischen Interpretationsfreiheit dar. hilft seinen Banken. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private Foto: Mathias Bothor/photoselection E Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Man würde darstellerischem mitteln. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. alljährlich am 8. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. sollte es besser im Kasino verjuxen.denn ein Gedenktag in NaziMoll sei. weil er ihm nicht mehr opportun war. Der Remeduren sind nur drei: 1. sondern die Geschütze der Staatsanwaltschaft. vor dem harten Kern der Partei wieder einmal Gesinnung in Habtachtstellung zu zeigen. mit welchem Effekt sich die Personen in Szene setzen konnten: Gewiss war es eine besondere Note der Inszenierung. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Hoffnung stirbt zuletzt JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. die auf die Stadt zukamen. Am vergangenen Sonntag wurde der freiheitliche Parteiobmann Heinz-Christian Strache. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Doch der Unterstützung dieser Gruppe verdankte es Strache. dorthin pilgern sie. So wie der Herzog niemals nach Hornberg kam. Aber derartige Darstellungen leiden an Unstrafrechtlicher Substanz und der Länge und anschaulichkeit und einer dem analytischen Zugang Breite. Wer nun den Griechen Geld leiht. Erwartet wurde diesmal nicht der Herzog von Württemberg. was sie erst recht nicht könnten. die. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. um sich selber zu retten Gespensterstunde FPÖ-Chef Strache verweigerte den Totengedenkdienst.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. vermag eine kluge Führung des Ensembles Einsichten zu vermitteln. Die allenthalben bekannte Episode hätte vermutlich niemanden in den Saal gelockt. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. wenn Ehre weiterhin Treue heißen solle. befinde sich an diesem Tag der Vorhof zu »Wallhalls prangender Burg« (so singt Brünnhilde in Götterdämmerung) am Äußeren Burgtor. und aus diesem Anlass erfasst die rückläufige Gruppierung der schlagenden Burschenschafter wagnerianisches Wehmutspathos. die sich zwar sich mühelos von Mafia bis bin Laden. um dann mit einer besonderen Volte zu glänzen: Der Freispruch für alle Angeklagten kam ihr derart unvermittelt und die seit Monaten in der Luft liegende Schelte für die Ermittlungsbeamten derart leichtgängig über die Lippen. Es ist der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. mit ei. wenn sern? Kaum. Deren Sprachrohr. Wie ein Raubtierkäfig war die Totengedenkstätte eingegittert worden. grollte kryptisch auf seiner Heimatseite im weltweiten Netz über eine »politisch-moralisch-ideologische Bankrotterklärung«. vom Ordurch schöpferische Eigensinnigkeit auszeichne. in die man dieses Nullum vor dem Publi. Es wird schwer werden.« A s gehört zum guten Ton der. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. von 325 auf 340 Milliarden Euro. der Schlep. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. wie schon 2004. den Akteuren aber eine schier unendliche nerhaltung reichen. NOLL D Wie sollte denn. der Stargast. am Burgtor erwartet. auch nicht ausschließlich. das lässt die Darbietung aber E R sonen gründet oder sich an eierst schemenhaft erahnen. dass großes Lob gerechtfertigt scheint. die 66 Jahre zurückliegt. die man dem Stück in überkommener Darstellung nicht abzugewinnen können glaubte. forensische Unverhältnismäßigkeit und legistische Paranoia.und Kulturgemeinschaft« beinhalten wird. Kaum je hat auf österreichischen Bühnen eine Protagonistin die Grenzen verbeamteter Wankelmütigkeit derart plastisch werden lassen. Mörder und Ermordete in ein gemeinsames freiheitliches Massengrab geworfen wurden. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Kernmaterial und radioaktiven Stoffen. Jetzt soll das prekäre Vertrauensverhältnis wieder gestärkt werden. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. so musste das Publikum schon cherung in großem Umfang oder erheblichen bei der Lektüre der Ankündigung fragen. dass der Jahrestag der endgültigen Befreiung vom NS-Regime doch eher ein fröhlicher Feier. anbringen zu müssen glaubte: Man gedenke hier gleichermaßen aller Toten des Weltkrieges. dass sich das Haus entschlossen hatte. die es zu vermeiden gelte.sich das kostbare Gut kreativer Bühnenbearbeitung xuellen Ausbeutung von Menschen. wenn man sich zu zeitgeistigmitteln ausgerichtet ist. zog es vor zu kneifen.« Was ließe sich daraus nicht alles machen – ner derart mittelmäßigen Anklage eine auf Unterhaltung und Erbauung zielende Aufführung und was hat man daraus in Wiener Neustadt gelingen? Diese Zweifel müssen auch den Autor nicht alles gemacht! Jedes Wort des gewieften befallen haben.com Bleibt nachzutragen. In der gerade zu Ende gegangen Aufführung des Landesgerichts Wiener Neustadt hatte man das Hornberger Schießen auf den Spielplan gesetzt. als er das Stück erdachte – er gab Werkes löst assoziative Verbindungen aus. um seine Bewegungsfreiheit nicht zu gefährden. Vergeblich warteten die Totengedenker auf ihren Stargast Strache Zwar repräsentiert der deutschnationale Flügel nur eine Minderheit im Wählerreservoir.geschmäcklerischen Änderungen hinreißen ließe. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. In Wien. Europa wird zuschießen und stunden müssen. wer die Sache leitet. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. 3. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer.und bis zur physischen Erschöpfung durchhielt. von dem sich heute das Trauerkorps natürlich in seinen Lippenbekenntnissen distanziert. Im nationalen Lager steht er jetzt unter Beobachtung VON JOACHIM RIEDL Die Kassandras haben recht behalten: Geld. gender strafbarer Handlungen.14 12. wäre nicht die Handlung in die Gegenwart versetzt und in skandalträchtiger Weise durch eine geschickte Abänderung der ursprünglich handelnden Personen neu belebt worden. Haider hatte seinen Recken einst den antiquierten Kampfbegriff aus dem teutonischen Credo kurzerhand gestrichen. und gar noch nie auf einer heimischen Bühne durfte man erleben. wie eine um die Rechtfertigung jedes einzelnen Subventionscents ringende Staatsanwaltschaft ausschließlich um des ersehnten Publikumserfolges willen an Unvertretbarem fest. und das Gros der Wählerschaft gibt auf den völkischen Bombast keinen Pfifferling. Allein. Schließlich wird man diese Leute höchstwahrscheinlich künftig noch für Koalitionsverhandlungen benötigt. das lässt sich nur auf der BühDer Autor hatte seine Spielvorlage unter dem ne zum Ausdruck bringen. das einst der Nationalsozialismus verschuldet hatte. der mit Salut empfangen werden sollte.ganhandel oder Waffenschmuggel bis zur Hühten. die sich wieder in den Kommandostrukturen der Freiheitlichen eingenistet haben. indem das künftige Parteiprogramm demnächst neuerlich ein Bekenntnis zur »deutschen Volks. Sonja Arleth vermittelte während einiger Monate überaus nachvollziehbar das Bild einer überforderten Richterin. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). dass er sich seinerzeit im innerparteilichen Machtkampf gegen Jörg Haider durchsetzen konnte. dort wo im Ständestaatregime der 1. es findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. die Freiheit oder das Möglichkeit einer grenzenlos schöpfeVermögen bedrohen. Falschgeld oder Sucht. Wer hier glaubt. Und am Ende der auf über 14 Monate ausgedehnten Aufführung waren es nicht die Postkutsche und auch keine Rindviecher. Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien und Mitglied im Ausschuss der Wiener Rechtsanwaltskammer A N . VON ALFRED J. Im nationalen Lager dürfte Strache nun unter Beobachtung stehen. Welch unternehmensähnliche Verbindung Potenzial in den wenigen Zeilen ENOSS TG einer größeren Zahl von Persteckt. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. Gleichviel. Einige Hundertschaften der Polizei waren ausgerückt. In Abwesenheit Straches geriet die Gespensterstunde zur blamablen Farce. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. der fortan als »Verräter« galt. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. hätte wohl sensible Nationalgefühle verletzen können. der Europaabgeordnete Andreas Mölzer. kann nicht sparen. Meist kümmert das anachronistische Ritual nur wenige. das wissen wir durch die Auf»Wer eine auf längere Zeit angelegte führung von Wiener Neustadt. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. die Koalitionstauglichkeit nicht zu gefährden? Immerhin scharrt seine Partei derzeit an der Schwelle zur Regierungsbeteiligung. In manchen Jahren jedoch eskaliert der morbide Spuk zu einem Politikum. der nähme dem plante Begehung schwerwieStück das Wesentliche – just so. auf italienischem Lega-Nord-Territorium fand Strache vorübergehend Exil. ein Mitglied des Wiener Gemeinderats.ohne Politikunion geht nicht. haben so lange so heftig geheizt. Und blähen sich weiter auf. um der Toten eines noch schlimmeren Blutbades zu gedenken. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. Einerlei. Dadurch ging im Lärm aus der antifaschistischen Fankurve der letzte Affront unter.geschuldeten Unsinnlichkeit: Was Großartiges in kum ausbreitete. die der Regie daher Anweisungen. Will man der strafbarer Handlungen im Bereich der se. Freiheit bei der Realisierung einräumten. um eine bunte und lautstarke Protestallianz auf Distanz zu halten. dann wird man das Stück so nehmen perei oder des unerlaubten Verkehrs mit Kampf. wie es ist. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. den der Ersatzredner Wolfgang Jung.bewahren. dass das ausschließlich durch Bundessubventionen in Höhe von knapp sechs Millionen Euro ermöglichte Spiel eine Wiederholung erfahren wird. Der Verweis darauf. Der Bruchpunkt ist jetzt.

wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. nun gelte es. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. also einen Tag zu überspringen. Gleichwohl verlangen die EU. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. kleine Fotos (v. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Auch das käme alle teuer zu stehen. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Die entscheidende Frage ist aber nicht.de/audio www. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern.zeit. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Was dagegen geschieht. im Land. Doch das heißt nicht. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. positionieren sich als die guten Europäer. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Das klingt weit unattraktiver als das. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Der Rettungsfonds will weiter retten. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. Die Entscheidung Kretschmanns. Kleine Augenblicke. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. Das ist umso generöser. dass die Griechen mit dem ersten. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag.jobs. obwohl doch alle gleichermaßen wissen.n. dessen Datum anzunehmen. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. in das so viel Geld fließt. die EU dabei mitregieren. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. was sie auch kostet. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. sondern echtes Geld kosten werden. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. Diejenigen. möglichst viele Menschen mitzunehmen. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein.0. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. Viel Geld. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten WISSEN SEITE 37–40 Der alte Mann und das Drama der FDP Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. deshalb unser aller Geld retten musste. die sie früher nie gewählt hätten. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. die im Englischen haircut heißt. der nicht aufgepasst hatte. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. »Retten« ist ein hübsches Wort.u. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. Leserbriefe@zeit. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. beschlossen hat. aber die Deutschen können es nicht mehr hören.de. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . Jonas Unger. Wellen am sardischen Strand. Es kostet nur wieder Milliarden.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. bleibt auch eine. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. die SPD. ist auch eine hässliche Sache. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Nein. die andere Möglichkeit. die zweite Volkspartei. Wer wollte sie den Iren abschlagen. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. der sich tief gedemütigt fühlen muss. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Sooft dieser Tage in Ministerien. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. GRN. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Nicht mehr bezahlen. Geburten hinfällig. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. die Griechen überlegten.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. ist schlicht ein Skandal. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten.zeit. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. so desaströs seine Folgen wären. wenn Europa immer weiterzahlt. KG. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Käme es jetzt zum griechischen haircut. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. weil dies ein überholter Begriff sei. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. das Beharren auf Posten und alten Positionen. würden Schulden nicht getilgt. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. wenn Europa weiter zahlt. um Griechenland aus der Krise zu helfen. ZEIT-Stellenmarkt: www. »Umschulden«. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. Europa sollte die Umschuldung wagen. sondern auch an zu viel. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. was gemeinhin eine Volkspartei ist. wer der bessere Europäer ist. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Irland. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. das zu werden. Aber die Diagnose ist unvollständig. J A H RG A N G www.o. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort.zeit. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. wohl aber die Stimmung. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. Politik S. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei.de. Schuldzuweisungen und Dementis. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt.): Pfeiffer/ullstein. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Die Griechen. In Interviews sprach er davon. Die Frage ist vielmehr. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also.zeit. Und: Philipp Rösler versucht. zeichnet sich schon ab. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. was kommt. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. dass es ohne Europa nicht geht. und trotzdem beschimpft Europa uns.de 20 2 0 AUSGABE: . seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. 20080 Hamburg. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. will das offizielle Europa Ruhe. man macht sich unbeliebt. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. was auf lange Sicht besser für Europa ist. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen.de Abonnement Österreich. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Schweiz. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben.PREIS SCHWEIZ 7. ebenso wie die Deutschen und andere. auch nicht beim haircut. Klar ist einzig. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Vergessen. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. E-Mail: DieZeit@zeit. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Auf ewig: Frisch Aufführen! Warum er jetzt auf die Bühne muss Raus aus der Klause! Der Schriftsteller als Redner Politik Seite 12/13 Jüngster Hundertjähriger Feuilleton Seite 52/53 Wandern im Holozän Reisen Seite 63 Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. 7 D Europa will sich Ruhe kaufen. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner.und Bahnhofsschützern. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. sich die Zukunft vorzustellen Magazin. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. bestrebt. die Euro-Gruppe und die Zentralbank.zeit. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können.

muss der Schriftsteller. tik. um mit mit allen als »Vorbeter des Terro100 Jahre Frisch Peter Bichsel zu reden. und insbesondere als und sprach dann an die Adresse Autor der Schweiz der anwesenden Politprominenz.? Seine Antwort: sein Beispiel. Sie hätten nur gewinnen können. das Schauspielhaus böte das.Noch der private Grass. die nichts an Bedeutung verloren hat). und schließlich die Frage. nämlich Stiller. Die literarische Rede war für Frisch die öffentliche Anzettelung eines Gesprächs. Jedenfalls hat Frisch es in eine gewisse Spannung gebracht zu dem. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ OFFENER BRIEF »Verdammte Pflicht« Frisch-Biograf Julian Schütt wirft der Schauspielhaus-Chefin Mutlosigkeit vor Sehr geehrte Barbara Frey. die in der Paulskirche zu halten ist. Meist hat Frisch Reden gehalten. Frisch hat aber nicht nur Festreden. wenn er zum Redner wird? Er kann zum Festredner werden. zu halten in einem hochehrwürdigen sonntäglichen Rahmen. wie er mit Dürrenmatt die Pfauenbühne nach dem Krieg immer wieder aus ihrer Lethargie und Selbstzufriedenheit riss und dazu beitrug. Diskussionsrunden in Ehren. Vielleicht würden Sie kolossal scheitern. Eröffnungs. sondern er Frischs rhetorische Fragetechnik im Angesicht ist auch immer wieder als Redner ins politische der Macht hat ihre Wirkung nicht verfehlt.« Welche Zuhörerschaft er sich stattdessen gewünscht hätte.. sämtliche Inszenierungen wären hoch riskant. Goetze ging wie eine Dracula-Tochter vor. wie zunächst Frisch vom Schauspielhaus profitierte. aber letztlich kann nur das Theater zeigen und prüfen. Dessen hundertster Geburtstag wird derzeit überall gefeiert. was zählen. Ihre jüngste Inszenierung von Tschechows Platonow ist die perfekte Antwort auf die aktuelle Krisen. die wir nicht Ambition und politischer Mission. der den Spagat schafft zwischen literarischer Demokratie.dieser Frischs Fragen eine nach der anderen durchge Assistenz der Intellektuellen eine geschicht. 1966–1971. Frisch blättert in es heißt: zur Rettung der Demokratie) – das alles. den Frisch 1965 in der ZEIT veröffentlicht hat. Als er sich 1976 auf seine Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vorbereitete. dass Ihr Haus vergangenes Jahr dem Stückeschreiber Frisch eine Abfuhr erteilte. Doch das war es! Mehr kam zum Festjahr nicht vom Schauspielhaus Zürich. dazu geplaudert: Alle Achtung! oder aber: Schon wieder eine Grass-Show?« Frisch hat von den Wahlkampfauftritten des Schriftstellerkollegen aber nicht nur gelesen. das einst in aller Welt gespielt wurde und heute.notfalls Menschenleben zu opfern. Ich verlange von Ihnen keinen inszenierten Kniefall vor dem toten Jubilar. sich bloß von seiner sonntäglichen Seite zu zeigen. seine Rede samt Echo im Saal: »Das ist wichtig: Reden muss man hören. vor lauter Leuten mit toten und maskenhaften Gesichtern. drittens. wenn sie nicht willens oder Nachgefechte des »Deutschen Herbstes«. was das politische Engagement von Grass betrifft: »Günter Grass als Wanderredner zur Bundestagswahl – auch in der Ferne hat man reichlich davon gelesen. Alle Buchveröffentlichungen. wie man Schriftstellern und Intellektuellen Am 15. die Frage nach Parteitages in Hamburg geäußert. die ich mir wünschte . sondern öffentlich einer als Wahlkämpfer eindeutig sein. der ihm »ziemlich widerwärtig« war. Insgeheim hoffte ich. evoziert die Frage nach dem öffentlichen Grass mit der Rede gleich Vorschläge für die Antworten – und damit auch die allgemeine Frage nach dem öffentlichen Schriftsteller: nach dem Schriftstelzu unterbreiten. In dieser Eröffnung zeigt sich ein wesentliches der Vorstellung. nächst einmal seine Solidarität Frisch war es ernst. das sich ebenso auf eine vorgän.« Dass von ihm als Preisträger eine »nützliche« Rede erwartet würde. sondern Szene: zwischen einem Mann. aus der einsamen Schreibstube hinaus und auf die Bühne hinauf. So ambitioniert. muss einen Text beiziehen. Vielleicht würden Sie aber auch die Kritiker mit ihren vorgefassten Meinungen über den angeblich antiquierten Bühnen-Frisch Lügen strafen. Festvorträge. fähig ist. alles Theatermögliche zu unternehmen. schrieb er in einem Brief an Uwe Johnson: »Die Rede. Entschuldigen Sie meine Deutlichkeit: Sie handeln Frischs Geburtstag wie eine Strafaufgabe ab. findet sich eine längere Pasdamit zu betreiben ist: Abbau der Demokratie (wie sage mit dem Titel »Album«. ziger Jahren mehrfach als Redner auf den Partei. als sich bloß als nützlich zu erweisen. Ihr Julian Schütt CH »Soll ein Schriftsteller usw. Grass. der sich hinstellt und eine Sache verficht. und sein rismus« in Verdacht geratenen Wort hatte Gewicht. der seinem Publikum einen schön geflochtenen Wörterstrauß überreicht. Diese unsere Hoffnung. (Heinrich Böll.und Geburtstagsreden gehalten. Sein Titel: Grass als Redner.stellers. Gegen sämtliche Stücke lässt sich vieles einwenden. sondern eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Theaterwerk. Zu Beginn seines Feuilletons zeigt sich Frisch nicht ohne Skepsis. Wenn ich mir vor Augen halte. ob dies tatsächlich zu seinen Aufgaben gehört. also Dankes-. In Willy Brandts Stellungnahme kommt auch die Politik zu sehr weitgehenden Abwehrmaßnahmen gegen die Bedrohung der Demokratie auf zum Ausdruck. was Schmidt. Freunde haben Grass auf Band von Lübeck nach Zürich gebracht.geht: die Frage nach der ethischen Legitimation liche Chance hat«. zumindest der sozialdemokratischen Politik. wie uns Experten gebetsmühlenhaft verkünden.tik. Hingegen habe ich drei Fragen. zweitens.dem politischen Entwurf eines Zusammenlebens sammelten SPD-Granden der damaligen Zeit. ler. das Menschwerdung fördert und vor Herbert Wehner.steller offen bleiben? Das ist zuhause. Kann lischen Anklagen zu erheben. zuerst einmal vor sich selber antreten – will er mehr tun. später aber vor allem das Schauspielhaus von Frisch. Was Einträgen von 1970. Doch diese Risikofreude erwarte ich von Ihnen. zum Schutze seiner Ordnung 1977 in einer Rede vor den Delegierten des SPD. gegen den amtierenden Kanzler Ludwig Erhard antrat und trotz der Unterstützung von Grass die Wahl verlieren sollte. dass ich mir über den Stand meiner politischen Erwartungen klar werde. der etwas zu sagen hat? Der ein Anliegen verfolgt und Stellung bezieht? Worin unterscheidet er sich dann noch von einem Politiker? Und inwiefern ist seine Rede noch ein literarischer Text? Das sind mit Blick auf Max Frisch keine rhetorischen Fragen. dass »Politik ohne die lästi. und auch nur auf einer geschützten Nebenbühne.?« Soll er wirklich? Auf die Gefahr hin. geInbegriff eines redenden Schrifthört der Angst und nicht der Hoffnung auf Mehr. an der Frisch als Jürgen Habermas und andere) wirkungsmächtigste Redner. Ich wünsche Ihnen und dem Schauspielhaus trotzdem alles Gute.ohlbaum. wie es die Absicht verfolgt. öffentliche Zwiesprache mit sich selbst einzubeziehen versucht. wie diese Antwort lautet. unter den aufgeben. sollte eine nützliche sein. sondern ein Roman von ihm einstudiert wurde. wie sehr man es seitens der PoliKosten der Demokratie bereit war (eine Problema. im November 1977. dann denke ich: Dieses Haus wäre zu einem anderen Einsatz verpflichtet. weil er sich ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt.steller usw. Wer wissen will. als es ihn jetzt erbracht hat. Wieso nicht Biografie: Ein Spiel? Wieso nicht Graf Öderland? Selbst Triptychon oder die wegen der Atomproblematik wieder erschreckend aktuelle Chinesische Mauer wären einen Versuch wert. ein Pfeife rauchendes Theaterfossil. indem kein Stück. braucht Ihnen kein Hergereister zu er. und zwar als Ereignis an einem Ort. einem Album mit Fotografien von Günter Grass ich weiß. Im Text Grass als Redner schreibt er: »Rede ist nicht Hymnus. was er für die Pflicht des Schriftstellers bei solchen Anlässen hielt: Bevor er vor sein Publikum tritt.12 12. Die Regisseurin Heike M. welche Attraktion sich seine Heimbühne überlegen würde. sondern indem er das Publikum in die offene. antizyklisch müsste Ihre Bühne sein. als SchriftFragen zu stellen. als Willy Brandt. wenn sie Reden halten. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. eine halbe Stunde. mit dem es so viel verband. Ja. eigenständig. Und das macht mich wütend. Schlimmer noch: Max Frisch scheint Ihnen peinlich zu sein. So trat er in den sieb.und schildert in einer Serie von scharfen Beobachtungen und knappen Feststellungen. was Max Frisch sich zum Geburtstag gewünscht hätte: ein Wagnis. Einer der Einträge lautet: »Soll ein SchriftMoment der Rhetorik von Max Frisch: die Technik. Ich fürchte. war Günter Grass. nicht als Gesang über Wassern.« Wenn der Schriftsteller zum Redner wird. der vierzig Minuten lang das Wort hat. und einem wie Max Frisch schon gar nicht. die es darauf abgesehen hatte.« lichen Fragens. wäre der wohl Die Figur. Wie mancher Frisch-Fan war ich ganz besonders gespannt. muss er es verstehen. Angst als des Bürgers erste Pflicht. Darum geht es Schriftstellern aber selten. »Soll ein Schriftsteller usw. politischer Redner. Im zweiten Tagebuch. also vor mir selber antrete. sondern er hat sie – und das ist für ihn das Entscheidende – auch gehört. der Menschen. Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist die Bundestagswahl von 1965. das ist auch Ihre Haltung. Stattdessen haben Sie sich für die voreilige Kapitulation entschieden.. dem Text den Lebenssaft zu nehmen. Chapeau! Nur zu einem Klassiker fällt Ihnen leider bedenklich wenig ein. jedenfalls keine routinierte Gedenkveranstaltung.?« as geschieht mit einem Schriftsteller. wenn er zu einem Redner wird. Obwohl der Redner als Einziger spricht. keine plakativen Forderungen oder mora. in der pragmatische Arbeit einzubinden.kurz nach seiner Rede erhielt er ein ausführliches. Ich dachte nach dem Stiller-Abend nur eines: Das kann es nicht gewesen sein. junge Grass. Willy Brandt und Helmut Lebenswerte stiftet. bekundete zuschen Belange einmischte. aber sie fordert. nirgends. Mai 2011 ergänzen kann. Was also geschieht mit dem Schriftsteller. gige Analyse stützt. vielleicht sogar eine Provokation. wie er im Nachhinein bekannte. sein Publikum in ein Gespräch zu verwickeln: indem er ihm nicht einfach Meinungen auftischt wie ein Politiker oder ihm einen Vortrag hält wie ein Akademiker. Günter Grass. um dem Dramatiker Max Frisch. ich bewundere. weil er geehrt wurde und sich mit einer Rede dafür bedanken musste. Und es müssten nicht unbedingt die Schulstoffstücke Biedermann und die Brandstifter oder Andorra zur Aufführung gelangen. Schon Tagesgeschäft eingestiegen. seine Offenheit einzubüßen und sich vor einen Karren spannen zu lassen? Der Abbruch des Fragesatzes zeugt von der Selbstverständlichkeit dieser Erwartung an den Schriftsteller ebenso wie von der Unschlüssigkeit Frischs darüber.und Selbstabschaffungsstimmung im Theaterbetrieb. überholt weil es parabelhaftpädagogisch und moralinsauer sein soll. und das ist ausgerechnet der Klassiker.de . er liest vor. Er tat dies. Selbst dann hat er sich aber nicht darauf beschränkt. gilt zur Zeit als Verharmlosung des Terrorismus. dem das Zürcher Schauspielhaus am meisten verdankt: Max Frisch. wie was das Wort »nützlich« im Brief an Johnson genau besagen soll. Anders ist es nicht zu erklären. Aber das Schauspielhaus hätte die verdammte Pflicht. Mit diesen Worten hat er sich eines Rechtsstaats. das Ihre Party stört. und einer Zuhörer- Foto (Ausschnitt): Isolde Ohlbaum/www. spielt keine Rolle. stellte als Auszeichnung empfand. ein Revival auf der Bühne zu gestatten. in dem nicht denken konnte. Es ist eine Technik des öffent. weg vom Monolog und hin zum Dialog. wie Sie Klassikern die Schwere austreiben. wie es sein Geschäft ist. dass wichtige Köpfe in Zürich blieben und dass dort international beachtete Uraufführungen stattfanden.auch als Pressemitteilung der SPD verschicktes tagen der schweizerischen und der deutschen Schreiben des damaligen Parteivorsitzenden und Sozialdemokratie auf. muss er sein Metier also grundsätzlich wechseln: weg vom geschriebenen und hin zum gesprochenen Wort. wie gegenwärtig Frischs Einfälle noch sind. damals noch Regierender Bürgermeister zu Berlin. den Beitrag der Intellektuellen in ihre In dieser höchst aufgeladenen Stimmung. also inmitten der aus einer Partei wird. bleibt ebenso unklar. zu Hause beim Vorlesen. und außerdem Lobreden (auf Alfred Andersch oder Peter Bichsel) und Totenreden W (auf Kurt Hirschfeld oder Peter Noll).« er vor sich sieht – ob nun tatsächlich oder bloß in Erstens. vor den ver. sich gemessen die damals an der Macht war: 100 Jahre alt geworden hat. Keine Lust oder Fantasie. war Frisch mehr als bewusst. Grass gibt die Antwort mit seinem Beispiel. Dann hätten Sie es aber probiert und müssten sich nicht von einem in Ihren Augen wohl hoffnungslos bildungsbürgerlichen Reaktionär wie mir Mutlosigkeit vorwerfen lassen. der »Sozialdemokraten! Die Zukunft. wenn Frisch sich in die eigenen herrschaftspolitisich Frisch hin. die in ihrer politischen Eindeutigkeit möglicherweise nicht seiner literarischen Offenheit entspricht. sehr geehrte Barbara Frey. war für Frisch der so scheint es im Augenblick.

Sie sagt. dazu. der neuen Europäischen Gemeinschaft einen Deshalb versucht sie es auf der Baustelle auf ihre Satz mit auf den Weg: »L’Europe ne se fera pas Weise – auch wenn es sich nicht um ihr ureigenes d’un coup. umringt von dunklen Anzügen. zu verspotten. sondern es blendet auch aus. so müsste ich sagen. Sie bestellt Exper. das Leben schreibend zu bestehen. im Sinne einer Selbstvergewisserung im Spiegel des veröffentlichten Ich. dass er etwas zu sagen hat. zu ermutigen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 Foto (Ausschnitt): J. das öffentliche. da Frisch weltweit erfolgreich war und eine breite gesellschaftliche Wirkung entfaltete. Kaum je ist Frisch als historische Figur in der Gegenwart so präsent (von Gedenkjahren und Aufregungen um den Nachlass einmal abgesehen). Wie alles an diesem Bundesrätin Sommaruga der Position untergeordnet. Der Schriftsteller als Redner: Das meint den Schriftsteller. Aber auch Bundesrätin. in der Öffentlichkeit zu stehen? Dazu Frisch.. der sich einmischt: Er hat nur zögerlich und widerstrebend in diese Rolle gefunden. um sich gesellschaftliches Gehör zu verschaffen – und der im Idealfall auch gehört wird.die Vorteile des bilateralen Weges gepriesen. etwas kokett: »Wieso dies eine Ehre sein soll.die Sprachartistik. Man biete für die nicht – Kraft ihres Amtes dem »Generation 50+ gemischtes Optimismus verschrieben. In seiner Rede Öffentlichkeit als Partner von 1958. Juncker mal so beschrieben hat: »Wer den Wäh»Was soll ich nur von der Schweiz und Europa lern immer nur nachläuft. Vor 61 Jahren gab der französische Außenminister Robert Schuman das Volk fürchtet. die aufs Dilemma hindeuten. Das weiß auch Sommaruga.die anderen waren einfach nur hingerissen. die sich ja auch hinter geschlossenen Türen austoben könnte. um seine Spitzen zu bemerken. er soll – aber eigentlich nur. Citoyen. Denn sie tut hier etwas. um sie zu widerlegen oder zu bestätigen.« Es muss für den redenden Schriftsteller also darum gehen. Es hat etwas europä. Die Magistratin ist ein biss. das sie er rettet sich angesichts des heiklen Themas in »meinen Blaumann« nennt. sondern den Beruf des Schriftstellers ausüben. sondern eine Rhetorik der aufklärerischen Selbstbewusstwerdung. Sie Wohnen« an. Kontakt ist nicht Einverständnis. gab es Auberginenröllchen. endlich. einen gelungenen Abend. Deshalb muss man ruhig!«. Frisch tut dies weniger. dabei entstehen die Gedanken und Gefühle im Saal eben durch die Rede selbst. die Offenheit seiner Rede auszuspielen: Die literarische Rede ist weder Predigt noch Statement. medialen. Es ist halb sechs Uhr an mene Mehrheitsmeinung nachplappern. Aber das aber auch nie dafür«.Weg nach Hause. wenn er es so kann. Citoyen das Bild von Max Frisch. Er darf alles sagen.Kamel.« (links) »Sozialdemokraten!«: Frisch mit Helmut Schmidt auf dem SPD-Parteitag 1977 (rechts) Max Frisch gilt als Ikone des Schriftstellers. sobald es darum geht. Aber er hatte es ja schon in der Garderobe tut sie bereits unheimlich gut. die das leichte Glück haben. Widerspruch einzulegen im Namen des Lebendigen. als heute kolportiert wird. auch von den Medien stark beförderten Wahrnehmung beherrscht Max Frisch. der seine Schreibklause verlässt und auf die Agora hinaustritt. 9. wie der Redende.« Gesellschaftliche Verantwortung als rückläufiger Irrtum: Das passt nicht gerade ins Bild von Max Frisch.. Er sitzt im Max Frisch-Stiftungsrat und in der Jury für den Schweizer Buchpreis 2011 CH SCHWEIZERSPIEGEL Sommarugas Eiertanz Ein schweizerisch-europäischer Abend in Köniz VON PEER TEUWSEN Es sind nicht nur die Temperaturen im Baucon. mentalitären und so weiter – Umfeld zu agieren haben als Max Frisch. So rächt sich die Öffentlichkeit dafür. Und dennoch nahm Frisch diese Verantwortung an. meine neue Aufgabe« bezeichnen wird. »ein Paradox« geahnt. das kann sich daraus ergeben.H.« Für sich selbst reklamiert Frisch einen ganz anderen Antrieb. die nicht seine eigene ist. die vom Schriftsteller nicht bloß erwartet. Statt den Weg zu gehen. dass ich die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers nicht bloß angenommen. Abend. Das ist nicht nur unangebracht gegenüber den heutigen Schriftstellergenerationen. Das wird verlangt. die er freilich beherrscht wie isch Anpackendes. eine Metapher für die Eidgenossenschaft sehen.. sich »einzumischen«. raus leitet die offizielle Schweiz eine Haltung ab. Um den abgebrochenen Fragesatz aus dem zweiten Tagebuch wieder aufzunehmen: »Soll ein Schriftsteller usw.« Andere mit dem Anspruch: »Um die Welt zu verändern. wenn man die Folgen sieht: – man soll. sonst entEin Altersheim wird hier gestünden »Tabus«. Sie vertritt ein Land. seinen Text zu veröffentlichen? Ist es die Eitelkeit. Nur böswillige Menschen wollten darin rell und wirtschaftlich als Teil Europas versteht. um zu schreiben. um Wirkung nach außen zu erzielen als vielmehr nach innen. das sie genau hinhören. Der Statthalter der EU in der Schweiz ohne die Nachteile klar und deutlich zu benennen. rednerin ein. Nun. es ist mehr: »Man hebt das Schweigen. Was aber bewegt einen Schriftsteller der dritten Fraktion. Wie aber sah er selbst diese Rolle? VON THOMAS STRÄSSLE schaft. das sich kultu.kein Zweiter in diesem Land.SCHWEIZ 12. ohne sie aber letztlich zu seinem Schreibimpetus zu erklären. sondern damit an die Öffentlichkeit zu gelangen. Und noch mehr: plötzlich soll man etwas zu sagen haben. gibt er sich mit dieser Verantwortung noch auf eine eigenartige Weise unvertraut: »Spreche ich von mir selbst. Der bilaterale Weg führe zu will mit der ungewöhnlichen LoSouveränitätsverlust und sei »ein cation auf den unfertigen ChaHandling von Abhängigkeiten«. weder Anklage noch Plädoyer. zum Beispiel. sagt Massimo Rocchi in seiner behelfs. Simonetta Sommaruga. dass Frisch selbst diese Rolle weit weniger enthusiastisch annahm. die Haupt. sagt sie nennen soll. in der Öffentlichkeit zu sein gelingt auch jedem Rennfahrer und jedem Minister. In der breiteren. dass sie auch in Fällen von Gelingen keinerlei Berufung empfinden. dass den Schreibenden hierzulande und heutzutage bei jeder Gelegenheit der Name Max Frisch als leuchtendes Vorbild vor die Nase gehalten wird. Frischs rhetorisches Ideal war keine Rhetorik der Manipulation.« Bedürfnis nach Kommunikation: Das ist eine andere Formulierung für das Gesprächsangebot. Sie sitzt aus. Das nennt man in der Schweiz tenberichte. . der er auf suggestive Weise Meinungen unterstellt. bloß weil man Schriftsteller ist. Daraus aber kann umgekehrt eine gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers erwachsen. Das zeigt sich in seinen Beobachtungen zu Grass so gut wie in seinen eigenen Reden. die den Kabarettisten schwitzen lassen. drauf. © Adrian Moser (kl. Die – aber irgendwie passt er zum Gemischtes Wohnen: Verhältnis zwischen der Schweiz Botschafter Reiterer und Sozialdemokratin hat ihr Herz wieder einmal der Vernunft und und Europa. Mai 2011. weil ihnen Schreiben noch eher gelingt als Leben und weil für diesen Versuch. Denn dieser war ein ästhetischer und kein pamphletischer. bleibt rätselhaft. dass er es ihr tatsächlich auch sagt. später im Gespräch als »eine weitere Einübung in Es sind Sätze wie »Ein Schweizer ist nie dagegen. Monsieur Vogelfrei. nämlich mit den Mitteln der Sprache. Und dann kommt Massimo Fünf Minuten vor der Zeit trifft. Wohl deshalb mimt er als Zugabe ein beschreiben. seine erste ganz große Rede vor großem Publikum. der wird den Menerzählen? Mamma mia! Es ist alles so verdammt schen nie ins Gesicht sehen. der sich engagiert und einmischt. Darchinger/Friedrich-Ebert-Stiftung. die in einem völlig anderen diskursiven – politischen. rakter seines Arbeitgebers hinDiese »Ambivalenzen« müsse weisen. patag«.. wenn er sich an die Öffentlichkeit wendet. für eigene Gedanken und Gefühle haftbar zu werden. das man aber bitte nicht so schon lange existieren. sogar zum Irrtum verstiegen habe. sondern die der Öffentlichkeit – einer Öffentlichkeit. Öffentlichkeit als Partner. beginnt er mit dem Bekenntnis: »Gehört man zu den Schriftstellern. Es ist nicht bloß naive Machlust. der Feierabend nicht ausreicht – gehört man zu dieser Art von Schriftstellern. Insbesondere in der Schweiz ist Frisch zur Ikone dieses Schriftstellertypus erstarrt – mit der Folge. Écrivain. Dass diese baut. wie Frisch es vorschwebte und Grass es vormachte. dass wir sie angesprochen haben!« Weniger beglückt als verdutzt sieht sich Frisch einer Forderung gegenüber. die man im besten Fall als »heimlifeiss« im Crevetten und Brötchen mit Europa-Fähnchen schlechtesten Fall als »feige« bezeichnen kann.« Frisch bekennt sich zu einer dritten Fraktion: »Um zu schreiben!« Wer als Schriftsteller Geld verdienen oder die Welt verändern will. Das leuchtet jedem ein. sondern mich.Rocchi. wie wenn sich wieder das öffentliche Bedürfnis nach dichterischen Verlautbarungen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen regt. Da.den der luxemburgische Premier Jean-Claude tainer. gegenüber Ideologien. amtsfrische weil er es wie kein anderer sagen kann. Und das wiederum heißt: Verantwortung ist eine Folge des Erfolges. Worin aber besteht die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers? Frisch hat es für sich selbst so definiert: Sie besteht darin. zu einem Zeitpunkt also. rückläufig sozusagen. man habe zu lange nur Reiterer auf einer Baustelle in Köniz den »Euro. gegenüber allen Formeln einer in Angst und Misstrauen erstarrten Welt. man klar ansprechen.erklärend führen und nicht nur die angenommäßigen Garderobe. die sich »anständigerweise ja erst von einer gewissen Wirkung an« stellt. nicht nur zu schreiben. Und einen Bauarbeiterhelm mit auf den Die Regierung duckt sich weg.) Frisch bei der Dankesrede zum Friedenspreis 1976 in der Frankfurter Paulskirche – vor lauter Leuten. Reden halten. sondern sie ist eine Einladung an die Waghalsigen unter der Zuhörerschaft. ist in ein Kleid gehüllt. Sommaruga muss.« Der Bundesrat aber will nicht führen.« Und in 30 Minuten eröffnet Michael Dossier handelt. Der Autor ist Privatdozent für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und SNF-Förderprofessor an der Hochschule der Künste Bern. Kontakt entsteht aus der suggestiven Fiktion. muss unbedingt an die Öffentlichkeit treten. wie sie sagt. zersetzend gegenüber Phrasen. dass ich überhaupt aus solcher Verantwortung heraus schreibe . und genau darin unterschied er sich als Künstler vom Politiker. sondern die von ihm vor allem erwartet. Warum schreibt ein Schriftsteller? Einige Schriftsteller wehren sich mit der Behauptung: »Um Geld zu verdienen. es handle sich um ein Gespräch und die Rede antworte spontan auf die Gedanken und Gefühle im Saal. Auch wenn Frisch zum Inbegriff des Schriftstellers geworden ist. so ist man weniger beglückt als verdutzt. man soll sich zeigen. Ein Euphemismus erntet dankbaren Applaus. die ich mir wünschte. Die Rede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von 1958. der einfach schreibt. zersetzend zu sein mit den eigenen Mitteln.?« Ja. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. auf im Bedürfnis nach Kommunikation. Das ist klar. diesem aber politisch nicht angehören will. Man muss schon chen nervös. das der Schriftsteller macht. weil er diesem Montag.

Bis im letzten Herbst die Politologin Regula Stämpfli in einer Radiosendung den Kollegen Hermann als »Wahlvermesser mit dem politischen Reflexionsgrad eines Planktons« beschimpfte. In den kommenden Jahren erlebte die Schweizer Politik einen Vermessungsboom. Als ihn wenig später ein Journalist anrief. Etwa als Mitte Januar in der TV-Arena zum Berner Ständeratswahlkampf alle Kandidaten mit ihren Profilen »wedelten«. präsentierten im Magazin und in Le Temps ihre »politische Landkarte des Nationalrats«. der beim ersten Kontakt mit der Rechten gleich konvertiere. länger. dann drückte man das Bundesparlament ins Links-rechts-Schema. Radiosender. Als Mensch ist er schwierig zu fassen. also einer gemeinsamen Steuer. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Aber welches Bild hat er von der künftigen Schweiz? Die Frage beschäftigt ihn nicht. Die Missionare hockten im Täufer-Land in den Kirchen. Damit traf der ehemalige Absolvent des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums im bernischen Langenthal den Nerv des Internet-Zeitalters. Im Gegenteil. von 325 auf 340 Milliarden Euro. Beide waren Mitglieder in der SVP damals die Partei der Bauern. aber die Ängste der Bevölkerung seien ernst zu nehmen. Daten sind nie neutral. wirkt ernst. Hermann.und Ausgabenpolitik gehorcht. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Sie ist robust und hat nicht nur eine dünne zivilisatorische Oberfläche. Besonders pikant Herausgeber der wäre die Lage in Deutschland. nimmt den Hörer immer ab: »Es ist anstrengender. Zu faszinierend war diese neue Einfachheit. Welche Partei er wählt.« Es solle ihm nicht ergehen wie manchem Journalisten. L’Hebdo. mit einer entspannten Haltung zur SVP. . Eintracht schaffen statt Zwist säen. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). um sich selber zu retten JOSEF JOFFE: N Die Kassandras haben recht behalten: Geld. Die Spinnennetz-Grafik veranschaulicht das Profil eines Politikers – und des Wählers – in acht thematischen Dimensionen: von der außenpolitischen Öffnung. kann nicht sparen. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. Der Schlaks mit Hipster-Brille ist gesuchter als die Grandseigneurs der Branche. . hier ist das Plankton. die kompakte Linke. dem Zukünftigen in kleinen Schritten entgegengehen – vielleicht hören Politiker. Auch persönlich hat er keine Berührungsängste vor der wählerstärksten Partei des Landes. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Zusammen mit Heiri Leuthold. Immer weniger leisten sich eine eigene Meinung. Journalisten. sie sind denkfaule ContentAbfüller geworden. der weiß: In der Mitte lebt es sich am besten. Andersdenkende lernte Hermann mögen. unter der die Barbarei lauert. Für wirtschaftliche Liberalisierungen. konservativ. Und Michael Hermann. Beobachter. sondern immer Interpretation. der Verwaltung. Seine Biografie ist geprägt von der Kindheit im konservativen Huttwil im Emmental. Michael Hermanns Erfolgsformel lautet: Politik ist messbar. »Es kommt ohnehin anders. Wofür also steht er persönlich heute? Driftete er nach rechts? Europafreundlich sei er. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. weil er so ist wie sie. Sein Motto: Einbeziehen statt ausschließen. erhöht das meine Unabhängigkeit. wie sie stimmen müssten. Hermann bestimmt. der Dritte Weg von Blair und Schröder faszinierte ihn. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Fazit: Wer den Griechen hilft.« Anderthalb Stunden sitzen wir da bereits am Kaffeetisch in seinem Büro. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. verfasst im Auftrag von Avenir Suisse. hilft seinen Banken. der wirtschaftlichen Liberalisierung über die restriktive Migrationspolitik zum Ausbau des Sozialstaats.« Inhaltlich aber beschäftigt ihn die Kritik. das aber behält er für sich. der die gerufenen Geister nicht mehr loswerde. Hermann will das Regierungssystem retten – zu den Details schweigt er. brachte er Ordnung in die komplizierten politischen Realitäten. den TV-Experten bei Bundesratswahlen. wo die Eltern eine Drogerie führten. Zürcher Kantonalbank. die Hetze gegen Minderheiten? »Unsere Gesellschaft erträgt solche Stimmen. 39-jähriger Sozialgeograf. die neoliberale Revolution. Hotelleriesuisse. als man denkt«. Chef-Erklärer der Schweizer Politlandschaft. wie man aufgrund seiner Medienpräsenz vermutete. Verbände und Journalisten deshalb auf Hermann. er wohnt mit seiner Partnerin im Zürcher Kreis 5. Einzig die linke WoZ mahnte vor den Eidgenössischen Wahlen 2007 zur Vorsicht: »Ist Michael Hermann ein schrecklicher Vereinfacher?«. Seine Erfindung die Verortung im »Spinnennetz« bedeutet. Noch bevor der Drachmen-Druck angelaufen wäre. aber ihr Gesellschaftsprojekt.« Die Schweizer Politikjournalisten leiden an »Expertitis«. nicht im Maschinenraum der Politik. Gegen eine Zersplitterung der Schweiz in Ghettos von Gleichgesinnten. weltoffen oder isolationistisch gilt – und was das für Landvermesser H. Im Januar 2010 war er Gast an der SVP-Kadertagung im Hotel Bad Horn am Bodensee. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Begonnen hat alles im Oktober 1999. Doch niemand hinterfragte die Aussagekraft der Diagramme. aber im Parlament chancenlose SVP. der Geerdeten. Denn die Besitzer müssten kalkulieren.« Er fühle sich manchmal als Zauberlehrling. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. keine Auskunft zu geben. Spricht man ihn darauf an. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. dessen Tischtuch das Konterfei von Barack Obama ziert. aber nicht erklären. dessen Deutungsmacht über die Schweizer Politik immer größer wird? VON MATTHIAS DAUM Iwan Rickenbacher. nachdenklich. wenn die Ratings zum Fetisch werden.und Politszene nur wenige. Bankiervereinigung. spricht der demütige Fatalist aus ihm. Etwa jenes der blockierten Regierung. rechts. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten.14 12. Wer nun den Griechen Geld leiht. aber gegen einen EU-Beitritt ohne Not. Also fragen sie andere – am liebsten Michael Hermann.« Er glaube nicht. Nun waren politische Positionen vergleichbar. Hermann. Und die Vergiftung des politischen Klimas. seine Forschungsstelle Sotomo aber als Firma führt. Vor zwei Jahren trat er aus. 3. Wahrhaben wollten dies in der Medien. Noch 1999 fürchtete er sich vor der Partei. dargestellt in faszinierenden Grafiken und Karten. Athen nimmt Dampf weg. Doch von einer Konkurrenzdemokratie hält er nichts. Die zwei jungen Geografen. Ein Schweizer. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. sollte es besser im Kasino verjuxen. um im Hermannschen Diagramm möglichst rechts eingeordnet zu werden.« CH ach Wahltagen. Sonntagszeitung. bis die Kohle ausging. er ist froh darum. antwortete er: »Hallo. Am Apparat: Fernsehstationen. Eine gute Frage. »Mich stört selbst. Zeitungen. Selber war er 15 Jahre SP-Mitglied. Politgeograf Steuerwettbewerb. 39. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ Hoffnung stirbt zuletzt Europa wird für Hellas bluten. Der Gescholtene reagierte cool. Er behält den kühlen Blick des Programmierers: Es gibt Probleme. auch berufsbedingt. fein säuberlich aufgeräumten Büro auf dem Irchel in Zürich.« Doch der Politik-Vermesser ist mehr als ein erfolgreicher Geschäftsmann. »Da frage ich: Wo bleibt eure Überzeugung?« Hermanns eigene Meinung liest man seit zwei Jahren in einer monatlichen Kolumne im TagesAnzeiger und im Bund. derweil EU. Er ist kein Vielschwätzer. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. die langen Beine verschränkt. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Punkt. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den Bushido-Song: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. er überflügelt den Berner Umfragenkönig Claude Longchamp ebenso wie den Innerschweizer »Smartspider« erlangte Deutungsmacht in Schweizer Wahlkämpfen.und Ausgabenpolitik – fahren. was sie erst recht Josef Joffe ist nicht könnten. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Wer ist der Mann. 517 namentliche Abstimmungen der großen Kammer hatten die beiden ausgewertet. sie integriere die extremen Kräfte. In seinen Texten irritiert Hermann sein linksliberales Milieu. Die Karte zeigte die exakte Position aller Nationalräte zwischen den drei Polen links. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. und die muss man lösen. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Der Remeduren sind nur drei: 1. Es wird zum europäischen Sozialfall. wie jüngst in Baden-Württemberg oder im Kanton Zürich. klingelt das Telefon heiß. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Mal eruierte man die Nähe der Politiker zum Gewerbeverband. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. schrieb Marcel Hänggi – notabene ein Wissenschaftsjournalist. haben so lange so heftig geheizt. seinem vor zwei Jahren verstorbenen Geschäftspartner und Freund. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. Ja. berät heute: Economiesuisse. Bundesämter. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Hermann war damals 28. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Politiker und Parteien »entlarvt«. Für eine starke Zuwanderung. Leser und Experten jubilierten: Plötzlich diese Übersicht! Die zerfledderten Bürgerlichen. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. aber gegen einen entfesselten Foto: Martin Ruetschi/Keystone Foto: Mathias Bothor/photoselection »Wo bleibt Eure Überzeugung?« Michael Hermann. doch falsche Gewissheiten stören ihn. als Auskunft zu geben. Die Welt lässt sich durch Daten nur illustrieren. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. verschachtelter als seine gedruckten Interviewantworten. Hermann ist die personifizierte Mitte. dass die SVP der Schweiz schade. Wenn ein Journalist keine Meinung hat. 2. rechts-liberal und rechts-konservativ. Interpharma. ruft er Michael Hermann an. Im Juni erscheint sein Buch über die Konkordanz. NZZ und NZZ am Sonntag. welches Abstimmungsverhalten als links. sei gescheitert. Sein Einfluss als Politexperte sei sowieso geringer als angenommen: »Die SVP wird nicht mehr oder weniger gewählt.ohne Politikunion geht nicht. Tages-Anzeiger. ZEIT wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. nur weil man ihr ein Wachstum prognostiziert. liberal. Oder wenn ihn eine Gruppe CVP-Parlamentarier fragt. der an der Uni Zürich als Lehrbeauftragter arbeitet. Und blähen sich weiter auf. Athen vorweg. Baudirektionen. Erfolge verzeichne sie auf symbolpolitischen Nebenschauplätzen. Die Sätze sind nuancier- ter. Griechenland. hier im schmucklosen. sagt er: »Ich kann doch ein positives Bild einer Partei haben und trotzdem meinen eigenen Standpunkt beibehalten. Der Bruchpunkt ist jetzt. die polternde. Er ist ihre Denkprothese. Statt Einschätzungen und Vermutungen präsentierten sie faktengestützte Wahrheiten. Hermann sagt: »Wenn ich für alle arbeite.

J A H RG A N G C 7451 C www. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. die im Englischen haircut heißt. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. Die Griechen. Nicht mehr bezahlen. 0. Auch das käme alle teuer zu stehen. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. bleibt auch eine. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Druck aus Dresden Wie Frank Harings Jugendzeitung »Spiesser« einen Großverlag ärgert Politik Seite 13 D Europa will sich Ruhe kaufen. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. deshalb unser aller Geld retten musste. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. dass die Griechen mit dem ersten. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. obwohl doch alle gleichermaßen wissen.20/NL 4. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten.jobs. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. sondern echtes Geld kosten werden.42 € /Min. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Wer wollte sie den Iren abschlagen.00 20 01 420 AUSGABE: . was kommt.de/audio www. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen.00/FIN 6. 0180 . ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. GRN. Schuldzuweisungen und Dementis.10/ CHF 7. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Die Entscheidung Kretschmanns. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort.zeit. Gutmenschen nerven. dessen Datum anzunehmen. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm.70/E 5. Kleine Augenblicke. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. im Land. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . nun gelte es.de *) 0. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt.20/ Kanaren 5. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. um Griechenland aus der Krise zu helfen. wenn Europa weiter zahlt. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. Nein. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. Die Frage ist vielmehr. Was dagegen geschieht. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. wenn Europa immer weiterzahlt. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.de/audio 4 1 907 45 1 040 05 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. Es kostet nur wieder Milliarden. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Das ist umso generöser. beschlossen hat. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei.de. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. auch nicht beim haircut. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. Geburten hinfällig. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. »Umschulden«. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. die sie früher nie gewählt hätten. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 SACHSEN WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. zeichnet sich schon ab. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. E-Mail: DieZeit@zeit. ZEIT-Stellenmarkt: www. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. positionieren sich als die guten Europäer.de Abonnentenservice: Tel. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Sie sind nötiger denn je.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43. die andere Möglichkeit. weil dies ein überholter Begriff sei. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. in das so viel Geld fließt. man macht sich unbeliebt. Europa sollte die Umschuldung wagen. Wellen am sardischen Strand. ist auch eine hässliche Sache. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. dass es ohne Europa nicht geht.zeit. was auf lange Sicht besser für Europa ist. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Viel Geld. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Vergessen. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds.50/HUF 1605. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. was gemeinhin eine Volkspartei ist. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. (v. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. bestrebt. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. KG. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«.40/F 5. die EU dabei mitregieren. findet Josef Joffe. aus dem deutschen Festnetz.14 € /Min.zeit. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. kleine Abb. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. und trotzdem beschimpft Europa uns. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. »Retten« ist ein hübsches Wort.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. Sooft dieser Tage in Ministerien. Leserbriefe@zeit. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser.70/B 4.30/I 5. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Fax 0180 . Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Libyen.de.n. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Klar ist einzig. Aber die Diagnose ist unvollständig. Doch das heißt nicht.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. In Interviews sprach er davon. würden Schulden nicht getilgt. Irland. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst.o. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. Käme es jetzt zum griechischen haircut. will das offizielle Europa Ruhe.50/A 4. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. das zu werden. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen.50/P 5. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus.PREIS DEUTSCHLAND 4.zeit.52 52 909*. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. sondern auch an zu viel. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. wohl aber die Stimmung. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima.20/ L 4. Diejenigen.und Bahnhofsschützern. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. also einen Tag zu überspringen. E-Mail: abo@zeit.52 52 908*.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). Die entscheidende Frage ist aber nicht. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. wer der bessere Europäer ist. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. was sie auch kostet. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. so desaströs seine Folgen wären. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden.00/NOR 60. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. max. Das klingt weit unattraktiver als das. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar.zeit. Jannis Chavakis für DZ. die zweite Volkspartei.u.20/GR 5. Gleichwohl verlangen die EU. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. die Griechen überlegten. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. die SPD. ist schlicht ein Skandal. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. der nicht aufgepasst hatte. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. ebenso wie die Deutschen und andere. der sich tief gedemütigt fühlen muss. Der Rettungsfonds will weiter retten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft.0. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«.

12 12. Mai 2011
ZEITGEIST

DIE ZEIT No 20

MEINUNG

POLITIK

Wer den Griechen hilft
JOSEF JOFFE:

Europa wird für Hellas bluten, um sich selber zu retten
Die Kassandras haben recht behalten: Geld- ohne Politikunion geht nicht. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer- und Ausgabenpolitik – fahren; sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Der Bruchpunkt ist jetzt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer, Athen vorweg, haben so lange so heftig geheizt, bis die Kohle ausging. Der Remeduren sind nur drei: 1. Athen nimmt Dampf weg, also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. 2. Es wird zum europäischen Sozialfall, den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. 3. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Griechenland, ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft, kann nicht sparen. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen, von 325 auf 340 Milliarden Euro. Und blähen sich weiter auf. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt; die Zinsen liegen bei 15 Prozent, die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Wer nun den Griechen Geld leiht, sollte es besser im Kasino verjuxen. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«, sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen), wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht, und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre, bräche das Höllenfeuer aus:
HEUTE: 9.5.2011

Erinnern
Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Hier aber ist das Original zu sehen, nicht die Kopie. So sehen Sieger aus. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein, voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zurückzublicken, auf den Großen Vaterländischen Krieg, den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«, singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern, deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«, singt sie. Und man wünscht diesen alten Herren, dass diese Zeile falsch sein möge. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft, damit fertig zu werden, wer hätte das Recht, darüber zu spotten? F. D.

Mord und Totschläger
Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht
Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden, das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten, wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit, verpufft die Wirkung der Sanktion. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. richtig gemacht, der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Die Beweislage sei einfach, sagen die Staatsanwälte, der Täter habe gestanden, der Tathergang stehe fest, da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Allerdings darf man wohl annehmen, dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Angeklagt wird Torben P. wegen versuchten Totschlags. Das ist ein Mittelweg. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt, meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt, sogar befördert. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Ob Torben P. die bekommt, entscheidet das Gericht, Anklage ist nicht gleich Urteil. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Für Täter und Opfer. Und für die Öffentlichkeit. Deshalb ist es auch legitim, wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird, warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe, das Signal aber ein anderes. Mord ist mehr als ein Totschlag, eine besonders verwerfliche Tat, sei es wegen besonderer Grausamkeit, sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat, die dem Opfer besonderes Leid zufügt, die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat, kommt schon ins Grübeln, ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Nein, es geht nicht darum, eine möglichst harte Strafe zu finden. Es geht darum, das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Wenn einer wie Torben P. von Untersuchungshaft verschont wird, wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme, wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird, dann mag das in jedem Fall begründet sein. Das Routinierte der Nachsicht jedoch, der Eindruck, Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. WFG

Ein Land bleibt cool
Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen
Die Bürger bleiben cool. Am 9. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«, der neuen Volkszählung. Der ersten seit 1987. Volkszählung, das klingt nach historischer Parallele, nach enormem Erregungspotenzial. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer, fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus- und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person, Lebensumständen, Ausbildung und Beruf gestellt. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine, die Brüssel vorschreibt), doch die Deutschen bleiben cool. Bei jenem Thema, das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback), die Spione der Konsumwirtschaft. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Da schert es die Leute auch nicht mehr, wenn der Staat etwas mehr wissen will. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei, Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen, vorzugsweise kalifornische Konzerne. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig, ja zurückhaltend. Vielleicht zu zurückhaltend. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten, das ist nur eine Schätzung, also wird es teurer. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Dabei hatten Statistiker, Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert, weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie), zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und, ganz simpel, zur Heizung (Klimaschutz). Der Staat – im Bestreben, die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. STX

Foto: Mathias Bothor/photoselection

Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

erst ein Run auf griechische Banken, dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Denn die Besitzer müssten kalkulieren, dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert, die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten, was sie erst recht nicht könnten. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland, wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen, um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen- und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille, derweil EU, IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Fazit: Wer den Griechen hilft, hilft seinen Banken. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer, also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.«

IN DER ZEIT
POLITIK
2
Interview Kanzlerin Angela

SACHSEN
13 Medien »Spiesser«-Chef Frank Haring kämpft gegen einen Großverlag VON RALF GEISSLER
Ostkurve
VON JANA HENSEL

WIRTSCHAFT
23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26
VW Der Konzern will jetzt auch

33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung
ThyssenKrupp Der Konzern

FEUILLETON
49
Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral

Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 3 4
Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland

62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod

50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTL-Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie, Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte«
Roman Nicolas Dickner »Tarmac«

REISEN
63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö, das Altbier und das japanische Viertel 67
Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen

Sachsen-Lexikon

startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt ... Armin Falk, Ökonom und Verhaltensforscher?

ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra 5 6 7 8 9
Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen

Krawall-Zuschlag 14 Geschichte Dresdens Bühnen in der NS-Zeit VON ADINA RIECKMANN
Am Start Irina Tarassenko, Landärztin VON M. MACHOWECZ

noch die meisten Laster bauen
Elektroauto Warum es falsch ist,

WISSEN
37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können

nur die Autokonzerne zu fördern 27
Kinderarmut Die Not wird überschätzt, sagen Forscher

Familie und Politik zusammen?
FDP Ein Gespräch mit Philipp

DOSSIER
15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU
Eurovision Song Contest Die Geschichte eines Liedes aus Island

Rösler über seine Regierungspläne
Pakistan Die Islamisten freuen sich

über arabische Revolutionen
Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung

28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal Gegenseitige Schuldzuweisungen
Soziale Netzwerke

CHANCEN
71 Bachelor und Master:
Ein Spezial auf 10 Seiten

55 Margaux Fragoso »Tiger, Tiger« 56
Nachruf auf Gunter Sachs

41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet, Flüchtling zu sein 48 Kinder- und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder«

96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE
Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/audio

kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 12 Volkszählung Gelassenheit
Justiz Der Berliner

57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze«
Kunst Paul Pfeiffer in München

GESCHICHTE
21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen

Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn

59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer«
Kulturkanäle zdf.kultur

U-Bahn-Schläger wird angeklagt

Foto: Denis Sinyakov/Reuters

ZEIT FÜR SACHSEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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OSTKURVE

Oberarmfrei
Am Wochenende wurde uns ein neues Bücherregal geliefert. Zwei junge Herren, der eine in oberarmfreiem T-Shirt, der andere tätowiert an allen sichtbaren Körperstellen, waren mit einem alten Volvo vorgefahren, hatten das recht schwere Ding erst entladen, dann hinaufgeschleppt und schließlich vor den sechs Augen der Familie aufgebaut. Der Typ mit dem oberarmfreien T-Shirt erzählte dabei, dass er schlafwandle und morgens seinen Schlüssel mitunter im Schloss des Briefkastens finde. Was für ein interessantes Thema, dachte ich.
Jana Hensel, 1976 in Leipzig geboren, Autorin des Bestsellers »Zonenkinder«, schreibt hier im Wechsel mit ZEITAutor Christoph Dieckmann

Foto: Jannis Chavakis für DIE ZEIT/www.chavakis.de; Dominik Butzmann (kl.)

Ein Bild von einem Mann: Frank Haring im Konferenzraum seines Dresdner Verlags

Elefant im Zeitungsladen
Frank Haring hat aus der sächsischen Schülerzeitung »Spiesser« ein bundesweites Jugendmagazin gemacht. Inzwischen sieht selbst die »Bravo« in ihm einen ernsten Konkurrenten VON RALF GEISSLER
a ist die Geschichte mit dem Kaffee-Automaten. Eine Mitarbeiterin hatte Münzen eingeworfen und ihr Wechselgeld vergessen. Als sie zurückkehrte, war das Fach leer. Verschwunden, die paar Cent. Frank Haring fackelte nicht lange. Er ließ die Videoüberwachungsbänder der Büroetage sichten, um den Dieb zu entlarven. Eine Stunde Bildmaterial. Selbst wenn es nur um Kleingeld geht, kämpft er mit der Verbissenheit eines Jungen, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Mit dieser Haltung hat er sein Unternehmen groß gemacht. Frank Haring, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jugendzeitschrift Spiesser in Dresden, ist als 34-Jähriger so etwas wie Deutschlands jüngster Pressepate. Angeblich fast 800 000 Mal liegt sein Spiesser bundesweit an Schulen aus. Ein Magazin, in dem Jugendliche für Jugendliche schreiben, angeleitet von Journalisten. Das Heft ist mittlerweile so bekannt, dass der Heinrich Bauer Verlag darin eine Konkurrenz zu seiner Jugendpostille Bravo sieht. Der Verlag zweifelt die Spiesser-Auflage vor Gericht an. »Das wird lustig werden«, sagt Haring und blättert in der einstweiligen Verfügung, die Bauer vor drei Wochen gegen ihn erwirkt hat. 250 000 Euro Ordnungsgeld werden ihm angedroht, falls er weiterhin mit seinen Auflagenzahlen wirbt. »Wir werden das ganz sicher nicht auf uns sitzen lassen«, sagt er. Rein äußerlich würde Haring – schwarzes Shirt, braune Cordhosen – als Juso-Kreisvorsitzender durchgehen. Auch der Anblick seines Dienst-Toyotas vermittelt nicht den Eindruck von einem, der dick im Geschäft ist. Doch Haring verlegt nicht nur eine Jugendzeitung. Er hält Anteile an Dresden Fernsehen, verdient beim Elternmagazin Eltern, Kind + Kegel mit und ist an einem Jugendreisebüro beteiligt. Er engagiert sich bei einem Logistik-Dienstleister, einer Unternehmensberatung und beim »Schulkurier«, der den Spiesser zwischen Nordsee und Alpen verteilt. Kürzlich hat eine seiner Firmen fünf Millionen Euro in einen Solarpark investiert. Es war die Zeit vor Fukushima. Haring hatte mal wieder den Riecher für das richtige Timing.

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Dresdner Pentacon, erster Stock, geflieste Wände. Die alte Einrichtung warf Haring einfach aus dem Fenster. In dem selbst renovierten Raum machte er mit zwei Partnern das kleine Gratisblatt groß. Es erschien fortan in ganz Sachsen. Auch bei McDonald’s wurde es ausgelegt. Zum Idealismus kam der Kapitalismus hinzu. 2006 hatte Haring die Idee, es bundesweit zu versuchen – was manche übermütig fanden. Mit Großverlagen sprach er über eine Beteiligung am Spiesser. Doch es kam keine Kooperation zustande. »Viele wollten den Spiesser irgendwo in ihre Strukturen einsortieren und hätten das Projekt damit sehr wahrscheinlich gegen die Wand gefahren«, frotzelt Haring. Im Herbst 2007 brachte die Spiesser GmbH ihr Blatt im Alleingang in ganz Deutschland heraus, Druckauflage: eine Million Exemplare. Überregionale Zeitungen, auch die ZEIT, zollten Respekt. Ein neues Printprodukt. Aus dem Osten. Für Jugendliche. Es klang märchenhaft. Vor Ort in Dresden sahen es viele nüchterner. Unvergessen ist bei manchem Ex-Mitarbeiter, wie Haring morgens fünf Minuten vor Dienstbeginn an der Pforte stand und jeden ermahnte, der noch nicht am Schreibtisch saß. Man habe zum Vorklingeln zu erscheinen, dozierte er. Wenn er Fehler fand, zog er die Betroffenen noch Wochen später damit auf. Seinen neugeborenen Sohn stellte Haring Kollegen halb ironisch als »Junior-Chef« vor.

maßen sauer, dass er eine eigene Attacke startete. Er schrieb dem Deutschen Presserat, die Bravo habe die Inhalte womöglich nicht ausreichend als Anzeige gekennzeichnet. Das Gremium erteilte in erster Instanz eine Rüge. Auch der Bundesrechnungshof prüfte die Angelegenheit. Zuvor hatte Haring über einen Bundestagsabgeordneten der Grünen eine Kleine Anfrage initiiert. Schließlich wurde sogar Agentur-Chef Frank Weise zur Anhörung nach Berlin geladen. Den Bauer-Verlag verärgerte das alles. Haring sagt: »Ich hatte bei denen noch einen gut.« Bereits 2008 hatte Bauer ihm gerichtlich untersagen lassen, den Spiesser als »größte Jugendzeitschrift Deutschlands« zu bewerben. Denn der Spiesser erscheine nur alle zwei Monate; die Bravo aber jede Woche. Zuletzt mit einer verkauften Auflage von etwa 400 000 Exemplaren. Die jetzige Auseinandersetzung trifft Haring zur Unzeit. Er hat kürzlich seinen Verlagsleiter, die

Anzeigenleiterin, die Verantwortliche für Sonderpublikationen und einen langjährigen Redakteur verloren. Die Fluktuation beim Spiesser war immer schon hoch. Mehrere, die gingen, sagen: Haring sei genial, aber auf Dauer nicht auszuhalten. Ein Mann, der seit seiner Pubertät immer nur Chef war, dem seine Firma alles bedeute. Haring deutet die häufigen Personalwechsel ins Positive um: Sie passten doch gut zu einem Blatt, das jung bleiben wolle. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Spiesser noch heute das Produkt engagierter Schüler. Nach dem Prinzip lässt Haring im Pentacon auch das Magazin Schekker der Bundesregierung erstellen. Außerdem denkt er über ein Jugendmagazin nach, das am Kiosk verkauft werden soll. Das dürfte den Bauer-Verlag noch mehr erzürnen. Doch Haring braucht das Kämpfen zum Leben. Der Gegner ist groß, aber er sollte sich abwehren lassen. Irgendwie hat Haring ihn sich ja auch erarbeitet.

Aber oberarmfrei ist ja eigentlich auch ein interessantes Wort, nicht wahr? Selbst wenn es das, was ich sagen will, hier nicht ganz trifft. Schließlich braucht man bekanntlich seine Oberarme, um so ein schweres Bücherregal aufzubauen. Oberarmunbedeckt wäre besser. Einige Leser denken jetzt wahrscheinlich: »Ja, ja, Handwerker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.« Diesem Eindruck möchte ich entschieden entgegentreten. Die beiden jungen Herren bildeten nämlich eine rühmliche Ausnahme. In der Regel sind Handwerker in einem erschreckenden Ausmaß so geblieben WIE FRÜHER. Ich musste das in den vergangenen Wochen oft am eigenen Leib erfahren, indem ich mich mehr als einmal schier auf den Boden warf, um einen Termin zu ergattern. Nun fiel mir das Buch Du und Deine Wohnung. Heimwerkertips in die Hände. 11. Auflage, OstBerlin 1977. All die Mischbatterien, Auslaufventile, Kohlebadöfen, Heißwasserspeicher, Geruchverschlüsse (Trapse) und Spülkästen: Ich könnte sie nun theoretisch allein reparieren, müsste keinen Handwerker mehr anflehen. Wie schade, dass es die Geräte nicht mehr gibt.

SACHSEN-LEXIKON

Krawall-Zuschlag, der. Aufpreis für Fußballspiele mit erhöhtem Randale-Risiko. »Wir wollen«, erklärt Innenminister Markus Ulbig (CDU), »dass bei Risikospielen ein bis drei Euro höhere Eintrittspreise erhoben werden.« Zu oft bleibe er »auf den Kosten sitzen«, wenn Polizisten Hooligans im Zaum hielten. Fans fordern, den Krawall-Zuschlag fairerweise auch auf die sachsenweit wichtigste Krawall-Fraktion um Holger Zastrow (FDP) auszuweiten. Im Fußball, heißt es, wären Leute, die so oft gelb provozieren, ja längst aus der Arena geflogen. MAC
S

Haring, heißt es, sei genial – aber auf Dauer nicht auszuhalten
Immerhin bezahlte er leidlich und schulte junge Journalisten, die er eines aber nicht lehrte: die strikte Trennung von Redaktion und PR. Mehrfach vergaß der Spiesser, werbliche Inhalte im Blatt zu kennzeichnen. Noch im November verurteilte das Landgericht Berlin die Zeitung, weil eine Sonderveröffentlichung der Supermarktkette Kaufland nicht als Anzeige ausgewiesen war. Er bewundere Stefan Raab, sagt Haring, weil über dessen Sportsendungen »Dauerwerbesendung« stehe und die Quoten trotzdem stimmten. Wer Haring begegnet, vergisst ihn so schnell nicht mehr. Er ist ein Getriebener, der nicht lockerlässt. Auch einer, der einschüchtern kann. Und er ist voller Ideen. Haring hat sich die »Spiesser-WG« ausgedacht: Abiturienten arbeiten ein Jahr für Haring, verdienen kleines Geld, wohnen aber kostenlos. Er erfand die Vertretungsstunde mit Prominenten. Das Prinzip: Musiker, Schauspieler oder Politiker geben in einer Schule Unterricht – und der Spiesser schreibt darüber. Haring initiierte auch den Jugendbildungsverein Sachsen. Redakteure gaben Workshops, Vereinsleute organisierten Anzeigen. Es war für Außenstehende ein ziemliches Durcheinander. Kommerziell? Ehrenamtlich? Schwer zu sagen. Wie viel Geld sie mit dem Blatt verdienen, müssen Haring und seine zwei Partner nicht offenlegen. Fest steht, dass er selten mehr ausgegeben hat als nötig. Um Dienstreisen billig zu halten, teilt er sich mit Kollegen auch mal ein Doppelzimmer. Im Intranet, erzählt ein Mitarbeiter, informierte er im vorigen Jahr über die Vorzüge von Rabatten für Journalisten. Dadurch habe er selbst in seinem Urlaub 300 Euro gespart. Man darf annehmen: Das Geld floss in neue Projekte. »Ich bin«, schreibt Haring in einer E-Mail, »sowohl von meinem Körpergewicht als auch vom Gedächtnis her der Kategorie Elefant zuzuordnen. Das heißt, ich vergesse selten.« Vor vier Jahren bemühte er sich um Aufträge der Bundesagentur für Arbeit. Doch den Zuschlag erhielt die Bravo – für eine Anzeigenserie unter dem Titel »JobAttacke«, Auftragswert: etwa 700 000 Euro jährlich. Frank Haring war über seine Schlappe der-

Der Gegenspieler ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz
Die meisten seiner Firmen haben dort ihren Sitz, wo auch der Spiesser zu Hause ist: im Dresdner Medienkulturhaus Pentacon. Es ist Harings Festung. Und sie wird angegriffen. Aus dem Hinterhalt, wie er meint. Schon im März habe der Bauer-Verlag versucht, bayerische Schulleiter einzuschüchtern, indem er anfragte, auf welcher rechtlichen Grundlage der Spiesser bei ihnen ausgelegt werde. Bauer ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern. Angesichts dieser Zahlen klingt es zunächst wie ein Witz, wenn es aus dem Unternehmen heißt: »Wir wollen, dass zwischen Bravo und Spiesser wieder Waffengleichheit herrscht.« Frank Haring meint: »Die wollen uns fertigmachen.« Er lümmelt auf seinem Bürosessel wie in einem Liegestuhl, die Lehne weit hinten. Ein Provokateur, oft unterschätzt, sächsisch schlau. Frank Haring war 17, als er mit seinem Jugendfreund Konrad Schmidt den Spiesser gründete. 5000 Exemplare brachten sie von 1994 an persönlich an die Dresdner Schulen. Die Redaktion traf sich im Keller des Hülße-Gymnasiums, wo hinter vergitterten Fenstern zwei Dutzend Computer standen. Täglich um 19.30 Uhr schaltete der Hausmeister den Strom ab, und Flüche hallten durch den Flur – von jenen Mitarbeitern, die ihre Texte nicht gespeichert hatten. 1997 bezog die Redaktion eine ausgediente Küche im

14 12. Mai 2011
AM START

DIE ZEIT No 20

ZEIT FÜR SACHSEN
ie Dresdner haben es nach Hitlers Machtübernahme besonders eilig. Schon fünf Wochen später, am 7. März 1933, brennen Fahnen und Bücher in einem Feuer vor der Volksbuchhandlung beim Schloss. Am selben Tag stürmt der Schauspieler und NS-Sympathisant Alexis Posse mit 60 Gleichgesinnten die Rigoletto-Probe in der Semperoper und erklärt den Dirigenten Fritz Busch für abgesetzt. Dessen Vergehen: »Verkehr mit Juden« und die Beschäftigung »jüdischer und ausländischer Sänger«. Am Abend beweist sich, dass dies alles kein Spuk war. Bis hoch in den 4. Rang sitzt Hitlers SA. Nicht aus Liebe zu Verdi haben ihre Mitglieder die Karten gekauft, sondern um die Reihen mit Braunhemden zu füllen. Seit 1922 hat Fritz Busch in Dresden mit spektakulären Uraufführungen von sich reden gemacht. Unter seiner Leitung katapultiert sich die Semperoper an die Spitze der Musikmoderne. An diesem 7. März 1933 aber schreien ihn die Dresdner nieder. Busch blickt seine Musiker lange an, die aber schweigen. Ohne den Taktstock erhoben zu haben, verlässt der Westfale die Bühne. »Aus!!!«, vermerkt er in seinem Kalender über sein Ende, aus Protest verlässt Busch nicht nur Dresden, er geht aus Deutschland weg. Mit dem Dirigenten wird sein ganzes Leitungsteam beurlaubt, vom Generalintendanten bis zum Spielleiter der Oper. Es ist ein Signal. Ausnahmslos alle jüdischen Ensemblemitglieder in Dresden müssen gehen, viele verstummen für immer. Die Sängerin Therese Elb und der Musikdirektor Arthur Chitz werden nach Riga deportiert und dort ermordet; die Schauspielerin Jenny Schaffer stirbt in Auschwitz. »Diese öffentliche Vertreibung«, sagt Hannes Heer, »war ein einmaliger Vorfall. Es waren ja keine SALeute von außerhalb, die mit einem Putsch die Staatstheater übernommen haben, wie immer behauptet wird. Die Machtergreifung hat von innen heraus stattgefunden. Die eigenen Leute haben die Kollegen verjagt, kühl und kalkuliert.« Der Hamburger Historiker arbeitet seit dem Jahr 2006 an dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ,Juden‘ aus der Oper 1933 bis 1945. Er widmet sich einem kaum untersuchten Kapitel des deutschen Kulturlebens zwischen den beiden Weltkriegen: der systematischen »Säuberung« der deutschen Opern- und Schauspielhäuser von »jüdischen« und »politisch untragbaren« Ensemblemitgliedern. Heer hat darüber bereits an den Staatsopern in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt geforscht; die Ergebnisse in Dresden aber empfindet er als besonders bedrückend. »Es war ja nicht Alexis Posse als Gaukunstwart allein, der den künstlerischen Exodus in Dresden ermöglicht hat. Es waren die ultrakonservativen Bildungsbürger, die in den 1920er Jahren Stücke wie das Kriegsheimkehrer-Drama Hinkemann von der Bühne gefetzt und mit der Judenhetze begonnen haben.« Der von Heer neu recherchierte Teil der Wanderausstellung zeigt deutlich, dass dieser 7. März 1933 Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik war, die als Kampf gegen den »Musikbolschewismus« und die »entartete Kunst« schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten propagiert und von großen Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde. Auch wenn Dresden als Vorreiter des Expressionismus gilt – die Stadt war ebenso ein Zentrum des Widerstandes gegen die verhasste Moderne. 1920 gründet sich hier die völkische Organisation Deutsche Kunstgesellschaft. Sie bekämpft mit einem kostenfrei verschickten Nachrichtendienst zeitkritisches Musiktheater oder unliebsame Künstler. Besonders die völkische, verdeckt antisemitische Besucherorganisation Bühnenvolksbund greift diese Vorstöße auf: Vehement zieht sie gegen die an den Musik- und Sprechtheatern betriebene »Entsittlichung, Entgöttlichung und Entnationalisierung« zu Felde. Vor allem das Bildungsbürgertum in Dresden erkennt sich in derartigen Schmähungen wieder. Der Schauspieler Alexis Posse wird nun aktiv. Er gründet Ende 1930 eine »Theaterfachgruppe der NSDAP« – gemeinsam mit Kollegen, Tänzern und Musikern. Wenn man mit Heer über die neue Ausstellung spricht, wird sein Ton sehr bestimmt: »Diese Nazizelle an den Staatstheatern war deutschlandweit einzigartig. Die haben Klartext gesprochen: ›Wir sind keine braune Gewerkschaft, sondern eine Kampftruppe der Partei‹«, sagt Hannes Heer: »Die konnten sich bei der Durchführung ihrer regelmäßigen ›Kunstabende‹ auf ihre Kollegen verlassen. Das macht die Geschichte so schwie-

Ende des Notstands
Wie Niederwiesa nach einem Jahr eine neue Landärztin gefunden hat
Wenn man in Niederwiesa bei Chemnitz den Arzt ruft, kommt neuerdings eine Frau aus Semipalatinsk: Irina Tarassenko, 39, geboren im 4500 Kilometer entfernten Ostkasachstan, sitzt in ihrem Behandlungszimmer. Sie trägt das Haar wie eine Löwenmähne, es ist eine einzige rotbraune Welle. »Hausärztin, dafür bin ich geboren, no«, sagt sie. Irina Tarassenko hat zu Hause in Semipalatinsk Medizin studiert, das »no« hängt sie an alle Sätze, und in jedem ihrer deutschen Wörter liegt noch die Würze des Kasachischen, ihrer Muttersprache. Tarassenko ist einer der Menschen, nach denen Sachsen in ganz Europa fahndet. Sie wird geliebt in Niederwiesa, weil sie die alte Hausarztpraxis wiedereröffnet hat: Ein Jahr lang stand diese leer, ein Jahr lang hatten 5000 Erzgebirgler im Tal der Zschopau niemanden, der sie kuriert. Wolfdieter Kühn, den hier alle nur den Doktor nennen, ist in Rente seit dem 31. März 2010. Für Bürgermeister Dietmar Hohm, 66, einen Mann mit grauem Vollbart, begann an diesem Tag »die schlimmste Zeit«. Die Bürger marodierten wie seit 1509 nicht mehr, damals hatten sie Chemnitz den »Bierkrieg« erklärt. Nun wollten die Menschen, dass Hohm ihnen endlich einen neuen Arzt präsentiert. Er sanierte erst mal das Praxisgebäude, für 320 000 Euro. Dann blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Im vergangenen November berichtete die ZEIT (Nr. 45/10) über Niederwiesas Arztnotstand und Sachsens Bemühungen, ausländische Mediziner anzulocken. Mindestens 150 Landärzte finden im Freistaat keinen Nachfolger, unzählige Vorschläge sind im Gespräch: von der Aufweichung der Zulassungsbeschränkungen an den medizinischen Fakultäten bis zu »rollenden Praxen«. Die Landesärztekammer gründete ihre Koordinierungsstelle »Ärzte für Sachsen«, die neuerdings sogar bei Facebook nach Medizinstudenten fahndet. Tarassenko, seit einigen Jahren am Chemnitzer Krankenhaus, las von Niederwiesas Problem, fuhr in den Ort und befragte Bewohner: »Würden Sie, wenn jemand die Praxis übernähme, wiederkommen?« Natürlich, sagten die Niederwiesaer. »Das hat alles beeinflusst«, sagt Tarassenko: »dass man hier gebraucht wird. Natürlich ist Angst im Spiel, wenn man so einen Schritt geht. Aber hier kennen dich die Patienten,

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Fotos: ullstein (u.r.); Martin Machowecz (l.); kl. Fotos (im Uhrzeiger): U. Richter (Dirigent Fritz Busch); A. Pieperhoff/Archiv der Staatsoper Dresden (Sängerin Margit Bokor); Archiv des Staatsschauspiels Dresden (Schauspielerin Jenny Schaffer, Schauspieler Martin Hellberg)

rig, so schmerzhaft.« Für Jens Hommel, der gemeinsam mit Heer die Ausstellung konzipiert hat, passen die Recherche-Ergebnisse nicht so recht ins Selbstbild seiner Stadt: »Noch immer finde ich viel zu oft das schwarz-weiße Faschismusbild aus DDR-Zeiten in den Köpfen vor: Hier die braunen Horden als ›Helfershelfer des Monopolkapitals‹ – da die Bürger vom Stadtteil Weißer Hirsch, die aufgrund ihrer kulturellen Affinitäten immer immun blieben für totalitäre Ideologien«, sagt der gebürtige Dresdner. »Die Erzählungen über Barbarei in der Stadt beginnen oft erst mit 1945. Das stößt mir inzwischen bitter auf.« Kurator Hannes Heer, der vor Jahren mit der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, erinnert sich, seine Recherchen in Dresden seien kompliziert gewesen. Anfangs hätten die Archivare immer gleich erklärt: Es gibt nichts mehr, weder Akten der Verwaltung, noch Personalpapiere. Alles verbrannt. Doch gegen Ende der Arbeit entdeckte Heers Team, dass von den Ensemblemitgliedern, die 1945 wieder am Theater beschäftigt wurden, die alten Personalakten doch noch existierten: »Sie waren einfach – gesäubert und frisiert – in die neuen mit eingearbeitet worden. So konnten viele, ähnlich wie in Westdeutschland, ihre Nazivergangenheit abschütteln und erneut Karriere machen.« Heer berichtet, und die Aufregung ist ihm noch anzumerken, von einem weiteren Fund: einem 1918 begonnenen handschriftlichen Verzeichnis mit 850 Namen von Arbeitern der Semperoper. Von 1941 an sind in dem Personaljournal auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verzeichnet, ohne die der Theaterbetrieb wohl zum Erliegen gekommen wäre. Hunderte. Damit sei ein Thema aufgetaucht, sagt Heer, das er bei früheren Recherchen nie zu fassen bekommen habe. »Es gab

Braune Dramen
Machtergreifung an der Semperoper: Eine Ausstellung räumt mit der Legende auf, Dresden sei in der NS-Zeit eine unschuldige Kulturstadt gewesen VON ADINA RIECKMANN
Gerüchte, aber ich konnte bisher nie etwas beweisen. Und dann steht das hier Schwarz auf Weiß.« So fügt die Arbeit der Historiker dem Geschichtsbild Dresdens einige neue Facetten hinzu. Die Stadt, sagt Staatsschauspiel-Intendant Wilfried Schulz, sei oft vergangenheitssehnsüchtig – unter Aussparung aller Schmerzpunkte. Ähnlich hat er das auch schon zum Gedenktag 13. Februar gesagt, an dem seit Jahren Tausende Neonazis in der Stadt aufmarschierten. Anstatt das alles nur zu beklagen, macht Schulz sich das Thema zu eigen. Theater, sagt er, müsse sich doch als Spiel- und Erinnerungsort produktiv mit seiner Geschichte beschäftigen; erst recht, wenn sie hoch unmoralisch sei. In diesem Jahr prangte am 13. Februar weithin sichtbar ein Banner an der Semperoper. Darauf stand: »Es ist noch wichtiger, sich anständig zu benehmen, als gute Musik zu machen«. Ein Zitat des Dirigenten Fritz Busch. Das hoch gehängte Statement stieß bei einigen in der Stadt auf Unverständnis. Und auch ein paar Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sahen es nicht besonders gern: Als Musiker, so lautete der Einwand, sei man schließlich unpolitisch. Ulrike Hessler, die Intendantin der Semperoper, teilt diese Ansicht nicht. Das Banner war eine Idee des Personalrates gewesen. Eine Idee, die Hessler, ohne zu zögern, aufgriff. »Was mich besonders schockiert, ist die Aktualität dieses Themas«, sagt sie über die NS-Geschichte ihres Hauses: »50 Ensemblemitglieder mussten gehen, viele auch, weil sie politisch nicht genehm waren.« Wenn sie im Jahr 2011 nach Ungarn schaue und sehe, dass an der Budapester Staatsoper der Chefregisseur und der Generalmusikdirektor entlassen wurden, weil sie der Regierung aus ähnlichen Gründen nicht passen, »dann erinnert mich das sehr an den 7. März 1933«.
Die Ausstellung »Verstummte Stimmen« ist vom 16. Mai bis 13. Juli in den Foyers von Semperoper und Staatsschauspiel Dresden zu sehen; Eintritt frei. www.verstummtestimmen.de

Die Ärztin Irina Tarassenko, 39, kam vor rund zehn Jahren aus Kasachstan nach Chemnitz

sie akzeptieren dich.« Sie hätte auch in der Großstadt bleiben können, in Chemnitz lebt sie mit Mann und Kindern, Praxen stehen dort ebenfalls leer, aber Tarassenko sagt: »In Chemnitz gibt es Ärzte genug.« Im Oktober soll in Niederwiesa ein Seniorenheim eröffnen, 48 Zimmer, viele Patienten, »ein Pflegeheim der vierten Generation«, sagt der Bürgermeister. »Ein Jahr lang waren wir ziemlich in Schwulitäten.« Nun werde alles gut. Die Ärztin kuriert seinen Ort. MARTIN MACHOWECZ
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Kultur-Führer: Hitler grüßte 1934 vor der Semperoper. Der Dirigent Fritz Busch (oben links) und andere Künstler waren schon verbannt worden

5. Seite 30 . Genscher Nr. 20 12. 2011 Siebeck reitet ein Kamel.Mensch.

Und zieht seine Lebensbilanz .Was wird nur aus seiner FDP? Ihr Ehrenvorsitzender macht sich Gedanken.

2 0 Alles. es knallt: Neonfarben sind der Trend der Saison Der Auffahrunfall – oder die Kunst. Marcus Gaab 5 . Marco Valdivia. miteinander zu reden Waldmeister der Herzen Dürfen alte Männer Fantasien von jungen Frauen haben? Wie der Schauspieler Robert Hunger-Bühler fast ertrunken wäre Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos Jonas Unger Fotos Inhalt Barbara Siebeck.I N H A LT N R . den man auch gut nebenher erledigen kann Eine Leuchte. was in diesem Heft passiert 30 20 34 Wolfram Siebeck in Ägypten Zu Besuch bei legendären Gärtnern 6 8 10 11 12 26 28 44 45 46 49 54 Uhren und Schmuck finden zusammen Harald Martenstein über einen Traumjob. die man auf dem Schirm haben sollte Warum wird in Magdeburg so viel gemordet? Eine Deutschlandkarte Wie viel sollte einem ein Kindermädchen wert sein? Hans-Dietrich Genscher blickt auf sein manchmal sehr gefährliches Leben zurück Die Sängerin Kate Bush über den Song ihrer Träume Der Fotograf der Lüfte: Paolo Pellegrin überfliegt New Orleans Hauptsache.

als Parodie. Einstweilen darf ein historisches Studium als ideale Voraussetzung gelten. Auffällig ist. Udo Ulfkotte und der ehemalige ZEIT-Kollege Michael Lüders. Die ARD leistet sich. Alle Sender beschäftigen.de / audio Illustration Fengel . im Jahre 2000 inszenierte er den Film Die frechsten Seitensprünge der Welt. Theveßen arbeitet in terrorismusarmen Phasen als Experte für Wirtschaftskriminalität und stellvertretender Chefredakteur des ZDF. nämlich Joachim Hagen und Holger Schmidt. Daneben gibt es den Typus des freiberuflichen. keine Person mit Migrationshintergrund und auch keine einzige Frau zu geben scheint. hat er sich als Regisseur künstlerisch mit misslingenden menschlichen Beziehungen befasst. Illmar Ernesto von den Wicken« auf. den Medizinern und den Bestattern. Rufe nach einer Frauenquote wurden bisher nicht vernommen. er heißt Peter Bergen.und Kunstexperte Dr. Fremdsprachenkenntnissen und sicherem Auftreten vor der Kamera. Immerhin verdient er sein Brot mit einer sehr unerfreulichen Zeiterscheinung. ARD. Diese Eigenschaft teilt er freilich mit den Juristen. hört er zu Hause Opern. Der Terrorismusexperte muss. sogar zwei Terrorexperten. 6 Zu hören unter www. Der CNN-Experte gilt als führend. diesen Weg sind unter anderem Theveßen und Hagen gegangen. dass es unter den deutschen Terrorexperten keinen einzigen Bartträger. Michael Ortmann zieht seine Bahn als Terrorexperte bei RTL.zeit.HARALD MARTENSTEIN Über den Traumjob Terrorismusexperte: »Es handelt sich um den letzten echten Männerberuf« Die Welt – ein Werden und Vergehen. und im Internet tritt gelegentlich. einen eigenen. Für die Ausbildung zum Terrorexperten gibt es noch keine Norm. senderunabhängigen Terrorismusexperten. wahrscheinlich wegen der föderalen Struktur dieses Senders. Krankheit und Tod ja ebenfalls arbeitslos wären. so wenig wie den Harzer oder den Haderlump. Lüders schreibt Romane (zuletzt: Blöder Hund). wie sich ein Terrorismusexperte am Feierabend entspannt. Auskunft gegeben. Bergen dagegen hat 1997 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Osama bin Laden geführt. Der Beruf des Terrorismusexperten ist von einer stark schwankenden Auftragslage gekennzeichnet. Thamm ist gelernter Diplom-Sozialpädagoge und hat als Streetworker den Umgang mit unberechenbaren Individuen sozusagen hautnah gelernt. Den originellsten Einstieg in diesen jungen Beruf hat der Terrorwart des Senders RTL gefunden. eine gewisse seelische Stabilität mitbringen. Deshalb haben die meisten Experten sich ein zweites oder sogar mehrere weitere Standbeine geschaffen. auch kein Studienfach Terrorforschung. der nicht unumstrittene Dr. neben einer guten Allgemeinbildung. der »Terror. Der Boom ist auch in der Unterhaltungskunst nicht unbemerkt geblieben. Bevor Michael Ortmann sich der Terrorforschung zuwandte. hat bisher allein Joachim Hagen. Thamm ist im Zweitberuf Drogenexperte. Den Beruf des Seifensieders gibt es nicht mehr. zum Beispiel Terrorexperte. Nachdem er den Menschen an den Bildschirmen den Terror erklärt hat. Hagen war Reporter bei der Kieler »Welle Nord«. Mir fallen im Fernsehen aber oft neue Berufe ins Auge. spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center. es handelt sich also um den letzten echten Männerberuf. Das ist für junge Leute heutzutage sicher nicht die schlechteste Perspektive. zu dem Berndt Georg Thamm zu zählen ist. das ideale Eintrittsbillett zum Terrorismusexpertentum. Darüber. Das ZDF geht mit Elmar Theveßen an den Start. deren Angehörige ohne Verbrechen. offiziellen Terrorismusexperten. so hat es die Figur »Terrorexperte Marcus Heuser« in der Fernsehserie GSG 9 zu einem gewissen Ruhm gebracht.

com . Ich halt das nicht mehr länger aus« TAGEBUCHEINTRAG vom 2. »Pinha«. mit dem das Buch »Wir waren jung und brauchten das Gel – Das Lexikon der Jugendsünden« von Lisa Seelig und Elena Senft beginnt Ach. bekommt nur den oberen Teil aus Kork – den Schirm darf er sich selbst aus Papier basteln und anpinnen. denn es wird auch die »Walküre« gespielt »Mama will für die Hose nur was zuschießen. ungefähr 130 Kilometer von Brüssel entfernt. feines Restaurant mit HOTEL und ganz viel Land drumrum. Carsten Kofalk. von Raw Edges für Materia H Die Ausstellung der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton in der New Yorker Metropolitan Opera heißt »WAGNER« und wurde vom »Ring« inspiriert. Es muss ja nicht immer Südtirol sein Dieses BUCH aus dem Wagenbach-Verlag heißt »Reizpartie« und bietet »Variationen über eindeutige Absichten«. Carol Körting. studiohomme. die Engländer machen mal wieder die besten MÄNNERSCHUHE – und zwar bei der Firma Mr.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Wer diese LEUCHTE kauft. Hare. April 1990. gibt es »In De Wulf«.com H Wie sein Kollege Gérard Depardieu baut der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant Wein an – wir empfehlen den WEISSWEIN Blanc de Garance von seinem Gut Rouge Garance in der Provence Im belgischen Heuvelland. Tom Powel. Carol Körting. Der Besuch lohnt sich doppelt. Die Schuhe bekommt man bei einem französischen Online-Shop-Seite für Männer: Studiohomme. Oder: Schmuddelkram mit Niveau Ann-Kathrin Carstensen und Ana Nuria Schmidt vom MODELABEL »Rita in Palma« arbeiten mit türkischen Näherinnen zusammen: Aus traditioneller Häkeltechnik entstehen moderne Accessoires Fotos Shay Alkalay. Name Namerich / Agentur. ein kleines.

Vielleicht gibt es wie bei Selbstmorden auch bei Morden eine ansteckende Wirkung. Um 20.18 Uhr liegt der Erste tot da.und totschlagfrei. wie das Fernsehen lehrt). gegen 21. weit vor Berlin. dass auch in den gar nicht so großen Städten viel gemordet wird. Aber was bitte war da in Halle und Magdeburg los? Die beiden Städte hatten im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit Abstand die meisten Fälle. Die Tatort-Städte Ludwigshafen. Die Wirklichkeit ist zum Glück etwas friedlicher. München hatte auch nur vier. Münster und Saarbrücken hatten 2009 zusammen gerade mal sechs Tote.Deutschlandkarte MORD UND TOTSCHLAG Kiel 2 Essen 5 Duisburg 3 Düsseldorf 2 Gelsenkirchen 2 Recklinghausen 2 Herne 1 Moers 1 Mülheim 1 Oberhausen 1 Bochum 0 Bottrop 0 Krefeld 0 Neuss 0 Rostock 1 Lübeck 2 Bremerhaven 2 Oldenburg 3 Bremen 4 Hamburg 18 Hannover 5 Osnabrück 3 Hildesheim 1 Bielefeld 0 Paderborn 3 Braunschweig 2 Wolfsburg 0 Potsdam 0 Salzgitter 0 Magdeburg 8 Berlin 61 Münster 1 Hamm 1 Cottbus 1 Halle 8 Leipzig 4 Jena 1 Dresden 2 Chemnitz 2 Mönchengladbach 3 Leverkusen 0 Aachen 1 Köln 7 Dortmund 2 Göttingen 1 Hagen 0 Kassel 1 Wuppertal 4 Solingen 1 Remscheid 1 Erfurt 4 Siegen 1 Bergisch Gladbach 1 Bonn 1 Frankfurt 9 Offenbach 1 Darmstadt 1 Mannheim 0 Heidelberg 1 Würzburg 0 Fürth 2 Koblenz 0 Wiesbaden 3 Trier 3 Mainz 0 Ludwigshafen 2 Kaiserslautern 3 Saarbrücken 1 Erlangen 2 Nürnberg 0 Regensburg 1 Karlsruhe 2 Pforzheim 1 Reutlingen 3 Heilbronn 0 Stuttgart 5 Augsburg 0 Ulm 1 München 4 Ingolstadt 2 Freiburg 1 Mord. Es entsteht der Eindruck. Münster war in den Jahren zuvor mehrmals mord. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Quelle Polizeiliche Kriminalstatistik .30 Uhr wird nachgelegt. Gut.und Totschlagsfälle im Jahr 2009 in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mehr Im Tatort geht der Trend ja zum Zweit. Kiel. im Osten sind schon seit Jahren ein paar mehr Opfer zu beklagen als im Westen (es bringen sich also nicht nur die Reichen gegenseitig um.und Drittmord. Man liest in der Zeitung von einem Mörder und denkt sich: Eigentlich könnte ich ja auch… Läuft es so? Die Tatorte wirken zum Glück nicht so.

Teilt man die 900 000 Dollar entsprechend. ergab die Erkenntnis. als Kindermädchen verstehen. Gärtner. die ebenso gut in der Vorstandsetage eines Konzerns arbeiten könnten? Indes dürfen wir nicht vergessen. Jens Jessen Foto Saul Lazo/BULLS / Fame 11 .Gesellschaftskritik Nicht im Bild: Die Nannys der Familie Jolie-Pitt Über Kinderbetreuung Angelina Jolie und Brad Pitt. bleibt vermutlich immer noch eine erstaunliche Summe übrig. in dem Krethi und Plethi einen Vorstandsvorsitz erobern. Aber was heißt schon üppig bei Dienstboten? Auch Löhne sind Knappheitspreise. die Charter von Privatflugzeugen und die Rechnungen von Luxushotels. Drei wären besser. sind keine Verstiegenheit. horribile dictu. weil sie wahrscheinlich erkannt haben: Kinder sind der wahre. sollen im letzten Jahr allein zehn Millionen Dollar für ihre Kinder ausgegeben haben. die Brangelina bisher hatten. neulich unter den beschränkten Verhältnissen der deutschen Mittelschicht angestellt. Wir kannten eine Dame am Berliner Wannsee. dass für die Beaufsichtigung von zwölf Kindern im Garten zwei Kindermädchen jedenfalls zu wenig sind. Da kommen selbst reiche Leute an finanzielle Grenzen. Chauffeur oder. vielleicht letzte Luxus. So gesehen. eine Mangelware. was nur in Hollywood für den Nachwuchs aufgewendet werden muss. was auch wir aus unserem Alltag kennen: Kinder sind teuer. Im egalitär verwahrlosten Westen. Selbst wenn man abzieht. leben wahrscheinlich auch Brangelina nicht mehr in Saus und Braus. Sie leisten sich die Nannys. war eine – Prinzenrolle. Mit anderen Worten: Die sechs Mädchen für sechs Kinder. die sich mit knapper Not noch einen Butler leistete. die sich noch mit Liebe und Leidenschaft als Köchin. dass Brangelina (wie man das Paar gern uncharmanterweise zusammenfasst) sechs Kinder haben und angeblich sechs Nannys brauchen. Dolle Sache! Vielleicht ist es das. aber was dieser auf dem Silbertablett den Gästen reichte. kommt man auf immer noch üppige 150 000 als Jahresgehalt. aber noch keineswegs übertrieben gewesen. nämlich 900 000 Dollar Jahresgehalt für die Kindermädchen. vier wahrscheinlich angemessen. was den Klatsch über das Privatleben der Stars so anziehend macht – dass es ins Ungeheure steigert. sind Menschen. Ein Experiment. Was sind das für Kindermädchen? Prinzessinnen? Harvard-Absolventen. heißt es.

ein normales Leben zu führen« Hans-Dietrich Genscher. Momente zwischen Leben und Tod und eine Leiche.»Es war schwierig. der Übervater der FDP. über die Krise seiner Partei. die eines Tages auf seiner Terrasse lag .

Ich habe gelernt. Nur so konnte Deutschland nach Hitler das Vertrauen der Welt wiedergewinnen. sooft es ging. Was wir jetzt erleben. Er muss Vertrauen nach innen und nach außen wiederherstellen. gar nicht mehr in den Landtag gekommen ist? Natürlich hat mich das besonders geschmerzt. Das war für mich das Gespräch mit den Bürgern. Ich werde mich nicht hinstellen und eine hoch motivierte junge Generation wie Kinder auf die Bühne 13 . davon. Was ist jetzt zu tun? Das Potenzial der Partei ist eine ausgezeichnete jüngere Generation. und schon steht da der Staatsmann Souvenir aus seiner Amtszeit: Den Säbel bekam Genscher bei einer seiner Reisen geschenkt views dargelegt habe. Wir erfahren viel über die Mächtigen dieser Welt. Zum Beispiel der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko und Hosni Mubarak. könnte uns sagen. und er wird von der größten Zäsur seines Lebens erzählen – seiner Tuberkuloseerkrankung. der schon am Boden liegt. Außenpolitik darf nicht als geheime Kabinettspolitik behandelt werden. Er hat recht. ist eine schwere Vertrauenskrise. dürre Diplomatenworte. dass sich Deutschland der Stimme enthielt? Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat in New York erklärt. wenn nicht Sie. Von HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS und STEPHAN LEBERT Fotos JONAS UNGER Herr Genscher. Allerdings lag es im allgemeinen Trend. dass die FDP-Mitgliedschaft anstrengend ist. sie muss wertorientiert. indem er nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. was derzeit mit der FDP passiert? Die Partei ist schon durch viele Täler gegangen. Was dachten Sie. Dazu kommen erfahrene Liberale mit Blick und Verständnis für die Zukunftsfragen. Was werden Sie den Delegierten auf dem Parteitag ins Stammbuch schreiben? Das ist nicht meines Amtes. In diesen Tagen fragt man sich: Woran ist gute Außenpolitik zu erkennen? Sie muss perspektivisch angelegt sein. Ich bin oft kritisiert worden. Jeder Tag rechnet doppelt. man solle diese Debatte beenden. von denen so manche hier vor dem Kamin gesessen haben. In einer offenen Gesellschaft muss sie von der Öffentlichkeit mitgetragen werden. Genscher wird uns die erstaunliche Sammlung seiner Bilder an der Wand erklären. konsistent und berechenbar sein. derentwegen er als Jugendlicher jahrelang in Kliniken und Heilanstalten lag.Eine Leinwand als Hintergrund reicht. Ihrer alten Heimat. In Wahrheit geht es jetzt um ein Konzept des Westens. Schweigen. bei denen Hans-Dietrich Genscher verstummt. der Inkarnation des deutschen Außenministers. Guido Westerwelle verdient Respekt dafür. wie er die Freiheitsentwicklungen in der arabischen Welt wirksam unterstützen kann. als Sie von der Abstimmung bei den Vereinten Nationen zum Hilfseinsatz in Libyen hörten. Das gilt in Sach. damals ägyptischer Staatspräsident. dass ich meine Außenpolitik. hat es nicht leicht. Vor wenigen Wochen bin ich in meiner Heimatstadt Halle gewesen. Zwei Vormittage verbringen wir mit ihm in seinem Haus am Waldrand oberhalb von Bonn-Bad Godesberg. über die Krise des Außenministers Guido Westerwelle spricht. dass es ihm auch um Anstand geht: Man schlägt auf niemanden ein. Wer mit ihm. Dort bin ich vor 65 Jahren Mitglied der liberalen Partei gewor- den. wer. Was erwarten Sie von Philipp Rösler? Von ihm wird Führungsstärke und Entscheidungskraft erwartet. Welche Niederlage hat in letzter Zeit am meisten geschmerzt? Womöglich. dass die FDP in Sachsen-Anhalt. Diese wird zunehmend sichtbar. lange Pausen – man kann ahnen. dass er einen personellen Neuanfang ermöglicht. in Inter- Besuch bei Hans-Dietrich Genscher. sie hat viele Zerreißproben überstanden. die schwerste seit Gründung der FDP.und Personalfragen. Aber es gibt auch Fragen. gefühlt bin ich demnach schon 130 Jahre dabei.

Ich fand das fast revolutionär. ich war der Ansicht. Als es schließlich so weit war. und der jugendlich wirkende russische Außenminister Schewardnadse kam dazu. Er hat keinen Stapel vorgefasster Erklärungen vor sich auf dem Tisch liegen. Wie echt ist die Trauer? In besonderer Weise habe ich die Trauer um den ägyptischen Staatspräsidenten Anwar alSadat in Erinnerung. den ehemaligen russischen Außenminister. und er erwartet. aber wir haben es versucht. die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte 1975 und die Wiedervereinigung 1990 tschow auch außenpolitisch nicht alles beim Alten bleiben. Nach unserem Telefongespräch werde er den Kreml verlassen. die deutsche Vereinigung zu erleben. er habe soeben seine Fernseherklärung an die Völker der Sowjetunion beendet. unsere Bevölkerung mit Kühlschränken. Er sagte mir: »Sie werden einen sowjetischen Generalsekretär erleben. als einen Ihrer engsten Freunde. Bodyguards. Da gibt es irgendwann eine Art Legitimationsproblem in einem System. unsere Außenpolitik zu formulieren. Können Sie sich noch daran erinnern. ebenso in der Rüstung. meinte Gorbatschow. unter Helmut Schmidt und bis 1992 unter Helmut Kohl Außenminister. Über Jahre ging das so. das ist mein Freund. Es war richtig aufzuhören. das Gespräch sei erst am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages möglich. dann haben wir zum ersten Mal eine reale Chance. Ich habe im Sommer 1991 mit meiner Frau zum ersten Mal darüber gesprochen. Nach meinem Ausscheiden als Minister hätte ich Bundespräsident werden können. Es war der zehnte Jahrestag der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki. ein junger Polizist hatte den Kommandoführer tödlich getroffen. die mit dem Politbüro abgestimmt sind. Sie dürfen nicht vergessen: Als ich 1992 ausschied. und das mir gegenüber. dass er bei aller inneren Bewegung über den Abschied noch zu einem Scherz in der Lage ist.bitten mit den Worten: »Nun macht mal schön!« Nein. dem er zum ersten Mal begegnete. einem Menschen. Unser Haus wurde Tag und Nacht bewacht. Es hieß. Dabei hatte sich ein Schuss gelöst. Während Ihrer 18 Jahre als Außenminister haben Sie an vielen Staatsbegräbnissen teilgenommen. Haben Sie sich vor dem ersten Zusammentreffen mit dem sowjetischen Regierungschef Ratschläge bei westlichen Amtskollegen geholt? Ja. er will ein Gespräch. dass Sie Gorbatschow auf eine besondere Weise geliebt haben? Geliebt ist ein sehr großes Wort – und hier nicht das richtige. wenn der das alles macht.« So ist es dann auch gewesen? Ja. Was läuft falsch bei uns?« Damit stellte er die Systemfrage. Das habe ich. Meine Frau sagte weinend: »Bei uns liegt ein toter Mann auf der Terrasse!« Ein Albtraum! Was bleibt? Sie bezeichnen Eduard Schewardnadse. Ich suchte deshalb François Mitterrand in Paris auf. Helmut Schmidt hat über den Preis eines hohen Amtes gesprochen. Als Sie 1992 auf eigenen Wunsch aus der Bundesregierung ausschieden. es würde unter Michail Gorba- Hans-Dietrich Genscher. und wir trotzdem nicht in der Lage sind. Ja. er meint es ehrlich. wie es mit Ihnen beiden begann? Ich erinnere mich an einen Besuch in Helsinki 1985. ich bereitete gerade den Parteitag in Kiel vor. was er uns sagt. was den Deutschen die Weihnachtsgans bedeute. Aber zurückgeschreckt wäre ich nicht. Er war unter Willy Brandt Innenminister. Von 1974 bis 1985 war er FDP-Chef. mit dem Sie so reden können wie mit mir. Davon war ich 23 Jahre in der Regierung. mit ihm am Heiligabend 1991 zu telefonieren. dass mich eines Tages jemand fragt: Wann hören Sie endlich auf? »Warum hören Sie schon auf?« klingt besser. 14 . gepanzerte Autos. aber er wisse ja. so war es. Zwei BGS-Beamte hatten wohl ausprobieren wollen. mit der Sie sich zurückzogen. er hätte ja auch Heiligabend zurücktreten können. Und dann wollte er mir wohl zeigen. Mir reicht schon das Gefühl. Ich wollte nicht. Aber ich fand damals. Bei der Gelegenheit: Hätten Sie eigentlich auch Bundeskanzler gekonnt? Darüber habe ich nie nachgedacht. was mit diesem Mann alles möglich sein könnte? Diese Begegnung mit Gorbatschow hat mich tief berührt. Er wird Sie unterbrechen. Er hat recht. und dann sagte er einen bedeuts