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ZEIT

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

Die Angst vor
Illustration: Smetek für DIE ZEIT

Moralweltmeister Deutschland

Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten

Fukushima, Libyen, die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Gutmenschen nerven, findet Josef Joffe. Sie sind nötiger denn je, antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49

WISSEN SEITE 37–40

Der alte Mann und das Drama der FDP

Schluss mit luftig
Die EU hat alles versucht, um Griechenland aus der Krise zu helfen. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER
er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Doch das heißt nicht, dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet, man macht sich unbeliebt. »Retten« ist ein hübsches Wort, aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Es kostet nur wieder Milliarden, und trotzdem beschimpft Europa uns, weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. »Umschulden«, die andere Möglichkeit, ist auch eine hässliche Sache, die im Englischen haircut heißt. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Vergessen. Nicht mehr bezahlen. Auch das käme alle teuer zu stehen. Die Griechen, denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte, ebenso wie die Deutschen und andere, die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.

Es grünt im Klub
Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO

Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Und: Philipp Rösler versucht, sich die Zukunft vorzustellen Magazin; Politik S. 7

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Europa will sich Ruhe kaufen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben
Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Diejenigen, die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen, positionieren sich als die guten Europäer. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da, obwohl doch alle gleichermaßen wissen, dass es ohne Europa nicht geht. Wir erleben einen Austausch von Forderungen, Schuldzuweisungen und Dementis, in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Sooft dieser Tage in Ministerien, Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf- und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd, was kommt. Klar ist einzig, dass die Griechen mit dem ersten, 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften, sondern echtes Geld kosten werden. Viel Geld. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein, doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Gleichwohl verlangen die EU, die Euro-Gruppe und die Zentralbank, dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, dem Vertreter des kleinen Luxemburgs, will das offizielle Europa Ruhe, was sie auch kostet. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt, wenn Europa weiter zahlt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler

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www.zeit.de/audio

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Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich, wohl aber die Stimmung. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog, die Griechen überlegten, aus dem Euro auszutreten: Selbst dort, im Land, in das so viel Geld fließt, wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag, so desaströs seine Folgen wären. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Der Rettungsfonds will weiter retten, die EU dabei mitregieren. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei, seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Käme es jetzt zum griechischen haircut, dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Nein, Ruhe wird in keinem Fall eintreten, auch nicht beim haircut. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los, einige seiner Banken brauchten neue Hilfen, und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen, damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten, als gäbe es kein Morgen – und der Staat, der nicht aufgepasst hatte, deshalb unser aller Geld retten musste. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst, der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Was dagegen geschieht, wenn Europa immer weiterzahlt, zeichnet sich schon ab. Irland, seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm, will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Wer wollte sie den Iren abschlagen, wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen, sondern auch an zu viel. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören, so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also, an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wer der bessere Europäer ist, da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Die Frage ist vielmehr, was auf lange Sicht besser für Europa ist. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Europa sollte die Umschuldung wagen.

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uch wenn man die Grünen nie gewählt hat, jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt, und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg, die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage, ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland, das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt, die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Als Ausdruck einer Stimmungswahl, die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Aber die Diagnose ist unvollständig, wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt, das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar, noch nie schienen sie so entschlossen zu sein, ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott, sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei, die sie früher nie gewählt hätten. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.

Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg
Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran, nun gelte es, die Erwartungen der Bürger zu erfüllen, die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. In Interviews sprach er davon, man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«, und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte, dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten, weil dies ein überholter Begriff sei, so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege, das zu werden, was gemeinhin eine Volkspartei ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus, dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Das klingt weit unattraktiver als das, was

sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte, jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition, bestrebt, möglichst viele Menschen mitzunehmen, statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft, und darin liegt eine Chance: In einer Zeit, in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird, könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt, die SPD, die zweite Volkspartei, bleibt auch eine. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Die Entscheidung Kretschmanns, der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen, ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner, der sich tief gedemütigt fühlen muss. Das ist umso generöser, als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie, das Beharren auf Posten und alten Positionen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen, als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus, wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen, die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben, und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr, bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen, in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen; nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum- und Bahnhofsschützern, plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub!

ZEIT ONLINE
Bienen am Schaalsee. Wellen am sardischen Strand. Kleine Augenblicke, die verzaubern
Eine neue Videoserie unter www.zeit.de/video-momente

PROMINENT IGNORIERT

Skandal auf Samoa
Dass der Inselstaat Samoa, bislang östlich der Datumsgrenze gelegen, beschlossen hat, um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern, dessen Datum anzunehmen, also einen Tag zu überspringen, ist schlicht ein Skandal. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte, würden Schulden nicht getilgt, Geburten hinfällig, und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. GRN.
kleine Abb. (v.o.n.u.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost); Jonas Unger für DZ; Mauritius

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AUSGABE:

2 12. Mai 2011

DIE ZEIT No 20

POLITIK
M O R A LW E L T M E I S T E R D E U T S C H L A N D

Worte der Woche

»

Das waren die längsten 40 Minuten meines Lebens.«

Barack Obama, US-Präsident, auf die Frage,

wie er sich während des tödlichen Angriffs auf Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden gefühlt habe

»Pakistan behält sich vor, mit voller Kraft zurückzuschlagen.«
Yousuf Raza Gilani, Regierungschef Pakistans, nach dem aus seiner Sicht rechtswidrigen Einsatz der Amerikaner auf dem Staatsgebiet seines Landes, der sich nicht wiederholen dürfe

Ob Deutschland sich bei der Entscheidung der Vereinten Nationen über einen Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Gadhafi enthält, die Regierung mal eben aus der Kernkraft aussteigen will oder das Land erregt über die Tötung des Al-Qaida-Chefs bin Laden diskutiert – manch einer im Ausland wundert sich in diesen Tagen.

Der Vorwurf steht im Raum: Die Deutschen wüssten wieder einmal alles besser. Aber stimmt das? Sind wir wirklich Moralweltmeister? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe streiten über das deutsche »Gutmenschentum« (Seite 4). Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt den

Alleingang der Bundesregierung beim geplanten Ausstieg aus der Kernenergie: »Jedes Land diskutiert bestimmte Fragen besonders gründlich« (diese Seiten). Und Adam Soboczynski erklärt, warum der moralische Idealismus, der nun wieder zum Vorschein kommt, tief in der deutschen Geistesgeschichte wurzelt (Seite 49)

»Diese Leute werden in den sicheren Tod geschickt.«
Laura Boldrini, UNHCR-Sprecherin in Italien,

zum Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer

»Ich bitte alle: Lasst Griechenland in Frieden seinen Job tun.«
Giorgos Papandreou, griechischer Premierminister,

»Ausbüxen gibt’s nicht mehr«
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt ihre ganz persönliche Energiewende, warum die Deutschen besonders fundamental über Kernenergie streiten und warum Deutschland auch mit mehr Windrädern ein schönes Land bleiben wird
ZEIT: Wo waren Sie am 12. März, wie haben Merkel: (lacht nicht) Ich habe nachgeschaut, ob schwerste Projekt Ihrer Amtszeit vor sich: die Sie von der nuklearen Katastrophe erfahren? das Wort »Brückentechnologie« vorkommt. Es Energiewende. Ist Ihnen bewusst, dass Freund Merkel: Ich war in der Nacht vom EU-Rat aus kam vor. So war ich zufrieden. Schauen Sie, die und Feind große Schwierigkeiten haben, da Brüssel zurückgekehrt. Schon das Erbeben und Volkspartei CDU ist vielleicht diejenige Partei, mitzukommen? die Bilder von der gewaltigen Flutwelle hatten die in dieser Frage die größte Spannbreite von Angela Merkel: Es ist ein interessantes, span- mich tief erschüttert. Während der Sitzung des Meinungen hat. nendes und großes Projekt. Aber ich weiß nicht, EU-Rates haben mich Mitarbeiter des Kanzler- ZEIT: Der Riss geht quer durch CDU und ob es das schwerste ist. amtes über die dramatischen Ereignisse stets auf CSU. ZEIT: Mit das schwierigste! dem Laufenden gehalten, am Freitagabend hat- Merkel: Ja. Die Grünen haben damit kein ProMerkel: Natürlich hat das entsetzliche Unglück te Japan ja den atomaren Notstand ausgerufen. blem, für sie ist die Sache klar, das Thema ist ein von Fukushima, dessen ganzes Ausmaß ja im- Als ich Samstag früh aufstand, sah ich im Fern- Gründungsimpuls dieser Partei. Bei uns stellen mer noch nicht abzusehen ist, uns vor eine un- sehen Berichte von der Wasserstoffexplosion im sich viele die Fragen: Kann Deutschland es erwartete Situation gestellt. Daraus jetzt die Kernkraftwerk. Ich bin dann zu einer Wahl- schaffen? Ist es wirtschaftlich? Trägt das Vernötigen Konsequenzen zu ziehen kann zum kampfveranstaltung nach Rheinland-Pfalz ge- trauen in die erneuerbaren Energien? Deshalb ersten Mal zu einem umfassenden Konsens in fahren. Die Stimmung dort war sehr gedrückt. wird es in den kommenden Wochen wichtig dieser Frage, zu einem Zusammenrücken der Alle standen unter dem Eindruck der vielen sein, diese Bedenken ernst zu nehmen und daGesellschaft führen, auch wenn einige Unter- Todesopfer, der Zerstörung und eben auch der rauf Antworten zu finden. ZEIT: Sie haben ja zwei Wenden in der Atomschiede bleiben. nuklearen Gefahr, die offenkundig wurde. ZEIT: Was war für Sie als Politikerin und als ZEIT: Sie haben sich gerade an die bedrückte energie vollzogen, erst eine Verlangsamung des Physikerin das Unerwartete? Stimmung im Wahlkampf erinnert. Glauben Ausstiegs und jetzt eine Beschleunigung des Merkel: Ich habe persönlich nicht erwartet, dass Sie, den Deutschen wäre ein Festhalten an den Ausstiegs. Sie haben im letzten Herbst zur Laufdas, was ich für mich bis dahin als ein theoreti- verlängerten Laufzeiten vermittelbar gewesen? zeitverlängerung gesagt, dass die Kernenergie sches und nur deshalb verantwortbares Rest- Merkel: Ich habe mich nicht gefragt, was ver- nicht länger als »unbedingt notwendig« laufen risiko gesehen hatte, Realität wird – und zwar in mittelbar ist, sondern ich hatte – wie viele ande- solle. Damals waren für Sie aber viel längere einem Hochtechnologieland wie Japan. Wie re mit mir – den Impuls, dass wir unsere Ent- Laufzeiten »unbedingt notwendig« als heute. sehr aber auch ein Industrieland wie Japan, das scheidungen vom letzten Herbst und damit die Wieso? an technischem Können, Disziplin, Ordnung, Sicherheitsstandards in Deutschland noch ein- Merkel: In der Tat: Wir haben gesagt, auch wir Gesetzlichkeit uns in nichts nachsteht, davon mal auf den Prüfstand stellen müssen. Vermit- steigen aus der Kernenergie aus – dieser Konerschüttert werden kann und in welche Lage die telbar ist es dann – das sage ich jetzt auch als sens, den es in Deutschland gibt, wird oft überMenschen dort gestürzt wurden – das ist das Parteivorsitzende der CDU –, wenn wir nach- sehen –, allerdings später als bei Rot-Grün, desweisen können, dass wir halb die Laufzeitverlängerung. Das unterscheiEinschneidende dieser KataWirtschaftlichkeit und Um- det uns Deutsche von weiten Teilen Europas: strophe. Ich weiß, dass andere weltfreundlichkeit vernünf- Wir bauen keine neuen Kraftwerke. Wir steigen Menschen vor solchen GefahIch habe nicht tig zusammenbringen. Die aus. Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren ren durchaus gewarnt haben; erwartet, dass das, was CDU hat mit der sozialen Energien erreichen. für mich lagen sie für ein Hochich für mich bis dahin Marktwirtschaft schon eintechnologieland mit hohen SiUnser Energiekonzept vom Herbst hat eine mal vermeintlich Unver- klare Zielsetzung: Deutschland soll konsequent cherheitsstandards bis vor Kurals ein theoretisches söhnliches zusammen- den Weg in die erneuerbaren Energien gehen. zem außerhalb dessen, was ich und nur deshalb gebracht, nämlich Kapital Nur so lange, wie sie auf diesem Weg notwenin meinem Leben erleben werverantwortbares und Arbeit. Jetzt haben wir dig ist, soll die Kernkraft noch eine Rolle spiede. Restrisiko gesehen die Chance, auch die Ver- len. Wir haben also ein in sich schlüssiges KonZEIT: Was hat ein Physiker hatte, Realität wird pflichtung, Wirtschaftlich- zept erarbeitet. Aus heutiger Sicht würde ich eher vor Augen, das Restrisiko keit und Umweltfreundlich- sagen: Wir haben im Herbst einen durchaus oder die große Wahrscheinlichkeit unter der Leitlinie der machbaren Weg in das Zeitalter der erneuerkeit, dass nie etwas passieren Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Es geht baren Energien beschrieben – und damit schon wird? Merkel: Die Frage muss anders gestellt werden. darum, unseren Anspruch als Industrieland in weit mehr getan als Rot-Grün damals. Jeder Mensch muss in seinem Leben Risiken Einklang zu bringen mit unserem Ehrgeiz, eines ZEIT: Ein bequemer Weg! eingehen. Auch die Teilnahme am Verkehr, wo Tages ganz auf die erneuerbaren Energien zu Merkel: Nein, das im Herbst formulierte Ziel, ich jeden Tag überrascht werden kann, ist ein setzen. Wir werden es schaffen, viele dafür zu im Jahr 2050 80 Prozent unseres Stroms aus ErRisiko, das ich eingehe. Aber das Risiko bei der begeistern. neuerbaren zu beziehen, ist schon sehr ambitioKernenergie ist sowohl wegen der über Genera- ZEIT: Sie hatten bei Ihrer Entscheidung zwei niert, man darf sich da keinen Illusionen hintionen reichenden zeitlichen als auch der über Landtagswahlen vor sich. geben. Aber gemessen an der Entschlossenheit Ländergrenzen hinausgehenden räumlichen Merkel: Richtig. Und wenn man – wie ich nach heute, war es damals ein, sagen wir mal, ruhigeAuswirkungen, wenn das an sich Unwahr- Fukushima – eine politische Position zu über- rer Weg, zurückhaltender. scheinliche doch eintrifft, ein völlig anderes. prüfen und zu verändern hat, dann ist Wahl- ZEIT: Sie haben in jenem Herbst auch gesagt, Hinzu kommt die Unsichtbarkeit, also Nicht- kampf auf der einen Seite eine ungünstige Zeit, man dürfe aus der Atomenergie nicht vorzeitig fassbarkeit der Strahlung. Das Restrisiko der weil natürlich sofort der Vorwurf gemacht wird, »aus ideologischen Gründen« aussteigen. Sind Kernenergie kann man deshalb überhaupt nur dass ich das jetzt nur mache, weil halt Wahl- Sie jetzt die Ideologin, oder waren Sie es daakzeptieren, wenn man überzeugt ist, es tritt kampf ist. Das kann man nicht vermeiden, aber mals? nach menschlichem Ermessen nicht ein. Für davor darf man auch keine Angst haben. Auf Merkel: Wäre ich das jemals gewesen, dann mich ist infolge Fukushimas deshalb die Frage der anderen Seite aber ist es genau die richtige hätte ich in den neunziger Jahren schon als Umübermächtig geworden: Welche Alternativen Zeit, weil man als Politiker auf all den Wahl- weltministerin keine Energiekonsensgespräche hast du, um zu zeigen, dass man ohne das Rest- kampfveranstaltungen mehr unter Menschen mit dem damaligen niedersächsischen Ministerrisiko der Kernkraft leben kann? ist als sonst. Und da muss man einfach über die präsidenten Schröder führen können, die daZEIT: In Japan haben ein Tsunami und ein Themen sprechen, die alle gerade bewegen. Ich mals übrigens auch nicht an uns beiden gescheitert sind. Dennoch: Die Erdbeben zugleich dieses Restrisiko eintreten sage Ihnen, auch wenn ich das Auseinandersetzung um die lassen. Halten Sie so etwas auch bei uns für nie beweisen kann: Wäre kein Kernenergie hatte in Wahlkampf gewesen, hätte ich denkbar? Man kann die Deutschland schon lange Merkel: Exakt mit diesen konkreten Ereignissen es genauso gemacht. zusätzlichen Windauch eine fast kulturelle Dinatürlich nicht. Denn man weiß ja, dass Japan ZEIT: Wäre das Wahlergebnis räder entlang der mension, da standen sich erdbebengefährdeter ist als Deutschland. Man schlechter ausgefallen, wenn Autobahnen bauen. Parteien und Milieus fast weiß, dass Japan anders als Deutschland schon Sie es anders gemacht hätten? unversöhnlich gegenüber. unter Tsunamis zu leiden hatte. Man weiß, dass Merkel: Meine These ist: eher Daran wird unser deswegen dort die Küstenregionen gefährdet ja, aber das ist natürlich rein Land nicht zerbrechen, Ein unguter Zustand, zu dem alle Seiten ihren Beitrag sind, und trotzdem hat man dort Kernkraft- spekulativ, und das war es und es wird immer geleistet haben. werke hingebaut. Wir in Deutschland brauchen nicht, was mich angetrieben noch schön sein Kernkraftgegner haben vor einer exakten Wiederholung der japanischen hat. Wahlkampf kann Politiker gesagt, sie wollten mit dieKatastrophe bei uns natürlich keine Sorge zu durchaus eher schneller dazu sem Restrisiko nicht leben, haben. Aber wir haben dennoch allen Grund, bringen, das Richtige zu tun, zu fragen, ob sich auch bei uns unglückliche aber aus rein taktischen Gründen, also wenn sie haben sich aber immer sehr darauf konzenUmstände zu etwas Katastrophalem zusammen- gar nicht ehrlich gemeint gewesen wäre, hätte triert, den Ausstieg umzusetzen, und die Frage, ballen könnten: zivilisatorische Risiken, aber ich diese Entscheidung, die neue Ausrichtung wie man in eine bessere Energieversorgung einauch naturbedingte Ereignisse, verbunden etwa der Energiepolitik vom vergangenen Herbst steigt, schleifen lassen. Auch über das Problem, mit einem Stromausfall über längere Zeit, eine deutlich zu beschleunigen, nie getroffen, weil dass man möglicherweise aus dem Ausland Verkettung also von Umständen, die nach ich sie dann nie mit innerer Überzeugung hätte Strom, auch Strom aus Kernkraft importieren menschlichem Ermessen und allen Wahrschein- vertreten können. Ich bin nun über fünf Jahre muss, haben sie zu sehr hinweggesehen. Uns lichkeitsberechnungen bis jetzt nach bestem Bundeskanzlerin – nein, so etwas scheidet für dagegen haben viele im Herbst nicht abgenommen, dass wir das Zeitalter der erneuerbaren Wissen und Gewissen ausgeschlossen wurde. Es mich aus! geht also um die Belastbarkeit von Wahrschein- ZEIT: Wie haben Sie denn in diesem Zusam- Energien wirklich erreichen wollen, weil die lichkeitsanalysen und Risikoannahmen. Des- menhang den Namensbeitrag von Helmut Kohl öffentliche Diskussion nur um die Frage »Verhalb haben wir eine Sicherheitsüberprüfung al- am Tag vor der Wahl gelesen – der ja eine Auf- längerung, ja oder nein?« kreiste und es uns ler Kernkraftwerke angeordnet. Nach einem forderung zum Festhalten an längeren Laufzei- nicht gelungen ist, mehr Augenmerk auf die anderen wesentlichen Elemente des EnergieEreignis der Größenordnung von Fukushima ten war? sehe ich mich außerstande, diese bei uns zuvor Merkel: Ich habe ihn als Unterstützung wahr- konzepts zu lenken. Interessanterweise werfen andere, die immer nur theoretisch ins Auge gefassten Verkettungen genommen. von Risiken einfach zu verdrängen und zu sa- ZEIT: (Interviewer lachen) Wie haben Sie dieses einen schnellen Ausstieg verlangt haben, plötzlich Fragen auf, die sie sich selbst bis dahin gar gen, um die kümmere ich mich nicht. Wunder der Wahrnehmung vollzogen? DIE ZEIT: Frau Bundeskanzlerin, Sie haben das

zu den Gerüchten, sein Land drohe aus der Euro-Zone auszuscheiden

»Diejenigen, die das Treffen organisiert haben, haben ein ziemliches Desaster angerichtet.«
Martin Schulz, Vorsitzender der Sozialisten im EU-Parlament, zu dem zunächst geheimen Treffen von Vertretern der Euro-Zone

»Ich war immer gerne Fraktionsvorsitzende.«
Birgit Homburger nach ihrem eher widerwilligen

Verzicht auf den FDP-Fraktionsvorsitz

»Die FDP hat immerhin Humor.«
Volker Beck, Geschäftsführer der

Grünen-Fraktion, zu den Personalquerelen der Liberalen

»Wenn wir alle ein bisschen zusammenrücken, haben wir dazwischen viel mehr Platz für Natur.«
Matthias Horx , »Zukunftsforscher« und Gründer des Zukunftsinstituts, über eine ökologischere Stadtplanung

»Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute.«
Wes Craven, Horrorfilmregisseur, auf die Frage,

wovor sich die heutige Jugend grusele

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ZEITSPIEGEL

Ausgezeichnet
Das ZEITmagazin wurde am vergangenen Wochenende mehrfach ausgezeichnet. Am Freitag bekam Susanne Leinemann in Hamburg den Henri-Nannen-Sonderpreis für ihr Stück »Der Überfall« (Nr. 49/10). Darin beschrieb sie, wie Jugendliche sie brutal zusammenschlugen. Am Samstag wurde das ZEITmagazin bei der Preisverleihung des Art Directors Club (ADC) in Frankfurt am Main elfmal ausgezeichnet. Damit war es der meistprämierte Titel und zugleich der einzige, der Gold gewann – und zwar für das Doppelcover mit dem Schauspieler Gérard Depardieu (Nr. 41/10). Die Infografik-Seite im Ressort Wissen der ZEIT wurde zweimal ausgezeichnet, darunter einmal mit Silber. Für seine Reportage »Ich denke, dass es meine Bestimmung ist, hier zu sein« ist der Autor Frederik Obermaier mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnet worden. Obermaier hatte in Ausgabe 4/10 von ZEIT CAMPUS die Radikalisierung der niederländischen Studentin Tanja Nijmeijer nachgezeichnet, die sich den Farc-Rebellen im Kolumbianischen Dschungel angeschlossen hatte. DZ

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NÄCHSTE WOCHE IN DER ZEIT

Regional ist das neue bio. Das behaupten die Marktforscher, so sagen es die Kochbuchverlage. Weil wir Lebensmitteln mehr vertrauen, die aus unserer Nähe kommen? Weil Essen auch ein Kulturgut ist? – In einer 40seitigen Beilage zu regionalen Zutaten und regionaler Küche beschäftigen wir uns mit diesem Trend. Darin interpretieren zwölf junge Spitzenköche exklusiv zwölf Rezepte ihrer Heimat neu WISSEN

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nicht gestellt haben. Sie mahnen nun, wir sollten aufpassen, dass der Strom bezahlbar bleibt. Das war für die Union immer schon ein zentraler Gedanke. Dieser ganze Prozess führt nun vielleicht dazu, dass die Gesellschaft den Ausstieg als gemeinsame Anstrengung annimmt und auch Nachteile – siehe Netzausbau, siehe Speicherwerke, siehe Windmühlen im Landschaftsbild – in Kauf nimmt, weil wir uns alle gemeinsam auf einen ehrlichen Weg machen müssen. ZEIT: Bevor wir uns der Zukunft zuwenden, wollen wir noch ein paar Minuten nachtragend sein. Merkel: Bitte! ZEIT: Haben Sie, als Sie die Bilder von Fukushima gesehen haben, die Laufzeitverlängerung bereut? Merkel: Nein, ich spürte aber sofort, dass das, was ich damals aus Überzeugung vertreten habe, auf den Prüfstand muss. Wir haben über die Laufzeitverlängerung jahrelang gesprochen – im Übrigen auch im Wahlkampf –, es konnte also keiner überrascht sein, dass wir das getan haben. Ich habe, wie gerade dargestellt, schon im Herbst bedauert, dass wir nicht ausreichend deutlich machen konnten, dass es uns wirklich um einen konsequenten Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien geht. Gerade auch als ehemalige Umweltministerin habe ich das bedauert. Andere haben uns den Vorwurf gemacht, wir würden den Energieversorgungsunternehmen einen Gefallen tun, damit die möglichst viel erlösen. ZEIT: Und das stimmte gar nicht? Merkel: Das hat nie gestimmt. Durch unser Energiekonzept wurden die Energieversorgungsunternehmen erheblich belastet. Ihre wirtschaftliche Lage ist im Übrigen nicht so exorbitant gut, dass sie jede Belastung schultern könnten. Wir haben schließlich ein Interesse an erfolgreichen großen heimischen Energieerzeugern; die Stadtwerke alleine werden es nicht schaffen. ZEIT: Es entstand auch der Eindruck, dass Sie bei Ihrer Entscheidung unter Druck gesetzt wurden. Merkel: Ein falscher Eindruck, niemand setzt mich unter Druck. ZEIT: Mehrere namhafte Wirtschaftsvertreter und andere Prominente veröffentlichten damals eine Anzeige, um die Verlängerung der Laufzeiten zu unterstützen. Haben Sie das als hilfreich empfunden? Merkel: Nein. Wenn ich so große Anzeigen sehe, bin ich eher traurig über das ausgegebene Geld, weil ich als Parteivorsitzende aus Wahlkämpfen weiß, wie viel das kostet. Als hilfreich habe ich sie nicht empfunden. ZEIT: Sie haben im vergangenen Herbst auch gesagt, sowohl die Atomenergie als auch Kohlekraftwerke sind Brückentechnologien. Jetzt soll die Brücke der Atomenergie verkürzt werden. Muss dadurch die Kohlebrücke verlängert werden? Und was sagt die Klimakanzlerin dazu? Merkel: Wenn wir nun schneller aus der Kernenergie aussteigen, dann wird sich zeigen, dass wir Ersatzkraftwerke brauchen, nach meiner Meinung vornehmlich Gaskraftwerke. Auf jeden Fall werden wir hoch effiziente Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen benötigen. Das verändert unsere CO₂-Bilanz, was wiederum bedeutet, dass wir Wege finden müssen, um an anderer Stelle mehr einzusparen, um das auszugleichen. Wir müssen die Gebäudesanierung schneller vorantreiben und die Energieeffizienz unserer Produkte und unserer ganzen Wirtschaft noch rascher verbessern, um diese zusätzlichen CO₂-Emissionen anderswo einzusparen. ZEIT: Die Zahl steht: neun bis zehn neue Kohlekraftwerke in den nächsten zwei Jahren. Merkel: Das haben die Unternehmen und der Markt zu entscheiden und teilweise schon entschieden. Bei künftigen Festlegungen über Kraftwerksprojekte spricht vieles auch für Gas: Gaskraftwerke können am schnellsten gebaut werden, sie sind flexibel als Ergänzung erneuerbarer Energien einsetzbar, und Gaskraftwerke haben weniger CO₂-Emissionen. ZEIT: Sehen Sie das Klimaziel für 2020 gefährdet? Merkel: Nein, das müssen und werden wir schaffen. Wir schalten ja ganz sicher nicht alle Kernkraftwerke sofort ab. Danach erst stellen sich die entscheidenden Fragen, die Schwierigkeit wird also sein, von etwa 2020 bis 2035 oder 2040 zu kommen.

Foto: Michael Brauner/stockfood

POLITIK

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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BÜCHER MAC

HEN POLITIK

Der Käfighalter
Geradlinig? Nun ja. Zwei Autoren porträtieren Winfried Kretschmann
Der Mann, der an diesem Donnerstag in Stuttgart zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik gewählt werden soll, hat ein prägnantes Image: Winfried Kretschmann sei konservativer, als es die CDU erlaube, heißt es, prinzipienfest bis zur Halsstarrigkeit und ein ausdauernder Leser der Philosophin Hannah Arendt. Nun ist pünktlich zur geplanten Vereidigung des 62-Jährigen eine Biografie erschienen, in der die gängigen Klischees über Kretschmann mit Lust zerlegt werden. Zum Vorschein kommt ein Mann, der einen weiten Weg hinter sich hat – und unterwegs ziemlich geschmeidig agiert hat. Ganze drei Wochen haben die Journalisten Peter Henkel und Johanna Henkel-Waidhofer für diese Neubewertung gebraucht, was der Sache nicht geschadet hat. Das Tempo führt sie ohne Umschweife zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen: Kretschmanns antiautoritärer Katholizismus, sein Kulturpessimismus, seine Art von Liebe zur Natur, der Weg »von Mao zur Mitte«. Die beiden Stuttgarter Journalisten – er jahrzehntelang bei der Frankfurter Rundschau, sie Lokalkorrespondentin – kennen Winfried Kretschmann, seit er seinen allerersten Auftritt im Stuttgarter Landtag verpasste: Im März 1980 gehörte Kretschmann zu der sechsköpfigen Fraktion, mit der die Grünen erstmals in das Parlament eines Flächenstaates einzogen. Aber die Vereidigung von Lothar Späth (CDU) zum Ministerpräsidenten versäumte der Neuparlamentarier, weil er es wichtiger fand, in Gorleben zu protestieren. Als Kretschmann die Grünen mitgründete, war er alles andere als ein Konservativer. Als Sohn einer katholischen Vertriebenenfamilie aus dem Ermland war er mit der Erfahrung aufgewachsen, wie man in der Fremde erst verachtet und dann aufgenommen wird. Er hatte ein katholisches Internat mit viel schwarzer Pädagogik hinter sich gebracht, aber auch die befreiende Wirkung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahren. Bei der Bundeswehr erlebte er die klassische Schinderei, was ihn aber nicht daran hinderte, den Pazifismus der Peter Henkel/ grünen Gründerjahre für eine Johanna Lebenslüge zu halten – schon Henkelim Hinblick auf die Befreiung Waidhofer: Winfried Nazi-Deutschlands durch die Kretschmann. Alliierten. »Ich bin von Hause Das Porträt aus kein Pazifist«, hat er da- Herder, 14,95 € mals klargemacht. »Ich habe nicht den Kriegsdienst verweigert und bin schon von Natur aus ein Typ, der sich verteidigt und dem anderen dabei auch mal eine in die Fresse bügelt.« Aus manchen Landtagsprotokollen der achtziger Jahre lässt sich die Verzweiflung ermessen, die Kretschmann gelegentlich in der CDU-geführten Republik erfasste. »Es hört doch niemand auf einen«, rief Kretschmann einmal ins Plenum. »Erst wenn man mal ein Ei wirft, dann ist die Presse da. Wenn Grundrechte in ihrer Substanz gefährdet werden, dann sind wir auch zu Regelverletzungen bereit. Wir sind eine radikale Partei, weil man eine Politik machen muss, die die Probleme an der Wurzel löst.« Keine sonderlich konservative Position. Im Laufe der Jahre hat sich Kretschmanns Verhältnis zu den beiden Volksparteien viel rasanter verändert, als es das Image vom stets prinzipienfesten grünen Konservativen glauben machen will. 1982 wirbt er in einem ausführlichen Aufsatz für ein Bündnis mit der SPD, ausgerechnet wegen der großen Übereinstimmungen in der Sozialpolitik; ein Bündnis mit der Union hält er »auf absehbare Zeit kaum für möglich«. Schon ein Jahr später begeistert er sich für ökolibertäre Überlegungen. Über die Sozialpolitik sagt er in jener Phase: »Nur wo Mangel herrscht, kann es Freiheit geben.« Dann wieder, 1992, plädiert er für Rot-Grün, während er 1999 findet, es sei »bitter notwendig, dass es irgendwo zu einer schwarz-grünen Koalition kommt«. Die Republik, so glaubt er 2000, braucht die CDU. 2010 ist es dann »an der Zeit, dass die Schwarzen in der Opposition landen«. Auch zu Kretschmanns eigener Ökologie haben die beiden Autoren Interessantes zutage gefördert. Die Familie von Kretschmanns Frau Gerlinde besaß in Laiz eine Hühnerfarm mit 600 Tieren in Käfigen – die Art der Tierhaltung, die demnächst verboten sein wird. Als die drei Kinder klein waren, machten die Kretschmanns dort regelmäßig Urlaub. Der künftige Ministerpräsident Baden-Württembergs sammelte die Eier ein, fütterte die Tiere, hielt die Käfige sauber und reparierte. »Wer von der Eierproduktion leben will«, so sah er es, »kommt ohne Käfighaltung in Probleme.« Die Konstante in Kretschmanns Charakter lassen die Autoren von einem Parteifreund zusammenfassen: »Winfried Kretschmann ist der anständigste Mensch, der je in Deutschland Regierungschef wurde.« MARIAM LAU

»Ich bin nun über fünf Jahre Bundeskanzlerin.« Angela Merkel am Dienstag der vergangenen Woche im Kanzleramt

ZEIT: Wie stellen Sie sich die Lastenverteilung

dieser Energiewende vor: mehr zulasten des Verbrauchers oder des Steuerzahlers? Merkel: Jeder Steuerzahler ist auch Verbraucher, nicht alle Verbraucher sind Steuerzahler. Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz alle Verbraucher in die Lastenverteilung einbeziehen. Gerade zwischen 2009 und 2011 gab es einen großen Sprung in der Umlage, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstand, nämlich von knapp 1,5 Cent auf über 3 Cent pro Kilowattstunde. ZEIT: Die Frage nach den Kosten beschäftigt die Menschen sehr. Wann können Sie ihnen greifbare Zahlen nennen? Merkel: Bald. In der Wirtschaftskrise hatten wir einen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel, in den letzten Wochen lag er wieder zwischen 120 und 130 Dollar. Mit diesen Schwankungen leben die Menschen heute schon. Sie werden auch mit den Schwankungen beim Strompreis leben müssen, die sich aus veränderten Restlaufzeiten von Kernkraftwerken ergeben. ZEIT: Wird es ein schöneres Land sein, mit neuen Stromtrassen, wärmegedämmten Häusern und vielen hohen Windrädern? Merkel: Im Vergleich zur Zeit vor 20, 30 Jahren ist unser Land doch an vielen Stellen schöner geworden. Damals waren viele Flüsse vergiftet, heute baden und fischen die Menschen wieder in ihnen. Die Industrie arbeitet insgesamt viel umweltschonender, nicht nur in meiner ostdeutschen Heimat, dort ist der Unterschied natürlich frappierend. Also wirklich: Ich glaube nicht, dass unser Land viel weniger schön wird, nur weil wir Energie anders produzieren und den Strom auch durchleiten müssen. ZEIT: Das sagen Sie, obwohl Sie in Ihrem Heimatland so schöne Landschaften vor Augen haben. Merkel: Mecklenburg-Vorpommern hat 1 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausgewiesen, 99 Prozent also nicht. Natürlich sieht man diese Windräder zum Teil schon von Weitem, in meinem Wahlkreis stehen zum Beispiel besonders viele. Aber man kann die zusätzlichen teilweise entlang der Autobahnen, der großen Verkehrstrassen bauen. Hochspannungsleitungen können vielleicht zum Teil entlang der Eisenbahnstrecken geplant werden. Daran wird

unser Land nicht zerbrechen, und es wird noch immer schön sein. ZEIT: Wir könnten stundenlang zuhören, wie Sie die Härten der Energiewende vertreten! Geschmacksfragen sind da nicht so wichtig? Merkel: Selbstverständlich ist der Erhalt der Schönheit unserer Landschaft wichtig, aber die Diskussion ist nicht neu. Denken wir nur daran, was los war, als vor 150 Jahren plötzlich die Eisenbahnen zu rattern begannen. Da sahen manche auch das Ende gekommen. Jede Generation hat die Aufgabe, die Infrastruktur der Zukunft möglich zu machen. Auf der anderen Seite bauen wir heute auch Industriebauten wieder zurück. Kohlezechen sind heute Kulturstätten, und manch altes Tagebaugebiet dient der Naherholung. ZEIT: Sie verteidigen diesen Weg ganz anders, als Grüne das machen. Die Grünen sagen: Es wird alles ganz schön, und Sie sagen: Stellt euch nicht so an! Ist das die Merkelsche Energiewende? Merkel: Ich sage nicht: Stellt euch nicht so an. Ich lese jetzt von Designerwettbewerben um schöne Hochspannungsleitungen. Damit will ich nicht kommen, ich versuche, die Aussichten ganz realistisch zu beschreiben. Ja, es wird sich mancherorts etwas ändern. Mancher wird erleben, dass in der Nähe seines Wohnorts eine Leitung gebaut wird, wo vorher keine war. Das hat es zu allen Zeiten und in vielen Formen gegeben. Bei dem einen wird eine Straße gebaut, bei dem anderen eine Fabrik. In Berlin entsteht gerade ein Flughafen neu. Wir Politiker haben die Pflicht, gut zu begründen, warum das manchmal nötig ist, wir müssen auf die Fragen der Menschen Antworten haben. ZEIT: Planen Sie eine verbindliche Laufzeit für jedes einzelne AKW? Merkel: Es gibt die Möglichkeit, die Summe an Kilowattstunden festzulegen. Es gibt die Möglichkeit, die Restlaufzeit in Jahren festzulegen. Und es gibt die Möglichkeit, diese beiden Varianten zu mischen. Wir haben das noch nicht entschieden. ZEIT: Wie wollen Sie die Endlagerfrage lösen? Wollen Sie außer in Gorleben noch woanders bohren? Erwarten Sie mehr Kooperation von Baden-Württemberg zum Beispiel? Merkel: Ich denke nicht, dass man jetzt überall parallel bohren sollte. Das wäre Unsinn. Die

Endlagerfrage kommt auf den Tisch, wir wer- manchmal, wir bezögen 80 Prozent aus Kernden über sie sprechen, wenn das neue Energie- energie. Das ist ja gar nicht der Fall. konzept steht. Grundsätzlich bin ich überzeugt, ZEIT: Aber keiner hat so radikal und schnell dass es nicht dadurch leichter wird, dass man reagiert wie Deutschland. die Last der Suche und Erkundung auf fünf Merkel: Das ist richtig. Orte verteilt. ZEIT: Wie kommt das? ZEIT: Was nutzt dieser ganze schöne Ausstieg, Merkel: So fundamental wie bei uns wird fast wenn wir umringt sind von Ländern, die die nirgendwo sonst über Kernenergie diskutiert. Kernenergie weiter ausbauen? Hier ist eine ganze Partei darüber entstanden. Merkel: Eine sehr berechtigte Frage, zumal in ZEIT: Sind die Deutschen so ängstlich wegen einem europäischen Binnenmarkt: Was nützt des Restrisikos, oder sind sie nur mutig genug, es Deutschland, wenn es sich nach seiner neue Wege zu gehen? Überzeugung richtig verhält, und alle anderen Merkel: Jedes Land diskutiert bestimmte Fratun es nicht? Wenn ich jedoch zuallererst da- gen sehr gründlich. In den Debatten über die nach frage, ob auch alle anderen von meiner Solidarität in der Euro-Zone und die Stabilität Haltung überzeugt sind, oder wenn ich nur an unserer Währung stelle ich auf europäischer die anfänglichen Nachteile meines eigenen, Ebene Fragen, die sonst kaum einer stellt und von mir für richtig erachteten Verhaltens den- die manche wohl auch manchmal anstrengend ke – dann drehen wir uns im Kreis. finden, die sagen dann, das sei schon wieder so Als in Deutschland Bereine Merkel-Idee. Das ist vielleicht eine Kehrseite unserer tha Benz mit dem ersten AuPräzision und unseres Erfintomobil über die Straßen gedungsgeistes. rumpelt ist, haben auch viele Ich werde darauf achten, Zeitgenossen gesagt: So ein dass wir den richtigen Weg Quatsch, die eine Pferdestärfinden, unsere Energie zu erke einer Kutsche reicht doch, zeugen, einen Weg, der zu eiund wer weiß, wie gefährlich nem ökologisch denkenden diese neue Erfindung ist. In Industrieland und einer beihren Augen war Bertha Benz Die Kanzlerin beim Intereine Geisterfahrerin auf ei- view mit Bernd Ulrich (links) deutenden Wirtschaftsmacht passt. Dieser Weg ist dann nem seltsamen Sonderweg – und Giovanni di Lorenzo aber auch eine Verpflichtung. aber das Auto hat sich durchDann kann nicht jeder komgesetzt. Deutschlands Wohlstand gründet sich auch darauf, dass wir men und sagen: So viele neue Leitungen wollen manchmal als Erste einen neuen Weg gegangen wir nicht, und die Windenergie passt uns eisind. Als ich 1994 Umweltministerin wurde, gentlich auch nicht, die Umlage für die Photokamen 4 Prozent unserer Stromerzeugung aus voltaik ist eh zu hoch, und gegen den Anbau erneuerbaren Quellen. Heute sind wir bei 17 von Pflanzen zur Energieerzeugung bin ich aus Prozent. Das ist schon beachtlich. Jetzt wollen Prinzip auch, aber aus der Kernenergie müssen wir bis 2020 auf 40 Prozent kommen, was sehr wir sofort raus. Einen Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ambitioniert ist. Das wird uns Kraft kosten. Aber wenn wir glauben, dass wir Vorteile da- ist die große Herausforderung im Augenblick. von haben, und das ist ja offensichtlich, dann Wir müssen in den nächsten ein, zwei Monaten alle sagen: Dazu stehen wir! Ein Ausbüxen ist das zu schaffen. ZEIT: Unser Sonderweg ist also eine Avantgar- gibt’s jetzt nicht mehr. derolle? Merkel: Es gibt eine ganze Reihe europäischer Das Gespräch führten GIOVANNI DI LORENZO Länder, die nicht auf Kernkraft setzt. Deutsch- und BERND ULRICH land hat immer einen Energiemix gehabt. Bei uns macht die Kernenergie ein Fünftel aus. Energie: Wie die Wende funktionieren kann www.zeit.de/energie Wenn man die Diskussion verfolgt, denkt man

Fotos: Anatol Kotte für DIE ZEIT; Vignette: Smetek für DIE ZEIT

die sich über seinen zehnte? Erlebten wir bei Stuttgart 21 und beim politisch überkorrekten Betroffen.bend.garantieren – Sicherheit vor der Heimtücke.keitsfern ist – sondern ganz reale Wirkungen mensch das Attribut »antiamerikanisch« oben. durfte eine Flasche Johnny Walker ausgeben und bekam eine verführerische Hostess zugeteilt – die ehemalige Miss Abidjan. Aber A. Sollten wir stolz darauf sein – oder steckt ein wahrer Kern im hässlichen Wort vom »Gutmenschen«? Nein Siehe auch Feuilleton. muss keine moKanzlerin wegen »Billigung von Straftaten« ange. Der Heuchler. als befände er Kulturen« provozieren sollte.« Er hatte nebenher einen lukrativen Handel mit Einreisepapieren nach Deutschland betrieben. Doch moraanklopfen und dem Mann seine Rechte vorlesen. ihr Zorn nicht dem Täter.Logik der Sachzwänge. der sich den Notwendigkeiten ECKARDT Ob es um Auslandseinsätze der der Macht und des Machbaren ist Vizepräsidentin Bundeswehr geht. In diesem Jahr waren die neu geschneiderten Baretts der Soldaten die größte Innovation. Zugegeben: Allzu oft drängt Widersprüchen zwischen Ideal und Wirklichsich eine wohlfeile und populistische Variante keit. Freude brechen verantwortlich war. die Welt hat diese eines Feindes nicht freuen. Doch der Reflex lebt Überlieferung ermahnte schon der liebe Gott fort. balisierung einfach und bequem macht. Manchmal gibt es ein neues Panzer. der Russland vereint.de. Bin Laden lässig« abzuleiten ist kein Beweis ist der jüngste Beweis. Auf dem Hochsitz der Moral aber sieht geißeln. So simpel ist das. Und er des Besserseins. wenn Einwände gegen und Partizipation. Er meint. Zum Dank wollte ich A. werten und zivilen Land geWeichei und Nervensäge in eimacht hat. dass die Massaker an Unschuldigen gebiet. Er internationales Recht und darauf. abkanzeln ist einzeigt. stehen aber auch zu den politik überhaupt. der matismus und Idealismus. kompetente A. Betreff: Krieg und Eishockey Einen Feiertag gibt es.darum fragen lassen. um die vielen zu retten. helfen nur noch tiz. Eigentlich wäre der Zeigefinger nach 66 Jahren mustergültiger Entüber den Tod eines Massenmörders zu äußern. füllen ganze rer multikulturellen Republik nicht vielmehr Regale. von einem darauf an. Wehe dem Staat. derung: Seit den Bürgerinitiatider sich auf Moral beruft? NehGrüne und EKDven der siebziger und achtziger men wir die Erschießung Osama Präses. Natürlich passt der eine moralische. In brenzligen Situationen sind wir auf Gedeih und Verderb von ihnen abhängig. Die Antwort ist nicht neu. Ihr Mitleid galt daheim dezimiert. gut zu das bin Laden Unterschlupf ge»Kampf. Ökologie oder Einwanderes als ein störender Geselle. auf die Fahrerseite »Das Blut ist nicht vergeblich vergossen«. es spricht den Deutschen Auslieferungsbefehl präsentieren von einer »Mord-Orgie«. Der Gut-Bürger meint es ernst mit dem. vom Bürgerkrieg geplagten Metropole der Elfenbeinküste. Jahre redet und streitet der Gutbin Ladens und den schlichten Hinweis auf den Verstoß gegen sagt sie. einen Gewährsmann. seine übersteigerte Bürgertum. sondern auf den wertegebundenen Ein. der fließend Deutsch sprach und über exzellente Landeskenntnisse und Kontakte verfügte. er werde jetzt erst mal den Fernseher anschalten und einen Kriegsfilm anschauen. lische Bescheidenheit ist auch eine Tugend.der pragmatischen Beliebigkeit und einer blinden wand gegen die angeblichen Zwänge der Real.währungshelfer der Noch-nicht-Geläuterten. weil bekanntlich Gewalt keine politischen Augenmaß. Ist er also nichts anenergie. die anderen strömen ohne Befehl von oben auf die Straßen. Darf man das? Soeben hat ein Richter die ausweichen. dass seine Theorie serwisser.Selbstvergewisserung einer wieder gut gewordetigen: die Amerikaner und ihre Soldateska. Und so war ich als neutraler allemand sogleich willkommen. K AT R I N G Ö R I N G  Themen zu verdanken haben.hat. Dass so viele Deutsche die gilt nicht. Laut rabbinischer Leistung längst anerkannt. im Zweifel lebt er oder sie Pointe? Mit dem Gutmenschen-Vorwurf sollen selbst danach. Das Fernsehprogramm ist patriotisch: Im ersten Kanal verteidigt sich heroisch die Brester Festung. L . Das britische Blatt nennt die Polizei keinen Haft. Atomausstieg? Auch hier Mann weiter morden zu lassen. im Streit um die Energieversorgung der Zukunft. OriPharisäer. Dabei dachte man doch. muss sich che mag. kill his dream. in der dritten Generation: die Enkel als Beseine Engel. im dritten läuft die Jagd auf militärische Werwölfe und im vierten ein Spielfilm über die Suche nach Verrätern in der Roten Armee. mitunter schlicht um die Einhaltung von Gesetzen. spielen. als die große Mehrheit im Westen es tut. die im Dunkeln die Drähte zieGrößenordnungen und UrsaZEIT.4 12. ein Visafälscher. rung und Verdammung. Im stern-Titel heißt es: Terrorismus ist weder Krieg Amerikas Rache. in der Kontext zählt. Vorweg fehlt das moralische ibyen? Da machen wir nicht mit. Den Rückspiegel zierte ein roter Stern.. dasselbe zu tun. dabei. bei der Entscheidung über den Krieg gegen Gadhafi: Stets denken und handeln die Deutschen anders. So kann man sich täuschen. Seite 49 Mail aus: ABIDJAN Von: bartholomaeus. Die Polemiker gegen den Gutmenschen weil ihnen die besser ins Konzept passt als der tun so. werden. Warum? »Weil ich den Burschen feuern musste.und Krisengebieten. Der mahnende Terrorismus weder ins VölkerZeigefinger ist heute so deutsch. rischen Mitteln.de. wie eine Welt ohne ihn ausjenigen. Mai. die wir da ein. Die Polemik hat es eben nicht Bürgerin sind informiert bis ins Detail. wo chen. Er hatte sich nach dem Rauswurf flugs aus dem Staub gemacht und noch einen Dienstwagen mitgehen lassen. Viele Debatten der letzten Monate doch Moral und Maßstäbe insgesamt lächerlich haben es gezeigt: Der gute Bürger und die gute gemacht werden. Leider wohnen sie dort. den wir demnächst importieren Deutschland kennt den »finalen Rettungsschuss«. hen. ist eine Erblast der Geschichte. insbesondere Franzosen. Und riet dem Journalisten. es wären einfach logiebewegung hat zum Beispiel dafür gesorgt. der einen fürchterlichen Preis an Blut und Gut gefordert handeln. woWas also steckt an Gutem im Gutmenschen. Es wäre wohl eine zynische Welt. dem wir die kritiGesinnungsethik wird zum Gesche Öffentlichkeit bei vielen sinnungsterror. eine der höchsten überhaupt. weil das Publikum starke Sprü. wie ihn schon bare. Economist: Now. Doch war der besserwisserische Pseudo-Gut. mensch wirklich maßgeblich in den politischen Was für eine triste Welt das wäre! Ja Im Kampf gegen den Terrorismus. die wir nie finden würden. Dieser Nachtklub ist eine Höhle der Jeunes Patriotes. Deutschland ist wieder Großmacht. des Bundestags. wie das Land Denkverweigerung. der in diesem Schathat« und just den »Krieg der sich nur gut fühlen tenkrieg agierte. Jahrzehnten zu einem lebensHeute wirft man ihm vor.oder die Zusammenhänge. der lieber politisch entierung und Maßstäbe mit korrekt ist als realistisch. Ein Völkerrechtler dozierte: Kriegsrecht facher als abwägen. sondern der zeigt exemplarisch. was einst auf den T34-Panzern geschrieben stand: »Nach Berlin!« Der Fahrer eines bayerischen Nobelwagens hat auf seine dunkelblaue Motorhaube mit weißer Farbe das Wort »Trophäe »gepinselt«. so darf man im Namen der höheren Sittlichkeit der Verantwortung Unmensch stirbt. »Dann werden Sie«. den 9. dessen Abbild auf offiziellen Plakaten verboten war. erwies sich als absolut zuverlässiger Führer in der chaotischen. sie wollten währte – fünf Jahre lang. Aber weite Teile des Freiheit vor dem totalen Überwachungsstaat. sich im eigenen Verfassungsden der Getötete wollte. Laden entfesselt hat. Es ist das Gut-Bürgertum. angewiesen. die gegen den Gutmenschen polemi. Zum Beispiel in Pakistan. der deutschen Kommentariats haben die Gräueltaten im Namen der Terrorabwehr die Bürgerrechte allenfalls am Rande erwähnt. wenn ein sich den Händeln der Welt.sehen würde. das klingt vorchristlich. Andere hielten eine Russlandflagge aus dem Autofenster. der militanten Anhänger des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo. ein aufgeweckter junger Mann. Sie weisen Thilo Sarrazin mit den von ihm des Gutmenschen in den Vordergrund: der Bes. vor allem in Kriegs. die angeblich alternaBürgerin verbinden sich Pragtivlos sind.). Er gilt als zurückgeblieben und naiv. Warum also die eifernde Selbstgerechtigkeit? nicht den Opfern. Ein paar Gadhafi-Anhänger und orthodoxe Monarchisten durften sich anschließen. weil er einer ist. die über den Untergang des pharao. Ich wunderte mich zwar über seine Golduhr und die teuren Designerklamotten. Russland verlor 2 : 3. im zweiten geht es um Sowjetspione im Hitlerregime (»Unser Mann in der Gestapo«). Mein Fixer A. tickt. sich selbst als wahre Faktenkenner und ohne Sinn für das Mögliche. arbeitete als Presseattaché bei der deutschen Botschaft. Ist das Verbredas ist die atavistische Selbstjuschen geschehen. Aber ich hatte ja A. Später zogen die Kommunisten durch Moskau und feierten den Generalissimo Stalin. bis der Arm schwer wurde oder Russland bei der Eishockey-Weltmeisterschaft seine Führung gegen Finnland einbüßte. »Das können Sie sich sparen«. bremste der Botschafter.). dass der Mensch zum Guten fähig ist. Wir Korrespondenten sind auf Helfer wie A.dass Deutschland zum technologischen Vorreiter für erneuerbare Energien wurde. Für ihn hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt. um des Sieges über den Faschismus zu gedenken. der den Tod von leitet uns die höhere Einsicht. noch ins Landesrecht. Matthias Bothor/Photoselection (r. in der Verteidigung unseheitskitsch belustigen.Macht verachten.voswinkel@zeit. während Tausenden verantwortet – oder im Einzelfall die ringsum in Europa 137 Kernkraftwerke den Regeln des Rechtsstaates zu verletzen? Auch Strom erzeugen. dem ich vorbehaltslos vertraut hatte! Wer weiß. politischen Alltag ertönt »Gutmenschentum« Öffentlichkeit. weil al-Qaida weder Staat noch Bür. Sie führen uns zu Informanten. Es war die erste Niederlage der Eishockey-Nationalmannschaft an einem Siegestag. Mit auf selbstgerechten Gesinnungskitsch abge. Der russische Trainer sagte im Interview nach dem Spiel. Natürlich soll man sich auch über den Tod wicklung nicht mehr nötig. Also: Beim nächsten Mal bitte len).werteorientiertem Handeln widersetzen sie sich sehen. politische Teilhabe meist dann als Vorwurf. jedenfalls man keine Konflikte zwischen Schlimm und Schlimmer. Transparenz. also ist Herausgeber der Staat vorbeugend jene treffen. Bin Laden? Ein eklatanter Bruch des auch Helmut Schmidt hat in Mogadischu den Völker. die es sich im Gewirr der Glo. zeigen uns Orte. Bücher.« Fotos: Peter Steffen/dpa (l. Der hilfsbereite.oder Raketenmodell zu bestaunen. Besserwisser sind allerdings auch die. fordern. Warum? Weil Moralismus nicht nur erhenischen Heeres jubelten: Auch die Ägypter sind meine Kinder. welche Deals er nebenher im Café Cacao eingefädelt hatte. die einst für das Menschheitsverauf die Kanzlerin. die sie nicht mehr haben (wolgerkriegspartei sei. Der Morgen beginnt mit der Militärparade auf dem Roten Platz und einem vieltausendstimmigen »Hurra!« der Truppen.eine abstrakt menschelnde Wohlfühl-Moral. keine Rolle mehr nur die Seite der Münze mit der Zahl ansehen. Übrigens sogar wirtschaftliche: Die Ökodrauf. die es gewagt hatte. Manche malen auf die Heckscheibe. Im sondern um bürgerliche Werte wie Solidarität.selbst genannten Zahlen nach. Aber Erleichterung und Genugtu. der als älterer Herr mit Familienanhang firmierte. So entzieht man ung darf man sehr wohl empfinden. Wer den vereinfachend. soll sich unterdessen in Ghana herumtreiben. An den Autos hängen orange-schwarze Sankt-Georgs-Bändchen als Erinnerung an den Krieg. Fixer werden sie genannt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Wissen wir es besser? er sogenannte Gutmensch hat es Debatten der letzten Monate.ralischen Konflikte bewältigen. Vignette: Smetek für DIE ZEIT D Ist es aber nicht. als den wirkungsmächtigen Auftritt des GutmenVertreter einer typisch deutschen Weltbeglü. erklärte er. der letzten Jahrschwer.schen als Gut-Bürger? Dem geht es nicht um ckungsfolklore. das ist dem klaren Blick fürs Machder Gutmensch. Mail aus: MOSKAU Von: johannes. eigenen Werte ernst ist der lebende Beweis dafür.Abgesang auf diesen Gut-Bürger singt. sondern Massenmord mit kriegeRache.und Kriegsrechts. Familien und Liebespaare spazieren durch die Parks. sieren. A.Thema Atomenergie. Also muss der JOSEF JOFFE Traum töten« spiegelt die reale Welt. um Atomverweigert. Was ist denn das größere Übel: einen Probleme löst. dazu nen Nation. Die einen setzen die Kartoffeln in die Erde des Datschagartens. Und es ist das Gutnem zu sein. der die Jungpatrioten beschwichtigte. »ganz anders schreiben. Betreff: Freund und Helfer Allein hätte ich mich niemals ins Café Cacao an der Rue Princesse in Abidjan gewagt. jenseits von einfacher Polemik und schlichter für er sich einsetzt. als bräuchten wir weder Ideale noch gesellschaftlichen Zusammenhalt – noch die ZuCharakterkopf auf der anderen. Im Entscheidungen vorgebracht Gut-Bürger und in der Gutwerden. arrangieren Interviews. sondern auch nützlich ist. sorgen für unsere Sicherheit. die bin komme es nicht kann. Er würde wider seine höchste Pflicht sündigen: den Bürgern Sicherheit und Freiheit zu das gemeinste Verbrechen in jeder Kultur sind. im britischen noch gewöhnliche Kriminalität. Sie wurzelt in der Die Entrüstung zielte auf die üblichen Verdäch. Aber vom wie es einst Pickelhaube und »Nicht zuständig« das »Nicht zuKnobelbecher waren.versicht. Ein solches Sündenregister verdient Empö. ein Geschenk senden. dass werteorientierte Politik aldass triumphale Freude über den les andere als naiv und wirklichTod des Massenmörders bin Laden unangemessen sei – schon bekommt der Gut. Er redet bewusst undifferenziert und Unsinn und dem Fremden feindlich ist. nehmen die Bürger Gott sei Dank mit. die gerade Gbagbos Räuberregime stürzten. nur Demokratie und Rechtsstaat. die gesunde Realisten darstellen und leider immer das Leben lebenswert machen. Wer nicht handelt. den wir genüsslich Tod der wenigen autorisiert. Gut-Bürger.grill@zeit. Auch der Zusatz »de Luxe« in seinem Namen hätte mich stutzig machen müssen. in der die Werte. »Jetzt wollen wir seinen Leichenwagen. sie verachten Weißnasen. Fügen wir hinzu. die Nazipropaganda im Stürmer das Deutschland in den letzten zum Feind erklärte.

ma Flucht und Migration auf ein Problem inneland.die vor Lampedusa auf einen Felsen aufgelaufen scheinlich über 1000 Toten gegenüber. wahr. Und befreiten Bengasi noch einmal vorlegen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 5 O peration »Lifeline« hat begonnen. Seit Ende März sind im Mittelmeer über 800 Menschen bei dem Versuch ertrunken. dann findet sich auch in der Außen-und eine Militärintervention in Libyen enthalten. Blieben noch jene rund 72 Flücht.Vorschlägen sofort mit von der Partie ist. Warum? Weil Alles erfunden.stehen nun alle Ausländer mit dunkler Hautfarbe ten AWACS-Flugzeuge jede Bewegung von unter dem Generalverdacht der Gadhafi-Gegner. muss schen vor der libyschen Küste auseinandergebro. den erwartet die Unterbringung in einem überfüllten Sammellager. in mehr müssen sich Somalis. Kampfbomber auf Stellungen Tripolis Mittelmeer Im Vergleich dazu sind die der Armee Muammar al-GadBootsflüchtlinge. sondern ein Rinnsal – ganTeil der zivilen Opfer nicht LIBYEN ze zwei Prozent sind auf EUdurch Bomben und Kugeln geTerritorium gelangt. Diese Strategie der geduldeten oder gezielten Verwahrlosung ist die logische Folge einer europäischen Politik. Dass Silvio Berlusconi bei solchen vergangener Woche ein Boot mit bis zu 600 Men.aus anderen afrikanischen Ländern befinden.. als sie klarstellen. obwohl es den Bootsinsassen nach wenigen Flüchtlinge untergekommen – die meisten in den Tagen auf See gelungen war. die nach Recherchen der eng. Und womöglich hat im Fall des Schiffs. wie bereitwillig die ägyptischen und Egal. Zur Einordnung dieser humanitären Geste: darunter mindestes zwei Kleinkinder. Die maltesikämpfen. Die italienische Aufbruchs. Offenbar werden manche von ihnen von schleiern oft mehr. Wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag vor der Presse verkündeten. Schlupflöcher bieten fast nur noch der Landweg über die Türkei nach Griechenland oder der Seeweg mithilfe von Schmugglern und verrotteten Booten nach Malta und Italien. mindestens bruch der Kämpfe in Libyen über 600 000 Menein Militärhubschrauber und ein Flugzeugträger schen geflohen. wollen den Vorfall nun untersuchen lassen. arabischen Diktato. der EU und der Nato werden in den nächsten Tagen mehrere Schiffe der deutschen Marine ins Mittelmeer auslaufen.auch Flüchtlingsboote gezwungen. die meisten über die Landeshätten ihr Boot gesichtet. Aber Reso. Sicherheitspolitik niemand. Eritreer oder SudaneLibyen »alle notwendigen Maßnahmen zu er. aber nicht willkommen: Libysche Flüchtlinge treffen auf Lampedusa ein Foto: Francesco Malavolta/dpa (Flüchtlinge erreichen Lampedusa. Der Diktator wort »Stoppt Gadhafi!« – enthält einige sehr möchte Europa wohl zeigen. Die meisten storben ist. das in den vergangenen Jahren eher dazu neigte.grenzen nach Tunesien und Ägypten. die humanitäre Katastrophe vor der libyschen Küste zu beenden.Menschenjagden. seit Euwww.Häusern der Bewohner. endlich reits eine monatelange Odyssee hinter sich haben eine effektive Aktion zur Rettung von Boots. so betonte Westerwelle.und in Libyen gestrandet waren. wie dem Flüchtlingsschutz gerecht werden.ten. niemand vorsätzlich offenbar fallen sie nicht unter Resolution 1973.auf Würde und Schutz. 7. 61 Menschen.schämend. dieses Detail ist wichtig – mit Beginn des Aufstands gegen Gadhafi zwischen die Fronten geraParis und Berlin? Schweigen. sprach sogar acht Wochen einen Skandal dar. sondern Schwarzafrikaner. sind bis auf Weiteres 20 000 hungert. Miggibt in dieser Militäroperation keiranten. Flugzeugträger und Flüchtlinge berichten von Misshandlungen und kleinere Kriegsschiffe patrouillieren nahe der li.lingszahlen umgeht.irgendeinem Zeitpunkt ein Schiff mit Flüchtren Waffen zu verkaufen. vielleicht auch nicht. schenrechtsorganisationen begrüßten die deutUnd doch stellen die 800 Toten der vergangenen sche Initiative. Soll heißen: seit die Abwehr von Flüchtlingen zum ideologischen Kern der Migrationspolitik geworden ist und eben diese Abwehr den Mitgliedsländern am Rande Europas aufgebürdet worden ist. allen voran Frankreich und Großbritansind nach Schätzungen des UNHCR tatsächlich nien. sind nach In Dehiba. Am 17. werde. Gadhafis Militäreinheiten. der bei der Vorbereidoch müsse es nun humanitären Prinzipien und tung einer Militäraktion darüber nachdenkt.sen aber vor den Rebellen fürchten. Die UN und der Europarat ihre Lebensumstände alles andere gut. könnte die Zahl der Toten um mehrere minister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem zuHundert steigen.de/audio Gerettet. Vielleicht sollte man den Text byschen Küste.lingen in Seenot bemerkt zu haben. Nach Angaben des UNHCR sind seit Auslischen Priester in Rom die italienische Küstenwache zu alarmieren. An Operation »Lifeline« be.Gadhafi doch eine moralische Läuterung reklamiert. über einen katho. die den Das Mittelmeer wird für immer mehr Flüchtlinge aus Libyen zur Todesfalle. Friedrich verkündete unlängst im lischen Zeitung The Guardian am 25. Bis auf eines: Seit Ende März Europa. Darfur oder Eritrea. Und wenn das TheSpaniens.stimmt. Die Reaktion in London. Die Nato bestreitet übrigens vehement. Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ver. dass ein erheblicher ÄGYPTEN le«. habe sich zwar bei rer Sicherheit und öffentlicher Hygiene reduziert der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über wird. Trotzdem ist es belinge zu erwähnen. sondern als in der Masse teiligen sich auch die Küstenwachen Italiens. Überlebende behaupten. der weit über von einer . auftretendes Flutrisiko sieht. Vielleicht neu? Seit Jahren schon ziehen italienische Fischer ging dieses Schiff einfach im Durcheinander der mit ihren Netzen immer wieder die Gebeine er. dung von Besatzungstruppen. einem Abrisshaus oder einer selbst gezimmerten Bretterhütte. die in Libyen gearbeitet haben. Zuständigkeiten und Befehlshierartrunkener Flüchtlinge an Bord. wieder auf der richtigen Seite der Ge. Wo der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. Auch waren.Gadhafis Soldaten erst ausgeplündert und dann lution 1973 – besser bekannt unter dem Schlag. März ermächtigte Sturz den wichtigsten Türsteher verliert. in klei- ropa an seinen unsichtbaren Mauern baut. Sie sind – und flüchtlingen zu starten. keine »Welkenntnis.Prioritäten. Maltas und Griechenlands. der für jeden Einzelnen Freiheit und Küstenwache hat übrigens gerade erst in einem Würde einfordert. Das Mittelmeer chien verloren: ein tödliches Chaos. die gen Euhafis steht man vor der Er. Flüchtlinge sind bedrohte Zivilpersonen. die be(UNHCR) an die europäischen Staaten.. Dort sind such zu unternehmen. als sie damit zu be. ohne einen Rettungsver.von Resolution 1973 auch dem Übergangsrat im ren Kommandozentralen des Diktators. darunter auch zwei in Deutschland. Es gibt bislang lediglich einen verzweifelten sowie Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und DiktaHilferuf des UN-Flüchtlingshilfswerks turen wie Somalia. Dem steht nun eine düstere wagemutigen Manöver 500 Flüchtlinge gerettet. sondern durch unZEIT-Grafik boat people sind übrigens keine Literlassene Hilfeleistung. sehe es die Bundesregierung als ihre Pflicht an. mit der Unterstützung des Aufstands gegen mindestens 800 Menschen bei dem Versuch er.niemanden überraschen. Aber Mitarbeiter des UNHCR zeigen sich verblüfft. westliche Kampfjets bombardie. um Bootsflüchtlinge zu retten und in mehrere europäische Aufnahmelager. Denn es 500 km byer. von Libyen über das Mittelmeer nach Nicolas Sarkozy aber fällt nichts anderes ein als die Italien zu gelangen. Deutsch. nen koordinierten Schutz von Flüchtlingen. Papst Benedikt XVI.zeit. um von Angriffen bedrohte Zivilper. Dass Deutschlands Innenchen ist. Wer die Reise übersteht. Das man mit dem erwartbaren Anstieg der FlüchtUN-Flüchtlingshilfswerk und mehrere Men. dass es mit seinem weitreichende Sätze. Weil sich greifen. März von deutschen Fernsehen – sichtlich von sich selbst Libyen aus Richtung Italien aufgebrochen und beeindruckt –.sche und die italienische Küstenwache weisen schichte: Auf der Seite eines prodemokratischen ebenfalls jede Schuld von sich. In Abstimmung mit dem UN-Sicherheitsrat. Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen im Sollten sich Berichte bestätigen. soll er auch bleiben. Mai 2011) Auf dem Wasser verdurstet . Europas inzwischen chronische Gleichgültigkeit STOPP! gegenüber Flüchtlingen hinausgeht. Seitdem beobach. wonach Ende Schengen-Raum. aber das mit 72 Menschen an Bord über zwei Wochen im Mittelmeer umherirrte. Noch der Sicherheitsrat die UN-Mitgliedsstaaten.Grenze zu Libyen. trunken. was dabei herauskommt: EUROPA vor allem die tunesischen Behörden Knapp zwei Monate nach der UNund die Bewohner der GrenzResolution 1973 und nach den gebiete die Flüchtlinge empfanersten Angriffen westlicher Lampedusa gen und versorgen. sondern auch ein großes Grab. ist längst nicht mehr nur Urlaubsraum und Handelsweg. Natürlich kann man fragen: Was ist daran oder gar böswillig Hilfe verweigert. Kennt Europa keine Gnade? VON ANDREA BÖHM nen Booten aus dem umkämpften Libyen nach Flüchtling nicht als Individuum mit Anspruch Italien zu gelangen.ALGERIEN ropa aufbrechen.unter Gadhafi-treuen Kämpfern auch Söldner sonen zu schützen« – mit Ausnahme der Entsen. einer kleinen tunesischen Stadt an der Aussagen von Überlebenden verdurstet und ver.gliedsland Malta 100 Bootsflüchtlinge abnehmen meer umhergetrieben sein sollen.POLITIK 12. dass Deutschland dem EU-Mitsechzehn Tage manövrierunfähig auf dem Mittel. zu verteilen. zu seitdem wähnt sich Europa. Zwischenbilanz von mindestens 800.

sondern beäugt. zu beweisen. Dann werden andere die Probleme haben. Nun ist die Familienministerin in einer Situation. wurde es taghell wegen der Lichtschranken. Kristina Schröder sitzt in einem Besprechungsraum in ihrem Ministerium. sie könne sich vorstellen. dass Philipp Rösler nicht mit 45 aufhört.« Nachdem Peter Ramsauer nicht Verteidigungsminister und Joachim Herrmann nicht Innenminister werden wollte. platzte Seehofer der Kragen. Es gibt nicht viele wie Rösler in der Politik. die sich ausschließlich über eine politische Stellung definieren. 1998. und sagt: »Mit 45 höre ich wieder auf«? Beneidet der 78-Jährige den 38-Jährigen. das muss sie als Ministerin sagen. »Ich habe es nicht geschafft«. die offen bekennen: »Für mich ist Politik ein Stück Sucht. warum man inzwischen unabkömmlich sei. der im Fall einer Entführung des kleinen Walter zu zahlen sei.« . Nur schaut bei denen nicht die ganze Republik zu. jedenfalls wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Sie hat sich vorgenommen. wie es so schön heißt. ein Umzug sei das noch nicht. dieses Wochenende ist für die Familie reserviert. beschreibt Walter Kohl. als die Regierung Kohl abgewählt wurde. Das Thema Work-Life-Balance hat die Politik erreicht. als er im Streit um die Gesundheitspolitik als Fraktionsvize zurücktrat. Baum. Zurzeit ärgert er sich über die Jungen in seiner Partei. oder denkt er: Alles Memmen setzen. »Es ist wichtig. wie eine Metapher aus der Welt der Zugtiere lautet. an dem man sich infizieren kann. sagt er. berufstätige Ehefrauen – was bei Grünen und Sozialdemokraten noch programmatischen Charakter hatte. aber sie verändern den Alltag dramatisch. immer für ihre Kinder da sind. dass Menschen sagen. sondern: Nein. so einen Posten. Wenn einer Kanzler ist und Kinder hat. dass der neue Parteichef Philipp Rösler seine Frau fragt. Familienfeindlich seien andere Jobs auch. während die Politik immer härter wird. Gallen. »Das Gefährliche ist das Anziehende daran. Aber das Familienleben mit dem Beruf zu vereinen. mit denen Politiker umgehen müssen. darauf legt Kristina Schröder Wert. der als Finanzminister einen der tragenden Jobs hatte und als harter Hund gilt. weil seine Frau ein Kind erwartete und sich im Jahr darauf wieder für den Bundestag bewerben wollte. Die andere Frage lautet. kann auch sie sich nicht vorstellen.« Was verführt einen? »Die Möglichkeit. Falsche Loyalität sei es zum Beispiel. Rösler sagt. noch mehr Terminen. wird nicht mehr bewundert. andere Spitzenpositionen in der Politik zu übernehmen. »Es gibt heute ein anderes Rollenverständnis in der Familie. Einmal kommt das BKA und legt den Höchstpreis.6 12. ist längst auch bei bürgerlich-konservativen Politikern normal. wer sich für die Partei aufopfert. wie sie selbst sagt. und 2004. In Spitzenjobs der Wirtschaft habe man es auch schwer. »Ich bin viereinhalb Jahre nicht alleine aufs Klo gegangen«. der für die Politik härteste Einschränkungen in Kauf genommen hat. nämlich dadurch. Aber das wäre auch so ein Satz. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Illustration: Beck für DIE ZEIT/www. was es mit der Politik macht. Begriffe wie »in den Sielen sterben«. als von machtversessenen Typen. er mache sich keine Gedanken. winkten mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gleich zwei konservative Politiker mit dem Hinweis ab. Instrument eines Systems zu sein. Es handelt vom Preis der Politik für die. fuhr hinter ihm ein gepanzerter Wagen mit Sicherheitsleuten. ehemaliger Regierungssprecher. Der Satz ist auch zwiespältig. kaum ein Partner sieht sich heute noch als stiller Dulder. »Wenn Sie in die Politik gehen. sagt Rösler. sondern Angst und die bange Frage: Gibt es mich eigentlich noch? Seehofer glaubt nicht an selbst gesetzte Verfallsdaten. weil Rösler sich damit angreifbar macht. sagt Schröder mit einem feinen Lächeln. »Die Menschen haben ein realistisches Gespür dafür. und viele ihrer Kollegen empfinden es ähnlich. werden Sie verführt. sagt Baum. das sei ja nicht das Hässliche.« Zweimal hat er plötzlichen Machtverlust erfahren. »offenkundig Privatleben und Beruf vereinbaren muss«. in seinem Buch Leben statt gelebt werden. die nicht gefragt wurden. die so denken. in dessen Beisein auf fünf Millionen Mark fest. »die nicht in die persönliche Lebensplanung passen oder in denen Unwägbarkeiten drohen«. das Rösler bekämpfen will: dass die Politik etwas Schmutziges ist. Als in Berlin die Nachfolge von Guido Westerwelle ausgehandelt wurde. ob sie einen solchen Preis zahlen wollten: die Familien und Angehörigen von Politikern. in denen verdient man keinen Euro mehr als am Tag bevor man sie antrat. und auch deshalb sei ein Satz wie der von Rösler gut. weil er das Klischee nährt. in zweiter Ehe verheiratet. weil seine Frau Facharztprüfung hatte. das würde wohl nicht gehen. ob er seinen Satz zurücknehmen müsse eines Tages.« Miriam Meckel war Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen. vor dem man sich in Acht nehmen muss. »Falsche Loyalität darf es in der Politik nicht geben«. der Sohn Helmut Kohls. Wenn nachts ein Hase durch den Vorgarten hoppelte. »wird man in Deutschland unter 50 Jahren ja ohnehin eher nicht Kanzlerin. kann etwas erzählen über die Zumutungen der Politik. dann flüchten Sie. Sie entfremden sich Ihrem privaten Bereich.« Wie es ist. Die Schnelligkeit. wenn immer mehr Politiker ihren Posten als Teilzeitjob statt als Lebensinhalt begreifen. wieder aufzuhören.« Wo so viele nicht zu ihren familiären Verpflichtungen stehen. Denn was wollen die Bürger im Zweifel lieber: dass ihr Kanzler nachts am Schreibtisch sitzt oder am Kinderbett? Die Röslers suchen jetzt eine große Wohnung in Berlin-Mitte. sondern ein Leben während der Politik.« Das Gefährliche an der Politik. die in einem »Zwangssystem aus Terminen. allerdings ein politischer. Ein Enddatum würde Schröder ihrer politischen Laufbahn nicht öffentlich setzen. wollten sie sich und ihrer Familie nicht antun. wenn er hört. das offensiv zu tun. sagt Baum. zwischen den Antworten atmet sie ein bisschen schwerer als sonst. kein Gefangener der Macht. Und als ein Nachfolger für türlich! Denn moderne Frauen. er ist wieder Rechtsanwalt. den die Gegner schnell gegen einen verwenden können. Entscheidungen zu fällen. »Die Anforderungen werden immer heftiger«. meint sie. sondern weil sie die Politik nicht verstanden hätten.« Das Work-Life-Problem empfiehlt er auf traditionelle Weise zu lösen. In der Politik hat Meckel Menschen gesehen.schneeschnee. »dass er künftig die Termine für die Telefonkonferenzen bestimmt. Kristina Schröder hat sich auf das Gespräch vorbereitet. Nicht weil sie nicht hart genug seien. kann dieser Wunsch in der Politik Wirklichkeit werden? Das ist die eine Frage. mit der man reagieren müsse. weil sie weiß. Man kann aber auch sagen: Was ist eine Partei-Intrige gegen eine Facharztprüfung? Einer wie Peer Steinbrück. Bei ihrer Hochzeit hat sie die Kirche gewechselt. Staatskrisen abzuwenden. Der Berliner Volker Ratzmann zog 2008 seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Grünen zurück. Horst Seehofer gilt vielen als Prototyp des Machtpolitikers. Politiker müssten auch Vorbild sein. dass man die Macht umarmen muss: »Ich würde jede Wette eingehen. sagt Thomas Steg. muss er auch bereit sein. er stattet sich selbst mit einem Verfallsdatum aus.« Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. »Meistens«. Einmal stand Seehofer am Fenster. die private Kategorie der Dankbarkeit ins Politische zu übertragen und Guido Westerwelle nicht zu stürzen. Ein gutes Vorbild für die Gesellschaft sei das nicht. sie hat ein Buch geschrieben. aber natürlich jederzeit in der Lage. dann umso mehr. Aber ein Leben lang Politikerin zu sein. die »authentisch« sind. Darum gehe es ja: keine Ausrede zu finden. Schröder wollte Privatleben und Politik immer trennen. sich vor der Politik in Sicherheit zu bringen. und wenn der private Bereich dann auch noch Schwierigkeiten macht. was sie sagen wird. einen Cordon sanitaire zu schaffen zwischen der Macht und dem Menschen. weiß sie: Nein. dass ihnen das alles gelingt: ehrlich bleiben. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. aber mit Mitte 35 stehe für sie »die Familienplanung im Vordergrund«. sagt: »Ich will lieber von Leuten regiert werden. um die Paparazzi irrezuführen. Was denkt einer. aber es gibt immer mehr. heute ist sie Professorin an der Universität in St. sah draußen keinen Fahrer mehr und keine Sicherheitsbeamten und merkte voller Schreck. Sicherheitsstufe 1. sie hat überlegt. Gerhart Baum hatte so einen Job. interessante Menschen zu treffen. Die Politiker werden weicher – man könnte auch sagen: normaler –. Gerhart Baum ist seit Jahren nicht mehr Politiker. sehe sie für sich als Ministerin »eine Bringschuld«. Worauf der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schließlich erbost verbot. und übers Bett sollte ein Knopf. in der sie. Es sei eine neue Erfahrung. als Gegen-Rösler par excellence. dann sind das arme Kinder«. »nicht verdruckst zu sagen: Ich habe einen anderen Termin. Vätermonate.« Aber wo genau kippt die Work-Life-Balance in der Politik aus dem Politischen hinaus? Für Horst Seehofer sind bei allem Verständnis für mitentscheidende Ehegatten irgendwann die »Grenzen der Verantwortungslosigkeit erreicht«. Wenn sie ehrlich ist. probehalber. Der FDP-Politiker heutzutage? »Ich finde diesen Satz sehr sympathisch«. Abstoßende. am Ende seiner Dienstzeit war der rechte Arm vom Öffnen der schweren Auto-Panzertür lädiert. der Familie gerecht werden und den Wählern. können alles. in der der Partner viel mehr Einfluss nimmt«. auf »gefahrengeneigte Posten« zu wechseln. Immer mehr Politiker wollen nicht nur ein Leben nach der Politik. Es ist ein ungewöhnlicher Satz. Aber wie viel Freiheit darf sein in ihrem Job? VON TINA HILDEBRANDT E s gibt Jobs. Doch Seehofer ist einer der wenigen. »Ich werde alles daran- Karl-Theodor zu Guttenberg gesucht wurde. »menschlich«. stellt Seehofer fest. Und nichts wünscht sich das Publikum mehr als Politiker. Es ist einer von vielen Widersprüchen. denken viele Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. er befahl Hans-Peter Friedrich. die in all dem liegt. sich selbst treu. vor ihm einer und daneben drei Motorräder. Damit Sie die Polizei rufen können. politikfreie Wochenenden. sagt Baum. gefälligst ein Amt im Kabinett anzutreten. sagt Kristina Schröder Inzwischen lässt sich die Schwangerschaft nicht mehr verbergen. Familie haben. ließ sich Philipp Rösler telefonisch zuschalten. wenn die Frage kommt: Kann eine Kanzlerin Mutter werden? Von Amts wegen müsste sie sagen: Na- war Innenminister unter Helmut Schmidt. ich bin nicht Instrument eines Systems. Auf einmal steht ein BKAKommando im Haus. sagt Baum. Vater von drei Kindern. ins Schlafzimmer kommt eine Stahltür. immer mehr Entscheidungen und auch einer Menge Alkohol im Grunde bedauernswerte Existenzen führten«. die mitten im Leben stehen. die Familie und Partner stellen – die Modernisierung der Gesellschaft macht auch vor ihren Volksvertretern nicht halt. dass er keine Befreiung empfand. »Die Anforderungen an Politiker werden immer heftiger«. irgendwann mal ihre Partei anzuführen. »Wenn jemand beispielsweise Fraktionsvorsitzender ist. Politiker. das vom Burn-out handelt. Er vertrat sowjetische Zwangsarbeiter und verklagte die Telekom wegen ihrer Datenskandale. Weil er zum Nachdenken anrege über die Frage: Was ist die Rolle eines Politikers? Röslers Satz ist der Versuch eines Spitzenpolitikers. Wenn er im Auto saß. Man kann sagen: Da ist einer der wichtigsten Politiker Deutschlands in der wichtigsten Stunde seiner Karriere nicht dabei. dass selbst etablierte Politiker nicht ohne Weiteres bereit seien. sei »Lichtjahre« von früheren Verhältnissen entfernt. die Chance. dass man auch als Politiker ein normales Privatleben haben kann und sich nicht verbiegen muss«. und es heißt: Das Fenster hier muss raus. sind out. denken viele und meinen: keine Maske. ob er sein Amt antreten soll.de Die neue Berliner Balance Immer mehr Politiker fordern Zeit für Familie und Privates ein. die sich auch vorstellen könnten. dass irgendjemand noch irgendetwas erst mit seiner Frau besprechen dürfe. er glaubt. Kaum einer der jüngeren Politiker mag sich so etwas vorstellen. sagt Schröder. dass das gegen sie verwendet würde. eine Hand auf dem Bauch. Katja Kipping von der Linken erklärte kürzlich. Er wünscht all den jungen Politikern.

in Deutschland produzierte Windanlagen überall in der Welt anzutreffen. Wir geben unseren Markenkern nicht auf. Was kostet der Ausstieg 2020. Sehen Sie in der Energiewende eher eine Belastung für die Wirtschaft wegen der steigenden Preise oder eher eine Chance zur Erneuerung? Rösler: Da man keine Wahl hat. die sich nicht an die Vereinbarungen halten. ZEIT: Sind Sie patriotisch? »Am Ende gewinne ich« Führungschaos.zeit. eine Kaffeemaschine zu entwickeln. ZEIT: Wird es mit Ihnen an der Spitze mehr oder weniger Konflikte in der Koalition geben? Ihre Partei wünscht sich beides: weniger Streit und dass die FDP sich häufiger durchsetzt. Das werden wir tun. ZEIT: Wie lässt sich der Schaden beheben. ZEIT: Inwiefern? Rösler: Ohne mich auf eine Ebene mit der Kanzlerin stellen zu wollen: Frau Merkel sieht sich Dinge ruhig an. 2030. möglichst noch etwas lauter als bisher. ZEIT: Bei der Katastrophe von Tschernobyl waren Sie 13 Jahre alt. auch jedes Mal. keine deutschen Soldaten in einen Auslandseinsatz nach Libyen zu schicken. wie wir miteinander umgehen. mit Ihnen an der Spitze ZEIT: Sie reden viel über Stilfragen. Stabilität und Frieden zu erhalten. Gibt es kein großes Projekt. reden aber weniger darüber? Rösler: Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 7 wollte die FDP attraktiver und sympathischer werden. Aber wir dürfen niemals einen Zweifel an unserer Bündnistreue auch nur aufkommen lassen. kündige ich jetzt nicht groß an. Es ist jetzt die Aufgabe der FDP. den wir zu Beginn der Legislaturperiode gemacht haben. wie die Kanzlerin? Rösler: Ich habe großes Verständnis dafür. ZEIT: Hier steht aber keine Fahne. Landesvorsitzender und. wenn Sie ständig an den Wahltag denken. die kritisch über europäische Bürokratie oder mangelnde Transparenz sprechen. Vorbereitung der Krankenkassenreform 2011 Kandidat für den Parteivorsitz Hobby: Bauchredner fiziellen Saal. führt das zu Gegenreaktionen. Zweitens sind Sanktionsmaßnahmen erforderlich für Länder. mit 36. also die FDP. 2040? Wenn sich andere überbieten bei den Ausstiegsdaten. Sie wird einen Innovationsschub auslösen. Die Balance muss stimmen in dieser Debatte. warum ausgerechnet zur FDP. bekannte Forderungen ständig wiederholt. Deutschland bietet allen Menschen alle Chancen. sondern alles zu verdanken. dass dieses Projekt vergleichbar ist mit der Mondlandung. ZEIT: Sie werden Wirtschaftsminister. aus Platzgründen. Sonst wäre ich auch falsch in meinem künftigen Ministerium. dass wir an die Jahreszahlen. jüngster Wirtschaftsminister in Niedersachsen 2008 In einem Thesenpapier (»Was uns fehlt«) kritisiert er die Bundespartei. Meine Oma hatte ihn immer in ihrem Garten in Hamburg-Harburg. was sie sich wünscht. Diesem Land habe ich nicht nur viel. das Sie als FDP-Chef vorantreiben wollen? Rösler: Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch zurück. Sind das nicht Ihre Wähler? Rösler: Beim Atomausstieg müssen wir die Partei der Vernunft sein.POLITIK DIE ZEIT: Herr Rösler. Euro-Skepsis.de/FDP . als Rainer Brüderle es tut. sachliche Kritik aufzugreifen und zu zeigen. über Glaubwür- 12. Vielleicht gelingt es der deutschen Industrie jetzt sogar. ZEIT: Was ist cool an Deutschland? Rösler: Der Begriff patriotisch wirkt ja ein wenig pathetisch. Nehmen Sie die Energiewende: Da ist man sehr hektisch von einem Extrem ins andere umgeschwenkt. Rösler: Nein. lässt sich nicht irritieren von äußeren Einflüssen und Kommentaren – und am Ende kommt oft das heraus. Rösler: Mit den Inhalten ist es nicht anders als mit dem Personal: Wenn Sie etwas für sich als wichtig entschieden haben. Bisher haben wir aber zu Recht primär über die Sicherheit der Kernkraftwerke diskutiert. Wenn Sie mehr Akzeptanz für Europa wollen. in der ich aufgewachsen bin. muss dafür sorgen. Deutschland ist meine Heimat. Rainer Brüderle wird Fraktionsvorsitzender. ein in Vietnam geborenes Adoptivkind wird jetzt ihr Stellvertreter. den Begriff der Heimat zu entdecken. ZEIT: Zwanzig Prozent sind gegen einen schnellen Atomausstieg. Das wäre ein Renner. dass sich viele Menschen erlöst fühlen. ZEIT: Wie hat Ihre Herkunft Ihren Blick auf Deutschland geprägt? Rösler: Meine Dankbarkeit macht es mir leichter. etwa für die Haushaltskonsolidierung. das spüre ich jeden Tag. gibt es dafür zumindest mehr Spielräume. Und insgesamt glaube ich. Und ich wollte nicht. weil ein Ereignis. Gelassenheit. dass wir schon am Montag danach statt über den Euro oder die Energiewende über die Besetzung der Fraktionsführung reden. da stehen die Deutschlandfahne und die Europafahne. die aktuell diskutiert werden. Das war ein Fehler. Rösler: Meine Erklärung ist. hier bin ich groß geworden. Mit Fukushima hat sich das auch für mich geändert. dass es sich bei allen Hilfen nur um Maßnahmen zur Überbrückung von Schwierigkeiten handelt. Sie wollen die Partei programmatisch verbreitern. Atomausstieg: Wie Philipp Rösler die zerrüttete FDP erneuern will Rösler: Definitiv ja. wäre das schwierig. weil ich glaube. dass meine Generation zu Europa leider ein weniger emotionales. die Diskussion zu beenden. Aber für das Ansehen der Regierung ist nicht nur wichtig. ohne dass man erst zehn Menüpunkte auf einem Display durchblättern muss. verantwortlich für den Tod Tausender. für die nötige Gelassenheit innerhalb der Regierung zu sorgen. müssen Sie es auch durchsetzen. Die Welt ist schöner. das angeblich nur einmal in 100 000 Jahren eintritt. Brüderle fordert eine Konzentration auf die Kernthemen der Liberalen. Da sind viele Menschen enttäuscht – leider wird dieser Frust vor allem bei uns abgeladen. dass Frau Merkel und ich grundsätzlich ähnliche Typen sind. ZEIT: Die FDP steht für große außenpolitische Grundsatzentscheidungen. Nirgends kann man den Amerikanischen Traum besser leben als in Deutschland. welche Inhalte wir vorantreiben. die noch das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt haben. dass wir auch schwierige Entscheidungen anders fällen als andere Parteien. wird sie 2013 gewählt. Mein Ziel als Wirtschaftsminister muss es sein. ZEIT: Und was war Ihr erster Gedanke? Rösler: Stimmt das wirklich? Der zweite: Wie war das. Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache. war eine schnelle Entscheidung. ZEIT: Wir wüssten gern. eher intellektuelles Verhältnis hat als diejenigen. Haben wir gerade eine Häutung zum Machtpolitiker erlebt? Rösler: Sie haben erlebt. Deswegen. beherrschbare Technologie hielten. richtige Feststellung. Finden Sie. ZEIT: Die FDP hingegen verliert. Das hat sich verschoben. Wirtschaftsinteressen wahrzunehmen. Das Gleiche gilt für Guido Westerwelle und Rainer Brüderle. wenn ich zum Reichstag fahre und die große schwarz-rot-goldene Fahne da oben sehe. Ich halte Wirtschaftskompetenz nicht für weniger wichtig. Wir haben einen of- Der Neue 1973 geboren in Vietnam. immer wieder hören: Bitte nicht. Es gibt keine Ost-West-Auseinandersetzung mehr. Eine ostdeutsche Frau ist hier Bundeskanzlerin geworden. Preisschilder hängen. ZEIT: Der Preis ist der FDP also wichtiger als ein möglichst schneller Ausstieg? Rösler: Nein. Ist Europa für Sie Heimat? Rösler: Heimat – da denke ich an die Region. wenn man immer Rhabarber essen darf. digkeit. und cool passt irgendwie nicht. Als Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken habe ich mich allerdings stets sehr stark engagiert gegen die Todesstrafe. In der Wirtschaftskrise müsse die FDP sich deutlicher zu Werten wie Solidarität bekennen 2009 Bundesgesundheitsminister. Und dazu gehört. Und neulich habe ich das erste Mal seit 25 Jahren frischen Rhabarber gegessen. wollen wir ein realistisches Ausstiegsszenario anbieten. ZEIT: Mit welcher Bilanz soll die FDP 2013 um Wiederwahl werben? Rösler: Auch da gilt. und so wird es unter meiner Führung sein. was ist da passiert? Ich war einfach neugierig. Der beste Weg. dass Sie nur verkrampfen. dass man alte. Wie haben Sie diese Tage erlebt? Rösler: Wir durften nicht rausgehen zum Sportunterricht. ZEIT: Sie sind demnächst Wirtschaftsminister. Ich sehe die Energiewende daher als Chance für Deutschland. Osama bin Laden war ein Terrorist. Freiheit und Wirtschaftskompetenz. heute so viele Euro-Skeptiker gehören. Kann das funktionieren? Rösler: Wenn es diesen Gegensatz gäbe. ZEIT: Bisher haben viele Ihnen die nötige Härte für ein Spitzenamt nicht zugetraut. müssen Sie neben den Regierungen auch die Abgeordneten beteiligen. und im Herbst wird in drei Bundesländern gewählt. Verpflichtet das einen jungen Parteichef wie Sie? Rösler: Zur Zeit des Kalten Krieges war das erste Ziel. die Atomkraft für eine akzeptable. adoptiert von einem Ehepaar in Norddeutschland 1992–1999 Sanitätsoffizier und Medizinstudium bei der Bundeswehr 2000–2009 FDP-Generalsekretär. dafür steht die Generation von Hans-Dietrich Genscher. ZEIT: Was wollen Sie am geplanten Euro-Rettungspaket ändern? Rösler: Erstens brauchen wir harte Auflagen. Rhabarber dürfe man wegen der radioaktiven Verseuchung auf gar keinen Fall essen. was wir Tolles machen werden. Zwischen Birgit Homburger und mir wird menschlich nichts Negatives zurückbleiben. dass auch über den Preis des Ausstiegs geredet wird. dass beides zusammenhängt: Wenn diejenigen. Das Gespräche führten PETER DAUSEND und ELISABETH NIEJAHR Foto (Ausschnitt): Anatol Kotte für DIE ZEIT FDP: Berichte vom Parteitag auf ZEIT ONLINE www. Übrigens hat es auch nicht funktioniert. Wenn die FDP gute Regierungsarbeit macht. plötzlich Realität wurde – und das im Hochtechnologieland Japan. ZEIT: Haben Sie sich gefreut über den Tod von bin Laden. Trotzdem habe ich später zu denen gehört. keine Blockkonfrontation. du darfst nicht die europäische Idee gefährden. nicht um Dauerlösungen. Eine vernünftige Partei. sondern durch Verlässlichkeit. muss man Optimist sein. weil Menschen nun mal unterschiedlich sind. der durch den deutschen Alleingang in der Libyen-Frage entstanden ist? Rösler: Ich halte die Entscheidung für richtig. Ich will. Dass das ein großartiges Land ist. die Bundeswehr oder die Energiewende nicht von Wahlterminen in den Ländern beeindrucken lasse. ZEIT: Sie haben der FDP mal in einem Essay empfohlen. wartet ab. Ich bin zuversichtlich. Ihr »ordoliberaler Kurs« gehe »an den Menschen vorbei«. Kosten und Versorgungssicherheit berücksichtigt. das Positive zu sehen. einer Partei mit großer außenpolitischer Tradition. ZEIT: Sie wollen einen anderen Umgang mit Frau Merkel pflegen als Guido Westerwelle? Rösler: Das ist eine Selbstverständlichkeit. wenn der Parteichef gleichzeitig das Wirtschaftsministerium führt. sondern auch. im Gegenteil – es ist ein Signal. Es wird meine Aufgabe sein. dass unser Parteitag am Wochenende ein Neuanfang wird. Das muss anders werden. Christian Lindner und ich sind uns vollkommen einig. deren Heizplatte man abschalten kann. Wie kommt Ihre Partei aus dem Vier-Prozent-Loch? Rösler: Indem ich mich als Bundespolitiker bei den anstehenden wichtigen Entscheidungen über den Euro. ZEIT: Sie wollen also immer noch die Steuern senken. dass das mit dem Personalgerangel der vergangenen Tage gelungen ist? Philipp Rösler: Wir wollen vor allem wieder erfolgreicher werden. wo sich Europa ändern muss. Das ist mir besonders wichtig. Deutsche Interessen zu vertreten bedeutet heute auch. das Sicherheitsaspekte. damals hieß es aber. damit klar ist. wenn Kritiker also reflexhaft in die europafeindliche Ecke gestellt werden. Drittens muss das Parlament bei jeder Rettungsaktion mitentscheiden.

Er ist sich sicher. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer wieder brutale Anschläge. »Aber der Wandel hat gerade erst begonnen. über Tunesien. die sich der Westen wünscht. Seitdem gilt die Moschee als Hochburg der radikalislamischen Bewegung. Kein Wort davon. dass die Revolutionen ein Kampf für die islamischen Ideen sind. Das ist einer der größten Erfolge der Islamisten: Sie haben die Grenze zwischen radikalen und gemäßigten Muslimen verschwimmen lassen. Er. Das Büchlein ist kein Appell. »Der Heilige Krieg wird nicht durch den Tod einer Person geschwächt« Es ist ein warmer Tag. die Scheiben sind verdunkelt. im Westen erheben sich die Berge um den Khyber-Pass nach Afghanistan. der Ibrahim trifft. Ibrahim sieht darin die Chance für eine Wende. die einst Lahores Ruf als Kulturhauptstadt Pakistans begründeten. Zwar gründet Ibrahims Partei Dschama’at al-Islamija auf einer über hundert Jahre alten.« Über Jahrzehnte konnten die säkularen Regierungen in Islamabad derartige Äußerungen aus dem Lager des Islamisten ignorieren. ob Pakistan Osama bin Laden all die Jahre geschützt hat. Ibrahim ist ständiger Gast der pakistanischen Talkshows. dass er die islamische Sache nicht in Gefahr sehe. Doch er reist immer noch viel in der Region. ideologisch aber umso einflussreicher. der keinen anderen Glauben neben sich duldet. auf die Straße zu gehen. Dschama’at al-Islamija. Bis dahin wird eine neue Generation der islamischen Bewegung an seiner Spitze stehen. Nach und nach ist die Stimmung gekippt – wann. dass islamische Bewegungen die Herrschaft ZEIT-Grafik Khyber-Pass AFGHANISTAN Abbottabad Islamabad Peschawar us Lahore INDIEN I nd PAKISTAN PAKISTAN Arabisches Meer 200 km Arabisches INDIEN Meer in den arabischen Ländern erringen.8 12. komme es nun zum entscheidenden Kampf – dem zwischen den USA und der islamischen Welt. »Wenn unsere Führer es wagen würden. die arabischen Revolutionen stünden für Modernisierung und Säkularisierung. Besonders bedauert er die Lage in Syrien: kein Licht am Ende des Tunnels.« Aziz entstammt einer berühmten Predigerfamilie. als sie vor acht Jahren die Wahlen in der Nordwestprovinz gewann. Seither wird sie auch in der Hauptstadt Islamabad ernst genommen. »Die Demokratie. Wir können in keinem Hotel übernachten. das in ei- nem neu gebauten Moschee-Komplex mit islamischer Schule liegt. vornehme beige Kleider. Längst ist die Ideologie der Islamisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Unter den Mullahs herrscht nicht nur Chaos. Ich habe volles Vertrauen in die Massen der Muslime. in dem vor wenigen Jahren eine spektakuläre Geiselnahme der Taliban endete. über die Hoffnungen. ruhiger klarer Blick. seit 1965 führt sie die Rote Moschee. Für ihn schreitet mit Revolution und Instabilität in der Region nur die »Talibanisierung der Köpfe« voran. ein junger Mann mit Brille und brauner Predigerkappe. Dann verlor sie die Wahlen. In zwei Jahren haben wir Wahlen«. einst Vorzeigestadt Pakistans. dass die USA und auch Deutschland kein Recht auf Intervention in der Region hätten. »Im Augenblick herrscht in der islamischen Welt Aufruhr«. aber betonten Predigerstimme. Nur nicht drängen lassen von den Ereignissen. ein Prediger wie sein Onkel. Ibrahim schaukelt mit seinem Stuhl auf dem Rasen und schaut in den Himmel. haben Angst. der Krieg um Libyen. Nichts überstürzen. die Revolutionen in Ägypten und Tunesien – weshalb die Aufregung? Der Weg. VON GEORG BLUME D Ibrahim glaubt. dann sind andere dafür verantwortlich. wie abgewirtschaftet die alte demokratische Elite. Ibrahim dagegen glaubt. Genau das will Ibrahim zeigen – seine heile islamische Welt. nur keine Eile. »Es muss heute Tausende geben. Aber es ruft zum Kampf gegen die Ungläubigen auf. »Die wirkliche Gefahr für uns ist der sogenannte Krieg gegen den Terror. Er leitet eine Journalistenschule in Lahore. Alle Räder stehen still. politisch hält er sich zurück. Er stellt die Stühle in die Sonne auf den grünen Rasen. sondern dem strengen.« Für Ibrahim geht die Geschichte weiter. dass selbst radikalste Koranprediger in Pakistan salonfähig geworden sind. Aziz’ Neffe kommt. klagt eine Frau. seit der arabische Frühling herrscht. sagt Ibrahim. müsse um sein Leben fürchten. er zeigt auf kunstvolle Deckenmalereien und lässt sich vor einer Bücherwand in seinem Büro nieder. Wir können friedlich entscheiden. denn seit Monaten dürfen westliche Journalisten nicht nach Peschawar. In der Nähe wurde bin Laden getötet Der Sieg wird unser sein Von Osama bin Ladens Tod lassen sich die Islamisten nicht beirren. Tagsüber fährt uns ein Taxi. Kaum einer in seiner Partei hat so viel Regierungs. es gab zahlreiche Tote. Und obwohl ihre radikalsten Anhänger dieser Tage Bin-LadenPorträts auf den Straßen schwenken. Und zwar nicht dem moderaten. Jeder. zu regieren. der Zorn Arabiens richte sich nicht gegen die USA. ist klar. wie man auf demokratischem Weg die Macht erobert. Sie werden die USA und ihre Ideen besiegen und das heutige politische Vakuum füllen – sofern man sie frei wählen lässt«. dass die USA heute nur deshalb ein Osama-Drama aufführen.und Kolonialpracht. Ibrahim muss sich mit diesem Büchlein nicht verstecken. In fünf bis zehn Jahren wird er dauerhaft sein. Eine ungewöhnliche Reise. Er wird begleitet von vier bewaffneten Männern mit AK-47-Gewehren. die bei einer Stiftung arbeitet. weil sie ihre peinliche Niederlage in Afghanistan kaschieren und uns glauben machen wollen. Es ist sein Vereinnahmungsversuch. Zu gefährlich. um den Bau einer Mädchen-Koranschule zu besichtigen. Westliche Intellektuelle betonen. Er war Senator im pakistanischen Oberhaus. acht Millionen Einwohner. sagt er. Überall liegen rote Teppiche aus. sogar radikalen Islam. die bereit sind. Und wenn. ein Gotteshaus mitten im Regierungsbezirk der Hauptstadt. noch immer ist er ein Mann mit viel Einfluss in Peschawar. dass seine Stunde noch kommen wird. Würden die Islamisten in Pakistan die nächste Wahl gewinnen: Ibrahim würde Regierungssprecher oder Außenminister werden. sagt er. Die vielen liberalen Intellektuellen der Stadt. spricht Ahmed aus pakistanischer Erfahrung. »Sogar auf dem Tahrir-Platz in Kairo warfen sich alle auf die Knie und beteten. sagt Ibrahim. Deshalb fürchten sie jetzt. Er trägt eine weiße Kutte und einen schwarzen Turban. Frauen verschleiern sich und schicken die eigenen Kinder auf die strengsten Koranschulen. Ibrahims Partei ist heute in modernen Wahlkampftaktiken erprobt. sagt er. in der Geistlichkeit tief verwurzelten antikolonialen Bewegung. fragt er seelenruhig am Telefon mit seiner leisen. Für Ibrahim ist die Demokratie nicht Ziel. Keine demokratische. Nur keine Eile. was es heißt. wären die Taliban und al-Qaida keine Bedrohung mehr für uns. Bald schon. Militärs hatten die Moschee gestürmt. Der Heilige Krieg kann nicht durch den Tod einer Person geschwächt werden. Sie wittern ihre Chance. Ahmed hat Angst vor Anschlägen.und Amtserfahrung wie er. Lahore zum Beispiel. Den Ort für das Treffen wählt er mit Bedacht. Ihre Geduld ist aufgebraucht. Sie sprechen davon. »Ich sehe keine Notwendigkeit. Nicht zufällig stammt es aus Pakistan: Operativ war das Land für die islamistische Bewegung bedeutungslos. sagt Mohammed Ibrahim. sondern eine islamische. Er führt durch die Moschee. als Maulana Abdul Aziz aus der Hauptstadt Islamabad in ein kleines Dorf aufbricht. Ibrahim ist der politische Kopf der größten islamischen Partei in Pakistan. Als ihn später die Nachricht von bin Ladens Tod erreicht.« Er ist erst 35 Jahre alt und Imam. die lange abseits von Gewalt und Terrorismus lag. mit großer Beständigkeit seit über 20 Jahren dem islamischen Glauben zuwende. der Scharia. Dass die Geschichte ihm noch recht geben wird. im Osten strahlt die weiße Moschee vor blauem Himmel. Weil er in einer Demokratie lebe.« Im Gegensatz zu westlichen Beobachtern. den die USA führen«. sondern Mittel zum Zweck eines islamischen Staates – wie die arabischen Revolutionen. erhält seine politische Bibel: eine Schrift des bedeutendsten Theoretikers von Dschama’at al-Islamija aus den dreißiger Jahren. Eine Reise durch Pakistan Peschawar/Lahore/Islamabad er Tod Osama bin Ladens. Er lässt zwei Stühle aus seinem Büro bringen. Doch politisch bedeutsam wurde sie erst. hat sie sich im öffentlichen Meinungsbild erfolgreich von al-Qaida abgegrenzt. er war Provinzpräsident. warnt der international bekannte Autor und Journalist Khalid Ahmed. Angesehene Männer wie der frühere ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof von Lahore klingen wie Islamisten. hat jedes betroffene Land genau studiert. Es fordert die strenge Wahrung der islamischen Gesetze. sagt er. Bestraft wurden sie dafür nie. Foto: Faisaal Mahmood/Reuters . wie sehr das Militär von Islamisten unterwandert sei und wie sich letztlich das ganze Land Schritt für Schritt. Es zählt heute zu den weltweit meistverbreiteten islamischen Schriften. Osamas Platz einzunehmen. »Ist es nicht denkbar. dass die Revolutionen ein Kampf für islamische Ideen sind Ibrahim sieht aus wie ein Weiser aus dem Morgenland: langer weißer Bart. Kurz bevor die Nachricht vom Tod bin Ladens eintraf. Aber Ibrahim will endlich reden. alte Mogul. Die Gefahr eines Atomstaats in Terroristenhand steht hier unmittelbar vor der Tür«. Aziz und seine Predigerfamilie aber unterstützten die Geiselnahme. Ägypten. die glauben. ein früherer Universitätsprofessor. Wo immer man in Pakistan heute hinhört – alle liberalen Kräfte betonen. Nur keine Eile. hatte er in das nordwestpakistanische Peschawar eingeladen. Kürzlich sind zwei Politiker ermordet worden. »Die USA haben Verbindungen mit allen Despoten der Region. da extremistische Gruppen einen Anschlag auf Ausländer planen könnten. Es war angsterregend. Ibrahim gilt als Architekt dieses Wahlsiegs. wird nicht kommen«. Es neigt zur Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. Dafür müssen wir jetzt schon hart arbeiten. Und ein allzu weltlicher Präsident an der Macht. »Pakistan ist der zukünftige Staat al-Qaidas. sich von diesem Krieg zu distanzieren. Jede Nacht schlafen wir woanders. Sehr bald werden die Bewegungen in den arabischen Ländern islamistische Züge bekommen. zu den Waffen zu greifen. Die Empörung war schwach. Wer den islamischen Gesetzen öffentlich widerspreche. das Ziel auch. die seine islamistische Partei hegt. Ein kompakter roter Backsteinbau mit roten Mosaikfenstern. Osama sei tot?«. Dagegen rief die Erschießung bin Ladens durch die US-Streitkräfte deutlich mehr öffentliche Kritik hervor. Bald tönen Kinderstimmen aus der Schule herüber. Und neuerdings als Ort der Hoffnung. sondern gegen die eigenen Herrscher und sei deshalb ein Votum für die westliche Demokratie. er lächelt. Ich aber zweifele daran nicht. worüber die Islamisten bisher geschwiegen haben: über sein Land. die ihre Despoten abgeschüttelt hat. So sehr. dass ausländische Mächte für Terror und Gewalt in Pakistan verantwortlich seien. Dennoch: Die politischen Islamisten hatten gelernt. »Die arabischen Völker kämpfen gegen ihre Despoten. die sich gegen das strenge Blasphemie-Gesetz des Landes ausgesprochen hatten. meistens in irgendeinem Büro. Fünf Jahre lang erlebte seine Partei. das weiß niemand mehr so genau. Aziz ist Vorsteher der Roten Moschee. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Jungen an einer Koranschule im pakistanischen Abbottabad.

Die Kirche betreibe Geheimniskrämerei. Vor ein paar che: Ich habe meinen Tagen haben SicherheitsKairo SAUDIMann wiedergesehen. Im Verfassungsreferendum hätten Salafisten und Muslimbrüder Seite an Seite für die Annahme gekämpft. Wenn der Gesuchte SUDAN derselben Stadt und doch nicht angetroffen wird.wundert mich aber. jüngst brachten sie in Gaza einen italienischen Friedensaktivisten um. dass der schlimmste Anschlag auf Kopten mit 21 Toten und 79 Verletzten am Neujahrstag dieses Jahres geschah. die Kirchen anzünden? VON MICHAEL THUMANN ach dem Regimesturz nun der Religionskonflikt? Die Angst geht um in Ägypten. Mehr als 250 Men. In der hiesigen Kultur von »Ehre und Scham«. seit Sicherheitskräfte schaften wandern zwischen unseren Versteam 30. Die Salafisten hingegen genossen erstaunliche Freiheiten. wozu dieesse kaum. aber nicht unbedingt für das 7. April in unsere Wohnung eingedrungen cken hin und her. Das ist richtig und dennoch nur die halbe Wahrheit. Die bekommen sie übrigens auch von den Kopten frei Haus. Viele Kopten sagen. Dort liefern sie sich auch Gefechte mit der islamistischen Hamas. Leiter des ArabWestReport in Kairo und ein langjähriger Beobachter konfessioneller Beziehungen. Salafisten gibt es heute in der gesamten islamischen Welt. Die Extremisten greifen Alkoholgeschäfte an. die angeblich kaum noch Verbindung zur Außenwelt. knöchelfreie Pluderhosen. am nächsten Tag behaupIm Moment sieht es aus. davon gibt es wurden erschossen. als teten die beiden anderen würde das Regime mit seiner TÜRKEI Männer im Fernsehen.mationen mehr. Und alle Freunde. im Telegrammstil laufen die Meldungen von schießen. das Werk der Protestierenden Online-Chats – wenn denn Anwältin wird auch in den ist. dass Shihatah mit ihrem Mann in einem christlichen Satellitensender beteuerte. dass die Sichermich nicht mehr bei Skype heitskräfte ihre eigenen Beeinwählen kann.zeit. Rollt nun die Welle des radikalen Islamismus an. Auf Twitter und Face- N book wurde gemunkelt. Nicht nur. prägten dann aber am Nil einen eigenen radikalen Stil. als voriges Wochenende vor der Koptenkirche ähnliche Schlägertrupps auftauchten wie schon im Februar auf dem Tahrir-Platz und früher bei Wahlkämpfen der inzwischen verbotenen Staatspartei. Allenfalls ab und an ein paar tere Fahrer. dass es damit offenbar eischen in Banyas verhaftet. ZEIT-Grafik wie aus der Welt. Daraa wird immer noch belagert. weil sie zum Islam übergetreten sei. wer ihn verhaftet hat. Die Salafisten in Imbaba forderten die Herausgabe Kamiliya Shihatahs. Sie wurden an der Grenze ohne er. Scheidung ist verboten. Die Waffen. weiß niemand genau.Damaskus. Updates über Satellitentelefon. Aber ich der verhaftet oder werden März untertauchte aus Furcht vor Verhaftung. Die zweite Lesart unterscheidet stärker zwischen den oft unpolitischen Salafisten und den Muslimbrüdern.wir bekommen von dort praktisch keine Inforsichtlichen Grund festgenommen. dürfte ihre Bedeutung aber weit übertreffen. die Bilder kaufen könnten. Radikale schnitten einem Kopten in Qena ein Ohr ab. Dabei huldigen sie oft erfundenen Traditionen. Vollverschleierung. Sie und wissen. dass dies gesucht. Die in vielen Vierteln von Homs unterbrochen. dass nun die Islamisten überall Auftrieb gewönnen. Nur kleine Textbotwir kein Lebenszeichen. wo er festwww. Berichte über die getöteten Sidie mir auf ihren Namen eine lebte in der Hauptstadt cherheitskräfte. Soweit das Gerücht. Die Isolation schlägt mir aufs Gemüt. Mitunter wechseln christliche Frauen nur den Glauben. Zur Abschreckung. wirft den Kopten »mangelnde Transparenz« vor. darüber kursieren in Ägypten zwei Lesarten. um endlich von ihrem Mann wegzukommen. sie hatten unter Hosni Mubarak sogar Fernsehkanäle.deren Familien sich dann wenig später bei uns netverbindung über unseren Aktivisten melden und uns erzählen. Schon hatten die Salafisten wieder Munition. die älter als 15 Jahre wieder jeder für sich. Ich Welt sollte doch inzwischen wissen. Viele radikale Muslime seien aus den Gefängnissen entlassen worden. Oft geht es dabei um Frauen. Von dem haben nen wir im Augenblick. Viele ultrakonservative Priester bestehen streng auf dieser Tradition. Wenn ich fern. Damals saß Präsident Hosni Mubarak noch fest im Sattel. Schreine von ägyptischen Sufis. Deshalb sind viele Ägypter überzeugt. Waffen? Die Demonstranten eine neue Sim-Karte auf meijedenfalls nicht. Steine gegen einen Panzer: Von den Protesten gibt es keine Fotos. so wie meinen Schwager. auf Demonstranten zu ne Nachrichten nach draußen. bestehen auf dem. Medien berichten von Säureattacken auf unverschleierte Frauen. musste seine Botschaften aus dem fernen Qatar senden. Zwölf Menschen starben. Die Muslimbruderschaft konnte davon nur träumen. Musikhass. welche die Massen mit hochangereicherter spiritueller Nahrung versorgten. was ihr als daten. Die Angreifer sind meist Salafisten. wenn Frauen sich von ihren Männern trennen wollten. Das war nehmen sie einfach alle ÄGYPTEN zwar riskant. Nicht nehmen sie gern auch ein 400 km einmal telefonieren könanderes Familienmitglied als Geisel. Irgendjemand streut dann etwa das Gerücht.de/audio gehalten wird. So ging jedenfalls das Gassengerede am vergangenen Wochenende. brutalen Unterdrückungsdiese zwei seien Terroristen strategie die Oberhand gegewesen. Jahrhundert stehen: ultralange Bärte. Salafisten konkurrieren von rechts mit den Muslimbrüdern. aber das war Männer eines Haushalts es uns wert. sagt Hulsman. weil ich weiß ich genau. die derzeit eine eigene Partei gründen – und vielleicht gar mehrere. um ein Chaos zu säen. Jetzt sind wir mit. damit sie keinen Muslim heiraten.das Regime sendet fleißig seine Propaganda.nichts davon stimme und die Geständnisse wahl übers Telefon gesperrt. Oft Versteck besucht. und einige wenige in der Stadt. Wer sonst biltelefon hat die Regierung hat denn in Syrien solche schon vor Wochen gesperrt. ihre Medien wurden behindert und verboten. und außen bei mir ein. Cornelis Hulsman. Nicht ein Wort seither! Wir Aufgezeichnet von SUSANNE FISCHER wissen nicht. Mein Mostände vorführen. rauche viel zu viel. Beweisen können wir es nicht. sie saßen im Gefängnis.kommenden Wochen von Familien getöteter Solniert – sind jetzt meine Nabel. wie es ihm geht oder ob sie ihn R ot es M e er Feuer für den Propheten Ägypten nach Mubarak: Wer sind die radikalen Muslime. Zwölfjähriger Junge bei Pro. Mittelmeer schuldigung falsch ist. dass ihre Prediger geduldet wurden. Ihr populärster Prediger. Doch die Fundamentalisten drohen wiederzukommen. bevor sie im misshandelter Körper. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 9 »Ich fühle mich umzingelt« Das syrische Regime verhaftet wahllos Menschen und kappt das Internet. Niemand hat dabei vergessen. Kopten. dass diese Bekönnen uns verlangsamen. der Frau eines koptischen Priesters. Bislang also keine guten Nachrichten diese Männer im Fernsehen auf. Aufmerksamkeit im Westen erregen vor allem ihre Scharmützel mit Christen. Wir haben die winnen. weil sie den Passus über den Koran als eine Hauptquelle der Gesetze erhalten sehen wollten. den sie machen. werden beschädigt oder zerstört. sind entwe. die Sendung sei nachträglich gefälscht worden. Strom und Internet nen gewissen Erfolg haben und Skepsis an den Motiven unserer Bewegung säen kann. In dieser furchtbaren Nacht brannten zwei Kirchen. die sicherlich im Internet. Buchstabe Dissidentin widerfährt worden. Sie berufen sich auf die Vorfahren (as-Salaf ).Geständnisse von angeblichen Terroristen – loren: Das Regime hat die Inter. und arbeiten. Dann stürmen die Salafisten dankbar die Bühne. nur solche Internet-Videos VON RAZAN ZEITOUNEH A Immer wieder erwischen wir es bei Lügen: gefoltert haben. weil sie sich geweigert für Buchstabe morse ich meihätten. zwei wei. was sie für die Lebensformen der Prophetenzeit halten. die angeblich zum Islam übergetreten sind. diese seien erschossen schnur zur Welt. Wie lebt es sich dort jetzt? m vergangenen Freitag um 15 sehe. wird es noch schlimmer: Das syrische Uhr habe ich in meinem Ver. die als Fahrer im Grenzverkehr zwischen Libanon und Syrien Woche. Anhängern eines mystischen Islams. Immer wieder hören wir die Telefoneinwahl funktio. Es testen in Homs getötet. Doch verbietet das koptische Bekenntnis den Übertritt zu einer anderen Religion – wie auch der Islam. Seither habe ich allesamt unter Folter erzwungen worden seien. Säkulare Politiker sehen sich im Fernsehen und im Internet verleumdet. dass Provider und vorübergehend auch die Ein.berichten. der mächtigsten islamistischen Bewegung im Nahen Osten. nie übergetreten zu sein. in sind. Trotzdem werden SYRIEN Namen der Erschossenen IRAK die Proteste weitergehen. Seit Tagen habe R A Z A N Z E I T O U N E H bei diesen »Terroristen« gefunden wurden? Lachhaft! ich mit keinem Menschen Wenn ich die Bilder sehe. Jussuf al-Qaradawi. Fotos: Reuters . nen Namen zu besorgen wäre Natürlich sehe ich auch die zu riskant. hielten sie gefangen. in dem die Menschen nach bewährter Ordnung riefen. hieß es. Im Kairoer Arbeiterviertel Imbaba mussten sich koptische Christen am vergangenen Wochenende Attacken muslimischer Radikaler erwehren.ses Regime fähig ist. sind und ihn mitnahmen. aber nicht stoppen. mehr gesprochen. Er kräfte ein Viertel in der ARABIEN hat mich kurz in meinem Nähe durchkämmt. Hunderte wurden verletzt. Der Verdacht erhärtete sich. Der Lärm. Es half nicht. die sich weigerten mitzukommen. weil mein Mann und ich nicht da waren. um unser Versteck zu finden Vergangene Woche zum Beispiel traten zwei (das er gar nicht kennt). werde so etwas sofort zur öffentlichen Angelegenheit. diese Frauen würden von Christen festgehalten.Staatsfernsehen zeigt stundenlang falsche steck noch ein Stück Freiheit ver. Die Armee nahm 190 Randalierer fest und kündigte Militärgerichtsverfahren an. Damaskus Einen Lichtblick imIch fühle mich regelrecht merhin gab es diese Woumzingelt. Warum Fundamentalisten gerade nach der Revolution vom Februar so schrill und sichtbar geworden sind. Anhänger des alten Regimes förderten die Salafisten. Die glaube einfach nicht. weil er seine Wohnung angeblich an Prostituierte vermietet hatte.POLITIK 12. Viele salafistische Prediger in Ägypten wurden in Saudi-Arabien ausgebildet. vor der das alte Regime des gestürzten Herrschers Hosni Mubarak immer gewarnt hatte? Längst bedrohen die Übergriffe von muslimischen Extremisten nicht mehr nur Christen. Wie viele Anhänger sie wirklich haben. Die Muslimbrüder wurden vom alten Regime stark bekämpft.

auch jetzt wieder auf den Straßen deshalb funktioniert das in dievon Neapel. der imschaft. Wenn er eapels Probleme mit der HE LE jedes Jahr wieder eintritt.Müll. und manche sind geradezu grotesk. Und das Ergebnis sehen wir bar trennt. Ein »Notstand« ist nur eine Episode. befreit. Sie funkSilvio Berlusconi.Boom von Klimaanlagen. dass die verweigerten die Arbeit. Doch dazu kam es nicht uns das. der darf auf politischen Erfolg hoffen. wenn man versucht.schaft beschuldigt. Es gibt 16-jährige Jugendliche in Neapel. In nichts damit zu tun. Santachiara im Müllgeschäft – so wurde der Bock zum GärtDie früheren Folgen von ner gemacht. der Müll kann dann nicht mehr abgeladen werden und bleibt auf der Straße. Straßen und Plätzen von Neapel 3000 Tonnen Wenn der SSC Neapel auswärts Fußball spielt. Mülltrennung funktioniert nicht in zwölf Lektionen. wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl. die wie eine Neapel zumindest zeitweise vom Müll befreien richtige Zündschnur funktionieren. männer«. Wie. Berlusconi hat ihn ten Rechnungen. Von 1998 bis 2008 ge Viertel. Oft sieht man da an den Stra. dass der sen Vierteln hervorragend. Fehler gemacht. weil die Fünf sind bereits errechts. solange er Italien eine Nation ist. Ich werde nie müde zu sagen: Wenn man den – nicht um den Preis zu senken. Am Geschäft mit dem Müll verdienen alle. sondern nur in Neapel? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort. Aber das ist nicht alles: In den 1990er Jahren wurden kleiner Camorrista seinen Boss darauf aufmerkviele Kippen eröffnet. Wer aber viel Geld zu vergeben hat. um die Grund dafür war der Müll.mehr abgehalten – die Müllberge machten ein norgebracht ist. nen Euro jährlich ausgegeben. um ihn drehen sich schließlich Unmengen Die Brände werden in bewährter Manier gelegt: von Beraterverträgen und KrisenmanagementDie besten »Brandstifter« sind ausländische Ju.schen ist dieser Nicola Cosentino von seinem ten. das Volumen gambiente haben die Clans mit Müllgeschäften der Müllberge zu verringern. Da gibt es ganz andere worden: Wie es im Sommer heiß ist und im Winter Gründe. dass diese Müllkonsortien zu wahren Aufgezeichnet und übersetzt von BIRGIT SCHÖNAU Machtzentren der Organisierten Kriminalität geworden sind. um die Mülltrennung immer noch Berlusconis starker Mann in Kambilliger zu machen. die schließlich mit Baggern weggeschafft wurspotten die gegnerischen Fans die Spieler als »Müll. Doch in Wirklichkeit werden panien. und der Gestank reiste mit. HausIm Notfall werden die Entsorgungsunternehmüll und Gewerbeabfälle wie Lacke. Und natürlich wird die Entsorgung In Neapel hat die Mülltrenumso teurer. In nung bedeutet weniger Abfall. Die Neapolitaner Müllmänner eingesetzt werden. Freiheit« trat Cosentino trotz des schwerwiegender getürkten Ausschreibungen und der gefälsch. die jeden Quadratzentimeter Erde gesetz kontrolliert. um den Clans riesige Gewinne durch eine ineffiziente. wie das nächste große Geschäft mit Umweltschutzorganisation Legambiente ein gan. So absurd es klingt: In mer wieder behauptet. dann haben die Clans die Müllkonsortien mit ihren käme man bei einer Basis von drei Hektar auf Mittelsmännern infiltriert. ja tioniert nicht. Dieses schmutzige Business ist jener Ort. auch in den entlegensten Dörfern. die in Neapel als neapolitanischen Klub anheuern. Neuerunter der ständigen Wiederholung des Müllnot. Denn der sogenannte Müllnot. ver. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK R O B E RT O S AV I A N O : I TA L I E N I S C H E L E K T I O N E N . Es gibt da ein Dreieck im Hinter. wo Politik. der Müll ist erst mit Dioxin verseuchen. nien. dass einmal im Jahr. Hoffentlich nicht mehr lange. eine nur oberflächlich. Sie bilden regelrechte Kartelle auch nicht dazu gedrängt. Es wurden jede Menge mit dem Abfall blüht. das wirklich durchzusetzen. Eine Serie zur Erklärung eines rätselhaften Landes 6 NEN N SC K ein Ausnahmezustand eben. Es einen Politiker berufen. für sie sind die Abfallhaufen ein weiterer Beweis eine haben. kurzsichtig. In der Ortihre Heimatstadt praktisch noch nie ganz vom Müll schaft Maddaloni in der Provinz Caserta wurden befreit erlebt haben.de/saviano Fotos: Laura Lezza/Getty Images. bei fließend.2008 die Schulen geschlossen. war bisher ten oder nicht wollten. in Wirklichkeit geht der Notstand auch Bisher hat sich noch keine Stadtverwaltung ge. die arme Frau wurde deswegen von ihren Schülern gehänselt. schütten Alkohol und Benzin auch auf viele Wählerstimmen hoffen. Kein Zufall. Der Müll auf den StraUnternehmen sich treffen. kennt keine Krisen. TEIL 6 Italien ist uns fremd geworden. Nicht selten erfolgt die Sperrung der Kippen auch wegen Umweltproblemen. die Postangestellten stand existiert seit 16 Jahren – also so lange. men nicht ganz so streng nach dem AntimafiaSchmieröl. Mülltrenund zwei zur Macht sche Entscheidungen getroffen. dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind. der kann Videokassetten. und sie leiden natürlich auch darunter. Fast 84 ProRoberto Saviano wahl die Stadt verstopft. Sie verhindert zusammen mit korrupten Politikern eine funktionierende Entsorgung. Für die zeigt damit im Wahlkampf ihre Gesetz nur 35 Prozent sein. Die Regierung geblich wegen der Abfallberge erst gar nicht beim hat wie so oft Soldaten geschickt. er kann in darauf und entfernen sich. Die Camorra betätigt die Hebel © 2011 by Roberto Saviano – Agentur R. die laut einem Bericht der sam macht. Die ZEIT erklärt er Italien Macht. auf denen Müllhaufen zu sehen sind. sie sind eben ein selbst. einmal weg. Wenn ganze Provinzen unter dem gendliche. und das schon auf der Straße liegt. so wachsen jedes Jahr die Müllberge. wenn austretende Flüssigkeit den Boden verschmutzt. Was die Politik. Nur wer zünden sie die Videobänder an. wie sie jeden Morgen von ihrer Wohnung zur Schule nach Neapel fuhr. Einige ausländische Fußballer wollten an. indem man sie in allein in 2009 einen Umsatz von 20 Milliarden Brand steckt. und er wird sogar immer mehr. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Neapel zeigen. die mit dem Organisierten Verbrechen verfilzt ist. Zweitens wird die Abfallentsorgung in Neapel und der umliegenden Region Kampanien zu einem ganz überwiegenden Teil durch Müllkippen betrieben. ein Gewährsmann der Cadienen die Abfallunternehmen. Vor Weihnachten lagerten auf den ihre Stadt als »Müllhauptstadt« geschmäht wird.Aufträgen. Abfall gibt es schließlich Der Abfall auf der Straße hat verheerende immer. zes Jahrhundert lang neapolitanischen Hausmüll antwortet der Boss ungerührt: »Was kümmert hätten fassen können. den die Clans der Mafia verwalten und vervon der Camorra »entsorgen« zu lassen. dann handelt es Abfallentsorgung haben sich nicht mehr um einen »Notstand«. es wurden keine Märkte Bezeichnung »Notstand« schon gar nicht mehr an. Berlusconi hatte zudem zum Staatssekretär im Finanzministerium traut. Auf jeden Fall leiden die Neapolitaner kalt. die Fenster geschlossen halten mussten.ßen von Neapel bedeutet das Scheitern der Politik. Es Der Schriftsteller Müll kurz vor der Bürgermeistersind nur zu wenige. In der D E R A U F K L Ä R E R Camorra kennt die fundamentalen Regeln von Angebot und Millionenstadt gibt es nur weniNachfrage.10 12. um sie von dem Abfall zu befreiumwickeln die Müllberge mit den Bändern von en.unter seiner Regierung weiter. Laut LeAuswirkungen. weil sie so etwas wie SozialkonFast acht Milliarden in zehn Jahtrolle impliziert. InzwiMüll auch die sogenannten Entsorgungsgesellschaf. Mailand oder Bologna. Amt als Staatssekretär zurückgetreten – aber er ist die sich zusammentun. Auf jeden Fall kommt der Schließungsbefehl immer plötzlich. dann trenne ich auch. Erstens hat die Camorra bei dem dauernden Müllproblem ihre Hand im Spiel. Aber warum geschieht so etwas nicht in Genua. je länger der Abfall nung nie funktioniert. In niger Verdienst für die MüllwirtRom regiert Berlusconi. Die Grenzen sind da. Sekunden brennt dann alles lichterloh. Die ist wirklich eine Schande. males Alltagsleben unmöglich. Jetzt. das illustriert eine Anekdote Roberto Saviano finden Sie unter des Kronzeugen Gianfranco Mancaniello. Da ironisches Volk. Camorra-Clan und hat also ein langes Leben. Eine Lehrerin aus I T IO Wie von Geisterhand immer wieder da: Abfall auf den Straßen von Neapel Boscoreale erzählte mir. Es ver. muss man eben viel Geld pro verbrannten Müllhaufen zahlen. er habe Neapel vom Müll Neapel ist Mülltrennung eine Antimafiaaktion. Wenn der Nachren. Ein beißender Fäulnisgeruch hatte sich in den Sitzen des Autos und in ihrer Kleidung festgekrallt.Euro erzielt. Längst waltet haben.sind es erneut über 3000 Tonnen. Doch der Müllnoterland« nennen.« – die Camorra füllte die Kippen umgehend mit Das Business der sogenannten Ökomafia Müll aus ganz Italien. mit überhöhten Preisen operierende Müllwirtschaft zu sichern. denen die Clans der Camorra 50 Euro Müll begraben werden. Klebstoff. ob desaströs.die Kleiderfirma Benetton. weil das Geschäft zu der Frage. ungefähr so viel wie die Telefongeland von Neapel zwischen den Orten Giugliano. aufeinandertürmen würde. In wenigen kann. Sie Müllkippe. dabei dürften es laut berühmt. Mit dem Feuerzeug jedem Fall seine eigene Position festigen. in und weniger Abfall bedeutet weKampanien die rechte Mitte. zur Lösung des MüllproNeapolitaner sie nicht beherrschschienen – zwei zu blems beigetragen hat. und wenn das geschieht. der Mafia Neapel regiert die linke Mitte. Franck Courtes/VU/laif Warum versinkt Neapel im Müll? IT ALIEN .zeit. immer wieder falnicht getrennt wird. Die Jungen lockermachen. sellschaft Telecom Italia und zehnmal so viel wie Villaricca und Qualiano. verfügt ein Gericht die Schließung. Das sind Konsortien mehrerer Kommunen. Als ein www.schichten. Hauptsache. den die Staatsanwaltverdient die Organisierte Kriminalität. Jeder Haushalt wollte dig. Diese Kippen füllen sich mit der Zeit. dessen Gestank derart aufdringlich in die Häuser drang. Denn der Abfallberg 15 600 Meter Höhe. Es verdienen am morra im Müllgeschäft gewesen zu sein.stand war auch Manna für die Politik in Kampaßenrändern pechschwarzen Rauch aufsteigen.dings ereignet sich der Notstand sogar häufiger als standes.den Verdachts nicht zurück. dass die Neapel ist die Müllkrise zum Normalzustand geNeapolitaner keine sauberen Menschen wären. sondern um ihn in die Höhe zu treiben und den Müll letztendlich Müll. in denen der getrennwurden zur Bewältigung der Müllte Abfall zu Hause abgeholt wird krisen in Kampanien 780 Millio– die einzig effiziente Methode. Um den Müll ranken sich mittlerweile viele Gevertreiben inzwischen sogar Postkarten. das alle nur noch »Feu. Die Cazent des Abfalls werden nicht wurde mit seinem morra benutzt den Abfall als Mitgetrennt und landen auf der Buch »Gomorrha« tel der politischen Erpressung. Aber in Wirklichkeit empfinden sie gab es zum Beispiel im Hinterland plötzlich einen die Dauerkonfrontation mit dem Müll als unwür. wir trinken Mineralwasser.Giftmüll das Grundwasser verschmutzen könnte.den. Natürlich ist das grundlegende Problem dahinter das Fehlen einer nachhaltigen Abfallpolitik. links wie etwa deswegen nicht. dass die Leute die sich der Staat nicht kümmert. Als Parteikoordinator des »Volkes der diese Konsortien zum Paradies des Klientelismus. Der dafür.

lebt nach Stationen in Tübingen. Genießen Sie’s. einige wurden am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. während das andere sich mit dem starken Andrang moralischer Anforderungen in letzter Zeit befasst. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell. Dieses Gedicht ist nicht animalisch. wird es. und stirbt es einmal.) Nicht war es die Zeit in solche Leere zu irren wie die morgens sehr früh als die Katze einer Amsel Gedärme über die Kellertreppe hochzog die rechte Zeit war es nicht zum Briefkasten zu gehen zu sagen: nichts heute nacht ist nichts geschehen nein nicht war es die Zeit nicht war es wahr nicht geschehen das Nichts als ich im Schlaf einem Kampf zusah: der Vogel im Sperrfeuer mir aus dem Grau ins Gesicht fiel nicht war es Zeit zu schlafen für sich sein nicht Zeit gleichzeitig die Katze zu loben und die Amsel begraben DANIELA DANZ. Prag. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT. Bitte verschonen Sie Ihre Liebsten. Dieses Gedicht tötet kein Lebewesen. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte. niemand soll sagen: Der Täter war ein so freundlicher Familienmensch! Es emittiert kein CO₂ und leistet keine Kompensation. Das Gedicht rettet. aus dem Buch rieseln. Studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. Im Frühjahr 2010 erschien sein fünfter Gedichtband »Der Pilot in der Libelle« im Göttinger Wallstein Verlag Foto: privat Die Lebenden sind Legenden aber was sind die Toten? (B.POLITIK & LYRIK Seit dem 10. Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. Lebt als Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Lübeck. sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Licht dringt ein. Ihr letzter Gedichtband »Pontus« erschien 2009 im Wallstein Verlag Foto: Nils-Christian Engel POESIE NRO: 10 . Bislang sind vierzehn Gedichte erschienen. Seine Übersetzungen (zusammen mit Mirko Bonné) der Gedichte von Rutger Kopland erschienen 2008 im Hanser Verlag. Jahrgang 1969. Diesmal handelt eines unserer beiden Gedichte von der Erschießung Osama bin Ladens. Berlin und Leipzig in Halle (Saale). Inkarnation In diesem Gedicht wird kein Fleisch gegessen. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. wurde im Münsterland geboren. es besteht aus Luftgespinst und Liebe. 1976 in Eisenach geboren. es lebt vorzüglich von Substanz. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 11 Anfang dieses Jahres erleben. weil irgendwo Koniferen dafür gepflanzt werden. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. um sich zu spüren. Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. HENDRIK ROST. es fliegt nicht nach Fuerte und sagt »Scheiß drauf!«. O. Schlucken Sie nicht alles. Ab und zu ritzt es sich mit Realität. ohne zu stinken. wie wir sie seit 12. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten. das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse. Es blutet nicht.

bis die Kohle ausging.zeit. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. um sich selber zu retten Die Kassandras haben recht behalten: Geld. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Deshalb ist es auch legitim. Dabei hatten Statistiker.de/wirtschaft Nach der Revolution Der ägyptische Regisseur Magdy Ahmed Aly hatte die lähmenden Strukturen in Ägypten unter Mubarak beschrieben. singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Foto: Andrew H. Am 9. ZEIT ONLINE präsentiert Ihre Texte nun noch prominenter www.twitter. die dem Opfer besonderes Leid zufügt. nicht die Kopie.und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Das ist ein Mittelweg.de/kultur Das Ohr zur Welt Gordon Hempton ist akustischer Ökologe. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe. voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie). ja zurückhaltend. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. kommt schon ins Grübeln. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. der neuen Volkszählung. Nun macht er die Ereignisse der Revolution zum Thema seines nächsten Films. wegen versuchten Totschlags. Athen vorweg. sagen die Staatsanwälte. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«. Fazit: Wer den Griechen hilft. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft. Und für die Öffentlichkeit. die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback). Wer nun den Griechen Geld leiht. Europa wird zuschießen und stunden müssen.und Ausgabenpolitik – fahren. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein.zeit. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Hier aber ist das Original zu sehen. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 MEINUNG POLITIK Wer den Griechen hilft JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. Lebensumständen. obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme. Angeklagt wird Torben P. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Der Remeduren sind nur drei: 1. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten. derweil EU.zeit. das Signal aber ein anderes. sogar befördert. die so noch niemand gehört hat. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten.de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«. Nein. zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und. ganz simpel. bräche das Höllenfeuer aus: HEUTE: 9.de/reisen Werden Sie einer von mehr als 58. Mord ist mehr als ein Totschlag. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. Ein Gespräch mit dem Filmemacher aus Kairo www.zeit. eine möglichst harte Strafe zu finden. 3. Walker/Getty Images for DIFF Foto: Raigo Pajula/AFP/Getty Images Foto: Sean Gallup/Getty Images Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Schreiben Sie einen Leserartikel. hilft seinen Banken. wer hätte das Recht. Und blähen sich weiter auf. singt sie. sei es wegen besonderer Grausamkeit. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. D. meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. wenn der Staat etwas mehr wissen will. sollte es besser im Kasino verjuxen. entscheidet das Gericht. dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Volkszählung. haben so lange so heftig geheizt. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer.de/leserartikel Foto: Gordon Hempton Schreiben Sie für uns! Schüler arbeiten wissenschaftlich Bei ZEIT für die Schule erfahren Schüler. so wie schon mehr als 70. was sie erst recht nicht könnten.zeit. also wird es teurer. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. der Tathergang stehe fest. das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. wie sie Literatur und Quellen finden und korrekt mit Bildern und Statistiken umgehen www. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert. dass diese Zeile falsch sein möge. Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. von Untersuchungshaft verschont wird. zurückzublicken. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Anklage ist nicht gleich Urteil. eine besonders verwerfliche Tat. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). zur Heizung (Klimaschutz).und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. Und man wünscht diesen alten Herren. 2. zu dem sich die FDP am kommenden Wochenende trifft. Er reist um die Welt auf der Suche nach unberührten Landschaften und unverfälschten Geräuschen. Ob Torben P.facebook.« www. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer.de/politik Volle Kassen Die gute Konjunktur füllt die Kassen von Bundesfinanzminister Schäuble. WFG Ein Land bleibt cool Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen Die Bürger bleiben cool. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. der Täter habe gestanden. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Mord und Totschläger Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind).zeit. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert.000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www. darüber zu spotten? F. neue Linie: Es ist ein Parteitag des Umbruchs. wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Das Routinierte der Nachsicht jedoch. die Spione der Konsumwirtschaft. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein.ohne Politikunion geht nicht.de/schule ZEIT ONLINE auf Facebook FDP HAUSHALT FILM HÖREN Rösler übernimmt Neue Führung. nach enormem Erregungspotenzial. Da schert es die Leute auch nicht mehr. Mehr öffentliche Reaktion war da nicht.000 Follower. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«. die bekommt. Am Donnerstag stellen die Steuerschätzer ihre aktuelle Prognose vor. Für Täter und Opfer.com. fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Es geht darum. Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht.com/zeitonline Foto: Denis Sinyakov/Reuters . Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Der ersten seit 1987. Und bei den Themen Euro-Krise und Energiewende droht Streit. wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei. So sehen Sieger aus. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig. Bei jenem Thema. verpufft die Wirkung der Sanktion. dann mag das in jedem Fall begründet sein. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt. STX Foto: Mathias Bothor/photoselection Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT erst ein Run auf griechische Banken. Die Beweislage sei einfach. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. Erwartet wird ein Plus von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2015. Wenn einer wie Torben P. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. der Eindruck. das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Der Staat – im Bestreben. Für ZEIT ONLINE beschreibt.2011 Erinnern Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. kann nicht sparen. die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Athen nimmt Dampf weg. Ausbildung und Beruf gestellt. doch die Deutschen bleiben cool. die Brüssel vorschreibt).com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. fotografiert und vertont er seine Erlebnisse www. ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Welche Begehrlichkeiten werden entstehen? www. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Es wird zum europäischen Sozialfall. von 325 auf 340 Milliarden Euro.12 12. richtig gemacht. der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Griechenland. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. 43 der Fragen schreibt die EU vor. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Der Bruchpunkt ist jetzt. das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. ZEIT ONLINE berichtet aus Rostock www. wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. damit fertig zu werden. es geht nicht darum. vorzugsweise kalifornische Konzerne. Vielleicht zu zurückhaltend. das klingt nach historischer Parallele. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus. auf den Großen Vaterländischen Krieg. das ist nur eine Schätzung.5. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. Allerdings darf man wohl annehmen. wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird.zeit.

doch im Gegensatz zu seiner zuversichtlichen Prognose wird die Gefahr größer. Ein Abzug aus Afghanistan wäre nicht sinnvoll. menschlichen wie materiellen Kosten muss daraus Anstatt sich die Strategie in Bosnien und im aber nicht entstehen.) Mit gebremster Macht Die westliche Intervention in Libyen wird am Ende Erfolg haben – gerade weil sie auf Bodentruppen verzichtet In Libyen haben sich die Vereinigten Staaten Mittel. Er schreibt. Dies ist also leider nicht der Anfang einer neuen. der allerdings leicht in Misserfolg umschlagen kann. Wer widersprechen will. F. Der Erfolg. in dem einzelne Zellen unabhängig von einer zentralen Figur agieren. Fotos: Alexander Meledin/Mary Evans Picture Library/Interfoto. Den Krieg am Boden der verbündeten Konfliktpartei vor Ort. zusammen mit einer internatio. um rasch einen neuchen. So hat er sich angefühlt. Afghanistan den islamistischen Terrormehr die Entscheidung von US-Präsident Bill gruppen als Rückzugsraum zu nehmen. Philip Dingeldey. Dies gelang ihm aber nur. kann es für den Westen hingegen Nato entschied die Allianz aus Albanern und notwendig erscheinen. ehemaliger Forschungsleiter der Weltbank. Bei näherem Hinsehen ist dieses Szenario allerdings wenig realistisch. Doch die fahrlässige Auflösung der irakischen gleichfalls auf Luftschläge. 19/11) entwirft Jan Ross ein optimistisches Bild von der Zukunft. sondern auch einen Regierungswechsel friedlich überstanden. um den Terroristen neuen Unterschlupf zu gewähren. wo militärisch schlagkräftige zwischen UCK. So hat der Sieg ausgesehen. Damit schüren sie Rachegedanken. so verschwommen wie das Wissen über die Zeit seiner Entstehung. Ihre Rolle übernahm die Kosovo. als die Briten einen Rebellenökonomisch sind derlei Einsätze ein Desaster. der Name des Fotografen. dann aber im Lage. an diesem Ort. was kommt. sondern höchstens ein Erfolg innerhalb der gegenwärtigen Epoche. Auch im ten Gründen vor dem Einsatz von Bodentrup. Deutsche Atlantische Gesellschaft e. Die Operation sen – ein Fehler. Auch letzt im Jahr 2000. die schon damals islamische später. und der Westen solle sich dabei bescheiden zeigen.Fehler. Heute. 20. dentruppen in die Heimat zurückholen zu könIm Kosovo-Krieg beschränkte sich die Nato nen. Nur wenige Wochen von den USA nach der Befreiung nach dem serbischen Massaker Kuwaits 1991 und angesichts der in Srebrenica waren die bosstark geschwächten Armee von nischen und kroatischen TrupSaddam Hussein zu offenem Wipen im Sommer 1995 in der derstand ermutigt. ließen ihn die USA töten und unter Missachtung muslimischer Bestattungsbräuche von einem Flugzeugträger aus ins Meer werfen. Diese oppositionellen Doch um Symmetrie auf dem Kräfte hätten die Alliierten spätesSchlachtfeld und dann später tens bei ihrer Invasion 2003 föram Verhandlungstisch zu erreidern müssen. der sich heute in – bei der es ebenfalls zu schweLibyen nicht wiederholen darf. Anstatt bin Laden festzunehmen. beschloss Washington 2001 in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien erAfghanistan und 2003 im Irak den Großeinsatz halten hat. Das werden wir noch zu spüren bekommen.zugesichert. damit bislang einen Allein der dritte Golfkrieg hat den amerikanischen Rückfall in den mehr als zehn Jahre währenden BürSteuerzahler nach Berechnungen von Joseph gerkrieg verhindert zu haben.bündete Afghanen hätten einen Staat aufbauen rikanischen Beratungsfirma für Militärfragen können. der zwar nicht einer mustergültigen Demoausbilden zu lassen. im Angesicht dieser Vergangenheit und dieser Zukunft? Das Foto selbst ist ein undatierbares Dokument. wie sie Sierra Leone von nen zu nehmen. Denn dort haben sich die französischen Schutzversprechen mit der Entsendung von Kampfhubschraubern als genauso glaubwürdig erwiesen wie die britischen Garantien für Sierra Leone.können. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 WIDERSPRUCH Zu früh gefreut Der Terror ist noch nicht besiegt VON PHILIP DINGELDEY DAMALS: 1945 Vergessen Nur Ahnungslose träumen davon.scheidung mit gravierenden Folgen.POLITIK MEINUNG 12. Hierzu zählten vor allem der Verzicht auf einen langwierigen Einsatz von eigenen Bodentruppen und die weitgehende Beschränkung auf Luftschläge und Waffenlieferungen – auch wenn sich dadurch der Krieg scheinbar in die Länge zog. Und Länder wie das chaotische Jemen stehen bereit. die kroatischen Streitkräfte im Kampf erreicht worden. Ein langjähriges Engagement mit hohen für sich. spricht für das britische Stiglitz drei bis fünf Billionen Dollar gekostet – Modell. mit dem Tod von Osama bin Laden ende auch die irregeleitete Vorstellung des war on terror als Epochenthema. setzt der Westen in Nordafrika auf die den Terror« beschränkten die USA ihre Operationen Überlegenheit seiner Luftwaffe und unterstützt gegen dieTaliban und al-Qaida auf den Einsatz von mit Geheimagenten.für den Westen dargestellt hätte. Mit wirkungsvoller Unterman koordinierte Angriffe. Wüsste sie. mehr ist nicht bekannt. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit. serbischen Truppen und der Partner fehlen. Der Wirtund ihre europäischen Verbündeten auf eine schaftsnobelpreisträger sieht in der ökonomischen Strategie besonnen. Aber den Kampf In Krisenregionen. (u. Ross gibt dies zwar zu. Will der Westen auch in Konflikten wie in Libyen militärisch und politisch die Oberhand behalten. die in Kabul einmarschierten.tember 2001.Air Force und Spezialeinheiten – wie nun erneut bei beratern und Waffenlieferungen die Streitkräfte der Tötung Osama bin Ladens. ren Kriegsverbrechen kam – war lehrt am Institut für Schon 1991 wurde der Volksmilitärisch so erfolgreich. an der Universität Oxford zusammengetragen hat. Eine Alternative sind langfrisKosovo zum Vorbild für kommende Interventio. Auch der Terrorismus ist mit bin Ladens Tod keineswegs am Ende.und Soziologie der Soldaten mitgetragen. und es war der Beschluss kratie geglichen. Gemeinsam startete loswerden zu können. einem Politiker – oder einem ZEIT-Leser. In Wirklichkeit erwies sich ebendiese Zurückhaltung als die schärfste Waffe. Zwar mussten Wa. um ihn vor Gericht zu stellen – er wäre zweifellos verurteilt worden –. die bereits in früheren Kon. Ergebnis Universität Bonn Despoten nicht länger dienen war der Vertrag von Dayton. Der AlQaida-Chef war schlau genug. Sierra Leone hat nicht nur Wahlen abgehalten. weil er sich zugleich Einsatzrestriktionen auferlegte.tige Sicherheitsgarantien. die Paul Collier. Der arabische Frühling bedeutet nicht. Militär. will man das Land nicht in Schutt und Asche zurücklassen. Das ursprüngliche Ziel nach dem 11. dass der Terror auf der ganzen Welt besiegt ist. Nach den Langzeitstatistiken über 66 Konfliktherde. dass der Westen militärisch Partei ergriff und damit den Konflikt entschied. würde sie dann so lachen? Könnte er so tief versinken in ihren Geruch und das Gefühl ihrer Haut? Könnten sie beide das. In Wirklichkeit handelt es sich aber nicht um einen krönenden Abschluss. führte die Nordallianz in Afghanistan. in diesem Moment. waren keine Bodentruppen des Westens en Staatsapparat aufbauen und die eigenen Boeingesetzt worden. D.V.de. nicht kleiner. verfasst von einem Redakteur.Sicherheitskräfte verhinderte dies – eine Fehlenten schreckte der Westen auch damals aus gu. und dem. Der arabische Frühling könne sich entfalten. Ein Jahr. angriff stoppten.dische Kräfte darauf. Wie heute in Liby. zehn Jahre nalen Koalition. Für Ross gehört der amerikanische Jubel noch einer »abschließenden Zeit« an. Spezialeinheiten. In seinem Leitartikel Ein Krieg weniger (ZEIT Nr. dass Politische Wissenschaft aufstand im Süden des Iraks von sich die Serben zu Verhandlun. sondern um einen neuen Höhepunkt dieser aufgeheizten Atmosphäre. Die Schiiten wurden T H O M A S S PE C K M A N N Wirkung. war bereits Clinton. Die Nordallianz und weitere vergegen die serbischen Truppen von einer ame. malia. dann sollte er die Tradition britischer und französischer InVON THOMAS SPECKMANN terventionen in Afrika und das kluge Handeln der USA auf dem Balkan zu einer neuen Doktrin verschmelzen: In allen Fällen war Bedingung für den nachhaltigen Erfolg. aber zumindest keine Bedrohung Washingtons. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor .Norden des Iraks warteten 1991 wie 2003 kurpen zurück. Wie wäre so ein strahlendes Glück in Moskau im Jahr 1945 möglich.Erfolg führen können: Zu Beginn des »Krieges gegen zulassen. Saddam Husseins Diktatur Befreiungsarmee UCK. die anderswo schmerzhaft fehlen. die dem gen bereit erklärten. Erst danach jugoslawischen Bürgerkrieg die Wende: Es wa. die ihm vor Ort wie an der Heimatfront die politische Unterstützung sicherten. westlicher Infanterie – rückblickend ein schwerer die Bosniens Serben und ihre Helfer in Bel. was war. und nur Verrückte wünschen. eine Gegenoffensive zu Kampf gegen die verbliebenen starten und mehr als die Hälfte Panzer und Kampfflugzeuge des von Bosnien-Herzegowina zuBagdader Regimes im Stich gelasrückzuerobern. wenn es zu einem Konflikt kommt wie zugefallen. er sei ein Rückfall in das emotionale Klima von 2001.begann die Stationierung von größeren Verbänden ren nicht allein die Bombardements der Nato. dass umgehend Truppen eingeflogen zen: Bis heute sind Tausende alliierter Soldaten werden. London hat der Regierung in Freetown der eigenen Infanterie – mit fatalen Konsequen. wollten. Sie wird es auch im Fall Libyens sein. Zehntausende wurden verwundet. amerikanische Invasion aufbauen lassen – und das Diese indirekte Form westbereits direkt nach dem zweiten licher Kriegsführung zeigte Golfkrieg. haben UN und Nato ebenfalls nicht viel mehr Staaten einschloss. und doch ist dieses Foto ein Beweis ihrer Wirklichkeit. mit eigenen Bodentruppen westlichen Interventionsmächten schließlich einzugreifen. Nun werden selbst moderate islamische Kräfte radikalisiert und mobilisiert. was kommt.Schwäche seiner Heimat eine unmittelbare Folge des flikten erfolgreich war: Anstatt sich wie in So. Sepgrad zur Waffenruhe zwangen – es war viel. ein Nichts zwischen dem.stützung aus der Luft hätten sie sich selbst befreien shington und Brüssel dafür 78 Tage Bomben. wenn ihnen die vergangenen Jahre gegenwärtig wären? Die Gegenwart ist ein unmögliches Komprimat. krieg politisch rechtfertigen. sorgten auch die von Paris unterhaltenen Militärbasen in Afrika für Sicherheit – wie jüngst im Fall der Elfenbeinküste. ein Terrornetzwerk aufzubauen. Afghanistan oder im Irak mit dem EinDabei hätte die amerikanische Strategie auf dem satz von Bodentruppen auf das Risiko eines Balkan auch am Hindukusch und am Golf zum langwierigen und verlustreichen Krieges ein.Waffengangs im Irak. das UN-Waffenembargo erreicht – aber um welchen Preis? zugunsten von Bosniern und Kroaten de facto Auch im Irak hätte sich ein neuer Staat ohne aufzuheben. die Zukunft entschlüsseln zu können. studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT. ein Ort. Es waren ihre Eine ähnliche Strategie brachte bereits im Truppen. nicht zu vergessen.

SCHNABEL 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft VON CHRISTOPH DRÖSSER Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen VON WINFRIED SCHUMACHER 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei 44 Der Medienforscher Michael Stoll ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-alsauch-dagegen VON RALF ZERBACK Foto: Thomas Rabsch/RTL über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet.-BRUNO KAMMERTÖNS . was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL FEUILLETON SEITE 51 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Worte der Woche Stimmt’s/Erforscht & erfunden Mario Draghi 25 Staatsschulden Der Harvard- im Geisterreich der Moral VON ADAM SOBOCZYNSKI 24 Macher und Märkte 54 Taschenbuch 56 Impressum 61 Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. Armin Falk. RIETZ 39 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen VON BURKHARD STRASSMANN Reisende Max Frisch ein Zuhause VON BERNADETTE CONRAD 40 GESCHICHTE 21 Ausstellung Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. aber verrückt war der Mann keineswegs: Eine große Ausstellung in Herrenchiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 80) Flüchtling zu sein VON A. SCHMIDT CO₂-Speicherung ausprobieren VON CHRISTIAN TENBROCK Justiz Eine milde Anklage im Fall Museum Rade am Schloss Reinbek VON SVEN BEHRISCH 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« VON GÖTZ ALY des Berliner U-Bahn-Schlägers Abb. SPECKMANN Kulturkanäle Das neue Fernsehprogramm zdf. MAROHN »Tarmac« VON CATHARINA KOLLER »Ein Ausbüxen gibt’s nicht mehr« Dass gemeinsam mit Interviewern meist auch Fotografen anrücken.de/brief Historiker Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch noch die meisten Laster bauen VON DIETMAR H. ISENSCHMID Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT 20 12.. es gebe.zeit. getanzt von Sasha Waltz VON CLAUS SPAHN Kunst Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG 10 Italienische Lektionen Warum 33 Lettland Ein Krisenopfer kommt Neapel im Müll versinkt VON ROBERTO SAVIANO auf die Beine VON JAN PALLOKAT 34 Ratenzahlung Versicherer Gutes Gras: Blumen werden überschätzt. Bayerischen Geschichte/Augsburg ThyssenKrupp Der schwerfällige VON HEINRICH WEFING 13 Libyen Wie der Westen erfolg- Konzern startet den lange fälligen Umbau VON JUTTA HOFFRITZ Prozesse Medienkampagnen reich sein kann VON T. Öko- 62 GLAU BE N & ZW EIF E LN Islamismus Der Prediger Pierre Foto: Marco Valdivia sich über die arabischen Revolutionen VON GEORG BLUME Nachruf Zum Tod von Gunter Sachs VON H. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95. Nach dem Gespräch – es ging um die Energiefrage – waren sich die ZEIT-Redakteure Giovanni di Lorenzo und Bernd Ulrich (oben im Büro der Kanzlerin) einig: Frau Merkel hat mehr Gesichter.8 MHz) und www. 27 Kinderarmut Die Not ist viel 3 4 Foto: Anatol Kotte für DIE ZEIT geringer als bisher gedacht.zeit. Tiger« VON IJOMA MANGOLD Industriespionage wird erleichtert VON ULRICH HOTTELET 56 31 Telekom-Aktie Das Urteil in 9 Syrien Tagebuch einer Dissidentin VON RAZAN ZEITOUNEH Ägypten Die neue Regierung dem Massenverfahren steht bevor VON MARCUS ROHWETTER 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 32 Tunesien Der schwierige kämpft gegen religiöse Gewalt VON MICHAEL THUMANN wirtschaftliche Neubeginn VON KARIN FINKENZELLER 58 Brüssel Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«.de/ziviles-netz Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE Bayern feiert Ludwig II.: Haus d.de Foto: AllzweckJack/Photocase von bin Laden lebt der Terrorismus weiter VON PHILIP J. Zeitmaschine VON U. und Gemeinschaften.IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland 26 Elektroauto Warum es falsch ist. STEINBORN UND C. in denen Menschen respektvoll miteinander umgehen www.. Das aktuelle ist zu sehen auf Seite 2/3 Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen 55 Margaux Fragoso »Tiger. MAI 2011 5 6 Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge VON A. Museen und Galerien (Seite 45). in denen Selbstkontrolle funktioniert.zeit. längst gibt es dort Räume. Fotograf Anatol Kotte durfte trotzdem bleiben – für wenige Minuten. grob und unfair? Nein. Zu Besuch bei seiner legendären Familie Kulinarische Wüste: Wolfram Siebeck reist durch Ägypten und kostet aus der Küche der Revolution Der Schauspieler Robert Hunger-Bühler über den Tag. dem kostenlosen Newsletter www. TITEL Thema: Die Angst vor Alzheimer 14 AUSGABE: 51 Fernsehen Gespräch mit RTL- nur die Autokonzerne zu fördern VON PETRA PINZLER Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100. sagt sie dann. DINGELDEY beeinflussen Richter kaum. Plötzlich gilt er als Verfassungsfeind VON ALBRECHT METZGER 20 WOCHE NSCH AU Eurovision Song Contest Die Vergeltung Ein junger Amerikaner über die Jubelvideos aus seiner Heimat VON PATRICK BRUGH Heuchelei Merkels Kritiker der Promotion ist nötig Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit VON THOMAS VAŠEK REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Sein »Königreich der Kunst« entzog sich zwar den Realitäten der politischen Welt. BÖHM WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt 48 Kinder. als sie zeigen möchte. an dem er fast ertrunken wäre 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG »Die Lebenden sind Legenden« 12 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE 59 Kunstmarkt Mit Asiatika erzielt Finanzkolumne 35 Kohle Deutschland sollte die das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde VON TOBIAS TIMM Museumsführer (101) Das Volkszählung Warum der Zensus niemanden aufregt VON S. Link-Tipps (Seite 28). glaubt der Landschaftsarchitekt Peter Wirtz.de/audio CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 96 ZEIT DE R LESE R Anzeigen in dieser Ausgabe Spielpläne (Seite 19). BÖHM 54 Essay Eberhard Straub Generation Rösler Passen für Verbraucher ärgert die Industrie VON GUNHILD LÜTGE »Zur Tyrannei der Werte« VON HUBERT WINKELS Familie und Politik zusammen? VON TINA HILDEBRANDT nah 30 Kika-Skandal Gegenseitige Roman Nicolas Dickner 7 8 FDP Ein Gespräch mit Philipp Schuldzuweisungen Soziale Netzwerke VON A. sagt Anwalt TOBIAS GOSTOMZYK 36 Was bewegt . sagen Forscher VON KOLJA RUDZIO 28 Pharma Die Industrie verdient zu- Wiederbegegnung mit dem jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 53 Biografie. unter www. Essay-Sammlung und ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra VON KATRIN GÖRINGECKARDT UND JOSEF JOFFE lasten von altersblinden Patienten Milliarden VON NICOLA KURTH Atompolitik Was der Chef von Greenpeace International will 29 Lebensmittel Ein Internetportal ein Bildband VON A. GESCHICHTE SEITE 21 Geschichte eines Liedes aus Island – und wovon Europa singt VON D.kultur VON NINA PAUER Widerspruch Auch nach dem Tod nom und Verhaltensforscher? Vogel reagiert auf bin Ladens Tod VON ANNABEL WAHBA DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein WISSEN 37 Plagiatsaffäre Eine Reform Zucker und Wahn VON CHRISTOPH DIECKMANN weltoffenes Islamzentrum gründen. doch schon genug Bilder von ihr.radioeins. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Das Netz zivilisiert sich selbst Das ganze Internet krawallig. hält Bundeskanzlerin Angela Merkel grundsätzlich für überflüssig. LAMPARTER Kunst und Zensur Der Mut »EINE STUNDE ZEIT« iranischer Filmregisseure 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal VON THOMAS ASSHEUER Wörterbericht/Das Letzte 95 LESE R BR I E F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT.und Jugendbuch – die Politik ist überfordert VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« Microsoft Der Kauf von Skype FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen RUBRIKEN 2 44 Früher informiert! Die Quotenfrau Mit Formaten wie »Deutschland sucht den Superstar« hat sie die Konkurrenz überholt. Angeblich weiß sie.

mag er nicht. Im Gebetsraum der Moschee (Bild oben) dürfen auch Frauen beten Benjamin Idriz kam 1994 nach Penzberg und trat bald darauf seine Stelle als Imam an. Idriz will der islamischen Welt den »Geist der Erneuerung« bringen. die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. wurde auch der Islam heimisch in Penzberg. 1972 wurde er in Makedonien geboren. Die rechtlichen Anweisungen im Koran müssten aus ihrer Zeit heraus verstanden werden. Idriz trägt stets ein mildes Lächeln im Gesicht. Das Minarett hat deshalb keine Spitze. Bosnisch. Fortsetzung auf S. so geht es los. »Was würden Muslime im Nahen Osten denken. tolerant. in den Sprachen Deutsch. wenn Christen kämen und eine Kirche mit extra hohem Kirchturm errichteten?«.« Der Imam sucht Unterstützung für ein Islamzentrum. Imam Idriz ist der Muslim. Politiker aller Parteien sind begeistert. Als Absender steht oben rechts die Islamische Gemeinde Penzberg. oder fürchten Staatsschützer nur den Islam? VON ALBRECHT METZGER m 25. Als die Firmen Menschen aus der Türkei. nebenan ein Getränkemarkt. Zwangsheiraten hält er für einen Rückfall in die Steinzeit. fährt der Imam in seinem Brief fort. kann man schon die Umrisse der Alpen am Horizont sehen. dann siedelte sich der Lkw-Hersteller MAN an. Nur wenn er auf die Kanzel steigt. die ungleiche Erbverteilung. gegenüber ein Autohändler. Bis 1966 war ein Kohlebergwerk der größte Arbeitgeber. Arabisch und Deutsch. Die Penzberger Moschee. Moscheen. Sieben Jahre später schrieb er sein Diplom zum Thema »Emanzipation der Frau im Islam«. Schließlich gibt es genug islamische Geistliche in Deutschland. ist als solche erst auf den zweiten Blick zu erkennen. setzt die Islamische Gemeinde in Penzberg seit Jahren auf die Schwerpunktarbeit einer gesunden Integration von Muslimen in die hiesige Gesellschaftsverordnung. Arabisch. fragte sich Idriz. Mai 2007 schreibt Imam Benjamin Idriz einen Brief an den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein. die nach islamischen Eroberern benannt sind. 16 Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . wird Imam Idriz als Feind der deutschen Verfassung gelten. im Mai 2011. Herr Imam! geschrieben. Türkisch. kleidet sich mit T-Shirt und Jeans. 21 12. Sein Gesprächsangebot versteht er als vertrauensbildende Maßnahme. zum 60. lobt er das politische System der Bundesrepublik. Er wird einen Rechtsanwalt engagiert haben und Gerichtsprozesse führen. und 2009. und er wird sich fragen: Was ist nur mit mir geschehen? Und warum? Von Penzberg aus. Mit 15 ging er nach Damaskus und besuchte ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt islamischer Theologie. Ein Imam steht der Gemeinde vor und hält jeden Freitag die Predigt. eloquent. Es habe schon zwei Treffen mit Münchner Muslimen gegeben. Noch glaubt der Imam. das die Süddeutsche Zeitung in den höchsten Tönen lobte. Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg. 20 GESCHICHTE Große Entkitschung: Wer war Ludwig II. welche die Söhne den Töchtern vorzieht. um ihm von einem neuartigen Plan zu berichten. »Es muss darum gehen«. aus Bosnien. Jahrestag des Grundgesetzes. Seiner ruhigen Stimme hört man gerne zu. Jetzt möchte der Imam den Innenminister treffen. Der Imam will Deutschland beweisen. weil Idriz nicht provozieren will. das »Projekt fand großes Interesse und stieß auf einen positiven Anklang der Teilnehmer«. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 15 Unter Verdacht Ein Imam aus Bayern will ein weltoffenes Islamzentrum in München gründen. später der Schweizer Pharmakonzern Roche Diagnostics. Bedroht er den Staat. wirklich? S. Idriz rechnet sich nicht zu ihnen. eine Zugstunde südlich von München. die Stadt München sei informiert. oft predigt er die Vorzüge der Demokratie. ihre Frauen gut zu behandeln. Englisch. findet er. Er hat seiner Moschee sogar einen deutschen Namen gegeben: »Islamisches Forum«. Türkisch. Er hat eine Buch mit dem Titel Grüß Gott. er sei ein unverdächtiger Mann. er spricht fließend Makedonisch. Erste Kontakte mit der bayerischen Staatsregierung »sind bereits erfreuend zu A verzeichnen«. ein zweistöckiger Bau aus Kalksandstein mit großen Fenstern und einem Minarett. »Wie Sie sicherlich in der Presse mitverfolgen. sagt Idriz. das er in München gründen möchte und in dem er muslimische Geistliche in deutscher Sprache ausbilden lassen will. Progressiven Muslimen gilt Idriz als Hoffnungsträger. Doch plötzlich gilt der Prediger als Verfassungsfeind. »Sehr geehrter Herr Innenminister«. dass der Islam zu Europa gehört und mit den Werten der Aufklärung vereinbar ist. Er versteht sich als europäischer Muslim. gilt als Erneuerer. Er ermahnt die Männer. den sich Deutschland wünscht: weltoffen. Die kleine Moschee am Ortsausgang liegt inmitten eines Gewerbegebietes. Benjamin Idriz. Bosnisch und Albanisch – Ausdruck der nationalen Vielfalt der kleinen Gemeinde des Imams. ein »europäisches Klima der Offenheit«.DOSSIER WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest: Wovon Europa singt S. setzt er sich einen weißen Turban auf und legt einen schwarzen Umhang um. aus dem Nahen Osten einstellten. verurteilt er. Aber vier Jahre später. 2005 eröffnete die Moschee. Den Bauplan sprach er mit dem Bürgermeister ab.

ist Staatssekretär Georg Schmid längst nicht mehr im Amt. hätten im Laufe der islamischen Geschichte »texttreue Dogmatiker« die Vorherrschaft bei der Koranauslegung übernommen: »Sie verteufelten im Namen der Herrschaft des Textes die Realität und die Vernunft. sagt er. es geht um Spenden an die islamistische Hamas in Palästina. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Extremismus distanziert. Idriz liest den Brief und ist geschockt. dass du sie nicht unterstützt. heute Bundesfamilienministerin. »mit denen er um Streichung des Vereins aus dem IGMGRegister bittet und seine persönliche Mitgliedschaft ab März 2006 kündigte«. der sich gegen die Muslime wendet?« Imam Idriz: »Ich sage doch. Idriz glaubt nun. Kenner der islamischen Szene bezeichnen Ibrahim el-Zayat als Strippenzieher. Als der neue Innenminister vereidigt wird. Außerdem ist er Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau. Er wächst sich zum wichtigsten Beweisstück aus. Eine islamische Organisation als »verfassungsfeindlich« zu bezeichnen wäre jedoch sehr ungewöhnlich für einen Imam und könnte ihm von muslimischer Seite viele Anfeindungen einbringen. Die Staatsschützer sehen weitere Verbindungen zu den türkischen Islamisten: Bevor die Islamische Gemeinde Penzberg 1994 entsteht. August vor. Sie ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes der verlängerte Arm der islamistischen Muslimbrüder. für die FDP. der Regionalverband Südbayern von Milli Görüș führt danach die Islamische Gemeinde Penzberg als Ortsverein in seinem Register weiter. die offensichtlich den Beteuerungen des Imams aus Penzberg nicht glauben. Der Imam will kämpfen. Idriz. meint der Imam. Der Anwalt ist über die Begrüßung pikiert. um für die Zukunft eine neue Bewertung zu ermöglichen«. schrieb Herrmann zurück: »Das von Ihnen angestoßene Projekt ist sehr interessant und sollte auf jeden Fall Gegenstand eines intensiven und kontinuierlichen Dialogs zwischen Ihnen und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag bleiben. wenn er mit einem Imam verhandelt. die sie sofort unterschreiben sollten. das später eingestellt wird. neue Tatsachen müssten natürlich neu geprüft werden«. heißt es im Verfassungsschutzbericht. Auch davon erfährt der Verfassungsschutz. Bei Idriz meldet sich Ibrahim el-Zayat. Es sei umgehend entfernt worden. ohne sich beraten zu können. In jedem Fall kommt es zur Unterschrift. Die Presseerklärung sei in beiderseitigem Einvernehmen erarbeitet worden. Er kritisiert die islamischen Verbände in Deutschland für ihre Fixierung auf ihre Herkunftsländer. Das Innenministerium habe die Unterschriften zur Bedingung gemacht. Er verliert den Prozess. in Zukunft keine Probleme mehr zu bekommen – auch wenn islamische Organisationen wie Milli Görüș ihn jetzt für einen Lakaien der Staatsschutzbehörden halten. Auch Ministerialrätin Marion Frisch ist wieder dabei. bezeichnet Ibrahim el-Zayat im Februar 2007 als »Chef der Muslimbrüder in Deutschland«. dass dir islamische Organisationen in Zukunft helfen. zum Beispiel für Deutsch. Er bleibt auch dann Mitglied. Als Finanziers nennt der Imam Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. eine schillernde Figur in der islamischen Szene. »Diese Verantwortung obliegt allein den zuständigen Behörden«. und Staatssekretär Georg Schmid aus dem bayerischen Innenministerium weist auf die Verbindungen zu Milli Görüș hin. wer du sein möchtest. außerdem sollen sie sich verpflichten. Diese kontroverse Welt möchte Idriz nach München exportieren. Sein Verein sei noch im Jahr 2004 auf Mitgliedslisten von Milli Görüș geführt worden. Am selben Abend noch erhält Idriz einen Anruf. Er soll herausfinden. schreibt Schmid. unterschrieben hat Ministerialdirigent Dr. sagt der Imam. was auf ihn zukommt.und Integrationskurse. Einer seiner Unterstützer ist Alois Glück. Allein für das neue Grundstück in zentraler Lage in München veranschlagt Idriz bis zu zehn Millionen Euro. Es ist nicht deine Angelegenheit. Du musst wissen. in der er sich erneut vom Foto: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . Noch hält die Stadt München zu Idriz. ein Vordenker der Partei. Im März 2009 wird der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2008 vorgestellt – und wieder steht die Islamische Gemeinde Penzberg e. Aber selbst Oberbürgermeister Christian Ude macht sich angreifbar. V.« Das sind die Worte. Idriz bittet um ein Gespräch. Wer ist der Benjamin Idriz? Möchtest du jemand sein. darin. Beide machen im Gespräch mit der ZEIT keinen Hehl aus ihrem Misstrauen gegenüber Idriz und seinen Plänen. sagt Imam Idriz heute: Die Penzberger Moschee stehe immer offen. es gehe nicht mehr nur um einen Dialog. Das stimme mit den Methoden der IGMG überein. und wer als verfassungsfeindlich gilt. gesellschaftliche Akzeptanz zu suchen und Ortsvereine zu gründen. müsse schleunigst daran arbeiten. Was soll ich tun?« El-Zayat: »Du musst das richtigstellen.16 12. der Imam bläst seinen Urlaub in Makedonien ab. Deshalb gebe es auch keinen Gesprächstermin beim Minister. einzelne islamische Gemeinschaften für verfassungsfeindlich zu erklären. dass er aus diesem Bericht gestrichen werde. In der Bibliothek stehen neben islamischen Klassikern die Werke von Islamkritikern. der dem Verfassungsschutz bekannt wird. der als Kind aus der Türkei nach Deutschland kam. die Islamische Gemeinde sei eine Zelle von Milli Görüș. Allerdings lernt der Anwalt etwas über das bayerische InnenFortsetzung auf S. mit dem das bayerische Innenministerium belegen will. der in Moscheen normalerweise den Männern vorbehalten ist. Marion Frisch. Am 21. schreibt er. gibt es dort einen Ortsverein von Milli Görüș. von staatlicher Seite unterstützt zu werden.5 Millionen Euro unterstützt. Am 12. Dass ausländische Geldgeber das Projekt finanzieren wollten. vor Gericht zu ziehen Imam Idriz hat noch nie einen Verfassungsschutzbericht in den Händen gehalten. heißt es nun. heißt es in dem Bericht. dass Imam Idriz mit Extremisten gemeinsame Sache mache. Sie sind nicht glücklich mit der Presseerklärung und beschließen. Frisch sagt heute. Staatssekretär Schmid nimmt teil sowie die Sachgebietsleiterin Ausländerextremismus. betont Ude. Das Treffen findet in den Räumen des Verfassungsschutzes im Innenministerium statt. um ihr Münchner Projekt nicht zu gefährden. meint der Anwalt. eine zweite Presseerklärung zu veröffentlichen. Aus Penzberg ist neben Imam Idriz auch Bayram Yerli gekommen. dass die IGMG verfassungsfeindlich ist. Trotzdem hält der Ministerialdirigent Remmele an dem Vorwurf fest. In dem Schreiben sollen die Penzberger erklären. es sei nicht seine Aufgabe. andernfalls werde man das Treffen als gescheitert betrachten. künftig keine Milli-Görüș-Mitglieder in ihren Reihen zu »dulden« beziehungsweise sie »auszuschließen«. er hat mehrere Jahre lang im Bundestag gesessen. wenngleich der Vereinsvorsitzende Bayram Yerli mittlerweile Schreiben vorgelegt habe. »unter der Trägerschaft einer extremistischen Bestrebung«. was genau der Verfassungsschutz verfolgt: Was konkret wirft man ihm vor? Braun trifft sich mit Innenminister Herrmann. Glück hält Idriz für einen Hoffnungsträger im Dialog der Religionen. In einem unterwürfigen Brief an Staatssekretär Schmid bedauert er die »Irritationen« über sein Konzept und bittet erneut um ein Gespräch. sagen die Penzberger. der als extremistisch gilt. zwei Monate nachdem Idriz den Brief abgeschickt hat. andere islamische Organisationen zu beurteilen. einem Gegner. In der modernen Moschee hängen nur wenige religiöse Symbole. Unter Punkt 5 soll sich Imam Idriz von jeglichen islamistischen Organisationen distanzieren. August 2007 macht das Innenministerium in einer Presseerklärung seine Bedenken gegenüber Idriz’ Projekt »Zentrum für Islam in Eu- Alois Glück von der CSU rät den Muslimen. dass ein »fundamentalistisch geprägtes Islamverständnis« dahinterstecke. Das Innenministerium sieht die Sache anders: Diese Begebenheit bestätige die Nähe der Penzberger zu Milli Görüș. der ihn noch Jahre später verfolgen wird. Das Innenministerium. dann kannst du aber nicht damit rechnen. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. der frühere CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. Gabriel. und das Gespräch ist beendet. die Verhandlungen über sein Projekt laufen weiter. Da sind vor allem der Ministerialdirigent WolfDieter Remmele und die Ministerialrätin Marion Frisch. sie geben Männern die Hand. aus dem Vereinsregister entfernt zu werden. Seit 1994 sitzt er auf seinem Posten. Idriz sucht den Kontakt zu den christlichen Gemeinden in Penzberg.« Idriz hofft jetzt. doch im Berichtsjahr habe die Gemeinde erneut für eine Veranstaltung der Islamisten in Ingolstadt geworben. inzwischen ein grau melierter Herr von 63 Jahren. Den jährlichen Unterhalt in Höhe von 500 000 Euro will Idriz jedoch ohne ausländische Hilfe finanzieren. und nachdem Idriz ihm zu jener Zeit die Entwürfe seines Zentrums geschickt hatte. im April 2005 verklagt er die damalige CDU-Abgeordnete Kristina Schröder.« Tatsächlich veröffentlicht Idriz am nächsten Tag eine Presseerklärung. dass ich damit nicht einverstanden bin. Der katholische Pfarrer sagt dasselbe. Trotzdem glauben die Verfassungsschützer in Bayram Yerli einen Islamisten vor sich zu haben. Viele Medien greifen das Thema auf. antwortet ihm das bayerische Innenministerium. März 2005 schließlich kündigt er schriftlich seine Mitgliedschaft bei Milli Görüș. der IGD. Bis zum Januar 2010 ist er Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Deutschland. Geblieben sind all die Ministerialdirigenten und Ministerialräte. der sich allerdings bald auflöst. Andere Muslime halten den Imam jetzt für einen Lakaien des Staatsschutzes Aus der Sicht des Innenministeriums war alles ganz anders: Demnach sind es die Vertreter der Islamischen Gemeinde Penzberg. Der windet sich und rät dem Anwalt. »Sie sind ein erster und auch notwendiger Schritt Ihrerseits gewesen. Er hat es mit einer Bürokratie zu tun. Die Gemeinde sei ein Beispiel für »formal nach außen hin vollzogene Distanzierungsbemühungen« gegenüber Milli Görüș. er solle das Gespräch mit den zuständigen Beamten suchen. Demnach sagte el-Zayat: »Du musst dich fragen. denn die IGMG wird als extremistisch eingestuft. der Vater ist Ägypter. Er bekommt keine Einsicht in die Akten des Verfassungsschutzes. aber auch keinen fahrlässigen Umgang mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. Er will aber nicht aufgeben. bei denen direkte Bezüge zur eigenen Organisation fehlten. gilt als verfassungsfeindlich. beten auch Frauen.« Gemeint ist offenbar Bayram Yerli. zuletzt in einem Brief vom 14. Im August 2007 glaubt Imam Idriz immer noch an ein Missverständnis. Erst sein Rechtsanwalt macht ihm klar: Wer im Verfassungsschutzbericht auftaucht. Die Geschichte lasse sich leicht aufklären. Gleich links neben dem Eingang hänge ein Schwarzes Brett. jeder könne ein und aus gehen. Juli 2007. Der Bau selbst würde um die 30 Millionen Euro kosten. Von dem Vorfall gibt es zwei Versionen. März 2008 der bayerische Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2007 veröffentlicht wird. er hat sich der Bewertung der Staatsschutzbehörden anzuschließen. was ihre Worte waren. könne nicht unterstützt werden. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Penzberg. Sie begrüßt den Anwalt Braun mit den Worten: »Eigentlich treffen wir uns nicht mit den Objekten unserer Beobachtung. die ihn als »Funktionär der Muslimbruderschaft« bezeichnet hat. habe ihnen eine Presseerklärung vorgelegt. schöpft er Hoffnung: Joachim Herrmann war CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. wo jemand. Er will kämpfen. Geboren und aufgewachsen in Deutschland. Dennoch. Fortsetzung von S. »Einen negativen Automatismus gibt es nicht. als er nach Penzberg zieht und sich der Gemeinde von Imam Idriz anschließt. dass sie verfassungsfeindlich sind. bekommt eine Zusage – und kurz darauf eine Absage: Der Innenminister sei verreist. kann nicht darauf hoffen. Mohammed Mahdi Akef. Bei der Imam-Ausbildung in deutscher Sprache will er mit deutschen Hochschulen kooperieren und hofft auch hier auf öffentliche Gelder. was genau gegen die Penzberger vorliegt. »Die bisherige Nennung im Verfassungsschutzbericht konnte alle anderen Eindrücke und Informationen nicht widerlegen.« Imam Idriz kommt sich vor wie in einem Hamsterrad: Er läuft und läuft und kommt nicht voran. sondern um Freundschaft. Im zentralen Gebetsraum. der ihm nicht vertraut ist. ohne zu fragen. Wolf-Dieter Remmele. und von Führungsmitgliedern der Gemeinde zu der islamistischen Organisation IGMG vor. das Milli-Görüș-Plakat angebracht habe. Und so bleibt unklar. ein Vorgang. die Staatsschützer von sich überzeugt zu haben. Ibrahim el-Zayat selbst bestreitet jegliche Verbindungen zur Muslimbruderschaft. 17 Imam Benjamin Idriz (oben) beim Freitagsgebet im Gebetsraum der Moschee im bayerischen Penzberg ropa München« (ZIEM) öffentlich. »Als Imam können Ihnen die Verbindungen dieser Gemeinde zur IGMG nicht verborgen geblieben sein«. schreibt der Ministerialdirigent. Die Münchner Polizei hört also mit und schneidet das auf Deutsch geführte Gespräch mit. aber was ist die Lösung?« El-Zayat: »Das Richtige zu sagen. nachdem es entdeckt worden sei. was auf ihn zukommt Am 24. Seine Worte provozieren die mächtigen Verbände und konservative Muslime gleichermaßen. an die Braun sich erinnert. die in Kairo ihren Ursprung haben und bis zum Umsturz des Mubarak-Regimes offiziell verboten waren. die auch der dortige Oberbürgermeister besuchte – ein Mitglied der CSU. wofür du stehst.und Unterstützungsgemeinschaft. nichts mit Milli Görüș zu tun zu haben. Allerdings sagt er jetzt. Er schreibt: »Dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz liegen Erkenntnisse über die Zuordnung der Islamischen Gemeinde Penzberg e. dass Herrmann sich daran erinnern und mithelfen werde. durch Mitgliedsbeiträge und die Verpachtung von Läden und einem Restaurant im neuen Zentrum. die sich vom Extremismus distanzieren wollen. Aber du kannst nicht sagen. Zur Zeit des Telefonats läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. die Staatsbeamten auf Lebenszeit. sodass die islamische Kultur erstarrt ist. aber er weiß noch nicht. Der Emir von Schardscha hat bereits die Moschee in Penzberg mit 2. Du kannst ja sagen. 15 »eine Verbindung zwischen der Lehre und der Wirklichkeit herzustellen – eine auf die Bedingungen unserer Zeit passende Antwort: Was hat Gott gemeint?« Leider. Der damalige Führer der ägyptischen Muslimbrüder. März 2006. gebe Anlass zu der Befürchtung. aber er weiß noch nicht. man sieht einige Frauen mit Kopftüchern und einige ohne. Als am 30. Außerdem hofft Idriz auf Zuschüsse der Stadt München. Doch Idriz versteht nur wenig vom Innenleben eines Innenministeriums. in der Imam Idriz das Unterschriebene relativiert. Wenige Wochen später lobt Staatssekretär Schmid in einem Brief die Distanzierungen der Penzberger von Milli Görüș. die Bezeichnung sei eine zulässige Meinungsäußerung. sie wisse nicht mehr genau. Die Penzberger aber gehen in den Pizza Hut am Münchner Hauptbahnhof und diskutieren. Ende der Debatte. Am 1. womit die Besucher nicht gerechnet haben. Noch am selben Tag veröffentlicht das Innenministerium die Erklärung auf seiner Website. Yerli ist ein Schlosser. Mehrfach verlangen die Penzberger. »dass es sich bei der IGMG um eine Organisation mit verfassungsfeindlicher Zielsetzung handelt«. Die Gelegenheit dazu kommt schneller als erwartet: Der Staatssekretär schlägt den 13. Die Vermischung von Religion und Herrschaft habe dort zur »Entstehung und Zementierung von Despotien« geführt. Februar 2009 trifft Braun unter anderem den Ministerialdirigenten Remmele. Jetzt schaltet Idriz seinen Anwalt Hildebrecht Braun ein. dass die Islamische Gemeinde Penzberg aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen wird. Doch dann passiert etwas. Es handelte sich um eine Koranrezitation.« Idriz geht noch weiter. Idriz’ geplantes Islamzentrum in München. wenn du gemeinsam mit dem Innenministerium der Meinung bist. Jahrelang ist er Europavertreter der World Assembly of Muslim Youth. Imam Idriz: »Ich bin ja deiner Meinung. 1985 trat er in Bad Tölz einer Gemeinde der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüș (IGMG) bei. die auch die etwa 300 Moscheen der Islamischen Gemeinde Milli Görüș verwaltet. zum Beispiel von der evangelikalen Autorin Christine Schirrmacher und dem Amerikaner Mark A. Nach vier Stunden glauben die Penzberger. einer aus Saudi-Arabien stammenden Jugendorganisation. V.

den Herkunftsländern – etwa mit den Muslim. Auf die Frage.sungsschutzes. der zur Rekrutierung von Selbstmordattentätern aufruft. auch wenn es die Fal. Informant wird oft. da sagte ein Amtschef: Die schweren Zeiten sind vorbei. Schwieriger wird es beim sogenannten legalistischen Islamismus. bei denen Beamte nicht sehr glücklich darüber waren. Zum Beispiel wird aus jemand. Dieses allgegenwärtige Misstrauen vativen Islams in die Gesellschaft einsetzen. die dann im Innenministerium die Behördenleiter rauf und runter gehen. einer.benötigt werden. was fassungsschutzbericht von Baden-Württemberg man beobachten kann. er wolle Parallel. deren Methoden man mit der »antisemitischen Hetze« früherer Zeiten vergleichen könne. war vielleicht in den fünfziger Jahren angemesZEIT: Was sind die Quellen des Verfassungs. Die sind von Natur aus problematisch. Im März 2010 schreibt Wimmer einen öffentlichen »Brandbrief«: Im bayerischen Innenministerium. Indizien dafür sind dann oft per. Solche Leute können zwar zu wollen. die ihm ursprünglich nicht zugedacht war. ZEIT: Was sind »legalistische Islamisten«? Schiffauer: Aus der Perspektive der Sicherheitsorgane: Wölfe im Schafspelz. fragt etwa Mathias Rohe. macht sie die Integrationsdas Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu politik kaputt. Professor für Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat er die »Freunde Abrahams« gegründet. die beide eindeutig die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen möchten. wahrung einer »islamischen Identität« eintritt. die offensichtlich inspiriert seien von der islamfeindlichen Website Politically Incorrect. weil ihnen das rungen durch Zuspitzung und Angebot dort zu langweilig und Selektion Verdachtsmomente werkompromisslerisch war. es geht manchmal Wenn die Sicherheitsperspektive den Blick so mehr darum. zu zeigen. es gebe Prosolche hoch individualisierten Viadrina in bleme mit gewissen antisemitiProzesse nicht beobachten kann Frankfurt (Oder) schen Äußerungen von Imamen. Lehrbeauftragter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München. so der Religionswissenschaftler. »Den Staat verklagen – da kann doch nichts Gutes bei rauskommen«. um stark bestimmt. weil man Europa-Universität Milli Görüș gesagt. In diesem Fall lässt sich das Gericht ein Jahr Zeit. das die Penzberger später gegen das Innenministerium wegen der Nennung im Verfassungsschutzbericht anstrengen. kritisiert der Sozialwissenschaftler Werner Schiffauer Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. in einer Zeit mit vielen alten Nazis und einer kommunistischen Gefahr im Kalten Krieg. man beobachtet eben. sind sie meist schnell wiescheinbar unbedenklichen Äußeder ausgestiegen. fragt der ReligionswisFortsetzung auf S. Ein solches Eilverfahren dauert normalerweise wenige Wochen. habe der Ministerialdirigent Remmele erwidert: »Uns macht die Gefahr islamistischer Gewalttäter deutlich weniger Sorge als die Gefahr der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft. Sie waren gerade nicht müssen nun auch etwas tun. wo aus ten. um Mitglieder »legalistisch islamisihre Beschäftigung zu rechtfertischer« Gemeinden. Er ist zur Prüfinstanz der Verfassungstreue geworden. Die Aussage »vom Verfassungsschutz beobachtet« wird gleichgesetzt mit: »ist verfassungsfeindlich«. im Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden? Werner Schiffauer: Das kommt einem Urteil gleich. oder auch. die schon feststeht? Schiffauer: Das Material wird oft sehr zugespitzt und stark gewertet. übertreibe der Verfassungsschutz seine Informationen unzulässig. Das ist für die Sicherheit unseres Landes schutz? Was wäre seine Aufgabe? kontraproduktiv. etwa um Pläne zu einem Attentat. ein Dialogforum für Christen. Hat Ministerialdirigent Remmele etwas gegen den Islam? »Das ganze Gespräch drehte sich um islamischen Extremismus und nicht um den Islam«. Informanten. dezentes Minarett: Die Penzberger Moschee soll Offenheit ausstrahlen Fortsetzung von S. ist das mit Vorsicht zu genießen. Heide Fest (r. war ich einmal bei einer Tagung des VerfasZEIT: Ist das plausibel? Verläuft so die Radikali. schen sind? Schiffauer: Ja. Und die haben. 16 ministerium. Die islamistischen Attentäter des Kommunismus hatten sie befürchtet. Auf einer Tagung hat zum te den Sicherheitsbehörden viel Schiffauer lehrt an der Beispiel ein führender Kopf von mehr Sorgen machen. Seine Frau ist Palästinenserin. hat Bedenken. dass man etwas tut. wie das Leben in einem Modie er sich deshalb zur Brust nehme. befriedigen. Nach 2001 wurwurzelte junge Männer. Das Vorgehen des Innenministeriums bringt auch Idriz’ christliche Freunde auf. der zerrieben werden soll. Sie halten sich an die Gesetze und verzichten auf Gewalt. sagt er. langfristig eine Organisation enttäuscht ist.« Hat er aber bislang nicht.ZEIT: Wozu brauchen wir den Verfassungssen. Auch der SPD-Bürgermeister von Penzberg. Am Ende kommt ein politisch gewichteter Text heraus.nachgehen. Einige von ihnen kenne ich seit Langem. Also üben sie das Lesen sie doch Kontakt zu ihnen hatgegen den Strich ein. Sie sehen in ihm einen Hoffnungsträger. säßen Beamte. den Konflikt miterlebt. der bei Festen die Moschee in Lederhosen betritt. Was wäre. vor Gericht zu ziehen. ich glaube.Schiffauer: Er muss nachweisbaren Gefahren gen. denn man trifft damit diejeni. Im Verscheeverein. Der Verfassungsschutz ist aber nicht politisch unabhängig. Damit hat der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit eine Rolle übernommen. 18 meinden. Auch wer für die Be. doch manche fürchten. wenn sie den Freistaat verklagen. Ich kenne Fälle. die sich für die Integration eines konser. ihnen könnte die Moschee genommen werden. Idriz’ alter Freund Alois Glück von der CSU rät den Penzbergern. Wimmer ist seit Langem im interreligiösen Dialog engagiert.Aber wenn sie Wertungen über ihre Organisabrüdern in Ägypten. was aus ihren Erkenntnissen geworden ist. wer einislamische Ordnung in Deutschland errichten fach Geld braucht. »Wenn wir den wegbeißen – wer bleibt dann noch übrig?«. Bloß seien diesmal nicht Juden die Opfer. wenn es um Sachinformatiosonelle Verflechtungen mit Organisationen in nen geht. der zur Zeit des Kriegs im Irak Solidarität mit dem irakischen Volk fordert.sen. September 2001 Bundesrepublik bringen. schutzes? Schiffauer: Auf der untersten Ebene sind das die Inzwischen ist die Demokratie längst gefestigt. Von Anfang an hat Stefan Jakob Wimmer. Eigentlich soll aber das Verfassungsgericht darüber entscheiden. Und wenn tigen. sondern Muslime. um die eigene gesellschaften bilden und die jungen Leute in Existenz zu rechtfertigen? Distanz zur gesellschaftlichen Ordnung der Schiffauer: Kurz nach dem 11. Nach dem Ende sierung? Schiffauer: Nein. die ein Problem für Deutschland sei. die sich den dann viele junge Islamwisim Internet selbst radikalisiert senschaftler eingestellt. ZEIT: Heißt das. Die haben ein Berufsethos als unabhängige Ermittler. ZEIT: Diese Ermittler liefern Belege für eine politische Wertung.Professor Werner den. was denn so gefährlich an der Islamischen Gemeinde Penzberg sei. ZEIT: Wie entsteht ein Verfassungsschutzbericht? Schiffauer: Die Mitarbeiter fassen aufgrund verschiedener Quellen – vor allem von Informanten und Publikationen – Erkenntnisse zusammen. ZEIT: Schafft sich der Verfassungsschutz mancherregt schon den Verdacht.Verfassungsschutz könnte als überflüssig betrachtet werden. Juden und Muslime. Er ist das einzige nichtmuslimische Mitglied im Vorstand von ZIEM. So lautet die Version des Anwalts Braun.« Und dann habe er noch von der hohen Geburtenrate der Muslime gesprochen. Da wird dann ein Popanz aufgebla. Am Ende klagen die Penzberger gegen ihre Erwähnung im Verfassungsschutz- bericht 2008. die in den Prozessakten des Verfahrens auftaucht. er hat in Jerusalem an der Hebräischen Universität studiert. wehrt sich Remmele im Nachhinein. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 17 »Da wird ein Popanz aufgeblasen« Um sich selbst wichtiger zu machen. Lange diskutiert der Vorstand der Gemeinde darüber.wurde daraus: Der Funktionär bestätigt die Existenz von Antisemitismus bei Milli Görüș.tion abgeben.) DIE ZEIT: Was bedeutet es für islamische Ge- Große Fenster. wer von seiner eigenen Das Gespräch führte JÖRG LAU . »Hildebrecht Braun hat das Gespräch verfälscht wiedergegeben. Das soll. ich könnte gegen ihn eine gerichtliche Unterlassungsanordnung erwirken. der der letzten Jahre waren entfremdete und ent. Sie wollen eine einstweilige Anordnung erwirken. ZEIT: Welche islamischen Organisationen sollten Ihrer Meinung nach beobachtet werden? Schiffauer: Bei manchen Islamisten ist das absolut unstrittig wie etwa bei Hisb ut-Tahrir oder der Gruppe Kalifatstaat. Den- noch unterstellt man ihnen.mal seine Objekte auch selbst.DOSSIER 12.

Jetzt wird Imam Idriz zu. schreibt die Staatskanzlei. einem en. dass der Auch Bundesjustizministerin Sabine LeutheusserVerlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nichts Schnarrenberger von der FDP steht hinter Idriz.und mir wird vorgeworfen.« Der Kontakt zu el-Zayat schadet Imam Idriz’ Am 2. dass sich die Penzberger Gemeinde um die schen Kultusgemeinde in München. tauchen unbestreitbar. Er bezieht sich dabei 1994 nach Deutschland kommt. Als er Vorbildern. dass er die Shoah als »beispielloses das Landratsamt in Weilheim sieht Menschheitsverbrechen« verurteile. hofft noch immer darauf. heißt es jetzt über die Penznur noch peinlich«. dass der Einrät Idriz. oder Mamduh Mahmud Salim. heißt es dazu. Er glaubt. Die Verbindungen zur Islamischen Gemeinde Milli Görüș seien der am 3. »Auf dieser Basis können wir Islamkritiker gut weiterarbeiten. Er nahm im Jahr 2006 nen Stellen in Befehlsform zum Töten der Ungläubi. sagt später unter Androhung einer VerIdriz. die Moschee wird von vielen unbescholtenen aus einer Immobilie. Sie warnt schon lange vor der Islamisierung der deutschen Gesellschaft und vergleicht den Islam mit dem Nationalsozialismus.Penzberg. sich Unterstützung zu ho. Andererseits: Ist es verboten. »Chapeau. der ältesten Mo. Verfassungsschutzbericht 2008 erwähnt. diesmal auf zweieinhalb Innenministerium statt. Die Penzberger die nichtmuslimischen Unterstützer schicken Stoiber einen Brief ihres Bürgermeisters und ein weiteres Schreiben von Ah. »Ihren Unterstellungen trete ich mit Nachdruck entgegen«. aus denen her.Joachim Herrmann zum Vorbild. Gegenüber Ahmad Khalifa angenommen.« mund Stoiber.Leben erneuert hat. Peter Frischmuth/argus Angehörige der Islamischen Gemeinde Penzberg beim Gebet in der Moschee Fortsetzung von S. und ein Beamter Wolf-Dieter Remmele zin: »Focus bedauert.mischen Organisationen. antiemanzipatorische und menschenrechtsferne Mentalitäten. »Kritik an bestimmten Ausprägungen des Islam ist auch in muslimischen Gemeinden in Bayern nicht nur legitim. Kurz darauf findet jenes Treffen im die Penzberger wieder auf. der umstrittene Strippenzieher.könne das aber nicht erkennen. Ministerin für Bundes. Auch der amerikanische Konsul in Münmals keine Bedenken. Sie gilt als europäische Anlaufstelle der Orga.« . Kurze Zeit spä. Am entgegensteht«. Wer das Gegenteil behauptet. Staatsministerium des Innern hat ergeben. »Außer Ahmad Khalifa gab lügt er? es damals niemanden. extremistischen Milli Görüș gegründet wurde? Wuss. Die Auflung drucken.): Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. »Ich werde ihm berger im Bericht des Verfassungsschutzes. Obwohl Tag. besucht sie demonstrativ die Gemeinde in Idriz starkmachte.auch an einer Konferenz in Südafrika teil.o. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Fotos (v.n. die mithilfe der Muslimbrüder gebaut nigen. die Besuch in Penzberg: »Ich bin beeindruckt von der Islamische Gemeinde Penzberg werde zu Recht im Offenheit der Gemeinde.und schutzbericht für das Jahr 2009.18 12. »Wir dürfen uns nicht scheuen. »Das ist ja widrige Aktivitäten«. bis dahin Weilheim. sich nicht in der Lage. Es stellt den Brief ins Internet. die jedoch Pax Europa für seine Zwecke benutzt. so ausführlich wie nie zuvor. Islamkritik als »Islamophobie« abzustempeln. Diese Beamten seien doch nur darauf aus. Idriz nisation und wird deswegen im Verfassungsschutz. Djozo zählt Imam Idriz zu seinen So auch für Imam Idriz. an Ministerpräsident Ed. Unter ihnen ist auch Marian Offmad Khalifa. die er dem Imam verschließen teren Gestalten. Der Staatsminister habe sich deswegen in Interviews immer dagegen ausgesprochen. einen bosmäßig das Islamische Zentrum Münnischen Militärimam der Waffenchen – es sei ein Beispiel dafür. »Die die Penzberger darin auf. Ein ähnlicher Vorgang wiederleumdungsklage eine Gegendarstelholt sich fünf Jahre später.wurde. ich sei ein Extremist«. »wie SS.Ministerialdirigent Zudem entschuldigt sich das Magatig zu verlängern. die bayerischen Behörden gewinnen wird. In einem Gespräch mit einem hohen wäre vollständig zerstört.« Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2010. verteilt die Organisation Pax Europa vor den Kirchen in Penz. heißt es. hatte das Innenministerium da. Was ist geschehen? Imam Idriz hat zweimal die Hilfe eines gewissen Angelegenheit bislang nicht geäußert. Benjamin Idriz Idriz die IGMG als verfassungsfeindlich bezeichnet. Ibrahim el-Zayat selbst sich hat sich zu der ganzen zu bekommen. jemals Geld von zu jagen. der wollte. Gebräuche und Traditionen der muslimischen Minderheit klar zu thematisieren. und noch im Jahr 2008 rühmte sich der Staatsminister für Unterricht und Kultus. Herr Innenminister«. Neues über sich: Unter dem Titel Hitler? Ach so veröffentlicht der Focus einen Bericht Ludwig Spaenle. in dessen Anschluss Imam Seiten.wie das Jüdische Zentrum in München das jüdische ter trifft die Nachricht ein: »Die von Herrn Minister. sätzlich vorgeworfen. schreibt der Beamte. lässt Minister Herrmann im Jahr 2010 einen Ministerialrat in seinem Namen an Pax Europa schreiben.nen Keil zwischen die Muslime zu treiben. gen Vertrauten Osama bin Ladens. betreibt bewusste Fälschung. sondern geradezu notwendig«. sprach ein Grußwort. Zehn Jahre später taucht der chen kommt regelmäßig vorbei.« Nachvollziehbare Positionen.Ibrahim el-Zayat oder Leuten. der im Widerspruch zu unserer freiheitlichen Grundordnung steht. Ibrahim el-Zayat zu telefonieren? Wer sich in dass die Islamische Gemeinde Penzberg mit Hilfe der der islamischen Szene in Deutschland engagiert. es ist Karfreitag. Das Minarettverbot in der Schweiz hat sie begeistert gefeiert. sagt el-Zayat. und sie ist erbost. eine Aufenthaltsgenehmigung sagt Imam Idriz. eiwurde. das World Trade Center in die Luft Idriz hingegen bestreitet vehement. dass er den Kampf gegen Ibrahim el-Zayat. weicht er im Gespräch mit der ZEIT aus.(oben) und der bayeridruck entstand. er könne sich mit dem Innenministerium eischee der Stadt. und wieder tauchen Europaangelegenheiten. in der Idriz schreibt.u. wussten Sie. März 2011 veröffentlicht wird. er besuche regelüber Hussein Djozo. dazu Zeitungsartikel. Integration von Muslimen bemühe. Frank Leonhardt/picture-alliance/dpa. Für die Unterdrückung von Frauen oder die Scharia ist bei uns kein Platz. Emilia Müller. brüdern helfen lassen. Und el-Zayat hat nicht nur Kontakt mit islasind? Wussten Sie. damit er als öffentlichte. Finanziert werde die Gemeingalt Khalifa lange Zeit als angesehener Mann in Mün.« jetzt drei bis vier Geldquellen schließen. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagt nach seinem Fall im Verfassungsschutzbericht auf.finanziellen Quellen. dass laut Koran alle Christen ›Ungläubige‹ rum. April 2010. Der Frage nach den bericht erwähnt. beteuert Idriz.kommt um den umtriebigen Funktionär kaum heten Sie.Glaubwürdigkeit. dass im Koran an 27 verschiede. Statt sich von diesen Leuten zu distanzieren. mit berg Flugblätter: »Penzberger Bürger!. der so etwas Der Focus muss ein paar Wochen auf Deutsch schreiben konnte«. Ungeachtet dessen bekommen zu haben. wenn da nicht dieser eine Funktionär von Milli Görüș bezeichnet er Imam Satz stünde: »Neue Erkenntnisse über verfassungsIdriz als »Schwachkopf« und »Idioten«. Khalifa ist ein Prediger der ZEIT beschreibt er Imam Idriz als naiv. Im November 2010 erfährt Imam Idriz etwas Muslimen besucht. oder berg liegt. »ergaben sich im Berichtsjahr jedenfalls nicht. »sondern gegen den Islamismus. Sein Anwalt wendet sich ganz sche Innenminister Imam nehme sich die Waffen-SS nach oben. enthaltsgenehmigung ist abgelaufen. in dessen Landkreis Penznichts gewusst. So verlangt es gangenheit als Imam der Waffen-SS das Landratsamt im bayerischen habe er. wie etwa Mahmud Abouhalima. er habe sich von den Muslim. die ihm nahestehen. sie eigenmäch.de aus Mitgliedsbeiträgen und den Mieteinnahmen chen. »wenn in einer bayerischen Behörde Personen mit offen antisemitischer Gesinnung mit der Zuständigkeit für jüdische Gemeinden betraut wären?« Kurz darauf erhält Wimmer Post von einem Ministerialdirektor im bayerischen Innenministerium. März 2010 erscheint der Verfassungs. Die Arbeit des bayerischen Innenministeriums richte sich keinesfalls gegen den Islam als Religion. Ausgerechnet diesen Hussein Integration funktioniert«. Sitten. ein Islamzentrum präsident veranlasste Prüfung durch das Bayerische könnte für die Muslime dieselbe Wirkung haben.Regierung hat selbst Kontakt mit Ibrahim el-Zayat. Ist Idriz naiv. nung ist kleiner geworden von Jahr zu Jahr. die Hussein Djozo braucht er eine Bestätigung von einer nach dem Zweiten Weltkrieg verislamischen Autorität. Er hat erlebt. Im Mai 2010 urteilt das Verwaltungsgericht. Über dessen VerImam arbeiten darf. die von der Evangelischen Akademie Tutzing veranstaltet gen aufgefordert wird?« Am 30. die Hoffder Idriz zuvor am Telefon genau davor gewarnt hat. zu dessen Wahlkreis Trotz dieser Irritationen halten Penzberg gehört. CSU-Mitglied und Vizepräsident der Israelitivorgeht. 1993 versuchte.man. der Penzberger len. Khalifa hatte Kontakt zu vielen fins. als der Verfassungsschutzbericht 2008 veröffentsich der düstere Islamist Ahmad Khalifa für Imam licht wird.weiter zu Idriz. weil der im Islamischen Zentrum München.glaube. auf die Schriften.« Die radikale Bürgerbewegung Pax Europa fühlt sich bestärkt vom Innenministerium. 17 senschaftler.

sagt Matthias Matthiasson. seitdem hatten sie gemeinsam Liedertexte fürs Theater geschrieben.« Der Fairness halber muss man sagen: Übersetzung hat noch keinem Song gutgetan. sagt Matthias Matthiasson. Das Ganze ist grauenhaft und eine Schande für den Wettbewerb. hatte ihm geholfen. seine Freunde singen statt seiner. außerdem hatte er die Theatergruppe Vesturport mitgegründet. fast durchweg einer geistlosen Vögel-und-Engel-Metaphorik. »na na-na na na na«. In den Foren des Internets gehen die Meinungen dazu auseinander. 65) Trauern und hoffen Eurovision Song Contest in Düsseldorf: Ein Sänger stirbt. deren Haut so rein sei wie »ungeschlagener Schnee« und deren Augen so »schön und strahlend wie der Himmel über Moskau« seien. und es fällt insofern etwas tauwettrig aus. da klingelte das Telefon: Sjonni habe gerade eine Hirnblutung erlitten. wir sind furchtbar traurig und doch so froh darüber. Ein Mann und eine Frau sind sich nähergekommen. Sie wollen nur noch wegfliegen und möglichst viele möglichst platte Metaphern aneinanderreihen. stets auf Kurs gehalten durch seine Anziehungskraft. Sjonni Brink sei zwar ein Rocker gewesen. »da da da da da da«. Ein sauberer Schuss. bevor Matthiassons Freund Sigurjon »Sjonni« Brink mit Coming Home in der Hauptstadt Reykjavík auftreten sollte. aber die sechs Freunde zusammen können ihn vertreten. ding dong! Beim Eurovision Song Contest starten 43 Länder: Wovon singt Europa? Eine Textanalyse VON CHRISTINA RIETZ I m Anfang war die Geschichte. in denen von Augenbinden und Stühlen die Rede ist. da gibt es kein Entkommen«. und ich weiß. wie die Witwe sagt. kaum ist Osamas Leichnam bei den Haien. So entstand das Lied. Dessen Zeile »Denn niemand kennt sein Wann oder Wo« hat sich als hellsichtig entpuppt. an dem der Hörer hängen bleibe. als noch niemand ans Aufschreiben dachte.und zur anderen wieder ausgetreten«. »Es wird unsere Hommage an den Freund«. die anderen spielen. heißt es im Lied. Dann votiere man für Islands Beitrag Coming Home. Es war ein Lied ohne Zweifel. In Gstaad gibt es einen prominenten Toten zu beklagen.WOCHENSCHAU Frohnaturstatus im Härtetest Kaum ist die Londoner Hochzeit verklungen. seine Witwe. dass wir unser Leben heute leben müssen«. aber auch ein großer Fan des Eurovision Song Contest. sie übersetzte den Text ins Isländische. Das war der Sieg. Taken By A Stranger ist ein Liebeslied der Kategorie »Bleib hier«. welche Lieder es ins nationale Finale schaffen. »Aber die Strophen interessieren sowieso keinen mehr. mit betonten Schlägen Auf Deutsch hieße die letzte Zeile wohl: »Führ mich aufs Eis. nach einer Geschichte. Und damit gleiten wir zwanglos nach Düsseldorf ins Rheinische über. Dann würden die Isländer entscheiden. Am Ende jeder Zeile endet auch der Satz. Aber richtet ein Mann von Welt ein Blutbad an? Penthouse. würde Weißrussland einen Kantersieg hinlegen. Aber beim europäischen Gesangswettstreit im Jahre des Herrn 2011. erklärt sie. und gründete mit ihnen die Gruppe Sjonnis Friends. Unüblich war diese Zusammenarbeit nicht. entschied sich ein Zehntel der Bevölkerung für sie. »Es ist Physik. Endausscheidung. Die Stadt hat sich auf das Event eingestimmt. der an diesem Samstag in Düsseldorf sein pompöses internationales Fernsehende findet. Man singt seit Jahrzehnten und durchaus Bedenkenswertes: »Wärst du doch in Düsseldorf geblieben. Atomkraftgegner wissen das. das Leben so zu leben. der Kreuzreim tut ein Übriges: reimt sich rhythmisch. Eine gesungene Geschichte merkte sich der frühe Mensch besser als eine erzählte. Freilich singen sie auch in Coming Home von wenig mehr als vom »Lachen in den Bäumen« und vom »Flüstern im Wind«.« Sjonnis Witwe stimmte zu. viele Hundert Jahre später entstand der Eurovision Song Contest. »Die Kugel sei zur einen Schläfe ein. als es nicht mehr von Bedrohungen durch den Westen spricht. Dozent an der Mannheimer Pop-Akademie. und das macht mich High und ich fliege. lebendiges Lied über die Wasserrutschen in Reykjavíks Thermalbädern. mit 36 Jahren. informierte vor geraumer Zeit über das Berufsbild des Putzmannes im Sondereinsatz: »Wer Tatortreiniger werden möchte. einem Song. und dreh mich im Kreis. »Komm näher«. Und nun das: Er war als Solist schon bis ins nationale Halbfinale gekommen. »Es erzählt die Geschichte eines Menschen. Haben sich die Librettisten an Shakiras WMKiefergymnastik orientiert? Waka waka? Im spanischen Lied macht das »ouo uo« fast den ganzen Refrain aus. sag nichts mehr Zarte Ansätze von Komplexität sind womöglich in den deutschen Beitrag der Vorjahressiegerin Lena hineinzuinterpretieren. fünf. wollen die Lieddichter keine Geschichten mehr erzählen. du wirst wieder meine Liebe sein«. Matthiasson singt. sie wollten zusammen frühstücken. Für den könnte man stimmen. der den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko mutmaßlich entzückte: Als ich einen Stern trug Damals in der UdSSR War ich so gut wie Mama Fühl meine Leidenschaft Wenn alles vorbei ist Wird dein Name wie die Sonne strahlen Du bleibst immer noch das Beste Schön altmodisch Kill mich mit einem Killer-Kuss Liebe mich mit üppigen Schenkeln Verkleideter Engel Die Ukraine setzt Angel dagegen. die man aber gut mitsingen kann – als da sind »eeeeeh«. um die Welt zu retten. wie Sjonni es gefallen hätte. und wir helfen einander. Vielleicht hatte das Lied mit ihr zu tun. was auch geschieht. »Ein sehr merkwürdiges Gefühl. Himmel! Mühelos erkennt der Analytiker vier Kategorien des Begehrens: »Komm her«. Ganz anders 2011: »Warum er Coming Home ausgesucht hat. Apropos Politik. Im Refrain treffen die beiden betonten Schläge des Viervierteltakts mit den metrisch betonten Wortsilben zusammen – der Refrain wird dem Hörer ins Ohr gehämmert. »Als Sjonni dann so unerwartet starb. dass sein Lied ausgewählt wurde und in ganz Europa gehört werden kann«. wieder geschossen. die er oft mit den vier Kindern – sie sind jetzt drei. nach Hause zu kommen zu seiner Familie oder seinen Freunden. der sich nach Meinung vieler »stilvoll« aus dem Leben verabschiedete. »ding dong«. war uns allen klar. zum Mitsummen. »Wie ein Satellit« wollte Lena in elliptischen Bahnen um den Geliebten fliegen. »Da da dam« heißt der Haken des gleichnamigen finnischen Lieds. Der mysteriöse Refrain fasst den Stand der Dinge zusammen: Taken by a stranger Stranger things are starting to begin Lured into the danger Trip me up and spin me round again Abou-Dakn hört im Refrain eine sexuelle Fantasie anklingen. du wirst nie ein Cowboy sein. 5. Das Video zum Lied wurde in einem Stall bei Reykjavík gedreht. »wir mussten das Lied in seinem Namen singen. Beispiele? Lettland bringt Angel In Disguise an den Start. »oh-oh-pop oh-oh-pop«. Viermal schon hatte Sjonni Brink an der heimischen Vorauswahl teilgenommen. präzisiert werde. Einen eingängigen Haken hat auch die Weißrussin Anastasia Vinnikova: »I love Belarus!« Ihre Liebe gilt dem Vaterland. Viele. der es nicht abwarten kann. Drei Tage lang geht es um die Endausscheidung beim Eurovision Song Contest. wir sind in Gefahr Wir sind kristallweiß. Er starb. Dabei verlangt es den Sänger ständig nach »Wodka!«. aber wenigstens nicht erzdumm. konnte Bild am Schreibtisch ermitteln. heißt Ein dummer Text. wo ich hinmuss Und ich komme jetzt! Der Makedonier Vlatko Ilievski träumt währenddessen vom Wodkatrinken mit einer Russin. An jenem 17. kristallweiß Ich höre ein stilles Gebet. Später. als ginge es morgen zu Ende – eine Botschaft an seine krisengeschüttelten Landsleute. Es war ein Appell. erklärt uns auf Anfrage. Aber lesen Sie 12. dass er sie liebt. halb Rock. Seither bereiten sich die Freunde auf Halbfinale (10. Januar 2011 waren es noch zwölf Tage bis zur Vorrunde im Eurovision Song Contest. weil Propaganda in Weißrussland verboten worden wäre. elf und 16 Jahre alt – besuchte. Dann. höher fliegen. die nichts bedeuten. sie geht. verfeinerte es und machte es zur Kunstform.) . bewährter Stilmittel.« Und natürlich Feudel und Eimer. »Raki!« – zur Hilfe! Viele Komponisten haben Buchstabengebilde eingebaut. in dem Sjonni sein Pferd hatte. der Verstand weniger. muss starke Nerven haben. die es dieses Jahr ins Halbfinale geschafft haben. Sigurjon »Sjonni« Brink. Nigel Treblin/dapd (u. ja an alle Europäer. Sein Bruder und ein Cousin haben das Video gedreht. aber da: »Wäre es der Eurovision Propaganda Contest. wie einst. Das »ding dong« stammt aus dem Lied von Dana International. Das will Peter verhindern: Und ich komme nicht zurück Bis er gerettet ist Ich werde zum König gehen und zum Parlament Und wenn sie nicht helfen wollen Tu ich’s eben selbst Im März musste das Lied zurückgezogen werden. Die Gewinnerin des Jahres 1999 tritt nochmals für Israel an. Im letzten Moment hatte Sjonni Brink das Lied beim Wettbewerb eingereicht. Seine Frau Thorunn Clausen. Thorunn Clausen produziert und managt. sogar nach dem Leben auf der Erde. so kurz vor seinem Tod. uo uo. Noch vor dem Begräbnis versammelte die 35-Jährige sechs Freunde. Im vergangenen Jahr enthielt das Gewinnerlied wenigstens so etwas wie einen originellen physikalischen Vergleich. geflogen wird auch wieder: Ding dong. bleibt mir ein Rätsel«.) und Finale (14. einen schlichten »Engel«: Wir sind Vögel Wir fliegen so hoch Und wir fallen runter Wenn ich von dir träume Ist mein Traum so furchtlos Wir sind Menschen des Planeten Deutschlands Lena singt quasi eine Sado-Hymne. Für Lenas Quasi-Sado-Hymne Taken By A Stranger bediente sich ihr Komponist. 5. dass wir nur eine Wahl hatten«. dass Taken By A Stranger doch ein ganz guter »Hook« sei. und er habe alles gewusst: Wer im Jahre 1986 Island zum ersten Mal vertrat. weiterfliegen. eine Schauspielerin. Sjonni war seit mehr als einem Jahrzehnt als Sänger in Island bekannt. ausgerechnet. »ouo uo uo«. sondern weil es regelwidrig bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war. Masen Abou-Dakn. und immer noch ging es um die Liebe. Fotos [M]: ESC/RÚV/Gassi (2). wenn »my pain walks down a one-way street« zu »mein Schmerz geht eine Einbahnstraße hinunter« wird. »Das Lied erinnert uns daran. In Da da dam erfährt sein kleiner Held Peter von seinem Lehrer. Ich weiß.« Für den Song Contest zu komponieren sei so ähnlich. Es gilt in Düsseldorf als ein Favorit. Die beiden waren sich 2002 während der Arbeit am Musical Le Sing in Reykjavík begegnet. So begegnet man in den 43 Liedern. »Bleib hier« oder »Wo bist du hin?«.« Zwei Tage nach der Beerdigung traten Sjonnis Friends erstmals auf. im Finale. Oder man sehnt sich. es ist der einzige gesellschaftlich ambitionierte Beitrag in Düsseldorf.« (Mehr Düsseldorf auf S. für Sjonnis Band The Flavors und für sein Soloalbum. finde ich dich. es ist eine Schande. Der Text handelt von der Flüchtigkeit des Seins. alle aus der isländischen Musikszene. Ich liebe Weißrussland heißt also das Stellvertreterlied. zwei Tage später traten sie erstmals auf M atthias Matthiasson war auf dem Weg zu seinem Freund Sjonni. wie viele Punkte die Sänger in anderen Jahren sammelten. Der Schlagzeuger sitzt auf einem Sattel. das im Jahr 2009 erschien. endlich ein bisschen Patriotismus zu hören. denn Sjonni ritt so gern. um ihnen zu sagen. »Schön. in welchen Jahren Island später fehlte. dass sie nicht in ihrer Muttersprache singt!«. Der von den Briten immerhin zum besten Lied der vergangenen 25 Jahre gewählte Robbie-WilliamsSong Angels verliert an Kraft. nicht etwa. ein Haken. vier Einheiten. Und dass. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 20 selbst (unten). »da da dam«. Die Liebenden mögen ihre Flügel spreizen und wegfliegen. und sein Leben war vorbei Na na na. behielt man das Singen bei. dessen Frohnaturstatus sich diese Woche einem Härtetest ausgesetzt sieht. das Schicksal hat eine Geschichte geschrieben – siehe oben. sie hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten. besser kann man es nicht sagen. wird schon wieder gejubelt. Vier Verse. Der 20-jährige Axel Ehnström tritt unter dem Decknamen Paradise Oskar an. »Ding dong« machen die »Glocken der Seele«. diese Liebe uns wieder zusammenführen wird. es hier. Die Geschichte des Liedes aus Island VON DEBORAH STEINBORN Sjonnis Friends – sie trugen Sjonni zu Grabe. »chaka chaka«. die dann in den Strophen. Sie werden ihren Auftritt so inszenieren. als man schreiben konnte. den »verkleideten Engel«: Wir leben menschliche Leben Wir sind Engel. schöner Playboy.) des Eurovision Song Contest in Düsseldorf vor. halb Folk. seine Söhne und seine Freunde tanzen. an dessen Wettbewerb es ja gerade teilnimmt. der Amerikaner Gus Seyffert. Der Impuls zählt.« Die eingereichte Liebeslyrik ist in jeder Hinsicht grauenhaft. Am Abend vor dem Abgabetermin schrieb er mit ihr die letzten Zeilen auf Englisch. einige Tage später. Der Lieddichter ließ sich nicht entmutigen und hatte flugs ein paar neue patriotische Zeilen auf Lager. Sie sagt: »Wir können Sjonni nicht ersetzen. Zwölf Tage. sagt seine Witwe. sang sie. Ursprünglich hatte sie einen Song namens Born in Belorussia eingereicht. Eine Hirnblutung. 2010 kam er mit Waterslide ins Finale: ein lustiges.« »Wenn meine Zeit auf der Erde endet. er würde das gern fortführen. sagt Thorunn Clausen. Einfach ist es für keinen von uns. »dass dieser Planet stirbt«. niemals landen. wie für Bild Schlagzeilen zu machen. egal.

zelebrierte. ich verachte den Militarismus. nach Freiheit dürstet mich. Gleich am Eingang schlagen die Geigerzähler wild aus. von Käutner bis Visconti. und die Familie lässt den Sarg nicht öffnen. gar zur Ehe zog’s ihn nicht. Vom 14. Wir entleihen den Nachen Hansl und rudern zur Insel. Primus Verlag.90 €. Ändern soll das die Bayerische Landesausstellung 2011. Nach Ludwigs Amtsenthebung wegen angeblicher Geisteskrankheit und seinem mysteriösen Tod am 13. Ließ mitternachts Theater spielen. Auch der Spiegelsaal von Herrenchiemsee steigert das Versailler Original. Bayerischen Geschichte/Augsburg All das brach den Realpolitiker und trieb ihn in die Gegenwelt der Kunst. Wagner dankte es dem hochfühligen Monarchen mit Ideologie. Der bayerische Ludwig kopierte. damit Ludwig das ebene Land und den See nicht sähe und das Volk nicht seines Königs Schloss. Ludwig II.« »Ihnen haben wir also den ganzen Schlamassel zu verdanken«.und Fortunabrunnen. Eine Legende. mit aufgepflanztem Bajonett. Königgrätz: Die Niederlage geriet katastrophal. Augenrollen. politisches Zentrum. Vom See her quarren Enten. Dort klafft der Wald. doppelt so groß wie das in Versailles. [M]: Haus d. und es geruhte in Rheinland-Pfalz.. Die Ausstellung »Götterdämmerung – König Ludwig II. baute. als Verschleuderer des Sippenschatzes? Davon orakelt mit Begeisterung unser Bootsvermieter Stöffl. dieser Friedensbrücke vom Absolutismus zur Demokratie. bereits 1752 wieder abgebrochen wurde. 1870 provozierte Bismarck den nächsten Krieg und nötigte Ludwig zur deutschen Waffenbruderschaft wider Preußens »Erbfeind«. im Flachwasser des Starnberger Sees. die nicht im Plan verzeichnet ist: »Nukleus Panopticum« wirbt ein atomgelbes Schild. das bayerische Versailles. Er notierte in sein Tagebuch: »Sophie abgeschrieben. unteilbaren Einheiten zusammengesetzt. beförderte den kunstdurchglühten Jüngling 1864 auf den Thron der Wittelsbacher. I . Ratlos staunend stehen wir im Paradeschlafzimmer. »es gibt noch Richter in Berlin«. links sehen wir die geisterhaften Gerippe von Fukushima. Sie erzählt von einem Müller in Potsdam. Begeistert walzen die Touristenvölker dieser Welt durch Ludwigs Prunkrefugien. locken heute Karussell. Der Wald blieb. Entschlossen ignorierte er das Wesen des konstitutionellen Königtums. Durchaus war Ludwig kein bloßer Fantast. Parlament. Mai bis zum 16.E. Tod und Mythos. an Österreichs Seite. schottete sich ab. Abb. Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr. von Venus malerisch umschlungen.« Der Schwulst ist Zitat. Uns platzen die Augen. 0821/329 51 21 ZEITLÄUFTE l y a des juges à Berlin«. wie Ludwig II. Gegenüber liegt die Herreninsel. Da. der Ludwig von Frankreich. von empörten Fischern zu Hilfe gerufen. ruft er mit fremdländisch klingendem Akzent und drückt uns Geigerzähler in die Hand. 22 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit ULRICH SCHNABEL Kernie’s Familienpark verspricht eine Kettenreaktion des Vergnügens. »Ja. Die Schifffahrt ruht bereits. Und er baute. erst vierzig Jahre alt. Aber die Wissenschaft hat mir recht gegeben. Ihr dichter Wald birgt König Ludwigs Schloss. Der Souverän also will diese grauenvolle Brücke über das Moseltal. das die Landschaft mit den uralten Rebhängen zerschneidet. Der Ludwig liegt in der Gruft der Münchner Michaelskirche. Die Kitschindustrie überkleisterte den »Märchenkönig« mit einer dicken Zuckerkruste. »Wie konntet ihr meine Theorie nur so missverstehen!«. Wir nähern uns dem goldenen Zeitalter der Physik. was aus meiner Idee alles werden würde«. versinken – unbewusst – höchste Lust!« War es so? Oder Mord? Und von Guddens Tod? Die Ausstellung bietet ein Pro und Contra möglicher Varianten und Motive. sagt er.« Daneben Bismarcks Diktum: »Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden [. der Kronprinz. Da erkennen wir ihn: Demokrit! Der »lachende Philosoph«. Gewaltiger Skandal! Allerdings fühlte Sophie sich insgeheim nicht minder befreit als der entsprungene Gespons. als gottunmittelbarer Königskünstler.] hat sich in seiner Geisteszerrüttung selbst in den See gestürzt. Unrecht zu tun. das nie in Betrieb ging. Der Palast empfängt wie einst Versailles: mit der Escalier des Ambassadeurs im südlichen Treppenhaus. Die heilige Mission des Königs sei der bewusste Wahn. Wie der König Krieg führen musste. Zunächst durchwandern wir den wunderbaren Buchenwald. rechts den noch rauchenden Trümmerhaufen von Tschernobyl. der fragt sich doch: Gibt es denn keine Richter mehr in Mainz? B. Wie er seine Gegenwelten schuf. das ist der andere gewesen. Es amselt. aber die Erbschatulle der Wittelsbacher. Verwirrt blinzeln wir ins Sonnenlicht. finkt und piroliert. blankes Licht. eine funktionable Waffe. Er wurde zum Freak. ruft Esther Osenberg. Ludwigs Ausspruch: »Ich hasse. der sich gegen Friedrich den Großen zur Wehr setzte und am Ende vor Gericht in Berlin obsiegte. Unterzeichnete. Tel. Enrico Fermi bringt in einem Stapel von Uran. wobei die doppelläufige Protzstiege Ludwigs XIV. behauptete. Auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar am Niederrhein. Denn Ludwig hatte Gott gefunden: Richard Wagner. Der Mythos ist viel schöner. verknallt. Aber in der Pointe versteckt sich die ewige Hoffnung. sie hatte sich in Edgar Hanfstaengl. Empfing und sprach sie nie. Was wisst ihr denn vom Ludwig? Dass er der Sonnenkönig war. Genug! Und dann die Erlösung: das nördliche Treppenhaus. Nie schlief er hier. erwartet uns geballte Ludwig-Kompetenz: der Projektleiter Peter Wolf vom Augsburger Haus der Bayerischen Geschichte sowie Katharina Heinemann und Sybe Wartena von der Schlösserverwaltung. nur für sich. Oktober erzählt sie im Schloss Herrenchiemsee die Götterdämmerung König Ludwigs II. bis zum heutigen Tag. Herrenchiemsee ist L’art pour l’art. Katalog (2 Bde. die alte Industrie-Partei SPCDU zu wählen (70. Das Sterberegister vermerkt: »Seine Majestät [. dass ein Richter den Souverän daran hindert. Auf der Schlosstreppe.. Ludwig erfuhr es wohl nie. ir kommen spät.). Aber wer die Modellzeichnung sieht. »mir ging es um die Seele. nichts weiter. von Bayern. Versailles war Hofstaat. dass die Gerechtigkeit die Macht in die Schranken weist. imaginierte sein französisches Idol. Porträtpostkarte (1910) nach einem Foto von Joseph Albert 1863 Formal bietet dieses Chambre de Parade. Sein Finale bleibt dunkel. Sie inszeniert Ludwigs Lebensdrama in fünf Akten: Die Werdejahre. Ludwig II. Das Volk hatte die Wahl. Das düstere Bild verweht. täten wir kein Auge zu. Die Krönung stieg 1871 ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles. Nein! Barbara legt an. Überließ seinen Ministern das Regieren. Machte die Nacht zum Tage. das Volk. Zucker und Wahn Eine große Ausstellung auf der Herreninsel im Chiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. kichert er. war ein bisschen verrückt. Südtiroler Schüler aus Meran wallfahrten auf König Ludwigs Spuren. Juni 1886 im Starnberger See öffnete Bayerns Regierung die Königsschlösser. 1873 wollte ein württembergisches Holzkonsortium die urmächtigen Bäume fällen. Wir kommen früh. Die Schlossbauten wurden Ludwigs »Hauptlebensfreude«. Zwei Jahre später befand sich Bayern im Krieg gegen Preußen. Man weiß nicht. erklärt Kathrin Holzknecht. delegierte. antworte ich vorwurfsvoll. Man sieht Ludwigiana vom Taufkleid bis zu seinem letzten Regenschirm. Wenigstens diesem idiotischen Akt des antifranzösischen Triumphalismus hat Ludwig sich entzogen. Dem Wald verdankt sich das Schloss.« Ludwig. weiß: Auch Seelenatome haben ewigen Bestand!« Dann bricht er in lautes Gelächter aus. ruft er uns hinterher. Letzteres glückte. doch der Priener Bootsvermieter Stöffl hat noch auf. Drei Tage nach seiner Verhaftung und Amtsenthebung starb Ludwig. Die Staatskasse konnte Ludwig nicht plündern. der Irrenarzt Bernhard von Gudden. Fröhlich winkt uns ein Herr im Strahlenschutzanzug heran.und Grafitblöcken – mitten in der Großstadt Chicago – die erste Kernreaktion zum Laufen. wandernd oder im Rokoko-Schlitten. die Natur sei aus kleinsten. aufkommender Sozialdemokratie und ähnlichem Erdenleid. »Damals hat mir das ja keiner geglaubt.. Die Schulden wuchsen. Der Chiemgau war dem Hochgebirgsschwärmer eigentlich zu flach. Schön zeigt die Ausstellung Ludwigs Faible für die technische Moderne – im Kontrast zu seinem anachronistischen Eigenbild. So lautet die hübsche Pointe einer hübschen historischen Legende.]. Mit ähnlichen Worten entringt sich Tannhäuser den Armen der Venus. Fern und in letzter Sonne schimmert ein Orplid: Herrenchiemsee. Mit 18 Jahren musste Ludwig König werden. baute. Kahl. Heisenberg grübelt über der Unschärfe. Die Ikone des Verklärten verdeckt die historische Gestalt. sondern durch Blut und Eisen. Chr. in die Mündungsbucht des Grand Canal. er überbot es VON CHRISTOPH DIECKMANN W gar. erwarb die Herreninsel für seine Versailles-Kopie.. Bayerns Modernisierung. wünscht es. Wir betreten einen Geisterbahn-ähnlichen Tunnel. Dann käme höchstens die Wahrheit raus. Ist euer Berlusconi auch ein Sonnenkönig? Schreckenskreischen. »Mir ging es doch um etwas ganz anderes«.9 Prozent).« Das wäre ein Tristan-Schluss: »Ertrinken. Viele Schlossgemächer blieben unvollendet: funktionsloser Hohlraum. brummt er. Aber da wird der Alte grantig. Man wollte den Verschwendungswahnsinn des Verewigten beweisen und mit den Eintrittsgeldern die Staatsfinanzen aufbessern. Der König desgleichen. 39. Zum Weibe. sie im »Sonnenkönig« inkarniert empfand und selbst ersehnte. wo einer der besten Weine der Welt wächst. Namens der deutschen Bundesfürsten hatte Ludwig dem Preußenkönig Wilhelm die Kaiserkrone anzutragen. Bekanntlich kam es anders. daran besteht überhaupt kein Zweifel. Ludwigs Traumland Frankreich. Wir dürfen schon vorher gucken. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Gehört Bayern zur Bundesrepublik? Sein Landtag lehnte 1949 die Verfassung ab S. »Das waren noch heldenhafte Zeiten«.. Doch unser Führer drängt weiter. Er lief aus dem Ruder. sagt er mit unverkennbarem Stolz. Oktober im Neuen Schloss auf der Insel Herrenchiemsee gezeigt. soeben hat Bayern die Orgie aus Gold und Brokat weihwürdig restauriert. Als Mönch der Kunst müsse er sie leben und zur idealen Blüte bringen. nach Freiheit verlangt mich. seufzt unser Führer und zieht den Schutzanzug aus. die Kinderflinte. gestraft mit Kabinett. Die Verlobung mit seiner Cousine Sophie von Bayern löste er 1867 auf. Denn wer das Wesen der Dinge erkennt. Alsdann diktierte Bismarck ihm den »Kaiserbrief«. Nackte Ziegel. Der Dampfer Barbara wimmelt von Kindern. zwischen Fama. am nächsten Morgen. den Verlobungsfotografen. Er wurde der Mäzen des sächsischen Komponisten. will dieses Monstrum. Eines fehlt: Wurde Ludwig von den Wittelsbachern exekutiert. In diesem güldenen Alkoven unterm Baldachin. Er lebte im Zeitalter der Industrialisierung und Elektrifizierung. Also schwelgte er in artibus. nach Aufleben von qualvollem Alp. Um Seelenfrieden ging es mir!« Unvermittelt öffnet er eine Tür und schiebt uns ins Freie. átomos habe ich das genannt. Seine Majestät. »Atomkraft. weil er niemals einen Menschen sehen wollte. Dort endete auch sein Begleiter. Der plötzliche Tod seines Vaters Maximilian II. alpin überragt von Hochfelln und Kampenwand. pff. In der Ferne erklingt Swingmusik. Wallte durchs nächtliche Hochgebirge. Ideell ist es ein Memorial der absoluten Monarchie. Doch was ist das? Bei unserem Besuch stehen wir plötzlich vor einer Attraktion. Nur das Lachen Demokrits dröhnt noch lange in unseren Ohren. Ein Rehkitz äst. In politicis war Ludwig rechtlich eingeschränkt. Auroras Strahl bricht durch purpurbeschleierte Lünetten und rötet den Raum. Ein Übriges taten Filme. das Unzerschneidbare«. Wären Sie dafür? Nein. damit er sich in eine andere Welt und Zeit versetzen kann. der 400 v. noch hatte er es vor. Darunter kommen ein antikes Gewand und Sandalen zum Vorschein. eine historistisch perfektionierte Nachschöpfung. Der Chiemsee leuchtet im Abendschein.21 12. sagt Stöffl. Man kann nur rätseln.« des Hauses der Bayerischen Geschichte (Augsburg) wird vom 14. Otto Hahn gelingt die Kernspaltung. wie er gestorben ist. Er hat ganz viel Schönes bauen lassen. In den Rohbauräumen wird die Landesausstellung gezeigt. »Hätte nie gedacht. dieses angekündigte Verbrechen betrachtet. Ludwigs uferlose Schlossprojekte wurden zur einzigen Realität seines Königtums. »Herein. die ursprünglich nahe Linderhof im Graswangtal entstehen sollte. herein«. Nein. Mai bis zum 16. sagt Isabella Modanese. Achterbahn und Kletterwand am Kühlturm. der Souverän ist das Volk.

die Kinder auf »Bekenntnisschulen« zu schicken. Der Text bildet eine wichtige Basis für den Parlamentarischen Rat in Bonn. Auf Druck der Amerikaner war der Artikel ohnehin umformuliert worden. Mai geht es im Landtag zur Sache. Dort ist er. Weiteren Geländegewinn vor Augen. eine Verfassung. Und Eugen Rindt. Doch seltsam: Auf der Internetseite der CSU findet sich zwar eine detaillierte Chronik jener Jahre. Die neue starke Kraft im Lande. Doch heute wird im Plenum über eine andere Verfassung abgestimmt. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. denn in einer Probeabstimmung hat sich Hundhammer beim zweiten Teil der Kompromissformel – dem »Ja zu Deutschland« – enthalten. ist von bayerischen Experten verfasst. Aus der SPD-Fraktion sind »Pfui«-Rufe zu hören. warum dies nicht genug ist. Mai ist angebrochen. Warum nur? Der Autor ist Historiker und Journalist. Die SPD hat eine »Interpellation gegen die Bemühungen monarchistischseparatistischer Kreise in Bayern« eingebracht. So kann die CSU in Bonn wie in München guten Gewissens gegen das Grundgesetz stimmen – folgenlos.GESCHICHTE 12. den die Nazis 1934 aufgehoben und dessen Sitz die Bomben zerstört haben. mit ihrem Nein geselle sich die CSU den Kommunisten zu. Vaterland Gehört Bayern überhaupt zur Bundesrepublik Deutschland? Im Mai 1949 lehnte sein Landtag das Grundgesetz ab. lädt er Experten aus den elf westdeutschen Ländern für den August 1948 auf die Herreninsel im Chiemsee ein. Als V-Mann Ehards dient der gebürtige Pfälzer Anton Pfeiffer. ja zu Deutschland. die CSU. »Rechts-«. Einmal platzt Ratspräsident Adenauer der Kragen ob der »bayerischen Parteifreunde«. versuchen. Spannend wird es. ist Parteichef. »Landesverräter!«. 97 Parlamentarier bekennen sich zur Rechtsgültigkeit der Bonner Verfassung. In ihr versammeln sich Anhänger eines souveränen Freistaats. Bayernpartei und SPD. die der CSU erneut eine kräftige Mehrheit bescheren. der SPD-Mann Wilhelm Hoegner. Denn er selber ist es. Eine knappe Mehrheit verwirft die Idee. einen strammen Konservativen. Dabei zeigte vor allem die CSU schon früh ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen VON RALF ZERBACK Vom Wählervolk ganz zu schweigen. Bayern habe eine »Chance. »Sozial-« und als »Kulturstaat« bezeichnet. die in Bonn ein Verbindungsbüro unterhält. Clay hält in einem Schreiben fest. aus der SPD eine SPB (Sozialdemokratische Partei Bayerns) zu machen«. Auch Hans Ehard setzt seinen Namen unter die Urkunde. Doch da passiert etwas Seltsames: Ehard empfiehlt. Die Bayern querulieren weiter. Mai 1949. lässt in Abwesenheit zu Protokoll geben. Oktober 1948 im Bonner Hotel Königshof am Rhein zu einem Abendessen mit dem nordrhein-westfälischen Innenminister Walter Menzel. Schließlich präsentieren die Hundhammer-Leute einen Kompromisskandidaten: Hans Ehard. ist Fraktionsvorsitzender. Ehard aber ist zufrieden. September seine Arbeit aufnimmt. hatte es doch zunächst »deutscher Bund« und nicht »Bundesstaat« geheißen. 14 Abgeordnete stellt Bayern. der den Versammelten einen Verfassungsentwurf präsentiert. abgesehen von einigen wenigen Mitgliedern. Unter Ehard zeigt die Regierung zunächst gesamtdeutsches Engagement. die sich – verdächtig bescheiden – »Grundgesetz« nennt. Ein denkwürdiger Doppelbeschluss. Ehard muss um seinen Doppelbeschluss fürchten.u. sie endet um halb drei nachts. die Formel. Die beiden Hauptkontrahenten innerhalb der CSU. Und doch hat sich die Renitenz der Bayern am Ende für sie gelohnt. Dezember 1946. Hoegner ist es auch.« Die Mehrheitspartei der Konstituante. der »Ochsensepp« und Vertreter des liberalen Flügels. Während seiner Rede bekommt er vor allem Beifall von der CSU. Angst vor dem rechten Flügel der CSU. Josef Müller... Doch keiner von beiden hat eine Chance. der keinem der Flügel angehört und der zudem auch der SPD zu vermitteln ist. Am Ende freilich bekennt er sich »angesichts der weltpolitischen Lage« zur neuen Konstitution. Zudem beinhalte Artikel 178 der neuen bayerischen Verfassung. im Geiste der Confoederatio Helvetica. Ehard befürchtet. der die Amerikaner um Unterstützung gebeten hat.n. Staatsstolz wird das Land in den ersten drei Artikeln als »Freistaat« – also als Republik –. Er ist sogar Leiter der CDU/CSU-Fraktion. er lebt in Frankfurt a. ist in sein neues Quartier. gezogen. stehe dem christlichen Glauben an die göttliche Allgewalt diametral entgegen. einer »Bundesrepublik«? Um neun Uhr morgens beginnt die Debatte. Das ist der Beitrag der Länder zum Grundgesetz. Mehr noch: In einer höchst akrobatischen Volte kommen Ehard und seine Christgenossen auf die Idee. Ehard droht nun mit Rücktritt für den Fall eines doppelten Nein. dass er dies selbst vor dem Parlament deutlich macht. Der Präsident des Parlamentarischen Rats. der »Entwurf eines Grundgesetzes«.). bedeute die Sache plötzlich nichts mehr. der am 1.oder Landesfinanzverwaltung als Hindernis bezeichnet. »Ich traue den Herren. Alois Hundhammer (mit Bart) und Josef »Ochsensepp« Müller (M. Der Stellvertretende Militärgouverneur Lucius D. Die beiden Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei und die beiden Kommunisten (alle vier aus NRW). weiß-blau glühen die Herzen der Volksvertreter. Es folgt die zweite Abstimmung. gleich die beiden ersten Buchstaben A und B behandeln die Bayern-Frage: »Der Anton pfeift aus dem ff / adagio jetzt und jetzt andante / die Arien des Ochsenseph / der Aloys schnalzt die Älplervariante . treu dem Hause Wittelsbach. Die Alliierten monieren am 2. die Gegenseite sieht ebendiesen Föderalismus als Hitlers erstes Opfer. die CSU. 1818 und 1919. umso weniger«. Überall herrschen Zerstörung und Mangel. meinte bereits 1946 der spätere Landtagspräsident Michael Horlacher. und zwar – oh Wunder! – in denselben Punkten wie die CSU: Die Bundesrechte seien zu stattlich. er habe beim ersten Wahlgang noch »mit Mantel und hochgeschlagenem Kragen im hinteren Teil des Saales« gestanden.8 Prozent. Die Ämter sind genau verteilt: Alois Hundhammer. ebenfalls von der CSU. talwärts gezwiebelter Turm / Hüten die Freiheit. dann wieder sind es die Rechte des Bundesrats. Soll Bayern Teil eines westdeutschen Bundesstaats werden. Und setzen ihren Kampf sogleich fort. . Trotz des Ergebnisses bleibt Hoegner auf Wunsch der Militärregierung Ministerpräsident. seine Regierung die einzige. Ehard muss dem Hundhammer-Flügel etwas bieten: das Nein zum Grundgesetz. nicht ahnend. wonach Bayern einem künftigen deutschen Bundesstaat beitreten wolle. die Beleuchtung schummrig. es thront über der kriegsversehrten Stadt wie zu Königs Zeiten. Mai die Ablehnung als visionären Schachzug präsentiert. Mai 1949 halten Hundhammer wie auch Bayernparteiler flammende Reden für ein freies Bayern. Mal ist es die Finanzverfassung. Anton Pfeiffer. die ihnen nicht passt. Mai dann die entscheidende Sitzung. sich dem wichtigsten Thema überhaupt hinzugeben: der »bayerischen Frage«. 65 Delegierte entsenden die Länderparlamente nach Bonn. das Nachkriegsbayern unter US-Verwaltung bald fünf Jahre alt. als gegen Ende der Debatte Wilhelm Hoegner das Wort ergreift. trifft sich Ehard am 26. lange nach Mitternacht. Wie kann das Land seine Identität wahren? Soll es mitmachen bei einem künftigen geeinten Deutschland? So schickt Hoegner gleich eine Sonderration Kartoffeln in die Rheinpfalz. resümierte. Vergebens hat Adenauer noch am Tag zuvor Ehard um ein Votum zur neuen Verfassung gebeten. Lediglich die verlorenen Westgebiete – die Rheinpfalz und der Kreis Lindau am Bodensee – stehen unter französischer Verwaltung. Schon bei der Wahl von Hoegners Nachfolger kann man sich nicht einigen. die fernher vom Norden der grimmige Preusse / Heldentümlich bedroht. was er an Länderrechten im Grundgesetz durchgeboxt hat. Die neue deutsche Republik wird ein »gottloser Zwangsstaat« Drei Tage später stimmt der Rat in Bonn ab. Vaterland« soll es jetzt »Heimaterde. die aber nicht stimmberechtigt sind. Ehard berichtet später. als am 23.). finden dort Unterschlupf. fordern einige Mitglieder neben dem Ministerpräsidenten auch ein richtiges Staatsoberhaupt. Die Alliierten und der Parlamentarische Rat haben festgelegt. Zu diesem Zeitpunkt ist das neue. Archiv Friedrich (2). so lautet das Ergebnis. Zugleich finden die ersten Landtagswahlen statt. einem SPD-Mann. Nun muss Hoegner weichen. vom deutschen Zentralisten zu einem überzeugten Föderalisten geworden. Bald kommt es zu Spannungen zwischen ihm und der Militärverwaltung. Zumal das Verfassungswerk zu einem beträchtlichen Teil sein eigen Kind ist. Schäffer intrigiert bereits seit 1948. die Heraufkunft eines »gottlosen Zwangsstaats«. Am 19. Da kommt Hilfe in höchster Not. Prompt schießen die Wogen hoch. Vaterland« heißen. dies gegebenenfalls zu verweigern. in einer zweiten Abstimmung im Landtag dann ausdrücklich den Grundsatz der Zweidrittelmehrheit zu billigen und das Grundgesetz für rechtsgültig auch in Bayern zu erklären. dass der Ausdruck »bayerischer Staatsangehöriger« nicht im Gegensatz zum Begriff des deutschen Staatsangehörigen zu sehen sei. Zur Not der Einheimischen kommt die der Flüchtlinge aus dem Osten und der Displaced Persons. Am 15. Von Pfeiffer eingefädelt. Tatsächlich bringt die CSU am Ende ganz neue Themen auf wie zum Beispiel das Elternrecht – gemeint ist das Recht. Es gibt jedoch einen Ausweg. je weiter sie im Norden wohnen. Er hat am 19. Seinen größten Coup landet der Bayer bei der Gestaltung der zweiten Kammer. der regelmäßig in die Debatten eingreift. Zwar empfindet Pfeiffer den Beistand als »peinlich«. die beiden Delegierten der rechtsnationalen Deutschen Partei aus Niedersachsen und sechs der acht CSU-Männer aus Bayern votieren gegen das Grundgesetz (nur zwei fränkische CSU-Abgeordnete sind dafür). einen bedächtigen Fahrensmann. kritisiert die Finanzverfassung und die zu geringen Rechte des Bundesrats. Schon am 13. Man sollte also meinen. Das alles aber hindert Bayerns Politiker nicht. Unten: Hundhammer stimmt ab weiterer Entwurf hervor. Die FDP höhnt über »Hoegners Traum. Er ist schon seit 1947 nicht mehr Chef der bayerischen SPD und hat sich mit seiner erzbajuwarischen Position weit von der Haltung seiner Partei entfernt. es ist eisig kalt. über allen Verhandlungen in Bonn habe der »bayerische Zweifel« gestanden. als er von der Absprache hinter seinem Rücken erfährt. denn noch immer ist es unpopulär. Bayern im Glück. des Bundesrats. dass er in Kürze zum neuen Chefbayern bestellt werden sollte. seit 1910 priestergeweiht. als die Amerikaner ihm zunächst das Hissen der geliebten weiß-blauen Fahne verbieten. Die CSU habe »immer und immer wieder« die Frage der Bundes. säuberlich getrennt nach Konfessionen. Hundhammer werden – nicht zum ersten Mal und nicht ohne Grund – separatistische und monarchistische Neigungen nachgesagt. auch wenn er es sich noch föderalistischer gewünscht hätte. Geschlossen votiert die CSU gegen das Grundgesetz. Dann stimmt eine große Mehrheit gegen das Grundgesetz. zu streiten für Bayerns Freiheit. gut ein Jahr. die Liberalkonservativen und die Erzkonservativen. einer ist Freidemokrat. da es sich noch nicht um Landtagswahlen gehandelt hat. hinzu kommen fünf Abgesandte aus West-Berlin. Die Formel für diese wirre Dialektik ist rasch gefunden: Nein zum Grundgesetz. in der die Länderregierungen das Sagen haben und nicht – wie bei der »SenatsLösung« – die Wähler. bis 1933 war er Vorsitzender der Bayerischen Volkspartei. Gemeinsam heckt die Rhein-Isar-Entente eine »Bundesrats-Lösung« aus. Gut 70 Prozent aller abstimmenden Bayern billigen am 1. empfiehlt er seinen CSU-Freunden nun die Zustimmung: Man könne nicht immer Nein sagen. Auch die Diskussionsgrundlage. wo der allzeit explosionsbereite Kurt Schumacher sogar das Recht auf einen eigenen bayerischen Landesverband der SPD infrage stellt. tönt es von links nach rechts. nach einem halben Jahr wird er seines Amtes enthoben. bloß zwei Gruppen: entschlossene Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit und feurige Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit.« Und Carlo Schmid dichtet im homerischen Stil: »Wo auf den Bergen der Schütz. dass die Mannen um Hundhammer und Schäffer zur Bayernpartei wechseln. denn Pfeiffer und Ehard haben ganze Arbeit geleistet. Was treibt ihn um? Es ist die Angst. Für Joseph »Pepperl« Baumgartner von der Bayernpartei ist das Grundgesetz ein Bruch der bayerischen Verfassung. Außerdem muss er einerseits Hundhammer vom Vorwurf des Separatismus freisprechen. auf die SPD entfielen 28. »an einen Heizkörper gelehnt«. »nachdem im Sinne der Bayern die Entscheidung gefallen ist«. Die US-Besatzer haben ihre liebe Not. um einen Kandidaten gegen den jeweils anderen Flügel durchzusetzen. Doch die Bayern siegen. Dezember 1946 die neue Verfassung. Doch da revidieren die Alliierten ihr Urteil und zeigen sich am 22. Dementsprechend fallen deren Rechte üppig aus. auch die Monarchisten. Bei den Wahlen zu diesem Konvent haben sich 58. M. der Heros des rechten Flügels. Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei. »Separatisten!«. Um die Souveränität zu betonen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 22 eiß-blau knattern die Fahnen. Am 1. Auch andere Verfassungsväter sehen überall Weiß-Blau. Und er jammert. Das Elternrecht sei geschmälert. dass eine Zustimmung von zwei Dritteln der elf Landtage zum Grundgesetz ausreichen soll. Doch er wütet umsonst« – umsonst. 101 zu 64. Ehard muss mehrere Spagatkunststückchen zugleich vorführen: zum einen stolz präsentieren. Waldemar von Knoeringen (SPD) reizt die Rechte bis aufs Blut mit der These. W Den Herren aus dem protestantischen Norden ist nicht zu trauen Die Ministerpräsidenten lösen sich nun ab wie die Faschingsprinzen. Theodor Heuss reimt ein ABC des Parlamentarischen Rates. etwa bei der Finanzverwaltung oder bei der Aufteilung der Steuern. dass die Partei heute stolz auf ihren Kampf gegen das Grundgesetz zurückblickt. März 1949 den Grundgesetz-Entwurf. Es gebe »keine Freiheit in Portionen« und »auch kein Deutschland in Portionen«. jetzt muss Ehards komplizierter Plan glücken. Unterm Arm tragen die Parlamentarier die Verfassung des Freistaats Bayern vom 2. ferner als »Volks-«. schallt es von dort zurück. Der erste Nachkriegslandtag versammelt sich am 21. streitet indessen hingebungsvoll vor sich hin. dass sich die Bevölkerung für den Wiederanschluss an Bayern erklärt. Heimaterde. Der Argwohn der Südländer ist gewaltig. Gegenseitig schlägt man sich die Geschichte um die Ohren: vom Heiligen Römischen bis zum »Dritten Reich«. Es ist der 19. Außerdem böte das Grundgesetz »unheilvollen Entwicklungen im Parteileben« keine Schranke. ein Anhänger der Senats-Idee. das wiederhergerichtete Maximilianeum. die sich als junge Alternative empfiehlt: die Bayernpartei. Aus allen Winkeln des Freistaats sind sie nach München geeilt. Sie haben »viel erreicht«. Dezember 1946 noch in der Aula der ausgebombten Universität. Dann die Abstimmung. Als die Diskussion um die zukünftige deutsche Verfassung beginnt. allein in der Hoffnung. der 20. und nun. Orgeltöne erklingen. andererseits ihn dazu bringen. Bereits im November 1945 gab er die Parole aus: »Vor allem aber wollen wir wieder unsere eigenen Herren im ›Gasthaus zum Bayerischen Löwen‹ sein. schäumt. einen eigenen bayerischen Staatspräsidenten. davon sind acht Mitglied der CSU. In seiner Bilanz hält er als einen Haupterfolg den »Kampf um die Eigenstaatlichkeit Bayerns« fest. Einigen Herrgottswinkel-Advokaten ist das Ganze auch zu wenig christlich. den er im Schweizer Exil ausgearbeitet hat. ruft Thomas Dehler. Ehard ist der einzige Ministerpräsident. Mai seine Kompromissformel.). Derweil ertrinken die deutsche Zivil. die SPD zu sich herüberzuziehen. später Bundesvorsitzender der FDP. wie sie nie mehr wiederkehrt«. SPD und FDP enthalten sich. allzu eng mit den Besatzern zu kooperieren. Angst dazu noch vor einer anderen Partei. Man träumt von einem Aufstand des Volkes gegen das Grundgesetz. wie Adenauer mürrisch bilanziert. Im Plenum stimmt die CSU ihren Klagegesang an. Der Landtag. Statt »deutsche Erde. Juli 1946 tritt die Verfassunggebende Versammlung in München zusammen.) mit Adenauer (r. kein Recht.und die amerikanische Militärverwaltung in Arbeit. Mai das Grundgesetz in der Pädagogischen Akademie zu Bonn feierlich verkündet und unterzeichnet wird. Thomas Dehler. die SPD jubiliert. Immer wieder hat er wegen seiner Heimatliebe Rüffel von der SPD-Zentrale in Hannover erhalten. der »die föderalistischen Prinzipien im neuen Bundesstaat stärken« werde. Der Nachfolger Schäffers.): AP. Doch eigentlich will Ehard den Beitritt Bayerns zum Bund.3 Prozent der Wähler für die CSU entschieden. Grafik: Anne Gerdes gefährdet. Er will ein breites Bayern-Bündnis schmieden mit BonnGegnern aus CSU. Es ist die vierte in der bayerischen Geschichte nach 1808. Sie wollen eine zu weit gehende Eigenstaatlichkeit vermeiden. SPD und FDP sind empört. Konrad Adenauer. führt den Vorsitz. Darunter eine turbulente Szene im Landtag: Ehard (l. sofern die meisten anderen Landtage Ja sagen. Wenn überhaupt. So beschwört der fromme CSU-Abgeordnete Georg Meixner. ist ebenfalls nur kurz im Amt. Manchem erscheint das Bonner Werk als der pure Gottseibeiuns. April auf einmal flexibler gegenüber dem Verfassungsentwurf – schlecht für die CSU. damals bayerischer. Das hehre Werk der Verfassungsgebung. Schon im Mai 1945 haben die Amerikaner Fritz Schäffer zum Ministerpräsidenten ernannt. Nicht immer freilich herrscht Eintracht. Selbst aus der Bayernhymne will die Partei jeden Hinweis auf Deutschland getilgt sehen. Jetzt steht die Ratifizierung an. wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. dann wollen sie nur einem stark föderalistischen Deutschland beitreten. Aber über das gloriose Votum vom 20. Knoeringen spottet. fünf der SPD. Der Bund ist ihnen im Grundgesetz-Entwurf immer noch viel zu dominant geraten. Die Militärregierung kennt Ehards Nöte und billigt am 5. Aus dem berühmten »Verfassungskonvent von Herrenchiemsee« geht ein Bild oben: Bayerns Ministerpräsident Ehard (l. kennt. zum andern begründen. Hitlers Münchner Anfänge hätten im Dunstkreis des bayerischen Föderalismus gelegen. es verkommt zu einem Klein-Klein. Territorial blieb es fast unberührt. Ehard sieht im Grundgesetz die Hoheit der Länder Fotos (Ausschnitte v. das Grundgesetz abzulehnen.o. Mai erfährt man dort nichts.

de ZUM THEMA: Interview zur Schuldenkrise mit dem Harvard-Historiker Niall Ferguson auf Seite 25 Ende März vergangenen Jahres erscheint in der Bild am Sonntag ein Artikel über das Treffen der europäiFortsetzung auf S. die das Unternehmen neben den Gratisgesprächen anbietet. Europaweit rebellieren Bürger und Parlamentarier. Gerade noch rechtzeitig haben Mannheimer Forscher entdeckt: Arbeitnehmer bis 65 sind nicht weniger leistungsfähig als jüngere. Würde die Drachme dann gegenüber dem Euro deutlich abgewertet. Das Ende der Währungsunion würde auf dem ganzen Kontinent eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Überall könnte Skype nun eingebunden werden und Menschen verbinden: ob beim virtuellen Tennismatch vor dem Wohnzimmerbildschirm. das Nationale drückt aufs Internationale. dass sie auch in der Bundesregierung erörtert wird. Verweigert die Regierungspartei der eigenen Regierung die Gefolgschaft. um die Probleme der Krisenstaaten zu lösen. Die Regierungen agieren unter enormem Zeitdruck. Ein Land nach dem anderen könnte aus dem Währungsverbund herausbrechen. Doch nun erlebt dieses Europa seine Schicksalstage. Finanzexperte der FDP. ob man den Griechen überhaupt noch helfen kann – und wie. Die Oldies könnten sogar besser mit Stress umgehen und machten weniger Fehler. Und das ist das wahre Euro-Drama. die Griechen könnten frei von Spardiktaten agieren. in ein neues Betriebssystem für Mobiltelefone. Es kommt auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden an. bei der jetzt schon die 45-Jährigen zu alt für einen Führungsjob sind. daran glaubt Schäffler fest. Auch sie bräuchte wohl eine Kapitalspritze. um ihr eigenes Geschäftsmodell zu schützen. um seinen Rückstand zu Apple und Google aufzuholen. könnten die Griechen ihre Euro-Schulden erst recht nicht mehr bezahlen. Die indirekten wären weitaus größer – für die Deutschen und für die Griechen. die Probleme aber sind immer noch da. Und mit jedem Versuch. Statt mühsam die Löhne zu senken. Und keiner gibt zu. Das Bankensystem würde kollabieren. Das Ergebnis: Schutz vor Schwindlern? Lebensmittelverbraucher wehren sich im Netz S. könnten sie die Drachme wieder einführen. In Deutschland. um wieder konkurrenzfähig zu werden. »Wir retten Griechenland seit einem Jahr. ein Drittel der Verluste müsste Deutschland tragen. welche Risiken man eingehen will – und welche nicht. Portugal und Irland wackeln. Am vergangenen Wochenende. In Griechenland würden die Bürger die Banken stürmen. für Europa. Für die FDP ist es wohl zu spät. sagt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Die Griechen haben ihre Schulden in Euro aufgenommen. Das scheint nicht allzu viel. wäre das ein dreifacher Schaden – für die Partei. Die Staatspleite wäre perfekt. »Viele Delegierte wollen sich nicht länger hinhalten lassen. Auch die Europäische Zentralbank ist in Griechenland engagiert – angeblich mit 153 Milliarden Euro. Frank Schäffler. MARCUS ROHWETTER Wie kommen wir da raus? Die Deutschen ringen um die Zukunft des Euro. und alles wäre vorbei. Diese blieben auch nach Wiedereinführung der Drachme bestehen. 24 . dass man sich immer wieder fragen muss. Möglich. Und der europäische Rettungsfonds hat 37. die Skype in ihren Netzen lange unterdrückt haben. Parteien und Arbeitgeber betonen neuerdings. In der Hoffnung.WIRTSCHAFT D ie jüngste Niederlage hat ihn siegessicher gemacht. von Europa als »Schicksalsgemeinschaft« zu sprechen. damit würden griechische Waren im Ausland billiger. ist das wenig ermutigend. Panik wäre die Folge. aber die Kürzungen haben die Krise weiter verschärft. Und sie rechnen. Auch wenn man die Vorgänge bei der FDP beobachtet. Allein in diesem Jahr könnte die griechische Wirtschaftsleistung um mehr als drei Prozent schrumpfen.« 750 Milliarden Euro nahmen die Regierungen Europas vor genau einem Jahr in die Hand. dass die Griechen ihre Kredite zurückzahlen können. Wie hoch sie genau wären. Drama. Die schöne Option vom griechischen Ausstieg könnte also grässliche Folgen haben. in Finnland. 110 Milliarden Euro wurden schon zugesagt.. der viel Geld investiert. in eine Kooperation mit dem Handyhersteller Nokia. Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Sicher kann niemand sagen. allein im kommenden Jahr braucht die Regierung rund 27 Milliarden Euro zusätzlich. 22 Milliarden Euro soll Deutschland vom Herbst an für den europäischen Rettungsfonds aufbringen. Die ist bei Microsoft traditionell stärker ausgeprägt als bei Skype: Gerade mal sechs Prozent nutzen dort bisher die kostenpflichtigen Zusatzdienste. Deshalb bereitet die EU ein neues Hilfsprogramm vor. wie wichtig ihnen ältere Arbeitnehmer seien. Die deutschen Steuerzahler müssten auch nicht für Irland oder Portugal bürgen. Nun ist das Geld fast weg. In verschiedenen Ministerien beschäftigen sich Regierungsbeamte mit den Details.9 Milliarden Euro verliehen. als könne man die Probleme Europas mit der Präzision eines Chirurgen lösen. sollte sie sich am Markt kein Kapital leihen können. wenn es um die eigene Zukunft geht. Mit Microsoft hat Skype nun einen starken Partner. wo die Euro-Skeptiker bei den jüngsten Wahlen 22 Prozent der Stimmen abräumten. um zu beraten. wenn man schon eine Flatrate fürs Surfen hat? 145 Millionen aktive Kunden konnte Skype damit gewinnen. klingt es. sondern auch daran. DIETMAR H. »Die Basis tobt«. aber vielleicht könnten ja andere Organisationen aus der Studie lernen. in den Niederlanden. Ein einziger Schnitt. Gebracht hat die Retterei wenig. dass sie bei betrieblichen Fortbildungsangeboten meist außen vor bleibt. dass Deutschland nicht mehr mitmacht. Die Erlebniswelten von Microsoft werden gegenüber denen von Apple und Google attraktiver. Für einen wie Schäffler sind das 22 Milliarden Euro zu viel. Für 8. Die Griechen haben zu viele Schulden angehäuft? Dann werfen wir sie aus der Währungsunion! Oder lassen sie pleitegehen! Deutschland wäre nicht länger Zahlmeister. Das würde auch in Irland. erschaffen sie zig neue. brachte er seine Forderungen als Antrag ein – und scheiterte knapp. Genau wie der Schuldenberg. Und der Widerstand gegen neue Kürzungen wächst. Umgerechnet zahlt Microsoft für jeden Nutzer knapp 1000 Dollar. Positiv zu spüren bekommt das die Generation 55 plus aber kaum. beim Bundesparteitag in Rostock. 2.5 Milliarden Dollar übernimmt der Softwarekonzern den Anbieter von kostenlosen Internettelefonaten. Diese Option klingt so verlockend. wie wenig er weiß VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ 30 SEKUNDEN FÜR Generation 55 plus Bundesregierung. Baby. Aber zur Realität in einer komplexen Welt gehört. Griechenland steht vor der Pleite. noch höhere Kosten. Die Griechen sparen. Ist der Kaufpreis nun zu hoch? Schwer zu sagen. Drama Wenn Frank Schäffler redet. Weil deutsche Banken sehr viel Geld in Griechenland verliehen haben – geschätzte 17 Milliarden Euro allein an den griechischen Staat –. ist unkalkulierbar. Euro-Gegner und Parteirebell: Ginge es nach ihm. Es hat sich eingebürgert. Mit dem Kauf zeigt Microsoft Siegeswillen im Kampf um die Kommunikation von morgen. aus Angst vor der Zwangsumstellung und dem Wertverlust ihrer Sparguthaben. In die Spielekonsole Xbox. unterwegs bei der Autofahrt oder beim Spaziergang. Auch dort müssten Bürger und Investoren um ihr Geld fürchten. bekämen die Griechen schon lange kein Geld mehr aus Deutschland. mit neuen Auflagen. 42 Jahre. Warum also Gesprächsminuten extra zahlen. müsste die deutsche Regierung bei einer Staatspleite erst einmal einige deutsche Banken retten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 23 INTERNET Punkt für Microsoft Mit dem Kauf von Skype greift der Konzern Apple und Google an Verließe Griechenland die Euro-Zone. Im Jahr darauf wären weitere 38 Milliarden Euro nötig. All das ist typisch für die Krise des Euro: Internationale Entscheidungen haben nationale Folgen. wie sich nicht nur an den vielen Langzeitarbeitslosen dieser Altersklasse zeigt. 29 12. Kein Wunder: Schließlich wird uns der demografische Wandel schon bald einen akuten Nachwuchsmangel bescheren. käme das Deutschland teuer zu stehen. Portugal oder Spanien drohen. der Zahlungsverkehr zusammenbrechen. werde die Abstimmung anders ausgehen. zum Argwohn von Deutscher Telekom & Co. LAMPARTER Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. Es ist wie in einer antiken Tragödie: Es mag zwar Alternativen geben – aber alle erscheinen sie schrecklich. dass die FDP zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben wird. All das wären freilich nur die direkten Kosten. beim Landesparteitag der FDP Nordrhein-Westfalen. Wieselwörter Microsoft kauft Skype. Die Abkehr vom Euro verspräche ein Exportwunder ohne Schmerzen. das Problem zu lösen. und wir werden damit weitermachen«. für die Koalition. 1. Der Vorteil für Griechenland: Man könnte die eigene Währung beliebig abwerten. Für Deutschlands Steuerzahler hieße das: noch mehr Verluste. wenn sie nur genug Zeit bekommen – und genug Geld. Zwar muss es so weit nicht kommen. was besser ist. Am kommenden Wochenende.smetek. sagt er. In der kommenden Woche treffen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten. Skype betrachtet Telefonate und Videogespräche ebenso als Datenverkehr wie das herkömmliche Surfen im Internet.

aber im Westen erbt man üblicherweise deutlich mehr. dem Land geht das Geld aus. Das Papier ist das für solche Treffen übliche Briefing der Beamten für ihren Minister: eine Auflistung von Optionen. Vielmehr gehe es darum. Deshalb dürfen bis jetzt nur Kredite vergeben werden. Bisher war die Idee der europäischen Integration. Heute geht es den Deutschen gut. aber ihres Inhalts beraubt – so wie ein von einem Wiesel ausgesaugtes Ei. 2/3) hat sich Angela Merkel nun erstmals direkt zur Kandidatenfrage geäußert – und ihre Sympathien für Draghi erkennen lassen. Er ist ein Anhänger einer stabilen Währung. Sie fürchten vor allem das T-Wort – T wie Transferunion. die Politik zu analysieren und zu bewerten – sondern greift selbst ein. Schäuble gilt als Verfechter eines weiter zusammenwachsenden Europas. ergreift Michael Burda das Mikrofon.4 Prozent. der über das Grauen spricht. Je öfter in Berlin die Beteiligung der Gläubiger gefordert wird. Als Sinn fertig ist. dass in der Wirtschaftsgeschichte alle Versuche scheiterten. so Björn Klusmann. erst recht in der FDP. Dabei würde sich die Politik nur den Launen der Märkte ausliefern. Das Grauen trägt bei Sinn den Titel Warum Deutschland ein SchuldenTsunami droht. Seit sich der deutsche Kandidat. Dagegen haben in den alten Bundesländern 19 Prozent aller Hinterlassenschaften einen Wert von mehr als 100 000 Euro. Am 11. Die Rettungsprogramme sind für ihn »eine tickende Zeitbombe. 63 Jahre. und er hat für die G 20 die Reform der internationalen Finanzmärkte koordiniert. Denn das Kapital bleibt zu Hause. verteuerten den Atomstrom um mindestens vier Euro pro Kilowattstunde. Weil der Druck auf die Griechen aufrechterhalten werden soll.und Westdeutsche erben annähernd gleich oft. Bioläden und sogeProzent beträgt das nannten Weltläden anWachstum von geboten. um die finanzielle Stabilität in der Euro-Zone insgesamt zu sichern. der polarisiert. für viele Bürger und Parlamentarier aber auch attraktiv. »Ich kenne Mario Draghi«. Ob bewusst oder unbewusst: An diesem Abend entwift Hans-Werner Sinn das Gegenmodell. er zeigt Diagramme mit Kurven. dass sie ihren Einsatz verlieren könnten. denn wenige Wochen nach dem Treffen wird in NordrheinWestfalen gewählt. Alle wissen das – es sagt nur keiner. Die griechische Krise hat sich zugespitzt. statt in die Peripheriestaaten zu fließen. wenn ein Staat pleitegeht – das klingt sozial gerecht und ordnungspolitisch sauber. den er in diesen Tagen oft hält. Deutschland könnte eine Kandidatur von ihm für das Amt des EZB-Präsidenten unterstützen. Szenarien. Wenn Investoren wissen. weil in Nordrhein-Westfalen gewählt wird. Sinn wirft lange Zahlenreihen an die Wand. zeigt: Der Konflikt um die Rettung des Euro teilt nicht nur Europa. wird sie innerhalb von wenigen Tagen genehmigt. Wirtschaftspro- Fortsetzung von S. zurückgezogen hat. »Eisern« ist so ein Wieselwort.und Regierungschefs: »Die Mitgliedstaaten der EuroGruppe werden entschlossen und koordiniert handeln. Als der Bundestag im vergangenen Jahr über das Griechenlandpaket abstimmte. Die vor allem nach sozialen Produktionsbedingungen ausgewählten Waren werden in etwa 30 000 Supermärkten. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat den Begriff der Wieselwörter bekannt gemacht. Es klingt nach Eigenverantwortung und Härte gegenüber der Finanzindustrie. Seine Sicht sei jedoch ein wenig »national«. Im Osten gilt das nur für knapp drei Prozent. Am Montag dieser Woche präsentiert er seine Thesen an der Humboldt-Universität in Berlin.de (4). Dass griechische Rettungspakete auch deutschen Unternehmen zugutekommen. Februar 2010 heißt es in der Abschlusserklärung nach dem Treffen der Staats. Griechenland zu stützen. Seine europäischen Kollegen. Das war die Leitlinie bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht. er häuft einen Turm aus bunten Bausteinen an. gut klingend. verliert der andere. die Umfragewerte sind mies. Ein Mann. er ist erfahren im Zentralbankgeschäft. Als Griechenland dann Ende April tatsächlich Finanzhilfe beantragt. LÜT Geheimtreffen in Luxemburg: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am vergangenen Freitag Ungleiche Erben Ost. die von den Krisenländern mit Zinsen zurückbezahlt werden müssen. Dass die Deutschen mehr exportieren können. die in Europa 2011 zu treffen ist: Wer wird der nächste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie kennen seinen Sprechzettel. die ins schier Bodenlose stürzen. Portugal und Spanien pleitegingen. wissen bereits. schrieb der Philosoph Jürgen Habermas kürzlich in der Süddeutschen Zeitung. weil es den Griechen und den Iren schlecht geht. »ein naturwüchsiges Meinungsspektrum bloß abzubilden«. Geheimdiplomatie. keine Spuren an der Schale zu hinterlassen. VO Sozialbewusst 27 In Deutschland haben Verbraucher im vergangenen Jahr Fair-Trade-Produkte im geschätzten Wert von rund 340 Millionen Euro gekauft. Merkel braucht solche Berichte. Kürzere Ansparfristen. Das Problem ist nur. Er geht auch mitten durch die deutsche Regierung. Nur sagt das niemand offen.zeit. Oder es bezahlt. 23 fessor und Chef des Münchner ifo Instituts. Früher ging es den Deutschen schlecht. heißt es in der 150-seitigen Studie der Versicherungsfachleute. bevor die Lage eskaliert? Auch um den Preis. Neben Italien hat sich auch Frankreich für Draghi ausgesprochen. Von einer drohenden Regierungskrise ist die Rede.und Regierungschefs wenige Tage zuvor. sogar von der Gründung einer rechtspopulistischen Partei. Tatsächlich dürfte aber die zu erwartende Kostensteigerung weit höher sein. Sie haben es sogar verkündet – in einem dieser diplomatisch verschwurbelten Bulletins. Hans-Werner Sinn. Er stimme seinem »Freund Hans-Werner« in fast allen Punkten zu. Finanziert wurde sie vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) – und der Auftrag erging schon im Januar. ob ein reicher Bayer für einen armen Saarländer bezahlt oder ein reicher Finne für einen armen Griechen. Was damals keiner ahnt: Im Prinzip haben Europas Politiker das Hilfspaket längst beschlossen. LÜT schen Staats. Bis jetzt stimmt das auch. Am Ende ist der Turm unfassbar hoch. Draghi gilt nach dem Rückzug Axel Webers weithin als der beste Mann für den Posten. Das Nachrichtenportal zitiert aus einer »internen Vorlage« des Bundesfinanzministeriums. Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. sagt Burda. einen Währungsraum ohne Haftungsgemeinschaft zu errichten. sofern das nötig ist.« Damit geht die Bundeskanzlerin ein innenpolitisches Risiko ein. sagte sie. Griechenland wolle die Euro-Zone verlassen. ist die schwarzgelbe Mehrheit im Bundesrat weg. Und deshalb betonen deutsche Politiker immer wieder. heißt es oft. ist der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi Favorit. ihre Kernkraftwerke gegen einen schweren Atomunfall wie in Fukushima versichern. Am beliebtesFair-Trade-Produkten ten war zuletzt wiederum fair gehandelter Kaffee (7200 Tonnen). schrieb er Abgeordnete an und riet ihnen. Nur die Bundesregierung hatte sich noch nicht festgelegt – und als größte Wirtschaftsmacht hat Deutschland de facto ein Vetorecht. Gemeint sind Sprachhülsen. sie knicke vor den Staaten Südeuropas ein. Im Ministerium kennen diesen Sprechzettel nur acht oder neun Personen. 3. ergreifen sie erst recht die Flucht. Dann steigen die Marktzinsen für alle Staaten. die sich als »Brücke zwischen Versicherungswissenschaft und Versicherungspraxis« versteht. als »eiserne Kanzlerin« gefeiert. dagegen zu votieren. gebürtiger Amerikaner und Wirtschaftsprofessor an der Humboldt-Universität. der neue Herr über den Euro? Der Amtsinhaber Jean-Claude Trichet tritt im Herbst ab. Er steht unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe. 4. action press (u. desto näher rücken die Krisenländer dem Staatsbankrott. weil es den Griechen und den Iren gut ging. als »weich« zu gelten. nur keine Haftungsgemeinschaft. Anstelle der Steuerzahler sollten die Banken ran. Vielleicht ist es eher so: Entweder korrigiert Europa die Fehler der Vergangenheit. muss er eigentlich gar nichts mehr sagen. Die Ergebnisse zeigten. Es sei nicht Aufgabe der Politik. Wenn das größte Bundesland verloren geht. Geschäftsführer des BEE.de/finanzkrise Fotos: www. Dagegen kann sie auf das Lob der Fachwelt zählen. noch vor der Katastrophe von Fukushima. Und so beschränkt er sich nicht mehr darauf. Der Streit um die Rettung des Euro ist voller Wieselwörter. bei der die Starken dauerhaft für die Schwachen bezahlen. Merkels Koalition hat einen schlechten Start hingelegt. Ein Italiener an der Spitze der Notenbank – das wird jenen Kritikern neue Nahrung liefern. Viele in CDU und CSU sind dagegen. direkt nach einem Gipfeltreffen Monate zuvor.tvr-news. Und für die angeschlagenen Länder könnten sie schnell zu hoch sein. Seine These ist umstritten. Zumal wenn er so unterschiedliche Länder umfasst wie Deutschland und Griechenland. so heißt ein Vortrag. Etwa die »Gläubigerbeteiligung«. Griechenland. Aber auch. Einer. Hans-Werner Sinn hat eine klare Vorstellung von der Welt. die mit ihm an der geheimen Zusammenkunft der Finanzminister teilnehmen. die Krise habe den Steuerzahler noch keinen Cent gekostet. Als »Kämpferin für die Stabilität des Euro und deutsche Interessen« wird sie bejubelt. »wie verlogen die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird«. Ihr zufolge beträgt der Wert eines Erbes im Osten in rund 60 Prozent der Fälle weniger als 25 000 Euro. Denn bei den 14 Cent bliebe es nur. Das war fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Für Sinn ist das weitgehend ein Nullsummenspiel – was der eine gewinnt. Denn was bedeutet es. die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers empört das Volk. wäre Atomstrom in Deutschland unbezahlbar – und alle 17 Meiler würden sofort stillgelegt. Europa darf alles sein. Fast 400 Milliarden Euro würde es Deutschland kosten. die Griechenland konkrete Hilfszusagen machen wollten. einer Ausgründung aus der Universität Leipzig. an »einem öffentlichen Prozess der Meinungsbildung« mitzuwirken. Die Zeitung beschreibt. den die Gegner der Griechenlandhilfen gern als ihren Kronzeugen anführen. Ohnehin waren Merkels Optionen begrenzt: Außer Weber hatte Deutschland keinen qualifizierten Kandidaten. Die deutschen Bürger sind gegen ein Hilfspaket für Griechenland. Aus Angst vor der Wut des Volkes. Auch Rosen gehen gut. und es war die Leitlinie bei den Beratungen zu den Rettungspaketen. Das ist weit mehr als doppelt so viel wie der Preis an der Leipziger Strombörse. denn das Tier schafft es. der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber. beispielsweise zehn Jahre. im Westen trifft das nur auf 45 Prozent zu. Kosten. die Angela Merkel vorwerfen. Schon der noch moderat erscheinende Cent-Betrag bedeutete deshalb das ökonomische Aus für die Meiler. wenn in Griechenland die Wirtschaft rund läuft. Weitere Informationen im Internet: www. Irland. den Deutschland zahlen muss.) . Dass er überhaupt bekannt wird. wenn Draghis Chancen Es ist die wichtigste Personalentscheidung. auch wenn es der hiesigen Wirtschaft schadet? Vielleicht wäre es ja im deutschen Interesse gewesen. Dass die Menschen sich irgendwann einmal nicht in erster Linie als Deutsche oder Franzosen begreifen. wäre der durch Kernenergie erzeugte Strom nicht mehr als preisgünstig im Vergleich zu anderen Energiequellen anzusehen«. Im Gespräch mit der ZEIT (siehe S.24 12. Eine Diktatur des Volkes sollte sie nicht sein. einzugreifen. sondern als Bürger eines geeinten Europas – in dem es keinen Unterschied macht. »deutsche Interessen« zu verteidigen? Hart sein um der Härte willen? Die Griechen pleitegehen lassen. Wenige Stunden zuvor hat Spiegel Online berichtet. Pro Kilowattstunde würde sich Atomstrom laut der Expertise um mindestens 14 Cent verteuern. Dort steht er und kann nicht anders Dies ist der Mann. »Er ist eine sehr interessante und erfahrene Persönlichkeit. Europa müsse jetzt für die Fehler der Vergangenheit bezahlen. was ihn beschäftigt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 STAATEN IN DER SCHULDENKRISE WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Atom-Versicherung Müssten RWE & Co. wenn die Versicherungssumme über 100 Jahre angespart werden könnte. 400 Milliarden Euro sind mehr als der gesamte Bundeshaushalt.« Entschlossen und koordiniert bedeutet: Europa ist bereit. dass vom engeren Zusammenrücken alle profitieren. »Anders als bislang vielfach behauptet. ganz offen Als Wolfgang Schäuble am vergangenen Freitag im Luxemburger Schloss Senningen eintrifft. Das geht aus einer Studie der Versicherungsforen Leipzig GmbH hervor. aber ihr Marktanteil betrug zuletzt erst 2. deren Sprengkraft selbst die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit übersteigt«. Das ergab eine Studie der Postbank. eine unrealistische Annahme. wobei jeder Stein für einen Geldbetrag steht. wie sich Angela Merkel in Brüssel erfolgreich gegen andere Mitgliedsstaaten zur Wehr gesetzt habe.

nicht geholfen wird.. heißt es dann. Stagflation also. und wir müssen ebenZEIT: Hat die Politik eine Antwort darauf? Ferguson: Allmählich sehen nicht nur die Politi.ganz ähnlich aussehen: Die Prognosen sagen der ruhigt. Davon abgesehen. Und Konjunkturpakete zu schnüren. ist das halts. und ich ZEIT: Was hätten die tun sollen? glaube. Ich würde ihnen zu der ersten Alternative raten.Vertrauen entzogen haben. nicht kommen. Wir zuschalten.den steigenden Goldpreis als Anzeichen dafür lette mit dem Staatshaushalt. und zwar so überEnkelkinder ein Problem haben. aus dem Euro zu teuer. dass Investoren immer weniger Vergefährliche Strategie. was passiert dann genau? Ferguson: Ganz einfach. dass deutsche Banken vom Zusammendurch ungleich schwieriger geworden. Das Leben für rung liegt darin. teme. Ich halte es für plausibel. ich bin nicht für den Niedergang Amerikas. Aber noch die größte Volkswirtschaft. sondern auch für den Rest der Welt? ZEIT: Sie sprechen von einer Verschiebung des Ferguson: Ganz genau. Kurzum.chen will. als würden die Russen den auch die amerikanischen Staatsschulden haben Kalten Krieg gewinnen. Deswegen wird in Washington Technologien aus den Angeln zu heben. Afallen Grund. haben. Darauf basiert das amerikanische SelbstSeit 1872 sind sie die größte Volkswirtschaft. Wenn Sie so wolstürzt von der Klippe. 2050 könnten unsere den Rückwärtsgang eingelegt.Prozent voraus. Das wirt. Der bedeutet hier und da ein paar Einsparungen und höhere Steuern. den. Aber in zwei Jahren oder sogar noch früher könnte es zu spät sein. Und genau ge. ZEIT: Was muss also geschehen? Ferguson: Die Amerikaner haben jetzt die Wahl: Entweder kehren sie zu dem alten Modell zurück. viele Amerikaner wer. nommen ist das ja jetzt schon der Fall. aber les sah danach aus.. dass wir von Europa in Zukunft ebenfalls nur ein schwaches Wachstum erwarten dürfen. als die Finanzmärkte nacheinander den Griechen. Schließlich haben sie erst ZEIT: Die Tage der Weltmacht Amerika sind also gehandelt. die Öffentlichkeit hat langsam begriffen. den Wählern nicht deutlich zu den ungelernten amerikanischen Arbeiter ist da. als es für bruch bedroht sind. allem daran. in der das Know-how. Amerika hat ein Problem . um den Status quo mit neuen das anders wäre. dann ist es der jetzt mit viel weniger Geld auskommen – und deutsche Mittelstand. »Nur tut nau wie das Byzantinische den gegebenen institutioneles keiner. Und das ist doch positiv. dass sie einen Flugzeugträker ein.. Charaktereigenschaften: jovial. wenn anderen Euro-Ländern frühere Generationen war. Europäer wirklich sind.schlossenheit. sonnen Büchern und Fernsehdokuveau deutscher Produktivität dern plötzlich in sich zusammentationen lieber den großen zu erreichen. Und anstatt Konvergenz zu ZEIT: Was nimmt man stattschaffen. wabensstandard abfinden müssen. Es ist auch kein glaubwürdiges Szenario diskutiert.in dieser apokalyptischen Zukunftsvision? Imten in den asiatisch-pazifischen Raum. Ich sehe mich als Warnlicht.len. schaft. seit bewusstsein. Europa debattiert Niall Ferguson vor dem Swiss-Re-Tower in London Foto (Ausschnitt): Tom Stockill/Camera Press/Picture Press Ziele zu verfolgen. Kaum ein Fragen anwenden. rika hat ein Riesenproblem. der hat argumentiert. den europäischen ZEIT: Angenommen.in seiner Geschichte hat das europäische Projekt licher Zeithorizont gesetzt. wirtschaftlich schwächeren plötzlich verändern. sich nicht dafür verantwortlich.trauen in die Zukunft des Dollar haben. schaftlich extrem ungleich. dass amerikanische Militärausrüstung die Schuldensituation in den nächsten fünf bis mit chinesischen Computerchips ausgestattet zehn Jahren stabilisieren würde. Niall Ferguson: Das ist milde ausgedrückt. senken die Steuern und führen die Staatsquote zurück.« Ferguson will GeReich und die Habsburgerlen Voraussetzungen immer schichte anwendbar machen monarchie.und Fiskalpolitik darauf basiert. raschend.. dafür ist der Austritt tum war schwach.. volkstümlich und genial. Warum sollte der Ferguson: Fürs Erste vielGegenwart leisten.könnte ein sehr aggressiver Gegner sein. und wenn die bisher gibt es kaum Anzeichen dafür. ZEIT: Amerika stellt nicht nur eine Gefahr für ghanistan ist so instabil wie eh und je. fingen sie an. ist eine weniger Generationen.. oder nicht? Verstehen Sie mich nicht falsch. mit denen wir bisher tutionell defekt und wirtgearbeitet haben.auch außenpolitisch scheint Amerika schwächer druckmaschine der wichtigsten Leitwährung denn je. dann hat China längst aufgeholt und erleben gerade das Ende der westlichen Vorherr. schen Modellen verabschieSie war von Anfang an instiden.und unzufriedene CDU-Wähler fragen sich. dass die USA mit ihren Schulden in die gleiche Lage geraten könnten wie Griechenland Afrika und Mittel. davon gehe ich aus. Die Zukunft könnte ein Niveau erreicht. Der Unterschied zwischen den Kernländern und der Peripherie wird zunehmen. wenn Amerika seine Schulden nicht in den Ferguson: Ich frage mich. ist das historische Mandat verloren gegangen. Bedenken Sie. Ich habe mich in letzter Zeit viel deln muss. tischen Entscheidungen der kollabierte.scheußlich genug werden: Griechenland wird te ein allgemeines Gefühl von amerikanischer pleitegehen. sich dar. Das sind Aufstieg von China und Indien ist mehr als ein die Stammwähler. Die Republikaner müssen einen neuen Ronald Reagan finden. komplexe Systeme nicht vor knapp zwanzig Jahren mit Nehmen Sie das Beispiel unbedingt linearen Gesetzen einer Detailstudie über die Lohnstückkosten: Sobald die folgen.. sondern sich sehr Hyperinflation von Weimar. und seit 1991 dem ich rede. Ferguson: Also. dass Ferguson begann seine Karriere der Peripherie zugenommen. der still und zufrieden seine zwar nicht erst seit der Finanzkrise. unruhig zu sein.falls davon ausgehen.machen. und steigende Inflation wird ner breit. ist. »Dass wir aus der GeZEIT: Gleichwohl hat die schichte lernen können.Mal seit drei Generationen fühlen die Deutschen dammt ernst. menfallen. und alüber die drohende Pleite Griechenlands. als dass Europa keiner besonders rosigen Zukunft entgegenblickt. Noch können sie den Niedergang abwenden. Aber sind die sauber? Oder werden sie Sie das in einem größeren Zusammenhang: Der eines Tages unvermittelt den Dienst versagen? Aufstieg des Westens. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 25 »Russisches Roulette mit dem Haushalt« Der britische Historiker Niall Ferguson glaubt. Nehmen Sie das Problem der schlecht integrierten muslimischen Immigranten und die demografische Entwicklung von immer älter werdenden Gesellschaften. das Schuldenproblem zu lösen. Das Römische historischen und globalen BoReich verschwand binnen gen. ZEIT: Dann ist der Zusammenbruch des Euro lohnt sich ein Blick zurück in die siebziger Jahre. Die Ermordung von Osama bin Laden heiß läuft und wenn sich die USA bei den Chine. mit Komplexitätstheorie beschäftigt. dass die bis China die US-Militärdominanz im Pazifik Schulden ein Problem sind. Zum ersten pelt. Mittlerweile schlägt deutsche Löhne zu zahlen. die Märkte und einen Beitrag zu den poliwie rasant die Sowjetunion zu beruhigen. hat das Ungleichdessen? gewicht zwischen den groFerguson: Wir müssen von Der Wirtschaftshistoriker Niall ßen Ländern und denen an der Wissenschaft lernen. dass die Amerikaner sich an ihren dass uns das Internet gehört. Schließlich lebe ich dort. das die Finanzmärkte beun. lässt sich auch auf geostrategische ist diese Vorherrschaft konkurrenzlos. als könnten wir alle einpacken. wir Historiker müssen uns von den zykli. Das größte Versagen der Bundesregiebeitsmarkt zusätzlich beigetreten. Indien und China holen auf.Desintegration liegt Deutschland. Mal abgesehen von den möglichen ökonomischen und strategischen Konsequenzen für die Zukunft des Westens: Was wir erleben. der die japanische Stagflation der neunziger Jahre erleben wird. Wir bilden uns ein. einem lausigen Zustand. Gesucht: Hollywoodschauspieler fürs Präsidentenamt. die Frau Merkel nicht verscheuFünftel der Weltbevölkerung dem globalen Ar. Ame. die Weltmacht Amerika Integrationsprozess durch ihre Wirtschafts.und Südamerika aus. und als Konsequenz werden populistische Bewegungen an Einfluss gewinnen. den sich mit einem wesentlich niedrigeren Le. riesige ein ziemlich wahrscheinliches Szenario. dass wir es noch gar nicht wahrgenomAber wenn der Anleihenmarkt die Risikoprämie men haben. aber das war schwierig JFJ weise vonstattengehen? Bei genug. zumalen. Oder ist es doch nur Ihr Kulturpessimismus? Der »Untergang des Abendlandes« wurde ja von dem Historiker Oswald Spengler schon vor neunzig Jahren vorausgesagt. Ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit? Als ich ein Teenager war. Was Amerika von zählt. ZEIT: Ein Optimist sind Sie nicht gerade. Das Wirtschaftswachs. bin ich absolut kein Kulturpessimist. Die Sowjetunion breitete sich in immer versuchen. zeigt.und Finanzkraft auf Kurs zu halten.Ferguson: Genau. Zivilidie das große Bild der GeschichLänder dem Euro beigetresationen sind komplexe Syste um ein Puzzlestück vervollten waren.glaube ich. nämlich das Bankensystem über Wasser zu halten und gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. ZEIT: Das klingt ja danach. Wenn es einen Wirtschaftsraum gibt. aber als Sieger werden sie sich dennoch nicht feiern können. denn die Regierun. zwei sich widersprechende DIE ZEIT: Professor Ferguson. oder sie entscheiden sich für den europäischen Weg. was Spengler angeht. dass es so nicht weitergehen kann.mag den Abzug amerikanischer Truppen aus Afsen immer mehr verschulden. dass die ihre Schulden nicht in den Griff kriegt..Ferguson: Das ist ja das Problem der Euro-Zone. Ich sage dagegen. das die Amerikaner vor einer unmittelbar drohenden Gefahr warnt. Es ist eine ziemlich nehmen. von 1945 eine politische Supermacht. dass der Lauf der Geschichte eben nicht so linear ist. Wenn Sie gen spielen seit fast zehn Jahren russisches Rou. Irland auch. sagt er. die von der Euro-Krise Teilen des Landes müssen die Menschen schon bisher verschont geblieben ist. Dennoch wird es Jahrzehnte dauern. das bekannt. dass Geschichte saisonal verläuft und jede Zivilisation eines Tages einen schrecklich kalten Winter erlebt. dass höhere Produktivität in den asiatischen Ländern zu einem höheren Lebensstandard führt und dort viel weniger Menschen in Armut leben als noch vor zwanzig Jahren. Um sich aber aus. als wenn tegische und militärische Macht ummünzen . Niedergang Amerikas schrittleicht. Eine akute strategische Gekeine große Eile in Washington. befand sich Amerika in Ferguson: Nein. weil wir es erfunden Status als Supermacht zu sehr gewöhnt haben. Dennoch herrscht herausfordern kann. wieder geschafft. Bitte betrachten wurde. Das Gespräch führte JOHN F.rum sie Iren oder Portugiesen unterstützen sollen. Griechenland oder Portugal pleitegehen . und die Geschichte ständigte. Auch ger bauen. Ferguson: Doch. dass die Chinesen ihre U-Boot-Flotte erneuern. wird das Chinesen ihren wirtschaftlichen Einfluss in straviel schlimmere Konsequenzen haben. und dieser merhin herrscht in der europäischen Politik EntProzess könnte ohne Weiteres beschleunigt wer. wie entschlossen die Griff bekommt.WIRTSCHAFT STAATEN IN DER SCHULDENKRISE 12. Die Märkte haben ghanistan zwar vereinfacht haben.Wenn das militärische Ziel darin besteht. wie die Zukunft aussehen könnte.. Computerviren das Stromnetz des Gegners aushat seinen Höhepunkt längst überschritten. den Iren und den Portugiesen das Ihrer Meinung nach gezählt? Ferguson: Nicht nur die Tage Amerikas sind ge. Die USA sind immer globalen Weltmachtanspruchs nach Osten. und die EZB wird wie Schwäche. denn am Ende rede ich doch vom Aufstieg des Ostens. ganz so spektakulär wird es. und es hat vor allem einer Analyse der amerikaeines gezeigt: Zum ersten Mal nischen Wirtschaftskrise wird oft ein willkür. Geeuropäische Politik es unter alte Weisheit«. Und im Zentrum der europäischen für US-Staatsanleihen nächste Woche verdop. Unter den Rating-Agenturen macht sich US-Wirtschaft allenfalls ein Wachstum von 1. wird das Problem schon nächste Woche ver. immer wahrscheinlicher . dann ist es Europa. wenn die gesamte Haus. wenn die Geld. dass man hanzu Ende. Ferguson: Wir wissen. den Obama gehen will.ZEIT: . Aber der Paradigmenwechsel. Angesichts dessen können Sie zu keinem anderen Schluss kommen. JUNGCLAUSSEN Zur Person . und das liegt vor fahr existiert im Cyberspace.. der vor sechshundert Jah. ist. dass Weltmächte nicht der Harvard-Professor mit seiohne dabei jemals das Nilangsam verschwinden.ZEIT: Wo sehen Sie Europa und die Euro-Zone schaftliche Zentrum der Welt wandert vom Wes. Die Chinesen haben längst Amerikaner kann sich eine Welt vorstellen. Der Aufstieg des Westens insgesamt geht den Europäern lernen kann. Durch den Produkte weiter nach China exportiert. Aber die Zukunft wird und nach dem verlorenen Vietnamkrieg herrsch. bevor das Vertrauen verloren geht.25 Zweifel über die Kreditwürdigkeit der Amerika. In weiten Wenn es eine Gruppe gibt. die Inflation außer Kontrolle. mit ren mit den portugiesischen Seefahrern begann.

So etwas ist zwar heute noch ein Tabu. die Schweden wehren sich erfolgreich gegen den als feindlich empfundenen Akt. Die stolzen Schweden vertrauten auf ihren eigenen Erfolg. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hatte seine Liebe zu den großen Brummern bereits entdeckt. Rund 200 Millionen Euro könne man etwa durch einen gemeinsamen Einkauf einsparen. es wird im Gegenteil zu einer teuren Last. dem mittlerweile zum Volkswagen-Konzernchef avancierten langjährigen PiëchWeggefährten. So könnte der Bund beispielsweise dabei helfen. das Recycling und die neue Infrastruktur. zu dem Schiffsdiesel. Noch-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat denn auch schon mal vorsorglich abgewinkt. Das macht sie zu den idealen Verleihautos für die Stadt. wie es ein Manager der Konkurrenz formuliert. die nicht Benzin im Tank.« Fraglich bleibt. die Stimmenmehrheit bei Scania besitzen die Wolfsburger bereits. Branchenprimus Daimler etwa kann die Entwicklungskosten jetzt auf seine drei Hauptmarken Mercedes-Benz (Europa. Gerade kompakte Elektroautos böten sich als Teil eines solchen Konzeptes dann wie von selbst an. um die Menschen an die neue Technologie heranzuführen. und das ist auch gut so. sagt einer. abgestoßen wird. zuvor selbst Scania-Manager. die ein neues Produkt für eine erfolgreiche Markteinführung braucht. das auch im Gutachten der Plattform nur beiläufig erwähnt wird: das Umdenken. hat aber praktische Folgen: In den kommenden Jahren werden sich Menschen anders als in der Vergangenheit von einem Ort zum anderen bewegen. dass weniger Autos gekauft werden. Scania und MAN haben beide ihre Euro-6-Aggregate völlig unabhängig entwickelt. wäre mehr drin gewesen.. Eine vertrackte Situation. weil sich Piëch übergangen fühlte. stehe ein Kalkül: Für das Flottengeschäft mit Großkunden sei es von Vorteil. Das Ziel sei erst mal nur ein Stimmrechtsanteil »zwischen 35 und 40 Prozent«. ob sich die Zwangsheirat der widerstrebenden Lkw-Bauer am Ende auch lohnt. eine völlig neuartige Lkw-Fabrik in Brasilien hochziehen. beispielsweise beim Aufbau der nötigen Infrastruktur. Das Geld dafür hätte VW nach dem Höhenflug der jüngsten Zeit. aber nicht mehr unbedingt das eigene Auto benutzen. in der Vertreter von Autoindustrie. Denn danach soll die Bundesregierung der E-Mobilität endlich zum Durchbruch verhelfen und dafür tief in die Staatskasse greifen. könnten sie tatsächlich eine attraktive Alternative zum eigenen Auto werden. was bei den Münchnern prompt Abwehrreflexe auf allen Ebenen auslöst. »Das wäre. Seither wurde viel geredet. als MAN die brasilianische Lkw. Zwar darf der Staat der Industrie nicht die Forschungs. In diesen Wochen führen die großen Lkw-Bauer die neue Motorengeneration Euro 6 ein. Turbinen und Turbopumpen gehören. Piëch selbst übernahm den Aufsichtsratsvorsitz bei MAN. mit Scania aber lief wenig. Denn gerade viele junge Leuten träumen heute nicht mehr vom eigenen Auto. Ignacio López. In Wachstumsmärkten wie China oder Indien wäre Größe ein Vorteil. dann umsteigen Nicht das E-Auto gehört gefördert. wohl auch. neue Produkte und damit auch neue Arbeitsplätze. gut sind die kleinen Wagen hingegen für kurze Strecken. Über eine kluge Hilfe. als er noch selbst Vorstandschef in Wolfsburg war. Sie werden weiterhin mobil sein. erwarb ein größeres Aktienpaket bei MAN und stockte seinen Scania-Anteil bis zum Erreichen der Stimmenmehrheit auf. Anfang der Woche hat Volkswagen seinen Anteil an MAN auf mehr als 30 Prozent erhöht. dass nach einer Fusion der Lkw-Sparten das zweite Standbein des Unternehmens. strategisches Geschäftsfeld. als ein größeres Paket des schwedischen Lkw-Bauers Scania zu haben war. ordentlich teuer. an Ladestationen. umweltfreundlich. die von 2013 an Pflicht ist. Das klingt theoretisch. Die Motivlage hatte Konzernchef Winterkorn eine knappe Woche zuvor schon auf der Hauptversammlung in Hamburg dargelegt: »Der Volkswagen-Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt. www. sondern E-Mobilität VON PETRA PINZLER N E in Drama in drei Akten: Erst versucht der Münchner Lkw-Bauer MAN. müssen auch noch die unvollendete Fusion mit Porsche und die unerwartet zähe Annäherung an den Kleinwagenpartner Suzuki meistern. aber sollte er schon nachdenken. Die VW-Führung ergriff Partei für Scania. so erläuterte der Stratege seinerzeit. sondern Strom in der Batterie haben. am Service. Später. Denn Winterkorn und Co. Südamerika). an denen die neuen. Dahinter steckt zuallererst der Traum eines Mannes: Ferdinand Piëchs. Vor allem in den großen Städten taugt es offensichtlich immer weniger als Statussymbol. ebenso wenig wie seine Wirtschaftspolitiker. LAMPARTER Umdenken. Weitere Querelen bei der »Ingegration« könnten das Wolfsburger Management über Gebühr belasten. Etwa zehn Jahre ist eine Motorengeneration im Einsatz – so lange sind die Synergien jetzt in diesem zentralen Bereich verstellt. Überall auf der Welt entstehen auf diesem Gebiet derzeit neue Ideen. doch bietet man den MAN-Aktionären einen wenig attraktiven Preis. verbunden mit großen Hoffnungen.zeit. Rein zahlenmäßig würde eine MAN-Scania-VWAllianz aber an Marktmacht gewinnen: Bislang führen bei den international tätigen Herstellern noch Daimler (252 000 Lkw von 6 Tonnen aufwärts im Jahr 2010) und Volvo (129 000) das Feld an. Lang ist die Wunschliste. wie wenn man bei Pkw Mercedes und BMW zwangsverheiraten würde«. Rund eine Milliarde Euro kostet so eine Entwicklung. dass jeder seinen Motor auch in die eigenen Lkw einbauen will. der weltweit führende Mobilitätskonzern zu werden! Daher ist für uns das Segment der schweren Lkw und Busse ein hochinteressantes. Scania zu übernehmen. Selbst die wiederholten Mahnungen von Martin Winterkorn. der Bundeskanzlerin ihren Bericht übergeben. Denn deren Batterien reichen für längere Touren noch nicht aus. Das könnte mehr als zehn Milliarden Euro kosten. aber wenig erreicht. den Erlass von Parkgebühren. So kamen die Münchner zu einem starken Standbein in Südamerika. Elektroscootern. Damit soll der Bund die Entwicklung neuer Batterien und eine Antriebstechnologie fördern. MAN (98 000) plus Scania (46 000) könnten deutlich aufrücken. Denn in einem sind sich Industrielobbyisten wie auch unabhängige Verkehrsexperten sicher: Elektromobilität ist tatsächlich ein Thema mit Potenzial. Das Engagement in Brasilien entwickelte sich gut. In der kommenden Woche wird die Nationale Plattform Elektromobilität. Wenn ihre Nutzung auch noch durch reservierte Parkplätze. Das alles soll sich nun ändern. Doch zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht. Standards für die Ladestationen zu entwickeln oder Schilder für Plätze erfinden. das sich ausschließlich auf das lukrative Segment schwerer Laster konzentriert. um Synergien bei den Lkw zu erzwingen VON DIETMAR H. gut erreichbare Ladestationen und kluge Buchungssysteme unterstützt würde. Beim Traditionsunternehmen MAN wiederum herrschte stets die Sorge. Für die E-Mobilität wäre genau das die Chance – wenn Bund. Aber wer sagt denn. Stromkonzernen und verschiedenen Verbänden sitzen. Die jetzt fällige Kartellprüfung (mit positivem Ausgang) werde eine engere Zusammenarbeit ermöglichen. Und warum nicht das Dienstwagenprivileg für große Spritschlucker kürzen – zugunsten von E-Mobilen? Noch wichtiger aber wäre etwas. Die Autoren wünschen sich eine Hilfe von fast vier Milliarden Euro. an der Bekanntheit und damit an fast allen Zutaten. Die beiden VWBeteiligungen wurden zur engeren Kooperation aufgefordert. dass sich wieder einmal eine Industrie die Entwicklung neuer Produkte zumindest zum Teil vom Steuerzahler finanzieren lassen will. deshalb müssen die Wolfsburger nun ein Übernahmeangebot an alle übrigen Aktionäre machen.und Busfabrikation von VW übernahm. Dass viele Autobauer immer noch lieber nur den Ottomotor einfach durch einen Elektroantrieb austauschen und den Rest beim Alten lassen würden. Und auch die Förderung von Modellprojekten oder die steuerliche Begünstigung der klimafreundlichen E-Autos sind sinn- voll. umweltfreundlichen Autos überall ans Netz können. Länder und vor allem auch Städte durch viele kleine Maßnahmen die kluge Kombinationen von Leihautos. Der Schwede. Volkswagen ergreift die Macht bei MAN. aber für das normale Leben ziemlich unbrauchbar: So knapp lässt sich das Elektroauto bisher beschreiben.. Dann kam im Jahr 2006 der damalige MANChef Håkan Samuelsson auf die Idee. Der Coup war psychologisch und taktisch schlecht vorbereitet. Statt über das »Auto« sollten alle Beteiligten mehr über »Mobilität« nachdenken. sagt Finanzchef Pötsch. holte sich eine Abfuhr. und sie legt die Vermutung nahe. als kleinerer Partner untergebuttert zu werden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT ZWISCHENRUF Und bist du nicht willig . bewirkten keine sichtbaren Fortschritte. Mitte der neunziger Jahre ließ er seinen damaligen Wundermanager. dass Deutschland in der Welt künftig nicht statt Autos gleich ganze Mobilitätskonzepte für Städte ohne Staus und Luftverschmutzung verkaufen könnte? Von »systemischen Lösungen« träumt die Nationale Plattform. Diese vergeudete Milliarde wird Ferdinand Piëch gehörig geärgert haben. Das klassische Autoland Deutschland kann und sollte das nicht ignorieren. erklärte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Denn die neuen Mobilitätskonzepte könnten irgendwann auch mal dazu führen. Reicht das. Was Piëch gewaltig wurmte. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer »integrierten Nutzfahrzeug-Gruppe« gelang immerhin. Scania muss- te immer befürchten. Dahinter. Fahrrädern. Wenn Scania und MAN sich eher zusammengerauft hätten. Klar. Schließlich gilt Scania. schlug Piëch zu. Freightliner (USA) und Fuso (Asien) umlegen. Doch noch fehlt es an günstigen Modellen. Und nun das dramatische Finale: Volkswagen will selbst die Macht bei MAN übernehmen. zumindest darf es wohl kein Politiker laut fordern. Denn die Autos. um die Ängste in München und Södertälje abzubauen? Viele Branchenbeobachter sind skeptisch. Nötige Gesetzesänderungen sollten ein Leichtes sein. wenn man die komplette Fahrzeugpalette aus einer Hand bieten könne – vom Vertreterkombi über den Transporter bis hin zum schweren Lkw. Vorsorglich erklärte Winterkorn alle Geschäftsfelder und die markenspezifischen Eigenschaften von Scania und MAN für »unantastbar«. Mehr Elektromobile auf Deutschlands Straßen wären dann tatsächlich ein Einstieg.de/audio eu. für die man auch noch stundenlang einen Parkplatz suchen muss. mit seinen Spitzenrenditen »als Porsche unter den Lkw-Bauern«. sind zwar gut fürs Klima – wenn sie Ökostrom laden. Dann holt sich Scania bei seinem Großaktionär Volkswagen das Plazet. Und die Widerstände bei den beiden Lkw-Bauern scheinen fest in deren Identität verwurzelt: Beide fühlen sich als technologische Vorreiter. ist verständlich. So wollen sie die beiden störrischen Lkw-Bauer unter ihrer Regie endlich zum gemeinsamen Glück zwingen. den Konkurrenten Scania zu übernehmen. Danach ging Volkswagen in die Offensive. . Bahn und Bus erleichterten.und Entwicklungskosten für neue Produkte abnehmen. seinerseits MAN zu übernehmen.26 12.

Nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit ist jede verlässliche Studie recht. Viele Sozialexperten setzen die Grenze zur Armut deutlich höher an. www.« Armut sei allerdings auch nicht allein ein Geldproblem. Nach den neuen Zahlen gehört das hiesige Sozi- alsystem nun eher zu den erfolgreichen. als es hierzulande der Fall ist.0 8. das deutsche Sozialsystem funktioniere nicht richtig. zerfallende Familien. Sie werde die Kinderarmut entschieden bekämpfen. Schlimmer sei die Situation nur in wenigen Ländern der entwickelten Welt. Es geht dabei also um relative Armut. man habe in früheren Veröffentlichungen längst »auf die verbesserte Methodik und ihre Konsequenzen« hingewiesen. Für die OECD ist ein Haushalt arm. sondern deutlich weniger Kinder von Armut betroffen als im OECD-Durchschnitt. Der Vorgang dürfte das Vertrauen in wissenschaftliche Expertisen auf sozialpolitischem Gebiet erschüttern. Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der OECD. »jedes arme Kind eines zu viel ist«. In Deutschland hieß das im Jahr 2008: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern war arm. dass Deutschland auch nach den neuen Zahlen ein Armutsproblem hat. Angaben in Prozent Dänemark Norwegen Frankreich Deutschland Schweiz Niederlande Großbrit. Wenn die Datengrundlage so wackelig ist. Hinter der wundersamen Schrumpfung verbirgt sich ein Skandal. unsere Armutszahlen sind mit extremer Unsicherheit behaftet? Statt die Werte bis auf eine Stelle nach dem Komma auszuweisen. Polen und der Türkei. VON KOLJA RUDZIO D Eine vierköpfige Familie mit weniger als 1985 Euro netto gilt als arm Im Mittelpunkt dieser Datenaffäre steht ausgerechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.6 10. »Es wird viel zu selten auf die Unsicherheit von Stichprobenuntersuchungen hingewiesen«. »Wahrscheinlich gibt es beide Effekte«. Die Bundesrepublik gebe besonders viel Geld für die Familien aus.1 12. Nach den DIW-Zahlen ist die Kinderarmut bis 2004 rasant gestiegen und danach etwas gesunken. Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.« Was tatsächlich die Ursachen für die Kinderarmut sind – niedrige Löhne.4 9. Das gilt vor allem für die skandinavischen Staaten.3 Prozent nur 10 Prozent aller Jungen und Mädchen in der Bundesrepublik arm. sagt Christian Arndt. sagte Markus Grabka der ZEIT. weil einer Journalistin der Financial Times Deutschland auffiel. Fragwürdig erscheint jetzt eher. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist aber ein Vergleich – zu anderen Ländern oder zur Vergangenheit. Datenmüll. untersucht der Professor gegenwärtig. wenn man sie selbst gefälscht habe. Rund 1. Vor knapp zwei Jahren haben die Experten begonnen. deshalb lebten hier überdurchschnittlich viele Kinder in Armut.zeit.3 (2004) 17. aber in den vergangenen Jahren wurde es immer größer. aber die Frage. Zentrale Botschaften der früheren Untersuchungen werden dadurch in ihr Gegenteil verkehrt. Die von der OECD für Deutschland publizierten Zahlen stammen vom DIW. Es war ein Schock und eine Blamage für die deutsche Politik. und dass sich Daten bei einer Neujustierung ändern. die alten und die neuen Zahlen einander gegenüberzustellen«. Daraus ermitteln die Forscher die Armutsquoten. neuere Zahlen gibt es nicht – waren es bloß 8. Einige Experten wissen das seit Langem.WIRTSCHAFT 12.de/audio . von was für einer Qualität die von ihr mitfinanzierten Untersuchungen tatsächlich waren. wie erfolgreich die deutsche Politik es angeht. wenn es in einem Elternhaus aufwächst.7 14. sagt Markus Grabka. Und zuletzt – 2008. scheint plausibel.« Befremdlich erscheint allerdings der Umgang des öffentlich finanzierten Instituts mit der Öffentlichkeit. auf der der neue Institutschef Gert Wagner nun behauptete. Das Armutsproblem ist auch nach den neuen Zahlen nicht gelöst. Dann ist es beson- ders schwer. Heute. aus der Armut herauszukommen.3 (2008) 9. das einzugestehen. Ein Zahlenspiel. der beim DIW für die Erhebung zuständig ist. das nach einer Reihe negativer Schlagzeilen und hausinterner Querelen gerade einen neuen Chef bekommen hat. sagt Christian Arndt. Dazu werden komplexe Hochrechnungsverfahren und Plausibilitätsüberlegungen genutzt. verkündeten Experten der Industrieländerorganisation OECD im September 2009.2 15.1 Millionen Kinder und Jugendliche lebten danach zuletzt in finanzieller Bedürftigkeit.« Deshalb sei es nötig geworden. um sich etwas Geld zu verdienen Der Armuts-Irrtum Es gibt in Deutschland offenbar viel weniger arme Kinder als bisher gedacht – Forscher wollten das für sich behalten ie Zahl platzte mitten in den Bundestagswahlkampf. Bekannt wurde der extreme Rückgang der Armutsquote. Allerdings ist dessen jährliche Erhebung noch recht neu und wurde methodisch verändert. So rasant hat sich die Armut wohl noch nirgendwo halbiert. die Methoden zu verfeinern. Sie mochten es aber nicht an die große Glocke hängen – schließlich hätten sie einräumen müssen.und Sozialsysteme Einkom- mensunterschiede stärker dämpfen. Sie bewegt sich sonst im Blindflug. Jedes sechste Kind in Deutschland. gehört zum Alltag von Statistikern.6 Polen USA Israel *Arme Haushalte verfügen über weniger als 50 % des jeweiligen mittleren Einkommens. das zeigt. International schneidet Deutschland nun offenbar besser ab als gedacht. Denn in den angeführten Publikationen erläutern die Forscher zwar veränderte Berechnungsmethoden und allerlei Detailergebnisse – wie radikal sich die Kinderarmut insgesamt verändert hatte.« So wurde die Öffentlichkeit absichtlich im Unklaren darüber gelassen.7 5.5 21. der man nur trauen dürfe. selbst bei einem gesellschaftlich so brisanten Thema wie der Armut von Kindern. deren Steuer. mit denen fehlende Angaben ergänzt würden. lebe in Armut. sondern weit vorne. um Einkünfte. wenn sie netto weniger als 1667 Euro im Monat zur Verfügung hatte. die in Armut* leben. Aber so krasse Veränderungen wie bei den neuen Armutszahlen sind ungewöhnlich. und es lässt sich kaum beurteilen. Arbeitslosigkeit. als sie die alten Zahlen auf einer Pressekonferenz vorstellte. dass eine Neuberechnung frühere Ergebnisse auf den Kopf zu stellen vermag – hätten die DIW-Forscher das nicht früher erkennen und warnen müssen: Achtung. dass die Lage anders ist. Das geben Mitarbeiter offen zu: »Wir hatten erwogen. Dazu wolle sie als Erstes das Kindergeld erhöhen. etwa bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Nach einem entsprechenden Zeitungsbericht (Fauler Zahlenzauber) berief das DIW eilig eine Pressekonferenz ein. welcher überwiegt. versprach Ursula von der Leyen. »Früher war das Problem vernachlässigbar. in dem niemand eine Arbeit hat. Der Grund: »Wir bekommen immer häufiger nur lückenhafte Auskünfte«. So bleibt ausgerechnet bei dieser brennenden Frage unklar: Befindet sich Deutschland auf einer schiefen Ebene – oder auf dem richtigen Weg? Dass die Armut zunimmt. als sie es bisher dargestellt haben: Deutschland rangiert bei der Bekämpfung der Kinderarmut im internationalen Vergleich tatsächlich nicht ganz hinten. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs sie beständig. gibt es widersprüchliche Signale.3. was aus heutiger Sicht eine absurde Scheingenauigkeit darstellt. weil heute mehr Menschen einen Job haben und Arbeitslosigkeit das Armutsrisiko schlechthin darstellt. doch bei den Bedürftigsten komme wenig davon an. Das ist nur zur Hälfte richtig. wie Familienministerin Kristina Schröder nach Bekanntwerden der revidierten Werte verlauten ließ. wenn er netto über weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens im Land verfügt. schließlich breitete sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten der Niedriglohnsektor aus. eineinhalb Jahre später. »Unklar ist. »aber wir wollten dann nicht noch Salz in diese Wunde streuen und haben darauf verzichtet. Im Untersuchungsjahr 2004 waren nach den neuen Erkenntnissen statt 16. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 27 Auf einmal gut? Anteil der Kinder bis 18 Jahre. Auch wenn. Allerdings ist auch das Gegenteil denkbar: Die Armut verringert sich. blieb aber bewusst ausgeblendet. Klar ist. damals noch Familienministerin. alte Befragungen neu auszuwerten. wie wenig verlässlich wissenschaftliche Expertisen bisweilen sind. Was zeitliche Trends betrifft. die Daten stammen meist aus dem Jahr 2008. ungleiche Bildungschancen –. »Das Schlimmste für ein Kind ist sicher. OECD ** Japan Italien Deutschland Spanien Foto: Jens Gyarmaty/VISUM 3. Hierzulande sind nicht mehr. So warnte Monika Queisser. Das Berliner Institut lässt jedes Jahr einige Tausend Bundesbürger nach ihren Einkommen befragen. Einmal mehr scheint sich der Uralt-Spruch von der Statistik zu bestätigen.5 8. Was wenig später auch geschah. dass von der OECD veröffentlichte Zahlen plötzlich nicht mehr zu früheren Angaben passen. allerdings bleiben einige Länder ein gutes Stück voraus. muss neu beantwortet werden. »Das ist aber nicht nur ein Problem des DIW.3 21. Das ist bei solchen Erhebungen durchaus üblich. Und wie schwer es den beteiligten Experten fällt. Er arbeitet zusammen mit anderen Wissenschaftlern an einem neuen. Dabei ist die Politik auf methodisch sauber ermittelte Daten angewiesen. ist klar: Die Zahl von der OECD war falsch.3 16. Wohl kaum ein Grund. umfassenden Armutsbericht für die Bundesregierung. welche Wege zur Armutsbekämpfung tatsächlich Erfolg bringen und welche nicht. die in Bezug zur Haushaltsgröße und zum Durchschnitt besonders niedrig liegen. Deshalb gibt es je nach Definition unterschiedliche Armutszahlen. etwa in Mexiko. Die Berechnungen sorgten in Berlin zuerst für hitzige Debatten – und dann für Milliardenausgaben.6 26. Datensalat gab es schon genug. **Durchschnitt ZEIT-Grafik/Quelle: OECD Ein Junge in Berlin sammelt Pfandflaschen. wie Teile des hiesigen Wissenschaftsbetriebs funktionieren. im Kampf gegen Kinderarmut nachzulassen. Bei zwei älteren Kindern (über 14 Jahre) erhöht sich die statistische Armutsschwelle auf 1985 Euro.

sofern alle Patienten damit bereit sei zu bezahlen. dass die Präparate zwar nach Meinung vieler Experten im Wirkstoff vergleichbar sind. Eine nachträgliche Aktuell werden noch rund ein Drittel der Patienten mit Avastin beIst im Preis etwa 30-mal Nutzenbewertung könne dazu fühgünstiger: Avastin handelt. wie viel die SolidarMilliarden Euro pro Jahr kosten gemeinschaft für mehr Sicherheit könnte. da wird mit zweierlei Maß gemes. Dabei ist die Aus. aber auch die Hoffnung. dass die Behandlung mit dem Krebsmedikament Avastin gleich gute Ergebnisse erzielt wie die mit Lucentis. Tim Brake/dpa (l. das einst sowohl Lu. gieversorgung zu beschleunigen. Naidoo: Die realen Investitionen decken aber Naidoo: Jedenfalls tun wir schon eine Menge. Regierungen finden weltweit kaum Solar-Tour durch den indischen Bundesstaat Finanzierungsmöglichkeiten. Selbst in dass die Atomkraft das Klima Frankreich mit seinem hohen wirksam schützen könnte. sollte zu erleiden oder gar zu sterben. inwieweit der Staat den Konflikt mit den Herstellern von Medikamenten wagt – und wie viel die Gesellschaft für Gesundheit zu zahlen bereit ist. wirksam schützen Atomkraftwerk von Areva ZEIT: Gerade in Entwickkönnte festgenommen. sich aber enorm in den Kosten unterscheiden: Lucentis ist mit 1300 Euro pro Injektion rund 30-mal so teuer wie Avastin von Roche. ten. dass Atomkraft den Klimawandel brem. Avastin als Mittel Expertengruppe eingerichtet worden ist. weil sich hinter der Netzhaut kleine Blutgefäße bilden. schätzen Experten. Naidoo: Tatsächlich ist unsere größte Herausdass ein Alleingang Deutschland isolieren forderung. über die Versorgung der Welt mit Energie und den deutschen Atomausstieg ZEIT: Herr Naidoo. levanten Zahl würde zu lange dauern. sind brisant. das Lucentis heute Herstellern aushandeln könnten. Weiter verbreitet ist das teure. und die Zeit drängt beim Klimaschutz. Schon widersetzen sich MediziEs geht um sehr viel Geld. Im Januar 2007 Studie keinesfalls eindeutig. Avastin für die Ärzte mehr lohnt.28 12. Doch solche Therapien sind nur erlaubt. die mit Avastin nennt. die daheim aussteigt. seinerzeit einem Achtel des gesamdie Überwachung der Sicherheit könne ein unabhängiges Institut ten deutschen Arzneimittelbudgets. Sowohl Lucentis als auch kam Lucentis auf den Markt. 4. gehört seit 2009 Gesundheitsministeriums aber lässt nur wissen. so der Tenor. und ihr Alter lag im Schnitt deren Folge sich der Einsatz von der Studie bei über 80 Jahren. lungs. dass die Bevölheraus.5 Millionen Deutsche leiden an einer Form der Altersblindheit.Bekämpfung der Altersblindheit auf den Markt legung der festgestellten Unterschiede in der CATT. Lucentis errechneten Ökonomen. eigenes Mittel zur deutlich höher als bei Lucentis.hinsichtlich relevanter Nebenwirkungen. die nun vor wenigen Tagen bekannt wurden. eine Praxis.emissionsarm aufzubauen. Ein Sprecher des centis als auch Avastin entwickelt hat. Warum? VON NICOLA KURTH ür diese Studie interessieren sich Augenärzte weltweit. welches von zwei patentgeschützten Medikamenten besser gegen die feuchte Makuladegeneration hilft. Anteil an Atomstrom sind 57 Prozent der Menschen für ZEIT: Weltweit droht der Vereinen Ausstieg. weit ablehnen. zicht auf Atomenergie eine Renaissance der Kohle nach ZEIT: In den energiehungsich zu ziehen. wie sich das offiziell Gehirn. wenn es um den Erhalt und die Verbesserung der Sehschärfe der Patienten geht. die häufigste Ursache für Blindheit im Alter (AMD).und den Status quo überwinden. Sie wollen wissen. Das Unternehmen. also abseits des eigentlichen Behandlungszwecks. Sie sind Vorreiter! Aber CO2. An Roche. Der Wirkstoff unterbindet die Blutversorgung von Tumoren – im Fall von AMD lässt sich mit ihm das abnorme Wachstum der Blutgefäße hinter der Netzhaut stoppen. sei unter Avastin Bayer wie geplant 2012 ein neues. Das Gespräch führte CHRISTIANE GREFE Gleiche Wirkung Bei Altersblindheit helfen zwei Medikamente. sagt ein Insider. Es ist also eine völkerungen die Atomkraft weltlig unrealistische Darstellung. Das entsprach Avastin solle offiziell erlaubt werden. halten Sie den deutschen ZEIT: Ein Argument der Kernkraftbefürworter Atomausstieg für einen »Sonderweg«? stimmt ja: Kernkraftwerke emittieren weniger Kumi Naidoo: Nein. Seit 2005 kann diesen Patienten mit Injektionen von Avastin ins Auge geholfen werden. Fragen. Der Preisunterschied Avastin waren ihr zufolge insgesamt gut verträglich empörte Kassen wie Mediziner schon bei der Zu. sie renden Berufsverbände der Augenerhalten im Jahr rund 500 000 Inärzte in Deutschland klärende Entjektionen. die sich mit für AMD zu testen und die dazu nötigen Studien den Fragen der Therapie einer altersbedingten Madurchzuführen. waren das für die Augenerkrankung an sich nicht zugelassene Krebsmittel Avastin von Roche und das Spezialmedikament Lucentis von Novartis. die Lucentis injiziert bekamen. Bewegung in die Sache kommt. Diese traten bei Patienten. in klein. da sind sich lassung. Im indischen Jaitapur Deutschland dabei weiter vodie Atomkraft wurden gerade Demonstranrangeht. Aber derzeit ZEIT: Vergangene Woche waren Sie ja bei der decken AKWs nur zwei bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Chef von Greenpeace International. Hafüber die Hälfte und mehr steigen tungsfragen. zu 30 Prozent beteiligt. jeder Fünfte muss sich behandeln lassen. angewendet.Bihar die Chancen solarer Kleinanlagen für die kraft zu teuer und zu riskant ist. Gerade haben Allerärmsten demonstriert. und es käme zu wenig Strom dabei um zu zeigen. Kontrollen. Naidoo: Ja. Stellen Sie sich einen atomaren Un. etwas häufiger auf als bei PatienRabattverträge über die Nutzung von Lucentis ab. Derweil Novartis die neue Studie kuladegeneration befassen soll. nicht die Behauptung.bringen. dass Lucentis zwar teurer. in hindern. die von der zuständigen Auf. was sowieso schon alle wussten«. Sie sollten Ihr lebensrettendes Wissen den Entwicklungsländern großzügig weitertechnik.Strom. Wenn kraft. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT »Sie sind Vorreiter!« Kumi Naidoo. einen Schlaganfall beenden. Das Risiko. Unterschiede gibt es bei sogenannbei Avastin. Im Kern zeigt die erste große Studie über die Wirksamkeit der beiden Medikamente. die Initiierung neuer oder lassen. könnten diesen Anteil schnell auf Freiheit in der Therapie. Die Sehzellen sterben ab. wenn kein anderes zugelassenes Spezialmittel zur Verfügung steht. aus denen Flüssigkeit austritt. Menge Kohlenstoffschulden abzuzahlen.gäbe es für den Staat zur Genüge.6 Milliarden Menwir erlebt. Neuer Druck könnte entstehen. Man investiert weiter in Atom. die sich in Zeiten technisch immer komplexerer Behandlungsmethoden und immer kostspieligerer Mittel zunehmend stellen. dass Roche es ablehnt. So fordern die fühgibt es derzeit in Deutschland. auch Angela Merkel scheint zu beschäftigen.Krankenkassen längst angemessene Preise mit den marktet. den das staatliche National Eye Institute in den Vereinigten Staaten angestellt hat. das Avastin in Europa ver. Der Fall weist über sich selbst hinaus.Zum Beispiel haben wir vor Kurzem bei einer sance gebe. Die Ergebnisse der Studie ren. Sie Die Bundesregierung. der Bau einer reKanzlerin.geben. 1. weil die Atom. übernehmen. verfügen über Technologien und Wirtschaftsunterstützt den Export deutscher Atom. dass über die Risiken der Atomder Energie investieren. Wie stark ist Greenpeace dort vertreten? sen kann. sagt er nicht. . Viele boykottieren es bis heute und bleiben Mediziner einig. ist wiederum Novartis. Fotos: Thomas Einberger/argum (2).kraft. bleibe dass es die Krankenkassen drei die Frage. Dass am Bundesherstellt. Konnten Sie sie beruhigen? Naidoo: Wir sind die Länder durchgegangen.ten serious adverse events wie einem stationären Kransichtsbehörde in Deutschland noch toleriert wird – in kenhausaufenthalt oder Durchblutungsstörungen im einer »wohlwollenden Duldung«. Naidoo: Das werden wir verNaidoo: Ob in der Türkei. dass also womöglich dahingehend interpretiert. Seither folgten Mediziner weltweit seinem Beispiel. Deshalb gilt aber auch weiterhin: Sie in fall im indischen Rajasthan vor! den Industrieländern haben erst mal noch eine ZEIT: Viele rechnen aber mit einem Geschäft. Ein amerikanischer Augenarzt hatte Avastin erstmals erfolgreich off label. Nach meinem Eindruck ist das der Kanzlerin bewusst. wollte er eingreifen konzerne. wenn wir mit VollEs ist also eine Brasilien oder Chile: Auch dampf in erneuerbare Quellen völlig unrealistische und eine effizientere Nutzung dort gibt es überall Debatten Darstellung. Da verwundert es institut für Arzneimittel bereits zu Jahresbeginn eine nicht mehr. »Mit CATT wurde bestätigt. rigen Schwellenländern ist das aber anders.) F » « Bei AMD ist das nicht mehr der Fall.und Preispolitik schätzte 100 000 AMD-Patienten der Hersteller. Die Hauptrolle spielen Sie. weiß noch keiner.und Schwellenländern gilt es. dass es da eine Renais. Heikel wird der seit Jahren schwelende Streit die Unterstützung laufender Studien – Stellschrauben durch die Verflechtungen der beteiligten Pharma. dass zu Roche. er steht exemplarisch für die Frage. Gegenstand des abgekürzt CATT genannten Vergleichs. Bei der Zulassung von Kostet rund 1300 Euro je scheidungen seitens der Politik. sen. werden andere Ländas Klima ten gegen ein geplantes der nachziehen. Allerdings war zugleich aber eigene Verträge mit die Anzahl der Patienten relativ den operierenden Augenärzten. dass sich die beiden Medikamente preislich annäherten. wie hilflos selbst die Hightechnation schen haben ja noch gar keinen Zugang zu Japan war. Viele Krankenkassen schlossen mit Novartis behandelt wurden. die wachsenden VolksZEIT: Proteste gibt es da wirtschaften von vorneherein zwar. Gener der Produkt. Injektion: Lucentis Wirkten beide Mittel gleich. Brisant wird diese Einschätzung dadurch. Weitere Vergleichsstudien könnten die Debatte aber so etwas wie der Goldstandard in der Therapie der Altersblindheit sei. Wie teuer es sein wird. behandelt würden. den Ausstieg aus der fossilen Enerkönnte. Die Ergebnisse.

ist nicht imstande. Ohne vernünftige Information könne Vertrauen nicht bestehen und Kritik nicht wirksam sein. dass einzelne Unternehmen und deren Marken an den Pranger gestellt werden können. So etwas ist – wenn überhaupt – nur dem Kleingedruckten auf der Packung zu entnehmen. So sind beispielsweisen frei formulierte Texte nicht möglich. Daraus machte er in einer Stellungnahme für den Verband BLL auch keinen Hehl. In diesem Fall wird er nur auf den Informationsteil verwiesen.WIRTSCHAFT 12. So will es unter anderem selbst das Verbraucherinformationsgesetz. Nächsten Monat soll es laut Janina Löbel trotzdem losgehen. Schon diese zwei Wörter reichen aus. die Verbreitung der Sache aber dann auch ohne diesen Kommentar erlaubt sei. Lebensmittelbehörden müssen vorsichtig agieren. Das ist in der Regel die örtlich zuständige Le- Illustration: Birgit Lang für DIE ZEIT/www. können schon heute Meldungen abgegeben werden. sie haben strenge Vorschriften zu beachten. Dabei findet er es grundsätzlich gar nicht schlecht. Andere setzen sofort Rechtsanwälte in Bewegung«.de . wenn sie sich nach diesen Vorgaben richten. Dort werden jene Lebensmittel präsentiert. »Informationseingriffe sind von vornherein nur rechtmäßig.« Zudem haben die Konstrukteure des Portals aus der bisherigen Kritik bereits ihre Lehren gezogen. sagt er. Auch Rechts. könnte auch der Gesetzgeber beim Erlass seiner Vorschriften lernen. »Wir hoffen.und Meinungsforum dienen soll und kein Organ der amtlichen Überwachung sei. den die Krankenkassen AOK und Barmer in der vergangenen Woche im Internet starteten. ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. So muss beispielsweise eine Kalbswiener lediglich 15 Prozent Kalbsfleisch enthalten. schreibt er. Obwohl sich Hersteller völlig korrekt verhalten. Lebensmittelbehörden können nur in engen Grenzen agieren Obwohl das komplette Portal mit allen Funktionen noch nicht in Betrieb ist. so Werner Wolf. Oftmals sei es damit aber nicht weit her. Problematisch sei vor allem der produktbezogene Bereich. dessen Eigenschaften die Verbraucher aus eigener Anschauung regelmäßig nicht kontrollieren können. Sie koordiniert das Projekt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. »Lebensmittel sind heute ein komplexes Gut. dass Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner das Portal finanziell unterstützt. Wenn die Verbraucherschützer eine Beschwerde fachlich nachvollziehen können und sie für plausibel halten. was kritisiert wurde. Skepsis löst bereits die Konstruktion der Plattform aus: die Mischung aus Staat und privatwirtschaftlicher Initiative. Sie stört insbesondere. »Manche reagieren direkt und ändern. dass ein fairer und sachbezogener Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern gewährleistet ist. hintergangen oder enttäuscht worden zu sein. Der Name suggeriere. sich im Diskussionsbereich an Debatten zu beteiligen oder Fragen an ein Expertenforum zu richten. wenn sie sich von Lebensmittelherstellern getäuscht fühlen. deren Kennzeichnung zwar den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht. sei eines modernen Staates und einer Informationsgesellschaft würdig. wenn die zuständige Behörde tätig geworden ist. monieren Verbraucherschützer. es gehe vielmehr um eine spezifische Form von Kommunikation. Und das im Zusammenhang mit einer lediglich »gefühlten Täuschung«. Und das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken darf auch aus Dänemark stammen. Dass die Meinung der Verbraucher nicht nur erforscht. Darf im Schwarzwälder Schinken auch Fleisch aus Dänemark sein? Oder Hühnchen in der Kalbswiener? Im sogenannten produktbezogenen Bereich können Verbraucher konkrete Beispiele melden. dass sie die Kennzeichnung schnell verbessern. Die Industrie läuft Sturm dagegen VON GUNHILD LÜTGE ananenschokolade ohne Banane. stellt die Ministerin klar. Sie fürchteten. Präsident des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft (BLL). Vollmundige Werbeversprechungen suggerierten Qualität oder Nähe zur Natur.birgitlang. »Das Portal wird so konzipiert sein. versehen mit dem Kommentar des Herstellers.« Die Initiative liefe im Rahmen einer ganz normalen Projektförderung. So bezweifelt Friedhelm Hufen. Was sie vor allem stört. Staatsund Verwaltungsrecht an der Universität Mainz. ob die Bundesverbraucherministerin überhaupt für ein solches Projekt zuständig ist. die rechtlich in jeder Hinsicht zulässig sei. Fachleute in der Internetredaktion prüfen die Kritik und bitten die betroffenen Hersteller um eine Stellungnahme. Die Doktoren liefen zunächst dagegen Sturm. Es trägt den Namen »Klarheit und Wahrheit«. einen solchen Eingriff durch eine derart mächtige Institution zu rechtfertigen. Er weiß etliche Juristen auf seiner Seite. Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich deshalb gelegt. »Das Portal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel« Auch Professor Winfried Hassemer. bevor sie bei Nahrungsmittel-Skandalen Ross und Reiter nennen dürfen. Manche Hersteller sind deshalb bereits alarmiert. deren Kennzeichnung rechtlich in Ordnung sei. Im Übrigen. Die Wahrung von Geschäftsinteressen ist ein wichtiges Gebot. wird das Produkt im Internet abgebildet. vorgehen müssen«.« Als juristische Schludrigkeit bezeichnet er es. obwohl sie lebenswichtig sind«. könnten die Verbraucher bei der Nutzung des Angebots eindeutig erkennen. Außerdem sind Beschwerden gegen Entscheidungen der Lebensmittelkontrolleure möglich. Es können nur vorgegebene Fragen beantwortet werden. Sie und ihr Kollege Hartmut König. sagt Janina Löbel. geht mit dem Projekt streng ins Gericht. Betroffene Interessen würden ausgeblendet. dass der Ministerin die Zuständigkeit fehle. diese selbst aber das Problem sind. ist. könnten die Eigentumsgarantie. sondern auch zum Bestandteil von Auseinandersetzungen und Interventionen gemacht würden. Hassemers klares Urteil: »Dieses Internetportal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel. begegnen sie mit einer speziellen Rubrik. »Manchmal stellt sich auch heraus. Gerade aber im Ausblenden des Rechts liege das Problem. Dort ginge es um die »gefühlten Rechtsverletzungen« von Laien. der Markt würde womöglich gestört. dass ein Verbraucher lediglich schlecht informiert ist«.« Aber dann: Es gehe in dem Konzept weder um Recht noch um Kontrolle oder Sanktion.und Staatswissenschaftler Fritz Ossenbühl bemängelt. dass in dieser Branche hauptsächlich Gauner unterwegs seien. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 29 Alles wahr oder was? Auf einem neuen Portal im Internet können sich Verbraucher demnächst beschweren. Im Augenblick aber sind große Teile der Lebensmittelwirtschaft regelrecht empört. dass künftig lockere Debattierzirkel erboster Verbraucher das strikte Reglement amtlicher Kontrolleure ersetzen könnten. B bensmittelbehörde. Hassemer gibt zu bedenken: »Allein das subjektive Gefühl einer Person. »Wir können damit leben«. Daraus. sagt sie. er hat tatsächlich reagiert. fühlen sich manche Verbraucher dennoch getäuscht. Hassemer: »Es markiert einen Weg zu bürgerlicher Autonomie. Die Mogler und Trickser sollen schon bald ausgebremst werden: mit einem neuen Internetportal. dass dem Hersteller zwar eine kurze Frist zur Kommentierung eingeräumt werde. Das ist nicht das einzige Argument. Betrieben wird das Portal vom Verbraucherverband Hessen. vergeht – zum Ärger vieler Verbraucherschützer – deshalb meist viel Zeit. Deshalb müssen die betroffenen Firmen zum Beispiel angehört werden. dass es als Informations. Ilse Aigner versucht derweil die Wogen zu glätten: »Wir haben erstklassige. Bis endgültig klar ist. und kritisiert zugleich. bauen auf die Einsicht der Hersteller. Und sie haben ein Recht auf Akteneinsicht. Aigner: »Die Lebensmittelüberwachung ist und bleibt Aufgabe der Länder. weil befürchtet wird. Auch in einem anderen Fall gab es heftigen Ärger: beim so- genannten Arztnavigator. verunglimpft zu werden. wann und was im Einzelfall an die Öffentlichkeit darf. Außerdem wird es die Möglichkeit geben. um die Nahrungsmittelindustrie aufzuregen. ohne dass wir rechtlich. Das Angebot ist dreigeteilt: Im Informationsbereich können sich die Besucher der Website in rechtlichen Fragen kundig machen. es würden auch Produkte angeprangert. zum Beispiel mit Abmahnungen. Auf einem Portal wie dem geplanten können sich die Teilnehmer sehr viel freier äußern als Beamte in den Behörden. sondern sie auch gleich bewerten. Doch die Konstruktion des Portals verhindert das. Auf einer Fachtagung übten sie jüngst massiv Kritik. etwa über Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Dort können die Kassenmitglieder nicht nur Ärzte suchen.« Die Eingriffe. die davon ausgingen. Kräuterbutter mit Margarine. nicht aber ein Bundesministerium«. Digitale Sammelstellen dieser Art schrecken inzwischen nicht nur Unternehmen auf. Das Vorhaben löst deshalb so viel Aufregung aus. vorausgesetzt. hervorragende Lebensmittel in der Bundesrepublik Deutschland«. Und niemand müsse eine Verunglimpfung befürchten. sagt König. so hoffen die Initiatoren des Portals. mit dem sich Vertreter der Branche gegen die Initiative wehren. der bei der Verbraucherzentrale Hessen das Projekt leitet. Dem Vorwurf. Außerdem hat er Zweifel an der notwendigen Neutralität des Portals. sagt Janina Löbel. Zuckersirup statt Honig. Professor für Öffentliches Recht. dass »hoheitliche Gewalt durch gesellschaftliche Zwänge ersetzt werden soll«. Insgesamt rund 775 000 Euro gibt es vom Staat. das Grundrecht auf Berufsfreiheit oder das auf Gleichbehandlung verletzen. bei denen sie sich durch die Aufmachung und Kennzeichnung in die Irre geleitet fühlen. heißt es bei der Bundesärztekammer heute.

Frank Beckmann hat sich bislang nur einmal öffentlich zu der Sache geäußert – in seinem eigenen Programm bei Zapp. der nicht vom Zocken in Casinos und der Übergabe von Geld in DVD-Hüllen handelt. Herstellungsleiter Marco K.für Forschung und Analyse beim Virenschutzmationen einzuholen. sagt Heike Schreibtisch sehen. Marco K.zutage Soziale Netze«. so Zitting. Allerdings muss man fairerweise sagen. selbstständig zu machen. zuvor hat er acht Jahre lang in Erfurt die Geschäfte für den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal geführt.sperrt den Zugang zu auf Businessportalen wie Xing stamm kannte. Auch versuchen zunächst. So wurde etwa beanstandet. nehmenssystemen zu schließen.beruhenden Spionageangriffe sind. rund 50 Fällen. von ihrer Firma. so ist er nun mal. In dem etwas trockeneren Teil des Revisionsberichts von MDR und ZDF. den die Revisoren von MDR und ZDF verfasst haben. sei die Gutgläuoder LinkedIn.auch potenziellen Angreifern verraten.« Im November 2007 habe außerdem ein Kika-Mitarbeiter über eine mit ihm befreundete Casinomitarbeiterin von den Spielgewohnheiten des Herstellungsleiters erfahren. Um ihn verhaften lassen zu können. Beschäftigungen vor der NDR-Zeit könnten arbeitsrechtliche Maßnahmen grundsätzlich nicht begründen. NDR-Justiziar Werner Hahn betont hingegen. sagt die Verfassungsschützerin. garniert mit ein paar launigen Worten. Bei ARD und ZDF verweist man lieber auf die Fahrlässigkeiten des MDR. Ein Teil des Geldes ging an K. Er brachte das System durch eine Selbstanzeige im Herbst zu Fall. antwortet Beckmann auf die Frage. der im Zuge der Affäre »ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens sein Amt zur Verfügung stellte«. Es ging um seine Vergangenheit beim Kinderkanal. Da dem Mann die men existieren noch heute. ein Mann bei ihr. Beim NDR debattieren die Mitarbeiter nun. den Zugang Später erzählte ihm die Frau zu Facebook oder ähnlichen bei mehreren Treffen noch mehr Plattformen gesperrt. Viel floss an den Geschäftsführer der Koppfilm. . »Wir prüfen die Vorgänge und behalten uns Schadensersatzansprüche in alle Richtungen vor«. Dummerweise beauftragte der MDR mit der Verbesserung der Kontrollen aber denjenigen. bei dem die Fehler beanstandet wurden – Marco K.« An Skatrunden bei seinem Mitarbeiter zu Hause hat Beckmann auch schon mal selbst teilgenommen. Oft scheint ihnen Noch höher ist die Quote in der Cyberkrimi. Die Veranstaltung ist für den Sender eine gute Gelegenheit. Als möglicher Nachfolger wird Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz genannt. werden Sie meine Bissspuren Zitting. Beide Unterneh. ob er etwas von der Spielsucht gewusst habe. Die Ansprache sei in diesem Umfeld ein bisschen befremdlich gewesen. und daviele deutsche Großunternehdurch einen privaten Kontakt men. haben sechs mit Sozialen Netzwerken zu tun«. sich selbst. sei im Jahr 2010 103-mal zu Besuch gewesen. das auf Zittings Naivität darauf hereingefallen«. dass sie damit diese Lücken ungewollt nalität. Die Nummer zwei im Kika. Falsche Freunde Ideen klauen. Heute wird zuerst versucht.24 Euro. musste ihn der MDR aus einem Las-Vegas-Urlaub mit einem Freund und Mitarbeiter holen. Wie viel diese gesichtswahrende Lösung den Gebührenzahler gekostet hat. Beckmann ist seit Ende 2008 in Hamburg beim NDR. liest sich das anders. für gelungenen öffentlich-rechtlichen Journalismus zu feiern. wie der MDR in einer Pressemitteilung schrieb. Das schaffen«. Sie führen bis zu 80 Prozent an die Länder und Kommunen ab. Damals wurde auf die Schwachstellen im Kontrollsystem von MDR und Kika hingewiesen. die das nicht beurteilen konnten und teilweise auch nicht berechtigt waren. der dabei war. Wie durchforsten und analysieren. In diesem Jahr eröffnete Fernseh-Programmdirektor Frank Beckmann die Veranstaltung mit einer Verteidigungsrede in eigener Sache. dass mit dem Gewinn am Ende Gutes getan wird. was Beckmann gewusst habe oder fahrlässig übersehen.nicht klar. Zu den großen Profiteuren des Betrugs gehört auch das Spielcasino in Erfurt. steht: Schon 2009 waren Rechnungen aufgefallen. die damit wichtige gesellschaftliche Projekte fördern. von einem Freund der Zielwenn es keine offiziellen Statistiken dazu gibt. Abhilfe ist schwierig: »In vielen Fällen sind schulabschluss mit einem Studienkollegen ein Unternehmen gegründet. Das hatte ein Revisionsbericht von ZDF und HR ergeben. über Ausspähung der Konkurrenz. Wer die 2. und »die Firma lief richtig gut«. als seine Firma trotz der zusätzlichen Einnahmen auf die Insolvenz zusteuerte. Seite. lässt sich oft Spionen gegenüber Bonner Ministerialsekretä. dass er dabei trotzdem nicht besonders gut wegkam. sehr private oder berichtet Michael Hochenrieder. will der Sender mit Hinweis auf vereinbarte Vertraulichkeit nicht preisgeben. die in Fachforen nach Dax gelisteten Konzerne und den gehobenen Tipps fragen. Bei der Kontaktaufnahme in Sozialen NetzSoziale Netzwerke an die Informationen zu kommen«. und wenn Sie meinen neu.vorzubeugen lichen Headhunter angeschrieternehmens musste alles machtlos ben: »Wir hätten eine interesmit ansehen. Der auch um Spionage Mann wurde von einem angebInhaber des ursprünglichen Un. sagt Zitting. sagt Costin Raiu. der der Information jedoch nicht nachging. In Thüringen ist das die Ehrenamtsstiftung.« Knapp ein Drittel spräch.nur schwer ausmachen. die nicht ordentlich geprüft worden waren. sagt ein Mitarbeiter. trennte zwischen Beruflichem und Privaten kaum. Die Gründerin be. Tisch landete und bei dem unlautet die Einschätzung der Verklar ist.. person akzeptiert zu werden.für Sie.0 betrieben werden. und konkrete Änderungsvorschläge wurden gemacht. Die Geschäftsidee war uns die Hände gebunden. Normalerweise. bei dem etliche Millionen Euro veruntreut wurden. dass Mitarbeiter die »Sachlich richtig«-Abzeichnung vornahmen.sogar Programme. Dass Tanhäuser erst im September für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden war.fachliche Foren gefragt. Auch sein Nachfolger als Programmgeschäftsführer bemerkte den Betrug nicht und wurde dafür bereits abgemahnt. Im Bericht. »Ich habe bei dem Herstellungsleiter in keinster Weise Verdacht schöpfen können«. Bei den Tätern sind oft »kleine. Programmgeschäftsführer Beckmann wurde damals ebenfalls informiert und soll geantwortet haben: »Ich kenne Marco. zeigt ein Fall aus Berlin. Der Mann Wettbewerber oder ein Nachüberredete sie. die wir pro Jahr bearbeiten. Irgendwann meldete sich schen auf die Bedrohungslage. Dort hielt man fest. die 700 000 Menschen in ihrem Engagement unterstützt. Nach Angaben eines Kika-Redaktionsleiters soll es schriftliche Memos an die Programmgeschäftsführer gegeben haben. weil sie leichter Vertrauen formationssicherheit bei HvS Consulting. Offensichtlich handelte es sich um vier Jahren. um Kon. Und die Frage. Der bei einem bige aus der Firma ausgebootet Sozialen Netzwerken – Softwareentwickler beschäftigte worden. Berater für In.Muster vor«. »Geheimdienste und Konkurrenzfirmen gehen nach dem gleichen rinnen erinnert. Weil er seiner Exsante und hochdotierte Stelle Kommilitonin vertraut hatte.die Abwehr gegnerischer Nachrichtendienste. Und das werken sind Umwege beliebt: »Die Kriminellen gilt allgemein mit steigender Tendenz. erklärt Sicherheitsgerissen die Recherchen mit den Mitteln des Web forscher Stefan Tanase von Kaspersky. »Von Freundes wirken sie dann viel vertrauenswürdiger. berichtet Zitting.« Zittings ProBerliner Verfassungsschutz. Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu VON ULRICH HOTTELET Foto: interTOPICS. Dabei wurden zum Beispiel Aufträge für Trailer oder Onlineseiten gefälscht. die automatisch die Profile nutzt und missbraucht wird: der Spionage. hat über diese Summe Scheinrechnungen bezahlen lassen. Zum schnellen und effektilogisch. Eine gern angezapfte QuelUnternehmen ist auf die Bekämpfung von In. Mitarbeiter in SchlüsAls der neue Partner die Ge. Er unterrichtete damals den Redaktionsleiter. die diese Rechnungen ausstellten. Eine Frau hatte nach dem gemeinsamen Hoch. Als Freund eines sind sich die Fachleute in dieser Frage einig.« Zur anschließenden Unterredung traf man sich in einem Hotel. »Ich beobachte das Ausspähen von Profilen durch beendete er das vermeintliche VorstellungsKonkurrenzfirmen und Nachrichtendienste seit gespräch. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Brot und Spiele Millionenbetrug beim Kinderkanal: Die beteiligten Sender streiten VON ANNA MAROHN E Kika-Star Bernd das Brot musste für Scheinrechnungen herhalten inmal im Jahr verleiht der Norddeutsche Rundfunk intern den Sehstern. Montage: DZ S oziale Netzwerke eignen sich gut. darunter knapp ein Drittel knüpfen konnte. Dafür mitverantwortlich war MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser. um Sicherheitslücken in ihren UnterMittelstand zu seinen Kunden.s Komplizen bei den Firmen. auf die im Onlineprofil der Firma verwiesen nicht für die Spionage durch Firmen zuständig. Marco K.der DAX-Unternehmen selpositionen haben oft Profile schäftsdetails und den Kunden.30 12. Der vorläufige Gesamtschaden beläuft sich auf 8 183 815. sich mit ihm Kanal geschlossen richtendienst dahintersteckte. erklärt Raiu. »der erst sehr Aus Sicherheitsgründen haben nett schrieb«. Da erscheint es fast anbieter Kaspersky. der Hintermänner dieser Aktionen und der darauf an die erfolgreiche Romeo-Masche von DDR. Fragen aber zunehmend merkwürdig vorkamen. wenn sie die Zielperson anschreiben«. in dessen Verantwortung der Kika fällt.blem: Rechtlich ist der Verfassungsschutz nur für schrieb die Dienstleistung auf ihrer Facebook. sagt Hahn. Der Fall steht exemplarisch für den Trend. gab es keine Konkurrenzschutzklausel. der Dax-Konzerne. Direktor takte zu schließen – und persönliche Infor. Leiterin des Wirtschaftsschutzes beim an der Tischkante wahrnehmen. er habe dabei vorzugsweise an einem Hyperlink-Automaten mit einem Einsatz von 40 Euro gespielt und pro Woche zirka 20 000 Euro verdaddelt. sagt Zitting. »Damit ist ein fingiertes Bewerbergetappte sie endgültig in die Falle. unter Einrechnung der Gewinne. Den Gebührenzahler tröstet vielleicht die Information der Westspiel Casinos. ob ein ausländischer fassungsschützerin. dass diese Netze auch vom zweitältesten ven Auskundschaften schreiben die Kriminellen Gewerbe der Welt für seine Machenschaften ge.le sind laut Sicherheitsberater Hochenrieder auch dustriespionage spezialisiert und zählt die im die Einträge von IT-Experten. »Sie ist in ihrer Ein Beispiel. »Alle gezielten Attacken nutzen heut. Die Wirtschaft reagiert inzwiwurde. ob sich Beckmann auf seinem Posten halten kann. »Dieser Schriftverkehr sei dem Redaktionsleiter im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang Dezember 2010 aber aus einem Ordner in seinem Büro entwendet worden. dürfte die Sache aber teuer gemacht haben.

Doch Brüssel dürfte mit dem Binnenmarkt argumentieren: Grenzüberschreitender Streit braucht ebensolche Regeln. riskiert schlimmstenfalls auf mehr als 8000 Euro Kosten sitzen zu bleiben. um die Causa Telekom zügig abwickeln zu können. gründlich zu recherchieren und komplizierten Wirtschaftsfällen bis ins Detail nachzuspüren. Wichtige Änderungen. Diesen Teil der Wahrheit ans Licht zu bringen überfordert jedes Gericht. Zwischen 10 und 20 Prozent bekommt normalerweise ein Rund 800 Anwaltskanzleien mischen in dem Verfahren mit In den Vereinigten Staaten gibt es solche Mammutverfahren viel häufiger. Sie sind Ausdruck einer globalisierten Wirtschaft. klagten rund 17 000 einst stolze T-Aktionäre auf Schadensersatz. Anwaltsverbände und Juristenorganisationen zur Modernisierung der europäischen Sammelklage. Politisch ist das Thema gleichwohl heikel. die scharenweise Problemaktien erwerben. Dass sich der Fall so hinzieht. Oder als Suche nach der Wahrheit. als man zu verstehen glaubte. Denn selbst nach der Entscheidung der Oberlandesrichter wird die Sache noch lange nicht vorbei sein. die europäischen Ansätze für Massenverfahren zu reformieren – an amerikanischen class actions wollen sie sich dabei ausdrücklich nicht orientieren. Aber die Wahrheit ist womöglich eine ganz andere als diejenige. Viele verloren vieles. sich mit einem Fall so lange aufzuhalten. Für Anwälte ist es zudem oft nicht attraktiv. Das Parlament muss gehofft haben. Man kann den Kampf ums Recht folglich als Geschäft begreifen. gesetz sollte ein wenig amerikanische Effizienz in die Zivilprozessordnung bringen und anhand eines exemplarisch ausgewählten Musterklägers bürokratischen Wahnsinn verhindern. Für den Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz. »und ich geh’ mit«. Kleinanleger hoffen auf Entschädigung – die Justiz ist mit solchen Riesenprozessen überfordert Stand am 10. versprach Manfred Krug im Werbefernsehen. Das Grundgesetz garantiert jedem das Recht. Selbst im Fall einer Niederlage müssen sie nicht einmal ihren eigenen Anwalt bezahlen – denn mit dem haben sie typischerweise ein Erfolgshonorar vereinbart. Es war einmal. plante er dafür vorsorglich die Riesensumme von 1. wie so oft bei juristischen Auseinandersetzungen in den USA. und damit war die Sache erledigt. Zu Recht? Bald wissen sie mehr. wer das Börsendebakel letztlich zu verantworten hat. was Tausende andere noch nicht getan haben: Er setzte sich mit seiner Verantwortung während des größten deutschen Börsenversuchs auseinander und machte seinen Frieden. dass die Parteispenden der 110 bedeutendsten Klägeranwälte sowie ihrer Dachorganisation ATLA im vergangenen Jahr zu rund 97 Prozent an die Partei von Präsident Obama flossen. liegt an der deutschen Verfassung. Der Washington Examiner hat herausgefunden. Die meisten anderen hoffen auf die nächste Woche.) . Zur Wahrheit gehört aber auch. Etwa den. irgendwo zwischen Spots für Waschmittel und Tütensuppe.50 € Start am 15. Krug tat etwas. manche alles. Das hält nicht dazu an. Zwischen Februar und April befragte die EU-Kommission Regierungen. die zukünftig Sammelklagen provozieren. was ihnen Kapitalmarkt und Selbstüberschätzung genommen haben. Deswegen wurde die Entscheidung in der Vergangenheit immer wieder vertagt. und seine Anwälte von der Kanzlei Tilp aus Kirchentellinsfurt schotten ihn von den Medien ab. müsste allerdings noch in jedem der 17 000 Einzelverfahren geklärt werden. oft über Jahre und Ländergrenzen hinweg entstanden. Masseneuphorie kann nur dort entstehen. wird enttäuscht werden. die für den Fall relevant sein könnten. Dabei trieb die in Wahrheit oft nur die Gier. Der Mann will darüber nicht öffentlich reden. die zehntausendfach ein unzureichend getestetes Medikament schlucken. Dann will das Oberlandesgericht in Frankfurt entscheiden. Lange Zeit grübelte Krug. Wie praktisch alle class actions endete auch die gegen die Telekom nicht mit einem Urteil. denn das Zivilrecht ist Sache der Mitgliedsländer. dass man damals weit weniger vom Kapitalmarkt verstand. Wenn die Entscheidung aber kommt und die Telekom tatsächlich zu Schadensersatz verurteilt werden sollte. ein schlechtes Anreizsystem und lange Ver- fahrensdauer auf der anderen: In den USA wächst ebenso wie hierzulande die Unzufriedenheit beim juristischen Umgang mit Massenschäden. Damals galten T-Aktien noch als Volksaktien. sondern mit einem Geschäft zwischen den Beteiligten: Wichtiger als die Frage. Ein Beispiel: Als der USPharmakonzern Merck wegen seines Schmerzmittels Vioxx vor einigen Jahren mit einer Sammelklage konfrontiert war. dürfte es der Fall seines Lebens sein. Finanzminister Theo Waigel (rechtes Bild in der Mitte) 15. die Volksaktie weckte Volkszorn.): Ex-TelekomChef Ron Sommer. herauszurücken und auf eigene Kosten neu aufzuarbeiten. Es ist gut möglich. der deutsche sucht Gerechtigkeit im Einzelfall. sich einzugestehen. müssen neu katalogisiert werden. der die Telekom gegen die Aktionärsstreitmacht verteidigt. der eine Sammelklage gegen ein Unternehmen erfolgreich durchsteht oder einen Vergleich erzielt. In den USA wird schnell geklagt. Vorstandskorrespondenz. Das kann nur schiefgehen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 31 103. Arbeiter und Angestellte zu Börsenfans. alle Dokumente. hieß es damals. Die schnelle Ruhe hatte freilich einen hohen Preis.l. Eine neue Aktienkultur sei entstanden. haben Wissenschaftler bei einer Evaluation des neuen Gesetzes ausgerechnet. Geduld ist die Tugend enttäuschter Aktionäre. Und so mischen – vertreten von rund 800 Anwaltskanzleien – auch die übrigen Kläger munter mit in dem Musterverfahren. um die Grenze zwischen Börsenschwindel und Fehlspekulation zu ziehen. 2000 12. Schauspieler Manfred Krug. Weil aber der Konzern im Börsenprospekt falsche Angaben gemacht haben soll. Dabei hatte Deutschland eigens ein Gesetz geschaffen. Oder als Anleger. Weil ein Rechtsstreit so teuer werden kann. Vor allem die bei Klägeranwälten beliebte document discovery lädt zum Missbrauch ein. so wie es die Amerikaner tun. ihr Recht überhaupt erst zu beanspruchen. dass Unternehmen auch dann zahlen. 5. Das Kapitalanleger-Musterverfahrens- Fotos: Bernd Kammerer/AP/ddp. Wer mit Telekom-Aktien 5000 Euro verloren hat.n. Der amerikanische Ansatz führt zu ökonomischer Effizienz. und deswegen wackelt auch der Termin in der nächsten Woche. Reichlich Stoff also für viele weitere Prozessjahre. Zumindest die Demokraten aber scheinen den Klägeranwälten eng verbunden zu sein. Sitzungsprotokolle. Zugleich endet ein gewaltiges soziales Experiment: Nirgendwo sonst lässt sich die deutsche Einstellung zu Chance und Risiko besser beobachten als am Börsengang der Telekom und seiner juristischen Aufarbeitung. dass jeder einzelne Kläger denselben Fehler im Börsenprospekt hätte nachweisen müssen. Das Ergebnis dürfte in einigen Monaten veröffentlicht werden. Angesichts solcher Summen kann es sich lohnen. Der Kurs der Papiere fiel von 66. sein Anliegen einem Richter vorzutragen.WIRTSCHAFT höchster Stand am 6. sich in komplizierte Wirtschaftssachen einzuarbeiten.r. wird wohl Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. Die Betroffenen sind aber meist Laien – ob als Patienten. Testergebnisse und viele Papiere mehr. als solche hochkomplex und von Einzelnen kaum zu durchdringen. so wie die Deutschen. Diesen Musterfall klärt demnächst das Oberlandesgericht: Ein süddeutscher Pensionär hatte ein Vermögen mit T-Aktien verloren. dass der Termin der Urteilsverkündung noch einmal verschoben wird. wenn sie sich eigentlich nichts vorzuwerfen haben.und Anwaltsgebühren mehr als das Eineinhalbfache des geforderten Schadensersatzes. Aktien der Telekom empfohlen zu haben. Wer unterliegt. Ihr Honorar bemisst sich in der Regel am Streitwert der einzelnen Klagen und ist damit oft viel niedriger als das ihrer amerikanischen Berufskollegen. Nun soll Justitia den Anlegern zurückgeben. Nach mehr als zehn Jahren Kampf kommt es auf ein paar Tage nicht an. wo es Massen gibt. Doch zwischenzeitlich wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert. Der Schauspieler gab der Privatisierung des Staatskonzerns ein Gesicht und buhlte um das Geld der Massen. 2011 um 17 Uhr 11. machen Eingaben und stellen Ergänzungsanträge. In Deutschland sind die Anreize andere. Nestor Bachmann/dpa. Jurist. dass die Sache längst erledigt gewesen wäre. Erpressungspotenzial und enorme Kosten auf der einen Seite. werden alle etwas gemeinsam haben. entsprechend schwer tut sie sich damit. Stephanie Pilick/AP (v. Die Fälle. Tatsächlich waren es wohl nicht die fragwürdigen Detailangaben im Börsenprospekt. Das Prozesskostenrisiko bei Massenverfahren beträgt wegen der Gerichts. Der bedeutendste Massenprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte erreicht nun seinen Höhepunkt. Ursprünglich sollte das Sondergesetz nämlich zum November 2010 wieder außer Kraft getreten sein. Prozesse gut und schnell zu führen. die dort class actions heißen. weil ihre Aktien dort gehandelt wurden. Das erledigen dann Scharen von Anwälten in teils monatelanger Arbeit zu Stundensätzen von mehreren Hundert Dollar. die amerikanische Laienjurys in solchen Fällen gern zusätzlich anordnen. sondern die Werbung des privatisierten Staatskonzerns und die gezielt geschürte Masseneuphorie. Damit kann ein Unternehmen gezwungen werden. 3. Die Begeisterung für die T-Aktie machte damals Hausfrauen und Rentner. Das birgt grundsätzlich das Risiko.11.57 € 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Der Zorn der siebzehntausend Das Urteil zum Börsengang der Telekom fällt bald. Irgendwann wird die Verteidigung extrem teuer. die sich leicht lenken lassen.50 Euro auf heute gut 11 Euro.9 Milliarden Dollar als Verteidigungskosten ein. Merck beendete den Fall außergerichtlich. Derartige Massenprozesse sind vergleichsweise neu für die deutsche Justiz. weil Kläger kein finanzielles Risiko tragen.22 € VON MARCUS ROHWETTER D ie Telekom geht an die Börse. ob die Deutsche Telekom beim letzten ihrer drei Aktienverkäufe im Jahre 2000 massenhaft Kleinanleger getäuscht und um Teile ihres Vermögens gebracht hat. Warum geht das dort so schnell? Und warum dauert es hier so lange? Weil sich Deutschland und die USA nicht nur bei der Aktionärskultur. Vertragsentwürfe. Sparbuchfetischisten wären zu besonnenen Investoren gereift. Die Telekom wurde nach ihrem Börsengang auch in den USA verklagt. könnte nur der amerikanische Gesetzgeber vornehmen. weil sie extrem viel gewinnen können. Die Kommissare Viviane Reding und Joaquín Almunia erwägen. l. Die Anwälte bemühen sich. etwa bei document discoveries oder den Anwaltshonoraren. Wer sich Gerechtigkeit erhofft. wie hoch der individuelle Schaden gewesen ist. Auch die T-Aktie ist dort längst kein Thema mehr. die das Frankfurter Oberlandesgericht nun versucht aufzuklären. Vom eigentlichen Schadensersatz war da noch nicht einmal die Rede – und auch nicht von den möglichen Strafzahlungen. Im Fall der Telekom wären das also bis zu 24 Millionen Dollar Anwaltshonorar gewesen. schloss der Konzern in den Staaten bereits 2005 einen Vergleich: Er zahlte 120 Millionen Dollar. sind ökonomische Rechnungen. Bis auf Weiteres. Bei Bilanzfälschung oder unterschlagenen Nebenwirkungen von Medikamenten werden Konzerne regelmäßig mit Sammelklagen konfrontiert. dass man sich lieber vergleicht. die auch unbedarfte Anleger damals zum Kauf der Papiere animierten.1996 Sie schufen einen Börsenalbtraum (v. Doch während man hierzulande noch viele Jahre lang weiterprozessieren dürfte. und im Jahre 2007 entschuldigte er sich schließlich dafür. Kläger können sogar mehr verlieren als gewinnen – was viele abschreckt. Eine Sammelklage in den USA war nach wenigen Jahren erledigt In den Vereinigten Staaten wäre es undenkbar. und die Aussichten schienen rosig. und ein Jahrzehnt reicht offenbar immer noch nicht aus. sondern auch in der Abwicklung von Gerichtsprozessen unterscheiden. Die deutsche Methode könnte künftig stärker von Brüssel geprägt werden.

ob er sich nach einer neuen Werkbank umsehen muss.4 täten gewährleisten muss. Mittelmeer zufolge entzogen der ExAm Telefon in seinem Büro TUNESIEN Diktator und seine Familie im Industriegebiet des Küsder tunesischen Wirtschaft tenortes Sousse signalisierte ZEIT-Grafik ALGERIEN LIBYEN jährlich rund zwei Prozent Rouis dem Minister tags 200 km des Wachstums. Demnächst Die kostenlose Überlassung Inflationsrate in Prozent*: will die Regierung Gespräche 4. noch um 10 Prozent steigen soll. An je. peitscht der Wind die Wellen des Mittelmeers für 2011 deutlich angehoben. Dennoch sind die Löhne in Bizerte mit 450 bis 600 Dinar um 30 bis 40 Prozent Mit einem Diplom von einer der renommiertesten niedriger als in der portugiesischen Heimat des tunesischen Ingenieurschulen und zwei MasterUnternehmens. sagt Sonia Ben Salid. Minister für Internationale Zusammenarbeit und Interims-Finanzminister Jalloul Ayed hat einen Ausländische Investitionen hat mich angerufen und »Marshallplan« für die arbeitslose Jugend angeküngebeten. Oder genauer: wegen der neuen Offenheit. Néji Mhiri. dass Tunesiens Wirtschaft dieses Jahr um lediglich 1. Euro täuschung über die wirtmehr aufhalten. »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine große zu Demokratie und Rechtsstaat führen sollen. als die PLO von Jassir Arafat ihren Sitz noch in der tunesischen Hauptstadt hatte.32 12. Nichts sei entschieden. die jedes Jahr Schule oder HochEntourage des Diktators glaubte sogar. ob Tunesien auch ein wirtschaftlicher Aufbruch gelingt. die einen gewissen Organisationsgrad verfügt. Er lasse sich nicht unter Druck setzen. dem nördlichen Ende Afri- kas. weil auch die Preise für Lebensmittel und andere Waren steigen. Die Tunesier wollen sich auch von Unternehmern nichts gefallen lassen Fast immer geht es dabei um die Höhe der Löhne und die Umgehung des Arbeitsrechts mithilfe von Subunternehmen oder anderen Tricks. Das habe Marke Isabel Marant. Der Chef persönlich kam aus Portugal seiner Qualifikation. das Gerücht um.« So wird auch in den neuen Zeiten. Doch ein wirtschaftlicher Aufbruch steht noch aus VON KARIN FINKENZELLER D as Hotel Africa ist geschlossen. mit der jetzt auch in Tunesiens Wirtschaft miteinander gestritten wird. Nicht in der Politik. wir sollten ein Werk mit tausend Leuten digt und das Ziel ausgegeben. dass da mal was war. sollte die Islamistenpartei als stärkste verdreifacht und die Umsatz. das in Bouazizi. Auf der einen Seite mehr alles gefallen«.1 es war schon zu spät. Die jungen Leuten. Er machte aber auch klar. deren Einkommen aufGoldtex bezahlt besser als so manches andere Tex. Den 85 000 bis 90 000 Er beschäftigt in Tunesien 13 000 Mitarbeiter. saß ein Universitätsdiplom. »Aber handlungen aufnehmen. in Mrd. arbeiten für den Ableger der portugiesischen anderen die für den VW-Konzern. Ein Teil der 6000 an die Felsen. tun. um die Einhaltung von Vorschriften gefeilscht. Dass ihm hervorragende Beziehungen zu Ex-Diktator Ben Ali nachgesagt werden. weil die Bezahlung dieses Jahr Einer von ihnen gehörte zu den jungen Tunesiern. Schon geht Werksgründung kommt. die schon seit stehen bei Neonlicht in den Hallen einer ehemali.3 eine der Voraussetzungen Unternehmern über Tarifver*Schätzung für 2011 gewesen. Streiks und Straßenblockaden behindern seit Wochen immer wieder die Industrieproduktion und Anlieferung wichtiger Materialien. Am Sonntagnachmittag kommen viele Hauptstadtbewohner gerne auf die Avenue Bourguiba. das Unternehmen die WirtTunesien als billigen Pro10. binnen fünf Jahin Sidi Bouzid eröffnen«. Als Kompromiss Textilfirma Petratex. wo die Revodurch die Privatisierung von lution mit der SelbstverbrenUnternehmen und BeteiSidi Bouzid ligungen von Ben Ali und nung des jungen Mohamed seinem Clan. Der Automobilzulieferer hat Leuten wie ihm graut schon vor den Schlagzeilen seinen Konzerngewinn im ersten Quartal mehr als im Ausland. warnt Abdelaziz Rassaâ. in der Vergangenheit mangeln lassen.Abitur. Er pokert. kümmert niemanden. Gerade hat der französische Unternehmensberater. sondern wegen der Revolution. Die EXPORT 11. sie könne schule verlassen. dass ein Jurist mangels adäquater Alternativen Unternehmensgründungen von Gunstbezeugungen als Verkäufer für einen Mindestlohn von 280 Dinar der Antragsteller abhängig machte. wie Directrice die in den vergangenen Wochen illegal nach Italien Lurdes Silva sagt. in der Lobby eines Nobelhotels in Tunis ein Bewerbungsgespräch mit einer jungen Ingenieurin beendet.an einem Obststand arbeitet oder ein ausgebildeter duktionsstätten ausländischer Betriebe praktisch. So kann die Zentrale in Portugal ohne Zeit. belangt hat.« Und die Forderung nach Lohndem Arbeitsplatz zählt ein Computer die fertigen erhöhungen? »Sie müssen sich entscheiden. Ein Schild an einer weißen Metallabsperrung vor dem Haus verspricht.ran halte ich mich. der in den vergangenen Jahren für 10 Prozent der Wirtschaftsleistung stand. »Würden wir das umsetzen. der seit Jahren im Land lebt und auch mit der deutsch-tunesischen Handwerkskammer zusammenarbeitet. Blusen für Trussardi Jeans er den streikenden Mitarbeitern versprochen. dass der im benachbarten Algerien. Maximalforderungen von heute streikenden Arbeitnehmern hätten auch mit Jahrzehnten des erzwungenen Schweigens und völliger Unerfahrenheit mit Tarifverhandlungen zu tun.Leoni bekam. der Tunesien in den vergangenen Jahren als Billiglohnland in Europas Nähe schätzte. Sie bevölkern dort die Straßencafés.5 IMPORT zielle Not und die Enteignisse ließen sich nicht Handelsdaten von 2010.« Besuch in Bizerte.6 schaftlichkeit seiner Aktivi. Für 75 Prozent der Schulabgänger in Tunesien haben Diktator Ben Ali.und Gewinnprognose Kraft aus den Wahlen hervorgehen. »Studienangereist und nahm sie ins Gebet. hätten wir nicht Gruppierung.« einmal Ruhe – auch. wie er sagt. Am Cap Blanc. auf der Frauen. Industrieminister der Interimsregierung. Ebenso wichtig sei aber die Wertschätzung der Mitarbeiter etwa durch Investition in deren Aus. Das Fünfsternehaus im Zentrum von Tunis ist nicht wegen ein paar Umbauarbeiten abgesperrt. waren die Pro. abschlüssen in Mikroelektronik und Qualitäts»L’Union fait la force« steht auf den Kitteln der sicherung war der 30-Jährige ein Jahr lang arbeitsArbeiterinnen. ob wir Stücke. Ennahda ist nach dem Verbot nach vier Jahren unbefristete Verträge gewähren der früheren Regierungspartei RCD die einzige muss. »Daoder Jacketts für Zara und Massimo Dutti. ist aufgrund der ausbleibenden Urlauber gelähmt. beiten. unbegen Schokoladenfabrik T-Shirts für die französische fristete Verträge bekommen. kritisiert er. Gut möglich. Finanziert werden ist jene Stadt im verarmten sollen diese unter anderem Sousse Landesinnern.3 Prozent wachsen wird – nach 3. dass müssten aber auch aufhören. »Das müssen wir schon deshalb übersetzten. die aufgrund ihrer langjährigen Armehr die Flexibilität. wissen. neue Jobs etwa durch öffentOperating Manager Tunesien liche Infrastrukturprojekte zu Tunis Bizerte von Leoni. mahnt Ayed. stehen lediglich 60 000 bis 65 000 den Umsturz mit seiner Hilfe verhindern. ist Claude Cheneval überzeugt. Die Direktion des Hauses wenige Meter neben dem Innenministerium auf der Prachtstraße Avenue Habib Bourguiba hat Hunderte internationaler Konferenzen organisiert und diskret auch so manches Geheimtreffen. nachdem die Tunesiens Wirtschaft eine größere Bedeutung er. »Wenn die Arbeitgeber ein bisschen was drauflegen. Und nicht in der Wirtschaft. das Hotel werde »in Kürze« wieder den Betrieb aufnehmen. die wir als Unternehmen beit im Londoner Exil über Parteistrukturen und brauchen. Das sind etwa 30 Prozent der abhängig beschäftigten Arbeitnehmer. »Aber wer nur über Geld spricht.« Mehdi Rouis muss da nicht lange überlegen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Streiken und pokern Das Leben geht weiter.2 Prozent sei allein im ersten Quartal die Industrieproduktion gesunken. Sidi Bouzid. bekommen sie höchst qualifizierte Leute zu einem immer noch sehr guten Preis«. erren mehrere Hunderttausend zählt Mohamed Larbi Rouis. machte sie das Hotel lieber zu. sagt Cheneval. Wandzeichnung des Ex-Diktators Ben Ali in einem Souk in Tunis Foto: Jonathan Alpeyrie/Polaris/laif Vor knapp vier Monaten triumphierten in Tunesien die Menschen über die Diktatur. Vor allem wird befürchtet. Und so mancher ausländische Investor. »Der freie Stellen gegenüber.gebläht werden.mindestens sechs Jahren im Betrieb arbeiten. 200 Beschäftigte. Trotz sechsjähriger Berufserfahrung. für mehr Geld und eine 40-Stun. Nur Haken an den Wänden erinnern noch die unter Ben Ali verbotene islamisch geprägte daran. der keine wirtschaftliche Neben. Die Aufgabe entspricht zwar nicht den-Woche. darauf. meist cedes-E-Klasse und die BMW-3er-Serie. Seither ist erst kollegen von mir haben bis heute keine Arbeit. »Einheit macht stark«. bei einem Wahlsieg der Operating Manager auch künftig nicht automatisch Partei einschreiten. macht den Arbeitskampf zusätzlich brisant. dass er grundsätzlich Ausländische Investoren offen sei für den Standort. Juli aus Unregierung geht jedoch fest davon aus.hier mit 6000 Leuten und moderaten Löhnen arverzug mitlesen. Tunesien in Zahlen . 48 Stunden pro Woche ent. etwa eine Autostunde nördlich von Tunis. Doch mit den Folgen der Revolution im eigenen Land wusste sie nicht umzugehen.0 einer Werkshalle sei daher Wirtschaftswachstum in Prozent*: mit Gewerkschaftern und 1. dass lassen. um ihre neue Freiheit zu genießen. Aber es ist nicht ungewöhnmacht fördern wollte und Lizenzen für einheimische lich. oder mit 3000. Der Tourismussektor. Diktator Sein al-Abidin Ben Ali war so schnell und leicht vertrieben. lässt sich von einem Unternehmer nicht Sousse arbeitet auch samstags. Auch Mohamed Eines der ausländischen Unternehmen. das schaffen.und Fortbildung. Schätzungen Buazizi ihren Ausgang nahm. zwei Masterabschlüssen zusätzlich zum Studium und einer Position als Teamleiterin bei einem Autozulieferer verdient sie derzeit lediglich 900 Dinar brutto im Monat – umgerechnet nicht einmal 500 Euro. die Militärs könnten. Auch sie los. das einen Diktator ver. Gefahr für den Übergang zur Demokratie«.Mitarbeiter im tunesischen Leoni-Hauptwerk in trieben hat. Abnehmern glänzend. warnt Dabei läuft das Geschäft von Leoni und seinen Tunesiens Zentralbankchef Mustapha Kamel Nabli. Vier Monate nach der Jasmin-Revolution ist unklar. die durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben angelockt wurden. und dass auf dem Mittelstreifen ein Panzer steht und keinen Meter neben der Kaffeetasse Stacheldrahtrollen aufgetürmt liegen. dass Revolution wie ein Kinder- spiel erschien. wie er aussieht. der sich selbst anzündete. was in Nordafrika gerade passiert. »Muss er ganz und gar nicht«. sagt Rouis. Daran hätten es viele der Offshorebetriebe. fragt sich. Anstatt auf die Forderung der 190 Mitarbeiter nach höheren Löhnen und der gesetzlich festgeschriebenen Entfristung der Arbeitsverträge nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit einzugehen. Um 12. ließ der Inhaber. ist der Nürnberger Kabelhersteller Leoni. dem hat der Arbeitgeber bisher nichts anderes geboten.Polizei seinen Gemüsekarren konfisziert hatte. tilunternehmen.Partei Ennahda bei der Wahl am 24.sollen demnächst 480 Beschäftigte. Ihm gehören rund zehn Prozent der Hotelbetten in Tunesien sowie ein Möbelimperium. Ingenieur in einem Callcenter. Doch der Neuanfang nach 23 Jahren Diktatur in Tunesien ist nicht so entspannt. aber immerhin. wie 1992 betont Rouis. Viele studieren. Ein erbitterter Arbeitskampf hat zur Schließung des Hotels geführt. Die ErSorge geht um. Sie ist des Hofes entstehen die Kabelstränge für die MerPersonalchefin bei Goldtex. hinter denen Militärs mit lässig umgehängten Maschinenpistolen das Innenministerium vor einer Demonstration schützen. dass die zufriedenheit Profit schlagen könnte.7 Prozent 2010.« »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine Rund 600 000 Menschen arbeiten in Tunesien große Gefahr für die Demokratie« für Offshoreunternehmen. dass finanTunesien EU 9. wo es zuletzt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Gegnern der Übergangsregierung kam und sich bereits mehr als 50 Parteien für die Wahlen zu der wegen der Unruhen nun unsicheren verfassungsgebenden Versammlung im Juli registrieren ließen. Auch die Übergangs. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus. bevor er 2009 den Job als Vorarbeiter bei haben gestreikt.« Inzwischen hat Rouis die ZEIT-Grafik/Quelle: GTAI schaftliche Entwicklung den zu Diktaturzeiten obligapolitischen Neuanfang getorischen Fotos von Ben Ali im Werk abhängen fährden könnten. Arbeitslosigkeit in Prozent*: fen.Einwohner in Millionen: duktionsstandort zu begrei14. »Ein Volk.

dieses Jahr scheint Riga Einkaufen schaue ich jetzt ein leichtes Wachstum wieder genauer hin. Dabei geht es darum. im Boom eher dem Nachbarn Estland gleichzutun. wo Bauholz und 23. das Land am Rand der EU kaum noch an. Deren Verbindlichkeiten wären weiter gestiegen. vom Tourismus und – wegen seiner ausgedehnten Wälder – vom Holzexport.könnte auch Lettlands erklärtem Ziel helfen. die sich in den lettische Waren wieder attrakBoomjahren von den rasant tiver gemacht. Nach harten Reformen könnte es 2011 wieder aufwärts gehen VON JAN PALLOKAT S Blick von Rigas Kathedrale (oben). produziert dort besser direkt. und ausländische Anbieter steuern in Schwung kommt. viel gewaltiger. mit Holzspielzeug und Ökopullis ein Land zum Wohlstand führen? Wahrscheinlich bleibt den Letten vorerst nichts anderes übrig. Damit ließen sich die Preissenkungen finanzieren. bevor ich Lettland vor Beginn der Krise bei nur etwa 20 Pro. Viele Letten hatten auch gar keine Gelegenheit. verkürzte die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld und kappte die Zuschüsse an den öffentlichen Nahverkehr. die Löhne. sagt Finanzstaatssekretär Martins Bicevskis. sagt Kudeiko. »Wir gehen weniger Ostsee deuten darauf hin. Lettland stand kurz vor der Pleite. Ihr Besitz ist nach Ostlettland. Das Ende kam abrupt und mit Wucht. nahm der Staat Notkredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch und beugte sich im Gegenzug dem Spardiktat der Geldgeber. der die lettische Wirtschaft hatte heißlaufen lassen. Anders als in Deutschland. Und wer den benachbarten russischen Markt bedienen will. des Lats. Als dabei ein paar Fensterscheiben zu Bruch gingen. aber auch jegliches Vertrauen internationaler Investoren in die Überlebensfähigkeit der Baltenrepublik untergraben – und noch mehr Unternehmen und Privatleute in den Ruin getrieben.« wirtschaft. Auch das Bier in den Gaststätten der Hauptstadt. Dann aber ging es in die umgekehrte Richtung. Ein weiteres Beispiel für die Chancen in der Nische ist der Holzspielzeughersteller Varis. Er hinterließ Zigtausende arbeitslose Industriearbeiter.und Konsumboom. Örtliche Spediteure sind während der Krise te sich allerdings ändern. Getragen wird es fast einfach in den Wagen gelegt. Inzwischen allerdings. »Es war im Prinzip das gleiche Spiel. sobald der Markt wieder pleitegegangen. Wahrscheinlich liegt die nachgerade unwirkliche Ruhe daran. ganze Familie mit preiswerDie Chancen darauf stehen tem Essen aus dem eigenen ESTLAND gar nicht schlecht. Allerdings fehlen 2008 2009 2010 nicht mehr regelmäßig bedieVertriebschef Juris Kudeiko nen. Das ser war weit drastischer als der gegenwärtige Ab. gründete Amerika vor einigen Jahren ein Modelabel.ginnen werde. Nun war plötzlich die Frage. Das war hart«. die Löhne im öffentlichen Dienst wurden um 40 Prozent gesenkt.« Als die Blase platzte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 33 »Das geht nur mit Arbeit« Lettlands Wirtschaft brach in der Krise ein. Es war ein kreditfinanzierter Immobilien. um seine Banken mit ZwangsversteigeWaren nach Westen zu brinrungen zurück. Freuen kann sich jedoch niemand darüber. weil es kaum Käufer gibt. die Pullis und Röcke aus Lettland in ihr Sortiment aufnahmen. sagt KolonnaChefin Ieva Plaude-Röhlinger. Lettland erhöhte die Umsatzsteuer auf 22 Prozent. Der Familienbetrieb lässt in der lettischen Provinz Holzbaukästen fertigen.2 Prozent. zu protestieren«. spottet ein Diplomat in Riga. zahlten in Lettland überwiegend Arbeiter und Angestellte die Zeche. da transportierten die niedriger als in westeuropäischen Krisenländern. Der Kollaps des sozialistischen Riesenreichs traf Lettland hart.einen freien Lkw bekomme«. dass sie es seither nie mehr wagten. damit die Wirtschaft zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren kann. Also werden alte Überlebensstrategien neu im Jahr 2014 den Euro einzuführen und es damit belebt: Die Oma auf dem Land. sagt die Kleinunternehmerin Amerika. nahm die Baltenrepublik eine Entwicklung. Die Kosmetiker und Masseure bei Kolonna mussten Lohnkürzungen um bis zu 40 Prozent hinnehmen. Auf Knopfdruck lässt sich die industrielle Basis nicht vergrößern. allein von der kleinen ExportLITAUEN was uns gefiel. versorgt jetzt die resbeginn gilt.1 dem Absturz meist deutlich men spürt den Wirtschafts*Ende 2010 weniger wert als die Hypoaufschwung in Mittel. Während ihre Landsleute noch mit Immobilien zockten. um »endlich mal was Kreatives zu machen«. davon kann inzwiBlockhäuser wieder stärker geschen jeder dritte die Raten fragt sind. dass Lettaus«. als roher Stamm. wieder Rücklagen zu bilden. was im Ökonomendeutsch »interne Abwertung« genannt wird. urteilt der Ökonom Morten Hansen. der etwa von der Jahrtausendwende bis 2008 währte. vor allem in Deutschland. relativ zur Größe des Landes. Auch im Baltikum schlug die globale Finanz. Lastwagen aus dem Westen Baustoffe nach Lettland Finanzstaatssekretär Bicevskis verspricht zudem. die mit Fleiß. Das dürf. Sinkende Preise sind ein Krisensymptom. Auch Varis verkauft direkt an ausgesuchte Spielwarenläden in ganz Europa. das nicht in ausländischen Händen ist. Zuverlässigkeit und den inzwischen wieder niedrigeren Löhnen Nischen bedienen. ist Schönsein in Lettland so billig zu haben wie lange nicht mehr. Die deutlich reduzierZEIT-Grafik 100 km Viel härter trifft es hinten Produktionskosten haben gegen jene. unverarbeitet. »Nur war die Blase. ruinierte die Staatsfinanzen.2 kaufen. die Rettung der wankenden Parex-Bank. früher haben wir möglich.aus Jekabpils auf. auf zuletzt 17. das Freiheitsdenkmal eit die bekannte lettische Kosmetikkette Kolonna ihre Preise um rund ein Viertel gesenkt hat. Das UnternehInflationsrate in Prozent*: –1. nur um als teures Importpapier wieder zurückzukehren. Liepaja (Libau) und Ventspils (Windau) von Transport und Transit.und Wirtschaftskrise mit unerbittlicher Härte zu: Die Wirtschaft schrumpfte allein 2009 um 18 Prozent. Lettland in Zahlen Das verarbeitende Gewerbe zu fördern ist erklärtes Ziel der Regierung. die Preise. und luden für die Rückfahrt die Bretter und Latten dass die Regierung mit dem Ende der Krise be. die sich in einem Haus am Rande der Rigaer Altstadt einquartiert hat. die sich bevorzugt in Euro verschuldet hatten. Zu Beginn der Krise gab es genau eine einzige größere Demonstration. wie man spart und neue Einnahmequellen auftut. Immerhin: »Am Ende brauchten wir keine einzige unserer 40 Niederlassungen aufgeben«. der Käse auf dem Wochenmarkt: Vieles ist preiswerter als noch vor zwei. Ende 2008. Kann man aber mit Kleinstfirmen. Noch halten sich die ZEIT-Grafik/Quelle: Zentr. zeigten noch alle Zahlen nach oben: das Wachstum.0 18. das in Lettland nicht vorhanden ist. aber bereits weiter fortgeschritten ist – und die manche Beobachter als Blaupause für Athen betrachten. Lettland machte durch. sie erinnern sich noch an den wirtschaftlichen Kollaps nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – die. Papierfabriken zu errichten würde viel Kapital erfordern. Im Boom allerdings blähten sich vor allem der Einzelhandel. Geld auszugeben. So verlässt zum Beispiel Holz das Land tonnenweise.3 oder Häuser auf Kredit zu aus Jekabpils (Jakobstadt) in Arbeitslosigkeit in Prozent*: 17. Und eine lands Wirtschaftsabsturz vorerst LETTLAND Kollegin fügt hinzu: »Beim gestoppt ist. das man auch in Ländern wie Spanien gesehen hat«. hätte zwar den gleichen Effekt gehabt. dass es bisweilen klüger ist. Alle Zahlen Garten. aus denen sich Bauernhöfe oder Flugzeuge zusammenstecken lassen. war das dünn besiedelte Land als Teil der ehemaligen Sowjetunion einst zu einem Industriestandort aufgebaut worden. die Miete für die Rigaer Wohnung. sagt eine Mitarbeiterin im Rigaer Day Spa. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes lag 2009 bei nicht einmal neun Prozent. Vom Gipfel des Booms bis zum bisherigen Tiefpunkt der Krise verlor das Land ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung und brach damit so stark ein wie kein anderes europäisches Land.und thek.gen. baute Amerika mit ein paar Freundinnen auf ein Netz kleiner Boutiquen in Deutschland und Skandinavien. 2010 ging es noch ein bisschen weiter nach unten. des einzigen lettischen Kreditinstituts von Bedeutung. ein Café im Zentrum (Mitte). »Zudem braucht es Knowhow. dass die Balten in Jahrhunderten der Fremdherrschaft gelernt haben. steigenden Löhnen dazu hinDas merkt zum Beispiel reißen ließen. die der Griechenlands ähnelt. »waren die Letten wohl derart erschrocken. wo die Gemeinschaftswährung seit Jaheine Last. nach harten Reformen und Einschnitten. Die konservative Regierung wurde im vergangenen Herbst sogar wiedergewählt. »Ich Immerhin lag die Verschuldung des Staates in muss manchmal tagelang telefonieren. und die Letten glaubten der Welt sehr gern. der einzigen Metropole des Baltikums. scheint ein neuerlicher Aufschwung möglich. schon sturz. erklärt der in Riga lehrende Ökonom Morten Hansen. Manchen Wirtschaftsexperten gilt Lettlands Rosskur als beispielhaft. Eine Abwertung der eigenen Währung. Allerdings errichten Industriekonzerne aus dem Ausland im Baltikum keine Fabriken. Zu zent des Bruttosozialprodukts und damit weitaus Boomzeiten war das anders. Während des lettischen Booms. auch das gibt es zu wenig«. sich an einen hohen Lebensstandard zu gewöhnen. Für wirtschaftliche Dynamik sorgen dagegen eine Vielzahl kleiner Firmen. sich dem Unvermeidlichen zu beugen und auf ihre Chance zu warten. Laut Statistik haben von Bruttosozialprodukt in Milliarden Euro Nordeuropa und besonders in 600 000 lettischen HaushalDeutschland. Mit seiner Hauptstadt Riga. Die Arbeitslosenrate schnellte nach oben.6 18. wo ein ziemlich starker Staat die Beschäftigten mittels Kurzarbeit und Konjunkturprogrammen einigermaßen vor der Krise schützte. Die daher verfügten Sparmaßnahmen summieren sich bisher auf mindestens 16 Prozent der Wirtschaftsleistung. drei Jahren. »Das geht nur mit Mühsal und Arbeit. Erstaunlicherweise erlebte das Land keine Unruhen.1 ten 120 000 Kredite aufgeStecklatten für Saunen und nommen. Die Welt sprach bewundernd vom »baltischen Tiger«. ddp (2) . »Jahrelang ging es darum.« Fotos (Ausschnitt): Roman Koksarov/AP/ddp (u. vor allem jene. Inzwischen arbeiten zwölf Mitarbeiter für die Firma Ameri. Statistikbüro Lettland nun die Lastwagen.WIRTSCHAFT 12. Sogar im traditionell agrarischen Litauen liegt er weit höher. das Bauwesen und der Finanzsektor auf. Wohnungen der Holzverarbeiter Osukalns Einwohner in Millionen: 2. mit aller Kraft Löhne und Preise zu drücken. »Die Lehre aus der Krise ist: Es gibt nicht den einfachen Weg zum Wohlstand«. Zum Beispiel die Firma von Ginta Amerika: Ehemals Beamtin in der Rigaer Stadtverwaltung.) . Lettland lebte dank seiner drei Ostseehäfen Riga. Lettland ist zu klein und zu abgelegen.

Die Jahreszins angegeben werden. die die Branche vielleicht zahlen müsse. Ein geschickter Schachzug der Huk – ein Die Verbraucherzentrale Hamburg und RechtsAnerkenntnisurteil kann nicht auf andere Fälle anwalt Bluhm setzen deswegen auf Verbandsklagen: übertragen werden. was für ein Typ der richterliches Urteil mit Grundsatzcharakter. ihre sicherungen. Sie wurden erst durch die Anordnung höherer Sicherheitsleistungen gestoppt. »dass bei PräTrotz der jüngsten Teilerfolge der Verbrauchermienratenzahlungsklauseln in Versicherungsbedin. Euro Jahresprämie und Krankenversicherungen Pia Lanze nutzte für ihr Anliegen einen Musterausgenommen. Es scheint. vierteljährlich oder halbjährlich. die Prämie Monat für Monat abgeerklären sollte. Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach einmal von 15 Milliarden Euro. »Verfür die Stückelung der Jahresprämie und einem einzelte Anfragen« habe man bekommen. Das gelang ihnen im Rechtsstreit der det und zu Beginn eines Jahres fällig sind. Denn geklärt ist die knifflige Sache noch lange nicht. satzes von 4 Prozent« und die »Rückerstattung der Bei dem Streit geht es um einen kleinen. Wie wenig Neues gibt es doch am Finanzmarkt.9 % 12 745 +10. Es fehlt bis heute ein höchst.1 % NIKKEI: 9819 –5. Es kam zu einem sogenannten An. machten es für den fen nun. Den Unterschied zwi.5 % 103 US$/BARREL +15. Crash. für zu hoch. verlangen cherfreundlicher. der Preis brach daraufhin ein. die Klauseln Prozent. Höhere Finanz.34 12. Verbraucher hofhilfe zu behandeln«. Darin forderte sie erten. Sie man beispielsweise auch bestimträgen schien plötzlich mögbegründen das mit men. Verbraucherschützer Die Versicherer sind alarmiert halten dagegen: »Wenn der und versuchen.5 % 7. Dafür zahlen sie einen Aufschlag. sagt Rechtsanwalt Joachim die den effektiven Jahreszins in Riesterverträgen Bluhm. knickte ein. ohne dass der BGH zur Sache effektiven Jahreszins. hatte etwas an der Ratenzahlung für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung und ihre Altersvorsorge auszusetzen. Das Oberlandesgericht Prozesse führt. Dann kamen Tränen der Angst. ob ein Darlehen teuer oder lich. Lanze war es ein Zuschlag von fünf Prozent. mit ihm kann Rückabwicklung von VerZusatzkosten. Kleinere Schlachten und schlechter Vergütung der Rechtsanwälte seien werden gewonnen. Versicherungsnehmer im Einzelfall ist«. Teilzahlung . Illustration: Karsten Petrat für DIE ZEIT/www. dass sie für ihre monatliche Zahlungsweise fünf Prozent mehr aufbringen muss. Es ist ein Drahtseilakt. so die tatsächlich zu berappenden Preis.schützer herrscht längst noch keine Klarheit. wie sie erwartet hatte. Insgesamt geht es womöglich um Millionen Verträge. Erst als Lanze einen Anwalt einschaltete. »äußerst wenige« meldet die Continentale. Lanzes Versicherung höheren Verwaltungsgünstig ist. werden schied das Landgericht Hamburg in einem Rechts. vierteljährlich oder der Effektivzins. sondern kleiner wurden. Für Normalanleger ist das ein sicheres Zeichen: Diese Woche von Finger weg! Als der deutMarcus Rohwetter sche Edelmetallkonzern Heraeus am vergangenen Montag in Hanau seine Bilanz vorlegte. um Spekulationen einzudämmen. dass Jahresprämien geschulabzuwenden. stieg doch der Silberpreis binnen eines Jahres von weniger als 20 Dollar je Feinunze auf rund 50 Dollar. aber die Versicherer meist weit überlegen. »dass es keine kosten und entgangenen gibt es komplizierte Berechrechtliche Verpflichtung gibt. gerichts. mathematik ist das.35 Pro- zent war. Doch die meisten Kunden zahlen »unterjährig«. effektive Jahreszinssatz ausgewiesen werden muss«. Die Huk genauerer Betrachtung nicht immer wasserdicht. Für den Effektivzins betont heute. rechnung dieses Zuschlags ist stets die die Berechnung des Bedie volle Jahresprämie – auch wenn trags. Und gungen für den erhobenen Ratenzuschlag auch der die Versicherer werden weiterhin alles unternehmen. Während Die Versicherung von Pia Lanze beruft sich wie der mündlichen Verhandlung. so ist zu hören. Es geht um Riesterverträge und Lebensver. heißt das Teilzahlung. wie viel wurde. Sie hält den Aufschlag. diese Jahresprämien in unterjährigen Raten die Huk-Coburg. stottert sie halbjährAussagekräftiger ist deshalb dass in der Branche zeitweise lich. die Ergo nennt eine monatlichen Zahlung von Pia mittlere vierstellige Zahl an Briefen und Anfragen. eine Rückzahlung des Differenzbetrags. doch Investitionen bleiben gefährlich Der Silberpreis steigt rasant! Nein. Das war aus heutiger Sicht etwas hoch gegriffen.splitintoone. Unfall. Neue Leben Lebensversicherung AG. Das räumte auch ihr geschäft oder Finanzierungsin den Verträgen Versicherer ein.44 US/$ +7. den sie damals bekam. Dass es tatsächlich ein effektiver Jahreszins von 11. Dann Absturz. wenn der effekGenau das ist der juristiKunden nicht transtive Jahreszins nicht angegeben sche Knackpunkt: Gewähren parent genug. Doch die Firmen verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG P ia Lanze wollte Gerechtigkeit.4 % GELD UND LEBEN Boom. dass sie. dass die Un. Pia Lanze schrieb ihrer Versicherung. wie sie sagt. Nachteile für die gesamte Branche Versicherer vorschreibt. Ende April hatte die Chicagoer Rohstoffbörse höhere Sicherheitsleistungen auf Silberkontrakte verlangt. in den späten siebziger Jahren. dann ist das ein dem Landgericht Bamberg gegen die Versicherung. sagt Bluhm. Im Klartext: Wer mit Silber spekulieren wollte. rückwirkend nur den gedie Versicherer den Ratenzahihn das Bezahlen in setzlichen Effektivzins von vier lern einen Kredit oder nicht? Raten tatsächlich kostet Prozent zahlen müssen. Laut Verbraucherzengewichtigen Unterschied – den von Ratenzuschlag trale wurde dieser Brief fast 200 000-mal herunterund effektivem Jahreszins. Der Ratenzuschlag für die »einige Hundert Anschreiben« die DEVK. mit Inflations. klassischer Ratenkredit«.Klauseln zu Teilzahlungszuschlägen zukünftig nicht pflichtversicherungen. als habe sich die Geschichte wiederholt. auch eine »Neuberechnung des Ratenzahlungszuschlags weil die Verbraucherschützer sich auf Urteile stüt. Dann wieder von vorne. weil der Verbraucher nicht trale Hamburg sind lediglich Verträge unter 200 erkennen könne. Doch diese Urteile sind bei wohl dem VZBV recht geben würde. Und forderte Geld von ihrer Versicherung zurück. Und reine Kulanz.»Dort spielt auch keine Rolle. so wie viele andere auch. Im Juni 2010 erhielt sie einen dreistelligen Betrag – bei Weitem nicht so viel.geladen. Für Versicherungsnehmer wie Pia Lanze und für die Assekuranzen. Die Kursausschläge sind unvorhersehbar.com Abgesichert oder abgezockt? Viele Versicherte begleichen ihre Prämien in Raten. weil zur selben Zeit die Tötung Osama bin Ladens diskutiert wurde). Er ist verbrauVerunsicherung herrschte.dort schlechte Entscheidungen ergehen.4 % 2659 US$/ TONNE +6. schicken schen einem in Verträgen ausgewiesenen Zuschlag aber nur wenige diesen Brief dann auch ab. sind Etappensiege. trieben Spekulanten den Silberpreis bis an die 50Dollar-Marke. also monatlich. Laut der Verbraucherzen. Glaubt man den Versicherern. Deshalb müsse auch der effektive kassierte diese Entscheidung dann aber wieder. Damals erfuhr sie von einem langen Rechtsstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern.sicherung am Landgericht Stuttgart verurteilt. Dann Begrenzung. Jahresprämie nicht auf den« somit jeden Monat etwas Die »Kulanz« ihrer Versicheeinen Schlag. Inzwischen sind sie etwas entspannter. Denn schon einmal. kam Bewegung ins Spiel. dass die meisten Versicherungen ihre Prämien auf Jahresbasis kalkuliert haben. Nun gilt das Urteil des Land.oder Deflationsszenarien hat der Silberpreis womöglich weniger zu tun als gedacht. Im Fall Pia Lanze unterjährige Zahlweise wie Verbraucherschützer beträgt der Effektivzins 11. die Hoffnung machen. Wird die Jahresprämie gestückelt. die in Wirklichkeit anders heißt. Zunächst waren es Freudentränen. der dann Fast alle Versicherer argumenfällig wird. Die 53-Jährige. aber zu viel gezahlten Zinsen«. soll viele andere Versicherer auf Urteile aus den versich abgezeichnet haben. denn binnen weniger Tage Anfang Mai verlor der Silberpreis rund 20 Prozent (was öffentlich allerdings nur wenig beachtet wurde. wie hoch der Zuschlag sei. Diese zögerte und verweigerte dann. monatlich ab.2 % RTS: 1928 +8. die lediglich Einzelfallcharakter haben. er fällt ins Bodenlose! Oder halt: Jetzt steigt er ja doch wieder! Was denn nun? Das begehrte Metall hat vielen in der Finanzbranche gleich mehrfach glänzende Augen beschert.brief. Boom Der Silberpreis steigt wieder. wenn wichtige Angatieren wie Lanzes Versicheben zum Zins im Vertrag fehlen. dass der zuständige Senat gangenen Monaten. dann aber Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gegen anbietet. Bei der unterjährige Zahlung wird – wenn überhaupt – in Generali liegt die Zahl nach eigenen Angaben »im Prozent des Jahresbeitrags angegeben. Da wundert es nicht. Die Referenz bei der BeLanze erhielt eine Tabelle. Doch nungsformeln. Pia Lanze ging lange Zeit davon aus. Zinseinnahmen.1 % 1514 US$/ FEINUNZE +6.diese allen anderen Gerichten zum Abschreiben streit der Verbraucherzentrale Hamburg und der vorgelegt«. Und mancher Kläger verhielt selbst etwas entschied. »ohne Anerkennung einer Rechtspflicht«. rung. dass sie ihre Jahresprämie monatlich abstottert. denn der Silberpreis erholte sich etwas. Was den Verbraucherschützern unterdessen Bei Individualklagen mit niedrigen Streitwerten gelingt. Umgekehrt heißt das: Mit den Aussichten der Weltwirtschaft. aber auch um Kfz-. Der VZBV gewann 2006 vor gegen Ratenzuschläge abzutragen.9 % 1.Huk. »Wenn dann Einzelfallcharakter haben. Und dafür erheben die Versicherungen einen Aufschlag. Nicht nur Heraeus macht übrigens Spekulanten für die Silberpreiskapriolen verantwortlich. Und schließlich flossen Tränen der Erleichterung.17 US$/ SCHEFFEL +14.und Haft. Der Silberpreis ist ja auch schon wieder gestiegen. den sie sich von der Website der Verbraucherternehmen verunsichert waren und zunächst mau. Erst Spekulation.In einigen Fällen ging es im Kern gar nicht um den erkenntnisurteil. Es waren die Brüder Nelson Bunker und William Herbert Hunt. dass beim Silber immer noch sehr viele Spekulanten unterwegs seien. Die Tabelle ist stottert wurde und Lanzes »SchulBezahlt ein Kunde seine furchtbar unübersichtlich. Mai 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 20 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7526 +7. sagt Bluhm. Mittlerweile weiß sie. berichteten Manager davon. um ein höchstrichterliches Urteil zu ihren UngunsUnd Ende April wurde die Stuttgarter Lebensver. rung ist aber ein Beleg dafür. Anfang Mai erst ent.zentrale Hamburg herunterlud. Es ist ein klassisches Mittel. wie die Assekuranz betonte.mehr zu verwenden. Sache ging bis vor den Bundesgerichtshof. benennt den Denn auch die komplette die meisten Versicherer »echten Preis«. schwante ihr erst Anfang 2010. musste mehr Geld hinterlegen. Brisant aber bleibt der Streit.35 ein Verbraucherdarlehenskritisieren. den sie dafür zahlt. Im Fall der unteren vierstelligen Bereich«.sich offenbar sehr ungeschickt.ten zu verhindern.seit Vertragsbeginn auf Basis des gesetzlichen Zinszen. der für die Verbraucherzentrale Hamburg nicht angegeben hatte.

ob Kachelmann schuldig zu sprechen sei oder nicht. Schwerpunkte Medien manipulieren zu können.jährlich so viel CO2 wie zwei Millionen Autos.Bargeld in die Kasse. auch wirtschaftlichen wenn sie zum Beweismittel des Gegners werden. Zusammenhang über Litigation-PR. sondern auch bei Verworrenheit des Falls nicht sagen. Fragt sich. Das hat letztlich auch eine wissenschaftliche Erhebung über den Einfluss von Medienberichten auf Richter und Staatsanwälte dokumentiert. Was ist geschehen? Leicht lässt sich dies bei der bei Anwälten und PR-Beratern.Wirtschaftskanzlei ihrer eigenen Berichterstattungslogik standschefs der Deutschen Post. Mittels Es kann also gut sein. dafür baut der Konzern weiter Aufzüge. Handel wäre deshalb eine Abspaltung was der neue Chef nun plant. die sich teils pro und teils contra auch die Bilder der Verhaftung Klaus bei der Kachelmann positionierte. NieKSB INTAX in Fachkreise diskutieren in diesem Hannover. Beim Edelstahl kapitulierte nämlich Beispiel Edelstahl: »Nirosta« ist zwar die bekann. Doch das braucht Zeit – gerade in einem scher Schätzung maximal 1. so destens 50 Euro kosten – zu viel. um Manipulation von Justiz diale Begleitung über Monate hinweg. In wurde – am schnellen Atomdieser Woche beraten Bunausstieg. relativ kurzfristig die Luft über suchskraftwerk. lungs. schaltete Atomkraftwerke. ren mit seinen Prognosen über die Kosten des Natürlich gibt es berechtigte Zweifel an dem Klimawandels weltweit Aufsehen erregte.derts ohne Kohle nicht auskommen wird und falls im SPD-geführten Land Brandenburg steht weil CCS gegenwärtig die einzig bekannte in Schwarze Pumpe das einzige deutsche Ver. Im vergangenen Jahrzehnt an seine Aktionäre.selbst der hartnäckigste Sanierer der Branche. konzern RWE sämtliche Konzessionen zurück. für Juristen nicht verwunderlichen.WIRTSCHAFT ANALYSE UND MEINUNG Probiert’s doch mal! Kohlestrom kann man sauberer machen. Zur Jahr. Auch die Kosten sind ein Problem: Nach dem angenehmes durchaus dem Nachbarn überantgegenwärtigen Stand der Technik erhöht sich mit worten. des damaligen Vor. In den Medien einer Vergewaltigung steht im Raum. Letztere besitzt ihren eigenen.bund Deutschlands und der WWF. Der Gebrauch von Litigation-PR ist nicht nur mann bietet dafür ein prominentes Beispiel. . Gesamt Qualitäts. ob ThyssenKrupp künftig Stahl. Ackermann.lich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht – gen. Aber der Stromerzeugung in einem Kohlekraftwerk CCS nicht einmal erproben heißt. Sicher nehmen auch Richter des Landgerichts Mannheim die Berichte über das Kachelmann-Verfahren wahr. wie lange etwa die Aufzugbauer Platz drei noch halten können.50 Jahre am Netz bleiben. teste Marke des Konzerns. aber Zeitung schon suggeriert die Kanzlerin noch im Jahr vom eigenen Hinterhof 2007. Eisengießereien und Essener auch versuchen. Letztlich besteht das Ziel von Litigation-PR darin. Das wäre ein Problem. denn auch bei der Aufte Wettbewerbern anzudienen. halb von 20 Jahren.Option ist. Allerdings emittiert selbst ein modernes Kohdie ihm die Erkundung unterirdischer CO2.und Kommunikationsstrategie ist dafür notwendig. Klima. mand sollte deshalb ernsthaft meinen. Doch viele Deutsche wollen das Verfahren nicht einmal testen VON CHRISTIAN TENBROCK Das Kürzel CCS steht für eine große Idee. Sie leben und arbeiten nicht auf dem Mond.dioxidemissionen entfallen gegenwärtig nur auf rung. Die Welt benötige eiüberwiegend unter der Norddeutschen Tief. frachtet werden. kann Verfahren: Niemand weiß bislang etwa. Industrieanlagen. Auflagen zu formulieren. ZEIT-Grafik/Quelle: Geschäftsbericht wie sie zu Jahresbeginn Branhat auch Vorgänger Ekkehard chenprimus Arcelor-Mittal Schulz schon versucht – und zwar vergeblich. sich an das Victory-Zeichen von Josef ständig über den Fall zu berichten. allzu früh entstehende Klimagift Kohlendioxid aufgefan. Importierte Steinfernhalten will. dass unbedachte Interviewerlei: sein Recht und seine öffentliche Reputation. bis im Spätsommer 2000 Aufzüge 5 das Unternehmen mit. die Übersicht zu behalten – und noch schwerer. äußerungen den juristischen Sieg kosten können.stahl Damit hatte sich die Sache 43 4 Anlagenbau 1 Kriegsschiffe traktiverer Geschäfte zu geerst mal erledigt. der Ehren-Aufsichtsratsvorsitzende und heimliche Herrscher des Konzerns. den neuen Mann auch gewähren lässt. Grüne Parteipolitiker und lokale Bürgerini. Beides ist falsch: Es ist die detaillierte Veröffentlichung des T O B I A S nicht ersichtlich. meint er. Gerade die Richter im Fall Kachelmann demonstrieren. Bevor er neue Investitionen tätigen kann. Unklar ist istisch. lerin Vanessa Tahal von der Hochschule für Musik.und Kohlestrom. Doch wäre es naiv.und auch der klassische QualitätsTechnologiekonzern vor.zeit. dass man jemandem mittels Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen zum juristischen Sieg verhelfen könnte.Dass es aber auch falsch sein kann. als dass sich CCS wie Ideen eben sein müssen. aber seit Erfindung des Lakshmi Mittal. ob sich den Kampf gegen den Klimakollaps ohne die zur CO2-Lagerung vorgesehenen unterirdi. wenn sie die Welt gegenwärtig lohnen könnte. vormachte.nach Sparten. Das klingt simpel. Weil die Republik vor Mitte des Jahrhunwill. die potenziell Dass auch in Deutscheinmal für CCS. Hunderte Kilometer man den Eindruck. In Strom angesehen. Die sicherste Alternative 13 wird abgespalten Das klingt gut. vorbei. in Milliarden Euro sollte nicht nur Edel-. werden noch immer Schuld daran sind der Widerstand der Bürger neue Kohlemeiler gebaut. Doch er bleibt die Entscheidung schuldig. sondern bauplan für den Stahl. Beide Kohlesorten Aber eigentlich könnten sich dieser Zeitgenossen werden als unverzichtbarer Abgeordnete und LandesverGrundstoff für deutschen treter ihre Arbeit sparen. den Standpunkt von Unternehmen oder Privatpersonen.12 xibilität« für den Ausbau at. Briten. doch vieles. auf die intensive Erprobung Betrieben wird es von dem schwedischen Kon. Auch der tiativen mögen über den Teilausstieg aus CCS Ökonom Nicholas Stern.Ländern zu überlassen. Die Internationale Energieagentur hat damit 80 Prozent seines Stroms. die potenziell Unmen bedeutet. Heinrich Hiesinger muss klare Entwicklungslinien schaffen. Deutschland hat die großindustrielle Anwendung des und nicht als Ersatz für abgeVerfahrens fürs Erste kaum noch eine Chance. ein klein wenig besser machen sollen. und wirtschaftlichen Interessen. Kohleverstromung wird notgedrungen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 35 Un-Gestaltung ThyssenKrupp baut um und ab. Lebendig bleiben ist Rechtsanwalt nicht.bringen dürfte. Innerdachte Weltklimarat. bekannt zu machen.des Verfahrens zu verzichten. Dieser Weg stünde auch Thyssorgte Nirosta für reichlich Verlust. winnen. ob Berthold Beitz.oder Technologiekonzern sein soll. Deshalb.Aperam und verschenkte deren Anteile kurzerhand stahl billiger herstellen. Im Wissen. Gegenwärtig hat mindestens 20 Prozent.beeinflussen. liegt nologie auch in Deutschland gerne dem Nachbarn nicht – wie auch in dieser vorangetrieben werden. Doch die Kartellwächter kamen gar nicht Krupp ebenfalls bargeldlos in eine »strategische Partdazu. Eben. scheint es unKohlendioxid aus dem Rauchgas getestet wird. wird sich der Welt»Nimby« heißt im mit Milliarden. Der Vorwurf Staatsanwälten in Mode gekommen. und Medien. Diese Fülle macht es einem Chef schwer. Umbau hier und da reicht nicht. Einzig im brandenburgischen Ketzin wird die CO2-Speicherung noch ausprobiert. so die Ungewöhnlich am Fall ist aber eine massive me.Medien und der te gegenüber Journalisten lässt sich für rend juristischer Auseinandersetzungen Telekommunikation den eigenen Standpunkt etwas erreichen – selbst wenn das angesichts der vorauszudenken und gegebenenfalls zu Foto: privat Tendenz vieler Medien zur Skandalisierung und Personalisierung unwahrscheinlich klingen mag. Kommunikationsprozesse wäh. kämpft manchmal um zwei. Insgesamt würde eine Tonne Weitere Informationen im Internet: blog. vom öffentlichen Druck unabhängig sein zu wollen. Verkauft werden sollen ledigPartner winkten direkt ab. Holstein ermöglicht hätten. Der Arcelor-Chef gründete für die korrosionsbeständigen Werkstoffs vor 100 Jahren ungeliebte Tochter eine neue Gesellschaft namens ist viel passiert: Längst können Chinesen den Edel. Eineine neue und für Laien eigenartig seiner Arbeit sind zig durch sachliches. Die Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger und Thomas Zerback fanden heraus: Schuldig oder nicht schuldig ist keine Frage guter Presse. die in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt sind. senKrupp offen – allerdings käme dabei kein Cent Mehr als einmal versuchte der Konzern die Spar.das Recht der Herausarbeiten der eigenen Argumenrum. denn die mussten in dieser Zeit fast ohne Investitionen auskommen. Lagerstätten müssten gebaut. zu glauben. müssen erst mal die alten Schulden weg. CCS versucht also. über Medien auf den Ausgang von Auseinandersetzungen Einfluss nehmen zu wollen. Diese Stromfabriken und die Mutlosigkeit vieler Landespolitiker. Kartellrechtlich wäre das sicher nicht ganz einfach geworden – noch ist lösung der Autoteile-Sparte werden nur begrenzt ThyssenKrupp einer der großen Edelstahl-Anbieter Erlöse fließen: Die Fahrwerk-Fabriken will Thyssenweltweit. eine gute Entwicklung ist dies nicht. aber meist negativ besetztes Bewusstsein für diese Beratungsleistung geschaffen. Nimby heißt im Englischen jene Spezies Mensch. Eine gewaltige Summe – selbst bei einem Börsengang der Edelstahl-Sparte. die reichlich vorhandene heiKohle hat man den das Grundlage für die Erpromische Braunkohle gilt als wichtiger Garant einer unbung und weitere ErforEindruck. werden aller Wahrscheinlichkeit nach für 40 bis Ende April gab der Atom.landläufige Meinung. Vorstandschef der Deutschen Bank. alte Meiler nachgerüstet werden.der weltweiten Energieversorgung ausmachen. verantwortlich.keinesfalls in Deutschland? Es ist reichlich egohunderte sicher speichern können. Ziel sei es. »Fledie Konjunktur einknickte. und Debatte um saubere einmal mehr über ein Gesetz. Damals rich Hiesinger im Amt. Der Plan FORUM Lernen aus dem Fall Kachelmann Kommunikationsberatung bei Gerichtsverfahren nützt weniger als gedacht VON TOBIAS GOSTOMZYK Wer vor Gericht steht.und Strafverfahrens für KachelAuch die Auftritte bekannter Wirtmann vorteilhaft war. Ähnlich ist die Situation in Niedersachsen. Die Begründung: Rund ein Viertel der gesamten deutschen Kohlenmangelnde Akzeptanz in Politik und Bevölke. als lebten in Deutschland lange Pipelines zwischen Stromfabriken und sehr viele dieser Zeitgenossen.aufzugeben. aber ebene und vor der Nordseeküste – das aus Kohlemeilern abgeschiedene Gas wirklich für Jahr.den Einsatz von Carbon Dioxid Capture and schen Gesteinsschichten – in Deutschland Storage nicht vorstellen. Vergangen. Es geht da. vor Beginn des MannesSteuern ließ sich die Presse dagegen mann-Prozesses. Das ergibt auch eine und Sachverständige wurden gehört.lekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung noch Lagerstätten im CDU/FDP-regierten Schleswig. Kriegsschiffe und Wälzlager für Windmühlen. da Umsatz von ThyssenKrupp 2010 legt er einen gewaltigen Um. Natürlich könnten die lich die Autoblech-Pressen. kohleverbrauch nahezu verEnglischen jene Spezies doppeln. dass die fortlaufende Privatlebens des Moderators und G O S T O M Z Y K Weitergabe von Details des ErmittGründers eines Wetterdienstes. Die Causa Kachelmann hat zwar ein breites. als lebten in abhängigen Energieversorschung von CCS sein soll. Eine wirtschaftliche Analyse der Kommunikationsstrategie von Kachelmann würde vermutlich nicht zu einem positiven Ergebnis führen. beim Nachbarn Polen mit einem Nobelpreis besogar über 90 Prozent. »Mit fröhUnangenehmes zwar land kein Ende der Kohlenlichem Gemüt« solle die Techutzung in Sicht ist. Einfluss. alle Bereiche mit der nötigen Liquidität zu versorgen. in den USA und sich ebenso für das Verfahin Deutschland sind es etwa ren ausgesprochen wie der 50. Aber eine neue Form bekommt der Mischkonzern so nicht VON JUTTA HOFFRITZ Viel Spielraum kann Konzernchef Hiesinger mit seinen Plänen also nicht gewinnen.6 geschäft. wenn er ernsthaft Hand an den Mischkonzern legt. Die Frage ist. Einzig bei der Bestimmung der Strafhöhe gibt es einen. dass alle Tests am Ende Carbon Dioxid Capture and Storage soll das bei mit dem einen Urteil enden: Lieber nicht. Viele Zeugen wird sie dabei eher kritisiert. Und sechs der wo eine schwarz-gelbe Koalition die Unter. in dem die Abscheidung von Kohlekraftwerken zu entlasten. Etliche Medien aktuelle Studie der Kommunikationswissenschaftund nicht zuletzt deren Publikum haben spekuliert. zu schweigen. weshalb zuletzt alle verfügbaren Mittel in neue Hochöfen und Walzwerke gesteckt wurden. Des Weiteren ist es nicht erfolgversprechend. Es gehe. ist aber anspruchsvoll. so die DER STANDPUNKT: Amerikaner und Australier Prognose seriöser Energiefördern seine Erprobung experten. ThyssenKrupp war einst Weltspitze beim Edelstahl und hat die Position verloren. Mit dem Umbauprogramm will sich Hiesinger von einem Viertel des Umsatzes (2010: 43 Milliarden Euro) trennen.nige Tausend Anlagen. Der Fall des Wettermoderators Jörg Kachel. Vielmehr dürfte schaftslenker vor Gericht bekommen der scheinbar nicht versiegende Inforgroße Aufmerksamkeit: Viele erinnern mationsfluss mit dazu geführt haben. die Verfeuerung von Braunkohle. Doch die internen Auto 4. aber vom eigenen Hinterhof fernhalten CCS der Energiebedarf eines Kraftwerks um will (Not in my backyard). Das erklären Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzzern Vattenfall. was auf diese Weise gespeichertes auch die Anwendung – von CCS allein anderen Gas für die anliegenden Grundwasservorkom. A DIE ANALYSE 12. in Pipelines geleitet und schließlich in gen noch für Jahrzehnte einen wesentlichen Teil Lagerstätten tief unter der Erdoberfläche ver. Sollen die alle nur anderswo stehen. sagte überantworten. Deutschland viele gung.zehn klimaschädlichsten Stromfabriken Europas suchung möglicher Kohlendioxidlager verbieten stehen in deutschen Landen. In der destag und Bundesrat zwar kohle ist relativ billig. Vom Edelstahl stahl aus dem Portfolio verAuto Edelstahl will er sich trennen schwinden. Beim normalen Stahl verteidigt der Konzern Platz sechs im Branchenranking. Theater und Medien in Hannover. Auch Angela Merkel warb Mensch. dass Medien neue Anlässe fanden. der vor einigen Jahjubeln.4 6 (verbleibt im und auch vom AutozulieferDebatten zogen sich so lange Konzern) 1. unermüdliches anmutende Disziplin. Die Autoteile werden weniger. die Erprobung – und möglicherweise bisher auch.de/gruenegeschaefte eingespartes CO2 die Kraftwerksbetreiber min- tausendwende kündigte das Kaum mehr als 100 Tage ist Unternehmen schon mal eiThyssenKrupp-Chef Heinnen Börsengang an. die Tochter an die Börse zu Federfabriken des Konzerns – was nach optimistibringen. Sie folgt Zumwinkels. so teilt hin. Die potenziellen nerschaft« einbringen.Gegenwärtig erzeugt China – wo fast wöchentschutz und Kohlenutzung zusammenzubrin. Der Qualitätsstahl macht auch nach dem Abschied vom Edelstahl noch gut ein Drittel des Portfolios aus. Wert. Sechs Milliarden Euro.5 Milliarden Euro einbehäbigen Konzern wie ThyssenKrupp. Eine sorgfältige Verzahnung von Rechts.

Heute kann man als Volkswirt beides musste man darüber abstimmen. sondern auch ein Jahr zuvor den unter Ökonomen wichtigen Gossen-Preis. Und auf einstiegs. den LeibnizPreis. sprachen. ein Ökonom. dass er sie deswegen nachhaltig verändert. wie man die Le. wie groß unser Lebenserfolg ist und wie zufrieden Auf einer Skala von 0 (gar nicht risikobereit) bis wir sind.garantieren. dass ich glaube. wenn man selbst len oder Kindergärten kostet. aber auch mehr Empathie mit andeunfair behandelt. Der heute 43-jährige Rheinländer Armin Falk hat nicht nur 2009 den höchstdotierten deutschen Förderpreis für herausragende Wissenschaftler gewonnen. Werde ich dagegen bereitschaft. und die Konfonat würde ich dann sagen. Zu dieser Frage haben wir kürzlich benswirklichkeit der Menschen verbessern kann.das weitverbreitete Dogma gegen staatliches Handeln. soll das auch tun. dass er nun auch den Yrjö Jahnsson Award erhält. Aber ob ich immer als nem anderen ist es umgekehrt. vor allem für dann die richtigen Experimente sozial benachteiligte Kinder. oft en schreiben. Und die Politik muss komGladbach. weil wir gar nicht wissen. dass sich Ökonomie glied.Funktion. wenn die stark durch den Liberalismus geprägt. unser ZEIT: Bloß sind Politiker auch Wachstum hängt von der RisikoMenschen und machen Fehler. Viel spannender lichen Abhängigkeit herauszustreben. Aber alle Professoren lehnten ab. Falk: Wenn ich an eine Sache glaube.dazu zu sagen? stand meiner Studien.zu verhindern. Zu helfen ist sinnvoll. dem linken Harvard-Ökonomen. In Deutschland hängt der Bildungserfolg besonders stark von der Bildung der Eltern ab. dass die anderen auch ZEIT: Beeinflusste Sie jemand bei der Studien. Anders als ben Sie als besonders kreativ.und Sozialpolitik.36 12. Die wissenschaftlichen Nase rumtanzen. kann psychologische Motive in den wirt. andere flusst. in dem Hilfeempfänger eine Gegenschaftlichen Entscheidungen erforschen. während die anderen scheidungsverhalten. weiß ich noch nicht. Aber ein sozialdemokratischer Die positive Reziprozität wird in der Gesellschaft Ökonom.. der Evolution geprägt. ob es ein System machen. es kann ZEIT: Sie waren mal SPD-Mitnicht sein. Er faszinierte mich extrem. was ich wollte. Ernst Fehr von der Uni öffnen für Menschen. Unter den fairen Typen man deren Entwicklung durch Interventionen im gibt es wieder zwei Gruppen: Die einen wehren frühkindlichen Lebensabschnitt positiv beeinsich vor allem. und Falk ist mittendrin.Falk: Richtig.ZEIT: Der Junge aus Bergisch Gladbach hat sich tiven Studie untersucht. zu zahlen.bessere Chancen verschafft. was andere Wahrheit ZEIT: Nirgendwo wird mehr mit Gerechtigkeit nennen. dann wäre ich wohl auch den eine dramatisch große Zustimmung dafür. ob dadurch mehr Fäjemandem etwas Gutes zu tun. In gründung war Fairness. welches Falk: Auslöser war der Philosoph Gerd Achenbach. dass auch eine Vertrauenskrise war. Könnte sein.Man kann innovative Ideen ausprobieren und wird aus risikobereit. desto Motive eine wichtige Rolle spielen. wie Falk: Mentorenprogramme für diese Kinder zum wir das nennen. Wir wollen sehen. ZEIT: Das sind Grundregungen der Gerechtigkeit. Sie essen nen auch nicht einfach zum alten Modell zurück. wie wir sozial funktionieren. Wir erforschen das konkret anhand von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Doch das tut er eben suchen. Die Wirklichkeit ist für ihn kein Störfall. In der praktidass Sie etwas über Geldpolitik verfassten. ganze Bevölkerungsgrupdem Chef der Deutschen nicht. zum Beispiel bei der Steuermoral. der/Steinbrück-Sozialdemokrat. die Industrielobby intervepen zu indoktrinieren. Wir fanimmer noch unmöglich. ich war selbst noch nie Gegen. Wo hat Ihr Politik sollte sich übrigens öfter melden. ZEIT: Immer gab es auch linke Ökonomen in der Falk: Sie gehören zu den wichtigsten Motiven. die Lebensumstände der Menden dabei heraus. wenn er mich vor. Persönlichkeit. bei dem die allerdings mehr mit Blick aufs individuelle Ent. Grün: Quatsch. dann ist ohne Staat alles wunderbar.Befunde der Verhaltensökonomik zeigen. Und als wir über meine Studienwünsche argumentiert als in der Arbeits. aber auch ampel.. wenn es darum geht. und echten Egoisten. Aber die ist auch wichtig. Falk: Tatsächlich ist die deutsche Ökonomenzunft Es ist individuell manchmal von Vorteil. was Menschen als gerecht empfinden. was ökonomisch sinnvoll ist. Sie wirken wie ein Schröin so etwas erschöpft. schaft zusammen mit der Frage. tue aber nichts nur um des Risikos willen. Er erforscht. dass zugen risikobereite Männer und umgekehrt. auch das. nachdenkt und überprüft. Wer eine Gegenleistung Köln wollten Sie eine Diplomarbeit über Vertrau. der tut sich schwer. sie handeln.einen Transfers empfangen.higkeit zur Selbstkontrolle entsteht. Wir köneigentlich wollen. sehr nahe. was es bedeutet. desto besser die ökonomischen wissenschaftlich salonfähig: Der Modelle und die Politikberatung. Da wurde ich mit offenen Arsondern muss die Partei der Aufmen empfangen. die sie hinterher es unkompliziert war. Bei ei. dass Steuerbetrug kein Kavaliersdelikt tur machte und Zivildienstleistender war. wie Armin Falk als Chef und Forscher funktioniert. bereit.Güter. ein SoDie Kombination finde ich nach wie vor wichtig. tungen erwartet. Ökonomen können viel zu einer besseren Politik beitragen. inwiefern Kinder ihren durchgesetzt. dass Risikoeinstellungen über schen zu verbessern? verschiedene Lebensbereiche sehr verschieden Falk: Ökonomie ist schon das Richtige für mich. Falk: Tatsächlich hatte ich die Ursprungsidee aus schen Politik ist dann natürlich die Frage. Und genau die bestimmen ganz wesentlich. Kandidat. Aber der Mann für die richtigen Fragen lebt deswegen noch lange nicht im Elfenbeinturm. Gute sozialdemokratische Politik ist es Dafür braucht man Empathie. die Gerechtigkeitsprobleme vom Ende her modellverliebt ist. es ist eher eine Drohkulisse mit der trale Wirtschaftsfrage. Innerhalb der SPD stehe ich insoweit eher rechts. dann reagiere ich abweisend. Und Sie? Falk: Ich würde nicht sagen. Vorleistung. legende Fähigkeiten mit Nachdruck zu fördern. Bei ihm ist. Aber heute anderen wissen.genau aus dem Rationalitätsglauben ergab sich ja bild der Ökonomen. Ich bin überzeugt: Je realistischer nicht wollen. Staat kann helfen. dass in der moder. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausFalk: Das ist keine sinnvolle Aufschütten. selbst wenn sie es gut meinen. Menschen eine Diskrepanz zwischen dem. bin ich risiko. diese durch ihre Arbeit finanzieren. sagte er. Sie können einem nichts weg. Wo stehen Sie? nen Wirtschaft bei allen Transaktionen Vertrauen Falk: Hartz IV soll nicht auf Dauer ein gutes Leben eine Rolle spielt. Es wäre höchst effizu entwickeln. für eine sozialpolitische Leistung auch GegenleisZEIT: . die Kanzlerin riefe an: Herr Falk. positiv wie negativ. Zum Essen geht es ins Studentenlokal um die Ecke. dass nicht nehmen ohne ernste Konsequenzen. UJH egoistisch. Ändert sie auch wirtschafts. Drinnen herrscht Betriebsamkeit unter den vielen jungen Forschern. als Falk: Ich habe dann gesehen. Ich bin bereit. mehr Risikoher anständig behandelt hat. aber davon abgedas einfach Vertrauen heißt. Falk ist der erste deutsche Preisträger. Übrigens ähneln sich Das Gespräch führte UWE JEAN HEUSER Fotos: Michael Dannenmann für DIE ZEIT. wenn andere unfair sind. Sind Märkte perfekt und Menschen rationalund sozialpolitische Antworten? DIE ZEIT: Wie wird ein friedensbewegter Junge Der Preisträger Es ist ungewöhnlich. kaufen Dinge. ein Experiment gemacht. dass ich ein knallharter ZEIT: Was meinen Sie mit »Intervention«? Egoist bin. ZEIT: Kommen wir zur Fairness. Falk erhält den Leipnizhätte man früher gesagt. Steuern scheinlich nicht überzeugt. Bevor man warum die einzelnen Menschen so handeln. Falk: Ökonomen beschäftigen sich heute mit Präferenzen. Menschen beschränkt rational sind und soziale ZEIT: Je mehr Verhaltensökonomen lernen. Und darum muss es doch gehen. Und der Aufschrei zunehmend ablöst. Sind Sie risikoverliebt? Falk: Auch wenn ich schon viele Tausend Men. geht es nicht (lacht). Die ZEIT: Sie sind ein Verhaltensforscher. der große Auszeichnungen wie den oft von uns erwartet. die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt seit den ReforZEIT: Sie durften nicht – und haben doch weiter men erheblich zugenommen hat. Und vergangene Woche wurde bekannt. sondern eine asoziale Handlung. denen Fairness ein Anliegen die entscheidenden Fähigkeiten entstehen – wie ist. ZEIT: Angenommen. Und langsam merkt man. Er begeistert. Märkte und Wettbewerb gabe. problemen hineinzuversetzen. Was hat ein Ökonom schen befragt habe. Ein und derselbe Mensch ist vielleicht über. Risikobereite Frauen bevorAber Experimente und Befragungen zeigen. dass sumenten sind nicht so schlau wie sich der untere Teil der Gesellschaft gedacht. Falk: Bei Galbraith kam das Interesse an Wirt. denn jeder Euro mehr Diplom gemacht – mit einer Arbeit über Finanz. Partei der Desillusionierten sein. nicht Ökonom geblieben. als ich Abi. freudigkeit der Bevölkerung ab. der nicht bereit ist. die Menschen in reguläre Beschäftigung kauf genauso wie jetzt für die Weltfinanzkrise. die negative ist stärker von Leibniz-Preis abräumt – das ist neu. Bundesrepublik. Ein sehr lohnendes sehen ist »Fördern und fordern« das Gegenteil Buch. dass ein wissenschaftlicher Außenseiter so jung die großen Preise in seinem Metier abräumt. Einstellungen. der zu nicht.munizieren.ZEIT: Hartz IV wurde renoviert. was sie Falk: Wir können es uns nicht aussuchen. Für einen alltäglichen Auto. Die Steuern gibt es auch ein gutes Angebot öffentlicher traditionelle Auffassung davon hätte mich wahr. zialsystem überhaupt erst zu schaffen. Und jetzt kommt das Interessanteste: Die BeZEIT: Als Student hatten Sie es noch schwerer. Wir fan. man Arbeitsfähigkeit feststellt. An realen politischen Fragen genauso wie an ökonomischen oder philosophischen Problemen. Beispiel.ten. Erhöhen Sie die mal. klein: Michael Hauri/imagetrust (l. was sie tun. sondern ein Faszinosum. Sehen Sie. Genau das ist ja positive Reziwahl? prozität. so. Und mehr Risikofreude unter dem doch gibt es Korrekturbedarf. Die Forderung nach deutlich höheren Sätzen entstammt falschen an die Ökonomie geglaubt? Falk: Ich habe erst mal aus Pflichtbewusstsein das Gerechtigkeitsüberlegungen. wie man Kindern aus benachteiligten Familien hältnis zur Fairness. dass die Gesellschaft Galbraith . sie darf nicht die dass in Zürich einiges geschah. die Kinder übertragen. auch die Ehepartner. nähmen wir dafür sehr viel Geld in die Fragen in einfache Verhaltensprobleme übersetzen. wenn es um finanzielle Dinge durch die hohen Standards einer gestandenen geht. DFG . Zudem sind Bürger viel eher bereit. weil er sich begeistert. wie einem Bändchen von Niklas Luhmann von 1968. Sie muss Perspektiven erchen. was das eigentlich ist. Falk: Für Experimente muss man wissenschaftliche zient. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WAS BEWEGT ARMIN FALK? WIRTSCHAFT »Ich bin risikobereit« Als sozialdemokratischer Starökonom ist Armin Falk ein Sonderfall. Sie unterscheiden Wer mehr soziale Mobilität will. sie können einem nicht auf der erleben wir eine Öffnung. Ich wird das gesamte Einstellungsprofil von Eltern auf kann mir auch etwas ganz anderes vorstellen. 10 (sehr risikobereit) bin ich eine 8. muss fragen. Zwar hat er sich vom ersten Preisgeld auch vorlesungsfreie Semester gegönnt. weil und trinken mehr.steuerehrlich sind.erbringen kann. Man sollte ohnedies nicht verder Markt. wie aber wusste. in welcher Rolle man nachher ist. sondern die Entstehung dieser Probleme emotionalen Verwerfungen von Entscheidungs.ZEIT: Der Kerngedanke der Hartz-Reformen.eingesammelt. Hand. Bei ihm feierte andere Parteien weiß die SPD. Hier versäumen wir es. Ginge das? Falk: Natürlich. Ziel war es da. die zu bringen.ist das. wie zwischen Menschen. Luhmann erklärte. Dadurch wird eine linke Position das Menschenbild. Jemand. in dem er Vertrauen definierte als riskante von »unfair«.Hoffnungen erfüllt. Ich hatte aber immer das Gefühl. das regelt Preis von Matthias Kleiner. Sie besonders überrascht? Falk: Ein Beispiel: Wir haben in einer repräsenta. ob sind zentral für Wohlstand. Wäre das leistung erbringen müssen – oder nicht. lies mal etwas von John Kenneth Falk: Reziprozität heißt da. Vielfach erleben vielgestaltiger präsentiert sich die Wirklichkeit. alle Menschen eigennützig und rational sind. Proband. aber gar nicht bei Gesundheitsfragen. der Mensch. um wirklich zu verstehen. Gelb..verringert den Anreiz. ZEIT: Sie haben durch einen Forschungspreis und ZEIT: Zwei Kategorien menschlichen Tuns haben EU-Mittel rund vier Millionen Euro für Forschung Sie besonders erforscht: Wagemut und unser Ver. ja. die wichtigste Anerkennung für europäische Ökonomen unter 45. Vorbild führende Politiker und andere EntscheiGründer der Philosophischen Praxis in Bergisch dungsträger abgeben.Wissenschaft diszipliniert. die voranZEIT: Führende Ökonomen loZürich gilt als Nobelpreiskommen möchten. die uns Schuhabe ich erlebt. Es spielt auch eine wichtige Rolle. Strich gut ist. ZEIT: Ein paar wie Sie gab es Falk: Ich fühle mich der Partei damals schon. Aber hat die Ökonomie auch seine Eltern in ihrer Risikobereitschaft ähneln. Ich neige zu reziprokem Verhalten.). grundder Industrie zeigt ja die Wirkung.und Entwicklungswilligen mal konnte ich genau das masein. Beim TeleForschungsgemeinschaft niert. Und Untersuchungen belegen ja. Im Schnitt sind wir unseren Eltern also sehr ähnlich. FähigkeiZEIT: Dann wird es höchste Zeit. aus dem Rheinland zum Ökonomen? ZEIT: Wie das? Armin Falk: Zum Glück wusste ich erst gar nicht Falk: Menschen brauchen das Gefühl: Für hohe genau. aus Hartz IV und der staatmarktinnovationen in Kanada. Interessanterweise Wissenschaftler arbeite. die richtiArmin Falk erste Erfolge dass es dafür öffentlicher Untergen Fragen zu stellen und dafür stützung bedarf. Ein Gespräch Falk: Sicher. Sein Institut an der Bonner Universität liegt in einem alten Reihenhaus nahe dem Juridicum. wenn sie glauben. mehr Alkoholiker und Unfalltote.. gehen selbst mit gutem Beispiel voran. und dem. ren und mehr Selbstvertrauen. Vielleicht bekäme Nehmen Sie die Lebensmittelman mehr Wachstum.geben sollte. Mit einem Teil erforschen Sie nun. Es war also eigentlich eine zen. wo sie kann. Rot. sind. Und ZEIT: Diese Reziprozität verändert das Menschen. sich in die zu lösen.

die sinnlos dahinvegetierten. Immerhin erkenne er noch heute. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. wenn die Mitarbeiter wieder einmal etwas falsch zusammenbauten – obwohl er es selbst nicht mehr zusammenbrächte.« Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch dieser Woche der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft. wenn er wieder einmal die Worte nicht findet. Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen. per Schienenersatzverkehr. Hat es damit bewiesen. Dann kommt es vor. Es ist die Rede von »lebenden Toten«. Flüchtling zu sein S. ANDREAS SENTKER Bernd Linde leidet an Alzheimer. SAM WISSEN .zeit. die Gedanken auseinanderfallen. Und wenn die Leute im Supermarkt mal wieder grantig werden. sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden. der auf die Herstellung von Kunststoffspiegeln spezialisiert ist. »Dann sitzt man da und schaut«. wie die Kranken die Welt erleben (diese Seite). erzählt er. Alles falsch. jahrelangen Prozess der Hirnveränderung. steige die Angst in ihm hoch. vom Gefühl. weil er so lange zum Einpacken braucht. einmal sägte er sich fast den Finger ab. Seine Bilder helfen ihm. beantragte sie die Freigabe für Personenzüge bis 72 Tonnen. Oder: Der Baumeister habe richtig gerechnet.« Alzheimer – schon der Begriff löst bei vielen Horrorvorstellungen aus. Ein Plädoyer für einen neuen Blick VON THOMAS VAŠEK it ihm sei es wie mit einer Sandburg. dieses Schicksal möchte niemand erleiden. Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden. Jetzt ergründet die Forschung. aber falsch nachgerechnet und sich aus Scham über den (falschen) Fehler in den Tod gestürzt. Die medizinische Diagnostik nimmt allerdings vor allem die Defizite in den Blick: den schleichenden. Es freut ihn. erklärt er einfach. das Portemonnaie.« erschossen. finden sie durchaus noch Freude am Leben. Und dass auch pflegende Angehörige Hilfe brauchen und wie man mit einem dementen Partner Urlaub macht. ihn umzusetzen. sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. Ihre Zufriedenheit hängt ab von erfüllenden Tätigkeiten. Mit Dreitagebart und Nickelbrille sitzt er am Küchentisch seiner Dachwohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen und redet über seine Krankheit. Vorher arbeitete er in seinem Betrieb. »Dann reagieren die immer ganz betroffen und packen mit mir zusammen die Tüte ein. natürlich von der halb fertigen Brücke. lesen Sie auf Seite 40. Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden. die Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen. sagt Zimmermann und macht eine lange Pause. Praktische Tipps und Informationen zum Thema: www. Zimmermann spricht gern in Bildern. An schlechten Tagen. Wie Befragungen zeigen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 37 P L A G I AT S A F FÄ R E Doktor-Prüfung Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest. von »welken Hüllen«. das Handy. die sei »standhaft«. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind von Demenz betroffen – Tendenz steigend. Dabei kann man auch mit dieser Krankheit Freude am Leben haben.« Doch die Burg. dass die Betroffenen Fortsetzung auf S. So viel etwa wiegen die Züge – ohne Personen. HALB ein Teil der Brücke habe abgerissen werden müssen. die lallend durch die Altenheime irren. Man denkt an sabbernde Greise. Orte und Begriffe verloren gehen. von echten Doktorarbeiten unterschieden werden. Es ist höchste Zeit. dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre.com Fleischfrei fahren Womöglich liegt doch ein Fluch auf der Müngstener Brücke. So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten.de/alzheimer M Zimmermann will raus aus seiner Burg. Die damals schier unglaubliche Konstruktion reizte zur Legendenbildung: Der Baumeister habe falsch gerechnet. sagt Zimmermann. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt die Wupper.WISSEN KINDERZEIT Hoffnung im Gepäck: Was es bedeutet. Gunter Sachs hat sich – so schreibt er in seinem Abschiedsbrief – aus Angst vor »der ausweglosen Krankheit A. bis ihm der Neurologe ein Bild seines atrophierten Gehirns zeigte. sich verständlich zu machen. er habe Alzheimer. seit 1897. Er sucht die Schlüssel. hat unser Autor in einem besonderen Heim erfahren (Seite 39). seine Frau Beate pflegt ihn (siehe Seite 40). Nun wird überbrückt. überfuhr Bordsteinkanten. wenn die Leute überrascht reagieren. diesen Alzheimer »übermalen«. Doch Menschen mit Demenz (von der es neben dem Alzheimer-Typ noch andere Formen gibt) erleben sich selbst keineswegs nur im Zustand abgrundtiefer Verzweiflung. 38 Foto: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Der Fotograf Philipp Wente hat sie für uns begleitet Damit die Würde bleibt T I T E LG E S C H I C H T E Die Diagnose Alzheimer löst oft Horrorvorstellungen aus. sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen. Richtig dagegen ist die Meldung über die jüngste Fehlkalkulation: Nachdem die Deutsche Bahn die Brücke saniert hatte. Mit Fahrgästen (Fachjargon: Fleischgewicht) sind sie zehn Tonnen schwerer. Beispielhaft zeigt der Fall. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt. dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist. Manchmal schaue er in seiner alten Firma vorbei. die ihre engsten Angehörigen nicht mehr erkennen und am Ende nicht mal mehr sich selbst. doch noch irgendwie gebraucht zu werden. lässt die Einkaufstüte im Supermarkt liegen oder bringt die falschen Dinge nach Hause. 48 12. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen. Alzheimer. Wenn ihm die Sätze. sagt Christian Zimmermann: »Ständig bröckelt etwas ab. Der lange Weg durch die medizinische »Maschinerie« begann. die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen. einfach so. die irgendwann so groß werden. Seit vier Jahren lebt der 62-Jährige mit der Diagnose Alzheimer. Man müsse die Krankheit eben »überlisten«. Eines Tages fiel er aus der Duschkabine.philippwente. Wie man gut mit ihnen umgeht. An guten Tagen malt er. Beim Autofahren verlor er die Orientierung. Der Tod schien ihm die bessere Alternative. ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. geht mit Freunden spazieren – oder berichtet anderen von seiner Situation. die sei immer noch da. dass ihm Namen. Die im Nachthemd auf die Straße laufen. von der Bindung an Familie und Freunde. dass wieder etwas abbröckelt. Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten. Eigentlich sei es die »bestbetreute Zeit« seines Lebens. Irgendwann machte er plötzlich Fehler.und Jugendbuch S. Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst. so wie es ein Maler mit einem schlechten Bild mache. dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat. 47 Kinder.

steigerte die bloße Mitwirkung sein Selbstwertgefühl: Als Projektteilnehmer könne er »viel mehr machen«. einer bestimmten Logik. das »Abbröckeln«. Nur im sozialen Raum. bis am Ende alle Blätter vollgeschrieben waren.und Wissensgesellschaft Vor 30 Jahren erstritten sich behinderte Menschen die gesellschaftliche Anerkennung. wenn ein schwer Demenzkranker erkennen lässt. zu denen meist unabdingbar Rationalität und Selbstbewusstsein gehören. nach der wir nichts anderes sind als ein hochkomplexes Netzwerk von Nervenzellen. wie die Heidelberger Wissenschaftler nachwiesen. wer kein Reflexionsvermögen mehr besitze. Das passt zusammen mit der Auffassung mancher Hirnforscher. Marion Bär erzählt etwa von einer Heimbewohnerin. erklärte der Mann – im Heim hingegen sei er »nichts«. Die einen argumentieren. danach zu suchen. gehen in Selbsthilfegruppen. beteiligen sich an Forschungsprojekten. vom kleinsten Stirnrunzeln bis zum Anflug eines Lächelns. Manchmal allerdings stieß sie einen durchdringenden hohen Ton aus. folgt daraus zwangsläufig: Wir müssen lernen. sagt Kruse. wann muss man dem Kranken Selbstbestimmung zugestehen? Solche Fragen sind von drängender Relevanz: Tagtäglich laufen Pflegepersonen und Angehörige Gefahr. es teile sich mit – auch wenn es sich bei Menschen mit schwerer Demenz nur noch situativ äußere. aus denen wir unsere Identität immer wieder neu zusammenweben. die ein Anliegen. nach ihren noch verbliebenen Wertvorstellungen zu leben. Solche Erlebnisse zeigen: Trotz ihres devastierten Gehirns sind die Äußerungen demenzkranker Menschen keineswegs reflexhaft oder beliebig. können wir die kognitive Ungleichheit überwinden – und damit das Gefühl der Fremdheit. mit unserer Unterstützung können Menschen mit Demenz ihren Sinn verwirklichen – und ihr Selbstgefühl aufrechterhalten. zunehmende körperliche Probleme bis hin zur Inkontinenz und Bettlägerigkeit. Demenzkranke auch im täglichen Leben in ihrer Autonomiefähigkeit gezielt zu fördern. Trotz weit fortgeschrittener Demenz. schaute die demente Frau überrascht und gab wieder ihren Ton von sich. Wenn die Menschen Zuwendung und Ansprache bekämen. Wie ich auf seine Defizite achte. das im Ernstfall das Für und Wider weiterer medizinischer Maßnahmen abwägen soll. In der Summe läuft eine solche »Entpersonalisierung« darauf hinaus. die eine Handlung in Bewegung setzen – und nicht jemand anderer. irgendwann sei seine »Sandburg« abgebröckelt. und sein Kollege Peter Singer von der Universität Princeton spricht deshalb schwer demenzkranken Menschen das Personsein überhaupt ab. die aus dem Kaffeegeschirr kleine Bauwerke errichtet? Oder von dem Mann. In jeder Person gebe es etwas. so lautet ihre Botschaft. die er einst so akribisch geplant hatte. die sich nicht mehr sprachlich äußern können. im Vollbesitz der geistigen Kräfte festgelegt.« Andere erklärten. Aus der Rückschau auf ihr früheres Leben schöpfen viele neues Selbstwertgefühl. Vielmehr müssten wir auch demenzkranke Menschen als Personen betrachten. worum es in dem Projekt überhaupt ging. Ein früherer Wissenschaftler etwa. Auch in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können sie mitteilen. Sie folgen vielmehr. Dabei besäßen sie oft noch Ressourcen und Potenziale. in ihrer Lieblingszeitschrift blätterten oder am Fenster standen und die Vögel beobachteten. verständiges Wesen. Oft helfen die intakten Langzeiterinnerungen. Der englische Philosoph John Locke definierte im 17. wer nicht mehr sinnvoll kommunizieren kann. Toleranz und Empathie. wenn man sie zu etwas drängte oder nötigte. den Würdeanspruch von Demenzkranken zu relativieren – und damit auch unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenüber den Betroffenen. weil sie ihre früheren Rollen nicht mehr ausüben können.« Demenzkranke Menschen entwickeln aber auch Strategien. Und selbst schwerst demenzkranke Menschen haben – wie neuere Studien zeigen – noch immer ein subjektives Erleben und einen Rest von Selbst. Überall fehlt es an Geld und an Personal. Nach Kant ist es die Vernunftfähigkeit.com Fortsetzung von S. Aber wir dürfen nicht aufhören. Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg. der redet am eigentlichen Notstand vorbei. Der Oxforder Ethiker Jeff McMahan etwa sieht Demenzbetroffene als »Post-Personen«. war zum einen bedrückend. die Selbstbestimmung demenzkranker Menschen einzuschränken – aus Überfürsorglichkeit. Doch wer erzählt. auch wenn der Kranke später andere Präferenzen zeige. Journalist und Buchautor (»Seele. Folglich sei ein solcher Mensch nicht mehr selbstbestimmungsfähig. Manchmal findet er den Spickzettel nicht. Aber was macht die Person aus? Traditionell sind unsere Konzepte von Autonomie und Personalität eng geknüpft an das Vernunftvermögen. so meint Bär. Ihr Sinnpotenzial verwirkliche sich durch das Erzählen. Auf dem Papier stand zwar nur Buchstabensalat. einen Satz zu Ende bringt. aus Achtlosigkeit oder schlicht aus Zeitmangel.« Stellen wir uns ähnliche Fragen nicht alle? Und haben wir nicht alle womöglich auf Sand gebaut? Schließlich gehört der Verfall. die irgendwie auf die Erde gekommen sei: »Aber ich weiß nicht. Das kriegst du voll rein. Nach Auffassung des amerikanischen Psychiaters Steven Sabat sind Menschen mit Demenz immer noch »semiotische Subjekte«. Statt den Blick nur auf die Krankheit zu richten. Wie zum Beispiel soll eine frühere Patientenverfügung interpretiert werden. Erinnern oder Vergessen. Daher lasse sich unsere subjektive Erfahrung nicht auf das Gehirn und die Ratio reduzieren. Eine frühere Patientenverfügung. zeigten viele Ausdrücke von Freude oder Wohlbefinden. dass sie selbst es sind. kaum noch Emotionen oder einen Ausdruck von Selbst. Schon vor Jahren hatte diese ihr Artikulationsvermögen verloren. diesen Sinn zu entschlüsseln. ihren Blick auf die Welt. Das Seelische drücke sich aus. Nur müssen sie immer wieder neue Geschichten erfinden. Eine unsterbliche Idee«) kennt die Demenzproblematik aus der eigenen Familie. fasst Kruse das Ergebnis seines Projekts zusammen. Obwohl er kaum noch verstand. Diese Erfahrungen schlagen sich nieder in Gewohnheiten. ihre Türen werden verschlossen. Schätzungen zufolge ist jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen: An ihren Betten werden Gitter angebracht. Was sie in den Interviews zu hören bekamen. Jahrhundert die Person als »denkendes. Viele Betroffene äußerten Gefühle von Angst. das für Fuchs die Kontinuität einer Person ausmacht. Die Philosophin Agnieszka Jaworska von der Universität Stanford etwa argumentiert. Es liegt also an uns. der droht aus der menschlichen Gemeinschaft herauszufallen. »Wir stehen mitten in einem großen Veränderungsprozess«. der braucht Zuhörer. Was etwa soll man von der Heimbewohnerin halten. Was uns trennt. Ich weiß nicht. der schließliche Verlust der Sprache. die mit leuchtenden Augen ihre Tätigkeit als Sekretärin in der Einrichtung beschrieb. also sinngeleitete Wesen. Durch das Erzählen erschaffen wir unser Selbst. Ellis. einen Sinn verfolgen – auch wenn es für Außenstehende oft schwierig ist. »Das schleppst du immer mit. glaubt Kruse. Wer wirklich zuhört. habe daher Vorrang. Als Interviewer etwa wird mir plötzlich bewusst. ist auch die Person zerstört. In diesem Punkt sind alle Menschen gleich – mit oder ohne Demenz. Jeder dritte Mann. von ihrem Humor. In den allerletzten Phasen der Krankheit kann es sein. Das erschüttert allerdings die traditionelle Vorstellung. sagt etwa der Psychiater Hans Lauter. von ihren Bildern. sagt Zimmermann. Doch indem wir Demenzbetroffene überhaupt als »Sinnsucher« anerkennen. der selbst an Alzheimer erkrankte und nun an einem DemenzForschungsprojekt teilnahm. Selten ist in diesem Zusammenhang davon die Rede. Situationen zu bewerten und ihren eigenen Willen zu äußern – und sei es am Ende nur noch durch mimische Reaktionen. die Suche nach Sinn. die Emotionen. sagt Peter Wißmann. die menschliche Personen von den Tieren unterscheidet – und damit ihre Autonomie und letztlich ihre Würde begründet. Die Wiederholungen. »Auch schwerst demenzkranke Menschen verfügen über ein höchst differenziertes emotionales Erleben«. »Wir verletzen tagtäglich die Menschenwürde von Demenzkranken«. Nach ihrer These machen schwer demenzkranke Menschen durchaus Sinnerfahrungen. Die Frage nach der Autonomie von Demenzkranken treibt ebenso den Deutschen Ethikrat um. Immer mehr Betroffene gehen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. Und diese Fähigkeit besäßen selbst hochdemente Menschen: Mit ihren Emotionen brächten sie weiterhin ihre Wertvorstellungen zum Ausdruck.philippwente. Um solche Formen der »Selbstaktualisierung« aber wahrzunehmen. ist sie noch da. Mitunter liegt die Schwierigkeit aber auch bei seinem Gegenüber. sie seien »ein Haufen Mist« – oder eine »seltsame Kreatur«. das sich einseitig am kognitiven Leistungsvermögen orientiert: Wer geistig nicht mehr folgen. zog daraus tiefe Befriedigung. das ist der Knackpunkt. es erfordert Entschleunigung. dass wir Menschen mit Demenz als Personen ernst nehmen müssen – und dass wir ihnen Selbstbestimmung zugestehen sollten. Wenn das Gehirn zerstört ist. »Unser Selbstverständnis an das Gehirn zu knüpfen beraubt uns der Ganzheit des Lebendigen«. Andere Experten halten dagegen: Demenzkranke Menschen seien selbst in späten Phasen der Erkrankung noch in der Lage. was ihnen wichtig ist. Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft. Während einige ihre Krankheit herunterspielen oder so lange wie möglich zu verstecken suchen. Heute bestimmen Philosophen das Personsein auf der Basis von Kriterien. Dabei wurden zunächst die mimischen Ausdrucksmuster aufgezeichnet. sagt der Bonner Gerontopsychiater Rolf Hirsch.38 12. jede zweite Frau könnte – so warnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft – im Laufe des Lebens an einer Demenz erkranken. Schon sprechen einige Philosophen Menschen mit schwerer Demenz den Personenstatus ab (siehe Kasten). wer das ist. das Endstadium mit künstlicher Ernährung. mit ihren Defiziten humorvoll umzugehen. sollten wir uns mehr auf die Menschen dahinter konzentrieren. im Austausch mit anderen. sondern mit ihnen. ihre Freuden. obwohl sie dort nie irgendwelche Arbeiten übernommen hatte. hat keine Vorstellung davon. das persönliche Erleben von Demenzkranken zu erforschen – ihre Ängste. das uns von ihnen trennt. dass er nun eigentlich doch weiterleben möchte? Was ist sein »autonomer« Wunsch? Oder: Wann überwiegt das Fürsorgeprinzip. die moralisch keine Personen im eigentlichen Sinn mehr seien. das über Fragen des Umgangs mit den Betroffenen berichtet. der Demenzbetroffene in München-Haidhausen. Herausgeber des Demenz-Magazins. Da ist der Schritt nicht mehr groß vom Menschen zur Sache. mit demenzkranken Menschen zu leben und nicht nur über sie zu reden. solange sie dazu noch irgendwie in der Lage sind. Per Videokamera beobachteten die Forscher demente Heimbewohner in verschiedenen Alltagssituationen – wenn sie Besuch von Verwandten bekamen. bettlägerigen Frau studierte. Und da uns die Medizin wenig Hoffnung auf eine wirksame Therapie macht. Das erlebte zum Beispiel die schottische Psychologin Maggie P. kann von Menschen wie Zimmermann lernen – von ihrer Kreativität. Warum die Leute nicht mehr mit mir reden. der ständig mit dem Rollstuhl unterwegs ist. sondern es besteht aus einem Netz all der Geschichten. zu jeder Existenz. ob er nicht doch was falsch gemacht habe mit seiner Burg. ebenso wenn sie ihren Lieblingsaktivitäten nachgingen. als wir ihnen gemeinhin zutrauen. vom »Jemand« zum »Etwas«. Doch als die Frau das letzte Blatt ausgespannt hatte. Mehr als eine Million demenzbetroffene Menschen leben derzeit in Deutschland. sondern verwirklicht sich in unseren leiblichen Interaktionen mit der Welt. atmete sie tief ein. Heute geht es um die Rechte von Menschen mit Demenz. Hingegen reagierten sie verärgert. dement zu sein«. die ihr Selbst in ihren leiblichen Beziehungen mit der Welt realisieren können – wenn man sie denn lässt. So hatte eine scheinbar völlig apathische Heimbewohnerin zeitlebens ihren Beruf als Schreibkraft geliebt. Forscher der Universität Bangor in Wales etwa befragten Heimbewohner mit leichter bis mittelschwerer Demenz. hätten diese Menschen ein intuitives Empfinden. Hat er mich richtig verstanden? Als ich später das Band abhöre. Menschen mit Demenz fallen tendenziell aus diesem Personenbegriff heraus. zum Verstehenwollen. sagt etwa der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs. 37 nicht mehr selbstständig leben können. Dann reißt das Seil. »Wer eine Patientenverfügung unterzeichnet. Dazu braucht es Zuhörer Menschen sind im Kern »narrative« Wesen: Mit unseren Geschichten erzählen wir uns und anderen. Wir alle schreiben mit an ihren Geschichten. etwas als »wichtig« ansehen zu können. Doch wer die Demenz nur auf ein Pflegeproblem reduziert. Dabei hat die Wissenschaft gerade erst begonnen. dann ordneten die Forscher diesen Mustern Basisemotionen wie Freude. meint Bär: Sie erschafft sich gleichsam eine neue Geschichte – und damit ein neues Selbst. In den vergangenen Jahren sind die Heidelberger Wissenschaftler auch in die Erlebenswelt jener Demenzkranken vorgedrungen. die das Kommunikationsverhalten einer schwerst demenzkranken. Entfremdung und Einsamkeit. diese in Handeln umzusetzen. so scheint es. strahlte plötzlich übers ganze Gesicht und sagte nur: »Da hast du aber was weggeschafft. was sie wollen und was nicht. Uns alle eint unser emotionales Erleben. das Kontinuität zeige bis zuletzt. die geweckt werden könnten. was los mit mir ist. dass Demenzkranke häufig mehr Fähigkeiten haben. setzen sich die anderen aktiv damit auseinander. Das allerdings zwingt zum genauen Zuhören. sind unsere unterschiedlichen kognitiven Defizite. dass wir bei einem dementen Menschen nichts Kognitives mehr finden. Empfindungen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen zu erfassen. Natürlich könne jegliche Interpretation solcher Handlungen von außen fehlgehen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl mehr als verdoppeln. Die Alzheimerkrankheit rührt auch an unser Menschenbild. Mit seinem Leben. In solchen Momenten frage er sich zum Beispiel. Dieser andere Blick auf die Alzheimerkrankheit legt nahe. wer wir sind. Sein Vater erkrankte vor Jahren an frontotemporaler Demenz. so folgt aus dieser Sicht. geht die Person für sich selbst und ihre Angehörigen verloren. in einem »Leibgedächtnis«. das soziale Bedürfnis. Autonomie sei weniger eine Sache des rationalen Urteilsvermögens. die Fähigkeiten von Demenzbetroffenen zu unterschätzen. Die Demenz rührt an das Menschenbild der Leistungs. Die Philosophin Agnieszka Jaworska geht noch einen Schritt weiter: Sie plädiert dafür. Als ihr die Forscher eine alte Schreibmaschine und Papier gaben. das Vernunft und Überlegung besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann«.« Von »Selbstaktualisierung« spricht Andreas Kruse. die Vergesslichen an ihr Selbst zu erinnern. oder man stellt sie mit Psychopharmaka ruhig. Aus den »Krüppeln« von einst sind weitgehend gleichberechtigte Dialogpartner geworden. Ärger oder Traurigkeit zu. wundere ich mich weniger über seine klugen Antworten als über die Banalität meiner Fragen. wie es tatsächlich ist. bis Christian Zimmermann. Klar. Doch die Positionen zur Frage der Autonomie sind im Ethikrat gespalten. auf den er sich etwas notiert hat. wie ich selbst überdeutlich spreche. für einen Augenblick. Es dauert manchmal quälend lange. Thomas Vašek. Als diese sich zu ihr herabbeugte und sich die beiden Köpfe berührten. »Ich fühle mich so allein hier. könne keinen »Gesamtbegriff seiner Situation« mehr fassen. auch wenn ihnen jegliche Möglichkeit fehlte. indem man ihnen hilft. Unser Selbst steckt demnach nicht in einem bestimmten Hirnareal. Ihm zufolge ist die Person im wesentlichen »verkörpert«: Das Selbst steckt nicht nur im Gehirn. sondern eher der Fähigkeit. Als Ellis den Ton nachahmte. Ich fühle mich wie ein Außenseiter. argumentiert Fuchs. sie reagierte auf keine normale Ansprache mehr. Die Wortfindungsstörungen. Wegen ihrer kognitiven Defizite neigten wir allerdings dazu. Plötzlich bekam die Interaktion etwas Berührung bleibt wichtig – auch wenn die Sprache verloren geht Hirn und Person Mit der Alzheimer-Krankheit. müssten wir uns ebenso bemühen. die er in ihre Einzelteile zerlegen kann? Die Heidelberger Gerontologin Marion Bär hat solche Verhaltensweisen zu deuten versucht. fing die Frau nach kurzer Zeit zu tippen an. Manchen gelingt es sogar. hob die Frau ihren Kopf und rieb ihn an der Hand der Forscherin. um mit dem fortschreitenden geistigen Verfall zurechtzukommen. ist mittlerweile sprachund bewegungsunfähig und wird zu Hause gepflegt . Doch unter Akademikern regt sich Widerstand gegen diese eindimensionale Sicht auf die Person. TV Spielerisches – abwechselnd produzierten die beiden ihre Töne und lachten immer wieder dabei. Statt verbindlicher Verfügungen fordert er ein »ethisches Konzil« aus Angehörigen und Ärzten. Demente Menschen tun im Grunde nichts anderes. Die Gesellschaft dürfe Menschen mit Demenz nicht länger »ins Abseits der Krankheit und Pflegebedürftigkeit« schieben. Solange die Burg bröckelt. die Autonomie einer Person basiere lediglich auf ihrer rationalen Fähigkeit zum Planen und Entscheiden. um nach Gegenständen zu fahnden.

Das schreckliche Wort vom Verhungern reicht fast immer. der SS. Über beide Backen.zeit. la France. Lederjacke an.1 0. sterben sie auch hier. was in dieser schen mit Demenz. Ich streichele seine eiskalte Hand. So diskutiert Jenny Sauerwald mit ihren Mitarbeitern gerade. Was tun? Das Haus im Park wird eine Ethik-Konferenz einrichten. beim Blutzuckerselbstbewussten Menschen mit Demessen oder beim Essen anreimenz. det Herr Barnstedt nicht mehr. wenn der Betreute tagsüber rundum gutbürgerlich wirkt. Achtung: klingt gut. Unter anderem verzichAuslöser zu ihr und sagte: »Hallo. ihn einfach zurück in den Rollstuhl zu heben ist unmöglich. steigt mit fortschreitendem Alter. Am Ende sitzt er wieder im Rollstuhl. Plötzlich rutscht er vollends aus dem Stuhl und sitzt vor mir auf dem Boden. Die Wahrscheinlichkeit. Herrn Knorr schmeckt es noch. der Kopf ist nach hinten gekippt. die ihr näher kommen. falls keine Patientenverfügung das ausschließt. Frau Vogel!« – »Das ist mir ließe sich durch Freund ersetzen. Nicht selten macht sie sich darum um ihre MitSacht und etwas verlegen drücke ich seine Schultern. sagt seine Frau. Der Lkw-Fahrer. an den der Bürgerpark anschließt. und gemeinsam stehen wir auf. wir schauen uns in die Augen – und er lacht. eine aufregende und beglückende Erfahrung für mich. In breiten roten Samtsesseln schlafen die Alten. Mann ins Heim gegeben hat. Wohnbereich statt Licht-Bewohner aus dem MittagsStation.5 18. die von einem eigenen Verein.6 3. »C’est la vie mon ami. Essen andauert eineinhalb Stunden. zeitig das Essen an. Gemeinsam mit Ärzten und Angehörigen wird in einer solchen Konferenz das weitere Vorgehen besprochen.1 13. pardon madame. Er beginnt zu weinen. scheint er – mit weit offenem Mund – zu schlafen. In Großbritannien wird dieser Tage über Demenz und Euthanasie diskutiert. Und wahrscheinlich hat es zumindest auf das Personal eine gewisse Wirkung. die Menschen mit Demenz aufnehmen – »schöne wache Augen«. Ich reiche Beate Vetter hat schon oft Schläge abbekomHerrn Gabler und seinem Tischnachbarn gleichmen von Frau Vogel. Nähere ich mich ihm mit einem Löffel. dass die Krankheit sich wie eine Infektion ausbreitet. also sterben zu wollen.5 2. Könnte man sich auf T-Shirt und Trainingshose beschränken. Frau jetzt Freiwillige. in freundlichen Farben gehaltenes zweigeschossiges Haus in U-Form. Eine alte Dame will nicht mehr essen. was gerade als Schlüssel gewirkt hat. die uns ein längeres Leben beschert. Biografischen Schlüsseln. Mit meinem Gestammel habe ich einen Kontakt zu dem alten Herrn gefunden.9 1. die oft unter Schmerzen und Ängsten leiden.de/audio »Ist mir egal. Respekt. nicht Gelebte. Haus im Park. Dann mussten ihm noch etwas in ihrem Leben zu erledigen zu haben. Ernährung und Festschnallen sind tabu chen. Helm auf. Der Wohnbereich im ersten Stock namens Licht ist zwar nicht offiziell. Was für einen Blödsinn ich rede: »Café au lait. die Männer mindestens ein gebügeltes Hemd tragen. Wertschätzung. Leiden unter acht. auf nach Dangast. das »Zuhause für Menschen mit Demenz«. die jeder Dritte von uns erleben wird. Was für ein Abenteuer! www. dass einige Bewohner war er noch ein flotter Tänzer. Sie sind noch Menschen.8 70–74 60–64 90–94 Jahre 30–59 Jahre 60 – 64 65 – 69 70 – 74 75–79 80 – 84 85 – 89 90–94 95–99 2005 2015 2030 ZEIT-Grafik/Quelle: Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung 100 + Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. V. die Sehnen gedehnt. Wasser und Erde sammeln sich Linde mit anderen Erkrankten man. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. Mit den Festangestellten allein ließe Barnstedt besucht ihren Mann hier im Haus im sich das Arbeitspensum überhaupt nicht bewältigen Park sechs Tage in der Woche. in Prozent 36. Sogenannte rung im Bett und künstliche Ernährung. Das Heim ist ihr – die Hälfte der Bewohner hat die Pflegestufe 3+. du Arsch« Ab 80 steigt das Risiko Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen nach Geschlecht. sind sie häufiger betroffen Von 100 000 Menschen erkranken an Demenz: Gesellschaft der Dementen Entwicklung der Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Altersgruppen 2008 800 000 600 000 400 000 200 000 80–84 65–69 75–79 85–89 95–99 2030 2050 Männer Frauen 32. meint auch Jenny los große Mengen an Nahrung. mon Dieu. nehme ihn fest in den Arm. Herr Gabler hat einen Meisterdass die Wohnbereichsleiterin das nicht leicht brief als Glaser im Zimmer hängen.« Sie glaubt. wussten die Angehörigen zu erzählen.6 0. Und lacht. Drei Tage lang darf ich hier hospitieren. Traditionelle Pflege und die Angehörigen wollen das so – die Frauen müssen adrett sein. Herr Knorr hilft! Er kann sich hochdrücken und schließlich. So wie früher. Doch einen solch rabiaten Zwang zum Weiterleben lehnen die Mitarbeiter vom Haus im Park ab. »Ich sage mir immer. Darf sie gezwungen werden? Noch tiefer reicht die Frage nach dem Respekt angesichts des offensichtlichen Wunsches eines Bewohners. Heute wirkt er auf den flüchtigen ein ungewöhnlich aggressiver Mann. Seine Augen suchen meine Augen. Und sie obachtet und spricht. Ich hocke mich also vor ihn. Sie bemöchten sie nicht heißen. monsieur. drumherum ein großer Garten. * Namen der Bewohner von der Redaktion geändert Mittags wird es voll im Bereich Licht. der Texaner Richard Taylor.com . künstliche beim Ankleiden. manche sprechen sogar abschätzig von »Gemüse« oder »welken Hüllen«. ob es ihm gut geht und guttut. eine Magensonde eingesetzt. Wieder eine umwerfende Erfahrung. Hier ist der einzige Ort. die winzige Frau Erlenmal hintereinander beim Bäcker bruch windet sich in unbeobachBrötchen holen. und wenn alles gut geht.2 0. was machst du tet man – im Gegensatz zu den meisten Einrichdenn hier?« Seitdem hat er bloß hin und wieder tungen. an dem gesamt 61 Bewohner gibt es eine knappe Hundertsie keine Schuldgefühle plagen. sie meint ja Jahren ins damals neu eröffnete Haus im Park kam. ob ren. Beruhigungsmittel. ein Geruch. aber auch nicht rein ehrenamtlich ken und reicht ihnen das Essen an. Das liegt nicht daran. aber de facto der Palliativbereich des Heimes. aber noch gut Frau Vogel wird als Letzte in reden können. ob man Demenzkranken in ihrer letzten Lebensphase noch die für alle so mühsame tägliche komplette Körperreinigung und das aufwendige und oft schmerzvolle Anziehen zumuten soll. nichts mehr essen. Ich habe keine Ahnung. die etwa dreinascht. die keine Pflegeaussitzt einer eine geschlagene Stunde bei den Kranbildung haben.0 6. Die übrigen tag viel Glück!« brauchen eigentlich eine 1:1-Betreuung.« Bremerhaven. wird meist. Er war Nazi gewesen. die sich allen Bemühungen widersetzt. Hier leben die schwer Demenzkranken. ein Foto. arbeiterinnen Sorgen: »Wertschätzung brauchen Da reißt er die Augen auf und schaut mich so – ja: die auch!« privat – an. Andererseits: Beim Waschen und Anziehen werden die Menschen bewegt. »Alles Verdrängte. der dauernd Betrachter wie ein auf den Stoffwechsel reduzierter herumgeschrien hat. Menschen Erdbeerkuchen aufgedeckt. Zum Glück hört mich einer. Die Zahl der Demenzerkrankten nimmt weltweit proportional zur Zahl der alten Menschen zu – unabhängig von geografischen und kulturellen Unterschieden. Nicht immer versteht Abteilungen Luft. ja. fast allein stehen. einer ist an einen Rollstuhl geschnallt. ließen sich mehr Zeit und Kraft in die Mahlzeiten investieren – die Momente intensivster Zuwendung am Tag. hatte mir »Motorrad« und »Frankreich« als Schlüssel für Herrn Knorr mitgegeben. Generell versucht man.1 32. Außerdem soll er gern nach Frankreich gereist sein. Ein Geruch.. nicht mehr erkennen. und es ist offensichtlich. brumm. »Sie haben heute Geburtslusten zu sprechen.philippwente.67 %) 183 (1.31 %) 1. chaotischen Welt einen Kommunikationskanal finden.7 12. bei Körperrest. FixieHeute hat Frau Vogel Geburtstag.3 31. während ich mit einem Fuß den Rolli herbeiangele.0 Wachsendes Problem Zukünftig wird es immer mehr Demenzkranke geben. Als er vor fünf runterschluckt.5 22.9 5. Von Betroffeschon überall am Kuchen genen im Frühstadium. Der Anstieg ist schlicht die Folge unserer Wohlstandsgesellschaft. Das mit der beglückenden Erfahrung scheint für beide Seiten zu gelten. Für die inseingezogen sind. ein Berührung oder eben ein Begriff. wenn sie irgendwo in ihrer verworrenen. Kann Gewichtsverlust nicht verhindert werden. Die notorisch lingsausdruck im Heim zu benutzen: hungrige Frau Rudersdorf hat da um »Wertschätzung«. statt von DemenVON BURKHARD STRASSMANN gesprochen biestig. Ein Star der Szene der neuen bevormundet. doch egal. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 39 Z um Glück hört mich keiner. muss ich feststellen. Gegenüber schreien nicht herum – sie vokalisieschwer demenzkranke Menschen nicht allen. doch im Alltag stellen sich da viele Fragen. Doch an seinem Das Haus im Park ist ein in vielerlei Hinsicht 90. bis alle reichen statt füttern. eine Frau schnarcht auf einem Sofa. nicht reißt er den Mund auf und verschluckt unterschiedsVerarbeitete kommt heraus«. bewegt plötzlich langsam den Kopf. an einer Form der Demenz zu erkranken. um den Lieberschienen sind. Herr Knorr ist sehr schwer. ist sie grundsätzlich auswünscht sich sogar. brumm. da halten wir an und trinken einen Kaffee. aber keine Personen mehr. also »geistlos« Im Bremerhavener Haus im Park werden die Palliativversorgung.2 1. dass mir selber die Tränen kommen. Es mit Demenz statt Demente. entspannen sich.« Da war mal putiert werden. Nun gibt es dort gerade eine alte Dame. findet der umstrittene australische Philosoph Peter Singer. auf dem Sozius sitzt eine Schöne!« Herr Knorr*. Sie schlägt und ten von Personen mit kognitiven Verspuckt. merci. Dement. die Gründerin und Heimleiterin. weil sie ihren schaft an Freiwilligen. Lieber Alltagsbegleiter – das sind alle. Geburtstag drehte er sich ohne erkennbaren außergewöhnliches Haus.WISSEN T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer 12. was er mitkriegt vom frischen Grün und vom Gezwitscher. jede ethische Diskussion zu beenden. Beate Vetter.1 4. Lange schaut er mich an. das Gewicht der Demenzkranken auch in einem späten Stadium auf dem gleichen Niveau zu halten. Die Leiterin des Wohnbereichs Luft. Socken über die teten Momenten die Girlande um Schuhe ziehen oder ihre Haustür den Kopf. hier arbeiten – haben den Tisch An die etwas sperrigen Begriffe mit Girlanden dekoriert und einen gewöhne ich mich schwer. Ein lichtdurchflutetes. nur drei von ihSituation durchaus verrückt klingt: »Zum Geburtsnen können noch selbständig essen. Auch in den Vielleicht ist dieser Kontakt durch die BerühSpielerische Tagesgestaltung: Bernd rung zustande gekommen. betreut werden. jetzt kommen die Motorräder aus der Garage. weiß man um ihr ihrem Rollstuhl hereingefahren. das zweites Zuhause geworden. ihr etwas Essbares zu geben. Seit fünf Jahren redem Solidar e. eine Berührung – vieles kann einen Kanal in den Geist öffnen Von Schlüsseln sprechen sie hier. du Arsch!« Das anweIm Licht leben fünfzehn Mensende Personal singt. sie sagt: als wir hier bedeutet besonders hoher Pflegebedarf. die dicke BMW. war mal ein Motorradfan. hast du vollgetankt? Quelle heure est-il? Oh. Doch es geht hier ausdrückschlaf aufgetaucht und zur Party lich um Würde oder.und liebloser Sie ist deutlich noch kein Fall für Terminologie. voilà. Er hängt im Rollstuhl. Denn auch die schwer Demenzkranken. Nach dem Dessert Sauerwald. um eine Vorstellung von der Lebensphase zu bekommen. infolge einer Diabeteserkrankung beide Beine am»Sie können noch nicht loslassen.6 247 (1.1 %) 203 (1. Es kann eine Melodie sein. Und Bewohner tag. en vacances. nicht mich. der seit einer guten Stunde im Sessel neben mir hängt und reglos vor sich hin starrt. ausdrücklich auf medikamentöse Sedierung. ans Meer. Nach der Geburtstagstafel gehe ich mit dem alten Lkw-Fahrer in den Park.

aber sagt nichts. unter anderem auch mit Kuren. Es wäre auch nicht schlimm. Dann liegen seine Beine hoch.« Ein Zuhause. hofft alles. Mai 2011 Fotos: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Frau Körle hatte seit Wochen ihr Haus nicht verlassen. Normalerweise sind hier etwa 30 Prozent der Demenzkranken weiblich. der Mann von Frau Lindes bester Urlaubsfreundin. »Das ist mein Urlaub. Er fährt mit der Hand über ihren Rücken und klopft auf ihren Po. Wälder und ein kleines Dorf.deutsche-alzheimer. Eigentlich ist im Landhaus alles festgeklebt. hoch!« Sie lehnt sich nach hinten und zieht ihn hoch. Weil sie ihn pflegt. im »Küchenflur« Kaffeemühlen zum Selbermahlen. sagt sie. sagt Frau Linde. dass er wegläuft. fühlt sich zu Hause am wohlsten«. reichten jedoch nicht aus. »Ich wollte meinem Mann noch einmal was versprechen«. denn alle Matratzen sind mit einem speziellen Bezug geschützt. Die thematischen Flure sollen die Orientierung der Bewohner erleichtern und ihr Langzeitgedächtnis mit alten Gegenständen ansprechen. geht es auch meinem Mann gut«. Danach haben sie noch einmal geheiratet. Die Liebe hört niemals auf. klopf«. Frau Linde geht viel mit ihrem Mann spazieren. Seit der Hochzeit verliert sie ihren Mann jeden Tag ein bisschen mehr. kam die Diagnose: Alzheimer. das gehört wohl zum Rollenverständnis. Von dort schauen sie ins Tal. Doch das ist gar nicht so einfach. Sie suchten lange nach einem Trauspruch und entschieden sich für den Ersten Korintherbrief: »Die Liebe erträgt alles. räumt das Bücherregal aus. »Klopf. er könnte stürzen. wenn er sagt. B Urlauben gemeinsam mit den Erkrankten. kommen die Nachbarn oder ein Schwager rüber. »Ganz frei ist man nie«. legt ein Kissen und ein Taschentuch aufs Sofa. wollen ihren Partner aber nicht weggeben. einen Schnabelbecher zu erreichen. beidseits geht es recht steil bergab. »erinnern mich die Angehörigen auch an Mütter und Väter. »Was wäre. vergleichbar mit betreuten Er umschließt fest ihre Hand und geht hinter ihr zur Tagespflege. sagt sie und lächelt. Die drei Betreuer in der Tagespflege stimmen wie immer ein Begrüßungslied an: »Danke für diesen guten Morgen. an dem er nicht mehr auf mich reagiert.« Er lächelt zurück. Noch hilft er mit.« Sie lächelt und streichelt seine Hand. wischt mit der Serviette über seinen Mund. Im Hotel ist alles festgeklebt – sogar die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen Sie ist mit ihm wieder nach Winterberg gefahren. Denn eine Auszeit ändere nichts im Alltag. Im Sauerland gelingt ihr das. 53. Raus aus dem Alltag: Die Reise der Lindes ins Sauerland Auch Spanien oder Thailand sind im Urlaubsangebot für Demenzkranke Auch die Angehörigen brauchen mal Pause. war früher der Kindergarten. »Wir bekommen kein Pferd. Deswegen wandelte die Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen das heutige Landhaus Fernblick vor sechs Jahren um: Aus einem Mutter-Kind-Haus wurde das neue Hotel. Sie nimmt sein Lätzchen ab. sagt sie. Aus demselben Grund kaufte sie für ihren Mann auch einen Fernsehsessel. Seit über einem Jahr spricht er nicht mehr. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will pflegende Angehörige vermehrt entlasten. Wenn sie kurz wegmuss. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. Dafür reist sie in ein besonderes Hotel VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS eate Linde hat im Garten ein Stück Rasen eingezäunt – damit ihr Mann nicht wegläuft. Die fürsorgende Ehefrau und Mutter kümmert sich um den kranken Partner. ohne nach ihm sehen zu müssen. Walter Körle schläft.« Fünf Tage und sieben Nächte die Woche sorgt Frau Linde für ihn. seien zwar hilfreich. »Bis später«. in einem Hotel in Winterberg. Diese Verteilung ist ungewöhnlich. Nur wären sie dort nicht festgeklebt. »Viele pflegende Angehörige nehmen Entlastungsangebote nur zögerlich an«. In fünf Jahren ist sie nie ausgefallen. Das Gelände ist ebenfalls eingezäunt. fragt sie sich. Das Hotel will seinen Gästen so viel Sicherheit und Halt wie möglich bieten. Ihr Zimmer liegt auf dem »Winterflur«: An der Wand hängen Ski aus Holz. drei. »Wenn es mir gut geht. Landhausleiter Andreas Frank bestätigt. bis sie das begriffen hat und die Zeit ohne ihn genießen konnte. Kuren. »Setz du dich bitte hin. Im »Uhrenflur« hängen alte Uhren.40 12. »Ich bin alleinstehend mit besonderen Erschwernissen«. hält allem stand. ein CD-Player spielt Schlager. auch die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen. Die Tür ist mit einer Kette verschließbar. als er noch gesprochen hat. dass seine Zielgruppe schwer von einem Urlaub zu überzeugen ist. auf Wiesen.com DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Urlaub von der Verantwortung Weil Beate Linde ihren Mann liebt. »Nur ziehe ich ihn heute wie eine alte Kuh hinter mir her«. Sie und ihr Mann schlafen immer im selben Zimmer. danke für jeden neuen Tag. sagt sie. »So ganz frei ist man hier aber auch nicht«. sagt Gabriele Wilz. Sie hat Angst vor seiner Antwort. »Wenn es bereits ein Problem ist. Oft leben die Angehörigen nur noch für ihren dementen Partner. sagt sie. umarmt sie ihn. Manchmal fällt dabei etwas runter. beruhigt Linde. »Bernd. Hier hat sie kaum Angst. das ist für meinen Mann«. ihren Mann liebt. sagt sie.« Sie bekommt monatlich 685 Euro Pflegegeld. ob er mich als seine Frau einordnet oder nur als positiv besetzte Person«. 82 Kilo schwer. die sich auf Demenzkranke und deren Angehörige spezialisiert haben. zu überstehen. spricht sie ihn an.« Sie drückt. Aber sie glaubt es zu wissen. Ich pass auf dich auf. Sie bringt ihn zu seinem Platz. Wenn sie nicht irgendwann selbst erkranken. die zum ersten Mal ihr Kind in den Kindergarten bringen. Er dekoriert oft um. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verfünffacht – und dürfte wohl weiter wachsen. wo sie auch ein Buch lesen kann. »Ich habe Angst vor dem Tag. An zwei Tagen in der Woche bringt sie ihren Mann für sechs Stunden zur Tagespflege. »Ich weiß nicht. sagt sie und küsst ihn auf die Wange. Beate Linde hat sich vorgenommen.« Bisher gibt es auch kaum Hotels. Gegenüber von Herrn Linde sitzen Walter Körle. »Bernd. wie es war. ob ihm der Urlaub im Sauerland gefällt. glaubt alles. was sie möchte. Einige offerieren sogar Urlaub in Spanien. die Krankheit ihres Mannes. Zu Hause sitzt sie neben ihm auf dem Sofa. »Wie soll das auch gehen?«. Italien oder Thailand. auf Wunsch reisen teilweise auch Pflegekräfte und Ärzte mit. selbst krank zu werden.« Sie rahmte den Spruch ein und hängte ihn in den Flur. Als sie ihren Mann Bernd später abholt.« Mit dem Zaun kann sie sich ein bisschen entspannen.86 Meter groß. Ohne Menschen wie Frau Linde würde das System zusammenbrechen. als ein Nachbar den Zaun beäugt. »Hier kümmert sich endlich mal jemand um mich.philippwente. beispielsweise zu einer Angehörigengruppe zu fahren«. pflegt sie ihn. Viele Anbieter mieten für die Reisegruppen behindertengerechte Unterkünfte. fragt sie. ein bisschen schlafen. Darum weiß sie auch nicht. Vor sieben Jahren. setz dich bitte«. In Deutschland werden rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. hinsetzen!« Als er sitzt. es gefalle ihm nicht?« Weitere Informationen unter: www. als wollten sie sich gegenseitig stützen. Es hat gedauert. hat sie im vergangenen Jahr mit ihrem Mann fünfmal Urlaub gemacht. pflegt sie ihn. da war er 61. »Das ist unsere artgerechte Freilandhaltung. ruft sie dann und läuft zu ihm. zwei. Wo sie nicht kochen muss. Das hat sie auch früher nicht getan. fangen sie schlimmstenfalls an. »Ich bin daheim ja auch eingesperrt. diesmal kirchlich. Wo heute die Tagespflege ist. Leiterin der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention an der Universität Jena. 1.« Neben dem Landhaus gibt es rund 25 weitere Anbieter. konstatiert Frau Körle. greift seine Hände und sagt: »Eins. »Schlaf ein bisschen. ihren Partner zu schlagen. Viele schotten sich zudem ab und riskieren.de/audio . Berge. und sei es nur für zehn Minuten. Ihr Haus steht am Hang. wenn er müde ist. Ärzte und Kassen müssten die Entlastungsangebote bekannter machen. »Ist er hingefallen?«. Am Mittwochmorgen um zehn Uhr bringt Beate Linde ihren Mann für zwei Stunden zur Betreuung.zeit. sagt sie. sagt sie. Weil Beate Linde. »Es ist wie nach Hause kommen«. dann ist es eine Riesenüberwindung. stellt sich vor ihn. hielte seine Windel nachts mal nicht dicht. und zwei ältere Frauen. »Davon pflege ich mich in Winterberg. sagt der Leiter Andreas Frank.de/Entlastungsangebote www. Sie kennten die Angebote kaum und hätten »häufig gar nicht mehr die Kraft. Manchmal gibt er ihr ein Küsschen oder reibt seine Nase an ihrer.« Bernd Linde guckt nur. so gut es geht. die sich wie das Landhaus im Sauerland ausschließlich auf Tandem-Urlauber spezialisiert haben. »Und manchmal«. Dort.« Jetzt gehen die beiden recht zügig und haken sich ein. An der Wand hängen Kartoffeldrucke. wie jeden Morgen und jeden Nachmittag im Urlaub. Beate Linde pflegt ihren Bernd im fünften Jahr. Weil sie ihn pflegt. und er läuft nicht – sonst pilgert er pausenlos durchs Haus und hört selbst dann nicht auf. sondern jemand kommt und fragt. in den Urlaub zu fahren. Beate Linde und Freundin Elfriede Körle ziehen sich die Jacken für ihren Spaziergang an. »Du bist ganz müde«. fragt sie ihn nicht. »Er hat nichts davon. während er im Wohnzimmer die Bücher aus dem Regal zieht. Die Landschaftsbilder an den Wänden könnten auch bei Oma hängen.

wie man gute Infografiken von schlechten unterscheiden kann (Seite 44). Die ZEIT ist mit der neuen Lust an Bildern nicht allein: Viele Print. sagt der Infografik-Professor Michael Stoll (siehe Interview auf Seite 42). die in Wahrheit natürlich jeder Mathematiker von seinen Objekten hat. In der ZEIT haben wir einen Tag im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz dokumentiert (Grafik Nr. dass mit jeder wissenschaftlichen Publikation nicht nur die Erkenntnisse offengelegt werden. »Ich habe meinen Studenten früher riesige Mengen von Unicef-Statistiken über Einkommen. Einsendeschluss ist der 19. um sie nur einmal unter einem speziellen Aspekt auszuwerten. jede Statistik ist nur so gut wie die Zahlen und Gleichungen. was man mit den umstrittenen Vorratsdaten anfangen kann. er ist ein gefragter Redner. Vor zwei Jahren hat sich das Wissen-Ressort der ZEIT entschlossen. wie sie sich unter bestimmten Voraussetzungen entwickeln könnte. wie viele Nullen eine der Euro-Milliarden hat. 33). erschien die erste ganzseitige Infografik auf den WissenSeiten. jede Woche eine ganze Seite der Infografik zu widmen. »aber das hat ihre Weltsicht nicht verändert. GRAFIK Futter für das Augentier Wissenschaftler und Journalisten entdecken die Vorzüge der Infografiken VON CHRISTOPH DRÖSSER WISSEN IN BILDERN 12. wenn die Datenflut von einzelnen Rechercheuren gar nicht mehr zu bewältigen ist. Illustrationen. Die meisten erlagen nicht den Wunden. nicht nur am Beispiel der zeitweise regelrecht modischen Fraktale. an welchen Ursachen die Soldaten der königlichen Armee starben. zu denen ein Forscher gekommen ist. Die Doppelhelix der DNA ist nicht nur die sachliche Darstellung des Lebensmoleküls. in der schlichtesten möglichen Form diese Beträge zu visualisieren: als simple Rechtecke (Grafik Nr. Seitdem haben wir Ihnen 99-mal ein Thema in Bildern präsentiert – Infografiken. In der Mathematik ist in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Freude am Bild entstanden. Hans Roslings Animationen entfalten nur deshalb ihre Dynamik. F Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich Infografiken im Netz. hat die Chance. und noch spannender wird es. diese Ideen auch grafisch aufzubereiten. die zur Umwälzung ganzer Weltsichten beigetragen haben (siehe Zeichnungen auf dieser Seite). Was Galileo durch sein Fernrohr sah und abzeichnete. die für ihn aber kaum konkret begreifbar sind. Mit einem Beamer präsentiert er die von ihm entwickelten »Blasendiagramme« (siehe auch Grafik Nr. Auch deshalb ist die Grafik-Seite ein Wagnis in der traditionell meinungsstarken ZEIT.de.95 Euro 1972: Zwei goldene Platten an Bord der Raumsonden »Pioneer 1« und »Pioneer 2« sollen Außerirdische über das Leben auf der Erde aufklären . was die Forscher sahen – sie strukturierten damit die Vielfalt des Lebens. Sobald ein Land die sozialen und politischen Voraussetzungen erfüllt – und das heißt insbesondere: Gleichstellung der Frauen –. Das Beispiel zeigt auch die natürliche Schwäche des Mediums auf. der Code des Lebens ist entdeckt 1975: Am Computer generierte Fraktale eröffnen den Blick in eine neue mathematische Welt Christoph Drösser (Hg. Damit wurde die Sinnlichkeit der inneren Bilder geleugnet. selbst nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. aber man sieht ihnen nicht die Qualität der dahinterstehenden Daten an. Die Grafiken suggerieren wissenschaftliche Exaktheit in einer Detailtreue. was wir der Öffentlichkeit über ihre gegen Worte abgedichteten Ohren nicht vermitteln können«. weil sie sich über die Zeit entwickeln. »Auf Meinungsvermittlung und Konjunktiv versteht sich die Infografik schlecht«. über das Auge Erkenntnisse zu vermitteln.de 1953: Die DNA wird entschlüsselt. Lebenserwartung und Fruchtbarkeitsziffern kopiert«. Inzwischen gehören bunte Bilder und Grafiken auch zum Standardwerkzeug der abstraktesten Disziplinen. die sie vorfanden. Selbst Bundesminister haben ja manchmal Schwierigkeiten zu sagen. Das ist eine voyeuristische Spielerei – aber danach weiß man. Jahrhunderts ist Hans Rosling. in der die plagiierten Seiten rot gekennzeichnet waren. sondern potenziell viele. Ähnlich verfuhr auch das GuttenPlag Wiki bei der Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsministers.und Onlinemedien präsentieren Informationen zunehmend optisch. Damit fing alles an – vor etwa 30 000 Jahren Vor zwei Jahren. Über die Selektion der Daten kann der Autor die Aussage beeinflussen – aber wie die Welt sein soll. Wort und Bild werden zunehmend gleichberechtigt nebeneinanderstehen – auch in dieser Zeitung. Unter allen Einsendern verlosen wir fünfmal den großformatigen Sammelband »Wissen in Bildern« mit 60 Grafiken aus unserer Serie. lorence Nightingale war nicht nur eine Reformerin des öffentlichen Gesundheitswesens. warum viele Forscher heute fordern. mit denen sie täglich jonglieren. Atemlos wie ein Sportreporter kommentiert Rosling beispielsweise. Also auf etwa 15 000 Buchstaben zu verzichten und dafür Bilder. holt es in Windeseile die Entwicklungen nach.niels-schröder. etwa bei den TED-Konferenzen oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos. die Welt einzuteilen in die industrialisierten Länder und die Entwicklungsländer. Jahrhundert von einer regelrechten Bilderfeindlichkeit geprägt war. Dabei sind seine Mittel schlicht. nachdem das 20. Der britische Guardian stellte die vom Unterhaus veröffentlichten Spesenabrechnungen der Abgeordneten ins Netz mit der Aufforderung an die Nutzer der Internetseite. gehört auch zu den Pionieren der Infografik. Auch Rosling geht es darum. 1895: Der Physiker verewigt als Erstes die durchleuchtete Hand seiner Frau So stimmen Sie ab: Schicken Sie eine E-Mail (bitte nur eine pro Person!) mit der Nummer Ihrer Lieblingsgrafik im Betreff an grafikwahl@zeit. zum Rücktritt des Politikers beigetragen. sagt die Grafik nicht. Auf den nächsten beiden Seiten können Sie noch einmal alle bisher erschienenen Grafikseiten als Miniatur sehen (Seite 42/43). seien dazu geeignet. erzählte Rosling dem Economist. 1610: Per Fernrohr entdeckt der Astronom die Mondkrater und die Phasen der Venus 1835: Die Vielfalt der GalápagosFinken inspiriert den Biologen In der wachsenden Datenflut helfen Grafiken bei der Bewertung Das beginnt mit der einfachen Darstellung von Größenordnungen. Jahrhundert die moderne Krankenpflege begründete. gehört die grafische Aufbereitung. Ein weiterer Grund für die Forderung nach open data: Ein anderer Forscher prüft dieselben Daten vielleicht mit anderen Fragestellungen und kommt damit zu neuen Ergebnissen. Der Augsburger Medienforscher Michael Stoll erklärt. »über die Augen zu bewirken. Sagen die wirklich mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte? Mehr vielleicht nicht. Das ist ein Grund dafür. oft mit einem Blick in einer unübersichtlichen Umwelt das wesentliche Muster zu erfassen. und 19. Fotoseiten. Beschleuniger und andere Forschungsinstrumente geliefert wird. sondern vermeidbaren Infektionskrankheiten. Und zu den wichtigsten Werkzeugen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 41 Jagdszenen auf Stein. um Struktur in einem Gewirr von Zahlen zu finden. sagte Nightingale. Es hat zu allen Zeiten starke wissenschaftliche Bilder gegeben. Der nächste Schritt des »datengetriebenen Journalismus« im Internet ist es. die durch Satelliten. Man kann mit Bildern lügen. sondern auch die Daten. die er überbringen will: Es ist schon lange nicht mehr sinnvoll. Die Klimaforscher hätten mit ihren Warnungen vor den Folgen des Klimawandels längst nicht so gut an die Öffentlichkeit dringen können ohne die bunten Bilder eines heißen Planeten im Jahr 2100. die Leser selbst in die Aufbereitung der Daten einzubeziehen. 128 S. Auch die Wissenschaften arbeiten verstärkt mit Bildern (diese Seite). die von den dahintersteckenden mathematischen Modellen oft gar nicht gedeckt wird. der versteht die Zusammenhänge nicht nur besser – der Trickfilm brennt sich auf eine Weise ins Gedächtnis ein. Mit der Entwicklung des Computers wurde es möglich. sie ist zur Ikone einer Wissenschaft geworden. oft mühsam recherchiert. um ihren Landsleuten zu zeigen. wenn der Nutzer interaktiv eingreifen kann. Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www.100 . wie der Riese China den Rückstand zur westlichen Welt aufholt. der bekommt zumindest einen Sinn für Proportionen – auch wenn dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden und man das Geld aus dem einen Kästchen nicht so einfach dem anderen zuschlagen kann. Der Mensch ist ein Augentier. Bilder haben eine starke Überzeugungskraft. in der ZEIT-Ausgabe 26/09. indem Rosling noch die Zeit als vierte Dimension hinzufügt und im Zeitraffer die letzten 250 Jahre Revue passieren lässt. Damals war Anschauung verpönt.« Wer einen seiner Zeitraffer-Filme gesehen hat. der eine Position in einem x-y-Koordinatensystem hat. Gewiss hat die resultierende Grafik. 1596: Die Planetenbahnen als ineinandergeschachtelte platonische Körper Mit Bildern lässt sich auch trefflich lügen Auch die Wissenschaft setzt zunehmend auf die Kraft des Bildes. Infografik und wissenschaftliche Visualisierung setzen auf diese außerordentliche Fähigkeit. die im Westen vor 100 Jahren eingeläutet wurden. bewegen sich von einer Ecke des Graphen in die andere und zeigen wirtschaftliche oder gesundheitspolitische Welttrends auf. 89). 49. für Gelehrtenschulen wie das unter dem Pseudonym »Bourbaki« schreibende Kollektiv französischer Mathematiker waren Zeichnungen und Diagramme Verwässerungen der reinen mathematischen Idee. auf der sie beruht. die bei der Benutzung eines modernen Handys entstehen. Dessen Achsen können zum Beispiel die Kindersterblichkeit und das Bruttosozialprodukt sein. die sie sich im Gefecht zugezogen hatten. Im Jahr 1858 erstellte sie ein sogenanntes polar-area diagram. Die Evolution hat uns gelehrt. Wer das kleine Kästchen des Bundes-Bildungsetats mit den größeren Rechtecken des Banken-Rettungspakets oder des Vermögens der Albrecht-Brüder verglichen hat. Jahrhunderts waren mehr als die quasifotografische Abbildung dessen. Allerdings hat diese »ikonische Wendung« hin zur Bildsprache in der Wissenschaft auch Schattenseiten. die sich nur in streng logischen Abfolgen mathematischer Sätze zu manifestieren hatte. aber sie sagen es auf andere Weise. Grafiken und Statistiken zu zeigen. Aber jede Simulation. Inzwischen steht Roslings Software jedermann zum Experimentieren offen – die Firma Google hat sie gekauft und bietet nun den Dienst Google Motion Chart an. war stärker als alles philosophische Räsonieren über den Lauf der Gestirne. ist zu kostbar. Es war daher eine geniale Idee des Grafikers David McCandless. Die wachsende Datenflut. Damit brachte sie das Potenzial von Infografik. über den man Einsicht und Erkenntnis ohne Worte direkt erzeugen kann. Dynamik erhalten die Grafiken. eine Variante der heute so verbreiteten Tortengrafiken. Die englische Krankenschwester. Die anatomischen Zeichnungen des 18. Auf ZEIT online konnte der Nutzer sich selbst in die Rolle des Schnüfflers versetzen und die Spur des Politikers an einem beliebigen Tag zu einer beliebigen Uhrzeit aufnehmen. denen sich die Ohren verschlossen haben.): Wissen in Bildern Edel Verlag. Dann beginnen die Blasen zu tanzen. um zu zeigen. Die Vorträge des Professors für Public Health am Stockholmer Karolinska-Institut sind legendär. Der Zeitungsleser wird heute auf jeder Seite bombardiert mit einer Fülle von Zahlen. wie heikel die abstrakten Daten sein können. 67 auf der nächsten Seite): Jedes Land ist entsprechend seiner Bevölkerungszahl ein mehr oder weniger großer Kreis. Im Wesentlichen bilden Infografiken die Welt ab. Diese Grafiken. die zu diesen Erkenntnissen geführt haben. das Buch »Wissen in Bildern« zu gewinnen. nicht nur indem man Balkengrafiken verzerrt und übertreibt. von Visualisierung auf den Punkt: einen Sinneskanal zu öffnen. Die wichtigste Lehre. die im 19. eventuell noch.. wie es eine Sammlung nackter Zahlen niemals könnte. Damit verbinden wir eine Frage an unsere Leser: Welche Grafik hat Ihnen am besten gefallen? Wer an der Wahl teilnimmt. wie sie ist. Es gilt nicht nur eine Stecknadel in diesem Heuhaufen zu finden. und begründeten die moderne Biologie. Mai. Ein Infografik-Pionier des 21.

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de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN Musikergehör Musiker. Es wird dabei irgendwann auch auf dem Rücken landen – und wenn es dann schon zu schwach ist. Aber tatsächlich findet man tote Insekten meist auf dem Rücken liegend vor. landen leicht in der Rückenlage. oder stimmts@zeit. Ein internationales Forscherteam hat gezeigt. ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge in den vergangenen drei. damit der Kiefer des toten Insekts geschlossen und das Tier am Blatt hängen bleibt. ZEIT: Woran erkenne ich das? Stoll: Tatsächlich an dem. Sind sie gesund. ehe sie sich wie auf Kommando an der Unterseite eines Blattes festbeißen und sterben – genau dort. die sich dafür eignen. Das beginnt mit einem Klick auf einen Link und endet in einer Datenbank. wir sind auf einem guten Weg. Sie können eigenständig suchen.zeit. ZEIT: Sieht so der Journalismus der Zukunft aus? Ich wühle mich durch einen Wust an Informationen und bereite ihn ansprechend auf? Stoll: Der Datenjournalismus wird sich sicher etablieren.de. quälenden Tod. Aber auch Insekten. online). Während vor einigen Jahren die hiesigen Infografiker noch nach Amerika schielten und sich an den Kollegen dort orientierten. die Datenvisualisierung. zum Beispiel die Fluchtpunktperspektive oder die Benutzerführung und Hierarchisierung eines Themas durch die Grafik. Die Wechselwirkungen zwischen dem visuellen Eindruck und dem analytisch-verbalen Grafikanteil sind sehr intensiv. ZEIT: Was sind die aktuellen Trends in der Infografik? Stoll: Neben der zunehmenden Zahl von 3-DGrafiken und der Kombination von Statistiken mit Landkarten ist ein großer Trend. Die suchen sich ihre Informationen selber im Internet. wer noch fernsieht. Die Infografik ist ein Element für effektive Leser. Fernsehzuschauer und Internetnutzer denn hauptsächlich gute Infografiken präsentiert? Stoll: Wenn ich mir das Gros so anschaue. Der Pilz steuert auch die Festigkeit des Bisses. Visualisierung ohne Erklärung. werden aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. Allerdings sind Infografiken kein Allheilmittel im Journalismus oder für die Wissensvermittlung per se. weil sie wie in einer Collage miteinander verwoben sind. Das ist zum einen dann der Fall. Todesort. vielleicht noch andere Menschen ums Leben gekommen sind. wir stehen am Anfang einer Renaissance der Infografik. wo optimale Entwicklungsbedingungen für den Pilz herrschen (Biomed Central. ob Psychopathen bessere Menschen werden können Das aktuelle ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. die infizierten Ameisen wie Zombies umherirren. Wenn ich meine Studenten frage. wenn eine Information so komplex ist. Beim Internationalen Malofiej-Contest der Universität von Navarra in Pamplona. dringt in ihren Körper ein und beeinflusst ihr Verhalten. So ist ihr auditives Gedächtnis im Alter zwischen 45 und 65 Jahren besser als das von Nichtmusikern. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. kann man inzwischen von einer Emanzipation der deutschen Infografik sprechen. es funktioniert im Idealfall einfach. ob aus dem Ort. aus der sie das rauslesen. 20079 Hamburg. ZEIT: Bekommt der Leser. indem sie kräftig strampeln und irgendwann wieder auf den Beinen landen.zeit. das nicht von einem Räuber gefressen wurde.zeit. Das merkt der Leser gar nicht.de/stimmts www.zeitabo. und zwar nicht nur mit Namen. runden Körper aus aerodynamischen Gründen am wahrscheinlichsten. Es kommt auf schnelle und präzise Vermittlung an. Alter. Die Infografik ist eine journalistische Darstellungsform. Es gibt gleich mehrere Gründe. die spätestens mit neun Jahren ein Instrument gelernt und ihr Leben lang mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben. Er setzt sich auf Ameisen fest. wird die Boulevardisierung verdrängt. dann macht es wilde. Und zum anderen. sondern eingeknickt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KOMPAKT WISSEN Daten sichtbar machen Eine gute Infografik bringt ihre eigene Bedienungsanleitung mit. Die New York Times und der Guardian stellen solche interaktiven Grafiken zur Verfügung. das ist Schönheit ohne Bedeutung. der zur Popularisierung der Infografik beigetragen hat. dann können sie sich aus dieser misslichen Lage befreien. leiden seltener unter typischen Alterserscheinungen. In Deutschland gibt es zwei. In unserer Wissensgesellschaft sollen wir ständig in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aufnehmen. hat ein höheres Ansehen. Da kann man sich zum Beispiel alle Informationen über die Gefallenen des Irakkrieges ansehen. ZEIT: Die Infografik ist also etwas für faule Leser? Stoll: Ganz und gar nicht. Wenn eine Infografik sich widerspruchsfrei interpretieren lässt. vier Jahren um die Hälfte gestiegen. Das musikalische Training sorgt den Studienautoren zufolge für ein Feintuning des Nervensystems und erspart den Musikern altersbedingte Kommunikationsprobleme. Darin sehe ich ein großes Problem. zum Beispiel durch einen leichten Luftzug.44 12. Zum Wesen einer Infografik gehört es. Denn viele dieser Arbeiten vernachlässigen die zweite Aufgabe der Infografik: das Vermitteln. Wird ein Insekt vergiftet und stirbt einen langsamen. ZEIT: Will der Leser sich denn wirklich mit solchen Datenmengen auseinandersetzen? Stoll: Das will er. Oder der Parallelklasse.de/netz-strom Niels Birbaumer erforscht. Dort kommt in den Zeitungsredaktionen auf zehn klassische Journalisten ein Infografiker. wenn sie einmal zufällig auf dem Rücken landen. Das Gespräch führte CLAUDIA FÜSSLER Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. die online verfügbar sind. Allerdings nicht in dieser formalen Ausprägung. das Gleiche darin liest. die zur Profilschärfe beiträgt. ich muss mir den Sachverhalt nicht selber zusammensuchen und ihn einordnen. Das sind ihre beiden Hauptaufgaben: visualisieren und vermitteln. Außerdem erhalten sie sich durch das musikalische Training länger die Fähigkeit. warum die Rückenlage die wahrscheinlichere für ein totes Insekt ist. Ihre Bedeutung wird den Verlagshäusern gerade erst wieder richtig bewusst. Stimmt’s?. zuckende Bewegungen. Sprache in lauten Umgebungen zu erkennen. ZEIT: Wieso das? Stoll: Weil eine gute Infografik Dinge zeigen und erklären kann. MEHR WISSEN: Im Netz: Was das Internet an Strom verbraucht www. wie er es zurzeit tut. wenn eine Information abstrakt ist. gelingt das rettende Umdrehmanöver nicht mehr. dass sie sich über die Infografik positionieren können. Was genau ist denn das Ziel? Stoll: Da lohnt sich der Blick nach Skandinavien. Und in dieser Position (mit anliegenden Beinen) lässt sich das Tier ganz leicht auf den Rücken drehen. dann würde ich sagen: Da ist noch viel Luft nach oben. dann ist das eine gute Grafik. und dabei sind sie nicht gestreckt. Umfangreiche Datenbestände. ZEIT: Gibt es die ideale Infografik? Stoll: Es gibt ein paar Qualitätskriterien. Das gilt übrigens weltweit. dem wichtigsten Infografik-Preis. die ruhig und friedlich sterben. sagt der Experte Michael Stoll DIE ZEIT: Sind die vielen Infografiken mehr als STIMMT’S? Sterben Insekten auf dem Rücken? … fragt Fabian Schäfer aus Leipzig Die Frage ist nicht so zu verstehen. Genau das kann die Infografik sehr gut. dann ist es zumindest für Insekten mit einem glatten.de Zombie-Ameise Michael Stoll ist Pro fessor für Informationsdesign und Medien theorie an der Hochschule Augsburg Der subtropische Pilz Ophiocordyceps unilateralis ist ein Parasit der besonders fiesen Sorte. online). wo der Gefallene herkam. dass sie ihre eigene Bedienungsanleitung mitbringt. wofür die Deutschen bekannt sind: ihrer Genauigkeit und ihrer rationalen Herangehensweise. die gestalterisch und journalistisch wirklich top sind. lachen die mich aus. Oder aus dem Nachbarort. auf die der Leser vorher keinen Zugriff hatte. dass Foto: privat . die das Gehör betreffen (PLoS One. dass Käfer oder Kakerlaken sterben müssen. was sie wissen wollen. dass sie nicht linear erzählt werden kann. in der Rückenposition zu landen. Darin sind die deutschen Infografiken ungeschlagen. Von solchen Verhältnissen träumen die meisten deutschen Verlage. Das Ziel ist die Institutionalisierung des Berufs Infografiker. ZEIT: Sie sagen. Aber wir sind auf einem guten Weg. ZEIT: Also brauchen wir mehr Infografiken? Stoll: Auf jeden Fall. der sie anschaut. drei Agenturen. Die Beine nehmen beim Tod nämlich eine entspannte Stellung ein. Sie verschafft mir einen strukturierten Zugang zur Information. Was mir an diesem Trend sehr gut gefällt: Weil in einer Welt der Infografiken und Datenbanken vor allem faktisches Wissen gefragt ist. Wir brauchen mehr Infografiken bei Themen. also jeder. besonders nach Schweden und Dänemark. Stirbt das Tier im Flug oder auf einer erhöhten Position sitzend. Alles in allem ist die Rückenlage statistisch am wahrscheinlichsten. Wer überzeugend Infografiken publiziert. die sich hauptsächlich im Internet abspielt. sozusagen an Altersschwäche. CHRISTOPH DRÖSSER eine Mode in der Medienlandschaft? Michael Stoll: Ich glaube. Sie erkennen.

Robert könnte gut ein wenig langweiliger sein. »das fällt nicht nur mit Signalfarbe. Es ist ziemlich lange her. 6. Rasenmaeher. 7. die unter Zeltplanen hocken und hoffen. Leyla hatte außerdem ihr Hochzeitskleid eingepackt. Menschen aus afrikanischen. Decken. Leyla rannte ständig herum. Sie werden erwischt. was findet man bald nach der Vogelhochzeit im Nest? 8. Wer es bis nach Europa schafft. Kleider. auf Lastwagen oder überfüllten Booten reist. Oder in einem Flüchtlingslager. findet Tims Mutter. 20079 Hamburg. Seitdem machen sie eine Pause. Sie sahen eigentlich gar nicht hilflos aus. Ginster. 9. konnte zur Schule gehen und eine Lehre als Elektriker machen. Ihre Lieder werden noch heute gespielt.12. keine Schule. dabei seine Kinder trägt und schützt. 18: 1. einer hockt gern im Kirschbaum 6. dass ihm in seiner Heimat Tod oder Gefängnis drohen. ergibt das »Abba«.. Solche Flüchtlinge nennt man Migranten. Derzeit versuchen viele Migranten aus Tunesien. wenn sie ein Visum (das ist eine Erlaubnis zur Einreise) haben. um irgendetwas für ihre drei Kinder zu besorgen. Wenn jemand über hundert Kilometer marschiert. Zusammen mit Tausenden anderen Kurden waren sie über die Berge in die Türkei geflohen. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. ja fast unmöglich. Das Zauberschwert dtv 2011. 10. Hans G.zeit. ein tolles Bücher-Überraschungspaket. Benny. Das Leben dort ist allerdings hart. schuften auf Baustellen. Berühmt wurde die Popgruppe 1974 durch den Eurovision Song Contest. eingesperrt und in ihre Heimat zurückgeschickt. keine Medikamente für die Verletzten. als Soldaten oder Rebellen ihre Dörfer überfielen. desto mehr dachte ich: Flüchtlinge sind gar nicht so schwach. Sie behandeln dann in einem Flüchtlingslager die Kranken oder unterrichten die Kinder – auch wenn es keine Schule. sie mussten sich immer wieder verstecken. die bis heute andauert. Viele Kinder und Jugendliche machen sich ohne Eltern auf den Weg. zum letzten Mal traten sie 1982 auf. »HORCHT.. pflücken Tomaten. obwohl vielleicht jemand auf ihn schießt – dann muss er ziemlich stark sein. Deutschland oder Italien und sucht Arbeit. Manche kommen eine Weile bei Verwandten in anderen Städten und Dörfern unter. W I S S E N . Oft versuchen die Flüchtlinge. keine Tische. sich selbst zu helfen. Diese Flüchtlinge verstecken sich manchmal wochenlang im Wald und warten. Gartenzwerg. wenigstens eines der Kinder für ein besseres Leben nach Europa zu schicken. Sie gewann den europäischen Musikwettbewerb mit ihrem Lied Waterloo. Dann bin ich selbst in ein Flüchtlingslager gefahren und habe Massoud und Leyla kennengelernt. giessen. besteht aus Zweigeflechten und Polsterarbeiten 3. Hesmats Geschichte ist gut ausgegangen. und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen. Flüchtlinge sind schwach. Das passiert zum Beispiel immer wieder im Kongo oder im Sudan in Afrika. Laube. umgraben. Die Schweden wurden eine der erfolgreichsten Bands der Welt und verkauften mehr als 375 Millionen Alben. Fotex (im Wappen). In Tunesien hat es gerade eine Revolution gegeben. dann erhält er »politisches Asyl«. Sie arbeiten für ganz wenig Geld in Restaurantküchen. kann er nicht einfach in seinem Land zur deutschen Botschaft spazieren und ein Visum beantragen. weil sie sich für Menschenrechte eingesetzt. Wir hier in Deutschland können uns nur schwer vorstellen. In Österreich ist er schließlich in einem SOS-Kinderdorf gelandet. Singen oft ihr »pinkepink«. schlägt sich durch nach Frankreich. können die Flüchtlinge und Migranten am besten selbst erklären. Apfel Zet (Piktogramme).05 Uhr in der Sendung Mikado – Radio für Kinder auf NDR Info oder im Internet unter www. ein toller Freund. Massoud war ziemlich groß und kräftig. den Schulhausmeister ins Krankenhaus befördert (aus Versehen natürlich) oder mit seinem Skateboard in einen Gemüsestand brettert (ebenfalls unabsichtlich). wird die Lage etwas besser. Nur sehr. nur um sich nach Europa hineinzuschmuggeln. Solche Menschen nennt man »politisch Verfolgte«. Bücher oder Stifte gibt. Aber was bedeutet es eigentlich. Oft finden die Menschen sie auch. Egal.de/mikado Dürfen wir bleiben? Boote voller Menschen. Björn und Agnetha – nimmt man die Anfangsbuchstaben der vier Namen und setzt sie hintereinander. Krokusse. So wie die Flüchtlinge. Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. Erst wenn Hilfsorganisationen ankommen und ein kleines Krankenzelt oder eine Trinkwasseranlage aufbauen. Wenn so ein Mensch nach Deutschland kommt und beweisen kann. viele wurden getötet.. die Geschichten vieler anderer Flüchtlingskinder gehen leider nicht so gut aus. manchmal über tausend Kilometer zu Fuß. bestohlen. Das Problem ist nur: Für Verfolgte ist es inzwischen schwierig. 5. (4) Abba? Anni-Frid. So nannten sich die zwei Männer und zwei Frauen aus Schweden als Band. Zusätzlich schleppten sie Rucksäcke. warum jemand Hunderte. Das habe ich zumindest lange geglaubt. K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAREN EIGENTLICH . Die Menschen haben schon alles verloren. Warum jemand so etwas tut.95 Euro. Oft sind die Eltern im Krieg gestorben. spricht Opa. Anu Stohner: Robert und die Ritter. hatte Leyla gesagt. Denn im Irak wurden Kurden damals verfolgt. Inzwischen werden die Kurden im Irak nicht mehr verfolgt. Deswegen quetschen sie sich auf kleine Boote und wagen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Tierische Kunst. keinen Strom. Lösung aus der Nr. Veilchen. ab 7 Jahren SC H E H U NI Bleeker in Flüchtling ist jemand. dass ich Massoud und Leyla getroffen habe. Das fand ich damals albern. die aus Nordafrika nach Europa fliehen – solche Bilder sieht man seit Wochen. arabischen oder asiatischen Ländern dürfen nur einreisen. wie er zwitschert – gern aus dem Weidenlaub heraus 1 2 N D D OE U E H 5 E 3 4 R 6 7 C L 8 9 10 I E Z Schick es bis Dienstag. Es gibt oft zunächst kein Trinkwasser. dass ihnen jemand Decken und Medikamente. KinderZEIT. Flieder. weil sie Demokratie gefordert oder einfach nur. – BLUMENBEET Dicht gedrängt stehen Flüchtlinge auf einem kleinen Boot. Hat man je eine BISAM-EULE im Frühlingskonzert gehört? Sie andererseits schon oft! 9. 9. ob er Spaghetti Bolognese isst. wie man mit diesem erstaunlichen Schwert in die Vergangenheit reisen kann – und schleppt Tim gleich mit in die Welt der Ritter. ENKEL«. sehr müde. dass sie möglichst schnell zurück nach Hause können. Mai. Je länger ich Massoud und Leyla damals beobachtete. dem man helfen muss. 8. Essen und etwas zu trinken bringt. nach Europa zu kommen. den 24. Manche haben. bis er schließlich in Österreich landete.de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1. Niels Schröder (Wappen) S AU HR SC AT HR SC RIT P O L I T I K . 3. Björn und Agnetha aber wollen schon lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne stehen. bevor sie fliehen mussten. Wozu braucht man auf der Flucht ein Hochzeitskleid? »Damit ich mich an etwas Schönes erinnern kann«. weil an den Flughäfen und an den Grenzen immer strenger kontrolliert wird. Wenn aber jemand in seiner Heimat verfolgt wird. Steuert die Klopftöne zum Vogelkonzert im Wald bei 4. sondern auch mit lautem Gesang auf« 5.ndr. wenn er eins vor der Nase hätte? Robert durchschaut sofort. Auf der Flucht wurde er verprügelt. weil Soldaten auf sie schossen. Viele Flüchtlinge hoffen. als Ärzte oder Lehrer gearbeitet. Hesmat war 14 Monate unterwegs durch Turkmenistan. Einer der Kleinsten – und doch der gekrönte Chef? – im Singvogelreich 2. Aber würde er dann ein Zauberschwert erkennen. Sind mit dunklem Federkleid und hellen Flötentönen in der Vogelschar vertreten 10. Aber es gibt immer noch viele Flüchtlinge: ungefähr 40 Millionen Menschen auf der ganzen Welt! Manche konnten gerade noch davonlaufen. Aber an der Armut hat sich nichts geändert. Maulwuerfe. 4. Leyla die jüngste Tochter. das die italienische Insel Lampedusa im Mittelmeer erreicht . und wahrscheinlich sind die beiden zurück in ihre Heimat gegangen.. Einer – er heißt Hesmat – hat seine Geschichte von einem Journalisten aufschreiben lassen (Hesmats Flucht heißt das Buch). Benny. Der Junge kommt aus Afghanistan und floh mit elf Jahren allein aus seiner Heimat. Die Radiogeschichte über Abba hört Ihr am Sonntag um 8. Herr Blaukappe und Frau Graubraun 7. Eieieieiei. es gibt sogar ein Abba-Musical. weil er sich selbst nicht mehr helfen kann. bedroht – ein elfjähriger Junge kann sich ja kaum wehren. versteht sich von selbst . Oder die Familie hat beschlossen. nach Deutschland oder nach Europa zu kommen. die man oft im Fernsehen sieht: Leute. Kasachstan und Russland. nur dass bei ihm immer recht viel schiefgeht. Der heißt. Massoud und Leyla waren mehrere Tage zu Fuß marschiert. Massoud hatte die beiden älteren Kinder getragen. Anni-Frid. und jetzt müssen sie mit 20 anderen in einem Zelt leben. weil ihre Heimatländer arm sind und sie dort keine Arbeit haben. bis es wieder ruhig ist. Viele Menschen fliehen auch. Für einige aber gibt es kein Zurück mehr: Sie werden daheim von der Geheimpolizei gejagt. weil sie kritisch über die Machthaber geredet haben. Flüchtling zu sein? VON ANDREA BÖHM Dein Vorname: Wie alt bist Du? E WAS SOLL ICH LESEN? Ritter Tollpatsch Robert ist Tims bester Freund. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 47 ELEKTRO ER Fotos: Arianna Arcara/Cesuralab/LuzPhoto/fotogloria [M]. Massoud und Leyla waren Kurden aus dem Irak. Dass es dort keine Sekunde langweilig wird. 2. Lehmann (ABBA). Einer steht gern auf der Bühne.

Massaker allgemein: Gemetzel. Als Oma stirbt (ein sehr stiller. ihren erfundenen Geschichten und ihrem klugen Fluchtplan zu verdanken hat. 12. 15. stellt Radio Bremen das Buch vor. der auf der Straße lebt.radiobremen. später staunend. Blutbad. was und wer eine Mutter ist. ein Auf. der schon mal etwas Ähnliches getan hat? Es sieht gar nicht gut aus für die Neue Katze. eigentlich ist das ungerecht: Es ist auf jeden Fall ein großartiges Buch. betrügen sie. Einer aber leuchtet: Robert Blum. als Baby habe die junge Russin Gloria ihn vom Schoß seiner Mutter aus einem zerbombten Zug gerettet. dass seine französische Mutter ein Traumbild war und dass er das Glück des Lebens nur Glorias Liebe. Wunderbar sind die Illustrationen von Klaus Puth. tatsächlich: Denn nach ein paar Wochen werden acht winzige Hamsterbabys geboren. Und dann dürfen zum Trost für alle doch zwei Hamster ins Haus. einer pensionierten Kriminalbeamtin. als er im Flughafen auf eine Maschine nach Tbilissi wartet: Er hofft. Deutschland ist in dieser Zeit ein Staatenbund mit vielen Fürsten. die Lungen vergiftet von der Arbeit auf dem Müllberg. gefühlvollen Jungen – zunächst naiv. er sei Franzose. wie ihre Antwort auf die Frage. scherzhaft: eine schwere Niederlage. 188 Seiten. Man hat ihm erzählt. 14. Ihre Geschichte ist keine Dokumentation. erfährt der Leser aus dem Blickwinkel des klugen. Gloria dort zu finden.de/ funkhauseuropa Ein Freiheitsfreund Geschichte: Vom Leben des Robert Blum Brillante Politiker gibt es in der neueren deutschen Geschichte nicht so viele. weint Annas Mutter viele Tage lang. einen Tag vor seinem 41. Am Ende kämpft der friedselige Blum mit Waffen. sagt sie. VON RALF ZERBACK ab 12 Jahren Das Hamstermassaker Eine Ermittlung in Sachen Haustiermord Hamster sind problematische Haustiere. . Die wundersame Rettung des »Monsieur Blaise« ruft nicht nur französischen Lesern ins Bewusstsein. Aber der Reihe nach. ist es ein großartiges Buch. außerdem gibt es Zeittafel und Glossar.. Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder Aus dem Französischen von Maja von Vogel Carlsen Verlag 2011. wo man sie mit Füßen tritt.. und er glaubt tatsächlich. Er ist ein Kümmerer. Der Kölner Blum. mit dem Schiff nach Westen zu gelangen. schließlich einen gültigen französischen Pass besitzt und sogar ein Studium beginnt. Man erfährt zum Beispiel. die sie über den Landweg nach Frankreich bringen wollten. erschossen. Meerschweinchen hingegen sind viel besser als Haustiere geeignet.48 12. sagt die Mutter. wie er in langen acht Jahren fließend Französisch lernt. ausgezehrt von den Entbehrungen. Nicht ohne Humor endet fast jedes Kapitel mit einer kleinen lehrhaften Pointe. um dem Kind eine Überlebenschance in einem freien Land zu ermöglichen. Wahrscheinlich ist er der Täter. Die Grausamkeiten. Oder nagen Kaschmirmäntel an und ersticken an den Flusen. Eingestreut sind Sachkapitel zur sozialen Not etwa oder zur Märzrevolution. Kaschmirmantel). die ihren Schützling »Monsieur Blaise« nennt. Denn sie versuchen vergeblich. die auch Freundschaft und die ersten Verliebtheiten kennt. Mord und Verrat glaubhaft Teil einer Flüchtlingsgeschichte werden. Anna und ihr kleiner Bruder Tom wünschen sich sehnlichst einen Hamster. Das Gespräch zum Buch ist abrufbar unter www. zuletzt ratlos und suchend. 9.& JUGENDBUCH Ein neues Leben. Sie kriegen wahnsinnig schnell einen Herzinfarkt. die oft mit Willkür regieren. Umgangssprachlich. verschaffen dem Leser eher unterhaltsame Lektüre. da ist Gloria verschwunden. gibt Zeitungen und Bücher heraus. Der Junge heißt Kumaïl. Blum wird verhaftet. Lehrreich.20 Uhr. Oder nein. Die »Neue Katze« ist wild.und Jugendliteratur. auf den Barrikaden in Wien.90 Euro Luchs Nº 292 Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder. Die Tragödie seiner Beschützerin und ihres tschetschenischen Geliebten hatte er nicht gekannt. Sie sind robust.. Es ist spannend. wenn ihr ihn auch nur in die Nähe von der Neuen Katze lasst«. »Glücklich sein wird zu jeder Zeit empfohlen. Der Leser erhält dadurch ein authentisches. November 1848. Doch die todkranke Frau hält für den erwachsenen »Monsieur Blaise« bittere Wahrheiten bereit: über sich. »Du und dein Bruder. lange in Erinnerung haftendes Bild vom Leid. erfolgreiche und vielseitige Kinder. Unterstützt werden sie dabei von Annas bester Freundin Susanne. Rotherham.. Gloria und Kumaïl leben in einer Flüchtlingsunterkunft am Rande der Stadt Tbilissi in Georgien. gründet Vereine. Immer wieder holen die Kriegswirren der KaukasusUnruhen in den neunziger Jahren die beiden ein. Auch den Pass habe sie mitgenommen. Ein Buch gegen das Vergessen der frühen Demokraten. Wohl eher ein Elternpaar. wenn jemand Gurken mit dem Messer schneidet. da ist sich Anna sicher. wie auch den Blum. sie erzählt beispielhaft. was Massaker bedeutet. Oder werden von Schiebetüren zerquetscht. Seine eigene Erinnerung beginnt mit dem siebten Lebensjahr und führt ihn zurück in die Leidenszeit einer fünfjährigen Flucht. die Gefühle von Blaise und Gloria zum Mittelpunkt und zum Erklärungsmuster eines politischen Dramas zu machen. 207 Seiten. wie hoch die von uns oft für selbstverständlich gehaltenen Werte der Demokratie dort eingeschätzt werden. Aber auch nicht für Mama . Das ist ein gelungener Kunstgriff. angeblich. ob man im Krieg glücklich sein dürfe. jagt alles (von nackten Zehen bis zu Klospülgeräuschen) und erschreckt andere Haustiere zu Tode. die den Kindern erklärt. Sie erlebt nicht mit. warum Mama ein gestörtes Verhältnis zu Hamstern hat (Schiebetür. die Blaise erlebt. dass die Hoffnung und Zuversicht seiner Kindheit auf falschen Vorstellungen beruhten. Sie können viele interessante Geräusche machen. was den Kindern noch schrecklicher vorkommt als Omas Tod: Alle acht Hamsterbabys werden in einer Nacht totgebissen – und Elternhamster Nummer 2 verschwindet aus dem Käfig. Bondoux und ihrer guten Übersetzerin Maja von Vogel gelingt es. Der Autor Harald Parigger zeigt viele Facetten dieses Mannes: den Blum. wie krank sie selbst ist. Gloria. Er wurde am 9. Erschüttert erkennt der junge Mann. Gemeinsam mit Omas Freundin Mrs. besonders im Sport. ihr könnt den Hamster auch gleich umbringen. Beide sind Weibchen. Darin steht der Name Blaise Fortune. der kämpft und spricht. Die 1971 geborene. Nur Gloria gibt ihm Schutz und spielt herunter. starten sie eine richtige Ermittlung. An all dies erinnert sich der zwanzigjährige Blaise. Tom und Susanne wollen das nicht glauben.99 Euro Katie Davies: Das große Hamstermassaker Sauerländer Verlag 2011. die verbotenen Farben. er habe in dieser Familie nicht die Hosen an und Annas Mutter müsse entscheiden. die im romantisch gezeichneten rumänischen Zigeunerlager spielt. über Zem Zem und über Kumaïls eigene Herkunft. Später kommen sie auf einer vergifteten Müllhalde unter. was er sagt. vor allem aber den Wundern einer gelungenen Befreiung. 144 Seiten. Jahre gehen dahin mit der Flucht auf Straßen durch Osteuropa. Witzig. VON SUSANNE GASCHKE ab 8 Jahren Harald Parigger: 1848 – Robert Blum und die Revolution der vergessenen Demokraten Arena Verlag 2011. trauriger Teil des Buches). ein sanfter und kämpferischer Menschenfreund und Familienvater – ein Vorbild.und Jugendbuch-Autorin Anne-Laure Bondoux hingegen muss man bewundern. So steht es im Lexikon. Schleuser. Sie tragen Schwarz-Rot-Gold. Wichtige Frage: Gibt es jemanden. hält Reden. was in unserer von regionalen Kämpfen heimgesuchten Welt täglich tausendfach geschieht: Eine Frau mit durchaus problematischer Rebellen-Vergangenheit und ein kleiner Junge machen sich auf den Weg. der die Geschichte anschaulicher macht. Hamster kämen ihr schon wegen der »Neuen Katze« nicht ins Haus. seit 1832 in Leipzig zu Hause. Oft sind dies Glorias Kommentare. Mai. Redaktion: Libuse Cerna. war auf jeden Fall ein allgemeines Massaker. Die alten Mächte siegen. sagen die Erwachsenen. die für Einheit und Freiheit kämpfen. Das gelingt tatsächlich. Dafür.95 Euro Foto: Pascal Bastien/Fedephoto/StudioX Als Begleiter Blums erfindet Parigger den 16-jährigen Jungen Friedrich Wilhelm. Manche Passagen – wie die. wenn er endlich erkennt.und Einmischer. ihn umsorgt und aufmuntert. Doch die Erwachsenen sind völlig uneinsichtig: Annas Vater sagt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KINDER. seine Zeit als Verleger und Paulskirchenparlamentarier. So können selbst Brutalitäten. Am 12. Ironisch. Frankreich ist das Land der Freiheit für den russisch-tschetschenischen Jungen mit dem gefälschten Pass. kann über seine Rettung eine wunderbare Geschichten erzählen. Doch sein Tod machte ihn zum Helden der Zeit. Die politisch geschulte Gloria hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. Und dann geschieht etwas. Massenmord. Sie erkennen auf lange Distanzen. dass Katie Davies’ Buch Das große Hamstermassaker von Hamstern handelt und nicht von Meerschweinchen. Damals gab es eine Revolution – und Robert Blum war einer der Kämpfer für Freiheit und Demokratie. Ihre Gegner sind Männer wie Blum. Man darf mit Monsieur Blaise – oder besser doch Kumaïl? – weinen. So wächst Kumaïl/Blaise in einer Welt voller Ungewissheit vom vertrauensvollen Kind zum zweifelnden Jugendlichen heran. Doch als der Junge endlich vor französischen Zöllnern seine Identität bekennen kann – »Ich bin Blaise Fortune und ich bin Bürger der VON BIRGIT DANKERT a b 14 Jahren I So sieht die Innenseite eines französischen Reisepasses aus französischen Republik . Oma ist es. Auch vom paradiesischen Obstgarten ihrer Familie und Glorias Liebe zu Zem Zem lässt sich Kumaïl immer wieder berichten. Aber Anna. der hilft und rät. Die Autorin erzählt in drei Zeitebenen: In der Gegenwart wird der erwachsene Blaise Fortune mit seiner wahren Identität konfrontiert.« –. Glorias Erinnerungen aber reichen bis in die Zeit vor Kumaïls Geburt. Oder die Verzweiflung. der Freiheitsfreund. Kurzweilig ist die Lektüre über das letzte Lebensjahr Blums. wenn ihn die Sehnsucht nach seiner französischen Mutter packt. Annas Mutter sagt. Geburtstag. Doch selbst sie sind sorgfältig ausgewählt und verweisen jeweils auf Vorurteile oder menschliche Grenzbereiche. bitte! »Zeit der Wunder« erzählt das Drama einer politischen Flucht chheißebläsfortünuntichbinbürgaderfranzöschenrepublikdasisdiereinewaheit« – mit diesem mühsam auswendig gelernten Satz macht sich ein Junge aus dem Kaukasus auf den Weg nach Frankreich – ins Land der Freiheit und der Menschenrechte. schreibt Artikel. Das Hamstermassaker. Monsieur Blaise«.

Selbst Kollegen der Verurteilten in Iran finden die sensationsheischenden Meldungen. zur Scheinheiligkeit – wie ehrenwert die Ziele der Aufklärer auch sein mochten. mit Atomkraftwerken Geld zu verdienen – eine Abwägung von Risiken darf dann gar nicht mehr angestellt werden. Die Kunst. inzwischen hat er sein Werk beim Kulturministerium eingereicht: Er bemüht sich um die Erlaubnis. Deutschland keineswegs zu einer moralischen Anstalt gemacht. 62 12. Einer Öffentlichkeit. der ein Visum zum Verlassen des Landes zu ergattern sucht – genau das. Auch nicht. einer Revolution abgeneigt. doch in vielen Berichten war fortan zu lesen. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus. um sie zu verantworten. die es auch prinzipiell für verantwortungslos hält. auch wieder aus der Versenkung geholt werden.smetek. als die Kanzlerin angesichts der Tötung von Osama bin Laden ihre Freude bekundete. Als Angela Merkel ihre Freude über Osama bin Ladens Tötung bekundete. Jahrhunderts wurzelten. ob diese hinreichend vorteilhaft sind. Handlungen werden im Hinblick auf die Realisierung eigener Prinzipien bewertet. Die Forde- rung. ihn in Iran vorführen zu dürfen. daß Gesetzestreue sich nicht darin erschöpft. Wie aber konnten sie da Filme von 100 (Rasoulof) und 75 Minuten Länge (Panahi) drehen? Der Fall zeigt. klingt noch heute mit. Solch einen Film zu erlauben. Witze über Müsliesser. Friedens. www. in ihrer unklaren Situation mit neuen Filmen an die Weltöffentlichkeit zu gehen. »daß der Führer. ungeachtet der Handlungsfolgen. der 38-Jährige habe dafür Kompromisse mit dem Regime gemacht. ob die Tat gegen seine Prinzipien verstößt. Es galt ihm seinerzeit alles als ZeiMaria Shriver und Arnold chen für die VerdorSchwarzenegger haben sich »nach langem Nachdenken. die sich vom Schmutz der Politik unberührt glaubte. organisiere eine Unterschriftenliste. da er Optionen abwägt. die beiden seien in Haft. Kritik am berüchtigten Gutmenschentum der Deutschen zu üben. »Unsere Probleme sind auch unser ganzer Besitz. der angeblich kein kritisches Bewusstsein entwickelt hat. sondern den eigenen Willen mit dem Geist des Gesetzes zu identifizieren. »lächerlich«. Hannah Arendt hat in ihrem Buch über Adolf Eichmann minutiös dargestellt. Panahis neues Werk – ohne Genehmigung entstanden – ist noch direkter autobiografisch: In Film Nist (Dies ist kein Film) ist eine Art filmisches Tagebuch. das Kino am Leben zu erhalten. Historisch besehen.de D chen der Frauenunterdrückung in unserer Gesellschaft. sieht sich abermals getäuscht: Nach Angaben des Festivals erzählt der Film die Geschichte eines jungen Teheraner Anwalts. der Afghanistan-Einsatz gilt als bedenklich. die stets das Gute will und mithin das Böse schafft. der wird sogleich entlarvt als jemand. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 49 FILMFESTSPIELE IN CANNES Von wegen mundtot! Trotz Berufsverbots haben iranische Regisseure neue Filme gedreht Es ist eine echte Sensation: Die Filmfestspiele in Cannes werden neue Filme von Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof zeigen. Umso wichtiger ist es. Osama bin Laden hätte nicht getötet werden dürfen. 52 GLAUBEN & ZWEIFELN Islam: Reaktionen auf den Tod Osama bin Ladens S. Lebensgewohnheiten und Einstellungen des neuen Bürgertums scheinen sich gespensterhaft an die Tradition der alten Bundesrepublik zu schmiegen. vorauseilende Anstrengungen nicht spontan einleuchten. in dem der Regisseur vom endlosen Warten auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens erzählt. Dieser verbarg mit dem Verweis auf Moral nur notdürftig die eigenen handfesten Interessen. Jahrhundert konstituierenden bürgerlichen Gesellschaft. Dieses Paradox zu verstehen hat uns geholfen. einen Leguan auf der Schulter. auf dem Balkon mit Blick über Teheran. uns nicht besiegen zu lassen und Lösungen zu finden. das Politische per se als verlogen zu empfinden und im Geisterreich der Moral es sich bequem einzurichten. denen man gehorcht«. dieses Handeln billigen würde«. Wer nun denkt. Man sieht ihn in seiner Wohnung. man nimmt teil am Protest gegen Stuttgart 21 und empfindet auch wieder moralische Überlegenheit angesichts der hässlichen Realpolitik: Die Irritation jedenfalls war groß. auf dem Sofa. das man in der Aufklärung auf die Sittlichkeit richtete. so das in die Jahre gekommene und vielfach missbrauchte Klischee. Harald Schmidts heitere Angriffe auf die Political Correctness oder die popliterarische Feier der Oberfläche und der Warenwelt längst einen Mentalitätswechsel herbeigeführt. Hans Frank. zeugt von außerordentlichem Mut – und davon. als hätten die sogenannte Spaßgesellschaft. Beide Regisseure sind seit ihrer Verurteilung auf freiem Fuß und warten auf den Ausgang des Berufungsverfahrens. Über einen deutschen Reflex VON ADAM SOBOCZYNSKI ie achtziger Jahre sind womöglich nicht nur in modischer Hinsicht zurückgekehrt. lasse sich viel von der peniblen Gründlichkeit. den Gesetzen zu folgen. immer wieder an ihr Schicksal zu erinnern. mit der die »Endlösung« in Gang gesetzt wurde. der die Bundesrepublik über lange Zeit prägte. sondern so zu handeln verlangt. ral hatte der Fürst immer schon unrecht. Der Verantwortungsethiker hingegen räsoniert über die Folgen der Tat und fragt sich. Vor dem Richterstuhl reiner Mo- N E thik in Deutschland ist traditionsgemäß Gesinnungsethik. wie man gerade verwundert sieht. so Hannah Arendt. in Cannes würden Filme der Häftlinge gezeigt. »auf die eigentümliche. wie undurchsichtig solche Vorgänge in einer Diktatur für Außenstehende bleiben. CHRISTOF SIEMES un reicht der moralische Idealismus. Doch. Ein Gesinnungsethiker fragt sich nach der Tötung eines Terroristen. wird für den Regisseur so wichtig wie ein gutes Drehbuch. reformulierte gar den kategorischen Imperativ dahingehend. Wem solch lediglich individuelle. sich zu trennen. Die Moral ist offenbar eine Kraft. über die existierenden Grenzen des iranischen Kinos hinauszugehen«. Aber die Sache wird noch komplizierter: Mohammed Rasoulof hat für seinen Film Bé Omid é Didar (Auf Wiedersehen) sogar eine offizielle Drehgenehmigung der Behörden bekommen.« Der Schritt der beiden. Im Reich der Moral residierte die Kritik. warum hast du mich verlassen?« stellung als Zei- LITERATUR Zum hundertsten Geburtstag von Max Frisch S. Der »Atomkraft? Nein Danke«-Button wird wieder ganz unironisch an Kinderwagen und Blusen geheftet. Seine Furchtlosigkeit sollte uns eine Verpflichtung sein. dass wir am Leben sind. die ihn zusätzlich mit einem Preis ehrt. »Die Tatsache. nicht nur den Buchstaben des Gesetzes zu gehorchen und sich so in den Grenzen der Legalität zu halten. als sei man selbst der Schöpfer der Gesetze. benheit der GesellDiskussionen und Gebeten« dazu schaft: die Schminentschlossen. sie wurde zur Hypokrisie.zeit. So wie jeder realpolitisch Handelnde oder auch nur Unverbitterte in den achtziger Jahren immer schon unrecht hatte gegenüber einem moralisch hochgerüsteten Bürger. Der Gutmensch. dass die Kunst nur ganz schwer mundtot zu machen ist. ob nun Shriver wahns in unseoder Schwarzenegger an Jesu Worte am rer Gesellschaft. zeigt vor allem eins: Willkür und totale Verunsicherung sind die perfidesten Kontrollmethoden des Regimes. wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte. haben uns motiviert. auch die Insignien. Der moralische Überschwang der Nachkriegsgesellschaft schien jedenfalls gründlich überwunden. Im Sande verlaufen kann das Verfahren gegen die beiden nun nicht mehr. schreibt Panahi in einem Brief an die Festivalleitung. Kritik erlag damit dem »Schein ihrer Neutralität« (Reinhart Koselleck). wenn man etwa belehrt wird.de/audio Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. jeder müsse mit dem Umweltschutz vor der eigenen Haustür anfangen. mein die MissionarsGott. In Libyen will man nicht militärisch helfen. wobei sie ke als ein Zeichen nicht sagten. dessen beständige Gewissensbefragung und anklagende Innerlichkeit unverkennbar in der pietistischen Tradition des 18. Kreuz gedacht hat: »Mein Gott. wirkte politisch lediglich indirekt: indem es die Welt hygienisch aufteilte in ein Reich der Moral und ein Reich der Politik. Die Aufklärungsschriften propagierten mit Pathos die Sittlichkeit des Bürgers. das starke Augenmerk. Dieser sollte in moralischer Hinsicht sowohl den frivolen Höfling als auch den mit realpolitischem Zynismus handelnden Herrscher überstrahlen. Sie legten Berufung gegen das Urteil ein. Er gehörte bereits zur Grundausstattung der sich im 18. und der Traum. der Schwule als Opfer der Zwangsheterosexualität in unserer Gesellschaft – und so weiter. in Deutschland tatsächlich sehr verbreitete Vorstellung zurückführen. . Zur Erinnerung: Die iranischen Regisseure waren 2010 in Teheran verhaftet worden und wegen »propagandistischer Aktivitäten« zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden. das Prinzip des Handelns mit dem Prinzip des jeweiligen Gesetzgebers eines Landes in eins zu setzen. Ein Verantwortungsethiker vermag politisch zu handeln. weit zurück und kann bei Bedarf. hat. hätten im Falle einer deutschen Beteiligung muntere Antikriegsdemonstrationen stattgefunden. wie der moralische Diskurs in Deutschland mit nationalsozialistischen Überzeugungen bestens verschmelzen konnte. einander offenbar widerstreitenden Behörden Zugeständnisse abzuluchsen. Dass Öffentlichkeit ihm helfe und nicht schade.und Umweltaktivitäten galten zu Recht als arg angefault. Der Gesinnungsethiker ist verführt. dass man so handeln solle. Für den Augenblick ist man jedenfalls eher wieder verführt. Der Generalgouverneur des besetzten Polens. hat Panahi selbst immer wieder betont. sprach sie offenkundig als Verantwortungsethikerin und sah sich mit einer gesinnungsethisch gepolten Öffentlichkeit konfrontiert.FEUILLETON Im Geisterreich der Moral Schon baumeln wieder die Anti-AKW-Buttons an den Kinderwagen. Und vermutlich war die Furcht der Regierenden vor einem Bundeswehreinsatz in Libyen auch nicht unberechtigt: Niemand wäre sonderlich verwundert gewesen. Es ist unsere Pflicht. um welche Gebete es sich des Schönheitshandelte. Realpolitik wird gefürchtet. LEKTÜRE sobald in Nairobi jemand beZUR LAGE nachteiligt sei. Das deutsche Bürgertum. was Rasoulof im Winter versucht hat. um das Mindeste zu sagen. nicht die Hoffnung zu verlieren. Nun wäre es Kant natürlich niemals in den Sinn gekommen.

Die Kritik galt insbesondere Präsident Calderón. Zerrissen sind sie zwischen der turbokapitalistischen Welt ihrer Manager und dem Identifikationsverlangen ihrer Fans. desto eher spüren die Spieler die engen Bande zu ihrem Verein. Am Wochenende führte Sicilia von dort aus einen mehrtägigen Schweigemarsch zum zentralen Platz der Hauptstadt. damit Sie wieder vor Augen haben. Mai 1941 aus New York. Es bleibt eine zentrale kulturelle sal« unmöglich gemacht hat.) gutem Olivenöl tue es auch. einer Macht. Er war Christ. der Schuld. denn Politik. glaubt aber niemand. ELISABETH VON THADDEN as das »Schicksal« angeht. an denen man wie im Prisma erkennt.und Küchentechnik dazugelernt. das Fatum aufder Geschichte ihr zeitloses Wesen treibt? erstehen zu lassen – mit kleinen Stücken Das kann man gewiss nicht meinen. Deshalb wechseln beide nach Jahren den Verein. was die DDR im besten Fall vom Westen unterscheidet. Diese Frage gen. dem vernagelsten von allen. im Erzgebirge geboren. an Scharlach sterben? über den Tod in Denkfiguren. und vielleicht geht es auch nicht anders. desrepublik. aber was soll ich machen? Irgendwann muss sich das Individuum aus dem Kollektiv winden und egoistisch sein. bekennender Protestant. der einst die faschistische SchickSchicksals sei von einer erdrückenden akasalsmythologie veredelt hatte und der demischen Korrektheit zum Schweigen genun auf dem Marbacher Weltwebstuhl bracht worden und erst heute. die Metaphorik des Schicksals matischen Tiefenschichten verbrannt und hat ihren Thronsturz blendend überjede mythologisierende Rede über »Schicklebt. ein Stück Brot mit sehr (das »sehr« wird dann in auffälligem Kontrast zur Haltung der Einfachheit ziemlich dick aufgetragen . in der Nähe von MexikoStadt. Schicksal. was wohl heißen soll: Die nachtragische Moderne macht aus Fortunas Ballwürfen eine däm. der Mann aus Schalke. Dann aber einem Brief des Dichters Friedrich Rückert. Sahin geht nach Madrid.der. möchte ein ganz Großer werden. vielleicht auch nicht. Butter und Zitrone im Wasserbad glückt und nicht zerfällt. den »nächsten Schritt« wagen. die Grenzen einer Remythisierung. forderten sie – »kein Blut mehr«. Er weint. Das ist ja in der Tat köstlich. Der AusstelZitate. wahrscheinlich von einem Drogenkartell.Versehen sind. Neuer vielleicht zu den Bayern. Es gibt keinen Grund. »Finanzflackert eine himmlische Disco-SchickUnd doch: Ohne Kompass. Sieben stellung dem Publikum sagen? Dass Hannah mal sieben unhintergehbare Dinge heißt Arendt einem metaphysischen Fatum entder Versuch des Marbacher Literaturkam. desto eher beglaubigen die Tränen ihre Worte. wenn es ums Essen geht. Bunt purzeln die Schicksalsbegriffe durcheinan. hier ist es bloß eine Metapher. für den er sich selbst entschieden hat. Sebald. die ihm Sein glauben an das Fatum jeden Kredit. Carl Schmitt. Für die Mannschaft sollen sie sich aufopfern. von Waffengewalt ihr Beweismaterial sichtet und sichert. Titel gewinnen. wenn te Anstreichungen vorgenommen hat. so ist die oben.jenes Exemplar. Beide sind vor die Presse getreten.Daseins«.sik oder. Das ist simpel. Und beim nächsten Businesslunch bestellen Sie dann bitte lauthals Sauce hollandaise. Geneigter Leser. Und nur wer nicht an mehr – auf Heideggers Sein und Zeit. ob es nicht eine moderne Gestalt des freundlich anerkennen – und dadurch Planetenbild des Schriftstellers W. sie sprechen von einer Schuld. dass seine Liebsten. Und: Bitte keine molekulare Küche. Nun ein kleiner Tipp zur Anwendung.u. Ich meine. sonErnst ins Auge zu sehen. das die NatioGottfried Benn. Je härter dieser kapitalistische Imperativ zuschlägt. dem Einbruch der schick. die auf unterlaufen. heißt es dann immer.« Und alle nicken sie wie die Esel. telegrafiert Hannah zukriegen und spendet dem Leser als Arendt an Günter Anders nach langer Flucht Chiffre für das Ungeheure. dass ihnen die einfachen Genüsse die liebsten seien. dessen Sohn kürzlich in Cuernavaca. schließlich war der April mit über 1400 Toten der blutigste Monat im mexikanischen Drogenkrieg – ein Krieg. Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge«. Dass sich vor den Wahlen im nächsten Jahr etwas ändert. Genauso wie Manuel Neuer. anstatt dem immerwährenden Schicksals schnell in Teufels Küche. umso offener für den genuin polnischen Weg in die Demokratie und für die zivile Verständigung mit den Gesellschaften Osteuropas. Der moderne Fußballer weint um den Verlust seiner Herzensliebe. Katalog 15 Euro Abb.. aber nicht mehr hören! Besonders schlimm ist es in der Spargelzeit. wer sehnte sich nicht nach der Einfachheit des Paradieses? Aber wir sind nun mal aus dem Garten Eden vertrieben und haben seither die ein oder andere Kultur. Sie halten jenes Gefühl politischer Dankbarkeit wach. studierter Mathematiker. der bislang etwa 40 000 Menschen das Leben kostete. thogen und dunkel. von Kreuzberg bis Sachsenhausen: »Also ich esse zum Spargel ja nie Sauce hollandaise. der. »Sind gerettet. G. denn aus der Schreibwerkstatt unter anderem Hannah Arendt ist genau dem geschichtvon Friedrich Nietzsche.Nicht nur. kamen zwei Aufklärer. so die Demonstranten. Mal ist das Schick. Martin Walser und – obendrüZwischen den Zeilen verbreitet die Ausber und mittendrin – Martin Heidstellung den Eindruck. Strauß. in dem der Dichter Paul Celan zar. kann den modernen Schicksalhaften Zeit in das moderne Spiel. dann ist es.kapitalismus« und »Fukushima« hören. der am 18. dessen schlesisches Gut er in ein europäisches Begegnungszentrum umzuwandeln half. ohne scharfes ana. Snobismus trägt dem enervierenden Umstand Rechnung.): Michael Weber/imagebroker/mauritius images. Was soll das und Undurchschaute einen numinosen Dokument im Kontext einer Schicksals-Aussemantischen Trost. Ludwig Mehlhorn hatte sich früh selbst die polnische Sprache beigebracht. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LUDWIG MEHLHORN Es steht in den Sternen Das Marbacher »Literaturmuseum der Moderne« spekuliert über das »Schicksal« VON THOMAS ASSHEUER Am Tor zu Europa Es gibt wenige Biografien. dort Metaphy. IJOMA MANGOLD FUSSBALL Der Athlet weint Fußballer zu sein ist ein hartes Geschäft. tief verstrickt. standslos auf Tuchfühlung gebracht werden.. »No más sangre«. Ernst Jünger. wollen Sie sich einmal an Ihre Kücheninsel stellen und eine Sauce hollandaise montieren. was andere noch nicht oder nicht mehr sagen. wiesen in seinem Blut. Literaturmuseum der Moderne.lungskommentar lautet allen Ernstes. kommt das Schicksal von unten. ermordet wurde. Heidegger »Schicksal. kämpfen. »weiterkommen«.50 12. die die deutsche Sprache bis in ihre gramIndes. Über allen sieben Vitrinen 1944 im Allgäu geboren wurde und 2001 tödlich verunglückte die Namen »Klimakatastrophe«. und be. Der moderne Fußballer weint. dass sein Interesse der politischen Gedankenwelt der Kreisauer galt. Moses und Christus. kuriose Fundstücke wie Friedrich Thomas Manns und Hans Blumenbergs Kittlers handgelöteten Synthesizer. Mai Schicksals gebe – neue Gewalten. nach dem alle Schicksalsfäden in der Hand zu Untergang der schicksalsvergessenen Bunhalten scheint. lichen Schicksal entronnen. dass die Welt sehr langweilig ist. immun gegen die Varianten kommunistischer Weltdeutung. KILIAN TROTIER Nuri Sahin muss leider nach Madrid DROGENKRIEG »Kein Blut mehr« Fotos (v. ein Licht aufzusetzen. habe die Gewaltspirale ausgelöst.sal erlitten. wie in die – jedenfalls in diesem Fall – mit philologischer sal einmal unsterblich. Das sind salskugel.poetologisch zum Ministranten Heideggers erklärt.o. Sie stürzten mächtige es zulassen. in seiner Wirkung aber wohltuend. Berufsverbot 1985.ihn zuläuft« – den Tod als »Grundbefindlichkeit des Metapherngeschichte des Abend. sie behauptet auch. Mal habe Celan die »philosophische Begründung einer Bis 28. Mitbegründer von Demokratie Jetzt im September 1989. Ich würde so gerne hier bleiben. Beide haben bei der Pressekonferenz geweint. und wie herrlich es ist. das zu verleugnen. über die Vernichtung der europäiChristus schwimmt das Schicksal unbeschen Juden. wenn sie denn kein landes rasch erzählt. Deswegen versucht der Snob das zu sagen. Botho nalsozialisten für Juden vorgesehen hatten. wie bei Walter Benjamin. dieses Geschäft ist so grausam. aber dazwischen gibt Wirklich? Nachdem Generationen von Stues immer wieder einen hellen klaren denten mit Goethes und Benjamins. um Texte von Polens Oppositionellen. des Widerstandskreises um den Grafen Moltke. August. Unter dem nicht dem Opferrauch der Seinsgeschichte. gute Produktqualität. RoMythosbegriffen erkenntnisdienlich behanbert Gernhardts Stachelschweinborsten delt wurden. wenn die Emulsion aus Eigelb.Gott nicht verhindert worden: Wie kann der All. der Dortmunder. Armee und Drogenmafia sind. es verwundert daher nicht. Alex Cruz/EPA/dpa Selten mischt sich ein Poet so vehement in die Politik ein wie der mexikanische Dichter Javier Sicilia. wie Sicilia beklagte. Nuri Sahin. Der Herbst 1989 war ihm ein Tor nach Europa. um dem kulinarischen Justemilieu. Mitglied von Aktion Sühnezeichen seit 1969. zwischen Kapitalismus und Moral. Alles kann gar nicht schlicht und ursprünglich genug sein! Hauptsache. Deutungsreserve. danach Hilfspfleger. kann man es vielleicht noch essen.salsmächten in den Arm fallen. und zwar auf das Schicksal glaubt. so war auch das Schick. dass die Ausstellung den Juden Celan siegelten das Schicksal des Schicksals. als wolle er sagen: Ach. sie schrammt auch an der die dem Schicksal ein Schnippchen schlaentscheidenden Frage vorbei. Wissenschaftlern und Schriftstellern für die Bürgerrechtler der DDR zugänglich zu machen. erst 61 Jahre alt. Das wäre mal ein neuer Ton. Literatur ist das »Schicksal« nicht unterWohnen 317 West 95«. aber sie entsteigen liche Pop-Kugel. wenn es aber zur Phrase von allen geworden ist. Ludwig Mehlhorn hat ein solches ostdeutsches Leben geführt: Arbeiterkind. Wie die anti.zusammenhang des Lebendigen.Leitbegriff »Wende« stößt der Betrachter – einmal dern sind selbst fabriziert. wenn alle ständig dasselbe sagen. dürfe man wieder frei und Die Atmosphäre ist entsprechend myunbefangen über das große Dunkle reden. wie viel an Geschick und Fingerspitzengefühl in eine solche Sauce eingeht. sige Behauptung. und vor allem in der Oder ein anderes Beispiel. Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen statt. in Berlin gestorben. der seit 2006 die Armee gegen die Drogenkartelle einsetzt. Tatsächlich spreum ein berühmtes Wort von Heinrich chen Celans Gedichte über millionenfachen Heine abzuwandeln: Seit Moses und Mord.n. ken Götter. mal selbst gemacht. Erst Calderóns »Krieg gegen die Drogen«. Schillerhöhe 8 bis 10. Es trägt zur semantischen Biodiversität bei. mit Witz. dann wieder von Poetik« geliefert. Unfassbare am 3. die Reflexion des egger. die hinter den Kulissen museums der Moderne. das der Westen den Bürgerrechtlern des Ostens schuldet. [M] Sascha Schuermann/dapd. Da tönt es vom Glockenbachviertel bis nach Eppendorf. Seit einigen Jahren sagen alle.: Chris Korner/DLA-Marbach W SPARGELSAISON Bitte mit Sauce hollandaise! Wir wollen hier kurz einmal das Wort ergreifen für eine Verteidigung des Snobismus. Weißwein. indem sie seine rätselhafte Macht lautet. ist das nicht nur eine waghaloder herzbewegend aufgeklärte Texte. weil er sich so zerrissen fühlt zwischen inkompatiblen Systemen.lytisches Besteck kommt man auf dem Feld des die Menetekel der Moderne. um. Gleichzeitig müssen sie kühl ihre Karriereplanung »vorantreiben«. und etwa hunderttausend Bürger folgten ihm. »die den Tod voraussetzt und auf Marbach. was Ostdeutschland. die sich oft von Herzen fremd sind. sondern nur Butter. Ganz einfach und klar. Oder und Zeit vorgegeben habe. Reiseverbot seit 1981. seine Kin. JOHANNES THUMFART In Mexiko-Stadt: Protest der Bürger gegen die Gewalt . Jetzt ist Ludwig Mehlhorn. Celan schreibe nach Auschwitz die Götter vom Thron und entzogen dem Aber. Diese Sätze zeigen.

der sich im Garten einen Atombunker baut? Schäferkordt: Natürlich finden Sie vor allem in den Soaps wieder. Schäferkordt: Das sind komplett verschiedene Sendungen! ZEIT: Können die Zuschauer unterscheiden zwischen »echten« Fällen und den erfundenen? Schäferkordt: Ja. ZEIT: Ist die Inszenierung beim »Dschungelcamp« nicht ein Sinnbild für die gesamte Haltung von RTL? Die Moderatoren stehen oben auf der Brücke. Es ist extrem erfolgreich. Da haben Sie Grenzen überschritten. der Menschenunwürdiges zeigt und dokumentiert? Auch wir haben die Szene intern lange diskutiert. wie Sie richtig sagen. Zudem bekommen wir über tägliche Magazine wie Punkt 12 ein Feedback. die gar nicht so skandalträchtig sind. Wir liegen zurzeit bei einem Zuschauermarktanteil von über 19 Prozent. denn der Frosch war. Bei großen Primetime-Serien dagegen sind die Produktionsvorläufe deutlich länger. Anke Schäferkordt. Wenn wir Fernsehen für Sie machen würden. Ich kann mich nicht auf die Hohe Straße in Köln stellen und fragen: Was willst du sehen. ist aber okay? Schäferkordt: Das ist in vielen Ländern eine Delikatesse! Es ist einfach. die in den Dschungel gehen. ZEIT: Mitten in der Finanzkrise haben Sie gesagt. kl. kommt vor. Seit 2005 leitet sie die Mediengruppe RTL Deutschland Das funktioniert so nicht. Bedeutet das nicht auch eine gewisse politische Macht? Schäferkordt: Ich kann oder möchte mir nicht vorstellen. dass es erst unserer Sendungen bedarf. heißt es in der Presse: Riesenflop. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Homestory gemacht. die vorher noch nicht da waren! Ich würde uns zwar immer gern als einflussreich sehen. Die Kommission für Jugendmedienschutz findet. Wir würden Fernsehen für eine kleine. also geschrieben sind. damit ein Thema. Jedes Medium hat sie. bei dem wir an den Quotenverläufen genau sehen. Schäferkordt: Auch nicht die gehobenen Instinkte? Da bin ich jetzt erstaunt. ZEIT: Solange es so gut läuft und gutes Geld verdient. stellt sich wahrscheinlich nicht. ZEIT: Aber ist es nicht ein blödes Gefühl.. und deshalb sendfach in deutschen Familien passiert. Einmal fiel dabei der schöne Satz: »Frau Schäferkordt. dass sich für die Realität ausgibt. So. was die Leute wollen? Reden Sie mit Ihrem Taxifahrer? Schäferkordt: Es ist jetzt nicht unser Hauptforschungsgebiet. weil ich hier im Haus dann doch zu bekannt bin.« Ich dachte erst. während der Castings eine Comicfigur.l. was Sie nicht mehr zeigen. die nicht mein persönlicher Geschmack sind. Schauen Sie sich die US-Quoten an: Wenn ein Network in der Primetime elf Prozent erreicht. im Januar hatten Sie bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 21 Prozent. bei der auf der Bühne gepinkelt wurde. Damit geht aber Hand in Hand. v. Er kommt in die achte Staffel. N-tv hatte den erfolgreichsten Monat seiner Geschichte und den Marktanteil verdoppelt. dass der Zuschauer auch loslassen will. Schäferkordt: Ganz offen: Wenn das mein einziger Beweggrund zum Lachen wäre. bewusst auszublenden. ob es um Nachrichten oder Unterhaltungsformate geht. Schäferkordt: Dass Kandidaten hinterher manchmal sagen. ZEIT: Und? Schäferkordt: Montags morgens war DSDS.und Nachteile. ist es mir. Schäferkordt: Das hängt vom Kritiker ab. Es hat immer alles seine Vor. quer durch alle Bildungsschichten. und das würde mich erschrecken. Deutschland sucht den Superstar. die Wahrscheinlichkeit. Radio. Ein Großteil der Zuschauer hat das wahrgenommen. Gregorowius/RTL . das »Dschungelcamp«. Zuschriften. Spaß haben zu wollen. ZEIT: In der jüngsten Staffel von DSDS gab es »Freddy Fickfrosch«.. in Ihrem neuen Erfolgsformat. Auch wir werden unsere Baustellen im Programm bekommen und daraus lernen müssen. Aber ich kann mir ja schlecht – wie die Chefs in der Sendung – einen Bart wachsen lassen. wenn ich Sie an der Stelle enttäuschen muss – habe ich mich einfach köstlich amüsiert. was man alles an niederen Instinkten bei ihnen entsichern kann . und wir schicken Prominente dorthin. ZEIT: Wir haben uns nur gefragt. ZEIT: Aber Ihr Sender ist nun einmal Marktführer. Wir müssen vor allem realistisch bleiben. wir gaukelten etwas vor.. ZEIT: Die Frage. würde ich vielleicht einen Schuldenberater aufsuchen. ob die Politik Themen erst dadurch wahrnimmt. die wir den ganzen Tag über beziehen. da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. offen gestanden. den Zuschauer permanent zu unterschätzen. die wir ziehen. aber Sie werden lachen: Das mache ich gerne. Zudem kann man fragen. Wir kriegen auch viel Zuschauerfeedback. der Journalist veräppelt mich. Das Gespräch führten ANNA MAROHN und CHRISTOF SIEMES Fotos: Thomas Rabsch/RTL (o. die eine Zeit lang auf sich gestellt sind und mit der Kamera beobachtet werden. Schäferkordt: Es gibt bestimmt Sachen. So einen Zuschauer würden Sie kaum finden. wäre ich der leitende Redakteur. in den letzten Monaten durchaus im Gespräch. Ob sich da gleich einer einen Atombunker baut? Das wäre am Vorabend wohl zu teuer . ZEIT: Nehmen wir Bild – da sind wir auf halbwegs neutralem Gelände. dass man Ihnen übel mitgespielt habe. Aber natürlich kommt überall. ZEIT: Lesen Sie eigentlich Fernsehkritiken? Manchmal hat man das Gefühl. Schäferkordt: Natürlich. ZEIT: Dennoch verhelfen Sie Themen zu einer enormen Sichtbarkeit. Mich drängt es nicht auf den Bildschirm. weil Sie den Frosch nicht gut finden. mal loslassen zu wollen vom Alltag. was wir wollen. Im Moment sucht der Zuschauer diesen Ausgleich verstärkt. ob Sie selber ins Camp gehen würden.): Gregorowius/RTL. die »Super Nanny« und »Raus aus den Schulden« mit Peter Zwegat (von links). ZEIT: Dann lassen Sie uns über Ihr Geschäft reden: RTL ist klarer Marktführer. dieses Stück zu sehen. Solche Sender gibt es ja bereits. Sie haben gefragt. Das Bild von der Gesellschaft formt sich aus der Gesamtheit der Informationen. im australischen Dschungel spielt. das können sie sehr gut. schauen hinab auf die armen Würste unten im Dschungel und machen sich darüber lustig. Aber wenn Ihre Frage dahin zielt.). Jeden Tag treffen wir Einzelfallentscheidungen. relativ elitäre Gruppe machen. Schäferkordt: Wir haben den Bescheid nicht akzeptiert und Einspruch erhoben. Darin waren wir immer am besten: aus Fehlern zu lernen. die aber auch nicht nur für mich produziert werden. Angesichts unseres derzeitigen Erfolgs sind wir in einer Verteidigungshaltung. ZEIT: Wir wollen das ja auch gar nicht. Die Westfälin studierte Betriebswirtschaft. aber das müssen wir nicht ausführen. ZEIT: Schaffen Sie nicht manchmal auch Bedürfnisse? Die Zuschauer des »Dschungelcamps« haben vielleicht gar nicht gewusst. dort sehen wir schon eine Veränderung. was ihn erwartet. Schäferkordt: Sie unterstellen wieder. Aber das Schöne ist ja: Das kriegen wir gratis! Im Ernst: Ganz so einfach ist es nicht. Interessant wäre es sicher. Mit öffentlicher Kritik bekommen sie noch einmal hohe Aufmerksamkeit. auch wenn wir den einen oder anderen Witz Vier von Schäferkordts Erfolgsformaten: »Deutschland sucht den Superstar«. aber wir kennzeichnen das auch entsprechend.. für die es gemacht ist. Auf keinen Fall. von der das Publikum oft nicht wusste. bei denen ich. schalten die Zuschauer um. ein Kollege hat Sie neulich in einem Porträt als »wonder woman« der deutschen Medienlandschaft angehimmelt. ob im Genre Real Life oder auch in der fiktionalen Unterhaltung.r. ZEIT: Dass in Ihrem Programm Känguru-Hoden runtergewürgt werden.. aber er meinte es ernst. ist doch mitunter fragwürdig. Wirtschaftlich ist es kein großer Erfolg. ZEIT: Für eine Folge der Super Nanny hat RTL gerade einen Bußgeldbescheid über 30 000 Euro erhalten. als Zuschauer. dass wir sie zum Thema machen. wie Sie das jetzt darstellen. Es gibt sehr viele Grenzen. lieber Zuschauer? Und er sagt: Ich fände eine Unterhaltungsshow toll. Wenn wir ein neues Format mit 16 Prozent Marktanteil starten. die an diesen Abenden in Deutschland Fernsehen geschaut hat. wahrscheinlich nicht. Schäferkordt: In einen Stahlhelm. den wir machen können – zu glauben. dass er weiß. ist sehr groß. was gerade in der Realität meist jüngerer Menschen relevant ist. auch wenn Sie das jetzt weit von sich weisen. kann immer noch mehr sein. reden wir darüber auch nicht. Wenn Sie eine solche Geschichte zeigen. um genau das zu klären: Verletzt auch derjenige die Menschenwürde. Wenn wir bei einem Thema danebenliegen oder es auf einem falschen Sendeplatz senden. was ich zum Glück nicht bin. Wir wollen das klären. Wir müssen schauen. wo die Realität sich einem Drehbuch fügt. Schäferkordt: Bitte! Sie glauben doch nicht. nur wie oft und wie differenziert oder eben auch nicht wollen Sie die Diskussion führen? Sie können definitiv fragen. Schäferkordt: So einfach funktioniert es ja nicht. was zeigen wir nicht? Eine Diskussion über persönlichen Geschmack zu führen. welches Thema interessiert. wo wir nicht Marktführer sind. und die Zielgruppe. dass es den meisten Zuschauern völlig egal ist. In Zukunft wird der stärkste Sender nicht mehr einen Marktanteil von 20 Prozent haben. Wahrscheinlich gibt es auch Fälle. Bahn zu fahren und zu hören.. Das ist auch zynisch. mit einer Show oder mit einer eher leichten Serie. heißt das doch nicht: So ist es in jedem Haushalt. ZEIT: Warum reicht es nicht zu zeigen. 48. ZEIT: Den würden Sie sonst wohl einstellen. aber das glaub’ ich beim besten Willen nicht. und das ist quer durch die Genres schon sehr vielfältig. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 51 Die Quotenfrau Angeblich weiß sie. Das Managen von Erwartungshaltungen ist im Moment mit das Wichtigste. ZEIT: Haben die Ereignisse direkten Einfluss auf fiktionale Formate? Gibt es bald bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten einen notorischen Grünen-Wähler. Friese/RTL. Aber ich distanziere mich deshalb nicht von unserem Format. ob es richtig ist. Das Format ist relativ teuer und der Januar nicht der werbeintensivste Monat. Fotos (Ausschnitte. Unsere Zuschauer haben zunächst sehr viel Nachrichten geguckt. ZEIT: Sonst müssten Sie sich hinterher womöglich noch wie die »Dschungelcamp«-Bewohner beschweren. obwohl es ständig Anfragen dafür gibt. der Frosch. die Leute wollen sich jetzt lieber entspannen und nicht so viel Konflikt im Programm. Die Digitalisierung hat die Programmvielfalt unendlich gesteigert. hätte ich an der Stelle nichts zu lachen gehabt. bitte. ZEIT: Natürlich! Wir vertreten nur die Wahrheit! Schäferkordt: Entschuldigung. Wir nehmen alle ernst. ZEIT: Aber wo ist für Sie persönlich die Grenze? Würden Sie Hartz-IV-Empfänger im Rhein um einen Arbeitsplatz um die Wette schwimmen lassen? Schäferkordt: Nein. warum wir bestimmte Dinge nicht gezeigt haben. dass es von nun an nur noch bergab gehen kann? Schäferkordt: Ach Gott . Ich würde auch nicht in einer Castingshow auftreten. insgesamt unterstehen ihr knapp 2500 Mitarbeiter der mithilfe dieser Comicfigur die Kandidaten noch mehr durch den Kakao zieht. ist ziemlich gering. Anrufe. das Ergebnis fanden wir aber nicht so gut. Als Marktführer haben wir eine besondere Verantwortung. die komödiantische Aspekte bietet. bei dem ich sagen würde: Wir könnten ihn einstellen und das Gegenteil von dem tun. oder? Anke Schäferkordt: Ich bin kein großer Freund von Artikeln über mich persönlich. Wir werden den Vorsprung nicht halten können auf lange Sicht. Sie bestimmen mit über den gesellschaftspolitischen Diskurs in Deutschland. in Wirklichkeit aber nur entlang von Klischees über die Wirklichkeit erfunden wurde. dass ich nicht singen kann. ZEIT: Wie gehen Sie mit Ihrer Verantwortung um? Wo verläuft die Grenze dessen. Nur würde ich mich dabei von einer Kamera begleiten lassen? Nein. wenn er sich für die Show bewirbt. welche Grenzen wir uns setzen: was zeigen wir. getestet und erfolgreich platziert hätten. ZEIT: Wie finden Sie heraus. Wie machen Sie das? Schäferkordt: Wir interessieren uns für unsere Zuschauer und nehmen sie ernst. Es steht im Vorspann und im Abspann. was die Menschen reden. dass diese Sau überhaupt existiert.. Ich habe mich damals im Theater nur aufgeregt. ist das schon ein Erfolg. für müßig.. Schäferkordt: Nein. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL DIE ZEIT: Frau Schäferkordt. war Controllerin bei Bertelsmann und Senderchefin bei Vox. Aber das war ja nicht Ihre Frage. Das wird alles wiederkommen. aber sicher keinen vor der Kamera. Schäferkordt: Schon klar. Schäferkordt: Natürlich sind die Sehbedürfnisse der Zuschauer nicht eindeutig. auch im Gespräch mit der Kommission. Beim »Dschungelcamp« – es tut mir leid. Muss das sein? Schäferkordt: Das ist eine Geschmacksfrage. Aber auch formal geht es für uns um die nicht unwesentliche Frage. obwohl es eine gute Quote verspricht? Schäferkordt: Das kann man pauschal nicht sagen. die ein nachhaltiges Interesse an Wahrheitsfindung haben. das man »gewünschtes Antwortverhalten« nennt: Bitte noch mehr Informationsangebote und Dokumentationen! Oder: Die barocke Oper findet viel zu wenig statt! Die Wahrscheinlichkeit. Ich habe angemessenes Feedback. Sie lesen sie. Sie haben eine gesellschaftliche Verantwortung. würden wir dem. weil wir den Stoff aufgreifen. sich mal nur gut unterhalten zu fühlen. ZEIT: Ein konkretes Beispiel. erreichen wir automatisch vier Millionen Menschen. was täglich vermutlich tau- über die Kandidaten machen! Vor allem nehmen wir uns selbst mal richtig auf die Schippe. ehrlich gesagt. dann machen Sie alles genau entgegen dem Kritikerwunsch – und sind erfolgreich. ist genauso eine Fiktion wie die »Scripted Reality« im Nachmittagsprogramm. Er war nicht mein persönlicher Favorit. die mich fesselt und unterhält? ZEIT: Aber es ist doch ein kategorialer Unterschied. Auch wenn ich hoch verschuldet wäre. ob ich von etwas Erfundenem gut unterhalten werde oder von etwas. dass ein Format in Menschen Instinkte produzieren kann. dass Sie danach Ihr Programm gestalten und damit die Mehrheit der Zuschauer erreichen. Schäferkordt: Sein offizieller Name war übrigens Freddy. Jeden Tag treffen wir in den Redaktionen diese Entscheidungen. wann und mit welchem Grund in unser Programm eingegriffen wird. braucht keine Feinde. Übrigens hat das auch die Hälfte aller Menschen getan. Sie fragen nur: Ist das eine Geschichte. das man dort zum Beispiel von Arbeitslosen vermittelt bekommt. Eindrücke aus der eigenen Lebensrealität – daraus formt sich ein Weltbild. Das wäre vermessen. ZEIT: Aber durch die hohen Quoten blasen Sie all die Themen auf. Schäferkordt: Wenn ich da kurz widersprechen darf: Es wäre der größte Fehler. was er empfiehlt. zwischen Kameras im neuen RTL-Studio in Köln. eine Idee von Dieter Bohlen. Schäferkordt: Es gibt ja einen Grund. Am Ende tun Sie das Gleiche wie wir: Sie erfüllen auch nur die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe. haben Sie leicht lachen. Nach einer großen Show ist es auch spannend. Menne/RTL. Da ganz kurzfristig auf politische Ereignisse zu setzen. Nun gibt es einen Atom-GAU und Krieg in Libyen. dass auch Sie das grenzwertig finden. Das ist nicht so. Wenn Sie mich fragen: Würden wir alles tun für die Quote? Dann ist unsere Antwort: Nein. ob ein Format wie DSDS Grenzen bewusst überschreitet. es ist das Konzept dieses Formats. es gibt kaum einen Sendeplatz. dass die Geschichten gescriptet. Wollen wir es so machen? ZEIT: Ist Ihr momentaner Erfolg auch ein Fluch? Das kapitalistische Mantra lautet ja: Wo viel ist. Dinge zu skandalisieren. Genau darum geht es eben nicht. ganz egal. ZEIT: Sie könnten es ja als Undercover Boss versuchen. auf einem ähnlichen Niveau wie während der Krise 2009. was kann ein DSDS-Kandidat erwarten. ein bisschen verkürzt. auch beim Gesamtpublikum liegen Sie deutlich vor ARD und ZDF. aber keine ethische Diskussion.FEUILLETON 12. vielleicht auch eine politische Brisanz. Es gibt den einen oder anderen. Sie erfüllen die Bedürfnisse der Leser. Natürlich ist die Erzählweise dabei verdichtet. Dazu kommen andere Medien wie die Tageszeitung. einige Szenen verstießen gegen die Menschenwürde.n. Wir zeigen Geschichten aus dem Alltag. ZEIT: Wir fragen Sie als Gesamtverantwortliche für das RTL-Programm. das besagt. Das wirklich Interessante ist. dass die Kandidaten nicht singen können? Muss man sie der Quote zuliebe auch noch demütigen? Wir unterstellen mal. Schäferkordt: Die stellt sich definitiv nicht. Schäferkordt ist auch für Sender wie Vox und n-tv verantwortlich. und wir nehmen sie wahr. Schäferkordt: Zumindest nachdem wir das produziert. dann antworte ich: Nein. nicht mehr gerecht werden. ZEIT: Sie haben sich mal über eine Aufführung im Kölner Theater aufgeregt. das virulent ist in der Gesellschaft. Dazu gehört. Wenn die Spaghetti Bolognese beim Hartzler zu Hause unbedingt vom Bauch der Freundin gegessen werden müssen . in der Politik ankommt. Die Instinkte des Menschen können wir im Fernsehen so wenig beeinflussen wie Sie im Zeitungsbereich. Muss Ihr Programm jetzt noch seichter werden? Schäferkordt: Da muss man in die einzelnen Genres schauen. die so oder so ähnlich stattgefunden haben oder stattfinden könnten. das würden wir natürlich nicht tun. das ist nicht so. etwas heraus. Schäferkordt: Das dürfte eher schwierig werden. Wer solche Freunde hat. mein Ausdruck war falsch: Ich wollte sagen. hat es extrem angesprochen. ZEIT: Aber das Bild. dass ich Geld dafür bezahlt habe. Können Sie sich überhaupt noch steigern? Schäferkordt: Nein. wie Sie leben. verleihen Ihnen eine neue Dimension. Die treiben täglich eine Sau durchs Dorf. weil es so schön einfach ist. anders entschieden hätte. Die Frage kommt immer wieder. ZEIT: Aber was wir vom Camp sehen. Damit die eigene Erwartungshaltung und auch die der Gesellschafter nicht zu hoch ist. halte ich für einen Fehler. Mit ihrem Informationsinteresse genauso wie mit ihrem Wunsch. halte ich. ob der Fickfrosch des Guten zu viel war. wo man ein Mikro aufstellt und die Leute befragt. unser Leser hat ein Recht darauf zu erfahren. was wir den Zuschauern zeigen.

wie der ständige Abriss und Neubau des Lebenslaufs einmal mit so viel Hoffnung verknüpft sein konnte. was er gegen seine Ehefrau. angeblich niemals zuteilwerden konnte. Kommen allerdings ausschließlich im Geliebtenfach zum Einsatz. wie ein Bub vor. Seitenlang sitzt man in der Boutique und begutachtet Dior-Kostüme. Ernst Bloch. Hat mal jemand die Flugmeilen im Homo faber nachgezählt? Walter Faber. Diese Hoffnung war nicht nur das Mantra von Frischs eigenem Leben. Aber ich habe mich nicht. In jeder Hinsicht ein Jugendautor. Die Bemerkungen über die »Neger«. Es war auch nicht nur das Mantra seiner Figuren. Dass er gegen dieses Alter aufbegehrte mit immer imposanteren Automobilen. auf Flucht. und niemals anhalten. die noch kommen sollten. Was Frisch rettet aus der Peinlichkeit dieser Aufsteiger-Prahlerei. Doch gerade deswegen fehlt uns Max Frisch. der auf Mamas Schokoladenkuchen lauert. Woran liegt das? Auf den ersten Blick ließen sich leichte Erklärungen finden. die Frisch so jung machen. als die sich die erste Geliebte entpuppt hat. Er möchte ein Herr White werden. von der »kein Weibsbild« einen Kerl abzubringen vermag. das man überall (und sehr bald auch auf den Schlachtfeldern) suchte. Die Frisch-Welt hatte mehr zu bieten. der so leidenschaftlich auf einem abenteuerlichen »wirklichen Leben« besteht. war so üblich und ging niemanden etwas an. der ewig Junge. »Neureicher« im Leben und im Schreiben. Seine lebenslange Jugendlichkeit mag hier ihren Ursprung haben. weil er hundert wird. die »Statthalterin der Utopie« sein sollte. der in sehr preußischblauen Hemden an sehr kompakten Tessiner Steintischen saß und weißweintrinkend sein Leben Revue passieren ließ. Man ist schließlich modern. Siehe auch Reisen Seite 63 . ehrlich genommen. als man selber jung war und auch nicht erwachsen werden wollte. Und dass wir es sind. eine neue Existenz zu wählen im Warenhaus der literarischen und philosophischen Lebensentwürfe. diese 1954 bei Suhrkamp im zerstörten Nachkriegsdeutschland zur Welt gekommene Figur.« Stiller. Auch begreift man nicht mehr. man gestatte den Kalauer: entgegen seinen lebenslangen Frischhaltebemühungen. Ein Bergmannsroman. Es sind Fragen. Da gibt es die Befremdlichkeiten im ersten Tagebuch aus den vierziger Jahren. Contessa oder Staatsanwaltsgattin. Ein. Wie wollen wir leben? Gibt es ein Leben hinter dem Grauschleier des Alltags? Wie komme ich dahin? Wie werde ich ein anderer. die zugegeben ein bisschen fünfziger-Jahre-steif ist mit Kostüm und Handtasche und immer höflich und adrett. als ich es bin? Es sind diese Fragen. Raus aus der Vergangenheit – das traf einen Nerv. der da kommt«. abzubrechen oder ironisch zu werden. Einer Utopie. Ballerina. der die Romane bis heute lebendigund unverbraucht erscheinen lässt: ihre neusachliche Heiterkeit. dass man Frisch und seinen Helden gewogen bleibt. die man stellt. »Mit der Einsicht. sondern Kinder und Enkel der alten Masken. dass Max Frisch uns ein wenig entrückt ist. Auch hier setzt er auf erzählerische Dialektik. was sich dieser Anatol Ludwig Stiller von der Verwandlung in einen Mister White versprochen hat.und Verstellungskomödien und der Illusionskünste der deutschen Romantik. nach Athen. Fabers und Geisers. neue Leben.« Wenige konnten die Träume unserer in sich selbst verliebten. Stiller mutiert zu einer Art Waldschrat. neue Häuser. ein Schweizer Herr mit Hamsterbacken und Krötenhals. fotografiert von Robert Lebeck Das Prinzip Frisch Der Schweizer Schriftsteller wäre jetzt 100 – Wiederbegegnung mit einem unverschämt jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 1900. Sie stand ihren Benutzern weit offen. nun doch entgegen seinem lebenslangen Widerstand. Faber bekommt Magenkrebs. Heliosstraße 31.« Ein schöner Schlusssatz ist das. nach vollzogenem Inzest an einem Schlangenbiss (ernsthaft: Schlangenbiss!) verendet ist. Wir werden diesen jungen Hundertjährigen noch lange lesen. Für uns war und blieb er der Autor einer Lebensdringlichkeit. Aber das stört nicht. nach Texas. Frisch wusste es selbst und hat nicht ohne Ironie davon gesprochen: Er blieb ein Leben lang der Kleinbürger. sich nicht auf weitschweifige Gefühligkeit einzulassen. Oder auch nur ein Fluchtbedürfnis. kurz und knapp zu halten und da. Seine Hauptsorge: Er möchte nicht Herr Stiller sein. Stadelhoferstraße 28. die Folgen hatte.52 12. ist ein Wiedersehen mit sanftem Schrecken. Inzwischen sind wir nüchterner geworden. gerade weil er es heroisch meint. Italien und Griechenland. der die »männliche Tat« verklärt. des Frisch-Jahrhunderts. unterhält eine zweite Liebschaft in New York und gedenkt die Mutter der ersten am Romanende in Athen zu heiraten. im Letzten nicht unversöhnliche Melancholie gehört zur Dialektik einer fortschrittlichen Literatur. Wie eine Flaschenpost aus Märchenzeiten liest sich auch der nahezu verschollene Roman Antwort aus der Stille. Mein Name sei Gantenbein. Natürlich geht dennoch alles vorbildlich schlecht aus in Frischs Theaterstücken und Romanen. nach New York. ein nichtiger Mensch zu sein. Dass er irgendwann alt und behäbig war. Frisch ließ das Buch 1937 in NaziDeutschland publizieren und hat es später nicht in seine Gesammelten Werke aufgenommen. der literarisch groß auf die Pauke haut. ist sein trockener Humor. Homo faber. Es fehlen seine Verspieltheit. reist mit seiner jungen Liebschaft durch Frankreich. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR gramms und zugleich der Urahne für die Gantenbeins. Immer wieder in den Romanen. wie er es immer sein wollte. Aber was erwartet er sich von der Liebe? Und was von seinem Leben? Ein wenig kommt einem Stiller. steht im Zentrum aller großen Frisch-Romane. die großen Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens – Tagebuch 1946-1949. Das ist bei strenger Betrachtung ganz und gar nicht mehr an der Klamotte vorbeigeschrammt. Dann aber mit allem divenhaften Drum und Dran. Im Gegenteil. Wir sind auch nicht mehr die Bewohner von Umkleidekabinen. das nicht mehr auf der Höhe unserer Desillusion ist. gestorben am 4. die uns diesen hemdsärmligen jungen Menschen fremd erscheinen lassen. Sie verleiht ihren Helden. Ihn nun. Das Haus von Biedermann brennt ab. in dem man zum Friseur und ins Büro geht und in dem die Liebe zuverlässig in »tödlicher Kameraderie« verendet. aber niemals kleine Männer sind. seitdem die Selbstverwirklichung überall im Sonderangebot zu haben ist. Der Schrecken rührt daher. über den widerstandslosen Charakter des »Weibes«. die ihn in eine längst vergangene Zeit katapultieren. zuweilen geneigt. Zürich Max Frisch auf der Boccia-Bahn seines Hauses in Berzona. Der die Enge der Heimat und der Herkunft mit der Menge der Geliebten und der Wohnsitze aufwiegt. ein nichtiger und unwesentlicher Mensch zu sein«. Trotzdem erinnern sie uns daran. in dem man sich unausgesetzt aufgefordert sah. versteht man nicht mehr ohne Weiteres. Er habe. geboren am 15. die so neu nicht waren. die vieles ausschloss. nachdem die gemeinsame Tochter. vorwärtsdrängenden Epoche besser beschwören als Max Frisch. schon damals den Rückzug aufs Private. Mai 1911 in Zürich. vielen so gegangen sein. gegen das wir. wiederzulesen. in eine knappe Sentenz gefasst: »Ich bin. Das ist nun alles lange her. April 1991 in Zürich. Darum werden wir erst. Eine neue Welt bauen. auch sich selbst gegenüber. die es macht. von Anfang an ein heroisches Format. Nicht weil er. wenn man sich und der Welt noch viel zutraut. Montauk. in denen man neue Leben anprobiert wie Kleider. Der Roman galt als das Paradestück der damals groß in Mode kommenden Ich-Diffusion. Ingenieure. so hat Frisch das in einem seiner späten Fernsehinterviews gesagt. Stiller ist noch immer ein bewundernswertes Buch voller hinreißender ironischer Sentimentalität. Daher die vielen Shortcuts in Montauk. verbarrikadiert sich in seinem Schweizer Bergdorf und baut Pagoden aus Knäckebroten. seine Träume. wie er es spöttisch nannte. dass Frisch nicht nur unser Zeitgenosse. Ihre Fragen sind groß und immer dieselben. Er fasst das literarische und biografische Programm des Autors in zehn Wörtern zusammen: Er war einfach nicht bereit. ihres backenbärtigen Paternalismus und ihres vitalistischen Pathos war. Das mag. seitdem wir an diese Utopie nicht mehr glauben. der das Erwachsenwerden ablehnte. Dazu sind sie – auch im literaturpolizeilichen Sinn – zu unbedeutsam. wenn dieser auf der Suche nach dem »wirklichen Leben« ist. Ein wenig verwundert versucht man nachzubuchstabieren. Für ihn wie auch für seinen Freund und Lektor Uwe Johnson war es eine Frage zeitgemäßer Männlichkeit. hat man missbilligend zur Kenntnis genommen. nach Mexiko. den man las. die. Ich bin einfach nicht bereit. Geiser. Der Mensch erscheint im Holozän –. der sich in Frischs verworfenem Jugendroman nach einer männlichen Tat sehnt. die Nichtigkeit noch für das Beste am Menschen zu halten. Dabei war der Nonkonformist fasziniert von der Konvention. die immerzu erwartungsfroh neue Leben anprobierten. hoffe ich doch in allem auf Verwandlung. In jedem Fall eine Sehnsucht. Es war das Mantra seines Zeitalters. Eine sanfte. dass er wirklich noch so jung ist. und es gibt keine Hoffnung. Das macht er klar durch einen Kunstgriff. gar nichts Dringliches mehr einzuwenden wissen. »hoffe ich halt immer schon. ist der Urtyp dieses »Darum-werden-wir-erst«-Pro- der sich das Ich-Pathos verbirgt und die bis heute das Beste am ganzen Frisch ist. Stillers wichtigstes Problem ist: er selber. Ein Herr White mit amerikanischer Vergangenheit wäre ihm lieber als ein Herr Stiller aus Zürich. die »pflanzenhaft vor sich hin dösen«. die schöne Julika. aus Ironie Überlegenheit. dass wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. konnte man im Fernsehen sehen. dessen Prinzip Hoffnung 1959 erschien. seine Heiterkeit. Und das dem kleinen Mann. hinter er erste Impuls: Man glaubt ihm die hundert Jahre nicht. Daher die zärtliche Kaltschnäuzigkeit. Im Grunde. sondern nur ein Dasein. Zum Beispiel ein Stiller-Leben in Zürich mit Atelier und Oberlicht. Er sagte: »Wir leben auf einem laufenden Band. Der Frisch-Erzähler findet sich grundsätzlich lächerlich. Stiller. der sich an sein Heim und seine Kaffeetasse klammert. daß ich eben durch diese Einsicht kein nichtiger Mensch mehr sei. Das Prinzip Frisch ist ein Prinzip Hoffnung. sondern auch ein Erbe der vorletzten Jahrhundertwende. hinterrücks gealtert wäre. in den Tagebüchern sitzt man im Flugzeug. den Peter von Matt vor zwei Jahren aus der Versenkung holte. und Gantenbein kommt ohnehin den gesamten Roman über kaum einmal hinter seiner Blindenspielbrille hervor. die man gerne für unsere eigene gehalten hätte. die gealtert sind und die den Toten plötzlich für geradezu unverschämt jung halten. Einer. ein Mann mit südamerikanischen Geschäftsbeziehungen. einzuwenden hat. heißt es im Stiller. hat diese fortschrittliche Gestimmtheit des vorigen Jahrhunderts. neue Ehen. sagt der kühne Jüngling. alles bauhausmäßig klar. Einer. wo es wehtut. aus Trauer Hoffnung. ein neues Ich. Dass Max Frisch 1991 gestorben ist. Aus Selbsterniedrigung wird Selbsterhöhung. die den Verlierer immer gewinnen lässt. Frisch hütet sich vor dem Heroischen. Diese Sehnsucht nach einem bedeutsameren Leben als dem. Frisch-Frauen sind immer mondän. Sie benehmen sich auch so. die Künstler. noch gar kein Leben. Nach Paris. Liest man den Roman heute. der verstanden werden kann als die literarische Variante der Schweizer Nichteinmischungsdoktrin. Filmschauspielerin. der Identitätsfragen und Rollenspiele. Weltreisende. in dem das Beständigste noch seine riesige schwarze Brille blieb und in dem die letzte Geliebte bereits die Tocher einer früheren war. so kurz und bündig wie auf einer Grabinschrift. ein nichtiger Mensch zu sein. Es gibt seine irritierende politische Indifferenz in der Kriegszeit. neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In dieser Aufbruchstimmung nach D Foto: Robert Lebeck/Max Frisch-Archiv. mit immer jüngeren Frauen. Aber es ist ein Buch. nach Guatemala und so weiter. und andere Grobheiten. das »sich formen lässt von jedem. in dieser Feier des Lebens. Doch an solchen Verschmocktheiten liegt es nicht. Sie sind wahlweise Mannequin. der Held des späten Romans Der Mensch erscheint im Holozän. seiner großartigen Autobiografie. Frisch ist doch immer jung gewesen. Tagebuch 1966-1971.

dass es dazu nie gekommen ist?«. das der Frischianer im Jubiläumsjahr neben sich haben sollte. da muss jedes Interview ein Knüller werden. 1911 – 1954. Die freiesten und amüsantesten. Gemälde von Otto Dix. Max! Eine meisterliche Biografie.90 € wieder drin«. Als er. ZeitFrisch hat Besuch von der toten Mutter lebens hat ihn der Gedanke an den Suizid und unterhält sich beim Frühstück mit begleitet. Und dann folgte – weitere Stille. In die herbstliche Luft über Kimche. Mit erzählten Häusern ließ Suhrkamp.) Buchenwald bei Weimar. Sie blieb bei ihrem Mann und den Kindern und lebte zugleich in aller Freiheit mit Frisch die offene Ehe. Bevor er den Namen sagen konnte. mit diesen Fragen kann nichts schiefgehen. zuletzt. falsche Fährten legen. und ich weiß nicht. Biographie Max Frisch. das Haus in der Schrift hingegen verlieh Frisch könnte ich diese Scheibe einboxen und dich packen. Etwa ein Drittel der 291 Fotos sind Erstveröffentlichungen.. Immer denke: Diese Fragen sind ein derartiger Knüller. den durch den Kalten Krieg. tat das aber in einer Ausstellungskritik. Man könnte nun lange darüber nachdenken. Dann verschiebt er sein Haus Julian Schütt: diskret. Frischs er sich als lebendig«. wovon ich da unten beim Grenzstein reden könnte. Einmal war es die Frage »Wären Sie gerne Ihre eigene Frau?«. me ja aus einem Morast von Ressentiment wird zum Dementen. Frisch beschreibt darin. vielleicht stehe das Biographie eines Schütts Frisch ist im Verhältnis zu sich Haus »weiter im Norden«. der damals die Schweizer entzückte: »Es ist einfach keine Zeit dafür. »Lidice. »dass Du viel zu früh durch das den Weinreben entwirft er ein »Haus. konnte man den Gesichtern ablesen. die gebauten aber starrten Berlin 2011. das Frisch für seinen Bruder erträumte. seines Triumphs mit dem Stiller. Teufel. Max. Immer endet es in der einzigen. ja. Und irgendwann jemanden treffen.Frisch angesichts der Kriegsgefahr? »Entweder übertors machen. Name ist Frisch dem er für ihn ein Einfamilienhaus er. wenn es uns nicht einfach an Vorstellung fehlt.. Immer denke: Die Tiefe der Gedanken wird den Weg in jedes Bewusstsein weisen. das von Matt ausgegraben hat. Schade wäre es. Zuden dreizehn Zimmern«.Verhältnis zur Schweiz. und schwieg. um vom einen zum anderen zu geVor »dem ihm auf den Leib gerückten Tod erfährt langen. Max Frisch hat sich diese Fragen selbst gestellt. Veranda«.« Schließlich hat Schütt den Text gefunden. tat er es sogleich mit dem »Ich als souplesse: »Die Arbeit als Architekt hat Währung«. um zu bemerken. es nicht gerade ein anderes auf Erden gab.Nagel & Noch in den sechziger Jahren vermutete richten soll. Zum Beispiel die Frage: »Wenn Sie einen Toten sehen: welche seiner Hoffnungen kommen Ihnen belanglos vor. einige Seiten 595 S. Volker Hage cheln sich in einer Schaufensterscheibe Das fertige Haus erfuhr er als Ärgernis. schrieb Frisch im Moment weiter schwebt es durchs Totenreich. und er »Früher war ich Architekt«. dass uns kein Denken. Am nächsten Tag fand das Interview statt. ja.« ersten journalistischen Arbeiten schon da. das ich im Grunde gegen mich bin«. »Einen Sonderplatz« Bruder das Grundstück besichtigt. Von Matt deutet das Feuilleton mit begann. in Seenähe. nachdenkt und Zeit hat. ja. In einer vergessenen Kritik aus der Zeitschrift Du attackierte Frisch 1941 den Film Gilberte de Courgenay. und die vierte Frage hieß »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Immer wieder unterbricht Frisch die 432 Seiten seines Tagebuches mit Frageblöcken. Er scheut die Pointe nicht. Er schreibt elegant. will ein Bild von sich entwerfen. nicht: ein Buch. und dich erschlagen. beginnt er setzt vieles in neues Licht – den Vater. die nächsten 25 Jahre. ja.90 € ihn an. wie 2011. die damit zu tun hat. In der Ereignislosigkeit der rüd chauvinistische Frisch der dreißiger Jahre. nicht zulassen.. Es brauchte Schütts Ohren und Quellenkenntnis. die unerfüllten oder die erfüllten?« Ich möchte hier aber nur von einer kleinen Beobachtung berichten. Interviewpartner heutzutage wollen Fragen abwehren. Max Frisch wollte sich mit seinen Fragen Wahrheiten nähern. auf Matt: Mein gibt er der »Nicht-Beziehung« zum Vater. selbst oft schmerzlich zerrissen. sympathisierte er keine Sekunde mit den Schweizer Nazianhängern.. Schütt nimmt. ja. was er des nationalen Gewissens. dass sich Frisch durch die fünfziger Jahre »immer von neuem in Madeleine Seigner verliebte«. (. Auf einigen Seite ist dieser Band getrüffelt mit unpuhinreißenden Seiten entfaltete er die blizierten Frisch-Zitaten. will etwas verkaufen. dann bisweilen tenzialistischen Frisch. fassbar. sind das Meisterstück seines Buches. ich würde das Meer nie mehr sehen«. darüber müsse man mal nachdenken. der soldatischen Grenzwacht – »Stahlgewitter à la Suis. as es nicht alles für Möglichkeiten gegeben hätte. Obstbäume in den Tapeten«. Schütt zeigt. Schütt fand in einer Rezension die Quellen von Frischs Deutschenbild. um einen Menschen zu töten. Interessante Frage. mit diesen Nachrichten fertig werden soll. Schließlich Aufstiegs.und Berg. Fangen wir an. empnach dem Tod des Vaters. nach der Michel Friedman. da zeigten Das wichtigste Buch zum Frisch-Jubiläum ist die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch den alten ohne Zweifel Julian Schütts Max Frisch. Der Kierkegaard. keit des Wirklichen weichen musste. einen SPD-Mann . über Geld.von Matt. Hier der erst apolitische. Freundschaft.das Meer. ob diese Fragen nicht der eigentliche Schlüssel zu seiner Biografie sind. will einen Schutzschirm aufbauen. nie mehr das der biblischen Formel »Du sollst dir Meer zu sehen.« Pause. auch sein Land erneuern. ob hinter diesen Fragen nicht die Gliederung seines Lebens steckt. vor Wirtschaftsführern. weil ich immer wieder denke. Beatrice von Matts Aufsätze folgen der im Gedankenstrich abbrechende Satz. Journalist und Politiker. sondern: kein Bildnis machen« experimen. das um diese Dinge herumgeht. Oradour. Meine 25 Jahre mit Max Frisch: Ich kann nur von zwei bemerkenswerten Ereignissen erzählen. ich dachte daran. In kein anderes Werk ist die umfassende Zerrissenheit Frischs mit solcher Wucht eingegangen. Auschwitz. der die Wende bedeutet. über Frauen. etwa mit einer Frage wie: »Welche Hoffnungen haben Sie aufgegeben?« Das Scheitern begann in der Regel mit einem Moment der Stille. man weiß ja nie. dem Impuls.hat. Einmal befreite ihn eine Frau vom »schweren Verhängnis. und er stand auf. bin ich aufgewacht. 160 S. als ich in sein Gesicht blickte. in nicht untergegangen. che Vielfalt des Möglichen« der Eindeutiggefangen«. jetzt erzähle er mir was. Frischs Reichtum hinter den die Fragetechnik. Man duzt sich. drei unveröffentlichte Gespräche Hages mit Frisch. der immer wieder mit lebe ich oder nicht. Natürlich stellte ich die Mord-Frage. zum Schluss zu Stiller. und ich bin »städtischen Altersheim«. interessante Frage.. Er und sein Spiegelbild läFrisch definitiv zum Schreiben geführt. dem Welterfolg. den zu den großen Dramen. 256 S. Müntefering sagte. in New England. Er ist seiner Sache Wiesen. in dessen Frühstücksraum ich am nächsten Morgen sehr früh ein Interview führen sollte mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering.« tiert hat. wie sie den Unendlich verwickelt war für alle Zeiten Frischs Stiller zu Pirandellos Roman Mattia Pascal in Be. Und dann. Bonn 2011 . Wie sich selbst will er fortan unangenehme Sätze werden nicht unterschlagen. wie er mit seinem Beatrice von zweiflungen Frischs. eine Essay-Sammlung und ein Bildband erhellen uns die Welt des Max Frisch VON ANDREAS ISENSCHMID »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT W N och nie konnten sich die Leser von erstaunlichen Essay das Meer. über den Tod. »ein Liebesdrama« nennt es ziehung setzt. wie unsereines. vor großen und kleinen Stars. Werde ich ein andermal davon reden?« Am Ende der kleinen Erzählung hat Frisch die »neuen Berichte von Buchenwald gelesen. einen Politiker. stilistisch. darstellerisch und gedanklich Frisch streicht »die hölzernen Säulen der gewachsen. Abb. Bald schon gleich ist Schütt im Meer seines Materials steht sein Haus. will etwas loswerden und nichts ergründen. Der Traum ging so: Ich stellte Müntefering die FrischFrage »Gesetzt den Fall. der sich imaginativ mit seieines Aufstiegs. Ich werde also weiterhin das blaue SuhrkampTaschenbuch mitnehmen. zu schreiben fand Frisch Scham. der ein Mörder ist.. 24.. als Hitlers Angriff drohte und der »28jährige Bursche« nur dachte »Schade wäre es. Schütt kennt die Fantasie eines »Lebensabendhauses«. Dort der sozialistische Humanist in der Rolle son-Leser entdeckt in der Wirklichkeit. die Briefe. Es kam kein Name. die Zeugen. Postkarten des Soldaten Frisch. Ich saß damit vor Politikern. unverrückbar. seinen élan vital. Frisch wollte als Jugendlicher Nationaltorwart werden. um sie zu verlängern. Die Stille meiner Interviewpartner verschwand in einer anderen Wahrheit: Wer heute interviewt wird. »Max. »Ich komfliegt es durch Raum und Zeit. Die Enthüllung der Liebe zu Madeleine SeignerBesson ist eine der schönsten Trouvaillen bei Schütt. Noch kein Jahr ist es her. dem Germanisten Emil Staiger. – eine Bewegung der Angst. wollte er in der Beatrice von Matt zum Frisch-Jubiläum ersten Fassung in den gelingenden Suizid publiziert hat.FEUILLETON LITERATUR 12. Die 350 Seiten. dass ich seit nun 25 Jahren die Fragen von Max Frisch dabeihabe.): Max zu. die sich vordem nur aus dem Buch kannte. und auch sonst nichts. die als »Gnade« empfindet. und am Ende: nichts. Zürich der Bruder als Grund von Max’ Depressionen. Und er erzählt am Tag. doch leicht ins Irreale – vielleicht sei der See im Max Frisch lieber ist ihm die Nuance. eine Frau. 24. klagte Frisch 1946. (Hrsg.: Victor Radnicky/Interfoto/Privatbesitz: VG Bild-Kunst. So bleibe ich auf dem halben Wege doch sitzen. Er sagte noch. klima – aufpassen!« Den Stiller.. Überraschend ihre Skizze eines exis. Ich habe sie dabei. ihm Flügel . die auf keine WänExistenzkampf geworfen wurdest«. Und dann noch mal: »Ja.auch vier antisemitische Sätze auf dem Kerbholz se« – findet er zu sich. oder haben sie schon nichts mehr zu unterdrücken?« Es musste Schütt kommen. in einem Hotel irgendwo in der deutschen Provinz. »Ich lebe aus keinem eigenen Verlass heraus«. er habe sich einmal ein Messer gekauft. Hoffnung und Heimat.« Wie viele 34-Jährige schrieben mit dieser Klarheit? Alle Wege Frischs beschreibt Schütt umsichtig: den in die Ehe und ins Zürcher Bürgertum. Verblüffend. die es gibt. eine höchst politische und psychologische Zeitchronik der Jahre 1966 bis 1971 zu beginnen. Viel ist in den sich spielen. durch die Beziehungslosigkeit hatte es doch Aussicht durch alles hinzu unserem Vater und durch dessen Tod durch. voll einer milden und herbstlich in die Welt hinaus und in einen einsamen versponnenen Sonne. Als das Haus fertig war. Max. aber dazu fehle ihm wirklich die Zeit. die und zeichnet in einem New Yorker Café journalistischen Anfänge.« Die zweite Sache habe ich geträumt. Max Frisch machte es so: Er stellte in seinem Tagebuch einen Fragebogen an den Anfang. nie habe ich mit ihnen eine neue Dimension erobert. geprägt. wirklich weiterführen kann. als »die unverbindlidurch sein Spiegelbild »begrenzt. Er fühlte sich 1935 sehr weit ins deutsche Wesen ein. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 53 Könnte ich dich packen. Die Schwester des Regisseurs Benno Besson und die Mutter von Frischs letzter Lebensgefährtin Karin Pilliod war bislang fast unbekannt. wenn ich einen prominenten Menschen interviewe. Das Fazit ist leider niederschmetternd: Ich habe keine Seele aufgeschlossen. womit sie ihre Meinung unterdrücken. man würde ihn wegen seines zu großen Penis auslachen. Max!« Suizid – ein Spiel. In der Pubertät massierte er seine Nase. Der Soldat Frisch hält im April 1945 auf einem Grenzstein einen »gemütlichen Hock« mit einem deutschen Soldaten. Was dachte der Soldat Max Frisch so viele Bilder des Au.90 € Schicksal. Klischees hervorzuholen. Im Unterschied zu seinem Freund. »Paris ist ein ideales SelbstmordTschechow über Tolstoi. Frisch hat als Verteidiger der schweizerischen »Der Schriftsteller Max Frisch«. ja. man kitschelt und geschäftelt nicht neben Sterbebetten. aber hilflosen Gewissheit. wenn nicht davon. Seite für nem Sterben aussöhnte. 1960er Jahre Kultur sehr merkwürdige Sätze über die Emigranten in der Schweiz von sich gegeben. Erstmals sehen wir Madeleine Seigner mit Frisch auf Korsika. dass Frischs verständnisvolle Schilderung des »deutschen Wesens« in seinem Schwanken »zwischen Minderwertigkeitsangst und übersteigertem Selbstbewusstsein« ein verdecktes Selbstporträt war. Archive. Frisch Suhrkamp.. das Buch. die Irrungen »den Grundriss der hölzernen Villa mit und Wirrungen der dreißiger Jahre. der die Frisch beim schreibenden Bau eines Todesnähe bei einem Selbstmordversuch Hauses kehrt wieder in den Essays. die den gezeigten Antisemitismus »empörend« nannte und angesichts ausdruckslos betrachtender Berliner sagte: »Wir bewundern solche Disziplin. geradezu zu singen begann: »Ja. Osten gar kein See. Als Glücksdimension sie werden in einen Zusammenhang voller Nuancen dieses Existenzialismus erweist von Matt in einem gesetzt. Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich. 25 Jahre Fragen von Max Frisch. Das erste Haus geistert schicken. ich sehe nicht ein. fürchtete aber. 15. viel Besuch kommt. lief dreimal um den Frühstückstisch und sagte dann. Schon als Kind fühlte sich Frisch de traf. durch ein Zeitungsfeuilleton aus dem Jahr Schütt zeichnet Linien zu den Ver1942. Wie sah Madeleine Seigner aus? Das zeigt Volker Hages opulenter Bildband. Wir sehen die Zeichnungen des Hauses. man trennt sich. die diesen im Stiller so sehr faszinierte. das Haus zu einem Berlin 2011. um das erste Aufklingen des kritischen Frisch der fünfziger Jahre zu hören.

Das Ergebnis: »Die Sauerfruchtproduktion Floridas über einen Zeitraum von 6000 Jahren. Straub operiert also im Wesentlichen mit Nietzsche und Marx. 249 S. M. Sie zitiert Max Goldt. was da verhandelt wird. Einzelexemplare gebracht hat.95 € das lustige pläsier mutwillig zu zerstören« (Wilhelm Raabe). der namens Zimbo Rowohlt Verlag. Sie sind so gut wie alles.. dann treibt es einem Polemiker alteuropäischer Provenienz wie dem Journalisten Eberhard Straub die Zornesfalten ins Gesicht. weil sie es nicht bis auf M Die Zuckerstückchenedition Heutzutage kommen wir Kritiker mit ein paar Gesten gut über die Runden. die Industrialisierung auf dem Gipfel und Nietzsche die Höhe der unantastbaren Individualität ihrer seine unzeitgemäßen Betrachtungen schrieb. Ozonloch und Jahrtausendwende. »Wertabstufung« bis »Wertzuwachs« – zuStraub fahndet nach weiteren Kandidaten sammen fast so wertvoll wie ein kleines für seine Angriffslust. Andererseits haben Goldts Schriften die Eigenschaft. die handfestere Deduktion der Ent-Wertung von Fraglosigkeiten: Die Marxsche politische Ökonomie erkennt die Abhängigkeit einer jeden Wertschöpfung von der Mehrwertproduktion und jeder Wertsetzung vom Handeln auf dem Markt. auch ihre Liebesgeschichte wagt nicht so recht. Dann verlässt die Handlung vollends den Bereich des Wahrscheinlichen: Der 17. Probleme auf. Das Buch empfiehlt sich als Geschenk.54 12. was jede Vorstellungskraft übersteigt: Was passiert. vor und nach dem Kapimit seinen Feinden bis zur Ununterscheidbarkeit. nicht töten. Sie verlieren an Wert in ebendem Maße. Der Markt generiert den »wert« auf. 19. Wie ein Materiarisch zu fassen. Und wenn dies dann als Wertesubstanz des Grundgesetzes aufgerufen wird.90 € Im Zorn geschrieben Eberhard Straubs Essay »Zur Tyrannei der Werte« vibriert vor Angriffslust erte stehen in einem schlechten Ruf. keine Tyrannen. folgt die Volte: ». Tarmac über ein bloßes Generationsporträt hinausreichen zu lassen. Wer wenig Geld hat. als Neurasthenie als Krankheit Mode war. will Eberhard Straub nicht anerkennen.. die einen Po. jemanden zu zitieren.schichte.kann man darüber. wollen zugleich Erfreuliches und Nützliches über das Leben sagen. das die englische Königin zur Hochzeit ihres Enkels trug. dem Individuum seine Wertsetzun. list alter Schule sieht Straub den Begriff des Wertes geprägt von den Produktions. Nicht nur deshalb lobt man VON HUBERT WINKELS W heute statt traditioneller Werte lieber kompetitive Stärken.. wenn die Atombombe einschlägt? »Vorkriegsgeneration« nennt der frankokanadische Autor Nicolas Dickner.Eberhard Das Lemma lautet »werther(i)sch« und ist Straub: wie folgt belegt: »es wäre nicht nur eine gen aufzuzwingen. Angriff auf die Würde des Menschen. aber anderes zählt: Während Dickner in seinem viel gelobten Debüt Nikolski Landkarten und Piratenlegenden mit Phänomenen des Informationszeitalters kurzschließt. eine Zitrone so mit Drähten zu verstöpseln. die einst durch Heinrich Heine in die deutsche Welt kam. »Von Max Goldt entzückt sein« ist zum Beispiel so eine Geste. Wenn nichts mehr hilft. doch die Werte sind der schlechunerwarteten Stellen der Geschichte auf. dass der Autor auf sie Wert legt. um die Energie einer Atombombe zu erreichen. dass man eine Verwandt.. ändert wenig. Da kommt Als ich einmal in Definitionslaune war.Reinbek 2011. den 17. und er schreibt ein Buch über Die Tyrannei der Werte. wenn sie sich dem Punkt der Letztbegründung nähern.und Grimms Wörterbuch weist sage und schreiTauschverhältnissen des kapitalistischen be sechzehn Spalten allein für das Adjektiv Warenverkehrs. Ebendies. Straub sieht die formale Reinheit der rechtlichen Regel durch bloße Meinungen überlagert. und zwiren Autoren sich dadurch auszeichnen. Jahrhundert. und das wußte nie genau. / denn er fühlt wie du den Schmerz. Eigentlich hätte Straub immer dann ein Fest zu feiern. in Tarmac – Apokalypse für Anfänger seine Altersgenossen. 17. was man macht. mal an der moralischen Empörung gescheitert. Sie sind religiös und numemus Marxscher Prägung. spielerischer. Die Schönheit des Buches ist warenästhetisch gemeint: Es ist in einem Gelb gehalten. 2011. wollen wir in diesem Moment ihrer Leser gieren. vierunddreißig Spalten für Komposita von über das eine Gesellschaft sich organisiert. . Und aktuell zorntrei. aber auch nicht schlecht belehren. dass er Teil unserer DNS geworden war«. die humanistische Tradition. was damit eigentlich gemeint ist. und das geht am besten. sagte ich. hilft das christliche Menschenbild. setzt Hope auf den Zufall und erwürfelt ihr Datum. Eberhard Straub ist ein strategischer GedankenGebildet im Sinne verschwenderischer Zitatkunst anarchist.199 S. talismus. Sie sind so nahe an Platons Ideen wie an Auch immer gerne mit dem AntikapitalisRabattmarken. versucht. Tierwelt ihr Fett ab. stellt Mickey fest. Sie sind Joker. der sich hütet. aus einer historischen oder und höherer Kavaliersreisen in die europäische Geintellektuellen Festung heraus seine Angriffe vor. der Relativismus und damit der Nihilismus alles. Max Goldt nicht zu zitieren? Es liegt auf der Hand.der Werte den heiligen geist. dekliniert er in Tarmac die Apokalypse durch.« Kann man aus dem herauslesen. Für Hopes Familie gilt das seit Generationen. Ich lebe in Österreich. ein Talent zur nachten und Krieg zu verstehen.. wenn das Bier alle ist‹. leiht sich dort Furor und Polemik. wie sie beschworen werden. Da ist der moderne Buch. und diese spezifische Originalität von Max Goldt kommt nicht zuletzt daher. die in den Ausläufern des Kalten Krieges mit dem Warten auf die Katastrophe aufwachsen. »Wir hatten so lange auf den Weltuntergang gewartet. verflüssigt hätten. zehn für das Substantiv und einzelnen Wert und das System der Werte. wie er sich selbst zitiert: »Ich sollte eine private Zuckerstückchenedition herausbringen mit aphoristischen Definitionen. Bei Stuttgart 2010.« den Schlaumeiern und Sprücheklopfern Unter anderem aus diesem Ton. Ebendas passiert aber nach diversen Stemmversuchen von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende bis zur Ausländerpolitik des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch kaum mehr. dass sie gut unterhalten.« Die Wikiquote im Internet hält sich nicht daran. Dass der Fall der Berliner Mauer das Ende der atomaren Bedrohung einleitet. Da denkt der Ideenhistoriker aus dem Geist des 19. ein Stil und eine Haltung heim. Frankfurt a. gebeten darauf. Die Dichter. Deshalb klingt immer nach frühem 20. wenn man es zitiert. Es sei heute unmöglich. Das kann man an politischen Diskussionen sehen. ist für nicht wenige Wiener aufregend. sollte man weitergeben. Er zieht eine Guerillataktik vor. schließe ich un. dass Strom fließt. die Differenzierung der Gesellschaft und die Ironisierung aller Verhältnisse. bevor Besuch kommt‹ oder ›Die Überbevölkerung sind alle. Schließlich bleiben saurer Regen. hat der Abendlanddenker Eberhard Straub zutragen. zitiert gerne teste Kandidat dafür.« furchterregenden Polemik. hat damit etwas Gediegenes in der Hand! Das gelbe Buch ist mit einem Zitat von Karlo Tobler versehen: »Zitiere nie Max Goldt zum Scherz. wie man es vom Kleid her kennt. wie viele Zitronen gebraucht würden. Aus demselben Jahrhundert stammt die zweite. Die sogenannte Respektlosigkeit. Sie können nerven. überlassen. Mangas und Wissenssendungen. Jahrhunderts. aber selten gleichzeitige Abwesenheit von großer Liebe. Sehr schön ist das Taschenbuch Max Goldt: Ein Buch namens Zimbo (rororo 25569). wie ›Aufräumen ist. die Dich H TASC ENB U CH Was ist kanarienvogelgelb wie das Kleid der Queen? Richtig: Max Goldts neues Geschenk-Büchlein nicht lieben‹ oder ›Wein ist. Nicolas Dickner: Tarmac – Apokalypse für Anfänger FVA. nämlich der sentimensenschaften mit seinem deterministischen Klett-Cotta.« Diese absurde Rechnung drückt das Ringen um Greifbarkeit dessen aus. Vor diesem schrillen Plot wirken die Figuren Hope und Mickey pubertär blass. auch die Ideen und Vorstellungen des Zusammenlebens. Juli 2001. der auf immer weiteren Feldern zweifellos der unmittelbar vor »Werthöhe«.« nach Karl Kraus klingt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR Warten auf das Ende In »Tarmac« beschreibt Nicolas Dickner seine apokalyptische Generation VON CATHARINA KOLLER ickey ist mehr als fasziniert von Hope: Während die anderen im Chemieunterricht noch versuchen. Im Kolumnenkasten toben sich die Menschen und ihre Meinungen aus. Und das auch noch in jener Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie. Jahrgang 1972. einem Land der allzu einflussreichen Kolumnisten. den man gegen seinen Willen ebenfalls auf das vermeintlich geistig Überlegene. aber von Artistik eleSo wirbelt man einen Haufen philosophischer gant im Zaum gehalten. sich zu entwickeln. der gemäß TierKolumnen so: »Kolumnen sind Meinungspfleger die zufriedensten Menschen auf beiträge in journalistischen Medien. was man trinkt. überschlägt sie bereits. taucht an allerhand zu geißeln. talität und der Wertherschen gelben hosen.. Er tut dies nach Art einer negativen Theologie. nicht zuletzt bei Max Goldt. die es hier einst unter Alltag sei heutzutage wohl so etwas wie die gab: scharfer Verstand. weil er als Bildungsbürger alter Schule um die Anerkennung von Derivaten ehemals tauglicher Allgemeinbegriffe ringt. Um dem Warten auf diesen Wahn zu entgehen. Goethe und die Weltliteratur und alles zusammen oder in verschiedenen Legierungen. wenn wieder einmal deutsche Leitkultur ausgerufen wird. Der schönste Eintrag darunter ist Staat.. Im Zitieren reißt man sich eine fremde Originalität unter den Nagel. deErden sind. Tatsächlich liegt ein Schwerpunkt der Überlegung in jener Zeit vor 1900.99 € Der Skepsis fallen ganze Kategorien zum schaft zwischen großen österreichischen Opfer: »Der Alltag ist eine inzwischen etwas Traditionen und Max Goldt behaupten abgenutzte essayistische Kategorie – ich kann. Max Goldt. Dafür jongliert er mit Bibelzitaten. hieß es bei Horaz. die sich durchsetzen und andere niedermachen wollen. Das ist schade. Die neuen alten Werte sind mal auf der langen Bank des politischen Alltags.Zur Tyrannei impolitesse gewesen. Goldt wird Ende Mai in Wien sein. FRANZ SCHUH . 8. was uns quer zum herrschenden Kartell und verbündet sich frommt und uns belästigt. da die Geschichtlichkeit. schen Zufriedenheit und Glück zu unterdass sie unverhohlen nach Zustimmung Max Goldt: Ein Buch scheiden. bezieht sich auch bei Goldt erfahren. eine positive Idee des Menschen verbindlich zu machen. einen Kolumnisten genannt hat. mehr lemiker auszeichnet. deren Verteidigung bekommt sogar die 173 S. Juli ist plötzlich Mindesthaltbarkeitsdatum auf sämtlichen Packungen japanischer Instantnudeln. und es ist plump. definiert Nach einer Überlegung. Was man von Goldt Nützliches lernen kann. in einem Comic liest Hope von einer prophetischen Schrift mit ebenjenem Datum – Grund genug. der so treffend formuliert. die europäische Aufklärung. Weihmanierierter Umgang mit ihm. warum es besser ist. Einem Familienfluch gleich offenbaren sich jedem Familienmitglied in der Pubertät exaktes Datum und Hergang des Weltuntergangs. den Spuren bis Tokyo nachzujagen. Wenn man demnächst bei Laune ist. eine Sünde wider bend wirkt der Naturalismus der Biowis. kreiert abstruseste Querverbindungen und schafft es so.

publizistischen Nutzen aus einem Erlebnis zu schlagen. Zum Ende hin geht ohnehin alles sehr schnell. und die beiden zelebrieren ihre geheime Hochzeit. Margaux fühlt sich in dieser Kompli. Sie könne ihn ja jederzeit ins Gefängnis bringen. er sei also ganz in VON IJOMA MANGOLD I Darf in einer Geschichte über sexuellen Missbrauch das Wort Liebe vorkommen? ihrer Hand. so lange wird er mich Tiger liegt eben darin. Peter ist dabei ein Meister des moralischen Diskurses. er hat Angst. Er stillt mein Verlangen. Schrecklich deshalb. geboren Ende der siebziger Jahre. dann betrachtet sie ihn mit den Augen der Siebenjährigen. und nimmt Glücksverantwortung abnimmt und dessen Gegensich das Leben. Tiger hat die Autorin Margaux Fragoso.. schleuderte mich herum und freute sich dabei wie ein kleines Kind. ist das Buch auch gender Familienvater in die Brust zu schon fast vorbei. irdische und himmlische Liebe auf perfide Weise in eins gesetzt. wie sie es im jeweiligen Alter wahrgenommen hat. mit dem sie ein Ge. Das liest sich aber so sagen: Das ist doch nur sein Trick. den der Leser als einen Teufel erkennt. was auch andere tun. In dem Moment. sie hätte der Faktizität ihrer Geschichte etwas grell Inszeniertes hinzugefügt. Zusammen lesen sie auch Nabokovs Lolita und das gibt ihnen ein ähnliches Gefühl des Aufgehobenseins in größeren Kontexten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 55 Das Maximum an Liebe Perfide Einheit von sexuellem Missbrauch und Geborgenheit: Margaux Fragoso erzählt die Geschichte ihrer zerstörten Kindheit n Tiger.. Auch diese Loslösungsgeschichte wäre interessant. Engl. Zumal es totale mediale Unschuld nicht gibt. um ihre ihr noch nicht widerfahren ist). chiatrie einweisen lassen. kein Akt der Veröffentlichung ist frei davon. Fragoso: Tiger. er bietet Emozäh und papieren. Das sagt sich immer schnell. die a. wie mir heute klar ist. als ein Eigentum zu verfügen. Ernst: Alles im Leben ist ein Tauschgeschäft. lange er mich attraktiv findet. und die Lektüre ist beklemmend.Lebens hat Peter leichtes Spiel. hat meine Einsamkeit bösartig ausgenutzt. Doch diese Position verweigert der Andrea Fischer. dass wir Fragosos grundsätzlichen tionalität im Tausch für Sexualität! Aber vielleicht Verzicht auf einen diskursiv-pädagogischen Über. beginnend im Alter von sieben Jahren. die sie erbringt.]: Brian Shumway/Redux/laif . Margaux Fragoso kann man nicht vorwerfen. Teil der Gesellschaft zu sein. ein intimes Verhältnis zu dem mehr als 40 Jahre älteren Peter hatte. das Buch nicht einfach für sich schreiben können. die unserem Bedürfnis nach begrifflicher ebenso emotionale. Peter sei wort.dass sie für die Wahrheit zu schwach ist. Das alles ist kaum zu ertragen. aber auch keine schlechte. ihre eigene sexuelle Missbrauchsgeschichte aufgeschrieben. Leser.ist das zu analytisch gedacht. indem sie das Ungeheuerliche des Vorgangs nicht kommentierend benennt und aufbricht. ist das Buch auch Vater der Verdacht kommt. Als er stehenblieb. deine Kniekehlen. Das Buch hat 460 Seiten. hinterlässt er eine Schneise der VerwüsNachgeschichte. Ich möchte dich so sehen. Margaux liest den 23. Ich liebe dich so sehr. Psalm: »Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. das Buch überhaupt geschrieben zu haben? Diese Haltung läuft darauf hinaus. was nicht sein darf. Margaux schafft es über. Ich werde ihm nicht gleichschichte ohne Generalisierungsanspruch zu erzäh. sondern Fragoso beschreibt ihr vergangenes Leben so. nicht stimmt. aber die Eindringlichkeit von Tiger. ob es die alten. die aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt und glücklich ist. ein Pädophiler. weil Margaux diese Filme liebt.FEUILLETON LITERATUR 12. indem sie ihm Zugang zu Sex gewährt Generationen verfolgen. die unbewusst ahnt. Die Erzählerin – das ist zumindest die formale »Fiktion« in diesem autobiografischen Buch – ist nicht klüger als die Protagonistin. nen und muss sich regelmäßig in die PsyA. die Autorin ist dann 23 Jahre alt. therapeutischen und juristischen Kategorien hanPeter sucht nicht nur sexuelle Intimität. Sie zwängt ihm keine anderen Botschaften Sie hat ja sonst niemanden. Frankfurt Margaux’ Vater. sagt Peter zu ihr. Im Suff Tod. ist für Biografie angemessen präzise.« Und noch als Peter. Hätte sie. »Wir wollen«. »so Margaux Fragoso hat Literaturwissenschaft und tun. dass nicht aufgeschrieben werden darf. Von einem intendierten medialen Hype war die Rede. v. der als scheinbarer Glücksbote seines Opfers auftritt: Dieses Verfahren sorgt für eine bedrückende Lektüre. weil er sich an den gemeinsamen Töchtern vergangen habe. Tiger. der sie als Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt. in der das Geheimnis. Erst mit Peters Selbstmord kann sich Margaux langsam aus dieser Bindung lösen.Peter dauerhaft emotional an sich zu binden: Sofähiger Satz. Und dafür andere Formen zu wählen. Wenn man so will – und manche Kritiker hat das an diesem Buch sehr empört – reproduziert Fragoso erzählend noch einmal die Unwahrheit und Ungerechtigkeit. dass ein Erwachsener sie ernst nimmt und mit ihr im Wasserbecken spielt. Wenn Margaux das erste Mal ihrem späteren Peiniger Peter im Freibad von Union City in New Jersey begegnet. Anders sich Margaux darin glücklich einrichtet ausgedrückt: Sie ist keine große Stilistin. um sich am nächsten Tag als sorte beginnen könnte. was Frauen Männern bieten. Margaux vermacht er seinen alten wart die Tochter aus ihrer sozialen Isolierung und Mazda. Und kann man sie kritisieren.gaux. Ungedullich und flüssig zu erzählen. wurde deshalb angeregt. wie Gott dich tende Schriftstellerin. schaltet.nicht links liegen lassen. Ein Vorwurf lautete: Die Autorin setze darauf. passiert. damit Margaux lernt. und sie setzt diese Macht ein. ohne es zu publizieren? Natürlich.Margaux machen kann. sondern reflektiert. geschaffen hat. als der offizielle psycho-pädagogische Diskurs den Opfern andient. nur eine individuelle Ge. was Margaux habe. dass ich dass sie der Zugänglichkeit und Transparenz ihrer dich genau so sehen will. das sie teilen. weil der Mann. war die Welt aus dem Gleichgewicht geraten. sagt die Mutter. Foto [M. Tiger aber nicht. aber auch einen ersten Freund. Sie geben ihr das Gefühl. aber doch in seiner psychologischen Detailarbeit höchst aufschlussreich. wenn sie Wie Peter diesen moralischen Eisie ohne den Einsatz auffälliger literarigenkosmos rhetorisch aufbaut und wie scher Darstellungsformen erzählt. ihr gesteht.« Ein Kinderschänder im Glorienschein der Erlösung. dass es jemanden gibt. sieht Margaux darin einen Vertrauensbeweis. Treue heißt für ihn. dass Margaux über die sexuellen Dienste. (weil etwas Besseres als dieses Schlimme aber Schriftstellerin genug. die Reflexionsgeschich. dass es ein Tauschverhältnis ist (aber mal im schreiben meiner Erinnerungen habe ich versucht. hat es für viele Diskussionen gesorgt. Roman. Seine körperlichen Interessen werden als metaphysische Liebesbedürftigkeit überhöht. doch das Einzige. dass sie weiß. M. weil dieses pädophile Ausnutzungsverhältnis tatsächlich das Maximum an Glück für das arme Kind darstellt. auch Sie versteht vom Schreiben so viel. zuverlässig schweigt und nicht »Verrat« übt. 24. wenn Peter und Margaux sich Pornos anschauen. Ihr Mann. wie Literatur fremde Erfahrung seinssprung kommt und sich die Autounserem eigenen Bewusstsein zugänglich rin bewertend in die Vorgänge ein. zum kostbaren Rückzugsraum von Vertrauen und Nähe wird. Die fürchterlichsten Momente dieses Buches sind die Videositzungen. hingegen kann mit ihrer neuen Selbstständigkeit Geschickt baut er die Mutter mit ein. in dem Fragoso mit einigen psychologischen. Ich tue doch nur. Sie ist keine bedeuPlaneten. in Gänze. Als das Buch in der englischsprachigen Welt erschien.gültig sein. Das Verallgemeinern überlässt Fragoso dem zenschaft als moralisches Subjekt ernst genommen. geht sie mit Peter in eine Kirche. Peter der Zurückgezogenheit und Zärtlichkeit zu bieten. Margaux einen Ort takt zu Peter. sich mit dem Thema ins Gerede zu bringen. heimnis teilt.90 € tung.« Geschichte den größten Dienst erweist. Tiger ist ein gutes Beispiel damit es endlich zu einem Bewusstdafür. Auch deine Füße. Sie schreibt nicht: »Dieser Schuft. Es liegt aber auch ein moralisches Recht darin. wie du bist. und bevor die Erzählerin und der Leser auch autistischen Verkapselung herausreißt. der eine Politik der expliziten Offenheit verfolgt. Selbst der Eremit in der Wüste wehrt sich nicht gegen Berichterstattung . Als Margaux 14 ist. mit einer dig wartet er deshalb darauf. tief verwurzelten Muster von Leiden und einem gefällt oder nicht) und dass sie Macht über Missbrauch aufzubrechen.oder verweigert. Er zeichnet dem jungen Mädchen ein schlimmes Bild der Welt.. d. Die erzählt Tiger. die in ihrer nur sehr schlecht umgehen. Zwar weiß auch Marbau dann doch wertschätzen: »Durch das Nieder.464 S. der ihr die pädophilen Taten auffliegen könnten. ihre damaligen Erlebnisse werden nicht durch retrospektive Einsichten gedeutet oder erklärt. 2011. solange ich sein Begehren wecke. Margaux nur einmal durchatmen und eine Moral von der und Peter sehen sich fast täglich. sagt er. stehen dem Leser die Haare zu Berge. wie diese Filme zeigen. Während sich die 12-jährige Margaux glücklich geborgen in Peters Arme kuschelt. Fragoso erzählt streng aus der Perspektive der Protagonistin. klemmte mich unter seinen Arm. Und wenn dem Geschicht formulieren könnten. Es gibt dann tatsächlich noch ein kurzes Nach. um antwortungsbewusster und verallgemeinerungs. Als Außenstehender würde man Klärung entgegenkommen. die meine Familie seit Peter hat. in denen sie. der jungen Margaux als ein Engel erscheint. Das heißt. ist ein trauriger und zugleich gewalttätiger Charakter. über das. dass seine Apathie froh ist.auf als die Faktizität ihrer Lebensgeschichte.werfen. Sie ist dann Teil einer symbolischen Ordnung. Das ist grauenvoll. als mit Peters FVA. Ihre Erlebnisse also nicht mehr Tiger Margaux’ Mutter leidet an Depressionur notiert. sondern tiert. dass sich Unmittelbarkeit. Angesichts dieser Dauerhölle des häuslichen raschender Weise aufs College. anschauden Leser schwer erträglich. Das ist ein heftiger Stoff. weil die Gesellschaft diese Art der Liebe nicht zulasse.len.« Stattdessen beschreibt sie die Schwimmbadszene so: »Dann schnappte mich (Peter). der weitaus längste Teil erzählt von den 14 Jahren. dass seine erste Frau ihn verlassen habe.« Das ist bestimmt ein ver. als wäre die Geschichdas Alter der Erzählerin und das Alter te in unserer eigenen Nachbarschaft der Protagonistin langsam annähern. was einem widerfahren ist. als wären wir auf unserem eigenen kleinen Kreatives Schreiben studiert. dass mit Peter etwas schon vorbei. und ein seltsames weißes Licht umstrahlte sein Gesicht wie eine Korona. sie hat weiter Kon.

meinem Leben!« Wie bei so manchem Eilig ist sein Leben imkreativen Geist verbarg mer gewesen. Tel. Martin Hinz Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH. Katharina Schuler. Cosima Schmitt. kein fachärztlicher Befund. Seine gletscherfarbenen Haare fielen ihm braune Elfenkörper unter Wüstensonne. charterte er ein Flugzeug für wurde 78 Jahre alt. die er sich immer gemacht hatte. Daniel Erk (Online) Alice Bota. Was bleibt? Die Astrologie! Von ihr war er übersich vollendet. sein Studio. Jessica Braun. mehr für seine Frau und die antion. Metallkräne.). Rom. Dafür danke ich dem Schicksal. 10117 Berlin. Ulrich Greiner. Sina Giesecke.zeit. Marcus Gatzke (Wirtschaft). E-Mail: blumegeorg@yahoo. 75015 Paris. Chef redakteur). Tina Groll (Karriere). Burk hard Straßmann. AssistenSt. womöglich werde er es weiter gegen den mit Cowboy. Thomas Groß. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft).: 0044-7802/50 04 97. Tel.wünsche mir keine Vollendung. Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart. rutschte ihm die Bemerkung heraus: »Ihr müsst wissen. seine Sammlungen te er. Meike Dülffer (Textchefin). Gerhard Jör der. Fax: 007-495/974 17 90 Österreich-Seiten: Joachim Riedl. »12.teuwsen@zeit. Hin und wieder wischte er sich mit der rechten Hand über die Nase und schaute hinaus rück an einen Satz im Flugzeug damals bei der Reise nach St.Sachs gern in Gstaad auf. Karin Geil. Oliver Nagel. wo immer er konnte. wenn nicht Glück verlassene Freunde. klären. eine verehrte Bob Wilson.riedl@zeit. Dabei hätte Zigarettenschachtel. Beim Dinner durch schickte er auf eisaß er in der Mitte des groner altmodischen Postkarßen Tisches. Vorn das Geäst der und von seinem Platz ganz hinten hatte er alle alten Olivenbäume. Katrin Hörnlein Feuilleton: Jens Jessen/Moritz Müller-Wirth (verantwortlich). Kein Vergleich zu der Mühe. dass Vielleicht waren es zwölf. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. Birgit Vester. Ungarn HUF 1605. Lebensart. Jungclaussen. Dietmar H. 10004 New York. Handynummer – das war alles. Reporter: Dr. Mit welchem Sternzeichen wird eine Selbstdiagnose. Adrian Pohr (Video). 20045. Suite 851. Alexandra Endres. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Der Letzte seiner Art Ein Mann.de/audio Foto: R. 153 S Dean St. man besonders gern Jurist.20 ISSN: 0044-2070 Fotos: (Ausschnitt) Rainer Binder (großes Foto). 129 00 02 07. Parvin Sadigh (Gesellschaft). Video. KG. Afrika war es nicht. Mark Spörrle Jeannette Otto.de © Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. webiegt er ein in Richtung Moderne. V. Angela Köckritz. Harro Albrecht. Martina Schories (Bild. Tel. Schmidt (Kulturkorres pondent). Christian Bangel. Dr. Petersburg.de New Yorker Redaktion: Heike Buchter. hatte lange ein Beduinenzelt gestanden. Matthias Weidling Empfehlungs anzeigen: iq media marketing. Anna Marohn. Christian Röpke Verlag und Redaktion: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Sascha Venohr (Entwicklung) Geschäftsführer: Dr.ca Abonnement USA DIE ZEIT (USPS No.00. Tel. der ewige Kümmerer. Nun ja. Gunter Hofmann. Wie es hinter seine Factory seit knapp dem Horizont weiterging. Bartholomäus Grill. Frank Siemienski.10. Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer. Trend versuchen. Postbank Hamburg.O. Fax: 030/59 00 00 40 Frankfurter Redaktion: Mark Schieritz (Finanzmarkt). 940 National Press Building. Frank Drieschner. in sicherer Entfer. doch ruhig mal öfter anzurufen. Nele Heitmeyer. Paris. vom Bojen vor sich hin dümpelten. Von den Terrassen seiner beiden Beach. Österreich € 4.und Winnetou-Bildern ist komplett. de * 0. Freunde. Dr. Christoph Drösser Dr. Konto-Nr. Tel. Redakteur). Tel. Rainer Esser. Niederlande € 4. Vor wenigen Wochen kam seinem Esprit und seiner Eleganz die Nachkriegs. Darf man das? Er hätte gewollt. 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Als Sachs damals mit diesem Thema Lebensfreude hatte sich offenbar verbraucht. frei von Konventionen: Der großzügige Lebenskünstler Gunter Sachs ist tot VON HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS St. Dr. Eingang Speersort 1. Christian Spiller (Sport). Belgien € 4. Daniel Angeli/Agence Angeli (r.com Einzelverkaufspreis Deutschland: € 4.com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. der mit irPalm Springs. Er konnte nicht dem höchsten Scheidungsrisiko. E-Mail: leserbriefe@zeit. Norwegen NOK 60. Perger. kommt die Erinnerung zufühlte. Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) Tanja Stelzer (Stellv. stets stilvoll. aus dem deutschen Mobilfunknetz Abonnement für Österreich Schweiz restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice 20080 Hamburg Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. ein Ge. Erwin Koch. Fotoredaktion: Michael Biedowicz (verantwortlich) Özlem Topçu. Eschersheimer Landstr. Über die deutschen Expressionisten findet er kästen vor den Fenstern. Dr. E-Mail: stefan. h. Domenika Ahlrichs (Stellv. Florian Fritzsche. Anette Schweizer (Reisen). Kronengasse 10.00 Ausland: Dänemark DKR 43. Der entschied Gunter Sachs. Manchmal meldete er sich über Monate der Leine führt. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. René Dettmann.und Öffentlichkeitsarbeit: Silvie Rundel Herstellung/Schlussgrafik: Wolfgang Wagener (verantwortlich). war er glücklich? Schräg hinter seinem Pool konnten. Mitglied der Chefredaktion). Kirsten Haake. Aber nach diesen wilden Jahren nicht. Dr. Ulrich Ladurner. 20079 Hamburg. holte Sachs eine Kamera hervor. Ein Leben habe Roger Vadim. Sven Stockrahm. Wenke Husmann . Zwischensegnet war. BLZ 200 100 20 Börsenpflichtblatt: An allen acht deutschen Wertpapierbörsen ZEIT-LESERSERVICE Leserbriefe Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Anne Gerdes. Fax: 030/59 00 00 39. Blumengas. (Computer). All die Cocktailpartys! »Mein Gott! jetzt geschah. Reisen). ZEIT Campus).von. Ruten berg. Gisela Dachs. Anzeigen: DIE ZEIT. Claus Spahn. St.de. Christian Denso.schieritz@zeit. Bernd Ulrich Christiane Schott Chef vom Dienst: Chancen: Thomas Kerstan (verantwortlich). Moritz Müller-Wirth Michael Allmaier.30. Tschechische Republik CZK 175. Adam Sobo czynski (Koordination). Dem Mann. Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich).noch einmal eine Nachricht. Dr. Fax: 069/24 24 49 63. Tillmann Prüfer (Style Director). Hartmut Neitzel. Tilman Steffen. was immer mehr. Hanno Rauterberg. Ontario.: 0033-972 23 81 95. Stefanie Flamm. Ob er ben. Jutta Schein. 39.eine astrologische Kraft. Zu. Er hatte Geld. Ein Selbstgefühl sei es gewesen. Spanien € 5.: 030/59 00 48-0. Lisa Wolk. Grobkörnige Bilder. Aber. Khuê Pham. Markus Horeld (Politik). sehen konnte. Er ersteht seinen ersten Druck. war ein großzügiger Mann. Großbritannien GBP 4. Dr. erlebt und & Sachs AG.Reihen im Blick.« Was hast du aus deinem Leben gemacht? Die Gehäuse aufzustellen. Washington. Matthias Breitinger (Auto).« Gunter Sachs tersburg eröffnete. KG. Frank reich € 5. Christine Meffert Internationaler Korrespondent: Matthias Naß (Textchefin). Heinrich Wefing Redaktion ZEITmagazin: Dorotheenstraße 33.95. eine Pointe.70. die sich von München aus mit ihm auf Eden.de. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer. Marion Gräfin Dönhoff (1909–2002) Dr. wer ist am wenigsten mehr so wirken und leben. PO Box 9868. Robert Leicht Dr.de Washingtoner Redaktion: Martin Klingst. Sabine Rückert. Sebastian Horn. 0. Katja Nico de mus. Tibor Bogun. Anne Fritsch.weniger für sich. CH-5400 Baden. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik). weil er sich da sicher Aufforderung.kleinen Tunnel verbunden. gemeinsam verantwortlich. Englewood NJ 07631 Telefon: 001-201/871 10 10 Fax: 001-201/871 08 70 E-Mail: subscribe@glpnews. Rainer Esser Verlagsleitung: Stefanie Hauer Vertrieb: Jürgen Jacobs Marketing: Nils von der Kall Presse. Wolfgang Lechner (verantwortlich) ZEITmagazin: Christoph Amend (Chefredakteur).20. Skulpturen von ineinander bezeichnete.randow@zeit. Slowenien € 5. Er. Dr. 19. Achiltibuie by Ullapool. Carolin Ströbele (Leitung: Kultur. Urs Willmann Tomas Nieder berg haus. c. Tel. BLZ 600 400 71. hielt sich Gunter Schlachtenszene von Eugène Delacroix. Dr. Reinhard Bardoux. zwölf in meinem ganzen man seinen Schritt akzeptiert. A-1090 Wien. 20095 Hamburg Telefon: 040/32 80-0 Fax: 040/32 71 11 E-Mail: DieZeit@zeit.56 12.20. Auch hier war Platz für mal er ja gern um die Häuser zieht. E-Mail: johnf.1 Megapixel.: 069/24 24 49 62. Es folgen Picasso bleu und rose. 11.« Das reiche dieser Mann in dem blauen Blazer und dem weit heute aus. Bildbearbeitung: Anke Brinks. kleiner als eine ein Bonmot nachsichtig abwarten. 01067 Dresden. Schweiz CHF 7. Peter Kümmel. Vielleicht war es ein erstes Zeichen für das. 60322 Frankfurt a. Tel. Finnland € 6. »Spanien womöglich«.00. max.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur). Iris Mainka (verantwortlich).: 0041-562 104 950. Wilfried Herz.: German Language Pub. Istanbul.Häuer. E-Mail: archiv@zeit. So verharrte er. Residence Palace. Frida Thurm (Nachrichten). Moritz äbe es ihn. Fax: 040/32 80-404. Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich).: 0091-96-50 80 66 77. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). Jörg Burger. E-Mail: reiner. Kanarische Inseln € 5.Leben!« Es klang wie ein Schwur! Vielleicht waren schlusshandlung gewesen. damals. das erschoss sich.bittner@zeit. Gerd Bucerius † Ijoma Mangold. Dr. Art-Direktorin: Katja Kollmann Matthias Krupa.20. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. dass man und kündigte einen Abvom Platz des Hausherrn stecher in sein Atelier südaus den Leuchtturm auf lich von München an. dahinter. Ulrich Bahnsen. Ostra-Allee 18. Broadway.00. Tel. Michael Schlieben (Reporter).de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404. Buceriusstraße. Postmaster: Send address changes to: DIE ZEIT. Volker Ullrich Berater der Art-Direktion: Mirko Borsche Art-Direktion: Haika Hinze (verantwortlich). Dr. die er in wähnt. Srednjaja Perejaslaws ka ja 14. Jan Roß Gestaltung: Nina Bengtson. Bevor er auf Reisen ging. Fax: 0032-2/230 64 98. Fritz Vorholz Reporter: Tina Hildebrandt. Dr. Jana Simon. Kaum jemand. 1972 Bei Dreharbeiten in Norwegen. Jörg Lau. Arnfrid Schenk.. Klaus-D. Dagmar Rosenfeld.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen. Irgendwann an seine Frau und ihre Stiftung Kinder in Not. Fabian Mohr (Entwicklung. Mariam Lau.de ZEIT Online GmbH: www. Fax: 00972-3/525 03 49. Schweden SEK 61. Helga Ernst. 56 vom 1. Wolfgang Ucha tius Götz Hamann (Koordination Unternehmen). Gunhild Lütge. er nickte. Hanno Hammacher. Neu-Delhi. E-Mail: angela. E-Mail: mark. Theo Sommer (Editor-at-Large). Tel. Kerstin Bund. 4 –6. Redaktionsleiterin). die Ballettmädchen von De. E-Mail: hbuchter@newyorkgermanpress. Zufrieden sah er dann aus. Katrin Guddat.de Wochenschau: Ulrich Stock (verantwortlich) Geschichte: Benedikt Erenz (verantwortlich). 129110 Moskau. Gunter Sachs. Umgeben von Freunden. Aagaard/Keystone Pressedienst Foto (Ausschnitt): Rudar/StudioX Foto: Keystone/Picture-Alliance/dpa Foto: Monti Bild/Keystone Pressedienst Junge Leser: Dr. Christoph Dieckmann. Elisabeth Niejahr Dorotheenstraße 33. Philipp Schultz.20.: 0044-2073/54 47 00. Arnavutköy 34345. Alserstraße 26/6a. ein kleiner Pavillon für Yoga und Medita. dieses sich in seiner Seele ein meGefühl konnte man halancholischer Kern. Er habe sich befreien wollen von dieser zeugt.de Abonnement Jahresabonnement € 187. Tribut an das Alter seiner Frage beschäftigte ihn mit zunehmendem Alter Freunde – und an das eigene. Tel. Dagny Lüdemann. Chris tian Schmidt. 1966 Mit Brigitte Bardot. Tanja und Kirstin. Er sammler. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG.schirmer@zeit.nicht seine Art war. Meike Fries (Studium). Verganleicht ins Gesicht. Wo. der mit seinem Vieux Chalet. Jan-Martin Wiarda Die ZEIT der Leser: Dr. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich). Posta kutusu 2. Dr.M.50. Dossier: Dr.40. Nina Grunen berg.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto. M. Jürgen von Politik: Bernd Ulrich (verantwortlich). Tel. Wasser. »Ich habe die meisten zum Leuchtturm. Helmut Schmidt Dr. wie er sie Wahl. Tina Klopp. Philip Faigle.de.Dank dafür? Gunter Sachs wusste: »Der Retter ziger.70.00 per annum. Andrea Böhm.de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann. Josef Joffe Kulturreporter: Dr. scheinbar endlos genheit. Roland Kirbach. 1969 Gunter Sachs (1932–2011) im Jahr 1972 in St. seinem Vater gehörte die Fichtel Dinge. Dr. Dorothee Schöndorf.60 (inkl. Scheinwerfer und Fotos. Heuser (verantwortlich). war Extrovertiertheit schickte eine Mail. Dr. Portugal € 5. 1040 Brüssel. Jochen Bittner. Griechenland € 5. Filme. Werner A. Heike Faller. Klaus Harpprecht. D.: 007-495/680 03 85.14 €/Min. Matthias Stolz. Susanne Mayer (Sachbuch). die nicht mehr hier. Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr. dischen Gütern reicher gewieder Gstaad.: 0032-2/230 30 82. die Armada der Luxusjachten. Subscription price for the USA is $ 270. Martin Spiewak. Seine Fotos im Marmorpalast des Russischen Museums! Gut und gerne 100 Paswww. Dr. murmelgeöffneten Hemd gewiss einiges zu sagen gehabt. Kerstin Kohlenberg. Lon don. Petra Pinzler. Zwei Chalets. KG. Jasmin Müller-Stoy (Koordina tion Außen politik). Stefan Willeke (verantwortlich). die an den half. Titelgeschichten: Hanns-Bruno Kammertöns (Koordination) Ilka Piepgras.thumann@zeit. Ulrich Schnabel. Christian Tenbrock Autoren: Dr. E-Mail: peer. Ludwig Greven. Rue de la Loi 155. rue Cambronne. er wird Kunst. David Hugendick (Literatur). Christiane Grefe.42 €/Min. der nung. seine Honorare reichte er weiter schenk des Königs von Marokko. E-Mail: michael. Grafik. die er in seinem Abschiedsbrief er. Reiner Luyken. unerhörten Blick auf die Bucht. was eigentlich verschlungenen Körpern. Pascal Struckmann. vielleicht auch. Italien € 5. Hauke Friederichs.: 001-212/269 34 38. Er auf die ZEIT zukam.de Europa-Redaktion: Dr. 525 52 52. Hamburg Geschäftsführer: Dr. welches verbindet sich mit Aber Sachs hatte sich entschieden. Peking. Gunter Sachs habe eine neue fremd.20. Marie. Mechthild Fortmann. Englewood NJ 7631. Chefredakteurin). Tropez. der so auste Grüße aus Bora Bora gerichtet war. Kurhessenstr. Ehemalige Models. Es war wie eine das gefiel ihm. Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse. Christoph Dowe (Geschäftsf. Dieter Buhl. Sein Buch mit dem mathematischen Beweis für Krankheit. Karsten Polke-Majewski (Stellv. Peter Dausend. Hans Schuh-Tschan (Wissenschaft). Tropez gewiss in die engere ten. E-Mail: gero. dann käme sein Anwesen in den Weg machten. befand er. Politischer Korrespondent: Lamparter.. Thomas E. August 1966 St. aber Sachs blieb wach. den er an lein. Kolja Rudzio. Marcus Rohwetter. »ein buntes Völkchen«. von denen ich geträumt habe. wie er es wollte. der anderen Seite der Bucht Mit Ehefrau Mirja.50.de. Tel Aviv. Wolfgang Büscher. Slowakei € 6. Prof. 1955 Kostümball mit Mirja. Multimedia-Formate. die Begegnungen mit Dalí und in Gstaad tot aufgefunden haben. Steffen Richter (Meinu ng).de Weitere Auslandskorrespondenten: Georg Blume. Nicole Hausmann.klingst@zeit. zwei Bodyguards engagiert.00.luyken@zeit. Tropez. sagen jene. 10117 Berlin. Jutta Hoffritz. Anita Blasberg. Konto-Nr. Rüdiger Jungbluth.besorgte Anwälte. Susanne Gaschke (verantwortlich). 0014259) is published weekly by Zeitverlag. E-Mail: joachim. Henning Sußebach E-Mail: zeitmagazin@ zeit. für Studenten € 119. Gstaad. Er hörte lieber zu. die Häuser mit einem zu den Surrealisten – Sachs ist angekommen. Birgit Schönau. Aus der Schublade seines Schreibtisches lange konnte er jemandem zuhören. Für diese Reise hatte er.jungclaussen @ zeit. Anfang der Neun.deren Anvertrauten. Eine Assistentin zeit so viel heller machte. da er tot ist. einfach zu lange her. was dann kam – diese Frage wollte er gelegentlich 30 Jahren. E-Mail: jochen. Im Flugzeug dösten die beiHäuser an der Plage de Pampelonne hatte er einen den Guards vor sich hin. Uwe J. mit verwunschenen Bildern. die Gunter ihm die legendären Geschichten. Tel.50..

erzählt er mir. die Häuser der Reichen. Die jüngste Umfrage ergab. dass er die Ägypter davon ablenkt. Und will ich wirklich meine Wurzeln in einer autokratischen Sklavenhaltergesellschaft entdecken?« Ekramy sieht das anders. Wir beide wissen. Nichtsdestotrotz bestanden die Aufklärer des 18. erzählt Bassem über das Massaker. sagt Dalia. aber die Pyramiden sind etwas anderes. Sie übersetzte einen Comic über den Montgomery-Busboykott ins Arabische.« Die Korruption in Ägypten. dass zwar 38 Prozent der Ägypter für eine Regierungsbeteiligung der Bruderschaft sind. »Er war es. was sei mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinig. sie waren den nationalen Diskurs nach rechts drängen. »Yes nehmen und die Geduld nachlässt. »Das Referendum (zur Änderung der Verfassung. dass einer meiner Gesprächspartner sich bereitwillig zu jedem beliebigen Thema zitieren lassen wollte. ein anderes leiter in Mohamed ElBaradeis Wahlkampfteam für einen großartigen Blick über den Nil. auf der sie von Martin Luther King hörte. Stammten die Präsidentschaftswahlen. Red. »und es war während dieser Revolution schämten wir uns alles Ägyptischen. Dalia erinnert mich daran.Gamal zu verdanken. als sie einen Aufsatzwettbewerb gewann und zu einer Konferenz in Kairo eingeladen wurde. Dalia Ziada leitet das Nordafrikabüro der Amerikanisch-Islamischen Konferenz. fragt mich Mohammed. erzählt Dalia. um arme Frauen über ihr Wahlrecht und gebildete Frauen über Wahlkampfmethoden aufzuklären. jenem umstrittenen Verfassungszusatz. ich wäre Alexander Hamilton«. Sie können nicht abreisen. Er hat Artikel gegen den Antisemitismus publiziert. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch I m April brach ich auf. ein enttäuschendes Ergebnis: Von 1300 Teilnehmern. sei ein seit Langem bestehendes Problem. Amr glaubt. Die allgemeine Freude ist in der nung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. Die Schattenseite. gibt er zes entfernt liegt Zemalek. dieser Gedanke ist neu für sie. »die einzige funktionierende Institution in diesem gottverlassenen Land«.« – »Die Revolution ist großartig. Die Erfahrung ist die Kluft zwischen den Reichsauf dem Tahrir-Platz ein Transten und den Ärmsten in Ägypten parent: »Wir wollen weder von den der Revolution geringer als in den USA. um anschließend mit einem Doktorandenstipendium an die Universität von Chicago zu gehen. in Ägypten ein mutiger Schritt. die Mittagshitze zu greifen. »Es sollte ein Wendepunkt der Revolution darstellte. das Datum der Revolution. Das öffentliche Mittagsgebet be. Einer der Gründe. »Sie hatten sich orga. meinen James Madison. dass ich überrascht war. den Ras. die genügend Nahrung. warum sich schnaufpause wurden die Freitagsdemonstrationen die Armee seinem Versuch widersetzte. mit all den Sternen am Himmel. die apathischste Gruppe in diesem Land. die Bausch und Bogen ablehnen. »Ägypten war ein mutloses den dortigen Aufstand auslöste. und alle machen mit. den wirtschaftlichen Status der Familie zu festigen. Seit nicht als Gemüsehändler auf der Straße. und Autos ausgelassene Stimmung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 57 Gegenwärtig besuchen viele Ägypter. dessen jüngste Entscheidung im Fall »Widersprüchliche Identitäten«. nur sollte sie möglichst geräuscharm aus. »Vor dem 19. als wir selbst es tun.« Es hat die Anhänger der säkularen Opposition sie nicht in Demokratie unterstützt und den Befehl erteilt. wer Elbridge Gerry war.Trotz. Die Ägypter blicken auf Jahrhunderte guter im Rest von Kairo. Aber sie arbeiten daran: Dalia hat Programme ins Leben gerufen. der die Demonstranten bindungen bis zu demokratischen antrieb. dass es noch Jahrzehnte dauern wird. »Niemand weiß das«. ob ägyptische Männer Angst vor Frauen haben. eine Insel mitten im Nil. um den Tahrir-Platz zu verteidigen. aber und anderen antiken Sehenswürdigkeiten führt. um in Ägypten zu erkunden. uns hier nicht. ohne sie gesehen zu haben.« Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Zuletzt erschien von der Amerikanerin Susan Neiman »Moralische Klarheit«. um die Revolution zu sehen. wurde mir in dem Moment klar. Diese Verbeslassen sich die ägyptische Fahne serungen sind im Wesentlichen der aufs Gesicht malen. verfasste aber auch herrliche Lobgesänge auf den Deismus. Tatsächlich Landes. von heute aus gefragt: Sind die jüngsten Nachrichten aus Kairo über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen der charakteristische Ausdruck für ein Land im Umbruch? Ich glaube eher nicht. sagt Amr Bargisi. Junge Männer spazieren Hand in Hand mit ihren in farbenfrohen Hijabs gewandeten Frauen umher. verfallenden Häusern fallen. Wasser. der die Verfassung nicht unterzeichnete. weil sie keinen Grundrechtekatalog enthielt. den Motiven von Fremden mit Gast. Für Kant überstieg die Erkenntnis Gottes die menschlichen Fähigkeiten. Ohne dieses Bild verlöre sie ihren Daseinszweck. das Feuer auf die Demonstranten am der Gestank«. die eine ben. die Methoden des gewaltlosen Kampfes zu erlernen und weiterzuvermitteln. Viele Menschen trauern noch. von der sich für die Neuerfindung von Traditionen zehren ließe? »Die ägyptische Zivilisation ist eine französische Erfindung«. Vom Fremdenführer bis zum politischen Aktivisten sprach jeder Ägypter. sagen die schaft zu übernehmen. hatte er Ingenieurwissenschaften studiert. musste am eigenen Leib eine Genitalverstümmelung erleben – doch diese Praxis auszumerzen ist nur eines ihrer Ziele. warum selbst hat sich das Militär vorbildlich verhalten. rechnen in Jahrzehnten. »Dass es ernst war mit der Revolution. aber dessen Lauf vor zweihundert Jahren geändert wurde.« Der Mann ist halb so alt wie ich und weiß wie viele seiner Mitstreiter nicht nur so viel mehr über uns. ergänzt Dalia. Seitdem Tausende gewesen – der Hauptgrund. als verGründe zurück. und wenn der Revolution hat er wenig Arbeit. Sie schenkt mir ein ungläubiges Lächeln. war ein Stück Land und etwas Wasser. dem es oblag. »In Kairo arbeiten Land«.« Je nachdem. er weiß sogar mehr über uns. die sich seit Langem mit der Aufklärung beschäftigt.schiedene Leute vorschlugen. »Bis zu ist erschwinglich«. KonUSA noch von der EU regiert lässt das Volk zum werden.meine Kontaktpersonen.« Revon sich selbst verändert«.ziere setzten ihre Vorgesetzten unter Druck. die Amr viel mehr beunruhigt. doch seine Kant-Lektüre überzeugte ihn davon. die in Ehren halten. »Die Revolution hat das Bild der Menschen jemanden. die ihre Enkelin die Stufen der Pyramide hinabführt. in der Wüste zu schlafen.« men als früher: Klimaanlagen sind bewusstsein spüren Auf dem Tahrir-Platz herrscht kein Luxusartikel mehr. Als Philosophin. vor der Revolu. »Wir Citizens United über die Wahlkampfwerbung von wissen nie. die Armee einfach einen Herrscher abgesetzt. dass die Revolution in den Händen nahmen die Kontrolle des Militärs über eine gedes Volkes bleibt. So viel zur islamistischen Ablehnung der Götzenverehrung.« Dennoch ergab eine Befragung. obwohl wir ihre Völker sumgüter sind leichter zu bekomersten Mal Selbstvon Herzen lieben.« Kleinlaut räume ich ein. während ihre Eltern Lieder und neoliberalen Wirtschaftspolitik von Mubaraks Sohn Reden anhören. d. Mohammed und Mustafa haben mir angeboten. ob wir Paris am Nil sind. »Aber sie sind eher wie die Republikaner im US-Kongress. der die Scharia zur Grundlage des ägyptischen Rechts erhebt. dass er sein Leben nicht auf instrumentelle Erwägungen gründen wollte. Zwar beeindruckt sie die Festschreibung des Religionsgesetzes in dem kürzlich abgehaltenen Verfassungsreferendum nicht. »In Ägypten erfahren wir von Malcolm X. berichtet der Soziologe Todd Gitlin.« Auf dem Bild Israels als des ewigen Feindes beruht die Macht der Armee. auf Arabisch. und sie scheint ihn so köstlich wie unmöglich zu finden. aus Furcht. doch bereut er ihr Eigentum konfisziert würde. um das Freude ist nicht das einzige unübersehbare Gefühl Heft nur noch fester in der Hand zu halten? Nicht auf dem Tahrir-Platz. »Tunesien ist ganz ginnt mit der Bitte: »Möge Gott unsere Herzen von anders«. der nicht nur die Kopten. »Wer bist du. sagt Ekramy.« Die gepflegten Gärten und prächtigen Diese jungen Wortführer verdienen jede Unter. Als ältester Sohn. dass seine MaßOrganisatoren. von wem die Schätzung stammt. erklärt. der es von der Polizei zurückerhält. »Man roch zweites Tiananmen werden. die die Sphinx beäugen. »Sie wollen die Regierung nicht übernehmen«.« Im versmogten Kairo ist kein einziger Stern zu sehen.« kommt die Antwort unverzüglich: »Geht mit gutem Nicht weit vom Staub und Lärm des Tahrir-PlatBeispiel voran. Ob wohl auch Ägypter die Pyramiden besichtigen? »Am schönsten ist es um fünf Uhr morgens«. »Das sind meine Großväter. und die Juden erfüllen diesen Zweck. der Mossad stünde hinter den jüngsten Haiangriffen im Roten Meer. wie die Muslimbruderschaft Gefühle ausnutzt: Sagt Ja zu Allah. Ich frage sie. dem äußeren Anschein zum tion hätten die Ägypter.« Seine waren Beduinen. dass Ägypten auf eine lange Tradition des religiösen Pluralismus zurückblickt. wie der Westen Ägypten helfen kann. 50 Prozent jedoch die säkulare WAFD-Partei bevorzugen. heißt Antisemitismus. dass der ägyptische Antisemitismus tiefere Wurzeln hat als die Ablehnung der israelischen Politik. doch wären es ohne die Muslimbruderschaft Rebellion innerhalb der Armee befürchteten. doch sind sich alle einig. Auf der anderen.Häuser auf Zemalek stehen in so scharfem Gegensatz stützung. Die Polizei jagte Zwar grollten viele Menschen dem Imperialismus. meint ein Kairoer. dann wüssten sie nichts. Julian Roeder/Ostkreuz [M.] . mit einer in Zeiten politischer Umwälzungen seltenen Reife von der Geduld. Dalias Leben erfuhr 2006 eine Wende.« Gibt es eine antike Zivilisation. steht auf der einen Seite. rechnete ich mit einer postrevolutionären Malaise. Als man die Statuen fand. mir die Pyramiden und die Sphinx zu zeigen. wie so viele Völker. aus den wohlhabendsten Familien? »Zemalek sismus der Kolonialmächte verinnerlicht. sondern aus Patriotismus unterstützt man Mütter tragen Plakate mit Bildern ihrer Söhne. »Am schlimmsten war weigerte.) hat gezeigt. den ich traf. der Touristen zu den Pyramiden Hochschulabsolventen vielleicht als Kellner. sagt Mohammed. und dennoch entwickelte er die tiefe und hintergründige Vorstellung eines vernünftigen Glaubens. der Revolution der sicherste Ort. erwidert Amr. »Auch Obama muss sich in der Kirche zeigen«. »Sie haben die Pyramiden noch nicht besichtigt?«. die nisiert. wenn sich der Bildungsstand in Ägypten nicht verbessert. sich in einem der geschenken zu misstrauen. Jahrhunderts auf der Trennung von Kirche und Staat.tausend Minarette oder das pulsierende Herz des Panlich verankert habe? arabismus. sagt Amr.« Ekramy. Jeder hier hält einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina für eine tragende Säule des Fortschritts im Nahen Osten. sagt Amr mit Blick auf die SelbstverbrenFurcht befreien«. nannte man sie ›die Leute. »Sie wissen gar nichts über die Juden. sich mit ihren eigenen Problemen zu befassen. dass dies das Gegenteil von Aufklärung ist. Heute sorgt sich Dalia vor allem darum. sagt Bassem Sabry. sagt Bassem. ten Staaten. meinen Benjamin Franklin und sogar meinen Elbridge Gerry. ich sehe sogar eine stattliche Frau mit einem Gesichtsschleier. Zum ersten Mal im Lange schämten sich Leben sind wir stolz darauf. Diese Woche fanden sich 1200 Menschen zu einer Bürgerversammlung über Wasserpolitik ein. als sich uns auf dem Tahrir-Platz arme Frauen anschlossen. Im heutigen Ägypten jedoch gibt sich selbst der liberale Präsidentschaftskandidat ElBaradei als Befürworter von Artikel 2 zu erkennen. Zugleich ist es eine Pervertierung der Vernunft: Eine einfache Erklärung für alles Böse in der Welt muss her. besonders seitdem sie den Befehl vergenau hier ermordet wurden. kontrolliert das Militär zwischen 30 und 40 Prozent der Volkswirtschaft. als hätte man keine Adresse. die wie die meisten Frauen in Ägypten mit einem Hijab den Kopf bedeckt. Was für die Menschen zählte. Programmleiter der »Ägyptischen Union der liberalen Jugend«. Anm. die Erwartungen zuins Licht. Das Leben der Frauen hier ist hart. »Anfangs galt meine Sorge weniger der moralischen Dimension als dem Umstand. Sie ist Direktorin des EinsteinForums in Potsdam Fotos: Katja Hoffmann/laif (o. wie Amr formuliert. der Kolonialismus reicht dortigen Cafés zu treffen. aber die meisten sagen auch.« Dalia sagt auch. »wenn man den Sonnenaufgang sehen kann. es gibt zu viele Wachmänner rund um doch waren wir zugleich überzeugt. sondern auch eine große jüdische Gemeinschaft einschließt und ihrer Meinung nach mit einer muslimisch fundierten Kultur vereinbar sei – während die jüngsten Angriffe auf Kopten eine Anomalie darstellten. die die Armee.« Als ich die Einzigen. fand aber stattdessen eine ermutigende Situation vor«. bestand darin. die sich um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen bemühen. die Präsidentwieder aufgenommen – um sicherzustellen. Ist es aber überhaupt eine Revolution. – »Ich bin in Ägypten. »Die Befehle waren ziemlich als Kamelschlacht bekannt geworden ist und den unmissverständlich«. wollte ich wissen: Wie sieht sie aus in Kairos staubigen Straßen? Oder. die in Stein verwandelt wurden‹. »482 Frauen. aber nie von King.FEUILLETON 12. aber die jüngeren Offinichts mehr außer Blut.ständige Sushi unter belaubtem Pavillon. Geld wollen sie keines für den Tagestrip. bis Ägypten die Art von gebildeter Öffentlichkeit hervorgebracht hat. die eine liberale Demokratie ermöglicht.« Ich kaufe ein paar Schlüsselanhänger. der Aufstieg der Muslimbruderschaft aber beunruhigt sie. der der Armee Fesseln anlegen möchte: Sie ist. sagt Amr. Zurzeit besichtigen mehr Ägypter als ausländische Touristen die Pyramiden. ein junger Filmproduzent. »Hier wird Politik gemacht. Ägypdass der Lebensstandard seit 2005 viele Ägypter ihres ter zu sein.zu den von Rissen gezeichneten. Ahmed Saled. Ekramy möchte mich sogar zum Essen einladen. aber er hat auch die Pharaonen adoptiert. Institutionen. und Abwehrmaßnahmen mobilisieren konnten. Ein Restaurant bietet anbis in Kleopatras Tage zurück. Nach einer mehrwöchigen Ver. zu.Bürger gut zu behandeln. Die Leute schauen in die Sonne und bensbedingungen verbessern. außer einigen Busladungen an Briten von närrischer Unerschütterlichkeit sind es vor allem Liebespaare. »Ich würde immer noch meinen Thomas Jefferson brauchen. »Nehmen wir einmal an.« Was aber bedeutet Aufklärung in einem Land von immer noch solcher Religiosität. Diese Leute werden nicht einfach wieder einschlafen.). was Aufklärung ist. aber kaum ausländische Touristen die Pyramiden »Kant hat mein Leben verändert« Was ist Aufklärung? Die Philosophin SUSAN NEIMAN reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen. dass ich nicht weiß. oder hat we can«.um eine Kopie der Île Saint-Louis zu erschaffen. wenn du deine Großväter hasst? Das ist. Jahrhundert floss selbst der Nil anders. nur nicht zu seinen zaghaften agnostizistischen Tendenzen? Auch die westliche Aufklärung war nie so religionsfeindlich wie allgemein angenommen.« Sie war inspiriert und begann. Ich liebe es. »Achten Sie volutionen brechen mit Vorliebe aus. der sich taktvoll jeden Anflugs von Selbstgefälligkeit enthält.schlossene Wirtschaft bedrohten.« Unlängst verkündete merklich gestiegen ist. die sie am Tag des Referendums durchführte. Die fromme Muslimin. als wir über sie wissen. »Als ich nach Kairo kam. 818 Männern«. die man nun haben müsse. Unsere Anknüpfungspunkte ans alte Ägypten sind also äußerst dürftig. also gibt es Verrücktheiten wie die Behauptung. »Es fehlt ihnen an nichts. Decken ihn frage. die Stadt der Unternehmen den Verkauf politischer Ämter gesetz. Kinder sind allgegenwärtig. wenn sich Leauf ihre Augen. Gebiets. »Die Islamisten geben Anlass zur Sorge«. dass die politische Macht der Fundamentalisten wachsen wird. und selbst die. vertrieb ihn in Ägypten und im Jemen und schloss sich mit anderen Aktivisten zusammen. was der Westen schon fast vergessen hat. Voltaire zog gegen den Machtmissbrauch des Klerus zu Felde. dass die patriarchalischen Strukturen tief verankert sind. das Tahrir-Platz zu eröffnen. Er verlegte sich auf ein Studium der Politischen Philosophie an der AinShams-Universität in Kairo.« dass im Westen alles besser funkDie wirtschaftlichen Ungleichtionierte – von den Internetverheiten waren ein Faktor in dem Der neue Stolz Unmut. Doch begegne ich niemandem. »Kant hat mein Leben verändert«.« Hunderte kamen ums Le. würde nicht einer eine Frau im Präsidentenamt akzeptieren.

Weg mit dem Farb. nicht das übliche Gehakel und Geschubse. Wir sind auf einer zauberischen Insel: Wie sich das Land sanft aus dem Meer erhebt. Doch sie geht nicht unter. die in ihren bunten Leibchen über den Rasen stürmen. Selbst der Megastar Tom Cruise wird zum Miniwicht. Auch dort sei der Malakt von der geistigen Konzentration bis zu den ausholenden und nachschwingenden Armbewegungen viel umfassender als das.und Fotokünstlern. um stark zu sein: Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. wie Paul Pfeiffer. auch im richtigen Leben. Alles andere hat er aus den Aufnahmen getilgt: die Nummern der Spieler. Das gilt freilich nicht für den Coup. das die Librettistin Hannah im Einklang leben. ganz wie einst Andy Warhol.« Er Zitherinstrument Koto spielte. sagte Hosokawa. Hinzu kommt. Noch das heißeste Spektakel wird bei ihm kalt serviert. hat sich in der Hin.und Waltz hätten lange darüber diskutiert. die in ihrer Musik Befindlichkeiten wild gezackt und kompliziert geschichtet ausleben. so als hätte eine höhere Macht sie am Wickel und würde sie durch die Luft schleudern und niederwerfen. in großen Bögen sich aufwölbend. Schon als Kind hatte Pfeiffer ein großes Faible für Puppenstuben. nicht nur in seiner Kunst. dass er bei den Bildern aus Hosokawa ist kein altjapanischer Traditionalist. Keiner foult so hässlich. 2008 ielleicht sollte man die Geschichte der modernen Kunst als große Schlankheitskur verstehen. Das Publikum glotzt dennoch gebannt auf den leeren Boxring. auch das unübersehbar. sich vom irdischen Dasein zu lösen und im buddhistischen Sinne eins mit der Natur zu werden. Denn zu sehen ist ja nur. bis nur noch waschbrettstramme Abstraktionen übrig blieben. Doch so groß seine Begeisterung für Massenphänome auch sein mag.und Formenspeck! Runter mit den Bedeutungspfunden! Nicht wenige Künstler der letzten hundert Jahre waren geniale Diätmeister: Sie entschlackten die Motive. Mit gigantischem Aufwand schneidert er ihnen am Computer eine Art digitalen Tarnumhang. enträumlicht sie. die über ihren Tod hinaus der Liebe zu einem Mann nachhängen und deshalb als unerlöste Geister durch die Welt spuken. So wie Pfeiffers Fußballheroen jede Ursache abhandenkam. Wie sich die unendliche Sehnsucht der beiden in Hosokawas Musik vielfädig ausspinnt. wie Paul Pfeiffer. . Dem westlichen Betrachter mag das Projekt wie ein Bekenntnis zur japanischen Theatertradition vorkommen. ferenz vor der Premiere. erledigt. Er zählt zwar schon seit etlichen Jahren zu den wichtigsten Video. Yellow. Denn so paradox es klingt: Er ist ein Bildermensch. dass aus dem Kunstschauen ein Kunstschaudern wird. Und so erkennen manche in seinen Fußballern auch Inbilder der Geworfenheit. dass Hosokawa sich mit Sasha Waltz und ihrem Berliner Tanzensemble zusammengetan hat. in der sie verdammt sind. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Zittern der Natur Zu schön. was erklingt. Pfeiffer interessiert sich einzig für den Leib und seine brachialen Verformungen. Er will nicht festgelegt werden auf eine Rolle. nur ein winziges Spähloch in der Leinwand. der Gesang und der Tanz bringen ihnen am Ende die Erlösung. das dort drinnen eine Kamera jene Kleinstwelt filmt. Sie haben es nicht getan – auch für seine Oper Matsukaze. Hosokawa erklärte. sich stürzend zu verbiegen und irrwitzig zu verrenken. Jahrgang 1966. bis sie halb zerdrückt auf dem Gras liegen bleiben. Keine üppigen Erzählungen mehr. sie strahlt immer weiter. Der Japaner gehört nicht zu den Komponisten. So kennt man die Kompositionen von Toshio Hosokawa. immer wieder und wieder. ob sie wendung zur westlichen Avantgarde einen neuen in ihrer Produktion auf die aktuellen Ereignisse Zugang zur Kunst seiner Heimat verschafft. Doch nichts geschieht. nie will er sich davon beherrschen lassen. Sie ist ein bisschen zu schön. Drei Monate dauert Pfeiffers Film über den Bau eines Wespennests und noch viel länger sein Sonnenaufgang. dessen neue Oper Matsukaze vergangene Woche in Brüssel uraufgeführt wurde. Die Klangfarben des Orchesters geben uns ein Bild davon. sondern auch die Betrachter herausfinden aus den vorgestanzten Mustern des Sehens und der Bewunderung. In ihr bewegen sich Barbara Hannigan als Matsukaze und Charlotte Hellekant als Murasame stimmlich wie darstellerisch grandios frei schwebend wie Insektenopfer in einem Schicksalsspinnennetz. Hosokawa. Klein Paul liebte die Rolle des Schöpfers.anderem als der Utopie. als die Leerstellen mit eigenen Bildern zu füllen? Pfeiffer ist eben nicht nur ästhetischer Diätmeister. will keine Medienfigur sein. die sich winden und krümmen. Menschen. Diese Wand steht für die Grenze zwischen der wirklichen Welt und dem Jenseits. Immer wieder baute er sich solche Miniaturwelten. und irgendwann scheint sich die Sonne tatsächlich dem Horizont zu nähern.dukten bestehenden Zivilisationsschrott. Die Illusion zerbirst. so fehlt auch hier das Eigentliche. Wir stehen vor einer großen Videoleinwand. Solches Streben nach Reduktion und Verdichtung zum Essenziellen ist auch in der Musik von Hosokawa und der Choreografie von Waltz stets zu spüren. wie die gemächlich untergehende Sonne die Schatten in der Landschaft länger und dunkler werden lässt und wie in der Nacht dann Sturmböen heraufziehen. getanzt von Sasha Waltz in Brüssel VON CLAUS SPAHN ie Hauptrolle in dieser Oper spielen die Klänge der Natur. Denn wer durch das Loch sieht. Doch zeigt Pfeiffer glücklicherweise auch ein Talent für das Böse und Absurde. Das zumindest scheint als Hoffnung in vielen Werken mitzuschwingen: dass nicht nur die Motive. nichts ist zu erblicken. Sie basiert auf einem zu Recht. in Endlosschleife. Keiner foult so schön. Bernd Uhlig (l. er reißt sie aus jener Hölle. Viel Mühe und Zeit investiert er. das ist unübersehbar. für Hollywood-Filme. Manchmal zappeln aber auch wir. an dem der amerikanische Präsident seine Reden zur Lage der Nation hält. Es geht auch nicht um Bundesligapunkte oder Finaleinzug. Auch der New Yorker Medienkünstler Paul Pfeiffer. der Katalog kostet 35 Euro Fotos: Thomas Dashuber/Courtesy Sammlung Goetz. dass Mensch und Natur ehrten Dichters Zeami. für Pop. seine Kunst erzählt von Ermächtigung. scheint in seinen Werken genauso bedeutsam zu sein wie das. Das gilt Bezug nehmen sollen. Hosokawa erzählte in einer PressekonDas hört sich fernöstlich entrückter an.) Dübgen mit viel Feingespür für die Stille zwischen den Versen ins Deutsche übertragen hat. Wo zuvor die Monroe stand. Doch die eigene Bedeutung scheint ihm unheimlich. Wohl auch deshalb scheint er seine Kunst mitunter als Befreiungskommando zu begreifen. so hat sie den leeren Raum mit einem Gewirr aus schwarzen Seilen durchzogen. Keiner foult schöner Bei ihm zappelt nicht nur Tom Cruise in den Endlosschleifen: Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG D Ein grandioses Schicksalsspinnennetz spannt sich über die Bühne Die Geschichte erzählt das Schicksal der Schwestern Matsukaze und Murasame. Bis zum 1. Er will. dessen Groß. erblickt die Politkulisse im Puppenstubenformat und begreift. erwarten seinen Auftritt. Schluss mit dem kalorienreichen Pathos des 19. der Bildern misstraut. Er will Herrscher sein – und die Betrachter dazu machen. Ihre Liebessehnsucht hindert sie daran. als es ist. wachsende. Rhythmus und polyfone Strukturen spielen in seinen Stücken kaum eine Rolle. sehen auf dieser das Pult. aber ganz freisprechen von diesem Vorwurf kann man auch seine Matsukaze-Oper nicht. er entrückt das Vertraute in geradezu mythische Sphären. denn diese Theaterform wird streng traditionalistisch und in ihrer Choreografie bis ins kleinste Fingerspreizen unverändert über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben. Mitten in den Berliner Proben zu Die Figuren schweben zwischen Diesseits und Jenseits dieser Oper bebte in Japan die Erde. V Pfeiffer wäre eine solche Deutung schon wieder viel zu pathetisch. Die beiden Schwestern geben in der Handlung ein Bild für den künstlerischen Prozess. dass nichts zu sehen ist – was bleibt uns also übrig. irgendjemand möge doch das Licht ausmachen. Zurück bleibt der krude Schmerz. Er Japan vor allem den aus Autos und Industrieprohat in Freiburg beim Schweizer Kompositionspro. scheint sich für diese Kunst der Entsagung zu begeistern. Ein großer Zauber liegt über der eineinhalbstündigen Brüsseler Uraufführung. die wir eben noch für groß und real hielten. Und schon jetzt richtet ihm die Sammlung Goetz in München eine umsichtig komponierte Retrospektive aus. damit auf seinen Videos und Fotografien am Ende möglichst wenig zu sehen ist.feld gleichsam vorwurfsvoll am Ufer zurückließ. wie zu hören ist. Und in gewissem Sinne ist das auch für die Betrachter eine Erlösung. um den Stoff auch szenisch-choreografisch ganz aus der Gegenwartsperspektive zu entwickeln. Aus fernöstlichem Blickwinkel hingegen ist die Neuvertonung eines Nō-Spiels eine gewagte Tat. Wunderschön ist Pfeiffers Kunst und wunderschrecklich. zitternde und aufbrausende Natur. was am Ende als Tuschestrich auf dem Papier sichtbar werde. nur um sie später im Hinterhof mit Kerosin zu übergießen und anzuzünden. wenngleich eine anstrengende. so steigen die Klänge aus der Stille auf. kommendes Jahr wird er. Es ist ein poetischer Abend der zarten musikalischen Gesten und der kalligrafisch in den Raum gemalten Tänzerbewegungen. was nicht erklingt. etwa wenn er auf winzigen Bildschirmen viele bekannte Hollywood-Größen zu Hollywood-Zwergen schrumpfen lässt. Die Musik ist fließende.sein Gedächtnis eingebrannt habe. Er hält sich zurück. ebenso allerdings die Begeisterung des Betrachters. sie leuchtet. sie gewinnen Kristallines. Die Oper handelt auch so von nichts sechshundert Jahre alten Nō-Spiel des in Japan ver. Oktober. der keine Komponierkon. gefangen in einer der Pfeifferschen Endlosschleifen – für immer muss er dort bäuchlings auf einem Sofa zappeln. Bei ihm ist das Foul kein Regelverstoß. seine Botschaft. den sich die Bühnenbildnerin Chiharu Shiota für die Zwischenwelt der Schwestern ausgedacht hat. auf der Documenta in Kassel ausstellen. vor Ungeduld. Bilder von den muskelbepackten Fußballmännern zum Beispiel. Pfeiffer erlöst Marilyn Monroe ebenso wie Michael Jackson oder Muhammad Ali. den die fessor Klaus Huber studiert und in Stuttgart bei Tsunamiwelle mit sich führte und als TrümmerHelmut Lachenmann. zu vordergründig der Versuchsaufbau. Doch geht die Hingabe an das Filigrane und fein Ziselierte auch mit einer gewissen Theaterblässe einher. in vention unhinterfragt lässt. gelegentlich rauscht eine Möwe vorbei. immer nur Ikonen und Legenden zu sein. Erst die Musik. Gefallene Helden – die Videoinstallation »Caryatid (Red. und unter diesem lässt er sie verschwinden. da ist nun keine Monroe mehr. Er interessiert sich vielmehr für die Eigendynamik der Klänge und weit gespannte melodische Verlaufsformen. die Bannerwerbung. »was Natur ist. Er sieht in seiner musikalischen Arbeit Parallelen zur japanischen Kunst der Kalligrafie. Jahrhunderts. sondern nur blauer Himmel und gischtendes Meer. das traditionelle Nō-Theater mache ihn schnell müde. sogar den Ball und die rempelnden Mitspieler. Er geht sparsam mit den Tönen um. Noch heute wohnt diese Erfahrung in seiner Kunst. er ist auch ein Trainer der Vorstellungskräfte. auf den berühmten Bildern am Strand. Zu offenkundig ist die medienkritische Belehrung. der seine Schöpfung auslöscht. der Feuerball glimmt sehnsuchtsfarben. an dem sich Waltz und Hosokawa versucht haben: Matsukaze und Murasame sind Arbeiterinnen in einer Salzmühle.58 12. Dennoch oder gerade deshalb: Die Bilder haften. geschlagen. Pfeiffer begeistert sich für Sport. gelegentlich schwanken die Begrenzungsseile. Blue)«. Wir treten näher heran an das Pult – und in diesem Moment ist sie dann doch da. bis man sich sehnsüchtig wünscht. Wir hören das Schwirren des Windes in den Bäumen und das Kräuseln der Meereswellen am Ufer. »Wir haben vater ein Ikebana-Lehrer war und dessen Mutter das vergessen«. er sei ein Sonnenuntergang. um stark zu sein. Im Gegenteil. von dem man denkt. Und Alis bekannteste Kämpfe finden jetzt ohne ihn statt und ohne seine Gegner. nur um im nächsten Moment böse zu straucheln. so lange. Bei ihm ist das vergängliche Spiel ewiges Drama: Pfeiffer entzeitlicht seine Szenen. die Botschaft. Alles ist postkartenschön arrangiert.

sagt Michael Trautmann. dann aber von diesem nicht bezahlt worden war. machen sie sie – glaubensbedingt – am Abend wieder kaputt. doch hat der Markt auch seine Tücken: Es kursieren viele Fälschungen. brachte Italiaander dem staunenden Lese. Gut 300 Chinesen saßen während der Auktion im Stuttgarter Auktionshaus. Erhaben schließlich die Einsicht. Und so lassen sich mit altem chinesischem Kunsthandwerk derzeit die unglaublichsten Gewinne machen. Selbst die Kultbilder und die religiösen Motive aus fernen Ländern wirken vertraut. aus Deutschland kommen unter anderem Sprüth Magers. schrieb Rolf Italiaander sein erstes Buch: So lernte ich Segelfliegen. Dass die vermögenden Chinesen nicht nur an altem Kunsthandwerk interessiert sind. »die Schleswig-Holsteiner müssen sich neu besinnen«. Mit Fälschungen. Überwältigend der Eindruck von der Vielfalt der Welt. als wäre ein starker Wüstenwind durch Giacomettis Gestalten gerauscht. Sie gehören zu den schönsten Stücken der afrikanischen Abteilung. die für 43 Millionen Pfund im kleinen englischen Auktionshaus Bainbridge’s einem chinesischen Sammler zugeschlagen. Das Rechercheunternehmen Artprice gab kürzlich bekannt. übernehmen 60 Prozent der Anteile der Hongkonger Kunstmesse Art HK. vor allem aber und immer wieder nach Afrika schrieb er viele Bücher. Wie Luis Trenker. es gebe keine Zensur. der sich laut Bildbeschreibung als Jäger und Fischer ernährte. das war 1931. der ballspielende Männer ebenso wie Urwaldtiere malte und sein Geld als Zöllner verdiente. so der Vorwurf. sagt Trautmann. muss vor der Auktion eine Depotzahlung an das Auktionshaus überweisen. Der Mann hat sich einen Pullover um die Hüfte geknotet. Kulturschock für einen Euro fünfzig Der ZEIT-Museumsführer: Das Museum Rade am Schloss Reinbek TÄGLICH GEÖFFNET. Auch andere Lose erzielten spektakuläre Preise. den sie vermitteln. Spektakulär war im vergangenen Herbst der Fall jener Qianlong-Vase. Dramen. aus Baumwurzeln Skulpturen zu schnitzen. von dem sie erzählt. und die Zahlungsmoral der Höchstbietenden aus China ist zuweilen sehr gering. ein Wandbild vom Präsidenten des Senegal. dem sie wie einem Fetisch zu huldigen scheinen. weltweit die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst. Hauser & Wirth und David Zwirner aus. Überfremdung sei in Reinbek nicht erwünscht. 4500 Stück des vierbändigen Auktionskatalogs hatte man in den Wochen zuvor an Interessenten in China verschicken müssen. und wer über 500 000 Euro ausgeben will. und die Art Basel geht nach Hongkong. Jetzt war der Tisch mit einer Taxe von 20 000 bis 30 000 Euro versehen. Fest steht jedoch: Es gibt kein zweites Museum in Deutschland. dass nach seinen Berechnungen schon im vergangenen Jahr 33 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Kunstversteigerungen in China gemacht wurden. die in den vergangenen Jahren extrem reich geworden sind und sich nun das entsprechende Kulturgut leisten wollen: Die neuen Kaiser von China bevorzugen Kaiserliches. und wie Bernhard Grzimek. bis 29. Ähnliches gilt für Ein Markt am Stadtrand von Rio einer brasilianischen Malerin. Der Millionen-Euro-Tisch etwa stammt aus dem kaiserlichen Palast.33 Millionen Euro versteigert chreibt es sich besser an einem Tisch. Er war Konsul mehrerer afrikanischer Staaten und ließ überhaupt recht wenig aus in seinem Leben. sodass sie der traditionell im Juni stattfindenden Ur-Art-Basel keine Konkurrenz auf einem anderen Kontinent mehr machen wird. wie er sich da vor der Königin zu Saba zu einem Handkuss verneigt. Zusammengetragen hat Italiaander seine Sammlung mit bescheidenen Mitteln. der die Weltenbummelei inzwischen zu seinem Beruf gemacht hatte. einen ägyptischen Teppich von Helmut Schmidt. anders als die Konkurrenten bevorzugte er für die Nagel-Auktionen schon früh solche Lose. in den zwanziger Jahren gelangte er in den Besitz des deutschen Mediziners Edmund Dipper. Und die Fliegerei begleitete ihn bis an sein Lebensende. Jahrhunderts entstammen. dass Italiaander einigen Einfluss nahm. Jahrhundert wurde für 600 000 Euro versteigert. weil er Farbe in ihr Leben bringt. Mai große Galerien wie Gagosian. Vom persischen Schah die Ansicht eines Wüstendorfs unter gleißender Sonne. Mit der Gründlichkeit des Ethnologen und dem Gespür des Sammlers durchstreifte Italiaander die Kontinente. die dem Geschmack S Der China-Boom Mit Asiatika erzielt das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde. Ist die Zeichnung fertig. der beste Jagdflieger des großen Krieges gelang ihm sogar ein Bestseller. 2001 war die Bücherkiste bei Sotheby’s in London noch für 7000 Pfund (inklusive Aufgeld) versteigert worden. dem einst wichtigsten Kunstmarkt der Welt.33 Millionen Euro gekostet hat? Die Frage möchte man dem Milliardär aus Hongkong stellen. Einmal Kulturschock in Reinbek kostet einen Euro fünfzig. Reiseromane. schließlich an viele entlegene Orte der Erde. Die neuen Eigentümer verlegen die Hongkonger Messe ab nächstem Jahr von Ende Mai in den Februar. er wurde aus dem extrem langsam nachwachsenden Zitan-Holz geschnitzt. in der er als Homosexueller das Schlimmste zu befürchten hatte. Fotos: Nagel Auktionen. Insolvente Bieter versucht man in Stuttgart – wie in anderen Auktionshäusern auch – mit bestimmten Regeln fernzuhalten: So dürfen Sammler nicht über gewisse Limits hinaus mitbieten. Mit 19 Jahren radelte er quer durch Afrika. das Flugzeug brachte ihn. ein Paar Huanghuali-Armlehnstühle aus dem 17. glücklich schockiert nach der Auktion. der am vergangenen Freitag im Stuttgarter Auktionshaus Nagel einen Tisch aus dem kaiserlichen China ersteigerte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 59 Dieser chinesische Tisch aus ZitanHolz wurde bei Nagel in Stuttgart für 1. dafür spricht eine andere Meldung des vergangenen Wochenendes: Die Eigentümer der Art Basel. Michael Trautmann hat dem Auktionshaus in Deutschland über die Jahre den besten Ruf bei den Asiaten erworben. Die Figuren mit den überlängten Beinen wirken. »Abstrus!«. Ihr prominentester Vertreter ist Henri Rousseau.KUNSTMARKT 12. sondern »nur« das Leben reflektiert. Contemporary Fine Arts und Eigen + Art. animierte er seine Schüler dazu. er steigerte seinen mittleren Schätzpreis also um das Vierzigfache. Als Autor von Fliegerromanen rettete er sich über die NS-Zeit. der Tierfilmer. Titel: Die schöne iranische Sonne. Und bescherte dem Auktionshaus Nagel seinen ersten Millionen-Euro-Hammerpreis sowie den deutschen Rekordumsatz mit einer Spezialauktion. der in Peking das Deutsche Hospital leitete und Leibarzt des letzten Kaisers Puyi war. Amerika. habe man in den vergangenen Jahren kaum noch Probleme gehabt.und Fernsehpublikum der sechziger und siebziger Jahre die Wunder der Welt ins Wohnzimmer. Es gab Widerstände gegen das Museum. 15 in schwarze und weiße Felle vermummte Gestalten versammeln sich um einen roten Fußball. wie das Leben sich überall gleicht. Man hat diese Kunst als »naive Kunst« bezeichnet. Mit Manfred von Richthofen. darunter auch bekannte europäische Namen wie Louis Vivin oder Hector Trotin. Über seine Reisen nach Ozeanien. die auf mögliche Kopien hinweisen. Italiaander präparierte eine Platte mit Leim und brachte einen Navaho dazu. dieses Jahr stellen hier vom 25. Nach dem Krieg gründete er eine Gesellschaft deutscher Übersetzer und die Freie Akademie der Künste in Hamburg. begründet der Messedirektor Marc Spiegler den Zukauf. wo er auch als Kunstlehrer gearbeitet hatte. Die Haltung des jüdischen Königs Salomo auf einem aus Äthiopien mitgebrachten Ölgemälde auf Ziegenfell. ein Pudel hechelt verbindlich. um an seine Werke zu gelangen. Und so konnte er sich auch für die jetzige Auktion wieder einige mit moderaten Schätzpreisen versehene Meisterstücke sichern. machte das Objekt aus der Qianlong-Periode zum wahrscheinlich teuersten Tisch der Welt. Viele der Arbeiten bekam er geschenkt. aber nicht unbedingt der europäischen Sammler zusagten. aus dem der Mann aus Hongkong am Ende siegreich hervorging. Dagegen forderte der Sammler bei der Eröffnung. Asien. AUSSER MONTAGS VON SVEN BEHRISCH 101 Ein Häuptlingsstuhl aus Melanesien N° m Alter von 18 Jahren. Die Zukunft des Marktes liegt im fernen Osten VON TOBIAS TIMM der asiatischen. In Afrika. Da ist die hügelige Landschaftsidylle eines tibetischen Künstlers. seine Zeichnung statt auf den Sandboden auf die Platte zu streuen. der von der Erhabenheit der Alpen schwärmte. obwohl er weiß. die Szene könnte en plein air statt im Himalaya auch bei Bruhnskoppel in der Holsteinischen Schweiz gemalt worden sein. Das entgrenzte Lächeln aller Beteiligten entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es ist ein kluger Schachzug. Kinderbücher. Hongkong. Italiaander hat ausschließlich Naive gesammelt. in der eine Familie zwischen Bäumen an einem Fluss spazieren geht. weil sie nicht die Geschichte der Kunst. dass der Markt für alte chinesische Kunst derzeit unglaublich boomt. Die Art HK hat sich – zumindest aus westlicher Sicht – als die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst im asiatischen Raum etabliert. Es ist nicht das einzige Mal. Gut drei Prozent mehr als in den USA. der 1. könnte einer höfischen Szene des 18. Das Bietgefecht. Sein Museum hat etwas von diesem Staunen ins Heute herübergerettet. das sich so gar nicht in die backsteinern norddeutsche Leitkultur integrieren mag. wir wissen es nicht. denn das Geschäft in China könnte bald zum wichtigsten der Welt werden. In Indianerreservaten in Neumexiko stieß er auf die Technik der Sandmalerei. versuchte sich als Dramatiker und entdeckte als Verleger den noch unbekannten Wolfgang Borchert. Seit 1987 beherbergt das Museum Rade am Schloss Reinbek die Sammlung Italiaanders – ein grandioses. in dem man auf engstem Raum von der Stammeskunst Melanesiens über Wahlplakate aus Ghana bis zu den Zeichnungen der Inuit im Norden Kanadas eine Sammlung derart bunter Kunstwerke sowohl von Amateuren als auch von Nationalmalern besichtigen kann. Trügen die Frauen nicht zackige Dreispitze als Kopfbekleidung. höchst ungewöhnliches Ensemble. sei eine panasiatische Stadt. und man könne sich dort ein wenig wie in der Schweiz fühlen – wegen der liberalen Steuergesetze und Freihäfen der Stadt. Bunte Marktstände. Doch sie zeigen das bekannte Europa. rote Dächer und neben einem weiß blühenden Baum die Kirche im Dorf. Sie kommen nicht heran an eine Lithografie des kanadischen Inuit Iye. Museum Rade . Hörspiele. und oft brachte er Kunstwerke mit nach Hause. Ob sie es taten. Die Navaho-Indianer streuen mit buntem Sand Zeichnungen ihrer Götter auf den Boden. Wer zahlt so viel Geld für diese Möbel? Es sind zumeist chinesische Sammler. wie das Haus noch 2002 mit all seinen Auktionen in einem ganzen Jahr umsetzte. zu geschult sei inzwischen der eigene Blick und zu eng das Netzwerk der Experten. der zuständige Asienexperte bei Nagel. ein Huanghuali-Bücherkasten für 240 000 Euro (jeweils ohne das Aufgeld des Auktionshauses von 33 Prozent). Verblüffend ist die Zahl der Materialien und I Stile. Mit so hohen Zuschlägen hätte auch er nicht gerechnet. Mit Aufgeld hat Nagel in seiner zweitägigen Auktion asiatischer Kunst insgesamt 20 Millionen Euro umgesetzt – in etwa also so viel.

Eine gewagte Prognose angesichts einer Zielgruppe. eine nie dagewesene Mischung aus »Popkultur« und «Lebensgefühl«. Eine ganze westdeutsche Protestgeneration hat sie mit ihm begangen. dass Osama bin Laden diesbezüglich besser versorgt war. ebenso die VerbindunVON GÖTZ ALY B Sehenswert The Four Lions von Christopher Morris An einem Samstag von Alexander Mindadze Das Hausmädchen von Img Sang-soo gen.« Möglich immerhin. Alsdann blieb ihm »eine Position in Europa« versagt. Obama. mit der Fischer 1999 – von einem roten Farbbeutel getroffen und am Trommelfell verletzt – in knapp fünf Minuten den deutschen Kampfeinsatz gegen Serbien auf dem Parteitag der Grünen rechtfertigte. Er allein führt die Regie. 12. die keine Zeit haben. Auch darüber schweigt der Film. ließ langhaarige HimmelskörperExperten die »animalische« Wirkung der Gestirne erläutern. anders als noch vor drei Jahren. die von den Frankfurter Spontis zum Terrorismus führten.zeit. er befehlige eine Bergfestung. In der Art von Hofschranzen berichten sie ausschließlich Lobenswertes. er schwärmt von Robin Hood. »die palästinensische Revolution unter Kontrolle zu bringen«. Räuberhauptmann zu werden.de/audio . nach uralten Regeln. genauer die Seeräuberei betrifft. die darauf folgte. Und diese Unordnung. diese Steckdosenleiste. seine Frauen und Kinder behandelt er als Unpersonen. Er erzählt aus der Kindheit. Dalli erlebt unter der Woche am Mittag ihre Renaissance. So wie es umgekehrt nicht undenkbar erscheint. »Osama. Natürlich sind das haltlose Spekulationen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 61 Das Letzte Arme. wo dienstbare Geister auf einen Wink des Herrschers mit der Wasserpfeife herbeieilten? Nichts davon zeigt uns das von den Amerikanern veröffentlichte Foto. denen 1945 die Freiheit geschenkt wurde. wie gut er Gedanken. die auf derartige Ansprachen wie keine andere notorisch mit allergischem Argwohn reagiert. Dank solcher Wandlungen stellte Richard Löwenthal ebenfalls 1979 erleichtert fest. doch bleibt er merkwürdig unpersönlich. FINIS War schon alles gut so. wie Fischer sagt. miteinander in Streit zu geraten. Verfassungsstaat und Demokratie mit mehr Phantasie. Lieber Unternehmer! Da darf man ganz legal räubern. gehört zu seinen Glanzleistungen und zu den wenigen Höhepunkten des Films. Später hielt der Nichtpazifist Deutschland aus dem Irakkrieg heraus. dürfte die skeptische Generation der 20. Immerhin. oder von Klaus Störtebeker. seine Mutter. 1973 gehörte Fischer zur Frankfurter »Putzgruppe«. Solche Untaten bagatellisiert der einstige Straßenkämpfer. herangezoomt. oh Drama«. als er davon schwärmt. mit intelligenteren Methoden zu verteidigen als nur mit dem Traditionsargument. Unter Hinweis auf die Killerkommandos der RAF und die islamische Revolution hatte er damals geschrieben: »Zuviel wird noch gefragt. aber wer Räuberhauptmann werden will. aber genauso wenig von Mainstream-Plattheiten angeödet fühlen. so erläutert Herr Fischer sein Leben. Sie. Darin flimmern auf Leinwänden wechselnde Fotos und Filmausschnitte. Der Filmheld hat erhebliche Verdienste vorzuweisen. Fischer heute wegen solcher Fehltritte zu diskreditieren. gute Jahre.kultur will der denkfaulen Jugend eine Freude machen VON NINA PAUER Schlange gestanden hatten die Signalwörter. erbärmlich. nicht die Achtundsechziger. ›wie wir’s dann zuletzt‹ – nach 1945 – ›so herrlich weit gebracht‹. spricht er von der Zukunft: »Vielleicht fange ich das Laufen wieder an. nicht uninformierten oder uninteressierten. dem verwegenen Freibeuter.« Zu diesen Veränderungen hat Joschka Fischer beigetragen – im Bösen und im Guten. wir sehen weder Ali Baba noch die vierzig Räuber und ihre sagenhaften Schätze. Offensichtlich musste dieses Land nach der Gewaltorgie des »Dritten Reiches« durch solche Auseinandersetzungen »ein Stück weit hindurch«. Bild veröffentlicht dazu ein Foto der formidablen Penélope Cruz und schreibt in vertraut subtiler Diktion: »Ihr Dekolleté – pralle Beute für Seeräuber. als käme es direkt vom Baumarkt.kultur. traten die Sendungen dazwischen.« So wurde er Taxifahrer. »Weitermachen«. Der Protagonist schnipselt sein Leben für das Goldrähmchen zurecht. dem edlen Rächer der Gerechten.. eindimensional und kalt.Kultur am vergangenen Wochenende versprochen worden. mit der Fernbedienung in der Hand. Eine ebenso seriöse wie skurrile Dokumentation zur Erotik des Mondes.bis 40-jährigen Mediennutzer tatsächlich goutieren. die Zwischenstadien und Übergänge lässt er im Nebel. Wenn er standhält und zurückstarrt. der seinen Erinnerungen 1922 den Titel Ereignisse und Gestalten verpasste. Wahrscheinlich hatte er eine Modelleisenbahn im Keller. Er bezeichnet. Ein Räuber mit Fernbedienung! Und was bedient er? Einen 14 Zoll kleinen Röhrenfernseher. und das Möbel sieht aus. Ansehen und vielleicht gar das Bundesverdienstkreuz. Wenn der Bestarrte den Blick senkt. Herausgekommen ist dabei – so zeigt es wenigstens das erste Sendewochenende – ein schneller Rhythmus von Bildabfolgen. einer wurde dabei lebensgefährlich verletzt. nachdem wir uns zum Thema Rüstungspolitik oder vorehelichem Geschlechtsverkehr angebrüllt hatten. die ihm als kulturell bedeutsam diktiert werden. Seinen Vater. etwas. wesentlich zum Aufbau und zum Gelingen der zweiten deutschen Republik beigetragen haben. dass auch Obama eine Modelleisenbahn besitzt und seinen Feind Osama entgleisen ließ. setzten durch. Frauen sind zum Ehrendienst nicht zugelassen. die darüber aufklärten. sprach Jo Schück in der ersten Ausgabe seines Popmagazins Der Marker ebenso trocken wie sinnfrei. Wohl deshalb schweigt er über sein postpolitisches Dasein als wenig beachteter Lobbyist. Das wäre sozusagen ein VoodooZauber nach Märklin-Art. die keine Zeit hatten. aber doch leicht ablenkbaren Jugend der Fernsehzuschauer rekrutiert wurden. aber der Mythos erzählt uns etwas ganz anderes. Er verfährt nach dem Prinzip von Wilhelm II. die ihn ebenso prägte wie er sie«. Inhaltlich fehlt jede kritische Brechung. Fischer folgt den Meilensteinen seines Lebens. Während Pepe Danquarts Film Joschka und Herr Fischer steht Fischer im Ambiente einer Art Tiefgarage. so hatte die vierte Folge der Räuberpistole Fluch der Karibik eben in Los Angeles Premiere. beginnt. der Zeit als hessischer Umweltminister. mittendrin die größte Gestalt – der Kaiser als ewiger Rechthaber. Er neigt mittlerweile zu Floskeln. «Internet und Fernsehen«. Der Quotentest beim Jungmenschen. Aber eingeleitet hatte Fischer diese Wende bereits 1995. »Ist das Kultur?«. sie stelle sich nicht mehr. weil dort versucht worden sei. gewinnt Reichtum. sollte es sich gut überlegen. und da weiß ich keine Antwort mehr. PETER KÜMMEL www. fragte im ersten Vorstellungsfilmchen eine strenge Stimme aus dem Off. Und auch die Nostalgie wird gleich von der ersten Woche an bedient: Die Ratesendung Dalli. die das Mutterhaus in den neuen Kanal exportiert: Die heute nachrichten. Ein »Medium von morgen« war dem jungen Zuschauer schon vor dem Start des neuen digitalen Fernsehkanals zdf. umhüllt von einer Wolldecke. dessen Schiff voller Gold und Silber war. Fischer könne es kaum fassen. Das philosophische Quartett und aspekte werden regelmäßig auch im Kultursender zu sehen sein. Nur einmal. sollte mit wirklich allem rechnen. Ebendeshalb bleibt Fischer weit unter seinem Niveau. in der Kneipe: Einer durchsengt einen Schwächeren mit dem Hass-Laser. Zumindest vorerst. Man sieht diesen Blick auf dem Schulhof. man habe das »prinzipienlose Spektakel« unter Protest verlassen. will auch keine mehr wissen. er scheint mit genau dieser Mischung aus Kult und Kultur zu bestehen zu sein. wie es war: Joschka Fischer. Sein 1979 verfasster Aufsatz Durchs wilde Kurdistan trug dazu bei. konnten meine Freunde nicht verstehen. Maier lässt seine Töchter zu Wort kommen.« In aller Ruhe schildert Maier die schwarze Seite der Achtundsechziger-Revolte und die Kämpfe. Er nannte seine Erinnerungen Böse Jahre. wir sehen einen alten Mann. Fischers politische Gegner werden nur als Witzfiguren eingeblendet. und die älteste schreibt über ihre Konflikte mit dem Vater: »Dass wir. das den Stab des amerikanischen Präsidenten bei der Beobachtung von Osama bin Ladens Tötung zeigt – und sprang anschließend kommentarlos zum nächsten Thema über. so lautete am Sonntag die schlichte Ansage eines der tausend neuen FacebookFreunde auf der Profilseite von zdf. Einer von ihnen berichtete nach der Rückkehr. Poetry-Slam-Live-Übertragungen und ein stets selbstironischer Grundton der Moderatoren. in dem die Nachkriegsjugend aufwuchs. die »ganz überwiegende Mehrheit« der Neuen Linken habe sich vom »neobakunistischen Gewaltkult« abgewandt. alte Räuber mag es geben. denn es wird berichtet. In aller Bescheidenheit sagen kann er das nicht. Vor allem aber trug er 25 Jahre lang in schier unendlichen Auseinandersetzungen dazu bei. Das humane und liberale Gegenstück zu Fischers Selbstporträt präsentierte in diesen Wochen bezeichnenderweise der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU). den wilden Jahren. dass der furchtbare Osama in dieser Hinsicht eher furchtsam war. Lächerlich! Foto: Nadja Klier/X-Verleih WÖRTERBERICHT Blickfick(en) Ein Begriff aus eiligen Zeiten. Doch was letzten Samstag um 6.oder Popkultur. die heute von so vielen gewählt werden kann. zu sehen waren abwechselnd Fragmente des klassischen Kulturkanons aus Oper und Sinfonieorchester und rappende Straßenmusiker. Konzertmitschnitten von Bands wie Mando Diao und Björk. miteinander auch nur ins Gespräch zu kommen. die aus dem Zentrum der medienüberladenen. wo er seine Märklin H0 im Maßstab 1 : 87 fahren ließ (just jenes Modell. Und das war immerhin etwas. Reden und Texte beim zeitweisen Joggen hatte verfertigen können. zusammen Schumann-Lieder am Klavier sangen. also die Halbwüchsigen. Fischer zählte damals zu den fünf Delegierten des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. die Grünen zu der Partei zu formen. der auf einem schäbigen Schreibtisch steht. nicht zuletzt wegen des besseren Gedankenflusses. das Horst Seehofer laut Spiegel auch besitzt). in der es sich ereignet – der bohrende Lustblick als die schnellste intime Erfahrung. als Verb wie als Substantiv. das den Theaterkanal ablöst. einer Reportage über die erste Heavy Metal Band in Bagdad. er habe drei Ehefrauen besessen. von Eitelkeit und Kontrollwahn getrieben.« Dazu wäre ihm zu raten. endlich in die Tat umsetzen will. ist er vernichtet. Beworben wird der Film mit dem Satz. Das Ganze dauert 140 Minuten und ermüdet enorm. Gelegentlich kommen Duzfreunde zu Wort. dass er seinen Feind Obama als Puppe auf den Tender setzte und gegen den Prellbock fahren ließ. und zieht doch »keine gänzlich negative Bilanz«: »1968 und die folgende Zeit haben die Establishments aller Richtungen gezwungen. Die Fotos von der propalästinensischen Konferenz in Algier 1969 fehlen. was während seiner Lebenszeit alles geschehen sei – einer »Epoche. aber bevor es zu ulkig wurde. Was übrigens die Räuberei. Die Frage nach Hoch. Und trotzdem musste er den Fernseher mutterseelenallein bedienen. die Arme über dem Bauch verschränkt. dass die NS-Verbrechen verfolgt wurden und in den sechziger Jahren an den Schulen Filme und Texte gezeigt wurden. um von Gewalt zu reden. gut möglich. Wie anders der schreckliche Osama bin Laden! Hätte man nicht denken sollen. Unter dem Schlachtruf »Weniger Feuilleton!« solle sich der junge Erwachsene nicht mehr voll schlechten Gewissens von Inhalten abwenden. in deren Gemächern orientalische Pracht zu finden sei. konzediert er.30 Uhr mit dem neuen Video Make Some Noise der Beastie Boys auf Sendung ging. umgeben von den Bildern seiner selbst Im Joschkabunker Ein wahrer Staatsmann muss auch im eigenen Film herrschen: »Joschka und Herr Fischer« laues Hemd. dieses Kabelgewirr! Erbärmlich. Die Bielefelder Rede. wo es langgeht und was machen. die sich mit Angriffen auf einzelne Frankfurter Polizisten hervortat. Das Umdenken. Was ist mit den Weibern im Orient los? Es kann natürlich sein.FEUILLETON Weniger Feuilleton Das Fernsehprogramm zdf. die. der Kampf zweier Menschen. die elitären Weltverbesserungsfantasien innerhalb der westdeutschen Linken zu überwinden. den intensiven Augenkontakt zwischen zwei möglichen Geschlechtspartnern. selektive Einblicke in mehr als 60 Jahre Leben gewähren. so die Erklärung des Programms. sozusagen im Joschkabunker. die er als Initiator der Widerstandsorganisation »Bund Freiheit der Wissenschaft« ausstand. Zu Recht erwähnt Fischer das »moralische Zwielicht«. später als Außenminister bis 2005. je größer die Stadt ist. Allerdings wird das Wort auch (gern unter jungen U-Bahn-Fahrern) benutzt. Es gibt keinen Grund. das umso häufiger vorkommt. So viel zur Ästhetik. in der Disco. dass die Fünfundvierziger. wie er indigniert bemerkt. als er gegen die Mehrheit seiner Partei den militärischen Schutz der bosnischen Muslime vor den serbischen Aggressoren verlangte. Wer auch immer seinen Kinderwunsch. während er einige Sekunden lang perfekt in das berühmte Foto montiert erschien.

der sich einen Spaß daraus machte. verlassen Sie Ihre Werbeagentur und suchen sich einen ehrlichen Job. das von Martin Luther King stammt: »Hass mit Hass zu vergelten wird nur den Hass vergrößern und eine bereits sternenlose Nacht in noch tiefere Finsternis tauchen. der zum Muslim wurde.. Es mag auch daran liegen. hier gibt er nun doch das Interview. Doch seine Botschaften sind zwiespältig. Aber wie verhindern wir. Er. Einen Tag nach der Veranstaltung in Frankfurt wird bekannt. null Mut. um Sterne zu erschaffen. »Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung«. was ein strenggläubiger Muslim eigentlich nicht tut. Vogel: Das Wichtigste ist. das ist Heuchelei. dass ihm für den Zweck des Heiligen Krieges jedes Mittel recht sei.markus-kirchgessner. der sich einen Weihnachtsbaum aufstellt und mit dem man auch mal einen trinken kann. Hass kann Hass nicht beenden: Das kann nur die Liebe. D. um der Bundeskanzlerin zu unterstellen. der den Islam nicht annimmt. Vogel: Was ist denn ein abscheulicherer Mord: wenn jemand einem Kind die Kehle durchschneidet oder wenn jemand denkt. Frauen »genießen es. Wenn wir also die Universalität der Menschenrechte verteidigen wollen. »Das moralische Verurteilen ist die Lieblingsrache der geistig Beschränkten«. Sie merkte gar nicht. Familien mit Kindern. er finde die Tötung bin Ladens in Pakistan »zweischneidig«. er tänzelt auf den Zehenspitzen hin und her. Er behauptet. Das Publikum in Frankfurt applaudiert. Keiner hat sich gegen Terrorismus so klar positioniert wie ich. an das nächste Kapitel meiner Doktorarbeit.GLAUBEN & ZWEIFELN alle Fotos: Markus Kirchgessner/laif für DIE ZEIT/www. um überhaupt Leute zu beeinflussen. Vogel ärgert sich. Denn hier liegt ja schon das erste Dilemma: Das Leben eines Menschen ist uns so viel wert. Derzeit forscht er an der Herzog-AugustBibliothek Wolfenbüttel über frühe Kriegsromane . Pierre Vogel stört das nicht. um sich mit seinen Gegnern zu schlagen. weil die Sätze. ist traurig genug – ein Dilemma ist eben unlösbar. darf man auf dem Friedhof lachen? Gegenfrage: Was ist ein gerechter Krieg. Pierre Vogels Disziplin ist jetzt die Rhetorik. Böse musste man schon sein. Finsternis kann Finsternis nicht vertreiben: Das vermag nur das Licht. sagt Pierre Vogel. die unmissverständlich klarmachte. Der Verein Einladung zum Paradies hat einen YouTube-Ausschnitt von Helmut Schmidts Besuch bei Beckmann auf die Homepage gestellt. in der Bibel (»Heuchler geben sich ein trübseliges Aussehen. Jeder Muslim glaubt. Solche alten Droh. herausgeschnitten wurden.« Dilich nennt den kriegerischen Menschen Friedenskämpfer und rechtfertigt den Kreislauf der Gewalt. sie habe sich über den Tod Osama bin Ladens gefreut. witzelt Vogel: »Sollen wir ihn hauen?« Vogel meint den Passanten. was scheinheilig ist. und erschießt den? ZEIT: Mord ist Mord. wie alles Wichtige. dass sie sich über ein falsches Wort mehr aufregen als über eine fragwürdige Tat. wann sie erfahren hätten. Vielleicht hatte Nietzsche doch recht. Der Name bin Laden dürfe in seiner Rede nicht fallen. was für ein fatales Argument das war: Dieser Tod hat uns nichts genützt. dabei ist Ihre Sicht nicht die der meisten Muslime. einer der drei Terrorverdächtigen. dass Sie gegen Terrorismus sind. So argumentiert al-Qaida: Wir dürfen Amerikaner umbringen. ein geistlicher Berater Obamas. Er spricht die Sprache der Jugend. um überall auf der Welt Krieg zu führen. entspannt lehnt er sich im Stuhl zurück. das war nach dem Anschlag am Frankfurter Flughafen. Ein guter Muslim. da wird dann gesagt. Der radikale Prediger ist bei jungen Muslimen beliebt F und blickt die Reporterin direkt an. Facebook und Twitter verbreiten aber auch ein anderes Zitat. er darf nicht zum Objekt degradiert werden. dieser Soldat ist ein Verbrecher. dass einer einen Heiligen Krieg führt? Und wer schützt die Würde seiner potenziellen Opfer? Dass diese alten Fragen offen bleiben. (27). ich muss auch eine gewisse Rhetorik benutzen. Ursprünglich hatte Vogel. bei Vogels letztem Auftritt in Frankfurt waren es dreimal so viele. welchen Jugendlichen beeinflusst das? Ich widerlege die Argumente der Gewaltbereiten. ZEIT: Die Merkmale eines Mordes sind in beiden Fällen gegeben. das von der Instrumentalisierung der Idee des Friedens für den Krieg handelt. in die der Terrorismus uns gestürzt hat. Die Menschenwürde ist so universell. er ist ein Showtalent. wenn ich ein Totengebet mache. Auf dem Höhepunkt der Konfessionskriege im 16. Und auch die negativen Medienberichte treffen ihn nicht. ist Germanistikdozent im Staat Missouri. Aber das sind viele Verbände nicht. Auf der Wiese nebenan wird gegrillt.de (Frankfurt. hatte Vogel auf Facebook als Freund hinzugefügt. Vogel: Aber ich war es. Vogel: Diese Leute haben null Einfluss. er gibt sich jetzt höflich interessiert VON ANNABEL WAHBA Pierre Vogel (rechts) sprach letzten Samstag in Frankfurt am Main über Islam und Terror. sogar von ultrareligiösen wahhabitischen Salafisten. Pierre Vogel: Ich weiß genau. Der politische Salafismus ist die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland und hat enorme Sogwirkung auf die zweite und dritte Einwanderergeneration. wie oft Friedenshoffnungen als Argu- ment für Aufrüstung missbraucht wurden. Und wenn er uns genützt hätte? Wäre uns bin Ladens Würde dann wurst? Moral predigen ist leicht. musste ich erst die Ansprache meines Präsidenten hören. DIE ZEIT: Sie wurden für Ihren Aufruf zum Toten- lafistischen Milieu. Darin sagt der Altkanzler. I’m islamic oder I love Islam. Wir bekämpfen Finsternis mit Finsternis. den äußern Schein der Heiligkeit annehmend. In Wahrheit kommt sie aber von Bosheit. Und was heute noch heilig sein könnte. ob man sie besser findet als das Grundgesetz. Bereitwillig lassen sie sich von den Polizisten durchsuchen. sagt er. als stünden Sie für den wahren Islam. der die Argumente von alQaida widerlegt hat. Ein guter Muslim. Jetzt steigt er auf die Bühne und spricht. Außerdem braucht es keinen Pierre Vogel. Als Vogel endlich die Bühne betritt. weil er ein Subjekt mit einer Würde ist. ZEIT: Die islamische Religionsgemeinschaft Hessen rief auf. liebe Sprachpolizei. als müsse Angela Merkel nur die richtigen Worte sprechen. dass man sich hier an die Gesetze halten muss. Mir als Amerikaner in Deutschland war der rowdyhafte Hurrapatriotismus peinlich. Blut. Später auf der Veranstaltung am Rebstockpark verhalten sich seine Anhänger so vorbildlich. die Islamphobie vieler Deutscher anzuheizen. weil sie Steuern zahlen. erkennt man am klarsten. Vogel wurde in dem TV-Beitrag mit dem Satz zitiert. indem man fragt. dass wir sogar den Tod eines Massenmörders nicht feiern wollen. Vogels Anhänger tragen T-Shirts mit dem Aufdruck Don’t panic. weil ihm der Zeitungsfotograf im Weg steht.. In dem amerikanischen Schnellrestaurant trifft er sich mit seinen Weggefährten. Er distanziert sich zwar von Gewalt. dafür ergötzten sie sich eine geschlagene Woche an der rhetorischen Frage: Darf man sich über den Tod eines Menschen freuen? Ja. was selbstgerecht ist. regte die Deutschen weniger auf.« Wir Amerikaner haben die Hoffnung auf eine Welt ohne Terror benutzt. Nietzsche wollte sagen. damit die Leute merken. aber er hat sich entschieden. als habe Angela Merkel eigenhändig den Al-Qaida-Chef getötet. wenn man ehrlich ist. zu spalten. sind solche Aussagen doch salafistisch. Denn in der sonst so ruhigen Stimme lag diese unheimliche Spannung. »Wir rächen Blut mit Blut. Vogel wurde viel kritisiert für seinen Aufruf zum Totengebet. die dem Journalismus misstraut. Pierre Vogel verehre. Vogel: Man kann Leute nur zusammenbringen. der vor zehn Jahren zum Islam konvertierte und heute einer der populärsten deutschen Prediger ist. fragt er als Erstes seine Anhänger.« Hunter scheint den dialektischen Charakter dieses Verses übersehen zu haben. Moralisten zu verhöhnen. dessen Wohnung von der Polizei durchsucht wurde. Trotzdem ereiferte sich die Republik. Allerdings sind diesmal nur 400 Leute gekommen. können wir Osama bin Laden nicht als Unmenschen behandeln. es ist Samstagmittag. die mit Osama bin Laden sympathisieren. Vogel: Trotzdem kriegt der eine vielleicht Sicherheitsverwahrung und der andere 15 Jahre. Ob das den Prediger beunruhigt? Nein. zumal die Medien ihm eine ganze Weile folgten. zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufgerufen. Die Gäste blicken von ihren frittierten Hühnchen auf. D. weil er Gesetze als von Gott gemacht ansieht. dass wir in Finsternis feiern und nicht im Licht. Das ist doch gegenseitige Einschleimerei. hat das Problem scheinheiligen Moralisierens unterschätzt. sondern allenfalls Erleichterung. wer für ihn betet. Arid U. Der Boxer. Jedes Interview. Stattdessen schimpft er auf die Medien. Jetzt haben wir also Videos grölender Amerikaner gesehen. Auch die jungen Angestellten von Kentucky Fried Chicken sehen ehrfürchtig zu ihm herüber. ist weiteres Blut. man akzeptiere es. Vogel mag sich in der Öffentlichkeit von Gewalt distanzieren. weil sie ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei. das sei natürlich nur Spaß. wie er es ihnen auf seiner Homepage geraten hat. und so kann ich mit ihnen über Terrorismus reden. indem man fragt. und 17. 7. schlechte Morde. durch bin Ladens Tod würden die islamistischen Anschläge nicht weniger. Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Patrick Brugh. auf Mord steht »lebenslänglich«. Er ist zwar längst kein Profiboxer mehr. Dass aber deutsche Moralapostel so tun. allerdings außerhalb der Stadt auf einem Freigelände am Rebstockpark. dass wir auch die Würde eines Mannes wahren müssen. weil Interviews immer gekürzt werden. Eine Interviewanfrage der ZEIT hatte Pierre Vogels Pressemann kürzlich noch mit den Worten abgelehnt: »Wenn Sie ein ehrlicher und verantwortungsbewusster Mensch sind. ohne es wirklich zu sein«). wie sich soeben in der bigottesten Debatte des Jahrzehnts gezeigt hat. Das vermisse ich in diesem interreligiösen Dia-Lüg. die auf Bäume klettern und Fahnen schwenken. Seit einiger Zeit strebt das Bundesinnenministerium ein Verbot des Vogel nahestehenden Vereins »Einladung zum Paradies« an. als sei man der größte Demokrat. Moral begründen schwer. das ist ein Fundamentalist. dass der. wen ich anspreche. wenn der Mann mit dem langen Bart von Osama bin Laden spricht. wo der 21-jährige Arid U. er hat seine Homepage. in dem es heißt. Vogel: Also nach deutschem Strafrecht gibt es unterschiedliche Haftstrafen . Was nutzt das. zwei US-Soldaten erschoss. geschlagen zu werden«. Ihre Veranstaltung zu boykottieren. Vielleicht können wir es so zusammenfassen: Heuchler erkennt man daran. der bringt vielleicht morgen meine Leute um. hat einem amerikanischen Botschafter a. er wolle Jugendliche zum Gewaltverzicht bekehren. Osama bin Laden hatte gesagt. EVELYN FINGER Totengebete verboten Wie Deutschlands bekannteste Islamist Pierre Vogel auf das Ende bin Ladens reagierte rüher stieg Pierre Vogel in den Ring. wenn da jemand mit Krawatte gegen Gewalt ist. in dem man nicht mittels Lügen andere Menschen zerstört!!!« Jetzt sitzt Pierre Vogel lächelnd vor einem Kentucky Fried Chicken am Rande Frankfurts. ZEIT: Bin Laden ist ein Massenmörder. nicht im Licht« Warum ein junger Amerikaner in Deutschland sich für die Jubelvideos aus seiner Heimat schämt VON PATRICK BRUGH U m die Nachricht von Osama bin Ladens Tod zu glauben. Salafismus gilt als unvereinbar mit der parlamentarischen Demokratie.und Vergeltungsszenarien erinnern an heutige Abschre- ckungspolitik: Wenn wir genug Waffen besitzen. stellt sich in seine Nähe. dann vergessen wir. Die meisten Dschihadisten mit Deutschlandbezug kamen aus dem sa- Zwiegespräch mit der Menge. junge Frauen mit und ohne Kopftuch. Das ist Schwachsinn. dann veröffentlicht er die Originalfassung. in die Hölle geht. ist ihm egal. Jahrhundert boten sie eine moralische Rechtfertigung für die entstehende Rüstungsindustrie. Man tut. der sich selbst ins moralische Abseits gestellt hat. über Reizthemen zu reden. Doch Internetforen und Seminare dienen als Kontaktbörse auch für Extremisten. die man auch als moralphilosophischen Kern der Menschenrechte ansehen kann: Eine Zweck-Mittel-Relation ist auf den Menschen nicht anwendbar. Doch wenn wir Amerikaner so jubeln wie letzte Woche. schrieb er in Jenseits von Gut und Böse. das er gibt. das wir für Blut vergießen. weil bei einem seiner Vorträge das indizierte Buch Frauen im Schutz des Islam auslag. dass hier nicht Freude im Sinne von Frohlocken gemeint war. ob jemand Zivilisten töte oder Soldaten. wie das die Muslimverbände tun? Vogel: Das sind doch Sesselfurzer. also den Staat repräsentieren. gleichzeitig rela- tivieren Sie den Mord an den Soldaten. uns zu sagen. Tatsächlich hatte sie die Worte »Ich freue mich« mit einer Leichenbittermiene gesprochen. Auch wenn sich Pierre Vogel nicht als Salafist bezeichnet. und wenn er sich falsch zitiert fühlt. ehe sie endlich die Frage stellten: Ist dieser Jubel moralisch? Pfarrer Jim Hunter. Dann wird er wieder ernst. Den Namen bin Ladens nennt er tatsächlich nicht. Er sucht das Ein Gegendemonstrant hält in Frankfurt das Kreuz Jesu Christi wie ein Banner hoch gebet massiv kritisiert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 62 ETHIK UND OSAMA Was ist Heuchelei? Über den Heiligen Krieg und die deutsche Sprachpolizei Wenn der deutsche Rechthaber recht behalten will. Auf seiner Homepage steht das Video eines Interviews mit Spiegel TV. aber ein Profi im Austeilen ist er noch immer. Für die Werbung in eigener Sache nimmt er gern in Kauf. Pierre Vogel kann sich seinem Gegenüber gut anpassen. dass die dümmsten Bauern die größten Moralapostel sind und dass Ehrpusseligkeit von Mangel an Verstand kommt. ein Demokrat ist er nicht. dass die Veranstaltung hier draußen ist. bevor sie gemeinsam zum Rebstockpark aufbrechen. dass sie fasten«) und im Wörterbuch Hochdeutscher Mundart (»Scheinheilig ist. dann werden Leute kommen. Als sich ein Passant beschwert. ZEIT: Gute Morde. und er weiß seine Worte zu wählen. Ein deutscher Muhammad Ali! Pierre Vogel alias Abu Hamsa hätte die Menschen verbinden können. Mit dem jüngsten Akt des Blutvergießens ist also nichts erreicht. Das Ordnungsamt verbot seinen Auftritt in der Frankfurter Innenstadt. Wir feiern in Finsternis. vorgeworfen. Vogel kokettiert gern mit seiner Boxervergangenheit. dann zog er den Aufruf wieder zurück und wollte nur noch über Islam und Terrorismus reden. für das sich jemand rächen wird. ZEIT: Sie verurteilen den Anschlag. heißt es in den Auflagen. die kürzlich in Düsseldorf festgenommen wurden. Sie sind Vertreter eines neuen selbstbewussten Pop-Islams. Er braucht die Medien nicht. ZEIT: Warum sagen Sie den jungen Leuten nicht klar und deutlich. Dass er getötet wurde. als sei alles ganz einfach. um die USA zu kritisieren. Selbst Friedrich Nietzsche. Nicht mal den Mumm. antwortete mit einem Bibelwort aus der Genesis: »Wer Menschenblut vergießt. Pierre Vogel steht am vergangenen Samstagabend wie immer etwas breitbeinig auf der Bühne. das Verwaltungsgericht genehmigte ihn doch. ZEIT: Sie tun. Die Antwort steht. was schnell passiert. dass der 19-jährige Abiturient Amid Ch. Ein Satz des deutschen Militärtheoretikers Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1608 geht mir nicht aus dem Sinn: »Durch krieg kompt der frieden / und sollen die jenige / so in fried und ruhe leben wollen / in wahffen geübte leute sein. endlich die moralischen Dilemmata zu sehen. das ist keiner. es mache einen Unterschied. regt er sich über die Schlechtigkeit seiner Mitmenschen auf. Doch nach wenigen Sätzen hielt ich es nicht mehr aus. mit seinem Geheimnis herauszuplatzen. dass die Scharia von Gott ist und absolute Gültigkeit hat. wie er geglaubt hat. 32. dessen Blut soll auch durch Menschen ver- gossen werden. was ist ein heiliger Krieg und was ist Heuchelei? Was gerecht ist. greift uns niemand an. dass sie über der Kritik am Krieg-gegen-den-Terror beinahe den Terror vergessen und dass ihr wohlfeiler Pazifismus sie hindert. Dass der Verfassungsschutz wieder einmal aufmerksam wurde. Junge Männer. Aber ich muss auch gucken. dass er heute am Stadtrand predigt. weil er junge Muslime zu oft als Problemjugendliche stigmatisiert. hält sich auch als Prediger für unverwundbar. Pierre Vogel ist der Star einer Szene. Aus alten Kriegsbüchern wissen wir. dass die Tötung bin Ladens die strenggläubigen Muslime nicht in dem Maße aufbringt. Pierre Vogel. um den Tod eines Feindes zu feiern. dass eine gewisse Art Moralismus die Rache der geistig Beschränkten ist. Ich habe Morddrohungen bekommen von Terroranhängern! Ich rufe permanent dazu auf. der seine Karriere als Profiboxer ohne Niederlage beendete. Eine deutsche Justizministerin a. Das mag daran liegen. Wenn es um die Scharia geht.. in denen er Anschläge verurteilte. wie bei einem Jungen. Damit verneinte er die Kantsche Definition des Menschlichen. Mai 2011) 12. der es nicht erwarten kann. wird gefilmt. antwortet sein Pressemann in seinem Namen. wenige Stunden vor seinem Auftritt. begreift man am besten. Deprimiert setzte ich mich wieder an den Schreibtisch.

Denen verweigert sich das Tal. Zu widerstehen gelte es allerdings jeder Versuchung von Arroganz. eng neben einer Freundin aus Berzona. scheinen sich der Vorherrschaft des Waldes entrissen zu haben. Durch die verglaste Außenwand blicken sie auf den dichten Wald. irgendwo rauscht ein Bach. kein Platz zu klein. hinter einem Gebüsch die alte Bocciabahn. in einer wilden Gegend des Tessins an fasst sich ein Herz. zieht sich der Ort den Hang hoch.« Seit dem 17. ein wildes Tal! Wild. Kastanien. den steinernen Tisch zu sehen. »Terrassen mit den üblichen Trockenmauern. nur ein Zuhause.« Die anderen Häuser des Dorfes stehen eng zusammengekauert. Dschungel mit Brombeeren. wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Azalee oder ein Jasmin da blühen könnte. Auf den terrassierten Hängen wuchs Roggen. Frisch am Steuer seines Jaguars. an dem Frisch »außerhalb von allem« sein konnte. eine leuchtende Azalee. der seit Längerem dort lebte. So unheimlich still. bleibt verborgen.. Und doch steht am Anfang einer Spurensuche im Valle Onsernone auf dem Klingelschild in Berzona etwas wie ein Lebenszeichen: Hier wohnt. Vögel. ein freundlicher Mann. öffnet das unverschlossene Gartentor an der Straße und läuft die Stufen bis zum Haus hinunter. Postbus. der mir am meisten vertraut ist.« So schrieb Frisch 1966 in sein Tagebuch. nicht einmal eine Bar. ein Feigenbaum. eine zusammengebastelte lebensgroße Puppe. Fortsetzung auf S. wo ich mich am ehesten zu Hause fühle. 20 Kilometer geht es hinein in die Schlucht. »Es ist der Ort. Und noch immer sind Haus und Garten perfekt vor neugierigen Blicken geschützt.. mit dem Auto über den San Bernardino: »Vor allem in den Kurven: der Körper erfasst Landschaft durch Fahrt. heißt es im Tagebuch. 53. das ist unbedacht und vollkommen. der Mühe hat. wenn Du dann bereit bist: Unser Zuhause. Der Dichterkollege Alfred Andersch. »Das Dorf. Acht Dörfer und ein paar Weiler liegen hintereinander aufgereiht wie auf einer Schnur. Er notierte: »Siebenmal im Jahr fahren wir diese Strecke. Aussteiger.« Berzona wurde das Refugium. windet sich in engen Schlingen um überhängende Felsen. an dem die Frischs viele Gäste bewirteten und an dem auch der »Toggel« saß. Frisch. immer noch.. »die unsere kleine Loggia hält«. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal von der Talstraße ins höher gelegene Berzona abgebogen. der imposant neben der Kirche am Ortseingang aufragt. Weinkeller und einem Studio im Turm. die Italienisch sprechen: kein Ristorante. Im Wintergarten des Altersheims von Russo sitzt Marta. vermutet eine junge Frau. Und ähnlich wie Geiser machte Frisch eine Krise durch: 1979 war das Jahr der Scheidung von Max und Marianne Frisch. versuche ich mich immer auf Italienisch«. Max Frisch. so geht die Legende. reisten zwar weiter durch die Welt. jetzt voller Stolz: »Una valle selvaggia!«. Und er wünschte sich ein Haus zusammen mit seiner jungen Liebe Marianne Oellers. Keine Chance. den ich am besten kenne. vorbei am Friedhof von Berzona. meist Deutsche und Deutschschweizer. ganz am Ende: Spruga auf über 1000 Metern. schrieb er ins Tagebuch. berichtete er. als dass nicht doch noch eine Palme. Auch die Granitsäule. Zehn Jahre später dominierte bei ihm eine andere. mieteten Wohnungen in Amerika. eine beklemmende Wildheit: In der Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) lässt Frisch den 74-jährigen Herrn Geiser ein Unwetter im Valle Onsernone erleben. lauschen. Ich bin begeistert . »Das Gelände ist steil«. Im August 1978 wurden fast alle Brücken des Tals fortgerissen. Einstimmung wie beim Tanzen«. Motorradstaffel. hat 82 Einwohner. wenn er heimkam von irgendwo. Zürich. Gut eine Viertelstunde hinter Locarno zweigt die Straße ab. tief unten rauscht der Isorno. Häuser renoviert würden. Max und Marianne Frisch. Übergänge ineinander verschlungen sind.. sei nicht von Schaden. das Haus und ein steinerner Stall. Ein Jahr dauerte der Umbau: mit Saunaofen. Rennräder. da es nicht an der Talstraße liegt. Berlin. Nur keine Reisebusse. Nur Berzona tanzt aus der Reihe. eine zierliche Frau. Nach fünf italienischen Jahren wollte er wieder in der Schweiz wohnen – »aber nicht ganz!«. 64 Blick über Berzona . Schon da gab es etliche Zugezogene. Disteln usw.). Marta Regazzoni strahlt. wie es im Onsernone-Tal oft ist: Grillen. Es ist still im Raum. Wuchernder Baumdschungel zu beiden Seiten. Dass durch die stranieri. Handtuchschmale Balkons. man habe sie. noch im Einschlafen flechten sehen. und es tritt jedes Mal ein: Daseinslust am Steuer. das existenzielle Angst auslöst. »Wenn ich einkaufen gehe. Wird mit dem Berg auch das Leben wegrutschen? Das Jahrhundertgewitter gab es wirklich. Bernadette Conrad für DIE ZEIT (kl. Will man Marta Regazzoni treffen. die durch Treppen. Von 82 Einwohnern kann keine Rede mehr sein. Klingeln. Zum Einkaufen in Berzona gab es einzig den kleinen Dorfladen der Einheimischen Marta Regazzoni. das in diesem armen Tal je blühte: die Strohflechterei.63 12. muss man zwei Dörfer weiter fahren. dessen Halme die Frauen verflochten. als Max Frisch und Marianne Oellers kamen. hat Frisch gegen Ende seines Lebens geschrieben. machte ihn auf das verfallene Anwesen VON BERNADETTE CONRAD M aufmerksam. der beinahe ein Turm ist . das aussterbende Tal wiederbelebt. sondern abseits. in vertrautes Gelände. »Vielleicht 35?«. die mit ihrer Familie hergezogen ist und nun mit fünf anderen Frauen zusammen das alte Handwerk des Strohflechtens in einem kleinen Atelier wieder betreibt. Karin Pilliod«. seit 1968 verheiratet. »molto gentile«. dass nur noch ein heiseres Flüstern herauskommt. Die glänzen vor Freude über Besuch. Er schrieb: »Was mir gefällt: das schwere Dach aus Granit und wie das Ganze in den Hang gestellt ist. Ein schönes Tal. Ihr Laden ist längst aufgegeben. kam dies gelegen. es soll kein Gefängnis werden. Marta läutete auch die Glocke im großen frei stehenden Kampanile. hinter denen einem alles entgegenkommen kann. Und für beide scheint das Sprechen so ungewohnt geworden. es bleibt still. Das ist eine große Landschaft. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 REISEN Fotos: Fernand Rausser/KEYSTONE (gr. zwei große Nussbäume. natürlich. Wald umschließt das große Grundstück vollkommen. An die Stelle des Krämerladens – als einzigem öffentlichen Ort Berzonas – ist eine kunsthandwerkliche Kooperative getreten. Gärtchen. er kam oft in den Laden. die Straße hinunter bis zur Talstraße und durch Mosogno. wie es der jüngere Frisch erlebte. Das Valle Onsernone ist das vielleicht wildeste der Tessiner Täler. halsbrecherisch die Kurven. Mit kleinen Gebäuden aus Granit und Gneis. Doch immer kamen sie zurück nach Berzona. Max Frisch? Ja. ein sintflutartiges Gewitter. zusammen mit seiner letzten Lebensgefährtin.) Eingewachsen: Max Frisch 1979 in seinem Haus in Berzona Sein letztes Refugium Vor 100 Jahren wurde er geboren – ein Zuhause fand Max Frisch erst spät. Auch wenn er nicht so bequem ist«. fand Frisch. Max Frisch ist seit 20 Jahren tot. Diese Zeit war vorbei. Künstler wie Andersch oder Golo Mann. Jahrhundert investierten die Frauen des Dorfes ihre ganze Arbeitskraft in das einzige Gewerbe. schließlich das Klingelschild: »Max Frisch. Bei Marta ist aller Ausdruck in die riesigen braunen Augen gewandert.

myswitzerland. suchte vergeblich den Zugang zum Maggiatal.« Das galt dann vor allem von 1990 an.. 70 Euro. Tel. bis die Dunkelheit hereinbrach. Verlag C.com Am Ort erhält man Auskunft beim Infopoint Auressio. Kurz vor der Ankunft bei ihm wird man vom Gewitter eingeholt. wird von Volker Grabowsky. ehemals Programmdirektor Kultur des Televisione Svizzera Italiana in Lugano und in den siebziger und achtziger Jahren mit Frisch befreundet. www. Serpentinen durch den Wald. erinnert sich Beppe Savary an seine Jahre der Freundschaft mit dem Dichter. er konnte gut mit Kindern umgehen. 004191/780 60 09. er wollte auch über den Tod alles wissen. irrte herum. mit Teller und Glas. als sie ihrem Mann. zu unwegsam das Gelände. 0041-91/797 10 00. 208 S. H. ein bisschen Unruhe – dann wäre das schön.ch). Seine Frau sei tot. Ihre heitere Verwunderung hat Richter nun in einem ausgesprochen unterhaltsamen Lesebuch zu Papier gebracht.): Das Klappern der Zoccoli. der Leuten aushalf. München 2010. Er wollte die. 63 Über Thailand Kaum ein halber Tag Flugzeit trennt Frankfurt am Main von Bangkok am Chao Phraya. Unten in Russo kann man den Talarzt treffen. er fühle sich in Berzona sicherer als in Zürich: »in tutti i sensi« – in jeder Hinsicht. 525 S. sagt Savary. www. wie eine deutsche Familie unter Schafen und Kiwis. Vögel. Der 59-Jährige nennt sich selbst bescheiden einen »Fels-. wir aßen zusammen. Ein Notfalleinsatz 1983. Herrn Geisers Wanderung wird beschrieben in Beat Hächler (Hrsg. Meine Töchter adoptierten Frisch als ihren Großvater.95 € Man stellt sich vor. Seit 28 Jahren ist er als Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Notfallund Rettungsmedizin fürs Valle Onsernone tätig. dem Hauptort des Tales.onsernone. zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. Deshalb der Maschendraht. Von Berzona nahm er so bewusst Abschied. Ein vergnügliches Buch. Der Weg ans Ende des Tales führt durch das Valle Vergeletto. Kurz der Eindruck. das »Land der Freien«.pagliarte. 1990 zog sich Max Frisch zum Sterben in seine Zürcher Wohnung zurück.und Buchenwald ringsum. wenige Menschen. Herr Geiser ist das nicht. DZ ab circa 125 Euro Ausstellung: »Max Frisch Berzona« zeigt Texte und Fotos im Museo Onsernonese in Loco bis zum 30. 297 S.« Von Spruga. wie Herr Geiser allein in seiner Stube saß. als Frisch eine tödliche Krebsdiagnose erhielt. Essen – alles. Dort. wie er den Toggel. palmengesäumte Strände und raffinierte Speisen preisen. über den er sich ins benachbarte Maggiatal retten wollte. Den Toggel warf er den Hang hinunter. Bei gutem Wetter ist sein Fluchtweg ein schöner Wanderweg. Ein friedlicher Platz. Oktober . Nein. Tel. Ob man ihm nicht Gesellschaft leisten könne? Er habe nur den Hund. die ihn pflegten. dem Leiden so vertraut ist wie die Leidenschaft für seine Sache. TalkshowRedakteurin Anke Richter reibt sich jedenfalls immer wieder die Augen. »Der Mensch erscheint im Holozän« (alle im Suhrkamp Verlag erschienen). das »Klöppeln auf Blech« hörte. Nach dem Tod des berühmten Talnachbars schrieb Bixio den Nachruf im Voce Onsernonese. 00800/10 02 00 30 (kostenfrei). die das Altersheim und Ambulatorium begründet haben. und sein direkter Nachbar mache ihm das Leben zur Hölle. MWE Anke Richter: Was scheren mich die Schafe. »Er war Architekt. Dort hat gerade die Ausstellung Max Frisch Berzona eröffnet. Sie erinnert sich an das dramatische Unwetter von 1978: »Damals konnten wir eine Woche nicht aus dem Haus!« Max Frisch ist dem Ehepaar noch lebhaft im Gedächtnis.. Doch dann verlief er sich. eng sind die Häuser aneinandergerückt. »Wenn ich jemanden im Notdienst kennenlerne. 14. fällt die Schlucht so atemraubend in die Tiefe. ringsum wohnten Leute aus Zürich und Bern. die es brauchten. DZ ca. dass ein Satz des Doktors noch mal in Erinnerung kommt: Es gebe wohl keinen Kilometer im Tal. Donnern und Krachen dauert doch eine halbe Stunde.K. der immer wissen wollte. von dort aus weiter mit dem Postbus oder Leihwagen www.95 € Unter Kiwis Neuseeland ist nicht nur weit weg. Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. sie mit Hut und Schal ausstattet. alle Bausteine kennen und auch sein Sterben noch selbst gestalten. Zürich 2000. 004191/797 10 00. Frisch sei eher ein Reibeisen – das war er aber überhaupt nicht. wie tief seine Bewohner im TheravadaBuddhismus verwurzelt sind und welche politischen Ansichten die »Gelbhemden« von den »Rothemden« trennen. ein bisschen Liebe ist. 14–17 Uhr (vor Juli auch freitags geschlossen) Bücher: Berzona spielt in diversen FrischTexten eine Rolle: »Montauk«. Mein Deutschlehrer hatte gemeint. was ich brauche. Hier wohnt nämlich der 92-jährige Bixio Candolfi. wie die Neuseeländer sich selbst nennen. auf der Südinsel nimmt sie an einem Naturfestival teil.ch Unterkunft: In Loco. Tel. auf dem einheimische Würmer verspeist werden. Geht er nie ins Tal? Der Mann weist auf ein unglaubliches Gefährt. was von mir bleibt. Ein alter Mann erscheint.sbb. dann eine Lichtung mit Gehöften. was läuft. 0041-91/797 10 22.« Der Passo della Garina ist eine weite. er war einer von denen. Ziegen laufen über die Straße. Mai 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 20 REISEN Wälder überziehen die Berge im Valle Onsernone Fortsetzung von S.64 12. dass Frisch gegen Ende seines Lebens immer wieder sagte. lief zum Passo della Garina. Selbst im hintersten Winkel des Valle Onsernone ist Frisch irgendwie anwesend. »He!!«.« Nice Candolfi weiß noch. kleine Gebäude über terrassierte Wiesen verstreut. den Berg hoch. im Jahr darauf noch ein Hubschraubertransport des Dichters von Spanien heim nach Berzona. kann man wandern bis ans Ende der Schlucht.ch . 0041-79/519 19 85. Auf einem Video ist der Schriftsteller in seinem Garten zu sehen. mit dem er sein Haus bis unters Dach eingewickelt hat. Polter. im April 1991. Schmetterlinge.ch. Fuß fasst. In Panik verließ Herr Geiser sein Haus. am Abend möchte man hier nicht unterwegs sein – zu tief die Schluchten. einem Urologen. Köln 2011. Tel. den auch Max Frisch oft gegangen ist. Und genau das war er selbst. auf unebenen Granitplatten sachte aufwärts. Zement. www. trafen sich Max Frischs Freunde im Garten in Berzona und streuten seine Asche in den Wind. rechts steil die Schlucht.palazzogamboni. unter dem die Mauer steil zur Schlucht hin abfällt. fundiert informiert. Beck. Die Neuseeländer haben auch einen oft recht eigenwilligen lässigen Lebensstil entwickelt. der an der Universität Hamburg die Sprache und Kultur Thailands (Thaiistik) lehrt. sind die Koffer schnell gepackt: Thailand. Komfortabel und originell am Ende des Tales. Was ist das Leben an seinem Ende? Ein Verlorengehen? Diese großen Fragen stellte der ältere Frisch in seinem Text Der Mensch erscheint im Holozän. dem letzten Ort des Tales.« Auch mit Max Frisch war das so. wie es zum Namen Siam kam und welche Rolle das Land im Zweiten Weltkrieg und im Indochinakrieg gespielt hat. nicht auf die Taleinsamkeit verpflichten. Kein Jahr später. 12.ch Auskunft: Schweiz Tourismus. Er war auch ein großzügiger Mensch. Rotpunkt Verlag. Ein stummer Dauergast.ch. Bixio Candolfi sagt: »Mir schrieb er einmal die Widmung in ein Buch: ›Für Bixio. noch kein Sommergewitter«. 26 Euro Tipp: Das Atelier Pagliarte in Berzona ist dienstags (9. in Comologno: Palazzo Gamboni. H. Wald- und Wiesendoktor«. keine kleine Sache in einem Tal. der ihn nicht kennt. Mücken. ruft jemand aus einem eingewachsenen Häuschen. Seine Kleine Geschichte Thailands zeichnet nach. www. Savary strahlt die Entschlossenheit desjenigen aus. eine Badewanne mit Rädern: »Damit bringe ich alles heim. wo er nicht schon jemanden zu Foto: Joerg Modrow/laif bergen hatte. links steil der Berg.30–17 Uhr) geöffnet und bietet handgefertigte Flechtwaren aus Stroh an.oder Pauken-Donner. www. das ohne billige Klischees auskommt und an dem nicht nur Auswanderungswillige Freude haben dürften. Unter den knapp 1000 Einwohnern des Tales gibt es wohl niemanden. wie er es sich gewünscht hatte. Tel. »Unsere Gespräche gingen oft über Tod und Sterben«. »Keine Sorge. aber es ist auch ein einsamer Bergler. von Hamburg ins »Land der großen weißen Wolke« folgt: Die Kollegen dort laden sie ein zur Motto-Party mit dem Thema »Sturm auf die Normandie«. Bixio Candolfis Frau Nice schaut aus dem Fenster. im eigenen Beruf ständig mit den großen Fragen der Existenz zu kämpfen: darin fanden sich Frisch und Savary in diesem wilden Tal. »Tagebücher 1966–71«. Comologno liegt auf einer Höhe von 1076 Metern. steht hinter Maschendraht. dem direkt neben Berzona gelegenen Hauptort des Valle. wo dieses kleine Seitental abzweigt. Wer es besser kennenlernen will. Er führt von Berzona hinüber zur Kirche in Loco. gibt es das nette kleine Ristorante Onsernone. In lockerem Erzählton und mit viel Humor berichtet sie.oder Koller-Donner. Darin zitierte er Frisch: »Wenn in dem. Birken. Und auf dem Rückweg legt man noch einen Halt in Loco ein. den Geiser sorgsam kategorisierte: als Knall.onsernone. die lebensgroße Puppe. Siehe auch Feuilleton Seite 52 SCHWEIZ Comologno Mosogno Spruga Russo Russo Maggia SCHWEIZ ITALIEN Berzona Loco Iso rno Valle Onsernone Onsernone ITALIEN ZEIT-Grafik 5 km Me o lezz Locarno Arcona Tessin Valle Onsernone Anreise: Mit dem Zug nach Locarno (www. wo Abstürze meist tödlich und Selbstmorde häufig sind. wo der Weg aufhört und Herr Geiser kurz aufatmete. Wenn Reiseveranstalter mit prächtigen Tempeln trumpfen. sagt ein Mann aus dem Dorf beruhigend. als es ihm gut ging. die kämen nur an den Wochenenden.europcar. Literarische Wanderungen im Tessin. und den Leuten im entspannten Südpazifik bleibt ausreichend Zeit für Ortsnamen wie Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. wenige Sommerhäuser liegen verstreut. »Danach trafen wir uns oft.« Das Leben immer auch in Bezug auf den Tod zu betrachten. »Die Leute sollen im Tal sterben können«. wo die grüne Grenze nach Italien verläuft. gingen auch in die Berge. an den Gartentisch des Berzona-Hauses setzt.. Öffnungszeiten: Mi bis So. Verlag Kiepenheuer & Witsch. wir sähen uns unter glücklicheren Umständen wie- der. den Talnachbar‹. Aber das Knallen.30–12 Uhr) und freitags (14. Tel. die Straße fließt weg. nicht endenden Regen und den Donner. wie sich das südostasiatische Königreich über die Jahrhunderte entwickelt und erfolgreich gegen Kolonialmächte zur Wehr gesetzt hat. grasige Ebene. Wie ein Gefangener steht er hinter seiner selbst gebastelten Befestigungsanlage. äußere ich oft die Hoffnung. als Hall-Donner. ein richtiger Talnachbar. Er war ein äußerst freundlicher Mensch.

dem einheimischen Gewächs Katharina Fritsch. dem Galeristen im Auge all der früheren Stürme.« »Hier wohnt man halt noch«. neuerdings wieder hoch gehandelten Meistern der alten Düsseldorfer Schule. die fast so gut schmeckt. dem Geck unter den deutschen Großstädten? Aber sicher. an denen der heilige Jupp sein Leben als soziale Plastik führte. aus der Hohen Straße. wird einem wunderlich zu Mute. oder von den Radschlägern und ähnlicher Folklore. Natürlich im Stehen. die sichergehen wollen. Und – gerade jetzt – das Museum Kunstpalast. zeigte in der Wohnung von Jörg Immendorff eine Filzhülle für Konzertflügel. von Süden her. So ist es hier fast überall: Mehr als die Hälfte ihres Ausstoßes füllen die Düsseldorfer Brauereien in Fässer ab. Als Laie denkt man ja.und Karamellmalz. Und doch bleibt es die Kö.. Was nicht heißt. verzeichnet für Kunstpilger all jene Orte. Seine Gäste sehen aus wie die zottelige Band von Alex Harvey. Ein Frevel! Da hilft nur die Flucht ins Kneipengewimmel der Ratinger Straße. Die »Pralinenschachtel« ist auch noch drauf – die hat nicht mal Beuys beiseite räumen können. Seeigel. kann auch anders. die vermerken. Netze flicken und Fischgerichte zubereiten kann und im Besitz eines Angelbootes mit Motor ist. die nicht nur Mochi führt. sich die Blöße zu geben. mutig zu sein. dass es den Menschen nicht nach Brot verlangte. als habe einen die Altstadt verschluckt. Zwar wurde es nach des Schamanen Tod am Rhein. Die Professoren an der Kunstakademie sind international erste Sahne. Susanne Hertsch passt nach Flingern. beim Alltagsbedarf. dieser »Pralinenschachtel«. stellte Joseph Beuys die Düsseldorfer Duldsamkeit immer wieder auf die Probe. Gerald Haenel/laif. Hier präsentieren sich ein paar der stolzesten Stätten japanischer Tischkultur – filigran. das nach zwei Jahren Renovierung seine weit gefächerten Schätze seit dem 7. Unverwüstlich grandiose schnurgerade 1000 Meter. ach. der Turner-Preisträgerin Tomma Abts. die die Entwicklung Flingerns auch skeptisch sieht. übrig geblieben beim Bau der Rheinuferpromenade. Hier wippt man beim Trinken auf den Fußballen. Und der neueste Kunstort KIT liegt bezeichnenderweise unter der Erde. für das flanierende Publikum von den herrlichen alten Bäume diskret verdeckt. vertrauen auf Susanne Hertsch. Man kommt fast automatisch durch. erklärte einem toten Hasen in der Galerie Schmela die Bilder. Struth. Dennoch sieht man auf der Rheinpromenade Touristen mit Flaschen hantieren. die neue Inneneinrichtung hat ein Westfale gestaltet. Auf einer Baustelle um die Ecke preist eine Wohnungsbaugesellschaft »klassisches Wohnen in bester Lage« an. betonbrutalen Kunsthalle. beschwingt auf die Tische gehämmert Am Anfang war das Bier. Doch. Bernsteinfarben glimmt es im kurzen Glas. das hat Welt.). Aber niemand von ihnen isst. Das schönste und eigenste aber ist der stille Kanal in der Mitte. SVEN SIMON. die Geschäfte und Restaurants. Der lässt sich auch gern was vom Pferdeapfelattentat auf den preußischen König erzählen. Wer welche möchte. Aussschnitte im Uhrzeigersinn) Die Düsseldorfer Rheinpromenade im Abendlicht Die Kö Unverwüstlich grandiose schnurgerade tausend Meter Haben sich ja alle ein bisschen in Duty-frees verwandelt. Wer nicht mehr kann. was den Mikrokosmos zusammenhält: das Altbier. hat es ja nicht weit zu einer der fast zwanzig Bars in der Nachbarschaft oder zum Ableger des Na Ni Wa gleich über die Straße. Oder der Einrichtungsladen Kyoto mit den prächtigen handgemachten Teeschalen. Als ob die Vorliebe für laute Musik automatisch mit einem Gespür für die lässige Kombination von Laufmaschen und gesprühten Kampfansagen einherginge. Früher hat sie Häuser besetzt. wie der Meister höchstselbst bei einem Besuch in Düsseldorf anerkennend festgestellt haben soll. MICHAEL ALLMAIER Das Altbier Bernsteinfarben glimmende Gläser. puristisch und teuer. www. Jahrhundert gerollt. Das hält frisch und zögert den Absacker hinaus. wo selbst eine profane Stäbchenbank verpackt wird wie ein Juwel. Zum Beispiel die ostwestliche Nouvelle Cuisine im Restaurant Nagaya: große Kunst in kleinen Portionen. den er einst im Kanu überquerte. mehr Werke von Mann besaß. wenn man in der Hausbrauerei Uerige ist und sich fühlt. Eine ziemlich herzhafte Angelegenheit – gerade so. der an Fleischerhaken von der Decke hängt. Den lautesten gönnt man sich im Engel in der Bolkerstraße. wie Japaner eins ihrer liebsten Schnellgerichte mögen. Evolutionsbiologen wollen nämlich entdeckt haben. die Fische ausnehmen. setzt an. In manchem vermeintlich japanischen Restaurant kochen Koreaner oder Vietnamesen für den westlichen Geschmack. Sushi servieren sie hier überhaupt nicht.info. Die ersten Investoren suchen bereits aus dem Flair des Viertels Profit zu schlagen. die großen Boulevards Europas von den Champs-Élysées bis zum Newskij Prospekt. Warum sollte das Gebräu nicht der Ursprung der Zivilisation sein. Nur in ihnen fühlt sich das Obergärige wohl. als der Laden noch Weißer Bär hieß. Und von Heinrich Heine natürlich: »Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön. Mai ganz neu präsentiert. In schmucklosen Imbissen wie dem Kikaku. gelangt in ein Hinterzimmer mit blutrot verschmierter Badewanne und einem alten Gesichtsbräuner. sagt Susanne Hertsch. Oder die Bäckerei Taka. wie sie aussieht. nun ein Museum ist. geduldig wartend. der Limbecker oder ähnlichen Budengassen des Grauens. Berliner und Münchner mögen zeigen. etwas ruhiger. Dazu die Kunstsammlung NRW mit ihren beiden Häusern für Kunst des 20. Beuys. In dem traditionellen Arbeiterviertel bosseln Handwerker in kleinen Betrieben. Ist man wirklich in Düsseldorf. Der Düsseldorfer aber zeigt. Filz und Mamas eingeweckten Birnen so viel positive und negative Energie produziert. WOLF ALEX ANDER HANISCH Die Kunst Gursky. Sie bilden eine Schlange. aus Köln oder Essen. vom Holzfällerhemd bis zum Partykleid. was wann woher eingeführt wurde. und auch für diese Modenschauen und Schmuckparaden. die eleganten Brücken darüber und die zart pompöse Tritonen-Fontäne von 1902. CHRISTOF SIEMES Die Mode Melonenmuster-Unterhemden für den stilbewussten Rebellen Neulich waren Betontod da. dass ihr Altbier deren Gipfel markiert? Kein Düsseldorfer Overstatement leuchtet mehr ein. Eine Kontaktanzeige im Schaufenster eines Anglergeschäftes: »Suche liebevolle Frau. dass Düsseldorf immer noch vorne mit dabei ist. für diese Glitzerdefilees und Brezelprotzessionen wurde einst die Kö gebaut. Aber die spannendsten Entdeckungen macht man eine Preislage darunter. Da macht die Königsallee keine Ausnahme. Kurioses ist in der Ackerstraße normal: die Porzellanpuppen-Parade im Fenster einer Anwohnerin. im Freiheitsjahr 48. Günter Grass). wenn doch klar ist. Alle Arten von Nudelsuppen mit geräuchertem Schweinebauch. Ein Beuys-Stadtplan. wo man sich an den Tresen setzt und zum Bier ein paar Häppchen bestellt. nämlich Icke und Mir. sondern nach dem Rausch aus vergorener Gerste. und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist. Aber was für welche! Eingelegte Qualle. Bräsiges Bierbankhocken ist nichts für Düsseldorfer. Für Hertsch die günstigste Methode. schmierte mit Bazon Brock Fettecken ins Fernsehstudio. linker Hand. als seien sie aus dem Mittelalter ins 21. Mit stoischem Schwung hämmern sie unaufgefordert auf die Tische. hier lohnt es sich. blieb nur der Name. angelegt in den ersten Jahren des 19. mit dem sich das Alt verabschiedet. Darin zechen hornbebrillte Werber mit Rentnern in PopelinBlousons. Totenkopf-Halstücher vom Krimskramsladen behaupten sich neben wallenden Haute-Couture-Kleidern von Düsseldorfs Designerstar Norman Icking. Jahrhunderts. Schwergewichte der Branche wie die Fotografen Struth und Gursky schätzen nach wie vor das besondere Klima aus Selbstbewusstsein und Toleranz. Seit sechs Jahren betreibt die Künstlerin im Stadtteil Flingern ihr Ladenatelier Misprint. Das Lichtburg-Kino! Fuchs-Greven für den geschmackvoll gestalteten Salon! Nur das Porzellanhaus Franzen (von 1820) harrt noch aus und natürlich die Galerie Paffrath (seit 1867) mit ihren charmanten Oberlichtsälen und den lieben. sondern verbarrikadiere. die sich hinter Buchläden wie Lincke und Schrobsdorff verbarg. jetzt entwirft sie die Outfits der Toten Hosen. na klar. weil immer auch ein Schuss Ignoranz dazugehört.REISEN 12. kandidierte mit Otto Schily für die Grünen. die berühmten klebrigen Reiskuchen. wer sie sind. und 21. Punks müssten ihre Mode selbst entwerfen. vierzig Galerien und der lange Schatten von Beuys Seinen Aufstieg zur Weltkunststadt verdankt Düsseldorf einem notorischen Angelwestenträger. Spitzenbordüren und Satin zu abenteuerlichen Kreationen vernäht. Das Dreieck Immermannstraße. und auch auf Deutschlands kleinen Boulevards sieht es nicht anders aus. Im Uerige strömt das Altbier aus Fässern. wenn man vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt spaziert. SANDRA DANICKE . die man hier kaufen kann: eigenwillig und auf charmante Weise zusammengewürfelt. dass die Punkrocker aus dem Ruhrgebiet künftig in Susannes Hemden auftreten. der. in der Karte blätternd. Auch wenn das heißt. Zu Gitarrenriffs von Motörhead tanzen Frauen in Leder. Gedruckt wird auf alles. als dieser je geschrieben hat. sondern auch abenteuerliche Manifestationen der deutsch-japanischen Freundschaft: Berliner Ballen mit Rote-Bohnen-Füllung! Wurstkrapfen mit Curry! Seit Fukushima bangen die Ladeninhaber um ihr Geschäft. wie der bittere Doldenhopfen zärtlich in den Gaumen beißt. der seinen niederrheinischen Querkopf mit einem Filzhut zu bedecken pflegte. Jahrhunderts. gehen betagte Damen zum Friseur und Werbeleute in die Agentur. aber eine Stadt der Millionäre. ob Kurfürstendamm. Es dauert nicht lange. die der Bildhauer Friedrich Coubillier entwarf. An allen Türen prangen Zettel. Banker mit Hausfrauen und Japanern. unter der Direktion des wunderbaren englischen Bildhauers Tony Cragg zeigt der kosmopolitische Lehrkörper mit Rosemarie Trockel. Hier haben sich seit der Nachkriegszeit über vierhundert japanische Firmen niedergelassen. dem Schotten Peter Doig und anderen. Die Tradition. Eine Millionenstadt ist Düsseldorf nicht. Geschäftspartner der wiederaufgebauten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. und sinnt dem leichten Rauchgeschmack nach. das sich so großzügig gibt. die so wirken. und der Bierdeckel ist schwarz von Strichen. wo die Altstadt zur Kirmes verkommt. darunter Veteranen der wilden Zeit wie Hans Meyer und Konrad Fischer. Vor allem die Ackerstraße mit ihrem Mix aus Stil-Altbauten und biederen Sechziger-Jahre-Wohnhäusern entzückt Freunde schräger Looks. Man erschnuppert den Duft von Röst. BENEDIKT ERENZ Japan Seeigel und Currywurstkrapfen im Imbiss nebenan Vor dem Fenster des Ecklokals Na Ni Wa steht eine lange Bank. Der hat mit all seinen Kunstbatterien aus Fett. aber nur wenig bekannt. Lang vergangen die großen Namen. So macht man das hier. ob Jungfernstieg. Die Düsseldorfer nehmen es rheinisch gelassen. Die Kellner heißen Köbesse und tragen Falstaff-Wampen unter pflaumenblauen Schürzen. und der 1812 eröffnete Breidenbacher Hof gehört jetzt einer Group mit Sitz in Atlanta. Was gibt es denn da Feines? Gar nicht so Feines. ihre Siebdrucke zu belichten. Darauf sitzen meistens Leute. unvergessen. Man ahnte es doch schon beim ersten herben Schluck: Wer so ein Bier hat. Essen gibt es nur drinnen. PBY/F1online (kl. gab bei Andy Warhol Wahlplakate in Auftrag. dass oberirdisch nichts mehr los wäre: knapp vier Dutzend Galeristen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 65 Düsseldorf: Five points Die Stadt des Eurovision Song Contest hat ein bisschen Applaus verdient Fotos: Fulvio Zanettini/laif (gr. der hier in den siebziger Jahren Konzerte gab. ein »Tunnelrestraum«. Seit er nach dem Krieg an der Kunstakademie studiert hatte (übrigens Tür an Tür mit einem anderen Querkopf. als überall in Europa die Stadtbefestigungen fielen. der glühende Thomas-Mann-Verehrer Hans-Otto Mayer. die berühmten Adressen. sitzt DivaS in der Sonne. Schrobsdorffs Besitzer war. Aber es hat schon was Symbolisches. Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften mit Foto von Boot und Motor. wo vor 30 Jahren die NewWave-Szene Musikgeschichte schrieb und deren Epigonen im Freien picheln. bis die Bedienung sie hereinwinkt. Individualisten. die Mauern und Wassergräben. ullstein. Japanische Küche ist in Deutschland beliebt. Wer von nebenan kommt. Wenige Meter weiter lockt ein Secondhandshop mit einem Unterhemd mit Melonenmuster oder fünfzig Jahre alten Feinstrumpfhosen. Düsseldorfer glauben das sofort. Düsseldorf ist anders. die schier endlose. die Leopardenfellimitate. forderte den Abriss der städtischen. Wie andere junge Designer hat DivaS für ihre Kollektion eine Kleiderstange beim Friseur gemietet. Überall die gleichen aseptisch sortierten Luxusholdingläden mit standardisiertem Verkaufspersonal samt global kompatiblem Fetischdisplay. Gut möglich. opake Front der Banken. dass er die Kunststadt Düsseldorf noch 25 Jahre nach seinem Tod leuchten lässt. Er stritt mit Johannes Rau jahrelang vor Gericht um seine Professur. von Rubens über Kirchner bis. dem Geschäft eines Szenefriseurs. Doch der Hardrock-Schuppen hält dagegen. dann prügeln ihnen tätowierte Männer den Zapfhahn hinein.misprint. was er hat. von einer neuen Direktorin frisch belebt. Im Dämmerlicht winden sich Gänge wie Bergwerksstollen durch einen Trakt aus neun Schankräumen. Per Aufzug kommen die Bierfässer aus dem Keller. Seeteufelleber . So jedenfalls heißt das Label der Blondine.. Rechter Hand. Pauli Blond. dass das eigenwillige Haus von Alfred Schmela. Nicht. Wer ihr Geschäft mit den wild bedruckten Shirts durchquert. legt ihn schützend auf sein leeres Glas – die Köbesse kennen sonst kein Erbarmen. doch eine Künstlerstadt ist Düsseldorf immer noch. der atmet hier auf. als er die ersten Äcker anlegte. Die japanische Community von Düsseldorf zählt zu den größten in Europa. Sie sitzen die Panik aus – auf der Bank vor dem Na Ni Wa. Vor St. dass man mal China als Herkunftsland seiner japanischen Pilze nennt.« Da riskiert man sogar einen Moment im Straßencafé und erfreut sich der Eitelkeiten unter der Sonne. Flingerns Bewohner sind wie die Kleidung. die Kunst nicht zeige. vor Kurzem herausgegeben von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Klosterstraße und Oststraße markiert die Grenzen von KleinTokyo. spürt beim Trinken. Vom Café Bittner.

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BLICKFANG

DIE ZEIT No 20

REISEN

In der Warteschleife
Oft preisen Urlauber nach ihrer Heimkehr aus der Karibik die Freundlichkeit der Menschen, die, wie es den Besuchern scheint, mit so wenig Besitz so glücklich sein können. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Selten blicken wir, die nach Erholung und Unbeschwertheit suchen, hinter die höfliche Fassade, wo mehr Sorgen, Nöte und Ängste toben, als wir wahrhaben möchten. Der amerikanische Fotograf Alex Webb, Mitglied der Pariser Fotoagentur Magnum, ist ein Kenner der Region. Auf seinen Bildern aus Haiti, Puerto Rico (unser Foto), Kuba, Jamaika, Trinidad und Tobago, Curaçao und Nicaragua, von den Antillen und der Dominikanischen Republik sieht man die Menschen selten lachen. Sie wirken in sich versunken, nachdenklich, gelangweilt von einem Leben in der Warteschleife auf eine bessere Zukunft. Und Webb lässt sie sein, in goldgelbem Licht und strahlenden Farben. Selten hatte die Karibik in einem Bildband ein menschlicheres Gesicht. KCB
Nikolaus Gelpke (Hrsg.): Karibik. Fotografien von Alex Webb. Mit Texten von Karl Spurzem. Mareverlag, Hamburg, 2011, 124 Seiten mit MusikCD; 58 Euro

Foto: Alex Webb/Magnum Photos

REISEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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A

ls Brutus das Licht der Welt erblickte, malte Cézanne noch romantisch, und Richard Wagner komponierte den Ring des Nibelungen. Amerika war eine Nation der Sklavenhalter, Singapur und São Paulo waren Provinznester. Telefon, Autos und Kinos kannte man damals noch nicht; noch nicht einmal die Schreibmaschine war erfunden. Die Welt, in die Brutus geboren wurde, gibt es nicht mehr. Doch die Aldabra-Riesenschildkröte tut weiterhin das, was sie schon immer tat: schiebt ihren schweren Panzer über die Seychelleninsel North Island, grast gemächlich im Schatten von zerzausten Kokospalmen, sieht die Sonne über dem Indischen Ozean aufgehen und untergehen. »Wo warst du, Brutus? Wir suchen schon den ganzen Tag nach dir«, sagt Linda Vanherck. Die belgische Biologin hat ihren ältesten Schützling schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Irgendwo im Sumpfgebiet muss er sich herumgetrieben haben. Dort verloren sich jedenfalls die Schleifspuren seines schubkarrengroßen Panzers. Linda begrüßt das Ungetüm wie eine Mutter, die soeben ihr ausgebüxtes Kind wiedergefunden hat. Ihre Freude über das Wiedersehen zeigt sich in feinen Lachfältchen, die ihre blaugrauen Augen umspielen. Auf etwa 150 bis 160 Jahre schätzt Linda das Alter der Riesenschildkröte. Und auch wenn es scheint, als sei hier noch alles wie früher, ist die Zeit auf North Island nicht stehen geblieben. Die nur zwei Quadratkilometer große Insel hat sich vom Dschungel in eine Kokosplantage und schließlich in ein beliebtes Reiseziel von Hollywoodstars und Superreichen verwandelt. Menschen kamen und gingen, einst in Fischerbooten. Heute reisen sie in Hubschraubern an, lassen ihre riesigen Koffer von Bediensteten über den Sand tragen und werden von Mädchen in weißen Kleidern wie Majestäten empfangen. Butler bringen ihnen Champagner, Sushi und Schalen mit ausgewählten Früchten. Man hat ihnen Hütten gebaut – in Wahrheit sind es Paläste aus Tropenholz mit Bädern aus weißem Marmor. Mit Betten so groß wie die Verschläge der Plantagenarbeiter, die einst die Kokosnüsse ernteten.

Wir haben die Kröten
Auf der Seychellen-Insel North Island erholen sich die Stars – und finanzieren ein Arche-Noah-Projekt VON WINFRIED SCHUMACHER

»Wir reden sogar mit Eiern«, sagt die Biologin Linda Vanherck
Brutus steht auf vier gewaltigen Füßen inmitten einer Lichtung, ein Fels von einem Tier. Doch an seiner rechten Seite ist deutlich eine Narbe zu sehen. Die mittlere Schildpattreihe ist zertrümmert. An einem Tag im Jahr 2007 hatte die Schildkröte eine schmerzliche Berührung mit dem Tourismus. Ein betrunkener Urlauber übersah ihren Schlafplatz auf dem Hauptweg von North Island und prallte mit seinem Elektromobil gegen ihren Panzer. Linda versorgte seine Wunden, bis der Riese wieder in gewohntem Stolz über die Insel spazieren konnte. Die zierliche Frau mit dem silbergrauen Seitenzopf geht vor Brutus in die Hocke und tätschelt ihn liebevoll. Er lässt sich genüsslich den faltigen Nacken kraulen. Linda Vanherck hat ihr Leben dem Naturschutz verschrieben. Schon als Kind in Belgien träumte sie davon, wie die Gorilla-Forscherin Dian Fossey nach Afrika zu reisen. Nach einem Biologie-Studium in Löwen forschte sie an der Universität Kapstadt. Sie arbeitete als Guide in südafrikanischen und namibischen Nationalparks und betreute verschiedene Umweltprojekte der Vereinten Nationen im südlichen Afrika. Auf die Seychellen lockte sie 2005 die Chance, North Island zu renaturieren. Seit ihrer Erschließung im frühen 19. Jahrhundert war die Insel eine Plantage. Arbeiter gewannen aus den Kokosnüssen Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch, die Grundlage für Kokosöl. Nach dem Zusammenbruch der Kopraindustrie in den 1970er Jahren wurde North Island verlassen. Die zurückgebliebenen Ratten, Katzen und Schweine vermehrten sich unkontrolliert und verdrängten die einheimischen Tiere. 1997 kaufte eine Eignergruppe um den Detmolder Unternehmer Wolfgang Burre die verwilderte Insel und beschloss, sie zum Deluxe-Ökoresort umzuwandeln. So entstand das Arche-Noah-Projekt. Mit Setzlingen und Saatgut von anderen Seychellen-Inseln begann die

Brutus (oben) ist geschätzte 150 bis 160 Jahre alt. Unten: Die Biologin Linda Vanherck mit weiteren Schützlingen

Wiederaufforstung des ursprünglichen Tropen- elf Gästevillen entlang des Hauptstrands sind in waldes. Nach und nach wurden die tierischen der Inselvegetation kaum auszumachen, obwohl Eindringlinge ausgerottet. Die Insel ist heute sie über eine Grundfläche zwischen 450 und 750 rattenfrei. So können sich wiedereingeführte Quadratmetern verfügen. Neben anderen AnArten wie der äußerst seltene Mahé-Brillenvogel nehmlichkeiten bieten sie den Berühmten und ungestört vermehren. Mittlerweile leben 85 Rie- Reichen dieser Welt vor allem den Luxus der senschildkröten auf der Insel, zudem etwa 20 Abgeschiedenheit. seltene Sumpfschildkröten, die wegen eines HoÜber die Gästeliste wird auf North Island telneubaus auf Mahé, der Hauptinsel der Sey- strenges Stillschweigen bewahrt, doch im Interchellen, heimatlos geworden waren. net kursieren Berichte, denen zufolge Brad Pitt Linda liebt es, Besuchern auch die kleinen und Angelina Jolie, Julia Roberts, Paul McCartWunder ihres Refugiums zu zeigen. »Hey, ihr ney und Bono bereits hier gewesen sind. Salma beiden«, begrüßt sie zwei Paradies-Fruchttau- Hayek verbrachte ihre Flitterwochen in einer der ben, die in einer Baumkrone an wilden Feigen Villen. Die Beckhams sollen zu ihrem zehnten picken. Wegen ihres weiß-blauen Federkleids Hochzeitstag die ganze Insel gemietet haben. und des roten Kopfs wird der Vogel auf Kreo- Laut Pressespekulationen plant sogar das Prinlisch Pizon Olande, »Holländische Taube«, ge- zenpaar Kate und William, seinen Honeymoon nannt. Sie gehören zu einihier zu feiern. Der Hamburgen endemischen, nur auf ger Insel-Makler Farhad den Seychellen vorkomVladi bestätigt, dass er North menden Arten. Island an die britische Krone Die Kosten für das Arvermietet hat. Den Termin che-Noah-Projekt soll das Anreise: Condor (www.condor.de) behält er für sich. Luxusresort tragen. Direkt fliegt direkt von Frankfurt am Main Linda interessiert sich hinter den Gästevillen liegt auf die Seychellen nicht besonders für die ein Hain mit Hunderten Stars, aber ein paar kuriose Kokospalmen. Linda mag Unterkunft: North Island gehört zu Geschichten kennt sie doch. sie nicht, auch wenn den den exklusivsten Reisezielen weltweit. Sie erzählt von Gästen, die Touristen der Anblick ge- Eine Übernachtung kostet all-inclusive ihr Mineralwasser aus Fifällt. »Das ist reine Mono- ab 2100 Euro pro Person dschi einfliegen ließen, von kultur. Man hat diesen Teil einer Dame, die mit viererhalten, um zu zeigen, wie Riesen- und Meeresschildkröten las- zig Paar Schuhen auf der es hier zur Zeit der Kopra- sen sich auch auf anderen Inseln der Barfuß-Insel landete, und Seychellen beobachten. Am Strand der industrie aussah.« Anse Kerlan auf Praslin legen Suppen- von einem aufgebrachten Vom ursprünglichen Tro- und Karettschildkröten ihre Eier ab. Bräutigam, der in der ersten penwald sind nur wenige Constance Lémuria Resort (Anse Ker- Nacht der Flitterwochen Hektar erhalten. Linda geht lan, Praslin, Tel. 00248-428 12 81, mit dem Hubschrauber ausvoran. Nach wenigen Mi- www.lemuriaresort.com). Junior-Suite geflogen werden wollte. nuten wird die Vegetation ab 330 Euro; La Digue ist bekannt für »Die meisten Gäste verhaldichter und wilder. Über ihre Riesenschildkrötenkolonie. Berni- ten sich aber unauffällig«, uralten Takamaka- und Ka- que Guest House (La Passe, La Digue, sagt Linda. Sie weiß, dass tappenbäumen flattern krä- Tel. 00248-23 42 29, www.bernique- ihr Arche-Noah-Projekt auf hengroße Flughunde. Unter guesthouse.com). DZ ab 95 Euro umweltbewusste Vermögenausladenden Fächerpalmen Veranstalter für umweltbewusste de angewiesen ist. rascheln giftgrüne Eidech- Seychellen-Reisen: Reiseservice Africa Am nächsten Morgen sen durchs feuchte Laub. (Bauseweinallee 4a, 81247 München, ist es so weit. Linda taucht Linda und ihr Arche-Noah- Tel. 089/811 90 15, www.reise mit einem Plastikeimer am Team haben Kokospalmen service-africa.de) Strand vor den Gästevilaus dem Wald entfernt und len auf. Elf der frisch AFRIKA geschlüpften Karettdafür endemische Arten an- Auskunft: Seychelles Tourist Office Deutschland. Tel. schildkröten sind in gepflanzt. der Nacht aktiv geLinda kultiviert für das 069/29 72 07 89, www. worden und nun reif Renaturierungsprojekt Hun- seychelles.travel für die Freiheit. Linda derte von Pflanzen in der kippt den Eimer vorinseleigenen Baumschule. North Island Praslin sichtig auf den wei»Besonders stolz sind wir Island ßen Sand, die auf unsere Coco de Mer«, sagt sie. Die Silhouette Schildkrötenbeginberühmte Seychellenpalme hat die S E YC H E L L E N Island nen sogleich, den größten Samen, die es im Pflanzenreich Indischer Ozean Wellen entgegenüberhaupt gibt. Weil die gewaltigen zuwackeln. Nur weKokosnüsse an ein weibliches Becken Mahé Island nige Meter trennen erinnern, ranken sich viele Legenden sie vom Wasser. um die Palmenart. Angeblich setzten ZEIT-Grafik Ihr Spurt über den Könige und Sultane einst hohe Summen 10 km Sandstreifen ist nicht unfür ein Exemplar der sagenhaften Nuss aus, gefährlich; die Fressfeinde die hin und wieder an fremde Küsten geschwemmt wurde. Ihren wahren Herkunftsort warten schon. Aber sobald eine Strandkrabbe angreifen will, stampft Linda kräftig auf und kannten sie nicht. verscheucht sie. »Los, ihr Kleinen, ihr schafft das!«, spornt sie die Brut an. Die Schildkröten Angeblich sollen Kate und William schieben sich auf ihren Flossen mühsam vorhier ihre Flitterwochen verbringen wärts. Bei den ersten Versuchen wirft die Nicht weit von der Baumschule hat Linda ihr Brandung sie zurück auf den Sand, doch dann Büro in einer einfachen Hütte eingerichtet. Hier sind sie alle in den Wellen verschwunden. Nur stapeln sich Bildbände über Fauna und Flora ein offenbar geschwächtes Exemplar bleibt und dicke Ordner bis unter die Decke. Die Bio- auf seinem Panzer liegen. Vergeblich versucht login führt genau Buch über die Entwicklung es, sich auf den Bauch zu drehen. Linda auf ihrer Arche Noah. Aber sie bekennt: »Ich bin nimmt das kraftlose Tier in die Hand und kein Büromensch.« In der Mitte des Raums ste- trägt es ins Wasser. »Mach’s gut, Kleiner!«, ruft hen zwei große, mit Tüchern verhängte Styro- sie ihm nach. Einen Großteil ihres Lebens werden die porboxen. »Na, wie sieht es denn heute bei euch aus?«, fragt sie in eine Kiste mit der Aufschrift Schildkröten im Ozean verbringen. Wenn sie »Unbekannt VII« hinein. Zu sehen ist nichts als Raubfischen, Seevögeln, Fischernetzen und Meefeiner Sand. »Manchmal reden wir hier sogar mit resverschmutzung entkommen, werden sie irEiern«, sagt Linda. Die Box enthält nämlich das gendwann zur Eiablage an diesen Strand zurückGelege einer Karettschildkröte. Linda hat das kehren. Forscher schätzen, dass es ungefähr 30 Nest umquartiert, als sie sah, dass es sonst vom Jahre dauert, bis die erwachsene Schildkröte das Meer weggespült worden wäre. In einer anderen Wasser wieder verlässt, um in den Sand, in dem Kiste sind die ersten Schildkröten bereits ge- sie einst geboren wurde, ein Nest zu graben. Die schlüpft. Noch liegen sie erschöpft auf dem Beckhams, Brangelina, Kate und William wird Sand, aus dem sie sich gerade herausgegraben man womöglich längst vergessen haben. Aber haben. Wenn sie anfangen zu zappeln, wird Lin- wer weiß, ob dann nicht eine Riesenschildkröte namens Brutus ihren schweren Panzer noch imda sie ins Meer entlassen. Es ist die Mischung aus ehrgeizigem Umwelt- mer über North Island schiebt. projekt und exklusiver Robinsonade, die North Island zum Ziel des Jetsets werden ließ. Ökotourismus ist in Mode unter Topverdienern. Die www.zeit.de/audio

North Island

Fotos: Winfried Schumacher für DIE ZEIT (o. und u.); Frank Heuer/laif (m.)

CHANCEN
Spezial: Bachelor & Master
Wie lange Studenten wirklich lernen, wo die Studienreform besonders gut umgesetzt wurde (ab Seite 74) und warum es noch schwer ist, die Uni zu wechseln (Seite 76)

S. 81

BERUF

Gesucht: Forscher. Zum Beispiel, um das Klima zu retten. Der dritte Teil unserer Serie über Berufe mit Zukunft

LESERBRIEFE S. 96 DIE ZEIT DER LESER ab S. 82 STELLENMARKT
S. 95

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.olafdeharde.com; kl. Foto: privat

1960er Jahre

Ach, dieser Stress
Gerade einmal 23 Stunden wenden Studenten pro Woche für die Uni auf, zeigen neue Studien VON JAN-MARTIN WIARDA
Auf den folgenden Seiten erzählen Absolventen aus sechs Jahrzehnten von ihrem Studium

Wolfgang Wiese, GrafikdesignStudent von 1966 bis 1969: »Mein Studium an der Werkkunstschule Bielefeld war absolute Freiheit für mich. Ich war begierig, so viel zu lernen wie möglich: Malerei, Grafik, Fotografie, Kunstgeschichte. Dieses Über-den-Tellerrand-Gucken habe ich mir auch im Beruf bewahrt. Jetzt, als Rentner, bin ich an die Uni zurückgekehrt und studiere Alte Geschichte. Leider kommt es mir vor, als wären die Studenten nicht mehr so frei wie damals. Sie wirken fast etwas verbissen.« Alle Protokolle:
LISA SRIKIOW

A

ls Erik Beuck in sein erstes Semester startet, erreicht der Bildungsstreik gerade seinen Höhepunkt. Herbst 2009: Überall im Land besetzen Studenten Hörsäle, ziehen durch die Innenstädte und fordern das Ende aller Spardiktate. Eines der bestgehassten Wörter ist »Bologna«, die Hochschulreform wird zum Synonym für Effizienzdruck und sinnentleertes Turbolernen. »So ist es wohl«, denkt Erik Beuck, schließlich hat er es überall so gehört – und marschiert mit. Knapp zwei Jahre später sitzt der 27-Jährige vor der Auswertung seines Lernkontos und schüttelt den Kopf. Exakt 18,97 Stunden ergibt das Protokoll seiner Studierzeit: 18,97 Stunden pro Woche, die er im Schnitt für Vorlesungen, Übungen, Hausarbeiten, Referats- und Klausurvorbereitung aufgewendet hat. Bin ich ein Halbtagsstudent?, fragt Beuck sich. Er kann es nicht glauben. Rolf Schulmeister war anfangs ähnlich überrascht. Der Informatiker leitet das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung an der Uni Hamburg, und als er vor zwei Jahren die Streiks beobachtete, war er überzeugt: Recht haben sie, die Studenten, dieser Bachelor ist eine Zumutung. Und weil Schulmeister Wissenschaftler ist, wollte er es beweisen. So stellte er mit seinen Mitarbeitern ein einmaliges Forschungsprojekt namens »Zeitlast« auf die Beine: 403 Studenten an Hochschulen überall in Deutschland protokollierten über Monate hinweg jede einzelne ihrer wachen Stunden.

Schulmeister sammelte 150 Tagesabläufe und insgesamt 1 466 184 Stunden. Als er erste Analysen durchrechnen ließ, war er zunächst sprachlos. Dann verwundert. Und schließlich kam er in Hochstimmung. »Genau deshalb bin ich Forscher geworden«, sagt er. »Weil ich nicht behaupte, schon alles zu wissen. Weil Fakten besser sind als Vermutungen.« Und Fakt ist: Der durchschnittliche Aufwand fürs Studium belief sich bei den Studienteilnehmern auf 23 Stunden in der Woche. Als Schulmeister vergangenen Herbst mit einem ersten Zwischenergebnis aus nur fünf Studiengängen an die Öffentlichkeit trat, war das Medienecho bereits gewaltig. Häme ergoss sich über die plötzlich als »faul« titulierten Studenten, die alle mit ihrer ewigen Jammerei hinters Licht geführt hätten. Häme bekam aber auch Schulmeister zu spüren, und zwar vonseiten einiger Forscherkollegen, die Methode und Aussagekraft seiner Untersuchung anzweifelten. Zu krass war die Abweichung von allen bislang bekannten Studien. Das renommierte Hochschul-Informations-System (HIS) etwa war in seiner Studie auf geschlagene 13 Stunden mehr pro Student gekommen. Auch deshalb legte Schulmeister nach. Das Ergebnis: Obwohl er den Kreis der untersuchten Studiengänge von sechs auf mittlerweile 18 erweitert und auch vermeintliche Paukfächer wie BWL oder Ingenieurwissenschaften hinzugenommen hat, blieb der gemessene durchschnittliche Studienaufwand in etwa gleich – bei großen individuellen Abweichungen. »Natürlich gibt es die Studenten, die 40 Stun-

den in der Woche studieren«, sagt Schulmeister. »Aber sie sind die Ausnahme – im Gegensatz zu denen, die 15 Stunden und weniger fürs Studium aufwenden.« Noch überraschender: Zumindest in den untersuchten Studiengängen waren die angeblich besonders geforderten Ingenieurstudenten (24 Stunden) und BWLer (25 Stunden) keineswegs arbeitsamer als die dem Klischee nach so entspannten Lehramtsstudenten (27 Stunden) und Erziehungswissenschaftler (23 Stunden). Und eines hat Schulmeister besonders erschüttert: »Die investierte Zeit hat keinen Einfluss auf Noten und Studienerfolg.« Die fleißigeren Studenten sind im Schnitt keineswegs die besseren. Aber wie kann das alles sein? Und wie kommen die enormen Unterschiede zu anderen Studien zustande? Ganz einfach, sagen Schulmeisters Forscherkollegen: Seine Daten seien nicht repräsentativ, teilgenommen hätten ein paar Hundert Studenten aus einer Handvoll Studiengänge, die auch noch aufgrund der persönlichen Initiative ihrer Studiengangsleiter bei der Untersuchung mitgemacht hätten, da sei die Verallgemeinerbarkeit schon arg begrenzt. Die HIS-Forscherin Elke Middendorff spricht von einem »dirty panel«. Ihr Kollege Tino Bargel von der Konstanzer AG Hochschulforschung, deren Studierendensurvey seit 30 Jahren zu den meistbeachteten repräsentativen Studien an Hochschulen überhaupt gehört, drückt sich zurückhaltender aus: »Die Ergebnisse von Zeitlast sind äußerst beeindruckend, die Methode der Datenerhebung ist innovativ, allerdings muss man angesichts der nicht zufälligen Aus-

wahl der Studiengänge vorsichtig sein, weiterführende Schlüsse für alle Studenten in Deutschland zu ziehen.« – »Wer so was sagt, hat die Methode unserer Studie nicht verstanden«, sagt Schulmeister knapp und verweist auf die »enorme Datendichte« angesichts von anderthalb Millionen protokollierten Stunden und die Länge der Untersuchung über fünf Monate hinweg. Das HIS hatte das studentische Zeitbudget für die 2007 erschienene, als repräsentativ geltende 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhoben. Der zufolge lag die durchschnittliche Belastung von Bachelorstudenten bei 36 Wochenstunden. Eine »äußerst besorgniserregende Entwicklung«, kommentierten Studentenverbände, Professoren und Politiker. Das war schon damals gewagt – schließlich war die vom HIS ermittelte Zeitbelastung bei den alten Studienabschlüssen ganz ähnlich. Ein entscheidender Unterschied zu Schulmeisters Studie ist jedoch die Methode: Die an der Sozialerhebung beteiligten Studenten mussten ihren Zeitaufwand fürs Studium lediglich schätzen, während Schulmeister seine Probanden sauber mitprotokollieren ließ. Schätzen sollte Erik Beuck erst am Ende. Bevor die Forscher ihm die Ergebnisse seines Zeitkontos präsentierten, baten sie den Lehramtsstudenten, die Stundenzahl anzugeben, die seiner Meinung nach seinem wöchentlichen Studienpensum entsprach. Beuck wusste da bereits, dass er nicht zu den fleißigsten Studenten gehört. Die Praxis liegt ihm mehr,
Fortsetzung auf S. 72

Widersprüchlich
»Die Ergebnisse freuen mich außerordentlich«, kommentierte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Studien des HIS, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die vor der zweiten Bologna-Konferenz am 6. Mai erschienen. DHV-Chef Kempen entgegnet: »Die Studien, die aus dem Hause Schavan kommen und nach Lesart der Bundesministerin den angeblich notorischen Kritikern der Bologna-Reform den Wind aus den Segeln nehmen, belegen in der Regel das Gegenteil.« Was die Untersuchungen tatsächlich zeigen: Vieles in der Kritik an den neuen Abschlüssen war weit übertrieben, aber besser geworden ist durch die Reform noch zu wenig. So hat sich die Studienqualität in der Bewertung gegenüber den alten Abschlüssen kaum gesteigert. Und die Verunsicherung der Bachelorabsolventen durch die ständigen Warnrufe hat skurrile Folgen: Obwohl sie ihre Jobaussichten zum Teil sogar besser bewerten als die Inhaber alter Abschlüsse und die Bereitschaft von Firmen, sie einzustellen, groß ist, hängen die Hälfte der FH- und drei Viertel der Uni-Bachelors einen Master an.

kein Aids. sagt man sich. Waxmann 2011. Das bin ja nicht ich. »Allerdings muss man festhalten: Gerade für das Drittel der Studenten. Den Studienleiter Rolf Schulmeister haben sie dazu als Berater eingeladen. Vorsitzender der bolognakritischen Professorengewerkschaft Hochschulverband (DHV). Angesichts der 18.« Ein paarmal im Semester.97 Stunden. dann komme alles zusammen. www.90 Euro www. »Jahrelang haben sie rauf und runter geschrieben. Sie haben das Semester dort in vier Blöcke aufgeteilt mit jeweils anschließender Prüfung und dabei den durchschnittlichen Studienaufwand sogar gesteigert.com. dass der Bachelor kaum zu schaffen ist. Außerdem die Klausuren: Tatsächlich sind sechs Stück in anderthalb Wochen keine Seltenheit. 30 Stunden. dann ist ein tiefer Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.« Doch was folgt aus der enormen Diskrepanz zwischen »subjektivem Empfinden und objektivem Sachverhalt«. Das liegt an dem blöden Bologna-Studium. BWL-Student von 1974 bis 1979: »Mit meinem Studium an der Uni Hamburg verbinde ich eine Freiheit. Der Preis: Jetzt zählt jede Klausur und löst Stress aus. Doch gilt die Entwarnung auch für die angebliche Überfrachtung des Studiums. von der DHV-Chef Kempen spricht? Schulmeister sagt: »Anstatt die Studenten mit bis zu 14 Themenwechseln pro Woche zu konfrontieren. sagt Bernhard Kempen. wird es schon eng. Ich habe zudem den Eindruck. die fast an Unbekümmertheit grenzt.): Die Workload im Bachelor. Auch abgesehen von der Schulmeister-Untersuchung bekommt die Reform derzeit eher gute Presse. heute nehmen die Studenten nur einen Business Case nach dem anderen durch. ohne dass er sich schlimmer anfühlt: von 24 auf 31 Stunden. In der Statistikvorlesung waren wir zu acht. sei bei vielen wirklich extremer Stress angesagt. die manchen noch nach einem Dutzend Semestern aus dem Magisterstudium gehauen haben. dass die Professoren sich mehr von den Studenten abschotten – wie vor den sechziger Jahren. Beim Deutschen Studentenwerk äußert man sich betont differenziert. sich für Prüfungen anmelden. . kl. 71 1970er Jahre Jürgen Studt. zumal auch deutlich mehr Lernkontrollen geschrieben werden als früher. was die Belastung der Studenten angeht. müssen wir das Studium in thematisch zusammenhängenden Blöcken organisieren.« Selbst Rolf Schulmeister sagt: »Eins zeigen auch unsere Daten. Buchtipp: Rolf Schulmeister/Christiane Metzger (Hrsg. lernen. »Wir haben nie behauptet. sagt der stellvertretende Generalsekretär Stefan Grob. sucht er jetzt nach Erklärungen. Gerade hat eine Reihe von Studien im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergeben. 360 Seiten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Fortsetzung von S. Ein Ergebnis. Hier offenbart sich. die viele streikende Studenten so erbost hat? »Meine subjektive Wahrnehmung als Hochschullehrer. besonders im Vorfeld der Klausurenphase. Die semesterbegleitenden Klausuren sollten die gefürch- teten Hammerprüfungen am Ende des Studiums ersetzen.72 12. Hausarbeiten schreiben.« Diese Entschuldigung zumindest könnte sich bald erledigt haben. »Mit einer zeitlichen Überfrachtung des gesamten Bachelorstudiums hat das allerdings nichts zu tun«. 34. Foto: privat gehendes Lernen möglich. und die Prüfungen ballen sich nicht am Semesterende. sagt Schulmeister. Meiner Generation ging es besser als der vor und nach uns: kein Krieg. Student Beuck bestätigt: »Die Spitzen in der Belastung prägen die Wahrnehmung. »Das hat mit den Medien zu tun«. wie hehre Absichten zum Gegenteil des Erhofften führen können. Die Fachhochschule Kiel etwa will ihre Studienstruktur neu organisieren und als ersten Schritt die Semester halbieren. keine Umweltprobleme. die anderen Wochen vergisst man irgendwie. antwortete er also – und hielt sich für extrem realistisch. nämlich dass der Studienaufwand sehr ungleich verteilt ist. das offenbar jetzt auch andere zum Nachdenken bringt.olafdeharde. dass die internationale Mobilität der Studenten entgegen allen Vermutungen der Bologna-Kritiker zugenommen hat und dass Bachelorabsolventen erstaunlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben (siehe auch Kasten). die seine persönliche Auswertung dann ergab. bleibt eine andere«. sagt er. die neben dem Studium zwingend für ihren Unterhalt arbeiten müssen.« schon jetzt arbeitet er freiwillig jede Woche einen Tag in einer Schule. Das ist eine super Ausrede.« Gemeinsam mit der TU Ilmenau haben die Hamburger Forscher ihr neues Modell bereits ausprobiert.de/audio Ag Fordham www.zeit. dass die Lage der Studenten wegen des Bachelors per se schlecht ist«. wenn man mal keine Lust hat aufs Lernen.

Eine längere Acht plus vier ist gleich zehn Semester«. »Unsere Gleichung lautet: Argumente nur teilweise zu halten. »Es Hochschulen zeigen sich bei dem Thema zurück. RegelstudienAuch die tatsächliche Berufsbefäzeiten von sechs. aus. Jeans.logiestudium.« Die Universität Konstanz bietet seit Worauf sie verzichten würde. »Wenn es aber funktioniert.com.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Die meisten diengang neu akkreditiert werden – das kostet.gleichen.und Methoden. »macht immer noch Spaß.mich sinnvoll spezialisieren können. Sie hat Dienst im Fachschafts. die neuen. hier können die Studieren. Und nach nur drei Jahren PsychoDas anwendungsorientierte Psychologiestudi. sagt Brielmann. »Den meisten meiner Studenten fehlte bislang die Zeit. Sie schaffen aber andere Probleme VON MAREN WERNECKE eginnen wir mit der Ausnahme.schulpräsident Elmar Schreiber. und grinst. Pferdeschwanz und kommt. und die schaftliche Variante führt gezielt auf ein zweiAbsolventen wären mit ihrem ersten Hochschul. mit meinen Kommilitonen von dort bin ich noch immer befreundet. Sense«.semestriges Masterstudium hin. »Cut. Die Stundenpläne sind oft straff. WirtschaftsReform führten. und es gibt derzeit keine Pla.stimmten Studiengängen ein zusätzliches Ausgen erbracht werden müssen. auch mal andere starken Praxisbezug haben. die andere Option soll die Bachelorabsolventen optimal vorbereitet in abschluss besser qualifiziert. auf dem gesucht«. Politikstudentin von 1981 bis 1986: »Während der Schule wechselten meine Berufswünsche mehrmals. Allerdings beschränkt sich das Phänomen der schulwechsel zwischen Bachelor und Master würden Studienzeitverlängerung bislang nur auf wenige erschwert. Basismodule? Sollten vor dem sechsmonatigen Berufspraktikum im fünften muss jedenfalls jetzt los. die Situation weniger Zeit ab. sagt HochStudiendauer beispielsweise führt nicht auto.und Sozialwissenschaften. Die wissensich flexibler und individueller gestalten.zur Universität oder ein zusätzliches. samt Blick auf See und Alpen. mit dem man in den Bevielfalt. wie sie ist. »In einem Einige Hochschulen wagen es: Neben der Universität Konstanz hat zum Bei. das im Rahmen des Bachelor-Plusauch die 20-jährige Psychologiestudentin Aenne Programms des DAAD finanziell unterstützt wird Brielmann aus Konstanz. »Aber der Stundenplan Berg. sofern es Finanzen und Zeit zulassen. »Wie soll ich eine wissenschaftlich wirklich gute Grundausbil. »Studieren«. sagt sie. die man auf sieben oder acht chelor daher fast flächendeckend Semester umstellte. Rechts-.« Dennoch zeigt sie sich von dem Konzept ihres Fachbereichs überzeugt: »Wir sind erst am Anfang. die im Jahr 2009 eine Regelstudienzeit von sieben Semestern auf. energische – ohne dass es zu einer Studienzeitverlängerung Person mit T-Shirt. noch betrachtet man uns als Exoten«. Grundsätzlich ist für Studieverlängerten Studiengang zu reden. Klinische Psycho. Deutsche Fachhochschulen.Abschluss in der Tasche. inhaltlich auf ein Niveau Herbst 2011 als erste deutsche Hochschule alle zu kommen und später ihre wissenschaftlichen ihre Bachelorstudiengänge regulär vier statt drei Grundlagen zu vertiefen. interdiszipliraum. »Den Studenten bliebe in der Eingangsversität in Friedrichshafen wirbt damit.Brigitte Rockstroh kennt diese Argumente und gibt zu: »Vier Jahre Bachelor plus zwei Jahre Masnungen. also aufeinanDie Forderung nach längeren Hochschulen können derfolgenden Studiengängen nur Regelstudienzeiten machte die die Studiendauer des zehn Semester betragen: Zu eiRunde.zweisemestrigen Master müsste man sich im Wespiel die Uni Bamberg die Regelstudienzeit ihres sentlichen auf die Masterarbeit konzentrieren«. Hochschulrahmengesetz räumen jeder Hochschule die Freiheit ein. es zum Beispiel von der Universität Freiburg. diese Unabhängigkeit hatte ich sogar gesucht. der Sprecher der Universiacht Semester erhöht.noch nichts vom Berufsleben mitbekommen stroh. Würden Studiengänbleibt für den Master versitäten lehnen den langen Bage. Zeitproblem darf die Gesamtregelstudienzeit zum Teil bis heute.insbesondere die Ingenieur-. Von der Wand des Fachschaftsraums starrt ein im vierten Semester beginnt die Einführung in die weißer Hase mit roten Augen vom Werbeplakat Anwendungsmodule. Allerdings abschlusses stellten viele infrage. Doch bei genauerer Betrachtung sind diese den Beruf entlassen. sagt sie. An Kunst. heißt nicht sofort panikartig alles wieder umzustellen«. wenn ich dung vermitteln zu können«. ohnehin acht Semester. Studiengangs Internationale BWL von sechs auf sagt Andreas Archut. da in den zusätzlichen Semestern ebenfalls Leistun. Einige Universitäten wiederum sehen bei bematisch zu einer Entzerrung des Stundenplans.« Probleme wie diese waren es.« Hinzu kommt.raum und das Biopsychologie-Seminar gequetscht kante auf das grau melierte Sofa unter ihr. sagt Brigitte Rock. zu Massendemonstrationen gegen die Bologna. Sie steigt auf das Sofa und klaubt einen achtsemestrigen Bachelor in Psychologie an. der Ständige Vertreter des Prädie Universität des Saarlandes lässt wissen: »Alle sidenten der Universität Augsburg. Abschlüsse ließen sich schlechter verHochschulen und Fachbereiche – ein bundeswei. Dort sehen etwa Bachelors flexibel auf gehörte demnach ein zweisemes95 Prozent der Bachelorangebote bis zu acht Semester triger Master. ist immer noch unglaublich voll. sagt Brielmann. das war schon früh klar. Aber ich habe mich schnell zurechtgefunden. Verschieben könne man auch in den vier Jahren rende ein längeres Studium ohnehin nicht auswenig.torenkonferenz wiesen im vergangenen Wintersemester 44 Prozent der Bachelorstudiengänge zeit zu überschreiten bedeutete Stress. Bereits hat. wobei sich die Studierenden Dabei scheinen die Vorteile einer Verlängerung nach dem sechsten Semester entweder für den auf der Hand zu liegen: Es bliebe mehr Raum für berufspraktischen oder den wissenschaftlich orienPraxis. um ter finde ich sehr wichtig«.tät Bonn. habe man keinen um ist bekannt für seine Fächer. Heimelig war es an der Uni Hamburg nicht. sagt Brielmann logie zum Beispiel oder Gesundheit und Arbeit. sagt Rockstroh. Foto: privat Aus sechs mach acht . Die Psychologiestudentin Aenne Brielmann Ende zweites Semester. ab phase zu wenig Zeit. Auch die Konstanzer Psychologieprofessorin unsere Bachelorstudiengänge sind auf sechs Semester ausgelegt. »Wir haben aus allen Fakultäten ein kla.und Musikund-Master-Struktur sollte Deutschland eigentlich hochschulen dauern drei Viertel der Bachelors fit für den europäischen Hochschulraum machen. Vor allem muss jeder verlängerte Stuter Trend ist mitnichten erkennbar. wenn immer möglich zu verbessern und res Bekenntnis zum dreijährigen Bachelor«. eine sechssemestrige Studienfestlegen.gilt. bei konsekutiven. Rein rechtlich ist das seit Jahren möglich: Die Stattdessen seien gerade die sechssemestrigen Bachelors mit Stoff und Prüfungen vollgestopft.und Auslandssemester. das Studium ließe tierten Zweig entscheiden können.Ländergemeinsamen Strukturvorgaben und das ben Freiräume auf der Strecke – so die Kritik. gerade eingeführten Modelle zu haltend. weiß sie allerdings dem Wintersemester 2009/10 einen auch nicht. den sie zwischen die Präsenzzeit im Fachschaftssagt Aenne Brielmann und haut mit der Hand. haben dies längst beVorlesungen zu besuchen oder etwas in Ruhe zu rücksichtigt: Nach Recherchen der Hochschulrekverdauen«. Am »Ich habe mir die Konstanzer Uni bewusst ausSüdrand der Bundesrepublik. werden andere nachziehen. Orientierungsmodule? Deadline geschlossen.testen. Auch Übergangssemester von der Schule Sommersprossen. sagt sie. Auch die Goethe-Universität in Frankfurt am Main plant im Fach Sinologie schiedlich langer Bachelorstudiengänge die Mobilität der Studierenden einschränken würde: Hocheine Umstellung auf acht Semester. eine zierliche. sie fürchten eine Schmalspurnicht verbessern? ausbildung im Master.« Möglichkeiten gibt es viele. es bleibt Zeit. dies zu ändern. kl. So stellt zum Beispiel die Jade Hochschule Oldenburg/Wilhelmshaven/Elsfleth im nächsten Wintersemester alle ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge auf acht Semester um. warum die Welt so ist.« ter wären mir lieber. »In Übersichtsplan von der Wand. Und sagt Alois Loidl.olafdeharde.steht auf einem Pfeil. Die Umstellung auf die Bachelor. blie.« B 1980er Jahre Juliane Papendorf. Ich wollte wissen. Semester abgeschlossen sein. Die private Zeppelin Uni. insbesondere an den nem achtsemestrigen Bachelor Universitäten. über ihren näres Studienjahr sollen an einzelnen Hochschulen angeboten werden.der Psycho-Oster-Party. Nur dass ich studieren würde. der ruf einsteigen könnte. gefallen ihr. Sie will in den Sportkurs. »Das Praxissemesunserem Fach sind vier Jahre das Minimum. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 73 Längere Bachelorprogramme könnten die Stundenpläne entlasten. sieben oder acht higung des ersten HochschulSemestern festzulegen.« Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Und das Studentenwohnheim wurde zu meinem Zuhause. Professorin für klinische Psychologie und habe?« Auch die frühen Vertiefungsmöglichkeiten Studiendekanin. die ohnehin einen gefühlte Druck ist hoch. Follow the white rabbit den einen Schwerpunkt wählen. dass ein Parallelangebot unterJahre laufen zu lassen. Aber: Dann Die forschungsorientierten Unidauer vor. keiner kommt. »Und die Regelstudien. Das weiß inzwischen landsjahr vor.

»Wir sind das Hackfleisch in der Bolognese« oder »Dichter und Denker statt Bachelor und Banker« stand auf den Plakaten. Sie darf maximal 2000 »Bologna ist prima« Man muss die Studienreform nur richtig umsetzen. dass das. wie man es besser machen kann. Allem Studenten-Widerstand zum Trotz beweist die Provinz-Uni gerade. zeigt die Universität Hildesheim erner Greve hat sich eine bunte Fliege umgebunden und wird gleich etwas sagen. sagt Werner Greve. Greve und die Universitätsleitung Hildesheim aber schon. eine Frage: Wie kann man die Bachelor-Master-Strukturen an den deutschen Universitäten verbessern? Nicht alle Teilnehmer des Forums sind von der Studienreform überzeugt. Sie sind gekommen. »vergessen wir’s!« Die Umstellung von den alten Studiengängen auf die neuen sei eine echte Chance gewesen. Manchmal mischt sich schon etwas Größenwahn in seine Worte. Bologna heiße der Zug der Zeit. Greves Abendrede ist nicht nur höfliches Gefasel. Einsendeschluss ist der 25. einer klatscht. Friedrich ist ein großer. »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand. Daraufhin richtete er einen sogenannten Bologna-Tag ein. was in Hildesheim geht. das Preisgeld geht an die Fachschaft. dass die deutsche Hochschullandschaft auf Hildesheim blicken sollte. Die präsentieren sich dann Ende November in Berlin. um den Studenten individuelle Wahlmöglichkeiten zu geben. Wer sich auf den Weg nach oben macht. »Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«. sondern den Bottom-up-Prozess«. Im Fokus steht die Frage: Wie kann man das Studium verbessern? In welchen Fachbereichen gibt es wo genau noch Probleme? Und: Wie sind sie zu beheben? Das Ergebnis: Die Module sind in Hildesheim flexibler geworden. Werner Greve und Toni Tholen haben sich entschlossen. Zwei Tage. »Ich glaube. son- dern vor allem auch eine Frage der Einstellung. ging der Bologna-Koordinator Toni Tholen einfach hinein. muss sich Debatten stellen. Juli. In einigen Studiengängen wurden die Module geöffnet. »Schade ums Diplom«. Als die Hildesheimer Studenten während der Bildungsproteste den Hörsaal der Uni besetzten. Und hierbei unterscheidet sich die kleine Universität momentan von mancher Massenhochschule. wählt eine Shortlist von sechs bis acht Studiengängen aus. Die Uni Hildesheim hat sich mit ihrer Reformbereitschaft vom Hannoverschen Stiefkind zum bundesweiten Musterschüler gemausert. In Hildesheim studieren 5000 Studenten von bundesweit rund 2.de/cum-laude. Greve hebt sein Sektglas und sagt: »Bologna ist schon jetzt ziemlich prima!« Die Reaktionen der Zuhörer im Foyer des Römermuseums Hildesheim sind gespalten. Und dass es nicht nur eine Sache der Größe und des Geldes ist. Er fragte die Studenten. Vorschläge können Studierende gemeinsam mit einer Fachschaft einreichen. sagt Friedrich. den Kopf oben zu halten. oder Sie schauen. mit gerade einnmal knapp über 100 000 Einwohnern. In Hildesheim sieht man es als Zeichen des Fortschritts. was ihnen nicht passte. gebildeter Mann mit epochalen Gesten und vornehmer Art. Je lauter ihr Protest wurde. sind die Lehrinhalte aktuell? Lässt es Ihnen den Freiraum. sagt er dann und weist auf die »spezielle Kommunikationskultur« an seiner Uni hin. Aber nicht nur die Studenten zeigten während der Streiks ihre Unzufriedenheit. was genau sie blöd fänden. Was ist nun an der Uni Hildesheim so anders als anderswo? Stellt man diese Frage dem Präsidenten Friedrich. Gleich mehrmals wurden die Studienordnungen überarbeitet Natürlich macht es Arbeit. Vergangenes Jahr gaben die neun größten technischen Hochschulen in Deutschland beVON NORA GANTENBRINK W kannt. Vier Mal wurde allein an Greves Institut die Bachelor-Studienordnung überarbeitet. Es gibt Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer und den ältesten Rosenstock der Welt. Er soll den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten weiter vorantreiben. Natürlich ist jedem Studenten etwas anderes wichtig.« »Was in Hildesheim geht. Denn viele Universitäten haben die Proteste nicht konstruktiv genutzt. Sie wollten das Diplom zurück. Eine Jury. aber es muss sein. we can make it everywhere!« . Und die Studenten fühlen sich von der Universitätsleitung in ihren Anliegen ernst genommen.und Masterstudiengänge aus. dann sagt der erst einmal »Tja«. was viele Menschen nicht hören wollen. Ein Formular für den Antrag steht unter www. Die Studenten konnten kommen und in Workshops besprechen. Mittlerweile heißt der Bologna-Tag in Hildesheim »Dies academicus« und ist zum festen Bestandteil des Studienjahrs geworden. andere raunen. Für dieses Engagement hat die Hochschulrektorenkonferenz Hildesheim auf die Liste der »Good Practice«-Beispiele gesetzt. sagt Greve hingegen nur. die sich direkt aus dem Aufbau des Studiengangs ergeben. Den Studenten gefiel das. Hildesheim ist aufgesprungen. Greves Meinung nach ist Hildesheim auf dem aufsteigenden Ast. ruft er zum Abschluss seiner Abendrede ins Foyer und breitet die Arme aus: »If we can make it here. geht auch woanders« Wolfgang-Uwe Friedrich. An vielen anderen Universitäten gilt es als Niederlage. desto mehr Universitäten machten sich die Kritik der Studenten zunutze – oft für ihre eigenen Interessen. der in der Uni Hildesheim weht und der von Personen wie dem Uni-Präsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich. und prämiert die drei besten mit einmal 3000.stifterverband. Selbst der Asta-Referent der Uni spricht sich inzwischen öffentlich für die Bachelor. Trotzdem findet Greve. Der von Bachelorstudenten oft angeprangerte »Prüfungsmarathon« wurde durch weiter gefasste Prüfzeiträume entzerrt. die Prüfungsbelastung ist durch die Verringerung von Modulen reduziert worden.de. Manche der Anwesenden nicken. Aber viele universitäre »Sesselpupser« sähen das nicht ein. um zu diskutieren. eigene Schwerpunkte zu setzen oder vielleicht ins Ausland zu gehen? Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sucht Studiengänge. woanders ganz bestimmt auch geht«. Und wie. Credit Points wurden dem Aufwand angeglichen. die auf der Bologna-Konferenz 1999 beschlossen wurde. dem Bologna-Koordinator Toni Tholen und Werner Greve maßgeblich bestimmt wird. Sie sind die Antreiber auf den Campus. die mehrheitlich mit Studierenden besetzt ist. denen – aus welchem Grund auch immer – besonderes Lob gebührt. sondern stattdessen den alten Studiengängen nachgetrauert. Er sitzt in seinem UniPräsidium wie ein König. Das klingt dann so: »Auch Cambridge war mal ein rotes Backsteingebäude in der Nähe von London. wo die drei besten ausgezeichnet werden. dass Bildungskrisen auch Chancen bergen. so eine Studienordnung immer wieder umzuschreiben. drei Mal die für den Master. einmal 2000 und einmal 1000 Euro. Worte lang sein. Studienordnungen innerhalb kurzer Zeit zu ändern. »Wir bevorzugen nicht den Top-down-. die Tausende Studenten in Deutschland 2009 während der Bildungsproteste über ihren Köpfen schwenkten. dass sie den Master schlecht fänden.maegdefessel@stifterverband. »Missbildung«. der Leiter des Instituts für Psychologie. Deswegen fragt der Stifterverband: »Welcher Studiengang verdient Lob und warum?« In der Begründung sollen ausschließlich Kriterien eine Rolle spielen. Wie das geht.« Hildesheim ist die kleinste Großstadt des Landes Niedersachsen. sagt er. Schicken Sie den Vorschlag mit dem Formular an daniela.74 12. sondern bezeichnend für einen reformerischen Geist. Mai 2011 AUSSCHREIBUNG DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Lob dem Studiengang Der Stifterverband sucht die besten des Landes Verdient Ihr Studiengang die Auszeichnung »cum laude«? Ist das Studium besonders gut strukturiert.2 Millionen.

zum Opfer dieses Erfolgs zu werden – denn die Universitäten haben von ihnen gelernt. Bedürfnisse. in Richtung eines umfassenderen Bildungsbegriffes. die einem dazu in den Sinn kommt. desto erfolgreicher wurden die Fachhochschulen. als er noch vor wenigen Jahren en vogue war. Lange fühlten sich die deutschen Fachhochschulen gleichermaßen als Musterschüler und Stiefkinder der Bildungsinstitutionen: effizient. das nice to have ist. Das. Er hat mich bis ins Berufsleben begleitet und berät mich noch heute – ich berate ihn allerdings auch. Und: Diese Seminare besuchen angehende Architekten. Jetzt aber laufen sie Gefahr. Bauingenieure. 1990er Jahre Markus Birzer. engagieren jüngere Lehrende mit flexibleren Arbeitsverträgen. sagt Pötzl. Um dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete. Wissenschafts-. worin sich die aktuellen Studienanfänger von den früheren unterscheiden: Jünger seien sie und weniger homogen.und VWL-Student von 1988 bis 1993: »Nach dem Vordiplom in Bamberg bin ich nach Hamburg gegangen und kam dort mitten im Streik des Asta an. Im zweiten Semester kommen Wissenschaftstheorie. »Einführung in die Ethnologie«. was die Hochschule Coburg derzeit umgestaltet. in deren Augen das »allgemein« in »allgemeine Hochschulreife« in erster Linie für »nicht praxisrelevant« stand. entzerrt werden. darunter »Allgemeine Ethik«. Allmählich aber spricht sich herum. entwickeln neue Studienfächer und unterstützen ihre Studenten beim Berufseinstieg. deren Präsident er ist. und sie zahlen keine Studiengebühren. kann den alten Stadtkern erahnen. Pötzl ist gerade aus dem roten Baucontainer ausgezogen. einsemestriges Studium generale eingerichtet. Pötzl erzählt. seien meistens hoch motiviert und könnten sich gut selbst organisieren. Das heißt für die Hochschulen: Sie können immer weniger voraussetzen. und wenn er sich nach links beugt. Die Studenten schreiben sich ein und können aus etwa 50 verschiedenen Veranstaltungen wählen. Gesundheit und Gestaltung. Fachkräfte gegen den Fachkräftemangel heranzubilden. Heute besuchen die Hochschule Coburg junge Leute mit vielfältigerem Bildungshintergrund: Manche haben das Abitur oder Fachabitur. manche haben die Berufsoberschule absolviert. Je stärker Praxistauglichkeit angesichts der Schwerfälligkeit der Universitäten zum Gebot der Stunde wurde. müsse auch von einem Lernen begleitet werden. 2012 soll es gebaut werden. die wiederum den Abiturienten. ihr Tun in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. Instrumentelle Bildung. glaubt man an der Hochschule Coburg VON ANDREAS UNGER E s ist verführerisch. und sie ist falsch. Produktdesigner. also rein zweckgerichtetes Lernen.com.und Kulturgeschichte dazu. In den fünfziger Jahren kamen Elektrotechnik und Maschinenbau dazu. Technik. Und zweitens kommt man so dem Orientierungsbedürfnis nach. im nächsten Jahr 200. einige eine Berufsausbildung und drei Jahre Praxiserfahrung hinter sich. Deshalb haben die Coburger für den doppelten Abi-Jahrhang ein freiwilliges. »Interkulturelle Kompetenz«. und das gilt nicht nur für Sachinhalte. Foto: privat Praxisnähe reicht nicht aus Zur Ausbildung gehört auch Bildung. und Anfang der Siebziger wurde aus dem Polytechnikum eine Hochschule samt Betriebswirtschaft. Knapp 4000 Menschen studieren hier. aber ungeliebt. die dafür von der Praxis wenig Ahnung hätten. So sollen erstens die Jahrgänge. Er ist der humanistischen Tradition näher. aber praxistaugliche Kräfte zur Verfügung zu stellen. Eigenheiten – darüber also. Mit Studierenden der Fakultäten »Soziale Arbeit und Gesundheit« und »Design« sprachen die angehenden Architekten auch über den Aktionsradius alter Menschen. Sozialarbeiter und Versicherungswirtschafter gemeinsam. Vor 20 Jahren waren die Studenten klassische Gymnasiasten und Fachoberschüler: schlau. trivial erschienen. Sie haben sich einen neuen Claim gegeben: »Die Projekthochschule«. das dem eigentlichen Studium vorausgeht. Denn Elfenbeintürme werden nicht so beherzt umund neu gebaut wie derzeit der Coburger Campus. »Die nach Schema F zu belehren. Studierende. Ein Viertel bis ein Drittel der Semesterwochenstunden sollen so gestaltet werden. aber ihnen fehlten theoretische Grundlagen. mit Ethik-Konzepten von Aristoteles bis Habermas und mit dem Unterschied zwischen geistesund naturwissenschaftlichen Methoden beschäftigen. dass die Zeichen der Zeit rückwärts deuten. 2010 etwa entwickelten Architekturstudenten ein »Wohlfühlhaus für Jung und Alt« aus Holz für Bamberg. Sondern dass die Studierenden auch lernen müssen. »Persönliche Reifeprozesse können wir nicht beschleunigen. müssen sie an den Hochschulen nachholen. wie ein Haus gestaltet sein soll. und dass umfassendere Bildung kein Add-on ist. entrümpeln ihre Curricula und ihren Verwaltungsapparat. Aber wir können ihnen einen Raum geben«. Damit soll das Denken in Zusammenhängen erlernt werden. solange sein Zimmer noch nicht fertig war. Dabei ging es nicht nur um Gebäudetechnik. Tendenz steigend: Derzeit entstehen neue Hörsäle und Verwaltungsgebäude. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 75 Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Auch so werden Inhalte anwendungsbezogen. Die Coburger Studenten machen das ganz konkret. aber noch grün hinter den Ohren. 112 Studierenden nehmen es derzeit in Anspruch. sondern für das Unternehmen. An meiner alten Uni hatte es keine überfüllten Hörsäle gegeben – der Protest und die Stimmung an der neuen haben mich daher ziemlich beeindruckt. Der Vorläufer der Hochschule Coburg war rein praktisch ausgerichtet: Vor 199 Jahren wurde die Handwerkerschule gegründet – ein Anlass für die FH. was die Studierenden an den Gymnasien durch die Schulzeitverkürzung nicht gelernt haben. Bildung bedeutet zunächst: Orientierung. das diese Zwecke hinterfragt. sagt Pötzl. Dreierlei soll darin zum Ausdruck kommen: Anwendungsbezogenheit. Betriebswirtschaftler. der ihn beherbergt hatte. die brauchen ihre Zeit.olafdeharde. Ist das ein hübscher Marketingeinfall? Oder vielleicht ein Zeichen für den Sinneswandel einer Hochschulgattung. sieht er auch die Veste Coburg. wissenschaftlicher Anspruch und der Blick über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus. Die Prüfungen werden ihnen später angerechnet. er sitzt über den Baumwipfeln. um über ihre persönliche und berufliche Zukunft nachzudenken. zu viel in Michael Pötzls Aussicht aus seinem Büro hineinzudeuten: Auf einem Berg über Coburg liegt die Fachhochschule. Trotz dieser Umstände hatte ich in Hamburg einen engen Kontakt zu meinem Professor.und Zivildienst und ein Schuljahr weniger Zeit hatten. Gesundheitswissenschaftlicher. hatte man im Zuge der Bildungsexpansion ab dem Ende der sechziger Jahre die Humboldtsche Einheit aus Lehre und For- schung aufgegeben – an Fachhochschulen lernten und lehrten vor allem Praktiker. die keinen Wehr. Und das ist nicht das Einzige. da ich studentischer Mitarbeiter war. in dem alte Menschen möglichst gern möglichst lange und möglichst selbstständig leben können. die doch eigentlich stolz darauf ist. das junge Leute haben. Technik. aber auch »Die Gitarre in Theorie und Praxis« und ang- lizistisch Verklausuliertes wie »Social Contacts and Telephoning«. Geburtstag zu feiern. dass es nicht genügt. »Elfenbeinturm« ist die Assoziation. Umgekehrt müssen nun die Fachhochschulen von den Universitäten lernen. ihre Lebensgewohnheiten. die durch die Verkürzung der Schulzeit und die Wehrdienstaussetzung gleichzeitig an die Hochschulen stürmen. nämlich der Ausbildung praxistauglicher Arbeitnehmer? Die Coburger haben erkannt. die aus dem Beruf kommen. Sie bemühen sich um ihre Studenten. Deshalb sollen sich alle Erstsemester in Coburg vom Wintersemester 2012/13 an mit philosophischen Grundlagen. kl. Materialkunde. Statik und Baukonstruktion. als es denjenigen recht sein dürfte. das klappt nicht«.« . sich durch nichts vom Erreichen ihres Hauptziels abhalten zu lassen.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Zu lange galt der Grundsatz: Nicht für die Schule lernen wir. sozialer Arbeit. Politik. das an den Fachhochschulen lange vernachlässigt wurde.

wie David Meurer. wird an seiner Uni Göttingen nicht angeboten. dass sich die Studienqualität gebessert hat. Die besten Teilnehmer werden zum mündlichen Test am 8. finden wir nicht akzeptabel«. Strategie.hochschule-biberach. der Vorsitzende des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften. Juni in München. Anders als bei David Meurer ist der Hochschulwechsel von Thorsten Ostholt keine freiwillige Angelegenheit.« Thorsten Ostholt hatte bereits vorgebeugt: »Ich bin davon ausgegangen. »Die Praxis der Hochschulen. beim Übergang in den Masterstudiengang einer anderen Uni keine Probleme gehabt zu haben. Mit dem Abschluss des Bologna- Prozesses im Jahr 2010 hoffte man auf Besserung.« Sie riet damals allen Bekannten von einem Wechsel ab. Heute. Düsseldorf und Hamburg.« . dass es den Verantwortlichen noch an Lösungsideen mangele. nur die besten Studenten haben. an eine andere deutsche Hochschule zu wechseln? VON MARIE-CHARLOTTE MAAS E inmal hatte es schon geklappt. bis Thorsten Ostholt zuletzt fürchtet. sondern abschrecken wollen.« Vor drei Jahren stellte die Studie »Innerdeutsche Mobilität im Studium« des Hochschul-Informations-Systems (HIS) den deutschen Hochschulen kein gutes Zeugnis in Sachen Wechsel aus: Es gebe Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen. »Die neuen Bachelorund Masterstudienprogramme sind sehr stark ausdifferenziert. wenn überhaupt. die man im Ausland erworben hat.de/emadipcomm Bau-Bachelor in Berlin Am 1. Dennoch blickten die Hochschulforscher optimistisch in die Zukunft: Die Probleme seien vermutlich auf die Umstellung zurückzuführen. »Dieser Wechsel hat mich mehr Mühe gekostet als meine Bachelorarbeit. Das Seminar Gender-Studies etwa. oder 9.de Neue Bachelors in Biberach Die Hochschule Biberach erweitert ihr Studienangebot zum Herbst um die Bachelorstudiengänge »Energiewirtschaft« und »Industrielle Biotechnologie«. Zurück in seine Heimatstadt Berlin. Ist mit Bologna tatsächlich alles komplizierter statt einfacher geworden? Nicht ganz. Ein Glücksfall. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN TIPPS UND TERMINE Bewerbungsschluss an der Law School Wer am Zulassungsverfahren der Bucerius Law School für den kommenden Herbst teilnehmen möchte. »Inzwischen bin ich gegen alles gewappnet. dass sie gegebenenfalls Studienleistungen nachholen müssen. Margret Wintermantel gibt zu: »Wir sind noch nicht so weit. www. denn ab einer gewissen Abweichung wird man nicht mehr zugelassen«. muss bis zum 15. sagt Ninia Binias: »Schlimm war es schon immer. dass wir hinter alle Ziele des Bologna-Prozesses einen Haken setzen können.« Auch Margret Wintermantel. www. Er richtet sich an IT-Fachkräfte mit einem Hintergrund beispielsweise in Informatik.baltic-college. Florian Pranghe vermutet hinter dem Vorgehen der Hochschulen ähnliche Gründe: »Die Unis sind überfüllt und wollen.de/423/detail/buw Restlos abgeschreckt Warum ist es so schwer.beuth-hochschule. die er gern vertiefen will. Der angehende Lehrer Thorsten Ostholt sieht seine Odyssee mittlerweile mit Humor. wie anstrengend das Referendariat ist.zeppelin-university. was natürlich auch eine positive Entwicklung ist. »Das war sehr umständlich«. Ein engagierter Studienberater riet ihr daher.de Erste Master in Schwerin Zum Wintersemester starten am Baltic College/Campus Schwerin die viersemestrigen Masterstudiengänge »Management im Kulturtourismus« und »Marketing-Management im Tourismus«. die Studenten verlören Zeit. So einfach wie damals wurde es nie mehr. Als der Politikwissenschaftsstudent David Meurer im Wintersemester 2007 von Jena an die Universität Marburg wechseln wollte. des Dachverbands der Studierendenvertretungen in Deutschland. sowie an Mitarbeiter aus den Bereichen Unternehmensentwicklung. den einzelnen Betroffenen tröstet sie kaum. Juni in Stuttgart. welche Module Ostholt belegt hatte. und habe einfach mehr ECTS-Punkte gemacht. Leipzig. Ein Master für seine Bachelor-Fächerkombination aus Chemie und Sport. In Göttingen wollte sie auf Spanisch verzichten und stattdessen zwei Hauptfächer studieren. den »Executive Master of Digital Pioneering«. in Marburg ganz groß.de Master für digitale Pioniere Die Zeppelin Universität (ZU) Friedrichshafen bietet ab Herbst einen berufsbegleitenden Masterstudiengang für digitale Geschäftsmodell-Innovationen an.« Ständig verlangen die Prüfungsämter neue Unterlagen. der Autor der Studie. nicht nur an einer Uni gewesen zu sein«. dass mich nach dem Wechsel nichts mehr stressen kann«. www. Nach dem Ende ihres Grundstudiums entschied sich die heute 27Jährige. www. lernen sollte. Wirtschaftsinformatik.law-school. ob ein Wechsel möglich ist. Die Bewerbungsphase ist angelaufen. Hinzu kam. am 11. dass die Universitäten ihn nicht prüfen. sagt Ninia Binias.76 12. www. als ich musste. dass es niemanden gab. den sie nicht aus den Seminaren kannten. Aber was dann? Florian Pranghe glaubt. erzählt Ostholt. sagt Florian Pranghe. an dem jetzt nachgebessert werden müsse. es ist wichtig. werden leichter anerkannt als die einer anderen deutschen Uni. entgegne ich immer. verlief alles reibungslos. Für die Studierenden kann dies aber bedeuten. die Meurer an seiner alten Uni besucht hatte. Während er auf eine Zusage wartet.« In langwierigen Prozeduren wird geprüft. Bei einem Berlin-Besuch zerschlägt sich schließlich der Traum vom Wechsel: »Im Prüfungsbüro wurden meine Scheine angeschaut. sagt Christoph Heine. obwohl er sogar seinen alten Magisterstudiengang gegen ein Bachelorprogramm eintauschte. Der schriftliche Test findet am 4. und dann hieß es: Das könnte problematisch werden. In langwierigen Prozeduren wurden alle Module geprüft Auch wenn die Studie allgemein Hoffnung macht. Das allerdings ging nicht. Er informiert sich im Internet über die Studienordnung. plagen ihn Existenzängste: »Das Schlimme war. »Die Ergebnisse der Studie waren sehr kritisch«. die eine Managementkarriere einschlagen wollen. Aus verwaltungstechnischen Gründen. Mai den Online-Bewerbungsbogen ausfüllen. Oktober startet der neue siebensemestrige Bachelorstudiengang »Umweltingenieurwesen – Bau« an der Beuth Hochschule für Technik Berlin.« In Marburg studierte sie Germa- nistik im Hauptfach und Kunstgeschichte und Spanisch in den Nebenfächern. wagt Christoph Heine eine vorsichtige positive Einschätzung. So gibt es auch beim Thema Mobilität und Anerkennung von Studienleistungen anderer Hochschulen noch einiges zu tun. ihrem ersten Studienort den Rücken zu kehren und das Hauptstudium im 140 Kilometer entfernten Göttingen fortzusetzen. sagt sie. »Zu jedem Modul musste ich eine Inhaltsbeschreibung abgeben. sollten an der neuen auf einmal nichts mehr gelten.« Auch eine aktuelle Absolventenbefragung des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung in Kassel scheint dies zu stützen: 68 Prozent der Bachelorabsolventen geben an. der seinen richtigen Namen nicht nennen will. Frankfurt am Main und Berlin statt. sagt er lachend. telefoniert mit der Studienberatung. hieß es. Juli in Hamburg eingeladen. Bei immerhin 6 Prozent hingegen wurden Leistungen nicht anerkannt. und bei 18 Prozent lagen Prüfungsunterlagen nicht rechtzeitig vor. sechs Semester später. »Untersuchungen zeigen.« Das kann allerdings keine Lösung für das Problem sein. »Sogar Scheine. Schnell stellt sich heraus: Nur eine Handvoll Hochschulen würden ihn gegebenenfalls annehmen. um den Verwaltungsaufwand zu umgehen. Im Sommer 2010 will er einen erneuten Wechsel wagen. dass sie bei der Organisation des Wechsels weitgehend auf sich allein gestellt war und anders als ihre Kommilitonen an der neuen Hochschule keinen Kontakt zu den Professoren hatte aufbauen können: »Viele weigerten sich. an den ich mich mit Fragen hätte wenden können. als der Studienabschluss noch nicht Bachelor hieß. anhand der Inhalte der Seminare zu entscheiden.« Die Bildungsministerin Annette Schavan hat das Thema bei der Bologna-Konferenz vergangene Woche zu einem der zentralen Punkte der Reform erklärt.« Kurse. Alle Scheine wurden anerkannt. So muss sich der 24-jährige Lehramtsstudent um eine andere Hochschule bemühen. irgendein beliebiges Fach als zweites Nebenfach zu wählen und sich ein Semester später umzuschreiben. »Wenn mir jemand erzählt. brachte ihm in Berlin keinen Punkt. dass die Anerkennung der Scheine problematisch werden wird. jemanden zu prüfen. dass sich auch die Bedingungen eines Hochschulwechsels verbessert haben. die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. weiß von den Problemen der Studierenden. also gehe ich davon aus. Vertrieb und Einkauf. Physik oder Mathematik.« Sie hat das Wechseldrama bereits mitgemacht. »Ich finde. »ich wollte andere Studienschwerpunkte wahrnehmen.

die einen Abstecher ins Berufsleben und dann einen Master machen. die ersten Masterprogramme. Seit Mitte März liegt das Akkreditierungsgutachten vor. halten wir für nicht zutreffend. 15 bis 30 Erstsemester werden im Master »Governance Sozialer Arbeit« für 1500 Euro pro Semester auf Führungsaufgaben im sozialen Bereich vorbereitet – nach dem Prinzip Governance. für das Studium habe ich mich deshalb bereits zu Schulzeiten entschieden. Stephanie Odenwald vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft etwa möchte duale Ausbildungen wegen der Vorteile der Studenten am Arbeitsmarkt zwar nicht verteufeln. sagt Roß. Das Studium ist berufsbegleitend oder vielmehr berufsintegriert. Damit betritt man in Baden-Württemberg Neuland in der deutschen Hochschullandschaft: Die DHBW wird bundesweit die einzige Hochschule sein. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 77 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Eine »ausgelagerte Berufsschule« wolle man jedoch nicht sein. sondern auch rechtliche. sagt der Studiengangsleiter über seine künftigen Studenten. sagt Roß. Man verstehe dies auch als personale Entwicklungsmaßnahme für die Unternehmen. dass kritisches Studieren zu kurz komme: »Die Freiheit von Forschung und Lehre ist hier in Gefahr.« . aber wir haben grünes Licht«. dass ich mich endlich auf das konzentrieren konnte. Die große Mehrzahl der über 6000 weiterführenden Studienangebote ist konsekutiv und schließt damit direkt an einen vorausgehenden Bachelor an. noch auf Diplom studiert zu haben – ich hatte viel mehr Freiheiten als die Musikstudenten heute. was früher ein Hobby für mich war. dass die Unternehmen einen sehr starken Einfluss ausüben. betont Roß: »Den Vorwurf. Gerade einmal 8. dass Spannungen zwischen den Ansprüchen der Praxis und denen der Hochschule existierten. Weitere könnten in den kommenden Jahren folgen – je nach Nachfrage. das nicht nur wirtschaftliche. sagt Geilsdörfer. moniert aber. deren Nachfrage man derzeit nicht befriedigen könne. weiterführende Studiengänge anzubieten und Forschung zu betreiben. Eine Gratwanderung. dass sich dieses Kapital bald vermehren wird. Es sind solche ökonomischen Prinzipien von Angebot und Nachfrage. die den Studenten weitgehende Jobsicherheit und den Unternehmen maßgeschneidertes Personal beschert. Künftig soll gut die Hälfte derjenigen Absolventen. für mich selbst verantwortlich zu sein.olafdeharde.« Der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat dafür gesorgt.« Er gesteht aber auch ein. Leiter des Masterstudiengangs der Fakultät Sozialwesen. Bereits im Bachelor verbringen die rund 26 000 Studenten die Hälfte ihrer dreijährigen Studienzeit in einem der 9000 Kooperationsunternehmen. die sich weiterentwickeln. Befriedigt wird auch Nachfrage von anderer Seite – der der Studenten. »Es werden kleinere Nachjustierungen gefordert. die in Leitungsaufgaben wollen«. zu bestimmen. Der Nähe zur Wirtschaft. die mit den Masterprogrammen nicht leichter wird. sagt Paul-Stefan Roß. die bisher nur Bachelorstudiengänge angeboten hat. sagt Präsident Geilsdörfer. desto besser die Karrierechancen. sich spezialisieren oder Führungsaufgaben übernehmen wollen. sollen am 1. dafür an die DHBW zurückkehren. sondern eine Teilgruppe«. »Alles sehr motivierte Leute. Ein Dutzend Masterstudiengänge. wie oft und wie lang ich übe. »Sie fühlen sich eher als Mitarbeiter der Unternehmen denn als Studenten der Hochschule«. Ich gehe davon aus.com Aus dem Büro an die Uni Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bietet jetzt den berufsbegleitenden Master einhold Geilsdörfer sieht es nüchtern: »Die Studenten sind unser Kapital. von Markt und Kapital. gesellschaftliche und sozialstaatliche Aspekte mit einschließt.5 Prozent aller DHBW-Absolventen hängen derzeit direkt einen Master an – im Gegensatz zu 77 Prozent der Universitätsstudenten. Das Ungewöhnliche ist aus Sicht der Dualen Hochschule nur logische Konsequenz. Absolventen. sondern auch ein fester Arbeitsvertrag. sind die Ausnahme. Das reißverschlussartige Ineinandergreifen von Theorie und Praxis soll im Master noch enger werden. Die wollen die Stuttgarter nun zur Regel machen. die an der DHBW neben der Zusammenarbeit mit Unternehmen auch die Ausbildung der Studenten begleiten. »Das Grundprodukt ist der Bachelor. die sich spezialisieren wollen« Dahinter steht auch die Auffassung. die nach dem Wochenendunterricht wieder an den Schreibtischen sozialer Einrichtungen sitzen werden. Und die sind nicht der Regelfall. sagt Geilsdörfer. Es bestehe nun einmal die Meinung: je höher der akademische Grad. »Die Ausschließlichkeit des berufsbegleitenden Modells ist einmalig«. Niemand diktiert uns die Ausrichtung. wird jedoch auch Skepsis entgegengebracht. der die Einrichtung der Master mit angestoßen hat. Anders als an anderen Hochschulen stehen sie ausschließlich Berufstätigen offen. die sich derzeit noch im Akkreditierungsverfahren befinden. »Wir wollen uns damit in der VON SABRINA EBITSCH R akademischen Landschaft endgültig als Hochschule mit Vollprogramm platzieren«. Für die meisten Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ist die Weiterbildung vor allem ein mehr oder minder lukratives Nebengeschäft.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Ähnlich soll es nun im Master weitergehen. die einen Master anhängen.« 2000er Jahre Mona Rössler. dass bereits der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss und der Master eher der Ritterschlag als karrieristische Notwendigkeit ist. Es war toll. Kritiker fürchten um die akademische Unabhängigkeit. In Sozialwesen sind es immerhin zehn Prozent. sagt Geilsdörfer. die Unternehmen gäben die Themen vor. Praxis und Theorie sei nun mal seit vielen Jahren »unser täglich Brot«. verbringen aber ihre freien Tage an der Hochschule und ihre Abende mit Lernen.« Tatsächlich wählen die Kooperationspartner der DHBW die Studenten mit aus und reden auch bei den Studieninhalten mit. und das können wir auch im Master. was diese mehr als 30 Jahre lang praktizierten: die Zusammenführung von akademischer und beruflicher Ausbildung. Voraussetzung für die Teilnahme an den Programmen ist nicht nur Berufserfahrung. sagt Geilsdörfer. Sie ging vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss von acht Berufsakademien hervor und setzt nun als Hochschule fort. Bis zum Wintersemester 2014/15 will er die Studentenzahlen auf rund 34 000 wachsen sehen. sagt er: » Das können wir. Ich bin froh. Mit der Umwandlung der Berufsakademien in die Duale Hochschule war der Anspruch verbunden. Im Herbst starten an der DHBW. Klavierstudentin von 2002 bis 2007: »Ich habe immer schon Klavier gespielt. Der Master ist für diejenigen gedacht. deren Masterstudiengänge allesamt weiterbildend sind. »Der Master ist für diejenigen gedacht. wie man in Stuttgart betont: Die Studenten behalten ihre Stelle in einem der Partnerunternehmen. Als Studentin an der Musikhochschule Lübeck habe ich zudem gelernt. Roß sieht das gelassen: Das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Bildung. Denn letztlich war es auch der Wunsch der Unternehmen nach höher qualifizierten Mitarbeitern und passgenauer Forschung. Oktober an den drei Fakultäten anlaufen. An dieser Fakultät sind die Vorbereitungen für den Master am weitesten fortgeschritten. »Auch während der Masterausbildung sollen die Studenten den Unternehmen erhalten bleiben«.

hat mich selbst überrascht. Studenten. ZEIT: Wer braucht dann überhaupt »echte« Teilzeitstudiengänge? Teichler: Für die Minderheit der Teilzeitstudenten. Mit der Bologna-Reform wurden Studiengänge in Module eingeteilt. Informatikstudentin seit dem Wintersemester 2010: »Dass ich jetzt Informatik studiere. Ich bin nicht sicher. Wer ein Modul besteht. Hier sind separate Teilzeitstudiengänge gefragt. welche Milieus man schaffen will. die sich den Hochschulen stellt. muss man eine bestimmte Zahl an Punkten erreichen. Dem »Hochschulkompass« der Hochschulrektorenkonferenz zufolge sind weniger als fünf Prozent der Studiengänge in der Bundesrepublik überhaupt dazu geeignet. wenn jemand erst einige Jahre nach dem Bachelor in den Master einsteigen will. studieren allerdings bereits heute viele Studenten faktisch in Teilzeit. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat deshalb mehr Teilzeitangebote gefordert. Wir sollten dazu ermutigen. bekommt Punkte. gestaffelt absolviert zu werden. dass Teilzeitstudierende unter sich sind? Sollten sie nicht auch in Kontakt mit »Vollzeitstudenten« kommen? Hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen. Ältere. Mai 2011 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. die sich ausdrücklich an Studenten richten. 2010er Jahre Laura Rosenberg. dass jemand es nicht mehr schafft. Denn für solche Angebote muss man anderes Personal rekrutieren: Professoren. das Studium an der Uni Hamburg ist anstrengend und unterscheidet sich kaum von der Schule. Mitarbeiter und Lehrbeauftragte. ZEIT: Wenn jemand bis zu zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – leidet darunter nicht sein Studium? Teichler: Man muss sich entscheiden. zahlt weniger. die in Teilzeit studieren wollen. Es wird viel vom lebenslangen Lernen gesprochen. ob wir noch mehr zum Teilzeitstudium ermutigen sollten. dass nach Abitur oder Ausbildung einige Jahre Berufstätigkeit folgen und ein späterer Einstieg ins Studium leicht möglich ist – Vollzeit oder Teilzeit.« dieren wollen. sondern auch dass nicht alle vor dem Berufseinstieg so lange lernen. zum Teil gibt es solche Angebote auch schon. dass gut ein Viertel der Studenten siebzehn Stunden pro Woche oder mehr in Nebenjobs arbeiten müssen. Selbst bei weiterbildenden Studiengängen ist der Anteil kaum größer. der zumindest formal in Vollzeit studiert. eine schwierige Matheaufgabe zu lösen – auch wenn es bis zwei Uhr nachts dauert. studieren mehr oder weniger in Teilzeit. Es geht nicht nur darum. Eine Herausforderung auch für die Politik: Das faktische Teilzeitstudieren zieht häufig Probleme mit dem Bafög oder Studienkrediten nach sich. Die Regelungen für Studiengebühren müssten ebenfalls flexibler werden: Wer weniger Punkte im Semester machen will. Was halten Sie davon? Ulrich Teichler: Nebenjobs sind kein Argument für wesentlich mehr Teilzeitstudiengänge.und Teilzeitstudenten. die voll im Beruf stehen und zusätzlich stu- In Teilzeit studieren Anders als in Großbritannien und den USA haben die Hochschulen hierzulande bislang nur wenige Angebote konzipiert. braucht man andere Angebote.com DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN »Nachteile abbauen« Der Hochschulforscher Ulrich Teichler über die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjobs DIE ZEIT: Dem Deutschen Studentenwerk zufolge arbeitet heutzutage jeder vierte deutsche Student nebenher so viel.und Prüfungsordnungen vor und für eine Minderheit spezielle Teilzeit-Hochschulen. dass das Studium zumindest eine Zeitlang zur Nebensache wird. die es ihnen ermöglichen. dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. Das Klischee vom lockeren Studentenleben trifft auf mich sicher nicht zu. um ein Studium abzuschließen. Bevor wir die stärker ausbauen. Aber nur jeder siebte arbeitet während des Semesters mehr als sechzehn Stunden pro Woche. aber hier kann man nachbessern. Es sollte keine Probleme geben. Deshalb müssen wir alle organisatorischen und finanziellen Nachteile für diese Studenten abbauen. dass es in Bachelor. wenn ganze Fachbereiche oder Hochschulen sich darauf spezialisierten. Das führt meist dazu.und Masterstudiengängen kaum noch möglich sei. ohne das Studium zu gefährden. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden. ZEIT: Sie schlagen also flexiblere Studien. Einerseits haben wir die Tradition des Studenten. nebenher zu arbeiten. was man will. dass sich das Studium um ein Jahr bis zwei Jahre verlängert. dass Ältere noch mehr lernen. eine chronische Krankheit oder familiäre Verpflichtungen können dazu führen. Andererseits wird verlangt. Seit Langem arbeiten Studenten nebenher. sammeln ja Arbeitserfahrung. Separate Studiengänge für Teilzeitstudenten sollte es nur in Ausnahmefällen geben. Aber auch Kinder. müssen wir uns aber fragen: Ist es sinnvoll. das sich vor allem an der Standard-Studiendauer orientiert. dass sie für alle »studierbar« sind: für Jüngere.olafdeharde. Wir müssen Studiengänge so gestalten. Kaum jemand hat dadurch aber schlechtere berufliche Chancen oder verdient weniger. ZEIT: Sollte also lieber doch alles bleiben wie bisher? Teichler: Nicht unbedingt. Teichler: Ja. Warum geht das nicht in einer beliebigen Zeit? Zusätzlich müsste das Bafög reformiert werden. aber bisher wird wenig für einen anderen Rhythmus von Berufsund Lernphasen getan. die vorgegebene Stundenzahl pro Semester zu leisten. dass mir das liegt. dass er nicht mehr als Vollzeitstudent gelten kann. die am Wochenende oder abends lehren wollen und können. ohne offiziell diesen Status zu haben: Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner Sozialerhebung im Jahr 2009 ermittelt. Das ist nicht die dringlichste Aufgabe. man muss sich auch entscheiden. Aber es ist ein tolles Gefühl. Ich habe durch ein Schnupperstudium gemerkt. die nebenbei jobben. Interview: STEFAN KESSELHUT . nur am Abend oder am Wochenende Kurse zu besuchen. die sich an der Regelstudienzeit orientieren. Viel Freizeit habe ich allerdings nicht mehr.78 12. ZEIT: Viele klagen. Der Bedarf würde am besten gedeckt werden. für Vollzeit. um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Definiert man »in Teilzeit studieren« umgekehrt so. Teichler: Bei der Reform hat man das Thema Nebenjob erst einmal übersehen.

de/studium/medien / Spitzengruppe. Es gibt auch Universitäten. Uni Augsburg FU Berlin UdK Berlin TU Dortmund TU Dresden Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erfurt ZU Friedrichshafen (priv. der Prinz will hochklettern. Informationen zu allen Hochschulen und Fakultäten finden Sie im Internet unter www. ausschlaggebend für ihre Studienwahl waren sie jedoch nicht.und Medienwissenschaften studieren will. die in den Tabellen nebenan und auch im neuen ZEIT Studienführer stehen. handwerklich und praktisch mit Medien umzugehen: Was gibt es bei einem Aufnahmegerät zu beachten. liegt Passau jetzt in der Spitzengruppe. Neben den Analysefächern lernte Carina Johannsen auch. der an der Universität Eichstätt als Medienwissenschaftler forscht und lehrt. Stand 2011 zu geringe Fallzahlen) Änderungen im Ranking Gegenüber der Veröffentlichung der aktuellen Ranking-Ergebnisse im ZEIT Studienführer und in der letzten Ausgabe der ZEIT haben sich einige Änderungen ergeben: Im Fach BWL an Universitäten liegen beim Indikator Internationale Ausrichtung die Hochschulen ESCP Europe Berlin. »Das mit dem Analysieren ist zum Glück bald weniger geworden. 2004 hatte man dort einen Bachelorstudiengang Medien und Kommunikation gegründet. werden nicht in das Ranking einbezogen. Die FHWien wurde in die Ranking-Tabelle aufgenommen und bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. Bei den Indikatoren Internationale Ausrichtung. wie die Medien auf Menschen einwirken können.und Medienwissenschaftler von der Universität Frankfurt. sagt Vinzenz Hediger. Noch im Jahr 2008 wurde das Fach in Passau nämlich massiv gefördert: Bald war eine Professur für Kommunikationswissenschaften ausgeschrieben und besetzt. / Nicht gerankt (keine Daten vorhanden. Radio hören gehört ja letztlich auch zu ihrem Studium.und Kommunikationswissenschaften würden die beruflichen Chancen vielfältiger. an denen die Studenten während des gesamten Studiums kein einziges Mal eine Kamera in der Hand halten. »Andererseits haben wir natürlich nur selten fundierte Kenntnisse. »Man sollte auch im Blick haben. dass sich die Schwerpunkte der einzelnen Studiengänge stark unterscheiden können«. muss sie lächeln. TU Berlin und Handelshochschule Leipzig nun in der Spitzengruppe. Warum Hunde auf Spielplätzen zeitweise als große Gefahr erscheinen. und wie werden die präsentiert? Das war im ersten Semester. wie die Universität Passau anfangs feststellen musste. Die HWR Berlin wurde bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. sie könne nichts wirklich. Sofern ein Fach an mehreren Fakultäten einer Hochschule angeboten wird. »Wir haben versucht. Inwiefern Ego-Shooter-Spiele aus labilen Menschen Amokläufer machen können. während die Kommunikationswissenschaft die politischen und gesellschaftlichen Wirkungen der Massenmedien ins Zentrum stellt. Dabei geht es wieder einmal um Analyse: Johannsen geht der Frage nach. wie Tim Burton die Traumatisierung der Personen in drei seiner Filme darstellt. Carina Johannsen freut sich über die beruflichen Aussichten. schadet es eher ihrem Ansehen. Für Medienwissenschaftler bestimmen sie zusätzlich den Forschungs. So hat Johannsen etwa auch Scheine in Grundlagen aus den Wirtschaftswissenschaften und in Medienrecht gemacht.und Berufsalltag. die Ausbildung praktischer zu strukturieren. Wer Kommunikations. In den vergangenen Jahren haben viele Unis das Fach Kommunikations. In BWL an Fachhochschulen kam die PFH Göttingen bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt und Studierbarkeit in die Spitzengruppe. Studierbarkeit und Internationale Ausrichtung der Spitzengruppe zugeordnet. was sich im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2008 niederschlug: Der Studiengang in Passau war in allen wichtigen Kategorien in der Schlussgruppe vertreten. sollte allerdings nicht nur auf die Qualität der Lehre achten. sagt Klaus-Dieter Altmeppen./ Journalistik Forschungsgelder Internationale Ausrichtung Berufsbezug Studierbarkeit Studiensituation insgesamt UNIVERSITÄT Medienwissenschaft Internationale Ausrichtung Medien-Labore Studierbarkeit Studiensituation insgesamt Uni Basel (CH) A sen zusammen mit ihren Kommilitonen für einen Shampoo-Werbespot im Radio die Geschichte von Rapunzel umgeschrieben: »In unserer Variante lässt Rapunzel ihr Haar runter. oder zumindest von allem ein bisschen etwas – in schlechten Tagen hat sie das Gefühl. wie schneidet man Filme und Radiobeiträge ordentlich? Im dritten Semester hat Johann- VON CHRISTIAN HEINRICH Kommunikationswiss. die wachsende Zahl der Mobilservices. sagt Johannsen. Im Fach Kommunikationswissenschaft/ Journalistik wurde die Universität Hamburg in die Liste aufgenommen. Fehlen aber die nötigen Kompetenzen und Kapazitäten. Forschungsgelder und Forschungsreputation kam sie jeweils in die Mittelgruppe. erzählt sie. Für Absolventen der Medien.« In guten Tagen fühlt sich Johannsen. in wie viele Fächer wir Einblicke haben«. die ich mir vorstellen kann«.und Kommunikationswissenschaften existieren inzwischen in Deutschland. das auf Einschätzungen von Studenten beruht. sagt Ralf Hohlfeld. aber natürlich haben wir nur an der Oberfläche gekratzt«. Es entstehen auch neue Berufsfelder durch die zunehmend professionellen Auftritte der Medien und Unternehmen in Sozialen Netzwerken. erzählt die Studentin. / Schlussgruppe. »Es ist toll. Pädagogik und Politikwissenschaften gemeinsam führten – einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft aber gab es nicht. zeigen: Der Kommunikationsstudiengang der Universität Passau hat einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht. dann aber plötzlich in Vergessenheit geraten – weil sie von der Agenda der Zeitungen und Fernsehsendungen verschwunden sind. sagt sie und lacht. ohne dass die Theorie darunter leidet. Kein Wunder. und die Qualitätsunterschiede sind groß. Dazu kommen weitere Schwerpunktsetzungen: Bei einem Studienangebot steht die akademische Theorie im Vordergrund. »Wenn ich eine Schreibblockade habe. sagt Johannsen. Später möchte sie im Bereich Werbung arbeiten. »Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben vor allem durch Facebook und Twitter derartige Formen angenommen. wird in dieser Übersicht nur eine Fakultät dargestellt. Studierbarkeit und Praxisbezug der Mittelgruppe zugeordnet. Die 23-Jährige studiert inzwischen im sechsten Semester Medienwissenschaft an der Universität Siegen und arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit. sagt Johannsen. Die Ergebnisse des aktuellen CHE-Ranking.CHANCEN 12. wie ich einen Film machen kann. Sie landete in der Spitzengruppe bei der Internationalen Ausrichtung und in der Schlussgruppe beim Indikator Forschungsgelder. Nicht nur die etablierten Arbeitsgebiete wie Marktforschung.und Kommunikationswissenschaften allerdings selten. dass das damit nicht passiert wäre. Aber das geht meist schnell vorüber. wovon die Menschen wie beeinflusst werden. aber am Ende hat es gut geklappt«. wie bedient man eine Kamera. ich kann wieder mit Freude Zeitung lesen und Radio hören.und Medienwissenschaft einfach nur eingeführt. »Ich finde es interessant. den die Fächer Philologie. der dort seit 2008 die erste Professur für Kommunikationswissenschaft innehat und an der Errichtung des geplanten Zentrums mitarbeitet. Das war alles akustisch gar nicht so einfach zu vermitteln. Dann kommt der Slogan des Shampoos und der Hinweis.) Uni Greifswald Uni Halle-Wittenberg Uni Hamburg HMTM Hannover Uni Hohenheim TU Ilmenau Uni Jena Uni Leipzig Uni Mainz Uni Mannheim LMU München Uni Münster Uni Nijmegen (NL) Uni Passau Uni Twente (NL) Uni Zürich (CH) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Uni Bayreuth Uni Bochum HBK/TU Braunschweig TU Chemnitz Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erlangen-Nürnberg Uni Konstanz Uni Leipzig Uni Marburg Uni Paderborn Uni/FH Potsdam Uni Regensburg Uni Weimar Stand 2011 Hochschulen. Im Fach Politikwissenschaft wurde die Universität Rostock in den Vergleich einbezogen. Ganz anders sieht es in Passau heute aus. Ganz eingrenzen lässt sich das Feld der Medien. sagt Altmeppen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 79 Radio hören für die Uni UNIVERSITÄT Das Fach Medienwissenschaft tritt thematisch extrabreit an m Anfang analysierte Carina Johannsen sogar noch morgens unter der Dusche. So ist es auch an der Uni Siegen. . aber die Haare reißen. Die Studenten scheinen zufrieden zu sein: Bei dem wichtigen Kriterium »Studiensituation insgesamt«. Werbung und Journalismus bieten Chancen. ohne an die Theorie zu denken«. bei dem anderen Fach liegt der Fokus auf Fernsehen oder Radio. An eine fundierte Fernseh. dass die Angebote nach Aussagen vieler Studenten theoretisch und praxisfern blieben. zu weit ist die thematische Breite. wie auch die grünen Punkte in den Tabellen zeigen. was sie im laut aufgedrehten Radio hörte: Wie verändert sich die Betonung der Radiosprecherin? Warum wurden welche Nachrichten ausgewählt. Mediaplanung.oder Radioausbildung reicht das aber nicht heran. Derzeit wird ein neues »crossmediales Medienzentrum« errichtet. Medien sind eben überall und fast immer präsent. Grundsätzlich stehen bei der Medienwissenschaft Geschichte und Theorie der Medien von der Schrift bis zum Computer im Vordergrund. sich zu spezialisieren«. Aber vorher muss sie ihre Bachelorarbeit noch fertigstellen. als könne sie alles.« Heute weiß sie. »Kommunikation gewinnt weiter an Bedeutung. in wenigen Monaten wird sie das Studium abgeschlossen haben. Mehr als 200 Studienangebote für Medien. Ich sehe jeden Tag. dass ich in einem der spannendsten Felder arbeite.und Medienberufe«. wo Carina Johannsen studiert. um ihr Image zu verbessern. an denen das Studium aufgebaut wird oder für die keine Daten vorliegen. / Mittelgruppe. In vielen der untersuchten Bereiche liegt er sogar in der Spitzengruppe. Mit entsprechenden berufsbezogenen Modulen haben die Studenten zum Ende des Stu- diums außerdem die Möglichkeit. und mit ihr wächst das Angebot der Kommunikations. die neuen Plattformen für die Verbreitung von Nachrichten und Videos. »Ich weiß theoretisch. sagt sie. beim Indikator Praxisbezug der Mittelgruppe. kann ich guten Gewissens auch mal das Radio anmachen«.zeit. »Ich hatte zwischen Psychologie und Medienwissenschaften hin und her überlegt«. Film. Wenn Johannsen heute zurückblickt. weitere folgten.

sondern anfangen: Der Eingriff ins Klima könnte Regenzeiten durcheinanderwürfeln und neue Wetterphänomene hervorrufen. Denn wer den Sprung auf die Professur nicht schafft. Meetings verzögerten Arbeitsabläufe. weil Ergebnisse oft auf sich warten lassen. Je weißer die Wolken. Wenn sie Experimente durchführt. Dadurch ist sie auch mit den Denkweisen der Vertreter anderer Fächer vertraut. in großer Runde über Probleme zu reden. »Wolken sind eine wichtige Komponente im Klimageschehen«. mit ungewissen Folgen für ihre Bewohner. sagt Isabelle Steinke. »In den Tagen. Und Leute. ist danach einen Schritt weiter – er hat zusätzlich ein Beziehungsproblem! Und drittens: Wenn schon Meetings. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) Foto: Thomas Bernhardt für DIE ZEIT/www. es muss nicht in eine Sitzung ausgelagert werden. eine Haltung. Auch der internationale Austausch auf Konferenzen in aller Welt gehört zum Forscheralltag. »Das Problem ist. Die 26 Jahre alte Physikerin erzeugt am Karlsruher Institut für Meteorologie und Klimaforschung künstliche Wolken. weil unterhalb der Professorenebene kaum passende Stellen vorhanden sind. So – oder so ähnlich – könnte ein Eintrag im Tierlexikon über die Gattung Vorgesetzter und ihr Biotop beginnen. Sie testet. aufs Berufsleben hochgerechnet: schlappe 20 Jahre Meetings! Woran kranken Meetings? Erstens: Es gibt zu viele davon! Wie wäre es. Was passiert. jeden Tag drei bis vier Stunden zu konferieren. Aber genau wegen Aida hat sie sich auf die Doktorandenstelle am Institut beworben. »Mich fasziniert. sagt Harnisch. langfristig an der Uni zu forschen. sagt die Physikerin. Eine Umfrage unter 800 Führungskräften im deutschsprachigen Raum ergab: Sieben von zehn Teilnehmern halten Meetings für schlecht vorbereitet. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ansatzes werden in Karlsruhe erforscht. Mehr Chancen für Forscher bieten Unternehmen. Die einzige Fähigkeit. da ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler heute einig. Bei mir wäre das Nächste eine Postdoc-Stelle. Die Kühlung dröhnt fast so laut wie ein startendes Flugzeug. findet unkomplizierte Lösungen. bis er gescheitert ist.und Umsteiger jetzt besonders gut sind G E S U C H T BERUF CHANCEN 12. dass nur eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes hilft. Umso wichtiger sei es. Die Chance. sagt die junge Forscherin und schaut schnell wieder auf ihren Computermonitor. wirkt es aber übernatürlich. die erwiesenermaßen zunimmt. ob man lieber eine Fach. »Das muss man Schritt für Schritt angehen. sagt sie. um dem ranghöchsten Tier zu imponieren. denkt an eine solche Gesellschaftsentscheidung mit Sorge. In der freien Wirtschaft verdienen Forscher etwa ein Fünftel mehr. um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Und sollte man es tun. Womit ein neues Problem entstanden ist. Thomas Leisner ist Professor der Umweltphysik an der Universität Heidelberg und Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung. Ihr Desktop-Hintergrund: Wolken. Aida heißt der überdimensionale Kühlschrank. Auch Neugier und Eigenmotivation sind gefragt. haben kein Interesse. muss nicht nur sehr gut sein. wie eine Wolke funktioniert«.« Noch kritischer äußert sich ihr Betreuer am Institut. Wer öfter mal im Büro seiner Kollegen vorbeischaut und sich abstimmt. Bis zum Vordiplom hat sie in Heidelberg neben ihrem Physikstudium auch Seminare in Volkswirtschaft besucht und beim Rollenspiel »Model United Nations« in New York mitgemacht. wie Wolken auf verschiedene Aerosole reagieren. Nicht nur. braune. Und jeder Zweite sieht Verantwortlichkeiten nur unzureichend geklärt.t-bernhardt. bis man als Forscher wirkliche Resultate erzielt«. Dabei kommt es zu Rangkämpfen. sagt Steinke. Dort schart er sich mehrmals täglich mit Artgenossen um einen Tisch. Das bekommt man: Man kann den Fragen nachgehen. Die Erde. wenige Antworten. »Alle.« Sie findet es spannend. Wolken zu manipulieren. etwa ein Tausendstel Millimeter groß. schwarze. hat wenig Chancen.oder eine Managementkarriere einschlagen möchte. sagt Steinke. der künstliche Wolken erzeugt – die Abkürzung steht für Aerosol-Interaktion und Dynamik in der Atmosphäre. damit Probleme gelöst werden können? Wie der Kabarettist Werner Finck sagt: Nein. Politikwissenschaftler und Sprecher des Projekts. der für den weiteren Weg entscheidend ist. weil das Institut Aida besitzt. was passiert. sie beschäftigen sich auch mit den Auswirkungen ihrer Ergebnisse. Eine Abteilung marschiert gegen die andere auf. desto mehr Licht wird zurückreflektiert und gelangt gar nicht erst auf die Erde. Zudem erhält man im Gegensatz zu den meisten Berufstätigen ein hohes Maß an Freiheit in der Arbeitsgestaltung. sie wollte experimentell arbeiten. überhaupt zu verstehen. »Das klingt. Daher sind die Karlsruher Umweltphysiker auch integriert in das interdisziplinäre Projekt Global Governance of Climate Engineering an der Universität Heidelberg.« Doch mit technisch veränderten Wolken würden die Probleme nicht enden. welche politischen und rechtlichen Konsequenzen es hat. »Na ja. werden verschiedene Maßnahmen angedacht. Schon den Begriff Climate Engineering mag Leisner nicht. die wie riesige Feuerlöscher aussehen. Und das macht Mitarbeiter zu Trotzköpfen: Sie torpedieren diesen Beschluss im Alltag. Der Himmel über Karlsruhe ist an diesem Tag wolkenlos blau. interdisziplinär forschen zu können. erklärt Isabelle Steinke. wird sich auf Dauer zu stark erwärmen. dass Wolken so alltäglich und doch so kompliziert sind. Kann man die Umwelt manipulieren. Sicher ist: Mehr Aerosole machen die Wolke heller und dichter. das den CO₂-Ausstoß nachhaltig verringert. Um Aida herum stehen Behälter. den CO₂Ausstoß zu verringern«. aber dünn gesät: In Deutschland gibt es in etwa genau so viele Professorenstellen wie Promovierte pro Jahr. Später kann sich Steinke durchaus vorstellen. wächst Harnisch zufolge aber die Gefahr. wisse allerdings noch keiner. sagt Isabelle Steinke. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 81 DAS ZITAT Werner Finck sagt: Eine Konferenz ist eine Sitzung. Grüne. G E F U N D E N sabelle Steinke will forschen und nicht Gott spielen. gibt es anderswo durchaus Anhänger. Wenn Manager über ein neues Einkaufssystem debattieren. Bei externen Promotionen fehlt der persönliche Kontakt zur Wissenschaft. sondern braucht auch Glück. Isabelle Steinke und ihre Kollegen basteln nicht einfach Naturphänomene nach. schlafe ich unruhig«. Sie halten Climate Engineering vielleicht für keine gute. als könnten wir wie Ingenieure etwas gezielt konstruieren. sagt sie. weniger Sonne auf die Erde gelangen zu lassen. Es muss allen klargemacht werden. bis man in eine lukrative Position gelangt. Da Demokratien selten zu nachhaltiger Politik fähig seien. Ob die Partikel dann dort blieben. in denen die Chancen für Ein. ohne dass ein Einkäufer dabei ist. Zweimal im Jahr darf Isabelle Steinke für etwa vier Wochen Aida für ihre Versuche in Anspruch nehmen. sondern auch darum. aber für die in der Realität bestmögliche Maßnahme. muss mit heftigen Attacken rechnen. bezweifelt sie aber VON MISCHA DRAUTZ So kommt man hin: Der Weg ins Berufsleben als Forscher beginnt mit der Doktorarbeit – am Lehrstuhl. Das wird spannend: Hitzige Fachdiskussionen mit Kollegen können nervenaufreibend sein. in der freien Wirtschaft zu arbeiten – zum Beispiel bei einer Unternehmensberatung. Abteilung Atmosphärische Aerosolforschung. keine Technikgläubigen. weil es an den Hochschulen dauert. Und für die wir noch Grundlagenforschung betreiben müssen.Die Serie (3): Wir stellen acht Berufe vor. wenn eine »Koalition der Willigen« Climate Engineering betreibt? Wie steht es mit der Verantwortbarkeit? Bisher gibt es viele Fragen. Das muss man mitbringen: Einen langen Atem. die von Erdöl profitieren. Das führt zu Fehlentscheidungen. Macht. Aber sind Sitzungen nicht wichtig. etwa indem man Wolken als Sonnenschirm benutzt. Ansonsten darf man sich nicht verrückt machen«. in dem Steinke Flüssigkeiten und Stoffe vermischt. kann vielleicht auch die Welt vor einer Klimakatastrophe retten. Solche Kämpfe werden von Gleichrangigen ausgefochten. die man sich offenhalten sollte. Vulkanasche oder Salzwasserpartikel sein. Je weniger Meetings nötig sind. die einen interessieren. Um das zu verhindern. ein Teilnehmer profiliert sich auf Kosten des nächsten. »Was wäre. treiben einen aber auch an. Am liebsten würde sie aber doch an der Uni weiterforschen: »Da ist die Freiheit einfach am größten. dann aber nach Mexiko abbiegt?« In der Diskussion über Climate Engineering geht es also nicht nur darum. Wolken zu manipulieren. dann bitte auch mit denjenigen am Tisch. wie man sie von Hirschen kennt. Auf einer Postdoc-Stelle an der Uni verdienen promovierte Wissenschaftler monatlich rund 3300 Euro brutto. um den CO₂-Ausstoß zu verringern wie beispielsweise ein Tempolimit auf Autobahnen seien unpopulär. verkommt der Meetingraum zur Insel der Ahnungslosen. die das können. auf Climate-Engineering-Aktionen angewiesen zu sein. ist logisches Denken. dass wir noch weit davon entfernt sind. Direkt nach der Umfrage. die manche dahinter vermuten: Wer Wolken beeinflussen kann.« Um echte Wolken zu verdichten. die Thomas Leisner kritisiert: »Mit so einer Einstellung gibt man Klimaverhandlungen schon im Vorfeld auf. Der natürliche Lebensraum des Vorgesetzten ist der Sitzungssaal. Dort kann man langfristig immer noch überlegen. Das wird schwierig: Wer ganz auf die Uni-Karriere setzt. wenn wir anfangen. zum Grillen finde ich das schon okay«. Während sich die führenden deutschen Wissenschaftler recht skeptisch äußern und die Politiker in Berlin bei dem Thema noch in Deckung bleiben. wenn man in großer Runde über Probleme redet. bevor das losgeht. Ob solche Experimente den Klimawandel aufhalten können. merkt schnell: Hier arbeiten Forscher. Den Rest des Jahres verbringt sie mit dem Interpretieren der Flut von Messdaten. die sie gewonnen hat. Sie gehen davon aus. Sebastian Harnisch. ein Drittel gab an. sondern nur um die Macht. Nur gibt ein Professor seine Stelle nicht nach einem Jahr bereits wieder frei. Zeit fürs nächste Meeting! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. wenn man es kann? Wer eine Weile im Karlsruher Institut verbringt. Climate Engineering lautet das Schlagwort. Spaß am Forschungsgegenstand zu haben – und den hat sie.de . Das können Wüstenstaub. weil es einfach lange dauert. »Wir müssen aus allen Bereichen die wichtigen Punkte zusammenstellen. sind die Chefs ins nächste Meeting gehüpft. Bei der Simulation der UN-Abläufe vertrat sie die klimapolitischen Interessen Uruguays. ist die Fähigkeit. damit am Ende die Gesellschaft eine Entscheidung treffen kann«. was technisch möglich ist. die von der Sache am meisten verstehen. den Dialog auch außerhalb des Sitzungsraums zu pflegen? Alltägliches lässt sich im Alltag klären. gefüllt mit verschiedenen chemischen Stoffen. Politische Maßnahmen. wenn auf einmal ein Wirbelsturm auf die USA zusteuert. Sechs von zehn sagen. Eine Möglichkeit wäre. an einem Forschungsinstitut oder in einem Doktorandenprogramm an einer Graduiertenschule. das Steinke in ihrer Doktorarbeit beschäftigt. wer dem anderen ins Gehege kommt. bei der viele hineingehen und wenig herauskommt Der Coach erklärt: Gut verdrahtet: Isabelle Steinke im Kontrollraum Gesucht: Forscher Die Physikerin Isabelle Steinke versucht. »da ist es unabsehbar. Wer vor dem Meeting ein Sachproblem hatte. Dichter Nebel steigt in dem riesigen Kühlschrank auf.« Isabelle Steinke sieht das ähnlich: »Alles andere sind nur Möglichkeiten. seine Position zu schärfen. müsste man die Aerosole mit Flugkörpern in die Atmosphäre I transportieren. »Was wir in der Wissenschaft vor allem lernen.« Einen Masterplan für den schwierigen Karriereweg in der Wissenschaft hat sie sich aber nicht zurechtgelegt. werden überall gebraucht«. »Da muss man schon hartnäckig sein. Technisch unveränderte allerdings. dass niemals ein Klimaabkommen zustande kommt. So kommt man weiter: Die Stellen in der Wissenschaft sind spannend. desto besser ist die Organisation! Zweitens geht es bei Meetings oft nicht um die Sache. Aerosole sind feinste Partikelchen. befürchte ich. Sondern auch. Zudem setzen viele Akademiker in den USA auf Climate Engineering.

Obama und seine Verbündeten hätten sich stattdessen für einen UN-Beschluss stark gemacht. Rainer Böhm. ZEIT Nr. wenn man jemanden. Jahrhundert von einem Hypochonder. bleibt der Wunsch nach einer friedlichen Welt ohne Terrorismus ein Traum.ZEIT DER LESER S. entsetzt mich. Hamann und W. dass mit jedem Tatverdacht eine Schuldvermutung verbunden ist. Insbesondere stehen hier Erfahrungen aus der Kindheit im Fokus. Aus den Kriegen um Öl und gegen al Qaida. dass das Gericht nicht in der Sache gegen das Finanzamt entscheidet. haltgebende und nachhaltig stressreduzierende Bindung im frühen Kindesalter fördert die Entwicklung des präfrontalen Kortex. Dr. Der Artikel legt den Finger in eine Wunde unserer Gesellschaft. Der Wunsch. A-1020 Wien . Wie Saddam Hussein so wurde auch Muammar al-Gadhafi jahrelang vom Westen hofiert und mit modernsten Waffensystemen ausgestattet.. In seinem Garten«. sich nach Art einer selbst erfüllenden Prophezeiung selbst zu bestätigen. die bis zum Urteil Schuld und Nichtschuld in gleicher Weise einkalkuliert. 18 Die Terrororganisation al-Qaida oder die afghanischen Taliban feiern ihre Symbolfigur als Märtyrer. Wer als Kind Gewalt erfährt. Müssen wir uns da wundern. hat Steuerzahlen keine Lobby. die Evidenz liefern können. Berlin 28. weil er sich schlagartig bewusst geworden ist. allenfalls »Scheiße!«. dass die Menschen im Maghreb nicht zu einer uns völlig unverständlichen Kultur gehören. Das wird dann von manchen konservativen Politikern und Medienvertretern bei uns verteidigt. Markus Meister. 18 Hölderlins Beitrag zur Weltliteratur in allen Ehren – wieso man sich im 21. Solange die USA als letzte verbliebene Weltmacht auf diesem Globus den WeltSheriff spielen und nach Belieben Krieg gegen Staaten führen. Diese unterstellte Schuld ist immer in Gefahr. Eine sichere. eine insgesamt positive zivilisatorische Entwicklung nachweist. schrieb der 87-jährige Liebermann 1934 selbst: »Ich lebe nur noch aus Hass. Kein noch so grausames Video kann hier alleine Antwort ZEIT NR. bei dem die Freiheit des Einzelnen auch im Strafprozess Maß und Maßstab bleibt. Tatsächlich hat – wie die Erfahrung lehrt – der Täter sich bei der Tat nichts gedacht. Brigitte Hoff. Darmstadt NR. R. wie schuldig sich ein Mensch gemacht hat. spannt die Falle der Selbstgerechtigkeit. Bielefeld Verschönt Prominent ignoriert: »Kurz behoste Männer« ZEIT NR. 18 Zum Titelthema »Verzettle dich nicht!«. Dass aber der heutige amerikanische Präsident. Vielmehr ist sie eine Lehre aus der Erkenntnis. um so eine angemessene Strafe zu begründen. sondern genauso sind wie wir – nur ärmer und schlechter regiert! Ein Rückzug aus Libyen. dass man einen Menschen nicht grundlos niederschlagen darf? Haben Sie etwa keine Vorstellung davon. wenn jetzt die Rebellen in Libyen gegen Gadhafi allein nichts ausrichten können? Mit Luftangriffen kann die Nato Gadhafi auch nicht wirklich besiegen. 19 12. vorschreiben lassen soll. In konsequenter Folge werden wir hoffentlich demnächst Beiträge über die Unschicklichkeit von Hosen und Erwerbsarbeit für Frauen sowie die Vorzüge von Eiswasser und Kernseife gegenüber Deo und Bodylotion für Männer finden. Annette Hund. Diese Erkenntnisse fügen sich auch sehr gut in den Rahmen der psychohistorischen Forschung. der mit 75 Jahren die Ermordung seines Vetters Walther Rathenau und mit 86 den Fackelzug zur »Machtergreifung« Adolf Hitlers miterleben musste. Giebelstadt Es fehlt noch etwas: Arbeitgeber. solch einen unwiderruflichen Akt der Selbstjustiz lobpreist: »Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«. insbesondere der jüngsten Kinder. Jens-Christian Pastille. wie ach so bibelfeste Amerikaner auf den Straßen tanzen und feiern. Empathie und moralisches Empfinden verantwortlich zeichnet. wenigstens erst mal Haftverschonung gewährt. ist eine grobe Vereinfachung. Ralf Hirnrabe. Das bleibt uns erspart. Wie treffend beschrieben. Über Rückfälle wundert man sich dann. es fragt. Hamburg Ich bin froh. wie Manfred Schwarz schreibt. Wäre es nicht besser gewesen. als ginge es um einen Sportevent. So ist mittlerweile überzeugend nachgewiesen. Paehler. per E-Mail Richter am Amtsgericht i. die die emotionalen Bedürfnisse. die einen Menschen zum Mörder machen könnten.« Und noch ganz nebenbei sei in Abwandlung des berühmten Liebermann-Satzes über einen angeblich zu langen Arm auf einem Bild Cézannes zu seinen angeblich spießigen Blumenbildern angemerkt: Wenn sie so jemalt sind. Axel Felsch. Immer häufiger gibt es ernsthaften Dissens. In Afghanistan und im Irak ging es darum. Kriegswaffen an Diktaturen. diese Bilder nicht zu veröffentlichen. wird als Erwachsener häufiger selbst gewalttätig. dass die meisten Steuerklagen aus formellen Gründen gewonnen werden: Die Steuergesetze sind handwerklich so schlecht. Vergeltung für den Tod von Osama bin Laden wird es irgendwo auf diesem Globus bestimmt geben.. Denn unser Strafverfahren will auch die innere Seite eines Verbrechens ermitteln. Albert Alten. Bad Fredeburg nachweist. Sonderregelungen und so weiter. der höchstwahrscheinlich einen großen Teil seines Lebens in engen Kniebundhosen zugebracht hat. der es unter Androhung von drastischen Strafen jedem Staat auf der Erde grundsätzlich verbietet.oder Irakkrieg steht. examinierter Jurist. Wer zahlt das letztendlich? Der Steuerzahler! Zu wenige Razzien und zu niedrige Strafen für die Arbeitgeber! Christel Fichtner Sandersdorf Sie sind wie wir Pro und Contra: »Soll der Westen den Krieg verschärfen?« Dass es in Libyen nur um die Macht des Westens geht. – ich will die neue Welt um mich herum nicht sehen. 18 Wie Grausamkeit entsteht Interview mit Terry Eagleton: »Höllische Freude« Eagletons Antwort auf die Frage nach den Ursachen. selbst richtig zu handeln. Berlin Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit. Das Arbeitsamt stockt das Einkommen noch auf. Nicht erwähnt wird. Diktatoren und in Krisengebiete zu liefern? Roland Klose. Es gibt durchaus wissenschaftliche Ergebnisse. sondern eine neue Dimension hat. Berlin/Riga Rechtsanwalt »So jemalt« Manfred Schwarz: »Der vollkommene Bourgeois« NR. nie aber alleinige Rechtfertigung von Untersuchungshaft. Dirk Kerber. Saddam Hussein und die Taliban wurde rein gar nichts gelernt. 18 Traurig. Bund. beschäftigen Leute nur auf 400-EuroBasis. Peter Christian Hall Frankfurt am Main Immer wieder prallen das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und das von der Justiz hochgehaltene Rechtsstaatsprinzip aufeinander. Über die Zeit seiner »inneren Emigration. Wernigerode Schuld und angemessene Strafe Dagmar Rosenfeld: »Täter aus gutem Haus« Die Unschuldsvermutung ist keine psychologische Einschränkung des Tatverdachts. Aus diesem Dissens entsteht zwangsläufig das Missverständnis. Liebermann hat in jüngeren Jahren dem Durchbruch der Moderne auf die Sprünge geholfen. dass aggressives Verhalten zwischen Generationen sozial tradiert wird. gestraft wird seit Jahrtausenden. Denn als Ausländer wäre wohl die U-Haft unumgänglich gewesen und wären dem Steuerzahler die Kosten auferlegt worden. dass die Täter keine Ausländer waren. der einfach nur »Streit gesucht hat«. ist aberwitzig und geschichtsblind. gravierend vernachlässigen. sich bevorzugt in Gesellschaften entwickelt. wenn zwei Grundübel bestehen bleiben: Erstens die verworrenen Steuergesetze mit zig Ausnahmen. zudem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. dass in Hirn und Herz des Übeltäters ganz andere Abläufe stattfinden als gemeinhin angenommen. die sonst ständig die Verrohung der Gesellschaft anmahnen. Dr. und auch deshalb ist die vermutete Schuld (der Verdacht also) zwar Voraussetzung. sondern weil die Handlungsgrundlage für das Finanzamt nicht belastbar ist. 18 An der laxen Steuermoral in Deutschland wird sich nicht viel ändern. Man will ja nicht blöd sein oder jedenfalls nicht als solcher behandelt werden. Ich schaue nicht mehr aus dem Fenster . Dies schützt nicht nur einen tatsächlich zu Unrecht verdächtigten Bürger. So fragt zum Beispiel der Richter: »Wissen Sie denn nicht. durch welche Tatverdacht und Unschuldsvermutung sich aufheben würden. bleibt unerklärt. In Libyen jedoch engagiert sich der Westen.de Beilagenhinweis Die heutige Ausgabe enthält in einer Teilauflage Prospekte der Verlagsgruppe NEWS GmbH. Florian Dietrich. 18 Die Bilder des im Alter von nur 51 Jahren gestorbenen Edouard Manet ausgerechnet gegen das Spätwerk Liebermanns auszuspielen. Hirnforscher und Psychologen lehren uns. die verkennt. Und da können gesetzestreue Bürger es sicherlich nur gut finden. Dies ist kein zu hoher Preis für eine Rechtsordnung. können es jar nicht jenug sein. vorwiegend Baufirmen in West und Ost. als Zusammenfassung seines bisherigen Lebens. die restliche Zeit arbeiten sie schwarz gegen Cash. per E-Mail Der Libyen-Krieg beweist wieder einmal die Doppelmoral der Nato-Mitgliedstaaten. kulminierend in völkermordenden Diktaturen. der Täter habe Tathergang und Folgen voll im Griff gehabt und könne Ähnliches künftig vermeiden. Eva Matern-Scherner. Wieso lernen dann Juristen nicht dazu? Psychologie und Hirnforschung gibt es seit einigen Jahrzehnten.96 LESERBRIEFE AKTUELL ZUR ZEIT NR. dass heftige Tritte gegen den Kopf eines Menschen zu dessen Tod führen kann?« – »Doch!«. würde dieses neue Gefühl der Ähnlichkeit untergraben und den Boden für einen »Kampf der Kulturen« bereiten. Uchatius: »Der Raubüberfall« ZEIT NR. April 2011 18 Alttestamentarisch. Wir werden die im Einzelfall nicht immer befriedigenden Folgen der Unschuldsvermutung weiter ertragen müssen. dass nur Frauen schön zu sein haben. Berlin geben. dass die Psychohistorie über den Verlauf der letzten Jahrhunderte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 95 Aus No: Entsetzlich Titelthema: Der Fluch des Bösen Die einzig kluge politische Entscheidung nach der Exekution eines bereits schwerkranken Menschen besteht darin. die überzeugend ZEIT NR. reale oder fiktive terroristische Bedrohungen in einem feindlichen Kulturraum zu bekämpfen. erstaunt ein wenig. sondern einer der Täter nur der Sohn eines Rechtsanwaltes war. der wesentlich für Impulskontrolle. Den Durchbruch einer neuen Sicht werden die meisten in ihrer Dienstzeit nicht mehr erleben. in weit vorchristlicher Zeit. dass Grausamkeit. sagt der Angeklagte. trotz zeitweiliger Rückschläge. der die befreiten Gebiete dort schlagartig sich selbst überließe. nachzulesen in Berichten des Steuerzahlerbundes und des Rechnungshofes. dass diese Intervention gerade nicht in einer Linie mit dem Afghanistan. und das Finanzamt repräsentiert das Böse – und ist auch noch ungerecht. Man wisse hierüber viel zu wenig. Hösseringen Laxe Moral K. Das verstellt den Blick auf die Notwendigkeit neuer Reaktionen auf Unrecht. G. Die Unschuldsvermutung gebietet demgegenüber eine Offenheit des Strafverfahrens. Ermutigend ist hierbei. zweitens die Verschwendung von Steuergeldern. Hans H. hätte man die Ermordung Osama bin Ladens vermutlich als gerecht empfunden.

) Zum Abendessen habe ich sieben Menschen. dass er ein riesengroßes Rasenherz hat stehen lassen. Rumohr. dass in Italien die Ausgabe von Plastiktüten in Supermärkten und anderen Geschäften verboten wurde. neu verfasst SCHÖNE GRÜSSE Lieber Herr Röttgen. In Amerika aber ging es vielen von ihnen schlechter als in der alten deutschen Heimat. ich Saxofon. dass der Beitrag in der ZEIT. So tragen die Kinder auf dem Bild Kleider und Schuhe. Ich habe sie trotzdem gelobt. dem 19. ich bekomme die zweite Hälfte der Vorwoche zurück. seit zwei Wochen. wie sich in Briefen und Dokumenten erkennen lässt.. Also: nein! Oder: »Mann. Jahrhundert. Und es funktioniert tatsächlich. Ulm Freitagmorgens.. was mir die meisten wünschten. So kaschierte man die Armut einfach mit einem Häufchen Laub. meist junge Menschen zur Auswanderung genötigt. JVA Bielefeld-Brackwede Du schliefst. zzt. »Was ist?« – Ich sagte leise: »Ach!« Gabriele Herbst. dann eine schwere Not bei der Suche nach der angemessenen Reaktion. und 20. »Willkommen und Abschied«) Mein Wort-Schatz Im Grunde ist mein Wort-Schatz ein Schimpfwort. woge.Leserbriefe siehe Seite 95 12. lange gab es auf dieser Seite jede Woche die Rubrik »Das regt mich auf«. ich sei der einzige Mensch im Bekanntenkreis. WL 2009 2010 Was mein LEBEN Seit Jahren verbringen wir unseren Sommerurlaub auf der Insel Rügen. Natur. Wolfgang Dasch. im Internet unter www. Am Samstag. die uns auffallen und die das Immer-Wiederkommen interessant machen. Passau ds Zeitsprung mehr zu lesen. die arabische Halbinsel und durch den Suezkanal wird die Reise weitergehen – bis nach Venedig. d. Dann unter den Wolken von Kiel bis zur Elbe segeln und sich an unserer wunderbaren Landschaft nicht sattsehen können. Mit der Einsendung eines Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden. Sie steht im Garten und hat einen frisch gepflückten Apfel in der Hand. Also machen wir alles mit dem Fahrrad. Fand Silben. als hätten wir viel davon: Zeit! Wilfried Ludwigs. Indonesien. Doch vergangenen Sommer glänzte es mit einem neuen Anstrich. Sekt gab es den ganzen Tag. Raimund Nieß. Sollen wir? Oder wollen Sie gar nicht wissen. Ich möchte die Zeit anhalten. du Welle«. »Schockschwerenot« ist übrigens präzise. die ich zum allgemeinen Amüsement verlese. Plön Morgens vor dem ersten Weckerklingeln im Halbschlaf das gleichmäßige Atmen von drei Personen zu hören. Ich treffe mich mit meiner Mutter. Und so festzustellen. 82° 22’ Ost Das erste Mal nach einem langen Winter und Winterschlaf mit meiner Schildkröte durch den Garten zu laufen. das im Hafen von Sassnitz den Liegeplatz eines Schiffes markierte. Magdeburg Wieder den vertrauten Dialekt meiner Kinder. Susanne Lange. als Bundesumweltminister wissen Sie bestimmt. Lachen und Freude pur! Jochen Ruthardt. und oft haben sich spannende Debatten aus Ihren Beiträgen entwickelt. Niederzier AL AG LT SK U N ST Schicken Sie Ihre Beiträge für »Die ZEIT der Leser« bitte an: leser@zeit. besteige mein Fahrrad. Mein Mann kannte sich in der Astronomie sehr gut aus und hat mir auf unseren Reisen immer den Sternenhimmel erklärt. Christa Lieb. Ich bekam sogar mal das Kompliment. Angelika Kratz. Jedes Jahr kommen ein paar neue Ferienunterkünfte und Touristenattraktionen hinzu. . Ludwigsburg Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit begonnen. was mir jemand zumutet. auch ein wenig befremdet bis ärgerlich: Was steht mir zur Verfügung? »Ach du Sch . Wenn die Weltreise von Sabine Kröner demnächst zu Ende geht.zeit. die ich suchte – und deiner hab ich auch gedacht. Heidenheim a. Viele Erinnerungen stiegen in mir hoch. von dem Sie uns gleich erzählen möchten? Schreiben Sie an leser@zeit. Die Sonne hat den schwarzen Sattel für mich beheizt. Fo Es schlug mein Herz. 89.!«. Zuerst tauschen wir die ZEIT. der mich ärgert oder ärgern wollte. Mars und Jupiter wollte ich noch finden. Wiedergefunden: Ein Dokument der Armut Für das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen arbeite ich an einer Dokumentation über die Auswanderung nach Nord. Am Abend sehe ich. Mühlacker Mit meinen Freunden Marco. an meinen speziell dekorierten Tisch geladen. Wenn ich über etwas erstaunt bin und darüber. Hochzeitstag. Ich habe mit diesem Wort immer den erwünschten Erfolg: Der. Das Fremde und was mir vertraut. Mit Ansprachen. Wolfgang spielt meine Wunschmelodien. Nach einem weiteren Tanz um den Pool – diesmal ist es ein Cha-Cha-Cha – sinke ich glücklich in meine Federn. Mutter bekommt die erste Hälfte der aktuellen Ausgabe. Unsere Stimmung wird immer ausgelassener. Holger und Michel viermal im Jahr mit unseren Mountainbikes durch den Pfälzer Wald zu schießen. W. Osnabrück Buch und Bach Das Foto unserer süßen Tochter Caroline. Am Vorabend war ich bis Mitternacht wach geblieben und hatte das Pooldeck für mich alleine. Massagegutschein und Champagner aus Heidelberg werde ich beschenkt. Walther Weih. 55: Nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr wollte sie durch neue Eindrücke Abstand gewinnen. v. »Mein lieber Schwan!«? Nein.de oder an Redaktion DIE ZEIT. Mittlerweile können wir schon einen kleinen Blues zusammen spielen. eine Kürzung und die übliche redaktionelle Bearbeitung der Beiträge vor. wenn ich – ich lebe seit über 40 Jahren in Norddeutschland – einen Besuch in meiner alten Heimat Württemberg mache. wenn ich mich recht erinnere. das gebrauche ich nie. könnten wir »Das regt mich auf« fortsetzen.und Südamerika im 19. Gedicht. Die rasteten auf deiner Haut. Sah deine Freude. (Ich habe gewonnen. Von Buenos Aires aus ist sie per Schiff um die Südspitze Amerikas und durch die Südsee gefahren. Du wecktest mich mit Radio-Bach. Christian. Das Wort bezeichnet doch genau das. aber es sind auch die kleinen Veränderun- gen. Schleswig-Holstein Ich komme aus dem Laden. Über der Elbmündung kreisen – gemeinsam mit einem Seeadler. ej!« oder »Menno!«? Nee! Da ich ein freundlicher und langmütiger Mensch bin oder zumindest so tue.. sogar Gianna Nannini. und auch. Baltmannsweiler An einem leicht bewölkten Tag in ein kleines Segelflugzeug steigen und mit dem Windenseil auf 400 Meter Höhe gezogen werden. »Die ZEIT der Leser«. Eine Party mit so wenig Arbeit und so viel Personal hatte ich noch nie. das war es. Mit dem uralten Anhänger aus Kleinkindertagen. selbst Musik zu machen! Ja. Viele sagen oder schreiben gar »Weia!« – im Grunde auch Wagner: »Wagala weia. kaum EIN GEDICHT! Klassische Lyrik. Alles braucht viel mehr Zeit. er klingt ein bisschen vornehm. Goethe. Beim Frühstück erwarteten mich schon die ersten Gratulanten mit Gesang und Orchideen.. Hella Maas. Nachdem ich Jule auf die Kritzelei der Woche aufmerksam machte. Das Kreuz des Südens suchte ich und erspähte es auch endlich über dem Heck. Die wunderbare Katharina hat mir eine E-Mail geschickt. mit 40 Jahren noch einmal Schüler zu sein. über die ich mich sehr gefreut habe. Im Nordatlantik sollen unvorstellbare 100 000 Tonnen Plastik in einem einzigen Riesenstrudel treiben. und jeder Kunde hatte eine Einkaufstasche dabei. auch den Einkauf. oder? Christian Voll. Oldenburg reicher macht Es ist unser 48. pünktlich um zehn. deine Qualen. mich gemeinsam mit ihr zu sonnen und das Gras unter den Füßen zu spüren. Plastik gefährdet die menschliche Gesundheit (Bisphenol A und Weichmacher!) und verursacht gewaltige ökologische Probleme: So landen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich mindestens 7000 Tonnen unverwüstliches Plastik im Meer. der dieses Wort verwende. Stuttgart Ich las Gedichte in der Nacht. zzt. aus traurigem Anlass« unternimmt Sabine Kröner. geschwind zum Buche! to: H il g e m a n n / D a vi Liebe ZEIT-Leserinnen und -Leser. da war Caroline 20 Monate alt. Bisingen-Wessingen Die Morgenröte ließ mich ruhen.de/zeit-der-leser und auch in einem ZEIT-der-LeserBuch (Sammlung von Leserbeiträgen) veröffentlicht werden kann Nach einem erlebnisreichen Tag auf den Andamanen habe ich meinen Geburtstag an Bord gefeiert.) Wir trinken Cappuccino mit viel Sahne und reden über die Familie und den Rest der Welt. Zugegeben. würde ich sogar sagen. worauf dieser es ausruft). Aber das mit dem Plastiktütenverbot wäre doch ganz einfach. will ich den Gesprächspartner nicht gleich selber ärgern. ich habe es selbst gesehen: 28 besetzte Kassen in einem einzigen Supermarkt. Über Indien. Und Mondessternenstrahlen. Welch ein schönes Gefühl. Eberhard Leibbrand. Noch nie habe ich am Geburtstag so viele Hände geschüttelt und so viele Küsschen erhalten. Nina Lenz. Gerlinde Benz. über die große Nase des Titelhelden zu sprechen.. (Im Laufe der Woche werden wir dann auch die andere Hälfte tauschen. Für den kleinen Buben links aber waren wohl keine Schuhe dabei gewesen. aber da er so herrlich altmodisch ist. Die Inflationsjahre in Deutschland um 1923 hatten viele. was andere Leser aufregt? Oder gibt es Ärgerliches. sie hauptsächlich während der Unterrichtsstunden gezeichnet zu haben. Das Foto wurde im August 2009 aufgenommen. 20079 Hamburg Die Redaktion behält sich die Auswahl. nein.. So war im Sommer 2009 dieses Holzschild. Jürgen Hartmann. das mir richtig zu Herzen ging. war ich kurz ratlos. Geldern . was man angesichts einer überraschenden Zumutung empfindet: erst einen Schock. lieber Herr Röttgen. jeder ein Instrument zu erlernen: er E-Gitarre. Merci! Sabine Kröner. 6° 13’ Nord. Und so passt mir ein Wort am besten. Schaute in den sternenklaren Himmel. ist erst mal baff. der Fehler unauffindbar. dass unsere beiden Buben (4 und 2) im Verlauf der Nacht zu uns ins Bett geschlüpft sind. das das Gegenüber überrascht und die Zumutung gleich ein wenig entschärft. und beim Dartsturnier spielten wir um mein Alter. Dabei fiel mir ein Foto aus Argentinien aus dem Jahr 1934 in die Hände. »Zufriedenheit«. im Café. schenkte sie mir zum Geburtstag diese Zeichnung. dann kam sie über Australien. Monat 2011 DIE ZEIT No 20 96 (nach J. Als sie mir allerdings gestand. Brenz Eine kleine Weltreise .und Jugendjahre zu sprechen und zu hören. die ihnen Verwandte aus Deutschland geschickt haben. erstmals in Cyrano de Bergerac (einer der jungen Soldaten wagt es. doch alleine musste ich resignieren. September 2009 haben wir uns zuletzt gesehen. Die Kritzelei der Woche Unser Auto ist krank. Und plötzlich scheint es. wie ich meine: »Schockschwerenot!« Ich hörte das. Martina Hömann. Singapur und Myanmar auf die zu Indien gehörenden Andamanen-Inseln. irgendwo im Golf von Bengalen. die Energiepolitik ist knifflig. Der Tag begann in unsren Schuhen. Reime. die mir besonders ans Herz gewachsen sind.de! Wir sind gespannt. Lauda-Königshofen Meiner zwölfjährigen Enkelin Jule hebe ich regelmäßig die ZEIT-Kinderseite auf und kaufe ihr die KinderZEIT-Hefte. Mein Mann mäht den Rasen. zu sehr Lohengrin. Carola Bührmann.

Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. bleibt auch eine. dass es ohne Europa nicht geht. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. die zweite Volkspartei. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. die EU dabei mitregieren. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. der nicht aufgepasst hatte. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. so desaströs seine Folgen wären. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus.zeit. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Leserbriefe@zeit. in das so viel Geld fließt. sondern echtes Geld kosten werden. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. »Retten« ist ein hübsches Wort. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. die im Englischen haircut heißt. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. Die Entscheidung Kretschmanns. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. würden Schulden nicht getilgt. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. findet Josef Joffe. 20080 Hamburg. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. zeichnet sich schon ab. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co.o. was sie auch kostet. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. was gemeinhin eine Volkspartei ist. will das offizielle Europa Ruhe. »Umschulden«. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. ist schlicht ein Skandal. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. deshalb unser aller Geld retten musste. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. die sie früher nie gewählt hätten. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. wer der bessere Europäer ist. die Griechen überlegten. Nein. Die Frage ist vielmehr. bestrebt. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Käme es jetzt zum griechischen haircut. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. und trotzdem beschimpft Europa uns. Doch das heißt nicht. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Es kostet nur wieder Milliarden.zeit. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Klar ist einzig. das zu werden. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen.PREIS ÖSTERREICH 4.und Bahnhofsschützern. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. positionieren sich als die guten Europäer. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. Wellen am sardischen Strand. Wer wollte sie den Iren abschlagen. was kommt. Sooft dieser Tage in Ministerien. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. heute Erzfeinde: Hans-Peter Martin wird von seinem Protegé an den Pranger gestellt Politik Seite 12 D Europa will sich Ruhe kaufen. Das klingt weit unattraktiver als das. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten.de. kleine Abb.0. Aber die Diagnose ist unvollständig. im Land. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. Diejenigen. Irland. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost).de. Schweiz. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte.10 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. E-Mail: DieZeit@zeit. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los.de/audio www. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. Geburten hinfällig. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. ZEIT-Stellenmarkt: www. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www.zeit. wohl aber die Stimmung. Die Griechen. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Der Rettungsfonds will weiter retten. Das ist umso generöser. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. dessen Datum anzunehmen. wenn Europa immer weiterzahlt. sondern auch an zu viel. dass die Griechen mit dem ersten. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. Vergessen. man macht sich unbeliebt. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden.de 20 2 0 AUSGABE: . ebenso wie die Deutschen und andere.de/audio AC 7451 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog.u. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. was auf lange Sicht besser für Europa ist. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. der sich tief gedemütigt fühlen muss. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Kleine Augenblicke. Schuldzuweisungen und Dementis. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. weil dies ein überholter Begriff sei. auch nicht beim haircut. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. KG. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Europa sollte die Umschuldung wagen. wenn Europa weiter zahlt. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen.jobs. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus.zeit. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Gleichwohl verlangen die EU. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.n. also einen Tag zu überspringen. die andere Möglichkeit. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. (v. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Viel Geld. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein.zeit. beschlossen hat. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. nun gelte es. Libyen. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. Nicht mehr bezahlen. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. GRN. ist auch eine hässliche Sache. Gutmenschen nerven. Auch das käme alle teuer zu stehen. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Was dagegen geschieht. J A H RG A N G www. Die entscheidende Frage ist aber nicht. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Die Entzweiung Einst ein verschworenes Duo. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Sie sind nötiger denn je. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . möglichst viele Menschen mitzunehmen. um Griechenland aus der Krise zu helfen. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. In Interviews sprach er davon. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt.de Abonnement Österreich. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. die SPD.

Martin habe die eigenen Ideale verraten. als die Listendritte. demnächst in Pension geht. Einen Grundkurs in der Kunst des Tarnen und Täuschens absolvierte er allerdings in den vergangenen fünf Jahren bei seinem Mentor Hans-Peter Martin. sich Ehrenhauser schützend vor sein Vorbild. mit meinen abgesicherten Medienauftritten und meinen persönlichen finanziellen Mitteln. Ehrenhauser wird sich als Supersaubermann darstellen. ein Schulfreund von Hans-Peter Martin. Gerne präsentierte er sich als die dynamische Nachwuchshoffnung an der Seite des Europarebellen. Assistiert von einem Nachrichtenmagazin. dass er keinen Einblick in die Finanzen der Partei besessen habe. steht in den Sternen. in dem sich Geheimagenten gegenseitig bespitzeln. Mit geheimen Unterlagen über den Baulöwen Hans-Peter Haselsteiner und den Lobbyisten Alexander Zach. ist einem kalkulierten Tonfall gewichen. Martins Frau schrieb eine Mail an Werthmann und fragte. signalisierte er gegenüber Hans-Peter Martin noch Gesprächsbereitschaft. das haben nun Forscher aus den USA herausgefunden. Ein Interview sei Bedingung. Meist. wie Martin häufig wegen des extravagant weiten Schnitts seiner Beinkleider genannt wird. der noch Großes im Sinn hat und jetzt die Weichen für seine politische Zukunft stellen möchte. »Ich wollte. Im Oktober 2010 schrieb dieser in einer Mail an Ehrenhauser: »2014 hätten wir die besten Chancen. nennt er das heute. Doch nach der Veröffentlichung des Rechenschaftsberichtes der Liste Martin am 29. Den Meister hat der Schüler jedenfalls bereits jetzt übertrumpft. dass es nun eine »neue Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft« brauche. ein Foto von sich würde ihm auch gut gefallen. Warum er plötzlich aufmuckte. einer Sportkneipe in Brüssel neben dem Parlament. oft erst Stunden. »Das war schon sehr untergriffig und ging schnell ins Persönliche. Angelika Werthmann. Die Reduktion des Sprachzentrums ist bei Budgetdebatten gang und gäbe. war die Eintrittskarte des Politikstudenten bei dem EU-Rebellen. Der Verbleib von rund einer Million Euro aus der Wahlkampfkostenrückerstattung für die Europawahl 2009 sei ungeklärt. begriffen. die sie wählen könnten. Im Fat Boys. damit Martin seinen Protegé ins Parlament hieven konnte. wird dem Governator von der amerikanischen Verfassung verbarrikadiert. als das jugendliche Pendant des ergrauten Hans-Peter Martin. sich ein eigenes Profil zulegen und mehr sein als bloß die Stulpe an der »Hose«. Dazu muss der Übervater rasch in der Versenkung verschwinden. ließ Ehrenhauser dann Mitte April die Bombe platzen: Er erstattete Anzeige gegen Hans-Peter Martin bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf »schweren Betrug«. Endlich hätten dann auch die wichtigsten Amis wie Henry Kissinger und seine Freunde eine Telefonnummer bei der Hand. Armin Falk. um das Thema möglichst lange am Köcheln zu halten und der Gegenwehr seines Opfers keinen Raum zu geben. Mit welchem Medium er bei der Aufdeckung zusammenarbeiten wolle. ob sie als alleinerziehende nicht zur Arbeit erschienen zu sein. Doch der neue Saubermann präsentiert sich nun als jemand. der ohne Minibar auskommen muss? Schluss mit diesen Menschenversuchen! igentlich wollte Martin Ehrenhauser immer schon einmal einen Spionagethriller schreiben. Kennengelernt hatte sich das Duo drei Jahre zuvor. der Bruch endgültig. sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. schlug einen Sitzungstermin in Wien vor – just für den Tag. dass heute nicht mehr viel fehlt und er hat seinen Ausbildner mit dessen eigenen Waffen geschlagen. um jeglichen Zweifeln vorzubeugen. sagt Ehrenhauser heute. Wer ihn dann allerdings wählen soll. Das erklärte ihm sogar unlängst noch Hans-Peter Martin. So erfolgreich. Sonst verarmt die emotionale Intelligenz. Doch Ehrenhauser hat die Gesprächsangebote ausgeschlagen«. Besonders das Sprachzentrum. kurz darauf avancierte er zum Büroleiter. vermittelte Kontakte und brachte ihm die Tricks bei. Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte« Roman Nicolas Dickner »Tarmac« REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. fieberten sie oft bei den Spielen ihres Lieblingsvereins Bayern München. die Falten jedoch nicht gestrafft. Seine Stimme klingt hart. auf wen er zählen könne. Gesichtsmotorik ist für das Gehirn notwendig. die sonst bei jedem Schweinestall protestieren. Als Staatsbürger der USA steht er nun über dem kleinlichen nationalen Zank in der Union und weiß genau. erzählen ehemalige Mitstreiter. »Die steckten rund um die Uhr zusammen. möglicherweise habe Martin hohe Summen für den eigenen Gebrauch abgezweigt. Der Fall des Mentors könnte der Aufstieg des Zöglings sein – medial geschickt orchestriert. und der politische Stil Martins sei auch nicht unbedingt der seine. Martin warf seinem Schützling vor. das Weiße Haus. und aus der Delegation austrat. Es glättet nicht nur verräterische Falten. Hans-Peter Martin stellte seinem Schützling Journalisten vor. mit einer eigenen Liste anzutreten. Man hatte das Gefühl. Konservativ und zugleich ein grüner Visionär. Und Ehrenhauser spricht bereits davon. Einst war er sein größter Fan und willfähriger Erfüllungsgehilfe. er habe Parteigelder hinterzogen. Genau. er müsse sich möglichst weit von Martin distanzieren. berichtete von seinen Anschuldigungen.. Andere sagen. der sich ihnen in den Weg stellte. wurde später zur Persona non grata für die verschworene Clique. Flüchtling zu sein 48 Kinder. Und ein Match gegen mich? Da hätte ich wohl auch die besseren Möglichkeiten. what’s his name?. baby! JR Bessere Zeiten: Martin und Martin feiern den Wahlerfolg 2009 Die Zertrennlichen Einst war Martin Ehrenhauser der größte Fan von Hans-Peter Martin. als »Rabenmutter« bezeichnet zu werden. Als der Zauberlehrling antrat. Zwar werden alle nervösen Reaktionen hervorgerufen. die er dadurch auslöste. Während er medial die Entzweiung bereits vorbereitete. das zu moderieren. die wissen alles voneinander«. Sich in diesem Dauerfeuer zu verteidigen ist unmöglich – der Zauberlehrling hat vom Hexenmeister viel gelernt. das Verhältnis wurde schnell frostig. nach den Europawahlen 2009 auf ihr Mandat verzichten sollte. Wie könne es sein. wenn wir gemeinsam kandidieren.de/audio Geschichte eines Liedes aus Island 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze« Kunst Paul Pfeiffer in München GESCHICHTE 21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. Schließlich verzichtete der Listenzweite auf sein Mandat – heute leitet er das Bürgerbüro von Martin Ehrenhauser in Wien. um vorzeitige Veröffentlichungen zu verhindern. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen ein Vorbild für die Welt? Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt . Jetzt stellt er seinen Mentor an den Pranger VON FLORIAN GASSER Mutter ihre Funktion in Brüssel überhaupt ausüben könne und nicht Gefahr laufe. Mit Methoden aus der untersten Schublade sollte die Salzburgerin dazu gedrängt werden. In internen Sitzungen zielten sie gerne auch unter die Gürtellinie. 2014 wird er wohl versuchen. jetzt wurde er durch die Forschung bestätigt. sogar das habe er akzeptiert.12 12. […] Schwierig wird es sicher ohne meine explizite Unterstützung. Familie und Politik zusammen? FDP Ein Gespräch mit Philipp dem Burschenschafteraufmarsch am Heldenplatz fern VON JOACHIM RIEDL WISSEN 37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können nur die Autokonzerne zu fördern 27 Kinderarmut Die Not wird überschätzt. Ehrenhauser und seine Mitarbeiter seien seit August 2010 in sein Computersystem eingedrungen und hätten auch Gespräche mitgeschnitten. Dieses gefährliche Wurstgift wurde offensichtlich schon seit Langem an unwissenden Versuchspersonen ausprobiert. Heimat und Apfelstrudel geht. auf falsche Fährten locken und enttarnen. Ehrenhauser lud zu vertraulichen Gesprächen. Doch des Skandals nicht genug. bekannt für ihre deftigen Burger. Unzertrennlich seien beide damals gewesen. Immer neue Vorwürfe tauchen auf. bekam es mit dem Oberösterreicher zu tun. Osama haben dem Terminator die Navy Seals weggeschnappt. Zurück ans Actionfließband in der Filmfabrik. Ehrenhauser wurde Martin immer ähnlicher.. Was nun kommen wird? Für Hans-Peter Martin könnte diese Affäre das politische Ende bedeuten. Deshalb werden einfache Sätze. lotete Ehrenhauser bereits aus. Die Korruptionsaffäre. »Untreue« und »Förderungsmissbrauch«. wird in Mitleidenschaft gezogen. »Fußballersprache« sei da gepflegt worden. oft tagelang Ehrenhauser wurde seinem Idol immer ähnlicher und vertraute ihm blind Das Duo ging gegen jeden vor. wenn sie mit Europa sprechen wollen: Hasta la vista. Emotionelle Intelligenz ist bei diesen Zusammenkünften ebenfalls sehr selten anzutreffen. sagen Forscher Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest Die sich über arabische Revolutionen Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung 28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal GegenseitigeSchuldzuweisungen Soziale Netzwerke CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 55 Margaux Fragoso »Tiger. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen ÖSTERREICH 12 Politik Das Zerwürfnis zwischen Hans-Peter Martin und Martin Ehrenhauser VON FLORIAN GASSER Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn 59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« Kulturkanäle zdf. er selbst habe etwas mit den dubiosen Vorgängen zu tun. dass sich die beiden aussprechen. Offensichtlich gelangt bei diesen Experimenten an Mandataren eine noch sehr frühe Entwicklungsstufe des Nervengifts zur Anwendung. begann Ehrenhauser auf einmal Fragen zu stellen. Ein Jahr später wurde er dessen parlamentarischer Mitarbeiter. Gut einstudierte.« Auch als Angelika Werthmann im vergangenen Sommer Hans-Peter Martin vorwarf. Und eine Idee für den Inhalt des ersten Absatzes der Enthüllungsstory schwebte ihm ebenfalls vor. Foto: Ingo Pertramer Ehrenhauser zelebriert den Bruch mit allen Mitteln der Medienkunst Nebenbei wurden ab Ende März Journalisten mehrerer Medien kontaktiert (darunter auch die ZEIT). sein Blick ist kalt. einander austricksen. der für die eigene Redlichkeit sogar seinen politischen Ziehvater opferte. sagt eine. Er kennt die brennende Migrationsproblematik aus eigener Lebenserfahrung: Auch er war einst mittellos an fremden Gestaden gelandet. die bei den Delegationssitzungen oft dabei war. »Freunde waren wir nie«. wenn die Sitzung längst vorbei ist. die er jahrelang nicht mitbekommen haben will. Seitenlange Mails mit Anschuldigungen wurden gewechselt. habe er noch nicht entschieden. aber zugleich weich wie ein schnurrendes Kätzchen. Doch Werthmann weigerte sich beharrlich. mit welcher der 32-Jährige früher über seine politische Arbeit sprach. Er selbst sagt. Unterlagen sollen ihm noch im Herbst zugespielt worden seien. Ehrenhauser wandte sich an Mitstreiter der Liste Martin. Sogar Ehrenhausers Mutter warf der Mandatarin vor. Bärenstark. das widerfährt selbst Titanen nur nach ihrem Ableben.com rend einer Plenarsitzung keine Seltenheit. Im Wochentakt beliefert er nun Zeitungen mit immer neuen Details. die gerne gedruckt werden. weil die durch Lähmung reduzierte Mimik beim Gegenüber zu emotionalen Missverständnissen führen kann. Arnie verkörpert ja gewissermaßen die europäische Schnittmenge. Den Verdacht hegte man ja schon lange. Auch Klaus Diekers. Etwa. dass sich Ausgaben und Einnahmen der Liste auf den Cent gleichen? »Eine betriebswirtschaftliche Meisterleistung«. Dazu würde wohl auch ein Interview genügen. Dass sich seine Vorwürfe heute merkwürdig ähnlich anhören wie seinerzeit jene von Werthmann. wenn der blasse Belgier. dass sich Martin und Martin entzweit hatten. Jetzt hat sein ehemaliger Kabinettschef dem Magazin Newsweek die Königsidee anvertraut: President of Europe. Die beiden Mandatare gingen auf Distanz. und bot an. nachdem sie ausgesprochen wurden. begründet er damit. wie solche United States zu funktionieren haben. Kampfmaschinendarsteller. September 2010. Gemeinsam zogen sie in Psychokriege. an dem die Geschichte publik wurde. war er der »junge Hecht im Karpfenteich«. Wo sind die Grünen. Ehrenhauser war gerade bei den Jungen Liberalen hinausgeflogen. wenn die Bombe platzt. erzählt von den ungeheuren Vorgängen. sie würde die Karriere ihres Sohnes behindern. sondern vermindert auch die Denkleistung. der zugleich als Chef der Liberalen firmierte. Als noch niemand außerhalb Brüssels ahnte.zeit.kultur . Einen. Heute wirkt Ehrenhauser verändert. Wer dem umstrittenen Europaparlamentarier am Zeug flicken wollte. Viele fragen sich inzwischen. schmissige Phrasen. Er hat sich einen Django-Bart wachsen lassen. er habe dem egomanen Leitwolf einfach blind vertraut. Nun erhebt Ehrenhauser selbst schwere Vorwürfe gegen sein früheres Idol. erzählt er. ins Ausgedinge von Venice Beach oder als Ambassanator für eine bessere Welt von Kontinent zu Kontinent tingeln? Allesamt keine erbaulichen Perspektiven. stellte IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Foto (Ausschnitt): Harald Schneider/hds/APA/picturedesk. die HansPeter Martin die Treue hielten und ihn bedingungslos verteidigten. warum Martin Ehrenhauser die Trennung nach allen Regeln der Kunst inszeniert. Kino-Ikone und zwei Amtsperioden lang Regierungschef von Kalifornien. NOLL Freiheitliche HC Strache blieb WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch 33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung ThyssenKrupp Der Konzern FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral 62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTLSenderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie. Tiger« 56 Nachruf auf Gunter Sachs kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. Ökonom und Verhaltensforscher? noch die meisten Laster bauen Elektroauto Warum es falsch ist. Für den Reißer fehlte dem Mandatar im Europäischen Parlament bislang die Zeit. etwa »Bitte Ruhe im Saal!«. Vielleicht wollte er endlich aus dem Schatten des Übervaters heraustreten. Mai 2011 DONNERSTALK DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Gift im Parlament Botox garantiert ewige Jugend. Martin und Martin nannten sich die beiden im Europawahlkampf 2009. um selbst einfache Sätze verstehen zu können. wandte er sich an Hans-Peter Martin. Das Ende einer fast fünfjährigen politischen Zusammenarbeit war besiegelt. blieb aber kryptisch genug. Ausdruckslose Gesichter sind im Hohen Haus wäh- E Alfred Dorfer enthüllt das Rätsel der versteinerter Mienen im Hohen Haus AUSSERDEM Wer sonst? Dem Werden und Wirken des berühmtesten Österreichers der Gegenwart widmet sich bereits zu Lebzeiten ein eigenes Museum. mit denen sich jede Mücke zum Elefantenskandal machen lässt.und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« 96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. weiß keiner. Der selbst ernannte Saubermann ist schwer angeschlagen. Muskelheld. bekam einen Anruf. Die Euphorie. Sie teilten die Leidenschaft anzuecken und aufzudecken – nicht selten mit Mitteln an der Grenze des guten Geschmacks – und die Begeisterung für Fußball. Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 4 5 6 7 8 9 Gutmenschen Ist Deutschland 12 Donnerstalk ALFRED DORFER über die Auswirkungen von Botox auf die Politik 13 Straßenkampf Der neue Wasserwerfer 10 000 der Firma Rosenbauer aus Leonding VON STEFAN MÜLLER 14 Artgenossen Der wankende Mafiaparagraf und das Justiztheater in der Wiener Neustadt VON ALFRED J. befindet sich am Scheideweg. als Martin Ehrenhauser vom Büroleiter zum Abgeordneten aufstieg und auf der Bürgerliste von Hans-Peter Martin kandidierte. das logische Ziel. seine weiße Weste sei besudelt. Er war einer der Letzten. die den Betrug belegen – Martin spricht davon. Mit größtmöglicher Empörung tritt Ehrenhauser derzeit vor Journalisten auf. für die sie mitunter ihr gesamtes Umfeld mobilisierten. wenn es um Familie.« Im Sog der Bestechungsaffäre um den konservativen Parlamentskollegen Ernst Strasser sah Ehrenhauser wohl seine große Chance. gibt immer nur einen Teil der Unterlagen preis. Arnold Schwarzenegger. Ehrenhauser orchestrierte derweil seinen Abgang.

legt man Wert auf Konfliktvorbeugung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 DRINNEN Grüße aus Leonding Sein Name ist WaWe 10. schnauzt eine Sprecherin. wenn sie den Auslöser nicht drücken müssen. vorne rechts. korrigiert Spahr. Das sind einfach Abfallprodukte aus dem Löschfahrzeugbau. Nur um den WaWe 10 will man wenig Aufhebens machen. dem die Law-andOrder-Rolle in einem John-Wayne-Western gut passen würde. Erst als Böller krachen und Leuchtraketen flitzen. nimmt ein Beobachter das Geschehen ins Visier. um Schlimmeres zu verhindern. Er ist der dickste Brummer im Arsenal der deutschen Polizei – ein Qualitätsprodukt aus Österreich VON STEFAN MÜLLER Vulkanische Aprikosen Ein Neapolitaner in Wien: Paolo Cancro. Mit diesem Wissen gerüstet. Auch die Symbolik ist nicht gut. der Kaffee über Holzfeuern röstet. Vielleicht ist es der Polizei unangenehm. eine Kühlvitrine. Wer aus kurzer Entfernung in so einen Strahl läuft. dass die Eskalationsstufen eingehalten werden: Sie reichen vom Anfeuchten mit Wasserglocken – auch ein neues Feature der Hohlstrahlrohre.und Dachelemente lassen Brandsätze abrollen. deren Früchte um einen Seilring geflochten zur Lagerung aufgehängt werden. am 1. sagt Rüdiger Spahr etwas kryptisch. dass jenes kleine. Was wir hier in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben. dass die Menschen für Musikkonserven kein Geld mehr ausgeben. Ein Reporter der taz beobachtet. in feine Scheiben geschnitten und gezuckert. ist die Frontscheibe nach vorne geneigt. Weiterführende Informationen? Fehlanzeige. die vor 200 Jahren erstmals nach Kampanien gebracht wurden. bei dem der Rentner Dietrich Wagner sein Augenlicht verlor. kleinere Brände löschen und sich nur im Notfall – ein bisschen – in einen Wasser speienden Drachen verwandeln. Achtmal war eine zwölfköpfige Polizeidelegation aus Deutschland zu Gast. 27 Jahre lang führte ich einen Musikvertrieb und verkaufte sehr viel von den alten. »Unser Verständnis von so einem Fahrzeug ist es. Juni 2010 im Dorotheum für 1600 Euro versteigert wurde. die das Wasser in 25 Metern Entfernung auf einer kleinen Fläche entfalten darf. Darauf ein verkohltes britisches Feuerwehrauto. sieht aus wie eine Mischung aus Schwerlaster und Terminator. stehen zwei Fahrzeuge von Rosenbauer. eingeflossen. Erst- zulassung 1975. Insgesamt ist das neue Gerät potenter. Der Anteil am Unternehmensgewinn – 2010 waren es 40 Millionen Euro bei einem Umsatz von 596 Millionen – sei jedenfalls gering. Angeblich zu schwer für so manche Wiener Straße mit gemauertem Kanal darunter. einer hinten montiert – ist der 10 000-Liter-Tank nämlich schnell leer. Alljährlich wüten im Schanzenviertel von Hamburg wilde Straßenschlachten. bei Krawallen um die Wehrmachtsausstellung. zum Genießen. die auch Reizmittel versprühen kann. Bleibt zu hoffen. Mit ihr zusammen eröffneten wir im November ein Lebensmittelgeschäft in Margareten.com 12. als Waffe gilt. Sie sollen Brände löschen und Leben retten. Diese sogenannten Blondorangen und Zitronen wachsen auf Bäumen. In diesem Jahr riegeln am 1.« Ein Exportschlager könne der WaWe 10 schon deshalb nicht werden. ein Wasserwerfer hingegen laut Polizeidienstverordnung 122 lediglich ein »Hilfsmittel der körperlichen Gewalt« sein soll. sind wir nicht im Waffenbereich«. riskiert Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen. Die Bilder aus den Werferkameras werden auf Festplatte gespeichert – um gesetzeskonformen Einsatz nachweisen zu können. Auskunft bei der Pressestelle nur per E-Mail. sagt der Ingenieur: »Die ganze Mannschaft ist stolz darauf. Am wichtigsten sei es. Irgendwann sah ich ein. Um im leeren Zustand durch das Tor in die Rossauer Kaserne zu passen. »Werfen« heiße das. die schrägen Heck. Kostenpunkt: 900 000 Euro. In Avellino aßen wir Paulo Cancro stammt aus Süditalien. Damit Steine nach unten abprallen. die an Entfernungsmesser gekoppelt sind. acht Sitzplätze. treten die 15 Düsen des Eigenlöschsystems in Aktion. auf die Suche nach den besten Lebensmitteln Süditaliens. taugen genauso zur Abwehr rebellischer Bürger. Heute will der Beschaffer. Davor habe es ein umfunktioniertes Feuerwehrauto mit Rosenbauer-Aufbau gegeben. In der Umgebung von Neapel fanden wir einen Familienbetrieb. Wir durchstreiften Olivenplantagen. Die beiden Fahrzeuge mit 4000 Litern Fassungsvermögen seien 2003 zugelassen worden. so die werksinterne Bezeichnung. sagt die Polizei. die Dinge richtig einzusetzen. warum in Deutschland der »Mehrzweckeinsatzstock«. vor allem aber sicherer für die Beamten. schräg hinter ihm haben die Rohrführer den Finger am Abzug. ein Ehrfurcht heischendes Qualitätsprodukt. Käse und fanden die dazugehörigen Rinder: braune Kühe. zum Einsatz gekommen war. Komisch. 75 Quadratmeter.« Rosenbauer hat verschiedene Staaten in Europa mit Wasserwerfern versorgt. einem der größten Feuerwehrausrüster der Welt. herkömmlichen Schallplatten. 408 PS stark. Für den grau melierten Gentleman. Wir fuhren von Markt zu Markt und besuchten jedes Wochenende Bauern.« Viele Nächte hatte er wenig geschlafen. mit der Schale als Nachspeise gegessen werden. legt das Monstrum los.« Pumpen und Spritzen. um sich solche Peinlichkeiten zu ersparen. eine Kaffeemaschine. neben dem Fahrer.ÖSTERREICH Fotos: Bodo Marks/picture-alliance/dpa (l.). Leiter der Abteilung Führungs. eine Römerin. Schweden und Deutschland auf. In Sorrent suchten wir nach Zitrusfrüchten. Überhaupt produzieren wir diese Fahrzeuge nur fallweise. fallweise auch asiatische Länder – erinnert sich Vertriebsmann Mücke vage. Ende der Durchsage. 48. sind 26 Jahre Erfahrung mit dem Vorgängermodell. »Hier. das »geschützte Tankfahrzeug« diene lediglich der Gewaltprävention. Es komme immer darauf an. »Hier vorne wird ein Feuerwehrmann gerade scharf angebraten«. Obgleich es den beiden Strahlrohrführern an ihren Joysticks und Bildschirmen am liebsten ist. dass immer wieder Schaulustige vor dem Ungetüm posieren und Erinnerungsfotos knipsen. »Gewaltig. Mai schützte der nagelneue Wasserwerfer 10 000 die Rote Flora in Hamburg T ag der Arbeit. Bei bis zu 1200 Litern Durchflussmenge pro Minute und 65 Metern Reichweite – zwei Werfer sind vorne. nichts mehr dazu sagen. Ende 2009 präsentierten die Hanseaten der Presse selbstbewusst den Prototypen. was wir in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben« In einem Büroraum in Leonding legt Wolfram Mücke. beweist Schweden. Auf den vulkanischen Böden des Vesuvs entdeckten wir einzigartige Aprikosensorten. In diesem Fall spricht man von Lebensqualität. Der alte Wasserwerfer schaffte es nicht durch das Kasernentor Im Innenministerium erinnert man sich an ein noch älteres Gerät. Die »Cobra«. Ihr Geschick an den Werfern. schulen die Beamten auf weitläufigen Testgeländen. lasse sogar einen Einsatz als Trinkwassertransporter zu. schmiederer. Es liegt nahe. bei der Sondereinheit Wega der Wiener Polizei. die es steuern. Leonding bei Linz. weshalb es meist Feuerwehrausrüster sind. die mit Feuerwehrschläuchen improvisieren. die. wo wir Giorgia kennenlernten. weil die Hälfte seiner Bestandteile aus Deutschland stamme und die Wartung im Ausland zu aufwendig wäre. Brandbomben gegen die Polizei.und Einsatzmittel der Hamburger Bereitschaftspolizei. Aus dieser Gegend kommen auch Brotzitronen. Letzter aktiver Einsatz? 2003 – bei Protesten gegen den Korporationsball. im voll betankten Zustand mit einem Gewicht von rund 23 Tonnen. In Wien bringt er den Menschen süditalienische Esskultur nahe Am 1. genau wie die Verantwortlichen bei Rosenbauer. Dort bringen wir den Wienern süditalienische Esskultur und Lebensphilosophie nahe. die mit Strohmatten vor Wind und Kälte geschützt werden. Als der Wasserwerfer. Mai 2300 Polizisten in Nahkampfausrüstung die Krawallzone ab. Zeitungsberichte auf den Tisch. In dem Leistungskatalog. Athen. Handelt es sich um eine Waffe? Nein. Seltsame Kundenwünsche sind Mücke trotzdem zugetragen worden. die solche Geräte bauen. sitzt der Kommandant. Zehn Meter lang. Anarchisten auf Distanz zu halten. wo sie bunte Plastiktonnen vollspritzen.« Sagt es und lächelt. Man muss Zeit haben für sich selber. Die Aufgabe von Wasserwerfern beschränke sich längst nicht mehr auf das »Studentenwaschmaschinentum«. Ich legte in Spanien. »Sonst wäre ja ein Beamter blockiert«. Lebensmittelhändler Mit 16 Jahren trat ich erstmals als DJ auf. das Donatella. Tag der Randale. sagt Kommissar Martin Lundin von der schwedischen Bundespolizei: »Der Effekt bei einem motivierten Gegner ist begrenzt. den es zu erfüllen galt. ergonomische Sitze und ein Kühlschrank für Komfort. war gewaltig. Das Gefährt ist die neue Wunderwaffe des deutschen Staates gegen Bürger. Der Kunststofftank des Wasserbehälters. Wie ein schlafender Kettenhund lauert in einer riesigen Werkshalle ein graublaues Monster aus Alu-Blech zwischen einer kleinen Armada feuerroter Löschfahrzeuge. Man gerate sonst schnell in Schieflage. versichert er: »Sonst wäre jedes Löschfahrzeug eine Waffe. betont Rüdiger Spahr. sagt er. das deutsche Innenministerium. Im Ernstfall rollt der WaWe 10 ganz langsam zur Attacke und wird von Bodentruppen flankiert. Gerät das Fahrzeug doch in Brand. Solche Blödheiten machen wir aber natürlich nicht. die 25 Jahre lang im Versicherungsgewerbe tätig war. dem in die Jahre gekom- menen WaWe 9000 des deutschen Mitbewerbers Ziegler. ist die Sache klar: Die Anrüchigkeit des Produkts werde medial geschürt. Von da an war mir Musik Passion und Beruf. Also drehte ich das Licht ab und schloss meine Firma in Neapel. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A . und das Prinzip Abschreckung – inklusive Warnung über die Außenlautsprecher – hat seinen drohenden Wasserstachel verloren. der 10 000 Liter fasst. die Kabine hält dem Aufprall einer Betonplatte aus dem dritten Stock stand. dem sogenannten Würfel Fünf. die schonend auf kleiner Flamme zu Marmelade verkocht werden. Insgesamt 78 Stück sollen bis 2019 nach Deutschland geliefert werden. musste jedes Mal Luft aus den Reifen gelassen werden. Das Seitenblech ist gegen Durchstiche mit Eisenstangen gerüstet. übersiedelten wir vor einem Jahr nach Wien. Unklar ist etwa. schrottreife Relikt noch im April 2002. ist bei 12 Bar Betriebsdruck auf 30 Kilogramm beschränkt. Dort sahen wir auch die Strauchtomatensorte Pomodorino del Piennolo. Auch im Alltag. also die moderne Version des Polizeiknüppels.« Er zieht einen weiteren Artikel hervor. Vor dem Kulturzentrum Rote Flora hat die Staatsmacht ihr mächtigstes Geschütz für urbane Konflikte aufgefahren: den nagelneuen Wasserwerfer 10 000 (kurz: WaWe 10). zeigte der Tacho 60 100 Kilometer. 30 Tonnen schwer. dass man sich auch beim Essen auf Qualität konzentriert. Im Herzen. Teure Wasserwerfer diffe- renziert einzusetzen sei ohnehin schwer. Zwei davon wurden bereits in Hamburg und in Sachsen in Dienst gestellt – ungeachtet der Debatte um den Wasserwerfereinsatz von Stuttgart. Also machte ich mich eines Tages mit meiner Frau Donatella. In Österreich gelten Wasserwerfer laut Waffengebrauchsgesetz 1969 zwar als »Dienstwaffe« – darüber sprechen will man aber auch hier nicht so richtig. Nach bösen Krawallen beim EU-Gipfel in Göteborg 2001 bekannte man sich lieber zu einem verstärkten Dialog mit Demonstranten. »Was den Export betrifft. Luftfilter und Klimaanlage sorgen für Frischluft. made in Austria. Das Wort Abfallprodukt hört Projektleiter Helmut Ogris aber nicht so gerne. »Das kann von weidedrahtartigen Stromschlägen beim Berühren der Außenfläche bis zur Heißwasseraufbereitung für den Dachwerfer gehen. Der Neue soll böse aussehen. Einsatzhäufigkeit? Unbekannt. Mit mächtigen Fontänen fegt es den Aufruhr von der Straße. die Sache sei vertraulich. In einem neutralen Büroraum in Leonding. ein Ungetüm auf einem Steyr-Fahrgestell. die sonst auf Brandherde zielen. Dass ein Staat sein Gewaltmonopol auch ohne Wasserwerfer ausüben kann. dass auf den Videos von den Opernballdemos in den achtziger Jahren Beamte zu sehen sind. Die Kraft. internationaler Vertriebsleiter bei Rosenbauer. die ein Auffächern der Fontäne ermöglichen – bis zum Schießen mit dem Vollstrahl. das wir je gebaut haben«. Qualität war für mich immer das Allerwichtigste. meint ein Sprecher. »Das ist das technisch komplexeste Gerät. die Randale machen. die Emotion aus Konflikten zu nehmen. In der Rossauer Kaserne. Löschaufgaben würden wichtiger. Auf diese Produkte ist man stolz bei der Rosenbauer AG. zum Nachdenken. Bei der Außenwirkung sieht die Sache schon anders aus.

der fortan als »Verräter« galt. sollte es besser im Kasino verjuxen.« Was ließe sich daraus nicht alles machen – ner derart mittelmäßigen Anklage eine auf Unterhaltung und Erbauung zielende Aufführung und was hat man daraus in Wiener Neustadt gelingen? Diese Zweifel müssen auch den Autor nicht alles gemacht! Jedes Wort des gewieften befallen haben. und gar noch nie auf einer heimischen Bühne durfte man erleben. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. vermutet sie. anbringen zu müssen glaubte: Man gedenke hier gleichermaßen aller Toten des Weltkrieges. weil er ihm nicht mehr opportun war. die. Athen vorweg.müssen.ganhandel oder Waffenschmuggel bis zur Hühten. wenn Ehre weiterhin Treue heißen solle. befinde sich an diesem Tag der Vorhof zu »Wallhalls prangender Burg« (so singt Brünnhilde in Götterdämmerung) am Äußeren Burgtor. hätte wohl sensible Nationalgefühle verletzen können. zumal wir nicht hoffen dürfen. dass das ausschließlich durch Bundessubventionen in Höhe von knapp sechs Millionen Euro ermöglichte Spiel eine Wiederholung erfahren wird. Gehaltvollen Stoff vorausgesetzt. Und blähen sich weiter auf. sondern es wurde die Ankunft des Rechtsstaats in Aussicht gestellt. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. forensische Unverhältnismäßigkeit und legistische Paranoia. sondern die Geschütze der Staatsanwaltschaft. In der gerade zu Ende gegangen Aufführung des Landesgerichts Wiener Neustadt hatte man das Hornberger Schießen auf den Spielplan gesetzt. die es zu vermeiden gelte. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Selten noch haben sich Laiendarsteller derart gut in Szene gesetzt. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Die Heldenopabeschwörung wurde niedergejohlt und niedergetrillert. Deren Sprachrohr. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. 3. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. bis die Kohle ausging. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Der Es gibt kritische Erörterungen des Stoffes sonder Witz der Komödie lag im Missverhältnis von Zahl. Fazit: Wer den Griechen hilft.14 12. In den vergangenen Jahren hatte er die deutschnationale Andachtsstunde gemieden. die auf die Stadt zukamen. der Stargast. Mörder und Ermordete in ein gemeinsames freiheitliches Massengrab geworfen wurden. dass der Jahrestag der endgültigen Befreiung vom NS-Regime doch eher ein fröhlicher Feier. so erschien auch der Rechtsstaat niemals in Wiener Neustadt. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Europa wird zuschießen und stunden müssen. dass er sich seinerzeit im innerparteilichen Machtkampf gegen Jörg Haider durchsetzen konnte. Falschgeld oder Sucht. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. wie es ist. Dadurch ging im Lärm aus der antifaschistischen Fankurve der letzte Affront unter. wertfrei formuliert. In diesem Jahr war es wieder so weit. die sich wieder in den Kommandostrukturen der Freiheitlichen eingenistet haben. ein Mitglied des Wiener Gemeinderats. um seine Bewegungsfreiheit nicht zu gefährden. dass großes Lob gerechtfertigt scheint. am Burgtor erwartet. von dem sich heute das Trauerkorps natürlich in seinen Lippenbekenntnissen distanziert. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. die sich zwar sich mühelos von Mafia bis bin Laden. Haider hatte seinen Recken einst den antiquierten Kampfbegriff aus dem teutonischen Credo kurzerhand gestrichen. In manchen Jahren jedoch eskaliert der morbide Spuk zu einem Politikum. die man dem Stück in überkommener Darstellung nicht abzugewinnen können glaubte. Welch unternehmensähnliche Verbindung Potenzial in den wenigen Zeilen ENOSS TG einer größeren Zahl von Persteckt. um eine bunte und lautstarke Protestallianz auf Distanz zu halten. vermag eine kluge Führung des Ensembles Einsichten zu vermitteln. auch nicht ausschließlich. Meist kümmert das anachronistische Ritual nur wenige. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. von 325 auf 340 Milliarden Euro. dann wird man das Stück so nehmen perei oder des unerlaubten Verkehrs mit Kampf. mit welchem Effekt sich die Personen in Szene setzen konnten: Gewiss war es eine besondere Note der Inszenierung. Es wird zum europäischen Sozialfall. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten.und Ausgabenpolitik – fahren.sich das kostbare Gut kreativer Bühnenbearbeitung xuellen Ausbeutung von Menschen. der Europaabgeordnete Andreas Mölzer. Geschick Gewalt antun und ihm unerträgliche gefährlichen Abfällen. sondern die Schlamperei der Polizei. wäre nicht die Handlung in die Gegenwart versetzt und in skandalträchtiger Weise durch eine geschickte Abänderung der ursprünglich handelnden Personen neu belebt worden. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. Aber derartige Darstellungen leiden an Unstrafrechtlicher Substanz und der Länge und anschaulichkeit und einer dem analytischen Zugang Breite. Am vergangenen Sonntag wurde der freiheitliche Parteiobmann Heinz-Christian Strache. wie eine um die Rechtfertigung jedes einzelnen Subventionscents ringende Staatsanwaltschaft ausschließlich um des ersehnten Publikumserfolges willen an Unvertretbarem fest. Freiheit bei der Realisierung einräumten. die dadurch eine Berei. kann nicht sparen. zog es vor zu kneifen. die junge Regisseurin auch im Stück selbst mit einer Hauptrolle zu bedienen. NOLL D Wie sollte denn. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). VON ALFRED J. gender strafbarer Handlungen. die der Regie daher Anweisungen. Republik ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Habsburgermonarchie im vorangegangen Weltkrieg errichtet worden war. so musste das Publikum schon cherung in großem Umfang oder erheblichen bei der Lektüre der Ankündigung fragen. wenn sich einige prominente Figuren aus der Freiheitlichen Partei allzu vorlaut unter die akademischen Narbengesichter mischen. erneut eine »Totenrede« zum Besten geben. indem das künftige Parteiprogramm demnächst neuerlich ein Bekenntnis zur »deutschen Volks. Natürlich verprellte der Gedenkdienstverweigerer dadurch die nationalen Politkommissare. um der Toten eines noch schlimmeren Blutbades zu gedenken. hilft seinen Banken. Das Spiel vom wankenden Paragrafen Nachtrag zu einer Groteske: Kritik einer Aufführung am Justiztheater von Wiener Neustadt as moderne Regietheater ist vielfältigen Anfeindungen ausgesetzt – oft zu Unrecht. Der dramaturgische Kniff der Aufführung lag gewiss in der mutigen Verbindung einer auf den ersten Blick lachhaften Anklage gegen wild zusammengefangene Tierschützer mit der schier unendlich anmutenden Dauer der Aufführung. Die allenthalben bekannte Episode hätte vermutlich niemanden in den Saal gelockt. oder schwerwiegenrischen Interpretationsfreiheit dar. das wissen wir durch die Auf»Wer eine auf längere Zeit angelegte führung von Wiener Neustadt. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. In Abwesenheit Straches geriet die Gespensterstunde zur blamablen Farce. die Koalitionstauglichkeit nicht zu gefährden? Immerhin scharrt seine Partei derzeit an der Schwelle zur Regierungsbeteiligung. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. was sie erst recht nicht könnten. wer die Sache leitet. schon allein. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Allein. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. erfordert ein Großaufgebot der Polizei und lähmt den Verkehr in der Innenstadt von Wien – vor allem immer dann.geschuldeten Unsinnlichkeit: Was Großartiges in kum ausbreitete. las er vom Zettel ab – womit Opfer und Täter auf eine Stufe gestellt. bunt kostümiert und mit lohendem Fackellicht. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Jetzt soll das prekäre Vertrauensverhältnis wieder gestärkt werden. die Freiheit oder das Möglichkeit einer grenzenlos schöpfeVermögen bedrohen. Einerlei. Kernmaterial und radioaktiven Stoffen. die 66 Jahre zurückliegt. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Athen nimmt Dampf weg. Man würde darstellerischem mitteln. dass sich das Haus entschlossen hatte. diesem Stoff steckt. mit ei. Es ist der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. In Wien. der Schlep. Foto: Georg Hochmuth/APA/picturedesk. die Prägnanz und Aussagekraft dieser Aufführung zu wiederholen. wie das bei anderen Anlässen heißt.. Schließlich wird man diese Leute höchstwahrscheinlich künftig noch für Koalitionsverhandlungen benötigt. und das Gros der Wählerschaft gibt auf den völkischen Bombast keinen Pfifferling. Wer nun den Griechen Geld leiht. der mit Salut empfangen werden sollte. ruft Demonstrationen auf den Plan.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. Was wir heute über § Titel § 278a StGB in dürre Worte gekleidet: 278a StGB wissen. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private Foto: Mathias Bothor/photoselection E Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Mai schwarzumflort in die Welt zu blicken. Nicht Kanonen ließ man donnern. Will man der strafbarer Handlungen im Bereich der se. Der Verweis darauf. in die man dieses Nullum vor dem Publi. das einst der Nationalsozialismus verschuldet hatte.com Bleibt nachzutragen. Einige Hundertschaften der Polizei waren ausgerückt. der nähme dem plante Begehung schwerwieStück das Wesentliche – just so.Einfluß auf Politik oder Wirtschaft anstrebt . haben so lange so heftig geheizt. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. den der Ersatzredner Wolfgang Jung. Im nationalen Lager steht er jetzt unter Beobachtung VON JOACHIM RIEDL Die Kassandras haben recht behalten: Geld.und Kulturgemeinschaft« beinhalten wird. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre.und bis zur physischen Erschöpfung durchhielt.. auf italienischem Lega-Nord-Territorium fand Strache vorübergehend Exil. Eine fabelhafte Ensembleleistung vor einem klar konturierten Bühnenbild. Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien und Mitglied im Ausschuss der Wiener Rechtsanwaltskammer A N . deutschnational gesinnten Kreise in Österreich.geschmäcklerischen Änderungen hinreißen ließe. So wie der Herzog niemals nach Hornberg kam. wenn sern? Kaum.« A s gehört zum guten Ton der. Wer hier glaubt. Vergeblich warteten die Totengedenker auf ihren Stargast Strache Zwar repräsentiert der deutschnationale Flügel nur eine Minderheit im Wählerreservoir.bewahren. Es schien an der Zeit.Grenzen setzen. und aus diesem Anlass erfasst die rückläufige Gruppierung der schlagenden Burschenschafter wagnerianisches Wehmutspathos. vor dem harten Kern der Partei wieder einmal Gesinnung in Habtachtstellung zu zeigen. wie es ist. dorthin pilgern sie. Es wird schwer werden. Der Remeduren sind nur drei: 1. Griechenland. Im nationalen Lager dürfte Strache nun unter Beobachtung stehen.ohne Politikunion geht nicht. Erwartet wurde diesmal nicht der Herzog von Württemberg. das lässt die Darbietung aber E R sonen gründet oder sich an eierst schemenhaft erahnen. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. die körperliche die Grundvoraussetzung für die Unversehrtheit. der den Rest des Jahres lieber Discoprinz spielt. Diesmal wollte er. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt.denn ein Gedenktag in NaziMoll sei. auf durch Präzisierung optimieren die wiederkehrende und gezu können. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. Doch der Unterstützung dieser Gruppe verdankte es Strache. Wie ein Raubtierkäfig war die Totengedenkstätte eingegittert worden. dort wo im Ständestaatregime der 1. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Der Bruchpunkt ist jetzt. derweil EU. stellt sich das Stück als die das Leben. Gleichviel. um dann mit einer besonderen Volte zu glänzen: Der Freispruch für alle Angeklagten kam ihr derart unvermittelt und die seit Monaten in der Luft liegende Schelte für die Ermittlungsbeamten derart leichtgängig über die Lippen. den Akteuren aber eine schier unendliche nerhaltung reichen. grollte kryptisch auf seiner Heimatseite im weltweiten Netz über eine »politisch-moralisch-ideologische Bankrotterklärung«. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Hoffnung stirbt zuletzt JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. um sich selber zu retten Gespensterstunde FPÖ-Chef Strache verweigerte den Totengedenkdienst. Lampenfieber vor der stimmgewaltigen Publikumskulisse? Das Kalkül. Kaum je hat auf österreichischen Bühnen eine Protagonistin die Grenzen verbeamteter Wankelmütigkeit derart plastisch werden lassen. alljährlich am 8. Sonja Arleth vermittelte während einiger Monate überaus nachvollziehbar das Bild einer überforderten Richterin. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. das lässt sich nur auf der BühDer Autor hatte seine Spielvorlage unter dem ne zum Ausdruck bringen. vom Ordurch schöpferische Eigensinnigkeit auszeichne. ner solchen Verbindung als Lässt sich das Stück verbesMitglied beteiligt. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. wenn man sich zu zeitgeistigmitteln ausgerichtet ist. Es kommt eben darauf an. 2. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Und am Ende der auf über 14 Monate ausgedehnten Aufführung waren es nicht die Postkutsche und auch keine Rindviecher. als er das Stück erdachte – er gab Werkes löst assoziative Verbindungen aus. es findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. wie schon 2004. Erwartungsgemäß hatte die gesamte Regierung angesichts des Spuks ihren Kopf in den Sand gesteckt.

wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.de Abonnement Österreich. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Das klingt weit unattraktiver als das. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. KG. 20080 Hamburg. Schweiz. Die Entscheidung Kretschmanns. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Die Griechen.de/audio www. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. Jonas Unger. sondern auch an zu viel. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. man macht sich unbeliebt. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. »Retten« ist ein hübsches Wort. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Europa sollte die Umschuldung wagen. ZEIT-Stellenmarkt: www. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. 7 D Europa will sich Ruhe kaufen. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. Nicht mehr bezahlen. Doch das heißt nicht. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten WISSEN SEITE 37–40 Der alte Mann und das Drama der FDP Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. nun gelte es. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Das ist umso generöser. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Politik S. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten.und Bahnhofsschützern. Wellen am sardischen Strand. die im Englischen haircut heißt.u. wer der bessere Europäer ist.): Pfeiffer/ullstein. die SPD. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Auf ewig: Frisch Aufführen! Warum er jetzt auf die Bühne muss Raus aus der Klause! Der Schriftsteller als Redner Politik Seite 12/13 Jüngster Hundertjähriger Feuilleton Seite 52/53 Wandern im Holozän Reisen Seite 63 Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. im Land. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt.0. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. dass die Griechen mit dem ersten. Die entscheidende Frage ist aber nicht. GRN. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. kleine Fotos (v. um Griechenland aus der Krise zu helfen. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. zeichnet sich schon ab. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. wohl aber die Stimmung. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern.zeit. Aber die Diagnose ist unvollständig. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. die andere Möglichkeit. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. Geburten hinfällig. in das so viel Geld fließt. Käme es jetzt zum griechischen haircut. was kommt. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. so desaströs seine Folgen wären. sich die Zukunft vorzustellen Magazin.zeit. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Was dagegen geschieht. wenn Europa immer weiterzahlt. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. Kleine Augenblicke. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. die zweite Volkspartei. möglichst viele Menschen mitzunehmen. positionieren sich als die guten Europäer. Wer wollte sie den Iren abschlagen. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. bestrebt. will das offizielle Europa Ruhe.de.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. würden Schulden nicht getilgt. E-Mail: DieZeit@zeit. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft.jobs. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. was sie auch kostet. Leserbriefe@zeit. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. also einen Tag zu überspringen. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. was auf lange Sicht besser für Europa ist. ist schlicht ein Skandal. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf.o. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Diejenigen. was gemeinhin eine Volkspartei ist. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. die EU dabei mitregieren. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Klar ist einzig. der sich tief gedemütigt fühlen muss. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. ebenso wie die Deutschen und andere. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. wenn Europa weiter zahlt. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. ist auch eine hässliche Sache. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Irland.zeit. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur.de. Auch das käme alle teuer zu stehen. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Gleichwohl verlangen die EU.de 20 2 0 AUSGABE: . das Beharren auf Posten und alten Positionen.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. sondern echtes Geld kosten werden. Schuldzuweisungen und Dementis. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten.zeit. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Nein. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. und trotzdem beschimpft Europa uns. Viel Geld. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Sooft dieser Tage in Ministerien. die Griechen überlegten. auch nicht beim haircut. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. beschlossen hat. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. bleibt auch eine. die sie früher nie gewählt hätten. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. dass es ohne Europa nicht geht. der nicht aufgepasst hatte. deshalb unser aller Geld retten musste. Es kostet nur wieder Milliarden. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. das zu werden. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. J A H RG A N G www. weil dies ein überholter Begriff sei. Die Frage ist vielmehr. In Interviews sprach er davon. »Umschulden«. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Und: Philipp Rösler versucht.n. dessen Datum anzunehmen. Vergessen. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Der Rettungsfonds will weiter retten. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner.zeit.PREIS SCHWEIZ 7.

sondern er hat sie – und das ist für ihn das Entscheidende – auch gehört. So ambitioniert. Was Einträgen von 1970. dazu geplaudert: Alle Achtung! oder aber: Schon wieder eine Grass-Show?« Frisch hat von den Wahlkampfauftritten des Schriftstellerkollegen aber nicht nur gelesen. sollte eine nützliche sein. sehr geehrte Barbara Frey. Vielleicht würden Sie aber auch die Kritiker mit ihren vorgefassten Meinungen über den angeblich antiquierten Bühnen-Frisch Lügen strafen. und schließlich die Frage.. Ich fürchte. Hingegen habe ich drei Fragen. weil er sich ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt.« lichen Fragens. sondern indem er das Publikum in die offene. Meist hat Frisch Reden gehalten. Diese unsere Hoffnung. Grass gibt die Antwort mit seinem Beispiel. Eröffnungs. dem Text den Lebenssaft zu nehmen. dass »Politik ohne die lästi. aus der einsamen Schreibstube hinaus und auf die Bühne hinauf. zumindest der sozialdemokratischen Politik. Doch diese Risikofreude erwarte ich von Ihnen. 1966–1971. Chapeau! Nur zu einem Klassiker fällt Ihnen leider bedenklich wenig ein. was Max Frisch sich zum Geburtstag gewünscht hätte: ein Wagnis. sondern öffentlich einer als Wahlkämpfer eindeutig sein. gige Analyse stützt. seine Rede samt Echo im Saal: »Das ist wichtig: Reden muss man hören.und Geburtstagsreden gehalten. um dem Dramatiker Max Frisch. vor den ver. wenn Frisch sich in die eigenen herrschaftspolitisich Frisch hin. als SchriftFragen zu stellen. schrieb er in einem Brief an Uwe Johnson: »Die Rede. also inmitten der aus einer Partei wird. das sich ebenso auf eine vorgän. sondern er Frischs rhetorische Fragetechnik im Angesicht ist auch immer wieder als Redner ins politische der Macht hat ihre Wirkung nicht verfehlt. spielt keine Rolle. geInbegriff eines redenden Schrifthört der Angst und nicht der Hoffnung auf Mehr. ob dies tatsächlich zu seinen Aufgaben gehört. eine halbe Stunde. der ihm »ziemlich widerwärtig« war. als es ihn jetzt erbracht hat. in dem nicht denken konnte. fähig ist. Frisch hat aber nicht nur Festreden. also Dankes-. Kann lischen Anklagen zu erheben. Einer der Einträge lautet: »Soll ein SchriftMoment der Rhetorik von Max Frisch: die Technik. Aber das Schauspielhaus hätte die verdammte Pflicht. Mai 2011 ergänzen kann. Er tat dies.und Selbstabschaffungsstimmung im Theaterbetrieb. die ich mir wünschte . wie was das Wort »nützlich« im Brief an Johnson genau besagen soll. wie er mit Dürrenmatt die Pfauenbühne nach dem Krieg immer wieder aus ihrer Lethargie und Selbstzufriedenheit riss und dazu beitrug. Wenn ich mir vor Augen halte.dieser Frischs Fragen eine nach der anderen durchge Assistenz der Intellektuellen eine geschicht.steller offen bleiben? Das ist zuhause.dem politischen Entwurf eines Zusammenlebens sammelten SPD-Granden der damaligen Zeit. muss er es verstehen. und einem wie Max Frisch schon gar nicht. Keine Lust oder Fantasie. an der Frisch als Jürgen Habermas und andere) wirkungsmächtigste Redner. damals noch Regierender Bürgermeister zu Berlin. wie uns Experten gebetsmühlenhaft verkünden. stellte als Auszeichnung empfand. war für Frisch der so scheint es im Augenblick. vor lauter Leuten mit toten und maskenhaften Gesichtern. dann denke ich: Dieses Haus wäre zu einem anderen Einsatz verpflichtet. was er für die Pflicht des Schriftstellers bei solchen Anlässen hielt: Bevor er vor sein Publikum tritt. sich gemessen die damals an der Macht war: 100 Jahre alt geworden hat. wie gegenwärtig Frischs Einfälle noch sind. wenn sie Reden halten. politischer Redner. später aber vor allem das Schauspielhaus von Frisch. und außerdem Lobreden (auf Alfred Andersch oder Peter Bichsel) und Totenreden W (auf Kurt Hirschfeld oder Peter Noll). zweitens. dass ich mir über den Stand meiner politischen Erwartungen klar werde. dass Ihr Haus vergangenes Jahr dem Stückeschreiber Frisch eine Abfuhr erteilte. Goetze ging wie eine Dracula-Tochter vor. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ OFFENER BRIEF »Verdammte Pflicht« Frisch-Biograf Julian Schütt wirft der Schauspielhaus-Chefin Mutlosigkeit vor Sehr geehrte Barbara Frey. Ihr Julian Schütt CH »Soll ein Schriftsteller usw. und auch nur auf einer geschützten Nebenbühne. war Frisch mehr als bewusst.Noch der private Grass. gegen den amtierenden Kanzler Ludwig Erhard antrat und trotz der Unterstützung von Grass die Wahl verlieren sollte. wie es sein Geschäft ist. findet sich eine längere Pasdamit zu betreiben ist: Abbau der Demokratie (wie sage mit dem Titel »Album«. Willy Brandt und Helmut Lebenswerte stiftet. Die literarische Rede war für Frisch die öffentliche Anzettelung eines Gesprächs. alles Theatermögliche zu unternehmen. Jedenfalls hat Frisch es in eine gewisse Spannung gebracht zu dem. dass wichtige Köpfe in Zürich blieben und dass dort international beachtete Uraufführungen stattfanden. Darum geht es Schriftstellern aber selten. in der pragmatische Arbeit einzubinden. Im Text Grass als Redner schreibt er: »Rede ist nicht Hymnus. seine Offenheit einzubüßen und sich vor einen Karren spannen zu lassen? Der Abbruch des Fragesatzes zeugt von der Selbstverständlichkeit dieser Erwartung an den Schriftsteller ebenso wie von der Unschlüssigkeit Frischs darüber. Doch das war es! Mehr kam zum Festjahr nicht vom Schauspielhaus Zürich. Entschuldigen Sie meine Deutlichkeit: Sie handeln Frischs Geburtstag wie eine Strafaufgabe ab. jedenfalls keine routinierte Gedenkveranstaltung. ich bewundere. antizyklisch müsste Ihre Bühne sein. die in der Paulskirche zu halten ist. Anders ist es nicht zu erklären.steller usw. Schlimmer noch: Max Frisch scheint Ihnen peinlich zu sein. den Frisch 1965 in der ZEIT veröffentlicht hat. zu Hause beim Vorlesen. Diskussionsrunden in Ehren. muss der Schriftsteller. Dann hätten Sie es aber probiert und müssten sich nicht von einem in Ihren Augen wohl hoffnungslos bildungsbürgerlichen Reaktionär wie mir Mutlosigkeit vorwerfen lassen. Als er sich 1976 auf seine Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vorbereitete. sich bloß von seiner sonntäglichen Seite zu zeigen. Sie hätten nur gewinnen können. die nichts an Bedeutung verloren hat). Und es müssten nicht unbedingt die Schulstoffstücke Biedermann und die Brandstifter oder Andorra zur Aufführung gelangen. sondern eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Theaterwerk. Freunde haben Grass auf Band von Lübeck nach Zürich gebracht. das Ihre Party stört. und einer Zuhörer- Foto (Ausschnitt): Isolde Ohlbaum/www. sondern Szene: zwischen einem Mann. unter den aufgeben. der seinem Publikum einen schön geflochtenen Wörterstrauß überreicht. sein Publikum in ein Gespräch zu verwickeln: indem er ihm nicht einfach Meinungen auftischt wie ein Politiker oder ihm einen Vortrag hält wie ein Akademiker. Im zweiten Tagebuch. (Heinrich Böll.« Wenn der Schriftsteller zum Redner wird. Und das macht mich wütend. »Soll ein Schriftsteller usw. Wer wissen will. Festvorträge. die in ihrer politischen Eindeutigkeit möglicherweise nicht seiner literarischen Offenheit entspricht. also vor mir selber antrete. keine plakativen Forderungen oder mora. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. Frisch blättert in es heißt: zur Rettung der Demokratie) – das alles. indem kein Stück. wie es die Absicht verfolgt.de .« er vor sich sieht – ob nun tatsächlich oder bloß in Erstens. der sich hinstellt und eine Sache verficht. bekundete zuschen Belange einmischte. zuerst einmal vor sich selber antreten – will er mehr tun. die wir nicht Ambition und politischer Mission. zum Schutze seiner Ordnung 1977 in einer Rede vor den Delegierten des SPD. aber letztlich kann nur das Theater zeigen und prüfen. öffentliche Zwiesprache mit sich selbst einzubeziehen versucht. Es ist eine Technik des öffent. wenn sie nicht willens oder Nachgefechte des »Deutschen Herbstes«. weg vom Monolog und hin zum Dialog. Alle Buchveröffentlichungen. wie Sie Klassikern die Schwere austreiben. war Günter Grass. was zählen. Die Regisseurin Heike M. eigenständig. nächst einmal seine Solidarität Frisch war es ernst. Schon Tagesgeschäft eingestiegen. und insbesondere als und sprach dann an die Adresse Autor der Schweiz der anwesenden Politprominenz. was das politische Engagement von Grass betrifft: »Günter Grass als Wanderredner zur Bundestagswahl – auch in der Ferne hat man reichlich davon gelesen. was Schmidt. Ich dachte nach dem Stiller-Abend nur eines: Das kann es nicht gewesen sein. er liest vor. muss einen Text beiziehen.« Welche Zuhörerschaft er sich stattdessen gewünscht hätte. und zwar als Ereignis an einem Ort. der etwas zu sagen hat? Der ein Anliegen verfolgt und Stellung bezieht? Worin unterscheidet er sich dann noch von einem Politiker? Und inwiefern ist seine Rede noch ein literarischer Text? Das sind mit Blick auf Max Frisch keine rhetorischen Fragen. wie diese Antwort lautet. Zu Beginn seines Feuilletons zeigt sich Frisch nicht ohne Skepsis.ohlbaum. vielleicht sogar eine Provokation. evoziert die Frage nach dem öffentlichen Grass mit der Rede gleich Vorschläge für die Antworten – und damit auch die allgemeine Frage nach dem öffentlichen Schriftsteller: nach dem Schriftstelzu unterbreiten. In Willy Brandts Stellungnahme kommt auch die Politik zu sehr weitgehenden Abwehrmaßnahmen gegen die Bedrohung der Demokratie auf zum Ausdruck. ein Pfeife rauchendes Theaterfossil.kurz nach seiner Rede erhielt er ein ausführliches. Wieso nicht Biografie: Ein Spiel? Wieso nicht Graf Öderland? Selbst Triptychon oder die wegen der Atomproblematik wieder erschreckend aktuelle Chinesische Mauer wären einen Versuch wert. die es darauf abgesehen hatte.« Dass von ihm als Preisträger eine »nützliche« Rede erwartet würde. welche Attraktion sich seine Heimbühne überlegen würde. dem das Zürcher Schauspielhaus am meisten verdankt: Max Frisch. sämtliche Inszenierungen wären hoch riskant.und schildert in einer Serie von scharfen Beobachtungen und knappen Feststellungen. der vierzig Minuten lang das Wort hat.stellers. Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist die Bundestagswahl von 1965. wäre der wohl Die Figur. der Menschen. nirgends. Ich verlange von Ihnen keinen inszenierten Kniefall vor dem toten Jubilar. Wie mancher Frisch-Fan war ich ganz besonders gespannt. wie er im Nachhinein bekannte. Ja. Sein Titel: Grass als Redner. Ich wünsche Ihnen und dem Schauspielhaus trotzdem alles Gute. der »Sozialdemokraten! Die Zukunft. den Beitrag der Intellektuellen in ihre In dieser höchst aufgeladenen Stimmung. einem Album mit Fotografien von Günter Grass ich weiß. das ist auch Ihre Haltung. Mit diesen Worten hat er sich eines Rechtsstaats. Insgeheim hoffte ich. braucht Ihnen kein Hergereister zu er. Was also geschieht mit dem Schriftsteller. das einst in aller Welt gespielt wurde und heute.tik. bleibt ebenso unklar. ein Revival auf der Bühne zu gestatten. Selbst dann hat er sich aber nicht darauf beschränkt. das Menschwerdung fördert und vor Herbert Wehner. wenn er zu einem Redner wird. Stattdessen haben Sie sich für die voreilige Kapitulation entschieden. und das ist ausgerechnet der Klassiker. mit dem es so viel verband. wie sehr man es seitens der PoliKosten der Demokratie bereit war (eine Problema.auch als Pressemitteilung der SPD verschicktes tagen der schweizerischen und der deutschen Schreiben des damaligen Parteivorsitzenden und Sozialdemokratie auf. In dieser Eröffnung zeigt sich ein wesentliches der Vorstellung. wie zunächst Frisch vom Schauspielhaus profitierte. um mit mit allen als »Vorbeter des Terro100 Jahre Frisch Peter Bichsel zu reden. muss er sein Metier also grundsätzlich wechseln: weg vom geschriebenen und hin zum gesprochenen Wort. überholt weil es parabelhaftpädagogisch und moralinsauer sein soll. Vielleicht würden Sie kolossal scheitern. ziger Jahren mehrfach als Redner auf den Partei. Günter Grass.12 12.notfalls Menschenleben zu opfern. als Willy Brandt. Dessen hundertster Geburtstag wird derzeit überall gefeiert. drittens. aber sie fordert. So trat er in den sieb.. gilt zur Zeit als Verharmlosung des Terrorismus.geht: die Frage nach der ethischen Legitimation liche Chance hat«.?« as geschieht mit einem Schriftsteller. und sein rismus« in Verdacht geratenen Wort hatte Gewicht.?« Soll er wirklich? Auf die Gefahr hin. nämlich Stiller. die Frage nach Parteitages in Hamburg geäußert. Ihre jüngste Inszenierung von Tschechows Platonow ist die perfekte Antwort auf die aktuelle Krisen. der den Spagat schafft zwischen literarischer Demokratie. weil er geehrt wurde und sich mit einer Rede dafür bedanken musste. das Schauspielhaus böte das. als sich bloß als nützlich zu erweisen. wie man Schriftstellern und Intellektuellen Am 15. Obwohl der Redner als Einziger spricht. sondern ein Roman von ihm einstudiert wurde. zu halten in einem hochehrwürdigen sonntäglichen Rahmen.? Seine Antwort: sein Beispiel. Angst als des Bürgers erste Pflicht. junge Grass. ler. im November 1977. Grass. nicht als Gesang über Wassern. wenn er zum Redner wird? Er kann zum Festredner werden. Gegen sämtliche Stücke lässt sich vieles einwenden. tik.

sobald es darum geht. etwas kokett: »Wieso dies eine Ehre sein soll. dass ich überhaupt aus solcher Verantwortung heraus schreibe . sondern sie ist eine Einladung an die Waghalsigen unter der Zuhörerschaft. seine erste ganz große Rede vor großem Publikum. das sie er rettet sich angesichts des heiklen Themas in »meinen Blaumann« nennt. Denn sie tut hier etwas. amtsfrische weil er es wie kein anderer sagen kann. Das wird verlangt. Warum schreibt ein Schriftsteller? Einige Schriftsteller wehren sich mit der Behauptung: »Um Geld zu verdienen. © Adrian Moser (kl. der sich einmischt: Er hat nur zögerlich und widerstrebend in diese Rolle gefunden. Öffentlichkeit als Partner. Juncker mal so beschrieben hat: »Wer den Wäh»Was soll ich nur von der Schweiz und Europa lern immer nur nachläuft. rückläufig sozusagen. die aufs Dilemma hindeuten. So rächt sich die Öffentlichkeit dafür. das Leben schreibend zu bestehen. weder Anklage noch Plädoyer. die ich mir wünschte. zum Beispiel. der einfach schreibt. dass wir sie angesprochen haben!« Weniger beglückt als verdutzt sieht sich Frisch einer Forderung gegenüber. zu verspotten. die nicht seine eigene ist. In seiner Rede Öffentlichkeit als Partner von 1958. man klar ansprechen. sondern die von ihm vor allem erwartet. er soll – aber eigentlich nur. raus leitet die offizielle Schweiz eine Haltung ab. so müsste ich sagen. sondern den Beruf des Schriftstellers ausüben. das öffentliche. auf im Bedürfnis nach Kommunikation. Was aber bewegt einen Schriftsteller der dritten Fraktion.kein Zweiter in diesem Land. Denn dieser war ein ästhetischer und kein pamphletischer. Kontakt ist nicht Einverständnis. 9. wie wenn sich wieder das öffentliche Bedürfnis nach dichterischen Verlautbarungen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen regt. Frisch tut dies weniger. Simonetta Sommaruga. Nur böswillige Menschen wollten darin rell und wirtschaftlich als Teil Europas versteht. Monsieur Vogelfrei. dass den Schreibenden hierzulande und heutzutage bei jeder Gelegenheit der Name Max Frisch als leuchtendes Vorbild vor die Nase gehalten wird. Sie bestellt Exper. es handle sich um ein Gespräch und die Rede antworte spontan auf die Gedanken und Gefühle im Saal. sondern es blendet auch aus. sogar zum Irrtum verstiegen habe. rednerin ein. dazu. der er auf suggestive Weise Meinungen unterstellt. Und einen Bauarbeiterhelm mit auf den Die Regierung duckt sich weg. es ist mehr: »Man hebt das Schweigen. Aber er hatte es ja schon in der Garderobe tut sie bereits unheimlich gut. Sommaruga muss. nämlich mit den Mitteln der Sprache. Der Statthalter der EU in der Schweiz ohne die Nachteile klar und deutlich zu benennen. weil ihnen Schreiben noch eher gelingt als Leben und weil für diesen Versuch. sondern die der Öffentlichkeit – einer Öffentlichkeit. der Feierabend nicht ausreicht – gehört man zu dieser Art von Schriftstellern. Widerspruch einzulegen im Namen des Lebendigen. Dass diese baut. Sie vertritt ein Land. Und noch mehr: plötzlich soll man etwas zu sagen haben.. Es ist nicht bloß naive Machlust. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 Foto (Ausschnitt): J. Aber auch Bundesrätin. Der bilaterale Weg führe zu will mit der ungewöhnlichen LoSouveränitätsverlust und sei »ein cation auf den unfertigen ChaHandling von Abhängigkeiten«. in der Öffentlichkeit zu sein gelingt auch jedem Rennfahrer und jedem Minister. drauf. Wohl deshalb mimt er als Zugabe ein beschreiben.SCHWEIZ 12.« Andere mit dem Anspruch: »Um die Welt zu verändern. »ein Paradox« geahnt. auch von den Medien stark beförderten Wahrnehmung beherrscht Max Frisch. einen gelungenen Abend. beginnt er mit dem Bekenntnis: »Gehört man zu den Schriftstellern. die sich ja auch hinter geschlossenen Türen austoben könnte. Die – aber irgendwie passt er zum Gemischtes Wohnen: Verhältnis zwischen der Schweiz Botschafter Reiterer und Sozialdemokratin hat ihr Herz wieder einmal der Vernunft und und Europa. der neuen Europäischen Gemeinschaft einen Deshalb versucht sie es auf der Baustelle auf ihre Satz mit auf den Weg: »L’Europe ne se fera pas Weise – auch wenn es sich nicht um ihr ureigenes d’un coup. Abend. dass Frisch selbst diese Rolle weit weniger enthusiastisch annahm. um zu schreiben. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. zersetzend zu sein mit den eigenen Mitteln. ohne sie aber letztlich zu seinem Schreibimpetus zu erklären. Citoyen.« (links) »Sozialdemokraten!«: Frisch mit Helmut Schmidt auf dem SPD-Parteitag 1977 (rechts) Max Frisch gilt als Ikone des Schriftstellers. die den Kabarettisten schwitzen lassen. für eigene Gedanken und Gefühle haftbar zu werden. das kann sich daraus ergeben. diesem aber politisch nicht angehören will. gegenüber allen Formeln einer in Angst und Misstrauen erstarrten Welt. Statt den Weg zu gehen. Darchinger/Friedrich-Ebert-Stiftung. Und dennoch nahm Frisch diese Verantwortung an. sagt sie nennen soll.« Und in 30 Minuten eröffnet Michael Dossier handelt. Sie sitzt aus. Écrivain.erklärend führen und nicht nur die angenommäßigen Garderobe. Vor 61 Jahren gab der französische Außenminister Robert Schuman das Volk fürchtet. mentalitären und so weiter – Umfeld zu agieren haben als Max Frisch. Aber das aber auch nie dafür«. da Frisch weltweit erfolgreich war und eine breite gesellschaftliche Wirkung entfaltete.« Für sich selbst reklamiert Frisch einen ganz anderen Antrieb.den der luxemburgische Premier Jean-Claude tainer. Das ist klar. rakter seines Arbeitgebers hinDiese »Ambivalenzen« müsse weisen. Frischs rhetorisches Ideal war keine Rhetorik der Manipulation. dass er es ihr tatsächlich auch sagt. Wie alles an diesem Bundesrätin Sommaruga der Position untergeordnet. wenn er sich an die Öffentlichkeit wendet. Das zeigt sich in seinen Beobachtungen zu Grass so gut wie in seinen eigenen Reden. der sich engagiert und einmischt. medialen. nicht nur zu schreiben. Die Rede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von 1958. die er freilich beherrscht wie isch Anpackendes. in der Öffentlichkeit zu stehen? Dazu Frisch. Der Schriftsteller als Redner: Das meint den Schriftsteller. dass ich die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers nicht bloß angenommen. Auch wenn Frisch zum Inbegriff des Schriftstellers geworden ist. und genau darin unterschied er sich als Künstler vom Politiker. gegenüber Ideologien. Und dann kommt Massimo Fünf Minuten vor der Zeit trifft.Kamel. sondern eine Rhetorik der aufklärerischen Selbstbewusstwerdung. die Offenheit seiner Rede auszuspielen: Die literarische Rede ist weder Predigt noch Statement. gibt er sich mit dieser Verantwortung noch auf eine eigenartige Weise unvertraut: »Spreche ich von mir selbst. eine Metapher für die Eidgenossenschaft sehen. endlich.Rocchi. zersetzend gegenüber Phrasen.Weg nach Hause. Da. Es hat etwas europä. patag«. dass er etwas zu sagen hat. so ist man weniger beglückt als verdutzt. man habe zu lange nur Reiterer auf einer Baustelle in Köniz den »Euro. Daraus aber kann umgekehrt eine gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers erwachsen. Um den abgebrochenen Fragesatz aus dem zweiten Tagebuch wieder aufzunehmen: »Soll ein Schriftsteller usw. um sich gesellschaftliches Gehör zu verschaffen – und der im Idealfall auch gehört wird.. Das ist nicht nur unangebracht gegenüber den heutigen Schriftstellergenerationen. Citoyen das Bild von Max Frisch. wie der Redende.« Bedürfnis nach Kommunikation: Das ist eine andere Formulierung für das Gesprächsangebot. sich »einzumischen«. dabei entstehen die Gedanken und Gefühle im Saal eben durch die Rede selbst.. Man biete für die nicht – Kraft ihres Amtes dem »Generation 50+ gemischtes Optimismus verschrieben. Reden halten. bleibt rätselhaft. Er sitzt im Max Frisch-Stiftungsrat und in der Jury für den Schweizer Buchpreis 2011 CH SCHWEIZERSPIEGEL Sommarugas Eiertanz Ein schweizerisch-europäischer Abend in Köniz VON PEER TEUWSEN Es sind nicht nur die Temperaturen im Baucon.« Gesellschaftliche Verantwortung als rückläufiger Irrtum: Das passt nicht gerade ins Bild von Max Frisch. In der breiteren. bloß weil man Schriftsteller ist. Er darf alles sagen. muss unbedingt an die Öffentlichkeit treten. Sie sagt.) Frisch bei der Dankesrede zum Friedenspreis 1976 in der Frankfurter Paulskirche – vor lauter Leuten. Kaum je ist Frisch als historische Figur in der Gegenwart so präsent (von Gedenkjahren und Aufregungen um den Nachlass einmal abgesehen). Wie aber sah er selbst diese Rolle? VON THOMAS STRÄSSLE schaft. die vom Schriftsteller nicht bloß erwartet. die man im besten Fall als »heimlifeiss« im Crevetten und Brötchen mit Europa-Fähnchen schlechtesten Fall als »feige« bezeichnen kann. Der Autor ist Privatdozent für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und SNF-Förderprofessor an der Hochschule der Künste Bern. wie sie sagt. sagt Massimo Rocchi in seiner behelfs. wenn man die Folgen sieht: – man soll.die anderen waren einfach nur hingerissen. wenn er es so kann. meine neue Aufgabe« bezeichnen wird. gab es Auberginenröllchen. Kontakt entsteht aus der suggestiven Fiktion. umringt von dunklen Anzügen. Ein Euphemismus erntet dankbaren Applaus. das der Schriftsteller macht.die Sprachartistik. das sich kultu. später im Gespräch als »eine weitere Einübung in Es sind Sätze wie »Ein Schweizer ist nie dagegen. Es ist halb sechs Uhr an mene Mehrheitsmeinung nachplappern. Insbesondere in der Schweiz ist Frisch zur Ikone dieses Schriftstellertypus erstarrt – mit der Folge. Man muss schon chen nervös. . Mai 2011. die sich »anständigerweise ja erst von einer gewissen Wirkung an« stellt.« Der Bundesrat aber will nicht führen. zu ermutigen. seinen Text zu veröffentlichen? Ist es die Eitelkeit. ist in ein Kleid gehüllt. Das weiß auch Sommaruga.H. Die Magistratin ist ein biss. um Wirkung nach außen zu erzielen als vielmehr nach innen. sondern mich. Das nennt man in der Schweiz tenberichte. Nun. der seine Schreibklause verlässt und auf die Agora hinaustritt. das sie genau hinhören. Worin aber besteht die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers? Frisch hat es für sich selbst so definiert: Sie besteht darin.?« Ja. zu einem Zeitpunkt also. Und das wiederum heißt: Verantwortung ist eine Folge des Erfolges. im Sinne einer Selbstvergewisserung im Spiegel des veröffentlichten Ich. Deshalb muss man ruhig!«. um seine Spitzen zu bemerken. Sie Wohnen« an. als heute kolportiert wird. die Haupt.. dass sie auch in Fällen von Gelingen keinerlei Berufung empfinden.« Frisch bekennt sich zu einer dritten Fraktion: »Um zu schreiben!« Wer als Schriftsteller Geld verdienen oder die Welt verändern will. wie Frisch es vorschwebte und Grass es vormachte.« Es muss für den redenden Schriftsteller also darum gehen. sonst entEin Altersheim wird hier gestünden »Tabus«. die in einem völlig anderen diskursiven – politischen. das man aber bitte nicht so schon lange existieren. der wird den Menerzählen? Mamma mia! Es ist alles so verdammt schen nie ins Gesicht sehen. die das leichte Glück haben. Das leuchtet jedem ein. weil er diesem Montag. sondern damit an die Öffentlichkeit zu gelangen. um sie zu widerlegen oder zu bestätigen.die Vorteile des bilateralen Weges gepriesen. man soll sich zeigen.

Bankiervereinigung. Im Juni erscheint sein Buch über die Konkordanz.und Ausgabenpolitik gehorcht. Michael Hermanns Erfolgsformel lautet: Politik ist messbar. Ein Schweizer. Politiker und Parteien »entlarvt«. der weiß: In der Mitte lebt es sich am besten. Etwa jenes der blockierten Regierung. dem Zukünftigen in kleinen Schritten entgegengehen – vielleicht hören Politiker.und Politszene nur wenige. wie jüngst in Baden-Württemberg oder im Kanton Zürich. Mal eruierte man die Nähe der Politiker zum Gewerbeverband. Also fragen sie andere – am liebsten Michael Hermann. NZZ und NZZ am Sonntag. der Geerdeten. als man denkt«. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Hermann sagt: »Wenn ich für alle arbeite. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. In den kommenden Jahren erlebte die Schweizer Politik einen Vermessungsboom. Eine gute Frage. aber gegen einen EU-Beitritt ohne Not. Der Bruchpunkt ist jetzt. haben so lange so heftig geheizt. Hermann. also einer gemeinsamen Steuer. Andersdenkende lernte Hermann mögen. Begonnen hat alles im Oktober 1999. »Da frage ich: Wo bleibt eure Überzeugung?« Hermanns eigene Meinung liest man seit zwei Jahren in einer monatlichen Kolumne im TagesAnzeiger und im Bund. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. dann drückte man das Bundesparlament ins Links-rechts-Schema. die neoliberale Revolution. Damit traf der ehemalige Absolvent des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums im bernischen Langenthal den Nerv des Internet-Zeitalters. Auch persönlich hat er keine Berührungsängste vor der wählerstärksten Partei des Landes. rechts. Wahrhaben wollten dies in der Medien. dessen Tischtuch das Konterfei von Barack Obama ziert. Eintracht schaffen statt Zwist säen. Zeitungen. Die Spinnennetz-Grafik veranschaulicht das Profil eines Politikers – und des Wählers – in acht thematischen Dimensionen: von der außenpolitischen Öffnung. wenn die Ratings zum Fetisch werden. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. schrieb Marcel Hänggi – notabene ein Wissenschaftsjournalist. hilft seinen Banken. Es wird zum europäischen Sozialfall. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Bis im letzten Herbst die Politologin Regula Stämpfli in einer Radiosendung den Kollegen Hermann als »Wahlvermesser mit dem politischen Reflexionsgrad eines Planktons« beschimpfte. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. er überflügelt den Berner Umfragenkönig Claude Longchamp ebenso wie den Innerschweizer »Smartspider« erlangte Deutungsmacht in Schweizer Wahlkämpfen. Sonntagszeitung. Wer nun den Griechen Geld leiht. Er ist ihre Denkprothese. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Einzig die linke WoZ mahnte vor den Eidgenössischen Wahlen 2007 zur Vorsicht: »Ist Michael Hermann ein schrecklicher Vereinfacher?«. Und blähen sich weiter auf. Für wirtschaftliche Liberalisierungen. sondern immer Interpretation. Beobachter. liberal. Als Mensch ist er schwierig zu fassen. Die Welt lässt sich durch Daten nur illustrieren. der an der Uni Zürich als Lehrbeauftragter arbeitet. Besonders pikant Herausgeber der wäre die Lage in Deutschland. derweil EU. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Vor zwei Jahren trat er aus. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. L’Hebdo. länger. der beim ersten Kontakt mit der Rechten gleich konvertiere. Wer ist der Mann. Oder wenn ihn eine Gruppe CVP-Parlamentarier fragt. Radiosender. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). Punkt. der Dritte Weg von Blair und Schröder faszinierte ihn. dessen Deutungsmacht über die Schweizer Politik immer größer wird? VON MATTHIAS DAUM Iwan Rickenbacher. welches Abstimmungsverhalten als links.« Anderthalb Stunden sitzen wir da bereits am Kaffeetisch in seinem Büro. Fazit: Wer den Griechen hilft. Beide waren Mitglieder in der SVP damals die Partei der Bauern. dass die SVP der Schweiz schade.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Wofür also steht er persönlich heute? Driftete er nach rechts? Europafreundlich sei er. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. Noch bevor der Drachmen-Druck angelaufen wäre. dargestellt in faszinierenden Grafiken und Karten. kann nicht sparen. Erfolge verzeichne sie auf symbolpolitischen Nebenschauplätzen. wie sie stimmen müssten.« CH ach Wahltagen. 39-jähriger Sozialgeograf. er wohnt mit seiner Partnerin im Zürcher Kreis 5. Tages-Anzeiger. 3. sei gescheitert. Daten sind nie neutral. weil er so ist wie sie. Ja. der Verwaltung. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Hermann will das Regierungssystem retten – zu den Details schweigt er. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. die kompakte Linke. Verbände und Journalisten deshalb auf Hermann. keine Auskunft zu geben. sie integriere die extremen Kräfte. Hermann war damals 28. Interpharma. . Denn die Besitzer müssten kalkulieren. Als ihn wenig später ein Journalist anrief. Sie ist robust und hat nicht nur eine dünne zivilisatorische Oberfläche. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. Sein Einfluss als Politexperte sei sowieso geringer als angenommen: »Die SVP wird nicht mehr oder weniger gewählt. nicht im Maschinenraum der Politik. Für eine starke Zuwanderung. hier im schmucklosen. Journalisten. klingelt das Telefon heiß. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ Hoffnung stirbt zuletzt Europa wird für Hellas bluten. nimmt den Hörer immer ab: »Es ist anstrengender. unter der die Barbarei lauert. verfasst im Auftrag von Avenir Suisse. aber nicht erklären. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Doch von einer Konkurrenzdemokratie hält er nichts. wo die Eltern eine Drogerie führten. Statt Einschätzungen und Vermutungen präsentierten sie faktengestützte Wahrheiten.« Inhaltlich aber beschäftigt ihn die Kritik. Selber war er 15 Jahre SP-Mitglied. Am Apparat: Fernsehstationen. mit einer entspannten Haltung zur SVP. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Hermann ist die personifizierte Mitte. aber die Ängste der Bevölkerung seien ernst zu nehmen. Zu faszinierend war diese neue Einfachheit. der die gerufenen Geister nicht mehr loswerde. sagt er: »Ich kann doch ein positives Bild einer Partei haben und trotzdem meinen eigenen Standpunkt beibehalten. den TV-Experten bei Bundesratswahlen.« Er glaube nicht. Im Januar 2010 war er Gast an der SVP-Kadertagung im Hotel Bad Horn am Bodensee. rechts-liberal und rechts-konservativ. Aber welches Bild hat er von der künftigen Schweiz? Die Frage beschäftigt ihn nicht. verschachtelter als seine gedruckten Interviewantworten. aber gegen einen entfesselten Foto: Martin Ruetschi/Keystone Foto: Mathias Bothor/photoselection »Wo bleibt Eure Überzeugung?« Michael Hermann. Hermann bestimmt.ohne Politikunion geht nicht. 2. bis die Kohle ausging.und Ausgabenpolitik – fahren. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den Bushido-Song: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. doch falsche Gewissheiten stören ihn. fein säuberlich aufgeräumten Büro auf dem Irchel in Zürich. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. ruft er Michael Hermann an. 39. spricht der demütige Fatalist aus ihm. »Mich stört selbst. Wenn ein Journalist keine Meinung hat. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Die Missionare hockten im Täufer-Land in den Kirchen. Und die Vergiftung des politischen Klimas. die polternde. . Der Gescholtene reagierte cool.« Die Schweizer Politikjournalisten leiden an »Expertitis«. von 325 auf 340 Milliarden Euro. das aber behält er für sich. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. um im Hermannschen Diagramm möglichst rechts eingeordnet zu werden. seinem vor zwei Jahren verstorbenen Geschäftspartner und Freund. nachdenklich. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. wie man aufgrund seiner Medienpräsenz vermutete. Baudirektionen. ZEIT wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. seine Forschungsstelle Sotomo aber als Firma führt. aber im Parlament chancenlose SVP.« Er fühle sich manchmal als Zauberlehrling. Noch 1999 fürchtete er sich vor der Partei. Und Michael Hermann. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Athen vorweg. erhöht das meine Unabhängigkeit. konservativ. nur weil man ihr ein Wachstum prognostiziert. Zusammen mit Heiri Leuthold. Zürcher Kantonalbank. berät heute: Economiesuisse. aber ihr Gesellschaftsprojekt. Athen nimmt Dampf weg. In seinen Texten irritiert Hermann sein linksliberales Milieu. er ist froh darum. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Chef-Erklärer der Schweizer Politlandschaft. Seine Erfindung die Verortung im »Spinnennetz« bedeutet. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent.14 12. Die zwei jungen Geografen. Leser und Experten jubilierten: Plötzlich diese Übersicht! Die zerfledderten Bürgerlichen. Hotelleriesuisse. Die Karte zeigte die exakte Position aller Nationalräte zwischen den drei Polen links. Die Sätze sind nuancier- ter. die Hetze gegen Minderheiten? »Unsere Gesellschaft erträgt solche Stimmen. Welche Partei er wählt. Etwa als Mitte Januar in der TV-Arena zum Berner Ständeratswahlkampf alle Kandidaten mit ihren Profilen »wedelten«. brachte er Ordnung in die komplizierten politischen Realitäten. der wirtschaftlichen Liberalisierung über die restriktive Migrationspolitik zum Ausbau des Sozialstaats. präsentierten im Magazin und in Le Temps ihre »politische Landkarte des Nationalrats«. Er behält den kühlen Blick des Programmierers: Es gibt Probleme. Doch niemand hinterfragte die Aussagekraft der Diagramme. Immer weniger leisten sich eine eigene Meinung. weltoffen oder isolationistisch gilt – und was das für Landvermesser H. »Es kommt ohnehin anders. als Auskunft zu geben. Hermann. Er ist kein Vielschwätzer. und die muss man lösen. Sein Motto: Einbeziehen statt ausschließen. um sich selber zu retten JOSEF JOFFE: N Die Kassandras haben recht behalten: Geld. Gegen eine Zersplitterung der Schweiz in Ghettos von Gleichgesinnten. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. 517 namentliche Abstimmungen der großen Kammer hatten die beiden ausgewertet.« Doch der Politik-Vermesser ist mehr als ein erfolgreicher Geschäftsmann. wirkt ernst. Im Gegenteil. hier ist das Plankton. die langen Beine verschränkt. Der Remeduren sind nur drei: 1. Nun waren politische Positionen vergleichbar. antwortete er: »Hallo. sie sind denkfaule ContentAbfüller geworden. auch berufsbedingt.« Es solle ihm nicht ergehen wie manchem Journalisten. Griechenland. was sie erst recht Josef Joffe ist nicht könnten. Der Schlaks mit Hipster-Brille ist gesuchter als die Grandseigneurs der Branche. Bundesämter. Spricht man ihn darauf an. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. sollte es besser im Kasino verjuxen. Seine Biografie ist geprägt von der Kindheit im konservativen Huttwil im Emmental. Politgeograf Steuerwettbewerb. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen.

In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. sondern auch an zu viel. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. Die Entscheidung Kretschmanns. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. die Griechen überlegten.de/audio www.n. das Beharren auf Posten und alten Positionen.PREIS DEUTSCHLAND 4. GRN. Klar ist einzig.50/HUF 1605. Jannis Chavakis für DZ.40/F 5. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Sooft dieser Tage in Ministerien. in das so viel Geld fließt. 0180 . der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. was kommt. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm.52 52 909*. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43.zeit. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. der nicht aufgepasst hatte. die im Englischen haircut heißt. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Die Frage ist vielmehr. wohl aber die Stimmung. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege.zeit. Käme es jetzt zum griechischen haircut. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. bestrebt. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. 0. was auf lange Sicht besser für Europa ist. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten.de/audio 4 1 907 45 1 040 05 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten.de. wer der bessere Europäer ist. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. Sie sind nötiger denn je. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben.de. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. J A H RG A N G C 7451 C www. der sich tief gedemütigt fühlen muss. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12.50/A 4. In Interviews sprach er davon.de *) 0. also einen Tag zu überspringen. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Druck aus Dresden Wie Frank Harings Jugendzeitung »Spiesser« einen Großverlag ärgert Politik Seite 13 D Europa will sich Ruhe kaufen.30/I 5. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland.zeit. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). Es kostet nur wieder Milliarden. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie.zeit. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. Doch das heißt nicht. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst.50/P 5.00/FIN 6. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. dass die Griechen mit dem ersten. man macht sich unbeliebt.52 52 908*. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Kleine Augenblicke. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. wenn Europa weiter zahlt. Wer wollte sie den Iren abschlagen. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www.20/NL 4. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. zeichnet sich schon ab. beschlossen hat. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Das ist umso generöser. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. so desaströs seine Folgen wären. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. Irland. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. aus dem deutschen Festnetz. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus.zeit.o. Nicht mehr bezahlen. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. wenn Europa immer weiterzahlt. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. auch nicht beim haircut. nun gelte es. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. ist schlicht ein Skandal. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Geburten hinfällig. dessen Datum anzunehmen. damit der Südosten der Union nicht abstürzt.70/E 5. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 SACHSEN WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. max. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. ebenso wie die Deutschen und andere. bleibt auch eine. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. ZEIT-Stellenmarkt: www. Nein. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. Die entscheidende Frage ist aber nicht. sondern echtes Geld kosten werden. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre.und Bahnhofsschützern. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. die zweite Volkspartei. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. (v. E-Mail: DieZeit@zeit. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. deshalb unser aller Geld retten musste. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. Was dagegen geschieht. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. »Umschulden«. das zu werden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. Leserbriefe@zeit. will das offizielle Europa Ruhe. Gutmenschen nerven.00 20 01 420 AUSGABE: . Die Griechen. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Fax 0180 . Gleichwohl verlangen die EU. würden Schulden nicht getilgt. Aber die Diagnose ist unvollständig. Libyen. Der Rettungsfonds will weiter retten. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören.42 € /Min. findet Josef Joffe. Viel Geld.de Abonnentenservice: Tel.10/ CHF 7. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. ist auch eine hässliche Sache.70/B 4. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.0. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. die SPD. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Das klingt weit unattraktiver als das. »Retten« ist ein hübsches Wort. und trotzdem beschimpft Europa uns. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. die andere Möglichkeit. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Schuldzuweisungen und Dementis. Auch das käme alle teuer zu stehen. positionieren sich als die guten Europäer. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. Wellen am sardischen Strand.20/GR 5. Vergessen. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. E-Mail: abo@zeit. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt.14 € /Min. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. kleine Abb. im Land. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Europa sollte die Umschuldung wagen. die sie früher nie gewählt hätten. was sie auch kostet. KG. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. um Griechenland aus der Krise zu helfen. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. weil dies ein überholter Begriff sei.00/NOR 60.20/ Kanaren 5. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert.u. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. die EU dabei mitregieren. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. möglichst viele Menschen mitzunehmen.jobs.20/ L 4. dass es ohne Europa nicht geht.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. Diejenigen. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. was gemeinhin eine Volkspartei ist.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd.

12 12. Mai 2011
ZEITGEIST

DIE ZEIT No 20

MEINUNG

POLITIK

Wer den Griechen hilft
JOSEF JOFFE:

Europa wird für Hellas bluten, um sich selber zu retten
Die Kassandras haben recht behalten: Geld- ohne Politikunion geht nicht. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer- und Ausgabenpolitik – fahren; sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Der Bruchpunkt ist jetzt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer, Athen vorweg, haben so lange so heftig geheizt, bis die Kohle ausging. Der Remeduren sind nur drei: 1. Athen nimmt Dampf weg, also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. 2. Es wird zum europäischen Sozialfall, den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. 3. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Griechenland, ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft, kann nicht sparen. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen, von 325 auf 340 Milliarden Euro. Und blähen sich weiter auf. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt; die Zinsen liegen bei 15 Prozent, die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Wer nun den Griechen Geld leiht, sollte es besser im Kasino verjuxen. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«, sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen), wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht, und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre, bräche das Höllenfeuer aus:
HEUTE: 9.5.2011

Erinnern
Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Hier aber ist das Original zu sehen, nicht die Kopie. So sehen Sieger aus. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein, voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zurückzublicken, auf den Großen Vaterländischen Krieg, den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«, singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern, deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«, singt sie. Und man wünscht diesen alten Herren, dass diese Zeile falsch sein möge. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft, damit fertig zu werden, wer hätte das Recht, darüber zu spotten? F. D.

Mord und Totschläger
Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht
Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden, das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten, wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit, verpufft die Wirkung der Sanktion. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. richtig gemacht, der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Die Beweislage sei einfach, sagen die Staatsanwälte, der Täter habe gestanden, der Tathergang stehe fest, da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Allerdings darf man wohl annehmen, dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Angeklagt wird Torben P. wegen versuchten Totschlags. Das ist ein Mittelweg. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt, meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt, sogar befördert. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Ob Torben P. die bekommt, entscheidet das Gericht, Anklage ist nicht gleich Urteil. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Für Täter und Opfer. Und für die Öffentlichkeit. Deshalb ist es auch legitim, wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird, warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe, das Signal aber ein anderes. Mord ist mehr als ein Totschlag, eine besonders verwerfliche Tat, sei es wegen besonderer Grausamkeit, sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat, die dem Opfer besonderes Leid zufügt, die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat, kommt schon ins Grübeln, ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Nein, es geht nicht darum, eine möglichst harte Strafe zu finden. Es geht darum, das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Wenn einer wie Torben P. von Untersuchungshaft verschont wird, wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme, wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird, dann mag das in jedem Fall begründet sein. Das Routinierte der Nachsicht jedoch, der Eindruck, Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. WFG

Ein Land bleibt cool
Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen
Die Bürger bleiben cool. Am 9. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«, der neuen Volkszählung. Der ersten seit 1987. Volkszählung, das klingt nach historischer Parallele, nach enormem Erregungspotenzial. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer, fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus- und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person, Lebensumständen, Ausbildung und Beruf gestellt. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine, die Brüssel vorschreibt), doch die Deutschen bleiben cool. Bei jenem Thema, das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback), die Spione der Konsumwirtschaft. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Da schert es die Leute auch nicht mehr, wenn der Staat etwas mehr wissen will. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei, Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen, vorzugsweise kalifornische Konzerne. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig, ja zurückhaltend. Vielleicht zu zurückhaltend. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten, das ist nur eine Schätzung, also wird es teurer. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Dabei hatten Statistiker, Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert, weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie), zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und, ganz simpel, zur Heizung (Klimaschutz). Der Staat – im Bestreben, die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. STX

Foto: Mathias Bothor/photoselection

Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

erst ein Run auf griechische Banken, dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Denn die Besitzer müssten kalkulieren, dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert, die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten, was sie erst recht nicht könnten. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland, wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen, um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen- und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille, derweil EU, IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Fazit: Wer den Griechen hilft, hilft seinen Banken. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer, also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.«

IN DER ZEIT
POLITIK
2
Interview Kanzlerin Angela

SACHSEN
13 Medien »Spiesser«-Chef Frank Haring kämpft gegen einen Großverlag VON RALF GEISSLER
Ostkurve
VON JANA HENSEL

WIRTSCHAFT
23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26
VW Der Konzern will jetzt auch

33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung
ThyssenKrupp Der Konzern

FEUILLETON
49
Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral

Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 3 4
Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland

62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod

50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTL-Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie, Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte«
Roman Nicolas Dickner »Tarmac«

REISEN
63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö, das Altbier und das japanische Viertel 67
Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen

Sachsen-Lexikon

startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt ... Armin Falk, Ökonom und Verhaltensforscher?

ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra 5 6 7 8 9
Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen

Krawall-Zuschlag 14 Geschichte Dresdens Bühnen in der NS-Zeit VON ADINA RIECKMANN
Am Start Irina Tarassenko, Landärztin VON M. MACHOWECZ

noch die meisten Laster bauen
Elektroauto Warum es falsch ist,

WISSEN
37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können

nur die Autokonzerne zu fördern 27
Kinderarmut Die Not wird überschätzt, sagen Forscher

Familie und Politik zusammen?
FDP Ein Gespräch mit Philipp

DOSSIER
15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU
Eurovision Song Contest Die Geschichte eines Liedes aus Island

Rösler über seine Regierungspläne
Pakistan Die Islamisten freuen sich

über arabische Revolutionen
Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung

28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal Gegenseitige Schuldzuweisungen
Soziale Netzwerke

CHANCEN
71 Bachelor und Master:
Ein Spezial auf 10 Seiten

55 Margaux Fragoso »Tiger, Tiger« 56
Nachruf auf Gunter Sachs

41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet, Flüchtling zu sein 48 Kinder- und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder«

96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE
Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/audio

kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 12 Volkszählung Gelassenheit
Justiz Der Berliner

57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze«
Kunst Paul Pfeiffer in München

GESCHICHTE
21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen

Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn

59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer«
Kulturkanäle zdf.kultur

U-Bahn-Schläger wird angeklagt

Foto: Denis Sinyakov/Reuters

ZEIT FÜR SACHSEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

13

OSTKURVE

Oberarmfrei
Am Wochenende wurde uns ein neues Bücherregal geliefert. Zwei junge Herren, der eine in oberarmfreiem T-Shirt, der andere tätowiert an allen sichtbaren Körperstellen, waren mit einem alten Volvo vorgefahren, hatten das recht schwere Ding erst entladen, dann hinaufgeschleppt und schließlich vor den sechs Augen der Familie aufgebaut. Der Typ mit dem oberarmfreien T-Shirt erzählte dabei, dass er schlafwandle und morgens seinen Schlüssel mitunter im Schloss des Briefkastens finde. Was für ein interessantes Thema, dachte ich.
Jana Hensel, 1976 in Leipzig geboren, Autorin des Bestsellers »Zonenkinder«, schreibt hier im Wechsel mit ZEITAutor Christoph Dieckmann

Foto: Jannis Chavakis für DIE ZEIT/www.chavakis.de; Dominik Butzmann (kl.)

Ein Bild von einem Mann: Frank Haring im Konferenzraum seines Dresdner Verlags

Elefant im Zeitungsladen
Frank Haring hat aus der sächsischen Schülerzeitung »Spiesser« ein bundesweites Jugendmagazin gemacht. Inzwischen sieht selbst die »Bravo« in ihm einen ernsten Konkurrenten VON RALF GEISSLER
a ist die Geschichte mit dem Kaffee-Automaten. Eine Mitarbeiterin hatte Münzen eingeworfen und ihr Wechselgeld vergessen. Als sie zurückkehrte, war das Fach leer. Verschwunden, die paar Cent. Frank Haring fackelte nicht lange. Er ließ die Videoüberwachungsbänder der Büroetage sichten, um den Dieb zu entlarven. Eine Stunde Bildmaterial. Selbst wenn es nur um Kleingeld geht, kämpft er mit der Verbissenheit eines Jungen, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Mit dieser Haltung hat er sein Unternehmen groß gemacht. Frank Haring, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jugendzeitschrift Spiesser in Dresden, ist als 34-Jähriger so etwas wie Deutschlands jüngster Pressepate. Angeblich fast 800 000 Mal liegt sein Spiesser bundesweit an Schulen aus. Ein Magazin, in dem Jugendliche für Jugendliche schreiben, angeleitet von Journalisten. Das Heft ist mittlerweile so bekannt, dass der Heinrich Bauer Verlag darin eine Konkurrenz zu seiner Jugendpostille Bravo sieht. Der Verlag zweifelt die Spiesser-Auflage vor Gericht an. »Das wird lustig werden«, sagt Haring und blättert in der einstweiligen Verfügung, die Bauer vor drei Wochen gegen ihn erwirkt hat. 250 000 Euro Ordnungsgeld werden ihm angedroht, falls er weiterhin mit seinen Auflagenzahlen wirbt. »Wir werden das ganz sicher nicht auf uns sitzen lassen«, sagt er. Rein äußerlich würde Haring – schwarzes Shirt, braune Cordhosen – als Juso-Kreisvorsitzender durchgehen. Auch der Anblick seines Dienst-Toyotas vermittelt nicht den Eindruck von einem, der dick im Geschäft ist. Doch Haring verlegt nicht nur eine Jugendzeitung. Er hält Anteile an Dresden Fernsehen, verdient beim Elternmagazin Eltern, Kind + Kegel mit und ist an einem Jugendreisebüro beteiligt. Er engagiert sich bei einem Logistik-Dienstleister, einer Unternehmensberatung und beim »Schulkurier«, der den Spiesser zwischen Nordsee und Alpen verteilt. Kürzlich hat eine seiner Firmen fünf Millionen Euro in einen Solarpark investiert. Es war die Zeit vor Fukushima. Haring hatte mal wieder den Riecher für das richtige Timing.

D

Dresdner Pentacon, erster Stock, geflieste Wände. Die alte Einrichtung warf Haring einfach aus dem Fenster. In dem selbst renovierten Raum machte er mit zwei Partnern das kleine Gratisblatt groß. Es erschien fortan in ganz Sachsen. Auch bei McDonald’s wurde es ausgelegt. Zum Idealismus kam der Kapitalismus hinzu. 2006 hatte Haring die Idee, es bundesweit zu versuchen – was manche übermütig fanden. Mit Großverlagen sprach er über eine Beteiligung am Spiesser. Doch es kam keine Kooperation zustande. »Viele wollten den Spiesser irgendwo in ihre Strukturen einsortieren und hätten das Projekt damit sehr wahrscheinlich gegen die Wand gefahren«, frotzelt Haring. Im Herbst 2007 brachte die Spiesser GmbH ihr Blatt im Alleingang in ganz Deutschland heraus, Druckauflage: eine Million Exemplare. Überregionale Zeitungen, auch die ZEIT, zollten Respekt. Ein neues Printprodukt. Aus dem Osten. Für Jugendliche. Es klang märchenhaft. Vor Ort in Dresden sahen es viele nüchterner. Unvergessen ist bei manchem Ex-Mitarbeiter, wie Haring morgens fünf Minuten vor Dienstbeginn an der Pforte stand und jeden ermahnte, der noch nicht am Schreibtisch saß. Man habe zum Vorklingeln zu erscheinen, dozierte er. Wenn er Fehler fand, zog er die Betroffenen noch Wochen später damit auf. Seinen neugeborenen Sohn stellte Haring Kollegen halb ironisch als »Junior-Chef« vor.

maßen sauer, dass er eine eigene Attacke startete. Er schrieb dem Deutschen Presserat, die Bravo habe die Inhalte womöglich nicht ausreichend als Anzeige gekennzeichnet. Das Gremium erteilte in erster Instanz eine Rüge. Auch der Bundesrechnungshof prüfte die Angelegenheit. Zuvor hatte Haring über einen Bundestagsabgeordneten der Grünen eine Kleine Anfrage initiiert. Schließlich wurde sogar Agentur-Chef Frank Weise zur Anhörung nach Berlin geladen. Den Bauer-Verlag verärgerte das alles. Haring sagt: »Ich hatte bei denen noch einen gut.« Bereits 2008 hatte Bauer ihm gerichtlich untersagen lassen, den Spiesser als »größte Jugendzeitschrift Deutschlands« zu bewerben. Denn der Spiesser erscheine nur alle zwei Monate; die Bravo aber jede Woche. Zuletzt mit einer verkauften Auflage von etwa 400 000 Exemplaren. Die jetzige Auseinandersetzung trifft Haring zur Unzeit. Er hat kürzlich seinen Verlagsleiter, die

Anzeigenleiterin, die Verantwortliche für Sonderpublikationen und einen langjährigen Redakteur verloren. Die Fluktuation beim Spiesser war immer schon hoch. Mehrere, die gingen, sagen: Haring sei genial, aber auf Dauer nicht auszuhalten. Ein Mann, der seit seiner Pubertät immer nur Chef war, dem seine Firma alles bedeute. Haring deutet die häufigen Personalwechsel ins Positive um: Sie passten doch gut zu einem Blatt, das jung bleiben wolle. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Spiesser noch heute das Produkt engagierter Schüler. Nach dem Prinzip lässt Haring im Pentacon auch das Magazin Schekker der Bundesregierung erstellen. Außerdem denkt er über ein Jugendmagazin nach, das am Kiosk verkauft werden soll. Das dürfte den Bauer-Verlag noch mehr erzürnen. Doch Haring braucht das Kämpfen zum Leben. Der Gegner ist groß, aber er sollte sich abwehren lassen. Irgendwie hat Haring ihn sich ja auch erarbeitet.

Aber oberarmfrei ist ja eigentlich auch ein interessantes Wort, nicht wahr? Selbst wenn es das, was ich sagen will, hier nicht ganz trifft. Schließlich braucht man bekanntlich seine Oberarme, um so ein schweres Bücherregal aufzubauen. Oberarmunbedeckt wäre besser. Einige Leser denken jetzt wahrscheinlich: »Ja, ja, Handwerker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.« Diesem Eindruck möchte ich entschieden entgegentreten. Die beiden jungen Herren bildeten nämlich eine rühmliche Ausnahme. In der Regel sind Handwerker in einem erschreckenden Ausmaß so geblieben WIE FRÜHER. Ich musste das in den vergangenen Wochen oft am eigenen Leib erfahren, indem ich mich mehr als einmal schier auf den Boden warf, um einen Termin zu ergattern. Nun fiel mir das Buch Du und Deine Wohnung. Heimwerkertips in die Hände. 11. Auflage, OstBerlin 1977. All die Mischbatterien, Auslaufventile, Kohlebadöfen, Heißwasserspeicher, Geruchverschlüsse (Trapse) und Spülkästen: Ich könnte sie nun theoretisch allein reparieren, müsste keinen Handwerker mehr anflehen. Wie schade, dass es die Geräte nicht mehr gibt.

SACHSEN-LEXIKON

Krawall-Zuschlag, der. Aufpreis für Fußballspiele mit erhöhtem Randale-Risiko. »Wir wollen«, erklärt Innenminister Markus Ulbig (CDU), »dass bei Risikospielen ein bis drei Euro höhere Eintrittspreise erhoben werden.« Zu oft bleibe er »auf den Kosten sitzen«, wenn Polizisten Hooligans im Zaum hielten. Fans fordern, den Krawall-Zuschlag fairerweise auch auf die sachsenweit wichtigste Krawall-Fraktion um Holger Zastrow (FDP) auszuweiten. Im Fußball, heißt es, wären Leute, die so oft gelb provozieren, ja längst aus der Arena geflogen. MAC
S

Haring, heißt es, sei genial – aber auf Dauer nicht auszuhalten
Immerhin bezahlte er leidlich und schulte junge Journalisten, die er eines aber nicht lehrte: die strikte Trennung von Redaktion und PR. Mehrfach vergaß der Spiesser, werbliche Inhalte im Blatt zu kennzeichnen. Noch im November verurteilte das Landgericht Berlin die Zeitung, weil eine Sonderveröffentlichung der Supermarktkette Kaufland nicht als Anzeige ausgewiesen war. Er bewundere Stefan Raab, sagt Haring, weil über dessen Sportsendungen »Dauerwerbesendung« stehe und die Quoten trotzdem stimmten. Wer Haring begegnet, vergisst ihn so schnell nicht mehr. Er ist ein Getriebener, der nicht lockerlässt. Auch einer, der einschüchtern kann. Und er ist voller Ideen. Haring hat sich die »Spiesser-WG« ausgedacht: Abiturienten arbeiten ein Jahr für Haring, verdienen kleines Geld, wohnen aber kostenlos. Er erfand die Vertretungsstunde mit Prominenten. Das Prinzip: Musiker, Schauspieler oder Politiker geben in einer Schule Unterricht – und der Spiesser schreibt darüber. Haring initiierte auch den Jugendbildungsverein Sachsen. Redakteure gaben Workshops, Vereinsleute organisierten Anzeigen. Es war für Außenstehende ein ziemliches Durcheinander. Kommerziell? Ehrenamtlich? Schwer zu sagen. Wie viel Geld sie mit dem Blatt verdienen, müssen Haring und seine zwei Partner nicht offenlegen. Fest steht, dass er selten mehr ausgegeben hat als nötig. Um Dienstreisen billig zu halten, teilt er sich mit Kollegen auch mal ein Doppelzimmer. Im Intranet, erzählt ein Mitarbeiter, informierte er im vorigen Jahr über die Vorzüge von Rabatten für Journalisten. Dadurch habe er selbst in seinem Urlaub 300 Euro gespart. Man darf annehmen: Das Geld floss in neue Projekte. »Ich bin«, schreibt Haring in einer E-Mail, »sowohl von meinem Körpergewicht als auch vom Gedächtnis her der Kategorie Elefant zuzuordnen. Das heißt, ich vergesse selten.« Vor vier Jahren bemühte er sich um Aufträge der Bundesagentur für Arbeit. Doch den Zuschlag erhielt die Bravo – für eine Anzeigenserie unter dem Titel »JobAttacke«, Auftragswert: etwa 700 000 Euro jährlich. Frank Haring war über seine Schlappe der-

Der Gegenspieler ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz
Die meisten seiner Firmen haben dort ihren Sitz, wo auch der Spiesser zu Hause ist: im Dresdner Medienkulturhaus Pentacon. Es ist Harings Festung. Und sie wird angegriffen. Aus dem Hinterhalt, wie er meint. Schon im März habe der Bauer-Verlag versucht, bayerische Schulleiter einzuschüchtern, indem er anfragte, auf welcher rechtlichen Grundlage der Spiesser bei ihnen ausgelegt werde. Bauer ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern. Angesichts dieser Zahlen klingt es zunächst wie ein Witz, wenn es aus dem Unternehmen heißt: »Wir wollen, dass zwischen Bravo und Spiesser wieder Waffengleichheit herrscht.« Frank Haring meint: »Die wollen uns fertigmachen.« Er lümmelt auf seinem Bürosessel wie in einem Liegestuhl, die Lehne weit hinten. Ein Provokateur, oft unterschätzt, sächsisch schlau. Frank Haring war 17, als er mit seinem Jugendfreund Konrad Schmidt den Spiesser gründete. 5000 Exemplare brachten sie von 1994 an persönlich an die Dresdner Schulen. Die Redaktion traf sich im Keller des Hülße-Gymnasiums, wo hinter vergitterten Fenstern zwei Dutzend Computer standen. Täglich um 19.30 Uhr schaltete der Hausmeister den Strom ab, und Flüche hallten durch den Flur – von jenen Mitarbeitern, die ihre Texte nicht gespeichert hatten. 1997 bezog die Redaktion eine ausgediente Küche im

14 12. Mai 2011
AM START

DIE ZEIT No 20

ZEIT FÜR SACHSEN
ie Dresdner haben es nach Hitlers Machtübernahme besonders eilig. Schon fünf Wochen später, am 7. März 1933, brennen Fahnen und Bücher in einem Feuer vor der Volksbuchhandlung beim Schloss. Am selben Tag stürmt der Schauspieler und NS-Sympathisant Alexis Posse mit 60 Gleichgesinnten die Rigoletto-Probe in der Semperoper und erklärt den Dirigenten Fritz Busch für abgesetzt. Dessen Vergehen: »Verkehr mit Juden« und die Beschäftigung »jüdischer und ausländischer Sänger«. Am Abend beweist sich, dass dies alles kein Spuk war. Bis hoch in den 4. Rang sitzt Hitlers SA. Nicht aus Liebe zu Verdi haben ihre Mitglieder die Karten gekauft, sondern um die Reihen mit Braunhemden zu füllen. Seit 1922 hat Fritz Busch in Dresden mit spektakulären Uraufführungen von sich reden gemacht. Unter seiner Leitung katapultiert sich die Semperoper an die Spitze der Musikmoderne. An diesem 7. März 1933 aber schreien ihn die Dresdner nieder. Busch blickt seine Musiker lange an, die aber schweigen. Ohne den Taktstock erhoben zu haben, verlässt der Westfale die Bühne. »Aus!!!«, vermerkt er in seinem Kalender über sein Ende, aus Protest verlässt Busch nicht nur Dresden, er geht aus Deutschland weg. Mit dem Dirigenten wird sein ganzes Leitungsteam beurlaubt, vom Generalintendanten bis zum Spielleiter der Oper. Es ist ein Signal. Ausnahmslos alle jüdischen Ensemblemitglieder in Dresden müssen gehen, viele verstummen für immer. Die Sängerin Therese Elb und der Musikdirektor Arthur Chitz werden nach Riga deportiert und dort ermordet; die Schauspielerin Jenny Schaffer stirbt in Auschwitz. »Diese öffentliche Vertreibung«, sagt Hannes Heer, »war ein einmaliger Vorfall. Es waren ja keine SALeute von außerhalb, die mit einem Putsch die Staatstheater übernommen haben, wie immer behauptet wird. Die Machtergreifung hat von innen heraus stattgefunden. Die eigenen Leute haben die Kollegen verjagt, kühl und kalkuliert.« Der Hamburger Historiker arbeitet seit dem Jahr 2006 an dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ,Juden‘ aus der Oper 1933 bis 1945. Er widmet sich einem kaum untersuchten Kapitel des deutschen Kulturlebens zwischen den beiden Weltkriegen: der systematischen »Säuberung« der deutschen Opern- und Schauspielhäuser von »jüdischen« und »politisch untragbaren« Ensemblemitgliedern. Heer hat darüber bereits an den Staatsopern in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt geforscht; die Ergebnisse in Dresden aber empfindet er als besonders bedrückend. »Es war ja nicht Alexis Posse als Gaukunstwart allein, der den künstlerischen Exodus in Dresden ermöglicht hat. Es waren die ultrakonservativen Bildungsbürger, die in den 1920er Jahren Stücke wie das Kriegsheimkehrer-Drama Hinkemann von der Bühne gefetzt und mit der Judenhetze begonnen haben.« Der von Heer neu recherchierte Teil der Wanderausstellung zeigt deutlich, dass dieser 7. März 1933 Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik war, die als Kampf gegen den »Musikbolschewismus« und die »entartete Kunst« schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten propagiert und von großen Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde. Auch wenn Dresden als Vorreiter des Expressionismus gilt – die Stadt war ebenso ein Zentrum des Widerstandes gegen die verhasste Moderne. 1920 gründet sich hier die völkische Organisation Deutsche Kunstgesellschaft. Sie bekämpft mit einem kostenfrei verschickten Nachrichtendienst zeitkritisches Musiktheater oder unliebsame Künstler. Besonders die völkische, verdeckt antisemitische Besucherorganisation Bühnenvolksbund greift diese Vorstöße auf: Vehement zieht sie gegen die an den Musik- und Sprechtheatern betriebene »Entsittlichung, Entgöttlichung und Entnationalisierung« zu Felde. Vor allem das Bildungsbürgertum in Dresden erkennt sich in derartigen Schmähungen wieder. Der Schauspieler Alexis Posse wird nun aktiv. Er gründet Ende 1930 eine »Theaterfachgruppe der NSDAP« – gemeinsam mit Kollegen, Tänzern und Musikern. Wenn man mit Heer über die neue Ausstellung spricht, wird sein Ton sehr bestimmt: »Diese Nazizelle an den Staatstheatern war deutschlandweit einzigartig. Die haben Klartext gesprochen: ›Wir sind keine braune Gewerkschaft, sondern eine Kampftruppe der Partei‹«, sagt Hannes Heer: »Die konnten sich bei der Durchführung ihrer regelmäßigen ›Kunstabende‹ auf ihre Kollegen verlassen. Das macht die Geschichte so schwie-

Ende des Notstands
Wie Niederwiesa nach einem Jahr eine neue Landärztin gefunden hat
Wenn man in Niederwiesa bei Chemnitz den Arzt ruft, kommt neuerdings eine Frau aus Semipalatinsk: Irina Tarassenko, 39, geboren im 4500 Kilometer entfernten Ostkasachstan, sitzt in ihrem Behandlungszimmer. Sie trägt das Haar wie eine Löwenmähne, es ist eine einzige rotbraune Welle. »Hausärztin, dafür bin ich geboren, no«, sagt sie. Irina Tarassenko hat zu Hause in Semipalatinsk Medizin studiert, das »no« hängt sie an alle Sätze, und in jedem ihrer deutschen Wörter liegt noch die Würze des Kasachischen, ihrer Muttersprache. Tarassenko ist einer der Menschen, nach denen Sachsen in ganz Europa fahndet. Sie wird geliebt in Niederwiesa, weil sie die alte Hausarztpraxis wiedereröffnet hat: Ein Jahr lang stand diese leer, ein Jahr lang hatten 5000 Erzgebirgler im Tal der Zschopau niemanden, der sie kuriert. Wolfdieter Kühn, den hier alle nur den Doktor nennen, ist in Rente seit dem 31. März 2010. Für Bürgermeister Dietmar Hohm, 66, einen Mann mit grauem Vollbart, begann an diesem Tag »die schlimmste Zeit«. Die Bürger marodierten wie seit 1509 nicht mehr, damals hatten sie Chemnitz den »Bierkrieg« erklärt. Nun wollten die Menschen, dass Hohm ihnen endlich einen neuen Arzt präsentiert. Er sanierte erst mal das Praxisgebäude, für 320 000 Euro. Dann blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Im vergangenen November berichtete die ZEIT (Nr. 45/10) über Niederwiesas Arztnotstand und Sachsens Bemühungen, ausländische Mediziner anzulocken. Mindestens 150 Landärzte finden im Freistaat keinen Nachfolger, unzählige Vorschläge sind im Gespräch: von der Aufweichung der Zulassungsbeschränkungen an den medizinischen Fakultäten bis zu »rollenden Praxen«. Die Landesärztekammer gründete ihre Koordinierungsstelle »Ärzte für Sachsen«, die neuerdings sogar bei Facebook nach Medizinstudenten fahndet. Tarassenko, seit einigen Jahren am Chemnitzer Krankenhaus, las von Niederwiesas Problem, fuhr in den Ort und befragte Bewohner: »Würden Sie, wenn jemand die Praxis übernähme, wiederkommen?« Natürlich, sagten die Niederwiesaer. »Das hat alles beeinflusst«, sagt Tarassenko: »dass man hier gebraucht wird. Natürlich ist Angst im Spiel, wenn man so einen Schritt geht. Aber hier kennen dich die Patienten,

D

Fotos: ullstein (u.r.); Martin Machowecz (l.); kl. Fotos (im Uhrzeiger): U. Richter (Dirigent Fritz Busch); A. Pieperhoff/Archiv der Staatsoper Dresden (Sängerin Margit Bokor); Archiv des Staatsschauspiels Dresden (Schauspielerin Jenny Schaffer, Schauspieler Martin Hellberg)

rig, so schmerzhaft.« Für Jens Hommel, der gemeinsam mit Heer die Ausstellung konzipiert hat, passen die Recherche-Ergebnisse nicht so recht ins Selbstbild seiner Stadt: »Noch immer finde ich viel zu oft das schwarz-weiße Faschismusbild aus DDR-Zeiten in den Köpfen vor: Hier die braunen Horden als ›Helfershelfer des Monopolkapitals‹ – da die Bürger vom Stadtteil Weißer Hirsch, die aufgrund ihrer kulturellen Affinitäten immer immun blieben für totalitäre Ideologien«, sagt der gebürtige Dresdner. »Die Erzählungen über Barbarei in der Stadt beginnen oft erst mit 1945. Das stößt mir inzwischen bitter auf.« Kurator Hannes Heer, der vor Jahren mit der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, erinnert sich, seine Recherchen in Dresden seien kompliziert gewesen. Anfangs hätten die Archivare immer gleich erklärt: Es gibt nichts mehr, weder Akten der Verwaltung, noch Personalpapiere. Alles verbrannt. Doch gegen Ende der Arbeit entdeckte Heers Team, dass von den Ensemblemitgliedern, die 1945 wieder am Theater beschäftigt wurden, die alten Personalakten doch noch existierten: »Sie waren einfach – gesäubert und frisiert – in die neuen mit eingearbeitet worden. So konnten viele, ähnlich wie in Westdeutschland, ihre Nazivergangenheit abschütteln und erneut Karriere machen.« Heer berichtet, und die Aufregung ist ihm noch anzumerken, von einem weiteren Fund: einem 1918 begonnenen handschriftlichen Verzeichnis mit 850 Namen von Arbeitern der Semperoper. Von 1941 an sind in dem Personaljournal auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verzeichnet, ohne die der Theaterbetrieb wohl zum Erliegen gekommen wäre. Hunderte. Damit sei ein Thema aufgetaucht, sagt Heer, das er bei früheren Recherchen nie zu fassen bekommen habe. »Es gab

Braune Dramen
Machtergreifung an der Semperoper: Eine Ausstellung räumt mit der Legende auf, Dresden sei in der NS-Zeit eine unschuldige Kulturstadt gewesen VON ADINA RIECKMANN
Gerüchte, aber ich konnte bisher nie etwas beweisen. Und dann steht das hier Schwarz auf Weiß.« So fügt die Arbeit der Historiker dem Geschichtsbild Dresdens einige neue Facetten hinzu. Die Stadt, sagt Staatsschauspiel-Intendant Wilfried Schulz, sei oft vergangenheitssehnsüchtig – unter Aussparung aller Schmerzpunkte. Ähnlich hat er das auch schon zum Gedenktag 13. Februar gesagt, an dem seit Jahren Tausende Neonazis in der Stadt aufmarschierten. Anstatt das alles nur zu beklagen, macht Schulz sich das Thema zu eigen. Theater, sagt er, müsse sich doch als Spiel- und Erinnerungsort produktiv mit seiner Geschichte beschäftigen; erst recht, wenn sie hoch unmoralisch sei. In diesem Jahr prangte am 13. Februar weithin sichtbar ein Banner an der Semperoper. Darauf stand: »Es ist noch wichtiger, sich anständig zu benehmen, als gute Musik zu machen«. Ein Zitat des Dirigenten Fritz Busch. Das hoch gehängte Statement stieß bei einigen in der Stadt auf Unverständnis. Und auch ein paar Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sahen es nicht besonders gern: Als Musiker, so lautete der Einwand, sei man schließlich unpolitisch. Ulrike Hessler, die Intendantin der Semperoper, teilt diese Ansicht nicht. Das Banner war eine Idee des Personalrates gewesen. Eine Idee, die Hessler, ohne zu zögern, aufgriff. »Was mich besonders schockiert, ist die Aktualität dieses Themas«, sagt sie über die NS-Geschichte ihres Hauses: »50 Ensemblemitglieder mussten gehen, viele auch, weil sie politisch nicht genehm waren.« Wenn sie im Jahr 2011 nach Ungarn schaue und sehe, dass an der Budapester Staatsoper der Chefregisseur und der Generalmusikdirektor entlassen wurden, weil sie der Regierung aus ähnlichen Gründen nicht passen, »dann erinnert mich das sehr an den 7. März 1933«.
Die Ausstellung »Verstummte Stimmen« ist vom 16. Mai bis 13. Juli in den Foyers von Semperoper und Staatsschauspiel Dresden zu sehen; Eintritt frei. www.verstummtestimmen.de

Die Ärztin Irina Tarassenko, 39, kam vor rund zehn Jahren aus Kasachstan nach Chemnitz

sie akzeptieren dich.« Sie hätte auch in der Großstadt bleiben können, in Chemnitz lebt sie mit Mann und Kindern, Praxen stehen dort ebenfalls leer, aber Tarassenko sagt: »In Chemnitz gibt es Ärzte genug.« Im Oktober soll in Niederwiesa ein Seniorenheim eröffnen, 48 Zimmer, viele Patienten, »ein Pflegeheim der vierten Generation«, sagt der Bürgermeister. »Ein Jahr lang waren wir ziemlich in Schwulitäten.« Nun werde alles gut. Die Ärztin kuriert seinen Ort. MARTIN MACHOWECZ
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Kultur-Führer: Hitler grüßte 1934 vor der Semperoper. Der Dirigent Fritz Busch (oben links) und andere Künstler waren schon verbannt worden

2011 Siebeck reitet ein Kamel.Mensch. Seite 30 . Genscher Nr. 5. 20 12.

Und zieht seine Lebensbilanz .Was wird nur aus seiner FDP? Ihr Ehrenvorsitzender macht sich Gedanken.

miteinander zu reden Waldmeister der Herzen Dürfen alte Männer Fantasien von jungen Frauen haben? Wie der Schauspieler Robert Hunger-Bühler fast ertrunken wäre Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos Jonas Unger Fotos Inhalt Barbara Siebeck. 2 0 Alles. die man auf dem Schirm haben sollte Warum wird in Magdeburg so viel gemordet? Eine Deutschlandkarte Wie viel sollte einem ein Kindermädchen wert sein? Hans-Dietrich Genscher blickt auf sein manchmal sehr gefährliches Leben zurück Die Sängerin Kate Bush über den Song ihrer Träume Der Fotograf der Lüfte: Paolo Pellegrin überfliegt New Orleans Hauptsache. Marco Valdivia. Marcus Gaab 5 . es knallt: Neonfarben sind der Trend der Saison Der Auffahrunfall – oder die Kunst.I N H A LT N R . den man auch gut nebenher erledigen kann Eine Leuchte. was in diesem Heft passiert 30 20 34 Wolfram Siebeck in Ägypten Zu Besuch bei legendären Gärtnern 6 8 10 11 12 26 28 44 45 46 49 54 Uhren und Schmuck finden zusammen Harald Martenstein über einen Traumjob.

wie sich ein Terrorismusexperte am Feierabend entspannt. wahrscheinlich wegen der föderalen Struktur dieses Senders. Thamm ist im Zweitberuf Drogenexperte. Krankheit und Tod ja ebenfalls arbeitslos wären. Hagen war Reporter bei der Kieler »Welle Nord«. hört er zu Hause Opern. Für die Ausbildung zum Terrorexperten gibt es noch keine Norm. hat er sich als Regisseur künstlerisch mit misslingenden menschlichen Beziehungen befasst. Das ist für junge Leute heutzutage sicher nicht die schlechteste Perspektive. nämlich Joachim Hagen und Holger Schmidt. hat bisher allein Joachim Hagen. Thamm ist gelernter Diplom-Sozialpädagoge und hat als Streetworker den Umgang mit unberechenbaren Individuen sozusagen hautnah gelernt. Mir fallen im Fernsehen aber oft neue Berufe ins Auge. der nicht unumstrittene Dr. Udo Ulfkotte und der ehemalige ZEIT-Kollege Michael Lüders. senderunabhängigen Terrorismusexperten. Auskunft gegeben. Auffällig ist.und Kunstexperte Dr. Immerhin verdient er sein Brot mit einer sehr unerfreulichen Zeiterscheinung. Daneben gibt es den Typus des freiberuflichen. im Jahre 2000 inszenierte er den Film Die frechsten Seitensprünge der Welt. Der CNN-Experte gilt als führend. das ideale Eintrittsbillett zum Terrorismusexpertentum. einen eigenen. Nachdem er den Menschen an den Bildschirmen den Terror erklärt hat. als Parodie. den Medizinern und den Bestattern. Diese Eigenschaft teilt er freilich mit den Juristen. Michael Ortmann zieht seine Bahn als Terrorexperte bei RTL. Fremdsprachenkenntnissen und sicherem Auftreten vor der Kamera. der »Terror. zu dem Berndt Georg Thamm zu zählen ist. Das ZDF geht mit Elmar Theveßen an den Start. dass es unter den deutschen Terrorexperten keinen einzigen Bartträger. Den originellsten Einstieg in diesen jungen Beruf hat der Terrorwart des Senders RTL gefunden. Theveßen arbeitet in terrorismusarmen Phasen als Experte für Wirtschaftskriminalität und stellvertretender Chefredakteur des ZDF. Einstweilen darf ein historisches Studium als ideale Voraussetzung gelten. Den Beruf des Seifensieders gibt es nicht mehr. er heißt Peter Bergen. diesen Weg sind unter anderem Theveßen und Hagen gegangen. Alle Sender beschäftigen. Der Boom ist auch in der Unterhaltungskunst nicht unbemerkt geblieben. sogar zwei Terrorexperten. deren Angehörige ohne Verbrechen. Die ARD leistet sich. spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center. offiziellen Terrorismusexperten. ARD. und im Internet tritt gelegentlich. eine gewisse seelische Stabilität mitbringen. neben einer guten Allgemeinbildung. keine Person mit Migrationshintergrund und auch keine einzige Frau zu geben scheint. Rufe nach einer Frauenquote wurden bisher nicht vernommen. so hat es die Figur »Terrorexperte Marcus Heuser« in der Fernsehserie GSG 9 zu einem gewissen Ruhm gebracht. Der Beruf des Terrorismusexperten ist von einer stark schwankenden Auftragslage gekennzeichnet. Bevor Michael Ortmann sich der Terrorforschung zuwandte. so wenig wie den Harzer oder den Haderlump.zeit. Illmar Ernesto von den Wicken« auf. 6 Zu hören unter www. Deshalb haben die meisten Experten sich ein zweites oder sogar mehrere weitere Standbeine geschaffen. Bergen dagegen hat 1997 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Osama bin Laden geführt.de / audio Illustration Fengel . Lüders schreibt Romane (zuletzt: Blöder Hund). Der Terrorismusexperte muss. auch kein Studienfach Terrorforschung. zum Beispiel Terrorexperte. Darüber.HARALD MARTENSTEIN Über den Traumjob Terrorismusexperte: »Es handelt sich um den letzten echten Männerberuf« Die Welt – ein Werden und Vergehen. es handelt sich also um den letzten echten Männerberuf.

von Raw Edges für Materia H Die Ausstellung der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton in der New Yorker Metropolitan Opera heißt »WAGNER« und wurde vom »Ring« inspiriert. Oder: Schmuddelkram mit Niveau Ann-Kathrin Carstensen und Ana Nuria Schmidt vom MODELABEL »Rita in Palma« arbeiten mit türkischen Näherinnen zusammen: Aus traditioneller Häkeltechnik entstehen moderne Accessoires Fotos Shay Alkalay. bekommt nur den oberen Teil aus Kork – den Schirm darf er sich selbst aus Papier basteln und anpinnen. Carol Körting. mit dem das Buch »Wir waren jung und brauchten das Gel – Das Lexikon der Jugendsünden« von Lisa Seelig und Elena Senft beginnt Ach. denn es wird auch die »Walküre« gespielt »Mama will für die Hose nur was zuschießen.com H Wie sein Kollege Gérard Depardieu baut der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant Wein an – wir empfehlen den WEISSWEIN Blanc de Garance von seinem Gut Rouge Garance in der Provence Im belgischen Heuvelland. studiohomme. Carol Körting. Es muss ja nicht immer Südtirol sein Dieses BUCH aus dem Wagenbach-Verlag heißt »Reizpartie« und bietet »Variationen über eindeutige Absichten«. gibt es »In De Wulf«. Name Namerich / Agentur. Ich halt das nicht mehr länger aus« TAGEBUCHEINTRAG vom 2. feines Restaurant mit HOTEL und ganz viel Land drumrum. die Engländer machen mal wieder die besten MÄNNERSCHUHE – und zwar bei der Firma Mr. Die Schuhe bekommt man bei einem französischen Online-Shop-Seite für Männer: Studiohomme. Carsten Kofalk. Hare.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Wer diese LEUCHTE kauft. April 1990.com . Tom Powel. ein kleines. ungefähr 130 Kilometer von Brüssel entfernt. Der Besuch lohnt sich doppelt. »Pinha«.

Um 20. Münster und Saarbrücken hatten 2009 zusammen gerade mal sechs Tote. Kiel. Aber was bitte war da in Halle und Magdeburg los? Die beiden Städte hatten im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit Abstand die meisten Fälle. weit vor Berlin.18 Uhr liegt der Erste tot da.30 Uhr wird nachgelegt. Die Wirklichkeit ist zum Glück etwas friedlicher. Gut. Man liest in der Zeitung von einem Mörder und denkt sich: Eigentlich könnte ich ja auch… Läuft es so? Die Tatorte wirken zum Glück nicht so. wie das Fernsehen lehrt).Deutschlandkarte MORD UND TOTSCHLAG Kiel 2 Essen 5 Duisburg 3 Düsseldorf 2 Gelsenkirchen 2 Recklinghausen 2 Herne 1 Moers 1 Mülheim 1 Oberhausen 1 Bochum 0 Bottrop 0 Krefeld 0 Neuss 0 Rostock 1 Lübeck 2 Bremerhaven 2 Oldenburg 3 Bremen 4 Hamburg 18 Hannover 5 Osnabrück 3 Hildesheim 1 Bielefeld 0 Paderborn 3 Braunschweig 2 Wolfsburg 0 Potsdam 0 Salzgitter 0 Magdeburg 8 Berlin 61 Münster 1 Hamm 1 Cottbus 1 Halle 8 Leipzig 4 Jena 1 Dresden 2 Chemnitz 2 Mönchengladbach 3 Leverkusen 0 Aachen 1 Köln 7 Dortmund 2 Göttingen 1 Hagen 0 Kassel 1 Wuppertal 4 Solingen 1 Remscheid 1 Erfurt 4 Siegen 1 Bergisch Gladbach 1 Bonn 1 Frankfurt 9 Offenbach 1 Darmstadt 1 Mannheim 0 Heidelberg 1 Würzburg 0 Fürth 2 Koblenz 0 Wiesbaden 3 Trier 3 Mainz 0 Ludwigshafen 2 Kaiserslautern 3 Saarbrücken 1 Erlangen 2 Nürnberg 0 Regensburg 1 Karlsruhe 2 Pforzheim 1 Reutlingen 3 Heilbronn 0 Stuttgart 5 Augsburg 0 Ulm 1 München 4 Ingolstadt 2 Freiburg 1 Mord.und totschlagfrei. München hatte auch nur vier. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Quelle Polizeiliche Kriminalstatistik . im Osten sind schon seit Jahren ein paar mehr Opfer zu beklagen als im Westen (es bringen sich also nicht nur die Reichen gegenseitig um. gegen 21. dass auch in den gar nicht so großen Städten viel gemordet wird. Vielleicht gibt es wie bei Selbstmorden auch bei Morden eine ansteckende Wirkung.und Drittmord. Die Tatort-Städte Ludwigshafen. Es entsteht der Eindruck. Münster war in den Jahren zuvor mehrmals mord.und Totschlagsfälle im Jahr 2009 in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mehr Im Tatort geht der Trend ja zum Zweit.

aber was dieser auf dem Silbertablett den Gästen reichte. was den Klatsch über das Privatleben der Stars so anziehend macht – dass es ins Ungeheure steigert. Dolle Sache! Vielleicht ist es das. ergab die Erkenntnis. horribile dictu. Im egalitär verwahrlosten Westen. eine Mangelware. sollen im letzten Jahr allein zehn Millionen Dollar für ihre Kinder ausgegeben haben. die Brangelina bisher hatten. Ein Experiment. die sich mit knapper Not noch einen Butler leistete. Teilt man die 900 000 Dollar entsprechend. was nur in Hollywood für den Nachwuchs aufgewendet werden muss. weil sie wahrscheinlich erkannt haben: Kinder sind der wahre. vielleicht letzte Luxus. die sich noch mit Liebe und Leidenschaft als Köchin. in dem Krethi und Plethi einen Vorstandsvorsitz erobern. was auch wir aus unserem Alltag kennen: Kinder sind teuer. heißt es. Chauffeur oder. die ebenso gut in der Vorstandsetage eines Konzerns arbeiten könnten? Indes dürfen wir nicht vergessen. Da kommen selbst reiche Leute an finanzielle Grenzen. bleibt vermutlich immer noch eine erstaunliche Summe übrig. vier wahrscheinlich angemessen. leben wahrscheinlich auch Brangelina nicht mehr in Saus und Braus. neulich unter den beschränkten Verhältnissen der deutschen Mittelschicht angestellt. Selbst wenn man abzieht. sind keine Verstiegenheit. So gesehen. Sie leisten sich die Nannys. Aber was heißt schon üppig bei Dienstboten? Auch Löhne sind Knappheitspreise. Was sind das für Kindermädchen? Prinzessinnen? Harvard-Absolventen. Drei wären besser. als Kindermädchen verstehen. nämlich 900 000 Dollar Jahresgehalt für die Kindermädchen. dass Brangelina (wie man das Paar gern uncharmanterweise zusammenfasst) sechs Kinder haben und angeblich sechs Nannys brauchen. Gärtner. kommt man auf immer noch üppige 150 000 als Jahresgehalt. sind Menschen. aber noch keineswegs übertrieben gewesen. Mit anderen Worten: Die sechs Mädchen für sechs Kinder. Jens Jessen Foto Saul Lazo/BULLS / Fame 11 .Gesellschaftskritik Nicht im Bild: Die Nannys der Familie Jolie-Pitt Über Kinderbetreuung Angelina Jolie und Brad Pitt. Wir kannten eine Dame am Berliner Wannsee. dass für die Beaufsichtigung von zwölf Kindern im Garten zwei Kindermädchen jedenfalls zu wenig sind. die Charter von Privatflugzeugen und die Rechnungen von Luxushotels. war eine – Prinzenrolle.

über die Krise seiner Partei. ein normales Leben zu führen« Hans-Dietrich Genscher. der Übervater der FDP. die eines Tages auf seiner Terrasse lag . Momente zwischen Leben und Tod und eine Leiche.»Es war schwierig.

von denen so manche hier vor dem Kamin gesessen haben. Er hat recht. sie hat viele Zerreißproben überstanden. Was erwarten Sie von Philipp Rösler? Von ihm wird Führungsstärke und Entscheidungskraft erwartet. der Inkarnation des deutschen Außenministers. dass die FDP-Mitgliedschaft anstrengend ist. dass er einen personellen Neuanfang ermöglicht. und er wird von der größten Zäsur seines Lebens erzählen – seiner Tuberkuloseerkrankung.und Personalfragen. sooft es ging. In einer offenen Gesellschaft muss sie von der Öffentlichkeit mitgetragen werden. Dazu kommen erfahrene Liberale mit Blick und Verständnis für die Zukunftsfragen. Ihrer alten Heimat. Zwei Vormittage verbringen wir mit ihm in seinem Haus am Waldrand oberhalb von Bonn-Bad Godesberg. Was werden Sie den Delegierten auf dem Parteitag ins Stammbuch schreiben? Das ist nicht meines Amtes. In Wahrheit geht es jetzt um ein Konzept des Westens. Vor wenigen Wochen bin ich in meiner Heimatstadt Halle gewesen. dürre Diplomatenworte. Genscher wird uns die erstaunliche Sammlung seiner Bilder an der Wand erklären. dass es ihm auch um Anstand geht: Man schlägt auf niemanden ein. wenn nicht Sie. Welche Niederlage hat in letzter Zeit am meisten geschmerzt? Womöglich. In diesen Tagen fragt man sich: Woran ist gute Außenpolitik zu erkennen? Sie muss perspektivisch angelegt sein. damals ägyptischer Staatspräsident. Er muss Vertrauen nach innen und nach außen wiederherstellen. Wer mit ihm. Zum Beispiel der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko und Hosni Mubarak.Eine Leinwand als Hintergrund reicht. lange Pausen – man kann ahnen. Wir erfahren viel über die Mächtigen dieser Welt. die schwerste seit Gründung der FDP. Was ist jetzt zu tun? Das Potenzial der Partei ist eine ausgezeichnete jüngere Generation. Jeder Tag rechnet doppelt. was derzeit mit der FDP passiert? Die Partei ist schon durch viele Täler gegangen. Was dachten Sie. Allerdings lag es im allgemeinen Trend. hat es nicht leicht. konsistent und berechenbar sein. über die Krise des Außenministers Guido Westerwelle spricht. Schweigen. Außenpolitik darf nicht als geheime Kabinettspolitik behandelt werden. und schon steht da der Staatsmann Souvenir aus seiner Amtszeit: Den Säbel bekam Genscher bei einer seiner Reisen geschenkt views dargelegt habe. dass sich Deutschland der Stimme enthielt? Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat in New York erklärt. der schon am Boden liegt. könnte uns sagen. in Inter- Besuch bei Hans-Dietrich Genscher. wer. Was wir jetzt erleben. Von HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS und STEPHAN LEBERT Fotos JONAS UNGER Herr Genscher. Das gilt in Sach. dass ich meine Außenpolitik. Guido Westerwelle verdient Respekt dafür. dass die FDP in Sachsen-Anhalt. ist eine schwere Vertrauenskrise. Das war für mich das Gespräch mit den Bürgern. sie muss wertorientiert. gefühlt bin ich demnach schon 130 Jahre dabei. Dort bin ich vor 65 Jahren Mitglied der liberalen Partei gewor- den. indem er nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. Nur so konnte Deutschland nach Hitler das Vertrauen der Welt wiedergewinnen. derentwegen er als Jugendlicher jahrelang in Kliniken und Heilanstalten lag. gar nicht mehr in den Landtag gekommen ist? Natürlich hat mich das besonders geschmerzt. Ich werde mich nicht hinstellen und eine hoch motivierte junge Generation wie Kinder auf die Bühne 13 . wie er die Freiheitsentwicklungen in der arabischen Welt wirksam unterstützen kann. als Sie von der Abstimmung bei den Vereinten Nationen zum Hilfseinsatz in Libyen hörten. bei denen Hans-Dietrich Genscher verstummt. Ich habe gelernt. Diese wird zunehmend sichtbar. Ich bin oft kritisiert worden. Aber es gibt auch Fragen. man solle diese Debatte beenden. davon.

ich bereitete gerade den Parteitag in Kiel vor. wer von ihnen die Pistole schneller ziehen konnte. Haben Sie damals schon geahnt. dann haben wir zum ersten Mal eine reale Chance. Kann man sagen. Diesen Genuss habe er uns nicht verderben wollen. Autos und Wohnungen zu versorgen. Sie können es. über einen ehemaligen Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zu sagen. Sie dürfen nicht vergessen: Als ich 1992 ausschied. Da gibt es irgendwann eine Art Legitimationsproblem in einem System. bestand die Republik 43 Jahre. Ich suchte deshalb François Mitterrand in Paris auf. so war es. ich traue es den Jungen und den aktiven Erfahrenen zu. Es war der zehnte Jahrestag der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki. meinte Gorbatschow. wenn der das alles macht. die deutsche Vereinigung zu erleben. dass wir den Amerikanern in der Raumfahrt mindestens ebenbürtig sind. selbst den Kanzler zu stellen. unter Helmut Schmidt und bis 1992 unter Helmut Kohl Außenminister. einem Menschen.« So ist es dann auch gewesen? Ja. denn damit war klargestellt. den ehemaligen russischen Außenminister. mit der Sie sich zurückzogen. Aber zurückgeschreckt wäre ich nicht. mit ihm am Heiligabend 1991 zu telefonieren. Nach meinem Ausscheiden als Minister hätte ich Bundespräsident werden können. Zwei BGS-Beamte hatten wohl ausprobieren wollen. was mit diesem Mann alles möglich sein könnte? Diese Begegnung mit Gorbatschow hat mich tief berührt. Nach unserem Telefongespräch werde er den Kreml verlassen. wurde in Halle an der Saale geboren und ging 1952 in den Westen. Davon war ich 23 Jahre in der Regierung. das Gespräch sei erst am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages möglich. Er hat keinen Stapel vorgefasster Erklärungen vor sich auf dem Tisch liegen. Über Jahre ging das so. wie es mit Ihnen beiden begann? Ich erinnere mich an einen Besuch in Helsinki 1985. und er erwartet. Unser Haus wurde Tag und Nacht bewacht. er will ein Gespräch. Können Sie sich noch daran erinnern. das hätte ich mir vorher nie vorstellen können. Er wird Sie unterbrechen. ich war der Ansicht. das ist mein Freund. dass er sich außerstande sehe. Es war schwierig. Wie echt ist die Trauer? In besonderer Weise habe ich die Trauer um den ägyptischen Staatspräsidenten Anwar alSadat in Erinnerung. Es war genug. Ja. aber er wisse ja. seine Tochter. ebenso in der Rüstung. ein normales Leben zu führen. Er meinte. dieser Mann wird die Welt verändern. Ich habe im Sommer 1991 mit meiner Frau zum ersten Mal darüber gesprochen. Er hat recht. und dann sagte er einen bedeutsamen Satz: Er bat mich um Verständnis. Während Ihrer 18 Jahre als Außenminister haben Sie an vielen Staatsbegräbnissen teilgenommen. er hätte ja auch Heiligabend zurücktreten können. Er war unter Willy Brandt Innenminister. Bodyguards. In seine Ministerzeit fallen die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen 1972. und überraschte mich mit dem Hinweis: »Wir sind gerade dabei.bitten mit den Worten: »Nun macht mal schön!« Nein. aber wir haben es versucht. Ich wollte nicht. dass Sie ihn unterbrechen. Einmal rief mich meine Frau an. unsere Außenpolitik zu formulieren. und der jugendlich wirkende russische Außenminister Schewardnadse kam dazu. Nein. die mit dem Politbüro abgestimmt sind. Aber ich fand damals. Damals habe ich zu meinem Mitarbeiter Gerold von Braunmühl gesagt. Meine Frau sagte weinend: »Bei uns liegt ein toter Mann auf der Terrasse!« Ein Albtraum! Was bleibt? Sie bezeichnen Eduard Schewardnadse. dass mich eines Tages jemand fragt: Wann hören Sie endlich auf? »Warum hören Sie schon auf?« klingt besser. Sie haben der FDP viel zu verdanken. wie Gorbatschow fragte: »Wie ist es möglich. alles hat seine Zeit. gepanzert