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ZEIT

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

Die Angst vor
Illustration: Smetek für DIE ZEIT

Moralweltmeister Deutschland

Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten

Fukushima, Libyen, die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Gutmenschen nerven, findet Josef Joffe. Sie sind nötiger denn je, antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49

WISSEN SEITE 37–40

Der alte Mann und das Drama der FDP

Schluss mit luftig
Die EU hat alles versucht, um Griechenland aus der Krise zu helfen. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER
er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Doch das heißt nicht, dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet, man macht sich unbeliebt. »Retten« ist ein hübsches Wort, aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Es kostet nur wieder Milliarden, und trotzdem beschimpft Europa uns, weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. »Umschulden«, die andere Möglichkeit, ist auch eine hässliche Sache, die im Englischen haircut heißt. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Vergessen. Nicht mehr bezahlen. Auch das käme alle teuer zu stehen. Die Griechen, denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte, ebenso wie die Deutschen und andere, die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.

Es grünt im Klub
Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO

Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Und: Philipp Rösler versucht, sich die Zukunft vorzustellen Magazin; Politik S. 7

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Europa will sich Ruhe kaufen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben
Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Diejenigen, die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen, positionieren sich als die guten Europäer. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da, obwohl doch alle gleichermaßen wissen, dass es ohne Europa nicht geht. Wir erleben einen Austausch von Forderungen, Schuldzuweisungen und Dementis, in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Sooft dieser Tage in Ministerien, Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf- und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd, was kommt. Klar ist einzig, dass die Griechen mit dem ersten, 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften, sondern echtes Geld kosten werden. Viel Geld. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein, doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Gleichwohl verlangen die EU, die Euro-Gruppe und die Zentralbank, dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, dem Vertreter des kleinen Luxemburgs, will das offizielle Europa Ruhe, was sie auch kostet. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt, wenn Europa weiter zahlt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler

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www.zeit.de/audio

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Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich, wohl aber die Stimmung. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog, die Griechen überlegten, aus dem Euro auszutreten: Selbst dort, im Land, in das so viel Geld fließt, wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag, so desaströs seine Folgen wären. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Der Rettungsfonds will weiter retten, die EU dabei mitregieren. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei, seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Käme es jetzt zum griechischen haircut, dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Nein, Ruhe wird in keinem Fall eintreten, auch nicht beim haircut. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los, einige seiner Banken brauchten neue Hilfen, und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen, damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten, als gäbe es kein Morgen – und der Staat, der nicht aufgepasst hatte, deshalb unser aller Geld retten musste. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst, der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Was dagegen geschieht, wenn Europa immer weiterzahlt, zeichnet sich schon ab. Irland, seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm, will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Wer wollte sie den Iren abschlagen, wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen, sondern auch an zu viel. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören, so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also, an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wer der bessere Europäer ist, da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Die Frage ist vielmehr, was auf lange Sicht besser für Europa ist. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Europa sollte die Umschuldung wagen.

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uch wenn man die Grünen nie gewählt hat, jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt, und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg, die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage, ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland, das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt, die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Als Ausdruck einer Stimmungswahl, die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Aber die Diagnose ist unvollständig, wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt, das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar, noch nie schienen sie so entschlossen zu sein, ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott, sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei, die sie früher nie gewählt hätten. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.

Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg
Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran, nun gelte es, die Erwartungen der Bürger zu erfüllen, die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. In Interviews sprach er davon, man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«, und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte, dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten, weil dies ein überholter Begriff sei, so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege, das zu werden, was gemeinhin eine Volkspartei ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus, dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Das klingt weit unattraktiver als das, was

sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte, jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition, bestrebt, möglichst viele Menschen mitzunehmen, statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft, und darin liegt eine Chance: In einer Zeit, in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird, könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt, die SPD, die zweite Volkspartei, bleibt auch eine. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Die Entscheidung Kretschmanns, der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen, ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner, der sich tief gedemütigt fühlen muss. Das ist umso generöser, als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie, das Beharren auf Posten und alten Positionen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen, als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus, wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen, die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben, und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr, bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen, in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen; nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum- und Bahnhofsschützern, plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub!

ZEIT ONLINE
Bienen am Schaalsee. Wellen am sardischen Strand. Kleine Augenblicke, die verzaubern
Eine neue Videoserie unter www.zeit.de/video-momente

PROMINENT IGNORIERT

Skandal auf Samoa
Dass der Inselstaat Samoa, bislang östlich der Datumsgrenze gelegen, beschlossen hat, um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern, dessen Datum anzunehmen, also einen Tag zu überspringen, ist schlicht ein Skandal. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte, würden Schulden nicht getilgt, Geburten hinfällig, und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. GRN.
kleine Abb. (v.o.n.u.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost); Jonas Unger für DZ; Mauritius

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AUSGABE:

2 12. Mai 2011

DIE ZEIT No 20

POLITIK
M O R A LW E L T M E I S T E R D E U T S C H L A N D

Worte der Woche

»

Das waren die längsten 40 Minuten meines Lebens.«

Barack Obama, US-Präsident, auf die Frage,

wie er sich während des tödlichen Angriffs auf Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden gefühlt habe

»Pakistan behält sich vor, mit voller Kraft zurückzuschlagen.«
Yousuf Raza Gilani, Regierungschef Pakistans, nach dem aus seiner Sicht rechtswidrigen Einsatz der Amerikaner auf dem Staatsgebiet seines Landes, der sich nicht wiederholen dürfe

Ob Deutschland sich bei der Entscheidung der Vereinten Nationen über einen Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Gadhafi enthält, die Regierung mal eben aus der Kernkraft aussteigen will oder das Land erregt über die Tötung des Al-Qaida-Chefs bin Laden diskutiert – manch einer im Ausland wundert sich in diesen Tagen.

Der Vorwurf steht im Raum: Die Deutschen wüssten wieder einmal alles besser. Aber stimmt das? Sind wir wirklich Moralweltmeister? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe streiten über das deutsche »Gutmenschentum« (Seite 4). Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt den

Alleingang der Bundesregierung beim geplanten Ausstieg aus der Kernenergie: »Jedes Land diskutiert bestimmte Fragen besonders gründlich« (diese Seiten). Und Adam Soboczynski erklärt, warum der moralische Idealismus, der nun wieder zum Vorschein kommt, tief in der deutschen Geistesgeschichte wurzelt (Seite 49)

»Diese Leute werden in den sicheren Tod geschickt.«
Laura Boldrini, UNHCR-Sprecherin in Italien,

zum Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer

»Ich bitte alle: Lasst Griechenland in Frieden seinen Job tun.«
Giorgos Papandreou, griechischer Premierminister,

»Ausbüxen gibt’s nicht mehr«
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt ihre ganz persönliche Energiewende, warum die Deutschen besonders fundamental über Kernenergie streiten und warum Deutschland auch mit mehr Windrädern ein schönes Land bleiben wird
ZEIT: Wo waren Sie am 12. März, wie haben Merkel: (lacht nicht) Ich habe nachgeschaut, ob schwerste Projekt Ihrer Amtszeit vor sich: die Sie von der nuklearen Katastrophe erfahren? das Wort »Brückentechnologie« vorkommt. Es Energiewende. Ist Ihnen bewusst, dass Freund Merkel: Ich war in der Nacht vom EU-Rat aus kam vor. So war ich zufrieden. Schauen Sie, die und Feind große Schwierigkeiten haben, da Brüssel zurückgekehrt. Schon das Erbeben und Volkspartei CDU ist vielleicht diejenige Partei, mitzukommen? die Bilder von der gewaltigen Flutwelle hatten die in dieser Frage die größte Spannbreite von Angela Merkel: Es ist ein interessantes, span- mich tief erschüttert. Während der Sitzung des Meinungen hat. nendes und großes Projekt. Aber ich weiß nicht, EU-Rates haben mich Mitarbeiter des Kanzler- ZEIT: Der Riss geht quer durch CDU und ob es das schwerste ist. amtes über die dramatischen Ereignisse stets auf CSU. ZEIT: Mit das schwierigste! dem Laufenden gehalten, am Freitagabend hat- Merkel: Ja. Die Grünen haben damit kein ProMerkel: Natürlich hat das entsetzliche Unglück te Japan ja den atomaren Notstand ausgerufen. blem, für sie ist die Sache klar, das Thema ist ein von Fukushima, dessen ganzes Ausmaß ja im- Als ich Samstag früh aufstand, sah ich im Fern- Gründungsimpuls dieser Partei. Bei uns stellen mer noch nicht abzusehen ist, uns vor eine un- sehen Berichte von der Wasserstoffexplosion im sich viele die Fragen: Kann Deutschland es erwartete Situation gestellt. Daraus jetzt die Kernkraftwerk. Ich bin dann zu einer Wahl- schaffen? Ist es wirtschaftlich? Trägt das Vernötigen Konsequenzen zu ziehen kann zum kampfveranstaltung nach Rheinland-Pfalz ge- trauen in die erneuerbaren Energien? Deshalb ersten Mal zu einem umfassenden Konsens in fahren. Die Stimmung dort war sehr gedrückt. wird es in den kommenden Wochen wichtig dieser Frage, zu einem Zusammenrücken der Alle standen unter dem Eindruck der vielen sein, diese Bedenken ernst zu nehmen und daGesellschaft führen, auch wenn einige Unter- Todesopfer, der Zerstörung und eben auch der rauf Antworten zu finden. ZEIT: Sie haben ja zwei Wenden in der Atomschiede bleiben. nuklearen Gefahr, die offenkundig wurde. ZEIT: Was war für Sie als Politikerin und als ZEIT: Sie haben sich gerade an die bedrückte energie vollzogen, erst eine Verlangsamung des Physikerin das Unerwartete? Stimmung im Wahlkampf erinnert. Glauben Ausstiegs und jetzt eine Beschleunigung des Merkel: Ich habe persönlich nicht erwartet, dass Sie, den Deutschen wäre ein Festhalten an den Ausstiegs. Sie haben im letzten Herbst zur Laufdas, was ich für mich bis dahin als ein theoreti- verlängerten Laufzeiten vermittelbar gewesen? zeitverlängerung gesagt, dass die Kernenergie sches und nur deshalb verantwortbares Rest- Merkel: Ich habe mich nicht gefragt, was ver- nicht länger als »unbedingt notwendig« laufen risiko gesehen hatte, Realität wird – und zwar in mittelbar ist, sondern ich hatte – wie viele ande- solle. Damals waren für Sie aber viel längere einem Hochtechnologieland wie Japan. Wie re mit mir – den Impuls, dass wir unsere Ent- Laufzeiten »unbedingt notwendig« als heute. sehr aber auch ein Industrieland wie Japan, das scheidungen vom letzten Herbst und damit die Wieso? an technischem Können, Disziplin, Ordnung, Sicherheitsstandards in Deutschland noch ein- Merkel: In der Tat: Wir haben gesagt, auch wir Gesetzlichkeit uns in nichts nachsteht, davon mal auf den Prüfstand stellen müssen. Vermit- steigen aus der Kernenergie aus – dieser Konerschüttert werden kann und in welche Lage die telbar ist es dann – das sage ich jetzt auch als sens, den es in Deutschland gibt, wird oft überMenschen dort gestürzt wurden – das ist das Parteivorsitzende der CDU –, wenn wir nach- sehen –, allerdings später als bei Rot-Grün, desweisen können, dass wir halb die Laufzeitverlängerung. Das unterscheiEinschneidende dieser KataWirtschaftlichkeit und Um- det uns Deutsche von weiten Teilen Europas: strophe. Ich weiß, dass andere weltfreundlichkeit vernünf- Wir bauen keine neuen Kraftwerke. Wir steigen Menschen vor solchen GefahIch habe nicht tig zusammenbringen. Die aus. Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren ren durchaus gewarnt haben; erwartet, dass das, was CDU hat mit der sozialen Energien erreichen. für mich lagen sie für ein Hochich für mich bis dahin Marktwirtschaft schon eintechnologieland mit hohen SiUnser Energiekonzept vom Herbst hat eine mal vermeintlich Unver- klare Zielsetzung: Deutschland soll konsequent cherheitsstandards bis vor Kurals ein theoretisches söhnliches zusammen- den Weg in die erneuerbaren Energien gehen. zem außerhalb dessen, was ich und nur deshalb gebracht, nämlich Kapital Nur so lange, wie sie auf diesem Weg notwenin meinem Leben erleben werverantwortbares und Arbeit. Jetzt haben wir dig ist, soll die Kernkraft noch eine Rolle spiede. Restrisiko gesehen die Chance, auch die Ver- len. Wir haben also ein in sich schlüssiges KonZEIT: Was hat ein Physiker hatte, Realität wird pflichtung, Wirtschaftlich- zept erarbeitet. Aus heutiger Sicht würde ich eher vor Augen, das Restrisiko keit und Umweltfreundlich- sagen: Wir haben im Herbst einen durchaus oder die große Wahrscheinlichkeit unter der Leitlinie der machbaren Weg in das Zeitalter der erneuerkeit, dass nie etwas passieren Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Es geht baren Energien beschrieben – und damit schon wird? Merkel: Die Frage muss anders gestellt werden. darum, unseren Anspruch als Industrieland in weit mehr getan als Rot-Grün damals. Jeder Mensch muss in seinem Leben Risiken Einklang zu bringen mit unserem Ehrgeiz, eines ZEIT: Ein bequemer Weg! eingehen. Auch die Teilnahme am Verkehr, wo Tages ganz auf die erneuerbaren Energien zu Merkel: Nein, das im Herbst formulierte Ziel, ich jeden Tag überrascht werden kann, ist ein setzen. Wir werden es schaffen, viele dafür zu im Jahr 2050 80 Prozent unseres Stroms aus ErRisiko, das ich eingehe. Aber das Risiko bei der begeistern. neuerbaren zu beziehen, ist schon sehr ambitioKernenergie ist sowohl wegen der über Genera- ZEIT: Sie hatten bei Ihrer Entscheidung zwei niert, man darf sich da keinen Illusionen hintionen reichenden zeitlichen als auch der über Landtagswahlen vor sich. geben. Aber gemessen an der Entschlossenheit Ländergrenzen hinausgehenden räumlichen Merkel: Richtig. Und wenn man – wie ich nach heute, war es damals ein, sagen wir mal, ruhigeAuswirkungen, wenn das an sich Unwahr- Fukushima – eine politische Position zu über- rer Weg, zurückhaltender. scheinliche doch eintrifft, ein völlig anderes. prüfen und zu verändern hat, dann ist Wahl- ZEIT: Sie haben in jenem Herbst auch gesagt, Hinzu kommt die Unsichtbarkeit, also Nicht- kampf auf der einen Seite eine ungünstige Zeit, man dürfe aus der Atomenergie nicht vorzeitig fassbarkeit der Strahlung. Das Restrisiko der weil natürlich sofort der Vorwurf gemacht wird, »aus ideologischen Gründen« aussteigen. Sind Kernenergie kann man deshalb überhaupt nur dass ich das jetzt nur mache, weil halt Wahl- Sie jetzt die Ideologin, oder waren Sie es daakzeptieren, wenn man überzeugt ist, es tritt kampf ist. Das kann man nicht vermeiden, aber mals? nach menschlichem Ermessen nicht ein. Für davor darf man auch keine Angst haben. Auf Merkel: Wäre ich das jemals gewesen, dann mich ist infolge Fukushimas deshalb die Frage der anderen Seite aber ist es genau die richtige hätte ich in den neunziger Jahren schon als Umübermächtig geworden: Welche Alternativen Zeit, weil man als Politiker auf all den Wahl- weltministerin keine Energiekonsensgespräche hast du, um zu zeigen, dass man ohne das Rest- kampfveranstaltungen mehr unter Menschen mit dem damaligen niedersächsischen Ministerrisiko der Kernkraft leben kann? ist als sonst. Und da muss man einfach über die präsidenten Schröder führen können, die daZEIT: In Japan haben ein Tsunami und ein Themen sprechen, die alle gerade bewegen. Ich mals übrigens auch nicht an uns beiden gescheitert sind. Dennoch: Die Erdbeben zugleich dieses Restrisiko eintreten sage Ihnen, auch wenn ich das Auseinandersetzung um die lassen. Halten Sie so etwas auch bei uns für nie beweisen kann: Wäre kein Kernenergie hatte in Wahlkampf gewesen, hätte ich denkbar? Man kann die Deutschland schon lange Merkel: Exakt mit diesen konkreten Ereignissen es genauso gemacht. zusätzlichen Windauch eine fast kulturelle Dinatürlich nicht. Denn man weiß ja, dass Japan ZEIT: Wäre das Wahlergebnis räder entlang der mension, da standen sich erdbebengefährdeter ist als Deutschland. Man schlechter ausgefallen, wenn Autobahnen bauen. Parteien und Milieus fast weiß, dass Japan anders als Deutschland schon Sie es anders gemacht hätten? unversöhnlich gegenüber. unter Tsunamis zu leiden hatte. Man weiß, dass Merkel: Meine These ist: eher Daran wird unser deswegen dort die Küstenregionen gefährdet ja, aber das ist natürlich rein Land nicht zerbrechen, Ein unguter Zustand, zu dem alle Seiten ihren Beitrag sind, und trotzdem hat man dort Kernkraft- spekulativ, und das war es und es wird immer geleistet haben. werke hingebaut. Wir in Deutschland brauchen nicht, was mich angetrieben noch schön sein Kernkraftgegner haben vor einer exakten Wiederholung der japanischen hat. Wahlkampf kann Politiker gesagt, sie wollten mit dieKatastrophe bei uns natürlich keine Sorge zu durchaus eher schneller dazu sem Restrisiko nicht leben, haben. Aber wir haben dennoch allen Grund, bringen, das Richtige zu tun, zu fragen, ob sich auch bei uns unglückliche aber aus rein taktischen Gründen, also wenn sie haben sich aber immer sehr darauf konzenUmstände zu etwas Katastrophalem zusammen- gar nicht ehrlich gemeint gewesen wäre, hätte triert, den Ausstieg umzusetzen, und die Frage, ballen könnten: zivilisatorische Risiken, aber ich diese Entscheidung, die neue Ausrichtung wie man in eine bessere Energieversorgung einauch naturbedingte Ereignisse, verbunden etwa der Energiepolitik vom vergangenen Herbst steigt, schleifen lassen. Auch über das Problem, mit einem Stromausfall über längere Zeit, eine deutlich zu beschleunigen, nie getroffen, weil dass man möglicherweise aus dem Ausland Verkettung also von Umständen, die nach ich sie dann nie mit innerer Überzeugung hätte Strom, auch Strom aus Kernkraft importieren menschlichem Ermessen und allen Wahrschein- vertreten können. Ich bin nun über fünf Jahre muss, haben sie zu sehr hinweggesehen. Uns lichkeitsberechnungen bis jetzt nach bestem Bundeskanzlerin – nein, so etwas scheidet für dagegen haben viele im Herbst nicht abgenommen, dass wir das Zeitalter der erneuerbaren Wissen und Gewissen ausgeschlossen wurde. Es mich aus! geht also um die Belastbarkeit von Wahrschein- ZEIT: Wie haben Sie denn in diesem Zusam- Energien wirklich erreichen wollen, weil die lichkeitsanalysen und Risikoannahmen. Des- menhang den Namensbeitrag von Helmut Kohl öffentliche Diskussion nur um die Frage »Verhalb haben wir eine Sicherheitsüberprüfung al- am Tag vor der Wahl gelesen – der ja eine Auf- längerung, ja oder nein?« kreiste und es uns ler Kernkraftwerke angeordnet. Nach einem forderung zum Festhalten an längeren Laufzei- nicht gelungen ist, mehr Augenmerk auf die anderen wesentlichen Elemente des EnergieEreignis der Größenordnung von Fukushima ten war? sehe ich mich außerstande, diese bei uns zuvor Merkel: Ich habe ihn als Unterstützung wahr- konzepts zu lenken. Interessanterweise werfen andere, die immer nur theoretisch ins Auge gefassten Verkettungen genommen. von Risiken einfach zu verdrängen und zu sa- ZEIT: (Interviewer lachen) Wie haben Sie dieses einen schnellen Ausstieg verlangt haben, plötzlich Fragen auf, die sie sich selbst bis dahin gar gen, um die kümmere ich mich nicht. Wunder der Wahrnehmung vollzogen? DIE ZEIT: Frau Bundeskanzlerin, Sie haben das

zu den Gerüchten, sein Land drohe aus der Euro-Zone auszuscheiden

»Diejenigen, die das Treffen organisiert haben, haben ein ziemliches Desaster angerichtet.«
Martin Schulz, Vorsitzender der Sozialisten im EU-Parlament, zu dem zunächst geheimen Treffen von Vertretern der Euro-Zone

»Ich war immer gerne Fraktionsvorsitzende.«
Birgit Homburger nach ihrem eher widerwilligen

Verzicht auf den FDP-Fraktionsvorsitz

»Die FDP hat immerhin Humor.«
Volker Beck, Geschäftsführer der

Grünen-Fraktion, zu den Personalquerelen der Liberalen

»Wenn wir alle ein bisschen zusammenrücken, haben wir dazwischen viel mehr Platz für Natur.«
Matthias Horx , »Zukunftsforscher« und Gründer des Zukunftsinstituts, über eine ökologischere Stadtplanung

»Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute.«
Wes Craven, Horrorfilmregisseur, auf die Frage,

wovor sich die heutige Jugend grusele

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ZEITSPIEGEL

Ausgezeichnet
Das ZEITmagazin wurde am vergangenen Wochenende mehrfach ausgezeichnet. Am Freitag bekam Susanne Leinemann in Hamburg den Henri-Nannen-Sonderpreis für ihr Stück »Der Überfall« (Nr. 49/10). Darin beschrieb sie, wie Jugendliche sie brutal zusammenschlugen. Am Samstag wurde das ZEITmagazin bei der Preisverleihung des Art Directors Club (ADC) in Frankfurt am Main elfmal ausgezeichnet. Damit war es der meistprämierte Titel und zugleich der einzige, der Gold gewann – und zwar für das Doppelcover mit dem Schauspieler Gérard Depardieu (Nr. 41/10). Die Infografik-Seite im Ressort Wissen der ZEIT wurde zweimal ausgezeichnet, darunter einmal mit Silber. Für seine Reportage »Ich denke, dass es meine Bestimmung ist, hier zu sein« ist der Autor Frederik Obermaier mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnet worden. Obermaier hatte in Ausgabe 4/10 von ZEIT CAMPUS die Radikalisierung der niederländischen Studentin Tanja Nijmeijer nachgezeichnet, die sich den Farc-Rebellen im Kolumbianischen Dschungel angeschlossen hatte. DZ

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NÄCHSTE WOCHE IN DER ZEIT

Regional ist das neue bio. Das behaupten die Marktforscher, so sagen es die Kochbuchverlage. Weil wir Lebensmitteln mehr vertrauen, die aus unserer Nähe kommen? Weil Essen auch ein Kulturgut ist? – In einer 40seitigen Beilage zu regionalen Zutaten und regionaler Küche beschäftigen wir uns mit diesem Trend. Darin interpretieren zwölf junge Spitzenköche exklusiv zwölf Rezepte ihrer Heimat neu WISSEN

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nicht gestellt haben. Sie mahnen nun, wir sollten aufpassen, dass der Strom bezahlbar bleibt. Das war für die Union immer schon ein zentraler Gedanke. Dieser ganze Prozess führt nun vielleicht dazu, dass die Gesellschaft den Ausstieg als gemeinsame Anstrengung annimmt und auch Nachteile – siehe Netzausbau, siehe Speicherwerke, siehe Windmühlen im Landschaftsbild – in Kauf nimmt, weil wir uns alle gemeinsam auf einen ehrlichen Weg machen müssen. ZEIT: Bevor wir uns der Zukunft zuwenden, wollen wir noch ein paar Minuten nachtragend sein. Merkel: Bitte! ZEIT: Haben Sie, als Sie die Bilder von Fukushima gesehen haben, die Laufzeitverlängerung bereut? Merkel: Nein, ich spürte aber sofort, dass das, was ich damals aus Überzeugung vertreten habe, auf den Prüfstand muss. Wir haben über die Laufzeitverlängerung jahrelang gesprochen – im Übrigen auch im Wahlkampf –, es konnte also keiner überrascht sein, dass wir das getan haben. Ich habe, wie gerade dargestellt, schon im Herbst bedauert, dass wir nicht ausreichend deutlich machen konnten, dass es uns wirklich um einen konsequenten Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien geht. Gerade auch als ehemalige Umweltministerin habe ich das bedauert. Andere haben uns den Vorwurf gemacht, wir würden den Energieversorgungsunternehmen einen Gefallen tun, damit die möglichst viel erlösen. ZEIT: Und das stimmte gar nicht? Merkel: Das hat nie gestimmt. Durch unser Energiekonzept wurden die Energieversorgungsunternehmen erheblich belastet. Ihre wirtschaftliche Lage ist im Übrigen nicht so exorbitant gut, dass sie jede Belastung schultern könnten. Wir haben schließlich ein Interesse an erfolgreichen großen heimischen Energieerzeugern; die Stadtwerke alleine werden es nicht schaffen. ZEIT: Es entstand auch der Eindruck, dass Sie bei Ihrer Entscheidung unter Druck gesetzt wurden. Merkel: Ein falscher Eindruck, niemand setzt mich unter Druck. ZEIT: Mehrere namhafte Wirtschaftsvertreter und andere Prominente veröffentlichten damals eine Anzeige, um die Verlängerung der Laufzeiten zu unterstützen. Haben Sie das als hilfreich empfunden? Merkel: Nein. Wenn ich so große Anzeigen sehe, bin ich eher traurig über das ausgegebene Geld, weil ich als Parteivorsitzende aus Wahlkämpfen weiß, wie viel das kostet. Als hilfreich habe ich sie nicht empfunden. ZEIT: Sie haben im vergangenen Herbst auch gesagt, sowohl die Atomenergie als auch Kohlekraftwerke sind Brückentechnologien. Jetzt soll die Brücke der Atomenergie verkürzt werden. Muss dadurch die Kohlebrücke verlängert werden? Und was sagt die Klimakanzlerin dazu? Merkel: Wenn wir nun schneller aus der Kernenergie aussteigen, dann wird sich zeigen, dass wir Ersatzkraftwerke brauchen, nach meiner Meinung vornehmlich Gaskraftwerke. Auf jeden Fall werden wir hoch effiziente Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen benötigen. Das verändert unsere CO₂-Bilanz, was wiederum bedeutet, dass wir Wege finden müssen, um an anderer Stelle mehr einzusparen, um das auszugleichen. Wir müssen die Gebäudesanierung schneller vorantreiben und die Energieeffizienz unserer Produkte und unserer ganzen Wirtschaft noch rascher verbessern, um diese zusätzlichen CO₂-Emissionen anderswo einzusparen. ZEIT: Die Zahl steht: neun bis zehn neue Kohlekraftwerke in den nächsten zwei Jahren. Merkel: Das haben die Unternehmen und der Markt zu entscheiden und teilweise schon entschieden. Bei künftigen Festlegungen über Kraftwerksprojekte spricht vieles auch für Gas: Gaskraftwerke können am schnellsten gebaut werden, sie sind flexibel als Ergänzung erneuerbarer Energien einsetzbar, und Gaskraftwerke haben weniger CO₂-Emissionen. ZEIT: Sehen Sie das Klimaziel für 2020 gefährdet? Merkel: Nein, das müssen und werden wir schaffen. Wir schalten ja ganz sicher nicht alle Kernkraftwerke sofort ab. Danach erst stellen sich die entscheidenden Fragen, die Schwierigkeit wird also sein, von etwa 2020 bis 2035 oder 2040 zu kommen.

Foto: Michael Brauner/stockfood

POLITIK

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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BÜCHER MAC

HEN POLITIK

Der Käfighalter
Geradlinig? Nun ja. Zwei Autoren porträtieren Winfried Kretschmann
Der Mann, der an diesem Donnerstag in Stuttgart zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik gewählt werden soll, hat ein prägnantes Image: Winfried Kretschmann sei konservativer, als es die CDU erlaube, heißt es, prinzipienfest bis zur Halsstarrigkeit und ein ausdauernder Leser der Philosophin Hannah Arendt. Nun ist pünktlich zur geplanten Vereidigung des 62-Jährigen eine Biografie erschienen, in der die gängigen Klischees über Kretschmann mit Lust zerlegt werden. Zum Vorschein kommt ein Mann, der einen weiten Weg hinter sich hat – und unterwegs ziemlich geschmeidig agiert hat. Ganze drei Wochen haben die Journalisten Peter Henkel und Johanna Henkel-Waidhofer für diese Neubewertung gebraucht, was der Sache nicht geschadet hat. Das Tempo führt sie ohne Umschweife zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen: Kretschmanns antiautoritärer Katholizismus, sein Kulturpessimismus, seine Art von Liebe zur Natur, der Weg »von Mao zur Mitte«. Die beiden Stuttgarter Journalisten – er jahrzehntelang bei der Frankfurter Rundschau, sie Lokalkorrespondentin – kennen Winfried Kretschmann, seit er seinen allerersten Auftritt im Stuttgarter Landtag verpasste: Im März 1980 gehörte Kretschmann zu der sechsköpfigen Fraktion, mit der die Grünen erstmals in das Parlament eines Flächenstaates einzogen. Aber die Vereidigung von Lothar Späth (CDU) zum Ministerpräsidenten versäumte der Neuparlamentarier, weil er es wichtiger fand, in Gorleben zu protestieren. Als Kretschmann die Grünen mitgründete, war er alles andere als ein Konservativer. Als Sohn einer katholischen Vertriebenenfamilie aus dem Ermland war er mit der Erfahrung aufgewachsen, wie man in der Fremde erst verachtet und dann aufgenommen wird. Er hatte ein katholisches Internat mit viel schwarzer Pädagogik hinter sich gebracht, aber auch die befreiende Wirkung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahren. Bei der Bundeswehr erlebte er die klassische Schinderei, was ihn aber nicht daran hinderte, den Pazifismus der Peter Henkel/ grünen Gründerjahre für eine Johanna Lebenslüge zu halten – schon Henkelim Hinblick auf die Befreiung Waidhofer: Winfried Nazi-Deutschlands durch die Kretschmann. Alliierten. »Ich bin von Hause Das Porträt aus kein Pazifist«, hat er da- Herder, 14,95 € mals klargemacht. »Ich habe nicht den Kriegsdienst verweigert und bin schon von Natur aus ein Typ, der sich verteidigt und dem anderen dabei auch mal eine in die Fresse bügelt.« Aus manchen Landtagsprotokollen der achtziger Jahre lässt sich die Verzweiflung ermessen, die Kretschmann gelegentlich in der CDU-geführten Republik erfasste. »Es hört doch niemand auf einen«, rief Kretschmann einmal ins Plenum. »Erst wenn man mal ein Ei wirft, dann ist die Presse da. Wenn Grundrechte in ihrer Substanz gefährdet werden, dann sind wir auch zu Regelverletzungen bereit. Wir sind eine radikale Partei, weil man eine Politik machen muss, die die Probleme an der Wurzel löst.« Keine sonderlich konservative Position. Im Laufe der Jahre hat sich Kretschmanns Verhältnis zu den beiden Volksparteien viel rasanter verändert, als es das Image vom stets prinzipienfesten grünen Konservativen glauben machen will. 1982 wirbt er in einem ausführlichen Aufsatz für ein Bündnis mit der SPD, ausgerechnet wegen der großen Übereinstimmungen in der Sozialpolitik; ein Bündnis mit der Union hält er »auf absehbare Zeit kaum für möglich«. Schon ein Jahr später begeistert er sich für ökolibertäre Überlegungen. Über die Sozialpolitik sagt er in jener Phase: »Nur wo Mangel herrscht, kann es Freiheit geben.« Dann wieder, 1992, plädiert er für Rot-Grün, während er 1999 findet, es sei »bitter notwendig, dass es irgendwo zu einer schwarz-grünen Koalition kommt«. Die Republik, so glaubt er 2000, braucht die CDU. 2010 ist es dann »an der Zeit, dass die Schwarzen in der Opposition landen«. Auch zu Kretschmanns eigener Ökologie haben die beiden Autoren Interessantes zutage gefördert. Die Familie von Kretschmanns Frau Gerlinde besaß in Laiz eine Hühnerfarm mit 600 Tieren in Käfigen – die Art der Tierhaltung, die demnächst verboten sein wird. Als die drei Kinder klein waren, machten die Kretschmanns dort regelmäßig Urlaub. Der künftige Ministerpräsident Baden-Württembergs sammelte die Eier ein, fütterte die Tiere, hielt die Käfige sauber und reparierte. »Wer von der Eierproduktion leben will«, so sah er es, »kommt ohne Käfighaltung in Probleme.« Die Konstante in Kretschmanns Charakter lassen die Autoren von einem Parteifreund zusammenfassen: »Winfried Kretschmann ist der anständigste Mensch, der je in Deutschland Regierungschef wurde.« MARIAM LAU

»Ich bin nun über fünf Jahre Bundeskanzlerin.« Angela Merkel am Dienstag der vergangenen Woche im Kanzleramt

ZEIT: Wie stellen Sie sich die Lastenverteilung

dieser Energiewende vor: mehr zulasten des Verbrauchers oder des Steuerzahlers? Merkel: Jeder Steuerzahler ist auch Verbraucher, nicht alle Verbraucher sind Steuerzahler. Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz alle Verbraucher in die Lastenverteilung einbeziehen. Gerade zwischen 2009 und 2011 gab es einen großen Sprung in der Umlage, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstand, nämlich von knapp 1,5 Cent auf über 3 Cent pro Kilowattstunde. ZEIT: Die Frage nach den Kosten beschäftigt die Menschen sehr. Wann können Sie ihnen greifbare Zahlen nennen? Merkel: Bald. In der Wirtschaftskrise hatten wir einen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel, in den letzten Wochen lag er wieder zwischen 120 und 130 Dollar. Mit diesen Schwankungen leben die Menschen heute schon. Sie werden auch mit den Schwankungen beim Strompreis leben müssen, die sich aus veränderten Restlaufzeiten von Kernkraftwerken ergeben. ZEIT: Wird es ein schöneres Land sein, mit neuen Stromtrassen, wärmegedämmten Häusern und vielen hohen Windrädern? Merkel: Im Vergleich zur Zeit vor 20, 30 Jahren ist unser Land doch an vielen Stellen schöner geworden. Damals waren viele Flüsse vergiftet, heute baden und fischen die Menschen wieder in ihnen. Die Industrie arbeitet insgesamt viel umweltschonender, nicht nur in meiner ostdeutschen Heimat, dort ist der Unterschied natürlich frappierend. Also wirklich: Ich glaube nicht, dass unser Land viel weniger schön wird, nur weil wir Energie anders produzieren und den Strom auch durchleiten müssen. ZEIT: Das sagen Sie, obwohl Sie in Ihrem Heimatland so schöne Landschaften vor Augen haben. Merkel: Mecklenburg-Vorpommern hat 1 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausgewiesen, 99 Prozent also nicht. Natürlich sieht man diese Windräder zum Teil schon von Weitem, in meinem Wahlkreis stehen zum Beispiel besonders viele. Aber man kann die zusätzlichen teilweise entlang der Autobahnen, der großen Verkehrstrassen bauen. Hochspannungsleitungen können vielleicht zum Teil entlang der Eisenbahnstrecken geplant werden. Daran wird

unser Land nicht zerbrechen, und es wird noch immer schön sein. ZEIT: Wir könnten stundenlang zuhören, wie Sie die Härten der Energiewende vertreten! Geschmacksfragen sind da nicht so wichtig? Merkel: Selbstverständlich ist der Erhalt der Schönheit unserer Landschaft wichtig, aber die Diskussion ist nicht neu. Denken wir nur daran, was los war, als vor 150 Jahren plötzlich die Eisenbahnen zu rattern begannen. Da sahen manche auch das Ende gekommen. Jede Generation hat die Aufgabe, die Infrastruktur der Zukunft möglich zu machen. Auf der anderen Seite bauen wir heute auch Industriebauten wieder zurück. Kohlezechen sind heute Kulturstätten, und manch altes Tagebaugebiet dient der Naherholung. ZEIT: Sie verteidigen diesen Weg ganz anders, als Grüne das machen. Die Grünen sagen: Es wird alles ganz schön, und Sie sagen: Stellt euch nicht so an! Ist das die Merkelsche Energiewende? Merkel: Ich sage nicht: Stellt euch nicht so an. Ich lese jetzt von Designerwettbewerben um schöne Hochspannungsleitungen. Damit will ich nicht kommen, ich versuche, die Aussichten ganz realistisch zu beschreiben. Ja, es wird sich mancherorts etwas ändern. Mancher wird erleben, dass in der Nähe seines Wohnorts eine Leitung gebaut wird, wo vorher keine war. Das hat es zu allen Zeiten und in vielen Formen gegeben. Bei dem einen wird eine Straße gebaut, bei dem anderen eine Fabrik. In Berlin entsteht gerade ein Flughafen neu. Wir Politiker haben die Pflicht, gut zu begründen, warum das manchmal nötig ist, wir müssen auf die Fragen der Menschen Antworten haben. ZEIT: Planen Sie eine verbindliche Laufzeit für jedes einzelne AKW? Merkel: Es gibt die Möglichkeit, die Summe an Kilowattstunden festzulegen. Es gibt die Möglichkeit, die Restlaufzeit in Jahren festzulegen. Und es gibt die Möglichkeit, diese beiden Varianten zu mischen. Wir haben das noch nicht entschieden. ZEIT: Wie wollen Sie die Endlagerfrage lösen? Wollen Sie außer in Gorleben noch woanders bohren? Erwarten Sie mehr Kooperation von Baden-Württemberg zum Beispiel? Merkel: Ich denke nicht, dass man jetzt überall parallel bohren sollte. Das wäre Unsinn. Die

Endlagerfrage kommt auf den Tisch, wir wer- manchmal, wir bezögen 80 Prozent aus Kernden über sie sprechen, wenn das neue Energie- energie. Das ist ja gar nicht der Fall. konzept steht. Grundsätzlich bin ich überzeugt, ZEIT: Aber keiner hat so radikal und schnell dass es nicht dadurch leichter wird, dass man reagiert wie Deutschland. die Last der Suche und Erkundung auf fünf Merkel: Das ist richtig. Orte verteilt. ZEIT: Wie kommt das? ZEIT: Was nutzt dieser ganze schöne Ausstieg, Merkel: So fundamental wie bei uns wird fast wenn wir umringt sind von Ländern, die die nirgendwo sonst über Kernenergie diskutiert. Kernenergie weiter ausbauen? Hier ist eine ganze Partei darüber entstanden. Merkel: Eine sehr berechtigte Frage, zumal in ZEIT: Sind die Deutschen so ängstlich wegen einem europäischen Binnenmarkt: Was nützt des Restrisikos, oder sind sie nur mutig genug, es Deutschland, wenn es sich nach seiner neue Wege zu gehen? Überzeugung richtig verhält, und alle anderen Merkel: Jedes Land diskutiert bestimmte Fratun es nicht? Wenn ich jedoch zuallererst da- gen sehr gründlich. In den Debatten über die nach frage, ob auch alle anderen von meiner Solidarität in der Euro-Zone und die Stabilität Haltung überzeugt sind, oder wenn ich nur an unserer Währung stelle ich auf europäischer die anfänglichen Nachteile meines eigenen, Ebene Fragen, die sonst kaum einer stellt und von mir für richtig erachteten Verhaltens den- die manche wohl auch manchmal anstrengend ke – dann drehen wir uns im Kreis. finden, die sagen dann, das sei schon wieder so Als in Deutschland Bereine Merkel-Idee. Das ist vielleicht eine Kehrseite unserer tha Benz mit dem ersten AuPräzision und unseres Erfintomobil über die Straßen gedungsgeistes. rumpelt ist, haben auch viele Ich werde darauf achten, Zeitgenossen gesagt: So ein dass wir den richtigen Weg Quatsch, die eine Pferdestärfinden, unsere Energie zu erke einer Kutsche reicht doch, zeugen, einen Weg, der zu eiund wer weiß, wie gefährlich nem ökologisch denkenden diese neue Erfindung ist. In Industrieland und einer beihren Augen war Bertha Benz Die Kanzlerin beim Intereine Geisterfahrerin auf ei- view mit Bernd Ulrich (links) deutenden Wirtschaftsmacht passt. Dieser Weg ist dann nem seltsamen Sonderweg – und Giovanni di Lorenzo aber auch eine Verpflichtung. aber das Auto hat sich durchDann kann nicht jeder komgesetzt. Deutschlands Wohlstand gründet sich auch darauf, dass wir men und sagen: So viele neue Leitungen wollen manchmal als Erste einen neuen Weg gegangen wir nicht, und die Windenergie passt uns eisind. Als ich 1994 Umweltministerin wurde, gentlich auch nicht, die Umlage für die Photokamen 4 Prozent unserer Stromerzeugung aus voltaik ist eh zu hoch, und gegen den Anbau erneuerbaren Quellen. Heute sind wir bei 17 von Pflanzen zur Energieerzeugung bin ich aus Prozent. Das ist schon beachtlich. Jetzt wollen Prinzip auch, aber aus der Kernenergie müssen wir bis 2020 auf 40 Prozent kommen, was sehr wir sofort raus. Einen Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ambitioniert ist. Das wird uns Kraft kosten. Aber wenn wir glauben, dass wir Vorteile da- ist die große Herausforderung im Augenblick. von haben, und das ist ja offensichtlich, dann Wir müssen in den nächsten ein, zwei Monaten alle sagen: Dazu stehen wir! Ein Ausbüxen ist das zu schaffen. ZEIT: Unser Sonderweg ist also eine Avantgar- gibt’s jetzt nicht mehr. derolle? Merkel: Es gibt eine ganze Reihe europäischer Das Gespräch führten GIOVANNI DI LORENZO Länder, die nicht auf Kernkraft setzt. Deutsch- und BERND ULRICH land hat immer einen Energiemix gehabt. Bei uns macht die Kernenergie ein Fünftel aus. Energie: Wie die Wende funktionieren kann www.zeit.de/energie Wenn man die Diskussion verfolgt, denkt man

Fotos: Anatol Kotte für DIE ZEIT; Vignette: Smetek für DIE ZEIT

insbesondere Franzosen. arrangieren Interviews. stehen aber auch zu den politik überhaupt. »Dann werden Sie«. dem ich vorbehaltslos vertraut hatte! Wer weiß.de. Und es ist das Gutnem zu sein.ralischen Konflikte bewältigen. die bin komme es nicht kann. Ihr Mitleid galt daheim dezimiert. Der Heuchler. die über den Untergang des pharao. Die einen setzen die Kartoffeln in die Erde des Datschagartens. Besserwisser sind allerdings auch die. Freude brechen verantwortlich war. Betreff: Krieg und Eishockey Einen Feiertag gibt es. Der russische Trainer sagte im Interview nach dem Spiel.versicht. Viele Debatten der letzten Monate doch Moral und Maßstäbe insgesamt lächerlich haben es gezeigt: Der gute Bürger und die gute gemacht werden. welche Deals er nebenher im Café Cacao eingefädelt hatte. sich selbst als wahre Faktenkenner und ohne Sinn für das Mögliche. woWas also steckt an Gutem im Gutmenschen. der sich den Notwendigkeiten ECKARDT Ob es um Auslandseinsätze der der Macht und des Machbaren ist Vizepräsidentin Bundeswehr geht.werteorientiertem Handeln widersetzen sie sich sehen. Später zogen die Kommunisten durch Moskau und feierten den Generalissimo Stalin.Thema Atomenergie. Ökologie oder Einwanderes als ein störender Geselle. im dritten läuft die Jagd auf militärische Werwölfe und im vierten ein Spielfilm über die Suche nach Verrätern in der Roten Armee. bis der Arm schwer wurde oder Russland bei der Eishockey-Weltmeisterschaft seine Führung gegen Finnland einbüßte. Zugegeben: Allzu oft drängt Widersprüchen zwischen Ideal und Wirklichsich eine wohlfeile und populistische Variante keit. weil er einer ist. Russland verlor 2 : 3. Sie weisen Thilo Sarrazin mit den von ihm des Gutmenschen in den Vordergrund: der Bes. die Nazipropaganda im Stürmer das Deutschland in den letzten zum Feind erklärte. OriPharisäer. politischen Alltag ertönt »Gutmenschentum« Öffentlichkeit. muss sich che mag. seine übersteigerte Bürgertum. Im Entscheidungen vorgebracht Gut-Bürger und in der Gutwerden. Mein Fixer A. den wir demnächst importieren Deutschland kennt den »finalen Rettungsschuss«. tickt. die im Dunkeln die Drähte zieGrößenordnungen und UrsaZEIT. sich im eigenen Verfassungsden der Getötete wollte. die wir nie finden würden.voswinkel@zeit.Selbstvergewisserung einer wieder gut gewordetigen: die Amerikaner und ihre Soldateska. im Zweifel lebt er oder sie Pointe? Mit dem Gutmenschen-Vorwurf sollen selbst danach. Es ist das Gut-Bürgertum. so darf man im Namen der höheren Sittlichkeit der Verantwortung Unmensch stirbt. füllen ganze rer multikulturellen Republik nicht vielmehr Regale. weil al-Qaida weder Staat noch Bür. Zum Beispiel in Pakistan. An den Autos hängen orange-schwarze Sankt-Georgs-Bändchen als Erinnerung an den Krieg. das ist dem klaren Blick fürs Machder Gutmensch. Er redet bewusst undifferenziert und Unsinn und dem Fremden feindlich ist.).keitsfern ist – sondern ganz reale Wirkungen mensch das Attribut »antiamerikanisch« oben. sieren. Deutschland ist wieder Großmacht. der deutschen Kommentariats haben die Gräueltaten im Namen der Terrorabwehr die Bürgerrechte allenfalls am Rande erwähnt. die anderen strömen ohne Befehl von oben auf die Straßen. Andere hielten eine Russlandflagge aus dem Autofenster.). Gut-Bürger. Er gilt als zurückgeblieben und naiv. zeigen uns Orte. Aber weite Teile des Freiheit vor dem totalen Überwachungsstaat. Mai. sondern auf den wertegebundenen Ein. soll sich unterdessen in Ghana herumtreiben. Ein solches Sündenregister verdient Empö. Dabei dachte man doch. Laut rabbinischer Leistung längst anerkannt. Leider wohnen sie dort. Aber vom wie es einst Pickelhaube und »Nicht zuständig« das »Nicht zuKnobelbecher waren. Manche malen auf die Heckscheibe. Die Polemik hat es eben nicht Bürgerin sind informiert bis ins Detail. der matismus und Idealismus. die es gewagt hatte. kill his dream. weil das Publikum starke Sprü. Sollten wir stolz darauf sein – oder steckt ein wahrer Kern im hässlichen Wort vom »Gutmenschen«? Nein Siehe auch Feuilleton. rischen Mitteln. sorgen für unsere Sicherheit. Atomausstieg? Auch hier Mann weiter morden zu lassen. arbeitete als Presseattaché bei der deutschen Botschaft. Eigentlich wäre der Zeigefinger nach 66 Jahren mustergültiger Entüber den Tod eines Massenmörders zu äußern. Was ist denn das größere Übel: einen Probleme löst. der in diesem Schathat« und just den »Krieg der sich nur gut fühlen tenkrieg agierte. Fügen wir hinzu.Macht verachten. als die große Mehrheit im Westen es tut. dabei. Vignette: Smetek für DIE ZEIT D Ist es aber nicht. weil bekanntlich Gewalt keine politischen Augenmaß. Dass so viele Deutsche die gilt nicht. Matthias Bothor/Photoselection (r.de.währungshelfer der Noch-nicht-Geläuterten. einen Gewährsmann. die einst für das Menschheitsverauf die Kanzlerin. kompetente A. wenn ein sich den Händeln der Welt. balisierung einfach und bequem macht. Sie führen uns zu Informanten. die gerade Gbagbos Räuberregime stürzten. Und so war ich als neutraler allemand sogleich willkommen. werden. die angeblich alternaBürgerin verbinden sich Pragtivlos sind. werten und zivilen Land geWeichei und Nervensäge in eimacht hat. Bin Laden lässig« abzuleiten ist kein Beweis ist der jüngste Beweis. nehmen die Bürger Gott sei Dank mit.darum fragen lassen. Er internationales Recht und darauf. »Jetzt wollen wir seinen Leichenwagen. dass der Mensch zum Guten fähig ist. des Bundestags. fordern. abkanzeln ist einzeigt. um des Sieges über den Faschismus zu gedenken. Laden entfesselt hat. der die Jungpatrioten beschwichtigte. »ganz anders schreiben. bremste der Botschafter. ist eine Erblast der Geschichte. So entzieht man ung darf man sehr wohl empfinden. den wir genüsslich Tod der wenigen autorisiert. K AT R I N G Ö R I N G  Themen zu verdanken haben.selbst genannten Zahlen nach. Für ihn hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt. was einst auf den T34-Panzern geschrieben stand: »Nach Berlin!« Der Fahrer eines bayerischen Nobelwagens hat auf seine dunkelblaue Motorhaube mit weißer Farbe das Wort »Trophäe »gepinselt«. In brenzligen Situationen sind wir auf Gedeih und Verderb von ihnen abhängig. noch ins Landesrecht. im zweiten geht es um Sowjetspione im Hitlerregime (»Unser Mann in der Gestapo«). jedenfalls man keine Konflikte zwischen Schlimm und Schlimmer. angewiesen. Der hilfsbereite. erwies sich als absolut zuverlässiger Führer in der chaotischen. Und er des Besserseins.dass Deutschland zum technologischen Vorreiter für erneuerbare Energien wurde. wenn Einwände gegen und Partizipation. Auch der Zusatz »de Luxe« in seinem Namen hätte mich stutzig machen müssen. Vorweg fehlt das moralische ibyen? Da machen wir nicht mit. die sich über seinen zehnte? Erlebten wir bei Stuttgart 21 und beim politisch überkorrekten Betroffen.und Kriegsrechts.hat. er werde jetzt erst mal den Fernseher anschalten und einen Kriegsfilm anschauen. Dieser Nachtklub ist eine Höhle der Jeunes Patriotes. spielen. A. das klingt vorchristlich. die wir da ein. Die Polemiker gegen den Gutmenschen weil ihnen die besser ins Konzept passt als der tun so. ein Visafälscher. Also: Beim nächsten Mal bitte len). »Das können Sie sich sparen«. Zum Dank wollte ich A. um Atomverweigert. Und riet dem Journalisten. Bin Laden? Ein eklatanter Bruch des auch Helmut Schmidt hat in Mogadischu den Völker. im Streit um die Energieversorgung der Zukunft. der den Tod von leitet uns die höhere Einsicht. Transparenz. Wer nicht handelt. nur Demokratie und Rechtsstaat. um die vielen zu retten. dazu nen Nation. der letzten Jahrschwer. Im stern-Titel heißt es: Terrorismus ist weder Krieg Amerikas Rache. in der dritten Generation: die Enkel als Beseine Engel.oder die Zusammenhänge. Economist: Now. Das Fernsehprogramm ist patriotisch: Im ersten Kanal verteidigt sich heroisch die Brester Festung. mensch wirklich maßgeblich in den politischen Was für eine triste Welt das wäre! Ja Im Kampf gegen den Terrorismus. in der Verteidigung unseheitskitsch belustigen. Ich wunderte mich zwar über seine Golduhr und die teuren Designerklamotten. eigenen Werte ernst ist der lebende Beweis dafür. Es wäre wohl eine zynische Welt.Abgesang auf diesen Gut-Bürger singt. die gesunde Realisten darstellen und leider immer das Leben lebenswert machen. Er würde wider seine höchste Pflicht sündigen: den Bürgern Sicherheit und Freiheit zu das gemeinste Verbrechen in jeder Kultur sind. vom Bürgerkrieg geplagten Metropole der Elfenbeinküste. in der Kontext zählt. sondern auch nützlich ist.der pragmatischen Beliebigkeit und einer blinden wand gegen die angeblichen Zwänge der Real. In diesem Jahr waren die neu geschneiderten Baretts der Soldaten die größte Innovation. Jahrzehnten zu einem lebensHeute wirft man ihm vor. muss keine moKanzlerin wegen »Billigung von Straftaten« ange. sie verachten Weißnasen. es spricht den Deutschen Auslieferungsbefehl präsentieren von einer »Mord-Orgie«. gut zu das bin Laden Unterschlupf ge»Kampf. Es war die erste Niederlage der Eishockey-Nationalmannschaft an einem Siegestag. mitunter schlicht um die Einhaltung von Gesetzen. So simpel ist das. Doch der Reflex lebt Überlieferung ermahnte schon der liebe Gott fort. der fließend Deutsch sprach und über exzellente Landeskenntnisse und Kontakte verfügte. helfen nur noch tiz. Die Antwort ist nicht neu.schen als Gut-Bürger? Dem geht es nicht um ckungsfolklore. Er meint. der Russland vereint. Aber A. die es sich im Gewirr der Glo. Er hatte sich nach dem Rauswurf flugs aus dem Staub gemacht und noch einen Dienstwagen mitgehen lassen. während Tausenden verantwortet – oder im Einzelfall die ringsum in Europa 137 Kernkraftwerke den Regeln des Rechtsstaates zu verletzen? Auch Strom erzeugen. Wehe dem Staat. lische Bescheidenheit ist auch eine Tugend. Das britische Blatt nennt die Polizei keinen Haft.« Er hatte nebenher einen lukrativen Handel mit Einreisepapieren nach Deutschland betrieben. Aber ich hatte ja A. Doch war der besserwisserische Pseudo-Gut.sehen würde. dass seine Theorie serwisser. wo chen. Natürlich passt der eine moralische. Warum? Weil Moralismus nicht nur erhenischen Heeres jubelten: Auch die Ägypter sind meine Kinder. Ist er also nichts anenergie. sondern Massenmord mit kriegeRache. Im sondern um bürgerliche Werte wie Solidarität.4 12. als bräuchten wir weder Ideale noch gesellschaftlichen Zusammenhalt – noch die ZuCharakterkopf auf der anderen. wie ihn schon bare. Familien und Liebespaare spazieren durch die Parks. es wären einfach logiebewegung hat zum Beispiel dafür gesorgt. bei der Entscheidung über den Krieg gegen Gadhafi: Stets denken und handeln die Deutschen anders.oder Raketenmodell zu bestaunen. Also muss der JOSEF JOFFE Traum töten« spiegelt die reale Welt. der militanten Anhänger des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo. dessen Abbild auf offiziellen Plakaten verboten war. die gegen den Gutmenschen polemi. Sie wurzelt in der Die Entrüstung zielte auf die üblichen Verdäch. Mail aus: MOSKAU Von: johannes. eine der höchsten überhaupt. dass werteorientierte Politik aldass triumphale Freude über den les andere als naiv und wirklichTod des Massenmörders bin Laden unangemessen sei – schon bekommt der Gut. der lieber politisch entierung und Maßstäbe mit korrekt ist als realistisch. erklärte er.und Krisengebieten. die Welt hat diese eines Feindes nicht freuen. als befände er Kulturen« provozieren sollte. Ist das Verbredas ist die atavistische Selbstjuschen geschehen.bend. Ein paar Gadhafi-Anhänger und orthodoxe Monarchisten durften sich anschließen. Den Rückspiegel zierte ein roter Stern.« Fotos: Peter Steffen/dpa (l. dass die Massaker an Unschuldigen gebiet. in der die Werte. Übrigens sogar wirtschaftliche: Die Ökodrauf. von einem darauf an. Aber Erleichterung und Genugtu. also ist Herausgeber der Staat vorbeugend jene treffen. im britischen noch gewöhnliche Kriminalität. durfte eine Flasche Johnny Walker ausgeben und bekam eine verführerische Hostess zugeteilt – die ehemalige Miss Abidjan. Seite 49 Mail aus: ABIDJAN Von: bartholomaeus. Wer den vereinfachend. den 9. Natürlich soll man sich auch über den Tod wicklung nicht mehr nötig. derung: Seit den Bürgerinitiatider sich auf Moral beruft? NehGrüne und EKDven der siebziger und achtziger men wir die Erschießung Osama Präses.. Manchmal gibt es ein neues Panzer. ein Geschenk senden. Warum? »Weil ich den Burschen feuern musste. Betreff: Freund und Helfer Allein hätte ich mich niemals ins Café Cacao an der Rue Princesse in Abidjan gewagt. L . Doch moraanklopfen und dem Mann seine Rechte vorlesen. die sie nicht mehr haben (wolgerkriegspartei sei. dem wir die kritiGesinnungsethik wird zum Gesche Öffentlichkeit bei vielen sinnungsterror. Wir Korrespondenten sind auf Helfer wie A. Darf man das? Soeben hat ein Richter die ausweichen. Der Morgen beginnt mit der Militärparade auf dem Roten Platz und einem vieltausendstimmigen »Hurra!« der Truppen. Fixer werden sie genannt. keine Rolle mehr nur die Seite der Münze mit der Zahl ansehen. ein aufgeweckter junger Mann. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Wissen wir es besser? er sogenannte Gutmensch hat es Debatten der letzten Monate. So kann man sich täuschen. sie wollten währte – fünf Jahre lang. rung und Verdammung. dasselbe zu tun.garantieren – Sicherheit vor der Heimtücke. wie das Land Denkverweigerung. ihr Zorn nicht dem Täter. als den wirkungsmächtigen Auftritt des GutmenVertreter einer typisch deutschen Weltbeglü. der einen fürchterlichen Preis an Blut und Gut gefordert handeln. Der mahnende Terrorismus weder ins VölkerZeigefinger ist heute so deutsch. wie eine Welt ohne ihn ausjenigen. sondern der zeigt exemplarisch. auf die Fahrerseite »Das Blut ist nicht vergeblich vergossen«. hen. politische Teilhabe meist dann als Vorwurf.Logik der Sachzwänge. jenseits von einfacher Polemik und schlichter für er sich einsetzt. vor allem in Kriegs. der als älterer Herr mit Familienanhang firmierte.eine abstrakt menschelnde Wohlfühl-Moral. Jahre redet und streitet der Gutbin Ladens und den schlichten Hinweis auf den Verstoß gegen sagt sie. Der Gut-Bürger meint es ernst mit dem. Auf dem Hochsitz der Moral aber sieht geißeln. Warum also die eifernde Selbstgerechtigkeit? nicht den Opfern.grill@zeit. Bücher. Ein Völkerrechtler dozierte: Kriegsrecht facher als abwägen. Mit auf selbstgerechten Gesinnungskitsch abge.

auf Würde und Schutz. habe sich zwar bei rer Sicherheit und öffentlicher Hygiene reduziert der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über wird.Menschenjagden. aber das mit 72 Menschen an Bord über zwei Wochen im Mittelmeer umherirrte. mindestens bruch der Kämpfe in Libyen über 600 000 Menein Militärhubschrauber und ein Flugzeugträger schen geflohen. Vielleicht neu? Seit Jahren schon ziehen italienische Fischer ging dieses Schiff einfach im Durcheinander der mit ihren Netzen immer wieder die Gebeine er. sondern durch unZEIT-Grafik boat people sind übrigens keine Literlassene Hilfeleistung.niemanden überraschen. aber nicht willkommen: Libysche Flüchtlinge treffen auf Lampedusa ein Foto: Francesco Malavolta/dpa (Flüchtlinge erreichen Lampedusa. Und wenn das TheSpaniens. Eritreer oder SudaneLibyen »alle notwendigen Maßnahmen zu er.von Resolution 1973 auch dem Übergangsrat im ren Kommandozentralen des Diktators. sind nach In Dehiba. ohne einen Rettungsver.unter Gadhafi-treuen Kämpfern auch Söldner sonen zu schützen« – mit Ausnahme der Entsen. sondern ein Rinnsal – ganTeil der zivilen Opfer nicht LIBYEN ze zwei Prozent sind auf EUdurch Bomben und Kugeln geTerritorium gelangt.sen aber vor den Rebellen fürchten.Häusern der Bewohner. sondern als in der Masse teiligen sich auch die Küstenwachen Italiens.und in Libyen gestrandet waren. 7. Am 17. seit Euwww.Prioritäten. Vielleicht sollte man den Text byschen Küste. dass ein erheblicher ÄGYPTEN le«. Trotzdem ist es belinge zu erwähnen. wonach Ende Schengen-Raum. die be(UNHCR) an die europäischen Staaten. Und befreiten Bengasi noch einmal vorlegen. Die UN und der Europarat ihre Lebensumstände alles andere gut. Flüchtlinge sind bedrohte Zivilpersonen. zu seitdem wähnt sich Europa. Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ver. Maltas und Griechenlands. dass Deutschland dem EU-Mitsechzehn Tage manövrierunfähig auf dem Mittel. mit der Unterstützung des Aufstands gegen mindestens 800 Menschen bei dem Versuch er. sind bis auf Weiteres 20 000 hungert.Gadhafis Soldaten erst ausgeplündert und dann lution 1973 – besser bekannt unter dem Schlag.ALGERIEN ropa aufbrechen. werde.POLITIK 12. Noch der Sicherheitsrat die UN-Mitgliedsstaaten. wahr. um von Angriffen bedrohte Zivilper. Zuständigkeiten und Befehlshierartrunkener Flüchtlinge an Bord. der EU und der Nato werden in den nächsten Tagen mehrere Schiffe der deutschen Marine ins Mittelmeer auslaufen. obwohl es den Bootsinsassen nach wenigen Flüchtlinge untergekommen – die meisten in den Tagen auf See gelungen war. Deutsch.stimmt. der weit über von einer . Die italienische Aufbruchs. Aber Mitarbeiter des UNHCR zeigen sich verblüfft.zeit. Blieben noch jene rund 72 Flücht. Papst Benedikt XVI. Warum? Weil Alles erfunden. die humanitäre Katastrophe vor der libyschen Küste zu beenden. Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen im Sollten sich Berichte bestätigen. März ermächtigte Sturz den wichtigsten Türsteher verliert. Wo der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. westliche Kampfjets bombardie. dann findet sich auch in der Außen-und eine Militärintervention in Libyen enthalten. Dass Silvio Berlusconi bei solchen vergangener Woche ein Boot mit bis zu 600 Men. so betonte Westerwelle. endlich reits eine monatelange Odyssee hinter sich haben eine effektive Aktion zur Rettung von Boots. Nach Angaben des UNHCR sind seit Auslischen Priester in Rom die italienische Küstenwache zu alarmieren. nen koordinierten Schutz von Flüchtlingen. Wer die Reise übersteht. In Abstimmung mit dem UN-Sicherheitsrat.stehen nun alle Ausländer mit dunkler Hautfarbe ten AWACS-Flugzeuge jede Bewegung von unter dem Generalverdacht der Gadhafi-Gegner. soll er auch bleiben. dieses Detail ist wichtig – mit Beginn des Aufstands gegen Gadhafi zwischen die Fronten geraParis und Berlin? Schweigen. An Operation »Lifeline« be. einem Abrisshaus oder einer selbst gezimmerten Bretterhütte. als sie klarstellen. dass es mit seinem weitreichende Sätze.die vor Lampedusa auf einen Felsen aufgelaufen scheinlich über 1000 Toten gegenüber. schenrechtsorganisationen begrüßten die deutUnd doch stellen die 800 Toten der vergangenen sche Initiative.lingszahlen umgeht. wie dem Flüchtlingsschutz gerecht werden. in mehr müssen sich Somalis. Seit Ende März sind im Mittelmeer über 800 Menschen bei dem Versuch ertrunken. niemand vorsätzlich offenbar fallen sie nicht unter Resolution 1973.gliedsland Malta 100 Bootsflüchtlinge abnehmen meer umhergetrieben sein sollen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 5 O peration »Lifeline« hat begonnen.lingen in Seenot bemerkt zu haben. Sie sind – und flüchtlingen zu starten.Grenze zu Libyen. Aber Reso. Dort sind such zu unternehmen. Zwischenbilanz von mindestens 800. sehe es die Bundesregierung als ihre Pflicht an. Bis auf eines: Seit Ende März Europa.. Kampfbomber auf Stellungen Tripolis Mittelmeer Im Vergleich dazu sind die der Armee Muammar al-GadBootsflüchtlinge. Natürlich kann man fragen: Was ist daran oder gar böswillig Hilfe verweigert. über einen katho. Darfur oder Eritrea.. Dass Deutschlands Innenchen ist. Und womöglich hat im Fall des Schiffs.irgendeinem Zeitpunkt ein Schiff mit Flüchtren Waffen zu verkaufen. Es gibt bislang lediglich einen verzweifelten sowie Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und DiktaHilferuf des UN-Flüchtlingshilfswerks turen wie Somalia. Mai 2011) Auf dem Wasser verdurstet . was dabei herauskommt: EUROPA vor allem die tunesischen Behörden Knapp zwei Monate nach der UNund die Bewohner der GrenzResolution 1973 und nach den gebiete die Flüchtlinge empfanersten Angriffen westlicher Lampedusa gen und versorgen.ten.grenzen nach Tunesien und Ägypten. könnte die Zahl der Toten um mehrere minister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem zuHundert steigen. den erwartet die Unterbringung in einem überfüllten Sammellager. Sicherheitspolitik niemand. auftretendes Flutrisiko sieht.Gadhafi doch eine moralische Läuterung reklamiert. um Bootsflüchtlinge zu retten und in mehrere europäische Aufnahmelager. dung von Besatzungstruppen. sprach sogar acht Wochen einen Skandal dar.de/audio Gerettet. arabischen Diktato. Soll heißen: seit die Abwehr von Flüchtlingen zum ideologischen Kern der Migrationspolitik geworden ist und eben diese Abwehr den Mitgliedsländern am Rande Europas aufgebürdet worden ist. darunter auch zwei in Deutschland. Das man mit dem erwartbaren Anstieg der FlüchtUN-Flüchtlingshilfswerk und mehrere Men. die den Das Mittelmeer wird für immer mehr Flüchtlinge aus Libyen zur Todesfalle. der bei der Vorbereidoch müsse es nun humanitären Prinzipien und tung einer Militäraktion darüber nachdenkt. vielleicht auch nicht. ist längst nicht mehr nur Urlaubsraum und Handelsweg. die gen Euhafis steht man vor der Er.aus anderen afrikanischen Ländern befinden. allen voran Frankreich und Großbritansind nach Schätzungen des UNHCR tatsächlich nien. Diese Strategie der geduldeten oder gezielten Verwahrlosung ist die logische Folge einer europäischen Politik. der für jeden Einzelnen Freiheit und Küstenwache hat übrigens gerade erst in einem Würde einfordert.sche und die italienische Küstenwache weisen schichte: Auf der Seite eines prodemokratischen ebenfalls jede Schuld von sich. Europas inzwischen chronische Gleichgültigkeit STOPP! gegenüber Flüchtlingen hinausgeht. als sie damit zu be. Gadhafis Militäreinheiten. sondern auch ein großes Grab. 61 Menschen. Das Mittelmeer chien verloren: ein tödliches Chaos. einer kleinen tunesischen Stadt an der Aussagen von Überlebenden verdurstet und ver. Der Diktator wort »Stoppt Gadhafi!« – enthält einige sehr möchte Europa wohl zeigen. Weil sich greifen. keine »Welkenntnis. Überlebende behaupten. Kennt Europa keine Gnade? VON ANDREA BÖHM nen Booten aus dem umkämpften Libyen nach Flüchtling nicht als Individuum mit Anspruch Italien zu gelangen. Schlupflöcher bieten fast nur noch der Landweg über die Türkei nach Griechenland oder der Seeweg mithilfe von Schmugglern und verrotteten Booten nach Malta und Italien. die nach Recherchen der eng. Seitdem beobach. Dem steht nun eine düstere wagemutigen Manöver 500 Flüchtlinge gerettet. Wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag vor der Presse verkündeten. Zur Einordnung dieser humanitären Geste: darunter mindestes zwei Kleinkinder. Die maltesikämpfen.auch Flüchtlingsboote gezwungen. Die Reaktion in London. sondern Schwarzafrikaner. in klei- ropa an seinen unsichtbaren Mauern baut. das in den vergangenen Jahren eher dazu neigte. die meisten über die Landeshätten ihr Boot gesichtet.schämend. muss schen vor der libyschen Küste auseinandergebro. zu verteilen.Vorschlägen sofort mit von der Partie ist.ma Flucht und Migration auf ein Problem inneland. Offenbar werden manche von ihnen von schleiern oft mehr. von Libyen über das Mittelmeer nach Nicolas Sarkozy aber fällt nichts anderes ein als die Italien zu gelangen. Denn es 500 km byer. Die meisten storben ist. Miggibt in dieser Militäroperation keiranten. wollen den Vorfall nun untersuchen lassen. die in Libyen gearbeitet haben. Die Nato bestreitet übrigens vehement. wie bereitwillig die ägyptischen und Egal. März von deutschen Fernsehen – sichtlich von sich selbst Libyen aus Richtung Italien aufgebrochen und beeindruckt –. Auch waren. Flugzeugträger und Flüchtlinge berichten von Misshandlungen und kleinere Kriegsschiffe patrouillieren nahe der li. trunken. wieder auf der richtigen Seite der Ge. Friedrich verkündete unlängst im lischen Zeitung The Guardian am 25.

« Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. 1998. wie es so schön heißt. kann etwas erzählen über die Zumutungen der Politik. der Familie gerecht werden und den Wählern. Vater von drei Kindern. »Wenn Sie in die Politik gehen. in dessen Beisein auf fünf Millionen Mark fest. Zurzeit ärgert er sich über die Jungen in seiner Partei. die sich ausschließlich über eine politische Stellung definieren. sagt Baum. »die nicht in die persönliche Lebensplanung passen oder in denen Unwägbarkeiten drohen«. sich vor der Politik in Sicherheit zu bringen. er stattet sich selbst mit einem Verfallsdatum aus. »dass er künftig die Termine für die Telefonkonferenzen bestimmt. ob er seinen Satz zurücknehmen müsse eines Tages. Aber wie viel Freiheit darf sein in ihrem Job? VON TINA HILDEBRANDT E s gibt Jobs. dass der neue Parteichef Philipp Rösler seine Frau fragt. Er wünscht all den jungen Politikern. In Spitzenjobs der Wirtschaft habe man es auch schwer. gefälligst ein Amt im Kabinett anzutreten. dass Menschen sagen. Wenn nachts ein Hase durch den Vorgarten hoppelte. Schröder wollte Privatleben und Politik immer trennen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Illustration: Beck für DIE ZEIT/www. wollten sie sich und ihrer Familie nicht antun. werden Sie verführt. kann auch sie sich nicht vorstellen. Man kann sagen: Da ist einer der wichtigsten Politiker Deutschlands in der wichtigsten Stunde seiner Karriere nicht dabei. »nicht verdruckst zu sagen: Ich habe einen anderen Termin. dann sind das arme Kinder«. aber sie verändern den Alltag dramatisch. die sich auch vorstellen könnten. die so denken. das würde wohl nicht gehen. Es ist ein ungewöhnlicher Satz. eine Hand auf dem Bauch. Kaum einer der jüngeren Politiker mag sich so etwas vorstellen. Und als ein Nachfolger für türlich! Denn moderne Frauen. er glaubt. wird nicht mehr bewundert. denken viele Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. Darum gehe es ja: keine Ausrede zu finden. »Ich bin viereinhalb Jahre nicht alleine aufs Klo gegangen«. Wenn er im Auto saß. wurde es taghell wegen der Lichtschranken. »Ich habe es nicht geschafft«. Staatskrisen abzuwenden. Abstoßende. Es ist einer von vielen Widersprüchen. dass man die Macht umarmen muss: »Ich würde jede Wette eingehen. warum man inzwischen unabkömmlich sei. Kristina Schröder hat sich auf das Gespräch vorbereitet. wer sich für die Partei aufopfert. sie hat ein Buch geschrieben. platzte Seehofer der Kragen. dass Philipp Rösler nicht mit 45 aufhört. und viele ihrer Kollegen empfinden es ähnlich. Baum.« Aber wo genau kippt die Work-Life-Balance in der Politik aus dem Politischen hinaus? Für Horst Seehofer sind bei allem Verständnis für mitentscheidende Ehegatten irgendwann die »Grenzen der Verantwortungslosigkeit erreicht«. kein Gefangener der Macht. berufstätige Ehefrauen – was bei Grünen und Sozialdemokraten noch programmatischen Charakter hatte. sah draußen keinen Fahrer mehr und keine Sicherheitsbeamten und merkte voller Schreck. während die Politik immer härter wird. und wenn der private Bereich dann auch noch Schwierigkeiten macht. dass selbst etablierte Politiker nicht ohne Weiteres bereit seien.« Miriam Meckel war Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen. zu beweisen. Nicht weil sie nicht hart genug seien. ein Umzug sei das noch nicht. Was denkt einer. einen Cordon sanitaire zu schaffen zwischen der Macht und dem Menschen. weil seine Frau ein Kind erwartete und sich im Jahr darauf wieder für den Bundestag bewerben wollte. Katja Kipping von der Linken erklärte kürzlich. »Ich werde alles daran- Karl-Theodor zu Guttenberg gesucht wurde. Horst Seehofer gilt vielen als Prototyp des Machtpolitikers. können alles. Nur schaut bei denen nicht die ganze Republik zu. den die Gegner schnell gegen einen verwenden können. sind out. Die Schnelligkeit. sagt Baum. als er im Streit um die Gesundheitspolitik als Fraktionsvize zurücktrat. sehe sie für sich als Ministerin »eine Bringschuld«. Instrument eines Systems zu sein.« Wie es ist. wieder aufzuhören. jedenfalls wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Nun ist die Familienministerin in einer Situation. Einmal kommt das BKA und legt den Höchstpreis. aber es gibt immer mehr. dass ihnen das alles gelingt: ehrlich bleiben. die mitten im Leben stehen. die »authentisch« sind. sagt er. weil sie weiß. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. Der Berliner Volker Ratzmann zog 2008 seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Grünen zurück. sondern beäugt. ehemaliger Regierungssprecher. was sie sagen wird. in denen verdient man keinen Euro mehr als am Tag bevor man sie antrat. Entscheidungen zu fällen. als Gegen-Rösler par excellence. sei »Lichtjahre« von früheren Verhältnissen entfernt. das sei ja nicht das Hässliche. als von machtversessenen Typen. Familie haben. Familienfeindlich seien andere Jobs auch. der im Fall einer Entführung des kleinen Walter zu zahlen sei. Bei ihrer Hochzeit hat sie die Kirche gewechselt. Immer mehr Politiker wollen nicht nur ein Leben nach der Politik. »Es ist wichtig. Als in Berlin die Nachfolge von Guido Westerwelle ausgehandelt wurde. politikfreie Wochenenden. auf »gefahrengeneigte Posten« zu wechseln. Und nichts wünscht sich das Publikum mehr als Politiker. Es gibt nicht viele wie Rösler in der Politik. Politiker. noch mehr Terminen. um die Paparazzi irrezuführen. am Ende seiner Dienstzeit war der rechte Arm vom Öffnen der schweren Auto-Panzertür lädiert. dann flüchten Sie. weiß sie: Nein. Sie entfremden sich Ihrem privaten Bereich. dass das gegen sie verwendet würde. In der Politik hat Meckel Menschen gesehen. und übers Bett sollte ein Knopf. sondern: Nein. Aber das wäre auch so ein Satz. die offen bekennen: »Für mich ist Politik ein Stück Sucht. wenn immer mehr Politiker ihren Posten als Teilzeitjob statt als Lebensinhalt begreifen. Sie hat sich vorgenommen. ob sie einen solchen Preis zahlen wollten: die Familien und Angehörigen von Politikern. Man kann aber auch sagen: Was ist eine Partei-Intrige gegen eine Facharztprüfung? Einer wie Peer Steinbrück. sie hat überlegt. vor ihm einer und daneben drei Motorräder. Gallen. sagt Schröder mit einem feinen Lächeln. Dann werden andere die Probleme haben. der als Finanzminister einen der tragenden Jobs hatte und als harter Hund gilt. »Wenn jemand beispielsweise Fraktionsvorsitzender ist.« Zweimal hat er plötzlichen Machtverlust erfahren. immer für ihre Kinder da sind. dieses Wochenende ist für die Familie reserviert.« Wo so viele nicht zu ihren familiären Verpflichtungen stehen. Wenn sie ehrlich ist. weil seine Frau Facharztprüfung hatte. dass irgendjemand noch irgendetwas erst mit seiner Frau besprechen dürfe. Politiker müssten auch Vorbild sein. vor dem man sich in Acht nehmen muss. Damit Sie die Polizei rufen können. Denn was wollen die Bürger im Zweifel lieber: dass ihr Kanzler nachts am Schreibtisch sitzt oder am Kinderbett? Die Röslers suchen jetzt eine große Wohnung in Berlin-Mitte.de Die neue Berliner Balance Immer mehr Politiker fordern Zeit für Familie und Privates ein. sich selbst treu. weil er das Klischee nährt. sondern ein Leben während der Politik. Weil er zum Nachdenken anrege über die Frage: Was ist die Rolle eines Politikers? Röslers Satz ist der Versuch eines Spitzenpolitikers.« Was verführt einen? »Die Möglichkeit. aber mit Mitte 35 stehe für sie »die Familienplanung im Vordergrund«. Vätermonate. dann umso mehr. Der Satz ist auch zwiespältig. als die Regierung Kohl abgewählt wurde. heute ist sie Professorin an der Universität in St. probehalber. Auf einmal steht ein BKAKommando im Haus. sagt Kristina Schröder Inzwischen lässt sich die Schwangerschaft nicht mehr verbergen. mit denen Politiker umgehen müssen. oder denkt er: Alles Memmen setzen. Begriffe wie »in den Sielen sterben«. Worauf der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schließlich erbost verbot.« Nachdem Peter Ramsauer nicht Verteidigungsminister und Joachim Herrmann nicht Innenminister werden wollte. in der sie. Rösler sagt. kaum ein Partner sieht sich heute noch als stiller Dulder. »Meistens«. stellt Seehofer fest. »Falsche Loyalität darf es in der Politik nicht geben«.« . Doch Seehofer ist einer der wenigen. dass er keine Befreiung empfand. darauf legt Kristina Schröder Wert. die private Kategorie der Dankbarkeit ins Politische zu übertragen und Guido Westerwelle nicht zu stürzen. sagt Rösler. das offensiv zu tun. Gerhart Baum ist seit Jahren nicht mehr Politiker. Es sei eine neue Erfahrung. zwischen den Antworten atmet sie ein bisschen schwerer als sonst. das Rösler bekämpfen will: dass die Politik etwas Schmutziges ist. »offenkundig Privatleben und Beruf vereinbaren muss«. ins Schlafzimmer kommt eine Stahltür. in zweiter Ehe verheiratet. ließ sich Philipp Rösler telefonisch zuschalten. »Es gibt heute ein anderes Rollenverständnis in der Familie. wie eine Metapher aus der Welt der Zugtiere lautet. irgendwann mal ihre Partei anzuführen. er mache sich keine Gedanken. meint sie. beschreibt Walter Kohl. und es heißt: Das Fenster hier muss raus. wenn die Frage kommt: Kann eine Kanzlerin Mutter werden? Von Amts wegen müsste sie sagen: Na- war Innenminister unter Helmut Schmidt. die in all dem liegt. Wenn einer Kanzler ist und Kinder hat. die Chance. »Die Menschen haben ein realistisches Gespür dafür. ich bin nicht Instrument eines Systems. das muss sie als Ministerin sagen. das vom Burn-out handelt. sie könne sich vorstellen. »Die Anforderungen werden immer heftiger«. Falsche Loyalität sei es zum Beispiel. Sicherheitsstufe 1. sagt Thomas Steg. die nicht gefragt wurden. fuhr hinter ihm ein gepanzerter Wagen mit Sicherheitsleuten. »Die Anforderungen an Politiker werden immer heftiger«. Ein Enddatum würde Schröder ihrer politischen Laufbahn nicht öffentlich setzen. ist längst auch bei bürgerlich-konservativen Politikern normal. und sagt: »Mit 45 höre ich wieder auf«? Beneidet der 78-Jährige den 38-Jährigen. weil Rösler sich damit angreifbar macht.« Das Gefährliche an der Politik. Gerhart Baum hatte so einen Job. die Familie und Partner stellen – die Modernisierung der Gesellschaft macht auch vor ihren Volksvertretern nicht halt. Der FDP-Politiker heutzutage? »Ich finde diesen Satz sehr sympathisch«. Kristina Schröder sitzt in einem Besprechungsraum in ihrem Ministerium. aber natürlich jederzeit in der Lage. er befahl Hans-Peter Friedrich. in seinem Buch Leben statt gelebt werden. der Sohn Helmut Kohls. »menschlich«. Es handelt vom Preis der Politik für die. winkten mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gleich zwei konservative Politiker mit dem Hinweis ab. und 2004. sagt Schröder. Er vertrat sowjetische Zwangsarbeiter und verklagte die Telekom wegen ihrer Datenskandale. Aber ein Leben lang Politikerin zu sein.schneeschnee. wie sie selbst sagt. Die andere Frage lautet. kann dieser Wunsch in der Politik Wirklichkeit werden? Das ist die eine Frage. er ist wieder Rechtsanwalt. der für die Politik härteste Einschränkungen in Kauf genommen hat. immer mehr Entscheidungen und auch einer Menge Alkohol im Grunde bedauernswerte Existenzen führten«. nämlich dadurch. sagt: »Ich will lieber von Leuten regiert werden. sondern weil sie die Politik nicht verstanden hätten. die in einem »Zwangssystem aus Terminen.6 12. dass man auch als Politiker ein normales Privatleben haben kann und sich nicht verbiegen muss«. sagt Baum. Aber das Familienleben mit dem Beruf zu vereinen. so einen Posten. denken viele und meinen: keine Maske. muss er auch bereit sein. »Das Gefährliche ist das Anziehende daran. was es mit der Politik macht. Das Thema Work-Life-Balance hat die Politik erreicht. »wird man in Deutschland unter 50 Jahren ja ohnehin eher nicht Kanzlerin.« Das Work-Life-Problem empfiehlt er auf traditionelle Weise zu lösen. sagt Baum. Ein gutes Vorbild für die Gesellschaft sei das nicht. wenn er hört. andere Spitzenpositionen in der Politik zu übernehmen. Einmal stand Seehofer am Fenster. sondern Angst und die bange Frage: Gibt es mich eigentlich noch? Seehofer glaubt nicht an selbst gesetzte Verfallsdaten. interessante Menschen zu treffen. Die Politiker werden weicher – man könnte auch sagen: normaler –. mit der man reagieren müsse. an dem man sich infizieren kann. und auch deshalb sei ein Satz wie der von Rösler gut. in der der Partner viel mehr Einfluss nimmt«. allerdings ein politischer. ob er sein Amt antreten soll.

dass Sie nur verkrampfen. Und insgesamt glaube ich. die noch das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt haben. Kann das funktionieren? Rösler: Wenn es diesen Gegensatz gäbe. das Sie als FDP-Chef vorantreiben wollen? Rösler: Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch zurück. Haben wir gerade eine Häutung zum Machtpolitiker erlebt? Rösler: Sie haben erlebt. sondern alles zu verdanken. Ihr »ordoliberaler Kurs« gehe »an den Menschen vorbei«. Deutsche Interessen zu vertreten bedeutet heute auch. Trotzdem habe ich später zu denen gehört. ZEIT: Wird es mit Ihnen an der Spitze mehr oder weniger Konflikte in der Koalition geben? Ihre Partei wünscht sich beides: weniger Streit und dass die FDP sich häufiger durchsetzt. Es wird meine Aufgabe sein. Finden Sie. Ich bin zuversichtlich. über Glaubwür- 12.de/FDP . 2040? Wenn sich andere überbieten bei den Ausstiegsdaten. Mein Ziel als Wirtschaftsminister muss es sein. dass auch über den Preis des Ausstiegs geredet wird. jüngster Wirtschaftsminister in Niedersachsen 2008 In einem Thesenpapier (»Was uns fehlt«) kritisiert er die Bundespartei. dass beides zusammenhängt: Wenn diejenigen. Zwischen Birgit Homburger und mir wird menschlich nichts Negatives zurückbleiben. Verpflichtet das einen jungen Parteichef wie Sie? Rösler: Zur Zeit des Kalten Krieges war das erste Ziel. wie wir miteinander umgehen. Sonst wäre ich auch falsch in meinem künftigen Ministerium. ZEIT: Der Preis ist der FDP also wichtiger als ein möglichst schneller Ausstieg? Rösler: Nein. Deswegen. ZEIT: Wir wüssten gern. Vorbereitung der Krankenkassenreform 2011 Kandidat für den Parteivorsitz Hobby: Bauchredner fiziellen Saal. Aber für das Ansehen der Regierung ist nicht nur wichtig. wenn Kritiker also reflexhaft in die europafeindliche Ecke gestellt werden. ZEIT: Und was war Ihr erster Gedanke? Rösler: Stimmt das wirklich? Der zweite: Wie war das. keine deutschen Soldaten in einen Auslandseinsatz nach Libyen zu schicken. Das hat sich verschoben. die Bundeswehr oder die Energiewende nicht von Wahlterminen in den Ländern beeindrucken lasse. Rösler: Meine Erklärung ist. Das war ein Fehler. Osama bin Laden war ein Terrorist. Gelassenheit. sondern durch Verlässlichkeit. ZEIT: Sie wollen also immer noch die Steuern senken. wenn man immer Rhabarber essen darf. bekannte Forderungen ständig wiederholt. ZEIT: Hier steht aber keine Fahne. Meine Oma hatte ihn immer in ihrem Garten in Hamburg-Harburg. ohne dass man erst zehn Menüpunkte auf einem Display durchblättern muss. warum ausgerechnet zur FDP. den Begriff der Heimat zu entdecken. ZEIT: Mit welcher Bilanz soll die FDP 2013 um Wiederwahl werben? Rösler: Auch da gilt. was wir Tolles machen werden. ZEIT: Bei der Katastrophe von Tschernobyl waren Sie 13 Jahre alt. Da sind viele Menschen enttäuscht – leider wird dieser Frust vor allem bei uns abgeladen. Nirgends kann man den Amerikanischen Traum besser leben als in Deutschland. möglichst noch etwas lauter als bisher. In der Wirtschaftskrise müsse die FDP sich deutlicher zu Werten wie Solidarität bekennen 2009 Bundesgesundheitsminister. ZEIT: Sind Sie patriotisch? »Am Ende gewinne ich« Führungschaos. ZEIT: Zwanzig Prozent sind gegen einen schnellen Atomausstieg. weil ich glaube. und cool passt irgendwie nicht. dass es sich bei allen Hilfen nur um Maßnahmen zur Überbrückung von Schwierigkeiten handelt. Mit Fukushima hat sich das auch für mich geändert. etwa für die Haushaltskonsolidierung. ZEIT: Sie werden Wirtschaftsminister. Wir geben unseren Markenkern nicht auf. ein in Vietnam geborenes Adoptivkind wird jetzt ihr Stellvertreter. immer wieder hören: Bitte nicht. dass sich viele Menschen erlöst fühlen. Es gibt keine Ost-West-Auseinandersetzung mehr. Als Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken habe ich mich allerdings stets sehr stark engagiert gegen die Todesstrafe. Sie wollen die Partei programmatisch verbreitern. Rainer Brüderle wird Fraktionsvorsitzender. keine Blockkonfrontation. sachliche Kritik aufzugreifen und zu zeigen. wo sich Europa ändern muss. dass man alte. das Sicherheitsaspekte. aus Platzgründen. die kritisch über europäische Bürokratie oder mangelnde Transparenz sprechen. sondern auch. mit 36. Und neulich habe ich das erste Mal seit 25 Jahren frischen Rhabarber gegessen. Ist Europa für Sie Heimat? Rösler: Heimat – da denke ich an die Region. ZEIT: Bisher haben viele Ihnen die nötige Härte für ein Spitzenamt nicht zugetraut. Übrigens hat es auch nicht funktioniert. wartet ab. Landesvorsitzender und. muss dafür sorgen. als Rainer Brüderle es tut. ZEIT: Sie wollen einen anderen Umgang mit Frau Merkel pflegen als Guido Westerwelle? Rösler: Das ist eine Selbstverständlichkeit. Das werden wir tun. Das Gespräche führten PETER DAUSEND und ELISABETH NIEJAHR Foto (Ausschnitt): Anatol Kotte für DIE ZEIT FDP: Berichte vom Parteitag auf ZEIT ONLINE www. adoptiert von einem Ehepaar in Norddeutschland 1992–1999 Sanitätsoffizier und Medizinstudium bei der Bundeswehr 2000–2009 FDP-Generalsekretär. digkeit. das angeblich nur einmal in 100 000 Jahren eintritt. Stabilität und Frieden zu erhalten. Und dazu gehört. die Atomkraft für eine akzeptable. 2030. Sehen Sie in der Energiewende eher eine Belastung für die Wirtschaft wegen der steigenden Preise oder eher eine Chance zur Erneuerung? Rösler: Da man keine Wahl hat. müssen Sie neben den Regierungen auch die Abgeordneten beteiligen. Die Welt ist schöner. war eine schnelle Entscheidung. Atomausstieg: Wie Philipp Rösler die zerrüttete FDP erneuern will Rösler: Definitiv ja. lässt sich nicht irritieren von äußeren Einflüssen und Kommentaren – und am Ende kommt oft das heraus. Preisschilder hängen. welche Inhalte wir vorantreiben. Kosten und Versorgungssicherheit berücksichtigt. Zweitens sind Sanktionsmaßnahmen erforderlich für Länder. weil ein Ereignis. Und ich wollte nicht. das spüre ich jeden Tag. in der ich aufgewachsen bin. dass wir an die Jahreszahlen. Wie kommt Ihre Partei aus dem Vier-Prozent-Loch? Rösler: Indem ich mich als Bundespolitiker bei den anstehenden wichtigen Entscheidungen über den Euro. und im Herbst wird in drei Bundesländern gewählt. die aktuell diskutiert werden. ZEIT: Haben Sie sich gefreut über den Tod von bin Laden. Sie wird einen Innovationsschub auslösen. Aber wir dürfen niemals einen Zweifel an unserer Bündnistreue auch nur aufkommen lassen. wenn Sie ständig an den Wahltag denken. Deutschland bietet allen Menschen alle Chancen. ZEIT: Was ist cool an Deutschland? Rösler: Der Begriff patriotisch wirkt ja ein wenig pathetisch. ZEIT: Sie sind demnächst Wirtschaftsminister. eher intellektuelles Verhältnis hat als diejenigen. Diesem Land habe ich nicht nur viel. ZEIT: Wie lässt sich der Schaden beheben. Das wäre ein Renner. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 7 wollte die FDP attraktiver und sympathischer werden. plötzlich Realität wurde – und das im Hochtechnologieland Japan. in Deutschland produzierte Windanlagen überall in der Welt anzutreffen. Die Balance muss stimmen in dieser Debatte. also die FDP. im Gegenteil – es ist ein Signal. richtige Feststellung. Ich sehe die Energiewende daher als Chance für Deutschland. was ist da passiert? Ich war einfach neugierig. dafür steht die Generation von Hans-Dietrich Genscher. dass wir schon am Montag danach statt über den Euro oder die Energiewende über die Besetzung der Fraktionsführung reden. Nehmen Sie die Energiewende: Da ist man sehr hektisch von einem Extrem ins andere umgeschwenkt. müssen Sie es auch durchsetzen. wenn der Parteichef gleichzeitig das Wirtschaftsministerium führt. du darfst nicht die europäische Idee gefährden. wird sie 2013 gewählt. ZEIT: Die FDP steht für große außenpolitische Grundsatzentscheidungen. Freiheit und Wirtschaftskompetenz. da stehen die Deutschlandfahne und die Europafahne. ZEIT: Wie hat Ihre Herkunft Ihren Blick auf Deutschland geprägt? Rösler: Meine Dankbarkeit macht es mir leichter. dass wir auch schwierige Entscheidungen anders fällen als andere Parteien. Der beste Weg. Rhabarber dürfe man wegen der radioaktiven Verseuchung auf gar keinen Fall essen. wie die Kanzlerin? Rösler: Ich habe großes Verständnis dafür. Wenn die FDP gute Regierungsarbeit macht. hier bin ich groß geworden. Gibt es kein großes Projekt. Wirtschaftsinteressen wahrzunehmen. Dass das ein großartiges Land ist. der durch den deutschen Alleingang in der Libyen-Frage entstanden ist? Rösler: Ich halte die Entscheidung für richtig. mit Ihnen an der Spitze ZEIT: Sie reden viel über Stilfragen. Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache. Wir haben einen of- Der Neue 1973 geboren in Vietnam. damals hieß es aber. die sich nicht an die Vereinbarungen halten.zeit.POLITIK DIE ZEIT: Herr Rösler. Drittens muss das Parlament bei jeder Rettungsaktion mitentscheiden. das Positive zu sehen. einer Partei mit großer außenpolitischer Tradition. dass unser Parteitag am Wochenende ein Neuanfang wird. Christian Lindner und ich sind uns vollkommen einig. gibt es dafür zumindest mehr Spielräume. Deutschland ist meine Heimat. wollen wir ein realistisches Ausstiegsszenario anbieten. führt das zu Gegenreaktionen. beherrschbare Technologie hielten. ZEIT: Inwiefern? Rösler: Ohne mich auf eine Ebene mit der Kanzlerin stellen zu wollen: Frau Merkel sieht sich Dinge ruhig an. Rösler: Nein. reden aber weniger darüber? Rösler: Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft. dass meine Generation zu Europa leider ein weniger emotionales. ZEIT: Was wollen Sie am geplanten Euro-Rettungspaket ändern? Rösler: Erstens brauchen wir harte Auflagen. Wenn Sie mehr Akzeptanz für Europa wollen. deren Heizplatte man abschalten kann. Sind das nicht Ihre Wähler? Rösler: Beim Atomausstieg müssen wir die Partei der Vernunft sein. verantwortlich für den Tod Tausender. ZEIT: Die FDP hingegen verliert. Rösler: Mit den Inhalten ist es nicht anders als mit dem Personal: Wenn Sie etwas für sich als wichtig entschieden haben. dass dieses Projekt vergleichbar ist mit der Mondlandung. wäre das schwierig. dass Frau Merkel und ich grundsätzlich ähnliche Typen sind. kündige ich jetzt nicht groß an. muss man Optimist sein. den wir zu Beginn der Legislaturperiode gemacht haben. Vielleicht gelingt es der deutschen Industrie jetzt sogar. Es ist jetzt die Aufgabe der FDP. Das muss anders werden. Brüderle fordert eine Konzentration auf die Kernthemen der Liberalen. nicht um Dauerlösungen. für die nötige Gelassenheit innerhalb der Regierung zu sorgen. Bisher haben wir aber zu Recht primär über die Sicherheit der Kernkraftwerke diskutiert. damit klar ist. ZEIT: Sie haben der FDP mal in einem Essay empfohlen. die Diskussion zu beenden. Ich halte Wirtschaftskompetenz nicht für weniger wichtig. wenn ich zum Reichstag fahre und die große schwarz-rot-goldene Fahne da oben sehe. Ich will. heute so viele Euro-Skeptiker gehören. Euro-Skepsis. eine Kaffeemaschine zu entwickeln. was sie sich wünscht. und so wird es unter meiner Führung sein. Das Gleiche gilt für Guido Westerwelle und Rainer Brüderle. auch jedes Mal. Wie haben Sie diese Tage erlebt? Rösler: Wir durften nicht rausgehen zum Sportunterricht. dass das mit dem Personalgerangel der vergangenen Tage gelungen ist? Philipp Rösler: Wir wollen vor allem wieder erfolgreicher werden. Das ist mir besonders wichtig. weil Menschen nun mal unterschiedlich sind. Eine ostdeutsche Frau ist hier Bundeskanzlerin geworden. Eine vernünftige Partei. Was kostet der Ausstieg 2020.

Foto: Faisaal Mahmood/Reuters . seit 1965 führt sie die Rote Moschee. sagt Ibrahim.und Amtserfahrung wie er. Ibrahim ist ständiger Gast der pakistanischen Talkshows. Ich aber zweifele daran nicht. der Ibrahim trifft. Es ist sein Vereinnahmungsversuch. Kürzlich sind zwei Politiker ermordet worden. ruhiger klarer Blick. Eine ungewöhnliche Reise. dass die USA heute nur deshalb ein Osama-Drama aufführen. den die USA führen«. Ibrahim ist der politische Kopf der größten islamischen Partei in Pakistan. die ihre Despoten abgeschüttelt hat. Seither wird sie auch in der Hauptstadt Islamabad ernst genommen. vornehme beige Kleider. VON GEORG BLUME D Ibrahim glaubt.« Er ist erst 35 Jahre alt und Imam. ein junger Mann mit Brille und brauner Predigerkappe. sagt Ibrahim. Ibrahim gilt als Architekt dieses Wahlsiegs. einst Vorzeigestadt Pakistans. Wir können friedlich entscheiden. Besonders bedauert er die Lage in Syrien: kein Licht am Ende des Tunnels. denn seit Monaten dürfen westliche Journalisten nicht nach Peschawar. Aziz ist Vorsteher der Roten Moschee. erhält seine politische Bibel: eine Schrift des bedeutendsten Theoretikers von Dschama’at al-Islamija aus den dreißiger Jahren. Keine demokratische. dass die Revolutionen ein Kampf für die islamischen Ideen sind. über die Hoffnungen. wie sehr das Militär von Islamisten unterwandert sei und wie sich letztlich das ganze Land Schritt für Schritt. der Scharia. Die vielen liberalen Intellektuellen der Stadt. Lahore zum Beispiel. Zwar gründet Ibrahims Partei Dschama’at al-Islamija auf einer über hundert Jahre alten. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer wieder brutale Anschläge. Er stellt die Stühle in die Sonne auf den grünen Rasen. Frauen verschleiern sich und schicken die eigenen Kinder auf die strengsten Koranschulen. Doch politisch bedeutsam wurde sie erst. Nichts überstürzen. Ägypten. Bis dahin wird eine neue Generation der islamischen Bewegung an seiner Spitze stehen. Dagegen rief die Erschießung bin Ladens durch die US-Streitkräfte deutlich mehr öffentliche Kritik hervor. was es heißt. Die Gefahr eines Atomstaats in Terroristenhand steht hier unmittelbar vor der Tür«. die sich gegen das strenge Blasphemie-Gesetz des Landes ausgesprochen hatten. Ahmed hat Angst vor Anschlägen. Und neuerdings als Ort der Hoffnung. zu den Waffen zu greifen. wären die Taliban und al-Qaida keine Bedrohung mehr für uns. die glauben. In zwei Jahren haben wir Wahlen«. Alle Räder stehen still. die Revolutionen in Ägypten und Tunesien – weshalb die Aufregung? Der Weg. Wo immer man in Pakistan heute hinhört – alle liberalen Kräfte betonen. acht Millionen Einwohner. als sie vor acht Jahren die Wahlen in der Nordwestprovinz gewann. als Maulana Abdul Aziz aus der Hauptstadt Islamabad in ein kleines Dorf aufbricht. Aber Ibrahim will endlich reden. dass die Revolutionen ein Kampf für islamische Ideen sind Ibrahim sieht aus wie ein Weiser aus dem Morgenland: langer weißer Bart. Er führt durch die Moschee. Und zwar nicht dem moderaten. über Tunesien. Nach und nach ist die Stimmung gekippt – wann. dann sind andere dafür verantwortlich. So sehr. ein Prediger wie sein Onkel. »Es muss heute Tausende geben. Wir können in keinem Hotel übernachten. es gab zahlreiche Tote. wird nicht kommen«. hat jedes betroffene Land genau studiert. sagt er. Es neigt zur Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. warnt der international bekannte Autor und Journalist Khalid Ahmed. Und wenn. spricht Ahmed aus pakistanischer Erfahrung. die einst Lahores Ruf als Kulturhauptstadt Pakistans begründeten. Osamas Platz einzunehmen. da extremistische Gruppen einen Anschlag auf Ausländer planen könnten. Sie wittern ihre Chance. Bald schon. der keinen anderen Glauben neben sich duldet. mit großer Beständigkeit seit über 20 Jahren dem islamischen Glauben zuwende. Dafür müssen wir jetzt schon hart arbeiten. Doch er reist immer noch viel in der Region. Nicht zufällig stammt es aus Pakistan: Operativ war das Land für die islamistische Bewegung bedeutungslos. ein Gotteshaus mitten im Regierungsbezirk der Hauptstadt. sondern dem strengen. im Osten strahlt die weiße Moschee vor blauem Himmel. hatte er in das nordwestpakistanische Peschawar eingeladen. Die Empörung war schwach. Nur keine Eile. sagt Mohammed Ibrahim. er zeigt auf kunstvolle Deckenmalereien und lässt sich vor einer Bücherwand in seinem Büro nieder. sondern eine islamische. Westliche Intellektuelle betonen. seit der arabische Frühling herrscht. das Ziel auch. »Die Demokratie. Osama sei tot?«. Eine Reise durch Pakistan Peschawar/Lahore/Islamabad er Tod Osama bin Ladens. ob Pakistan Osama bin Laden all die Jahre geschützt hat. »Wenn unsere Führer es wagen würden. Nur nicht drängen lassen von den Ereignissen. sondern gegen die eigenen Herrscher und sei deshalb ein Votum für die westliche Demokratie. komme es nun zum entscheidenden Kampf – dem zwischen den USA und der islamischen Welt. Sie sprechen davon. sagt er. fragt er seelenruhig am Telefon mit seiner leisen. dass selbst radikalste Koranprediger in Pakistan salonfähig geworden sind. die bei einer Stiftung arbeitet. Das Büchlein ist kein Appell. Er wird begleitet von vier bewaffneten Männern mit AK-47-Gewehren. Aziz’ Neffe kommt. »Aber der Wandel hat gerade erst begonnen. wie abgewirtschaftet die alte demokratische Elite. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Jungen an einer Koranschule im pakistanischen Abbottabad. »Die wirkliche Gefahr für uns ist der sogenannte Krieg gegen den Terror. politisch hält er sich zurück. Sehr bald werden die Bewegungen in den arabischen Ländern islamistische Züge bekommen. In fünf bis zehn Jahren wird er dauerhaft sein. Ihre Geduld ist aufgebraucht. »Pakistan ist der zukünftige Staat al-Qaidas. ideologisch aber umso einflussreicher. Für ihn schreitet mit Revolution und Instabilität in der Region nur die »Talibanisierung der Köpfe« voran. Ibrahim dagegen glaubt. um den Bau einer Mädchen-Koranschule zu besichtigen. meistens in irgendeinem Büro. der Krieg um Libyen. weil sie ihre peinliche Niederlage in Afghanistan kaschieren und uns glauben machen wollen. Der Heilige Krieg kann nicht durch den Tod einer Person geschwächt werden. Bestraft wurden sie dafür nie. Aziz und seine Predigerfamilie aber unterstützten die Geiselnahme. Ibrahim muss sich mit diesem Büchlein nicht verstecken. Er.« Für Ibrahim geht die Geschichte weiter. im Westen erheben sich die Berge um den Khyber-Pass nach Afghanistan. müsse um sein Leben fürchten. klagt eine Frau. »Die arabischen Völker kämpfen gegen ihre Despoten. in der Geistlichkeit tief verwurzelten antikolonialen Bewegung. Für Ibrahim ist die Demokratie nicht Ziel.« Im Gegensatz zu westlichen Beobachtern. Militärs hatten die Moschee gestürmt. er lächelt. »Die USA haben Verbindungen mit allen Despoten der Region. zu regieren. Ibrahims Partei ist heute in modernen Wahlkampftaktiken erprobt. dass seine Stunde noch kommen wird.und Kolonialpracht. Überall liegen rote Teppiche aus. alte Mogul. Das ist einer der größten Erfolge der Islamisten: Sie haben die Grenze zwischen radikalen und gemäßigten Muslimen verschwimmen lassen. Er leitet eine Journalistenschule in Lahore. dass er die islamische Sache nicht in Gefahr sehe. Ibrahim schaukelt mit seinem Stuhl auf dem Rasen und schaut in den Himmel. Deshalb fürchten sie jetzt. ist klar. Nur keine Eile. Würden die Islamisten in Pakistan die nächste Wahl gewinnen: Ibrahim würde Regierungssprecher oder Außenminister werden. die arabischen Revolutionen stünden für Modernisierung und Säkularisierung. Ibrahim sieht darin die Chance für eine Wende. Kein Wort davon. die sich der Westen wünscht. Dennoch: Die politischen Islamisten hatten gelernt. Jede Nacht schlafen wir woanders. sondern Mittel zum Zweck eines islamischen Staates – wie die arabischen Revolutionen. Zu gefährlich. Ich habe volles Vertrauen in die Massen der Muslime. Dass die Geschichte ihm noch recht geben wird. Angesehene Männer wie der frühere ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof von Lahore klingen wie Islamisten. sich von diesem Krieg zu distanzieren. dass ausländische Mächte für Terror und Gewalt in Pakistan verantwortlich seien. die seine islamistische Partei hegt. Als ihn später die Nachricht von bin Ladens Tod erreicht. aber betonten Predigerstimme. Und obwohl ihre radikalsten Anhänger dieser Tage Bin-LadenPorträts auf den Straßen schwenken. Weil er in einer Demokratie lebe. Genau das will Ibrahim zeigen – seine heile islamische Welt. die lange abseits von Gewalt und Terrorismus lag. Tagsüber fährt uns ein Taxi. ein früherer Universitätsprofessor. hat sie sich im öffentlichen Meinungsbild erfolgreich von al-Qaida abgegrenzt.8 12. Den Ort für das Treffen wählt er mit Bedacht. »Ich sehe keine Notwendigkeit. »Der Heilige Krieg wird nicht durch den Tod einer Person geschwächt« Es ist ein warmer Tag. noch immer ist er ein Mann mit viel Einfluss in Peschawar. haben Angst. Er trägt eine weiße Kutte und einen schwarzen Turban. Längst ist die Ideologie der Islamisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen.« Über Jahrzehnte konnten die säkularen Regierungen in Islamabad derartige Äußerungen aus dem Lager des Islamisten ignorieren. Unter den Mullahs herrscht nicht nur Chaos. dass die USA und auch Deutschland kein Recht auf Intervention in der Region hätten. Es war angsterregend. die bereit sind. dass islamische Bewegungen die Herrschaft ZEIT-Grafik Khyber-Pass AFGHANISTAN Abbottabad Islamabad Peschawar us Lahore INDIEN I nd PAKISTAN PAKISTAN Arabisches Meer 200 km Arabisches INDIEN Meer in den arabischen Ländern erringen. Kaum einer in seiner Partei hat so viel Regierungs. Er war Senator im pakistanischen Oberhaus. »Im Augenblick herrscht in der islamischen Welt Aufruhr«. das in ei- nem neu gebauten Moschee-Komplex mit islamischer Schule liegt. Ein kompakter roter Backsteinbau mit roten Mosaikfenstern. Dann verlor sie die Wahlen. Und ein allzu weltlicher Präsident an der Macht. sagt er. In der Nähe wurde bin Laden getötet Der Sieg wird unser sein Von Osama bin Ladens Tod lassen sich die Islamisten nicht beirren. Aber es ruft zum Kampf gegen die Ungläubigen auf. nur keine Eile.« Aziz entstammt einer berühmten Predigerfamilie. Sie werden die USA und ihre Ideen besiegen und das heutige politische Vakuum füllen – sofern man sie frei wählen lässt«. der Zorn Arabiens richte sich nicht gegen die USA. »Ist es nicht denkbar. Fünf Jahre lang erlebte seine Partei. die Scheiben sind verdunkelt. Kurz bevor die Nachricht vom Tod bin Ladens eintraf. wie man auf demokratischem Weg die Macht erobert. in dem vor wenigen Jahren eine spektakuläre Geiselnahme der Taliban endete. Wer den islamischen Gesetzen öffentlich widerspreche. Bald tönen Kinderstimmen aus der Schule herüber. auf die Straße zu gehen. Es zählt heute zu den weltweit meistverbreiteten islamischen Schriften. sagt er. Jeder. das weiß niemand mehr so genau. Es fordert die strenge Wahrung der islamischen Gesetze. Seitdem gilt die Moschee als Hochburg der radikalislamischen Bewegung. worüber die Islamisten bisher geschwiegen haben: über sein Land. Er lässt zwei Stühle aus seinem Büro bringen. er war Provinzpräsident. sogar radikalen Islam. Er ist sich sicher. »Sogar auf dem Tahrir-Platz in Kairo warfen sich alle auf die Knie und beteten. Dschama’at al-Islamija.

Sie und wissen. Nicht ein Wort seither! Wir Aufgezeichnet von SUSANNE FISCHER wissen nicht. Viele salafistische Prediger in Ägypten wurden in Saudi-Arabien ausgebildet. zwei wei. in sind.berichten. dass der schlimmste Anschlag auf Kopten mit 21 Toten und 79 Verletzten am Neujahrstag dieses Jahres geschah. dass es damit offenbar eischen in Banyas verhaftet. In dieser furchtbaren Nacht brannten zwei Kirchen. Ihr populärster Prediger. Zwölfjähriger Junge bei Pro. Viele radikale Muslime seien aus den Gefängnissen entlassen worden. in dem die Menschen nach bewährter Ordnung riefen. ihre Medien wurden behindert und verboten. Viele Kopten sagen. Das war nehmen sie einfach alle ÄGYPTEN zwar riskant. Anhänger des alten Regimes förderten die Salafisten. weil sie sich geweigert für Buchstabe morse ich meihätten. Salafisten gibt es heute in der gesamten islamischen Welt. die sich weigerten mitzukommen. Die Muslimbruderschaft konnte davon nur träumen. Jetzt sind wir mit. Im Kairoer Arbeiterviertel Imbaba mussten sich koptische Christen am vergangenen Wochenende Attacken muslimischer Radikaler erwehren. Damaskus Einen Lichtblick imIch fühle mich regelrecht merhin gab es diese Woumzingelt. Es half nicht.kommenden Wochen von Familien getöteter Solniert – sind jetzt meine Nabel. sie hatten unter Hosni Mubarak sogar Fernsehkanäle. so wie meinen Schwager. aber das war Männer eines Haushalts es uns wert. die derzeit eine eigene Partei gründen – und vielleicht gar mehrere. weil er seine Wohnung angeblich an Prostituierte vermietet hatte. Allenfalls ab und an ein paar tere Fahrer. jüngst brachten sie in Gaza einen italienischen Friedensaktivisten um.de/audio gehalten wird. Dabei huldigen sie oft erfundenen Traditionen. was ihr als daten. der Frau eines koptischen Priesters. die Sendung sei nachträglich gefälscht worden. und arbeiten. damit sie keinen Muslim heiraten. Es testen in Homs getötet. und außen bei mir ein. dass die Sichermich nicht mehr bei Skype heitskräfte ihre eigenen Beeinwählen kann. nie übergetreten zu sein. weil mein Mann und ich nicht da waren. und einige wenige in der Stadt. Deshalb sind viele Ägypter überzeugt. Und alle Freunde. Wir haben die winnen.wir bekommen von dort praktisch keine Inforsichtlichen Grund festgenommen.mationen mehr. welche die Massen mit hochangereicherter spiritueller Nahrung versorgten. das Werk der Protestierenden Online-Chats – wenn denn Anwältin wird auch in den ist. Schon hatten die Salafisten wieder Munition. um unser Versteck zu finden Vergangene Woche zum Beispiel traten zwei (das er gar nicht kennt). Fotos: Reuters .Geständnisse von angeblichen Terroristen – loren: Das Regime hat die Inter. Wer sonst biltelefon hat die Regierung hat denn in Syrien solche schon vor Wochen gesperrt. Sie berufen sich auf die Vorfahren (as-Salaf ). werden beschädigt oder zerstört. die angeblich zum Islam übergetreten sind. dass Provider und vorübergehend auch die Ein. Bislang also keine guten Nachrichten diese Männer im Fernsehen auf. Säkulare Politiker sehen sich im Fernsehen und im Internet verleumdet. wird es noch schlimmer: Das syrische Uhr habe ich in meinem Ver. Mehr als 250 Men. weil sie den Passus über den Koran als eine Hauptquelle der Gesetze erhalten sehen wollten. Wie lebt es sich dort jetzt? m vergangenen Freitag um 15 sehe. wirft den Kopten »mangelnde Transparenz« vor. Berichte über die getöteten Sidie mir auf ihren Namen eine lebte in der Hauptstadt cherheitskräfte. Kopten. Rollt nun die Welle des radikalen Islamismus an. In der hiesigen Kultur von »Ehre und Scham«. diese Frauen würden von Christen festgehalten. um endlich von ihrem Mann wegzukommen. Von dem haben nen wir im Augenblick. brutalen Unterdrückungsdiese zwei seien Terroristen strategie die Oberhand gegewesen. Der Verdacht erhärtete sich.das Regime sendet fleißig seine Propaganda. die Kirchen anzünden? VON MICHAEL THUMANN ach dem Regimesturz nun der Religionskonflikt? Die Angst geht um in Ägypten. sind und ihn mitnahmen. Im Verfassungsreferendum hätten Salafisten und Muslimbrüder Seite an Seite für die Annahme gekämpft. Die Waffen. der mächtigsten islamistischen Bewegung im Nahen Osten. Aber ich der verhaftet oder werden März untertauchte aus Furcht vor Verhaftung. Musikhass. wozu dieesse kaum. Die Muslimbrüder wurden vom alten Regime stark bekämpft. Dort liefern sie sich auch Gefechte mit der islamistischen Hamas.nichts davon stimme und die Geständnisse wahl übers Telefon gesperrt. aber nicht unbedingt für das 7. Soweit das Gerücht. Immer wieder hören wir die Telefoneinwahl funktio. mehr gesprochen. Schreine von ägyptischen Sufis. davon gibt es wurden erschossen. rauche viel zu viel. Wenn der Gesuchte SUDAN derselben Stadt und doch nicht angetroffen wird. Dann stürmen die Salafisten dankbar die Bühne. knöchelfreie Pluderhosen. Seither habe ich allesamt unter Folter erzwungen worden seien. Das ist richtig und dennoch nur die halbe Wahrheit. auf Demonstranten zu ne Nachrichten nach draußen. Jahrhundert stehen: ultralange Bärte. vor der das alte Regime des gestürzten Herrschers Hosni Mubarak immer gewarnt hatte? Längst bedrohen die Übergriffe von muslimischen Extremisten nicht mehr nur Christen. Niemand hat dabei vergessen. Jussuf al-Qaradawi. Die Salafisten in Imbaba forderten die Herausgabe Kamiliya Shihatahs. bevor sie im misshandelter Körper. Nur kleine Textbotwir kein Lebenszeichen. wer ihn verhaftet hat. Scheidung ist verboten. Zur Abschreckung. was sie für die Lebensformen der Prophetenzeit halten. Die Kirche betreibe Geheimniskrämerei.zeit. dass Shihatah mit ihrem Mann in einem christlichen Satellitensender beteuerte. weil ich weiß ich genau. Die Isolation schlägt mir aufs Gemüt.wundert mich aber. hielten sie gefangen. wo er festwww.ses Regime fähig ist. nen Namen zu besorgen wäre Natürlich sehe ich auch die zu riskant. Beweisen können wir es nicht. dass diese Bekönnen uns verlangsamen. Oft Versteck besucht. So ging jedenfalls das Gassengerede am vergangenen Wochenende. Doch die Fundamentalisten drohen wiederzukommen. sie saßen im Gefängnis. Waffen? Die Demonstranten eine neue Sim-Karte auf meijedenfalls nicht.Damaskus. seit Sicherheitskräfte schaften wandern zwischen unseren Versteam 30. die Bilder kaufen könnten. Wenn ich fern. Mein Mostände vorführen. Nicht nur. dürfte ihre Bedeutung aber weit übertreffen. hieß es. prägten dann aber am Nil einen eigenen radikalen Stil. am nächsten Tag behaupIm Moment sieht es aus. musste seine Botschaften aus dem fernen Qatar senden. Ich Welt sollte doch inzwischen wissen. dass ihre Prediger geduldet wurden. Strom und Internet nen gewissen Erfolg haben und Skepsis an den Motiven unserer Bewegung säen kann. Die Salafisten hingegen genossen erstaunliche Freiheiten. April in unsere Wohnung eingedrungen cken hin und her. bestehen auf dem. Irgendjemand streut dann etwa das Gerücht. sagt Hulsman. aber nicht stoppen. Zwölf Menschen starben. Aufmerksamkeit im Westen erregen vor allem ihre Scharmützel mit Christen. Seit Tagen habe R A Z A N Z E I T O U N E H bei diesen »Terroristen« gefunden wurden? Lachhaft! ich mit keinem Menschen Wenn ich die Bilder sehe. Updates über Satellitentelefon. Leiter des ArabWestReport in Kairo und ein langjähriger Beobachter konfessioneller Beziehungen. Doch verbietet das koptische Bekenntnis den Übertritt zu einer anderen Religion – wie auch der Islam. im Telegrammstil laufen die Meldungen von schießen. Sie wurden an der Grenze ohne er. Die Armee nahm 190 Randalierer fest und kündigte Militärgerichtsverfahren an. Salafisten konkurrieren von rechts mit den Muslimbrüdern. diese seien erschossen schnur zur Welt. Damals saß Präsident Hosni Mubarak noch fest im Sattel. Daraa wird immer noch belagert. Die bekommen sie übrigens auch von den Kopten frei Haus. Die Extremisten greifen Alkoholgeschäfte an. als voriges Wochenende vor der Koptenkirche ähnliche Schlägertrupps auftauchten wie schon im Februar auf dem Tahrir-Platz und früher bei Wahlkämpfen der inzwischen verbotenen Staatspartei. Die glaube einfach nicht. Der Lärm. Medien berichten von Säureattacken auf unverschleierte Frauen. Vor ein paar che: Ich habe meinen Tagen haben SicherheitsKairo SAUDIMann wiedergesehen. Warum Fundamentalisten gerade nach der Revolution vom Februar so schrill und sichtbar geworden sind. Hunderte wurden verletzt. wie es ihm geht oder ob sie ihn R ot es M e er Feuer für den Propheten Ägypten nach Mubarak: Wer sind die radikalen Muslime. Die in vielen Vierteln von Homs unterbrochen. Anhängern eines mystischen Islams. Vollverschleierung. die älter als 15 Jahre wieder jeder für sich. wenn Frauen sich von ihren Männern trennen wollten. darüber kursieren in Ägypten zwei Lesarten. weil sie zum Islam übergetreten sei. Oft geht es dabei um Frauen. Auf Twitter und Face- N book wurde gemunkelt. Buchstabe Dissidentin widerfährt worden. sind entwe.deren Familien sich dann wenig später bei uns netverbindung über unseren Aktivisten melden und uns erzählen. ZEIT-Grafik wie aus der Welt. dass nun die Islamisten überall Auftrieb gewönnen. die sicherlich im Internet. als teten die beiden anderen würde das Regime mit seiner TÜRKEI Männer im Fernsehen. die als Fahrer im Grenzverkehr zwischen Libanon und Syrien Woche. Nicht nehmen sie gern auch ein 400 km einmal telefonieren könanderes Familienmitglied als Geisel. Die zweite Lesart unterscheidet stärker zwischen den oft unpolitischen Salafisten und den Muslimbrüdern. Cornelis Hulsman. nur solche Internet-Videos VON RAZAN ZEITOUNEH A Immer wieder erwischen wir es bei Lügen: gefoltert haben. die angeblich kaum noch Verbindung zur Außenwelt. Mittelmeer schuldigung falsch ist. Trotzdem werden SYRIEN Namen der Erschossenen IRAK die Proteste weitergehen. Mitunter wechseln christliche Frauen nur den Glauben.Staatsfernsehen zeigt stundenlang falsche steck noch ein Stück Freiheit ver. den sie machen. Er kräfte ein Viertel in der ARABIEN hat mich kurz in meinem Nähe durchkämmt. Wie viele Anhänger sie wirklich haben. werde so etwas sofort zur öffentlichen Angelegenheit. Radikale schnitten einem Kopten in Qena ein Ohr ab.POLITIK 12. Steine gegen einen Panzer: Von den Protesten gibt es keine Fotos. um ein Chaos zu säen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 9 »Ich fühle mich umzingelt« Das syrische Regime verhaftet wahllos Menschen und kappt das Internet. dass dies gesucht. weiß niemand genau. Viele ultrakonservative Priester bestehen streng auf dieser Tradition. Die Angreifer sind meist Salafisten.

um sie von dem Abfall zu befreiumwickeln die Müllberge mit den Bändern von en. Es verdienen am morra im Müllgeschäft gewesen zu sein. Die Camorra betätigt die Hebel © 2011 by Roberto Saviano – Agentur R. Berlusconi hatte zudem zum Staatssekretär im Finanzministerium traut.schaft beschuldigt. HausIm Notfall werden die Entsorgungsunternehmüll und Gewerbeabfälle wie Lacke. Sie verhindert zusammen mit korrupten Politikern eine funktionierende Entsorgung. die laut einem Bericht der sam macht. dass der sen Vierteln hervorragend. Mülltrenund zwei zur Macht sche Entscheidungen getroffen. Sie bilden regelrechte Kartelle auch nicht dazu gedrängt. Wenn der Nachren.den Verdachts nicht zurück. Als Parteikoordinator des »Volkes der diese Konsortien zum Paradies des Klientelismus. Berlusconi hat ihn ten Rechnungen. In nichts damit zu tun. in und weniger Abfall bedeutet weKampanien die rechte Mitte. Längst waltet haben.ßen von Neapel bedeutet das Scheitern der Politik. dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind. Es einen Politiker berufen. Klebstoff. der Müll kann dann nicht mehr abgeladen werden und bleibt auf der Straße.Boom von Klimaanlagen. sondern um ihn in die Höhe zu treiben und den Müll letztendlich Müll. sie sind eben ein selbst. der Müll ist erst mit Dioxin verseuchen. die mit dem Organisierten Verbrechen verfilzt ist. Und natürlich wird die Entsorgung In Neapel hat die Mülltrenumso teurer. Aber das ist nicht alles: In den 1990er Jahren wurden kleiner Camorrista seinen Boss darauf aufmerkviele Kippen eröffnet. Sekunden brennt dann alles lichterloh. mit überhöhten Preisen operierende Müllwirtschaft zu sichern. Nicht selten erfolgt die Sperrung der Kippen auch wegen Umweltproblemen. für sie sind die Abfallhaufen ein weiterer Beweis eine haben. Und das Ergebnis sehen wir bar trennt. Zweitens wird die Abfallentsorgung in Neapel und der umliegenden Region Kampanien zu einem ganz überwiegenden Teil durch Müllkippen betrieben. Von 1998 bis 2008 ge Viertel. men nicht ganz so streng nach dem AntimafiaSchmieröl. Die Grenzen sind da. den die Staatsanwaltverdient die Organisierte Kriminalität. Für die zeigt damit im Wahlkampf ihre Gesetz nur 35 Prozent sein. Ich werde nie müde zu sagen: Wenn man den – nicht um den Preis zu senken. die in Neapel als neapolitanischen Klub anheuern. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Neapel zeigen. Kein Zufall. Die ist wirklich eine Schande. wir trinken Mineralwasser. Laut LeAuswirkungen. kurzsichtig. Wie.Euro erzielt. Eine Serie zur Erklärung eines rätselhaften Landes 6 NEN N SC K ein Ausnahmezustand eben. Hauptsache. der imschaft. Fast 84 ProRoberto Saviano wahl die Stadt verstopft. auf denen Müllhaufen zu sehen sind. Als ein www. verfügt ein Gericht die Schließung.stand war auch Manna für die Politik in Kampaßenrändern pechschwarzen Rauch aufsteigen.schichten. Fehler gemacht. Doch in Wirklichkeit werden panien. Da ironisches Volk.die Kleiderfirma Benetton. Erstens hat die Camorra bei dem dauernden Müllproblem ihre Hand im Spiel. das illustriert eine Anekdote Roberto Saviano finden Sie unter des Kronzeugen Gianfranco Mancaniello. der kann Videokassetten. Der Müll auf den StraUnternehmen sich treffen. wie das nächste große Geschäft mit Umweltschutzorganisation Legambiente ein gan. Jetzt. auch jetzt wieder auf den Straßen deshalb funktioniert das in dievon Neapel. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK R O B E RT O S AV I A N O : I TA L I E N I S C H E L E K T I O N E N . Santachiara im Müllgeschäft – so wurde der Bock zum GärtDie früheren Folgen von ner gemacht. Ein »Notstand« ist nur eine Episode. Mit dem Feuerzeug jedem Fall seine eigene Position festigen. dass diese Müllkonsortien zu wahren Aufgezeichnet und übersetzt von BIRGIT SCHÖNAU Machtzentren der Organisierten Kriminalität geworden sind. ungefähr so viel wie die Telefongeland von Neapel zwischen den Orten Giugliano. zur Lösung des MüllproNeapolitaner sie nicht beherrschschienen – zwei zu blems beigetragen hat. Sie funkSilvio Berlusconi. males Alltagsleben unmöglich. Da gibt es ganz andere worden: Wie es im Sommer heiß ist und im Winter Gründe. und manche sind geradezu grotesk. In wenigen kann. das Volumen gambiente haben die Clans mit Müllgeschäften der Müllberge zu verringern. um ihn drehen sich schließlich Unmengen Die Brände werden in bewährter Manier gelegt: von Beraterverträgen und KrisenmanagementDie besten »Brandstifter« sind ausländische Ju. nien. befreit. wo Politik. Wenn er eapels Probleme mit der HE LE jedes Jahr wieder eintritt. In der Ortihre Heimatstadt praktisch noch nie ganz vom Müll schaft Maddaloni in der Provinz Caserta wurden befreit erlebt haben. dabei dürften es laut berühmt.2008 die Schulen geschlossen.den. die schließlich mit Baggern weggeschafft wurspotten die gegnerischen Fans die Spieler als »Müll. weil die Fünf sind bereits errechts. die jeden Quadratzentimeter Erde gesetz kontrolliert. Aber in Wirklichkeit empfinden sie gab es zum Beispiel im Hinterland plötzlich einen die Dauerkonfrontation mit dem Müll als unwür.dings ereignet sich der Notstand sogar häufiger als standes. war bisher ten oder nicht wollten. dessen Gestank derart aufdringlich in die Häuser drang. Mülltrennung funktioniert nicht in zwölf Lektionen. er kann in darauf und entfernen sich. Sie Müllkippe. wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl. denen die Clans der Camorra 50 Euro Müll begraben werden. schütten Alkohol und Benzin auch auf viele Wählerstimmen hoffen. Nur wer zünden sie die Videobänder an. Die ZEIT erklärt er Italien Macht. weil sie so etwas wie SozialkonFast acht Milliarden in zehn Jahtrolle impliziert. Wer aber viel Geld zu vergeben hat. links wie etwa deswegen nicht. TEIL 6 Italien ist uns fremd geworden. so wachsen jedes Jahr die Müllberge. In der D E R A U F K L Ä R E R Camorra kennt die fundamentalen Regeln von Angebot und Millionenstadt gibt es nur weniNachfrage. die arme Frau wurde deswegen von ihren Schülern gehänselt. immer wieder falnicht getrennt wird. Der dafür. Vor Weihnachten lagerten auf den ihre Stadt als »Müllhauptstadt« geschmäht wird. Einige ausländische Fußballer wollten an. und sie leiden natürlich auch darunter. wenn man versucht.Giftmüll das Grundwasser verschmutzen könnte. Dieses schmutzige Business ist jener Ort. Um den Müll ranken sich mittlerweile viele Gevertreiben inzwischen sogar Postkarten. kennt keine Krisen. auch in den entlegensten Dörfern. Franck Courtes/VU/laif Warum versinkt Neapel im Müll? IT ALIEN . In nung bedeutet weniger Abfall. ob desaströs. männer«. weil das Geschäft zu der Frage. indem man sie in allein in 2009 einen Umsatz von 20 Milliarden Brand steckt. In niger Verdienst für die MüllwirtRom regiert Berlusconi. der Mafia Neapel regiert die linke Mitte. Es gibt 16-jährige Jugendliche in Neapel. der darf auf politischen Erfolg hoffen. muss man eben viel Geld pro verbrannten Müllhaufen zahlen. dass einmal im Jahr. Die Cazent des Abfalls werden nicht wurde mit seinem morra benutzt den Abfall als Mitgetrennt und landen auf der Buch »Gomorrha« tel der politischen Erpressung. wie sie jeden Morgen von ihrer Wohnung zur Schule nach Neapel fuhr. Die Jungen lockermachen. Es ver. Die Regierung geblich wegen der Abfallberge erst gar nicht beim hat wie so oft Soldaten geschickt. Neuerunter der ständigen Wiederholung des Müllnot. Doch dazu kam es nicht uns das. um die Mülltrennung immer noch Berlusconis starker Mann in Kambilliger zu machen. Jeder Haushalt wollte dig. dann haben die Clans die Müllkonsortien mit ihren käme man bei einer Basis von drei Hektar auf Mittelsmännern infiltriert. die Fenster geschlossen halten mussten.de/saviano Fotos: Laura Lezza/Getty Images. InzwiMüll auch die sogenannten Entsorgungsgesellschaf. Ein beißender Fäulnisgeruch hatte sich in den Sitzen des Autos und in ihrer Kleidung festgekrallt. Es wurden jede Menge mit dem Abfall blüht. sellschaft Telecom Italia und zehnmal so viel wie Villaricca und Qualiano. Eine Lehrerin aus I T IO Wie von Geisterhand immer wieder da: Abfall auf den Straßen von Neapel Boscoreale erzählte mir. Auf jeden Fall leiden die Neapolitaner kalt. dass die Neapel ist die Müllkrise zum Normalzustand geNeapolitaner keine sauberen Menschen wären. das wirklich durchzusetzen.schen ist dieser Nicola Cosentino von seinem ten. Natürlich ist das grundlegende Problem dahinter das Fehlen einer nachhaltigen Abfallpolitik. den die Clans der Mafia verwalten und vervon der Camorra »entsorgen« zu lassen. Auf jeden Fall kommt der Schließungsbefehl immer plötzlich. aufeinandertürmen würde. Aber warum geschieht so etwas nicht in Genua. und wenn das geschieht. dass die verweigerten die Arbeit.10 12. Denn der sogenannte Müllnot. ja tioniert nicht. wenn austretende Flüssigkeit den Boden verschmutzt. Amt als Staatssekretär zurückgetreten – aber er ist die sich zusammentun. die wie eine Neapel zumindest zeitweise vom Müll befreien richtige Zündschnur funktionieren.Müll. Denn der Abfallberg 15 600 Meter Höhe. Wenn ganze Provinzen unter dem gendliche. Mailand oder Bologna. Das sind Konsortien mehrerer Kommunen. Hoffentlich nicht mehr lange. Oft sieht man da an den Stra. in denen der getrennwurden zur Bewältigung der Müllte Abfall zu Hause abgeholt wird krisen in Kampanien 780 Millio– die einzig effiziente Methode.unter seiner Regierung weiter. eine nur oberflächlich. je länger der Abfall nung nie funktioniert. die Postangestellten stand existiert seit 16 Jahren – also so lange. bei fließend. Es gibt da ein Dreieck im Hinter. das alle nur noch »Feu. dann handelt es Abfallentsorgung haben sich nicht mehr um einen »Notstand«. Abfall gibt es schließlich Der Abfall auf der Straße hat verheerende immer.mehr abgehalten – die Müllberge machten ein norgebracht ist.sind es erneut über 3000 Tonnen. um den Clans riesige Gewinne durch eine ineffiziente. einmal weg. Es Der Schriftsteller Müll kurz vor der Bürgermeistersind nur zu wenige. So absurd es klingt: In mer wieder behauptet. ver. Straßen und Plätzen von Neapel 3000 Tonnen Wenn der SSC Neapel auswärts Fußball spielt. nen Euro jährlich ausgegeben. und er wird sogar immer mehr. um die Grund dafür war der Müll. in Wirklichkeit geht der Notstand auch Bisher hat sich noch keine Stadtverwaltung ge.Aufträgen. er habe Neapel vom Müll Neapel ist Mülltrennung eine Antimafiaaktion. zes Jahrhundert lang neapolitanischen Hausmüll antwortet der Boss ungerührt: »Was kümmert hätten fassen können. und das schon auf der Straße liegt. solange er Italien eine Nation ist.zeit. Was die Politik.« – die Camorra füllte die Kippen umgehend mit Das Business der sogenannten Ökomafia Müll aus ganz Italien. Camorra-Clan und hat also ein langes Leben. ein Gewährsmann der Cadienen die Abfallunternehmen. Freiheit« trat Cosentino trotz des schwerwiegender getürkten Ausschreibungen und der gefälsch. es wurden keine Märkte Bezeichnung »Notstand« schon gar nicht mehr an. dann trenne ich auch. Diese Kippen füllen sich mit der Zeit. sondern nur in Neapel? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort. Am Geschäft mit dem Müll verdienen alle. Doch der Müllnoterland« nennen. und der Gestank reiste mit. dass die Leute die sich der Staat nicht kümmert. Die Neapolitaner Müllmänner eingesetzt werden.

Genießen Sie’s. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten. niemand soll sagen: Der Täter war ein so freundlicher Familienmensch! Es emittiert kein CO₂ und leistet keine Kompensation. aus dem Buch rieseln. Dieses Gedicht tötet kein Lebewesen. Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. wird es. Studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT. es lebt vorzüglich von Substanz. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell. Licht dringt ein.) Nicht war es die Zeit in solche Leere zu irren wie die morgens sehr früh als die Katze einer Amsel Gedärme über die Kellertreppe hochzog die rechte Zeit war es nicht zum Briefkasten zu gehen zu sagen: nichts heute nacht ist nichts geschehen nein nicht war es die Zeit nicht war es wahr nicht geschehen das Nichts als ich im Schlaf einem Kampf zusah: der Vogel im Sperrfeuer mir aus dem Grau ins Gesicht fiel nicht war es Zeit zu schlafen für sich sein nicht Zeit gleichzeitig die Katze zu loben und die Amsel begraben DANIELA DANZ. O. Das Gedicht rettet. es fliegt nicht nach Fuerte und sagt »Scheiß drauf!«. HENDRIK ROST. Im Frühjahr 2010 erschien sein fünfter Gedichtband »Der Pilot in der Libelle« im Göttinger Wallstein Verlag Foto: privat Die Lebenden sind Legenden aber was sind die Toten? (B. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. Ab und zu ritzt es sich mit Realität. Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. weil irgendwo Koniferen dafür gepflanzt werden. Es blutet nicht. lebt nach Stationen in Tübingen. Diesmal handelt eines unserer beiden Gedichte von der Erschießung Osama bin Ladens. während das andere sich mit dem starken Andrang moralischer Anforderungen in letzter Zeit befasst. Bitte verschonen Sie Ihre Liebsten. Dieses Gedicht ist nicht animalisch. Berlin und Leipzig in Halle (Saale). wurde im Münsterland geboren. Ihr letzter Gedichtband »Pontus« erschien 2009 im Wallstein Verlag Foto: Nils-Christian Engel POESIE NRO: 10 . das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte. wie wir sie seit 12. 1976 in Eisenach geboren. Bislang sind vierzehn Gedichte erschienen.POLITIK & LYRIK Seit dem 10. um sich zu spüren. Prag. und stirbt es einmal. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. ohne zu stinken. einige wurden am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 11 Anfang dieses Jahres erleben. sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. es besteht aus Luftgespinst und Liebe. Inkarnation In diesem Gedicht wird kein Fleisch gegessen. Jahrgang 1969. Lebt als Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Lübeck. Schlucken Sie nicht alles. Seine Übersetzungen (zusammen mit Mirko Bonné) der Gedichte von Rutger Kopland erschienen 2008 im Hanser Verlag.

Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. ZEIT ONLINE präsentiert Ihre Texte nun noch prominenter www. obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme. Nein. zurückzublicken. deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«.zeit. fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). hilft seinen Banken. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Und blähen sich weiter auf. dass diese Zeile falsch sein möge. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt.de/politik Volle Kassen Die gute Konjunktur füllt die Kassen von Bundesfinanzminister Schäuble.ohne Politikunion geht nicht. Wer nun den Griechen Geld leiht. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Bei jenem Thema. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. WFG Ein Land bleibt cool Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen Die Bürger bleiben cool. die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Athen vorweg. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person. bis die Kohle ausging.twitter. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird. Da schert es die Leute auch nicht mehr. Am Donnerstag stellen die Steuerschätzer ihre aktuelle Prognose vor. Für ZEIT ONLINE beschreibt. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). nicht die Kopie.com. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. damit fertig zu werden. vorzugsweise kalifornische Konzerne. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. doch die Deutschen bleiben cool. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht.zeit. also wird es teurer. Für Täter und Opfer. Lebensumständen. kommt schon ins Grübeln. wegen versuchten Totschlags. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten. sagen die Staatsanwälte. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer. Welche Begehrlichkeiten werden entstehen? www. Dabei hatten Statistiker. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat. wie sie Literatur und Quellen finden und korrekt mit Bildern und Statistiken umgehen www. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. STX Foto: Mathias Bothor/photoselection Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT erst ein Run auf griechische Banken. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. so wie schon mehr als 70. entscheidet das Gericht. die so noch niemand gehört hat. Am 9. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen.zeit. 3. Das Routinierte der Nachsicht jedoch. eine möglichst harte Strafe zu finden. der Täter habe gestanden. die Brüssel vorschreibt). es geht nicht darum. Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Der Remeduren sind nur drei: 1. 2. auf den Großen Vaterländischen Krieg. fotografiert und vertont er seine Erlebnisse www. Hier aber ist das Original zu sehen. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. das Signal aber ein anderes.de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG. Vielleicht zu zurückhaltend. weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie).zeit.com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. die Spione der Konsumwirtschaft. kann nicht sparen. dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Der Staat – im Bestreben. Griechenland. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www. den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt.de/reisen Werden Sie einer von mehr als 58. Volkszählung.de/schule ZEIT ONLINE auf Facebook FDP HAUSHALT FILM HÖREN Rösler übernimmt Neue Führung. singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern.12 12. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. Anklage ist nicht gleich Urteil. Ein Gespräch mit dem Filmemacher aus Kairo www. das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. der Eindruck. da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte.facebook. ZEIT ONLINE berichtet aus Rostock www. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei.com/zeitonline Foto: Denis Sinyakov/Reuters . haben so lange so heftig geheizt. Es wird zum europäischen Sozialfall. das klingt nach historischer Parallele. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. neue Linie: Es ist ein Parteitag des Umbruchs. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. singt sie. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus.000 Follower. wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig. Angeklagt wird Torben P. sei es wegen besonderer Grausamkeit. Ausbildung und Beruf gestellt. warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Und man wünscht diesen alten Herren. Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert.zeit. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine. Deshalb ist es auch legitim. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht.de/leserartikel Foto: Gordon Hempton Schreiben Sie für uns! Schüler arbeiten wissenschaftlich Bei ZEIT für die Schule erfahren Schüler. Es geht darum. So sehen Sieger aus. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung.zeit. D. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. das ist nur eine Schätzung. der neuen Volkszählung. sogar befördert.zeit. nach enormem Erregungspotenzial. Walker/Getty Images for DIFF Foto: Raigo Pajula/AFP/Getty Images Foto: Sean Gallup/Getty Images Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Schreiben Sie einen Leserartikel. verpufft die Wirkung der Sanktion. Und für die Öffentlichkeit. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. von 325 auf 340 Milliarden Euro. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 MEINUNG POLITIK Wer den Griechen hilft JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. von Untersuchungshaft verschont wird.« www. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Mord ist mehr als ein Totschlag. bräche das Höllenfeuer aus: HEUTE: 9. Allerdings darf man wohl annehmen. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. Er reist um die Welt auf der Suche nach unberührten Landschaften und unverfälschten Geräuschen. derweil EU. zu dem sich die FDP am kommenden Wochenende trifft.und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Wenn einer wie Torben P. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). eine besonders verwerfliche Tat. Mord und Totschläger Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden.2011 Erinnern Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Fazit: Wer den Griechen hilft. Athen nimmt Dampf weg. wer hätte das Recht. ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. um sich selber zu retten Die Kassandras haben recht behalten: Geld. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland.5. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt. Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback). Mai war Stichtag des »Zensus 2011«. richtig gemacht. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nun macht er die Ereignisse der Revolution zum Thema seines nächsten Films. meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. ja zurückhaltend. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. der Tathergang stehe fest. Erwartet wird ein Plus von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2015. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. Der Bruchpunkt ist jetzt.de/kultur Das Ohr zur Welt Gordon Hempton ist akustischer Ökologe. zur Heizung (Klimaschutz). Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein. wenn der Staat etwas mehr wissen will. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Das ist ein Mittelweg. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. was sie erst recht nicht könnten. ganz simpel.und Ausgabenpolitik – fahren. sollte es besser im Kasino verjuxen. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. die bekommt. Der ersten seit 1987. zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und. darüber zu spotten? F. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. sei es wegen »niedriger Beweggründe«.000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www. Ob Torben P. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Foto: Andrew H. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. die dem Opfer besonderes Leid zufügt. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und bei den Themen Euro-Krise und Energiewende droht Streit. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer.de/wirtschaft Nach der Revolution Der ägyptische Regisseur Magdy Ahmed Aly hatte die lähmenden Strukturen in Ägypten unter Mubarak beschrieben. Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Die Beweislage sei einfach. wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. dann mag das in jedem Fall begründet sein.

und doch ist dieses Foto ein Beweis ihrer Wirklichkeit. ein Ort.begann die Stationierung von größeren Verbänden ren nicht allein die Bombardements der Nato. Heute. Mit wirkungsvoller Unterman koordinierte Angriffe. will man das Land nicht in Schutt und Asche zurücklassen.Air Force und Spezialeinheiten – wie nun erneut bei beratern und Waffenlieferungen die Streitkräfte der Tötung Osama bin Ladens.Fehler. Die Operation sen – ein Fehler.) Mit gebremster Macht Die westliche Intervention in Libyen wird am Ende Erfolg haben – gerade weil sie auf Bodentruppen verzichtet In Libyen haben sich die Vereinigten Staaten Mittel. Die Schiiten wurden T H O M A S S PE C K M A N N Wirkung. war bereits Clinton.bündete Afghanen hätten einen Staat aufbauen rikanischen Beratungsfirma für Militärfragen können. das UN-Waffenembargo erreicht – aber um welchen Preis? zugunsten von Bosniern und Kroaten de facto Auch im Irak hätte sich ein neuer Staat ohne aufzuheben. beschloss Washington 2001 in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien erAfghanistan und 2003 im Irak den Großeinsatz halten hat.de. dass der Terror auf der ganzen Welt besiegt ist.Sicherheitskräfte verhinderte dies – eine Fehlenten schreckte der Westen auch damals aus gu. Bei näherem Hinsehen ist dieses Szenario allerdings wenig realistisch. ein Terrornetzwerk aufzubauen. wenn es zu einem Konflikt kommt wie zugefallen. ließen ihn die USA töten und unter Missachtung muslimischer Bestattungsbräuche von einem Flugzeugträger aus ins Meer werfen. dann aber im Lage. Auch der Terrorismus ist mit bin Ladens Tod keineswegs am Ende. studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT. Will der Westen auch in Konflikten wie in Libyen militärisch und politisch die Oberhand behalten. ren Kriegsverbrechen kam – war lehrt am Institut für Schon 1991 wurde der Volksmilitärisch so erfolgreich. Sie wird es auch im Fall Libyens sein. Für Ross gehört der amerikanische Jubel noch einer »abschließenden Zeit« an. Ein langjähriges Engagement mit hohen für sich. sondern höchstens ein Erfolg innerhalb der gegenwärtigen Epoche. doch im Gegensatz zu seiner zuversichtlichen Prognose wird die Gefahr größer. in dem einzelne Zellen unabhängig von einer zentralen Figur agieren. setzt der Westen in Nordafrika auf die den Terror« beschränkten die USA ihre Operationen Überlegenheit seiner Luftwaffe und unterstützt gegen dieTaliban und al-Qaida auf den Einsatz von mit Geheimagenten. wenn ihnen die vergangenen Jahre gegenwärtig wären? Die Gegenwart ist ein unmögliches Komprimat. Auch im ten Gründen vor dem Einsatz von Bodentrup.zugesichert. Nach den Langzeitstatistiken über 66 Konfliktherde.und Soziologie der Soldaten mitgetragen. Dies ist also leider nicht der Anfang einer neuen. So hat der Sieg ausgesehen. spricht für das britische Stiglitz drei bis fünf Billionen Dollar gekostet – Modell. aber zumindest keine Bedrohung Washingtons. wollten. im Angesicht dieser Vergangenheit und dieser Zukunft? Das Foto selbst ist ein undatierbares Dokument. die Paul Collier. die anderswo schmerzhaft fehlen. Fotos: Alexander Meledin/Mary Evans Picture Library/Interfoto.können. in diesem Moment. Sepgrad zur Waffenruhe zwangen – es war viel. was kommt. Nur wenige Wochen von den USA nach der Befreiung nach dem serbischen Massaker Kuwaits 1991 und angesichts der in Srebrenica waren die bosstark geschwächten Armee von nischen und kroatischen TrupSaddam Hussein zu offenem Wipen im Sommer 1995 in der derstand ermutigt. Denn dort haben sich die französischen Schutzversprechen mit der Entsendung von Kampfhubschraubern als genauso glaubwürdig erwiesen wie die britischen Garantien für Sierra Leone. sorgten auch die von Paris unterhaltenen Militärbasen in Afrika für Sicherheit – wie jüngst im Fall der Elfenbeinküste. Auch letzt im Jahr 2000. mehr ist nicht bekannt. Und Länder wie das chaotische Jemen stehen bereit. die bereits in früheren Kon. die ihm vor Ort wie an der Heimatfront die politische Unterstützung sicherten. Der arabische Frühling bedeutet nicht. Er schreibt. In seinem Leitartikel Ein Krieg weniger (ZEIT Nr. So hat er sich angefühlt. die kroatischen Streitkräfte im Kampf erreicht worden. ehemaliger Forschungsleiter der Weltbank. um den Terroristen neuen Unterschlupf zu gewähren. führte die Nordallianz in Afghanistan.Norden des Iraks warteten 1991 wie 2003 kurpen zurück. Der Erfolg. wo militärisch schlagkräftige zwischen UCK. westlicher Infanterie – rückblickend ein schwerer die Bosniens Serben und ihre Helfer in Bel. zusammen mit einer internatio.Erfolg führen können: Zu Beginn des »Krieges gegen zulassen. Es waren ihre Eine ähnliche Strategie brachte bereits im Truppen. um rasch einen neuchen. eine Gegenoffensive zu Kampf gegen die verbliebenen starten und mehr als die Hälfte Panzer und Kampfflugzeuge des von Bosnien-Herzegowina zuBagdader Regimes im Stich gelasrückzuerobern. In Wirklichkeit erwies sich ebendiese Zurückhaltung als die schärfste Waffe. zehn Jahre nalen Koalition. Der AlQaida-Chef war schlau genug. dass Politische Wissenschaft aufstand im Süden des Iraks von sich die Serben zu Verhandlun. nicht kleiner. waren keine Bodentruppen des Westens en Staatsapparat aufbauen und die eigenen Boeingesetzt worden. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit. der Name des Fotografen.dische Kräfte darauf. Hierzu zählten vor allem der Verzicht auf einen langwierigen Einsatz von eigenen Bodentruppen und die weitgehende Beschränkung auf Luftschläge und Waffenlieferungen – auch wenn sich dadurch der Krieg scheinbar in die Länge zog. an der Universität Oxford zusammengetragen hat. dass umgehend Truppen eingeflogen zen: Bis heute sind Tausende alliierter Soldaten werden. Doch die fahrlässige Auflösung der irakischen gleichfalls auf Luftschläge. und es war der Beschluss kratie geglichen. die in Kabul einmarschierten. Ein Jahr. an diesem Ort. Zehntausende wurden verwundet. Dies gelang ihm aber nur. Den Krieg am Boden der verbündeten Konfliktpartei vor Ort. würde sie dann so lachen? Könnte er so tief versinken in ihren Geruch und das Gefühl ihrer Haut? Könnten sie beide das. einem Politiker – oder einem ZEIT-Leser. der zwar nicht einer mustergültigen Demoausbilden zu lassen. Ihre Rolle übernahm die Kosovo.tember 2001. D. serbischen Truppen und der Partner fehlen. so verschwommen wie das Wissen über die Zeit seiner Entstehung. Wie heute in Liby. Die Nordallianz und weitere vergegen die serbischen Truppen von einer ame. mit eigenen Bodentruppen westlichen Interventionsmächten schließlich einzugreifen. Sierra Leone hat nicht nur Wahlen abgehalten. sondern um einen neuen Höhepunkt dieser aufgeheizten Atmosphäre. Ross gibt dies zwar zu. 20. Das ursprüngliche Ziel nach dem 11.Schwäche seiner Heimat eine unmittelbare Folge des flikten erfolgreich war: Anstatt sich wie in So. menschlichen wie materiellen Kosten muss daraus Anstatt sich die Strategie in Bosnien und im aber nicht entstehen. Afghanistan oder im Irak mit dem EinDabei hätte die amerikanische Strategie auf dem satz von Bodentruppen auf das Risiko eines Balkan auch am Hindukusch und am Golf zum langwierigen und verlustreichen Krieges ein. der allerdings leicht in Misserfolg umschlagen kann. weil er sich zugleich Einsatzrestriktionen auferlegte. Wie wäre so ein strahlendes Glück in Moskau im Jahr 1945 möglich. Anstatt bin Laden festzunehmen. Damit schüren sie Rachegedanken.Waffengangs im Irak.V. Wüsste sie. mit dem Tod von Osama bin Laden ende auch die irregeleitete Vorstellung des war on terror als Epochenthema. Militär. In Wirklichkeit handelt es sich aber nicht um einen krönenden Abschluss. angriff stoppten. Diese oppositionellen Doch um Symmetrie auf dem Kräfte hätten die Alliierten spätesSchlachtfeld und dann später tens bei ihrer Invasion 2003 föram Verhandlungstisch zu erreidern müssen. Aber den Kampf In Krisenregionen. 19/11) entwirft Jan Ross ein optimistisches Bild von der Zukunft. Der Wirtund ihre europäischen Verbündeten auf eine schaftsnobelpreisträger sieht in der ökonomischen Strategie besonnen. sondern auch einen Regierungswechsel friedlich überstanden. wie sie Sierra Leone von nen zu nehmen. (u. die dem gen bereit erklärten. die Zukunft entschlüsseln zu können.für den Westen dargestellt hätte. und der Westen solle sich dabei bescheiden zeigen. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor . Eine Alternative sind langfrisKosovo zum Vorbild für kommende Interventio. um ihn vor Gericht zu stellen – er wäre zweifellos verurteilt worden –. was war. dann sollte er die Tradition britischer und französischer InVON THOMAS SPECKMANN terventionen in Afrika und das kluge Handeln der USA auf dem Balkan zu einer neuen Doktrin verschmelzen: In allen Fällen war Bedingung für den nachhaltigen Erfolg. F. Deutsche Atlantische Gesellschaft e. der sich heute in – bei der es ebenfalls zu schweLibyen nicht wiederholen darf. nicht zu vergessen. Spezialeinheiten. Der arabische Frühling könne sich entfalten. was kommt. kann es für den Westen hingegen Nato entschied die Allianz aus Albanern und notwendig erscheinen. Ein Abzug aus Afghanistan wäre nicht sinnvoll. Saddam Husseins Diktatur Befreiungsarmee UCK. und dem. Das werden wir noch zu spüren bekommen.tige Sicherheitsgarantien. Nun werden selbst moderate islamische Kräfte radikalisiert und mobilisiert. Erst danach jugoslawischen Bürgerkrieg die Wende: Es wa. Wer widersprechen will. amerikanische Invasion aufbauen lassen – und das Diese indirekte Form westbereits direkt nach dem zweiten licher Kriegsführung zeigte Golfkrieg. London hat der Regierung in Freetown der eigenen Infanterie – mit fatalen Konsequen. damit bislang einen Allein der dritte Golfkrieg hat den amerikanischen Rückfall in den mehr als zehn Jahre währenden BürSteuerzahler nach Berechnungen von Joseph gerkrieg verhindert zu haben. Zwar mussten Wa. verfasst von einem Redakteur.stützung aus der Luft hätten sie sich selbst befreien shington und Brüssel dafür 78 Tage Bomben. haben UN und Nato ebenfalls nicht viel mehr Staaten einschloss. malia. krieg politisch rechtfertigen. dentruppen in die Heimat zurückholen zu könIm Kosovo-Krieg beschränkte sich die Nato nen. die schon damals islamische später. Gemeinsam startete loswerden zu können. Philip Dingeldey. ein Nichts zwischen dem. Ergebnis Universität Bonn Despoten nicht länger dienen war der Vertrag von Dayton. Afghanistan den islamistischen Terrormehr die Entscheidung von US-Präsident Bill gruppen als Rückzugsraum zu nehmen. als die Briten einen Rebellenökonomisch sind derlei Einsätze ein Desaster.POLITIK MEINUNG 12. dass der Westen militärisch Partei ergriff und damit den Konflikt entschied.scheidung mit gravierenden Folgen. er sei ein Rückfall in das emotionale Klima von 2001. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 WIDERSPRUCH Zu früh gefreut Der Terror ist noch nicht besiegt VON PHILIP DINGELDEY DAMALS: 1945 Vergessen Nur Ahnungslose träumen davon. und nur Verrückte wünschen.

MAROHN »Tarmac« VON CATHARINA KOLLER »Ein Ausbüxen gibt’s nicht mehr« Dass gemeinsam mit Interviewern meist auch Fotografen anrücken. Zu Besuch bei seiner legendären Familie Kulinarische Wüste: Wolfram Siebeck reist durch Ägypten und kostet aus der Küche der Revolution Der Schauspieler Robert Hunger-Bühler über den Tag.und Jugendbuch – die Politik ist überfordert VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« Microsoft Der Kauf von Skype FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen RUBRIKEN 2 44 Früher informiert! Die Quotenfrau Mit Formaten wie »Deutschland sucht den Superstar« hat sie die Konkurrenz überholt. Armin Falk. sagt Anwalt TOBIAS GOSTOMZYK 36 Was bewegt .zeit. 27 Kinderarmut Die Not ist viel 3 4 Foto: Anatol Kotte für DIE ZEIT geringer als bisher gedacht. RIETZ 39 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen VON BURKHARD STRASSMANN Reisende Max Frisch ein Zuhause VON BERNADETTE CONRAD 40 GESCHICHTE 21 Ausstellung Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö.8 MHz) und www. DINGELDEY beeinflussen Richter kaum.de Foto: AllzweckJack/Photocase von bin Laden lebt der Terrorismus weiter VON PHILIP J. GESCHICHTE SEITE 21 Geschichte eines Liedes aus Island – und wovon Europa singt VON D.zeit. Plötzlich gilt er als Verfassungsfeind VON ALBRECHT METZGER 20 WOCHE NSCH AU Eurovision Song Contest Die Vergeltung Ein junger Amerikaner über die Jubelvideos aus seiner Heimat VON PATRICK BRUGH Heuchelei Merkels Kritiker der Promotion ist nötig Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit VON THOMAS VAŠEK REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Sein »Königreich der Kunst« entzog sich zwar den Realitäten der politischen Welt. doch schon genug Bilder von ihr. getanzt von Sasha Waltz VON CLAUS SPAHN Kunst Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG 10 Italienische Lektionen Warum 33 Lettland Ein Krisenopfer kommt Neapel im Müll versinkt VON ROBERTO SAVIANO auf die Beine VON JAN PALLOKAT 34 Ratenzahlung Versicherer Gutes Gras: Blumen werden überschätzt. Zeitmaschine VON U. Angeblich weiß sie. Nach dem Gespräch – es ging um die Energiefrage – waren sich die ZEIT-Redakteure Giovanni di Lorenzo und Bernd Ulrich (oben im Büro der Kanzlerin) einig: Frau Merkel hat mehr Gesichter.de/ziviles-netz Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE Bayern feiert Ludwig II. MAI 2011 5 6 Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge VON A. STEINBORN UND C. TITEL Thema: Die Angst vor Alzheimer 14 AUSGABE: 51 Fernsehen Gespräch mit RTL- nur die Autokonzerne zu fördern VON PETRA PINZLER Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100. dem kostenlosen Newsletter www.-BRUNO KAMMERTÖNS . längst gibt es dort Räume.radioeins. an dem er fast ertrunken wäre 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG »Die Lebenden sind Legenden« 12 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE 59 Kunstmarkt Mit Asiatika erzielt Finanzkolumne 35 Kohle Deutschland sollte die das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde VON TOBIAS TIMM Museumsführer (101) Das Volkszählung Warum der Zensus niemanden aufregt VON S.. Öko- 62 GLAU BE N & ZW EIF E LN Islamismus Der Prediger Pierre Foto: Marco Valdivia sich über die arabischen Revolutionen VON GEORG BLUME Nachruf Zum Tod von Gunter Sachs VON H. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL FEUILLETON SEITE 51 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Worte der Woche Stimmt’s/Erforscht & erfunden Mario Draghi 25 Staatsschulden Der Harvard- im Geisterreich der Moral VON ADAM SOBOCZYNSKI 24 Macher und Märkte 54 Taschenbuch 56 Impressum 61 Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Das Netz zivilisiert sich selbst Das ganze Internet krawallig. Essay-Sammlung und ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra VON KATRIN GÖRINGECKARDT UND JOSEF JOFFE lasten von altersblinden Patienten Milliarden VON NICOLA KURTH Atompolitik Was der Chef von Greenpeace International will 29 Lebensmittel Ein Internetportal ein Bildband VON A. in denen Menschen respektvoll miteinander umgehen www.. in denen Selbstkontrolle funktioniert. LAMPARTER Kunst und Zensur Der Mut »EINE STUNDE ZEIT« iranischer Filmregisseure 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal VON THOMAS ASSHEUER Wörterbericht/Das Letzte 95 LESE R BR I E F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT. sagen Forscher VON KOLJA RUDZIO 28 Pharma Die Industrie verdient zu- Wiederbegegnung mit dem jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 53 Biografie. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95.: Haus d. SCHNABEL 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft VON CHRISTOPH DRÖSSER Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen VON WINFRIED SCHUMACHER 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei 44 Der Medienforscher Michael Stoll ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-alsauch-dagegen VON RALF ZERBACK Foto: Thomas Rabsch/RTL über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. es gebe. aber verrückt war der Mann keineswegs: Eine große Ausstellung in Herrenchiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II.kultur VON NINA PAUER Widerspruch Auch nach dem Tod nom und Verhaltensforscher? Vogel reagiert auf bin Ladens Tod VON ANNABEL WAHBA DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein WISSEN 37 Plagiatsaffäre Eine Reform Zucker und Wahn VON CHRISTOPH DIECKMANN weltoffenes Islamzentrum gründen. grob und unfair? Nein. SPECKMANN Kulturkanäle Das neue Fernsehprogramm zdf. Bayerischen Geschichte/Augsburg ThyssenKrupp Der schwerfällige VON HEINRICH WEFING 13 Libyen Wie der Westen erfolg- Konzern startet den lange fälligen Umbau VON JUTTA HOFFRITZ Prozesse Medienkampagnen reich sein kann VON T. und Gemeinschaften. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 80) Flüchtling zu sein VON A. BÖHM 54 Essay Eberhard Straub Generation Rösler Passen für Verbraucher ärgert die Industrie VON GUNHILD LÜTGE »Zur Tyrannei der Werte« VON HUBERT WINKELS Familie und Politik zusammen? VON TINA HILDEBRANDT nah 30 Kika-Skandal Gegenseitige Roman Nicolas Dickner 7 8 FDP Ein Gespräch mit Philipp Schuldzuweisungen Soziale Netzwerke VON A. hält Bundeskanzlerin Angela Merkel grundsätzlich für überflüssig.de/brief Historiker Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch noch die meisten Laster bauen VON DIETMAR H. glaubt der Landschaftsarchitekt Peter Wirtz. ISENSCHMID Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT 20 12.de/audio CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 96 ZEIT DE R LESE R Anzeigen in dieser Ausgabe Spielpläne (Seite 19). unter www.IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland 26 Elektroauto Warum es falsch ist. als sie zeigen möchte. BÖHM WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt 48 Kinder. sagt sie dann.zeit. SCHMIDT CO₂-Speicherung ausprobieren VON CHRISTIAN TENBROCK Justiz Eine milde Anklage im Fall Museum Rade am Schloss Reinbek VON SVEN BEHRISCH 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« VON GÖTZ ALY des Berliner U-Bahn-Schlägers Abb. Link-Tipps (Seite 28). Tiger« VON IJOMA MANGOLD Industriespionage wird erleichtert VON ULRICH HOTTELET 56 31 Telekom-Aktie Das Urteil in 9 Syrien Tagebuch einer Dissidentin VON RAZAN ZEITOUNEH Ägypten Die neue Regierung dem Massenverfahren steht bevor VON MARCUS ROHWETTER 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 32 Tunesien Der schwierige kämpft gegen religiöse Gewalt VON MICHAEL THUMANN wirtschaftliche Neubeginn VON KARIN FINKENZELLER 58 Brüssel Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. Das aktuelle ist zu sehen auf Seite 2/3 Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen 55 Margaux Fragoso »Tiger. Fotograf Anatol Kotte durfte trotzdem bleiben – für wenige Minuten. Museen und Galerien (Seite 45).

Die kleine Moschee am Ortsausgang liegt inmitten eines Gewerbegebietes. Der Imam will Deutschland beweisen. 16 Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . tolerant. mag er nicht. »Es muss darum gehen«. im Mai 2011. die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. das die Süddeutsche Zeitung in den höchsten Tönen lobte. so geht es los. »Was würden Muslime im Nahen Osten denken. Herr Imam! geschrieben. Er ermahnt die Männer. Bosnisch. »Wie Sie sicherlich in der Presse mitverfolgen. Zwangsheiraten hält er für einen Rückfall in die Steinzeit. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 15 Unter Verdacht Ein Imam aus Bayern will ein weltoffenes Islamzentrum in München gründen. Politiker aller Parteien sind begeistert. Bosnisch und Albanisch – Ausdruck der nationalen Vielfalt der kleinen Gemeinde des Imams. ein zweistöckiger Bau aus Kalksandstein mit großen Fenstern und einem Minarett. Englisch. weil Idriz nicht provozieren will. eine Zugstunde südlich von München. Idriz trägt stets ein mildes Lächeln im Gesicht. 21 12. die Stadt München sei informiert. Das Minarett hat deshalb keine Spitze. Bedroht er den Staat. Moscheen. später der Schweizer Pharmakonzern Roche Diagnostics. Jahrestag des Grundgesetzes. in den Sprachen Deutsch. Mai 2007 schreibt Imam Benjamin Idriz einen Brief an den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein. Nur wenn er auf die Kanzel steigt. die nach islamischen Eroberern benannt sind. Als Absender steht oben rechts die Islamische Gemeinde Penzberg.« Der Imam sucht Unterstützung für ein Islamzentrum. um ihm von einem neuartigen Plan zu berichten.DOSSIER WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest: Wovon Europa singt S. Sieben Jahre später schrieb er sein Diplom zum Thema »Emanzipation der Frau im Islam«. Arabisch. ist als solche erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Imam Idriz ist der Muslim. verurteilt er. aus dem Nahen Osten einstellten. sagt Idriz. und er wird sich fragen: Was ist nur mit mir geschehen? Und warum? Von Penzberg aus. oder fürchten Staatsschützer nur den Islam? VON ALBRECHT METZGER m 25. Er versteht sich als europäischer Muslim. Türkisch. Er hat seiner Moschee sogar einen deutschen Namen gegeben: »Islamisches Forum«. wenn Christen kämen und eine Kirche mit extra hohem Kirchturm errichteten?«. fragte sich Idriz. Sein Gesprächsangebot versteht er als vertrauensbildende Maßnahme. ihre Frauen gut zu behandeln. Fortsetzung auf S. das »Projekt fand großes Interesse und stieß auf einen positiven Anklang der Teilnehmer«. Er wird einen Rechtsanwalt engagiert haben und Gerichtsprozesse führen. Schließlich gibt es genug islamische Geistliche in Deutschland. und 2009. 20 GESCHICHTE Große Entkitschung: Wer war Ludwig II. Doch plötzlich gilt der Prediger als Verfassungsfeind. oft predigt er die Vorzüge der Demokratie. gegenüber ein Autohändler. zum 60. den sich Deutschland wünscht: weltoffen. 2005 eröffnete die Moschee. findet er. nebenan ein Getränkemarkt. »Sehr geehrter Herr Innenminister«. eloquent. dass der Islam zu Europa gehört und mit den Werten der Aufklärung vereinbar ist. Aber vier Jahre später. 1972 wurde er in Makedonien geboren. die ungleiche Erbverteilung. Jetzt möchte der Imam den Innenminister treffen. gilt als Erneuerer. dann siedelte sich der Lkw-Hersteller MAN an. Die Penzberger Moschee. Es habe schon zwei Treffen mit Münchner Muslimen gegeben. Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg. Benjamin Idriz. Idriz will der islamischen Welt den »Geist der Erneuerung« bringen. kleidet sich mit T-Shirt und Jeans. er sei ein unverdächtiger Mann. ein »europäisches Klima der Offenheit«. fährt der Imam in seinem Brief fort. wird Imam Idriz als Feind der deutschen Verfassung gelten. wurde auch der Islam heimisch in Penzberg. Mit 15 ging er nach Damaskus und besuchte ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt islamischer Theologie. wirklich? S. Die rechtlichen Anweisungen im Koran müssten aus ihrer Zeit heraus verstanden werden. Er hat eine Buch mit dem Titel Grüß Gott. setzt die Islamische Gemeinde in Penzberg seit Jahren auf die Schwerpunktarbeit einer gesunden Integration von Muslimen in die hiesige Gesellschaftsverordnung. Arabisch und Deutsch. Erste Kontakte mit der bayerischen Staatsregierung »sind bereits erfreuend zu A verzeichnen«. Seiner ruhigen Stimme hört man gerne zu. aus Bosnien. Bis 1966 war ein Kohlebergwerk der größte Arbeitgeber. setzt er sich einen weißen Turban auf und legt einen schwarzen Umhang um. Noch glaubt der Imam. Idriz rechnet sich nicht zu ihnen. kann man schon die Umrisse der Alpen am Horizont sehen. Ein Imam steht der Gemeinde vor und hält jeden Freitag die Predigt. das er in München gründen möchte und in dem er muslimische Geistliche in deutscher Sprache ausbilden lassen will. Im Gebetsraum der Moschee (Bild oben) dürfen auch Frauen beten Benjamin Idriz kam 1994 nach Penzberg und trat bald darauf seine Stelle als Imam an. Türkisch. Als die Firmen Menschen aus der Türkei. Den Bauplan sprach er mit dem Bürgermeister ab. er spricht fließend Makedonisch. welche die Söhne den Töchtern vorzieht. lobt er das politische System der Bundesrepublik. Progressiven Muslimen gilt Idriz als Hoffnungsträger.

dass die Islamische Gemeinde Penzberg aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen wird. das Milli-Görüș-Plakat angebracht habe. Das Treffen findet in den Räumen des Verfassungsschutzes im Innenministerium statt. der ihm nicht vertraut ist. Als der neue Innenminister vereidigt wird. es geht um Spenden an die islamistische Hamas in Palästina. Der Bau selbst würde um die 30 Millionen Euro kosten. Idriz. Er hat es mit einer Bürokratie zu tun. Außerdem ist er Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau. dass Herrmann sich daran erinnern und mithelfen werde. Dass ausländische Geldgeber das Projekt finanzieren wollten. was genau der Verfassungsschutz verfolgt: Was konkret wirft man ihm vor? Braun trifft sich mit Innenminister Herrmann. dann kannst du aber nicht damit rechnen. Im zentralen Gebetsraum. März 2008 der bayerische Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2007 veröffentlicht wird. In der Bibliothek stehen neben islamischen Klassikern die Werke von Islamkritikern. August 2007 macht das Innenministerium in einer Presseerklärung seine Bedenken gegenüber Idriz’ Projekt »Zentrum für Islam in Eu- Alois Glück von der CSU rät den Muslimen. bezeichnet Ibrahim el-Zayat im Februar 2007 als »Chef der Muslimbrüder in Deutschland«. von staatlicher Seite unterstützt zu werden. Marion Frisch. Diese kontroverse Welt möchte Idriz nach München exportieren. Doch Idriz versteht nur wenig vom Innenleben eines Innenministeriums. sagt der Imam. zwei Monate nachdem Idriz den Brief abgeschickt hat. Am 1. einer aus Saudi-Arabien stammenden Jugendorganisation. Glück hält Idriz für einen Hoffnungsträger im Dialog der Religionen. in Zukunft keine Probleme mehr zu bekommen – auch wenn islamische Organisationen wie Milli Görüș ihn jetzt für einen Lakaien der Staatsschutzbehörden halten. der frühere CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. die Bezeichnung sei eine zulässige Meinungsäußerung. Seine Worte provozieren die mächtigen Verbände und konservative Muslime gleichermaßen. 15 »eine Verbindung zwischen der Lehre und der Wirklichkeit herzustellen – eine auf die Bedingungen unserer Zeit passende Antwort: Was hat Gott gemeint?« Leider. Du musst wissen. er hat sich der Bewertung der Staatsschutzbehörden anzuschließen. meint der Imam. gebe Anlass zu der Befürchtung. beten auch Frauen. die Staatsschützer von sich überzeugt zu haben. dass sie verfassungsfeindlich sind. in der er sich erneut vom Foto: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . um ihr Münchner Projekt nicht zu gefährden.und Unterstützungsgemeinschaft. Viele Medien greifen das Thema auf. habe ihnen eine Presseerklärung vorgelegt. Er will kämpfen. sodass die islamische Kultur erstarrt ist. als er nach Penzberg zieht und sich der Gemeinde von Imam Idriz anschließt. Dennoch. Als Finanziers nennt der Imam Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Demnach sagte el-Zayat: »Du musst dich fragen. Der Anwalt ist über die Begrüßung pikiert. wofür du stehst. Wenige Wochen später lobt Staatssekretär Schmid in einem Brief die Distanzierungen der Penzberger von Milli Görüș. der sich allerdings bald auflöst. Es handelte sich um eine Koranrezitation. der sich gegen die Muslime wendet?« Imam Idriz: »Ich sage doch. aber er weiß noch nicht. wenngleich der Vereinsvorsitzende Bayram Yerli mittlerweile Schreiben vorgelegt habe. V. Außerdem hofft Idriz auf Zuschüsse der Stadt München. Es sei umgehend entfernt worden. zum Beispiel von der evangelikalen Autorin Christine Schirrmacher und dem Amerikaner Mark A.« Idriz geht noch weiter. dass ich damit nicht einverstanden bin. und nachdem Idriz ihm zu jener Zeit die Entwürfe seines Zentrums geschickt hatte. und Staatssekretär Georg Schmid aus dem bayerischen Innenministerium weist auf die Verbindungen zu Milli Görüș hin. der Imam bläst seinen Urlaub in Makedonien ab. Jetzt schaltet Idriz seinen Anwalt Hildebrecht Braun ein. Sie sind nicht glücklich mit der Presseerklärung und beschließen. was auf ihn zukommt Am 24. Februar 2009 trifft Braun unter anderem den Ministerialdirigenten Remmele. der als Kind aus der Türkei nach Deutschland kam. die sie sofort unterschreiben sollten. schreibt er. bekommt eine Zusage – und kurz darauf eine Absage: Der Innenminister sei verreist. März 2006. einzelne islamische Gemeinschaften für verfassungsfeindlich zu erklären. Geblieben sind all die Ministerialdirigenten und Ministerialräte. Jahrelang ist er Europavertreter der World Assembly of Muslim Youth. dass er aus diesem Bericht gestrichen werde. durch Mitgliedsbeiträge und die Verpachtung von Läden und einem Restaurant im neuen Zentrum. die Staatsbeamten auf Lebenszeit. Das stimme mit den Methoden der IGMG überein. In jedem Fall kommt es zur Unterschrift. aus dem Vereinsregister entfernt zu werden. denn die IGMG wird als extremistisch eingestuft. zuletzt in einem Brief vom 14. und das Gespräch ist beendet. müsse schleunigst daran arbeiten. Am 12. Mehrfach verlangen die Penzberger. Er wächst sich zum wichtigsten Beweisstück aus. »Sie sind ein erster und auch notwendiger Schritt Ihrerseits gewesen. Einer seiner Unterstützer ist Alois Glück. die auch die etwa 300 Moscheen der Islamischen Gemeinde Milli Görüș verwaltet. Allein für das neue Grundstück in zentraler Lage in München veranschlagt Idriz bis zu zehn Millionen Euro. »Einen negativen Automatismus gibt es nicht. doch im Berichtsjahr habe die Gemeinde erneut für eine Veranstaltung der Islamisten in Ingolstadt geworben. Es ist nicht deine Angelegenheit. es gehe nicht mehr nur um einen Dialog. Bei Idriz meldet sich Ibrahim el-Zayat. der IGD. ohne sich beraten zu können. nichts mit Milli Görüș zu tun zu haben. im April 2005 verklagt er die damalige CDU-Abgeordnete Kristina Schröder. Die Vermischung von Religion und Herrschaft habe dort zur »Entstehung und Zementierung von Despotien« geführt. Trotzdem hält der Ministerialdirigent Remmele an dem Vorwurf fest. Er soll herausfinden.5 Millionen Euro unterstützt. Eine islamische Organisation als »verfassungsfeindlich« zu bezeichnen wäre jedoch sehr ungewöhnlich für einen Imam und könnte ihm von muslimischer Seite viele Anfeindungen einbringen. dass die IGMG verfassungsfeindlich ist. bei denen direkte Bezüge zur eigenen Organisation fehlten. schöpft er Hoffnung: Joachim Herrmann war CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. Doch dann passiert etwas. Als am 30. In der modernen Moschee hängen nur wenige religiöse Symbole.« Idriz hofft jetzt. Aber selbst Oberbürgermeister Christian Ude macht sich angreifbar. eine zweite Presseerklärung zu veröffentlichen. die auch der dortige Oberbürgermeister besuchte – ein Mitglied der CSU. Er bekommt keine Einsicht in die Akten des Verfassungsschutzes. Du kannst ja sagen. sagt er. zum Beispiel für Deutsch. Am 21. gesellschaftliche Akzeptanz zu suchen und Ortsvereine zu gründen. Ibrahim el-Zayat selbst bestreitet jegliche Verbindungen zur Muslimbruderschaft.« Das sind die Worte. Da sind vor allem der Ministerialdirigent WolfDieter Remmele und die Ministerialrätin Marion Frisch. was genau gegen die Penzberger vorliegt. jeder könne ein und aus gehen. Er schreibt: »Dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz liegen Erkenntnisse über die Zuordnung der Islamischen Gemeinde Penzberg e. die sich vom Extremismus distanzieren wollen. Frisch sagt heute. Aus Penzberg ist neben Imam Idriz auch Bayram Yerli gekommen. Er verliert den Prozess. Er will aber nicht aufgeben. schrieb Herrmann zurück: »Das von Ihnen angestoßene Projekt ist sehr interessant und sollte auf jeden Fall Gegenstand eines intensiven und kontinuierlichen Dialogs zwischen Ihnen und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag bleiben. der dem Verfassungsschutz bekannt wird. Im März 2009 wird der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2008 vorgestellt – und wieder steht die Islamische Gemeinde Penzberg e. »unter der Trägerschaft einer extremistischen Bestrebung«. heißt es nun. die Verhandlungen über sein Projekt laufen weiter. dass dir islamische Organisationen in Zukunft helfen. darin. Idriz liest den Brief und ist geschockt. ohne zu fragen. Im August 2007 glaubt Imam Idriz immer noch an ein Missverständnis. in der Imam Idriz das Unterschriebene relativiert. Der windet sich und rät dem Anwalt. Allerdings lernt der Anwalt etwas über das bayerische InnenFortsetzung auf S. einem Gegner. Wolf-Dieter Remmele. Juli 2007. Geboren und aufgewachsen in Deutschland. der ihn noch Jahre später verfolgen wird. Die Presseerklärung sei in beiderseitigem Einvernehmen erarbeitet worden. Ende der Debatte. Auch Ministerialrätin Marion Frisch ist wieder dabei. antwortet ihm das bayerische Innenministerium. heißt es im Verfassungsschutzbericht. sie geben Männern die Hand. künftig keine Milli-Görüș-Mitglieder in ihren Reihen zu »dulden« beziehungsweise sie »auszuschließen«. neue Tatsachen müssten natürlich neu geprüft werden«. Deshalb gebe es auch keinen Gesprächstermin beim Minister. nachdem es entdeckt worden sei. Wer ist der Benjamin Idriz? Möchtest du jemand sein. Staatssekretär Schmid nimmt teil sowie die Sachgebietsleiterin Ausländerextremismus. die offensichtlich den Beteuerungen des Imams aus Penzberg nicht glauben. Idriz’ geplantes Islamzentrum in München. Noch hält die Stadt München zu Idriz. unterschrieben hat Ministerialdirigent Dr. »Diese Verantwortung obliegt allein den zuständigen Behörden«. dass du sie nicht unterstützt. heute Bundesfamilienministerin. außerdem sollen sie sich verpflichten. Das Innenministerium. Beide machen im Gespräch mit der ZEIT keinen Hehl aus ihrem Misstrauen gegenüber Idriz und seinen Plänen. Sein Verein sei noch im Jahr 2004 auf Mitgliedslisten von Milli Görüș geführt worden. und von Führungsmitgliedern der Gemeinde zu der islamistischen Organisation IGMG vor. Unter Punkt 5 soll sich Imam Idriz von jeglichen islamistischen Organisationen distanzieren. Bei der Imam-Ausbildung in deutscher Sprache will er mit deutschen Hochschulen kooperieren und hofft auch hier auf öffentliche Gelder. dass ein »fundamentalistisch geprägtes Islamverständnis« dahinterstecke. 1985 trat er in Bad Tölz einer Gemeinde der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüș (IGMG) bei. Die Penzberger aber gehen in den Pizza Hut am Münchner Hauptbahnhof und diskutieren. Am selben Abend noch erhält Idriz einen Anruf. Die Staatsschützer sehen weitere Verbindungen zu den türkischen Islamisten: Bevor die Islamische Gemeinde Penzberg 1994 entsteht. Der Imam will kämpfen. Die Geschichte lasse sich leicht aufklären. Die Gemeinde sei ein Beispiel für »formal nach außen hin vollzogene Distanzierungsbemühungen« gegenüber Milli Görüș. für die FDP. inzwischen ein grau melierter Herr von 63 Jahren. Idriz sucht den Kontakt zu den christlichen Gemeinden in Penzberg. wenn du gemeinsam mit dem Innenministerium der Meinung bist. hätten im Laufe der islamischen Geschichte »texttreue Dogmatiker« die Vorherrschaft bei der Koranauslegung übernommen: »Sie verteufelten im Namen der Herrschaft des Textes die Realität und die Vernunft. meint der Anwalt. Noch am selben Tag veröffentlicht das Innenministerium die Erklärung auf seiner Website. gibt es dort einen Ortsverein von Milli Görüș. »Als Imam können Ihnen die Verbindungen dieser Gemeinde zur IGMG nicht verborgen geblieben sein«. kann nicht darauf hoffen.16 12. Bis zum Januar 2010 ist er Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Deutschland. der Regionalverband Südbayern von Milli Görüș führt danach die Islamische Gemeinde Penzberg als Ortsverein in seinem Register weiter. Der katholische Pfarrer sagt dasselbe. März 2005 schließlich kündigt er schriftlich seine Mitgliedschaft bei Milli Görüș. der Vater ist Ägypter. Aber du kannst nicht sagen. um für die Zukunft eine neue Bewertung zu ermöglichen«. was auf ihn zukommt. gilt als verfassungsfeindlich. Sie begrüßt den Anwalt Braun mit den Worten: »Eigentlich treffen wir uns nicht mit den Objekten unserer Beobachtung. August vor. vor Gericht zu ziehen Imam Idriz hat noch nie einen Verfassungsschutzbericht in den Händen gehalten. Das Innenministerium habe die Unterschriften zur Bedingung gemacht. er hat mehrere Jahre lang im Bundestag gesessen. Der Emir von Schardscha hat bereits die Moschee in Penzberg mit 2. aber auch keinen fahrlässigen Umgang mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. Was soll ich tun?« El-Zayat: »Du musst das richtigstellen. der als extremistisch gilt. aber er weiß noch nicht. Gabriel. Yerli ist ein Schlosser. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Extremismus distanziert. die in Kairo ihren Ursprung haben und bis zum Umsturz des Mubarak-Regimes offiziell verboten waren. es sei nicht seine Aufgabe.« Imam Idriz kommt sich vor wie in einem Hamsterrad: Er läuft und läuft und kommt nicht voran. Das Innenministerium sieht die Sache anders: Diese Begebenheit bestätige die Nähe der Penzberger zu Milli Görüș. sagt Imam Idriz heute: Die Penzberger Moschee stehe immer offen. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Penzberg.« Gemeint ist offenbar Bayram Yerli. heißt es in dem Bericht. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. betont Ude. Den jährlichen Unterhalt in Höhe von 500 000 Euro will Idriz jedoch ohne ausländische Hilfe finanzieren. Er bleibt auch dann Mitglied. Mohammed Mahdi Akef. Imam Idriz: »Ich bin ja deiner Meinung. sagen die Penzberger. Gleich links neben dem Eingang hänge ein Schwarzes Brett. ist Staatssekretär Georg Schmid längst nicht mehr im Amt. Der damalige Führer der ägyptischen Muslimbrüder. Fortsetzung von S. andernfalls werde man das Treffen als gescheitert betrachten. Nach vier Stunden glauben die Penzberger. Erst sein Rechtsanwalt macht ihm klar: Wer im Verfassungsschutzbericht auftaucht. Die Münchner Polizei hört also mit und schneidet das auf Deutsch geführte Gespräch mit. die Islamische Gemeinde sei eine Zelle von Milli Görüș. ein Vorgang. schreibt Schmid. In einem unterwürfigen Brief an Staatssekretär Schmid bedauert er die »Irritationen« über sein Konzept und bittet erneut um ein Gespräch. sondern um Freundschaft. man sieht einige Frauen mit Kopftüchern und einige ohne. Und so bleibt unklar. wo jemand. Kenner der islamischen Szene bezeichnen Ibrahim el-Zayat als Strippenzieher. Sie ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes der verlängerte Arm der islamistischen Muslimbrüder. »Die bisherige Nennung im Verfassungsschutzbericht konnte alle anderen Eindrücke und Informationen nicht widerlegen. Seit 1994 sitzt er auf seinem Posten. V. wer du sein möchtest. könne nicht unterstützt werden. was ihre Worte waren. Andere Muslime halten den Imam jetzt für einen Lakaien des Staatsschutzes Aus der Sicht des Innenministeriums war alles ganz anders: Demnach sind es die Vertreter der Islamischen Gemeinde Penzberg. aber was ist die Lösung?« El-Zayat: »Das Richtige zu sagen. »dass es sich bei der IGMG um eine Organisation mit verfassungsfeindlicher Zielsetzung handelt«.« Tatsächlich veröffentlicht Idriz am nächsten Tag eine Presseerklärung. In dem Schreiben sollen die Penzberger erklären.und Integrationskurse. Trotzdem glauben die Verfassungsschützer in Bayram Yerli einen Islamisten vor sich zu haben. 17 Imam Benjamin Idriz (oben) beim Freitagsgebet im Gebetsraum der Moschee im bayerischen Penzberg ropa München« (ZIEM) öffentlich. Auch davon erfährt der Verfassungsschutz. mit dem das bayerische Innenministerium belegen will. Zur Zeit des Telefonats läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. er solle das Gespräch mit den zuständigen Beamten suchen. Idriz glaubt nun. die ihn als »Funktionär der Muslimbruderschaft« bezeichnet hat. und wer als verfassungsfeindlich gilt. Die Gelegenheit dazu kommt schneller als erwartet: Der Staatssekretär schlägt den 13. eine schillernde Figur in der islamischen Szene. Allerdings sagt er jetzt. das später eingestellt wird. der in Moscheen normalerweise den Männern vorbehalten ist. ein Vordenker der Partei. schreibt der Ministerialdirigent. womit die Besucher nicht gerechnet haben. Er kritisiert die islamischen Verbände in Deutschland für ihre Fixierung auf ihre Herkunftsländer. dass Imam Idriz mit Extremisten gemeinsame Sache mache. Idriz bittet um ein Gespräch. an die Braun sich erinnert. Von dem Vorfall gibt es zwei Versionen. »mit denen er um Streichung des Vereins aus dem IGMGRegister bittet und seine persönliche Mitgliedschaft ab März 2006 kündigte«. wenn er mit einem Imam verhandelt. sie wisse nicht mehr genau. andere islamische Organisationen zu beurteilen.

die beide eindeutig die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen möchten.benötigt werden. war ich einmal bei einer Tagung des VerfasZEIT: Ist das plausibel? Verläuft so die Radikali. habe der Ministerialdirigent Remmele erwidert: »Uns macht die Gefahr islamistischer Gewalttäter deutlich weniger Sorge als die Gefahr der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft. »Hildebrecht Braun hat das Gespräch verfälscht wiedergegeben. der zur Zeit des Kriegs im Irak Solidarität mit dem irakischen Volk fordert.Aber wenn sie Wertungen über ihre Organisabrüdern in Ägypten. Im Verscheeverein. da sagte ein Amtschef: Die schweren Zeiten sind vorbei. die ein Problem für Deutschland sei. auch wenn es die Fal. was denn so gefährlich an der Islamischen Gemeinde Penzberg sei. doch manche fürchten.sungsschutzes. Lange diskutiert der Vorstand der Gemeinde darüber. denn man trifft damit diejeni. Er ist das einzige nichtmuslimische Mitglied im Vorstand von ZIEM. Also üben sie das Lesen sie doch Kontakt zu ihnen hatgegen den Strich ein. er wolle Parallel. In diesem Fall lässt sich das Gericht ein Jahr Zeit. Auch der SPD-Bürgermeister von Penzberg. befriedigen. schen sind? Schiffauer: Ja. ZEIT: Wie entsteht ein Verfassungsschutzbericht? Schiffauer: Die Mitarbeiter fassen aufgrund verschiedener Quellen – vor allem von Informanten und Publikationen – Erkenntnisse zusammen. etwa um Pläne zu einem Attentat. wer einislamische Ordnung in Deutschland errichten fach Geld braucht. einer. zu zeigen. Im März 2010 schreibt Wimmer einen öffentlichen »Brandbrief«: Im bayerischen Innenministerium. kritisiert der Sozialwissenschaftler Werner Schiffauer Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. langfristig eine Organisation enttäuscht ist. die offensichtlich inspiriert seien von der islamfeindlichen Website Politically Incorrect. was aus ihren Erkenntnissen geworden ist. »Den Staat verklagen – da kann doch nichts Gutes bei rauskommen«. sondern Muslime. ich könnte gegen ihn eine gerichtliche Unterlassungsanordnung erwirken. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 17 »Da wird ein Popanz aufgeblasen« Um sich selbst wichtiger zu machen.« Hat er aber bislang nicht. er hat in Jerusalem an der Hebräischen Universität studiert. deren Methoden man mit der »antisemitischen Hetze« früherer Zeiten vergleichen könne. ZEIT: Diese Ermittler liefern Belege für eine politische Wertung. übertreibe der Verfassungsschutz seine Informationen unzulässig. Auf die Frage. Die Aussage »vom Verfassungsschutz beobachtet« wird gleichgesetzt mit: »ist verfassungsfeindlich«.Professor Werner den. Damit hat der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit eine Rolle übernommen. was fassungsschutzbericht von Baden-Württemberg man beobachten kann.« Und dann habe er noch von der hohen Geburtenrate der Muslime gesprochen. Ich kenne Fälle.ZEIT: Wozu brauchen wir den Verfassungssen. Auf einer Tagung hat zum te den Sicherheitsbehörden viel Schiffauer lehrt an der Beispiel ein führender Kopf von mehr Sorgen machen. es gebe Prosolche hoch individualisierten Viadrina in bleme mit gewissen antisemitiProzesse nicht beobachten kann Frankfurt (Oder) schen Äußerungen von Imamen. den Konflikt miterlebt. Die islamistischen Attentäter des Kommunismus hatten sie befürchtet. Eigentlich soll aber das Verfassungsgericht darüber entscheiden. Das Vorgehen des Innenministeriums bringt auch Idriz’ christliche Freunde auf. hat Bedenken. ein Dialogforum für Christen. Das ist für die Sicherheit unseres Landes schutz? Was wäre seine Aufgabe? kontraproduktiv. September 2001 Bundesrepublik bringen. Hat Ministerialdirigent Remmele etwas gegen den Islam? »Das ganze Gespräch drehte sich um islamischen Extremismus und nicht um den Islam«. 16 ministerium. schutzes? Schiffauer: Auf der untersten Ebene sind das die Inzwischen ist die Demokratie längst gefestigt. Der Verfassungsschutz ist aber nicht politisch unabhängig.Schiffauer: Er muss nachweisbaren Gefahren gen. Sie waren gerade nicht müssen nun auch etwas tun. oder auch. ZEIT: Heißt das. Und wenn tigen. man beobachtet eben. Die haben ein Berufsethos als unabhängige Ermittler. Dieses allgegenwärtige Misstrauen vativen Islams in die Gesellschaft einsetzen.tion abgeben. um stark bestimmt. wo aus ten. 18 meinden. macht sie die Integrationsdas Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu politik kaputt. fragt der ReligionswisFortsetzung auf S. So lautet die Version des Anwalts Braun. wie das Leben in einem Modie er sich deshalb zur Brust nehme. Was wäre. die in den Prozessakten des Verfahrens auftaucht. Auch wer für die Be. der zerrieben werden soll.mal seine Objekte auch selbst.wurde daraus: Der Funktionär bestätigt die Existenz von Antisemitismus bei Milli Görüș.sen. Seine Frau ist Palästinenserin.) DIE ZEIT: Was bedeutet es für islamische Ge- Große Fenster. Idriz’ alter Freund Alois Glück von der CSU rät den Penzbergern. die dann im Innenministerium die Behördenleiter rauf und runter gehen. Die sind von Natur aus problematisch. Lehrbeauftragter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München. den Herkunftsländern – etwa mit den Muslim. sind sie meist schnell wiescheinbar unbedenklichen Äußeder ausgestiegen. im Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden? Werner Schiffauer: Das kommt einem Urteil gleich. ist das mit Vorsicht zu genießen. Zum Beispiel wird aus jemand. Das soll. um Mitglieder »legalistisch islamisihre Beschäftigung zu rechtfertischer« Gemeinden. Heide Fest (r. in einer Zeit mit vielen alten Nazis und einer kommunistischen Gefahr im Kalten Krieg. das die Penzberger später gegen das Innenministerium wegen der Nennung im Verfassungsschutzbericht anstrengen. Am Ende kommt ein politisch gewichteter Text heraus. Nach 2001 wurwurzelte junge Männer. dass man etwas tut. ihnen könnte die Moschee genommen werden. wer von seiner eigenen Das Gespräch führte JÖRG LAU . ZEIT: Was sind »legalistische Islamisten«? Schiffauer: Aus der Perspektive der Sicherheitsorgane: Wölfe im Schafspelz. ich glaube. Nach dem Ende sierung? Schiffauer: Nein. wehrt sich Remmele im Nachhinein. weil ihnen das rungen durch Zuspitzung und Angebot dort zu langweilig und Selektion Verdachtsmomente werkompromisslerisch war. Informanten. der zur Rekrutierung von Selbstmordattentätern aufruft. Da wird dann ein Popanz aufgebla. Von Anfang an hat Stefan Jakob Wimmer. der der letzten Jahre waren entfremdete und ent. Bloß seien diesmal nicht Juden die Opfer. wahrung einer »islamischen Identität« eintritt. Sie sehen in ihm einen Hoffnungsträger. ZEIT: Welche islamischen Organisationen sollten Ihrer Meinung nach beobachtet werden? Schiffauer: Bei manchen Islamisten ist das absolut unstrittig wie etwa bei Hisb ut-Tahrir oder der Gruppe Kalifatstaat. es geht manchmal Wenn die Sicherheitsperspektive den Blick so mehr darum. dezentes Minarett: Die Penzberger Moschee soll Offenheit ausstrahlen Fortsetzung von S. Und die haben. Indizien dafür sind dann oft per. »Wenn wir den wegbeißen – wer bleibt dann noch übrig?«.DOSSIER 12. Juden und Muslime. Er ist zur Prüfinstanz der Verfassungstreue geworden. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat er die »Freunde Abrahams« gegründet. der bei Festen die Moschee in Lederhosen betritt. bei denen Beamte nicht sehr glücklich darüber waren. Einige von ihnen kenne ich seit Langem. Schwieriger wird es beim sogenannten legalistischen Islamismus. Sie wollen eine einstweilige Anordnung erwirken. wenn sie den Freistaat verklagen. Ein solches Eilverfahren dauert normalerweise wenige Wochen. Wimmer ist seit Langem im interreligiösen Dialog engagiert. wenn es um Sachinformatiosonelle Verflechtungen mit Organisationen in nen geht. Den- noch unterstellt man ihnen. die ihm ursprünglich nicht zugedacht war. vor Gericht zu ziehen. Sie halten sich an die Gesetze und verzichten auf Gewalt. war vielleicht in den fünfziger Jahren angemesZEIT: Was sind die Quellen des Verfassungs. so der Religionswissenschaftler. Solche Leute können zwar zu wollen. die sich den dann viele junge Islamwisim Internet selbst radikalisiert senschaftler eingestellt. die schon feststeht? Schiffauer: Das Material wird oft sehr zugespitzt und stark gewertet. die sich für die Integration eines konser. um die eigene gesellschaften bilden und die jungen Leute in Existenz zu rechtfertigen? Distanz zur gesellschaftlichen Ordnung der Schiffauer: Kurz nach dem 11. ZEIT: Schafft sich der Verfassungsschutz mancherregt schon den Verdacht. fragt etwa Mathias Rohe.nachgehen. Professor für Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen. Am Ende klagen die Penzberger gegen ihre Erwähnung im Verfassungsschutz- bericht 2008. Informant wird oft.Verfassungsschutz könnte als überflüssig betrachtet werden. sagt er. säßen Beamte. weil man Europa-Universität Milli Görüș gesagt.

als der Verfassungsschutzbericht 2008 veröffentsich der düstere Islamist Ahmad Khalifa für Imam licht wird. betreibt bewusste Fälschung. Für die Unterdrückung von Frauen oder die Scharia ist bei uns kein Platz. Islamkritik als »Islamophobie« abzustempeln. der im Widerspruch zu unserer freiheitlichen Grundordnung steht. der wollte. So verlangt es gangenheit als Imam der Waffen-SS das Landratsamt im bayerischen habe er.« Nachvollziehbare Positionen. die er dem Imam verschließen teren Gestalten. Verfassungsschutzbericht 2008 erwähnt. sagt el-Zayat. Frank Leonhardt/picture-alliance/dpa. Kurze Zeit spä. so ausführlich wie nie zuvor.glaube. Ungeachtet dessen bekommen zu haben. »Ich werde ihm berger im Bericht des Verfassungsschutzes. weil der im Islamischen Zentrum München. Jetzt wird Imam Idriz zu. auf die Schriften. Khalifa ist ein Prediger der ZEIT beschreibt er Imam Idriz als naiv.): Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT.« . einem en. wenn da nicht dieser eine Funktionär von Milli Görüș bezeichnet er Imam Satz stünde: »Neue Erkenntnisse über verfassungsIdriz als »Schwachkopf« und »Idioten«. dass laut Koran alle Christen ›Ungläubige‹ rum. Über dessen VerImam arbeiten darf.de aus Mitgliedsbeiträgen und den Mieteinnahmen chen. 17 senschaftler. und ein Beamter Wolf-Dieter Remmele zin: »Focus bedauert. lässt Minister Herrmann im Jahr 2010 einen Ministerialrat in seinem Namen an Pax Europa schreiben. hofft noch immer darauf.könne das aber nicht erkennen. mit berg Flugblätter: »Penzberger Bürger!. 1993 versuchte. sich nicht in der Lage. Andererseits: Ist es verboten. und sie ist erbost.Ministerialdirigent Zudem entschuldigt sich das Magatig zu verlängern. Die Verbindungen zur Islamischen Gemeinde Milli Görüș seien der am 3. Ibrahim el-Zayat zu telefonieren? Wer sich in dass die Islamische Gemeinde Penzberg mit Hilfe der der islamischen Szene in Deutschland engagiert.mischen Organisationen.auch an einer Konferenz in Südafrika teil. Sein Anwalt wendet sich ganz sche Innenminister Imam nehme sich die Waffen-SS nach oben.und mir wird vorgeworfen. Er glaubt. die Hoffder Idriz zuvor am Telefon genau davor gewarnt hat. »Ihren Unterstellungen trete ich mit Nachdruck entgegen«. verteilt die Organisation Pax Europa vor den Kirchen in Penz. zu dessen Wahlkreis Trotz dieser Irritationen halten Penzberg gehört. er könne sich mit dem Innenministerium eischee der Stadt. in dessen Anschluss Imam Seiten. Ausgerechnet diesen Hussein Integration funktioniert«. ich sei ein Extremist«. »wie SS. sich Unterstützung zu ho. März 2010 erscheint der Verfassungs. die mithilfe der Muslimbrüder gebaut nigen. in dessen Landkreis Penznichts gewusst. Gegenüber Ahmad Khalifa angenommen. Er hat erlebt. damit er als öffentlichte. bis dahin Weilheim. tauchen unbestreitbar. an Ministerpräsident Ed. heißt es jetzt über die Penznur noch peinlich«. eiwurde. oder Mamduh Mahmud Salim. oder berg liegt. Zehn Jahre später taucht der chen kommt regelmäßig vorbei. »Wir dürfen uns nicht scheuen.(oben) und der bayeridruck entstand. heißt es dazu. »Außer Ahmad Khalifa gab lügt er? es damals niemanden. Diese Beamten seien doch nur darauf aus.u. In einem Gespräch mit einem hohen wäre vollständig zerstört. heißt es. der so etwas Der Focus muss ein paar Wochen auf Deutsch schreiben konnte«.Regierung hat selbst Kontakt mit Ibrahim el-Zayat. ein Islamzentrum präsident veranlasste Prüfung durch das Bayerische könnte für die Muslime dieselbe Wirkung haben. Er bezieht sich dabei 1994 nach Deutschland kommt.wie das Jüdische Zentrum in München das jüdische ter trifft die Nachricht ein: »Die von Herrn Minister.Ibrahim el-Zayat oder Leuten.Penzberg. »wenn in einer bayerischen Behörde Personen mit offen antisemitischer Gesinnung mit der Zuständigkeit für jüdische Gemeinden betraut wären?« Kurz darauf erhält Wimmer Post von einem Ministerialdirektor im bayerischen Innenministerium. Statt sich von diesen Leuten zu distanzieren.wurde.Leben erneuert hat. dass im Koran an 27 verschiede.« mund Stoiber. die jedoch Pax Europa für seine Zwecke benutzt. Kurz darauf findet jenes Treffen im die Penzberger wieder auf. brüdern helfen lassen. Djozo zählt Imam Idriz zu seinen So auch für Imam Idriz. Im November 2010 erfährt Imam Idriz etwas Muslimen besucht. Sie warnt schon lange vor der Islamisierung der deutschen Gesellschaft und vergleicht den Islam mit dem Nationalsozialismus. wussten Sie. die Besuch in Penzberg: »Ich bin beeindruckt von der Islamische Gemeinde Penzberg werde zu Recht im Offenheit der Gemeinde. »Das ist ja widrige Aktivitäten«. die von der Evangelischen Akademie Tutzing veranstaltet gen aufgefordert wird?« Am 30. jemals Geld von zu jagen. weicht er im Gespräch mit der ZEIT aus.finanziellen Quellen.weiter zu Idriz. dazu Zeitungsartikel. und wieder tauchen Europaangelegenheiten. Ein ähnlicher Vorgang wiederleumdungsklage eine Gegendarstelholt sich fünf Jahre später. Im Mai 2010 urteilt das Verwaltungsgericht. aus denen her. Wer das Gegenteil behauptet. er habe sich von den Muslim.man. dass er die Shoah als »beispielloses das Landratsamt in Weilheim sieht Menschheitsverbrechen« verurteile. Integration von Muslimen bemühe. »Chapeau.und schutzbericht für das Jahr 2009. besucht sie demonstrativ die Gemeinde in Idriz starkmachte. die ihm nahestehen. antiemanzipatorische und menschenrechtsferne Mentalitäten. enthaltsgenehmigung ist abgelaufen. Der Frage nach den bericht erwähnt. Am entgegensteht«. April 2010. Ist Idriz naiv. nung ist kleiner geworden von Jahr zu Jahr. Was ist geschehen? Imam Idriz hat zweimal die Hilfe eines gewissen Angelegenheit bislang nicht geäußert. Er nahm im Jahr 2006 nen Stellen in Befehlsform zum Töten der Ungläubi. Sie gilt als europäische Anlaufstelle der Orga.Glaubwürdigkeit. dass sich die Penzberger Gemeinde um die schen Kultusgemeinde in München. Unter ihnen ist auch Marian Offmad Khalifa. der ältesten Mo. Peter Frischmuth/argus Angehörige der Islamischen Gemeinde Penzberg beim Gebet in der Moschee Fortsetzung von S. die Moschee wird von vielen unbescholtenen aus einer Immobilie. sondern geradezu notwendig«. in der Idriz schreibt. Sitten. Finanziert werde die Gemeingalt Khalifa lange Zeit als angesehener Mann in Mün. er besuche regelüber Hussein Djozo. »ergaben sich im Berichtsjahr jedenfalls nicht. »sondern gegen den Islamismus.o. CSU-Mitglied und Vizepräsident der Israelitivorgeht.Joachim Herrmann zum Vorbild. März 2011 veröffentlicht wird.« Die radikale Bürgerbewegung Pax Europa fühlt sich bestärkt vom Innenministerium. Auch der amerikanische Konsul in Münmals keine Bedenken. Und el-Zayat hat nicht nur Kontakt mit islasind? Wussten Sie.nen Keil zwischen die Muslime zu treiben. sie eigenmäch. beteuert Idriz. es ist Karfreitag. Staatsministerium des Innern hat ergeben. »Die die Penzberger darin auf. Die Penzberger die nichtmuslimischen Unterstützer schicken Stoiber einen Brief ihres Bürgermeisters und ein weiteres Schreiben von Ah. Obwohl Tag. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagt nach seinem Fall im Verfassungsschutzbericht auf. dass der Auch Bundesjustizministerin Sabine LeutheusserVerlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nichts Schnarrenberger von der FDP steht hinter Idriz. Der Staatsminister habe sich deswegen in Interviews immer dagegen ausgesprochen. Neues über sich: Unter dem Titel Hitler? Ach so veröffentlicht der Focus einen Bericht Ludwig Spaenle. schreibt der Beamte. Ibrahim el-Zayat selbst sich hat sich zu der ganzen zu bekommen. eine Aufenthaltsgenehmigung sagt Imam Idriz.18 12. »Kritik an bestimmten Ausprägungen des Islam ist auch in muslimischen Gemeinden in Bayern nicht nur legitim. wie etwa Mahmud Abouhalima. der Penzberger len. Gebräuche und Traditionen der muslimischen Minderheit klar zu thematisieren. dass er den Kampf gegen Ibrahim el-Zayat. einen bosmäßig das Islamische Zentrum Münnischen Militärimam der Waffenchen – es sei ein Beispiel dafür. Herr Innenminister«. gen Vertrauten Osama bin Ladens. die bayerischen Behörden gewinnen wird. Als er Vorbildern. Es stellt den Brief ins Internet. schreibt die Staatskanzlei. »Auf dieser Basis können wir Islamkritiker gut weiterarbeiten.« jetzt drei bis vier Geldquellen schließen. der umstrittene Strippenzieher. sagt später unter Androhung einer VerIdriz. und noch im Jahr 2008 rühmte sich der Staatsminister für Unterricht und Kultus. sprach ein Grußwort. extremistischen Milli Görüș gegründet wurde? Wuss. Idriz nisation und wird deswegen im Verfassungsschutz. diesmal auf zweieinhalb Innenministerium statt.kommt um den umtriebigen Funktionär kaum heten Sie. dass der Einrät Idriz. Emilia Müller. Die Arbeit des bayerischen Innenministeriums richte sich keinesfalls gegen den Islam als Religion. hatte das Innenministerium da. Benjamin Idriz Idriz die IGMG als verfassungsfeindlich bezeichnet. Khalifa hatte Kontakt zu vielen fins.« Der Kontakt zu el-Zayat schadet Imam Idriz’ Am 2. Ministerin für Bundes.n. Die Auflung drucken.« Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2010. die Hussein Djozo braucht er eine Bestätigung von einer nach dem Zweiten Weltkrieg verislamischen Autorität. Das Minarettverbot in der Schweiz hat sie begeistert gefeiert. das World Trade Center in die Luft Idriz hingegen bestreitet vehement. sätzlich vorgeworfen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Fotos (v.

sie hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten. Apropos Politik. weiterfliegen. so kurz vor seinem Tod. lebendiges Lied über die Wasserrutschen in Reykjavíks Thermalbädern. Der 20-jährige Axel Ehnström tritt unter dem Decknamen Paradise Oskar an. und wir helfen einander. Einen eingängigen Haken hat auch die Weißrussin Anastasia Vinnikova: »I love Belarus!« Ihre Liebe gilt dem Vaterland. Sein Bruder und ein Cousin haben das Video gedreht. »Es wird unsere Hommage an den Freund«. viele Hundert Jahre später entstand der Eurovision Song Contest. verfeinerte es und machte es zur Kunstform. Im vergangenen Jahr enthielt das Gewinnerlied wenigstens so etwas wie einen originellen physikalischen Vergleich. elf und 16 Jahre alt – besuchte. die es dieses Jahr ins Halbfinale geschafft haben. für Sjonnis Band The Flavors und für sein Soloalbum. weil Propaganda in Weißrussland verboten worden wäre. dass wir nur eine Wahl hatten«. du wirst nie ein Cowboy sein. »Es erzählt die Geschichte eines Menschen. Dann. Dabei verlangt es den Sänger ständig nach »Wodka!«. fast durchweg einer geistlosen Vögel-und-Engel-Metaphorik. Sie sagt: »Wir können Sjonni nicht ersetzen. der Amerikaner Gus Seyffert. die er oft mit den vier Kindern – sie sind jetzt drei. die nichts bedeuten. Dessen Zeile »Denn niemand kennt sein Wann oder Wo« hat sich als hellsichtig entpuppt. sag nichts mehr Zarte Ansätze von Komplexität sind womöglich in den deutschen Beitrag der Vorjahressiegerin Lena hineinzuinterpretieren. als man schreiben konnte. der es nicht abwarten kann. Das war der Sieg. Matthiasson singt. ja an alle Europäer. »Das Lied erinnert uns daran. halb Rock. du wirst wieder meine Liebe sein«. Sie werden ihren Auftritt so inszenieren. An jenem 17. Der mysteriöse Refrain fasst den Stand der Dinge zusammen: Taken by a stranger Stranger things are starting to begin Lured into the danger Trip me up and spin me round again Abou-Dakn hört im Refrain eine sexuelle Fantasie anklingen. um ihnen zu sagen. Eine Hirnblutung. der den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko mutmaßlich entzückte: Als ich einen Stern trug Damals in der UdSSR War ich so gut wie Mama Fühl meine Leidenschaft Wenn alles vorbei ist Wird dein Name wie die Sonne strahlen Du bleibst immer noch das Beste Schön altmodisch Kill mich mit einem Killer-Kuss Liebe mich mit üppigen Schenkeln Verkleideter Engel Die Ukraine setzt Angel dagegen. Einfach ist es für keinen von uns.) und Finale (14. hatte ihm geholfen. es hier. bewährter Stilmittel. wo ich hinmuss Und ich komme jetzt! Der Makedonier Vlatko Ilievski träumt währenddessen vom Wodkatrinken mit einer Russin. »oh-oh-pop oh-oh-pop«. Atomkraftgegner wissen das. wir sind in Gefahr Wir sind kristallweiß. seine Freunde singen statt seiner. der Kreuzreim tut ein Übriges: reimt sich rhythmisch. Und dass. in welchen Jahren Island später fehlte. Ich weiß. nicht etwa. So begegnet man in den 43 Liedern. Dann votiere man für Islands Beitrag Coming Home. einem Song. dessen Frohnaturstatus sich diese Woche einem Härtetest ausgesetzt sieht. In Da da dam erfährt sein kleiner Held Peter von seinem Lehrer. »da da da da da da«. »ouo uo uo«.WOCHENSCHAU Frohnaturstatus im Härtetest Kaum ist die Londoner Hochzeit verklungen. Es gilt in Düsseldorf als ein Favorit. »Die Kugel sei zur einen Schläfe ein. Viele. und ich weiß. in dem Sjonni sein Pferd hatte. dass Taken By A Stranger doch ein ganz guter »Hook« sei. Drei Tage lang geht es um die Endausscheidung beim Eurovision Song Contest. wie viele Punkte die Sänger in anderen Jahren sammelten. Aber lesen Sie 12. Seine Frau Thorunn Clausen. Es war ein Lied ohne Zweifel. sagt Matthias Matthiasson. Januar 2011 waren es noch zwölf Tage bis zur Vorrunde im Eurovision Song Contest. in denen von Augenbinden und Stühlen die Rede ist. Die Liebenden mögen ihre Flügel spreizen und wegfliegen. egal. Haben sich die Librettisten an Shakiras WMKiefergymnastik orientiert? Waka waka? Im spanischen Lied macht das »ouo uo« fast den ganzen Refrain aus. das Schicksal hat eine Geschichte geschrieben – siehe oben. seine Söhne und seine Freunde tanzen. aber die sechs Freunde zusammen können ihn vertreten.« (Mehr Düsseldorf auf S. niemals landen. Die Geschichte des Liedes aus Island VON DEBORAH STEINBORN Sjonnis Friends – sie trugen Sjonni zu Grabe. und dreh mich im Kreis.« »Wenn meine Zeit auf der Erde endet. es ist eine Schande. entschied sich ein Zehntel der Bevölkerung für sie. Der Impuls zählt. »ding dong«. 5. halb Folk. wieder geschossen. »Wie ein Satellit« wollte Lena in elliptischen Bahnen um den Geliebten fliegen. was auch geschieht.« Und natürlich Feudel und Eimer. Vielleicht hatte das Lied mit ihr zu tun. Freilich singen sie auch in Coming Home von wenig mehr als vom »Lachen in den Bäumen« und vom »Flüstern im Wind«. Ein Mann und eine Frau sind sich nähergekommen. Am Ende jeder Zeile endet auch der Satz. Es war ein Appell. Sjonni Brink sei zwar ein Rocker gewesen. sie geht. erklärt sie. das Leben so zu leben. dass sein Lied ausgewählt wurde und in ganz Europa gehört werden kann«. endlich ein bisschen Patriotismus zu hören. der an diesem Samstag in Düsseldorf sein pompöses internationales Fernsehende findet. behielt man das Singen bei. und das macht mich High und ich fliege. Beispiele? Lettland bringt Angel In Disguise an den Start. der sich nach Meinung vieler »stilvoll« aus dem Leben verabschiedete.) . ein Haken. ding dong! Beim Eurovision Song Contest starten 43 Länder: Wovon singt Europa? Eine Textanalyse VON CHRISTINA RIETZ I m Anfang war die Geschichte. Das Video zum Lied wurde in einem Stall bei Reykjavík gedreht. Aber beim europäischen Gesangswettstreit im Jahre des Herrn 2011. Der Schlagzeuger sitzt auf einem Sattel. Fotos [M]: ESC/RÚV/Gassi (2). nach einer Geschichte. Ich liebe Weißrussland heißt also das Stellvertreterlied. Der von den Briten immerhin zum besten Lied der vergangenen 25 Jahre gewählte Robbie-WilliamsSong Angels verliert an Kraft. als es nicht mehr von Bedrohungen durch den Westen spricht. und immer noch ging es um die Liebe. Masen Abou-Dakn. Der Lieddichter ließ sich nicht entmutigen und hatte flugs ein paar neue patriotische Zeilen auf Lager. Im letzten Moment hatte Sjonni Brink das Lied beim Wettbewerb eingereicht. Ursprünglich hatte sie einen Song namens Born in Belorussia eingereicht. Sigurjon »Sjonni« Brink. In den Foren des Internets gehen die Meinungen dazu auseinander. sagt seine Witwe. erklärt uns auf Anfrage. Und nun das: Er war als Solist schon bis ins nationale Halbfinale gekommen. als ginge es morgen zu Ende – eine Botschaft an seine krisengeschüttelten Landsleute. konnte Bild am Schreibtisch ermitteln. »Ein sehr merkwürdiges Gefühl. als noch niemand ans Aufschreiben dachte. würde Weißrussland einen Kantersieg hinlegen. da klingelte das Telefon: Sjonni habe gerade eine Hirnblutung erlitten. es ist der einzige gesellschaftlich ambitionierte Beitrag in Düsseldorf. Das Ganze ist grauenhaft und eine Schande für den Wettbewerb. »Ding dong« machen die »Glocken der Seele«. dass wir unser Leben heute leben müssen«. schöner Playboy. wie für Bild Schlagzeilen zu machen.« Sjonnis Witwe stimmte zu. Ein sauberer Schuss. vier Einheiten. Ganz anders 2011: »Warum er Coming Home ausgesucht hat. ausgerechnet. deren Haut so rein sei wie »ungeschlagener Schnee« und deren Augen so »schön und strahlend wie der Himmel über Moskau« seien. den »verkleideten Engel«: Wir leben menschliche Leben Wir sind Engel. er würde das gern fortführen. zum Mitsummen. Die beiden waren sich 2002 während der Arbeit am Musical Le Sing in Reykjavík begegnet. fünf. Oder man sehnt sich. diese Liebe uns wieder zusammenführen wird. »Als Sjonni dann so unerwartet starb. »wir mussten das Lied in seinem Namen singen. Und damit gleiten wir zwanglos nach Düsseldorf ins Rheinische über. »da da dam«. »Schön. außerdem hatte er die Theatergruppe Vesturport mitgegründet. und sein Leben war vorbei Na na na. »Bleib hier« oder »Wo bist du hin?«. wie die Witwe sagt. stets auf Kurs gehalten durch seine Anziehungskraft.« Zwei Tage nach der Beerdigung traten Sjonnis Friends erstmals auf. Die Gewinnerin des Jahres 1999 tritt nochmals für Israel an. heißt es im Lied. da gibt es kein Entkommen«. 2010 kam er mit Waterslide ins Finale: ein lustiges. Im Refrain treffen die beiden betonten Schläge des Viervierteltakts mit den metrisch betonten Wortsilben zusammen – der Refrain wird dem Hörer ins Ohr gehämmert. an dessen Wettbewerb es ja gerade teilnimmt. Noch vor dem Begräbnis versammelte die 35-Jährige sechs Freunde. uo uo. Thorunn Clausen produziert und managt. wird schon wieder gejubelt. Zwölf Tage. Später. dass sie nicht in ihrer Muttersprache singt!«. wir sind furchtbar traurig und doch so froh darüber. »Da da dam« heißt der Haken des gleichnamigen finnischen Lieds. Eine gesungene Geschichte merkte sich der frühe Mensch besser als eine erzählte. Sjonni war seit mehr als einem Jahrzehnt als Sänger in Island bekannt. im Finale. »na na-na na na na«. wie einst. Viermal schon hatte Sjonni Brink an der heimischen Vorauswahl teilgenommen. die dann in den Strophen. nach Hause zu kommen zu seiner Familie oder seinen Freunden. sie wollten zusammen frühstücken. und er habe alles gewusst: Wer im Jahre 1986 Island zum ersten Mal vertrat. Aber richtet ein Mann von Welt ein Blutbad an? Penthouse. alle aus der isländischen Musikszene. war uns allen klar. Unüblich war diese Zusammenarbeit nicht. an dem der Hörer hängen bleibe. »Aber die Strophen interessieren sowieso keinen mehr. Das »ding dong« stammt aus dem Lied von Dana International. Sie wollen nur noch wegfliegen und möglichst viele möglichst platte Metaphern aneinanderreihen. kaum ist Osamas Leichnam bei den Haien. zwei Tage später traten sie erstmals auf M atthias Matthiasson war auf dem Weg zu seinem Freund Sjonni. um die Welt zu retten. höher fliegen. wie Sjonni es gefallen hätte. präzisiert werde. besser kann man es nicht sagen. Für den könnte man stimmen. und gründete mit ihnen die Gruppe Sjonnis Friends. 5. bleibt mir ein Rätsel«. »Es ist Physik. Himmel! Mühelos erkennt der Analytiker vier Kategorien des Begehrens: »Komm her«. sagt Thorunn Clausen. wollen die Lieddichter keine Geschichten mehr erzählen. Man singt seit Jahrzehnten und durchaus Bedenkenswertes: »Wärst du doch in Düsseldorf geblieben. wenn »my pain walks down a one-way street« zu »mein Schmerz geht eine Einbahnstraße hinunter« wird. Der Text handelt von der Flüchtigkeit des Seins. aber auch ein großer Fan des Eurovision Song Contest. Dozent an der Mannheimer Pop-Akademie. Nigel Treblin/dapd (u. dass er sie liebt. »dass dieser Planet stirbt«. Taken By A Stranger ist ein Liebeslied der Kategorie »Bleib hier«. denn Sjonni ritt so gern. In Gstaad gibt es einen prominenten Toten zu beklagen.« Der Fairness halber muss man sagen: Übersetzung hat noch keinem Song gutgetan. Die Stadt hat sich auf das Event eingestimmt. welche Lieder es ins nationale Finale schaffen. finde ich dich. sang sie. Für Lenas Quasi-Sado-Hymne Taken By A Stranger bediente sich ihr Komponist. einige Tage später. mit 36 Jahren.« Die eingereichte Liebeslyrik ist in jeder Hinsicht grauenhaft. »chaka chaka«. »Raki!« – zur Hilfe! Viele Komponisten haben Buchstabengebilde eingebaut. bevor Matthiassons Freund Sigurjon »Sjonni« Brink mit Coming Home in der Hauptstadt Reykjavík auftreten sollte. eine Schauspielerin. So entstand das Lied. Seither bereiten sich die Freunde auf Halbfinale (10. und es fällt insofern etwas tauwettrig aus. das im Jahr 2009 erschien. sie übersetzte den Text ins Isländische.« Für den Song Contest zu komponieren sei so ähnlich. die anderen spielen.und zur anderen wieder ausgetreten«. Vier Verse. aber wenigstens nicht erzdumm. sogar nach dem Leben auf der Erde.) des Eurovision Song Contest in Düsseldorf vor. sagt Matthias Matthiasson. Dann würden die Isländer entscheiden. 65) Trauern und hoffen Eurovision Song Contest in Düsseldorf: Ein Sänger stirbt. informierte vor geraumer Zeit über das Berufsbild des Putzmannes im Sondereinsatz: »Wer Tatortreiniger werden möchte. aber da: »Wäre es der Eurovision Propaganda Contest. sondern weil es regelwidrig bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war. Er starb. geflogen wird auch wieder: Ding dong. die man aber gut mitsingen kann – als da sind »eeeeeh«. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 20 selbst (unten). »Komm näher«. Endausscheidung. Das will Peter verhindern: Und ich komme nicht zurück Bis er gerettet ist Ich werde zum König gehen und zum Parlament Und wenn sie nicht helfen wollen Tu ich’s eben selbst Im März musste das Lied zurückgezogen werden. der Verstand weniger. einen schlichten »Engel«: Wir sind Vögel Wir fliegen so hoch Und wir fallen runter Wenn ich von dir träume Ist mein Traum so furchtlos Wir sind Menschen des Planeten Deutschlands Lena singt quasi eine Sado-Hymne. kristallweiß Ich höre ein stilles Gebet. Am Abend vor dem Abgabetermin schrieb er mit ihr die letzten Zeilen auf Englisch. seitdem hatten sie gemeinsam Liedertexte fürs Theater geschrieben. muss starke Nerven haben. seine Witwe. heißt Ein dummer Text. mit betonten Schlägen Auf Deutsch hieße die letzte Zeile wohl: »Führ mich aufs Eis.

Bekanntlich kam es anders. Aber wer die Modellzeichnung sieht. Der Mythos ist viel schöner.« Daneben Bismarcks Diktum: »Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden [. »mir ging es um die Seele. Der Chiemgau war dem Hochgebirgsschwärmer eigentlich zu flach. Aber da wird der Alte grantig. In den Rohbauräumen wird die Landesausstellung gezeigt. nach Freiheit dürstet mich. Der König desgleichen. sie im »Sonnenkönig« inkarniert empfand und selbst ersehnte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Gehört Bayern zur Bundesrepublik? Sein Landtag lehnte 1949 die Verfassung ab S. Was wisst ihr denn vom Ludwig? Dass er der Sonnenkönig war. Abb. delegierte. damit er sich in eine andere Welt und Zeit versetzen kann. Empfing und sprach sie nie. Ludwigs Traumland Frankreich. am nächsten Morgen. Der Palast empfängt wie einst Versailles: mit der Escalier des Ambassadeurs im südlichen Treppenhaus. Ein Übriges taten Filme. Seine Majestät. Die Schlossbauten wurden Ludwigs »Hauptlebensfreude«. Oktober erzählt sie im Schloss Herrenchiemsee die Götterdämmerung König Ludwigs II. beförderte den kunstdurchglühten Jüngling 1864 auf den Thron der Wittelsbacher. Entschlossen ignorierte er das Wesen des konstitutionellen Königtums. I . Schön zeigt die Ausstellung Ludwigs Faible für die technische Moderne – im Kontrast zu seinem anachronistischen Eigenbild. ruft Esther Osenberg. Juni 1886 im Starnberger See öffnete Bayerns Regierung die Königsschlösser. das Volk. Mai bis zum 16. weiß: Auch Seelenatome haben ewigen Bestand!« Dann bricht er in lautes Gelächter aus. Fröhlich winkt uns ein Herr im Strahlenschutzanzug heran. sagt Stöffl. Auroras Strahl bricht durch purpurbeschleierte Lünetten und rötet den Raum. der fragt sich doch: Gibt es denn keine Richter mehr in Mainz? B. und es geruhte in Rheinland-Pfalz. mit aufgepflanztem Bajonett.. Nur das Lachen Demokrits dröhnt noch lange in unseren Ohren. Mit ähnlichen Worten entringt sich Tannhäuser den Armen der Venus. antworte ich vorwurfsvoll. 1873 wollte ein württembergisches Holzkonsortium die urmächtigen Bäume fällen. wobei die doppelläufige Protzstiege Ludwigs XIV. Sie erzählt von einem Müller in Potsdam. die ursprünglich nahe Linderhof im Graswangtal entstehen sollte. Wenigstens diesem idiotischen Akt des antifranzösischen Triumphalismus hat Ludwig sich entzogen. Verwirrt blinzeln wir ins Sonnenlicht.und Grafitblöcken – mitten in der Großstadt Chicago – die erste Kernreaktion zum Laufen. Als Mönch der Kunst müsse er sie leben und zur idealen Blüte bringen. Die Verlobung mit seiner Cousine Sophie von Bayern löste er 1867 auf. Nackte Ziegel. »Ja. locken heute Karussell. Ludwigs uferlose Schlossprojekte wurden zur einzigen Realität seines Königtums. Ludwig II. Wagner dankte es dem hochfühligen Monarchen mit Ideologie. 0821/329 51 21 ZEITLÄUFTE l y a des juges à Berlin«. Vom See her quarren Enten. Doch unser Führer drängt weiter.). wie er gestorben ist. erst vierzig Jahre alt. doppelt so groß wie das in Versailles. und die Familie lässt den Sarg nicht öffnen. Denn Ludwig hatte Gott gefunden: Richard Wagner. was aus meiner Idee alles werden würde«. Ludwig erfuhr es wohl nie. Ein Rehkitz äst. Alsdann diktierte Bismarck ihm den »Kaiserbrief«. So lautet die hübsche Pointe einer hübschen historischen Legende. Wir nähern uns dem goldenen Zeitalter der Physik. Primus Verlag. Ist euer Berlusconi auch ein Sonnenkönig? Schreckenskreischen. sie hatte sich in Edgar Hanfstaengl. Genug! Und dann die Erlösung: das nördliche Treppenhaus. Katalog (2 Bde. Wir kommen früh.90 €. Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr. Wären Sie dafür? Nein.. von empörten Fischern zu Hilfe gerufen. Die Schulden wuchsen. Das düstere Bild verweht. Ratlos staunend stehen wir im Paradeschlafzimmer. Unrecht zu tun. wo einer der besten Weine der Welt wächst. zelebrierte. Tod und Mythos. Königgrätz: Die Niederlage geriet katastrophal. Dort klafft der Wald. Er lebte im Zeitalter der Industrialisierung und Elektrifizierung. sondern durch Blut und Eisen. Chr. sagt er mit unverkennbarem Stolz. Da erkennen wir ihn: Demokrit! Der »lachende Philosoph«. nach Aufleben von qualvollem Alp. Eines fehlt: Wurde Ludwig von den Wittelsbachern exekutiert. Zum Weibe. baute. pff. daran besteht überhaupt kein Zweifel. Der plötzliche Tod seines Vaters Maximilian II. Ideell ist es ein Memorial der absoluten Monarchie. eine historistisch perfektionierte Nachschöpfung.. Wie er seine Gegenwelten schuf. in die Mündungsbucht des Grand Canal. der sich gegen Friedrich den Großen zur Wehr setzte und am Ende vor Gericht in Berlin obsiegte. Nein. Begeistert walzen die Touristenvölker dieser Welt durch Ludwigs Prunkrefugien. soeben hat Bayern die Orgie aus Gold und Brokat weihwürdig restauriert. sagt Isabella Modanese.« Der Schwulst ist Zitat. »Wie konntet ihr meine Theorie nur so missverstehen!«. Auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar am Niederrhein. Mai bis zum 16. Wallte durchs nächtliche Hochgebirge. schottete sich ab. Aber die Wissenschaft hat mir recht gegeben. als gottunmittelbarer Königskünstler. brummt er. täten wir kein Auge zu. links sehen wir die geisterhaften Gerippe von Fukushima. ruft er uns hinterher. Uns platzen die Augen. Heisenberg grübelt über der Unschärfe. aufkommender Sozialdemokratie und ähnlichem Erdenleid. behauptete. der Ludwig von Frankreich. herein«. In der Ferne erklingt Swingmusik. Die Ikone des Verklärten verdeckt die historische Gestalt. unteilbaren Einheiten zusammengesetzt. Augenrollen. Um Seelenfrieden ging es mir!« Unvermittelt öffnet er eine Tür und schiebt uns ins Freie. Zwei Jahre später befand sich Bayern im Krieg gegen Preußen. Durchaus war Ludwig kein bloßer Fantast. Mit 18 Jahren musste Ludwig König werden. Er lief aus dem Ruder. Sie inszeniert Ludwigs Lebensdrama in fünf Akten: Die Werdejahre. 22 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit ULRICH SCHNABEL Kernie’s Familienpark verspricht eine Kettenreaktion des Vergnügens. Man kann nur rätseln. Gegenüber liegt die Herreninsel. Und er baute. Drei Tage nach seiner Verhaftung und Amtsenthebung starb Ludwig. seufzt unser Führer und zieht den Schutzanzug aus. Doch was ist das? Bei unserem Besuch stehen wir plötzlich vor einer Attraktion. der Souverän ist das Volk. Da. imaginierte sein französisches Idol. Dem Wald verdankt sich das Schloss. Aber in der Pointe versteckt sich die ewige Hoffnung. Zucker und Wahn Eine große Ausstellung auf der Herreninsel im Chiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. Viele Schlossgemächer blieben unvollendet: funktionsloser Hohlraum. nach Freiheit verlangt mich. Er hat ganz viel Schönes bauen lassen. Kahl. versinken – unbewusst – höchste Lust!« War es so? Oder Mord? Und von Guddens Tod? Die Ausstellung bietet ein Pro und Contra möglicher Varianten und Motive. Der Dampfer Barbara wimmelt von Kindern. der Irrenarzt Bernhard von Gudden. die Kinderflinte. doch der Priener Bootsvermieter Stöffl hat noch auf. verknallt. von Bayern. Man weiß nicht. Er notierte in sein Tagebuch: »Sophie abgeschrieben.9 Prozent). Die Staatskasse konnte Ludwig nicht plündern. Wir betreten einen Geisterbahn-ähnlichen Tunnel.E. war ein bisschen verrückt.und Fortunabrunnen. Gewaltiger Skandal! Allerdings fühlte Sophie sich insgeheim nicht minder befreit als der entsprungene Gespons. Der Souverän also will diese grauenvolle Brücke über das Moseltal. weil er niemals einen Menschen sehen wollte. wandernd oder im Rokoko-Schlitten.« des Hauses der Bayerischen Geschichte (Augsburg) wird vom 14. [M]: Haus d. Der Wald blieb. 1870 provozierte Bismarck den nächsten Krieg und nötigte Ludwig zur deutschen Waffenbruderschaft wider Preußens »Erbfeind«. Wir dürfen schon vorher gucken. Man sieht Ludwigiana vom Taufkleid bis zu seinem letzten Regenschirm. Versailles war Hofstaat. von Venus malerisch umschlungen. Wie der König Krieg führen musste. Gleich am Eingang schlagen die Geigerzähler wild aus. 39. Oktober im Neuen Schloss auf der Insel Herrenchiemsee gezeigt. bis zum heutigen Tag. Ludwigs Ausspruch: »Ich hasse. Ändern soll das die Bayerische Landesausstellung 2011. das nie in Betrieb ging. die nicht im Plan verzeichnet ist: »Nukleus Panopticum« wirbt ein atomgelbes Schild.« Ludwig. zwischen Fama. erwarb die Herreninsel für seine Versailles-Kopie. Das Volk hatte die Wahl. an Österreichs Seite. das die Landschaft mit den uralten Rebhängen zerschneidet. Bayerns Modernisierung. finkt und piroliert.] hat sich in seiner Geisteszerrüttung selbst in den See gestürzt. Auch der Spiegelsaal von Herrenchiemsee steigert das Versailler Original. bereits 1752 wieder abgebrochen wurde. Der Ludwig liegt in der Gruft der Münchner Michaelskirche. er überbot es VON CHRISTOPH DIECKMANN W gar. »Atomkraft. baute.]. das ist der andere gewesen. Ihr dichter Wald birgt König Ludwigs Schloss. »es gibt noch Richter in Berlin«. Sein Finale bleibt dunkel. »Damals hat mir das ja keiner geglaubt. kichert er. Ludwig II. Machte die Nacht zum Tage. Wir entleihen den Nachen Hansl und rudern zur Insel. Die Krönung stieg 1871 ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles. Porträtpostkarte (1910) nach einem Foto von Joseph Albert 1863 Formal bietet dieses Chambre de Parade. Überließ seinen Ministern das Regieren. dass ein Richter den Souverän daran hindert. wie Ludwig II. im Flachwasser des Starnberger Sees. Nein! Barbara legt an. Nach Ludwigs Amtsenthebung wegen angeblicher Geisteskrankheit und seinem mysteriösen Tod am 13. Tel. nichts weiter. Der bayerische Ludwig kopierte. noch hatte er es vor. den Verlobungsfotografen. will dieses Monstrum. aber die Erbschatulle der Wittelsbacher. Parlament. Auf der Schlosstreppe. Südtiroler Schüler aus Meran wallfahrten auf König Ludwigs Spuren. Unterzeichnete. Eine Legende. erklärt Kathrin Holzknecht. Die Ausstellung »Götterdämmerung – König Ludwig II. In politicis war Ludwig rechtlich eingeschränkt. Also schwelgte er in artibus. erwartet uns geballte Ludwig-Kompetenz: der Projektleiter Peter Wolf vom Augsburger Haus der Bayerischen Geschichte sowie Katharina Heinemann und Sybe Wartena von der Schlösserverwaltung. Bayerischen Geschichte/Augsburg All das brach den Realpolitiker und trieb ihn in die Gegenwelt der Kunst. Denn wer das Wesen der Dinge erkennt. »Hätte nie gedacht. Enrico Fermi bringt in einem Stapel von Uran. dieses angekündigte Verbrechen betrachtet.. das Unzerschneidbare«. ich verachte den Militarismus. átomos habe ich das genannt. Man wollte den Verschwendungswahnsinn des Verewigten beweisen und mit den Eintrittsgeldern die Staatsfinanzen aufbessern. Fern und in letzter Sonne schimmert ein Orplid: Herrenchiemsee. damit Ludwig das ebene Land und den See nicht sähe und das Volk nicht seines Königs Schloss. Er wurde der Mäzen des sächsischen Komponisten.21 12. Darunter kommen ein antikes Gewand und Sandalen zum Vorschein. dieser Friedensbrücke vom Absolutismus zur Demokratie. politisches Zentrum.« Das wäre ein Tristan-Schluss: »Ertrinken. die alte Industrie-Partei SPCDU zu wählen (70.« »Ihnen haben wir also den ganzen Schlamassel zu verdanken«. Otto Hahn gelingt die Kernspaltung. der 400 v. nur für sich. ruft er mit fremdländisch klingendem Akzent und drückt uns Geigerzähler in die Hand. das bayerische Versailles. wünscht es. gestraft mit Kabinett. dass die Gerechtigkeit die Macht in die Schranken weist. Das Sterberegister vermerkt: »Seine Majestät [. »Mir ging es doch um etwas ganz anderes«. Letzteres glückte.. Der Chiemsee leuchtet im Abendschein. Es amselt. Dann käme höchstens die Wahrheit raus. Die heilige Mission des Königs sei der bewusste Wahn. Die Schifffahrt ruht bereits. sagt er. »Herein. ir kommen spät. gar zur Ehe zog’s ihn nicht. von Käutner bis Visconti. »Das waren noch heldenhafte Zeiten«. Vom 14. Er wurde zum Freak. der Kronprinz. Herrenchiemsee ist L’art pour l’art. blankes Licht. Zunächst durchwandern wir den wunderbaren Buchenwald. als Verschleuderer des Sippenschatzes? Davon orakelt mit Begeisterung unser Bootsvermieter Stöffl. Nie schlief er hier. Ließ mitternachts Theater spielen. eine funktionable Waffe. Namens der deutschen Bundesfürsten hatte Ludwig dem Preußenkönig Wilhelm die Kaiserkrone anzutragen. Die Kitschindustrie überkleisterte den »Märchenkönig« mit einer dicken Zuckerkruste. alpin überragt von Hochfelln und Kampenwand. In diesem güldenen Alkoven unterm Baldachin. Dort endete auch sein Begleiter. die Natur sei aus kleinsten. rechts den noch rauchenden Trümmerhaufen von Tschernobyl. Achterbahn und Kletterwand am Kühlturm.

Ein denkwürdiger Doppelbeschluss. ein Anhänger der Senats-Idee. wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. Mai erfährt man dort nichts. Wenn überhaupt. Mai 1949 halten Hundhammer wie auch Bayernparteiler flammende Reden für ein freies Bayern. schallt es von dort zurück. das Grundgesetz abzulehnen. und zwar – oh Wunder! – in denselben Punkten wie die CSU: Die Bundesrechte seien zu stattlich. so lautet das Ergebnis. Es gebe »keine Freiheit in Portionen« und »auch kein Deutschland in Portionen«. die in Bonn ein Verbindungsbüro unterhält. Mai das Grundgesetz in der Pädagogischen Akademie zu Bonn feierlich verkündet und unterzeichnet wird. finden dort Unterschlupf. Gut 70 Prozent aller abstimmenden Bayern billigen am 1. Doch seltsam: Auf der Internetseite der CSU findet sich zwar eine detaillierte Chronik jener Jahre. Thomas Dehler.o. Dann stimmt eine große Mehrheit gegen das Grundgesetz. es verkommt zu einem Klein-Klein. Die SPD hat eine »Interpellation gegen die Bemühungen monarchistischseparatistischer Kreise in Bayern« eingebracht. ist von bayerischen Experten verfasst. Prompt schießen die Wogen hoch. wo der allzeit explosionsbereite Kurt Schumacher sogar das Recht auf einen eigenen bayerischen Landesverband der SPD infrage stellt. einem SPD-Mann. Gemeinsam heckt die Rhein-Isar-Entente eine »Bundesrats-Lösung« aus. dass sich die Bevölkerung für den Wiederanschluss an Bayern erklärt. die sich als junge Alternative empfiehlt: die Bayernpartei.8 Prozent. Vaterland« soll es jetzt »Heimaterde. In seiner Bilanz hält er als einen Haupterfolg den »Kampf um die Eigenstaatlichkeit Bayerns« fest. der Heros des rechten Flügels. der »Entwurf eines Grundgesetzes«. sofern die meisten anderen Landtage Ja sagen. einer »Bundesrepublik«? Um neun Uhr morgens beginnt die Debatte. Doch eigentlich will Ehard den Beitritt Bayerns zum Bund. des Bundesrats. »Ich traue den Herren. Heimaterde. Mai dann die entscheidende Sitzung. gut ein Jahr. Einmal platzt Ratspräsident Adenauer der Kragen ob der »bayerischen Parteifreunde«. warum dies nicht genug ist. Als V-Mann Ehards dient der gebürtige Pfälzer Anton Pfeiffer. tönt es von links nach rechts. »an einen Heizkörper gelehnt«. auch wenn er es sich noch föderalistischer gewünscht hätte. Einigen Herrgottswinkel-Advokaten ist das Ganze auch zu wenig christlich. der keinem der Flügel angehört und der zudem auch der SPD zu vermitteln ist. ruft Thomas Dehler. Es gibt jedoch einen Ausweg. der am 1. kennt. dies gegebenenfalls zu verweigern. lädt er Experten aus den elf westdeutschen Ländern für den August 1948 auf die Herreninsel im Chiemsee ein. kritisiert die Finanzverfassung und die zu geringen Rechte des Bundesrats. Aus der SPD-Fraktion sind »Pfui«-Rufe zu hören. Mai geht es im Landtag zur Sache. Dabei zeigte vor allem die CSU schon früh ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen VON RALF ZERBACK Vom Wählervolk ganz zu schweigen. Spannend wird es. Die CSU habe »immer und immer wieder« die Frage der Bundes. ist ebenfalls nur kurz im Amt. auf die SPD entfielen 28. Alois Hundhammer (mit Bart) und Josef »Ochsensepp« Müller (M. Die Militärregierung kennt Ehards Nöte und billigt am 5. die CSU. Von Pfeiffer eingefädelt. Ehard muss um seinen Doppelbeschluss fürchten. in einer zweiten Abstimmung im Landtag dann ausdrücklich den Grundsatz der Zweidrittelmehrheit zu billigen und das Grundgesetz für rechtsgültig auch in Bayern zu erklären. Der Bund ist ihnen im Grundgesetz-Entwurf immer noch viel zu dominant geraten. einen strammen Konservativen. die CSU. Die Bayern querulieren weiter. Zwar empfindet Pfeiffer den Beistand als »peinlich«. Der Nachfolger Schäffers. September seine Arbeit aufnimmt. der regelmäßig in die Debatten eingreift. der den Versammelten einen Verfassungsentwurf präsentiert. versuchen. in der die Länderregierungen das Sagen haben und nicht – wie bei der »SenatsLösung« – die Wähler. denn noch immer ist es unpopulär. die fernher vom Norden der grimmige Preusse / Heldentümlich bedroht. Auf Druck der Amerikaner war der Artikel ohnehin umformuliert worden. Am 15. stehe dem christlichen Glauben an die göttliche Allgewalt diametral entgegen. Theodor Heuss reimt ein ABC des Parlamentarischen Rates. später Bundesvorsitzender der FDP.n. empfiehlt er seinen CSU-Freunden nun die Zustimmung: Man könne nicht immer Nein sagen. Und setzen ihren Kampf sogleich fort. meinte bereits 1946 der spätere Landtagspräsident Michael Horlacher. »Landesverräter!«. In ihr versammeln sich Anhänger eines souveränen Freistaats.). Der erste Nachkriegslandtag versammelt sich am 21. lange nach Mitternacht. Zudem beinhalte Artikel 178 der neuen bayerischen Verfassung. mit ihrem Nein geselle sich die CSU den Kommunisten zu. Überall herrschen Zerstörung und Mangel. der SPD-Mann Wilhelm Hoegner. Schon im Mai 1945 haben die Amerikaner Fritz Schäffer zum Ministerpräsidenten ernannt. dass die Mannen um Hundhammer und Schäffer zur Bayernpartei wechseln. 97 Parlamentarier bekennen sich zur Rechtsgültigkeit der Bonner Verfassung. Auch Hans Ehard setzt seinen Namen unter die Urkunde. ferner als »Volks-«. da es sich noch nicht um Landtagswahlen gehandelt hat. Angst dazu noch vor einer anderen Partei. Das alles aber hindert Bayerns Politiker nicht. davon sind acht Mitglied der CSU. Doch keiner von beiden hat eine Chance. Orgeltöne erklingen.u. und nun. Doch heute wird im Plenum über eine andere Verfassung abgestimmt. ist in sein neues Quartier. Außerdem muss er einerseits Hundhammer vom Vorwurf des Separatismus freisprechen. Doch die Bayern siegen. Es ist der 19. streitet indessen hingebungsvoll vor sich hin. ist Fraktionsvorsitzender. Am Ende freilich bekennt er sich »angesichts der weltpolitischen Lage« zur neuen Konstitution. ja zu Deutschland. Clay hält in einem Schreiben fest. Zugleich finden die ersten Landtagswahlen statt. Lediglich die verlorenen Westgebiete – die Rheinpfalz und der Kreis Lindau am Bodensee – stehen unter französischer Verwaltung. Bayern habe eine »Chance. Zumal das Verfassungswerk zu einem beträchtlichen Teil sein eigen Kind ist. damals bayerischer. Aus allen Winkeln des Freistaats sind sie nach München geeilt. . So kann die CSU in Bonn wie in München guten Gewissens gegen das Grundgesetz stimmen – folgenlos. Immer wieder hat er wegen seiner Heimatliebe Rüffel von der SPD-Zentrale in Hannover erhalten. »Separatisten!«. Er ist sogar Leiter der CDU/CSU-Fraktion. hinzu kommen fünf Abgesandte aus West-Berlin. säuberlich getrennt nach Konfessionen. weiß-blau glühen die Herzen der Volksvertreter.« Die Mehrheitspartei der Konstituante. Dort ist er. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. Der Text bildet eine wichtige Basis für den Parlamentarischen Rat in Bonn. Man träumt von einem Aufstand des Volkes gegen das Grundgesetz. Mehr noch: In einer höchst akrobatischen Volte kommen Ehard und seine Christgenossen auf die Idee. Um die Souveränität zu betonen. talwärts gezwiebelter Turm / Hüten die Freiheit. allein in der Hoffnung. Doch da passiert etwas Seltsames: Ehard empfiehlt. Josef Müller. Bayernpartei und SPD. Aber über das gloriose Votum vom 20. Doch er wütet umsonst« – umsonst. gezogen. Doch da revidieren die Alliierten ihr Urteil und zeigen sich am 22. Staatsstolz wird das Land in den ersten drei Artikeln als »Freistaat« – also als Republik –. nicht ahnend. bloß zwei Gruppen: entschlossene Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit und feurige Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit. Der Argwohn der Südländer ist gewaltig.). Es folgt die zweite Abstimmung. Man sollte also meinen. lässt in Abwesenheit zu Protokoll geben. Die Alliierten und der Parlamentarische Rat haben festgelegt. wonach Bayern einem künftigen deutschen Bundesstaat beitreten wolle. bis 1933 war er Vorsitzender der Bayerischen Volkspartei. Schon bei der Wahl von Hoegners Nachfolger kann man sich nicht einigen. Statt »deutsche Erde. Dezember 1946 die neue Verfassung. Bald kommt es zu Spannungen zwischen ihm und der Militärverwaltung. die Heraufkunft eines »gottlosen Zwangsstaats«. Da kommt Hilfe in höchster Not. Am 1. 101 zu 64. denn in einer Probeabstimmung hat sich Hundhammer beim zweiten Teil der Kompromissformel – dem »Ja zu Deutschland« – enthalten. Hundhammer werden – nicht zum ersten Mal und nicht ohne Grund – separatistische und monarchistische Neigungen nachgesagt.GESCHICHTE 12. dann wollen sie nur einem stark föderalistischen Deutschland beitreten. »nachdem im Sinne der Bayern die Entscheidung gefallen ist«. Auch die Diskussionsgrundlage. Das Elternrecht sei geschmälert. zu streiten für Bayerns Freiheit. Denn er selber ist es. Vaterland Gehört Bayern überhaupt zur Bundesrepublik Deutschland? Im Mai 1949 lehnte sein Landtag das Grundgesetz ab. eine Verfassung. hatte es doch zunächst »deutscher Bund« und nicht »Bundesstaat« geheißen. Mai die Ablehnung als visionären Schachzug präsentiert. »Rechts-«. treu dem Hause Wittelsbach. Am 19. der »Ochsensepp« und Vertreter des liberalen Flügels. 14 Abgeordnete stellt Bayern. andererseits ihn dazu bringen. die SPD zu sich herüberzuziehen. als die Amerikaner ihm zunächst das Hissen der geliebten weiß-blauen Fahne verbieten. er lebt in Frankfurt a. Unten: Hundhammer stimmt ab weiterer Entwurf hervor. die Formel. einen eigenen bayerischen Staatspräsidenten. Ehard muss dem Hundhammer-Flügel etwas bieten: das Nein zum Grundgesetz. Seinen größten Coup landet der Bayer bei der Gestaltung der zweiten Kammer. Der Landtag. Jetzt steht die Ratifizierung an. Er will ein breites Bayern-Bündnis schmieden mit BonnGegnern aus CSU. auch die Monarchisten. Ehard aber ist zufrieden. Juli 1946 tritt die Verfassunggebende Versammlung in München zusammen. Die beiden Hauptkontrahenten innerhalb der CSU. die Liberalkonservativen und die Erzkonservativen. was er an Länderrechten im Grundgesetz durchgeboxt hat. die der CSU erneut eine kräftige Mehrheit bescheren. bedeute die Sache plötzlich nichts mehr. um einen Kandidaten gegen den jeweils anderen Flügel durchzusetzen.). Unterm Arm tragen die Parlamentarier die Verfassung des Freistaats Bayern vom 2. Die neue starke Kraft im Lande. führt den Vorsitz. Die beiden Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei und die beiden Kommunisten (alle vier aus NRW). die SPD jubiliert. der »die föderalistischen Prinzipien im neuen Bundesstaat stärken« werde. die Beleuchtung schummrig. die sich – verdächtig bescheiden – »Grundgesetz« nennt. Grafik: Anne Gerdes gefährdet. Schon am 13. seit 1910 priestergeweiht. Die US-Besatzer haben ihre liebe Not. Was treibt ihn um? Es ist die Angst. ist Parteichef. Waldemar von Knoeringen (SPD) reizt die Rechte bis aufs Blut mit der These. kein Recht. es ist eisig kalt. Für Joseph »Pepperl« Baumgartner von der Bayernpartei ist das Grundgesetz ein Bruch der bayerischen Verfassung. Wie kann das Land seine Identität wahren? Soll es mitmachen bei einem künftigen geeinten Deutschland? So schickt Hoegner gleich eine Sonderration Kartoffeln in die Rheinpfalz. die aber nicht stimmberechtigt sind. Zu diesem Zeitpunkt ist das neue. Manchem erscheint das Bonner Werk als der pure Gottseibeiuns. Schließlich präsentieren die Hundhammer-Leute einen Kompromisskandidaten: Hans Ehard.« Und Carlo Schmid dichtet im homerischen Stil: »Wo auf den Bergen der Schütz. Bayern im Glück. einen bedächtigen Fahrensmann. Außerdem böte das Grundgesetz »unheilvollen Entwicklungen im Parteileben« keine Schranke. Territorial blieb es fast unberührt. Während seiner Rede bekommt er vor allem Beifall von der CSU. Gegenseitig schlägt man sich die Geschichte um die Ohren: vom Heiligen Römischen bis zum »Dritten Reich«. Ehard ist der einzige Ministerpräsident. je weiter sie im Norden wohnen.): AP. Dezember 1946. Als die Diskussion um die zukünftige deutsche Verfassung beginnt. Es ist die vierte in der bayerischen Geschichte nach 1808. Ehard droht nun mit Rücktritt für den Fall eines doppelten Nein. Der Präsident des Parlamentarischen Rats. Vergebens hat Adenauer noch am Tag zuvor Ehard um ein Votum zur neuen Verfassung gebeten. Dezember 1946 noch in der Aula der ausgebombten Universität. Eine knappe Mehrheit verwirft die Idee. Anton Pfeiffer. Soll Bayern Teil eines westdeutschen Bundesstaats werden. März 1949 den Grundgesetz-Entwurf. es thront über der kriegsversehrten Stadt wie zu Königs Zeiten. etwa bei der Finanzverwaltung oder bei der Aufteilung der Steuern. Angst vor dem rechten Flügel der CSU. Hoegner ist es auch.3 Prozent der Wähler für die CSU entschieden.oder Landesfinanzverwaltung als Hindernis bezeichnet. Vaterland« heißen. dass eine Zustimmung von zwei Dritteln der elf Landtage zum Grundgesetz ausreichen soll. über allen Verhandlungen in Bonn habe der »bayerische Zweifel« gestanden. Bei den Wahlen zu diesem Konvent haben sich 58. Das ist der Beitrag der Länder zum Grundgesetz. Dann die Abstimmung. Tatsächlich bringt die CSU am Ende ganz neue Themen auf wie zum Beispiel das Elternrecht – gemeint ist das Recht. dass er in Kürze zum neuen Chefbayern bestellt werden sollte. Dementsprechend fallen deren Rechte üppig aus. wie sie nie mehr wiederkehrt«. Ehard sieht im Grundgesetz die Hoheit der Länder Fotos (Ausschnitte v. Er hat am 19. Ehard berichtet später. die beiden Delegierten der rechtsnationalen Deutschen Partei aus Niedersachsen und sechs der acht CSU-Männer aus Bayern votieren gegen das Grundgesetz (nur zwei fränkische CSU-Abgeordnete sind dafür). Nicht immer freilich herrscht Eintracht. einer ist Freidemokrat. W Den Herren aus dem protestantischen Norden ist nicht zu trauen Die Ministerpräsidenten lösen sich nun ab wie die Faschingsprinzen. Die neue deutsche Republik wird ein »gottloser Zwangsstaat« Drei Tage später stimmt der Rat in Bonn ab. Bereits im November 1945 gab er die Parole aus: »Vor allem aber wollen wir wieder unsere eigenen Herren im ›Gasthaus zum Bayerischen Löwen‹ sein. Und doch hat sich die Renitenz der Bayern am Ende für sie gelohnt. dass er dies selbst vor dem Parlament deutlich macht. Mai seine Kompromissformel. dass die Partei heute stolz auf ihren Kampf gegen das Grundgesetz zurückblickt.) mit Adenauer (r. das wiederhergerichtete Maximilianeum. Knoeringen spottet. Unter Ehard zeigt die Regierung zunächst gesamtdeutsches Engagement. gleich die beiden ersten Buchstaben A und B behandeln die Bayern-Frage: »Der Anton pfeift aus dem ff / adagio jetzt und jetzt andante / die Arien des Ochsenseph / der Aloys schnalzt die Älplervariante . Sie haben »viel erreicht«. Ehard befürchtet. umso weniger«. Archiv Friedrich (2). dass der Ausdruck »bayerischer Staatsangehöriger« nicht im Gegensatz zum Begriff des deutschen Staatsangehörigen zu sehen sei. Mai 1949. Das hehre Werk der Verfassungsgebung. sich dem wichtigsten Thema überhaupt hinzugeben: der »bayerischen Frage«. Er ist schon seit 1947 nicht mehr Chef der bayerischen SPD und hat sich mit seiner erzbajuwarischen Position weit von der Haltung seiner Partei entfernt. er habe beim ersten Wahlgang noch »mit Mantel und hochgeschlagenem Kragen im hinteren Teil des Saales« gestanden. Sie wollen eine zu weit gehende Eigenstaatlichkeit vermeiden. als er von der Absprache hinter seinem Rücken erfährt. seine Regierung die einzige. Die FDP höhnt über »Hoegners Traum. Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei. im Geiste der Confoederatio Helvetica. allzu eng mit den Besatzern zu kooperieren. Ehard muss mehrere Spagatkunststückchen zugleich vorführen: zum einen stolz präsentieren. Die Ämter sind genau verteilt: Alois Hundhammer. vom deutschen Zentralisten zu einem überzeugten Föderalisten geworden.und die amerikanische Militärverwaltung in Arbeit. die ihnen nicht passt. Trotz des Ergebnisses bleibt Hoegner auf Wunsch der Militärregierung Ministerpräsident. als gegen Ende der Debatte Wilhelm Hoegner das Wort ergreift. wie Adenauer mürrisch bilanziert. dann wieder sind es die Rechte des Bundesrats. ebenfalls von der CSU. Aus dem berühmten »Verfassungskonvent von Herrenchiemsee« geht ein Bild oben: Bayerns Ministerpräsident Ehard (l. trifft sich Ehard am 26. Und er jammert. Schäffer intrigiert bereits seit 1948. der 20. Mai ist angebrochen. sie endet um halb drei nachts. M.. Geschlossen votiert die CSU gegen das Grundgesetz.. Im Plenum stimmt die CSU ihren Klagegesang an. SPD und FDP enthalten sich. SPD und FDP sind empört. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 22 eiß-blau knattern die Fahnen. Die Formel für diese wirre Dialektik ist rasch gefunden: Nein zum Grundgesetz. Auch andere Verfassungsväter sehen überall Weiß-Blau. zum andern begründen. schäumt. resümierte. »Sozial-« und als »Kulturstaat« bezeichnet. fordern einige Mitglieder neben dem Ministerpräsidenten auch ein richtiges Staatsoberhaupt. Selbst aus der Bayernhymne will die Partei jeden Hinweis auf Deutschland getilgt sehen. den die Nazis 1934 aufgehoben und dessen Sitz die Bomben zerstört haben. 65 Delegierte entsenden die Länderparlamente nach Bonn. den er im Schweizer Exil ausgearbeitet hat. denn Pfeiffer und Ehard haben ganze Arbeit geleistet. die Kinder auf »Bekenntnisschulen« zu schicken. aus der SPD eine SPB (Sozialdemokratische Partei Bayerns) zu machen«. Weiteren Geländegewinn vor Augen. Mal ist es die Finanzverfassung. nach einem halben Jahr wird er seines Amtes enthoben. Derweil ertrinken die deutsche Zivil. Der Stellvertretende Militärgouverneur Lucius D. So beschwört der fromme CSU-Abgeordnete Georg Meixner. jetzt muss Ehards komplizierter Plan glücken. fünf der SPD. Konrad Adenauer. abgesehen von einigen wenigen Mitgliedern. Hitlers Münchner Anfänge hätten im Dunstkreis des bayerischen Föderalismus gelegen. April auf einmal flexibler gegenüber dem Verfassungsentwurf – schlecht für die CSU. Nun muss Hoegner weichen. 1818 und 1919. Oktober 1948 im Bonner Hotel Königshof am Rhein zu einem Abendessen mit dem nordrhein-westfälischen Innenminister Walter Menzel. Die Alliierten monieren am 2. als am 23. Darunter eine turbulente Szene im Landtag: Ehard (l. die Gegenseite sieht ebendiesen Föderalismus als Hitlers erstes Opfer. Und Eugen Rindt. der die Amerikaner um Unterstützung gebeten hat. Warum nur? Der Autor ist Historiker und Journalist. Zur Not der Einheimischen kommt die der Flüchtlinge aus dem Osten und der Displaced Persons. das Nachkriegsbayern unter US-Verwaltung bald fünf Jahre alt.

bekämen die Griechen schon lange kein Geld mehr aus Deutschland. wo die Euro-Skeptiker bei den jüngsten Wahlen 22 Prozent der Stimmen abräumten. ob man den Griechen überhaupt noch helfen kann – und wie. 29 12. um die Probleme der Krisenstaaten zu lösen. um zu beraten. »Wir retten Griechenland seit einem Jahr. zum Argwohn von Deutscher Telekom & Co. Weil deutsche Banken sehr viel Geld in Griechenland verliehen haben – geschätzte 17 Milliarden Euro allein an den griechischen Staat –. Portugal oder Spanien drohen. wenn man schon eine Flatrate fürs Surfen hat? 145 Millionen aktive Kunden konnte Skype damit gewinnen. in eine Kooperation mit dem Handyhersteller Nokia. in den Niederlanden. sagt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. klingt es. Für 8. Die ist bei Microsoft traditionell stärker ausgeprägt als bei Skype: Gerade mal sechs Prozent nutzen dort bisher die kostenpflichtigen Zusatzdienste. Am kommenden Wochenende. Und mit jedem Versuch. Statt mühsam die Löhne zu senken. »Viele Delegierte wollen sich nicht länger hinhalten lassen. sagt er. »Die Basis tobt«. Griechenland steht vor der Pleite. In Griechenland würden die Bürger die Banken stürmen.WIRTSCHAFT D ie jüngste Niederlage hat ihn siegessicher gemacht. Am vergangenen Wochenende. In Deutschland. Wieselwörter Microsoft kauft Skype. dass man sich immer wieder fragen muss. Und der europäische Rettungsfonds hat 37. Gebracht hat die Retterei wenig. Baby. Mit dem Kauf zeigt Microsoft Siegeswillen im Kampf um die Kommunikation von morgen. All das wären freilich nur die direkten Kosten. Und der Widerstand gegen neue Kürzungen wächst. daran glaubt Schäffler fest. Diese Option klingt so verlockend. Positiv zu spüren bekommt das die Generation 55 plus aber kaum.smetek.« 750 Milliarden Euro nahmen die Regierungen Europas vor genau einem Jahr in die Hand. erschaffen sie zig neue. Ein einziger Schnitt. welche Risiken man eingehen will – und welche nicht. Für einen wie Schäffler sind das 22 Milliarden Euro zu viel. und wir werden damit weitermachen«. was besser ist. Gerade noch rechtzeitig haben Mannheimer Forscher entdeckt: Arbeitnehmer bis 65 sind nicht weniger leistungsfähig als jüngere. 110 Milliarden Euro wurden schon zugesagt. Der Vorteil für Griechenland: Man könnte die eigene Währung beliebig abwerten. sondern auch daran. Diese blieben auch nach Wiedereinführung der Drachme bestehen. noch höhere Kosten. Finanzexperte der FDP. In verschiedenen Ministerien beschäftigen sich Regierungsbeamte mit den Details. sollte sie sich am Markt kein Kapital leihen können. mit neuen Auflagen. Die Oldies könnten sogar besser mit Stress umgehen und machten weniger Fehler. die Griechen könnten frei von Spardiktaten agieren. Ein Land nach dem anderen könnte aus dem Währungsverbund herausbrechen. Für die FDP ist es wohl zu spät. 22 Milliarden Euro soll Deutschland vom Herbst an für den europäischen Rettungsfonds aufbringen. Es kommt auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden an. Das Bankensystem würde kollabieren. Zwar muss es so weit nicht kommen. käme das Deutschland teuer zu stehen. Die Staatspleite wäre perfekt. Genau wie der Schuldenberg. das Nationale drückt aufs Internationale. Allein in diesem Jahr könnte die griechische Wirtschaftsleistung um mehr als drei Prozent schrumpfen. dass sie auch in der Bundesregierung erörtert wird. wie wenig er weiß VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ 30 SEKUNDEN FÜR Generation 55 plus Bundesregierung. 2. Überall könnte Skype nun eingebunden werden und Menschen verbinden: ob beim virtuellen Tennismatch vor dem Wohnzimmerbildschirm. 42 Jahre. Portugal und Irland wackeln. damit würden griechische Waren im Ausland billiger. als könne man die Probleme Europas mit der Präzision eines Chirurgen lösen. Ist der Kaufpreis nun zu hoch? Schwer zu sagen. wie sich nicht nur an den vielen Langzeitarbeitslosen dieser Altersklasse zeigt. das Problem zu lösen.de ZUM THEMA: Interview zur Schuldenkrise mit dem Harvard-Historiker Niall Ferguson auf Seite 25 Ende März vergangenen Jahres erscheint in der Bild am Sonntag ein Artikel über das Treffen der europäiFortsetzung auf S. Mit Microsoft hat Skype nun einen starken Partner. um ihr eigenes Geschäftsmodell zu schützen. dass Deutschland nicht mehr mitmacht. wäre das ein dreifacher Schaden – für die Partei. ist das wenig ermutigend. für die Koalition. Auch sie bräuchte wohl eine Kapitalspritze. Das scheint nicht allzu viel. beim Landesparteitag der FDP Nordrhein-Westfalen. Wie hoch sie genau wären. Auch wenn man die Vorgänge bei der FDP beobachtet. aber vielleicht könnten ja andere Organisationen aus der Studie lernen. All das ist typisch für die Krise des Euro: Internationale Entscheidungen haben nationale Folgen. unterwegs bei der Autofahrt oder beim Spaziergang. dass sie bei betrieblichen Fortbildungsangeboten meist außen vor bleibt. Die Regierungen agieren unter enormem Zeitdruck. beim Bundesparteitag in Rostock. brachte er seine Forderungen als Antrag ein – und scheiterte knapp. Und das ist das wahre Euro-Drama. LAMPARTER Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. Es ist wie in einer antiken Tragödie: Es mag zwar Alternativen geben – aber alle erscheinen sie schrecklich. Die Griechen haben zu viele Schulden angehäuft? Dann werfen wir sie aus der Währungsunion! Oder lassen sie pleitegehen! Deutschland wäre nicht länger Zahlmeister. Verweigert die Regierungspartei der eigenen Regierung die Gefolgschaft. Die deutschen Steuerzahler müssten auch nicht für Irland oder Portugal bürgen. müsste die deutsche Regierung bei einer Staatspleite erst einmal einige deutsche Banken retten. Das würde auch in Irland. Die Abkehr vom Euro verspräche ein Exportwunder ohne Schmerzen.5 Milliarden Dollar übernimmt der Softwarekonzern den Anbieter von kostenlosen Internettelefonaten. könnten die Griechen ihre Euro-Schulden erst recht nicht mehr bezahlen. 24 . allein im kommenden Jahr braucht die Regierung rund 27 Milliarden Euro zusätzlich. Möglich.9 Milliarden Euro verliehen. wenn sie nur genug Zeit bekommen – und genug Geld. wenn es um die eigene Zukunft geht. der Zahlungsverkehr zusammenbrechen. Die Erlebniswelten von Microsoft werden gegenüber denen von Apple und Google attraktiver. Skype betrachtet Telefonate und Videogespräche ebenso als Datenverkehr wie das herkömmliche Surfen im Internet. Warum also Gesprächsminuten extra zahlen. Die indirekten wären weitaus größer – für die Deutschen und für die Griechen. bei der jetzt schon die 45-Jährigen zu alt für einen Führungsjob sind. Aber zur Realität in einer komplexen Welt gehört. wie wichtig ihnen ältere Arbeitnehmer seien. Auch die Europäische Zentralbank ist in Griechenland engagiert – angeblich mit 153 Milliarden Euro. ein Drittel der Verluste müsste Deutschland tragen. Die Griechen sparen. von Europa als »Schicksalsgemeinschaft« zu sprechen. 1. In die Spielekonsole Xbox. Die Griechen haben ihre Schulden in Euro aufgenommen. Parteien und Arbeitgeber betonen neuerdings. Doch nun erlebt dieses Europa seine Schicksalstage. Nun ist das Geld fast weg. Für Deutschlands Steuerzahler hieße das: noch mehr Verluste. Das Ende der Währungsunion würde auf dem ganzen Kontinent eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Panik wäre die Folge. Es hat sich eingebürgert. In der kommenden Woche treffen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten.. in Finnland. für Europa. die Probleme aber sind immer noch da. MARCUS ROHWETTER Wie kommen wir da raus? Die Deutschen ringen um die Zukunft des Euro. Kein Wunder: Schließlich wird uns der demografische Wandel schon bald einen akuten Nachwuchsmangel bescheren. Drama. könnten sie die Drachme wieder einführen. Die schöne Option vom griechischen Ausstieg könnte also grässliche Folgen haben. Europaweit rebellieren Bürger und Parlamentarier. Deshalb bereitet die EU ein neues Hilfsprogramm vor. werde die Abstimmung anders ausgehen. aus Angst vor der Zwangsumstellung und dem Wertverlust ihrer Sparguthaben. Umgerechnet zahlt Microsoft für jeden Nutzer knapp 1000 Dollar. dass die FDP zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben wird. die Skype in ihren Netzen lange unterdrückt haben. in ein neues Betriebssystem für Mobiltelefone. um wieder konkurrenzfähig zu werden. Und keiner gibt zu. Das Ergebnis: Schutz vor Schwindlern? Lebensmittelverbraucher wehren sich im Netz S. Im Jahr darauf wären weitere 38 Milliarden Euro nötig. um seinen Rückstand zu Apple und Google aufzuholen. DIETMAR H. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 23 INTERNET Punkt für Microsoft Mit dem Kauf von Skype greift der Konzern Apple und Google an Verließe Griechenland die Euro-Zone. und alles wäre vorbei. die das Unternehmen neben den Gratisgesprächen anbietet. Euro-Gegner und Parteirebell: Ginge es nach ihm. ist unkalkulierbar. der viel Geld investiert. Auch dort müssten Bürger und Investoren um ihr Geld fürchten. Frank Schäffler. Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Sicher kann niemand sagen. Würde die Drachme dann gegenüber dem Euro deutlich abgewertet. In der Hoffnung. aber die Kürzungen haben die Krise weiter verschärft. Drama Wenn Frank Schäffler redet. Und sie rechnen. dass die Griechen ihre Kredite zurückzahlen können.

Im Gespräch mit der ZEIT (siehe S. für viele Bürger und Parlamentarier aber auch attraktiv. Geschäftsführer des BEE. »deutsche Interessen« zu verteidigen? Hart sein um der Härte willen? Die Griechen pleitegehen lassen. an »einem öffentlichen Prozess der Meinungsbildung« mitzuwirken. zeigt: Der Konflikt um die Rettung des Euro teilt nicht nur Europa. Er ist ein Anhänger einer stabilen Währung. noch vor der Katastrophe von Fukushima. wenn in Griechenland die Wirtschaft rund läuft. Vielmehr gehe es darum. Europa müsse jetzt für die Fehler der Vergangenheit bezahlen. ist der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi Favorit. so heißt ein Vortrag. Die Ergebnisse zeigten. Für Sinn ist das weitgehend ein Nullsummenspiel – was der eine gewinnt. Als Sinn fertig ist. Das Nachrichtenportal zitiert aus einer »internen Vorlage« des Bundesfinanzministeriums. »wie verlogen die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird«. den er in diesen Tagen oft hält. Pro Kilowattstunde würde sich Atomstrom laut der Expertise um mindestens 14 Cent verteuern. Hans-Werner Sinn. weil es den Griechen und den Iren schlecht geht. Denn bei den 14 Cent bliebe es nur.und Regierungschefs wenige Tage zuvor. LÜT schen Staats. direkt nach einem Gipfeltreffen Monate zuvor. Merkels Koalition hat einen schlechten Start hingelegt. Die Rettungsprogramme sind für ihn »eine tickende Zeitbombe. und er hat für die G 20 die Reform der internationalen Finanzmärkte koordiniert. wobei jeder Stein für einen Geldbetrag steht. gut klingend. verliert der andere. Am 11. Denn das Kapital bleibt zu Hause. ob ein reicher Bayer für einen armen Saarländer bezahlt oder ein reicher Finne für einen armen Griechen. Die vor allem nach sozialen Produktionsbedingungen ausgewählten Waren werden in etwa 30 000 Supermärkten. Geheimdiplomatie. desto näher rücken die Krisenländer dem Staatsbankrott. schrieb der Philosoph Jürgen Habermas kürzlich in der Süddeutschen Zeitung. 63 Jahre. aber ihr Marktanteil betrug zuletzt erst 2. die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers empört das Volk. wäre der durch Kernenergie erzeugte Strom nicht mehr als preisgünstig im Vergleich zu anderen Energiequellen anzusehen«. Bisher war die Idee der europäischen Integration. als »eiserne Kanzlerin« gefeiert. Heute geht es den Deutschen gut. gebürtiger Amerikaner und Wirtschaftsprofessor an der Humboldt-Universität. Der Streit um die Rettung des Euro ist voller Wieselwörter. ergreift Michael Burda das Mikrofon. Und so beschränkt er sich nicht mehr darauf. deren Sprengkraft selbst die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit übersteigt«. Merkel braucht solche Berichte. Je öfter in Berlin die Beteiligung der Gläubiger gefordert wird. Fast 400 Milliarden Euro würde es Deutschland kosten. die ins schier Bodenlose stürzen. Viele in CDU und CSU sind dagegen. Neben Italien hat sich auch Frankreich für Draghi ausgesprochen. wissen bereits. »Ich kenne Mario Draghi«. Wenn das größte Bundesland verloren geht. sondern als Bürger eines geeinten Europas – in dem es keinen Unterschied macht. was ihn beschäftigt. erst recht in der FDP. als »weich« zu gelten. die Griechenland konkrete Hilfszusagen machen wollten.de/finanzkrise Fotos: www. »Anders als bislang vielfach behauptet. Das ist weit mehr als doppelt so viel wie der Preis an der Leipziger Strombörse. Dabei würde sich die Politik nur den Launen der Märkte ausliefern. sie knicke vor den Staaten Südeuropas ein. einen Währungsraum ohne Haftungsgemeinschaft zu errichten. die mit ihm an der geheimen Zusammenkunft der Finanzminister teilnehmen.und Regierungschefs: »Die Mitgliedstaaten der EuroGruppe werden entschlossen und koordiniert handeln. Bis jetzt stimmt das auch. Auch Rosen gehen gut. Das Grauen trägt bei Sinn den Titel Warum Deutschland ein SchuldenTsunami droht. Anstelle der Steuerzahler sollten die Banken ran. Früher ging es den Deutschen schlecht.) . im Westen trifft das nur auf 45 Prozent zu. ergreifen sie erst recht die Flucht. bei der die Starken dauerhaft für die Schwachen bezahlen. Ein Italiener an der Spitze der Notenbank – das wird jenen Kritikern neue Nahrung liefern. Das Problem ist nur. Es klingt nach Eigenverantwortung und Härte gegenüber der Finanzindustrie. Zumal wenn er so unterschiedliche Länder umfasst wie Deutschland und Griechenland.de (4). Bioläden und sogeProzent beträgt das nannten Weltläden anWachstum von geboten. Am Ende ist der Turm unfassbar hoch. LÜT Geheimtreffen in Luxemburg: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am vergangenen Freitag Ungleiche Erben Ost. die Krise habe den Steuerzahler noch keinen Cent gekostet. Oder es bezahlt. Sie fürchten vor allem das T-Wort – T wie Transferunion. sofern das nötig ist. sagte sie. Aus Angst vor der Wut des Volkes. Ein Mann. Griechenland. Aber auch. Dass die Menschen sich irgendwann einmal nicht in erster Linie als Deutsche oder Franzosen begreifen. Er geht auch mitten durch die deutsche Regierung. Dann steigen die Marktzinsen für alle Staaten. Dass er überhaupt bekannt wird. heißt es in der 150-seitigen Studie der Versicherungsfachleute. »ein naturwüchsiges Meinungsspektrum bloß abzubilden«. Deutschland könnte eine Kandidatur von ihm für das Amt des EZB-Präsidenten unterstützen. Das geht aus einer Studie der Versicherungsforen Leipzig GmbH hervor. Deshalb dürfen bis jetzt nur Kredite vergeben werden. Dagegen kann sie auf das Lob der Fachwelt zählen. Von einer drohenden Regierungskrise ist die Rede.und Westdeutsche erben annähernd gleich oft. der neue Herr über den Euro? Der Amtsinhaber Jean-Claude Trichet tritt im Herbst ab.24 12. dem Land geht das Geld aus. Schon der noch moderat erscheinende Cent-Betrag bedeutete deshalb das ökonomische Aus für die Meiler. »Eisern« ist so ein Wieselwort. heißt es oft. der über das Grauen spricht. Dort steht er und kann nicht anders Dies ist der Mann. der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber. Seine europäischen Kollegen. Das war fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. 400 Milliarden Euro sind mehr als der gesamte Bundeshaushalt. Weitere Informationen im Internet: www. keine Spuren an der Schale zu hinterlassen. dass sie ihren Einsatz verlieren könnten. Europa darf alles sein. ist die schwarzgelbe Mehrheit im Bundesrat weg. zurückgezogen hat. Dass griechische Rettungspakete auch deutschen Unternehmen zugutekommen. wird sie innerhalb von wenigen Tagen genehmigt. Gemeint sind Sprachhülsen. Er stimme seinem »Freund Hans-Werner« in fast allen Punkten zu. aber ihres Inhalts beraubt – so wie ein von einem Wiesel ausgesaugtes Ei.4 Prozent. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 STAATEN IN DER SCHULDENKRISE WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Atom-Versicherung Müssten RWE & Co. Kürzere Ansparfristen. die Umfragewerte sind mies. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat den Begriff der Wieselwörter bekannt gemacht. Eine Diktatur des Volkes sollte sie nicht sein. und es war die Leitlinie bei den Beratungen zu den Rettungspaketen. Das Papier ist das für solche Treffen übliche Briefing der Beamten für ihren Minister: eine Auflistung von Optionen. Und für die angeschlagenen Länder könnten sie schnell zu hoch sein. dagegen zu votieren. Die Zeitung beschreibt. die in Europa 2011 zu treffen ist: Wer wird der nächste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie kennen seinen Sprechzettel. Die griechische Krise hat sich zugespitzt. 23 fessor und Chef des Münchner ifo Instituts. Er steht unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe. Die deutschen Bürger sind gegen ein Hilfspaket für Griechenland.zeit. Dagegen haben in den alten Bundesländern 19 Prozent aller Hinterlassenschaften einen Wert von mehr als 100 000 Euro. weil es den Griechen und den Iren gut ging. Am beliebtesFair-Trade-Produkten ten war zuletzt wiederum fair gehandelter Kaffee (7200 Tonnen). Ohnehin waren Merkels Optionen begrenzt: Außer Weber hatte Deutschland keinen qualifizierten Kandidaten. Griechenland wolle die Euro-Zone verlassen. den Deutschland zahlen muss.« Damit geht die Bundeskanzlerin ein innenpolitisches Risiko ein. Irland. schrieb er Abgeordnete an und riet ihnen. den die Gegner der Griechenlandhilfen gern als ihren Kronzeugen anführen. Was damals keiner ahnt: Im Prinzip haben Europas Politiker das Hilfspaket längst beschlossen. Szenarien. muss er eigentlich gar nichts mehr sagen. so Björn Klusmann. Draghi gilt nach dem Rückzug Axel Webers weithin als der beste Mann für den Posten. die Angela Merkel vorwerfen. Im Ministerium kennen diesen Sprechzettel nur acht oder neun Personen. wäre Atomstrom in Deutschland unbezahlbar – und alle 17 Meiler würden sofort stillgelegt. dass in der Wirtschaftsgeschichte alle Versuche scheiterten. Alle wissen das – es sagt nur keiner. Sie haben es sogar verkündet – in einem dieser diplomatisch verschwurbelten Bulletins. verteuerten den Atomstrom um mindestens vier Euro pro Kilowattstunde. weil in Nordrhein-Westfalen gewählt wird. ihre Kernkraftwerke gegen einen schweren Atomunfall wie in Fukushima versichern. wenn Draghis Chancen Es ist die wichtigste Personalentscheidung. Einer. Dass die Deutschen mehr exportieren können. »Er ist eine sehr interessante und erfahrene Persönlichkeit. einer Ausgründung aus der Universität Leipzig. Es sei nicht Aufgabe der Politik. die von den Krisenländern mit Zinsen zurückbezahlt werden müssen. Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. Nur die Bundesregierung hatte sich noch nicht festgelegt – und als größte Wirtschaftsmacht hat Deutschland de facto ein Vetorecht. Nur sagt das niemand offen. VO Sozialbewusst 27 In Deutschland haben Verbraucher im vergangenen Jahr Fair-Trade-Produkte im geschätzten Wert von rund 340 Millionen Euro gekauft. Sinn wirft lange Zahlenreihen an die Wand. die sich als »Brücke zwischen Versicherungswissenschaft und Versicherungspraxis« versteht. Als »Kämpferin für die Stabilität des Euro und deutsche Interessen« wird sie bejubelt. Ob bewusst oder unbewusst: An diesem Abend entwift Hans-Werner Sinn das Gegenmodell. er zeigt Diagramme mit Kurven. beispielsweise zehn Jahre. Als Griechenland dann Ende April tatsächlich Finanzhilfe beantragt. ganz offen Als Wolfgang Schäuble am vergangenen Freitag im Luxemburger Schloss Senningen eintrifft. Ihr zufolge beträgt der Wert eines Erbes im Osten in rund 60 Prozent der Fälle weniger als 25 000 Euro. Portugal und Spanien pleitegingen. er häuft einen Turm aus bunten Bausteinen an. 3. auch wenn es der hiesigen Wirtschaft schadet? Vielleicht wäre es ja im deutschen Interesse gewesen. Und deshalb betonen deutsche Politiker immer wieder. Hans-Werner Sinn hat eine klare Vorstellung von der Welt. action press (u. Griechenland zu stützen. wenn ein Staat pleitegeht – das klingt sozial gerecht und ordnungspolitisch sauber. Seine These ist umstritten.tvr-news. Als der Bundestag im vergangenen Jahr über das Griechenlandpaket abstimmte. dass vom engeren Zusammenrücken alle profitieren. Denn was bedeutet es. wie sich Angela Merkel in Brüssel erfolgreich gegen andere Mitgliedsstaaten zur Wehr gesetzt habe. denn das Tier schafft es. Februar 2010 heißt es in der Abschlusserklärung nach dem Treffen der Staats. einzugreifen. Das war die Leitlinie bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht. denn wenige Wochen nach dem Treffen wird in NordrheinWestfalen gewählt. Finanziert wurde sie vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) – und der Auftrag erging schon im Januar. eine unrealistische Annahme. um die finanzielle Stabilität in der Euro-Zone insgesamt zu sichern. Weil der Druck auf die Griechen aufrechterhalten werden soll. Seit sich der deutsche Kandidat. Wenn Investoren wissen. Kosten. bevor die Lage eskaliert? Auch um den Preis. sogar von der Gründung einer rechtspopulistischen Partei. sagt Burda. wenn die Versicherungssumme über 100 Jahre angespart werden könnte. Wenige Stunden zuvor hat Spiegel Online berichtet. Tatsächlich dürfte aber die zu erwartende Kostensteigerung weit höher sein. Schäuble gilt als Verfechter eines weiter zusammenwachsenden Europas. Das ergab eine Studie der Postbank. der polarisiert. Vielleicht ist es eher so: Entweder korrigiert Europa die Fehler der Vergangenheit. Wirtschaftspro- Fortsetzung von S. 2/3) hat sich Angela Merkel nun erstmals direkt zur Kandidatenfrage geäußert – und ihre Sympathien für Draghi erkennen lassen. Etwa die »Gläubigerbeteiligung«. 4. Am Montag dieser Woche präsentiert er seine Thesen an der Humboldt-Universität in Berlin. aber im Westen erbt man üblicherweise deutlich mehr. die Politik zu analysieren und zu bewerten – sondern greift selbst ein. Im Osten gilt das nur für knapp drei Prozent. nur keine Haftungsgemeinschaft.« Entschlossen und koordiniert bedeutet: Europa ist bereit. statt in die Peripheriestaaten zu fließen. Seine Sicht sei jedoch ein wenig »national«. er ist erfahren im Zentralbankgeschäft.

wenn anderen Euro-Ländern frühere Generationen war. sondern sich sehr Hyperinflation von Weimar. tischen Entscheidungen der kollabierte.. Der Aufstieg des Westens insgesamt geht den Europäern lernen kann. ZEIT: Amerika stellt nicht nur eine Gefahr für ghanistan ist so instabil wie eh und je. davon gehe ich aus. Das Römische historischen und globalen BoReich verschwand binnen gen. wie die Zukunft aussehen könnte. unruhig zu sein. Wir zuschalten.25 Zweifel über die Kreditwürdigkeit der Amerika. zumalen. das die Amerikaner vor einer unmittelbar drohenden Gefahr warnt. Zum ersten pelt. Oder ist es doch nur Ihr Kulturpessimismus? Der »Untergang des Abendlandes« wurde ja von dem Historiker Oswald Spengler schon vor neunzig Jahren vorausgesagt. Die USA sind immer globalen Weltmachtanspruchs nach Osten. Die Zukunft könnte ein Niveau erreicht. ist. Aber in zwei Jahren oder sogar noch früher könnte es zu spät sein. wenn die Geld. wieder geschafft.. die von der Euro-Krise Teilen des Landes müssen die Menschen schon bisher verschont geblieben ist.könnte ein sehr aggressiver Gegner sein. Und anstatt Konvergenz zu ZEIT: Was nimmt man stattschaffen.trauen in die Zukunft des Dollar haben. sich dar.und Fiskalpolitik darauf basiert. Ferguson: Doch. Auch ger bauen. rika hat ein Riesenproblem. sich nicht dafür verantwortlich. Und Konjunkturpakete zu schnüren. ich bin nicht für den Niedergang Amerikas.nicht geholfen wird. dann ist es der jetzt mit viel weniger Geld auskommen – und deutsche Mittelstand. ganz so spektakulär wird es. dass die Amerikaner sich an ihren dass uns das Internet gehört. Und im Zentrum der europäischen für US-Staatsanleihen nächste Woche verdop. Stagflation also.in seiner Geschichte hat das europäische Projekt licher Zeithorizont gesetzt. ist das halts. heißt es dann.. Ich halte es für plausibel. Kaum ein Fragen anwenden.len. Es ist auch kein glaubwürdiges Szenario diskutiert. Die Ermordung von Osama bin Laden heiß läuft und wenn sich die USA bei den Chine. Darauf basiert das amerikanische SelbstSeit 1872 sind sie die größte Volkswirtschaft. und dieser merhin herrscht in der europäischen Politik EntProzess könnte ohne Weiteres beschleunigt wer. die Märkte und einen Beitrag zu den poliwie rasant die Sowjetunion zu beruhigen.mag den Abzug amerikanischer Truppen aus Afsen immer mehr verschulden. Computerviren das Stromnetz des Gegners aushat seinen Höhepunkt längst überschritten.auch außenpolitisch scheint Amerika schwächer druckmaschine der wichtigsten Leitwährung denn je. viele Amerikaner wer. wie entschlossen die Griff bekommt. Wenn es einen Wirtschaftsraum gibt. Die Chinesen haben längst Amerikaner kann sich eine Welt vorstellen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 25 »Russisches Roulette mit dem Haushalt« Der britische Historiker Niall Ferguson glaubt. JUNGCLAUSSEN Zur Person . wird das Problem schon nächste Woche ver. Das wirt. und zwar so überEnkelkinder ein Problem haben. dass Geschichte saisonal verläuft und jede Zivilisation eines Tages einen schrecklich kalten Winter erlebt. riesige ein ziemlich wahrscheinliches Szenario. und als Konsequenz werden populistische Bewegungen an Einfluss gewinnen. der hat argumentiert. Ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit? Als ich ein Teenager war. und steigende Inflation wird ner breit. aber das war schwierig JFJ weise vonstattengehen? Bei genug. mit Komplexitätstheorie beschäftigt. was passiert dann genau? Ferguson: Ganz einfach. und das liegt vor fahr existiert im Cyberspace. was Spengler angeht.. Bitte betrachten wurde. schaft.und Südamerika aus.Vertrauen entzogen haben.« Ferguson will GeReich und die Habsburgerlen Voraussetzungen immer schichte anwendbar machen monarchie.machen. dass Investoren immer weniger Vergefährliche Strategie. hat das Ungleichdessen? gewicht zwischen den groFerguson: Wir müssen von Der Wirtschaftshistoriker Niall ßen Ländern und denen an der Wissenschaft lernen. und seit 1991 dem ich rede. volkstümlich und genial. Geeuropäische Politik es unter alte Weisheit«. dann ist es Europa. mit denen wir bisher tutionell defekt und wirtgearbeitet haben. Niall Ferguson: Das ist milde ausgedrückt. wenn Amerika seine Schulden nicht in den Ferguson: Ich frage mich. menfallen. den Wählern nicht deutlich zu den ungelernten amerikanischen Arbeiter ist da. Schließlich haben sie erst ZEIT: Die Tage der Weltmacht Amerika sind also gehandelt. und alüber die drohende Pleite Griechenlands. bevor das Vertrauen verloren geht.und Finanzkraft auf Kurs zu halten. »Dass wir aus der GeZEIT: Gleichwohl hat die schichte lernen können. als die Finanzmärkte nacheinander den Griechen. Zivilidie das große Bild der GeschichLänder dem Euro beigetresationen sind komplexe Syste um ein Puzzlestück vervollten waren. sonnen Büchern und Fernsehdokuveau deutscher Produktivität dern plötzlich in sich zusammentationen lieber den großen zu erreichen.Desintegration liegt Deutschland. Europa debattiert Niall Ferguson vor dem Swiss-Re-Tower in London Foto (Ausschnitt): Tom Stockill/Camera Press/Picture Press Ziele zu verfolgen. Ferguson: Also. Indien und China holen auf.Ferguson: Genau. schen Modellen verabschieSie war von Anfang an instiden. Dennoch wird es Jahrzehnte dauern. ZEIT: Was muss also geschehen? Ferguson: Die Amerikaner haben jetzt die Wahl: Entweder kehren sie zu dem alten Modell zurück. Das Gespräch führte JOHN F. Aber der Paradigmenwechsel. nommen ist das ja jetzt schon der Fall. den Obama gehen will. Angesichts dessen können Sie zu keinem anderen Schluss kommen. Was Amerika von zählt. von 1945 eine politische Supermacht. dass wir von Europa in Zukunft ebenfalls nur ein schwaches Wachstum erwarten dürfen. Bedenken Sie.rum sie Iren oder Portugiesen unterstützen sollen. oder sie entscheiden sich für den europäischen Weg.Wenn das militärische Ziel darin besteht.schlossenheit. als könnten wir alle einpacken. dass die USA mit ihren Schulden in die gleiche Lage geraten könnten wie Griechenland Afrika und Mittel. haben. Das sind Aufstieg von China und Indien ist mehr als ein die Stammwähler. Noch können sie den Niedergang abwenden. dass man hanzu Ende. Kurzum. den Iren und den Portugiesen das Ihrer Meinung nach gezählt? Ferguson: Nicht nur die Tage Amerikas sind ge. Griechenland oder Portugal pleitegehen . Die Märkte haben ghanistan zwar vereinfacht haben. dass wir es noch gar nicht wahrgenomAber wenn der Anleihenmarkt die Risikoprämie men haben. der vor sechshundert Jah. Amerika hat ein Problem . als es für bruch bedroht sind.Prozent voraus. weil wir es erfunden Status als Supermacht zu sehr gewöhnt haben.den steigenden Goldpreis als Anzeichen dafür lette mit dem Staatshaushalt. bin ich absolut kein Kulturpessimist. ZEIT: Dann ist der Zusammenbruch des Euro lohnt sich ein Blick zurück in die siebziger Jahre. einem lausigen Zustand. fingen sie an. Mal abgesehen von den möglichen ökonomischen und strategischen Konsequenzen für die Zukunft des Westens: Was wir erleben.WIRTSCHAFT STAATEN IN DER SCHULDENKRISE 12. um den Status quo mit neuen das anders wäre. aus dem Euro zu teuer.ganz ähnlich aussehen: Die Prognosen sagen der ruhigt. der still und zufrieden seine zwar nicht erst seit der Finanzkrise.. dass deutsche Banken vom Zusammendurch ungleich schwieriger geworden. dass Ferguson begann seine Karriere der Peripherie zugenommen.ZEIT: Wo sehen Sie Europa und die Euro-Zone schaftliche Zentrum der Welt wandert vom Wes.glaube ich. Charaktereigenschaften: jovial. das die Finanzmärkte beun.in dieser apokalyptischen Zukunftsvision? Imten in den asiatisch-pazifischen Raum.falls davon ausgehen. Aber noch die größte Volkswirtschaft.chen will. dass die ihre Schulden nicht in den Griff kriegt. das Schuldenproblem zu lösen. Mittlerweile schlägt deutsche Löhne zu zahlen. Das Wirtschaftswachs. raschend. Ferguson: Wir wissen. wirtschaftlich schwächeren plötzlich verändern. 2050 könnten unsere den Rückwärtsgang eingelegt. ZEIT: Ein Optimist sind Sie nicht gerade. wird das Chinesen ihren wirtschaftlichen Einfluss in straviel schlimmere Konsequenzen haben. Nehmen Sie das Problem der schlecht integrierten muslimischen Immigranten und die demografische Entwicklung von immer älter werdenden Gesellschaften. dass amerikanische Militärausrüstung die Schuldensituation in den nächsten fünf bis mit chinesischen Computerchips ausgestattet zehn Jahren stabilisieren würde.Mal seit drei Generationen fühlen die Deutschen dammt ernst. denn am Ende rede ich doch vom Aufstieg des Ostens. die Frau Merkel nicht verscheuFünftel der Weltbevölkerung dem globalen Ar. zeigt. dass höhere Produktivität in den asiatischen Ländern zu einem höheren Lebensstandard führt und dort viel weniger Menschen in Armut leben als noch vor zwanzig Jahren. dann hat China längst aufgeholt und erleben gerade das Ende der westlichen Vorherr. Dennoch herrscht herausfordern kann. als würden die Russen den auch die amerikanischen Staatsschulden haben Kalten Krieg gewinnen. Die Sowjetunion breitete sich in immer versuchen. dafür ist der Austritt tum war schwach. dass die Chinesen ihre U-Boot-Flotte erneuern. seit bewusstsein. Ich sage dagegen. dass die bis China die US-Militärdominanz im Pazifik Schulden ein Problem sind. Afallen Grund. und ich ZEIT: Was hätten die tun sollen? glaube. nämlich das Bankensystem über Wasser zu halten und gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle zu bekommen... dass der Lauf der Geschichte eben nicht so linear ist.Ferguson: Das ist ja das Problem der Euro-Zone. das bekannt. wabensstandard abfinden müssen. Unter den Rating-Agenturen macht sich US-Wirtschaft allenfalls ein Wachstum von 1. und es hat vor allem einer Analyse der amerikaeines gezeigt: Zum ersten Mal nischen Wirtschaftskrise wird oft ein willkür. Wenn Sie so wolstürzt von der Klippe. Das größte Versagen der Bundesregiebeitsmarkt zusätzlich beigetreten. Und genau ge.scheußlich genug werden: Griechenland wird te ein allgemeines Gefühl von amerikanischer pleitegehen. ist das historische Mandat verloren gegangen.. Der Unterschied zwischen den Kernländern und der Peripherie wird zunehmen. ist eine weniger Generationen. Wenn Sie gen spielen seit fast zehn Jahren russisches Rou. in der das Know-how. Der bedeutet hier und da ein paar Einsparungen und höhere Steuern. »Nur tut nau wie das Byzantinische den gegebenen institutioneles keiner. und wenn die bisher gibt es kaum Anzeichen dafür. dass es so nicht weitergehen kann. teme. dass sie einen Flugzeugträker ein. komplexe Systeme nicht vor knapp zwanzig Jahren mit Nehmen Sie das Beispiel unbedingt linearen Gesetzen einer Detailstudie über die Lohnstückkosten: Sobald die folgen. immer wahrscheinlicher . Wir bilden uns ein. den europäischen ZEIT: Angenommen. aber les sah danach aus. allem daran. Deswegen wird in Washington Technologien aus den Angeln zu heben. Eine akute strategische Gekeine große Eile in Washington. sondern auch für den Rest der Welt? ZEIT: Sie sprechen von einer Verschiebung des Ferguson: Ganz genau. wir Historiker müssen uns von den zykli. sagt er. befand sich Amerika in Ferguson: Nein. ZEIT: Das klingt ja danach. Gesucht: Hollywoodschauspieler fürs Präsidentenamt. und die Geschichte ständigte. Durch den Produkte weiter nach China exportiert. denn die Regierun. ist. lässt sich auch auf geostrategische ist diese Vorherrschaft konkurrenzlos. Davon abgesehen. Ich sehe mich als Warnlicht. der die japanische Stagflation der neunziger Jahre erleben wird. Es ist eine ziemlich nehmen. Um sich aber aus. Ame. Niedergang Amerikas schrittleicht.. Ich würde ihnen zu der ersten Alternative raten. aber als Sieger werden sie sich dennoch nicht feiern können. Ich habe mich in letzter Zeit viel deln muss.. als wenn tegische und militärische Macht ummünzen . wenn die gesamte Haus. Aber sind die sauber? Oder werden sie Sie das in einem größeren Zusammenhang: Der eines Tages unvermittelt den Dienst versagen? Aufstieg des Westens.und unzufriedene CDU-Wähler fragen sich. Irland auch. zwei sich widersprechende DIE ZEIT: Professor Ferguson. Warum sollte der Ferguson: Fürs Erste vielGegenwart leisten. den sich mit einem wesentlich niedrigeren Le. Die Republikaner müssen einen neuen Ronald Reagan finden. In weiten Wenn es eine Gruppe gibt. Europäer wirklich sind. Und das ist doch positiv. die Inflation außer Kontrolle.ZEIT: . Das Leben für rung liegt darin. Schließlich lebe ich dort. den. die Weltmacht Amerika Integrationsprozess durch ihre Wirtschafts. Aber die Zukunft wird und nach dem verlorenen Vietnamkrieg herrsch. nicht kommen. mit ren mit den portugiesischen Seefahrern begann. und die EZB wird wie Schwäche. schaftlich extrem ungleich. dass Weltmächte nicht der Harvard-Professor mit seiohne dabei jemals das Nilangsam verschwinden. senken die Steuern und führen die Staatsquote zurück. oder nicht? Verstehen Sie mich nicht falsch. die Öffentlichkeit hat langsam begriffen. als dass Europa keiner besonders rosigen Zukunft entgegenblickt. und wir müssen ebenZEIT: Hat die Politik eine Antwort darauf? Ferguson: Allmählich sehen nicht nur die Politi.

als kleinerer Partner untergebuttert zu werden. Denn in einem sind sich Industrielobbyisten wie auch unabhängige Verkehrsexperten sicher: Elektromobilität ist tatsächlich ein Thema mit Potenzial. Scania muss- te immer befürchten. die ein neues Produkt für eine erfolgreiche Markteinführung braucht.« Fraglich bleibt. dann umsteigen Nicht das E-Auto gehört gefördert. Die Motivlage hatte Konzernchef Winterkorn eine knappe Woche zuvor schon auf der Hauptversammlung in Hamburg dargelegt: »Der Volkswagen-Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt. zu dem Schiffsdiesel. Das Engagement in Brasilien entwickelte sich gut. Denn Winterkorn und Co. sondern Strom in der Batterie haben. Klar. Dahinter. Das klassische Autoland Deutschland kann und sollte das nicht ignorieren. aber sollte er schon nachdenken. aber für das normale Leben ziemlich unbrauchbar: So knapp lässt sich das Elektroauto bisher beschreiben. wäre mehr drin gewesen. Das könnte mehr als zehn Milliarden Euro kosten. doch bietet man den MAN-Aktionären einen wenig attraktiven Preis. Selbst die wiederholten Mahnungen von Martin Winterkorn. www. Vorsorglich erklärte Winterkorn alle Geschäftsfelder und die markenspezifischen Eigenschaften von Scania und MAN für »unantastbar«. die von 2013 an Pflicht ist. LAMPARTER Umdenken. wenn man die komplette Fahrzeugpalette aus einer Hand bieten könne – vom Vertreterkombi über den Transporter bis hin zum schweren Lkw. . Später. neue Produkte und damit auch neue Arbeitsplätze. verbunden mit großen Hoffnungen. könnten sie tatsächlich eine attraktive Alternative zum eigenen Auto werden. umweltfreundlich. an Ladestationen. Dann holt sich Scania bei seinem Großaktionär Volkswagen das Plazet. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer »integrierten Nutzfahrzeug-Gruppe« gelang immerhin. Länder und vor allem auch Städte durch viele kleine Maßnahmen die kluge Kombinationen von Leihautos. und das ist auch gut so. deshalb müssen die Wolfsburger nun ein Übernahmeangebot an alle übrigen Aktionäre machen. an der Bekanntheit und damit an fast allen Zutaten. Branchenprimus Daimler etwa kann die Entwicklungskosten jetzt auf seine drei Hauptmarken Mercedes-Benz (Europa. um Synergien bei den Lkw zu erzwingen VON DIETMAR H. gut erreichbare Ladestationen und kluge Buchungssysteme unterstützt würde.und Entwicklungskosten für neue Produkte abnehmen. Der Coup war psychologisch und taktisch schlecht vorbereitet. Das Ziel sei erst mal nur ein Stimmrechtsanteil »zwischen 35 und 40 Prozent«. dem mittlerweile zum Volkswagen-Konzernchef avancierten langjährigen PiëchWeggefährten. wie wenn man bei Pkw Mercedes und BMW zwangsverheiraten würde«.de/audio eu. Rein zahlenmäßig würde eine MAN-Scania-VWAllianz aber an Marktmacht gewinnen: Bislang führen bei den international tätigen Herstellern noch Daimler (252 000 Lkw von 6 Tonnen aufwärts im Jahr 2010) und Volvo (129 000) das Feld an. Volkswagen ergreift die Macht bei MAN. der weltweit führende Mobilitätskonzern zu werden! Daher ist für uns das Segment der schweren Lkw und Busse ein hochinteressantes. erklärte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Und die Widerstände bei den beiden Lkw-Bauern scheinen fest in deren Identität verwurzelt: Beide fühlen sich als technologische Vorreiter. sagt einer. Danach ging Volkswagen in die Offensive. Turbinen und Turbopumpen gehören. Die jetzt fällige Kartellprüfung (mit positivem Ausgang) werde eine engere Zusammenarbeit ermöglichen. Dass viele Autobauer immer noch lieber nur den Ottomotor einfach durch einen Elektroantrieb austauschen und den Rest beim Alten lassen würden. erwarb ein größeres Aktienpaket bei MAN und stockte seinen Scania-Anteil bis zum Erreichen der Stimmenmehrheit auf. Das alles soll sich nun ändern. Über eine kluge Hilfe. Ignacio López. In Wachstumsmärkten wie China oder Indien wäre Größe ein Vorteil. gut sind die kleinen Wagen hingegen für kurze Strecken.und Busfabrikation von VW übernahm. schlug Piëch zu. den Erlass von Parkgebühren. Mehr Elektromobile auf Deutschlands Straßen wären dann tatsächlich ein Einstieg. dass Deutschland in der Welt künftig nicht statt Autos gleich ganze Mobilitätskonzepte für Städte ohne Staus und Luftverschmutzung verkaufen könnte? Von »systemischen Lösungen« träumt die Nationale Plattform. Die Autoren wünschen sich eine Hilfe von fast vier Milliarden Euro. dass weniger Autos gekauft werden. als ein größeres Paket des schwedischen Lkw-Bauers Scania zu haben war. So kamen die Münchner zu einem starken Standbein in Südamerika. um die Ängste in München und Södertälje abzubauen? Viele Branchenbeobachter sind skeptisch. Freightliner (USA) und Fuso (Asien) umlegen. Dahinter steckt zuallererst der Traum eines Mannes: Ferdinand Piëchs. aber wenig erreicht. MAN (98 000) plus Scania (46 000) könnten deutlich aufrücken. den Konkurrenten Scania zu übernehmen. »Das wäre. dass sich wieder einmal eine Industrie die Entwicklung neuer Produkte zumindest zum Teil vom Steuerzahler finanzieren lassen will. für die man auch noch stundenlang einen Parkplatz suchen muss. Südamerika). In der kommenden Woche wird die Nationale Plattform Elektromobilität. Sie werden weiterhin mobil sein. Denn die neuen Mobilitätskonzepte könnten irgendwann auch mal dazu führen.zeit. wie es ein Manager der Konkurrenz formuliert. aber nicht mehr unbedingt das eigene Auto benutzen. sondern E-Mobilität VON PETRA PINZLER N E in Drama in drei Akten: Erst versucht der Münchner Lkw-Bauer MAN. beispielsweise beim Aufbau der nötigen Infrastruktur. Aber wer sagt denn. Denn deren Batterien reichen für längere Touren noch nicht aus. holte sich eine Abfuhr. Scania und MAN haben beide ihre Euro-6-Aggregate völlig unabhängig entwickelt. Piëch selbst übernahm den Aufsichtsratsvorsitz bei MAN. Dann kam im Jahr 2006 der damalige MANChef Håkan Samuelsson auf die Idee. Schließlich gilt Scania. Diese vergeudete Milliarde wird Ferdinand Piëch gehörig geärgert haben. Zwar darf der Staat der Industrie nicht die Forschungs. seinerseits MAN zu übernehmen. sagt Finanzchef Pötsch. Beim Traditionsunternehmen MAN wiederum herrschte stets die Sorge. weil sich Piëch übergangen fühlte. Elektroscootern. zuvor selbst Scania-Manager. Für die E-Mobilität wäre genau das die Chance – wenn Bund. als er noch selbst Vorstandschef in Wolfsburg war. und sie legt die Vermutung nahe. Rund eine Milliarde Euro kostet so eine Entwicklung. umweltfreundlichen Autos überall ans Netz können. an denen die neuen. Fahrrädern. Das macht sie zu den idealen Verleihautos für die Stadt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT ZWISCHENRUF Und bist du nicht willig . Und warum nicht das Dienstwagenprivileg für große Spritschlucker kürzen – zugunsten von E-Mobilen? Noch wichtiger aber wäre etwas. Die beiden VWBeteiligungen wurden zur engeren Kooperation aufgefordert. Eine vertrackte Situation. dass jeder seinen Motor auch in die eigenen Lkw einbauen will.26 12. Doch zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht. Das Geld dafür hätte VW nach dem Höhenflug der jüngsten Zeit. mit seinen Spitzenrenditen »als Porsche unter den Lkw-Bauern«. Rund 200 Millionen Euro könne man etwa durch einen gemeinsamen Einkauf einsparen. die Schweden wehren sich erfolgreich gegen den als feindlich empfundenen Akt. müssen auch noch die unvollendete Fusion mit Porsche und die unerwartet zähe Annäherung an den Kleinwagenpartner Suzuki meistern. So wollen sie die beiden störrischen Lkw-Bauer unter ihrer Regie endlich zum gemeinsamen Glück zwingen.. Nötige Gesetzesänderungen sollten ein Leichtes sein. ob sich die Zwangsheirat der widerstrebenden Lkw-Bauer am Ende auch lohnt. So könnte der Bund beispielsweise dabei helfen. es wird im Gegenteil zu einer teuren Last. Reicht das. Scania zu übernehmen. Und auch die Förderung von Modellprojekten oder die steuerliche Begünstigung der klimafreundlichen E-Autos sind sinn- voll. der Bundeskanzlerin ihren Bericht übergeben. bewirkten keine sichtbaren Fortschritte. stehe ein Kalkül: Für das Flottengeschäft mit Großkunden sei es von Vorteil. Noch-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat denn auch schon mal vorsorglich abgewinkt. Das klingt theoretisch. Vor allem in den großen Städten taugt es offensichtlich immer weniger als Statussymbol. ebenso wenig wie seine Wirtschaftspolitiker. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hatte seine Liebe zu den großen Brummern bereits entdeckt. So etwas ist zwar heute noch ein Tabu. Und nun das dramatische Finale: Volkswagen will selbst die Macht bei MAN übernehmen. Weitere Querelen bei der »Ingegration« könnten das Wolfsburger Management über Gebühr belasten. Was Piëch gewaltig wurmte. in der Vertreter von Autoindustrie. Anfang der Woche hat Volkswagen seinen Anteil an MAN auf mehr als 30 Prozent erhöht. Doch noch fehlt es an günstigen Modellen. wohl auch. das Recycling und die neue Infrastruktur. Denn die Autos. Stromkonzernen und verschiedenen Verbänden sitzen. das sich ausschließlich auf das lukrative Segment schwerer Laster konzentriert. abgestoßen wird. Lang ist die Wunschliste. Etwa zehn Jahre ist eine Motorengeneration im Einsatz – so lange sind die Synergien jetzt in diesem zentralen Bereich verstellt. Wenn Scania und MAN sich eher zusammengerauft hätten. Die stolzen Schweden vertrauten auf ihren eigenen Erfolg. Die VW-Führung ergriff Partei für Scania. ordentlich teuer. dass nach einer Fusion der Lkw-Sparten das zweite Standbein des Unternehmens. mit Scania aber lief wenig. Überall auf der Welt entstehen auf diesem Gebiet derzeit neue Ideen. das auch im Gutachten der Plattform nur beiläufig erwähnt wird: das Umdenken. am Service. Gerade kompakte Elektroautos böten sich als Teil eines solchen Konzeptes dann wie von selbst an.. Standards für die Ladestationen zu entwickeln oder Schilder für Plätze erfinden. die Stimmenmehrheit bei Scania besitzen die Wolfsburger bereits. ist verständlich. Denn danach soll die Bundesregierung der E-Mobilität endlich zum Durchbruch verhelfen und dafür tief in die Staatskasse greifen. so erläuterte der Stratege seinerzeit. Damit soll der Bund die Entwicklung neuer Batterien und eine Antriebstechnologie fördern. hat aber praktische Folgen: In den kommenden Jahren werden sich Menschen anders als in der Vergangenheit von einem Ort zum anderen bewegen. als MAN die brasilianische Lkw. Statt über das »Auto« sollten alle Beteiligten mehr über »Mobilität« nachdenken. Seither wurde viel geredet. Wenn ihre Nutzung auch noch durch reservierte Parkplätze. strategisches Geschäftsfeld. die nicht Benzin im Tank. um die Menschen an die neue Technologie heranzuführen. In diesen Wochen führen die großen Lkw-Bauer die neue Motorengeneration Euro 6 ein. Der Schwede. eine völlig neuartige Lkw-Fabrik in Brasilien hochziehen. zumindest darf es wohl kein Politiker laut fordern. Bahn und Bus erleichterten. Mitte der neunziger Jahre ließ er seinen damaligen Wundermanager. was bei den Münchnern prompt Abwehrreflexe auf allen Ebenen auslöst. Denn gerade viele junge Leuten träumen heute nicht mehr vom eigenen Auto. sind zwar gut fürs Klima – wenn sie Ökostrom laden.

welche Wege zur Armutsbekämpfung tatsächlich Erfolg bringen und welche nicht. schließlich breitete sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten der Niedriglohnsektor aus. die Methoden zu verfeinern. Denn in den angeführten Publikationen erläutern die Forscher zwar veränderte Berechnungsmethoden und allerlei Detailergebnisse – wie radikal sich die Kinderarmut insgesamt verändert hatte. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs sie beständig. ist klar: Die Zahl von der OECD war falsch. Arbeitslosigkeit. OECD ** Japan Italien Deutschland Spanien Foto: Jens Gyarmaty/VISUM 3.3 (2004) 17. Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Viele Sozialexperten setzen die Grenze zur Armut deutlich höher an. Das gilt vor allem für die skandinavischen Staaten. Sie mochten es aber nicht an die große Glocke hängen – schließlich hätten sie einräumen müssen.6 Polen USA Israel *Arme Haushalte verfügen über weniger als 50 % des jeweiligen mittleren Einkommens. dass die Lage anders ist. sagt Markus Grabka. Heute. selbst bei einem gesellschaftlich so brisanten Thema wie der Armut von Kindern. Dazu werden komplexe Hochrechnungsverfahren und Plausibilitätsüberlegungen genutzt. der man nur trauen dürfe. lebe in Armut. Datenmüll.7 5. dass Deutschland auch nach den neuen Zahlen ein Armutsproblem hat. aus der Armut herauszukommen.4 9. dass von der OECD veröffentlichte Zahlen plötzlich nicht mehr zu früheren Angaben passen. wie erfolgreich die deutsche Politik es angeht.« So wurde die Öffentlichkeit absichtlich im Unklaren darüber gelassen.WIRTSCHAFT 12. Hierzulande sind nicht mehr. Das ist bei solchen Erhebungen durchaus üblich. deren Steuer. die Daten stammen meist aus dem Jahr 2008. Die Bundesrepublik gebe besonders viel Geld für die Familien aus. Wenn die Datengrundlage so wackelig ist. blieb aber bewusst ausgeblendet.de/audio . Deshalb gibt es je nach Definition unterschiedliche Armutszahlen. zerfallende Familien.7 14. Auch wenn.3 16. verkündeten Experten der Industrieländerorganisation OECD im September 2009. man habe in früheren Veröffentlichungen längst »auf die verbesserte Methodik und ihre Konsequenzen« hingewiesen. sagte Markus Grabka der ZEIT. um sich etwas Geld zu verdienen Der Armuts-Irrtum Es gibt in Deutschland offenbar viel weniger arme Kinder als bisher gedacht – Forscher wollten das für sich behalten ie Zahl platzte mitten in den Bundestagswahlkampf. Polen und der Türkei. In Deutschland hieß das im Jahr 2008: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern war arm. »jedes arme Kind eines zu viel ist«. Für die OECD ist ein Haushalt arm. Nach den neuen Zahlen gehört das hiesige Sozi- alsystem nun eher zu den erfolgreichen. und es lässt sich kaum beurteilen. damals noch Familienministerin.zeit.3 Prozent nur 10 Prozent aller Jungen und Mädchen in der Bundesrepublik arm. Nach einem entsprechenden Zeitungsbericht (Fauler Zahlenzauber) berief das DIW eilig eine Pressekonferenz ein. Aber so krasse Veränderungen wie bei den neuen Armutszahlen sind ungewöhnlich.5 8.5 21. Er arbeitet zusammen mit anderen Wissenschaftlern an einem neuen. und dass sich Daten bei einer Neujustierung ändern.3 (2008) 9. Nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit ist jede verlässliche Studie recht.« Was tatsächlich die Ursachen für die Kinderarmut sind – niedrige Löhne. wie Familienministerin Kristina Schröder nach Bekanntwerden der revidierten Werte verlauten ließ. die alten und die neuen Zahlen einander gegenüberzustellen«. Angaben in Prozent Dänemark Norwegen Frankreich Deutschland Schweiz Niederlande Großbrit. »Es wird viel zu selten auf die Unsicherheit von Stichprobenuntersuchungen hingewiesen«. auf der der neue Institutschef Gert Wagner nun behauptete. Dazu wolle sie als Erstes das Kindergeld erhöhen. »Früher war das Problem vernachlässigbar. wenn man sie selbst gefälscht habe. VON KOLJA RUDZIO D Eine vierköpfige Familie mit weniger als 1985 Euro netto gilt als arm Im Mittelpunkt dieser Datenaffäre steht ausgerechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. als sie die alten Zahlen auf einer Pressekonferenz vorstellte. Datensalat gab es schon genug. im Kampf gegen Kinderarmut nachzulassen. die in Armut* leben. dass eine Neuberechnung frühere Ergebnisse auf den Kopf zu stellen vermag – hätten die DIW-Forscher das nicht früher erkennen und warnen müssen: Achtung. allerdings bleiben einige Länder ein gutes Stück voraus. »Unklar ist. Hinter der wundersamen Schrumpfung verbirgt sich ein Skandal. untersucht der Professor gegenwärtig. etwa bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Dabei ist die Politik auf methodisch sauber ermittelte Daten angewiesen. gehört zum Alltag von Statistikern. mit denen fehlende Angaben ergänzt würden. Das Armutsproblem ist auch nach den neuen Zahlen nicht gelöst. Einige Experten wissen das seit Langem. Das Berliner Institut lässt jedes Jahr einige Tausend Bundesbürger nach ihren Einkommen befragen. unsere Armutszahlen sind mit extremer Unsicherheit behaftet? Statt die Werte bis auf eine Stelle nach dem Komma auszuweisen. die in Bezug zur Haushaltsgröße und zum Durchschnitt besonders niedrig liegen.« Deshalb sei es nötig geworden. Was zeitliche Trends betrifft. »aber wir wollten dann nicht noch Salz in diese Wunde streuen und haben darauf verzichtet.0 8. Die von der OECD für Deutschland publizierten Zahlen stammen vom DIW. welcher überwiegt. **Durchschnitt ZEIT-Grafik/Quelle: OECD Ein Junge in Berlin sammelt Pfandflaschen. Der Grund: »Wir bekommen immer häufiger nur lückenhafte Auskünfte«. als es hierzulande der Fall ist. Allerdings ist auch das Gegenteil denkbar: Die Armut verringert sich. »Das ist aber nicht nur ein Problem des DIW. Die Berechnungen sorgten in Berlin zuerst für hitzige Debatten – und dann für Milliardenausgaben. Klar ist. Fragwürdig erscheint jetzt eher. sondern deutlich weniger Kinder von Armut betroffen als im OECD-Durchschnitt. »Wahrscheinlich gibt es beide Effekte«. scheint plausibel. ungleiche Bildungschancen –. Bekannt wurde der extreme Rückgang der Armutsquote. Zentrale Botschaften der früheren Untersuchungen werden dadurch in ihr Gegenteil verkehrt.2 15. eineinhalb Jahre später. weil heute mehr Menschen einen Job haben und Arbeitslosigkeit das Armutsrisiko schlechthin darstellt. Der Vorgang dürfte das Vertrauen in wissenschaftliche Expertisen auf sozialpolitischem Gebiet erschüttern. www. wenn es in einem Elternhaus aufwächst. Einmal mehr scheint sich der Uralt-Spruch von der Statistik zu bestätigen. Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der OECD. Das ist nur zur Hälfte richtig.1 Millionen Kinder und Jugendliche lebten danach zuletzt in finanzieller Bedürftigkeit. von was für einer Qualität die von ihr mitfinanzierten Untersuchungen tatsächlich waren. Ein Zahlenspiel. wenn sie netto weniger als 1667 Euro im Monat zur Verfügung hatte. wie wenig verlässlich wissenschaftliche Expertisen bisweilen sind. Jedes sechste Kind in Deutschland. umfassenden Armutsbericht für die Bundesregierung.und Sozialsysteme Einkom- mensunterschiede stärker dämpfen. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist aber ein Vergleich – zu anderen Ländern oder zur Vergangenheit. aber die Frage. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 27 Auf einmal gut? Anteil der Kinder bis 18 Jahre. aber in den vergangenen Jahren wurde es immer größer. weil einer Journalistin der Financial Times Deutschland auffiel. alte Befragungen neu auszuwerten. Dann ist es beson- ders schwer. Im Untersuchungsjahr 2004 waren nach den neuen Erkenntnissen statt 16. Nach den DIW-Zahlen ist die Kinderarmut bis 2004 rasant gestiegen und danach etwas gesunken. So rasant hat sich die Armut wohl noch nirgendwo halbiert. Sie werde die Kinderarmut entschieden bekämpfen. neuere Zahlen gibt es nicht – waren es bloß 8. der beim DIW für die Erhebung zuständig ist. Bei zwei älteren Kindern (über 14 Jahre) erhöht sich die statistische Armutsschwelle auf 1985 Euro. was aus heutiger Sicht eine absurde Scheingenauigkeit darstellt. So warnte Monika Queisser. Schlimmer sei die Situation nur in wenigen Ländern der entwickelten Welt. Es war ein Schock und eine Blamage für die deutsche Politik. das einzugestehen. das zeigt. Was wenig später auch geschah. deshalb lebten hier überdurchschnittlich viele Kinder in Armut. das deutsche Sozialsystem funktioniere nicht richtig.6 10. um Einkünfte. wenn er netto über weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens im Land verfügt. muss neu beantwortet werden. in dem niemand eine Arbeit hat.« Befremdlich erscheint allerdings der Umgang des öffentlich finanzierten Instituts mit der Öffentlichkeit. Vor knapp zwei Jahren haben die Experten begonnen.« Armut sei allerdings auch nicht allein ein Geldproblem. So bleibt ausgerechnet bei dieser brennenden Frage unklar: Befindet sich Deutschland auf einer schiefen Ebene – oder auf dem richtigen Weg? Dass die Armut zunimmt. gibt es widersprüchliche Signale.3 21. Rund 1. Sie bewegt sich sonst im Blindflug. sagt Christian Arndt.6 26.3.1 12. etwa in Mexiko. Und zuletzt – 2008. Allerdings ist dessen jährliche Erhebung noch recht neu und wurde methodisch verändert. Daraus ermitteln die Forscher die Armutsquoten. doch bei den Bedürftigsten komme wenig davon an. versprach Ursula von der Leyen. Das geben Mitarbeiter offen zu: »Wir hatten erwogen. Und wie schwer es den beteiligten Experten fällt. International schneidet Deutschland nun offenbar besser ab als gedacht. sagt Christian Arndt. Wohl kaum ein Grund. sondern weit vorne. Es geht dabei also um relative Armut. als sie es bisher dargestellt haben: Deutschland rangiert bei der Bekämpfung der Kinderarmut im internationalen Vergleich tatsächlich nicht ganz hinten. »Das Schlimmste für ein Kind ist sicher. das nach einer Reihe negativer Schlagzeilen und hausinterner Querelen gerade einen neuen Chef bekommen hat. wie Teile des hiesigen Wissenschaftsbetriebs funktionieren.

Seither folgten Mediziner weltweit seinem Beispiel. Sowohl Lucentis als auch kam Lucentis auf den Markt.und den Status quo überwinden. Es ist also eine völkerungen die Atomkraft weltlig unrealistische Darstellung. inwieweit der Staat den Konflikt mit den Herstellern von Medikamenten wagt – und wie viel die Gesellschaft für Gesundheit zu zahlen bereit ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT »Sie sind Vorreiter!« Kumi Naidoo. angewendet. Gerade haben Allerärmsten demonstriert. Der Wirkstoff unterbindet die Blutversorgung von Tumoren – im Fall von AMD lässt sich mit ihm das abnorme Wachstum der Blutgefäße hinter der Netzhaut stoppen. Menge Kohlenstoffschulden abzuzahlen.Krankenkassen längst angemessene Preise mit den marktet. Ein Sprecher des centis als auch Avastin entwickelt hat. sen. zu 30 Prozent beteiligt. Naidoo: Die realen Investitionen decken aber Naidoo: Jedenfalls tun wir schon eine Menge. den Ausstieg aus der fossilen Enerkönnte. Deshalb gilt aber auch weiterhin: Sie in fall im indischen Rajasthan vor! den Industrieländern haben erst mal noch eine ZEIT: Viele rechnen aber mit einem Geschäft. welches von zwei patentgeschützten Medikamenten besser gegen die feuchte Makuladegeneration hilft. eine Praxis. Avastin als Mittel Expertengruppe eingerichtet worden ist.kraft.und Preispolitik schätzte 100 000 AMD-Patienten der Hersteller. Schon widersetzen sich MediziEs geht um sehr viel Geld. weil die Atom.gäbe es für den Staat zur Genüge. Lucentis errechneten Ökonomen.geben. Stellen Sie sich einen atomaren Un. . zicht auf Atomenergie eine Renaissance der Kohle nach ZEIT: In den energiehungsich zu ziehen. auch Angela Merkel scheint zu beschäftigen. gehört seit 2009 Gesundheitsministeriums aber lässt nur wissen. Wie stark ist Greenpeace dort vertreten? sen kann.) F » « Bei AMD ist das nicht mehr der Fall. Naidoo: Tatsächlich ist unsere größte Herausdass ein Alleingang Deutschland isolieren forderung. bleibe dass es die Krankenkassen drei die Frage. ten. schätzen Experten. jeder Fünfte muss sich behandeln lassen. Anteil an Atomstrom sind 57 Prozent der Menschen für ZEIT: Weltweit droht der Vereinen Ausstieg. sollte zu erleiden oder gar zu sterben. Sie sind Vorreiter! Aber CO2. eigenes Mittel zur deutlich höher als bei Lucentis. Eine nachträgliche Aktuell werden noch rund ein Drittel der Patienten mit Avastin beIst im Preis etwa 30-mal Nutzenbewertung könne dazu fühgünstiger: Avastin handelt. aber auch die Hoffnung. die sich mit für AMD zu testen und die dazu nötigen Studien den Fragen der Therapie einer altersbedingten Madurchzuführen. wenn kein anderes zugelassenes Spezialmittel zur Verfügung steht. also abseits des eigentlichen Behandlungszwecks. Der Fall weist über sich selbst hinaus. levanten Zahl würde zu lange dauern. die Initiierung neuer oder lassen. und es käme zu wenig Strom dabei um zu zeigen. seinerzeit einem Achtel des gesamdie Überwachung der Sicherheit könne ein unabhängiges Institut ten deutschen Arzneimittelbudgets. wenn wir mit VollEs ist also eine Brasilien oder Chile: Auch dampf in erneuerbare Quellen völlig unrealistische und eine effizientere Nutzung dort gibt es überall Debatten Darstellung. den das staatliche National Eye Institute in den Vereinigten Staaten angestellt hat. Selbst in dass die Atomkraft das Klima Frankreich mit seinem hohen wirksam schützen könnte. Sie sollten Ihr lebensrettendes Wissen den Entwicklungsländern großzügig weitertechnik. Gener der Produkt. dass es da eine Renais. waren das für die Augenerkrankung an sich nicht zugelassene Krebsmittel Avastin von Roche und das Spezialmedikament Lucentis von Novartis. die Lucentis injiziert bekamen. nicht die Behauptung. einen Schlaganfall beenden. Das Risiko. Naidoo: Das werden wir verNaidoo: Ob in der Türkei. Bewegung in die Sache kommt. Die Sehzellen sterben ab. wenn es um den Erhalt und die Verbesserung der Sehschärfe der Patienten geht. Im Januar 2007 Studie keinesfalls eindeutig.5 Millionen Deutsche leiden an einer Form der Altersblindheit. dass die Bevölheraus. dass über die Risiken der Atomder Energie investieren. Dass am Bundesherstellt. weiß noch keiner. Weiter verbreitet ist das teure. Gegenstand des abgekürzt CATT genannten Vergleichs. Viele Krankenkassen schlossen mit Novartis behandelt wurden. und ihr Alter lag im Schnitt deren Folge sich der Einsatz von der Studie bei über 80 Jahren. Die Ergebnisse. sagt ein Insider.Strom. behandelt würden. der Bau einer reKanzlerin. Tim Brake/dpa (l. Fotos: Thomas Einberger/argum (2). etwas häufiger auf als bei PatienRabattverträge über die Nutzung von Lucentis ab. die daheim aussteigt. Da verwundert es institut für Arzneimittel bereits zu Jahresbeginn eine nicht mehr. Sie wollen wissen. sagt er nicht. das Avastin in Europa ver. Dabei ist die Aus. weil sich hinter der Netzhaut kleine Blutgefäße bilden.ten serious adverse events wie einem stationären Kransichtsbehörde in Deutschland noch toleriert wird – in kenhausaufenthalt oder Durchblutungsstörungen im einer »wohlwollenden Duldung«. dass Lucentis zwar teurer. Allerdings war zugleich aber eigene Verträge mit die Anzahl der Patienten relativ den operierenden Augenärzten. Die Hauptrolle spielen Sie. Naidoo: Ja. Hafüber die Hälfte und mehr steigen tungsfragen. dass Atomkraft den Klimawandel brem. Der Preisunterschied Avastin waren ihr zufolge insgesamt gut verträglich empörte Kassen wie Mediziner schon bei der Zu. lungs. aus denen Flüssigkeit austritt. das Lucentis heute Herstellern aushandeln könnten. dass sich die beiden Medikamente preislich annäherten. über die Versorgung der Welt mit Energie und den deutschen Atomausstieg ZEIT: Herr Naidoo. 4. die sich in Zeiten technisch immer komplexerer Behandlungsmethoden und immer kostspieligerer Mittel zunehmend stellen. Weitere Vergleichsstudien könnten die Debatte aber so etwas wie der Goldstandard in der Therapie der Altersblindheit sei. die nun vor wenigen Tagen bekannt wurden. Kontrollen. Ein amerikanischer Augenarzt hatte Avastin erstmals erfolgreich off label. wie viel die SolidarMilliarden Euro pro Jahr kosten gemeinschaft für mehr Sicherheit könnte. wie hilflos selbst die Hightechnation schen haben ja noch gar keinen Zugang zu Japan war. Viele boykottieren es bis heute und bleiben Mediziner einig.28 12. Das entsprach Avastin solle offiziell erlaubt werden. Warum? VON NICOLA KURTH ür diese Studie interessieren sich Augenärzte weltweit. verfügen über Technologien und Wirtschaftsunterstützt den Export deutscher Atom. wirksam schützen Atomkraftwerk von Areva ZEIT: Gerade in Entwickkönnte festgenommen.emissionsarm aufzubauen. Die Ergebnisse der Studie ren. Wenn kraft. 1. sofern alle Patienten damit bereit sei zu bezahlen. Injektion: Lucentis Wirkten beide Mittel gleich. Man investiert weiter in Atom. in hindern. wollte er eingreifen konzerne. sei unter Avastin Bayer wie geplant 2012 ein neues. Fragen. Unterschiede gibt es bei sogenannbei Avastin. da sind sich lassung. die wachsenden VolksZEIT: Proteste gibt es da wirtschaften von vorneherein zwar. könnten diesen Anteil schnell auf Freiheit in der Therapie. dass Roche es ablehnt. weit ablehnen. dass die Behandlung mit dem Krebsmedikament Avastin gleich gute Ergebnisse erzielt wie die mit Lucentis. »Mit CATT wurde bestätigt. Seit 2005 kann diesen Patienten mit Injektionen von Avastin ins Auge geholfen werden. was sowieso schon alle wussten«. So fordern die fühgibt es derzeit in Deutschland. die häufigste Ursache für Blindheit im Alter (AMD).6 Milliarden Menwir erlebt. gieversorgung zu beschleunigen. dass die Präparate zwar nach Meinung vieler Experten im Wirkstoff vergleichbar sind. dass zu Roche. Doch solche Therapien sind nur erlaubt. in klein. Sie Die Bundesregierung. Aber derzeit ZEIT: Vergangene Woche waren Sie ja bei der decken AKWs nur zwei bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Bei der Zulassung von Kostet rund 1300 Euro je scheidungen seitens der Politik. ist wiederum Novartis. Das Gespräch führte CHRISTIANE GREFE Gleiche Wirkung Bei Altersblindheit helfen zwei Medikamente. Avastin für die Ärzte mehr lohnt.Bihar die Chancen solarer Kleinanlagen für die kraft zu teuer und zu riskant ist. Heikel wird der seit Jahren schwelende Streit die Unterstützung laufender Studien – Stellschrauben durch die Verflechtungen der beteiligten Pharma. Regierungen finden weltweit kaum Solar-Tour durch den indischen Bundesstaat Finanzierungsmöglichkeiten. die von der zuständigen Auf. Nach meinem Eindruck ist das der Kanzlerin bewusst. rigen Schwellenländern ist das aber anders. da wird mit zweierlei Maß gemes. Brisant wird diese Einschätzung dadurch.und Schwellenländern gilt es. so der Tenor. Im indischen Jaitapur Deutschland dabei weiter vodie Atomkraft wurden gerade Demonstranrangeht. sich aber enorm in den Kosten unterscheiden: Lucentis ist mit 1300 Euro pro Injektion rund 30-mal so teuer wie Avastin von Roche.bringen. Neuer Druck könnte entstehen. sind brisant. wie sich das offiziell Gehirn. die mit Avastin nennt. An Roche. dass also womöglich dahingehend interpretiert.hinsichtlich relevanter Nebenwirkungen. halten Sie den deutschen ZEIT: Ein Argument der Kernkraftbefürworter Atomausstieg für einen »Sonderweg«? stimmt ja: Kernkraftwerke emittieren weniger Kumi Naidoo: Nein. er steht exemplarisch für die Frage. übernehmen. das einst sowohl Lu. Das Unternehmen. Wie teuer es sein wird. Konnten Sie sie beruhigen? Naidoo: Wir sind die Länder durchgegangen. sie renden Berufsverbände der Augenerhalten im Jahr rund 500 000 Inärzte in Deutschland klärende Entjektionen.Zum Beispiel haben wir vor Kurzem bei einer sance gebe. Derweil Novartis die neue Studie kuladegeneration befassen soll. Diese traten bei Patienten. und die Zeit drängt beim Klimaschutz. Im Kern zeigt die erste große Studie über die Wirksamkeit der beiden Medikamente. Chef von Greenpeace International. werden andere Ländas Klima ten gegen ein geplantes der nachziehen.Bekämpfung der Altersblindheit auf den Markt legung der festgestellten Unterschiede in der CATT.

begegnen sie mit einer speziellen Rubrik. Es können nur vorgegebene Fragen beantwortet werden. Staatsund Verwaltungsrecht an der Universität Mainz.« Die Initiative liefe im Rahmen einer ganz normalen Projektförderung. Im Übrigen. so Werner Wolf. So bezweifelt Friedhelm Hufen. sondern sie auch gleich bewerten. Problematisch sei vor allem der produktbezogene Bereich. hervorragende Lebensmittel in der Bundesrepublik Deutschland«. es würden auch Produkte angeprangert. sagt sie. ob die Bundesverbraucherministerin überhaupt für ein solches Projekt zuständig ist. So sind beispielsweisen frei formulierte Texte nicht möglich. Präsident des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft (BLL). Der Name suggeriere. ohne dass wir rechtlich. bauen auf die Einsicht der Hersteller. Bis endgültig klar ist. Sie und ihr Kollege Hartmut König. Das ist nicht das einzige Argument. der bei der Verbraucherzentrale Hessen das Projekt leitet. ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. verunglimpft zu werden. Und das im Zusammenhang mit einer lediglich »gefühlten Täuschung«. um die Nahrungsmittelindustrie aufzuregen. Die Wahrung von Geschäftsinteressen ist ein wichtiges Gebot. Zuckersirup statt Honig. bei denen sie sich durch die Aufmachung und Kennzeichnung in die Irre geleitet fühlen. Hassemer: »Es markiert einen Weg zu bürgerlicher Autonomie. dass dem Hersteller zwar eine kurze Frist zur Kommentierung eingeräumt werde. diese selbst aber das Problem sind. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 29 Alles wahr oder was? Auf einem neuen Portal im Internet können sich Verbraucher demnächst beschweren. weil befürchtet wird. wenn sie sich nach diesen Vorgaben richten. Außerdem wird es die Möglichkeit geben. sich im Diskussionsbereich an Debatten zu beteiligen oder Fragen an ein Expertenforum zu richten. Hassemer gibt zu bedenken: »Allein das subjektive Gefühl einer Person. sagt er. vergeht – zum Ärger vieler Verbraucherschützer – deshalb meist viel Zeit. Ohne vernünftige Information könne Vertrauen nicht bestehen und Kritik nicht wirksam sein. Das Vorhaben löst deshalb so viel Aufregung aus. Betroffene Interessen würden ausgeblendet. könnten die Eigentumsgarantie. Insgesamt rund 775 000 Euro gibt es vom Staat. vorausgesetzt. ist nicht imstande.WIRTSCHAFT 12. So muss beispielsweise eine Kalbswiener lediglich 15 Prozent Kalbsfleisch enthalten. monieren Verbraucherschützer. Aigner: »Die Lebensmittelüberwachung ist und bleibt Aufgabe der Länder. Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich deshalb gelegt. Wenn die Verbraucherschützer eine Beschwerde fachlich nachvollziehen können und sie für plausibel halten. deren Kennzeichnung zwar den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht. Sie koordiniert das Projekt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Dort ginge es um die »gefühlten Rechtsverletzungen« von Laien. In diesem Fall wird er nur auf den Informationsteil verwiesen. dass ein fairer und sachbezogener Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern gewährleistet ist. Obwohl sich Hersteller völlig korrekt verhalten. vorgehen müssen«. Vollmundige Werbeversprechungen suggerierten Qualität oder Nähe zur Natur. Daraus. Digitale Sammelstellen dieser Art schrecken inzwischen nicht nur Unternehmen auf. »Das Portal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel« Auch Professor Winfried Hassemer. Außerdem hat er Zweifel an der notwendigen Neutralität des Portals.« Die Eingriffe. Professor für Öffentliches Recht. Die Mogler und Trickser sollen schon bald ausgebremst werden: mit einem neuen Internetportal. die davon ausgingen. Deshalb müssen die betroffenen Firmen zum Beispiel angehört werden. Das Angebot ist dreigeteilt: Im Informationsbereich können sich die Besucher der Website in rechtlichen Fragen kundig machen. So etwas ist – wenn überhaupt – nur dem Kleingedruckten auf der Packung zu entnehmen.birgitlang. Kräuterbutter mit Margarine. er hat tatsächlich reagiert. mit dem sich Vertreter der Branche gegen die Initiative wehren. Dort werden jene Lebensmittel präsentiert. der Markt würde womöglich gestört. geht mit dem Projekt streng ins Gericht. dass einzelne Unternehmen und deren Marken an den Pranger gestellt werden können. dass »hoheitliche Gewalt durch gesellschaftliche Zwänge ersetzt werden soll«. sei eines modernen Staates und einer Informationsgesellschaft würdig. »Wir hoffen. Nächsten Monat soll es laut Janina Löbel trotzdem losgehen. Es trägt den Namen »Klarheit und Wahrheit«. dass ein Verbraucher lediglich schlecht informiert ist«. einen solchen Eingriff durch eine derart mächtige Institution zu rechtfertigen. Daraus machte er in einer Stellungnahme für den Verband BLL auch keinen Hehl. wenn sie sich von Lebensmittelherstellern getäuscht fühlen. »Manche reagieren direkt und ändern. Auch in einem anderen Fall gab es heftigen Ärger: beim so- genannten Arztnavigator. sagt Janina Löbel. deren Kennzeichnung rechtlich in Ordnung sei. stellt die Ministerin klar. Darf im Schwarzwälder Schinken auch Fleisch aus Dänemark sein? Oder Hühnchen in der Kalbswiener? Im sogenannten produktbezogenen Bereich können Verbraucher konkrete Beispiele melden. »Informationseingriffe sind von vornherein nur rechtmäßig. Ilse Aigner versucht derweil die Wogen zu glätten: »Wir haben erstklassige. hintergangen oder enttäuscht worden zu sein. »Wir können damit leben«. Manche Hersteller sind deshalb bereits alarmiert. das Grundrecht auf Berufsfreiheit oder das auf Gleichbehandlung verletzen. Das ist in der Regel die örtlich zuständige Le- Illustration: Birgit Lang für DIE ZEIT/www.und Meinungsforum dienen soll und kein Organ der amtlichen Überwachung sei. »Manchmal stellt sich auch heraus. dass der Ministerin die Zuständigkeit fehle. dass es als Informations.« Aber dann: Es gehe in dem Konzept weder um Recht noch um Kontrolle oder Sanktion. nicht aber ein Bundesministerium«. B bensmittelbehörde. »Lebensmittel sind heute ein komplexes Gut. zum Beispiel mit Abmahnungen. Und sie haben ein Recht auf Akteneinsicht. was kritisiert wurde. wann und was im Einzelfall an die Öffentlichkeit darf. fühlen sich manche Verbraucher dennoch getäuscht. wird das Produkt im Internet abgebildet.de . so hoffen die Initiatoren des Portals. Er weiß etliche Juristen auf seiner Seite. Und niemand müsse eine Verunglimpfung befürchten. Doch die Konstruktion des Portals verhindert das. Sie stört insbesondere. dass Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner das Portal finanziell unterstützt. Gerade aber im Ausblenden des Rechts liege das Problem. Lebensmittelbehörden können nur in engen Grenzen agieren Obwohl das komplette Portal mit allen Funktionen noch nicht in Betrieb ist. Was sie vor allem stört. die Verbreitung der Sache aber dann auch ohne diesen Kommentar erlaubt sei. »Das Portal wird so konzipiert sein. schreibt er. dass künftig lockere Debattierzirkel erboster Verbraucher das strikte Reglement amtlicher Kontrolleure ersetzen könnten. Auf einer Fachtagung übten sie jüngst massiv Kritik.« Zudem haben die Konstrukteure des Portals aus der bisherigen Kritik bereits ihre Lehren gezogen. den die Krankenkassen AOK und Barmer in der vergangenen Woche im Internet starteten. etwa über Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. und kritisiert zugleich. Lebensmittelbehörden müssen vorsichtig agieren. So will es unter anderem selbst das Verbraucherinformationsgesetz. die rechtlich in jeder Hinsicht zulässig sei. Oftmals sei es damit aber nicht weit her. Auch Rechts. Außerdem sind Beschwerden gegen Entscheidungen der Lebensmittelkontrolleure möglich. Dem Vorwurf. Die Doktoren liefen zunächst dagegen Sturm. Und das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken darf auch aus Dänemark stammen. Sie fürchteten.« Als juristische Schludrigkeit bezeichnet er es. Dass die Meinung der Verbraucher nicht nur erforscht. Dort können die Kassenmitglieder nicht nur Ärzte suchen. Dabei findet er es grundsätzlich gar nicht schlecht. ist. sie haben strenge Vorschriften zu beachten. Betrieben wird das Portal vom Verbraucherverband Hessen. dass sie die Kennzeichnung schnell verbessern. dass in dieser Branche hauptsächlich Gauner unterwegs seien. Auf einem Portal wie dem geplanten können sich die Teilnehmer sehr viel freier äußern als Beamte in den Behörden. Fachleute in der Internetredaktion prüfen die Kritik und bitten die betroffenen Hersteller um eine Stellungnahme. sagt Janina Löbel.und Staatswissenschaftler Fritz Ossenbühl bemängelt. heißt es bei der Bundesärztekammer heute. Skepsis löst bereits die Konstruktion der Plattform aus: die Mischung aus Staat und privatwirtschaftlicher Initiative. sagt König. Andere setzen sofort Rechtsanwälte in Bewegung«. Hassemers klares Urteil: »Dieses Internetportal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel. können schon heute Meldungen abgegeben werden. Im Augenblick aber sind große Teile der Lebensmittelwirtschaft regelrecht empört. Die Industrie läuft Sturm dagegen VON GUNHILD LÜTGE ananenschokolade ohne Banane. sondern auch zum Bestandteil von Auseinandersetzungen und Interventionen gemacht würden. bevor sie bei Nahrungsmittel-Skandalen Ross und Reiter nennen dürfen. könnten die Verbraucher bei der Nutzung des Angebots eindeutig erkennen. es gehe vielmehr um eine spezifische Form von Kommunikation. wenn die zuständige Behörde tätig geworden ist. Schon diese zwei Wörter reichen aus. könnte auch der Gesetzgeber beim Erlass seiner Vorschriften lernen. versehen mit dem Kommentar des Herstellers. obwohl sie lebenswichtig sind«. dessen Eigenschaften die Verbraucher aus eigener Anschauung regelmäßig nicht kontrollieren können.

vorzubeugen lichen Headhunter angeschrieternehmens musste alles machtlos ben: »Wir hätten eine interesmit ansehen. »Geheimdienste und Konkurrenzfirmen gehen nach dem gleichen rinnen erinnert. hat über diese Summe Scheinrechnungen bezahlen lassen. den die Revisoren von MDR und ZDF verfasst haben. sagt Zitting. Die Nummer zwei im Kika. Viel floss an den Geschäftsführer der Koppfilm.s Komplizen bei den Firmen. antwortet Beckmann auf die Frage. von einem Freund der Zielwenn es keine offiziellen Statistiken dazu gibt. den Zugang Später erzählte ihm die Frau zu Facebook oder ähnlichen bei mehreren Treffen noch mehr Plattformen gesperrt. das auf Zittings Naivität darauf hereingefallen«. Weil er seiner Exsante und hochdotierte Stelle Kommilitonin vertraut hatte. sich selbst. Ein Teil des Geldes ging an K.sperrt den Zugang zu auf Businessportalen wie Xing stamm kannte. »der erst sehr Aus Sicherheitsgründen haben nett schrieb«. ob ein ausländischer fassungsschützerin. haben sechs mit Sozialen Netzwerken zu tun«. der der Information jedoch nicht nachging. Der bei einem bige aus der Firma ausgebootet Sozialen Netzwerken – Softwareentwickler beschäftigte worden. sich mit ihm Kanal geschlossen richtendienst dahintersteckte. Allerdings muss man fairerweise sagen. sagt die Verfassungsschützerin. Auch versuchen zunächst. Die Wirtschaft reagiert inzwiwurde. sagt ein Mitarbeiter. Das schaffen«. In dem etwas trockeneren Teil des Revisionsberichts von MDR und ZDF. Als möglicher Nachfolger wird Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz genannt. Falsche Freunde Ideen klauen. Da dem Mann die men existieren noch heute. Und das werken sind Umwege beliebt: »Die Kriminellen gilt allgemein mit steigender Tendenz. Bei ARD und ZDF verweist man lieber auf die Fahrlässigkeiten des MDR. Die Veranstaltung ist für den Sender eine gute Gelegenheit. Zum schnellen und effektilogisch. auf die im Onlineprofil der Firma verwiesen nicht für die Spionage durch Firmen zuständig. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Brot und Spiele Millionenbetrug beim Kinderkanal: Die beteiligten Sender streiten VON ANNA MAROHN E Kika-Star Bernd das Brot musste für Scheinrechnungen herhalten inmal im Jahr verleiht der Norddeutsche Rundfunk intern den Sehstern. NDR-Justiziar Werner Hahn betont hingegen. musste ihn der MDR aus einem Las-Vegas-Urlaub mit einem Freund und Mitarbeiter holen. Auch sein Nachfolger als Programmgeschäftsführer bemerkte den Betrug nicht und wurde dafür bereits abgemahnt. sagt Costin Raiu.. ob sich Beckmann auf seinem Posten halten kann. Sie führen bis zu 80 Prozent an die Länder und Kommunen ab. Tisch landete und bei dem unlautet die Einschätzung der Verklar ist. person akzeptiert zu werden. Da erscheint es fast anbieter Kaspersky. Der auch um Spionage Mann wurde von einem angebInhaber des ursprünglichen Un.« Zittings ProBerliner Verfassungsschutz. Der Fall steht exemplarisch für den Trend. Berater für In. So wurde etwa beanstandet. Normalerweise. trennte zwischen Beruflichem und Privaten kaum. rund 50 Fällen. will der Sender mit Hinweis auf vereinbarte Vertraulichkeit nicht preisgeben.der DAX-Unternehmen selpositionen haben oft Profile schäftsdetails und den Kunden. Der Mann Wettbewerber oder ein Nachüberredete sie.blem: Rechtlich ist der Verfassungsschutz nur für schrieb die Dienstleistung auf ihrer Facebook. Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu VON ULRICH HOTTELET Foto: interTOPICS. Marco K. ein Mann bei ihr. was Beckmann gewusst habe oder fahrlässig übersehen. über Ausspähung der Konkurrenz. dürfte die Sache aber teuer gemacht haben. dass sie damit diese Lücken ungewollt nalität. Im Bericht. Die Ansprache sei in diesem Umfeld ein bisschen befremdlich gewesen. In diesem Jahr eröffnete Fernseh-Programmdirektor Frank Beckmann die Veranstaltung mit einer Verteidigungsrede in eigener Sache. dass Mitarbeiter die »Sachlich richtig«-Abzeichnung vornahmen. dass diese Netze auch vom zweitältesten ven Auskundschaften schreiben die Kriminellen Gewerbe der Welt für seine Machenschaften ge. Leiterin des Wirtschaftsschutzes beim an der Tischkante wahrnehmen. bei dem etliche Millionen Euro veruntreut wurden. Eine gern angezapfte QuelUnternehmen ist auf die Bekämpfung von In. und »die Firma lief richtig gut«. weil sie leichter Vertrauen formationssicherheit bei HvS Consulting. Seite.30 12. Mitarbeiter in SchlüsAls der neue Partner die Ge. wie der MDR in einer Pressemitteilung schrieb.zutage Soziale Netze«. Fragen aber zunehmend merkwürdig vorkamen. zuvor hat er acht Jahre lang in Erfurt die Geschäfte für den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal geführt. Direktor takte zu schließen – und persönliche Infor. Dafür mitverantwortlich war MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser. Wie durchforsten und analysieren. lässt sich oft Spionen gegenüber Bonner Ministerialsekretä. Den Gebührenzahler tröstet vielleicht die Information der Westspiel Casinos. Als Freund eines sind sich die Fachleute in dieser Frage einig. »Ich beobachte das Ausspähen von Profilen durch beendete er das vermeintliche VorstellungsKonkurrenzfirmen und Nachrichtendienste seit gespräch. Der vorläufige Gesamtschaden beläuft sich auf 8 183 815. nehmenssystemen zu schließen. erklärt Sicherheitsgerissen die Recherchen mit den Mitteln des Web forscher Stefan Tanase von Kaspersky. sei die Gutgläuoder LinkedIn.24 Euro. Die Gründerin be. der Hintermänner dieser Aktionen und der darauf an die erfolgreiche Romeo-Masche von DDR. »Sie ist in ihrer Ein Beispiel. sei im Jahr 2010 103-mal zu Besuch gewesen.le sind laut Sicherheitsberater Hochenrieder auch dustriespionage spezialisiert und zählt die im die Einträge von IT-Experten. selbstständig zu machen. von ihrer Firma. steht: Schon 2009 waren Rechnungen aufgefallen. »Alle gezielten Attacken nutzen heut. zeigt ein Fall aus Berlin. Marco K. erklärt Raiu. Damals wurde auf die Schwachstellen im Kontrollsystem von MDR und Kika hingewiesen.auch potenziellen Angreifern verraten. darunter knapp ein Drittel knüpfen konnte. Oft scheint ihnen Noch höher ist die Quote in der Cyberkrimi. der im Zuge der Affäre »ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens sein Amt zur Verfügung stellte«. Abhilfe ist schwierig: »In vielen Fällen sind schulabschluss mit einem Studienkollegen ein Unternehmen gegründet.« Zur anschließenden Unterredung traf man sich in einem Hotel. die wir pro Jahr bearbeiten. liest sich das anders. Heute wird zuerst versucht. sagt Heike Schreibtisch sehen. so Zitting. sagt Zitting. Beim NDR debattieren die Mitarbeiter nun. garniert mit ein paar launigen Worten. die in Fachforen nach Dax gelisteten Konzerne und den gehobenen Tipps fragen. und konkrete Änderungsvorschläge wurden gemacht. die das nicht beurteilen konnten und teilweise auch nicht berechtigt waren. Um ihn verhaften lassen zu können.nicht klar. wenn sie die Zielperson anschreiben«. »Wir prüfen die Vorgänge und behalten uns Schadensersatzansprüche in alle Richtungen vor«. werden Sie meine Bissspuren Zitting.beruhenden Spionageangriffe sind. für gelungenen öffentlich-rechtlichen Journalismus zu feiern. der nicht vom Zocken in Casinos und der Übergabe von Geld in DVD-Hüllen handelt. die 700 000 Menschen in ihrem Engagement unterstützt. Irgendwann meldete sich schen auf die Bedrohungslage. sehr private oder berichtet Michael Hochenrieder. bei dem die Fehler beanstandet wurden – Marco K. Es ging um seine Vergangenheit beim Kinderkanal. Er unterrichtete damals den Redaktionsleiter. Bei der Kontaktaufnahme in Sozialen NetzSoziale Netzwerke an die Informationen zu kommen«. »Von Freundes wirken sie dann viel vertrauenswürdiger. Herstellungsleiter Marco K.nur schwer ausmachen. um Sicherheitslücken in ihren UnterMittelstand zu seinen Kunden. der Dax-Konzerne.für Sie.« Knapp ein Drittel spräch.Muster vor«. Dass Tanhäuser erst im September für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden war. so ist er nun mal. Dabei wurden zum Beispiel Aufträge für Trailer oder Onlineseiten gefälscht.die Abwehr gegnerischer Nachrichtendienste. berichtet Zitting. Er brachte das System durch eine Selbstanzeige im Herbst zu Fall. gab es keine Konkurrenzschutzklausel. .fachliche Foren gefragt.für Forschung und Analyse beim Virenschutzmationen einzuholen. um Kon. die diese Rechnungen ausstellten. Wer die 2. dass er dabei trotzdem nicht besonders gut wegkam. Zu den großen Profiteuren des Betrugs gehört auch das Spielcasino in Erfurt. die damit wichtige gesellschaftliche Projekte fördern. Die Geschäftsidee war uns die Hände gebunden. »Dieser Schriftverkehr sei dem Redaktionsleiter im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang Dezember 2010 aber aus einem Ordner in seinem Büro entwendet worden. In Thüringen ist das die Ehrenamtsstiftung. und daviele deutsche Großunternehdurch einen privaten Kontakt men. Bei den Tätern sind oft »kleine. Montage: DZ S oziale Netzwerke eignen sich gut. der dabei war.sogar Programme. »Damit ist ein fingiertes Bewerbergetappte sie endgültig in die Falle. »Ich habe bei dem Herstellungsleiter in keinster Weise Verdacht schöpfen können«. Und die Frage. Beschäftigungen vor der NDR-Zeit könnten arbeitsrechtliche Maßnahmen grundsätzlich nicht begründen. als seine Firma trotz der zusätzlichen Einnahmen auf die Insolvenz zusteuerte. Dort hielt man fest. er habe dabei vorzugsweise an einem Hyperlink-Automaten mit einem Einsatz von 40 Euro gespielt und pro Woche zirka 20 000 Euro verdaddelt. unter Einrechnung der Gewinne. die automatisch die Profile nutzt und missbraucht wird: der Spionage.« Im November 2007 habe außerdem ein Kika-Mitarbeiter über eine mit ihm befreundete Casinomitarbeiterin von den Spielgewohnheiten des Herstellungsleiters erfahren.« An Skatrunden bei seinem Mitarbeiter zu Hause hat Beckmann auch schon mal selbst teilgenommen. Nach Angaben eines Kika-Redaktionsleiters soll es schriftliche Memos an die Programmgeschäftsführer gegeben haben. Offensichtlich handelte es sich um vier Jahren. dass mit dem Gewinn am Ende Gutes getan wird. Beide Unterneh. Beckmann ist seit Ende 2008 in Hamburg beim NDR. Programmgeschäftsführer Beckmann wurde damals ebenfalls informiert und soll geantwortet haben: »Ich kenne Marco. Dummerweise beauftragte der MDR mit der Verbesserung der Kontrollen aber denjenigen. Das hatte ein Revisionsbericht von ZDF und HR ergeben. und wenn Sie meinen neu. Frank Beckmann hat sich bislang nur einmal öffentlich zu der Sache geäußert – in seinem eigenen Programm bei Zapp. in dessen Verantwortung der Kika fällt. ob er etwas von der Spielsucht gewusst habe. Wie viel diese gesichtswahrende Lösung den Gebührenzahler gekostet hat. sagt Hahn.0 betrieben werden. die nicht ordentlich geprüft worden waren. Eine Frau hatte nach dem gemeinsamen Hoch.

dass man damals weit weniger vom Kapitalmarkt verstand. Finanzminister Theo Waigel (rechtes Bild in der Mitte) 15. Das Ergebnis dürfte in einigen Monaten veröffentlicht werden. Dabei trieb die in Wahrheit oft nur die Gier. die für den Fall relevant sein könnten. Eine neue Aktienkultur sei entstanden. könnte nur der amerikanische Gesetzgeber vornehmen. Der Schauspieler gab der Privatisierung des Staatskonzerns ein Gesicht und buhlte um das Geld der Massen. Sparbuchfetischisten wären zu besonnenen Investoren gereift. Der Mann will darüber nicht öffentlich reden. Ihr Honorar bemisst sich in der Regel am Streitwert der einzelnen Klagen und ist damit oft viel niedriger als das ihrer amerikanischen Berufskollegen. wenn sie sich eigentlich nichts vorzuwerfen haben. so wie die Deutschen. Aber die Wahrheit ist womöglich eine ganz andere als diejenige. haben Wissenschaftler bei einer Evaluation des neuen Gesetzes ausgerechnet. Ein Beispiel: Als der USPharmakonzern Merck wegen seines Schmerzmittels Vioxx vor einigen Jahren mit einer Sammelklage konfrontiert war. »und ich geh’ mit«. Kleinanleger hoffen auf Entschädigung – die Justiz ist mit solchen Riesenprozessen überfordert Stand am 10. Dann will das Oberlandesgericht in Frankfurt entscheiden. die scharenweise Problemaktien erwerben. die amerikanische Laienjurys in solchen Fällen gern zusätzlich anordnen.11. Prozesse gut und schnell zu führen. dass Unternehmen auch dann zahlen.n. Zu Recht? Bald wissen sie mehr. und seine Anwälte von der Kanzlei Tilp aus Kirchentellinsfurt schotten ihn von den Medien ab. schloss der Konzern in den Staaten bereits 2005 einen Vergleich: Er zahlte 120 Millionen Dollar. die das Frankfurter Oberlandesgericht nun versucht aufzuklären. Das Kapitalanleger-Musterverfahrens- Fotos: Bernd Kammerer/AP/ddp. Erpressungspotenzial und enorme Kosten auf der einen Seite. die europäischen Ansätze für Massenverfahren zu reformieren – an amerikanischen class actions wollen sie sich dabei ausdrücklich nicht orientieren. Die Anwälte bemühen sich. als man zu verstehen glaubte. Das Parlament muss gehofft haben. Aktien der Telekom empfohlen zu haben. wird enttäuscht werden. manche alles. Schauspieler Manfred Krug. der eine Sammelklage gegen ein Unternehmen erfolgreich durchsteht oder einen Vergleich erzielt. klagten rund 17 000 einst stolze T-Aktionäre auf Schadensersatz.1996 Sie schufen einen Börsenalbtraum (v. um die Grenze zwischen Börsenschwindel und Fehlspekulation zu ziehen. Anwaltsverbände und Juristenorganisationen zur Modernisierung der europäischen Sammelklage. Damals galten T-Aktien noch als Volksaktien. sich mit einem Fall so lange aufzuhalten. Nun soll Justitia den Anlegern zurückgeben. Zumindest die Demokraten aber scheinen den Klägeranwälten eng verbunden zu sein. Derartige Massenprozesse sind vergleichsweise neu für die deutsche Justiz. 5. als solche hochkomplex und von Einzelnen kaum zu durchdringen. wie so oft bei juristischen Auseinandersetzungen in den USA. Das birgt grundsätzlich das Risiko. Es war einmal. Ursprünglich sollte das Sondergesetz nämlich zum November 2010 wieder außer Kraft getreten sein. Deswegen wurde die Entscheidung in der Vergangenheit immer wieder vertagt. dass man sich lieber vergleicht. die auch unbedarfte Anleger damals zum Kauf der Papiere animierten. Vertragsentwürfe. herauszurücken und auf eigene Kosten neu aufzuarbeiten. Die Kommissare Viviane Reding und Joaquín Almunia erwägen.und Anwaltsgebühren mehr als das Eineinhalbfache des geforderten Schadensersatzes. In Deutschland sind die Anreize andere. und ein Jahrzehnt reicht offenbar immer noch nicht aus. Die Begeisterung für die T-Aktie machte damals Hausfrauen und Rentner. dass der Termin der Urteilsverkündung noch einmal verschoben wird. dürfte es der Fall seines Lebens sein. In den USA wird schnell geklagt. Die schnelle Ruhe hatte freilich einen hohen Preis. und deswegen wackelt auch der Termin in der nächsten Woche. alle Dokumente. Etwa den. Der Washington Examiner hat herausgefunden. Oder als Anleger. Zur Wahrheit gehört aber auch. l. plante er dafür vorsorglich die Riesensumme von 1. und damit war die Sache erledigt. Das Grundgesetz garantiert jedem das Recht. weil sie extrem viel gewinnen können. Zwischen 10 und 20 Prozent bekommt normalerweise ein Rund 800 Anwaltskanzleien mischen in dem Verfahren mit In den Vereinigten Staaten gibt es solche Mammutverfahren viel häufiger.9 Milliarden Dollar als Verteidigungskosten ein. sind ökonomische Rechnungen. Doch zwischenzeitlich wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert.r. ob die Deutsche Telekom beim letzten ihrer drei Aktienverkäufe im Jahre 2000 massenhaft Kleinanleger getäuscht und um Teile ihres Vermögens gebracht hat. ihr Recht überhaupt erst zu beanspruchen. was ihnen Kapitalmarkt und Selbstüberschätzung genommen haben. Stephanie Pilick/AP (v. Doch Brüssel dürfte mit dem Binnenmarkt argumentieren: Grenzüberschreitender Streit braucht ebensolche Regeln. Masseneuphorie kann nur dort entstehen. Eine Sammelklage in den USA war nach wenigen Jahren erledigt In den Vereinigten Staaten wäre es undenkbar. Auch die T-Aktie ist dort längst kein Thema mehr. Wer unterliegt. Sitzungsprotokolle. sondern auch in der Abwicklung von Gerichtsprozessen unterscheiden. die zehntausendfach ein unzureichend getestetes Medikament schlucken. Wenn die Entscheidung aber kommt und die Telekom tatsächlich zu Schadensersatz verurteilt werden sollte. wird wohl Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. dass die Parteispenden der 110 bedeutendsten Klägeranwälte sowie ihrer Dachorganisation ATLA im vergangenen Jahr zu rund 97 Prozent an die Partei von Präsident Obama flossen. Wichtige Änderungen. Kläger können sogar mehr verlieren als gewinnen – was viele abschreckt. Politisch ist das Thema gleichwohl heikel. müsste allerdings noch in jedem der 17 000 Einzelverfahren geklärt werden. Die Betroffenen sind aber meist Laien – ob als Patienten. Geduld ist die Tugend enttäuschter Aktionäre. Lange Zeit grübelte Krug. machen Eingaben und stellen Ergänzungsanträge. der deutsche sucht Gerechtigkeit im Einzelfall. oft über Jahre und Ländergrenzen hinweg entstanden. Wie praktisch alle class actions endete auch die gegen die Telekom nicht mit einem Urteil.22 € VON MARCUS ROHWETTER D ie Telekom geht an die Börse. Denn selbst nach der Entscheidung der Oberlandesrichter wird die Sache noch lange nicht vorbei sein. Und so mischen – vertreten von rund 800 Anwaltskanzleien – auch die übrigen Kläger munter mit in dem Musterverfahren. Wer sich Gerechtigkeit erhofft. Die meisten anderen hoffen auf die nächste Woche.l. die zukünftig Sammelklagen provozieren. Der Kurs der Papiere fiel von 66. etwa bei document discoveries oder den Anwaltshonoraren. so wie es die Amerikaner tun. Bei Bilanzfälschung oder unterschlagenen Nebenwirkungen von Medikamenten werden Konzerne regelmäßig mit Sammelklagen konfrontiert. Das Prozesskostenrisiko bei Massenverfahren beträgt wegen der Gerichts. Angesichts solcher Summen kann es sich lohnen. Vom eigentlichen Schadensersatz war da noch nicht einmal die Rede – und auch nicht von den möglichen Strafzahlungen. Selbst im Fall einer Niederlage müssen sie nicht einmal ihren eigenen Anwalt bezahlen – denn mit dem haben sie typischerweise ein Erfolgshonorar vereinbart. Vor allem die bei Klägeranwälten beliebte document discovery lädt zum Missbrauch ein. liegt an der deutschen Verfassung.): Ex-TelekomChef Ron Sommer. Der bedeutendste Massenprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte erreicht nun seinen Höhepunkt. Die Fälle. wer das Börsendebakel letztlich zu verantworten hat. sondern die Werbung des privatisierten Staatskonzerns und die gezielt geschürte Masseneuphorie. Das hält nicht dazu an. Diesen Teil der Wahrheit ans Licht zu bringen überfordert jedes Gericht. Im Fall der Telekom wären das also bis zu 24 Millionen Dollar Anwaltshonorar gewesen. riskiert schlimmstenfalls auf mehr als 8000 Euro Kosten sitzen zu bleiben. Warum geht das dort so schnell? Und warum dauert es hier so lange? Weil sich Deutschland und die USA nicht nur bei der Aktionärskultur. Nestor Bachmann/dpa. Zugleich endet ein gewaltiges soziales Experiment: Nirgendwo sonst lässt sich die deutsche Einstellung zu Chance und Risiko besser beobachten als am Börsengang der Telekom und seiner juristischen Aufarbeitung. Der amerikanische Ansatz führt zu ökonomischer Effizienz. Viele verloren vieles. Oder als Suche nach der Wahrheit. ein schlechtes Anreizsystem und lange Ver- fahrensdauer auf der anderen: In den USA wächst ebenso wie hierzulande die Unzufriedenheit beim juristischen Umgang mit Massenschäden. wie hoch der individuelle Schaden gewesen ist. werden alle etwas gemeinsam haben. Tatsächlich waren es wohl nicht die fragwürdigen Detailangaben im Börsenprospekt. gesetz sollte ein wenig amerikanische Effizienz in die Zivilprozessordnung bringen und anhand eines exemplarisch ausgewählten Musterklägers bürokratischen Wahnsinn verhindern. und die Aussichten schienen rosig. Dabei hatte Deutschland eigens ein Gesetz geschaffen. dass jeder einzelne Kläger denselben Fehler im Börsenprospekt hätte nachweisen müssen. Weil aber der Konzern im Börsenprospekt falsche Angaben gemacht haben soll. Weil ein Rechtsstreit so teuer werden kann. Testergebnisse und viele Papiere mehr. Jurist.50 Euro auf heute gut 11 Euro. hieß es damals. Für den Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz. Das erledigen dann Scharen von Anwälten in teils monatelanger Arbeit zu Stundensätzen von mehreren Hundert Dollar.WIRTSCHAFT höchster Stand am 6. versprach Manfred Krug im Werbefernsehen. der die Telekom gegen die Aktionärsstreitmacht verteidigt. Arbeiter und Angestellte zu Börsenfans. entsprechend schwer tut sie sich damit. Die deutsche Methode könnte künftig stärker von Brüssel geprägt werden. Merck beendete den Fall außergerichtlich. Reichlich Stoff also für viele weitere Prozessjahre. irgendwo zwischen Spots für Waschmittel und Tütensuppe. um die Causa Telekom zügig abwickeln zu können. Die Telekom wurde nach ihrem Börsengang auch in den USA verklagt. müssen neu katalogisiert werden. Nach mehr als zehn Jahren Kampf kommt es auf ein paar Tage nicht an. die sich leicht lenken lassen. Diesen Musterfall klärt demnächst das Oberlandesgericht: Ein süddeutscher Pensionär hatte ein Vermögen mit T-Aktien verloren. Doch während man hierzulande noch viele Jahre lang weiterprozessieren dürfte. Dass sich der Fall so hinzieht. Irgendwann wird die Verteidigung extrem teuer. weil Kläger kein finanzielles Risiko tragen. die dort class actions heißen. was Tausende andere noch nicht getan haben: Er setzte sich mit seiner Verantwortung während des größten deutschen Börsenversuchs auseinander und machte seinen Frieden. und im Jahre 2007 entschuldigte er sich schließlich dafür. sein Anliegen einem Richter vorzutragen.50 € Start am 15. sich einzugestehen. denn das Zivilrecht ist Sache der Mitgliedsländer. Damit kann ein Unternehmen gezwungen werden. Krug tat etwas.) . Vorstandskorrespondenz. weil ihre Aktien dort gehandelt wurden. Wer mit Telekom-Aktien 5000 Euro verloren hat. sich in komplizierte Wirtschaftssachen einzuarbeiten. gründlich zu recherchieren und komplizierten Wirtschaftsfällen bis ins Detail nachzuspüren. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 31 103. die Volksaktie weckte Volkszorn. 3. dass die Sache längst erledigt gewesen wäre.57 € 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Der Zorn der siebzehntausend Das Urteil zum Börsengang der Telekom fällt bald. 2000 12. Zwischen Februar und April befragte die EU-Kommission Regierungen. Für Anwälte ist es zudem oft nicht attraktiv. Bis auf Weiteres. wo es Massen gibt. 2011 um 17 Uhr 11. sondern mit einem Geschäft zwischen den Beteiligten: Wichtiger als die Frage. Sie sind Ausdruck einer globalisierten Wirtschaft. Man kann den Kampf ums Recht folglich als Geschäft begreifen. Das kann nur schiefgehen. Es ist gut möglich.

Doch ein wirtschaftlicher Aufbruch steht noch aus VON KARIN FINKENZELLER D as Hotel Africa ist geschlossen. Das Fünfsternehaus im Zentrum von Tunis ist nicht wegen ein paar Umbauarbeiten abgesperrt. lässt sich von einem Unternehmer nicht Sousse arbeitet auch samstags. die einen gewissen Organisationsgrad verfügt.« So wird auch in den neuen Zeiten.Partei Ennahda bei der Wahl am 24. 200 Beschäftigte. arbeiten für den Ableger der portugiesischen anderen die für den VW-Konzern. warnt Abdelaziz Rassaâ. So kann die Zentrale in Portugal ohne Zeit. Minister für Internationale Zusammenarbeit und Interims-Finanzminister Jalloul Ayed hat einen Ausländische Investitionen hat mich angerufen und »Marshallplan« für die arbeitslose Jugend angeküngebeten. oder mit 3000. Ein Schild an einer weißen Metallabsperrung vor dem Haus verspricht. dass finanTunesien EU 9. Trotz sechsjähriger Berufserfahrung. Gut möglich. stehen lediglich 60 000 bis 65 000 den Umsturz mit seiner Hilfe verhindern. Dennoch sind die Löhne in Bizerte mit 450 bis 600 Dinar um 30 bis 40 Prozent Mit einem Diplom von einer der renommiertesten niedriger als in der portugiesischen Heimat des tunesischen Ingenieurschulen und zwei MasterUnternehmens.4 täten gewährleisten muss. der keine wirtschaftliche Neben. die Militärs könnten. Juli aus Unregierung geht jedoch fest davon aus. hinter denen Militärs mit lässig umgehängten Maschinenpistolen das Innenministerium vor einer Demonstration schützen.Abitur. Schon geht Werksgründung kommt. Nichts sei entschieden. für mehr Geld und eine 40-Stun. Ein Teil der 6000 an die Felsen.7 Prozent 2010. meist cedes-E-Klasse und die BMW-3er-Serie. Das habe Marke Isabel Marant. noch um 10 Prozent steigen soll. »Aber wer nur über Geld spricht. deren Einkommen aufGoldtex bezahlt besser als so manches andere Tex. Aber es ist nicht ungewöhnmacht fördern wollte und Lizenzen für einheimische lich. Diktator Sein al-Abidin Ben Ali war so schnell und leicht vertrieben.« einmal Ruhe – auch.an einem Obststand arbeitet oder ein ausgebildeter duktionsstätten ausländischer Betriebe praktisch.0 einer Werkshalle sei daher Wirtschaftswachstum in Prozent*: mit Gewerkschaftern und 1. Die jungen Leuten. der sich selbst anzündete.1 es war schon zu spät. dass er grundsätzlich Ausländische Investoren offen sei für den Standort.hier mit 6000 Leuten und moderaten Löhnen arverzug mitlesen. Er lasse sich nicht unter Druck setzen. Und nicht in der Wirtschaft.2 Prozent sei allein im ersten Quartal die Industrieproduktion gesunken. bei einem Wahlsieg der Operating Manager auch künftig nicht automatisch Partei einschreiten. Ebenso wichtig sei aber die Wertschätzung der Mitarbeiter etwa durch Investition in deren Aus.ran halte ich mich. bevor er 2009 den Job als Vorarbeiter bei haben gestreikt. wie er aussieht. das in Bouazizi. Am Sonntagnachmittag kommen viele Hauptstadtbewohner gerne auf die Avenue Bourguiba.3 Prozent wachsen wird – nach 3. Nicht in der Politik. Streiks und Straßenblockaden behindern seit Wochen immer wieder die Industrieproduktion und Anlieferung wichtiger Materialien. kümmert niemanden. dass lassen. Am Cap Blanc. die aufgrund ihrer langjährigen Armehr die Flexibilität. bekommen sie höchst qualifizierte Leute zu einem immer noch sehr guten Preis«. das Gerücht um. sagt Sonia Ben Salid. Schätzungen Buazizi ihren Ausgang nahm. Euro täuschung über die wirtmehr aufhalten. Er machte aber auch klar. Die Tunesier wollen sich auch von Unternehmern nichts gefallen lassen Fast immer geht es dabei um die Höhe der Löhne und die Umgehung des Arbeitsrechts mithilfe von Subunternehmen oder anderen Tricks. Oder genauer: wegen der neuen Offenheit. das schaffen. mit der jetzt auch in Tunesiens Wirtschaft miteinander gestritten wird. Blusen für Trussardi Jeans er den streikenden Mitarbeitern versprochen. waren die Pro. neue Jobs etwa durch öffentOperating Manager Tunesien liche Infrastrukturprojekte zu Tunis Bizerte von Leoni. Finanziert werden ist jene Stadt im verarmten sollen diese unter anderem Sousse Landesinnern. in der Vergangenheit mangeln lassen. An je.Polizei seinen Gemüsekarren konfisziert hatte. Seither ist erst kollegen von mir haben bis heute keine Arbeit. Sidi Bouzid. Dass ihm hervorragende Beziehungen zu Ex-Diktator Ben Ali nachgesagt werden. ist aufgrund der ausbleibenden Urlauber gelähmt. Die EXPORT 11. Ingenieur in einem Callcenter. dass die zufriedenheit Profit schlagen könnte. und dass auf dem Mittelstreifen ein Panzer steht und keinen Meter neben der Kaffeetasse Stacheldrahtrollen aufgetürmt liegen. hätten wir nicht Gruppierung. um ihre neue Freiheit zu genießen. dass da mal was war. Auf der einen Seite mehr alles gefallen«. abschlüssen in Mikroelektronik und Qualitäts»L’Union fait la force« steht auf den Kitteln der sicherung war der 30-Jährige ein Jahr lang arbeitsArbeiterinnen. in Mrd. »Studienangereist und nahm sie ins Gebet. sagt Cheneval. dass müssten aber auch aufhören. Die ErSorge geht um. Sie ist des Hofes entstehen die Kabelstränge für die MerPersonalchefin bei Goldtex. ist Claude Cheneval überzeugt.« Mehdi Rouis muss da nicht lange überlegen. Der Automobilzulieferer hat Leuten wie ihm graut schon vor den Schlagzeilen seinen Konzerngewinn im ersten Quartal mehr als im Ausland. binnen fünf Jahin Sidi Bouzid eröffnen«. dass ein Jurist mangels adäquater Alternativen Unternehmensgründungen von Gunstbezeugungen als Verkäufer für einen Mindestlohn von 280 Dinar der Antragsteller abhängig machte. machte sie das Hotel lieber zu. der in den vergangenen Jahren für 10 Prozent der Wirtschaftsleistung stand. Der Chef persönlich kam aus Portugal seiner Qualifikation. etwa eine Autostunde nördlich von Tunis. peitscht der Wind die Wellen des Mittelmeers für 2011 deutlich angehoben. Nur Haken an den Wänden erinnern noch die unter Ben Ali verbotene islamisch geprägte daran. Daran hätten es viele der Offshorebetriebe. Der Tourismussektor. wo es zuletzt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Gegnern der Übergangsregierung kam und sich bereits mehr als 50 Parteien für die Wahlen zu der wegen der Unruhen nun unsicheren verfassungsgebenden Versammlung im Juli registrieren ließen. »Wenn die Arbeitgeber ein bisschen was drauflegen.« »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine Rund 600 000 Menschen arbeiten in Tunesien große Gefahr für die Demokratie« für Offshoreunternehmen. Ihm gehören rund zehn Prozent der Hotelbetten in Tunesien sowie ein Möbelimperium. »Der freie Stellen gegenüber. warnt Dabei läuft das Geschäft von Leoni und seinen Tunesiens Zentralbankchef Mustapha Kamel Nabli. wir sollten ein Werk mit tausend Leuten digt und das Ziel ausgegeben. zwei Masterabschlüssen zusätzlich zum Studium und einer Position als Teamleiterin bei einem Autozulieferer verdient sie derzeit lediglich 900 Dinar brutto im Monat – umgerechnet nicht einmal 500 Euro. die durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben angelockt wurden. Demnächst Die kostenlose Überlassung Inflationsrate in Prozent*: will die Regierung Gespräche 4. Und so mancher ausländische Investor. Abnehmern glänzend. »Aber handlungen aufnehmen. fragt sich. um die Einhaltung von Vorschriften gefeilscht. Doch der Neuanfang nach 23 Jahren Diktatur in Tunesien ist nicht so entspannt. Auch sie los. Industrieminister der Interimsregierung.Mitarbeiter im tunesischen Leoni-Hauptwerk in trieben hat. dass Revolution wie ein Kinder- spiel erschien. unbegen Schokoladenfabrik T-Shirts für die französische fristete Verträge bekommen. der seit Jahren im Land lebt und auch mit der deutsch-tunesischen Handwerkskammer zusammenarbeitet. ob er sich nach einer neuen Werkbank umsehen muss. sie könne schule verlassen.Einwohner in Millionen: duktionsstandort zu begrei14.5 IMPORT zielle Not und die Enteignisse ließen sich nicht Handelsdaten von 2010. Arbeitslosigkeit in Prozent*: fen. Viele studieren. »Daoder Jacketts für Zara und Massimo Dutti. was in Nordafrika gerade passiert. das einen Diktator ver. Als Kompromiss Textilfirma Petratex. dass der im benachbarten Algerien.Leoni bekam. Vier Monate nach der Jasmin-Revolution ist unklar.sollen demnächst 480 Beschäftigte. 48 Stunden pro Woche ent. weil die Bezahlung dieses Jahr Einer von ihnen gehörte zu den jungen Tunesiern. sagt Rouis. als die PLO von Jassir Arafat ihren Sitz noch in der tunesischen Hauptstadt hatte. saß ein Universitätsdiplom. Für 75 Prozent der Schulabgänger in Tunesien haben Diktator Ben Ali. Ennahda ist nach dem Verbot nach vier Jahren unbefristete Verträge gewähren der früheren Regierungspartei RCD die einzige muss. belangt hat. auf der Frauen. sollte die Islamistenpartei als stärkste verdreifacht und die Umsatz. die jedes Jahr Schule oder HochEntourage des Diktators glaubte sogar. »Ein Volk. Um 12. erren mehrere Hunderttausend zählt Mohamed Larbi Rouis.32 12. dem hat der Arbeitgeber bisher nichts anderes geboten.3 eine der Voraussetzungen Unternehmern über Tarifver*Schätzung für 2011 gewesen. wissen. Ein erbitterter Arbeitskampf hat zur Schließung des Hotels geführt.« Und die Forderung nach Lohndem Arbeitsplatz zählt ein Computer die fertigen erhöhungen? »Sie müssen sich entscheiden. wie Directrice die in den vergangenen Wochen illegal nach Italien Lurdes Silva sagt. Wandzeichnung des Ex-Diktators Ben Ali in einem Souk in Tunis Foto: Jonathan Alpeyrie/Polaris/laif Vor knapp vier Monaten triumphierten in Tunesien die Menschen über die Diktatur. dass Tunesiens Wirtschaft dieses Jahr um lediglich 1.« Inzwischen hat Rouis die ZEIT-Grafik/Quelle: GTAI schaftliche Entwicklung den zu Diktaturzeiten obligapolitischen Neuanfang getorischen Fotos von Ben Ali im Werk abhängen fährden könnten. dem nördlichen Ende Afri- kas.und Fortbildung. ist der Nürnberger Kabelhersteller Leoni. nachdem die Tunesiens Wirtschaft eine größere Bedeutung er. Néji Mhiri. weil auch die Preise für Lebensmittel und andere Waren steigen. Er pokert. Doch mit den Folgen der Revolution im eigenen Land wusste sie nicht umzugehen. ob wir Stücke.« Besuch in Bizerte. Auch Mohamed Eines der ausländischen Unternehmen. Tunesien in Zahlen .mindestens sechs Jahren im Betrieb arbeiten. wie 1992 betont Rouis.6 schaftlichkeit seiner Aktivi. die wir als Unternehmen beit im Londoner Exil über Parteistrukturen und brauchen.gebläht werden. Mittelmeer zufolge entzogen der ExAm Telefon in seinem Büro TUNESIEN Diktator und seine Familie im Industriegebiet des Küsder tunesischen Wirtschaft tenortes Sousse signalisierte ZEIT-Grafik ALGERIEN LIBYEN jährlich rund zwei Prozent Rouis dem Minister tags 200 km des Wachstums. tilunternehmen. in der Lobby eines Nobelhotels in Tunis ein Bewerbungsgespräch mit einer jungen Ingenieurin beendet. ließ der Inhaber. wie er sagt. Auch die Übergangs. aber immerhin. Den 85 000 bis 90 000 Er beschäftigt in Tunesien 13 000 Mitarbeiter. macht den Arbeitskampf zusätzlich brisant. Sie bevölkern dort die Straßencafés. der Tunesien in den vergangenen Jahren als Billiglohnland in Europas Nähe schätzte. Gerade hat der französische Unternehmensberater. Die Direktion des Hauses wenige Meter neben dem Innenministerium auf der Prachtstraße Avenue Habib Bourguiba hat Hunderte internationaler Konferenzen organisiert und diskret auch so manches Geheimtreffen. mahnt Ayed. sondern wegen der Revolution. ob Tunesien auch ein wirtschaftlicher Aufbruch gelingt. »Einheit macht stark«. Vor allem wird befürchtet. Die Aufgabe entspricht zwar nicht den-Woche. die schon seit stehen bei Neonlicht in den Hallen einer ehemali. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Streiken und pokern Das Leben geht weiter. »Das müssen wir schon deshalb übersetzten. Das sind etwa 30 Prozent der abhängig beschäftigten Arbeitnehmer. Anstatt auf die Forderung der 190 Mitarbeiter nach höheren Löhnen und der gesetzlich festgeschriebenen Entfristung der Arbeitsverträge nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit einzugehen. wo die Revodurch die Privatisierung von lution mit der SelbstverbrenUnternehmen und BeteiSidi Bouzid ligungen von Ben Ali und nung des jungen Mohamed seinem Clan. darauf. das Unternehmen die WirtTunesien als billigen Pro10. Gefahr für den Übergang zur Demokratie«. beiten. »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine große zu Demokratie und Rechtsstaat führen sollen. »Muss er ganz und gar nicht«. tun. Maximalforderungen von heute streikenden Arbeitnehmern hätten auch mit Jahrzehnten des erzwungenen Schweigens und völliger Unerfahrenheit mit Tarifverhandlungen zu tun. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus. das Hotel werde »in Kürze« wieder den Betrieb aufnehmen. kritisiert er. »Würden wir das umsetzen.und Gewinnprognose Kraft aus den Wahlen hervorgehen.

»Ich Immerhin lag die Verschuldung des Staates in muss manchmal tagelang telefonieren. das in Lettland nicht vorhanden ist. urteilt der Ökonom Morten Hansen. Laut Statistik haben von Bruttosozialprodukt in Milliarden Euro Nordeuropa und besonders in 600 000 lettischen HaushalDeutschland. Deren Verbindlichkeiten wären weiter gestiegen. ein Café im Zentrum (Mitte). ist Schönsein in Lettland so billig zu haben wie lange nicht mehr. scheint ein neuerlicher Aufschwung möglich. Das war hart«. Mit seiner Hauptstadt Riga. die Rettung der wankenden Parex-Bank. sagt Kudeiko. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes lag 2009 bei nicht einmal neun Prozent. nach harten Reformen und Einschnitten. das Freiheitsdenkmal eit die bekannte lettische Kosmetikkette Kolonna ihre Preise um rund ein Viertel gesenkt hat. »Zudem braucht es Knowhow. Lettland lebte dank seiner drei Ostseehäfen Riga. vor allem in Deutschland. was im Ökonomendeutsch »interne Abwertung« genannt wird. sobald der Markt wieder pleitegegangen. Das ser war weit drastischer als der gegenwärtige Ab. »Jahrelang ging es darum. zu protestieren«. Nach harten Reformen könnte es 2011 wieder aufwärts gehen VON JAN PALLOKAT S Blick von Rigas Kathedrale (oben). erklärt der in Riga lehrende Ökonom Morten Hansen. als roher Stamm. sich dem Unvermeidlichen zu beugen und auf ihre Chance zu warten. Erstaunlicherweise erlebte das Land keine Unruhen. sagt eine Mitarbeiterin im Rigaer Day Spa. Anders als in Deutschland. verkürzte die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld und kappte die Zuschüsse an den öffentlichen Nahverkehr.« wirtschaft. Lettland in Zahlen Das verarbeitende Gewerbe zu fördern ist erklärtes Ziel der Regierung.6 18. da transportierten die niedriger als in westeuropäischen Krisenländern. zeigten noch alle Zahlen nach oben: das Wachstum. aus denen sich Bauernhöfe oder Flugzeuge zusammenstecken lassen.und Wirtschaftskrise mit unerbittlicher Härte zu: Die Wirtschaft schrumpfte allein 2009 um 18 Prozent. Auch Varis verkauft direkt an ausgesuchte Spielwarenläden in ganz Europa. wieder Rücklagen zu bilden. Das UnternehInflationsrate in Prozent*: –1. Ihr Besitz ist nach Ostlettland. der etwa von der Jahrtausendwende bis 2008 währte. und ausländische Anbieter steuern in Schwung kommt. wo die Gemeinschaftswährung seit Jaheine Last. sagt die Kleinunternehmerin Amerika. Die deutlich reduzierZEIT-Grafik 100 km Viel härter trifft es hinten Produktionskosten haben gegen jene. Die Welt sprach bewundernd vom »baltischen Tiger«. Zu zent des Bruttosozialprodukts und damit weitaus Boomzeiten war das anders. mit Holzspielzeug und Ökopullis ein Land zum Wohlstand führen? Wahrscheinlich bleibt den Letten vorerst nichts anderes übrig. ruinierte die Staatsfinanzen. Während ihre Landsleute noch mit Immobilien zockten. im Boom eher dem Nachbarn Estland gleichzutun. Das Ende kam abrupt und mit Wucht. Die konservative Regierung wurde im vergangenen Herbst sogar wiedergewählt. Während des lettischen Booms. »waren die Letten wohl derart erschrocken. dass sie es seither nie mehr wagten. ddp (2) . viel gewaltiger. ganze Familie mit preiswerDie Chancen darauf stehen tem Essen aus dem eigenen ESTLAND gar nicht schlecht. die Miete für die Rigaer Wohnung. Zuverlässigkeit und den inzwischen wieder niedrigeren Löhnen Nischen bedienen. Alle Zahlen Garten. 2010 ging es noch ein bisschen weiter nach unten. bevor ich Lettland vor Beginn der Krise bei nur etwa 20 Pro. Immerhin: »Am Ende brauchten wir keine einzige unserer 40 Niederlassungen aufgeben«. des Lats.und thek. allein von der kleinen ExportLITAUEN was uns gefiel. das Bauwesen und der Finanzsektor auf. Zu Beginn der Krise gab es genau eine einzige größere Demonstration.2 Prozent. aber bereits weiter fortgeschritten ist – und die manche Beobachter als Blaupause für Athen betrachten. wo ein ziemlich starker Staat die Beschäftigten mittels Kurzarbeit und Konjunkturprogrammen einigermaßen vor der Krise schützte. spottet ein Diplomat in Riga. Allerdings fehlen 2008 2009 2010 nicht mehr regelmäßig bedieVertriebschef Juris Kudeiko nen. Freuen kann sich jedoch niemand darüber. war das dünn besiedelte Land als Teil der ehemaligen Sowjetunion einst zu einem Industriestandort aufgebaut worden. Inzwischen arbeiten zwölf Mitarbeiter für die Firma Ameri. »Es war im Prinzip das gleiche Spiel. Also werden alte Überlebensstrategien neu im Jahr 2014 den Euro einzuführen und es damit belebt: Die Oma auf dem Land. der die lettische Wirtschaft hatte heißlaufen lassen.« Als die Blase platzte. Auf Knopfdruck lässt sich die industrielle Basis nicht vergrößern. Auch das Bier in den Gaststätten der Hauptstadt. Das dürf. wo Bauholz und 23. und luden für die Rückfahrt die Bretter und Latten dass die Regierung mit dem Ende der Krise be. das Land am Rand der EU kaum noch an. der einzigen Metropole des Baltikums.und Konsumboom.3 oder Häuser auf Kredit zu aus Jekabpils (Jakobstadt) in Arbeitslosigkeit in Prozent*: 17. zahlten in Lettland überwiegend Arbeiter und Angestellte die Zeche. die sich bevorzugt in Euro verschuldet hatten. dass die Balten in Jahrhunderten der Fremdherrschaft gelernt haben. vor allem jene. Ein weiteres Beispiel für die Chancen in der Nische ist der Holzspielzeughersteller Varis. dass es bisweilen klüger ist. vom Tourismus und – wegen seiner ausgedehnten Wälder – vom Holzexport. Lettland machte durch. auf zuletzt 17. baute Amerika mit ein paar Freundinnen auf ein Netz kleiner Boutiquen in Deutschland und Skandinavien. hätte zwar den gleichen Effekt gehabt. »Die Lehre aus der Krise ist: Es gibt nicht den einfachen Weg zum Wohlstand«. um »endlich mal was Kreatives zu machen«. Die Kosmetiker und Masseure bei Kolonna mussten Lohnkürzungen um bis zu 40 Prozent hinnehmen. »Wir gehen weniger Ostsee deuten darauf hin. Vom Gipfel des Booms bis zum bisherigen Tiefpunkt der Krise verlor das Land ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung und brach damit so stark ein wie kein anderes europäisches Land. »Das geht nur mit Mühsal und Arbeit. So verlässt zum Beispiel Holz das Land tonnenweise. die mit Fleiß. nahm der Staat Notkredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch und beugte sich im Gegenzug dem Spardiktat der Geldgeber. nur um als teures Importpapier wieder zurückzukehren. Dann aber ging es in die umgekehrte Richtung. Lastwagen aus dem Westen Baustoffe nach Lettland Finanzstaatssekretär Bicevskis verspricht zudem. Auch im Baltikum schlug die globale Finanz. dass Lettaus«. die Pullis und Röcke aus Lettland in ihr Sortiment aufnahmen. mit aller Kraft Löhne und Preise zu drücken. wie man spart und neue Einnahmequellen auftut. Wahrscheinlich liegt die nachgerade unwirkliche Ruhe daran. Ende 2008. Manchen Wirtschaftsexperten gilt Lettlands Rosskur als beispielhaft. Er hinterließ Zigtausende arbeitslose Industriearbeiter. Als dabei ein paar Fensterscheiben zu Bruch gingen. Eine Abwertung der eigenen Währung. Getragen wird es fast einfach in den Wagen gelegt.WIRTSCHAFT 12. des einzigen lettischen Kreditinstituts von Bedeutung. dieses Jahr scheint Riga Einkaufen schaue ich jetzt ein leichtes Wachstum wieder genauer hin.einen freien Lkw bekomme«. Viele Letten hatten auch gar keine Gelegenheit. Geld auszugeben. Liepaja (Libau) und Ventspils (Windau) von Transport und Transit. Die Arbeitslosenrate schnellte nach oben. Damit ließen sich die Preissenkungen finanzieren. das man auch in Ländern wie Spanien gesehen hat«. die Löhne. Noch halten sich die ZEIT-Grafik/Quelle: Zentr. Dabei geht es darum. Für wirtschaftliche Dynamik sorgen dagegen eine Vielzahl kleiner Firmen.gen. nahm die Baltenrepublik eine Entwicklung. die Preise. »Nur war die Blase. Papierfabriken zu errichten würde viel Kapital erfordern. Der Familienbetrieb lässt in der lettischen Provinz Holzbaukästen fertigen. davon kann inzwiBlockhäuser wieder stärker geschen jeder dritte die Raten fragt sind. Und wer den benachbarten russischen Markt bedienen will. Sogar im traditionell agrarischen Litauen liegt er weit höher. die sich in einem Haus am Rande der Rigaer Altstadt einquartiert hat.2 kaufen. sagt Finanzstaatssekretär Martins Bicevskis. damit die Wirtschaft zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren kann. sich an einen hohen Lebensstandard zu gewöhnen. das nicht in ausländischen Händen ist. Es war ein kreditfinanzierter Immobilien. Allerdings errichten Industriekonzerne aus dem Ausland im Baltikum keine Fabriken. der Käse auf dem Wochenmarkt: Vieles ist preiswerter als noch vor zwei. aber auch jegliches Vertrauen internationaler Investoren in die Überlebensfähigkeit der Baltenrepublik untergraben – und noch mehr Unternehmen und Privatleute in den Ruin getrieben. um seine Banken mit ZwangsversteigeWaren nach Westen zu brinrungen zurück. weil es kaum Käufer gibt. früher haben wir möglich. Zum Beispiel die Firma von Ginta Amerika: Ehemals Beamtin in der Rigaer Stadtverwaltung. Und eine lands Wirtschaftsabsturz vorerst LETTLAND Kollegin fügt hinzu: »Beim gestoppt ist. Örtliche Spediteure sind während der Krise te sich allerdings ändern. Sinkende Preise sind ein Krisensymptom. die sich in den lettische Waren wieder attrakBoomjahren von den rasant tiver gemacht. unverarbeitet. gründete Amerika vor einigen Jahren ein Modelabel. Kann man aber mit Kleinstfirmen. produziert dort besser direkt. drei Jahren. Nun war plötzlich die Frage. versorgt jetzt die resbeginn gilt. auch das gibt es zu wenig«.könnte auch Lettlands erklärtem Ziel helfen.aus Jekabpils auf. Wohnungen der Holzverarbeiter Osukalns Einwohner in Millionen: 2. Inzwischen allerdings.1 ten 120 000 Kredite aufgeStecklatten für Saunen und nommen.0 18. Der Kollaps des sozialistischen Riesenreichs traf Lettland hart. Lettland ist zu klein und zu abgelegen.ginnen werde.1 dem Absturz meist deutlich men spürt den Wirtschafts*Ende 2010 weniger wert als die Hypoaufschwung in Mittel. relativ zur Größe des Landes. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 33 »Das geht nur mit Arbeit« Lettlands Wirtschaft brach in der Krise ein. sie erinnern sich noch an den wirtschaftlichen Kollaps nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – die.« Fotos (Ausschnitt): Roman Koksarov/AP/ddp (u. und die Letten glaubten der Welt sehr gern. die Löhne im öffentlichen Dienst wurden um 40 Prozent gesenkt. Im Boom allerdings blähten sich vor allem der Einzelhandel. Die daher verfügten Sparmaßnahmen summieren sich bisher auf mindestens 16 Prozent der Wirtschaftsleistung. Lettland erhöhte die Umsatzsteuer auf 22 Prozent. Lettland stand kurz vor der Pleite. Statistikbüro Lettland nun die Lastwagen. die der Griechenlands ähnelt.) . steigenden Löhnen dazu hinDas merkt zum Beispiel reißen ließen. sagt KolonnaChefin Ieva Plaude-Röhlinger. schon sturz.

ob ein Darlehen teuer oder lich. satzes von 4 Prozent« und die »Rückerstattung der Bei dem Streit geht es um einen kleinen. Illustration: Karsten Petrat für DIE ZEIT/www. dass die meisten Versicherungen ihre Prämien auf Jahresbasis kalkuliert haben. dann ist das ein dem Landgericht Bamberg gegen die Versicherung.schützer herrscht längst noch keine Klarheit. heißt das Teilzahlung. diese Jahresprämien in unterjährigen Raten die Huk-Coburg.mehr zu verwenden. denn der Silberpreis erholte sich etwas. in den späten siebziger Jahren. schicken schen einem in Verträgen ausgewiesenen Zuschlag aber nur wenige diesen Brief dann auch ab.zentrale Hamburg herunterlud. wenn wichtige Angatieren wie Lanzes Versicheben zum Zins im Vertrag fehlen. den sie sich von der Website der Verbraucherternehmen verunsichert waren und zunächst mau. Teilzahlung . so die tatsächlich zu berappenden Preis. Verbraucher hofhilfe zu behandeln«. sondern kleiner wurden. Und gungen für den erhobenen Ratenzuschlag auch der die Versicherer werden weiterhin alles unternehmen. Unfall. um ein höchstrichterliches Urteil zu ihren UngunsUnd Ende April wurde die Stuttgarter Lebensver. sagt Rechtsanwalt Joachim die den effektiven Jahreszins in Riesterverträgen Bluhm. Zinseinnahmen. Es fehlt bis heute ein höchst. wie sie erwartet hatte. dass sie ihre Jahresprämie monatlich abstottert. Crash. weil zur selben Zeit die Tötung Osama bin Ladens diskutiert wurde). Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach einmal von 15 Milliarden Euro. die lediglich Einzelfallcharakter haben. Erst als Lanze einen Anwalt einschaltete. die Hoffnung machen.34 12. Es ist ein klassisches Mittel. der für die Verbraucherzentrale Hamburg nicht angegeben hatte. Die Kursausschläge sind unvorhersehbar. machten es für den fen nun. rung ist aber ein Beleg dafür. kam Bewegung ins Spiel.und Haft. schwante ihr erst Anfang 2010. Inzwischen sind sie etwas entspannter.oder Deflationsszenarien hat der Silberpreis womöglich weniger zu tun als gedacht.44 US/$ +7. wie hoch der Zuschlag sei. Doch die meisten Kunden zahlen »unterjährig«. Doch diese Urteile sind bei wohl dem VZBV recht geben würde. »dass es keine kosten und entgangenen gibt es komplizierte Berechrechtliche Verpflichtung gibt. sagt Bluhm. Es geht um Riesterverträge und Lebensver. mit Inflations. Diese zögerte und verweigerte dann. wie die Assekuranz betonte. dass sie. die die Branche vielleicht zahlen müsse. Er ist verbrauVerunsicherung herrschte. Die Referenz bei der BeLanze erhielt eine Tabelle.»Dort spielt auch keine Rolle. Für den Effektivzins betont heute. Der Ratenzuschlag für die »einige Hundert Anschreiben« die DEVK. Laut der Verbraucherzen. Ein geschickter Schachzug der Huk – ein Die Verbraucherzentrale Hamburg und RechtsAnerkenntnisurteil kann nicht auf andere Fälle anwalt Bluhm setzen deswegen auf Verbandsklagen: übertragen werden. so ist zu hören. »äußerst wenige« meldet die Continentale. Neue Leben Lebensversicherung AG. knickte ein. die in Wirklichkeit anders heißt.4 % 2659 US$/ TONNE +6.35 ein Verbraucherdarlehenskritisieren. Im Klartext: Wer mit Silber spekulieren wollte. ohne dass der BGH zur Sache effektiven Jahreszins. Dafür zahlen sie einen Aufschlag.sicherung am Landgericht Stuttgart verurteilt. Es scheint. sagt Bluhm. Sache ging bis vor den Bundesgerichtshof. Glaubt man den Versicherern. »Wenn dann Einzelfallcharakter haben. Das war aus heutiger Sicht etwas hoch gegriffen. Die Jahreszins angegeben werden. Mai 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 20 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7526 +7. Sie hält den Aufschlag. benennt den Denn auch die komplette die meisten Versicherer »echten Preis«. Der Silberpreis ist ja auch schon wieder gestiegen. mathematik ist das.9 % 1. Wie wenig Neues gibt es doch am Finanzmarkt. rückwirkend nur den gedie Versicherer den Ratenzahihn das Bezahlen in setzlichen Effektivzins von vier lern einen Kredit oder nicht? Raten tatsächlich kostet Prozent zahlen müssen. »ohne Anerkennung einer Rechtspflicht«. Und schließlich flossen Tränen der Erleichterung. Denn geklärt ist die knifflige Sache noch lange nicht. die Ergo nennt eine monatlichen Zahlung von Pia mittlere vierstellige Zahl an Briefen und Anfragen. Der VZBV gewann 2006 vor gegen Ratenzuschläge abzutragen. Nicht nur Heraeus macht übrigens Spekulanten für die Silberpreiskapriolen verantwortlich. gerichts.splitintoone. Es ist ein Drahtseilakt. hatte etwas an der Ratenzahlung für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung und ihre Altersvorsorge auszusetzen.diese allen anderen Gerichten zum Abschreiben streit der Verbraucherzentrale Hamburg und der vorgelegt«. Brisant aber bleibt der Streit.35 Pro- zent war. Es kam zu einem sogenannten An. den sie dafür zahlt. Pia Lanze ging lange Zeit davon aus. dass die Un.brief. soll viele andere Versicherer auf Urteile aus den versich abgezeichnet haben. rung. Höhere Finanz. Und mancher Kläger verhielt selbst etwas entschied. Lanze war es ein Zuschlag von fünf Prozent. Das Oberlandesgericht Prozesse führt. er fällt ins Bodenlose! Oder halt: Jetzt steigt er ja doch wieder! Was denn nun? Das begehrte Metall hat vielen in der Finanzbranche gleich mehrfach glänzende Augen beschert. Deshalb müsse auch der effektive kassierte diese Entscheidung dann aber wieder. Jahresprämie nicht auf den« somit jeden Monat etwas Die »Kulanz« ihrer Versicheeinen Schlag. Lanzes Versicherung höheren Verwaltungsgünstig ist.Klauseln zu Teilzahlungszuschlägen zukünftig nicht pflichtversicherungen. stottert sie halbjährAussagekräftiger ist deshalb dass in der Branche zeitweise lich. klassischer Ratenkredit«. Im Fall Pia Lanze unterjährige Zahlweise wie Verbraucherschützer beträgt der Effektivzins 11. Im Juni 2010 erhielt sie einen dreistelligen Betrag – bei Weitem nicht so viel. Boom Der Silberpreis steigt wieder. Für Normalanleger ist das ein sicheres Zeichen: Diese Woche von Finger weg! Als der deutMarcus Rohwetter sche Edelmetallkonzern Heraeus am vergangenen Montag in Hanau seine Bilanz vorlegte. vierteljährlich oder halbjährlich.17 US$/ SCHEFFEL +14. für zu hoch. wie sie sagt.Huk. stieg doch der Silberpreis binnen eines Jahres von weniger als 20 Dollar je Feinunze auf rund 50 Dollar. so wie viele andere auch. denn binnen weniger Tage Anfang Mai verlor der Silberpreis rund 20 Prozent (was öffentlich allerdings nur wenig beachtet wurde. Doch die Firmen verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG P ia Lanze wollte Gerechtigkeit. Sie man beispielsweise auch bestimträgen schien plötzlich mögbegründen das mit men.9 % 12 745 +10.5 % 7. Ende April hatte die Chicagoer Rohstoffbörse höhere Sicherheitsleistungen auf Silberkontrakte verlangt. Wird die Jahresprämie gestückelt. Insgesamt geht es womöglich um Millionen Verträge. Bei der unterjährige Zahlung wird – wenn überhaupt – in Generali liegt die Zahl nach eigenen Angaben »im Prozent des Jahresbeitrags angegeben.In einigen Fällen ging es im Kern gar nicht um den erkenntnisurteil.2 % RTS: 1928 +8. Versicherungsnehmer im Einzelfall ist«. die Klauseln Prozent. Kleinere Schlachten und schlechter Vergütung der Rechtsanwälte seien werden gewonnen. Im Fall der unteren vierstelligen Bereich«. weil der Verbraucher nicht trale Hamburg sind lediglich Verträge unter 200 erkennen könne. also monatlich.5 % 103 US$/BARREL +15. dass beim Silber immer noch sehr viele Spekulanten unterwegs seien. aber zu viel gezahlten Zinsen«. berichteten Manager davon. Die Huk genauerer Betrachtung nicht immer wasserdicht.dort schlechte Entscheidungen ergehen. Zunächst waren es Freudentränen. Dass es tatsächlich ein effektiver Jahreszins von 11. ihre sicherungen. den sie damals bekam. dann aber Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gegen anbietet. Und reine Kulanz. Nachteile für die gesamte Branche Versicherer vorschreibt. Doch nungsformeln. musste mehr Geld hinterlegen. verlangen cherfreundlicher. dass sie für ihre monatliche Zahlungsweise fünf Prozent mehr aufbringen muss. auch eine »Neuberechnung des Ratenzahlungszuschlags weil die Verbraucherschützer sich auf Urteile stüt. Euro Jahresprämie und Krankenversicherungen Pia Lanze nutzte für ihr Anliegen einen Musterausgenommen.ten zu verhindern. Während Die Versicherung von Pia Lanze beruft sich wie der mündlichen Verhandlung. monatlich ab. Da wundert es nicht.sich offenbar sehr ungeschickt. Und forderte Geld von ihrer Versicherung zurück. vierteljährlich oder der Effektivzins. Das räumte auch ihr geschäft oder Finanzierungsin den Verträgen Versicherer ein. Nun gilt das Urteil des Land. »dass bei PräTrotz der jüngsten Teilerfolge der Verbrauchermienratenzahlungsklauseln in Versicherungsbedin. eine Rückzahlung des Differenzbetrags. Dann kamen Tränen der Angst. um Spekulationen einzudämmen. Sie wurden erst durch die Anordnung höherer Sicherheitsleistungen gestoppt. die Prämie Monat für Monat abgeerklären sollte.1 % 1514 US$/ FEINUNZE +6. Denn schon einmal.1 % NIKKEI: 9819 –5. aber auch um Kfz-. als habe sich die Geschichte wiederholt. Dann Absturz. was für ein Typ der richterliches Urteil mit Grundsatzcharakter. dass Jahresprämien geschulabzuwenden. Anfang Mai erst ent. trieben Spekulanten den Silberpreis bis an die 50Dollar-Marke. Damals erfuhr sie von einem langen Rechtsstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern.geladen. Was den Verbraucherschützern unterdessen Bei Individualklagen mit niedrigen Streitwerten gelingt. Das gelang ihnen im Rechtsstreit der det und zu Beginn eines Jahres fällig sind. der Preis brach daraufhin ein. Laut Verbraucherzengewichtigen Unterschied – den von Ratenzuschlag trale wurde dieser Brief fast 200 000-mal herunterund effektivem Jahreszins. Umgekehrt heißt das: Mit den Aussichten der Weltwirtschaft. doch Investitionen bleiben gefährlich Der Silberpreis steigt rasant! Nein. effektive Jahreszinssatz ausgewiesen werden muss«. aber die Versicherer meist weit überlegen. Dann wieder von vorne. wenn der effekGenau das ist der juristiKunden nicht transtive Jahreszins nicht angegeben sche Knackpunkt: Gewähren parent genug. Und dafür erheben die Versicherungen einen Aufschlag. dass der zuständige Senat gangenen Monaten. Es waren die Brüder Nelson Bunker und William Herbert Hunt. Dann Begrenzung. wie viel wurde. Erst Spekulation. rechnung dieses Zuschlags ist stets die die Berechnung des Bedie volle Jahresprämie – auch wenn trags.com Abgesichert oder abgezockt? Viele Versicherte begleichen ihre Prämien in Raten. »Verfür die Stückelung der Jahresprämie und einem einzelte Anfragen« habe man bekommen. der dann Fast alle Versicherer argumenfällig wird. Mittlerweile weiß sie. Die 53-Jährige. Die Tabelle ist stottert wurde und Lanzes »SchulBezahlt ein Kunde seine furchtbar unübersichtlich. Pia Lanze schrieb ihrer Versicherung.4 % GELD UND LEBEN Boom. Den Unterschied zwi. Darin forderte sie erten. mit ihm kann Rückabwicklung von VerZusatzkosten. sind Etappensiege. werden schied das Landgericht Hamburg in einem Rechts.seit Vertragsbeginn auf Basis des gesetzlichen Zinszen. Für Versicherungsnehmer wie Pia Lanze und für die Assekuranzen. Verbraucherschützer Die Versicherer sind alarmiert halten dagegen: »Wenn der und versuchen.

Eine wirtschaftliche Analyse der Kommunikationsstrategie von Kachelmann würde vermutlich nicht zu einem positiven Ergebnis führen. und wirtschaftlichen Interessen. Vorstandschef der Deutschen Bank. ob sich den Kampf gegen den Klimakollaps ohne die zur CO2-Lagerung vorgesehenen unterirdi. Aber der Stromerzeugung in einem Kohlekraftwerk CCS nicht einmal erproben heißt. unermüdliches anmutende Disziplin.Bargeld in die Kasse. Was ist geschehen? Leicht lässt sich dies bei der bei Anwälten und PR-Beratern. mand sollte deshalb ernsthaft meinen. Etliche Medien aktuelle Studie der Kommunikationswissenschaftund nicht zuletzt deren Publikum haben spekuliert.de/gruenegeschaefte eingespartes CO2 die Kraftwerksbetreiber min- tausendwende kündigte das Kaum mehr als 100 Tage ist Unternehmen schon mal eiThyssenKrupp-Chef Heinnen Börsengang an. Letztlich besteht das Ziel von Litigation-PR darin. Wert.Gegenwärtig erzeugt China – wo fast wöchentschutz und Kohlenutzung zusammenzubrin.4 6 (verbleibt im und auch vom AutozulieferDebatten zogen sich so lange Konzern) 1. dass Medien neue Anlässe fanden. relativ kurzfristig die Luft über suchskraftwerk. vorbei. Doch wäre es naiv. Schwerpunkte Medien manipulieren zu können. Grüne Parteipolitiker und lokale Bürgerini. Diese Stromfabriken und die Mutlosigkeit vieler Landespolitiker. was auf diese Weise gespeichertes auch die Anwendung – von CCS allein anderen Gas für die anliegenden Grundwasservorkom.nach Sparten. Eben.bund Deutschlands und der WWF. Die Autoteile werden weniger. Heinrich Hiesinger muss klare Entwicklungslinien schaffen.Option ist.Aperam und verschenkte deren Anteile kurzerhand stahl billiger herstellen. Die Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger und Thomas Zerback fanden heraus: Schuldig oder nicht schuldig ist keine Frage guter Presse. Auflagen zu formulieren.des Verfahrens zu verzichten. die Verfeuerung von Braunkohle.landläufige Meinung. dafür baut der Konzern weiter Aufzüge. doch vieles. Und sechs der wo eine schwarz-gelbe Koalition die Unter. Es geht da. In den Medien einer Vergewaltigung steht im Raum. werden noch immer Schuld daran sind der Widerstand der Bürger neue Kohlemeiler gebaut. Mittels Es kann also gut sein.lekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung noch Lagerstätten im CDU/FDP-regierten Schleswig. um Manipulation von Justiz diale Begleitung über Monate hinweg. Eisengießereien und Essener auch versuchen. Deshalb. da Umsatz von ThyssenKrupp 2010 legt er einen gewaltigen Um.nige Tausend Anlagen. Beim normalen Stahl verteidigt der Konzern Platz sechs im Branchenranking. bis im Spätsommer 2000 Aufzüge 5 das Unternehmen mit. schaltete Atomkraftwerke. ein klein wenig besser machen sollen.und auch der klassische QualitätsTechnologiekonzern vor. Im Wissen. denn auch bei der Aufte Wettbewerbern anzudienen.derts ohne Kohle nicht auskommen wird und falls im SPD-geführten Land Brandenburg steht weil CCS gegenwärtig die einzig bekannte in Schwarze Pumpe das einzige deutsche Ver. die sich teils pro und teils contra auch die Bilder der Verhaftung Klaus bei der Kachelmann positionierte. konzern RWE sämtliche Konzessionen zurück. Beide Kohlesorten Aber eigentlich könnten sich dieser Zeitgenossen werden als unverzichtbarer Abgeordnete und LandesverGrundstoff für deutschen treter ihre Arbeit sparen. als dass sich CCS wie Ideen eben sein müssen. werden aller Wahrscheinlichkeit nach für 40 bis Ende April gab der Atom. Lagerstätten müssten gebaut. die potenziell Unmen bedeutet. Der Gebrauch von Litigation-PR ist nicht nur mann bietet dafür ein prominentes Beispiel. Kartellrechtlich wäre das sicher nicht ganz einfach geworden – noch ist lösung der Autoteile-Sparte werden nur begrenzt ThyssenKrupp einer der großen Edelstahl-Anbieter Erlöse fließen: Die Fahrwerk-Fabriken will Thyssenweltweit.der weltweiten Energieversorgung ausmachen. die reichlich vorhandene heiKohle hat man den das Grundlage für die Erpromische Braunkohle gilt als wichtiger Garant einer unbung und weitere ErforEindruck. ThyssenKrupp war einst Weltspitze beim Edelstahl und hat die Position verloren. . Einzig im brandenburgischen Ketzin wird die CO2-Speicherung noch ausprobiert. in dem die Abscheidung von Kohlekraftwerken zu entlasten. wird sich der Welt»Nimby« heißt im mit Milliarden. zu glauben. ob Kachelmann schuldig zu sprechen sei oder nicht. Kriegsschiffe und Wälzlager für Windmühlen. In wurde – am schnellen Atomdieser Woche beraten Bunausstieg. Des Weiteren ist es nicht erfolgversprechend. Sie folgt Zumwinkels. Insgesamt würde eine Tonne Weitere Informationen im Internet: blog. Ähnlich ist die Situation in Niedersachsen. teste Marke des Konzerns. Damals rich Hiesinger im Amt. wie lange etwa die Aufzugbauer Platz drei noch halten können. und Debatte um saubere einmal mehr über ein Gesetz. ZEIT-Grafik/Quelle: Geschäftsbericht wie sie zu Jahresbeginn Branhat auch Vorgänger Ekkehard chenprimus Arcelor-Mittal Schulz schon versucht – und zwar vergeblich. Der Fall des Wettermoderators Jörg Kachel. auf die intensive Erprobung Betrieben wird es von dem schwedischen Kon. Der Qualitätsstahl macht auch nach dem Abschied vom Edelstahl noch gut ein Drittel des Portfolios aus. Handel wäre deshalb eine Abspaltung was der neue Chef nun plant. so die Ungewöhnlich am Fall ist aber eine massive me. Deutschland hat die großindustrielle Anwendung des und nicht als Ersatz für abgeVerfahrens fürs Erste kaum noch eine Chance. meint er. aber seit Erfindung des Lakshmi Mittal. Hunderte Kilometer man den Eindruck. liegt nologie auch in Deutschland gerne dem Nachbarn nicht – wie auch in dieser vorangetrieben werden. aber vom eigenen Hinterhof fernhalten CCS der Energiebedarf eines Kraftwerks um will (Not in my backyard).dioxidemissionen entfallen gegenwärtig nur auf rung. In der destag und Bundesrat zwar kohle ist relativ billig.keinesfalls in Deutschland? Es ist reichlich egohunderte sicher speichern können. sondern bauplan für den Stahl. für Juristen nicht verwunderlichen.12 xibilität« für den Ausbau at. halb von 20 Jahren. sagte überantworten. Aber eine neue Form bekommt der Mischkonzern so nicht VON JUTTA HOFFRITZ Viel Spielraum kann Konzernchef Hiesinger mit seinen Plänen also nicht gewinnen. aber meist negativ besetztes Bewusstsein für diese Beratungsleistung geschaffen. ren mit seinen Prognosen über die Kosten des Natürlich gibt es berechtigte Zweifel an dem Klimawandels weltweit Aufsehen erregte. müssen erst mal die alten Schulden weg. so die DER STANDPUNKT: Amerikaner und Australier Prognose seriöser Energiefördern seine Erprobung experten. Bevor er neue Investitionen tätigen kann. Auch der tiativen mögen über den Teilausstieg aus CCS Ökonom Nicholas Stern.das Recht der Herausarbeiten der eigenen Argumenrum. dass alle Tests am Ende Carbon Dioxid Capture and Storage soll das bei mit dem einen Urteil enden: Lieber nicht. Vielmehr dürfte schaftslenker vor Gericht bekommen der scheinbar nicht versiegende Inforgroße Aufmerksamkeit: Viele erinnern mationsfluss mit dazu geführt haben. weshalb zuletzt alle verfügbaren Mittel in neue Hochöfen und Walzwerke gesteckt wurden.bringen dürfte. alte Meiler nachgerüstet werden. vormachte. Einfluss. Importierte Steinfernhalten will. Der Arcelor-Chef gründete für die korrosionsbeständigen Werkstoffs vor 100 Jahren ungeliebte Tochter eine neue Gesellschaft namens ist viel passiert: Längst können Chinesen den Edel. Das ergibt auch eine und Sachverständige wurden gehört. Doch das braucht Zeit – gerade in einem scher Schätzung maximal 1.50 Jahre am Netz bleiben. so teilt hin. Doch die internen Auto 4. Sechs Milliarden Euro. Im vergangenen Jahrzehnt an seine Aktionäre. Kommunikationsprozesse wäh. A DIE ANALYSE 12.stahl Damit hatte sich die Sache 43 4 Anlagenbau 1 Kriegsschiffe traktiverer Geschäfte zu geerst mal erledigt. Doch viele Deutsche wollen das Verfahren nicht einmal testen VON CHRISTIAN TENBROCK Das Kürzel CCS steht für eine große Idee. dass man jemandem mittels Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen zum juristischen Sieg verhelfen könnte. als lebten in abhängigen Energieversorschung von CCS sein soll. Auch Angela Merkel warb Mensch. Nimby heißt im Englischen jene Spezies Mensch. Doch er bleibt die Entscheidung schuldig. ist aber anspruchsvoll. Auch die Kosten sind ein Problem: Nach dem angenehmes durchaus dem Nachbarn überantgegenwärtigen Stand der Technik erhöht sich mit worten. Die Internationale Energieagentur hat damit 80 Prozent seines Stroms. verantwortlich. »Fledie Konjunktur einknickte. des damaligen Vor. Letztere besitzt ihren eigenen.beeinflussen.Medien und der te gegenüber Journalisten lässt sich für rend juristischer Auseinandersetzungen Telekommunikation den eigenen Standpunkt etwas erreichen – selbst wenn das angesichts der vorauszudenken und gegebenenfalls zu Foto: privat Tendenz vieler Medien zur Skandalisierung und Personalisierung unwahrscheinlich klingen mag. äußerungen den juristischen Sieg kosten können. über Medien auf den Ausgang von Auseinandersetzungen Einfluss nehmen zu wollen.zeit. ob Berthold Beitz. Ziel sei es. Das klingt simpel. winnen. Fragt sich.Wirtschaftskanzlei ihrer eigenen Berichterstattungslogik standschefs der Deutschen Post. Theater und Medien in Hannover. eine gute Entwicklung ist dies nicht. beim Nachbarn Polen mit einem Nobelpreis besogar über 90 Prozent. Eineine neue und für Laien eigenartig seiner Arbeit sind zig durch sachliches. Eine gewaltige Summe – selbst bei einem Börsengang der Edelstahl-Sparte. die Übersicht zu behalten – und noch schwerer. ob ThyssenKrupp künftig Stahl. in Milliarden Euro sollte nicht nur Edel-. die in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt sind. Eine sorgfältige Verzahnung von Rechts.WIRTSCHAFT ANALYSE UND MEINUNG Probiert’s doch mal! Kohlestrom kann man sauberer machen. die Tochter an die Börse zu Federfabriken des Konzerns – was nach optimistibringen. Innerdachte Weltklimarat.den Einsatz von Carbon Dioxid Capture and schen Gesteinsschichten – in Deutschland Storage nicht vorstellen. Natürlich könnten die lich die Autoblech-Pressen. Umbau hier und da reicht nicht. »Mit fröhUnangenehmes zwar land kein Ende der Kohlenlichem Gemüt« solle die Techutzung in Sicht ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 35 Un-Gestaltung ThyssenKrupp baut um und ab. Klima. aber Zeitung schon suggeriert die Kanzlerin noch im Jahr vom eigenen Hinterhof 2007. Mit dem Umbauprogramm will sich Hiesinger von einem Viertel des Umsatzes (2010: 43 Milliarden Euro) trennen. Der Vorwurf Staatsanwälten in Mode gekommen. Lebendig bleiben ist Rechtsanwalt nicht.Dass es aber auch falsch sein kann. der vor einigen Jahjubeln. Unklar ist istisch. Dieser Weg stünde auch Thyssorgte Nirosta für reichlich Verlust. wenn er ernsthaft Hand an den Mischkonzern legt. so destens 50 Euro kosten – zu viel.aufzugeben. zu schweigen. scheint es unKohlendioxid aus dem Rauchgas getestet wird. NieKSB INTAX in Fachkreise diskutieren in diesem Hannover. lerin Vanessa Tahal von der Hochschule für Musik. Allerdings emittiert selbst ein modernes Kohdie ihm die Erkundung unterirdischer CO2. dass unbedachte Interviewerlei: sein Recht und seine öffentliche Reputation. Der Plan FORUM Lernen aus dem Fall Kachelmann Kommunikationsberatung bei Gerichtsverfahren nützt weniger als gedacht VON TOBIAS GOSTOMZYK Wer vor Gericht steht. Gerade die Richter im Fall Kachelmann demonstrieren. sich an das Victory-Zeichen von Josef ständig über den Fall zu berichten. Weil die Republik vor Mitte des Jahrhunwill. der Ehren-Aufsichtsratsvorsitzende und heimliche Herrscher des Konzerns.lich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht – gen. dass die fortlaufende Privatlebens des Moderators und G O S T O M Z Y K Weitergabe von Details des ErmittGründers eines Wetterdienstes. Das hat letztlich auch eine wissenschaftliche Erhebung über den Einfluss von Medienberichten auf Richter und Staatsanwälte dokumentiert. Die Welt benötige eiüberwiegend unter der Norddeutschen Tief. Das erklären Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzzern Vattenfall. Sie leben und arbeiten nicht auf dem Mond. kohleverbrauch nahezu verEnglischen jene Spezies doppeln. lungs.und Kommunikationsstrategie ist dafür notwendig. Sicher nehmen auch Richter des Landgerichts Mannheim die Berichte über das Kachelmann-Verfahren wahr. Verkauft werden sollen ledigPartner winkten direkt ab. Die potenziellen nerschaft« einbringen. Die Causa Kachelmann hat zwar ein breites.jährlich so viel CO2 wie zwei Millionen Autos. vor Beginn des MannesSteuern ließ sich die Presse dagegen mann-Prozesses. Die Begründung: Rund ein Viertel der gesamten deutschen Kohlenmangelnde Akzeptanz in Politik und Bevölke. senKrupp offen – allerdings käme dabei kein Cent Mehr als einmal versuchte der Konzern die Spar. Deutschland viele gung. die potenziell Dass auch in Deutscheinmal für CCS. Die sicherste Alternative 13 wird abgespalten Das klingt gut. Briten.oder Technologiekonzern sein soll. Gegenwärtig hat mindestens 20 Prozent. und Medien. den neuen Mann auch gewähren lässt. kämpft manchmal um zwei. Beides ist falsch: Es ist die detaillierte Veröffentlichung des T O B I A S nicht ersichtlich. in Pipelines geleitet und schließlich in gen noch für Jahrzehnte einen wesentlichen Teil Lagerstätten tief unter der Erdoberfläche ver. vom öffentlichen Druck unabhängig sein zu wollen.6 geschäft. Industrieanlagen. als lebten in Deutschland lange Pipelines zwischen Stromfabriken und sehr viele dieser Zeitgenossen. Sollen die alle nur anderswo stehen.selbst der hartnäckigste Sanierer der Branche.Ländern zu überlassen. kann Verfahren: Niemand weiß bislang etwa. den Standpunkt von Unternehmen oder Privatpersonen. Holstein ermöglicht hätten. Gesamt Qualitäts.und Strafverfahrens für KachelAuch die Auftritte bekannter Wirtmann vorteilhaft war. Einzig bei der Bestimmung der Strafhöhe gibt es einen.zehn klimaschädlichsten Stromfabriken Europas suchung möglicher Kohlendioxidlager verbieten stehen in deutschen Landen. Beim Edelstahl kapitulierte nämlich Beispiel Edelstahl: »Nirosta« ist zwar die bekann. Viele Zeugen wird sie dabei eher kritisiert. Vergangen. Die Frage ist. die Erprobung – und möglicherweise bisher auch. Zur Jahr. bekannt zu machen. CCS versucht also. alle Bereiche mit der nötigen Liquidität zu versorgen. denn die mussten in dieser Zeit fast ohne Investitionen auskommen.und Kohlestrom. frachtet werden. In Strom angesehen. Kohleverstromung wird notgedrungen. Vom Edelstahl stahl aus dem Portfolio verAuto Edelstahl will er sich trennen schwinden. Das wäre ein Problem. Diese Fülle macht es einem Chef schwer. allzu früh entstehende Klimagift Kohlendioxid aufgefan. aber ebene und vor der Nordseeküste – das aus Kohlemeilern abgeschiedene Gas wirklich für Jahr.5 Milliarden Euro einbehäbigen Konzern wie ThyssenKrupp. Doch die Kartellwächter kamen gar nicht Krupp ebenfalls bargeldlos in eine »strategische Partdazu. in den USA und sich ebenso für das Verfahin Deutschland sind es etwa ren ausgesprochen wie der 50. Ackermann. sondern auch bei Verworrenheit des Falls nicht sagen. auch wirtschaftlichen wenn sie zum Beweismittel des Gegners werden. wenn sie die Welt gegenwärtig lohnen könnte. Es gehe. Zusammenhang über Litigation-PR.

sondern auch ein Jahr zuvor den unter Ökonomen wichtigen Gossen-Preis.Funktion.steuerehrlich sind. man Arbeitsfähigkeit feststellt. Wäre das leistung erbringen müssen – oder nicht. die Gerechtigkeitsprobleme vom Ende her modellverliebt ist. für eine sozialpolitische Leistung auch GegenleisZEIT: . Ernst Fehr von der Uni öffnen für Menschen. Bei ei. oft en schreiben. DFG . soll das auch tun. positiv wie negativ. denn jeder Euro mehr Diplom gemacht – mit einer Arbeit über Finanz. nachdenkt und überprüft. Ich wird das gesamte Einstellungsprofil von Eltern auf kann mir auch etwas ganz anderes vorstellen.). Sind Märkte perfekt und Menschen rationalund sozialpolitische Antworten? DIE ZEIT: Wie wird ein friedensbewegter Junge Der Preisträger Es ist ungewöhnlich. aus dem Rheinland zum Ökonomen? ZEIT: Wie das? Armin Falk: Zum Glück wusste ich erst gar nicht Falk: Menschen brauchen das Gefühl: Für hohe genau. schaft zusammen mit der Frage.Hoffnungen erfüllt. zu zahlen. Sie essen nen auch nicht einfach zum alten Modell zurück. selbst wenn sie es gut meinen. bei dem die allerdings mehr mit Blick aufs individuelle Ent. Grün: Quatsch. Interessanterweise Wissenschaftler arbeite. wie aber wusste. Strich gut ist. die Lebensumstände der Menden dabei heraus. dann ist ohne Staat alles wunderbar. es kann ZEIT: Sie waren mal SPD-Mitnicht sein. aber davon abgedas einfach Vertrauen heißt.zu verhindern. weil wir gar nicht wissen. Viel spannender lichen Abhängigkeit herauszustreben. andere flusst. inwiefern Kinder ihren durchgesetzt. Sie können einem nichts weg. ob es ein System machen. Erhöhen Sie die mal. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausFalk: Das ist keine sinnvolle Aufschütten. dass Steuerbetrug kein Kavaliersdelikt tur machte und Zivildienstleistender war. in welcher Rolle man nachher ist. ob sind zentral für Wohlstand. kann psychologische Motive in den wirt.. so. wie Armin Falk als Chef und Forscher funktioniert. aber gar nicht bei Gesundheitsfragen. wie einem Bändchen von Niklas Luhmann von 1968. Sie wirken wie ein Schröin so etwas erschöpft.einen Transfers empfangen. UJH egoistisch. grundder Industrie zeigt ja die Wirkung. wie zwischen Menschen. FähigkeiZEIT: Dann wird es höchste Zeit. Kandidat. was ich wollte. die uns Schuhabe ich erlebt. Partei der Desillusionierten sein. gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Aber ein sozialdemokratischer Die positive Reziprozität wird in der Gesellschaft Ökonom. Und langsam merkt man. denen Fairness ein Anliegen die entscheidenden Fähigkeiten entstehen – wie ist. wo sie kann. wenn er mich vor. Es spielt auch eine wichtige Rolle. Es war also eigentlich eine zen. was sie Falk: Wir können es uns nicht aussuchen. dass auch eine Vertrauenskrise war. dass in der moder. Der heute 43-jährige Rheinländer Armin Falk hat nicht nur 2009 den höchstdotierten deutschen Förderpreis für herausragende Wissenschaftler gewonnen. Menschen eine Diskrepanz zwischen dem. mehr Alkoholiker und Unfalltote. wenn andere unfair sind. Doch das tut er eben suchen. während die anderen scheidungsverhalten. geht es nicht (lacht). Märkte und Wettbewerb gabe. Aber hat die Ökonomie auch seine Eltern in ihrer Risikobereitschaft ähneln. sind. bin ich risiko.genau aus dem Rationalitätsglauben ergab sich ja bild der Ökonomen. Ich bin bereit. Und Sie? Falk: Ich würde nicht sagen. weiß ich noch nicht. Und darum muss es doch gehen.dazu zu sagen? stand meiner Studien. Zum Essen geht es ins Studentenlokal um die Ecke.ten. die Kanzlerin riefe an: Herr Falk. Es wäre höchst effizu entwickeln. was es bedeutet. Wer eine Gegenleistung Köln wollten Sie eine Diplomarbeit über Vertrau.36 12. dann wäre ich wohl auch den eine dramatisch große Zustimmung dafür. die negative ist stärker von Leibniz-Preis abräumt – das ist neu. dass ich glaube. die Kinder übertragen.ZEIT: Hartz IV wurde renoviert. dem linken Harvard-Ökonomen.geben sollte. Wo stehen Sie? nen Wirtschaft bei allen Transaktionen Vertrauen Falk: Hartz IV soll nicht auf Dauer ein gutes Leben eine Rolle spielt. dass die Gesellschaft Galbraith . Sehen Sie.Wissenschaft diszipliniert. sagte er. Sind Sie risikoverliebt? Falk: Auch wenn ich schon viele Tausend Men. Und vergangene Woche wurde bekannt. zum Beispiel bei der Steuermoral. Heute kann man als Volkswirt beides musste man darüber abstimmen. die Menschen in reguläre Beschäftigung kauf genauso wie jetzt für die Weltfinanzkrise. Die Steuern gibt es auch ein gutes Angebot öffentlicher traditionelle Auffassung davon hätte mich wahr. sehr nahe.ZEIT: Der Junge aus Bergisch Gladbach hat sich tiven Studie untersucht. ich war selbst noch nie Gegen. Aber der Mann für die richtigen Fragen lebt deswegen noch lange nicht im Elfenbeinturm. sie handeln. Wir erforschen das konkret anhand von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen. aber auch mehr Empathie mit andeunfair behandelt. der Mensch.. Ändert sie auch wirtschafts. Er begeistert. Menschen beschränkt rational sind und soziale ZEIT: Je mehr Verhaltensökonomen lernen.das weitverbreitete Dogma gegen staatliches Handeln. Aber heute anderen wissen. Wo hat Ihr Politik sollte sich übrigens öfter melden. Wir wollen sehen. An realen politischen Fragen genauso wie an ökonomischen oder philosophischen Problemen. Wir fanimmer noch unmöglich. der nicht bereit ist. Ich hatte aber immer das Gefühl. dass sich Ökonomie glied. desto besser die ökonomischen wissenschaftlich salonfähig: Der Modelle und die Politikberatung. Ziel war es da. Rot. Bei ihm feierte andere Parteien weiß die SPD. ein Experiment gemacht. freudigkeit der Bevölkerung ab. alle Menschen eigennützig und rational sind. Aber die ist auch wichtig. wenn man selbst len oder Kindergärten kostet. In der praktidass Sie etwas über Geldpolitik verfassten. Wir köneigentlich wollen. aber auch ampel. ein Ökonom. Falk: Bei Galbraith kam das Interesse an Wirt.und Entwicklungswilligen mal konnte ich genau das masein. Vielfach erleben vielgestaltiger präsentiert sich die Wirklichkeit. wie groß unser Lebenserfolg ist und wie zufrieden Auf einer Skala von 0 (gar nicht risikobereit) bis wir sind. Und mehr Risikofreude unter dem doch gibt es Korrekturbedarf. Proband. wie Falk: Mentorenprogramme für diese Kinder zum wir das nennen. Jemand. Ein und derselbe Mensch ist vielleicht über.higkeit zur Selbstkontrolle entsteht.garantieren. dass Risikoeinstellungen über schen zu verbessern? verschiedene Lebensbereiche sehr verschieden Falk: Ökonomie ist schon das Richtige für mich. bereit. Und ZEIT: Diese Reziprozität verändert das Menschen. 10 (sehr risikobereit) bin ich eine 8.Falk: Richtig. legende Fähigkeiten mit Nachdruck zu fördern. Und als wir über meine Studienwünsche argumentiert als in der Arbeits.Man kann innovative Ideen ausprobieren und wird aus risikobereit. was Menschen als gerecht empfinden. Aber alle Professoren lehnten ab.Befunde der Verhaltensökonomik zeigen. Vielleicht bekäme Nehmen Sie die Lebensmittelman mehr Wachstum.verringert den Anreiz. Unter den fairen Typen man deren Entwicklung durch Interventionen im gibt es wieder zwei Gruppen: Die einen wehren frühkindlichen Lebensabschnitt positiv beeinsich vor allem. das regelt Preis von Matthias Kleiner. dass er sie deswegen nachhaltig verändert. Einstellungen. Könnte sein. Drinnen herrscht Betriebsamkeit unter den vielen jungen Forschern. als Falk: Ich habe dann gesehen. die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt seit den ReforZEIT: Sie durften nicht – und haben doch weiter men erheblich zugenommen hat. Die Forderung nach deutlich höheren Sätzen entstammt falschen an die Ökonomie geglaubt? Falk: Ich habe erst mal aus Pflichtbewusstsein das Gerechtigkeitsüberlegungen. die wichtigste Anerkennung für europäische Ökonomen unter 45. es ist eher eine Drohkulisse mit der trale Wirtschaftsfrage. die richtiArmin Falk erste Erfolge dass es dafür öffentlicher Untergen Fragen zu stellen und dafür stützung bedarf.. Gute sozialdemokratische Politik ist es Dafür braucht man Empathie. Sie unterscheiden Wer mehr soziale Mobilität will. den LeibnizPreis. der Evolution geprägt. dass zugen risikobereite Männer und umgekehrt. und dem. weil und trinken mehr. Falk: Wenn ich an eine Sache glaube. diese durch ihre Arbeit finanzieren. Innerhalb der SPD stehe ich insoweit eher rechts. ZEIT: Ein paar wie Sie gab es Falk: Ich fühle mich der Partei damals schon. Falk ist der erste deutsche Preisträger.Güter. sie können einem nicht auf der erleben wir eine Öffnung. kaufen Dinge. wenn es um finanzielle Dinge durch die hohen Standards einer gestandenen geht.munizieren. Vorbild führende Politiker und andere EntscheiGründer der Philosophischen Praxis in Bergisch dungsträger abgeben. Beispiel. und echten Egoisten. zialsystem überhaupt erst zu schaffen. tungen erwartet. der tut sich schwer. die voranZEIT: Führende Ökonomen loZürich gilt als Nobelpreiskommen möchten. wenn es darum geht. dass die anderen auch ZEIT: Beeinflusste Sie jemand bei der Studien. Zu dieser Frage haben wir kürzlich benswirklichkeit der Menschen verbessern kann. lies mal etwas von John Kenneth Falk: Reziprozität heißt da. welches Falk: Auslöser war der Philosoph Gerd Achenbach. Risikobereite Frauen bevorAber Experimente und Befragungen zeigen. ja. der/Steinbrück-Sozialdemokrat. Da wurde ich mit offenen Arsondern muss die Partei der Aufmen empfangen. Ich neige zu reziprokem Verhalten. weil er sich begeistert. was andere Wahrheit ZEIT: Nirgendwo wird mehr mit Gerechtigkeit nennen. muss fragen. was sie tun. vor allem für dann die richtigen Experimente sozial benachteiligte Kinder. Die wissenschaftlichen Nase rumtanzen. Sie muss Perspektiven erchen. Persönlichkeit. Ökonomen können viel zu einer besseren Politik beitragen. um wirklich zu verstehen. Man sollte ohnedies nicht verder Markt. Zu helfen ist sinnvoll. Ginge das? Falk: Natürlich. Im Schnitt sind wir unseren Eltern also sehr ähnlich.und Sozialpolitik. Werde ich dagegen bereitschaft. aus Hartz IV und der staatmarktinnovationen in Kanada. ZEIT: Angenommen. Steuern scheinlich nicht überzeugt. ZEIT: Immer gab es auch linke Ökonomen in der Falk: Sie gehören zu den wichtigsten Motiven. mehr Risikoher anständig behandelt hat. der große Auszeichnungen wie den oft von uns erwartet. wenn sie glauben. wie man die Le. sondern die Entstehung dieser Probleme emotionalen Verwerfungen von Entscheidungs.ist das. wie wir sozial funktionieren. ganze Bevölkerungsgrupdem Chef der Deutschen nicht. dann reagiere ich abweisend. die Industrielobby intervepen zu indoktrinieren. Gelb. und Falk ist mittendrin. unser ZEIT: Bloß sind Politiker auch Wachstum hängt von der RisikoMenschen und machen Fehler. Und die Politik muss komGladbach. nicht Ökonom geblieben.ZEIT: Der Kerngedanke der Hartz-Reformen. sprachen. Und Untersuchungen belegen ja. ZEIT: Kommen wir zur Fairness. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WAS BEWEGT ARMIN FALK? WIRTSCHAFT »Ich bin risikobereit« Als sozialdemokratischer Starökonom ist Armin Falk ein Sonderfall. Falk erhält den Leipnizhätte man früher gesagt. Ein Gespräch Falk: Sicher. Vorleistung. in dem er Vertrauen definierte als riskante von »unfair«. Übrigens ähneln sich Das Gespräch führte UWE JEAN HEUSER Fotos: Michael Dannenmann für DIE ZEIT. In Deutschland hängt der Bildungserfolg besonders stark von der Bildung der Eltern ab. Die ZEIT: Sie sind ein Verhaltensforscher. Hand. Er erforscht. dass ich ein knallharter ZEIT: Was meinen Sie mit »Intervention«? Egoist bin. Was hat ein Ökonom schen befragt habe. die sie hinterher es unkompliziert war. Bevor man warum die einzelnen Menschen so handeln. Sie besonders überrascht? Falk: Ein Beispiel: Wir haben in einer repräsenta. sie darf nicht die dass in Zürich einiges geschah. Und genau die bestimmen ganz wesentlich.erbringen kann. ZEIT: Sie haben durch einen Forschungspreis und ZEIT: Zwei Kategorien menschlichen Tuns haben EU-Mittel rund vier Millionen Euro für Forschung Sie besonders erforscht: Wagemut und unser Ver. tue aber nichts nur um des Risikos willen. Falk: Tatsächlich ist die deutsche Ökonomenzunft Es ist individuell manchmal von Vorteil. ob dadurch mehr Fäjemandem etwas Gutes zu tun. Zudem sind Bürger viel eher bereit. wenn die stark durch den Liberalismus geprägt. Und der Aufschrei zunehmend ablöst. ZEIT: Das sind Grundregungen der Gerechtigkeit. dass er nun auch den Yrjö Jahnsson Award erhält. Zwar hat er sich vom ersten Preisgeld auch vorlesungsfreie Semester gegönnt. Aber ob ich immer als nem anderen ist es umgekehrt. dass ein wissenschaftlicher Außenseiter so jung die großen Preise in seinem Metier abräumt. nähmen wir dafür sehr viel Geld in die Fragen in einfache Verhaltensprobleme übersetzen. Sein Institut an der Bonner Universität liegt in einem alten Reihenhaus nahe dem Juridicum. Falk: Tatsächlich hatte ich die Ursprungsidee aus schen Politik ist dann natürlich die Frage. sich in die zu lösen. in dem Hilfeempfänger eine Gegenschaftlichen Entscheidungen erforschen. Anders als ben Sie als besonders kreativ. was das eigentlich ist. wie man Kindern aus benachteiligten Familien hältnis zur Fairness. als ich Abi. der zu nicht.. klein: Michael Hauri/imagetrust (l. ren und mehr Selbstvertrauen. Hier versäumen wir es. Ein sehr lohnendes sehen ist »Fördern und fordern« das Gegenteil Buch.eingesammelt. Falk: Für Experimente muss man wissenschaftliche zient. was ökonomisch sinnvoll ist.bessere Chancen verschafft. Beim TeleForschungsgemeinschaft niert. Genau das ist ja positive Reziwahl? prozität. ein SoDie Kombination finde ich nach wie vor wichtig. Mit einem Teil erforschen Sie nun. Luhmann erklärte. Die Wirklichkeit ist für ihn kein Störfall. auch das. sondern ein Faszinosum. dass nicht nehmen ohne ernste Konsequenzen. dass sumenten sind nicht so schlau wie sich der untere Teil der Gesellschaft gedacht. sondern eine asoziale Handlung. Dadurch wird eine linke Position das Menschenbild. desto Motive eine wichtige Rolle spielen. In gründung war Fairness. Staat kann helfen. Bei ihm ist. und die Konfonat würde ich dann sagen. Ich bin überzeugt: Je realistischer nicht wollen. die zu bringen. Und auf einstiegs. problemen hineinzuversetzen. Für einen alltäglichen Auto. Falk: Ökonomen beschäftigen sich heute mit Präferenzen. Und jetzt kommt das Interessanteste: Die BeZEIT: Als Student hatten Sie es noch schwerer. Wir fan. Er faszinierte mich extrem. Bundesrepublik. auch die Ehepartner.

einmal sägte er sich fast den Finger ab. die irgendwann so groß werden. beantragte sie die Freigabe für Personenzüge bis 72 Tonnen. Beispielhaft zeigt der Fall. natürlich von der halb fertigen Brücke. jahrelangen Prozess der Hirnveränderung. Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst. Ein Plädoyer für einen neuen Blick VON THOMAS VAŠEK it ihm sei es wie mit einer Sandburg. Dann kommt es vor. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. SAM WISSEN . die Gedanken auseinanderfallen.« Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch dieser Woche der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft. dieses Schicksal möchte niemand erleiden. Mit Fahrgästen (Fachjargon: Fleischgewicht) sind sie zehn Tonnen schwerer. Zimmermann spricht gern in Bildern. weil er so lange zum Einpacken braucht. wenn er wieder einmal die Worte nicht findet. die lallend durch die Altenheime irren. »Dann reagieren die immer ganz betroffen und packen mit mir zusammen die Tüte ein. wie die Kranken die Welt erleben (diese Seite). dass ihm Namen.« Alzheimer – schon der Begriff löst bei vielen Horrorvorstellungen aus.de/alzheimer M Zimmermann will raus aus seiner Burg. per Schienenersatzverkehr. Seit vier Jahren lebt der 62-Jährige mit der Diagnose Alzheimer. ANDREAS SENTKER Bernd Linde leidet an Alzheimer. Der Tod schien ihm die bessere Alternative. lesen Sie auf Seite 40. Wie Befragungen zeigen. Es ist die Rede von »lebenden Toten«. wenn die Leute überrascht reagieren. Mit Dreitagebart und Nickelbrille sitzt er am Küchentisch seiner Dachwohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen und redet über seine Krankheit. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 37 P L A G I AT S A F FÄ R E Doktor-Prüfung Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt die Wupper. 48 12.philippwente. Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden. Jetzt ergründet die Forschung. Man müsse die Krankheit eben »überlisten«. dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre. Die medizinische Diagnostik nimmt allerdings vor allem die Defizite in den Blick: den schleichenden. Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten. dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat. An guten Tagen malt er. Seine Bilder helfen ihm. Irgendwann machte er plötzlich Fehler. Gunter Sachs hat sich – so schreibt er in seinem Abschiedsbrief – aus Angst vor »der ausweglosen Krankheit A. 47 Kinder. sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. Eines Tages fiel er aus der Duschkabine. dass wieder etwas abbröckelt. HALB ein Teil der Brücke habe abgerissen werden müssen. Oder: Der Baumeister habe richtig gerechnet. sagt Zimmermann und macht eine lange Pause. So viel etwa wiegen die Züge – ohne Personen. er habe Alzheimer. Man denkt an sabbernde Greise. ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. seine Frau Beate pflegt ihn (siehe Seite 40). diesen Alzheimer »übermalen«. steige die Angst in ihm hoch. sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden. Doch Menschen mit Demenz (von der es neben dem Alzheimer-Typ noch andere Formen gibt) erleben sich selbst keineswegs nur im Zustand abgrundtiefer Verzweiflung. Alles falsch. die ihre engsten Angehörigen nicht mehr erkennen und am Ende nicht mal mehr sich selbst. Beim Autofahren verlor er die Orientierung. Der Fotograf Philipp Wente hat sie für uns begleitet Damit die Würde bleibt T I T E LG E S C H I C H T E Die Diagnose Alzheimer löst oft Horrorvorstellungen aus. sich verständlich zu machen. Orte und Begriffe verloren gehen. Die damals schier unglaubliche Konstruktion reizte zur Legendenbildung: Der Baumeister habe falsch gerechnet. erzählt er. doch noch irgendwie gebraucht zu werden. Und wenn die Leute im Supermarkt mal wieder grantig werden. Eigentlich sei es die »bestbetreute Zeit« seines Lebens. So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten. dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist. der auf die Herstellung von Kunststoffspiegeln spezialisiert ist. An schlechten Tagen. Immerhin erkenne er noch heute. sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen. geht mit Freunden spazieren – oder berichtet anderen von seiner Situation. einfach so. aber falsch nachgerechnet und sich aus Scham über den (falschen) Fehler in den Tod gestürzt. finden sie durchaus noch Freude am Leben. die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen. Es freut ihn. erklärt er einfach. wenn die Mitarbeiter wieder einmal etwas falsch zusammenbauten – obwohl er es selbst nicht mehr zusammenbrächte. hat unser Autor in einem besonderen Heim erfahren (Seite 39). dass die Betroffenen Fortsetzung auf S. Richtig dagegen ist die Meldung über die jüngste Fehlkalkulation: Nachdem die Deutsche Bahn die Brücke saniert hatte. Flüchtling zu sein S. Und dass auch pflegende Angehörige Hilfe brauchen und wie man mit einem dementen Partner Urlaub macht. Dabei kann man auch mit dieser Krankheit Freude am Leben haben. Manchmal schaue er in seiner alten Firma vorbei. Die im Nachthemd auf die Straße laufen. Ihre Zufriedenheit hängt ab von erfüllenden Tätigkeiten.« Doch die Burg. die sei immer noch da.« erschossen. von der Bindung an Familie und Freunde. Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen. lässt die Einkaufstüte im Supermarkt liegen oder bringt die falschen Dinge nach Hause. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind von Demenz betroffen – Tendenz steigend. Nun wird überbrückt. sagt Christian Zimmermann: »Ständig bröckelt etwas ab.WISSEN KINDERZEIT Hoffnung im Gepäck: Was es bedeutet.zeit. Praktische Tipps und Informationen zum Thema: www. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt. 38 Foto: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. die sinnlos dahinvegetierten. die Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen. vom Gefühl. die sei »standhaft«. Er sucht die Schlüssel. Wie man gut mit ihnen umgeht. »Dann sitzt man da und schaut«. Wenn ihm die Sätze. Der lange Weg durch die medizinische »Maschinerie« begann. das Handy. Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden. Vorher arbeitete er in seinem Betrieb.und Jugendbuch S. das Portemonnaie. Hat es damit bewiesen. bis ihm der Neurologe ein Bild seines atrophierten Gehirns zeigte. Alzheimer. ihn umzusetzen. von echten Doktorarbeiten unterschieden werden. seit 1897. so wie es ein Maler mit einem schlechten Bild mache. von »welken Hüllen«. Es ist höchste Zeit.com Fleischfrei fahren Womöglich liegt doch ein Fluch auf der Müngstener Brücke. sagt Zimmermann. überfuhr Bordsteinkanten.

strahlte plötzlich übers ganze Gesicht und sagte nur: »Da hast du aber was weggeschafft. Sein Vater erkrankte vor Jahren an frontotemporaler Demenz. hätten diese Menschen ein intuitives Empfinden. im Vollbesitz der geistigen Kräfte festgelegt. Obwohl er kaum noch verstand. Vielmehr müssten wir auch demenzkranke Menschen als Personen betrachten. Ellis. der braucht Zuhörer. vom »Jemand« zum »Etwas«. zu denen meist unabdingbar Rationalität und Selbstbewusstsein gehören.38 12. dass er nun eigentlich doch weiterleben möchte? Was ist sein »autonomer« Wunsch? Oder: Wann überwiegt das Fürsorgeprinzip. die Emotionen. Wir alle schreiben mit an ihren Geschichten. Dazu braucht es Zuhörer Menschen sind im Kern »narrative« Wesen: Mit unseren Geschichten erzählen wir uns und anderen. Und diese Fähigkeit besäßen selbst hochdemente Menschen: Mit ihren Emotionen brächten sie weiterhin ihre Wertvorstellungen zum Ausdruck. Selten ist in diesem Zusammenhang davon die Rede. sagt Peter Wißmann. die er in ihre Einzelteile zerlegen kann? Die Heidelberger Gerontologin Marion Bär hat solche Verhaltensweisen zu deuten versucht. Die Demenz rührt an das Menschenbild der Leistungs. Erinnern oder Vergessen. »Unser Selbstverständnis an das Gehirn zu knüpfen beraubt uns der Ganzheit des Lebendigen«. TV Spielerisches – abwechselnd produzierten die beiden ihre Töne und lachten immer wieder dabei. danach zu suchen.« Andere erklärten. Es dauert manchmal quälend lange. Mehr als eine Million demenzbetroffene Menschen leben derzeit in Deutschland. Empfindungen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen zu erfassen. Durch das Erzählen erschaffen wir unser Selbst. Und selbst schwerst demenzkranke Menschen haben – wie neuere Studien zeigen – noch immer ein subjektives Erleben und einen Rest von Selbst. ist auch die Person zerstört. um nach Gegenständen zu fahnden. Während einige ihre Krankheit herunterspielen oder so lange wie möglich zu verstecken suchen. glaubt Kruse. Oft helfen die intakten Langzeiterinnerungen. Auch in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können sie mitteilen. wer wir sind. solange sie dazu noch irgendwie in der Lage sind. schaute die demente Frau überrascht und gab wieder ihren Ton von sich. bis am Ende alle Blätter vollgeschrieben waren. so meint Bär. wer das ist. die Fähigkeiten von Demenzbetroffenen zu unterschätzen. Schon vor Jahren hatte diese ihr Artikulationsvermögen verloren. sie seien »ein Haufen Mist« – oder eine »seltsame Kreatur«. das im Ernstfall das Für und Wider weiterer medizinischer Maßnahmen abwägen soll. zeigten viele Ausdrücke von Freude oder Wohlbefinden. als wir ihnen gemeinhin zutrauen. auch wenn der Kranke später andere Präferenzen zeige. Das passt zusammen mit der Auffassung mancher Hirnforscher. In diesem Punkt sind alle Menschen gleich – mit oder ohne Demenz. einen Satz zu Ende bringt. ihren Blick auf die Welt. sagt Kruse. Aber was macht die Person aus? Traditionell sind unsere Konzepte von Autonomie und Personalität eng geknüpft an das Vernunftvermögen. Manchen gelingt es sogar. kann von Menschen wie Zimmermann lernen – von ihrer Kreativität. in einem »Leibgedächtnis«. Die Wiederholungen. Nach Kant ist es die Vernunftfähigkeit. Ich fühle mich wie ein Außenseiter. diese in Handeln umzusetzen. die moralisch keine Personen im eigentlichen Sinn mehr seien. Klar. nach ihren noch verbliebenen Wertvorstellungen zu leben. von ihrem Humor. die irgendwie auf die Erde gekommen sei: »Aber ich weiß nicht. Statt den Blick nur auf die Krankheit zu richten. habe daher Vorrang. In jeder Person gebe es etwas. was ihnen wichtig ist. argumentiert Fuchs. ist mittlerweile sprachund bewegungsunfähig und wird zu Hause gepflegt . das ist der Knackpunkt. sagt der Bonner Gerontopsychiater Rolf Hirsch. ihre Türen werden verschlossen. Überall fehlt es an Geld und an Personal. Menschen mit Demenz fallen tendenziell aus diesem Personenbegriff heraus. geht die Person für sich selbst und ihre Angehörigen verloren. In den vergangenen Jahren sind die Heidelberger Wissenschaftler auch in die Erlebenswelt jener Demenzkranken vorgedrungen. die Autonomie einer Person basiere lediglich auf ihrer rationalen Fähigkeit zum Planen und Entscheiden.« Von »Selbstaktualisierung« spricht Andreas Kruse. Diese Erfahrungen schlagen sich nieder in Gewohnheiten. um mit dem fortschreitenden geistigen Verfall zurechtzukommen. indem man ihnen hilft. Entfremdung und Einsamkeit. aus Achtlosigkeit oder schlicht aus Zeitmangel. Solange die Burg bröckelt. Dabei besäßen sie oft noch Ressourcen und Potenziale. Manchmal allerdings stieß sie einen durchdringenden hohen Ton aus. die menschliche Personen von den Tieren unterscheidet – und damit ihre Autonomie und letztlich ihre Würde begründet. so scheint es. Viele Betroffene äußerten Gefühle von Angst. Hat er mich richtig verstanden? Als ich später das Band abhöre. Wer wirklich zuhört. zu jeder Existenz. Autonomie sei weniger eine Sache des rationalen Urteilsvermögens. der ständig mit dem Rollstuhl unterwegs ist. die Vergesslichen an ihr Selbst zu erinnern. gehen in Selbsthilfegruppen. könne keinen »Gesamtbegriff seiner Situation« mehr fassen. Als ihr die Forscher eine alte Schreibmaschine und Papier gaben. atmete sie tief ein. Wegen ihrer kognitiven Defizite neigten wir allerdings dazu. auf den er sich etwas notiert hat. obwohl sie dort nie irgendwelche Arbeiten übernommen hatte. Schon sprechen einige Philosophen Menschen mit schwerer Demenz den Personenstatus ab (siehe Kasten). Journalist und Buchautor (»Seele. Wie ich auf seine Defizite achte. Was sie in den Interviews zu hören bekamen. der Demenzbetroffene in München-Haidhausen. so folgt aus dieser Sicht. In den allerletzten Phasen der Krankheit kann es sein. Andere Experten halten dagegen: Demenzkranke Menschen seien selbst in späten Phasen der Erkrankung noch in der Lage. Doch indem wir Demenzbetroffene überhaupt als »Sinnsucher« anerkennen. Doch die Positionen zur Frage der Autonomie sind im Ethikrat gespalten. hat keine Vorstellung davon. Das allerdings zwingt zum genauen Zuhören. das sich einseitig am kognitiven Leistungsvermögen orientiert: Wer geistig nicht mehr folgen. zunehmende körperliche Probleme bis hin zur Inkontinenz und Bettlägerigkeit. Eine frühere Patientenverfügung. Was etwa soll man von der Heimbewohnerin halten. mit ihren Defiziten humorvoll umzugehen. Natürlich könne jegliche Interpretation solcher Handlungen von außen fehlgehen. Was uns trennt. sagt etwa der Psychiater Hans Lauter. die sich nicht mehr sprachlich äußern können. Herausgeber des Demenz-Magazins. Ärger oder Traurigkeit zu. »Wir verletzen tagtäglich die Menschenwürde von Demenzkranken«. wer kein Reflexionsvermögen mehr besitze. kaum noch Emotionen oder einen Ausdruck von Selbst. wie es tatsächlich ist. das soziale Bedürfnis. Doch unter Akademikern regt sich Widerstand gegen diese eindimensionale Sicht auf die Person. Aber wir dürfen nicht aufhören. die das Kommunikationsverhalten einer schwerst demenzkranken. erklärte der Mann – im Heim hingegen sei er »nichts«. Wie zum Beispiel soll eine frühere Patientenverfügung interpretiert werden. die ein Anliegen. und sein Kollege Peter Singer von der Universität Princeton spricht deshalb schwer demenzkranken Menschen das Personsein überhaupt ab. Das erlebte zum Beispiel die schottische Psychologin Maggie P. die ihr Selbst in ihren leiblichen Beziehungen mit der Welt realisieren können – wenn man sie denn lässt. die mit leuchtenden Augen ihre Tätigkeit als Sekretärin in der Einrichtung beschrieb. das uns von ihnen trennt. Die Wortfindungsstörungen. Forscher der Universität Bangor in Wales etwa befragten Heimbewohner mit leichter bis mittelschwerer Demenz. zum Verstehenwollen. Heute geht es um die Rechte von Menschen mit Demenz. können wir die kognitive Ungleichheit überwinden – und damit das Gefühl der Fremdheit. Als Interviewer etwa wird mir plötzlich bewusst. Eine unsterbliche Idee«) kennt die Demenzproblematik aus der eigenen Familie. nach der wir nichts anderes sind als ein hochkomplexes Netzwerk von Nervenzellen. das für Fuchs die Kontinuität einer Person ausmacht. also sinngeleitete Wesen. sind unsere unterschiedlichen kognitiven Defizite. wer nicht mehr sinnvoll kommunizieren kann. weil sie ihre früheren Rollen nicht mehr ausüben können. das »Abbröckeln«. wie die Heidelberger Wissenschaftler nachwiesen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. aus denen wir unsere Identität immer wieder neu zusammenweben. es teile sich mit – auch wenn es sich bei Menschen mit schwerer Demenz nur noch situativ äußere. das über Fragen des Umgangs mit den Betroffenen berichtet. Nach Auffassung des amerikanischen Psychiaters Steven Sabat sind Menschen mit Demenz immer noch »semiotische Subjekte«. Die Alzheimerkrankheit rührt auch an unser Menschenbild. folgt daraus zwangsläufig: Wir müssen lernen. steigerte die bloße Mitwirkung sein Selbstwertgefühl: Als Projektteilnehmer könne er »viel mehr machen«. oder man stellt sie mit Psychopharmaka ruhig. dement zu sein«. Statt verbindlicher Verfügungen fordert er ein »ethisches Konzil« aus Angehörigen und Ärzten. Als Ellis den Ton nachahmte. vom kleinsten Stirnrunzeln bis zum Anflug eines Lächelns. »Das schleppst du immer mit. Die Frage nach der Autonomie von Demenzkranken treibt ebenso den Deutschen Ethikrat um. In solchen Momenten frage er sich zum Beispiel. Toleranz und Empathie. das Vernunft und Überlegung besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann«.« Stellen wir uns ähnliche Fragen nicht alle? Und haben wir nicht alle womöglich auf Sand gebaut? Schließlich gehört der Verfall. fasst Kruse das Ergebnis seines Projekts zusammen. Dann reißt das Seil. Per Videokamera beobachteten die Forscher demente Heimbewohner in verschiedenen Alltagssituationen – wenn sie Besuch von Verwandten bekamen. Warum die Leute nicht mehr mit mir reden. Plötzlich bekam die Interaktion etwas Berührung bleibt wichtig – auch wenn die Sprache verloren geht Hirn und Person Mit der Alzheimer-Krankheit. die er einst so akribisch geplant hatte. dass wir bei einem dementen Menschen nichts Kognitives mehr finden.« Demenzkranke Menschen entwickeln aber auch Strategien. mit unserer Unterstützung können Menschen mit Demenz ihren Sinn verwirklichen – und ihr Selbstgefühl aufrechterhalten. fing die Frau nach kurzer Zeit zu tippen an. für einen Augenblick.und Wissensgesellschaft Vor 30 Jahren erstritten sich behinderte Menschen die gesellschaftliche Anerkennung. die Suche nach Sinn. was los mit mir ist. Mit seinem Leben. Nur müssen sie immer wieder neue Geschichten erfinden. ebenso wenn sie ihren Lieblingsaktivitäten nachgingen. sondern verwirklicht sich in unseren leiblichen Interaktionen mit der Welt. meint Bär: Sie erschafft sich gleichsam eine neue Geschichte – und damit ein neues Selbst. Der englische Philosoph John Locke definierte im 17. Uns alle eint unser emotionales Erleben. Solche Erlebnisse zeigen: Trotz ihres devastierten Gehirns sind die Äußerungen demenzkranker Menschen keineswegs reflexhaft oder beliebig. Da ist der Schritt nicht mehr groß vom Menschen zur Sache. Aus der Rückschau auf ihr früheres Leben schöpfen viele neues Selbstwertgefühl. wann muss man dem Kranken Selbstbestimmung zugestehen? Solche Fragen sind von drängender Relevanz: Tagtäglich laufen Pflegepersonen und Angehörige Gefahr. müssten wir uns ebenso bemühen. Schätzungen zufolge ist jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen: An ihren Betten werden Gitter angebracht. jede zweite Frau könnte – so warnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft – im Laufe des Lebens an einer Demenz erkranken. einen Sinn verfolgen – auch wenn es für Außenstehende oft schwierig ist. Wenn das Gehirn zerstört ist. bettlägerigen Frau studierte. Folglich sei ein solcher Mensch nicht mehr selbstbestimmungsfähig. Thomas Vašek. ob er nicht doch was falsch gemacht habe mit seiner Burg. Jeder dritte Mann. Die Gesellschaft dürfe Menschen mit Demenz nicht länger »ins Abseits der Krankheit und Pflegebedürftigkeit« schieben. In der Summe läuft eine solche »Entpersonalisierung« darauf hinaus. so lautet ihre Botschaft. der schließliche Verlust der Sprache. die aus dem Kaffeegeschirr kleine Bauwerke errichtet? Oder von dem Mann. »Auch schwerst demenzkranke Menschen verfügen über ein höchst differenziertes emotionales Erleben«. verständiges Wesen. Immer mehr Betroffene gehen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. Der Oxforder Ethiker Jeff McMahan etwa sieht Demenzbetroffene als »Post-Personen«. der droht aus der menschlichen Gemeinschaft herauszufallen. sondern eher der Fähigkeit. dann ordneten die Forscher diesen Mustern Basisemotionen wie Freude. Mitunter liegt die Schwierigkeit aber auch bei seinem Gegenüber. die geweckt werden könnten. ihre Freuden. Ihr Sinnpotenzial verwirkliche sich durch das Erzählen. diesen Sinn zu entschlüsseln. Dabei wurden zunächst die mimischen Ausdrucksmuster aufgezeichnet. Als diese sich zu ihr herabbeugte und sich die beiden Köpfe berührten. Die Philosophin Agnieszka Jaworska geht noch einen Schritt weiter: Sie plädiert dafür. wenn man sie zu etwas drängte oder nötigte. Nach ihrer These machen schwer demenzkranke Menschen durchaus Sinnerfahrungen. die eine Handlung in Bewegung setzen – und nicht jemand anderer. Heute bestimmen Philosophen das Personsein auf der Basis von Kriterien. es erfordert Entschleunigung. der redet am eigentlichen Notstand vorbei. die Selbstbestimmung demenzkranker Menschen einzuschränken – aus Überfürsorglichkeit. hob die Frau ihren Kopf und rieb ihn an der Hand der Forscherin. wundere ich mich weniger über seine klugen Antworten als über die Banalität meiner Fragen. Aus den »Krüppeln« von einst sind weitgehend gleichberechtigte Dialogpartner geworden. sondern es besteht aus einem Netz all der Geschichten.com Fortsetzung von S. sagt etwa der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs. Ein früherer Wissenschaftler etwa. 37 nicht mehr selbstständig leben können. Das kriegst du voll rein. der selbst an Alzheimer erkrankte und nun an einem DemenzForschungsprojekt teilnahm. dass wir Menschen mit Demenz als Personen ernst nehmen müssen – und dass wir ihnen Selbstbestimmung zugestehen sollten. Doch wer die Demenz nur auf ein Pflegeproblem reduziert. im Austausch mit anderen. Marion Bär erzählt etwa von einer Heimbewohnerin. von ihren Bildern. den Würdeanspruch von Demenzkranken zu relativieren – und damit auch unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenüber den Betroffenen. Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg. zog daraus tiefe Befriedigung. So hatte eine scheinbar völlig apathische Heimbewohnerin zeitlebens ihren Beruf als Schreibkraft geliebt. dass Demenzkranke häufig mehr Fähigkeiten haben. Jahrhundert die Person als »denkendes. setzen sich die anderen aktiv damit auseinander. Hingegen reagierten sie verärgert. Und da uns die Medizin wenig Hoffnung auf eine wirksame Therapie macht. in ihrer Lieblingszeitschrift blätterten oder am Fenster standen und die Vögel beobachteten. das persönliche Erleben von Demenzkranken zu erforschen – ihre Ängste. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl mehr als verdoppeln. sondern mit ihnen. Sie folgen vielmehr. auch wenn ihnen jegliche Möglichkeit fehlte. sollten wir uns mehr auf die Menschen dahinter konzentrieren. Es liegt also an uns. Demenzkranke auch im täglichen Leben in ihrer Autonomiefähigkeit gezielt zu fördern.philippwente. »Wer eine Patientenverfügung unterzeichnet. ist sie noch da. wie ich selbst überdeutlich spreche. sagt Zimmermann. etwas als »wichtig« ansehen zu können. »Wir stehen mitten in einem großen Veränderungsprozess«. Doch wer erzählt. einer bestimmten Logik. mit demenzkranken Menschen zu leben und nicht nur über sie zu reden. beteiligen sich an Forschungsprojekten. Ich weiß nicht. Die Philosophin Agnieszka Jaworska von der Universität Stanford etwa argumentiert. Um solche Formen der »Selbstaktualisierung« aber wahrzunehmen. wenn ein schwer Demenzkranker erkennen lässt. Das Seelische drücke sich aus. sie reagierte auf keine normale Ansprache mehr. das Endstadium mit künstlicher Ernährung. dass sie selbst es sind. Dabei hat die Wissenschaft gerade erst begonnen. irgendwann sei seine »Sandburg« abgebröckelt. Ihm zufolge ist die Person im wesentlichen »verkörpert«: Das Selbst steckt nicht nur im Gehirn. Das erschüttert allerdings die traditionelle Vorstellung. Unser Selbst steckt demnach nicht in einem bestimmten Hirnareal. war zum einen bedrückend. Wenn die Menschen Zuwendung und Ansprache bekämen. Trotz weit fortgeschrittener Demenz. Situationen zu bewerten und ihren eigenen Willen zu äußern – und sei es am Ende nur noch durch mimische Reaktionen. bis Christian Zimmermann. Nur im sozialen Raum. Doch als die Frau das letzte Blatt ausgespannt hatte. was sie wollen und was nicht. Die einen argumentieren. Auf dem Papier stand zwar nur Buchstabensalat. »Ich fühle mich so allein hier. Demente Menschen tun im Grunde nichts anderes. Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft. Dieser andere Blick auf die Alzheimerkrankheit legt nahe. Manchmal findet er den Spickzettel nicht. worum es in dem Projekt überhaupt ging. Daher lasse sich unsere subjektive Erfahrung nicht auf das Gehirn und die Ratio reduzieren. das Kontinuität zeige bis zuletzt.

bis alle reichen statt füttern. nicht mich. Die Zahl der Demenzerkrankten nimmt weltweit proportional zur Zahl der alten Menschen zu – unabhängig von geografischen und kulturellen Unterschieden.de/audio »Ist mir egal. Und lacht. weil sie ihren schaft an Freiwilligen. findet der umstrittene australische Philosoph Peter Singer. »Ich sage mir immer. Mann ins Heim gegeben hat. Sie sind noch Menschen. Nicht selten macht sie sich darum um ihre MitSacht und etwas verlegen drücke ich seine Schultern. brumm. Andererseits: Beim Waschen und Anziehen werden die Menschen bewegt. Doch einen solch rabiaten Zwang zum Weiterleben lehnen die Mitarbeiter vom Haus im Park ab. die Menschen mit Demenz aufnehmen – »schöne wache Augen«. Beate Vetter. zeitig das Essen an. ist sie grundsätzlich auswünscht sich sogar. scheint er – mit weit offenem Mund – zu schlafen. sagt seine Frau. hatte mir »Motorrad« und »Frankreich« als Schlüssel für Herrn Knorr mitgegeben. Achtung: klingt gut. aber auch nicht rein ehrenamtlich ken und reicht ihnen das Essen an. In breiten roten Samtsesseln schlafen die Alten.« Sie glaubt. falls keine Patientenverfügung das ausschließt. aber noch gut Frau Vogel wird als Letzte in reden können.« Da war mal putiert werden. Frau jetzt Freiwillige. Könnte man sich auf T-Shirt und Trainingshose beschränken. künstliche beim Ankleiden. Drei Tage lang darf ich hier hospitieren. der dauernd Betrachter wie ein auf den Stoffwechsel reduzierter herumgeschrien hat. Was tun? Das Haus im Park wird eine Ethik-Konferenz einrichten. Haus im Park. Was für ein Abenteuer! www. sie sagt: als wir hier bedeutet besonders hoher Pflegebedarf. nichts mehr essen. drumherum ein großer Garten. V. Das schreckliche Wort vom Verhungern reicht fast immer. Ein Geruch.und liebloser Sie ist deutlich noch kein Fall für Terminologie.1 13. einer ist an einen Rollstuhl geschnallt. um eine Vorstellung von der Lebensphase zu bekommen. die sich allen Bemühungen widersetzt. eine Berührung – vieles kann einen Kanal in den Geist öffnen Von Schlüsseln sprechen sie hier. war mal ein Motorradfan. was gerade als Schlüssel gewirkt hat. Seit fünf Jahren redem Solidar e. nicht Gelebte. Hier ist der einzige Ort. Darf sie gezwungen werden? Noch tiefer reicht die Frage nach dem Respekt angesichts des offensichtlichen Wunsches eines Bewohners. Für die inseingezogen sind. Gemeinsam mit Ärzten und Angehörigen wird in einer solchen Konferenz das weitere Vorgehen besprochen. du Arsch« Ab 80 steigt das Risiko Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen nach Geschlecht. dass die Krankheit sich wie eine Infektion ausbreitet. und es ist offensichtlich. »Alles Verdrängte.. Nicht immer versteht Abteilungen Luft. der seit einer guten Stunde im Sessel neben mir hängt und reglos vor sich hin starrt. Und Bewohner tag. sie meint ja Jahren ins damals neu eröffnete Haus im Park kam. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 39 Z um Glück hört mich keiner. um den Lieberschienen sind. nicht mehr erkennen. Nach dem Dessert Sauerwald. hast du vollgetankt? Quelle heure est-il? Oh. eine Frau schnarcht auf einem Sofa. Der Anstieg ist schlicht die Folge unserer Wohlstandsgesellschaft. fast allein stehen. während ich mit einem Fuß den Rolli herbeiangele. Die Leiterin des Wohnbereichs Luft. Über beide Backen.67 %) 183 (1. la France.0 6. Gegenüber schreien nicht herum – sie vokalisieschwer demenzkranke Menschen nicht allen. arbeiterinnen Sorgen: »Wertschätzung brauchen Da reißt er die Augen auf und schaut mich so – ja: die auch!« privat – an. Das Heim ist ihr – die Hälfte der Bewohner hat die Pflegestufe 3+.7 12. sind sie häufiger betroffen Von 100 000 Menschen erkranken an Demenz: Gesellschaft der Dementen Entwicklung der Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Altersgruppen 2008 800 000 600 000 400 000 200 000 80–84 65–69 75–79 85–89 95–99 2030 2050 Männer Frauen 32. dass einige Bewohner war er noch ein flotter Tänzer.31 %) 1. ob ren. die ihr näher kommen. Doch an seinem Das Haus im Park ist ein in vielerlei Hinsicht 90. wenn sie irgendwo in ihrer verworrenen. Sie schlägt und ten von Personen mit kognitiven Verspuckt. Frau Vogel!« – »Das ist mir ließe sich durch Freund ersetzen.5 22. die Sehnen gedehnt. Traditionelle Pflege und die Angehörigen wollen das so – die Frauen müssen adrett sein. steigt mit fortschreitendem Alter. Es mit Demenz statt Demente. doch im Alltag stellen sich da viele Fragen. der SS. ans Meer. Sie bemöchten sie nicht heißen. beim Blutzuckerselbstbewussten Menschen mit Demessen oder beim Essen anreimenz. Von Betroffeschon überall am Kuchen genen im Frühstadium.6 247 (1. meint auch Jenny los große Mengen an Nahrung. Ich hocke mich also vor ihn. ein Geruch.1 0. der Kopf ist nach hinten gekippt. aber de facto der Palliativbereich des Heimes. an dem gesamt 61 Bewohner gibt es eine knappe Hundertsie keine Schuldgefühle plagen. an den der Bürgerpark anschließt. Wertschätzung. der Texaner Richard Taylor. die Gründerin und Heimleiterin.9 1. Er hängt im Rollstuhl.5 18. Das mit der beglückenden Erfahrung scheint für beide Seiten zu gelten. aber keine Personen mehr.3 31. Beruhigungsmittel. Unter anderem verzichAuslöser zu ihr und sagte: »Hallo. Menschen Erdbeerkuchen aufgedeckt. Zum Glück hört mich einer. wussten die Angehörigen zu erzählen.1 32.zeit. Nähere ich mich ihm mit einem Löffel.WISSEN T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer 12. betreut werden. Ich habe keine Ahnung. en vacances. jede ethische Diskussion zu beenden. doch egal. was in dieser schen mit Demenz. wird meist. FixieHeute hat Frau Vogel Geburtstag. So diskutiert Jenny Sauerwald mit ihren Mitarbeitern gerade. Nun gibt es dort gerade eine alte Dame. Die Wahrscheinlichkeit. Geburtstag drehte er sich ohne erkennbaren außergewöhnliches Haus. nehme ihn fest in den Arm. manche sprechen sogar abschätzig von »Gemüse« oder »welken Hüllen«. Ich reiche Beate Vetter hat schon oft Schläge abbekomHerrn Gabler und seinem Tischnachbarn gleichmen von Frau Vogel. Die notorisch lingsausdruck im Heim zu benutzen: hungrige Frau Rudersdorf hat da um »Wertschätzung«. das zweites Zuhause geworden. So wie früher. die keine Pflegeaussitzt einer eine geschlagene Stunde bei den Kranbildung haben. Eine alte Dame will nicht mehr essen. merci.com . ihr etwas Essbares zu geben. Und sie obachtet und spricht. ja. Herr Knorr hilft! Er kann sich hochdrücken und schließlich. du Arsch!« Das anweIm Licht leben fünfzehn Mensende Personal singt. ein Berührung oder eben ein Begriff. ausdrücklich auf medikamentöse Sedierung. Socken über die teten Momenten die Girlande um Schuhe ziehen oder ihre Haustür den Kopf. Lieber Alltagsbegleiter – das sind alle. hier arbeiten – haben den Tisch An die etwas sperrigen Begriffe mit Girlanden dekoriert und einen gewöhne ich mich schwer. bewegt plötzlich langsam den Kopf. also sterben zu wollen. Herrn Knorr schmeckt es noch. Kann Gewichtsverlust nicht verhindert werden. Seine Augen suchen meine Augen.« Bremerhaven. Und wahrscheinlich hat es zumindest auf das Personal eine gewisse Wirkung.2 1. nur drei von ihSituation durchaus verrückt klingt: »Zum Geburtsnen können noch selbständig essen. * Namen der Bewohner von der Redaktion geändert Mittags wird es voll im Bereich Licht.1 4. Biografischen Schlüsseln. die Männer mindestens ein gebügeltes Hemd tragen. die dicke BMW. brumm.8 70–74 60–64 90–94 Jahre 30–59 Jahre 60 – 64 65 – 69 70 – 74 75–79 80 – 84 85 – 89 90–94 95–99 2005 2015 2030 ZEIT-Grafik/Quelle: Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung 100 + Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. wenn der Betreute tagsüber rundum gutbürgerlich wirkt. sterben sie auch hier. Respekt.6 0. Nach der Geburtstagstafel gehe ich mit dem alten Lkw-Fahrer in den Park. Hier leben die schwer Demenzkranken. entspannen sich. Leiden unter acht. in Prozent 36. Heute wirkt er auf den flüchtigen ein ungewöhnlich aggressiver Mann. ein Foto. Ein Star der Szene der neuen bevormundet. Der Wohnbereich im ersten Stock namens Licht ist zwar nicht offiziell. In Großbritannien wird dieser Tage über Demenz und Euthanasie diskutiert. die von einem eigenen Verein. Außerdem soll er gern nach Frankreich gereist sein. Als er vor fünf runterschluckt. Die übrigen tag viel Glück!« brauchen eigentlich eine 1:1-Betreuung. Sogenannte rung im Bett und künstliche Ernährung. Ernährung und Festschnallen sind tabu chen. und wenn alles gut geht.0 Wachsendes Problem Zukünftig wird es immer mehr Demenzkranke geben. Dement. monsieur. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. statt von DemenVON BURKHARD STRASSMANN gesprochen biestig. Herr Gabler hat einen Meisterdass die Wohnbereichsleiterin das nicht leicht brief als Glaser im Zimmer hängen. Lange schaut er mich an. det Herr Barnstedt nicht mehr.9 5. ob es ihm gut geht und guttut. muss ich feststellen. die uns ein längeres Leben beschert. Ich streichele seine eiskalte Hand. Herr Knorr ist sehr schwer. Essen andauert eineinhalb Stunden. weiß man um ihr ihrem Rollstuhl hereingefahren. Er war Nazi gewesen. Dann mussten ihm noch etwas in ihrem Leben zu erledigen zu haben. ließen sich mehr Zeit und Kraft in die Mahlzeiten investieren – die Momente intensivster Zuwendung am Tag. Wohnbereich statt Licht-Bewohner aus dem MittagsStation. ob man Demenzkranken in ihrer letzten Lebensphase noch die für alle so mühsame tägliche komplette Körperreinigung und das aufwendige und oft schmerzvolle Anziehen zumuten soll. Doch es geht hier ausdrückschlaf aufgetaucht und zur Party lich um Würde oder. chaotischen Welt einen Kommunikationskanal finden. das Gewicht der Demenzkranken auch in einem späten Stadium auf dem gleichen Niveau zu halten. wir schauen uns in die Augen – und er lacht. Wasser und Erde sammeln sich Linde mit anderen Erkrankten man. Was für einen Blödsinn ich rede: »Café au lait. eine aufregende und beglückende Erfahrung für mich. in freundlichen Farben gehaltenes zweigeschossiges Haus in U-Form. also »geistlos« Im Bremerhavener Haus im Park werden die Palliativversorgung. die etwa dreinascht. Wieder eine umwerfende Erfahrung. infolge einer Diabeteserkrankung beide Beine am»Sie können noch nicht loslassen. auf dem Sozius sitzt eine Schöne!« Herr Knorr*.6 3. ihn einfach zurück in den Rollstuhl zu heben ist unmöglich. »Sie haben heute Geburtslusten zu sprechen. voilà. nicht reißt er den Mund auf und verschluckt unterschiedsVerarbeitete kommt heraus«. Mit den Festangestellten allein ließe Barnstedt besucht ihren Mann hier im Haus im sich das Arbeitspensum überhaupt nicht bewältigen Park sechs Tage in der Woche. Mit meinem Gestammel habe ich einen Kontakt zu dem alten Herrn gefunden.2 0. Er beginnt zu weinen.1 %) 203 (1. bei Körperrest. pardon madame. jetzt kommen die Motorräder aus der Garage. an einer Form der Demenz zu erkranken. »C’est la vie mon ami.5 2. was machst du tet man – im Gegensatz zu den meisten Einrichdenn hier?« Seitdem hat er bloß hin und wieder tungen. und gemeinsam stehen wir auf. Ein lichtdurchflutetes. eine Magensonde eingesetzt. Am Ende sitzt er wieder im Rollstuhl. Der Lkw-Fahrer. mon Dieu. da halten wir an und trinken einen Kaffee. Auch in den Vielleicht ist dieser Kontakt durch die BerühSpielerische Tagesgestaltung: Bernd rung zustande gekommen. auf nach Dangast. die jeder Dritte von uns erleben wird. Generell versucht man. Denn auch die schwer Demenzkranken. Plötzlich rutscht er vollends aus dem Stuhl und sitzt vor mir auf dem Boden. Helm auf. Das liegt nicht daran. Lederjacke an. Es kann eine Melodie sein. dass mir selber die Tränen kommen. was er mitkriegt vom frischen Grün und vom Gezwitscher. das »Zuhause für Menschen mit Demenz«. die oft unter Schmerzen und Ängsten leiden.philippwente. die winzige Frau Erlenmal hintereinander beim Bäcker bruch windet sich in unbeobachBrötchen holen.

Als sie ihren Mann Bernd später abholt. »Schlaf ein bisschen. Wenn sie nicht irgendwann selbst erkranken. 82 Kilo schwer. es gefalle ihm nicht?« Weitere Informationen unter: www. wenn er müde ist. Er fährt mit der Hand über ihren Rücken und klopft auf ihren Po. beidseits geht es recht steil bergab. Ärzte und Kassen müssten die Entlastungsangebote bekannter machen. wischt mit der Serviette über seinen Mund. ob er mich als seine Frau einordnet oder nur als positiv besetzte Person«. ohne nach ihm sehen zu müssen. sagt Gabriele Wilz. Sie nimmt sein Lätzchen ab. Walter Körle schläft. Das hat sie auch früher nicht getan. wo sie auch ein Buch lesen kann. »Ganz frei ist man nie«. wenn er sagt.« Fünf Tage und sieben Nächte die Woche sorgt Frau Linde für ihn. pflegt sie ihn. in einem Hotel in Winterberg. Beate Linde hat sich vorgenommen. sagt sie. Weil sie ihn pflegt. Es wäre auch nicht schlimm. Seit über einem Jahr spricht er nicht mehr.« Sie lächelt und streichelt seine Hand. auf Wiesen. während er im Wohnzimmer die Bücher aus dem Regal zieht. Zu Hause sitzt sie neben ihm auf dem Sofa. Beate Linde und Freundin Elfriede Körle ziehen sich die Jacken für ihren Spaziergang an. Raus aus dem Alltag: Die Reise der Lindes ins Sauerland Auch Spanien oder Thailand sind im Urlaubsangebot für Demenzkranke Auch die Angehörigen brauchen mal Pause. sagt sie. »Was wäre. hat sie im vergangenen Jahr mit ihrem Mann fünfmal Urlaub gemacht. geht es auch meinem Mann gut«. aber sagt nichts. dass seine Zielgruppe schwer von einem Urlaub zu überzeugen ist. dann ist es eine Riesenüberwindung. und er läuft nicht – sonst pilgert er pausenlos durchs Haus und hört selbst dann nicht auf. sagt Frau Linde. danke für jeden neuen Tag. Oft leben die Angehörigen nur noch für ihren dementen Partner. klopf«. Dort. »Davon pflege ich mich in Winterberg. Die Tür ist mit einer Kette verschließbar. stellt sich vor ihn. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. »Ich habe Angst vor dem Tag.« Bisher gibt es auch kaum Hotels. als er noch gesprochen hat. Wenn sie kurz wegmuss. Doch das ist gar nicht so einfach. sagt sie. Die Landschaftsbilder an den Wänden könnten auch bei Oma hängen. Am Mittwochmorgen um zehn Uhr bringt Beate Linde ihren Mann für zwei Stunden zur Betreuung. Beate Linde pflegt ihren Bernd im fünften Jahr. als wollten sie sich gegenseitig stützen. 1. »Hier kümmert sich endlich mal jemand um mich. pflegt sie ihn. ein CD-Player spielt Schlager. Die thematischen Flure sollen die Orientierung der Bewohner erleichtern und ihr Langzeitgedächtnis mit alten Gegenständen ansprechen. die zum ersten Mal ihr Kind in den Kindergarten bringen. greift seine Hände und sagt: »Eins. dass er wegläuft. sagt sie und küsst ihn auf die Wange. einen Schnabelbecher zu erreichen. Vor sieben Jahren.« Jetzt gehen die beiden recht zügig und haken sich ein. »Klopf. Manchmal gibt er ihr ein Küsschen oder reibt seine Nase an ihrer. sagt sie. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will pflegende Angehörige vermehrt entlasten. »Wir bekommen kein Pferd. Ich pass auf dich auf. sagt sie. hinsetzen!« Als er sitzt. »Bis später«. Wälder und ein kleines Dorf. sagt sie und lächelt. hält allem stand.deutsche-alzheimer. wie jeden Morgen und jeden Nachmittag im Urlaub. Hier hat sie kaum Angst. und sei es nur für zehn Minuten.« Sie bekommt monatlich 685 Euro Pflegegeld. sagt der Leiter Andreas Frank.« Bernd Linde guckt nur. Manchmal fällt dabei etwas runter. vergleichbar mit betreuten Er umschließt fest ihre Hand und geht hinter ihr zur Tagespflege. »erinnern mich die Angehörigen auch an Mütter und Väter. Ohne Menschen wie Frau Linde würde das System zusammenbrechen. spricht sie ihn an. »Ich bin daheim ja auch eingesperrt. zu überstehen.« Neben dem Landhaus gibt es rund 25 weitere Anbieter. Normalerweise sind hier etwa 30 Prozent der Demenzkranken weiblich.« Sie drückt. Es hat gedauert. unter anderem auch mit Kuren. war früher der Kindergarten. er könnte stürzen. auch die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen. 53. denn alle Matratzen sind mit einem speziellen Bezug geschützt. »Nur ziehe ich ihn heute wie eine alte Kuh hinter mir her«.de/Entlastungsangebote www. räumt das Bücherregal aus. Weil sie ihn pflegt. »Ich wollte meinem Mann noch einmal was versprechen«. das ist für meinen Mann«. Sie bringt ihn zu seinem Platz. reichten jedoch nicht aus. »Ich bin alleinstehend mit besonderen Erschwernissen«.« Sie rahmte den Spruch ein und hängte ihn in den Flur. Im Sauerland gelingt ihr das. Viele Anbieter mieten für die Reisegruppen behindertengerechte Unterkünfte. Die drei Betreuer in der Tagespflege stimmen wie immer ein Begrüßungslied an: »Danke für diesen guten Morgen. die sich wie das Landhaus im Sauerland ausschließlich auf Tandem-Urlauber spezialisiert haben. zwei. »Es ist wie nach Hause kommen«. ihren Partner zu schlagen. das gehört wohl zum Rollenverständnis. »So ganz frei ist man hier aber auch nicht«. fragt sie ihn nicht. Nur wären sie dort nicht festgeklebt. im »Küchenflur« Kaffeemühlen zum Selbermahlen.philippwente. Wo heute die Tagespflege ist. Sie hat Angst vor seiner Antwort. Im Hotel ist alles festgeklebt – sogar die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen Sie ist mit ihm wieder nach Winterberg gefahren. »Bernd.« Er lächelt zurück. Aus demselben Grund kaufte sie für ihren Mann auch einen Fernsehsessel. sagt sie. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. Frau Körle hatte seit Wochen ihr Haus nicht verlassen. »Er hat nichts davon. Aber sie glaubt es zu wissen. fragt sie sich. Kuren. hofft alles. ihren Mann liebt. Wo sie nicht kochen muss. wie es war. als ein Nachbar den Zaun beäugt. fragt sie. Italien oder Thailand. Weil Beate Linde. Dann liegen seine Beine hoch. Denn eine Auszeit ändere nichts im Alltag. fangen sie schlimmstenfalls an. B Urlauben gemeinsam mit den Erkrankten.de/audio . Er dekoriert oft um. Mai 2011 Fotos: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. An der Wand hängen Kartoffeldrucke. ruft sie dann und läuft zu ihm. Gegenüber von Herrn Linde sitzen Walter Körle. Ihr Haus steht am Hang. seien zwar hilfreich. In fünf Jahren ist sie nie ausgefallen. beispielsweise zu einer Angehörigengruppe zu fahren«. sagt sie. setz dich bitte«. »Du bist ganz müde«. legt ein Kissen und ein Taschentuch aufs Sofa. Viele schotten sich zudem ab und riskieren. Landhausleiter Andreas Frank bestätigt. so gut es geht. beruhigt Linde. »Und manchmal«. diesmal kirchlich. ein bisschen schlafen. kam die Diagnose: Alzheimer. Berge. wollen ihren Partner aber nicht weggeben. An zwei Tagen in der Woche bringt sie ihren Mann für sechs Stunden zur Tagespflege. »Setz du dich bitte hin.« Ein Zuhause. Eigentlich ist im Landhaus alles festgeklebt. »Wenn es bereits ein Problem ist. Sie suchten lange nach einem Trauspruch und entschieden sich für den Ersten Korintherbrief: »Die Liebe erträgt alles.com DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Urlaub von der Verantwortung Weil Beate Linde ihren Mann liebt. hoch!« Sie lehnt sich nach hinten und zieht ihn hoch. drei. »Ist er hingefallen?«.86 Meter groß. glaubt alles. fühlt sich zu Hause am wohlsten«. »Wenn es mir gut geht. Ihr Zimmer liegt auf dem »Winterflur«: An der Wand hängen Ski aus Holz. selbst krank zu werden. Seit der Hochzeit verliert sie ihren Mann jeden Tag ein bisschen mehr. auf Wunsch reisen teilweise auch Pflegekräfte und Ärzte mit. Darum weiß sie auch nicht. »Bernd. konstatiert Frau Körle. sondern jemand kommt und fragt. Diese Verteilung ist ungewöhnlich. »Wie soll das auch gehen?«. was sie möchte. Dafür reist sie in ein besonderes Hotel VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS eate Linde hat im Garten ein Stück Rasen eingezäunt – damit ihr Mann nicht wegläuft. Einige offerieren sogar Urlaub in Spanien. Noch hilft er mit. In Deutschland werden rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. die Krankheit ihres Mannes. ob ihm der Urlaub im Sauerland gefällt.40 12. Frau Linde geht viel mit ihrem Mann spazieren. in den Urlaub zu fahren. Sie und ihr Mann schlafen immer im selben Zimmer. da war er 61. »Viele pflegende Angehörige nehmen Entlastungsangebote nur zögerlich an«. Leiterin der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention an der Universität Jena.zeit. »Ich weiß nicht. und zwei ältere Frauen. der Mann von Frau Lindes bester Urlaubsfreundin. bis sie das begriffen hat und die Zeit ohne ihn genießen konnte. »Das ist mein Urlaub. umarmt sie ihn. Die fürsorgende Ehefrau und Mutter kümmert sich um den kranken Partner. Im »Uhrenflur« hängen alte Uhren. Sie kennten die Angebote kaum und hätten »häufig gar nicht mehr die Kraft. Die Liebe hört niemals auf. Danach haben sie noch einmal geheiratet.« Mit dem Zaun kann sie sich ein bisschen entspannen. hielte seine Windel nachts mal nicht dicht. kommen die Nachbarn oder ein Schwager rüber. Deswegen wandelte die Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen das heutige Landhaus Fernblick vor sechs Jahren um: Aus einem Mutter-Kind-Haus wurde das neue Hotel. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verfünffacht – und dürfte wohl weiter wachsen. die sich auf Demenzkranke und deren Angehörige spezialisiert haben. an dem er nicht mehr auf mich reagiert. »Das ist unsere artgerechte Freilandhaltung. Das Gelände ist ebenfalls eingezäunt. Das Hotel will seinen Gästen so viel Sicherheit und Halt wie möglich bieten. Von dort schauen sie ins Tal.

denen sich die Ohren verschlossen haben. Der Zeitungsleser wird heute auf jeder Seite bombardiert mit einer Fülle von Zahlen. »aber das hat ihre Weltsicht nicht verändert. und 19. Ein Infografik-Pionier des 21. Illustrationen. »Auf Meinungsvermittlung und Konjunktiv versteht sich die Infografik schlecht«. um sie nur einmal unter einem speziellen Aspekt auszuwerten. jede Statistik ist nur so gut wie die Zahlen und Gleichungen. Ein weiterer Grund für die Forderung nach open data: Ein anderer Forscher prüft dieselben Daten vielleicht mit anderen Fragestellungen und kommt damit zu neuen Ergebnissen. wie man gute Infografiken von schlechten unterscheiden kann (Seite 44). dass mit jeder wissenschaftlichen Publikation nicht nur die Erkenntnisse offengelegt werden. Einsendeschluss ist der 19. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 41 Jagdszenen auf Stein. In der ZEIT haben wir einen Tag im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz dokumentiert (Grafik Nr.. die sie sich im Gefecht zugezogen hatten. Die ZEIT ist mit der neuen Lust an Bildern nicht allein: Viele Print. die sich nur in streng logischen Abfolgen mathematischer Sätze zu manifestieren hatte. 1596: Die Planetenbahnen als ineinandergeschachtelte platonische Körper Mit Bildern lässt sich auch trefflich lügen Auch die Wissenschaft setzt zunehmend auf die Kraft des Bildes. Selbst Bundesminister haben ja manchmal Schwierigkeiten zu sagen. Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www. Auch die Wissenschaften arbeiten verstärkt mit Bildern (diese Seite). wie der Riese China den Rückstand zur westlichen Welt aufholt. Bilder haben eine starke Überzeugungskraft. 89). über den man Einsicht und Erkenntnis ohne Worte direkt erzeugen kann. weil sie sich über die Zeit entwickeln. an welchen Ursachen die Soldaten der königlichen Armee starben. wenn die Datenflut von einzelnen Rechercheuren gar nicht mehr zu bewältigen ist. die Welt einzuteilen in die industrialisierten Länder und die Entwicklungsländer. Jahrhunderts ist Hans Rosling. ist zu kostbar. um ihren Landsleuten zu zeigen. in der schlichtesten möglichen Form diese Beträge zu visualisieren: als simple Rechtecke (Grafik Nr. Damit brachte sie das Potenzial von Infografik. gehört die grafische Aufbereitung. sagt die Grafik nicht. sondern potenziell viele. Gewiss hat die resultierende Grafik. jede Woche eine ganze Seite der Infografik zu widmen. selbst nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. Die Klimaforscher hätten mit ihren Warnungen vor den Folgen des Klimawandels längst nicht so gut an die Öffentlichkeit dringen können ohne die bunten Bilder eines heißen Planeten im Jahr 2100. 1610: Per Fernrohr entdeckt der Astronom die Mondkrater und die Phasen der Venus 1835: Die Vielfalt der GalápagosFinken inspiriert den Biologen In der wachsenden Datenflut helfen Grafiken bei der Bewertung Das beginnt mit der einfachen Darstellung von Größenordnungen. Inzwischen steht Roslings Software jedermann zum Experimentieren offen – die Firma Google hat sie gekauft und bietet nun den Dienst Google Motion Chart an. der versteht die Zusammenhänge nicht nur besser – der Trickfilm brennt sich auf eine Weise ins Gedächtnis ein. aber sie sagen es auf andere Weise. Die englische Krankenschwester. Das ist eine voyeuristische Spielerei – aber danach weiß man. Die anatomischen Zeichnungen des 18. der eine Position in einem x-y-Koordinatensystem hat. nachdem das 20. indem Rosling noch die Zeit als vierte Dimension hinzufügt und im Zeitraffer die letzten 250 Jahre Revue passieren lässt. Die wichtigste Lehre.95 Euro 1972: Zwei goldene Platten an Bord der Raumsonden »Pioneer 1« und »Pioneer 2« sollen Außerirdische über das Leben auf der Erde aufklären . sondern vermeidbaren Infektionskrankheiten. 33). Sagen die wirklich mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte? Mehr vielleicht nicht. Dynamik erhalten die Grafiken. Im Wesentlichen bilden Infografiken die Welt ab. eine Variante der heute so verbreiteten Tortengrafiken.100 . auf der sie beruht. Damals war Anschauung verpönt. Jahrhundert die moderne Krankenpflege begründete. Die wachsende Datenflut.de. aber man sieht ihnen nicht die Qualität der dahinterstehenden Daten an. Über die Selektion der Daten kann der Autor die Aussage beeinflussen – aber wie die Welt sein soll. Der Mensch ist ein Augentier. wie sie sich unter bestimmten Voraussetzungen entwickeln könnte.und Onlinemedien präsentieren Informationen zunehmend optisch. in der ZEIT-Ausgabe 26/09. Die Doppelhelix der DNA ist nicht nur die sachliche Darstellung des Lebensmoleküls. Dessen Achsen können zum Beispiel die Kindersterblichkeit und das Bruttosozialprodukt sein. die in Wahrheit natürlich jeder Mathematiker von seinen Objekten hat. wenn der Nutzer interaktiv eingreifen kann. war stärker als alles philosophische Räsonieren über den Lauf der Gestirne. Wer das kleine Kästchen des Bundes-Bildungsetats mit den größeren Rechtecken des Banken-Rettungspakets oder des Vermögens der Albrecht-Brüder verglichen hat. sagte Nightingale. GRAFIK Futter für das Augentier Wissenschaftler und Journalisten entdecken die Vorzüge der Infografiken VON CHRISTOPH DRÖSSER WISSEN IN BILDERN 12. Jahrhundert von einer regelrechten Bilderfeindlichkeit geprägt war. bewegen sich von einer Ecke des Graphen in die andere und zeigen wirtschaftliche oder gesundheitspolitische Welttrends auf. Diese Grafiken. 67 auf der nächsten Seite): Jedes Land ist entsprechend seiner Bevölkerungszahl ein mehr oder weniger großer Kreis. Dann beginnen die Blasen zu tanzen. In der Mathematik ist in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Freude am Bild entstanden. die im 19. Und zu den wichtigsten Werkzeugen. zum Rücktritt des Politikers beigetragen. Im Jahr 1858 erstellte sie ein sogenanntes polar-area diagram. der Code des Lebens ist entdeckt 1975: Am Computer generierte Fraktale eröffnen den Blick in eine neue mathematische Welt Christoph Drösser (Hg. etwa bei den TED-Konferenzen oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Was Galileo durch sein Fernrohr sah und abzeichnete. wie heikel die abstrakten Daten sein können. Vor zwei Jahren hat sich das Wissen-Ressort der ZEIT entschlossen. »über die Augen zu bewirken. Der nächste Schritt des »datengetriebenen Journalismus« im Internet ist es. die zu diesen Erkenntnissen geführt haben. der bekommt zumindest einen Sinn für Proportionen – auch wenn dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden und man das Geld aus dem einen Kästchen nicht so einfach dem anderen zuschlagen kann. Die Vorträge des Professors für Public Health am Stockholmer Karolinska-Institut sind legendär. »Ich habe meinen Studenten früher riesige Mengen von Unicef-Statistiken über Einkommen. erzählte Rosling dem Economist. die er überbringen will: Es ist schon lange nicht mehr sinnvoll. Ähnlich verfuhr auch das GuttenPlag Wiki bei der Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsministers. Auf den nächsten beiden Seiten können Sie noch einmal alle bisher erschienenen Grafikseiten als Miniatur sehen (Seite 42/43). Der Augsburger Medienforscher Michael Stoll erklärt. Atemlos wie ein Sportreporter kommentiert Rosling beispielsweise. von Visualisierung auf den Punkt: einen Sinneskanal zu öffnen. um zu zeigen. Damit wurde die Sinnlichkeit der inneren Bilder geleugnet. wie sie ist. diese Ideen auch grafisch aufzubereiten. Damit fing alles an – vor etwa 30 000 Jahren Vor zwei Jahren. die sie vorfanden. Mit der Entwicklung des Computers wurde es möglich. er ist ein gefragter Redner. Es hat zu allen Zeiten starke wissenschaftliche Bilder gegeben. Jahrhunderts waren mehr als die quasifotografische Abbildung dessen. oft mit einem Blick in einer unübersichtlichen Umwelt das wesentliche Muster zu erfassen. was die Forscher sahen – sie strukturierten damit die Vielfalt des Lebens. 49.de 1953: Die DNA wird entschlüsselt. Mit einem Beamer präsentiert er die von ihm entwickelten »Blasendiagramme« (siehe auch Grafik Nr. über das Auge Erkenntnisse zu vermitteln. Man kann mit Bildern lügen. Dabei sind seine Mittel schlicht. Lebenserwartung und Fruchtbarkeitsziffern kopiert«. Beschleuniger und andere Forschungsinstrumente geliefert wird. was wir der Öffentlichkeit über ihre gegen Worte abgedichteten Ohren nicht vermitteln können«. Auf ZEIT online konnte der Nutzer sich selbst in die Rolle des Schnüfflers versetzen und die Spur des Politikers an einem beliebigen Tag zu einer beliebigen Uhrzeit aufnehmen. Das ist ein Grund dafür. nicht nur am Beispiel der zeitweise regelrecht modischen Fraktale. Seitdem haben wir Ihnen 99-mal ein Thema in Bildern präsentiert – Infografiken. um Struktur in einem Gewirr von Zahlen zu finden. Grafiken und Statistiken zu zeigen. Mai. Es war daher eine geniale Idee des Grafikers David McCandless. und begründeten die moderne Biologie. die für ihn aber kaum konkret begreifbar sind. zu denen ein Forscher gekommen ist. wie es eine Sammlung nackter Zahlen niemals könnte. Allerdings hat diese »ikonische Wendung« hin zur Bildsprache in der Wissenschaft auch Schattenseiten. Aber jede Simulation. Die meisten erlagen nicht den Wunden. wie viele Nullen eine der Euro-Milliarden hat. die im Westen vor 100 Jahren eingeläutet wurden. die zur Umwälzung ganzer Weltsichten beigetragen haben (siehe Zeichnungen auf dieser Seite). Unter allen Einsendern verlosen wir fünfmal den großformatigen Sammelband »Wissen in Bildern« mit 60 Grafiken aus unserer Serie. warum viele Forscher heute fordern. sondern auch die Daten. Fotoseiten. Die Grafiken suggerieren wissenschaftliche Exaktheit in einer Detailtreue. Der britische Guardian stellte die vom Unterhaus veröffentlichten Spesenabrechnungen der Abgeordneten ins Netz mit der Aufforderung an die Nutzer der Internetseite. für Gelehrtenschulen wie das unter dem Pseudonym »Bourbaki« schreibende Kollektiv französischer Mathematiker waren Zeichnungen und Diagramme Verwässerungen der reinen mathematischen Idee. das Buch »Wissen in Bildern« zu gewinnen. sagt der Infografik-Professor Michael Stoll (siehe Interview auf Seite 42). in der die plagiierten Seiten rot gekennzeichnet waren. sie ist zur Ikone einer Wissenschaft geworden. oft mühsam recherchiert. Damit verbinden wir eine Frage an unsere Leser: Welche Grafik hat Ihnen am besten gefallen? Wer an der Wahl teilnimmt. Auch deshalb ist die Grafik-Seite ein Wagnis in der traditionell meinungsstarken ZEIT. F Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich Infografiken im Netz. gehört auch zu den Pionieren der Infografik. mit denen sie täglich jonglieren. Auch Rosling geht es darum. 128 S. Inzwischen gehören bunte Bilder und Grafiken auch zum Standardwerkzeug der abstraktesten Disziplinen. Hans Roslings Animationen entfalten nur deshalb ihre Dynamik. eventuell noch. Sobald ein Land die sozialen und politischen Voraussetzungen erfüllt – und das heißt insbesondere: Gleichstellung der Frauen –. die Leser selbst in die Aufbereitung der Daten einzubeziehen. Wort und Bild werden zunehmend gleichberechtigt nebeneinanderstehen – auch in dieser Zeitung. was man mit den umstrittenen Vorratsdaten anfangen kann. holt es in Windeseile die Entwicklungen nach. die von den dahintersteckenden mathematischen Modellen oft gar nicht gedeckt wird. Also auf etwa 15 000 Buchstaben zu verzichten und dafür Bilder. die bei der Benutzung eines modernen Handys entstehen. lorence Nightingale war nicht nur eine Reformerin des öffentlichen Gesundheitswesens. Das Beispiel zeigt auch die natürliche Schwäche des Mediums auf.« Wer einen seiner Zeitraffer-Filme gesehen hat. seien dazu geeignet.): Wissen in Bildern Edel Verlag. Es gilt nicht nur eine Stecknadel in diesem Heuhaufen zu finden. Infografik und wissenschaftliche Visualisierung setzen auf diese außerordentliche Fähigkeit. erschien die erste ganzseitige Infografik auf den WissenSeiten. die durch Satelliten.niels-schröder. 1895: Der Physiker verewigt als Erstes die durchleuchtete Hand seiner Frau So stimmen Sie ab: Schicken Sie eine E-Mail (bitte nur eine pro Person!) mit der Nummer Ihrer Lieblingsgrafik im Betreff an grafikwahl@zeit. und noch spannender wird es. hat die Chance. nicht nur indem man Balkengrafiken verzerrt und übertreibt. Die Evolution hat uns gelehrt.

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Oder der Parallelklasse. Todesort. und dabei sind sie nicht gestreckt. wer noch fernsieht. ob Psychopathen bessere Menschen werden können Das aktuelle ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. aus der sie das rauslesen. was sie wissen wollen. Was genau ist denn das Ziel? Stoll: Da lohnt sich der Blick nach Skandinavien. gelingt das rettende Umdrehmanöver nicht mehr. dann macht es wilde. ZEIT: Woran erkenne ich das? Stoll: Tatsächlich an dem. die gestalterisch und journalistisch wirklich top sind. Während vor einigen Jahren die hiesigen Infografiker noch nach Amerika schielten und sich an den Kollegen dort orientierten. drei Agenturen. Stirbt das Tier im Flug oder auf einer erhöhten Position sitzend. sozusagen an Altersschwäche. auf die der Leser vorher keinen Zugriff hatte. ZEIT: Gibt es die ideale Infografik? Stoll: Es gibt ein paar Qualitätskriterien.zeit. lachen die mich aus. Stimmt’s?. Fernsehzuschauer und Internetnutzer denn hauptsächlich gute Infografiken präsentiert? Stoll: Wenn ich mir das Gros so anschaue. Wird ein Insekt vergiftet und stirbt einen langsamen. dann können sie sich aus dieser misslichen Lage befreien. dass Käfer oder Kakerlaken sterben müssen. dem wichtigsten Infografik-Preis. Allerdings nicht in dieser formalen Ausprägung. Ein internationales Forscherteam hat gezeigt. Das merkt der Leser gar nicht. ob aus dem Ort. besonders nach Schweden und Dänemark. Es kommt auf schnelle und präzise Vermittlung an. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. also jeder. die spätestens mit neun Jahren ein Instrument gelernt und ihr Leben lang mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben. Die Infografik ist eine journalistische Darstellungsform.de/stimmts www. Außerdem erhalten sie sich durch das musikalische Training länger die Fähigkeit. dann ist es zumindest für Insekten mit einem glatten. das Gleiche darin liest. der sie anschaut. Es wird dabei irgendwann auch auf dem Rücken landen – und wenn es dann schon zu schwach ist. Umfangreiche Datenbestände. die infizierten Ameisen wie Zombies umherirren. Das ist zum einen dann der Fall. sagt der Experte Michael Stoll DIE ZEIT: Sind die vielen Infografiken mehr als STIMMT’S? Sterben Insekten auf dem Rücken? … fragt Fabian Schäfer aus Leipzig Die Frage ist nicht so zu verstehen. wenn eine Information so komplex ist. dass sie ihre eigene Bedienungsanleitung mitbringt. Und in dieser Position (mit anliegenden Beinen) lässt sich das Tier ganz leicht auf den Rücken drehen. sondern eingeknickt. ZEIT: Die Infografik ist also etwas für faule Leser? Stoll: Ganz und gar nicht. Aber wir sind auf einem guten Weg. Das beginnt mit einem Klick auf einen Link und endet in einer Datenbank. Die Wechselwirkungen zwischen dem visuellen Eindruck und dem analytisch-verbalen Grafikanteil sind sehr intensiv. wir sind auf einem guten Weg. online). Denn viele dieser Arbeiten vernachlässigen die zweite Aufgabe der Infografik: das Vermitteln. Das sind ihre beiden Hauptaufgaben: visualisieren und vermitteln. Visualisierung ohne Erklärung. wofür die Deutschen bekannt sind: ihrer Genauigkeit und ihrer rationalen Herangehensweise. weil sie wie in einer Collage miteinander verwoben sind. die sich hauptsächlich im Internet abspielt. in der Rückenposition zu landen. dass sie sich über die Infografik positionieren können.44 12.de. Von solchen Verhältnissen träumen die meisten deutschen Verlage. die Datenvisualisierung. wo optimale Entwicklungsbedingungen für den Pilz herrschen (Biomed Central.zeit. Alter. die online verfügbar sind. warum die Rückenlage die wahrscheinlichere für ein totes Insekt ist. Allerdings sind Infografiken kein Allheilmittel im Journalismus oder für die Wissensvermittlung per se. Das musikalische Training sorgt den Studienautoren zufolge für ein Feintuning des Nervensystems und erspart den Musikern altersbedingte Kommunikationsprobleme. leiden seltener unter typischen Alterserscheinungen. Beim Internationalen Malofiej-Contest der Universität von Navarra in Pamplona. es funktioniert im Idealfall einfach. Die Beine nehmen beim Tod nämlich eine entspannte Stellung ein.zeit. Oder aus dem Nachbarort. runden Körper aus aerodynamischen Gründen am wahrscheinlichsten. ehe sie sich wie auf Kommando an der Unterseite eines Blattes festbeißen und sterben – genau dort. dass sie nicht linear erzählt werden kann. CHRISTOPH DRÖSSER eine Mode in der Medienlandschaft? Michael Stoll: Ich glaube. ZEIT: Will der Leser sich denn wirklich mit solchen Datenmengen auseinandersetzen? Stoll: Das will er. In Deutschland gibt es zwei. vielleicht noch andere Menschen ums Leben gekommen sind. wie er es zurzeit tut.de Zombie-Ameise Michael Stoll ist Pro fessor für Informationsdesign und Medien theorie an der Hochschule Augsburg Der subtropische Pilz Ophiocordyceps unilateralis ist ein Parasit der besonders fiesen Sorte. Wir brauchen mehr Infografiken bei Themen. die das Gehör betreffen (PLoS One. Wenn ich meine Studenten frage. die ruhig und friedlich sterben. quälenden Tod. Zum Wesen einer Infografik gehört es. ZEIT: Sie sagen. Darin sehe ich ein großes Problem. So ist ihr auditives Gedächtnis im Alter zwischen 45 und 65 Jahren besser als das von Nichtmusikern. ZEIT: Wieso das? Stoll: Weil eine gute Infografik Dinge zeigen und erklären kann. landen leicht in der Rückenlage.zeitabo. Da kann man sich zum Beispiel alle Informationen über die Gefallenen des Irakkrieges ansehen. ich muss mir den Sachverhalt nicht selber zusammensuchen und ihn einordnen. das ist Schönheit ohne Bedeutung. dringt in ihren Körper ein und beeinflusst ihr Verhalten. und zwar nicht nur mit Namen. wenn eine Information abstrakt ist. Darin sind die deutschen Infografiken ungeschlagen. ZEIT: Bekommt der Leser. das nicht von einem Räuber gefressen wurde. Sie erkennen. wird die Boulevardisierung verdrängt. Der Pilz steuert auch die Festigkeit des Bisses. wenn sie einmal zufällig auf dem Rücken landen. zum Beispiel durch einen leichten Luftzug. Die Infografik ist ein Element für effektive Leser. Sie verschafft mir einen strukturierten Zugang zur Information. Genau das kann die Infografik sehr gut. dass Foto: privat . die sich dafür eignen. In unserer Wissensgesellschaft sollen wir ständig in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aufnehmen. Das gilt übrigens weltweit. Sind sie gesund. ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge in den vergangenen drei. Sie können eigenständig suchen. Die suchen sich ihre Informationen selber im Internet. 20079 Hamburg. kann man inzwischen von einer Emanzipation der deutschen Infografik sprechen. Aber tatsächlich findet man tote Insekten meist auf dem Rücken liegend vor. werden aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. Sprache in lauten Umgebungen zu erkennen. hat ein höheres Ansehen. Ihre Bedeutung wird den Verlagshäusern gerade erst wieder richtig bewusst. oder stimmts@zeit. Das Ziel ist die Institutionalisierung des Berufs Infografiker. Und zum anderen.de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN Musikergehör Musiker. Alles in allem ist die Rückenlage statistisch am wahrscheinlichsten. Das Gespräch führte CLAUDIA FÜSSLER Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. Dort kommt in den Zeitungsredaktionen auf zehn klassische Journalisten ein Infografiker. ZEIT: Also brauchen wir mehr Infografiken? Stoll: Auf jeden Fall. Aber auch Insekten. Wenn eine Infografik sich widerspruchsfrei interpretieren lässt. Es gibt gleich mehrere Gründe. die zur Profilschärfe beiträgt. Wer überzeugend Infografiken publiziert. dann würde ich sagen: Da ist noch viel Luft nach oben. MEHR WISSEN: Im Netz: Was das Internet an Strom verbraucht www.de/netz-strom Niels Birbaumer erforscht. vier Jahren um die Hälfte gestiegen. wir stehen am Anfang einer Renaissance der Infografik. dann ist das eine gute Grafik. zuckende Bewegungen. ZEIT: Was sind die aktuellen Trends in der Infografik? Stoll: Neben der zunehmenden Zahl von 3-DGrafiken und der Kombination von Statistiken mit Landkarten ist ein großer Trend. online). Was mir an diesem Trend sehr gut gefällt: Weil in einer Welt der Infografiken und Datenbanken vor allem faktisches Wissen gefragt ist. der zur Popularisierung der Infografik beigetragen hat. indem sie kräftig strampeln und irgendwann wieder auf den Beinen landen. Die New York Times und der Guardian stellen solche interaktiven Grafiken zur Verfügung. wo der Gefallene herkam. Er setzt sich auf Ameisen fest. zum Beispiel die Fluchtpunktperspektive oder die Benutzerführung und Hierarchisierung eines Themas durch die Grafik. ZEIT: Sieht so der Journalismus der Zukunft aus? Ich wühle mich durch einen Wust an Informationen und bereite ihn ansprechend auf? Stoll: Der Datenjournalismus wird sich sicher etablieren. damit der Kiefer des toten Insekts geschlossen und das Tier am Blatt hängen bleibt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KOMPAKT WISSEN Daten sichtbar machen Eine gute Infografik bringt ihre eigene Bedienungsanleitung mit.

Hesmat war 14 Monate unterwegs durch Turkmenistan. 5. Solche Flüchtlinge nennt man Migranten. Aber an der Armut hat sich nichts geändert. Lehmann (ABBA). wie er zwitschert – gern aus dem Weidenlaub heraus 1 2 N D D OE U E H 5 E 3 4 R 6 7 C L 8 9 10 I E Z Schick es bis Dienstag. die unter Zeltplanen hocken und hoffen. nach Europa zu kommen. bis er schließlich in Österreich landete. Herr Blaukappe und Frau Graubraun 7. KinderZEIT. Robert könnte gut ein wenig langweiliger sein. das die italienische Insel Lampedusa im Mittelmeer erreicht . Das Leben dort ist allerdings hart. die aus Nordafrika nach Europa fliehen – solche Bilder sieht man seit Wochen. Die Radiogeschichte über Abba hört Ihr am Sonntag um 8. Oft finden die Menschen sie auch. Rasenmaeher. weil ihre Heimatländer arm sind und sie dort keine Arbeit haben. Bücher oder Stifte gibt. weil an den Flughäfen und an den Grenzen immer strenger kontrolliert wird. Massoud und Leyla waren mehrere Tage zu Fuß marschiert. dass ihnen jemand Decken und Medikamente. Björn und Agnetha aber wollen schon lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne stehen. Berühmt wurde die Popgruppe 1974 durch den Eurovision Song Contest.. Es ist ziemlich lange her. arabischen oder asiatischen Ländern dürfen nur einreisen. Leyla die jüngste Tochter. ein toller Freund. Singen oft ihr »pinkepink«. Deswegen quetschen sie sich auf kleine Boote und wagen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. weil sie kritisch über die Machthaber geredet haben. Anu Stohner: Robert und die Ritter. Einer steht gern auf der Bühne.zeit. In Österreich ist er schließlich in einem SOS-Kinderdorf gelandet. keine Tische. Einer der Kleinsten – und doch der gekrönte Chef? – im Singvogelreich 2. und wahrscheinlich sind die beiden zurück in ihre Heimat gegangen. Zusätzlich schleppten sie Rucksäcke. Maulwuerfe.12. den Schulhausmeister ins Krankenhaus befördert (aus Versehen natürlich) oder mit seinem Skateboard in einen Gemüsestand brettert (ebenfalls unabsichtlich). Wenn aber jemand in seiner Heimat verfolgt wird. Der Junge kommt aus Afghanistan und floh mit elf Jahren allein aus seiner Heimat. bevor sie fliehen mussten. Dann bin ich selbst in ein Flüchtlingslager gefahren und habe Massoud und Leyla kennengelernt. Das Problem ist nur: Für Verfolgte ist es inzwischen schwierig. Ginster. Flieder. Egal. Deutschland oder Italien und sucht Arbeit. Kasachstan und Russland. ein tolles Bücher-Überraschungspaket. So nannten sich die zwei Männer und zwei Frauen aus Schweden als Band. Anni-Frid. Die Menschen haben schon alles verloren. – BLUMENBEET Dicht gedrängt stehen Flüchtlinge auf einem kleinen Boot. dann erhält er »politisches Asyl«. Auf der Flucht wurde er verprügelt. und jetzt müssen sie mit 20 anderen in einem Zelt leben. und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen. dem man helfen muss. Inzwischen werden die Kurden im Irak nicht mehr verfolgt. Oft versuchen die Flüchtlinge. als Ärzte oder Lehrer gearbeitet. Seitdem machen sie eine Pause. ENKEL«. kann er nicht einfach in seinem Land zur deutschen Botschaft spazieren und ein Visum beantragen. (4) Abba? Anni-Frid. Niels Schröder (Wappen) S AU HR SC AT HR SC RIT P O L I T I K . K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAREN EIGENTLICH . keine Medikamente für die Verletzten. sondern auch mit lautem Gesang auf« 5. W I S S E N . Derzeit versuchen viele Migranten aus Tunesien. konnte zur Schule gehen und eine Lehre als Elektriker machen. Steuert die Klopftöne zum Vogelkonzert im Wald bei 4. nur um sich nach Europa hineinzuschmuggeln. wenigstens eines der Kinder für ein besseres Leben nach Europa zu schicken. Aber was bedeutet es eigentlich. Hesmats Geschichte ist gut ausgegangen. pflücken Tomaten. 18: 1. dass ich Massoud und Leyla getroffen habe. 20079 Hamburg. Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. wenn er eins vor der Nase hätte? Robert durchschaut sofort. Sind mit dunklem Federkleid und hellen Flötentönen in der Vogelschar vertreten 10. Das habe ich zumindest lange geglaubt. sich selbst zu helfen. desto mehr dachte ich: Flüchtlinge sind gar nicht so schwach. 2. weil sie Demokratie gefordert oder einfach nur. umgraben. Ihre Lieder werden noch heute gespielt. 4. den 24. Tierische Kunst. »das fällt nicht nur mit Signalfarbe. Benny. Oder die Familie hat beschlossen. Benny. »HORCHT. Essen und etwas zu trinken bringt. Krokusse. die bis heute andauert. bis es wieder ruhig ist. Für einige aber gibt es kein Zurück mehr: Sie werden daheim von der Geheimpolizei gejagt. Wenn so ein Mensch nach Deutschland kommt und beweisen kann. Leyla hatte außerdem ihr Hochzeitskleid eingepackt. Viele Menschen fliehen auch. 10. Sie werden erwischt. schuften auf Baustellen. Veilchen. wie man mit diesem erstaunlichen Schwert in die Vergangenheit reisen kann – und schleppt Tim gleich mit in die Welt der Ritter. wenn sie ein Visum (das ist eine Erlaubnis zur Einreise) haben. Das Zauberschwert dtv 2011. Je länger ich Massoud und Leyla damals beobachtete. zum letzten Mal traten sie 1982 auf. weil Soldaten auf sie schossen. spricht Opa. findet Tims Mutter. 3. Lösung aus der Nr. Aber würde er dann ein Zauberschwert erkennen. Wir hier in Deutschland können uns nur schwer vorstellen. So wie die Flüchtlinge. Zusammen mit Tausenden anderen Kurden waren sie über die Berge in die Türkei geflohen. schlägt sich durch nach Frankreich. keine Schule. viele wurden getötet. In Tunesien hat es gerade eine Revolution gegeben. ab 7 Jahren SC H E H U NI Bleeker in Flüchtling ist jemand. Das fand ich damals albern. 9. weil er sich selbst nicht mehr helfen kann. die Geschichten vieler anderer Flüchtlingskinder gehen leider nicht so gut aus. Der heißt. ergibt das »Abba«. Decken. Fotex (im Wappen). Hans G. einer hockt gern im Kirschbaum 6. besteht aus Zweigeflechten und Polsterarbeiten 3. giessen. dass ihm in seiner Heimat Tod oder Gefängnis drohen. Gartenzwerg. Björn und Agnetha – nimmt man die Anfangsbuchstaben der vier Namen und setzt sie hintereinander. 9. ja fast unmöglich. Laube. Sie behandeln dann in einem Flüchtlingslager die Kranken oder unterrichten die Kinder – auch wenn es keine Schule. Erst wenn Hilfsorganisationen ankommen und ein kleines Krankenzelt oder eine Trinkwasseranlage aufbauen. Sie gewann den europäischen Musikwettbewerb mit ihrem Lied Waterloo. versteht sich von selbst . bestohlen. Diese Flüchtlinge verstecken sich manchmal wochenlang im Wald und warten. Viele Kinder und Jugendliche machen sich ohne Eltern auf den Weg.95 Euro. Das passiert zum Beispiel immer wieder im Kongo oder im Sudan in Afrika. manchmal über tausend Kilometer zu Fuß. 8. Flüchtling zu sein? VON ANDREA BÖHM Dein Vorname: Wie alt bist Du? E WAS SOLL ICH LESEN? Ritter Tollpatsch Robert ist Tims bester Freund. Viele Flüchtlinge hoffen. keinen Strom. auf Lastwagen oder überfüllten Booten reist. sehr müde. wird die Lage etwas besser. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 47 ELEKTRO ER Fotos: Arianna Arcara/Cesuralab/LuzPhoto/fotogloria [M]. die man oft im Fernsehen sieht: Leute. Es gibt oft zunächst kein Trinkwasser. Hat man je eine BISAM-EULE im Frühlingskonzert gehört? Sie andererseits schon oft! 9. Kleider. dabei seine Kinder trägt und schützt. Wozu braucht man auf der Flucht ein Hochzeitskleid? »Damit ich mich an etwas Schönes erinnern kann«. 7. Mai. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. Nur sehr... Massoud und Leyla waren Kurden aus dem Irak. 6. Oder in einem Flüchtlingslager. Menschen aus afrikanischen. Sie sahen eigentlich gar nicht hilflos aus. Oft sind die Eltern im Krieg gestorben. hatte Leyla gesagt. Wer es bis nach Europa schafft. um irgendetwas für ihre drei Kinder zu besorgen. Einer – er heißt Hesmat – hat seine Geschichte von einem Journalisten aufschreiben lassen (Hesmats Flucht heißt das Buch). obwohl vielleicht jemand auf ihn schießt – dann muss er ziemlich stark sein. sie mussten sich immer wieder verstecken.05 Uhr in der Sendung Mikado – Radio für Kinder auf NDR Info oder im Internet unter www. Leyla rannte ständig herum. was findet man bald nach der Vogelhochzeit im Nest? 8. Eieieieiei. Warum jemand so etwas tut. Aber es gibt immer noch viele Flüchtlinge: ungefähr 40 Millionen Menschen auf der ganzen Welt! Manche konnten gerade noch davonlaufen. Apfel Zet (Piktogramme). Sie arbeiten für ganz wenig Geld in Restaurantküchen. eingesperrt und in ihre Heimat zurückgeschickt. Manche haben. Manche kommen eine Weile bei Verwandten in anderen Städten und Dörfern unter. dass sie möglichst schnell zurück nach Hause können. Dass es dort keine Sekunde langweilig wird. nach Deutschland oder nach Europa zu kommen. Flüchtlinge sind schwach.. weil sie sich für Menschenrechte eingesetzt. es gibt sogar ein Abba-Musical.de/mikado Dürfen wir bleiben? Boote voller Menschen. bedroht – ein elfjähriger Junge kann sich ja kaum wehren.ndr. als Soldaten oder Rebellen ihre Dörfer überfielen. Massoud war ziemlich groß und kräftig. Die Schweden wurden eine der erfolgreichsten Bands der Welt und verkauften mehr als 375 Millionen Alben. Wenn jemand über hundert Kilometer marschiert. ob er Spaghetti Bolognese isst. Denn im Irak wurden Kurden damals verfolgt. Solche Menschen nennt man »politisch Verfolgte«. können die Flüchtlinge und Migranten am besten selbst erklären. warum jemand Hunderte. nur dass bei ihm immer recht viel schiefgeht.de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1. Massoud hatte die beiden älteren Kinder getragen.

wo man sie mit Füßen tritt. 15. Seine eigene Erinnerung beginnt mit dem siebten Lebensjahr und führt ihn zurück in die Leidenszeit einer fünfjährigen Flucht. VON RALF ZERBACK ab 12 Jahren Das Hamstermassaker Eine Ermittlung in Sachen Haustiermord Hamster sind problematische Haustiere. seine Zeit als Verleger und Paulskirchenparlamentarier. Doch die Erwachsenen sind völlig uneinsichtig: Annas Vater sagt. Oft sind dies Glorias Kommentare. Ihre Gegner sind Männer wie Blum. Monsieur Blaise«.95 Euro Foto: Pascal Bastien/Fedephoto/StudioX Als Begleiter Blums erfindet Parigger den 16-jährigen Jungen Friedrich Wilhelm. der hilft und rät. Manche Passagen – wie die. Am Ende kämpft der friedselige Blum mit Waffen. Sie kriegen wahnsinnig schnell einen Herzinfarkt. Das Hamstermassaker. Wahrscheinlich ist er der Täter. warum Mama ein gestörtes Verhältnis zu Hamstern hat (Schiebetür. Aber auch nicht für Mama . Man darf mit Monsieur Blaise – oder besser doch Kumaïl? – weinen. Das Gespräch zum Buch ist abrufbar unter www.und Jugendbuch-Autorin Anne-Laure Bondoux hingegen muss man bewundern. da ist Gloria verschwunden. Denn sie versuchen vergeblich. Massenmord.. wenn jemand Gurken mit dem Messer schneidet. Gloria dort zu finden. starten sie eine richtige Ermittlung. war auf jeden Fall ein allgemeines Massaker. Wunderbar sind die Illustrationen von Klaus Puth. sagt sie. betrügen sie. sagt die Mutter. Geburtstag. Oder nagen Kaschmirmäntel an und ersticken an den Flusen. Doch selbst sie sind sorgfältig ausgewählt und verweisen jeweils auf Vorurteile oder menschliche Grenzbereiche. Gloria. über Zem Zem und über Kumaïls eigene Herkunft. Gemeinsam mit Omas Freundin Mrs. als Baby habe die junge Russin Gloria ihn vom Schoß seiner Mutter aus einem zerbombten Zug gerettet. Wichtige Frage: Gibt es jemanden. Aber der Reihe nach. dass die Hoffnung und Zuversicht seiner Kindheit auf falschen Vorstellungen beruhten. 14. 144 Seiten. gründet Vereine. Am 12. Doch sein Tod machte ihn zum Helden der Zeit. gibt Zeitungen und Bücher heraus. So können selbst Brutalitäten. Der Autor Harald Parigger zeigt viele Facetten dieses Mannes: den Blum. der schon mal etwas Ähnliches getan hat? Es sieht gar nicht gut aus für die Neue Katze.99 Euro Katie Davies: Das große Hamstermassaker Sauerländer Verlag 2011. Umgangssprachlich. ausgezehrt von den Entbehrungen. Man hat ihm erzählt.« –.und Jugendliteratur.48 12. Jahre gehen dahin mit der Flucht auf Straßen durch Osteuropa. Und dann dürfen zum Trost für alle doch zwei Hamster ins Haus. »Du und dein Bruder. Der Kölner Blum. wenn ihr ihn auch nur in die Nähe von der Neuen Katze lasst«. Erschüttert erkennt der junge Mann. Doch die todkranke Frau hält für den erwachsenen »Monsieur Blaise« bittere Wahrheiten bereit: über sich. Nicht ohne Humor endet fast jedes Kapitel mit einer kleinen lehrhaften Pointe. jagt alles (von nackten Zehen bis zu Klospülgeräuschen) und erschreckt andere Haustiere zu Tode. mit dem Schiff nach Westen zu gelangen. dass Katie Davies’ Buch Das große Hamstermassaker von Hamstern handelt und nicht von Meerschweinchen. dass seine französische Mutter ein Traumbild war und dass er das Glück des Lebens nur Glorias Liebe. der Freiheitsfreund. und er glaubt tatsächlich. Immer wieder holen die Kriegswirren der KaukasusUnruhen in den neunziger Jahren die beiden ein. Wohl eher ein Elternpaar. Die »Neue Katze« ist wild. Er ist ein Kümmerer. Oder die Verzweiflung. Auch vom paradiesischen Obstgarten ihrer Familie und Glorias Liebe zu Zem Zem lässt sich Kumaïl immer wieder berichten. die im romantisch gezeichneten rumänischen Zigeunerlager spielt. bitte! »Zeit der Wunder« erzählt das Drama einer politischen Flucht chheißebläsfortünuntichbinbürgaderfranzöschenrepublikdasisdiereinewaheit« – mit diesem mühsam auswendig gelernten Satz macht sich ein Junge aus dem Kaukasus auf den Weg nach Frankreich – ins Land der Freiheit und der Menschenrechte. Hamster kämen ihr schon wegen der »Neuen Katze« nicht ins Haus. was den Kindern noch schrecklicher vorkommt als Omas Tod: Alle acht Hamsterbabys werden in einer Nacht totgebissen – und Elternhamster Nummer 2 verschwindet aus dem Käfig. was und wer eine Mutter ist. Unterstützt werden sie dabei von Annas bester Freundin Susanne. Gloria und Kumaïl leben in einer Flüchtlingsunterkunft am Rande der Stadt Tbilissi in Georgien. Rotherham. einer pensionierten Kriminalbeamtin. lange in Erinnerung haftendes Bild vom Leid. der die Geschichte anschaulicher macht. tatsächlich: Denn nach ein paar Wochen werden acht winzige Hamsterbabys geboren. So wächst Kumaïl/Blaise in einer Welt voller Ungewissheit vom vertrauensvollen Kind zum zweifelnden Jugendlichen heran. Mord und Verrat glaubhaft Teil einer Flüchtlingsgeschichte werden. Witzig. 12. Meerschweinchen hingegen sind viel besser als Haustiere geeignet. eigentlich ist das ungerecht: Es ist auf jeden Fall ein großartiges Buch. die auch Freundschaft und die ersten Verliebtheiten kennt. schreibt Artikel. Glorias Erinnerungen aber reichen bis in die Zeit vor Kumaïls Geburt. November 1848.de/ funkhauseuropa Ein Freiheitsfreund Geschichte: Vom Leben des Robert Blum Brillante Politiker gibt es in der neueren deutschen Geschichte nicht so viele.20 Uhr. Kaschmirmantel). da ist sich Anna sicher. die Blaise erlebt. weint Annas Mutter viele Tage lang. Und dann geschieht etwas. Die Grausamkeiten. der auf der Straße lebt. Redaktion: Libuse Cerna. ein sanfter und kämpferischer Menschenfreund und Familienvater – ein Vorbild. Deutschland ist in dieser Zeit ein Staatenbund mit vielen Fürsten. wie ihre Antwort auf die Frage. die Lungen vergiftet von der Arbeit auf dem Müllberg. Nur Gloria gibt ihm Schutz und spielt herunter. später staunend. gefühlvollen Jungen – zunächst naiv. vor allem aber den Wundern einer gelungenen Befreiung. die für Einheit und Freiheit kämpfen. Die 1971 geborene. ist es ein großartiges Buch. einen Tag vor seinem 41. als er im Flughafen auf eine Maschine nach Tbilissi wartet: Er hofft. sie erzählt beispielhaft. was er sagt. wenn er endlich erkennt. schließlich einen gültigen französischen Pass besitzt und sogar ein Studium beginnt. Ein Buch gegen das Vergessen der frühen Demokraten. ob man im Krieg glücklich sein dürfe. Ironisch. sagen die Erwachsenen. Sie erlebt nicht mit. 207 Seiten. erschossen. An all dies erinnert sich der zwanzigjährige Blaise. Blum wird verhaftet. Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder Aus dem Französischen von Maja von Vogel Carlsen Verlag 2011. erfährt der Leser aus dem Blickwinkel des klugen. wenn ihn die Sehnsucht nach seiner französischen Mutter packt. Beide sind Weibchen. Die Tragödie seiner Beschützerin und ihres tschetschenischen Geliebten hatte er nicht gekannt. Sie können viele interessante Geräusche machen. 188 Seiten. Dafür. trauriger Teil des Buches). Eingestreut sind Sachkapitel zur sozialen Not etwa oder zur Märzrevolution. Als Oma stirbt (ein sehr stiller. Man erfährt zum Beispiel. die oft mit Willkür regieren. Frankreich ist das Land der Freiheit für den russisch-tschetschenischen Jungen mit dem gefälschten Pass. Es ist spannend. außerdem gibt es Zeittafel und Glossar. Aber Anna. Bondoux und ihrer guten Übersetzerin Maja von Vogel gelingt es. Oder werden von Schiebetüren zerquetscht. Damals gab es eine Revolution – und Robert Blum war einer der Kämpfer für Freiheit und Demokratie. er habe in dieser Familie nicht die Hosen an und Annas Mutter müsse entscheiden. kann über seine Rettung eine wunderbare Geschichten erzählen. scherzhaft: eine schwere Niederlage. VON SUSANNE GASCHKE ab 8 Jahren Harald Parigger: 1848 – Robert Blum und die Revolution der vergessenen Demokraten Arena Verlag 2011. um dem Kind eine Überlebenschance in einem freien Land zu ermöglichen. der kämpft und spricht. was Massaker bedeutet. Der Leser erhält dadurch ein authentisches. die sie über den Landweg nach Frankreich bringen wollten. Die Autorin erzählt in drei Zeitebenen: In der Gegenwart wird der erwachsene Blaise Fortune mit seiner wahren Identität konfrontiert. zuletzt ratlos und suchend. 9. So steht es im Lexikon. Blutbad. die Gefühle von Blaise und Gloria zum Mittelpunkt und zum Erklärungsmuster eines politischen Dramas zu machen. die verbotenen Farben. Oma ist es. Später kommen sie auf einer vergifteten Müllhalde unter. Der Junge heißt Kumaïl. ein Auf. Die wundersame Rettung des »Monsieur Blaise« ruft nicht nur französischen Lesern ins Bewusstsein. Einer aber leuchtet: Robert Blum. wie auch den Blum.und Einmischer. was in unserer von regionalen Kämpfen heimgesuchten Welt täglich tausendfach geschieht: Eine Frau mit durchaus problematischer Rebellen-Vergangenheit und ein kleiner Junge machen sich auf den Weg. Annas Mutter sagt. verschaffen dem Leser eher unterhaltsame Lektüre. Anna und ihr kleiner Bruder Tom wünschen sich sehnlichst einen Hamster.& JUGENDBUCH Ein neues Leben. Doch als der Junge endlich vor französischen Zöllnern seine Identität bekennen kann – »Ich bin Blaise Fortune und ich bin Bürger der VON BIRGIT DANKERT a b 14 Jahren I So sieht die Innenseite eines französischen Reisepasses aus französischen Republik . Schleuser.radiobremen. Ihre Geschichte ist keine Dokumentation. . wie er in langen acht Jahren fließend Französisch lernt. ihn umsorgt und aufmuntert. erfolgreiche und vielseitige Kinder.. Massaker allgemein: Gemetzel. er sei Franzose. Oder nein. Lehrreich.. ihr könnt den Hamster auch gleich umbringen. wie hoch die von uns oft für selbstverständlich gehaltenen Werte der Demokratie dort eingeschätzt werden. »Glücklich sein wird zu jeder Zeit empfohlen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KINDER. besonders im Sport. stellt Radio Bremen das Buch vor. seit 1832 in Leipzig zu Hause. Tom und Susanne wollen das nicht glauben. die den Kindern erklärt. die ihren Schützling »Monsieur Blaise« nennt. Er wurde am 9. Das ist ein gelungener Kunstgriff. Auch den Pass habe sie mitgenommen. hält Reden. auf den Barrikaden in Wien. Das gelingt tatsächlich. Sie tragen Schwarz-Rot-Gold. ihren erfundenen Geschichten und ihrem klugen Fluchtplan zu verdanken hat. wie krank sie selbst ist. Darin steht der Name Blaise Fortune. Kurzweilig ist die Lektüre über das letzte Lebensjahr Blums. angeblich.90 Euro Luchs Nº 292 Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder. Sie erkennen auf lange Distanzen. Die alten Mächte siegen. Mai. Die politisch geschulte Gloria hat die Voraussetzungen dafür geschaffen.. Sie sind robust.

Einer Öffentlichkeit. Handlungen werden im Hinblick auf die Realisierung eigener Prinzipien bewertet. die ihn zusätzlich mit einem Preis ehrt. jeder müsse mit dem Umweltschutz vor der eigenen Haustür anfangen. wenn man etwa belehrt wird. ihn in Iran vorführen zu dürfen. doch in vielen Berichten war fortan zu lesen. Die Forde- rung. auf dem Balkon mit Blick über Teheran. als die Kanzlerin angesichts der Tötung von Osama bin Laden ihre Freude bekundete. Es ist unsere Pflicht. reformulierte gar den kategorischen Imperativ dahingehend. Dieser sollte in moralischer Hinsicht sowohl den frivolen Höfling als auch den mit realpolitischem Zynismus handelnden Herrscher überstrahlen. daß Gesetzestreue sich nicht darin erschöpft. die sich vom Schmutz der Politik unberührt glaubte. und der Traum. der Afghanistan-Einsatz gilt als bedenklich.smetek. das Kino am Leben zu erhalten. Über einen deutschen Reflex VON ADAM SOBOCZYNSKI ie achtziger Jahre sind womöglich nicht nur in modischer Hinsicht zurückgekehrt. um welche Gebete es sich des Schönheitshandelte. auch die Insignien. wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte. haben uns motiviert. mit Atomkraftwerken Geld zu verdienen – eine Abwägung von Risiken darf dann gar nicht mehr angestellt werden. Im Reich der Moral residierte die Kritik. Deutschland keineswegs zu einer moralischen Anstalt gemacht. Der Gesinnungsethiker ist verführt. »Unsere Probleme sind auch unser ganzer Besitz. 62 12. als hätten die sogenannte Spaßgesellschaft. in dem der Regisseur vom endlosen Warten auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens erzählt.FEUILLETON Im Geisterreich der Moral Schon baumeln wieder die Anti-AKW-Buttons an den Kinderwagen. Ein Gesinnungsethiker fragt sich nach der Tötung eines Terroristen. organisiere eine Unterschriftenliste. dieses Handeln billigen würde«. hätten im Falle einer deutschen Beteiligung muntere Antikriegsdemonstrationen stattgefunden. Ein Verantwortungsethiker vermag politisch zu handeln. einander offenbar widerstreitenden Behörden Zugeständnisse abzuluchsen. in Cannes würden Filme der Häftlinge gezeigt. ob die Tat gegen seine Prinzipien verstößt. als sei man selbst der Schöpfer der Gesetze. in Deutschland tatsächlich sehr verbreitete Vorstellung zurückführen. Aber die Sache wird noch komplizierter: Mohammed Rasoulof hat für seinen Film Bé Omid é Didar (Auf Wiedersehen) sogar eine offizielle Drehgenehmigung der Behörden bekommen. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus. was Rasoulof im Winter versucht hat.« Der Schritt der beiden. Die Aufklärungsschriften propagierten mit Pathos die Sittlichkeit des Bürgers. Panahis neues Werk – ohne Genehmigung entstanden – ist noch direkter autobiografisch: In Film Nist (Dies ist kein Film) ist eine Art filmisches Tagebuch. Realpolitik wird gefürchtet. Umso wichtiger ist es. auf dem Sofa. den Gesetzen zu folgen.de D chen der Frauenunterdrückung in unserer Gesellschaft. weit zurück und kann bei Bedarf. . Und vermutlich war die Furcht der Regierenden vor einem Bundeswehreinsatz in Libyen auch nicht unberechtigt: Niemand wäre sonderlich verwundert gewesen. da er Optionen abwägt. Solch einen Film zu erlauben. in ihrer unklaren Situation mit neuen Filmen an die Weltöffentlichkeit zu gehen. ob diese hinreichend vorteilhaft sind. Osama bin Laden hätte nicht getötet werden dürfen. Man sieht ihn in seiner Wohnung.zeit. der wird sogleich entlarvt als jemand. Zur Erinnerung: Die iranischen Regisseure waren 2010 in Teheran verhaftet worden und wegen »propagandistischer Aktivitäten« zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden. Historisch besehen. wird für den Regisseur so wichtig wie ein gutes Drehbuch. Hans Frank. denen man gehorcht«. der ein Visum zum Verlassen des Landes zu ergattern sucht – genau das. Die Moral ist offenbar eine Kraft. der 38-Jährige habe dafür Kompromisse mit dem Regime gemacht. Vor dem Richterstuhl reiner Mo- N E thik in Deutschland ist traditionsgemäß Gesinnungsethik. Beide Regisseure sind seit ihrer Verurteilung auf freiem Fuß und warten auf den Ausgang des Berufungsverfahrens. Kritik erlag damit dem »Schein ihrer Neutralität« (Reinhart Koselleck). »auf die eigentümliche. Der »Atomkraft? Nein Danke«-Button wird wieder ganz unironisch an Kinderwagen und Blusen geheftet. wie man gerade verwundert sieht. sondern den eigenen Willen mit dem Geist des Gesetzes zu identifizieren. klingt noch heute mit. der die Bundesrepublik über lange Zeit prägte. »Die Tatsache. nicht nur den Buchstaben des Gesetzes zu gehorchen und sich so in den Grenzen der Legalität zu halten. das man in der Aufklärung auf die Sittlichkeit richtete. Die Kunst. man nimmt teil am Protest gegen Stuttgart 21 und empfindet auch wieder moralische Überlegenheit angesichts der hässlichen Realpolitik: Die Irritation jedenfalls war groß. Lebensgewohnheiten und Einstellungen des neuen Bürgertums scheinen sich gespensterhaft an die Tradition der alten Bundesrepublik zu schmiegen. Wem solch lediglich individuelle. wobei sie ke als ein Zeichen nicht sagten. sondern so zu handeln verlangt. benheit der GesellDiskussionen und Gebeten« dazu schaft: die Schminentschlossen. 52 GLAUBEN & ZWEIFELN Islam: Reaktionen auf den Tod Osama bin Ladens S. warum hast du mich verlassen?« stellung als Zei- LITERATUR Zum hundertsten Geburtstag von Max Frisch S. Dass Öffentlichkeit ihm helfe und nicht schade. inzwischen hat er sein Werk beim Kulturministerium eingereicht: Er bemüht sich um die Erlaubnis. Friedens. LEKTÜRE sobald in Nairobi jemand beZUR LAGE nachteiligt sei. Wie aber konnten sie da Filme von 100 (Rasoulof) und 75 Minuten Länge (Panahi) drehen? Der Fall zeigt. dass man so handeln solle. Der Generalgouverneur des besetzten Polens. sich zu trennen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 49 FILMFESTSPIELE IN CANNES Von wegen mundtot! Trotz Berufsverbots haben iranische Regisseure neue Filme gedreht Es ist eine echte Sensation: Die Filmfestspiele in Cannes werden neue Filme von Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof zeigen. Jahrhunderts wurzelten. dass wir am Leben sind. hat Panahi selbst immer wieder betont. die es auch prinzipiell für verantwortungslos hält. zeugt von außerordentlichem Mut – und davon. Kreuz gedacht hat: »Mein Gott. Der Verantwortungsethiker hingegen räsoniert über die Folgen der Tat und fragt sich. Sie legten Berufung gegen das Urteil ein. »daß der Führer. Wer nun denkt. Jahrhundert konstituierenden bürgerlichen Gesellschaft. Der moralische Überschwang der Nachkriegsgesellschaft schien jedenfalls gründlich überwunden. Dieser verbarg mit dem Verweis auf Moral nur notdürftig die eigenen handfesten Interessen. Auch nicht. um sie zu verantworten. so das in die Jahre gekommene und vielfach missbrauchte Klischee. Für den Augenblick ist man jedenfalls eher wieder verführt. das starke Augenmerk. Nun wäre es Kant natürlich niemals in den Sinn gekommen. Harald Schmidts heitere Angriffe auf die Political Correctness oder die popliterarische Feier der Oberfläche und der Warenwelt längst einen Mentalitätswechsel herbeigeführt. Im Sande verlaufen kann das Verfahren gegen die beiden nun nicht mehr. Doch. dass die Kunst nur ganz schwer mundtot zu machen ist. CHRISTOF SIEMES un reicht der moralische Idealismus. einer Revolution abgeneigt. hat. Er gehörte bereits zur Grundausstattung der sich im 18. zur Scheinheiligkeit – wie ehrenwert die Ziele der Aufklärer auch sein mochten. dessen beständige Gewissensbefragung und anklagende Innerlichkeit unverkennbar in der pietistischen Tradition des 18. zeigt vor allem eins: Willkür und totale Verunsicherung sind die perfidesten Kontrollmethoden des Regimes. um das Mindeste zu sagen. mein die MissionarsGott. das Politische per se als verlogen zu empfinden und im Geisterreich der Moral es sich bequem einzurichten. Witze über Müsliesser. Das deutsche Bürgertum. der Schwule als Opfer der Zwangsheterosexualität in unserer Gesellschaft – und so weiter. nicht die Hoffnung zu verlieren. vorauseilende Anstrengungen nicht spontan einleuchten. Es galt ihm seinerzeit alles als ZeiMaria Shriver und Arnold chen für die VerdorSchwarzenegger haben sich »nach langem Nachdenken. sie wurde zur Hypokrisie. der angeblich kein kritisches Bewusstsein entwickelt hat. www. Als Angela Merkel ihre Freude über Osama bin Ladens Tötung bekundete. ob nun Shriver wahns in unseoder Schwarzenegger an Jesu Worte am rer Gesellschaft. Der Gutmensch.de/audio Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. auch wieder aus der Versenkung geholt werden. mit der die »Endlösung« in Gang gesetzt wurde. In Libyen will man nicht militärisch helfen. schreibt Panahi in einem Brief an die Festivalleitung. Selbst Kollegen der Verurteilten in Iran finden die sensationsheischenden Meldungen. einen Leguan auf der Schulter. sprach sie offenkundig als Verantwortungsethikerin und sah sich mit einer gesinnungsethisch gepolten Öffentlichkeit konfrontiert. immer wieder an ihr Schicksal zu erinnern. die beiden seien in Haft. wirkte politisch lediglich indirekt: indem es die Welt hygienisch aufteilte in ein Reich der Moral und ein Reich der Politik. so Hannah Arendt. ungeachtet der Handlungsfolgen. ral hatte der Fürst immer schon unrecht. Dieses Paradox zu verstehen hat uns geholfen.und Umweltaktivitäten galten zu Recht als arg angefault. die stets das Gute will und mithin das Böse schafft. wie undurchsichtig solche Vorgänge in einer Diktatur für Außenstehende bleiben. So wie jeder realpolitisch Handelnde oder auch nur Unverbitterte in den achtziger Jahren immer schon unrecht hatte gegenüber einem moralisch hochgerüsteten Bürger. Kritik am berüchtigten Gutmenschentum der Deutschen zu üben. »lächerlich«. sieht sich abermals getäuscht: Nach Angaben des Festivals erzählt der Film die Geschichte eines jungen Teheraner Anwalts. wie der moralische Diskurs in Deutschland mit nationalsozialistischen Überzeugungen bestens verschmelzen konnte. über die existierenden Grenzen des iranischen Kinos hinauszugehen«. das Prinzip des Handelns mit dem Prinzip des jeweiligen Gesetzgebers eines Landes in eins zu setzen. Seine Furchtlosigkeit sollte uns eine Verpflichtung sein. Hannah Arendt hat in ihrem Buch über Adolf Eichmann minutiös dargestellt. lasse sich viel von der peniblen Gründlichkeit. uns nicht besiegen zu lassen und Lösungen zu finden.

Er weint. Je härter dieser kapitalistische Imperativ zuschlägt. um. die hinter den Kulissen museums der Moderne. hier ist es bloß eine Metapher. im Erzgebirge geboren. so die Demonstranten. Mai Schicksals gebe – neue Gewalten. der seit 2006 die Armee gegen die Drogenkartelle einsetzt. Wie die anti. mal selbst gemacht. dass die Welt sehr langweilig ist. habe die Gewaltspirale ausgelöst.lungskommentar lautet allen Ernstes. was die DDR im besten Fall vom Westen unterscheidet. vielleicht auch nicht.n. ohne scharfes ana. der einst die faschistische SchickSchicksals sei von einer erdrückenden akasalsmythologie veredelt hatte und der demischen Korrektheit zum Schweigen genun auf dem Marbacher Weltwebstuhl bracht worden und erst heute. denn Politik. Sebald. dem Einbruch der schick.und Küchentechnik dazugelernt. die Grenzen einer Remythisierung. und zwar auf das Schicksal glaubt. dass seine Liebsten. die auf unterlaufen. ken Götter. [M] Sascha Schuermann/dapd. indem sie seine rätselhafte Macht lautet. Der moderne Fußballer weint um den Verlust seiner Herzensliebe.« Und alle nicken sie wie die Esel. heißt es dann immer. Wissenschaftlern und Schriftstellern für die Bürgerrechtler der DDR zugänglich zu machen. wenn te Anstreichungen vorgenommen hat. mit Witz.zusammenhang des Lebendigen. Ludwig Mehlhorn hatte sich früh selbst die polnische Sprache beigebracht. Unfassbare am 3. so war auch das Schick. wer sehnte sich nicht nach der Einfachheit des Paradieses? Aber wir sind nun mal aus dem Garten Eden vertrieben und haben seither die ein oder andere Kultur. Am Wochenende führte Sicilia von dort aus einen mehrtägigen Schweigemarsch zum zentralen Platz der Hauptstadt. um dem kulinarischen Justemilieu. wie in die – jedenfalls in diesem Fall – mit philologischer sal einmal unsterblich. es verwundert daher nicht. in Berlin gestorben. Für die Mannschaft sollen sie sich aufopfern. sige Behauptung. anstatt dem immerwährenden Schicksals schnell in Teufels Küche. wenn sie denn kein landes rasch erzählt. das die NatioGottfried Benn.poetologisch zum Ministranten Heideggers erklärt. wahrscheinlich von einem Drogenkartell. Mal habe Celan die »philosophische Begründung einer Bis 28. aber was soll ich machen? Irgendwann muss sich das Individuum aus dem Kollektiv winden und egoistisch sein. was andere noch nicht oder nicht mehr sagen. der Mann aus Schalke. studierter Mathematiker. in der Nähe von MexikoStadt. wenn es aber zur Phrase von allen geworden ist. Dass sich vor den Wahlen im nächsten Jahr etwas ändert. danach Hilfspfleger. Literaturmuseum der Moderne.Versehen sind. Diese Sätze zeigen. dann wieder von Poetik« geliefert. denn aus der Schreibwerkstatt unter anderem Hannah Arendt ist genau dem geschichtvon Friedrich Nietzsche. dessen schlesisches Gut er in ein europäisches Begegnungszentrum umzuwandeln half. Schicksal. und wie herrlich es ist.sal erlitten. Ich würde so gerne hier bleiben. Ludwig Mehlhorn hat ein solches ostdeutsches Leben geführt: Arbeiterkind. Reiseverbot seit 1981. »weiterkommen«. das der Westen den Bürgerrechtlern des Ostens schuldet. Nuri Sahin. Es gibt keinen Grund. was wohl heißen soll: Die nachtragische Moderne macht aus Fortunas Ballwürfen eine däm. tief verstrickt. Sieben stellung dem Publikum sagen? Dass Hannah mal sieben unhintergehbare Dinge heißt Arendt einem metaphysischen Fatum entder Versuch des Marbacher Literaturkam.der. Carl Schmitt. an Scharlach sterben? über den Tod in Denkfiguren. IJOMA MANGOLD FUSSBALL Der Athlet weint Fußballer zu sein ist ein hartes Geschäft. Was soll das und Undurchschaute einen numinosen Dokument im Kontext einer Schicksals-Aussemantischen Trost. desto eher spüren die Spieler die engen Bande zu ihrem Verein. Das ist ja in der Tat köstlich. kamen zwei Aufklärer. die Reflexion des egger. G. ein Stück Brot mit sehr (das »sehr« wird dann in auffälligem Kontrast zur Haltung der Einfachheit ziemlich dick aufgetragen . gute Produktqualität. nach dem alle Schicksalsfäden in der Hand zu Untergang der schicksalsvergessenen Bunhalten scheint. den »nächsten Schritt« wagen. kommt das Schicksal von unten. Literatur ist das »Schicksal« nicht unterWohnen 317 West 95«. Alex Cruz/EPA/dpa Selten mischt sich ein Poet so vehement in die Politik ein wie der mexikanische Dichter Javier Sicilia. Das wäre mal ein neuer Ton. wie Sicilia beklagte. lichen Schicksal entronnen.. erst 61 Jahre alt. Deshalb wechseln beide nach Jahren den Verein. um Texte von Polens Oppositionellen.kapitalismus« und »Fukushima« hören. wie bei Walter Benjamin. Snobismus trägt dem enervierenden Umstand Rechnung. Der Herbst 1989 war ihm ein Tor nach Europa. Sahin geht nach Madrid. Deutungsreserve.: Chris Korner/DLA-Marbach W SPARGELSAISON Bitte mit Sauce hollandaise! Wir wollen hier kurz einmal das Wort ergreifen für eine Verteidigung des Snobismus. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LUDWIG MEHLHORN Es steht in den Sternen Das Marbacher »Literaturmuseum der Moderne« spekuliert über das »Schicksal« VON THOMAS ASSHEUER Am Tor zu Europa Es gibt wenige Biografien.ihn zuläuft« – den Tod als »Grundbefindlichkeit des Metapherngeschichte des Abend. wollen Sie sich einmal an Ihre Kücheninsel stellen und eine Sauce hollandaise montieren. von Waffengewalt ihr Beweismaterial sichtet und sichert. »No más sangre«. Der AusstelZitate. wenn es ums Essen geht. in dem der Dichter Paul Celan zar. die ihm Sein glauben an das Fatum jeden Kredit. wenn alle ständig dasselbe sagen. Moses und Christus. Titel gewinnen. damit Sie wieder vor Augen haben. kann man es vielleicht noch essen. Mitglied von Aktion Sühnezeichen seit 1969. die Metaphorik des Schicksals matischen Tiefenschichten verbrannt und hat ihren Thronsturz blendend überjede mythologisierende Rede über »Schicklebt. Beide haben bei der Pressekonferenz geweint. Es trägt zur semantischen Biodiversität bei.50 12. Heidegger »Schicksal. Berufsverbot 1985. Alles kann gar nicht schlicht und ursprünglich genug sein! Hauptsache. die sich oft von Herzen fremd sind. des Widerstandskreises um den Grafen Moltke.u. aber dazwischen gibt Wirklich? Nachdem Generationen von Stues immer wieder einen hellen klaren denten mit Goethes und Benjamins. thogen und dunkel. dann ist es. Sie halten jenes Gefühl politischer Dankbarkeit wach. Ernst Jünger. sie behauptet auch. Zerrissen sind sie zwischen der turbokapitalistischen Welt ihrer Manager und dem Identifikationsverlangen ihrer Fans. KILIAN TROTIER Nuri Sahin muss leider nach Madrid DROGENKRIEG »Kein Blut mehr« Fotos (v. kämpfen. Jetzt ist Ludwig Mehlhorn. als wolle er sagen: Ach.Gott nicht verhindert worden: Wie kann der All. kann den modernen Schicksalhaften Zeit in das moderne Spiel.o. und vor allem in der Oder ein anderes Beispiel. was Ostdeutschland. Strauß. Das sind salskugel.. dieses Geschäft ist so grausam. Beide sind vor die Presse getreten. und etwa hunderttausend Bürger folgten ihm. desto eher beglaubigen die Tränen ihre Worte. der bislang etwa 40 000 Menschen das Leben kostete. Und nur wer nicht an mehr – auf Heideggers Sein und Zeit. Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen statt. Diese Frage gen. zwischen Kapitalismus und Moral. glaubt aber niemand. so ist die oben. von Kreuzberg bis Sachsenhausen: »Also ich esse zum Spargel ja nie Sauce hollandaise. das Fatum aufder Geschichte ihr zeitloses Wesen treibt? erstehen zu lassen – mit kleinen Stücken Das kann man gewiss nicht meinen. der Schuld. Neuer vielleicht zu den Bayern. Ich meine. Katalog 15 Euro Abb. wie viel an Geschick und Fingerspitzengefühl in eine solche Sauce eingeht. ermordet wurde. Da tönt es vom Glockenbachviertel bis nach Eppendorf. sie sprechen von einer Schuld. standslos auf Tuchfühlung gebracht werden. telegrafiert Hannah zukriegen und spendet dem Leser als Arendt an Günter Anders nach langer Flucht Chiffre für das Ungeheure. schließlich war der April mit über 1400 Toten der blutigste Monat im mexikanischen Drogenkrieg – ein Krieg. sonErnst ins Auge zu sehen. dass sein Interesse der politischen Gedankenwelt der Kreisauer galt. kuriose Fundstücke wie Friedrich Thomas Manns und Hans Blumenbergs Kittlers handgelöteten Synthesizer. einer Macht. über die Vernichtung der europäiChristus schwimmt das Schicksal unbeschen Juden. »die den Tod voraussetzt und auf Marbach.): Michael Weber/imagebroker/mauritius images.) gutem Olivenöl tue es auch. Dann aber einem Brief des Dichters Friedrich Rückert. und vielleicht geht es auch nicht anders. Martin Walser und – obendrüZwischen den Zeilen verbreitet die Ausber und mittendrin – Martin Heidstellung den Eindruck. ob es nicht eine moderne Gestalt des freundlich anerkennen – und dadurch Planetenbild des Schriftstellers W. dass ihnen die einfachen Genüsse die liebsten seien. Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge«. ein Licht aufzusetzen. aber nicht mehr hören! Besonders schlimm ist es in der Spargelzeit. wenn die Emulsion aus Eigelb. Tatsächlich spreum ein berühmtes Wort von Heinrich chen Celans Gedichte über millionenfachen Heine abzuwandeln: Seit Moses und Mord.salsmächten in den Arm fallen. dessen Sohn kürzlich in Cuernavaca.Daseins«. »Sind gerettet. Mal ist das Schick.Leitbegriff »Wende« stößt der Betrachter – einmal dern sind selbst fabriziert. Mitbegründer von Demokratie Jetzt im September 1989. dürfe man wieder frei und Die Atmosphäre ist entsprechend myunbefangen über das große Dunkle reden. Butter und Zitrone im Wasserbad glückt und nicht zerfällt. der.lytisches Besteck kommt man auf dem Feld des die Menetekel der Moderne. Über allen sieben Vitrinen 1944 im Allgäu geboren wurde und 2001 tödlich verunglückte die Namen »Klimakatastrophe«. dort Metaphy. Und beim nächsten Businesslunch bestellen Sie dann bitte lauthals Sauce hollandaise. desrepublik.jenes Exemplar. seine Kin. Nun ein kleiner Tipp zur Anwendung. und be. an denen man wie im Prisma erkennt. Und: Bitte keine molekulare Küche. August. weil er sich so zerrissen fühlt zwischen inkompatiblen Systemen. dass die Ausstellung den Juden Celan siegelten das Schicksal des Schicksals. Bunt purzeln die Schicksalsbegriffe durcheinan. der Dortmunder. für den er sich selbst entschieden hat. Botho nalsozialisten für Juden vorgesehen hatten. Der moderne Fußballer weint. Geneigter Leser. Das ist simpel. Deswegen versucht der Snob das zu sagen. ELISABETH VON THADDEN as das »Schicksal« angeht. Erst Calderóns »Krieg gegen die Drogen«. RoMythosbegriffen erkenntnisdienlich behanbert Gernhardts Stachelschweinborsten delt wurden. Genauso wie Manuel Neuer. Armee und Drogenmafia sind. bekennender Protestant. Ganz einfach und klar. sie schrammt auch an der die dem Schicksal ein Schnippchen schlaentscheidenden Frage vorbei. sondern nur Butter. Gleichzeitig müssen sie kühl ihre Karriereplanung »vorantreiben«. möchte ein ganz Großer werden.sik oder. Seit einigen Jahren sagen alle. Schillerhöhe 8 bis 10. Celan schreibe nach Auschwitz die Götter vom Thron und entzogen dem Aber. »Finanzflackert eine himmlische Disco-SchickUnd doch: Ohne Kompass. dem vernagelsten von allen. wiesen in seinem Blut. der am 18. Weißwein. ist das nicht nur eine waghaloder herzbewegend aufgeklärte Texte. das zu verleugnen. immun gegen die Varianten kommunistischer Weltdeutung. in seiner Wirkung aber wohltuend. Er war Christ.Nicht nur. umso offener für den genuin polnischen Weg in die Demokratie und für die zivile Verständigung mit den Gesellschaften Osteuropas. aber sie entsteigen liche Pop-Kugel. JOHANNES THUMFART In Mexiko-Stadt: Protest der Bürger gegen die Gewalt . Mai 1941 aus New York. Unter dem nicht dem Opferrauch der Seinsgeschichte. forderten sie – »kein Blut mehr«. Es bleibt eine zentrale kulturelle sal« unmöglich gemacht hat. Die Kritik galt insbesondere Präsident Calderón. die die deutsche Sprache bis in ihre gramIndes. Oder und Zeit vorgegeben habe. Sie stürzten mächtige es zulassen.

wo man ein Mikro aufstellt und die Leute befragt. Eindrücke aus der eigenen Lebensrealität – daraus formt sich ein Weltbild. ZEIT: Warum reicht es nicht zu zeigen. Er kommt in die achte Staffel. für die es gemacht ist. der Menschenunwürdiges zeigt und dokumentiert? Auch wir haben die Szene intern lange diskutiert. der sich im Garten einen Atombunker baut? Schäferkordt: Natürlich finden Sie vor allem in den Soaps wieder. dass sich für die Realität ausgibt.). als Zuschauer. Dinge zu skandalisieren. obwohl es ständig Anfragen dafür gibt. Friese/RTL. Da ganz kurzfristig auf politische Ereignisse zu setzen.. Aber natürlich kommt überall. haben Sie leicht lachen. wir gaukelten etwas vor. Die treiben täglich eine Sau durchs Dorf. dass es den meisten Zuschauern völlig egal ist. ist es mir. ZEIT: Dennoch verhelfen Sie Themen zu einer enormen Sichtbarkeit. Es gibt sehr viele Grenzen. Radio. denn der Frosch war. Schäferkordt: Schon klar. Darin waren wir immer am besten: aus Fehlern zu lernen. Wirtschaftlich ist es kein großer Erfolg. was täglich vermutlich tau- über die Kandidaten machen! Vor allem nehmen wir uns selbst mal richtig auf die Schippe. bei dem wir an den Quotenverläufen genau sehen. ist doch mitunter fragwürdig. Schäferkordt: Sein offizieller Name war übrigens Freddy. schauen hinab auf die armen Würste unten im Dschungel und machen sich darüber lustig. aber sicher keinen vor der Kamera. Natürlich ist die Erzählweise dabei verdichtet. Dazu gehört. wo die Realität sich einem Drehbuch fügt. Schäferkordt: Natürlich sind die Sehbedürfnisse der Zuschauer nicht eindeutig. dass es erst unserer Sendungen bedarf. aber wir kennzeichnen das auch entsprechend. Ich kann mich nicht auf die Hohe Straße in Köln stellen und fragen: Was willst du sehen. ob im Genre Real Life oder auch in der fiktionalen Unterhaltung. dass ich Geld dafür bezahlt habe. ZEIT: Wir wollen das ja auch gar nicht. in Wirklichkeit aber nur entlang von Klischees über die Wirklichkeit erfunden wurde. ehrlich gesagt. Da haben Sie Grenzen überschritten. dass er weiß. Schäferkordt: Wenn ich da kurz widersprechen darf: Es wäre der größte Fehler. was Sie nicht mehr zeigen. ZEIT: Sonst müssten Sie sich hinterher womöglich noch wie die »Dschungelcamp«-Bewohner beschweren. Zuschriften. ob Sie selber ins Camp gehen würden. Das Gespräch führten ANNA MAROHN und CHRISTOF SIEMES Fotos: Thomas Rabsch/RTL (o. Schäferkordt: In einen Stahlhelm. Nun gibt es einen Atom-GAU und Krieg in Libyen. und deshalb sendfach in deutschen Familien passiert.. Interessant wäre es sicher. heißt das doch nicht: So ist es in jedem Haushalt. der Journalist veräppelt mich. Sie fragen nur: Ist das eine Geschichte. was man alles an niederen Instinkten bei ihnen entsichern kann . würden wir dem. ist das schon ein Erfolg. Wir wollen das klären. bitte. die mich fesselt und unterhält? ZEIT: Aber es ist doch ein kategorialer Unterschied. die aber auch nicht nur für mich produziert werden. Wir liegen zurzeit bei einem Zuschauermarktanteil von über 19 Prozent. Schäferkordt: Das hängt vom Kritiker ab. obwohl es eine gute Quote verspricht? Schäferkordt: Das kann man pauschal nicht sagen. in den letzten Monaten durchaus im Gespräch. Nach einer großen Show ist es auch spannend. ZEIT: Schaffen Sie nicht manchmal auch Bedürfnisse? Die Zuschauer des »Dschungelcamps« haben vielleicht gar nicht gewusst. Fotos (Ausschnitte. Das wird alles wiederkommen. Schäferkordt: Natürlich. Jeden Tag treffen wir Einzelfallentscheidungen. dass auch Sie das grenzwertig finden. Schäferkordt: Sie unterstellen wieder. für müßig. Schäferkordt ist auch für Sender wie Vox und n-tv verantwortlich. mein Ausdruck war falsch: Ich wollte sagen. Das ist nicht so.r. wenn er sich für die Show bewirbt. nur wie oft und wie differenziert oder eben auch nicht wollen Sie die Diskussion führen? Sie können definitiv fragen.FEUILLETON 12. Mit öffentlicher Kritik bekommen sie noch einmal hohe Aufmerksamkeit. heißt es in der Presse: Riesenflop. reden wir darüber auch nicht. Es hat immer alles seine Vor. wie Sie leben. Damit die eigene Erwartungshaltung und auch die der Gesellschafter nicht zu hoch ist. dass die Geschichten gescriptet. dass ich nicht singen kann. Aber das Schöne ist ja: Das kriegen wir gratis! Im Ernst: Ganz so einfach ist es nicht. im Januar hatten Sie bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 21 Prozent. verleihen Ihnen eine neue Dimension. und das würde mich erschrecken. ZEIT: Wie finden Sie heraus. schalten die Zuschauer um. welches Thema interessiert. Bedeutet das nicht auch eine gewisse politische Macht? Schäferkordt: Ich kann oder möchte mir nicht vorstellen. mal loslassen zu wollen vom Alltag. Die Instinkte des Menschen können wir im Fernsehen so wenig beeinflussen wie Sie im Zeitungsbereich. Übrigens hat das auch die Hälfte aller Menschen getan. ob der Fickfrosch des Guten zu viel war. und das ist quer durch die Genres schon sehr vielfältig. das »Dschungelcamp«. So einen Zuschauer würden Sie kaum finden. Ein Großteil der Zuschauer hat das wahrgenommen. das Ergebnis fanden wir aber nicht so gut. und wir schicken Prominente dorthin. Wenn wir ein neues Format mit 16 Prozent Marktanteil starten. auf einem ähnlichen Niveau wie während der Krise 2009. Damit geht aber Hand in Hand. ZEIT: Wir haben uns nur gefragt.): Gregorowius/RTL. eine Idee von Dieter Bohlen. aber das glaub’ ich beim besten Willen nicht. es gibt kaum einen Sendeplatz. ZEIT: Für eine Folge der Super Nanny hat RTL gerade einen Bußgeldbescheid über 30 000 Euro erhalten. kommt vor. das man »gewünschtes Antwortverhalten« nennt: Bitte noch mehr Informationsangebote und Dokumentationen! Oder: Die barocke Oper findet viel zu wenig statt! Die Wahrscheinlichkeit. also geschrieben sind. ZEIT: In der jüngsten Staffel von DSDS gab es »Freddy Fickfrosch«. lieber Zuschauer? Und er sagt: Ich fände eine Unterhaltungsshow toll. den Zuschauer permanent zu unterschätzen. dass es von nun an nur noch bergab gehen kann? Schäferkordt: Ach Gott . ZEIT: Mitten in der Finanzkrise haben Sie gesagt. vielleicht auch eine politische Brisanz. dann machen Sie alles genau entgegen dem Kritikerwunsch – und sind erfolgreich. ob es um Nachrichten oder Unterhaltungsformate geht. die in den Dschungel gehen. Sie haben eine gesellschaftliche Verantwortung. aber das müssen wir nicht ausführen. was ihn erwartet. Spaß haben zu wollen. Das Managen von Erwartungshaltungen ist im Moment mit das Wichtigste. um genau das zu klären: Verletzt auch derjenige die Menschenwürde. Am Ende tun Sie das Gleiche wie wir: Sie erfüllen auch nur die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe. die nicht mein persönlicher Geschmack sind. Ich habe mich damals im Theater nur aufgeregt. die vorher noch nicht da waren! Ich würde uns zwar immer gern als einflussreich sehen. aber Sie werden lachen: Das mache ich gerne. Schäferkordt: Zumindest nachdem wir das produziert. Schäferkordt: Es gibt bestimmt Sachen. dann antworte ich: Nein. es ist das Konzept dieses Formats. ZEIT: Nehmen wir Bild – da sind wir auf halbwegs neutralem Gelände. Wenn wir Fernsehen für Sie machen würden. ZEIT: Ein konkretes Beispiel. wann und mit welchem Grund in unser Programm eingegriffen wird. die Wahrscheinlichkeit. Im Moment sucht der Zuschauer diesen Ausgleich verstärkt. das besagt. ist aber okay? Schäferkordt: Das ist in vielen Ländern eine Delikatesse! Es ist einfach. auch im Gespräch mit der Kommission. ob ich von etwas Erfundenem gut unterhalten werde oder von etwas. Zudem kann man fragen. Wie machen Sie das? Schäferkordt: Wir interessieren uns für unsere Zuschauer und nehmen sie ernst. Das ist auch zynisch. sich mal nur gut unterhalten zu fühlen. ZEIT: Sie haben sich mal über eine Aufführung im Kölner Theater aufgeregt. Wir würden Fernsehen für eine kleine. Können Sie sich überhaupt noch steigern? Schäferkordt: Nein. welche Grenzen wir uns setzen: was zeigen wir. Zudem bekommen wir über tägliche Magazine wie Punkt 12 ein Feedback. nicht mehr gerecht werden. Angesichts unseres derzeitigen Erfolgs sind wir in einer Verteidigungshaltung. dass der Zuschauer auch loslassen will. Auch wir werden unsere Baustellen im Programm bekommen und daraus lernen müssen. Schäferkordt: Nein. Sie haben gefragt. Unsere Zuschauer haben zunächst sehr viel Nachrichten geguckt. Aber ich distanziere mich deshalb nicht von unserem Format. Schäferkordt: Bitte! Sie glauben doch nicht. halte ich. getestet und erfolgreich platziert hätten. ZEIT: Natürlich! Wir vertreten nur die Wahrheit! Schäferkordt: Entschuldigung. ZEIT: Aber was wir vom Camp sehen. dieses Stück zu sehen. Bahn zu fahren und zu hören. und wir nehmen sie wahr. was ich zum Glück nicht bin. weil Sie den Frosch nicht gut finden. die komödiantische Aspekte bietet. die so oder so ähnlich stattgefunden haben oder stattfinden könnten. auch wenn Sie das jetzt weit von sich weisen. Bei großen Primetime-Serien dagegen sind die Produktionsvorläufe deutlich länger. So. was die Leute wollen? Reden Sie mit Ihrem Taxifahrer? Schäferkordt: Es ist jetzt nicht unser Hauptforschungsgebiet.und Nachteile. was zeigen wir nicht? Eine Diskussion über persönlichen Geschmack zu führen. ist sehr groß. Genau darum geht es eben nicht. den wir machen können – zu glauben. Wer solche Freunde hat. ZEIT: Solange es so gut läuft und gutes Geld verdient. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 51 Die Quotenfrau Angeblich weiß sie. ZEIT: Aber durch die hohen Quoten blasen Sie all die Themen auf. wäre ich der leitende Redakteur. Wir nehmen alle ernst. kl. wenn ich Sie an der Stelle enttäuschen muss – habe ich mich einfach köstlich amüsiert. Deutschland sucht den Superstar. der Frosch. Schäferkordt: Das sind komplett verschiedene Sendungen! ZEIT: Können die Zuschauer unterscheiden zwischen »echten« Fällen und den erfundenen? Schäferkordt: Ja. ZEIT: Den würden Sie sonst wohl einstellen. v. ZEIT: Sie könnten es ja als Undercover Boss versuchen. Aber wenn Ihre Frage dahin zielt. unser Leser hat ein Recht darauf zu erfahren. Schäferkordt: Die stellt sich definitiv nicht. Wenn die Spaghetti Bolognese beim Hartzler zu Hause unbedingt vom Bauch der Freundin gegessen werden müssen . Menne/RTL. Die Digitalisierung hat die Programmvielfalt unendlich gesteigert. die eine Zeit lang auf sich gestellt sind und mit der Kamera beobachtet werden. bewusst auszublenden. und die Zielgruppe. Gregorowius/RTL . die wir den ganzen Tag über beziehen. Sie lesen sie. dass man Ihnen übel mitgespielt habe.. anders entschieden hätte. Schauen Sie sich die US-Quoten an: Wenn ein Network in der Primetime elf Prozent erreicht. Beim »Dschungelcamp« – es tut mir leid. die gar nicht so skandalträchtig sind. ZEIT: Und? Schäferkordt: Montags morgens war DSDS. die »Super Nanny« und »Raus aus den Schulden« mit Peter Zwegat (von links). Aber das war ja nicht Ihre Frage. ein Kollege hat Sie neulich in einem Porträt als »wonder woman« der deutschen Medienlandschaft angehimmelt. Dazu kommen andere Medien wie die Tageszeitung. Schäferkordt: Ganz offen: Wenn das mein einziger Beweggrund zum Lachen wäre. Jeden Tag treffen wir in den Redaktionen diese Entscheidungen. was kann ein DSDS-Kandidat erwarten. Schäferkordt: Es gibt ja einen Grund. Das wirklich Interessante ist. Auf keinen Fall. Auch wenn ich hoch verschuldet wäre. Seit 2005 leitet sie die Mediengruppe RTL Deutschland Das funktioniert so nicht. aber keine ethische Diskussion. Anrufe.. ob es richtig ist. bei dem ich sagen würde: Wir könnten ihn einstellen und das Gegenteil von dem tun. erreichen wir automatisch vier Millionen Menschen.. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL DIE ZEIT: Frau Schäferkordt. Das Bild von der Gesellschaft formt sich aus der Gesamtheit der Informationen. 48. Aber auch formal geht es für uns um die nicht unwesentliche Frage. Mich drängt es nicht auf den Bildschirm. stellt sich wahrscheinlich nicht. offen gestanden. Einmal fiel dabei der schöne Satz: »Frau Schäferkordt. kann immer noch mehr sein. dort sehen wir schon eine Veränderung. N-tv hatte den erfolgreichsten Monat seiner Geschichte und den Marktanteil verdoppelt. ZEIT: Dass in Ihrem Programm Känguru-Hoden runtergewürgt werden. Schäferkordt: Dass Kandidaten hinterher manchmal sagen. dass wir sie zum Thema machen. ZEIT: Die Frage. Wir müssen vor allem realistisch bleiben. quer durch alle Bildungsschichten. Muss das sein? Schäferkordt: Das ist eine Geschmacksfrage. wie Sie richtig sagen. während der Castings eine Comicfigur. Schäferkordt: So einfach funktioniert es ja nicht. würde ich vielleicht einen Schuldenberater aufsuchen. ZEIT: Aber Ihr Sender ist nun einmal Marktführer. Anke Schäferkordt. Schäferkordt: Wir haben den Bescheid nicht akzeptiert und Einspruch erhoben. mit einer Show oder mit einer eher leichten Serie. Wir kriegen auch viel Zuschauerfeedback. Muss Ihr Programm jetzt noch seichter werden? Schäferkordt: Da muss man in die einzelnen Genres schauen. das virulent ist in der Gesellschaft. warum wir bestimmte Dinge nicht gezeigt haben. wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich gibt es auch Fälle. Das wäre vermessen. etwas heraus. ein bisschen verkürzt. das ist nicht so. einige Szenen verstießen gegen die Menschenwürde. In Zukunft wird der stärkste Sender nicht mehr einen Marktanteil von 20 Prozent haben. dass die Kandidaten nicht singen können? Muss man sie der Quote zuliebe auch noch demütigen? Wir unterstellen mal. das man dort zum Beispiel von Arbeitslosen vermittelt bekommt.. relativ elitäre Gruppe machen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Homestory gemacht. ZEIT: Wie gehen Sie mit Ihrer Verantwortung um? Wo verläuft die Grenze dessen. insgesamt unterstehen ihr knapp 2500 Mitarbeiter der mithilfe dieser Comicfigur die Kandidaten noch mehr durch den Kakao zieht. Als Marktführer haben wir eine besondere Verantwortung. oder? Anke Schäferkordt: Ich bin kein großer Freund von Artikeln über mich persönlich. von der das Publikum oft nicht wusste. dass ein Format in Menschen Instinkte produzieren kann. Aber ich kann mir ja schlecht – wie die Chefs in der Sendung – einen Bart wachsen lassen. Wir müssen schauen. war Controllerin bei Bertelsmann und Senderchefin bei Vox. das können sie sehr gut. die Leute wollen sich jetzt lieber entspannen und nicht so viel Konflikt im Programm. Schäferkordt: Das dürfte eher schwierig werden. Ich habe angemessenes Feedback. in der Politik ankommt. bei denen ich. ZEIT: Lesen Sie eigentlich Fernsehkritiken? Manchmal hat man das Gefühl. das würden wir natürlich nicht tun. Wir werden den Vorsprung nicht halten können auf lange Sicht. zwischen Kameras im neuen RTL-Studio in Köln. Schäferkordt: Auch nicht die gehobenen Instinkte? Da bin ich jetzt erstaunt. Das Format ist relativ teuer und der Januar nicht der werbeintensivste Monat.« Ich dachte erst. ZEIT: Haben die Ereignisse direkten Einfluss auf fiktionale Formate? Gibt es bald bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten einen notorischen Grünen-Wähler.l. ZEIT: Aber das Bild. was wir wollen. Ich würde auch nicht in einer Castingshow auftreten.n. Er war nicht mein persönlicher Favorit. ist ziemlich gering. ZEIT: Aber wo ist für Sie persönlich die Grenze? Würden Sie Hartz-IV-Empfänger im Rhein um einen Arbeitsplatz um die Wette schwimmen lassen? Schäferkordt: Nein. ist genauso eine Fiktion wie die »Scripted Reality« im Nachmittagsprogramm. auch wenn wir den einen oder anderen Witz Vier von Schäferkordts Erfolgsformaten: »Deutschland sucht den Superstar«. die ein nachhaltiges Interesse an Wahrheitsfindung haben. Wir zeigen Geschichten aus dem Alltag. die wir ziehen. braucht keine Feinde. ZEIT: Ist die Inszenierung beim »Dschungelcamp« nicht ein Sinnbild für die gesamte Haltung von RTL? Die Moderatoren stehen oben auf der Brücke. in Ihrem neuen Erfolgsformat. ZEIT: Aber ist es nicht ein blödes Gefühl.. wo wir nicht Marktführer sind. Wenn wir bei einem Thema danebenliegen oder es auf einem falschen Sendeplatz senden. Mit ihrem Informationsinteresse genauso wie mit ihrem Wunsch. was er empfiehlt. weil es so schön einfach ist. ZEIT: Dann lassen Sie uns über Ihr Geschäft reden: RTL ist klarer Marktführer. weil ich hier im Haus dann doch zu bekannt bin. aber er meinte es ernst. was wir den Zuschauern zeigen. dass Sie danach Ihr Programm gestalten und damit die Mehrheit der Zuschauer erreichen. Wenn Sie mich fragen: Würden wir alles tun für die Quote? Dann ist unsere Antwort: Nein. dass diese Sau überhaupt existiert. Sie bestimmen mit über den gesellschaftspolitischen Diskurs in Deutschland. weil wir den Stoff aufgreifen. Es ist extrem erfolgreich. Nur würde ich mich dabei von einer Kamera begleiten lassen? Nein. damit ein Thema. bei der auf der Bühne gepinkelt wurde. hat es extrem angesprochen. Die Kommission für Jugendmedienschutz findet. Jedes Medium hat sie. hätte ich an der Stelle nichts zu lachen gehabt. die an diesen Abenden in Deutschland Fernsehen geschaut hat. auch beim Gesamtpublikum liegen Sie deutlich vor ARD und ZDF. ZEIT: Wir fragen Sie als Gesamtverantwortliche für das RTL-Programm. Wenn Sie eine solche Geschichte zeigen.. was gerade in der Realität meist jüngerer Menschen relevant ist. ganz egal. ob die Politik Themen erst dadurch wahrnimmt. da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. Sie erfüllen die Bedürfnisse der Leser. Wollen wir es so machen? ZEIT: Ist Ihr momentaner Erfolg auch ein Fluch? Das kapitalistische Mantra lautet ja: Wo viel ist. was die Menschen reden. Es gibt den einen oder anderen. Es steht im Vorspann und im Abspann. Ob sich da gleich einer einen Atombunker baut? Das wäre am Vorabend wohl zu teuer . wie Sie das jetzt darstellen. Die Westfälin studierte Betriebswirtschaft. Solche Sender gibt es ja bereits. im australischen Dschungel spielt. ob ein Format wie DSDS Grenzen bewusst überschreitet. Die Frage kommt immer wieder. halte ich für einen Fehler.

so kurz und bündig wie auf einer Grabinschrift. den man las. »hoffe ich halt immer schon. Filmschauspielerin. aus Ironie Überlegenheit. und es gibt keine Hoffnung. Frisch-Frauen sind immer mondän. der sich an sein Heim und seine Kaffeetasse klammert. ehrlich genommen. die schöne Julika. die den Verlierer immer gewinnen lässt. auch sich selbst gegenüber. dass er wirklich noch so jung ist. des Frisch-Jahrhunderts. nach Texas. Wir sind auch nicht mehr die Bewohner von Umkleidekabinen. Nach Paris. noch gar kein Leben. Stillers wichtigstes Problem ist: er selber. Mai 1911 in Zürich. gestorben am 4. ihres backenbärtigen Paternalismus und ihres vitalistischen Pathos war. der literarisch groß auf die Pauke haut. Das ist bei strenger Betrachtung ganz und gar nicht mehr an der Klamotte vorbeigeschrammt. Da gibt es die Befremdlichkeiten im ersten Tagebuch aus den vierziger Jahren. Seine lebenslange Jugendlichkeit mag hier ihren Ursprung haben. dass wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. gar nichts Dringliches mehr einzuwenden wissen. Und das dem kleinen Mann. sich nicht auf weitschweifige Gefühligkeit einzulassen. Siehe auch Reisen Seite 63 . Wie eine Flaschenpost aus Märchenzeiten liest sich auch der nahezu verschollene Roman Antwort aus der Stille. Im Grunde. seine Heiterkeit. Fabers und Geisers. hat man missbilligend zur Kenntnis genommen. Sie stand ihren Benutzern weit offen. neue Leben. Einer. Mein Name sei Gantenbein. Das Haus von Biedermann brennt ab. und andere Grobheiten. und niemals anhalten. Hat mal jemand die Flugmeilen im Homo faber nachgezählt? Walter Faber. Dann aber mit allem divenhaften Drum und Dran. der Identitätsfragen und Rollenspiele. Es war auch nicht nur das Mantra seiner Figuren. Der die Enge der Heimat und der Herkunft mit der Menge der Geliebten und der Wohnsitze aufwiegt.und Verstellungskomödien und der Illusionskünste der deutschen Romantik. Dass Max Frisch 1991 gestorben ist. alles bauhausmäßig klar. von der »kein Weibsbild« einen Kerl abzubringen vermag. Die Frisch-Welt hatte mehr zu bieten. sondern nur ein Dasein. Sie verleiht ihren Helden. hoffe ich doch in allem auf Verwandlung. Woran liegt das? Auf den ersten Blick ließen sich leichte Erklärungen finden. Dazu sind sie – auch im literaturpolizeilichen Sinn – zu unbedeutsam. Italien und Griechenland. Weltreisende. dessen Prinzip Hoffnung 1959 erschien. wenn man sich und der Welt noch viel zutraut. die »Statthalterin der Utopie« sein sollte. Einer Utopie. Der Mensch erscheint im Holozän –. was er gegen seine Ehefrau. hinter er erste Impuls: Man glaubt ihm die hundert Jahre nicht. im Letzten nicht unversöhnliche Melancholie gehört zur Dialektik einer fortschrittlichen Literatur. Was Frisch rettet aus der Peinlichkeit dieser Aufsteiger-Prahlerei. Immer wieder in den Romanen. die Frisch so jung machen. neue Häuser. Contessa oder Staatsanwaltsgattin. Er sagte: »Wir leben auf einem laufenden Band. Der Frisch-Erzähler findet sich grundsätzlich lächerlich. Er habe. in eine knappe Sentenz gefasst: »Ich bin. nach Guatemala und so weiter. Diese Sehnsucht nach einem bedeutsameren Leben als dem. das »sich formen lässt von jedem. sondern auch ein Erbe der vorletzten Jahrhundertwende. Oder auch nur ein Fluchtbedürfnis. Sie benehmen sich auch so. heißt es im Stiller. die zugegeben ein bisschen fünfziger-Jahre-steif ist mit Kostüm und Handtasche und immer höflich und adrett. zuweilen geneigt. seine Träume. als man selber jung war und auch nicht erwachsen werden wollte. reist mit seiner jungen Liebschaft durch Frankreich. wie er es immer sein wollte. dass man Frisch und seinen Helden gewogen bleibt. Stiller. Einer. Der Roman galt als das Paradestück der damals groß in Mode kommenden Ich-Diffusion. das man überall (und sehr bald auch auf den Schlachtfeldern) suchte.« Stiller. Zürich Max Frisch auf der Boccia-Bahn seines Hauses in Berzona. verbarrikadiert sich in seinem Schweizer Bergdorf und baut Pagoden aus Knäckebroten. Für uns war und blieb er der Autor einer Lebensdringlichkeit. daß ich eben durch diese Einsicht kein nichtiger Mensch mehr sei. über den widerstandslosen Charakter des »Weibes«. abzubrechen oder ironisch zu werden. Stiller ist noch immer ein bewundernswertes Buch voller hinreißender ironischer Sentimentalität. Heliosstraße 31. Dass er gegen dieses Alter aufbegehrte mit immer imposanteren Automobilen. Ernst Bloch. aber niemals kleine Männer sind. der da kommt«. die. Ein Herr White mit amerikanischer Vergangenheit wäre ihm lieber als ein Herr Stiller aus Zürich. als ich es bin? Es sind diese Fragen.52 12. Frisch wusste es selbst und hat nicht ohne Ironie davon gesprochen: Er blieb ein Leben lang der Kleinbürger. nach vollzogenem Inzest an einem Schlangenbiss (ernsthaft: Schlangenbiss!) verendet ist. vielen so gegangen sein. Faber bekommt Magenkrebs. die gealtert sind und die den Toten plötzlich für geradezu unverschämt jung halten. geboren am 15. die großen Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens – Tagebuch 1946-1949. Liest man den Roman heute. Frisch ließ das Buch 1937 in NaziDeutschland publizieren und hat es später nicht in seine Gesammelten Werke aufgenommen. in denen man neue Leben anprobiert wie Kleider. nach Mexiko. der das Erwachsenwerden ablehnte. als die sich die erste Geliebte entpuppt hat. Ein. die Nichtigkeit noch für das Beste am Menschen zu halten. was sich dieser Anatol Ludwig Stiller von der Verwandlung in einen Mister White versprochen hat. Das mag. Aber es ist ein Buch.« Ein schöner Schlusssatz ist das. wenn dieser auf der Suche nach dem »wirklichen Leben« ist. Nicht weil er. die »pflanzenhaft vor sich hin dösen«. Tagebuch 1966-1971. Aber ich habe mich nicht. Auch hier setzt er auf erzählerische Dialektik. »Neureicher« im Leben und im Schreiben. ist ein Wiedersehen mit sanftem Schrecken. Auch begreift man nicht mehr. Seitenlang sitzt man in der Boutique und begutachtet Dior-Kostüme. ein neues Ich. seitdem wir an diese Utopie nicht mehr glauben. auf Flucht. Er fasst das literarische und biografische Programm des Autors in zehn Wörtern zusammen: Er war einfach nicht bereit. schon damals den Rückzug aufs Private. ein Schweizer Herr mit Hamsterbacken und Krötenhals. in den Tagebüchern sitzt man im Flugzeug. Aber das stört nicht. Geiser. Natürlich geht dennoch alles vorbildlich schlecht aus in Frischs Theaterstücken und Romanen. eine neue Existenz zu wählen im Warenhaus der literarischen und philosophischen Lebensentwürfe. seitdem die Selbstverwirklichung überall im Sonderangebot zu haben ist. Frisch ist doch immer jung gewesen. Wie wollen wir leben? Gibt es ein Leben hinter dem Grauschleier des Alltags? Wie komme ich dahin? Wie werde ich ein anderer. Stiller mutiert zu einer Art Waldschrat. »Mit der Einsicht. Frisch hütet sich vor dem Heroischen. mit immer jüngeren Frauen. Darum werden wir erst. Das ist nun alles lange her. Die Bemerkungen über die »Neger«. der ewig Junge. sagt der kühne Jüngling. Es fehlen seine Verspieltheit. Stadelhoferstraße 28. Das macht er klar durch einen Kunstgriff. von Anfang an ein heroisches Format. die man gerne für unsere eigene gehalten hätte. und Gantenbein kommt ohnehin den gesamten Roman über kaum einmal hinter seiner Blindenspielbrille hervor. war so üblich und ging niemanden etwas an. nun doch entgegen seinem lebenslangen Widerstand. neue Ehen. diese 1954 bei Suhrkamp im zerstörten Nachkriegsdeutschland zur Welt gekommene Figur. weil er hundert wird. der die »männliche Tat« verklärt. die so neu nicht waren. Diese Hoffnung war nicht nur das Mantra von Frischs eigenem Leben. der sich in Frischs verworfenem Jugendroman nach einer männlichen Tat sehnt. wie der ständige Abriss und Neubau des Lebenslaufs einmal mit so viel Hoffnung verknüpft sein konnte. Doch an solchen Verschmocktheiten liegt es nicht. Für ihn wie auch für seinen Freund und Lektor Uwe Johnson war es eine Frage zeitgemäßer Männlichkeit. in dem man zum Friseur und ins Büro geht und in dem die Liebe zuverlässig in »tödlicher Kameraderie« verendet. seiner großartigen Autobiografie. die Folgen hatte. das nicht mehr auf der Höhe unserer Desillusion ist. der die Romane bis heute lebendigund unverbraucht erscheinen lässt: ihre neusachliche Heiterkeit. Es sind Fragen. Der Schrecken rührt daher. Ein Bergmannsroman. die noch kommen sollten. man gestatte den Kalauer: entgegen seinen lebenslangen Frischhaltebemühungen. Sie sind wahlweise Mannequin. ein Mann mit südamerikanischen Geschäftsbeziehungen. neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Inzwischen sind wir nüchterner geworden. der verstanden werden kann als die literarische Variante der Schweizer Nichteinmischungsdoktrin. Eine neue Welt bauen. ist sein trockener Humor. in dem man sich unausgesetzt aufgefordert sah. Ihre Fragen sind groß und immer dieselben. konnte man im Fernsehen sehen. Im Gegenteil. versteht man nicht mehr ohne Weiteres. der in sehr preußischblauen Hemden an sehr kompakten Tessiner Steintischen saß und weißweintrinkend sein Leben Revue passieren ließ. Wir werden diesen jungen Hundertjährigen noch lange lesen. Ein wenig verwundert versucht man nachzubuchstabieren. gegen das wir. nach Athen. Raus aus der Vergangenheit – das traf einen Nerv. die vieles ausschloss. Ich bin einfach nicht bereit. hat diese fortschrittliche Gestimmtheit des vorigen Jahrhunderts. sondern Kinder und Enkel der alten Masken. ist der Urtyp dieses »Darum-werden-wir-erst«-Pro- der sich das Ich-Pathos verbirgt und die bis heute das Beste am ganzen Frisch ist. Montauk. Ingenieure. Und dass wir es sind. die Künstler. ein nichtiger und unwesentlicher Mensch zu sein«. steht im Zentrum aller großen Frisch-Romane. der so leidenschaftlich auf einem abenteuerlichen »wirklichen Leben« besteht. Es war das Mantra seines Zeitalters.« Wenige konnten die Träume unserer in sich selbst verliebten. in dieser Feier des Lebens. Trotzdem erinnern sie uns daran. In dieser Aufbruchstimmung nach D Foto: Robert Lebeck/Max Frisch-Archiv. gerade weil er es heroisch meint. nachdem die gemeinsame Tochter. Ihn nun. In jedem Fall eine Sehnsucht. In jeder Hinsicht ein Jugendautor. Dabei war der Nonkonformist fasziniert von der Konvention. wie ein Bub vor. Aus Selbsterniedrigung wird Selbsterhöhung. wo es wehtut. Ballerina. Zum Beispiel ein Stiller-Leben in Zürich mit Atelier und Oberlicht. Aber was erwartet er sich von der Liebe? Und was von seinem Leben? Ein wenig kommt einem Stiller. dass Max Frisch uns ein wenig entrückt ist. einzuwenden hat. April 1991 in Zürich. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR gramms und zugleich der Urahne für die Gantenbeins. Das Prinzip Frisch ist ein Prinzip Hoffnung. die ihn in eine längst vergangene Zeit katapultieren. Dass er irgendwann alt und behäbig war. angeblich niemals zuteilwerden konnte. hinterrücks gealtert wäre. Daher die zärtliche Kaltschnäuzigkeit. ein nichtiger Mensch zu sein. kurz und knapp zu halten und da. Eine sanfte. Doch gerade deswegen fehlt uns Max Frisch. nach New York. die immerzu erwartungsfroh neue Leben anprobierten. fotografiert von Robert Lebeck Das Prinzip Frisch Der Schweizer Schriftsteller wäre jetzt 100 – Wiederbegegnung mit einem unverschämt jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 1900. in dem das Beständigste noch seine riesige schwarze Brille blieb und in dem die letzte Geliebte bereits die Tocher einer früheren war. die uns diesen hemdsärmligen jungen Menschen fremd erscheinen lassen. Er möchte ein Herr White werden. Homo faber. der auf Mamas Schokoladenkuchen lauert. wie er es spöttisch nannte. die man stellt. Seine Hauptsorge: Er möchte nicht Herr Stiller sein. Es gibt seine irritierende politische Indifferenz in der Kriegszeit. die es macht. der Held des späten Romans Der Mensch erscheint im Holozän. ein nichtiger Mensch zu sein. dass Frisch nicht nur unser Zeitgenosse. Man ist schließlich modern. vorwärtsdrängenden Epoche besser beschwören als Max Frisch. Daher die vielen Shortcuts in Montauk. so hat Frisch das in einem seiner späten Fernsehinterviews gesagt. unterhält eine zweite Liebschaft in New York und gedenkt die Mutter der ersten am Romanende in Athen zu heiraten. den Peter von Matt vor zwei Jahren aus der Versenkung holte. aus Trauer Hoffnung. wiederzulesen. Kommen allerdings ausschließlich im Geliebtenfach zum Einsatz.

nie mehr das der biblischen Formel »Du sollst dir Meer zu sehen. Schütt zeigt. nachdenkt und Zeit hat. Bevor er den Namen sagen konnte. die den gezeigten Antisemitismus »empörend« nannte und angesichts ausdruckslos betrachtender Berliner sagte: »Wir bewundern solche Disziplin. der immer wieder mit lebe ich oder nicht. keit des Wirklichen weichen musste. 160 S. und dich erschlagen. und auch sonst nichts. »Paris ist ein ideales SelbstmordTschechow über Tolstoi. Das Fazit ist leider niederschmetternd: Ich habe keine Seele aufgeschlossen. Schütt kennt die Fantasie eines »Lebensabendhauses«. oder haben sie schon nichts mehr zu unterdrücken?« Es musste Schütt kommen. will etwas verkaufen. schrieb Frisch im Moment weiter schwebt es durchs Totenreich. Immer endet es in der einzigen. – eine Bewegung der Angst. Das erste Haus geistert schicken.« Pause. Von Matt deutet das Feuilleton mit begann. und ich weiß nicht. das Frisch für seinen Bruder erträumte. Bonn 2011 . stilistisch. selbst oft schmerzlich zerrissen. Es brauchte Schütts Ohren und Quellenkenntnis. nicht zulassen. So bleibe ich auf dem halben Wege doch sitzen. womit sie ihre Meinung unterdrücken. »Lidice. Was dachte der Soldat Max Frisch so viele Bilder des Au. Ich werde also weiterhin das blaue SuhrkampTaschenbuch mitnehmen. Zum Beispiel die Frage: »Wenn Sie einen Toten sehen: welche seiner Hoffnungen kommen Ihnen belanglos vor. Frischs er sich als lebendig«. dass Frischs verständnisvolle Schilderung des »deutschen Wesens« in seinem Schwanken »zwischen Minderwertigkeitsangst und übersteigertem Selbstbewusstsein« ein verdecktes Selbstporträt war. Er schreibt elegant. es nicht gerade ein anderes auf Erden gab. Hoffnung und Heimat. Der Kierkegaard. mit diesen Nachrichten fertig werden soll. in einem Hotel irgendwo in der deutschen Provinz. Die Enthüllung der Liebe zu Madeleine SeignerBesson ist eine der schönsten Trouvaillen bei Schütt.« tiert hat. einen Politiker. Veranda«. der sich imaginativ mit seieines Aufstiegs. Zürich der Bruder als Grund von Max’ Depressionen. Immer denke: Diese Fragen sind ein derartiger Knüller. durch ein Zeitungsfeuilleton aus dem Jahr Schütt zeichnet Linien zu den Ver1942. Bald schon gleich ist Schütt im Meer seines Materials steht sein Haus. die damit zu tun hat. Frisch Suhrkamp.« Die zweite Sache habe ich geträumt. »dass Du viel zu früh durch das den Weinreben entwirft er ein »Haus. ja. er habe sich einmal ein Messer gekauft. Er scheut die Pointe nicht. das Buch. Dann verschiebt er sein Haus Julian Schütt: diskret. Sie blieb bei ihrem Mann und den Kindern und lebte zugleich in aller Freiheit mit Frisch die offene Ehe. Mit erzählten Häusern ließ Suhrkamp. die es gibt. über Frauen. In kein anderes Werk ist die umfassende Zerrissenheit Frischs mit solcher Wucht eingegangen. Am nächsten Tag fand das Interview statt. klima – aufpassen!« Den Stiller. dem Germanisten Emil Staiger. in Seenähe. Der Traum ging so: Ich stellte Müntefering die FrischFrage »Gesetzt den Fall. in New England. den zu den großen Dramen.90 € wieder drin«. darstellerisch und gedanklich Frisch streicht »die hölzernen Säulen der gewachsen. als Hitlers Angriff drohte und der »28jährige Bursche« nur dachte »Schade wäre es. Die Stille meiner Interviewpartner verschwand in einer anderen Wahrheit: Wer heute interviewt wird. zuletzt. wenn es uns nicht einfach an Vorstellung fehlt. fassbar.. will ein Bild von sich entwerfen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 53 Könnte ich dich packen. dass es dazu nie gekommen ist?«. aber hilflosen Gewissheit. wollte er in der Beatrice von Matt zum Frisch-Jubiläum ersten Fassung in den gelingenden Suizid publiziert hat.): Max zu. fürchtete aber. Auschwitz. 24. interessante Frage. Wie sich selbst will er fortan unangenehme Sätze werden nicht unterschlagen. in nicht untergegangen.« ersten journalistischen Arbeiten schon da. wirklich weiterführen kann. Auf einigen Seite ist dieser Band getrüffelt mit unpuhinreißenden Seiten entfaltete er die blizierten Frisch-Zitaten. lief dreimal um den Frühstückstisch und sagte dann. Noch kein Jahr ist es her.: Victor Radnicky/Interfoto/Privatbesitz: VG Bild-Kunst. unverrückbar.und Berg.. die als »Gnade« empfindet. dem Welterfolg. den durch den Kalten Krieg. die und zeichnet in einem New Yorker Café journalistischen Anfänge. Max. die nächsten 25 Jahre. Schade wäre es. wie unsereines.90 € ihn an. Max Frisch machte es so: Er stellte in seinem Tagebuch einen Fragebogen an den Anfang. ich dachte daran. als »die unverbindlidurch sein Spiegelbild »begrenzt. Zuden dreizehn Zimmern«. eine höchst politische und psychologische Zeitchronik der Jahre 1966 bis 1971 zu beginnen. Name ist Frisch dem er für ihn ein Einfamilienhaus er. mit diesen Fragen kann nichts schiefgehen. und die vierte Frage hieß »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Immer wieder unterbricht Frisch die 432 Seiten seines Tagebuches mit Frageblöcken.. Interessante Frage. um zu bemerken. Frisch beschreibt darin. In einer vergessenen Kritik aus der Zeitschrift Du attackierte Frisch 1941 den Film Gilberte de Courgenay. als ich in sein Gesicht blickte. tat er es sogleich mit dem »Ich als souplesse: »Die Arbeit als Architekt hat Währung«. Klischees hervorzuholen. dass ich seit nun 25 Jahren die Fragen von Max Frisch dabeihabe. und er »Früher war ich Architekt«.) Buchenwald bei Weimar. viel Besuch kommt. Man duzt sich. wie er mit seinem Beatrice von zweiflungen Frischs. die Briefe. und ich bin »städtischen Altersheim«. Max! Eine meisterliche Biografie.Verhältnis zur Schweiz.auch vier antisemitische Sätze auf dem Kerbholz se« – findet er zu sich. man kitschelt und geschäftelt nicht neben Sterbebetten. Schon als Kind fühlte sich Frisch de traf. Werde ich ein andermal davon reden?« Am Ende der kleinen Erzählung hat Frisch die »neuen Berichte von Buchenwald gelesen. das der Frischianer im Jubiläumsjahr neben sich haben sollte. empnach dem Tod des Vaters. Oradour. »Ich komfliegt es durch Raum und Zeit.das Meer. Die freiesten und amüsantesten. Und dann folgte – weitere Stille. Schütt nimmt. das ich im Grunde gegen mich bin«. »ein Liebesdrama« nennt es ziehung setzt. Frischs Reichtum hinter den die Fragetechnik. geradezu zu singen begann: »Ja. konnte man den Gesichtern ablesen. man weiß ja nie. die gebauten aber starrten Berlin 2011. ob diese Fragen nicht der eigentliche Schlüssel zu seiner Biografie sind. me ja aus einem Morast von Ressentiment wird zum Dementen.. ihm Flügel . Freundschaft. doch leicht ins Irreale – vielleicht sei der See im Max Frisch lieber ist ihm die Nuance. voll einer milden und herbstlich in die Welt hinaus und in einen einsamen versponnenen Sonne. was er des nationalen Gewissens. Fangen wir an. Immer denke: Die Tiefe der Gedanken wird den Weg in jedes Bewusstsein weisen. auch sein Land erneuern. einige Seiten 595 S. Als er. Als Glücksdimension sie werden in einen Zusammenhang voller Nuancen dieses Existenzialismus erweist von Matt in einem gesetzt. Etwa ein Drittel der 291 Fotos sind Erstveröffentlichungen. wenn nicht davon. das Haus zu einem Berlin 2011. Er ist seiner Sache Wiesen. Natürlich stellte ich die Mord-Frage. Osten gar kein See. Erstmals sehen wir Madeleine Seigner mit Frisch auf Korsika. zum Schluss zu Stiller. drei unveröffentlichte Gespräche Hages mit Frisch. ZeitFrisch hat Besuch von der toten Mutter lebens hat ihn der Gedanke an den Suizid und unterhält sich beim Frühstück mit begleitet. die sich vordem nur aus dem Buch kannte. etwa mit einer Frage wie: »Welche Hoffnungen haben Sie aufgegeben?« Das Scheitern begann in der Regel mit einem Moment der Stille.90 € Schicksal. Er sagte noch. In der Pubertät massierte er seine Nase. »Ich lebe aus keinem eigenen Verlass heraus«. die diesen im Stiller so sehr faszinierte. Ich habe sie dabei. In die herbstliche Luft über Kimche. Hier der erst apolitische. die unerfüllten oder die erfüllten?« Ich möchte hier aber nur von einer kleinen Beobachtung berichten. um einen Menschen zu töten. und er stand auf. man trennt sich. Und dann noch mal: »Ja. dann bisweilen tenzialistischen Frisch. falsche Fährten legen. klagte Frisch 1946. man würde ihn wegen seines zu großen Penis auslachen. der die Frisch beim schreibenden Bau eines Todesnähe bei einem Selbstmordversuch Hauses kehrt wieder in den Essays. Er und sein Spiegelbild läFrisch definitiv zum Schreiben geführt.. Schütt fand in einer Rezension die Quellen von Frischs Deutschenbild. Ich saß damit vor Politikern. über Geld. as es nicht alles für Möglichkeiten gegeben hätte. da muss jedes Interview ein Knüller werden. über den Tod. der ein Mörder ist. will einen Schutzschirm aufbauen. Journalist und Politiker. Einmal war es die Frage »Wären Sie gerne Ihre eigene Frau?«. Max. aber dazu fehle ihm wirklich die Zeit. geprägt.Nagel & Noch in den sechziger Jahren vermutete richten soll. wovon ich da unten beim Grenzstein reden könnte. Er fühlte sich 1935 sehr weit ins deutsche Wesen ein. ich sehe nicht ein. nicht: ein Buch. ja. 24. Und er erzählt am Tag. In der Ereignislosigkeit der rüd chauvinistische Frisch der dreißiger Jahre. Max!« Suizid – ein Spiel. um das erste Aufklingen des kritischen Frisch der fünfziger Jahre zu hören. Max Frisch wollte sich mit seinen Fragen Wahrheiten nähern. vor großen und kleinen Stars. dem Impuls. seines Triumphs mit dem Stiller. (.. ich würde das Meer nie mehr sehen«. (Hrsg. der die Wende bedeutet. Interviewpartner heutzutage wollen Fragen abwehren. Volker Hage cheln sich in einer Schaufensterscheibe Das fertige Haus erfuhr er als Ärgernis. die Irrungen »den Grundriss der hölzernen Villa mit und Wirrungen der dreißiger Jahre. wie sie den Unendlich verwickelt war für alle Zeiten Frischs Stiller zu Pirandellos Roman Mattia Pascal in Be. wie 2011. der soldatischen Grenzwacht – »Stahlgewitter à la Suis. die Zeugen. che Vielfalt des Möglichen« der Eindeutiggefangen«. 15. 1911 – 1954. jetzt erzähle er mir was.« Wie viele 34-Jährige schrieben mit dieser Klarheit? Alle Wege Frischs beschreibt Schütt umsichtig: den in die Ehe und ins Zürcher Bürgertum. Teufel. ja. Meine 25 Jahre mit Max Frisch: Ich kann nur von zwei bemerkenswerten Ereignissen erzählen. wenn ich einen prominenten Menschen interviewe. Die 350 Seiten.von Matt.. 256 S. ja. Die Schwester des Regisseurs Benno Besson und die Mutter von Frischs letzter Lebensgefährtin Karin Pilliod war bislang fast unbekannt. da zeigten Das wichtigste Buch zum Frisch-Jubiläum ist die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch den alten ohne Zweifel Julian Schütts Max Frisch. Abb. in dessen Frühstücksraum ich am nächsten Morgen sehr früh ein Interview führen sollte mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Im Unterschied zu seinem Freund. bin ich aufgewacht. sympathisierte er keine Sekunde mit den Schweizer Nazianhängern. weil ich immer wieder denke. Schließlich Aufstiegs. das um diese Dinge herumgeht. vor Wirtschaftsführern. Biographie Max Frisch. und am Ende: nichts. Es kam kein Name. Seite für nem Sterben aussöhnte. durch die Beziehungslosigkeit hatte es doch Aussicht durch alles hinzu unserem Vater und durch dessen Tod durch. Man könnte nun lange darüber nachdenken. die auf keine WänExistenzkampf geworfen wurdest«. Der Soldat Frisch hält im April 1945 auf einem Grenzstein einen »gemütlichen Hock« mit einem deutschen Soldaten. Und dann. auf Matt: Mein gibt er der »Nicht-Beziehung« zum Vater. Beatrice von Matts Aufsätze folgen der im Gedankenstrich abbrechende Satz. zu schreiben fand Frisch Scham. Frisch hat als Verteidiger der schweizerischen »Der Schriftsteller Max Frisch«. Wir sehen die Zeichnungen des Hauses. 25 Jahre Fragen von Max Frisch. Einmal befreite ihn eine Frau vom »schweren Verhängnis. Archive. Gemälde von Otto Dix. ja.. »Einen Sonderplatz« Bruder das Grundstück besichtigt. Max Frisch hat sich diese Fragen selbst gestellt. dass uns kein Denken. Verblüffend.hat. »Max.FEUILLETON LITERATUR 12. Obstbäume in den Tapeten«. um vom einen zum anderen zu geVor »dem ihm auf den Leib gerückten Tod erfährt langen. Dort der sozialistische Humanist in der Rolle son-Leser entdeckt in der Wirklichkeit. Überraschend ihre Skizze eines exis. Viel ist in den sich spielen. vielleicht stehe das Biographie eines Schütts Frisch ist im Verhältnis zu sich Haus »weiter im Norden«. eine Frau. eine Essay-Sammlung und ein Bildband erhellen uns die Welt des Max Frisch VON ANDREAS ISENSCHMID »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT W N och nie konnten sich die Leser von erstaunlichen Essay das Meer. und schwieg.« Schließlich hat Schütt den Text gefunden. darüber müsse man mal nachdenken. tat das aber in einer Ausstellungskritik. einen SPD-Mann . Postkarten des Soldaten Frisch. Müntefering sagte. ja. beginnt er setzt vieles in neues Licht – den Vater. 1960er Jahre Kultur sehr merkwürdige Sätze über die Emigranten in der Schweiz von sich gegeben. Wie sah Madeleine Seigner aus? Das zeigt Volker Hages opulenter Bildband. Als das Haus fertig war. Frisch wollte als Jugendlicher Nationaltorwart werden. sondern: kein Bildnis machen« experimen. das von Matt ausgegraben hat. ob hinter diesen Fragen nicht die Gliederung seines Lebens steckt. will etwas loswerden und nichts ergründen. der damals die Schweizer entzückte: »Es ist einfach keine Zeit dafür. das Haus in der Schrift hingegen verlieh Frisch könnte ich diese Scheibe einboxen und dich packen. nach der Michel Friedman. Und irgendwann jemanden treffen.Frisch angesichts der Kriegsgefahr? »Entweder übertors machen. sind das Meisterstück seines Buches. dass sich Frisch durch die fünfziger Jahre »immer von neuem in Madeleine Seigner verliebte«. seinen élan vital. Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich. nie habe ich mit ihnen eine neue Dimension erobert.. um sie zu verlängern.

das die englische Königin zur Hochzeit ihres Enkels trug.« den Schlaumeiern und Sprücheklopfern Unter anderem aus diesem Ton. Für Hopes Familie gilt das seit Generationen. Straub sieht die formale Reinheit der rechtlichen Regel durch bloße Meinungen überlagert. 19. wie man es vom Kleid her kennt.. spielerischer. Einzelexemplare gebracht hat. der namens Zimbo Rowohlt Verlag. Er tut dies nach Art einer negativen Theologie. vor und nach dem Kapimit seinen Feinden bis zur Ununterscheidbarkeit. »Von Max Goldt entzückt sein« ist zum Beispiel so eine Geste. Und wenn dies dann als Wertesubstanz des Grundgesetzes aufgerufen wird. sich zu entwickeln..« furchterregenden Polemik. Jahrhunderts. Im Zitieren reißt man sich eine fremde Originalität unter den Nagel. eine positive Idee des Menschen verbindlich zu machen.und Grimms Wörterbuch weist sage und schreiTauschverhältnissen des kapitalistischen be sechzehn Spalten allein für das Adjektiv Warenverkehrs. verflüssigt hätten. Probleme auf. die handfestere Deduktion der Ent-Wertung von Fraglosigkeiten: Die Marxsche politische Ökonomie erkennt die Abhängigkeit einer jeden Wertschöpfung von der Mehrwertproduktion und jeder Wertsetzung vom Handeln auf dem Markt. mehr lemiker auszeichnet. Wenn nichts mehr hilft. Juli ist plötzlich Mindesthaltbarkeitsdatum auf sämtlichen Packungen japanischer Instantnudeln.Eberhard Das Lemma lautet »werther(i)sch« und ist Straub: wie folgt belegt: »es wäre nicht nur eine gen aufzuzwingen.Reinbek 2011. Wie ein Materiarisch zu fassen. sagte ich. Straub operiert also im Wesentlichen mit Nietzsche und Marx. Und das auch noch in jener Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie. die Industrialisierung auf dem Gipfel und Nietzsche die Höhe der unantastbaren Individualität ihrer seine unzeitgemäßen Betrachtungen schrieb. Und aktuell zorntrei.schichte. »Wir hatten so lange auf den Weltuntergang gewartet. dass sie gut unterhalten. den Spuren bis Tokyo nachzujagen. der sich hütet. Die neuen alten Werte sind mal auf der langen Bank des politischen Alltags. 8. versucht.« Kann man aus dem herauslesen. gebeten darauf. deErden sind. was da verhandelt wird. talismus. auch die Ideen und Vorstellungen des Zusammenlebens. Das ist schade. der so treffend formuliert. Andererseits haben Goldts Schriften die Eigenschaft. kreiert abstruseste Querverbindungen und schafft es so. und das wußte nie genau. um die Energie einer Atombombe zu erreichen. Da kommt Als ich einmal in Definitionslaune war. Schließlich bleiben saurer Regen. hieß es bei Horaz.« nach Karl Kraus klingt. 249 S. weil sie es nicht bis auf M Die Zuckerstückchenedition Heutzutage kommen wir Kritiker mit ein paar Gesten gut über die Runden. die humanistische Tradition. was uns quer zum herrschenden Kartell und verbündet sich frommt und uns belästigt. eine Sünde wider bend wirkt der Naturalismus der Biowis. taucht an allerhand zu geißeln. Sie sind religiös und numemus Marxscher Prägung. ein Talent zur nachten und Krieg zu verstehen. Da ist der moderne Buch. Wenn man demnächst bei Laune ist. ist für nicht wenige Wiener aufregend. Vor diesem schrillen Plot wirken die Figuren Hope und Mickey pubertär blass. und zwiren Autoren sich dadurch auszeichnen.. Sie können nerven. keine Tyrannen. dass man eine Verwandt. wenn die Atombombe einschlägt? »Vorkriegsgeneration« nennt der frankokanadische Autor Nicolas Dickner. als Neurasthenie als Krankheit Mode war. was damit eigentlich gemeint ist. Dann verlässt die Handlung vollends den Bereich des Wahrscheinlichen: Der 17. Bei Stuttgart 2010.. Dass der Fall der Berliner Mauer das Ende der atomaren Bedrohung einleitet. Wer wenig Geld hat. die es hier einst unter Alltag sei heutzutage wohl so etwas wie die gab: scharfer Verstand. dann treibt es einem Polemiker alteuropäischer Provenienz wie dem Journalisten Eberhard Straub die Zornesfalten ins Gesicht.54 12. aber von Artistik eleSo wirbelt man einen Haufen philosophischer gant im Zaum gehalten. . die Dich H TASC ENB U CH Was ist kanarienvogelgelb wie das Kleid der Queen? Richtig: Max Goldts neues Geschenk-Büchlein nicht lieben‹ oder ›Wein ist. einen Kolumnisten genannt hat.kann man darüber. und diese spezifische Originalität von Max Goldt kommt nicht zuletzt daher. sollte man weitergeben. wollen wir in diesem Moment ihrer Leser gieren.. Juli 2001. Um dem Warten auf diesen Wahn zu entgehen. die einen Po. eine Zitrone so mit Drähten zu verstöpseln. mal an der moralischen Empörung gescheitert. zehn für das Substantiv und einzelnen Wert und das System der Werte. 17. überschlägt sie bereits. Eberhard Straub ist ein strategischer GedankenGebildet im Sinne verschwenderischer Zitatkunst anarchist. will Eberhard Straub nicht anerkennen. aus einer historischen oder und höherer Kavaliersreisen in die europäische Geintellektuellen Festung heraus seine Angriffe vor.199 S. Was man von Goldt Nützliches lernen kann. Goethe und die Weltliteratur und alles zusammen oder in verschiedenen Legierungen. wenn sie sich dem Punkt der Letztbegründung nähern.90 € Im Zorn geschrieben Eberhard Straubs Essay »Zur Tyrannei der Werte« vibriert vor Angriffslust erte stehen in einem schlechten Ruf. schließe ich un. Der schönste Eintrag darunter ist Staat. Ebendas passiert aber nach diversen Stemmversuchen von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende bis zur Ausländerpolitik des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch kaum mehr. Sie verlieren an Wert in ebendem Maße.99 € Der Skepsis fallen ganze Kategorien zum schaft zwischen großen österreichischen Opfer: »Der Alltag ist eine inzwischen etwas Traditionen und Max Goldt behaupten abgenutzte essayistische Kategorie – ich kann. den man gegen seinen Willen ebenfalls auf das vermeintlich geistig Überlegene. doch die Werte sind der schlechunerwarteten Stellen der Geschichte auf. was jede Vorstellungskraft übersteigt: Was passiert.. Einem Familienfluch gleich offenbaren sich jedem Familienmitglied in der Pubertät exaktes Datum und Hergang des Weltuntergangs. Die Schönheit des Buches ist warenästhetisch gemeint: Es ist in einem Gelb gehalten. dass er Teil unserer DNS geworden war«. die europäische Aufklärung. wenn man es zitiert. wie viele Zitronen gebraucht würden. in Tarmac – Apokalypse für Anfänger seine Altersgenossen. Frankfurt a. Dafür jongliert er mit Bibelzitaten. Jahrhundert. Die sogenannte Respektlosigkeit. Max Goldt. Ozonloch und Jahrtausendwende. Weihmanierierter Umgang mit ihm. »Wertabstufung« bis »Wertzuwachs« – zuStraub fahndet nach weiteren Kandidaten sammen fast so wertvoll wie ein kleines für seine Angriffslust. ändert wenig.. Im Kolumnenkasten toben sich die Menschen und ihre Meinungen aus. ein Stil und eine Haltung heim. aber selten gleichzeitige Abwesenheit von großer Liebe. Da denkt der Ideenhistoriker aus dem Geist des 19. aber auch nicht schlecht belehren. Der Markt generiert den »wert« auf. bezieht sich auch bei Goldt erfahren. Tarmac über ein bloßes Generationsporträt hinausreichen zu lassen. dass Strom fließt. FRANZ SCHUH . da die Geschichtlichkeit. Sie sind so gut wie alles. hat der Abendlanddenker Eberhard Straub zutragen. der auf immer weiteren Feldern zweifellos der unmittelbar vor »Werthöhe«. folgt die Volte: ». Die Dichter. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR Warten auf das Ende In »Tarmac« beschreibt Nicolas Dickner seine apokalyptische Generation VON CATHARINA KOLLER ickey ist mehr als fasziniert von Hope: Während die anderen im Chemieunterricht noch versuchen. die einst durch Heinrich Heine in die deutsche Welt kam. Ebendies. Sie zitiert Max Goldt. die Differenzierung der Gesellschaft und die Ironisierung aller Verhältnisse. dekliniert er in Tarmac die Apokalypse durch.Zur Tyrannei impolitesse gewesen. Jahrgang 1972. Eigentlich hätte Straub immer dann ein Fest zu feiern. und es ist plump. einem Land der allzu einflussreichen Kolumnisten. 2011. wie sie beschworen werden. und er schreibt ein Buch über Die Tyrannei der Werte. leiht sich dort Furor und Polemik. stellt Mickey fest. Deshalb klingt immer nach frühem 20. dass der Autor auf sie Wert legt. / denn er fühlt wie du den Schmerz. aber anderes zählt: Während Dickner in seinem viel gelobten Debüt Nikolski Landkarten und Piratenlegenden mit Phänomenen des Informationszeitalters kurzschließt. wie er sich selbst zitiert: »Ich sollte eine private Zuckerstückchenedition herausbringen mit aphoristischen Definitionen.der Werte den heiligen geist. und das geht am besten. Tierwelt ihr Fett ab. list alter Schule sieht Straub den Begriff des Wertes geprägt von den Produktions. zitiert gerne teste Kandidat dafür. in einem Comic liest Hope von einer prophetischen Schrift mit ebenjenem Datum – Grund genug. nicht töten. nämlich der sentimensenschaften mit seinem deterministischen Klett-Cotta. Nicht nur deshalb lobt man VON HUBERT WINKELS W heute statt traditioneller Werte lieber kompetitive Stärken. deren Verteidigung bekommt sogar die 173 S. Nicolas Dickner: Tarmac – Apokalypse für Anfänger FVA. Sehr schön ist das Taschenbuch Max Goldt: Ein Buch namens Zimbo (rororo 25569). hilft das christliche Menschenbild. die in den Ausläufern des Kalten Krieges mit dem Warten auf die Katastrophe aufwachsen. wie ›Aufräumen ist. Ich lebe in Österreich. wenn wieder einmal deutsche Leitkultur ausgerufen wird. Das Ergebnis: »Die Sauerfruchtproduktion Floridas über einen Zeitraum von 6000 Jahren.« Diese absurde Rechnung drückt das Ringen um Greifbarkeit dessen aus. talität und der Wertherschen gelben hosen. jemanden zu zitieren. schen Zufriedenheit und Glück zu unterdass sie unverhohlen nach Zustimmung Max Goldt: Ein Buch scheiden. der Relativismus und damit der Nihilismus alles. Das kann man an politischen Diskussionen sehen. warum es besser ist. überlassen. Das Buch empfiehlt sich als Geschenk. Goldt wird Ende Mai in Wien sein. Sie sind so nahe an Platons Ideen wie an Auch immer gerne mit dem AntikapitalisRabattmarken.95 € das lustige pläsier mutwillig zu zerstören« (Wilhelm Raabe). der gemäß TierKolumnen so: »Kolumnen sind Meinungspfleger die zufriedensten Menschen auf beiträge in journalistischen Medien. auch ihre Liebesgeschichte wagt nicht so recht. was man trinkt. Sie sind Joker. dem Individuum seine Wertsetzun. nicht zuletzt bei Max Goldt. den 17. Mangas und Wissenssendungen. was man macht. wenn das Bier alle ist‹. wollen zugleich Erfreuliches und Nützliches über das Leben sagen. definiert Nach einer Überlegung. setzt Hope auf den Zufall und erwürfelt ihr Datum. Er zieht eine Guerillataktik vor. die sich durchsetzen und andere niedermachen wollen. Angriff auf die Würde des Menschen. vierunddreißig Spalten für Komposita von über das eine Gesellschaft sich organisiert.« Die Wikiquote im Internet hält sich nicht daran. Max Goldt nicht zu zitieren? Es liegt auf der Hand. weil er als Bildungsbürger alter Schule um die Anerkennung von Derivaten ehemals tauglicher Allgemeinbegriffe ringt. hat damit etwas Gediegenes in der Hand! Das gelbe Buch ist mit einem Zitat von Karlo Tobler versehen: »Zitiere nie Max Goldt zum Scherz. bevor Besuch kommt‹ oder ›Die Überbevölkerung sind alle. Tatsächlich liegt ein Schwerpunkt der Überlegung in jener Zeit vor 1900. Aus demselben Jahrhundert stammt die zweite. Es sei heute unmöglich. M.

« Und noch als Peter. Ich liebe dich so sehr. geschaffen hat. um antwortungsbewusster und verallgemeinerungs. Hätte sie. indem sie ihm Zugang zu Sex gewährt Generationen verfolgen.« Das ist bestimmt ein ver. Es liegt aber auch ein moralisches Recht darin. ihr gesteht. Peter ist dabei ein Meister des moralischen Diskurses. Sie ist keine bedeuPlaneten.« Geschichte den größten Dienst erweist. dass ich dass sie der Zugänglichkeit und Transparenz ihrer dich genau so sehen will. Ich werde ihm nicht gleichschichte ohne Generalisierungsanspruch zu erzäh. aber doch in seiner psychologischen Detailarbeit höchst aufschlussreich. beginnend im Alter von sieben Jahren. Als Margaux 14 ist. Wenn Margaux das erste Mal ihrem späteren Peiniger Peter im Freibad von Union City in New Jersey begegnet. zum kostbaren Rückzugsraum von Vertrauen und Nähe wird. Tiger hat die Autorin Margaux Fragoso. ist für Biografie angemessen präzise. Frankfurt Margaux’ Vater.]: Brian Shumway/Redux/laif . der jungen Margaux als ein Engel erscheint. ist ein trauriger und zugleich gewalttätiger Charakter. dass es ein Tauschverhältnis ist (aber mal im schreiben meiner Erinnerungen habe ich versucht. Ein Vorwurf lautete: Die Autorin setze darauf. das Buch überhaupt geschrieben zu haben? Diese Haltung läuft darauf hinaus. Roman. was auch andere tun. der als scheinbarer Glücksbote seines Opfers auftritt: Dieses Verfahren sorgt für eine bedrückende Lektüre. der sie als Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt. doch das Einzige. dass seine erste Frau ihn verlassen habe. als ein Eigentum zu verfügen. ist das Buch auch gender Familienvater in die Brust zu schon fast vorbei. in denen sie. dass seine Apathie froh ist. Auch diese Loslösungsgeschichte wäre interessant. weil der Mann. die meine Familie seit Peter hat. Von einem intendierten medialen Hype war die Rede. wie mir heute klar ist. in Gänze. Zusammen lesen sie auch Nabokovs Lolita und das gibt ihnen ein ähnliches Gefühl des Aufgehobenseins in größeren Kontexten. Margaux fühlt sich in dieser Kompli. wurde deshalb angeregt. Zumal es totale mediale Unschuld nicht gibt. Seine körperlichen Interessen werden als metaphysische Liebesbedürftigkeit überhöht.dass sie für die Wahrheit zu schwach ist. die aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt und glücklich ist. Und dafür andere Formen zu wählen. nen und muss sich regelmäßig in die PsyA. Fragoso erzählt streng aus der Perspektive der Protagonistin. ein intimes Verhältnis zu dem mehr als 40 Jahre älteren Peter hatte. anschauden Leser schwer erträglich. nicht stimmt. mit dem sie ein Ge. d. Ich tue doch nur. M.90 € tung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 55 Das Maximum an Liebe Perfide Einheit von sexuellem Missbrauch und Geborgenheit: Margaux Fragoso erzählt die Geschichte ihrer zerstörten Kindheit n Tiger. lange er mich attraktiv findet. der ihr die pädophilen Taten auffliegen könnten. damit Margaux lernt. Leser. 24. Tiger. Peter der Zurückgezogenheit und Zärtlichkeit zu bieten. Das Verallgemeinern überlässt Fragoso dem zenschaft als moralisches Subjekt ernst genommen. wie Literatur fremde Erfahrung seinssprung kommt und sich die Autounserem eigenen Bewusstsein zugänglich rin bewertend in die Vorgänge ein.. Sie geben ihr das Gefühl. solange ich sein Begehren wecke.. Treue heißt für ihn. Als er stehenblieb. Es gibt dann tatsächlich noch ein kurzes Nach. Doch diese Position verweigert der Andrea Fischer. irdische und himmlische Liebe auf perfide Weise in eins gesetzt. Das ist ein heftiger Stoff. als mit Peters FVA. und nimmt Glücksverantwortung abnimmt und dessen Gegensich das Leben. ohne es zu publizieren? Natürlich.auf als die Faktizität ihrer Lebensgeschichte. wie diese Filme zeigen. sondern Fragoso beschreibt ihr vergangenes Leben so. aber auch einen ersten Freund. Margaux schafft es über. der eine Politik der expliziten Offenheit verfolgt. Und wenn dem Geschicht formulieren könnten. weil die Gesellschaft diese Art der Liebe nicht zulasse. Sie ist dann Teil einer symbolischen Ordnung. er bietet Emozäh und papieren. weil dieses pädophile Ausnutzungsverhältnis tatsächlich das Maximum an Glück für das arme Kind darstellt. wenn Peter und Margaux sich Pornos anschauen. was nicht sein darf. weil er sich an den gemeinsamen Töchtern vergangen habe. den der Leser als einen Teufel erkennt. Ich möchte dich so sehen. war die Welt aus dem Gleichgewicht geraten. Das liest sich aber so sagen: Das ist doch nur sein Trick. die sie erbringt. Als Außenstehender würde man Klärung entgegenkommen. Zwar weiß auch Marbau dann doch wertschätzen: »Durch das Nieder.gültig sein. als der offizielle psycho-pädagogische Diskurs den Opfern andient. publizistischen Nutzen aus einem Erlebnis zu schlagen.« Stattdessen beschreibt sie die Schwimmbadszene so: »Dann schnappte mich (Peter). Margaux Fragoso kann man nicht vorwerfen. sie hat weiter Kon. Ihr Mann. 2011. Selbst der Eremit in der Wüste wehrt sich nicht gegen Berichterstattung . der weitaus längste Teil erzählt von den 14 Jahren. um sich am nächsten Tag als sorte beginnen könnte. aber auch keine schlechte. Das heißt. ein Pädophiler. indem sie das Ungeheuerliche des Vorgangs nicht kommentierend benennt und aufbricht. Während sich die 12-jährige Margaux glücklich geborgen in Peters Arme kuschelt.. die unbewusst ahnt. Peter sei wort. Psalm: »Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Tiger aber nicht. hingegen kann mit ihrer neuen Selbstständigkeit Geschickt baut er die Mutter mit ein. chiatrie einweisen lassen. was einem widerfahren ist.len.Peter dauerhaft emotional an sich zu binden: Sofähiger Satz. »so Margaux Fragoso hat Literaturwissenschaft und tun. ist das Buch auch Vater der Verdacht kommt. »Wir wollen«. sie hätte der Faktizität ihrer Geschichte etwas grell Inszeniertes hinzugefügt. die Reflexionsgeschich. Engl. mit einer dig wartet er deshalb darauf. kein Akt der Veröffentlichung ist frei davon. (weil etwas Besseres als dieses Schlimme aber Schriftstellerin genug. ihre eigene sexuelle Missbrauchsgeschichte aufgeschrieben. Die fürchterlichsten Momente dieses Buches sind die Videositzungen. Margaux vermacht er seinen alten wart die Tochter aus ihrer sozialen Isolierung und Mazda. schaltet. stehen dem Leser die Haare zu Berge. sich mit dem Thema ins Gerede zu bringen. Wenn man so will – und manche Kritiker hat das an diesem Buch sehr empört – reproduziert Fragoso erzählend noch einmal die Unwahrheit und Ungerechtigkeit. Fragoso: Tiger. das Buch nicht einfach für sich schreiben können. Ungedullich und flüssig zu erzählen. ob es die alten. so lange wird er mich Tiger liegt eben darin. und die beiden zelebrieren ihre geheime Hochzeit. und sie setzt diese Macht ein. die Autorin ist dann 23 Jahre alt. er sei also ganz in VON IJOMA MANGOLD I Darf in einer Geschichte über sexuellen Missbrauch das Wort Liebe vorkommen? ihrer Hand. als wäre die Geschichdas Alter der Erzählerin und das Alter te in unserer eigenen Nachbarschaft der Protagonistin langsam annähern. Erst mit Peters Selbstmord kann sich Margaux langsam aus dieser Bindung lösen.werfen. nur eine individuelle Ge. als wären wir auf unserem eigenen kleinen Kreatives Schreiben studiert. ihre damaligen Erlebnisse werden nicht durch retrospektive Einsichten gedeutet oder erklärt. und bevor die Erzählerin und der Leser auch autistischen Verkapselung herausreißt. Zum Ende hin geht ohnehin alles sehr schnell. passiert.« Ein Kinderschänder im Glorienschein der Erlösung. Foto [M. schleuderte mich herum und freute sich dabei wie ein kleines Kind.nicht links liegen lassen.Margaux machen kann. wie du bist. klemmte mich unter seinen Arm. Er zeichnet dem jungen Mädchen ein schlimmes Bild der Welt. und ein seltsames weißes Licht umstrahlte sein Gesicht wie eine Korona. Margaux nur einmal durchatmen und eine Moral von der und Peter sehen sich fast täglich. deine Kniekehlen. Anders sich Margaux darin glücklich einrichtet ausgedrückt: Sie ist keine große Stilistin. die in ihrer nur sehr schlecht umgehen. um ihre ihr noch nicht widerfahren ist). sagt Peter zu ihr. die unserem Bedürfnis nach begrifflicher ebenso emotionale. sondern reflektiert. Die Erzählerin – das ist zumindest die formale »Fiktion« in diesem autobiografischen Buch – ist nicht klüger als die Protagonistin. dass wir Fragosos grundsätzlichen tionalität im Tausch für Sexualität! Aber vielleicht Verzicht auf einen diskursiv-pädagogischen Über. hat es für viele Diskussionen gesorgt. Das sagt sich immer schnell. Teil der Gesellschaft zu sein. aber die Eindringlichkeit von Tiger. Auch deine Füße. Das alles ist kaum zu ertragen.FEUILLETON LITERATUR 12. Im Suff Tod. in der das Geheimnis. Die erzählt Tiger. was Margaux habe. Schrecklich deshalb. das sie teilen. Tiger ist ein gutes Beispiel damit es endlich zu einem Bewusstdafür. hat meine Einsamkeit bösartig ausgenutzt. wenn sie Wie Peter diesen moralischen Eisie ohne den Einsatz auffälliger literarigenkosmos rhetorisch aufbaut und wie scher Darstellungsformen erzählt. sieht Margaux darin einen Vertrauensbeweis. Das ist grauenvoll. zuverlässig schweigt und nicht »Verrat« übt.oder verweigert.gaux. Er stillt mein Verlangen. sagt die Mutter.Lebens hat Peter leichtes Spiel. Sie zwängt ihm keine anderen Botschaften Sie hat ja sonst niemanden. geboren Ende der siebziger Jahre. dass es jemanden gibt. weil Margaux diese Filme liebt. dass mit Peter etwas schon vorbei. heimnis teilt. Margaux einen Ort takt zu Peter. Angesichts dieser Dauerhölle des häuslichen raschender Weise aufs College. therapeutischen und juristischen Kategorien hanPeter sucht nicht nur sexuelle Intimität. Margaux liest den 23. in dem Fragoso mit einigen psychologischen. dass sich Unmittelbarkeit. wie sie es im jeweiligen Alter wahrgenommen hat. auch Sie versteht vom Schreiben so viel. sondern tiert. dann betrachtet sie ihn mit den Augen der Siebenjährigen. dass ein Erwachsener sie ernst nimmt und mit ihr im Wasserbecken spielt. die a. dass Margaux über die sexuellen Dienste. In dem Moment. tief verwurzelten Muster von Leiden und einem gefällt oder nicht) und dass sie Macht über Missbrauch aufzubrechen. geht sie mit Peter in eine Kirche. dass nicht aufgeschrieben werden darf. Ernst: Alles im Leben ist ein Tauschgeschäft. v. hinterlässt er eine Schneise der VerwüsNachgeschichte. und die Lektüre ist beklemmend. über das. Ihre Erlebnisse also nicht mehr Tiger Margaux’ Mutter leidet an Depressionur notiert. Als das Buch in der englischsprachigen Welt erschien. dass sie weiß. Das Buch hat 460 Seiten. sagt er.ist das zu analytisch gedacht. Sie schreibt nicht: »Dieser Schuft.464 S. Und kann man sie kritisieren. wie Gott dich tende Schriftstellerin. Sie könne ihn ja jederzeit ins Gefängnis bringen. er hat Angst. was Frauen Männern bieten.

David Hugendick (Literatur). spiele. Politischer Korrespondent: Lamparter. scheinbar endlos genheit. max. Jessica Braun. aber er war an diesem Ort auch gern albei Gelegenheit auch mit einem Tiger. Peking. Vor wenigen Wochen kam seinem Esprit und seiner Eleganz die Nachkriegs.20 ISSN: 0044-2070 Fotos: (Ausschnitt) Rainer Binder (großes Foto). Fax: 0032-2/230 64 98. Heike Faller. E-Mail: michael. Lebensart. Wilfried Herz. Dr. Postmaster: Send address changes to: DIE ZEIT. Tel. August 1966 St. Anita Blasberg. Großbritannien GBP 4. Broadway. Aus der Schublade seines Schreibtisches lange konnte er jemandem zuhören.de Weitere Auslandskorrespondenten: Georg Blume. Frank reich € 5. seinem Vater gehörte die Fichtel Dinge. Tibor Bogun. Moritz Müller-Wirth Michael Allmaier. aber dann schickte er wieder einen Brief aus musste man ihn schon fragen.56 12. Arnavutköy 34345. Ungarn HUF 1605. Italien € 5. Christian Tenbrock Autoren: Dr.thumann@zeit. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. die Begegnungen mit Dalí und in Gstaad tot aufgefunden haben. rue Cambronne. KG. den er an lein. 1966 Mit Brigitte Bardot. M. Patrik Schwarz. Er ersteht seinen ersten Druck. Domenika Ahlrichs (Stellv. die sich von München aus mit ihm auf Eden. 940 National Press Building. frei von Konventionen: Der großzügige Lebenskünstler Gunter Sachs ist tot VON HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS St. Gunhild Lütge. E-Mail: angela. Anna Marohn. Irgendwann mit 14 Jahren. Layout). Filme.jungclaussen @ zeit. Ostra-Allee 18. »Spanien womöglich«. Aber. Arne Storn.42 €/Min. CH-5400 Baden. Robert Leicht Dr.bittner@zeit. Dr. Sieling (i. 0. aus dem deutschen Mobilfunknetz Abonnement für Österreich Schweiz restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice 20080 Hamburg Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Jan-Martin Wiarda Die ZEIT der Leser: Dr. da er tot ist. Dr. Kerstin Bund. Heuser (verantwortlich). Thomas E. Fabian Mohr (Entwicklung.P. Redakteur). Arnfrid Schenk. 10004 New York. Martin Hinz Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH. Video. damals. sagen jene. Er hatte Geld. 60322 Frankfurt a. Dietmar H. Beim Dinner durch schickte er auf eisaß er in der Mitte des groner altmodischen Postkarßen Tisches. Belgien € 4. Er sammler. Peter Kümmel. Washington. Gunter Hofmann. René Dettmann. die Gunter ihm die legendären Geschichten. Vielleicht war es ein erstes Zeichen für das. das erschoss sich. Tropez gewiss in die engere ten.: 001-212/269 34 38. St. Tel. Dr. Fax: 030/59 00 00 40 Frankfurter Redaktion: Mark Schieritz (Finanzmarkt). Mitglied der Chefredaktion). Helmut Schmidt Dr. de * 0. Tel. Jochen Bittner.70. Rom. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). Tel Aviv. Periodicals postage is paid at Englewood NJ 07631 and additional mailing offices. Helga Ernst. Matthias Weidling Empfehlungs anzeigen: iq media marketing. D. Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) Tanja Stelzer (Stellv. einen irdischen Garten sagiere. Achiltibuie by Ullapool. Sein Buch mit dem mathematischen Beweis für Krankheit.« Das reiche dieser Mann in dem blauen Blazer und dem weit heute aus. 20095 Hamburg Telefon: 040/32 80-0 Fax: 040/32 71 11 E-Mail: DieZeit@zeit. Niederlande € 4.weniger für sich.de Abonnement Jahresabonnement € 187. John F. Kurhessenstr. Portugal € 5. Rainer Esser Verlagsleitung: Stefanie Hauer Vertrieb: Jürgen Jacobs Marketing: Nils von der Kall Presse. Ehemalige Models. Tel. rutschte ihm die Bemerkung heraus: »Ihr müsst wissen.1 Megapixel. Tilman Steffen. Zwei Chalets. Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart. ein kleiner Pavillon für Yoga und Medita. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Der Letzte seiner Art Ein Mann. 129110 Moskau. Zu. Tel. Kw. Klaus-D.. 1969 Gunter Sachs (1932–2011) im Jahr 1972 in St. Ulrich Bahnsen. Petra Kipphoff. zwei Bodyguards engagiert.: 0041-562 104 950. Fax: 069/24 24 49 63. Kai Biermann (Digital/Wissen). (Computer). Wie es hinter seine Factory seit knapp dem Horizont weiterging. der mit irPalm Springs. Katja Nico de mus. Lon don. Moritz äbe es ihn. Franziska Kelch (Community).: German Language Pub..deren Anvertrauten. Dabei hätte Zigarettenschachtel. AssistenSt. Christian Bangel. 129 00 02 07. Reiner Luyken.20. Als er vor verwirklicht. Steffen Richter (Meinu ng). E-Mail: johnf. 20 Millionen Daten.20. nicht umgekehrt. Tropez. Subscription price for the USA is $ 270. Tel. Neu-Delhi. Er. Adrian Pohr (Video). Petersburg.50. KG. von denen ich geträumt habe. dass man und kündigte einen Abvom Platz des Hausherrn stecher in sein Atelier südaus den Leuchtturm auf lich von München an. Er auf die ZEIT zukam.ca Abonnement USA DIE ZEIT (USPS No. Wo. Was bleibt? Die Astrologie! Von ihr war er übersich vollendet.00.: 030/59 00 48-0.von.O.00 per annum. Alexander Schwabe (Chef/-in vom Dienst). Angela Köckritz. Bernd Ulrich Christiane Schott Chef vom Dienst: Chancen: Thomas Kerstan (verantwortlich).: 069/24 24 49 62. Chef redakteur). Gunter Sachs. Grobkörnige Bilder. Sonja Mohr.00 Ausland: Dänemark DKR 43. Istanbul. Ulrich Ladurner. durften mit ihm rechnen. Tropez. dann käme sein Anwesen in den Weg machten. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG. All die Cocktailpartys! »Mein Gott! jetzt geschah. Freunde. Markus Horeld (Politik). Freunde. Seine suizidgefährdet? Als Sachs damals mit diesem Thema Lebensfreude hatte sich offenbar verbraucht. KG. wie er es wollte. Alserstraße 26/6a. Fax: 040/32 80-404.M. Postbank Hamburg. Vorn das Geäst der und von seinem Platz ganz hinten hatte er alle alten Olivenbäume.: 0091-96-50 80 66 77. für Studenten € 119. Zufrieden sah er dann aus. Es sei keine Kurz.: 0043-664/426 93 79. Seine gletscherfarbenen Haare fielen ihm braune Elfenkörper unter Wüstensonne.de Europa-Redaktion: Dr. Kerstin Kohlenberg. Rüdiger Jungbluth. Theo Sommer (Editor-at-Large). Auch hier war Platz für mal er ja gern um die Häuser zieht. wie es auch ist jetzt das Wichtigste in sein Vater getan hatte.40. Tribut an das Alter seiner Frage beschäftigte ihn mit zunehmendem Alter Freunde – und an das eigene. Dr. Martina Schories (Bild. Wasser. erlebt und & Sachs AG. Stefanie Flamm. 11. Residence Palace. die er sich immer gemacht hatte. kein fachärztlicher Befund. Nina Grunen berg. Marie.de. seine Honorare reichte er weiter schenk des Königs von Marokko. Nun ja.: 007-495/680 03 85. Alzheimer. Tel. aus dem deutschen Festnetz. Birgit Vester. eine Pointe. Ehemalige Models. 4 –6. Khuê Pham.com Einzelverkaufspreis Deutschland: € 4. V. Tel. Kirsten Haake. Dr. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. Gerhard Jör der. Rainer Esser.).de New Yorker Redaktion: Heike Buchter. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer. Blumengas. 1040 Brüssel. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft).de © Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. E-Mail: hbuchter@newyorkgermanpress. Karin Geil. 10117 Berlin.20. Tel.de.de ZEIT Online GmbH: www. Roland Kirbach. Jürgen von Politik: Bernd Ulrich (verantwortlich). Verganleicht ins Gesicht. der mit seinem Vieux Chalet. E-Mail: blumegeorg@yahoo. Ontario. c. E-Mail: mark. Posta kutusu 2. doch ruhig mal öfter anzurufen. in den letzten Jahren je glücklich war? Er hätte legte er in seinem Tempo doch allen Grund gehabt. Jasmin Müller-Stoy (Koordina tion Außen politik). die er in wähnt. Frida Thurm (Nachrichten). ein Ge. »ein buntes Völkchen«. E-Mail: stefan. kleiner als eine ein Bonmot nachsichtig abwarten. Dr. Slowenien € 5. Darf man das? Er hätte gewollt. Norwegen NOK 60. Alexandra Endres. Für diese Reise hatte er. Redaktionsleiterin). Tel. Jana Simon. Axel Kuhlmann Anzeigenstruktur: Helmut Michaelis Anzeigen: Preisliste Nr. Chris tian Schmidt. Katharina Schuler. Herausgeber: Iris Radisch (Literatur). Oliver Nagel. Gisela Dachs. Hauke Friederichs. mehr für seine Frau und die antion.schirmer@zeit.50. Scheinwerfer und Fotos. Kein Vergleich zu der Mühe.20. Ein Selbstgefühl sei es gewesen. BLZ 600 400 71. Florian Fritzsche. sehen konnte.: 0044-2073/54 47 00.20. Christian Denso. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. Mechthild Fortmann. 01067 Dresden. Konto-Nr. Martin Spiewak.« Gunter Sachs tersburg eröffnete.niger technisch. Steffen Dobbert. Österreich € 4.luyken@zeit. Über die deutschen Expressionisten findet er kästen vor den Fenstern. Stefan Schmitt. was dann kam – diese Frage wollte er gelegentlich 30 Jahren. Tel. Rabea Weihser (Musik). Christian Röpke Verlag und Redaktion: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. E-Mail: joachim. Marcus Rohwetter.koeckritz@zeit. Uwe J. Klaus Harpprecht. holte Sachs eine Kamera hervor. Dr. Irgendwann an seine Frau und ihre Stiftung Kinder in Not.10. E-Mail: martin. Elisabeth Niejahr Dorotheenstraße 33.nicht seine Art war. Art-Direktorin: Katja Kollmann Matthias Krupa. Volker Ullrich Berater der Art-Direktion: Mirko Borsche Art-Direktion: Haika Hinze (verantwortlich). charterte er ein Flugzeug für wurde 78 Jahre alt. 1972 Bei Dreharbeiten in Norwegen. den Computer eingab. vielleicht auch. Philipp Schultz. Ein Leben habe Roger Vadim.: 0044-7802/50 04 97. 153 S Dean St. der ewige Kümmerer. er nickte. Tanja und Kirstin. E-Mail: archiv@zeit. Dr. Christian Spiller (Sport). Fritz Vorholz Reporter: Tina Hildebrandt. Christoph Dowe (Geschäftsf. Daniel Angeli/Agence Angeli (r. Tel. Claudia Schiffer als »Heldin«. gemeinsam verantwortlich.60 (inkl.00. Gunter Sachs habe eine neue fremd.de Washingtoner Redaktion: Martin Klingst. Skulpturen von ineinander bezeichnete.teuwsen@zeit. er wird Kunst. Karsten Polke-Majewski (Stellv. Jutta Schein. Gerd Bucerius † Ijoma Mangold. wenn nicht Glück verlassene Freunde.Luise Hauch-Fleck. Ludwig Greven. Mark Spörrle Jeannette Otto. der so auste Grüße aus Bora Bora gerichtet war. 75015 Paris. Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich).besorgte Anwälte. Ob er ben. BLZ 200 100 20 Börsenpflichtblatt: An allen acht deutschen Wertpapierbörsen ZEIT-LESERSERVICE Leserbriefe Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Er habe sich befreien wollen von dieser zeugt. die er in seinem Abschiedsbrief er. Dr.« Was hast du aus deinem Leben gemacht? Die Gehäuse aufzustellen. 20079 Hamburg. Ulrich Schnabel. Englewood NJ 07631 Telefon: 001-201/871 10 10 Fax: 001-201/871 08 70 E-Mail: subscribe@glpnews. 56 vom 1. Jungclaussen. Sascha Venohr (Entwicklung) Geschäftsführer: Dr.de. Im Flugzeug dösten die beiHäuser an der Plage de Pampelonne hatte er einen den Guards vor sich hin. wie er sie Wahl. Hamburg Geschäftsführer: Dr. Schmidt (Kulturkorres pondent). C. seine Vermählung Sachs am vergangenen Samstag in seinem Chalet mit Brigitte Bardot. Pe. Dorothee Schöndorf. Anne Gerdes. Frank Drieschner. Englewood NJ 7631. hielt sich Gunter Schlachtenszene von Eugène Delacroix. eine verehrte Bob Wilson.Leben!« Es klang wie ein Schwur! Vielleicht waren schlusshandlung gewesen. seine Sammlungen te er. Cosima Schmitt. Gstaad. Zwischensegnet war. Konto-Nr.00. Kaum jemand. Mit welchem Sternzeichen wird eine Selbstdiagnose. Jan Roß Gestaltung: Nina Bengtson. Hin und wieder wischte er sich mit der rechten Hand über die Nase und schaute hinaus rück an einen Satz im Flugzeug damals bei der Reise nach St. hatte lange ein Beduinenzelt gestanden.de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404. Bartholomäus Grill. meinem Leben!« Wie bei so manchem Eilig ist sein Leben imkreativen Geist verbarg mer gewesen. Dr. Dr. Seine Fotos im Marmorpalast des Russischen Museums! Gut und gerne 100 Paswww.30. Iris Mainka (verantwortlich). Manchmal meldete er sich über Monate der Leine führt. h. Michael Schlieben (Reporter). Ich fünf Jahren eine große Foto-Ausstellung in St.: 030/59 00 48-7. Davina Domanski. womöglich werde er es weiter gegen den mit Cowboy. Adam Sobo czynski (Koordination). Paris. 20045. Anfang der Neun. die Häuser mit einem zu den Surrealisten – Sachs ist angekommen. A-1090 Wien. Parvin Sadigh (Gesellschaft). einfach zu lange her. E-Mail: reiner. Sven Stockrahm.00. Christoph Drösser Dr.wünsche mir keine Vollendung. das Zelt einzurollen und ein winddichtes liebt den Geretteten. Tillmann Prüfer (Style Director). Buceriusstraße. Marcus Gatzke (Wirtschaft). Christoph Dieckmann. Katrin Hörnlein Feuilleton: Jens Jessen/Moritz Müller-Wirth (verantwortlich). Lisa Wolk. Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer. noch einmal zu. Urs Willmann Tomas Nieder berg haus.. murmelgeöffneten Hemd gewiss einiges zu sagen gehabt. Moritz.95.kleinen Tunnel verbunden. befand er. klären.: 0032-2/230 30 82. Anzeigen: DIE ZEIT.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur). Dr. Hartmut Neitzel. Nicole Hausmann. 1955 Kostümball mit Mirja. Werner A. kommt die Erinnerung zufühlte. war er glücklich? Schräg hinter seinem Pool konnten. Susanne Mayer (Sachbuch). Reisen).de Pariser Redaktion: Gero von Randow. Handynummer – das war alles. Henning Sußebach E-Mail: zeitmagazin@ zeit. dischen Gütern reicher gewieder Gstaad. webiegt er ein in Richtung Moderne. 10117 Berlin. Perger. GLP. Bevor er auf Reisen ging. Dr. Es folgen Picasso bleu und rose. Wolfgang Büscher. K. Grafik. Der entschied Gunter Sachs. E-Mail: peer. Kolja Rudzio. Jörg Burger. Hanno Rauterberg. was eigentlich verschlungenen Körpern. Dem Mann. Tel. Ulrich Greiner.Häuer. dahinter. Jutta Hoffritz. wo immer er konnte. 1987 MM 14. Tina Groll (Karriere). Dr.und Winnetou-Bildern ist komplett. Stefan Willeke (verantwortlich). Eine Assistentin zeit so viel heller machte. Fax: 00972-3/525 03 49.de Wochenschau: Ulrich Stock (verantwortlich) Geschichte: Benedikt Erenz (verantwortlich). Kanarische Inseln € 5. Spanien € 5.50. Sina Giesecke. Von den Terrassen seiner beiden Beach. So verharrte er. wer ist am wenigsten mehr so wirken und leben. Afrika war es nicht. 525 52 52. Hans Schuh-Tschan (Wissenschaft). die Armada der Luxusjachten. Eingang Speersort 1. Es war wie eine das gefiel ihm. Anette Schweizer (Reisen).de/audio Foto: R. dass Vielleicht waren es zwölf. Meike Fries (Studium). Frank Siemienski. man besonders gern Jurist. vom Bojen vor sich hin dümpelten.zeit.schieritz@zeit. Wolfgang Lechner (verantwortlich) ZEITmagazin: Christoph Amend (Chefredakteur). was immer mehr.riedl@zeit. Susanne Gaschke (verantwortlich). Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr. aber Sachs blieb wach. seine Weggefährten. Heinrich Wefing Redaktion ZEITmagazin: Dorotheenstraße 33.Sachs gern in Gstaad auf.noch einmal eine Nachricht. Harro Albrecht. Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse. Sebastian Horn. Dagmar Rosenfeld.de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann. E-Mail: leserbriefe@zeit. Pascal Struckmann. Schweiz CHF 7. Daniel Erk (Online) Alice Bota. M3B 1Y8 Telefon: 001-416/391 41 92 Fax: 001-416/391 41 94 E-Mail: info@gcnews. 50. Griechenland € 5. Mariam Lau. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik). Ruten berg. Hanno Hammacher. Philip Faigle. Trend versuchen. Matthias Stolz. Tel. Wolfgang Gehrmann. Rue de la Loi 155.randow@zeit. Dieter Buhl. Peter Dausend. Nele Heitmeyer.und Öffentlichkeitsarbeit: Silvie Rundel Herstellung/Schlussgrafik: Wolfgang Wagener (verantwortlich).de. zwölf in meinem ganzen man seinen Schritt akzeptiert. Suite 851. 39. alle. Erwin Koch. Aagaard/Keystone Pressedienst Foto (Ausschnitt): Rudar/StudioX Foto: Keystone/Picture-Alliance/dpa Foto: Monti Bild/Keystone Pressedienst Junge Leser: Dr. Slowakei € 6. Finnland € 6. der nung.: 0351/48 64 24 05. Dr. war ein großzügiger Mann.com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel. Titelgeschichten: Hanns-Bruno Kammertöns (Koordination) Ilka Piepgras. Wolfgang Ucha tius Götz Hamann (Koordination Unternehmen). 19. Srednjaja Perejaslaws ka ja 14. Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich). Jörg Lau. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich). Tschechische Republik CZK 175. die nicht mehr hier. Er konnte nicht dem höchsten Scheidungsrisiko. Delia Wilms Infografik: Gisela Breuer.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto.00. dieses sich in seiner Seele ein meGefühl konnte man halancholischer Kern. die an den half. E-Mail: jochen. in sicherer Entfer. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. mit verwunschenen Bildern. Carolin Ströbele (Leitung: Kultur.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen.20. Dr.zeit. Dr. war Extrovertiertheit schickte eine Mail. Matthias Breitinger (Auto). Sabine Rückert. Josef Joffe Kulturreporter: Dr. 0014259) is published weekly by Zeitverlag. Fax: 007-495/974 17 90 Österreich-Seiten: Joachim Riedl. »Ich habe die meisten zum Leuchtturm.: 0033-972 23 81 95. Burk hard Straßmann. Metallkräne. Birgit Schönau. Sabine Etzold. Er hörte lieber zu. Fotoredaktion: Michael Biedowicz (verantwortlich) Özlem Topçu. »12. Dossier: Dr. Multimedia-Formate.70. welches verbindet sich mit Aber Sachs hatte sich entschieden.Dank dafür? Gunter Sachs wusste: »Der Retter ziger. Thomas Groß. Umgeben von Freunden. weil er sich da sicher Aufforderung. Katrin Guddat. die Ballettmädchen von De. Luxemburg € 4. Dafür danke ich dem Schicksal. Aber nach diesen wilden Jahren nicht. Dagny Lüdemann. Bildbearbeitung: Anke Brinks. E-Mail: gero. Tina Klopp. stets stilvoll. sein Studio.klingst@zeit. Prof.Reihen im Blick. unerhörten Blick auf die Bucht. Kronengasse 10. Chefredakteurin). Marion Gräfin Dönhoff (1909–2002) Dr. Reinhard Bardoux.eine astrologische Kraft. Eschersheimer Landstr. Jetzt.) Foto (Ausschnitt): BOTTI/STILLS/GAMMA/laif G . Andrea Böhm. Wenke Husmann . Meike Dülffer (Textchefin). Schweden SEK 61. das stets frei von Konventionen gewesen sei. Christine Meffert Internationaler Korrespondent: Matthias Naß (Textchefin). Petra Pinzler. Claus Spahn. Christiane Grefe. der anderen Seite der Bucht Mit Ehefrau Mirja.14 €/Min. Kornkamp 11. Fax: 030/59 00 00 39. Anna Kemper. Anne Fritsch. Reporter: Dr. PO Box 9868. ZEIT Campus).

Zum ersten Mal im Lange schämten sich Leben sind wir stolz darauf.FEUILLETON 12. Was für die Menschen zählte. auf Arabisch. doch bereut er ihr Eigentum konfisziert würde. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch I m April brach ich auf. Das Leben der Frauen hier ist hart. Ist es aber überhaupt eine Revolution. »Sie wissen gar nichts über die Juden. Als man die Statuen fand. eine Insel mitten im Nil. uns hier nicht. die Amr viel mehr beunruhigt. sich in einem der geschenken zu misstrauen. Gebiets. die eine liberale Demokratie ermöglicht. Die Erfahrung ist die Kluft zwischen den Reichsauf dem Tahrir-Platz ein Transten und den Ärmsten in Ägypten parent: »Wir wollen weder von den der Revolution geringer als in den USA. Vom Fremdenführer bis zum politischen Aktivisten sprach jeder Ägypter. Mohammed und Mustafa haben mir angeboten.« Ich kaufe ein paar Schlüsselanhänger. Sie können nicht abreisen. erklärt. die man nun haben müsse. besonders seitdem sie den Befehl vergenau hier ermordet wurden. erzählt Bassem über das Massaker. dass die Revolution in den Händen nahmen die Kontrolle des Militärs über eine gedes Volkes bleibt. dass einer meiner Gesprächspartner sich bereitwillig zu jedem beliebigen Thema zitieren lassen wollte. »Bis zu ist erschwinglich«. um das Freude ist nicht das einzige unübersehbare Gefühl Heft nur noch fester in der Hand zu halten? Nicht auf dem Tahrir-Platz. nannte man sie ›die Leute. Doch begegne ich niemandem. Decken ihn frage. Tatsächlich Landes.ständige Sushi unter belaubtem Pavillon. »Kant hat mein Leben verändert«. »Die Revolution hat das Bild der Menschen jemanden. wie die Muslimbruderschaft Gefühle ausnutzt: Sagt Ja zu Allah. vor der Revolu. meinen James Madison. dass der ägyptische Antisemitismus tiefere Wurzeln hat als die Ablehnung der israelischen Politik.« Auf dem Bild Israels als des ewigen Feindes beruht die Macht der Armee.« Ekramy. Jahrhundert floss selbst der Nil anders. der es von der Polizei zurückerhält. Für Kant überstieg die Erkenntnis Gottes die menschlichen Fähigkeiten. würde nicht einer eine Frau im Präsidentenamt akzeptieren. »Die Befehle waren ziemlich als Kamelschlacht bekannt geworden ist und den unmissverständlich«.Gamal zu verdanken. »482 Frauen. und dennoch entwickelte er die tiefe und hintergründige Vorstellung eines vernünftigen Glaubens.um eine Kopie der Île Saint-Louis zu erschaffen. wenn sich der Bildungsstand in Ägypten nicht verbessert. jenem umstrittenen Verfassungszusatz. die Methoden des gewaltlosen Kampfes zu erlernen und weiterzuvermitteln. die in Stein verwandelt wurden‹. die apathischste Gruppe in diesem Land. den ich traf. »Aber sie sind eher wie die Republikaner im US-Kongress. »Das Referendum (zur Änderung der Verfassung. doch sind sich alle einig.« Es hat die Anhänger der säkularen Opposition sie nicht in Demokratie unterstützt und den Befehl erteilt. Geld wollen sie keines für den Tagestrip. Diese Leute werden nicht einfach wieder einschlafen. ob wir Paris am Nil sind. den Ras. Anm. als hätte man keine Adresse. Im heutigen Ägypten jedoch gibt sich selbst der liberale Präsidentschaftskandidat ElBaradei als Befürworter von Artikel 2 zu erkennen. »In Kairo arbeiten Land«. Ein Restaurant bietet anbis in Kleopatras Tage zurück. erzählt Dalia. ob ägyptische Männer Angst vor Frauen haben. Die Leute schauen in die Sonne und bensbedingungen verbessern. von der sich für die Neuerfindung von Traditionen zehren ließe? »Die ägyptische Zivilisation ist eine französische Erfindung«. Unsere Anknüpfungspunkte ans alte Ägypten sind also äußerst dürftig. vertrieb ihn in Ägypten und im Jemen und schloss sich mit anderen Aktivisten zusammen. nur nicht zu seinen zaghaften agnostizistischen Tendenzen? Auch die westliche Aufklärung war nie so religionsfeindlich wie allgemein angenommen. ein enttäuschendes Ergebnis: Von 1300 Teilnehmern. sagt Ekramy. d. Auf der anderen. dass ich überrascht war. dass die patriarchalischen Strukturen tief verankert sind. »Achten Sie volutionen brechen mit Vorliebe aus. Wir beide wissen. die sie am Tag des Referendums durchführte. Jahrhunderts auf der Trennung von Kirche und Staat. Ägypdass der Lebensstandard seit 2005 viele Ägypter ihres ter zu sein. die Präsidentwieder aufgenommen – um sicherzustellen. als sich uns auf dem Tahrir-Platz arme Frauen anschlossen. die die Sphinx beäugen. wie so viele Völker. ten Staaten. dass dies das Gegenteil von Aufklärung ist. sagt Mohammed. obwohl wir ihre Völker sumgüter sind leichter zu bekomersten Mal Selbstvon Herzen lieben. Als Philosophin. den Motiven von Fremden mit Gast. »Es sollte ein Wendepunkt der Revolution darstellte.Trotz.« Was aber bedeutet Aufklärung in einem Land von immer noch solcher Religiosität. Zurzeit besichtigen mehr Ägypter als ausländische Touristen die Pyramiden. Dalias Leben erfuhr 2006 eine Wende. 818 Männern«. Ich liebe es. dass es noch Jahrzehnte dauern wird. um in Ägypten zu erkunden. »Sie hatten sich orga. als wir über sie wissen.« Als ich die Einzigen. »Vor dem 19.ziere setzten ihre Vorgesetzten unter Druck. »In Ägypten erfahren wir von Malcolm X.Bürger gut zu behandeln. die wie die meisten Frauen in Ägypten mit einem Hijab den Kopf bedeckt. heißt Antisemitismus. und Autos ausgelassene Stimmung. um den Tahrir-Platz zu verteidigen. Dalia Ziada leitet das Nordafrikabüro der Amerikanisch-Islamischen Konferenz. – »Ich bin in Ägypten. Aber sie arbeiten daran: Dalia hat Programme ins Leben gerufen. kontrolliert das Militär zwischen 30 und 40 Prozent der Volkswirtschaft. »Anfangs galt meine Sorge weniger der moralischen Dimension als dem Umstand. So viel zur islamistischen Ablehnung der Götzenverehrung. doch seine Kant-Lektüre überzeugte ihn davon. Die jüngste Umfrage ergab. und selbst die. zu.schlossene Wirtschaft bedrohten. »Yes nehmen und die Geduld nachlässt. »Er war es.tausend Minarette oder das pulsierende Herz des Panlich verankert habe? arabismus. die Stadt der Unternehmen den Verkauf politischer Ämter gesetz. außer einigen Busladungen an Briten von närrischer Unerschütterlichkeit sind es vor allem Liebespaare. wie der Westen Ägypten helfen kann. Nichtsdestotrotz bestanden die Aufklärer des 18. Voltaire zog gegen den Machtmissbrauch des Klerus zu Felde. dieser Gedanke ist neu für sie.« Der Mann ist halb so alt wie ich und weiß wie viele seiner Mitstreiter nicht nur so viel mehr über uns. der Kolonialismus reicht dortigen Cafés zu treffen. Ohne dieses Bild verlöre sie ihren Daseinszweck. mit einer in Zeiten politischer Umwälzungen seltenen Reife von der Geduld. aber er hat auch die Pharaonen adoptiert. Ob wohl auch Ägypter die Pyramiden besichtigen? »Am schönsten ist es um fünf Uhr morgens«. »Man roch zweites Tiananmen werden. als verGründe zurück. der Touristen zu den Pyramiden Hochschulabsolventen vielleicht als Kellner. Institutionen.Häuser auf Zemalek stehen in so scharfem Gegensatz stützung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 57 Gegenwärtig besuchen viele Ägypter. Wasser. Heute sorgt sich Dalia vor allem darum.« Sie war inspiriert und begann. dessen jüngste Entscheidung im Fall »Widersprüchliche Identitäten«. sondern auch eine große jüdische Gemeinschaft einschließt und ihrer Meinung nach mit einer muslimisch fundierten Kultur vereinbar sei – während die jüngsten Angriffe auf Kopten eine Anomalie darstellten. der sich taktvoll jeden Anflugs von Selbstgefälligkeit enthält. Das öffentliche Mittagsgebet be. ein anderes leiter in Mohamed ElBaradeis Wahlkampfteam für einen großartigen Blick über den Nil.« Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Zuletzt erschien von der Amerikanerin Susan Neiman »Moralische Klarheit«.« Die Korruption in Ägypten.) hat gezeigt. den wirtschaftlichen Status der Familie zu festigen. der Revolution der sicherste Ort.schiedene Leute vorschlugen. Diese Woche fanden sich 1200 Menschen zu einer Bürgerversammlung über Wasserpolitik ein.« Dalia sagt auch. Einer der Gründe. der der Armee Fesseln anlegen möchte: Sie ist. mir die Pyramiden und die Sphinx zu zeigen.« Die gepflegten Gärten und prächtigen Diese jungen Wortführer verdienen jede Unter. Zugleich ist es eine Pervertierung der Vernunft: Eine einfache Erklärung für alles Böse in der Welt muss her. Ekramy möchte mich sogar zum Essen einladen.« dass im Westen alles besser funkDie wirtschaftlichen Ungleichtionierte – von den Internetverheiten waren ein Faktor in dem Der neue Stolz Unmut. dass Ägypten auf eine lange Tradition des religiösen Pluralismus zurückblickt. von heute aus gefragt: Sind die jüngsten Nachrichten aus Kairo über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen der charakteristische Ausdruck für ein Land im Umbruch? Ich glaube eher nicht. dass zwar 38 Prozent der Ägypter für eine Regierungsbeteiligung der Bruderschaft sind. Zwar beeindruckt sie die Festschreibung des Religionsgesetzes in dem kürzlich abgehaltenen Verfassungsreferendum nicht. ergänzt Dalia. das Feuer auf die Demonstranten am der Gestank«. Amr glaubt. bis Ägypten die Art von gebildeter Öffentlichkeit hervorgebracht hat.« Kleinlaut räume ich ein. die nisiert. sagt Amr. auf der sie von Martin Luther King hörte. Junge Männer spazieren Hand in Hand mit ihren in farbenfrohen Hijabs gewandeten Frauen umher. Stammten die Präsidentschaftswahlen. aus den wohlhabendsten Familien? »Zemalek sismus der Kolonialmächte verinnerlicht. als sie einen Aufsatzwettbewerb gewann und zu einer Konferenz in Kairo eingeladen wurde. fragt mich Mohammed. ich sehe sogar eine stattliche Frau mit einem Gesichtsschleier. »Am schlimmsten war weigerte.zu den von Rissen gezeichneten. »Nehmen wir einmal an. aber dessen Lauf vor zweihundert Jahren geändert wurde. bestand darin. das Tahrir-Platz zu eröffnen. meinen Benjamin Franklin und sogar meinen Elbridge Gerry. erzählt er mir. wenn du deine Großväter hasst? Das ist. »Die Islamisten geben Anlass zur Sorge«. meint ein Kairoer. aber die Pyramiden sind etwas anderes. wollte ich wissen: Wie sieht sie aus in Kairos staubigen Straßen? Oder. in der Wüste zu schlafen. Ahmed Saled. aber die meisten sagen auch. die Armee einfach einen Herrscher abgesetzt. dass er sein Leben nicht auf instrumentelle Erwägungen gründen wollte. der Aufstieg der Muslimbruderschaft aber beunruhigt sie.« Im versmogten Kairo ist kein einziger Stern zu sehen. »Tunesien ist ganz ginnt mit der Bitte: »Möge Gott unsere Herzen von anders«. als wir selbst es tun. dass die politische Macht der Fundamentalisten wachsen wird. fand aber stattdessen eine ermutigende Situation vor«. die ihre Enkelin die Stufen der Pyramide hinabführt. »Sie haben die Pyramiden noch nicht besichtigt?«. musste am eigenen Leib eine Genitalverstümmelung erleben – doch diese Praxis auszumerzen ist nur eines ihrer Ziele. aber kaum ausländische Touristen die Pyramiden »Kant hat mein Leben verändert« Was ist Aufklärung? Die Philosophin SUSAN NEIMAN reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen. sei ein seit Langem bestehendes Problem. die sich um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen bemühen.« Seine waren Beduinen. und wenn der Revolution hat er wenig Arbeit. gibt er zes entfernt liegt Zemalek. »Hier wird Politik gemacht. Die Polizei jagte Zwar grollten viele Menschen dem Imperialismus. dann wüssten sie nichts. berichtet der Soziologe Todd Gitlin. doch wären es ohne die Muslimbruderschaft Rebellion innerhalb der Armee befürchteten. die genügend Nahrung. was Aufklärung ist.« kommt die Antwort unverzüglich: »Geht mit gutem Nicht weit vom Staub und Lärm des Tahrir-PlatBeispiel voran. wenn sich Leauf ihre Augen.« – »Die Revolution ist großartig. rechnen in Jahrzehnten. oder hat we can«. »Niemand weiß das«. dem es oblag.] . sagt Amr mit Blick auf die SelbstverbrenFurcht befreien«. sagt Bassem Sabry. steht auf der einen Seite. Diese Verbeslassen sich die ägyptische Fahne serungen sind im Wesentlichen der aufs Gesicht malen. er weiß sogar mehr über uns. Sie schenkt mir ein ungläubiges Lächeln. ohne sie gesehen zu haben.« men als früher: Klimaanlagen sind bewusstsein spüren Auf dem Tahrir-Platz herrscht kein Luxusartikel mehr. 50 Prozent jedoch die säkulare WAFD-Partei bevorzugen. es gibt zu viele Wachmänner rund um doch waren wir zugleich überzeugt. der die Demonstranten bindungen bis zu demokratischen antrieb. Julian Roeder/Ostkreuz [M. sondern aus Patriotismus unterstützt man Mütter tragen Plakate mit Bildern ihrer Söhne. mit all den Sternen am Himmel. Sie ist Direktorin des EinsteinForums in Potsdam Fotos: Katja Hoffmann/laif (o. die Mittagshitze zu greifen. der die Scharia zur Grundlage des ägyptischen Rechts erhebt. warum selbst hat sich das Militär vorbildlich verhalten. sagen die schaft zu übernehmen. verfallenden Häusern fallen. Nach einer mehrwöchigen Ver. »Ägypten war ein mutloses den dortigen Aufstand auslöste. sich mit ihren eigenen Problemen zu befassen. ich wäre Alexander Hamilton«. sagt Bassem. die Bausch und Bogen ablehnen. dass ich nicht weiß. »wenn man den Sonnenaufgang sehen kann. »Ich würde immer noch meinen Thomas Jefferson brauchen. Ich frage sie. Sie übersetzte einen Comic über den Montgomery-Busboykott ins Arabische. »Wir Citizens United über die Wahlkampfwerbung von wissen nie. die sich seit Langem mit der Aufklärung beschäftigt. und Abwehrmaßnahmen mobilisieren konnten. dass seine MaßOrganisatoren. in Ägypten ein mutiger Schritt. während ihre Eltern Lieder und neoliberalen Wirtschaftspolitik von Mubaraks Sohn Reden anhören. Die fromme Muslimin. sie waren den nationalen Diskurs nach rechts drängen. »Sie wollen die Regierung nicht übernehmen«.« Revon sich selbst verändert«. »Es fehlt ihnen an nichts.« Je nachdem. das Datum der Revolution. KonUSA noch von der EU regiert lässt das Volk zum werden. der nicht nur die Kopten. wer Elbridge Gerry war.« Dennoch ergab eine Befragung. sagt Amr Bargisi. aber und anderen antiken Sehenswürdigkeiten führt. sagt Dalia. »Dass es ernst war mit der Revolution. »Auch Obama muss sich in der Kirche zeigen«.). also gibt es Verrücktheiten wie die Behauptung. die Erwartungen zuins Licht. Viele Menschen trauern noch. was sei mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinig. die Häuser der Reichen. Als ältester Sohn. hatte er Ingenieurwissenschaften studiert. rechnete ich mit einer postrevolutionären Malaise. der Mossad stünde hinter den jüngsten Haiangriffen im Roten Meer. um anschließend mit einem Doktorandenstipendium an die Universität von Chicago zu gehen. von wem die Schätzung stammt.« Unlängst verkündete merklich gestiegen ist. und sie scheint ihn so köstlich wie unmöglich zu finden. »Das sind meine Großväter. und die Juden erfüllen diesen Zweck. wie Amr formuliert. der die Verfassung nicht unterzeichnete. erwidert Amr. weil sie keinen Grundrechtekatalog enthielt. Er verlegte sich auf ein Studium der Politischen Philosophie an der AinShams-Universität in Kairo. aus Furcht. »Wer bist du.« Gibt es eine antike Zivilisation. um arme Frauen über ihr Wahlrecht und gebildete Frauen über Wahlkampfmethoden aufzuklären. Und will ich wirklich meine Wurzeln in einer autokratischen Sklavenhaltergesellschaft entdecken?« Ekramy sieht das anders.meine Kontaktpersonen. verfasste aber auch herrliche Lobgesänge auf den Deismus. Red. war ein Stück Land und etwas Wasser. aber nie von King. Dalia erinnert mich daran. Jeder hier hält einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina für eine tragende Säule des Fortschritts im Nahen Osten. um die Revolution zu sehen. Die Ägypter blicken auf Jahrhunderte guter im Rest von Kairo. und alle machen mit. sagt Amr. Seitdem Tausende gewesen – der Hauptgrund. Kinder sind allgegenwärtig. Die allgemeine Freude ist in der nung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. was der Westen schon fast vergessen hat. ein junger Filmproduzent. »die einzige funktionierende Institution in diesem gottverlassenen Land«. Programmleiter der »Ägyptischen Union der liberalen Jugend«. nur sollte sie möglichst geräuscharm aus. Seit nicht als Gemüsehändler auf der Straße. »und es war während dieser Revolution schämten wir uns alles Ägyptischen. die die Armee. die in Ehren halten. Die Schattenseite. warum sich schnaufpause wurden die Freitagsdemonstrationen die Armee seinem Versuch widersetzte.« Hunderte kamen ums Le. Er hat Artikel gegen den Antisemitismus publiziert. wurde mir in dem Moment klar. aber die jüngeren Offinichts mehr außer Blut. die eine ben. dass er die Ägypter davon ablenkt. »Als ich nach Kairo kam. dem äußeren Anschein zum tion hätten die Ägypter.

an dem der amerikanische Präsident seine Reden zur Lage der Nation hält. In ihr bewegen sich Barbara Hannigan als Matsukaze und Charlotte Hellekant als Murasame stimmlich wie darstellerisch grandios frei schwebend wie Insektenopfer in einem Schicksalsspinnennetz. Wir stehen vor einer großen Videoleinwand. denn diese Theaterform wird streng traditionalistisch und in ihrer Choreografie bis ins kleinste Fingerspreizen unverändert über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben. was erklingt. Hosokawa erzählte in einer PressekonDas hört sich fernöstlich entrückter an. um stark zu sein. Er Japan vor allem den aus Autos und Industrieprohat in Freiburg beim Schweizer Kompositionspro. das traditionelle Nō-Theater mache ihn schnell müde. dass nichts zu sehen ist – was bleibt uns also übrig. so lange. Immer wieder baute er sich solche Miniaturwelten. sich stürzend zu verbiegen und irrwitzig zu verrenken. die in ihrer Musik Befindlichkeiten wild gezackt und kompliziert geschichtet ausleben. Solches Streben nach Reduktion und Verdichtung zum Essenziellen ist auch in der Musik von Hosokawa und der Choreografie von Waltz stets zu spüren. der Katalog kostet 35 Euro Fotos: Thomas Dashuber/Courtesy Sammlung Goetz. Gefallene Helden – die Videoinstallation »Caryatid (Red. Er zählt zwar schon seit etlichen Jahren zu den wichtigsten Video. auch im richtigen Leben.) Dübgen mit viel Feingespür für die Stille zwischen den Versen ins Deutsche übertragen hat. Doch nichts geschieht. Mit gigantischem Aufwand schneidert er ihnen am Computer eine Art digitalen Tarnumhang. Wir sind auf einer zauberischen Insel: Wie sich das Land sanft aus dem Meer erhebt. so steigen die Klänge aus der Stille auf. er ist auch ein Trainer der Vorstellungskräfte. gefangen in einer der Pfeifferschen Endlosschleifen – für immer muss er dort bäuchlings auf einem Sofa zappeln. etwa wenn er auf winzigen Bildschirmen viele bekannte Hollywood-Größen zu Hollywood-Zwergen schrumpfen lässt. Hosokawa. der Gesang und der Tanz bringen ihnen am Ende die Erlösung. Erst die Musik. immer wieder und wieder. in der sie verdammt sind. Keiner foult so hässlich. »was Natur ist. Jahrgang 1966. sie gewinnen Kristallines. Schon als Kind hatte Pfeiffer ein großes Faible für Puppenstuben. er reißt sie aus jener Hölle. wie Paul Pfeiffer. dass aus dem Kunstschauen ein Kunstschaudern wird. So wie Pfeiffers Fußballheroen jede Ursache abhandenkam. Und so erkennen manche in seinen Fußballern auch Inbilder der Geworfenheit. wie zu hören ist. hat sich in der Hin. enträumlicht sie. Bilder von den muskelbepackten Fußballmännern zum Beispiel. vor Ungeduld. das ist unübersehbar. Bernd Uhlig (l. nur ein winziges Spähloch in der Leinwand. in vention unhinterfragt lässt.58 12. Doch sie geht nicht unter. Alles andere hat er aus den Aufnahmen getilgt: die Nummern der Spieler. Drei Monate dauert Pfeiffers Film über den Bau eines Wespennests und noch viel länger sein Sonnenaufgang. Das zumindest scheint als Hoffnung in vielen Werken mitzuschwingen: dass nicht nur die Motive. bis man sich sehnsüchtig wünscht. ferenz vor der Premiere. dass er bei den Bildern aus Hosokawa ist kein altjapanischer Traditionalist. in Endlosschleife. sondern auch die Betrachter herausfinden aus den vorgestanzten Mustern des Sehens und der Bewunderung. Zurück bleibt der krude Schmerz. Denn wer durch das Loch sieht. Pfeiffer erlöst Marilyn Monroe ebenso wie Michael Jackson oder Muhammad Ali.sein Gedächtnis eingebrannt habe. immer nur Ikonen und Legenden zu sein.dukten bestehenden Zivilisationsschrott. Klein Paul liebte die Rolle des Schöpfers. die in ihren bunten Leibchen über den Rasen stürmen. nie will er sich davon beherrschen lassen. Doch die eigene Bedeutung scheint ihm unheimlich. dessen Groß. Doch zeigt Pfeiffer glücklicherweise auch ein Talent für das Böse und Absurde. Es ist ein poetischer Abend der zarten musikalischen Gesten und der kalligrafisch in den Raum gemalten Tänzerbewegungen. Pfeiffer interessiert sich einzig für den Leib und seine brachialen Verformungen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Zittern der Natur Zu schön. der Feuerball glimmt sehnsuchtsfarben. Hosokawa erklärte. Wo zuvor die Monroe stand. geschlagen.und Formenspeck! Runter mit den Bedeutungspfunden! Nicht wenige Künstler der letzten hundert Jahre waren geniale Diätmeister: Sie entschlackten die Motive. erledigt. den die fessor Klaus Huber studiert und in Stuttgart bei Tsunamiwelle mit sich führte und als TrümmerHelmut Lachenmann. Die Oper handelt auch so von nichts sechshundert Jahre alten Nō-Spiel des in Japan ver. So kennt man die Kompositionen von Toshio Hosokawa. die wir eben noch für groß und real hielten. Er will Herrscher sein – und die Betrachter dazu machen. Dennoch oder gerade deshalb: Die Bilder haften. Schluss mit dem kalorienreichen Pathos des 19. der seine Schöpfung auslöscht. wie die gemächlich untergehende Sonne die Schatten in der Landschaft länger und dunkler werden lässt und wie in der Nacht dann Sturmböen heraufziehen. nur um im nächsten Moment böse zu straucheln. Sie ist ein bisschen zu schön. Zu offenkundig ist die medienkritische Belehrung.feld gleichsam vorwurfsvoll am Ufer zurückließ. Auch dort sei der Malakt von der geistigen Konzentration bis zu den ausholenden und nachschwingenden Armbewegungen viel umfassender als das. scheint sich für diese Kunst der Entsagung zu begeistern. nicht nur in seiner Kunst. Wunderschön ist Pfeiffers Kunst und wunderschrecklich. sich vom irdischen Dasein zu lösen und im buddhistischen Sinne eins mit der Natur zu werden. Blue)«. Wohl auch deshalb scheint er seine Kunst mitunter als Befreiungskommando zu begreifen. das dort drinnen eine Kamera jene Kleinstwelt filmt. zu vordergründig der Versuchsaufbau. erwarten seinen Auftritt. Er sieht in seiner musikalischen Arbeit Parallelen zur japanischen Kunst der Kalligrafie. Er geht sparsam mit den Tönen um. ganz wie einst Andy Warhol. und irgendwann scheint sich die Sonne tatsächlich dem Horizont zu nähern. Viel Mühe und Zeit investiert er. Manchmal zappeln aber auch wir. Diese Wand steht für die Grenze zwischen der wirklichen Welt und dem Jenseits. Und in gewissem Sinne ist das auch für die Betrachter eine Erlösung. Doch geht die Hingabe an das Filigrane und fein Ziselierte auch mit einer gewissen Theaterblässe einher. in großen Bögen sich aufwölbend. »Wir haben vater ein Ikebana-Lehrer war und dessen Mutter das vergessen«. V Pfeiffer wäre eine solche Deutung schon wieder viel zu pathetisch. Pfeiffer begeistert sich für Sport. die Botschaft. so als hätte eine höhere Macht sie am Wickel und würde sie durch die Luft schleudern und niederwerfen. Yellow. sagte Hosokawa. von dem man denkt. Er will nicht festgelegt werden auf eine Rolle. da ist nun keine Monroe mehr. dessen neue Oper Matsukaze vergangene Woche in Brüssel uraufgeführt wurde. sie strahlt immer weiter. Im Gegenteil. Jahrhunderts. bis sie halb zerdrückt auf dem Gras liegen bleiben. auf der Documenta in Kassel ausstellen. die sich winden und krümmen. Wir treten näher heran an das Pult – und in diesem Moment ist sie dann doch da. an dem sich Waltz und Hosokawa versucht haben: Matsukaze und Murasame sind Arbeiterinnen in einer Salzmühle. was am Ende als Tuschestrich auf dem Papier sichtbar werde. der keine Komponierkon. Keine üppigen Erzählungen mehr. der Bildern misstraut. als die Leerstellen mit eigenen Bildern zu füllen? Pfeiffer ist eben nicht nur ästhetischer Diätmeister. Und schon jetzt richtet ihm die Sammlung Goetz in München eine umsichtig komponierte Retrospektive aus. Noch heute wohnt diese Erfahrung in seiner Kunst. Ein großer Zauber liegt über der eineinhalbstündigen Brüsseler Uraufführung. Denn so paradox es klingt: Er ist ein Bildermensch. Dem westlichen Betrachter mag das Projekt wie ein Bekenntnis zur japanischen Theatertradition vorkommen. wenngleich eine anstrengende. Keiner foult schöner Bei ihm zappelt nicht nur Tom Cruise in den Endlosschleifen: Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG D Ein grandioses Schicksalsspinnennetz spannt sich über die Bühne Die Geschichte erzählt das Schicksal der Schwestern Matsukaze und Murasame. Das gilt freilich nicht für den Coup. Oktober. Selbst der Megastar Tom Cruise wird zum Miniwicht. Aus fernöstlichem Blickwinkel hingegen ist die Neuvertonung eines Nō-Spiels eine gewagte Tat. Bei ihm ist das vergängliche Spiel ewiges Drama: Pfeiffer entzeitlicht seine Szenen. Das gilt Bezug nehmen sollen. um stark zu sein: Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. erblickt die Politkulisse im Puppenstubenformat und begreift. getanzt von Sasha Waltz in Brüssel VON CLAUS SPAHN ie Hauptrolle in dieser Oper spielen die Klänge der Natur. seine Kunst erzählt von Ermächtigung. Der Japaner gehört nicht zu den Komponisten. die Bannerwerbung. Doch so groß seine Begeisterung für Massenphänome auch sein mag. Er hält sich zurück. kommendes Jahr wird er. um den Stoff auch szenisch-choreografisch ganz aus der Gegenwartsperspektive zu entwickeln. Es geht auch nicht um Bundesligapunkte oder Finaleinzug. Weg mit dem Farb. zitternde und aufbrausende Natur. er sei ein Sonnenuntergang. was nicht erklingt. nichts ist zu erblicken. Denn zu sehen ist ja nur. auch das unübersehbar. scheint in seinen Werken genauso bedeutsam zu sein wie das. als es ist. 2008 ielleicht sollte man die Geschichte der modernen Kunst als große Schlankheitskur verstehen. so hat sie den leeren Raum mit einem Gewirr aus schwarzen Seilen durchzogen. wachsende. das die Librettistin Hannah im Einklang leben. er entrückt das Vertraute in geradezu mythische Sphären. wie Paul Pfeiffer. Noch das heißeste Spektakel wird bei ihm kalt serviert. Und Alis bekannteste Kämpfe finden jetzt ohne ihn statt und ohne seine Gegner. Hinzu kommt. Keiner foult so schön. Bis zum 1. den sich die Bühnenbildnerin Chiharu Shiota für die Zwischenwelt der Schwestern ausgedacht hat. für Hollywood-Filme. bis nur noch waschbrettstramme Abstraktionen übrig blieben. für Pop. sehen auf dieser das Pult. seine Botschaft. Menschen.und Waltz hätten lange darüber diskutiert. Er will. die über ihren Tod hinaus der Liebe zu einem Mann nachhängen und deshalb als unerlöste Geister durch die Welt spuken. ebenso allerdings die Begeisterung des Betrachters. aber ganz freisprechen von diesem Vorwurf kann man auch seine Matsukaze-Oper nicht. Die Musik ist fließende. gelegentlich rauscht eine Möwe vorbei. Bei ihm ist das Foul kein Regelverstoß. Sie haben es nicht getan – auch für seine Oper Matsukaze. ob sie wendung zur westlichen Avantgarde einen neuen in ihrer Produktion auf die aktuellen Ereignisse Zugang zur Kunst seiner Heimat verschafft. Alles ist postkartenschön arrangiert. auf den berühmten Bildern am Strand. sie leuchtet. so fehlt auch hier das Eigentliche.und Fotokünstlern. dass Mensch und Natur ehrten Dichters Zeami. Wir hören das Schwirren des Windes in den Bäumen und das Kräuseln der Meereswellen am Ufer. Mitten in den Berliner Proben zu Die Figuren schweben zwischen Diesseits und Jenseits dieser Oper bebte in Japan die Erde. Das Publikum glotzt dennoch gebannt auf den leeren Boxring.anderem als der Utopie. nicht das übliche Gehakel und Geschubse. Die Illusion zerbirst.« Er Zitherinstrument Koto spielte. Rhythmus und polyfone Strukturen spielen in seinen Stücken kaum eine Rolle. irgendjemand möge doch das Licht ausmachen. Die Klangfarben des Orchesters geben uns ein Bild davon. sondern nur blauer Himmel und gischtendes Meer. Sie basiert auf einem zu Recht. Auch der New Yorker Medienkünstler Paul Pfeiffer. sogar den Ball und die rempelnden Mitspieler. . damit auf seinen Videos und Fotografien am Ende möglichst wenig zu sehen ist. Wie sich die unendliche Sehnsucht der beiden in Hosokawas Musik vielfädig ausspinnt. Er interessiert sich vielmehr für die Eigendynamik der Klänge und weit gespannte melodische Verlaufsformen. will keine Medienfigur sein. nur um sie später im Hinterhof mit Kerosin zu übergießen und anzuzünden. gelegentlich schwanken die Begrenzungsseile. Die beiden Schwestern geben in der Handlung ein Bild für den künstlerischen Prozess. Ihre Liebessehnsucht hindert sie daran. und unter diesem lässt er sie verschwinden. dass Hosokawa sich mit Sasha Waltz und ihrem Berliner Tanzensemble zusammengetan hat.

Italiaander hat ausschließlich Naive gesammelt. In Indianerreservaten in Neumexiko stieß er auf die Technik der Sandmalerei. Contemporary Fine Arts und Eigen + Art. »die Schleswig-Holsteiner müssen sich neu besinnen«. der sich laut Bildbeschreibung als Jäger und Fischer ernährte. Verblüffend ist die Zahl der Materialien und I Stile. Einmal Kulturschock in Reinbek kostet einen Euro fünfzig. darunter auch bekannte europäische Namen wie Louis Vivin oder Hector Trotin. Kinderbücher. Das entgrenzte Lächeln aller Beteiligten entbehrt nicht einer gewissen Komik. Mit Manfred von Richthofen. ein Paar Huanghuali-Armlehnstühle aus dem 17. Wer zahlt so viel Geld für diese Möbel? Es sind zumeist chinesische Sammler. Insolvente Bieter versucht man in Stuttgart – wie in anderen Auktionshäusern auch – mit bestimmten Regeln fernzuhalten: So dürfen Sammler nicht über gewisse Limits hinaus mitbieten. Gut 300 Chinesen saßen während der Auktion im Stuttgarter Auktionshaus. aus Deutschland kommen unter anderem Sprüth Magers. Erhaben schließlich die Einsicht. Und die Fliegerei begleitete ihn bis an sein Lebensende. die in den vergangenen Jahren extrem reich geworden sind und sich nun das entsprechende Kulturgut leisten wollen: Die neuen Kaiser von China bevorzugen Kaiserliches. Mit so hohen Zuschlägen hätte auch er nicht gerechnet. und oft brachte er Kunstwerke mit nach Hause. den sie vermitteln. der ballspielende Männer ebenso wie Urwaldtiere malte und sein Geld als Zöllner verdiente. er steigerte seinen mittleren Schätzpreis also um das Vierzigfache. Mit der Gründlichkeit des Ethnologen und dem Gespür des Sammlers durchstreifte Italiaander die Kontinente. Mit Aufgeld hat Nagel in seiner zweitägigen Auktion asiatischer Kunst insgesamt 20 Millionen Euro umgesetzt – in etwa also so viel. Asien. 4500 Stück des vierbändigen Auktionskatalogs hatte man in den Wochen zuvor an Interessenten in China verschicken müssen. weltweit die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst. die Szene könnte en plein air statt im Himalaya auch bei Bruhnskoppel in der Holsteinischen Schweiz gemalt worden sein. der in Peking das Deutsche Hospital leitete und Leibarzt des letzten Kaisers Puyi war. Jahrhundert wurde für 600 000 Euro versteigert. Und so lassen sich mit altem chinesischem Kunsthandwerk derzeit die unglaublichsten Gewinne machen. obwohl er weiß. Der Millionen-Euro-Tisch etwa stammt aus dem kaiserlichen Palast. Hongkong. zu geschult sei inzwischen der eigene Blick und zu eng das Netzwerk der Experten. Viele der Arbeiten bekam er geschenkt. Spektakulär war im vergangenen Herbst der Fall jener Qianlong-Vase. das war 1931. rote Dächer und neben einem weiß blühenden Baum die Kirche im Dorf. versuchte sich als Dramatiker und entdeckte als Verleger den noch unbekannten Wolfgang Borchert. ein Huanghuali-Bücherkasten für 240 000 Euro (jeweils ohne das Aufgeld des Auktionshauses von 33 Prozent). glücklich schockiert nach der Auktion. Vom persischen Schah die Ansicht eines Wüstendorfs unter gleißender Sonne. und die Art Basel geht nach Hongkong. 2001 war die Bücherkiste bei Sotheby’s in London noch für 7000 Pfund (inklusive Aufgeld) versteigert worden. Sein Museum hat etwas von diesem Staunen ins Heute herübergerettet. einen ägyptischen Teppich von Helmut Schmidt. schließlich an viele entlegene Orte der Erde. und wie Bernhard Grzimek. der am vergangenen Freitag im Stuttgarter Auktionshaus Nagel einen Tisch aus dem kaiserlichen China ersteigerte. Kulturschock für einen Euro fünfzig Der ZEIT-Museumsführer: Das Museum Rade am Schloss Reinbek TÄGLICH GEÖFFNET. aus Baumwurzeln Skulpturen zu schnitzen. Dagegen forderte der Sammler bei der Eröffnung.33 Millionen Euro versteigert chreibt es sich besser an einem Tisch. könnte einer höfischen Szene des 18. und man könne sich dort ein wenig wie in der Schweiz fühlen – wegen der liberalen Steuergesetze und Freihäfen der Stadt. Er war Konsul mehrerer afrikanischer Staaten und ließ überhaupt recht wenig aus in seinem Leben. Gut drei Prozent mehr als in den USA. Überfremdung sei in Reinbek nicht erwünscht. sei eine panasiatische Stadt. wie das Haus noch 2002 mit all seinen Auktionen in einem ganzen Jahr umsetzte. Trügen die Frauen nicht zackige Dreispitze als Kopfbekleidung. aber nicht unbedingt der europäischen Sammler zusagten. Die neuen Eigentümer verlegen die Hongkonger Messe ab nächstem Jahr von Ende Mai in den Februar. um an seine Werke zu gelangen. »Abstrus!«. Ist die Zeichnung fertig. brachte Italiaander dem staunenden Lese. Man hat diese Kunst als »naive Kunst« bezeichnet. Mit 19 Jahren radelte er quer durch Afrika. schrieb Rolf Italiaander sein erstes Buch: So lernte ich Segelfliegen. Und so konnte er sich auch für die jetzige Auktion wieder einige mit moderaten Schätzpreisen versehene Meisterstücke sichern. so der Vorwurf. übernehmen 60 Prozent der Anteile der Hongkonger Kunstmesse Art HK. höchst ungewöhnliches Ensemble. dann aber von diesem nicht bezahlt worden war. Hörspiele. der von der Erhabenheit der Alpen schwärmte. Fest steht jedoch: Es gibt kein zweites Museum in Deutschland. anders als die Konkurrenten bevorzugte er für die Nagel-Auktionen schon früh solche Lose. Auch andere Lose erzielten spektakuläre Preise. Es ist ein kluger Schachzug. Selbst die Kultbilder und die religiösen Motive aus fernen Ländern wirken vertraut. habe man in den vergangenen Jahren kaum noch Probleme gehabt. Museum Rade . der 1. Reiseromane. sondern »nur« das Leben reflektiert. in dem man auf engstem Raum von der Stammeskunst Melanesiens über Wahlplakate aus Ghana bis zu den Zeichnungen der Inuit im Norden Kanadas eine Sammlung derart bunter Kunstwerke sowohl von Amateuren als auch von Nationalmalern besichtigen kann. Mit Fälschungen. Ähnliches gilt für Ein Markt am Stadtrand von Rio einer brasilianischen Malerin. sagt Michael Trautmann. begründet der Messedirektor Marc Spiegler den Zukauf. Es gab Widerstände gegen das Museum. dass der Markt für alte chinesische Kunst derzeit unglaublich boomt. doch hat der Markt auch seine Tücken: Es kursieren viele Fälschungen. Mai große Galerien wie Gagosian. Die Art HK hat sich – zumindest aus westlicher Sicht – als die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst im asiatischen Raum etabliert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 59 Dieser chinesische Tisch aus ZitanHolz wurde bei Nagel in Stuttgart für 1. und die Zahlungsmoral der Höchstbietenden aus China ist zuweilen sehr gering. Da ist die hügelige Landschaftsidylle eines tibetischen Künstlers. aus dem der Mann aus Hongkong am Ende siegreich hervorging. Jahrhunderts entstammen. Das Bietgefecht. der zuständige Asienexperte bei Nagel. wo er auch als Kunstlehrer gearbeitet hatte. Als Autor von Fliegerromanen rettete er sich über die NS-Zeit. Michael Trautmann hat dem Auktionshaus in Deutschland über die Jahre den besten Ruf bei den Asiaten erworben. 15 in schwarze und weiße Felle vermummte Gestalten versammeln sich um einen roten Fußball. Die Haltung des jüdischen Königs Salomo auf einem aus Äthiopien mitgebrachten Ölgemälde auf Ziegenfell. ein Pudel hechelt verbindlich. weil er Farbe in ihr Leben bringt. wie er sich da vor der Königin zu Saba zu einem Handkuss verneigt. Hauser & Wirth und David Zwirner aus. Italiaander präparierte eine Platte mit Leim und brachte einen Navaho dazu. das sich so gar nicht in die backsteinern norddeutsche Leitkultur integrieren mag. Die Zukunft des Marktes liegt im fernen Osten VON TOBIAS TIMM der asiatischen. Ob sie es taten. die auf mögliche Kopien hinweisen. Sie kommen nicht heran an eine Lithografie des kanadischen Inuit Iye. in den zwanziger Jahren gelangte er in den Besitz des deutschen Mediziners Edmund Dipper. wir wissen es nicht. Wie Luis Trenker. ein Wandbild vom Präsidenten des Senegal. Bunte Marktstände. Fotos: Nagel Auktionen. der beste Jagdflieger des großen Krieges gelang ihm sogar ein Bestseller. Amerika. Nach dem Krieg gründete er eine Gesellschaft deutscher Übersetzer und die Freie Akademie der Künste in Hamburg. wie das Leben sich überall gleicht. Das Rechercheunternehmen Artprice gab kürzlich bekannt. muss vor der Auktion eine Depotzahlung an das Auktionshaus überweisen. Über seine Reisen nach Ozeanien. Und bescherte dem Auktionshaus Nagel seinen ersten Millionen-Euro-Hammerpreis sowie den deutschen Rekordumsatz mit einer Spezialauktion. Überwältigend der Eindruck von der Vielfalt der Welt. Titel: Die schöne iranische Sonne. in der er als Homosexueller das Schlimmste zu befürchten hatte. machen sie sie – glaubensbedingt – am Abend wieder kaputt. animierte er seine Schüler dazu. sodass sie der traditionell im Juni stattfindenden Ur-Art-Basel keine Konkurrenz auf einem anderen Kontinent mehr machen wird. denn das Geschäft in China könnte bald zum wichtigsten der Welt werden.und Fernsehpublikum der sechziger und siebziger Jahre die Wunder der Welt ins Wohnzimmer. dafür spricht eine andere Meldung des vergangenen Wochenendes: Die Eigentümer der Art Basel. Seit 1987 beherbergt das Museum Rade am Schloss Reinbek die Sammlung Italiaanders – ein grandioses. vor allem aber und immer wieder nach Afrika schrieb er viele Bücher. Die Figuren mit den überlängten Beinen wirken. dem einst wichtigsten Kunstmarkt der Welt. machte das Objekt aus der Qianlong-Periode zum wahrscheinlich teuersten Tisch der Welt. seine Zeichnung statt auf den Sandboden auf die Platte zu streuen. sagt Trautmann. Ihr prominentester Vertreter ist Henri Rousseau.33 Millionen Euro gekostet hat? Die Frage möchte man dem Milliardär aus Hongkong stellen. dem sie wie einem Fetisch zu huldigen scheinen. Es ist nicht das einzige Mal. in der eine Familie zwischen Bäumen an einem Fluss spazieren geht. In Afrika. er wurde aus dem extrem langsam nachwachsenden Zitan-Holz geschnitzt. der Tierfilmer. die dem Geschmack S Der China-Boom Mit Asiatika erzielt das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde. dieses Jahr stellen hier vom 25.KUNSTMARKT 12. die für 43 Millionen Pfund im kleinen englischen Auktionshaus Bainbridge’s einem chinesischen Sammler zugeschlagen. Sie gehören zu den schönsten Stücken der afrikanischen Abteilung. Der Mann hat sich einen Pullover um die Hüfte geknotet. der die Weltenbummelei inzwischen zu seinem Beruf gemacht hatte. Dass die vermögenden Chinesen nicht nur an altem Kunsthandwerk interessiert sind. als wäre ein starker Wüstenwind durch Giacomettis Gestalten gerauscht. Zusammengetragen hat Italiaander seine Sammlung mit bescheidenen Mitteln. weil sie nicht die Geschichte der Kunst. Die Navaho-Indianer streuen mit buntem Sand Zeichnungen ihrer Götter auf den Boden. Dramen. dass Italiaander einigen Einfluss nahm. Jetzt war der Tisch mit einer Taxe von 20 000 bis 30 000 Euro versehen. das Flugzeug brachte ihn. es gebe keine Zensur. von dem sie erzählt. bis 29. und wer über 500 000 Euro ausgeben will. Doch sie zeigen das bekannte Europa. AUSSER MONTAGS VON SVEN BEHRISCH 101 Ein Häuptlingsstuhl aus Melanesien N° m Alter von 18 Jahren. dass nach seinen Berechnungen schon im vergangenen Jahr 33 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Kunstversteigerungen in China gemacht wurden.

1973 gehörte Fischer zur Frankfurter »Putzgruppe«. in dem die Nachkriegsjugend aufwuchs. man habe das »prinzipienlose Spektakel« unter Protest verlassen. sprach Jo Schück in der ersten Ausgabe seines Popmagazins Der Marker ebenso trocken wie sinnfrei. PETER KÜMMEL www. Offensichtlich musste dieses Land nach der Gewaltorgie des »Dritten Reiches« durch solche Auseinandersetzungen »ein Stück weit hindurch«.kultur. umhüllt von einer Wolldecke. Aber eingeleitet hatte Fischer diese Wende bereits 1995. So viel zur Ästhetik.« In aller Ruhe schildert Maier die schwarze Seite der Achtundsechziger-Revolte und die Kämpfe. Auch darüber schweigt der Film. aber doch leicht ablenkbaren Jugend der Fernsehzuschauer rekrutiert wurden. wie Fischer sagt. »die palästinensische Revolution unter Kontrolle zu bringen«.« So wurde er Taxifahrer. die darüber aufklärten.Kultur am vergangenen Wochenende versprochen worden. selektive Einblicke in mehr als 60 Jahre Leben gewähren. sie stelle sich nicht mehr. wir sehen einen alten Mann. Eine ebenso seriöse wie skurrile Dokumentation zur Erotik des Mondes. die darauf folgte. Wenn er standhält und zurückstarrt. Er bezeichnet. konzediert er. aber bevor es zu ulkig wurde.zeit. nicht die Achtundsechziger. dass Osama bin Laden diesbezüglich besser versorgt war. «Internet und Fernsehen«. mittendrin die größte Gestalt – der Kaiser als ewiger Rechthaber. Die Frage nach Hoch. um von Gewalt zu reden. Inhaltlich fehlt jede kritische Brechung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 61 Das Letzte Arme. Allerdings wird das Wort auch (gern unter jungen U-Bahn-Fahrern) benutzt. die aus dem Zentrum der medienüberladenen. in der Disco.« Dazu wäre ihm zu raten. Einer von ihnen berichtete nach der Rückkehr. als Verb wie als Substantiv. setzten durch. sollte es sich gut überlegen. Obama. Zu Recht erwähnt Fischer das »moralische Zwielicht«. die keine Zeit hatten. eine nie dagewesene Mischung aus »Popkultur« und «Lebensgefühl«. Wenn der Bestarrte den Blick senkt. Er nannte seine Erinnerungen Böse Jahre. Zumindest vorerst. einer Reportage über die erste Heavy Metal Band in Bagdad. wo es langgeht und was machen. etwas. dieses Kabelgewirr! Erbärmlich. sozusagen im Joschkabunker. dessen Schiff voller Gold und Silber war. Das philosophische Quartett und aspekte werden regelmäßig auch im Kultursender zu sehen sein. den intensiven Augenkontakt zwischen zwei möglichen Geschlechtspartnern. oh Drama«. dass auch Obama eine Modelleisenbahn besitzt und seinen Feind Osama entgleisen ließ. spricht er von der Zukunft: »Vielleicht fange ich das Laufen wieder an. die »ganz überwiegende Mehrheit« der Neuen Linken habe sich vom »neobakunistischen Gewaltkult« abgewandt. so die Erklärung des Programms. gut möglich. das Horst Seehofer laut Spiegel auch besitzt). Fischer folgt den Meilensteinen seines Lebens. so erläutert Herr Fischer sein Leben. Solche Untaten bagatellisiert der einstige Straßenkämpfer. Er allein führt die Regie. er befehlige eine Bergfestung.FEUILLETON Weniger Feuilleton Das Fernsehprogramm zdf. das umso häufiger vorkommt. diese Steckdosenleiste. Wohl deshalb schweigt er über sein postpolitisches Dasein als wenig beachteter Lobbyist. traten die Sendungen dazwischen. Der Filmheld hat erhebliche Verdienste vorzuweisen. FINIS War schon alles gut so. der Zeit als hessischer Umweltminister. in deren Gemächern orientalische Pracht zu finden sei. konnten meine Freunde nicht verstehen. Bild veröffentlicht dazu ein Foto der formidablen Penélope Cruz und schreibt in vertraut subtiler Diktion: »Ihr Dekolleté – pralle Beute für Seeräuber. nachdem wir uns zum Thema Rüstungspolitik oder vorehelichem Geschlechtsverkehr angebrüllt hatten. Nur einmal. Das Ganze dauert 140 Minuten und ermüdet enorm. Wer auch immer seinen Kinderwunsch. Ansehen und vielleicht gar das Bundesverdienstkreuz. die heute von so vielen gewählt werden kann. Was ist mit den Weibern im Orient los? Es kann natürlich sein. Er verfährt nach dem Prinzip von Wilhelm II. sollte mit wirklich allem rechnen. und das Möbel sieht aus. dass der furchtbare Osama in dieser Hinsicht eher furchtsam war. ließ langhaarige HimmelskörperExperten die »animalische« Wirkung der Gestirne erläutern. Man sieht diesen Blick auf dem Schulhof. wir sehen weder Ali Baba noch die vierzig Räuber und ihre sagenhaften Schätze. genauer die Seeräuberei betrifft. Die Fotos von der propalästinensischen Konferenz in Algier 1969 fehlen.« Zu diesen Veränderungen hat Joschka Fischer beigetragen – im Bösen und im Guten. die Arme über dem Bauch verschränkt. Fischers politische Gegner werden nur als Witzfiguren eingeblendet. er scheint mit genau dieser Mischung aus Kult und Kultur zu bestehen zu sein. seine Frauen und Kinder behandelt er als Unpersonen. er schwärmt von Robin Hood. Lächerlich! Foto: Nadja Klier/X-Verleih WÖRTERBERICHT Blickfick(en) Ein Begriff aus eiligen Zeiten. Darin flimmern auf Leinwänden wechselnde Fotos und Filmausschnitte. Und das war immerhin etwas. die von den Frankfurter Spontis zum Terrorismus führten. zusammen Schumann-Lieder am Klavier sangen.oder Popkultur. nicht zuletzt wegen des besseren Gedankenflusses. Der Protagonist schnipselt sein Leben für das Goldrähmchen zurecht. und die älteste schreibt über ihre Konflikte mit dem Vater: »Dass wir. Eine ganze westdeutsche Protestgeneration hat sie mit ihm begangen. Sein 1979 verfasster Aufsatz Durchs wilde Kurdistan trug dazu bei. was während seiner Lebenszeit alles geschehen sei – einer »Epoche. Sie. umgeben von den Bildern seiner selbst Im Joschkabunker Ein wahrer Staatsmann muss auch im eigenen Film herrschen: »Joschka und Herr Fischer« laues Hemd. die. dem verwegenen Freibeuter. aber der Mythos erzählt uns etwas ganz anderes.. die keine Zeit haben. Unter Hinweis auf die Killerkommandos der RAF und die islamische Revolution hatte er damals geschrieben: »Zuviel wird noch gefragt. in der Kneipe: Einer durchsengt einen Schwächeren mit dem Hass-Laser. das den Stab des amerikanischen Präsidenten bei der Beobachtung von Osama bin Ladens Tötung zeigt – und sprang anschließend kommentarlos zum nächsten Thema über. Er erzählt aus der Kindheit. Das Umdenken. Herausgekommen ist dabei – so zeigt es wenigstens das erste Sendewochenende – ein schneller Rhythmus von Bildabfolgen. Das humane und liberale Gegenstück zu Fischers Selbstporträt präsentierte in diesen Wochen bezeichnenderweise der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU). Reden und Texte beim zeitweisen Joggen hatte verfertigen können. gewinnt Reichtum. beginnt. Das wäre sozusagen ein VoodooZauber nach Märklin-Art. Er neigt mittlerweile zu Floskeln. Wahrscheinlich hatte er eine Modelleisenbahn im Keller. »Weitermachen«. mit der Fischer 1999 – von einem roten Farbbeutel getroffen und am Trommelfell verletzt – in knapp fünf Minuten den deutschen Kampfeinsatz gegen Serbien auf dem Parteitag der Grünen rechtfertigte. wo er seine Märklin H0 im Maßstab 1 : 87 fahren ließ (just jenes Modell. doch bleibt er merkwürdig unpersönlich. Vor allem aber trug er 25 Jahre lang in schier unendlichen Auseinandersetzungen dazu bei. später als Außenminister bis 2005. ›wie wir’s dann zuletzt‹ – nach 1945 – ›so herrlich weit gebracht‹. Während Pepe Danquarts Film Joschka und Herr Fischer steht Fischer im Ambiente einer Art Tiefgarage. Poetry-Slam-Live-Übertragungen und ein stets selbstironischer Grundton der Moderatoren. denn es wird berichtet. wesentlich zum Aufbau und zum Gelingen der zweiten deutschen Republik beigetragen haben. einer wurde dabei lebensgefährlich verletzt. so hatte die vierte Folge der Räuberpistole Fluch der Karibik eben in Los Angeles Premiere. von Eitelkeit und Kontrollwahn getrieben. Seinen Vater. so lautete am Sonntag die schlichte Ansage eines der tausend neuen FacebookFreunde auf der Profilseite von zdf. Lieber Unternehmer! Da darf man ganz legal räubern. Doch was letzten Samstag um 6. die das Mutterhaus in den neuen Kanal exportiert: Die heute nachrichten. aber wer Räuberhauptmann werden will.kultur will der denkfaulen Jugend eine Freude machen VON NINA PAUER Schlange gestanden hatten die Signalwörter. Ebendeshalb bleibt Fischer weit unter seinem Niveau. mit intelligenteren Methoden zu verteidigen als nur mit dem Traditionsargument. Fischer heute wegen solcher Fehltritte zu diskreditieren. Und trotzdem musste er den Fernseher mutterseelenallein bedienen. »Osama. Räuberhauptmann zu werden. ebenso die VerbindunVON GÖTZ ALY B Sehenswert The Four Lions von Christopher Morris An einem Samstag von Alexander Mindadze Das Hausmädchen von Img Sang-soo gen. fragte im ersten Vorstellungsfilmchen eine strenge Stimme aus dem Off. Und auch die Nostalgie wird gleich von der ersten Woche an bedient: Die Ratesendung Dalli. Ein »Medium von morgen« war dem jungen Zuschauer schon vor dem Start des neuen digitalen Fernsehkanals zdf. Verfassungsstaat und Demokratie mit mehr Phantasie. Dalli erlebt unter der Woche am Mittag ihre Renaissance. die er als Initiator der Widerstandsorganisation »Bund Freiheit der Wissenschaft« ausstand. die sich mit Angriffen auf einzelne Frankfurter Polizisten hervortat. Konzertmitschnitten von Bands wie Mando Diao und Björk. nach uralten Regeln. Maier lässt seine Töchter zu Wort kommen. Alsdann blieb ihm »eine Position in Europa« versagt. zu sehen waren abwechselnd Fragmente des klassischen Kulturkanons aus Oper und Sinfonieorchester und rappende Straßenmusiker. Eine gewagte Prognose angesichts einer Zielgruppe. dass die NS-Verbrechen verfolgt wurden und in den sechziger Jahren an den Schulen Filme und Texte gezeigt wurden. die ihn ebenso prägte wie er sie«. wie es war: Joschka Fischer. während er einige Sekunden lang perfekt in das berühmte Foto montiert erschien. seine Mutter. nicht uninformierten oder uninteressierten. Gelegentlich kommen Duzfreunde zu Wort.« Möglich immerhin. In aller Bescheidenheit sagen kann er das nicht. als käme es direkt vom Baumarkt. als er davon schwärmt.de/audio . je größer die Stadt ist. das den Theaterkanal ablöst. Und diese Unordnung. alte Räuber mag es geben. dem edlen Rächer der Gerechten.bis 40-jährigen Mediennutzer tatsächlich goutieren.30 Uhr mit dem neuen Video Make Some Noise der Beastie Boys auf Sendung ging. herangezoomt. anders als noch vor drei Jahren. Natürlich sind das haltlose Spekulationen. »Ist das Kultur?«. Fischer könne es kaum fassen. erbärmlich. wie er indigniert bemerkt. in der es sich ereignet – der bohrende Lustblick als die schnellste intime Erfahrung. Fischer zählte damals zu den fünf Delegierten des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. Es gibt keinen Grund. Ein Räuber mit Fernbedienung! Und was bedient er? Einen 14 Zoll kleinen Röhrenfernseher. Immerhin. gute Jahre. miteinander auch nur ins Gespräch zu kommen. Beworben wird der Film mit dem Satz. dass er seinen Feind Obama als Puppe auf den Tender setzte und gegen den Prellbock fahren ließ. als er gegen die Mehrheit seiner Partei den militärischen Schutz der bosnischen Muslime vor den serbischen Aggressoren verlangte. weil dort versucht worden sei. die auf derartige Ansprachen wie keine andere notorisch mit allergischem Argwohn reagiert. Frauen sind zum Ehrendienst nicht zugelassen. Die Bielefelder Rede. die Zwischenstadien und Übergänge lässt er im Nebel. dürfte die skeptische Generation der 20. die ihm als kulturell bedeutsam diktiert werden. den wilden Jahren. dass die Fünfundvierziger. So wie es umgekehrt nicht undenkbar erscheint. wo dienstbare Geister auf einen Wink des Herrschers mit der Wasserpfeife herbeieilten? Nichts davon zeigt uns das von den Amerikanern veröffentlichte Foto. eindimensional und kalt. mit der Fernbedienung in der Hand. In der Art von Hofschranzen berichten sie ausschließlich Lobenswertes. miteinander in Streit zu geraten. will auch keine mehr wissen. er habe drei Ehefrauen besessen. gehört zu seinen Glanzleistungen und zu den wenigen Höhepunkten des Films. die elitären Weltverbesserungsfantasien innerhalb der westdeutschen Linken zu überwinden. Dank solcher Wandlungen stellte Richard Löwenthal ebenfalls 1979 erleichtert fest. 12. Später hielt der Nichtpazifist Deutschland aus dem Irakkrieg heraus. oder von Klaus Störtebeker. der seinen Erinnerungen 1922 den Titel Ereignisse und Gestalten verpasste. aber genauso wenig von Mainstream-Plattheiten angeödet fühlen. Unter dem Schlachtruf »Weniger Feuilleton!« solle sich der junge Erwachsene nicht mehr voll schlechten Gewissens von Inhalten abwenden. Der Quotentest beim Jungmenschen. also die Halbwüchsigen. und da weiß ich keine Antwort mehr. ist er vernichtet. die Grünen zu der Partei zu formen. der Kampf zweier Menschen. Was übrigens die Räuberei. endlich in die Tat umsetzen will. und zieht doch »keine gänzlich negative Bilanz«: »1968 und die folgende Zeit haben die Establishments aller Richtungen gezwungen. wie gut er Gedanken. der auf einem schäbigen Schreibtisch steht. Wie anders der schreckliche Osama bin Laden! Hätte man nicht denken sollen. denen 1945 die Freiheit geschenkt wurde.

der die Argumente von alQaida widerlegt hat. Als Vogel endlich die Bühne betritt. wird gefilmt. Man tut. das ist keiner. wenn da jemand mit Krawatte gegen Gewalt ist. dann zog er den Aufruf wieder zurück und wollte nur noch über Islam und Terrorismus reden. Nicht mal den Mumm. das wir für Blut vergießen. wenn man ehrlich ist. Vogel: Man kann Leute nur zusammenbringen. und wenn er sich falsch zitiert fühlt. zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufgerufen. allerdings außerhalb der Stadt auf einem Freigelände am Rebstockpark. Ein guter Muslim. auf Mord steht »lebenslänglich«. Moral begründen schwer. dass einer einen Heiligen Krieg führt? Und wer schützt die Würde seiner potenziellen Opfer? Dass diese alten Fragen offen bleiben. als habe Angela Merkel eigenhändig den Al-Qaida-Chef getötet. dass er heute am Stadtrand predigt. wo der 21-jährige Arid U. Pierre Vogel. Böse musste man schon sein. Dass der Verfassungsschutz wieder einmal aufmerksam wurde. Ob das den Prediger beunruhigt? Nein.GLAUBEN & ZWEIFELN alle Fotos: Markus Kirchgessner/laif für DIE ZEIT/www. Blut. Er ist zwar längst kein Profiboxer mehr. in dem man nicht mittels Lügen andere Menschen zerstört!!!« Jetzt sitzt Pierre Vogel lächelnd vor einem Kentucky Fried Chicken am Rande Frankfurts. Auch die jungen Angestellten von Kentucky Fried Chicken sehen ehrfürchtig zu ihm herüber. wie das die Muslimverbände tun? Vogel: Das sind doch Sesselfurzer. in der Bibel (»Heuchler geben sich ein trübseliges Aussehen. witzelt Vogel: »Sollen wir ihn hauen?« Vogel meint den Passanten. Moralisten zu verhöhnen. er tänzelt auf den Zehenspitzen hin und her. Vogel wurde viel kritisiert für seinen Aufruf zum Totengebet. Trotzdem ereiferte sich die Republik. Auch wenn sich Pierre Vogel nicht als Salafist bezeichnet. sie habe sich über den Tod Osama bin Ladens gefreut. was selbstgerecht ist. 32.markus-kirchgessner. damit die Leute merken. wenn der Mann mit dem langen Bart von Osama bin Laden spricht. DIE ZEIT: Sie wurden für Ihren Aufruf zum Toten- lafistischen Milieu. Aber das sind viele Verbände nicht. ich muss auch eine gewisse Rhetorik benutzen. ohne es wirklich zu sein«). Frauen »genießen es. Das ist doch gegenseitige Einschleimerei. um den Tod eines Feindes zu feiern. dass hier nicht Freude im Sinne von Frohlocken gemeint war. der es nicht erwarten kann. Vielleicht hatte Nietzsche doch recht. die man auch als moralphilosophischen Kern der Menschenrechte ansehen kann: Eine Zweck-Mittel-Relation ist auf den Menschen nicht anwendbar. der seine Karriere als Profiboxer ohne Niederlage beendete. als müsse Angela Merkel nur die richtigen Worte sprechen. Pierre Vogel steht am vergangenen Samstagabend wie immer etwas breitbeinig auf der Bühne. greift uns niemand an. Mir als Amerikaner in Deutschland war der rowdyhafte Hurrapatriotismus peinlich. wie er es ihnen auf seiner Homepage geraten hat. Vogel wurde in dem TV-Beitrag mit dem Satz zitiert. Doch Internetforen und Seminare dienen als Kontaktbörse auch für Extremisten. Pierre Vogel verehre. wenn ich ein Totengebet mache. Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Patrick Brugh. Jetzt haben wir also Videos grölender Amerikaner gesehen. hat einem amerikanischen Botschafter a. er darf nicht zum Objekt degradiert werden. der den Islam nicht annimmt. dessen Blut soll auch durch Menschen ver- gossen werden. Der radikale Prediger ist bei jungen Muslimen beliebt F und blickt die Reporterin direkt an. liebe Sprachpolizei. Der Verein Einladung zum Paradies hat einen YouTube-Ausschnitt von Helmut Schmidts Besuch bei Beckmann auf die Homepage gestellt. wie sich soeben in der bigottesten Debatte des Jahrzehnts gezeigt hat. dass sie fasten«) und im Wörterbuch Hochdeutscher Mundart (»Scheinheilig ist. Pierre Vogel stört das nicht. gleichzeitig rela- tivieren Sie den Mord an den Soldaten.und Vergeltungsszenarien erinnern an heutige Abschre- ckungspolitik: Wenn wir genug Waffen besitzen. Wir feiern in Finsternis. Als sich ein Passant beschwert. hier gibt er nun doch das Interview. verlassen Sie Ihre Werbeagentur und suchen sich einen ehrlichen Job. Pierre Vogel: Ich weiß genau. können wir Osama bin Laden nicht als Unmenschen behandeln. das sei natürlich nur Spaß. Solche alten Droh. als sei man der größte Demokrat. wer für ihn betet. bei Vogels letztem Auftritt in Frankfurt waren es dreimal so viele. ob man sie besser findet als das Grundgesetz. ZEIT: Sie tun. sagt Pierre Vogel. Jeder Muslim glaubt. der vor zehn Jahren zum Islam konvertierte und heute einer der populärsten deutschen Prediger ist. den äußern Schein der Heiligkeit annehmend. Pierre Vogel ist der Star einer Szene. Er braucht die Medien nicht. wie alles Wichtige. Vogel mag sich in der Öffentlichkeit von Gewalt distanzieren. das ist ein Fundamentalist.de (Frankfurt. Später auf der Veranstaltung am Rebstockpark verhalten sich seine Anhänger so vorbildlich. zwei US-Soldaten erschoss. Wenn wir also die Universalität der Menschenrechte verteidigen wollen. die dem Journalismus misstraut. Doch nach wenigen Sätzen hielt ich es nicht mehr aus. D. Mai 2011) 12. herausgeschnitten wurden. Hass kann Hass nicht beenden: Das kann nur die Liebe.. I’m islamic oder I love Islam. antwortete mit einem Bibelwort aus der Genesis: »Wer Menschenblut vergießt. Sie sind Vertreter eines neuen selbstbewussten Pop-Islams. ZEIT: Sie verurteilen den Anschlag. musste ich erst die Ansprache meines Präsidenten hören. dieser Soldat ist ein Verbrecher. Und was heute noch heilig sein könnte. weil sie Steuern zahlen. man akzeptiere es. Ein guter Muslim. der sich selbst ins moralische Abseits gestellt hat. und erschießt den? ZEIT: Mord ist Mord. hat das Problem scheinheiligen Moralisierens unterschätzt. in denen er Anschläge verurteilte. der zum Muslim wurde. Was nutzt das. regt er sich über die Schlechtigkeit seiner Mitmenschen auf. regte die Deutschen weniger auf. Darin sagt der Altkanzler. wie bei einem Jungen. er hat seine Homepage. Außerdem braucht es keinen Pierre Vogel. zumal die Medien ihm eine ganze Weile folgten. ist traurig genug – ein Dilemma ist eben unlösbar. sogar von ultrareligiösen wahhabitischen Salafisten. Und wenn er uns genützt hätte? Wäre uns bin Ladens Würde dann wurst? Moral predigen ist leicht. Seit einiger Zeit strebt das Bundesinnenministerium ein Verbot des Vogel nahestehenden Vereins »Einladung zum Paradies« an. zu spalten. Auf dem Höhepunkt der Konfessionskriege im 16. ZEIT: Bin Laden ist ein Massenmörder. das Verwaltungsgericht genehmigte ihn doch. was schnell passiert. was ist ein heiliger Krieg und was ist Heuchelei? Was gerecht ist. nicht im Licht« Warum ein junger Amerikaner in Deutschland sich für die Jubelvideos aus seiner Heimat schämt VON PATRICK BRUGH U m die Nachricht von Osama bin Ladens Tod zu glauben. Das ist Schwachsinn. Selbst Friedrich Nietzsche. Denn hier liegt ja schon das erste Dilemma: Das Leben eines Menschen ist uns so viel wert. das war nach dem Anschlag am Frankfurter Flughafen. der sich einen Weihnachtsbaum aufstellt und mit dem man auch mal einen trinken kann. ist weiteres Blut. Er distanziert sich zwar von Gewalt. Die Antwort steht. Das Ordnungsamt verbot seinen Auftritt in der Frankfurter Innenstadt. Vogel: Diese Leute haben null Einfluss. dass ihm für den Zweck des Heiligen Krieges jedes Mittel recht sei. Facebook und Twitter verbreiten aber auch ein anderes Zitat. heißt es in den Auflagen. dessen Wohnung von der Polizei durchsucht wurde. Ihre Veranstaltung zu boykottieren. Salafismus gilt als unvereinbar mit der parlamentarischen Demokratie. Junge Männer. Jetzt steigt er auf die Bühne und spricht. indem man fragt. er wolle Jugendliche zum Gewaltverzicht bekehren. und er weiß seine Worte zu wählen. EVELYN FINGER Totengebete verboten Wie Deutschlands bekannteste Islamist Pierre Vogel auf das Ende bin Ladens reagierte rüher stieg Pierre Vogel in den Ring. um überhaupt Leute zu beeinflussen. sondern allenfalls Erleichterung. Doch seine Botschaften sind zwiespältig. dass die Tötung bin Ladens die strenggläubigen Muslime nicht in dem Maße aufbringt. um sich mit seinen Gegnern zu schlagen. Pierre Vogels Disziplin ist jetzt die Rhetorik. wenige Stunden vor seinem Auftritt. also den Staat repräsentieren. als sei alles ganz einfach. weil Interviews immer gekürzt werden. wie er geglaubt hat. entspannt lehnt er sich im Stuhl zurück. Deprimiert setzte ich mich wieder an den Schreibtisch. Den Namen bin Ladens nennt er tatsächlich nicht. Vogel: Also nach deutschem Strafrecht gibt es unterschiedliche Haftstrafen . der sich einen Spaß daraus machte. hatte Vogel auf Facebook als Freund hinzugefügt. er ist ein Showtalent. Allerdings sind diesmal nur 400 Leute gekommen. und so kann ich mit ihnen über Terrorismus reden. Für die Werbung in eigener Sache nimmt er gern in Kauf. dass sie sich über ein falsches Wort mehr aufregen als über eine fragwürdige Tat. der bringt vielleicht morgen meine Leute um. Aber ich muss auch gucken. Stattdessen schimpft er auf die Medien. dass die Veranstaltung hier draußen ist. Ursprünglich hatte Vogel. die kürzlich in Düsseldorf festgenommen wurden. dann vergessen wir. aber ein Profi im Austeilen ist er noch immer. Finsternis kann Finsternis nicht vertreiben: Das vermag nur das Licht. dabei ist Ihre Sicht nicht die der meisten Muslime. dass die dümmsten Bauern die größten Moralapostel sind und dass Ehrpusseligkeit von Mangel an Verstand kommt. um der Bundeskanzlerin zu unterstellen. Ich habe Morddrohungen bekommen von Terroranhängern! Ich rufe permanent dazu auf. in die der Terrorismus uns gestürzt hat. Ein Satz des deutschen Militärtheoretikers Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1608 geht mir nicht aus dem Sinn: »Durch krieg kompt der frieden / und sollen die jenige / so in fried und ruhe leben wollen / in wahffen geübte leute sein. stellt sich in seine Nähe. Dass er getötet wurde. durch bin Ladens Tod würden die islamistischen Anschläge nicht weniger. indem man fragt. weil er junge Muslime zu oft als Problemjugendliche stigmatisiert. Der politische Salafismus ist die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland und hat enorme Sogwirkung auf die zweite und dritte Einwanderergeneration. begreift man am besten. In dem amerikanischen Schnellrestaurant trifft er sich mit seinen Weggefährten. Wenn es um die Scharia geht. dafür ergötzten sie sich eine geschlagene Woche an der rhetorischen Frage: Darf man sich über den Tod eines Menschen freuen? Ja.. Jahrhundert boten sie eine moralische Rechtfertigung für die entstehende Rüstungsindustrie. es mache einen Unterschied. Es mag auch daran liegen. Aber wie verhindern wir. uns zu sagen. Vogel: Trotzdem kriegt der eine vielleicht Sicherheitsverwahrung und der andere 15 Jahre. Tatsächlich hatte sie die Worte »Ich freue mich« mit einer Leichenbittermiene gesprochen. ob jemand Zivilisten töte oder Soldaten. was scheinheilig ist. Er spricht die Sprache der Jugend. Das mag daran liegen. vorgeworfen. schlechte Morde. das ist Heuchelei. »Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung«. Nietzsche wollte sagen. ZEIT: Gute Morde. ist ihm egal. bevor sie gemeinsam zum Rebstockpark aufbrechen. das er gibt. (27). So argumentiert al-Qaida: Wir dürfen Amerikaner umbringen. 7. Jedes Interview. Die Menschenwürde ist so universell. dass man sich hier an die Gesetze halten muss. Mit dem jüngsten Akt des Blutvergießens ist also nichts erreicht. Vogel kokettiert gern mit seiner Boxervergangenheit. um Sterne zu erschaffen. die unmissverständlich klarmachte. geschlagen zu werden«. hält sich auch als Prediger für unverwundbar. Vogels Anhänger tragen T-Shirts mit dem Aufdruck Don’t panic. »Wir rächen Blut mit Blut. darf man auf dem Friedhof lachen? Gegenfrage: Was ist ein gerechter Krieg. da wird dann gesagt. Die meisten Dschihadisten mit Deutschlandbezug kamen aus dem sa- Zwiegespräch mit der Menge. Der Name bin Laden dürfe in seiner Rede nicht fallen. junge Frauen mit und ohne Kopftuch. ist Germanistikdozent im Staat Missouri. dass wir in Finsternis feiern und nicht im Licht. Denn in der sonst so ruhigen Stimme lag diese unheimliche Spannung. weil er Gesetze als von Gott gemacht ansieht. Das vermisse ich in diesem interreligiösen Dia-Lüg. Aus alten Kriegsbüchern wissen wir. dass der 19-jährige Abiturient Amid Ch. Doch wenn wir Amerikaner so jubeln wie letzte Woche. Familien mit Kindern. als stünden Sie für den wahren Islam. das von der Instrumentalisierung der Idee des Friedens für den Krieg handelt. weil bei einem seiner Vorträge das indizierte Buch Frauen im Schutz des Islam auslag. dann veröffentlicht er die Originalfassung. Ein deutscher Muhammad Ali! Pierre Vogel alias Abu Hamsa hätte die Menschen verbinden können. Vogel: Das Wichtigste ist. sind solche Aussagen doch salafistisch. weil ihm der Zeitungsfotograf im Weg steht. und 17. dann werden Leute kommen. Dass aber deutsche Moralapostel so tun. die auf Bäume klettern und Fahnen schwenken. einer der drei Terrorverdächtigen. es ist Samstagmittag. Er sucht das Ein Gegendemonstrant hält in Frankfurt das Kreuz Jesu Christi wie ein Banner hoch gebet massiv kritisiert. über Reizthemen zu reden. Vielleicht können wir es so zusammenfassen: Heuchler erkennt man daran. Der Boxer. Dann wird er wieder ernst. für das sich jemand rächen wird.« Hunter scheint den dialektischen Charakter dieses Verses übersehen zu haben. welchen Jugendlichen beeinflusst das? Ich widerlege die Argumente der Gewaltbereiten. die mit Osama bin Laden sympathisieren.. aber er hat sich entschieden. dass Sie gegen Terrorismus sind. Keiner hat sich gegen Terrorismus so klar positioniert wie ich. dass der. wen ich anspreche. Eine deutsche Justizministerin a. wie oft Friedenshoffnungen als Argu- ment für Aufrüstung missbraucht wurden. ehe sie endlich die Frage stellten: Ist dieser Jubel moralisch? Pfarrer Jim Hunter. fragt er als Erstes seine Anhänger. Derzeit forscht er an der Herzog-AugustBibliothek Wolfenbüttel über frühe Kriegsromane . Bereitwillig lassen sie sich von den Polizisten durchsuchen. um die USA zu kritisieren. Sie merkte gar nicht. erkennt man am klarsten. endlich die moralischen Dilemmata zu sehen. dass wir sogar den Tod eines Massenmörders nicht feiern wollen. was für ein fatales Argument das war: Dieser Tod hat uns nichts genützt.« Dilich nennt den kriegerischen Menschen Friedenskämpfer und rechtfertigt den Kreislauf der Gewalt. an das nächste Kapitel meiner Doktorarbeit. Osama bin Laden hatte gesagt. Vogel: Aber ich war es. um überall auf der Welt Krieg zu führen. dass die Scharia von Gott ist und absolute Gültigkeit hat. null Mut. ZEIT: Warum sagen Sie den jungen Leuten nicht klar und deutlich. ein geistlicher Berater Obamas. in die Hölle geht. Und auch die negativen Medienberichte treffen ihn nicht. Auf seiner Homepage steht das Video eines Interviews mit Spiegel TV.« Wir Amerikaner haben die Hoffnung auf eine Welt ohne Terror benutzt. Die Gäste blicken von ihren frittierten Hühnchen auf. Pierre Vogel kann sich seinem Gegenüber gut anpassen. D. wann sie erfahren hätten. sagt er. dass wir auch die Würde eines Mannes wahren müssen. Wir bekämpfen Finsternis mit Finsternis. er gibt sich jetzt höflich interessiert VON ANNABEL WAHBA Pierre Vogel (rechts) sprach letzten Samstag in Frankfurt am Main über Islam und Terror. in dem es heißt. dass sie über der Kritik am Krieg-gegen-den-Terror beinahe den Terror vergessen und dass ihr wohlfeiler Pazifismus sie hindert. ZEIT: Die Merkmale eines Mordes sind in beiden Fällen gegeben. Vogel ärgert sich. weil die Sätze. ZEIT: Die islamische Religionsgemeinschaft Hessen rief auf. weil er ein Subjekt mit einer Würde ist. die Islamphobie vieler Deutscher anzuheizen. weil sie ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei. Damit verneinte er die Kantsche Definition des Menschlichen. antwortet sein Pressemann in seinem Namen. Er. »Das moralische Verurteilen ist die Lieblingsrache der geistig Beschränkten«. Er behauptet. schrieb er in Jenseits von Gut und Böse. Arid U. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 62 ETHIK UND OSAMA Was ist Heuchelei? Über den Heiligen Krieg und die deutsche Sprachpolizei Wenn der deutsche Rechthaber recht behalten will. mit seinem Geheimnis herauszuplatzen. ein Demokrat ist er nicht. Vogel: Was ist denn ein abscheulicherer Mord: wenn jemand einem Kind die Kehle durchschneidet oder wenn jemand denkt. In Wahrheit kommt sie aber von Bosheit. dass eine gewisse Art Moralismus die Rache der geistig Beschränkten ist. was ein strenggläubiger Muslim eigentlich nicht tut. er finde die Tötung bin Ladens in Pakistan »zweischneidig«. Einen Tag nach der Veranstaltung in Frankfurt wird bekannt. Eine Interviewanfrage der ZEIT hatte Pierre Vogels Pressemann kürzlich noch mit den Worten abgelehnt: »Wenn Sie ein ehrlicher und verantwortungsbewusster Mensch sind. Auf der Wiese nebenan wird gegrillt. das von Martin Luther King stammt: »Hass mit Hass zu vergelten wird nur den Hass vergrößern und eine bereits sternenlose Nacht in noch tiefere Finsternis tauchen. Das Publikum in Frankfurt applaudiert.

Marta Regazzoni strahlt. »die unsere kleine Loggia hält«. so geht die Legende. Und ähnlich wie Geiser machte Frisch eine Krise durch: 1979 war das Jahr der Scheidung von Max und Marianne Frisch. Mit kleinen Gebäuden aus Granit und Gneis. Fortsetzung auf S. ein Feigenbaum. Bernadette Conrad für DIE ZEIT (kl. Einstimmung wie beim Tanzen«. das Haus und ein steinerner Stall. Jahrhundert investierten die Frauen des Dorfes ihre ganze Arbeitskraft in das einzige Gewerbe. Wald umschließt das große Grundstück vollkommen.63 12. wie es der jüngere Frisch erlebte. der mir am meisten vertraut ist. Auch die Granitsäule. das ist unbedacht und vollkommen. lauschen. in vertrautes Gelände. Denen verweigert sich das Tal. bleibt verborgen. die Straße hinunter bis zur Talstraße und durch Mosogno. ganz am Ende: Spruga auf über 1000 Metern. Klingeln. Er notierte: »Siebenmal im Jahr fahren wir diese Strecke. Im August 1978 wurden fast alle Brücken des Tals fortgerissen. Max und Marianne Frisch. Es ist still im Raum. tief unten rauscht der Isorno. dass nur noch ein heiseres Flüstern herauskommt. Nach fünf italienischen Jahren wollte er wieder in der Schweiz wohnen – »aber nicht ganz!«.. Wuchernder Baumdschungel zu beiden Seiten. Das Valle Onsernone ist das vielleicht wildeste der Tessiner Täler. Auf den terrassierten Hängen wuchs Roggen. der imposant neben der Kirche am Ortseingang aufragt.. hat 82 Einwohner. das existenzielle Angst auslöst. 20 Kilometer geht es hinein in die Schlucht. Auch wenn er nicht so bequem ist«. wenn er heimkam von irgendwo. seit 1968 verheiratet. Schon da gab es etliche Zugezogene. Von 82 Einwohnern kann keine Rede mehr sein.) Eingewachsen: Max Frisch 1979 in seinem Haus in Berzona Sein letztes Refugium Vor 100 Jahren wurde er geboren – ein Zuhause fand Max Frisch erst spät. »Es ist der Ort. wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Und noch immer sind Haus und Garten perfekt vor neugierigen Blicken geschützt. Rennräder. Durch die verglaste Außenwand blicken sie auf den dichten Wald. der beinahe ein Turm ist . er kam oft in den Laden. Bei Marta ist aller Ausdruck in die riesigen braunen Augen gewandert. Marta läutete auch die Glocke im großen frei stehenden Kampanile. als dass nicht doch noch eine Palme. man habe sie. heißt es im Tagebuch. hat Frisch gegen Ende seines Lebens geschrieben. ein freundlicher Mann. sei nicht von Schaden. die mit ihrer Familie hergezogen ist und nun mit fünf anderen Frauen zusammen das alte Handwerk des Strohflechtens in einem kleinen Atelier wieder betreibt. machte ihn auf das verfallene Anwesen VON BERNADETTE CONRAD M aufmerksam. Künstler wie Andersch oder Golo Mann. Acht Dörfer und ein paar Weiler liegen hintereinander aufgereiht wie auf einer Schnur. ein sintflutartiges Gewitter. »Das Dorf. wo ich mich am ehesten zu Hause fühle. Zehn Jahre später dominierte bei ihm eine andere. hinter denen einem alles entgegenkommen kann. reisten zwar weiter durch die Welt. mit dem Auto über den San Bernardino: »Vor allem in den Kurven: der Körper erfasst Landschaft durch Fahrt. zwei große Nussbäume. muss man zwei Dörfer weiter fahren.. der Mühe hat. Karin Pilliod«. Doch immer kamen sie zurück nach Berzona. es soll kein Gefängnis werden. berichtete er. vermutet eine junge Frau. 64 Blick über Berzona . Weinkeller und einem Studio im Turm. und es tritt jedes Mal ein: Daseinslust am Steuer. das in diesem armen Tal je blühte: die Strohflechterei. »Vielleicht 35?«. Max Frisch ist seit 20 Jahren tot. An die Stelle des Krämerladens – als einzigem öffentlichen Ort Berzonas – ist eine kunsthandwerkliche Kooperative getreten. Wird mit dem Berg auch das Leben wegrutschen? Das Jahrhundertgewitter gab es wirklich. eng neben einer Freundin aus Berzona. als Max Frisch und Marianne Oellers kamen. eine zusammengebastelte lebensgroße Puppe. Nur Berzona tanzt aus der Reihe. Max Frisch. windet sich in engen Schlingen um überhängende Felsen. ein wildes Tal! Wild. versuche ich mich immer auf Italienisch«. der seit Längerem dort lebte. Zürich. Max Frisch? Ja. Ihr Laden ist längst aufgegeben. wenn Du dann bereit bist: Unser Zuhause. es bleibt still. eine zierliche Frau. Und er wünschte sich ein Haus zusammen mit seiner jungen Liebe Marianne Oellers. »Wenn ich einkaufen gehe. hinter einem Gebüsch die alte Bocciabahn. »molto gentile«. Der Dichterkollege Alfred Andersch. Ich bin begeistert . dessen Halme die Frauen verflochten. natürlich. Nur keine Reisebusse. Und für beide scheint das Sprechen so ungewohnt geworden. den steinernen Tisch zu sehen.« Berzona wurde das Refugium. Motorradstaffel. Zum Einkaufen in Berzona gab es einzig den kleinen Dorfladen der Einheimischen Marta Regazzoni. Ein schönes Tal. Disteln usw.« Seit dem 17. Dass durch die stranieri. Das ist eine große Landschaft. sondern abseits. an dem Frisch »außerhalb von allem« sein konnte. Keine Chance. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal von der Talstraße ins höher gelegene Berzona abgebogen. Diese Zeit war vorbei. jetzt voller Stolz: »Una valle selvaggia!«. noch im Einschlafen flechten sehen. an dem die Frischs viele Gäste bewirteten und an dem auch der »Toggel« saß. wie es im Onsernone-Tal oft ist: Grillen. Vögel. Im Wintergarten des Altersheims von Russo sitzt Marta. Und doch steht am Anfang einer Spurensuche im Valle Onsernone auf dem Klingelschild in Berzona etwas wie ein Lebenszeichen: Hier wohnt. Azalee oder ein Jasmin da blühen könnte. »Terrassen mit den üblichen Trockenmauern. scheinen sich der Vorherrschaft des Waldes entrissen zu haben. Frisch am Steuer seines Jaguars. nicht einmal eine Bar. Häuser renoviert würden. Gut eine Viertelstunde hinter Locarno zweigt die Straße ab. meist Deutsche und Deutschschweizer. zusammen mit seiner letzten Lebensgefährtin. Aussteiger. Postbus. Berlin. Frisch. »Das Gelände ist steil«. schließlich das Klingelschild: »Max Frisch.« So schrieb Frisch 1966 in sein Tagebuch. Handtuchschmale Balkons. irgendwo rauscht ein Bach. das aussterbende Tal wiederbelebt. fand Frisch. immer noch. den ich am besten kenne. vorbei am Friedhof von Berzona. mieteten Wohnungen in Amerika.). Die glänzen vor Freude über Besuch. Gärtchen. eine beklemmende Wildheit: In der Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) lässt Frisch den 74-jährigen Herrn Geiser ein Unwetter im Valle Onsernone erleben. in einer wilden Gegend des Tessins an fasst sich ein Herz. So unheimlich still. halsbrecherisch die Kurven. Will man Marta Regazzoni treffen. Kastanien. Übergänge ineinander verschlungen sind. Zu widerstehen gelte es allerdings jeder Versuchung von Arroganz.. die Italienisch sprechen: kein Ristorante. zieht sich der Ort den Hang hoch. öffnet das unverschlossene Gartentor an der Straße und läuft die Stufen bis zum Haus hinunter. Er schrieb: »Was mir gefällt: das schwere Dach aus Granit und wie das Ganze in den Hang gestellt ist. nur ein Zuhause. eine leuchtende Azalee. 53. die durch Treppen. schrieb er ins Tagebuch. kam dies gelegen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 REISEN Fotos: Fernand Rausser/KEYSTONE (gr. Dschungel mit Brombeeren. kein Platz zu klein. Ein Jahr dauerte der Umbau: mit Saunaofen.« Die anderen Häuser des Dorfes stehen eng zusammengekauert. da es nicht an der Talstraße liegt.

Donnern und Krachen dauert doch eine halbe Stunde. Zürich 2000. Serpentinen durch den Wald. links steil der Berg. Darin zitierte er Frisch: »Wenn in dem. Tel. ein bisschen Unruhe – dann wäre das schön. aber es ist auch ein einsamer Bergler. von dort aus weiter mit dem Postbus oder Leihwagen www. Er wollte die. 208 S. Fuß fasst. dem letzten Ort des Tales.ch . Oktober ..30–12 Uhr) und freitags (14. Den Toggel warf er den Hang hinunter. Tel. Birken. »Tagebücher 1966–71«.64 12. zu unwegsam das Gelände. an den Gartentisch des Berzona-Hauses setzt. die es brauchten. wo Abstürze meist tödlich und Selbstmorde häufig sind. die kämen nur an den Wochenenden. 0041-79/519 19 85. Kurz vor der Ankunft bei ihm wird man vom Gewitter eingeholt. dann eine Lichtung mit Gehöften. Zement. Dort hat gerade die Ausstellung Max Frisch Berzona eröffnet. bis die Dunkelheit hereinbrach. www.K. rechts steil die Schlucht. Tel. Von Berzona nahm er so bewusst Abschied.95 € Man stellt sich vor.und Buchenwald ringsum. mit dem er sein Haus bis unters Dach eingewickelt hat. Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. die Straße fließt weg.. als Hall-Donner. Ein vergnügliches Buch.sbb. Ihre heitere Verwunderung hat Richter nun in einem ausgesprochen unterhaltsamen Lesebuch zu Papier gebracht. lief zum Passo della Garina.ch Unterkunft: In Loco. keine kleine Sache in einem Tal. dem direkt neben Berzona gelegenen Hauptort des Valle. über den er sich ins benachbarte Maggiatal retten wollte. TalkshowRedakteurin Anke Richter reibt sich jedenfalls immer wieder die Augen. In lockerem Erzählton und mit viel Humor berichtet sie. www. in Comologno: Palazzo Gamboni. sagt ein Mann aus dem Dorf beruhigend. wir aßen zusammen.ch Auskunft: Schweiz Tourismus. Vögel. Öffnungszeiten: Mi bis So. die ihn pflegten. Seine Kleine Geschichte Thailands zeichnet nach. das »Klöppeln auf Blech« hörte. Er war ein äußerst freundlicher Mensch. wie er den Toggel. Bixio Candolfi sagt: »Mir schrieb er einmal die Widmung in ein Buch: ›Für Bixio. der Leuten aushalf. dem Leiden so vertraut ist wie die Leidenschaft für seine Sache. Tel. Und genau das war er selbst. im eigenen Beruf ständig mit den großen Fragen der Existenz zu kämpfen: darin fanden sich Frisch und Savary in diesem wilden Tal. Seine Frau sei tot. Und auf dem Rückweg legt man noch einen Halt in Loco ein. Savary strahlt die Entschlossenheit desjenigen aus. 70 Euro. kann man wandern bis ans Ende der Schlucht. irrte herum. die das Altersheim und Ambulatorium begründet haben. wie es zum Namen Siam kam und welche Rolle das Land im Zweiten Weltkrieg und im Indochinakrieg gespielt hat. www. Der 59-Jährige nennt sich selbst bescheiden einen »Fels-. 0041-91/797 10 00. als Frisch eine tödliche Krebsdiagnose erhielt. 297 S. 12. wo dieses kleine Seitental abzweigt. Herrn Geisers Wanderung wird beschrieben in Beat Hächler (Hrsg. erinnert sich Beppe Savary an seine Jahre der Freundschaft mit dem Dichter.« Das Leben immer auch in Bezug auf den Tod zu betrachten. Unter den knapp 1000 Einwohnern des Tales gibt es wohl niemanden. Die Neuseeländer haben auch einen oft recht eigenwilligen lässigen Lebensstil entwickelt. auf unebenen Granitplatten sachte aufwärts. 004191/797 10 00. wie er es sich gewünscht hatte. als es ihm gut ging. Nach dem Tod des berühmten Talnachbars schrieb Bixio den Nachruf im Voce Onsernonese. sagt Savary..myswitzerland. Was ist das Leben an seinem Ende? Ein Verlorengehen? Diese großen Fragen stellte der ältere Frisch in seinem Text Der Mensch erscheint im Holozän.« Auch mit Max Frisch war das so. 0041-91/797 10 22.ch. Auf einem Video ist der Schriftsteller in seinem Garten zu sehen. im April 1991. alle Bausteine kennen und auch sein Sterben noch selbst gestalten. der ihn nicht kennt.95 € Unter Kiwis Neuseeland ist nicht nur weit weg. DZ ab circa 125 Euro Ausstellung: »Max Frisch Berzona« zeigt Texte und Fotos im Museo Onsernonese in Loco bis zum 30. wo die grüne Grenze nach Italien verläuft. Köln 2011. ehemals Programmdirektor Kultur des Televisione Svizzera Italiana in Lugano und in den siebziger und achtziger Jahren mit Frisch befreundet. fundiert informiert. wie die Neuseeländer sich selbst nennen. was von mir bleibt. den auch Max Frisch oft gegangen ist. Meine Töchter adoptierten Frisch als ihren Großvater. ein richtiger Talnachbar. Sie erinnert sich an das dramatische Unwetter von 1978: »Damals konnten wir eine Woche nicht aus dem Haus!« Max Frisch ist dem Ehepaar noch lebhaft im Gedächtnis. steht hinter Maschendraht. www. Polter. Comologno liegt auf einer Höhe von 1076 Metern. Er führt von Berzona hinüber zur Kirche in Loco. Literarische Wanderungen im Tessin.palazzogamboni. von Hamburg ins »Land der großen weißen Wolke« folgt: Die Kollegen dort laden sie ein zur Motto-Party mit dem Thema »Sturm auf die Normandie«. was ich brauche. nicht endenden Regen und den Donner. nicht auf die Taleinsamkeit verpflichten. Frisch sei eher ein Reibeisen – das war er aber überhaupt nicht. er wollte auch über den Tod alles wissen. wie Herr Geiser allein in seiner Stube saß. einem Urologen.« Der Passo della Garina ist eine weite. H. noch kein Sommergewitter«.oder Koller-Donner. eng sind die Häuser aneinandergerückt.30–17 Uhr) geöffnet und bietet handgefertigte Flechtwaren aus Stroh an. im Jahr darauf noch ein Hubschraubertransport des Dichters von Spanien heim nach Berzona. »Wenn ich jemanden im Notdienst kennenlerne. Rotpunkt Verlag. Hier wohnt nämlich der 92-jährige Bixio Candolfi. MWE Anke Richter: Was scheren mich die Schafe. Herr Geiser ist das nicht. Bixio Candolfis Frau Nice schaut aus dem Fenster. Der Weg ans Ende des Tales führt durch das Valle Vergeletto. »Der Mensch erscheint im Holozän« (alle im Suhrkamp Verlag erschienen). »He!!«. Essen – alles. Kein Jahr später.onsernone. was läuft. Aber das Knallen. wo er nicht schon jemanden zu Foto: Joerg Modrow/laif bergen hatte. er fühle sich in Berzona sicherer als in Zürich: »in tutti i sensi« – in jeder Hinsicht. er konnte gut mit Kindern umgehen. und sein direkter Nachbar mache ihm das Leben zur Hölle. »Keine Sorge. eine Badewanne mit Rädern: »Damit bringe ich alles heim. das ohne billige Klischees auskommt und an dem nicht nur Auswanderungswillige Freude haben dürften.ch. Wenn Reiseveranstalter mit prächtigen Tempeln trumpfen. wir sähen uns unter glücklicheren Umständen wie- der. Ein Notfalleinsatz 1983. wenige Menschen. Verlag C. Geht er nie ins Tal? Der Mann weist auf ein unglaubliches Gefährt. gibt es das nette kleine Ristorante Onsernone. 14–17 Uhr (vor Juli auch freitags geschlossen) Bücher: Berzona spielt in diversen FrischTexten eine Rolle: »Montauk«. Beck. Tel. Komfortabel und originell am Ende des Tales. 00800/10 02 00 30 (kostenfrei). Ein alter Mann erscheint. Ein stummer Dauergast. Ob man ihm nicht Gesellschaft leisten könne? Er habe nur den Hund. sind die Koffer schnell gepackt: Thailand. Wald- und Wiesendoktor«. sie mit Hut und Schal ausstattet. wenige Sommerhäuser liegen verstreut. gingen auch in die Berge. am Abend möchte man hier nicht unterwegs sein – zu tief die Schluchten.ch). ruft jemand aus einem eingewachsenen Häuschen. H. ringsum wohnten Leute aus Zürich und Bern. »Unsere Gespräche gingen oft über Tod und Sterben«. zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. Kurz der Eindruck. Deshalb der Maschendraht. DZ ca.onsernone. 525 S. äußere ich oft die Hoffnung. dass ein Satz des Doktors noch mal in Erinnerung kommt: Es gebe wohl keinen Kilometer im Tal. auf der Südinsel nimmt sie an einem Naturfestival teil. und den Leuten im entspannten Südpazifik bleibt ausreichend Zeit für Ortsnamen wie Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. wo der Weg aufhört und Herr Geiser kurz aufatmete. der an der Universität Hamburg die Sprache und Kultur Thailands (Thaiistik) lehrt. kleine Gebäude über terrassierte Wiesen verstreut. Seit 28 Jahren ist er als Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Notfallund Rettungsmedizin fürs Valle Onsernone tätig.pagliarte. den Talnachbar‹. er war einer von denen.): Das Klappern der Zoccoli. 1990 zog sich Max Frisch zum Sterben in seine Zürcher Wohnung zurück. Selbst im hintersten Winkel des Valle Onsernone ist Frisch irgendwie anwesend. fällt die Schlucht so atemraubend in die Tiefe. trafen sich Max Frischs Freunde im Garten in Berzona und streuten seine Asche in den Wind. wie tief seine Bewohner im TheravadaBuddhismus verwurzelt sind und welche politischen Ansichten die »Gelbhemden« von den »Rothemden« trennen.europcar. den Geiser sorgsam kategorisierte: als Knall. Verlag Kiepenheuer & Witsch. Dort. Wer es besser kennenlernen will. grasige Ebene. »Danach trafen wir uns oft. wie eine deutsche Familie unter Schafen und Kiwis.oder Pauken-Donner. 26 Euro Tipp: Das Atelier Pagliarte in Berzona ist dienstags (9. Bei gutem Wetter ist sein Fluchtweg ein schöner Wanderweg. Mein Deutschlehrer hatte gemeint.com Am Ort erhält man Auskunft beim Infopoint Auressio. www.« Nice Candolfi weiß noch. Unten in Russo kann man den Talarzt treffen. das »Land der Freien«. als sie ihrem Mann. ein bisschen Liebe ist. In Panik verließ Herr Geiser sein Haus. unter dem die Mauer steil zur Schlucht hin abfällt. 004191/780 60 09. Mücken. dass Frisch gegen Ende seines Lebens immer wieder sagte. mit Teller und Glas. dem Hauptort des Tales. den Berg hoch. Wie ein Gefangener steht er hinter seiner selbst gebastelten Befestigungsanlage. 14.« Das galt dann vor allem von 1990 an. wird von Volker Grabowsky. der immer wissen wollte. Schmetterlinge. wie sich das südostasiatische Königreich über die Jahrhunderte entwickelt und erfolgreich gegen Kolonialmächte zur Wehr gesetzt hat. die lebensgroße Puppe. »Er war Architekt. »Die Leute sollen im Tal sterben können«. Tel. 63 Über Thailand Kaum ein halber Tag Flugzeit trennt Frankfurt am Main von Bangkok am Chao Phraya. München 2010. auf dem einheimische Würmer verspeist werden. Siehe auch Feuilleton Seite 52 SCHWEIZ Comologno Mosogno Spruga Russo Russo Maggia SCHWEIZ ITALIEN Berzona Loco Iso rno Valle Onsernone Onsernone ITALIEN ZEIT-Grafik 5 km Me o lezz Locarno Arcona Tessin Valle Onsernone Anreise: Mit dem Zug nach Locarno (www. Mai 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 20 REISEN Wälder überziehen die Berge im Valle Onsernone Fortsetzung von S. Ein friedlicher Platz. Doch dann verlief er sich. suchte vergeblich den Zugang zum Maggiatal.« Von Spruga. Nein. Ziegen laufen über die Straße. Er war auch ein großzügiger Mensch. palmengesäumte Strände und raffinierte Speisen preisen.

Alle Arten von Nudelsuppen mit geräuchertem Schweinebauch. Und der neueste Kunstort KIT liegt bezeichnenderweise unter der Erde. dass oberirdisch nichts mehr los wäre: knapp vier Dutzend Galeristen. Darauf sitzen meistens Leute. als er die ersten Äcker anlegte. Susanne Hertsch passt nach Flingern. beschwingt auf die Tische gehämmert Am Anfang war das Bier. für diese Glitzerdefilees und Brezelprotzessionen wurde einst die Kö gebaut. was den Mikrokosmos zusammenhält: das Altbier. wenn man in der Hausbrauerei Uerige ist und sich fühlt. Zwar wurde es nach des Schamanen Tod am Rhein. vertrauen auf Susanne Hertsch. Günter Grass). aus Köln oder Essen. als der Laden noch Weißer Bär hieß. Darin zechen hornbebrillte Werber mit Rentnern in PopelinBlousons. was er hat. dass die Punkrocker aus dem Ruhrgebiet künftig in Susannes Hemden auftreten. doch eine Künstlerstadt ist Düsseldorf immer noch. und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist. Filz und Mamas eingeweckten Birnen so viel positive und negative Energie produziert. vor Kurzem herausgegeben von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Bernsteinfarben glimmt es im kurzen Glas. Die japanische Community von Düsseldorf zählt zu den größten in Europa. der seinen niederrheinischen Querkopf mit einem Filzhut zu bedecken pflegte. die Kunst nicht zeige. neuerdings wieder hoch gehandelten Meistern der alten Düsseldorfer Schule. Doch. Aber was für welche! Eingelegte Qualle. In dem traditionellen Arbeiterviertel bosseln Handwerker in kleinen Betrieben. Seit sechs Jahren betreibt die Künstlerin im Stadtteil Flingern ihr Ladenatelier Misprint. Ist man wirklich in Düsseldorf. angelegt in den ersten Jahren des 19. kandidierte mit Otto Schily für die Grünen. die Mauern und Wassergräben. Da macht die Königsallee keine Ausnahme. gehen betagte Damen zum Friseur und Werbeleute in die Agentur. sondern verbarrikadiere. Düsseldorf ist anders. Im Dämmerlicht winden sich Gänge wie Bergwerksstollen durch einen Trakt aus neun Schankräumen. Was nicht heißt. Die Kellner heißen Köbesse und tragen Falstaff-Wampen unter pflaumenblauen Schürzen. vierzig Galerien und der lange Schatten von Beuys Seinen Aufstieg zur Weltkunststadt verdankt Düsseldorf einem notorischen Angelwestenträger. nämlich Icke und Mir. Zu Gitarrenriffs von Motörhead tanzen Frauen in Leder. unter der Direktion des wunderbaren englischen Bildhauers Tony Cragg zeigt der kosmopolitische Lehrkörper mit Rosemarie Trockel. vom Holzfällerhemd bis zum Partykleid. Er stritt mit Johannes Rau jahrelang vor Gericht um seine Professur. wird einem wunderlich zu Mute. Aber niemand von ihnen isst. die Leopardenfellimitate.« »Hier wohnt man halt noch«. Jahrhunderts. Eine Kontaktanzeige im Schaufenster eines Anglergeschäftes: »Suche liebevolle Frau. die die Entwicklung Flingerns auch skeptisch sieht. von Süden her. bis die Bedienung sie hereinwinkt. ob Kurfürstendamm. wer sie sind. SANDRA DANICKE . Auch wenn das heißt. blieb nur der Name. Sushi servieren sie hier überhaupt nicht. von Rubens über Kirchner bis. betonbrutalen Kunsthalle. dass das eigenwillige Haus von Alfred Schmela. Was gibt es denn da Feines? Gar nicht so Feines. dass man mal China als Herkunftsland seiner japanischen Pilze nennt. verzeichnet für Kunstpilger all jene Orte. Klosterstraße und Oststraße markiert die Grenzen von KleinTokyo. als überall in Europa die Stadtbefestigungen fielen. Für Hertsch die günstigste Methode. Und doch bleibt es die Kö. die sichergehen wollen. wenn man vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt spaziert. linker Hand. Seine Gäste sehen aus wie die zottelige Band von Alex Harvey. das sich so großzügig gibt. sondern nach dem Rausch aus vergorener Gerste. Und – gerade jetzt – das Museum Kunstpalast. setzt an. Japanische Küche ist in Deutschland beliebt. Struth. die sich hinter Buchläden wie Lincke und Schrobsdorff verbarg. gelangt in ein Hinterzimmer mit blutrot verschmierter Badewanne und einem alten Gesichtsbräuner. der hier in den siebziger Jahren Konzerte gab. Hier haben sich seit der Nachkriegszeit über vierhundert japanische Firmen niedergelassen. wo man sich an den Tresen setzt und zum Bier ein paar Häppchen bestellt. und auch für diese Modenschauen und Schmuckparaden. BENEDIKT ERENZ Japan Seeigel und Currywurstkrapfen im Imbiss nebenan Vor dem Fenster des Ecklokals Na Ni Wa steht eine lange Bank. unvergessen. stellte Joseph Beuys die Düsseldorfer Duldsamkeit immer wieder auf die Probe.REISEN 12. Man ahnte es doch schon beim ersten herben Schluck: Wer so ein Bier hat. dann prügeln ihnen tätowierte Männer den Zapfhahn hinein. die nicht nur Mochi führt. Auf einer Baustelle um die Ecke preist eine Wohnungsbaugesellschaft »klassisches Wohnen in bester Lage« an. die berühmten Adressen. geduldig wartend. die schier endlose. darunter Veteranen der wilden Zeit wie Hans Meyer und Konrad Fischer. die großen Boulevards Europas von den Champs-Élysées bis zum Newskij Prospekt. Der hat mit all seinen Kunstbatterien aus Fett. Warum sollte das Gebräu nicht der Ursprung der Zivilisation sein. ein »Tunnelrestraum«. www. Das schönste und eigenste aber ist der stille Kanal in der Mitte. der atmet hier auf. In schmucklosen Imbissen wie dem Kikaku. Das Lichtburg-Kino! Fuchs-Greven für den geschmackvoll gestalteten Salon! Nur das Porzellanhaus Franzen (von 1820) harrt noch aus und natürlich die Galerie Paffrath (seit 1867) mit ihren charmanten Oberlichtsälen und den lieben. Früher hat sie Häuser besetzt. als habe einen die Altstadt verschluckt. schmierte mit Bazon Brock Fettecken ins Fernsehstudio.). Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften mit Foto von Boot und Motor. Zum Beispiel die ostwestliche Nouvelle Cuisine im Restaurant Nagaya: große Kunst in kleinen Portionen. Hier wippt man beim Trinken auf den Fußballen. den er einst im Kanu überquerte. Die »Pralinenschachtel« ist auch noch drauf – die hat nicht mal Beuys beiseite räumen können. Essen gibt es nur drinnen. der Turner-Preisträgerin Tomma Abts. das hat Welt. Beuys. Netze flicken und Fischgerichte zubereiten kann und im Besitz eines Angelbootes mit Motor ist. die eleganten Brücken darüber und die zart pompöse Tritonen-Fontäne von 1902. wie Japaner eins ihrer liebsten Schnellgerichte mögen. Als Laie denkt man ja. Evolutionsbiologen wollen nämlich entdeckt haben. legt ihn schützend auf sein leeres Glas – die Köbesse kennen sonst kein Erbarmen. Das hält frisch und zögert den Absacker hinaus. Seeteufelleber . mehr Werke von Mann besaß. die Geschäfte und Restaurants. Wenige Meter weiter lockt ein Secondhandshop mit einem Unterhemd mit Melonenmuster oder fünfzig Jahre alten Feinstrumpfhosen. spürt beim Trinken. dem Geschäft eines Szenefriseurs. Flingerns Bewohner sind wie die Kleidung. die man hier kaufen kann: eigenwillig und auf charmante Weise zusammengewürfelt. Schrobsdorffs Besitzer war. die fast so gut schmeckt. Man erschnuppert den Duft von Röst. Gerald Haenel/laif. Individualisten. mit dem sich das Alt verabschiedet. Mit stoischem Schwung hämmern sie unaufgefordert auf die Tische. dem Schotten Peter Doig und anderen. So jedenfalls heißt das Label der Blondine. aber nur wenig bekannt. und 21. opake Front der Banken. hier lohnt es sich. ihre Siebdrucke zu belichten. Rechter Hand.. an denen der heilige Jupp sein Leben als soziale Plastik führte. Die Düsseldorfer nehmen es rheinisch gelassen. dem einheimischen Gewächs Katharina Fritsch. Schwergewichte der Branche wie die Fotografen Struth und Gursky schätzen nach wie vor das besondere Klima aus Selbstbewusstsein und Toleranz. Hier präsentieren sich ein paar der stolzesten Stätten japanischer Tischkultur – filigran. dass es den Menschen nicht nach Brot verlangte. Aber die spannendsten Entdeckungen macht man eine Preislage darunter.info. Aber es hat schon was Symbolisches. hat es ja nicht weit zu einer der fast zwanzig Bars in der Nachbarschaft oder zum Ableger des Na Ni Wa gleich über die Straße. Seit er nach dem Krieg an der Kunstakademie studiert hatte (übrigens Tür an Tür mit einem anderen Querkopf. wo selbst eine profane Stäbchenbank verpackt wird wie ein Juwel. Wie andere junge Designer hat DivaS für ihre Kollektion eine Kleiderstange beim Friseur gemietet. die so wirken.misprint. Seeigel. Pauli Blond. beim Alltagsbedarf. Den lautesten gönnt man sich im Engel in der Bolkerstraße. Unverwüstlich grandiose schnurgerade 1000 Meter. Der lässt sich auch gern was vom Pferdeapfelattentat auf den preußischen König erzählen. als dieser je geschrieben hat. Es dauert nicht lange. sagt Susanne Hertsch. Bräsiges Bierbankhocken ist nichts für Düsseldorfer. Berliner und Münchner mögen zeigen. Und von Heinrich Heine natürlich: »Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön. dass er die Kunststadt Düsseldorf noch 25 Jahre nach seinem Tod leuchten lässt. erklärte einem toten Hasen in der Galerie Schmela die Bilder. oder von den Radschlägern und ähnlicher Folklore. der an Fleischerhaken von der Decke hängt. PBY/F1online (kl. Per Aufzug kommen die Bierfässer aus dem Keller. Vom Café Bittner. CHRISTOF SIEMES Die Mode Melonenmuster-Unterhemden für den stilbewussten Rebellen Neulich waren Betontod da. sich die Blöße zu geben. Lang vergangen die großen Namen. Totenkopf-Halstücher vom Krimskramsladen behaupten sich neben wallenden Haute-Couture-Kleidern von Düsseldorfs Designerstar Norman Icking. Jahrhunderts. Ein Frevel! Da hilft nur die Flucht ins Kneipengewimmel der Ratinger Straße. dass Düsseldorf immer noch vorne mit dabei ist. in der Karte blätternd. MICHAEL ALLMAIER Das Altbier Bernsteinfarben glimmende Gläser. Wer nicht mehr kann. SVEN SIMON. Geschäftspartner der wiederaufgebauten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. jetzt entwirft sie die Outfits der Toten Hosen. Sie sitzen die Panik aus – auf der Bank vor dem Na Ni Wa. Der Düsseldorfer aber zeigt. was wann woher eingeführt wurde. Banker mit Hausfrauen und Japanern. wie der Meister höchstselbst bei einem Besuch in Düsseldorf anerkennend festgestellt haben soll. wo vor 30 Jahren die NewWave-Szene Musikgeschichte schrieb und deren Epigonen im Freien picheln. ob Jungfernstieg. So ist es hier fast überall: Mehr als die Hälfte ihres Ausstoßes füllen die Düsseldorfer Brauereien in Fässer ab.und Karamellmalz. sondern auch abenteuerliche Manifestationen der deutsch-japanischen Freundschaft: Berliner Ballen mit Rote-Bohnen-Füllung! Wurstkrapfen mit Curry! Seit Fukushima bangen die Ladeninhaber um ihr Geschäft. aus der Hohen Straße. zeigte in der Wohnung von Jörg Immendorff eine Filzhülle für Konzertflügel. die vermerken. Ein Beuys-Stadtplan. Vor allem die Ackerstraße mit ihrem Mix aus Stil-Altbauten und biederen Sechziger-Jahre-Wohnhäusern entzückt Freunde schräger Looks. Die ersten Investoren suchen bereits aus dem Flair des Viertels Profit zu schlagen. Im Uerige strömt das Altbier aus Fässern. Überall die gleichen aseptisch sortierten Luxusholdingläden mit standardisiertem Verkaufspersonal samt global kompatiblem Fetischdisplay. Kurioses ist in der Ackerstraße normal: die Porzellanpuppen-Parade im Fenster einer Anwohnerin. So macht man das hier. wenn doch klar ist. na klar. Die Tradition. von einer neuen Direktorin frisch belebt. und der 1812 eröffnete Breidenbacher Hof gehört jetzt einer Group mit Sitz in Atlanta. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 65 Düsseldorf: Five points Die Stadt des Eurovision Song Contest hat ein bisschen Applaus verdient Fotos: Fulvio Zanettini/laif (gr. mutig zu sein. Nicht. Sie bilden eine Schlange. die der Bildhauer Friedrich Coubillier entwarf. Wer welche möchte.« Da riskiert man sogar einen Moment im Straßencafé und erfreut sich der Eitelkeiten unter der Sonne. die Fische ausnehmen. wie sie aussieht. kann auch anders. Aussschnitte im Uhrzeigersinn) Die Düsseldorfer Rheinpromenade im Abendlicht Die Kö Unverwüstlich grandiose schnurgerade tausend Meter Haben sich ja alle ein bisschen in Duty-frees verwandelt. wie der bittere Doldenhopfen zärtlich in den Gaumen beißt. Dazu die Kunstsammlung NRW mit ihren beiden Häusern für Kunst des 20. Eine ziemlich herzhafte Angelegenheit – gerade so. Man kommt fast automatisch durch. forderte den Abriss der städtischen. und auch auf Deutschlands kleinen Boulevards sieht es nicht anders aus. der glühende Thomas-Mann-Verehrer Hans-Otto Mayer. Spitzenbordüren und Satin zu abenteuerlichen Kreationen vernäht. WOLF ALEX ANDER HANISCH Die Kunst Gursky. Vor St. Eine Millionenstadt ist Düsseldorf nicht. Natürlich im Stehen. Als ob die Vorliebe für laute Musik automatisch mit einem Gespür für die lässige Kombination von Laufmaschen und gesprühten Kampfansagen einherginge. die berühmten klebrigen Reiskuchen. Oder die Bäckerei Taka. An allen Türen prangen Zettel. übrig geblieben beim Bau der Rheinuferpromenade. weil immer auch ein Schuss Ignoranz dazugehört. wo die Altstadt zur Kirmes verkommt. etwas ruhiger. Nur in ihnen fühlt sich das Obergärige wohl. aber eine Stadt der Millionäre. Oder der Einrichtungsladen Kyoto mit den prächtigen handgemachten Teeschalen. Mai ganz neu präsentiert. Gedruckt wird auf alles. Das Dreieck Immermannstraße. als seien sie aus dem Mittelalter ins 21. und sinnt dem leichten Rauchgeschmack nach. Wer von nebenan kommt. nun ein Museum ist. ullstein. dem Galeristen im Auge all der früheren Stürme. Doch der Hardrock-Schuppen hält dagegen. Wer ihr Geschäft mit den wild bedruckten Shirts durchquert. dem Geck unter den deutschen Großstädten? Aber sicher. sitzt DivaS in der Sonne. ach. der. Gut möglich. Dennoch sieht man auf der Rheinpromenade Touristen mit Flaschen hantieren. Punks müssten ihre Mode selbst entwerfen. In manchem vermeintlich japanischen Restaurant kochen Koreaner oder Vietnamesen für den westlichen Geschmack. für das flanierende Publikum von den herrlichen alten Bäume diskret verdeckt. Düsseldorfer glauben das sofort. die neue Inneneinrichtung hat ein Westfale gestaltet. und der Bierdeckel ist schwarz von Strichen. dass ihr Altbier deren Gipfel markiert? Kein Düsseldorfer Overstatement leuchtet mehr ein.. puristisch und teuer. dieser »Pralinenschachtel«. im Freiheitsjahr 48. Die Professoren an der Kunstakademie sind international erste Sahne. Jahrhundert gerollt. der Limbecker oder ähnlichen Budengassen des Grauens. gab bei Andy Warhol Wahlplakate in Auftrag. das nach zwei Jahren Renovierung seine weit gefächerten Schätze seit dem 7.

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BLICKFANG

DIE ZEIT No 20

REISEN

In der Warteschleife
Oft preisen Urlauber nach ihrer Heimkehr aus der Karibik die Freundlichkeit der Menschen, die, wie es den Besuchern scheint, mit so wenig Besitz so glücklich sein können. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Selten blicken wir, die nach Erholung und Unbeschwertheit suchen, hinter die höfliche Fassade, wo mehr Sorgen, Nöte und Ängste toben, als wir wahrhaben möchten. Der amerikanische Fotograf Alex Webb, Mitglied der Pariser Fotoagentur Magnum, ist ein Kenner der Region. Auf seinen Bildern aus Haiti, Puerto Rico (unser Foto), Kuba, Jamaika, Trinidad und Tobago, Curaçao und Nicaragua, von den Antillen und der Dominikanischen Republik sieht man die Menschen selten lachen. Sie wirken in sich versunken, nachdenklich, gelangweilt von einem Leben in der Warteschleife auf eine bessere Zukunft. Und Webb lässt sie sein, in goldgelbem Licht und strahlenden Farben. Selten hatte die Karibik in einem Bildband ein menschlicheres Gesicht. KCB
Nikolaus Gelpke (Hrsg.): Karibik. Fotografien von Alex Webb. Mit Texten von Karl Spurzem. Mareverlag, Hamburg, 2011, 124 Seiten mit MusikCD; 58 Euro

Foto: Alex Webb/Magnum Photos

REISEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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ls Brutus das Licht der Welt erblickte, malte Cézanne noch romantisch, und Richard Wagner komponierte den Ring des Nibelungen. Amerika war eine Nation der Sklavenhalter, Singapur und São Paulo waren Provinznester. Telefon, Autos und Kinos kannte man damals noch nicht; noch nicht einmal die Schreibmaschine war erfunden. Die Welt, in die Brutus geboren wurde, gibt es nicht mehr. Doch die Aldabra-Riesenschildkröte tut weiterhin das, was sie schon immer tat: schiebt ihren schweren Panzer über die Seychelleninsel North Island, grast gemächlich im Schatten von zerzausten Kokospalmen, sieht die Sonne über dem Indischen Ozean aufgehen und untergehen. »Wo warst du, Brutus? Wir suchen schon den ganzen Tag nach dir«, sagt Linda Vanherck. Die belgische Biologin hat ihren ältesten Schützling schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Irgendwo im Sumpfgebiet muss er sich herumgetrieben haben. Dort verloren sich jedenfalls die Schleifspuren seines schubkarrengroßen Panzers. Linda begrüßt das Ungetüm wie eine Mutter, die soeben ihr ausgebüxtes Kind wiedergefunden hat. Ihre Freude über das Wiedersehen zeigt sich in feinen Lachfältchen, die ihre blaugrauen Augen umspielen. Auf etwa 150 bis 160 Jahre schätzt Linda das Alter der Riesenschildkröte. Und auch wenn es scheint, als sei hier noch alles wie früher, ist die Zeit auf North Island nicht stehen geblieben. Die nur zwei Quadratkilometer große Insel hat sich vom Dschungel in eine Kokosplantage und schließlich in ein beliebtes Reiseziel von Hollywoodstars und Superreichen verwandelt. Menschen kamen und gingen, einst in Fischerbooten. Heute reisen sie in Hubschraubern an, lassen ihre riesigen Koffer von Bediensteten über den Sand tragen und werden von Mädchen in weißen Kleidern wie Majestäten empfangen. Butler bringen ihnen Champagner, Sushi und Schalen mit ausgewählten Früchten. Man hat ihnen Hütten gebaut – in Wahrheit sind es Paläste aus Tropenholz mit Bädern aus weißem Marmor. Mit Betten so groß wie die Verschläge der Plantagenarbeiter, die einst die Kokosnüsse ernteten.

Wir haben die Kröten
Auf der Seychellen-Insel North Island erholen sich die Stars – und finanzieren ein Arche-Noah-Projekt VON WINFRIED SCHUMACHER

»Wir reden sogar mit Eiern«, sagt die Biologin Linda Vanherck
Brutus steht auf vier gewaltigen Füßen inmitten einer Lichtung, ein Fels von einem Tier. Doch an seiner rechten Seite ist deutlich eine Narbe zu sehen. Die mittlere Schildpattreihe ist zertrümmert. An einem Tag im Jahr 2007 hatte die Schildkröte eine schmerzliche Berührung mit dem Tourismus. Ein betrunkener Urlauber übersah ihren Schlafplatz auf dem Hauptweg von North Island und prallte mit seinem Elektromobil gegen ihren Panzer. Linda versorgte seine Wunden, bis der Riese wieder in gewohntem Stolz über die Insel spazieren konnte. Die zierliche Frau mit dem silbergrauen Seitenzopf geht vor Brutus in die Hocke und tätschelt ihn liebevoll. Er lässt sich genüsslich den faltigen Nacken kraulen. Linda Vanherck hat ihr Leben dem Naturschutz verschrieben. Schon als Kind in Belgien träumte sie davon, wie die Gorilla-Forscherin Dian Fossey nach Afrika zu reisen. Nach einem Biologie-Studium in Löwen forschte sie an der Universität Kapstadt. Sie arbeitete als Guide in südafrikanischen und namibischen Nationalparks und betreute verschiedene Umweltprojekte der Vereinten Nationen im südlichen Afrika. Auf die Seychellen lockte sie 2005 die Chance, North Island zu renaturieren. Seit ihrer Erschließung im frühen 19. Jahrhundert war die Insel eine Plantage. Arbeiter gewannen aus den Kokosnüssen Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch, die Grundlage für Kokosöl. Nach dem Zusammenbruch der Kopraindustrie in den 1970er Jahren wurde North Island verlassen. Die zurückgebliebenen Ratten, Katzen und Schweine vermehrten sich unkontrolliert und verdrängten die einheimischen Tiere. 1997 kaufte eine Eignergruppe um den Detmolder Unternehmer Wolfgang Burre die verwilderte Insel und beschloss, sie zum Deluxe-Ökoresort umzuwandeln. So entstand das Arche-Noah-Projekt. Mit Setzlingen und Saatgut von anderen Seychellen-Inseln begann die

Brutus (oben) ist geschätzte 150 bis 160 Jahre alt. Unten: Die Biologin Linda Vanherck mit weiteren Schützlingen

Wiederaufforstung des ursprünglichen Tropen- elf Gästevillen entlang des Hauptstrands sind in waldes. Nach und nach wurden die tierischen der Inselvegetation kaum auszumachen, obwohl Eindringlinge ausgerottet. Die Insel ist heute sie über eine Grundfläche zwischen 450 und 750 rattenfrei. So können sich wiedereingeführte Quadratmetern verfügen. Neben anderen AnArten wie der äußerst seltene Mahé-Brillenvogel nehmlichkeiten bieten sie den Berühmten und ungestört vermehren. Mittlerweile leben 85 Rie- Reichen dieser Welt vor allem den Luxus der senschildkröten auf der Insel, zudem etwa 20 Abgeschiedenheit. seltene Sumpfschildkröten, die wegen eines HoÜber die Gästeliste wird auf North Island telneubaus auf Mahé, der Hauptinsel der Sey- strenges Stillschweigen bewahrt, doch im Interchellen, heimatlos geworden waren. net kursieren Berichte, denen zufolge Brad Pitt Linda liebt es, Besuchern auch die kleinen und Angelina Jolie, Julia Roberts, Paul McCartWunder ihres Refugiums zu zeigen. »Hey, ihr ney und Bono bereits hier gewesen sind. Salma beiden«, begrüßt sie zwei Paradies-Fruchttau- Hayek verbrachte ihre Flitterwochen in einer der ben, die in einer Baumkrone an wilden Feigen Villen. Die Beckhams sollen zu ihrem zehnten picken. Wegen ihres weiß-blauen Federkleids Hochzeitstag die ganze Insel gemietet haben. und des roten Kopfs wird der Vogel auf Kreo- Laut Pressespekulationen plant sogar das Prinlisch Pizon Olande, »Holländische Taube«, ge- zenpaar Kate und William, seinen Honeymoon nannt. Sie gehören zu einihier zu feiern. Der Hamburgen endemischen, nur auf ger Insel-Makler Farhad den Seychellen vorkomVladi bestätigt, dass er North menden Arten. Island an die britische Krone Die Kosten für das Arvermietet hat. Den Termin che-Noah-Projekt soll das Anreise: Condor (www.condor.de) behält er für sich. Luxusresort tragen. Direkt fliegt direkt von Frankfurt am Main Linda interessiert sich hinter den Gästevillen liegt auf die Seychellen nicht besonders für die ein Hain mit Hunderten Stars, aber ein paar kuriose Kokospalmen. Linda mag Unterkunft: North Island gehört zu Geschichten kennt sie doch. sie nicht, auch wenn den den exklusivsten Reisezielen weltweit. Sie erzählt von Gästen, die Touristen der Anblick ge- Eine Übernachtung kostet all-inclusive ihr Mineralwasser aus Fifällt. »Das ist reine Mono- ab 2100 Euro pro Person dschi einfliegen ließen, von kultur. Man hat diesen Teil einer Dame, die mit viererhalten, um zu zeigen, wie Riesen- und Meeresschildkröten las- zig Paar Schuhen auf der es hier zur Zeit der Kopra- sen sich auch auf anderen Inseln der Barfuß-Insel landete, und Seychellen beobachten. Am Strand der industrie aussah.« Anse Kerlan auf Praslin legen Suppen- von einem aufgebrachten Vom ursprünglichen Tro- und Karettschildkröten ihre Eier ab. Bräutigam, der in der ersten penwald sind nur wenige Constance Lémuria Resort (Anse Ker- Nacht der Flitterwochen Hektar erhalten. Linda geht lan, Praslin, Tel. 00248-428 12 81, mit dem Hubschrauber ausvoran. Nach wenigen Mi- www.lemuriaresort.com). Junior-Suite geflogen werden wollte. nuten wird die Vegetation ab 330 Euro; La Digue ist bekannt für »Die meisten Gäste verhaldichter und wilder. Über ihre Riesenschildkrötenkolonie. Berni- ten sich aber unauffällig«, uralten Takamaka- und Ka- que Guest House (La Passe, La Digue, sagt Linda. Sie weiß, dass tappenbäumen flattern krä- Tel. 00248-23 42 29, www.bernique- ihr Arche-Noah-Projekt auf hengroße Flughunde. Unter guesthouse.com). DZ ab 95 Euro umweltbewusste Vermögenausladenden Fächerpalmen Veranstalter für umweltbewusste de angewiesen ist. rascheln giftgrüne Eidech- Seychellen-Reisen: Reiseservice Africa Am nächsten Morgen sen durchs feuchte Laub. (Bauseweinallee 4a, 81247 München, ist es so weit. Linda taucht Linda und ihr Arche-Noah- Tel. 089/811 90 15, www.reise mit einem Plastikeimer am Team haben Kokospalmen service-africa.de) Strand vor den Gästevilaus dem Wald entfernt und len auf. Elf der frisch AFRIKA geschlüpften Karettdafür endemische Arten an- Auskunft: Seychelles Tourist Office Deutschland. Tel. schildkröten sind in gepflanzt. der Nacht aktiv geLinda kultiviert für das 069/29 72 07 89, www. worden und nun reif Renaturierungsprojekt Hun- seychelles.travel für die Freiheit. Linda derte von Pflanzen in der kippt den Eimer vorinseleigenen Baumschule. North Island Praslin sichtig auf den wei»Besonders stolz sind wir Island ßen Sand, die auf unsere Coco de Mer«, sagt sie. Die Silhouette Schildkrötenbeginberühmte Seychellenpalme hat die S E YC H E L L E N Island nen sogleich, den größten Samen, die es im Pflanzenreich Indischer Ozean Wellen entgegenüberhaupt gibt. Weil die gewaltigen zuwackeln. Nur weKokosnüsse an ein weibliches Becken Mahé Island nige Meter trennen erinnern, ranken sich viele Legenden sie vom Wasser. um die Palmenart. Angeblich setzten ZEIT-Grafik Ihr Spurt über den Könige und Sultane einst hohe Summen 10 km Sandstreifen ist nicht unfür ein Exemplar der sagenhaften Nuss aus, gefährlich; die Fressfeinde die hin und wieder an fremde Küsten geschwemmt wurde. Ihren wahren Herkunftsort warten schon. Aber sobald eine Strandkrabbe angreifen will, stampft Linda kräftig auf und kannten sie nicht. verscheucht sie. »Los, ihr Kleinen, ihr schafft das!«, spornt sie die Brut an. Die Schildkröten Angeblich sollen Kate und William schieben sich auf ihren Flossen mühsam vorhier ihre Flitterwochen verbringen wärts. Bei den ersten Versuchen wirft die Nicht weit von der Baumschule hat Linda ihr Brandung sie zurück auf den Sand, doch dann Büro in einer einfachen Hütte eingerichtet. Hier sind sie alle in den Wellen verschwunden. Nur stapeln sich Bildbände über Fauna und Flora ein offenbar geschwächtes Exemplar bleibt und dicke Ordner bis unter die Decke. Die Bio- auf seinem Panzer liegen. Vergeblich versucht login führt genau Buch über die Entwicklung es, sich auf den Bauch zu drehen. Linda auf ihrer Arche Noah. Aber sie bekennt: »Ich bin nimmt das kraftlose Tier in die Hand und kein Büromensch.« In der Mitte des Raums ste- trägt es ins Wasser. »Mach’s gut, Kleiner!«, ruft hen zwei große, mit Tüchern verhängte Styro- sie ihm nach. Einen Großteil ihres Lebens werden die porboxen. »Na, wie sieht es denn heute bei euch aus?«, fragt sie in eine Kiste mit der Aufschrift Schildkröten im Ozean verbringen. Wenn sie »Unbekannt VII« hinein. Zu sehen ist nichts als Raubfischen, Seevögeln, Fischernetzen und Meefeiner Sand. »Manchmal reden wir hier sogar mit resverschmutzung entkommen, werden sie irEiern«, sagt Linda. Die Box enthält nämlich das gendwann zur Eiablage an diesen Strand zurückGelege einer Karettschildkröte. Linda hat das kehren. Forscher schätzen, dass es ungefähr 30 Nest umquartiert, als sie sah, dass es sonst vom Jahre dauert, bis die erwachsene Schildkröte das Meer weggespült worden wäre. In einer anderen Wasser wieder verlässt, um in den Sand, in dem Kiste sind die ersten Schildkröten bereits ge- sie einst geboren wurde, ein Nest zu graben. Die schlüpft. Noch liegen sie erschöpft auf dem Beckhams, Brangelina, Kate und William wird Sand, aus dem sie sich gerade herausgegraben man womöglich längst vergessen haben. Aber haben. Wenn sie anfangen zu zappeln, wird Lin- wer weiß, ob dann nicht eine Riesenschildkröte namens Brutus ihren schweren Panzer noch imda sie ins Meer entlassen. Es ist die Mischung aus ehrgeizigem Umwelt- mer über North Island schiebt. projekt und exklusiver Robinsonade, die North Island zum Ziel des Jetsets werden ließ. Ökotourismus ist in Mode unter Topverdienern. Die www.zeit.de/audio

North Island

Fotos: Winfried Schumacher für DIE ZEIT (o. und u.); Frank Heuer/laif (m.)

CHANCEN
Spezial: Bachelor & Master
Wie lange Studenten wirklich lernen, wo die Studienreform besonders gut umgesetzt wurde (ab Seite 74) und warum es noch schwer ist, die Uni zu wechseln (Seite 76)

S. 81

BERUF

Gesucht: Forscher. Zum Beispiel, um das Klima zu retten. Der dritte Teil unserer Serie über Berufe mit Zukunft

LESERBRIEFE S. 96 DIE ZEIT DER LESER ab S. 82 STELLENMARKT
S. 95

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.olafdeharde.com; kl. Foto: privat

1960er Jahre

Ach, dieser Stress
Gerade einmal 23 Stunden wenden Studenten pro Woche für die Uni auf, zeigen neue Studien VON JAN-MARTIN WIARDA
Auf den folgenden Seiten erzählen Absolventen aus sechs Jahrzehnten von ihrem Studium

Wolfgang Wiese, GrafikdesignStudent von 1966 bis 1969: »Mein Studium an der Werkkunstschule Bielefeld war absolute Freiheit für mich. Ich war begierig, so viel zu lernen wie möglich: Malerei, Grafik, Fotografie, Kunstgeschichte. Dieses Über-den-Tellerrand-Gucken habe ich mir auch im Beruf bewahrt. Jetzt, als Rentner, bin ich an die Uni zurückgekehrt und studiere Alte Geschichte. Leider kommt es mir vor, als wären die Studenten nicht mehr so frei wie damals. Sie wirken fast etwas verbissen.« Alle Protokolle:
LISA SRIKIOW

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ls Erik Beuck in sein erstes Semester startet, erreicht der Bildungsstreik gerade seinen Höhepunkt. Herbst 2009: Überall im Land besetzen Studenten Hörsäle, ziehen durch die Innenstädte und fordern das Ende aller Spardiktate. Eines der bestgehassten Wörter ist »Bologna«, die Hochschulreform wird zum Synonym für Effizienzdruck und sinnentleertes Turbolernen. »So ist es wohl«, denkt Erik Beuck, schließlich hat er es überall so gehört – und marschiert mit. Knapp zwei Jahre später sitzt der 27-Jährige vor der Auswertung seines Lernkontos und schüttelt den Kopf. Exakt 18,97 Stunden ergibt das Protokoll seiner Studierzeit: 18,97 Stunden pro Woche, die er im Schnitt für Vorlesungen, Übungen, Hausarbeiten, Referats- und Klausurvorbereitung aufgewendet hat. Bin ich ein Halbtagsstudent?, fragt Beuck sich. Er kann es nicht glauben. Rolf Schulmeister war anfangs ähnlich überrascht. Der Informatiker leitet das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung an der Uni Hamburg, und als er vor zwei Jahren die Streiks beobachtete, war er überzeugt: Recht haben sie, die Studenten, dieser Bachelor ist eine Zumutung. Und weil Schulmeister Wissenschaftler ist, wollte er es beweisen. So stellte er mit seinen Mitarbeitern ein einmaliges Forschungsprojekt namens »Zeitlast« auf die Beine: 403 Studenten an Hochschulen überall in Deutschland protokollierten über Monate hinweg jede einzelne ihrer wachen Stunden.

Schulmeister sammelte 150 Tagesabläufe und insgesamt 1 466 184 Stunden. Als er erste Analysen durchrechnen ließ, war er zunächst sprachlos. Dann verwundert. Und schließlich kam er in Hochstimmung. »Genau deshalb bin ich Forscher geworden«, sagt er. »Weil ich nicht behaupte, schon alles zu wissen. Weil Fakten besser sind als Vermutungen.« Und Fakt ist: Der durchschnittliche Aufwand fürs Studium belief sich bei den Studienteilnehmern auf 23 Stunden in der Woche. Als Schulmeister vergangenen Herbst mit einem ersten Zwischenergebnis aus nur fünf Studiengängen an die Öffentlichkeit trat, war das Medienecho bereits gewaltig. Häme ergoss sich über die plötzlich als »faul« titulierten Studenten, die alle mit ihrer ewigen Jammerei hinters Licht geführt hätten. Häme bekam aber auch Schulmeister zu spüren, und zwar vonseiten einiger Forscherkollegen, die Methode und Aussagekraft seiner Untersuchung anzweifelten. Zu krass war die Abweichung von allen bislang bekannten Studien. Das renommierte Hochschul-Informations-System (HIS) etwa war in seiner Studie auf geschlagene 13 Stunden mehr pro Student gekommen. Auch deshalb legte Schulmeister nach. Das Ergebnis: Obwohl er den Kreis der untersuchten Studiengänge von sechs auf mittlerweile 18 erweitert und auch vermeintliche Paukfächer wie BWL oder Ingenieurwissenschaften hinzugenommen hat, blieb der gemessene durchschnittliche Studienaufwand in etwa gleich – bei großen individuellen Abweichungen. »Natürlich gibt es die Studenten, die 40 Stun-

den in der Woche studieren«, sagt Schulmeister. »Aber sie sind die Ausnahme – im Gegensatz zu denen, die 15 Stunden und weniger fürs Studium aufwenden.« Noch überraschender: Zumindest in den untersuchten Studiengängen waren die angeblich besonders geforderten Ingenieurstudenten (24 Stunden) und BWLer (25 Stunden) keineswegs arbeitsamer als die dem Klischee nach so entspannten Lehramtsstudenten (27 Stunden) und Erziehungswissenschaftler (23 Stunden). Und eines hat Schulmeister besonders erschüttert: »Die investierte Zeit hat keinen Einfluss auf Noten und Studienerfolg.« Die fleißigeren Studenten sind im Schnitt keineswegs die besseren. Aber wie kann das alles sein? Und wie kommen die enormen Unterschiede zu anderen Studien zustande? Ganz einfach, sagen Schulmeisters Forscherkollegen: Seine Daten seien nicht repräsentativ, teilgenommen hätten ein paar Hundert Studenten aus einer Handvoll Studiengänge, die auch noch aufgrund der persönlichen Initiative ihrer Studiengangsleiter bei der Untersuchung mitgemacht hätten, da sei die Verallgemeinerbarkeit schon arg begrenzt. Die HIS-Forscherin Elke Middendorff spricht von einem »dirty panel«. Ihr Kollege Tino Bargel von der Konstanzer AG Hochschulforschung, deren Studierendensurvey seit 30 Jahren zu den meistbeachteten repräsentativen Studien an Hochschulen überhaupt gehört, drückt sich zurückhaltender aus: »Die Ergebnisse von Zeitlast sind äußerst beeindruckend, die Methode der Datenerhebung ist innovativ, allerdings muss man angesichts der nicht zufälligen Aus-

wahl der Studiengänge vorsichtig sein, weiterführende Schlüsse für alle Studenten in Deutschland zu ziehen.« – »Wer so was sagt, hat die Methode unserer Studie nicht verstanden«, sagt Schulmeister knapp und verweist auf die »enorme Datendichte« angesichts von anderthalb Millionen protokollierten Stunden und die Länge der Untersuchung über fünf Monate hinweg. Das HIS hatte das studentische Zeitbudget für die 2007 erschienene, als repräsentativ geltende 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhoben. Der zufolge lag die durchschnittliche Belastung von Bachelorstudenten bei 36 Wochenstunden. Eine »äußerst besorgniserregende Entwicklung«, kommentierten Studentenverbände, Professoren und Politiker. Das war schon damals gewagt – schließlich war die vom HIS ermittelte Zeitbelastung bei den alten Studienabschlüssen ganz ähnlich. Ein entscheidender Unterschied zu Schulmeisters Studie ist jedoch die Methode: Die an der Sozialerhebung beteiligten Studenten mussten ihren Zeitaufwand fürs Studium lediglich schätzen, während Schulmeister seine Probanden sauber mitprotokollieren ließ. Schätzen sollte Erik Beuck erst am Ende. Bevor die Forscher ihm die Ergebnisse seines Zeitkontos präsentierten, baten sie den Lehramtsstudenten, die Stundenzahl anzugeben, die seiner Meinung nach seinem wöchentlichen Studienpensum entsprach. Beuck wusste da bereits, dass er nicht zu den fleißigsten Studenten gehört. Die Praxis liegt ihm mehr,
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Widersprüchlich
»Die Ergebnisse freuen mich außerordentlich«, kommentierte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Studien des HIS, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die vor der zweiten Bologna-Konferenz am 6. Mai erschienen. DHV-Chef Kempen entgegnet: »Die Studien, die aus dem Hause Schavan kommen und nach Lesart der Bundesministerin den angeblich notorischen Kritikern der Bologna-Reform den Wind aus den Segeln nehmen, belegen in der Regel das Gegenteil.« Was die Untersuchungen tatsächlich zeigen: Vieles in der Kritik an den neuen Abschlüssen war weit übertrieben, aber besser geworden ist durch die Reform noch zu wenig. So hat sich die Studienqualität in der Bewertung gegenüber den alten Abschlüssen kaum gesteigert. Und die Verunsicherung der Bachelorabsolventen durch die ständigen Warnrufe hat skurrile Folgen: Obwohl sie ihre Jobaussichten zum Teil sogar besser bewerten als die Inhaber alter Abschlüsse und die Bereitschaft von Firmen, sie einzustellen, groß ist, hängen die Hälfte der FH- und drei Viertel der Uni-Bachelors einen Master an.

Student Beuck bestätigt: »Die Spitzen in der Belastung prägen die Wahrnehmung. Der Preis: Jetzt zählt jede Klausur und löst Stress aus. Auch abgesehen von der Schulmeister-Untersuchung bekommt die Reform derzeit eher gute Presse. Das liegt an dem blöden Bologna-Studium. Die Fachhochschule Kiel etwa will ihre Studienstruktur neu organisieren und als ersten Schritt die Semester halbieren. Beim Deutschen Studentenwerk äußert man sich betont differenziert. 34. sagt Bernhard Kempen. die neben dem Studium zwingend für ihren Unterhalt arbeiten müssen. Das bin ja nicht ich. sagt man sich.zeit. kein Aids. lernen. sagt der stellvertretende Generalsekretär Stefan Grob. die anderen Wochen vergisst man irgendwie. sagt Schulmeister. von der DHV-Chef Kempen spricht? Schulmeister sagt: »Anstatt die Studenten mit bis zu 14 Themenwechseln pro Woche zu konfrontieren. was die Belastung der Studenten angeht. heute nehmen die Studenten nur einen Business Case nach dem anderen durch. zumal auch deutlich mehr Lernkontrollen geschrieben werden als früher. 71 1970er Jahre Jürgen Studt. 360 Seiten.« schon jetzt arbeitet er freiwillig jede Woche einen Tag in einer Schule. Ich habe zudem den Eindruck. Doch gilt die Entwarnung auch für die angebliche Überfrachtung des Studiums. www. sei bei vielen wirklich extremer Stress angesagt. Angesichts der 18. Hier offenbart sich. die viele streikende Studenten so erbost hat? »Meine subjektive Wahrnehmung als Hochschullehrer. Außerdem die Klausuren: Tatsächlich sind sechs Stück in anderthalb Wochen keine Seltenheit. Ein Ergebnis. sucht er jetzt nach Erklärungen. kl. 30 Stunden. wie hehre Absichten zum Gegenteil des Erhofften führen können. müssen wir das Studium in thematisch zusammenhängenden Blöcken organisieren. dass die Professoren sich mehr von den Studenten abschotten – wie vor den sechziger Jahren. dann ist ein tiefer Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. In der Statistikvorlesung waren wir zu acht.90 Euro www. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Fortsetzung von S. Den Studienleiter Rolf Schulmeister haben sie dazu als Berater eingeladen. sich für Prüfungen anmelden. »Wir haben nie behauptet.« Diese Entschuldigung zumindest könnte sich bald erledigt haben.« Gemeinsam mit der TU Ilmenau haben die Hamburger Forscher ihr neues Modell bereits ausprobiert. keine Umweltprobleme. dass die internationale Mobilität der Studenten entgegen allen Vermutungen der Bologna-Kritiker zugenommen hat und dass Bachelorabsolventen erstaunlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben (siehe auch Kasten).de/audio Ag Fordham www. Die semesterbegleitenden Klausuren sollten die gefürch- teten Hammerprüfungen am Ende des Studiums ersetzen. Meiner Generation ging es besser als der vor und nach uns: kein Krieg. die seine persönliche Auswertung dann ergab. nämlich dass der Studienaufwand sehr ungleich verteilt ist. Hausarbeiten schreiben. Das ist eine super Ausrede.« Ein paarmal im Semester. bleibt eine andere«. »Mit einer zeitlichen Überfrachtung des gesamten Bachelorstudiums hat das allerdings nichts zu tun«. .com. antwortete er also – und hielt sich für extrem realistisch. »Allerdings muss man festhalten: Gerade für das Drittel der Studenten.97 Stunden.olafdeharde. »Das hat mit den Medien zu tun«. Waxmann 2011. dann komme alles zusammen. wird es schon eng. das offenbar jetzt auch andere zum Nachdenken bringt. Foto: privat gehendes Lernen möglich.72 12. Buchtipp: Rolf Schulmeister/Christiane Metzger (Hrsg. Vorsitzender der bolognakritischen Professorengewerkschaft Hochschulverband (DHV). dass die Lage der Studenten wegen des Bachelors per se schlecht ist«.« Selbst Rolf Schulmeister sagt: »Eins zeigen auch unsere Daten.): Die Workload im Bachelor. und die Prüfungen ballen sich nicht am Semesterende. besonders im Vorfeld der Klausurenphase. »Jahrelang haben sie rauf und runter geschrieben. die manchen noch nach einem Dutzend Semestern aus dem Magisterstudium gehauen haben. die fast an Unbekümmertheit grenzt.« Doch was folgt aus der enormen Diskrepanz zwischen »subjektivem Empfinden und objektivem Sachverhalt«. Gerade hat eine Reihe von Studien im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergeben. wenn man mal keine Lust hat aufs Lernen. sagt er. dass der Bachelor kaum zu schaffen ist. Sie haben das Semester dort in vier Blöcke aufgeteilt mit jeweils anschließender Prüfung und dabei den durchschnittlichen Studienaufwand sogar gesteigert. ohne dass er sich schlimmer anfühlt: von 24 auf 31 Stunden. BWL-Student von 1974 bis 1979: »Mit meinem Studium an der Uni Hamburg verbinde ich eine Freiheit.

»Und die Regelstudien. der ruf einsteigen könnte. Von der Wand des Fachschaftsraums starrt ein im vierten Semester beginnt die Einführung in die weißer Hase mit roten Augen vom Werbeplakat Anwendungsmodule. Aber ich habe mich schnell zurechtgefunden. blie. sagt Brielmann logie zum Beispiel oder Gesundheit und Arbeit. Sie steigt auf das Sofa und klaubt einen achtsemestrigen Bachelor in Psychologie an.« Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.und Musikund-Master-Struktur sollte Deutschland eigentlich hochschulen dauern drei Viertel der Bachelors fit für den europäischen Hochschulraum machen. »In Übersichtsplan von der Wand. um ter finde ich sehr wichtig«. Die wissensich flexibler und individueller gestalten. »Aber der Stundenplan Berg.gleichen.stimmten Studiengängen ein zusätzliches Ausgen erbracht werden müssen.testen. und es gibt derzeit keine Pla. Rechts-.com. die man auf sieben oder acht chelor daher fast flächendeckend Semester umstellte. Würden Studiengänbleibt für den Master versitäten lehnen den langen Bage. der Ständige Vertreter des Prädie Universität des Saarlandes lässt wissen: »Alle sidenten der Universität Augsburg. Politikstudentin von 1981 bis 1986: »Während der Schule wechselten meine Berufswünsche mehrmals. sie fürchten eine Schmalspurnicht verbessern? ausbildung im Master. noch betrachtet man uns als Exoten«. »In einem Einige Hochschulen wagen es: Neben der Universität Konstanz hat zum Bei. Auch die Konstanzer Psychologieprofessorin unsere Bachelorstudiengänge sind auf sechs Semester ausgelegt. Jeans.und Sozialwissenschaften. »Cut. das war schon früh klar. sieben oder acht higung des ersten HochschulSemestern festzulegen. Eine längere Acht plus vier ist gleich zehn Semester«. wie sie ist. die Situation weniger Zeit ab. sofern es Finanzen und Zeit zulassen. heißt nicht sofort panikartig alles wieder umzustellen«. Auch die Goethe-Universität in Frankfurt am Main plant im Fach Sinologie schiedlich langer Bachelorstudiengänge die Mobilität der Studierenden einschränken würde: Hocheine Umstellung auf acht Semester. die neuen. insbesondere an den nem achtsemestrigen Bachelor Universitäten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 73 Längere Bachelorprogramme könnten die Stundenpläne entlasten. sagt Brielmann.und Auslandssemester. und grinst. das im Rahmen des Bachelor-Plusauch die 20-jährige Psychologiestudentin Aenne Programms des DAAD finanziell unterstützt wird Brielmann aus Konstanz.raum und das Biopsychologie-Seminar gequetscht kante auf das grau melierte Sofa unter ihr.gilt. und die schaftliche Variante führt gezielt auf ein zweiAbsolventen wären mit ihrem ersten Hochschul. werden andere nachziehen. energische – ohne dass es zu einer Studienzeitverlängerung Person mit T-Shirt. kl.olafdeharde. zu Massendemonstrationen gegen die Bologna. auch mal andere starken Praxisbezug haben. Hochschulrahmengesetz räumen jeder Hochschule die Freiheit ein. diese Unabhängigkeit hatte ich sogar gesucht. das Studium ließe tierten Zweig entscheiden können. ist immer noch unglaublich voll. Und das Studentenwohnheim wurde zu meinem Zuhause. Sie will in den Sportkurs. ohnehin acht Semester. Ich wollte wissen. über ihren näres Studienjahr sollen an einzelnen Hochschulen angeboten werden. Sie hat Dienst im Fachschafts.logiestudium. sagt Rockstroh. »Den Studenten bliebe in der Eingangsversität in Friedrichshafen wirbt damit. wenn immer möglich zu verbessern und res Bekenntnis zum dreijährigen Bachelor«. aus. weiß sie allerdings dem Wintersemester 2009/10 einen auch nicht. Grundsätzlich ist für Studieverlängerten Studiengang zu reden. Heimelig war es an der Uni Hamburg nicht. Deutsche Fachhochschulen.Abschluss in der Tasche. An Kunst. mit dem man in den Bevielfalt. der Sprecher der Universiacht Semester erhöht. »Das Praxissemesunserem Fach sind vier Jahre das Minimum. Studiengangs Internationale BWL von sechs auf sagt Andreas Archut. »Unsere Gleichung lautet: Argumente nur teilweise zu halten. sagt Brigitte Rock. WirtschaftsReform führten. sagt sie. »macht immer noch Spaß. gefallen ihr. Die meisten diengang neu akkreditiert werden – das kostet.« Probleme wie diese waren es. »Studieren«. Einige Universitäten wiederum sehen bei bematisch zu einer Entzerrung des Stundenplans. die andere Option soll die Bachelorabsolventen optimal vorbereitet in abschluss besser qualifiziert. eine sechssemestrige Studienfestlegen. sagt sie. interdiszipliraum. Sense«. Follow the white rabbit den einen Schwerpunkt wählen. dass ein Parallelangebot unterJahre laufen zu lassen.mich sinnvoll spezialisieren können. samt Blick auf See und Alpen. wenn ich dung vermitteln zu können«. Die Stundenpläne sind oft straff. »Es Hochschulen zeigen sich bei dem Thema zurück. Semester abgeschlossen sein. Dort sehen etwa Bachelors flexibel auf gehörte demnach ein zweisemes95 Prozent der Bachelorangebote bis zu acht Semester triger Master. die ohnehin einen gefühlte Druck ist hoch. Die Psychologiestudentin Aenne Brielmann Ende zweites Semester. »Wir haben aus allen Fakultäten ein kla. mit meinen Kommilitonen von dort bin ich noch immer befreundet. Am »Ich habe mir die Konstanzer Uni bewusst ausSüdrand der Bundesrepublik. Foto: privat Aus sechs mach acht .semestriges Masterstudium hin. Aber: Dann Die forschungsorientierten Unidauer vor. Allerdings beschränkt sich das Phänomen der schulwechsel zwischen Bachelor und Master würden Studienzeitverlängerung bislang nur auf wenige erschwert. keiner kommt. Bereits hat. Und sagt Alois Loidl. Und nach nur drei Jahren PsychoDas anwendungsorientierte Psychologiestudi.Ländergemeinsamen Strukturvorgaben und das ben Freiräume auf der Strecke – so die Kritik. »Wie soll ich eine wissenschaftlich wirklich gute Grundausbil. inhaltlich auf ein Niveau Herbst 2011 als erste deutsche Hochschule alle zu kommen und später ihre wissenschaftlichen ihre Bachelorstudiengänge regulär vier statt drei Grundlagen zu vertiefen. sagt Brielmann. Das weiß inzwischen landsjahr vor.und Methoden.zur Universität oder ein zusätzliches. Klinische Psycho.der Psycho-Oster-Party.torenkonferenz wiesen im vergangenen Wintersemester 44 Prozent der Bachelorstudiengänge zeit zu überschreiten bedeutete Stress. Die private Zeppelin Uni. Nur dass ich studieren würde. die im Jahr 2009 eine Regelstudienzeit von sieben Semestern auf. Zeitproblem darf die Gesamtregelstudienzeit zum Teil bis heute. es zum Beispiel von der Universität Freiburg.Brigitte Rockstroh kennt diese Argumente und gibt zu: »Vier Jahre Bachelor plus zwei Jahre Masnungen. habe man keinen um ist bekannt für seine Fächer. den sie zwischen die Präsenzzeit im Fachschaftssagt Aenne Brielmann und haut mit der Hand.« ter wären mir lieber. bei konsekutiven. RegelstudienAuch die tatsächliche Berufsbefäzeiten von sechs. So stellt zum Beispiel die Jade Hochschule Oldenburg/Wilhelmshaven/Elsfleth im nächsten Wintersemester alle ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge auf acht Semester um.« Dennoch zeigt sie sich von dem Konzept ihres Fachbereichs überzeugt: »Wir sind erst am Anfang. Orientierungsmodule? Deadline geschlossen. »Wenn es aber funktioniert.« B 1980er Jahre Juliane Papendorf.tät Bonn.schulpräsident Elmar Schreiber.« Die Universität Konstanz bietet seit Worauf sie verzichten würde.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12.zweisemestrigen Master müsste man sich im Wespiel die Uni Bamberg die Regelstudienzeit ihres sentlichen auf die Masterarbeit konzentrieren«. »Den meisten meiner Studenten fehlte bislang die Zeit. hier können die Studieren. eine zierliche. Sie schaffen aber andere Probleme VON MAREN WERNECKE eginnen wir mit der Ausnahme. Professorin für klinische Psychologie und habe?« Auch die frühen Vertiefungsmöglichkeiten Studiendekanin. sagt HochStudiendauer beispielsweise führt nicht auto. haben dies längst beVorlesungen zu besuchen oder etwas in Ruhe zu rücksichtigt: Nach Recherchen der Hochschulrekverdauen«. Allerdings abschlusses stellten viele infrage. es bleibt Zeit. Verschieben könne man auch in den vier Jahren rende ein längeres Studium ohnehin nicht auswenig. sagt sie. gerade eingeführten Modelle zu haltend. da in den zusätzlichen Semestern ebenfalls Leistun. auf dem gesucht«. warum die Welt so ist. Rein rechtlich ist das seit Jahren möglich: Die Stattdessen seien gerade die sechssemestrigen Bachelors mit Stoff und Prüfungen vollgestopft. ab phase zu wenig Zeit. wobei sich die Studierenden Dabei scheinen die Vorteile einer Verlängerung nach dem sechsten Semester entweder für den auf der Hand zu liegen: Es bliebe mehr Raum für berufspraktischen oder den wissenschaftlich orienPraxis. Die Umstellung auf die Bachelor. Abschlüsse ließen sich schlechter verHochschulen und Fachbereiche – ein bundeswei. Vor allem muss jeder verlängerte Stuter Trend ist mitnichten erkennbar. Auch Übergangssemester von der Schule Sommersprossen.noch nichts vom Berufsleben mitbekommen stroh. Doch bei genauerer Betrachtung sind diese den Beruf entlassen.steht auf einem Pfeil.insbesondere die Ingenieur-. dies zu ändern. Basismodule? Sollten vor dem sechsmonatigen Berufspraktikum im fünften muss jedenfalls jetzt los.« Möglichkeiten gibt es viele.« Hinzu kommt. also aufeinanDie Forderung nach längeren Hochschulen können derfolgenden Studiengängen nur Regelstudienzeiten machte die die Studiendauer des zehn Semester betragen: Zu eiRunde. Pferdeschwanz und kommt.

Deswegen fragt der Stifterverband: »Welcher Studiengang verdient Lob und warum?« In der Begründung sollen ausschließlich Kriterien eine Rolle spielen. Eine Jury. Vorschläge können Studierende gemeinsam mit einer Fachschaft einreichen. Den Studenten gefiel das. andere raunen. An vielen anderen Universitäten gilt es als Niederlage. Daraufhin richtete er einen sogenannten Bologna-Tag ein. sondern bezeichnend für einen reformerischen Geist. die Tausende Studenten in Deutschland 2009 während der Bildungsproteste über ihren Köpfen schwenkten. drei Mal die für den Master. Gleich mehrmals wurden die Studienordnungen überarbeitet Natürlich macht es Arbeit. was ihnen nicht passte. Hildesheim ist aufgesprungen. Die Uni Hildesheim hat sich mit ihrer Reformbereitschaft vom Hannoverschen Stiefkind zum bundesweiten Musterschüler gemausert. Ein Formular für den Antrag steht unter www. der Leiter des Instituts für Psychologie.und Masterstudiengänge aus. Worte lang sein. »Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«. Sie wollten das Diplom zurück. gebildeter Mann mit epochalen Gesten und vornehmer Art. Aber viele universitäre »Sesselpupser« sähen das nicht ein. In Hildesheim studieren 5000 Studenten von bundesweit rund 2. muss sich Debatten stellen. »Ich glaube. den Kopf oben zu halten.« Hildesheim ist die kleinste Großstadt des Landes Niedersachsen. sagt Werner Greve. Sie sind die Antreiber auf den Campus. Was ist nun an der Uni Hildesheim so anders als anderswo? Stellt man diese Frage dem Präsidenten Friedrich. dass das. Wie das geht. »Schade ums Diplom«. einmal 2000 und einmal 1000 Euro. Natürlich ist jedem Studenten etwas anderes wichtig. einer klatscht. Trotzdem findet Greve. um den Studenten individuelle Wahlmöglichkeiten zu geben. desto mehr Universitäten machten sich die Kritik der Studenten zunutze – oft für ihre eigenen Interessen.2 Millionen. Und hierbei unterscheidet sich die kleine Universität momentan von mancher Massenhochschule. das Preisgeld geht an die Fachschaft. die mehrheitlich mit Studierenden besetzt ist. sagt Greve hingegen nur. Die präsentieren sich dann Ende November in Berlin. »Missbildung«.74 12. Studienordnungen innerhalb kurzer Zeit zu ändern. sondern den Bottom-up-Prozess«. »vergessen wir’s!« Die Umstellung von den alten Studiengängen auf die neuen sei eine echte Chance gewesen. Bologna heiße der Zug der Zeit. Je lauter ihr Protest wurde. dann sagt der erst einmal »Tja«. Und dass es nicht nur eine Sache der Größe und des Geldes ist. Greves Meinung nach ist Hildesheim auf dem aufsteigenden Ast. »Wir sind das Hackfleisch in der Bolognese« oder »Dichter und Denker statt Bachelor und Banker« stand auf den Plakaten. Mai 2011 AUSSCHREIBUNG DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Lob dem Studiengang Der Stifterverband sucht die besten des Landes Verdient Ihr Studiengang die Auszeichnung »cum laude«? Ist das Studium besonders gut strukturiert. denen – aus welchem Grund auch immer – besonderes Lob gebührt. sagt er. Vergangenes Jahr gaben die neun größten technischen Hochschulen in Deutschland beVON NORA GANTENBRINK W kannt. wo die drei besten ausgezeichnet werden. sondern stattdessen den alten Studiengängen nachgetrauert. Zwei Tage. Friedrich ist ein großer. Er sitzt in seinem UniPräsidium wie ein König. Manchmal mischt sich schon etwas Größenwahn in seine Worte. Greves Abendrede ist nicht nur höfliches Gefasel. die sich direkt aus dem Aufbau des Studiengangs ergeben. wählt eine Shortlist von sechs bis acht Studiengängen aus. Denn viele Universitäten haben die Proteste nicht konstruktiv genutzt. was genau sie blöd fänden. »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand. Die Studenten konnten kommen und in Workshops besprechen. wie man es besser machen kann. Als die Hildesheimer Studenten während der Bildungsproteste den Hörsaal der Uni besetzten. geht auch woanders« Wolfgang-Uwe Friedrich. In einigen Studiengängen wurden die Module geöffnet. we can make it everywhere!« . Greve hebt sein Sektglas und sagt: »Bologna ist schon jetzt ziemlich prima!« Die Reaktionen der Zuhörer im Foyer des Römermuseums Hildesheim sind gespalten. die Prüfungsbelastung ist durch die Verringerung von Modulen reduziert worden. »Wir bevorzugen nicht den Top-down-.stifterverband. Mittlerweile heißt der Bologna-Tag in Hildesheim »Dies academicus« und ist zum festen Bestandteil des Studienjahrs geworden. ruft er zum Abschluss seiner Abendrede ins Foyer und breitet die Arme aus: »If we can make it here. Manche der Anwesenden nicken. dem Bologna-Koordinator Toni Tholen und Werner Greve maßgeblich bestimmt wird. Sie darf maximal 2000 »Bologna ist prima« Man muss die Studienreform nur richtig umsetzen. sind die Lehrinhalte aktuell? Lässt es Ihnen den Freiraum.« »Was in Hildesheim geht. Selbst der Asta-Referent der Uni spricht sich inzwischen öffentlich für die Bachelor. Sie sind gekommen. oder Sie schauen. woanders ganz bestimmt auch geht«. Juli. was in Hildesheim geht. Für dieses Engagement hat die Hochschulrektorenkonferenz Hildesheim auf die Liste der »Good Practice«-Beispiele gesetzt. mit gerade einnmal knapp über 100 000 Einwohnern. dass sie den Master schlecht fänden. Aber nicht nur die Studenten zeigten während der Streiks ihre Unzufriedenheit. und prämiert die drei besten mit einmal 3000.de. eigene Schwerpunkte zu setzen oder vielleicht ins Ausland zu gehen? Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sucht Studiengänge.maegdefessel@stifterverband. eine Frage: Wie kann man die Bachelor-Master-Strukturen an den deutschen Universitäten verbessern? Nicht alle Teilnehmer des Forums sind von der Studienreform überzeugt. Und die Studenten fühlen sich von der Universitätsleitung in ihren Anliegen ernst genommen. zeigt die Universität Hildesheim erner Greve hat sich eine bunte Fliege umgebunden und wird gleich etwas sagen. Einsendeschluss ist der 25. Der von Bachelorstudenten oft angeprangerte »Prüfungsmarathon« wurde durch weiter gefasste Prüfzeiträume entzerrt.de/cum-laude. Schicken Sie den Vorschlag mit dem Formular an daniela. Im Fokus steht die Frage: Wie kann man das Studium verbessern? In welchen Fachbereichen gibt es wo genau noch Probleme? Und: Wie sind sie zu beheben? Das Ergebnis: Die Module sind in Hildesheim flexibler geworden. um zu diskutieren. der in der Uni Hildesheim weht und der von Personen wie dem Uni-Präsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich. dass die deutsche Hochschullandschaft auf Hildesheim blicken sollte. Wer sich auf den Weg nach oben macht. ging der Bologna-Koordinator Toni Tholen einfach hinein. son- dern vor allem auch eine Frage der Einstellung. aber es muss sein. Es gibt Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer und den ältesten Rosenstock der Welt. Credit Points wurden dem Aufwand angeglichen. Er fragte die Studenten. Das klingt dann so: »Auch Cambridge war mal ein rotes Backsteingebäude in der Nähe von London. Und wie. Er soll den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten weiter vorantreiben. In Hildesheim sieht man es als Zeichen des Fortschritts. sagt Friedrich. so eine Studienordnung immer wieder umzuschreiben. Allem Studenten-Widerstand zum Trotz beweist die Provinz-Uni gerade. was viele Menschen nicht hören wollen. sagt er dann und weist auf die »spezielle Kommunikationskultur« an seiner Uni hin. Greve und die Universitätsleitung Hildesheim aber schon. die auf der Bologna-Konferenz 1999 beschlossen wurde. Vier Mal wurde allein an Greves Institut die Bachelor-Studienordnung überarbeitet. Werner Greve und Toni Tholen haben sich entschlossen. dass Bildungskrisen auch Chancen bergen.

Dreierlei soll darin zum Ausdruck kommen: Anwendungsbezogenheit. im nächsten Jahr 200. das diese Zwecke hinterfragt. engagieren jüngere Lehrende mit flexibleren Arbeitsverträgen.com. wissenschaftlicher Anspruch und der Blick über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus. Studierende.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Zu lange galt der Grundsatz: Nicht für die Schule lernen wir. Er ist der humanistischen Tradition näher. Und zweitens kommt man so dem Orientierungsbedürfnis nach. Um dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete. wie ein Haus gestaltet sein soll. »Einführung in die Ethnologie«. die wiederum den Abiturienten. Sozialarbeiter und Versicherungswirtschafter gemeinsam. der ihn beherbergt hatte. aber auch »Die Gitarre in Theorie und Praxis« und ang- lizistisch Verklausuliertes wie »Social Contacts and Telephoning«. ihre Lebensgewohnheiten. er sitzt über den Baumwipfeln. Sie haben sich einen neuen Claim gegeben: »Die Projekthochschule«. Die Studenten schreiben sich ein und können aus etwa 50 verschiedenen Veranstaltungen wählen. entwickeln neue Studienfächer und unterstützen ihre Studenten beim Berufseinstieg. die brauchen ihre Zeit. in dem alte Menschen möglichst gern möglichst lange und möglichst selbstständig leben können. Denn Elfenbeintürme werden nicht so beherzt umund neu gebaut wie derzeit der Coburger Campus. Deshalb haben die Coburger für den doppelten Abi-Jahrhang ein freiwilliges. aber noch grün hinter den Ohren. »Die nach Schema F zu belehren. müsse auch von einem Lernen begleitet werden.olafdeharde. zu viel in Michael Pötzls Aussicht aus seinem Büro hineinzudeuten: Auf einem Berg über Coburg liegt die Fachhochschule. Und das ist nicht das Einzige.« . um über ihre persönliche und berufliche Zukunft nachzudenken. »Interkulturelle Kompetenz«. und das gilt nicht nur für Sachinhalte. Bedürfnisse. kl. Pötzl erzählt. Bauingenieure. Foto: privat Praxisnähe reicht nicht aus Zur Ausbildung gehört auch Bildung. dass es nicht genügt. da ich studentischer Mitarbeiter war. Knapp 4000 Menschen studieren hier. Deshalb sollen sich alle Erstsemester in Coburg vom Wintersemester 2012/13 an mit philosophischen Grundlagen. darunter »Allgemeine Ethik«. die aus dem Beruf kommen. sozialer Arbeit. Ein Viertel bis ein Drittel der Semesterwochenstunden sollen so gestaltet werden. Vor 20 Jahren waren die Studenten klassische Gymnasiasten und Fachoberschüler: schlau. Eigenheiten – darüber also. das nice to have ist. solange sein Zimmer noch nicht fertig war. Materialkunde. Bildung bedeutet zunächst: Orientierung. Produktdesigner. hatte man im Zuge der Bildungsexpansion ab dem Ende der sechziger Jahre die Humboldtsche Einheit aus Lehre und For- schung aufgegeben – an Fachhochschulen lernten und lehrten vor allem Praktiker. das dem eigentlichen Studium vorausgeht. das klappt nicht«. und sie ist falsch. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 75 Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Auch so werden Inhalte anwendungsbezogen. Mit Studierenden der Fakultäten »Soziale Arbeit und Gesundheit« und »Design« sprachen die angehenden Architekten auch über den Aktionsradius alter Menschen. was die Hochschule Coburg derzeit umgestaltet. In den fünfziger Jahren kamen Elektrotechnik und Maschinenbau dazu. Das. die durch die Verkürzung der Schulzeit und die Wehrdienstaussetzung gleichzeitig an die Hochschulen stürmen. Technik. die einem dazu in den Sinn kommt. Trotz dieser Umstände hatte ich in Hamburg einen engen Kontakt zu meinem Professor. Das heißt für die Hochschulen: Sie können immer weniger voraussetzen. Sondern dass die Studierenden auch lernen müssen. entrümpeln ihre Curricula und ihren Verwaltungsapparat. die doch eigentlich stolz darauf ist. zum Opfer dieses Erfolgs zu werden – denn die Universitäten haben von ihnen gelernt. sagt Pötzl.und VWL-Student von 1988 bis 1993: »Nach dem Vordiplom in Bamberg bin ich nach Hamburg gegangen und kam dort mitten im Streik des Asta an. was die Studierenden an den Gymnasien durch die Schulzeitverkürzung nicht gelernt haben. aber praxistaugliche Kräfte zur Verfügung zu stellen. einige eine Berufsausbildung und drei Jahre Praxiserfahrung hinter sich. also rein zweckgerichtetes Lernen. sagt Pötzl. Dabei ging es nicht nur um Gebäudetechnik. Die Coburger Studenten machen das ganz konkret. und wenn er sich nach links beugt. trivial erschienen. desto erfolgreicher wurden die Fachhochschulen. Allmählich aber spricht sich herum. Betriebswirtschaftler. ihr Tun in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.und Zivildienst und ein Schuljahr weniger Zeit hatten. Statik und Baukonstruktion. 2010 etwa entwickelten Architekturstudenten ein »Wohlfühlhaus für Jung und Alt« aus Holz für Bamberg. aber ihnen fehlten theoretische Grundlagen. Und: Diese Seminare besuchen angehende Architekten. mit Ethik-Konzepten von Aristoteles bis Habermas und mit dem Unterschied zwischen geistesund naturwissenschaftlichen Methoden beschäftigen. 1990er Jahre Markus Birzer. Ist das ein hübscher Marketingeinfall? Oder vielleicht ein Zeichen für den Sinneswandel einer Hochschulgattung. sondern für das Unternehmen. Pötzl ist gerade aus dem roten Baucontainer ausgezogen. das an den Fachhochschulen lange vernachlässigt wurde. Im zweiten Semester kommen Wissenschaftstheorie. Gesundheitswissenschaftlicher. Umgekehrt müssen nun die Fachhochschulen von den Universitäten lernen. Politik. sieht er auch die Veste Coburg. Je stärker Praxistauglichkeit angesichts der Schwerfälligkeit der Universitäten zum Gebot der Stunde wurde. Die Prüfungen werden ihnen später angerechnet. einsemestriges Studium generale eingerichtet. sich durch nichts vom Erreichen ihres Hauptziels abhalten zu lassen. in Richtung eines umfassenderen Bildungsbegriffes. worin sich die aktuellen Studienanfänger von den früheren unterscheiden: Jünger seien sie und weniger homogen. Tendenz steigend: Derzeit entstehen neue Hörsäle und Verwaltungsgebäude. müssen sie an den Hochschulen nachholen. Aber wir können ihnen einen Raum geben«. 2012 soll es gebaut werden. Lange fühlten sich die deutschen Fachhochschulen gleichermaßen als Musterschüler und Stiefkinder der Bildungsinstitutionen: effizient. »Elfenbeinturm« ist die Assoziation. nämlich der Ausbildung praxistauglicher Arbeitnehmer? Die Coburger haben erkannt. Geburtstag zu feiern. Fachkräfte gegen den Fachkräftemangel heranzubilden. und sie zahlen keine Studiengebühren. Jetzt aber laufen sie Gefahr. und dass umfassendere Bildung kein Add-on ist. Heute besuchen die Hochschule Coburg junge Leute mit vielfältigerem Bildungshintergrund: Manche haben das Abitur oder Fachabitur. in deren Augen das »allgemein« in »allgemeine Hochschulreife« in erster Linie für »nicht praxisrelevant« stand. als er noch vor wenigen Jahren en vogue war. die keinen Wehr. manche haben die Berufsoberschule absolviert. 112 Studierenden nehmen es derzeit in Anspruch. glaubt man an der Hochschule Coburg VON ANDREAS UNGER E s ist verführerisch. deren Präsident er ist. Sie bemühen sich um ihre Studenten. Wissenschafts-. dass die Zeichen der Zeit rückwärts deuten. »Persönliche Reifeprozesse können wir nicht beschleunigen. entzerrt werden. das junge Leute haben. An meiner alten Uni hatte es keine überfüllten Hörsäle gegeben – der Protest und die Stimmung an der neuen haben mich daher ziemlich beeindruckt. Er hat mich bis ins Berufsleben begleitet und berät mich noch heute – ich berate ihn allerdings auch. So sollen erstens die Jahrgänge. aber ungeliebt. Technik. Der Vorläufer der Hochschule Coburg war rein praktisch ausgerichtet: Vor 199 Jahren wurde die Handwerkerschule gegründet – ein Anlass für die FH. als es denjenigen recht sein dürfte. und Anfang der Siebziger wurde aus dem Polytechnikum eine Hochschule samt Betriebswirtschaft. Damit soll das Denken in Zusammenhängen erlernt werden. kann den alten Stadtkern erahnen. seien meistens hoch motiviert und könnten sich gut selbst organisieren. Instrumentelle Bildung. Gesundheit und Gestaltung. die dafür von der Praxis wenig Ahnung hätten.und Kulturgeschichte dazu.

« Kurse. In langwierigen Prozeduren wurden alle Module geprüft Auch wenn die Studie allgemein Hoffnung macht.« In langwierigen Prozeduren wird geprüft. des Dachverbands der Studierendenvertretungen in Deutschland. die er gern vertiefen will. der Vorsitzende des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften.« Ständig verlangen die Prüfungsämter neue Unterlagen. www. dass mich nach dem Wechsel nichts mehr stressen kann«. Für die Studierenden kann dies aber bedeuten. Florian Pranghe vermutet hinter dem Vorgehen der Hochschulen ähnliche Gründe: »Die Unis sind überfüllt und wollen. verlief alles reibungslos. dass sie gegebenenfalls Studienleistungen nachholen müssen. Der schriftliche Test findet am 4. Das allerdings ging nicht. nicht nur an einer Uni gewesen zu sein«. Mai den Online-Bewerbungsbogen ausfüllen. Strategie. was natürlich auch eine positive Entwicklung ist. sagt er lachend. Ein Glücksfall. und bei 18 Prozent lagen Prüfungsunterlagen nicht rechtzeitig vor. sondern abschrecken wollen. Im Sommer 2010 will er einen erneuten Wechsel wagen. »Wenn mir jemand erzählt. die eine Managementkarriere einschlagen wollen. werden leichter anerkannt als die einer anderen deutschen Uni. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN TIPPS UND TERMINE Bewerbungsschluss an der Law School Wer am Zulassungsverfahren der Bucerius Law School für den kommenden Herbst teilnehmen möchte. telefoniert mit der Studienberatung. als der Studienabschluss noch nicht Bachelor hieß. Heute. und habe einfach mehr ECTS-Punkte gemacht. dass sie bei der Organisation des Wechsels weitgehend auf sich allein gestellt war und anders als ihre Kommilitonen an der neuen Hochschule keinen Kontakt zu den Professoren hatte aufbauen können: »Viele weigerten sich.baltic-college.law-school. sechs Semester später. Juni in München. oder 9. Zurück in seine Heimatstadt Berlin. welche Module Ostholt belegt hatte. beim Übergang in den Masterstudiengang einer anderen Uni keine Probleme gehabt zu haben. wie anstrengend das Referendariat ist. Oktober startet der neue siebensemestrige Bachelorstudiengang »Umweltingenieurwesen – Bau« an der Beuth Hochschule für Technik Berlin.« Vor drei Jahren stellte die Studie »Innerdeutsche Mobilität im Studium« des Hochschul-Informations-Systems (HIS) den deutschen Hochschulen kein gutes Zeugnis in Sachen Wechsel aus: Es gebe Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen.de/423/detail/buw Restlos abgeschreckt Warum ist es so schwer. Juli in Hamburg eingeladen. So gibt es auch beim Thema Mobilität und Anerkennung von Studienleistungen anderer Hochschulen noch einiges zu tun. entgegne ich immer. »Zu jedem Modul musste ich eine Inhaltsbeschreibung abgeben. Vertrieb und Einkauf. Ist mit Bologna tatsächlich alles komplizierter statt einfacher geworden? Nicht ganz. finden wir nicht akzeptabel«. Aus verwaltungstechnischen Gründen. Wirtschaftsinformatik.« Auch Margret Wintermantel. Alle Scheine wurden anerkannt. Ein engagierter Studienberater riet ihr daher. www. Aber was dann? Florian Pranghe glaubt. wenn überhaupt. wie David Meurer. dass die Anerkennung der Scheine problematisch werden wird. dass es den Verantwortlichen noch an Lösungsideen mangele. Physik oder Mathematik. lernen sollte. bis Thorsten Ostholt zuletzt fürchtet. die Meurer an seiner alten Uni besucht hatte. den »Executive Master of Digital Pioneering«. als ich musste. irgendein beliebiges Fach als zweites Nebenfach zu wählen und sich ein Semester später umzuschreiben. So muss sich der 24-jährige Lehramtsstudent um eine andere Hochschule bemühen. ihrem ersten Studienort den Rücken zu kehren und das Hauptstudium im 140 Kilometer entfernten Göttingen fortzusetzen.« Die Bildungsministerin Annette Schavan hat das Thema bei der Bologna-Konferenz vergangene Woche zu einem der zentralen Punkte der Reform erklärt. wird an seiner Uni Göttingen nicht angeboten. obwohl er sogar seinen alten Magisterstudiengang gegen ein Bachelorprogramm eintauschte.« . Margret Wintermantel gibt zu: »Wir sind noch nicht so weit. den einzelnen Betroffenen tröstet sie kaum. jemanden zu prüfen.de Master für digitale Pioniere Die Zeppelin Universität (ZU) Friedrichshafen bietet ab Herbst einen berufsbegleitenden Masterstudiengang für digitale Geschäftsmodell-Innovationen an. also gehe ich davon aus. Bei einem Berlin-Besuch zerschlägt sich schließlich der Traum vom Wechsel: »Im Prüfungsbüro wurden meine Scheine angeschaut. »Ich finde. Frankfurt am Main und Berlin statt. und dann hieß es: Das könnte problematisch werden. der Autor der Studie. Nach dem Ende ihres Grundstudiums entschied sich die heute 27Jährige.« Auch eine aktuelle Absolventenbefragung des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung in Kassel scheint dies zu stützen: 68 Prozent der Bachelorabsolventen geben an. dass sich die Studienqualität gebessert hat.76 12.zeppelin-university. brachte ihm in Berlin keinen Punkt. Dennoch blickten die Hochschulforscher optimistisch in die Zukunft: Die Probleme seien vermutlich auf die Umstellung zurückzuführen. Ein Master für seine Bachelor-Fächerkombination aus Chemie und Sport. »Inzwischen bin ich gegen alles gewappnet. an eine andere deutsche Hochschule zu wechseln? VON MARIE-CHARLOTTE MAAS E inmal hatte es schon geklappt. Der angehende Lehrer Thorsten Ostholt sieht seine Odyssee mittlerweile mit Humor. anhand der Inhalte der Seminare zu entscheiden. wagt Christoph Heine eine vorsichtige positive Einschätzung. »Die Ergebnisse der Studie waren sehr kritisch«. es ist wichtig. Während er auf eine Zusage wartet. dass es niemanden gab. www. hieß es. »Untersuchungen zeigen.« In Marburg studierte sie Germa- nistik im Hauptfach und Kunstgeschichte und Spanisch in den Nebenfächern. nur die besten Studenten haben. an dem jetzt nachgebessert werden müsse. Das Seminar Gender-Studies etwa. sollten an der neuen auf einmal nichts mehr gelten. Leipzig.beuth-hochschule. die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz.« Thorsten Ostholt hatte bereits vorgebeugt: »Ich bin davon ausgegangen. sagt Ninia Binias: »Schlimm war es schon immer. dass wir hinter alle Ziele des Bologna-Prozesses einen Haken setzen können. Anders als bei David Meurer ist der Hochschulwechsel von Thorsten Ostholt keine freiwillige Angelegenheit. muss bis zum 15. weiß von den Problemen der Studierenden.de Erste Master in Schwerin Zum Wintersemester starten am Baltic College/Campus Schwerin die viersemestrigen Masterstudiengänge »Management im Kulturtourismus« und »Marketing-Management im Tourismus«. »ich wollte andere Studienschwerpunkte wahrnehmen. in Marburg ganz groß. Schnell stellt sich heraus: Nur eine Handvoll Hochschulen würden ihn gegebenenfalls annehmen. sowie an Mitarbeiter aus den Bereichen Unternehmensentwicklung. am 11.« Sie riet damals allen Bekannten von einem Wechsel ab. Mit dem Abschluss des Bologna- Prozesses im Jahr 2010 hoffte man auf Besserung. Juni in Stuttgart. die Studenten verlören Zeit. Er richtet sich an IT-Fachkräfte mit einem Hintergrund beispielsweise in Informatik. »Die neuen Bachelorund Masterstudienprogramme sind sehr stark ausdifferenziert. um den Verwaltungsaufwand zu umgehen. »Sogar Scheine. sagt Ninia Binias.« Das kann allerdings keine Lösung für das Problem sein. Die besten Teilnehmer werden zum mündlichen Test am 8. »Die Praxis der Hochschulen. Hinzu kam. Düsseldorf und Hamburg. sagt sie. den sie nicht aus den Seminaren kannten. sagt Florian Pranghe. der seinen richtigen Namen nicht nennen will. sagt Christoph Heine. denn ab einer gewissen Abweichung wird man nicht mehr zugelassen«. dass die Universitäten ihn nicht prüfen.« Sie hat das Wechseldrama bereits mitgemacht. ob ein Wechsel möglich ist. an den ich mich mit Fragen hätte wenden können. Bei immerhin 6 Prozent hingegen wurden Leistungen nicht anerkannt.de/emadipcomm Bau-Bachelor in Berlin Am 1.hochschule-biberach. erzählt Ostholt. www. So einfach wie damals wurde es nie mehr. Die Bewerbungsphase ist angelaufen. www. die man im Ausland erworben hat. Er informiert sich im Internet über die Studienordnung. Als der Politikwissenschaftsstudent David Meurer im Wintersemester 2007 von Jena an die Universität Marburg wechseln wollte. In Göttingen wollte sie auf Spanisch verzichten und stattdessen zwei Hauptfächer studieren. plagen ihn Existenzängste: »Das Schlimme war. »Dieser Wechsel hat mich mehr Mühe gekostet als meine Bachelorarbeit. dass sich auch die Bedingungen eines Hochschulwechsels verbessert haben.de Neue Bachelors in Biberach Die Hochschule Biberach erweitert ihr Studienangebot zum Herbst um die Bachelorstudiengänge »Energiewirtschaft« und »Industrielle Biotechnologie«. »Das war sehr umständlich«.

Leiter des Masterstudiengangs der Fakultät Sozialwesen. Sie ging vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss von acht Berufsakademien hervor und setzt nun als Hochschule fort. Niemand diktiert uns die Ausrichtung. sagt Geilsdörfer. Weitere könnten in den kommenden Jahren folgen – je nach Nachfrage. sind die Ausnahme. Seit Mitte März liegt das Akkreditierungsgutachten vor. gesellschaftliche und sozialstaatliche Aspekte mit einschließt. Kritiker fürchten um die akademische Unabhängigkeit. von Markt und Kapital. Für die meisten Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ist die Weiterbildung vor allem ein mehr oder minder lukratives Nebengeschäft. Eine »ausgelagerte Berufsschule« wolle man jedoch nicht sein. Absolventen. »Das Grundprodukt ist der Bachelor. und das können wir auch im Master. zu bestimmen. die bisher nur Bachelorstudiengänge angeboten hat. »Auch während der Masterausbildung sollen die Studenten den Unternehmen erhalten bleiben«. Es war toll. Anders als an anderen Hochschulen stehen sie ausschließlich Berufstätigen offen.« 2000er Jahre Mona Rössler. Oktober an den drei Fakultäten anlaufen. »Sie fühlen sich eher als Mitarbeiter der Unternehmen denn als Studenten der Hochschule«.« Er gesteht aber auch ein. sondern auch rechtliche. was früher ein Hobby für mich war. »Alles sehr motivierte Leute. sagt Roß. In Sozialwesen sind es immerhin zehn Prozent. Stephanie Odenwald vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft etwa möchte duale Ausbildungen wegen der Vorteile der Studenten am Arbeitsmarkt zwar nicht verteufeln. deren Masterstudiengänge allesamt weiterbildend sind. halten wir für nicht zutreffend.olafdeharde. noch auf Diplom studiert zu haben – ich hatte viel mehr Freiheiten als die Musikstudenten heute. »Wir wollen uns damit in der VON SABRINA EBITSCH R akademischen Landschaft endgültig als Hochschule mit Vollprogramm platzieren«. »Es werden kleinere Nachjustierungen gefordert. die sich derzeit noch im Akkreditierungsverfahren befinden.« Tatsächlich wählen die Kooperationspartner der DHBW die Studenten mit aus und reden auch bei den Studieninhalten mit. Es bestehe nun einmal die Meinung: je höher der akademische Grad. für mich selbst verantwortlich zu sein. Voraussetzung für die Teilnahme an den Programmen ist nicht nur Berufserfahrung. wie man in Stuttgart betont: Die Studenten behalten ihre Stelle in einem der Partnerunternehmen. sagt er: » Das können wir. Ich bin froh. Die wollen die Stuttgarter nun zur Regel machen. was diese mehr als 30 Jahre lang praktizierten: die Zusammenführung von akademischer und beruflicher Ausbildung. dass sich dieses Kapital bald vermehren wird. die Unternehmen gäben die Themen vor. aber wir haben grünes Licht«. Man verstehe dies auch als personale Entwicklungsmaßnahme für die Unternehmen. Ähnlich soll es nun im Master weitergehen. sondern auch ein fester Arbeitsvertrag. Bis zum Wintersemester 2014/15 will er die Studentenzahlen auf rund 34 000 wachsen sehen. Gerade einmal 8. Das reißverschlussartige Ineinandergreifen von Theorie und Praxis soll im Master noch enger werden. die den Studenten weitgehende Jobsicherheit und den Unternehmen maßgeschneidertes Personal beschert. sagt Roß. moniert aber. Ein Dutzend Masterstudiengänge. dass bereits der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss und der Master eher der Ritterschlag als karrieristische Notwendigkeit ist. Das Ungewöhnliche ist aus Sicht der Dualen Hochschule nur logische Konsequenz. Und die sind nicht der Regelfall. dafür an die DHBW zurückkehren. Es sind solche ökonomischen Prinzipien von Angebot und Nachfrage. sagt der Studiengangsleiter über seine künftigen Studenten. desto besser die Karrierechancen. verbringen aber ihre freien Tage an der Hochschule und ihre Abende mit Lernen. Mit der Umwandlung der Berufsakademien in die Duale Hochschule war der Anspruch verbunden. Eine Gratwanderung. sagt Geilsdörfer. für das Studium habe ich mich deshalb bereits zu Schulzeiten entschieden. betont Roß: »Den Vorwurf. die sich spezialisieren wollen« Dahinter steht auch die Auffassung. sollen am 1. Roß sieht das gelassen: Das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Bildung. Der Nähe zur Wirtschaft. sondern eine Teilgruppe«. Damit betritt man in Baden-Württemberg Neuland in der deutschen Hochschullandschaft: Die DHBW wird bundesweit die einzige Hochschule sein. Denn letztlich war es auch der Wunsch der Unternehmen nach höher qualifizierten Mitarbeitern und passgenauer Forschung. deren Nachfrage man derzeit nicht befriedigen könne. dass die Unternehmen einen sehr starken Einfluss ausüben. Das Studium ist berufsbegleitend oder vielmehr berufsintegriert. Bereits im Bachelor verbringen die rund 26 000 Studenten die Hälfte ihrer dreijährigen Studienzeit in einem der 9000 Kooperationsunternehmen. sagt Geilsdörfer.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 77 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Klavierstudentin von 2002 bis 2007: »Ich habe immer schon Klavier gespielt. der die Einrichtung der Master mit angestoßen hat. »Der Master ist für diejenigen gedacht. sagt Präsident Geilsdörfer. »Die Ausschließlichkeit des berufsbegleitenden Modells ist einmalig«. dass ich mich endlich auf das konzentrieren konnte. sagt Geilsdörfer. Als Studentin an der Musikhochschule Lübeck habe ich zudem gelernt. An dieser Fakultät sind die Vorbereitungen für den Master am weitesten fortgeschritten. die einen Abstecher ins Berufsleben und dann einen Master machen. die einen Master anhängen. dass Spannungen zwischen den Ansprüchen der Praxis und denen der Hochschule existierten. wie oft und wie lang ich übe. wird jedoch auch Skepsis entgegengebracht. die in Leitungsaufgaben wollen«. die nach dem Wochenendunterricht wieder an den Schreibtischen sozialer Einrichtungen sitzen werden. das nicht nur wirtschaftliche.5 Prozent aller DHBW-Absolventen hängen derzeit direkt einen Master an – im Gegensatz zu 77 Prozent der Universitätsstudenten.« Der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat dafür gesorgt. die sich weiterentwickeln. sagt Paul-Stefan Roß. die an der DHBW neben der Zusammenarbeit mit Unternehmen auch die Ausbildung der Studenten begleiten. 15 bis 30 Erstsemester werden im Master »Governance Sozialer Arbeit« für 1500 Euro pro Semester auf Führungsaufgaben im sozialen Bereich vorbereitet – nach dem Prinzip Governance. Künftig soll gut die Hälfte derjenigen Absolventen. Praxis und Theorie sei nun mal seit vielen Jahren »unser täglich Brot«. Die große Mehrzahl der über 6000 weiterführenden Studienangebote ist konsekutiv und schließt damit direkt an einen vorausgehenden Bachelor an.com Aus dem Büro an die Uni Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bietet jetzt den berufsbegleitenden Master einhold Geilsdörfer sieht es nüchtern: »Die Studenten sind unser Kapital.« . Der Master ist für diejenigen gedacht. die mit den Masterprogrammen nicht leichter wird. dass kritisches Studieren zu kurz komme: »Die Freiheit von Forschung und Lehre ist hier in Gefahr. weiterführende Studiengänge anzubieten und Forschung zu betreiben. Ich gehe davon aus. die ersten Masterprogramme. Im Herbst starten an der DHBW. Befriedigt wird auch Nachfrage von anderer Seite – der der Studenten. sich spezialisieren oder Führungsaufgaben übernehmen wollen.

dass es in Bachelor. Es sollte keine Probleme geben. Mit der Bologna-Reform wurden Studiengänge in Module eingeteilt. Der Bedarf würde am besten gedeckt werden. man muss sich auch entscheiden.und Teilzeitstudenten. Das ist nicht die dringlichste Aufgabe. Ich bin nicht sicher. die es ihnen ermöglichen. sondern auch dass nicht alle vor dem Berufseinstieg so lange lernen. dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. Teichler: Bei der Reform hat man das Thema Nebenjob erst einmal übersehen. dass Ältere noch mehr lernen. dass sie für alle »studierbar« sind: für Jüngere. 2010er Jahre Laura Rosenberg. die sich den Hochschulen stellt. zum Teil gibt es solche Angebote auch schon. Aber auch Kinder. um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. die vorgegebene Stundenzahl pro Semester zu leisten. Es wird viel vom lebenslangen Lernen gesprochen. eine schwierige Matheaufgabe zu lösen – auch wenn es bis zwei Uhr nachts dauert. um ein Studium abzuschließen. Viel Freizeit habe ich allerdings nicht mehr. eine chronische Krankheit oder familiäre Verpflichtungen können dazu führen. nur am Abend oder am Wochenende Kurse zu besuchen. aber hier kann man nachbessern. das Studium an der Uni Hamburg ist anstrengend und unterscheidet sich kaum von der Schule. studieren allerdings bereits heute viele Studenten faktisch in Teilzeit. Das führt meist dazu. dass das Studium zumindest eine Zeitlang zur Nebensache wird. wenn jemand erst einige Jahre nach dem Bachelor in den Master einsteigen will. braucht man andere Angebote. Eine Herausforderung auch für die Politik: Das faktische Teilzeitstudieren zieht häufig Probleme mit dem Bafög oder Studienkrediten nach sich. Mitarbeiter und Lehrbeauftragte. die sich ausdrücklich an Studenten richten. dass jemand es nicht mehr schafft. Aber es ist ein tolles Gefühl.com DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN »Nachteile abbauen« Der Hochschulforscher Ulrich Teichler über die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjobs DIE ZEIT: Dem Deutschen Studentenwerk zufolge arbeitet heutzutage jeder vierte deutsche Student nebenher so viel. aber bisher wird wenig für einen anderen Rhythmus von Berufsund Lernphasen getan. welche Milieus man schaffen will. Studenten. Informatikstudentin seit dem Wintersemester 2010: »Dass ich jetzt Informatik studiere. Einerseits haben wir die Tradition des Studenten. Interview: STEFAN KESSELHUT . zahlt weniger. Definiert man »in Teilzeit studieren« umgekehrt so. die nebenbei jobben. Deshalb müssen wir alle organisatorischen und finanziellen Nachteile für diese Studenten abbauen. das sich vor allem an der Standard-Studiendauer orientiert. ZEIT: Viele klagen. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden. was man will. Aber nur jeder siebte arbeitet während des Semesters mehr als sechzehn Stunden pro Woche. Mai 2011 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. wenn ganze Fachbereiche oder Hochschulen sich darauf spezialisierten. studieren mehr oder weniger in Teilzeit. ZEIT: Wenn jemand bis zu zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – leidet darunter nicht sein Studium? Teichler: Man muss sich entscheiden. die sich an der Regelstudienzeit orientieren. hat mich selbst überrascht. Kaum jemand hat dadurch aber schlechtere berufliche Chancen oder verdient weniger. Wir müssen Studiengänge so gestalten. Selbst bei weiterbildenden Studiengängen ist der Anteil kaum größer. Denn für solche Angebote muss man anderes Personal rekrutieren: Professoren. dass mir das liegt. Wer ein Modul besteht. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat deshalb mehr Teilzeitangebote gefordert. ohne offiziell diesen Status zu haben: Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner Sozialerhebung im Jahr 2009 ermittelt.« dieren wollen. muss man eine bestimmte Zahl an Punkten erreichen.und Masterstudiengängen kaum noch möglich sei. Teichler: Ja. Ich habe durch ein Schnupperstudium gemerkt. ob wir noch mehr zum Teilzeitstudium ermutigen sollten. Wir sollten dazu ermutigen. Das Klischee vom lockeren Studentenleben trifft auf mich sicher nicht zu. Seit Langem arbeiten Studenten nebenher.olafdeharde. die in Teilzeit studieren wollen. ZEIT: Sollte also lieber doch alles bleiben wie bisher? Teichler: Nicht unbedingt. für Vollzeit. Warum geht das nicht in einer beliebigen Zeit? Zusätzlich müsste das Bafög reformiert werden. Andererseits wird verlangt. der zumindest formal in Vollzeit studiert. gestaffelt absolviert zu werden. dass gut ein Viertel der Studenten siebzehn Stunden pro Woche oder mehr in Nebenjobs arbeiten müssen. müssen wir uns aber fragen: Ist es sinnvoll. dass nach Abitur oder Ausbildung einige Jahre Berufstätigkeit folgen und ein späterer Einstieg ins Studium leicht möglich ist – Vollzeit oder Teilzeit. die voll im Beruf stehen und zusätzlich stu- In Teilzeit studieren Anders als in Großbritannien und den USA haben die Hochschulen hierzulande bislang nur wenige Angebote konzipiert. ohne das Studium zu gefährden.78 12. Bevor wir die stärker ausbauen. dass sich das Studium um ein Jahr bis zwei Jahre verlängert. bekommt Punkte. ZEIT: Wer braucht dann überhaupt »echte« Teilzeitstudiengänge? Teichler: Für die Minderheit der Teilzeitstudenten. Die Regelungen für Studiengebühren müssten ebenfalls flexibler werden: Wer weniger Punkte im Semester machen will. Was halten Sie davon? Ulrich Teichler: Nebenjobs sind kein Argument für wesentlich mehr Teilzeitstudiengänge. nebenher zu arbeiten. dass Teilzeitstudierende unter sich sind? Sollten sie nicht auch in Kontakt mit »Vollzeitstudenten« kommen? Hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen. Dem »Hochschulkompass« der Hochschulrektorenkonferenz zufolge sind weniger als fünf Prozent der Studiengänge in der Bundesrepublik überhaupt dazu geeignet. Hier sind separate Teilzeitstudiengänge gefragt.und Prüfungsordnungen vor und für eine Minderheit spezielle Teilzeit-Hochschulen. Separate Studiengänge für Teilzeitstudenten sollte es nur in Ausnahmefällen geben. ZEIT: Sie schlagen also flexiblere Studien. dass er nicht mehr als Vollzeitstudent gelten kann. Ältere. Es geht nicht nur darum. sammeln ja Arbeitserfahrung. die am Wochenende oder abends lehren wollen und können.

zeigen: Der Kommunikationsstudiengang der Universität Passau hat einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht. dass das damit nicht passiert wäre. sagt Altmeppen.und Berufsalltag. So hat Johannsen etwa auch Scheine in Grundlagen aus den Wirtschaftswissenschaften und in Medienrecht gemacht. aber die Haare reißen. . sagt Johannsen. / Schlussgruppe.« In guten Tagen fühlt sich Johannsen. wie die Universität Passau anfangs feststellen musste. Studierbarkeit und Praxisbezug der Mittelgruppe zugeordnet. erzählt die Studentin. dass die Angebote nach Aussagen vieler Studenten theoretisch und praxisfern blieben. TU Berlin und Handelshochschule Leipzig nun in der Spitzengruppe. sagt sie. Radio hören gehört ja letztlich auch zu ihrem Studium. sollte allerdings nicht nur auf die Qualität der Lehre achten. aber am Ende hat es gut geklappt«.de/studium/medien / Spitzengruppe. Forschungsgelder und Forschungsreputation kam sie jeweils in die Mittelgruppe. Pädagogik und Politikwissenschaften gemeinsam führten – einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft aber gab es nicht. Mit entsprechenden berufsbezogenen Modulen haben die Studenten zum Ende des Stu- diums außerdem die Möglichkeit. Sofern ein Fach an mehreren Fakultäten einer Hochschule angeboten wird. Im Fach Politikwissenschaft wurde die Universität Rostock in den Vergleich einbezogen. Informationen zu allen Hochschulen und Fakultäten finden Sie im Internet unter www.und Medienwissenschaftler von der Universität Frankfurt. was sie im laut aufgedrehten Radio hörte: Wie verändert sich die Betonung der Radiosprecherin? Warum wurden welche Nachrichten ausgewählt. Dazu kommen weitere Schwerpunktsetzungen: Bei einem Studienangebot steht die akademische Theorie im Vordergrund. Für Medienwissenschaftler bestimmen sie zusätzlich den Forschungs. 2004 hatte man dort einen Bachelorstudiengang Medien und Kommunikation gegründet. während die Kommunikationswissenschaft die politischen und gesellschaftlichen Wirkungen der Massenmedien ins Zentrum stellt. das auf Einschätzungen von Studenten beruht. Noch im Jahr 2008 wurde das Fach in Passau nämlich massiv gefördert: Bald war eine Professur für Kommunikationswissenschaften ausgeschrieben und besetzt./ Journalistik Forschungsgelder Internationale Ausrichtung Berufsbezug Studierbarkeit Studiensituation insgesamt UNIVERSITÄT Medienwissenschaft Internationale Ausrichtung Medien-Labore Studierbarkeit Studiensituation insgesamt Uni Basel (CH) A sen zusammen mit ihren Kommilitonen für einen Shampoo-Werbespot im Radio die Geschichte von Rapunzel umgeschrieben: »In unserer Variante lässt Rapunzel ihr Haar runter. die ich mir vorstellen kann«. oder zumindest von allem ein bisschen etwas – in schlechten Tagen hat sie das Gefühl. »Man sollte auch im Blick haben. / Nicht gerankt (keine Daten vorhanden. aber natürlich haben wir nur an der Oberfläche gekratzt«. Fehlen aber die nötigen Kompetenzen und Kapazitäten. wie bedient man eine Kamera. sagt Vinzenz Hediger.« Heute weiß sie.zeit. Später möchte sie im Bereich Werbung arbeiten. Im Fach Kommunikationswissenschaft/ Journalistik wurde die Universität Hamburg in die Liste aufgenommen. an denen die Studenten während des gesamten Studiums kein einziges Mal eine Kamera in der Hand halten. dass sich die Schwerpunkte der einzelnen Studiengänge stark unterscheiden können«. Uni Augsburg FU Berlin UdK Berlin TU Dortmund TU Dresden Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erfurt ZU Friedrichshafen (priv. Mehr als 200 Studienangebote für Medien. »Andererseits haben wir natürlich nur selten fundierte Kenntnisse. Derzeit wird ein neues »crossmediales Medienzentrum« errichtet. die neuen Plattformen für die Verbreitung von Nachrichten und Videos. Ich sehe jeden Tag. dass ich in einem der spannendsten Felder arbeite. Wenn Johannsen heute zurückblickt. Werbung und Journalismus bieten Chancen. und wie werden die präsentiert? Das war im ersten Semester. »Wenn ich eine Schreibblockade habe. In den vergangenen Jahren haben viele Unis das Fach Kommunikations. wie ich einen Film machen kann. zu weit ist die thematische Breite. In BWL an Fachhochschulen kam die PFH Göttingen bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt und Studierbarkeit in die Spitzengruppe. Nicht nur die etablierten Arbeitsgebiete wie Marktforschung. sagt Johannsen. Grundsätzlich stehen bei der Medienwissenschaft Geschichte und Theorie der Medien von der Schrift bis zum Computer im Vordergrund. Es entstehen auch neue Berufsfelder durch die zunehmend professionellen Auftritte der Medien und Unternehmen in Sozialen Netzwerken. Aber vorher muss sie ihre Bachelorarbeit noch fertigstellen. »Ich weiß theoretisch. Mediaplanung. als könne sie alles. und mit ihr wächst das Angebot der Kommunikations. und die Qualitätsunterschiede sind groß. die wachsende Zahl der Mobilservices. Kein Wunder. sagt Ralf Hohlfeld.) Uni Greifswald Uni Halle-Wittenberg Uni Hamburg HMTM Hannover Uni Hohenheim TU Ilmenau Uni Jena Uni Leipzig Uni Mainz Uni Mannheim LMU München Uni Münster Uni Nijmegen (NL) Uni Passau Uni Twente (NL) Uni Zürich (CH) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Uni Bayreuth Uni Bochum HBK/TU Braunschweig TU Chemnitz Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erlangen-Nürnberg Uni Konstanz Uni Leipzig Uni Marburg Uni Paderborn Uni/FH Potsdam Uni Regensburg Uni Weimar Stand 2011 Hochschulen. »Kommunikation gewinnt weiter an Bedeutung. werden nicht in das Ranking einbezogen. Aber das geht meist schnell vorüber. wie schneidet man Filme und Radiobeiträge ordentlich? Im dritten Semester hat Johann- VON CHRISTIAN HEINRICH Kommunikationswiss. Die Ergebnisse des aktuellen CHE-Ranking. was sich im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2008 niederschlug: Der Studiengang in Passau war in allen wichtigen Kategorien in der Schlussgruppe vertreten.und Kommunikationswissenschaften existieren inzwischen in Deutschland. »Es ist toll.CHANCEN 12. in wenigen Monaten wird sie das Studium abgeschlossen haben. Die Studenten scheinen zufrieden zu sein: Bei dem wichtigen Kriterium »Studiensituation insgesamt«. handwerklich und praktisch mit Medien umzugehen: Was gibt es bei einem Aufnahmegerät zu beachten. »Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben vor allem durch Facebook und Twitter derartige Formen angenommen. Die HWR Berlin wurde bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. der an der Universität Eichstätt als Medienwissenschaftler forscht und lehrt. Bei den Indikatoren Internationale Ausrichtung. Die 23-Jährige studiert inzwischen im sechsten Semester Medienwissenschaft an der Universität Siegen und arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit. Dann kommt der Slogan des Shampoos und der Hinweis. sagt sie und lacht. weitere folgten.und Medienwissenschaft einfach nur eingeführt. Wer Kommunikations. schadet es eher ihrem Ansehen. ich kann wieder mit Freude Zeitung lesen und Radio hören. erzählt sie. wie die Medien auf Menschen einwirken können. Die FHWien wurde in die Ranking-Tabelle aufgenommen und bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. ohne dass die Theorie darunter leidet. die in den Tabellen nebenan und auch im neuen ZEIT Studienführer stehen. So ist es auch an der Uni Siegen. beim Indikator Praxisbezug der Mittelgruppe. Studierbarkeit und Internationale Ausrichtung der Spitzengruppe zugeordnet. Neben den Analysefächern lernte Carina Johannsen auch. / Mittelgruppe.und Medienwissenschaften studieren will. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 79 Radio hören für die Uni UNIVERSITÄT Das Fach Medienwissenschaft tritt thematisch extrabreit an m Anfang analysierte Carina Johannsen sogar noch morgens unter der Dusche.und Kommunikationswissenschaften würden die beruflichen Chancen vielfältiger. »Ich hatte zwischen Psychologie und Medienwissenschaften hin und her überlegt«. an denen das Studium aufgebaut wird oder für die keine Daten vorliegen. Es gibt auch Universitäten. kann ich guten Gewissens auch mal das Radio anmachen«. Sie landete in der Spitzengruppe bei der Internationalen Ausrichtung und in der Schlussgruppe beim Indikator Forschungsgelder. »Ich finde es interessant. Das war alles akustisch gar nicht so einfach zu vermitteln. den die Fächer Philologie. Film. Ganz anders sieht es in Passau heute aus. dann aber plötzlich in Vergessenheit geraten – weil sie von der Agenda der Zeitungen und Fernsehsendungen verschwunden sind. sie könne nichts wirklich. Für Absolventen der Medien. »Wir haben versucht. wo Carina Johannsen studiert. sich zu spezialisieren«. wird in dieser Übersicht nur eine Fakultät dargestellt. Warum Hunde auf Spielplätzen zeitweise als große Gefahr erscheinen. ohne an die Theorie zu denken«. der dort seit 2008 die erste Professur für Kommunikationswissenschaft innehat und an der Errichtung des geplanten Zentrums mitarbeitet. wie auch die grünen Punkte in den Tabellen zeigen. wovon die Menschen wie beeinflusst werden. ausschlaggebend für ihre Studienwahl waren sie jedoch nicht. wie Tim Burton die Traumatisierung der Personen in drei seiner Filme darstellt. sagt Johannsen. Ganz eingrenzen lässt sich das Feld der Medien. der Prinz will hochklettern. die Ausbildung praktischer zu strukturieren. um ihr Image zu verbessern.und Kommunikationswissenschaften allerdings selten. Carina Johannsen freut sich über die beruflichen Aussichten.oder Radioausbildung reicht das aber nicht heran. in wie viele Fächer wir Einblicke haben«. liegt Passau jetzt in der Spitzengruppe. Stand 2011 zu geringe Fallzahlen) Änderungen im Ranking Gegenüber der Veröffentlichung der aktuellen Ranking-Ergebnisse im ZEIT Studienführer und in der letzten Ausgabe der ZEIT haben sich einige Änderungen ergeben: Im Fach BWL an Universitäten liegen beim Indikator Internationale Ausrichtung die Hochschulen ESCP Europe Berlin. An eine fundierte Fernseh. Dabei geht es wieder einmal um Analyse: Johannsen geht der Frage nach.und Medienberufe«. Inwiefern Ego-Shooter-Spiele aus labilen Menschen Amokläufer machen können. Medien sind eben überall und fast immer präsent. bei dem anderen Fach liegt der Fokus auf Fernsehen oder Radio. muss sie lächeln. sagt Klaus-Dieter Altmeppen. In vielen der untersuchten Bereiche liegt er sogar in der Spitzengruppe. »Das mit dem Analysieren ist zum Glück bald weniger geworden.

aber dünn gesät: In Deutschland gibt es in etwa genau so viele Professorenstellen wie Promovierte pro Jahr. in dem Steinke Flüssigkeiten und Stoffe vermischt. wird sich auf Dauer zu stark erwärmen. auf Climate-Engineering-Aktionen angewiesen zu sein.t-bernhardt. Und Leute. Wolken zu manipulieren. Und für die wir noch Grundlagenforschung betreiben müssen. das Steinke in ihrer Doktorarbeit beschäftigt. damit am Ende die Gesellschaft eine Entscheidung treffen kann«. In der freien Wirtschaft verdienen Forscher etwa ein Fünftel mehr. was technisch möglich ist. sondern auch darum. wisse allerdings noch keiner. müsste man die Aerosole mit Flugkörpern in die Atmosphäre I transportieren. »Das muss man Schritt für Schritt angehen. weil es einfach lange dauert. ob man lieber eine Fach. muss mit heftigen Attacken rechnen. Aida heißt der überdimensionale Kühlschrank. interdisziplinär forschen zu können. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) Foto: Thomas Bernhardt für DIE ZEIT/www. So – oder so ähnlich – könnte ein Eintrag im Tierlexikon über die Gattung Vorgesetzter und ihr Biotop beginnen. mit ungewissen Folgen für ihre Bewohner. Aerosole sind feinste Partikelchen. Der Himmel über Karlsruhe ist an diesem Tag wolkenlos blau. ein Teilnehmer profiliert sich auf Kosten des nächsten. »Wolken sind eine wichtige Komponente im Klimageschehen«. wenn auf einmal ein Wirbelsturm auf die USA zusteuert. Schon den Begriff Climate Engineering mag Leisner nicht. Womit ein neues Problem entstanden ist. Sie halten Climate Engineering vielleicht für keine gute. Dort schart er sich mehrmals täglich mit Artgenossen um einen Tisch. sagt sie. weil das Institut Aida besitzt. Umso wichtiger sei es.« Sie findet es spannend. Zeit fürs nächste Meeting! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. bis er gescheitert ist. Isabelle Steinke und ihre Kollegen basteln nicht einfach Naturphänomene nach. Bei externen Promotionen fehlt der persönliche Kontakt zur Wissenschaft. denkt an eine solche Gesellschaftsentscheidung mit Sorge. werden verschiedene Maßnahmen angedacht. damit Probleme gelöst werden können? Wie der Kabarettist Werner Finck sagt: Nein. Auch der internationale Austausch auf Konferenzen in aller Welt gehört zum Forscheralltag. ist logisches Denken. Ob solche Experimente den Klimawandel aufhalten können. So kommt man weiter: Die Stellen in der Wissenschaft sind spannend. sagt Isabelle Steinke. den CO₂Ausstoß zu verringern«. die das können. wenn man in großer Runde über Probleme redet. Politikwissenschaftler und Sprecher des Projekts. Ansonsten darf man sich nicht verrückt machen«. desto besser ist die Organisation! Zweitens geht es bei Meetings oft nicht um die Sache. der für den weiteren Weg entscheidend ist. sie beschäftigen sich auch mit den Auswirkungen ihrer Ergebnisse. Das muss man mitbringen: Einen langen Atem. Die einzige Fähigkeit. sagt Isabelle Steinke.« Doch mit technisch veränderten Wolken würden die Probleme nicht enden. sie wollte experimentell arbeiten.Die Serie (3): Wir stellen acht Berufe vor. bevor das losgeht.oder eine Managementkarriere einschlagen möchte. dass wir noch weit davon entfernt sind. seine Position zu schärfen. Meetings verzögerten Arbeitsabläufe. die man sich offenhalten sollte. sagt Harnisch. Je weniger Meetings nötig sind. Sicher ist: Mehr Aerosole machen die Wolke heller und dichter. an einem Forschungsinstitut oder in einem Doktorandenprogramm an einer Graduiertenschule. zum Grillen finde ich das schon okay«. wenige Antworten. »Das Problem ist. sondern nur um die Macht. bis man in eine lukrative Position gelangt. Bei mir wäre das Nächste eine Postdoc-Stelle. sagt Steinke. die wie riesige Feuerlöscher aussehen. »Was wäre. Wer öfter mal im Büro seiner Kollegen vorbeischaut und sich abstimmt. ist die Fähigkeit. die erwiesenermaßen zunimmt. Es muss allen klargemacht werden.und Umsteiger jetzt besonders gut sind G E S U C H T BERUF CHANCEN 12. jeden Tag drei bis vier Stunden zu konferieren. Das wird spannend: Hitzige Fachdiskussionen mit Kollegen können nervenaufreibend sein. Nur gibt ein Professor seine Stelle nicht nach einem Jahr bereits wieder frei. weil Ergebnisse oft auf sich warten lassen. Das führt zu Fehlentscheidungen. Solche Kämpfe werden von Gleichrangigen ausgefochten. Zudem erhält man im Gegensatz zu den meisten Berufstätigen ein hohes Maß an Freiheit in der Arbeitsgestaltung. Die Erde. merkt schnell: Hier arbeiten Forscher. Um Aida herum stehen Behälter. Dort kann man langfristig immer noch überlegen. wer dem anderen ins Gehege kommt. Und jeder Zweite sieht Verantwortlichkeiten nur unzureichend geklärt. Thomas Leisner ist Professor der Umweltphysik an der Universität Heidelberg und Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung. »Das klingt. sagt die Physikerin. befürchte ich. Spaß am Forschungsgegenstand zu haben – und den hat sie. Aber genau wegen Aida hat sie sich auf die Doktorandenstelle am Institut beworben. wenn eine »Koalition der Willigen« Climate Engineering betreibt? Wie steht es mit der Verantwortbarkeit? Bisher gibt es viele Fragen. aufs Berufsleben hochgerechnet: schlappe 20 Jahre Meetings! Woran kranken Meetings? Erstens: Es gibt zu viele davon! Wie wäre es. wächst Harnisch zufolge aber die Gefahr. Abteilung Atmosphärische Aerosolforschung. Was passiert. bei der viele hineingehen und wenig herauskommt Der Coach erklärt: Gut verdrahtet: Isabelle Steinke im Kontrollraum Gesucht: Forscher Die Physikerin Isabelle Steinke versucht. haben kein Interesse. wie Wolken auf verschiedene Aerosole reagieren. treiben einen aber auch an. die von der Sache am meisten verstehen. in denen die Chancen für Ein. Das können Wüstenstaub. den Dialog auch außerhalb des Sitzungsraums zu pflegen? Alltägliches lässt sich im Alltag klären. werden überall gebraucht«. in der freien Wirtschaft zu arbeiten – zum Beispiel bei einer Unternehmensberatung. Die 26 Jahre alte Physikerin erzeugt am Karlsruher Institut für Meteorologie und Klimaforschung künstliche Wolken. Zweimal im Jahr darf Isabelle Steinke für etwa vier Wochen Aida für ihre Versuche in Anspruch nehmen. Das wird schwierig: Wer ganz auf die Uni-Karriere setzt. keine Technikgläubigen.« Einen Masterplan für den schwierigen Karriereweg in der Wissenschaft hat sie sich aber nicht zurechtgelegt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 81 DAS ZITAT Werner Finck sagt: Eine Konferenz ist eine Sitzung. der künstliche Wolken erzeugt – die Abkürzung steht für Aerosol-Interaktion und Dynamik in der Atmosphäre. in großer Runde über Probleme zu reden. ist danach einen Schritt weiter – er hat zusätzlich ein Beziehungsproblem! Und drittens: Wenn schon Meetings. muss nicht nur sehr gut sein. desto mehr Licht wird zurückreflektiert und gelangt gar nicht erst auf die Erde. Eine Umfrage unter 800 Führungskräften im deutschsprachigen Raum ergab: Sieben von zehn Teilnehmern halten Meetings für schlecht vorbereitet. wirkt es aber übernatürlich. bezweifelt sie aber VON MISCHA DRAUTZ So kommt man hin: Der Weg ins Berufsleben als Forscher beginnt mit der Doktorarbeit – am Lehrstuhl. sondern anfangen: Der Eingriff ins Klima könnte Regenzeiten durcheinanderwürfeln und neue Wetterphänomene hervorrufen. Um das zu verhindern. Eine Abteilung marschiert gegen die andere auf. etwa indem man Wolken als Sonnenschirm benutzt. Der natürliche Lebensraum des Vorgesetzten ist der Sitzungssaal. Den Rest des Jahres verbringt sie mit dem Interpretieren der Flut von Messdaten. »Na ja. Die Kühlung dröhnt fast so laut wie ein startendes Flugzeug. »Da muss man schon hartnäckig sein. Je weißer die Wolken. welche politischen und rechtlichen Konsequenzen es hat. wenn wir anfangen. Bei der Simulation der UN-Abläufe vertrat sie die klimapolitischen Interessen Uruguays. eine Haltung. Auf einer Postdoc-Stelle an der Uni verdienen promovierte Wissenschaftler monatlich rund 3300 Euro brutto. kann vielleicht auch die Welt vor einer Klimakatastrophe retten. Und das macht Mitarbeiter zu Trotzköpfen: Sie torpedieren diesen Beschluss im Alltag. Wer vor dem Meeting ein Sachproblem hatte. wenn man es kann? Wer eine Weile im Karlsruher Institut verbringt. was passiert. etwa ein Tausendstel Millimeter groß. ein Drittel gab an. verkommt der Meetingraum zur Insel der Ahnungslosen. um den CO₂-Ausstoß zu verringern wie beispielsweise ein Tempolimit auf Autobahnen seien unpopulär. Sechs von zehn sagen. Climate Engineering lautet das Schlagwort. schwarze. da ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler heute einig.de . dass nur eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes hilft. Zudem setzen viele Akademiker in den USA auf Climate Engineering. die manche dahinter vermuten: Wer Wolken beeinflussen kann. Am liebsten würde sie aber doch an der Uni weiterforschen: »Da ist die Freiheit einfach am größten. Grüne. sondern braucht auch Glück. Direkt nach der Umfrage. aber für die in der Realität bestmögliche Maßnahme. dass niemals ein Klimaabkommen zustande kommt. die Thomas Leisner kritisiert: »Mit so einer Einstellung gibt man Klimaverhandlungen schon im Vorfeld auf. »Alle. Daher sind die Karlsruher Umweltphysiker auch integriert in das interdisziplinäre Projekt Global Governance of Climate Engineering an der Universität Heidelberg. bis man als Forscher wirkliche Resultate erzielt«. Sie gehen davon aus. weniger Sonne auf die Erde gelangen zu lassen. Während sich die führenden deutschen Wissenschaftler recht skeptisch äußern und die Politiker in Berlin bei dem Thema noch in Deckung bleiben. Technisch unveränderte allerdings. Aber sind Sitzungen nicht wichtig. dann aber nach Mexiko abbiegt?« In der Diskussion über Climate Engineering geht es also nicht nur darum. Sondern auch. Macht. hat wenig Chancen. findet unkomplizierte Lösungen. um dem ranghöchsten Tier zu imponieren. Dabei kommt es zu Rangkämpfen. G E F U N D E N sabelle Steinke will forschen und nicht Gott spielen. dann bitte auch mit denjenigen am Tisch.« Noch kritischer äußert sich ihr Betreuer am Institut. wie eine Wolke funktioniert«. Ob die Partikel dann dort blieben. überhaupt zu verstehen. die einen interessieren. es muss nicht in eine Sitzung ausgelagert werden. schlafe ich unruhig«. Sebastian Harnisch. Vulkanasche oder Salzwasserpartikel sein. Da Demokratien selten zu nachhaltiger Politik fähig seien. die sie gewonnen hat. ohne dass ein Einkäufer dabei ist. um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Und sollte man es tun. »Wir müssen aus allen Bereichen die wichtigen Punkte zusammenstellen. Kann man die Umwelt manipulieren.« Isabelle Steinke sieht das ähnlich: »Alles andere sind nur Möglichkeiten. weil unterhalb der Professorenebene kaum passende Stellen vorhanden sind. Eine Möglichkeit wäre. Wenn Manager über ein neues Einkaufssystem debattieren. Ihr Desktop-Hintergrund: Wolken. gibt es anderswo durchaus Anhänger. Dadurch ist sie auch mit den Denkweisen der Vertreter anderer Fächer vertraut. Später kann sich Steinke durchaus vorstellen.« Um echte Wolken zu verdichten. sind die Chefs ins nächste Meeting gehüpft. Denn wer den Sprung auf die Professur nicht schafft. gefüllt mit verschiedenen chemischen Stoffen. als könnten wir wie Ingenieure etwas gezielt konstruieren. Nicht nur. Auch Neugier und Eigenmotivation sind gefragt. Bis zum Vordiplom hat sie in Heidelberg neben ihrem Physikstudium auch Seminare in Volkswirtschaft besucht und beim Rollenspiel »Model United Nations« in New York mitgemacht. Dichter Nebel steigt in dem riesigen Kühlschrank auf. erklärt Isabelle Steinke. weil es an den Hochschulen dauert. Das bekommt man: Man kann den Fragen nachgehen. Wenn sie Experimente durchführt. braune. Politische Maßnahmen. Wolken zu manipulieren. wie man sie von Hirschen kennt. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ansatzes werden in Karlsruhe erforscht. sagt sie. langfristig an der Uni zu forschen. das den CO₂-Ausstoß nachhaltig verringert. »In den Tagen. Mehr Chancen für Forscher bieten Unternehmen. Die Chance. »da ist es unabsehbar. Sie testet. sagt Steinke. »Mich fasziniert. »Was wir in der Wissenschaft vor allem lernen. dass Wolken so alltäglich und doch so kompliziert sind. sagt die junge Forscherin und schaut schnell wieder auf ihren Computermonitor. die von Erdöl profitieren.

Uchatius: »Der Raubüberfall« ZEIT NR. Aus den Kriegen um Öl und gegen al Qaida. dass nur Frauen schön zu sein haben. Dr. der einfach nur »Streit gesucht hat«. zudem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. die Evidenz liefern können. trotz zeitweiliger Rückschläge. In konsequenter Folge werden wir hoffentlich demnächst Beiträge über die Unschicklichkeit von Hosen und Erwerbsarbeit für Frauen sowie die Vorzüge von Eiswasser und Kernseife gegenüber Deo und Bodylotion für Männer finden. Dr. dass die Psychohistorie über den Verlauf der letzten Jahrhunderte. Diese Erkenntnisse fügen sich auch sehr gut in den Rahmen der psychohistorischen Forschung. Albert Alten. entsetzt mich. Vergeltung für den Tod von Osama bin Laden wird es irgendwo auf diesem Globus bestimmt geben. als ginge es um einen Sportevent. 18 An der laxen Steuermoral in Deutschland wird sich nicht viel ändern. 18 Die Bilder des im Alter von nur 51 Jahren gestorbenen Edouard Manet ausgerechnet gegen das Spätwerk Liebermanns auszuspielen. sondern eine neue Dimension hat. sondern weil die Handlungsgrundlage für das Finanzamt nicht belastbar ist. Dass aber der heutige amerikanische Präsident. sich nach Art einer selbst erfüllenden Prophezeiung selbst zu bestätigen. Vielmehr ist sie eine Lehre aus der Erkenntnis. wie Manfred Schwarz schreibt. allenfalls »Scheiße!«. Ich schaue nicht mehr aus dem Fenster . Saddam Hussein und die Taliban wurde rein gar nichts gelernt. Wernigerode Schuld und angemessene Strafe Dagmar Rosenfeld: »Täter aus gutem Haus« Die Unschuldsvermutung ist keine psychologische Einschränkung des Tatverdachts. Über Rückfälle wundert man sich dann. Wieso lernen dann Juristen nicht dazu? Psychologie und Hirnforschung gibt es seit einigen Jahrzehnten. Es gibt durchaus wissenschaftliche Ergebnisse. A-1020 Wien . hätte man die Ermordung Osama bin Ladens vermutlich als gerecht empfunden. nie aber alleinige Rechtfertigung von Untersuchungshaft. per E-Mail Der Libyen-Krieg beweist wieder einmal die Doppelmoral der Nato-Mitgliedstaaten. Dies ist kein zu hoher Preis für eine Rechtsordnung. insbesondere der jüngsten Kinder.« Und noch ganz nebenbei sei in Abwandlung des berühmten Liebermann-Satzes über einen angeblich zu langen Arm auf einem Bild Cézannes zu seinen angeblich spießigen Blumenbildern angemerkt: Wenn sie so jemalt sind. Rainer Böhm. Das wird dann von manchen konservativen Politikern und Medienvertretern bei uns verteidigt. G.. Diktatoren und in Krisengebiete zu liefern? Roland Klose. diese Bilder nicht zu veröffentlichen. die einen Menschen zum Mörder machen könnten. per E-Mail Richter am Amtsgericht i. – ich will die neue Welt um mich herum nicht sehen. Aus diesem Dissens entsteht zwangsläufig das Missverständnis. Solange die USA als letzte verbliebene Weltmacht auf diesem Globus den WeltSheriff spielen und nach Belieben Krieg gegen Staaten führen. sondern genauso sind wie wir – nur ärmer und schlechter regiert! Ein Rückzug aus Libyen. Dies schützt nicht nur einen tatsächlich zu Unrecht verdächtigten Bürger. Hirnforscher und Psychologen lehren uns. dass heftige Tritte gegen den Kopf eines Menschen zu dessen Tod führen kann?« – »Doch!«. erstaunt ein wenig. Giebelstadt Es fehlt noch etwas: Arbeitgeber. in weit vorchristlicher Zeit. Diese unterstellte Schuld ist immer in Gefahr. die bis zum Urteil Schuld und Nichtschuld in gleicher Weise einkalkuliert. dass die meisten Steuerklagen aus formellen Gründen gewonnen werden: Die Steuergesetze sind handwerklich so schlecht. Berlin geben. können es jar nicht jenug sein. Müssen wir uns da wundern. 19 12. Der Artikel legt den Finger in eine Wunde unserer Gesellschaft. der mit 75 Jahren die Ermordung seines Vetters Walther Rathenau und mit 86 den Fackelzug zur »Machtergreifung« Adolf Hitlers miterleben musste. Wie Saddam Hussein so wurde auch Muammar al-Gadhafi jahrelang vom Westen hofiert und mit modernsten Waffensystemen ausgestattet. Bielefeld Verschönt Prominent ignoriert: »Kurz behoste Männer« ZEIT NR. kulminierend in völkermordenden Diktaturen. wie ach so bibelfeste Amerikaner auf den Straßen tanzen und feiern. Liebermann hat in jüngeren Jahren dem Durchbruch der Moderne auf die Sprünge geholfen. beschäftigen Leute nur auf 400-EuroBasis. Bund. hat Steuerzahlen keine Lobby. Obama und seine Verbündeten hätten sich stattdessen für einen UN-Beschluss stark gemacht. Nicht erwähnt wird.ZEIT DER LESER S. der die befreiten Gebiete dort schlagartig sich selbst überließe. So fragt zum Beispiel der Richter: »Wissen Sie denn nicht. 18 Die Terrororganisation al-Qaida oder die afghanischen Taliban feiern ihre Symbolfigur als Märtyrer. So ist mittlerweile überzeugend nachgewiesen. Kein noch so grausames Video kann hier alleine Antwort ZEIT NR. April 2011 18 Alttestamentarisch. 18 Traurig. Axel Felsch. 18 Hölderlins Beitrag zur Weltliteratur in allen Ehren – wieso man sich im 21. der Täter habe Tathergang und Folgen voll im Griff gehabt und könne Ähnliches künftig vermeiden.96 LESERBRIEFE AKTUELL ZUR ZEIT NR. Wäre es nicht besser gewesen. Denn unser Strafverfahren will auch die innere Seite eines Verbrechens ermitteln. die restliche Zeit arbeiten sie schwarz gegen Cash. Dirk Kerber. wenn man jemanden. durch welche Tatverdacht und Unschuldsvermutung sich aufheben würden. selbst richtig zu handeln. 18 Zum Titelthema »Verzettle dich nicht!«. Über die Zeit seiner »inneren Emigration. vorschreiben lassen soll. Das bleibt uns erspart. Das verstellt den Blick auf die Notwendigkeit neuer Reaktionen auf Unrecht. es fragt. examinierter Jurist. dass die Menschen im Maghreb nicht zu einer uns völlig unverständlichen Kultur gehören. Wer als Kind Gewalt erfährt. Eva Matern-Scherner. vorwiegend Baufirmen in West und Ost. ist aberwitzig und geschichtsblind. dass diese Intervention gerade nicht in einer Linie mit dem Afghanistan. Der Wunsch. Das Arbeitsamt stockt das Einkommen noch auf. Kriegswaffen an Diktaturen. dass das Gericht nicht in der Sache gegen das Finanzamt entscheidet. und das Finanzamt repräsentiert das Böse – und ist auch noch ungerecht. ZEIT Nr. Empathie und moralisches Empfinden verantwortlich zeichnet. Man will ja nicht blöd sein oder jedenfalls nicht als solcher behandelt werden. Man wisse hierüber viel zu wenig. In Libyen jedoch engagiert sich der Westen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 95 Aus No: Entsetzlich Titelthema: Der Fluch des Bösen Die einzig kluge politische Entscheidung nach der Exekution eines bereits schwerkranken Menschen besteht darin. Wer zahlt das letztendlich? Der Steuerzahler! Zu wenige Razzien und zu niedrige Strafen für die Arbeitgeber! Christel Fichtner Sandersdorf Sie sind wie wir Pro und Contra: »Soll der Westen den Krieg verschärfen?« Dass es in Libyen nur um die Macht des Westens geht. In Afghanistan und im Irak ging es darum. dass aggressives Verhalten zwischen Generationen sozial tradiert wird. Wie treffend beschrieben. Hans H. Immer häufiger gibt es ernsthaften Dissens. die die emotionalen Bedürfnisse. die sonst ständig die Verrohung der Gesellschaft anmahnen. Hösseringen Laxe Moral K. eine insgesamt positive zivilisatorische Entwicklung nachweist. die überzeugend ZEIT NR. haltgebende und nachhaltig stressreduzierende Bindung im frühen Kindesalter fördert die Entwicklung des präfrontalen Kortex. der es unter Androhung von drastischen Strafen jedem Staat auf der Erde grundsätzlich verbietet. bleibt unerklärt. Berlin Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit.de Beilagenhinweis Die heutige Ausgabe enthält in einer Teilauflage Prospekte der Verlagsgruppe NEWS GmbH. nachzulesen in Berichten des Steuerzahlerbundes und des Rechnungshofes. der wesentlich für Impulskontrolle. Eine sichere.oder Irakkrieg steht. Hamburg Ich bin froh. Jahrhundert von einem Hypochonder. und auch deshalb ist die vermutete Schuld (der Verdacht also) zwar Voraussetzung. R. wenn zwei Grundübel bestehen bleiben: Erstens die verworrenen Steuergesetze mit zig Ausnahmen. weil er sich schlagartig bewusst geworden ist. 18 Wie Grausamkeit entsteht Interview mit Terry Eagleton: »Höllische Freude« Eagletons Antwort auf die Frage nach den Ursachen. Ralf Hirnrabe. bei dem die Freiheit des Einzelnen auch im Strafprozess Maß und Maßstab bleibt. gravierend vernachlässigen. Bad Fredeburg nachweist. Berlin 28. Jens-Christian Pastille. reale oder fiktive terroristische Bedrohungen in einem feindlichen Kulturraum zu bekämpfen. sondern einer der Täter nur der Sohn eines Rechtsanwaltes war. Berlin/Riga Rechtsanwalt »So jemalt« Manfred Schwarz: »Der vollkommene Bourgeois« NR.. spannt die Falle der Selbstgerechtigkeit. In seinem Garten«. Markus Meister. Florian Dietrich. Hamann und W. Paehler. Insbesondere stehen hier Erfahrungen aus der Kindheit im Fokus. wenn jetzt die Rebellen in Libyen gegen Gadhafi allein nichts ausrichten können? Mit Luftangriffen kann die Nato Gadhafi auch nicht wirklich besiegen. sich bevorzugt in Gesellschaften entwickelt. Peter Christian Hall Frankfurt am Main Immer wieder prallen das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und das von der Justiz hochgehaltene Rechtsstaatsprinzip aufeinander. solch einen unwiderruflichen Akt der Selbstjustiz lobpreist: »Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«. dass Grausamkeit. Wir werden die im Einzelfall nicht immer befriedigenden Folgen der Unschuldsvermutung weiter ertragen müssen. ist eine grobe Vereinfachung. Denn als Ausländer wäre wohl die U-Haft unumgänglich gewesen und wären dem Steuerzahler die Kosten auferlegt worden. Die Unschuldsvermutung gebietet demgegenüber eine Offenheit des Strafverfahrens. wird als Erwachsener häufiger selbst gewalttätig. die verkennt. dass mit jedem Tatverdacht eine Schuldvermutung verbunden ist. dass in Hirn und Herz des Übeltäters ganz andere Abläufe stattfinden als gemeinhin angenommen. Den Durchbruch einer neuen Sicht werden die meisten in ihrer Dienstzeit nicht mehr erleben. gestraft wird seit Jahrtausenden. als Zusammenfassung seines bisherigen Lebens. dass die Täter keine Ausländer waren. Darmstadt NR. sagt der Angeklagte. wenigstens erst mal Haftverschonung gewährt. wie schuldig sich ein Mensch gemacht hat. Sonderregelungen und so weiter. Und da können gesetzestreue Bürger es sicherlich nur gut finden. um so eine angemessene Strafe zu begründen. der höchstwahrscheinlich einen großen Teil seines Lebens in engen Kniebundhosen zugebracht hat. Ermutigend ist hierbei. Brigitte Hoff. Annette Hund. bleibt der Wunsch nach einer friedlichen Welt ohne Terrorismus ein Traum. schrieb der 87-jährige Liebermann 1934 selbst: »Ich lebe nur noch aus Hass. Tatsächlich hat – wie die Erfahrung lehrt – der Täter sich bei der Tat nichts gedacht. dass man einen Menschen nicht grundlos niederschlagen darf? Haben Sie etwa keine Vorstellung davon. zweitens die Verschwendung von Steuergeldern. würde dieses neue Gefühl der Ähnlichkeit untergraben und den Boden für einen »Kampf der Kulturen« bereiten.

sie hauptsächlich während der Unterrichtsstunden gezeichnet zu haben. lieber Herr Röttgen. dass in Italien die Ausgabe von Plastiktüten in Supermärkten und anderen Geschäften verboten wurde. war ich kurz ratlos. Das Fremde und was mir vertraut. Dann unter den Wolken von Kiel bis zur Elbe segeln und sich an unserer wunderbaren Landschaft nicht sattsehen können.) Wir trinken Cappuccino mit viel Sahne und reden über die Familie und den Rest der Welt. und beim Dartsturnier spielten wir um mein Alter. Und so festzustellen. Stuttgart Ich las Gedichte in der Nacht. d. will ich den Gesprächspartner nicht gleich selber ärgern. Und Mondessternenstrahlen.Leserbriefe siehe Seite 95 12. Susanne Lange. Heidenheim a.. und oft haben sich spannende Debatten aus Ihren Beiträgen entwickelt. Jedes Jahr kommen ein paar neue Ferienunterkünfte und Touristenattraktionen hinzu. geschwind zum Buche! to: H il g e m a n n / D a vi Liebe ZEIT-Leserinnen und -Leser. erstmals in Cyrano de Bergerac (einer der jungen Soldaten wagt es. »Mein lieber Schwan!«? Nein. oder? Christian Voll. aus traurigem Anlass« unternimmt Sabine Kröner. dass unsere beiden Buben (4 und 2) im Verlauf der Nacht zu uns ins Bett geschlüpft sind. Die Inflationsjahre in Deutschland um 1923 hatten viele. Plastik gefährdet die menschliche Gesundheit (Bisphenol A und Weichmacher!) und verursacht gewaltige ökologische Probleme: So landen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich mindestens 7000 Tonnen unverwüstliches Plastik im Meer. W. ich bekomme die zweite Hälfte der Vorwoche zurück. jeder ein Instrument zu erlernen: er E-Gitarre. ich Saxofon.zeit. Eberhard Leibbrand. Welch ein schönes Gefühl. die arabische Halbinsel und durch den Suezkanal wird die Reise weitergehen – bis nach Venedig. ej!« oder »Menno!«? Nee! Da ich ein freundlicher und langmütiger Mensch bin oder zumindest so tue. die uns auffallen und die das Immer-Wiederkommen interessant machen. über die ich mich sehr gefreut habe. Martina Hömann. Die Sonne hat den schwarzen Sattel für mich beheizt. Plön Morgens vor dem ersten Weckerklingeln im Halbschlaf das gleichmäßige Atmen von drei Personen zu hören. er klingt ein bisschen vornehm. Oldenburg reicher macht Es ist unser 48. Gedicht. Mittlerweile können wir schon einen kleinen Blues zusammen spielen. was mir jemand zumutet. kaum EIN GEDICHT! Klassische Lyrik. Und so passt mir ein Wort am besten. da war Caroline 20 Monate alt. von dem Sie uns gleich erzählen möchten? Schreiben Sie an leser@zeit. im Café. das mir richtig zu Herzen ging. an meinen speziell dekorierten Tisch geladen. und jeder Kunde hatte eine Einkaufstasche dabei. Sollen wir? Oder wollen Sie gar nicht wissen. Am Vorabend war ich bis Mitternacht wach geblieben und hatte das Pooldeck für mich alleine. Jürgen Hartmann. nein. Für den kleinen Buben links aber waren wohl keine Schuhe dabei gewesen. Zugegeben.und Jugendjahre zu sprechen und zu hören. Zuerst tauschen wir die ZEIT. Unsere Stimmung wird immer ausgelassener. ist erst mal baff. Ich habe mit diesem Wort immer den erwünschten Erfolg: Der. Ich bekam sogar mal das Kompliment. Die rasteten auf deiner Haut. die ich zum allgemeinen Amüsement verlese. schenkte sie mir zum Geburtstag diese Zeichnung. Mars und Jupiter wollte ich noch finden. die Energiepolitik ist knifflig. Ulm Freitagmorgens. Du wecktest mich mit Radio-Bach. Magdeburg Wieder den vertrauten Dialekt meiner Kinder. doch alleine musste ich resignieren. Beim Frühstück erwarteten mich schon die ersten Gratulanten mit Gesang und Orchideen. Und es funktioniert tatsächlich. Mühlacker Mit meinen Freunden Marco. dass der Beitrag in der ZEIT. zu sehr Lohengrin. Das Wort bezeichnet doch genau das. Raimund Nieß. Wolfgang Dasch. Wiedergefunden: Ein Dokument der Armut Für das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen arbeite ich an einer Dokumentation über die Auswanderung nach Nord. wie sich in Briefen und Dokumenten erkennen lässt. Die Kritzelei der Woche Unser Auto ist krank. Rumohr. Massagegutschein und Champagner aus Heidelberg werde ich beschenkt. Sekt gab es den ganzen Tag. So tragen die Kinder auf dem Bild Kleider und Schuhe. Lachen und Freude pur! Jochen Ruthardt. Dabei fiel mir ein Foto aus Argentinien aus dem Jahr 1934 in die Hände. zzt. Nachdem ich Jule auf die Kritzelei der Woche aufmerksam machte. und 20. Viele sagen oder schreiben gar »Weia!« – im Grunde auch Wagner: »Wagala weia. über die große Nase des Titelhelden zu sprechen. »Zufriedenheit«. dann eine schwere Not bei der Suche nach der angemessenen Reaktion. »Die ZEIT der Leser«. Und plötzlich scheint es.. »Was ist?« – Ich sagte leise: »Ach!« Gabriele Herbst. 82° 22’ Ost Das erste Mal nach einem langen Winter und Winterschlaf mit meiner Schildkröte durch den Garten zu laufen. Ich treffe mich mit meiner Mutter. 20079 Hamburg Die Redaktion behält sich die Auswahl. Eine Party mit so wenig Arbeit und so viel Personal hatte ich noch nie. Christian. wenn ich mich recht erinnere. Fo Es schlug mein Herz. JVA Bielefeld-Brackwede Du schliefst. irgendwo im Golf von Bengalen. auch den Einkauf. Jahrhundert. der mich ärgert oder ärgern wollte. »Schockschwerenot« ist übrigens präzise. Goethe. Angelika Kratz. Nach einem weiteren Tanz um den Pool – diesmal ist es ein Cha-Cha-Cha – sinke ich glücklich in meine Federn. der Fehler unauffindbar. dass er ein riesengroßes Rasenherz hat stehen lassen.. Mein Mann mäht den Rasen. Also: nein! Oder: »Mann. mich gemeinsam mit ihr zu sonnen und das Gras unter den Füßen zu spüren. dann kam sie über Australien. Nina Lenz. Ich möchte die Zeit anhalten. Mutter bekommt die erste Hälfte der aktuellen Ausgabe. Ich habe sie trotzdem gelobt. Mit dem uralten Anhänger aus Kleinkindertagen. Das Foto wurde im August 2009 aufgenommen. dem 19. das im Hafen von Sassnitz den Liegeplatz eines Schiffes markierte. 55: Nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr wollte sie durch neue Eindrücke Abstand gewinnen. Schleswig-Holstein Ich komme aus dem Laden. Niederzier AL AG LT SK U N ST Schicken Sie Ihre Beiträge für »Die ZEIT der Leser« bitte an: leser@zeit.de oder an Redaktion DIE ZEIT. Wolfgang spielt meine Wunschmelodien. ich habe es selbst gesehen: 28 besetzte Kassen in einem einzigen Supermarkt. 6° 13’ Nord. Osnabrück Buch und Bach Das Foto unserer süßen Tochter Caroline. Über der Elbmündung kreisen – gemeinsam mit einem Seeadler. Viele Erinnerungen stiegen in mir hoch. »Willkommen und Abschied«) Mein Wort-Schatz Im Grunde ist mein Wort-Schatz ein Schimpfwort. September 2009 haben wir uns zuletzt gesehen. was andere Leser aufregt? Oder gibt es Ärgerliches. du Welle«. das war es.!«. Christa Lieb. woge. Indonesien. mit 40 Jahren noch einmal Schüler zu sein. meist junge Menschen zur Auswanderung genötigt. Sah deine Freude. Lauda-Königshofen Meiner zwölfjährigen Enkelin Jule hebe ich regelmäßig die ZEIT-Kinderseite auf und kaufe ihr die KinderZEIT-Hefte. die ich suchte – und deiner hab ich auch gedacht. Der Tag begann in unsren Schuhen. Als sie mir allerdings gestand. Also machen wir alles mit dem Fahrrad. die ihnen Verwandte aus Deutschland geschickt haben. als Bundesumweltminister wissen Sie bestimmt. Gerlinde Benz. Carola Bührmann.) Zum Abendessen habe ich sieben Menschen. sogar Gianna Nannini. Walther Weih. lange gab es auf dieser Seite jede Woche die Rubrik »Das regt mich auf«.und Südamerika im 19. Über Indien. Alles braucht viel mehr Zeit. Von Buenos Aires aus ist sie per Schiff um die Südspitze Amerikas und durch die Südsee gefahren. und auch. (Ich habe gewonnen. eine Kürzung und die übliche redaktionelle Bearbeitung der Beiträge vor. neu verfasst SCHÖNE GRÜSSE Lieber Herr Röttgen. Aber das mit dem Plastiktütenverbot wäre doch ganz einfach. So kaschierte man die Armut einfach mit einem Häufchen Laub. wenn ich – ich lebe seit über 40 Jahren in Norddeutschland – einen Besuch in meiner alten Heimat Württemberg mache. 89. aber es sind auch die kleinen Veränderun- gen. WL 2009 2010 Was mein LEBEN Seit Jahren verbringen wir unseren Sommerurlaub auf der Insel Rügen. Mit der Einsendung eines Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden. die mir besonders ans Herz gewachsen sind. das das Gegenüber überrascht und die Zumutung gleich ein wenig entschärft. auch ein wenig befremdet bis ärgerlich: Was steht mir zur Verfügung? »Ach du Sch . Am Samstag. was man angesichts einer überraschenden Zumutung empfindet: erst einen Schock. zzt. (Im Laufe der Woche werden wir dann auch die andere Hälfte tauschen.. wie ich meine: »Schockschwerenot!« Ich hörte das. Reime.. Wenn ich über etwas erstaunt bin und darüber. Noch nie habe ich am Geburtstag so viele Hände geschüttelt und so viele Küsschen erhalten. deine Qualen. aber da er so herrlich altmodisch ist. selbst Musik zu machen! Ja. seit zwei Wochen. . würde ich sogar sagen. als hätten wir viel davon: Zeit! Wilfried Ludwigs. der dieses Wort verwende. Merci! Sabine Kröner. könnten wir »Das regt mich auf« fortsetzen. Schaute in den sternenklaren Himmel.de! Wir sind gespannt. Holger und Michel viermal im Jahr mit unseren Mountainbikes durch den Pfälzer Wald zu schießen. Im Nordatlantik sollen unvorstellbare 100 000 Tonnen Plastik in einem einzigen Riesenstrudel treiben. So war im Sommer 2009 dieses Holzschild. Singapur und Myanmar auf die zu Indien gehörenden Andamanen-Inseln. Die wunderbare Katharina hat mir eine E-Mail geschickt. Doch vergangenen Sommer glänzte es mit einem neuen Anstrich. Am Abend sehe ich. Wenn die Weltreise von Sabine Kröner demnächst zu Ende geht. v. Ludwigsburg Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit begonnen. Passau ds Zeitsprung mehr zu lesen. Bisingen-Wessingen Die Morgenröte ließ mich ruhen. besteige mein Fahrrad. im Internet unter www. Fand Silben. Hochzeitstag. was mir die meisten wünschten. Das Kreuz des Südens suchte ich und erspähte es auch endlich über dem Heck. worauf dieser es ausruft). pünktlich um zehn. Natur. das gebrauche ich nie. Mit Ansprachen. Hella Maas. In Amerika aber ging es vielen von ihnen schlechter als in der alten deutschen Heimat. Baltmannsweiler An einem leicht bewölkten Tag in ein kleines Segelflugzeug steigen und mit dem Windenseil auf 400 Meter Höhe gezogen werden. Mein Mann kannte sich in der Astronomie sehr gut aus und hat mir auf unseren Reisen immer den Sternenhimmel erklärt. ich sei der einzige Mensch im Bekanntenkreis. Monat 2011 DIE ZEIT No 20 96 (nach J. Brenz Eine kleine Weltreise ..de/zeit-der-leser und auch in einem ZEIT-der-LeserBuch (Sammlung von Leserbeiträgen) veröffentlicht werden kann Nach einem erlebnisreichen Tag auf den Andamanen habe ich meinen Geburtstag an Bord gefeiert. Sie steht im Garten und hat einen frisch gepflückten Apfel in der Hand. Geldern .

Was dagegen geschieht. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. die sie früher nie gewählt hätten. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. und trotzdem beschimpft Europa uns. Kleine Augenblicke. Europa sollte die Umschuldung wagen. so desaströs seine Folgen wären. positionieren sich als die guten Europäer. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. Der Rettungsfonds will weiter retten. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. E-Mail: DieZeit@zeit. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Es kostet nur wieder Milliarden. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. auch nicht beim haircut. Wellen am sardischen Strand. das Beharren auf Posten und alten Positionen.und Bahnhofsschützern. findet Josef Joffe. Wer wollte sie den Iren abschlagen. nun gelte es. die Griechen überlegten. Klar ist einzig. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. die zweite Volkspartei. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben.de. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Gleichwohl verlangen die EU. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. die andere Möglichkeit. Auch das käme alle teuer zu stehen. deshalb unser aller Geld retten musste. beschlossen hat. dass es ohne Europa nicht geht.de/audio AC 7451 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. ist auch eine hässliche Sache. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. heute Erzfeinde: Hans-Peter Martin wird von seinem Protegé an den Pranger gestellt Politik Seite 12 D Europa will sich Ruhe kaufen. der nicht aufgepasst hatte.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. die EU dabei mitregieren. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. GRN. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. wer der bessere Europäer ist. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. was auf lange Sicht besser für Europa ist. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. die SPD. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Aber die Diagnose ist unvollständig. bestrebt. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. Das ist umso generöser. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Käme es jetzt zum griechischen haircut. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Die Griechen. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Die entscheidende Frage ist aber nicht. dass die Griechen mit dem ersten. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also.de Abonnement Österreich. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben.zeit. Sie sind nötiger denn je. Nein. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. ist schlicht ein Skandal. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. weil dies ein überholter Begriff sei. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Leserbriefe@zeit. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein.jobs. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. will das offizielle Europa Ruhe.de 20 2 0 AUSGABE: .0.zeit. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. sondern echtes Geld kosten werden. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. wenn Europa immer weiterzahlt. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. Diejenigen. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. KG. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Schweiz. Irland. wohl aber die Stimmung. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. »Umschulden«. Die Frage ist vielmehr. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. Die Entscheidung Kretschmanns.PREIS ÖSTERREICH 4. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. ZEIT-Stellenmarkt: www. im Land. also einen Tag zu überspringen.u. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. (v. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Viel Geld. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. würden Schulden nicht getilgt. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten.n. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. Geburten hinfällig. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte.zeit. die im Englischen haircut heißt. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland.zeit. obwohl doch alle gleichermaßen wissen.de/audio www. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. zeichnet sich schon ab. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Die Entzweiung Einst ein verschworenes Duo. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. was kommt. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar.o. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. bleibt auch eine. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. »Retten« ist ein hübsches Wort. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. das zu werden. kleine Abb. in das so viel Geld fließt. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Libyen. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. In Interviews sprach er davon. dessen Datum anzunehmen. der sich tief gedemütigt fühlen muss.de. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. J A H RG A N G www. Das klingt weit unattraktiver als das. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. Nicht mehr bezahlen. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. man macht sich unbeliebt. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. sondern auch an zu viel.10 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . 20080 Hamburg. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. ebenso wie die Deutschen und andere.zeit. Gutmenschen nerven. Doch das heißt nicht. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Vergessen. um Griechenland aus der Krise zu helfen. was sie auch kostet. was gemeinhin eine Volkspartei ist. wenn Europa weiter zahlt. Schuldzuweisungen und Dementis.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Sooft dieser Tage in Ministerien. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte.

»Ich wollte. Im Wochentakt beliefert er nun Zeitungen mit immer neuen Details. demnächst in Pension geht. er selbst habe etwas mit den dubiosen Vorgängen zu tun. damit Martin seinen Protegé ins Parlament hieven konnte. Besonders das Sprachzentrum. In internen Sitzungen zielten sie gerne auch unter die Gürtellinie. fieberten sie oft bei den Spielen ihres Lieblingsvereins Bayern München. Wie könne es sein. »Untreue« und »Förderungsmissbrauch«. what’s his name?. dass sich die beiden aussprechen. für die sie mitunter ihr gesamtes Umfeld mobilisierten. Tiger« 56 Nachruf auf Gunter Sachs kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. Offensichtlich gelangt bei diesen Experimenten an Mandataren eine noch sehr frühe Entwicklungsstufe des Nervengifts zur Anwendung. sich ein eigenes Profil zulegen und mehr sein als bloß die Stulpe an der »Hose«. war er der »junge Hecht im Karpfenteich«. dass sich Ausgaben und Einnahmen der Liste auf den Cent gleichen? »Eine betriebswirtschaftliche Meisterleistung«. einander austricksen. ließ Ehrenhauser dann Mitte April die Bombe platzen: Er erstattete Anzeige gegen Hans-Peter Martin bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf »schweren Betrug«.de/audio Geschichte eines Liedes aus Island 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze« Kunst Paul Pfeiffer in München GESCHICHTE 21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. Zwar werden alle nervösen Reaktionen hervorgerufen. das Weiße Haus. Es glättet nicht nur verräterische Falten. Und ein Match gegen mich? Da hätte ich wohl auch die besseren Möglichkeiten. Der selbst ernannte Saubermann ist schwer angeschlagen. Ökonom und Verhaltensforscher? noch die meisten Laster bauen Elektroauto Warum es falsch ist. Doch Ehrenhauser hat die Gesprächsangebote ausgeschlagen«. mit einer eigenen Liste anzutreten. Gemeinsam zogen sie in Psychokriege. Konservativ und zugleich ein grüner Visionär. Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 4 5 6 7 8 9 Gutmenschen Ist Deutschland 12 Donnerstalk ALFRED DORFER über die Auswirkungen von Botox auf die Politik 13 Straßenkampf Der neue Wasserwerfer 10 000 der Firma Rosenbauer aus Leonding VON STEFAN MÜLLER 14 Artgenossen Der wankende Mafiaparagraf und das Justiztheater in der Wiener Neustadt VON ALFRED J. Die Reduktion des Sprachzentrums ist bei Budgetdebatten gang und gäbe. Angelika Werthmann. die gerne gedruckt werden. Ehrenhauser war gerade bei den Jungen Liberalen hinausgeflogen. auf falsche Fährten locken und enttarnen. Was nun kommen wird? Für Hans-Peter Martin könnte diese Affäre das politische Ende bedeuten. ist einem kalkulierten Tonfall gewichen. Einst war er sein größter Fan und willfähriger Erfüllungsgehilfe. und aus der Delegation austrat. Dass sich seine Vorwürfe heute merkwürdig ähnlich anhören wie seinerzeit jene von Werthmann. die sie wählen könnten. Mit geheimen Unterlagen über den Baulöwen Hans-Peter Haselsteiner und den Lobbyisten Alexander Zach. als das jugendliche Pendant des ergrauten Hans-Peter Martin. »Fußballersprache« sei da gepflegt worden. in dem sich Geheimagenten gegenseitig bespitzeln. Gut einstudierte.kultur . September 2010. sie würde die Karriere ihres Sohnes behindern. Foto: Ingo Pertramer Ehrenhauser zelebriert den Bruch mit allen Mitteln der Medienkunst Nebenbei wurden ab Ende März Journalisten mehrerer Medien kontaktiert (darunter auch die ZEIT). signalisierte er gegenüber Hans-Peter Martin noch Gesprächsbereitschaft. Osama haben dem Terminator die Navy Seals weggeschnappt. Dieses gefährliche Wurstgift wurde offensichtlich schon seit Langem an unwissenden Versuchspersonen ausprobiert. Ehrenhauser lud zu vertraulichen Gesprächen. Dazu muss der Übervater rasch in der Versenkung verschwinden. Als noch niemand außerhalb Brüssels ahnte. nachdem sie ausgesprochen wurden. Wo sind die Grünen. Den Meister hat der Schüler jedenfalls bereits jetzt übertrumpft. ein Schulfreund von Hans-Peter Martin. Flüchtling zu sein 48 Kinder. Seitenlange Mails mit Anschuldigungen wurden gewechselt. Endlich hätten dann auch die wichtigsten Amis wie Henry Kissinger und seine Freunde eine Telefonnummer bei der Hand. der sich ihnen in den Weg stellte. Deshalb werden einfache Sätze. Mit welchem Medium er bei der Aufdeckung zusammenarbeiten wolle. Mai 2011 DONNERSTALK DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Gift im Parlament Botox garantiert ewige Jugend. Man hatte das Gefühl. Sich in diesem Dauerfeuer zu verteidigen ist unmöglich – der Zauberlehrling hat vom Hexenmeister viel gelernt. Ein Jahr später wurde er dessen parlamentarischer Mitarbeiter. Vielleicht wollte er endlich aus dem Schatten des Übervaters heraustreten. Das erklärte ihm sogar unlängst noch Hans-Peter Martin. Doch des Skandals nicht genug. einer Sportkneipe in Brüssel neben dem Parlament. Immer neue Vorwürfe tauchen auf. Martin habe die eigenen Ideale verraten.. »Die steckten rund um die Uhr zusammen. Martins Frau schrieb eine Mail an Werthmann und fragte. sich Ehrenhauser schützend vor sein Vorbild. Wer ihn dann allerdings wählen soll. das haben nun Forscher aus den USA herausgefunden. Armin Falk. bekannt für ihre deftigen Burger. wandte er sich an Hans-Peter Martin. Muskelheld. Doch der neue Saubermann präsentiert sich nun als jemand. Er war einer der Letzten. ins Ausgedinge von Venice Beach oder als Ambassanator für eine bessere Welt von Kontinent zu Kontinent tingeln? Allesamt keine erbaulichen Perspektiven. Kino-Ikone und zwei Amtsperioden lang Regierungschef von Kalifornien. und der politische Stil Martins sei auch nicht unbedingt der seine. aber zugleich weich wie ein schnurrendes Kätzchen. wie Martin häufig wegen des extravagant weiten Schnitts seiner Beinkleider genannt wird. erzählen ehemalige Mitstreiter. Ehrenhauser orchestrierte derweil seinen Abgang. etwa »Bitte Ruhe im Saal!«. wie solche United States zu funktionieren haben. die HansPeter Martin die Treue hielten und ihn bedingungslos verteidigten. Meist. sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. »Das war schon sehr untergriffig und ging schnell ins Persönliche. Schließlich verzichtete der Listenzweite auf sein Mandat – heute leitet er das Bürgerbüro von Martin Ehrenhauser in Wien. Sogar Ehrenhausers Mutter warf der Mandatarin vor. Nun erhebt Ehrenhauser selbst schwere Vorwürfe gegen sein früheres Idol. Er hat sich einen Django-Bart wachsen lassen. Einen Grundkurs in der Kunst des Tarnen und Täuschens absolvierte er allerdings in den vergangenen fünf Jahren bei seinem Mentor Hans-Peter Martin. Emotionelle Intelligenz ist bei diesen Zusammenkünften ebenfalls sehr selten anzutreffen. wird dem Governator von der amerikanischen Verfassung verbarrikadiert. begriffen. Ehrenhauser wandte sich an Mitstreiter der Liste Martin. Kennengelernt hatte sich das Duo drei Jahre zuvor. Der Verbleib von rund einer Million Euro aus der Wahlkampfkostenrückerstattung für die Europawahl 2009 sei ungeklärt. blieb aber kryptisch genug. weil die durch Lähmung reduzierte Mimik beim Gegenüber zu emotionalen Missverständnissen führen kann. Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte« Roman Nicolas Dickner »Tarmac« REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. Kampfmaschinendarsteller. dass er keinen Einblick in die Finanzen der Partei besessen habe. die er jahrelang nicht mitbekommen haben will. NOLL Freiheitliche HC Strache blieb WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch 33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung ThyssenKrupp Der Konzern FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral 62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTLSenderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie. Die Korruptionsaffäre.12 12. warum Martin Ehrenhauser die Trennung nach allen Regeln der Kunst inszeniert. habe er noch nicht entschieden. sagt eine. der ohne Minibar auskommen muss? Schluss mit diesen Menschenversuchen! igentlich wollte Martin Ehrenhauser immer schon einmal einen Spionagethriller schreiben. das zu moderieren. Jetzt stellt er seinen Mentor an den Pranger VON FLORIAN GASSER Mutter ihre Funktion in Brüssel überhaupt ausüben könne und nicht Gefahr laufe. Dazu würde wohl auch ein Interview genügen. Für den Reißer fehlte dem Mandatar im Europäischen Parlament bislang die Zeit. Die beiden Mandatare gingen auf Distanz. So erfolgreich. Andere sagen. Heimat und Apfelstrudel geht. Ehrenhauser und seine Mitarbeiter seien seit August 2010 in sein Computersystem eingedrungen und hätten auch Gespräche mitgeschnitten. wurde später zur Persona non grata für die verschworene Clique. sagt Ehrenhauser heute. Den Verdacht hegte man ja schon lange. nach den Europawahlen 2009 auf ihr Mandat verzichten sollte. das widerfährt selbst Titanen nur nach ihrem Ableben. nennt er das heute. der Bruch endgültig.« Im Sog der Bestechungsaffäre um den konservativen Parlamentskollegen Ernst Strasser sah Ehrenhauser wohl seine große Chance. das logische Ziel. Sonst verarmt die emotionale Intelligenz. die wissen alles voneinander«. Familie und Politik zusammen? FDP Ein Gespräch mit Philipp dem Burschenschafteraufmarsch am Heldenplatz fern VON JOACHIM RIEDL WISSEN 37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können nur die Autokonzerne zu fördern 27 Kinderarmut Die Not wird überschätzt. ein Foto von sich würde ihm auch gut gefallen. Hans-Peter Martin stellte seinem Schützling Journalisten vor. er müsse sich möglichst weit von Martin distanzieren. befindet sich am Scheideweg. oft tagelang Ehrenhauser wurde seinem Idol immer ähnlicher und vertraute ihm blind Das Duo ging gegen jeden vor. Die Euphorie. Mit größtmöglicher Empörung tritt Ehrenhauser derzeit vor Journalisten auf. die Falten jedoch nicht gestrafft. schmissige Phrasen. Arnie verkörpert ja gewissermaßen die europäische Schnittmenge. die er dadurch auslöste. dass heute nicht mehr viel fehlt und er hat seinen Ausbildner mit dessen eigenen Waffen geschlagen. wird in Mitleidenschaft gezogen.und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« 96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. Arnold Schwarzenegger. die sonst bei jedem Schweinestall protestieren.. wenn es um Familie. Und Ehrenhauser spricht bereits davon. bekam es mit dem Oberösterreicher zu tun. dass sich Martin und Martin entzweit hatten. Etwa. Doch nach der Veröffentlichung des Rechenschaftsberichtes der Liste Martin am 29. war die Eintrittskarte des Politikstudenten bei dem EU-Rebellen. Martin warf seinem Schützling vor. Gerne präsentierte er sich als die dynamische Nachwuchshoffnung an der Seite des Europarebellen. weiß keiner. wenn wir gemeinsam kandidieren. vermittelte Kontakte und brachte ihm die Tricks bei. berichtete von seinen Anschuldigungen. an dem die Geschichte publik wurde. stellte IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Foto (Ausschnitt): Harald Schneider/hds/APA/picturedesk. Ehrenhauser wird sich als Supersaubermann darstellen. erzählt von den ungeheuren Vorgängen. Der Fall des Mentors könnte der Aufstieg des Zöglings sein – medial geschickt orchestriert. jetzt wurde er durch die Forschung bestätigt. Gesichtsmotorik ist für das Gehirn notwendig. als »Rabenmutter« bezeichnet zu werden. der noch Großes im Sinn hat und jetzt die Weichen für seine politische Zukunft stellen möchte. ob sie als alleinerziehende nicht zur Arbeit erschienen zu sein. steht in den Sternen. wenn sie mit Europa sprechen wollen: Hasta la vista. Ehrenhauser wurde Martin immer ähnlicher. um jeglichen Zweifeln vorzubeugen. […] Schwierig wird es sicher ohne meine explizite Unterstützung. wenn der blasse Belgier. mit welcher der 32-Jährige früher über seine politische Arbeit sprach. Heute wirkt Ehrenhauser verändert. auf wen er zählen könne. begann Ehrenhauser auf einmal Fragen zu stellen. er habe dem egomanen Leitwolf einfach blind vertraut. Doch Werthmann weigerte sich beharrlich. wenn die Bombe platzt. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen ein Vorbild für die Welt? Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt . Im Oktober 2010 schrieb dieser in einer Mail an Ehrenhauser: »2014 hätten wir die besten Chancen. mit meinen abgesicherten Medienauftritten und meinen persönlichen finanziellen Mitteln. gibt immer nur einen Teil der Unterlagen preis. um selbst einfache Sätze verstehen zu können. Sie teilten die Leidenschaft anzuecken und aufzudecken – nicht selten mit Mitteln an der Grenze des guten Geschmacks – und die Begeisterung für Fußball.« Auch als Angelika Werthmann im vergangenen Sommer Hans-Peter Martin vorwarf. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen ÖSTERREICH 12 Politik Das Zerwürfnis zwischen Hans-Peter Martin und Martin Ehrenhauser VON FLORIAN GASSER Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn 59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« Kulturkanäle zdf. als Martin Ehrenhauser vom Büroleiter zum Abgeordneten aufstieg und auf der Bürgerliste von Hans-Peter Martin kandidierte. sagen Forscher Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest Die sich über arabische Revolutionen Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung 28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal GegenseitigeSchuldzuweisungen Soziale Netzwerke CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 55 Margaux Fragoso »Tiger. Seine Stimme klingt hart. Genau. Warum er plötzlich aufmuckte. Zurück ans Actionfließband in der Filmfabrik. Auch Klaus Diekers. der zugleich als Chef der Liberalen firmierte. Im Fat Boys. Bärenstark. Wer dem umstrittenen Europaparlamentarier am Zeug flicken wollte. Mit Methoden aus der untersten Schublade sollte die Salzburgerin dazu gedrängt werden. als die Listendritte. Als Staatsbürger der USA steht er nun über dem kleinlichen nationalen Zank in der Union und weiß genau. oft erst Stunden. die bei den Delegationssitzungen oft dabei war. lotete Ehrenhauser bereits aus. Während er medial die Entzweiung bereits vorbereitete. begründet er damit. Unzertrennlich seien beide damals gewesen. Und eine Idee für den Inhalt des ersten Absatzes der Enthüllungsstory schwebte ihm ebenfalls vor. mit denen sich jede Mücke zum Elefantenskandal machen lässt. dass es nun eine »neue Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft« brauche.zeit. kurz darauf avancierte er zum Büroleiter. Assistiert von einem Nachrichtenmagazin. möglicherweise habe Martin hohe Summen für den eigenen Gebrauch abgezweigt. erzählt er. Das Ende einer fast fünfjährigen politischen Zusammenarbeit war besiegelt. baby! JR Bessere Zeiten: Martin und Martin feiern den Wahlerfolg 2009 Die Zertrennlichen Einst war Martin Ehrenhauser der größte Fan von Hans-Peter Martin. Ein Interview sei Bedingung. um das Thema möglichst lange am Köcheln zu halten und der Gegenwehr seines Opfers keinen Raum zu geben. das Verhältnis wurde schnell frostig. Unterlagen sollen ihm noch im Herbst zugespielt worden seien. bekam einen Anruf.com rend einer Plenarsitzung keine Seltenheit. die den Betrug belegen – Martin spricht davon. Martin und Martin nannten sich die beiden im Europawahlkampf 2009. wenn die Sitzung längst vorbei ist. Einen. 2014 wird er wohl versuchen. sogar das habe er akzeptiert. der für die eigene Redlichkeit sogar seinen politischen Ziehvater opferte. Als der Zauberlehrling antrat. seine weiße Weste sei besudelt. um vorzeitige Veröffentlichungen zu verhindern. Ausdruckslose Gesichter sind im Hohen Haus wäh- E Alfred Dorfer enthüllt das Rätsel der versteinerter Mienen im Hohen Haus AUSSERDEM Wer sonst? Dem Werden und Wirken des berühmtesten Österreichers der Gegenwart widmet sich bereits zu Lebzeiten ein eigenes Museum. und bot an. Er kennt die brennende Migrationsproblematik aus eigener Lebenserfahrung: Auch er war einst mittellos an fremden Gestaden gelandet. er habe Parteigelder hinterzogen. Jetzt hat sein ehemaliger Kabinettschef dem Magazin Newsweek die Königsidee anvertraut: President of Europe. Viele fragen sich inzwischen. sondern vermindert auch die Denkleistung. »Freunde waren wir nie«. schlug einen Sitzungstermin in Wien vor – just für den Tag. Er selbst sagt. sein Blick ist kalt.

ist die Frontscheibe nach vorne geneigt. übersiedelten wir vor einem Jahr nach Wien. die vor 200 Jahren erstmals nach Kampanien gebracht wurden. betont Rüdiger Spahr. deren Früchte um einen Seilring geflochten zur Lagerung aufgehängt werden. In dem Leistungskatalog. Letzter aktiver Einsatz? 2003 – bei Protesten gegen den Korporationsball. zeigte der Tacho 60 100 Kilometer. dass jenes kleine. treten die 15 Düsen des Eigenlöschsystems in Aktion. Zwei davon wurden bereits in Hamburg und in Sachsen in Dienst gestellt – ungeachtet der Debatte um den Wasserwerfereinsatz von Stuttgart. dass man sich auch beim Essen auf Qualität konzentriert. Ich legte in Spanien. Die beiden Fahrzeuge mit 4000 Litern Fassungsvermögen seien 2003 zugelassen worden. Teure Wasserwerfer diffe- renziert einzusetzen sei ohnehin schwer. 27 Jahre lang führte ich einen Musikvertrieb und verkaufte sehr viel von den alten. »Hier. was wir in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben« In einem Büroraum in Leonding legt Wolfram Mücke. im voll betankten Zustand mit einem Gewicht von rund 23 Tonnen. fallweise auch asiatische Länder – erinnert sich Vertriebsmann Mücke vage. auf die Suche nach den besten Lebensmitteln Süditaliens. Was wir hier in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben. schmiederer. In diesem Fall spricht man von Lebensqualität. nimmt ein Beobachter das Geschehen ins Visier. eine Kaffeemaschine. schnauzt eine Sprecherin. ein Ungetüm auf einem Steyr-Fahrgestell. Athen. Zehn Meter lang. Es liegt nahe. die solche Geräte bauen. »Das ist das technisch komplexeste Gerät. Wer aus kurzer Entfernung in so einen Strahl läuft. Vor dem Kulturzentrum Rote Flora hat die Staatsmacht ihr mächtigstes Geschütz für urbane Konflikte aufgefahren: den nagelneuen Wasserwerfer 10 000 (kurz: WaWe 10). einer hinten montiert – ist der 10 000-Liter-Tank nämlich schnell leer. die 25 Jahre lang im Versicherungsgewerbe tätig war. Lebensmittelhändler Mit 16 Jahren trat ich erstmals als DJ auf. In Wien bringt er den Menschen süditalienische Esskultur nahe Am 1. »Sonst wäre ja ein Beamter blockiert«. Das Seitenblech ist gegen Durchstiche mit Eisenstangen gerüstet. Mai 2300 Polizisten in Nahkampfausrüstung die Krawallzone ab. Mit mächtigen Fontänen fegt es den Aufruhr von der Straße. die ein Auffächern der Fontäne ermöglichen – bis zum Schießen mit dem Vollstrahl. Mit diesem Wissen gerüstet. der 10 000 Liter fasst. warum in Deutschland der »Mehrzweckeinsatzstock«. dass die Eskalationsstufen eingehalten werden: Sie reichen vom Anfeuchten mit Wasserglocken – auch ein neues Feature der Hohlstrahlrohre. die mit Feuerwehrschläuchen improvisieren. das wir je gebaut haben«. Die Aufgabe von Wasserwerfern beschränke sich längst nicht mehr auf das »Studentenwaschmaschinentum«. Sie sollen Brände löschen und Leben retten. Der Anteil am Unternehmensgewinn – 2010 waren es 40 Millionen Euro bei einem Umsatz von 596 Millionen – sei jedenfalls gering. Irgendwann sah ich ein. Angeblich zu schwer für so manche Wiener Straße mit gemauertem Kanal darunter. Wie ein schlafender Kettenhund lauert in einer riesigen Werkshalle ein graublaues Monster aus Alu-Blech zwischen einer kleinen Armada feuerroter Löschfahrzeuge. »Was den Export betrifft. und das Prinzip Abschreckung – inklusive Warnung über die Außenlautsprecher – hat seinen drohenden Wasserstachel verloren. Ende 2009 präsentierten die Hanseaten der Presse selbstbewusst den Prototypen. In Avellino aßen wir Paulo Cancro stammt aus Süditalien.« Er zieht einen weiteren Artikel hervor. In Österreich gelten Wasserwerfer laut Waffengebrauchsgesetz 1969 zwar als »Dienstwaffe« – darüber sprechen will man aber auch hier nicht so richtig. die schonend auf kleiner Flamme zu Marmelade verkocht werden. Seltsame Kundenwünsche sind Mücke trotzdem zugetragen worden. der Kaffee über Holzfeuern röstet. bei dem der Rentner Dietrich Wagner sein Augenlicht verlor. Darauf ein verkohltes britisches Feuerwehrauto. dem sogenannten Würfel Fünf. Im Herzen. die Emotion aus Konflikten zu nehmen. In Sorrent suchten wir nach Zitrusfrüchten. Luftfilter und Klimaanlage sorgen für Frischluft. Komisch.« Pumpen und Spritzen. beweist Schweden. Nur um den WaWe 10 will man wenig Aufhebens machen. die Dinge richtig einzusetzen. legt man Wert auf Konfliktvorbeugung. Man gerate sonst schnell in Schieflage. also die moderne Version des Polizeiknüppels. Dort sahen wir auch die Strauchtomatensorte Pomodorino del Piennolo. Die Bilder aus den Werferkameras werden auf Festplatte gespeichert – um gesetzeskonformen Einsatz nachweisen zu können. »Unser Verständnis von so einem Fahrzeug ist es. Tag der Randale. Löschaufgaben würden wichtiger. nichts mehr dazu sagen. sagt er. meint ein Sprecher.und Dachelemente lassen Brandsätze abrollen. die Randale machen. am 1. schräg hinter ihm haben die Rohrführer den Finger am Abzug. Qualität war für mich immer das Allerwichtigste. Auch die Symbolik ist nicht gut. Kostenpunkt: 900 000 Euro. Brandbomben gegen die Polizei. sieht aus wie eine Mischung aus Schwerlaster und Terminator. Das sind einfach Abfallprodukte aus dem Löschfahrzeugbau.com 12. Der Kunststofftank des Wasserbehälters. Mai schützte der nagelneue Wasserwerfer 10 000 die Rote Flora in Hamburg T ag der Arbeit. die sonst auf Brandherde zielen. mit der Schale als Nachspeise gegessen werden. Aus dieser Gegend kommen auch Brotzitronen. dem in die Jahre gekom- menen WaWe 9000 des deutschen Mitbewerbers Ziegler. »Gewaltig. sagt die Polizei. made in Austria. lasse sogar einen Einsatz als Trinkwassertransporter zu. Solche Blödheiten machen wir aber natürlich nicht. Am wichtigsten sei es. Man muss Zeit haben für sich selber. 30 Tonnen schwer. 75 Quadratmeter. als Waffe gilt. schulen die Beamten auf weitläufigen Testgeländen.« Ein Exportschlager könne der WaWe 10 schon deshalb nicht werden. ein Wasserwerfer hingegen laut Polizeidienstverordnung 122 lediglich ein »Hilfsmittel der körperlichen Gewalt« sein soll. die Sache sei vertraulich.ÖSTERREICH Fotos: Bodo Marks/picture-alliance/dpa (l. Auskunft bei der Pressestelle nur per E-Mail. die. Die »Cobra«. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A . weil die Hälfte seiner Bestandteile aus Deutschland stamme und die Wartung im Ausland zu aufwendig wäre. korrigiert Spahr. Weiterführende Informationen? Fehlanzeige. wo sie bunte Plastiktonnen vollspritzen. eine Kühlvitrine. Als der Wasserwerfer. Von da an war mir Musik Passion und Beruf. 48. ein Ehrfurcht heischendes Qualitätsprodukt. Insgesamt ist das neue Gerät potenter. die das Wasser in 25 Metern Entfernung auf einer kleinen Fläche entfalten darf. Wir durchstreiften Olivenplantagen. dem die Law-andOrder-Rolle in einem John-Wayne-Western gut passen würde. Ihr Geschick an den Werfern. Insgesamt 78 Stück sollen bis 2019 nach Deutschland geliefert werden. Leiter der Abteilung Führungs. war gewaltig. Vielleicht ist es der Polizei unangenehm. In einem neutralen Büroraum in Leonding. Erst als Böller krachen und Leuchtraketen flitzen. sagt der Ingenieur: »Die ganze Mannschaft ist stolz darauf. Auf den vulkanischen Böden des Vesuvs entdeckten wir einzigartige Aprikosensorten. sagt Kommissar Martin Lundin von der schwedischen Bundespolizei: »Der Effekt bei einem motivierten Gegner ist begrenzt. Dort bringen wir den Wienern süditalienische Esskultur und Lebensphilosophie nahe. um Schlimmeres zu verhindern. Erst- zulassung 1975. »Das kann von weidedrahtartigen Stromschlägen beim Berühren der Außenfläche bis zur Heißwasseraufbereitung für den Dachwerfer gehen. Käse und fanden die dazugehörigen Rinder: braune Kühe. Bei der Außenwirkung sieht die Sache schon anders aus.). Alljährlich wüten im Schanzenviertel von Hamburg wilde Straßenschlachten. dass die Menschen für Musikkonserven kein Geld mehr ausgeben. Achtmal war eine zwölfköpfige Polizeidelegation aus Deutschland zu Gast. zum Genießen. die an Entfernungsmesser gekoppelt sind. sind 26 Jahre Erfahrung mit dem Vorgängermodell. Damit Steine nach unten abprallen. Mit ihr zusammen eröffneten wir im November ein Lebensmittelgeschäft in Margareten. den es zu erfüllen galt. dass immer wieder Schaulustige vor dem Ungetüm posieren und Erinnerungsfotos knipsen. Auf diese Produkte ist man stolz bei der Rosenbauer AG. die es steuern. weshalb es meist Feuerwehrausrüster sind. sind wir nicht im Waffenbereich«. Juni 2010 im Dorotheum für 1600 Euro versteigert wurde. Zeitungsberichte auf den Tisch. Für den grau melierten Gentleman. Er ist der dickste Brummer im Arsenal der deutschen Polizei – ein Qualitätsprodukt aus Österreich VON STEFAN MÜLLER Vulkanische Aprikosen Ein Neapolitaner in Wien: Paolo Cancro. Ein Reporter der taz beobachtet. so die werksinterne Bezeichnung. Das Gefährt ist die neue Wunderwaffe des deutschen Staates gegen Bürger. Leonding bei Linz. In diesem Jahr riegeln am 1. In der Umgebung von Neapel fanden wir einen Familienbetrieb. die mit Strohmatten vor Wind und Kälte geschützt werden. Wir fuhren von Markt zu Markt und besuchten jedes Wochenende Bauern. Der Neue soll böse aussehen. musste jedes Mal Luft aus den Reifen gelassen werden. Im Ernstfall rollt der WaWe 10 ganz langsam zur Attacke und wird von Bodentruppen flankiert.« Viele Nächte hatte er wenig geschlafen. einem der größten Feuerwehrausrüster der Welt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 DRINNEN Grüße aus Leonding Sein Name ist WaWe 10. wenn sie den Auslöser nicht drücken müssen. Die Kraft. schrottreife Relikt noch im April 2002. »Werfen« heiße das. versichert er: »Sonst wäre jedes Löschfahrzeug eine Waffe. Überhaupt produzieren wir diese Fahrzeuge nur fallweise. sagt Rüdiger Spahr etwas kryptisch. Diese sogenannten Blondorangen und Zitronen wachsen auf Bäumen. ist die Sache klar: Die Anrüchigkeit des Produkts werde medial geschürt. die schrägen Heck. Bei bis zu 1200 Litern Durchflussmenge pro Minute und 65 Metern Reichweite – zwei Werfer sind vorne. internationaler Vertriebsleiter bei Rosenbauer. die auch Reizmittel versprühen kann. Also machte ich mich eines Tages mit meiner Frau Donatella. in feine Scheiben geschnitten und gezuckert. dass auf den Videos von den Opernballdemos in den achtziger Jahren Beamte zu sehen sind. riskiert Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen. Also drehte ich das Licht ab und schloss meine Firma in Neapel. neben dem Fahrer. genau wie die Verantwortlichen bei Rosenbauer. Schweden und Deutschland auf.« Rosenbauer hat verschiedene Staaten in Europa mit Wasserwerfern versorgt. zum Einsatz gekommen war. Nach bösen Krawallen beim EU-Gipfel in Göteborg 2001 bekannte man sich lieber zu einem verstärkten Dialog mit Demonstranten. 408 PS stark. acht Sitzplätze. Unklar ist etwa. Heute will der Beschaffer. Handelt es sich um eine Waffe? Nein. Gerät das Fahrzeug doch in Brand. Davor habe es ein umfunktioniertes Feuerwehrauto mit Rosenbauer-Aufbau gegeben. Um im leeren Zustand durch das Tor in die Rossauer Kaserne zu passen. legt das Monstrum los. bei Krawallen um die Wehrmachtsausstellung. »Hier vorne wird ein Feuerwehrmann gerade scharf angebraten«. ergonomische Sitze und ein Kühlschrank für Komfort. Anarchisten auf Distanz zu halten.und Einsatzmittel der Hamburger Bereitschaftspolizei. zum Nachdenken. taugen genauso zur Abwehr rebellischer Bürger. das »geschützte Tankfahrzeug« diene lediglich der Gewaltprävention. eine Römerin. stehen zwei Fahrzeuge von Rosenbauer. Dass ein Staat sein Gewaltmonopol auch ohne Wasserwerfer ausüben kann. Es komme immer darauf an. Ende der Durchsage. Bleibt zu hoffen. wo wir Giorgia kennenlernten. vor allem aber sicherer für die Beamten. Auch im Alltag. kleinere Brände löschen und sich nur im Notfall – ein bisschen – in einen Wasser speienden Drachen verwandeln. die Kabine hält dem Aufprall einer Betonplatte aus dem dritten Stock stand. sitzt der Kommandant. Einsatzhäufigkeit? Unbekannt.« Sagt es und lächelt. vorne rechts. ist bei 12 Bar Betriebsdruck auf 30 Kilogramm beschränkt. das deutsche Innenministerium. Das Wort Abfallprodukt hört Projektleiter Helmut Ogris aber nicht so gerne. bei der Sondereinheit Wega der Wiener Polizei. Der alte Wasserwerfer schaffte es nicht durch das Kasernentor Im Innenministerium erinnert man sich an ein noch älteres Gerät. eingeflossen. Obgleich es den beiden Strahlrohrführern an ihren Joysticks und Bildschirmen am liebsten ist. das Donatella. herkömmlichen Schallplatten. um sich solche Peinlichkeiten zu ersparen. In der Rossauer Kaserne.

so musste das Publikum schon cherung in großem Umfang oder erheblichen bei der Lektüre der Ankündigung fragen. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Lampenfieber vor der stimmgewaltigen Publikumskulisse? Das Kalkül. wie es ist. so erschien auch der Rechtsstaat niemals in Wiener Neustadt.geschuldeten Unsinnlichkeit: Was Großartiges in kum ausbreitete. auf durch Präzisierung optimieren die wiederkehrende und gezu können. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. In Wien. Vergeblich warteten die Totengedenker auf ihren Stargast Strache Zwar repräsentiert der deutschnationale Flügel nur eine Minderheit im Wählerreservoir. Europa wird zuschießen und stunden müssen. um sich selber zu retten Gespensterstunde FPÖ-Chef Strache verweigerte den Totengedenkdienst. und das Gros der Wählerschaft gibt auf den völkischen Bombast keinen Pfifferling. Foto: Georg Hochmuth/APA/picturedesk. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. der Europaabgeordnete Andreas Mölzer. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. die es zu vermeiden gelte. was sie erst recht nicht könnten. wie schon 2004. der Stargast. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. die junge Regisseurin auch im Stück selbst mit einer Hauptrolle zu bedienen. Die allenthalben bekannte Episode hätte vermutlich niemanden in den Saal gelockt. die sich wieder in den Kommandostrukturen der Freiheitlichen eingenistet haben. um seine Bewegungsfreiheit nicht zu gefährden. Im nationalen Lager steht er jetzt unter Beobachtung VON JOACHIM RIEDL Die Kassandras haben recht behalten: Geld. Athen nimmt Dampf weg. ner solchen Verbindung als Lässt sich das Stück verbesMitglied beteiligt.« A s gehört zum guten Ton der. Wer hier glaubt. Dadurch ging im Lärm aus der antifaschistischen Fankurve der letzte Affront unter.. Es wird zum europäischen Sozialfall. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. auch nicht ausschließlich. bis die Kohle ausging.geschmäcklerischen Änderungen hinreißen ließe. Diesmal wollte er. anbringen zu müssen glaubte: Man gedenke hier gleichermaßen aller Toten des Weltkrieges. dass der Jahrestag der endgültigen Befreiung vom NS-Regime doch eher ein fröhlicher Feier. die auf die Stadt zukamen. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. die 66 Jahre zurückliegt.sich das kostbare Gut kreativer Bühnenbearbeitung xuellen Ausbeutung von Menschen. in die man dieses Nullum vor dem Publi.ganhandel oder Waffenschmuggel bis zur Hühten. Der dramaturgische Kniff der Aufführung lag gewiss in der mutigen Verbindung einer auf den ersten Blick lachhaften Anklage gegen wild zusammengefangene Tierschützer mit der schier unendlich anmutenden Dauer der Aufführung. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. haben so lange so heftig geheizt.denn ein Gedenktag in NaziMoll sei. Man würde darstellerischem mitteln. Einige Hundertschaften der Polizei waren ausgerückt. den der Ersatzredner Wolfgang Jung. Doch der Unterstützung dieser Gruppe verdankte es Strache. Deren Sprachrohr. In den vergangenen Jahren hatte er die deutschnationale Andachtsstunde gemieden. erneut eine »Totenrede« zum Besten geben. Aber derartige Darstellungen leiden an Unstrafrechtlicher Substanz und der Länge und anschaulichkeit und einer dem analytischen Zugang Breite. Der Verweis darauf. Erwartungsgemäß hatte die gesamte Regierung angesichts des Spuks ihren Kopf in den Sand gesteckt. 3. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). und aus diesem Anlass erfasst die rückläufige Gruppierung der schlagenden Burschenschafter wagnerianisches Wehmutspathos. Gehaltvollen Stoff vorausgesetzt. die Koalitionstauglichkeit nicht zu gefährden? Immerhin scharrt seine Partei derzeit an der Schwelle zur Regierungsbeteiligung. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer.« Was ließe sich daraus nicht alles machen – ner derart mittelmäßigen Anklage eine auf Unterhaltung und Erbauung zielende Aufführung und was hat man daraus in Wiener Neustadt gelingen? Diese Zweifel müssen auch den Autor nicht alles gemacht! Jedes Wort des gewieften befallen haben. hätte wohl sensible Nationalgefühle verletzen können.Grenzen setzen. wertfrei formuliert. forensische Unverhältnismäßigkeit und legistische Paranoia.Einfluß auf Politik oder Wirtschaft anstrebt . um eine bunte und lautstarke Protestallianz auf Distanz zu halten. wäre nicht die Handlung in die Gegenwart versetzt und in skandalträchtiger Weise durch eine geschickte Abänderung der ursprünglich handelnden Personen neu belebt worden. bunt kostümiert und mit lohendem Fackellicht. In Abwesenheit Straches geriet die Gespensterstunde zur blamablen Farce. der fortan als »Verräter« galt. Kernmaterial und radioaktiven Stoffen.14 12. vermag eine kluge Führung des Ensembles Einsichten zu vermitteln.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. den Akteuren aber eine schier unendliche nerhaltung reichen. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. wenn sern? Kaum. vom Ordurch schöpferische Eigensinnigkeit auszeichne. weil er ihm nicht mehr opportun war. oder schwerwiegenrischen Interpretationsfreiheit dar. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. indem das künftige Parteiprogramm demnächst neuerlich ein Bekenntnis zur »deutschen Volks. wie das bei anderen Anlässen heißt. Und blähen sich weiter auf. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Meist kümmert das anachronistische Ritual nur wenige. Will man der strafbarer Handlungen im Bereich der se. Gleichviel. Mörder und Ermordete in ein gemeinsames freiheitliches Massengrab geworfen wurden. Das Spiel vom wankenden Paragrafen Nachtrag zu einer Groteske: Kritik einer Aufführung am Justiztheater von Wiener Neustadt as moderne Regietheater ist vielfältigen Anfeindungen ausgesetzt – oft zu Unrecht. Falschgeld oder Sucht.. Einerlei. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. dass das ausschließlich durch Bundessubventionen in Höhe von knapp sechs Millionen Euro ermöglichte Spiel eine Wiederholung erfahren wird. als er das Stück erdachte – er gab Werkes löst assoziative Verbindungen aus. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Haider hatte seinen Recken einst den antiquierten Kampfbegriff aus dem teutonischen Credo kurzerhand gestrichen. Es wird schwer werden. alljährlich am 8. las er vom Zettel ab – womit Opfer und Täter auf eine Stufe gestellt. am Burgtor erwartet. die der Regie daher Anweisungen. schon allein. Geschick Gewalt antun und ihm unerträgliche gefährlichen Abfällen. sollte es besser im Kasino verjuxen. Griechenland. das wissen wir durch die Auf»Wer eine auf längere Zeit angelegte führung von Wiener Neustadt. das lässt sich nur auf der BühDer Autor hatte seine Spielvorlage unter dem ne zum Ausdruck bringen. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Hoffnung stirbt zuletzt JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. mit welchem Effekt sich die Personen in Szene setzen konnten: Gewiss war es eine besondere Note der Inszenierung. Eine fabelhafte Ensembleleistung vor einem klar konturierten Bühnenbild. Was wir heute über § Titel § 278a StGB in dürre Worte gekleidet: 278a StGB wissen. Jetzt soll das prekäre Vertrauensverhältnis wieder gestärkt werden. wenn man sich zu zeitgeistigmitteln ausgerichtet ist. Es ist der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. zog es vor zu kneifen. die dadurch eine Berei. grollte kryptisch auf seiner Heimatseite im weltweiten Netz über eine »politisch-moralisch-ideologische Bankrotterklärung«. von dem sich heute das Trauerkorps natürlich in seinen Lippenbekenntnissen distanziert. Freiheit bei der Realisierung einräumten. zumal wir nicht hoffen dürfen. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Der Remeduren sind nur drei: 1.und Kulturgemeinschaft« beinhalten wird. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. wie es ist. derweil EU. von 325 auf 340 Milliarden Euro. VON ALFRED J. Es schien an der Zeit. NOLL D Wie sollte denn. dorthin pilgern sie. die. stellt sich das Stück als die das Leben. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Erwartet wurde diesmal nicht der Herzog von Württemberg. diesem Stoff steckt. wenn Ehre weiterhin Treue heißen solle. die Zinsen liegen bei 15 Prozent.und bis zur physischen Erschöpfung durchhielt. befinde sich an diesem Tag der Vorhof zu »Wallhalls prangender Burg« (so singt Brünnhilde in Götterdämmerung) am Äußeren Burgtor. hilft seinen Banken. kann nicht sparen.ohne Politikunion geht nicht. vor dem harten Kern der Partei wieder einmal Gesinnung in Habtachtstellung zu zeigen. Athen vorweg. Im nationalen Lager dürfte Strache nun unter Beobachtung stehen. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. dass großes Lob gerechtfertigt scheint. die man dem Stück in überkommener Darstellung nicht abzugewinnen können glaubte. Am vergangenen Sonntag wurde der freiheitliche Parteiobmann Heinz-Christian Strache. wie eine um die Rechtfertigung jedes einzelnen Subventionscents ringende Staatsanwaltschaft ausschließlich um des ersehnten Publikumserfolges willen an Unvertretbarem fest. Die Heldenopabeschwörung wurde niedergejohlt und niedergetrillert. um der Toten eines noch schlimmeren Blutbades zu gedenken. Schließlich wird man diese Leute höchstwahrscheinlich künftig noch für Koalitionsverhandlungen benötigt. es findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. sondern die Geschütze der Staatsanwaltschaft. Der Bruchpunkt ist jetzt. der Schlep. um dann mit einer besonderen Volte zu glänzen: Der Freispruch für alle Angeklagten kam ihr derart unvermittelt und die seit Monaten in der Luft liegende Schelte für die Ermittlungsbeamten derart leichtgängig über die Lippen. auf italienischem Lega-Nord-Territorium fand Strache vorübergehend Exil. der nähme dem plante Begehung schwerwieStück das Wesentliche – just so. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. 2. Wie ein Raubtierkäfig war die Totengedenkstätte eingegittert worden. Welch unternehmensähnliche Verbindung Potenzial in den wenigen Zeilen ENOSS TG einer größeren Zahl von Persteckt. wer die Sache leitet. Mai schwarzumflort in die Welt zu blicken. Fazit: Wer den Griechen hilft. die Freiheit oder das Möglichkeit einer grenzenlos schöpfeVermögen bedrohen. und gar noch nie auf einer heimischen Bühne durfte man erleben. Natürlich verprellte der Gedenkdienstverweigerer dadurch die nationalen Politkommissare. Kaum je hat auf österreichischen Bühnen eine Protagonistin die Grenzen verbeamteter Wankelmütigkeit derart plastisch werden lassen. Nicht Kanonen ließ man donnern. das lässt die Darbietung aber E R sonen gründet oder sich an eierst schemenhaft erahnen. In manchen Jahren jedoch eskaliert der morbide Spuk zu einem Politikum. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. ruft Demonstrationen auf den Plan. So wie der Herzog niemals nach Hornberg kam. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. dann wird man das Stück so nehmen perei oder des unerlaubten Verkehrs mit Kampf. Der Es gibt kritische Erörterungen des Stoffes sonder Witz der Komödie lag im Missverhältnis von Zahl. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. die sich zwar sich mühelos von Mafia bis bin Laden. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private Foto: Mathias Bothor/photoselection E Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Sonja Arleth vermittelte während einiger Monate überaus nachvollziehbar das Bild einer überforderten Richterin. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. In der gerade zu Ende gegangen Aufführung des Landesgerichts Wiener Neustadt hatte man das Hornberger Schießen auf den Spielplan gesetzt.com Bleibt nachzutragen. erfordert ein Großaufgebot der Polizei und lähmt den Verkehr in der Innenstadt von Wien – vor allem immer dann. deutschnational gesinnten Kreise in Österreich. dort wo im Ständestaatregime der 1. die körperliche die Grundvoraussetzung für die Unversehrtheit. Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien und Mitglied im Ausschuss der Wiener Rechtsanwaltskammer A N . ein Mitglied des Wiener Gemeinderats. die Prägnanz und Aussagekraft dieser Aufführung zu wiederholen. dass er sich seinerzeit im innerparteilichen Machtkampf gegen Jörg Haider durchsetzen konnte. das einst der Nationalsozialismus verschuldet hatte.und Ausgabenpolitik – fahren. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück.müssen. Allein. dass sich das Haus entschlossen hatte. der den Rest des Jahres lieber Discoprinz spielt. mit ei. vermutet sie. der mit Salut empfangen werden sollte. Und am Ende der auf über 14 Monate ausgedehnten Aufführung waren es nicht die Postkutsche und auch keine Rindviecher. sondern es wurde die Ankunft des Rechtsstaats in Aussicht gestellt.bewahren. Republik ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Habsburgermonarchie im vorangegangen Weltkrieg errichtet worden war. Selten noch haben sich Laiendarsteller derart gut in Szene gesetzt. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. Wer nun den Griechen Geld leiht. sondern die Schlamperei der Polizei. In diesem Jahr war es wieder so weit. gender strafbarer Handlungen. Es kommt eben darauf an. wenn sich einige prominente Figuren aus der Freiheitlichen Partei allzu vorlaut unter die akademischen Narbengesichter mischen.

und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. bleibt auch eine. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. das zu werden. bestrebt. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist.PREIS SCHWEIZ 7. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Der Rettungsfonds will weiter retten. Das ist umso generöser. GRN. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. Auch das käme alle teuer zu stehen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. ist auch eine hässliche Sache.n. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Was dagegen geschieht. Die Griechen. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. Es kostet nur wieder Milliarden.zeit. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Wellen am sardischen Strand. man macht sich unbeliebt. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. Politik S. aber die Deutschen können es nicht mehr hören.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. Kleine Augenblicke. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. 7 D Europa will sich Ruhe kaufen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. ZEIT-Stellenmarkt: www.de. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. J A H RG A N G www. die EU dabei mitregieren. so desaströs seine Folgen wären. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte.zeit. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. dessen Datum anzunehmen. wer der bessere Europäer ist. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. Klar ist einzig. beschlossen hat. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds.und Bahnhofsschützern. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. Und: Philipp Rösler versucht. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. was kommt. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. wenn Europa weiter zahlt. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. Schweiz. würden Schulden nicht getilgt. also einen Tag zu überspringen. was gemeinhin eine Volkspartei ist. ist schlicht ein Skandal. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. was sie auch kostet. Europa sollte die Umschuldung wagen. obwohl doch alle gleichermaßen wissen.zeit. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat.jobs. Irland. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. Die Entscheidung Kretschmanns. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. Vergessen. ebenso wie die Deutschen und andere.o. die im Englischen haircut heißt. der nicht aufgepasst hatte. Viel Geld. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. die zweite Volkspartei. die SPD. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind.zeit. in das so viel Geld fließt. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. wenn Europa immer weiterzahlt. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. dass die Griechen mit dem ersten. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Das klingt weit unattraktiver als das. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden.de/audio www. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.u.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. Schuldzuweisungen und Dementis. Wer wollte sie den Iren abschlagen. im Land. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. die Griechen überlegten.zeit. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage.de. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum.de Abonnement Österreich. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. sondern echtes Geld kosten werden. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. positionieren sich als die guten Europäer. sich die Zukunft vorzustellen Magazin. will das offizielle Europa Ruhe. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. wohl aber die Stimmung. Die entscheidende Frage ist aber nicht. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Auf ewig: Frisch Aufführen! Warum er jetzt auf die Bühne muss Raus aus der Klause! Der Schriftsteller als Redner Politik Seite 12/13 Jüngster Hundertjähriger Feuilleton Seite 52/53 Wandern im Holozän Reisen Seite 63 Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. die andere Möglichkeit. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. der sich tief gedemütigt fühlen muss. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten WISSEN SEITE 37–40 Der alte Mann und das Drama der FDP Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. 20080 Hamburg. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. weil dies ein überholter Begriff sei. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. »Umschulden«. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Die Frage ist vielmehr. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen.0. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. dass es ohne Europa nicht geht. Geburten hinfällig. Gleichwohl verlangen die EU. nun gelte es. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. Doch das heißt nicht. und trotzdem beschimpft Europa uns. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. KG.): Pfeiffer/ullstein. Diejenigen. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. Leserbriefe@zeit. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte.de 20 2 0 AUSGABE: . zeichnet sich schon ab. sondern auch an zu viel. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Jonas Unger. die sie früher nie gewählt hätten. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. möglichst viele Menschen mitzunehmen. E-Mail: DieZeit@zeit. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Aber die Diagnose ist unvollständig. um Griechenland aus der Krise zu helfen. was auf lange Sicht besser für Europa ist. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Sooft dieser Tage in Ministerien. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. auch nicht beim haircut.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. kleine Fotos (v. »Retten« ist ein hübsches Wort. In Interviews sprach er davon. Käme es jetzt zum griechischen haircut. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. deshalb unser aller Geld retten musste. Nicht mehr bezahlen. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Nein.

also vor mir selber antrete. Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist die Bundestagswahl von 1965. Diese unsere Hoffnung. aus der einsamen Schreibstube hinaus und auf die Bühne hinauf. war Günter Grass. nicht als Gesang über Wassern. die ich mir wünschte . So ambitioniert. Ja. bleibt ebenso unklar. der den Spagat schafft zwischen literarischer Demokratie. seine Offenheit einzubüßen und sich vor einen Karren spannen zu lassen? Der Abbruch des Fragesatzes zeugt von der Selbstverständlichkeit dieser Erwartung an den Schriftsteller ebenso wie von der Unschlüssigkeit Frischs darüber. Festvorträge. Ihr Julian Schütt CH »Soll ein Schriftsteller usw. sondern eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Theaterwerk. muss einen Text beiziehen. der seinem Publikum einen schön geflochtenen Wörterstrauß überreicht. öffentliche Zwiesprache mit sich selbst einzubeziehen versucht. was er für die Pflicht des Schriftstellers bei solchen Anlässen hielt: Bevor er vor sein Publikum tritt. wie Sie Klassikern die Schwere austreiben. und einem wie Max Frisch schon gar nicht. ein Revival auf der Bühne zu gestatten. und einer Zuhörer- Foto (Ausschnitt): Isolde Ohlbaum/www. Anders ist es nicht zu erklären.. Einer der Einträge lautet: »Soll ein SchriftMoment der Rhetorik von Max Frisch: die Technik. Diskussionsrunden in Ehren.stellers. dann denke ich: Dieses Haus wäre zu einem anderen Einsatz verpflichtet. nämlich Stiller. Ich verlange von Ihnen keinen inszenierten Kniefall vor dem toten Jubilar. ein Pfeife rauchendes Theaterfossil. ob dies tatsächlich zu seinen Aufgaben gehört. Gegen sämtliche Stücke lässt sich vieles einwenden. wie uns Experten gebetsmühlenhaft verkünden.kurz nach seiner Rede erhielt er ein ausführliches. was das politische Engagement von Grass betrifft: »Günter Grass als Wanderredner zur Bundestagswahl – auch in der Ferne hat man reichlich davon gelesen. Und das macht mich wütend. und auch nur auf einer geschützten Nebenbühne. gilt zur Zeit als Verharmlosung des Terrorismus. antizyklisch müsste Ihre Bühne sein. das Schauspielhaus böte das. sondern Szene: zwischen einem Mann. die in der Paulskirche zu halten ist. Frisch blättert in es heißt: zur Rettung der Demokratie) – das alles. Zu Beginn seines Feuilletons zeigt sich Frisch nicht ohne Skepsis. Freunde haben Grass auf Band von Lübeck nach Zürich gebracht. das ist auch Ihre Haltung. fähig ist. der Menschen. dass wichtige Köpfe in Zürich blieben und dass dort international beachtete Uraufführungen stattfanden. In dieser Eröffnung zeigt sich ein wesentliches der Vorstellung. dem Text den Lebenssaft zu nehmen. weil er sich ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. Schlimmer noch: Max Frisch scheint Ihnen peinlich zu sein. Sein Titel: Grass als Redner. dass »Politik ohne die lästi. Angst als des Bürgers erste Pflicht. Willy Brandt und Helmut Lebenswerte stiftet. seine Rede samt Echo im Saal: »Das ist wichtig: Reden muss man hören. der sich hinstellt und eine Sache verficht. wie sehr man es seitens der PoliKosten der Demokratie bereit war (eine Problema. Darum geht es Schriftstellern aber selten.« er vor sich sieht – ob nun tatsächlich oder bloß in Erstens. das sich ebenso auf eine vorgän. wäre der wohl Die Figur. politischer Redner. und zwar als Ereignis an einem Ort. wenn er zum Redner wird? Er kann zum Festredner werden.notfalls Menschenleben zu opfern. zu halten in einem hochehrwürdigen sonntäglichen Rahmen. geInbegriff eines redenden Schrifthört der Angst und nicht der Hoffnung auf Mehr. Vielleicht würden Sie kolossal scheitern. nächst einmal seine Solidarität Frisch war es ernst. dazu geplaudert: Alle Achtung! oder aber: Schon wieder eine Grass-Show?« Frisch hat von den Wahlkampfauftritten des Schriftstellerkollegen aber nicht nur gelesen. wie er im Nachhinein bekannte. sondern öffentlich einer als Wahlkämpfer eindeutig sein. junge Grass. vielleicht sogar eine Provokation.steller offen bleiben? Das ist zuhause. indem kein Stück. weil er geehrt wurde und sich mit einer Rede dafür bedanken musste. was zählen. Alle Buchveröffentlichungen. weg vom Monolog und hin zum Dialog. der »Sozialdemokraten! Die Zukunft.« Welche Zuhörerschaft er sich stattdessen gewünscht hätte. als sich bloß als nützlich zu erweisen. und außerdem Lobreden (auf Alfred Andersch oder Peter Bichsel) und Totenreden W (auf Kurt Hirschfeld oder Peter Noll). ich bewundere. was Schmidt. Ich fürchte. keine plakativen Forderungen oder mora. Ich wünsche Ihnen und dem Schauspielhaus trotzdem alles Gute. Wie mancher Frisch-Fan war ich ganz besonders gespannt. war Frisch mehr als bewusst. dass Ihr Haus vergangenes Jahr dem Stückeschreiber Frisch eine Abfuhr erteilte.dem politischen Entwurf eines Zusammenlebens sammelten SPD-Granden der damaligen Zeit. Sie hätten nur gewinnen können. mit dem es so viel verband. Kann lischen Anklagen zu erheben. muss der Schriftsteller. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ OFFENER BRIEF »Verdammte Pflicht« Frisch-Biograf Julian Schütt wirft der Schauspielhaus-Chefin Mutlosigkeit vor Sehr geehrte Barbara Frey. einem Album mit Fotografien von Günter Grass ich weiß. findet sich eine längere Pasdamit zu betreiben ist: Abbau der Demokratie (wie sage mit dem Titel »Album«.. welche Attraktion sich seine Heimbühne überlegen würde.de . zuerst einmal vor sich selber antreten – will er mehr tun. Günter Grass. tik. Stattdessen haben Sie sich für die voreilige Kapitulation entschieden. Es ist eine Technik des öffent. Meist hat Frisch Reden gehalten. schrieb er in einem Brief an Uwe Johnson: »Die Rede. nirgends. sein Publikum in ein Gespräch zu verwickeln: indem er ihm nicht einfach Meinungen auftischt wie ein Politiker oder ihm einen Vortrag hält wie ein Akademiker. Wenn ich mir vor Augen halte. den Beitrag der Intellektuellen in ihre In dieser höchst aufgeladenen Stimmung. wie diese Antwort lautet. Entschuldigen Sie meine Deutlichkeit: Sie handeln Frischs Geburtstag wie eine Strafaufgabe ab. um mit mit allen als »Vorbeter des Terro100 Jahre Frisch Peter Bichsel zu reden. drittens. Ich dachte nach dem Stiller-Abend nur eines: Das kann es nicht gewesen sein. Schon Tagesgeschäft eingestiegen. die es darauf abgesehen hatte. die in ihrer politischen Eindeutigkeit möglicherweise nicht seiner literarischen Offenheit entspricht. Die Regisseurin Heike M. (Heinrich Böll.dieser Frischs Fragen eine nach der anderen durchge Assistenz der Intellektuellen eine geschicht. spielt keine Rolle.und Selbstabschaffungsstimmung im Theaterbetrieb. Selbst dann hat er sich aber nicht darauf beschränkt. Die literarische Rede war für Frisch die öffentliche Anzettelung eines Gesprächs. sämtliche Inszenierungen wären hoch riskant. Was also geschieht mit dem Schriftsteller. eine halbe Stunde.« lichen Fragens.?« Soll er wirklich? Auf die Gefahr hin. in der pragmatische Arbeit einzubinden. also Dankes-. Dessen hundertster Geburtstag wird derzeit überall gefeiert.ohlbaum. wenn sie Reden halten. der etwas zu sagen hat? Der ein Anliegen verfolgt und Stellung bezieht? Worin unterscheidet er sich dann noch von einem Politiker? Und inwiefern ist seine Rede noch ein literarischer Text? Das sind mit Blick auf Max Frisch keine rhetorischen Fragen. sich bloß von seiner sonntäglichen Seite zu zeigen. sondern er Frischs rhetorische Fragetechnik im Angesicht ist auch immer wieder als Redner ins politische der Macht hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Vielleicht würden Sie aber auch die Kritiker mit ihren vorgefassten Meinungen über den angeblich antiquierten Bühnen-Frisch Lügen strafen. Doch das war es! Mehr kam zum Festjahr nicht vom Schauspielhaus Zürich. als es ihn jetzt erbracht hat. sondern indem er das Publikum in die offene.Noch der private Grass. muss er es verstehen. wenn er zu einem Redner wird. Jedenfalls hat Frisch es in eine gewisse Spannung gebracht zu dem. Obwohl der Redner als Einziger spricht. bekundete zuschen Belange einmischte. das Ihre Party stört. der vierzig Minuten lang das Wort hat. Hingegen habe ich drei Fragen. er liest vor. 1966–1971. evoziert die Frage nach dem öffentlichen Grass mit der Rede gleich Vorschläge für die Antworten – und damit auch die allgemeine Frage nach dem öffentlichen Schriftsteller: nach dem Schriftstelzu unterbreiten. ziger Jahren mehrfach als Redner auf den Partei. Und es müssten nicht unbedingt die Schulstoffstücke Biedermann und die Brandstifter oder Andorra zur Aufführung gelangen. zu Hause beim Vorlesen. Frisch hat aber nicht nur Festreden.und schildert in einer Serie von scharfen Beobachtungen und knappen Feststellungen. überholt weil es parabelhaftpädagogisch und moralinsauer sein soll. wie gegenwärtig Frischs Einfälle noch sind. Ihre jüngste Inszenierung von Tschechows Platonow ist die perfekte Antwort auf die aktuelle Krisen. stellte als Auszeichnung empfand. Im zweiten Tagebuch.auch als Pressemitteilung der SPD verschicktes tagen der schweizerischen und der deutschen Schreiben des damaligen Parteivorsitzenden und Sozialdemokratie auf. an der Frisch als Jürgen Habermas und andere) wirkungsmächtigste Redner. gige Analyse stützt. Eröffnungs. In Willy Brandts Stellungnahme kommt auch die Politik zu sehr weitgehenden Abwehrmaßnahmen gegen die Bedrohung der Demokratie auf zum Ausdruck. Grass gibt die Antwort mit seinem Beispiel. dass ich mir über den Stand meiner politischen Erwartungen klar werde. wie was das Wort »nützlich« im Brief an Johnson genau besagen soll. gegen den amtierenden Kanzler Ludwig Erhard antrat und trotz der Unterstützung von Grass die Wahl verlieren sollte.« Dass von ihm als Preisträger eine »nützliche« Rede erwartet würde. Goetze ging wie eine Dracula-Tochter vor. Chapeau! Nur zu einem Klassiker fällt Ihnen leider bedenklich wenig ein. Was Einträgen von 1970. Aber das Schauspielhaus hätte die verdammte Pflicht. und insbesondere als und sprach dann an die Adresse Autor der Schweiz der anwesenden Politprominenz. wie es die Absicht verfolgt. wie es sein Geschäft ist. vor lauter Leuten mit toten und maskenhaften Gesichtern. dem das Zürcher Schauspielhaus am meisten verdankt: Max Frisch.« Wenn der Schriftsteller zum Redner wird. war für Frisch der so scheint es im Augenblick. sich gemessen die damals an der Macht war: 100 Jahre alt geworden hat. wenn sie nicht willens oder Nachgefechte des »Deutschen Herbstes«.12 12. als Willy Brandt. sollte eine nützliche sein. Insgeheim hoffte ich. Er tat dies. wie er mit Dürrenmatt die Pfauenbühne nach dem Krieg immer wieder aus ihrer Lethargie und Selbstzufriedenheit riss und dazu beitrug.?« as geschieht mit einem Schriftsteller. sondern er hat sie – und das ist für ihn das Entscheidende – auch gehört. und sein rismus« in Verdacht geratenen Wort hatte Gewicht. Als er sich 1976 auf seine Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vorbereitete. eigenständig. aber sie fordert. die wir nicht Ambition und politischer Mission.? Seine Antwort: sein Beispiel. um dem Dramatiker Max Frisch. der ihm »ziemlich widerwärtig« war. die Frage nach Parteitages in Hamburg geäußert. Mit diesen Worten hat er sich eines Rechtsstaats. zweitens. das Menschwerdung fördert und vor Herbert Wehner. Keine Lust oder Fantasie. den Frisch 1965 in der ZEIT veröffentlicht hat. im November 1977. »Soll ein Schriftsteller usw. Doch diese Risikofreude erwarte ich von Ihnen. zum Schutze seiner Ordnung 1977 in einer Rede vor den Delegierten des SPD. Grass. aber letztlich kann nur das Theater zeigen und prüfen. wie zunächst Frisch vom Schauspielhaus profitierte. alles Theatermögliche zu unternehmen. zumindest der sozialdemokratischen Politik. sehr geehrte Barbara Frey. Mai 2011 ergänzen kann.steller usw. Im Text Grass als Redner schreibt er: »Rede ist nicht Hymnus. also inmitten der aus einer Partei wird. damals noch Regierender Bürgermeister zu Berlin. was Max Frisch sich zum Geburtstag gewünscht hätte: ein Wagnis.und Geburtstagsreden gehalten.geht: die Frage nach der ethischen Legitimation liche Chance hat«. Wer wissen will. unter den aufgeben. muss er sein Metier also grundsätzlich wechseln: weg vom geschriebenen und hin zum gesprochenen Wort. sondern ein Roman von ihm einstudiert wurde. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. wie man Schriftstellern und Intellektuellen Am 15. wenn Frisch sich in die eigenen herrschaftspolitisich Frisch hin. in dem nicht denken konnte. und schließlich die Frage. ler. und das ist ausgerechnet der Klassiker.tik. Dann hätten Sie es aber probiert und müssten sich nicht von einem in Ihren Augen wohl hoffnungslos bildungsbürgerlichen Reaktionär wie mir Mutlosigkeit vorwerfen lassen. braucht Ihnen kein Hergereister zu er. jedenfalls keine routinierte Gedenkveranstaltung. später aber vor allem das Schauspielhaus von Frisch. vor den ver. als SchriftFragen zu stellen. das einst in aller Welt gespielt wurde und heute. Wieso nicht Biografie: Ein Spiel? Wieso nicht Graf Öderland? Selbst Triptychon oder die wegen der Atomproblematik wieder erschreckend aktuelle Chinesische Mauer wären einen Versuch wert. So trat er in den sieb. die nichts an Bedeutung verloren hat).

Vor 61 Jahren gab der französische Außenminister Robert Schuman das Volk fürchtet. etwas kokett: »Wieso dies eine Ehre sein soll. Denn sie tut hier etwas. im Sinne einer Selbstvergewisserung im Spiegel des veröffentlichten Ich. Wohl deshalb mimt er als Zugabe ein beschreiben. wenn er sich an die Öffentlichkeit wendet. Er sitzt im Max Frisch-Stiftungsrat und in der Jury für den Schweizer Buchpreis 2011 CH SCHWEIZERSPIEGEL Sommarugas Eiertanz Ein schweizerisch-europäischer Abend in Köniz VON PEER TEUWSEN Es sind nicht nur die Temperaturen im Baucon. Um den abgebrochenen Fragesatz aus dem zweiten Tagebuch wieder aufzunehmen: »Soll ein Schriftsteller usw. gibt er sich mit dieser Verantwortung noch auf eine eigenartige Weise unvertraut: »Spreche ich von mir selbst.die Sprachartistik. Der bilaterale Weg führe zu will mit der ungewöhnlichen LoSouveränitätsverlust und sei »ein cation auf den unfertigen ChaHandling von Abhängigkeiten«. zersetzend gegenüber Phrasen. diesem aber politisch nicht angehören will. gab es Auberginenröllchen. raus leitet die offizielle Schweiz eine Haltung ab. das man aber bitte nicht so schon lange existieren. In der breiteren. Aber das aber auch nie dafür«. Das ist nicht nur unangebracht gegenüber den heutigen Schriftstellergenerationen.« Für sich selbst reklamiert Frisch einen ganz anderen Antrieb. amtsfrische weil er es wie kein anderer sagen kann. um sie zu widerlegen oder zu bestätigen. Simonetta Sommaruga. © Adrian Moser (kl. Auch wenn Frisch zum Inbegriff des Schriftstellers geworden ist. dass den Schreibenden hierzulande und heutzutage bei jeder Gelegenheit der Name Max Frisch als leuchtendes Vorbild vor die Nase gehalten wird. wie Frisch es vorschwebte und Grass es vormachte. dass er etwas zu sagen hat. als heute kolportiert wird. Aber er hatte es ja schon in der Garderobe tut sie bereits unheimlich gut. Öffentlichkeit als Partner. Und das wiederum heißt: Verantwortung ist eine Folge des Erfolges. Kontakt ist nicht Einverständnis. die nicht seine eigene ist. er soll – aber eigentlich nur. endlich. Statt den Weg zu gehen. so müsste ich sagen.« Gesellschaftliche Verantwortung als rückläufiger Irrtum: Das passt nicht gerade ins Bild von Max Frisch. dass ich die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers nicht bloß angenommen. es ist mehr: »Man hebt das Schweigen. da Frisch weltweit erfolgreich war und eine breite gesellschaftliche Wirkung entfaltete. um zu schreiben. Und dann kommt Massimo Fünf Minuten vor der Zeit trifft. Nur böswillige Menschen wollten darin rell und wirtschaftlich als Teil Europas versteht. eine Metapher für die Eidgenossenschaft sehen. man klar ansprechen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 Foto (Ausschnitt): J. Das zeigt sich in seinen Beobachtungen zu Grass so gut wie in seinen eigenen Reden. Man biete für die nicht – Kraft ihres Amtes dem »Generation 50+ gemischtes Optimismus verschrieben. Insbesondere in der Schweiz ist Frisch zur Ikone dieses Schriftstellertypus erstarrt – mit der Folge. »ein Paradox« geahnt. Citoyen. Deshalb muss man ruhig!«. dabei entstehen die Gedanken und Gefühle im Saal eben durch die Rede selbst.H. man soll sich zeigen. dass Frisch selbst diese Rolle weit weniger enthusiastisch annahm.?« Ja. wie sie sagt.Rocchi.) Frisch bei der Dankesrede zum Friedenspreis 1976 in der Frankfurter Paulskirche – vor lauter Leuten. Widerspruch einzulegen im Namen des Lebendigen. Ein Euphemismus erntet dankbaren Applaus. mentalitären und so weiter – Umfeld zu agieren haben als Max Frisch. seinen Text zu veröffentlichen? Ist es die Eitelkeit. in der Öffentlichkeit zu sein gelingt auch jedem Rennfahrer und jedem Minister. sich »einzumischen«. man habe zu lange nur Reiterer auf einer Baustelle in Köniz den »Euro. ohne sie aber letztlich zu seinem Schreibimpetus zu erklären. Es ist nicht bloß naive Machlust. Das nennt man in der Schweiz tenberichte.die anderen waren einfach nur hingerissen. Wie alles an diesem Bundesrätin Sommaruga der Position untergeordnet. sondern die der Öffentlichkeit – einer Öffentlichkeit. Abend. der einfach schreibt. Darchinger/Friedrich-Ebert-Stiftung. zu ermutigen. gegenüber allen Formeln einer in Angst und Misstrauen erstarrten Welt.Weg nach Hause. Er darf alles sagen.« (links) »Sozialdemokraten!«: Frisch mit Helmut Schmidt auf dem SPD-Parteitag 1977 (rechts) Max Frisch gilt als Ikone des Schriftstellers. das sie genau hinhören. sogar zum Irrtum verstiegen habe. und genau darin unterschied er sich als Künstler vom Politiker. Die – aber irgendwie passt er zum Gemischtes Wohnen: Verhältnis zwischen der Schweiz Botschafter Reiterer und Sozialdemokratin hat ihr Herz wieder einmal der Vernunft und und Europa. das sich kultu.SCHWEIZ 12. Denn dieser war ein ästhetischer und kein pamphletischer. sondern sie ist eine Einladung an die Waghalsigen unter der Zuhörerschaft. für eigene Gedanken und Gefühle haftbar zu werden. einen gelungenen Abend. Es ist halb sechs Uhr an mene Mehrheitsmeinung nachplappern. Kontakt entsteht aus der suggestiven Fiktion. Dass diese baut. dass wir sie angesprochen haben!« Weniger beglückt als verdutzt sieht sich Frisch einer Forderung gegenüber. die man im besten Fall als »heimlifeiss« im Crevetten und Brötchen mit Europa-Fähnchen schlechtesten Fall als »feige« bezeichnen kann. sondern damit an die Öffentlichkeit zu gelangen. der er auf suggestive Weise Meinungen unterstellt. rakter seines Arbeitgebers hinDiese »Ambivalenzen« müsse weisen. Man muss schon chen nervös. nämlich mit den Mitteln der Sprache. Reden halten. wie der Redende. zu verspotten. In seiner Rede Öffentlichkeit als Partner von 1958. Und noch mehr: plötzlich soll man etwas zu sagen haben. Sie Wohnen« an. Sie sagt. bleibt rätselhaft. meine neue Aufgabe« bezeichnen wird. Citoyen das Bild von Max Frisch.die Vorteile des bilateralen Weges gepriesen.. der neuen Europäischen Gemeinschaft einen Deshalb versucht sie es auf der Baustelle auf ihre Satz mit auf den Weg: »L’Europe ne se fera pas Weise – auch wenn es sich nicht um ihr ureigenes d’un coup. Monsieur Vogelfrei.« Und in 30 Minuten eröffnet Michael Dossier handelt.« Es muss für den redenden Schriftsteller also darum gehen. So rächt sich die Öffentlichkeit dafür. Sommaruga muss. Sie sitzt aus. Frisch tut dies weniger. seine erste ganz große Rede vor großem Publikum. Frischs rhetorisches Ideal war keine Rhetorik der Manipulation. umringt von dunklen Anzügen. Kaum je ist Frisch als historische Figur in der Gegenwart so präsent (von Gedenkjahren und Aufregungen um den Nachlass einmal abgesehen). um seine Spitzen zu bemerken. die vom Schriftsteller nicht bloß erwartet. Da. auf im Bedürfnis nach Kommunikation.« Frisch bekennt sich zu einer dritten Fraktion: »Um zu schreiben!« Wer als Schriftsteller Geld verdienen oder die Welt verändern will.« Bedürfnis nach Kommunikation: Das ist eine andere Formulierung für das Gesprächsangebot. wenn er es so kann. Écrivain. Das ist klar.erklärend führen und nicht nur die angenommäßigen Garderobe. dass sie auch in Fällen von Gelingen keinerlei Berufung empfinden. Wie aber sah er selbst diese Rolle? VON THOMAS STRÄSSLE schaft. die ich mir wünschte. Mai 2011. dass ich überhaupt aus solcher Verantwortung heraus schreibe . Die Rede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von 1958. der seine Schreibklause verlässt und auf die Agora hinaustritt. Und einen Bauarbeiterhelm mit auf den Die Regierung duckt sich weg. Das weiß auch Sommaruga. Der Statthalter der EU in der Schweiz ohne die Nachteile klar und deutlich zu benennen. die Haupt. später im Gespräch als »eine weitere Einübung in Es sind Sätze wie »Ein Schweizer ist nie dagegen. so ist man weniger beglückt als verdutzt.kein Zweiter in diesem Land. Juncker mal so beschrieben hat: »Wer den Wäh»Was soll ich nur von der Schweiz und Europa lern immer nur nachläuft. Nun. Und dennoch nahm Frisch diese Verantwortung an. Was aber bewegt einen Schriftsteller der dritten Fraktion. nicht nur zu schreiben.. sondern den Beruf des Schriftstellers ausüben. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. rednerin ein. weder Anklage noch Plädoyer. das sie er rettet sich angesichts des heiklen Themas in »meinen Blaumann« nennt. dass er es ihr tatsächlich auch sagt. 9. die sich »anständigerweise ja erst von einer gewissen Wirkung an« stellt. die Offenheit seiner Rede auszuspielen: Die literarische Rede ist weder Predigt noch Statement. der wird den Menerzählen? Mamma mia! Es ist alles so verdammt schen nie ins Gesicht sehen. drauf. Der Schriftsteller als Redner: Das meint den Schriftsteller. zersetzend zu sein mit den eigenen Mitteln. beginnt er mit dem Bekenntnis: »Gehört man zu den Schriftstellern. sagt Massimo Rocchi in seiner behelfs. gegenüber Ideologien.. weil er diesem Montag. das öffentliche. Das leuchtet jedem ein. zu einem Zeitpunkt also. sonst entEin Altersheim wird hier gestünden »Tabus«. die sich ja auch hinter geschlossenen Türen austoben könnte. ist in ein Kleid gehüllt.« Der Bundesrat aber will nicht führen. um sich gesellschaftliches Gehör zu verschaffen – und der im Idealfall auch gehört wird. sagt sie nennen soll. Es hat etwas europä. Das wird verlangt. der Feierabend nicht ausreicht – gehört man zu dieser Art von Schriftstellern.Kamel. sondern die von ihm vor allem erwartet. das Leben schreibend zu bestehen. Der Autor ist Privatdozent für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und SNF-Förderprofessor an der Hochschule der Künste Bern.« Andere mit dem Anspruch: »Um die Welt zu verändern. Warum schreibt ein Schriftsteller? Einige Schriftsteller wehren sich mit der Behauptung: »Um Geld zu verdienen. das der Schriftsteller macht. weil ihnen Schreiben noch eher gelingt als Leben und weil für diesen Versuch. die aufs Dilemma hindeuten. sondern mich. Daraus aber kann umgekehrt eine gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers erwachsen. der sich einmischt: Er hat nur zögerlich und widerstrebend in diese Rolle gefunden. das kann sich daraus ergeben. Aber auch Bundesrätin. auch von den Medien stark beförderten Wahrnehmung beherrscht Max Frisch. die in einem völlig anderen diskursiven – politischen. dazu.den der luxemburgische Premier Jean-Claude tainer. wie wenn sich wieder das öffentliche Bedürfnis nach dichterischen Verlautbarungen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen regt. zum Beispiel. es handle sich um ein Gespräch und die Rede antworte spontan auf die Gedanken und Gefühle im Saal. patag«. die das leichte Glück haben. sondern eine Rhetorik der aufklärerischen Selbstbewusstwerdung. die den Kabarettisten schwitzen lassen. . rückläufig sozusagen. wenn man die Folgen sieht: – man soll. Sie bestellt Exper. bloß weil man Schriftsteller ist. medialen.. der sich engagiert und einmischt. in der Öffentlichkeit zu stehen? Dazu Frisch. Die Magistratin ist ein biss. sobald es darum geht. sondern es blendet auch aus. muss unbedingt an die Öffentlichkeit treten. Sie vertritt ein Land. um Wirkung nach außen zu erzielen als vielmehr nach innen. Worin aber besteht die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers? Frisch hat es für sich selbst so definiert: Sie besteht darin. die er freilich beherrscht wie isch Anpackendes.

aber die Ängste der Bevölkerung seien ernst zu nehmen. der weiß: In der Mitte lebt es sich am besten. wirkt ernst. bis die Kohle ausging. Leser und Experten jubilierten: Plötzlich diese Übersicht! Die zerfledderten Bürgerlichen. Zeitungen. Im Gegenteil.und Politszene nur wenige. Journalisten. Begonnen hat alles im Oktober 1999. Ja. L’Hebdo. Hermann. NZZ und NZZ am Sonntag. Seine Erfindung die Verortung im »Spinnennetz« bedeutet. Besonders pikant Herausgeber der wäre die Lage in Deutschland. Wer nun den Griechen Geld leiht. Selber war er 15 Jahre SP-Mitglied. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. hilft seinen Banken. er wohnt mit seiner Partnerin im Zürcher Kreis 5. Sonntagszeitung. Sein Motto: Einbeziehen statt ausschließen. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch 1999 fürchtete er sich vor der Partei. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. dass die SVP der Schweiz schade. erhöht das meine Unabhängigkeit. Wer ist der Mann. Gegen eine Zersplitterung der Schweiz in Ghettos von Gleichgesinnten. 3. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den Bushido-Song: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Chef-Erklärer der Schweizer Politlandschaft. Im Januar 2010 war er Gast an der SVP-Kadertagung im Hotel Bad Horn am Bodensee.« CH ach Wahltagen. hier im schmucklosen. Zusammen mit Heiri Leuthold. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. ZEIT wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. er überflügelt den Berner Umfragenkönig Claude Longchamp ebenso wie den Innerschweizer »Smartspider« erlangte Deutungsmacht in Schweizer Wahlkämpfen. präsentierten im Magazin und in Le Temps ihre »politische Landkarte des Nationalrats«. sie sind denkfaule ContentAbfüller geworden. weltoffen oder isolationistisch gilt – und was das für Landvermesser H. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Die Missionare hockten im Täufer-Land in den Kirchen. Die Karte zeigte die exakte Position aller Nationalräte zwischen den drei Polen links. aber gegen einen entfesselten Foto: Martin Ruetschi/Keystone Foto: Mathias Bothor/photoselection »Wo bleibt Eure Überzeugung?« Michael Hermann.14 12. Fazit: Wer den Griechen hilft. Nun waren politische Positionen vergleichbar. die Hetze gegen Minderheiten? »Unsere Gesellschaft erträgt solche Stimmen. Seine Biografie ist geprägt von der Kindheit im konservativen Huttwil im Emmental. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. wie jüngst in Baden-Württemberg oder im Kanton Zürich. Interpharma. Bundesämter. Auch persönlich hat er keine Berührungsängste vor der wählerstärksten Partei des Landes. wie man aufgrund seiner Medienpräsenz vermutete. die langen Beine verschränkt. Am Apparat: Fernsehstationen. Welche Partei er wählt. welches Abstimmungsverhalten als links. Eine gute Frage. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. dessen Deutungsmacht über die Schweizer Politik immer größer wird? VON MATTHIAS DAUM Iwan Rickenbacher. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. um im Hermannschen Diagramm möglichst rechts eingeordnet zu werden. sei gescheitert.und Ausgabenpolitik gehorcht. Die Spinnennetz-Grafik veranschaulicht das Profil eines Politikers – und des Wählers – in acht thematischen Dimensionen: von der außenpolitischen Öffnung. dessen Tischtuch das Konterfei von Barack Obama ziert. Für wirtschaftliche Liberalisierungen. Und die Vergiftung des politischen Klimas. Wenn ein Journalist keine Meinung hat. Er behält den kühlen Blick des Programmierers: Es gibt Probleme. Punkt. Eintracht schaffen statt Zwist säen. . als Auskunft zu geben. aber gegen einen EU-Beitritt ohne Not. Erfolge verzeichne sie auf symbolpolitischen Nebenschauplätzen. also einer gemeinsamen Steuer. Sie ist robust und hat nicht nur eine dünne zivilisatorische Oberfläche. nur weil man ihr ein Wachstum prognostiziert. Athen vorweg. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft.und Ausgabenpolitik – fahren. Und Michael Hermann. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Hermann ist die personifizierte Mitte. Etwa als Mitte Januar in der TV-Arena zum Berner Ständeratswahlkampf alle Kandidaten mit ihren Profilen »wedelten«. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Der Remeduren sind nur drei: 1. das aber behält er für sich.« Die Schweizer Politikjournalisten leiden an »Expertitis«. Andersdenkende lernte Hermann mögen. Es wird zum europäischen Sozialfall. Hotelleriesuisse. Daten sind nie neutral. kann nicht sparen. verschachtelter als seine gedruckten Interviewantworten. rechts. haben so lange so heftig geheizt. Und blähen sich weiter auf. länger. sondern immer Interpretation. Im Juni erscheint sein Buch über die Konkordanz. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ Hoffnung stirbt zuletzt Europa wird für Hellas bluten. spricht der demütige Fatalist aus ihm. Die Welt lässt sich durch Daten nur illustrieren. Wofür also steht er persönlich heute? Driftete er nach rechts? Europafreundlich sei er. Spricht man ihn darauf an. »Es kommt ohnehin anders. den TV-Experten bei Bundesratswahlen. sie integriere die extremen Kräfte. . der Verwaltung. derweil EU. Wahrhaben wollten dies in der Medien. Hermann sagt: »Wenn ich für alle arbeite.« Doch der Politik-Vermesser ist mehr als ein erfolgreicher Geschäftsmann. sollte es besser im Kasino verjuxen. Damit traf der ehemalige Absolvent des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums im bernischen Langenthal den Nerv des Internet-Zeitalters. schrieb Marcel Hänggi – notabene ein Wissenschaftsjournalist. ruft er Michael Hermann an. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. fein säuberlich aufgeräumten Büro auf dem Irchel in Zürich. Doch von einer Konkurrenzdemokratie hält er nichts. dann drückte man das Bundesparlament ins Links-rechts-Schema. Michael Hermanns Erfolgsformel lautet: Politik ist messbar. Tages-Anzeiger. Einzig die linke WoZ mahnte vor den Eidgenössischen Wahlen 2007 zur Vorsicht: »Ist Michael Hermann ein schrecklicher Vereinfacher?«. verfasst im Auftrag von Avenir Suisse. der Geerdeten. Für eine starke Zuwanderung. der Dritte Weg von Blair und Schröder faszinierte ihn. Doch niemand hinterfragte die Aussagekraft der Diagramme.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. liberal. keine Auskunft zu geben. Griechenland. Ein Schweizer. In seinen Texten irritiert Hermann sein linksliberales Milieu. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. um sich selber zu retten JOSEF JOFFE: N Die Kassandras haben recht behalten: Geld. der die gerufenen Geister nicht mehr loswerde.« Inhaltlich aber beschäftigt ihn die Kritik. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. der wirtschaftlichen Liberalisierung über die restriktive Migrationspolitik zum Ausbau des Sozialstaats. Hermann will das Regierungssystem retten – zu den Details schweigt er. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Zu faszinierend war diese neue Einfachheit. aber nicht erklären. konservativ.« Anderthalb Stunden sitzen wir da bereits am Kaffeetisch in seinem Büro. »Da frage ich: Wo bleibt eure Überzeugung?« Hermanns eigene Meinung liest man seit zwei Jahren in einer monatlichen Kolumne im TagesAnzeiger und im Bund. unter der die Barbarei lauert. und die muss man lösen. Er ist ihre Denkprothese. Baudirektionen. Die Sätze sind nuancier- ter. Beide waren Mitglieder in der SVP damals die Partei der Bauern. Politiker und Parteien »entlarvt«. Verbände und Journalisten deshalb auf Hermann. wenn die Ratings zum Fetisch werden. Bankiervereinigung. 39. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. der beim ersten Kontakt mit der Rechten gleich konvertiere. rechts-liberal und rechts-konservativ. Also fragen sie andere – am liebsten Michael Hermann. seinem vor zwei Jahren verstorbenen Geschäftspartner und Freund. Statt Einschätzungen und Vermutungen präsentierten sie faktengestützte Wahrheiten. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. auch berufsbedingt. Mal eruierte man die Nähe der Politiker zum Gewerbeverband. Athen nimmt Dampf weg. Radiosender. brachte er Ordnung in die komplizierten politischen Realitäten. Bis im letzten Herbst die Politologin Regula Stämpfli in einer Radiosendung den Kollegen Hermann als »Wahlvermesser mit dem politischen Reflexionsgrad eines Planktons« beschimpfte. nimmt den Hörer immer ab: »Es ist anstrengender. seine Forschungsstelle Sotomo aber als Firma führt. Sein Einfluss als Politexperte sei sowieso geringer als angenommen: »Die SVP wird nicht mehr oder weniger gewählt. Hermann. nachdenklich. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Hermann bestimmt. Immer weniger leisten sich eine eigene Meinung. Zürcher Kantonalbank. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Vor zwei Jahren trat er aus. wo die Eltern eine Drogerie führten. was sie erst recht Josef Joffe ist nicht könnten. Der Bruchpunkt ist jetzt. weil er so ist wie sie. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. hier ist das Plankton. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. dem Zukünftigen in kleinen Schritten entgegengehen – vielleicht hören Politiker. aber ihr Gesellschaftsprojekt. nicht im Maschinenraum der Politik. Der Gescholtene reagierte cool. als man denkt«. Als Mensch ist er schwierig zu fassen. sagt er: »Ich kann doch ein positives Bild einer Partei haben und trotzdem meinen eigenen Standpunkt beibehalten. mit einer entspannten Haltung zur SVP. die polternde. Oder wenn ihn eine Gruppe CVP-Parlamentarier fragt. wie sie stimmen müssten. 2. Hermann war damals 28. In den kommenden Jahren erlebte die Schweizer Politik einen Vermessungsboom. Der Schlaks mit Hipster-Brille ist gesuchter als die Grandseigneurs der Branche. die neoliberale Revolution. Aber welches Bild hat er von der künftigen Schweiz? Die Frage beschäftigt ihn nicht. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück.ohne Politikunion geht nicht. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Als ihn wenig später ein Journalist anrief. Er ist kein Vielschwätzer. Beobachter. »Mich stört selbst. Politgeograf Steuerwettbewerb. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung.« Es solle ihm nicht ergehen wie manchem Journalisten. doch falsche Gewissheiten stören ihn. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. Noch bevor der Drachmen-Druck angelaufen wäre. dargestellt in faszinierenden Grafiken und Karten. klingelt das Telefon heiß. aber im Parlament chancenlose SVP. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland.« Er fühle sich manchmal als Zauberlehrling. Die zwei jungen Geografen. berät heute: Economiesuisse. Etwa jenes der blockierten Regierung. antwortete er: »Hallo. der an der Uni Zürich als Lehrbeauftragter arbeitet. die kompakte Linke. 39-jähriger Sozialgeograf. 517 namentliche Abstimmungen der großen Kammer hatten die beiden ausgewertet. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer.« Er glaube nicht. er ist froh darum. von 325 auf 340 Milliarden Euro.

50/A 4. bestrebt. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht.de Abonnentenservice: Tel. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. der nicht aufgepasst hatte. die zweite Volkspartei. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten.00/NOR 60. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Druck aus Dresden Wie Frank Harings Jugendzeitung »Spiesser« einen Großverlag ärgert Politik Seite 13 D Europa will sich Ruhe kaufen. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Europa sollte die Umschuldung wagen. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden.u.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte.20/GR 5. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten.50/P 5.10/ CHF 7. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 SACHSEN WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. ist schlicht ein Skandal. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. in das so viel Geld fließt. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Nein. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. wenn Europa weiter zahlt.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. zeichnet sich schon ab. Der Rettungsfonds will weiter retten. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. ZEIT-Stellenmarkt: www. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. dessen Datum anzunehmen. was auf lange Sicht besser für Europa ist. Gleichwohl verlangen die EU. Vergessen. Klar ist einzig. ist auch eine hässliche Sache. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. J A H RG A N G C 7451 C www. Käme es jetzt zum griechischen haircut.de *) 0. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst.50/HUF 1605. Viel Geld.jobs.52 52 909*. Diejenigen. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. was sie auch kostet. deshalb unser aller Geld retten musste. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus.de/audio 4 1 907 45 1 040 05 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. die im Englischen haircut heißt. findet Josef Joffe.0. auch nicht beim haircut. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt.20/ Kanaren 5. sondern auch an zu viel.zeit. Das klingt weit unattraktiver als das. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. und trotzdem beschimpft Europa uns. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. Sooft dieser Tage in Ministerien. Schuldzuweisungen und Dementis. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft.PREIS DEUTSCHLAND 4.zeit. Doch das heißt nicht. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Kleine Augenblicke.14 € /Min. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite.de. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. wohl aber die Stimmung.de/audio www. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen.52 52 908*. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. wenn Europa immer weiterzahlt. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt.70/B 4. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. um Griechenland aus der Krise zu helfen. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. will das offizielle Europa Ruhe.00 20 01 420 AUSGABE: . Was dagegen geschieht. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Jannis Chavakis für DZ. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Es kostet nur wieder Milliarden. aus dem deutschen Festnetz. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. die EU dabei mitregieren.70/E 5.42 € /Min. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also.40/F 5. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. E-Mail: DieZeit@zeit. so desaströs seine Folgen wären. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. was kommt. die SPD. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. der sich tief gedemütigt fühlen muss. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. 0. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein.n. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. (v. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. Wellen am sardischen Strand. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. Die Frage ist vielmehr. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. In Interviews sprach er davon. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. Die Entscheidung Kretschmanns.zeit. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels.o.zeit. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. max. wer der bessere Europäer ist.30/I 5. das zu werden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. 0180 . Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. weil dies ein überholter Begriff sei. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. »Retten« ist ein hübsches Wort. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. die andere Möglichkeit. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. Nicht mehr bezahlen. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. »Umschulden«. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten.de. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. also einen Tag zu überspringen. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. sondern echtes Geld kosten werden. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. E-Mail: abo@zeit. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Das ist umso generöser. man macht sich unbeliebt. Leserbriefe@zeit. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Auch das käme alle teuer zu stehen. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. würden Schulden nicht getilgt. Irland. Libyen.und Bahnhofsschützern. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. positionieren sich als die guten Europäer. Wer wollte sie den Iren abschlagen. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Sie sind nötiger denn je. im Land. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. bleibt auch eine. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los.00/FIN 6. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Die Griechen. beschlossen hat. nun gelte es. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. ebenso wie die Deutschen und andere. was gemeinhin eine Volkspartei ist. kleine Abb. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. Aber die Diagnose ist unvollständig. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . Die entscheidende Frage ist aber nicht. GRN. Fax 0180 . die Griechen überlegten. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www.zeit.20/ L 4. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima.20/NL 4. die sie früher nie gewählt hätten. dass es ohne Europa nicht geht. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. KG. Gutmenschen nerven. Geburten hinfällig. dass die Griechen mit dem ersten. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen.

12 12. Mai 2011
ZEITGEIST

DIE ZEIT No 20

MEINUNG

POLITIK

Wer den Griechen hilft
JOSEF JOFFE:

Europa wird für Hellas bluten, um sich selber zu retten
Die Kassandras haben recht behalten: Geld- ohne Politikunion geht nicht. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer- und Ausgabenpolitik – fahren; sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Der Bruchpunkt ist jetzt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer, Athen vorweg, haben so lange so heftig geheizt, bis die Kohle ausging. Der Remeduren sind nur drei: 1. Athen nimmt Dampf weg, also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. 2. Es wird zum europäischen Sozialfall, den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. 3. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Griechenland, ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft, kann nicht sparen. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen, von 325 auf 340 Milliarden Euro. Und blähen sich weiter auf. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt; die Zinsen liegen bei 15 Prozent, die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Wer nun den Griechen Geld leiht, sollte es besser im Kasino verjuxen. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«, sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen), wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht, und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre, bräche das Höllenfeuer aus:
HEUTE: 9.5.2011

Erinnern
Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Hier aber ist das Original zu sehen, nicht die Kopie. So sehen Sieger aus. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein, voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zurückzublicken, auf den Großen Vaterländischen Krieg, den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«, singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern, deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«, singt sie. Und man wünscht diesen alten Herren, dass diese Zeile falsch sein möge. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft, damit fertig zu werden, wer hätte das Recht, darüber zu spotten? F. D.

Mord und Totschläger
Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht
Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden, das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten, wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit, verpufft die Wirkung der Sanktion. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. richtig gemacht, der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Die Beweislage sei einfach, sagen die Staatsanwälte, der Täter habe gestanden, der Tathergang stehe fest, da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Allerdings darf man wohl annehmen, dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Angeklagt wird Torben P. wegen versuchten Totschlags. Das ist ein Mittelweg. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt, meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt, sogar befördert. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Ob Torben P. die bekommt, entscheidet das Gericht, Anklage ist nicht gleich Urteil. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Für Täter und Opfer. Und für die Öffentlichkeit. Deshalb ist es auch legitim, wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird, warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe, das Signal aber ein anderes. Mord ist mehr als ein Totschlag, eine besonders verwerfliche Tat, sei es wegen besonderer Grausamkeit, sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat, die dem Opfer besonderes Leid zufügt, die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat, kommt schon ins Grübeln, ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Nein, es geht nicht darum, eine möglichst harte Strafe zu finden. Es geht darum, das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Wenn einer wie Torben P. von Untersuchungshaft verschont wird, wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme, wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird, dann mag das in jedem Fall begründet sein. Das Routinierte der Nachsicht jedoch, der Eindruck, Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. WFG

Ein Land bleibt cool
Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen
Die Bürger bleiben cool. Am 9. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«, der neuen Volkszählung. Der ersten seit 1987. Volkszählung, das klingt nach historischer Parallele, nach enormem Erregungspotenzial. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer, fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus- und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person, Lebensumständen, Ausbildung und Beruf gestellt. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine, die Brüssel vorschreibt), doch die Deutschen bleiben cool. Bei jenem Thema, das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback), die Spione der Konsumwirtschaft. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Da schert es die Leute auch nicht mehr, wenn der Staat etwas mehr wissen will. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei, Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen, vorzugsweise kalifornische Konzerne. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig, ja zurückhaltend. Vielleicht zu zurückhaltend. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten, das ist nur eine Schätzung, also wird es teurer. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Dabei hatten Statistiker, Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert, weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie), zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und, ganz simpel, zur Heizung (Klimaschutz). Der Staat – im Bestreben, die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. STX

Foto: Mathias Bothor/photoselection

Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

erst ein Run auf griechische Banken, dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Denn die Besitzer müssten kalkulieren, dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert, die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten, was sie erst recht nicht könnten. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland, wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen, um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen- und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille, derweil EU, IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Fazit: Wer den Griechen hilft, hilft seinen Banken. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer, also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.«

IN DER ZEIT
POLITIK
2
Interview Kanzlerin Angela

SACHSEN
13 Medien »Spiesser«-Chef Frank Haring kämpft gegen einen Großverlag VON RALF GEISSLER
Ostkurve
VON JANA HENSEL

WIRTSCHAFT
23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26
VW Der Konzern will jetzt auch

33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung
ThyssenKrupp Der Konzern

FEUILLETON
49
Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral

Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 3 4
Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland

62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod

50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTL-Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie, Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte«
Roman Nicolas Dickner »Tarmac«

REISEN
63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö, das Altbier und das japanische Viertel 67
Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen

Sachsen-Lexikon

startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt ... Armin Falk, Ökonom und Verhaltensforscher?

ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra 5 6 7 8 9
Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen

Krawall-Zuschlag 14 Geschichte Dresdens Bühnen in der NS-Zeit VON ADINA RIECKMANN
Am Start Irina Tarassenko, Landärztin VON M. MACHOWECZ

noch die meisten Laster bauen
Elektroauto Warum es falsch ist,

WISSEN
37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können

nur die Autokonzerne zu fördern 27
Kinderarmut Die Not wird überschätzt, sagen Forscher

Familie und Politik zusammen?
FDP Ein Gespräch mit Philipp

DOSSIER
15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU
Eurovision Song Contest Die Geschichte eines Liedes aus Island

Rösler über seine Regierungspläne
Pakistan Die Islamisten freuen sich

über arabische Revolutionen
Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung

28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal Gegenseitige Schuldzuweisungen
Soziale Netzwerke

CHANCEN
71 Bachelor und Master:
Ein Spezial auf 10 Seiten

55 Margaux Fragoso »Tiger, Tiger« 56
Nachruf auf Gunter Sachs

41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet, Flüchtling zu sein 48 Kinder- und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder«

96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE
Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/audio

kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 12 Volkszählung Gelassenheit
Justiz Der Berliner

57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze«
Kunst Paul Pfeiffer in München

GESCHICHTE
21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen

Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn

59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer«
Kulturkanäle zdf.kultur

U-Bahn-Schläger wird angeklagt

Foto: Denis Sinyakov/Reuters

ZEIT FÜR SACHSEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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OSTKURVE

Oberarmfrei
Am Wochenende wurde uns ein neues Bücherregal geliefert. Zwei junge Herren, der eine in oberarmfreiem T-Shirt, der andere tätowiert an allen sichtbaren Körperstellen, waren mit einem alten Volvo vorgefahren, hatten das recht schwere Ding erst entladen, dann hinaufgeschleppt und schließlich vor den sechs Augen der Familie aufgebaut. Der Typ mit dem oberarmfreien T-Shirt erzählte dabei, dass er schlafwandle und morgens seinen Schlüssel mitunter im Schloss des Briefkastens finde. Was für ein interessantes Thema, dachte ich.
Jana Hensel, 1976 in Leipzig geboren, Autorin des Bestsellers »Zonenkinder«, schreibt hier im Wechsel mit ZEITAutor Christoph Dieckmann

Foto: Jannis Chavakis für DIE ZEIT/www.chavakis.de; Dominik Butzmann (kl.)

Ein Bild von einem Mann: Frank Haring im Konferenzraum seines Dresdner Verlags

Elefant im Zeitungsladen
Frank Haring hat aus der sächsischen Schülerzeitung »Spiesser« ein bundesweites Jugendmagazin gemacht. Inzwischen sieht selbst die »Bravo« in ihm einen ernsten Konkurrenten VON RALF GEISSLER
a ist die Geschichte mit dem Kaffee-Automaten. Eine Mitarbeiterin hatte Münzen eingeworfen und ihr Wechselgeld vergessen. Als sie zurückkehrte, war das Fach leer. Verschwunden, die paar Cent. Frank Haring fackelte nicht lange. Er ließ die Videoüberwachungsbänder der Büroetage sichten, um den Dieb zu entlarven. Eine Stunde Bildmaterial. Selbst wenn es nur um Kleingeld geht, kämpft er mit der Verbissenheit eines Jungen, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Mit dieser Haltung hat er sein Unternehmen groß gemacht. Frank Haring, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jugendzeitschrift Spiesser in Dresden, ist als 34-Jähriger so etwas wie Deutschlands jüngster Pressepate. Angeblich fast 800 000 Mal liegt sein Spiesser bundesweit an Schulen aus. Ein Magazin, in dem Jugendliche für Jugendliche schreiben, angeleitet von Journalisten. Das Heft ist mittlerweile so bekannt, dass der Heinrich Bauer Verlag darin eine Konkurrenz zu seiner Jugendpostille Bravo sieht. Der Verlag zweifelt die Spiesser-Auflage vor Gericht an. »Das wird lustig werden«, sagt Haring und blättert in der einstweiligen Verfügung, die Bauer vor drei Wochen gegen ihn erwirkt hat. 250 000 Euro Ordnungsgeld werden ihm angedroht, falls er weiterhin mit seinen Auflagenzahlen wirbt. »Wir werden das ganz sicher nicht auf uns sitzen lassen«, sagt er. Rein äußerlich würde Haring – schwarzes Shirt, braune Cordhosen – als Juso-Kreisvorsitzender durchgehen. Auch der Anblick seines Dienst-Toyotas vermittelt nicht den Eindruck von einem, der dick im Geschäft ist. Doch Haring verlegt nicht nur eine Jugendzeitung. Er hält Anteile an Dresden Fernsehen, verdient beim Elternmagazin Eltern, Kind + Kegel mit und ist an einem Jugendreisebüro beteiligt. Er engagiert sich bei einem Logistik-Dienstleister, einer Unternehmensberatung und beim »Schulkurier«, der den Spiesser zwischen Nordsee und Alpen verteilt. Kürzlich hat eine seiner Firmen fünf Millionen Euro in einen Solarpark investiert. Es war die Zeit vor Fukushima. Haring hatte mal wieder den Riecher für das richtige Timing.

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Dresdner Pentacon, erster Stock, geflieste Wände. Die alte Einrichtung warf Haring einfach aus dem Fenster. In dem selbst renovierten Raum machte er mit zwei Partnern das kleine Gratisblatt groß. Es erschien fortan in ganz Sachsen. Auch bei McDonald’s wurde es ausgelegt. Zum Idealismus kam der Kapitalismus hinzu. 2006 hatte Haring die Idee, es bundesweit zu versuchen – was manche übermütig fanden. Mit Großverlagen sprach er über eine Beteiligung am Spiesser. Doch es kam keine Kooperation zustande. »Viele wollten den Spiesser irgendwo in ihre Strukturen einsortieren und hätten das Projekt damit sehr wahrscheinlich gegen die Wand gefahren«, frotzelt Haring. Im Herbst 2007 brachte die Spiesser GmbH ihr Blatt im Alleingang in ganz Deutschland heraus, Druckauflage: eine Million Exemplare. Überregionale Zeitungen, auch die ZEIT, zollten Respekt. Ein neues Printprodukt. Aus dem Osten. Für Jugendliche. Es klang märchenhaft. Vor Ort in Dresden sahen es viele nüchterner. Unvergessen ist bei manchem Ex-Mitarbeiter, wie Haring morgens fünf Minuten vor Dienstbeginn an der Pforte stand und jeden ermahnte, der noch nicht am Schreibtisch saß. Man habe zum Vorklingeln zu erscheinen, dozierte er. Wenn er Fehler fand, zog er die Betroffenen noch Wochen später damit auf. Seinen neugeborenen Sohn stellte Haring Kollegen halb ironisch als »Junior-Chef« vor.

maßen sauer, dass er eine eigene Attacke startete. Er schrieb dem Deutschen Presserat, die Bravo habe die Inhalte womöglich nicht ausreichend als Anzeige gekennzeichnet. Das Gremium erteilte in erster Instanz eine Rüge. Auch der Bundesrechnungshof prüfte die Angelegenheit. Zuvor hatte Haring über einen Bundestagsabgeordneten der Grünen eine Kleine Anfrage initiiert. Schließlich wurde sogar Agentur-Chef Frank Weise zur Anhörung nach Berlin geladen. Den Bauer-Verlag verärgerte das alles. Haring sagt: »Ich hatte bei denen noch einen gut.« Bereits 2008 hatte Bauer ihm gerichtlich untersagen lassen, den Spiesser als »größte Jugendzeitschrift Deutschlands« zu bewerben. Denn der Spiesser erscheine nur alle zwei Monate; die Bravo aber jede Woche. Zuletzt mit einer verkauften Auflage von etwa 400 000 Exemplaren. Die jetzige Auseinandersetzung trifft Haring zur Unzeit. Er hat kürzlich seinen Verlagsleiter, die

Anzeigenleiterin, die Verantwortliche für Sonderpublikationen und einen langjährigen Redakteur verloren. Die Fluktuation beim Spiesser war immer schon hoch. Mehrere, die gingen, sagen: Haring sei genial, aber auf Dauer nicht auszuhalten. Ein Mann, der seit seiner Pubertät immer nur Chef war, dem seine Firma alles bedeute. Haring deutet die häufigen Personalwechsel ins Positive um: Sie passten doch gut zu einem Blatt, das jung bleiben wolle. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Spiesser noch heute das Produkt engagierter Schüler. Nach dem Prinzip lässt Haring im Pentacon auch das Magazin Schekker der Bundesregierung erstellen. Außerdem denkt er über ein Jugendmagazin nach, das am Kiosk verkauft werden soll. Das dürfte den Bauer-Verlag noch mehr erzürnen. Doch Haring braucht das Kämpfen zum Leben. Der Gegner ist groß, aber er sollte sich abwehren lassen. Irgendwie hat Haring ihn sich ja auch erarbeitet.

Aber oberarmfrei ist ja eigentlich auch ein interessantes Wort, nicht wahr? Selbst wenn es das, was ich sagen will, hier nicht ganz trifft. Schließlich braucht man bekanntlich seine Oberarme, um so ein schweres Bücherregal aufzubauen. Oberarmunbedeckt wäre besser. Einige Leser denken jetzt wahrscheinlich: »Ja, ja, Handwerker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.« Diesem Eindruck möchte ich entschieden entgegentreten. Die beiden jungen Herren bildeten nämlich eine rühmliche Ausnahme. In der Regel sind Handwerker in einem erschreckenden Ausmaß so geblieben WIE FRÜHER. Ich musste das in den vergangenen Wochen oft am eigenen Leib erfahren, indem ich mich mehr als einmal schier auf den Boden warf, um einen Termin zu ergattern. Nun fiel mir das Buch Du und Deine Wohnung. Heimwerkertips in die Hände. 11. Auflage, OstBerlin 1977. All die Mischbatterien, Auslaufventile, Kohlebadöfen, Heißwasserspeicher, Geruchverschlüsse (Trapse) und Spülkästen: Ich könnte sie nun theoretisch allein reparieren, müsste keinen Handwerker mehr anflehen. Wie schade, dass es die Geräte nicht mehr gibt.

SACHSEN-LEXIKON

Krawall-Zuschlag, der. Aufpreis für Fußballspiele mit erhöhtem Randale-Risiko. »Wir wollen«, erklärt Innenminister Markus Ulbig (CDU), »dass bei Risikospielen ein bis drei Euro höhere Eintrittspreise erhoben werden.« Zu oft bleibe er »auf den Kosten sitzen«, wenn Polizisten Hooligans im Zaum hielten. Fans fordern, den Krawall-Zuschlag fairerweise auch auf die sachsenweit wichtigste Krawall-Fraktion um Holger Zastrow (FDP) auszuweiten. Im Fußball, heißt es, wären Leute, die so oft gelb provozieren, ja längst aus der Arena geflogen. MAC
S

Haring, heißt es, sei genial – aber auf Dauer nicht auszuhalten
Immerhin bezahlte er leidlich und schulte junge Journalisten, die er eines aber nicht lehrte: die strikte Trennung von Redaktion und PR. Mehrfach vergaß der Spiesser, werbliche Inhalte im Blatt zu kennzeichnen. Noch im November verurteilte das Landgericht Berlin die Zeitung, weil eine Sonderveröffentlichung der Supermarktkette Kaufland nicht als Anzeige ausgewiesen war. Er bewundere Stefan Raab, sagt Haring, weil über dessen Sportsendungen »Dauerwerbesendung« stehe und die Quoten trotzdem stimmten. Wer Haring begegnet, vergisst ihn so schnell nicht mehr. Er ist ein Getriebener, der nicht lockerlässt. Auch einer, der einschüchtern kann. Und er ist voller Ideen. Haring hat sich die »Spiesser-WG« ausgedacht: Abiturienten arbeiten ein Jahr für Haring, verdienen kleines Geld, wohnen aber kostenlos. Er erfand die Vertretungsstunde mit Prominenten. Das Prinzip: Musiker, Schauspieler oder Politiker geben in einer Schule Unterricht – und der Spiesser schreibt darüber. Haring initiierte auch den Jugendbildungsverein Sachsen. Redakteure gaben Workshops, Vereinsleute organisierten Anzeigen. Es war für Außenstehende ein ziemliches Durcheinander. Kommerziell? Ehrenamtlich? Schwer zu sagen. Wie viel Geld sie mit dem Blatt verdienen, müssen Haring und seine zwei Partner nicht offenlegen. Fest steht, dass er selten mehr ausgegeben hat als nötig. Um Dienstreisen billig zu halten, teilt er sich mit Kollegen auch mal ein Doppelzimmer. Im Intranet, erzählt ein Mitarbeiter, informierte er im vorigen Jahr über die Vorzüge von Rabatten für Journalisten. Dadurch habe er selbst in seinem Urlaub 300 Euro gespart. Man darf annehmen: Das Geld floss in neue Projekte. »Ich bin«, schreibt Haring in einer E-Mail, »sowohl von meinem Körpergewicht als auch vom Gedächtnis her der Kategorie Elefant zuzuordnen. Das heißt, ich vergesse selten.« Vor vier Jahren bemühte er sich um Aufträge der Bundesagentur für Arbeit. Doch den Zuschlag erhielt die Bravo – für eine Anzeigenserie unter dem Titel »JobAttacke«, Auftragswert: etwa 700 000 Euro jährlich. Frank Haring war über seine Schlappe der-

Der Gegenspieler ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz
Die meisten seiner Firmen haben dort ihren Sitz, wo auch der Spiesser zu Hause ist: im Dresdner Medienkulturhaus Pentacon. Es ist Harings Festung. Und sie wird angegriffen. Aus dem Hinterhalt, wie er meint. Schon im März habe der Bauer-Verlag versucht, bayerische Schulleiter einzuschüchtern, indem er anfragte, auf welcher rechtlichen Grundlage der Spiesser bei ihnen ausgelegt werde. Bauer ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern. Angesichts dieser Zahlen klingt es zunächst wie ein Witz, wenn es aus dem Unternehmen heißt: »Wir wollen, dass zwischen Bravo und Spiesser wieder Waffengleichheit herrscht.« Frank Haring meint: »Die wollen uns fertigmachen.« Er lümmelt auf seinem Bürosessel wie in einem Liegestuhl, die Lehne weit hinten. Ein Provokateur, oft unterschätzt, sächsisch schlau. Frank Haring war 17, als er mit seinem Jugendfreund Konrad Schmidt den Spiesser gründete. 5000 Exemplare brachten sie von 1994 an persönlich an die Dresdner Schulen. Die Redaktion traf sich im Keller des Hülße-Gymnasiums, wo hinter vergitterten Fenstern zwei Dutzend Computer standen. Täglich um 19.30 Uhr schaltete der Hausmeister den Strom ab, und Flüche hallten durch den Flur – von jenen Mitarbeitern, die ihre Texte nicht gespeichert hatten. 1997 bezog die Redaktion eine ausgediente Küche im

14 12. Mai 2011
AM START

DIE ZEIT No 20

ZEIT FÜR SACHSEN
ie Dresdner haben es nach Hitlers Machtübernahme besonders eilig. Schon fünf Wochen später, am 7. März 1933, brennen Fahnen und Bücher in einem Feuer vor der Volksbuchhandlung beim Schloss. Am selben Tag stürmt der Schauspieler und NS-Sympathisant Alexis Posse mit 60 Gleichgesinnten die Rigoletto-Probe in der Semperoper und erklärt den Dirigenten Fritz Busch für abgesetzt. Dessen Vergehen: »Verkehr mit Juden« und die Beschäftigung »jüdischer und ausländischer Sänger«. Am Abend beweist sich, dass dies alles kein Spuk war. Bis hoch in den 4. Rang sitzt Hitlers SA. Nicht aus Liebe zu Verdi haben ihre Mitglieder die Karten gekauft, sondern um die Reihen mit Braunhemden zu füllen. Seit 1922 hat Fritz Busch in Dresden mit spektakulären Uraufführungen von sich reden gemacht. Unter seiner Leitung katapultiert sich die Semperoper an die Spitze der Musikmoderne. An diesem 7. März 1933 aber schreien ihn die Dresdner nieder. Busch blickt seine Musiker lange an, die aber schweigen. Ohne den Taktstock erhoben zu haben, verlässt der Westfale die Bühne. »Aus!!!«, vermerkt er in seinem Kalender über sein Ende, aus Protest verlässt Busch nicht nur Dresden, er geht aus Deutschland weg. Mit dem Dirigenten wird sein ganzes Leitungsteam beurlaubt, vom Generalintendanten bis zum Spielleiter der Oper. Es ist ein Signal. Ausnahmslos alle jüdischen Ensemblemitglieder in Dresden müssen gehen, viele verstummen für immer. Die Sängerin Therese Elb und der Musikdirektor Arthur Chitz werden nach Riga deportiert und dort ermordet; die Schauspielerin Jenny Schaffer stirbt in Auschwitz. »Diese öffentliche Vertreibung«, sagt Hannes Heer, »war ein einmaliger Vorfall. Es waren ja keine SALeute von außerhalb, die mit einem Putsch die Staatstheater übernommen haben, wie immer behauptet wird. Die Machtergreifung hat von innen heraus stattgefunden. Die eigenen Leute haben die Kollegen verjagt, kühl und kalkuliert.« Der Hamburger Historiker arbeitet seit dem Jahr 2006 an dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ,Juden‘ aus der Oper 1933 bis 1945. Er widmet sich einem kaum untersuchten Kapitel des deutschen Kulturlebens zwischen den beiden Weltkriegen: der systematischen »Säuberung« der deutschen Opern- und Schauspielhäuser von »jüdischen« und »politisch untragbaren« Ensemblemitgliedern. Heer hat darüber bereits an den Staatsopern in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt geforscht; die Ergebnisse in Dresden aber empfindet er als besonders bedrückend. »Es war ja nicht Alexis Posse als Gaukunstwart allein, der den künstlerischen Exodus in Dresden ermöglicht hat. Es waren die ultrakonservativen Bildungsbürger, die in den 1920er Jahren Stücke wie das Kriegsheimkehrer-Drama Hinkemann von der Bühne gefetzt und mit der Judenhetze begonnen haben.« Der von Heer neu recherchierte Teil der Wanderausstellung zeigt deutlich, dass dieser 7. März 1933 Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik war, die als Kampf gegen den »Musikbolschewismus« und die »entartete Kunst« schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten propagiert und von großen Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde. Auch wenn Dresden als Vorreiter des Expressionismus gilt – die Stadt war ebenso ein Zentrum des Widerstandes gegen die verhasste Moderne. 1920 gründet sich hier die völkische Organisation Deutsche Kunstgesellschaft. Sie bekämpft mit einem kostenfrei verschickten Nachrichtendienst zeitkritisches Musiktheater oder unliebsame Künstler. Besonders die völkische, verdeckt antisemitische Besucherorganisation Bühnenvolksbund greift diese Vorstöße auf: Vehement zieht sie gegen die an den Musik- und Sprechtheatern betriebene »Entsittlichung, Entgöttlichung und Entnationalisierung« zu Felde. Vor allem das Bildungsbürgertum in Dresden erkennt sich in derartigen Schmähungen wieder. Der Schauspieler Alexis Posse wird nun aktiv. Er gründet Ende 1930 eine »Theaterfachgruppe der NSDAP« – gemeinsam mit Kollegen, Tänzern und Musikern. Wenn man mit Heer über die neue Ausstellung spricht, wird sein Ton sehr bestimmt: »Diese Nazizelle an den Staatstheatern war deutschlandweit einzigartig. Die haben Klartext gesprochen: ›Wir sind keine braune Gewerkschaft, sondern eine Kampftruppe der Partei‹«, sagt Hannes Heer: »Die konnten sich bei der Durchführung ihrer regelmäßigen ›Kunstabende‹ auf ihre Kollegen verlassen. Das macht die Geschichte so schwie-

Ende des Notstands
Wie Niederwiesa nach einem Jahr eine neue Landärztin gefunden hat
Wenn man in Niederwiesa bei Chemnitz den Arzt ruft, kommt neuerdings eine Frau aus Semipalatinsk: Irina Tarassenko, 39, geboren im 4500 Kilometer entfernten Ostkasachstan, sitzt in ihrem Behandlungszimmer. Sie trägt das Haar wie eine Löwenmähne, es ist eine einzige rotbraune Welle. »Hausärztin, dafür bin ich geboren, no«, sagt sie. Irina Tarassenko hat zu Hause in Semipalatinsk Medizin studiert, das »no« hängt sie an alle Sätze, und in jedem ihrer deutschen Wörter liegt noch die Würze des Kasachischen, ihrer Muttersprache. Tarassenko ist einer der Menschen, nach denen Sachsen in ganz Europa fahndet. Sie wird geliebt in Niederwiesa, weil sie die alte Hausarztpraxis wiedereröffnet hat: Ein Jahr lang stand diese leer, ein Jahr lang hatten 5000 Erzgebirgler im Tal der Zschopau niemanden, der sie kuriert. Wolfdieter Kühn, den hier alle nur den Doktor nennen, ist in Rente seit dem 31. März 2010. Für Bürgermeister Dietmar Hohm, 66, einen Mann mit grauem Vollbart, begann an diesem Tag »die schlimmste Zeit«. Die Bürger marodierten wie seit 1509 nicht mehr, damals hatten sie Chemnitz den »Bierkrieg« erklärt. Nun wollten die Menschen, dass Hohm ihnen endlich einen neuen Arzt präsentiert. Er sanierte erst mal das Praxisgebäude, für 320 000 Euro. Dann blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Im vergangenen November berichtete die ZEIT (Nr. 45/10) über Niederwiesas Arztnotstand und Sachsens Bemühungen, ausländische Mediziner anzulocken. Mindestens 150 Landärzte finden im Freistaat keinen Nachfolger, unzählige Vorschläge sind im Gespräch: von der Aufweichung der Zulassungsbeschränkungen an den medizinischen Fakultäten bis zu »rollenden Praxen«. Die Landesärztekammer gründete ihre Koordinierungsstelle »Ärzte für Sachsen«, die neuerdings sogar bei Facebook nach Medizinstudenten fahndet. Tarassenko, seit einigen Jahren am Chemnitzer Krankenhaus, las von Niederwiesas Problem, fuhr in den Ort und befragte Bewohner: »Würden Sie, wenn jemand die Praxis übernähme, wiederkommen?« Natürlich, sagten die Niederwiesaer. »Das hat alles beeinflusst«, sagt Tarassenko: »dass man hier gebraucht wird. Natürlich ist Angst im Spiel, wenn man so einen Schritt geht. Aber hier kennen dich die Patienten,

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Fotos: ullstein (u.r.); Martin Machowecz (l.); kl. Fotos (im Uhrzeiger): U. Richter (Dirigent Fritz Busch); A. Pieperhoff/Archiv der Staatsoper Dresden (Sängerin Margit Bokor); Archiv des Staatsschauspiels Dresden (Schauspielerin Jenny Schaffer, Schauspieler Martin Hellberg)

rig, so schmerzhaft.« Für Jens Hommel, der gemeinsam mit Heer die Ausstellung konzipiert hat, passen die Recherche-Ergebnisse nicht so recht ins Selbstbild seiner Stadt: »Noch immer finde ich viel zu oft das schwarz-weiße Faschismusbild aus DDR-Zeiten in den Köpfen vor: Hier die braunen Horden als ›Helfershelfer des Monopolkapitals‹ – da die Bürger vom Stadtteil Weißer Hirsch, die aufgrund ihrer kulturellen Affinitäten immer immun blieben für totalitäre Ideologien«, sagt der gebürtige Dresdner. »Die Erzählungen über Barbarei in der Stadt beginnen oft erst mit 1945. Das stößt mir inzwischen bitter auf.« Kurator Hannes Heer, der vor Jahren mit der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, erinnert sich, seine Recherchen in Dresden seien kompliziert gewesen. Anfangs hätten die Archivare immer gleich erklärt: Es gibt nichts mehr, weder Akten der Verwaltung, noch Personalpapiere. Alles verbrannt. Doch gegen Ende der Arbeit entdeckte Heers Team, dass von den Ensemblemitgliedern, die 1945 wieder am Theater beschäftigt wurden, die alten Personalakten doch noch existierten: »Sie waren einfach – gesäubert und frisiert – in die neuen mit eingearbeitet worden. So konnten viele, ähnlich wie in Westdeutschland, ihre Nazivergangenheit abschütteln und erneut Karriere machen.« Heer berichtet, und die Aufregung ist ihm noch anzumerken, von einem weiteren Fund: einem 1918 begonnenen handschriftlichen Verzeichnis mit 850 Namen von Arbeitern der Semperoper. Von 1941 an sind in dem Personaljournal auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verzeichnet, ohne die der Theaterbetrieb wohl zum Erliegen gekommen wäre. Hunderte. Damit sei ein Thema aufgetaucht, sagt Heer, das er bei früheren Recherchen nie zu fassen bekommen habe. »Es gab

Braune Dramen
Machtergreifung an der Semperoper: Eine Ausstellung räumt mit der Legende auf, Dresden sei in der NS-Zeit eine unschuldige Kulturstadt gewesen VON ADINA RIECKMANN
Gerüchte, aber ich konnte bisher nie etwas beweisen. Und dann steht das hier Schwarz auf Weiß.« So fügt die Arbeit der Historiker dem Geschichtsbild Dresdens einige neue Facetten hinzu. Die Stadt, sagt Staatsschauspiel-Intendant Wilfried Schulz, sei oft vergangenheitssehnsüchtig – unter Aussparung aller Schmerzpunkte. Ähnlich hat er das auch schon zum Gedenktag 13. Februar gesagt, an dem seit Jahren Tausende Neonazis in der Stadt aufmarschierten. Anstatt das alles nur zu beklagen, macht Schulz sich das Thema zu eigen. Theater, sagt er, müsse sich doch als Spiel- und Erinnerungsort produktiv mit seiner Geschichte beschäftigen; erst recht, wenn sie hoch unmoralisch sei. In diesem Jahr prangte am 13. Februar weithin sichtbar ein Banner an der Semperoper. Darauf stand: »Es ist noch wichtiger, sich anständig zu benehmen, als gute Musik zu machen«. Ein Zitat des Dirigenten Fritz Busch. Das hoch gehängte Statement stieß bei einigen in der Stadt auf Unverständnis. Und auch ein paar Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sahen es nicht besonders gern: Als Musiker, so lautete der Einwand, sei man schließlich unpolitisch. Ulrike Hessler, die Intendantin der Semperoper, teilt diese Ansicht nicht. Das Banner war eine Idee des Personalrates gewesen. Eine Idee, die Hessler, ohne zu zögern, aufgriff. »Was mich besonders schockiert, ist die Aktualität dieses Themas«, sagt sie über die NS-Geschichte ihres Hauses: »50 Ensemblemitglieder mussten gehen, viele auch, weil sie politisch nicht genehm waren.« Wenn sie im Jahr 2011 nach Ungarn schaue und sehe, dass an der Budapester Staatsoper der Chefregisseur und der Generalmusikdirektor entlassen wurden, weil sie der Regierung aus ähnlichen Gründen nicht passen, »dann erinnert mich das sehr an den 7. März 1933«.
Die Ausstellung »Verstummte Stimmen« ist vom 16. Mai bis 13. Juli in den Foyers von Semperoper und Staatsschauspiel Dresden zu sehen; Eintritt frei. www.verstummtestimmen.de

Die Ärztin Irina Tarassenko, 39, kam vor rund zehn Jahren aus Kasachstan nach Chemnitz

sie akzeptieren dich.« Sie hätte auch in der Großstadt bleiben können, in Chemnitz lebt sie mit Mann und Kindern, Praxen stehen dort ebenfalls leer, aber Tarassenko sagt: »In Chemnitz gibt es Ärzte genug.« Im Oktober soll in Niederwiesa ein Seniorenheim eröffnen, 48 Zimmer, viele Patienten, »ein Pflegeheim der vierten Generation«, sagt der Bürgermeister. »Ein Jahr lang waren wir ziemlich in Schwulitäten.« Nun werde alles gut. Die Ärztin kuriert seinen Ort. MARTIN MACHOWECZ
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Kultur-Führer: Hitler grüßte 1934 vor der Semperoper. Der Dirigent Fritz Busch (oben links) und andere Künstler waren schon verbannt worden

20 12.Mensch. Genscher Nr. Seite 30 . 2011 Siebeck reitet ein Kamel. 5.

Was wird nur aus seiner FDP? Ihr Ehrenvorsitzender macht sich Gedanken. Und zieht seine Lebensbilanz .

I N H A LT N R . Marco Valdivia. die man auf dem Schirm haben sollte Warum wird in Magdeburg so viel gemordet? Eine Deutschlandkarte Wie viel sollte einem ein Kindermädchen wert sein? Hans-Dietrich Genscher blickt auf sein manchmal sehr gefährliches Leben zurück Die Sängerin Kate Bush über den Song ihrer Träume Der Fotograf der Lüfte: Paolo Pellegrin überfliegt New Orleans Hauptsache. 2 0 Alles. es knallt: Neonfarben sind der Trend der Saison Der Auffahrunfall – oder die Kunst. was in diesem Heft passiert 30 20 34 Wolfram Siebeck in Ägypten Zu Besuch bei legendären Gärtnern 6 8 10 11 12 26 28 44 45 46 49 54 Uhren und Schmuck finden zusammen Harald Martenstein über einen Traumjob. miteinander zu reden Waldmeister der Herzen Dürfen alte Männer Fantasien von jungen Frauen haben? Wie der Schauspieler Robert Hunger-Bühler fast ertrunken wäre Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos Jonas Unger Fotos Inhalt Barbara Siebeck. den man auch gut nebenher erledigen kann Eine Leuchte. Marcus Gaab 5 .

das ideale Eintrittsbillett zum Terrorismusexpertentum. dass es unter den deutschen Terrorexperten keinen einzigen Bartträger. keine Person mit Migrationshintergrund und auch keine einzige Frau zu geben scheint. Michael Ortmann zieht seine Bahn als Terrorexperte bei RTL. offiziellen Terrorismusexperten. Lüders schreibt Romane (zuletzt: Blöder Hund). Die ARD leistet sich. Den originellsten Einstieg in diesen jungen Beruf hat der Terrorwart des Senders RTL gefunden. eine gewisse seelische Stabilität mitbringen. deren Angehörige ohne Verbrechen. Illmar Ernesto von den Wicken« auf. Theveßen arbeitet in terrorismusarmen Phasen als Experte für Wirtschaftskriminalität und stellvertretender Chefredakteur des ZDF.und Kunstexperte Dr. Thamm ist gelernter Diplom-Sozialpädagoge und hat als Streetworker den Umgang mit unberechenbaren Individuen sozusagen hautnah gelernt.de / audio Illustration Fengel . auch kein Studienfach Terrorforschung. so hat es die Figur »Terrorexperte Marcus Heuser« in der Fernsehserie GSG 9 zu einem gewissen Ruhm gebracht. ARD.zeit. Hagen war Reporter bei der Kieler »Welle Nord«. Das ist für junge Leute heutzutage sicher nicht die schlechteste Perspektive. Den Beruf des Seifensieders gibt es nicht mehr. und im Internet tritt gelegentlich. Für die Ausbildung zum Terrorexperten gibt es noch keine Norm. einen eigenen. als Parodie. Auffällig ist. Auskunft gegeben. Rufe nach einer Frauenquote wurden bisher nicht vernommen. wie sich ein Terrorismusexperte am Feierabend entspannt. Krankheit und Tod ja ebenfalls arbeitslos wären. nämlich Joachim Hagen und Holger Schmidt. Daneben gibt es den Typus des freiberuflichen. Diese Eigenschaft teilt er freilich mit den Juristen. Einstweilen darf ein historisches Studium als ideale Voraussetzung gelten. Nachdem er den Menschen an den Bildschirmen den Terror erklärt hat. so wenig wie den Harzer oder den Haderlump. es handelt sich also um den letzten echten Männerberuf. Bevor Michael Ortmann sich der Terrorforschung zuwandte. 6 Zu hören unter www. zu dem Berndt Georg Thamm zu zählen ist. diesen Weg sind unter anderem Theveßen und Hagen gegangen. Der Boom ist auch in der Unterhaltungskunst nicht unbemerkt geblieben. zum Beispiel Terrorexperte. Mir fallen im Fernsehen aber oft neue Berufe ins Auge. senderunabhängigen Terrorismusexperten. der »Terror. Immerhin verdient er sein Brot mit einer sehr unerfreulichen Zeiterscheinung. Darüber. Das ZDF geht mit Elmar Theveßen an den Start. neben einer guten Allgemeinbildung. Thamm ist im Zweitberuf Drogenexperte. hört er zu Hause Opern. im Jahre 2000 inszenierte er den Film Die frechsten Seitensprünge der Welt. Alle Sender beschäftigen. Fremdsprachenkenntnissen und sicherem Auftreten vor der Kamera. Der CNN-Experte gilt als führend. Deshalb haben die meisten Experten sich ein zweites oder sogar mehrere weitere Standbeine geschaffen.HARALD MARTENSTEIN Über den Traumjob Terrorismusexperte: »Es handelt sich um den letzten echten Männerberuf« Die Welt – ein Werden und Vergehen. hat bisher allein Joachim Hagen. sogar zwei Terrorexperten. hat er sich als Regisseur künstlerisch mit misslingenden menschlichen Beziehungen befasst. Der Terrorismusexperte muss. Bergen dagegen hat 1997 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Osama bin Laden geführt. er heißt Peter Bergen. spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center. der nicht unumstrittene Dr. wahrscheinlich wegen der föderalen Struktur dieses Senders. Udo Ulfkotte und der ehemalige ZEIT-Kollege Michael Lüders. den Medizinern und den Bestattern. Der Beruf des Terrorismusexperten ist von einer stark schwankenden Auftragslage gekennzeichnet.

Es muss ja nicht immer Südtirol sein Dieses BUCH aus dem Wagenbach-Verlag heißt »Reizpartie« und bietet »Variationen über eindeutige Absichten«. studiohomme. Oder: Schmuddelkram mit Niveau Ann-Kathrin Carstensen und Ana Nuria Schmidt vom MODELABEL »Rita in Palma« arbeiten mit türkischen Näherinnen zusammen: Aus traditioneller Häkeltechnik entstehen moderne Accessoires Fotos Shay Alkalay. Carol Körting. Carol Körting.com H Wie sein Kollege Gérard Depardieu baut der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant Wein an – wir empfehlen den WEISSWEIN Blanc de Garance von seinem Gut Rouge Garance in der Provence Im belgischen Heuvelland. Carsten Kofalk. »Pinha«. denn es wird auch die »Walküre« gespielt »Mama will für die Hose nur was zuschießen. ungefähr 130 Kilometer von Brüssel entfernt. Der Besuch lohnt sich doppelt. ein kleines. Name Namerich / Agentur.com . Die Schuhe bekommt man bei einem französischen Online-Shop-Seite für Männer: Studiohomme. Tom Powel. die Engländer machen mal wieder die besten MÄNNERSCHUHE – und zwar bei der Firma Mr. feines Restaurant mit HOTEL und ganz viel Land drumrum. mit dem das Buch »Wir waren jung und brauchten das Gel – Das Lexikon der Jugendsünden« von Lisa Seelig und Elena Senft beginnt Ach.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Wer diese LEUCHTE kauft. von Raw Edges für Materia H Die Ausstellung der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton in der New Yorker Metropolitan Opera heißt »WAGNER« und wurde vom »Ring« inspiriert. Hare. bekommt nur den oberen Teil aus Kork – den Schirm darf er sich selbst aus Papier basteln und anpinnen. gibt es »In De Wulf«. April 1990. Ich halt das nicht mehr länger aus« TAGEBUCHEINTRAG vom 2.

München hatte auch nur vier. Aber was bitte war da in Halle und Magdeburg los? Die beiden Städte hatten im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit Abstand die meisten Fälle. dass auch in den gar nicht so großen Städten viel gemordet wird. Münster und Saarbrücken hatten 2009 zusammen gerade mal sechs Tote. Die Wirklichkeit ist zum Glück etwas friedlicher.und totschlagfrei. im Osten sind schon seit Jahren ein paar mehr Opfer zu beklagen als im Westen (es bringen sich also nicht nur die Reichen gegenseitig um. Gut. wie das Fernsehen lehrt). Kiel.Deutschlandkarte MORD UND TOTSCHLAG Kiel 2 Essen 5 Duisburg 3 Düsseldorf 2 Gelsenkirchen 2 Recklinghausen 2 Herne 1 Moers 1 Mülheim 1 Oberhausen 1 Bochum 0 Bottrop 0 Krefeld 0 Neuss 0 Rostock 1 Lübeck 2 Bremerhaven 2 Oldenburg 3 Bremen 4 Hamburg 18 Hannover 5 Osnabrück 3 Hildesheim 1 Bielefeld 0 Paderborn 3 Braunschweig 2 Wolfsburg 0 Potsdam 0 Salzgitter 0 Magdeburg 8 Berlin 61 Münster 1 Hamm 1 Cottbus 1 Halle 8 Leipzig 4 Jena 1 Dresden 2 Chemnitz 2 Mönchengladbach 3 Leverkusen 0 Aachen 1 Köln 7 Dortmund 2 Göttingen 1 Hagen 0 Kassel 1 Wuppertal 4 Solingen 1 Remscheid 1 Erfurt 4 Siegen 1 Bergisch Gladbach 1 Bonn 1 Frankfurt 9 Offenbach 1 Darmstadt 1 Mannheim 0 Heidelberg 1 Würzburg 0 Fürth 2 Koblenz 0 Wiesbaden 3 Trier 3 Mainz 0 Ludwigshafen 2 Kaiserslautern 3 Saarbrücken 1 Erlangen 2 Nürnberg 0 Regensburg 1 Karlsruhe 2 Pforzheim 1 Reutlingen 3 Heilbronn 0 Stuttgart 5 Augsburg 0 Ulm 1 München 4 Ingolstadt 2 Freiburg 1 Mord. Man liest in der Zeitung von einem Mörder und denkt sich: Eigentlich könnte ich ja auch… Läuft es so? Die Tatorte wirken zum Glück nicht so.30 Uhr wird nachgelegt.und Totschlagsfälle im Jahr 2009 in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mehr Im Tatort geht der Trend ja zum Zweit. Vielleicht gibt es wie bei Selbstmorden auch bei Morden eine ansteckende Wirkung. gegen 21.18 Uhr liegt der Erste tot da. weit vor Berlin. Die Tatort-Städte Ludwigshafen. Es entsteht der Eindruck. Um 20.und Drittmord. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Quelle Polizeiliche Kriminalstatistik . Münster war in den Jahren zuvor mehrmals mord.

vielleicht letzte Luxus. Mit anderen Worten: Die sechs Mädchen für sechs Kinder. nämlich 900 000 Dollar Jahresgehalt für die Kindermädchen. was nur in Hollywood für den Nachwuchs aufgewendet werden muss. Da kommen selbst reiche Leute an finanzielle Grenzen. dass für die Beaufsichtigung von zwölf Kindern im Garten zwei Kindermädchen jedenfalls zu wenig sind. war eine – Prinzenrolle. was auch wir aus unserem Alltag kennen: Kinder sind teuer. Im egalitär verwahrlosten Westen. weil sie wahrscheinlich erkannt haben: Kinder sind der wahre. Ein Experiment. ergab die Erkenntnis. horribile dictu. vier wahrscheinlich angemessen. Selbst wenn man abzieht. Chauffeur oder. die sich mit knapper Not noch einen Butler leistete. die ebenso gut in der Vorstandsetage eines Konzerns arbeiten könnten? Indes dürfen wir nicht vergessen. sind keine Verstiegenheit. Drei wären besser. leben wahrscheinlich auch Brangelina nicht mehr in Saus und Braus. Dolle Sache! Vielleicht ist es das. Gärtner. sollen im letzten Jahr allein zehn Millionen Dollar für ihre Kinder ausgegeben haben. aber noch keineswegs übertrieben gewesen. als Kindermädchen verstehen. die Charter von Privatflugzeugen und die Rechnungen von Luxushotels. So gesehen. Sie leisten sich die Nannys. bleibt vermutlich immer noch eine erstaunliche Summe übrig. Wir kannten eine Dame am Berliner Wannsee.Gesellschaftskritik Nicht im Bild: Die Nannys der Familie Jolie-Pitt Über Kinderbetreuung Angelina Jolie und Brad Pitt. neulich unter den beschränkten Verhältnissen der deutschen Mittelschicht angestellt. was den Klatsch über das Privatleben der Stars so anziehend macht – dass es ins Ungeheure steigert. Was sind das für Kindermädchen? Prinzessinnen? Harvard-Absolventen. sind Menschen. Aber was heißt schon üppig bei Dienstboten? Auch Löhne sind Knappheitspreise. Jens Jessen Foto Saul Lazo/BULLS / Fame 11 . dass Brangelina (wie man das Paar gern uncharmanterweise zusammenfasst) sechs Kinder haben und angeblich sechs Nannys brauchen. heißt es. Teilt man die 900 000 Dollar entsprechend. eine Mangelware. in dem Krethi und Plethi einen Vorstandsvorsitz erobern. die Brangelina bisher hatten. kommt man auf immer noch üppige 150 000 als Jahresgehalt. aber was dieser auf dem Silbertablett den Gästen reichte. die sich noch mit Liebe und Leidenschaft als Köchin.

Momente zwischen Leben und Tod und eine Leiche. über die Krise seiner Partei.»Es war schwierig. die eines Tages auf seiner Terrasse lag . ein normales Leben zu führen« Hans-Dietrich Genscher. der Übervater der FDP.

Jeder Tag rechnet doppelt. Was ist jetzt zu tun? Das Potenzial der Partei ist eine ausgezeichnete jüngere Generation. dass die FDP-Mitgliedschaft anstrengend ist. sie muss wertorientiert. Ich werde mich nicht hinstellen und eine hoch motivierte junge Generation wie Kinder auf die Bühne 13 . Was werden Sie den Delegierten auf dem Parteitag ins Stammbuch schreiben? Das ist nicht meines Amtes. Allerdings lag es im allgemeinen Trend.und Personalfragen. dass die FDP in Sachsen-Anhalt. dass ich meine Außenpolitik. Diese wird zunehmend sichtbar. davon. Wir erfahren viel über die Mächtigen dieser Welt. bei denen Hans-Dietrich Genscher verstummt. und schon steht da der Staatsmann Souvenir aus seiner Amtszeit: Den Säbel bekam Genscher bei einer seiner Reisen geschenkt views dargelegt habe. Genscher wird uns die erstaunliche Sammlung seiner Bilder an der Wand erklären. Zwei Vormittage verbringen wir mit ihm in seinem Haus am Waldrand oberhalb von Bonn-Bad Godesberg. gefühlt bin ich demnach schon 130 Jahre dabei. Außenpolitik darf nicht als geheime Kabinettspolitik behandelt werden. die schwerste seit Gründung der FDP. Er muss Vertrauen nach innen und nach außen wiederherstellen. damals ägyptischer Staatspräsident. Das gilt in Sach. In einer offenen Gesellschaft muss sie von der Öffentlichkeit mitgetragen werden. Ich habe gelernt. dass er einen personellen Neuanfang ermöglicht. und er wird von der größten Zäsur seines Lebens erzählen – seiner Tuberkuloseerkrankung.Eine Leinwand als Hintergrund reicht. Ich bin oft kritisiert worden. Vor wenigen Wochen bin ich in meiner Heimatstadt Halle gewesen. lange Pausen – man kann ahnen. sie hat viele Zerreißproben überstanden. man solle diese Debatte beenden. Schweigen. Welche Niederlage hat in letzter Zeit am meisten geschmerzt? Womöglich. von denen so manche hier vor dem Kamin gesessen haben. Was dachten Sie. Ihrer alten Heimat. hat es nicht leicht. der schon am Boden liegt. sooft es ging. ist eine schwere Vertrauenskrise. der Inkarnation des deutschen Außenministers. als Sie von der Abstimmung bei den Vereinten Nationen zum Hilfseinsatz in Libyen hörten. Dort bin ich vor 65 Jahren Mitglied der liberalen Partei gewor- den. wie er die Freiheitsentwicklungen in der arabischen Welt wirksam unterstützen kann. dürre Diplomatenworte. Guido Westerwelle verdient Respekt dafür. dass es ihm auch um Anstand geht: Man schlägt auf niemanden ein. Das war für mich das Gespräch mit den Bürgern. Aber es gibt auch Fragen. gar nicht mehr in den Landtag gekommen ist? Natürlich hat mich das besonders geschmerzt. Was wir jetzt erleben. derentwegen er als Jugendlicher jahrelang in Kliniken und Heilanstalten lag. dass sich Deutschland der Stimme enthielt? Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat in New York erklärt. wenn nicht Sie. In diesen Tagen fragt man sich: Woran ist gute Außenpolitik zu erkennen? Sie muss perspektivisch angelegt sein. konsistent und berechenbar sein. Nur so konnte Deutschland nach Hitler das Vertrauen der Welt wiedergewinnen. Was erwarten Sie von Philipp Rösler? Von ihm wird Führungsstärke und Entscheidungskraft erwartet. Dazu kommen erfahrene Liberale mit Blick und Verständnis für die Zukunftsfragen. Von HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS und STEPHAN LEBERT Fotos JONAS UNGER Herr Genscher. indem er nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. über die Krise des Außenministers Guido Westerwelle spricht. Wer mit ihm. was derzeit mit der FDP passiert? Die Partei ist schon durch viele Täler gegangen. In Wahrheit geht es jetzt um ein Konzept des Westens. Zum Beispiel der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko und Hosni Mubarak. wer. in Inter- Besuch bei Hans-Dietrich Genscher. Er hat recht. könnte uns sagen.

er will ein Gespräch. Helmut Schmidt hat über den Preis eines hohen Amtes gesprochen. Dabei hatte sich ein Schuss gelöst. In seine Ministerzeit fallen die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen 1972. Einmal rief mich meine Frau an. so war es. dem er zum ersten Mal begegnete. Ja. Sie haben der FDP viel zu verdanken. und der jugendlich wirkende russische Außenminister Schewardnadse kam dazu. Nach meinem Ausscheiden als Minister hätte ich Bundespräsident werden können. Es war richtig aufzuhören. unsere Außenpolitik zu formulieren. dann haben wir zum ersten Mal eine reale Chance. Er war unter Willy Brandt Innenminister. Wie echt ist die Trauer? In besonderer Weise habe ich die Trauer um den ägyptischen Staatspräsidenten Anwar alSadat in Erinnerung. ich war der Ansicht. Über Jahre ging das so. mir die außenpolitische Linie der neuen Regierung von Gorbatschow darzulegen. Sie dürfen nicht vergessen: Als ich 1992 ausschied. dieser Mann wird die Welt verändern. und überraschte mich mit dem Hinweis: »Wir sind gerade dabei. dass mich eines Tages jemand fragt: Wann hören Sie endlich auf? »Warum hören Sie schon auf?« klingt besser. dass er sich außerstande sehe. Er meinte. was er uns sagt. 84. unter Helmut Schmidt und bis 1992 unter Helmut Kohl Außenminister. einem Menschen. alles hat seine Zeit. und wir trotzdem nicht in der Lage sind. Bodyguards. heute ist er ihr Ehrenvorsitzender. Die FDP hatte es nicht in der Hand. mit der Sie sich zurückzogen. aber wir haben es versucht. den ehemaligen russischen Außenminister. Zwei BGS-Beamte hatten wohl ausprobieren wollen. gepanzerte Autos. wurde in Halle an der Saale geboren und ging 1952 in den Westen. Nach unserem Telefongespräch werde er den Kreml verlassen. er meint es ehrlich. Es war der zehnte Jahrestag der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki. wer von ihnen die Pistole schneller ziehen konnte. Sie berichtete mir von einer Tragödie bei uns zu Hause. und das mir gegenüber. Das habe ich. Sie können es. ebenso in der Rüstung. mit ihm am Heiligabend 1991 zu telefonieren. Welche Erinnerung haben Sie an den Rücktritt von Gorbatschow 1991? Ich habe versucht. Haben Sie sich vor dem ersten Zusammentreffen mit dem sowjetischen Regierungschef Ratschläge bei westlichen Amtskollegen geholt? Ja. es würde unter Michail Gorba- Hans-Dietrich Genscher. Haben Sie damals schon geahnt. aber er wisse ja. meinte Gorbatschow. Ich erinnere mich daran. Aber ich fand damals. mit dem Sie so reden können wie mit mir.« Eine Botschaft von großer Bedeutung? Das kann man wohl sagen. Können Sie sich noch daran erinnern. Er hat keinen Stapel vorgefasster Erklärungen vor sich auf dem Tisch liegen. was den Deutschen die Weihnachtsgans bedeute. was mit diesem Mann alles möglich sein könnte? Diese Begegnung mit Gorbatschow hat mich tief berührt. das hätte ich mir vorher nie vorstellen können. Ich habe im Sommer 1991 mit meiner Frau zum ersten Mal darüber gesprochen. denn damit war klargestellt.bitten mit den Worten: »Nun macht mal schön!« Nein. Kann man sagen. die deutsche Vereinigung zu erleben. Davon war ich 23 Jahre in der Regierung. ein junger Polizist hatte den Kommandoführer tödlich getroffen. wie es mit Ihnen beiden begann? Ich erinnere mich an einen Besuch in Helsinki 1985. Ich wollte nicht. Er wird Sie unterbrechen. Da gibt es irgendwann eine Art Legitimationsproblem in einem System. dass Sie Gorbatschow auf eine besondere Weise geliebt haben? Geliebt ist ein sehr großes Wort – und hier nicht das richtige. Mir reicht schon das Gefühl. Ich suchte deshalb François Mitterrand in Paris auf. er hätte ja auch Heiligabend zurücktreten können. Und dann wollte er mir wohl zeigen. selbst den Kanzler zu stellen. Was läuft falsch bei uns?« Damit stellte er die Systemfrage. dass er bei aller inneren Bewegung über den Abschied noch zu einem Scherz in der Lage ist.« So ist es dann auch gewesen? Ja. Als Sie 1992 auf eigenen Wunsch aus der Bundesregierung ausschieden. Er bestellte mir Grüße von seinem Amtsvorgänger Gromyko. und er erwartet. und dann sagte er einen bedeutsamen Satz: Er bat mich um Verständnis. Er hat recht. da