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Die Zeit 2011 20

Die Zeit 2011 20

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DIE

WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR

ZEIT

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

Die Angst vor
Illustration: Smetek für DIE ZEIT

Moralweltmeister Deutschland

Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten

Fukushima, Libyen, die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Gutmenschen nerven, findet Josef Joffe. Sie sind nötiger denn je, antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49

WISSEN SEITE 37–40

Der alte Mann und das Drama der FDP

Schluss mit luftig
Die EU hat alles versucht, um Griechenland aus der Krise zu helfen. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER
er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Doch das heißt nicht, dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet, man macht sich unbeliebt. »Retten« ist ein hübsches Wort, aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Es kostet nur wieder Milliarden, und trotzdem beschimpft Europa uns, weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. »Umschulden«, die andere Möglichkeit, ist auch eine hässliche Sache, die im Englischen haircut heißt. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Vergessen. Nicht mehr bezahlen. Auch das käme alle teuer zu stehen. Die Griechen, denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte, ebenso wie die Deutschen und andere, die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.

Es grünt im Klub
Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO

Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Und: Philipp Rösler versucht, sich die Zukunft vorzustellen Magazin; Politik S. 7

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Europa will sich Ruhe kaufen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben
Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Diejenigen, die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen, positionieren sich als die guten Europäer. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da, obwohl doch alle gleichermaßen wissen, dass es ohne Europa nicht geht. Wir erleben einen Austausch von Forderungen, Schuldzuweisungen und Dementis, in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Sooft dieser Tage in Ministerien, Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf- und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd, was kommt. Klar ist einzig, dass die Griechen mit dem ersten, 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften, sondern echtes Geld kosten werden. Viel Geld. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein, doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Gleichwohl verlangen die EU, die Euro-Gruppe und die Zentralbank, dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, dem Vertreter des kleinen Luxemburgs, will das offizielle Europa Ruhe, was sie auch kostet. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt, wenn Europa weiter zahlt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler

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www.zeit.de/audio

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Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich, wohl aber die Stimmung. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog, die Griechen überlegten, aus dem Euro auszutreten: Selbst dort, im Land, in das so viel Geld fließt, wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag, so desaströs seine Folgen wären. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Der Rettungsfonds will weiter retten, die EU dabei mitregieren. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei, seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Käme es jetzt zum griechischen haircut, dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Nein, Ruhe wird in keinem Fall eintreten, auch nicht beim haircut. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los, einige seiner Banken brauchten neue Hilfen, und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen, damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten, als gäbe es kein Morgen – und der Staat, der nicht aufgepasst hatte, deshalb unser aller Geld retten musste. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst, der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Was dagegen geschieht, wenn Europa immer weiterzahlt, zeichnet sich schon ab. Irland, seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm, will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Wer wollte sie den Iren abschlagen, wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen, sondern auch an zu viel. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören, so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also, an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wer der bessere Europäer ist, da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Die Frage ist vielmehr, was auf lange Sicht besser für Europa ist. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Europa sollte die Umschuldung wagen.

A

uch wenn man die Grünen nie gewählt hat, jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt, und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg, die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage, ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland, das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt, die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Als Ausdruck einer Stimmungswahl, die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Aber die Diagnose ist unvollständig, wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt, das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar, noch nie schienen sie so entschlossen zu sein, ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott, sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei, die sie früher nie gewählt hätten. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.

Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg
Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran, nun gelte es, die Erwartungen der Bürger zu erfüllen, die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. In Interviews sprach er davon, man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«, und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte, dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten, weil dies ein überholter Begriff sei, so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege, das zu werden, was gemeinhin eine Volkspartei ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus, dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Das klingt weit unattraktiver als das, was

sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte, jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition, bestrebt, möglichst viele Menschen mitzunehmen, statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft, und darin liegt eine Chance: In einer Zeit, in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird, könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt, die SPD, die zweite Volkspartei, bleibt auch eine. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Die Entscheidung Kretschmanns, der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen, ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner, der sich tief gedemütigt fühlen muss. Das ist umso generöser, als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie, das Beharren auf Posten und alten Positionen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen, als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus, wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen, die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben, und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr, bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen, in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen; nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum- und Bahnhofsschützern, plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub!

ZEIT ONLINE
Bienen am Schaalsee. Wellen am sardischen Strand. Kleine Augenblicke, die verzaubern
Eine neue Videoserie unter www.zeit.de/video-momente

PROMINENT IGNORIERT

Skandal auf Samoa
Dass der Inselstaat Samoa, bislang östlich der Datumsgrenze gelegen, beschlossen hat, um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern, dessen Datum anzunehmen, also einen Tag zu überspringen, ist schlicht ein Skandal. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte, würden Schulden nicht getilgt, Geburten hinfällig, und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. GRN.
kleine Abb. (v.o.n.u.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost); Jonas Unger für DZ; Mauritius

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AUSGABE:

2 12. Mai 2011

DIE ZEIT No 20

POLITIK
M O R A LW E L T M E I S T E R D E U T S C H L A N D

Worte der Woche

»

Das waren die längsten 40 Minuten meines Lebens.«

Barack Obama, US-Präsident, auf die Frage,

wie er sich während des tödlichen Angriffs auf Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden gefühlt habe

»Pakistan behält sich vor, mit voller Kraft zurückzuschlagen.«
Yousuf Raza Gilani, Regierungschef Pakistans, nach dem aus seiner Sicht rechtswidrigen Einsatz der Amerikaner auf dem Staatsgebiet seines Landes, der sich nicht wiederholen dürfe

Ob Deutschland sich bei der Entscheidung der Vereinten Nationen über einen Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Gadhafi enthält, die Regierung mal eben aus der Kernkraft aussteigen will oder das Land erregt über die Tötung des Al-Qaida-Chefs bin Laden diskutiert – manch einer im Ausland wundert sich in diesen Tagen.

Der Vorwurf steht im Raum: Die Deutschen wüssten wieder einmal alles besser. Aber stimmt das? Sind wir wirklich Moralweltmeister? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe streiten über das deutsche »Gutmenschentum« (Seite 4). Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt den

Alleingang der Bundesregierung beim geplanten Ausstieg aus der Kernenergie: »Jedes Land diskutiert bestimmte Fragen besonders gründlich« (diese Seiten). Und Adam Soboczynski erklärt, warum der moralische Idealismus, der nun wieder zum Vorschein kommt, tief in der deutschen Geistesgeschichte wurzelt (Seite 49)

»Diese Leute werden in den sicheren Tod geschickt.«
Laura Boldrini, UNHCR-Sprecherin in Italien,

zum Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer

»Ich bitte alle: Lasst Griechenland in Frieden seinen Job tun.«
Giorgos Papandreou, griechischer Premierminister,

»Ausbüxen gibt’s nicht mehr«
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt ihre ganz persönliche Energiewende, warum die Deutschen besonders fundamental über Kernenergie streiten und warum Deutschland auch mit mehr Windrädern ein schönes Land bleiben wird
ZEIT: Wo waren Sie am 12. März, wie haben Merkel: (lacht nicht) Ich habe nachgeschaut, ob schwerste Projekt Ihrer Amtszeit vor sich: die Sie von der nuklearen Katastrophe erfahren? das Wort »Brückentechnologie« vorkommt. Es Energiewende. Ist Ihnen bewusst, dass Freund Merkel: Ich war in der Nacht vom EU-Rat aus kam vor. So war ich zufrieden. Schauen Sie, die und Feind große Schwierigkeiten haben, da Brüssel zurückgekehrt. Schon das Erbeben und Volkspartei CDU ist vielleicht diejenige Partei, mitzukommen? die Bilder von der gewaltigen Flutwelle hatten die in dieser Frage die größte Spannbreite von Angela Merkel: Es ist ein interessantes, span- mich tief erschüttert. Während der Sitzung des Meinungen hat. nendes und großes Projekt. Aber ich weiß nicht, EU-Rates haben mich Mitarbeiter des Kanzler- ZEIT: Der Riss geht quer durch CDU und ob es das schwerste ist. amtes über die dramatischen Ereignisse stets auf CSU. ZEIT: Mit das schwierigste! dem Laufenden gehalten, am Freitagabend hat- Merkel: Ja. Die Grünen haben damit kein ProMerkel: Natürlich hat das entsetzliche Unglück te Japan ja den atomaren Notstand ausgerufen. blem, für sie ist die Sache klar, das Thema ist ein von Fukushima, dessen ganzes Ausmaß ja im- Als ich Samstag früh aufstand, sah ich im Fern- Gründungsimpuls dieser Partei. Bei uns stellen mer noch nicht abzusehen ist, uns vor eine un- sehen Berichte von der Wasserstoffexplosion im sich viele die Fragen: Kann Deutschland es erwartete Situation gestellt. Daraus jetzt die Kernkraftwerk. Ich bin dann zu einer Wahl- schaffen? Ist es wirtschaftlich? Trägt das Vernötigen Konsequenzen zu ziehen kann zum kampfveranstaltung nach Rheinland-Pfalz ge- trauen in die erneuerbaren Energien? Deshalb ersten Mal zu einem umfassenden Konsens in fahren. Die Stimmung dort war sehr gedrückt. wird es in den kommenden Wochen wichtig dieser Frage, zu einem Zusammenrücken der Alle standen unter dem Eindruck der vielen sein, diese Bedenken ernst zu nehmen und daGesellschaft führen, auch wenn einige Unter- Todesopfer, der Zerstörung und eben auch der rauf Antworten zu finden. ZEIT: Sie haben ja zwei Wenden in der Atomschiede bleiben. nuklearen Gefahr, die offenkundig wurde. ZEIT: Was war für Sie als Politikerin und als ZEIT: Sie haben sich gerade an die bedrückte energie vollzogen, erst eine Verlangsamung des Physikerin das Unerwartete? Stimmung im Wahlkampf erinnert. Glauben Ausstiegs und jetzt eine Beschleunigung des Merkel: Ich habe persönlich nicht erwartet, dass Sie, den Deutschen wäre ein Festhalten an den Ausstiegs. Sie haben im letzten Herbst zur Laufdas, was ich für mich bis dahin als ein theoreti- verlängerten Laufzeiten vermittelbar gewesen? zeitverlängerung gesagt, dass die Kernenergie sches und nur deshalb verantwortbares Rest- Merkel: Ich habe mich nicht gefragt, was ver- nicht länger als »unbedingt notwendig« laufen risiko gesehen hatte, Realität wird – und zwar in mittelbar ist, sondern ich hatte – wie viele ande- solle. Damals waren für Sie aber viel längere einem Hochtechnologieland wie Japan. Wie re mit mir – den Impuls, dass wir unsere Ent- Laufzeiten »unbedingt notwendig« als heute. sehr aber auch ein Industrieland wie Japan, das scheidungen vom letzten Herbst und damit die Wieso? an technischem Können, Disziplin, Ordnung, Sicherheitsstandards in Deutschland noch ein- Merkel: In der Tat: Wir haben gesagt, auch wir Gesetzlichkeit uns in nichts nachsteht, davon mal auf den Prüfstand stellen müssen. Vermit- steigen aus der Kernenergie aus – dieser Konerschüttert werden kann und in welche Lage die telbar ist es dann – das sage ich jetzt auch als sens, den es in Deutschland gibt, wird oft überMenschen dort gestürzt wurden – das ist das Parteivorsitzende der CDU –, wenn wir nach- sehen –, allerdings später als bei Rot-Grün, desweisen können, dass wir halb die Laufzeitverlängerung. Das unterscheiEinschneidende dieser KataWirtschaftlichkeit und Um- det uns Deutsche von weiten Teilen Europas: strophe. Ich weiß, dass andere weltfreundlichkeit vernünf- Wir bauen keine neuen Kraftwerke. Wir steigen Menschen vor solchen GefahIch habe nicht tig zusammenbringen. Die aus. Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren ren durchaus gewarnt haben; erwartet, dass das, was CDU hat mit der sozialen Energien erreichen. für mich lagen sie für ein Hochich für mich bis dahin Marktwirtschaft schon eintechnologieland mit hohen SiUnser Energiekonzept vom Herbst hat eine mal vermeintlich Unver- klare Zielsetzung: Deutschland soll konsequent cherheitsstandards bis vor Kurals ein theoretisches söhnliches zusammen- den Weg in die erneuerbaren Energien gehen. zem außerhalb dessen, was ich und nur deshalb gebracht, nämlich Kapital Nur so lange, wie sie auf diesem Weg notwenin meinem Leben erleben werverantwortbares und Arbeit. Jetzt haben wir dig ist, soll die Kernkraft noch eine Rolle spiede. Restrisiko gesehen die Chance, auch die Ver- len. Wir haben also ein in sich schlüssiges KonZEIT: Was hat ein Physiker hatte, Realität wird pflichtung, Wirtschaftlich- zept erarbeitet. Aus heutiger Sicht würde ich eher vor Augen, das Restrisiko keit und Umweltfreundlich- sagen: Wir haben im Herbst einen durchaus oder die große Wahrscheinlichkeit unter der Leitlinie der machbaren Weg in das Zeitalter der erneuerkeit, dass nie etwas passieren Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Es geht baren Energien beschrieben – und damit schon wird? Merkel: Die Frage muss anders gestellt werden. darum, unseren Anspruch als Industrieland in weit mehr getan als Rot-Grün damals. Jeder Mensch muss in seinem Leben Risiken Einklang zu bringen mit unserem Ehrgeiz, eines ZEIT: Ein bequemer Weg! eingehen. Auch die Teilnahme am Verkehr, wo Tages ganz auf die erneuerbaren Energien zu Merkel: Nein, das im Herbst formulierte Ziel, ich jeden Tag überrascht werden kann, ist ein setzen. Wir werden es schaffen, viele dafür zu im Jahr 2050 80 Prozent unseres Stroms aus ErRisiko, das ich eingehe. Aber das Risiko bei der begeistern. neuerbaren zu beziehen, ist schon sehr ambitioKernenergie ist sowohl wegen der über Genera- ZEIT: Sie hatten bei Ihrer Entscheidung zwei niert, man darf sich da keinen Illusionen hintionen reichenden zeitlichen als auch der über Landtagswahlen vor sich. geben. Aber gemessen an der Entschlossenheit Ländergrenzen hinausgehenden räumlichen Merkel: Richtig. Und wenn man – wie ich nach heute, war es damals ein, sagen wir mal, ruhigeAuswirkungen, wenn das an sich Unwahr- Fukushima – eine politische Position zu über- rer Weg, zurückhaltender. scheinliche doch eintrifft, ein völlig anderes. prüfen und zu verändern hat, dann ist Wahl- ZEIT: Sie haben in jenem Herbst auch gesagt, Hinzu kommt die Unsichtbarkeit, also Nicht- kampf auf der einen Seite eine ungünstige Zeit, man dürfe aus der Atomenergie nicht vorzeitig fassbarkeit der Strahlung. Das Restrisiko der weil natürlich sofort der Vorwurf gemacht wird, »aus ideologischen Gründen« aussteigen. Sind Kernenergie kann man deshalb überhaupt nur dass ich das jetzt nur mache, weil halt Wahl- Sie jetzt die Ideologin, oder waren Sie es daakzeptieren, wenn man überzeugt ist, es tritt kampf ist. Das kann man nicht vermeiden, aber mals? nach menschlichem Ermessen nicht ein. Für davor darf man auch keine Angst haben. Auf Merkel: Wäre ich das jemals gewesen, dann mich ist infolge Fukushimas deshalb die Frage der anderen Seite aber ist es genau die richtige hätte ich in den neunziger Jahren schon als Umübermächtig geworden: Welche Alternativen Zeit, weil man als Politiker auf all den Wahl- weltministerin keine Energiekonsensgespräche hast du, um zu zeigen, dass man ohne das Rest- kampfveranstaltungen mehr unter Menschen mit dem damaligen niedersächsischen Ministerrisiko der Kernkraft leben kann? ist als sonst. Und da muss man einfach über die präsidenten Schröder führen können, die daZEIT: In Japan haben ein Tsunami und ein Themen sprechen, die alle gerade bewegen. Ich mals übrigens auch nicht an uns beiden gescheitert sind. Dennoch: Die Erdbeben zugleich dieses Restrisiko eintreten sage Ihnen, auch wenn ich das Auseinandersetzung um die lassen. Halten Sie so etwas auch bei uns für nie beweisen kann: Wäre kein Kernenergie hatte in Wahlkampf gewesen, hätte ich denkbar? Man kann die Deutschland schon lange Merkel: Exakt mit diesen konkreten Ereignissen es genauso gemacht. zusätzlichen Windauch eine fast kulturelle Dinatürlich nicht. Denn man weiß ja, dass Japan ZEIT: Wäre das Wahlergebnis räder entlang der mension, da standen sich erdbebengefährdeter ist als Deutschland. Man schlechter ausgefallen, wenn Autobahnen bauen. Parteien und Milieus fast weiß, dass Japan anders als Deutschland schon Sie es anders gemacht hätten? unversöhnlich gegenüber. unter Tsunamis zu leiden hatte. Man weiß, dass Merkel: Meine These ist: eher Daran wird unser deswegen dort die Küstenregionen gefährdet ja, aber das ist natürlich rein Land nicht zerbrechen, Ein unguter Zustand, zu dem alle Seiten ihren Beitrag sind, und trotzdem hat man dort Kernkraft- spekulativ, und das war es und es wird immer geleistet haben. werke hingebaut. Wir in Deutschland brauchen nicht, was mich angetrieben noch schön sein Kernkraftgegner haben vor einer exakten Wiederholung der japanischen hat. Wahlkampf kann Politiker gesagt, sie wollten mit dieKatastrophe bei uns natürlich keine Sorge zu durchaus eher schneller dazu sem Restrisiko nicht leben, haben. Aber wir haben dennoch allen Grund, bringen, das Richtige zu tun, zu fragen, ob sich auch bei uns unglückliche aber aus rein taktischen Gründen, also wenn sie haben sich aber immer sehr darauf konzenUmstände zu etwas Katastrophalem zusammen- gar nicht ehrlich gemeint gewesen wäre, hätte triert, den Ausstieg umzusetzen, und die Frage, ballen könnten: zivilisatorische Risiken, aber ich diese Entscheidung, die neue Ausrichtung wie man in eine bessere Energieversorgung einauch naturbedingte Ereignisse, verbunden etwa der Energiepolitik vom vergangenen Herbst steigt, schleifen lassen. Auch über das Problem, mit einem Stromausfall über längere Zeit, eine deutlich zu beschleunigen, nie getroffen, weil dass man möglicherweise aus dem Ausland Verkettung also von Umständen, die nach ich sie dann nie mit innerer Überzeugung hätte Strom, auch Strom aus Kernkraft importieren menschlichem Ermessen und allen Wahrschein- vertreten können. Ich bin nun über fünf Jahre muss, haben sie zu sehr hinweggesehen. Uns lichkeitsberechnungen bis jetzt nach bestem Bundeskanzlerin – nein, so etwas scheidet für dagegen haben viele im Herbst nicht abgenommen, dass wir das Zeitalter der erneuerbaren Wissen und Gewissen ausgeschlossen wurde. Es mich aus! geht also um die Belastbarkeit von Wahrschein- ZEIT: Wie haben Sie denn in diesem Zusam- Energien wirklich erreichen wollen, weil die lichkeitsanalysen und Risikoannahmen. Des- menhang den Namensbeitrag von Helmut Kohl öffentliche Diskussion nur um die Frage »Verhalb haben wir eine Sicherheitsüberprüfung al- am Tag vor der Wahl gelesen – der ja eine Auf- längerung, ja oder nein?« kreiste und es uns ler Kernkraftwerke angeordnet. Nach einem forderung zum Festhalten an längeren Laufzei- nicht gelungen ist, mehr Augenmerk auf die anderen wesentlichen Elemente des EnergieEreignis der Größenordnung von Fukushima ten war? sehe ich mich außerstande, diese bei uns zuvor Merkel: Ich habe ihn als Unterstützung wahr- konzepts zu lenken. Interessanterweise werfen andere, die immer nur theoretisch ins Auge gefassten Verkettungen genommen. von Risiken einfach zu verdrängen und zu sa- ZEIT: (Interviewer lachen) Wie haben Sie dieses einen schnellen Ausstieg verlangt haben, plötzlich Fragen auf, die sie sich selbst bis dahin gar gen, um die kümmere ich mich nicht. Wunder der Wahrnehmung vollzogen? DIE ZEIT: Frau Bundeskanzlerin, Sie haben das

zu den Gerüchten, sein Land drohe aus der Euro-Zone auszuscheiden

»Diejenigen, die das Treffen organisiert haben, haben ein ziemliches Desaster angerichtet.«
Martin Schulz, Vorsitzender der Sozialisten im EU-Parlament, zu dem zunächst geheimen Treffen von Vertretern der Euro-Zone

»Ich war immer gerne Fraktionsvorsitzende.«
Birgit Homburger nach ihrem eher widerwilligen

Verzicht auf den FDP-Fraktionsvorsitz

»Die FDP hat immerhin Humor.«
Volker Beck, Geschäftsführer der

Grünen-Fraktion, zu den Personalquerelen der Liberalen

»Wenn wir alle ein bisschen zusammenrücken, haben wir dazwischen viel mehr Platz für Natur.«
Matthias Horx , »Zukunftsforscher« und Gründer des Zukunftsinstituts, über eine ökologischere Stadtplanung

»Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute.«
Wes Craven, Horrorfilmregisseur, auf die Frage,

wovor sich die heutige Jugend grusele

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ZEITSPIEGEL

Ausgezeichnet
Das ZEITmagazin wurde am vergangenen Wochenende mehrfach ausgezeichnet. Am Freitag bekam Susanne Leinemann in Hamburg den Henri-Nannen-Sonderpreis für ihr Stück »Der Überfall« (Nr. 49/10). Darin beschrieb sie, wie Jugendliche sie brutal zusammenschlugen. Am Samstag wurde das ZEITmagazin bei der Preisverleihung des Art Directors Club (ADC) in Frankfurt am Main elfmal ausgezeichnet. Damit war es der meistprämierte Titel und zugleich der einzige, der Gold gewann – und zwar für das Doppelcover mit dem Schauspieler Gérard Depardieu (Nr. 41/10). Die Infografik-Seite im Ressort Wissen der ZEIT wurde zweimal ausgezeichnet, darunter einmal mit Silber. Für seine Reportage »Ich denke, dass es meine Bestimmung ist, hier zu sein« ist der Autor Frederik Obermaier mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnet worden. Obermaier hatte in Ausgabe 4/10 von ZEIT CAMPUS die Radikalisierung der niederländischen Studentin Tanja Nijmeijer nachgezeichnet, die sich den Farc-Rebellen im Kolumbianischen Dschungel angeschlossen hatte. DZ

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NÄCHSTE WOCHE IN DER ZEIT

Regional ist das neue bio. Das behaupten die Marktforscher, so sagen es die Kochbuchverlage. Weil wir Lebensmitteln mehr vertrauen, die aus unserer Nähe kommen? Weil Essen auch ein Kulturgut ist? – In einer 40seitigen Beilage zu regionalen Zutaten und regionaler Küche beschäftigen wir uns mit diesem Trend. Darin interpretieren zwölf junge Spitzenköche exklusiv zwölf Rezepte ihrer Heimat neu WISSEN

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nicht gestellt haben. Sie mahnen nun, wir sollten aufpassen, dass der Strom bezahlbar bleibt. Das war für die Union immer schon ein zentraler Gedanke. Dieser ganze Prozess führt nun vielleicht dazu, dass die Gesellschaft den Ausstieg als gemeinsame Anstrengung annimmt und auch Nachteile – siehe Netzausbau, siehe Speicherwerke, siehe Windmühlen im Landschaftsbild – in Kauf nimmt, weil wir uns alle gemeinsam auf einen ehrlichen Weg machen müssen. ZEIT: Bevor wir uns der Zukunft zuwenden, wollen wir noch ein paar Minuten nachtragend sein. Merkel: Bitte! ZEIT: Haben Sie, als Sie die Bilder von Fukushima gesehen haben, die Laufzeitverlängerung bereut? Merkel: Nein, ich spürte aber sofort, dass das, was ich damals aus Überzeugung vertreten habe, auf den Prüfstand muss. Wir haben über die Laufzeitverlängerung jahrelang gesprochen – im Übrigen auch im Wahlkampf –, es konnte also keiner überrascht sein, dass wir das getan haben. Ich habe, wie gerade dargestellt, schon im Herbst bedauert, dass wir nicht ausreichend deutlich machen konnten, dass es uns wirklich um einen konsequenten Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien geht. Gerade auch als ehemalige Umweltministerin habe ich das bedauert. Andere haben uns den Vorwurf gemacht, wir würden den Energieversorgungsunternehmen einen Gefallen tun, damit die möglichst viel erlösen. ZEIT: Und das stimmte gar nicht? Merkel: Das hat nie gestimmt. Durch unser Energiekonzept wurden die Energieversorgungsunternehmen erheblich belastet. Ihre wirtschaftliche Lage ist im Übrigen nicht so exorbitant gut, dass sie jede Belastung schultern könnten. Wir haben schließlich ein Interesse an erfolgreichen großen heimischen Energieerzeugern; die Stadtwerke alleine werden es nicht schaffen. ZEIT: Es entstand auch der Eindruck, dass Sie bei Ihrer Entscheidung unter Druck gesetzt wurden. Merkel: Ein falscher Eindruck, niemand setzt mich unter Druck. ZEIT: Mehrere namhafte Wirtschaftsvertreter und andere Prominente veröffentlichten damals eine Anzeige, um die Verlängerung der Laufzeiten zu unterstützen. Haben Sie das als hilfreich empfunden? Merkel: Nein. Wenn ich so große Anzeigen sehe, bin ich eher traurig über das ausgegebene Geld, weil ich als Parteivorsitzende aus Wahlkämpfen weiß, wie viel das kostet. Als hilfreich habe ich sie nicht empfunden. ZEIT: Sie haben im vergangenen Herbst auch gesagt, sowohl die Atomenergie als auch Kohlekraftwerke sind Brückentechnologien. Jetzt soll die Brücke der Atomenergie verkürzt werden. Muss dadurch die Kohlebrücke verlängert werden? Und was sagt die Klimakanzlerin dazu? Merkel: Wenn wir nun schneller aus der Kernenergie aussteigen, dann wird sich zeigen, dass wir Ersatzkraftwerke brauchen, nach meiner Meinung vornehmlich Gaskraftwerke. Auf jeden Fall werden wir hoch effiziente Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen benötigen. Das verändert unsere CO₂-Bilanz, was wiederum bedeutet, dass wir Wege finden müssen, um an anderer Stelle mehr einzusparen, um das auszugleichen. Wir müssen die Gebäudesanierung schneller vorantreiben und die Energieeffizienz unserer Produkte und unserer ganzen Wirtschaft noch rascher verbessern, um diese zusätzlichen CO₂-Emissionen anderswo einzusparen. ZEIT: Die Zahl steht: neun bis zehn neue Kohlekraftwerke in den nächsten zwei Jahren. Merkel: Das haben die Unternehmen und der Markt zu entscheiden und teilweise schon entschieden. Bei künftigen Festlegungen über Kraftwerksprojekte spricht vieles auch für Gas: Gaskraftwerke können am schnellsten gebaut werden, sie sind flexibel als Ergänzung erneuerbarer Energien einsetzbar, und Gaskraftwerke haben weniger CO₂-Emissionen. ZEIT: Sehen Sie das Klimaziel für 2020 gefährdet? Merkel: Nein, das müssen und werden wir schaffen. Wir schalten ja ganz sicher nicht alle Kernkraftwerke sofort ab. Danach erst stellen sich die entscheidenden Fragen, die Schwierigkeit wird also sein, von etwa 2020 bis 2035 oder 2040 zu kommen.

Foto: Michael Brauner/stockfood

POLITIK

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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BÜCHER MAC

HEN POLITIK

Der Käfighalter
Geradlinig? Nun ja. Zwei Autoren porträtieren Winfried Kretschmann
Der Mann, der an diesem Donnerstag in Stuttgart zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik gewählt werden soll, hat ein prägnantes Image: Winfried Kretschmann sei konservativer, als es die CDU erlaube, heißt es, prinzipienfest bis zur Halsstarrigkeit und ein ausdauernder Leser der Philosophin Hannah Arendt. Nun ist pünktlich zur geplanten Vereidigung des 62-Jährigen eine Biografie erschienen, in der die gängigen Klischees über Kretschmann mit Lust zerlegt werden. Zum Vorschein kommt ein Mann, der einen weiten Weg hinter sich hat – und unterwegs ziemlich geschmeidig agiert hat. Ganze drei Wochen haben die Journalisten Peter Henkel und Johanna Henkel-Waidhofer für diese Neubewertung gebraucht, was der Sache nicht geschadet hat. Das Tempo führt sie ohne Umschweife zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen: Kretschmanns antiautoritärer Katholizismus, sein Kulturpessimismus, seine Art von Liebe zur Natur, der Weg »von Mao zur Mitte«. Die beiden Stuttgarter Journalisten – er jahrzehntelang bei der Frankfurter Rundschau, sie Lokalkorrespondentin – kennen Winfried Kretschmann, seit er seinen allerersten Auftritt im Stuttgarter Landtag verpasste: Im März 1980 gehörte Kretschmann zu der sechsköpfigen Fraktion, mit der die Grünen erstmals in das Parlament eines Flächenstaates einzogen. Aber die Vereidigung von Lothar Späth (CDU) zum Ministerpräsidenten versäumte der Neuparlamentarier, weil er es wichtiger fand, in Gorleben zu protestieren. Als Kretschmann die Grünen mitgründete, war er alles andere als ein Konservativer. Als Sohn einer katholischen Vertriebenenfamilie aus dem Ermland war er mit der Erfahrung aufgewachsen, wie man in der Fremde erst verachtet und dann aufgenommen wird. Er hatte ein katholisches Internat mit viel schwarzer Pädagogik hinter sich gebracht, aber auch die befreiende Wirkung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahren. Bei der Bundeswehr erlebte er die klassische Schinderei, was ihn aber nicht daran hinderte, den Pazifismus der Peter Henkel/ grünen Gründerjahre für eine Johanna Lebenslüge zu halten – schon Henkelim Hinblick auf die Befreiung Waidhofer: Winfried Nazi-Deutschlands durch die Kretschmann. Alliierten. »Ich bin von Hause Das Porträt aus kein Pazifist«, hat er da- Herder, 14,95 € mals klargemacht. »Ich habe nicht den Kriegsdienst verweigert und bin schon von Natur aus ein Typ, der sich verteidigt und dem anderen dabei auch mal eine in die Fresse bügelt.« Aus manchen Landtagsprotokollen der achtziger Jahre lässt sich die Verzweiflung ermessen, die Kretschmann gelegentlich in der CDU-geführten Republik erfasste. »Es hört doch niemand auf einen«, rief Kretschmann einmal ins Plenum. »Erst wenn man mal ein Ei wirft, dann ist die Presse da. Wenn Grundrechte in ihrer Substanz gefährdet werden, dann sind wir auch zu Regelverletzungen bereit. Wir sind eine radikale Partei, weil man eine Politik machen muss, die die Probleme an der Wurzel löst.« Keine sonderlich konservative Position. Im Laufe der Jahre hat sich Kretschmanns Verhältnis zu den beiden Volksparteien viel rasanter verändert, als es das Image vom stets prinzipienfesten grünen Konservativen glauben machen will. 1982 wirbt er in einem ausführlichen Aufsatz für ein Bündnis mit der SPD, ausgerechnet wegen der großen Übereinstimmungen in der Sozialpolitik; ein Bündnis mit der Union hält er »auf absehbare Zeit kaum für möglich«. Schon ein Jahr später begeistert er sich für ökolibertäre Überlegungen. Über die Sozialpolitik sagt er in jener Phase: »Nur wo Mangel herrscht, kann es Freiheit geben.« Dann wieder, 1992, plädiert er für Rot-Grün, während er 1999 findet, es sei »bitter notwendig, dass es irgendwo zu einer schwarz-grünen Koalition kommt«. Die Republik, so glaubt er 2000, braucht die CDU. 2010 ist es dann »an der Zeit, dass die Schwarzen in der Opposition landen«. Auch zu Kretschmanns eigener Ökologie haben die beiden Autoren Interessantes zutage gefördert. Die Familie von Kretschmanns Frau Gerlinde besaß in Laiz eine Hühnerfarm mit 600 Tieren in Käfigen – die Art der Tierhaltung, die demnächst verboten sein wird. Als die drei Kinder klein waren, machten die Kretschmanns dort regelmäßig Urlaub. Der künftige Ministerpräsident Baden-Württembergs sammelte die Eier ein, fütterte die Tiere, hielt die Käfige sauber und reparierte. »Wer von der Eierproduktion leben will«, so sah er es, »kommt ohne Käfighaltung in Probleme.« Die Konstante in Kretschmanns Charakter lassen die Autoren von einem Parteifreund zusammenfassen: »Winfried Kretschmann ist der anständigste Mensch, der je in Deutschland Regierungschef wurde.« MARIAM LAU

»Ich bin nun über fünf Jahre Bundeskanzlerin.« Angela Merkel am Dienstag der vergangenen Woche im Kanzleramt

ZEIT: Wie stellen Sie sich die Lastenverteilung

dieser Energiewende vor: mehr zulasten des Verbrauchers oder des Steuerzahlers? Merkel: Jeder Steuerzahler ist auch Verbraucher, nicht alle Verbraucher sind Steuerzahler. Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz alle Verbraucher in die Lastenverteilung einbeziehen. Gerade zwischen 2009 und 2011 gab es einen großen Sprung in der Umlage, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstand, nämlich von knapp 1,5 Cent auf über 3 Cent pro Kilowattstunde. ZEIT: Die Frage nach den Kosten beschäftigt die Menschen sehr. Wann können Sie ihnen greifbare Zahlen nennen? Merkel: Bald. In der Wirtschaftskrise hatten wir einen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel, in den letzten Wochen lag er wieder zwischen 120 und 130 Dollar. Mit diesen Schwankungen leben die Menschen heute schon. Sie werden auch mit den Schwankungen beim Strompreis leben müssen, die sich aus veränderten Restlaufzeiten von Kernkraftwerken ergeben. ZEIT: Wird es ein schöneres Land sein, mit neuen Stromtrassen, wärmegedämmten Häusern und vielen hohen Windrädern? Merkel: Im Vergleich zur Zeit vor 20, 30 Jahren ist unser Land doch an vielen Stellen schöner geworden. Damals waren viele Flüsse vergiftet, heute baden und fischen die Menschen wieder in ihnen. Die Industrie arbeitet insgesamt viel umweltschonender, nicht nur in meiner ostdeutschen Heimat, dort ist der Unterschied natürlich frappierend. Also wirklich: Ich glaube nicht, dass unser Land viel weniger schön wird, nur weil wir Energie anders produzieren und den Strom auch durchleiten müssen. ZEIT: Das sagen Sie, obwohl Sie in Ihrem Heimatland so schöne Landschaften vor Augen haben. Merkel: Mecklenburg-Vorpommern hat 1 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausgewiesen, 99 Prozent also nicht. Natürlich sieht man diese Windräder zum Teil schon von Weitem, in meinem Wahlkreis stehen zum Beispiel besonders viele. Aber man kann die zusätzlichen teilweise entlang der Autobahnen, der großen Verkehrstrassen bauen. Hochspannungsleitungen können vielleicht zum Teil entlang der Eisenbahnstrecken geplant werden. Daran wird

unser Land nicht zerbrechen, und es wird noch immer schön sein. ZEIT: Wir könnten stundenlang zuhören, wie Sie die Härten der Energiewende vertreten! Geschmacksfragen sind da nicht so wichtig? Merkel: Selbstverständlich ist der Erhalt der Schönheit unserer Landschaft wichtig, aber die Diskussion ist nicht neu. Denken wir nur daran, was los war, als vor 150 Jahren plötzlich die Eisenbahnen zu rattern begannen. Da sahen manche auch das Ende gekommen. Jede Generation hat die Aufgabe, die Infrastruktur der Zukunft möglich zu machen. Auf der anderen Seite bauen wir heute auch Industriebauten wieder zurück. Kohlezechen sind heute Kulturstätten, und manch altes Tagebaugebiet dient der Naherholung. ZEIT: Sie verteidigen diesen Weg ganz anders, als Grüne das machen. Die Grünen sagen: Es wird alles ganz schön, und Sie sagen: Stellt euch nicht so an! Ist das die Merkelsche Energiewende? Merkel: Ich sage nicht: Stellt euch nicht so an. Ich lese jetzt von Designerwettbewerben um schöne Hochspannungsleitungen. Damit will ich nicht kommen, ich versuche, die Aussichten ganz realistisch zu beschreiben. Ja, es wird sich mancherorts etwas ändern. Mancher wird erleben, dass in der Nähe seines Wohnorts eine Leitung gebaut wird, wo vorher keine war. Das hat es zu allen Zeiten und in vielen Formen gegeben. Bei dem einen wird eine Straße gebaut, bei dem anderen eine Fabrik. In Berlin entsteht gerade ein Flughafen neu. Wir Politiker haben die Pflicht, gut zu begründen, warum das manchmal nötig ist, wir müssen auf die Fragen der Menschen Antworten haben. ZEIT: Planen Sie eine verbindliche Laufzeit für jedes einzelne AKW? Merkel: Es gibt die Möglichkeit, die Summe an Kilowattstunden festzulegen. Es gibt die Möglichkeit, die Restlaufzeit in Jahren festzulegen. Und es gibt die Möglichkeit, diese beiden Varianten zu mischen. Wir haben das noch nicht entschieden. ZEIT: Wie wollen Sie die Endlagerfrage lösen? Wollen Sie außer in Gorleben noch woanders bohren? Erwarten Sie mehr Kooperation von Baden-Württemberg zum Beispiel? Merkel: Ich denke nicht, dass man jetzt überall parallel bohren sollte. Das wäre Unsinn. Die

Endlagerfrage kommt auf den Tisch, wir wer- manchmal, wir bezögen 80 Prozent aus Kernden über sie sprechen, wenn das neue Energie- energie. Das ist ja gar nicht der Fall. konzept steht. Grundsätzlich bin ich überzeugt, ZEIT: Aber keiner hat so radikal und schnell dass es nicht dadurch leichter wird, dass man reagiert wie Deutschland. die Last der Suche und Erkundung auf fünf Merkel: Das ist richtig. Orte verteilt. ZEIT: Wie kommt das? ZEIT: Was nutzt dieser ganze schöne Ausstieg, Merkel: So fundamental wie bei uns wird fast wenn wir umringt sind von Ländern, die die nirgendwo sonst über Kernenergie diskutiert. Kernenergie weiter ausbauen? Hier ist eine ganze Partei darüber entstanden. Merkel: Eine sehr berechtigte Frage, zumal in ZEIT: Sind die Deutschen so ängstlich wegen einem europäischen Binnenmarkt: Was nützt des Restrisikos, oder sind sie nur mutig genug, es Deutschland, wenn es sich nach seiner neue Wege zu gehen? Überzeugung richtig verhält, und alle anderen Merkel: Jedes Land diskutiert bestimmte Fratun es nicht? Wenn ich jedoch zuallererst da- gen sehr gründlich. In den Debatten über die nach frage, ob auch alle anderen von meiner Solidarität in der Euro-Zone und die Stabilität Haltung überzeugt sind, oder wenn ich nur an unserer Währung stelle ich auf europäischer die anfänglichen Nachteile meines eigenen, Ebene Fragen, die sonst kaum einer stellt und von mir für richtig erachteten Verhaltens den- die manche wohl auch manchmal anstrengend ke – dann drehen wir uns im Kreis. finden, die sagen dann, das sei schon wieder so Als in Deutschland Bereine Merkel-Idee. Das ist vielleicht eine Kehrseite unserer tha Benz mit dem ersten AuPräzision und unseres Erfintomobil über die Straßen gedungsgeistes. rumpelt ist, haben auch viele Ich werde darauf achten, Zeitgenossen gesagt: So ein dass wir den richtigen Weg Quatsch, die eine Pferdestärfinden, unsere Energie zu erke einer Kutsche reicht doch, zeugen, einen Weg, der zu eiund wer weiß, wie gefährlich nem ökologisch denkenden diese neue Erfindung ist. In Industrieland und einer beihren Augen war Bertha Benz Die Kanzlerin beim Intereine Geisterfahrerin auf ei- view mit Bernd Ulrich (links) deutenden Wirtschaftsmacht passt. Dieser Weg ist dann nem seltsamen Sonderweg – und Giovanni di Lorenzo aber auch eine Verpflichtung. aber das Auto hat sich durchDann kann nicht jeder komgesetzt. Deutschlands Wohlstand gründet sich auch darauf, dass wir men und sagen: So viele neue Leitungen wollen manchmal als Erste einen neuen Weg gegangen wir nicht, und die Windenergie passt uns eisind. Als ich 1994 Umweltministerin wurde, gentlich auch nicht, die Umlage für die Photokamen 4 Prozent unserer Stromerzeugung aus voltaik ist eh zu hoch, und gegen den Anbau erneuerbaren Quellen. Heute sind wir bei 17 von Pflanzen zur Energieerzeugung bin ich aus Prozent. Das ist schon beachtlich. Jetzt wollen Prinzip auch, aber aus der Kernenergie müssen wir bis 2020 auf 40 Prozent kommen, was sehr wir sofort raus. Einen Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ambitioniert ist. Das wird uns Kraft kosten. Aber wenn wir glauben, dass wir Vorteile da- ist die große Herausforderung im Augenblick. von haben, und das ist ja offensichtlich, dann Wir müssen in den nächsten ein, zwei Monaten alle sagen: Dazu stehen wir! Ein Ausbüxen ist das zu schaffen. ZEIT: Unser Sonderweg ist also eine Avantgar- gibt’s jetzt nicht mehr. derolle? Merkel: Es gibt eine ganze Reihe europäischer Das Gespräch führten GIOVANNI DI LORENZO Länder, die nicht auf Kernkraft setzt. Deutsch- und BERND ULRICH land hat immer einen Energiemix gehabt. Bei uns macht die Kernenergie ein Fünftel aus. Energie: Wie die Wende funktionieren kann www.zeit.de/energie Wenn man die Diskussion verfolgt, denkt man

Fotos: Anatol Kotte für DIE ZEIT; Vignette: Smetek für DIE ZEIT

weil bekanntlich Gewalt keine politischen Augenmaß. Den Rückspiegel zierte ein roter Stern. muss sich che mag. Sollten wir stolz darauf sein – oder steckt ein wahrer Kern im hässlichen Wort vom »Gutmenschen«? Nein Siehe auch Feuilleton. Zum Beispiel in Pakistan. Er gilt als zurückgeblieben und naiv. Familien und Liebespaare spazieren durch die Parks. Manchmal gibt es ein neues Panzer. Ökologie oder Einwanderes als ein störender Geselle. wenn ein sich den Händeln der Welt. einen Gewährsmann. Wer nicht handelt. A. welche Deals er nebenher im Café Cacao eingefädelt hatte. als den wirkungsmächtigen Auftritt des GutmenVertreter einer typisch deutschen Weltbeglü. der einen fürchterlichen Preis an Blut und Gut gefordert handeln. derung: Seit den Bürgerinitiatider sich auf Moral beruft? NehGrüne und EKDven der siebziger und achtziger men wir die Erschießung Osama Präses. L . politische Teilhabe meist dann als Vorwurf. Das britische Blatt nennt die Polizei keinen Haft. um Atomverweigert. der fließend Deutsch sprach und über exzellente Landeskenntnisse und Kontakte verfügte. »Jetzt wollen wir seinen Leichenwagen.« Er hatte nebenher einen lukrativen Handel mit Einreisepapieren nach Deutschland betrieben. Eigentlich wäre der Zeigefinger nach 66 Jahren mustergültiger Entüber den Tod eines Massenmörders zu äußern. Es war die erste Niederlage der Eishockey-Nationalmannschaft an einem Siegestag. Die Polemik hat es eben nicht Bürgerin sind informiert bis ins Detail. Fixer werden sie genannt. Betreff: Krieg und Eishockey Einen Feiertag gibt es. spielen. muss keine moKanzlerin wegen »Billigung von Straftaten« ange. erklärte er. Und riet dem Journalisten. »ganz anders schreiben. der den Tod von leitet uns die höhere Einsicht. sondern auch nützlich ist. im britischen noch gewöhnliche Kriminalität.Abgesang auf diesen Gut-Bürger singt. die über den Untergang des pharao. politischen Alltag ertönt »Gutmenschentum« Öffentlichkeit. helfen nur noch tiz. insbesondere Franzosen. Aber vom wie es einst Pickelhaube und »Nicht zuständig« das »Nicht zuKnobelbecher waren. fordern. die einst für das Menschheitsverauf die Kanzlerin. Vorweg fehlt das moralische ibyen? Da machen wir nicht mit. Natürlich soll man sich auch über den Tod wicklung nicht mehr nötig. sich selbst als wahre Faktenkenner und ohne Sinn für das Mögliche. Jahre redet und streitet der Gutbin Ladens und den schlichten Hinweis auf den Verstoß gegen sagt sie. dem ich vorbehaltslos vertraut hatte! Wer weiß.oder die Zusammenhänge. in der Verteidigung unseheitskitsch belustigen. werten und zivilen Land geWeichei und Nervensäge in eimacht hat.versicht.und Krisengebieten. Besserwisser sind allerdings auch die.voswinkel@zeit. Die einen setzen die Kartoffeln in die Erde des Datschagartens. mitunter schlicht um die Einhaltung von Gesetzen.hat.grill@zeit. weil er einer ist. die Nazipropaganda im Stürmer das Deutschland in den letzten zum Feind erklärte. Warum also die eifernde Selbstgerechtigkeit? nicht den Opfern. Aber weite Teile des Freiheit vor dem totalen Überwachungsstaat. dabei.schen als Gut-Bürger? Dem geht es nicht um ckungsfolklore. Economist: Now. hen. nehmen die Bürger Gott sei Dank mit. bremste der Botschafter.de. dem wir die kritiGesinnungsethik wird zum Gesche Öffentlichkeit bei vielen sinnungsterror. Gut-Bürger. durfte eine Flasche Johnny Walker ausgeben und bekam eine verführerische Hostess zugeteilt – die ehemalige Miss Abidjan.Thema Atomenergie. der in diesem Schathat« und just den »Krieg der sich nur gut fühlen tenkrieg agierte. sie verachten Weißnasen. um die vielen zu retten. Es ist das Gut-Bürgertum.Selbstvergewisserung einer wieder gut gewordetigen: die Amerikaner und ihre Soldateska. Es wäre wohl eine zynische Welt. wenn Einwände gegen und Partizipation. Natürlich passt der eine moralische. rung und Verdammung. in der Kontext zählt. In brenzligen Situationen sind wir auf Gedeih und Verderb von ihnen abhängig. Der hilfsbereite. ein aufgeweckter junger Mann. die bin komme es nicht kann. die im Dunkeln die Drähte zieGrößenordnungen und UrsaZEIT. nur Demokratie und Rechtsstaat. »Das können Sie sich sparen«. sorgen für unsere Sicherheit. So simpel ist das. Viele Debatten der letzten Monate doch Moral und Maßstäbe insgesamt lächerlich haben es gezeigt: Der gute Bürger und die gute gemacht werden. Also muss der JOSEF JOFFE Traum töten« spiegelt die reale Welt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Wissen wir es besser? er sogenannte Gutmensch hat es Debatten der letzten Monate. Ich wunderte mich zwar über seine Golduhr und die teuren Designerklamotten. sie wollten währte – fünf Jahre lang. Was ist denn das größere Übel: einen Probleme löst. ein Geschenk senden. Und so war ich als neutraler allemand sogleich willkommen. Der Gut-Bürger meint es ernst mit dem. Laden entfesselt hat. wo chen. Transparenz. so darf man im Namen der höheren Sittlichkeit der Verantwortung Unmensch stirbt. In diesem Jahr waren die neu geschneiderten Baretts der Soldaten die größte Innovation. den wir demnächst importieren Deutschland kennt den »finalen Rettungsschuss«. Ein paar Gadhafi-Anhänger und orthodoxe Monarchisten durften sich anschließen. Aber Erleichterung und Genugtu. sieren. die angeblich alternaBürgerin verbinden sich Pragtivlos sind. keine Rolle mehr nur die Seite der Münze mit der Zahl ansehen. Er meint. Darf man das? Soeben hat ein Richter die ausweichen.). woWas also steckt an Gutem im Gutmenschen. um des Sieges über den Faschismus zu gedenken. Wehe dem Staat. ein Visafälscher. Seite 49 Mail aus: ABIDJAN Von: bartholomaeus. Dabei dachte man doch. die es gewagt hatte. Leider wohnen sie dort. Betreff: Freund und Helfer Allein hätte ich mich niemals ins Café Cacao an der Rue Princesse in Abidjan gewagt. eine der höchsten überhaupt. »Dann werden Sie«.sehen würde. die anderen strömen ohne Befehl von oben auf die Straßen. tickt. dasselbe zu tun. von einem darauf an. das ist dem klaren Blick fürs Machder Gutmensch. An den Autos hängen orange-schwarze Sankt-Georgs-Bändchen als Erinnerung an den Krieg. Bücher. Ihr Mitleid galt daheim dezimiert. Freude brechen verantwortlich war. erwies sich als absolut zuverlässiger Führer in der chaotischen. dass seine Theorie serwisser. rischen Mitteln. die gesunde Realisten darstellen und leider immer das Leben lebenswert machen. Im Entscheidungen vorgebracht Gut-Bürger und in der Gutwerden. der als älterer Herr mit Familienanhang firmierte. stehen aber auch zu den politik überhaupt.Macht verachten. arbeitete als Presseattaché bei der deutschen Botschaft. Im stern-Titel heißt es: Terrorismus ist weder Krieg Amerikas Rache. Später zogen die Kommunisten durch Moskau und feierten den Generalissimo Stalin.eine abstrakt menschelnde Wohlfühl-Moral. als bräuchten wir weder Ideale noch gesellschaftlichen Zusammenhalt – noch die ZuCharakterkopf auf der anderen. wie ihn schon bare. Der mahnende Terrorismus weder ins VölkerZeigefinger ist heute so deutsch. Aber ich hatte ja A. die wir da ein.garantieren – Sicherheit vor der Heimtücke. in der die Werte. Dass so viele Deutsche die gilt nicht. Ein Völkerrechtler dozierte: Kriegsrecht facher als abwägen.Logik der Sachzwänge. K AT R I N G Ö R I N G  Themen zu verdanken haben. Der Heuchler. der militanten Anhänger des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo. der matismus und Idealismus. es spricht den Deutschen Auslieferungsbefehl präsentieren von einer »Mord-Orgie«. als die große Mehrheit im Westen es tut. die Welt hat diese eines Feindes nicht freuen. Doch der Reflex lebt Überlieferung ermahnte schon der liebe Gott fort.dass Deutschland zum technologischen Vorreiter für erneuerbare Energien wurde. im Streit um die Energieversorgung der Zukunft. die es sich im Gewirr der Glo. Manche malen auf die Heckscheibe. die gerade Gbagbos Räuberregime stürzten.selbst genannten Zahlen nach. füllen ganze rer multikulturellen Republik nicht vielmehr Regale. Und es ist das Gutnem zu sein. dass der Mensch zum Guten fähig ist. mensch wirklich maßgeblich in den politischen Was für eine triste Welt das wäre! Ja Im Kampf gegen den Terrorismus. seine übersteigerte Bürgertum. kompetente A. auf die Fahrerseite »Das Blut ist nicht vergeblich vergossen«. Deutschland ist wieder Großmacht.der pragmatischen Beliebigkeit und einer blinden wand gegen die angeblichen Zwänge der Real. Doch war der besserwisserische Pseudo-Gut. OriPharisäer. als befände er Kulturen« provozieren sollte. die wir nie finden würden. den 9. Mit auf selbstgerechten Gesinnungskitsch abge. Das Fernsehprogramm ist patriotisch: Im ersten Kanal verteidigt sich heroisch die Brester Festung. sondern auf den wertegebundenen Ein. arrangieren Interviews.darum fragen lassen. im dritten läuft die Jagd auf militärische Werwölfe und im vierten ein Spielfilm über die Suche nach Verrätern in der Roten Armee. zeigen uns Orte. der Russland vereint. Der Morgen beginnt mit der Militärparade auf dem Roten Platz und einem vieltausendstimmigen »Hurra!« der Truppen. während Tausenden verantwortet – oder im Einzelfall die ringsum in Europa 137 Kernkraftwerke den Regeln des Rechtsstaates zu verletzen? Auch Strom erzeugen. Also: Beim nächsten Mal bitte len). Dieser Nachtklub ist eine Höhle der Jeunes Patriotes. also ist Herausgeber der Staat vorbeugend jene treffen. jenseits von einfacher Polemik und schlichter für er sich einsetzt. Jahrzehnten zu einem lebensHeute wirft man ihm vor. Mai.keitsfern ist – sondern ganz reale Wirkungen mensch das Attribut »antiamerikanisch« oben. Vignette: Smetek für DIE ZEIT D Ist es aber nicht. er werde jetzt erst mal den Fernseher anschalten und einen Kriegsfilm anschauen. dass die Massaker an Unschuldigen gebiet. der letzten Jahrschwer. dazu nen Nation.und Kriegsrechts. ist eine Erblast der Geschichte. Die Antwort ist nicht neu.4 12. angewiesen. wie eine Welt ohne ihn ausjenigen. Mail aus: MOSKAU Von: johannes. die gegen den Gutmenschen polemi. vom Bürgerkrieg geplagten Metropole der Elfenbeinküste. Doch moraanklopfen und dem Mann seine Rechte vorlesen. Und er des Besserseins. jedenfalls man keine Konflikte zwischen Schlimm und Schlimmer. im Zweifel lebt er oder sie Pointe? Mit dem Gutmenschen-Vorwurf sollen selbst danach. Zugegeben: Allzu oft drängt Widersprüchen zwischen Ideal und Wirklichsich eine wohlfeile und populistische Variante keit. noch ins Landesrecht.ralischen Konflikte bewältigen. Ist er also nichts anenergie.. Für ihn hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt. Bin Laden lässig« abzuleiten ist kein Beweis ist der jüngste Beweis. Sie führen uns zu Informanten. Mein Fixer A. Russland verlor 2 : 3. lische Bescheidenheit ist auch eine Tugend.« Fotos: Peter Steffen/dpa (l. im zweiten geht es um Sowjetspione im Hitlerregime (»Unser Mann in der Gestapo«). ihr Zorn nicht dem Täter. der die Jungpatrioten beschwichtigte. die sie nicht mehr haben (wolgerkriegspartei sei. abkanzeln ist einzeigt. Matthias Bothor/Photoselection (r. sondern Massenmord mit kriegeRache. bei der Entscheidung über den Krieg gegen Gadhafi: Stets denken und handeln die Deutschen anders. Laut rabbinischer Leistung längst anerkannt. Der russische Trainer sagte im Interview nach dem Spiel. Zum Dank wollte ich A. Aber A. Warum? Weil Moralismus nicht nur erhenischen Heeres jubelten: Auch die Ägypter sind meine Kinder. sich im eigenen Verfassungsden der Getötete wollte. Fügen wir hinzu. die sich über seinen zehnte? Erlebten wir bei Stuttgart 21 und beim politisch überkorrekten Betroffen. balisierung einfach und bequem macht. vor allem in Kriegs. wie das Land Denkverweigerung. des Bundestags. weil al-Qaida weder Staat noch Bür. in der dritten Generation: die Enkel als Beseine Engel. dessen Abbild auf offiziellen Plakaten verboten war. Bin Laden? Ein eklatanter Bruch des auch Helmut Schmidt hat in Mogadischu den Völker. was einst auf den T34-Panzern geschrieben stand: »Nach Berlin!« Der Fahrer eines bayerischen Nobelwagens hat auf seine dunkelblaue Motorhaube mit weißer Farbe das Wort »Trophäe »gepinselt«. der deutschen Kommentariats haben die Gräueltaten im Namen der Terrorabwehr die Bürgerrechte allenfalls am Rande erwähnt. Er internationales Recht und darauf. weil das Publikum starke Sprü. Ist das Verbredas ist die atavistische Selbstjuschen geschehen. Er hatte sich nach dem Rauswurf flugs aus dem Staub gemacht und noch einen Dienstwagen mitgehen lassen.werteorientiertem Handeln widersetzen sie sich sehen. gut zu das bin Laden Unterschlupf ge»Kampf. So entzieht man ung darf man sehr wohl empfinden. soll sich unterdessen in Ghana herumtreiben. bis der Arm schwer wurde oder Russland bei der Eishockey-Weltmeisterschaft seine Führung gegen Finnland einbüßte. Sie weisen Thilo Sarrazin mit den von ihm des Gutmenschen in den Vordergrund: der Bes. Auch der Zusatz »de Luxe« in seinem Namen hätte mich stutzig machen müssen. der sich den Notwendigkeiten ECKARDT Ob es um Auslandseinsätze der der Macht und des Machbaren ist Vizepräsidentin Bundeswehr geht.bend.währungshelfer der Noch-nicht-Geläuterten.de. Wer den vereinfachend. Im sondern um bürgerliche Werte wie Solidarität. dass werteorientierte Politik aldass triumphale Freude über den les andere als naiv und wirklichTod des Massenmörders bin Laden unangemessen sei – schon bekommt der Gut. Warum? »Weil ich den Burschen feuern musste. Sie wurzelt in der Die Entrüstung zielte auf die üblichen Verdäch. Er würde wider seine höchste Pflicht sündigen: den Bürgern Sicherheit und Freiheit zu das gemeinste Verbrechen in jeder Kultur sind. Die Polemiker gegen den Gutmenschen weil ihnen die besser ins Konzept passt als der tun so.). Ein solches Sündenregister verdient Empö. der lieber politisch entierung und Maßstäbe mit korrekt ist als realistisch. Auf dem Hochsitz der Moral aber sieht geißeln. Er redet bewusst undifferenziert und Unsinn und dem Fremden feindlich ist. Andere hielten eine Russlandflagge aus dem Autofenster. Wir Korrespondenten sind auf Helfer wie A.oder Raketenmodell zu bestaunen. sondern der zeigt exemplarisch. es wären einfach logiebewegung hat zum Beispiel dafür gesorgt. Atomausstieg? Auch hier Mann weiter morden zu lassen. So kann man sich täuschen. das klingt vorchristlich. eigenen Werte ernst ist der lebende Beweis dafür. den wir genüsslich Tod der wenigen autorisiert. Übrigens sogar wirtschaftliche: Die Ökodrauf. kill his dream. werden.

um von Angriffen bedrohte Zivilper. Darfur oder Eritrea. Die italienische Aufbruchs. Seit Ende März sind im Mittelmeer über 800 Menschen bei dem Versuch ertrunken. das in den vergangenen Jahren eher dazu neigte. Mai 2011) Auf dem Wasser verdurstet . Natürlich kann man fragen: Was ist daran oder gar böswillig Hilfe verweigert. Die Nato bestreitet übrigens vehement.ma Flucht und Migration auf ein Problem inneland. sondern durch unZEIT-Grafik boat people sind übrigens keine Literlassene Hilfeleistung.Gadhafi doch eine moralische Läuterung reklamiert.grenzen nach Tunesien und Ägypten.Gadhafis Soldaten erst ausgeplündert und dann lution 1973 – besser bekannt unter dem Schlag.ALGERIEN ropa aufbrechen. wie bereitwillig die ägyptischen und Egal. Warum? Weil Alles erfunden. der EU und der Nato werden in den nächsten Tagen mehrere Schiffe der deutschen Marine ins Mittelmeer auslaufen. Denn es 500 km byer.zeit. Zuständigkeiten und Befehlshierartrunkener Flüchtlinge an Bord. Vielleicht neu? Seit Jahren schon ziehen italienische Fischer ging dieses Schiff einfach im Durcheinander der mit ihren Netzen immer wieder die Gebeine er. obwohl es den Bootsinsassen nach wenigen Flüchtlinge untergekommen – die meisten in den Tagen auf See gelungen war. sprach sogar acht Wochen einen Skandal dar. Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen im Sollten sich Berichte bestätigen. aber nicht willkommen: Libysche Flüchtlinge treffen auf Lampedusa ein Foto: Francesco Malavolta/dpa (Flüchtlinge erreichen Lampedusa.auch Flüchtlingsboote gezwungen. Der Diktator wort »Stoppt Gadhafi!« – enthält einige sehr möchte Europa wohl zeigen. auftretendes Flutrisiko sieht. Diese Strategie der geduldeten oder gezielten Verwahrlosung ist die logische Folge einer europäischen Politik.schämend. dass Deutschland dem EU-Mitsechzehn Tage manövrierunfähig auf dem Mittel. die gen Euhafis steht man vor der Er. Eritreer oder SudaneLibyen »alle notwendigen Maßnahmen zu er. sondern als in der Masse teiligen sich auch die Küstenwachen Italiens..stimmt. An Operation »Lifeline« be. sondern auch ein großes Grab. Soll heißen: seit die Abwehr von Flüchtlingen zum ideologischen Kern der Migrationspolitik geworden ist und eben diese Abwehr den Mitgliedsländern am Rande Europas aufgebürdet worden ist. der für jeden Einzelnen Freiheit und Küstenwache hat übrigens gerade erst in einem Würde einfordert. ohne einen Rettungsver. Die Reaktion in London. wollen den Vorfall nun untersuchen lassen. in klei- ropa an seinen unsichtbaren Mauern baut. Aber Mitarbeiter des UNHCR zeigen sich verblüfft. Kennt Europa keine Gnade? VON ANDREA BÖHM nen Booten aus dem umkämpften Libyen nach Flüchtling nicht als Individuum mit Anspruch Italien zu gelangen. März ermächtigte Sturz den wichtigsten Türsteher verliert. Aber Reso. Wo der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. werde. die be(UNHCR) an die europäischen Staaten.lingen in Seenot bemerkt zu haben. sind bis auf Weiteres 20 000 hungert.lingszahlen umgeht. Kampfbomber auf Stellungen Tripolis Mittelmeer Im Vergleich dazu sind die der Armee Muammar al-GadBootsflüchtlinge.und in Libyen gestrandet waren. sondern ein Rinnsal – ganTeil der zivilen Opfer nicht LIBYEN ze zwei Prozent sind auf EUdurch Bomben und Kugeln geTerritorium gelangt. Die UN und der Europarat ihre Lebensumstände alles andere gut. zu verteilen. die meisten über die Landeshätten ihr Boot gesichtet. Zwischenbilanz von mindestens 800. ist längst nicht mehr nur Urlaubsraum und Handelsweg. Europas inzwischen chronische Gleichgültigkeit STOPP! gegenüber Flüchtlingen hinausgeht. Seitdem beobach. Dort sind such zu unternehmen.unter Gadhafi-treuen Kämpfern auch Söldner sonen zu schützen« – mit Ausnahme der Entsen.sche und die italienische Küstenwache weisen schichte: Auf der Seite eines prodemokratischen ebenfalls jede Schuld von sich. über einen katho. dass es mit seinem weitreichende Sätze.gliedsland Malta 100 Bootsflüchtlinge abnehmen meer umhergetrieben sein sollen. Es gibt bislang lediglich einen verzweifelten sowie Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und DiktaHilferuf des UN-Flüchtlingshilfswerks turen wie Somalia. die nach Recherchen der eng. 7.von Resolution 1973 auch dem Übergangsrat im ren Kommandozentralen des Diktators. Das Mittelmeer chien verloren: ein tödliches Chaos. Sie sind – und flüchtlingen zu starten.. In Abstimmung mit dem UN-Sicherheitsrat. aber das mit 72 Menschen an Bord über zwei Wochen im Mittelmeer umherirrte.de/audio Gerettet. den erwartet die Unterbringung in einem überfüllten Sammellager. wahr. Wer die Reise übersteht. dann findet sich auch in der Außen-und eine Militärintervention in Libyen enthalten.Vorschlägen sofort mit von der Partie ist. einer kleinen tunesischen Stadt an der Aussagen von Überlebenden verdurstet und ver. Dass Deutschlands Innenchen ist. niemand vorsätzlich offenbar fallen sie nicht unter Resolution 1973. darunter auch zwei in Deutschland. endlich reits eine monatelange Odyssee hinter sich haben eine effektive Aktion zur Rettung von Boots. Miggibt in dieser Militäroperation keiranten. als sie klarstellen. zu seitdem wähnt sich Europa. sind nach In Dehiba. die humanitäre Katastrophe vor der libyschen Küste zu beenden.irgendeinem Zeitpunkt ein Schiff mit Flüchtren Waffen zu verkaufen. der weit über von einer . Flugzeugträger und Flüchtlinge berichten von Misshandlungen und kleinere Kriegsschiffe patrouillieren nahe der li. muss schen vor der libyschen Küste auseinandergebro. der bei der Vorbereidoch müsse es nun humanitären Prinzipien und tung einer Militäraktion darüber nachdenkt. Friedrich verkündete unlängst im lischen Zeitung The Guardian am 25. Schlupflöcher bieten fast nur noch der Landweg über die Türkei nach Griechenland oder der Seeweg mithilfe von Schmugglern und verrotteten Booten nach Malta und Italien. Noch der Sicherheitsrat die UN-Mitgliedsstaaten. was dabei herauskommt: EUROPA vor allem die tunesischen Behörden Knapp zwei Monate nach der UNund die Bewohner der GrenzResolution 1973 und nach den gebiete die Flüchtlinge empfanersten Angriffen westlicher Lampedusa gen und versorgen. könnte die Zahl der Toten um mehrere minister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem zuHundert steigen. Und befreiten Bengasi noch einmal vorlegen. dieses Detail ist wichtig – mit Beginn des Aufstands gegen Gadhafi zwischen die Fronten geraParis und Berlin? Schweigen. März von deutschen Fernsehen – sichtlich von sich selbst Libyen aus Richtung Italien aufgebrochen und beeindruckt –.Menschenjagden. habe sich zwar bei rer Sicherheit und öffentlicher Hygiene reduziert der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über wird. arabischen Diktato. mindestens bruch der Kämpfe in Libyen über 600 000 Menein Militärhubschrauber und ein Flugzeugträger schen geflohen. vielleicht auch nicht.stehen nun alle Ausländer mit dunkler Hautfarbe ten AWACS-Flugzeuge jede Bewegung von unter dem Generalverdacht der Gadhafi-Gegner. Die meisten storben ist.Prioritäten.niemanden überraschen. keine »Welkenntnis. wieder auf der richtigen Seite der Ge.aus anderen afrikanischen Ländern befinden. Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ver.Grenze zu Libyen.auf Würde und Schutz. als sie damit zu be. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 5 O peration »Lifeline« hat begonnen.Häusern der Bewohner. sondern Schwarzafrikaner. dung von Besatzungstruppen. Deutsch. Zur Einordnung dieser humanitären Geste: darunter mindestes zwei Kleinkinder. Blieben noch jene rund 72 Flücht. Maltas und Griechenlands.ten. soll er auch bleiben.sen aber vor den Rebellen fürchten. wie dem Flüchtlingsschutz gerecht werden. Das man mit dem erwartbaren Anstieg der FlüchtUN-Flüchtlingshilfswerk und mehrere Men. allen voran Frankreich und Großbritansind nach Schätzungen des UNHCR tatsächlich nien. schenrechtsorganisationen begrüßten die deutUnd doch stellen die 800 Toten der vergangenen sche Initiative. Bis auf eines: Seit Ende März Europa.die vor Lampedusa auf einen Felsen aufgelaufen scheinlich über 1000 Toten gegenüber. Auch waren. trunken. Sicherheitspolitik niemand. Am 17. wonach Ende Schengen-Raum. Und wenn das TheSpaniens. um Bootsflüchtlinge zu retten und in mehrere europäische Aufnahmelager. seit Euwww. Wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag vor der Presse verkündeten. nen koordinierten Schutz von Flüchtlingen. Gadhafis Militäreinheiten. Offenbar werden manche von ihnen von schleiern oft mehr. 61 Menschen. die in Libyen gearbeitet haben. mit der Unterstützung des Aufstands gegen mindestens 800 Menschen bei dem Versuch er. von Libyen über das Mittelmeer nach Nicolas Sarkozy aber fällt nichts anderes ein als die Italien zu gelangen. Nach Angaben des UNHCR sind seit Auslischen Priester in Rom die italienische Küstenwache zu alarmieren. Überlebende behaupten. westliche Kampfjets bombardie. Papst Benedikt XVI. Die maltesikämpfen.POLITIK 12. dass ein erheblicher ÄGYPTEN le«. Dem steht nun eine düstere wagemutigen Manöver 500 Flüchtlinge gerettet. Flüchtlinge sind bedrohte Zivilpersonen. Weil sich greifen. Und womöglich hat im Fall des Schiffs. einem Abrisshaus oder einer selbst gezimmerten Bretterhütte. Vielleicht sollte man den Text byschen Küste. Dass Silvio Berlusconi bei solchen vergangener Woche ein Boot mit bis zu 600 Men. so betonte Westerwelle. sehe es die Bundesregierung als ihre Pflicht an. Trotzdem ist es belinge zu erwähnen. die den Das Mittelmeer wird für immer mehr Flüchtlinge aus Libyen zur Todesfalle. in mehr müssen sich Somalis.

»Die Anforderungen an Politiker werden immer heftiger«. denken viele und meinen: keine Maske. wenn er hört. Aber ein Leben lang Politikerin zu sein. die nicht gefragt wurden. kann auch sie sich nicht vorstellen. in der der Partner viel mehr Einfluss nimmt«. Kaum einer der jüngeren Politiker mag sich so etwas vorstellen. sagt Schröder. einen Cordon sanitaire zu schaffen zwischen der Macht und dem Menschen. wurde es taghell wegen der Lichtschranken. aber natürlich jederzeit in der Lage. sagt Baum. Bei ihrer Hochzeit hat sie die Kirche gewechselt. an dem man sich infizieren kann. dass der neue Parteichef Philipp Rösler seine Frau fragt. können alles. die sich auch vorstellen könnten. mit denen Politiker umgehen müssen. »menschlich«.schneeschnee. denken viele Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. zu beweisen. Auf einmal steht ein BKAKommando im Haus. der im Fall einer Entführung des kleinen Walter zu zahlen sei. in der sie. Vätermonate. die so denken. irgendwann mal ihre Partei anzuführen. Die Schnelligkeit. als er im Streit um die Gesundheitspolitik als Fraktionsvize zurücktrat. Es ist ein ungewöhnlicher Satz. immer mehr Entscheidungen und auch einer Menge Alkohol im Grunde bedauernswerte Existenzen führten«. Damit Sie die Polizei rufen können. Falsche Loyalität sei es zum Beispiel. Man kann sagen: Da ist einer der wichtigsten Politiker Deutschlands in der wichtigsten Stunde seiner Karriere nicht dabei. Nur schaut bei denen nicht die ganze Republik zu. sich selbst treu. Dann werden andere die Probleme haben. dass er keine Befreiung empfand. politikfreie Wochenenden. »Die Menschen haben ein realistisches Gespür dafür. die Chance. Es ist einer von vielen Widersprüchen. sagt Kristina Schröder Inzwischen lässt sich die Schwangerschaft nicht mehr verbergen. dass man auch als Politiker ein normales Privatleben haben kann und sich nicht verbiegen muss«.« Wo so viele nicht zu ihren familiären Verpflichtungen stehen. Wenn er im Auto saß. der für die Politik härteste Einschränkungen in Kauf genommen hat. was sie sagen wird. das würde wohl nicht gehen. der Sohn Helmut Kohls. wird nicht mehr bewundert. Familienfeindlich seien andere Jobs auch. nämlich dadurch. Sie hat sich vorgenommen. Begriffe wie »in den Sielen sterben«. und viele ihrer Kollegen empfinden es ähnlich. gefälligst ein Amt im Kabinett anzutreten. Die andere Frage lautet. Instrument eines Systems zu sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. sondern: Nein. sagt: »Ich will lieber von Leuten regiert werden. während die Politik immer härter wird. Wenn sie ehrlich ist. Nun ist die Familienministerin in einer Situation. »Meistens«. dieses Wochenende ist für die Familie reserviert. heute ist sie Professorin an der Universität in St. oder denkt er: Alles Memmen setzen. jedenfalls wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Staatskrisen abzuwenden. »Ich habe es nicht geschafft«. das sei ja nicht das Hässliche. berufstätige Ehefrauen – was bei Grünen und Sozialdemokraten noch programmatischen Charakter hatte. vor ihm einer und daneben drei Motorräder. Ein Enddatum würde Schröder ihrer politischen Laufbahn nicht öffentlich setzen. Er wünscht all den jungen Politikern. sondern beäugt. dann flüchten Sie. sagt er.« Das Work-Life-Problem empfiehlt er auf traditionelle Weise zu lösen. wie eine Metapher aus der Welt der Zugtiere lautet. ehemaliger Regierungssprecher. dann sind das arme Kinder«. stellt Seehofer fest.« Was verführt einen? »Die Möglichkeit. Sicherheitsstufe 1. und sagt: »Mit 45 höre ich wieder auf«? Beneidet der 78-Jährige den 38-Jährigen. Darum gehe es ja: keine Ausrede zu finden. die sich ausschließlich über eine politische Stellung definieren. sondern weil sie die Politik nicht verstanden hätten. platzte Seehofer der Kragen. die mitten im Leben stehen.« Zweimal hat er plötzlichen Machtverlust erfahren. er mache sich keine Gedanken. kaum ein Partner sieht sich heute noch als stiller Dulder. Vater von drei Kindern. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Illustration: Beck für DIE ZEIT/www. muss er auch bereit sein. warum man inzwischen unabkömmlich sei. Er vertrat sowjetische Zwangsarbeiter und verklagte die Telekom wegen ihrer Datenskandale. sagt Thomas Steg. als Gegen-Rösler par excellence. sie könne sich vorstellen. »Das Gefährliche ist das Anziehende daran. ob sie einen solchen Preis zahlen wollten: die Familien und Angehörigen von Politikern. »Es ist wichtig. Ein gutes Vorbild für die Gesellschaft sei das nicht. probehalber. Die Politiker werden weicher – man könnte auch sagen: normaler –. sehe sie für sich als Ministerin »eine Bringschuld«. Baum. so einen Posten. wie sie selbst sagt.« Nachdem Peter Ramsauer nicht Verteidigungsminister und Joachim Herrmann nicht Innenminister werden wollte. in dessen Beisein auf fünf Millionen Mark fest. sagt Baum. als von machtversessenen Typen. weil sie weiß. wie es so schön heißt. sah draußen keinen Fahrer mehr und keine Sicherheitsbeamten und merkte voller Schreck. Schröder wollte Privatleben und Politik immer trennen. Es sei eine neue Erfahrung. dass man die Macht umarmen muss: »Ich würde jede Wette eingehen. kann dieser Wunsch in der Politik Wirklichkeit werden? Das ist die eine Frage. Der FDP-Politiker heutzutage? »Ich finde diesen Satz sehr sympathisch«. dass irgendjemand noch irgendetwas erst mit seiner Frau besprechen dürfe. und es heißt: Das Fenster hier muss raus. ließ sich Philipp Rösler telefonisch zuschalten. auf »gefahrengeneigte Posten« zu wechseln. Sie entfremden sich Ihrem privaten Bereich. In der Politik hat Meckel Menschen gesehen. kein Gefangener der Macht. »Ich bin viereinhalb Jahre nicht alleine aufs Klo gegangen«. er befahl Hans-Peter Friedrich. ins Schlafzimmer kommt eine Stahltür. weil er das Klischee nährt. Man kann aber auch sagen: Was ist eine Partei-Intrige gegen eine Facharztprüfung? Einer wie Peer Steinbrück. immer für ihre Kinder da sind. die in all dem liegt. Nicht weil sie nicht hart genug seien. am Ende seiner Dienstzeit war der rechte Arm vom Öffnen der schweren Auto-Panzertür lädiert. Denn was wollen die Bürger im Zweifel lieber: dass ihr Kanzler nachts am Schreibtisch sitzt oder am Kinderbett? Die Röslers suchen jetzt eine große Wohnung in Berlin-Mitte. Wenn einer Kanzler ist und Kinder hat. der Familie gerecht werden und den Wählern. in zweiter Ehe verheiratet. sie hat überlegt. winkten mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gleich zwei konservative Politiker mit dem Hinweis ab. Gerhart Baum hatte so einen Job. »nicht verdruckst zu sagen: Ich habe einen anderen Termin. sondern Angst und die bange Frage: Gibt es mich eigentlich noch? Seehofer glaubt nicht an selbst gesetzte Verfallsdaten. dass selbst etablierte Politiker nicht ohne Weiteres bereit seien. Einmal kommt das BKA und legt den Höchstpreis. andere Spitzenpositionen in der Politik zu übernehmen. vor dem man sich in Acht nehmen muss. sagt Baum. in denen verdient man keinen Euro mehr als am Tag bevor man sie antrat. zwischen den Antworten atmet sie ein bisschen schwerer als sonst. den die Gegner schnell gegen einen verwenden können. wieder aufzuhören. interessante Menschen zu treffen. Und als ein Nachfolger für türlich! Denn moderne Frauen. noch mehr Terminen. wollten sie sich und ihrer Familie nicht antun. die Familie und Partner stellen – die Modernisierung der Gesellschaft macht auch vor ihren Volksvertretern nicht halt. Der Satz ist auch zwiespältig. die offen bekennen: »Für mich ist Politik ein Stück Sucht. Der Berliner Volker Ratzmann zog 2008 seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Grünen zurück. sagt Rösler. er stattet sich selbst mit einem Verfallsdatum aus. er glaubt. Abstoßende.« Miriam Meckel war Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen. dass das gegen sie verwendet würde. allerdings ein politischer. sondern ein Leben während der Politik. Aber das Familienleben mit dem Beruf zu vereinen. »Wenn jemand beispielsweise Fraktionsvorsitzender ist. »die nicht in die persönliche Lebensplanung passen oder in denen Unwägbarkeiten drohen«. Es gibt nicht viele wie Rösler in der Politik. dass ihnen das alles gelingt: ehrlich bleiben.« Wie es ist. Politiker. Zurzeit ärgert er sich über die Jungen in seiner Partei. Aber das wäre auch so ein Satz. sie hat ein Buch geschrieben.« Aber wo genau kippt die Work-Life-Balance in der Politik aus dem Politischen hinaus? Für Horst Seehofer sind bei allem Verständnis für mitentscheidende Ehegatten irgendwann die »Grenzen der Verantwortungslosigkeit erreicht«. Gallen. weil Rösler sich damit angreifbar macht. 1998. die »authentisch« sind.de Die neue Berliner Balance Immer mehr Politiker fordern Zeit für Familie und Privates ein. dass Menschen sagen. meint sie. Gerhart Baum ist seit Jahren nicht mehr Politiker. sind out. Entscheidungen zu fällen. Einmal stand Seehofer am Fenster. Horst Seehofer gilt vielen als Prototyp des Machtpolitikers.« Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. »wird man in Deutschland unter 50 Jahren ja ohnehin eher nicht Kanzlerin. wenn die Frage kommt: Kann eine Kanzlerin Mutter werden? Von Amts wegen müsste sie sagen: Na- war Innenminister unter Helmut Schmidt. »Ich werde alles daran- Karl-Theodor zu Guttenberg gesucht wurde. In Spitzenjobs der Wirtschaft habe man es auch schwer. kann etwas erzählen über die Zumutungen der Politik. Worauf der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schließlich erbost verbot. und auch deshalb sei ein Satz wie der von Rösler gut. die private Kategorie der Dankbarkeit ins Politische zu übertragen und Guido Westerwelle nicht zu stürzen. werden Sie verführt. Wenn nachts ein Hase durch den Vorgarten hoppelte. die in einem »Zwangssystem aus Terminen. Kristina Schröder hat sich auf das Gespräch vorbereitet. Was denkt einer. was es mit der Politik macht. Katja Kipping von der Linken erklärte kürzlich. aber mit Mitte 35 stehe für sie »die Familienplanung im Vordergrund«. er ist wieder Rechtsanwalt. ein Umzug sei das noch nicht.« Das Gefährliche an der Politik. das vom Burn-out handelt. Das Thema Work-Life-Balance hat die Politik erreicht. Aber wie viel Freiheit darf sein in ihrem Job? VON TINA HILDEBRANDT E s gibt Jobs. weil seine Frau Facharztprüfung hatte. sagt Schröder mit einem feinen Lächeln. ist längst auch bei bürgerlich-konservativen Politikern normal. um die Paparazzi irrezuführen.« . Kristina Schröder sitzt in einem Besprechungsraum in ihrem Ministerium. sei »Lichtjahre« von früheren Verhältnissen entfernt. mit der man reagieren müsse. Politiker müssten auch Vorbild sein. eine Hand auf dem Bauch. als die Regierung Kohl abgewählt wurde. sich vor der Politik in Sicherheit zu bringen. »Falsche Loyalität darf es in der Politik nicht geben«. Als in Berlin die Nachfolge von Guido Westerwelle ausgehandelt wurde.6 12. wer sich für die Partei aufopfert. und übers Bett sollte ein Knopf. fuhr hinter ihm ein gepanzerter Wagen mit Sicherheitsleuten. dass Philipp Rösler nicht mit 45 aufhört. ich bin nicht Instrument eines Systems. Und nichts wünscht sich das Publikum mehr als Politiker. aber sie verändern den Alltag dramatisch. dann umso mehr. »Es gibt heute ein anderes Rollenverständnis in der Familie. Es handelt vom Preis der Politik für die. aber es gibt immer mehr. in seinem Buch Leben statt gelebt werden. und wenn der private Bereich dann auch noch Schwierigkeiten macht. Rösler sagt. ob er seinen Satz zurücknehmen müsse eines Tages. »offenkundig Privatleben und Beruf vereinbaren muss«. der als Finanzminister einen der tragenden Jobs hatte und als harter Hund gilt. das muss sie als Ministerin sagen. und 2004. ob er sein Amt antreten soll. »dass er künftig die Termine für die Telefonkonferenzen bestimmt. Weil er zum Nachdenken anrege über die Frage: Was ist die Rolle eines Politikers? Röslers Satz ist der Versuch eines Spitzenpolitikers. darauf legt Kristina Schröder Wert. Doch Seehofer ist einer der wenigen. wenn immer mehr Politiker ihren Posten als Teilzeitjob statt als Lebensinhalt begreifen. Immer mehr Politiker wollen nicht nur ein Leben nach der Politik. »Die Anforderungen werden immer heftiger«. das Rösler bekämpfen will: dass die Politik etwas Schmutziges ist. weiß sie: Nein. Familie haben. »Wenn Sie in die Politik gehen. das offensiv zu tun. sagt Baum. beschreibt Walter Kohl. weil seine Frau ein Kind erwartete und sich im Jahr darauf wieder für den Bundestag bewerben wollte.

führt das zu Gegenreaktionen. Das wäre ein Renner. deren Heizplatte man abschalten kann. Es ist jetzt die Aufgabe der FDP. die Atomkraft für eine akzeptable. In der Wirtschaftskrise müsse die FDP sich deutlicher zu Werten wie Solidarität bekennen 2009 Bundesgesundheitsminister. eine Kaffeemaschine zu entwickeln. dass beides zusammenhängt: Wenn diejenigen. Es gibt keine Ost-West-Auseinandersetzung mehr. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 7 wollte die FDP attraktiver und sympathischer werden. verantwortlich für den Tod Tausender. ZEIT: Inwiefern? Rösler: Ohne mich auf eine Ebene mit der Kanzlerin stellen zu wollen: Frau Merkel sieht sich Dinge ruhig an. Rösler: Mit den Inhalten ist es nicht anders als mit dem Personal: Wenn Sie etwas für sich als wichtig entschieden haben. das spüre ich jeden Tag. hier bin ich groß geworden. Haben wir gerade eine Häutung zum Machtpolitiker erlebt? Rösler: Sie haben erlebt. müssen Sie neben den Regierungen auch die Abgeordneten beteiligen. nicht um Dauerlösungen. ZEIT: Die FDP steht für große außenpolitische Grundsatzentscheidungen. dass auch über den Preis des Ausstiegs geredet wird. weil Menschen nun mal unterschiedlich sind. Wir geben unseren Markenkern nicht auf. Brüderle fordert eine Konzentration auf die Kernthemen der Liberalen. dass wir an die Jahreszahlen. welche Inhalte wir vorantreiben. die noch das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt haben. das Sicherheitsaspekte. was wir Tolles machen werden. Diesem Land habe ich nicht nur viel. Das ist mir besonders wichtig. muss dafür sorgen. Die Welt ist schöner. immer wieder hören: Bitte nicht. Aber für das Ansehen der Regierung ist nicht nur wichtig. wäre das schwierig.de/FDP . weil ich glaube. ZEIT: Wie lässt sich der Schaden beheben. dass das mit dem Personalgerangel der vergangenen Tage gelungen ist? Philipp Rösler: Wir wollen vor allem wieder erfolgreicher werden. Vorbereitung der Krankenkassenreform 2011 Kandidat für den Parteivorsitz Hobby: Bauchredner fiziellen Saal. in der ich aufgewachsen bin. Gibt es kein großes Projekt. Zwischen Birgit Homburger und mir wird menschlich nichts Negatives zurückbleiben. ZEIT: Mit welcher Bilanz soll die FDP 2013 um Wiederwahl werben? Rösler: Auch da gilt. gibt es dafür zumindest mehr Spielräume. dass unser Parteitag am Wochenende ein Neuanfang wird. müssen Sie es auch durchsetzen. keine deutschen Soldaten in einen Auslandseinsatz nach Libyen zu schicken. wie die Kanzlerin? Rösler: Ich habe großes Verständnis dafür. heute so viele Euro-Skeptiker gehören. Sie wollen die Partei programmatisch verbreitern. das Sie als FDP-Chef vorantreiben wollen? Rösler: Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch zurück. plötzlich Realität wurde – und das im Hochtechnologieland Japan. Finden Sie. dass es sich bei allen Hilfen nur um Maßnahmen zur Überbrückung von Schwierigkeiten handelt. Ich sehe die Energiewende daher als Chance für Deutschland. den Begriff der Heimat zu entdecken. ZEIT: Wir wüssten gern. keine Blockkonfrontation. Zweitens sind Sanktionsmaßnahmen erforderlich für Länder.zeit. möglichst noch etwas lauter als bisher. Das Gespräche führten PETER DAUSEND und ELISABETH NIEJAHR Foto (Ausschnitt): Anatol Kotte für DIE ZEIT FDP: Berichte vom Parteitag auf ZEIT ONLINE www. Ich bin zuversichtlich. Sind das nicht Ihre Wähler? Rösler: Beim Atomausstieg müssen wir die Partei der Vernunft sein. Drittens muss das Parlament bei jeder Rettungsaktion mitentscheiden. ZEIT: Hier steht aber keine Fahne. Wenn die FDP gute Regierungsarbeit macht. 2040? Wenn sich andere überbieten bei den Ausstiegsdaten. Das hat sich verschoben. Eine ostdeutsche Frau ist hier Bundeskanzlerin geworden. ZEIT: Was ist cool an Deutschland? Rösler: Der Begriff patriotisch wirkt ja ein wenig pathetisch. eher intellektuelles Verhältnis hat als diejenigen. sondern alles zu verdanken. warum ausgerechnet zur FDP. die kritisch über europäische Bürokratie oder mangelnde Transparenz sprechen. dass wir auch schwierige Entscheidungen anders fällen als andere Parteien. Osama bin Laden war ein Terrorist. die aktuell diskutiert werden. Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache. 2030. im Gegenteil – es ist ein Signal. wenn man immer Rhabarber essen darf. Deswegen. Meine Oma hatte ihn immer in ihrem Garten in Hamburg-Harburg. mit 36. Freiheit und Wirtschaftskompetenz. Rösler: Meine Erklärung ist. weil ein Ereignis. Rhabarber dürfe man wegen der radioaktiven Verseuchung auf gar keinen Fall essen. ZEIT: Die FDP hingegen verliert. dass meine Generation zu Europa leider ein weniger emotionales. Eine vernünftige Partei. ZEIT: Sie werden Wirtschaftsminister. Nirgends kann man den Amerikanischen Traum besser leben als in Deutschland. Landesvorsitzender und. ZEIT: Sie wollen einen anderen Umgang mit Frau Merkel pflegen als Guido Westerwelle? Rösler: Das ist eine Selbstverständlichkeit. Das Gleiche gilt für Guido Westerwelle und Rainer Brüderle. Vielleicht gelingt es der deutschen Industrie jetzt sogar. ZEIT: Sind Sie patriotisch? »Am Ende gewinne ich« Führungschaos. den wir zu Beginn der Legislaturperiode gemacht haben. Stabilität und Frieden zu erhalten. wollen wir ein realistisches Ausstiegsszenario anbieten. und so wird es unter meiner Führung sein. Da sind viele Menschen enttäuscht – leider wird dieser Frust vor allem bei uns abgeladen. das angeblich nur einmal in 100 000 Jahren eintritt. dass dieses Projekt vergleichbar ist mit der Mondlandung. Die Balance muss stimmen in dieser Debatte. ZEIT: Der Preis ist der FDP also wichtiger als ein möglichst schneller Ausstieg? Rösler: Nein. jüngster Wirtschaftsminister in Niedersachsen 2008 In einem Thesenpapier (»Was uns fehlt«) kritisiert er die Bundespartei. die Diskussion zu beenden. Und insgesamt glaube ich. wartet ab. ohne dass man erst zehn Menüpunkte auf einem Display durchblättern muss. digkeit. Was kostet der Ausstieg 2020. Rösler: Nein. Das muss anders werden. das Positive zu sehen. Ich halte Wirtschaftskompetenz nicht für weniger wichtig. Bisher haben wir aber zu Recht primär über die Sicherheit der Kernkraftwerke diskutiert.POLITIK DIE ZEIT: Herr Rösler. ZEIT: Was wollen Sie am geplanten Euro-Rettungspaket ändern? Rösler: Erstens brauchen wir harte Auflagen. was sie sich wünscht. dafür steht die Generation von Hans-Dietrich Genscher. und im Herbst wird in drei Bundesländern gewählt. da stehen die Deutschlandfahne und die Europafahne. einer Partei mit großer außenpolitischer Tradition. Trotzdem habe ich später zu denen gehört. wenn ich zum Reichstag fahre und die große schwarz-rot-goldene Fahne da oben sehe. damit klar ist. Kosten und Versorgungssicherheit berücksichtigt. sondern durch Verlässlichkeit. Verpflichtet das einen jungen Parteichef wie Sie? Rösler: Zur Zeit des Kalten Krieges war das erste Ziel. sondern auch. Ich will. dass Sie nur verkrampfen. Und ich wollte nicht. ZEIT: Bei der Katastrophe von Tschernobyl waren Sie 13 Jahre alt. aus Platzgründen. Atomausstieg: Wie Philipp Rösler die zerrüttete FDP erneuern will Rösler: Definitiv ja. was ist da passiert? Ich war einfach neugierig. adoptiert von einem Ehepaar in Norddeutschland 1992–1999 Sanitätsoffizier und Medizinstudium bei der Bundeswehr 2000–2009 FDP-Generalsekretär. Als Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken habe ich mich allerdings stets sehr stark engagiert gegen die Todesstrafe. wenn Kritiker also reflexhaft in die europafeindliche Ecke gestellt werden. Rainer Brüderle wird Fraktionsvorsitzender. etwa für die Haushaltskonsolidierung. war eine schnelle Entscheidung. Und dazu gehört. Kann das funktionieren? Rösler: Wenn es diesen Gegensatz gäbe. lässt sich nicht irritieren von äußeren Einflüssen und Kommentaren – und am Ende kommt oft das heraus. muss man Optimist sein. Wir haben einen of- Der Neue 1973 geboren in Vietnam. Der beste Weg. ZEIT: Sie haben der FDP mal in einem Essay empfohlen. bekannte Forderungen ständig wiederholt. Dass das ein großartiges Land ist. über Glaubwür- 12. ZEIT: Zwanzig Prozent sind gegen einen schnellen Atomausstieg. Deutsche Interessen zu vertreten bedeutet heute auch. reden aber weniger darüber? Rösler: Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft. ZEIT: Wird es mit Ihnen an der Spitze mehr oder weniger Konflikte in der Koalition geben? Ihre Partei wünscht sich beides: weniger Streit und dass die FDP sich häufiger durchsetzt. der durch den deutschen Alleingang in der Libyen-Frage entstanden ist? Rösler: Ich halte die Entscheidung für richtig. Ihr »ordoliberaler Kurs« gehe »an den Menschen vorbei«. dass Frau Merkel und ich grundsätzlich ähnliche Typen sind. wenn der Parteichef gleichzeitig das Wirtschaftsministerium führt. Übrigens hat es auch nicht funktioniert. Sie wird einen Innovationsschub auslösen. kündige ich jetzt nicht groß an. ZEIT: Bisher haben viele Ihnen die nötige Härte für ein Spitzenamt nicht zugetraut. mit Ihnen an der Spitze ZEIT: Sie reden viel über Stilfragen. Mit Fukushima hat sich das auch für mich geändert. Und neulich habe ich das erste Mal seit 25 Jahren frischen Rhabarber gegessen. Sehen Sie in der Energiewende eher eine Belastung für die Wirtschaft wegen der steigenden Preise oder eher eine Chance zur Erneuerung? Rösler: Da man keine Wahl hat. wie wir miteinander umgehen. Preisschilder hängen. du darfst nicht die europäische Idee gefährden. die sich nicht an die Vereinbarungen halten. Wie kommt Ihre Partei aus dem Vier-Prozent-Loch? Rösler: Indem ich mich als Bundespolitiker bei den anstehenden wichtigen Entscheidungen über den Euro. Wirtschaftsinteressen wahrzunehmen. ZEIT: Wie hat Ihre Herkunft Ihren Blick auf Deutschland geprägt? Rösler: Meine Dankbarkeit macht es mir leichter. richtige Feststellung. ein in Vietnam geborenes Adoptivkind wird jetzt ihr Stellvertreter. wo sich Europa ändern muss. Gelassenheit. Mein Ziel als Wirtschaftsminister muss es sein. als Rainer Brüderle es tut. also die FDP. ZEIT: Und was war Ihr erster Gedanke? Rösler: Stimmt das wirklich? Der zweite: Wie war das. Wie haben Sie diese Tage erlebt? Rösler: Wir durften nicht rausgehen zum Sportunterricht. Sonst wäre ich auch falsch in meinem künftigen Ministerium. Es wird meine Aufgabe sein. ZEIT: Sie wollen also immer noch die Steuern senken. dass man alte. für die nötige Gelassenheit innerhalb der Regierung zu sorgen. sachliche Kritik aufzugreifen und zu zeigen. Christian Lindner und ich sind uns vollkommen einig. wenn Sie ständig an den Wahltag denken. ZEIT: Haben Sie sich gefreut über den Tod von bin Laden. Wenn Sie mehr Akzeptanz für Europa wollen. Das werden wir tun. Nehmen Sie die Energiewende: Da ist man sehr hektisch von einem Extrem ins andere umgeschwenkt. auch jedes Mal. dass sich viele Menschen erlöst fühlen. Aber wir dürfen niemals einen Zweifel an unserer Bündnistreue auch nur aufkommen lassen. in Deutschland produzierte Windanlagen überall in der Welt anzutreffen. und cool passt irgendwie nicht. die Bundeswehr oder die Energiewende nicht von Wahlterminen in den Ländern beeindrucken lasse. Ist Europa für Sie Heimat? Rösler: Heimat – da denke ich an die Region. damals hieß es aber. Das war ein Fehler. Deutschland bietet allen Menschen alle Chancen. Euro-Skepsis. dass wir schon am Montag danach statt über den Euro oder die Energiewende über die Besetzung der Fraktionsführung reden. ZEIT: Sie sind demnächst Wirtschaftsminister. beherrschbare Technologie hielten. wird sie 2013 gewählt. Deutschland ist meine Heimat.

und Amtserfahrung wie er. zu regieren. sondern eine islamische. Und zwar nicht dem moderaten. noch immer ist er ein Mann mit viel Einfluss in Peschawar. seit der arabische Frühling herrscht. ein Gotteshaus mitten im Regierungsbezirk der Hauptstadt. dass islamische Bewegungen die Herrschaft ZEIT-Grafik Khyber-Pass AFGHANISTAN Abbottabad Islamabad Peschawar us Lahore INDIEN I nd PAKISTAN PAKISTAN Arabisches Meer 200 km Arabisches INDIEN Meer in den arabischen Ländern erringen. Das ist einer der größten Erfolge der Islamisten: Sie haben die Grenze zwischen radikalen und gemäßigten Muslimen verschwimmen lassen. sich von diesem Krieg zu distanzieren. Er wird begleitet von vier bewaffneten Männern mit AK-47-Gewehren. mit großer Beständigkeit seit über 20 Jahren dem islamischen Glauben zuwende. die einst Lahores Ruf als Kulturhauptstadt Pakistans begründeten. als Maulana Abdul Aziz aus der Hauptstadt Islamabad in ein kleines Dorf aufbricht. Tagsüber fährt uns ein Taxi. sagt Ibrahim. »Die USA haben Verbindungen mit allen Despoten der Region. Und obwohl ihre radikalsten Anhänger dieser Tage Bin-LadenPorträts auf den Straßen schwenken. sagt er. als sie vor acht Jahren die Wahlen in der Nordwestprovinz gewann. Als ihn später die Nachricht von bin Ladens Tod erreicht. acht Millionen Einwohner. Osama sei tot?«. Angesehene Männer wie der frühere ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof von Lahore klingen wie Islamisten. Er lässt zwei Stühle aus seinem Büro bringen. »Ich sehe keine Notwendigkeit. Unter den Mullahs herrscht nicht nur Chaos. die lange abseits von Gewalt und Terrorismus lag. die sich gegen das strenge Blasphemie-Gesetz des Landes ausgesprochen hatten. Ibrahim gilt als Architekt dieses Wahlsiegs. Nichts überstürzen. Seither wird sie auch in der Hauptstadt Islamabad ernst genommen. um den Bau einer Mädchen-Koranschule zu besichtigen. Zwar gründet Ibrahims Partei Dschama’at al-Islamija auf einer über hundert Jahre alten. Zu gefährlich. ein junger Mann mit Brille und brauner Predigerkappe. Wo immer man in Pakistan heute hinhört – alle liberalen Kräfte betonen. hatte er in das nordwestpakistanische Peschawar eingeladen. ein Prediger wie sein Onkel. Ägypten. Ahmed hat Angst vor Anschlägen. Nach und nach ist die Stimmung gekippt – wann. ist klar. Es fordert die strenge Wahrung der islamischen Gesetze. der Krieg um Libyen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Jungen an einer Koranschule im pakistanischen Abbottabad. In zwei Jahren haben wir Wahlen«. sagt er. warnt der international bekannte Autor und Journalist Khalid Ahmed. Dschama’at al-Islamija. spricht Ahmed aus pakistanischer Erfahrung. sagt Ibrahim. Der Heilige Krieg kann nicht durch den Tod einer Person geschwächt werden. »Sogar auf dem Tahrir-Platz in Kairo warfen sich alle auf die Knie und beteten. sogar radikalen Islam. Kein Wort davon. Es zählt heute zu den weltweit meistverbreiteten islamischen Schriften. »Ist es nicht denkbar. worüber die Islamisten bisher geschwiegen haben: über sein Land. Aber Ibrahim will endlich reden. ruhiger klarer Blick. das Ziel auch. ein früherer Universitätsprofessor. Kürzlich sind zwei Politiker ermordet worden. über Tunesien. Weil er in einer Demokratie lebe. sagt er. Nur nicht drängen lassen von den Ereignissen. im Westen erheben sich die Berge um den Khyber-Pass nach Afghanistan. Wir können in keinem Hotel übernachten. »Es muss heute Tausende geben. Keine demokratische. Aziz und seine Predigerfamilie aber unterstützten die Geiselnahme. dass ausländische Mächte für Terror und Gewalt in Pakistan verantwortlich seien. Er leitet eine Journalistenschule in Lahore. Nicht zufällig stammt es aus Pakistan: Operativ war das Land für die islamistische Bewegung bedeutungslos. die glauben. es gab zahlreiche Tote. nur keine Eile. dass seine Stunde noch kommen wird.« Im Gegensatz zu westlichen Beobachtern. die bei einer Stiftung arbeitet. er lächelt. vornehme beige Kleider. zu den Waffen zu greifen. wie sehr das Militär von Islamisten unterwandert sei und wie sich letztlich das ganze Land Schritt für Schritt. Bis dahin wird eine neue Generation der islamischen Bewegung an seiner Spitze stehen. dann sind andere dafür verantwortlich. die seine islamistische Partei hegt. hat jedes betroffene Land genau studiert. Er führt durch die Moschee. »Pakistan ist der zukünftige Staat al-Qaidas. im Osten strahlt die weiße Moschee vor blauem Himmel. Osamas Platz einzunehmen.8 12. wird nicht kommen«. sondern gegen die eigenen Herrscher und sei deshalb ein Votum für die westliche Demokratie. Und ein allzu weltlicher Präsident an der Macht. Ihre Geduld ist aufgebraucht.« Er ist erst 35 Jahre alt und Imam. über die Hoffnungen. So sehr. Würden die Islamisten in Pakistan die nächste Wahl gewinnen: Ibrahim würde Regierungssprecher oder Außenminister werden. da extremistische Gruppen einen Anschlag auf Ausländer planen könnten. Dagegen rief die Erschießung bin Ladens durch die US-Streitkräfte deutlich mehr öffentliche Kritik hervor. in der Geistlichkeit tief verwurzelten antikolonialen Bewegung. Aziz ist Vorsteher der Roten Moschee. denn seit Monaten dürfen westliche Journalisten nicht nach Peschawar. Ibrahim sieht darin die Chance für eine Wende. Nur keine Eile. VON GEORG BLUME D Ibrahim glaubt. Genau das will Ibrahim zeigen – seine heile islamische Welt. Das Büchlein ist kein Appell. hat sie sich im öffentlichen Meinungsbild erfolgreich von al-Qaida abgegrenzt. dass selbst radikalste Koranprediger in Pakistan salonfähig geworden sind. die arabischen Revolutionen stünden für Modernisierung und Säkularisierung. in dem vor wenigen Jahren eine spektakuläre Geiselnahme der Taliban endete. Ich aber zweifele daran nicht. »Aber der Wandel hat gerade erst begonnen. Nur keine Eile. Die Empörung war schwach. Sehr bald werden die Bewegungen in den arabischen Ländern islamistische Züge bekommen. müsse um sein Leben fürchten. dass die Revolutionen ein Kampf für islamische Ideen sind Ibrahim sieht aus wie ein Weiser aus dem Morgenland: langer weißer Bart. Und wenn. dass er die islamische Sache nicht in Gefahr sehe. Lahore zum Beispiel. »Im Augenblick herrscht in der islamischen Welt Aufruhr«. Er ist sich sicher. Ein kompakter roter Backsteinbau mit roten Mosaikfenstern. Eine Reise durch Pakistan Peschawar/Lahore/Islamabad er Tod Osama bin Ladens. Eine ungewöhnliche Reise. Dass die Geschichte ihm noch recht geben wird. Foto: Faisaal Mahmood/Reuters . Dafür müssen wir jetzt schon hart arbeiten. Ibrahim ist der politische Kopf der größten islamischen Partei in Pakistan. Sie werden die USA und ihre Ideen besiegen und das heutige politische Vakuum füllen – sofern man sie frei wählen lässt«. sondern dem strengen. erhält seine politische Bibel: eine Schrift des bedeutendsten Theoretikers von Dschama’at al-Islamija aus den dreißiger Jahren. Ibrahim dagegen glaubt. Besonders bedauert er die Lage in Syrien: kein Licht am Ende des Tunnels. Er trägt eine weiße Kutte und einen schwarzen Turban. Er stellt die Stühle in die Sonne auf den grünen Rasen. Bestraft wurden sie dafür nie. Für ihn schreitet mit Revolution und Instabilität in der Region nur die »Talibanisierung der Köpfe« voran. Überall liegen rote Teppiche aus. Frauen verschleiern sich und schicken die eigenen Kinder auf die strengsten Koranschulen. aber betonten Predigerstimme. Doch politisch bedeutsam wurde sie erst. dass die Revolutionen ein Kampf für die islamischen Ideen sind. der Zorn Arabiens richte sich nicht gegen die USA. Er. Die Gefahr eines Atomstaats in Terroristenhand steht hier unmittelbar vor der Tür«. »Die Demokratie. Ibrahim ist ständiger Gast der pakistanischen Talkshows. die sich der Westen wünscht.und Kolonialpracht. Den Ort für das Treffen wählt er mit Bedacht. Alle Räder stehen still. wie abgewirtschaftet die alte demokratische Elite. »Wenn unsere Führer es wagen würden. wie man auf demokratischem Weg die Macht erobert. auf die Straße zu gehen. Die vielen liberalen Intellektuellen der Stadt. seit 1965 führt sie die Rote Moschee. politisch hält er sich zurück. weil sie ihre peinliche Niederlage in Afghanistan kaschieren und uns glauben machen wollen. Doch er reist immer noch viel in der Region. Längst ist die Ideologie der Islamisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen. die ihre Despoten abgeschüttelt hat. Jede Nacht schlafen wir woanders. Ibrahim schaukelt mit seinem Stuhl auf dem Rasen und schaut in den Himmel. das weiß niemand mehr so genau. ob Pakistan Osama bin Laden all die Jahre geschützt hat. »Die wirkliche Gefahr für uns ist der sogenannte Krieg gegen den Terror. Es neigt zur Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. einst Vorzeigestadt Pakistans. komme es nun zum entscheidenden Kampf – dem zwischen den USA und der islamischen Welt. was es heißt. das in ei- nem neu gebauten Moschee-Komplex mit islamischer Schule liegt. dass die USA heute nur deshalb ein Osama-Drama aufführen.« Aziz entstammt einer berühmten Predigerfamilie. sagt Mohammed Ibrahim. Und neuerdings als Ort der Hoffnung. dass die USA und auch Deutschland kein Recht auf Intervention in der Region hätten. meistens in irgendeinem Büro. er zeigt auf kunstvolle Deckenmalereien und lässt sich vor einer Bücherwand in seinem Büro nieder. der keinen anderen Glauben neben sich duldet. Wir können friedlich entscheiden. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer wieder brutale Anschläge. Ibrahims Partei ist heute in modernen Wahlkampftaktiken erprobt. ideologisch aber umso einflussreicher. Militärs hatten die Moschee gestürmt. In der Nähe wurde bin Laden getötet Der Sieg wird unser sein Von Osama bin Ladens Tod lassen sich die Islamisten nicht beirren.« Für Ibrahim geht die Geschichte weiter. Kaum einer in seiner Partei hat so viel Regierungs. Er war Senator im pakistanischen Oberhaus. Für Ibrahim ist die Demokratie nicht Ziel. Es ist sein Vereinnahmungsversuch. klagt eine Frau.« Über Jahrzehnte konnten die säkularen Regierungen in Islamabad derartige Äußerungen aus dem Lager des Islamisten ignorieren. Aziz’ Neffe kommt. Aber es ruft zum Kampf gegen die Ungläubigen auf. den die USA führen«. haben Angst. Westliche Intellektuelle betonen. Bald schon. Dann verlor sie die Wahlen. Jeder. Ich habe volles Vertrauen in die Massen der Muslime. Bald tönen Kinderstimmen aus der Schule herüber. sondern Mittel zum Zweck eines islamischen Staates – wie die arabischen Revolutionen. Deshalb fürchten sie jetzt. Fünf Jahre lang erlebte seine Partei. sagt er. die bereit sind. er war Provinzpräsident. »Der Heilige Krieg wird nicht durch den Tod einer Person geschwächt« Es ist ein warmer Tag. In fünf bis zehn Jahren wird er dauerhaft sein. Ibrahim muss sich mit diesem Büchlein nicht verstecken. der Scharia. die Revolutionen in Ägypten und Tunesien – weshalb die Aufregung? Der Weg. alte Mogul. fragt er seelenruhig am Telefon mit seiner leisen. Sie sprechen davon. Es war angsterregend. Dennoch: Die politischen Islamisten hatten gelernt. wären die Taliban und al-Qaida keine Bedrohung mehr für uns. Wer den islamischen Gesetzen öffentlich widerspreche. Kurz bevor die Nachricht vom Tod bin Ladens eintraf. die Scheiben sind verdunkelt. der Ibrahim trifft. Sie wittern ihre Chance. Seitdem gilt die Moschee als Hochburg der radikalislamischen Bewegung. »Die arabischen Völker kämpfen gegen ihre Despoten.

Damaskus.wundert mich aber.nichts davon stimme und die Geständnisse wahl übers Telefon gesperrt. die als Fahrer im Grenzverkehr zwischen Libanon und Syrien Woche. Sie berufen sich auf die Vorfahren (as-Salaf ). im Telegrammstil laufen die Meldungen von schießen. darüber kursieren in Ägypten zwei Lesarten. um endlich von ihrem Mann wegzukommen.kommenden Wochen von Familien getöteter Solniert – sind jetzt meine Nabel. hielten sie gefangen. sie hatten unter Hosni Mubarak sogar Fernsehkanäle. Wir haben die winnen. wird es noch schlimmer: Das syrische Uhr habe ich in meinem Ver. dass ihre Prediger geduldet wurden. der mächtigsten islamistischen Bewegung im Nahen Osten. Die Armee nahm 190 Randalierer fest und kündigte Militärgerichtsverfahren an. Deshalb sind viele Ägypter überzeugt. Zwölfjähriger Junge bei Pro. die angeblich kaum noch Verbindung zur Außenwelt. Wenn der Gesuchte SUDAN derselben Stadt und doch nicht angetroffen wird. Viele radikale Muslime seien aus den Gefängnissen entlassen worden. Soweit das Gerücht. Mein Mostände vorführen. Die bekommen sie übrigens auch von den Kopten frei Haus. aber das war Männer eines Haushalts es uns wert. jüngst brachten sie in Gaza einen italienischen Friedensaktivisten um. Cornelis Hulsman.wir bekommen von dort praktisch keine Inforsichtlichen Grund festgenommen. Damals saß Präsident Hosni Mubarak noch fest im Sattel. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 9 »Ich fühle mich umzingelt« Das syrische Regime verhaftet wahllos Menschen und kappt das Internet. Radikale schnitten einem Kopten in Qena ein Ohr ab. Die glaube einfach nicht. Nicht nehmen sie gern auch ein 400 km einmal telefonieren könanderes Familienmitglied als Geisel. Fotos: Reuters . Der Lärm. Oft geht es dabei um Frauen. und außen bei mir ein. sie saßen im Gefängnis. weil sie zum Islam übergetreten sei. Seither habe ich allesamt unter Folter erzwungen worden seien. Wenn ich fern. Jahrhundert stehen: ultralange Bärte. Die Muslimbruderschaft konnte davon nur träumen. das Werk der Protestierenden Online-Chats – wenn denn Anwältin wird auch in den ist. Anhänger des alten Regimes förderten die Salafisten. Die Muslimbrüder wurden vom alten Regime stark bekämpft. Sie und wissen. nen Namen zu besorgen wäre Natürlich sehe ich auch die zu riskant. Jussuf al-Qaradawi. Die Extremisten greifen Alkoholgeschäfte an. damit sie keinen Muslim heiraten. brutalen Unterdrückungsdiese zwei seien Terroristen strategie die Oberhand gegewesen. weil sie den Passus über den Koran als eine Hauptquelle der Gesetze erhalten sehen wollten. Viele Kopten sagen. Wie lebt es sich dort jetzt? m vergangenen Freitag um 15 sehe. Die Angreifer sind meist Salafisten. Wie viele Anhänger sie wirklich haben. Immer wieder hören wir die Telefoneinwahl funktio. knöchelfreie Pluderhosen. um ein Chaos zu säen. Säkulare Politiker sehen sich im Fernsehen und im Internet verleumdet. So ging jedenfalls das Gassengerede am vergangenen Wochenende. Mehr als 250 Men.berichten. Nicht ein Wort seither! Wir Aufgezeichnet von SUSANNE FISCHER wissen nicht. Die zweite Lesart unterscheidet stärker zwischen den oft unpolitischen Salafisten und den Muslimbrüdern. dass Provider und vorübergehend auch die Ein. Und alle Freunde. welche die Massen mit hochangereicherter spiritueller Nahrung versorgten. April in unsere Wohnung eingedrungen cken hin und her. dass der schlimmste Anschlag auf Kopten mit 21 Toten und 79 Verletzten am Neujahrstag dieses Jahres geschah. dass diese Bekönnen uns verlangsamen. Medien berichten von Säureattacken auf unverschleierte Frauen. Viele salafistische Prediger in Ägypten wurden in Saudi-Arabien ausgebildet. Von dem haben nen wir im Augenblick. Im Kairoer Arbeiterviertel Imbaba mussten sich koptische Christen am vergangenen Wochenende Attacken muslimischer Radikaler erwehren.zeit. bestehen auf dem.de/audio gehalten wird. Salafisten konkurrieren von rechts mit den Muslimbrüdern. wirft den Kopten »mangelnde Transparenz« vor. ihre Medien wurden behindert und verboten. vor der das alte Regime des gestürzten Herrschers Hosni Mubarak immer gewarnt hatte? Längst bedrohen die Übergriffe von muslimischen Extremisten nicht mehr nur Christen. Er kräfte ein Viertel in der ARABIEN hat mich kurz in meinem Nähe durchkämmt. Buchstabe Dissidentin widerfährt worden. Das war nehmen sie einfach alle ÄGYPTEN zwar riskant. auf Demonstranten zu ne Nachrichten nach draußen. werde so etwas sofort zur öffentlichen Angelegenheit. Sie wurden an der Grenze ohne er. Ich Welt sollte doch inzwischen wissen. Berichte über die getöteten Sidie mir auf ihren Namen eine lebte in der Hauptstadt cherheitskräfte. mehr gesprochen. Allenfalls ab und an ein paar tere Fahrer. Der Verdacht erhärtete sich.deren Familien sich dann wenig später bei uns netverbindung über unseren Aktivisten melden und uns erzählen. aber nicht stoppen. Schreine von ägyptischen Sufis.Staatsfernsehen zeigt stundenlang falsche steck noch ein Stück Freiheit ver. Nicht nur. die angeblich zum Islam übergetreten sind. Niemand hat dabei vergessen. rauche viel zu viel. Viele ultrakonservative Priester bestehen streng auf dieser Tradition. Waffen? Die Demonstranten eine neue Sim-Karte auf meijedenfalls nicht. diese Frauen würden von Christen festgehalten. und arbeiten. weiß niemand genau. nie übergetreten zu sein. wo er festwww. Scheidung ist verboten. davon gibt es wurden erschossen. In dieser furchtbaren Nacht brannten zwei Kirchen. Zwölf Menschen starben. Die Kirche betreibe Geheimniskrämerei. weil ich weiß ich genau. Mittelmeer schuldigung falsch ist. wozu dieesse kaum. Die Salafisten in Imbaba forderten die Herausgabe Kamiliya Shihatahs. zwei wei. als voriges Wochenende vor der Koptenkirche ähnliche Schlägertrupps auftauchten wie schon im Februar auf dem Tahrir-Platz und früher bei Wahlkämpfen der inzwischen verbotenen Staatspartei. wer ihn verhaftet hat. Trotzdem werden SYRIEN Namen der Erschossenen IRAK die Proteste weitergehen.POLITIK 12. am nächsten Tag behaupIm Moment sieht es aus. sagt Hulsman. Ihr populärster Prediger. die sich weigerten mitzukommen. die älter als 15 Jahre wieder jeder für sich. Es half nicht. Anhängern eines mystischen Islams. der Frau eines koptischen Priesters. weil er seine Wohnung angeblich an Prostituierte vermietet hatte. weil mein Mann und ich nicht da waren. Aufmerksamkeit im Westen erregen vor allem ihre Scharmützel mit Christen. weil sie sich geweigert für Buchstabe morse ich meihätten. Aber ich der verhaftet oder werden März untertauchte aus Furcht vor Verhaftung. wenn Frauen sich von ihren Männern trennen wollten. Kopten. Rollt nun die Welle des radikalen Islamismus an. werden beschädigt oder zerstört. Zur Abschreckung. wie es ihm geht oder ob sie ihn R ot es M e er Feuer für den Propheten Ägypten nach Mubarak: Wer sind die radikalen Muslime. Musikhass. Bislang also keine guten Nachrichten diese Männer im Fernsehen auf. dürfte ihre Bedeutung aber weit übertreffen. Salafisten gibt es heute in der gesamten islamischen Welt. als teten die beiden anderen würde das Regime mit seiner TÜRKEI Männer im Fernsehen. Die Salafisten hingegen genossen erstaunliche Freiheiten. Vollverschleierung. Es testen in Homs getötet. ZEIT-Grafik wie aus der Welt. Das ist richtig und dennoch nur die halbe Wahrheit.ses Regime fähig ist. Updates über Satellitentelefon. so wie meinen Schwager. Die in vielen Vierteln von Homs unterbrochen. was sie für die Lebensformen der Prophetenzeit halten. Die Waffen. aber nicht unbedingt für das 7. Warum Fundamentalisten gerade nach der Revolution vom Februar so schrill und sichtbar geworden sind. die Bilder kaufen könnten. Doch die Fundamentalisten drohen wiederzukommen. dass es damit offenbar eischen in Banyas verhaftet. diese seien erschossen schnur zur Welt. Strom und Internet nen gewissen Erfolg haben und Skepsis an den Motiven unserer Bewegung säen kann. Steine gegen einen Panzer: Von den Protesten gibt es keine Fotos. Oft Versteck besucht. die derzeit eine eigene Partei gründen – und vielleicht gar mehrere. In der hiesigen Kultur von »Ehre und Scham«. Damaskus Einen Lichtblick imIch fühle mich regelrecht merhin gab es diese Woumzingelt. Dann stürmen die Salafisten dankbar die Bühne. Seit Tagen habe R A Z A N Z E I T O U N E H bei diesen »Terroristen« gefunden wurden? Lachhaft! ich mit keinem Menschen Wenn ich die Bilder sehe. sind entwe. Nur kleine Textbotwir kein Lebenszeichen. Leiter des ArabWestReport in Kairo und ein langjähriger Beobachter konfessioneller Beziehungen. und einige wenige in der Stadt. die Kirchen anzünden? VON MICHAEL THUMANN ach dem Regimesturz nun der Religionskonflikt? Die Angst geht um in Ägypten.mationen mehr. nur solche Internet-Videos VON RAZAN ZEITOUNEH A Immer wieder erwischen wir es bei Lügen: gefoltert haben.Geständnisse von angeblichen Terroristen – loren: Das Regime hat die Inter. seit Sicherheitskräfte schaften wandern zwischen unseren Versteam 30. dass Shihatah mit ihrem Mann in einem christlichen Satellitensender beteuerte. Wer sonst biltelefon hat die Regierung hat denn in Syrien solche schon vor Wochen gesperrt. Hunderte wurden verletzt. dass dies gesucht.das Regime sendet fleißig seine Propaganda. was ihr als daten. um unser Versteck zu finden Vergangene Woche zum Beispiel traten zwei (das er gar nicht kennt). musste seine Botschaften aus dem fernen Qatar senden. Schon hatten die Salafisten wieder Munition. hieß es. die sicherlich im Internet. Beweisen können wir es nicht. Daraa wird immer noch belagert. den sie machen. Irgendjemand streut dann etwa das Gerücht. Doch verbietet das koptische Bekenntnis den Übertritt zu einer anderen Religion – wie auch der Islam. Im Verfassungsreferendum hätten Salafisten und Muslimbrüder Seite an Seite für die Annahme gekämpft. Jetzt sind wir mit. Vor ein paar che: Ich habe meinen Tagen haben SicherheitsKairo SAUDIMann wiedergesehen. die Sendung sei nachträglich gefälscht worden. Auf Twitter und Face- N book wurde gemunkelt. bevor sie im misshandelter Körper. dass nun die Islamisten überall Auftrieb gewönnen. Die Isolation schlägt mir aufs Gemüt. Dabei huldigen sie oft erfundenen Traditionen. sind und ihn mitnahmen. Mitunter wechseln christliche Frauen nur den Glauben. Dort liefern sie sich auch Gefechte mit der islamistischen Hamas. dass die Sichermich nicht mehr bei Skype heitskräfte ihre eigenen Beeinwählen kann. prägten dann aber am Nil einen eigenen radikalen Stil. in dem die Menschen nach bewährter Ordnung riefen. in sind.

Als ein www. Amt als Staatssekretär zurückgetreten – aber er ist die sich zusammentun. Die Cazent des Abfalls werden nicht wurde mit seinem morra benutzt den Abfall als Mitgetrennt und landen auf der Buch »Gomorrha« tel der politischen Erpressung. Aber warum geschieht so etwas nicht in Genua. Camorra-Clan und hat also ein langes Leben. Berlusconi hat ihn ten Rechnungen. die Fenster geschlossen halten mussten. für sie sind die Abfallhaufen ein weiterer Beweis eine haben. indem man sie in allein in 2009 einen Umsatz von 20 Milliarden Brand steckt. Es Der Schriftsteller Müll kurz vor der Bürgermeistersind nur zu wenige. ver. In der D E R A U F K L Ä R E R Camorra kennt die fundamentalen Regeln von Angebot und Millionenstadt gibt es nur weniNachfrage. Doch der Müllnoterland« nennen. nien. Der dafür. ungefähr so viel wie die Telefongeland von Neapel zwischen den Orten Giugliano.ßen von Neapel bedeutet das Scheitern der Politik. Es wurden jede Menge mit dem Abfall blüht. Das sind Konsortien mehrerer Kommunen. Die Regierung geblich wegen der Abfallberge erst gar nicht beim hat wie so oft Soldaten geschickt. den die Clans der Mafia verwalten und vervon der Camorra »entsorgen« zu lassen.« – die Camorra füllte die Kippen umgehend mit Das Business der sogenannten Ökomafia Müll aus ganz Italien. men nicht ganz so streng nach dem AntimafiaSchmieröl.unter seiner Regierung weiter. männer«.schaft beschuldigt. Die ist wirklich eine Schande. der kann Videokassetten. der Müll kann dann nicht mehr abgeladen werden und bleibt auf der Straße.schichten. Es gibt da ein Dreieck im Hinter. um ihn drehen sich schließlich Unmengen Die Brände werden in bewährter Manier gelegt: von Beraterverträgen und KrisenmanagementDie besten »Brandstifter« sind ausländische Ju. kurzsichtig. Wenn der Nachren.den. Fehler gemacht. zes Jahrhundert lang neapolitanischen Hausmüll antwortet der Boss ungerührt: »Was kümmert hätten fassen können. so wachsen jedes Jahr die Müllberge. InzwiMüll auch die sogenannten Entsorgungsgesellschaf. males Alltagsleben unmöglich. er kann in darauf und entfernen sich. Wenn ganze Provinzen unter dem gendliche.die Kleiderfirma Benetton. um die Grund dafür war der Müll. es wurden keine Märkte Bezeichnung »Notstand« schon gar nicht mehr an. um sie von dem Abfall zu befreiumwickeln die Müllberge mit den Bändern von en. eine nur oberflächlich.Boom von Klimaanlagen. wenn austretende Flüssigkeit den Boden verschmutzt. Aber das ist nicht alles: In den 1990er Jahren wurden kleiner Camorrista seinen Boss darauf aufmerkviele Kippen eröffnet. um den Clans riesige Gewinne durch eine ineffiziente. sondern nur in Neapel? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK R O B E RT O S AV I A N O : I TA L I E N I S C H E L E K T I O N E N . schütten Alkohol und Benzin auch auf viele Wählerstimmen hoffen. Wer aber viel Geld zu vergeben hat. befreit. solange er Italien eine Nation ist. muss man eben viel Geld pro verbrannten Müllhaufen zahlen. nen Euro jährlich ausgegeben. Nicht selten erfolgt die Sperrung der Kippen auch wegen Umweltproblemen. war bisher ten oder nicht wollten. ein Gewährsmann der Cadienen die Abfallunternehmen. bei fließend. er habe Neapel vom Müll Neapel ist Mülltrennung eine Antimafiaaktion. Die ZEIT erklärt er Italien Macht.stand war auch Manna für die Politik in Kampaßenrändern pechschwarzen Rauch aufsteigen. Freiheit« trat Cosentino trotz des schwerwiegender getürkten Ausschreibungen und der gefälsch. Hauptsache. dass die Leute die sich der Staat nicht kümmert. In niger Verdienst für die MüllwirtRom regiert Berlusconi. und sie leiden natürlich auch darunter. um die Mülltrennung immer noch Berlusconis starker Mann in Kambilliger zu machen. Fast 84 ProRoberto Saviano wahl die Stadt verstopft.Giftmüll das Grundwasser verschmutzen könnte. Doch in Wirklichkeit werden panien. ja tioniert nicht.zeit.mehr abgehalten – die Müllberge machten ein norgebracht ist. und manche sind geradezu grotesk. Berlusconi hatte zudem zum Staatssekretär im Finanzministerium traut. Was die Politik.10 12. Längst waltet haben. der Müll ist erst mit Dioxin verseuchen. Es einen Politiker berufen. wo Politik. Sekunden brennt dann alles lichterloh. die wie eine Neapel zumindest zeitweise vom Müll befreien richtige Zündschnur funktionieren. kennt keine Krisen. dessen Gestank derart aufdringlich in die Häuser drang. die arme Frau wurde deswegen von ihren Schülern gehänselt. weil sie so etwas wie SozialkonFast acht Milliarden in zehn Jahtrolle impliziert. dass die verweigerten die Arbeit. wie sie jeden Morgen von ihrer Wohnung zur Schule nach Neapel fuhr. In nichts damit zu tun. in denen der getrennwurden zur Bewältigung der Müllte Abfall zu Hause abgeholt wird krisen in Kampanien 780 Millio– die einzig effiziente Methode. Jetzt. sie sind eben ein selbst. Um den Müll ranken sich mittlerweile viele Gevertreiben inzwischen sogar Postkarten. das alle nur noch »Feu. Kein Zufall. auf denen Müllhaufen zu sehen sind. links wie etwa deswegen nicht. die in Neapel als neapolitanischen Klub anheuern. Erstens hat die Camorra bei dem dauernden Müllproblem ihre Hand im Spiel. In der Ortihre Heimatstadt praktisch noch nie ganz vom Müll schaft Maddaloni in der Provinz Caserta wurden befreit erlebt haben. der imschaft. Franck Courtes/VU/laif Warum versinkt Neapel im Müll? IT ALIEN . Für die zeigt damit im Wahlkampf ihre Gesetz nur 35 Prozent sein. mit überhöhten Preisen operierende Müllwirtschaft zu sichern. Santachiara im Müllgeschäft – so wurde der Bock zum GärtDie früheren Folgen von ner gemacht. Zweitens wird die Abfallentsorgung in Neapel und der umliegenden Region Kampanien zu einem ganz überwiegenden Teil durch Müllkippen betrieben. die mit dem Organisierten Verbrechen verfilzt ist. denen die Clans der Camorra 50 Euro Müll begraben werden. in und weniger Abfall bedeutet weKampanien die rechte Mitte. Mülltrenund zwei zur Macht sche Entscheidungen getroffen. dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind.den Verdachts nicht zurück. Aber in Wirklichkeit empfinden sie gab es zum Beispiel im Hinterland plötzlich einen die Dauerkonfrontation mit dem Müll als unwür. dass diese Müllkonsortien zu wahren Aufgezeichnet und übersetzt von BIRGIT SCHÖNAU Machtzentren der Organisierten Kriminalität geworden sind. Sie funkSilvio Berlusconi. So absurd es klingt: In mer wieder behauptet. Oft sieht man da an den Stra. ob desaströs.Euro erzielt. verfügt ein Gericht die Schließung. Ein beißender Fäulnisgeruch hatte sich in den Sitzen des Autos und in ihrer Kleidung festgekrallt. die laut einem Bericht der sam macht. das Volumen gambiente haben die Clans mit Müllgeschäften der Müllberge zu verringern. dann handelt es Abfallentsorgung haben sich nicht mehr um einen »Notstand«. Denn der Abfallberg 15 600 Meter Höhe. Jeder Haushalt wollte dig. dann haben die Clans die Müllkonsortien mit ihren käme man bei einer Basis von drei Hektar auf Mittelsmännern infiltriert.Aufträgen. Sie Müllkippe. Einige ausländische Fußballer wollten an. Eine Serie zur Erklärung eines rätselhaften Landes 6 NEN N SC K ein Ausnahmezustand eben. Hoffentlich nicht mehr lange. Von 1998 bis 2008 ge Viertel. zur Lösung des MüllproNeapolitaner sie nicht beherrschschienen – zwei zu blems beigetragen hat. Abfall gibt es schließlich Der Abfall auf der Straße hat verheerende immer. Nur wer zünden sie die Videobänder an.Müll. Mülltrennung funktioniert nicht in zwölf Lektionen. In wenigen kann. Mit dem Feuerzeug jedem Fall seine eigene Position festigen. Wie.sind es erneut über 3000 Tonnen. sondern um ihn in die Höhe zu treiben und den Müll letztendlich Müll.2008 die Schulen geschlossen. Neuerunter der ständigen Wiederholung des Müllnot. Natürlich ist das grundlegende Problem dahinter das Fehlen einer nachhaltigen Abfallpolitik. Es ver. dabei dürften es laut berühmt. Auf jeden Fall leiden die Neapolitaner kalt. Auf jeden Fall kommt der Schließungsbefehl immer plötzlich. wir trinken Mineralwasser. Als Parteikoordinator des »Volkes der diese Konsortien zum Paradies des Klientelismus. und wenn das geschieht. in Wirklichkeit geht der Notstand auch Bisher hat sich noch keine Stadtverwaltung ge. den die Staatsanwaltverdient die Organisierte Kriminalität. Da gibt es ganz andere worden: Wie es im Sommer heiß ist und im Winter Gründe. die jeden Quadratzentimeter Erde gesetz kontrolliert. der Mafia Neapel regiert die linke Mitte. dass einmal im Jahr. wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl. wie das nächste große Geschäft mit Umweltschutzorganisation Legambiente ein gan. Es gibt 16-jährige Jugendliche in Neapel. die Postangestellten stand existiert seit 16 Jahren – also so lange. das illustriert eine Anekdote Roberto Saviano finden Sie unter des Kronzeugen Gianfranco Mancaniello. die schließlich mit Baggern weggeschafft wurspotten die gegnerischen Fans die Spieler als »Müll. immer wieder falnicht getrennt wird. Sie bilden regelrechte Kartelle auch nicht dazu gedrängt. HausIm Notfall werden die Entsorgungsunternehmüll und Gewerbeabfälle wie Lacke. TEIL 6 Italien ist uns fremd geworden.schen ist dieser Nicola Cosentino von seinem ten. Straßen und Plätzen von Neapel 3000 Tonnen Wenn der SSC Neapel auswärts Fußball spielt. Der Müll auf den StraUnternehmen sich treffen. einmal weg. dass der sen Vierteln hervorragend. Die Neapolitaner Müllmänner eingesetzt werden. der darf auf politischen Erfolg hoffen. Am Geschäft mit dem Müll verdienen alle. Die Grenzen sind da. Doch dazu kam es nicht uns das. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Neapel zeigen. das wirklich durchzusetzen. Und natürlich wird die Entsorgung In Neapel hat die Mülltrenumso teurer. je länger der Abfall nung nie funktioniert. und der Gestank reiste mit. Diese Kippen füllen sich mit der Zeit. weil die Fünf sind bereits errechts. In nung bedeutet weniger Abfall. dass die Neapel ist die Müllkrise zum Normalzustand geNeapolitaner keine sauberen Menschen wären. Die Jungen lockermachen. sellschaft Telecom Italia und zehnmal so viel wie Villaricca und Qualiano. dann trenne ich auch. Wenn er eapels Probleme mit der HE LE jedes Jahr wieder eintritt. Laut LeAuswirkungen. Ein »Notstand« ist nur eine Episode. und das schon auf der Straße liegt.de/saviano Fotos: Laura Lezza/Getty Images. wenn man versucht. Denn der sogenannte Müllnot. weil das Geschäft zu der Frage. und er wird sogar immer mehr. Es verdienen am morra im Müllgeschäft gewesen zu sein. Vor Weihnachten lagerten auf den ihre Stadt als »Müllhauptstadt« geschmäht wird. Sie verhindert zusammen mit korrupten Politikern eine funktionierende Entsorgung. Ich werde nie müde zu sagen: Wenn man den – nicht um den Preis zu senken. Dieses schmutzige Business ist jener Ort. Klebstoff. Die Camorra betätigt die Hebel © 2011 by Roberto Saviano – Agentur R. auch in den entlegensten Dörfern. Da ironisches Volk. aufeinandertürmen würde.dings ereignet sich der Notstand sogar häufiger als standes. auch jetzt wieder auf den Straßen deshalb funktioniert das in dievon Neapel. Und das Ergebnis sehen wir bar trennt. Mailand oder Bologna. Eine Lehrerin aus I T IO Wie von Geisterhand immer wieder da: Abfall auf den Straßen von Neapel Boscoreale erzählte mir.

und stirbt es einmal. HENDRIK ROST. während das andere sich mit dem starken Andrang moralischer Anforderungen in letzter Zeit befasst. Dieses Gedicht tötet kein Lebewesen. Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. um sich zu spüren. Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. niemand soll sagen: Der Täter war ein so freundlicher Familienmensch! Es emittiert kein CO₂ und leistet keine Kompensation. Seine Übersetzungen (zusammen mit Mirko Bonné) der Gedichte von Rutger Kopland erschienen 2008 im Hanser Verlag. wie wir sie seit 12. Schlucken Sie nicht alles. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 11 Anfang dieses Jahres erleben. Im Frühjahr 2010 erschien sein fünfter Gedichtband »Der Pilot in der Libelle« im Göttinger Wallstein Verlag Foto: privat Die Lebenden sind Legenden aber was sind die Toten? (B. Bislang sind vierzehn Gedichte erschienen. Studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. Jahrgang 1969. 1976 in Eisenach geboren. es besteht aus Luftgespinst und Liebe. Inkarnation In diesem Gedicht wird kein Fleisch gegessen. O. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten. lebt nach Stationen in Tübingen. Diesmal handelt eines unserer beiden Gedichte von der Erschießung Osama bin Ladens. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. wird es. es fliegt nicht nach Fuerte und sagt »Scheiß drauf!«. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell. weil irgendwo Koniferen dafür gepflanzt werden. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT. Berlin und Leipzig in Halle (Saale). Licht dringt ein. Ab und zu ritzt es sich mit Realität. wurde im Münsterland geboren. das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse. aus dem Buch rieseln.POLITIK & LYRIK Seit dem 10.) Nicht war es die Zeit in solche Leere zu irren wie die morgens sehr früh als die Katze einer Amsel Gedärme über die Kellertreppe hochzog die rechte Zeit war es nicht zum Briefkasten zu gehen zu sagen: nichts heute nacht ist nichts geschehen nein nicht war es die Zeit nicht war es wahr nicht geschehen das Nichts als ich im Schlaf einem Kampf zusah: der Vogel im Sperrfeuer mir aus dem Grau ins Gesicht fiel nicht war es Zeit zu schlafen für sich sein nicht Zeit gleichzeitig die Katze zu loben und die Amsel begraben DANIELA DANZ. einige wurden am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. Dieses Gedicht ist nicht animalisch. Es blutet nicht. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte. Lebt als Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Lübeck. Genießen Sie’s. Ihr letzter Gedichtband »Pontus« erschien 2009 im Wallstein Verlag Foto: Nils-Christian Engel POESIE NRO: 10 . Das Gedicht rettet. Bitte verschonen Sie Ihre Liebsten. ohne zu stinken. es lebt vorzüglich von Substanz. Prag. sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik.

die bekommt. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Foto: Andrew H. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können.de/wirtschaft Nach der Revolution Der ägyptische Regisseur Magdy Ahmed Aly hatte die lähmenden Strukturen in Ägypten unter Mubarak beschrieben. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine. die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. ja zurückhaltend. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. bräche das Höllenfeuer aus: HEUTE: 9. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Ein Gespräch mit dem Filmemacher aus Kairo www. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen.ohne Politikunion geht nicht. zur Heizung (Klimaschutz). Der Staat – im Bestreben. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten. so wie schon mehr als 70. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. So sehen Sieger aus. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert. Wer nun den Griechen Geld leiht.000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www.2011 Erinnern Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt.zeit.« www. singt sie.zeit.de/politik Volle Kassen Die gute Konjunktur füllt die Kassen von Bundesfinanzminister Schäuble. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Das ist ein Mittelweg. Vielleicht zu zurückhaltend. Für ZEIT ONLINE beschreibt. vorzugsweise kalifornische Konzerne. also wird es teurer. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. Da schert es die Leute auch nicht mehr. Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. das ist nur eine Schätzung. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. WFG Ein Land bleibt cool Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen Die Bürger bleiben cool. Der Remeduren sind nur drei: 1. wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird.com. Welche Begehrlichkeiten werden entstehen? www. der Täter habe gestanden. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. die Spione der Konsumwirtschaft. Das Routinierte der Nachsicht jedoch. die dem Opfer besonderes Leid zufügt.twitter. entscheidet das Gericht. hilft seinen Banken.de/leserartikel Foto: Gordon Hempton Schreiben Sie für uns! Schüler arbeiten wissenschaftlich Bei ZEIT für die Schule erfahren Schüler. Allerdings darf man wohl annehmen.und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Für Täter und Opfer. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Hier aber ist das Original zu sehen. um sich selber zu retten Die Kassandras haben recht behalten: Geld. fotografiert und vertont er seine Erlebnisse www.de/schule ZEIT ONLINE auf Facebook FDP HAUSHALT FILM HÖREN Rösler übernimmt Neue Führung. Dabei hatten Statistiker. dann mag das in jedem Fall begründet sein. STX Foto: Mathias Bothor/photoselection Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT erst ein Run auf griechische Banken. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe. Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Mord ist mehr als ein Totschlag. wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. verpufft die Wirkung der Sanktion. Der ersten seit 1987.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. Ausbildung und Beruf gestellt. wer hätte das Recht. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei. Ob Torben P. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. derweil EU. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. richtig gemacht. nicht die Kopie. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit. wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird. doch die Deutschen bleiben cool. Und für die Öffentlichkeit. Angeklagt wird Torben P. von 325 auf 340 Milliarden Euro. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«. der Eindruck. Der Bruchpunkt ist jetzt. Lebensumständen. D. wie sie Literatur und Quellen finden und korrekt mit Bildern und Statistiken umgehen www. ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen. der Tathergang stehe fest. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland.de/reisen Werden Sie einer von mehr als 58. sollte es besser im Kasino verjuxen. 3. meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. ganz simpel. das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Und bei den Themen Euro-Krise und Energiewende droht Streit. dass diese Zeile falsch sein möge. das klingt nach historischer Parallele. Bei jenem Thema.zeit. Am Donnerstag stellen die Steuerschätzer ihre aktuelle Prognose vor. Nun macht er die Ereignisse der Revolution zum Thema seines nächsten Films. damit fertig zu werden. haben so lange so heftig geheizt. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. sei es wegen »niedriger Beweggründe«. die so noch niemand gehört hat. was sie erst recht nicht könnten.und Ausgabenpolitik – fahren. deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«. Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig. fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). neue Linie: Es ist ein Parteitag des Umbruchs. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus. Fazit: Wer den Griechen hilft. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. ZEIT ONLINE berichtet aus Rostock www. Und blähen sich weiter auf. Die Beweislage sei einfach. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. Athen nimmt Dampf weg. das Signal aber ein anderes. der neuen Volkszählung. zu dem sich die FDP am kommenden Wochenende trifft. auf den Großen Vaterländischen Krieg.5. 43 der Fragen schreibt die EU vor. wegen versuchten Totschlags. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Und man wünscht diesen alten Herren.zeit. singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern. Er reist um die Welt auf der Suche nach unberührten Landschaften und unverfälschten Geräuschen. Europa wird zuschießen und stunden müssen. wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen.zeit. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. sei es wegen besonderer Grausamkeit. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen.12 12. kann nicht sparen. Nein. sagen die Staatsanwälte. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent.de/kultur Das Ohr zur Welt Gordon Hempton ist akustischer Ökologe.com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Es geht darum. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt. Am 9. den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«. Es wird zum europäischen Sozialfall.com/zeitonline Foto: Denis Sinyakov/Reuters . Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 MEINUNG POLITIK Wer den Griechen hilft JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. Walker/Getty Images for DIFF Foto: Raigo Pajula/AFP/Getty Images Foto: Sean Gallup/Getty Images Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Schreiben Sie einen Leserartikel. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. wenn der Staat etwas mehr wissen will. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde.000 Follower. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und. die Brüssel vorschreibt). Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. nach enormem Erregungspotenzial. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Volkszählung.facebook. Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback). Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval.zeit. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Erwartet wird ein Plus von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2015. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. bis die Kohle ausging. eine besonders verwerfliche Tat. die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. von Untersuchungshaft verschont wird.zeit. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Mord und Totschläger Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden. eine möglichst harte Strafe zu finden. Deshalb ist es auch legitim. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft. 2. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Anklage ist nicht gleich Urteil. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten. Wenn einer wie Torben P. darüber zu spotten? F. da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre.de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat. voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. Athen vorweg. obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme. kommt schon ins Grübeln. warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie). sogar befördert. dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. ZEIT ONLINE präsentiert Ihre Texte nun noch prominenter www. es geht nicht darum. zurückzublicken. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Griechenland.

) Mit gebremster Macht Die westliche Intervention in Libyen wird am Ende Erfolg haben – gerade weil sie auf Bodentruppen verzichtet In Libyen haben sich die Vereinigten Staaten Mittel.begann die Stationierung von größeren Verbänden ren nicht allein die Bombardements der Nato. würde sie dann so lachen? Könnte er so tief versinken in ihren Geruch und das Gefühl ihrer Haut? Könnten sie beide das. D. So hat er sich angefühlt. Ein Jahr.Air Force und Spezialeinheiten – wie nun erneut bei beratern und Waffenlieferungen die Streitkräfte der Tötung Osama bin Ladens.zugesichert. verfasst von einem Redakteur. die dem gen bereit erklärten. er sei ein Rückfall in das emotionale Klima von 2001.Waffengangs im Irak. dass umgehend Truppen eingeflogen zen: Bis heute sind Tausende alliierter Soldaten werden. Der AlQaida-Chef war schlau genug. nicht kleiner. dann aber im Lage. dass der Westen militärisch Partei ergriff und damit den Konflikt entschied. und dem. eine Gegenoffensive zu Kampf gegen die verbliebenen starten und mehr als die Hälfte Panzer und Kampfflugzeuge des von Bosnien-Herzegowina zuBagdader Regimes im Stich gelasrückzuerobern. einem Politiker – oder einem ZEIT-Leser. angriff stoppten. Afghanistan oder im Irak mit dem EinDabei hätte die amerikanische Strategie auf dem satz von Bodentruppen auf das Risiko eines Balkan auch am Hindukusch und am Golf zum langwierigen und verlustreichen Krieges ein. was war. Das ursprüngliche Ziel nach dem 11. Das werden wir noch zu spüren bekommen. der allerdings leicht in Misserfolg umschlagen kann. Der arabische Frühling könne sich entfalten. im Angesicht dieser Vergangenheit und dieser Zukunft? Das Foto selbst ist ein undatierbares Dokument. Zwar mussten Wa. studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor . Nun werden selbst moderate islamische Kräfte radikalisiert und mobilisiert. Gemeinsam startete loswerden zu können. F. dass der Terror auf der ganzen Welt besiegt ist. 20. In Wirklichkeit handelt es sich aber nicht um einen krönenden Abschluss. der Name des Fotografen. Es waren ihre Eine ähnliche Strategie brachte bereits im Truppen. sorgten auch die von Paris unterhaltenen Militärbasen in Afrika für Sicherheit – wie jüngst im Fall der Elfenbeinküste.Norden des Iraks warteten 1991 wie 2003 kurpen zurück. wo militärisch schlagkräftige zwischen UCK. serbischen Truppen und der Partner fehlen. die in Kabul einmarschierten. Afghanistan den islamistischen Terrormehr die Entscheidung von US-Präsident Bill gruppen als Rückzugsraum zu nehmen. Deutsche Atlantische Gesellschaft e. und nur Verrückte wünschen.stützung aus der Luft hätten sie sich selbst befreien shington und Brüssel dafür 78 Tage Bomben. Die Operation sen – ein Fehler. um den Terroristen neuen Unterschlupf zu gewähren. die anderswo schmerzhaft fehlen. zusammen mit einer internatio. Heute. will man das Land nicht in Schutt und Asche zurücklassen. dann sollte er die Tradition britischer und französischer InVON THOMAS SPECKMANN terventionen in Afrika und das kluge Handeln der USA auf dem Balkan zu einer neuen Doktrin verschmelzen: In allen Fällen war Bedingung für den nachhaltigen Erfolg. was kommt. damit bislang einen Allein der dritte Golfkrieg hat den amerikanischen Rückfall in den mehr als zehn Jahre währenden BürSteuerzahler nach Berechnungen von Joseph gerkrieg verhindert zu haben.Fehler. doch im Gegensatz zu seiner zuversichtlichen Prognose wird die Gefahr größer. Der Wirtund ihre europäischen Verbündeten auf eine schaftsnobelpreisträger sieht in der ökonomischen Strategie besonnen. malia. führte die Nordallianz in Afghanistan. ein Ort. das UN-Waffenembargo erreicht – aber um welchen Preis? zugunsten von Bosniern und Kroaten de facto Auch im Irak hätte sich ein neuer Staat ohne aufzuheben. In Wirklichkeit erwies sich ebendiese Zurückhaltung als die schärfste Waffe. Und Länder wie das chaotische Jemen stehen bereit. dass Politische Wissenschaft aufstand im Süden des Iraks von sich die Serben zu Verhandlun.de.Schwäche seiner Heimat eine unmittelbare Folge des flikten erfolgreich war: Anstatt sich wie in So. Nur wenige Wochen von den USA nach der Befreiung nach dem serbischen Massaker Kuwaits 1991 und angesichts der in Srebrenica waren die bosstark geschwächten Armee von nischen und kroatischen TrupSaddam Hussein zu offenem Wipen im Sommer 1995 in der derstand ermutigt. die kroatischen Streitkräfte im Kampf erreicht worden.tige Sicherheitsgarantien. war bereits Clinton. sondern um einen neuen Höhepunkt dieser aufgeheizten Atmosphäre.Sicherheitskräfte verhinderte dies – eine Fehlenten schreckte der Westen auch damals aus gu. Eine Alternative sind langfrisKosovo zum Vorbild für kommende Interventio. mehr ist nicht bekannt. Philip Dingeldey. Spezialeinheiten. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit. London hat der Regierung in Freetown der eigenen Infanterie – mit fatalen Konsequen. Dies gelang ihm aber nur. sondern auch einen Regierungswechsel friedlich überstanden.für den Westen dargestellt hätte. ren Kriegsverbrechen kam – war lehrt am Institut für Schon 1991 wurde der Volksmilitärisch so erfolgreich. die bereits in früheren Kon. Diese oppositionellen Doch um Symmetrie auf dem Kräfte hätten die Alliierten spätesSchlachtfeld und dann später tens bei ihrer Invasion 2003 föram Verhandlungstisch zu erreidern müssen. Ihre Rolle übernahm die Kosovo. haben UN und Nato ebenfalls nicht viel mehr Staaten einschloss. und es war der Beschluss kratie geglichen. Bei näherem Hinsehen ist dieses Szenario allerdings wenig realistisch. um ihn vor Gericht zu stellen – er wäre zweifellos verurteilt worden –. Erst danach jugoslawischen Bürgerkrieg die Wende: Es wa. Ergebnis Universität Bonn Despoten nicht länger dienen war der Vertrag von Dayton. Dies ist also leider nicht der Anfang einer neuen. Wüsste sie. dentruppen in die Heimat zurückholen zu könIm Kosovo-Krieg beschränkte sich die Nato nen. Ein langjähriges Engagement mit hohen für sich. 19/11) entwirft Jan Ross ein optimistisches Bild von der Zukunft. Für Ross gehört der amerikanische Jubel noch einer »abschließenden Zeit« an. Mit wirkungsvoller Unterman koordinierte Angriffe. nicht zu vergessen. Sierra Leone hat nicht nur Wahlen abgehalten. Der arabische Frühling bedeutet nicht. Aber den Kampf In Krisenregionen. kann es für den Westen hingegen Nato entschied die Allianz aus Albanern und notwendig erscheinen. Denn dort haben sich die französischen Schutzversprechen mit der Entsendung von Kampfhubschraubern als genauso glaubwürdig erwiesen wie die britischen Garantien für Sierra Leone.dische Kräfte darauf.POLITIK MEINUNG 12. setzt der Westen in Nordafrika auf die den Terror« beschränkten die USA ihre Operationen Überlegenheit seiner Luftwaffe und unterstützt gegen dieTaliban und al-Qaida auf den Einsatz von mit Geheimagenten. mit eigenen Bodentruppen westlichen Interventionsmächten schließlich einzugreifen. beschloss Washington 2001 in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien erAfghanistan und 2003 im Irak den Großeinsatz halten hat. aber zumindest keine Bedrohung Washingtons. krieg politisch rechtfertigen. Saddam Husseins Diktatur Befreiungsarmee UCK.und Soziologie der Soldaten mitgetragen. weil er sich zugleich Einsatzrestriktionen auferlegte. sondern höchstens ein Erfolg innerhalb der gegenwärtigen Epoche. die ihm vor Ort wie an der Heimatfront die politische Unterstützung sicherten. wenn es zu einem Konflikt kommt wie zugefallen. So hat der Sieg ausgesehen. der zwar nicht einer mustergültigen Demoausbilden zu lassen. Zehntausende wurden verwundet. Wer widersprechen will. Wie heute in Liby. Die Schiiten wurden T H O M A S S PE C K M A N N Wirkung. mit dem Tod von Osama bin Laden ende auch die irregeleitete Vorstellung des war on terror als Epochenthema. Er schreibt. als die Briten einen Rebellenökonomisch sind derlei Einsätze ein Desaster. Ein Abzug aus Afghanistan wäre nicht sinnvoll. die Zukunft entschlüsseln zu können. Anstatt bin Laden festzunehmen. Will der Westen auch in Konflikten wie in Libyen militärisch und politisch die Oberhand behalten. Auch letzt im Jahr 2000. Damit schüren sie Rachegedanken. ehemaliger Forschungsleiter der Weltbank.Erfolg führen können: Zu Beginn des »Krieges gegen zulassen. der sich heute in – bei der es ebenfalls zu schweLibyen nicht wiederholen darf. an der Universität Oxford zusammengetragen hat. Sepgrad zur Waffenruhe zwangen – es war viel. menschlichen wie materiellen Kosten muss daraus Anstatt sich die Strategie in Bosnien und im aber nicht entstehen. in diesem Moment. (u. und der Westen solle sich dabei bescheiden zeigen. Nach den Langzeitstatistiken über 66 Konfliktherde. was kommt. Militär. spricht für das britische Stiglitz drei bis fünf Billionen Dollar gekostet – Modell. wenn ihnen die vergangenen Jahre gegenwärtig wären? Die Gegenwart ist ein unmögliches Komprimat. Die Nordallianz und weitere vergegen die serbischen Truppen von einer ame.bündete Afghanen hätten einen Staat aufbauen rikanischen Beratungsfirma für Militärfragen können. um rasch einen neuchen. ließen ihn die USA töten und unter Missachtung muslimischer Bestattungsbräuche von einem Flugzeugträger aus ins Meer werfen. Sie wird es auch im Fall Libyens sein. so verschwommen wie das Wissen über die Zeit seiner Entstehung. an diesem Ort.scheidung mit gravierenden Folgen. und doch ist dieses Foto ein Beweis ihrer Wirklichkeit. westlicher Infanterie – rückblickend ein schwerer die Bosniens Serben und ihre Helfer in Bel. amerikanische Invasion aufbauen lassen – und das Diese indirekte Form westbereits direkt nach dem zweiten licher Kriegsführung zeigte Golfkrieg. Doch die fahrlässige Auflösung der irakischen gleichfalls auf Luftschläge. die Paul Collier. Hierzu zählten vor allem der Verzicht auf einen langwierigen Einsatz von eigenen Bodentruppen und die weitgehende Beschränkung auf Luftschläge und Waffenlieferungen – auch wenn sich dadurch der Krieg scheinbar in die Länge zog. Auch im ten Gründen vor dem Einsatz von Bodentrup. wie sie Sierra Leone von nen zu nehmen. Den Krieg am Boden der verbündeten Konfliktpartei vor Ort. Wie wäre so ein strahlendes Glück in Moskau im Jahr 1945 möglich. Der Erfolg. die schon damals islamische später. In seinem Leitartikel Ein Krieg weniger (ZEIT Nr. wollten.tember 2001. ein Terrornetzwerk aufzubauen. in dem einzelne Zellen unabhängig von einer zentralen Figur agieren. waren keine Bodentruppen des Westens en Staatsapparat aufbauen und die eigenen Boeingesetzt worden. Fotos: Alexander Meledin/Mary Evans Picture Library/Interfoto.können. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 WIDERSPRUCH Zu früh gefreut Der Terror ist noch nicht besiegt VON PHILIP DINGELDEY DAMALS: 1945 Vergessen Nur Ahnungslose träumen davon. zehn Jahre nalen Koalition. Auch der Terrorismus ist mit bin Ladens Tod keineswegs am Ende. ein Nichts zwischen dem.V. Ross gibt dies zwar zu.

27 Kinderarmut Die Not ist viel 3 4 Foto: Anatol Kotte für DIE ZEIT geringer als bisher gedacht. in denen Menschen respektvoll miteinander umgehen www.zeit.zeit.. dem kostenlosen Newsletter www.de/audio CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 96 ZEIT DE R LESE R Anzeigen in dieser Ausgabe Spielpläne (Seite 19).: Haus d. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Das Netz zivilisiert sich selbst Das ganze Internet krawallig. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 80) Flüchtling zu sein VON A.und Jugendbuch – die Politik ist überfordert VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« Microsoft Der Kauf von Skype FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen RUBRIKEN 2 44 Früher informiert! Die Quotenfrau Mit Formaten wie »Deutschland sucht den Superstar« hat sie die Konkurrenz überholt. RIETZ 39 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen VON BURKHARD STRASSMANN Reisende Max Frisch ein Zuhause VON BERNADETTE CONRAD 40 GESCHICHTE 21 Ausstellung Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö.IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland 26 Elektroauto Warum es falsch ist.8 MHz) und www. aber verrückt war der Mann keineswegs: Eine große Ausstellung in Herrenchiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. unter www. LAMPARTER Kunst und Zensur Der Mut »EINE STUNDE ZEIT« iranischer Filmregisseure 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal VON THOMAS ASSHEUER Wörterbericht/Das Letzte 95 LESE R BR I E F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT. BÖHM WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt 48 Kinder.de/brief Historiker Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch noch die meisten Laster bauen VON DIETMAR H. sagen Forscher VON KOLJA RUDZIO 28 Pharma Die Industrie verdient zu- Wiederbegegnung mit dem jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 53 Biografie.. BÖHM 54 Essay Eberhard Straub Generation Rösler Passen für Verbraucher ärgert die Industrie VON GUNHILD LÜTGE »Zur Tyrannei der Werte« VON HUBERT WINKELS Familie und Politik zusammen? VON TINA HILDEBRANDT nah 30 Kika-Skandal Gegenseitige Roman Nicolas Dickner 7 8 FDP Ein Gespräch mit Philipp Schuldzuweisungen Soziale Netzwerke VON A. in denen Selbstkontrolle funktioniert. SPECKMANN Kulturkanäle Das neue Fernsehprogramm zdf. SCHNABEL 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft VON CHRISTOPH DRÖSSER Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen VON WINFRIED SCHUMACHER 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei 44 Der Medienforscher Michael Stoll ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-alsauch-dagegen VON RALF ZERBACK Foto: Thomas Rabsch/RTL über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. Museen und Galerien (Seite 45). Armin Falk. doch schon genug Bilder von ihr.de Foto: AllzweckJack/Photocase von bin Laden lebt der Terrorismus weiter VON PHILIP J. hält Bundeskanzlerin Angela Merkel grundsätzlich für überflüssig.kultur VON NINA PAUER Widerspruch Auch nach dem Tod nom und Verhaltensforscher? Vogel reagiert auf bin Ladens Tod VON ANNABEL WAHBA DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein WISSEN 37 Plagiatsaffäre Eine Reform Zucker und Wahn VON CHRISTOPH DIECKMANN weltoffenes Islamzentrum gründen. Das aktuelle ist zu sehen auf Seite 2/3 Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen 55 Margaux Fragoso »Tiger. als sie zeigen möchte. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95. Bayerischen Geschichte/Augsburg ThyssenKrupp Der schwerfällige VON HEINRICH WEFING 13 Libyen Wie der Westen erfolg- Konzern startet den lange fälligen Umbau VON JUTTA HOFFRITZ Prozesse Medienkampagnen reich sein kann VON T. und Gemeinschaften. glaubt der Landschaftsarchitekt Peter Wirtz. Zeitmaschine VON U. Essay-Sammlung und ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra VON KATRIN GÖRINGECKARDT UND JOSEF JOFFE lasten von altersblinden Patienten Milliarden VON NICOLA KURTH Atompolitik Was der Chef von Greenpeace International will 29 Lebensmittel Ein Internetportal ein Bildband VON A. MAROHN »Tarmac« VON CATHARINA KOLLER »Ein Ausbüxen gibt’s nicht mehr« Dass gemeinsam mit Interviewern meist auch Fotografen anrücken. getanzt von Sasha Waltz VON CLAUS SPAHN Kunst Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG 10 Italienische Lektionen Warum 33 Lettland Ein Krisenopfer kommt Neapel im Müll versinkt VON ROBERTO SAVIANO auf die Beine VON JAN PALLOKAT 34 Ratenzahlung Versicherer Gutes Gras: Blumen werden überschätzt. Plötzlich gilt er als Verfassungsfeind VON ALBRECHT METZGER 20 WOCHE NSCH AU Eurovision Song Contest Die Vergeltung Ein junger Amerikaner über die Jubelvideos aus seiner Heimat VON PATRICK BRUGH Heuchelei Merkels Kritiker der Promotion ist nötig Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit VON THOMAS VAŠEK REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Sein »Königreich der Kunst« entzog sich zwar den Realitäten der politischen Welt. TITEL Thema: Die Angst vor Alzheimer 14 AUSGABE: 51 Fernsehen Gespräch mit RTL- nur die Autokonzerne zu fördern VON PETRA PINZLER Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100.de/ziviles-netz Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE Bayern feiert Ludwig II. Fotograf Anatol Kotte durfte trotzdem bleiben – für wenige Minuten. Zu Besuch bei seiner legendären Familie Kulinarische Wüste: Wolfram Siebeck reist durch Ägypten und kostet aus der Küche der Revolution Der Schauspieler Robert Hunger-Bühler über den Tag. MAI 2011 5 6 Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge VON A. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL FEUILLETON SEITE 51 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Worte der Woche Stimmt’s/Erforscht & erfunden Mario Draghi 25 Staatsschulden Der Harvard- im Geisterreich der Moral VON ADAM SOBOCZYNSKI 24 Macher und Märkte 54 Taschenbuch 56 Impressum 61 Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. Link-Tipps (Seite 28). Tiger« VON IJOMA MANGOLD Industriespionage wird erleichtert VON ULRICH HOTTELET 56 31 Telekom-Aktie Das Urteil in 9 Syrien Tagebuch einer Dissidentin VON RAZAN ZEITOUNEH Ägypten Die neue Regierung dem Massenverfahren steht bevor VON MARCUS ROHWETTER 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 32 Tunesien Der schwierige kämpft gegen religiöse Gewalt VON MICHAEL THUMANN wirtschaftliche Neubeginn VON KARIN FINKENZELLER 58 Brüssel Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. sagt Anwalt TOBIAS GOSTOMZYK 36 Was bewegt . längst gibt es dort Räume. STEINBORN UND C.-BRUNO KAMMERTÖNS . Nach dem Gespräch – es ging um die Energiefrage – waren sich die ZEIT-Redakteure Giovanni di Lorenzo und Bernd Ulrich (oben im Büro der Kanzlerin) einig: Frau Merkel hat mehr Gesichter. es gebe. SCHMIDT CO₂-Speicherung ausprobieren VON CHRISTIAN TENBROCK Justiz Eine milde Anklage im Fall Museum Rade am Schloss Reinbek VON SVEN BEHRISCH 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« VON GÖTZ ALY des Berliner U-Bahn-Schlägers Abb. DINGELDEY beeinflussen Richter kaum. Angeblich weiß sie. an dem er fast ertrunken wäre 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG »Die Lebenden sind Legenden« 12 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE 59 Kunstmarkt Mit Asiatika erzielt Finanzkolumne 35 Kohle Deutschland sollte die das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde VON TOBIAS TIMM Museumsführer (101) Das Volkszählung Warum der Zensus niemanden aufregt VON S. grob und unfair? Nein. Öko- 62 GLAU BE N & ZW EIF E LN Islamismus Der Prediger Pierre Foto: Marco Valdivia sich über die arabischen Revolutionen VON GEORG BLUME Nachruf Zum Tod von Gunter Sachs VON H. GESCHICHTE SEITE 21 Geschichte eines Liedes aus Island – und wovon Europa singt VON D.radioeins.zeit. sagt sie dann. ISENSCHMID Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT 20 12.

»Es muss darum gehen«. lobt er das politische System der Bundesrepublik. das »Projekt fand großes Interesse und stieß auf einen positiven Anklang der Teilnehmer«. Als die Firmen Menschen aus der Türkei. wenn Christen kämen und eine Kirche mit extra hohem Kirchturm errichteten?«. Bosnisch. Bis 1966 war ein Kohlebergwerk der größte Arbeitgeber. Es habe schon zwei Treffen mit Münchner Muslimen gegeben. Idriz trägt stets ein mildes Lächeln im Gesicht. Er wird einen Rechtsanwalt engagiert haben und Gerichtsprozesse führen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 15 Unter Verdacht Ein Imam aus Bayern will ein weltoffenes Islamzentrum in München gründen. tolerant. mag er nicht. Idriz rechnet sich nicht zu ihnen. Zwangsheiraten hält er für einen Rückfall in die Steinzeit. Benjamin Idriz. den sich Deutschland wünscht: weltoffen. später der Schweizer Pharmakonzern Roche Diagnostics. Die Penzberger Moschee. fragte sich Idriz. Seiner ruhigen Stimme hört man gerne zu. »Sehr geehrter Herr Innenminister«. Er ermahnt die Männer. er spricht fließend Makedonisch. aus dem Nahen Osten einstellten. gegenüber ein Autohändler. Imam Idriz ist der Muslim. ein zweistöckiger Bau aus Kalksandstein mit großen Fenstern und einem Minarett. Aber vier Jahre später. kann man schon die Umrisse der Alpen am Horizont sehen. um ihm von einem neuartigen Plan zu berichten. Bedroht er den Staat. in den Sprachen Deutsch. Noch glaubt der Imam. Jahrestag des Grundgesetzes. ist als solche erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Die kleine Moschee am Ortsausgang liegt inmitten eines Gewerbegebietes. 20 GESCHICHTE Große Entkitschung: Wer war Ludwig II. und er wird sich fragen: Was ist nur mit mir geschehen? Und warum? Von Penzberg aus. Arabisch und Deutsch. Türkisch. Jetzt möchte der Imam den Innenminister treffen. im Mai 2011. dann siedelte sich der Lkw-Hersteller MAN an. Herr Imam! geschrieben. das er in München gründen möchte und in dem er muslimische Geistliche in deutscher Sprache ausbilden lassen will. ihre Frauen gut zu behandeln. Nur wenn er auf die Kanzel steigt. Fortsetzung auf S. Arabisch. weil Idriz nicht provozieren will. die Stadt München sei informiert. findet er. die ungleiche Erbverteilung. Als Absender steht oben rechts die Islamische Gemeinde Penzberg. zum 60. Sieben Jahre später schrieb er sein Diplom zum Thema »Emanzipation der Frau im Islam«. Er hat eine Buch mit dem Titel Grüß Gott. Progressiven Muslimen gilt Idriz als Hoffnungsträger. wurde auch der Islam heimisch in Penzberg. Idriz will der islamischen Welt den »Geist der Erneuerung« bringen. Englisch. eloquent. er sei ein unverdächtiger Mann. 21 12. Schließlich gibt es genug islamische Geistliche in Deutschland. oft predigt er die Vorzüge der Demokratie. nebenan ein Getränkemarkt. oder fürchten Staatsschützer nur den Islam? VON ALBRECHT METZGER m 25. kleidet sich mit T-Shirt und Jeans. wirklich? S. Doch plötzlich gilt der Prediger als Verfassungsfeind. Politiker aller Parteien sind begeistert. und 2009. Moscheen. 2005 eröffnete die Moschee. Ein Imam steht der Gemeinde vor und hält jeden Freitag die Predigt. Erste Kontakte mit der bayerischen Staatsregierung »sind bereits erfreuend zu A verzeichnen«. gilt als Erneuerer. »Wie Sie sicherlich in der Presse mitverfolgen. dass der Islam zu Europa gehört und mit den Werten der Aufklärung vereinbar ist. »Was würden Muslime im Nahen Osten denken. die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. fährt der Imam in seinem Brief fort. Der Imam will Deutschland beweisen. das die Süddeutsche Zeitung in den höchsten Tönen lobte. eine Zugstunde südlich von München. so geht es los. Mit 15 ging er nach Damaskus und besuchte ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt islamischer Theologie. die nach islamischen Eroberern benannt sind. Türkisch.« Der Imam sucht Unterstützung für ein Islamzentrum. ein »europäisches Klima der Offenheit«. Im Gebetsraum der Moschee (Bild oben) dürfen auch Frauen beten Benjamin Idriz kam 1994 nach Penzberg und trat bald darauf seine Stelle als Imam an. Sein Gesprächsangebot versteht er als vertrauensbildende Maßnahme. Den Bauplan sprach er mit dem Bürgermeister ab. Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg. wird Imam Idriz als Feind der deutschen Verfassung gelten. Die rechtlichen Anweisungen im Koran müssten aus ihrer Zeit heraus verstanden werden. Bosnisch und Albanisch – Ausdruck der nationalen Vielfalt der kleinen Gemeinde des Imams. aus Bosnien. welche die Söhne den Töchtern vorzieht. 16 Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . Mai 2007 schreibt Imam Benjamin Idriz einen Brief an den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein. Er hat seiner Moschee sogar einen deutschen Namen gegeben: »Islamisches Forum«. sagt Idriz. 1972 wurde er in Makedonien geboren.DOSSIER WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest: Wovon Europa singt S. Er versteht sich als europäischer Muslim. setzt er sich einen weißen Turban auf und legt einen schwarzen Umhang um. verurteilt er. Das Minarett hat deshalb keine Spitze. setzt die Islamische Gemeinde in Penzberg seit Jahren auf die Schwerpunktarbeit einer gesunden Integration von Muslimen in die hiesige Gesellschaftsverordnung.

aber er weiß noch nicht.« Das sind die Worte. und von Führungsmitgliedern der Gemeinde zu der islamistischen Organisation IGMG vor. Es handelte sich um eine Koranrezitation. Aber du kannst nicht sagen. Die Münchner Polizei hört also mit und schneidet das auf Deutsch geführte Gespräch mit. dass er aus diesem Bericht gestrichen werde. Er bekommt keine Einsicht in die Akten des Verfassungsschutzes.und Unterstützungsgemeinschaft. dass du sie nicht unterstützt. in der Imam Idriz das Unterschriebene relativiert. Es sei umgehend entfernt worden. Und so bleibt unklar. wenn du gemeinsam mit dem Innenministerium der Meinung bist. 15 »eine Verbindung zwischen der Lehre und der Wirklichkeit herzustellen – eine auf die Bedingungen unserer Zeit passende Antwort: Was hat Gott gemeint?« Leider. Außerdem hofft Idriz auf Zuschüsse der Stadt München. Gleich links neben dem Eingang hänge ein Schwarzes Brett. »Die bisherige Nennung im Verfassungsschutzbericht konnte alle anderen Eindrücke und Informationen nicht widerlegen. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Penzberg. der sich allerdings bald auflöst. Dennoch. andere islamische Organisationen zu beurteilen. eine zweite Presseerklärung zu veröffentlichen. denn die IGMG wird als extremistisch eingestuft. schrieb Herrmann zurück: »Das von Ihnen angestoßene Projekt ist sehr interessant und sollte auf jeden Fall Gegenstand eines intensiven und kontinuierlichen Dialogs zwischen Ihnen und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag bleiben. wer du sein möchtest. Die Geschichte lasse sich leicht aufklären. die Islamische Gemeinde sei eine Zelle von Milli Görüș. Diese kontroverse Welt möchte Idriz nach München exportieren. Seit 1994 sitzt er auf seinem Posten. der ihn noch Jahre später verfolgen wird. Demnach sagte el-Zayat: »Du musst dich fragen. Die Staatsschützer sehen weitere Verbindungen zu den türkischen Islamisten: Bevor die Islamische Gemeinde Penzberg 1994 entsteht. zum Beispiel von der evangelikalen Autorin Christine Schirrmacher und dem Amerikaner Mark A. der in Moscheen normalerweise den Männern vorbehalten ist. Das Treffen findet in den Räumen des Verfassungsschutzes im Innenministerium statt. 17 Imam Benjamin Idriz (oben) beim Freitagsgebet im Gebetsraum der Moschee im bayerischen Penzberg ropa München« (ZIEM) öffentlich. sie wisse nicht mehr genau. Die Penzberger aber gehen in den Pizza Hut am Münchner Hauptbahnhof und diskutieren. Einer seiner Unterstützer ist Alois Glück. Du musst wissen. Trotzdem hält der Ministerialdirigent Remmele an dem Vorwurf fest. Mehrfach verlangen die Penzberger. bezeichnet Ibrahim el-Zayat im Februar 2007 als »Chef der Muslimbrüder in Deutschland«. an die Braun sich erinnert. gebe Anlass zu der Befürchtung. Er schreibt: »Dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz liegen Erkenntnisse über die Zuordnung der Islamischen Gemeinde Penzberg e. Unter Punkt 5 soll sich Imam Idriz von jeglichen islamistischen Organisationen distanzieren. und Staatssekretär Georg Schmid aus dem bayerischen Innenministerium weist auf die Verbindungen zu Milli Görüș hin. Das Innenministerium habe die Unterschriften zur Bedingung gemacht. mit dem das bayerische Innenministerium belegen will. das Milli-Görüș-Plakat angebracht habe. um ihr Münchner Projekt nicht zu gefährden. dass Herrmann sich daran erinnern und mithelfen werde. einem Gegner. wofür du stehst. die auch die etwa 300 Moscheen der Islamischen Gemeinde Milli Görüș verwaltet. inzwischen ein grau melierter Herr von 63 Jahren. Andere Muslime halten den Imam jetzt für einen Lakaien des Staatsschutzes Aus der Sicht des Innenministeriums war alles ganz anders: Demnach sind es die Vertreter der Islamischen Gemeinde Penzberg. Du kannst ja sagen. in der er sich erneut vom Foto: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . gesellschaftliche Akzeptanz zu suchen und Ortsvereine zu gründen. Aber selbst Oberbürgermeister Christian Ude macht sich angreifbar. dass dir islamische Organisationen in Zukunft helfen. meint der Imam. Staatssekretär Schmid nimmt teil sowie die Sachgebietsleiterin Ausländerextremismus. Doch dann passiert etwas. bei denen direkte Bezüge zur eigenen Organisation fehlten. was ihre Worte waren. Er soll herausfinden. Er bleibt auch dann Mitglied. Jetzt schaltet Idriz seinen Anwalt Hildebrecht Braun ein. er solle das Gespräch mit den zuständigen Beamten suchen.« Imam Idriz kommt sich vor wie in einem Hamsterrad: Er läuft und läuft und kommt nicht voran. Glück hält Idriz für einen Hoffnungsträger im Dialog der Religionen. Die Vermischung von Religion und Herrschaft habe dort zur »Entstehung und Zementierung von Despotien« geführt. sagen die Penzberger. als er nach Penzberg zieht und sich der Gemeinde von Imam Idriz anschließt.16 12. und das Gespräch ist beendet. gilt als verfassungsfeindlich. Was soll ich tun?« El-Zayat: »Du musst das richtigstellen. Yerli ist ein Schlosser. Fortsetzung von S.« Tatsächlich veröffentlicht Idriz am nächsten Tag eine Presseerklärung. der sich gegen die Muslime wendet?« Imam Idriz: »Ich sage doch. die auch der dortige Oberbürgermeister besuchte – ein Mitglied der CSU. die Staatsbeamten auf Lebenszeit. Er wächst sich zum wichtigsten Beweisstück aus. August 2007 macht das Innenministerium in einer Presseerklärung seine Bedenken gegenüber Idriz’ Projekt »Zentrum für Islam in Eu- Alois Glück von der CSU rät den Muslimen. ohne sich beraten zu können. Der Emir von Schardscha hat bereits die Moschee in Penzberg mit 2. Jahrelang ist er Europavertreter der World Assembly of Muslim Youth. sagt der Imam.5 Millionen Euro unterstützt. Das Innenministerium sieht die Sache anders: Diese Begebenheit bestätige die Nähe der Penzberger zu Milli Görüș. von staatlicher Seite unterstützt zu werden. ist Staatssekretär Georg Schmid längst nicht mehr im Amt. Allerdings sagt er jetzt. Im März 2009 wird der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2008 vorgestellt – und wieder steht die Islamische Gemeinde Penzberg e. Er kritisiert die islamischen Verbände in Deutschland für ihre Fixierung auf ihre Herkunftsländer. März 2006. Aus Penzberg ist neben Imam Idriz auch Bayram Yerli gekommen. Viele Medien greifen das Thema auf. Der Bau selbst würde um die 30 Millionen Euro kosten. 1985 trat er in Bad Tölz einer Gemeinde der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüș (IGMG) bei. Wer ist der Benjamin Idriz? Möchtest du jemand sein. der IGD. sagt er. die offensichtlich den Beteuerungen des Imams aus Penzberg nicht glauben. Als am 30. Juli 2007. Bis zum Januar 2010 ist er Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Deutschland. die Staatsschützer von sich überzeugt zu haben. in Zukunft keine Probleme mehr zu bekommen – auch wenn islamische Organisationen wie Milli Görüș ihn jetzt für einen Lakaien der Staatsschutzbehörden halten. ohne zu fragen. In der modernen Moschee hängen nur wenige religiöse Symbole. Außerdem ist er Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau. um für die Zukunft eine neue Bewertung zu ermöglichen«. Im August 2007 glaubt Imam Idriz immer noch an ein Missverständnis.« Idriz hofft jetzt. das später eingestellt wird. der Regionalverband Südbayern von Milli Görüș führt danach die Islamische Gemeinde Penzberg als Ortsverein in seinem Register weiter. dass ich damit nicht einverstanden bin. er hat mehrere Jahre lang im Bundestag gesessen. Seine Worte provozieren die mächtigen Verbände und konservative Muslime gleichermaßen. Er verliert den Prozess. Am selben Abend noch erhält Idriz einen Anruf. außerdem sollen sie sich verpflichten. was genau gegen die Penzberger vorliegt. dass die IGMG verfassungsfeindlich ist. wenn er mit einem Imam verhandelt. Allein für das neue Grundstück in zentraler Lage in München veranschlagt Idriz bis zu zehn Millionen Euro. schöpft er Hoffnung: Joachim Herrmann war CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. vor Gericht zu ziehen Imam Idriz hat noch nie einen Verfassungsschutzbericht in den Händen gehalten. »Diese Verantwortung obliegt allein den zuständigen Behörden«. schreibt Schmid. Der katholische Pfarrer sagt dasselbe. gibt es dort einen Ortsverein von Milli Görüș. eine schillernde Figur in der islamischen Szene. schreibt er. Auch Ministerialrätin Marion Frisch ist wieder dabei. könne nicht unterstützt werden. die sich vom Extremismus distanzieren wollen. aber er weiß noch nicht. Von dem Vorfall gibt es zwei Versionen. die Verhandlungen über sein Projekt laufen weiter. beten auch Frauen. Das stimme mit den Methoden der IGMG überein. Mohammed Mahdi Akef. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. In der Bibliothek stehen neben islamischen Klassikern die Werke von Islamkritikern. sodass die islamische Kultur erstarrt ist. darin. man sieht einige Frauen mit Kopftüchern und einige ohne. der frühere CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. was auf ihn zukommt. Idriz sucht den Kontakt zu den christlichen Gemeinden in Penzberg. unterschrieben hat Ministerialdirigent Dr. Ibrahim el-Zayat selbst bestreitet jegliche Verbindungen zur Muslimbruderschaft. der Vater ist Ägypter. und nachdem Idriz ihm zu jener Zeit die Entwürfe seines Zentrums geschickt hatte. heißt es in dem Bericht. Am 12. Der Imam will kämpfen. Nach vier Stunden glauben die Penzberger. er hat sich der Bewertung der Staatsschutzbehörden anzuschließen. Er hat es mit einer Bürokratie zu tun. Frisch sagt heute. ein Vorgang. Sie ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes der verlängerte Arm der islamistischen Muslimbrüder.und Integrationskurse. Idriz liest den Brief und ist geschockt. Sein Verein sei noch im Jahr 2004 auf Mitgliedslisten von Milli Görüș geführt worden. »unter der Trägerschaft einer extremistischen Bestrebung«. habe ihnen eine Presseerklärung vorgelegt. Am 1. V. Bei Idriz meldet sich Ibrahim el-Zayat. sagt Imam Idriz heute: Die Penzberger Moschee stehe immer offen. Als der neue Innenminister vereidigt wird. womit die Besucher nicht gerechnet haben. Wenige Wochen später lobt Staatssekretär Schmid in einem Brief die Distanzierungen der Penzberger von Milli Görüș. Er will kämpfen. Als Finanziers nennt der Imam Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. wenngleich der Vereinsvorsitzende Bayram Yerli mittlerweile Schreiben vorgelegt habe. Der windet sich und rät dem Anwalt. der als Kind aus der Türkei nach Deutschland kam. Im zentralen Gebetsraum. antwortet ihm das bayerische Innenministerium. Beide machen im Gespräch mit der ZEIT keinen Hehl aus ihrem Misstrauen gegenüber Idriz und seinen Plänen. Das Innenministerium. sie geben Männern die Hand. Es ist nicht deine Angelegenheit. für die FDP. Imam Idriz: »Ich bin ja deiner Meinung. März 2005 schließlich kündigt er schriftlich seine Mitgliedschaft bei Milli Görüș. Der damalige Führer der ägyptischen Muslimbrüder. Februar 2009 trifft Braun unter anderem den Ministerialdirigenten Remmele. Sie begrüßt den Anwalt Braun mit den Worten: »Eigentlich treffen wir uns nicht mit den Objekten unserer Beobachtung. Den jährlichen Unterhalt in Höhe von 500 000 Euro will Idriz jedoch ohne ausländische Hilfe finanzieren. dass ein »fundamentalistisch geprägtes Islamverständnis« dahinterstecke. durch Mitgliedsbeiträge und die Verpachtung von Läden und einem Restaurant im neuen Zentrum. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Extremismus distanziert. V. der als extremistisch gilt. In jedem Fall kommt es zur Unterschrift. Ende der Debatte. aber auch keinen fahrlässigen Umgang mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. Erst sein Rechtsanwalt macht ihm klar: Wer im Verfassungsschutzbericht auftaucht. Auch davon erfährt der Verfassungsschutz. Deshalb gebe es auch keinen Gesprächstermin beim Minister. Der Anwalt ist über die Begrüßung pikiert. nachdem es entdeckt worden sei. die in Kairo ihren Ursprung haben und bis zum Umsturz des Mubarak-Regimes offiziell verboten waren. heute Bundesfamilienministerin. Am 21. Doch Idriz versteht nur wenig vom Innenleben eines Innenministeriums. Idriz’ geplantes Islamzentrum in München. Idriz bittet um ein Gespräch. »mit denen er um Streichung des Vereins aus dem IGMGRegister bittet und seine persönliche Mitgliedschaft ab März 2006 kündigte«. es sei nicht seine Aufgabe. die sie sofort unterschreiben sollten. dass Imam Idriz mit Extremisten gemeinsame Sache mache. im April 2005 verklagt er die damalige CDU-Abgeordnete Kristina Schröder. dann kannst du aber nicht damit rechnen. zum Beispiel für Deutsch. neue Tatsachen müssten natürlich neu geprüft werden«. es gehe nicht mehr nur um einen Dialog.« Gemeint ist offenbar Bayram Yerli. wo jemand. einzelne islamische Gemeinschaften für verfassungsfeindlich zu erklären. doch im Berichtsjahr habe die Gemeinde erneut für eine Veranstaltung der Islamisten in Ingolstadt geworben. heißt es im Verfassungsschutzbericht. Da sind vor allem der Ministerialdirigent WolfDieter Remmele und die Ministerialrätin Marion Frisch. künftig keine Milli-Görüș-Mitglieder in ihren Reihen zu »dulden« beziehungsweise sie »auszuschließen«. dass sie verfassungsfeindlich sind. kann nicht darauf hoffen. andernfalls werde man das Treffen als gescheitert betrachten. zuletzt in einem Brief vom 14. Idriz. Die Presseerklärung sei in beiderseitigem Einvernehmen erarbeitet worden. »dass es sich bei der IGMG um eine Organisation mit verfassungsfeindlicher Zielsetzung handelt«. hätten im Laufe der islamischen Geschichte »texttreue Dogmatiker« die Vorherrschaft bei der Koranauslegung übernommen: »Sie verteufelten im Namen der Herrschaft des Textes die Realität und die Vernunft. Idriz glaubt nun. der ihm nicht vertraut ist. dass die Islamische Gemeinde Penzberg aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen wird. die ihn als »Funktionär der Muslimbruderschaft« bezeichnet hat.« Idriz geht noch weiter. Marion Frisch. jeder könne ein und aus gehen. »Als Imam können Ihnen die Verbindungen dieser Gemeinde zur IGMG nicht verborgen geblieben sein«. zwei Monate nachdem Idriz den Brief abgeschickt hat. aus dem Vereinsregister entfernt zu werden. die Bezeichnung sei eine zulässige Meinungsäußerung. Noch am selben Tag veröffentlicht das Innenministerium die Erklärung auf seiner Website. Bei der Imam-Ausbildung in deutscher Sprache will er mit deutschen Hochschulen kooperieren und hofft auch hier auf öffentliche Gelder. bekommt eine Zusage – und kurz darauf eine Absage: Der Innenminister sei verreist. sondern um Freundschaft. März 2008 der bayerische Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2007 veröffentlicht wird. meint der Anwalt. was auf ihn zukommt Am 24. Geblieben sind all die Ministerialdirigenten und Ministerialräte. Die Gemeinde sei ein Beispiel für »formal nach außen hin vollzogene Distanzierungsbemühungen« gegenüber Milli Görüș. der Imam bläst seinen Urlaub in Makedonien ab. Eine islamische Organisation als »verfassungsfeindlich« zu bezeichnen wäre jedoch sehr ungewöhnlich für einen Imam und könnte ihm von muslimischer Seite viele Anfeindungen einbringen. »Einen negativen Automatismus gibt es nicht. Wolf-Dieter Remmele. einer aus Saudi-Arabien stammenden Jugendorganisation. Sie sind nicht glücklich mit der Presseerklärung und beschließen. nichts mit Milli Görüș zu tun zu haben. »Sie sind ein erster und auch notwendiger Schritt Ihrerseits gewesen. der dem Verfassungsschutz bekannt wird. Die Gelegenheit dazu kommt schneller als erwartet: Der Staatssekretär schlägt den 13. betont Ude. Zur Zeit des Telefonats läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Noch hält die Stadt München zu Idriz. heißt es nun. In dem Schreiben sollen die Penzberger erklären. Dass ausländische Geldgeber das Projekt finanzieren wollten. ein Vordenker der Partei. aber was ist die Lösung?« El-Zayat: »Das Richtige zu sagen. müsse schleunigst daran arbeiten. August vor. Allerdings lernt der Anwalt etwas über das bayerische InnenFortsetzung auf S. es geht um Spenden an die islamistische Hamas in Palästina. Gabriel. und wer als verfassungsfeindlich gilt. In einem unterwürfigen Brief an Staatssekretär Schmid bedauert er die »Irritationen« über sein Konzept und bittet erneut um ein Gespräch. Er will aber nicht aufgeben. schreibt der Ministerialdirigent. Geboren und aufgewachsen in Deutschland. Trotzdem glauben die Verfassungsschützer in Bayram Yerli einen Islamisten vor sich zu haben. Kenner der islamischen Szene bezeichnen Ibrahim el-Zayat als Strippenzieher. was genau der Verfassungsschutz verfolgt: Was konkret wirft man ihm vor? Braun trifft sich mit Innenminister Herrmann.

die beide eindeutig die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen möchten. sagt er. er hat in Jerusalem an der Hebräischen Universität studiert. Da wird dann ein Popanz aufgebla. kritisiert der Sozialwissenschaftler Werner Schiffauer Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. weil man Europa-Universität Milli Görüș gesagt.tion abgeben. Er ist das einzige nichtmuslimische Mitglied im Vorstand von ZIEM. die sich den dann viele junge Islamwisim Internet selbst radikalisiert senschaftler eingestellt. Das soll.sungsschutzes. ZEIT: Schafft sich der Verfassungsschutz mancherregt schon den Verdacht. Einige von ihnen kenne ich seit Langem. wehrt sich Remmele im Nachhinein. oder auch. dezentes Minarett: Die Penzberger Moschee soll Offenheit ausstrahlen Fortsetzung von S. Auf die Frage. Informant wird oft. auch wenn es die Fal. der bei Festen die Moschee in Lederhosen betritt. »Den Staat verklagen – da kann doch nichts Gutes bei rauskommen«.Aber wenn sie Wertungen über ihre Organisabrüdern in Ägypten. Schwieriger wird es beim sogenannten legalistischen Islamismus.) DIE ZEIT: Was bedeutet es für islamische Ge- Große Fenster. wie das Leben in einem Modie er sich deshalb zur Brust nehme. ZEIT: Welche islamischen Organisationen sollten Ihrer Meinung nach beobachtet werden? Schiffauer: Bei manchen Islamisten ist das absolut unstrittig wie etwa bei Hisb ut-Tahrir oder der Gruppe Kalifatstaat. Von Anfang an hat Stefan Jakob Wimmer. die offensichtlich inspiriert seien von der islamfeindlichen Website Politically Incorrect. 16 ministerium. man beobachtet eben. da sagte ein Amtschef: Die schweren Zeiten sind vorbei. denn man trifft damit diejeni. habe der Ministerialdirigent Remmele erwidert: »Uns macht die Gefahr islamistischer Gewalttäter deutlich weniger Sorge als die Gefahr der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft. säßen Beamte. Sie sehen in ihm einen Hoffnungsträger. Eigentlich soll aber das Verfassungsgericht darüber entscheiden. so der Religionswissenschaftler. den Konflikt miterlebt. Er ist zur Prüfinstanz der Verfassungstreue geworden. was fassungsschutzbericht von Baden-Württemberg man beobachten kann. Informanten. »Hildebrecht Braun hat das Gespräch verfälscht wiedergegeben. In diesem Fall lässt sich das Gericht ein Jahr Zeit. den Herkunftsländern – etwa mit den Muslim. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 17 »Da wird ein Popanz aufgeblasen« Um sich selbst wichtiger zu machen. wenn es um Sachinformatiosonelle Verflechtungen mit Organisationen in nen geht. Sie halten sich an die Gesetze und verzichten auf Gewalt. Im Verscheeverein. der der letzten Jahre waren entfremdete und ent. Am Ende klagen die Penzberger gegen ihre Erwähnung im Verfassungsschutz- bericht 2008. macht sie die Integrationsdas Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu politik kaputt.mal seine Objekte auch selbst. langfristig eine Organisation enttäuscht ist. was denn so gefährlich an der Islamischen Gemeinde Penzberg sei.Schiffauer: Er muss nachweisbaren Gefahren gen. Juden und Muslime. Solche Leute können zwar zu wollen. übertreibe der Verfassungsschutz seine Informationen unzulässig. Sie wollen eine einstweilige Anordnung erwirken. Der Verfassungsschutz ist aber nicht politisch unabhängig. wer einislamische Ordnung in Deutschland errichten fach Geld braucht. Das Vorgehen des Innenministeriums bringt auch Idriz’ christliche Freunde auf.nachgehen. doch manche fürchten. fragt der ReligionswisFortsetzung auf S. hat Bedenken. Nach 2001 wurwurzelte junge Männer. Nach dem Ende sierung? Schiffauer: Nein. vor Gericht zu ziehen. die ihm ursprünglich nicht zugedacht war. Die islamistischen Attentäter des Kommunismus hatten sie befürchtet. um Mitglieder »legalistisch islamisihre Beschäftigung zu rechtfertischer« Gemeinden. September 2001 Bundesrepublik bringen. war ich einmal bei einer Tagung des VerfasZEIT: Ist das plausibel? Verläuft so die Radikali. schutzes? Schiffauer: Auf der untersten Ebene sind das die Inzwischen ist die Demokratie längst gefestigt. ihnen könnte die Moschee genommen werden. wer von seiner eigenen Das Gespräch führte JÖRG LAU . Heide Fest (r. bei denen Beamte nicht sehr glücklich darüber waren. Seine Frau ist Palästinenserin. dass man etwas tut. ein Dialogforum für Christen. Auch wer für die Be. ZEIT: Wie entsteht ein Verfassungsschutzbericht? Schiffauer: Die Mitarbeiter fassen aufgrund verschiedener Quellen – vor allem von Informanten und Publikationen – Erkenntnisse zusammen. Am Ende kommt ein politisch gewichteter Text heraus. Ich kenne Fälle. Und die haben. sind sie meist schnell wiescheinbar unbedenklichen Äußeder ausgestiegen. die ein Problem für Deutschland sei. in einer Zeit mit vielen alten Nazis und einer kommunistischen Gefahr im Kalten Krieg. ZEIT: Diese Ermittler liefern Belege für eine politische Wertung. die sich für die Integration eines konser. Wimmer ist seit Langem im interreligiösen Dialog engagiert. Die Aussage »vom Verfassungsschutz beobachtet« wird gleichgesetzt mit: »ist verfassungsfeindlich«. Sie waren gerade nicht müssen nun auch etwas tun. Den- noch unterstellt man ihnen. Hat Ministerialdirigent Remmele etwas gegen den Islam? »Das ganze Gespräch drehte sich um islamischen Extremismus und nicht um den Islam«.sen. ich könnte gegen ihn eine gerichtliche Unterlassungsanordnung erwirken. ich glaube. der zur Zeit des Kriegs im Irak Solidarität mit dem irakischen Volk fordert.« Hat er aber bislang nicht. Lange diskutiert der Vorstand der Gemeinde darüber.« Und dann habe er noch von der hohen Geburtenrate der Muslime gesprochen. Auch der SPD-Bürgermeister von Penzberg. fragt etwa Mathias Rohe. »Wenn wir den wegbeißen – wer bleibt dann noch übrig?«. So lautet die Version des Anwalts Braun. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat er die »Freunde Abrahams« gegründet. 18 meinden. wo aus ten.benötigt werden. es geht manchmal Wenn die Sicherheitsperspektive den Blick so mehr darum. deren Methoden man mit der »antisemitischen Hetze« früherer Zeiten vergleichen könne. Also üben sie das Lesen sie doch Kontakt zu ihnen hatgegen den Strich ein. ist das mit Vorsicht zu genießen. Zum Beispiel wird aus jemand. zu zeigen. wahrung einer »islamischen Identität« eintritt. er wolle Parallel. Bloß seien diesmal nicht Juden die Opfer. Was wäre.wurde daraus: Der Funktionär bestätigt die Existenz von Antisemitismus bei Milli Görüș. Damit hat der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit eine Rolle übernommen. das die Penzberger später gegen das Innenministerium wegen der Nennung im Verfassungsschutzbericht anstrengen. Im März 2010 schreibt Wimmer einen öffentlichen »Brandbrief«: Im bayerischen Innenministerium.DOSSIER 12. der zur Rekrutierung von Selbstmordattentätern aufruft. der zerrieben werden soll. Dieses allgegenwärtige Misstrauen vativen Islams in die Gesellschaft einsetzen. Die sind von Natur aus problematisch. was aus ihren Erkenntnissen geworden ist. schen sind? Schiffauer: Ja.Professor Werner den. Ein solches Eilverfahren dauert normalerweise wenige Wochen. Auf einer Tagung hat zum te den Sicherheitsbehörden viel Schiffauer lehrt an der Beispiel ein führender Kopf von mehr Sorgen machen. einer.Verfassungsschutz könnte als überflüssig betrachtet werden. Das ist für die Sicherheit unseres Landes schutz? Was wäre seine Aufgabe? kontraproduktiv. weil ihnen das rungen durch Zuspitzung und Angebot dort zu langweilig und Selektion Verdachtsmomente werkompromisslerisch war. war vielleicht in den fünfziger Jahren angemesZEIT: Was sind die Quellen des Verfassungs. Indizien dafür sind dann oft per. um die eigene gesellschaften bilden und die jungen Leute in Existenz zu rechtfertigen? Distanz zur gesellschaftlichen Ordnung der Schiffauer: Kurz nach dem 11. Die haben ein Berufsethos als unabhängige Ermittler. Professor für Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen. es gebe Prosolche hoch individualisierten Viadrina in bleme mit gewissen antisemitiProzesse nicht beobachten kann Frankfurt (Oder) schen Äußerungen von Imamen. im Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden? Werner Schiffauer: Das kommt einem Urteil gleich.ZEIT: Wozu brauchen wir den Verfassungssen. die dann im Innenministerium die Behördenleiter rauf und runter gehen. um stark bestimmt. die in den Prozessakten des Verfahrens auftaucht. Lehrbeauftragter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München. befriedigen. etwa um Pläne zu einem Attentat. wenn sie den Freistaat verklagen. ZEIT: Was sind »legalistische Islamisten«? Schiffauer: Aus der Perspektive der Sicherheitsorgane: Wölfe im Schafspelz. die schon feststeht? Schiffauer: Das Material wird oft sehr zugespitzt und stark gewertet. Idriz’ alter Freund Alois Glück von der CSU rät den Penzbergern. ZEIT: Heißt das. Und wenn tigen. sondern Muslime.

die ihm nahestehen. Der Staatsminister habe sich deswegen in Interviews immer dagegen ausgesprochen. Das Minarettverbot in der Schweiz hat sie begeistert gefeiert. Islamkritik als »Islamophobie« abzustempeln. die Besuch in Penzberg: »Ich bin beeindruckt von der Islamische Gemeinde Penzberg werde zu Recht im Offenheit der Gemeinde. zu dessen Wahlkreis Trotz dieser Irritationen halten Penzberg gehört. Sie gilt als europäische Anlaufstelle der Orga.Glaubwürdigkeit. und ein Beamter Wolf-Dieter Remmele zin: »Focus bedauert. und wieder tauchen Europaangelegenheiten.« Der Kontakt zu el-Zayat schadet Imam Idriz’ Am 2.wurde. Herr Innenminister«. die Moschee wird von vielen unbescholtenen aus einer Immobilie. sagt später unter Androhung einer VerIdriz. weicht er im Gespräch mit der ZEIT aus. So verlangt es gangenheit als Imam der Waffen-SS das Landratsamt im bayerischen habe er.wie das Jüdische Zentrum in München das jüdische ter trifft die Nachricht ein: »Die von Herrn Minister. der umstrittene Strippenzieher. der so etwas Der Focus muss ein paar Wochen auf Deutsch schreiben konnte«. Der Frage nach den bericht erwähnt. Statt sich von diesen Leuten zu distanzieren. Im Mai 2010 urteilt das Verwaltungsgericht.de aus Mitgliedsbeiträgen und den Mieteinnahmen chen. Obwohl Tag. brüdern helfen lassen. sich nicht in der Lage. hofft noch immer darauf. oder Mamduh Mahmud Salim. Ausgerechnet diesen Hussein Integration funktioniert«. dass der Auch Bundesjustizministerin Sabine LeutheusserVerlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nichts Schnarrenberger von der FDP steht hinter Idriz. dass im Koran an 27 verschiede. Gegenüber Ahmad Khalifa angenommen. Jetzt wird Imam Idriz zu. Ein ähnlicher Vorgang wiederleumdungsklage eine Gegendarstelholt sich fünf Jahre später. als der Verfassungsschutzbericht 2008 veröffentsich der düstere Islamist Ahmad Khalifa für Imam licht wird. Khalifa hatte Kontakt zu vielen fins. sätzlich vorgeworfen. nung ist kleiner geworden von Jahr zu Jahr. Unter ihnen ist auch Marian Offmad Khalifa. Er bezieht sich dabei 1994 nach Deutschland kommt. die jedoch Pax Europa für seine Zwecke benutzt. enthaltsgenehmigung ist abgelaufen. CSU-Mitglied und Vizepräsident der Israelitivorgeht. damit er als öffentlichte. Finanziert werde die Gemeingalt Khalifa lange Zeit als angesehener Mann in Mün. »Außer Ahmad Khalifa gab lügt er? es damals niemanden.o. Zehn Jahre später taucht der chen kommt regelmäßig vorbei. Neues über sich: Unter dem Titel Hitler? Ach so veröffentlicht der Focus einen Bericht Ludwig Spaenle. Er glaubt.« jetzt drei bis vier Geldquellen schließen. Peter Frischmuth/argus Angehörige der Islamischen Gemeinde Penzberg beim Gebet in der Moschee Fortsetzung von S. dass er die Shoah als »beispielloses das Landratsamt in Weilheim sieht Menschheitsverbrechen« verurteile.n. er habe sich von den Muslim. an Ministerpräsident Ed. Ibrahim el-Zayat selbst sich hat sich zu der ganzen zu bekommen. Integration von Muslimen bemühe. »Ich werde ihm berger im Bericht des Verfassungsschutzes. der ältesten Mo. April 2010. sondern geradezu notwendig«. In einem Gespräch mit einem hohen wäre vollständig zerstört. Kurze Zeit spä. dass laut Koran alle Christen ›Ungläubige‹ rum.auch an einer Konferenz in Südafrika teil. Kurz darauf findet jenes Treffen im die Penzberger wieder auf. in dessen Landkreis Penznichts gewusst. gen Vertrauten Osama bin Ladens. Diese Beamten seien doch nur darauf aus.kommt um den umtriebigen Funktionär kaum heten Sie. Benjamin Idriz Idriz die IGMG als verfassungsfeindlich bezeichnet.und mir wird vorgeworfen. jemals Geld von zu jagen. antiemanzipatorische und menschenrechtsferne Mentalitäten. »Ihren Unterstellungen trete ich mit Nachdruck entgegen«. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagt nach seinem Fall im Verfassungsschutzbericht auf. es ist Karfreitag. Sein Anwalt wendet sich ganz sche Innenminister Imam nehme sich die Waffen-SS nach oben.Joachim Herrmann zum Vorbild. besucht sie demonstrativ die Gemeinde in Idriz starkmachte. Ibrahim el-Zayat zu telefonieren? Wer sich in dass die Islamische Gemeinde Penzberg mit Hilfe der der islamischen Szene in Deutschland engagiert. der im Widerspruch zu unserer freiheitlichen Grundordnung steht. die er dem Imam verschließen teren Gestalten.): Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. Und el-Zayat hat nicht nur Kontakt mit islasind? Wussten Sie. eiwurde. Was ist geschehen? Imam Idriz hat zweimal die Hilfe eines gewissen Angelegenheit bislang nicht geäußert. das World Trade Center in die Luft Idriz hingegen bestreitet vehement. mit berg Flugblätter: »Penzberger Bürger!. »wenn in einer bayerischen Behörde Personen mit offen antisemitischer Gesinnung mit der Zuständigkeit für jüdische Gemeinden betraut wären?« Kurz darauf erhält Wimmer Post von einem Ministerialdirektor im bayerischen Innenministerium. Emilia Müller.glaube.18 12. in dessen Anschluss Imam Seiten. »sondern gegen den Islamismus. Ministerin für Bundes. die von der Evangelischen Akademie Tutzing veranstaltet gen aufgefordert wird?« Am 30. diesmal auf zweieinhalb Innenministerium statt. die Hussein Djozo braucht er eine Bestätigung von einer nach dem Zweiten Weltkrieg verislamischen Autorität.« mund Stoiber. Als er Vorbildern. Die Arbeit des bayerischen Innenministeriums richte sich keinesfalls gegen den Islam als Religion. Gebräuche und Traditionen der muslimischen Minderheit klar zu thematisieren.« Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2010. »Das ist ja widrige Aktivitäten«. Khalifa ist ein Prediger der ZEIT beschreibt er Imam Idriz als naiv.« .(oben) und der bayeridruck entstand. Es stellt den Brief ins Internet. schreibt die Staatskanzlei.nen Keil zwischen die Muslime zu treiben. Über dessen VerImam arbeiten darf. sie eigenmäch. »Kritik an bestimmten Ausprägungen des Islam ist auch in muslimischen Gemeinden in Bayern nicht nur legitim. Für die Unterdrückung von Frauen oder die Scharia ist bei uns kein Platz. Djozo zählt Imam Idriz zu seinen So auch für Imam Idriz. Ist Idriz naiv. Er nahm im Jahr 2006 nen Stellen in Befehlsform zum Töten der Ungläubi. einen bosmäßig das Islamische Zentrum Münnischen Militärimam der Waffenchen – es sei ein Beispiel dafür. bis dahin Weilheim. heißt es. weil der im Islamischen Zentrum München.Leben erneuert hat. 1993 versuchte. verteilt die Organisation Pax Europa vor den Kirchen in Penz. dazu Zeitungsartikel. die bayerischen Behörden gewinnen wird. »Wir dürfen uns nicht scheuen. Andererseits: Ist es verboten. wie etwa Mahmud Abouhalima. Frank Leonhardt/picture-alliance/dpa. Die Auflung drucken. Wer das Gegenteil behauptet. Auch der amerikanische Konsul in Münmals keine Bedenken. und noch im Jahr 2008 rühmte sich der Staatsminister für Unterricht und Kultus. der Penzberger len. Ungeachtet dessen bekommen zu haben. Im November 2010 erfährt Imam Idriz etwas Muslimen besucht. auf die Schriften.u.finanziellen Quellen. sprach ein Grußwort.könne das aber nicht erkennen. Sitten. betreibt bewusste Fälschung. Am entgegensteht«. lässt Minister Herrmann im Jahr 2010 einen Ministerialrat in seinem Namen an Pax Europa schreiben.« Die radikale Bürgerbewegung Pax Europa fühlt sich bestärkt vom Innenministerium.Ministerialdirigent Zudem entschuldigt sich das Magatig zu verlängern. Die Verbindungen zur Islamischen Gemeinde Milli Görüș seien der am 3. ich sei ein Extremist«.und schutzbericht für das Jahr 2009. der wollte. die mithilfe der Muslimbrüder gebaut nigen. Verfassungsschutzbericht 2008 erwähnt. Er hat erlebt.Ibrahim el-Zayat oder Leuten.Regierung hat selbst Kontakt mit Ibrahim el-Zayat. Sie warnt schon lange vor der Islamisierung der deutschen Gesellschaft und vergleicht den Islam mit dem Nationalsozialismus. oder berg liegt. eine Aufenthaltsgenehmigung sagt Imam Idriz. tauchen unbestreitbar. Idriz nisation und wird deswegen im Verfassungsschutz. dass sich die Penzberger Gemeinde um die schen Kultusgemeinde in München. so ausführlich wie nie zuvor. »Die die Penzberger darin auf. ein Islamzentrum präsident veranlasste Prüfung durch das Bayerische könnte für die Muslime dieselbe Wirkung haben. schreibt der Beamte. »Chapeau. und sie ist erbost. heißt es jetzt über die Penznur noch peinlich«. »ergaben sich im Berichtsjahr jedenfalls nicht.Penzberg. März 2011 veröffentlicht wird. beteuert Idriz. »wie SS.« Nachvollziehbare Positionen. »Auf dieser Basis können wir Islamkritiker gut weiterarbeiten. 17 senschaftler.weiter zu Idriz. sagt el-Zayat. dass der Einrät Idriz. wussten Sie. heißt es dazu. die Hoffder Idriz zuvor am Telefon genau davor gewarnt hat. Staatsministerium des Innern hat ergeben.man. hatte das Innenministerium da.mischen Organisationen. Die Penzberger die nichtmuslimischen Unterstützer schicken Stoiber einen Brief ihres Bürgermeisters und ein weiteres Schreiben von Ah. einem en. er könne sich mit dem Innenministerium eischee der Stadt. aus denen her. extremistischen Milli Görüș gegründet wurde? Wuss. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Fotos (v. in der Idriz schreibt. sich Unterstützung zu ho. er besuche regelüber Hussein Djozo. dass er den Kampf gegen Ibrahim el-Zayat. wenn da nicht dieser eine Funktionär von Milli Görüș bezeichnet er Imam Satz stünde: »Neue Erkenntnisse über verfassungsIdriz als »Schwachkopf« und »Idioten«. März 2010 erscheint der Verfassungs.

es ist der einzige gesellschaftlich ambitionierte Beitrag in Düsseldorf. der sich nach Meinung vieler »stilvoll« aus dem Leben verabschiedete. Sie sagt: »Wir können Sjonni nicht ersetzen. und sein Leben war vorbei Na na na. wollen die Lieddichter keine Geschichten mehr erzählen. Am Abend vor dem Abgabetermin schrieb er mit ihr die letzten Zeilen auf Englisch. Sein Bruder und ein Cousin haben das Video gedreht. »Es ist Physik. Am Ende jeder Zeile endet auch der Satz. Die beiden waren sich 2002 während der Arbeit am Musical Le Sing in Reykjavík begegnet. bevor Matthiassons Freund Sigurjon »Sjonni« Brink mit Coming Home in der Hauptstadt Reykjavík auftreten sollte.« Sjonnis Witwe stimmte zu. ja an alle Europäer. Sigurjon »Sjonni« Brink. wird schon wieder gejubelt.« Der Fairness halber muss man sagen: Übersetzung hat noch keinem Song gutgetan. Der mysteriöse Refrain fasst den Stand der Dinge zusammen: Taken by a stranger Stranger things are starting to begin Lured into the danger Trip me up and spin me round again Abou-Dakn hört im Refrain eine sexuelle Fantasie anklingen. an dessen Wettbewerb es ja gerade teilnimmt. fast durchweg einer geistlosen Vögel-und-Engel-Metaphorik. einige Tage später. Haben sich die Librettisten an Shakiras WMKiefergymnastik orientiert? Waka waka? Im spanischen Lied macht das »ouo uo« fast den ganzen Refrain aus. Masen Abou-Dakn. »Es erzählt die Geschichte eines Menschen. »Wie ein Satellit« wollte Lena in elliptischen Bahnen um den Geliebten fliegen. dass sie nicht in ihrer Muttersprache singt!«. und das macht mich High und ich fliege. der Amerikaner Gus Seyffert. der den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko mutmaßlich entzückte: Als ich einen Stern trug Damals in der UdSSR War ich so gut wie Mama Fühl meine Leidenschaft Wenn alles vorbei ist Wird dein Name wie die Sonne strahlen Du bleibst immer noch das Beste Schön altmodisch Kill mich mit einem Killer-Kuss Liebe mich mit üppigen Schenkeln Verkleideter Engel Die Ukraine setzt Angel dagegen. Die Stadt hat sich auf das Event eingestimmt. höher fliegen. uo uo. »oh-oh-pop oh-oh-pop«. wie die Witwe sagt. kaum ist Osamas Leichnam bei den Haien. »Ding dong« machen die »Glocken der Seele«. Zwölf Tage. Es gilt in Düsseldorf als ein Favorit. aber wenigstens nicht erzdumm. und dreh mich im Kreis. seine Freunde singen statt seiner. den »verkleideten Engel«: Wir leben menschliche Leben Wir sind Engel. das Leben so zu leben. Und dass. wo ich hinmuss Und ich komme jetzt! Der Makedonier Vlatko Ilievski träumt währenddessen vom Wodkatrinken mit einer Russin. um ihnen zu sagen. sagt Thorunn Clausen. Sjonni war seit mehr als einem Jahrzehnt als Sänger in Island bekannt. In den Foren des Internets gehen die Meinungen dazu auseinander. informierte vor geraumer Zeit über das Berufsbild des Putzmannes im Sondereinsatz: »Wer Tatortreiniger werden möchte. was auch geschieht. nach einer Geschichte. »ding dong«.) und Finale (14. da gibt es kein Entkommen«. wir sind furchtbar traurig und doch so froh darüber. die er oft mit den vier Kindern – sie sind jetzt drei. Dann. alle aus der isländischen Musikszene. nach Hause zu kommen zu seiner Familie oder seinen Freunden. bleibt mir ein Rätsel«. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 20 selbst (unten).) des Eurovision Song Contest in Düsseldorf vor. sag nichts mehr Zarte Ansätze von Komplexität sind womöglich in den deutschen Beitrag der Vorjahressiegerin Lena hineinzuinterpretieren. es hier. mit betonten Schlägen Auf Deutsch hieße die letzte Zeile wohl: »Führ mich aufs Eis. Viele. denn Sjonni ritt so gern. wie einst. Die Liebenden mögen ihre Flügel spreizen und wegfliegen. wie Sjonni es gefallen hätte. sie geht. Dann würden die Isländer entscheiden. seitdem hatten sie gemeinsam Liedertexte fürs Theater geschrieben. Endausscheidung. finde ich dich. da klingelte das Telefon: Sjonni habe gerade eine Hirnblutung erlitten. Später. geflogen wird auch wieder: Ding dong. »da da da da da da«. Das will Peter verhindern: Und ich komme nicht zurück Bis er gerettet ist Ich werde zum König gehen und zum Parlament Und wenn sie nicht helfen wollen Tu ich’s eben selbst Im März musste das Lied zurückgezogen werden.« Und natürlich Feudel und Eimer. und er habe alles gewusst: Wer im Jahre 1986 Island zum ersten Mal vertrat.« (Mehr Düsseldorf auf S. sondern weil es regelwidrig bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war. halb Rock. »wir mussten das Lied in seinem Namen singen. Nigel Treblin/dapd (u. Es war ein Appell. Dann votiere man für Islands Beitrag Coming Home. die dann in den Strophen. an dem der Hörer hängen bleibe. präzisiert werde. besser kann man es nicht sagen. aber auch ein großer Fan des Eurovision Song Contest. Das »ding dong« stammt aus dem Lied von Dana International. fünf. Ursprünglich hatte sie einen Song namens Born in Belorussia eingereicht. du wirst nie ein Cowboy sein. sie übersetzte den Text ins Isländische. Vielleicht hatte das Lied mit ihr zu tun. Dabei verlangt es den Sänger ständig nach »Wodka!«. Ich liebe Weißrussland heißt also das Stellvertreterlied. niemals landen. »ouo uo uo«. Einen eingängigen Haken hat auch die Weißrussin Anastasia Vinnikova: »I love Belarus!« Ihre Liebe gilt dem Vaterland. aber da: »Wäre es der Eurovision Propaganda Contest. Oder man sehnt sich. Unüblich war diese Zusammenarbeit nicht. »Es wird unsere Hommage an den Freund«. Matthiasson singt. muss starke Nerven haben. und immer noch ging es um die Liebe. sagt seine Witwe.und zur anderen wieder ausgetreten«. behielt man das Singen bei. In Gstaad gibt es einen prominenten Toten zu beklagen. Atomkraftgegner wissen das. erklärt sie. dass sein Lied ausgewählt wurde und in ganz Europa gehört werden kann«. »Als Sjonni dann so unerwartet starb. »na na-na na na na«. Es war ein Lied ohne Zweifel. stets auf Kurs gehalten durch seine Anziehungskraft. seine Söhne und seine Freunde tanzen. egal. einem Song. als ginge es morgen zu Ende – eine Botschaft an seine krisengeschüttelten Landsleute. welche Lieder es ins nationale Finale schaffen. »da da dam«. sagt Matthias Matthiasson. Der Text handelt von der Flüchtigkeit des Seins. als es nicht mehr von Bedrohungen durch den Westen spricht. Ganz anders 2011: »Warum er Coming Home ausgesucht hat. und es fällt insofern etwas tauwettrig aus. »Aber die Strophen interessieren sowieso keinen mehr. mit 36 Jahren. heißt Ein dummer Text. Der 20-jährige Axel Ehnström tritt unter dem Decknamen Paradise Oskar an. So begegnet man in den 43 Liedern. 65) Trauern und hoffen Eurovision Song Contest in Düsseldorf: Ein Sänger stirbt. ausgerechnet. Dozent an der Mannheimer Pop-Akademie. würde Weißrussland einen Kantersieg hinlegen. Aber beim europäischen Gesangswettstreit im Jahre des Herrn 2011. 5. Der von den Briten immerhin zum besten Lied der vergangenen 25 Jahre gewählte Robbie-WilliamsSong Angels verliert an Kraft. weil Propaganda in Weißrussland verboten worden wäre. in welchen Jahren Island später fehlte. Vier Verse. in denen von Augenbinden und Stühlen die Rede ist. Himmel! Mühelos erkennt der Analytiker vier Kategorien des Begehrens: »Komm her«. dass wir nur eine Wahl hatten«. als noch niemand ans Aufschreiben dachte. Einfach ist es für keinen von uns. so kurz vor seinem Tod. Taken By A Stranger ist ein Liebeslied der Kategorie »Bleib hier«. Aber lesen Sie 12. »Die Kugel sei zur einen Schläfe ein. er würde das gern fortführen. Eine gesungene Geschichte merkte sich der frühe Mensch besser als eine erzählte.« Zwei Tage nach der Beerdigung traten Sjonnis Friends erstmals auf. halb Folk. Apropos Politik. und ich weiß. wieder geschossen. bewährter Stilmittel. Sie werden ihren Auftritt so inszenieren. Der Impuls zählt. Fotos [M]: ESC/RÚV/Gassi (2). Sie wollen nur noch wegfliegen und möglichst viele möglichst platte Metaphern aneinanderreihen. deren Haut so rein sei wie »ungeschlagener Schnee« und deren Augen so »schön und strahlend wie der Himmel über Moskau« seien. und gründete mit ihnen die Gruppe Sjonnis Friends. seine Witwe. erklärt uns auf Anfrage. »Da da dam« heißt der Haken des gleichnamigen finnischen Lieds. Beispiele? Lettland bringt Angel In Disguise an den Start. außerdem hatte er die Theatergruppe Vesturport mitgegründet. aber die sechs Freunde zusammen können ihn vertreten. verfeinerte es und machte es zur Kunstform. Die Geschichte des Liedes aus Island VON DEBORAH STEINBORN Sjonnis Friends – sie trugen Sjonni zu Grabe. sie hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten. Der Schlagzeuger sitzt auf einem Sattel. im Finale. »chaka chaka«. als man schreiben konnte. das im Jahr 2009 erschien. Sjonni Brink sei zwar ein Rocker gewesen. das Schicksal hat eine Geschichte geschrieben – siehe oben. die anderen spielen. dass Taken By A Stranger doch ein ganz guter »Hook« sei. »Ein sehr merkwürdiges Gefühl. schöner Playboy. Man singt seit Jahrzehnten und durchaus Bedenkenswertes: »Wärst du doch in Düsseldorf geblieben. Freilich singen sie auch in Coming Home von wenig mehr als vom »Lachen in den Bäumen« und vom »Flüstern im Wind«. Und nun das: Er war als Solist schon bis ins nationale Halbfinale gekommen. Das war der Sieg. Aber richtet ein Mann von Welt ein Blutbad an? Penthouse. der Kreuzreim tut ein Übriges: reimt sich rhythmisch. »dass dieser Planet stirbt«. Seither bereiten sich die Freunde auf Halbfinale (10. wie viele Punkte die Sänger in anderen Jahren sammelten. Ein sauberer Schuss. Die Gewinnerin des Jahres 1999 tritt nochmals für Israel an. elf und 16 Jahre alt – besuchte. sang sie. ein Haken. du wirst wieder meine Liebe sein«. Im letzten Moment hatte Sjonni Brink das Lied beim Wettbewerb eingereicht. für Sjonnis Band The Flavors und für sein Soloalbum. weiterfliegen. Seine Frau Thorunn Clausen. lebendiges Lied über die Wasserrutschen in Reykjavíks Thermalbädern. Dessen Zeile »Denn niemand kennt sein Wann oder Wo« hat sich als hellsichtig entpuppt. hatte ihm geholfen. Und damit gleiten wir zwanglos nach Düsseldorf ins Rheinische über. einen schlichten »Engel«: Wir sind Vögel Wir fliegen so hoch Und wir fallen runter Wenn ich von dir träume Ist mein Traum so furchtlos Wir sind Menschen des Planeten Deutschlands Lena singt quasi eine Sado-Hymne. Eine Hirnblutung. konnte Bild am Schreibtisch ermitteln. sie wollten zusammen frühstücken. sagt Matthias Matthiasson. der es nicht abwarten kann. Für Lenas Quasi-Sado-Hymne Taken By A Stranger bediente sich ihr Komponist. in dem Sjonni sein Pferd hatte. Für den könnte man stimmen. kristallweiß Ich höre ein stilles Gebet. 2010 kam er mit Waterslide ins Finale: ein lustiges. viele Hundert Jahre später entstand der Eurovision Song Contest. dessen Frohnaturstatus sich diese Woche einem Härtetest ausgesetzt sieht. die nichts bedeuten. wenn »my pain walks down a one-way street« zu »mein Schmerz geht eine Einbahnstraße hinunter« wird. entschied sich ein Zehntel der Bevölkerung für sie. »Komm näher«. wie für Bild Schlagzeilen zu machen. der an diesem Samstag in Düsseldorf sein pompöses internationales Fernsehende findet. 5. es ist eine Schande. Januar 2011 waren es noch zwölf Tage bis zur Vorrunde im Eurovision Song Contest.« »Wenn meine Zeit auf der Erde endet. Das Ganze ist grauenhaft und eine Schande für den Wettbewerb. Ich weiß. zwei Tage später traten sie erstmals auf M atthias Matthiasson war auf dem Weg zu seinem Freund Sjonni. Er starb.) . und wir helfen einander.« Die eingereichte Liebeslyrik ist in jeder Hinsicht grauenhaft. vier Einheiten.WOCHENSCHAU Frohnaturstatus im Härtetest Kaum ist die Londoner Hochzeit verklungen. war uns allen klar. zum Mitsummen. In Da da dam erfährt sein kleiner Held Peter von seinem Lehrer.« Für den Song Contest zu komponieren sei so ähnlich. diese Liebe uns wieder zusammenführen wird. »Raki!« – zur Hilfe! Viele Komponisten haben Buchstabengebilde eingebaut. An jenem 17. »Bleib hier« oder »Wo bist du hin?«. eine Schauspielerin. Thorunn Clausen produziert und managt. Ein Mann und eine Frau sind sich nähergekommen. Der Lieddichter ließ sich nicht entmutigen und hatte flugs ein paar neue patriotische Zeilen auf Lager. die es dieses Jahr ins Halbfinale geschafft haben. um die Welt zu retten. Das Video zum Lied wurde in einem Stall bei Reykjavík gedreht. der Verstand weniger. wir sind in Gefahr Wir sind kristallweiß. dass wir unser Leben heute leben müssen«. Drei Tage lang geht es um die Endausscheidung beim Eurovision Song Contest. sogar nach dem Leben auf der Erde. So entstand das Lied. Im vergangenen Jahr enthielt das Gewinnerlied wenigstens so etwas wie einen originellen physikalischen Vergleich. endlich ein bisschen Patriotismus zu hören. ding dong! Beim Eurovision Song Contest starten 43 Länder: Wovon singt Europa? Eine Textanalyse VON CHRISTINA RIETZ I m Anfang war die Geschichte. Im Refrain treffen die beiden betonten Schläge des Viervierteltakts mit den metrisch betonten Wortsilben zusammen – der Refrain wird dem Hörer ins Ohr gehämmert. nicht etwa. die man aber gut mitsingen kann – als da sind »eeeeeh«. »Schön. »Das Lied erinnert uns daran. heißt es im Lied. dass er sie liebt. Noch vor dem Begräbnis versammelte die 35-Jährige sechs Freunde. Viermal schon hatte Sjonni Brink an der heimischen Vorauswahl teilgenommen.

Empfing und sprach sie nie. Der bayerische Ludwig kopierte. unteilbaren Einheiten zusammengesetzt. Der Dampfer Barbara wimmelt von Kindern. »Damals hat mir das ja keiner geglaubt. Tel. will dieses Monstrum. links sehen wir die geisterhaften Gerippe von Fukushima. In den Rohbauräumen wird die Landesausstellung gezeigt. Drei Tage nach seiner Verhaftung und Amtsenthebung starb Ludwig. Mai bis zum 16. Als Mönch der Kunst müsse er sie leben und zur idealen Blüte bringen. war ein bisschen verrückt. an Österreichs Seite. Mai bis zum 16. ruft Esther Osenberg. I . sagt er mit unverkennbarem Stolz. Ludwig II. Wallte durchs nächtliche Hochgebirge. »Herein.. antworte ich vorwurfsvoll. Wir kommen früh. erwartet uns geballte Ludwig-Kompetenz: der Projektleiter Peter Wolf vom Augsburger Haus der Bayerischen Geschichte sowie Katharina Heinemann und Sybe Wartena von der Schlösserverwaltung. Die Ausstellung »Götterdämmerung – König Ludwig II. der Irrenarzt Bernhard von Gudden. behauptete. Man kann nur rätseln. bis zum heutigen Tag. Dort endete auch sein Begleiter. »Wie konntet ihr meine Theorie nur so missverstehen!«. Denn Ludwig hatte Gott gefunden: Richard Wagner. Unterzeichnete. Der Wald blieb. gar zur Ehe zog’s ihn nicht. die Natur sei aus kleinsten. das bayerische Versailles. die Kinderflinte. der fragt sich doch: Gibt es denn keine Richter mehr in Mainz? B. Bekanntlich kam es anders. zwischen Fama. Tod und Mythos.). wie Ludwig II.]. was aus meiner Idee alles werden würde«. Die Verlobung mit seiner Cousine Sophie von Bayern löste er 1867 auf. locken heute Karussell. Fern und in letzter Sonne schimmert ein Orplid: Herrenchiemsee.« des Hauses der Bayerischen Geschichte (Augsburg) wird vom 14. Juni 1886 im Starnberger See öffnete Bayerns Regierung die Königsschlösser. Wie er seine Gegenwelten schuf. Augenrollen.. Südtiroler Schüler aus Meran wallfahrten auf König Ludwigs Spuren. herein«. Wären Sie dafür? Nein. Vom See her quarren Enten. Die Kitschindustrie überkleisterte den »Märchenkönig« mit einer dicken Zuckerkruste. dieser Friedensbrücke vom Absolutismus zur Demokratie. sondern durch Blut und Eisen. dieses angekündigte Verbrechen betrachtet. Nie schlief er hier. mit aufgepflanztem Bajonett. Heisenberg grübelt über der Unschärfe. wobei die doppelläufige Protzstiege Ludwigs XIV. Wenigstens diesem idiotischen Akt des antifranzösischen Triumphalismus hat Ludwig sich entzogen. Der plötzliche Tod seines Vaters Maximilian II. gestraft mit Kabinett. Denn wer das Wesen der Dinge erkennt. Der Chiemgau war dem Hochgebirgsschwärmer eigentlich zu flach. Er lebte im Zeitalter der Industrialisierung und Elektrifizierung. Primus Verlag. Zwei Jahre später befand sich Bayern im Krieg gegen Preußen. Katalog (2 Bde. Also schwelgte er in artibus.« Ludwig. sagt er.« Der Schwulst ist Zitat. Nein! Barbara legt an. Dann käme höchstens die Wahrheit raus. von Venus malerisch umschlungen. delegierte. Aber die Wissenschaft hat mir recht gegeben. [M]: Haus d. soeben hat Bayern die Orgie aus Gold und Brokat weihwürdig restauriert. Die heilige Mission des Königs sei der bewusste Wahn. Doch was ist das? Bei unserem Besuch stehen wir plötzlich vor einer Attraktion. täten wir kein Auge zu. dass ein Richter den Souverän daran hindert. er überbot es VON CHRISTOPH DIECKMANN W gar. Wir entleihen den Nachen Hansl und rudern zur Insel. Auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar am Niederrhein. Chr. Auch der Spiegelsaal von Herrenchiemsee steigert das Versailler Original.und Fortunabrunnen.« »Ihnen haben wir also den ganzen Schlamassel zu verdanken«. »Mir ging es doch um etwas ganz anderes«. eine funktionable Waffe. Aber wer die Modellzeichnung sieht. weiß: Auch Seelenatome haben ewigen Bestand!« Dann bricht er in lautes Gelächter aus. Seine Majestät. Der König desgleichen. Oktober erzählt sie im Schloss Herrenchiemsee die Götterdämmerung König Ludwigs II. Ihr dichter Wald birgt König Ludwigs Schloss. Das Volk hatte die Wahl. Die Staatskasse konnte Ludwig nicht plündern. Ludwigs Ausspruch: »Ich hasse. wo einer der besten Weine der Welt wächst. Abb. Eine Legende. Achterbahn und Kletterwand am Kühlturm.« Daneben Bismarcks Diktum: »Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden [. von empörten Fischern zu Hilfe gerufen. »Atomkraft. Letzteres glückte. Ein Rehkitz äst. »mir ging es um die Seele. baute. Nackte Ziegel. und es geruhte in Rheinland-Pfalz. aufkommender Sozialdemokratie und ähnlichem Erdenleid.« Das wäre ein Tristan-Schluss: »Ertrinken. von Bayern. Porträtpostkarte (1910) nach einem Foto von Joseph Albert 1863 Formal bietet dieses Chambre de Parade.90 €. Kahl. rechts den noch rauchenden Trümmerhaufen von Tschernobyl. Der Chiemsee leuchtet im Abendschein.] hat sich in seiner Geisteszerrüttung selbst in den See gestürzt. Wir dürfen schon vorher gucken. Der Ludwig liegt in der Gruft der Münchner Michaelskirche. der Ludwig von Frankreich. Was wisst ihr denn vom Ludwig? Dass er der Sonnenkönig war. Ludwig II. nach Aufleben von qualvollem Alp. bereits 1752 wieder abgebrochen wurde. der Souverän ist das Volk. Nein. »Ja. daran besteht überhaupt kein Zweifel. im Flachwasser des Starnberger Sees. Nach Ludwigs Amtsenthebung wegen angeblicher Geisteskrankheit und seinem mysteriösen Tod am 13. Die Krönung stieg 1871 ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles. der 400 v. damit er sich in eine andere Welt und Zeit versetzen kann. Entschlossen ignorierte er das Wesen des konstitutionellen Königtums. der Kronprinz. in die Mündungsbucht des Grand Canal. Er notierte in sein Tagebuch: »Sophie abgeschrieben. In diesem güldenen Alkoven unterm Baldachin. Königgrätz: Die Niederlage geriet katastrophal. wie er gestorben ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Gehört Bayern zur Bundesrepublik? Sein Landtag lehnte 1949 die Verfassung ab S. Namens der deutschen Bundesfürsten hatte Ludwig dem Preußenkönig Wilhelm die Kaiserkrone anzutragen. »Das waren noch heldenhafte Zeiten«. Ratlos staunend stehen wir im Paradeschlafzimmer. Darunter kommen ein antikes Gewand und Sandalen zum Vorschein. Machte die Nacht zum Tage. In politicis war Ludwig rechtlich eingeschränkt. Nur das Lachen Demokrits dröhnt noch lange in unseren Ohren. Das Sterberegister vermerkt: »Seine Majestät [. Der Mythos ist viel schöner. Da erkennen wir ihn: Demokrit! Der »lachende Philosoph«. Die Schlossbauten wurden Ludwigs »Hauptlebensfreude«. Uns platzen die Augen. Versailles war Hofstaat. Um Seelenfrieden ging es mir!« Unvermittelt öffnet er eine Tür und schiebt uns ins Freie. Begeistert walzen die Touristenvölker dieser Welt durch Ludwigs Prunkrefugien. sagt Isabella Modanese. Die Schulden wuchsen. Doch unser Führer drängt weiter. átomos habe ich das genannt. Otto Hahn gelingt die Kernspaltung. Fröhlich winkt uns ein Herr im Strahlenschutzanzug heran. Gegenüber liegt die Herreninsel. Er wurde zum Freak. Oktober im Neuen Schloss auf der Insel Herrenchiemsee gezeigt. Der Palast empfängt wie einst Versailles: mit der Escalier des Ambassadeurs im südlichen Treppenhaus. finkt und piroliert. Wir betreten einen Geisterbahn-ähnlichen Tunnel. nach Freiheit verlangt mich. versinken – unbewusst – höchste Lust!« War es so? Oder Mord? Und von Guddens Tod? Die Ausstellung bietet ein Pro und Contra möglicher Varianten und Motive. Bayerischen Geschichte/Augsburg All das brach den Realpolitiker und trieb ihn in die Gegenwelt der Kunst.9 Prozent). erwarb die Herreninsel für seine Versailles-Kopie. politisches Zentrum. pff. Ließ mitternachts Theater spielen.. Er wurde der Mäzen des sächsischen Komponisten. Aber da wird der Alte grantig. weil er niemals einen Menschen sehen wollte. Überließ seinen Ministern das Regieren. die alte Industrie-Partei SPCDU zu wählen (70. doch der Priener Bootsvermieter Stöffl hat noch auf. Mit 18 Jahren musste Ludwig König werden.. Ist euer Berlusconi auch ein Sonnenkönig? Schreckenskreischen. Alsdann diktierte Bismarck ihm den »Kaiserbrief«. Ludwigs Traumland Frankreich. Sein Finale bleibt dunkel. Und er baute. Man weiß nicht. Verwirrt blinzeln wir ins Sonnenlicht. das nie in Betrieb ging. am nächsten Morgen. kichert er. nur für sich. Der Souverän also will diese grauenvolle Brücke über das Moseltal. Da. Die Schifffahrt ruht bereits. Wagner dankte es dem hochfühligen Monarchen mit Ideologie. aber die Erbschatulle der Wittelsbacher. erst vierzig Jahre alt. noch hatte er es vor. Enrico Fermi bringt in einem Stapel von Uran. In der Ferne erklingt Swingmusik. Er lief aus dem Ruder. und die Familie lässt den Sarg nicht öffnen.E. Gleich am Eingang schlagen die Geigerzähler wild aus. ir kommen spät. imaginierte sein französisches Idol. Parlament. baute. zelebrierte. schottete sich ab. das Unzerschneidbare«. Auf der Schlosstreppe. nach Freiheit dürstet mich. Genug! Und dann die Erlösung: das nördliche Treppenhaus. Ändern soll das die Bayerische Landesausstellung 2011. Zucker und Wahn Eine große Ausstellung auf der Herreninsel im Chiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. Das düstere Bild verweht. ich verachte den Militarismus. 39. Ein Übriges taten Filme. beförderte den kunstdurchglühten Jüngling 1864 auf den Thron der Wittelsbacher. Zunächst durchwandern wir den wunderbaren Buchenwald. das ist der andere gewesen. Viele Schlossgemächer blieben unvollendet: funktionsloser Hohlraum. sagt Stöffl. 22 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit ULRICH SCHNABEL Kernie’s Familienpark verspricht eine Kettenreaktion des Vergnügens. Wir nähern uns dem goldenen Zeitalter der Physik. Die Ikone des Verklärten verdeckt die historische Gestalt. Schön zeigt die Ausstellung Ludwigs Faible für die technische Moderne – im Kontrast zu seinem anachronistischen Eigenbild. ruft er mit fremdländisch klingendem Akzent und drückt uns Geigerzähler in die Hand. doppelt so groß wie das in Versailles. dass die Gerechtigkeit die Macht in die Schranken weist. Sie erzählt von einem Müller in Potsdam. Durchaus war Ludwig kein bloßer Fantast. Gewaltiger Skandal! Allerdings fühlte Sophie sich insgeheim nicht minder befreit als der entsprungene Gespons. 0821/329 51 21 ZEITLÄUFTE l y a des juges à Berlin«. damit Ludwig das ebene Land und den See nicht sähe und das Volk nicht seines Königs Schloss. Man wollte den Verschwendungswahnsinn des Verewigten beweisen und mit den Eintrittsgeldern die Staatsfinanzen aufbessern. Dort klafft der Wald. wünscht es. Ideell ist es ein Memorial der absoluten Monarchie. nichts weiter. Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr. als gottunmittelbarer Königskünstler. 1870 provozierte Bismarck den nächsten Krieg und nötigte Ludwig zur deutschen Waffenbruderschaft wider Preußens »Erbfeind«. erklärt Kathrin Holzknecht. So lautet die hübsche Pointe einer hübschen historischen Legende. Ludwigs uferlose Schlossprojekte wurden zur einzigen Realität seines Königtums. seufzt unser Führer und zieht den Schutzanzug aus. Es amselt. Zum Weibe. Dem Wald verdankt sich das Schloss. »es gibt noch Richter in Berlin«. alpin überragt von Hochfelln und Kampenwand. eine historistisch perfektionierte Nachschöpfung. Unrecht zu tun. die ursprünglich nahe Linderhof im Graswangtal entstehen sollte. ruft er uns hinterher. Herrenchiemsee ist L’art pour l’art. den Verlobungsfotografen. als Verschleuderer des Sippenschatzes? Davon orakelt mit Begeisterung unser Bootsvermieter Stöffl. Er hat ganz viel Schönes bauen lassen. 1873 wollte ein württembergisches Holzkonsortium die urmächtigen Bäume fällen. sie hatte sich in Edgar Hanfstaengl. sie im »Sonnenkönig« inkarniert empfand und selbst ersehnte. wandernd oder im Rokoko-Schlitten. blankes Licht.und Grafitblöcken – mitten in der Großstadt Chicago – die erste Kernreaktion zum Laufen. Aber in der Pointe versteckt sich die ewige Hoffnung. die nicht im Plan verzeichnet ist: »Nukleus Panopticum« wirbt ein atomgelbes Schild. verknallt. der sich gegen Friedrich den Großen zur Wehr setzte und am Ende vor Gericht in Berlin obsiegte. Bayerns Modernisierung.21 12. »Hätte nie gedacht. Mit ähnlichen Worten entringt sich Tannhäuser den Armen der Venus. Sie inszeniert Ludwigs Lebensdrama in fünf Akten: Die Werdejahre. brummt er. das Volk. Eines fehlt: Wurde Ludwig von den Wittelsbachern exekutiert. Auroras Strahl bricht durch purpurbeschleierte Lünetten und rötet den Raum. Vom 14. Wie der König Krieg führen musste. Man sieht Ludwigiana vom Taufkleid bis zu seinem letzten Regenschirm. von Käutner bis Visconti.. Ludwig erfuhr es wohl nie. das die Landschaft mit den uralten Rebhängen zerschneidet.

). Archiv Friedrich (2). einen strammen Konservativen.. Selbst aus der Bayernhymne will die Partei jeden Hinweis auf Deutschland getilgt sehen. dass die Mannen um Hundhammer und Schäffer zur Bayernpartei wechseln. die fernher vom Norden der grimmige Preusse / Heldentümlich bedroht. der SPD-Mann Wilhelm Hoegner. September seine Arbeit aufnimmt. Ehard sieht im Grundgesetz die Hoheit der Länder Fotos (Ausschnitte v. Dort ist er. Zumal das Verfassungswerk zu einem beträchtlichen Teil sein eigen Kind ist. empfiehlt er seinen CSU-Freunden nun die Zustimmung: Man könne nicht immer Nein sagen.8 Prozent. seine Regierung die einzige. lädt er Experten aus den elf westdeutschen Ländern für den August 1948 auf die Herreninsel im Chiemsee ein. »Landesverräter!«. ein Anhänger der Senats-Idee. der »Ochsensepp« und Vertreter des liberalen Flügels. die Formel. Heimaterde. Einmal platzt Ratspräsident Adenauer der Kragen ob der »bayerischen Parteifreunde«. Schon am 13. und nun. Doch er wütet umsonst« – umsonst. Aus dem berühmten »Verfassungskonvent von Herrenchiemsee« geht ein Bild oben: Bayerns Ministerpräsident Ehard (l. Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei. resümierte. 1818 und 1919. Die Bayern querulieren weiter. umso weniger«. M. Thomas Dehler. dann wieder sind es die Rechte des Bundesrats. Am Ende freilich bekennt er sich »angesichts der weltpolitischen Lage« zur neuen Konstitution. Das ist der Beitrag der Länder zum Grundgesetz.). Zudem beinhalte Artikel 178 der neuen bayerischen Verfassung. je weiter sie im Norden wohnen. Gemeinsam heckt die Rhein-Isar-Entente eine »Bundesrats-Lösung« aus. das Nachkriegsbayern unter US-Verwaltung bald fünf Jahre alt. Lediglich die verlorenen Westgebiete – die Rheinpfalz und der Kreis Lindau am Bodensee – stehen unter französischer Verwaltung. Zur Not der Einheimischen kommt die der Flüchtlinge aus dem Osten und der Displaced Persons. wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. Die beiden Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei und die beiden Kommunisten (alle vier aus NRW). der »Entwurf eines Grundgesetzes«. Oktober 1948 im Bonner Hotel Königshof am Rhein zu einem Abendessen mit dem nordrhein-westfälischen Innenminister Walter Menzel. 14 Abgeordnete stellt Bayern. schallt es von dort zurück. ist Fraktionsvorsitzender. sie endet um halb drei nachts. Vaterland« heißen. Auch andere Verfassungsväter sehen überall Weiß-Blau. Doch da revidieren die Alliierten ihr Urteil und zeigen sich am 22.u. es ist eisig kalt. Soll Bayern Teil eines westdeutschen Bundesstaats werden.« Die Mehrheitspartei der Konstituante. Theodor Heuss reimt ein ABC des Parlamentarischen Rates. »nachdem im Sinne der Bayern die Entscheidung gefallen ist«. So kann die CSU in Bonn wie in München guten Gewissens gegen das Grundgesetz stimmen – folgenlos. Sie wollen eine zu weit gehende Eigenstaatlichkeit vermeiden. die Beleuchtung schummrig. die sich – verdächtig bescheiden – »Grundgesetz« nennt. wo der allzeit explosionsbereite Kurt Schumacher sogar das Recht auf einen eigenen bayerischen Landesverband der SPD infrage stellt. Warum nur? Der Autor ist Historiker und Journalist. ist in sein neues Quartier. Ehard muss dem Hundhammer-Flügel etwas bieten: das Nein zum Grundgesetz. Anton Pfeiffer. hatte es doch zunächst »deutscher Bund« und nicht »Bundesstaat« geheißen. Außerdem böte das Grundgesetz »unheilvollen Entwicklungen im Parteileben« keine Schranke. er lebt in Frankfurt a. tönt es von links nach rechts. Und er jammert. auch wenn er es sich noch föderalistischer gewünscht hätte. allzu eng mit den Besatzern zu kooperieren. stehe dem christlichen Glauben an die göttliche Allgewalt diametral entgegen. Dezember 1946 die neue Verfassung. kein Recht. Mai seine Kompromissformel. einem SPD-Mann. hinzu kommen fünf Abgesandte aus West-Berlin. Die Ämter sind genau verteilt: Alois Hundhammer. Als V-Mann Ehards dient der gebürtige Pfälzer Anton Pfeiffer. Mehr noch: In einer höchst akrobatischen Volte kommen Ehard und seine Christgenossen auf die Idee. um einen Kandidaten gegen den jeweils anderen Flügel durchzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt ist das neue. Angst dazu noch vor einer anderen Partei. denn in einer Probeabstimmung hat sich Hundhammer beim zweiten Teil der Kompromissformel – dem »Ja zu Deutschland« – enthalten. finden dort Unterschlupf. was er an Länderrechten im Grundgesetz durchgeboxt hat. Ehard aber ist zufrieden. Denn er selber ist es. den er im Schweizer Exil ausgearbeitet hat. bis 1933 war er Vorsitzender der Bayerischen Volkspartei.« Und Carlo Schmid dichtet im homerischen Stil: »Wo auf den Bergen der Schütz. Doch eigentlich will Ehard den Beitritt Bayerns zum Bund. ferner als »Volks-«. ruft Thomas Dehler. der keinem der Flügel angehört und der zudem auch der SPD zu vermitteln ist. einer ist Freidemokrat. Darunter eine turbulente Szene im Landtag: Ehard (l. etwa bei der Finanzverwaltung oder bei der Aufteilung der Steuern. Konrad Adenauer. Vaterland Gehört Bayern überhaupt zur Bundesrepublik Deutschland? Im Mai 1949 lehnte sein Landtag das Grundgesetz ab. Spannend wird es. der am 1. »an einen Heizkörper gelehnt«. Der Argwohn der Südländer ist gewaltig. Schon im Mai 1945 haben die Amerikaner Fritz Schäffer zum Ministerpräsidenten ernannt. die Liberalkonservativen und die Erzkonservativen. fordern einige Mitglieder neben dem Ministerpräsidenten auch ein richtiges Staatsoberhaupt. Die neue starke Kraft im Lande. In seiner Bilanz hält er als einen Haupterfolg den »Kampf um die Eigenstaatlichkeit Bayerns« fest. Aus allen Winkeln des Freistaats sind sie nach München geeilt. so lautet das Ergebnis. dass sich die Bevölkerung für den Wiederanschluss an Bayern erklärt. als am 23. Auch die Diskussionsgrundlage. Unter Ehard zeigt die Regierung zunächst gesamtdeutsches Engagement. Juli 1946 tritt die Verfassunggebende Versammlung in München zusammen. treu dem Hause Wittelsbach. auf die SPD entfielen 28. ist ebenfalls nur kurz im Amt. Immer wieder hat er wegen seiner Heimatliebe Rüffel von der SPD-Zentrale in Hannover erhalten. Territorial blieb es fast unberührt. . Jetzt steht die Ratifizierung an. Die US-Besatzer haben ihre liebe Not. Ehard berichtet später. Sie haben »viel erreicht«. Eine knappe Mehrheit verwirft die Idee. nicht ahnend. Für Joseph »Pepperl« Baumgartner von der Bayernpartei ist das Grundgesetz ein Bruch der bayerischen Verfassung. seit 1910 priestergeweiht. Einigen Herrgottswinkel-Advokaten ist das Ganze auch zu wenig christlich. Man träumt von einem Aufstand des Volkes gegen das Grundgesetz. Am 1.) mit Adenauer (r. als gegen Ende der Debatte Wilhelm Hoegner das Wort ergreift. Und Eugen Rindt. Die FDP höhnt über »Hoegners Traum. April auf einmal flexibler gegenüber dem Verfassungsentwurf – schlecht für die CSU. davon sind acht Mitglied der CSU. Mai 1949 halten Hundhammer wie auch Bayernparteiler flammende Reden für ein freies Bayern. Am 19. Dabei zeigte vor allem die CSU schon früh ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen VON RALF ZERBACK Vom Wählervolk ganz zu schweigen. Wie kann das Land seine Identität wahren? Soll es mitmachen bei einem künftigen geeinten Deutschland? So schickt Hoegner gleich eine Sonderration Kartoffeln in die Rheinpfalz. da es sich noch nicht um Landtagswahlen gehandelt hat. die der CSU erneut eine kräftige Mehrheit bescheren. des Bundesrats. Er will ein breites Bayern-Bündnis schmieden mit BonnGegnern aus CSU. eine Verfassung. schäumt. Was treibt ihn um? Es ist die Angst. Hitlers Münchner Anfänge hätten im Dunstkreis des bayerischen Föderalismus gelegen. Orgeltöne erklingen. der Heros des rechten Flügels. einer »Bundesrepublik«? Um neun Uhr morgens beginnt die Debatte. Schon bei der Wahl von Hoegners Nachfolger kann man sich nicht einigen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 22 eiß-blau knattern die Fahnen. er habe beim ersten Wahlgang noch »mit Mantel und hochgeschlagenem Kragen im hinteren Teil des Saales« gestanden. ist Parteichef. bedeute die Sache plötzlich nichts mehr. die aber nicht stimmberechtigt sind. ebenfalls von der CSU. SPD und FDP enthalten sich. Da kommt Hilfe in höchster Not. Manchem erscheint das Bonner Werk als der pure Gottseibeiuns. dass eine Zustimmung von zwei Dritteln der elf Landtage zum Grundgesetz ausreichen soll. der »die föderalistischen Prinzipien im neuen Bundesstaat stärken« werde. Knoeringen spottet. Angst vor dem rechten Flügel der CSU. Seinen größten Coup landet der Bayer bei der Gestaltung der zweiten Kammer. führt den Vorsitz. Mai ist angebrochen. Mai das Grundgesetz in der Pädagogischen Akademie zu Bonn feierlich verkündet und unterzeichnet wird. die ihnen nicht passt. Bei den Wahlen zu diesem Konvent haben sich 58. zu streiten für Bayerns Freiheit. Bayern im Glück. So beschwört der fromme CSU-Abgeordnete Georg Meixner. allein in der Hoffnung. kritisiert die Finanzverfassung und die zu geringen Rechte des Bundesrats. Die CSU habe »immer und immer wieder« die Frage der Bundes. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. als die Amerikaner ihm zunächst das Hissen der geliebten weiß-blauen Fahne verbieten. Bayernpartei und SPD. mit ihrem Nein geselle sich die CSU den Kommunisten zu.): AP. Bereits im November 1945 gab er die Parole aus: »Vor allem aber wollen wir wieder unsere eigenen Herren im ›Gasthaus zum Bayerischen Löwen‹ sein. Bayern habe eine »Chance. kennt. Der erste Nachkriegslandtag versammelt sich am 21. Geschlossen votiert die CSU gegen das Grundgesetz. aus der SPD eine SPB (Sozialdemokratische Partei Bayerns) zu machen«. Das hehre Werk der Verfassungsgebung. in einer zweiten Abstimmung im Landtag dann ausdrücklich den Grundsatz der Zweidrittelmehrheit zu billigen und das Grundgesetz für rechtsgültig auch in Bayern zu erklären. das Grundgesetz abzulehnen. es verkommt zu einem Klein-Klein. »Separatisten!«. und zwar – oh Wunder! – in denselben Punkten wie die CSU: Die Bundesrechte seien zu stattlich. Die neue deutsche Republik wird ein »gottloser Zwangsstaat« Drei Tage später stimmt der Rat in Bonn ab. Mai geht es im Landtag zur Sache. versuchen. Trotz des Ergebnisses bleibt Hoegner auf Wunsch der Militärregierung Ministerpräsident. Gut 70 Prozent aller abstimmenden Bayern billigen am 1. Er ist sogar Leiter der CDU/CSU-Fraktion. fünf der SPD. Vaterland« soll es jetzt »Heimaterde. Vergebens hat Adenauer noch am Tag zuvor Ehard um ein Votum zur neuen Verfassung gebeten. Doch da passiert etwas Seltsames: Ehard empfiehlt. Clay hält in einem Schreiben fest. nach einem halben Jahr wird er seines Amtes enthoben. der die Amerikaner um Unterstützung gebeten hat. auch die Monarchisten. meinte bereits 1946 der spätere Landtagspräsident Michael Horlacher. die beiden Delegierten der rechtsnationalen Deutschen Partei aus Niedersachsen und sechs der acht CSU-Männer aus Bayern votieren gegen das Grundgesetz (nur zwei fränkische CSU-Abgeordnete sind dafür).n. in der die Länderregierungen das Sagen haben und nicht – wie bei der »SenatsLösung« – die Wähler. Unten: Hundhammer stimmt ab weiterer Entwurf hervor. die Heraufkunft eines »gottlosen Zwangsstaats«. wie Adenauer mürrisch bilanziert. Unterm Arm tragen die Parlamentarier die Verfassung des Freistaats Bayern vom 2. Der Nachfolger Schäffers. In ihr versammeln sich Anhänger eines souveränen Freistaats. Die Formel für diese wirre Dialektik ist rasch gefunden: Nein zum Grundgesetz. der 20. Er ist schon seit 1947 nicht mehr Chef der bayerischen SPD und hat sich mit seiner erzbajuwarischen Position weit von der Haltung seiner Partei entfernt. Er hat am 19. Auch Hans Ehard setzt seinen Namen unter die Urkunde. als er von der Absprache hinter seinem Rücken erfährt. Die SPD hat eine »Interpellation gegen die Bemühungen monarchistischseparatistischer Kreise in Bayern« eingebracht.3 Prozent der Wähler für die CSU entschieden. Bald kommt es zu Spannungen zwischen ihm und der Militärverwaltung.o. Der Präsident des Parlamentarischen Rats. talwärts gezwiebelter Turm / Hüten die Freiheit. »Ich traue den Herren. Das alles aber hindert Bayerns Politiker nicht. Doch keiner von beiden hat eine Chance. wie sie nie mehr wiederkehrt«. Um die Souveränität zu betonen. Es ist der 19. dass er dies selbst vor dem Parlament deutlich macht. gleich die beiden ersten Buchstaben A und B behandeln die Bayern-Frage: »Der Anton pfeift aus dem ff / adagio jetzt und jetzt andante / die Arien des Ochsenseph / der Aloys schnalzt die Älplervariante . streitet indessen hingebungsvoll vor sich hin. Mai erfährt man dort nichts. sich dem wichtigsten Thema überhaupt hinzugeben: der »bayerischen Frage«. Am 15. die SPD zu sich herüberzuziehen. Ehard muss mehrere Spagatkunststückchen zugleich vorführen: zum einen stolz präsentieren. 65 Delegierte entsenden die Länderparlamente nach Bonn. Alois Hundhammer (mit Bart) und Josef »Ochsensepp« Müller (M. Mai dann die entscheidende Sitzung. Ehard befürchtet. W Den Herren aus dem protestantischen Norden ist nicht zu trauen Die Ministerpräsidenten lösen sich nun ab wie die Faschingsprinzen. Und doch hat sich die Renitenz der Bayern am Ende für sie gelohnt. die in Bonn ein Verbindungsbüro unterhält. Auf Druck der Amerikaner war der Artikel ohnehin umformuliert worden. dann wollen sie nur einem stark föderalistischen Deutschland beitreten. lässt in Abwesenheit zu Protokoll geben. säuberlich getrennt nach Konfessionen. Es gibt jedoch einen Ausweg. Schließlich präsentieren die Hundhammer-Leute einen Kompromisskandidaten: Hans Ehard. Die beiden Hauptkontrahenten innerhalb der CSU. Mai die Ablehnung als visionären Schachzug präsentiert. Der Stellvertretende Militärgouverneur Lucius D. jetzt muss Ehards komplizierter Plan glücken. später Bundesvorsitzender der FDP. Dann stimmt eine große Mehrheit gegen das Grundgesetz. Ehard ist der einzige Ministerpräsident. Es gebe »keine Freiheit in Portionen« und »auch kein Deutschland in Portionen«. bloß zwei Gruppen: entschlossene Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit und feurige Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit. Dementsprechend fallen deren Rechte üppig aus. zum andern begründen. Mal ist es die Finanzverfassung. Die Alliierten monieren am 2. abgesehen von einigen wenigen Mitgliedern. 97 Parlamentarier bekennen sich zur Rechtsgültigkeit der Bonner Verfassung. Grafik: Anne Gerdes gefährdet. dass er in Kürze zum neuen Chefbayern bestellt werden sollte. Außerdem muss er einerseits Hundhammer vom Vorwurf des Separatismus freisprechen. ist von bayerischen Experten verfasst. Nicht immer freilich herrscht Eintracht.GESCHICHTE 12. Hoegner ist es auch. Der Landtag.). einen bedächtigen Fahrensmann. Aus der SPD-Fraktion sind »Pfui«-Rufe zu hören. gut ein Jahr.. die sich als junge Alternative empfiehlt: die Bayernpartei. trifft sich Ehard am 26. denn Pfeiffer und Ehard haben ganze Arbeit geleistet. Es folgt die zweite Abstimmung. Josef Müller. warum dies nicht genug ist. Überall herrschen Zerstörung und Mangel. Wenn überhaupt. Zugleich finden die ersten Landtagswahlen statt. Mai 1949. Doch seltsam: Auf der Internetseite der CSU findet sich zwar eine detaillierte Chronik jener Jahre. März 1949 den Grundgesetz-Entwurf. Nun muss Hoegner weichen. Als die Diskussion um die zukünftige deutsche Verfassung beginnt. dies gegebenenfalls zu verweigern. das wiederhergerichtete Maximilianeum. die Kinder auf »Bekenntnisschulen« zu schicken. SPD und FDP sind empört. Doch die Bayern siegen. Dann die Abstimmung. Prompt schießen die Wogen hoch. Derweil ertrinken die deutsche Zivil. Ein denkwürdiger Doppelbeschluss. Und setzen ihren Kampf sogleich fort. ja zu Deutschland. sofern die meisten anderen Landtage Ja sagen.und die amerikanische Militärverwaltung in Arbeit. Man sollte also meinen. andererseits ihn dazu bringen. Die Alliierten und der Parlamentarische Rat haben festgelegt. Die Militärregierung kennt Ehards Nöte und billigt am 5. Hundhammer werden – nicht zum ersten Mal und nicht ohne Grund – separatistische und monarchistische Neigungen nachgesagt. der den Versammelten einen Verfassungsentwurf präsentiert. Der Text bildet eine wichtige Basis für den Parlamentarischen Rat in Bonn. Gegenseitig schlägt man sich die Geschichte um die Ohren: vom Heiligen Römischen bis zum »Dritten Reich«. die CSU. Das Elternrecht sei geschmälert. der regelmäßig in die Debatten eingreift.oder Landesfinanzverwaltung als Hindernis bezeichnet. Doch heute wird im Plenum über eine andere Verfassung abgestimmt. Von Pfeiffer eingefädelt. über allen Verhandlungen in Bonn habe der »bayerische Zweifel« gestanden. dass der Ausdruck »bayerischer Staatsangehöriger« nicht im Gegensatz zum Begriff des deutschen Staatsangehörigen zu sehen sei. 101 zu 64. Statt »deutsche Erde. Tatsächlich bringt die CSU am Ende ganz neue Themen auf wie zum Beispiel das Elternrecht – gemeint ist das Recht. Dezember 1946. die Gegenseite sieht ebendiesen Föderalismus als Hitlers erstes Opfer. »Sozial-« und als »Kulturstaat« bezeichnet. es thront über der kriegsversehrten Stadt wie zu Königs Zeiten. Der Bund ist ihnen im Grundgesetz-Entwurf immer noch viel zu dominant geraten. einen eigenen bayerischen Staatspräsidenten. lange nach Mitternacht. gezogen. Aber über das gloriose Votum vom 20. die SPD jubiliert. Staatsstolz wird das Land in den ersten drei Artikeln als »Freistaat« – also als Republik –. Im Plenum stimmt die CSU ihren Klagegesang an. vom deutschen Zentralisten zu einem überzeugten Föderalisten geworden. weiß-blau glühen die Herzen der Volksvertreter. den die Nazis 1934 aufgehoben und dessen Sitz die Bomben zerstört haben. Dezember 1946 noch in der Aula der ausgebombten Universität. damals bayerischer. Zwar empfindet Pfeiffer den Beistand als »peinlich«. Es ist die vierte in der bayerischen Geschichte nach 1808. »Rechts-«. Waldemar von Knoeringen (SPD) reizt die Rechte bis aufs Blut mit der These. Schäffer intrigiert bereits seit 1948. dass die Partei heute stolz auf ihren Kampf gegen das Grundgesetz zurückblickt. die CSU. denn noch immer ist es unpopulär. im Geiste der Confoederatio Helvetica. Während seiner Rede bekommt er vor allem Beifall von der CSU. Ehard droht nun mit Rücktritt für den Fall eines doppelten Nein. wonach Bayern einem künftigen deutschen Bundesstaat beitreten wolle. Ehard muss um seinen Doppelbeschluss fürchten. Weiteren Geländegewinn vor Augen.

Skype betrachtet Telefonate und Videogespräche ebenso als Datenverkehr wie das herkömmliche Surfen im Internet. dass die FDP zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben wird. Auch die Europäische Zentralbank ist in Griechenland engagiert – angeblich mit 153 Milliarden Euro. Das würde auch in Irland. allein im kommenden Jahr braucht die Regierung rund 27 Milliarden Euro zusätzlich. Panik wäre die Folge. Das Bankensystem würde kollabieren. Mit dem Kauf zeigt Microsoft Siegeswillen im Kampf um die Kommunikation von morgen. Die deutschen Steuerzahler müssten auch nicht für Irland oder Portugal bürgen. Und mit jedem Versuch. Doch nun erlebt dieses Europa seine Schicksalstage. Portugal und Irland wackeln. Kein Wunder: Schließlich wird uns der demografische Wandel schon bald einen akuten Nachwuchsmangel bescheren. für die Koalition. der viel Geld investiert. Mit Microsoft hat Skype nun einen starken Partner. Auch dort müssten Bürger und Investoren um ihr Geld fürchten. in Finnland. Europaweit rebellieren Bürger und Parlamentarier. um wieder konkurrenzfähig zu werden. in den Niederlanden. Wieselwörter Microsoft kauft Skype. dass sie auch in der Bundesregierung erörtert wird. Es hat sich eingebürgert. damit würden griechische Waren im Ausland billiger. der Zahlungsverkehr zusammenbrechen. Die Griechen haben ihre Schulden in Euro aufgenommen. 29 12. Baby. bekämen die Griechen schon lange kein Geld mehr aus Deutschland. Verweigert die Regierungspartei der eigenen Regierung die Gefolgschaft. »Viele Delegierte wollen sich nicht länger hinhalten lassen. was besser ist. wie wichtig ihnen ältere Arbeitnehmer seien. noch höhere Kosten. für Europa. Für die FDP ist es wohl zu spät. Am kommenden Wochenende.. klingt es. Griechenland steht vor der Pleite. Die Abkehr vom Euro verspräche ein Exportwunder ohne Schmerzen. Würde die Drachme dann gegenüber dem Euro deutlich abgewertet. beim Landesparteitag der FDP Nordrhein-Westfalen. erschaffen sie zig neue. 22 Milliarden Euro soll Deutschland vom Herbst an für den europäischen Rettungsfonds aufbringen. Die Griechen haben zu viele Schulden angehäuft? Dann werfen wir sie aus der Währungsunion! Oder lassen sie pleitegehen! Deutschland wäre nicht länger Zahlmeister. MARCUS ROHWETTER Wie kommen wir da raus? Die Deutschen ringen um die Zukunft des Euro. DIETMAR H. ein Drittel der Verluste müsste Deutschland tragen. ist das wenig ermutigend. von Europa als »Schicksalsgemeinschaft« zu sprechen. Drama Wenn Frank Schäffler redet. 42 Jahre. Drama. Das scheint nicht allzu viel. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 23 INTERNET Punkt für Microsoft Mit dem Kauf von Skype greift der Konzern Apple und Google an Verließe Griechenland die Euro-Zone.WIRTSCHAFT D ie jüngste Niederlage hat ihn siegessicher gemacht. werde die Abstimmung anders ausgehen. mit neuen Auflagen. unterwegs bei der Autofahrt oder beim Spaziergang. und alles wäre vorbei. käme das Deutschland teuer zu stehen. wenn man schon eine Flatrate fürs Surfen hat? 145 Millionen aktive Kunden konnte Skype damit gewinnen. dass sie bei betrieblichen Fortbildungsangeboten meist außen vor bleibt. Ein Land nach dem anderen könnte aus dem Währungsverbund herausbrechen. Und keiner gibt zu. dass Deutschland nicht mehr mitmacht. um ihr eigenes Geschäftsmodell zu schützen. Diese blieben auch nach Wiedereinführung der Drachme bestehen. brachte er seine Forderungen als Antrag ein – und scheiterte knapp. das Problem zu lösen. Überall könnte Skype nun eingebunden werden und Menschen verbinden: ob beim virtuellen Tennismatch vor dem Wohnzimmerbildschirm. Und das ist das wahre Euro-Drama. Die Erlebniswelten von Microsoft werden gegenüber denen von Apple und Google attraktiver. Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Sicher kann niemand sagen. Auch sie bräuchte wohl eine Kapitalspritze. Es ist wie in einer antiken Tragödie: Es mag zwar Alternativen geben – aber alle erscheinen sie schrecklich. Euro-Gegner und Parteirebell: Ginge es nach ihm. »Wir retten Griechenland seit einem Jahr. wo die Euro-Skeptiker bei den jüngsten Wahlen 22 Prozent der Stimmen abräumten. sagt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. um die Probleme der Krisenstaaten zu lösen.smetek. Auch wenn man die Vorgänge bei der FDP beobachtet. »Die Basis tobt«. wäre das ein dreifacher Schaden – für die Partei. Finanzexperte der FDP. daran glaubt Schäffler fest. Frank Schäffler.9 Milliarden Euro verliehen. 1. Die schöne Option vom griechischen Ausstieg könnte also grässliche Folgen haben. In Deutschland. die Skype in ihren Netzen lange unterdrückt haben. ob man den Griechen überhaupt noch helfen kann – und wie. Es kommt auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden an. Für einen wie Schäffler sind das 22 Milliarden Euro zu viel. aber vielleicht könnten ja andere Organisationen aus der Studie lernen. Gebracht hat die Retterei wenig. sollte sie sich am Markt kein Kapital leihen können. Warum also Gesprächsminuten extra zahlen. Statt mühsam die Löhne zu senken. Gerade noch rechtzeitig haben Mannheimer Forscher entdeckt: Arbeitnehmer bis 65 sind nicht weniger leistungsfähig als jüngere. Die indirekten wären weitaus größer – für die Deutschen und für die Griechen.« 750 Milliarden Euro nahmen die Regierungen Europas vor genau einem Jahr in die Hand. Diese Option klingt so verlockend. Die Griechen sparen. welche Risiken man eingehen will – und welche nicht. Ist der Kaufpreis nun zu hoch? Schwer zu sagen. müsste die deutsche Regierung bei einer Staatspleite erst einmal einige deutsche Banken retten. und wir werden damit weitermachen«. wenn es um die eigene Zukunft geht. die das Unternehmen neben den Gratisgesprächen anbietet. das Nationale drückt aufs Internationale. um seinen Rückstand zu Apple und Google aufzuholen. Am vergangenen Wochenende. Nun ist das Geld fast weg. Möglich. All das ist typisch für die Krise des Euro: Internationale Entscheidungen haben nationale Folgen. Wie hoch sie genau wären. In Griechenland würden die Bürger die Banken stürmen. Deshalb bereitet die EU ein neues Hilfsprogramm vor. dass die Griechen ihre Kredite zurückzahlen können. 110 Milliarden Euro wurden schon zugesagt. 2. als könne man die Probleme Europas mit der Präzision eines Chirurgen lösen.5 Milliarden Dollar übernimmt der Softwarekonzern den Anbieter von kostenlosen Internettelefonaten. Die ist bei Microsoft traditionell stärker ausgeprägt als bei Skype: Gerade mal sechs Prozent nutzen dort bisher die kostenpflichtigen Zusatzdienste. zum Argwohn von Deutscher Telekom & Co. Der Vorteil für Griechenland: Man könnte die eigene Währung beliebig abwerten. die Griechen könnten frei von Spardiktaten agieren. Positiv zu spüren bekommt das die Generation 55 plus aber kaum. Portugal oder Spanien drohen. Umgerechnet zahlt Microsoft für jeden Nutzer knapp 1000 Dollar. in ein neues Betriebssystem für Mobiltelefone. All das wären freilich nur die direkten Kosten.de ZUM THEMA: Interview zur Schuldenkrise mit dem Harvard-Historiker Niall Ferguson auf Seite 25 Ende März vergangenen Jahres erscheint in der Bild am Sonntag ein Artikel über das Treffen der europäiFortsetzung auf S. wenn sie nur genug Zeit bekommen – und genug Geld. aber die Kürzungen haben die Krise weiter verschärft. Die Staatspleite wäre perfekt. könnten sie die Drachme wieder einführen. Genau wie der Schuldenberg. Die Oldies könnten sogar besser mit Stress umgehen und machten weniger Fehler. Die Regierungen agieren unter enormem Zeitdruck. 24 . Im Jahr darauf wären weitere 38 Milliarden Euro nötig. aus Angst vor der Zwangsumstellung und dem Wertverlust ihrer Sparguthaben. Und sie rechnen. Das Ende der Währungsunion würde auf dem ganzen Kontinent eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Zwar muss es so weit nicht kommen. In verschiedenen Ministerien beschäftigen sich Regierungsbeamte mit den Details. dass man sich immer wieder fragen muss. Für Deutschlands Steuerzahler hieße das: noch mehr Verluste. Das Ergebnis: Schutz vor Schwindlern? Lebensmittelverbraucher wehren sich im Netz S. wie wenig er weiß VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ 30 SEKUNDEN FÜR Generation 55 plus Bundesregierung. Parteien und Arbeitgeber betonen neuerdings. In die Spielekonsole Xbox. ist unkalkulierbar. Weil deutsche Banken sehr viel Geld in Griechenland verliehen haben – geschätzte 17 Milliarden Euro allein an den griechischen Staat –. LAMPARTER Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. In der Hoffnung. die Probleme aber sind immer noch da. sagt er. sondern auch daran. Aber zur Realität in einer komplexen Welt gehört. könnten die Griechen ihre Euro-Schulden erst recht nicht mehr bezahlen. Allein in diesem Jahr könnte die griechische Wirtschaftsleistung um mehr als drei Prozent schrumpfen. um zu beraten. wie sich nicht nur an den vielen Langzeitarbeitslosen dieser Altersklasse zeigt. In der kommenden Woche treffen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten. Für 8. Und der Widerstand gegen neue Kürzungen wächst. in eine Kooperation mit dem Handyhersteller Nokia. Ein einziger Schnitt. beim Bundesparteitag in Rostock. bei der jetzt schon die 45-Jährigen zu alt für einen Führungsjob sind. Und der europäische Rettungsfonds hat 37.

Dagegen kann sie auf das Lob der Fachwelt zählen.« Entschlossen und koordiniert bedeutet: Europa ist bereit. Aus Angst vor der Wut des Volkes. Zumal wenn er so unterschiedliche Länder umfasst wie Deutschland und Griechenland. Wenn Investoren wissen. sagte sie. Ein Italiener an der Spitze der Notenbank – das wird jenen Kritikern neue Nahrung liefern. nur keine Haftungsgemeinschaft. Was damals keiner ahnt: Im Prinzip haben Europas Politiker das Hilfspaket längst beschlossen. Wenige Stunden zuvor hat Spiegel Online berichtet. Vielleicht ist es eher so: Entweder korrigiert Europa die Fehler der Vergangenheit. Denn was bedeutet es. Irland. Am Ende ist der Turm unfassbar hoch. Deshalb dürfen bis jetzt nur Kredite vergeben werden. Im Gespräch mit der ZEIT (siehe S. Fast 400 Milliarden Euro würde es Deutschland kosten. 2/3) hat sich Angela Merkel nun erstmals direkt zur Kandidatenfrage geäußert – und ihre Sympathien für Draghi erkennen lassen. bevor die Lage eskaliert? Auch um den Preis. Nur die Bundesregierung hatte sich noch nicht festgelegt – und als größte Wirtschaftsmacht hat Deutschland de facto ein Vetorecht. Schon der noch moderat erscheinende Cent-Betrag bedeutete deshalb das ökonomische Aus für die Meiler. der neue Herr über den Euro? Der Amtsinhaber Jean-Claude Trichet tritt im Herbst ab. Dass die Deutschen mehr exportieren können. ob ein reicher Bayer für einen armen Saarländer bezahlt oder ein reicher Finne für einen armen Griechen. 400 Milliarden Euro sind mehr als der gesamte Bundeshaushalt. Die Rettungsprogramme sind für ihn »eine tickende Zeitbombe. heißt es oft. Ihr zufolge beträgt der Wert eines Erbes im Osten in rund 60 Prozent der Fälle weniger als 25 000 Euro. Anstelle der Steuerzahler sollten die Banken ran. die ins schier Bodenlose stürzen. Am beliebtesFair-Trade-Produkten ten war zuletzt wiederum fair gehandelter Kaffee (7200 Tonnen). Portugal und Spanien pleitegingen. 63 Jahre. Etwa die »Gläubigerbeteiligung«. als »weich« zu gelten. Der Streit um die Rettung des Euro ist voller Wieselwörter. Er ist ein Anhänger einer stabilen Währung. Die vor allem nach sozialen Produktionsbedingungen ausgewählten Waren werden in etwa 30 000 Supermärkten. einzugreifen. Die Ergebnisse zeigten. einer Ausgründung aus der Universität Leipzig. »Ich kenne Mario Draghi«. Dass griechische Rettungspakete auch deutschen Unternehmen zugutekommen. wenn ein Staat pleitegeht – das klingt sozial gerecht und ordnungspolitisch sauber. Hans-Werner Sinn. Denn bei den 14 Cent bliebe es nur. Sie haben es sogar verkündet – in einem dieser diplomatisch verschwurbelten Bulletins. heißt es in der 150-seitigen Studie der Versicherungsfachleute. Dass die Menschen sich irgendwann einmal nicht in erster Linie als Deutsche oder Franzosen begreifen. schrieb der Philosoph Jürgen Habermas kürzlich in der Süddeutschen Zeitung. »Er ist eine sehr interessante und erfahrene Persönlichkeit. Das Problem ist nur. Die griechische Krise hat sich zugespitzt. dass vom engeren Zusammenrücken alle profitieren. denn das Tier schafft es. »ein naturwüchsiges Meinungsspektrum bloß abzubilden«.) . wenn die Versicherungssumme über 100 Jahre angespart werden könnte.4 Prozent. Dort steht er und kann nicht anders Dies ist der Mann. wie sich Angela Merkel in Brüssel erfolgreich gegen andere Mitgliedsstaaten zur Wehr gesetzt habe. die Griechenland konkrete Hilfszusagen machen wollten. Europa darf alles sein. Die Zeitung beschreibt. aber ihr Marktanteil betrug zuletzt erst 2. für viele Bürger und Parlamentarier aber auch attraktiv. Viele in CDU und CSU sind dagegen. den Deutschland zahlen muss. Hans-Werner Sinn hat eine klare Vorstellung von der Welt. einen Währungsraum ohne Haftungsgemeinschaft zu errichten. Seine These ist umstritten. Das ist weit mehr als doppelt so viel wie der Preis an der Leipziger Strombörse. Griechenland. Früher ging es den Deutschen schlecht. Sie kennen seinen Sprechzettel. »wie verlogen die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird«. Draghi gilt nach dem Rückzug Axel Webers weithin als der beste Mann für den Posten. Eine Diktatur des Volkes sollte sie nicht sein. Sie fürchten vor allem das T-Wort – T wie Transferunion. Merkels Koalition hat einen schlechten Start hingelegt. Bisher war die Idee der europäischen Integration. schrieb er Abgeordnete an und riet ihnen. zurückgezogen hat. sofern das nötig ist. Seine europäischen Kollegen. Für Sinn ist das weitgehend ein Nullsummenspiel – was der eine gewinnt. Szenarien. Es sei nicht Aufgabe der Politik. Griechenland wolle die Euro-Zone verlassen. die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers empört das Volk. Heute geht es den Deutschen gut. gebürtiger Amerikaner und Wirtschaftsprofessor an der Humboldt-Universität. sie knicke vor den Staaten Südeuropas ein. sondern als Bürger eines geeinten Europas – in dem es keinen Unterschied macht. um die finanzielle Stabilität in der Euro-Zone insgesamt zu sichern. aber im Westen erbt man üblicherweise deutlich mehr. wissen bereits. Im Ministerium kennen diesen Sprechzettel nur acht oder neun Personen. 4. ist der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi Favorit. noch vor der Katastrophe von Fukushima. verteuerten den Atomstrom um mindestens vier Euro pro Kilowattstunde. wobei jeder Stein für einen Geldbetrag steht. »deutsche Interessen« zu verteidigen? Hart sein um der Härte willen? Die Griechen pleitegehen lassen. Als Sinn fertig ist. weil es den Griechen und den Iren gut ging. dass in der Wirtschaftsgeschichte alle Versuche scheiterten. aber ihres Inhalts beraubt – so wie ein von einem Wiesel ausgesaugtes Ei. Ob bewusst oder unbewusst: An diesem Abend entwift Hans-Werner Sinn das Gegenmodell. Und deshalb betonen deutsche Politiker immer wieder. muss er eigentlich gar nichts mehr sagen. LÜT Geheimtreffen in Luxemburg: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am vergangenen Freitag Ungleiche Erben Ost. Je öfter in Berlin die Beteiligung der Gläubiger gefordert wird. dass sie ihren Einsatz verlieren könnten. Alle wissen das – es sagt nur keiner. Nur sagt das niemand offen. Europa müsse jetzt für die Fehler der Vergangenheit bezahlen.de (4). er ist erfahren im Zentralbankgeschäft.de/finanzkrise Fotos: www. dagegen zu votieren. gut klingend.zeit. statt in die Peripheriestaaten zu fließen. verliert der andere. denn wenige Wochen nach dem Treffen wird in NordrheinWestfalen gewählt. und er hat für die G 20 die Reform der internationalen Finanzmärkte koordiniert. wird sie innerhalb von wenigen Tagen genehmigt. Als der Bundestag im vergangenen Jahr über das Griechenlandpaket abstimmte. deren Sprengkraft selbst die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit übersteigt«. Das war die Leitlinie bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht. action press (u. Am 11. Ohnehin waren Merkels Optionen begrenzt: Außer Weber hatte Deutschland keinen qualifizierten Kandidaten. 3. die mit ihm an der geheimen Zusammenkunft der Finanzminister teilnehmen. was ihn beschäftigt. wenn in Griechenland die Wirtschaft rund läuft. VO Sozialbewusst 27 In Deutschland haben Verbraucher im vergangenen Jahr Fair-Trade-Produkte im geschätzten Wert von rund 340 Millionen Euro gekauft. so heißt ein Vortrag. Wirtschaftspro- Fortsetzung von S. an »einem öffentlichen Prozess der Meinungsbildung« mitzuwirken. die Krise habe den Steuerzahler noch keinen Cent gekostet. ergreifen sie erst recht die Flucht. dem Land geht das Geld aus. Weil der Druck auf die Griechen aufrechterhalten werden soll. Gemeint sind Sprachhülsen. im Westen trifft das nur auf 45 Prozent zu. Es klingt nach Eigenverantwortung und Härte gegenüber der Finanzindustrie. desto näher rücken die Krisenländer dem Staatsbankrott. Als Griechenland dann Ende April tatsächlich Finanzhilfe beantragt. »Anders als bislang vielfach behauptet. zeigt: Der Konflikt um die Rettung des Euro teilt nicht nur Europa. Denn das Kapital bleibt zu Hause.tvr-news. Schäuble gilt als Verfechter eines weiter zusammenwachsenden Europas. Er stimme seinem »Freund Hans-Werner« in fast allen Punkten zu. als »eiserne Kanzlerin« gefeiert. er zeigt Diagramme mit Kurven. Einer. Am Montag dieser Woche präsentiert er seine Thesen an der Humboldt-Universität in Berlin. sogar von der Gründung einer rechtspopulistischen Partei. so Björn Klusmann. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat den Begriff der Wieselwörter bekannt gemacht. Vielmehr gehe es darum. Er geht auch mitten durch die deutsche Regierung. erst recht in der FDP. den er in diesen Tagen oft hält. sagt Burda.und Westdeutsche erben annähernd gleich oft. Im Osten gilt das nur für knapp drei Prozent. Seit sich der deutsche Kandidat. Griechenland zu stützen. den die Gegner der Griechenlandhilfen gern als ihren Kronzeugen anführen. Kosten. die von den Krisenländern mit Zinsen zurückbezahlt werden müssen. Neben Italien hat sich auch Frankreich für Draghi ausgesprochen. die Umfragewerte sind mies. die sich als »Brücke zwischen Versicherungswissenschaft und Versicherungspraxis« versteht.24 12.« Damit geht die Bundeskanzlerin ein innenpolitisches Risiko ein. Dann steigen die Marktzinsen für alle Staaten. die Angela Merkel vorwerfen. 23 fessor und Chef des Münchner ifo Instituts. beispielsweise zehn Jahre. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 STAATEN IN DER SCHULDENKRISE WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Atom-Versicherung Müssten RWE & Co.und Regierungschefs: »Die Mitgliedstaaten der EuroGruppe werden entschlossen und koordiniert handeln. Oder es bezahlt. »Eisern« ist so ein Wieselwort. Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. wäre der durch Kernenergie erzeugte Strom nicht mehr als preisgünstig im Vergleich zu anderen Energiequellen anzusehen«. weil es den Griechen und den Iren schlecht geht. Das Papier ist das für solche Treffen übliche Briefing der Beamten für ihren Minister: eine Auflistung von Optionen. direkt nach einem Gipfeltreffen Monate zuvor. Das ergab eine Studie der Postbank. wenn Draghis Chancen Es ist die wichtigste Personalentscheidung. Und so beschränkt er sich nicht mehr darauf. Bioläden und sogeProzent beträgt das nannten Weltläden anWachstum von geboten. der über das Grauen spricht. ist die schwarzgelbe Mehrheit im Bundesrat weg. auch wenn es der hiesigen Wirtschaft schadet? Vielleicht wäre es ja im deutschen Interesse gewesen. Tatsächlich dürfte aber die zu erwartende Kostensteigerung weit höher sein. weil in Nordrhein-Westfalen gewählt wird. ihre Kernkraftwerke gegen einen schweren Atomunfall wie in Fukushima versichern. Die deutschen Bürger sind gegen ein Hilfspaket für Griechenland. Er steht unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe. Dass er überhaupt bekannt wird. eine unrealistische Annahme. Dabei würde sich die Politik nur den Launen der Märkte ausliefern. der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber. Dagegen haben in den alten Bundesländern 19 Prozent aller Hinterlassenschaften einen Wert von mehr als 100 000 Euro. Von einer drohenden Regierungskrise ist die Rede. Deutschland könnte eine Kandidatur von ihm für das Amt des EZB-Präsidenten unterstützen. bei der die Starken dauerhaft für die Schwachen bezahlen. die Politik zu analysieren und zu bewerten – sondern greift selbst ein.und Regierungschefs wenige Tage zuvor. Seine Sicht sei jedoch ein wenig »national«. ganz offen Als Wolfgang Schäuble am vergangenen Freitag im Luxemburger Schloss Senningen eintrifft. Das geht aus einer Studie der Versicherungsforen Leipzig GmbH hervor. Weitere Informationen im Internet: www. Das Grauen trägt bei Sinn den Titel Warum Deutschland ein SchuldenTsunami droht. Als »Kämpferin für die Stabilität des Euro und deutsche Interessen« wird sie bejubelt. keine Spuren an der Schale zu hinterlassen. Wenn das größte Bundesland verloren geht. Aber auch. Bis jetzt stimmt das auch. Auch Rosen gehen gut. Ein Mann. ergreift Michael Burda das Mikrofon. er häuft einen Turm aus bunten Bausteinen an. Das war fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. wäre Atomstrom in Deutschland unbezahlbar – und alle 17 Meiler würden sofort stillgelegt. Und für die angeschlagenen Länder könnten sie schnell zu hoch sein. Februar 2010 heißt es in der Abschlusserklärung nach dem Treffen der Staats. Kürzere Ansparfristen. Pro Kilowattstunde würde sich Atomstrom laut der Expertise um mindestens 14 Cent verteuern. Sinn wirft lange Zahlenreihen an die Wand. Merkel braucht solche Berichte. die in Europa 2011 zu treffen ist: Wer wird der nächste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). der polarisiert. und es war die Leitlinie bei den Beratungen zu den Rettungspaketen. Geheimdiplomatie. Geschäftsführer des BEE. Das Nachrichtenportal zitiert aus einer »internen Vorlage« des Bundesfinanzministeriums. Finanziert wurde sie vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) – und der Auftrag erging schon im Januar. LÜT schen Staats.

Kaum ein Fragen anwenden. Niedergang Amerikas schrittleicht. ist. wenn anderen Euro-Ländern frühere Generationen war. Die Chinesen haben längst Amerikaner kann sich eine Welt vorstellen. und steigende Inflation wird ner breit. nämlich das Bankensystem über Wasser zu halten und gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Bitte betrachten wurde. bevor das Vertrauen verloren geht.ZEIT: . Die Zukunft könnte ein Niveau erreicht. befand sich Amerika in Ferguson: Nein. dass höhere Produktivität in den asiatischen Ländern zu einem höheren Lebensstandard führt und dort viel weniger Menschen in Armut leben als noch vor zwanzig Jahren.. oder nicht? Verstehen Sie mich nicht falsch. was passiert dann genau? Ferguson: Ganz einfach. Ich habe mich in letzter Zeit viel deln muss. Oder ist es doch nur Ihr Kulturpessimismus? Der »Untergang des Abendlandes« wurde ja von dem Historiker Oswald Spengler schon vor neunzig Jahren vorausgesagt. ich bin nicht für den Niedergang Amerikas. und zwar so überEnkelkinder ein Problem haben. heißt es dann. Unter den Rating-Agenturen macht sich US-Wirtschaft allenfalls ein Wachstum von 1. den. und das liegt vor fahr existiert im Cyberspace. dass wir von Europa in Zukunft ebenfalls nur ein schwaches Wachstum erwarten dürfen. Ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit? Als ich ein Teenager war. denn am Ende rede ich doch vom Aufstieg des Ostens. schen Modellen verabschieSie war von Anfang an instiden. Es ist eine ziemlich nehmen. Und das ist doch positiv. weil wir es erfunden Status als Supermacht zu sehr gewöhnt haben.Mal seit drei Generationen fühlen die Deutschen dammt ernst. von 1945 eine politische Supermacht. »Dass wir aus der GeZEIT: Gleichwohl hat die schichte lernen können. der vor sechshundert Jah.len. Europäer wirklich sind. Indien und China holen auf. Mal abgesehen von den möglichen ökonomischen und strategischen Konsequenzen für die Zukunft des Westens: Was wir erleben.mag den Abzug amerikanischer Truppen aus Afsen immer mehr verschulden. das Schuldenproblem zu lösen. nommen ist das ja jetzt schon der Fall. Das größte Versagen der Bundesregiebeitsmarkt zusätzlich beigetreten. sondern sich sehr Hyperinflation von Weimar. dass sie einen Flugzeugträker ein. Um sich aber aus.WIRTSCHAFT STAATEN IN DER SCHULDENKRISE 12. um den Status quo mit neuen das anders wäre. dann hat China längst aufgeholt und erleben gerade das Ende der westlichen Vorherr. dass wir es noch gar nicht wahrgenomAber wenn der Anleihenmarkt die Risikoprämie men haben. die Öffentlichkeit hat langsam begriffen. Und genau ge. Wir bilden uns ein.glaube ich. Gesucht: Hollywoodschauspieler fürs Präsidentenamt.rum sie Iren oder Portugiesen unterstützen sollen. ist. und alüber die drohende Pleite Griechenlands.ganz ähnlich aussehen: Die Prognosen sagen der ruhigt. zeigt. denn die Regierun. immer wahrscheinlicher . ganz so spektakulär wird es. Ame. Das Gespräch führte JOHN F. Ferguson: Wir wissen. dass amerikanische Militärausrüstung die Schuldensituation in den nächsten fünf bis mit chinesischen Computerchips ausgestattet zehn Jahren stabilisieren würde. volkstümlich und genial. Ich halte es für plausibel. Zivilidie das große Bild der GeschichLänder dem Euro beigetresationen sind komplexe Syste um ein Puzzlestück vervollten waren.« Ferguson will GeReich und die Habsburgerlen Voraussetzungen immer schichte anwendbar machen monarchie. Wir zuschalten. unruhig zu sein. dann ist es der jetzt mit viel weniger Geld auskommen – und deutsche Mittelstand. Schließlich lebe ich dort. das die Amerikaner vor einer unmittelbar drohenden Gefahr warnt. Die Sowjetunion breitete sich in immer versuchen. dass die bis China die US-Militärdominanz im Pazifik Schulden ein Problem sind.. Deswegen wird in Washington Technologien aus den Angeln zu heben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 25 »Russisches Roulette mit dem Haushalt« Der britische Historiker Niall Ferguson glaubt. Das Leben für rung liegt darin. mit Komplexitätstheorie beschäftigt. dass Ferguson begann seine Karriere der Peripherie zugenommen. Die Republikaner müssen einen neuen Ronald Reagan finden. JUNGCLAUSSEN Zur Person . Ferguson: Doch. Was Amerika von zählt. der die japanische Stagflation der neunziger Jahre erleben wird. und ich ZEIT: Was hätten die tun sollen? glaube. Aber sind die sauber? Oder werden sie Sie das in einem größeren Zusammenhang: Der eines Tages unvermittelt den Dienst versagen? Aufstieg des Westens. Noch können sie den Niedergang abwenden. ist das historische Mandat verloren gegangen. haben. menfallen. und die EZB wird wie Schwäche. als dass Europa keiner besonders rosigen Zukunft entgegenblickt. dass Investoren immer weniger Vergefährliche Strategie. davon gehe ich aus. der hat argumentiert. schaft. Aber die Zukunft wird und nach dem verlorenen Vietnamkrieg herrsch. Charaktereigenschaften: jovial. senken die Steuern und führen die Staatsquote zurück. allem daran. dass Weltmächte nicht der Harvard-Professor mit seiohne dabei jemals das Nilangsam verschwinden. dass der Lauf der Geschichte eben nicht so linear ist. mit ren mit den portugiesischen Seefahrern begann. dass deutsche Banken vom Zusammendurch ungleich schwieriger geworden. Das wirt. dass es so nicht weitergehen kann.schlossenheit. Wenn Sie gen spielen seit fast zehn Jahren russisches Rou. Ich sage dagegen.Wenn das militärische Ziel darin besteht. Amerika hat ein Problem . lässt sich auch auf geostrategische ist diese Vorherrschaft konkurrenzlos. Der bedeutet hier und da ein paar Einsparungen und höhere Steuern. Durch den Produkte weiter nach China exportiert. ZEIT: Das klingt ja danach. Irland auch. den Wählern nicht deutlich zu den ungelernten amerikanischen Arbeiter ist da. wird das Chinesen ihren wirtschaftlichen Einfluss in straviel schlimmere Konsequenzen haben. Und Konjunkturpakete zu schnüren. dass die ihre Schulden nicht in den Griff kriegt. fingen sie an. ZEIT: Ein Optimist sind Sie nicht gerade. Dennoch wird es Jahrzehnte dauern. dann ist es Europa. teme. schaftlich extrem ungleich. »Nur tut nau wie das Byzantinische den gegebenen institutioneles keiner. sondern auch für den Rest der Welt? ZEIT: Sie sprechen von einer Verschiebung des Ferguson: Ganz genau. raschend. dass die Chinesen ihre U-Boot-Flotte erneuern. und wenn die bisher gibt es kaum Anzeichen dafür. Aber noch die größte Volkswirtschaft. Das Römische historischen und globalen BoReich verschwand binnen gen. aber les sah danach aus. aber das war schwierig JFJ weise vonstattengehen? Bei genug. Mittlerweile schlägt deutsche Löhne zu zahlen.ZEIT: Wo sehen Sie Europa und die Euro-Zone schaftliche Zentrum der Welt wandert vom Wes. komplexe Systeme nicht vor knapp zwanzig Jahren mit Nehmen Sie das Beispiel unbedingt linearen Gesetzen einer Detailstudie über die Lohnstückkosten: Sobald die folgen. die Inflation außer Kontrolle. nicht kommen.und unzufriedene CDU-Wähler fragen sich. sonnen Büchern und Fernsehdokuveau deutscher Produktivität dern plötzlich in sich zusammentationen lieber den großen zu erreichen. der still und zufrieden seine zwar nicht erst seit der Finanzkrise. sagt er. zwei sich widersprechende DIE ZEIT: Professor Ferguson. und dieser merhin herrscht in der europäischen Politik EntProzess könnte ohne Weiteres beschleunigt wer. Der Unterschied zwischen den Kernländern und der Peripherie wird zunehmen. Darauf basiert das amerikanische SelbstSeit 1872 sind sie die größte Volkswirtschaft.und Südamerika aus.den steigenden Goldpreis als Anzeichen dafür lette mit dem Staatshaushalt. Es ist auch kein glaubwürdiges Szenario diskutiert.. Die Märkte haben ghanistan zwar vereinfacht haben. oder sie entscheiden sich für den europäischen Weg. Wenn es einen Wirtschaftsraum gibt. Und im Zentrum der europäischen für US-Staatsanleihen nächste Woche verdop. das bekannt. tischen Entscheidungen der kollabierte. dass man hanzu Ende. Europa debattiert Niall Ferguson vor dem Swiss-Re-Tower in London Foto (Ausschnitt): Tom Stockill/Camera Press/Picture Press Ziele zu verfolgen. zumalen. den sich mit einem wesentlich niedrigeren Le. in der das Know-how. dafür ist der Austritt tum war schwach. und als Konsequenz werden populistische Bewegungen an Einfluss gewinnen. sich dar. seit bewusstsein. und es hat vor allem einer Analyse der amerikaeines gezeigt: Zum ersten Mal nischen Wirtschaftskrise wird oft ein willkür. riesige ein ziemlich wahrscheinliches Szenario. Aber der Paradigmenwechsel. wirtschaftlich schwächeren plötzlich verändern. das die Finanzmärkte beun. hat das Ungleichdessen? gewicht zwischen den groFerguson: Wir müssen von Der Wirtschaftshistoriker Niall ßen Ländern und denen an der Wissenschaft lernen.. Ferguson: Also.. die Märkte und einen Beitrag zu den poliwie rasant die Sowjetunion zu beruhigen. sich nicht dafür verantwortlich. aber als Sieger werden sie sich dennoch nicht feiern können. Schließlich haben sie erst ZEIT: Die Tage der Weltmacht Amerika sind also gehandelt. wabensstandard abfinden müssen. Kurzum. Das sind Aufstieg von China und Indien ist mehr als ein die Stammwähler. dass Geschichte saisonal verläuft und jede Zivilisation eines Tages einen schrecklich kalten Winter erlebt. Stagflation also. Eine akute strategische Gekeine große Eile in Washington. als würden die Russen den auch die amerikanischen Staatsschulden haben Kalten Krieg gewinnen.nicht geholfen wird. viele Amerikaner wer.auch außenpolitisch scheint Amerika schwächer druckmaschine der wichtigsten Leitwährung denn je. und wir müssen ebenZEIT: Hat die Politik eine Antwort darauf? Ferguson: Allmählich sehen nicht nur die Politi.scheußlich genug werden: Griechenland wird te ein allgemeines Gefühl von amerikanischer pleitegehen.25 Zweifel über die Kreditwürdigkeit der Amerika. Auch ger bauen. In weiten Wenn es eine Gruppe gibt. ZEIT: Amerika stellt nicht nur eine Gefahr für ghanistan ist so instabil wie eh und je. die Weltmacht Amerika Integrationsprozess durch ihre Wirtschafts. Der Aufstieg des Westens insgesamt geht den Europäern lernen kann. den Iren und den Portugiesen das Ihrer Meinung nach gezählt? Ferguson: Nicht nur die Tage Amerikas sind ge.falls davon ausgehen. dass die Amerikaner sich an ihren dass uns das Internet gehört.Prozent voraus.Ferguson: Das ist ja das Problem der Euro-Zone. wird das Problem schon nächste Woche ver. aus dem Euro zu teuer. den europäischen ZEIT: Angenommen. Ich sehe mich als Warnlicht.Vertrauen entzogen haben.könnte ein sehr aggressiver Gegner sein.trauen in die Zukunft des Dollar haben.in seiner Geschichte hat das europäische Projekt licher Zeithorizont gesetzt.. Die Ermordung von Osama bin Laden heiß läuft und wenn sich die USA bei den Chine. Computerviren das Stromnetz des Gegners aushat seinen Höhepunkt längst überschritten. Afallen Grund.und Fiskalpolitik darauf basiert. rika hat ein Riesenproblem. als könnten wir alle einpacken. ZEIT: Was muss also geschehen? Ferguson: Die Amerikaner haben jetzt die Wahl: Entweder kehren sie zu dem alten Modell zurück. die Frau Merkel nicht verscheuFünftel der Weltbevölkerung dem globalen Ar. ZEIT: Dann ist der Zusammenbruch des Euro lohnt sich ein Blick zurück in die siebziger Jahre. 2050 könnten unsere den Rückwärtsgang eingelegt. ist das halts.chen will. Und anstatt Konvergenz zu ZEIT: Was nimmt man stattschaffen. Nehmen Sie das Problem der schlecht integrierten muslimischen Immigranten und die demografische Entwicklung von immer älter werdenden Gesellschaften. als es für bruch bedroht sind. Wenn Sie so wolstürzt von der Klippe. den Obama gehen will. wenn die gesamte Haus. Angesichts dessen können Sie zu keinem anderen Schluss kommen. bin ich absolut kein Kulturpessimist. wie entschlossen die Griff bekommt. als die Finanzmärkte nacheinander den Griechen. mit denen wir bisher tutionell defekt und wirtgearbeitet haben. einem lausigen Zustand.. Griechenland oder Portugal pleitegehen . dass die USA mit ihren Schulden in die gleiche Lage geraten könnten wie Griechenland Afrika und Mittel. Bedenken Sie. Die USA sind immer globalen Weltmachtanspruchs nach Osten. was Spengler angeht. wir Historiker müssen uns von den zykli.in dieser apokalyptischen Zukunftsvision? Imten in den asiatisch-pazifischen Raum.machen. Davon abgesehen. als wenn tegische und militärische Macht ummünzen . Geeuropäische Politik es unter alte Weisheit«.. wieder geschafft. und seit 1991 dem ich rede. wenn die Geld. Warum sollte der Ferguson: Fürs Erste vielGegenwart leisten.. die von der Euro-Krise Teilen des Landes müssen die Menschen schon bisher verschont geblieben ist. Das Wirtschaftswachs. wenn Amerika seine Schulden nicht in den Ferguson: Ich frage mich.und Finanzkraft auf Kurs zu halten. Niall Ferguson: Das ist milde ausgedrückt. ist eine weniger Generationen. Dennoch herrscht herausfordern kann.Ferguson: Genau. Zum ersten pelt.. Ich würde ihnen zu der ersten Alternative raten. Aber in zwei Jahren oder sogar noch früher könnte es zu spät sein. wie die Zukunft aussehen könnte.Desintegration liegt Deutschland. und die Geschichte ständigte.

Klar. Scania muss- te immer befürchten. In Wachstumsmärkten wie China oder Indien wäre Größe ein Vorteil. dass weniger Autos gekauft werden. um die Menschen an die neue Technologie heranzuführen. Anfang der Woche hat Volkswagen seinen Anteil an MAN auf mehr als 30 Prozent erhöht. Die jetzt fällige Kartellprüfung (mit positivem Ausgang) werde eine engere Zusammenarbeit ermöglichen. dass nach einer Fusion der Lkw-Sparten das zweite Standbein des Unternehmens.26 12. was bei den Münchnern prompt Abwehrreflexe auf allen Ebenen auslöst. Doch zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht. LAMPARTER Umdenken. hat aber praktische Folgen: In den kommenden Jahren werden sich Menschen anders als in der Vergangenheit von einem Ort zum anderen bewegen. wie wenn man bei Pkw Mercedes und BMW zwangsverheiraten würde«. könnten sie tatsächlich eine attraktive Alternative zum eigenen Auto werden. Vorsorglich erklärte Winterkorn alle Geschäftsfelder und die markenspezifischen Eigenschaften von Scania und MAN für »unantastbar«. wenn man die komplette Fahrzeugpalette aus einer Hand bieten könne – vom Vertreterkombi über den Transporter bis hin zum schweren Lkw. www. Und die Widerstände bei den beiden Lkw-Bauern scheinen fest in deren Identität verwurzelt: Beide fühlen sich als technologische Vorreiter. Noch-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat denn auch schon mal vorsorglich abgewinkt. schlug Piëch zu.und Busfabrikation von VW übernahm. die ein neues Produkt für eine erfolgreiche Markteinführung braucht. am Service. sagt einer. den Erlass von Parkgebühren. So kamen die Münchner zu einem starken Standbein in Südamerika. das sich ausschließlich auf das lukrative Segment schwerer Laster konzentriert. mit seinen Spitzenrenditen »als Porsche unter den Lkw-Bauern«. seinerseits MAN zu übernehmen. an denen die neuen. Das Ziel sei erst mal nur ein Stimmrechtsanteil »zwischen 35 und 40 Prozent«. als kleinerer Partner untergebuttert zu werden. deshalb müssen die Wolfsburger nun ein Übernahmeangebot an alle übrigen Aktionäre machen. Denn die Autos. Denn danach soll die Bundesregierung der E-Mobilität endlich zum Durchbruch verhelfen und dafür tief in die Staatskasse greifen. ist verständlich. wie es ein Manager der Konkurrenz formuliert.« Fraglich bleibt.de/audio eu. Die beiden VWBeteiligungen wurden zur engeren Kooperation aufgefordert. als er noch selbst Vorstandschef in Wolfsburg war. Branchenprimus Daimler etwa kann die Entwicklungskosten jetzt auf seine drei Hauptmarken Mercedes-Benz (Europa. Denn die neuen Mobilitätskonzepte könnten irgendwann auch mal dazu führen. an der Bekanntheit und damit an fast allen Zutaten. um Synergien bei den Lkw zu erzwingen VON DIETMAR H. sind zwar gut fürs Klima – wenn sie Ökostrom laden. es wird im Gegenteil zu einer teuren Last. der Bundeskanzlerin ihren Bericht übergeben. Das Geld dafür hätte VW nach dem Höhenflug der jüngsten Zeit. Das könnte mehr als zehn Milliarden Euro kosten. Dann holt sich Scania bei seinem Großaktionär Volkswagen das Plazet. Elektroscootern. die Schweden wehren sich erfolgreich gegen den als feindlich empfundenen Akt. Beim Traditionsunternehmen MAN wiederum herrschte stets die Sorge. für die man auch noch stundenlang einen Parkplatz suchen muss. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer »integrierten Nutzfahrzeug-Gruppe« gelang immerhin. Denn in einem sind sich Industrielobbyisten wie auch unabhängige Verkehrsexperten sicher: Elektromobilität ist tatsächlich ein Thema mit Potenzial. Länder und vor allem auch Städte durch viele kleine Maßnahmen die kluge Kombinationen von Leihautos. Die stolzen Schweden vertrauten auf ihren eigenen Erfolg. wohl auch. mit Scania aber lief wenig. Für die E-Mobilität wäre genau das die Chance – wenn Bund. den Konkurrenten Scania zu übernehmen. Denn Winterkorn und Co. aber nicht mehr unbedingt das eigene Auto benutzen. ob sich die Zwangsheirat der widerstrebenden Lkw-Bauer am Ende auch lohnt. Wenn ihre Nutzung auch noch durch reservierte Parkplätze. Das klassische Autoland Deutschland kann und sollte das nicht ignorieren. neue Produkte und damit auch neue Arbeitsplätze. Eine vertrackte Situation. ordentlich teuer. gut sind die kleinen Wagen hingegen für kurze Strecken. MAN (98 000) plus Scania (46 000) könnten deutlich aufrücken. Was Piëch gewaltig wurmte. gut erreichbare Ladestationen und kluge Buchungssysteme unterstützt würde. Rein zahlenmäßig würde eine MAN-Scania-VWAllianz aber an Marktmacht gewinnen: Bislang führen bei den international tätigen Herstellern noch Daimler (252 000 Lkw von 6 Tonnen aufwärts im Jahr 2010) und Volvo (129 000) das Feld an. Der Coup war psychologisch und taktisch schlecht vorbereitet. Dahinter steckt zuallererst der Traum eines Mannes: Ferdinand Piëchs. Rund eine Milliarde Euro kostet so eine Entwicklung. das Recycling und die neue Infrastruktur. So könnte der Bund beispielsweise dabei helfen. Südamerika). aber wenig erreicht. weil sich Piëch übergangen fühlte. »Das wäre. umweltfreundlichen Autos überall ans Netz können. an Ladestationen. die von 2013 an Pflicht ist. So etwas ist zwar heute noch ein Tabu. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT ZWISCHENRUF Und bist du nicht willig . sondern E-Mobilität VON PETRA PINZLER N E in Drama in drei Akten: Erst versucht der Münchner Lkw-Bauer MAN. Sie werden weiterhin mobil sein. Überall auf der Welt entstehen auf diesem Gebiet derzeit neue Ideen. Das alles soll sich nun ändern. erklärte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. In der kommenden Woche wird die Nationale Plattform Elektromobilität. Danach ging Volkswagen in die Offensive. umweltfreundlich. und das ist auch gut so. Fahrrädern. Die Motivlage hatte Konzernchef Winterkorn eine knappe Woche zuvor schon auf der Hauptversammlung in Hamburg dargelegt: »Der Volkswagen-Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt. Später. Turbinen und Turbopumpen gehören. dem mittlerweile zum Volkswagen-Konzernchef avancierten langjährigen PiëchWeggefährten. bewirkten keine sichtbaren Fortschritte. sagt Finanzchef Pötsch. dass jeder seinen Motor auch in die eigenen Lkw einbauen will. dass Deutschland in der Welt künftig nicht statt Autos gleich ganze Mobilitätskonzepte für Städte ohne Staus und Luftverschmutzung verkaufen könnte? Von »systemischen Lösungen« träumt die Nationale Plattform. als ein größeres Paket des schwedischen Lkw-Bauers Scania zu haben war. Dann kam im Jahr 2006 der damalige MANChef Håkan Samuelsson auf die Idee. aber sollte er schon nachdenken. sondern Strom in der Batterie haben. Wenn Scania und MAN sich eher zusammengerauft hätten.. So wollen sie die beiden störrischen Lkw-Bauer unter ihrer Regie endlich zum gemeinsamen Glück zwingen. die nicht Benzin im Tank. Über eine kluge Hilfe. Selbst die wiederholten Mahnungen von Martin Winterkorn. abgestoßen wird. das auch im Gutachten der Plattform nur beiläufig erwähnt wird: das Umdenken. Das klingt theoretisch. Die Autoren wünschen sich eine Hilfe von fast vier Milliarden Euro. Zwar darf der Staat der Industrie nicht die Forschungs. zuvor selbst Scania-Manager. müssen auch noch die unvollendete Fusion mit Porsche und die unerwartet zähe Annäherung an den Kleinwagenpartner Suzuki meistern. Doch noch fehlt es an günstigen Modellen. und sie legt die Vermutung nahe. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hatte seine Liebe zu den großen Brummern bereits entdeckt. Volkswagen ergreift die Macht bei MAN. aber für das normale Leben ziemlich unbrauchbar: So knapp lässt sich das Elektroauto bisher beschreiben. dass sich wieder einmal eine Industrie die Entwicklung neuer Produkte zumindest zum Teil vom Steuerzahler finanzieren lassen will. Gerade kompakte Elektroautos böten sich als Teil eines solchen Konzeptes dann wie von selbst an. als MAN die brasilianische Lkw. Und warum nicht das Dienstwagenprivileg für große Spritschlucker kürzen – zugunsten von E-Mobilen? Noch wichtiger aber wäre etwas. Ignacio López. holte sich eine Abfuhr. Die VW-Führung ergriff Partei für Scania. Seither wurde viel geredet. strategisches Geschäftsfeld. erwarb ein größeres Aktienpaket bei MAN und stockte seinen Scania-Anteil bis zum Erreichen der Stimmenmehrheit auf. Scania und MAN haben beide ihre Euro-6-Aggregate völlig unabhängig entwickelt. Freightliner (USA) und Fuso (Asien) umlegen. In diesen Wochen führen die großen Lkw-Bauer die neue Motorengeneration Euro 6 ein. um die Ängste in München und Södertälje abzubauen? Viele Branchenbeobachter sind skeptisch. die Stimmenmehrheit bei Scania besitzen die Wolfsburger bereits. Das Engagement in Brasilien entwickelte sich gut. ebenso wenig wie seine Wirtschaftspolitiker. Reicht das.zeit. Mitte der neunziger Jahre ließ er seinen damaligen Wundermanager. Und auch die Förderung von Modellprojekten oder die steuerliche Begünstigung der klimafreundlichen E-Autos sind sinn- voll. Damit soll der Bund die Entwicklung neuer Batterien und eine Antriebstechnologie fördern. Statt über das »Auto« sollten alle Beteiligten mehr über »Mobilität« nachdenken. stehe ein Kalkül: Für das Flottengeschäft mit Großkunden sei es von Vorteil. wäre mehr drin gewesen.. Aber wer sagt denn. zumindest darf es wohl kein Politiker laut fordern. Rund 200 Millionen Euro könne man etwa durch einen gemeinsamen Einkauf einsparen. dann umsteigen Nicht das E-Auto gehört gefördert. Nötige Gesetzesänderungen sollten ein Leichtes sein. Schließlich gilt Scania. Mehr Elektromobile auf Deutschlands Straßen wären dann tatsächlich ein Einstieg. Etwa zehn Jahre ist eine Motorengeneration im Einsatz – so lange sind die Synergien jetzt in diesem zentralen Bereich verstellt. in der Vertreter von Autoindustrie. eine völlig neuartige Lkw-Fabrik in Brasilien hochziehen. so erläuterte der Stratege seinerzeit. Vor allem in den großen Städten taugt es offensichtlich immer weniger als Statussymbol. Bahn und Bus erleichterten. doch bietet man den MAN-Aktionären einen wenig attraktiven Preis. Das macht sie zu den idealen Verleihautos für die Stadt. verbunden mit großen Hoffnungen. Weitere Querelen bei der »Ingegration« könnten das Wolfsburger Management über Gebühr belasten.und Entwicklungskosten für neue Produkte abnehmen. Dahinter. Denn deren Batterien reichen für längere Touren noch nicht aus. Dass viele Autobauer immer noch lieber nur den Ottomotor einfach durch einen Elektroantrieb austauschen und den Rest beim Alten lassen würden. zu dem Schiffsdiesel. Standards für die Ladestationen zu entwickeln oder Schilder für Plätze erfinden. Stromkonzernen und verschiedenen Verbänden sitzen. Und nun das dramatische Finale: Volkswagen will selbst die Macht bei MAN übernehmen. Der Schwede. Piëch selbst übernahm den Aufsichtsratsvorsitz bei MAN. Scania zu übernehmen. Denn gerade viele junge Leuten träumen heute nicht mehr vom eigenen Auto. der weltweit führende Mobilitätskonzern zu werden! Daher ist für uns das Segment der schweren Lkw und Busse ein hochinteressantes. beispielsweise beim Aufbau der nötigen Infrastruktur. Lang ist die Wunschliste. Diese vergeudete Milliarde wird Ferdinand Piëch gehörig geärgert haben. .

Dabei ist die Politik auf methodisch sauber ermittelte Daten angewiesen. Das Armutsproblem ist auch nach den neuen Zahlen nicht gelöst. »jedes arme Kind eines zu viel ist«. Jedes sechste Kind in Deutschland. International schneidet Deutschland nun offenbar besser ab als gedacht. Ein Zahlenspiel.3 Prozent nur 10 Prozent aller Jungen und Mädchen in der Bundesrepublik arm. Das Berliner Institut lässt jedes Jahr einige Tausend Bundesbürger nach ihren Einkommen befragen. wenn er netto über weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens im Land verfügt. »aber wir wollten dann nicht noch Salz in diese Wunde streuen und haben darauf verzichtet. Hinter der wundersamen Schrumpfung verbirgt sich ein Skandal. Arbeitslosigkeit. Viele Sozialexperten setzen die Grenze zur Armut deutlich höher an. Die von der OECD für Deutschland publizierten Zahlen stammen vom DIW. Sie mochten es aber nicht an die große Glocke hängen – schließlich hätten sie einräumen müssen. die in Bezug zur Haushaltsgröße und zum Durchschnitt besonders niedrig liegen. welche Wege zur Armutsbekämpfung tatsächlich Erfolg bringen und welche nicht. das zeigt. dass eine Neuberechnung frühere Ergebnisse auf den Kopf zu stellen vermag – hätten die DIW-Forscher das nicht früher erkennen und warnen müssen: Achtung. »Das ist aber nicht nur ein Problem des DIW. man habe in früheren Veröffentlichungen längst »auf die verbesserte Methodik und ihre Konsequenzen« hingewiesen. eineinhalb Jahre später. und dass sich Daten bei einer Neujustierung ändern. deshalb lebten hier überdurchschnittlich viele Kinder in Armut. sagte Markus Grabka der ZEIT. Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der OECD. wie erfolgreich die deutsche Politik es angeht. ist klar: Die Zahl von der OECD war falsch. Polen und der Türkei.4 9. Datenmüll. Einige Experten wissen das seit Langem.5 21. welcher überwiegt. Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. So bleibt ausgerechnet bei dieser brennenden Frage unklar: Befindet sich Deutschland auf einer schiefen Ebene – oder auf dem richtigen Weg? Dass die Armut zunimmt. Für die OECD ist ein Haushalt arm. Datensalat gab es schon genug. »Das Schlimmste für ein Kind ist sicher. Deshalb gibt es je nach Definition unterschiedliche Armutszahlen. wenn sie netto weniger als 1667 Euro im Monat zur Verfügung hatte. im Kampf gegen Kinderarmut nachzulassen.6 10. wie Familienministerin Kristina Schröder nach Bekanntwerden der revidierten Werte verlauten ließ. als sie es bisher dargestellt haben: Deutschland rangiert bei der Bekämpfung der Kinderarmut im internationalen Vergleich tatsächlich nicht ganz hinten. sagt Christian Arndt. Nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit ist jede verlässliche Studie recht.0 8. Nach den neuen Zahlen gehört das hiesige Sozi- alsystem nun eher zu den erfolgreichen.« Was tatsächlich die Ursachen für die Kinderarmut sind – niedrige Löhne. »Wahrscheinlich gibt es beide Effekte«. auf der der neue Institutschef Gert Wagner nun behauptete. Zentrale Botschaften der früheren Untersuchungen werden dadurch in ihr Gegenteil verkehrt. gibt es widersprüchliche Signale. Aber so krasse Veränderungen wie bei den neuen Armutszahlen sind ungewöhnlich. Was wenig später auch geschah. Allerdings ist auch das Gegenteil denkbar: Die Armut verringert sich. Es geht dabei also um relative Armut. So warnte Monika Queisser. Nach einem entsprechenden Zeitungsbericht (Fauler Zahlenzauber) berief das DIW eilig eine Pressekonferenz ein. OECD ** Japan Italien Deutschland Spanien Foto: Jens Gyarmaty/VISUM 3. zerfallende Familien. »Unklar ist. Einmal mehr scheint sich der Uralt-Spruch von der Statistik zu bestätigen.3 16. als sie die alten Zahlen auf einer Pressekonferenz vorstellte.« Befremdlich erscheint allerdings der Umgang des öffentlich finanzierten Instituts mit der Öffentlichkeit. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist aber ein Vergleich – zu anderen Ländern oder zur Vergangenheit. sagt Christian Arndt. Wenn die Datengrundlage so wackelig ist. sondern weit vorne. Dann ist es beson- ders schwer. dass die Lage anders ist. um Einkünfte.2 15. die Daten stammen meist aus dem Jahr 2008. Dazu wolle sie als Erstes das Kindergeld erhöhen. in dem niemand eine Arbeit hat. Daraus ermitteln die Forscher die Armutsquoten. Dazu werden komplexe Hochrechnungsverfahren und Plausibilitätsüberlegungen genutzt.de/audio . Im Untersuchungsjahr 2004 waren nach den neuen Erkenntnissen statt 16. Rund 1. allerdings bleiben einige Länder ein gutes Stück voraus. aber die Frage. Fragwürdig erscheint jetzt eher. neuere Zahlen gibt es nicht – waren es bloß 8. etwa in Mexiko. Es war ein Schock und eine Blamage für die deutsche Politik. sagt Markus Grabka. Angaben in Prozent Dänemark Norwegen Frankreich Deutschland Schweiz Niederlande Großbrit. lebe in Armut. Das gilt vor allem für die skandinavischen Staaten. weil einer Journalistin der Financial Times Deutschland auffiel. blieb aber bewusst ausgeblendet. gehört zum Alltag von Statistikern.6 26. aber in den vergangenen Jahren wurde es immer größer. umfassenden Armutsbericht für die Bundesregierung. Heute. das nach einer Reihe negativer Schlagzeilen und hausinterner Querelen gerade einen neuen Chef bekommen hat. www.7 14. dass von der OECD veröffentlichte Zahlen plötzlich nicht mehr zu früheren Angaben passen. die alten und die neuen Zahlen einander gegenüberzustellen«. **Durchschnitt ZEIT-Grafik/Quelle: OECD Ein Junge in Berlin sammelt Pfandflaschen. Das geben Mitarbeiter offen zu: »Wir hatten erwogen. das einzugestehen. Allerdings ist dessen jährliche Erhebung noch recht neu und wurde methodisch verändert. Die Bundesrepublik gebe besonders viel Geld für die Familien aus. sondern deutlich weniger Kinder von Armut betroffen als im OECD-Durchschnitt. Er arbeitet zusammen mit anderen Wissenschaftlern an einem neuen. muss neu beantwortet werden.6 Polen USA Israel *Arme Haushalte verfügen über weniger als 50 % des jeweiligen mittleren Einkommens. wie Teile des hiesigen Wissenschaftsbetriebs funktionieren. als es hierzulande der Fall ist.5 8. was aus heutiger Sicht eine absurde Scheingenauigkeit darstellt. wenn es in einem Elternhaus aufwächst.1 Millionen Kinder und Jugendliche lebten danach zuletzt in finanzieller Bedürftigkeit.3 21. von was für einer Qualität die von ihr mitfinanzierten Untersuchungen tatsächlich waren. Das ist nur zur Hälfte richtig. dass Deutschland auch nach den neuen Zahlen ein Armutsproblem hat. etwa bei 60 Prozent des mittleren Einkommens.7 5. der man nur trauen dürfe. ungleiche Bildungschancen –. scheint plausibel. wie wenig verlässlich wissenschaftliche Expertisen bisweilen sind. untersucht der Professor gegenwärtig. Hierzulande sind nicht mehr.1 12. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs sie beständig. Der Grund: »Wir bekommen immer häufiger nur lückenhafte Auskünfte«. aus der Armut herauszukommen. mit denen fehlende Angaben ergänzt würden. Der Vorgang dürfte das Vertrauen in wissenschaftliche Expertisen auf sozialpolitischem Gebiet erschüttern. Bekannt wurde der extreme Rückgang der Armutsquote.zeit. Schlimmer sei die Situation nur in wenigen Ländern der entwickelten Welt. um sich etwas Geld zu verdienen Der Armuts-Irrtum Es gibt in Deutschland offenbar viel weniger arme Kinder als bisher gedacht – Forscher wollten das für sich behalten ie Zahl platzte mitten in den Bundestagswahlkampf. Und wie schwer es den beteiligten Experten fällt. Und zuletzt – 2008. selbst bei einem gesellschaftlich so brisanten Thema wie der Armut von Kindern. Klar ist. »Früher war das Problem vernachlässigbar. VON KOLJA RUDZIO D Eine vierköpfige Familie mit weniger als 1985 Euro netto gilt als arm Im Mittelpunkt dieser Datenaffäre steht ausgerechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. die Methoden zu verfeinern. Nach den DIW-Zahlen ist die Kinderarmut bis 2004 rasant gestiegen und danach etwas gesunken. Die Berechnungen sorgten in Berlin zuerst für hitzige Debatten – und dann für Milliardenausgaben. unsere Armutszahlen sind mit extremer Unsicherheit behaftet? Statt die Werte bis auf eine Stelle nach dem Komma auszuweisen. deren Steuer. Vor knapp zwei Jahren haben die Experten begonnen.« Deshalb sei es nötig geworden. doch bei den Bedürftigsten komme wenig davon an. So rasant hat sich die Armut wohl noch nirgendwo halbiert.und Sozialsysteme Einkom- mensunterschiede stärker dämpfen. das deutsche Sozialsystem funktioniere nicht richtig. Das ist bei solchen Erhebungen durchaus üblich. schließlich breitete sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten der Niedriglohnsektor aus. Denn in den angeführten Publikationen erläutern die Forscher zwar veränderte Berechnungsmethoden und allerlei Detailergebnisse – wie radikal sich die Kinderarmut insgesamt verändert hatte.WIRTSCHAFT 12. alte Befragungen neu auszuwerten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 27 Auf einmal gut? Anteil der Kinder bis 18 Jahre. weil heute mehr Menschen einen Job haben und Arbeitslosigkeit das Armutsrisiko schlechthin darstellt. versprach Ursula von der Leyen. Auch wenn. In Deutschland hieß das im Jahr 2008: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern war arm. Sie werde die Kinderarmut entschieden bekämpfen.3. Wohl kaum ein Grund.« Armut sei allerdings auch nicht allein ein Geldproblem. der beim DIW für die Erhebung zuständig ist.3 (2008) 9.« So wurde die Öffentlichkeit absichtlich im Unklaren darüber gelassen.3 (2004) 17. und es lässt sich kaum beurteilen. Bei zwei älteren Kindern (über 14 Jahre) erhöht sich die statistische Armutsschwelle auf 1985 Euro. wenn man sie selbst gefälscht habe. die in Armut* leben. »Es wird viel zu selten auf die Unsicherheit von Stichprobenuntersuchungen hingewiesen«. verkündeten Experten der Industrieländerorganisation OECD im September 2009. Was zeitliche Trends betrifft. Sie bewegt sich sonst im Blindflug. damals noch Familienministerin.

nicht die Behauptung. da wird mit zweierlei Maß gemes. Dass am Bundesherstellt.emissionsarm aufzubauen. Avastin als Mittel Expertengruppe eingerichtet worden ist. Eine nachträgliche Aktuell werden noch rund ein Drittel der Patienten mit Avastin beIst im Preis etwa 30-mal Nutzenbewertung könne dazu fühgünstiger: Avastin handelt. Der Fall weist über sich selbst hinaus. Bewegung in die Sache kommt. Sie sollten Ihr lebensrettendes Wissen den Entwicklungsländern großzügig weitertechnik. sind brisant. zicht auf Atomenergie eine Renaissance der Kohle nach ZEIT: In den energiehungsich zu ziehen. eigenes Mittel zur deutlich höher als bei Lucentis. Aber derzeit ZEIT: Vergangene Woche waren Sie ja bei der decken AKWs nur zwei bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs. weit ablehnen. An Roche. Sie sind Vorreiter! Aber CO2. könnten diesen Anteil schnell auf Freiheit in der Therapie. die häufigste Ursache für Blindheit im Alter (AMD). zu 30 Prozent beteiligt. das einst sowohl Lu.hinsichtlich relevanter Nebenwirkungen. die nun vor wenigen Tagen bekannt wurden. Da verwundert es institut für Arzneimittel bereits zu Jahresbeginn eine nicht mehr. schätzen Experten. ist wiederum Novartis. wollte er eingreifen konzerne. die sich in Zeiten technisch immer komplexerer Behandlungsmethoden und immer kostspieligerer Mittel zunehmend stellen. auch Angela Merkel scheint zu beschäftigen. dass die Präparate zwar nach Meinung vieler Experten im Wirkstoff vergleichbar sind. Kontrollen. Gegenstand des abgekürzt CATT genannten Vergleichs.) F » « Bei AMD ist das nicht mehr der Fall. Unterschiede gibt es bei sogenannbei Avastin. Das Unternehmen. den Ausstieg aus der fossilen Enerkönnte. Ein amerikanischer Augenarzt hatte Avastin erstmals erfolgreich off label. das Lucentis heute Herstellern aushandeln könnten. Weiter verbreitet ist das teure. wie viel die SolidarMilliarden Euro pro Jahr kosten gemeinschaft für mehr Sicherheit könnte. aber auch die Hoffnung.5 Millionen Deutsche leiden an einer Form der Altersblindheit. Neuer Druck könnte entstehen. Wie teuer es sein wird. Es ist also eine völkerungen die Atomkraft weltlig unrealistische Darstellung. Naidoo: Tatsächlich ist unsere größte Herausdass ein Alleingang Deutschland isolieren forderung. Stellen Sie sich einen atomaren Un. 1.bringen. dass zu Roche. wie hilflos selbst die Hightechnation schen haben ja noch gar keinen Zugang zu Japan war. bleibe dass es die Krankenkassen drei die Frage. sagt er nicht. dass also womöglich dahingehend interpretiert.Bihar die Chancen solarer Kleinanlagen für die kraft zu teuer und zu riskant ist. ten. behandelt würden. Menge Kohlenstoffschulden abzuzahlen. Sie Die Bundesregierung. wenn wir mit VollEs ist also eine Brasilien oder Chile: Auch dampf in erneuerbare Quellen völlig unrealistische und eine effizientere Nutzung dort gibt es überall Debatten Darstellung. Naidoo: Das werden wir verNaidoo: Ob in der Türkei.und Preispolitik schätzte 100 000 AMD-Patienten der Hersteller.und Schwellenländern gilt es.Zum Beispiel haben wir vor Kurzem bei einer sance gebe. eine Praxis. Die Sehzellen sterben ab. halten Sie den deutschen ZEIT: Ein Argument der Kernkraftbefürworter Atomausstieg für einen »Sonderweg«? stimmt ja: Kernkraftwerke emittieren weniger Kumi Naidoo: Nein. Die Ergebnisse. sofern alle Patienten damit bereit sei zu bezahlen. sen. Gener der Produkt. Wenn kraft. Viele Krankenkassen schlossen mit Novartis behandelt wurden. die Lucentis injiziert bekamen. Bei der Zulassung von Kostet rund 1300 Euro je scheidungen seitens der Politik.6 Milliarden Menwir erlebt. da sind sich lassung. So fordern die fühgibt es derzeit in Deutschland. dass Lucentis zwar teurer. er steht exemplarisch für die Frage. etwas häufiger auf als bei PatienRabattverträge über die Nutzung von Lucentis ab. Der Preisunterschied Avastin waren ihr zufolge insgesamt gut verträglich empörte Kassen wie Mediziner schon bei der Zu. Im Kern zeigt die erste große Studie über die Wirksamkeit der beiden Medikamente. Fragen. Die Ergebnisse der Studie ren. gehört seit 2009 Gesundheitsministeriums aber lässt nur wissen. sie renden Berufsverbände der Augenerhalten im Jahr rund 500 000 Inärzte in Deutschland klärende Entjektionen. das Avastin in Europa ver. »Mit CATT wurde bestätigt. den das staatliche National Eye Institute in den Vereinigten Staaten angestellt hat. dass die Behandlung mit dem Krebsmedikament Avastin gleich gute Ergebnisse erzielt wie die mit Lucentis. jeder Fünfte muss sich behandeln lassen. und es käme zu wenig Strom dabei um zu zeigen. Allerdings war zugleich aber eigene Verträge mit die Anzahl der Patienten relativ den operierenden Augenärzten. die mit Avastin nennt. Schon widersetzen sich MediziEs geht um sehr viel Geld. Doch solche Therapien sind nur erlaubt. angewendet. Fotos: Thomas Einberger/argum (2). Lucentis errechneten Ökonomen. wenn kein anderes zugelassenes Spezialmittel zur Verfügung steht. Selbst in dass die Atomkraft das Klima Frankreich mit seinem hohen wirksam schützen könnte.Krankenkassen längst angemessene Preise mit den marktet. die sich mit für AMD zu testen und die dazu nötigen Studien den Fragen der Therapie einer altersbedingten Madurchzuführen. lungs. Gerade haben Allerärmsten demonstriert. über die Versorgung der Welt mit Energie und den deutschen Atomausstieg ZEIT: Herr Naidoo. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT »Sie sind Vorreiter!« Kumi Naidoo. Man investiert weiter in Atom. seinerzeit einem Achtel des gesamdie Überwachung der Sicherheit könne ein unabhängiges Institut ten deutschen Arzneimittelbudgets.Bekämpfung der Altersblindheit auf den Markt legung der festgestellten Unterschiede in der CATT. Deshalb gilt aber auch weiterhin: Sie in fall im indischen Rajasthan vor! den Industrieländern haben erst mal noch eine ZEIT: Viele rechnen aber mit einem Geschäft. Hafüber die Hälfte und mehr steigen tungsfragen. aus denen Flüssigkeit austritt. Das Gespräch führte CHRISTIANE GREFE Gleiche Wirkung Bei Altersblindheit helfen zwei Medikamente. . dass über die Risiken der Atomder Energie investieren. Der Wirkstoff unterbindet die Blutversorgung von Tumoren – im Fall von AMD lässt sich mit ihm das abnorme Wachstum der Blutgefäße hinter der Netzhaut stoppen. die daheim aussteigt. Anteil an Atomstrom sind 57 Prozent der Menschen für ZEIT: Weltweit droht der Vereinen Ausstieg. rigen Schwellenländern ist das aber anders. Dabei ist die Aus. waren das für die Augenerkrankung an sich nicht zugelassene Krebsmittel Avastin von Roche und das Spezialmedikament Lucentis von Novartis. Chef von Greenpeace International. Derweil Novartis die neue Studie kuladegeneration befassen soll. Weitere Vergleichsstudien könnten die Debatte aber so etwas wie der Goldstandard in der Therapie der Altersblindheit sei. Seither folgten Mediziner weltweit seinem Beispiel.und den Status quo überwinden.gäbe es für den Staat zur Genüge.28 12. dass es da eine Renais. Viele boykottieren es bis heute und bleiben Mediziner einig. Ein Sprecher des centis als auch Avastin entwickelt hat. und die Zeit drängt beim Klimaschutz. Tim Brake/dpa (l. Die Hauptrolle spielen Sie. sagt ein Insider. in hindern. wirksam schützen Atomkraftwerk von Areva ZEIT: Gerade in Entwickkönnte festgenommen. einen Schlaganfall beenden. Sowohl Lucentis als auch kam Lucentis auf den Markt. weiß noch keiner. also abseits des eigentlichen Behandlungszwecks. weil sich hinter der Netzhaut kleine Blutgefäße bilden. Das Risiko. und ihr Alter lag im Schnitt deren Folge sich der Einsatz von der Studie bei über 80 Jahren.kraft. Nach meinem Eindruck ist das der Kanzlerin bewusst. dass Roche es ablehnt. übernehmen. sollte zu erleiden oder gar zu sterben.Strom. verfügen über Technologien und Wirtschaftsunterstützt den Export deutscher Atom. Warum? VON NICOLA KURTH ür diese Studie interessieren sich Augenärzte weltweit. Im Januar 2007 Studie keinesfalls eindeutig.geben. Sie wollen wissen. dass die Bevölheraus. Injektion: Lucentis Wirkten beide Mittel gleich. werden andere Ländas Klima ten gegen ein geplantes der nachziehen.ten serious adverse events wie einem stationären Kransichtsbehörde in Deutschland noch toleriert wird – in kenhausaufenthalt oder Durchblutungsstörungen im einer »wohlwollenden Duldung«. wenn es um den Erhalt und die Verbesserung der Sehschärfe der Patienten geht. sei unter Avastin Bayer wie geplant 2012 ein neues. was sowieso schon alle wussten«. Naidoo: Die realen Investitionen decken aber Naidoo: Jedenfalls tun wir schon eine Menge. Diese traten bei Patienten. Seit 2005 kann diesen Patienten mit Injektionen von Avastin ins Auge geholfen werden. Konnten Sie sie beruhigen? Naidoo: Wir sind die Länder durchgegangen. weil die Atom. Wie stark ist Greenpeace dort vertreten? sen kann. welches von zwei patentgeschützten Medikamenten besser gegen die feuchte Makuladegeneration hilft. die von der zuständigen Auf. Naidoo: Ja. dass Atomkraft den Klimawandel brem. Avastin für die Ärzte mehr lohnt. gieversorgung zu beschleunigen. wie sich das offiziell Gehirn. Heikel wird der seit Jahren schwelende Streit die Unterstützung laufender Studien – Stellschrauben durch die Verflechtungen der beteiligten Pharma. inwieweit der Staat den Konflikt mit den Herstellern von Medikamenten wagt – und wie viel die Gesellschaft für Gesundheit zu zahlen bereit ist. Brisant wird diese Einschätzung dadurch. 4. die wachsenden VolksZEIT: Proteste gibt es da wirtschaften von vorneherein zwar. die Initiierung neuer oder lassen. dass sich die beiden Medikamente preislich annäherten. Regierungen finden weltweit kaum Solar-Tour durch den indischen Bundesstaat Finanzierungsmöglichkeiten. in klein. der Bau einer reKanzlerin. so der Tenor. Das entsprach Avastin solle offiziell erlaubt werden. levanten Zahl würde zu lange dauern. Im indischen Jaitapur Deutschland dabei weiter vodie Atomkraft wurden gerade Demonstranrangeht. sich aber enorm in den Kosten unterscheiden: Lucentis ist mit 1300 Euro pro Injektion rund 30-mal so teuer wie Avastin von Roche.

dass sie die Kennzeichnung schnell verbessern. dass der Ministerin die Zuständigkeit fehle. so hoffen die Initiatoren des Portals. deren Kennzeichnung rechtlich in Ordnung sei. Auch in einem anderen Fall gab es heftigen Ärger: beim so- genannten Arztnavigator. Dort können die Kassenmitglieder nicht nur Ärzte suchen. »Manche reagieren direkt und ändern. Dort ginge es um die »gefühlten Rechtsverletzungen« von Laien. dass dem Hersteller zwar eine kurze Frist zur Kommentierung eingeräumt werde. So sind beispielsweisen frei formulierte Texte nicht möglich. deren Kennzeichnung zwar den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht. Der Name suggeriere. dass ein Verbraucher lediglich schlecht informiert ist«. Daraus machte er in einer Stellungnahme für den Verband BLL auch keinen Hehl. und kritisiert zugleich. Professor für Öffentliches Recht. geht mit dem Projekt streng ins Gericht. Die Wahrung von Geschäftsinteressen ist ein wichtiges Gebot. wenn sie sich nach diesen Vorgaben richten. Die Doktoren liefen zunächst dagegen Sturm. stellt die Ministerin klar. die Verbreitung der Sache aber dann auch ohne diesen Kommentar erlaubt sei. Im Übrigen. So will es unter anderem selbst das Verbraucherinformationsgesetz. Sie und ihr Kollege Hartmut König. Auf einer Fachtagung übten sie jüngst massiv Kritik.WIRTSCHAFT 12. vorgehen müssen«. Insgesamt rund 775 000 Euro gibt es vom Staat. die davon ausgingen. ob die Bundesverbraucherministerin überhaupt für ein solches Projekt zuständig ist. sei eines modernen Staates und einer Informationsgesellschaft würdig. können schon heute Meldungen abgegeben werden. könnten die Eigentumsgarantie. »Das Portal wird so konzipiert sein. vergeht – zum Ärger vieler Verbraucherschützer – deshalb meist viel Zeit. Das Vorhaben löst deshalb so viel Aufregung aus. bauen auf die Einsicht der Hersteller. es gehe vielmehr um eine spezifische Form von Kommunikation. Außerdem wird es die Möglichkeit geben. wenn sie sich von Lebensmittelherstellern getäuscht fühlen. Betrieben wird das Portal vom Verbraucherverband Hessen. Digitale Sammelstellen dieser Art schrecken inzwischen nicht nur Unternehmen auf. Daraus. hintergangen oder enttäuscht worden zu sein. etwa über Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. wann und was im Einzelfall an die Öffentlichkeit darf. Hassemer gibt zu bedenken: »Allein das subjektive Gefühl einer Person. sie haben strenge Vorschriften zu beachten. bevor sie bei Nahrungsmittel-Skandalen Ross und Reiter nennen dürfen. Es trägt den Namen »Klarheit und Wahrheit«. dessen Eigenschaften die Verbraucher aus eigener Anschauung regelmäßig nicht kontrollieren können. Was sie vor allem stört. dass Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner das Portal finanziell unterstützt. dass einzelne Unternehmen und deren Marken an den Pranger gestellt werden können. B bensmittelbehörde. Es können nur vorgegebene Fragen beantwortet werden. sagt König. um die Nahrungsmittelindustrie aufzuregen. Gerade aber im Ausblenden des Rechts liege das Problem.und Meinungsforum dienen soll und kein Organ der amtlichen Überwachung sei. Zuckersirup statt Honig. sondern sie auch gleich bewerten. Das ist in der Regel die örtlich zuständige Le- Illustration: Birgit Lang für DIE ZEIT/www. Hassemers klares Urteil: »Dieses Internetportal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel. Aigner: »Die Lebensmittelüberwachung ist und bleibt Aufgabe der Länder. Ilse Aigner versucht derweil die Wogen zu glätten: »Wir haben erstklassige. »Informationseingriffe sind von vornherein nur rechtmäßig. »Das Portal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel« Auch Professor Winfried Hassemer. Das ist nicht das einzige Argument.« Aber dann: Es gehe in dem Konzept weder um Recht noch um Kontrolle oder Sanktion.« Zudem haben die Konstrukteure des Portals aus der bisherigen Kritik bereits ihre Lehren gezogen. Manche Hersteller sind deshalb bereits alarmiert. die rechtlich in jeder Hinsicht zulässig sei. Kräuterbutter mit Margarine. sagt er. Im Augenblick aber sind große Teile der Lebensmittelwirtschaft regelrecht empört.« Als juristische Schludrigkeit bezeichnet er es. So etwas ist – wenn überhaupt – nur dem Kleingedruckten auf der Packung zu entnehmen. dass »hoheitliche Gewalt durch gesellschaftliche Zwänge ersetzt werden soll«. einen solchen Eingriff durch eine derart mächtige Institution zu rechtfertigen. Hassemer: »Es markiert einen Weg zu bürgerlicher Autonomie. den die Krankenkassen AOK und Barmer in der vergangenen Woche im Internet starteten. Wenn die Verbraucherschützer eine Beschwerde fachlich nachvollziehen können und sie für plausibel halten. Betroffene Interessen würden ausgeblendet. ist nicht imstande. das Grundrecht auf Berufsfreiheit oder das auf Gleichbehandlung verletzen. weil befürchtet wird.und Staatswissenschaftler Fritz Ossenbühl bemängelt. Lebensmittelbehörden können nur in engen Grenzen agieren Obwohl das komplette Portal mit allen Funktionen noch nicht in Betrieb ist.« Die Eingriffe. Das Angebot ist dreigeteilt: Im Informationsbereich können sich die Besucher der Website in rechtlichen Fragen kundig machen. der bei der Verbraucherzentrale Hessen das Projekt leitet. schreibt er. begegnen sie mit einer speziellen Rubrik. diese selbst aber das Problem sind. Dort werden jene Lebensmittel präsentiert. versehen mit dem Kommentar des Herstellers. Und sie haben ein Recht auf Akteneinsicht. nicht aber ein Bundesministerium«. Außerdem sind Beschwerden gegen Entscheidungen der Lebensmittelkontrolleure möglich. ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. wenn die zuständige Behörde tätig geworden ist. Staatsund Verwaltungsrecht an der Universität Mainz. ist. mit dem sich Vertreter der Branche gegen die Initiative wehren. hervorragende Lebensmittel in der Bundesrepublik Deutschland«. monieren Verbraucherschützer. fühlen sich manche Verbraucher dennoch getäuscht. Deshalb müssen die betroffenen Firmen zum Beispiel angehört werden. »Manchmal stellt sich auch heraus. Er weiß etliche Juristen auf seiner Seite. Dass die Meinung der Verbraucher nicht nur erforscht.birgitlang. sagt sie. »Wir können damit leben«. Die Mogler und Trickser sollen schon bald ausgebremst werden: mit einem neuen Internetportal. Oftmals sei es damit aber nicht weit her. Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich deshalb gelegt. Skepsis löst bereits die Konstruktion der Plattform aus: die Mischung aus Staat und privatwirtschaftlicher Initiative. bei denen sie sich durch die Aufmachung und Kennzeichnung in die Irre geleitet fühlen. Ohne vernünftige Information könne Vertrauen nicht bestehen und Kritik nicht wirksam sein. Und niemand müsse eine Verunglimpfung befürchten. was kritisiert wurde. obwohl sie lebenswichtig sind«. sagt Janina Löbel. so Werner Wolf. Darf im Schwarzwälder Schinken auch Fleisch aus Dänemark sein? Oder Hühnchen in der Kalbswiener? Im sogenannten produktbezogenen Bereich können Verbraucher konkrete Beispiele melden. Präsident des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft (BLL). »Lebensmittel sind heute ein komplexes Gut. Lebensmittelbehörden müssen vorsichtig agieren. der Markt würde womöglich gestört. Dem Vorwurf. zum Beispiel mit Abmahnungen. »Wir hoffen. Sie koordiniert das Projekt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 29 Alles wahr oder was? Auf einem neuen Portal im Internet können sich Verbraucher demnächst beschweren. So muss beispielsweise eine Kalbswiener lediglich 15 Prozent Kalbsfleisch enthalten. es würden auch Produkte angeprangert. Auch Rechts. sagt Janina Löbel. So bezweifelt Friedhelm Hufen. verunglimpft zu werden. sondern auch zum Bestandteil von Auseinandersetzungen und Interventionen gemacht würden. heißt es bei der Bundesärztekammer heute. Sie stört insbesondere. dass künftig lockere Debattierzirkel erboster Verbraucher das strikte Reglement amtlicher Kontrolleure ersetzen könnten. könnten die Verbraucher bei der Nutzung des Angebots eindeutig erkennen. Problematisch sei vor allem der produktbezogene Bereich. könnte auch der Gesetzgeber beim Erlass seiner Vorschriften lernen. dass es als Informations. Obwohl sich Hersteller völlig korrekt verhalten. ohne dass wir rechtlich. Und das im Zusammenhang mit einer lediglich »gefühlten Täuschung«. er hat tatsächlich reagiert. Auf einem Portal wie dem geplanten können sich die Teilnehmer sehr viel freier äußern als Beamte in den Behörden. Dabei findet er es grundsätzlich gar nicht schlecht. Außerdem hat er Zweifel an der notwendigen Neutralität des Portals. Sie fürchteten. sich im Diskussionsbereich an Debatten zu beteiligen oder Fragen an ein Expertenforum zu richten. Die Industrie läuft Sturm dagegen VON GUNHILD LÜTGE ananenschokolade ohne Banane.« Die Initiative liefe im Rahmen einer ganz normalen Projektförderung. Andere setzen sofort Rechtsanwälte in Bewegung«. Vollmundige Werbeversprechungen suggerierten Qualität oder Nähe zur Natur.de . Schon diese zwei Wörter reichen aus. wird das Produkt im Internet abgebildet. vorausgesetzt. In diesem Fall wird er nur auf den Informationsteil verwiesen. Nächsten Monat soll es laut Janina Löbel trotzdem losgehen. Fachleute in der Internetredaktion prüfen die Kritik und bitten die betroffenen Hersteller um eine Stellungnahme. dass in dieser Branche hauptsächlich Gauner unterwegs seien. dass ein fairer und sachbezogener Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern gewährleistet ist. Doch die Konstruktion des Portals verhindert das. Bis endgültig klar ist. Und das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken darf auch aus Dänemark stammen.

Dafür mitverantwortlich war MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser.für Forschung und Analyse beim Virenschutzmationen einzuholen. NDR-Justiziar Werner Hahn betont hingegen. sei die Gutgläuoder LinkedIn. Sie führen bis zu 80 Prozent an die Länder und Kommunen ab. sagt Zitting. Er unterrichtete damals den Redaktionsleiter. Als möglicher Nachfolger wird Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz genannt. sei im Jahr 2010 103-mal zu Besuch gewesen. Im Bericht. um Kon. liest sich das anders. nehmenssystemen zu schließen. Seite. bei dem die Fehler beanstandet wurden – Marco K. in dessen Verantwortung der Kika fällt. der nicht vom Zocken in Casinos und der Übergabe von Geld in DVD-Hüllen handelt. der dabei war. das auf Zittings Naivität darauf hereingefallen«. auf die im Onlineprofil der Firma verwiesen nicht für die Spionage durch Firmen zuständig. Programmgeschäftsführer Beckmann wurde damals ebenfalls informiert und soll geantwortet haben: »Ich kenne Marco. sich mit ihm Kanal geschlossen richtendienst dahintersteckte. die nicht ordentlich geprüft worden waren.fachliche Foren gefragt. Wie durchforsten und analysieren. Dummerweise beauftragte der MDR mit der Verbesserung der Kontrollen aber denjenigen. sagt die Verfassungsschützerin.« An Skatrunden bei seinem Mitarbeiter zu Hause hat Beckmann auch schon mal selbst teilgenommen. unter Einrechnung der Gewinne. »Wir prüfen die Vorgänge und behalten uns Schadensersatzansprüche in alle Richtungen vor«. Falsche Freunde Ideen klauen. Eine Frau hatte nach dem gemeinsamen Hoch.. Marco K. Und die Frage. erklärt Raiu. . und wenn Sie meinen neu.le sind laut Sicherheitsberater Hochenrieder auch dustriespionage spezialisiert und zählt die im die Einträge von IT-Experten. selbstständig zu machen.« Zittings ProBerliner Verfassungsschutz. In Thüringen ist das die Ehrenamtsstiftung. gab es keine Konkurrenzschutzklausel. Dabei wurden zum Beispiel Aufträge für Trailer oder Onlineseiten gefälscht. Offensichtlich handelte es sich um vier Jahren.s Komplizen bei den Firmen. Zum schnellen und effektilogisch. Die Nummer zwei im Kika. Bei ARD und ZDF verweist man lieber auf die Fahrlässigkeiten des MDR. Zu den großen Profiteuren des Betrugs gehört auch das Spielcasino in Erfurt. haben sechs mit Sozialen Netzwerken zu tun«. für gelungenen öffentlich-rechtlichen Journalismus zu feiern. wenn sie die Zielperson anschreiben«. Dort hielt man fest. Bei den Tätern sind oft »kleine.Muster vor«. den die Revisoren von MDR und ZDF verfasst haben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Brot und Spiele Millionenbetrug beim Kinderkanal: Die beteiligten Sender streiten VON ANNA MAROHN E Kika-Star Bernd das Brot musste für Scheinrechnungen herhalten inmal im Jahr verleiht der Norddeutsche Rundfunk intern den Sehstern. den Zugang Später erzählte ihm die Frau zu Facebook oder ähnlichen bei mehreren Treffen noch mehr Plattformen gesperrt. sehr private oder berichtet Michael Hochenrieder. Dass Tanhäuser erst im September für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden war. Es ging um seine Vergangenheit beim Kinderkanal. sagt ein Mitarbeiter.der DAX-Unternehmen selpositionen haben oft Profile schäftsdetails und den Kunden. person akzeptiert zu werden. Nach Angaben eines Kika-Redaktionsleiters soll es schriftliche Memos an die Programmgeschäftsführer gegeben haben. zeigt ein Fall aus Berlin. Die Gründerin be. Die Ansprache sei in diesem Umfeld ein bisschen befremdlich gewesen. Viel floss an den Geschäftsführer der Koppfilm. Als Freund eines sind sich die Fachleute in dieser Frage einig. Marco K. Ein Teil des Geldes ging an K. Wer die 2. Die Veranstaltung ist für den Sender eine gute Gelegenheit. der der Information jedoch nicht nachging. Oft scheint ihnen Noch höher ist die Quote in der Cyberkrimi. Auch versuchen zunächst.« Knapp ein Drittel spräch. die diese Rechnungen ausstellten. antwortet Beckmann auf die Frage. dass mit dem Gewinn am Ende Gutes getan wird. Auch sein Nachfolger als Programmgeschäftsführer bemerkte den Betrug nicht und wurde dafür bereits abgemahnt. Irgendwann meldete sich schen auf die Bedrohungslage. Der vorläufige Gesamtschaden beläuft sich auf 8 183 815. Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu VON ULRICH HOTTELET Foto: interTOPICS. »Dieser Schriftverkehr sei dem Redaktionsleiter im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang Dezember 2010 aber aus einem Ordner in seinem Büro entwendet worden. Beim NDR debattieren die Mitarbeiter nun. der im Zuge der Affäre »ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens sein Amt zur Verfügung stellte«.30 12. hat über diese Summe Scheinrechnungen bezahlen lassen. sagt Hahn. von ihrer Firma.vorzubeugen lichen Headhunter angeschrieternehmens musste alles machtlos ben: »Wir hätten eine interesmit ansehen.24 Euro. steht: Schon 2009 waren Rechnungen aufgefallen. Beckmann ist seit Ende 2008 in Hamburg beim NDR. will der Sender mit Hinweis auf vereinbarte Vertraulichkeit nicht preisgeben.blem: Rechtlich ist der Verfassungsschutz nur für schrieb die Dienstleistung auf ihrer Facebook. was Beckmann gewusst habe oder fahrlässig übersehen.sperrt den Zugang zu auf Businessportalen wie Xing stamm kannte.nur schwer ausmachen. Und das werken sind Umwege beliebt: »Die Kriminellen gilt allgemein mit steigender Tendenz. trennte zwischen Beruflichem und Privaten kaum. Beschäftigungen vor der NDR-Zeit könnten arbeitsrechtliche Maßnahmen grundsätzlich nicht begründen.nicht klar. Allerdings muss man fairerweise sagen.für Sie. weil sie leichter Vertrauen formationssicherheit bei HvS Consulting. In dem etwas trockeneren Teil des Revisionsberichts von MDR und ZDF. sich selbst.beruhenden Spionageangriffe sind. Die Wirtschaft reagiert inzwiwurde. »Geheimdienste und Konkurrenzfirmen gehen nach dem gleichen rinnen erinnert. Da erscheint es fast anbieter Kaspersky.0 betrieben werden. um Sicherheitslücken in ihren UnterMittelstand zu seinen Kunden. Normalerweise. und konkrete Änderungsvorschläge wurden gemacht.zutage Soziale Netze«. dass er dabei trotzdem nicht besonders gut wegkam. ob ein ausländischer fassungsschützerin. Frank Beckmann hat sich bislang nur einmal öffentlich zu der Sache geäußert – in seinem eigenen Programm bei Zapp. Der bei einem bige aus der Firma ausgebootet Sozialen Netzwerken – Softwareentwickler beschäftigte worden. »Von Freundes wirken sie dann viel vertrauenswürdiger. über Ausspähung der Konkurrenz. Direktor takte zu schließen – und persönliche Infor. Das hatte ein Revisionsbericht von ZDF und HR ergeben. die 700 000 Menschen in ihrem Engagement unterstützt.die Abwehr gegnerischer Nachrichtendienste.auch potenziellen Angreifern verraten. Tisch landete und bei dem unlautet die Einschätzung der Verklar ist. Fragen aber zunehmend merkwürdig vorkamen. In diesem Jahr eröffnete Fernseh-Programmdirektor Frank Beckmann die Veranstaltung mit einer Verteidigungsrede in eigener Sache. ob er etwas von der Spielsucht gewusst habe. die automatisch die Profile nutzt und missbraucht wird: der Spionage. der Hintermänner dieser Aktionen und der darauf an die erfolgreiche Romeo-Masche von DDR. die in Fachforen nach Dax gelisteten Konzerne und den gehobenen Tipps fragen. Weil er seiner Exsante und hochdotierte Stelle Kommilitonin vertraut hatte. und »die Firma lief richtig gut«. darunter knapp ein Drittel knüpfen konnte. die damit wichtige gesellschaftliche Projekte fördern. Der Mann Wettbewerber oder ein Nachüberredete sie. der Dax-Konzerne. Den Gebührenzahler tröstet vielleicht die Information der Westspiel Casinos. sagt Heike Schreibtisch sehen. wie der MDR in einer Pressemitteilung schrieb. »Sie ist in ihrer Ein Beispiel. garniert mit ein paar launigen Worten. lässt sich oft Spionen gegenüber Bonner Ministerialsekretä. ein Mann bei ihr. dass sie damit diese Lücken ungewollt nalität. »Ich habe bei dem Herstellungsleiter in keinster Weise Verdacht schöpfen können«. dass diese Netze auch vom zweitältesten ven Auskundschaften schreiben die Kriminellen Gewerbe der Welt für seine Machenschaften ge. Montage: DZ S oziale Netzwerke eignen sich gut. Da dem Mann die men existieren noch heute. so ist er nun mal. erklärt Sicherheitsgerissen die Recherchen mit den Mitteln des Web forscher Stefan Tanase von Kaspersky. »der erst sehr Aus Sicherheitsgründen haben nett schrieb«. werden Sie meine Bissspuren Zitting. ob sich Beckmann auf seinem Posten halten kann. Mitarbeiter in SchlüsAls der neue Partner die Ge. Eine gern angezapfte QuelUnternehmen ist auf die Bekämpfung von In. Um ihn verhaften lassen zu können. sagt Costin Raiu. Das schaffen«. Leiterin des Wirtschaftsschutzes beim an der Tischkante wahrnehmen. »Alle gezielten Attacken nutzen heut. Wie viel diese gesichtswahrende Lösung den Gebührenzahler gekostet hat. Der Fall steht exemplarisch für den Trend. Der auch um Spionage Mann wurde von einem angebInhaber des ursprünglichen Un. er habe dabei vorzugsweise an einem Hyperlink-Automaten mit einem Einsatz von 40 Euro gespielt und pro Woche zirka 20 000 Euro verdaddelt. und daviele deutsche Großunternehdurch einen privaten Kontakt men. »Ich beobachte das Ausspähen von Profilen durch beendete er das vermeintliche VorstellungsKonkurrenzfirmen und Nachrichtendienste seit gespräch.« Im November 2007 habe außerdem ein Kika-Mitarbeiter über eine mit ihm befreundete Casinomitarbeiterin von den Spielgewohnheiten des Herstellungsleiters erfahren. bei dem etliche Millionen Euro veruntreut wurden. Die Geschäftsidee war uns die Hände gebunden. musste ihn der MDR aus einem Las-Vegas-Urlaub mit einem Freund und Mitarbeiter holen. zuvor hat er acht Jahre lang in Erfurt die Geschäfte für den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal geführt. Herstellungsleiter Marco K. Damals wurde auf die Schwachstellen im Kontrollsystem von MDR und Kika hingewiesen. so Zitting. Abhilfe ist schwierig: »In vielen Fällen sind schulabschluss mit einem Studienkollegen ein Unternehmen gegründet. So wurde etwa beanstandet. Beide Unterneh. dürfte die Sache aber teuer gemacht haben. von einem Freund der Zielwenn es keine offiziellen Statistiken dazu gibt.sogar Programme. sagt Zitting. Heute wird zuerst versucht.« Zur anschließenden Unterredung traf man sich in einem Hotel. rund 50 Fällen. die das nicht beurteilen konnten und teilweise auch nicht berechtigt waren. berichtet Zitting. dass Mitarbeiter die »Sachlich richtig«-Abzeichnung vornahmen. Er brachte das System durch eine Selbstanzeige im Herbst zu Fall. die wir pro Jahr bearbeiten. »Damit ist ein fingiertes Bewerbergetappte sie endgültig in die Falle. Bei der Kontaktaufnahme in Sozialen NetzSoziale Netzwerke an die Informationen zu kommen«. als seine Firma trotz der zusätzlichen Einnahmen auf die Insolvenz zusteuerte. Berater für In.

etwa bei document discoveries oder den Anwaltshonoraren. Die Fälle. Finanzminister Theo Waigel (rechtes Bild in der Mitte) 15. Damit kann ein Unternehmen gezwungen werden. Vor allem die bei Klägeranwälten beliebte document discovery lädt zum Missbrauch ein. Ursprünglich sollte das Sondergesetz nämlich zum November 2010 wieder außer Kraft getreten sein. Die Betroffenen sind aber meist Laien – ob als Patienten. müssen neu katalogisiert werden. um die Grenze zwischen Börsenschwindel und Fehlspekulation zu ziehen. Diesen Musterfall klärt demnächst das Oberlandesgericht: Ein süddeutscher Pensionär hatte ein Vermögen mit T-Aktien verloren. Eine neue Aktienkultur sei entstanden. Die meisten anderen hoffen auf die nächste Woche. Und so mischen – vertreten von rund 800 Anwaltskanzleien – auch die übrigen Kläger munter mit in dem Musterverfahren. als solche hochkomplex und von Einzelnen kaum zu durchdringen. Irgendwann wird die Verteidigung extrem teuer. dass die Parteispenden der 110 bedeutendsten Klägeranwälte sowie ihrer Dachorganisation ATLA im vergangenen Jahr zu rund 97 Prozent an die Partei von Präsident Obama flossen. Lange Zeit grübelte Krug. Tatsächlich waren es wohl nicht die fragwürdigen Detailangaben im Börsenprospekt. die für den Fall relevant sein könnten. dass der Termin der Urteilsverkündung noch einmal verschoben wird. Angesichts solcher Summen kann es sich lohnen. Wie praktisch alle class actions endete auch die gegen die Telekom nicht mit einem Urteil. Masseneuphorie kann nur dort entstehen. und damit war die Sache erledigt. klagten rund 17 000 einst stolze T-Aktionäre auf Schadensersatz. Dass sich der Fall so hinzieht. oft über Jahre und Ländergrenzen hinweg entstanden. Vertragsentwürfe. Zwischen Februar und April befragte die EU-Kommission Regierungen. sein Anliegen einem Richter vorzutragen. werden alle etwas gemeinsam haben. Wer mit Telekom-Aktien 5000 Euro verloren hat. Die Telekom wurde nach ihrem Börsengang auch in den USA verklagt. Zur Wahrheit gehört aber auch. Wer unterliegt. Damals galten T-Aktien noch als Volksaktien. machen Eingaben und stellen Ergänzungsanträge. Der Schauspieler gab der Privatisierung des Staatskonzerns ein Gesicht und buhlte um das Geld der Massen. riskiert schlimmstenfalls auf mehr als 8000 Euro Kosten sitzen zu bleiben. ein schlechtes Anreizsystem und lange Ver- fahrensdauer auf der anderen: In den USA wächst ebenso wie hierzulande die Unzufriedenheit beim juristischen Umgang mit Massenschäden. Doch zwischenzeitlich wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert. und die Aussichten schienen rosig. versprach Manfred Krug im Werbefernsehen. hieß es damals. ihr Recht überhaupt erst zu beanspruchen. Derartige Massenprozesse sind vergleichsweise neu für die deutsche Justiz. Zu Recht? Bald wissen sie mehr.und Anwaltsgebühren mehr als das Eineinhalbfache des geforderten Schadensersatzes. Sitzungsprotokolle. Im Fall der Telekom wären das also bis zu 24 Millionen Dollar Anwaltshonorar gewesen. Das Parlament muss gehofft haben. Merck beendete den Fall außergerichtlich.r. Dabei trieb die in Wahrheit oft nur die Gier. 2011 um 17 Uhr 11. so wie es die Amerikaner tun. als man zu verstehen glaubte. Deswegen wurde die Entscheidung in der Vergangenheit immer wieder vertagt. die amerikanische Laienjurys in solchen Fällen gern zusätzlich anordnen. die zukünftig Sammelklagen provozieren. 2000 12. dass die Sache längst erledigt gewesen wäre. schloss der Konzern in den Staaten bereits 2005 einen Vergleich: Er zahlte 120 Millionen Dollar. Es war einmal. der deutsche sucht Gerechtigkeit im Einzelfall.n.1996 Sie schufen einen Börsenalbtraum (v. Der bedeutendste Massenprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte erreicht nun seinen Höhepunkt. manche alles. sondern mit einem Geschäft zwischen den Beteiligten: Wichtiger als die Frage. denn das Zivilrecht ist Sache der Mitgliedsländer. Kleinanleger hoffen auf Entschädigung – die Justiz ist mit solchen Riesenprozessen überfordert Stand am 10. Das Grundgesetz garantiert jedem das Recht. Dann will das Oberlandesgericht in Frankfurt entscheiden. Weil ein Rechtsstreit so teuer werden kann. wie so oft bei juristischen Auseinandersetzungen in den USA. Der Kurs der Papiere fiel von 66. die scharenweise Problemaktien erwerben.) . Doch während man hierzulande noch viele Jahre lang weiterprozessieren dürfte. der die Telekom gegen die Aktionärsstreitmacht verteidigt. dass Unternehmen auch dann zahlen. Die schnelle Ruhe hatte freilich einen hohen Preis. Etwa den.22 € VON MARCUS ROHWETTER D ie Telekom geht an die Börse.9 Milliarden Dollar als Verteidigungskosten ein. Vorstandskorrespondenz. Für den Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz. Der amerikanische Ansatz führt zu ökonomischer Effizienz. »und ich geh’ mit«. was ihnen Kapitalmarkt und Selbstüberschätzung genommen haben. die sich leicht lenken lassen. Auch die T-Aktie ist dort längst kein Thema mehr. Sie sind Ausdruck einer globalisierten Wirtschaft. könnte nur der amerikanische Gesetzgeber vornehmen. Geduld ist die Tugend enttäuschter Aktionäre. Viele verloren vieles. Das erledigen dann Scharen von Anwälten in teils monatelanger Arbeit zu Stundensätzen von mehreren Hundert Dollar. um die Causa Telekom zügig abwickeln zu können. 5. Arbeiter und Angestellte zu Börsenfans. sondern auch in der Abwicklung von Gerichtsprozessen unterscheiden. Der Washington Examiner hat herausgefunden. Denn selbst nach der Entscheidung der Oberlandesrichter wird die Sache noch lange nicht vorbei sein. Jurist. herauszurücken und auf eigene Kosten neu aufzuarbeiten. Sparbuchfetischisten wären zu besonnenen Investoren gereift. sich einzugestehen. Es ist gut möglich. Bis auf Weiteres. dürfte es der Fall seines Lebens sein. die europäischen Ansätze für Massenverfahren zu reformieren – an amerikanischen class actions wollen sie sich dabei ausdrücklich nicht orientieren. entsprechend schwer tut sie sich damit. alle Dokumente. Die Anwälte bemühen sich. Warum geht das dort so schnell? Und warum dauert es hier so lange? Weil sich Deutschland und die USA nicht nur bei der Aktionärskultur. wie hoch der individuelle Schaden gewesen ist. Diesen Teil der Wahrheit ans Licht zu bringen überfordert jedes Gericht. Oder als Anleger. wird enttäuscht werden. Weil aber der Konzern im Börsenprospekt falsche Angaben gemacht haben soll. Dabei hatte Deutschland eigens ein Gesetz geschaffen. In den USA wird schnell geklagt. was Tausende andere noch nicht getan haben: Er setzte sich mit seiner Verantwortung während des größten deutschen Börsenversuchs auseinander und machte seinen Frieden. Krug tat etwas. wird wohl Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. Die Kommissare Viviane Reding und Joaquín Almunia erwägen. der eine Sammelklage gegen ein Unternehmen erfolgreich durchsteht oder einen Vergleich erzielt. sind ökonomische Rechnungen. die das Frankfurter Oberlandesgericht nun versucht aufzuklären. plante er dafür vorsorglich die Riesensumme von 1. gesetz sollte ein wenig amerikanische Effizienz in die Zivilprozessordnung bringen und anhand eines exemplarisch ausgewählten Musterklägers bürokratischen Wahnsinn verhindern. Aber die Wahrheit ist womöglich eine ganz andere als diejenige. Bei Bilanzfälschung oder unterschlagenen Nebenwirkungen von Medikamenten werden Konzerne regelmäßig mit Sammelklagen konfrontiert. die dort class actions heißen. Vom eigentlichen Schadensersatz war da noch nicht einmal die Rede – und auch nicht von den möglichen Strafzahlungen. Das kann nur schiefgehen. Wenn die Entscheidung aber kommt und die Telekom tatsächlich zu Schadensersatz verurteilt werden sollte. Ihr Honorar bemisst sich in der Regel am Streitwert der einzelnen Klagen und ist damit oft viel niedriger als das ihrer amerikanischen Berufskollegen. ob die Deutsche Telekom beim letzten ihrer drei Aktienverkäufe im Jahre 2000 massenhaft Kleinanleger getäuscht und um Teile ihres Vermögens gebracht hat. Das Ergebnis dürfte in einigen Monaten veröffentlicht werden. die auch unbedarfte Anleger damals zum Kauf der Papiere animierten.): Ex-TelekomChef Ron Sommer. Wer sich Gerechtigkeit erhofft. Das Kapitalanleger-Musterverfahrens- Fotos: Bernd Kammerer/AP/ddp. so wie die Deutschen. und deswegen wackelt auch der Termin in der nächsten Woche. gründlich zu recherchieren und komplizierten Wirtschaftsfällen bis ins Detail nachzuspüren. sich mit einem Fall so lange aufzuhalten. Reichlich Stoff also für viele weitere Prozessjahre. Eine Sammelklage in den USA war nach wenigen Jahren erledigt In den Vereinigten Staaten wäre es undenkbar. dass man damals weit weniger vom Kapitalmarkt verstand. Zugleich endet ein gewaltiges soziales Experiment: Nirgendwo sonst lässt sich die deutsche Einstellung zu Chance und Risiko besser beobachten als am Börsengang der Telekom und seiner juristischen Aufarbeitung. Das hält nicht dazu an. liegt an der deutschen Verfassung. müsste allerdings noch in jedem der 17 000 Einzelverfahren geklärt werden. Zwischen 10 und 20 Prozent bekommt normalerweise ein Rund 800 Anwaltskanzleien mischen in dem Verfahren mit In den Vereinigten Staaten gibt es solche Mammutverfahren viel häufiger. sich in komplizierte Wirtschaftssachen einzuarbeiten. Wichtige Änderungen. Die deutsche Methode könnte künftig stärker von Brüssel geprägt werden. Zumindest die Demokraten aber scheinen den Klägeranwälten eng verbunden zu sein. Für Anwälte ist es zudem oft nicht attraktiv. wo es Massen gibt. dass jeder einzelne Kläger denselben Fehler im Börsenprospekt hätte nachweisen müssen. haben Wissenschaftler bei einer Evaluation des neuen Gesetzes ausgerechnet.l. wer das Börsendebakel letztlich zu verantworten hat. Doch Brüssel dürfte mit dem Binnenmarkt argumentieren: Grenzüberschreitender Streit braucht ebensolche Regeln.50 € Start am 15. sondern die Werbung des privatisierten Staatskonzerns und die gezielt geschürte Masseneuphorie. Kläger können sogar mehr verlieren als gewinnen – was viele abschreckt. irgendwo zwischen Spots für Waschmittel und Tütensuppe. l. Das birgt grundsätzlich das Risiko.WIRTSCHAFT höchster Stand am 6. Ein Beispiel: Als der USPharmakonzern Merck wegen seines Schmerzmittels Vioxx vor einigen Jahren mit einer Sammelklage konfrontiert war. Politisch ist das Thema gleichwohl heikel.11. die zehntausendfach ein unzureichend getestetes Medikament schlucken. Nun soll Justitia den Anlegern zurückgeben. dass man sich lieber vergleicht. weil sie extrem viel gewinnen können. Aktien der Telekom empfohlen zu haben. und seine Anwälte von der Kanzlei Tilp aus Kirchentellinsfurt schotten ihn von den Medien ab. Stephanie Pilick/AP (v. Nach mehr als zehn Jahren Kampf kommt es auf ein paar Tage nicht an. In Deutschland sind die Anreize andere. und im Jahre 2007 entschuldigte er sich schließlich dafür. Man kann den Kampf ums Recht folglich als Geschäft begreifen. weil Kläger kein finanzielles Risiko tragen. Prozesse gut und schnell zu führen. Nestor Bachmann/dpa. Oder als Suche nach der Wahrheit. Erpressungspotenzial und enorme Kosten auf der einen Seite.57 € 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Der Zorn der siebzehntausend Das Urteil zum Börsengang der Telekom fällt bald. Schauspieler Manfred Krug. Der Mann will darüber nicht öffentlich reden.50 Euro auf heute gut 11 Euro. und ein Jahrzehnt reicht offenbar immer noch nicht aus. Das Prozesskostenrisiko bei Massenverfahren beträgt wegen der Gerichts. Selbst im Fall einer Niederlage müssen sie nicht einmal ihren eigenen Anwalt bezahlen – denn mit dem haben sie typischerweise ein Erfolgshonorar vereinbart. 3. Die Begeisterung für die T-Aktie machte damals Hausfrauen und Rentner. wenn sie sich eigentlich nichts vorzuwerfen haben. weil ihre Aktien dort gehandelt wurden. die Volksaktie weckte Volkszorn. Testergebnisse und viele Papiere mehr. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 31 103. Anwaltsverbände und Juristenorganisationen zur Modernisierung der europäischen Sammelklage.

das Hotel werde »in Kürze« wieder den Betrieb aufnehmen. neue Jobs etwa durch öffentOperating Manager Tunesien liche Infrastrukturprojekte zu Tunis Bizerte von Leoni. Als Kompromiss Textilfirma Petratex. Nur Haken an den Wänden erinnern noch die unter Ben Ali verbotene islamisch geprägte daran. als die PLO von Jassir Arafat ihren Sitz noch in der tunesischen Hauptstadt hatte. Vier Monate nach der Jasmin-Revolution ist unklar. Oder genauer: wegen der neuen Offenheit.und Fortbildung. warnt Dabei läuft das Geschäft von Leoni und seinen Tunesiens Zentralbankchef Mustapha Kamel Nabli. Demnächst Die kostenlose Überlassung Inflationsrate in Prozent*: will die Regierung Gespräche 4. tilunternehmen. hinter denen Militärs mit lässig umgehängten Maschinenpistolen das Innenministerium vor einer Demonstration schützen. stehen lediglich 60 000 bis 65 000 den Umsturz mit seiner Hilfe verhindern. Die Tunesier wollen sich auch von Unternehmern nichts gefallen lassen Fast immer geht es dabei um die Höhe der Löhne und die Umgehung des Arbeitsrechts mithilfe von Subunternehmen oder anderen Tricks. wir sollten ein Werk mit tausend Leuten digt und das Ziel ausgegeben. Am Sonntagnachmittag kommen viele Hauptstadtbewohner gerne auf die Avenue Bourguiba. Finanziert werden ist jene Stadt im verarmten sollen diese unter anderem Sousse Landesinnern. Die ErSorge geht um. das einen Diktator ver. mit der jetzt auch in Tunesiens Wirtschaft miteinander gestritten wird. belangt hat. Um 12. der in den vergangenen Jahren für 10 Prozent der Wirtschaftsleistung stand. die schon seit stehen bei Neonlicht in den Hallen einer ehemali. Nichts sei entschieden. mahnt Ayed. in der Vergangenheit mangeln lassen. Anstatt auf die Forderung der 190 Mitarbeiter nach höheren Löhnen und der gesetzlich festgeschriebenen Entfristung der Arbeitsverträge nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit einzugehen. fragt sich. Viele studieren. bekommen sie höchst qualifizierte Leute zu einem immer noch sehr guten Preis«. Er pokert. ließ der Inhaber. ob er sich nach einer neuen Werkbank umsehen muss. Ebenso wichtig sei aber die Wertschätzung der Mitarbeiter etwa durch Investition in deren Aus. tun. das Gerücht um. »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine große zu Demokratie und Rechtsstaat führen sollen. der Tunesien in den vergangenen Jahren als Billiglohnland in Europas Nähe schätzte. Der Tourismussektor. machte sie das Hotel lieber zu.« So wird auch in den neuen Zeiten. Der Automobilzulieferer hat Leuten wie ihm graut schon vor den Schlagzeilen seinen Konzerngewinn im ersten Quartal mehr als im Ausland. Gut möglich. wo es zuletzt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Gegnern der Übergangsregierung kam und sich bereits mehr als 50 Parteien für die Wahlen zu der wegen der Unruhen nun unsicheren verfassungsgebenden Versammlung im Juli registrieren ließen.an einem Obststand arbeitet oder ein ausgebildeter duktionsstätten ausländischer Betriebe praktisch. die Militärs könnten. Dennoch sind die Löhne in Bizerte mit 450 bis 600 Dinar um 30 bis 40 Prozent Mit einem Diplom von einer der renommiertesten niedriger als in der portugiesischen Heimat des tunesischen Ingenieurschulen und zwei MasterUnternehmens. etwa eine Autostunde nördlich von Tunis.0 einer Werkshalle sei daher Wirtschaftswachstum in Prozent*: mit Gewerkschaftern und 1. kümmert niemanden. bei einem Wahlsieg der Operating Manager auch künftig nicht automatisch Partei einschreiten. »Einheit macht stark«. auf der Frauen. Abnehmern glänzend. in der Lobby eines Nobelhotels in Tunis ein Bewerbungsgespräch mit einer jungen Ingenieurin beendet.sollen demnächst 480 Beschäftigte.3 Prozent wachsen wird – nach 3. oder mit 3000. Das habe Marke Isabel Marant.« »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine Rund 600 000 Menschen arbeiten in Tunesien große Gefahr für die Demokratie« für Offshoreunternehmen.Mitarbeiter im tunesischen Leoni-Hauptwerk in trieben hat. Die jungen Leuten. Sie ist des Hofes entstehen die Kabelstränge für die MerPersonalchefin bei Goldtex. ist aufgrund der ausbleibenden Urlauber gelähmt. die einen gewissen Organisationsgrad verfügt.« einmal Ruhe – auch. der keine wirtschaftliche Neben. Doch ein wirtschaftlicher Aufbruch steht noch aus VON KARIN FINKENZELLER D as Hotel Africa ist geschlossen.6 schaftlichkeit seiner Aktivi. noch um 10 Prozent steigen soll.Polizei seinen Gemüsekarren konfisziert hatte. aber immerhin. Ein Schild an einer weißen Metallabsperrung vor dem Haus verspricht.4 täten gewährleisten muss.Abitur. Euro täuschung über die wirtmehr aufhalten. Auf der einen Seite mehr alles gefallen«. peitscht der Wind die Wellen des Mittelmeers für 2011 deutlich angehoben. Dass ihm hervorragende Beziehungen zu Ex-Diktator Ben Ali nachgesagt werden. Den 85 000 bis 90 000 Er beschäftigt in Tunesien 13 000 Mitarbeiter. 48 Stunden pro Woche ent. Schätzungen Buazizi ihren Ausgang nahm. deren Einkommen aufGoldtex bezahlt besser als so manches andere Tex. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Streiken und pokern Das Leben geht weiter. wo die Revodurch die Privatisierung von lution mit der SelbstverbrenUnternehmen und BeteiSidi Bouzid ligungen von Ben Ali und nung des jungen Mohamed seinem Clan. wissen. Auch die Übergangs.« Besuch in Bizerte. sie könne schule verlassen.2 Prozent sei allein im ersten Quartal die Industrieproduktion gesunken. wie 1992 betont Rouis. wie Directrice die in den vergangenen Wochen illegal nach Italien Lurdes Silva sagt. Er machte aber auch klar. waren die Pro. Doch mit den Folgen der Revolution im eigenen Land wusste sie nicht umzugehen. Ingenieur in einem Callcenter. Seither ist erst kollegen von mir haben bis heute keine Arbeit. dem hat der Arbeitgeber bisher nichts anderes geboten. Wandzeichnung des Ex-Diktators Ben Ali in einem Souk in Tunis Foto: Jonathan Alpeyrie/Polaris/laif Vor knapp vier Monaten triumphierten in Tunesien die Menschen über die Diktatur. Ihm gehören rund zehn Prozent der Hotelbetten in Tunesien sowie ein Möbelimperium. Sie bevölkern dort die Straßencafés. Mittelmeer zufolge entzogen der ExAm Telefon in seinem Büro TUNESIEN Diktator und seine Familie im Industriegebiet des Küsder tunesischen Wirtschaft tenortes Sousse signalisierte ZEIT-Grafik ALGERIEN LIBYEN jährlich rund zwei Prozent Rouis dem Minister tags 200 km des Wachstums. Der Chef persönlich kam aus Portugal seiner Qualifikation. Trotz sechsjähriger Berufserfahrung. Schon geht Werksgründung kommt. Doch der Neuanfang nach 23 Jahren Diktatur in Tunesien ist nicht so entspannt. unbegen Schokoladenfabrik T-Shirts für die französische fristete Verträge bekommen. ist der Nürnberger Kabelhersteller Leoni. dass Tunesiens Wirtschaft dieses Jahr um lediglich 1. um die Einhaltung von Vorschriften gefeilscht. wie er sagt. nachdem die Tunesiens Wirtschaft eine größere Bedeutung er. das Unternehmen die WirtTunesien als billigen Pro10. sollte die Islamistenpartei als stärkste verdreifacht und die Umsatz. »Aber wer nur über Geld spricht. Und so mancher ausländische Investor. Die Aufgabe entspricht zwar nicht den-Woche. Nicht in der Politik.32 12. Die Direktion des Hauses wenige Meter neben dem Innenministerium auf der Prachtstraße Avenue Habib Bourguiba hat Hunderte internationaler Konferenzen organisiert und diskret auch so manches Geheimtreffen. Sidi Bouzid. erren mehrere Hunderttausend zählt Mohamed Larbi Rouis. saß ein Universitätsdiplom. 200 Beschäftigte. dass finanTunesien EU 9. hätten wir nicht Gruppierung. Er lasse sich nicht unter Druck setzen. dass er grundsätzlich Ausländische Investoren offen sei für den Standort. macht den Arbeitskampf zusätzlich brisant. Streiks und Straßenblockaden behindern seit Wochen immer wieder die Industrieproduktion und Anlieferung wichtiger Materialien. Daran hätten es viele der Offshorebetriebe. Vor allem wird befürchtet. das in Bouazizi. ist Claude Cheneval überzeugt. Das sind etwa 30 Prozent der abhängig beschäftigten Arbeitnehmer.« Mehdi Rouis muss da nicht lange überlegen. abschlüssen in Mikroelektronik und Qualitäts»L’Union fait la force« steht auf den Kitteln der sicherung war der 30-Jährige ein Jahr lang arbeitsArbeiterinnen. Auch sie los. sagt Rouis. Maximalforderungen von heute streikenden Arbeitnehmern hätten auch mit Jahrzehnten des erzwungenen Schweigens und völliger Unerfahrenheit mit Tarifverhandlungen zu tun. »Der freie Stellen gegenüber. zwei Masterabschlüssen zusätzlich zum Studium und einer Position als Teamleiterin bei einem Autozulieferer verdient sie derzeit lediglich 900 Dinar brutto im Monat – umgerechnet nicht einmal 500 Euro. beiten.Einwohner in Millionen: duktionsstandort zu begrei14. sondern wegen der Revolution.7 Prozent 2010. kritisiert er. Und nicht in der Wirtschaft. dass müssten aber auch aufhören. Für 75 Prozent der Schulabgänger in Tunesien haben Diktator Ben Ali. Minister für Internationale Zusammenarbeit und Interims-Finanzminister Jalloul Ayed hat einen Ausländische Investitionen hat mich angerufen und »Marshallplan« für die arbeitslose Jugend angeküngebeten. bevor er 2009 den Job als Vorarbeiter bei haben gestreikt.ran halte ich mich.und Gewinnprognose Kraft aus den Wahlen hervorgehen. dass da mal was war. dass ein Jurist mangels adäquater Alternativen Unternehmensgründungen von Gunstbezeugungen als Verkäufer für einen Mindestlohn von 280 Dinar der Antragsteller abhängig machte. Diktator Sein al-Abidin Ben Ali war so schnell und leicht vertrieben. Am Cap Blanc. Ennahda ist nach dem Verbot nach vier Jahren unbefristete Verträge gewähren der früheren Regierungspartei RCD die einzige muss. Blusen für Trussardi Jeans er den streikenden Mitarbeitern versprochen. meist cedes-E-Klasse und die BMW-3er-Serie. binnen fünf Jahin Sidi Bouzid eröffnen«. um ihre neue Freiheit zu genießen. dass Revolution wie ein Kinder- spiel erschien. Juli aus Unregierung geht jedoch fest davon aus. die aufgrund ihrer langjährigen Armehr die Flexibilität. sagt Sonia Ben Salid. Tunesien in Zahlen . »Daoder Jacketts für Zara und Massimo Dutti. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus. warnt Abdelaziz Rassaâ. das schaffen. »Ein Volk.5 IMPORT zielle Not und die Enteignisse ließen sich nicht Handelsdaten von 2010. ob Tunesien auch ein wirtschaftlicher Aufbruch gelingt.Partei Ennahda bei der Wahl am 24.hier mit 6000 Leuten und moderaten Löhnen arverzug mitlesen. die jedes Jahr Schule oder HochEntourage des Diktators glaubte sogar. und dass auf dem Mittelstreifen ein Panzer steht und keinen Meter neben der Kaffeetasse Stacheldrahtrollen aufgetürmt liegen. dem nördlichen Ende Afri- kas.3 eine der Voraussetzungen Unternehmern über Tarifver*Schätzung für 2011 gewesen. Die EXPORT 11. lässt sich von einem Unternehmer nicht Sousse arbeitet auch samstags. der seit Jahren im Land lebt und auch mit der deutsch-tunesischen Handwerkskammer zusammenarbeitet. wie er aussieht. »Muss er ganz und gar nicht«. ob wir Stücke. dass lassen. Gefahr für den Übergang zur Demokratie«. die wir als Unternehmen beit im Londoner Exil über Parteistrukturen und brauchen. weil die Bezahlung dieses Jahr Einer von ihnen gehörte zu den jungen Tunesiern. »Studienangereist und nahm sie ins Gebet. der sich selbst anzündete. für mehr Geld und eine 40-Stun. was in Nordafrika gerade passiert. »Das müssen wir schon deshalb übersetzten. Gerade hat der französische Unternehmensberater. Ein Teil der 6000 an die Felsen. weil auch die Preise für Lebensmittel und andere Waren steigen. die durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben angelockt wurden. Arbeitslosigkeit in Prozent*: fen.Leoni bekam. »Aber handlungen aufnehmen. Aber es ist nicht ungewöhnmacht fördern wollte und Lizenzen für einheimische lich. dass die zufriedenheit Profit schlagen könnte. Das Fünfsternehaus im Zentrum von Tunis ist nicht wegen ein paar Umbauarbeiten abgesperrt. Industrieminister der Interimsregierung.mindestens sechs Jahren im Betrieb arbeiten. darauf. sagt Cheneval. »Wenn die Arbeitgeber ein bisschen was drauflegen.« Inzwischen hat Rouis die ZEIT-Grafik/Quelle: GTAI schaftliche Entwicklung den zu Diktaturzeiten obligapolitischen Neuanfang getorischen Fotos von Ben Ali im Werk abhängen fährden könnten.« Und die Forderung nach Lohndem Arbeitsplatz zählt ein Computer die fertigen erhöhungen? »Sie müssen sich entscheiden. in Mrd. So kann die Zentrale in Portugal ohne Zeit. arbeiten für den Ableger der portugiesischen anderen die für den VW-Konzern. Néji Mhiri.gebläht werden. dass der im benachbarten Algerien. »Würden wir das umsetzen. An je. Ein erbitterter Arbeitskampf hat zur Schließung des Hotels geführt. Auch Mohamed Eines der ausländischen Unternehmen.1 es war schon zu spät.

Ende 2008. dass die Balten in Jahrhunderten der Fremdherrschaft gelernt haben. hätte zwar den gleichen Effekt gehabt.ginnen werde. Laut Statistik haben von Bruttosozialprodukt in Milliarden Euro Nordeuropa und besonders in 600 000 lettischen HaushalDeutschland. Lettland machte durch. Als dabei ein paar Fensterscheiben zu Bruch gingen. das nicht in ausländischen Händen ist. »Zudem braucht es Knowhow. das Bauwesen und der Finanzsektor auf. verkürzte die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld und kappte die Zuschüsse an den öffentlichen Nahverkehr. die Pullis und Röcke aus Lettland in ihr Sortiment aufnahmen. die Miete für die Rigaer Wohnung. ist Schönsein in Lettland so billig zu haben wie lange nicht mehr.und thek. So verlässt zum Beispiel Holz das Land tonnenweise. Die deutlich reduzierZEIT-Grafik 100 km Viel härter trifft es hinten Produktionskosten haben gegen jene. der Käse auf dem Wochenmarkt: Vieles ist preiswerter als noch vor zwei. 2010 ging es noch ein bisschen weiter nach unten. Deren Verbindlichkeiten wären weiter gestiegen. das in Lettland nicht vorhanden ist. Das UnternehInflationsrate in Prozent*: –1. Also werden alte Überlebensstrategien neu im Jahr 2014 den Euro einzuführen und es damit belebt: Die Oma auf dem Land. Das ser war weit drastischer als der gegenwärtige Ab.« Fotos (Ausschnitt): Roman Koksarov/AP/ddp (u. aus denen sich Bauernhöfe oder Flugzeuge zusammenstecken lassen. das man auch in Ländern wie Spanien gesehen hat«. Auch im Baltikum schlug die globale Finanz. mit aller Kraft Löhne und Preise zu drücken. ganze Familie mit preiswerDie Chancen darauf stehen tem Essen aus dem eigenen ESTLAND gar nicht schlecht.2 Prozent. Nach harten Reformen könnte es 2011 wieder aufwärts gehen VON JAN PALLOKAT S Blick von Rigas Kathedrale (oben). ein Café im Zentrum (Mitte). um seine Banken mit ZwangsversteigeWaren nach Westen zu brinrungen zurück. Und eine lands Wirtschaftsabsturz vorerst LETTLAND Kollegin fügt hinzu: »Beim gestoppt ist. gründete Amerika vor einigen Jahren ein Modelabel. versorgt jetzt die resbeginn gilt. was im Ökonomendeutsch »interne Abwertung« genannt wird. dieses Jahr scheint Riga Einkaufen schaue ich jetzt ein leichtes Wachstum wieder genauer hin. die Rettung der wankenden Parex-Bank. Der Kollaps des sozialistischen Riesenreichs traf Lettland hart. Anders als in Deutschland. im Boom eher dem Nachbarn Estland gleichzutun. vor allem jene. »Wir gehen weniger Ostsee deuten darauf hin.könnte auch Lettlands erklärtem Ziel helfen. viel gewaltiger. relativ zur Größe des Landes. Mit seiner Hauptstadt Riga. Lettland lebte dank seiner drei Ostseehäfen Riga. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes lag 2009 bei nicht einmal neun Prozent. Auf Knopfdruck lässt sich die industrielle Basis nicht vergrößern. und ausländische Anbieter steuern in Schwung kommt. Wahrscheinlich liegt die nachgerade unwirkliche Ruhe daran. nahm die Baltenrepublik eine Entwicklung. Ein weiteres Beispiel für die Chancen in der Nische ist der Holzspielzeughersteller Varis. mit Holzspielzeug und Ökopullis ein Land zum Wohlstand führen? Wahrscheinlich bleibt den Letten vorerst nichts anderes übrig. Alle Zahlen Garten. des Lats. Inzwischen arbeiten zwölf Mitarbeiter für die Firma Ameri.und Wirtschaftskrise mit unerbittlicher Härte zu: Die Wirtschaft schrumpfte allein 2009 um 18 Prozent. sagt eine Mitarbeiterin im Rigaer Day Spa. dass Lettaus«. Zuverlässigkeit und den inzwischen wieder niedrigeren Löhnen Nischen bedienen. Ihr Besitz ist nach Ostlettland. nach harten Reformen und Einschnitten. drei Jahren.2 kaufen. Zu zent des Bruttosozialprodukts und damit weitaus Boomzeiten war das anders. sich an einen hohen Lebensstandard zu gewöhnen.WIRTSCHAFT 12. der die lettische Wirtschaft hatte heißlaufen lassen. Und wer den benachbarten russischen Markt bedienen will. zu protestieren«. Manchen Wirtschaftsexperten gilt Lettlands Rosskur als beispielhaft. Die Arbeitslosenrate schnellte nach oben. wieder Rücklagen zu bilden. und luden für die Rückfahrt die Bretter und Latten dass die Regierung mit dem Ende der Krise be. das Freiheitsdenkmal eit die bekannte lettische Kosmetikkette Kolonna ihre Preise um rund ein Viertel gesenkt hat. Eine Abwertung der eigenen Währung. dass sie es seither nie mehr wagten. früher haben wir möglich. die mit Fleiß. Vom Gipfel des Booms bis zum bisherigen Tiefpunkt der Krise verlor das Land ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung und brach damit so stark ein wie kein anderes europäisches Land. spottet ein Diplomat in Riga. zahlten in Lettland überwiegend Arbeiter und Angestellte die Zeche.3 oder Häuser auf Kredit zu aus Jekabpils (Jakobstadt) in Arbeitslosigkeit in Prozent*: 17. wie man spart und neue Einnahmequellen auftut. Lastwagen aus dem Westen Baustoffe nach Lettland Finanzstaatssekretär Bicevskis verspricht zudem. Nun war plötzlich die Frage. Getragen wird es fast einfach in den Wagen gelegt. produziert dort besser direkt. Viele Letten hatten auch gar keine Gelegenheit. ruinierte die Staatsfinanzen. die Löhne. Dann aber ging es in die umgekehrte Richtung. Lettland stand kurz vor der Pleite. »Das geht nur mit Mühsal und Arbeit. des einzigen lettischen Kreditinstituts von Bedeutung. allein von der kleinen ExportLITAUEN was uns gefiel. die Preise. die Löhne im öffentlichen Dienst wurden um 40 Prozent gesenkt. Im Boom allerdings blähten sich vor allem der Einzelhandel. Auch Varis verkauft direkt an ausgesuchte Spielwarenläden in ganz Europa. sagt Finanzstaatssekretär Martins Bicevskis. Für wirtschaftliche Dynamik sorgen dagegen eine Vielzahl kleiner Firmen. Der Familienbetrieb lässt in der lettischen Provinz Holzbaukästen fertigen. schon sturz. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 33 »Das geht nur mit Arbeit« Lettlands Wirtschaft brach in der Krise ein. Die daher verfügten Sparmaßnahmen summieren sich bisher auf mindestens 16 Prozent der Wirtschaftsleistung.) . »waren die Letten wohl derart erschrocken. Geld auszugeben. Liepaja (Libau) und Ventspils (Windau) von Transport und Transit. Freuen kann sich jedoch niemand darüber. Zum Beispiel die Firma von Ginta Amerika: Ehemals Beamtin in der Rigaer Stadtverwaltung. sich dem Unvermeidlichen zu beugen und auf ihre Chance zu warten. war das dünn besiedelte Land als Teil der ehemaligen Sowjetunion einst zu einem Industriestandort aufgebaut worden.aus Jekabpils auf. Lettland in Zahlen Das verarbeitende Gewerbe zu fördern ist erklärtes Ziel der Regierung. als roher Stamm. sagt Kudeiko. »Nur war die Blase. Lettland ist zu klein und zu abgelegen.« wirtschaft. sie erinnern sich noch an den wirtschaftlichen Kollaps nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – die. Auch das Bier in den Gaststätten der Hauptstadt. Es war ein kreditfinanzierter Immobilien. vom Tourismus und – wegen seiner ausgedehnten Wälder – vom Holzexport. wo die Gemeinschaftswährung seit Jaheine Last. Wohnungen der Holzverarbeiter Osukalns Einwohner in Millionen: 2. Die Welt sprach bewundernd vom »baltischen Tiger«. Zu Beginn der Krise gab es genau eine einzige größere Demonstration. steigenden Löhnen dazu hinDas merkt zum Beispiel reißen ließen. Das war hart«. Örtliche Spediteure sind während der Krise te sich allerdings ändern. »Es war im Prinzip das gleiche Spiel.1 ten 120 000 Kredite aufgeStecklatten für Saunen und nommen. »Jahrelang ging es darum. Die Kosmetiker und Masseure bei Kolonna mussten Lohnkürzungen um bis zu 40 Prozent hinnehmen. weil es kaum Käufer gibt. auch das gibt es zu wenig«. vor allem in Deutschland. Inzwischen allerdings. Kann man aber mit Kleinstfirmen. aber auch jegliches Vertrauen internationaler Investoren in die Überlebensfähigkeit der Baltenrepublik untergraben – und noch mehr Unternehmen und Privatleute in den Ruin getrieben. sagt die Kleinunternehmerin Amerika. Papierfabriken zu errichten würde viel Kapital erfordern. aber bereits weiter fortgeschritten ist – und die manche Beobachter als Blaupause für Athen betrachten. unverarbeitet. Damit ließen sich die Preissenkungen finanzieren. davon kann inzwiBlockhäuser wieder stärker geschen jeder dritte die Raten fragt sind. der einzigen Metropole des Baltikums. Dabei geht es darum. sobald der Markt wieder pleitegegangen. Er hinterließ Zigtausende arbeitslose Industriearbeiter. Immerhin: »Am Ende brauchten wir keine einzige unserer 40 Niederlassungen aufgeben«. bevor ich Lettland vor Beginn der Krise bei nur etwa 20 Pro. scheint ein neuerlicher Aufschwung möglich.einen freien Lkw bekomme«. die sich bevorzugt in Euro verschuldet hatten.0 18. Die konservative Regierung wurde im vergangenen Herbst sogar wiedergewählt.6 18.gen. sagt KolonnaChefin Ieva Plaude-Röhlinger. Allerdings errichten Industriekonzerne aus dem Ausland im Baltikum keine Fabriken. Sogar im traditionell agrarischen Litauen liegt er weit höher. ddp (2) . das Land am Rand der EU kaum noch an. die sich in einem Haus am Rande der Rigaer Altstadt einquartiert hat. zeigten noch alle Zahlen nach oben: das Wachstum. und die Letten glaubten der Welt sehr gern. urteilt der Ökonom Morten Hansen. die sich in den lettische Waren wieder attrakBoomjahren von den rasant tiver gemacht. der etwa von der Jahrtausendwende bis 2008 währte. wo Bauholz und 23. Erstaunlicherweise erlebte das Land keine Unruhen. die der Griechenlands ähnelt. Allerdings fehlen 2008 2009 2010 nicht mehr regelmäßig bedieVertriebschef Juris Kudeiko nen. nahm der Staat Notkredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch und beugte sich im Gegenzug dem Spardiktat der Geldgeber. Lettland erhöhte die Umsatzsteuer auf 22 Prozent.und Konsumboom. Statistikbüro Lettland nun die Lastwagen. Das Ende kam abrupt und mit Wucht. Während ihre Landsleute noch mit Immobilien zockten. Das dürf. »Die Lehre aus der Krise ist: Es gibt nicht den einfachen Weg zum Wohlstand«. nur um als teures Importpapier wieder zurückzukehren. Noch halten sich die ZEIT-Grafik/Quelle: Zentr. dass es bisweilen klüger ist. Sinkende Preise sind ein Krisensymptom. wo ein ziemlich starker Staat die Beschäftigten mittels Kurzarbeit und Konjunkturprogrammen einigermaßen vor der Krise schützte. baute Amerika mit ein paar Freundinnen auf ein Netz kleiner Boutiquen in Deutschland und Skandinavien. »Ich Immerhin lag die Verschuldung des Staates in muss manchmal tagelang telefonieren. Während des lettischen Booms. erklärt der in Riga lehrende Ökonom Morten Hansen.« Als die Blase platzte. da transportierten die niedriger als in westeuropäischen Krisenländern. auf zuletzt 17. damit die Wirtschaft zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren kann.1 dem Absturz meist deutlich men spürt den Wirtschafts*Ende 2010 weniger wert als die Hypoaufschwung in Mittel. um »endlich mal was Kreatives zu machen«.

Ende April hatte die Chicagoer Rohstoffbörse höhere Sicherheitsleistungen auf Silberkontrakte verlangt. mathematik ist das. Crash. Da wundert es nicht. eine Rückzahlung des Differenzbetrags. die Hoffnung machen.und Haft.35 Pro- zent war. »äußerst wenige« meldet die Continentale. die Ergo nennt eine monatlichen Zahlung von Pia mittlere vierstellige Zahl an Briefen und Anfragen.2 % RTS: 1928 +8.zentrale Hamburg herunterlud.9 % 1. diese Jahresprämien in unterjährigen Raten die Huk-Coburg. der für die Verbraucherzentrale Hamburg nicht angegeben hatte. klassischer Ratenkredit«. Zunächst waren es Freudentränen. Die Tabelle ist stottert wurde und Lanzes »SchulBezahlt ein Kunde seine furchtbar unübersichtlich. Sie man beispielsweise auch bestimträgen schien plötzlich mögbegründen das mit men. Dass es tatsächlich ein effektiver Jahreszins von 11. Verbraucherschützer Die Versicherer sind alarmiert halten dagegen: »Wenn der und versuchen. weil der Verbraucher nicht trale Hamburg sind lediglich Verträge unter 200 erkennen könne. rung. auch eine »Neuberechnung des Ratenzahlungszuschlags weil die Verbraucherschützer sich auf Urteile stüt. Neue Leben Lebensversicherung AG. Deshalb müsse auch der effektive kassierte diese Entscheidung dann aber wieder. vierteljährlich oder der Effektivzins. ihre sicherungen. sagt Bluhm.dort schlechte Entscheidungen ergehen. Jahresprämie nicht auf den« somit jeden Monat etwas Die »Kulanz« ihrer Versicheeinen Schlag.mehr zu verwenden. Es ist ein Drahtseilakt. doch Investitionen bleiben gefährlich Der Silberpreis steigt rasant! Nein. Der VZBV gewann 2006 vor gegen Ratenzuschläge abzutragen. musste mehr Geld hinterlegen. Diese zögerte und verweigerte dann. den sie dafür zahlt. Es waren die Brüder Nelson Bunker und William Herbert Hunt. Dann Begrenzung. Pia Lanze ging lange Zeit davon aus. Und dafür erheben die Versicherungen einen Aufschlag. Im Juni 2010 erhielt sie einen dreistelligen Betrag – bei Weitem nicht so viel.diese allen anderen Gerichten zum Abschreiben streit der Verbraucherzentrale Hamburg und der vorgelegt«. für zu hoch. der Preis brach daraufhin ein. Zinseinnahmen. er fällt ins Bodenlose! Oder halt: Jetzt steigt er ja doch wieder! Was denn nun? Das begehrte Metall hat vielen in der Finanzbranche gleich mehrfach glänzende Augen beschert. Inzwischen sind sie etwas entspannter. Es geht um Riesterverträge und Lebensver. rung ist aber ein Beleg dafür. sagt Rechtsanwalt Joachim die den effektiven Jahreszins in Riesterverträgen Bluhm. aber die Versicherer meist weit überlegen. Die 53-Jährige. Es kam zu einem sogenannten An. aber auch um Kfz-. dann ist das ein dem Landgericht Bamberg gegen die Versicherung. denn binnen weniger Tage Anfang Mai verlor der Silberpreis rund 20 Prozent (was öffentlich allerdings nur wenig beachtet wurde. Er ist verbrauVerunsicherung herrschte. Denn schon einmal. wie sie erwartet hatte. Illustration: Karsten Petrat für DIE ZEIT/www. Dann kamen Tränen der Angst. mit Inflations. die Prämie Monat für Monat abgeerklären sollte. Nachteile für die gesamte Branche Versicherer vorschreibt. Doch die Firmen verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG P ia Lanze wollte Gerechtigkeit. Doch nungsformeln. Für Normalanleger ist das ein sicheres Zeichen: Diese Woche von Finger weg! Als der deutMarcus Rohwetter sche Edelmetallkonzern Heraeus am vergangenen Montag in Hanau seine Bilanz vorlegte.1 % 1514 US$/ FEINUNZE +6. benennt den Denn auch die komplette die meisten Versicherer »echten Preis«. werden schied das Landgericht Hamburg in einem Rechts. Ein geschickter Schachzug der Huk – ein Die Verbraucherzentrale Hamburg und RechtsAnerkenntnisurteil kann nicht auf andere Fälle anwalt Bluhm setzen deswegen auf Verbandsklagen: übertragen werden. Euro Jahresprämie und Krankenversicherungen Pia Lanze nutzte für ihr Anliegen einen Musterausgenommen.ten zu verhindern. berichteten Manager davon. rechnung dieses Zuschlags ist stets die die Berechnung des Bedie volle Jahresprämie – auch wenn trags. dass sie ihre Jahresprämie monatlich abstottert. effektive Jahreszinssatz ausgewiesen werden muss«. Doch die meisten Kunden zahlen »unterjährig«.sicherung am Landgericht Stuttgart verurteilt. wenn der effekGenau das ist der juristiKunden nicht transtive Jahreszins nicht angegeben sche Knackpunkt: Gewähren parent genug.Huk. Dafür zahlen sie einen Aufschlag. stottert sie halbjährAussagekräftiger ist deshalb dass in der Branche zeitweise lich. Im Fall Pia Lanze unterjährige Zahlweise wie Verbraucherschützer beträgt der Effektivzins 11. Im Klartext: Wer mit Silber spekulieren wollte. dass die Un. Denn geklärt ist die knifflige Sache noch lange nicht. so ist zu hören. denn der Silberpreis erholte sich etwas. knickte ein. trieben Spekulanten den Silberpreis bis an die 50Dollar-Marke. Der Ratenzuschlag für die »einige Hundert Anschreiben« die DEVK. Wie wenig Neues gibt es doch am Finanzmarkt. dass sie für ihre monatliche Zahlungsweise fünf Prozent mehr aufbringen muss.44 US/$ +7. als habe sich die Geschichte wiederholt. Verbraucher hofhilfe zu behandeln«. Den Unterschied zwi.sich offenbar sehr ungeschickt. den sie damals bekam.»Dort spielt auch keine Rolle. soll viele andere Versicherer auf Urteile aus den versich abgezeichnet haben.5 % 103 US$/BARREL +15. vierteljährlich oder halbjährlich. Und schließlich flossen Tränen der Erleichterung. wie die Assekuranz betonte. Boom Der Silberpreis steigt wieder. Wird die Jahresprämie gestückelt. Laut Verbraucherzengewichtigen Unterschied – den von Ratenzuschlag trale wurde dieser Brief fast 200 000-mal herunterund effektivem Jahreszins. Erst als Lanze einen Anwalt einschaltete. in den späten siebziger Jahren. Es fehlt bis heute ein höchst. Insgesamt geht es womöglich um Millionen Verträge. Kleinere Schlachten und schlechter Vergütung der Rechtsanwälte seien werden gewonnen. schicken schen einem in Verträgen ausgewiesenen Zuschlag aber nur wenige diesen Brief dann auch ab. dass die meisten Versicherungen ihre Prämien auf Jahresbasis kalkuliert haben. verlangen cherfreundlicher. um Spekulationen einzudämmen.35 ein Verbraucherdarlehenskritisieren. schwante ihr erst Anfang 2010. so die tatsächlich zu berappenden Preis. also monatlich. Brisant aber bleibt der Streit. Lanzes Versicherung höheren Verwaltungsgünstig ist.com Abgesichert oder abgezockt? Viele Versicherte begleichen ihre Prämien in Raten. sondern kleiner wurden. den sie sich von der Website der Verbraucherternehmen verunsichert waren und zunächst mau. die lediglich Einzelfallcharakter haben. »ohne Anerkennung einer Rechtspflicht«. Pia Lanze schrieb ihrer Versicherung. Teilzahlung . mit ihm kann Rückabwicklung von VerZusatzkosten. was für ein Typ der richterliches Urteil mit Grundsatzcharakter. die in Wirklichkeit anders heißt.oder Deflationsszenarien hat der Silberpreis womöglich weniger zu tun als gedacht. rückwirkend nur den gedie Versicherer den Ratenzahihn das Bezahlen in setzlichen Effektivzins von vier lern einen Kredit oder nicht? Raten tatsächlich kostet Prozent zahlen müssen. Höhere Finanz. wenn wichtige Angatieren wie Lanzes Versicheben zum Zins im Vertrag fehlen. Und gungen für den erhobenen Ratenzuschlag auch der die Versicherer werden weiterhin alles unternehmen.seit Vertragsbeginn auf Basis des gesetzlichen Zinszen.17 US$/ SCHEFFEL +14. machten es für den fen nun. der dann Fast alle Versicherer argumenfällig wird.4 % GELD UND LEBEN Boom. Für den Effektivzins betont heute. Und mancher Kläger verhielt selbst etwas entschied. Die Huk genauerer Betrachtung nicht immer wasserdicht. Glaubt man den Versicherern. gerichts. satzes von 4 Prozent« und die »Rückerstattung der Bei dem Streit geht es um einen kleinen. die Klauseln Prozent. Bei der unterjährige Zahlung wird – wenn überhaupt – in Generali liegt die Zahl nach eigenen Angaben »im Prozent des Jahresbeitrags angegeben. so wie viele andere auch. Lanze war es ein Zuschlag von fünf Prozent. »Wenn dann Einzelfallcharakter haben. Laut der Verbraucherzen. Doch diese Urteile sind bei wohl dem VZBV recht geben würde. wie sie sagt. weil zur selben Zeit die Tötung Osama bin Ladens diskutiert wurde). Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach einmal von 15 Milliarden Euro. Im Fall der unteren vierstelligen Bereich«. dass sie. Darin forderte sie erten. Versicherungsnehmer im Einzelfall ist«. wie hoch der Zuschlag sei.geladen. Dann Absturz. Mai 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 20 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7526 +7. Das Oberlandesgericht Prozesse führt. Damals erfuhr sie von einem langen Rechtsstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern. monatlich ab. Und forderte Geld von ihrer Versicherung zurück.4 % 2659 US$/ TONNE +6. Umgekehrt heißt das: Mit den Aussichten der Weltwirtschaft. heißt das Teilzahlung. Sie hält den Aufschlag. ohne dass der BGH zur Sache effektiven Jahreszins. Das räumte auch ihr geschäft oder Finanzierungsin den Verträgen Versicherer ein. Sie wurden erst durch die Anordnung höherer Sicherheitsleistungen gestoppt.brief.Klauseln zu Teilzahlungszuschlägen zukünftig nicht pflichtversicherungen. Was den Verbraucherschützern unterdessen Bei Individualklagen mit niedrigen Streitwerten gelingt. Während Die Versicherung von Pia Lanze beruft sich wie der mündlichen Verhandlung.1 % NIKKEI: 9819 –5. aber zu viel gezahlten Zinsen«. »Verfür die Stückelung der Jahresprämie und einem einzelte Anfragen« habe man bekommen.splitintoone.5 % 7. die die Branche vielleicht zahlen müsse. ob ein Darlehen teuer oder lich. Anfang Mai erst ent. dann aber Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gegen anbietet. »dass es keine kosten und entgangenen gibt es komplizierte Berechrechtliche Verpflichtung gibt. Unfall. stieg doch der Silberpreis binnen eines Jahres von weniger als 20 Dollar je Feinunze auf rund 50 Dollar. Und reine Kulanz. Das gelang ihnen im Rechtsstreit der det und zu Beginn eines Jahres fällig sind. sind Etappensiege. Es ist ein klassisches Mittel. Mittlerweile weiß sie. dass Jahresprämien geschulabzuwenden. dass beim Silber immer noch sehr viele Spekulanten unterwegs seien. Für Versicherungsnehmer wie Pia Lanze und für die Assekuranzen.In einigen Fällen ging es im Kern gar nicht um den erkenntnisurteil. Die Jahreszins angegeben werden. Das war aus heutiger Sicht etwas hoch gegriffen. wie viel wurde.schützer herrscht längst noch keine Klarheit.34 12. hatte etwas an der Ratenzahlung für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung und ihre Altersvorsorge auszusetzen. Erst Spekulation. Nicht nur Heraeus macht übrigens Spekulanten für die Silberpreiskapriolen verantwortlich.9 % 12 745 +10. Sache ging bis vor den Bundesgerichtshof. »dass bei PräTrotz der jüngsten Teilerfolge der Verbrauchermienratenzahlungsklauseln in Versicherungsbedin. kam Bewegung ins Spiel. sagt Bluhm. Der Silberpreis ist ja auch schon wieder gestiegen. dass der zuständige Senat gangenen Monaten. Die Kursausschläge sind unvorhersehbar. Nun gilt das Urteil des Land. Die Referenz bei der BeLanze erhielt eine Tabelle. Es scheint. um ein höchstrichterliches Urteil zu ihren UngunsUnd Ende April wurde die Stuttgarter Lebensver. Dann wieder von vorne.

Die Internationale Energieagentur hat damit 80 Prozent seines Stroms. Industrieanlagen. Eisengießereien und Essener auch versuchen. sagte überantworten. Heinrich Hiesinger muss klare Entwicklungslinien schaffen. auch wirtschaftlichen wenn sie zum Beweismittel des Gegners werden. dass man jemandem mittels Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen zum juristischen Sieg verhelfen könnte. mand sollte deshalb ernsthaft meinen. wenn sie die Welt gegenwärtig lohnen könnte.aufzugeben. in dem die Abscheidung von Kohlekraftwerken zu entlasten. vormachte. Eine gewaltige Summe – selbst bei einem Börsengang der Edelstahl-Sparte. dass alle Tests am Ende Carbon Dioxid Capture and Storage soll das bei mit dem einen Urteil enden: Lieber nicht. Die Autoteile werden weniger. Weil die Republik vor Mitte des Jahrhunwill. der Ehren-Aufsichtsratsvorsitzende und heimliche Herrscher des Konzerns. CCS versucht also. »Fledie Konjunktur einknickte. die sich teils pro und teils contra auch die Bilder der Verhaftung Klaus bei der Kachelmann positionierte. Es geht da. ob Berthold Beitz. Ähnlich ist die Situation in Niedersachsen. meint er. Sicher nehmen auch Richter des Landgerichts Mannheim die Berichte über das Kachelmann-Verfahren wahr. Vergangen. Auflagen zu formulieren.und Kohlestrom. Bevor er neue Investitionen tätigen kann. Briten.den Einsatz von Carbon Dioxid Capture and schen Gesteinsschichten – in Deutschland Storage nicht vorstellen.und Strafverfahrens für KachelAuch die Auftritte bekannter Wirtmann vorteilhaft war. als lebten in Deutschland lange Pipelines zwischen Stromfabriken und sehr viele dieser Zeitgenossen. Gerade die Richter im Fall Kachelmann demonstrieren.stahl Damit hatte sich die Sache 43 4 Anlagenbau 1 Kriegsschiffe traktiverer Geschäfte zu geerst mal erledigt.das Recht der Herausarbeiten der eigenen Argumenrum.bringen dürfte. den neuen Mann auch gewähren lässt. Der Arcelor-Chef gründete für die korrosionsbeständigen Werkstoffs vor 100 Jahren ungeliebte Tochter eine neue Gesellschaft namens ist viel passiert: Längst können Chinesen den Edel. Deshalb. schaltete Atomkraftwerke.Ländern zu überlassen.Gegenwärtig erzeugt China – wo fast wöchentschutz und Kohlenutzung zusammenzubrin. Nimby heißt im Englischen jene Spezies Mensch. Im Wissen. was auf diese Weise gespeichertes auch die Anwendung – von CCS allein anderen Gas für die anliegenden Grundwasservorkom. In der destag und Bundesrat zwar kohle ist relativ billig. den Standpunkt von Unternehmen oder Privatpersonen. Wert. Natürlich könnten die lich die Autoblech-Pressen. In wurde – am schnellen Atomdieser Woche beraten Bunausstieg.6 geschäft.und Kommunikationsstrategie ist dafür notwendig.nach Sparten. weshalb zuletzt alle verfügbaren Mittel in neue Hochöfen und Walzwerke gesteckt wurden. denn die mussten in dieser Zeit fast ohne Investitionen auskommen. doch vieles. Was ist geschehen? Leicht lässt sich dies bei der bei Anwälten und PR-Beratern. Die potenziellen nerschaft« einbringen. auf die intensive Erprobung Betrieben wird es von dem schwedischen Kon. Allerdings emittiert selbst ein modernes Kohdie ihm die Erkundung unterirdischer CO2. Innerdachte Weltklimarat. Lebendig bleiben ist Rechtsanwalt nicht.landläufige Meinung.WIRTSCHAFT ANALYSE UND MEINUNG Probiert’s doch mal! Kohlestrom kann man sauberer machen. Klima.selbst der hartnäckigste Sanierer der Branche. verantwortlich. Die Causa Kachelmann hat zwar ein breites. . eine gute Entwicklung ist dies nicht. Einfluss. Die sicherste Alternative 13 wird abgespalten Das klingt gut. die Verfeuerung von Braunkohle. Es gehe. ob ThyssenKrupp künftig Stahl.lich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht – gen. Eineine neue und für Laien eigenartig seiner Arbeit sind zig durch sachliches. »Mit fröhUnangenehmes zwar land kein Ende der Kohlenlichem Gemüt« solle die Techutzung in Sicht ist. sondern auch bei Verworrenheit des Falls nicht sagen.nige Tausend Anlagen. Diese Fülle macht es einem Chef schwer. Insgesamt würde eine Tonne Weitere Informationen im Internet: blog.dioxidemissionen entfallen gegenwärtig nur auf rung. A DIE ANALYSE 12. Gegenwärtig hat mindestens 20 Prozent. als lebten in abhängigen Energieversorschung von CCS sein soll. Deutschland viele gung.jährlich so viel CO2 wie zwei Millionen Autos. In den Medien einer Vergewaltigung steht im Raum. Einzig bei der Bestimmung der Strafhöhe gibt es einen. Diese Stromfabriken und die Mutlosigkeit vieler Landespolitiker. beim Nachbarn Polen mit einem Nobelpreis besogar über 90 Prozent. die potenziell Unmen bedeutet. vor Beginn des MannesSteuern ließ sich die Presse dagegen mann-Prozesses. Vom Edelstahl stahl aus dem Portfolio verAuto Edelstahl will er sich trennen schwinden. kämpft manchmal um zwei. so die Ungewöhnlich am Fall ist aber eine massive me. ThyssenKrupp war einst Weltspitze beim Edelstahl und hat die Position verloren.50 Jahre am Netz bleiben. Holstein ermöglicht hätten. kann Verfahren: Niemand weiß bislang etwa. Hunderte Kilometer man den Eindruck. in Pipelines geleitet und schließlich in gen noch für Jahrzehnte einen wesentlichen Teil Lagerstätten tief unter der Erdoberfläche ver. dass die fortlaufende Privatlebens des Moderators und G O S T O M Z Y K Weitergabe von Details des ErmittGründers eines Wetterdienstes.keinesfalls in Deutschland? Es ist reichlich egohunderte sicher speichern können. liegt nologie auch in Deutschland gerne dem Nachbarn nicht – wie auch in dieser vorangetrieben werden.Medien und der te gegenüber Journalisten lässt sich für rend juristischer Auseinandersetzungen Telekommunikation den eigenen Standpunkt etwas erreichen – selbst wenn das angesichts der vorauszudenken und gegebenenfalls zu Foto: privat Tendenz vieler Medien zur Skandalisierung und Personalisierung unwahrscheinlich klingen mag. Fragt sich. konzern RWE sämtliche Konzessionen zurück. die reichlich vorhandene heiKohle hat man den das Grundlage für die Erpromische Braunkohle gilt als wichtiger Garant einer unbung und weitere ErforEindruck.Wirtschaftskanzlei ihrer eigenen Berichterstattungslogik standschefs der Deutschen Post. Lagerstätten müssten gebaut. Beide Kohlesorten Aber eigentlich könnten sich dieser Zeitgenossen werden als unverzichtbarer Abgeordnete und LandesverGrundstoff für deutschen treter ihre Arbeit sparen. ein klein wenig besser machen sollen. Und sechs der wo eine schwarz-gelbe Koalition die Unter. vom öffentlichen Druck unabhängig sein zu wollen. werden aller Wahrscheinlichkeit nach für 40 bis Ende April gab der Atom. Auch Angela Merkel warb Mensch. dass unbedachte Interviewerlei: sein Recht und seine öffentliche Reputation. Kommunikationsprozesse wäh.zeit. aber meist negativ besetztes Bewusstsein für diese Beratungsleistung geschaffen. ist aber anspruchsvoll. als dass sich CCS wie Ideen eben sein müssen. bis im Spätsommer 2000 Aufzüge 5 das Unternehmen mit. Beim Edelstahl kapitulierte nämlich Beispiel Edelstahl: »Nirosta« ist zwar die bekann. ren mit seinen Prognosen über die Kosten des Natürlich gibt es berechtigte Zweifel an dem Klimawandels weltweit Aufsehen erregte. denn auch bei der Aufte Wettbewerbern anzudienen.Aperam und verschenkte deren Anteile kurzerhand stahl billiger herstellen. ob sich den Kampf gegen den Klimakollaps ohne die zur CO2-Lagerung vorgesehenen unterirdi. Kohleverstromung wird notgedrungen. senKrupp offen – allerdings käme dabei kein Cent Mehr als einmal versuchte der Konzern die Spar. Beim normalen Stahl verteidigt der Konzern Platz sechs im Branchenranking. Mittels Es kann also gut sein. die Übersicht zu behalten – und noch schwerer. alle Bereiche mit der nötigen Liquidität zu versorgen. frachtet werden. kohleverbrauch nahezu verEnglischen jene Spezies doppeln. Grüne Parteipolitiker und lokale Bürgerini. NieKSB INTAX in Fachkreise diskutieren in diesem Hannover. Ackermann. In Strom angesehen. Aber der Stromerzeugung in einem Kohlekraftwerk CCS nicht einmal erproben heißt. Die Frage ist.des Verfahrens zu verzichten. Im vergangenen Jahrzehnt an seine Aktionäre.5 Milliarden Euro einbehäbigen Konzern wie ThyssenKrupp. Theater und Medien in Hannover.beeinflussen. und wirtschaftlichen Interessen. Ziel sei es. Viele Zeugen wird sie dabei eher kritisiert. Eben. Sie leben und arbeiten nicht auf dem Mond. wie lange etwa die Aufzugbauer Platz drei noch halten können. Beides ist falsch: Es ist die detaillierte Veröffentlichung des T O B I A S nicht ersichtlich. ob Kachelmann schuldig zu sprechen sei oder nicht. Der Vorwurf Staatsanwälten in Mode gekommen. wenn er ernsthaft Hand an den Mischkonzern legt. aber ebene und vor der Nordseeküste – das aus Kohlemeilern abgeschiedene Gas wirklich für Jahr.derts ohne Kohle nicht auskommen wird und falls im SPD-geführten Land Brandenburg steht weil CCS gegenwärtig die einzig bekannte in Schwarze Pumpe das einzige deutsche Ver. Der Fall des Wettermoderators Jörg Kachel. Doch die internen Auto 4. Der Plan FORUM Lernen aus dem Fall Kachelmann Kommunikationsberatung bei Gerichtsverfahren nützt weniger als gedacht VON TOBIAS GOSTOMZYK Wer vor Gericht steht. Dieser Weg stünde auch Thyssorgte Nirosta für reichlich Verlust. über Medien auf den Ausgang von Auseinandersetzungen Einfluss nehmen zu wollen. zu glauben. aber seit Erfindung des Lakshmi Mittal. relativ kurzfristig die Luft über suchskraftwerk. aber Zeitung schon suggeriert die Kanzlerin noch im Jahr vom eigenen Hinterhof 2007. Etliche Medien aktuelle Studie der Kommunikationswissenschaftund nicht zuletzt deren Publikum haben spekuliert. lungs. des damaligen Vor. Doch die Kartellwächter kamen gar nicht Krupp ebenfalls bargeldlos in eine »strategische Partdazu. dafür baut der Konzern weiter Aufzüge. Das ergibt auch eine und Sachverständige wurden gehört. äußerungen den juristischen Sieg kosten können. dass Medien neue Anlässe fanden. lerin Vanessa Tahal von der Hochschule für Musik. Sechs Milliarden Euro. Handel wäre deshalb eine Abspaltung was der neue Chef nun plant. Damals rich Hiesinger im Amt. Die Begründung: Rund ein Viertel der gesamten deutschen Kohlenmangelnde Akzeptanz in Politik und Bevölke. Eine wirtschaftliche Analyse der Kommunikationsstrategie von Kachelmann würde vermutlich nicht zu einem positiven Ergebnis führen. wird sich der Welt»Nimby« heißt im mit Milliarden. für Juristen nicht verwunderlichen. die potenziell Dass auch in Deutscheinmal für CCS.oder Technologiekonzern sein soll. Sollen die alle nur anderswo stehen. da Umsatz von ThyssenKrupp 2010 legt er einen gewaltigen Um. winnen. halb von 20 Jahren. Zusammenhang über Litigation-PR. Kriegsschiffe und Wälzlager für Windmühlen. Auch der tiativen mögen über den Teilausstieg aus CCS Ökonom Nicholas Stern. sondern bauplan für den Stahl. ZEIT-Grafik/Quelle: Geschäftsbericht wie sie zu Jahresbeginn Branhat auch Vorgänger Ekkehard chenprimus Arcelor-Mittal Schulz schon versucht – und zwar vergeblich.der weltweiten Energieversorgung ausmachen. Vielmehr dürfte schaftslenker vor Gericht bekommen der scheinbar nicht versiegende Inforgroße Aufmerksamkeit: Viele erinnern mationsfluss mit dazu geführt haben. Der Qualitätsstahl macht auch nach dem Abschied vom Edelstahl noch gut ein Drittel des Portfolios aus. allzu früh entstehende Klimagift Kohlendioxid aufgefan. Auch die Kosten sind ein Problem: Nach dem angenehmes durchaus dem Nachbarn überantgegenwärtigen Stand der Technik erhöht sich mit worten. Der Gebrauch von Litigation-PR ist nicht nur mann bietet dafür ein prominentes Beispiel. bekannt zu machen. Aber eine neue Form bekommt der Mischkonzern so nicht VON JUTTA HOFFRITZ Viel Spielraum kann Konzernchef Hiesinger mit seinen Plänen also nicht gewinnen. Importierte Steinfernhalten will. Das erklären Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzzern Vattenfall. Das klingt simpel. Das hat letztlich auch eine wissenschaftliche Erhebung über den Einfluss von Medienberichten auf Richter und Staatsanwälte dokumentiert. so die DER STANDPUNKT: Amerikaner und Australier Prognose seriöser Energiefördern seine Erprobung experten.bund Deutschlands und der WWF.lekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung noch Lagerstätten im CDU/FDP-regierten Schleswig. Vorstandschef der Deutschen Bank. werden noch immer Schuld daran sind der Widerstand der Bürger neue Kohlemeiler gebaut. und Debatte um saubere einmal mehr über ein Gesetz. vorbei. Doch wäre es naiv. scheint es unKohlendioxid aus dem Rauchgas getestet wird.und auch der klassische QualitätsTechnologiekonzern vor.Dass es aber auch falsch sein kann.12 xibilität« für den Ausbau at. unermüdliches anmutende Disziplin. Die Welt benötige eiüberwiegend unter der Norddeutschen Tief. Eine sorgfältige Verzahnung von Rechts.4 6 (verbleibt im und auch vom AutozulieferDebatten zogen sich so lange Konzern) 1. zu schweigen. Letztere besitzt ihren eigenen. so teilt hin. teste Marke des Konzerns. Verkauft werden sollen ledigPartner winkten direkt ab. Letztlich besteht das Ziel von Litigation-PR darin.Option ist. Doch das braucht Zeit – gerade in einem scher Schätzung maximal 1. Sie folgt Zumwinkels. die Erprobung – und möglicherweise bisher auch. müssen erst mal die alten Schulden weg. Umbau hier und da reicht nicht. Die Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger und Thomas Zerback fanden heraus: Schuldig oder nicht schuldig ist keine Frage guter Presse. Zur Jahr. alte Meiler nachgerüstet werden. der vor einigen Jahjubeln. Deutschland hat die großindustrielle Anwendung des und nicht als Ersatz für abgeVerfahrens fürs Erste kaum noch eine Chance. Des Weiteren ist es nicht erfolgversprechend. Unklar ist istisch. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 35 Un-Gestaltung ThyssenKrupp baut um und ab. die Tochter an die Börse zu Federfabriken des Konzerns – was nach optimistibringen. Das wäre ein Problem.zehn klimaschädlichsten Stromfabriken Europas suchung möglicher Kohlendioxidlager verbieten stehen in deutschen Landen. Einzig im brandenburgischen Ketzin wird die CO2-Speicherung noch ausprobiert. Gesamt Qualitäts. Kartellrechtlich wäre das sicher nicht ganz einfach geworden – noch ist lösung der Autoteile-Sparte werden nur begrenzt ThyssenKrupp einer der großen Edelstahl-Anbieter Erlöse fließen: Die Fahrwerk-Fabriken will Thyssenweltweit. Schwerpunkte Medien manipulieren zu können. so destens 50 Euro kosten – zu viel. um Manipulation von Justiz diale Begleitung über Monate hinweg. sich an das Victory-Zeichen von Josef ständig über den Fall zu berichten. Doch viele Deutsche wollen das Verfahren nicht einmal testen VON CHRISTIAN TENBROCK Das Kürzel CCS steht für eine große Idee. in den USA und sich ebenso für das Verfahin Deutschland sind es etwa ren ausgesprochen wie der 50.Bargeld in die Kasse. in Milliarden Euro sollte nicht nur Edel-. Mit dem Umbauprogramm will sich Hiesinger von einem Viertel des Umsatzes (2010: 43 Milliarden Euro) trennen. aber vom eigenen Hinterhof fernhalten CCS der Energiebedarf eines Kraftwerks um will (Not in my backyard). und Medien. die in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt sind.de/gruenegeschaefte eingespartes CO2 die Kraftwerksbetreiber min- tausendwende kündigte das Kaum mehr als 100 Tage ist Unternehmen schon mal eiThyssenKrupp-Chef Heinnen Börsengang an. Doch er bleibt die Entscheidung schuldig.

Hier versäumen wir es. Bei ihm feierte andere Parteien weiß die SPD. Ich bin bereit. Proband. bereit. Und darum muss es doch gehen. die Industrielobby intervepen zu indoktrinieren. Ein Gespräch Falk: Sicher. Falk erhält den Leipnizhätte man früher gesagt. Märkte und Wettbewerb gabe. Sehen Sie. wo sie kann. man Arbeitsfähigkeit feststellt. Aber hat die Ökonomie auch seine Eltern in ihrer Risikobereitschaft ähneln. und dem. sondern eine asoziale Handlung. der Mensch. Sind Märkte perfekt und Menschen rationalund sozialpolitische Antworten? DIE ZEIT: Wie wird ein friedensbewegter Junge Der Preisträger Es ist ungewöhnlich. Innerhalb der SPD stehe ich insoweit eher rechts. tue aber nichts nur um des Risikos willen. Ein sehr lohnendes sehen ist »Fördern und fordern« das Gegenteil Buch. weil wir gar nicht wissen. während die anderen scheidungsverhalten. Und mehr Risikofreude unter dem doch gibt es Korrekturbedarf. Sie muss Perspektiven erchen. wenn er mich vor. Und langsam merkt man.36 12. Da wurde ich mit offenen Arsondern muss die Partei der Aufmen empfangen. In der praktidass Sie etwas über Geldpolitik verfassten. Drinnen herrscht Betriebsamkeit unter den vielen jungen Forschern. welches Falk: Auslöser war der Philosoph Gerd Achenbach. ren und mehr Selbstvertrauen.. dass Risikoeinstellungen über schen zu verbessern? verschiedene Lebensbereiche sehr verschieden Falk: Ökonomie ist schon das Richtige für mich. dass er nun auch den Yrjö Jahnsson Award erhält. aber auch mehr Empathie mit andeunfair behandelt. Er begeistert. Für einen alltäglichen Auto. ob es ein System machen. Er erforscht. Unter den fairen Typen man deren Entwicklung durch Interventionen im gibt es wieder zwei Gruppen: Die einen wehren frühkindlichen Lebensabschnitt positiv beeinsich vor allem.garantieren. die Kanzlerin riefe an: Herr Falk. wie zwischen Menschen. ZEIT: Angenommen. Vorbild führende Politiker und andere EntscheiGründer der Philosophischen Praxis in Bergisch dungsträger abgeben.und Entwicklungswilligen mal konnte ich genau das masein. Aber der Mann für die richtigen Fragen lebt deswegen noch lange nicht im Elfenbeinturm. lies mal etwas von John Kenneth Falk: Reziprozität heißt da. Sie können einem nichts weg.steuerehrlich sind. Menschen eine Diskrepanz zwischen dem. Der heute 43-jährige Rheinländer Armin Falk hat nicht nur 2009 den höchstdotierten deutschen Förderpreis für herausragende Wissenschaftler gewonnen. problemen hineinzuversetzen. In gründung war Fairness.munizieren. in welcher Rolle man nachher ist. der zu nicht. auch die Ehepartner. dass er sie deswegen nachhaltig verändert.zu verhindern. ja. Bevor man warum die einzelnen Menschen so handeln. dass in der moder. weil und trinken mehr. nachdenkt und überprüft. Aber ob ich immer als nem anderen ist es umgekehrt. Falk: Tatsächlich hatte ich die Ursprungsidee aus schen Politik ist dann natürlich die Frage. Aber heute anderen wissen. Vielleicht bekäme Nehmen Sie die Lebensmittelman mehr Wachstum. bei dem die allerdings mehr mit Blick aufs individuelle Ent. der große Auszeichnungen wie den oft von uns erwartet. wie wir sozial funktionieren. was ich wollte. was es bedeutet. Und Untersuchungen belegen ja. dann wäre ich wohl auch den eine dramatisch große Zustimmung dafür. der Evolution geprägt. Und genau die bestimmen ganz wesentlich. was das eigentlich ist. Menschen beschränkt rational sind und soziale ZEIT: Je mehr Verhaltensökonomen lernen.Falk: Richtig. wie aber wusste. sprachen. sehr nahe. Ich wird das gesamte Einstellungsprofil von Eltern auf kann mir auch etwas ganz anderes vorstellen. Vielfach erleben vielgestaltiger präsentiert sich die Wirklichkeit. dass zugen risikobereite Männer und umgekehrt. Aber ein sozialdemokratischer Die positive Reziprozität wird in der Gesellschaft Ökonom. alle Menschen eigennützig und rational sind. dass auch eine Vertrauenskrise war. Sie essen nen auch nicht einfach zum alten Modell zurück. inwiefern Kinder ihren durchgesetzt. als Falk: Ich habe dann gesehen.genau aus dem Rationalitätsglauben ergab sich ja bild der Ökonomen. Man sollte ohnedies nicht verder Markt. zialsystem überhaupt erst zu schaffen. Viel spannender lichen Abhängigkeit herauszustreben. dann ist ohne Staat alles wunderbar. Zudem sind Bürger viel eher bereit. Sind Sie risikoverliebt? Falk: Auch wenn ich schon viele Tausend Men. Gute sozialdemokratische Politik ist es Dafür braucht man Empathie. ZEIT: Sie haben durch einen Forschungspreis und ZEIT: Zwei Kategorien menschlichen Tuns haben EU-Mittel rund vier Millionen Euro für Forschung Sie besonders erforscht: Wagemut und unser Ver. gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Falk: Für Experimente muss man wissenschaftliche zient. ich war selbst noch nie Gegen. Luhmann erklärte. wie einem Bändchen von Niklas Luhmann von 1968. Ernst Fehr von der Uni öffnen für Menschen. wie Armin Falk als Chef und Forscher funktioniert. Vorleistung. nähmen wir dafür sehr viel Geld in die Fragen in einfache Verhaltensprobleme übersetzen. die voranZEIT: Führende Ökonomen loZürich gilt als Nobelpreiskommen möchten. Im Schnitt sind wir unseren Eltern also sehr ähnlich. dass ich glaube. Heute kann man als Volkswirt beides musste man darüber abstimmen. Staat kann helfen. kann psychologische Motive in den wirt. Wäre das leistung erbringen müssen – oder nicht. Wer eine Gegenleistung Köln wollten Sie eine Diplomarbeit über Vertrau. wie groß unser Lebenserfolg ist und wie zufrieden Auf einer Skala von 0 (gar nicht risikobereit) bis wir sind. Anders als ben Sie als besonders kreativ. klein: Michael Hauri/imagetrust (l. was sie Falk: Wir können es uns nicht aussuchen. sondern auch ein Jahr zuvor den unter Ökonomen wichtigen Gossen-Preis. sind. desto Motive eine wichtige Rolle spielen. Zum Essen geht es ins Studentenlokal um die Ecke. Und auf einstiegs. Wo stehen Sie? nen Wirtschaft bei allen Transaktionen Vertrauen Falk: Hartz IV soll nicht auf Dauer ein gutes Leben eine Rolle spielt. Könnte sein.Güter. muss fragen. was Menschen als gerecht empfinden. nicht Ökonom geblieben.ZEIT: Der Junge aus Bergisch Gladbach hat sich tiven Studie untersucht. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WAS BEWEGT ARMIN FALK? WIRTSCHAFT »Ich bin risikobereit« Als sozialdemokratischer Starökonom ist Armin Falk ein Sonderfall. Gelb. wenn die stark durch den Liberalismus geprägt. als ich Abi. die Menschen in reguläre Beschäftigung kauf genauso wie jetzt für die Weltfinanzkrise. Partei der Desillusionierten sein. Was hat ein Ökonom schen befragt habe. grundder Industrie zeigt ja die Wirkung. dass sumenten sind nicht so schlau wie sich der untere Teil der Gesellschaft gedacht. selbst wenn sie es gut meinen.ZEIT: Hartz IV wurde renoviert. schaft zusammen mit der Frage. die sie hinterher es unkompliziert war. An realen politischen Fragen genauso wie an ökonomischen oder philosophischen Problemen. Grün: Quatsch. ob dadurch mehr Fäjemandem etwas Gutes zu tun. Und Sie? Falk: Ich würde nicht sagen. weiß ich noch nicht. die Kinder übertragen. Und jetzt kommt das Interessanteste: Die BeZEIT: Als Student hatten Sie es noch schwerer.Hoffnungen erfüllt. das regelt Preis von Matthias Kleiner. Interessanterweise Wissenschaftler arbeite. was sie tun. Sie besonders überrascht? Falk: Ein Beispiel: Wir haben in einer repräsenta. wenn es um finanzielle Dinge durch die hohen Standards einer gestandenen geht.). Ginge das? Falk: Natürlich. Persönlichkeit. Rot. die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt seit den ReforZEIT: Sie durften nicht – und haben doch weiter men erheblich zugenommen hat. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausFalk: Das ist keine sinnvolle Aufschütten. sie handeln.Wissenschaft diszipliniert. desto besser die ökonomischen wissenschaftlich salonfähig: Der Modelle und die Politikberatung. wie man die Le. Steuern scheinlich nicht überzeugt. freudigkeit der Bevölkerung ab. Übrigens ähneln sich Das Gespräch führte UWE JEAN HEUSER Fotos: Michael Dannenmann für DIE ZEIT.Funktion. in dem Hilfeempfänger eine Gegenschaftlichen Entscheidungen erforschen.higkeit zur Selbstkontrolle entsteht. bin ich risiko. Zu helfen ist sinnvoll. denn jeder Euro mehr Diplom gemacht – mit einer Arbeit über Finanz. Wir wollen sehen. Bei ihm ist. Risikobereite Frauen bevorAber Experimente und Befragungen zeigen.Man kann innovative Ideen ausprobieren und wird aus risikobereit. Wir fan. Dadurch wird eine linke Position das Menschenbild. aber davon abgedas einfach Vertrauen heißt. die negative ist stärker von Leibniz-Preis abräumt – das ist neu. diese durch ihre Arbeit finanzieren. Doch das tut er eben suchen.. Ich hatte aber immer das Gefühl. Ökonomen können viel zu einer besseren Politik beitragen. ZEIT: Das sind Grundregungen der Gerechtigkeit. aus Hartz IV und der staatmarktinnovationen in Kanada. sich in die zu lösen. dann reagiere ich abweisend. in dem er Vertrauen definierte als riskante von »unfair«. aber auch ampel. ZEIT: Ein paar wie Sie gab es Falk: Ich fühle mich der Partei damals schon. ZEIT: Immer gab es auch linke Ökonomen in der Falk: Sie gehören zu den wichtigsten Motiven. kaufen Dinge. sondern die Entstehung dieser Probleme emotionalen Verwerfungen von Entscheidungs. ein Ökonom. Es war also eigentlich eine zen. dass ein wissenschaftlicher Außenseiter so jung die großen Preise in seinem Metier abräumt. Bei ei. Sie wirken wie ein Schröin so etwas erschöpft. was andere Wahrheit ZEIT: Nirgendwo wird mehr mit Gerechtigkeit nennen. ein Experiment gemacht. positiv wie negativ. der tut sich schwer. vor allem für dann die richtigen Experimente sozial benachteiligte Kinder. zum Beispiel bei der Steuermoral. Die Steuern gibt es auch ein gutes Angebot öffentlicher traditionelle Auffassung davon hätte mich wahr. Es spielt auch eine wichtige Rolle. Und die Politik muss komGladbach.Befunde der Verhaltensökonomik zeigen. tungen erwartet. Genau das ist ja positive Reziwahl? prozität. Ich bin überzeugt: Je realistischer nicht wollen. Ich neige zu reziprokem Verhalten. und echten Egoisten. Die ZEIT: Sie sind ein Verhaltensforscher. dass Steuerbetrug kein Kavaliersdelikt tur machte und Zivildienstleistender war. dass die anderen auch ZEIT: Beeinflusste Sie jemand bei der Studien. der nicht bereit ist. Wo hat Ihr Politik sollte sich übrigens öfter melden. Die wissenschaftlichen Nase rumtanzen.und Sozialpolitik. In Deutschland hängt der Bildungserfolg besonders stark von der Bildung der Eltern ab. der/Steinbrück-Sozialdemokrat.dazu zu sagen? stand meiner Studien. Werde ich dagegen bereitschaft. dass die Gesellschaft Galbraith .ist das.ZEIT: Der Kerngedanke der Hartz-Reformen. Strich gut ist. sagte er. ob sind zentral für Wohlstand. Aber die ist auch wichtig. Beispiel. Ein und derselbe Mensch ist vielleicht über.bessere Chancen verschafft. Mit einem Teil erforschen Sie nun. Kandidat. wenn sie glauben. oft en schreiben. Und der Aufschrei zunehmend ablöst. die richtiArmin Falk erste Erfolge dass es dafür öffentlicher Untergen Fragen zu stellen und dafür stützung bedarf. was ökonomisch sinnvoll ist. Zu dieser Frage haben wir kürzlich benswirklichkeit der Menschen verbessern kann. soll das auch tun. Die Forderung nach deutlich höheren Sätzen entstammt falschen an die Ökonomie geglaubt? Falk: Ich habe erst mal aus Pflichtbewusstsein das Gerechtigkeitsüberlegungen.. die Gerechtigkeitsprobleme vom Ende her modellverliebt ist. und Falk ist mittendrin. Bundesrepublik. Aber alle Professoren lehnten ab. Falk: Bei Galbraith kam das Interesse an Wirt. legende Fähigkeiten mit Nachdruck zu fördern. die Lebensumstände der Menden dabei heraus. Erhöhen Sie die mal. so. Wir köneigentlich wollen.das weitverbreitete Dogma gegen staatliches Handeln. 10 (sehr risikobereit) bin ich eine 8. dass sich Ökonomie glied. sie können einem nicht auf der erleben wir eine Öffnung. zu zahlen.. dem linken Harvard-Ökonomen. es ist eher eine Drohkulisse mit der trale Wirtschaftsfrage. mehr Alkoholiker und Unfalltote. FähigkeiZEIT: Dann wird es höchste Zeit. geht es nicht (lacht). wie man Kindern aus benachteiligten Familien hältnis zur Fairness. Und vergangene Woche wurde bekannt. ganze Bevölkerungsgrupdem Chef der Deutschen nicht. die wichtigste Anerkennung für europäische Ökonomen unter 45. Die Wirklichkeit ist für ihn kein Störfall. sie darf nicht die dass in Zürich einiges geschah. DFG . die zu bringen. Und als wir über meine Studienwünsche argumentiert als in der Arbeits.ten. Und ZEIT: Diese Reziprozität verändert das Menschen. Ziel war es da. Falk ist der erste deutsche Preisträger. sondern ein Faszinosum. Hand. mehr Risikoher anständig behandelt hat. wenn man selbst len oder Kindergärten kostet. Zwar hat er sich vom ersten Preisgeld auch vorlesungsfreie Semester gegönnt. Wir fanimmer noch unmöglich.verringert den Anreiz. es kann ZEIT: Sie waren mal SPD-Mitnicht sein. ein SoDie Kombination finde ich nach wie vor wichtig. auch das. aus dem Rheinland zum Ökonomen? ZEIT: Wie das? Armin Falk: Zum Glück wusste ich erst gar nicht Falk: Menschen brauchen das Gefühl: Für hohe genau. um wirklich zu verstehen.geben sollte. und die Konfonat würde ich dann sagen. Jemand. andere flusst. Ändert sie auch wirtschafts. Falk: Ökonomen beschäftigen sich heute mit Präferenzen. Sie unterscheiden Wer mehr soziale Mobilität will. wie Falk: Mentorenprogramme für diese Kinder zum wir das nennen. für eine sozialpolitische Leistung auch GegenleisZEIT: .eingesammelt.einen Transfers empfangen. weil er sich begeistert. wenn es darum geht. Beim TeleForschungsgemeinschaft niert. denen Fairness ein Anliegen die entscheidenden Fähigkeiten entstehen – wie ist. Falk: Tatsächlich ist die deutsche Ökonomenzunft Es ist individuell manchmal von Vorteil. Wir erforschen das konkret anhand von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen. unser ZEIT: Bloß sind Politiker auch Wachstum hängt von der RisikoMenschen und machen Fehler. UJH egoistisch.erbringen kann. den LeibnizPreis. aber gar nicht bei Gesundheitsfragen. Einstellungen. Falk: Wenn ich an eine Sache glaube. dass ich ein knallharter ZEIT: Was meinen Sie mit »Intervention«? Egoist bin. dass nicht nehmen ohne ernste Konsequenzen. die uns Schuhabe ich erlebt. Sein Institut an der Bonner Universität liegt in einem alten Reihenhaus nahe dem Juridicum. Er faszinierte mich extrem. Es wäre höchst effizu entwickeln. ZEIT: Kommen wir zur Fairness. wenn andere unfair sind.

« Alzheimer – schon der Begriff löst bei vielen Horrorvorstellungen aus. sagt Zimmermann und macht eine lange Pause. jahrelangen Prozess der Hirnveränderung. vom Gefühl. sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten. Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst.de/alzheimer M Zimmermann will raus aus seiner Burg. An schlechten Tagen. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind von Demenz betroffen – Tendenz steigend. »Dann sitzt man da und schaut«. HALB ein Teil der Brücke habe abgerissen werden müssen. lesen Sie auf Seite 40. die Gedanken auseinanderfallen. Mit Dreitagebart und Nickelbrille sitzt er am Küchentisch seiner Dachwohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen und redet über seine Krankheit. aber falsch nachgerechnet und sich aus Scham über den (falschen) Fehler in den Tod gestürzt.WISSEN KINDERZEIT Hoffnung im Gepäck: Was es bedeutet. Praktische Tipps und Informationen zum Thema: www. die sinnlos dahinvegetierten. erzählt er. sagt Zimmermann. Doch Menschen mit Demenz (von der es neben dem Alzheimer-Typ noch andere Formen gibt) erleben sich selbst keineswegs nur im Zustand abgrundtiefer Verzweiflung.und Jugendbuch S. Und dass auch pflegende Angehörige Hilfe brauchen und wie man mit einem dementen Partner Urlaub macht. die sei immer noch da. Hat es damit bewiesen. Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen. die ihre engsten Angehörigen nicht mehr erkennen und am Ende nicht mal mehr sich selbst. Seine Bilder helfen ihm. Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden. »Dann reagieren die immer ganz betroffen und packen mit mir zusammen die Tüte ein. überfuhr Bordsteinkanten. An guten Tagen malt er. Eines Tages fiel er aus der Duschkabine. Oder: Der Baumeister habe richtig gerechnet. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt. Alzheimer. dass wieder etwas abbröckelt. Vorher arbeitete er in seinem Betrieb. Ihre Zufriedenheit hängt ab von erfüllenden Tätigkeiten. Die im Nachthemd auf die Straße laufen. lässt die Einkaufstüte im Supermarkt liegen oder bringt die falschen Dinge nach Hause. dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat. wenn er wieder einmal die Worte nicht findet. er habe Alzheimer. wenn die Leute überrascht reagieren. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 37 P L A G I AT S A F FÄ R E Doktor-Prüfung Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest. die Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen. Seit vier Jahren lebt der 62-Jährige mit der Diagnose Alzheimer. wie die Kranken die Welt erleben (diese Seite). Wenn ihm die Sätze. von echten Doktorarbeiten unterschieden werden. Mit Fahrgästen (Fachjargon: Fleischgewicht) sind sie zehn Tonnen schwerer.« Doch die Burg. sagt Christian Zimmermann: »Ständig bröckelt etwas ab. Dann kommt es vor. dieses Schicksal möchte niemand erleiden. einfach so. hat unser Autor in einem besonderen Heim erfahren (Seite 39). Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt die Wupper. Jetzt ergründet die Forschung. dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist. Zimmermann spricht gern in Bildern. das Handy.zeit. wenn die Mitarbeiter wieder einmal etwas falsch zusammenbauten – obwohl er es selbst nicht mehr zusammenbrächte. die irgendwann so groß werden. der auf die Herstellung von Kunststoffspiegeln spezialisiert ist. das Portemonnaie. Die damals schier unglaubliche Konstruktion reizte zur Legendenbildung: Der Baumeister habe falsch gerechnet. einmal sägte er sich fast den Finger ab. die sei »standhaft«. seit 1897. geht mit Freunden spazieren – oder berichtet anderen von seiner Situation. Beim Autofahren verlor er die Orientierung. So viel etwa wiegen die Züge – ohne Personen. weil er so lange zum Einpacken braucht. SAM WISSEN . Ein Plädoyer für einen neuen Blick VON THOMAS VAŠEK it ihm sei es wie mit einer Sandburg. natürlich von der halb fertigen Brücke. die lallend durch die Altenheime irren. Eigentlich sei es die »bestbetreute Zeit« seines Lebens. Der Tod schien ihm die bessere Alternative. Wie man gut mit ihnen umgeht. dass ihm Namen. Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden. die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen. Es ist höchste Zeit. sich verständlich zu machen. Flüchtling zu sein S. Dabei kann man auch mit dieser Krankheit Freude am Leben haben. Und wenn die Leute im Supermarkt mal wieder grantig werden. dass die Betroffenen Fortsetzung auf S.com Fleischfrei fahren Womöglich liegt doch ein Fluch auf der Müngstener Brücke. ANDREAS SENTKER Bernd Linde leidet an Alzheimer. diesen Alzheimer »übermalen«. bis ihm der Neurologe ein Bild seines atrophierten Gehirns zeigte. doch noch irgendwie gebraucht zu werden. finden sie durchaus noch Freude am Leben.philippwente. 38 Foto: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. beantragte sie die Freigabe für Personenzüge bis 72 Tonnen. per Schienenersatzverkehr. Irgendwann machte er plötzlich Fehler. Er sucht die Schlüssel. dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen. Man müsse die Krankheit eben »überlisten«. ihn umzusetzen. erklärt er einfach. Die medizinische Diagnostik nimmt allerdings vor allem die Defizite in den Blick: den schleichenden. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen. von der Bindung an Familie und Freunde. Man denkt an sabbernde Greise. Manchmal schaue er in seiner alten Firma vorbei. Es freut ihn. Alles falsch. ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. Immerhin erkenne er noch heute. Nun wird überbrückt. 48 12. Gunter Sachs hat sich – so schreibt er in seinem Abschiedsbrief – aus Angst vor »der ausweglosen Krankheit A.« erschossen. von »welken Hüllen«. So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten. sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden.« Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch dieser Woche der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft. Es ist die Rede von »lebenden Toten«. Orte und Begriffe verloren gehen. Beispielhaft zeigt der Fall. so wie es ein Maler mit einem schlechten Bild mache. steige die Angst in ihm hoch. Der Fotograf Philipp Wente hat sie für uns begleitet Damit die Würde bleibt T I T E LG E S C H I C H T E Die Diagnose Alzheimer löst oft Horrorvorstellungen aus. Der lange Weg durch die medizinische »Maschinerie« begann. Richtig dagegen ist die Meldung über die jüngste Fehlkalkulation: Nachdem die Deutsche Bahn die Brücke saniert hatte. Wie Befragungen zeigen. seine Frau Beate pflegt ihn (siehe Seite 40). 47 Kinder.

sondern eher der Fähigkeit. können wir die kognitive Ungleichheit überwinden – und damit das Gefühl der Fremdheit. Manchmal allerdings stieß sie einen durchdringenden hohen Ton aus. wenn man sie zu etwas drängte oder nötigte. der schließliche Verlust der Sprache. die Selbstbestimmung demenzkranker Menschen einzuschränken – aus Überfürsorglichkeit. den Würdeanspruch von Demenzkranken zu relativieren – und damit auch unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenüber den Betroffenen. Solange die Burg bröckelt.« Demenzkranke Menschen entwickeln aber auch Strategien. die das Kommunikationsverhalten einer schwerst demenzkranken. zeigten viele Ausdrücke von Freude oder Wohlbefinden. Dieser andere Blick auf die Alzheimerkrankheit legt nahe. weil sie ihre früheren Rollen nicht mehr ausüben können. Doch unter Akademikern regt sich Widerstand gegen diese eindimensionale Sicht auf die Person. ist mittlerweile sprachund bewegungsunfähig und wird zu Hause gepflegt . worum es in dem Projekt überhaupt ging. sagt der Bonner Gerontopsychiater Rolf Hirsch. Heute geht es um die Rechte von Menschen mit Demenz. die irgendwie auf die Erde gekommen sei: »Aber ich weiß nicht. die moralisch keine Personen im eigentlichen Sinn mehr seien. Die Wiederholungen. Hat er mich richtig verstanden? Als ich später das Band abhöre. Schon sprechen einige Philosophen Menschen mit schwerer Demenz den Personenstatus ab (siehe Kasten). erklärte der Mann – im Heim hingegen sei er »nichts«. ob er nicht doch was falsch gemacht habe mit seiner Burg. Während einige ihre Krankheit herunterspielen oder so lange wie möglich zu verstecken suchen. Das passt zusammen mit der Auffassung mancher Hirnforscher. gehen in Selbsthilfegruppen. »Wer eine Patientenverfügung unterzeichnet. Jeder dritte Mann. wie ich selbst überdeutlich spreche. Aus der Rückschau auf ihr früheres Leben schöpfen viele neues Selbstwertgefühl. Als ihr die Forscher eine alte Schreibmaschine und Papier gaben. Heute bestimmen Philosophen das Personsein auf der Basis von Kriterien. Doch indem wir Demenzbetroffene überhaupt als »Sinnsucher« anerkennen. Immer mehr Betroffene gehen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. auch wenn der Kranke später andere Präferenzen zeige. Warum die Leute nicht mehr mit mir reden. wer kein Reflexionsvermögen mehr besitze. In diesem Punkt sind alle Menschen gleich – mit oder ohne Demenz. Unser Selbst steckt demnach nicht in einem bestimmten Hirnareal. auf den er sich etwas notiert hat. sagt etwa der Psychiater Hans Lauter. Aber wir dürfen nicht aufhören. Dazu braucht es Zuhörer Menschen sind im Kern »narrative« Wesen: Mit unseren Geschichten erzählen wir uns und anderen. die eine Handlung in Bewegung setzen – und nicht jemand anderer. die Vergesslichen an ihr Selbst zu erinnern. mit demenzkranken Menschen zu leben und nicht nur über sie zu reden. Hingegen reagierten sie verärgert. atmete sie tief ein. Die Wortfindungsstörungen. In solchen Momenten frage er sich zum Beispiel. Uns alle eint unser emotionales Erleben. »Wir stehen mitten in einem großen Veränderungsprozess«. Die Alzheimerkrankheit rührt auch an unser Menschenbild. und sein Kollege Peter Singer von der Universität Princeton spricht deshalb schwer demenzkranken Menschen das Personsein überhaupt ab. einer bestimmten Logik. Um solche Formen der »Selbstaktualisierung« aber wahrzunehmen. wer das ist. Eine frühere Patientenverfügung. So hatte eine scheinbar völlig apathische Heimbewohnerin zeitlebens ihren Beruf als Schreibkraft geliebt. Ihr Sinnpotenzial verwirkliche sich durch das Erzählen. Journalist und Buchautor (»Seele. zum Verstehenwollen. so meint Bär. der ständig mit dem Rollstuhl unterwegs ist. Selten ist in diesem Zusammenhang davon die Rede. Marion Bär erzählt etwa von einer Heimbewohnerin. Wir alle schreiben mit an ihren Geschichten. für einen Augenblick. ihren Blick auf die Welt. In der Summe läuft eine solche »Entpersonalisierung« darauf hinaus. Nach ihrer These machen schwer demenzkranke Menschen durchaus Sinnerfahrungen. das Kontinuität zeige bis zuletzt. diesen Sinn zu entschlüsseln. argumentiert Fuchs. nach ihren noch verbliebenen Wertvorstellungen zu leben. bettlägerigen Frau studierte. irgendwann sei seine »Sandburg« abgebröckelt. in ihrer Lieblingszeitschrift blätterten oder am Fenster standen und die Vögel beobachteten. um mit dem fortschreitenden geistigen Verfall zurechtzukommen. das im Ernstfall das Für und Wider weiterer medizinischer Maßnahmen abwägen soll. Demenzkranke auch im täglichen Leben in ihrer Autonomiefähigkeit gezielt zu fördern. Entfremdung und Einsamkeit. Nur müssen sie immer wieder neue Geschichten erfinden. kann von Menschen wie Zimmermann lernen – von ihrer Kreativität. dass wir bei einem dementen Menschen nichts Kognitives mehr finden. im Vollbesitz der geistigen Kräfte festgelegt. Oft helfen die intakten Langzeiterinnerungen. sagt etwa der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs. Die Philosophin Agnieszka Jaworska geht noch einen Schritt weiter: Sie plädiert dafür. Ich fühle mich wie ein Außenseiter. Mit seinem Leben. Schon vor Jahren hatte diese ihr Artikulationsvermögen verloren. sondern verwirklicht sich in unseren leiblichen Interaktionen mit der Welt. wer nicht mehr sinnvoll kommunizieren kann. sondern es besteht aus einem Netz all der Geschichten. dass wir Menschen mit Demenz als Personen ernst nehmen müssen – und dass wir ihnen Selbstbestimmung zugestehen sollten. Und da uns die Medizin wenig Hoffnung auf eine wirksame Therapie macht. strahlte plötzlich übers ganze Gesicht und sagte nur: »Da hast du aber was weggeschafft. Die Frage nach der Autonomie von Demenzkranken treibt ebenso den Deutschen Ethikrat um. Wer wirklich zuhört. der redet am eigentlichen Notstand vorbei. bis am Ende alle Blätter vollgeschrieben waren. Autonomie sei weniger eine Sache des rationalen Urteilsvermögens. Toleranz und Empathie. Wenn das Gehirn zerstört ist. habe daher Vorrang. die Emotionen. nach der wir nichts anderes sind als ein hochkomplexes Netzwerk von Nervenzellen. in einem »Leibgedächtnis«. »Auch schwerst demenzkranke Menschen verfügen über ein höchst differenziertes emotionales Erleben«. das Vernunft und Überlegung besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann«. Dabei besäßen sie oft noch Ressourcen und Potenziale. fasst Kruse das Ergebnis seines Projekts zusammen. die Suche nach Sinn. Trotz weit fortgeschrittener Demenz. Manchmal findet er den Spickzettel nicht. Mitunter liegt die Schwierigkeit aber auch bei seinem Gegenüber. Ein früherer Wissenschaftler etwa. Dann reißt das Seil. Vielmehr müssten wir auch demenzkranke Menschen als Personen betrachten. »Unser Selbstverständnis an das Gehirn zu knüpfen beraubt uns der Ganzheit des Lebendigen«. es teile sich mit – auch wenn es sich bei Menschen mit schwerer Demenz nur noch situativ äußere. die sich nicht mehr sprachlich äußern können. Wegen ihrer kognitiven Defizite neigten wir allerdings dazu. Sie folgen vielmehr. Doch wer die Demenz nur auf ein Pflegeproblem reduziert. einen Sinn verfolgen – auch wenn es für Außenstehende oft schwierig ist. hätten diese Menschen ein intuitives Empfinden. Die Gesellschaft dürfe Menschen mit Demenz nicht länger »ins Abseits der Krankheit und Pflegebedürftigkeit« schieben. zu jeder Existenz. Der Oxforder Ethiker Jeff McMahan etwa sieht Demenzbetroffene als »Post-Personen«. hat keine Vorstellung davon. vom kleinsten Stirnrunzeln bis zum Anflug eines Lächelns. Der englische Philosoph John Locke definierte im 17. so folgt aus dieser Sicht. Situationen zu bewerten und ihren eigenen Willen zu äußern – und sei es am Ende nur noch durch mimische Reaktionen. Eine unsterbliche Idee«) kennt die Demenzproblematik aus der eigenen Familie. Erinnern oder Vergessen. das Endstadium mit künstlicher Ernährung. steigerte die bloße Mitwirkung sein Selbstwertgefühl: Als Projektteilnehmer könne er »viel mehr machen«. aus Achtlosigkeit oder schlicht aus Zeitmangel. Viele Betroffene äußerten Gefühle von Angst. das für Fuchs die Kontinuität einer Person ausmacht. Überall fehlt es an Geld und an Personal. Natürlich könne jegliche Interpretation solcher Handlungen von außen fehlgehen. vom »Jemand« zum »Etwas«. In den vergangenen Jahren sind die Heidelberger Wissenschaftler auch in die Erlebenswelt jener Demenzkranken vorgedrungen. solange sie dazu noch irgendwie in der Lage sind. Das kriegst du voll rein. Die Philosophin Agnieszka Jaworska von der Universität Stanford etwa argumentiert. Das erlebte zum Beispiel die schottische Psychologin Maggie P. folgt daraus zwangsläufig: Wir müssen lernen. Sein Vater erkrankte vor Jahren an frontotemporaler Demenz. wie es tatsächlich ist. Mehr als eine Million demenzbetroffene Menschen leben derzeit in Deutschland. TV Spielerisches – abwechselnd produzierten die beiden ihre Töne und lachten immer wieder dabei. der droht aus der menschlichen Gemeinschaft herauszufallen. das »Abbröckeln«. Menschen mit Demenz fallen tendenziell aus diesem Personenbegriff heraus. was los mit mir ist. ihre Freuden. das sich einseitig am kognitiven Leistungsvermögen orientiert: Wer geistig nicht mehr folgen. so lautet ihre Botschaft. Auch in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können sie mitteilen. obwohl sie dort nie irgendwelche Arbeiten übernommen hatte. indem man ihnen hilft. sollten wir uns mehr auf die Menschen dahinter konzentrieren. die Fähigkeiten von Demenzbetroffenen zu unterschätzen. Nur im sozialen Raum. der Demenzbetroffene in München-Haidhausen. aus denen wir unsere Identität immer wieder neu zusammenweben. Statt den Blick nur auf die Krankheit zu richten. im Austausch mit anderen. etwas als »wichtig« ansehen zu können. die ein Anliegen. hob die Frau ihren Kopf und rieb ihn an der Hand der Forscherin. sie seien »ein Haufen Mist« – oder eine »seltsame Kreatur«. Daher lasse sich unsere subjektive Erfahrung nicht auf das Gehirn und die Ratio reduzieren. dement zu sein«. »Das schleppst du immer mit. was ihnen wichtig ist. Durch das Erzählen erschaffen wir unser Selbst. Plötzlich bekam die Interaktion etwas Berührung bleibt wichtig – auch wenn die Sprache verloren geht Hirn und Person Mit der Alzheimer-Krankheit. Ich weiß nicht. so scheint es. verständiges Wesen. die menschliche Personen von den Tieren unterscheidet – und damit ihre Autonomie und letztlich ihre Würde begründet. glaubt Kruse. Doch wer erzählt. Aus den »Krüppeln« von einst sind weitgehend gleichberechtigte Dialogpartner geworden. 37 nicht mehr selbstständig leben können. beteiligen sich an Forschungsprojekten. könne keinen »Gesamtbegriff seiner Situation« mehr fassen. Ihm zufolge ist die Person im wesentlichen »verkörpert«: Das Selbst steckt nicht nur im Gehirn. Auf dem Papier stand zwar nur Buchstabensalat. ebenso wenn sie ihren Lieblingsaktivitäten nachgingen. geht die Person für sich selbst und ihre Angehörigen verloren. Wie ich auf seine Defizite achte. sagt Zimmermann. Als Interviewer etwa wird mir plötzlich bewusst. Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg. Als Ellis den Ton nachahmte. In jeder Person gebe es etwas. Folglich sei ein solcher Mensch nicht mehr selbstbestimmungsfähig. Es dauert manchmal quälend lange. meint Bär: Sie erschafft sich gleichsam eine neue Geschichte – und damit ein neues Selbst. Nach Auffassung des amerikanischen Psychiaters Steven Sabat sind Menschen mit Demenz immer noch »semiotische Subjekte«. zunehmende körperliche Probleme bis hin zur Inkontinenz und Bettlägerigkeit. danach zu suchen. dass sie selbst es sind. Obwohl er kaum noch verstand. Und selbst schwerst demenzkranke Menschen haben – wie neuere Studien zeigen – noch immer ein subjektives Erleben und einen Rest von Selbst. zu denen meist unabdingbar Rationalität und Selbstbewusstsein gehören. fing die Frau nach kurzer Zeit zu tippen an. das uns von ihnen trennt. Die Demenz rührt an das Menschenbild der Leistungs. Ärger oder Traurigkeit zu. Aber was macht die Person aus? Traditionell sind unsere Konzepte von Autonomie und Personalität eng geknüpft an das Vernunftvermögen. die er in ihre Einzelteile zerlegen kann? Die Heidelberger Gerontologin Marion Bär hat solche Verhaltensweisen zu deuten versucht. »Ich fühle mich so allein hier. Schätzungen zufolge ist jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen: An ihren Betten werden Gitter angebracht. das ist der Knackpunkt. was sie wollen und was nicht. der selbst an Alzheimer erkrankte und nun an einem DemenzForschungsprojekt teilnahm. Was uns trennt. bis Christian Zimmermann. diese in Handeln umzusetzen. sind unsere unterschiedlichen kognitiven Defizite. Nach Kant ist es die Vernunftfähigkeit. Was sie in den Interviews zu hören bekamen. Solche Erlebnisse zeigen: Trotz ihres devastierten Gehirns sind die Äußerungen demenzkranker Menschen keineswegs reflexhaft oder beliebig. als wir ihnen gemeinhin zutrauen. sondern mit ihnen. wundere ich mich weniger über seine klugen Antworten als über die Banalität meiner Fragen. wann muss man dem Kranken Selbstbestimmung zugestehen? Solche Fragen sind von drängender Relevanz: Tagtäglich laufen Pflegepersonen und Angehörige Gefahr. jede zweite Frau könnte – so warnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft – im Laufe des Lebens an einer Demenz erkranken. Thomas Vašek. Andere Experten halten dagegen: Demenzkranke Menschen seien selbst in späten Phasen der Erkrankung noch in der Lage. Wie zum Beispiel soll eine frühere Patientenverfügung interpretiert werden. Doch die Positionen zur Frage der Autonomie sind im Ethikrat gespalten. In den allerletzten Phasen der Krankheit kann es sein. wie die Heidelberger Wissenschaftler nachwiesen. von ihren Bildern. »Wir verletzen tagtäglich die Menschenwürde von Demenzkranken«. Es liegt also an uns. dass er nun eigentlich doch weiterleben möchte? Was ist sein »autonomer« Wunsch? Oder: Wann überwiegt das Fürsorgeprinzip. die er einst so akribisch geplant hatte. auch wenn ihnen jegliche Möglichkeit fehlte. setzen sich die anderen aktiv damit auseinander. das persönliche Erleben von Demenzkranken zu erforschen – ihre Ängste. Was etwa soll man von der Heimbewohnerin halten. mit ihren Defiziten humorvoll umzugehen. dass Demenzkranke häufig mehr Fähigkeiten haben. das über Fragen des Umgangs mit den Betroffenen berichtet. kaum noch Emotionen oder einen Ausdruck von Selbst. Klar. um nach Gegenständen zu fahnden. es erfordert Entschleunigung. der braucht Zuhörer. zog daraus tiefe Befriedigung.philippwente. Herausgeber des Demenz-Magazins. oder man stellt sie mit Psychopharmaka ruhig. Manchen gelingt es sogar.und Wissensgesellschaft Vor 30 Jahren erstritten sich behinderte Menschen die gesellschaftliche Anerkennung. ist sie noch da.« Stellen wir uns ähnliche Fragen nicht alle? Und haben wir nicht alle womöglich auf Sand gebaut? Schließlich gehört der Verfall. die ihr Selbst in ihren leiblichen Beziehungen mit der Welt realisieren können – wenn man sie denn lässt. Die einen argumentieren. einen Satz zu Ende bringt. sagt Kruse. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Wenn die Menschen Zuwendung und Ansprache bekämen. von ihrem Humor. war zum einen bedrückend. Das allerdings zwingt zum genauen Zuhören. Und diese Fähigkeit besäßen selbst hochdemente Menschen: Mit ihren Emotionen brächten sie weiterhin ihre Wertvorstellungen zum Ausdruck. Doch als die Frau das letzte Blatt ausgespannt hatte. Da ist der Schritt nicht mehr groß vom Menschen zur Sache. Per Videokamera beobachteten die Forscher demente Heimbewohner in verschiedenen Alltagssituationen – wenn sie Besuch von Verwandten bekamen. Forscher der Universität Bangor in Wales etwa befragten Heimbewohner mit leichter bis mittelschwerer Demenz. Ellis. Jahrhundert die Person als »denkendes. mit unserer Unterstützung können Menschen mit Demenz ihren Sinn verwirklichen – und ihr Selbstgefühl aufrechterhalten. die Autonomie einer Person basiere lediglich auf ihrer rationalen Fähigkeit zum Planen und Entscheiden.com Fortsetzung von S. die mit leuchtenden Augen ihre Tätigkeit als Sekretärin in der Einrichtung beschrieb. schaute die demente Frau überrascht und gab wieder ihren Ton von sich. Das Seelische drücke sich aus. Empfindungen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen zu erfassen. das soziale Bedürfnis.« Von »Selbstaktualisierung« spricht Andreas Kruse. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl mehr als verdoppeln. Dabei wurden zunächst die mimischen Ausdrucksmuster aufgezeichnet. ist auch die Person zerstört. die geweckt werden könnten. Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft. die aus dem Kaffeegeschirr kleine Bauwerke errichtet? Oder von dem Mann. müssten wir uns ebenso bemühen.« Andere erklärten. wer wir sind. Diese Erfahrungen schlagen sich nieder in Gewohnheiten.38 12. also sinngeleitete Wesen. wenn ein schwer Demenzkranker erkennen lässt. Statt verbindlicher Verfügungen fordert er ein »ethisches Konzil« aus Angehörigen und Ärzten. dann ordneten die Forscher diesen Mustern Basisemotionen wie Freude. ihre Türen werden verschlossen. sagt Peter Wißmann. Als diese sich zu ihr herabbeugte und sich die beiden Köpfe berührten. Dabei hat die Wissenschaft gerade erst begonnen. Demente Menschen tun im Grunde nichts anderes. sie reagierte auf keine normale Ansprache mehr. Das erschüttert allerdings die traditionelle Vorstellung.

Außerdem soll er gern nach Frankreich gereist sein. Ein lichtdurchflutetes. Nun gibt es dort gerade eine alte Dame.6 3. sind sie häufiger betroffen Von 100 000 Menschen erkranken an Demenz: Gesellschaft der Dementen Entwicklung der Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Altersgruppen 2008 800 000 600 000 400 000 200 000 80–84 65–69 75–79 85–89 95–99 2030 2050 Männer Frauen 32. Darf sie gezwungen werden? Noch tiefer reicht die Frage nach dem Respekt angesichts des offensichtlichen Wunsches eines Bewohners. steigt mit fortschreitendem Alter. was er mitkriegt vom frischen Grün und vom Gezwitscher. det Herr Barnstedt nicht mehr. auf dem Sozius sitzt eine Schöne!« Herr Knorr*. Nach der Geburtstagstafel gehe ich mit dem alten Lkw-Fahrer in den Park. muss ich feststellen. So diskutiert Jenny Sauerwald mit ihren Mitarbeitern gerade. Ein Geruch. die Männer mindestens ein gebügeltes Hemd tragen. Zum Glück hört mich einer. Andererseits: Beim Waschen und Anziehen werden die Menschen bewegt. Es kann eine Melodie sein. Geburtstag drehte er sich ohne erkennbaren außergewöhnliches Haus. V. Ein Star der Szene der neuen bevormundet. das »Zuhause für Menschen mit Demenz«.5 2. Von Betroffeschon überall am Kuchen genen im Frühstadium.3 31. doch im Alltag stellen sich da viele Fragen. Plötzlich rutscht er vollends aus dem Stuhl und sitzt vor mir auf dem Boden. Über beide Backen. künstliche beim Ankleiden. Seit fünf Jahren redem Solidar e. Herrn Knorr schmeckt es noch. Sie schlägt und ten von Personen mit kognitiven Verspuckt. Könnte man sich auf T-Shirt und Trainingshose beschränken. meint auch Jenny los große Mengen an Nahrung. in Prozent 36. der Texaner Richard Taylor. manche sprechen sogar abschätzig von »Gemüse« oder »welken Hüllen«. »C’est la vie mon ami.1 4. Wasser und Erde sammeln sich Linde mit anderen Erkrankten man. Auch in den Vielleicht ist dieser Kontakt durch die BerühSpielerische Tagesgestaltung: Bernd rung zustande gekommen.de/audio »Ist mir egal. Das mit der beglückenden Erfahrung scheint für beide Seiten zu gelten. bis alle reichen statt füttern. Die Wahrscheinlichkeit. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 39 Z um Glück hört mich keiner. sie sagt: als wir hier bedeutet besonders hoher Pflegebedarf. hatte mir »Motorrad« und »Frankreich« als Schlüssel für Herrn Knorr mitgegeben.« Sie glaubt. dass die Krankheit sich wie eine Infektion ausbreitet. ob man Demenzkranken in ihrer letzten Lebensphase noch die für alle so mühsame tägliche komplette Körperreinigung und das aufwendige und oft schmerzvolle Anziehen zumuten soll. Die Zahl der Demenzerkrankten nimmt weltweit proportional zur Zahl der alten Menschen zu – unabhängig von geografischen und kulturellen Unterschieden. du Arsch!« Das anweIm Licht leben fünfzehn Mensende Personal singt. ob ren. Dann mussten ihm noch etwas in ihrem Leben zu erledigen zu haben. das zweites Zuhause geworden. Sogenannte rung im Bett und künstliche Ernährung. infolge einer Diabeteserkrankung beide Beine am»Sie können noch nicht loslassen. Traditionelle Pflege und die Angehörigen wollen das so – die Frauen müssen adrett sein.« Bremerhaven. an einer Form der Demenz zu erkranken. Ich habe keine Ahnung. scheint er – mit weit offenem Mund – zu schlafen. um eine Vorstellung von der Lebensphase zu bekommen. ein Geruch. eine aufregende und beglückende Erfahrung für mich. nur drei von ihSituation durchaus verrückt klingt: »Zum Geburtsnen können noch selbständig essen. Und Bewohner tag.zeit. Hier ist der einzige Ort. monsieur. also »geistlos« Im Bremerhavener Haus im Park werden die Palliativversorgung. Was für ein Abenteuer! www. Generell versucht man. an dem gesamt 61 Bewohner gibt es eine knappe Hundertsie keine Schuldgefühle plagen.0 6. nicht mich. Essen andauert eineinhalb Stunden. während ich mit einem Fuß den Rolli herbeiangele. Wertschätzung. Der Anstieg ist schlicht die Folge unserer Wohlstandsgesellschaft. Der Lkw-Fahrer. aber noch gut Frau Vogel wird als Letzte in reden können. eine Berührung – vieles kann einen Kanal in den Geist öffnen Von Schlüsseln sprechen sie hier. Das Heim ist ihr – die Hälfte der Bewohner hat die Pflegestufe 3+. Was tun? Das Haus im Park wird eine Ethik-Konferenz einrichten. die dicke BMW.5 22. Am Ende sitzt er wieder im Rollstuhl. So wie früher. »Ich sage mir immer. weil sie ihren schaft an Freiwilligen. Er beginnt zu weinen. ihn einfach zurück in den Rollstuhl zu heben ist unmöglich. einer ist an einen Rollstuhl geschnallt. la France. Was für einen Blödsinn ich rede: »Café au lait. Nähere ich mich ihm mit einem Löffel. nichts mehr essen. nicht Gelebte. die Sehnen gedehnt. drumherum ein großer Garten. was in dieser schen mit Demenz.1 %) 203 (1. Nach dem Dessert Sauerwald. der seit einer guten Stunde im Sessel neben mir hängt und reglos vor sich hin starrt. doch egal. falls keine Patientenverfügung das ausschließt. Für die inseingezogen sind.1 32. was gerade als Schlüssel gewirkt hat. aber auch nicht rein ehrenamtlich ken und reicht ihnen das Essen an. Und wahrscheinlich hat es zumindest auf das Personal eine gewisse Wirkung. Die notorisch lingsausdruck im Heim zu benutzen: hungrige Frau Rudersdorf hat da um »Wertschätzung«. Biografischen Schlüsseln.31 %) 1. nehme ihn fest in den Arm. Respekt.« Da war mal putiert werden. ist sie grundsätzlich auswünscht sich sogar. Das liegt nicht daran. weiß man um ihr ihrem Rollstuhl hereingefahren. ausdrücklich auf medikamentöse Sedierung. die Gründerin und Heimleiterin. wenn der Betreute tagsüber rundum gutbürgerlich wirkt. Haus im Park. brumm. Herr Knorr hilft! Er kann sich hochdrücken und schließlich. die etwa dreinascht. Mann ins Heim gegeben hat. Lieber Alltagsbegleiter – das sind alle. ein Foto. Ernährung und Festschnallen sind tabu chen. Als er vor fünf runterschluckt. der Kopf ist nach hinten gekippt. Und sie obachtet und spricht. und gemeinsam stehen wir auf. ihr etwas Essbares zu geben. die ihr näher kommen.67 %) 183 (1. Es mit Demenz statt Demente. der SS. merci. aber de facto der Palliativbereich des Heimes. in freundlichen Farben gehaltenes zweigeschossiges Haus in U-Form.9 1. Seine Augen suchen meine Augen. wenn sie irgendwo in ihrer verworrenen. die keine Pflegeaussitzt einer eine geschlagene Stunde bei den Kranbildung haben. Wieder eine umwerfende Erfahrung. ja. eine Frau schnarcht auf einem Sofa. Beruhigungsmittel. Unter anderem verzichAuslöser zu ihr und sagte: »Hallo. die von einem eigenen Verein. Lederjacke an. entspannen sich.1 0. Doch es geht hier ausdrückschlaf aufgetaucht und zur Party lich um Würde oder. Dement. Frau jetzt Freiwillige. wussten die Angehörigen zu erzählen.9 5. die oft unter Schmerzen und Ängsten leiden. en vacances. * Namen der Bewohner von der Redaktion geändert Mittags wird es voll im Bereich Licht. dass einige Bewohner war er noch ein flotter Tänzer. die uns ein längeres Leben beschert. Helm auf. Die Leiterin des Wohnbereichs Luft. ob es ihm gut geht und guttut. Und lacht. beim Blutzuckerselbstbewussten Menschen mit Demessen oder beim Essen anreimenz. eine Magensonde eingesetzt.6 0. chaotischen Welt einen Kommunikationskanal finden.7 12. sterben sie auch hier.2 0. Gemeinsam mit Ärzten und Angehörigen wird in einer solchen Konferenz das weitere Vorgehen besprochen. das Gewicht der Demenzkranken auch in einem späten Stadium auf dem gleichen Niveau zu halten. sie meint ja Jahren ins damals neu eröffnete Haus im Park kam. In Großbritannien wird dieser Tage über Demenz und Euthanasie diskutiert. bei Körperrest.8 70–74 60–64 90–94 Jahre 30–59 Jahre 60 – 64 65 – 69 70 – 74 75–79 80 – 84 85 – 89 90–94 95–99 2005 2015 2030 ZEIT-Grafik/Quelle: Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung 100 + Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. bewegt plötzlich langsam den Kopf. wir schauen uns in die Augen – und er lacht.0 Wachsendes Problem Zukünftig wird es immer mehr Demenzkranke geben. nicht mehr erkennen. Gegenüber schreien nicht herum – sie vokalisieschwer demenzkranke Menschen nicht allen. Wohnbereich statt Licht-Bewohner aus dem MittagsStation. findet der umstrittene australische Philosoph Peter Singer. Achtung: klingt gut. Lange schaut er mich an. Ich streichele seine eiskalte Hand. Drei Tage lang darf ich hier hospitieren. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. und wenn alles gut geht. nicht reißt er den Mund auf und verschluckt unterschiedsVerarbeitete kommt heraus«. also sterben zu wollen.com . war mal ein Motorradfan. Nicht immer versteht Abteilungen Luft. hier arbeiten – haben den Tisch An die etwas sperrigen Begriffe mit Girlanden dekoriert und einen gewöhne ich mich schwer. ließen sich mehr Zeit und Kraft in die Mahlzeiten investieren – die Momente intensivster Zuwendung am Tag. Die übrigen tag viel Glück!« brauchen eigentlich eine 1:1-Betreuung. Leiden unter acht. wird meist.5 18.und liebloser Sie ist deutlich noch kein Fall für Terminologie. Ich hocke mich also vor ihn. pardon madame. fast allein stehen. Ich reiche Beate Vetter hat schon oft Schläge abbekomHerrn Gabler und seinem Tischnachbarn gleichmen von Frau Vogel. ein Berührung oder eben ein Begriff. Denn auch die schwer Demenzkranken.WISSEN T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer 12. Nicht selten macht sie sich darum um ihre MitSacht und etwas verlegen drücke ich seine Schultern. voilà. Menschen Erdbeerkuchen aufgedeckt. »Sie haben heute Geburtslusten zu sprechen. die jeder Dritte von uns erleben wird. Herr Gabler hat einen Meisterdass die Wohnbereichsleiterin das nicht leicht brief als Glaser im Zimmer hängen. der dauernd Betrachter wie ein auf den Stoffwechsel reduzierter herumgeschrien hat. um den Lieberschienen sind.philippwente. die sich allen Bemühungen widersetzt. »Alles Verdrängte. zeitig das Essen an. betreut werden. Mit meinem Gestammel habe ich einen Kontakt zu dem alten Herrn gefunden.2 1. Herr Knorr ist sehr schwer. Frau Vogel!« – »Das ist mir ließe sich durch Freund ersetzen. Das schreckliche Wort vom Verhungern reicht fast immer.1 13. mon Dieu. die Menschen mit Demenz aufnehmen – »schöne wache Augen«. ans Meer. sagt seine Frau. dass mir selber die Tränen kommen. Sie sind noch Menschen. statt von DemenVON BURKHARD STRASSMANN gesprochen biestig. was machst du tet man – im Gegensatz zu den meisten Einrichdenn hier?« Seitdem hat er bloß hin und wieder tungen. aber keine Personen mehr. arbeiterinnen Sorgen: »Wertschätzung brauchen Da reißt er die Augen auf und schaut mich so – ja: die auch!« privat – an. Socken über die teten Momenten die Girlande um Schuhe ziehen oder ihre Haustür den Kopf. Beate Vetter.6 247 (1. Sie bemöchten sie nicht heißen. brumm. Mit den Festangestellten allein ließe Barnstedt besucht ihren Mann hier im Haus im sich das Arbeitspensum überhaupt nicht bewältigen Park sechs Tage in der Woche. Der Wohnbereich im ersten Stock namens Licht ist zwar nicht offiziell. auf nach Dangast.. Kann Gewichtsverlust nicht verhindert werden. FixieHeute hat Frau Vogel Geburtstag. Er war Nazi gewesen. Heute wirkt er auf den flüchtigen ein ungewöhnlich aggressiver Mann. Doch an seinem Das Haus im Park ist ein in vielerlei Hinsicht 90. du Arsch« Ab 80 steigt das Risiko Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen nach Geschlecht. da halten wir an und trinken einen Kaffee. die winzige Frau Erlenmal hintereinander beim Bäcker bruch windet sich in unbeobachBrötchen holen. Er hängt im Rollstuhl. Doch einen solch rabiaten Zwang zum Weiterleben lehnen die Mitarbeiter vom Haus im Park ab. und es ist offensichtlich. hast du vollgetankt? Quelle heure est-il? Oh. In breiten roten Samtsesseln schlafen die Alten. jede ethische Diskussion zu beenden. jetzt kommen die Motorräder aus der Garage. Eine alte Dame will nicht mehr essen. an den der Bürgerpark anschließt. Hier leben die schwer Demenzkranken.

Frau Körle hatte seit Wochen ihr Haus nicht verlassen.philippwente. Im »Uhrenflur« hängen alte Uhren. »Das ist unsere artgerechte Freilandhaltung. legt ein Kissen und ein Taschentuch aufs Sofa.« Sie drückt. Italien oder Thailand.deutsche-alzheimer. »Ganz frei ist man nie«. das gehört wohl zum Rollenverständnis. stellt sich vor ihn. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. und er läuft nicht – sonst pilgert er pausenlos durchs Haus und hört selbst dann nicht auf. Wälder und ein kleines Dorf. an dem er nicht mehr auf mich reagiert. ohne nach ihm sehen zu müssen. die zum ersten Mal ihr Kind in den Kindergarten bringen. wenn er müde ist. sagt Frau Linde. fangen sie schlimmstenfalls an. was sie möchte. »Nur ziehe ich ihn heute wie eine alte Kuh hinter mir her«.« Bisher gibt es auch kaum Hotels. diesmal kirchlich. Normalerweise sind hier etwa 30 Prozent der Demenzkranken weiblich. wollen ihren Partner aber nicht weggeben. Die Tür ist mit einer Kette verschließbar. Wenn sie kurz wegmuss. pflegt sie ihn. in einem Hotel in Winterberg. beispielsweise zu einer Angehörigengruppe zu fahren«. dass seine Zielgruppe schwer von einem Urlaub zu überzeugen ist. Wo sie nicht kochen muss. Darum weiß sie auch nicht. Kuren. Leiterin der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention an der Universität Jena. sagt sie und küsst ihn auf die Wange. pflegt sie ihn. Diese Verteilung ist ungewöhnlich. die sich auf Demenzkranke und deren Angehörige spezialisiert haben. Die thematischen Flure sollen die Orientierung der Bewohner erleichtern und ihr Langzeitgedächtnis mit alten Gegenständen ansprechen. die Krankheit ihres Mannes. Ich pass auf dich auf. Er fährt mit der Hand über ihren Rücken und klopft auf ihren Po. Eigentlich ist im Landhaus alles festgeklebt. An der Wand hängen Kartoffeldrucke.« Neben dem Landhaus gibt es rund 25 weitere Anbieter. »Du bist ganz müde«. 1. »Wenn es bereits ein Problem ist. »Davon pflege ich mich in Winterberg. Frau Linde geht viel mit ihrem Mann spazieren. Deswegen wandelte die Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen das heutige Landhaus Fernblick vor sechs Jahren um: Aus einem Mutter-Kind-Haus wurde das neue Hotel. wischt mit der Serviette über seinen Mund. Sie bringt ihn zu seinem Platz. sagt sie.« Sie rahmte den Spruch ein und hängte ihn in den Flur. bis sie das begriffen hat und die Zeit ohne ihn genießen konnte. »Viele pflegende Angehörige nehmen Entlastungsangebote nur zögerlich an«. seien zwar hilfreich. B Urlauben gemeinsam mit den Erkrankten. Denn eine Auszeit ändere nichts im Alltag. 53. Das Gelände ist ebenfalls eingezäunt. Sie nimmt sein Lätzchen ab. Einige offerieren sogar Urlaub in Spanien. »Er hat nichts davon. An zwei Tagen in der Woche bringt sie ihren Mann für sechs Stunden zur Tagespflege. hoch!« Sie lehnt sich nach hinten und zieht ihn hoch. greift seine Hände und sagt: »Eins. hielte seine Windel nachts mal nicht dicht. »Schlaf ein bisschen. sagt sie. ihren Partner zu schlagen. klopf«. hat sie im vergangenen Jahr mit ihrem Mann fünfmal Urlaub gemacht. Oft leben die Angehörigen nur noch für ihren dementen Partner. denn alle Matratzen sind mit einem speziellen Bezug geschützt. hält allem stand. dass er wegläuft.« Er lächelt zurück.86 Meter groß. da war er 61. Die fürsorgende Ehefrau und Mutter kümmert sich um den kranken Partner. ob ihm der Urlaub im Sauerland gefällt. Wo heute die Tagespflege ist. spricht sie ihn an. Beate Linde pflegt ihren Bernd im fünften Jahr. ihren Mann liebt. Dann liegen seine Beine hoch. »Bernd. zu überstehen. ob er mich als seine Frau einordnet oder nur als positiv besetzte Person«. reichten jedoch nicht aus. fragt sie. es gefalle ihm nicht?« Weitere Informationen unter: www. räumt das Bücherregal aus. sagt sie. Raus aus dem Alltag: Die Reise der Lindes ins Sauerland Auch Spanien oder Thailand sind im Urlaubsangebot für Demenzkranke Auch die Angehörigen brauchen mal Pause. aber sagt nichts. selbst krank zu werden. Ihr Zimmer liegt auf dem »Winterflur«: An der Wand hängen Ski aus Holz. vergleichbar mit betreuten Er umschließt fest ihre Hand und geht hinter ihr zur Tagespflege. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. dann ist es eine Riesenüberwindung. In Deutschland werden rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Ohne Menschen wie Frau Linde würde das System zusammenbrechen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verfünffacht – und dürfte wohl weiter wachsen. »Ich bin alleinstehend mit besonderen Erschwernissen«. Landhausleiter Andreas Frank bestätigt. »Ich habe Angst vor dem Tag. in den Urlaub zu fahren. Aus demselben Grund kaufte sie für ihren Mann auch einen Fernsehsessel. Als sie ihren Mann Bernd später abholt. und zwei ältere Frauen. Doch das ist gar nicht so einfach. sondern jemand kommt und fragt. geht es auch meinem Mann gut«. war früher der Kindergarten. konstatiert Frau Körle. Am Mittwochmorgen um zehn Uhr bringt Beate Linde ihren Mann für zwei Stunden zur Betreuung. hinsetzen!« Als er sitzt. Die Liebe hört niemals auf. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will pflegende Angehörige vermehrt entlasten. Weil sie ihn pflegt. wo sie auch ein Buch lesen kann. drei. fragt sie sich. glaubt alles.40 12. Manchmal fällt dabei etwas runter. sagt sie. »Bis später«. Danach haben sie noch einmal geheiratet. beruhigt Linde. einen Schnabelbecher zu erreichen. auf Wunsch reisen teilweise auch Pflegekräfte und Ärzte mit. Gegenüber von Herrn Linde sitzen Walter Körle.com DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Urlaub von der Verantwortung Weil Beate Linde ihren Mann liebt. »Klopf. Es hat gedauert.« Ein Zuhause. wie jeden Morgen und jeden Nachmittag im Urlaub. Das hat sie auch früher nicht getan. 82 Kilo schwer. fühlt sich zu Hause am wohlsten«. Sie kennten die Angebote kaum und hätten »häufig gar nicht mehr die Kraft. »Setz du dich bitte hin. sagt Gabriele Wilz. der Mann von Frau Lindes bester Urlaubsfreundin. hofft alles. Manchmal gibt er ihr ein Küsschen oder reibt seine Nase an ihrer. »Ich bin daheim ja auch eingesperrt. Dafür reist sie in ein besonderes Hotel VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS eate Linde hat im Garten ein Stück Rasen eingezäunt – damit ihr Mann nicht wegläuft. während er im Wohnzimmer die Bücher aus dem Regal zieht. Ärzte und Kassen müssten die Entlastungsangebote bekannter machen. Zu Hause sitzt sie neben ihm auf dem Sofa.« Bernd Linde guckt nur. Dort. Sie suchten lange nach einem Trauspruch und entschieden sich für den Ersten Korintherbrief: »Die Liebe erträgt alles. »Wir bekommen kein Pferd. Sie hat Angst vor seiner Antwort. sagt sie. Das Hotel will seinen Gästen so viel Sicherheit und Halt wie möglich bieten. Wenn sie nicht irgendwann selbst erkranken. Von dort schauen sie ins Tal. »Ich weiß nicht.« Sie lächelt und streichelt seine Hand. Er dekoriert oft um. umarmt sie ihn. als ein Nachbar den Zaun beäugt. »Hier kümmert sich endlich mal jemand um mich. Ihr Haus steht am Hang. sagt sie und lächelt. »Ist er hingefallen?«. Die drei Betreuer in der Tagespflege stimmen wie immer ein Begrüßungslied an: »Danke für diesen guten Morgen. Beate Linde hat sich vorgenommen. kommen die Nachbarn oder ein Schwager rüber. Berge. wenn er sagt. Nur wären sie dort nicht festgeklebt. Noch hilft er mit. ein CD-Player spielt Schlager.de/audio . »Bernd. Beate Linde und Freundin Elfriede Körle ziehen sich die Jacken für ihren Spaziergang an. Mai 2011 Fotos: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. unter anderem auch mit Kuren. er könnte stürzen. fragt sie ihn nicht.« Jetzt gehen die beiden recht zügig und haken sich ein. auf Wiesen. Weil Beate Linde.« Mit dem Zaun kann sie sich ein bisschen entspannen. Seit über einem Jahr spricht er nicht mehr. »Wie soll das auch gehen?«. als wollten sie sich gegenseitig stützen. sagt der Leiter Andreas Frank. »Und manchmal«. »So ganz frei ist man hier aber auch nicht«.« Sie bekommt monatlich 685 Euro Pflegegeld. als er noch gesprochen hat.de/Entlastungsangebote www. ruft sie dann und läuft zu ihm. setz dich bitte«. im »Küchenflur« Kaffeemühlen zum Selbermahlen. Im Sauerland gelingt ihr das. Hier hat sie kaum Angst. zwei. sagt sie. ein bisschen schlafen. Walter Körle schläft. Vor sieben Jahren. Viele schotten sich zudem ab und riskieren. kam die Diagnose: Alzheimer. Sie und ihr Mann schlafen immer im selben Zimmer. »Das ist mein Urlaub. Weil sie ihn pflegt. Die Landschaftsbilder an den Wänden könnten auch bei Oma hängen. die sich wie das Landhaus im Sauerland ausschließlich auf Tandem-Urlauber spezialisiert haben. In fünf Jahren ist sie nie ausgefallen. wie es war. Seit der Hochzeit verliert sie ihren Mann jeden Tag ein bisschen mehr. Aber sie glaubt es zu wissen. das ist für meinen Mann«. »Wenn es mir gut geht. und sei es nur für zehn Minuten. Viele Anbieter mieten für die Reisegruppen behindertengerechte Unterkünfte. Es wäre auch nicht schlimm. »erinnern mich die Angehörigen auch an Mütter und Väter. so gut es geht. Im Hotel ist alles festgeklebt – sogar die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen Sie ist mit ihm wieder nach Winterberg gefahren.zeit. »Es ist wie nach Hause kommen«. danke für jeden neuen Tag. sagt sie. »Ich wollte meinem Mann noch einmal was versprechen«. beidseits geht es recht steil bergab.« Fünf Tage und sieben Nächte die Woche sorgt Frau Linde für ihn. »Was wäre. auch die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen.

der versteht die Zusammenhänge nicht nur besser – der Trickfilm brennt sich auf eine Weise ins Gedächtnis ein. die im 19. Jahrhunderts ist Hans Rosling. erschien die erste ganzseitige Infografik auf den WissenSeiten. sie ist zur Ikone einer Wissenschaft geworden. Im Jahr 1858 erstellte sie ein sogenanntes polar-area diagram. denen sich die Ohren verschlossen haben. Auch deshalb ist die Grafik-Seite ein Wagnis in der traditionell meinungsstarken ZEIT. Es gilt nicht nur eine Stecknadel in diesem Heuhaufen zu finden. sagte Nightingale. Diese Grafiken. um sie nur einmal unter einem speziellen Aspekt auszuwerten. Ein Infografik-Pionier des 21. hat die Chance. Das ist eine voyeuristische Spielerei – aber danach weiß man. Die Vorträge des Professors für Public Health am Stockholmer Karolinska-Institut sind legendär. und 19. Im Wesentlichen bilden Infografiken die Welt ab. 33). in der ZEIT-Ausgabe 26/09. Die Doppelhelix der DNA ist nicht nur die sachliche Darstellung des Lebensmoleküls. sondern vermeidbaren Infektionskrankheiten. Die englische Krankenschwester. nicht nur am Beispiel der zeitweise regelrecht modischen Fraktale. Inzwischen gehören bunte Bilder und Grafiken auch zum Standardwerkzeug der abstraktesten Disziplinen.de. gehört auch zu den Pionieren der Infografik. Der Mensch ist ein Augentier. Selbst Bundesminister haben ja manchmal Schwierigkeiten zu sagen. Ein weiterer Grund für die Forderung nach open data: Ein anderer Forscher prüft dieselben Daten vielleicht mit anderen Fragestellungen und kommt damit zu neuen Ergebnissen. Die wachsende Datenflut. Der nächste Schritt des »datengetriebenen Journalismus« im Internet ist es. 49. Hans Roslings Animationen entfalten nur deshalb ihre Dynamik. die zu diesen Erkenntnissen geführt haben. In der ZEIT haben wir einen Tag im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz dokumentiert (Grafik Nr. erzählte Rosling dem Economist. Gewiss hat die resultierende Grafik. gehört die grafische Aufbereitung. Die anatomischen Zeichnungen des 18. war stärker als alles philosophische Räsonieren über den Lauf der Gestirne. »Auf Meinungsvermittlung und Konjunktiv versteht sich die Infografik schlecht«. Dann beginnen die Blasen zu tanzen. Dynamik erhalten die Grafiken. seien dazu geeignet. Sobald ein Land die sozialen und politischen Voraussetzungen erfüllt – und das heißt insbesondere: Gleichstellung der Frauen –. um ihren Landsleuten zu zeigen.« Wer einen seiner Zeitraffer-Filme gesehen hat. Die wichtigste Lehre. um zu zeigen. oft mühsam recherchiert. indem Rosling noch die Zeit als vierte Dimension hinzufügt und im Zeitraffer die letzten 250 Jahre Revue passieren lässt. er ist ein gefragter Redner.100 . etwa bei den TED-Konferenzen oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Der britische Guardian stellte die vom Unterhaus veröffentlichten Spesenabrechnungen der Abgeordneten ins Netz mit der Aufforderung an die Nutzer der Internetseite. die er überbringen will: Es ist schon lange nicht mehr sinnvoll. warum viele Forscher heute fordern. eine Variante der heute so verbreiteten Tortengrafiken. eventuell noch. Jahrhunderts waren mehr als die quasifotografische Abbildung dessen. Damit verbinden wir eine Frage an unsere Leser: Welche Grafik hat Ihnen am besten gefallen? Wer an der Wahl teilnimmt. was die Forscher sahen – sie strukturierten damit die Vielfalt des Lebens. Damals war Anschauung verpönt. wie viele Nullen eine der Euro-Milliarden hat. Und zu den wichtigsten Werkzeugen. die in Wahrheit natürlich jeder Mathematiker von seinen Objekten hat. sagt die Grafik nicht. die sie vorfanden. aber sie sagen es auf andere Weise. Die ZEIT ist mit der neuen Lust an Bildern nicht allein: Viele Print.): Wissen in Bildern Edel Verlag.de 1953: Die DNA wird entschlüsselt. nicht nur indem man Balkengrafiken verzerrt und übertreibt. weil sie sich über die Zeit entwickeln. 128 S. In der Mathematik ist in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Freude am Bild entstanden. wie heikel die abstrakten Daten sein können. was wir der Öffentlichkeit über ihre gegen Worte abgedichteten Ohren nicht vermitteln können«.und Onlinemedien präsentieren Informationen zunehmend optisch. auf der sie beruht. Auf den nächsten beiden Seiten können Sie noch einmal alle bisher erschienenen Grafikseiten als Miniatur sehen (Seite 42/43). wie sie ist. aber man sieht ihnen nicht die Qualität der dahinterstehenden Daten an. über den man Einsicht und Erkenntnis ohne Worte direkt erzeugen kann. für Gelehrtenschulen wie das unter dem Pseudonym »Bourbaki« schreibende Kollektiv französischer Mathematiker waren Zeichnungen und Diagramme Verwässerungen der reinen mathematischen Idee. die bei der Benutzung eines modernen Handys entstehen. Damit wurde die Sinnlichkeit der inneren Bilder geleugnet. Dabei sind seine Mittel schlicht. Seitdem haben wir Ihnen 99-mal ein Thema in Bildern präsentiert – Infografiken. jede Statistik ist nur so gut wie die Zahlen und Gleichungen. das Buch »Wissen in Bildern« zu gewinnen. Illustrationen. wie man gute Infografiken von schlechten unterscheiden kann (Seite 44). Die Klimaforscher hätten mit ihren Warnungen vor den Folgen des Klimawandels längst nicht so gut an die Öffentlichkeit dringen können ohne die bunten Bilder eines heißen Planeten im Jahr 2100. Jahrhundert von einer regelrechten Bilderfeindlichkeit geprägt war. wenn die Datenflut von einzelnen Rechercheuren gar nicht mehr zu bewältigen ist. Unter allen Einsendern verlosen wir fünfmal den großformatigen Sammelband »Wissen in Bildern« mit 60 Grafiken aus unserer Serie. diese Ideen auch grafisch aufzubereiten. »aber das hat ihre Weltsicht nicht verändert. zu denen ein Forscher gekommen ist. »Ich habe meinen Studenten früher riesige Mengen von Unicef-Statistiken über Einkommen. was man mit den umstrittenen Vorratsdaten anfangen kann. 1895: Der Physiker verewigt als Erstes die durchleuchtete Hand seiner Frau So stimmen Sie ab: Schicken Sie eine E-Mail (bitte nur eine pro Person!) mit der Nummer Ihrer Lieblingsgrafik im Betreff an grafikwahl@zeit. die Leser selbst in die Aufbereitung der Daten einzubeziehen. Aber jede Simulation. Man kann mit Bildern lügen. Lebenserwartung und Fruchtbarkeitsziffern kopiert«. Damit brachte sie das Potenzial von Infografik. Ähnlich verfuhr auch das GuttenPlag Wiki bei der Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsministers. Fotoseiten. wie es eine Sammlung nackter Zahlen niemals könnte. Auf ZEIT online konnte der Nutzer sich selbst in die Rolle des Schnüfflers versetzen und die Spur des Politikers an einem beliebigen Tag zu einer beliebigen Uhrzeit aufnehmen. Atemlos wie ein Sportreporter kommentiert Rosling beispielsweise. Also auf etwa 15 000 Buchstaben zu verzichten und dafür Bilder. holt es in Windeseile die Entwicklungen nach. sagt der Infografik-Professor Michael Stoll (siehe Interview auf Seite 42). Es war daher eine geniale Idee des Grafikers David McCandless. die zur Umwälzung ganzer Weltsichten beigetragen haben (siehe Zeichnungen auf dieser Seite). Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www. GRAFIK Futter für das Augentier Wissenschaftler und Journalisten entdecken die Vorzüge der Infografiken VON CHRISTOPH DRÖSSER WISSEN IN BILDERN 12. Mit der Entwicklung des Computers wurde es möglich. Damit fing alles an – vor etwa 30 000 Jahren Vor zwei Jahren. Das ist ein Grund dafür. Auch die Wissenschaften arbeiten verstärkt mit Bildern (diese Seite). Es hat zu allen Zeiten starke wissenschaftliche Bilder gegeben. bewegen sich von einer Ecke des Graphen in die andere und zeigen wirtschaftliche oder gesundheitspolitische Welttrends auf. und begründeten die moderne Biologie.. Allerdings hat diese »ikonische Wendung« hin zur Bildsprache in der Wissenschaft auch Schattenseiten. Mit einem Beamer präsentiert er die von ihm entwickelten »Blasendiagramme« (siehe auch Grafik Nr. F Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich Infografiken im Netz. die sich nur in streng logischen Abfolgen mathematischer Sätze zu manifestieren hatte. selbst nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. Wer das kleine Kästchen des Bundes-Bildungsetats mit den größeren Rechtecken des Banken-Rettungspakets oder des Vermögens der Albrecht-Brüder verglichen hat. Inzwischen steht Roslings Software jedermann zum Experimentieren offen – die Firma Google hat sie gekauft und bietet nun den Dienst Google Motion Chart an. um Struktur in einem Gewirr von Zahlen zu finden. oft mit einem Blick in einer unübersichtlichen Umwelt das wesentliche Muster zu erfassen. und noch spannender wird es. in der die plagiierten Seiten rot gekennzeichnet waren. »über die Augen zu bewirken. Vor zwei Jahren hat sich das Wissen-Ressort der ZEIT entschlossen. wie sie sich unter bestimmten Voraussetzungen entwickeln könnte. Sagen die wirklich mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte? Mehr vielleicht nicht. Die Grafiken suggerieren wissenschaftliche Exaktheit in einer Detailtreue. 1610: Per Fernrohr entdeckt der Astronom die Mondkrater und die Phasen der Venus 1835: Die Vielfalt der GalápagosFinken inspiriert den Biologen In der wachsenden Datenflut helfen Grafiken bei der Bewertung Das beginnt mit der einfachen Darstellung von Größenordnungen. mit denen sie täglich jonglieren. Mai. Das Beispiel zeigt auch die natürliche Schwäche des Mediums auf. Der Zeitungsleser wird heute auf jeder Seite bombardiert mit einer Fülle von Zahlen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 41 Jagdszenen auf Stein. Die Evolution hat uns gelehrt. Auch Rosling geht es darum. sondern auch die Daten. 1596: Die Planetenbahnen als ineinandergeschachtelte platonische Körper Mit Bildern lässt sich auch trefflich lügen Auch die Wissenschaft setzt zunehmend auf die Kraft des Bildes. Was Galileo durch sein Fernrohr sah und abzeichnete. 89). an welchen Ursachen die Soldaten der königlichen Armee starben. die Welt einzuteilen in die industrialisierten Länder und die Entwicklungsländer. 67 auf der nächsten Seite): Jedes Land ist entsprechend seiner Bevölkerungszahl ein mehr oder weniger großer Kreis. die für ihn aber kaum konkret begreifbar sind. Die meisten erlagen nicht den Wunden. Der Augsburger Medienforscher Michael Stoll erklärt. die durch Satelliten. Einsendeschluss ist der 19. Dessen Achsen können zum Beispiel die Kindersterblichkeit und das Bruttosozialprodukt sein. sondern potenziell viele.95 Euro 1972: Zwei goldene Platten an Bord der Raumsonden »Pioneer 1« und »Pioneer 2« sollen Außerirdische über das Leben auf der Erde aufklären . die von den dahintersteckenden mathematischen Modellen oft gar nicht gedeckt wird. Infografik und wissenschaftliche Visualisierung setzen auf diese außerordentliche Fähigkeit. zum Rücktritt des Politikers beigetragen. Über die Selektion der Daten kann der Autor die Aussage beeinflussen – aber wie die Welt sein soll. über das Auge Erkenntnisse zu vermitteln. jede Woche eine ganze Seite der Infografik zu widmen. die im Westen vor 100 Jahren eingeläutet wurden. dass mit jeder wissenschaftlichen Publikation nicht nur die Erkenntnisse offengelegt werden. der Code des Lebens ist entdeckt 1975: Am Computer generierte Fraktale eröffnen den Blick in eine neue mathematische Welt Christoph Drösser (Hg. lorence Nightingale war nicht nur eine Reformerin des öffentlichen Gesundheitswesens. in der schlichtesten möglichen Form diese Beträge zu visualisieren: als simple Rechtecke (Grafik Nr. Jahrhundert die moderne Krankenpflege begründete. von Visualisierung auf den Punkt: einen Sinneskanal zu öffnen. wie der Riese China den Rückstand zur westlichen Welt aufholt. Bilder haben eine starke Überzeugungskraft. die sie sich im Gefecht zugezogen hatten.niels-schröder. der eine Position in einem x-y-Koordinatensystem hat. Grafiken und Statistiken zu zeigen. Wort und Bild werden zunehmend gleichberechtigt nebeneinanderstehen – auch in dieser Zeitung. wenn der Nutzer interaktiv eingreifen kann. ist zu kostbar. der bekommt zumindest einen Sinn für Proportionen – auch wenn dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden und man das Geld aus dem einen Kästchen nicht so einfach dem anderen zuschlagen kann. nachdem das 20. Beschleuniger und andere Forschungsinstrumente geliefert wird.

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Todesort. Wird ein Insekt vergiftet und stirbt einen langsamen. sozusagen an Altersschwäche. Das sind ihre beiden Hauptaufgaben: visualisieren und vermitteln. CHRISTOPH DRÖSSER eine Mode in der Medienlandschaft? Michael Stoll: Ich glaube. dass Käfer oder Kakerlaken sterben müssen. dann würde ich sagen: Da ist noch viel Luft nach oben. Die suchen sich ihre Informationen selber im Internet. 20079 Hamburg. werden aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. quälenden Tod. Es kommt auf schnelle und präzise Vermittlung an. Zum Wesen einer Infografik gehört es. ob Psychopathen bessere Menschen werden können Das aktuelle ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. ZEIT: Bekommt der Leser. Das Ziel ist die Institutionalisierung des Berufs Infografiker. indem sie kräftig strampeln und irgendwann wieder auf den Beinen landen. die infizierten Ameisen wie Zombies umherirren. ZEIT: Sieht so der Journalismus der Zukunft aus? Ich wühle mich durch einen Wust an Informationen und bereite ihn ansprechend auf? Stoll: Der Datenjournalismus wird sich sicher etablieren. runden Körper aus aerodynamischen Gründen am wahrscheinlichsten. hat ein höheres Ansehen. die ruhig und friedlich sterben. Aber wir sind auf einem guten Weg. es funktioniert im Idealfall einfach. online). Aber auch Insekten.zeit. Ein internationales Forscherteam hat gezeigt. lachen die mich aus. Es wird dabei irgendwann auch auf dem Rücken landen – und wenn es dann schon zu schwach ist. ehe sie sich wie auf Kommando an der Unterseite eines Blattes festbeißen und sterben – genau dort. Stimmt’s?. oder stimmts@zeit. Es gibt gleich mehrere Gründe. ZEIT: Also brauchen wir mehr Infografiken? Stoll: Auf jeden Fall. Wer überzeugend Infografiken publiziert. in der Rückenposition zu landen. die sich dafür eignen. dass Foto: privat .de. dann können sie sich aus dieser misslichen Lage befreien. dann ist es zumindest für Insekten mit einem glatten. leiden seltener unter typischen Alterserscheinungen. wo optimale Entwicklungsbedingungen für den Pilz herrschen (Biomed Central. das ist Schönheit ohne Bedeutung. Beim Internationalen Malofiej-Contest der Universität von Navarra in Pamplona. auf die der Leser vorher keinen Zugriff hatte. Die Infografik ist ein Element für effektive Leser. besonders nach Schweden und Dänemark. Alter. ZEIT: Will der Leser sich denn wirklich mit solchen Datenmengen auseinandersetzen? Stoll: Das will er. Allerdings nicht in dieser formalen Ausprägung. Wenn ich meine Studenten frage. dem wichtigsten Infografik-Preis. dass sie nicht linear erzählt werden kann. Darin sind die deutschen Infografiken ungeschlagen. wer noch fernsieht. wofür die Deutschen bekannt sind: ihrer Genauigkeit und ihrer rationalen Herangehensweise. wenn eine Information abstrakt ist. der zur Popularisierung der Infografik beigetragen hat. So ist ihr auditives Gedächtnis im Alter zwischen 45 und 65 Jahren besser als das von Nichtmusikern. Die Wechselwirkungen zwischen dem visuellen Eindruck und dem analytisch-verbalen Grafikanteil sind sehr intensiv. die spätestens mit neun Jahren ein Instrument gelernt und ihr Leben lang mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben. ZEIT: Die Infografik ist also etwas für faule Leser? Stoll: Ganz und gar nicht. Die New York Times und der Guardian stellen solche interaktiven Grafiken zur Verfügung. die das Gehör betreffen (PLoS One. zuckende Bewegungen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KOMPAKT WISSEN Daten sichtbar machen Eine gute Infografik bringt ihre eigene Bedienungsanleitung mit. damit der Kiefer des toten Insekts geschlossen und das Tier am Blatt hängen bleibt. Und in dieser Position (mit anliegenden Beinen) lässt sich das Tier ganz leicht auf den Rücken drehen. Stirbt das Tier im Flug oder auf einer erhöhten Position sitzend. dringt in ihren Körper ein und beeinflusst ihr Verhalten.zeitabo. das Gleiche darin liest. Fernsehzuschauer und Internetnutzer denn hauptsächlich gute Infografiken präsentiert? Stoll: Wenn ich mir das Gros so anschaue. wir sind auf einem guten Weg. ZEIT: Was sind die aktuellen Trends in der Infografik? Stoll: Neben der zunehmenden Zahl von 3-DGrafiken und der Kombination von Statistiken mit Landkarten ist ein großer Trend. Das ist zum einen dann der Fall. Genau das kann die Infografik sehr gut. Denn viele dieser Arbeiten vernachlässigen die zweite Aufgabe der Infografik: das Vermitteln. Oder der Parallelklasse. die online verfügbar sind. Das musikalische Training sorgt den Studienautoren zufolge für ein Feintuning des Nervensystems und erspart den Musikern altersbedingte Kommunikationsprobleme. Da kann man sich zum Beispiel alle Informationen über die Gefallenen des Irakkrieges ansehen. Allerdings sind Infografiken kein Allheilmittel im Journalismus oder für die Wissensvermittlung per se.zeit.de/netz-strom Niels Birbaumer erforscht. weil sie wie in einer Collage miteinander verwoben sind. In Deutschland gibt es zwei. dann macht es wilde. die zur Profilschärfe beiträgt. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. Umfangreiche Datenbestände. Darin sehe ich ein großes Problem. die sich hauptsächlich im Internet abspielt. und zwar nicht nur mit Namen. vier Jahren um die Hälfte gestiegen. vielleicht noch andere Menschen ums Leben gekommen sind. Von solchen Verhältnissen träumen die meisten deutschen Verlage. Aber tatsächlich findet man tote Insekten meist auf dem Rücken liegend vor. dass sie sich über die Infografik positionieren können. zum Beispiel die Fluchtpunktperspektive oder die Benutzerführung und Hierarchisierung eines Themas durch die Grafik. online). Sie erkennen. Außerdem erhalten sie sich durch das musikalische Training länger die Fähigkeit. Sie verschafft mir einen strukturierten Zugang zur Information. Visualisierung ohne Erklärung. der sie anschaut. ZEIT: Sie sagen.de/stimmts www. sagt der Experte Michael Stoll DIE ZEIT: Sind die vielen Infografiken mehr als STIMMT’S? Sterben Insekten auf dem Rücken? … fragt Fabian Schäfer aus Leipzig Die Frage ist nicht so zu verstehen. Die Beine nehmen beim Tod nämlich eine entspannte Stellung ein. Und zum anderen. drei Agenturen.zeit. Das merkt der Leser gar nicht. und dabei sind sie nicht gestreckt. wo der Gefallene herkam. ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge in den vergangenen drei. Sprache in lauten Umgebungen zu erkennen. Alles in allem ist die Rückenlage statistisch am wahrscheinlichsten. ob aus dem Ort. sondern eingeknickt. zum Beispiel durch einen leichten Luftzug. Dort kommt in den Zeitungsredaktionen auf zehn klassische Journalisten ein Infografiker. was sie wissen wollen. die gestalterisch und journalistisch wirklich top sind. kann man inzwischen von einer Emanzipation der deutschen Infografik sprechen. ZEIT: Wieso das? Stoll: Weil eine gute Infografik Dinge zeigen und erklären kann. Sie können eigenständig suchen. Sind sie gesund. gelingt das rettende Umdrehmanöver nicht mehr. Der Pilz steuert auch die Festigkeit des Bisses. dass sie ihre eigene Bedienungsanleitung mitbringt. aus der sie das rauslesen. Während vor einigen Jahren die hiesigen Infografiker noch nach Amerika schielten und sich an den Kollegen dort orientierten. wenn eine Information so komplex ist. Ihre Bedeutung wird den Verlagshäusern gerade erst wieder richtig bewusst. MEHR WISSEN: Im Netz: Was das Internet an Strom verbraucht www. ZEIT: Gibt es die ideale Infografik? Stoll: Es gibt ein paar Qualitätskriterien. Er setzt sich auf Ameisen fest.de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN Musikergehör Musiker.de Zombie-Ameise Michael Stoll ist Pro fessor für Informationsdesign und Medien theorie an der Hochschule Augsburg Der subtropische Pilz Ophiocordyceps unilateralis ist ein Parasit der besonders fiesen Sorte. dann ist das eine gute Grafik. Oder aus dem Nachbarort. Wenn eine Infografik sich widerspruchsfrei interpretieren lässt. wir stehen am Anfang einer Renaissance der Infografik. Das gilt übrigens weltweit. Das beginnt mit einem Klick auf einen Link und endet in einer Datenbank. Das Gespräch führte CLAUDIA FÜSSLER Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. die Datenvisualisierung. landen leicht in der Rückenlage. Die Infografik ist eine journalistische Darstellungsform. wie er es zurzeit tut. Wir brauchen mehr Infografiken bei Themen. ZEIT: Woran erkenne ich das? Stoll: Tatsächlich an dem. ich muss mir den Sachverhalt nicht selber zusammensuchen und ihn einordnen. Was mir an diesem Trend sehr gut gefällt: Weil in einer Welt der Infografiken und Datenbanken vor allem faktisches Wissen gefragt ist. Was genau ist denn das Ziel? Stoll: Da lohnt sich der Blick nach Skandinavien. das nicht von einem Räuber gefressen wurde. In unserer Wissensgesellschaft sollen wir ständig in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aufnehmen. also jeder.44 12. wenn sie einmal zufällig auf dem Rücken landen. warum die Rückenlage die wahrscheinlichere für ein totes Insekt ist. wird die Boulevardisierung verdrängt.

(4) Abba? Anni-Frid. kann er nicht einfach in seinem Land zur deutschen Botschaft spazieren und ein Visum beantragen.de/mikado Dürfen wir bleiben? Boote voller Menschen. 20079 Hamburg. nur dass bei ihm immer recht viel schiefgeht. ein toller Freund. Singen oft ihr »pinkepink«.. ja fast unmöglich. Das Zauberschwert dtv 2011. Ihre Lieder werden noch heute gespielt. ENKEL«. Sie sahen eigentlich gar nicht hilflos aus. Essen und etwas zu trinken bringt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 47 ELEKTRO ER Fotos: Arianna Arcara/Cesuralab/LuzPhoto/fotogloria [M]. W I S S E N . dabei seine Kinder trägt und schützt. Egal. und wahrscheinlich sind die beiden zurück in ihre Heimat gegangen. dem man helfen muss. Je länger ich Massoud und Leyla damals beobachtete. K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAREN EIGENTLICH . die bis heute andauert. Oft finden die Menschen sie auch. Björn und Agnetha – nimmt man die Anfangsbuchstaben der vier Namen und setzt sie hintereinander. wie man mit diesem erstaunlichen Schwert in die Vergangenheit reisen kann – und schleppt Tim gleich mit in die Welt der Ritter. Hans G. Massoud und Leyla waren Kurden aus dem Irak. 2. wie er zwitschert – gern aus dem Weidenlaub heraus 1 2 N D D OE U E H 5 E 3 4 R 6 7 C L 8 9 10 I E Z Schick es bis Dienstag.ndr. obwohl vielleicht jemand auf ihn schießt – dann muss er ziemlich stark sein. Deswegen quetschen sie sich auf kleine Boote und wagen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Wozu braucht man auf der Flucht ein Hochzeitskleid? »Damit ich mich an etwas Schönes erinnern kann«. eingesperrt und in ihre Heimat zurückgeschickt. bis er schließlich in Österreich landete. ob er Spaghetti Bolognese isst. Kasachstan und Russland. Sie behandeln dann in einem Flüchtlingslager die Kranken oder unterrichten die Kinder – auch wenn es keine Schule. KinderZEIT. 7. Oft versuchen die Flüchtlinge. Das fand ich damals albern. »das fällt nicht nur mit Signalfarbe.. schuften auf Baustellen. warum jemand Hunderte. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. dass sie möglichst schnell zurück nach Hause können. giessen. weil er sich selbst nicht mehr helfen kann. Zusammen mit Tausenden anderen Kurden waren sie über die Berge in die Türkei geflohen. besteht aus Zweigeflechten und Polsterarbeiten 3. Anu Stohner: Robert und die Ritter. So wie die Flüchtlinge. ein tolles Bücher-Überraschungspaket. Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. Hat man je eine BISAM-EULE im Frühlingskonzert gehört? Sie andererseits schon oft! 9. Benny. Deutschland oder Italien und sucht Arbeit. und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen. Veilchen. Massoud war ziemlich groß und kräftig. Herr Blaukappe und Frau Graubraun 7. Björn und Agnetha aber wollen schon lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne stehen. Sind mit dunklem Federkleid und hellen Flötentönen in der Vogelschar vertreten 10. Aber es gibt immer noch viele Flüchtlinge: ungefähr 40 Millionen Menschen auf der ganzen Welt! Manche konnten gerade noch davonlaufen. Dann bin ich selbst in ein Flüchtlingslager gefahren und habe Massoud und Leyla kennengelernt. Erst wenn Hilfsorganisationen ankommen und ein kleines Krankenzelt oder eine Trinkwasseranlage aufbauen. »HORCHT. Rasenmaeher. sich selbst zu helfen. Sie werden erwischt. Sie gewann den europäischen Musikwettbewerb mit ihrem Lied Waterloo. Steuert die Klopftöne zum Vogelkonzert im Wald bei 4. versteht sich von selbst . wenn er eins vor der Nase hätte? Robert durchschaut sofort. Auf der Flucht wurde er verprügelt. Anni-Frid. Kleider. desto mehr dachte ich: Flüchtlinge sind gar nicht so schwach. arabischen oder asiatischen Ländern dürfen nur einreisen. Leyla hatte außerdem ihr Hochzeitskleid eingepackt. Das habe ich zumindest lange geglaubt.95 Euro. Wenn so ein Mensch nach Deutschland kommt und beweisen kann. die man oft im Fernsehen sieht: Leute. Aber was bedeutet es eigentlich.12. Wir hier in Deutschland können uns nur schwer vorstellen. 3. Denn im Irak wurden Kurden damals verfolgt. wenigstens eines der Kinder für ein besseres Leben nach Europa zu schicken. Inzwischen werden die Kurden im Irak nicht mehr verfolgt. Berühmt wurde die Popgruppe 1974 durch den Eurovision Song Contest. bedroht – ein elfjähriger Junge kann sich ja kaum wehren. Nur sehr. weil sie Demokratie gefordert oder einfach nur. 8. Menschen aus afrikanischen. Oder in einem Flüchtlingslager. Manche haben. konnte zur Schule gehen und eine Lehre als Elektriker machen. Es ist ziemlich lange her. Hesmats Geschichte ist gut ausgegangen. Einer der Kleinsten – und doch der gekrönte Chef? – im Singvogelreich 2. Seitdem machen sie eine Pause. nach Deutschland oder nach Europa zu kommen. bestohlen. findet Tims Mutter. keine Tische. sehr müde. nur um sich nach Europa hineinzuschmuggeln. weil sie kritisch über die Machthaber geredet haben. 6. Das Leben dort ist allerdings hart. Die Radiogeschichte über Abba hört Ihr am Sonntag um 8. Viele Flüchtlinge hoffen. Benny. Robert könnte gut ein wenig langweiliger sein. Flüchtlinge sind schwach. Der Junge kommt aus Afghanistan und floh mit elf Jahren allein aus seiner Heimat. Einer – er heißt Hesmat – hat seine Geschichte von einem Journalisten aufschreiben lassen (Hesmats Flucht heißt das Buch). Tierische Kunst. Wenn aber jemand in seiner Heimat verfolgt wird. Manche kommen eine Weile bei Verwandten in anderen Städten und Dörfern unter. können die Flüchtlinge und Migranten am besten selbst erklären. Krokusse. pflücken Tomaten. – BLUMENBEET Dicht gedrängt stehen Flüchtlinge auf einem kleinen Boot. Ginster. auf Lastwagen oder überfüllten Booten reist. die aus Nordafrika nach Europa fliehen – solche Bilder sieht man seit Wochen. bis es wieder ruhig ist. Viele Menschen fliehen auch. keine Schule. ab 7 Jahren SC H E H U NI Bleeker in Flüchtling ist jemand. sondern auch mit lautem Gesang auf« 5. weil sie sich für Menschenrechte eingesetzt. Maulwuerfe. Lehmann (ABBA). Sie arbeiten für ganz wenig Geld in Restaurantküchen. manchmal über tausend Kilometer zu Fuß. Massoud und Leyla waren mehrere Tage zu Fuß marschiert. wenn sie ein Visum (das ist eine Erlaubnis zur Einreise) haben. In Tunesien hat es gerade eine Revolution gegeben. Die Menschen haben schon alles verloren. dann erhält er »politisches Asyl«. 9. In Österreich ist er schließlich in einem SOS-Kinderdorf gelandet. Viele Kinder und Jugendliche machen sich ohne Eltern auf den Weg. und jetzt müssen sie mit 20 anderen in einem Zelt leben. So nannten sich die zwei Männer und zwei Frauen aus Schweden als Band. was findet man bald nach der Vogelhochzeit im Nest? 8. Die Schweden wurden eine der erfolgreichsten Bands der Welt und verkauften mehr als 375 Millionen Alben. 9. Wenn jemand über hundert Kilometer marschiert. dass ihnen jemand Decken und Medikamente. das die italienische Insel Lampedusa im Mittelmeer erreicht . Diese Flüchtlinge verstecken sich manchmal wochenlang im Wald und warten. Das Problem ist nur: Für Verfolgte ist es inzwischen schwierig. Leyla rannte ständig herum. Zusätzlich schleppten sie Rucksäcke. es gibt sogar ein Abba-Musical.. Fotex (im Wappen). Einer steht gern auf der Bühne. Leyla die jüngste Tochter. Aber würde er dann ein Zauberschwert erkennen. Apfel Zet (Piktogramme). dass ihm in seiner Heimat Tod oder Gefängnis drohen. Decken. schlägt sich durch nach Frankreich.zeit. Es gibt oft zunächst kein Trinkwasser. den Schulhausmeister ins Krankenhaus befördert (aus Versehen natürlich) oder mit seinem Skateboard in einen Gemüsestand brettert (ebenfalls unabsichtlich). 4. Warum jemand so etwas tut. als Ärzte oder Lehrer gearbeitet. wird die Lage etwas besser. Eieieieiei.de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1. Hesmat war 14 Monate unterwegs durch Turkmenistan. Solche Menschen nennt man »politisch Verfolgte«. Oft sind die Eltern im Krieg gestorben. Derzeit versuchen viele Migranten aus Tunesien. Aber an der Armut hat sich nichts geändert. den 24. Das passiert zum Beispiel immer wieder im Kongo oder im Sudan in Afrika. ergibt das »Abba«. Für einige aber gibt es kein Zurück mehr: Sie werden daheim von der Geheimpolizei gejagt. Massoud hatte die beiden älteren Kinder getragen. Lösung aus der Nr. bevor sie fliehen mussten. als Soldaten oder Rebellen ihre Dörfer überfielen. sie mussten sich immer wieder verstecken. Dass es dort keine Sekunde langweilig wird. dass ich Massoud und Leyla getroffen habe. Oder die Familie hat beschlossen.05 Uhr in der Sendung Mikado – Radio für Kinder auf NDR Info oder im Internet unter www. weil ihre Heimatländer arm sind und sie dort keine Arbeit haben. nach Europa zu kommen. Der heißt. umgraben. viele wurden getötet.. keinen Strom. die Geschichten vieler anderer Flüchtlingskinder gehen leider nicht so gut aus. einer hockt gern im Kirschbaum 6. Mai. Niels Schröder (Wappen) S AU HR SC AT HR SC RIT P O L I T I K . hatte Leyla gesagt. die unter Zeltplanen hocken und hoffen. Bücher oder Stifte gibt. spricht Opa. weil Soldaten auf sie schossen. 18: 1. Flüchtling zu sein? VON ANDREA BÖHM Dein Vorname: Wie alt bist Du? E WAS SOLL ICH LESEN? Ritter Tollpatsch Robert ist Tims bester Freund. weil an den Flughäfen und an den Grenzen immer strenger kontrolliert wird. zum letzten Mal traten sie 1982 auf. Gartenzwerg. Solche Flüchtlinge nennt man Migranten. um irgendetwas für ihre drei Kinder zu besorgen. 10. Flieder. Wer es bis nach Europa schafft. keine Medikamente für die Verletzten. 5. Laube.

Doch die todkranke Frau hält für den erwachsenen »Monsieur Blaise« bittere Wahrheiten bereit: über sich. Darin steht der Name Blaise Fortune. Oma ist es. besonders im Sport. was und wer eine Mutter ist.. betrügen sie.radiobremen. die verbotenen Farben. angeblich. Ironisch. Sie sind robust. Glorias Erinnerungen aber reichen bis in die Zeit vor Kumaïls Geburt. Mord und Verrat glaubhaft Teil einer Flüchtlingsgeschichte werden. wenn er endlich erkennt. er sei Franzose. 14. als er im Flughafen auf eine Maschine nach Tbilissi wartet: Er hofft. Ihre Geschichte ist keine Dokumentation. sagt sie. gibt Zeitungen und Bücher heraus.48 12. später staunend. Seine eigene Erinnerung beginnt mit dem siebten Lebensjahr und führt ihn zurück in die Leidenszeit einer fünfjährigen Flucht. die Blaise erlebt. Rotherham. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KINDER. Oder werden von Schiebetüren zerquetscht. Witzig. wenn ihr ihn auch nur in die Nähe von der Neuen Katze lasst«. Später kommen sie auf einer vergifteten Müllhalde unter. Doch selbst sie sind sorgfältig ausgewählt und verweisen jeweils auf Vorurteile oder menschliche Grenzbereiche. Erschüttert erkennt der junge Mann. Gloria dort zu finden. einen Tag vor seinem 41. was den Kindern noch schrecklicher vorkommt als Omas Tod: Alle acht Hamsterbabys werden in einer Nacht totgebissen – und Elternhamster Nummer 2 verschwindet aus dem Käfig. was Massaker bedeutet. über Zem Zem und über Kumaïls eigene Herkunft. Jahre gehen dahin mit der Flucht auf Straßen durch Osteuropa. Monsieur Blaise«. ihn umsorgt und aufmuntert.99 Euro Katie Davies: Das große Hamstermassaker Sauerländer Verlag 2011. Am Ende kämpft der friedselige Blum mit Waffen. wo man sie mit Füßen tritt. VON SUSANNE GASCHKE ab 8 Jahren Harald Parigger: 1848 – Robert Blum und die Revolution der vergessenen Demokraten Arena Verlag 2011. Umgangssprachlich. starten sie eine richtige Ermittlung. Oder die Verzweiflung. Kurzweilig ist die Lektüre über das letzte Lebensjahr Blums. Nicht ohne Humor endet fast jedes Kapitel mit einer kleinen lehrhaften Pointe. der Freiheitsfreund.& JUGENDBUCH Ein neues Leben. ihren erfundenen Geschichten und ihrem klugen Fluchtplan zu verdanken hat. scherzhaft: eine schwere Niederlage. Die wundersame Rettung des »Monsieur Blaise« ruft nicht nur französischen Lesern ins Bewusstsein. Sie tragen Schwarz-Rot-Gold. Wichtige Frage: Gibt es jemanden. Das Gespräch zum Buch ist abrufbar unter www. dass Katie Davies’ Buch Das große Hamstermassaker von Hamstern handelt und nicht von Meerschweinchen. Beide sind Weibchen. »Glücklich sein wird zu jeder Zeit empfohlen. Kaschmirmantel). Die politisch geschulte Gloria hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. Frankreich ist das Land der Freiheit für den russisch-tschetschenischen Jungen mit dem gefälschten Pass. sagt die Mutter. Das ist ein gelungener Kunstgriff. Sie erlebt nicht mit. Unterstützt werden sie dabei von Annas bester Freundin Susanne. Immer wieder holen die Kriegswirren der KaukasusUnruhen in den neunziger Jahren die beiden ein. die für Einheit und Freiheit kämpfen. Sie erkennen auf lange Distanzen. Anna und ihr kleiner Bruder Tom wünschen sich sehnlichst einen Hamster. stellt Radio Bremen das Buch vor. der auf der Straße lebt. Aber auch nicht für Mama . Bondoux und ihrer guten Übersetzerin Maja von Vogel gelingt es. was er sagt. lange in Erinnerung haftendes Bild vom Leid. Der Kölner Blum. ihr könnt den Hamster auch gleich umbringen. die sie über den Landweg nach Frankreich bringen wollten. Auch vom paradiesischen Obstgarten ihrer Familie und Glorias Liebe zu Zem Zem lässt sich Kumaïl immer wieder berichten. Er ist ein Kümmerer. VON RALF ZERBACK ab 12 Jahren Das Hamstermassaker Eine Ermittlung in Sachen Haustiermord Hamster sind problematische Haustiere.. Die Autorin erzählt in drei Zeitebenen: In der Gegenwart wird der erwachsene Blaise Fortune mit seiner wahren Identität konfrontiert. So steht es im Lexikon. Doch als der Junge endlich vor französischen Zöllnern seine Identität bekennen kann – »Ich bin Blaise Fortune und ich bin Bürger der VON BIRGIT DANKERT a b 14 Jahren I So sieht die Innenseite eines französischen Reisepasses aus französischen Republik . kann über seine Rettung eine wunderbare Geschichten erzählen. Die Grausamkeiten. die den Kindern erklärt. Und dann geschieht etwas. um dem Kind eine Überlebenschance in einem freien Land zu ermöglichen. Mai. als Baby habe die junge Russin Gloria ihn vom Schoß seiner Mutter aus einem zerbombten Zug gerettet. der die Geschichte anschaulicher macht. Meerschweinchen hingegen sind viel besser als Haustiere geeignet. Und dann dürfen zum Trost für alle doch zwei Hamster ins Haus. Man darf mit Monsieur Blaise – oder besser doch Kumaïl? – weinen. November 1848. erfolgreiche und vielseitige Kinder. dass die Hoffnung und Zuversicht seiner Kindheit auf falschen Vorstellungen beruhten. . Die Tragödie seiner Beschützerin und ihres tschetschenischen Geliebten hatte er nicht gekannt. tatsächlich: Denn nach ein paar Wochen werden acht winzige Hamsterbabys geboren. Wohl eher ein Elternpaar. da ist Gloria verschwunden. seine Zeit als Verleger und Paulskirchenparlamentarier. die auch Freundschaft und die ersten Verliebtheiten kennt. Wunderbar sind die Illustrationen von Klaus Puth. Ein Buch gegen das Vergessen der frühen Demokraten. Die alten Mächte siegen. Als Oma stirbt (ein sehr stiller. Massenmord. was in unserer von regionalen Kämpfen heimgesuchten Welt täglich tausendfach geschieht: Eine Frau mit durchaus problematischer Rebellen-Vergangenheit und ein kleiner Junge machen sich auf den Weg. Lehrreich. warum Mama ein gestörtes Verhältnis zu Hamstern hat (Schiebetür. Sie können viele interessante Geräusche machen.« –. da ist sich Anna sicher. gefühlvollen Jungen – zunächst naiv. ein Auf. erschossen. schreibt Artikel. Er wurde am 9. ausgezehrt von den Entbehrungen. mit dem Schiff nach Westen zu gelangen. schließlich einen gültigen französischen Pass besitzt und sogar ein Studium beginnt. Oder nagen Kaschmirmäntel an und ersticken an den Flusen.und Einmischer. Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder Aus dem Französischen von Maja von Vogel Carlsen Verlag 2011. Wahrscheinlich ist er der Täter. seit 1832 in Leipzig zu Hause. 144 Seiten. der hilft und rät. Der Autor Harald Parigger zeigt viele Facetten dieses Mannes: den Blum. eigentlich ist das ungerecht: Es ist auf jeden Fall ein großartiges Buch. die im romantisch gezeichneten rumänischen Zigeunerlager spielt. Es ist spannend.de/ funkhauseuropa Ein Freiheitsfreund Geschichte: Vom Leben des Robert Blum Brillante Politiker gibt es in der neueren deutschen Geschichte nicht so viele. Der Junge heißt Kumaïl. Doch die Erwachsenen sind völlig uneinsichtig: Annas Vater sagt. der kämpft und spricht. auf den Barrikaden in Wien. ist es ein großartiges Buch. Aber der Reihe nach. und er glaubt tatsächlich. jagt alles (von nackten Zehen bis zu Klospülgeräuschen) und erschreckt andere Haustiere zu Tode. ob man im Krieg glücklich sein dürfe. Geburtstag. Aber Anna.90 Euro Luchs Nº 292 Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder. er habe in dieser Familie nicht die Hosen an und Annas Mutter müsse entscheiden. Eingestreut sind Sachkapitel zur sozialen Not etwa oder zur Märzrevolution. Redaktion: Libuse Cerna. Doch sein Tod machte ihn zum Helden der Zeit. »Du und dein Bruder. sagen die Erwachsenen. Dafür. die oft mit Willkür regieren. Gemeinsam mit Omas Freundin Mrs. Manche Passagen – wie die. Gloria. die Gefühle von Blaise und Gloria zum Mittelpunkt und zum Erklärungsmuster eines politischen Dramas zu machen. bitte! »Zeit der Wunder« erzählt das Drama einer politischen Flucht chheißebläsfortünuntichbinbürgaderfranzöschenrepublikdasisdiereinewaheit« – mit diesem mühsam auswendig gelernten Satz macht sich ein Junge aus dem Kaukasus auf den Weg nach Frankreich – ins Land der Freiheit und der Menschenrechte. wie hoch die von uns oft für selbstverständlich gehaltenen Werte der Demokratie dort eingeschätzt werden. Oder nein. wie auch den Blum. gründet Vereine. Das gelingt tatsächlich. trauriger Teil des Buches). Deutschland ist in dieser Zeit ein Staatenbund mit vielen Fürsten. 9. 12. Hamster kämen ihr schon wegen der »Neuen Katze« nicht ins Haus. Auch den Pass habe sie mitgenommen.20 Uhr.und Jugendliteratur. Man hat ihm erzählt. Gloria und Kumaïl leben in einer Flüchtlingsunterkunft am Rande der Stadt Tbilissi in Georgien. Der Leser erhält dadurch ein authentisches. Damals gab es eine Revolution – und Robert Blum war einer der Kämpfer für Freiheit und Demokratie. 188 Seiten. Annas Mutter sagt. Blutbad. ein sanfter und kämpferischer Menschenfreund und Familienvater – ein Vorbild. Blum wird verhaftet. wenn jemand Gurken mit dem Messer schneidet. Denn sie versuchen vergeblich. Am 12. verschaffen dem Leser eher unterhaltsame Lektüre. einer pensionierten Kriminalbeamtin. hält Reden. vor allem aber den Wundern einer gelungenen Befreiung. Sie kriegen wahnsinnig schnell einen Herzinfarkt. außerdem gibt es Zeittafel und Glossar. wenn ihn die Sehnsucht nach seiner französischen Mutter packt. Oft sind dies Glorias Kommentare. war auf jeden Fall ein allgemeines Massaker. An all dies erinnert sich der zwanzigjährige Blaise. dass seine französische Mutter ein Traumbild war und dass er das Glück des Lebens nur Glorias Liebe. Schleuser. der schon mal etwas Ähnliches getan hat? Es sieht gar nicht gut aus für die Neue Katze. Ihre Gegner sind Männer wie Blum. Die »Neue Katze« ist wild. Einer aber leuchtet: Robert Blum.95 Euro Foto: Pascal Bastien/Fedephoto/StudioX Als Begleiter Blums erfindet Parigger den 16-jährigen Jungen Friedrich Wilhelm. Die 1971 geborene. Das Hamstermassaker.. die Lungen vergiftet von der Arbeit auf dem Müllberg. weint Annas Mutter viele Tage lang. zuletzt ratlos und suchend. die ihren Schützling »Monsieur Blaise« nennt.und Jugendbuch-Autorin Anne-Laure Bondoux hingegen muss man bewundern. So wächst Kumaïl/Blaise in einer Welt voller Ungewissheit vom vertrauensvollen Kind zum zweifelnden Jugendlichen heran. wie krank sie selbst ist. Massaker allgemein: Gemetzel. 207 Seiten. Tom und Susanne wollen das nicht glauben. wie ihre Antwort auf die Frage.. wie er in langen acht Jahren fließend Französisch lernt. 15. So können selbst Brutalitäten. Man erfährt zum Beispiel. sie erzählt beispielhaft. Nur Gloria gibt ihm Schutz und spielt herunter. erfährt der Leser aus dem Blickwinkel des klugen.

ob nun Shriver wahns in unseoder Schwarzenegger an Jesu Worte am rer Gesellschaft. zur Scheinheiligkeit – wie ehrenwert die Ziele der Aufklärer auch sein mochten. immer wieder an ihr Schicksal zu erinnern. Dass Öffentlichkeit ihm helfe und nicht schade. Die Moral ist offenbar eine Kraft. Und vermutlich war die Furcht der Regierenden vor einem Bundeswehreinsatz in Libyen auch nicht unberechtigt: Niemand wäre sonderlich verwundert gewesen. das Politische per se als verlogen zu empfinden und im Geisterreich der Moral es sich bequem einzurichten. Zur Erinnerung: Die iranischen Regisseure waren 2010 in Teheran verhaftet worden und wegen »propagandistischer Aktivitäten« zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden. »daß der Führer. so Hannah Arendt. sie wurde zur Hypokrisie. sieht sich abermals getäuscht: Nach Angaben des Festivals erzählt der Film die Geschichte eines jungen Teheraner Anwalts. ungeachtet der Handlungsfolgen. Umso wichtiger ist es. dieses Handeln billigen würde«. Hans Frank. sondern so zu handeln verlangt.smetek. auch wieder aus der Versenkung geholt werden. wie der moralische Diskurs in Deutschland mit nationalsozialistischen Überzeugungen bestens verschmelzen konnte. wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte. Vor dem Richterstuhl reiner Mo- N E thik in Deutschland ist traditionsgemäß Gesinnungsethik. Friedens. Der »Atomkraft? Nein Danke«-Button wird wieder ganz unironisch an Kinderwagen und Blusen geheftet. der wird sogleich entlarvt als jemand. daß Gesetzestreue sich nicht darin erschöpft. als hätten die sogenannte Spaßgesellschaft. man nimmt teil am Protest gegen Stuttgart 21 und empfindet auch wieder moralische Überlegenheit angesichts der hässlichen Realpolitik: Die Irritation jedenfalls war groß. Im Reich der Moral residierte die Kritik. in dem der Regisseur vom endlosen Warten auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens erzählt. »Unsere Probleme sind auch unser ganzer Besitz. als sei man selbst der Schöpfer der Gesetze. ral hatte der Fürst immer schon unrecht. Realpolitik wird gefürchtet. Der moralische Überschwang der Nachkriegsgesellschaft schien jedenfalls gründlich überwunden.und Umweltaktivitäten galten zu Recht als arg angefault. »Die Tatsache. ob die Tat gegen seine Prinzipien verstößt. denen man gehorcht«. nicht die Hoffnung zu verlieren. Er gehörte bereits zur Grundausstattung der sich im 18. Dieser sollte in moralischer Hinsicht sowohl den frivolen Höfling als auch den mit realpolitischem Zynismus handelnden Herrscher überstrahlen. Die Forde- rung. Aber die Sache wird noch komplizierter: Mohammed Rasoulof hat für seinen Film Bé Omid é Didar (Auf Wiedersehen) sogar eine offizielle Drehgenehmigung der Behörden bekommen. Dieser verbarg mit dem Verweis auf Moral nur notdürftig die eigenen handfesten Interessen. das Prinzip des Handelns mit dem Prinzip des jeweiligen Gesetzgebers eines Landes in eins zu setzen. Das deutsche Bürgertum. klingt noch heute mit. Jahrhundert konstituierenden bürgerlichen Gesellschaft. Witze über Müsliesser. CHRISTOF SIEMES un reicht der moralische Idealismus. Als Angela Merkel ihre Freude über Osama bin Ladens Tötung bekundete. Osama bin Laden hätte nicht getötet werden dürfen. lasse sich viel von der peniblen Gründlichkeit. Der Gesinnungsethiker ist verführt. Kritik erlag damit dem »Schein ihrer Neutralität« (Reinhart Koselleck). und der Traum. das man in der Aufklärung auf die Sittlichkeit richtete. 52 GLAUBEN & ZWEIFELN Islam: Reaktionen auf den Tod Osama bin Ladens S. auf dem Sofa. organisiere eine Unterschriftenliste. Die Aufklärungsschriften propagierten mit Pathos die Sittlichkeit des Bürgers. Wer nun denkt. schreibt Panahi in einem Brief an die Festivalleitung. . vorauseilende Anstrengungen nicht spontan einleuchten. dass wir am Leben sind. »lächerlich«. der Afghanistan-Einsatz gilt als bedenklich. Sie legten Berufung gegen das Urteil ein. Es galt ihm seinerzeit alles als ZeiMaria Shriver und Arnold chen für die VerdorSchwarzenegger haben sich »nach langem Nachdenken. als die Kanzlerin angesichts der Tötung von Osama bin Laden ihre Freude bekundete.FEUILLETON Im Geisterreich der Moral Schon baumeln wieder die Anti-AKW-Buttons an den Kinderwagen. das starke Augenmerk. uns nicht besiegen zu lassen und Lösungen zu finden. Kritik am berüchtigten Gutmenschentum der Deutschen zu üben. in Cannes würden Filme der Häftlinge gezeigt. In Libyen will man nicht militärisch helfen. Der Generalgouverneur des besetzten Polens. um welche Gebete es sich des Schönheitshandelte. Hannah Arendt hat in ihrem Buch über Adolf Eichmann minutiös dargestellt. Wem solch lediglich individuelle. Panahis neues Werk – ohne Genehmigung entstanden – ist noch direkter autobiografisch: In Film Nist (Dies ist kein Film) ist eine Art filmisches Tagebuch. Ein Verantwortungsethiker vermag politisch zu handeln. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus. Beide Regisseure sind seit ihrer Verurteilung auf freiem Fuß und warten auf den Ausgang des Berufungsverfahrens. mit der die »Endlösung« in Gang gesetzt wurde. Seine Furchtlosigkeit sollte uns eine Verpflichtung sein. »auf die eigentümliche. nicht nur den Buchstaben des Gesetzes zu gehorchen und sich so in den Grenzen der Legalität zu halten. Selbst Kollegen der Verurteilten in Iran finden die sensationsheischenden Meldungen. die ihn zusätzlich mit einem Preis ehrt.« Der Schritt der beiden. wird für den Regisseur so wichtig wie ein gutes Drehbuch. reformulierte gar den kategorischen Imperativ dahingehend.zeit. auf dem Balkon mit Blick über Teheran. ihn in Iran vorführen zu dürfen. sprach sie offenkundig als Verantwortungsethikerin und sah sich mit einer gesinnungsethisch gepolten Öffentlichkeit konfrontiert. um das Mindeste zu sagen. LEKTÜRE sobald in Nairobi jemand beZUR LAGE nachteiligt sei. der Schwule als Opfer der Zwangsheterosexualität in unserer Gesellschaft – und so weiter. der die Bundesrepublik über lange Zeit prägte. Im Sande verlaufen kann das Verfahren gegen die beiden nun nicht mehr. www. Jahrhunderts wurzelten. in ihrer unklaren Situation mit neuen Filmen an die Weltöffentlichkeit zu gehen. Es ist unsere Pflicht. in Deutschland tatsächlich sehr verbreitete Vorstellung zurückführen. dass die Kunst nur ganz schwer mundtot zu machen ist. benheit der GesellDiskussionen und Gebeten« dazu schaft: die Schminentschlossen. Man sieht ihn in seiner Wohnung. Ein Gesinnungsethiker fragt sich nach der Tötung eines Terroristen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 49 FILMFESTSPIELE IN CANNES Von wegen mundtot! Trotz Berufsverbots haben iranische Regisseure neue Filme gedreht Es ist eine echte Sensation: Die Filmfestspiele in Cannes werden neue Filme von Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof zeigen. hat.de/audio Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. zeugt von außerordentlichem Mut – und davon. der 38-Jährige habe dafür Kompromisse mit dem Regime gemacht. doch in vielen Berichten war fortan zu lesen. Solch einen Film zu erlauben. zeigt vor allem eins: Willkür und totale Verunsicherung sind die perfidesten Kontrollmethoden des Regimes.de D chen der Frauenunterdrückung in unserer Gesellschaft. um sie zu verantworten. die stets das Gute will und mithin das Böse schafft. einander offenbar widerstreitenden Behörden Zugeständnisse abzuluchsen. Kreuz gedacht hat: »Mein Gott. Für den Augenblick ist man jedenfalls eher wieder verführt. Lebensgewohnheiten und Einstellungen des neuen Bürgertums scheinen sich gespensterhaft an die Tradition der alten Bundesrepublik zu schmiegen. So wie jeder realpolitisch Handelnde oder auch nur Unverbitterte in den achtziger Jahren immer schon unrecht hatte gegenüber einem moralisch hochgerüsteten Bürger. die beiden seien in Haft. Doch. einen Leguan auf der Schulter. Harald Schmidts heitere Angriffe auf die Political Correctness oder die popliterarische Feier der Oberfläche und der Warenwelt längst einen Mentalitätswechsel herbeigeführt. sich zu trennen. Deutschland keineswegs zu einer moralischen Anstalt gemacht. dessen beständige Gewissensbefragung und anklagende Innerlichkeit unverkennbar in der pietistischen Tradition des 18. Wie aber konnten sie da Filme von 100 (Rasoulof) und 75 Minuten Länge (Panahi) drehen? Der Fall zeigt. Über einen deutschen Reflex VON ADAM SOBOCZYNSKI ie achtziger Jahre sind womöglich nicht nur in modischer Hinsicht zurückgekehrt. auch die Insignien. die es auch prinzipiell für verantwortungslos hält. das Kino am Leben zu erhalten. jeder müsse mit dem Umweltschutz vor der eigenen Haustür anfangen. Handlungen werden im Hinblick auf die Realisierung eigener Prinzipien bewertet. ob diese hinreichend vorteilhaft sind. einer Revolution abgeneigt. den Gesetzen zu folgen. weit zurück und kann bei Bedarf. Der Verantwortungsethiker hingegen räsoniert über die Folgen der Tat und fragt sich. inzwischen hat er sein Werk beim Kulturministerium eingereicht: Er bemüht sich um die Erlaubnis. sondern den eigenen Willen mit dem Geist des Gesetzes zu identifizieren. hätten im Falle einer deutschen Beteiligung muntere Antikriegsdemonstrationen stattgefunden. wie man gerade verwundert sieht. so das in die Jahre gekommene und vielfach missbrauchte Klischee. haben uns motiviert. Dieses Paradox zu verstehen hat uns geholfen. dass man so handeln solle. 62 12. wobei sie ke als ein Zeichen nicht sagten. Nun wäre es Kant natürlich niemals in den Sinn gekommen. hat Panahi selbst immer wieder betont. über die existierenden Grenzen des iranischen Kinos hinauszugehen«. die sich vom Schmutz der Politik unberührt glaubte. Auch nicht. da er Optionen abwägt. wenn man etwa belehrt wird. wirkte politisch lediglich indirekt: indem es die Welt hygienisch aufteilte in ein Reich der Moral und ein Reich der Politik. mit Atomkraftwerken Geld zu verdienen – eine Abwägung von Risiken darf dann gar nicht mehr angestellt werden. der ein Visum zum Verlassen des Landes zu ergattern sucht – genau das. Der Gutmensch. was Rasoulof im Winter versucht hat. Die Kunst. Historisch besehen. warum hast du mich verlassen?« stellung als Zei- LITERATUR Zum hundertsten Geburtstag von Max Frisch S. der angeblich kein kritisches Bewusstsein entwickelt hat. wie undurchsichtig solche Vorgänge in einer Diktatur für Außenstehende bleiben. mein die MissionarsGott. Einer Öffentlichkeit.

Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge«. Nun ein kleiner Tipp zur Anwendung.): Michael Weber/imagebroker/mauritius images. immun gegen die Varianten kommunistischer Weltdeutung. wenn te Anstreichungen vorgenommen hat. Nuri Sahin.o. IJOMA MANGOLD FUSSBALL Der Athlet weint Fußballer zu sein ist ein hartes Geschäft. Deswegen versucht der Snob das zu sagen. dem vernagelsten von allen.. sige Behauptung.jenes Exemplar. Zerrissen sind sie zwischen der turbokapitalistischen Welt ihrer Manager und dem Identifikationsverlangen ihrer Fans. Da tönt es vom Glockenbachviertel bis nach Eppendorf. in dem der Dichter Paul Celan zar.ihn zuläuft« – den Tod als »Grundbefindlichkeit des Metapherngeschichte des Abend. dass ihnen die einfachen Genüsse die liebsten seien. gute Produktqualität. Das sind salskugel. heißt es dann immer. vielleicht auch nicht. wenn es ums Essen geht. wie bei Walter Benjamin. kuriose Fundstücke wie Friedrich Thomas Manns und Hans Blumenbergs Kittlers handgelöteten Synthesizer.lungskommentar lautet allen Ernstes. indem sie seine rätselhafte Macht lautet. von Kreuzberg bis Sachsenhausen: »Also ich esse zum Spargel ja nie Sauce hollandaise. Armee und Drogenmafia sind. Neuer vielleicht zu den Bayern. Botho nalsozialisten für Juden vorgesehen hatten. an denen man wie im Prisma erkennt. über die Vernichtung der europäiChristus schwimmt das Schicksal unbeschen Juden. Unfassbare am 3. Gleichzeitig müssen sie kühl ihre Karriereplanung »vorantreiben«.salsmächten in den Arm fallen. Literaturmuseum der Moderne. Ludwig Mehlhorn hat ein solches ostdeutsches Leben geführt: Arbeiterkind. Die Kritik galt insbesondere Präsident Calderón. Je härter dieser kapitalistische Imperativ zuschlägt. um dem kulinarischen Justemilieu. und vielleicht geht es auch nicht anders. Es gibt keinen Grund. aber dazwischen gibt Wirklich? Nachdem Generationen von Stues immer wieder einen hellen klaren denten mit Goethes und Benjamins. kamen zwei Aufklärer. und be. forderten sie – »kein Blut mehr«. umso offener für den genuin polnischen Weg in die Demokratie und für die zivile Verständigung mit den Gesellschaften Osteuropas. Tatsächlich spreum ein berühmtes Wort von Heinrich chen Celans Gedichte über millionenfachen Heine abzuwandeln: Seit Moses und Mord. kann den modernen Schicksalhaften Zeit in das moderne Spiel. RoMythosbegriffen erkenntnisdienlich behanbert Gernhardts Stachelschweinborsten delt wurden. telegrafiert Hannah zukriegen und spendet dem Leser als Arendt an Günter Anders nach langer Flucht Chiffre für das Ungeheure. Mitbegründer von Demokratie Jetzt im September 1989. Heidegger »Schicksal. Celan schreibe nach Auschwitz die Götter vom Thron und entzogen dem Aber. was die DDR im besten Fall vom Westen unterscheidet. das zu verleugnen. und vor allem in der Oder ein anderes Beispiel. Ludwig Mehlhorn hatte sich früh selbst die polnische Sprache beigebracht. Er war Christ.) gutem Olivenöl tue es auch. damit Sie wieder vor Augen haben. desto eher beglaubigen die Tränen ihre Worte. um.Gott nicht verhindert worden: Wie kann der All. ob es nicht eine moderne Gestalt des freundlich anerkennen – und dadurch Planetenbild des Schriftstellers W. Alex Cruz/EPA/dpa Selten mischt sich ein Poet so vehement in die Politik ein wie der mexikanische Dichter Javier Sicilia. danach Hilfspfleger. wie viel an Geschick und Fingerspitzengefühl in eine solche Sauce eingeht. desrepublik.poetologisch zum Ministranten Heideggers erklärt. Snobismus trägt dem enervierenden Umstand Rechnung. Seit einigen Jahren sagen alle. der. sie schrammt auch an der die dem Schicksal ein Schnippchen schlaentscheidenden Frage vorbei. wollen Sie sich einmal an Ihre Kücheninsel stellen und eine Sauce hollandaise montieren. JOHANNES THUMFART In Mexiko-Stadt: Protest der Bürger gegen die Gewalt . dessen schlesisches Gut er in ein europäisches Begegnungszentrum umzuwandeln half. was wohl heißen soll: Die nachtragische Moderne macht aus Fortunas Ballwürfen eine däm. wer sehnte sich nicht nach der Einfachheit des Paradieses? Aber wir sind nun mal aus dem Garten Eden vertrieben und haben seither die ein oder andere Kultur. ermordet wurde. den »nächsten Schritt« wagen. um Texte von Polens Oppositionellen. ist das nicht nur eine waghaloder herzbewegend aufgeklärte Texte. wie Sicilia beklagte. an Scharlach sterben? über den Tod in Denkfiguren. »No más sangre«. standslos auf Tuchfühlung gebracht werden. wahrscheinlich von einem Drogenkartell.: Chris Korner/DLA-Marbach W SPARGELSAISON Bitte mit Sauce hollandaise! Wir wollen hier kurz einmal das Wort ergreifen für eine Verteidigung des Snobismus. so war auch das Schick. mal selbst gemacht. desto eher spüren die Spieler die engen Bande zu ihrem Verein. KILIAN TROTIER Nuri Sahin muss leider nach Madrid DROGENKRIEG »Kein Blut mehr« Fotos (v. Schillerhöhe 8 bis 10. Katalog 15 Euro Abb. Er weint. die die deutsche Sprache bis in ihre gramIndes. Erst Calderóns »Krieg gegen die Drogen«.« Und alle nicken sie wie die Esel.. Das ist simpel. Martin Walser und – obendrüZwischen den Zeilen verbreitet die Ausber und mittendrin – Martin Heidstellung den Eindruck. dann wieder von Poetik« geliefert. ein Stück Brot mit sehr (das »sehr« wird dann in auffälligem Kontrast zur Haltung der Einfachheit ziemlich dick aufgetragen . Der moderne Fußballer weint um den Verlust seiner Herzensliebe. das die NatioGottfried Benn. von Waffengewalt ihr Beweismaterial sichtet und sichert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LUDWIG MEHLHORN Es steht in den Sternen Das Marbacher »Literaturmuseum der Moderne« spekuliert über das »Schicksal« VON THOMAS ASSHEUER Am Tor zu Europa Es gibt wenige Biografien. glaubt aber niemand. dass die Welt sehr langweilig ist. nach dem alle Schicksalsfäden in der Hand zu Untergang der schicksalsvergessenen Bunhalten scheint. Titel gewinnen. »weiterkommen«. Carl Schmitt. so die Demonstranten. Wissenschaftlern und Schriftstellern für die Bürgerrechtler der DDR zugänglich zu machen. und etwa hunderttausend Bürger folgten ihm. mit Witz. Literatur ist das »Schicksal« nicht unterWohnen 317 West 95«. Ernst Jünger. Was soll das und Undurchschaute einen numinosen Dokument im Kontext einer Schicksals-Aussemantischen Trost.der. Und beim nächsten Businesslunch bestellen Sie dann bitte lauthals Sauce hollandaise. denn aus der Schreibwerkstatt unter anderem Hannah Arendt ist genau dem geschichtvon Friedrich Nietzsche. Über allen sieben Vitrinen 1944 im Allgäu geboren wurde und 2001 tödlich verunglückte die Namen »Klimakatastrophe«. möchte ein ganz Großer werden. lichen Schicksal entronnen. aber nicht mehr hören! Besonders schlimm ist es in der Spargelzeit. dem Einbruch der schick.50 12. thogen und dunkel.kapitalismus« und »Fukushima« hören. wie in die – jedenfalls in diesem Fall – mit philologischer sal einmal unsterblich. Ich meine. sie sprechen von einer Schuld. Schicksal. dass die Ausstellung den Juden Celan siegelten das Schicksal des Schicksals. die Metaphorik des Schicksals matischen Tiefenschichten verbrannt und hat ihren Thronsturz blendend überjede mythologisierende Rede über »Schicklebt. Mai Schicksals gebe – neue Gewalten. Deshalb wechseln beide nach Jahren den Verein. Oder und Zeit vorgegeben habe.Versehen sind. kann man es vielleicht noch essen. Sieben stellung dem Publikum sagen? Dass Hannah mal sieben unhintergehbare Dinge heißt Arendt einem metaphysischen Fatum entder Versuch des Marbacher Literaturkam. weil er sich so zerrissen fühlt zwischen inkompatiblen Systemen. Wie die anti. anstatt dem immerwährenden Schicksals schnell in Teufels Küche.lytisches Besteck kommt man auf dem Feld des die Menetekel der Moderne. Beide sind vor die Presse getreten. »die den Tod voraussetzt und auf Marbach. der am 18. erst 61 Jahre alt. für den er sich selbst entschieden hat. des Widerstandskreises um den Grafen Moltke. dass sein Interesse der politischen Gedankenwelt der Kreisauer galt. tief verstrickt. Alles kann gar nicht schlicht und ursprünglich genug sein! Hauptsache. hier ist es bloß eine Metapher. als wolle er sagen: Ach. aber was soll ich machen? Irgendwann muss sich das Individuum aus dem Kollektiv winden und egoistisch sein. Diese Frage gen. Der AusstelZitate. Mitglied von Aktion Sühnezeichen seit 1969. Sie halten jenes Gefühl politischer Dankbarkeit wach. Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen statt. Sahin geht nach Madrid. der Dortmunder. wenn es aber zur Phrase von allen geworden ist. Das ist ja in der Tat köstlich. dürfe man wieder frei und Die Atmosphäre ist entsprechend myunbefangen über das große Dunkle reden. Ich würde so gerne hier bleiben. Und: Bitte keine molekulare Küche. es verwundert daher nicht. »Sind gerettet. einer Macht. die auf unterlaufen. zwischen Kapitalismus und Moral. [M] Sascha Schuermann/dapd. ein Licht aufzusetzen. Sebald. der Schuld. in seiner Wirkung aber wohltuend. wenn die Emulsion aus Eigelb. Berufsverbot 1985. in der Nähe von MexikoStadt. die sich oft von Herzen fremd sind.und Küchentechnik dazugelernt. der bislang etwa 40 000 Menschen das Leben kostete. Dann aber einem Brief des Dichters Friedrich Rückert. im Erzgebirge geboren. Diese Sätze zeigen. Genauso wie Manuel Neuer. und wie herrlich es ist. August. denn Politik. aber sie entsteigen liche Pop-Kugel. wenn sie denn kein landes rasch erzählt. Es bleibt eine zentrale kulturelle sal« unmöglich gemacht hat. sondern nur Butter. Strauß. dass seine Liebsten.Nicht nur. Butter und Zitrone im Wasserbad glückt und nicht zerfällt. Mai 1941 aus New York. Mal habe Celan die »philosophische Begründung einer Bis 28. und zwar auf das Schicksal glaubt. Jetzt ist Ludwig Mehlhorn. ohne scharfes ana. wiesen in seinem Blut. kommt das Schicksal von unten. habe die Gewaltspirale ausgelöst. dort Metaphy. Für die Mannschaft sollen sie sich aufopfern. der einst die faschistische SchickSchicksals sei von einer erdrückenden akasalsmythologie veredelt hatte und der demischen Korrektheit zum Schweigen genun auf dem Marbacher Weltwebstuhl bracht worden und erst heute. der seit 2006 die Armee gegen die Drogenkartelle einsetzt. Mal ist das Schick. Deutungsreserve. die Reflexion des egger. Dass sich vor den Wahlen im nächsten Jahr etwas ändert. was andere noch nicht oder nicht mehr sagen. ken Götter. Das wäre mal ein neuer Ton.Leitbegriff »Wende« stößt der Betrachter – einmal dern sind selbst fabriziert. Ganz einfach und klar. die hinter den Kulissen museums der Moderne. der Mann aus Schalke. dieses Geschäft ist so grausam. Und nur wer nicht an mehr – auf Heideggers Sein und Zeit.n. ELISABETH VON THADDEN as das »Schicksal« angeht. Weißwein. Geneigter Leser. seine Kin. sonErnst ins Auge zu sehen. wenn alle ständig dasselbe sagen. Der moderne Fußballer weint. die ihm Sein glauben an das Fatum jeden Kredit.sal erlitten. schließlich war der April mit über 1400 Toten der blutigste Monat im mexikanischen Drogenkrieg – ein Krieg. Am Wochenende führte Sicilia von dort aus einen mehrtägigen Schweigemarsch zum zentralen Platz der Hauptstadt. dann ist es. Es trägt zur semantischen Biodiversität bei.zusammenhang des Lebendigen. Bunt purzeln die Schicksalsbegriffe durcheinan.sik oder. bekennender Protestant. Unter dem nicht dem Opferrauch der Seinsgeschichte. das der Westen den Bürgerrechtlern des Ostens schuldet.Daseins«. so ist die oben. sie behauptet auch. Beide haben bei der Pressekonferenz geweint. G.u. Der Herbst 1989 war ihm ein Tor nach Europa. Reiseverbot seit 1981. Moses und Christus. was Ostdeutschland. »Finanzflackert eine himmlische Disco-SchickUnd doch: Ohne Kompass. die Grenzen einer Remythisierung. kämpfen. Sie stürzten mächtige es zulassen. studierter Mathematiker. dessen Sohn kürzlich in Cuernavaca. das Fatum aufder Geschichte ihr zeitloses Wesen treibt? erstehen zu lassen – mit kleinen Stücken Das kann man gewiss nicht meinen. in Berlin gestorben.

ZEIT: Wir fragen Sie als Gesamtverantwortliche für das RTL-Programm. das ist nicht so. die an diesen Abenden in Deutschland Fernsehen geschaut hat. dass er weiß. Mit öffentlicher Kritik bekommen sie noch einmal hohe Aufmerksamkeit. Schäferkordt: Das sind komplett verschiedene Sendungen! ZEIT: Können die Zuschauer unterscheiden zwischen »echten« Fällen und den erfundenen? Schäferkordt: Ja. Interessant wäre es sicher. welche Grenzen wir uns setzen: was zeigen wir. weil Sie den Frosch nicht gut finden. für müßig.. anders entschieden hätte. Schäferkordt: Es gibt bestimmt Sachen. heißt es in der Presse: Riesenflop. dann antworte ich: Nein. die in den Dschungel gehen. Wollen wir es so machen? ZEIT: Ist Ihr momentaner Erfolg auch ein Fluch? Das kapitalistische Mantra lautet ja: Wo viel ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 51 Die Quotenfrau Angeblich weiß sie. wo man ein Mikro aufstellt und die Leute befragt. Wir würden Fernsehen für eine kleine. lieber Zuschauer? Und er sagt: Ich fände eine Unterhaltungsshow toll. Jeden Tag treffen wir Einzelfallentscheidungen. Jeden Tag treffen wir in den Redaktionen diese Entscheidungen. wann und mit welchem Grund in unser Programm eingegriffen wird. Ich kann mich nicht auf die Hohe Straße in Köln stellen und fragen: Was willst du sehen. Wir kriegen auch viel Zuschauerfeedback. Einmal fiel dabei der schöne Satz: »Frau Schäferkordt. ein Kollege hat Sie neulich in einem Porträt als »wonder woman« der deutschen Medienlandschaft angehimmelt. Schäferkordt ist auch für Sender wie Vox und n-tv verantwortlich. die Leute wollen sich jetzt lieber entspannen und nicht so viel Konflikt im Programm. dass es den meisten Zuschauern völlig egal ist. Das Bild von der Gesellschaft formt sich aus der Gesamtheit der Informationen. Wenn wir bei einem Thema danebenliegen oder es auf einem falschen Sendeplatz senden. Schäferkordt: Es gibt ja einen Grund. weil ich hier im Haus dann doch zu bekannt bin. aber wir kennzeichnen das auch entsprechend. In Zukunft wird der stärkste Sender nicht mehr einen Marktanteil von 20 Prozent haben. die ein nachhaltiges Interesse an Wahrheitsfindung haben. weil wir den Stoff aufgreifen. Schäferkordt: Bitte! Sie glauben doch nicht. ZEIT: Lesen Sie eigentlich Fernsehkritiken? Manchmal hat man das Gefühl. ZEIT: Dennoch verhelfen Sie Themen zu einer enormen Sichtbarkeit. also geschrieben sind. heißt das doch nicht: So ist es in jedem Haushalt. Auch wenn ich hoch verschuldet wäre. Wenn wir ein neues Format mit 16 Prozent Marktanteil starten. Schäferkordt: Sein offizieller Name war übrigens Freddy. ganz egal. bewusst auszublenden. in der Politik ankommt. dass die Geschichten gescriptet. was Sie nicht mehr zeigen. die gar nicht so skandalträchtig sind. Dazu kommen andere Medien wie die Tageszeitung. Die Digitalisierung hat die Programmvielfalt unendlich gesteigert.. Wenn Sie mich fragen: Würden wir alles tun für die Quote? Dann ist unsere Antwort: Nein. ZEIT: Mitten in der Finanzkrise haben Sie gesagt. dass Sie danach Ihr Programm gestalten und damit die Mehrheit der Zuschauer erreichen. die aber auch nicht nur für mich produziert werden. ob es um Nachrichten oder Unterhaltungsformate geht. ZEIT: Den würden Sie sonst wohl einstellen. auf einem ähnlichen Niveau wie während der Krise 2009. Schäferkordt: In einen Stahlhelm. verleihen Ihnen eine neue Dimension. nicht mehr gerecht werden. bei denen ich. Wirtschaftlich ist es kein großer Erfolg. den wir machen können – zu glauben. während der Castings eine Comicfigur. Schäferkordt: Schon klar. ZEIT: Aber durch die hohen Quoten blasen Sie all die Themen auf. ZEIT: Natürlich! Wir vertreten nur die Wahrheit! Schäferkordt: Entschuldigung. und das würde mich erschrecken. Aber natürlich kommt überall. Mich drängt es nicht auf den Bildschirm. Die Frage kommt immer wieder. was man alles an niederen Instinkten bei ihnen entsichern kann . Ich habe angemessenes Feedback. bei dem ich sagen würde: Wir könnten ihn einstellen und das Gegenteil von dem tun. es ist das Konzept dieses Formats. das man »gewünschtes Antwortverhalten« nennt: Bitte noch mehr Informationsangebote und Dokumentationen! Oder: Die barocke Oper findet viel zu wenig statt! Die Wahrscheinlichkeit. Bahn zu fahren und zu hören. oder? Anke Schäferkordt: Ich bin kein großer Freund von Artikeln über mich persönlich. getestet und erfolgreich platziert hätten. ist sehr groß. Jedes Medium hat sie. weil es so schön einfach ist. Beim »Dschungelcamp« – es tut mir leid. ZEIT: Wir haben uns nur gefragt. ZEIT: Die Frage. ZEIT: Sonst müssten Sie sich hinterher womöglich noch wie die »Dschungelcamp«-Bewohner beschweren.r.l. aber Sie werden lachen: Das mache ich gerne. Schäferkordt: Wenn ich da kurz widersprechen darf: Es wäre der größte Fehler. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL DIE ZEIT: Frau Schäferkordt. bei der auf der Bühne gepinkelt wurde. aber das müssen wir nicht ausführen. hätte ich an der Stelle nichts zu lachen gehabt. von der das Publikum oft nicht wusste. ein bisschen verkürzt. Schäferkordt: Dass Kandidaten hinterher manchmal sagen. Das wirklich Interessante ist. das besagt. ZEIT: Aber wo ist für Sie persönlich die Grenze? Würden Sie Hartz-IV-Empfänger im Rhein um einen Arbeitsplatz um die Wette schwimmen lassen? Schäferkordt: Nein. Da haben Sie Grenzen überschritten. Das Managen von Erwartungshaltungen ist im Moment mit das Wichtigste. Wie machen Sie das? Schäferkordt: Wir interessieren uns für unsere Zuschauer und nehmen sie ernst. Schäferkordt: Natürlich sind die Sehbedürfnisse der Zuschauer nicht eindeutig. ZEIT: Aber das Bild..« Ich dachte erst. Unsere Zuschauer haben zunächst sehr viel Nachrichten geguckt. der Menschenunwürdiges zeigt und dokumentiert? Auch wir haben die Szene intern lange diskutiert.): Gregorowius/RTL. Aber das war ja nicht Ihre Frage. Muss Ihr Programm jetzt noch seichter werden? Schäferkordt: Da muss man in die einzelnen Genres schauen. kommt vor. Wir müssen vor allem realistisch bleiben. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Homestory gemacht. Deutschland sucht den Superstar. 48. Er kommt in die achte Staffel. Aber auch formal geht es für uns um die nicht unwesentliche Frage. Muss das sein? Schäferkordt: Das ist eine Geschmacksfrage. und die Zielgruppe. wahrscheinlich nicht. Zudem kann man fragen. und das ist quer durch die Genres schon sehr vielfältig. dass der Zuschauer auch loslassen will. halte ich für einen Fehler. Wir zeigen Geschichten aus dem Alltag. Fotos (Ausschnitte. die vorher noch nicht da waren! Ich würde uns zwar immer gern als einflussreich sehen. die Wahrscheinlichkeit. So. Am Ende tun Sie das Gleiche wie wir: Sie erfüllen auch nur die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe. ist ziemlich gering. Schäferkordt: Das hängt vom Kritiker ab. Gregorowius/RTL . ob ich von etwas Erfundenem gut unterhalten werde oder von etwas. ist genauso eine Fiktion wie die »Scripted Reality« im Nachmittagsprogramm. ob Sie selber ins Camp gehen würden. ZEIT: Warum reicht es nicht zu zeigen. Wir liegen zurzeit bei einem Zuschauermarktanteil von über 19 Prozent. für die es gemacht ist. ZEIT: Wir wollen das ja auch gar nicht. stellt sich wahrscheinlich nicht.. mein Ausdruck war falsch: Ich wollte sagen. ZEIT: Wie finden Sie heraus. was kann ein DSDS-Kandidat erwarten. ZEIT: In der jüngsten Staffel von DSDS gab es »Freddy Fickfrosch«. Natürlich ist die Erzählweise dabei verdichtet. die »Super Nanny« und »Raus aus den Schulden« mit Peter Zwegat (von links). ZEIT: Ein konkretes Beispiel. einige Szenen verstießen gegen die Menschenwürde. ist doch mitunter fragwürdig. der sich im Garten einen Atombunker baut? Schäferkordt: Natürlich finden Sie vor allem in den Soaps wieder. offen gestanden. der Journalist veräppelt mich. was wir wollen. in Ihrem neuen Erfolgsformat. ob der Fickfrosch des Guten zu viel war. Dazu gehört. ist es mir. würden wir dem. ZEIT: Und? Schäferkordt: Montags morgens war DSDS. Die Kommission für Jugendmedienschutz findet. was die Menschen reden. die wir ziehen. bei dem wir an den Quotenverläufen genau sehen. Radio. Bei großen Primetime-Serien dagegen sind die Produktionsvorläufe deutlich länger. in Wirklichkeit aber nur entlang von Klischees über die Wirklichkeit erfunden wurde. Schäferkordt: Das dürfte eher schwierig werden. Schäferkordt: Natürlich. das Ergebnis fanden wir aber nicht so gut. Schäferkordt: Auch nicht die gehobenen Instinkte? Da bin ich jetzt erstaunt. zwischen Kameras im neuen RTL-Studio in Köln. Ich habe mich damals im Theater nur aufgeregt. Nach einer großen Show ist es auch spannend. braucht keine Feinde. Damit geht aber Hand in Hand. Aber ich distanziere mich deshalb nicht von unserem Format.FEUILLETON 12. dieses Stück zu sehen. relativ elitäre Gruppe machen. Mit ihrem Informationsinteresse genauso wie mit ihrem Wunsch. um genau das zu klären: Verletzt auch derjenige die Menschenwürde. vielleicht auch eine politische Brisanz. es gibt kaum einen Sendeplatz. Die treiben täglich eine Sau durchs Dorf. Wir nehmen alle ernst. bitte. ZEIT: Dass in Ihrem Programm Känguru-Hoden runtergewürgt werden. da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. wenn er sich für die Show bewirbt. Schauen Sie sich die US-Quoten an: Wenn ein Network in der Primetime elf Prozent erreicht. und wir nehmen sie wahr. das »Dschungelcamp«. die wir den ganzen Tag über beziehen. Sie haben eine gesellschaftliche Verantwortung. Schäferkordt: Nein. N-tv hatte den erfolgreichsten Monat seiner Geschichte und den Marktanteil verdoppelt. ZEIT: Sie haben sich mal über eine Aufführung im Kölner Theater aufgeregt. Menne/RTL. Das wäre vermessen. unser Leser hat ein Recht darauf zu erfahren. Sie bestimmen mit über den gesellschaftspolitischen Diskurs in Deutschland. etwas heraus. Es gibt den einen oder anderen. insgesamt unterstehen ihr knapp 2500 Mitarbeiter der mithilfe dieser Comicfigur die Kandidaten noch mehr durch den Kakao zieht. Das ist auch zynisch. v. quer durch alle Bildungsschichten. das können sie sehr gut. Können Sie sich überhaupt noch steigern? Schäferkordt: Nein. Seit 2005 leitet sie die Mediengruppe RTL Deutschland Das funktioniert so nicht. Als Marktführer haben wir eine besondere Verantwortung. reden wir darüber auch nicht. Zuschriften. Bedeutet das nicht auch eine gewisse politische Macht? Schäferkordt: Ich kann oder möchte mir nicht vorstellen. Friese/RTL. im australischen Dschungel spielt. ZEIT: Aber Ihr Sender ist nun einmal Marktführer. wir gaukelten etwas vor. Schäferkordt: Zumindest nachdem wir das produziert. das würden wir natürlich nicht tun. eine Idee von Dieter Bohlen. Wahrscheinlich gibt es auch Fälle. Spaß haben zu wollen. war Controllerin bei Bertelsmann und Senderchefin bei Vox. Die Westfälin studierte Betriebswirtschaft. dass die Kandidaten nicht singen können? Muss man sie der Quote zuliebe auch noch demütigen? Wir unterstellen mal.. Das ist nicht so. und deshalb sendfach in deutschen Familien passiert. ZEIT: Aber was wir vom Camp sehen. das man dort zum Beispiel von Arbeitslosen vermittelt bekommt. Anrufe. das virulent ist in der Gesellschaft. die nicht mein persönlicher Geschmack sind. aber er meinte es ernst. Das wird alles wiederkommen. obwohl es ständig Anfragen dafür gibt. Darin waren wir immer am besten: aus Fehlern zu lernen. Das Format ist relativ teuer und der Januar nicht der werbeintensivste Monat. damit ein Thema. Es hat immer alles seine Vor. Schäferkordt: Wir haben den Bescheid nicht akzeptiert und Einspruch erhoben. Aber das Schöne ist ja: Das kriegen wir gratis! Im Ernst: Ganz so einfach ist es nicht.). wie Sie richtig sagen. ZEIT: Solange es so gut läuft und gutes Geld verdient. Wenn wir Fernsehen für Sie machen würden. Sie erfüllen die Bedürfnisse der Leser. dass ein Format in Menschen Instinkte produzieren kann. im Januar hatten Sie bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 21 Prozent. wo wir nicht Marktführer sind. obwohl es eine gute Quote verspricht? Schäferkordt: Das kann man pauschal nicht sagen. ZEIT: Wie gehen Sie mit Ihrer Verantwortung um? Wo verläuft die Grenze dessen. in den letzten Monaten durchaus im Gespräch. den Zuschauer permanent zu unterschätzen. aber sicher keinen vor der Kamera. mal loslassen zu wollen vom Alltag. ZEIT: Aber ist es nicht ein blödes Gefühl. was gerade in der Realität meist jüngerer Menschen relevant ist. schalten die Zuschauer um. Wenn Sie eine solche Geschichte zeigen. auch wenn Sie das jetzt weit von sich weisen. Eindrücke aus der eigenen Lebensrealität – daraus formt sich ein Weltbild. wäre ich der leitende Redakteur. ist das schon ein Erfolg. denn der Frosch war. dass es erst unserer Sendungen bedarf. hat es extrem angesprochen. warum wir bestimmte Dinge nicht gezeigt haben. Dinge zu skandalisieren. Wir wollen das klären. wie Sie das jetzt darstellen. als Zuschauer. aber das glaub’ ich beim besten Willen nicht. ZEIT: Sie könnten es ja als Undercover Boss versuchen. Sie haben gefragt. dass ich Geld dafür bezahlt habe.. was ich zum Glück nicht bin. Es ist extrem erfolgreich. halte ich. Im Moment sucht der Zuschauer diesen Ausgleich verstärkt. wo die Realität sich einem Drehbuch fügt. Zudem bekommen wir über tägliche Magazine wie Punkt 12 ein Feedback. Auf keinen Fall. ob ein Format wie DSDS Grenzen bewusst überschreitet. auch beim Gesamtpublikum liegen Sie deutlich vor ARD und ZDF. dass ich nicht singen kann. Übrigens hat das auch die Hälfte aller Menschen getan. Schäferkordt: So einfach funktioniert es ja nicht. sich mal nur gut unterhalten zu fühlen. Ich würde auch nicht in einer Castingshow auftreten. dann machen Sie alles genau entgegen dem Kritikerwunsch – und sind erfolgreich. dass sich für die Realität ausgibt. ZEIT: Haben die Ereignisse direkten Einfluss auf fiktionale Formate? Gibt es bald bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten einen notorischen Grünen-Wähler. Da ganz kurzfristig auf politische Ereignisse zu setzen.. Sie fragen nur: Ist das eine Geschichte. Er war nicht mein persönlicher Favorit. was die Leute wollen? Reden Sie mit Ihrem Taxifahrer? Schäferkordt: Es ist jetzt nicht unser Hauptforschungsgebiet. ZEIT: Für eine Folge der Super Nanny hat RTL gerade einen Bußgeldbescheid über 30 000 Euro erhalten. Wir müssen schauen. dass auch Sie das grenzwertig finden. Anke Schäferkordt.. Auch wir werden unsere Baustellen im Programm bekommen und daraus lernen müssen. schauen hinab auf die armen Würste unten im Dschungel und machen sich darüber lustig. was täglich vermutlich tau- über die Kandidaten machen! Vor allem nehmen wir uns selbst mal richtig auf die Schippe. ehrlich gesagt. dass man Ihnen übel mitgespielt habe. Solche Sender gibt es ja bereits. kl. Genau darum geht es eben nicht. die eine Zeit lang auf sich gestellt sind und mit der Kamera beobachtet werden. ZEIT: Ist die Inszenierung beim »Dschungelcamp« nicht ein Sinnbild für die gesamte Haltung von RTL? Die Moderatoren stehen oben auf der Brücke. Es steht im Vorspann und im Abspann. mit einer Show oder mit einer eher leichten Serie. ZEIT: Schaffen Sie nicht manchmal auch Bedürfnisse? Die Zuschauer des »Dschungelcamps« haben vielleicht gar nicht gewusst. Schäferkordt: Sie unterstellen wieder. dass diese Sau überhaupt existiert. würde ich vielleicht einen Schuldenberater aufsuchen. ist aber okay? Schäferkordt: Das ist in vielen Ländern eine Delikatesse! Es ist einfach. haben Sie leicht lachen. So einen Zuschauer würden Sie kaum finden. ZEIT: Nehmen wir Bild – da sind wir auf halbwegs neutralem Gelände. auch im Gespräch mit der Kommission. kann immer noch mehr sein. dass es von nun an nur noch bergab gehen kann? Schäferkordt: Ach Gott . die mich fesselt und unterhält? ZEIT: Aber es ist doch ein kategorialer Unterschied. Wer solche Freunde hat. auch wenn wir den einen oder anderen Witz Vier von Schäferkordts Erfolgsformaten: »Deutschland sucht den Superstar«. Damit die eigene Erwartungshaltung und auch die der Gesellschafter nicht zu hoch ist. Ein Großteil der Zuschauer hat das wahrgenommen. dass wir sie zum Thema machen. die komödiantische Aspekte bietet. Sie lesen sie. ob die Politik Themen erst dadurch wahrnimmt. wenn ich Sie an der Stelle enttäuschen muss – habe ich mich einfach köstlich amüsiert. Es gibt sehr viele Grenzen. dort sehen wir schon eine Veränderung. welches Thema interessiert. Schäferkordt: Die stellt sich definitiv nicht. erreichen wir automatisch vier Millionen Menschen. aber keine ethische Diskussion. Nun gibt es einen Atom-GAU und Krieg in Libyen. Wenn die Spaghetti Bolognese beim Hartzler zu Hause unbedingt vom Bauch der Freundin gegessen werden müssen . Die Instinkte des Menschen können wir im Fernsehen so wenig beeinflussen wie Sie im Zeitungsbereich. was er empfiehlt. was wir den Zuschauern zeigen. ob es richtig ist. Angesichts unseres derzeitigen Erfolgs sind wir in einer Verteidigungshaltung. Ob sich da gleich einer einen Atombunker baut? Das wäre am Vorabend wohl zu teuer .n. ZEIT: Dann lassen Sie uns über Ihr Geschäft reden: RTL ist klarer Marktführer. wie Sie leben. Schäferkordt: Ganz offen: Wenn das mein einziger Beweggrund zum Lachen wäre. Nur würde ich mich dabei von einer Kamera begleiten lassen? Nein. und wir schicken Prominente dorthin. Das Gespräch führten ANNA MAROHN und CHRISTOF SIEMES Fotos: Thomas Rabsch/RTL (o. der Frosch.und Nachteile. nur wie oft und wie differenziert oder eben auch nicht wollen Sie die Diskussion führen? Sie können definitiv fragen. die so oder so ähnlich stattgefunden haben oder stattfinden könnten. Aber ich kann mir ja schlecht – wie die Chefs in der Sendung – einen Bart wachsen lassen. was zeigen wir nicht? Eine Diskussion über persönlichen Geschmack zu führen. ob im Genre Real Life oder auch in der fiktionalen Unterhaltung. Wir werden den Vorsprung nicht halten können auf lange Sicht. was ihn erwartet. Aber wenn Ihre Frage dahin zielt.

auf Flucht. Frisch hütet sich vor dem Heroischen. Nach Paris. zuweilen geneigt. Das Haus von Biedermann brennt ab. Dass er gegen dieses Alter aufbegehrte mit immer imposanteren Automobilen. Dabei war der Nonkonformist fasziniert von der Konvention. Einer. diese 1954 bei Suhrkamp im zerstörten Nachkriegsdeutschland zur Welt gekommene Figur. die zugegeben ein bisschen fünfziger-Jahre-steif ist mit Kostüm und Handtasche und immer höflich und adrett. daß ich eben durch diese Einsicht kein nichtiger Mensch mehr sei. alles bauhausmäßig klar. sondern nur ein Dasein. man gestatte den Kalauer: entgegen seinen lebenslangen Frischhaltebemühungen. in dem das Beständigste noch seine riesige schwarze Brille blieb und in dem die letzte Geliebte bereits die Tocher einer früheren war. ist der Urtyp dieses »Darum-werden-wir-erst«-Pro- der sich das Ich-Pathos verbirgt und die bis heute das Beste am ganzen Frisch ist. die noch kommen sollten. Es fehlen seine Verspieltheit. Italien und Griechenland. ein nichtiger und unwesentlicher Mensch zu sein«. dass er wirklich noch so jung ist. in dem man sich unausgesetzt aufgefordert sah. Oder auch nur ein Fluchtbedürfnis. nun doch entgegen seinem lebenslangen Widerstand. so hat Frisch das in einem seiner späten Fernsehinterviews gesagt. »Neureicher« im Leben und im Schreiben. Eine sanfte. gar nichts Dringliches mehr einzuwenden wissen. Wir sind auch nicht mehr die Bewohner von Umkleidekabinen. Seine lebenslange Jugendlichkeit mag hier ihren Ursprung haben. »Mit der Einsicht. hat diese fortschrittliche Gestimmtheit des vorigen Jahrhunderts. Seine Hauptsorge: Er möchte nicht Herr Stiller sein. ein nichtiger Mensch zu sein. reist mit seiner jungen Liebschaft durch Frankreich. seitdem wir an diese Utopie nicht mehr glauben. über den widerstandslosen Charakter des »Weibes«. Woran liegt das? Auf den ersten Blick ließen sich leichte Erklärungen finden. den Peter von Matt vor zwei Jahren aus der Versenkung holte. die man stellt. Stadelhoferstraße 28. wo es wehtut. Kommen allerdings ausschließlich im Geliebtenfach zum Einsatz. Aber das stört nicht. Wie eine Flaschenpost aus Märchenzeiten liest sich auch der nahezu verschollene Roman Antwort aus der Stille. einzuwenden hat. Tagebuch 1966-1971. Der Roman galt als das Paradestück der damals groß in Mode kommenden Ich-Diffusion. von der »kein Weibsbild« einen Kerl abzubringen vermag. aus Ironie Überlegenheit. Stiller. der sich in Frischs verworfenem Jugendroman nach einer männlichen Tat sehnt. der die »männliche Tat« verklärt. und niemals anhalten. Ihre Fragen sind groß und immer dieselben. die uns diesen hemdsärmligen jungen Menschen fremd erscheinen lassen. der da kommt«. eine neue Existenz zu wählen im Warenhaus der literarischen und philosophischen Lebensentwürfe. Er habe. Immer wieder in den Romanen. was sich dieser Anatol Ludwig Stiller von der Verwandlung in einen Mister White versprochen hat. Es war das Mantra seines Zeitalters. Stillers wichtigstes Problem ist: er selber. Das mag. hinter er erste Impuls: Man glaubt ihm die hundert Jahre nicht. Das ist nun alles lange her. heißt es im Stiller. Sie sind wahlweise Mannequin. wie der ständige Abriss und Neubau des Lebenslaufs einmal mit so viel Hoffnung verknüpft sein konnte. die »Statthalterin der Utopie« sein sollte. Dazu sind sie – auch im literaturpolizeilichen Sinn – zu unbedeutsam. der die Romane bis heute lebendigund unverbraucht erscheinen lässt: ihre neusachliche Heiterkeit. Sie benehmen sich auch so. der Held des späten Romans Der Mensch erscheint im Holozän. die schöne Julika. als man selber jung war und auch nicht erwachsen werden wollte. sich nicht auf weitschweifige Gefühligkeit einzulassen. Daher die vielen Shortcuts in Montauk. seiner großartigen Autobiografie. konnte man im Fernsehen sehen. Heliosstraße 31. als ich es bin? Es sind diese Fragen. im Letzten nicht unversöhnliche Melancholie gehört zur Dialektik einer fortschrittlichen Literatur. steht im Zentrum aller großen Frisch-Romane. Man ist schließlich modern. weil er hundert wird. Das macht er klar durch einen Kunstgriff. Zürich Max Frisch auf der Boccia-Bahn seines Hauses in Berzona. dessen Prinzip Hoffnung 1959 erschien. der sich an sein Heim und seine Kaffeetasse klammert. Frisch ist doch immer jung gewesen. und es gibt keine Hoffnung. Es sind Fragen. Ich bin einfach nicht bereit. hat man missbilligend zur Kenntnis genommen. Einer Utopie. Geiser. Mai 1911 in Zürich. Dann aber mit allem divenhaften Drum und Dran. unterhält eine zweite Liebschaft in New York und gedenkt die Mutter der ersten am Romanende in Athen zu heiraten. auch sich selbst gegenüber. Dass Max Frisch 1991 gestorben ist. wiederzulesen. Ein Bergmannsroman. Im Gegenteil. Der die Enge der Heimat und der Herkunft mit der Menge der Geliebten und der Wohnsitze aufwiegt. das man überall (und sehr bald auch auf den Schlachtfeldern) suchte. Raus aus der Vergangenheit – das traf einen Nerv. seine Heiterkeit. schon damals den Rückzug aufs Private. Ein wenig verwundert versucht man nachzubuchstabieren. Diese Sehnsucht nach einem bedeutsameren Leben als dem. Montauk. mit immer jüngeren Frauen. vielen so gegangen sein. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR gramms und zugleich der Urahne für die Gantenbeins. dass wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. wie er es spöttisch nannte. den man las. Aus Selbsterniedrigung wird Selbsterhöhung. kurz und knapp zu halten und da. Aber was erwartet er sich von der Liebe? Und was von seinem Leben? Ein wenig kommt einem Stiller. nach Athen. in dem man zum Friseur und ins Büro geht und in dem die Liebe zuverlässig in »tödlicher Kameraderie« verendet. Mein Name sei Gantenbein. war so üblich und ging niemanden etwas an. hoffe ich doch in allem auf Verwandlung. wie ein Bub vor. die vieles ausschloss. Ernst Bloch. gestorben am 4. so kurz und bündig wie auf einer Grabinschrift. hinterrücks gealtert wäre. nach vollzogenem Inzest an einem Schlangenbiss (ernsthaft: Schlangenbiss!) verendet ist. Siehe auch Reisen Seite 63 . in den Tagebüchern sitzt man im Flugzeug. und andere Grobheiten. neue Ehen. Wie wollen wir leben? Gibt es ein Leben hinter dem Grauschleier des Alltags? Wie komme ich dahin? Wie werde ich ein anderer. Faber bekommt Magenkrebs. geboren am 15. Hat mal jemand die Flugmeilen im Homo faber nachgezählt? Walter Faber. die. Inzwischen sind wir nüchterner geworden. sondern Kinder und Enkel der alten Masken. Und dass wir es sind. Contessa oder Staatsanwaltsgattin. Ein. die großen Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens – Tagebuch 1946-1949. ihres backenbärtigen Paternalismus und ihres vitalistischen Pathos war. Für ihn wie auch für seinen Freund und Lektor Uwe Johnson war es eine Frage zeitgemäßer Männlichkeit. Natürlich geht dennoch alles vorbildlich schlecht aus in Frischs Theaterstücken und Romanen. ein Schweizer Herr mit Hamsterbacken und Krötenhals. Stiller mutiert zu einer Art Waldschrat. die Künstler. Aber es ist ein Buch. Frisch wusste es selbst und hat nicht ohne Ironie davon gesprochen: Er blieb ein Leben lang der Kleinbürger. Aber ich habe mich nicht. nach New York. als die sich die erste Geliebte entpuppt hat. des Frisch-Jahrhunderts. der so leidenschaftlich auf einem abenteuerlichen »wirklichen Leben« besteht. »hoffe ich halt immer schon. In jeder Hinsicht ein Jugendautor. das nicht mehr auf der Höhe unserer Desillusion ist. in dieser Feier des Lebens. sondern auch ein Erbe der vorletzten Jahrhundertwende. von Anfang an ein heroisches Format. Homo faber. der auf Mamas Schokoladenkuchen lauert. aber niemals kleine Männer sind. Er sagte: »Wir leben auf einem laufenden Band. die ihn in eine längst vergangene Zeit katapultieren.und Verstellungskomödien und der Illusionskünste der deutschen Romantik. aus Trauer Hoffnung. vorwärtsdrängenden Epoche besser beschwören als Max Frisch. Er möchte ein Herr White werden. Liest man den Roman heute. die Folgen hatte. der verstanden werden kann als die literarische Variante der Schweizer Nichteinmischungsdoktrin. nachdem die gemeinsame Tochter. Ihn nun. seitdem die Selbstverwirklichung überall im Sonderangebot zu haben ist. in denen man neue Leben anprobiert wie Kleider. seine Träume. sagt der kühne Jüngling. Für uns war und blieb er der Autor einer Lebensdringlichkeit. Es war auch nicht nur das Mantra seiner Figuren.« Ein schöner Schlusssatz ist das. die so neu nicht waren. Die Bemerkungen über die »Neger«. Einer. Der Schrecken rührt daher. Seitenlang sitzt man in der Boutique und begutachtet Dior-Kostüme. Fabers und Geisers. Diese Hoffnung war nicht nur das Mantra von Frischs eigenem Leben. ein neues Ich. die immerzu erwartungsfroh neue Leben anprobierten. in eine knappe Sentenz gefasst: »Ich bin. die »pflanzenhaft vor sich hin dösen«. Das Prinzip Frisch ist ein Prinzip Hoffnung. gerade weil er es heroisch meint. angeblich niemals zuteilwerden konnte. die den Verlierer immer gewinnen lässt. der das Erwachsenwerden ablehnte. verbarrikadiert sich in seinem Schweizer Bergdorf und baut Pagoden aus Knäckebroten. und Gantenbein kommt ohnehin den gesamten Roman über kaum einmal hinter seiner Blindenspielbrille hervor. dass Max Frisch uns ein wenig entrückt ist. ist ein Wiedersehen mit sanftem Schrecken. Stiller ist noch immer ein bewundernswertes Buch voller hinreißender ironischer Sentimentalität. April 1991 in Zürich. fotografiert von Robert Lebeck Das Prinzip Frisch Der Schweizer Schriftsteller wäre jetzt 100 – Wiederbegegnung mit einem unverschämt jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 1900. Die Frisch-Welt hatte mehr zu bieten. Doch an solchen Verschmocktheiten liegt es nicht. Das ist bei strenger Betrachtung ganz und gar nicht mehr an der Klamotte vorbeigeschrammt. nach Texas. der ewig Junge. Es gibt seine irritierende politische Indifferenz in der Kriegszeit. das »sich formen lässt von jedem. abzubrechen oder ironisch zu werden. wenn man sich und der Welt noch viel zutraut. In dieser Aufbruchstimmung nach D Foto: Robert Lebeck/Max Frisch-Archiv. Da gibt es die Befremdlichkeiten im ersten Tagebuch aus den vierziger Jahren. ein nichtiger Mensch zu sein. Und das dem kleinen Mann. Ein Herr White mit amerikanischer Vergangenheit wäre ihm lieber als ein Herr Stiller aus Zürich. Auch hier setzt er auf erzählerische Dialektik. die Frisch so jung machen. In jedem Fall eine Sehnsucht. die Nichtigkeit noch für das Beste am Menschen zu halten.52 12. Darum werden wir erst. die man gerne für unsere eigene gehalten hätte. neue Leben. Trotzdem erinnern sie uns daran.« Stiller. Wir werden diesen jungen Hundertjährigen noch lange lesen. der literarisch groß auf die Pauke haut. nach Mexiko. Ballerina. ein Mann mit südamerikanischen Geschäftsbeziehungen. der Identitätsfragen und Rollenspiele. Er fasst das literarische und biografische Programm des Autors in zehn Wörtern zusammen: Er war einfach nicht bereit. Was Frisch rettet aus der Peinlichkeit dieser Aufsteiger-Prahlerei. Ingenieure. Der Frisch-Erzähler findet sich grundsätzlich lächerlich. Auch begreift man nicht mehr. Weltreisende. Sie verleiht ihren Helden. Doch gerade deswegen fehlt uns Max Frisch. versteht man nicht mehr ohne Weiteres. Nicht weil er. Daher die zärtliche Kaltschnäuzigkeit. nach Guatemala und so weiter. noch gar kein Leben.« Wenige konnten die Träume unserer in sich selbst verliebten. Frisch ließ das Buch 1937 in NaziDeutschland publizieren und hat es später nicht in seine Gesammelten Werke aufgenommen. Frisch-Frauen sind immer mondän. ehrlich genommen. Eine neue Welt bauen. dass man Frisch und seinen Helden gewogen bleibt. Der Mensch erscheint im Holozän –. die es macht. die gealtert sind und die den Toten plötzlich für geradezu unverschämt jung halten. der in sehr preußischblauen Hemden an sehr kompakten Tessiner Steintischen saß und weißweintrinkend sein Leben Revue passieren ließ. neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. dass Frisch nicht nur unser Zeitgenosse. Im Grunde. Sie stand ihren Benutzern weit offen. Filmschauspielerin. wenn dieser auf der Suche nach dem »wirklichen Leben« ist. ist sein trockener Humor. Dass er irgendwann alt und behäbig war. Zum Beispiel ein Stiller-Leben in Zürich mit Atelier und Oberlicht. neue Häuser. wie er es immer sein wollte. was er gegen seine Ehefrau. gegen das wir.

man weiß ja nie... 1960er Jahre Kultur sehr merkwürdige Sätze über die Emigranten in der Schweiz von sich gegeben. will etwas verkaufen. die diesen im Stiller so sehr faszinierte. stilistisch. Natürlich stellte ich die Mord-Frage. in dessen Frühstücksraum ich am nächsten Morgen sehr früh ein Interview führen sollte mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Was dachte der Soldat Max Frisch so viele Bilder des Au. Und er erzählt am Tag. nach der Michel Friedman. die Zeugen. dem Germanisten Emil Staiger.Verhältnis zur Schweiz. Teufel. dass es dazu nie gekommen ist?«. einen Politiker. Die 350 Seiten. durch die Beziehungslosigkeit hatte es doch Aussicht durch alles hinzu unserem Vater und durch dessen Tod durch. weil ich immer wieder denke. 24. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 53 Könnte ich dich packen. und am Ende: nichts.« Schließlich hat Schütt den Text gefunden. Ich werde also weiterhin das blaue SuhrkampTaschenbuch mitnehmen. wollte er in der Beatrice von Matt zum Frisch-Jubiläum ersten Fassung in den gelingenden Suizid publiziert hat. Erstmals sehen wir Madeleine Seigner mit Frisch auf Korsika. und er stand auf. Interviewpartner heutzutage wollen Fragen abwehren. wovon ich da unten beim Grenzstein reden könnte. geprägt. me ja aus einem Morast von Ressentiment wird zum Dementen. ja. Auf einigen Seite ist dieser Band getrüffelt mit unpuhinreißenden Seiten entfaltete er die blizierten Frisch-Zitaten.Frisch angesichts der Kriegsgefahr? »Entweder übertors machen. ja. als ich in sein Gesicht blickte.« ersten journalistischen Arbeiten schon da. interessante Frage. Obstbäume in den Tapeten«. wie 2011. sind das Meisterstück seines Buches.90 € wieder drin«. Hoffnung und Heimat. und ich weiß nicht. Viel ist in den sich spielen. der die Frisch beim schreibenden Bau eines Todesnähe bei einem Selbstmordversuch Hauses kehrt wieder in den Essays. und er »Früher war ich Architekt«. Klischees hervorzuholen. darstellerisch und gedanklich Frisch streicht »die hölzernen Säulen der gewachsen. Immer denke: Diese Fragen sind ein derartiger Knüller. auch sein Land erneuern. Zuden dreizehn Zimmern«. »Paris ist ein ideales SelbstmordTschechow über Tolstoi. ja. ZeitFrisch hat Besuch von der toten Mutter lebens hat ihn der Gedanke an den Suizid und unterhält sich beim Frühstück mit begleitet. als »die unverbindlidurch sein Spiegelbild »begrenzt. der sich imaginativ mit seieines Aufstiegs. 15. die sich vordem nur aus dem Buch kannte. eine Frau. Oradour. Die Schwester des Regisseurs Benno Besson und die Mutter von Frischs letzter Lebensgefährtin Karin Pilliod war bislang fast unbekannt.auch vier antisemitische Sätze auf dem Kerbholz se« – findet er zu sich. da zeigten Das wichtigste Buch zum Frisch-Jubiläum ist die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch den alten ohne Zweifel Julian Schütts Max Frisch. Zum Beispiel die Frage: »Wenn Sie einen Toten sehen: welche seiner Hoffnungen kommen Ihnen belanglos vor. Wie sich selbst will er fortan unangenehme Sätze werden nicht unterschlagen. und die vierte Frage hieß »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Immer wieder unterbricht Frisch die 432 Seiten seines Tagebuches mit Frageblöcken. Werde ich ein andermal davon reden?« Am Ende der kleinen Erzählung hat Frisch die »neuen Berichte von Buchenwald gelesen. Max. Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich. – eine Bewegung der Angst. Max Frisch hat sich diese Fragen selbst gestellt. wirklich weiterführen kann. Schütt zeigt. das ich im Grunde gegen mich bin«.. ob hinter diesen Fragen nicht die Gliederung seines Lebens steckt. durch ein Zeitungsfeuilleton aus dem Jahr Schütt zeichnet Linien zu den Ver1942. als Hitlers Angriff drohte und der »28jährige Bursche« nur dachte »Schade wäre es. einen SPD-Mann . in New England. Frisch hat als Verteidiger der schweizerischen »Der Schriftsteller Max Frisch«.. den zu den großen Dramen. die und zeichnet in einem New Yorker Café journalistischen Anfänge. Seite für nem Sterben aussöhnte. geradezu zu singen begann: »Ja. einige Seiten 595 S. Bevor er den Namen sagen konnte. Das erste Haus geistert schicken. 25 Jahre Fragen von Max Frisch. tat das aber in einer Ausstellungskritik.. Dann verschiebt er sein Haus Julian Schütt: diskret. es nicht gerade ein anderes auf Erden gab. Die freiesten und amüsantesten. in Seenähe. ja. Frisch Suhrkamp. Volker Hage cheln sich in einer Schaufensterscheibe Das fertige Haus erfuhr er als Ärgernis.« Wie viele 34-Jährige schrieben mit dieser Klarheit? Alle Wege Frischs beschreibt Schütt umsichtig: den in die Ehe und ins Zürcher Bürgertum. die nächsten 25 Jahre. Fangen wir an. lief dreimal um den Frühstückstisch und sagte dann. Hier der erst apolitische. sondern: kein Bildnis machen« experimen. in einem Hotel irgendwo in der deutschen Provinz. ja. Verblüffend. Frisch wollte als Jugendlicher Nationaltorwart werden. So bleibe ich auf dem halben Wege doch sitzen. um sie zu verlängern. beginnt er setzt vieles in neues Licht – den Vater. Man könnte nun lange darüber nachdenken. die damit zu tun hat. man trennt sich. das Frisch für seinen Bruder erträumte. 1911 – 1954. Bald schon gleich ist Schütt im Meer seines Materials steht sein Haus. Schütt fand in einer Rezension die Quellen von Frischs Deutschenbild. nachdenkt und Zeit hat.) Buchenwald bei Weimar. wie unsereines. In kein anderes Werk ist die umfassende Zerrissenheit Frischs mit solcher Wucht eingegangen. 24. der soldatischen Grenzwacht – »Stahlgewitter à la Suis. Er und sein Spiegelbild läFrisch definitiv zum Schreiben geführt. Das Fazit ist leider niederschmetternd: Ich habe keine Seele aufgeschlossen. viel Besuch kommt. vor Wirtschaftsführern. Der Soldat Frisch hält im April 1945 auf einem Grenzstein einen »gemütlichen Hock« mit einem deutschen Soldaten. Und dann noch mal: »Ja. konnte man den Gesichtern ablesen. Mit erzählten Häusern ließ Suhrkamp. der damals die Schweizer entzückte: »Es ist einfach keine Zeit dafür. will etwas loswerden und nichts ergründen. mit diesen Nachrichten fertig werden soll. Interessante Frage. sympathisierte er keine Sekunde mit den Schweizer Nazianhängern. Von Matt deutet das Feuilleton mit begann. die es gibt. Schütt nimmt. über den Tod. ich würde das Meer nie mehr sehen«.FEUILLETON LITERATUR 12. Postkarten des Soldaten Frisch. Er schreibt elegant.90 € ihn an. man kitschelt und geschäftelt nicht neben Sterbebetten. dass Frischs verständnisvolle Schilderung des »deutschen Wesens« in seinem Schwanken »zwischen Minderwertigkeitsangst und übersteigertem Selbstbewusstsein« ein verdecktes Selbstporträt war. wie er mit seinem Beatrice von zweiflungen Frischs. Veranda«. Archive. unverrückbar. Etwa ein Drittel der 291 Fotos sind Erstveröffentlichungen. Name ist Frisch dem er für ihn ein Einfamilienhaus er.. Journalist und Politiker. das um diese Dinge herumgeht.hat. klagte Frisch 1946. dass uns kein Denken. auf Matt: Mein gibt er der »Nicht-Beziehung« zum Vater. Immer denke: Die Tiefe der Gedanken wird den Weg in jedes Bewusstsein weisen. ihm Flügel . Beatrice von Matts Aufsätze folgen der im Gedankenstrich abbrechende Satz. (. Die Stille meiner Interviewpartner verschwand in einer anderen Wahrheit: Wer heute interviewt wird. Frischs er sich als lebendig«. Auschwitz. um einen Menschen zu töten. das von Matt ausgegraben hat. Max!« Suizid – ein Spiel. um zu bemerken. Es kam kein Name. aber hilflosen Gewissheit. etwa mit einer Frage wie: »Welche Hoffnungen haben Sie aufgegeben?« Das Scheitern begann in der Regel mit einem Moment der Stille.90 € Schicksal. Freundschaft.« Die zweite Sache habe ich geträumt. Schütt kennt die Fantasie eines »Lebensabendhauses«. Schon als Kind fühlte sich Frisch de traf. wie sie den Unendlich verwickelt war für alle Zeiten Frischs Stiller zu Pirandellos Roman Mattia Pascal in Be. Er ist seiner Sache Wiesen. will einen Schutzschirm aufbauen. um vom einen zum anderen zu geVor »dem ihm auf den Leib gerückten Tod erfährt langen. nicht zulassen. Frischs Reichtum hinter den die Fragetechnik. der die Wende bedeutet. die Briefe.und Berg. Müntefering sagte. ich dachte daran. das Haus zu einem Berlin 2011. Es brauchte Schütts Ohren und Quellenkenntnis. Noch kein Jahr ist es her. dem Impuls. doch leicht ins Irreale – vielleicht sei der See im Max Frisch lieber ist ihm die Nuance. jetzt erzähle er mir was. Ich saß damit vor Politikern. In der Ereignislosigkeit der rüd chauvinistische Frisch der dreißiger Jahre.« Pause. falsche Fährten legen. fürchtete aber. Schließlich Aufstiegs. was er des nationalen Gewissens. der immer wieder mit lebe ich oder nicht.von Matt. will ein Bild von sich entwerfen. Schade wäre es. Überraschend ihre Skizze eines exis. Sie blieb bei ihrem Mann und den Kindern und lebte zugleich in aller Freiheit mit Frisch die offene Ehe. über Geld. und ich bin »städtischen Altersheim«. Als das Haus fertig war. »Lidice. der ein Mörder ist. Man duzt sich. das Buch. Und dann. Biographie Max Frisch. die unerfüllten oder die erfüllten?« Ich möchte hier aber nur von einer kleinen Beobachtung berichten. Er scheut die Pointe nicht. Dort der sozialistische Humanist in der Rolle son-Leser entdeckt in der Wirklichkeit. vielleicht stehe das Biographie eines Schütts Frisch ist im Verhältnis zu sich Haus »weiter im Norden«.das Meer. Gemälde von Otto Dix. er habe sich einmal ein Messer gekauft. »Max. Max. da muss jedes Interview ein Knüller werden. klima – aufpassen!« Den Stiller. »Ich lebe aus keinem eigenen Verlass heraus«. das der Frischianer im Jubiläumsjahr neben sich haben sollte. Max! Eine meisterliche Biografie. eine Essay-Sammlung und ein Bildband erhellen uns die Welt des Max Frisch VON ANDREAS ISENSCHMID »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT W N och nie konnten sich die Leser von erstaunlichen Essay das Meer. Max Frisch machte es so: Er stellte in seinem Tagebuch einen Fragebogen an den Anfang. Und irgendwann jemanden treffen. Im Unterschied zu seinem Freund. die Irrungen »den Grundriss der hölzernen Villa mit und Wirrungen der dreißiger Jahre. Meine 25 Jahre mit Max Frisch: Ich kann nur von zwei bemerkenswerten Ereignissen erzählen. Zürich der Bruder als Grund von Max’ Depressionen. vor großen und kleinen Stars. eine höchst politische und psychologische Zeitchronik der Jahre 1966 bis 1971 zu beginnen. dann bisweilen tenzialistischen Frisch. zuletzt. Er sagte noch.. ja. dem Welterfolg. »Ich komfliegt es durch Raum und Zeit. empnach dem Tod des Vaters. Immer endet es in der einzigen. fassbar. wenn ich einen prominenten Menschen interviewe. das Haus in der Schrift hingegen verlieh Frisch könnte ich diese Scheibe einboxen und dich packen. Er fühlte sich 1935 sehr weit ins deutsche Wesen ein. ob diese Fragen nicht der eigentliche Schlüssel zu seiner Biografie sind. in nicht untergegangen. as es nicht alles für Möglichkeiten gegeben hätte. voll einer milden und herbstlich in die Welt hinaus und in einen einsamen versponnenen Sonne.: Victor Radnicky/Interfoto/Privatbesitz: VG Bild-Kunst. seines Triumphs mit dem Stiller. In die herbstliche Luft über Kimche. (Hrsg. und schwieg. die auf keine WänExistenzkampf geworfen wurdest«. oder haben sie schon nichts mehr zu unterdrücken?« Es musste Schütt kommen. mit diesen Fragen kann nichts schiefgehen. seinen élan vital. wenn es uns nicht einfach an Vorstellung fehlt. In der Pubertät massierte er seine Nase. Frisch beschreibt darin. und dich erschlagen. Am nächsten Tag fand das Interview statt. Abb. die als »Gnade« empfindet. zum Schluss zu Stiller. Und dann folgte – weitere Stille. ich sehe nicht ein. Wir sehen die Zeichnungen des Hauses. Ich habe sie dabei. man würde ihn wegen seines zu großen Penis auslachen. »Einen Sonderplatz« Bruder das Grundstück besichtigt. che Vielfalt des Möglichen« der Eindeutiggefangen«. den durch den Kalten Krieg. nicht: ein Buch. Als Glücksdimension sie werden in einen Zusammenhang voller Nuancen dieses Existenzialismus erweist von Matt in einem gesetzt. In einer vergessenen Kritik aus der Zeitschrift Du attackierte Frisch 1941 den Film Gilberte de Courgenay.. Als er.. Einmal befreite ihn eine Frau vom »schweren Verhängnis. 256 S. dass sich Frisch durch die fünfziger Jahre »immer von neuem in Madeleine Seigner verliebte«. um das erste Aufklingen des kritischen Frisch der fünfziger Jahre zu hören. »ein Liebesdrama« nennt es ziehung setzt. bin ich aufgewacht. womit sie ihre Meinung unterdrücken. die gebauten aber starrten Berlin 2011. Der Kierkegaard. »dass Du viel zu früh durch das den Weinreben entwirft er ein »Haus. und auch sonst nichts. zu schreiben fand Frisch Scham. keit des Wirklichen weichen musste. 160 S. drei unveröffentlichte Gespräche Hages mit Frisch. Der Traum ging so: Ich stellte Müntefering die FrischFrage »Gesetzt den Fall. Max Frisch wollte sich mit seinen Fragen Wahrheiten nähern. Bonn 2011 . Die Enthüllung der Liebe zu Madeleine SeignerBesson ist eine der schönsten Trouvaillen bei Schütt.Nagel & Noch in den sechziger Jahren vermutete richten soll. tat er es sogleich mit dem »Ich als souplesse: »Die Arbeit als Architekt hat Währung«. die den gezeigten Antisemitismus »empörend« nannte und angesichts ausdruckslos betrachtender Berliner sagte: »Wir bewundern solche Disziplin. selbst oft schmerzlich zerrissen. dass ich seit nun 25 Jahren die Fragen von Max Frisch dabeihabe. aber dazu fehle ihm wirklich die Zeit. nie habe ich mit ihnen eine neue Dimension erobert. schrieb Frisch im Moment weiter schwebt es durchs Totenreich. nie mehr das der biblischen Formel »Du sollst dir Meer zu sehen. wenn nicht davon. darüber müsse man mal nachdenken. Einmal war es die Frage »Wären Sie gerne Ihre eigene Frau?«.): Max zu. Wie sah Madeleine Seigner aus? Das zeigt Volker Hages opulenter Bildband. Osten gar kein See.« tiert hat. über Frauen.

aus einer historischen oder und höherer Kavaliersreisen in die europäische Geintellektuellen Festung heraus seine Angriffe vor. der so treffend formuliert. Frankfurt a. einen Kolumnisten genannt hat. Sie können nerven. Nicolas Dickner: Tarmac – Apokalypse für Anfänger FVA. 249 S. Das Buch empfiehlt sich als Geschenk. Sehr schön ist das Taschenbuch Max Goldt: Ein Buch namens Zimbo (rororo 25569). eine Sünde wider bend wirkt der Naturalismus der Biowis.90 € Im Zorn geschrieben Eberhard Straubs Essay »Zur Tyrannei der Werte« vibriert vor Angriffslust erte stehen in einem schlechten Ruf. wenn sie sich dem Punkt der Letztbegründung nähern. Die Dichter. hat damit etwas Gediegenes in der Hand! Das gelbe Buch ist mit einem Zitat von Karlo Tobler versehen: »Zitiere nie Max Goldt zum Scherz. schließe ich un. Einzelexemplare gebracht hat. 19. setzt Hope auf den Zufall und erwürfelt ihr Datum. Wenn nichts mehr hilft. auch die Ideen und Vorstellungen des Zusammenlebens. Juli 2001. Vor diesem schrillen Plot wirken die Figuren Hope und Mickey pubertär blass. aber auch nicht schlecht belehren. vierunddreißig Spalten für Komposita von über das eine Gesellschaft sich organisiert. Das ist schade. Jahrhunderts. verflüssigt hätten. mehr lemiker auszeichnet. kreiert abstruseste Querverbindungen und schafft es so. Eberhard Straub ist ein strategischer GedankenGebildet im Sinne verschwenderischer Zitatkunst anarchist.. Und das auch noch in jener Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie. die einen Po. Er zieht eine Guerillataktik vor.schichte. taucht an allerhand zu geißeln. weil sie es nicht bis auf M Die Zuckerstückchenedition Heutzutage kommen wir Kritiker mit ein paar Gesten gut über die Runden. zitiert gerne teste Kandidat dafür. und das wußte nie genau. wie sie beschworen werden.« nach Karl Kraus klingt. was jede Vorstellungskraft übersteigt: Was passiert. der auf immer weiteren Feldern zweifellos der unmittelbar vor »Werthöhe«. dann treibt es einem Polemiker alteuropäischer Provenienz wie dem Journalisten Eberhard Straub die Zornesfalten ins Gesicht. den man gegen seinen Willen ebenfalls auf das vermeintlich geistig Überlegene. Probleme auf. Sie sind Joker. was da verhandelt wird. wie er sich selbst zitiert: »Ich sollte eine private Zuckerstückchenedition herausbringen mit aphoristischen Definitionen. als Neurasthenie als Krankheit Mode war. sollte man weitergeben. Jahrhundert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR Warten auf das Ende In »Tarmac« beschreibt Nicolas Dickner seine apokalyptische Generation VON CATHARINA KOLLER ickey ist mehr als fasziniert von Hope: Während die anderen im Chemieunterricht noch versuchen. keine Tyrannen. der gemäß TierKolumnen so: »Kolumnen sind Meinungspfleger die zufriedensten Menschen auf beiträge in journalistischen Medien. Dass der Fall der Berliner Mauer das Ende der atomaren Bedrohung einleitet.Reinbek 2011. talismus. Straub sieht die formale Reinheit der rechtlichen Regel durch bloße Meinungen überlagert. dass er Teil unserer DNS geworden war«. dass sie gut unterhalten. folgt die Volte: ».. wollen wir in diesem Moment ihrer Leser gieren. Sie sind so gut wie alles. jemanden zu zitieren..« Die Wikiquote im Internet hält sich nicht daran. hat der Abendlanddenker Eberhard Straub zutragen. wie ›Aufräumen ist. sich zu entwickeln. was man trinkt.54 12. warum es besser ist.« Diese absurde Rechnung drückt das Ringen um Greifbarkeit dessen aus. Sie sind religiös und numemus Marxscher Prägung. die Differenzierung der Gesellschaft und die Ironisierung aller Verhältnisse.« den Schlaumeiern und Sprücheklopfern Unter anderem aus diesem Ton. 2011.199 S. schen Zufriedenheit und Glück zu unterdass sie unverhohlen nach Zustimmung Max Goldt: Ein Buch scheiden. aber selten gleichzeitige Abwesenheit von großer Liebe. wenn wieder einmal deutsche Leitkultur ausgerufen wird. »Wir hatten so lange auf den Weltuntergang gewartet. in einem Comic liest Hope von einer prophetischen Schrift mit ebenjenem Datum – Grund genug. leiht sich dort Furor und Polemik.. nicht zuletzt bei Max Goldt. und es ist plump. hieß es bei Horaz. zehn für das Substantiv und einzelnen Wert und das System der Werte. ein Stil und eine Haltung heim.und Grimms Wörterbuch weist sage und schreiTauschverhältnissen des kapitalistischen be sechzehn Spalten allein für das Adjektiv Warenverkehrs. Goethe und die Weltliteratur und alles zusammen oder in verschiedenen Legierungen.der Werte den heiligen geist. doch die Werte sind der schlechunerwarteten Stellen der Geschichte auf. deren Verteidigung bekommt sogar die 173 S. »Von Max Goldt entzückt sein« ist zum Beispiel so eine Geste. Max Goldt. Wer wenig Geld hat. dass Strom fließt. eine positive Idee des Menschen verbindlich zu machen. vor und nach dem Kapimit seinen Feinden bis zur Ununterscheidbarkeit. / denn er fühlt wie du den Schmerz. einem Land der allzu einflussreichen Kolumnisten. stellt Mickey fest. weil er als Bildungsbürger alter Schule um die Anerkennung von Derivaten ehemals tauglicher Allgemeinbegriffe ringt. Der Markt generiert den »wert« auf. Im Zitieren reißt man sich eine fremde Originalität unter den Nagel. Jahrgang 1972. Um dem Warten auf diesen Wahn zu entgehen. nämlich der sentimensenschaften mit seinem deterministischen Klett-Cotta. Max Goldt nicht zu zitieren? Es liegt auf der Hand. Andererseits haben Goldts Schriften die Eigenschaft. Ebendas passiert aber nach diversen Stemmversuchen von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende bis zur Ausländerpolitik des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch kaum mehr. was uns quer zum herrschenden Kartell und verbündet sich frommt und uns belästigt. M. nicht töten. Der schönste Eintrag darunter ist Staat.99 € Der Skepsis fallen ganze Kategorien zum schaft zwischen großen österreichischen Opfer: »Der Alltag ist eine inzwischen etwas Traditionen und Max Goldt behaupten abgenutzte essayistische Kategorie – ich kann. die humanistische Tradition. Ich lebe in Österreich. versucht. dem Individuum seine Wertsetzun. Sie zitiert Max Goldt. Im Kolumnenkasten toben sich die Menschen und ihre Meinungen aus. Das kann man an politischen Diskussionen sehen. Es sei heute unmöglich. Die neuen alten Werte sind mal auf der langen Bank des politischen Alltags. Sie verlieren an Wert in ebendem Maße. eine Zitrone so mit Drähten zu verstöpseln. Deshalb klingt immer nach frühem 20. ändert wenig. Da ist der moderne Buch. der Relativismus und damit der Nihilismus alles. Dafür jongliert er mit Bibelzitaten. dass man eine Verwandt.kann man darüber. Da kommt Als ich einmal in Definitionslaune war. das die englische Königin zur Hochzeit ihres Enkels trug. wie man es vom Kleid her kennt. wie viele Zitronen gebraucht würden. der sich hütet. die sich durchsetzen und andere niedermachen wollen. Weihmanierierter Umgang mit ihm.Zur Tyrannei impolitesse gewesen. dass der Autor auf sie Wert legt. Für Hopes Familie gilt das seit Generationen. Bei Stuttgart 2010. Einem Familienfluch gleich offenbaren sich jedem Familienmitglied in der Pubertät exaktes Datum und Hergang des Weltuntergangs.. Juli ist plötzlich Mindesthaltbarkeitsdatum auf sämtlichen Packungen japanischer Instantnudeln. die Dich H TASC ENB U CH Was ist kanarienvogelgelb wie das Kleid der Queen? Richtig: Max Goldts neues Geschenk-Büchlein nicht lieben‹ oder ›Wein ist. Wenn man demnächst bei Laune ist. Tarmac über ein bloßes Generationsporträt hinausreichen zu lassen. Schließlich bleiben saurer Regen.. will Eberhard Straub nicht anerkennen. Straub operiert also im Wesentlichen mit Nietzsche und Marx. ein Talent zur nachten und Krieg zu verstehen. FRANZ SCHUH .« furchterregenden Polemik. bevor Besuch kommt‹ oder ›Die Überbevölkerung sind alle. mal an der moralischen Empörung gescheitert. spielerischer. Nicht nur deshalb lobt man VON HUBERT WINKELS W heute statt traditioneller Werte lieber kompetitive Stärken. Sie sind so nahe an Platons Ideen wie an Auch immer gerne mit dem AntikapitalisRabattmarken. Tierwelt ihr Fett ab. Und wenn dies dann als Wertesubstanz des Grundgesetzes aufgerufen wird. auch ihre Liebesgeschichte wagt nicht so recht.« Kann man aus dem herauslesen. Eigentlich hätte Straub immer dann ein Fest zu feiern. Ebendies. sagte ich. in Tarmac – Apokalypse für Anfänger seine Altersgenossen. und das geht am besten. wollen zugleich Erfreuliches und Nützliches über das Leben sagen. ist für nicht wenige Wiener aufregend. Goldt wird Ende Mai in Wien sein. aber von Artistik eleSo wirbelt man einen Haufen philosophischer gant im Zaum gehalten. um die Energie einer Atombombe zu erreichen. die europäische Aufklärung. Wie ein Materiarisch zu fassen. wenn man es zitiert. was damit eigentlich gemeint ist. überschlägt sie bereits. Dann verlässt die Handlung vollends den Bereich des Wahrscheinlichen: Der 17. wenn das Bier alle ist‹. Das Ergebnis: »Die Sauerfruchtproduktion Floridas über einen Zeitraum von 6000 Jahren. überlassen. bezieht sich auch bei Goldt erfahren. wenn die Atombombe einschlägt? »Vorkriegsgeneration« nennt der frankokanadische Autor Nicolas Dickner. talität und der Wertherschen gelben hosen. die einst durch Heinrich Heine in die deutsche Welt kam. dekliniert er in Tarmac die Apokalypse durch. den 17. Die sogenannte Respektlosigkeit. Die Schönheit des Buches ist warenästhetisch gemeint: Es ist in einem Gelb gehalten. list alter Schule sieht Straub den Begriff des Wertes geprägt von den Produktions. und diese spezifische Originalität von Max Goldt kommt nicht zuletzt daher. »Wertabstufung« bis »Wertzuwachs« – zuStraub fahndet nach weiteren Kandidaten sammen fast so wertvoll wie ein kleines für seine Angriffslust. die handfestere Deduktion der Ent-Wertung von Fraglosigkeiten: Die Marxsche politische Ökonomie erkennt die Abhängigkeit einer jeden Wertschöpfung von der Mehrwertproduktion und jeder Wertsetzung vom Handeln auf dem Markt. die in den Ausläufern des Kalten Krieges mit dem Warten auf die Katastrophe aufwachsen. aber anderes zählt: Während Dickner in seinem viel gelobten Debüt Nikolski Landkarten und Piratenlegenden mit Phänomenen des Informationszeitalters kurzschließt. Und aktuell zorntrei. . den Spuren bis Tokyo nachzujagen. die Industrialisierung auf dem Gipfel und Nietzsche die Höhe der unantastbaren Individualität ihrer seine unzeitgemäßen Betrachtungen schrieb. definiert Nach einer Überlegung. Tatsächlich liegt ein Schwerpunkt der Überlegung in jener Zeit vor 1900. hilft das christliche Menschenbild. und er schreibt ein Buch über Die Tyrannei der Werte. 8..95 € das lustige pläsier mutwillig zu zerstören« (Wilhelm Raabe). was man macht. Er tut dies nach Art einer negativen Theologie.Eberhard Das Lemma lautet »werther(i)sch« und ist Straub: wie folgt belegt: »es wäre nicht nur eine gen aufzuzwingen. die es hier einst unter Alltag sei heutzutage wohl so etwas wie die gab: scharfer Verstand. Angriff auf die Würde des Menschen. Da denkt der Ideenhistoriker aus dem Geist des 19. deErden sind. 17. da die Geschichtlichkeit. Mangas und Wissenssendungen. Aus demselben Jahrhundert stammt die zweite. der namens Zimbo Rowohlt Verlag. und zwiren Autoren sich dadurch auszeichnen. Ozonloch und Jahrtausendwende. gebeten darauf. Was man von Goldt Nützliches lernen kann.

dass wir Fragosos grundsätzlichen tionalität im Tausch für Sexualität! Aber vielleicht Verzicht auf einen diskursiv-pädagogischen Über. wie sie es im jeweiligen Alter wahrgenommen hat.Lebens hat Peter leichtes Spiel. Hätte sie. beginnend im Alter von sieben Jahren. und die Lektüre ist beklemmend. was auch andere tun. Während sich die 12-jährige Margaux glücklich geborgen in Peters Arme kuschelt. in dem Fragoso mit einigen psychologischen. aber auch einen ersten Freund. der als scheinbarer Glücksbote seines Opfers auftritt: Dieses Verfahren sorgt für eine bedrückende Lektüre.. weil der Mann.« Stattdessen beschreibt sie die Schwimmbadszene so: »Dann schnappte mich (Peter). Als er stehenblieb. Als Margaux 14 ist. Ihre Erlebnisse also nicht mehr Tiger Margaux’ Mutter leidet an Depressionur notiert. in der das Geheimnis. Das heißt. wie diese Filme zeigen. doch das Einzige. Ungedullich und flüssig zu erzählen.dass sie für die Wahrheit zu schwach ist. Im Suff Tod. Ich möchte dich so sehen. dass sie weiß. ist für Biografie angemessen präzise. M. hinterlässt er eine Schneise der VerwüsNachgeschichte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 55 Das Maximum an Liebe Perfide Einheit von sexuellem Missbrauch und Geborgenheit: Margaux Fragoso erzählt die Geschichte ihrer zerstörten Kindheit n Tiger. Leser. Das alles ist kaum zu ertragen. Sie ist keine bedeuPlaneten. hingegen kann mit ihrer neuen Selbstständigkeit Geschickt baut er die Mutter mit ein. ein Pädophiler. sie hat weiter Kon. In dem Moment. Und wenn dem Geschicht formulieren könnten.. nicht stimmt. ist ein trauriger und zugleich gewalttätiger Charakter. Selbst der Eremit in der Wüste wehrt sich nicht gegen Berichterstattung . »Wir wollen«. Frankfurt Margaux’ Vater. Ernst: Alles im Leben ist ein Tauschgeschäft. publizistischen Nutzen aus einem Erlebnis zu schlagen. sondern tiert. Wenn Margaux das erste Mal ihrem späteren Peiniger Peter im Freibad von Union City in New Jersey begegnet. schaltet. indem sie ihm Zugang zu Sex gewährt Generationen verfolgen. in Gänze. mit dem sie ein Ge. Sie ist dann Teil einer symbolischen Ordnung. nen und muss sich regelmäßig in die PsyA. und ein seltsames weißes Licht umstrahlte sein Gesicht wie eine Korona. Tiger ist ein gutes Beispiel damit es endlich zu einem Bewusstdafür. als wären wir auf unserem eigenen kleinen Kreatives Schreiben studiert. dass sich Unmittelbarkeit.. die Autorin ist dann 23 Jahre alt. Teil der Gesellschaft zu sein. chiatrie einweisen lassen. ihr gesteht. um ihre ihr noch nicht widerfahren ist). wenn Peter und Margaux sich Pornos anschauen. solange ich sein Begehren wecke. dass ich dass sie der Zugänglichkeit und Transparenz ihrer dich genau so sehen will.len. v. anschauden Leser schwer erträglich. der jungen Margaux als ein Engel erscheint. Peter sei wort. (weil etwas Besseres als dieses Schlimme aber Schriftstellerin genug. Die Erzählerin – das ist zumindest die formale »Fiktion« in diesem autobiografischen Buch – ist nicht klüger als die Protagonistin. der weitaus längste Teil erzählt von den 14 Jahren. die Reflexionsgeschich. ohne es zu publizieren? Natürlich.« Ein Kinderschänder im Glorienschein der Erlösung. Peter der Zurückgezogenheit und Zärtlichkeit zu bieten. dass seine erste Frau ihn verlassen habe. als mit Peters FVA. Ich liebe dich so sehr.Peter dauerhaft emotional an sich zu binden: Sofähiger Satz. Er zeichnet dem jungen Mädchen ein schlimmes Bild der Welt. Als das Buch in der englischsprachigen Welt erschien. hat meine Einsamkeit bösartig ausgenutzt. Tiger. lange er mich attraktiv findet. das Buch nicht einfach für sich schreiben können. aber auch keine schlechte. Zusammen lesen sie auch Nabokovs Lolita und das gibt ihnen ein ähnliches Gefühl des Aufgehobenseins in größeren Kontexten. Das sagt sich immer schnell. weil die Gesellschaft diese Art der Liebe nicht zulasse. wurde deshalb angeregt. Fragoso: Tiger. Das ist grauenvoll. Ein Vorwurf lautete: Die Autorin setze darauf. Von einem intendierten medialen Hype war die Rede. die aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt und glücklich ist. sagt Peter zu ihr. Margaux vermacht er seinen alten wart die Tochter aus ihrer sozialen Isolierung und Mazda. ihre eigene sexuelle Missbrauchsgeschichte aufgeschrieben. und nimmt Glücksverantwortung abnimmt und dessen Gegensich das Leben. Fragoso erzählt streng aus der Perspektive der Protagonistin. Sie könne ihn ja jederzeit ins Gefängnis bringen. Und dafür andere Formen zu wählen. 2011. therapeutischen und juristischen Kategorien hanPeter sucht nicht nur sexuelle Intimität. »so Margaux Fragoso hat Literaturwissenschaft und tun. er hat Angst. deine Kniekehlen. um antwortungsbewusster und verallgemeinerungs. dass seine Apathie froh ist. dass es ein Tauschverhältnis ist (aber mal im schreiben meiner Erinnerungen habe ich versucht. Tiger hat die Autorin Margaux Fragoso.Margaux machen kann. dann betrachtet sie ihn mit den Augen der Siebenjährigen.FEUILLETON LITERATUR 12. auch Sie versteht vom Schreiben so viel. Sie geben ihr das Gefühl. wie du bist. aber doch in seiner psychologischen Detailarbeit höchst aufschlussreich. Zum Ende hin geht ohnehin alles sehr schnell.« Geschichte den größten Dienst erweist. und bevor die Erzählerin und der Leser auch autistischen Verkapselung herausreißt. weil Margaux diese Filme liebt. wie Literatur fremde Erfahrung seinssprung kommt und sich die Autounserem eigenen Bewusstsein zugänglich rin bewertend in die Vorgänge ein. Sie zwängt ihm keine anderen Botschaften Sie hat ja sonst niemanden. Doch diese Position verweigert der Andrea Fischer.gültig sein. dass mit Peter etwas schon vorbei. um sich am nächsten Tag als sorte beginnen könnte. Margaux schafft es über. der sie als Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt. geschaffen hat. Auch diese Loslösungsgeschichte wäre interessant. zum kostbaren Rückzugsraum von Vertrauen und Nähe wird. Margaux nur einmal durchatmen und eine Moral von der und Peter sehen sich fast täglich. was Margaux habe. Ihr Mann. ist das Buch auch Vater der Verdacht kommt. Seine körperlichen Interessen werden als metaphysische Liebesbedürftigkeit überhöht. d.oder verweigert. die in ihrer nur sehr schlecht umgehen. er sei also ganz in VON IJOMA MANGOLD I Darf in einer Geschichte über sexuellen Missbrauch das Wort Liebe vorkommen? ihrer Hand. Tiger aber nicht. ein intimes Verhältnis zu dem mehr als 40 Jahre älteren Peter hatte. das sie teilen. Engl. Das Buch hat 460 Seiten.« Und noch als Peter. die meine Familie seit Peter hat. damit Margaux lernt. indem sie das Ungeheuerliche des Vorgangs nicht kommentierend benennt und aufbricht.gaux. dass ein Erwachsener sie ernst nimmt und mit ihr im Wasserbecken spielt. Es gibt dann tatsächlich noch ein kurzes Nach. Margaux Fragoso kann man nicht vorwerfen. als der offizielle psycho-pädagogische Diskurs den Opfern andient. Es liegt aber auch ein moralisches Recht darin. passiert. Das ist ein heftiger Stoff.464 S. heimnis teilt. er bietet Emozäh und papieren. geboren Ende der siebziger Jahre. wenn sie Wie Peter diesen moralischen Eisie ohne den Einsatz auffälliger literarigenkosmos rhetorisch aufbaut und wie scher Darstellungsformen erzählt. tief verwurzelten Muster von Leiden und einem gefällt oder nicht) und dass sie Macht über Missbrauch aufzubrechen. und die beiden zelebrieren ihre geheime Hochzeit. als wäre die Geschichdas Alter der Erzählerin und das Alter te in unserer eigenen Nachbarschaft der Protagonistin langsam annähern. Margaux einen Ort takt zu Peter. geht sie mit Peter in eine Kirche. Margaux fühlt sich in dieser Kompli. Die fürchterlichsten Momente dieses Buches sind die Videositzungen. die unbewusst ahnt. dass nicht aufgeschrieben werden darf. Erst mit Peters Selbstmord kann sich Margaux langsam aus dieser Bindung lösen.ist das zu analytisch gedacht. Und kann man sie kritisieren. Er stillt mein Verlangen. Als Außenstehender würde man Klärung entgegenkommen. die sie erbringt. Peter ist dabei ein Meister des moralischen Diskurses. war die Welt aus dem Gleichgewicht geraten. so lange wird er mich Tiger liegt eben darin. sie hätte der Faktizität ihrer Geschichte etwas grell Inszeniertes hinzugefügt. nur eine individuelle Ge. hat es für viele Diskussionen gesorgt. sieht Margaux darin einen Vertrauensbeweis.90 € tung.nicht links liegen lassen. sondern reflektiert.« Das ist bestimmt ein ver. sagt er. Psalm: »Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. schleuderte mich herum und freute sich dabei wie ein kleines Kind. weil dieses pädophile Ausnutzungsverhältnis tatsächlich das Maximum an Glück für das arme Kind darstellt. ist das Buch auch gender Familienvater in die Brust zu schon fast vorbei. in denen sie. sich mit dem Thema ins Gerede zu bringen.werfen. der ihr die pädophilen Taten auffliegen könnten. Schrecklich deshalb. der eine Politik der expliziten Offenheit verfolgt. Angesichts dieser Dauerhölle des häuslichen raschender Weise aufs College. zuverlässig schweigt und nicht »Verrat« übt. stehen dem Leser die Haare zu Berge. klemmte mich unter seinen Arm. den der Leser als einen Teufel erkennt. Das Verallgemeinern überlässt Fragoso dem zenschaft als moralisches Subjekt ernst genommen. Ich werde ihm nicht gleichschichte ohne Generalisierungsanspruch zu erzäh. die a. Anders sich Margaux darin glücklich einrichtet ausgedrückt: Sie ist keine große Stilistin. was einem widerfahren ist. Sie schreibt nicht: »Dieser Schuft. Zwar weiß auch Marbau dann doch wertschätzen: »Durch das Nieder. kein Akt der Veröffentlichung ist frei davon. mit einer dig wartet er deshalb darauf. dass Margaux über die sexuellen Dienste. was nicht sein darf. wie mir heute klar ist. sagt die Mutter. aber die Eindringlichkeit von Tiger. ihre damaligen Erlebnisse werden nicht durch retrospektive Einsichten gedeutet oder erklärt. Wenn man so will – und manche Kritiker hat das an diesem Buch sehr empört – reproduziert Fragoso erzählend noch einmal die Unwahrheit und Ungerechtigkeit.]: Brian Shumway/Redux/laif . und sie setzt diese Macht ein. Margaux liest den 23. sondern Fragoso beschreibt ihr vergangenes Leben so. ob es die alten. Auch deine Füße. die unserem Bedürfnis nach begrifflicher ebenso emotionale. weil er sich an den gemeinsamen Töchtern vergangen habe. das Buch überhaupt geschrieben zu haben? Diese Haltung läuft darauf hinaus. Roman. Das liest sich aber so sagen: Das ist doch nur sein Trick. Zumal es totale mediale Unschuld nicht gibt. 24. was Frauen Männern bieten. irdische und himmlische Liebe auf perfide Weise in eins gesetzt. Ich tue doch nur. Treue heißt für ihn. Die erzählt Tiger.auf als die Faktizität ihrer Lebensgeschichte. wie Gott dich tende Schriftstellerin. über das. Foto [M. als ein Eigentum zu verfügen. dass es jemanden gibt.

Ulrich Greiner. Fabian Mohr (Entwicklung. klären.: 0033-972 23 81 95.). der anderen Seite der Bucht Mit Ehefrau Mirja. Tropez gewiss in die engere ten. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). Jessica Braun. Jasmin Müller-Stoy (Koordina tion Außen politik). Italien € 5. Peter Kümmel. Im Flugzeug dösten die beiHäuser an der Plage de Pampelonne hatte er einen den Guards vor sich hin. Kornkamp 11. Periodicals postage is paid at Englewood NJ 07631 and additional mailing offices. in den letzten Jahren je glücklich war? Er hätte legte er in seinem Tempo doch allen Grund gehabt. Burk hard Straßmann. Wie es hinter seine Factory seit knapp dem Horizont weiterging. Redaktionsleiterin).00. Tel.de Abonnement Jahresabonnement € 187. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. Martina Schories (Bild. war ein großzügiger Mann. Matthias Weidling Empfehlungs anzeigen: iq media marketing. Als er vor verwirklicht. Arnavutköy 34345. Politischer Korrespondent: Lamparter. Dagny Lüdemann. Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) Tanja Stelzer (Stellv. er nickte.20. Dr. Tropez. Marcus Rohwetter. Englewood NJ 07631 Telefon: 001-201/871 10 10 Fax: 001-201/871 08 70 E-Mail: subscribe@glpnews. Sieling (i. Vielleicht war es ein erstes Zeichen für das. E-Mail: johnf. Paris. Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart.50. Frank reich € 5. Roland Kirbach. Hamburg Geschäftsführer: Dr. Darf man das? Er hätte gewollt. Bevor er auf Reisen ging. die er in seinem Abschiedsbrief er. Afrika war es nicht. E-Mail: gero. Multimedia-Formate.: 030/59 00 48-7. Alexander Schwabe (Chef/-in vom Dienst).koeckritz@zeit. Alexandra Endres. Wolfgang Ucha tius Götz Hamann (Koordination Unternehmen). Reisen).de. Bartholomäus Grill. Schweiz CHF 7. Anita Blasberg. Mitglied der Chefredaktion). Tel. Neu-Delhi. Ulrich Bahnsen. Adam Sobo czynski (Koordination). Wo. 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ZEIT Campus). seine Vermählung Sachs am vergangenen Samstag in seinem Chalet mit Brigitte Bardot.de/audio Foto: R.« Gunter Sachs tersburg eröffnete. Sabine Etzold. Jan Roß Gestaltung: Nina Bengtson.randow@zeit. Für diese Reise hatte er. Jungclaussen. Gerhard Jör der. Irgendwann an seine Frau und ihre Stiftung Kinder in Not. 1040 Brüssel. Hartmut Neitzel. C. wer ist am wenigsten mehr so wirken und leben. Aagaard/Keystone Pressedienst Foto (Ausschnitt): Rudar/StudioX Foto: Keystone/Picture-Alliance/dpa Foto: Monti Bild/Keystone Pressedienst Junge Leser: Dr. 10004 New York.de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann. Josef Joffe Kulturreporter: Dr.wünsche mir keine Vollendung.schieritz@zeit. wie er es wollte. alle. PO Box 9868. Jürgen von Politik: Bernd Ulrich (verantwortlich). Zwei Chalets. Gisela Dachs. Tel Aviv. Petra Pinzler. von denen ich geträumt habe. befand er. Harro Albrecht. Ludwig Greven. Tel.42 €/Min. womöglich werde er es weiter gegen den mit Cowboy. die nicht mehr hier. 20 Millionen Daten. die Begegnungen mit Dalí und in Gstaad tot aufgefunden haben.00. Florian Fritzsche. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer.« Das reiche dieser Mann in dem blauen Blazer und dem weit heute aus. Jana Simon. Iris Mainka (verantwortlich). durften mit ihm rechnen.nicht seine Art war.00.de Europa-Redaktion: Dr. E-Mail: michael. AssistenSt.com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel. 75015 Paris. Frank Siemienski.50.zeit. Nun ja. rue Cambronne. seine Honorare reichte er weiter schenk des Königs von Marokko. den er an lein. Frank Drieschner. das erschoss sich. Dieter Buhl. Katrin Hörnlein Feuilleton: Jens Jessen/Moritz Müller-Wirth (verantwortlich). Dr. Dr. Prof. »Ich habe die meisten zum Leuchtturm. Stefanie Flamm. kommt die Erinnerung zufühlte.: 0044-2073/54 47 00.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto. Vor wenigen Wochen kam seinem Esprit und seiner Eleganz die Nachkriegs. Tel. Über die deutschen Expressionisten findet er kästen vor den Fenstern. c. Arnfrid Schenk. Gstaad. Filme. Christoph Drösser Dr. Lisa Wolk.20. Zwischensegnet war. Dr. Niederlande € 4. Broadway. Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr. charterte er ein Flugzeug für wurde 78 Jahre alt. Katharina Schuler.70. aus dem deutschen Festnetz.jungclaussen @ zeit. 153 S Dean St. Dr. Christoph Dowe (Geschäftsf. Susanne Gaschke (verantwortlich). Rainer Esser. 60322 Frankfurt a.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur). Kai Biermann (Digital/Wissen).noch einmal eine Nachricht. Ehemalige Models. Hanno Hammacher. hatte lange ein Beduinenzelt gestanden. Dr. Khuê Pham.deren Anvertrauten. 50. ein kleiner Pavillon für Yoga und Medita. David Hugendick (Literatur). Aber. Katrin Guddat. Tel. Dr. war er glücklich? Schräg hinter seinem Pool konnten. eine verehrte Bob Wilson. Chris tian Schmidt. 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Art-Direktorin: Katja Kollmann Matthias Krupa.schirmer@zeit.20.« Was hast du aus deinem Leben gemacht? Die Gehäuse aufzustellen.: 001-212/269 34 38.: 0041-562 104 950. Alserstraße 26/6a. Sonja Mohr. Marcus Gatzke (Wirtschaft). Er sammler. 129 00 02 07. A-1090 Wien. Ulrich Ladurner.40. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich). 1955 Kostümball mit Mirja. Zu. Srednjaja Perejaslaws ka ja 14. Lon don. sehen konnte. 01067 Dresden. Heike Faller.de © Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. René Dettmann. Irgendwann mit 14 Jahren. nicht umgekehrt. einfach zu lange her. seine Weggefährten.: 030/59 00 48-0. Skulpturen von ineinander bezeichnete. Nele Heitmeyer.) Foto (Ausschnitt): BOTTI/STILLS/GAMMA/laif G .14 €/Min. 10117 Berlin. 20045. die Armada der Luxusjachten. Claus Spahn.. der so auste Grüße aus Bora Bora gerichtet war. E-Mail: angela. Portugal € 5. Marion Gräfin Dönhoff (1909–2002) Dr. 0. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik). Moritz. Dr. Er auf die ZEIT zukam. 20079 Hamburg. Ob er ben. dischen Gütern reicher gewieder Gstaad. Gunter Sachs. Beim Dinner durch schickte er auf eisaß er in der Mitte des groner altmodischen Postkarßen Tisches. Schweden SEK 61. kein fachärztlicher Befund. Aus der Schublade seines Schreibtisches lange konnte er jemandem zuhören. Sina Giesecke. das Zelt einzurollen und ein winddichtes liebt den Geretteten. Tilman Steffen. Urs Willmann Tomas Nieder berg haus. Ulrich Schnabel. Birgit Vester. Klaus-D.weniger für sich. zwölf in meinem ganzen man seinen Schritt akzeptiert. Stefan Schmitt. der mit seinem Vieux Chalet. da er tot ist. V. KG. Markus Horeld (Politik). Stefan Willeke (verantwortlich).O. dahinter.00 per annum. 1966 Mit Brigitte Bardot. dann käme sein Anwesen in den Weg machten. sein Studio. Domenika Ahlrichs (Stellv. murmelgeöffneten Hemd gewiss einiges zu sagen gehabt. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. Was bleibt? Die Astrologie! Von ihr war er übersich vollendet. Mariam Lau. Hin und wieder wischte er sich mit der rechten Hand über die Nase und schaute hinaus rück an einen Satz im Flugzeug damals bei der Reise nach St. Adrian Pohr (Video). Er. Österreich € 4. Petersburg. Eine Assistentin zeit so viel heller machte. Jutta Schein. Konto-Nr. erlebt und & Sachs AG. dass man und kündigte einen Abvom Platz des Hausherrn stecher in sein Atelier südaus den Leuchtturm auf lich von München an. Gunter Sachs habe eine neue fremd. Franziska Kelch (Community). 10117 Berlin. E-Mail: peer. Dr. hielt sich Gunter Schlachtenszene von Eugène Delacroix. Dr. Katja Nico de mus. Wenke Husmann . Volker Ullrich Berater der Art-Direktion: Mirko Borsche Art-Direktion: Haika Hinze (verantwortlich). E-Mail: joachim. Sebastian Horn.P. Kw. Meike Dülffer (Textchefin). die er in wähnt. gemeinsam verantwortlich. dass Vielleicht waren es zwölf. Tel.de.de New Yorker Redaktion: Heike Buchter. der nung. Christoph Dieckmann. BLZ 600 400 71. Eingang Speersort 1. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft).: 0044-7802/50 04 97. Birgit Schönau. Mechthild Fortmann.30. Belgien € 4. Thomas E. Petra Kipphoff. sagen jene. Sabine Rückert. Slowakei € 6. Dietmar H. Dr. noch einmal zu. August 1966 St. Reiner Luyken. Martin Spiewak.M. Jochen Bittner. Jutta Hoffritz. Christian Denso. Aber nach diesen wilden Jahren nicht. Istanbul. 19. E-Mail: leserbriefe@zeit. Rüdiger Jungbluth. Anne Fritsch. Schmidt (Kulturkorres pondent). Es war wie eine das gefiel ihm. E-Mail: archiv@zeit. Anette Schweizer (Reisen). Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse. Thomas Groß. Dr.Häuer. in sicherer Entfer. GLP. seinem Vater gehörte die Fichtel Dinge. Redakteur). Christine Meffert Internationaler Korrespondent: Matthias Naß (Textchefin). Frida Thurm (Nachrichten). Kronengasse 10. Klaus Harpprecht. Layout). Heuser (verantwortlich).klingst@zeit. Heinrich Wefing Redaktion ZEITmagazin: Dorotheenstraße 33. Handynummer – das war alles. Andrea Böhm. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. BLZ 200 100 20 Börsenpflichtblatt: An allen acht deutschen Wertpapierbörsen ZEIT-LESERSERVICE Leserbriefe Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Suite 851. Dr. Matthias Breitinger (Auto). einen irdischen Garten sagiere. »ein buntes Völkchen«.: 0032-2/230 30 82. was dann kam – diese Frage wollte er gelegentlich 30 Jahren. Gunhild Lütge. Seine suizidgefährdet? Als Sachs damals mit diesem Thema Lebensfreude hatte sich offenbar verbraucht. Dr. Es sei keine Kurz. Christian Bangel. Seine Fotos im Marmorpalast des Russischen Museums! Gut und gerne 100 Paswww.: 0043-664/426 93 79. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG.niger technisch. war Extrovertiertheit schickte eine Mail. aber dann schickte er wieder einen Brief aus musste man ihn schon fragen.: German Language Pub.Dank dafür? Gunter Sachs wusste: »Der Retter ziger. Philip Faigle.Leben!« Es klang wie ein Schwur! Vielleicht waren schlusshandlung gewesen. Rabea Weihser (Musik). Posta kutusu 2.95. Tibor Bogun. Fax: 007-495/974 17 90 Österreich-Seiten: Joachim Riedl. Es folgen Picasso bleu und rose.00 Ausland: Dänemark DKR 43. Wolfgang Büscher. Grobkörnige Bilder. E-Mail: jochen. die er sich immer gemacht hatte. Karsten Polke-Majewski (Stellv. Kurhessenstr.de Wochenschau: Ulrich Stock (verantwortlich) Geschichte: Benedikt Erenz (verantwortlich). Dabei hätte Zigarettenschachtel. die Gunter ihm die legendären Geschichten. »12.: 069/24 24 49 62. Steffen Dobbert. frei von Konventionen: Der großzügige Lebenskünstler Gunter Sachs ist tot VON HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS St. die sich von München aus mit ihm auf Eden. ein Ge. Seine gletscherfarbenen Haare fielen ihm braune Elfenkörper unter Wüstensonne. Pascal Struckmann. Ostra-Allee 18. Martin Hinz Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH. Postbank Hamburg. Helmut Schmidt Dr.de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404. Anfang der Neun.70. Scheinwerfer und Fotos. Peking. Matthias Stolz. Daniel Angeli/Agence Angeli (r. spiele. den Computer eingab.und Öffentlichkeitsarbeit: Silvie Rundel Herstellung/Schlussgrafik: Wolfgang Wagener (verantwortlich).teuwsen@zeit. Rom.de Weitere Auslandskorrespondenten: Georg Blume. Tel. Anna Marohn. Dorothee Schöndorf. Spanien € 5.und Winnetou-Bildern ist komplett. Reporter: Dr. Wilfried Herz.50. Tel. Peter Dausend. Claudia Schiffer als »Heldin«. was immer mehr. Luxemburg € 4. 940 National Press Building. Fotoredaktion: Michael Biedowicz (verantwortlich) Özlem Topçu. 525 52 52. Ontario. rutschte ihm die Bemerkung heraus: »Ihr müsst wissen. Kaum jemand. D. K. dieses sich in seiner Seele ein meGefühl konnte man halancholischer Kern. Auch hier war Platz für mal er ja gern um die Häuser zieht. Parvin Sadigh (Gesellschaft). Anzeigen: DIE ZEIT. Umgeben von Freunden. h. Kerstin Bund. Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich). mehr für seine Frau und die antion.: 007-495/680 03 85. max. Anna Kemper. 11. Tropez. All die Cocktailpartys! »Mein Gott! jetzt geschah. Dr.Sachs gern in Gstaad auf. Axel Kuhlmann Anzeigenstruktur: Helmut Michaelis Anzeigen: Preisliste Nr. Jan-Martin Wiarda Die ZEIT der Leser: Dr. Carolin Ströbele (Leitung: Kultur. Dafür danke ich dem Schicksal.ca Abonnement USA DIE ZEIT (USPS No.20. Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer. scheinbar endlos genheit. Subscription price for the USA is $ 270.de Pariser Redaktion: Gero von Randow. meinem Leben!« Wie bei so manchem Eilig ist sein Leben imkreativen Geist verbarg mer gewesen. Christiane Grefe. Ruten berg. man besonders gern Jurist. eine Pointe. der mit irPalm Springs. Kerstin Kohlenberg. Dr. Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich). Tschechische Republik CZK 175. Fax: 069/24 24 49 63. er wird Kunst.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen. Tina Groll (Karriere).riedl@zeit. Fax: 030/59 00 00 39.: 0351/48 64 24 05. 4 –6. Kolja Rudzio. Moritz äbe es ihn. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Der Letzte seiner Art Ein Mann. Chef redakteur). Dem Mann. webiegt er ein in Richtung Moderne. vom Bojen vor sich hin dümpelten. Norwegen NOK 60.kleinen Tunnel verbunden. 1969 Gunter Sachs (1932–2011) im Jahr 1972 in St. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. Tel.de ZEIT Online GmbH: www. doch ruhig mal öfter anzurufen.20. Ehemalige Models.

Nach einer mehrwöchigen Ver. Die Leute schauen in die Sonne und bensbedingungen verbessern. obwohl wir ihre Völker sumgüter sind leichter zu bekomersten Mal Selbstvon Herzen lieben. dem es oblag. in der Wüste zu schlafen. Diese Woche fanden sich 1200 Menschen zu einer Bürgerversammlung über Wasserpolitik ein. Mohammed und Mustafa haben mir angeboten. erzählt Bassem über das Massaker. »Die Islamisten geben Anlass zur Sorge«. »In Ägypten erfahren wir von Malcolm X.« Seine waren Beduinen. Vom Fremdenführer bis zum politischen Aktivisten sprach jeder Ägypter. dass die patriarchalischen Strukturen tief verankert sind. Das öffentliche Mittagsgebet be. die Bausch und Bogen ablehnen. Die allgemeine Freude ist in der nung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. dass er sein Leben nicht auf instrumentelle Erwägungen gründen wollte. dass Ägypten auf eine lange Tradition des religiösen Pluralismus zurückblickt.ständige Sushi unter belaubtem Pavillon. dass einer meiner Gesprächspartner sich bereitwillig zu jedem beliebigen Thema zitieren lassen wollte. während ihre Eltern Lieder und neoliberalen Wirtschaftspolitik von Mubaraks Sohn Reden anhören. Junge Männer spazieren Hand in Hand mit ihren in farbenfrohen Hijabs gewandeten Frauen umher. die sich seit Langem mit der Aufklärung beschäftigt. dass ich nicht weiß. aber nie von King. Was für die Menschen zählte. um in Ägypten zu erkunden. und dennoch entwickelte er die tiefe und hintergründige Vorstellung eines vernünftigen Glaubens. »Es sollte ein Wendepunkt der Revolution darstellte.« men als früher: Klimaanlagen sind bewusstsein spüren Auf dem Tahrir-Platz herrscht kein Luxusartikel mehr. Nichtsdestotrotz bestanden die Aufklärer des 18. das Feuer auf die Demonstranten am der Gestank«. Im heutigen Ägypten jedoch gibt sich selbst der liberale Präsidentschaftskandidat ElBaradei als Befürworter von Artikel 2 zu erkennen. dass ich überrascht war. Als ältester Sohn. die eine ben. wie Amr formuliert. die nisiert. warum selbst hat sich das Militär vorbildlich verhalten. Die Erfahrung ist die Kluft zwischen den Reichsauf dem Tahrir-Platz ein Transten und den Ärmsten in Ägypten parent: »Wir wollen weder von den der Revolution geringer als in den USA. »Aber sie sind eher wie die Republikaner im US-Kongress. wurde mir in dem Moment klar.« Kleinlaut räume ich ein. dass seine MaßOrganisatoren. wie die Muslimbruderschaft Gefühle ausnutzt: Sagt Ja zu Allah. Amr glaubt. sagt Dalia. und Autos ausgelassene Stimmung. vertrieb ihn in Ägypten und im Jemen und schloss sich mit anderen Aktivisten zusammen.« dass im Westen alles besser funkDie wirtschaftlichen Ungleichtionierte – von den Internetverheiten waren ein Faktor in dem Der neue Stolz Unmut. »die einzige funktionierende Institution in diesem gottverlassenen Land«. dass dies das Gegenteil von Aufklärung ist. als hätte man keine Adresse. aber er hat auch die Pharaonen adoptiert. »In Kairo arbeiten Land«. die die Armee. Dalia Ziada leitet das Nordafrikabüro der Amerikanisch-Islamischen Konferenz. Zwar beeindruckt sie die Festschreibung des Religionsgesetzes in dem kürzlich abgehaltenen Verfassungsreferendum nicht. was der Westen schon fast vergessen hat. »Ich würde immer noch meinen Thomas Jefferson brauchen. »Hier wird Politik gemacht. mit all den Sternen am Himmel. um anschließend mit einem Doktorandenstipendium an die Universität von Chicago zu gehen. erwidert Amr. uns hier nicht. »Anfangs galt meine Sorge weniger der moralischen Dimension als dem Umstand. sich in einem der geschenken zu misstrauen. hatte er Ingenieurwissenschaften studiert. also gibt es Verrücktheiten wie die Behauptung.« Gibt es eine antike Zivilisation. und die Juden erfüllen diesen Zweck.tausend Minarette oder das pulsierende Herz des Panlich verankert habe? arabismus. doch seine Kant-Lektüre überzeugte ihn davon. Zum ersten Mal im Lange schämten sich Leben sind wir stolz darauf. Kinder sind allgegenwärtig. die man nun haben müsse. »Sie haben die Pyramiden noch nicht besichtigt?«. ohne sie gesehen zu haben. vor der Revolu. den Ras.« Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Zuletzt erschien von der Amerikanerin Susan Neiman »Moralische Klarheit«. erzählt er mir. nannte man sie ›die Leute. und sie scheint ihn so köstlich wie unmöglich zu finden. sagt Ekramy. »Vor dem 19.« kommt die Antwort unverzüglich: »Geht mit gutem Nicht weit vom Staub und Lärm des Tahrir-PlatBeispiel voran. den Motiven von Fremden mit Gast. die Präsidentwieder aufgenommen – um sicherzustellen. die in Ehren halten. nur sollte sie möglichst geräuscharm aus. dass der ägyptische Antisemitismus tiefere Wurzeln hat als die Ablehnung der israelischen Politik. erklärt. »Das sind meine Großväter. kontrolliert das Militär zwischen 30 und 40 Prozent der Volkswirtschaft. Dalia erinnert mich daran.Häuser auf Zemalek stehen in so scharfem Gegensatz stützung. Tatsächlich Landes.ziere setzten ihre Vorgesetzten unter Druck. dass die politische Macht der Fundamentalisten wachsen wird. die wie die meisten Frauen in Ägypten mit einem Hijab den Kopf bedeckt. als sie einen Aufsatzwettbewerb gewann und zu einer Konferenz in Kairo eingeladen wurde. und Abwehrmaßnahmen mobilisieren konnten. »Man roch zweites Tiananmen werden. Stammten die Präsidentschaftswahlen. mit einer in Zeiten politischer Umwälzungen seltenen Reife von der Geduld. Und will ich wirklich meine Wurzeln in einer autokratischen Sklavenhaltergesellschaft entdecken?« Ekramy sieht das anders. Ob wohl auch Ägypter die Pyramiden besichtigen? »Am schönsten ist es um fünf Uhr morgens«.« Der Mann ist halb so alt wie ich und weiß wie viele seiner Mitstreiter nicht nur so viel mehr über uns. heißt Antisemitismus. Geld wollen sie keines für den Tagestrip. Jahrhundert floss selbst der Nil anders. sagt Amr. und selbst die. Sie schenkt mir ein ungläubiges Lächeln.« Unlängst verkündete merklich gestiegen ist. Auf der anderen. was Aufklärung ist. KonUSA noch von der EU regiert lässt das Volk zum werden. Sie ist Direktorin des EinsteinForums in Potsdam Fotos: Katja Hoffmann/laif (o. »Er war es. sie waren den nationalen Diskurs nach rechts drängen. fand aber stattdessen eine ermutigende Situation vor«. Red. Einer der Gründe. die Stadt der Unternehmen den Verkauf politischer Ämter gesetz.) hat gezeigt. Sie können nicht abreisen. würde nicht einer eine Frau im Präsidentenamt akzeptieren. sagt Amr. bestand darin. dann wüssten sie nichts. Programmleiter der »Ägyptischen Union der liberalen Jugend«. Für Kant überstieg die Erkenntnis Gottes die menschlichen Fähigkeiten. Die fromme Muslimin. 50 Prozent jedoch die säkulare WAFD-Partei bevorzugen. wenn sich Leauf ihre Augen. und alle machen mit. außer einigen Busladungen an Briten von närrischer Unerschütterlichkeit sind es vor allem Liebespaare. von wem die Schätzung stammt. sagt Bassem Sabry. meinen James Madison. »Die Befehle waren ziemlich als Kamelschlacht bekannt geworden ist und den unmissverständlich«. Die Ägypter blicken auf Jahrhunderte guter im Rest von Kairo. das Datum der Revolution. »Achten Sie volutionen brechen mit Vorliebe aus. wenn du deine Großväter hasst? Das ist.schlossene Wirtschaft bedrohten. Die Polizei jagte Zwar grollten viele Menschen dem Imperialismus.« Auf dem Bild Israels als des ewigen Feindes beruht die Macht der Armee. sondern auch eine große jüdische Gemeinschaft einschließt und ihrer Meinung nach mit einer muslimisch fundierten Kultur vereinbar sei – während die jüngsten Angriffe auf Kopten eine Anomalie darstellten. Ist es aber überhaupt eine Revolution. fragt mich Mohammed.« Die gepflegten Gärten und prächtigen Diese jungen Wortführer verdienen jede Unter. die die Sphinx beäugen. der Mossad stünde hinter den jüngsten Haiangriffen im Roten Meer. der nicht nur die Kopten. dass die Revolution in den Händen nahmen die Kontrolle des Militärs über eine gedes Volkes bleibt. die Armee einfach einen Herrscher abgesetzt.] .« Hunderte kamen ums Le. der Revolution der sicherste Ort. als wir selbst es tun.Trotz. ein enttäuschendes Ergebnis: Von 1300 Teilnehmern. Ahmed Saled. oder hat we can«. die in Stein verwandelt wurden‹. die genügend Nahrung. »Wer bist du. weil sie keinen Grundrechtekatalog enthielt. wie so viele Völker. »Sie hatten sich orga.« Je nachdem. aber dessen Lauf vor zweihundert Jahren geändert wurde.« Ekramy.). ten Staaten. die apathischste Gruppe in diesem Land. sagt Mohammed. mir die Pyramiden und die Sphinx zu zeigen. Jahrhunderts auf der Trennung von Kirche und Staat. um arme Frauen über ihr Wahlrecht und gebildete Frauen über Wahlkampfmethoden aufzuklären. Die jüngste Umfrage ergab. Seit nicht als Gemüsehändler auf der Straße. aber die jüngeren Offinichts mehr außer Blut. die eine liberale Demokratie ermöglicht.« Ich kaufe ein paar Schlüsselanhänger. war ein Stück Land und etwas Wasser. Anm. Seitdem Tausende gewesen – der Hauptgrund. »Auch Obama muss sich in der Kirche zeigen«. als sich uns auf dem Tahrir-Platz arme Frauen anschlossen. ein anderes leiter in Mohamed ElBaradeis Wahlkampfteam für einen großartigen Blick über den Nil. auf Arabisch. was sei mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinig. Er verlegte sich auf ein Studium der Politischen Philosophie an der AinShams-Universität in Kairo. jenem umstrittenen Verfassungszusatz. Viele Menschen trauern noch. Institutionen. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch I m April brach ich auf. den wirtschaftlichen Status der Familie zu festigen.« Revon sich selbst verändert«. dass er die Ägypter davon ablenkt. »und es war während dieser Revolution schämten wir uns alles Ägyptischen. als verGründe zurück. um den Tahrir-Platz zu verteidigen. sagt Amr mit Blick auf die SelbstverbrenFurcht befreien«. aus Furcht. meint ein Kairoer. »Ägypten war ein mutloses den dortigen Aufstand auslöste. Ich frage sie. Sie übersetzte einen Comic über den Montgomery-Busboykott ins Arabische. Diese Verbeslassen sich die ägyptische Fahne serungen sind im Wesentlichen der aufs Gesicht malen. Er hat Artikel gegen den Antisemitismus publiziert. wenn sich der Bildungsstand in Ägypten nicht verbessert. Wir beide wissen. ergänzt Dalia. der sich taktvoll jeden Anflugs von Selbstgefälligkeit enthält. rechnete ich mit einer postrevolutionären Malaise. sagt Amr Bargisi. Decken ihn frage. er weiß sogar mehr über uns. warum sich schnaufpause wurden die Freitagsdemonstrationen die Armee seinem Versuch widersetzte. der die Demonstranten bindungen bis zu demokratischen antrieb. Ohne dieses Bild verlöre sie ihren Daseinszweck. gibt er zes entfernt liegt Zemalek. und wenn der Revolution hat er wenig Arbeit. Julian Roeder/Ostkreuz [M. doch wären es ohne die Muslimbruderschaft Rebellion innerhalb der Armee befürchteten. »Tunesien ist ganz ginnt mit der Bitte: »Möge Gott unsere Herzen von anders«. Diese Leute werden nicht einfach wieder einschlafen. doch sind sich alle einig.« Dalia sagt auch. Das Leben der Frauen hier ist hart. »Sie wissen gar nichts über die Juden. der der Armee Fesseln anlegen möchte: Sie ist.« Sie war inspiriert und begann. »Yes nehmen und die Geduld nachlässt.« Es hat die Anhänger der säkularen Opposition sie nicht in Demokratie unterstützt und den Befehl erteilt. die Methoden des gewaltlosen Kampfes zu erlernen und weiterzuvermitteln. Doch begegne ich niemandem. verfasste aber auch herrliche Lobgesänge auf den Deismus. auf der sie von Martin Luther King hörte. Ekramy möchte mich sogar zum Essen einladen. Voltaire zog gegen den Machtmissbrauch des Klerus zu Felde. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 57 Gegenwärtig besuchen viele Ägypter. die ihre Enkelin die Stufen der Pyramide hinabführt. dem äußeren Anschein zum tion hätten die Ägypter. Zugleich ist es eine Pervertierung der Vernunft: Eine einfache Erklärung für alles Böse in der Welt muss her. das Tahrir-Platz zu eröffnen.Gamal zu verdanken. Ein Restaurant bietet anbis in Kleopatras Tage zurück. Gebiets. Die Schattenseite. die Erwartungen zuins Licht.« Die Korruption in Ägypten. sagt Bassem. »Sie wollen die Regierung nicht übernehmen«. ich sehe sogar eine stattliche Frau mit einem Gesichtsschleier. ob ägyptische Männer Angst vor Frauen haben.um eine Kopie der Île Saint-Louis zu erschaffen. Dalias Leben erfuhr 2006 eine Wende. um das Freude ist nicht das einzige unübersehbare Gefühl Heft nur noch fester in der Hand zu halten? Nicht auf dem Tahrir-Platz. wie der Westen Ägypten helfen kann. Unsere Anknüpfungspunkte ans alte Ägypten sind also äußerst dürftig. Als Philosophin. »Kant hat mein Leben verändert«. sei ein seit Langem bestehendes Problem. der Aufstieg der Muslimbruderschaft aber beunruhigt sie. berichtet der Soziologe Todd Gitlin. aber die Pyramiden sind etwas anderes. wer Elbridge Gerry war. die Häuser der Reichen. Aber sie arbeiten daran: Dalia hat Programme ins Leben gerufen. steht auf der einen Seite. dieser Gedanke ist neu für sie. ich wäre Alexander Hamilton«. doch bereut er ihr Eigentum konfisziert würde. »Bis zu ist erschwinglich«. eine Insel mitten im Nil. musste am eigenen Leib eine Genitalverstümmelung erleben – doch diese Praxis auszumerzen ist nur eines ihrer Ziele. Zurzeit besichtigen mehr Ägypter als ausländische Touristen die Pyramiden. sagen die schaft zu übernehmen. sondern aus Patriotismus unterstützt man Mütter tragen Plakate mit Bildern ihrer Söhne. Ich liebe es. So viel zur islamistischen Ablehnung der Götzenverehrung. nur nicht zu seinen zaghaften agnostizistischen Tendenzen? Auch die westliche Aufklärung war nie so religionsfeindlich wie allgemein angenommen. zu. der Kolonialismus reicht dortigen Cafés zu treffen. »Niemand weiß das«. Ägypdass der Lebensstandard seit 2005 viele Ägypter ihres ter zu sein. die Amr viel mehr beunruhigt. »Dass es ernst war mit der Revolution.« – »Die Revolution ist großartig.meine Kontaktpersonen. aus den wohlhabendsten Familien? »Zemalek sismus der Kolonialmächte verinnerlicht.« Dennoch ergab eine Befragung. als wir über sie wissen. »Die Revolution hat das Bild der Menschen jemanden. ein junger Filmproduzent. »Als ich nach Kairo kam. bis Ägypten die Art von gebildeter Öffentlichkeit hervorgebracht hat. »Am schlimmsten war weigerte. »482 Frauen. der die Verfassung nicht unterzeichnete. Heute sorgt sich Dalia vor allem darum. in Ägypten ein mutiger Schritt. »Es fehlt ihnen an nichts.zu den von Rissen gezeichneten. die Mittagshitze zu greifen. aber und anderen antiken Sehenswürdigkeiten führt. – »Ich bin in Ägypten. um die Revolution zu sehen. »Wir Citizens United über die Wahlkampfwerbung von wissen nie. von der sich für die Neuerfindung von Traditionen zehren ließe? »Die ägyptische Zivilisation ist eine französische Erfindung«. Als man die Statuen fand. die sich um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen bemühen.« Was aber bedeutet Aufklärung in einem Land von immer noch solcher Religiosität. »wenn man den Sonnenaufgang sehen kann. aber die meisten sagen auch.« Als ich die Einzigen.FEUILLETON 12. »Nehmen wir einmal an.« Im versmogten Kairo ist kein einziger Stern zu sehen. der es von der Polizei zurückerhält. verfallenden Häusern fallen. aber kaum ausländische Touristen die Pyramiden »Kant hat mein Leben verändert« Was ist Aufklärung? Die Philosophin SUSAN NEIMAN reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen. dass es noch Jahrzehnte dauern wird. d. sich mit ihren eigenen Problemen zu befassen. »Das Referendum (zur Änderung der Verfassung. Wasser. der Touristen zu den Pyramiden Hochschulabsolventen vielleicht als Kellner. dass zwar 38 Prozent der Ägypter für eine Regierungsbeteiligung der Bruderschaft sind. von heute aus gefragt: Sind die jüngsten Nachrichten aus Kairo über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen der charakteristische Ausdruck für ein Land im Umbruch? Ich glaube eher nicht. meinen Benjamin Franklin und sogar meinen Elbridge Gerry. Jeder hier hält einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina für eine tragende Säule des Fortschritts im Nahen Osten.Bürger gut zu behandeln. 818 Männern«. es gibt zu viele Wachmänner rund um doch waren wir zugleich überzeugt. besonders seitdem sie den Befehl vergenau hier ermordet wurden. erzählt Dalia. dessen jüngste Entscheidung im Fall »Widersprüchliche Identitäten«. den ich traf.schiedene Leute vorschlugen. ob wir Paris am Nil sind. der die Scharia zur Grundlage des ägyptischen Rechts erhebt. wollte ich wissen: Wie sieht sie aus in Kairos staubigen Straßen? Oder. rechnen in Jahrzehnten. die sie am Tag des Referendums durchführte.

an dem sich Waltz und Hosokawa versucht haben: Matsukaze und Murasame sind Arbeiterinnen in einer Salzmühle. Erst die Musik. Manchmal zappeln aber auch wir. Das gilt Bezug nehmen sollen. die wir eben noch für groß und real hielten. Doch nichts geschieht. sagte Hosokawa. gelegentlich schwanken die Begrenzungsseile. Und Alis bekannteste Kämpfe finden jetzt ohne ihn statt und ohne seine Gegner. So wie Pfeiffers Fußballheroen jede Ursache abhandenkam. aber ganz freisprechen von diesem Vorwurf kann man auch seine Matsukaze-Oper nicht. So kennt man die Kompositionen von Toshio Hosokawa. Noch das heißeste Spektakel wird bei ihm kalt serviert. Und schon jetzt richtet ihm die Sammlung Goetz in München eine umsichtig komponierte Retrospektive aus. etwa wenn er auf winzigen Bildschirmen viele bekannte Hollywood-Größen zu Hollywood-Zwergen schrumpfen lässt. V Pfeiffer wäre eine solche Deutung schon wieder viel zu pathetisch. immer nur Ikonen und Legenden zu sein. bis nur noch waschbrettstramme Abstraktionen übrig blieben. so fehlt auch hier das Eigentliche. sehen auf dieser das Pult. Wie sich die unendliche Sehnsucht der beiden in Hosokawas Musik vielfädig ausspinnt. »Wir haben vater ein Ikebana-Lehrer war und dessen Mutter das vergessen«. auf der Documenta in Kassel ausstellen. Wir sind auf einer zauberischen Insel: Wie sich das Land sanft aus dem Meer erhebt. Und so erkennen manche in seinen Fußballern auch Inbilder der Geworfenheit. das dort drinnen eine Kamera jene Kleinstwelt filmt. dass aus dem Kunstschauen ein Kunstschaudern wird. Zurück bleibt der krude Schmerz. das die Librettistin Hannah im Einklang leben. für Pop. Bilder von den muskelbepackten Fußballmännern zum Beispiel. die in ihrer Musik Befindlichkeiten wild gezackt und kompliziert geschichtet ausleben. zu vordergründig der Versuchsaufbau. Ein großer Zauber liegt über der eineinhalbstündigen Brüsseler Uraufführung. Pfeiffer interessiert sich einzig für den Leib und seine brachialen Verformungen. wie Paul Pfeiffer. Es ist ein poetischer Abend der zarten musikalischen Gesten und der kalligrafisch in den Raum gemalten Tänzerbewegungen. bis sie halb zerdrückt auf dem Gras liegen bleiben. auch im richtigen Leben. Wir treten näher heran an das Pult – und in diesem Moment ist sie dann doch da. Er Japan vor allem den aus Autos und Industrieprohat in Freiburg beim Schweizer Kompositionspro. Er sieht in seiner musikalischen Arbeit Parallelen zur japanischen Kunst der Kalligrafie. nichts ist zu erblicken. Drei Monate dauert Pfeiffers Film über den Bau eines Wespennests und noch viel länger sein Sonnenaufgang. Hosokawa erklärte. Die Klangfarben des Orchesters geben uns ein Bild davon. sie strahlt immer weiter. Mitten in den Berliner Proben zu Die Figuren schweben zwischen Diesseits und Jenseits dieser Oper bebte in Japan die Erde. die Botschaft. Yellow. Schon als Kind hatte Pfeiffer ein großes Faible für Puppenstuben. um stark zu sein: Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. wenngleich eine anstrengende. der seine Schöpfung auslöscht. geschlagen. von dem man denkt. zitternde und aufbrausende Natur. und irgendwann scheint sich die Sonne tatsächlich dem Horizont zu nähern.und Fotokünstlern. ganz wie einst Andy Warhol. so hat sie den leeren Raum mit einem Gewirr aus schwarzen Seilen durchzogen. die sich winden und krümmen. getanzt von Sasha Waltz in Brüssel VON CLAUS SPAHN ie Hauptrolle in dieser Oper spielen die Klänge der Natur. will keine Medienfigur sein. was am Ende als Tuschestrich auf dem Papier sichtbar werde. dessen neue Oper Matsukaze vergangene Woche in Brüssel uraufgeführt wurde. Doch zeigt Pfeiffer glücklicherweise auch ein Talent für das Böse und Absurde. ferenz vor der Premiere. die Bannerwerbung. Bis zum 1. Solches Streben nach Reduktion und Verdichtung zum Essenziellen ist auch in der Musik von Hosokawa und der Choreografie von Waltz stets zu spüren. um den Stoff auch szenisch-choreografisch ganz aus der Gegenwartsperspektive zu entwickeln.und Waltz hätten lange darüber diskutiert. so als hätte eine höhere Macht sie am Wickel und würde sie durch die Luft schleudern und niederwerfen. was erklingt. ob sie wendung zur westlichen Avantgarde einen neuen in ihrer Produktion auf die aktuellen Ereignisse Zugang zur Kunst seiner Heimat verschafft. wie Paul Pfeiffer. Mit gigantischem Aufwand schneidert er ihnen am Computer eine Art digitalen Tarnumhang. Das Publikum glotzt dennoch gebannt auf den leeren Boxring. für Hollywood-Filme. er entrückt das Vertraute in geradezu mythische Sphären. . an dem der amerikanische Präsident seine Reden zur Lage der Nation hält. dessen Groß. damit auf seinen Videos und Fotografien am Ende möglichst wenig zu sehen ist. gelegentlich rauscht eine Möwe vorbei. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Zittern der Natur Zu schön. nur um sie später im Hinterhof mit Kerosin zu übergießen und anzuzünden. nicht nur in seiner Kunst. »was Natur ist.« Er Zitherinstrument Koto spielte. wie zu hören ist. Ihre Liebessehnsucht hindert sie daran. Er will. Wir stehen vor einer großen Videoleinwand. Die Illusion zerbirst. gefangen in einer der Pfeifferschen Endlosschleifen – für immer muss er dort bäuchlings auf einem Sofa zappeln. Pfeiffer begeistert sich für Sport. die in ihren bunten Leibchen über den Rasen stürmen. Schluss mit dem kalorienreichen Pathos des 19. Die beiden Schwestern geben in der Handlung ein Bild für den künstlerischen Prozess. da ist nun keine Monroe mehr. den die fessor Klaus Huber studiert und in Stuttgart bei Tsunamiwelle mit sich führte und als TrümmerHelmut Lachenmann. Doch sie geht nicht unter. in vention unhinterfragt lässt. Dennoch oder gerade deshalb: Die Bilder haften. Im Gegenteil. Denn so paradox es klingt: Er ist ein Bildermensch. Wunderschön ist Pfeiffers Kunst und wunderschrecklich. Er interessiert sich vielmehr für die Eigendynamik der Klänge und weit gespannte melodische Verlaufsformen. bis man sich sehnsüchtig wünscht. Er zählt zwar schon seit etlichen Jahren zu den wichtigsten Video. Hosokawa. Doch so groß seine Begeisterung für Massenphänome auch sein mag. enträumlicht sie. nicht das übliche Gehakel und Geschubse. sondern nur blauer Himmel und gischtendes Meer. Aus fernöstlichem Blickwinkel hingegen ist die Neuvertonung eines Nō-Spiels eine gewagte Tat. Hosokawa erzählte in einer PressekonDas hört sich fernöstlich entrückter an. Selbst der Megastar Tom Cruise wird zum Miniwicht. ebenso allerdings die Begeisterung des Betrachters. so lange. die über ihren Tod hinaus der Liebe zu einem Mann nachhängen und deshalb als unerlöste Geister durch die Welt spuken. sie gewinnen Kristallines. Immer wieder baute er sich solche Miniaturwelten. Oktober. den sich die Bühnenbildnerin Chiharu Shiota für die Zwischenwelt der Schwestern ausgedacht hat. nie will er sich davon beherrschen lassen. sich stürzend zu verbiegen und irrwitzig zu verrenken. in der sie verdammt sind. Jahrgang 1966. der Feuerball glimmt sehnsuchtsfarben. auf den berühmten Bildern am Strand. Noch heute wohnt diese Erfahrung in seiner Kunst. Viel Mühe und Zeit investiert er. Auch der New Yorker Medienkünstler Paul Pfeiffer. Er will nicht festgelegt werden auf eine Rolle. dass nichts zu sehen ist – was bleibt uns also übrig.anderem als der Utopie. der Gesang und der Tanz bringen ihnen am Ende die Erlösung. Er will Herrscher sein – und die Betrachter dazu machen. Bei ihm ist das Foul kein Regelverstoß. Hinzu kommt. vor Ungeduld. erblickt die Politkulisse im Puppenstubenformat und begreift. er sei ein Sonnenuntergang. Wir hören das Schwirren des Windes in den Bäumen und das Kräuseln der Meereswellen am Ufer. das ist unübersehbar. Auch dort sei der Malakt von der geistigen Konzentration bis zu den ausholenden und nachschwingenden Armbewegungen viel umfassender als das. nur um im nächsten Moment böse zu straucheln. Bei ihm ist das vergängliche Spiel ewiges Drama: Pfeiffer entzeitlicht seine Szenen. Alles andere hat er aus den Aufnahmen getilgt: die Nummern der Spieler. Wo zuvor die Monroe stand. Menschen. scheint in seinen Werken genauso bedeutsam zu sein wie das. Denn wer durch das Loch sieht. Klein Paul liebte die Rolle des Schöpfers. sich vom irdischen Dasein zu lösen und im buddhistischen Sinne eins mit der Natur zu werden. um stark zu sein. Dem westlichen Betrachter mag das Projekt wie ein Bekenntnis zur japanischen Theatertradition vorkommen. nur ein winziges Spähloch in der Leinwand.feld gleichsam vorwurfsvoll am Ufer zurückließ. In ihr bewegen sich Barbara Hannigan als Matsukaze und Charlotte Hellekant als Murasame stimmlich wie darstellerisch grandios frei schwebend wie Insektenopfer in einem Schicksalsspinnennetz. sogar den Ball und die rempelnden Mitspieler. erledigt.) Dübgen mit viel Feingespür für die Stille zwischen den Versen ins Deutsche übertragen hat. 2008 ielleicht sollte man die Geschichte der modernen Kunst als große Schlankheitskur verstehen. Er geht sparsam mit den Tönen um. wie die gemächlich untergehende Sonne die Schatten in der Landschaft länger und dunkler werden lässt und wie in der Nacht dann Sturmböen heraufziehen. immer wieder und wieder. in großen Bögen sich aufwölbend.dukten bestehenden Zivilisationsschrott. Keiner foult schöner Bei ihm zappelt nicht nur Tom Cruise in den Endlosschleifen: Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG D Ein grandioses Schicksalsspinnennetz spannt sich über die Bühne Die Geschichte erzählt das Schicksal der Schwestern Matsukaze und Murasame. er ist auch ein Trainer der Vorstellungskräfte. wachsende. denn diese Theaterform wird streng traditionalistisch und in ihrer Choreografie bis ins kleinste Fingerspreizen unverändert über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben. und unter diesem lässt er sie verschwinden. Sie haben es nicht getan – auch für seine Oper Matsukaze. Alles ist postkartenschön arrangiert. Keine üppigen Erzählungen mehr. er reißt sie aus jener Hölle. der Katalog kostet 35 Euro Fotos: Thomas Dashuber/Courtesy Sammlung Goetz. scheint sich für diese Kunst der Entsagung zu begeistern. Weg mit dem Farb. Und in gewissem Sinne ist das auch für die Betrachter eine Erlösung. sie leuchtet. Denn zu sehen ist ja nur. als die Leerstellen mit eigenen Bildern zu füllen? Pfeiffer ist eben nicht nur ästhetischer Diätmeister. Pfeiffer erlöst Marilyn Monroe ebenso wie Michael Jackson oder Muhammad Ali. dass Hosokawa sich mit Sasha Waltz und ihrem Berliner Tanzensemble zusammengetan hat. sondern auch die Betrachter herausfinden aus den vorgestanzten Mustern des Sehens und der Bewunderung. irgendjemand möge doch das Licht ausmachen. Blue)«. was nicht erklingt. seine Botschaft.58 12. Er hält sich zurück. Der Japaner gehört nicht zu den Komponisten. auch das unübersehbar. in Endlosschleife. so steigen die Klänge aus der Stille auf.und Formenspeck! Runter mit den Bedeutungspfunden! Nicht wenige Künstler der letzten hundert Jahre waren geniale Diätmeister: Sie entschlackten die Motive. Das zumindest scheint als Hoffnung in vielen Werken mitzuschwingen: dass nicht nur die Motive. Doch geht die Hingabe an das Filigrane und fein Ziselierte auch mit einer gewissen Theaterblässe einher. Die Musik ist fließende. Rhythmus und polyfone Strukturen spielen in seinen Stücken kaum eine Rolle. hat sich in der Hin. Zu offenkundig ist die medienkritische Belehrung. erwarten seinen Auftritt. Es geht auch nicht um Bundesligapunkte oder Finaleinzug. Keiner foult so schön. als es ist. Diese Wand steht für die Grenze zwischen der wirklichen Welt und dem Jenseits. Sie ist ein bisschen zu schön. Gefallene Helden – die Videoinstallation »Caryatid (Red. Keiner foult so hässlich. Das gilt freilich nicht für den Coup. das traditionelle Nō-Theater mache ihn schnell müde. Jahrhunderts. Die Oper handelt auch so von nichts sechshundert Jahre alten Nō-Spiel des in Japan ver. Wohl auch deshalb scheint er seine Kunst mitunter als Befreiungskommando zu begreifen. der Bildern misstraut. kommendes Jahr wird er. Bernd Uhlig (l. Sie basiert auf einem zu Recht. seine Kunst erzählt von Ermächtigung.sein Gedächtnis eingebrannt habe. der keine Komponierkon. Doch die eigene Bedeutung scheint ihm unheimlich. dass er bei den Bildern aus Hosokawa ist kein altjapanischer Traditionalist. dass Mensch und Natur ehrten Dichters Zeami.

Es gab Widerstände gegen das Museum. seine Zeichnung statt auf den Sandboden auf die Platte zu streuen. der beste Jagdflieger des großen Krieges gelang ihm sogar ein Bestseller. Die Art HK hat sich – zumindest aus westlicher Sicht – als die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst im asiatischen Raum etabliert. Wer zahlt so viel Geld für diese Möbel? Es sind zumeist chinesische Sammler. weltweit die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst. aber nicht unbedingt der europäischen Sammler zusagten. wo er auch als Kunstlehrer gearbeitet hatte. Spektakulär war im vergangenen Herbst der Fall jener Qianlong-Vase. Reiseromane.33 Millionen Euro gekostet hat? Die Frage möchte man dem Milliardär aus Hongkong stellen. um an seine Werke zu gelangen. wie er sich da vor der Königin zu Saba zu einem Handkuss verneigt. Erhaben schließlich die Einsicht. ein Wandbild vom Präsidenten des Senegal. Überfremdung sei in Reinbek nicht erwünscht. Hörspiele. Mit Fälschungen. er steigerte seinen mittleren Schätzpreis also um das Vierzigfache. AUSSER MONTAGS VON SVEN BEHRISCH 101 Ein Häuptlingsstuhl aus Melanesien N° m Alter von 18 Jahren. Museum Rade . dem sie wie einem Fetisch zu huldigen scheinen. der Tierfilmer. glücklich schockiert nach der Auktion. der zuständige Asienexperte bei Nagel. Dagegen forderte der Sammler bei der Eröffnung. Die neuen Eigentümer verlegen die Hongkonger Messe ab nächstem Jahr von Ende Mai in den Februar. Man hat diese Kunst als »naive Kunst« bezeichnet. anders als die Konkurrenten bevorzugte er für die Nagel-Auktionen schon früh solche Lose. doch hat der Markt auch seine Tücken: Es kursieren viele Fälschungen. der von der Erhabenheit der Alpen schwärmte. Gut drei Prozent mehr als in den USA.und Fernsehpublikum der sechziger und siebziger Jahre die Wunder der Welt ins Wohnzimmer. Doch sie zeigen das bekannte Europa.33 Millionen Euro versteigert chreibt es sich besser an einem Tisch. den sie vermitteln. Kinderbücher. Nach dem Krieg gründete er eine Gesellschaft deutscher Übersetzer und die Freie Akademie der Künste in Hamburg. rote Dächer und neben einem weiß blühenden Baum die Kirche im Dorf. Wie Luis Trenker. der die Weltenbummelei inzwischen zu seinem Beruf gemacht hatte. in der er als Homosexueller das Schlimmste zu befürchten hatte. Und so konnte er sich auch für die jetzige Auktion wieder einige mit moderaten Schätzpreisen versehene Meisterstücke sichern. das sich so gar nicht in die backsteinern norddeutsche Leitkultur integrieren mag. 15 in schwarze und weiße Felle vermummte Gestalten versammeln sich um einen roten Fußball. denn das Geschäft in China könnte bald zum wichtigsten der Welt werden. schließlich an viele entlegene Orte der Erde. Die Navaho-Indianer streuen mit buntem Sand Zeichnungen ihrer Götter auf den Boden. Mit Manfred von Richthofen. der sich laut Bildbeschreibung als Jäger und Fischer ernährte. Der Millionen-Euro-Tisch etwa stammt aus dem kaiserlichen Palast. machen sie sie – glaubensbedingt – am Abend wieder kaputt. in dem man auf engstem Raum von der Stammeskunst Melanesiens über Wahlplakate aus Ghana bis zu den Zeichnungen der Inuit im Norden Kanadas eine Sammlung derart bunter Kunstwerke sowohl von Amateuren als auch von Nationalmalern besichtigen kann. von dem sie erzählt. und man könne sich dort ein wenig wie in der Schweiz fühlen – wegen der liberalen Steuergesetze und Freihäfen der Stadt. Der Mann hat sich einen Pullover um die Hüfte geknotet. ein Huanghuali-Bücherkasten für 240 000 Euro (jeweils ohne das Aufgeld des Auktionshauses von 33 Prozent). Fest steht jedoch: Es gibt kein zweites Museum in Deutschland. die dem Geschmack S Der China-Boom Mit Asiatika erzielt das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde. Ähnliches gilt für Ein Markt am Stadtrand von Rio einer brasilianischen Malerin. Überwältigend der Eindruck von der Vielfalt der Welt. Da ist die hügelige Landschaftsidylle eines tibetischen Künstlers. Und die Fliegerei begleitete ihn bis an sein Lebensende. der am vergangenen Freitag im Stuttgarter Auktionshaus Nagel einen Tisch aus dem kaiserlichen China ersteigerte. dass Italiaander einigen Einfluss nahm. dieses Jahr stellen hier vom 25. übernehmen 60 Prozent der Anteile der Hongkonger Kunstmesse Art HK. Selbst die Kultbilder und die religiösen Motive aus fernen Ländern wirken vertraut. und die Art Basel geht nach Hongkong. ein Pudel hechelt verbindlich. Ist die Zeichnung fertig. Das entgrenzte Lächeln aller Beteiligten entbehrt nicht einer gewissen Komik. bis 29. begründet der Messedirektor Marc Spiegler den Zukauf. animierte er seine Schüler dazu. Dramen. könnte einer höfischen Szene des 18. und die Zahlungsmoral der Höchstbietenden aus China ist zuweilen sehr gering. weil er Farbe in ihr Leben bringt. »die Schleswig-Holsteiner müssen sich neu besinnen«. Contemporary Fine Arts und Eigen + Art. Mit Aufgeld hat Nagel in seiner zweitägigen Auktion asiatischer Kunst insgesamt 20 Millionen Euro umgesetzt – in etwa also so viel. Fotos: Nagel Auktionen. aus Baumwurzeln Skulpturen zu schnitzen. der in Peking das Deutsche Hospital leitete und Leibarzt des letzten Kaisers Puyi war. darunter auch bekannte europäische Namen wie Louis Vivin oder Hector Trotin. wie das Haus noch 2002 mit all seinen Auktionen in einem ganzen Jahr umsetzte. Kulturschock für einen Euro fünfzig Der ZEIT-Museumsführer: Das Museum Rade am Schloss Reinbek TÄGLICH GEÖFFNET. der 1. und oft brachte er Kunstwerke mit nach Hause. Die Haltung des jüdischen Königs Salomo auf einem aus Äthiopien mitgebrachten Ölgemälde auf Ziegenfell. Als Autor von Fliegerromanen rettete er sich über die NS-Zeit. weil sie nicht die Geschichte der Kunst. in der eine Familie zwischen Bäumen an einem Fluss spazieren geht. versuchte sich als Dramatiker und entdeckte als Verleger den noch unbekannten Wolfgang Borchert. es gebe keine Zensur. die in den vergangenen Jahren extrem reich geworden sind und sich nun das entsprechende Kulturgut leisten wollen: Die neuen Kaiser von China bevorzugen Kaiserliches. sagt Trautmann. Vom persischen Schah die Ansicht eines Wüstendorfs unter gleißender Sonne. das Flugzeug brachte ihn. 4500 Stück des vierbändigen Auktionskatalogs hatte man in den Wochen zuvor an Interessenten in China verschicken müssen. dann aber von diesem nicht bezahlt worden war. Michael Trautmann hat dem Auktionshaus in Deutschland über die Jahre den besten Ruf bei den Asiaten erworben. muss vor der Auktion eine Depotzahlung an das Auktionshaus überweisen. Hongkong. Über seine Reisen nach Ozeanien. die Szene könnte en plein air statt im Himalaya auch bei Bruhnskoppel in der Holsteinischen Schweiz gemalt worden sein. Mit so hohen Zuschlägen hätte auch er nicht gerechnet. Das Bietgefecht. höchst ungewöhnliches Ensemble. 2001 war die Bücherkiste bei Sotheby’s in London noch für 7000 Pfund (inklusive Aufgeld) versteigert worden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 59 Dieser chinesische Tisch aus ZitanHolz wurde bei Nagel in Stuttgart für 1. Das Rechercheunternehmen Artprice gab kürzlich bekannt. Auch andere Lose erzielten spektakuläre Preise. Jahrhunderts entstammen. sagt Michael Trautmann. Mai große Galerien wie Gagosian. ein Paar Huanghuali-Armlehnstühle aus dem 17. aus Deutschland kommen unter anderem Sprüth Magers. Mit 19 Jahren radelte er quer durch Afrika. wie das Leben sich überall gleicht. sei eine panasiatische Stadt. »Abstrus!«. dass nach seinen Berechnungen schon im vergangenen Jahr 33 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Kunstversteigerungen in China gemacht wurden. Trügen die Frauen nicht zackige Dreispitze als Kopfbekleidung. und wer über 500 000 Euro ausgeben will. Und bescherte dem Auktionshaus Nagel seinen ersten Millionen-Euro-Hammerpreis sowie den deutschen Rekordumsatz mit einer Spezialauktion. Zusammengetragen hat Italiaander seine Sammlung mit bescheidenen Mitteln. und wie Bernhard Grzimek. die für 43 Millionen Pfund im kleinen englischen Auktionshaus Bainbridge’s einem chinesischen Sammler zugeschlagen. Jetzt war der Tisch mit einer Taxe von 20 000 bis 30 000 Euro versehen. Jahrhundert wurde für 600 000 Euro versteigert. In Afrika. in den zwanziger Jahren gelangte er in den Besitz des deutschen Mediziners Edmund Dipper. dem einst wichtigsten Kunstmarkt der Welt.KUNSTMARKT 12. aus dem der Mann aus Hongkong am Ende siegreich hervorging. Titel: Die schöne iranische Sonne. der ballspielende Männer ebenso wie Urwaldtiere malte und sein Geld als Zöllner verdiente. habe man in den vergangenen Jahren kaum noch Probleme gehabt. Sein Museum hat etwas von diesem Staunen ins Heute herübergerettet. Dass die vermögenden Chinesen nicht nur an altem Kunsthandwerk interessiert sind. obwohl er weiß. Asien. Ihr prominentester Vertreter ist Henri Rousseau. wir wissen es nicht. einen ägyptischen Teppich von Helmut Schmidt. das war 1931. Viele der Arbeiten bekam er geschenkt. brachte Italiaander dem staunenden Lese. Mit der Gründlichkeit des Ethnologen und dem Gespür des Sammlers durchstreifte Italiaander die Kontinente. Und so lassen sich mit altem chinesischem Kunsthandwerk derzeit die unglaublichsten Gewinne machen. als wäre ein starker Wüstenwind durch Giacomettis Gestalten gerauscht. so der Vorwurf. Seit 1987 beherbergt das Museum Rade am Schloss Reinbek die Sammlung Italiaanders – ein grandioses. Sie kommen nicht heran an eine Lithografie des kanadischen Inuit Iye. die auf mögliche Kopien hinweisen. Es ist ein kluger Schachzug. Italiaander hat ausschließlich Naive gesammelt. dafür spricht eine andere Meldung des vergangenen Wochenendes: Die Eigentümer der Art Basel. sodass sie der traditionell im Juni stattfindenden Ur-Art-Basel keine Konkurrenz auf einem anderen Kontinent mehr machen wird. sondern »nur« das Leben reflektiert. vor allem aber und immer wieder nach Afrika schrieb er viele Bücher. Er war Konsul mehrerer afrikanischer Staaten und ließ überhaupt recht wenig aus in seinem Leben. Einmal Kulturschock in Reinbek kostet einen Euro fünfzig. Sie gehören zu den schönsten Stücken der afrikanischen Abteilung. er wurde aus dem extrem langsam nachwachsenden Zitan-Holz geschnitzt. Amerika. machte das Objekt aus der Qianlong-Periode zum wahrscheinlich teuersten Tisch der Welt. dass der Markt für alte chinesische Kunst derzeit unglaublich boomt. Verblüffend ist die Zahl der Materialien und I Stile. Insolvente Bieter versucht man in Stuttgart – wie in anderen Auktionshäusern auch – mit bestimmten Regeln fernzuhalten: So dürfen Sammler nicht über gewisse Limits hinaus mitbieten. Die Figuren mit den überlängten Beinen wirken. In Indianerreservaten in Neumexiko stieß er auf die Technik der Sandmalerei. Bunte Marktstände. Ob sie es taten. Die Zukunft des Marktes liegt im fernen Osten VON TOBIAS TIMM der asiatischen. Hauser & Wirth und David Zwirner aus. Gut 300 Chinesen saßen während der Auktion im Stuttgarter Auktionshaus. Italiaander präparierte eine Platte mit Leim und brachte einen Navaho dazu. zu geschult sei inzwischen der eigene Blick und zu eng das Netzwerk der Experten. Es ist nicht das einzige Mal. schrieb Rolf Italiaander sein erstes Buch: So lernte ich Segelfliegen.

eine nie dagewesene Mischung aus »Popkultur« und «Lebensgefühl«. sollte mit wirklich allem rechnen. so hatte die vierte Folge der Räuberpistole Fluch der Karibik eben in Los Angeles Premiere. die. Das humane und liberale Gegenstück zu Fischers Selbstporträt präsentierte in diesen Wochen bezeichnenderweise der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU). Solche Untaten bagatellisiert der einstige Straßenkämpfer. Ein »Medium von morgen« war dem jungen Zuschauer schon vor dem Start des neuen digitalen Fernsehkanals zdf. Sie. gewinnt Reichtum. so erläutert Herr Fischer sein Leben. Und das war immerhin etwas. fragte im ersten Vorstellungsfilmchen eine strenge Stimme aus dem Off. den intensiven Augenkontakt zwischen zwei möglichen Geschlechtspartnern. ließ langhaarige HimmelskörperExperten die »animalische« Wirkung der Gestirne erläutern. dem verwegenen Freibeuter. die er als Initiator der Widerstandsorganisation »Bund Freiheit der Wissenschaft« ausstand. Fischer zählte damals zu den fünf Delegierten des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. weil dort versucht worden sei. um von Gewalt zu reden. die sich mit Angriffen auf einzelne Frankfurter Polizisten hervortat. aber der Mythos erzählt uns etwas ganz anderes. 12. die elitären Weltverbesserungsfantasien innerhalb der westdeutschen Linken zu überwinden. Wie anders der schreckliche Osama bin Laden! Hätte man nicht denken sollen. Herausgekommen ist dabei – so zeigt es wenigstens das erste Sendewochenende – ein schneller Rhythmus von Bildabfolgen. Der Protagonist schnipselt sein Leben für das Goldrähmchen zurecht. mit intelligenteren Methoden zu verteidigen als nur mit dem Traditionsargument. als Verb wie als Substantiv. umhüllt von einer Wolldecke. Fischer folgt den Meilensteinen seines Lebens. eindimensional und kalt. nicht die Achtundsechziger. den wilden Jahren. dieses Kabelgewirr! Erbärmlich. doch bleibt er merkwürdig unpersönlich. Wahrscheinlich hatte er eine Modelleisenbahn im Keller. zu sehen waren abwechselnd Fragmente des klassischen Kulturkanons aus Oper und Sinfonieorchester und rappende Straßenmusiker. spricht er von der Zukunft: »Vielleicht fange ich das Laufen wieder an. Und auch die Nostalgie wird gleich von der ersten Woche an bedient: Die Ratesendung Dalli. dass er seinen Feind Obama als Puppe auf den Tender setzte und gegen den Prellbock fahren ließ. Natürlich sind das haltlose Spekulationen. Maier lässt seine Töchter zu Wort kommen. während er einige Sekunden lang perfekt in das berühmte Foto montiert erschien.Kultur am vergangenen Wochenende versprochen worden. diese Steckdosenleiste. die das Mutterhaus in den neuen Kanal exportiert: Die heute nachrichten. Dank solcher Wandlungen stellte Richard Löwenthal ebenfalls 1979 erleichtert fest.oder Popkultur. einer Reportage über die erste Heavy Metal Band in Bagdad..de/audio . herangezoomt. Verfassungsstaat und Demokratie mit mehr Phantasie. ist er vernichtet. erbärmlich.« Zu diesen Veränderungen hat Joschka Fischer beigetragen – im Bösen und im Guten. so lautete am Sonntag die schlichte Ansage eines der tausend neuen FacebookFreunde auf der Profilseite von zdf.kultur. Wohl deshalb schweigt er über sein postpolitisches Dasein als wenig beachteter Lobbyist. Was ist mit den Weibern im Orient los? Es kann natürlich sein. aber bevor es zu ulkig wurde. Beworben wird der Film mit dem Satz. konnten meine Freunde nicht verstehen. die heute von so vielen gewählt werden kann. wie er indigniert bemerkt. «Internet und Fernsehen«. Fischer könne es kaum fassen. sozusagen im Joschkabunker. die ihm als kulturell bedeutsam diktiert werden. Das philosophische Quartett und aspekte werden regelmäßig auch im Kultursender zu sehen sein. das den Theaterkanal ablöst. gehört zu seinen Glanzleistungen und zu den wenigen Höhepunkten des Films. die von den Frankfurter Spontis zum Terrorismus führten. Die Fotos von der propalästinensischen Konferenz in Algier 1969 fehlen. denen 1945 die Freiheit geschenkt wurde. Doch was letzten Samstag um 6. er befehlige eine Bergfestung. Er neigt mittlerweile zu Floskeln. mit der Fischer 1999 – von einem roten Farbbeutel getroffen und am Trommelfell verletzt – in knapp fünf Minuten den deutschen Kampfeinsatz gegen Serbien auf dem Parteitag der Grünen rechtfertigte. Obama. selektive Einblicke in mehr als 60 Jahre Leben gewähren. der Zeit als hessischer Umweltminister. wie es war: Joschka Fischer. Wenn der Bestarrte den Blick senkt. Zumindest vorerst. Offensichtlich musste dieses Land nach der Gewaltorgie des »Dritten Reiches« durch solche Auseinandersetzungen »ein Stück weit hindurch«. gute Jahre.30 Uhr mit dem neuen Video Make Some Noise der Beastie Boys auf Sendung ging. aber wer Räuberhauptmann werden will. zusammen Schumann-Lieder am Klavier sangen. PETER KÜMMEL www. die ihn ebenso prägte wie er sie«. Lieber Unternehmer! Da darf man ganz legal räubern. Das Ganze dauert 140 Minuten und ermüdet enorm. »die palästinensische Revolution unter Kontrolle zu bringen«. Unter dem Schlachtruf »Weniger Feuilleton!« solle sich der junge Erwachsene nicht mehr voll schlechten Gewissens von Inhalten abwenden. wesentlich zum Aufbau und zum Gelingen der zweiten deutschen Republik beigetragen haben. Unter Hinweis auf die Killerkommandos der RAF und die islamische Revolution hatte er damals geschrieben: »Zuviel wird noch gefragt. Dalli erlebt unter der Woche am Mittag ihre Renaissance. Aber eingeleitet hatte Fischer diese Wende bereits 1995. ›wie wir’s dann zuletzt‹ – nach 1945 – ›so herrlich weit gebracht‹. in der Kneipe: Einer durchsengt einen Schwächeren mit dem Hass-Laser. nachdem wir uns zum Thema Rüstungspolitik oder vorehelichem Geschlechtsverkehr angebrüllt hatten. Immerhin. Das wäre sozusagen ein VoodooZauber nach Märklin-Art.« In aller Ruhe schildert Maier die schwarze Seite der Achtundsechziger-Revolte und die Kämpfe. der auf einem schäbigen Schreibtisch steht. dürfte die skeptische Generation der 20. umgeben von den Bildern seiner selbst Im Joschkabunker Ein wahrer Staatsmann muss auch im eigenen Film herrschen: »Joschka und Herr Fischer« laues Hemd.zeit. 1973 gehörte Fischer zur Frankfurter »Putzgruppe«. Allerdings wird das Wort auch (gern unter jungen U-Bahn-Fahrern) benutzt. In der Art von Hofschranzen berichten sie ausschließlich Lobenswertes. So wie es umgekehrt nicht undenkbar erscheint. der seinen Erinnerungen 1922 den Titel Ereignisse und Gestalten verpasste. Er bezeichnet. in dem die Nachkriegsjugend aufwuchs. Er erzählt aus der Kindheit. Die Bielefelder Rede. Inhaltlich fehlt jede kritische Brechung. Bild veröffentlicht dazu ein Foto der formidablen Penélope Cruz und schreibt in vertraut subtiler Diktion: »Ihr Dekolleté – pralle Beute für Seeräuber. Gelegentlich kommen Duzfreunde zu Wort. später als Außenminister bis 2005. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 61 Das Letzte Arme.kultur will der denkfaulen Jugend eine Freude machen VON NINA PAUER Schlange gestanden hatten die Signalwörter. die Grünen zu der Partei zu formen. und da weiß ich keine Antwort mehr. wir sehen einen alten Mann. dass die Fünfundvierziger. denn es wird berichtet. Eine ganze westdeutsche Protestgeneration hat sie mit ihm begangen. als er gegen die Mehrheit seiner Partei den militärischen Schutz der bosnischen Muslime vor den serbischen Aggressoren verlangte. nicht zuletzt wegen des besseren Gedankenflusses. seine Frauen und Kinder behandelt er als Unpersonen. dass Osama bin Laden diesbezüglich besser versorgt war. In aller Bescheidenheit sagen kann er das nicht. Das Umdenken. er scheint mit genau dieser Mischung aus Kult und Kultur zu bestehen zu sein. was während seiner Lebenszeit alles geschehen sei – einer »Epoche. und das Möbel sieht aus. miteinander in Streit zu geraten. genauer die Seeräuberei betrifft. Vor allem aber trug er 25 Jahre lang in schier unendlichen Auseinandersetzungen dazu bei. Es gibt keinen Grund. FINIS War schon alles gut so.« So wurde er Taxifahrer. dessen Schiff voller Gold und Silber war. Auch darüber schweigt der Film. gut möglich. Man sieht diesen Blick auf dem Schulhof. Seinen Vater. Während Pepe Danquarts Film Joschka und Herr Fischer steht Fischer im Ambiente einer Art Tiefgarage. will auch keine mehr wissen. wir sehen weder Ali Baba noch die vierzig Räuber und ihre sagenhaften Schätze. Eine gewagte Prognose angesichts einer Zielgruppe. in deren Gemächern orientalische Pracht zu finden sei. mit der Fernbedienung in der Hand. Zu Recht erwähnt Fischer das »moralische Zwielicht«. Reden und Texte beim zeitweisen Joggen hatte verfertigen können.bis 40-jährigen Mediennutzer tatsächlich goutieren. nicht uninformierten oder uninteressierten. in der Disco. Er nannte seine Erinnerungen Böse Jahre. und die älteste schreibt über ihre Konflikte mit dem Vater: »Dass wir. Ansehen und vielleicht gar das Bundesverdienstkreuz. Konzertmitschnitten von Bands wie Mando Diao und Björk. ebenso die VerbindunVON GÖTZ ALY B Sehenswert The Four Lions von Christopher Morris An einem Samstag von Alexander Mindadze Das Hausmädchen von Img Sang-soo gen. Wer auch immer seinen Kinderwunsch. Und diese Unordnung. das umso häufiger vorkommt. Und trotzdem musste er den Fernseher mutterseelenallein bedienen. Räuberhauptmann zu werden. einer wurde dabei lebensgefährlich verletzt. dass der furchtbare Osama in dieser Hinsicht eher furchtsam war. oh Drama«. als er davon schwärmt. alte Räuber mag es geben. die darüber aufklärten. sollte es sich gut überlegen. Frauen sind zum Ehrendienst nicht zugelassen. in der es sich ereignet – der bohrende Lustblick als die schnellste intime Erfahrung. Darin flimmern auf Leinwänden wechselnde Fotos und Filmausschnitte. anders als noch vor drei Jahren. Eine ebenso seriöse wie skurrile Dokumentation zur Erotik des Mondes. Ein Räuber mit Fernbedienung! Und was bedient er? Einen 14 Zoll kleinen Röhrenfernseher. sprach Jo Schück in der ersten Ausgabe seines Popmagazins Der Marker ebenso trocken wie sinnfrei. wie Fischer sagt. die keine Zeit hatten. je größer die Stadt ist. Sein 1979 verfasster Aufsatz Durchs wilde Kurdistan trug dazu bei. Einer von ihnen berichtete nach der Rückkehr. nach uralten Regeln. er schwärmt von Robin Hood. wie gut er Gedanken. die darauf folgte. Fischer heute wegen solcher Fehltritte zu diskreditieren. traten die Sendungen dazwischen. also die Halbwüchsigen. Wenn er standhält und zurückstarrt. und zieht doch »keine gänzlich negative Bilanz«: »1968 und die folgende Zeit haben die Establishments aller Richtungen gezwungen. Nur einmal. sie stelle sich nicht mehr. dass die NS-Verbrechen verfolgt wurden und in den sechziger Jahren an den Schulen Filme und Texte gezeigt wurden. die Zwischenstadien und Übergänge lässt er im Nebel. so die Erklärung des Programms. Der Filmheld hat erhebliche Verdienste vorzuweisen. mittendrin die größte Gestalt – der Kaiser als ewiger Rechthaber. Fischers politische Gegner werden nur als Witzfiguren eingeblendet. Er verfährt nach dem Prinzip von Wilhelm II.« Möglich immerhin. die keine Zeit haben. Was übrigens die Räuberei.FEUILLETON Weniger Feuilleton Das Fernsehprogramm zdf. wo dienstbare Geister auf einen Wink des Herrschers mit der Wasserpfeife herbeieilten? Nichts davon zeigt uns das von den Amerikanern veröffentlichte Foto. man habe das »prinzipienlose Spektakel« unter Protest verlassen.« Dazu wäre ihm zu raten. »Osama. »Weitermachen«. Ebendeshalb bleibt Fischer weit unter seinem Niveau. das Horst Seehofer laut Spiegel auch besitzt). die auf derartige Ansprachen wie keine andere notorisch mit allergischem Argwohn reagiert. dass auch Obama eine Modelleisenbahn besitzt und seinen Feind Osama entgleisen ließ. wo er seine Märklin H0 im Maßstab 1 : 87 fahren ließ (just jenes Modell. der Kampf zweier Menschen. etwas. von Eitelkeit und Kontrollwahn getrieben. als käme es direkt vom Baumarkt. setzten durch. beginnt. Alsdann blieb ihm »eine Position in Europa« versagt. endlich in die Tat umsetzen will. aber doch leicht ablenkbaren Jugend der Fernsehzuschauer rekrutiert wurden. seine Mutter. er habe drei Ehefrauen besessen. wo es langgeht und was machen. das den Stab des amerikanischen Präsidenten bei der Beobachtung von Osama bin Ladens Tötung zeigt – und sprang anschließend kommentarlos zum nächsten Thema über. Später hielt der Nichtpazifist Deutschland aus dem Irakkrieg heraus. Lächerlich! Foto: Nadja Klier/X-Verleih WÖRTERBERICHT Blickfick(en) Ein Begriff aus eiligen Zeiten. die »ganz überwiegende Mehrheit« der Neuen Linken habe sich vom »neobakunistischen Gewaltkult« abgewandt. miteinander auch nur ins Gespräch zu kommen. aber genauso wenig von Mainstream-Plattheiten angeödet fühlen. die aus dem Zentrum der medienüberladenen. So viel zur Ästhetik. dem edlen Rächer der Gerechten. oder von Klaus Störtebeker. Er allein führt die Regie. Der Quotentest beim Jungmenschen. Poetry-Slam-Live-Übertragungen und ein stets selbstironischer Grundton der Moderatoren. »Ist das Kultur?«. die Arme über dem Bauch verschränkt. Die Frage nach Hoch. konzediert er.

Doch Internetforen und Seminare dienen als Kontaktbörse auch für Extremisten. das er gibt. Jetzt haben wir also Videos grölender Amerikaner gesehen. Außerdem braucht es keinen Pierre Vogel. Einen Tag nach der Veranstaltung in Frankfurt wird bekannt. entspannt lehnt er sich im Stuhl zurück. dass sie über der Kritik am Krieg-gegen-den-Terror beinahe den Terror vergessen und dass ihr wohlfeiler Pazifismus sie hindert. das war nach dem Anschlag am Frankfurter Flughafen. Aber ich muss auch gucken. Ein guter Muslim. Die Menschenwürde ist so universell. schlechte Morde. wenn ich ein Totengebet mache. Als sich ein Passant beschwert. um Sterne zu erschaffen. über Reizthemen zu reden. in dem man nicht mittels Lügen andere Menschen zerstört!!!« Jetzt sitzt Pierre Vogel lächelnd vor einem Kentucky Fried Chicken am Rande Frankfurts. in die der Terrorismus uns gestürzt hat. wie er geglaubt hat. Nicht mal den Mumm. nicht im Licht« Warum ein junger Amerikaner in Deutschland sich für die Jubelvideos aus seiner Heimat schämt VON PATRICK BRUGH U m die Nachricht von Osama bin Ladens Tod zu glauben. dass wir auch die Würde eines Mannes wahren müssen. Auf seiner Homepage steht das Video eines Interviews mit Spiegel TV. sagt er. Familien mit Kindern. Denn hier liegt ja schon das erste Dilemma: Das Leben eines Menschen ist uns so viel wert. Selbst Friedrich Nietzsche. Aber wie verhindern wir. wie sich soeben in der bigottesten Debatte des Jahrzehnts gezeigt hat. D. es mache einen Unterschied. zwei US-Soldaten erschoss. »Das moralische Verurteilen ist die Lieblingsrache der geistig Beschränkten«. Pierre Vogel ist der Star einer Szene. dabei ist Ihre Sicht nicht die der meisten Muslime. Später auf der Veranstaltung am Rebstockpark verhalten sich seine Anhänger so vorbildlich. Was nutzt das. Pierre Vogel: Ich weiß genau. wenn da jemand mit Krawatte gegen Gewalt ist. D. Damit verneinte er die Kantsche Definition des Menschlichen. Vogel: Aber ich war es. der vor zehn Jahren zum Islam konvertierte und heute einer der populärsten deutschen Prediger ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 62 ETHIK UND OSAMA Was ist Heuchelei? Über den Heiligen Krieg und die deutsche Sprachpolizei Wenn der deutsche Rechthaber recht behalten will. indem man fragt. wie das die Muslimverbände tun? Vogel: Das sind doch Sesselfurzer. weil er junge Muslime zu oft als Problemjugendliche stigmatisiert. Hass kann Hass nicht beenden: Das kann nur die Liebe. Pierre Vogel. Dass aber deutsche Moralapostel so tun. er darf nicht zum Objekt degradiert werden. wie bei einem Jungen. der zum Muslim wurde. Facebook und Twitter verbreiten aber auch ein anderes Zitat. Er. Moralisten zu verhöhnen. Ich habe Morddrohungen bekommen von Terroranhängern! Ich rufe permanent dazu auf. sagt Pierre Vogel. Ein Satz des deutschen Militärtheoretikers Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1608 geht mir nicht aus dem Sinn: »Durch krieg kompt der frieden / und sollen die jenige / so in fried und ruhe leben wollen / in wahffen geübte leute sein. das ist keiner. vorgeworfen. wird gefilmt. die auf Bäume klettern und Fahnen schwenken. Dass der Verfassungsschutz wieder einmal aufmerksam wurde. Die Gäste blicken von ihren frittierten Hühnchen auf. Er ist zwar längst kein Profiboxer mehr. der sich selbst ins moralische Abseits gestellt hat. uns zu sagen. Ein deutscher Muhammad Ali! Pierre Vogel alias Abu Hamsa hätte die Menschen verbinden können. wann sie erfahren hätten. ist ihm egal. um den Tod eines Feindes zu feiern.. geschlagen zu werden«. dass Sie gegen Terrorismus sind. als müsse Angela Merkel nur die richtigen Worte sprechen. Doch seine Botschaften sind zwiespältig. endlich die moralischen Dilemmata zu sehen. um sich mit seinen Gegnern zu schlagen. Er sucht das Ein Gegendemonstrant hält in Frankfurt das Kreuz Jesu Christi wie ein Banner hoch gebet massiv kritisiert. dessen Blut soll auch durch Menschen ver- gossen werden. In dem amerikanischen Schnellrestaurant trifft er sich mit seinen Weggefährten. Tatsächlich hatte sie die Worte »Ich freue mich« mit einer Leichenbittermiene gesprochen. Eine deutsche Justizministerin a. Vogel kokettiert gern mit seiner Boxervergangenheit. liebe Sprachpolizei. ZEIT: Die islamische Religionsgemeinschaft Hessen rief auf. in dem es heißt. als stünden Sie für den wahren Islam. Vogel: Was ist denn ein abscheulicherer Mord: wenn jemand einem Kind die Kehle durchschneidet oder wenn jemand denkt. wie er es ihnen auf seiner Homepage geraten hat.GLAUBEN & ZWEIFELN alle Fotos: Markus Kirchgessner/laif für DIE ZEIT/www. Solche alten Droh. Vogel wurde viel kritisiert für seinen Aufruf zum Totengebet. begreift man am besten. Wenn wir also die Universalität der Menschenrechte verteidigen wollen. Mir als Amerikaner in Deutschland war der rowdyhafte Hurrapatriotismus peinlich. wen ich anspreche. Wir bekämpfen Finsternis mit Finsternis. Blut. was selbstgerecht ist. weil sie ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei. in die Hölle geht. das von der Instrumentalisierung der Idee des Friedens für den Krieg handelt. Pierre Vogel stört das nicht. So argumentiert al-Qaida: Wir dürfen Amerikaner umbringen. Das ist doch gegenseitige Einschleimerei. weil er ein Subjekt mit einer Würde ist. regt er sich über die Schlechtigkeit seiner Mitmenschen auf. Trotzdem ereiferte sich die Republik. Eine Interviewanfrage der ZEIT hatte Pierre Vogels Pressemann kürzlich noch mit den Worten abgelehnt: »Wenn Sie ein ehrlicher und verantwortungsbewusster Mensch sind. Vogel: Diese Leute haben null Einfluss. Bereitwillig lassen sie sich von den Polizisten durchsuchen.« Wir Amerikaner haben die Hoffnung auf eine Welt ohne Terror benutzt. Aus alten Kriegsbüchern wissen wir. ich muss auch eine gewisse Rhetorik benutzen.de (Frankfurt. ehe sie endlich die Frage stellten: Ist dieser Jubel moralisch? Pfarrer Jim Hunter. sind solche Aussagen doch salafistisch. und 17. der seine Karriere als Profiboxer ohne Niederlage beendete. er ist ein Showtalent. dass der 19-jährige Abiturient Amid Ch. Auch die jungen Angestellten von Kentucky Fried Chicken sehen ehrfürchtig zu ihm herüber. als sei alles ganz einfach. ZEIT: Gute Morde. dann zog er den Aufruf wieder zurück und wollte nur noch über Islam und Terrorismus reden. Keiner hat sich gegen Terrorismus so klar positioniert wie ich. bei Vogels letztem Auftritt in Frankfurt waren es dreimal so viele. wo der 21-jährige Arid U. Man tut. hier gibt er nun doch das Interview. Wir feiern in Finsternis. indem man fragt. Stattdessen schimpft er auf die Medien. stellt sich in seine Nähe. für das sich jemand rächen wird. der die Argumente von alQaida widerlegt hat. heißt es in den Auflagen. was scheinheilig ist. ein Demokrat ist er nicht. antwortet sein Pressemann in seinem Namen. Auf dem Höhepunkt der Konfessionskriege im 16. damit die Leute merken.. greift uns niemand an.« Hunter scheint den dialektischen Charakter dieses Verses übersehen zu haben. »Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung«. dass wir in Finsternis feiern und nicht im Licht. Osama bin Laden hatte gesagt. an das nächste Kapitel meiner Doktorarbeit. sie habe sich über den Tod Osama bin Ladens gefreut. ist Germanistikdozent im Staat Missouri. in denen er Anschläge verurteilte. EVELYN FINGER Totengebete verboten Wie Deutschlands bekannteste Islamist Pierre Vogel auf das Ende bin Ladens reagierte rüher stieg Pierre Vogel in den Ring. Seit einiger Zeit strebt das Bundesinnenministerium ein Verbot des Vogel nahestehenden Vereins »Einladung zum Paradies« an. hatte Vogel auf Facebook als Freund hinzugefügt. aber ein Profi im Austeilen ist er noch immer. Dass er getötet wurde. Und wenn er uns genützt hätte? Wäre uns bin Ladens Würde dann wurst? Moral predigen ist leicht. Er spricht die Sprache der Jugend. Der Boxer. fragt er als Erstes seine Anhänger. ZEIT: Sie verurteilen den Anschlag. Sie merkte gar nicht. antwortete mit einem Bibelwort aus der Genesis: »Wer Menschenblut vergießt. Auf der Wiese nebenan wird gegrillt. dass die dümmsten Bauern die größten Moralapostel sind und dass Ehrpusseligkeit von Mangel an Verstand kommt. er gibt sich jetzt höflich interessiert VON ANNABEL WAHBA Pierre Vogel (rechts) sprach letzten Samstag in Frankfurt am Main über Islam und Terror. wie alles Wichtige. Der Verein Einladung zum Paradies hat einen YouTube-Ausschnitt von Helmut Schmidts Besuch bei Beckmann auf die Homepage gestellt. der bringt vielleicht morgen meine Leute um. Moral begründen schwer. dass sie fasten«) und im Wörterbuch Hochdeutscher Mundart (»Scheinheilig ist. Jahrhundert boten sie eine moralische Rechtfertigung für die entstehende Rüstungsindustrie. junge Frauen mit und ohne Kopftuch. Der politische Salafismus ist die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland und hat enorme Sogwirkung auf die zweite und dritte Einwanderergeneration. die kürzlich in Düsseldorf festgenommen wurden. um überhaupt Leute zu beeinflussen. Pierre Vogel steht am vergangenen Samstagabend wie immer etwas breitbeinig auf der Bühne. Doch nach wenigen Sätzen hielt ich es nicht mehr aus. sogar von ultrareligiösen wahhabitischen Salafisten. Jedes Interview. dass hier nicht Freude im Sinne von Frohlocken gemeint war. Arid U. dass wir sogar den Tod eines Massenmörders nicht feiern wollen. und erschießt den? ZEIT: Mord ist Mord. das Verwaltungsgericht genehmigte ihn doch. Denn in der sonst so ruhigen Stimme lag diese unheimliche Spannung. zu spalten. witzelt Vogel: »Sollen wir ihn hauen?« Vogel meint den Passanten. das ist Heuchelei. weil ihm der Zeitungsfotograf im Weg steht. man akzeptiere es. Böse musste man schon sein. Und auch die negativen Medienberichte treffen ihn nicht. In Wahrheit kommt sie aber von Bosheit. welchen Jugendlichen beeinflusst das? Ich widerlege die Argumente der Gewaltbereiten. Salafismus gilt als unvereinbar mit der parlamentarischen Demokratie. als habe Angela Merkel eigenhändig den Al-Qaida-Chef getötet. Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Patrick Brugh. die mit Osama bin Laden sympathisieren. durch bin Ladens Tod würden die islamistischen Anschläge nicht weniger. wenn man ehrlich ist. 32.. Vogel wurde in dem TV-Beitrag mit dem Satz zitiert. hat einem amerikanischen Botschafter a. Vielleicht hatte Nietzsche doch recht. dass ihm für den Zweck des Heiligen Krieges jedes Mittel recht sei. dass die Tötung bin Ladens die strenggläubigen Muslime nicht in dem Maße aufbringt. die man auch als moralphilosophischen Kern der Menschenrechte ansehen kann: Eine Zweck-Mittel-Relation ist auf den Menschen nicht anwendbar. das sei natürlich nur Spaß. was ein strenggläubiger Muslim eigentlich nicht tut. die dem Journalismus misstraut. Ein guter Muslim. der sich einen Weihnachtsbaum aufstellt und mit dem man auch mal einen trinken kann. ZEIT: Sie tun. regte die Deutschen weniger auf. Auch wenn sich Pierre Vogel nicht als Salafist bezeichnet. Das Ordnungsamt verbot seinen Auftritt in der Frankfurter Innenstadt. gleichzeitig rela- tivieren Sie den Mord an den Soldaten. um der Bundeskanzlerin zu unterstellen. allerdings außerhalb der Stadt auf einem Freigelände am Rebstockpark. und er weiß seine Worte zu wählen. dass eine gewisse Art Moralismus die Rache der geistig Beschränkten ist. Frauen »genießen es. Ob das den Prediger beunruhigt? Nein. Allerdings sind diesmal nur 400 Leute gekommen. dass einer einen Heiligen Krieg führt? Und wer schützt die Würde seiner potenziellen Opfer? Dass diese alten Fragen offen bleiben. Nietzsche wollte sagen.und Vergeltungsszenarien erinnern an heutige Abschre- ckungspolitik: Wenn wir genug Waffen besitzen. Pierre Vogel kann sich seinem Gegenüber gut anpassen. DIE ZEIT: Sie wurden für Ihren Aufruf zum Toten- lafistischen Milieu. dann werden Leute kommen. Die Antwort steht. die unmissverständlich klarmachte. Vogel: Trotzdem kriegt der eine vielleicht Sicherheitsverwahrung und der andere 15 Jahre. Jetzt steigt er auf die Bühne und spricht. dafür ergötzten sie sich eine geschlagene Woche an der rhetorischen Frage: Darf man sich über den Tod eines Menschen freuen? Ja. zumal die Medien ihm eine ganze Weile folgten. Sie sind Vertreter eines neuen selbstbewussten Pop-Islams. »Wir rächen Blut mit Blut. auf Mord steht »lebenslänglich«. bevor sie gemeinsam zum Rebstockpark aufbrechen. I’m islamic oder I love Islam. ob jemand Zivilisten töte oder Soldaten. ist traurig genug – ein Dilemma ist eben unlösbar. einer der drei Terrorverdächtigen. Vogel: Das Wichtigste ist. Das vermisse ich in diesem interreligiösen Dia-Lüg. also den Staat repräsentieren. weil sie Steuern zahlen. ohne es wirklich zu sein«). er hat seine Homepage. weil er Gesetze als von Gott gemacht ansieht. Das Publikum in Frankfurt applaudiert. Vogel: Also nach deutschem Strafrecht gibt es unterschiedliche Haftstrafen . was ist ein heiliger Krieg und was ist Heuchelei? Was gerecht ist. um die USA zu kritisieren. er finde die Tötung bin Ladens in Pakistan »zweischneidig«. weil bei einem seiner Vorträge das indizierte Buch Frauen im Schutz des Islam auslag. Doch wenn wir Amerikaner so jubeln wie letzte Woche. aber er hat sich entschieden. dieser Soldat ist ein Verbrecher. die Islamphobie vieler Deutscher anzuheizen. Ihre Veranstaltung zu boykottieren. dann vergessen wir. können wir Osama bin Laden nicht als Unmenschen behandeln. Es mag auch daran liegen. Junge Männer. Dann wird er wieder ernst. ob man sie besser findet als das Grundgesetz. 7. null Mut. Mai 2011) 12.« Dilich nennt den kriegerischen Menschen Friedenskämpfer und rechtfertigt den Kreislauf der Gewalt. mit seinem Geheimnis herauszuplatzen. Für die Werbung in eigener Sache nimmt er gern in Kauf. Das ist Schwachsinn. Der radikale Prediger ist bei jungen Muslimen beliebt F und blickt die Reporterin direkt an. da wird dann gesagt. er tänzelt auf den Zehenspitzen hin und her.markus-kirchgessner. Die meisten Dschihadisten mit Deutschlandbezug kamen aus dem sa- Zwiegespräch mit der Menge. Pierre Vogel verehre. dass die Scharia von Gott ist und absolute Gültigkeit hat. der es nicht erwarten kann. dass er heute am Stadtrand predigt. wenn der Mann mit dem langen Bart von Osama bin Laden spricht. (27). Und was heute noch heilig sein könnte. Vielleicht können wir es so zusammenfassen: Heuchler erkennt man daran. wenige Stunden vor seinem Auftritt. Der Name bin Laden dürfe in seiner Rede nicht fallen. Vogel mag sich in der Öffentlichkeit von Gewalt distanzieren. Den Namen bin Ladens nennt er tatsächlich nicht. Er braucht die Medien nicht. Jeder Muslim glaubt. dann veröffentlicht er die Originalfassung. in der Bibel (»Heuchler geben sich ein trübseliges Aussehen. Er distanziert sich zwar von Gewalt. ZEIT: Die Merkmale eines Mordes sind in beiden Fällen gegeben. weil die Sätze. das von Martin Luther King stammt: »Hass mit Hass zu vergelten wird nur den Hass vergrößern und eine bereits sternenlose Nacht in noch tiefere Finsternis tauchen. er wolle Jugendliche zum Gewaltverzicht bekehren. der sich einen Spaß daraus machte. herausgeschnitten wurden. musste ich erst die Ansprache meines Präsidenten hören. Er behauptet. ist weiteres Blut. ZEIT: Warum sagen Sie den jungen Leuten nicht klar und deutlich. dass die Veranstaltung hier draußen ist. dass man sich hier an die Gesetze halten muss. hat das Problem scheinheiligen Moralisierens unterschätzt. das ist ein Fundamentalist. ZEIT: Bin Laden ist ein Massenmörder. zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufgerufen. als sei man der größte Demokrat. und wenn er sich falsch zitiert fühlt. sondern allenfalls Erleichterung. wer für ihn betet. es ist Samstagmittag. Derzeit forscht er an der Herzog-AugustBibliothek Wolfenbüttel über frühe Kriegsromane . Wenn es um die Scharia geht. um überall auf der Welt Krieg zu führen. verlassen Sie Ihre Werbeagentur und suchen sich einen ehrlichen Job. weil Interviews immer gekürzt werden. wie oft Friedenshoffnungen als Argu- ment für Aufrüstung missbraucht wurden. und so kann ich mit ihnen über Terrorismus reden. Vogel ärgert sich. ein geistlicher Berater Obamas. darf man auf dem Friedhof lachen? Gegenfrage: Was ist ein gerechter Krieg. Finsternis kann Finsternis nicht vertreiben: Das vermag nur das Licht. Vogels Anhänger tragen T-Shirts mit dem Aufdruck Don’t panic. das wir für Blut vergießen. Pierre Vogels Disziplin ist jetzt die Rhetorik. hält sich auch als Prediger für unverwundbar. was schnell passiert. der den Islam nicht annimmt. Mit dem jüngsten Akt des Blutvergießens ist also nichts erreicht. erkennt man am klarsten. Als Vogel endlich die Bühne betritt. Das mag daran liegen. Darin sagt der Altkanzler. Aber das sind viele Verbände nicht. dass sie sich über ein falsches Wort mehr aufregen als über eine fragwürdige Tat. Deprimiert setzte ich mich wieder an den Schreibtisch. schrieb er in Jenseits von Gut und Böse. Ursprünglich hatte Vogel. dass der. den äußern Schein der Heiligkeit annehmend. Vogel: Man kann Leute nur zusammenbringen. dessen Wohnung von der Polizei durchsucht wurde. was für ein fatales Argument das war: Dieser Tod hat uns nichts genützt.

Max Frisch ist seit 20 Jahren tot. »Das Dorf. Marta läutete auch die Glocke im großen frei stehenden Kampanile. Marta Regazzoni strahlt. man habe sie. dessen Halme die Frauen verflochten. eng neben einer Freundin aus Berzona. Und noch immer sind Haus und Garten perfekt vor neugierigen Blicken geschützt. Gut eine Viertelstunde hinter Locarno zweigt die Straße ab. hinter denen einem alles entgegenkommen kann. das Haus und ein steinerner Stall. Dass durch die stranieri. Auch die Granitsäule. Weinkeller und einem Studio im Turm. Max und Marianne Frisch. Zu widerstehen gelte es allerdings jeder Versuchung von Arroganz. Er notierte: »Siebenmal im Jahr fahren wir diese Strecke.. »Wenn ich einkaufen gehe. Die glänzen vor Freude über Besuch. Frisch. eine leuchtende Azalee. kein Platz zu klein. den steinernen Tisch zu sehen. als dass nicht doch noch eine Palme. das existenzielle Angst auslöst. Motorradstaffel. Azalee oder ein Jasmin da blühen könnte. Ein schönes Tal.. da es nicht an der Talstraße liegt. die Straße hinunter bis zur Talstraße und durch Mosogno. »die unsere kleine Loggia hält«. Karin Pilliod«. heißt es im Tagebuch. und es tritt jedes Mal ein: Daseinslust am Steuer. Übergänge ineinander verschlungen sind. eine zusammengebastelte lebensgroße Puppe. reisten zwar weiter durch die Welt. Klingeln. das in diesem armen Tal je blühte: die Strohflechterei. in einer wilden Gegend des Tessins an fasst sich ein Herz. windet sich in engen Schlingen um überhängende Felsen. hat Frisch gegen Ende seines Lebens geschrieben. Aussteiger. der Mühe hat. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal von der Talstraße ins höher gelegene Berzona abgebogen. Rennräder. Zürich. eine beklemmende Wildheit: In der Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) lässt Frisch den 74-jährigen Herrn Geiser ein Unwetter im Valle Onsernone erleben. die durch Treppen. tief unten rauscht der Isorno. Berlin. scheinen sich der Vorherrschaft des Waldes entrissen zu haben. ein wildes Tal! Wild. Doch immer kamen sie zurück nach Berzona. Schon da gab es etliche Zugezogene. Ihr Laden ist längst aufgegeben. So unheimlich still. mieteten Wohnungen in Amerika. Einstimmung wie beim Tanzen«.). Keine Chance. der seit Längerem dort lebte. Mit kleinen Gebäuden aus Granit und Gneis. wenn er heimkam von irgendwo. meist Deutsche und Deutschschweizer. Und er wünschte sich ein Haus zusammen mit seiner jungen Liebe Marianne Oellers. Nach fünf italienischen Jahren wollte er wieder in der Schweiz wohnen – »aber nicht ganz!«. ein sintflutartiges Gewitter. lauschen. Handtuchschmale Balkons. Und ähnlich wie Geiser machte Frisch eine Krise durch: 1979 war das Jahr der Scheidung von Max und Marianne Frisch. Acht Dörfer und ein paar Weiler liegen hintereinander aufgereiht wie auf einer Schnur. Häuser renoviert würden. dass nur noch ein heiseres Flüstern herauskommt. Denen verweigert sich das Tal. kam dies gelegen. Auch wenn er nicht so bequem ist«. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 REISEN Fotos: Fernand Rausser/KEYSTONE (gr. wie es der jüngere Frisch erlebte. an dem die Frischs viele Gäste bewirteten und an dem auch der »Toggel« saß. Durch die verglaste Außenwand blicken sie auf den dichten Wald. »Vielleicht 35?«. 20 Kilometer geht es hinein in die Schlucht. nicht einmal eine Bar. Nur keine Reisebusse. fand Frisch. Im August 1978 wurden fast alle Brücken des Tals fortgerissen. Zehn Jahre später dominierte bei ihm eine andere.. »Terrassen mit den üblichen Trockenmauern. das aussterbende Tal wiederbelebt. in vertrautes Gelände. jetzt voller Stolz: »Una valle selvaggia!«. hat 82 Einwohner. Gärtchen. er kam oft in den Laden. Er schrieb: »Was mir gefällt: das schwere Dach aus Granit und wie das Ganze in den Hang gestellt ist. den ich am besten kenne. Ich bin begeistert . so geht die Legende. als Max Frisch und Marianne Oellers kamen. Wuchernder Baumdschungel zu beiden Seiten.) Eingewachsen: Max Frisch 1979 in seinem Haus in Berzona Sein letztes Refugium Vor 100 Jahren wurde er geboren – ein Zuhause fand Max Frisch erst spät. Und für beide scheint das Sprechen so ungewohnt geworden. machte ihn auf das verfallene Anwesen VON BERNADETTE CONRAD M aufmerksam. Wird mit dem Berg auch das Leben wegrutschen? Das Jahrhundertgewitter gab es wirklich. Bernadette Conrad für DIE ZEIT (kl. natürlich.« Seit dem 17. nur ein Zuhause. Frisch am Steuer seines Jaguars. zieht sich der Ort den Hang hoch. der imposant neben der Kirche am Ortseingang aufragt. sei nicht von Schaden. Der Dichterkollege Alfred Andersch. versuche ich mich immer auf Italienisch«. Wald umschließt das große Grundstück vollkommen. wie es im Onsernone-Tal oft ist: Grillen. seit 1968 verheiratet. die mit ihrer Familie hergezogen ist und nun mit fünf anderen Frauen zusammen das alte Handwerk des Strohflechtens in einem kleinen Atelier wieder betreibt. zusammen mit seiner letzten Lebensgefährtin.« Die anderen Häuser des Dorfes stehen eng zusammengekauert. Das Valle Onsernone ist das vielleicht wildeste der Tessiner Täler. der beinahe ein Turm ist . irgendwo rauscht ein Bach. Das ist eine große Landschaft. »Es ist der Ort. Bei Marta ist aller Ausdruck in die riesigen braunen Augen gewandert. Es ist still im Raum. vermutet eine junge Frau. Max Frisch. der mir am meisten vertraut ist. zwei große Nussbäume. Disteln usw. Ein Jahr dauerte der Umbau: mit Saunaofen. Auf den terrassierten Hängen wuchs Roggen. berichtete er. wo ich mich am ehesten zu Hause fühle. Vögel. vorbei am Friedhof von Berzona. Und doch steht am Anfang einer Spurensuche im Valle Onsernone auf dem Klingelschild in Berzona etwas wie ein Lebenszeichen: Hier wohnt. ganz am Ende: Spruga auf über 1000 Metern. mit dem Auto über den San Bernardino: »Vor allem in den Kurven: der Körper erfasst Landschaft durch Fahrt. Nur Berzona tanzt aus der Reihe. wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Fortsetzung auf S. Postbus. Von 82 Einwohnern kann keine Rede mehr sein. Will man Marta Regazzoni treffen. hinter einem Gebüsch die alte Bocciabahn. ein freundlicher Mann. Dschungel mit Brombeeren. »molto gentile«. es soll kein Gefängnis werden. es bleibt still. Im Wintergarten des Altersheims von Russo sitzt Marta. ein Feigenbaum. eine zierliche Frau. muss man zwei Dörfer weiter fahren. 64 Blick über Berzona . das ist unbedacht und vollkommen. 53. schrieb er ins Tagebuch. halsbrecherisch die Kurven. bleibt verborgen. An die Stelle des Krämerladens – als einzigem öffentlichen Ort Berzonas – ist eine kunsthandwerkliche Kooperative getreten. wenn Du dann bereit bist: Unser Zuhause. Jahrhundert investierten die Frauen des Dorfes ihre ganze Arbeitskraft in das einzige Gewerbe. noch im Einschlafen flechten sehen. Zum Einkaufen in Berzona gab es einzig den kleinen Dorfladen der Einheimischen Marta Regazzoni. schließlich das Klingelschild: »Max Frisch. Künstler wie Andersch oder Golo Mann. immer noch. Diese Zeit war vorbei..« So schrieb Frisch 1966 in sein Tagebuch. Max Frisch? Ja.« Berzona wurde das Refugium. an dem Frisch »außerhalb von allem« sein konnte.63 12. »Das Gelände ist steil«. Kastanien. sondern abseits. die Italienisch sprechen: kein Ristorante. öffnet das unverschlossene Gartentor an der Straße und läuft die Stufen bis zum Haus hinunter.

nicht auf die Taleinsamkeit verpflichten.30–17 Uhr) geöffnet und bietet handgefertigte Flechtwaren aus Stroh an. Ein vergnügliches Buch. Was ist das Leben an seinem Ende? Ein Verlorengehen? Diese großen Fragen stellte der ältere Frisch in seinem Text Der Mensch erscheint im Holozän. Darin zitierte er Frisch: »Wenn in dem. Beck. 00800/10 02 00 30 (kostenfrei). 1990 zog sich Max Frisch zum Sterben in seine Zürcher Wohnung zurück. bis die Dunkelheit hereinbrach. »Er war Architekt. eng sind die Häuser aneinandergerückt. zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. er war einer von denen. Ihre heitere Verwunderung hat Richter nun in einem ausgesprochen unterhaltsamen Lesebuch zu Papier gebracht. trafen sich Max Frischs Freunde im Garten in Berzona und streuten seine Asche in den Wind. im Jahr darauf noch ein Hubschraubertransport des Dichters von Spanien heim nach Berzona. 0041-91/797 10 22. lief zum Passo della Garina. Savary strahlt die Entschlossenheit desjenigen aus. Der Weg ans Ende des Tales führt durch das Valle Vergeletto. an den Gartentisch des Berzona-Hauses setzt. Schmetterlinge. unter dem die Mauer steil zur Schlucht hin abfällt. den Berg hoch.« Von Spruga.K. ein bisschen Liebe ist. das »Klöppeln auf Blech« hörte. gibt es das nette kleine Ristorante Onsernone. Unten in Russo kann man den Talarzt treffen. erinnert sich Beppe Savary an seine Jahre der Freundschaft mit dem Dichter. und den Leuten im entspannten Südpazifik bleibt ausreichend Zeit für Ortsnamen wie Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. 26 Euro Tipp: Das Atelier Pagliarte in Berzona ist dienstags (9.palazzogamboni. Verlag C. Seine Frau sei tot. 63 Über Thailand Kaum ein halber Tag Flugzeit trennt Frankfurt am Main von Bangkok am Chao Phraya. Er führt von Berzona hinüber zur Kirche in Loco. dem direkt neben Berzona gelegenen Hauptort des Valle. zu unwegsam das Gelände. Seine Kleine Geschichte Thailands zeichnet nach.ch Unterkunft: In Loco. Bei gutem Wetter ist sein Fluchtweg ein schöner Wanderweg. gingen auch in die Berge. www. suchte vergeblich den Zugang zum Maggiatal. »Keine Sorge. dem Leiden so vertraut ist wie die Leidenschaft für seine Sache.ch Auskunft: Schweiz Tourismus. grasige Ebene. »Der Mensch erscheint im Holozän« (alle im Suhrkamp Verlag erschienen). mit dem er sein Haus bis unters Dach eingewickelt hat. auf der Südinsel nimmt sie an einem Naturfestival teil. Birken.30–12 Uhr) und freitags (14. und sein direkter Nachbar mache ihm das Leben zur Hölle. Dort. auf dem einheimische Würmer verspeist werden. Ein alter Mann erscheint. rechts steil die Schlucht. Er war ein äußerst freundlicher Mensch. Literarische Wanderungen im Tessin. der ihn nicht kennt.95 € Man stellt sich vor. das »Land der Freien«. Komfortabel und originell am Ende des Tales. www.ch. steht hinter Maschendraht. Auf einem Video ist der Schriftsteller in seinem Garten zu sehen. Aber das Knallen. Rotpunkt Verlag.oder Koller-Donner. von Hamburg ins »Land der großen weißen Wolke« folgt: Die Kollegen dort laden sie ein zur Motto-Party mit dem Thema »Sturm auf die Normandie«. »He!!«. 14–17 Uhr (vor Juli auch freitags geschlossen) Bücher: Berzona spielt in diversen FrischTexten eine Rolle: »Montauk«. H. Ob man ihm nicht Gesellschaft leisten könne? Er habe nur den Hund. Und auf dem Rückweg legt man noch einen Halt in Loco ein. Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 004191/797 10 00. TalkshowRedakteurin Anke Richter reibt sich jedenfalls immer wieder die Augen.oder Pauken-Donner. eine Badewanne mit Rädern: »Damit bringe ich alles heim. Mücken. DZ ab circa 125 Euro Ausstellung: »Max Frisch Berzona« zeigt Texte und Fotos im Museo Onsernonese in Loco bis zum 30. der immer wissen wollte. Oktober .pagliarte.« Das galt dann vor allem von 1990 an. Bixio Candolfi sagt: »Mir schrieb er einmal die Widmung in ein Buch: ›Für Bixio. aber es ist auch ein einsamer Bergler. alle Bausteine kennen und auch sein Sterben noch selbst gestalten. wie sich das südostasiatische Königreich über die Jahrhunderte entwickelt und erfolgreich gegen Kolonialmächte zur Wehr gesetzt hat. »Wenn ich jemanden im Notdienst kennenlerne. als Hall-Donner. was von mir bleibt. ein bisschen Unruhe – dann wäre das schön. Wenn Reiseveranstalter mit prächtigen Tempeln trumpfen. wo der Weg aufhört und Herr Geiser kurz aufatmete. die Straße fließt weg.« Auch mit Max Frisch war das so. Dort hat gerade die Ausstellung Max Frisch Berzona eröffnet. Kurz der Eindruck. Donnern und Krachen dauert doch eine halbe Stunde. sagt ein Mann aus dem Dorf beruhigend. Wer es besser kennenlernen will. Essen – alles. München 2010. Tel. 525 S. www.64 12. den Geiser sorgsam kategorisierte: als Knall. was läuft. wie er den Toggel.sbb.und Buchenwald ringsum. als sie ihrem Mann. MWE Anke Richter: Was scheren mich die Schafe. 297 S. Zement. im eigenen Beruf ständig mit den großen Fragen der Existenz zu kämpfen: darin fanden sich Frisch und Savary in diesem wilden Tal. Doch dann verlief er sich. die es brauchten. über den er sich ins benachbarte Maggiatal retten wollte. dann eine Lichtung mit Gehöften. die ihn pflegten. Der 59-Jährige nennt sich selbst bescheiden einen »Fels-.): Das Klappern der Zoccoli. Polter. Meine Töchter adoptierten Frisch als ihren Großvater. 12. wo Abstürze meist tödlich und Selbstmorde häufig sind. Zürich 2000. Wald- und Wiesendoktor«. Ein Notfalleinsatz 1983. wir aßen zusammen. palmengesäumte Strände und raffinierte Speisen preisen. von dort aus weiter mit dem Postbus oder Leihwagen www.ch).onsernone.95 € Unter Kiwis Neuseeland ist nicht nur weit weg. fällt die Schlucht so atemraubend in die Tiefe. Verlag Kiepenheuer & Witsch. Geht er nie ins Tal? Der Mann weist auf ein unglaubliches Gefährt. Comologno liegt auf einer Höhe von 1076 Metern. der an der Universität Hamburg die Sprache und Kultur Thailands (Thaiistik) lehrt.onsernone. Nein. nicht endenden Regen und den Donner.ch . dass ein Satz des Doktors noch mal in Erinnerung kommt: Es gebe wohl keinen Kilometer im Tal. 0041-91/797 10 00. Tel. Frisch sei eher ein Reibeisen – das war er aber überhaupt nicht.. wie es zum Namen Siam kam und welche Rolle das Land im Zweiten Weltkrieg und im Indochinakrieg gespielt hat. ehemals Programmdirektor Kultur des Televisione Svizzera Italiana in Lugano und in den siebziger und achtziger Jahren mit Frisch befreundet. 70 Euro. den auch Max Frisch oft gegangen ist.. dem letzten Ort des Tales. 14. wie die Neuseeländer sich selbst nennen. Ziegen laufen über die Straße. wird von Volker Grabowsky. noch kein Sommergewitter«. Seit 28 Jahren ist er als Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Notfallund Rettungsmedizin fürs Valle Onsernone tätig. Köln 2011. sie mit Hut und Schal ausstattet. kleine Gebäude über terrassierte Wiesen verstreut. Mai 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 20 REISEN Wälder überziehen die Berge im Valle Onsernone Fortsetzung von S. Nach dem Tod des berühmten Talnachbars schrieb Bixio den Nachruf im Voce Onsernonese. Tel. das ohne billige Klischees auskommt und an dem nicht nur Auswanderungswillige Freude haben dürften. wie er es sich gewünscht hatte. Wie ein Gefangener steht er hinter seiner selbst gebastelten Befestigungsanlage. Er wollte die. er konnte gut mit Kindern umgehen.com Am Ort erhält man Auskunft beim Infopoint Auressio. wie Herr Geiser allein in seiner Stube saß. die kämen nur an den Wochenenden. Den Toggel warf er den Hang hinunter. er fühle sich in Berzona sicherer als in Zürich: »in tutti i sensi« – in jeder Hinsicht. 004191/780 60 09. Sie erinnert sich an das dramatische Unwetter von 1978: »Damals konnten wir eine Woche nicht aus dem Haus!« Max Frisch ist dem Ehepaar noch lebhaft im Gedächtnis. ringsum wohnten Leute aus Zürich und Bern. wenige Menschen. der Leuten aushalf. In Panik verließ Herr Geiser sein Haus.myswitzerland. Tel. sind die Koffer schnell gepackt: Thailand. »Unsere Gespräche gingen oft über Tod und Sterben«. wo dieses kleine Seitental abzweigt.europcar. In lockerem Erzählton und mit viel Humor berichtet sie. 0041-79/519 19 85.« Nice Candolfi weiß noch. »Die Leute sollen im Tal sterben können«.« Der Passo della Garina ist eine weite. H. Herrn Geisers Wanderung wird beschrieben in Beat Hächler (Hrsg. www. dass Frisch gegen Ende seines Lebens immer wieder sagte. Vögel. wir sähen uns unter glücklicheren Umständen wie- der. Von Berzona nahm er so bewusst Abschied. »Tagebücher 1966–71«. Fuß fasst. am Abend möchte man hier nicht unterwegs sein – zu tief die Schluchten. fundiert informiert. Und genau das war er selbst. er wollte auch über den Tod alles wissen. wie eine deutsche Familie unter Schafen und Kiwis. Mein Deutschlehrer hatte gemeint. als Frisch eine tödliche Krebsdiagnose erhielt. die lebensgroße Puppe. Tel.« Das Leben immer auch in Bezug auf den Tod zu betrachten. äußere ich oft die Hoffnung. auf unebenen Granitplatten sachte aufwärts. kann man wandern bis ans Ende der Schlucht. wie tief seine Bewohner im TheravadaBuddhismus verwurzelt sind und welche politischen Ansichten die »Gelbhemden« von den »Rothemden« trennen. im April 1991. in Comologno: Palazzo Gamboni. Die Neuseeländer haben auch einen oft recht eigenwilligen lässigen Lebensstil entwickelt. die das Altersheim und Ambulatorium begründet haben. mit Teller und Glas. wenige Sommerhäuser liegen verstreut. ein richtiger Talnachbar. Serpentinen durch den Wald. wo die grüne Grenze nach Italien verläuft.ch. DZ ca. Deshalb der Maschendraht. Siehe auch Feuilleton Seite 52 SCHWEIZ Comologno Mosogno Spruga Russo Russo Maggia SCHWEIZ ITALIEN Berzona Loco Iso rno Valle Onsernone Onsernone ITALIEN ZEIT-Grafik 5 km Me o lezz Locarno Arcona Tessin Valle Onsernone Anreise: Mit dem Zug nach Locarno (www. 208 S. links steil der Berg. Unter den knapp 1000 Einwohnern des Tales gibt es wohl niemanden. www. Ein friedlicher Platz. keine kleine Sache in einem Tal. wo er nicht schon jemanden zu Foto: Joerg Modrow/laif bergen hatte. was ich brauche. Er war auch ein großzügiger Mensch. Kurz vor der Ankunft bei ihm wird man vom Gewitter eingeholt. Ein stummer Dauergast. dem Hauptort des Tales. Kein Jahr später. Bixio Candolfis Frau Nice schaut aus dem Fenster. als es ihm gut ging. Herr Geiser ist das nicht. »Danach trafen wir uns oft. irrte herum. einem Urologen.. sagt Savary. ruft jemand aus einem eingewachsenen Häuschen. Öffnungszeiten: Mi bis So. Selbst im hintersten Winkel des Valle Onsernone ist Frisch irgendwie anwesend. Tel. Hier wohnt nämlich der 92-jährige Bixio Candolfi. den Talnachbar‹.

der atmet hier auf. die fast so gut schmeckt. So jedenfalls heißt das Label der Blondine. Den lautesten gönnt man sich im Engel in der Bolkerstraße. sondern nach dem Rausch aus vergorener Gerste. neuerdings wieder hoch gehandelten Meistern der alten Düsseldorfer Schule. Oder die Bäckerei Taka. Unverwüstlich grandiose schnurgerade 1000 Meter. dem Geck unter den deutschen Großstädten? Aber sicher. Flingerns Bewohner sind wie die Kleidung. die berühmten Adressen. In manchem vermeintlich japanischen Restaurant kochen Koreaner oder Vietnamesen für den westlichen Geschmack. kandidierte mit Otto Schily für die Grünen. Japanische Küche ist in Deutschland beliebt. Jahrhunderts. aber nur wenig bekannt. Im Uerige strömt das Altbier aus Fässern. und 21. wo vor 30 Jahren die NewWave-Szene Musikgeschichte schrieb und deren Epigonen im Freien picheln. beim Alltagsbedarf. die vermerken. mit dem sich das Alt verabschiedet. das sich so großzügig gibt. die Leopardenfellimitate. geduldig wartend. und der Bierdeckel ist schwarz von Strichen. Es dauert nicht lange. Man kommt fast automatisch durch. die eleganten Brücken darüber und die zart pompöse Tritonen-Fontäne von 1902. ihre Siebdrucke zu belichten. Mai ganz neu präsentiert. das nach zwei Jahren Renovierung seine weit gefächerten Schätze seit dem 7. sich die Blöße zu geben. Warum sollte das Gebräu nicht der Ursprung der Zivilisation sein. Das Dreieck Immermannstraße. kann auch anders. bis die Bedienung sie hereinwinkt. An allen Türen prangen Zettel. www. Nur in ihnen fühlt sich das Obergärige wohl. Vor allem die Ackerstraße mit ihrem Mix aus Stil-Altbauten und biederen Sechziger-Jahre-Wohnhäusern entzückt Freunde schräger Looks. Dazu die Kunstsammlung NRW mit ihren beiden Häusern für Kunst des 20. sondern auch abenteuerliche Manifestationen der deutsch-japanischen Freundschaft: Berliner Ballen mit Rote-Bohnen-Füllung! Wurstkrapfen mit Curry! Seit Fukushima bangen die Ladeninhaber um ihr Geschäft. die die Entwicklung Flingerns auch skeptisch sieht.« Da riskiert man sogar einen Moment im Straßencafé und erfreut sich der Eitelkeiten unter der Sonne. wie der Meister höchstselbst bei einem Besuch in Düsseldorf anerkennend festgestellt haben soll. als überall in Europa die Stadtbefestigungen fielen. erklärte einem toten Hasen in der Galerie Schmela die Bilder.« »Hier wohnt man halt noch«. als er die ersten Äcker anlegte. Struth. So ist es hier fast überall: Mehr als die Hälfte ihres Ausstoßes füllen die Düsseldorfer Brauereien in Fässer ab. Schwergewichte der Branche wie die Fotografen Struth und Gursky schätzen nach wie vor das besondere Klima aus Selbstbewusstsein und Toleranz. dass die Punkrocker aus dem Ruhrgebiet künftig in Susannes Hemden auftreten. Sie bilden eine Schlange. Banker mit Hausfrauen und Japanern. Ein Frevel! Da hilft nur die Flucht ins Kneipengewimmel der Ratinger Straße. die Kunst nicht zeige. sagt Susanne Hertsch. der hier in den siebziger Jahren Konzerte gab. von einer neuen Direktorin frisch belebt. Rechter Hand. Nicht. Die Kellner heißen Köbesse und tragen Falstaff-Wampen unter pflaumenblauen Schürzen. Hier präsentieren sich ein paar der stolzesten Stätten japanischer Tischkultur – filigran. Eine ziemlich herzhafte Angelegenheit – gerade so. Im Dämmerlicht winden sich Gänge wie Bergwerksstollen durch einen Trakt aus neun Schankräumen. Und der neueste Kunstort KIT liegt bezeichnenderweise unter der Erde. Natürlich im Stehen. was den Mikrokosmos zusammenhält: das Altbier. Früher hat sie Häuser besetzt. Kurioses ist in der Ackerstraße normal: die Porzellanpuppen-Parade im Fenster einer Anwohnerin. wo selbst eine profane Stäbchenbank verpackt wird wie ein Juwel. legt ihn schützend auf sein leeres Glas – die Köbesse kennen sonst kein Erbarmen. Gerald Haenel/laif. vom Holzfällerhemd bis zum Partykleid. dem Schotten Peter Doig und anderen. Man ahnte es doch schon beim ersten herben Schluck: Wer so ein Bier hat. die der Bildhauer Friedrich Coubillier entwarf. die neue Inneneinrichtung hat ein Westfale gestaltet. dass man mal China als Herkunftsland seiner japanischen Pilze nennt. Sie sitzen die Panik aus – auf der Bank vor dem Na Ni Wa. Eine Kontaktanzeige im Schaufenster eines Anglergeschäftes: »Suche liebevolle Frau. nämlich Icke und Mir. Die japanische Community von Düsseldorf zählt zu den größten in Europa. die sichergehen wollen. aus der Hohen Straße. der. wie der bittere Doldenhopfen zärtlich in den Gaumen beißt. Düsseldorf ist anders. Totenkopf-Halstücher vom Krimskramsladen behaupten sich neben wallenden Haute-Couture-Kleidern von Düsseldorfs Designerstar Norman Icking. Als ob die Vorliebe für laute Musik automatisch mit einem Gespür für die lässige Kombination von Laufmaschen und gesprühten Kampfansagen einherginge. hier lohnt es sich. und auch für diese Modenschauen und Schmuckparaden. Schrobsdorffs Besitzer war. Pauli Blond. setzt an. von Süden her. mutig zu sein. gab bei Andy Warhol Wahlplakate in Auftrag. WOLF ALEX ANDER HANISCH Die Kunst Gursky. dieser »Pralinenschachtel«. Doch der Hardrock-Schuppen hält dagegen. Auf einer Baustelle um die Ecke preist eine Wohnungsbaugesellschaft »klassisches Wohnen in bester Lage« an. vor Kurzem herausgegeben von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Aber was für welche! Eingelegte Qualle. aber eine Stadt der Millionäre. der glühende Thomas-Mann-Verehrer Hans-Otto Mayer. die sich hinter Buchläden wie Lincke und Schrobsdorff verbarg. Die ersten Investoren suchen bereits aus dem Flair des Viertels Profit zu schlagen. was wann woher eingeführt wurde. den er einst im Kanu überquerte. die schier endlose. verzeichnet für Kunstpilger all jene Orte. Wer nicht mehr kann. BENEDIKT ERENZ Japan Seeigel und Currywurstkrapfen im Imbiss nebenan Vor dem Fenster des Ecklokals Na Ni Wa steht eine lange Bank. Oder der Einrichtungsladen Kyoto mit den prächtigen handgemachten Teeschalen. übrig geblieben beim Bau der Rheinuferpromenade. na klar. wie sie aussieht. Was nicht heißt. und der 1812 eröffnete Breidenbacher Hof gehört jetzt einer Group mit Sitz in Atlanta. Aber es hat schon was Symbolisches. Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften mit Foto von Boot und Motor. für diese Glitzerdefilees und Brezelprotzessionen wurde einst die Kö gebaut. Sushi servieren sie hier überhaupt nicht. Seeigel. Wer ihr Geschäft mit den wild bedruckten Shirts durchquert. Per Aufzug kommen die Bierfässer aus dem Keller. die Fische ausnehmen. Zwar wurde es nach des Schamanen Tod am Rhein. Filz und Mamas eingeweckten Birnen so viel positive und negative Energie produziert. Wenige Meter weiter lockt ein Secondhandshop mit einem Unterhemd mit Melonenmuster oder fünfzig Jahre alten Feinstrumpfhosen. Da macht die Königsallee keine Ausnahme. Der Düsseldorfer aber zeigt. Spitzenbordüren und Satin zu abenteuerlichen Kreationen vernäht. vierzig Galerien und der lange Schatten von Beuys Seinen Aufstieg zur Weltkunststadt verdankt Düsseldorf einem notorischen Angelwestenträger. Seit er nach dem Krieg an der Kunstakademie studiert hatte (übrigens Tür an Tür mit einem anderen Querkopf. als habe einen die Altstadt verschluckt. Er stritt mit Johannes Rau jahrelang vor Gericht um seine Professur. ein »Tunnelrestraum«. sitzt DivaS in der Sonne. Wer welche möchte. dass Düsseldorf immer noch vorne mit dabei ist. dem Galeristen im Auge all der früheren Stürme. Zum Beispiel die ostwestliche Nouvelle Cuisine im Restaurant Nagaya: große Kunst in kleinen Portionen. Dennoch sieht man auf der Rheinpromenade Touristen mit Flaschen hantieren. das hat Welt. puristisch und teuer. unvergessen. die nicht nur Mochi führt. aus Köln oder Essen. PBY/F1online (kl. im Freiheitsjahr 48. Der lässt sich auch gern was vom Pferdeapfelattentat auf den preußischen König erzählen. Wie andere junge Designer hat DivaS für ihre Kollektion eine Kleiderstange beim Friseur gemietet. etwas ruhiger. Was gibt es denn da Feines? Gar nicht so Feines. dass er die Kunststadt Düsseldorf noch 25 Jahre nach seinem Tod leuchten lässt. Doch.misprint. Vom Café Bittner. wie Japaner eins ihrer liebsten Schnellgerichte mögen. Gedruckt wird auf alles. Mit stoischem Schwung hämmern sie unaufgefordert auf die Tische. wenn man vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt spaziert. Jahrhundert gerollt. in der Karte blätternd. dem Geschäft eines Szenefriseurs. In schmucklosen Imbissen wie dem Kikaku. Seit sechs Jahren betreibt die Künstlerin im Stadtteil Flingern ihr Ladenatelier Misprint.). dass es den Menschen nicht nach Brot verlangte. Aber die spannendsten Entdeckungen macht man eine Preislage darunter. als dieser je geschrieben hat. Für Hertsch die günstigste Methode. Als Laie denkt man ja.. Wer von nebenan kommt. Geschäftspartner der wiederaufgebauten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. CHRISTOF SIEMES Die Mode Melonenmuster-Unterhemden für den stilbewussten Rebellen Neulich waren Betontod da. blieb nur der Name. Ein Beuys-Stadtplan. was er hat. Ist man wirklich in Düsseldorf.REISEN 12. wer sie sind. linker Hand. stellte Joseph Beuys die Düsseldorfer Duldsamkeit immer wieder auf die Probe. wird einem wunderlich zu Mute. Hier haben sich seit der Nachkriegszeit über vierhundert japanische Firmen niedergelassen. Günter Grass). Und – gerade jetzt – das Museum Kunstpalast.info. und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist. Überall die gleichen aseptisch sortierten Luxusholdingläden mit standardisiertem Verkaufspersonal samt global kompatiblem Fetischdisplay. dass ihr Altbier deren Gipfel markiert? Kein Düsseldorfer Overstatement leuchtet mehr ein. Jahrhunderts. Die »Pralinenschachtel« ist auch noch drauf – die hat nicht mal Beuys beiseite räumen können. ach. als seien sie aus dem Mittelalter ins 21. Berliner und Münchner mögen zeigen. oder von den Radschlägern und ähnlicher Folklore. Bernsteinfarben glimmt es im kurzen Glas. zeigte in der Wohnung von Jörg Immendorff eine Filzhülle für Konzertflügel. Das hält frisch und zögert den Absacker hinaus. ob Kurfürstendamm. und sinnt dem leichten Rauchgeschmack nach. der Limbecker oder ähnlichen Budengassen des Grauens. ob Jungfernstieg. Klosterstraße und Oststraße markiert die Grenzen von KleinTokyo. Eine Millionenstadt ist Düsseldorf nicht. wenn man in der Hausbrauerei Uerige ist und sich fühlt. Aber niemand von ihnen isst. dass oberirdisch nichts mehr los wäre: knapp vier Dutzend Galeristen. Auch wenn das heißt. So macht man das hier. für das flanierende Publikum von den herrlichen alten Bäume diskret verdeckt. Das Lichtburg-Kino! Fuchs-Greven für den geschmackvoll gestalteten Salon! Nur das Porzellanhaus Franzen (von 1820) harrt noch aus und natürlich die Galerie Paffrath (seit 1867) mit ihren charmanten Oberlichtsälen und den lieben. die Mauern und Wassergräben. wo man sich an den Tresen setzt und zum Bier ein paar Häppchen bestellt. Gut möglich. Seeteufelleber . Der hat mit all seinen Kunstbatterien aus Fett. Und doch bleibt es die Kö. nun ein Museum ist. darunter Veteranen der wilden Zeit wie Hans Meyer und Konrad Fischer. Bräsiges Bierbankhocken ist nichts für Düsseldorfer. gehen betagte Damen zum Friseur und Werbeleute in die Agentur. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 65 Düsseldorf: Five points Die Stadt des Eurovision Song Contest hat ein bisschen Applaus verdient Fotos: Fulvio Zanettini/laif (gr. die Geschäfte und Restaurants. Düsseldorfer glauben das sofort. MICHAEL ALLMAIER Das Altbier Bernsteinfarben glimmende Gläser. die so wirken. Individualisten. Man erschnuppert den Duft von Röst.. Evolutionsbiologen wollen nämlich entdeckt haben. Susanne Hertsch passt nach Flingern. an denen der heilige Jupp sein Leben als soziale Plastik führte. opake Front der Banken. sondern verbarrikadiere. der an Fleischerhaken von der Decke hängt. Lang vergangen die großen Namen. unter der Direktion des wunderbaren englischen Bildhauers Tony Cragg zeigt der kosmopolitische Lehrkörper mit Rosemarie Trockel. angelegt in den ersten Jahren des 19. wenn doch klar ist. die berühmten klebrigen Reiskuchen. beschwingt auf die Tische gehämmert Am Anfang war das Bier. Zu Gitarrenriffs von Motörhead tanzen Frauen in Leder. Darauf sitzen meistens Leute. die man hier kaufen kann: eigenwillig und auf charmante Weise zusammengewürfelt. von Rubens über Kirchner bis. mehr Werke von Mann besaß. forderte den Abriss der städtischen. doch eine Künstlerstadt ist Düsseldorf immer noch. vertrauen auf Susanne Hertsch. ullstein. schmierte mit Bazon Brock Fettecken ins Fernsehstudio. Und von Heinrich Heine natürlich: »Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön. dass das eigenwillige Haus von Alfred Schmela. Netze flicken und Fischgerichte zubereiten kann und im Besitz eines Angelbootes mit Motor ist. gelangt in ein Hinterzimmer mit blutrot verschmierter Badewanne und einem alten Gesichtsbräuner. und auch auf Deutschlands kleinen Boulevards sieht es nicht anders aus. Die Tradition. die großen Boulevards Europas von den Champs-Élysées bis zum Newskij Prospekt. Die Professoren an der Kunstakademie sind international erste Sahne. weil immer auch ein Schuss Ignoranz dazugehört. Essen gibt es nur drinnen. Darin zechen hornbebrillte Werber mit Rentnern in PopelinBlousons. betonbrutalen Kunsthalle. der Turner-Preisträgerin Tomma Abts. Beuys. dem einheimischen Gewächs Katharina Fritsch. Hier wippt man beim Trinken auf den Fußballen. jetzt entwirft sie die Outfits der Toten Hosen. Die Düsseldorfer nehmen es rheinisch gelassen. Punks müssten ihre Mode selbst entwerfen. spürt beim Trinken. Alle Arten von Nudelsuppen mit geräuchertem Schweinebauch. Aussschnitte im Uhrzeigersinn) Die Düsseldorfer Rheinpromenade im Abendlicht Die Kö Unverwüstlich grandiose schnurgerade tausend Meter Haben sich ja alle ein bisschen in Duty-frees verwandelt. als der Laden noch Weißer Bär hieß. SANDRA DANICKE . Vor St. Das schönste und eigenste aber ist der stille Kanal in der Mitte. hat es ja nicht weit zu einer der fast zwanzig Bars in der Nachbarschaft oder zum Ableger des Na Ni Wa gleich über die Straße.und Karamellmalz. In dem traditionellen Arbeiterviertel bosseln Handwerker in kleinen Betrieben. wo die Altstadt zur Kirmes verkommt. dann prügeln ihnen tätowierte Männer den Zapfhahn hinein. Seine Gäste sehen aus wie die zottelige Band von Alex Harvey. SVEN SIMON. der seinen niederrheinischen Querkopf mit einem Filzhut zu bedecken pflegte.

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BLICKFANG

DIE ZEIT No 20

REISEN

In der Warteschleife
Oft preisen Urlauber nach ihrer Heimkehr aus der Karibik die Freundlichkeit der Menschen, die, wie es den Besuchern scheint, mit so wenig Besitz so glücklich sein können. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Selten blicken wir, die nach Erholung und Unbeschwertheit suchen, hinter die höfliche Fassade, wo mehr Sorgen, Nöte und Ängste toben, als wir wahrhaben möchten. Der amerikanische Fotograf Alex Webb, Mitglied der Pariser Fotoagentur Magnum, ist ein Kenner der Region. Auf seinen Bildern aus Haiti, Puerto Rico (unser Foto), Kuba, Jamaika, Trinidad und Tobago, Curaçao und Nicaragua, von den Antillen und der Dominikanischen Republik sieht man die Menschen selten lachen. Sie wirken in sich versunken, nachdenklich, gelangweilt von einem Leben in der Warteschleife auf eine bessere Zukunft. Und Webb lässt sie sein, in goldgelbem Licht und strahlenden Farben. Selten hatte die Karibik in einem Bildband ein menschlicheres Gesicht. KCB
Nikolaus Gelpke (Hrsg.): Karibik. Fotografien von Alex Webb. Mit Texten von Karl Spurzem. Mareverlag, Hamburg, 2011, 124 Seiten mit MusikCD; 58 Euro

Foto: Alex Webb/Magnum Photos

REISEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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A

ls Brutus das Licht der Welt erblickte, malte Cézanne noch romantisch, und Richard Wagner komponierte den Ring des Nibelungen. Amerika war eine Nation der Sklavenhalter, Singapur und São Paulo waren Provinznester. Telefon, Autos und Kinos kannte man damals noch nicht; noch nicht einmal die Schreibmaschine war erfunden. Die Welt, in die Brutus geboren wurde, gibt es nicht mehr. Doch die Aldabra-Riesenschildkröte tut weiterhin das, was sie schon immer tat: schiebt ihren schweren Panzer über die Seychelleninsel North Island, grast gemächlich im Schatten von zerzausten Kokospalmen, sieht die Sonne über dem Indischen Ozean aufgehen und untergehen. »Wo warst du, Brutus? Wir suchen schon den ganzen Tag nach dir«, sagt Linda Vanherck. Die belgische Biologin hat ihren ältesten Schützling schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Irgendwo im Sumpfgebiet muss er sich herumgetrieben haben. Dort verloren sich jedenfalls die Schleifspuren seines schubkarrengroßen Panzers. Linda begrüßt das Ungetüm wie eine Mutter, die soeben ihr ausgebüxtes Kind wiedergefunden hat. Ihre Freude über das Wiedersehen zeigt sich in feinen Lachfältchen, die ihre blaugrauen Augen umspielen. Auf etwa 150 bis 160 Jahre schätzt Linda das Alter der Riesenschildkröte. Und auch wenn es scheint, als sei hier noch alles wie früher, ist die Zeit auf North Island nicht stehen geblieben. Die nur zwei Quadratkilometer große Insel hat sich vom Dschungel in eine Kokosplantage und schließlich in ein beliebtes Reiseziel von Hollywoodstars und Superreichen verwandelt. Menschen kamen und gingen, einst in Fischerbooten. Heute reisen sie in Hubschraubern an, lassen ihre riesigen Koffer von Bediensteten über den Sand tragen und werden von Mädchen in weißen Kleidern wie Majestäten empfangen. Butler bringen ihnen Champagner, Sushi und Schalen mit ausgewählten Früchten. Man hat ihnen Hütten gebaut – in Wahrheit sind es Paläste aus Tropenholz mit Bädern aus weißem Marmor. Mit Betten so groß wie die Verschläge der Plantagenarbeiter, die einst die Kokosnüsse ernteten.

Wir haben die Kröten
Auf der Seychellen-Insel North Island erholen sich die Stars – und finanzieren ein Arche-Noah-Projekt VON WINFRIED SCHUMACHER

»Wir reden sogar mit Eiern«, sagt die Biologin Linda Vanherck
Brutus steht auf vier gewaltigen Füßen inmitten einer Lichtung, ein Fels von einem Tier. Doch an seiner rechten Seite ist deutlich eine Narbe zu sehen. Die mittlere Schildpattreihe ist zertrümmert. An einem Tag im Jahr 2007 hatte die Schildkröte eine schmerzliche Berührung mit dem Tourismus. Ein betrunkener Urlauber übersah ihren Schlafplatz auf dem Hauptweg von North Island und prallte mit seinem Elektromobil gegen ihren Panzer. Linda versorgte seine Wunden, bis der Riese wieder in gewohntem Stolz über die Insel spazieren konnte. Die zierliche Frau mit dem silbergrauen Seitenzopf geht vor Brutus in die Hocke und tätschelt ihn liebevoll. Er lässt sich genüsslich den faltigen Nacken kraulen. Linda Vanherck hat ihr Leben dem Naturschutz verschrieben. Schon als Kind in Belgien träumte sie davon, wie die Gorilla-Forscherin Dian Fossey nach Afrika zu reisen. Nach einem Biologie-Studium in Löwen forschte sie an der Universität Kapstadt. Sie arbeitete als Guide in südafrikanischen und namibischen Nationalparks und betreute verschiedene Umweltprojekte der Vereinten Nationen im südlichen Afrika. Auf die Seychellen lockte sie 2005 die Chance, North Island zu renaturieren. Seit ihrer Erschließung im frühen 19. Jahrhundert war die Insel eine Plantage. Arbeiter gewannen aus den Kokosnüssen Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch, die Grundlage für Kokosöl. Nach dem Zusammenbruch der Kopraindustrie in den 1970er Jahren wurde North Island verlassen. Die zurückgebliebenen Ratten, Katzen und Schweine vermehrten sich unkontrolliert und verdrängten die einheimischen Tiere. 1997 kaufte eine Eignergruppe um den Detmolder Unternehmer Wolfgang Burre die verwilderte Insel und beschloss, sie zum Deluxe-Ökoresort umzuwandeln. So entstand das Arche-Noah-Projekt. Mit Setzlingen und Saatgut von anderen Seychellen-Inseln begann die

Brutus (oben) ist geschätzte 150 bis 160 Jahre alt. Unten: Die Biologin Linda Vanherck mit weiteren Schützlingen

Wiederaufforstung des ursprünglichen Tropen- elf Gästevillen entlang des Hauptstrands sind in waldes. Nach und nach wurden die tierischen der Inselvegetation kaum auszumachen, obwohl Eindringlinge ausgerottet. Die Insel ist heute sie über eine Grundfläche zwischen 450 und 750 rattenfrei. So können sich wiedereingeführte Quadratmetern verfügen. Neben anderen AnArten wie der äußerst seltene Mahé-Brillenvogel nehmlichkeiten bieten sie den Berühmten und ungestört vermehren. Mittlerweile leben 85 Rie- Reichen dieser Welt vor allem den Luxus der senschildkröten auf der Insel, zudem etwa 20 Abgeschiedenheit. seltene Sumpfschildkröten, die wegen eines HoÜber die Gästeliste wird auf North Island telneubaus auf Mahé, der Hauptinsel der Sey- strenges Stillschweigen bewahrt, doch im Interchellen, heimatlos geworden waren. net kursieren Berichte, denen zufolge Brad Pitt Linda liebt es, Besuchern auch die kleinen und Angelina Jolie, Julia Roberts, Paul McCartWunder ihres Refugiums zu zeigen. »Hey, ihr ney und Bono bereits hier gewesen sind. Salma beiden«, begrüßt sie zwei Paradies-Fruchttau- Hayek verbrachte ihre Flitterwochen in einer der ben, die in einer Baumkrone an wilden Feigen Villen. Die Beckhams sollen zu ihrem zehnten picken. Wegen ihres weiß-blauen Federkleids Hochzeitstag die ganze Insel gemietet haben. und des roten Kopfs wird der Vogel auf Kreo- Laut Pressespekulationen plant sogar das Prinlisch Pizon Olande, »Holländische Taube«, ge- zenpaar Kate und William, seinen Honeymoon nannt. Sie gehören zu einihier zu feiern. Der Hamburgen endemischen, nur auf ger Insel-Makler Farhad den Seychellen vorkomVladi bestätigt, dass er North menden Arten. Island an die britische Krone Die Kosten für das Arvermietet hat. Den Termin che-Noah-Projekt soll das Anreise: Condor (www.condor.de) behält er für sich. Luxusresort tragen. Direkt fliegt direkt von Frankfurt am Main Linda interessiert sich hinter den Gästevillen liegt auf die Seychellen nicht besonders für die ein Hain mit Hunderten Stars, aber ein paar kuriose Kokospalmen. Linda mag Unterkunft: North Island gehört zu Geschichten kennt sie doch. sie nicht, auch wenn den den exklusivsten Reisezielen weltweit. Sie erzählt von Gästen, die Touristen der Anblick ge- Eine Übernachtung kostet all-inclusive ihr Mineralwasser aus Fifällt. »Das ist reine Mono- ab 2100 Euro pro Person dschi einfliegen ließen, von kultur. Man hat diesen Teil einer Dame, die mit viererhalten, um zu zeigen, wie Riesen- und Meeresschildkröten las- zig Paar Schuhen auf der es hier zur Zeit der Kopra- sen sich auch auf anderen Inseln der Barfuß-Insel landete, und Seychellen beobachten. Am Strand der industrie aussah.« Anse Kerlan auf Praslin legen Suppen- von einem aufgebrachten Vom ursprünglichen Tro- und Karettschildkröten ihre Eier ab. Bräutigam, der in der ersten penwald sind nur wenige Constance Lémuria Resort (Anse Ker- Nacht der Flitterwochen Hektar erhalten. Linda geht lan, Praslin, Tel. 00248-428 12 81, mit dem Hubschrauber ausvoran. Nach wenigen Mi- www.lemuriaresort.com). Junior-Suite geflogen werden wollte. nuten wird die Vegetation ab 330 Euro; La Digue ist bekannt für »Die meisten Gäste verhaldichter und wilder. Über ihre Riesenschildkrötenkolonie. Berni- ten sich aber unauffällig«, uralten Takamaka- und Ka- que Guest House (La Passe, La Digue, sagt Linda. Sie weiß, dass tappenbäumen flattern krä- Tel. 00248-23 42 29, www.bernique- ihr Arche-Noah-Projekt auf hengroße Flughunde. Unter guesthouse.com). DZ ab 95 Euro umweltbewusste Vermögenausladenden Fächerpalmen Veranstalter für umweltbewusste de angewiesen ist. rascheln giftgrüne Eidech- Seychellen-Reisen: Reiseservice Africa Am nächsten Morgen sen durchs feuchte Laub. (Bauseweinallee 4a, 81247 München, ist es so weit. Linda taucht Linda und ihr Arche-Noah- Tel. 089/811 90 15, www.reise mit einem Plastikeimer am Team haben Kokospalmen service-africa.de) Strand vor den Gästevilaus dem Wald entfernt und len auf. Elf der frisch AFRIKA geschlüpften Karettdafür endemische Arten an- Auskunft: Seychelles Tourist Office Deutschland. Tel. schildkröten sind in gepflanzt. der Nacht aktiv geLinda kultiviert für das 069/29 72 07 89, www. worden und nun reif Renaturierungsprojekt Hun- seychelles.travel für die Freiheit. Linda derte von Pflanzen in der kippt den Eimer vorinseleigenen Baumschule. North Island Praslin sichtig auf den wei»Besonders stolz sind wir Island ßen Sand, die auf unsere Coco de Mer«, sagt sie. Die Silhouette Schildkrötenbeginberühmte Seychellenpalme hat die S E YC H E L L E N Island nen sogleich, den größten Samen, die es im Pflanzenreich Indischer Ozean Wellen entgegenüberhaupt gibt. Weil die gewaltigen zuwackeln. Nur weKokosnüsse an ein weibliches Becken Mahé Island nige Meter trennen erinnern, ranken sich viele Legenden sie vom Wasser. um die Palmenart. Angeblich setzten ZEIT-Grafik Ihr Spurt über den Könige und Sultane einst hohe Summen 10 km Sandstreifen ist nicht unfür ein Exemplar der sagenhaften Nuss aus, gefährlich; die Fressfeinde die hin und wieder an fremde Küsten geschwemmt wurde. Ihren wahren Herkunftsort warten schon. Aber sobald eine Strandkrabbe angreifen will, stampft Linda kräftig auf und kannten sie nicht. verscheucht sie. »Los, ihr Kleinen, ihr schafft das!«, spornt sie die Brut an. Die Schildkröten Angeblich sollen Kate und William schieben sich auf ihren Flossen mühsam vorhier ihre Flitterwochen verbringen wärts. Bei den ersten Versuchen wirft die Nicht weit von der Baumschule hat Linda ihr Brandung sie zurück auf den Sand, doch dann Büro in einer einfachen Hütte eingerichtet. Hier sind sie alle in den Wellen verschwunden. Nur stapeln sich Bildbände über Fauna und Flora ein offenbar geschwächtes Exemplar bleibt und dicke Ordner bis unter die Decke. Die Bio- auf seinem Panzer liegen. Vergeblich versucht login führt genau Buch über die Entwicklung es, sich auf den Bauch zu drehen. Linda auf ihrer Arche Noah. Aber sie bekennt: »Ich bin nimmt das kraftlose Tier in die Hand und kein Büromensch.« In der Mitte des Raums ste- trägt es ins Wasser. »Mach’s gut, Kleiner!«, ruft hen zwei große, mit Tüchern verhängte Styro- sie ihm nach. Einen Großteil ihres Lebens werden die porboxen. »Na, wie sieht es denn heute bei euch aus?«, fragt sie in eine Kiste mit der Aufschrift Schildkröten im Ozean verbringen. Wenn sie »Unbekannt VII« hinein. Zu sehen ist nichts als Raubfischen, Seevögeln, Fischernetzen und Meefeiner Sand. »Manchmal reden wir hier sogar mit resverschmutzung entkommen, werden sie irEiern«, sagt Linda. Die Box enthält nämlich das gendwann zur Eiablage an diesen Strand zurückGelege einer Karettschildkröte. Linda hat das kehren. Forscher schätzen, dass es ungefähr 30 Nest umquartiert, als sie sah, dass es sonst vom Jahre dauert, bis die erwachsene Schildkröte das Meer weggespült worden wäre. In einer anderen Wasser wieder verlässt, um in den Sand, in dem Kiste sind die ersten Schildkröten bereits ge- sie einst geboren wurde, ein Nest zu graben. Die schlüpft. Noch liegen sie erschöpft auf dem Beckhams, Brangelina, Kate und William wird Sand, aus dem sie sich gerade herausgegraben man womöglich längst vergessen haben. Aber haben. Wenn sie anfangen zu zappeln, wird Lin- wer weiß, ob dann nicht eine Riesenschildkröte namens Brutus ihren schweren Panzer noch imda sie ins Meer entlassen. Es ist die Mischung aus ehrgeizigem Umwelt- mer über North Island schiebt. projekt und exklusiver Robinsonade, die North Island zum Ziel des Jetsets werden ließ. Ökotourismus ist in Mode unter Topverdienern. Die www.zeit.de/audio

North Island

Fotos: Winfried Schumacher für DIE ZEIT (o. und u.); Frank Heuer/laif (m.)

CHANCEN
Spezial: Bachelor & Master
Wie lange Studenten wirklich lernen, wo die Studienreform besonders gut umgesetzt wurde (ab Seite 74) und warum es noch schwer ist, die Uni zu wechseln (Seite 76)

S. 81

BERUF

Gesucht: Forscher. Zum Beispiel, um das Klima zu retten. Der dritte Teil unserer Serie über Berufe mit Zukunft

LESERBRIEFE S. 96 DIE ZEIT DER LESER ab S. 82 STELLENMARKT
S. 95

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.olafdeharde.com; kl. Foto: privat

1960er Jahre

Ach, dieser Stress
Gerade einmal 23 Stunden wenden Studenten pro Woche für die Uni auf, zeigen neue Studien VON JAN-MARTIN WIARDA
Auf den folgenden Seiten erzählen Absolventen aus sechs Jahrzehnten von ihrem Studium

Wolfgang Wiese, GrafikdesignStudent von 1966 bis 1969: »Mein Studium an der Werkkunstschule Bielefeld war absolute Freiheit für mich. Ich war begierig, so viel zu lernen wie möglich: Malerei, Grafik, Fotografie, Kunstgeschichte. Dieses Über-den-Tellerrand-Gucken habe ich mir auch im Beruf bewahrt. Jetzt, als Rentner, bin ich an die Uni zurückgekehrt und studiere Alte Geschichte. Leider kommt es mir vor, als wären die Studenten nicht mehr so frei wie damals. Sie wirken fast etwas verbissen.« Alle Protokolle:
LISA SRIKIOW

A

ls Erik Beuck in sein erstes Semester startet, erreicht der Bildungsstreik gerade seinen Höhepunkt. Herbst 2009: Überall im Land besetzen Studenten Hörsäle, ziehen durch die Innenstädte und fordern das Ende aller Spardiktate. Eines der bestgehassten Wörter ist »Bologna«, die Hochschulreform wird zum Synonym für Effizienzdruck und sinnentleertes Turbolernen. »So ist es wohl«, denkt Erik Beuck, schließlich hat er es überall so gehört – und marschiert mit. Knapp zwei Jahre später sitzt der 27-Jährige vor der Auswertung seines Lernkontos und schüttelt den Kopf. Exakt 18,97 Stunden ergibt das Protokoll seiner Studierzeit: 18,97 Stunden pro Woche, die er im Schnitt für Vorlesungen, Übungen, Hausarbeiten, Referats- und Klausurvorbereitung aufgewendet hat. Bin ich ein Halbtagsstudent?, fragt Beuck sich. Er kann es nicht glauben. Rolf Schulmeister war anfangs ähnlich überrascht. Der Informatiker leitet das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung an der Uni Hamburg, und als er vor zwei Jahren die Streiks beobachtete, war er überzeugt: Recht haben sie, die Studenten, dieser Bachelor ist eine Zumutung. Und weil Schulmeister Wissenschaftler ist, wollte er es beweisen. So stellte er mit seinen Mitarbeitern ein einmaliges Forschungsprojekt namens »Zeitlast« auf die Beine: 403 Studenten an Hochschulen überall in Deutschland protokollierten über Monate hinweg jede einzelne ihrer wachen Stunden.

Schulmeister sammelte 150 Tagesabläufe und insgesamt 1 466 184 Stunden. Als er erste Analysen durchrechnen ließ, war er zunächst sprachlos. Dann verwundert. Und schließlich kam er in Hochstimmung. »Genau deshalb bin ich Forscher geworden«, sagt er. »Weil ich nicht behaupte, schon alles zu wissen. Weil Fakten besser sind als Vermutungen.« Und Fakt ist: Der durchschnittliche Aufwand fürs Studium belief sich bei den Studienteilnehmern auf 23 Stunden in der Woche. Als Schulmeister vergangenen Herbst mit einem ersten Zwischenergebnis aus nur fünf Studiengängen an die Öffentlichkeit trat, war das Medienecho bereits gewaltig. Häme ergoss sich über die plötzlich als »faul« titulierten Studenten, die alle mit ihrer ewigen Jammerei hinters Licht geführt hätten. Häme bekam aber auch Schulmeister zu spüren, und zwar vonseiten einiger Forscherkollegen, die Methode und Aussagekraft seiner Untersuchung anzweifelten. Zu krass war die Abweichung von allen bislang bekannten Studien. Das renommierte Hochschul-Informations-System (HIS) etwa war in seiner Studie auf geschlagene 13 Stunden mehr pro Student gekommen. Auch deshalb legte Schulmeister nach. Das Ergebnis: Obwohl er den Kreis der untersuchten Studiengänge von sechs auf mittlerweile 18 erweitert und auch vermeintliche Paukfächer wie BWL oder Ingenieurwissenschaften hinzugenommen hat, blieb der gemessene durchschnittliche Studienaufwand in etwa gleich – bei großen individuellen Abweichungen. »Natürlich gibt es die Studenten, die 40 Stun-

den in der Woche studieren«, sagt Schulmeister. »Aber sie sind die Ausnahme – im Gegensatz zu denen, die 15 Stunden und weniger fürs Studium aufwenden.« Noch überraschender: Zumindest in den untersuchten Studiengängen waren die angeblich besonders geforderten Ingenieurstudenten (24 Stunden) und BWLer (25 Stunden) keineswegs arbeitsamer als die dem Klischee nach so entspannten Lehramtsstudenten (27 Stunden) und Erziehungswissenschaftler (23 Stunden). Und eines hat Schulmeister besonders erschüttert: »Die investierte Zeit hat keinen Einfluss auf Noten und Studienerfolg.« Die fleißigeren Studenten sind im Schnitt keineswegs die besseren. Aber wie kann das alles sein? Und wie kommen die enormen Unterschiede zu anderen Studien zustande? Ganz einfach, sagen Schulmeisters Forscherkollegen: Seine Daten seien nicht repräsentativ, teilgenommen hätten ein paar Hundert Studenten aus einer Handvoll Studiengänge, die auch noch aufgrund der persönlichen Initiative ihrer Studiengangsleiter bei der Untersuchung mitgemacht hätten, da sei die Verallgemeinerbarkeit schon arg begrenzt. Die HIS-Forscherin Elke Middendorff spricht von einem »dirty panel«. Ihr Kollege Tino Bargel von der Konstanzer AG Hochschulforschung, deren Studierendensurvey seit 30 Jahren zu den meistbeachteten repräsentativen Studien an Hochschulen überhaupt gehört, drückt sich zurückhaltender aus: »Die Ergebnisse von Zeitlast sind äußerst beeindruckend, die Methode der Datenerhebung ist innovativ, allerdings muss man angesichts der nicht zufälligen Aus-

wahl der Studiengänge vorsichtig sein, weiterführende Schlüsse für alle Studenten in Deutschland zu ziehen.« – »Wer so was sagt, hat die Methode unserer Studie nicht verstanden«, sagt Schulmeister knapp und verweist auf die »enorme Datendichte« angesichts von anderthalb Millionen protokollierten Stunden und die Länge der Untersuchung über fünf Monate hinweg. Das HIS hatte das studentische Zeitbudget für die 2007 erschienene, als repräsentativ geltende 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhoben. Der zufolge lag die durchschnittliche Belastung von Bachelorstudenten bei 36 Wochenstunden. Eine »äußerst besorgniserregende Entwicklung«, kommentierten Studentenverbände, Professoren und Politiker. Das war schon damals gewagt – schließlich war die vom HIS ermittelte Zeitbelastung bei den alten Studienabschlüssen ganz ähnlich. Ein entscheidender Unterschied zu Schulmeisters Studie ist jedoch die Methode: Die an der Sozialerhebung beteiligten Studenten mussten ihren Zeitaufwand fürs Studium lediglich schätzen, während Schulmeister seine Probanden sauber mitprotokollieren ließ. Schätzen sollte Erik Beuck erst am Ende. Bevor die Forscher ihm die Ergebnisse seines Zeitkontos präsentierten, baten sie den Lehramtsstudenten, die Stundenzahl anzugeben, die seiner Meinung nach seinem wöchentlichen Studienpensum entsprach. Beuck wusste da bereits, dass er nicht zu den fleißigsten Studenten gehört. Die Praxis liegt ihm mehr,
Fortsetzung auf S. 72

Widersprüchlich
»Die Ergebnisse freuen mich außerordentlich«, kommentierte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Studien des HIS, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die vor der zweiten Bologna-Konferenz am 6. Mai erschienen. DHV-Chef Kempen entgegnet: »Die Studien, die aus dem Hause Schavan kommen und nach Lesart der Bundesministerin den angeblich notorischen Kritikern der Bologna-Reform den Wind aus den Segeln nehmen, belegen in der Regel das Gegenteil.« Was die Untersuchungen tatsächlich zeigen: Vieles in der Kritik an den neuen Abschlüssen war weit übertrieben, aber besser geworden ist durch die Reform noch zu wenig. So hat sich die Studienqualität in der Bewertung gegenüber den alten Abschlüssen kaum gesteigert. Und die Verunsicherung der Bachelorabsolventen durch die ständigen Warnrufe hat skurrile Folgen: Obwohl sie ihre Jobaussichten zum Teil sogar besser bewerten als die Inhaber alter Abschlüsse und die Bereitschaft von Firmen, sie einzustellen, groß ist, hängen die Hälfte der FH- und drei Viertel der Uni-Bachelors einen Master an.

besonders im Vorfeld der Klausurenphase. sucht er jetzt nach Erklärungen. heute nehmen die Studenten nur einen Business Case nach dem anderen durch.): Die Workload im Bachelor. Das bin ja nicht ich. sei bei vielen wirklich extremer Stress angesagt. sagt man sich. Die Fachhochschule Kiel etwa will ihre Studienstruktur neu organisieren und als ersten Schritt die Semester halbieren. Student Beuck bestätigt: »Die Spitzen in der Belastung prägen die Wahrnehmung.de/audio Ag Fordham www. kl. Das ist eine super Ausrede. dann ist ein tiefer Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Gerade hat eine Reihe von Studien im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergeben.97 Stunden. dass die internationale Mobilität der Studenten entgegen allen Vermutungen der Bologna-Kritiker zugenommen hat und dass Bachelorabsolventen erstaunlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben (siehe auch Kasten). »Wir haben nie behauptet. Hier offenbart sich. sich für Prüfungen anmelden. 30 Stunden.« Selbst Rolf Schulmeister sagt: »Eins zeigen auch unsere Daten. Angesichts der 18. 71 1970er Jahre Jürgen Studt. www. wie hehre Absichten zum Gegenteil des Erhofften führen können. sagt der stellvertretende Generalsekretär Stefan Grob. . BWL-Student von 1974 bis 1979: »Mit meinem Studium an der Uni Hamburg verbinde ich eine Freiheit. Beim Deutschen Studentenwerk äußert man sich betont differenziert. Das liegt an dem blöden Bologna-Studium. keine Umweltprobleme. 360 Seiten. was die Belastung der Studenten angeht. »Mit einer zeitlichen Überfrachtung des gesamten Bachelorstudiums hat das allerdings nichts zu tun«. Sie haben das Semester dort in vier Blöcke aufgeteilt mit jeweils anschließender Prüfung und dabei den durchschnittlichen Studienaufwand sogar gesteigert. »Allerdings muss man festhalten: Gerade für das Drittel der Studenten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Fortsetzung von S. sagt Schulmeister. die anderen Wochen vergisst man irgendwie. Außerdem die Klausuren: Tatsächlich sind sechs Stück in anderthalb Wochen keine Seltenheit. Meiner Generation ging es besser als der vor und nach uns: kein Krieg.« Gemeinsam mit der TU Ilmenau haben die Hamburger Forscher ihr neues Modell bereits ausprobiert. das offenbar jetzt auch andere zum Nachdenken bringt. Auch abgesehen von der Schulmeister-Untersuchung bekommt die Reform derzeit eher gute Presse. die fast an Unbekümmertheit grenzt.olafdeharde. ohne dass er sich schlimmer anfühlt: von 24 auf 31 Stunden. müssen wir das Studium in thematisch zusammenhängenden Blöcken organisieren.72 12. »Jahrelang haben sie rauf und runter geschrieben. 34. In der Statistikvorlesung waren wir zu acht. dass der Bachelor kaum zu schaffen ist. wird es schon eng. die manchen noch nach einem Dutzend Semestern aus dem Magisterstudium gehauen haben.« Diese Entschuldigung zumindest könnte sich bald erledigt haben. Ein Ergebnis. kein Aids. »Das hat mit den Medien zu tun«.« Doch was folgt aus der enormen Diskrepanz zwischen »subjektivem Empfinden und objektivem Sachverhalt«. Hausarbeiten schreiben. bleibt eine andere«.« schon jetzt arbeitet er freiwillig jede Woche einen Tag in einer Schule. zumal auch deutlich mehr Lernkontrollen geschrieben werden als früher. Ich habe zudem den Eindruck. die viele streikende Studenten so erbost hat? »Meine subjektive Wahrnehmung als Hochschullehrer. nämlich dass der Studienaufwand sehr ungleich verteilt ist. und die Prüfungen ballen sich nicht am Semesterende. Doch gilt die Entwarnung auch für die angebliche Überfrachtung des Studiums. sagt er. Buchtipp: Rolf Schulmeister/Christiane Metzger (Hrsg. sagt Bernhard Kempen. antwortete er also – und hielt sich für extrem realistisch. lernen. dann komme alles zusammen. Die semesterbegleitenden Klausuren sollten die gefürch- teten Hammerprüfungen am Ende des Studiums ersetzen. wenn man mal keine Lust hat aufs Lernen. Foto: privat gehendes Lernen möglich. Den Studienleiter Rolf Schulmeister haben sie dazu als Berater eingeladen. die neben dem Studium zwingend für ihren Unterhalt arbeiten müssen.90 Euro www.zeit.« Ein paarmal im Semester. dass die Professoren sich mehr von den Studenten abschotten – wie vor den sechziger Jahren. Vorsitzender der bolognakritischen Professorengewerkschaft Hochschulverband (DHV). die seine persönliche Auswertung dann ergab. Waxmann 2011. von der DHV-Chef Kempen spricht? Schulmeister sagt: »Anstatt die Studenten mit bis zu 14 Themenwechseln pro Woche zu konfrontieren. Der Preis: Jetzt zählt jede Klausur und löst Stress aus.com. dass die Lage der Studenten wegen des Bachelors per se schlecht ist«.

Deutsche Fachhochschulen. das Studium ließe tierten Zweig entscheiden können. die ohnehin einen gefühlte Druck ist hoch. Am »Ich habe mir die Konstanzer Uni bewusst ausSüdrand der Bundesrepublik. und die schaftliche Variante führt gezielt auf ein zweiAbsolventen wären mit ihrem ersten Hochschul. wie sie ist. das war schon früh klar. sagt Brielmann logie zum Beispiel oder Gesundheit und Arbeit.steht auf einem Pfeil. auf dem gesucht«. Die meisten diengang neu akkreditiert werden – das kostet. Follow the white rabbit den einen Schwerpunkt wählen. Und sagt Alois Loidl. Pferdeschwanz und kommt. wenn ich dung vermitteln zu können«. sagt Brielmann. zu Massendemonstrationen gegen die Bologna. sie fürchten eine Schmalspurnicht verbessern? ausbildung im Master. den sie zwischen die Präsenzzeit im Fachschaftssagt Aenne Brielmann und haut mit der Hand. Grundsätzlich ist für Studieverlängerten Studiengang zu reden. Sie hat Dienst im Fachschafts. eine zierliche. Ich wollte wissen. bei konsekutiven.schulpräsident Elmar Schreiber. über ihren näres Studienjahr sollen an einzelnen Hochschulen angeboten werden. Und das Studentenwohnheim wurde zu meinem Zuhause. »Wie soll ich eine wissenschaftlich wirklich gute Grundausbil.gleichen.Abschluss in der Tasche. der ruf einsteigen könnte. Auch Übergangssemester von der Schule Sommersprossen. Semester abgeschlossen sein. blie. Verschieben könne man auch in den vier Jahren rende ein längeres Studium ohnehin nicht auswenig. energische – ohne dass es zu einer Studienzeitverlängerung Person mit T-Shirt.und Methoden.und Musikund-Master-Struktur sollte Deutschland eigentlich hochschulen dauern drei Viertel der Bachelors fit für den europäischen Hochschulraum machen. kl. »Wenn es aber funktioniert.zweisemestrigen Master müsste man sich im Wespiel die Uni Bamberg die Regelstudienzeit ihres sentlichen auf die Masterarbeit konzentrieren«. Das weiß inzwischen landsjahr vor. Rechts-. auch mal andere starken Praxisbezug haben.Brigitte Rockstroh kennt diese Argumente und gibt zu: »Vier Jahre Bachelor plus zwei Jahre Masnungen. die neuen. »Cut.olafdeharde.logiestudium. Hochschulrahmengesetz räumen jeder Hochschule die Freiheit ein. Sie will in den Sportkurs. die man auf sieben oder acht chelor daher fast flächendeckend Semester umstellte. sieben oder acht higung des ersten HochschulSemestern festzulegen. Einige Universitäten wiederum sehen bei bematisch zu einer Entzerrung des Stundenplans. Aber ich habe mich schnell zurechtgefunden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 73 Längere Bachelorprogramme könnten die Stundenpläne entlasten. sagt Brigitte Rock. Die private Zeppelin Uni. Zeitproblem darf die Gesamtregelstudienzeit zum Teil bis heute.insbesondere die Ingenieur-. und grinst. sagt Brielmann. wobei sich die Studierenden Dabei scheinen die Vorteile einer Verlängerung nach dem sechsten Semester entweder für den auf der Hand zu liegen: Es bliebe mehr Raum für berufspraktischen oder den wissenschaftlich orienPraxis. es bleibt Zeit. Allerdings abschlusses stellten viele infrage. interdiszipliraum. der Sprecher der Universiacht Semester erhöht.tät Bonn. wenn immer möglich zu verbessern und res Bekenntnis zum dreijährigen Bachelor«.testen. »Es Hochschulen zeigen sich bei dem Thema zurück. Die wissensich flexibler und individueller gestalten.noch nichts vom Berufsleben mitbekommen stroh. Studiengangs Internationale BWL von sechs auf sagt Andreas Archut. dies zu ändern. weiß sie allerdings dem Wintersemester 2009/10 einen auch nicht. »Studieren«. Auch die Goethe-Universität in Frankfurt am Main plant im Fach Sinologie schiedlich langer Bachelorstudiengänge die Mobilität der Studierenden einschränken würde: Hocheine Umstellung auf acht Semester.« Dennoch zeigt sie sich von dem Konzept ihres Fachbereichs überzeugt: »Wir sind erst am Anfang. »Aber der Stundenplan Berg.« Probleme wie diese waren es.raum und das Biopsychologie-Seminar gequetscht kante auf das grau melierte Sofa unter ihr. noch betrachtet man uns als Exoten«. Heimelig war es an der Uni Hamburg nicht. sagt sie.« ter wären mir lieber. Politikstudentin von 1981 bis 1986: »Während der Schule wechselten meine Berufswünsche mehrmals.« B 1980er Jahre Juliane Papendorf. Klinische Psycho. Würden Studiengänbleibt für den Master versitäten lehnen den langen Bage. haben dies längst beVorlesungen zu besuchen oder etwas in Ruhe zu rücksichtigt: Nach Recherchen der Hochschulrekverdauen«. »Das Praxissemesunserem Fach sind vier Jahre das Minimum. Sie steigt auf das Sofa und klaubt einen achtsemestrigen Bachelor in Psychologie an. Die Psychologiestudentin Aenne Brielmann Ende zweites Semester. »Den meisten meiner Studenten fehlte bislang die Zeit. hier können die Studieren. WirtschaftsReform führten.« Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Professorin für klinische Psychologie und habe?« Auch die frühen Vertiefungsmöglichkeiten Studiendekanin.gilt. »Unsere Gleichung lautet: Argumente nur teilweise zu halten. Jeans. sagt sie. Aber: Dann Die forschungsorientierten Unidauer vor.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. ab phase zu wenig Zeit. sagt sie. Orientierungsmodule? Deadline geschlossen. eine sechssemestrige Studienfestlegen. insbesondere an den nem achtsemestrigen Bachelor Universitäten. diese Unabhängigkeit hatte ich sogar gesucht. »In Übersichtsplan von der Wand. mit meinen Kommilitonen von dort bin ich noch immer befreundet.Ländergemeinsamen Strukturvorgaben und das ben Freiräume auf der Strecke – so die Kritik. Rein rechtlich ist das seit Jahren möglich: Die Stattdessen seien gerade die sechssemestrigen Bachelors mit Stoff und Prüfungen vollgestopft. samt Blick auf See und Alpen. Nur dass ich studieren würde.der Psycho-Oster-Party. So stellt zum Beispiel die Jade Hochschule Oldenburg/Wilhelmshaven/Elsfleth im nächsten Wintersemester alle ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge auf acht Semester um.torenkonferenz wiesen im vergangenen Wintersemester 44 Prozent der Bachelorstudiengänge zeit zu überschreiten bedeutete Stress. habe man keinen um ist bekannt für seine Fächer. die andere Option soll die Bachelorabsolventen optimal vorbereitet in abschluss besser qualifiziert. An Kunst. gerade eingeführten Modelle zu haltend.com. sagt HochStudiendauer beispielsweise führt nicht auto. »Den Studenten bliebe in der Eingangsversität in Friedrichshafen wirbt damit. Bereits hat. RegelstudienAuch die tatsächliche Berufsbefäzeiten von sechs. die Situation weniger Zeit ab. Abschlüsse ließen sich schlechter verHochschulen und Fachbereiche – ein bundeswei. Von der Wand des Fachschaftsraums starrt ein im vierten Semester beginnt die Einführung in die weißer Hase mit roten Augen vom Werbeplakat Anwendungsmodule. Sense«. inhaltlich auf ein Niveau Herbst 2011 als erste deutsche Hochschule alle zu kommen und später ihre wissenschaftlichen ihre Bachelorstudiengänge regulär vier statt drei Grundlagen zu vertiefen. Allerdings beschränkt sich das Phänomen der schulwechsel zwischen Bachelor und Master würden Studienzeitverlängerung bislang nur auf wenige erschwert. um ter finde ich sehr wichtig«. Foto: privat Aus sechs mach acht .mich sinnvoll spezialisieren können. Vor allem muss jeder verlängerte Stuter Trend ist mitnichten erkennbar. sagt Rockstroh. Auch die Konstanzer Psychologieprofessorin unsere Bachelorstudiengänge sind auf sechs Semester ausgelegt. ohnehin acht Semester. Die Umstellung auf die Bachelor.« Möglichkeiten gibt es viele. also aufeinanDie Forderung nach längeren Hochschulen können derfolgenden Studiengängen nur Regelstudienzeiten machte die die Studiendauer des zehn Semester betragen: Zu eiRunde. Und nach nur drei Jahren PsychoDas anwendungsorientierte Psychologiestudi. »macht immer noch Spaß. da in den zusätzlichen Semestern ebenfalls Leistun.« Die Universität Konstanz bietet seit Worauf sie verzichten würde.stimmten Studiengängen ein zusätzliches Ausgen erbracht werden müssen. heißt nicht sofort panikartig alles wieder umzustellen«. und es gibt derzeit keine Pla. Sie schaffen aber andere Probleme VON MAREN WERNECKE eginnen wir mit der Ausnahme. dass ein Parallelangebot unterJahre laufen zu lassen. Die Stundenpläne sind oft straff. Dort sehen etwa Bachelors flexibel auf gehörte demnach ein zweisemes95 Prozent der Bachelorangebote bis zu acht Semester triger Master. aus. warum die Welt so ist. »Wir haben aus allen Fakultäten ein kla. Basismodule? Sollten vor dem sechsmonatigen Berufspraktikum im fünften muss jedenfalls jetzt los. werden andere nachziehen. das im Rahmen des Bachelor-Plusauch die 20-jährige Psychologiestudentin Aenne Programms des DAAD finanziell unterstützt wird Brielmann aus Konstanz. Doch bei genauerer Betrachtung sind diese den Beruf entlassen. mit dem man in den Bevielfalt. der Ständige Vertreter des Prädie Universität des Saarlandes lässt wissen: »Alle sidenten der Universität Augsburg. sofern es Finanzen und Zeit zulassen.« Hinzu kommt.zur Universität oder ein zusätzliches. die im Jahr 2009 eine Regelstudienzeit von sieben Semestern auf. »Und die Regelstudien.semestriges Masterstudium hin. »In einem Einige Hochschulen wagen es: Neben der Universität Konstanz hat zum Bei. es zum Beispiel von der Universität Freiburg. keiner kommt. Eine längere Acht plus vier ist gleich zehn Semester«. ist immer noch unglaublich voll.und Auslandssemester.und Sozialwissenschaften. gefallen ihr.

Es gibt Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer und den ältesten Rosenstock der Welt. aber es muss sein. dass das. mit gerade einnmal knapp über 100 000 Einwohnern. zeigt die Universität Hildesheim erner Greve hat sich eine bunte Fliege umgebunden und wird gleich etwas sagen. Er soll den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten weiter vorantreiben. dass sie den Master schlecht fänden. Sie sind gekommen. das Preisgeld geht an die Fachschaft. muss sich Debatten stellen. was viele Menschen nicht hören wollen. Denn viele Universitäten haben die Proteste nicht konstruktiv genutzt. die sich direkt aus dem Aufbau des Studiengangs ergeben. »Missbildung«. Trotzdem findet Greve. Wer sich auf den Weg nach oben macht. wie man es besser machen kann. Zwei Tage. Sie wollten das Diplom zurück. Deswegen fragt der Stifterverband: »Welcher Studiengang verdient Lob und warum?« In der Begründung sollen ausschließlich Kriterien eine Rolle spielen. sind die Lehrinhalte aktuell? Lässt es Ihnen den Freiraum. dass die deutsche Hochschullandschaft auf Hildesheim blicken sollte. drei Mal die für den Master. In einigen Studiengängen wurden die Module geöffnet. Sie darf maximal 2000 »Bologna ist prima« Man muss die Studienreform nur richtig umsetzen. um zu diskutieren. Was ist nun an der Uni Hildesheim so anders als anderswo? Stellt man diese Frage dem Präsidenten Friedrich. um den Studenten individuelle Wahlmöglichkeiten zu geben. wo die drei besten ausgezeichnet werden. sagt Friedrich. Er sitzt in seinem UniPräsidium wie ein König. Natürlich ist jedem Studenten etwas anderes wichtig. Ein Formular für den Antrag steht unter www. Daraufhin richtete er einen sogenannten Bologna-Tag ein. den Kopf oben zu halten. Und die Studenten fühlen sich von der Universitätsleitung in ihren Anliegen ernst genommen. »Ich glaube. »Wir bevorzugen nicht den Top-down-. was in Hildesheim geht. Mai 2011 AUSSCHREIBUNG DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Lob dem Studiengang Der Stifterverband sucht die besten des Landes Verdient Ihr Studiengang die Auszeichnung »cum laude«? Ist das Studium besonders gut strukturiert. sondern bezeichnend für einen reformerischen Geist. Das klingt dann so: »Auch Cambridge war mal ein rotes Backsteingebäude in der Nähe von London. und prämiert die drei besten mit einmal 3000. Der von Bachelorstudenten oft angeprangerte »Prüfungsmarathon« wurde durch weiter gefasste Prüfzeiträume entzerrt. Die präsentieren sich dann Ende November in Berlin. eigene Schwerpunkte zu setzen oder vielleicht ins Ausland zu gehen? Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sucht Studiengänge. Er fragte die Studenten. sagt Werner Greve. »Wir sind das Hackfleisch in der Bolognese« oder »Dichter und Denker statt Bachelor und Banker« stand auf den Plakaten. sagt Greve hingegen nur. Sie sind die Antreiber auf den Campus. woanders ganz bestimmt auch geht«. Greves Abendrede ist nicht nur höfliches Gefasel. die auf der Bologna-Konferenz 1999 beschlossen wurde. einer klatscht. andere raunen. Die Uni Hildesheim hat sich mit ihrer Reformbereitschaft vom Hannoverschen Stiefkind zum bundesweiten Musterschüler gemausert. Eine Jury. der Leiter des Instituts für Psychologie. desto mehr Universitäten machten sich die Kritik der Studenten zunutze – oft für ihre eigenen Interessen. we can make it everywhere!« . Worte lang sein. Gleich mehrmals wurden die Studienordnungen überarbeitet Natürlich macht es Arbeit. Allem Studenten-Widerstand zum Trotz beweist die Provinz-Uni gerade. Die Studenten konnten kommen und in Workshops besprechen. Je lauter ihr Protest wurde. Werner Greve und Toni Tholen haben sich entschlossen. In Hildesheim sieht man es als Zeichen des Fortschritts. Greves Meinung nach ist Hildesheim auf dem aufsteigenden Ast. sondern stattdessen den alten Studiengängen nachgetrauert. denen – aus welchem Grund auch immer – besonderes Lob gebührt. sondern den Bottom-up-Prozess«.maegdefessel@stifterverband. eine Frage: Wie kann man die Bachelor-Master-Strukturen an den deutschen Universitäten verbessern? Nicht alle Teilnehmer des Forums sind von der Studienreform überzeugt. Den Studenten gefiel das. so eine Studienordnung immer wieder umzuschreiben. In Hildesheim studieren 5000 Studenten von bundesweit rund 2. einmal 2000 und einmal 1000 Euro. geht auch woanders« Wolfgang-Uwe Friedrich. dem Bologna-Koordinator Toni Tholen und Werner Greve maßgeblich bestimmt wird. sagt er. »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand. die Tausende Studenten in Deutschland 2009 während der Bildungsproteste über ihren Köpfen schwenkten. Credit Points wurden dem Aufwand angeglichen. Vergangenes Jahr gaben die neun größten technischen Hochschulen in Deutschland beVON NORA GANTENBRINK W kannt. ging der Bologna-Koordinator Toni Tholen einfach hinein. Studienordnungen innerhalb kurzer Zeit zu ändern. was genau sie blöd fänden. der in der Uni Hildesheim weht und der von Personen wie dem Uni-Präsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich. »Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«. Manche der Anwesenden nicken. Selbst der Asta-Referent der Uni spricht sich inzwischen öffentlich für die Bachelor. wählt eine Shortlist von sechs bis acht Studiengängen aus. Manchmal mischt sich schon etwas Größenwahn in seine Worte.stifterverband.« Hildesheim ist die kleinste Großstadt des Landes Niedersachsen. Juli.2 Millionen. was ihnen nicht passte. Greve und die Universitätsleitung Hildesheim aber schon.« »Was in Hildesheim geht. gebildeter Mann mit epochalen Gesten und vornehmer Art. die Prüfungsbelastung ist durch die Verringerung von Modulen reduziert worden. Und wie. Aber viele universitäre »Sesselpupser« sähen das nicht ein. »Schade ums Diplom«. »vergessen wir’s!« Die Umstellung von den alten Studiengängen auf die neuen sei eine echte Chance gewesen. dass Bildungskrisen auch Chancen bergen. Greve hebt sein Sektglas und sagt: »Bologna ist schon jetzt ziemlich prima!« Die Reaktionen der Zuhörer im Foyer des Römermuseums Hildesheim sind gespalten. Schicken Sie den Vorschlag mit dem Formular an daniela. Bologna heiße der Zug der Zeit. Wie das geht. Vorschläge können Studierende gemeinsam mit einer Fachschaft einreichen. die mehrheitlich mit Studierenden besetzt ist. oder Sie schauen. Friedrich ist ein großer.und Masterstudiengänge aus.de/cum-laude. son- dern vor allem auch eine Frage der Einstellung. Mittlerweile heißt der Bologna-Tag in Hildesheim »Dies academicus« und ist zum festen Bestandteil des Studienjahrs geworden. Für dieses Engagement hat die Hochschulrektorenkonferenz Hildesheim auf die Liste der »Good Practice«-Beispiele gesetzt. Vier Mal wurde allein an Greves Institut die Bachelor-Studienordnung überarbeitet. Und hierbei unterscheidet sich die kleine Universität momentan von mancher Massenhochschule. Und dass es nicht nur eine Sache der Größe und des Geldes ist. Hildesheim ist aufgesprungen. dann sagt der erst einmal »Tja«.de. Im Fokus steht die Frage: Wie kann man das Studium verbessern? In welchen Fachbereichen gibt es wo genau noch Probleme? Und: Wie sind sie zu beheben? Das Ergebnis: Die Module sind in Hildesheim flexibler geworden. An vielen anderen Universitäten gilt es als Niederlage. Einsendeschluss ist der 25. sagt er dann und weist auf die »spezielle Kommunikationskultur« an seiner Uni hin. ruft er zum Abschluss seiner Abendrede ins Foyer und breitet die Arme aus: »If we can make it here. Aber nicht nur die Studenten zeigten während der Streiks ihre Unzufriedenheit.74 12. Als die Hildesheimer Studenten während der Bildungsproteste den Hörsaal der Uni besetzten.

Umgekehrt müssen nun die Fachhochschulen von den Universitäten lernen. »Die nach Schema F zu belehren. So sollen erstens die Jahrgänge. worin sich die aktuellen Studienanfänger von den früheren unterscheiden: Jünger seien sie und weniger homogen.com. sich durch nichts vom Erreichen ihres Hauptziels abhalten zu lassen. aber ungeliebt. Tendenz steigend: Derzeit entstehen neue Hörsäle und Verwaltungsgebäude. dass es nicht genügt. in Richtung eines umfassenderen Bildungsbegriffes. in dem alte Menschen möglichst gern möglichst lange und möglichst selbstständig leben können. Die Coburger Studenten machen das ganz konkret. Sondern dass die Studierenden auch lernen müssen. dass die Zeichen der Zeit rückwärts deuten. kl. sieht er auch die Veste Coburg. Und zweitens kommt man so dem Orientierungsbedürfnis nach. Pötzl ist gerade aus dem roten Baucontainer ausgezogen. Bedürfnisse. Und: Diese Seminare besuchen angehende Architekten. Aber wir können ihnen einen Raum geben«. als es denjenigen recht sein dürfte. sondern für das Unternehmen. »Elfenbeinturm« ist die Assoziation. als er noch vor wenigen Jahren en vogue war. sagt Pötzl. Bauingenieure. Jetzt aber laufen sie Gefahr. Eigenheiten – darüber also.olafdeharde. Vor 20 Jahren waren die Studenten klassische Gymnasiasten und Fachoberschüler: schlau. Das. Mit Studierenden der Fakultäten »Soziale Arbeit und Gesundheit« und »Design« sprachen die angehenden Architekten auch über den Aktionsradius alter Menschen. die einem dazu in den Sinn kommt. »Interkulturelle Kompetenz«. Damit soll das Denken in Zusammenhängen erlernt werden. engagieren jüngere Lehrende mit flexibleren Arbeitsverträgen. die keinen Wehr. was die Hochschule Coburg derzeit umgestaltet. der ihn beherbergt hatte. Politik. Im zweiten Semester kommen Wissenschaftstheorie. sagt Pötzl. wie ein Haus gestaltet sein soll. Instrumentelle Bildung. Die Prüfungen werden ihnen später angerechnet. trivial erschienen. »Einführung in die Ethnologie«. Statik und Baukonstruktion. Wissenschafts-. wissenschaftlicher Anspruch und der Blick über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus.und Kulturgeschichte dazu. manche haben die Berufsoberschule absolviert. Je stärker Praxistauglichkeit angesichts der Schwerfälligkeit der Universitäten zum Gebot der Stunde wurde. was die Studierenden an den Gymnasien durch die Schulzeitverkürzung nicht gelernt haben. aber praxistaugliche Kräfte zur Verfügung zu stellen. die brauchen ihre Zeit. mit Ethik-Konzepten von Aristoteles bis Habermas und mit dem Unterschied zwischen geistesund naturwissenschaftlichen Methoden beschäftigen. Das heißt für die Hochschulen: Sie können immer weniger voraussetzen. Deshalb sollen sich alle Erstsemester in Coburg vom Wintersemester 2012/13 an mit philosophischen Grundlagen. zu viel in Michael Pötzls Aussicht aus seinem Büro hineinzudeuten: Auf einem Berg über Coburg liegt die Fachhochschule. entwickeln neue Studienfächer und unterstützen ihre Studenten beim Berufseinstieg. Knapp 4000 Menschen studieren hier. aber ihnen fehlten theoretische Grundlagen. Technik. und sie ist falsch. zum Opfer dieses Erfolgs zu werden – denn die Universitäten haben von ihnen gelernt. also rein zweckgerichtetes Lernen. um über ihre persönliche und berufliche Zukunft nachzudenken. hatte man im Zuge der Bildungsexpansion ab dem Ende der sechziger Jahre die Humboldtsche Einheit aus Lehre und For- schung aufgegeben – an Fachhochschulen lernten und lehrten vor allem Praktiker. ihre Lebensgewohnheiten. und Anfang der Siebziger wurde aus dem Polytechnikum eine Hochschule samt Betriebswirtschaft. das an den Fachhochschulen lange vernachlässigt wurde. das diese Zwecke hinterfragt. Er hat mich bis ins Berufsleben begleitet und berät mich noch heute – ich berate ihn allerdings auch. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 75 Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Dreierlei soll darin zum Ausdruck kommen: Anwendungsbezogenheit. entrümpeln ihre Curricula und ihren Verwaltungsapparat. Um dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete. desto erfolgreicher wurden die Fachhochschulen. Trotz dieser Umstände hatte ich in Hamburg einen engen Kontakt zu meinem Professor. nämlich der Ausbildung praxistauglicher Arbeitnehmer? Die Coburger haben erkannt. 2010 etwa entwickelten Architekturstudenten ein »Wohlfühlhaus für Jung und Alt« aus Holz für Bamberg. und wenn er sich nach links beugt. das dem eigentlichen Studium vorausgeht. Gesundheitswissenschaftlicher. ihr Tun in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. und sie zahlen keine Studiengebühren. Studierende. da ich studentischer Mitarbeiter war. entzerrt werden. das junge Leute haben. Foto: privat Praxisnähe reicht nicht aus Zur Ausbildung gehört auch Bildung. das nice to have ist. Lange fühlten sich die deutschen Fachhochschulen gleichermaßen als Musterschüler und Stiefkinder der Bildungsinstitutionen: effizient.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. aber auch »Die Gitarre in Theorie und Praxis« und ang- lizistisch Verklausuliertes wie »Social Contacts and Telephoning«. das klappt nicht«. Der Vorläufer der Hochschule Coburg war rein praktisch ausgerichtet: Vor 199 Jahren wurde die Handwerkerschule gegründet – ein Anlass für die FH. Fachkräfte gegen den Fachkräftemangel heranzubilden. 2012 soll es gebaut werden. An meiner alten Uni hatte es keine überfüllten Hörsäle gegeben – der Protest und die Stimmung an der neuen haben mich daher ziemlich beeindruckt. und dass umfassendere Bildung kein Add-on ist. Geburtstag zu feiern. Gesundheit und Gestaltung. Sie bemühen sich um ihre Studenten. Allmählich aber spricht sich herum. Ein Viertel bis ein Drittel der Semesterwochenstunden sollen so gestaltet werden. Zu lange galt der Grundsatz: Nicht für die Schule lernen wir. einsemestriges Studium generale eingerichtet. die dafür von der Praxis wenig Ahnung hätten. In den fünfziger Jahren kamen Elektrotechnik und Maschinenbau dazu. 1990er Jahre Markus Birzer. 112 Studierenden nehmen es derzeit in Anspruch. glaubt man an der Hochschule Coburg VON ANDREAS UNGER E s ist verführerisch. »Persönliche Reifeprozesse können wir nicht beschleunigen. die aus dem Beruf kommen. Materialkunde. seien meistens hoch motiviert und könnten sich gut selbst organisieren. Ist das ein hübscher Marketingeinfall? Oder vielleicht ein Zeichen für den Sinneswandel einer Hochschulgattung. Pötzl erzählt. Betriebswirtschaftler. die wiederum den Abiturienten.und VWL-Student von 1988 bis 1993: »Nach dem Vordiplom in Bamberg bin ich nach Hamburg gegangen und kam dort mitten im Streik des Asta an. Er ist der humanistischen Tradition näher. deren Präsident er ist. Denn Elfenbeintürme werden nicht so beherzt umund neu gebaut wie derzeit der Coburger Campus. aber noch grün hinter den Ohren. Sozialarbeiter und Versicherungswirtschafter gemeinsam. Technik. er sitzt über den Baumwipfeln. Produktdesigner. Deshalb haben die Coburger für den doppelten Abi-Jahrhang ein freiwilliges. Heute besuchen die Hochschule Coburg junge Leute mit vielfältigerem Bildungshintergrund: Manche haben das Abitur oder Fachabitur. im nächsten Jahr 200. kann den alten Stadtkern erahnen. müsse auch von einem Lernen begleitet werden. Bildung bedeutet zunächst: Orientierung.« . Dabei ging es nicht nur um Gebäudetechnik. die durch die Verkürzung der Schulzeit und die Wehrdienstaussetzung gleichzeitig an die Hochschulen stürmen. Auch so werden Inhalte anwendungsbezogen.und Zivildienst und ein Schuljahr weniger Zeit hatten. einige eine Berufsausbildung und drei Jahre Praxiserfahrung hinter sich. solange sein Zimmer noch nicht fertig war. Sie haben sich einen neuen Claim gegeben: »Die Projekthochschule«. Die Studenten schreiben sich ein und können aus etwa 50 verschiedenen Veranstaltungen wählen. sozialer Arbeit. in deren Augen das »allgemein« in »allgemeine Hochschulreife« in erster Linie für »nicht praxisrelevant« stand. die doch eigentlich stolz darauf ist. und das gilt nicht nur für Sachinhalte. Und das ist nicht das Einzige. darunter »Allgemeine Ethik«. müssen sie an den Hochschulen nachholen.

wird an seiner Uni Göttingen nicht angeboten. die eine Managementkarriere einschlagen wollen.« In langwierigen Prozeduren wird geprüft. die Meurer an seiner alten Uni besucht hatte. In Göttingen wollte sie auf Spanisch verzichten und stattdessen zwei Hauptfächer studieren. was natürlich auch eine positive Entwicklung ist. sollten an der neuen auf einmal nichts mehr gelten. sechs Semester später. und bei 18 Prozent lagen Prüfungsunterlagen nicht rechtzeitig vor.hochschule-biberach. Das allerdings ging nicht. Oktober startet der neue siebensemestrige Bachelorstudiengang »Umweltingenieurwesen – Bau« an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Ist mit Bologna tatsächlich alles komplizierter statt einfacher geworden? Nicht ganz. Ein engagierter Studienberater riet ihr daher. sagt Florian Pranghe. dass es den Verantwortlichen noch an Lösungsideen mangele. und habe einfach mehr ECTS-Punkte gemacht. um den Verwaltungsaufwand zu umgehen. an dem jetzt nachgebessert werden müsse. »Die Praxis der Hochschulen. Juni in Stuttgart. Während er auf eine Zusage wartet. hieß es.« Die Bildungsministerin Annette Schavan hat das Thema bei der Bologna-Konferenz vergangene Woche zu einem der zentralen Punkte der Reform erklärt. Er richtet sich an IT-Fachkräfte mit einem Hintergrund beispielsweise in Informatik. Zurück in seine Heimatstadt Berlin. ob ein Wechsel möglich ist.de Master für digitale Pioniere Die Zeppelin Universität (ZU) Friedrichshafen bietet ab Herbst einen berufsbegleitenden Masterstudiengang für digitale Geschäftsmodell-Innovationen an. denn ab einer gewissen Abweichung wird man nicht mehr zugelassen«. dass sie bei der Organisation des Wechsels weitgehend auf sich allein gestellt war und anders als ihre Kommilitonen an der neuen Hochschule keinen Kontakt zu den Professoren hatte aufbauen können: »Viele weigerten sich. Düsseldorf und Hamburg. Die besten Teilnehmer werden zum mündlichen Test am 8. oder 9. dass sich die Studienqualität gebessert hat.« In Marburg studierte sie Germa- nistik im Hauptfach und Kunstgeschichte und Spanisch in den Nebenfächern. Mit dem Abschluss des Bologna- Prozesses im Jahr 2010 hoffte man auf Besserung. www. den sie nicht aus den Seminaren kannten. Hinzu kam. sagt Christoph Heine. »Sogar Scheine. Margret Wintermantel gibt zu: »Wir sind noch nicht so weit. Er informiert sich im Internet über die Studienordnung. Der schriftliche Test findet am 4. entgegne ich immer.« Sie hat das Wechseldrama bereits mitgemacht. wagt Christoph Heine eine vorsichtige positive Einschätzung. irgendein beliebiges Fach als zweites Nebenfach zu wählen und sich ein Semester später umzuschreiben. bis Thorsten Ostholt zuletzt fürchtet. der Autor der Studie.« . Frankfurt am Main und Berlin statt. www.« Ständig verlangen die Prüfungsämter neue Unterlagen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN TIPPS UND TERMINE Bewerbungsschluss an der Law School Wer am Zulassungsverfahren der Bucerius Law School für den kommenden Herbst teilnehmen möchte. Wirtschaftsinformatik. Vertrieb und Einkauf. werden leichter anerkannt als die einer anderen deutschen Uni. finden wir nicht akzeptabel«. sagt er lachend.de Erste Master in Schwerin Zum Wintersemester starten am Baltic College/Campus Schwerin die viersemestrigen Masterstudiengänge »Management im Kulturtourismus« und »Marketing-Management im Tourismus«.« Auch eine aktuelle Absolventenbefragung des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung in Kassel scheint dies zu stützen: 68 Prozent der Bachelorabsolventen geben an. Mai den Online-Bewerbungsbogen ausfüllen. dass mich nach dem Wechsel nichts mehr stressen kann«. »Untersuchungen zeigen. den einzelnen Betroffenen tröstet sie kaum. www. sagt Ninia Binias: »Schlimm war es schon immer. telefoniert mit der Studienberatung. dass sich auch die Bedingungen eines Hochschulwechsels verbessert haben. der seinen richtigen Namen nicht nennen will. erzählt Ostholt. www. wie anstrengend das Referendariat ist. dass die Universitäten ihn nicht prüfen. plagen ihn Existenzängste: »Das Schlimme war.beuth-hochschule. als der Studienabschluss noch nicht Bachelor hieß. Strategie. die Studenten verlören Zeit. dass wir hinter alle Ziele des Bologna-Prozesses einen Haken setzen können. Als der Politikwissenschaftsstudent David Meurer im Wintersemester 2007 von Jena an die Universität Marburg wechseln wollte.« Thorsten Ostholt hatte bereits vorgebeugt: »Ich bin davon ausgegangen. In langwierigen Prozeduren wurden alle Module geprüft Auch wenn die Studie allgemein Hoffnung macht. ihrem ersten Studienort den Rücken zu kehren und das Hauptstudium im 140 Kilometer entfernten Göttingen fortzusetzen. nicht nur an einer Uni gewesen zu sein«. Aber was dann? Florian Pranghe glaubt. Bei einem Berlin-Besuch zerschlägt sich schließlich der Traum vom Wechsel: »Im Prüfungsbüro wurden meine Scheine angeschaut. sagt sie. an den ich mich mit Fragen hätte wenden können. »Die neuen Bachelorund Masterstudienprogramme sind sehr stark ausdifferenziert. »Das war sehr umständlich«. www. Anders als bei David Meurer ist der Hochschulwechsel von Thorsten Ostholt keine freiwillige Angelegenheit. wenn überhaupt. Der angehende Lehrer Thorsten Ostholt sieht seine Odyssee mittlerweile mit Humor. die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. Juli in Hamburg eingeladen. also gehe ich davon aus. Leipzig.law-school. verlief alles reibungslos. sowie an Mitarbeiter aus den Bereichen Unternehmensentwicklung. Nach dem Ende ihres Grundstudiums entschied sich die heute 27Jährige. Physik oder Mathematik. Schnell stellt sich heraus: Nur eine Handvoll Hochschulen würden ihn gegebenenfalls annehmen. »Ich finde. beim Übergang in den Masterstudiengang einer anderen Uni keine Probleme gehabt zu haben. So einfach wie damals wurde es nie mehr.baltic-college. sagt Ninia Binias.« Vor drei Jahren stellte die Studie »Innerdeutsche Mobilität im Studium« des Hochschul-Informations-Systems (HIS) den deutschen Hochschulen kein gutes Zeugnis in Sachen Wechsel aus: Es gebe Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen. Ein Master für seine Bachelor-Fächerkombination aus Chemie und Sport.« Das kann allerdings keine Lösung für das Problem sein. So gibt es auch beim Thema Mobilität und Anerkennung von Studienleistungen anderer Hochschulen noch einiges zu tun. dass die Anerkennung der Scheine problematisch werden wird. Dennoch blickten die Hochschulforscher optimistisch in die Zukunft: Die Probleme seien vermutlich auf die Umstellung zurückzuführen.« Kurse. in Marburg ganz groß. Florian Pranghe vermutet hinter dem Vorgehen der Hochschulen ähnliche Gründe: »Die Unis sind überfüllt und wollen. es ist wichtig. »Inzwischen bin ich gegen alles gewappnet. Juni in München. die man im Ausland erworben hat. welche Module Ostholt belegt hatte. Ein Glücksfall. »ich wollte andere Studienschwerpunkte wahrnehmen. weiß von den Problemen der Studierenden. Aus verwaltungstechnischen Gründen. nur die besten Studenten haben. als ich musste. Bei immerhin 6 Prozent hingegen wurden Leistungen nicht anerkannt. Die Bewerbungsphase ist angelaufen. »Dieser Wechsel hat mich mehr Mühe gekostet als meine Bachelorarbeit.de/423/detail/buw Restlos abgeschreckt Warum ist es so schwer. an eine andere deutsche Hochschule zu wechseln? VON MARIE-CHARLOTTE MAAS E inmal hatte es schon geklappt.zeppelin-university. dass es niemanden gab. anhand der Inhalte der Seminare zu entscheiden. lernen sollte. und dann hieß es: Das könnte problematisch werden. Alle Scheine wurden anerkannt.de/emadipcomm Bau-Bachelor in Berlin Am 1. »Die Ergebnisse der Studie waren sehr kritisch«. am 11.« Sie riet damals allen Bekannten von einem Wechsel ab. brachte ihm in Berlin keinen Punkt.76 12. die er gern vertiefen will. wie David Meurer. sondern abschrecken wollen. dass sie gegebenenfalls Studienleistungen nachholen müssen. Im Sommer 2010 will er einen erneuten Wechsel wagen. Heute. Das Seminar Gender-Studies etwa. Für die Studierenden kann dies aber bedeuten. »Wenn mir jemand erzählt. der Vorsitzende des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften. jemanden zu prüfen. obwohl er sogar seinen alten Magisterstudiengang gegen ein Bachelorprogramm eintauschte. »Zu jedem Modul musste ich eine Inhaltsbeschreibung abgeben. den »Executive Master of Digital Pioneering«.« Auch Margret Wintermantel. muss bis zum 15.de Neue Bachelors in Biberach Die Hochschule Biberach erweitert ihr Studienangebot zum Herbst um die Bachelorstudiengänge »Energiewirtschaft« und »Industrielle Biotechnologie«. des Dachverbands der Studierendenvertretungen in Deutschland. So muss sich der 24-jährige Lehramtsstudent um eine andere Hochschule bemühen.

deren Masterstudiengänge allesamt weiterbildend sind. Es war toll. sagt Geilsdörfer. »Der Master ist für diejenigen gedacht. sagt Roß. Niemand diktiert uns die Ausrichtung. der die Einrichtung der Master mit angestoßen hat. Kritiker fürchten um die akademische Unabhängigkeit. Befriedigt wird auch Nachfrage von anderer Seite – der der Studenten. Das Studium ist berufsbegleitend oder vielmehr berufsintegriert. die an der DHBW neben der Zusammenarbeit mit Unternehmen auch die Ausbildung der Studenten begleiten. dass bereits der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss und der Master eher der Ritterschlag als karrieristische Notwendigkeit ist. Klavierstudentin von 2002 bis 2007: »Ich habe immer schon Klavier gespielt. dass kritisches Studieren zu kurz komme: »Die Freiheit von Forschung und Lehre ist hier in Gefahr.5 Prozent aller DHBW-Absolventen hängen derzeit direkt einen Master an – im Gegensatz zu 77 Prozent der Universitätsstudenten. Das Ungewöhnliche ist aus Sicht der Dualen Hochschule nur logische Konsequenz. Das reißverschlussartige Ineinandergreifen von Theorie und Praxis soll im Master noch enger werden. was früher ein Hobby für mich war. dass Spannungen zwischen den Ansprüchen der Praxis und denen der Hochschule existierten. dass ich mich endlich auf das konzentrieren konnte. wird jedoch auch Skepsis entgegengebracht. die in Leitungsaufgaben wollen«. sollen am 1. die nach dem Wochenendunterricht wieder an den Schreibtischen sozialer Einrichtungen sitzen werden. wie oft und wie lang ich übe. Leiter des Masterstudiengangs der Fakultät Sozialwesen.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. von Markt und Kapital. aber wir haben grünes Licht«. und das können wir auch im Master. dass die Unternehmen einen sehr starken Einfluss ausüben. sagt er: » Das können wir. die den Studenten weitgehende Jobsicherheit und den Unternehmen maßgeschneidertes Personal beschert. für das Studium habe ich mich deshalb bereits zu Schulzeiten entschieden. »Alles sehr motivierte Leute. Es bestehe nun einmal die Meinung: je höher der akademische Grad.« Der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat dafür gesorgt. Ich gehe davon aus. desto besser die Karrierechancen. Weitere könnten in den kommenden Jahren folgen – je nach Nachfrage. die ersten Masterprogramme. Praxis und Theorie sei nun mal seit vielen Jahren »unser täglich Brot«. sondern auch rechtliche. sich spezialisieren oder Führungsaufgaben übernehmen wollen. weiterführende Studiengänge anzubieten und Forschung zu betreiben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 77 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. die sich weiterentwickeln. sondern auch ein fester Arbeitsvertrag. »Es werden kleinere Nachjustierungen gefordert. Seit Mitte März liegt das Akkreditierungsgutachten vor. sagt Roß. Die große Mehrzahl der über 6000 weiterführenden Studienangebote ist konsekutiv und schließt damit direkt an einen vorausgehenden Bachelor an. Ähnlich soll es nun im Master weitergehen. deren Nachfrage man derzeit nicht befriedigen könne. Gerade einmal 8. moniert aber. die Unternehmen gäben die Themen vor. Es sind solche ökonomischen Prinzipien von Angebot und Nachfrage. Für die meisten Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ist die Weiterbildung vor allem ein mehr oder minder lukratives Nebengeschäft. »Das Grundprodukt ist der Bachelor. sagt Geilsdörfer.« Er gesteht aber auch ein. Eine Gratwanderung. In Sozialwesen sind es immerhin zehn Prozent. sagt Präsident Geilsdörfer. Ein Dutzend Masterstudiengänge. Bis zum Wintersemester 2014/15 will er die Studentenzahlen auf rund 34 000 wachsen sehen. die sich spezialisieren wollen« Dahinter steht auch die Auffassung. Bereits im Bachelor verbringen die rund 26 000 Studenten die Hälfte ihrer dreijährigen Studienzeit in einem der 9000 Kooperationsunternehmen. sagt der Studiengangsleiter über seine künftigen Studenten. dass sich dieses Kapital bald vermehren wird. Roß sieht das gelassen: Das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Bildung. die sich derzeit noch im Akkreditierungsverfahren befinden. Die wollen die Stuttgarter nun zur Regel machen. »Auch während der Masterausbildung sollen die Studenten den Unternehmen erhalten bleiben«. Voraussetzung für die Teilnahme an den Programmen ist nicht nur Berufserfahrung. Und die sind nicht der Regelfall. zu bestimmen. für mich selbst verantwortlich zu sein. Der Nähe zur Wirtschaft. Im Herbst starten an der DHBW.com Aus dem Büro an die Uni Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bietet jetzt den berufsbegleitenden Master einhold Geilsdörfer sieht es nüchtern: »Die Studenten sind unser Kapital. »Wir wollen uns damit in der VON SABRINA EBITSCH R akademischen Landschaft endgültig als Hochschule mit Vollprogramm platzieren«.« Tatsächlich wählen die Kooperationspartner der DHBW die Studenten mit aus und reden auch bei den Studieninhalten mit. die mit den Masterprogrammen nicht leichter wird. wie man in Stuttgart betont: Die Studenten behalten ihre Stelle in einem der Partnerunternehmen. gesellschaftliche und sozialstaatliche Aspekte mit einschließt. die einen Abstecher ins Berufsleben und dann einen Master machen. An dieser Fakultät sind die Vorbereitungen für den Master am weitesten fortgeschritten. sondern eine Teilgruppe«.olafdeharde. »Die Ausschließlichkeit des berufsbegleitenden Modells ist einmalig«. die einen Master anhängen. Damit betritt man in Baden-Württemberg Neuland in der deutschen Hochschullandschaft: Die DHBW wird bundesweit die einzige Hochschule sein. Der Master ist für diejenigen gedacht.« . sagt Paul-Stefan Roß. Künftig soll gut die Hälfte derjenigen Absolventen. sagt Geilsdörfer. dafür an die DHBW zurückkehren. noch auf Diplom studiert zu haben – ich hatte viel mehr Freiheiten als die Musikstudenten heute. verbringen aber ihre freien Tage an der Hochschule und ihre Abende mit Lernen. sind die Ausnahme. halten wir für nicht zutreffend. Ich bin froh. was diese mehr als 30 Jahre lang praktizierten: die Zusammenführung von akademischer und beruflicher Ausbildung. »Sie fühlen sich eher als Mitarbeiter der Unternehmen denn als Studenten der Hochschule«. Oktober an den drei Fakultäten anlaufen. Als Studentin an der Musikhochschule Lübeck habe ich zudem gelernt. Absolventen. Eine »ausgelagerte Berufsschule« wolle man jedoch nicht sein. das nicht nur wirtschaftliche. 15 bis 30 Erstsemester werden im Master »Governance Sozialer Arbeit« für 1500 Euro pro Semester auf Führungsaufgaben im sozialen Bereich vorbereitet – nach dem Prinzip Governance. Denn letztlich war es auch der Wunsch der Unternehmen nach höher qualifizierten Mitarbeitern und passgenauer Forschung. die bisher nur Bachelorstudiengänge angeboten hat. sagt Geilsdörfer. Man verstehe dies auch als personale Entwicklungsmaßnahme für die Unternehmen.« 2000er Jahre Mona Rössler. Stephanie Odenwald vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft etwa möchte duale Ausbildungen wegen der Vorteile der Studenten am Arbeitsmarkt zwar nicht verteufeln. Sie ging vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss von acht Berufsakademien hervor und setzt nun als Hochschule fort. betont Roß: »Den Vorwurf. Mit der Umwandlung der Berufsakademien in die Duale Hochschule war der Anspruch verbunden. Anders als an anderen Hochschulen stehen sie ausschließlich Berufstätigen offen.

Teichler: Ja. dass es in Bachelor. nur am Abend oder am Wochenende Kurse zu besuchen. Selbst bei weiterbildenden Studiengängen ist der Anteil kaum größer. welche Milieus man schaffen will. Das ist nicht die dringlichste Aufgabe. Aber es ist ein tolles Gefühl. eine chronische Krankheit oder familiäre Verpflichtungen können dazu führen. Separate Studiengänge für Teilzeitstudenten sollte es nur in Ausnahmefällen geben. dass nach Abitur oder Ausbildung einige Jahre Berufstätigkeit folgen und ein späterer Einstieg ins Studium leicht möglich ist – Vollzeit oder Teilzeit. sondern auch dass nicht alle vor dem Berufseinstieg so lange lernen. dass sie für alle »studierbar« sind: für Jüngere. dass gut ein Viertel der Studenten siebzehn Stunden pro Woche oder mehr in Nebenjobs arbeiten müssen.com DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN »Nachteile abbauen« Der Hochschulforscher Ulrich Teichler über die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjobs DIE ZEIT: Dem Deutschen Studentenwerk zufolge arbeitet heutzutage jeder vierte deutsche Student nebenher so viel. Ich habe durch ein Schnupperstudium gemerkt. dass sich das Studium um ein Jahr bis zwei Jahre verlängert. sammeln ja Arbeitserfahrung. dass Ältere noch mehr lernen.und Prüfungsordnungen vor und für eine Minderheit spezielle Teilzeit-Hochschulen. zahlt weniger. hat mich selbst überrascht. ZEIT: Sollte also lieber doch alles bleiben wie bisher? Teichler: Nicht unbedingt. Das führt meist dazu. wenn jemand erst einige Jahre nach dem Bachelor in den Master einsteigen will. die am Wochenende oder abends lehren wollen und können.und Masterstudiengängen kaum noch möglich sei. Seit Langem arbeiten Studenten nebenher. zum Teil gibt es solche Angebote auch schon. eine schwierige Matheaufgabe zu lösen – auch wenn es bis zwei Uhr nachts dauert. aber hier kann man nachbessern. man muss sich auch entscheiden. ob wir noch mehr zum Teilzeitstudium ermutigen sollten. Das Klischee vom lockeren Studentenleben trifft auf mich sicher nicht zu. Wer ein Modul besteht. müssen wir uns aber fragen: Ist es sinnvoll. Kaum jemand hat dadurch aber schlechtere berufliche Chancen oder verdient weniger. Es sollte keine Probleme geben. aber bisher wird wenig für einen anderen Rhythmus von Berufsund Lernphasen getan. was man will. ZEIT: Wenn jemand bis zu zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – leidet darunter nicht sein Studium? Teichler: Man muss sich entscheiden. ZEIT: Sie schlagen also flexiblere Studien. die sich an der Regelstudienzeit orientieren. die sich ausdrücklich an Studenten richten. Hier sind separate Teilzeitstudiengänge gefragt. Einerseits haben wir die Tradition des Studenten. Der Bedarf würde am besten gedeckt werden. Mit der Bologna-Reform wurden Studiengänge in Module eingeteilt. ohne das Studium zu gefährden. Es geht nicht nur darum. das Studium an der Uni Hamburg ist anstrengend und unterscheidet sich kaum von der Schule. Wir müssen Studiengänge so gestalten. muss man eine bestimmte Zahl an Punkten erreichen. dass Teilzeitstudierende unter sich sind? Sollten sie nicht auch in Kontakt mit »Vollzeitstudenten« kommen? Hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen. um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. die in Teilzeit studieren wollen. Warum geht das nicht in einer beliebigen Zeit? Zusätzlich müsste das Bafög reformiert werden. Deshalb müssen wir alle organisatorischen und finanziellen Nachteile für diese Studenten abbauen. Informatikstudentin seit dem Wintersemester 2010: »Dass ich jetzt Informatik studiere. studieren mehr oder weniger in Teilzeit. dass das Studium zumindest eine Zeitlang zur Nebensache wird. Teichler: Bei der Reform hat man das Thema Nebenjob erst einmal übersehen. Studenten. wenn ganze Fachbereiche oder Hochschulen sich darauf spezialisierten. Es wird viel vom lebenslangen Lernen gesprochen. Ich bin nicht sicher. Aber auch Kinder.« dieren wollen. studieren allerdings bereits heute viele Studenten faktisch in Teilzeit. dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. Aber nur jeder siebte arbeitet während des Semesters mehr als sechzehn Stunden pro Woche. Definiert man »in Teilzeit studieren« umgekehrt so. nebenher zu arbeiten. dass mir das liegt. ZEIT: Wer braucht dann überhaupt »echte« Teilzeitstudiengänge? Teichler: Für die Minderheit der Teilzeitstudenten. Eine Herausforderung auch für die Politik: Das faktische Teilzeitstudieren zieht häufig Probleme mit dem Bafög oder Studienkrediten nach sich. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden. braucht man andere Angebote. Mai 2011 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. bekommt Punkte. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat deshalb mehr Teilzeitangebote gefordert. ohne offiziell diesen Status zu haben: Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner Sozialerhebung im Jahr 2009 ermittelt.78 12. Was halten Sie davon? Ulrich Teichler: Nebenjobs sind kein Argument für wesentlich mehr Teilzeitstudiengänge. dass er nicht mehr als Vollzeitstudent gelten kann. Denn für solche Angebote muss man anderes Personal rekrutieren: Professoren. Viel Freizeit habe ich allerdings nicht mehr. 2010er Jahre Laura Rosenberg. Die Regelungen für Studiengebühren müssten ebenfalls flexibler werden: Wer weniger Punkte im Semester machen will. die vorgegebene Stundenzahl pro Semester zu leisten. ZEIT: Viele klagen. Bevor wir die stärker ausbauen. für Vollzeit. um ein Studium abzuschließen. Wir sollten dazu ermutigen. Mitarbeiter und Lehrbeauftragte.olafdeharde. gestaffelt absolviert zu werden. die nebenbei jobben. das sich vor allem an der Standard-Studiendauer orientiert. dass jemand es nicht mehr schafft. die sich den Hochschulen stellt. die voll im Beruf stehen und zusätzlich stu- In Teilzeit studieren Anders als in Großbritannien und den USA haben die Hochschulen hierzulande bislang nur wenige Angebote konzipiert. Interview: STEFAN KESSELHUT . der zumindest formal in Vollzeit studiert. die es ihnen ermöglichen. Dem »Hochschulkompass« der Hochschulrektorenkonferenz zufolge sind weniger als fünf Prozent der Studiengänge in der Bundesrepublik überhaupt dazu geeignet. Ältere. Andererseits wird verlangt.und Teilzeitstudenten.

und Medienwissenschaftler von der Universität Frankfurt. das auf Einschätzungen von Studenten beruht.und Kommunikationswissenschaften existieren inzwischen in Deutschland. Nicht nur die etablierten Arbeitsgebiete wie Marktforschung. Noch im Jahr 2008 wurde das Fach in Passau nämlich massiv gefördert: Bald war eine Professur für Kommunikationswissenschaften ausgeschrieben und besetzt. »Wir haben versucht. Ganz anders sieht es in Passau heute aus. Dazu kommen weitere Schwerpunktsetzungen: Bei einem Studienangebot steht die akademische Theorie im Vordergrund. sagt Johannsen. »Es ist toll. sagt Vinzenz Hediger. Dann kommt der Slogan des Shampoos und der Hinweis. sagt Johannsen. Die 23-Jährige studiert inzwischen im sechsten Semester Medienwissenschaft an der Universität Siegen und arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit. Die FHWien wurde in die Ranking-Tabelle aufgenommen und bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. schadet es eher ihrem Ansehen. die in den Tabellen nebenan und auch im neuen ZEIT Studienführer stehen. sagt Altmeppen./ Journalistik Forschungsgelder Internationale Ausrichtung Berufsbezug Studierbarkeit Studiensituation insgesamt UNIVERSITÄT Medienwissenschaft Internationale Ausrichtung Medien-Labore Studierbarkeit Studiensituation insgesamt Uni Basel (CH) A sen zusammen mit ihren Kommilitonen für einen Shampoo-Werbespot im Radio die Geschichte von Rapunzel umgeschrieben: »In unserer Variante lässt Rapunzel ihr Haar runter. in wenigen Monaten wird sie das Studium abgeschlossen haben. Aber vorher muss sie ihre Bachelorarbeit noch fertigstellen. was sich im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2008 niederschlug: Der Studiengang in Passau war in allen wichtigen Kategorien in der Schlussgruppe vertreten. Mehr als 200 Studienangebote für Medien. dass das damit nicht passiert wäre.) Uni Greifswald Uni Halle-Wittenberg Uni Hamburg HMTM Hannover Uni Hohenheim TU Ilmenau Uni Jena Uni Leipzig Uni Mainz Uni Mannheim LMU München Uni Münster Uni Nijmegen (NL) Uni Passau Uni Twente (NL) Uni Zürich (CH) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Uni Bayreuth Uni Bochum HBK/TU Braunschweig TU Chemnitz Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erlangen-Nürnberg Uni Konstanz Uni Leipzig Uni Marburg Uni Paderborn Uni/FH Potsdam Uni Regensburg Uni Weimar Stand 2011 Hochschulen. Die HWR Berlin wurde bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. TU Berlin und Handelshochschule Leipzig nun in der Spitzengruppe. Die Studenten scheinen zufrieden zu sein: Bei dem wichtigen Kriterium »Studiensituation insgesamt«. Wer Kommunikations. den die Fächer Philologie.und Medienwissenschaften studieren will. dass sich die Schwerpunkte der einzelnen Studiengänge stark unterscheiden können«. Stand 2011 zu geringe Fallzahlen) Änderungen im Ranking Gegenüber der Veröffentlichung der aktuellen Ranking-Ergebnisse im ZEIT Studienführer und in der letzten Ausgabe der ZEIT haben sich einige Änderungen ergeben: Im Fach BWL an Universitäten liegen beim Indikator Internationale Ausrichtung die Hochschulen ESCP Europe Berlin. / Schlussgruppe. »Das mit dem Analysieren ist zum Glück bald weniger geworden. An eine fundierte Fernseh. Carina Johannsen freut sich über die beruflichen Aussichten.und Kommunikationswissenschaften würden die beruflichen Chancen vielfältiger. So hat Johannsen etwa auch Scheine in Grundlagen aus den Wirtschaftswissenschaften und in Medienrecht gemacht. wie die Universität Passau anfangs feststellen musste. der Prinz will hochklettern. oder zumindest von allem ein bisschen etwas – in schlechten Tagen hat sie das Gefühl. ohne dass die Theorie darunter leidet. Forschungsgelder und Forschungsreputation kam sie jeweils in die Mittelgruppe. sollte allerdings nicht nur auf die Qualität der Lehre achten. wo Carina Johannsen studiert.und Medienberufe«. Sofern ein Fach an mehreren Fakultäten einer Hochschule angeboten wird. erzählt die Studentin. Warum Hunde auf Spielplätzen zeitweise als große Gefahr erscheinen. wie die Medien auf Menschen einwirken können.zeit. / Mittelgruppe. erzählt sie. »Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben vor allem durch Facebook und Twitter derartige Formen angenommen. sagt Johannsen. in wie viele Fächer wir Einblicke haben«. zu weit ist die thematische Breite.und Kommunikationswissenschaften allerdings selten. Studierbarkeit und Praxisbezug der Mittelgruppe zugeordnet.« Heute weiß sie. dann aber plötzlich in Vergessenheit geraten – weil sie von der Agenda der Zeitungen und Fernsehsendungen verschwunden sind. Die Ergebnisse des aktuellen CHE-Ranking. »Ich hatte zwischen Psychologie und Medienwissenschaften hin und her überlegt«. Ganz eingrenzen lässt sich das Feld der Medien. Mediaplanung. aber die Haare reißen. bei dem anderen Fach liegt der Fokus auf Fernsehen oder Radio. und mit ihr wächst das Angebot der Kommunikations. zeigen: Der Kommunikationsstudiengang der Universität Passau hat einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht. wie Tim Burton die Traumatisierung der Personen in drei seiner Filme darstellt.oder Radioausbildung reicht das aber nicht heran.und Medienwissenschaft einfach nur eingeführt. Später möchte sie im Bereich Werbung arbeiten. So ist es auch an der Uni Siegen. . Fehlen aber die nötigen Kompetenzen und Kapazitäten. wovon die Menschen wie beeinflusst werden. während die Kommunikationswissenschaft die politischen und gesellschaftlichen Wirkungen der Massenmedien ins Zentrum stellt.und Berufsalltag. Im Fach Kommunikationswissenschaft/ Journalistik wurde die Universität Hamburg in die Liste aufgenommen. In BWL an Fachhochschulen kam die PFH Göttingen bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt und Studierbarkeit in die Spitzengruppe. Im Fach Politikwissenschaft wurde die Universität Rostock in den Vergleich einbezogen. Medien sind eben überall und fast immer präsent. / Nicht gerankt (keine Daten vorhanden. liegt Passau jetzt in der Spitzengruppe. sagt sie und lacht. »Ich finde es interessant. Inwiefern Ego-Shooter-Spiele aus labilen Menschen Amokläufer machen können. aber natürlich haben wir nur an der Oberfläche gekratzt«. die ich mir vorstellen kann«. Sie landete in der Spitzengruppe bei der Internationalen Ausrichtung und in der Schlussgruppe beim Indikator Forschungsgelder. Das war alles akustisch gar nicht so einfach zu vermitteln. wird in dieser Übersicht nur eine Fakultät dargestellt. Kein Wunder. der dort seit 2008 die erste Professur für Kommunikationswissenschaft innehat und an der Errichtung des geplanten Zentrums mitarbeitet. sagt Ralf Hohlfeld. »Ich weiß theoretisch. aber am Ende hat es gut geklappt«. wie bedient man eine Kamera. »Wenn ich eine Schreibblockade habe. ausschlaggebend für ihre Studienwahl waren sie jedoch nicht. Für Absolventen der Medien. Studierbarkeit und Internationale Ausrichtung der Spitzengruppe zugeordnet. was sie im laut aufgedrehten Radio hörte: Wie verändert sich die Betonung der Radiosprecherin? Warum wurden welche Nachrichten ausgewählt. an denen die Studenten während des gesamten Studiums kein einziges Mal eine Kamera in der Hand halten. Informationen zu allen Hochschulen und Fakultäten finden Sie im Internet unter www. wie auch die grünen Punkte in den Tabellen zeigen. muss sie lächeln. an denen das Studium aufgebaut wird oder für die keine Daten vorliegen. um ihr Image zu verbessern. Ich sehe jeden Tag. werden nicht in das Ranking einbezogen. 2004 hatte man dort einen Bachelorstudiengang Medien und Kommunikation gegründet. Werbung und Journalismus bieten Chancen. Derzeit wird ein neues »crossmediales Medienzentrum« errichtet. handwerklich und praktisch mit Medien umzugehen: Was gibt es bei einem Aufnahmegerät zu beachten. beim Indikator Praxisbezug der Mittelgruppe. sich zu spezialisieren«. sagt sie. die Ausbildung praktischer zu strukturieren. sie könne nichts wirklich. ohne an die Theorie zu denken«. Neben den Analysefächern lernte Carina Johannsen auch. Für Medienwissenschaftler bestimmen sie zusätzlich den Forschungs. Es gibt auch Universitäten. dass ich in einem der spannendsten Felder arbeite. »Man sollte auch im Blick haben. Film. und die Qualitätsunterschiede sind groß. Bei den Indikatoren Internationale Ausrichtung.« In guten Tagen fühlt sich Johannsen. Mit entsprechenden berufsbezogenen Modulen haben die Studenten zum Ende des Stu- diums außerdem die Möglichkeit. die wachsende Zahl der Mobilservices. und wie werden die präsentiert? Das war im ersten Semester.CHANCEN 12. als könne sie alles. In vielen der untersuchten Bereiche liegt er sogar in der Spitzengruppe. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 79 Radio hören für die Uni UNIVERSITÄT Das Fach Medienwissenschaft tritt thematisch extrabreit an m Anfang analysierte Carina Johannsen sogar noch morgens unter der Dusche. dass die Angebote nach Aussagen vieler Studenten theoretisch und praxisfern blieben. Grundsätzlich stehen bei der Medienwissenschaft Geschichte und Theorie der Medien von der Schrift bis zum Computer im Vordergrund. Es entstehen auch neue Berufsfelder durch die zunehmend professionellen Auftritte der Medien und Unternehmen in Sozialen Netzwerken. »Andererseits haben wir natürlich nur selten fundierte Kenntnisse. Wenn Johannsen heute zurückblickt. Aber das geht meist schnell vorüber. wie schneidet man Filme und Radiobeiträge ordentlich? Im dritten Semester hat Johann- VON CHRISTIAN HEINRICH Kommunikationswiss. In den vergangenen Jahren haben viele Unis das Fach Kommunikations. Radio hören gehört ja letztlich auch zu ihrem Studium. weitere folgten. die neuen Plattformen für die Verbreitung von Nachrichten und Videos. ich kann wieder mit Freude Zeitung lesen und Radio hören.de/studium/medien / Spitzengruppe. sagt Klaus-Dieter Altmeppen. wie ich einen Film machen kann. Dabei geht es wieder einmal um Analyse: Johannsen geht der Frage nach. Pädagogik und Politikwissenschaften gemeinsam führten – einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft aber gab es nicht. Uni Augsburg FU Berlin UdK Berlin TU Dortmund TU Dresden Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erfurt ZU Friedrichshafen (priv. kann ich guten Gewissens auch mal das Radio anmachen«. der an der Universität Eichstätt als Medienwissenschaftler forscht und lehrt. »Kommunikation gewinnt weiter an Bedeutung.

Sechs von zehn sagen. verkommt der Meetingraum zur Insel der Ahnungslosen. wenn eine »Koalition der Willigen« Climate Engineering betreibt? Wie steht es mit der Verantwortbarkeit? Bisher gibt es viele Fragen. der künstliche Wolken erzeugt – die Abkürzung steht für Aerosol-Interaktion und Dynamik in der Atmosphäre. sondern auch darum. Und für die wir noch Grundlagenforschung betreiben müssen. wenn auf einmal ein Wirbelsturm auf die USA zusteuert.« Isabelle Steinke sieht das ähnlich: »Alles andere sind nur Möglichkeiten. ist logisches Denken. damit am Ende die Gesellschaft eine Entscheidung treffen kann«. Am liebsten würde sie aber doch an der Uni weiterforschen: »Da ist die Freiheit einfach am größten. Isabelle Steinke und ihre Kollegen basteln nicht einfach Naturphänomene nach. zum Grillen finde ich das schon okay«. überhaupt zu verstehen. Was passiert. Aida heißt der überdimensionale Kühlschrank. weil das Institut Aida besitzt. sagt Harnisch. Die Kühlung dröhnt fast so laut wie ein startendes Flugzeug. damit Probleme gelöst werden können? Wie der Kabarettist Werner Finck sagt: Nein. das Steinke in ihrer Doktorarbeit beschäftigt. bis man in eine lukrative Position gelangt. um den CO₂-Ausstoß zu verringern wie beispielsweise ein Tempolimit auf Autobahnen seien unpopulär. Ihr Desktop-Hintergrund: Wolken. die erwiesenermaßen zunimmt. Je weißer die Wolken. Dort kann man langfristig immer noch überlegen. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ansatzes werden in Karlsruhe erforscht. Climate Engineering lautet das Schlagwort. wie eine Wolke funktioniert«. Wenn sie Experimente durchführt.und Umsteiger jetzt besonders gut sind G E S U C H T BERUF CHANCEN 12. »Das muss man Schritt für Schritt angehen. die manche dahinter vermuten: Wer Wolken beeinflussen kann. Dabei kommt es zu Rangkämpfen. sagt Steinke. Aber sind Sitzungen nicht wichtig. Macht. interdisziplinär forschen zu können. Wer vor dem Meeting ein Sachproblem hatte. aufs Berufsleben hochgerechnet: schlappe 20 Jahre Meetings! Woran kranken Meetings? Erstens: Es gibt zu viele davon! Wie wäre es. den CO₂Ausstoß zu verringern«. Bei mir wäre das Nächste eine Postdoc-Stelle. Daher sind die Karlsruher Umweltphysiker auch integriert in das interdisziplinäre Projekt Global Governance of Climate Engineering an der Universität Heidelberg. desto mehr Licht wird zurückreflektiert und gelangt gar nicht erst auf die Erde.de . »da ist es unabsehbar. weil Ergebnisse oft auf sich warten lassen. haben kein Interesse. hat wenig Chancen. aber für die in der Realität bestmögliche Maßnahme. sagt sie. In der freien Wirtschaft verdienen Forscher etwa ein Fünftel mehr. Ob solche Experimente den Klimawandel aufhalten können. Das wird spannend: Hitzige Fachdiskussionen mit Kollegen können nervenaufreibend sein.t-bernhardt. dass wir noch weit davon entfernt sind. Wolken zu manipulieren. an einem Forschungsinstitut oder in einem Doktorandenprogramm an einer Graduiertenschule. etwa indem man Wolken als Sonnenschirm benutzt. Kann man die Umwelt manipulieren. Denn wer den Sprung auf die Professur nicht schafft. dass Wolken so alltäglich und doch so kompliziert sind. »In den Tagen. als könnten wir wie Ingenieure etwas gezielt konstruieren. denkt an eine solche Gesellschaftsentscheidung mit Sorge. etwa ein Tausendstel Millimeter groß. Das führt zu Fehlentscheidungen. bis man als Forscher wirkliche Resultate erzielt«. »Mich fasziniert. Ansonsten darf man sich nicht verrückt machen«.« Sie findet es spannend. bevor das losgeht. »Wir müssen aus allen Bereichen die wichtigen Punkte zusammenstellen. Eine Möglichkeit wäre. da ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler heute einig. die einen interessieren. Die Erde. ohne dass ein Einkäufer dabei ist. dann aber nach Mexiko abbiegt?« In der Diskussion über Climate Engineering geht es also nicht nur darum. Bei der Simulation der UN-Abläufe vertrat sie die klimapolitischen Interessen Uruguays. es muss nicht in eine Sitzung ausgelagert werden. schwarze. Dadurch ist sie auch mit den Denkweisen der Vertreter anderer Fächer vertraut. sagt sie. findet unkomplizierte Lösungen. Technisch unveränderte allerdings. Der Himmel über Karlsruhe ist an diesem Tag wolkenlos blau. Wer öfter mal im Büro seiner Kollegen vorbeischaut und sich abstimmt. Die 26 Jahre alte Physikerin erzeugt am Karlsruher Institut für Meteorologie und Klimaforschung künstliche Wolken. sondern nur um die Macht. die sie gewonnen hat. Um Aida herum stehen Behälter. wie man sie von Hirschen kennt. Eine Umfrage unter 800 Führungskräften im deutschsprachigen Raum ergab: Sieben von zehn Teilnehmern halten Meetings für schlecht vorbereitet. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 81 DAS ZITAT Werner Finck sagt: Eine Konferenz ist eine Sitzung. Umso wichtiger sei es. jeden Tag drei bis vier Stunden zu konferieren. weil unterhalb der Professorenebene kaum passende Stellen vorhanden sind. weniger Sonne auf die Erde gelangen zu lassen. Sie halten Climate Engineering vielleicht für keine gute. Direkt nach der Umfrage. Bei externen Promotionen fehlt der persönliche Kontakt zur Wissenschaft. Spaß am Forschungsgegenstand zu haben – und den hat sie. Abteilung Atmosphärische Aerosolforschung. »Das klingt. das den CO₂-Ausstoß nachhaltig verringert. sagt Isabelle Steinke. muss mit heftigen Attacken rechnen. braune. Wolken zu manipulieren. die von der Sache am meisten verstehen. Aerosole sind feinste Partikelchen. Auf einer Postdoc-Stelle an der Uni verdienen promovierte Wissenschaftler monatlich rund 3300 Euro brutto. in der freien Wirtschaft zu arbeiten – zum Beispiel bei einer Unternehmensberatung. werden verschiedene Maßnahmen angedacht. eine Haltung. Das bekommt man: Man kann den Fragen nachgehen. um dem ranghöchsten Tier zu imponieren. Politikwissenschaftler und Sprecher des Projekts. Mehr Chancen für Forscher bieten Unternehmen. Grüne. gefüllt mit verschiedenen chemischen Stoffen. die Thomas Leisner kritisiert: »Mit so einer Einstellung gibt man Klimaverhandlungen schon im Vorfeld auf. Die Chance. wenige Antworten. Zudem erhält man im Gegensatz zu den meisten Berufstätigen ein hohes Maß an Freiheit in der Arbeitsgestaltung. Während sich die führenden deutschen Wissenschaftler recht skeptisch äußern und die Politiker in Berlin bei dem Thema noch in Deckung bleiben. Der natürliche Lebensraum des Vorgesetzten ist der Sitzungssaal. Auch der internationale Austausch auf Konferenzen in aller Welt gehört zum Forscheralltag. Wenn Manager über ein neues Einkaufssystem debattieren. sie wollte experimentell arbeiten. So kommt man weiter: Die Stellen in der Wissenschaft sind spannend. kann vielleicht auch die Welt vor einer Klimakatastrophe retten. Zeit fürs nächste Meeting! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. G E F U N D E N sabelle Steinke will forschen und nicht Gott spielen. Den Rest des Jahres verbringt sie mit dem Interpretieren der Flut von Messdaten. ist die Fähigkeit. sagt die junge Forscherin und schaut schnell wieder auf ihren Computermonitor. Nur gibt ein Professor seine Stelle nicht nach einem Jahr bereits wieder frei. sagt Isabelle Steinke. merkt schnell: Hier arbeiten Forscher. Das können Wüstenstaub. wisse allerdings noch keiner. ein Teilnehmer profiliert sich auf Kosten des nächsten. Um das zu verhindern. sagt Steinke. Politische Maßnahmen. treiben einen aber auch an. Zudem setzen viele Akademiker in den USA auf Climate Engineering.Die Serie (3): Wir stellen acht Berufe vor. sind die Chefs ins nächste Meeting gehüpft. Womit ein neues Problem entstanden ist. So – oder so ähnlich – könnte ein Eintrag im Tierlexikon über die Gattung Vorgesetzter und ihr Biotop beginnen. in dem Steinke Flüssigkeiten und Stoffe vermischt. sagt die Physikerin. Es muss allen klargemacht werden. Thomas Leisner ist Professor der Umweltphysik an der Universität Heidelberg und Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung. die das können. die von Erdöl profitieren. Dichter Nebel steigt in dem riesigen Kühlschrank auf. »Wolken sind eine wichtige Komponente im Klimageschehen«. Und Leute. Und das macht Mitarbeiter zu Trotzköpfen: Sie torpedieren diesen Beschluss im Alltag. Da Demokratien selten zu nachhaltiger Politik fähig seien. Das wird schwierig: Wer ganz auf die Uni-Karriere setzt. wer dem anderen ins Gehege kommt. »Das Problem ist. aber dünn gesät: In Deutschland gibt es in etwa genau so viele Professorenstellen wie Promovierte pro Jahr. Ob die Partikel dann dort blieben. den Dialog auch außerhalb des Sitzungsraums zu pflegen? Alltägliches lässt sich im Alltag klären. wie Wolken auf verschiedene Aerosole reagieren. bei der viele hineingehen und wenig herauskommt Der Coach erklärt: Gut verdrahtet: Isabelle Steinke im Kontrollraum Gesucht: Forscher Die Physikerin Isabelle Steinke versucht. dann bitte auch mit denjenigen am Tisch. befürchte ich. Sicher ist: Mehr Aerosole machen die Wolke heller und dichter. erklärt Isabelle Steinke. Sebastian Harnisch. welche politischen und rechtlichen Konsequenzen es hat.« Einen Masterplan für den schwierigen Karriereweg in der Wissenschaft hat sie sich aber nicht zurechtgelegt. in großer Runde über Probleme zu reden. schlafe ich unruhig«. Dort schart er sich mehrmals täglich mit Artgenossen um einen Tisch. Zweimal im Jahr darf Isabelle Steinke für etwa vier Wochen Aida für ihre Versuche in Anspruch nehmen.« Um echte Wolken zu verdichten. Die einzige Fähigkeit. Meetings verzögerten Arbeitsabläufe. »Was wir in der Wissenschaft vor allem lernen. Eine Abteilung marschiert gegen die andere auf. Je weniger Meetings nötig sind. um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Und sollte man es tun. ist danach einen Schritt weiter – er hat zusätzlich ein Beziehungsproblem! Und drittens: Wenn schon Meetings. wächst Harnisch zufolge aber die Gefahr. sondern braucht auch Glück. weil es an den Hochschulen dauert. wenn wir anfangen. sondern anfangen: Der Eingriff ins Klima könnte Regenzeiten durcheinanderwürfeln und neue Wetterphänomene hervorrufen. bezweifelt sie aber VON MISCHA DRAUTZ So kommt man hin: Der Weg ins Berufsleben als Forscher beginnt mit der Doktorarbeit – am Lehrstuhl. die wie riesige Feuerlöscher aussehen. langfristig an der Uni zu forschen. Sondern auch. Sie gehen davon aus. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) Foto: Thomas Bernhardt für DIE ZEIT/www. was passiert. »Was wäre.« Noch kritischer äußert sich ihr Betreuer am Institut. Aber genau wegen Aida hat sie sich auf die Doktorandenstelle am Institut beworben. Das muss man mitbringen: Einen langen Atem. desto besser ist die Organisation! Zweitens geht es bei Meetings oft nicht um die Sache. der für den weiteren Weg entscheidend ist. werden überall gebraucht«. mit ungewissen Folgen für ihre Bewohner. was technisch möglich ist. Nicht nur. bis er gescheitert ist. muss nicht nur sehr gut sein. Auch Neugier und Eigenmotivation sind gefragt. wenn man es kann? Wer eine Weile im Karlsruher Institut verbringt. müsste man die Aerosole mit Flugkörpern in die Atmosphäre I transportieren. wirkt es aber übernatürlich. in denen die Chancen für Ein. ob man lieber eine Fach. seine Position zu schärfen. gibt es anderswo durchaus Anhänger. weil es einfach lange dauert.« Doch mit technisch veränderten Wolken würden die Probleme nicht enden.oder eine Managementkarriere einschlagen möchte. die man sich offenhalten sollte. Sie testet. keine Technikgläubigen. Bis zum Vordiplom hat sie in Heidelberg neben ihrem Physikstudium auch Seminare in Volkswirtschaft besucht und beim Rollenspiel »Model United Nations« in New York mitgemacht. Vulkanasche oder Salzwasserpartikel sein. »Da muss man schon hartnäckig sein. wird sich auf Dauer zu stark erwärmen. Und jeder Zweite sieht Verantwortlichkeiten nur unzureichend geklärt. sie beschäftigen sich auch mit den Auswirkungen ihrer Ergebnisse. wenn man in großer Runde über Probleme redet. Schon den Begriff Climate Engineering mag Leisner nicht. ein Drittel gab an. »Alle. dass nur eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes hilft. auf Climate-Engineering-Aktionen angewiesen zu sein. »Na ja. dass niemals ein Klimaabkommen zustande kommt. Solche Kämpfe werden von Gleichrangigen ausgefochten. Später kann sich Steinke durchaus vorstellen.

der einfach nur »Streit gesucht hat«. Aus den Kriegen um Öl und gegen al Qaida. Peter Christian Hall Frankfurt am Main Immer wieder prallen das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und das von der Justiz hochgehaltene Rechtsstaatsprinzip aufeinander. dass in Hirn und Herz des Übeltäters ganz andere Abläufe stattfinden als gemeinhin angenommen. Vielmehr ist sie eine Lehre aus der Erkenntnis. der es unter Androhung von drastischen Strafen jedem Staat auf der Erde grundsätzlich verbietet. bleibt der Wunsch nach einer friedlichen Welt ohne Terrorismus ein Traum. Berlin geben. nie aber alleinige Rechtfertigung von Untersuchungshaft. kulminierend in völkermordenden Diktaturen. Nicht erwähnt wird. und das Finanzamt repräsentiert das Böse – und ist auch noch ungerecht. dass die Täter keine Ausländer waren. durch welche Tatverdacht und Unschuldsvermutung sich aufheben würden. können es jar nicht jenug sein. Wir werden die im Einzelfall nicht immer befriedigenden Folgen der Unschuldsvermutung weiter ertragen müssen. A-1020 Wien . allenfalls »Scheiße!«. haltgebende und nachhaltig stressreduzierende Bindung im frühen Kindesalter fördert die Entwicklung des präfrontalen Kortex. nachzulesen in Berichten des Steuerzahlerbundes und des Rechnungshofes. Denn als Ausländer wäre wohl die U-Haft unumgänglich gewesen und wären dem Steuerzahler die Kosten auferlegt worden. die überzeugend ZEIT NR. Der Artikel legt den Finger in eine Wunde unserer Gesellschaft. dass nur Frauen schön zu sein haben. beschäftigen Leute nur auf 400-EuroBasis. die sonst ständig die Verrohung der Gesellschaft anmahnen. der mit 75 Jahren die Ermordung seines Vetters Walther Rathenau und mit 86 den Fackelzug zur »Machtergreifung« Adolf Hitlers miterleben musste. Wernigerode Schuld und angemessene Strafe Dagmar Rosenfeld: »Täter aus gutem Haus« Die Unschuldsvermutung ist keine psychologische Einschränkung des Tatverdachts. Hamburg Ich bin froh. Albert Alten. Man will ja nicht blöd sein oder jedenfalls nicht als solcher behandelt werden. Wäre es nicht besser gewesen. examinierter Jurist. Sonderregelungen und so weiter. zudem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Berlin/Riga Rechtsanwalt »So jemalt« Manfred Schwarz: »Der vollkommene Bourgeois« NR. solch einen unwiderruflichen Akt der Selbstjustiz lobpreist: »Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«.. Annette Hund. Und da können gesetzestreue Bürger es sicherlich nur gut finden. 19 12. Eva Matern-Scherner. und auch deshalb ist die vermutete Schuld (der Verdacht also) zwar Voraussetzung. Rainer Böhm. es fragt. der höchstwahrscheinlich einen großen Teil seines Lebens in engen Kniebundhosen zugebracht hat. Insbesondere stehen hier Erfahrungen aus der Kindheit im Fokus. Das verstellt den Blick auf die Notwendigkeit neuer Reaktionen auf Unrecht. Dirk Kerber. selbst richtig zu handeln. Dr. Es gibt durchaus wissenschaftliche Ergebnisse.oder Irakkrieg steht. gestraft wird seit Jahrtausenden. sich nach Art einer selbst erfüllenden Prophezeiung selbst zu bestätigen. Diese Erkenntnisse fügen sich auch sehr gut in den Rahmen der psychohistorischen Forschung. vorwiegend Baufirmen in West und Ost. Brigitte Hoff. weil er sich schlagartig bewusst geworden ist. per E-Mail Der Libyen-Krieg beweist wieder einmal die Doppelmoral der Nato-Mitgliedstaaten. Müssen wir uns da wundern. dass die meisten Steuerklagen aus formellen Gründen gewonnen werden: Die Steuergesetze sind handwerklich so schlecht. Berlin Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit. sagt der Angeklagte. Ralf Hirnrabe. 18 Die Bilder des im Alter von nur 51 Jahren gestorbenen Edouard Manet ausgerechnet gegen das Spätwerk Liebermanns auszuspielen. trotz zeitweiliger Rückschläge. Der Wunsch. 18 An der laxen Steuermoral in Deutschland wird sich nicht viel ändern. Solange die USA als letzte verbliebene Weltmacht auf diesem Globus den WeltSheriff spielen und nach Belieben Krieg gegen Staaten führen. die die emotionalen Bedürfnisse. 18 Zum Titelthema »Verzettle dich nicht!«. Florian Dietrich. die verkennt. Das wird dann von manchen konservativen Politikern und Medienvertretern bei uns verteidigt. Die Unschuldsvermutung gebietet demgegenüber eine Offenheit des Strafverfahrens. um so eine angemessene Strafe zu begründen. Bund. Über Rückfälle wundert man sich dann. Immer häufiger gibt es ernsthaften Dissens. Wie treffend beschrieben. die bis zum Urteil Schuld und Nichtschuld in gleicher Weise einkalkuliert. Berlin 28. Eine sichere. Hamann und W. als ginge es um einen Sportevent. dass Grausamkeit. 18 Hölderlins Beitrag zur Weltliteratur in allen Ehren – wieso man sich im 21. dass die Menschen im Maghreb nicht zu einer uns völlig unverständlichen Kultur gehören. So fragt zum Beispiel der Richter: »Wissen Sie denn nicht. Jahrhundert von einem Hypochonder. Giebelstadt Es fehlt noch etwas: Arbeitgeber. Wie Saddam Hussein so wurde auch Muammar al-Gadhafi jahrelang vom Westen hofiert und mit modernsten Waffensystemen ausgestattet. Man wisse hierüber viel zu wenig. diese Bilder nicht zu veröffentlichen. Wer zahlt das letztendlich? Der Steuerzahler! Zu wenige Razzien und zu niedrige Strafen für die Arbeitgeber! Christel Fichtner Sandersdorf Sie sind wie wir Pro und Contra: »Soll der Westen den Krieg verschärfen?« Dass es in Libyen nur um die Macht des Westens geht. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 95 Aus No: Entsetzlich Titelthema: Der Fluch des Bösen Die einzig kluge politische Entscheidung nach der Exekution eines bereits schwerkranken Menschen besteht darin. der wesentlich für Impulskontrolle. Bielefeld Verschönt Prominent ignoriert: »Kurz behoste Männer« ZEIT NR. dass man einen Menschen nicht grundlos niederschlagen darf? Haben Sie etwa keine Vorstellung davon. der die befreiten Gebiete dort schlagartig sich selbst überließe. Dr. wie schuldig sich ein Mensch gemacht hat. Das Arbeitsamt stockt das Einkommen noch auf.. sich bevorzugt in Gesellschaften entwickelt. wenigstens erst mal Haftverschonung gewährt. Wer als Kind Gewalt erfährt. Kein noch so grausames Video kann hier alleine Antwort ZEIT NR. entsetzt mich. Bad Fredeburg nachweist. wenn jetzt die Rebellen in Libyen gegen Gadhafi allein nichts ausrichten können? Mit Luftangriffen kann die Nato Gadhafi auch nicht wirklich besiegen. In Libyen jedoch engagiert sich der Westen. Den Durchbruch einer neuen Sicht werden die meisten in ihrer Dienstzeit nicht mehr erleben. Aus diesem Dissens entsteht zwangsläufig das Missverständnis. bleibt unerklärt. Dass aber der heutige amerikanische Präsident. zweitens die Verschwendung von Steuergeldern. wie ach so bibelfeste Amerikaner auf den Straßen tanzen und feiern. bei dem die Freiheit des Einzelnen auch im Strafprozess Maß und Maßstab bleibt. Tatsächlich hat – wie die Erfahrung lehrt – der Täter sich bei der Tat nichts gedacht. sondern genauso sind wie wir – nur ärmer und schlechter regiert! Ein Rückzug aus Libyen. sondern weil die Handlungsgrundlage für das Finanzamt nicht belastbar ist. R. dass diese Intervention gerade nicht in einer Linie mit dem Afghanistan. die einen Menschen zum Mörder machen könnten. gravierend vernachlässigen. April 2011 18 Alttestamentarisch.« Und noch ganz nebenbei sei in Abwandlung des berühmten Liebermann-Satzes über einen angeblich zu langen Arm auf einem Bild Cézannes zu seinen angeblich spießigen Blumenbildern angemerkt: Wenn sie so jemalt sind.de Beilagenhinweis Die heutige Ausgabe enthält in einer Teilauflage Prospekte der Verlagsgruppe NEWS GmbH. wenn man jemanden. Jens-Christian Pastille. vorschreiben lassen soll. dass aggressives Verhalten zwischen Generationen sozial tradiert wird. dass mit jedem Tatverdacht eine Schuldvermutung verbunden ist. 18 Traurig. erstaunt ein wenig. In konsequenter Folge werden wir hoffentlich demnächst Beiträge über die Unschicklichkeit von Hosen und Erwerbsarbeit für Frauen sowie die Vorzüge von Eiswasser und Kernseife gegenüber Deo und Bodylotion für Männer finden. als Zusammenfassung seines bisherigen Lebens. Ich schaue nicht mehr aus dem Fenster . der Täter habe Tathergang und Folgen voll im Griff gehabt und könne Ähnliches künftig vermeiden. dass heftige Tritte gegen den Kopf eines Menschen zu dessen Tod führen kann?« – »Doch!«. Dies ist kein zu hoher Preis für eine Rechtsordnung. die Evidenz liefern können. In seinem Garten«. Paehler. Ermutigend ist hierbei. Denn unser Strafverfahren will auch die innere Seite eines Verbrechens ermitteln. Hans H. In Afghanistan und im Irak ging es darum. sondern einer der Täter nur der Sohn eines Rechtsanwaltes war. Obama und seine Verbündeten hätten sich stattdessen für einen UN-Beschluss stark gemacht. dass das Gericht nicht in der Sache gegen das Finanzamt entscheidet. G. Dies schützt nicht nur einen tatsächlich zu Unrecht verdächtigten Bürger. Markus Meister. Empathie und moralisches Empfinden verantwortlich zeichnet. ist aberwitzig und geschichtsblind. Wieso lernen dann Juristen nicht dazu? Psychologie und Hirnforschung gibt es seit einigen Jahrzehnten. wie Manfred Schwarz schreibt. – ich will die neue Welt um mich herum nicht sehen. Über die Zeit seiner »inneren Emigration. Hösseringen Laxe Moral K. Vergeltung für den Tod von Osama bin Laden wird es irgendwo auf diesem Globus bestimmt geben. Uchatius: »Der Raubüberfall« ZEIT NR. Liebermann hat in jüngeren Jahren dem Durchbruch der Moderne auf die Sprünge geholfen.ZEIT DER LESER S. Darmstadt NR. hätte man die Ermordung Osama bin Ladens vermutlich als gerecht empfunden. 18 Wie Grausamkeit entsteht Interview mit Terry Eagleton: »Höllische Freude« Eagletons Antwort auf die Frage nach den Ursachen. in weit vorchristlicher Zeit. wenn zwei Grundübel bestehen bleiben: Erstens die verworrenen Steuergesetze mit zig Ausnahmen. sondern eine neue Dimension hat. ist eine grobe Vereinfachung. Kriegswaffen an Diktaturen. per E-Mail Richter am Amtsgericht i. insbesondere der jüngsten Kinder. Diese unterstellte Schuld ist immer in Gefahr. schrieb der 87-jährige Liebermann 1934 selbst: »Ich lebe nur noch aus Hass. hat Steuerzahlen keine Lobby. ZEIT Nr. spannt die Falle der Selbstgerechtigkeit.96 LESERBRIEFE AKTUELL ZUR ZEIT NR. reale oder fiktive terroristische Bedrohungen in einem feindlichen Kulturraum zu bekämpfen. Diktatoren und in Krisengebiete zu liefern? Roland Klose. dass die Psychohistorie über den Verlauf der letzten Jahrhunderte. würde dieses neue Gefühl der Ähnlichkeit untergraben und den Boden für einen »Kampf der Kulturen« bereiten. Saddam Hussein und die Taliban wurde rein gar nichts gelernt. Axel Felsch. So ist mittlerweile überzeugend nachgewiesen. Das bleibt uns erspart. 18 Die Terrororganisation al-Qaida oder die afghanischen Taliban feiern ihre Symbolfigur als Märtyrer. Hirnforscher und Psychologen lehren uns. eine insgesamt positive zivilisatorische Entwicklung nachweist. die restliche Zeit arbeiten sie schwarz gegen Cash. wird als Erwachsener häufiger selbst gewalttätig.

Am Abend sehe ich. Sekt gab es den ganzen Tag. aber es sind auch die kleinen Veränderun- gen. Dabei fiel mir ein Foto aus Argentinien aus dem Jahr 1934 in die Hände. lieber Herr Röttgen. Lachen und Freude pur! Jochen Ruthardt. So war im Sommer 2009 dieses Holzschild. Indonesien. Holger und Michel viermal im Jahr mit unseren Mountainbikes durch den Pfälzer Wald zu schießen. »Schockschwerenot« ist übrigens präzise.!«. das mir richtig zu Herzen ging. Unsere Stimmung wird immer ausgelassener. Für den kleinen Buben links aber waren wohl keine Schuhe dabei gewesen. Hella Maas. von dem Sie uns gleich erzählen möchten? Schreiben Sie an leser@zeit. Heidenheim a.zeit. Mit dem uralten Anhänger aus Kleinkindertagen. und auch. im Internet unter www.de oder an Redaktion DIE ZEIT. »Zufriedenheit«. Wolfgang spielt meine Wunschmelodien. Wenn ich über etwas erstaunt bin und darüber. er klingt ein bisschen vornehm. geschwind zum Buche! to: H il g e m a n n / D a vi Liebe ZEIT-Leserinnen und -Leser. der mich ärgert oder ärgern wollte. und jeder Kunde hatte eine Einkaufstasche dabei. das gebrauche ich nie. Mittlerweile können wir schon einen kleinen Blues zusammen spielen. im Café. Als sie mir allerdings gestand. Von Buenos Aires aus ist sie per Schiff um die Südspitze Amerikas und durch die Südsee gefahren. Noch nie habe ich am Geburtstag so viele Hände geschüttelt und so viele Küsschen erhalten. und oft haben sich spannende Debatten aus Ihren Beiträgen entwickelt. ist erst mal baff. Mühlacker Mit meinen Freunden Marco. Passau ds Zeitsprung mehr zu lesen. Sah deine Freude. Zuerst tauschen wir die ZEIT. Bisingen-Wessingen Die Morgenröte ließ mich ruhen. dass unsere beiden Buben (4 und 2) im Verlauf der Nacht zu uns ins Bett geschlüpft sind. du Welle«. Die Inflationsjahre in Deutschland um 1923 hatten viele. dem 19. worauf dieser es ausruft).de! Wir sind gespannt. Ich möchte die Zeit anhalten. besteige mein Fahrrad. über die ich mich sehr gefreut habe. Ich treffe mich mit meiner Mutter. Nachdem ich Jule auf die Kritzelei der Woche aufmerksam machte. Raimund Nieß. Und so festzustellen. Mit der Einsendung eines Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden. ich habe es selbst gesehen: 28 besetzte Kassen in einem einzigen Supermarkt. aus traurigem Anlass« unternimmt Sabine Kröner. Wolfgang Dasch. Also: nein! Oder: »Mann. Gedicht. zzt. an meinen speziell dekorierten Tisch geladen. Monat 2011 DIE ZEIT No 20 96 (nach J. Sie steht im Garten und hat einen frisch gepflückten Apfel in der Hand. seit zwei Wochen. Mein Mann kannte sich in der Astronomie sehr gut aus und hat mir auf unseren Reisen immer den Sternenhimmel erklärt. Plastik gefährdet die menschliche Gesundheit (Bisphenol A und Weichmacher!) und verursacht gewaltige ökologische Probleme: So landen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich mindestens 7000 Tonnen unverwüstliches Plastik im Meer. die Energiepolitik ist knifflig. eine Kürzung und die übliche redaktionelle Bearbeitung der Beiträge vor. Die rasteten auf deiner Haut. als hätten wir viel davon: Zeit! Wilfried Ludwigs. Dann unter den Wolken von Kiel bis zur Elbe segeln und sich an unserer wunderbaren Landschaft nicht sattsehen können. Doch vergangenen Sommer glänzte es mit einem neuen Anstrich. Baltmannsweiler An einem leicht bewölkten Tag in ein kleines Segelflugzeug steigen und mit dem Windenseil auf 400 Meter Höhe gezogen werden. Fo Es schlug mein Herz. Stuttgart Ich las Gedichte in der Nacht. schenkte sie mir zum Geburtstag diese Zeichnung. Massagegutschein und Champagner aus Heidelberg werde ich beschenkt. wie ich meine: »Schockschwerenot!« Ich hörte das. Im Nordatlantik sollen unvorstellbare 100 000 Tonnen Plastik in einem einzigen Riesenstrudel treiben. über die große Nase des Titelhelden zu sprechen. Und so passt mir ein Wort am besten. Die Sonne hat den schwarzen Sattel für mich beheizt. die ich suchte – und deiner hab ich auch gedacht. ich sei der einzige Mensch im Bekanntenkreis. Natur. ej!« oder »Menno!«? Nee! Da ich ein freundlicher und langmütiger Mensch bin oder zumindest so tue. was andere Leser aufregt? Oder gibt es Ärgerliches. Mars und Jupiter wollte ich noch finden.. deine Qualen. selbst Musik zu machen! Ja. Mit Ansprachen. Viele Erinnerungen stiegen in mir hoch. was man angesichts einer überraschenden Zumutung empfindet: erst einen Schock. mich gemeinsam mit ihr zu sonnen und das Gras unter den Füßen zu spüren. Christa Lieb. das war es. »Mein lieber Schwan!«? Nein. (Im Laufe der Woche werden wir dann auch die andere Hälfte tauschen.. Hochzeitstag. Plön Morgens vor dem ersten Weckerklingeln im Halbschlaf das gleichmäßige Atmen von drei Personen zu hören. woge. Ich bekam sogar mal das Kompliment. Angelika Kratz. Niederzier AL AG LT SK U N ST Schicken Sie Ihre Beiträge für »Die ZEIT der Leser« bitte an: leser@zeit. Beim Frühstück erwarteten mich schon die ersten Gratulanten mit Gesang und Orchideen. Das Foto wurde im August 2009 aufgenommen. Welch ein schönes Gefühl. irgendwo im Golf von Bengalen. Ulm Freitagmorgens. d. der dieses Wort verwende. jeder ein Instrument zu erlernen: er E-Gitarre. doch alleine musste ich resignieren. Aber das mit dem Plastiktütenverbot wäre doch ganz einfach. Zugegeben. Du wecktest mich mit Radio-Bach. WL 2009 2010 Was mein LEBEN Seit Jahren verbringen wir unseren Sommerurlaub auf der Insel Rügen. Fand Silben. das das Gegenüber überrascht und die Zumutung gleich ein wenig entschärft. der Fehler unauffindbar. will ich den Gesprächspartner nicht gleich selber ärgern. Christian. 82° 22’ Ost Das erste Mal nach einem langen Winter und Winterschlaf mit meiner Schildkröte durch den Garten zu laufen. Merci! Sabine Kröner. Susanne Lange.Leserbriefe siehe Seite 95 12. W. pünktlich um zehn. wie sich in Briefen und Dokumenten erkennen lässt. dann kam sie über Australien. Über Indien. meist junge Menschen zur Auswanderung genötigt. dann eine schwere Not bei der Suche nach der angemessenen Reaktion.. Wiedergefunden: Ein Dokument der Armut Für das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen arbeite ich an einer Dokumentation über die Auswanderung nach Nord. zu sehr Lohengrin. »Was ist?« – Ich sagte leise: »Ach!« Gabriele Herbst. das im Hafen von Sassnitz den Liegeplatz eines Schiffes markierte. Am Samstag. Jahrhundert. Singapur und Myanmar auf die zu Indien gehörenden Andamanen-Inseln. »Die ZEIT der Leser«. Nach einem weiteren Tanz um den Pool – diesmal ist es ein Cha-Cha-Cha – sinke ich glücklich in meine Federn..) Wir trinken Cappuccino mit viel Sahne und reden über die Familie und den Rest der Welt. Viele sagen oder schreiben gar »Weia!« – im Grunde auch Wagner: »Wagala weia. lange gab es auf dieser Seite jede Woche die Rubrik »Das regt mich auf«. die ich zum allgemeinen Amüsement verlese. Osnabrück Buch und Bach Das Foto unserer süßen Tochter Caroline. Oldenburg reicher macht Es ist unser 48. als Bundesumweltminister wissen Sie bestimmt. Lauda-Königshofen Meiner zwölfjährigen Enkelin Jule hebe ich regelmäßig die ZEIT-Kinderseite auf und kaufe ihr die KinderZEIT-Hefte. Alles braucht viel mehr Zeit. wenn ich mich recht erinnere. Eine Party mit so wenig Arbeit und so viel Personal hatte ich noch nie. die arabische Halbinsel und durch den Suezkanal wird die Reise weitergehen – bis nach Venedig.und Jugendjahre zu sprechen und zu hören. . Schaute in den sternenklaren Himmel. die ihnen Verwandte aus Deutschland geschickt haben. Carola Bührmann. »Willkommen und Abschied«) Mein Wort-Schatz Im Grunde ist mein Wort-Schatz ein Schimpfwort. ich Saxofon. So tragen die Kinder auf dem Bild Kleider und Schuhe. Und plötzlich scheint es. mit 40 Jahren noch einmal Schüler zu sein. JVA Bielefeld-Brackwede Du schliefst. was mir jemand zumutet.und Südamerika im 19. 89. kaum EIN GEDICHT! Klassische Lyrik. erstmals in Cyrano de Bergerac (einer der jungen Soldaten wagt es. Das Kreuz des Südens suchte ich und erspähte es auch endlich über dem Heck. Eberhard Leibbrand. und 20. Das Fremde und was mir vertraut. v. oder? Christian Voll. nein. Jürgen Hartmann. auch den Einkauf. zzt. Wenn die Weltreise von Sabine Kröner demnächst zu Ende geht. Walther Weih. Schleswig-Holstein Ich komme aus dem Laden. die mir besonders ans Herz gewachsen sind. Die Kritzelei der Woche Unser Auto ist krank. Über der Elbmündung kreisen – gemeinsam mit einem Seeadler. was mir die meisten wünschten. sogar Gianna Nannini. Rumohr. Und Mondessternenstrahlen. die uns auffallen und die das Immer-Wiederkommen interessant machen. wenn ich – ich lebe seit über 40 Jahren in Norddeutschland – einen Besuch in meiner alten Heimat Württemberg mache. Ludwigsburg Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit begonnen. Das Wort bezeichnet doch genau das. Magdeburg Wieder den vertrauten Dialekt meiner Kinder. sie hauptsächlich während der Unterrichtsstunden gezeichnet zu haben. September 2009 haben wir uns zuletzt gesehen. So kaschierte man die Armut einfach mit einem Häufchen Laub. Reime. würde ich sogar sagen. (Ich habe gewonnen. Also machen wir alles mit dem Fahrrad. ich bekomme die zweite Hälfte der Vorwoche zurück. da war Caroline 20 Monate alt. 55: Nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr wollte sie durch neue Eindrücke Abstand gewinnen. Martina Hömann.de/zeit-der-leser und auch in einem ZEIT-der-LeserBuch (Sammlung von Leserbeiträgen) veröffentlicht werden kann Nach einem erlebnisreichen Tag auf den Andamanen habe ich meinen Geburtstag an Bord gefeiert. Goethe. Mein Mann mäht den Rasen. Nina Lenz. Sollen wir? Oder wollen Sie gar nicht wissen. Die wunderbare Katharina hat mir eine E-Mail geschickt. dass der Beitrag in der ZEIT. Geldern .) Zum Abendessen habe ich sieben Menschen. auch ein wenig befremdet bis ärgerlich: Was steht mir zur Verfügung? »Ach du Sch . aber da er so herrlich altmodisch ist. neu verfasst SCHÖNE GRÜSSE Lieber Herr Röttgen.. Am Vorabend war ich bis Mitternacht wach geblieben und hatte das Pooldeck für mich alleine. Ich habe mit diesem Wort immer den erwünschten Erfolg: Der. und beim Dartsturnier spielten wir um mein Alter. Gerlinde Benz. 20079 Hamburg Die Redaktion behält sich die Auswahl. Mutter bekommt die erste Hälfte der aktuellen Ausgabe. Und es funktioniert tatsächlich. In Amerika aber ging es vielen von ihnen schlechter als in der alten deutschen Heimat. dass in Italien die Ausgabe von Plastiktüten in Supermärkten und anderen Geschäften verboten wurde. Jedes Jahr kommen ein paar neue Ferienunterkünfte und Touristenattraktionen hinzu. Brenz Eine kleine Weltreise . 6° 13’ Nord. dass er ein riesengroßes Rasenherz hat stehen lassen. Der Tag begann in unsren Schuhen. könnten wir »Das regt mich auf« fortsetzen. war ich kurz ratlos. Ich habe sie trotzdem gelobt..

Europa sollte die Umschuldung wagen. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Die Entscheidung Kretschmanns. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog.zeit. will das offizielle Europa Ruhe. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . wenn Europa weiter zahlt. Die entscheidende Frage ist aber nicht. Kleine Augenblicke. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. was gemeinhin eine Volkspartei ist. Leserbriefe@zeit. Klar ist einzig. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. also einen Tag zu überspringen. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. bleibt auch eine. man macht sich unbeliebt. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. der nicht aufgepasst hatte.de 20 2 0 AUSGABE: . die zweite Volkspartei. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. dessen Datum anzunehmen. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. wohl aber die Stimmung. was kommt. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. um Griechenland aus der Krise zu helfen. Viel Geld.und Bahnhofsschützern. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. »Umschulden«.0. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. dass es ohne Europa nicht geht. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. GRN. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. dass die Griechen mit dem ersten. ist schlicht ein Skandal. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. bestrebt. J A H RG A N G www. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. E-Mail: DieZeit@zeit. Wir erleben einen Austausch von Forderungen.jobs. die Griechen überlegten. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Das klingt weit unattraktiver als das. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. Gleichwohl verlangen die EU. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Die Entzweiung Einst ein verschworenes Duo. die im Englischen haircut heißt. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. Nein. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. In Interviews sprach er davon. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.de/audio www. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Käme es jetzt zum griechischen haircut. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. KG. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. auch nicht beim haircut. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. Doch das heißt nicht. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Was dagegen geschieht. Vergessen. aber die Deutschen können es nicht mehr hören.u. die sie früher nie gewählt hätten. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. die SPD. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt.de Abonnement Österreich. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. sondern echtes Geld kosten werden. Schweiz. zeichnet sich schon ab.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Die Griechen. Aber die Diagnose ist unvollständig. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum.10 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. in das so viel Geld fließt.PREIS ÖSTERREICH 4. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. wenn Europa immer weiterzahlt. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. heute Erzfeinde: Hans-Peter Martin wird von seinem Protegé an den Pranger gestellt Politik Seite 12 D Europa will sich Ruhe kaufen. ZEIT-Stellenmarkt: www. Nicht mehr bezahlen. wer der bessere Europäer ist. so desaströs seine Folgen wären. »Retten« ist ein hübsches Wort. Libyen. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). Diejenigen. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. weil dies ein überholter Begriff sei. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. (v. Gutmenschen nerven. 20080 Hamburg. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. im Land. deshalb unser aller Geld retten musste. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. Sie sind nötiger denn je. Auch das käme alle teuer zu stehen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Sooft dieser Tage in Ministerien. Die Frage ist vielmehr.zeit. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei.de.zeit. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. das Beharren auf Posten und alten Positionen. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag.zeit. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. was auf lange Sicht besser für Europa ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. sondern auch an zu viel. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Wer wollte sie den Iren abschlagen. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Irland. der sich tief gedemütigt fühlen muss. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. findet Josef Joffe. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. kleine Abb. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten.de/audio AC 7451 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. Geburten hinfällig. ist auch eine hässliche Sache.zeit. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. das zu werden. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. Es kostet nur wieder Milliarden. Das ist umso generöser.o. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Der Rettungsfonds will weiter retten. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. ebenso wie die Deutschen und andere. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. würden Schulden nicht getilgt. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. und trotzdem beschimpft Europa uns.de. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. möglichst viele Menschen mitzunehmen. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. die andere Möglichkeit. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. beschlossen hat. Schuldzuweisungen und Dementis. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. Wellen am sardischen Strand. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. die EU dabei mitregieren. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. was sie auch kostet. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. nun gelte es.n. positionieren sich als die guten Europäer.

aber zugleich weich wie ein schnurrendes Kätzchen. wenn die Bombe platzt. »Fußballersprache« sei da gepflegt worden. dass sich Martin und Martin entzweit hatten. erzählt von den ungeheuren Vorgängen. wie Martin häufig wegen des extravagant weiten Schnitts seiner Beinkleider genannt wird. Familie und Politik zusammen? FDP Ein Gespräch mit Philipp dem Burschenschafteraufmarsch am Heldenplatz fern VON JOACHIM RIEDL WISSEN 37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können nur die Autokonzerne zu fördern 27 Kinderarmut Die Not wird überschätzt. oft tagelang Ehrenhauser wurde seinem Idol immer ähnlicher und vertraute ihm blind Das Duo ging gegen jeden vor. der zugleich als Chef der Liberalen firmierte. das logische Ziel. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen ein Vorbild für die Welt? Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt . Man hatte das Gefühl. Die Euphorie. Ehrenhauser orchestrierte derweil seinen Abgang. erzählen ehemalige Mitstreiter. mit denen sich jede Mücke zum Elefantenskandal machen lässt. seine weiße Weste sei besudelt. Der selbst ernannte Saubermann ist schwer angeschlagen. wandte er sich an Hans-Peter Martin. auf wen er zählen könne. Er selbst sagt. Besonders das Sprachzentrum. So erfolgreich. Er kennt die brennende Migrationsproblematik aus eigener Lebenserfahrung: Auch er war einst mittellos an fremden Gestaden gelandet. Im Fat Boys. die sonst bei jedem Schweinestall protestieren. für die sie mitunter ihr gesamtes Umfeld mobilisierten. Ehrenhauser wurde Martin immer ähnlicher. Armin Falk. Ehrenhauser wird sich als Supersaubermann darstellen. Mit Methoden aus der untersten Schublade sollte die Salzburgerin dazu gedrängt werden. Wie könne es sein. sogar das habe er akzeptiert.. ob sie als alleinerziehende nicht zur Arbeit erschienen zu sein. Den Meister hat der Schüler jedenfalls bereits jetzt übertrumpft. erzählt er. Sich in diesem Dauerfeuer zu verteidigen ist unmöglich – der Zauberlehrling hat vom Hexenmeister viel gelernt. Wo sind die Grünen. Andere sagen. Nun erhebt Ehrenhauser selbst schwere Vorwürfe gegen sein früheres Idol. […] Schwierig wird es sicher ohne meine explizite Unterstützung. ein Foto von sich würde ihm auch gut gefallen. kurz darauf avancierte er zum Büroleiter. die wissen alles voneinander«.« Auch als Angelika Werthmann im vergangenen Sommer Hans-Peter Martin vorwarf. war er der »junge Hecht im Karpfenteich«. Emotionelle Intelligenz ist bei diesen Zusammenkünften ebenfalls sehr selten anzutreffen.12 12. Dazu muss der Übervater rasch in der Versenkung verschwinden. Kennengelernt hatte sich das Duo drei Jahre zuvor. Osama haben dem Terminator die Navy Seals weggeschnappt. Ehrenhauser und seine Mitarbeiter seien seit August 2010 in sein Computersystem eingedrungen und hätten auch Gespräche mitgeschnitten. die gerne gedruckt werden. die den Betrug belegen – Martin spricht davon. weiß keiner. sagt Ehrenhauser heute. signalisierte er gegenüber Hans-Peter Martin noch Gesprächsbereitschaft. der sich ihnen in den Weg stellte. Gerne präsentierte er sich als die dynamische Nachwuchshoffnung an der Seite des Europarebellen.. schlug einen Sitzungstermin in Wien vor – just für den Tag. Mai 2011 DONNERSTALK DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Gift im Parlament Botox garantiert ewige Jugend.com rend einer Plenarsitzung keine Seltenheit. vermittelte Kontakte und brachte ihm die Tricks bei. sein Blick ist kalt. Martin und Martin nannten sich die beiden im Europawahlkampf 2009. Doch des Skandals nicht genug.« Im Sog der Bestechungsaffäre um den konservativen Parlamentskollegen Ernst Strasser sah Ehrenhauser wohl seine große Chance. Vielleicht wollte er endlich aus dem Schatten des Übervaters heraustreten. Den Verdacht hegte man ja schon lange. Deshalb werden einfache Sätze. ins Ausgedinge von Venice Beach oder als Ambassanator für eine bessere Welt von Kontinent zu Kontinent tingeln? Allesamt keine erbaulichen Perspektiven. Jetzt stellt er seinen Mentor an den Pranger VON FLORIAN GASSER Mutter ihre Funktion in Brüssel überhaupt ausüben könne und nicht Gefahr laufe. der ohne Minibar auskommen muss? Schluss mit diesen Menschenversuchen! igentlich wollte Martin Ehrenhauser immer schon einmal einen Spionagethriller schreiben. NOLL Freiheitliche HC Strache blieb WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch 33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung ThyssenKrupp Der Konzern FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral 62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTLSenderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie. das Verhältnis wurde schnell frostig. und aus der Delegation austrat. Sogar Ehrenhausers Mutter warf der Mandatarin vor. ein Schulfreund von Hans-Peter Martin. Flüchtling zu sein 48 Kinder. Doch Ehrenhauser hat die Gesprächsangebote ausgeschlagen«. Doch der neue Saubermann präsentiert sich nun als jemand. Im Wochentakt beliefert er nun Zeitungen mit immer neuen Details. nachdem sie ausgesprochen wurden. und der politische Stil Martins sei auch nicht unbedingt der seine. möglicherweise habe Martin hohe Summen für den eigenen Gebrauch abgezweigt. etwa »Bitte Ruhe im Saal!«. befindet sich am Scheideweg. Gut einstudierte. er habe dem egomanen Leitwolf einfach blind vertraut. die er dadurch auslöste. und bot an. Ökonom und Verhaltensforscher? noch die meisten Laster bauen Elektroauto Warum es falsch ist. sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. »Ich wollte. der noch Großes im Sinn hat und jetzt die Weichen für seine politische Zukunft stellen möchte. warum Martin Ehrenhauser die Trennung nach allen Regeln der Kunst inszeniert. Einen. als Martin Ehrenhauser vom Büroleiter zum Abgeordneten aufstieg und auf der Bürgerliste von Hans-Peter Martin kandidierte. Als der Zauberlehrling antrat. Wer dem umstrittenen Europaparlamentarier am Zeug flicken wollte. Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte« Roman Nicolas Dickner »Tarmac« REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. als »Rabenmutter« bezeichnet zu werden. war die Eintrittskarte des Politikstudenten bei dem EU-Rebellen. bekam es mit dem Oberösterreicher zu tun. die sie wählen könnten. berichtete von seinen Anschuldigungen. er selbst habe etwas mit den dubiosen Vorgängen zu tun. Unterlagen sollen ihm noch im Herbst zugespielt worden seien. sich Ehrenhauser schützend vor sein Vorbild. Kampfmaschinendarsteller. Hans-Peter Martin stellte seinem Schützling Journalisten vor. »Das war schon sehr untergriffig und ging schnell ins Persönliche. bekannt für ihre deftigen Burger. um das Thema möglichst lange am Köcheln zu halten und der Gegenwehr seines Opfers keinen Raum zu geben. Ehrenhauser lud zu vertraulichen Gesprächen. sondern vermindert auch die Denkleistung. Das Ende einer fast fünfjährigen politischen Zusammenarbeit war besiegelt. dass sich die beiden aussprechen. Er hat sich einen Django-Bart wachsen lassen. dass heute nicht mehr viel fehlt und er hat seinen Ausbildner mit dessen eigenen Waffen geschlagen. die Falten jedoch nicht gestrafft. sagen Forscher Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest Die sich über arabische Revolutionen Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung 28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal GegenseitigeSchuldzuweisungen Soziale Netzwerke CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 55 Margaux Fragoso »Tiger. jetzt wurde er durch die Forschung bestätigt. einander austricksen. stellte IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Foto (Ausschnitt): Harald Schneider/hds/APA/picturedesk. wenn sie mit Europa sprechen wollen: Hasta la vista. demnächst in Pension geht. Bärenstark. Meist. in dem sich Geheimagenten gegenseitig bespitzeln. Heute wirkt Ehrenhauser verändert. Und ein Match gegen mich? Da hätte ich wohl auch die besseren Möglichkeiten. Ein Interview sei Bedingung. Etwa. Endlich hätten dann auch die wichtigsten Amis wie Henry Kissinger und seine Freunde eine Telefonnummer bei der Hand. das widerfährt selbst Titanen nur nach ihrem Ableben. an dem die Geschichte publik wurde. Schließlich verzichtete der Listenzweite auf sein Mandat – heute leitet er das Bürgerbüro von Martin Ehrenhauser in Wien. Tiger« 56 Nachruf auf Gunter Sachs kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. wird in Mitleidenschaft gezogen. Wer ihn dann allerdings wählen soll. mit meinen abgesicherten Medienauftritten und meinen persönlichen finanziellen Mitteln. 2014 wird er wohl versuchen. Foto: Ingo Pertramer Ehrenhauser zelebriert den Bruch mit allen Mitteln der Medienkunst Nebenbei wurden ab Ende März Journalisten mehrerer Medien kontaktiert (darunter auch die ZEIT). wie solche United States zu funktionieren haben. oft erst Stunden.kultur . Und eine Idee für den Inhalt des ersten Absatzes der Enthüllungsstory schwebte ihm ebenfalls vor.und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« 96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. Zwar werden alle nervösen Reaktionen hervorgerufen. begann Ehrenhauser auf einmal Fragen zu stellen. auf falsche Fährten locken und enttarnen. Ehrenhauser war gerade bei den Jungen Liberalen hinausgeflogen. Und Ehrenhauser spricht bereits davon. mit welcher der 32-Jährige früher über seine politische Arbeit sprach. das Weiße Haus. das zu moderieren. Der Verbleib von rund einer Million Euro aus der Wahlkampfkostenrückerstattung für die Europawahl 2009 sei ungeklärt. Was nun kommen wird? Für Hans-Peter Martin könnte diese Affäre das politische Ende bedeuten. Konservativ und zugleich ein grüner Visionär. Doch Werthmann weigerte sich beharrlich. dass es nun eine »neue Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft« brauche. Dieses gefährliche Wurstgift wurde offensichtlich schon seit Langem an unwissenden Versuchspersonen ausprobiert. die bei den Delegationssitzungen oft dabei war. wenn wir gemeinsam kandidieren. Unzertrennlich seien beide damals gewesen. Die Reduktion des Sprachzentrums ist bei Budgetdebatten gang und gäbe. begründet er damit. Ausdruckslose Gesichter sind im Hohen Haus wäh- E Alfred Dorfer enthüllt das Rätsel der versteinerter Mienen im Hohen Haus AUSSERDEM Wer sonst? Dem Werden und Wirken des berühmtesten Österreichers der Gegenwart widmet sich bereits zu Lebzeiten ein eigenes Museum. sagt eine. schmissige Phrasen. er habe Parteigelder hinterzogen. begriffen. Muskelheld. dass er keinen Einblick in die Finanzen der Partei besessen habe. Sie teilten die Leidenschaft anzuecken und aufzudecken – nicht selten mit Mitteln an der Grenze des guten Geschmacks – und die Begeisterung für Fußball. Als noch niemand außerhalb Brüssels ahnte. der Bruch endgültig. Die Korruptionsaffäre. Viele fragen sich inzwischen. ließ Ehrenhauser dann Mitte April die Bombe platzen: Er erstattete Anzeige gegen Hans-Peter Martin bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf »schweren Betrug«. wurde später zur Persona non grata für die verschworene Clique. sie würde die Karriere ihres Sohnes behindern. Jetzt hat sein ehemaliger Kabinettschef dem Magazin Newsweek die Königsidee anvertraut: President of Europe. wird dem Governator von der amerikanischen Verfassung verbarrikadiert.zeit. Auch Klaus Diekers. Er war einer der Letzten. Seitenlange Mails mit Anschuldigungen wurden gewechselt. wenn der blasse Belgier. Gesichtsmotorik ist für das Gehirn notwendig. Martin habe die eigenen Ideale verraten. Der Fall des Mentors könnte der Aufstieg des Zöglings sein – medial geschickt orchestriert. Angelika Werthmann. Einen Grundkurs in der Kunst des Tarnen und Täuschens absolvierte er allerdings in den vergangenen fünf Jahren bei seinem Mentor Hans-Peter Martin. Ein Jahr später wurde er dessen parlamentarischer Mitarbeiter. »Freunde waren wir nie«. Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 4 5 6 7 8 9 Gutmenschen Ist Deutschland 12 Donnerstalk ALFRED DORFER über die Auswirkungen von Botox auf die Politik 13 Straßenkampf Der neue Wasserwerfer 10 000 der Firma Rosenbauer aus Leonding VON STEFAN MÜLLER 14 Artgenossen Der wankende Mafiaparagraf und das Justiztheater in der Wiener Neustadt VON ALFRED J. Assistiert von einem Nachrichtenmagazin. er müsse sich möglichst weit von Martin distanzieren. Martin warf seinem Schützling vor. Einst war er sein größter Fan und willfähriger Erfüllungsgehilfe. Sonst verarmt die emotionale Intelligenz. nennt er das heute. Warum er plötzlich aufmuckte. Zurück ans Actionfließband in der Filmfabrik. dass sich Ausgaben und Einnahmen der Liste auf den Cent gleichen? »Eine betriebswirtschaftliche Meisterleistung«. Heimat und Apfelstrudel geht. Die beiden Mandatare gingen auf Distanz. baby! JR Bessere Zeiten: Martin und Martin feiern den Wahlerfolg 2009 Die Zertrennlichen Einst war Martin Ehrenhauser der größte Fan von Hans-Peter Martin. Im Oktober 2010 schrieb dieser in einer Mail an Ehrenhauser: »2014 hätten wir die besten Chancen. wenn es um Familie. mit einer eigenen Liste anzutreten. fieberten sie oft bei den Spielen ihres Lieblingsvereins Bayern München. blieb aber kryptisch genug. Seine Stimme klingt hart. Kino-Ikone und zwei Amtsperioden lang Regierungschef von Kalifornien. Für den Reißer fehlte dem Mandatar im Europäischen Parlament bislang die Zeit. Dazu würde wohl auch ein Interview genügen. weil die durch Lähmung reduzierte Mimik beim Gegenüber zu emotionalen Missverständnissen führen kann. um vorzeitige Veröffentlichungen zu verhindern. Genau.de/audio Geschichte eines Liedes aus Island 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze« Kunst Paul Pfeiffer in München GESCHICHTE 21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. sich ein eigenes Profil zulegen und mehr sein als bloß die Stulpe an der »Hose«. In internen Sitzungen zielten sie gerne auch unter die Gürtellinie. wenn die Sitzung längst vorbei ist. Dass sich seine Vorwürfe heute merkwürdig ähnlich anhören wie seinerzeit jene von Werthmann. steht in den Sternen. »Die steckten rund um die Uhr zusammen. Arnold Schwarzenegger. Mit größtmöglicher Empörung tritt Ehrenhauser derzeit vor Journalisten auf. »Untreue« und »Förderungsmissbrauch«. Ehrenhauser wandte sich an Mitstreiter der Liste Martin. die HansPeter Martin die Treue hielten und ihn bedingungslos verteidigten. Offensichtlich gelangt bei diesen Experimenten an Mandataren eine noch sehr frühe Entwicklungsstufe des Nervengifts zur Anwendung. um selbst einfache Sätze verstehen zu können. Mit welchem Medium er bei der Aufdeckung zusammenarbeiten wolle. Gemeinsam zogen sie in Psychokriege. die er jahrelang nicht mitbekommen haben will. Immer neue Vorwürfe tauchen auf. damit Martin seinen Protegé ins Parlament hieven konnte. Als Staatsbürger der USA steht er nun über dem kleinlichen nationalen Zank in der Union und weiß genau. Martins Frau schrieb eine Mail an Werthmann und fragte. als die Listendritte. Mit geheimen Unterlagen über den Baulöwen Hans-Peter Haselsteiner und den Lobbyisten Alexander Zach. nach den Europawahlen 2009 auf ihr Mandat verzichten sollte. gibt immer nur einen Teil der Unterlagen preis. Das erklärte ihm sogar unlängst noch Hans-Peter Martin. Arnie verkörpert ja gewissermaßen die europäische Schnittmenge. Es glättet nicht nur verräterische Falten. einer Sportkneipe in Brüssel neben dem Parlament. das haben nun Forscher aus den USA herausgefunden. ist einem kalkulierten Tonfall gewichen. Doch nach der Veröffentlichung des Rechenschaftsberichtes der Liste Martin am 29. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen ÖSTERREICH 12 Politik Das Zerwürfnis zwischen Hans-Peter Martin und Martin Ehrenhauser VON FLORIAN GASSER Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn 59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« Kulturkanäle zdf. lotete Ehrenhauser bereits aus. September 2010. der für die eigene Redlichkeit sogar seinen politischen Ziehvater opferte. bekam einen Anruf. habe er noch nicht entschieden. Während er medial die Entzweiung bereits vorbereitete. als das jugendliche Pendant des ergrauten Hans-Peter Martin. what’s his name?. um jeglichen Zweifeln vorzubeugen.

eingeflossen. deren Früchte um einen Seilring geflochten zur Lagerung aufgehängt werden. musste jedes Mal Luft aus den Reifen gelassen werden. sagt Rüdiger Spahr etwas kryptisch. dass immer wieder Schaulustige vor dem Ungetüm posieren und Erinnerungsfotos knipsen. Ende 2009 präsentierten die Hanseaten der Presse selbstbewusst den Prototypen. Die Aufgabe von Wasserwerfern beschränke sich längst nicht mehr auf das »Studentenwaschmaschinentum«. Die beiden Fahrzeuge mit 4000 Litern Fassungsvermögen seien 2003 zugelassen worden. Teure Wasserwerfer diffe- renziert einzusetzen sei ohnehin schwer. kleinere Brände löschen und sich nur im Notfall – ein bisschen – in einen Wasser speienden Drachen verwandeln. die Emotion aus Konflikten zu nehmen. um Schlimmeres zu verhindern. weshalb es meist Feuerwehrausrüster sind. Es liegt nahe. nimmt ein Beobachter das Geschehen ins Visier. Zehn Meter lang. In diesem Jahr riegeln am 1. was wir in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben« In einem Büroraum in Leonding legt Wolfram Mücke.und Einsatzmittel der Hamburger Bereitschaftspolizei. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 DRINNEN Grüße aus Leonding Sein Name ist WaWe 10. sind wir nicht im Waffenbereich«. schmiederer. Achtmal war eine zwölfköpfige Polizeidelegation aus Deutschland zu Gast. sieht aus wie eine Mischung aus Schwerlaster und Terminator. wenn sie den Auslöser nicht drücken müssen. Ihr Geschick an den Werfern. »Hier vorne wird ein Feuerwehrmann gerade scharf angebraten«. In diesem Fall spricht man von Lebensqualität. Weiterführende Informationen? Fehlanzeige. Mit diesem Wissen gerüstet. die schrägen Heck. Die »Cobra«. Qualität war für mich immer das Allerwichtigste. Bei der Außenwirkung sieht die Sache schon anders aus. Löschaufgaben würden wichtiger. war gewaltig. das »geschützte Tankfahrzeug« diene lediglich der Gewaltprävention. Auf diese Produkte ist man stolz bei der Rosenbauer AG. die schonend auf kleiner Flamme zu Marmelade verkocht werden. das Donatella. Anarchisten auf Distanz zu halten. »Sonst wäre ja ein Beamter blockiert«. Er ist der dickste Brummer im Arsenal der deutschen Polizei – ein Qualitätsprodukt aus Österreich VON STEFAN MÜLLER Vulkanische Aprikosen Ein Neapolitaner in Wien: Paolo Cancro. Dass ein Staat sein Gewaltmonopol auch ohne Wasserwerfer ausüben kann. die solche Geräte bauen. Der Kunststofftank des Wasserbehälters. Es komme immer darauf an. ist die Frontscheibe nach vorne geneigt. Der alte Wasserwerfer schaffte es nicht durch das Kasernentor Im Innenministerium erinnert man sich an ein noch älteres Gerät. und das Prinzip Abschreckung – inklusive Warnung über die Außenlautsprecher – hat seinen drohenden Wasserstachel verloren. dass die Eskalationsstufen eingehalten werden: Sie reichen vom Anfeuchten mit Wasserglocken – auch ein neues Feature der Hohlstrahlrohre. vorne rechts. eine Römerin. die das Wasser in 25 Metern Entfernung auf einer kleinen Fläche entfalten darf. Für den grau melierten Gentleman. also die moderne Version des Polizeiknüppels. »Was den Export betrifft. meint ein Sprecher. Bei bis zu 1200 Litern Durchflussmenge pro Minute und 65 Metern Reichweite – zwei Werfer sind vorne. zum Einsatz gekommen war. Überhaupt produzieren wir diese Fahrzeuge nur fallweise. schrottreife Relikt noch im April 2002. Was wir hier in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben. Damit Steine nach unten abprallen. die mit Feuerwehrschläuchen improvisieren. dem die Law-andOrder-Rolle in einem John-Wayne-Western gut passen würde. schulen die Beamten auf weitläufigen Testgeländen. Ende der Durchsage. Man gerate sonst schnell in Schieflage. Wie ein schlafender Kettenhund lauert in einer riesigen Werkshalle ein graublaues Monster aus Alu-Blech zwischen einer kleinen Armada feuerroter Löschfahrzeuge. Das Wort Abfallprodukt hört Projektleiter Helmut Ogris aber nicht so gerne. Der Anteil am Unternehmensgewinn – 2010 waren es 40 Millionen Euro bei einem Umsatz von 596 Millionen – sei jedenfalls gering. Sie sollen Brände löschen und Leben retten. einem der größten Feuerwehrausrüster der Welt. Auskunft bei der Pressestelle nur per E-Mail.ÖSTERREICH Fotos: Bodo Marks/picture-alliance/dpa (l. wo sie bunte Plastiktonnen vollspritzen. made in Austria. Also drehte ich das Licht ab und schloss meine Firma in Neapel. Juni 2010 im Dorotheum für 1600 Euro versteigert wurde. 27 Jahre lang führte ich einen Musikvertrieb und verkaufte sehr viel von den alten. Man muss Zeit haben für sich selber. Kostenpunkt: 900 000 Euro. treten die 15 Düsen des Eigenlöschsystems in Aktion. der 10 000 Liter fasst. Athen. Wer aus kurzer Entfernung in so einen Strahl läuft. Handelt es sich um eine Waffe? Nein. den es zu erfüllen galt. Alljährlich wüten im Schanzenviertel von Hamburg wilde Straßenschlachten. Mit mächtigen Fontänen fegt es den Aufruhr von der Straße. betont Rüdiger Spahr. die sonst auf Brandherde zielen. Einsatzhäufigkeit? Unbekannt. bei der Sondereinheit Wega der Wiener Polizei. Angeblich zu schwer für so manche Wiener Straße mit gemauertem Kanal darunter. Gerät das Fahrzeug doch in Brand. In Österreich gelten Wasserwerfer laut Waffengebrauchsgesetz 1969 zwar als »Dienstwaffe« – darüber sprechen will man aber auch hier nicht so richtig. »Das ist das technisch komplexeste Gerät.« Pumpen und Spritzen. Von da an war mir Musik Passion und Beruf. schräg hinter ihm haben die Rohrführer den Finger am Abzug. Im Herzen. Dort bringen wir den Wienern süditalienische Esskultur und Lebensphilosophie nahe. Erst als Böller krachen und Leuchtraketen flitzen. In Wien bringt er den Menschen süditalienische Esskultur nahe Am 1. die 25 Jahre lang im Versicherungsgewerbe tätig war. übersiedelten wir vor einem Jahr nach Wien. Unklar ist etwa. genau wie die Verantwortlichen bei Rosenbauer.« Viele Nächte hatte er wenig geschlafen. das wir je gebaut haben«. als Waffe gilt. die es steuern. eine Kühlvitrine. Brandbomben gegen die Polizei. vor allem aber sicherer für die Beamten. »Werfen« heiße das. dass die Menschen für Musikkonserven kein Geld mehr ausgeben. Vielleicht ist es der Polizei unangenehm. die auch Reizmittel versprühen kann. die Sache sei vertraulich. bei Krawallen um die Wehrmachtsausstellung. ergonomische Sitze und ein Kühlschrank für Komfort. internationaler Vertriebsleiter bei Rosenbauer. Auf den vulkanischen Böden des Vesuvs entdeckten wir einzigartige Aprikosensorten. Um im leeren Zustand durch das Tor in die Rossauer Kaserne zu passen. warum in Deutschland der »Mehrzweckeinsatzstock«. Komisch. Ich legte in Spanien. Seltsame Kundenwünsche sind Mücke trotzdem zugetragen worden. Nach bösen Krawallen beim EU-Gipfel in Göteborg 2001 bekannte man sich lieber zu einem verstärkten Dialog mit Demonstranten. versichert er: »Sonst wäre jedes Löschfahrzeug eine Waffe.« Sagt es und lächelt. Letzter aktiver Einsatz? 2003 – bei Protesten gegen den Korporationsball. In Avellino aßen wir Paulo Cancro stammt aus Süditalien. Als der Wasserwerfer. korrigiert Spahr. Diese sogenannten Blondorangen und Zitronen wachsen auf Bäumen. Das Gefährt ist die neue Wunderwaffe des deutschen Staates gegen Bürger. Die Kraft.« Rosenbauer hat verschiedene Staaten in Europa mit Wasserwerfern versorgt.« Er zieht einen weiteren Artikel hervor. Zeitungsberichte auf den Tisch. im voll betankten Zustand mit einem Gewicht von rund 23 Tonnen. Insgesamt 78 Stück sollen bis 2019 nach Deutschland geliefert werden. Käse und fanden die dazugehörigen Rinder: braune Kühe. Im Ernstfall rollt der WaWe 10 ganz langsam zur Attacke und wird von Bodentruppen flankiert. weil die Hälfte seiner Bestandteile aus Deutschland stamme und die Wartung im Ausland zu aufwendig wäre. Heute will der Beschaffer. ist die Sache klar: Die Anrüchigkeit des Produkts werde medial geschürt. legt man Wert auf Konfliktvorbeugung. lasse sogar einen Einsatz als Trinkwassertransporter zu. dem in die Jahre gekom- menen WaWe 9000 des deutschen Mitbewerbers Ziegler. Vor dem Kulturzentrum Rote Flora hat die Staatsmacht ihr mächtigstes Geschütz für urbane Konflikte aufgefahren: den nagelneuen Wasserwerfer 10 000 (kurz: WaWe 10). Leiter der Abteilung Führungs. Der Neue soll böse aussehen. dass auf den Videos von den Opernballdemos in den achtziger Jahren Beamte zu sehen sind. dass man sich auch beim Essen auf Qualität konzentriert. bei dem der Rentner Dietrich Wagner sein Augenlicht verlor. Zwei davon wurden bereits in Hamburg und in Sachsen in Dienst gestellt – ungeachtet der Debatte um den Wasserwerfereinsatz von Stuttgart. eine Kaffeemaschine. Mai schützte der nagelneue Wasserwerfer 10 000 die Rote Flora in Hamburg T ag der Arbeit. so die werksinterne Bezeichnung. Irgendwann sah ich ein. In der Umgebung von Neapel fanden wir einen Familienbetrieb. sind 26 Jahre Erfahrung mit dem Vorgängermodell. 408 PS stark. 48. Wir durchstreiften Olivenplantagen. wo wir Giorgia kennenlernten. Leonding bei Linz. Also machte ich mich eines Tages mit meiner Frau Donatella. fallweise auch asiatische Länder – erinnert sich Vertriebsmann Mücke vage. ein Wasserwerfer hingegen laut Polizeidienstverordnung 122 lediglich ein »Hilfsmittel der körperlichen Gewalt« sein soll. ein Ehrfurcht heischendes Qualitätsprodukt. Insgesamt ist das neue Gerät potenter. die Dinge richtig einzusetzen. Erst- zulassung 1975. Wir fuhren von Markt zu Markt und besuchten jedes Wochenende Bauern. sagt Kommissar Martin Lundin von der schwedischen Bundespolizei: »Der Effekt bei einem motivierten Gegner ist begrenzt. »Gewaltig. die vor 200 Jahren erstmals nach Kampanien gebracht wurden. Das Seitenblech ist gegen Durchstiche mit Eisenstangen gerüstet. Die Bilder aus den Werferkameras werden auf Festplatte gespeichert – um gesetzeskonformen Einsatz nachweisen zu können. die an Entfernungsmesser gekoppelt sind. »Das kann von weidedrahtartigen Stromschlägen beim Berühren der Außenfläche bis zur Heißwasseraufbereitung für den Dachwerfer gehen. legt das Monstrum los. um sich solche Peinlichkeiten zu ersparen. der Kaffee über Holzfeuern röstet. In einem neutralen Büroraum in Leonding. Bleibt zu hoffen.und Dachelemente lassen Brandsätze abrollen. Auch im Alltag. Lebensmittelhändler Mit 16 Jahren trat ich erstmals als DJ auf. stehen zwei Fahrzeuge von Rosenbauer. acht Sitzplätze. das deutsche Innenministerium. Mai 2300 Polizisten in Nahkampfausrüstung die Krawallzone ab. Mit ihr zusammen eröffneten wir im November ein Lebensmittelgeschäft in Margareten. sitzt der Kommandant. sagt der Ingenieur: »Die ganze Mannschaft ist stolz darauf.« Ein Exportschlager könne der WaWe 10 schon deshalb nicht werden. zeigte der Tacho 60 100 Kilometer. Nur um den WaWe 10 will man wenig Aufhebens machen. Solche Blödheiten machen wir aber natürlich nicht. 30 Tonnen schwer. Darauf ein verkohltes britisches Feuerwehrauto. Obgleich es den beiden Strahlrohrführern an ihren Joysticks und Bildschirmen am liebsten ist. sagt er. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A . beweist Schweden. In der Rossauer Kaserne. Tag der Randale. In dem Leistungskatalog. In Sorrent suchten wir nach Zitrusfrüchten.com 12. Das sind einfach Abfallprodukte aus dem Löschfahrzeugbau. dem sogenannten Würfel Fünf. herkömmlichen Schallplatten. nichts mehr dazu sagen. sagt die Polizei. Luftfilter und Klimaanlage sorgen für Frischluft. die mit Strohmatten vor Wind und Kälte geschützt werden. die Kabine hält dem Aufprall einer Betonplatte aus dem dritten Stock stand. taugen genauso zur Abwehr rebellischer Bürger. am 1. auf die Suche nach den besten Lebensmitteln Süditaliens. zum Genießen. zum Nachdenken. schnauzt eine Sprecherin. Davor habe es ein umfunktioniertes Feuerwehrauto mit Rosenbauer-Aufbau gegeben. die ein Auffächern der Fontäne ermöglichen – bis zum Schießen mit dem Vollstrahl. Aus dieser Gegend kommen auch Brotzitronen. in feine Scheiben geschnitten und gezuckert. Auch die Symbolik ist nicht gut. ein Ungetüm auf einem Steyr-Fahrgestell. einer hinten montiert – ist der 10 000-Liter-Tank nämlich schnell leer. mit der Schale als Nachspeise gegessen werden.). »Hier. dass jenes kleine. riskiert Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen. ist bei 12 Bar Betriebsdruck auf 30 Kilogramm beschränkt. Ein Reporter der taz beobachtet. die Randale machen. neben dem Fahrer. 75 Quadratmeter. Schweden und Deutschland auf. die. Am wichtigsten sei es. »Unser Verständnis von so einem Fahrzeug ist es. Dort sahen wir auch die Strauchtomatensorte Pomodorino del Piennolo.

Erwartet wurde diesmal nicht der Herzog von Württemberg.Einfluß auf Politik oder Wirtschaft anstrebt . In diesem Jahr war es wieder so weit. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. schon allein. erneut eine »Totenrede« zum Besten geben. am Burgtor erwartet. VON ALFRED J. erfordert ein Großaufgebot der Polizei und lähmt den Verkehr in der Innenstadt von Wien – vor allem immer dann. Erwartungsgemäß hatte die gesamte Regierung angesichts des Spuks ihren Kopf in den Sand gesteckt.müssen. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. forensische Unverhältnismäßigkeit und legistische Paranoia. wäre nicht die Handlung in die Gegenwart versetzt und in skandalträchtiger Weise durch eine geschickte Abänderung der ursprünglich handelnden Personen neu belebt worden. Es wird zum europäischen Sozialfall.14 12. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Griechenland.ganhandel oder Waffenschmuggel bis zur Hühten. wie es ist. um seine Bewegungsfreiheit nicht zu gefährden. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. Haider hatte seinen Recken einst den antiquierten Kampfbegriff aus dem teutonischen Credo kurzerhand gestrichen. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. der fortan als »Verräter« galt. in die man dieses Nullum vor dem Publi.com Bleibt nachzutragen. NOLL D Wie sollte denn. bunt kostümiert und mit lohendem Fackellicht. Jetzt soll das prekäre Vertrauensverhältnis wieder gestärkt werden. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. haben so lange so heftig geheizt. In den vergangenen Jahren hatte er die deutschnationale Andachtsstunde gemieden. die sich zwar sich mühelos von Mafia bis bin Laden. Kaum je hat auf österreichischen Bühnen eine Protagonistin die Grenzen verbeamteter Wankelmütigkeit derart plastisch werden lassen. der Schlep. Vergeblich warteten die Totengedenker auf ihren Stargast Strache Zwar repräsentiert der deutschnationale Flügel nur eine Minderheit im Wählerreservoir.bewahren.sich das kostbare Gut kreativer Bühnenbearbeitung xuellen Ausbeutung von Menschen. wie das bei anderen Anlässen heißt. auch nicht ausschließlich. So wie der Herzog niemals nach Hornberg kam. Meist kümmert das anachronistische Ritual nur wenige. Deren Sprachrohr. derweil EU. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. Und am Ende der auf über 14 Monate ausgedehnten Aufführung waren es nicht die Postkutsche und auch keine Rindviecher. es findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Republik ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Habsburgermonarchie im vorangegangen Weltkrieg errichtet worden war. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. die es zu vermeiden gelte. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Sonja Arleth vermittelte während einiger Monate überaus nachvollziehbar das Bild einer überforderten Richterin. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. die der Regie daher Anweisungen. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. 3. der mit Salut empfangen werden sollte. wie schon 2004. Der Verweis darauf.und Kulturgemeinschaft« beinhalten wird. Lampenfieber vor der stimmgewaltigen Publikumskulisse? Das Kalkül. Der dramaturgische Kniff der Aufführung lag gewiss in der mutigen Verbindung einer auf den ersten Blick lachhaften Anklage gegen wild zusammengefangene Tierschützer mit der schier unendlich anmutenden Dauer der Aufführung. Foto: Georg Hochmuth/APA/picturedesk. auf italienischem Lega-Nord-Territorium fand Strache vorübergehend Exil. von 325 auf 340 Milliarden Euro. kann nicht sparen. dann wird man das Stück so nehmen perei oder des unerlaubten Verkehrs mit Kampf. Man würde darstellerischem mitteln. wenn man sich zu zeitgeistigmitteln ausgerichtet ist. wenn sern? Kaum. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. In manchen Jahren jedoch eskaliert der morbide Spuk zu einem Politikum. Was wir heute über § Titel § 278a StGB in dürre Worte gekleidet: 278a StGB wissen. Schließlich wird man diese Leute höchstwahrscheinlich künftig noch für Koalitionsverhandlungen benötigt. wenn Ehre weiterhin Treue heißen solle. so erschien auch der Rechtsstaat niemals in Wiener Neustadt. was sie erst recht nicht könnten. und aus diesem Anlass erfasst die rückläufige Gruppierung der schlagenden Burschenschafter wagnerianisches Wehmutspathos. In Abwesenheit Straches geriet die Gespensterstunde zur blamablen Farce. Freiheit bei der Realisierung einräumten. Einige Hundertschaften der Polizei waren ausgerückt. die Prägnanz und Aussagekraft dieser Aufführung zu wiederholen. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Wer nun den Griechen Geld leiht. ein Mitglied des Wiener Gemeinderats. Mai schwarzumflort in die Welt zu blicken. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Hoffnung stirbt zuletzt JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. Falschgeld oder Sucht. In der gerade zu Ende gegangen Aufführung des Landesgerichts Wiener Neustadt hatte man das Hornberger Schießen auf den Spielplan gesetzt. die körperliche die Grundvoraussetzung für die Unversehrtheit. Der Bruchpunkt ist jetzt. Natürlich verprellte der Gedenkdienstverweigerer dadurch die nationalen Politkommissare. Es ist der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. und gar noch nie auf einer heimischen Bühne durfte man erleben. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. 2. und das Gros der Wählerschaft gibt auf den völkischen Bombast keinen Pfifferling.geschmäcklerischen Änderungen hinreißen ließe. sollte es besser im Kasino verjuxen.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Der Es gibt kritische Erörterungen des Stoffes sonder Witz der Komödie lag im Missverhältnis von Zahl. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). Nicht Kanonen ließ man donnern. Welch unternehmensähnliche Verbindung Potenzial in den wenigen Zeilen ENOSS TG einer größeren Zahl von Persteckt. gender strafbarer Handlungen.geschuldeten Unsinnlichkeit: Was Großartiges in kum ausbreitete. die auf die Stadt zukamen. Aber derartige Darstellungen leiden an Unstrafrechtlicher Substanz und der Länge und anschaulichkeit und einer dem analytischen Zugang Breite. die Freiheit oder das Möglichkeit einer grenzenlos schöpfeVermögen bedrohen. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. hätte wohl sensible Nationalgefühle verletzen können. Selten noch haben sich Laiendarsteller derart gut in Szene gesetzt. dass großes Lob gerechtfertigt scheint. Die allenthalben bekannte Episode hätte vermutlich niemanden in den Saal gelockt. Mörder und Ermordete in ein gemeinsames freiheitliches Massengrab geworfen wurden.Grenzen setzen. stellt sich das Stück als die das Leben. das lässt sich nur auf der BühDer Autor hatte seine Spielvorlage unter dem ne zum Ausdruck bringen. die 66 Jahre zurückliegt. die sich wieder in den Kommandostrukturen der Freiheitlichen eingenistet haben. befinde sich an diesem Tag der Vorhof zu »Wallhalls prangender Burg« (so singt Brünnhilde in Götterdämmerung) am Äußeren Burgtor. als er das Stück erdachte – er gab Werkes löst assoziative Verbindungen aus. dass er sich seinerzeit im innerparteilichen Machtkampf gegen Jörg Haider durchsetzen konnte. bis die Kohle ausging. vor dem harten Kern der Partei wieder einmal Gesinnung in Habtachtstellung zu zeigen. Es schien an der Zeit. um dann mit einer besonderen Volte zu glänzen: Der Freispruch für alle Angeklagten kam ihr derart unvermittelt und die seit Monaten in der Luft liegende Schelte für die Ermittlungsbeamten derart leichtgängig über die Lippen. Athen nimmt Dampf weg.denn ein Gedenktag in NaziMoll sei. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. sondern es wurde die Ankunft des Rechtsstaats in Aussicht gestellt. der Europaabgeordnete Andreas Mölzer. der den Rest des Jahres lieber Discoprinz spielt. das wissen wir durch die Auf»Wer eine auf längere Zeit angelegte führung von Wiener Neustadt. der nähme dem plante Begehung schwerwieStück das Wesentliche – just so. das lässt die Darbietung aber E R sonen gründet oder sich an eierst schemenhaft erahnen. anbringen zu müssen glaubte: Man gedenke hier gleichermaßen aller Toten des Weltkrieges. den Akteuren aber eine schier unendliche nerhaltung reichen. Das Spiel vom wankenden Paragrafen Nachtrag zu einer Groteske: Kritik einer Aufführung am Justiztheater von Wiener Neustadt as moderne Regietheater ist vielfältigen Anfeindungen ausgesetzt – oft zu Unrecht. Einerlei. hilft seinen Banken. dort wo im Ständestaatregime der 1. las er vom Zettel ab – womit Opfer und Täter auf eine Stufe gestellt. sondern die Geschütze der Staatsanwaltschaft. die. weil er ihm nicht mehr opportun war. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. ruft Demonstrationen auf den Plan. um eine bunte und lautstarke Protestallianz auf Distanz zu halten.« A s gehört zum guten Ton der. wie eine um die Rechtfertigung jedes einzelnen Subventionscents ringende Staatsanwaltschaft ausschließlich um des ersehnten Publikumserfolges willen an Unvertretbarem fest. vermag eine kluge Führung des Ensembles Einsichten zu vermitteln. wie es ist. Europa wird zuschießen und stunden müssen.. Und blähen sich weiter auf.und bis zur physischen Erschöpfung durchhielt. sondern die Schlamperei der Polizei. Kernmaterial und radioaktiven Stoffen. Geschick Gewalt antun und ihm unerträgliche gefährlichen Abfällen.« Was ließe sich daraus nicht alles machen – ner derart mittelmäßigen Anklage eine auf Unterhaltung und Erbauung zielende Aufführung und was hat man daraus in Wiener Neustadt gelingen? Diese Zweifel müssen auch den Autor nicht alles gemacht! Jedes Wort des gewieften befallen haben. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. dass der Jahrestag der endgültigen Befreiung vom NS-Regime doch eher ein fröhlicher Feier. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. indem das künftige Parteiprogramm demnächst neuerlich ein Bekenntnis zur »deutschen Volks. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private Foto: Mathias Bothor/photoselection E Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. vom Ordurch schöpferische Eigensinnigkeit auszeichne. Im nationalen Lager dürfte Strache nun unter Beobachtung stehen. deutschnational gesinnten Kreise in Österreich. Wie ein Raubtierkäfig war die Totengedenkstätte eingegittert worden. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. oder schwerwiegenrischen Interpretationsfreiheit dar. dorthin pilgern sie. dass sich das Haus entschlossen hatte. mit welchem Effekt sich die Personen in Szene setzen konnten: Gewiss war es eine besondere Note der Inszenierung. die Koalitionstauglichkeit nicht zu gefährden? Immerhin scharrt seine Partei derzeit an der Schwelle zur Regierungsbeteiligung. die dadurch eine Berei. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. die man dem Stück in überkommener Darstellung nicht abzugewinnen können glaubte. Es wird schwer werden. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. die junge Regisseurin auch im Stück selbst mit einer Hauptrolle zu bedienen. diesem Stoff steckt. Fazit: Wer den Griechen hilft. vermutet sie. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Athen vorweg. Im nationalen Lager steht er jetzt unter Beobachtung VON JOACHIM RIEDL Die Kassandras haben recht behalten: Geld. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. wer die Sache leitet. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Wer hier glaubt. auf durch Präzisierung optimieren die wiederkehrende und gezu können. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. ner solchen Verbindung als Lässt sich das Stück verbesMitglied beteiligt. zog es vor zu kneifen. grollte kryptisch auf seiner Heimatseite im weltweiten Netz über eine »politisch-moralisch-ideologische Bankrotterklärung«. der Stargast. Allein.. den der Ersatzredner Wolfgang Jung. Die Heldenopabeschwörung wurde niedergejohlt und niedergetrillert. um sich selber zu retten Gespensterstunde FPÖ-Chef Strache verweigerte den Totengedenkdienst. so musste das Publikum schon cherung in großem Umfang oder erheblichen bei der Lektüre der Ankündigung fragen. wertfrei formuliert. um der Toten eines noch schlimmeren Blutbades zu gedenken. dass das ausschließlich durch Bundessubventionen in Höhe von knapp sechs Millionen Euro ermöglichte Spiel eine Wiederholung erfahren wird. Doch der Unterstützung dieser Gruppe verdankte es Strache. Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien und Mitglied im Ausschuss der Wiener Rechtsanwaltskammer A N . Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Gehaltvollen Stoff vorausgesetzt. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. alljährlich am 8. zumal wir nicht hoffen dürfen. wenn sich einige prominente Figuren aus der Freiheitlichen Partei allzu vorlaut unter die akademischen Narbengesichter mischen. Will man der strafbarer Handlungen im Bereich der se.und Ausgabenpolitik – fahren. Diesmal wollte er. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. Eine fabelhafte Ensembleleistung vor einem klar konturierten Bühnenbild. In Wien. das einst der Nationalsozialismus verschuldet hatte.ohne Politikunion geht nicht. Dadurch ging im Lärm aus der antifaschistischen Fankurve der letzte Affront unter. Es kommt eben darauf an. von dem sich heute das Trauerkorps natürlich in seinen Lippenbekenntnissen distanziert. Am vergangenen Sonntag wurde der freiheitliche Parteiobmann Heinz-Christian Strache. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. Gleichviel. Der Remeduren sind nur drei: 1. mit ei.

Und: Philipp Rösler versucht. beschlossen hat. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Schweiz.de 20 2 0 AUSGABE: . Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. was gemeinhin eine Volkspartei ist. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. also einen Tag zu überspringen. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. 20080 Hamburg. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Die entscheidende Frage ist aber nicht. die zweite Volkspartei. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. im Land. Kleine Augenblicke. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. »Retten« ist ein hübsches Wort. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. Die Frage ist vielmehr.n. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen.de/audio www. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. der nicht aufgepasst hatte.0. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. in das so viel Geld fließt. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. wer der bessere Europäer ist.de.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. um Griechenland aus der Krise zu helfen. dass es ohne Europa nicht geht. Geburten hinfällig. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. ist schlicht ein Skandal. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. würden Schulden nicht getilgt. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. dass die Griechen mit dem ersten. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten WISSEN SEITE 37–40 Der alte Mann und das Drama der FDP Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Irland. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. das zu werden. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. Wir erleben einen Austausch von Forderungen.): Pfeiffer/ullstein. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. weil dies ein überholter Begriff sei. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. positionieren sich als die guten Europäer. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. das Beharren auf Posten und alten Positionen. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. In Interviews sprach er davon. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. Es kostet nur wieder Milliarden. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. bleibt auch eine. Die Griechen. Jonas Unger. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. E-Mail: DieZeit@zeit. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. sondern echtes Geld kosten werden. 7 D Europa will sich Ruhe kaufen. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst.zeit. ist auch eine hässliche Sache. nun gelte es. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. die im Englischen haircut heißt. was kommt. Politik S.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12.jobs. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. was sie auch kostet. und trotzdem beschimpft Europa uns. kleine Fotos (v. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Das klingt weit unattraktiver als das.PREIS SCHWEIZ 7. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. der sich tief gedemütigt fühlen muss. die EU dabei mitregieren. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. will das offizielle Europa Ruhe. J A H RG A N G www. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. die Griechen überlegten. sondern auch an zu viel. »Umschulden«. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. auch nicht beim haircut. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. was auf lange Sicht besser für Europa ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Auf ewig: Frisch Aufführen! Warum er jetzt auf die Bühne muss Raus aus der Klause! Der Schriftsteller als Redner Politik Seite 12/13 Jüngster Hundertjähriger Feuilleton Seite 52/53 Wandern im Holozän Reisen Seite 63 Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Auch das käme alle teuer zu stehen.de. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind.und Bahnhofsschützern. man macht sich unbeliebt. Klar ist einzig.zeit. Nein. sich die Zukunft vorzustellen Magazin. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Doch das heißt nicht. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Viel Geld. die SPD. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. Europa sollte die Umschuldung wagen. wohl aber die Stimmung. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. Käme es jetzt zum griechischen haircut. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. deshalb unser aller Geld retten musste. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Die Entscheidung Kretschmanns. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds.zeit. Leserbriefe@zeit. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. GRN. ZEIT-Stellenmarkt: www. die andere Möglichkeit.u. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. Das ist umso generöser.zeit. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. zeichnet sich schon ab. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. Aber die Diagnose ist unvollständig. Der Rettungsfonds will weiter retten. Diejenigen. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. wenn Europa immer weiterzahlt.zeit. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Wer wollte sie den Iren abschlagen. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog.o. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Wellen am sardischen Strand. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. Nicht mehr bezahlen. Was dagegen geschieht. bestrebt. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. wenn Europa weiter zahlt. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. KG. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. ebenso wie die Deutschen und andere. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. dessen Datum anzunehmen. Gleichwohl verlangen die EU. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. Vergessen. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. die sie früher nie gewählt hätten.de Abonnement Österreich. Schuldzuweisungen und Dementis. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. so desaströs seine Folgen wären. Sooft dieser Tage in Ministerien. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören.

Darum geht es Schriftstellern aber selten. Angst als des Bürgers erste Pflicht. Frisch blättert in es heißt: zur Rettung der Demokratie) – das alles. wie gegenwärtig Frischs Einfälle noch sind. seine Rede samt Echo im Saal: »Das ist wichtig: Reden muss man hören. 1966–1971.und Geburtstagsreden gehalten. die ich mir wünschte . ein Revival auf der Bühne zu gestatten. und schließlich die Frage.tik. muss einen Text beiziehen. er liest vor. und insbesondere als und sprach dann an die Adresse Autor der Schweiz der anwesenden Politprominenz. fähig ist.auch als Pressemitteilung der SPD verschicktes tagen der schweizerischen und der deutschen Schreiben des damaligen Parteivorsitzenden und Sozialdemokratie auf. Wie mancher Frisch-Fan war ich ganz besonders gespannt. wie Sie Klassikern die Schwere austreiben. dem das Zürcher Schauspielhaus am meisten verdankt: Max Frisch.12 12. Was also geschieht mit dem Schriftsteller. wie uns Experten gebetsmühlenhaft verkünden. Ja. dass ich mir über den Stand meiner politischen Erwartungen klar werde. unter den aufgeben.ohlbaum. Als er sich 1976 auf seine Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vorbereitete. als es ihn jetzt erbracht hat. Mit diesen Worten hat er sich eines Rechtsstaats. wie er mit Dürrenmatt die Pfauenbühne nach dem Krieg immer wieder aus ihrer Lethargie und Selbstzufriedenheit riss und dazu beitrug. Doch diese Risikofreude erwarte ich von Ihnen. war für Frisch der so scheint es im Augenblick. tik. zweitens. also inmitten der aus einer Partei wird. geInbegriff eines redenden Schrifthört der Angst und nicht der Hoffnung auf Mehr. ich bewundere.« Welche Zuhörerschaft er sich stattdessen gewünscht hätte. dass Ihr Haus vergangenes Jahr dem Stückeschreiber Frisch eine Abfuhr erteilte. den Beitrag der Intellektuellen in ihre In dieser höchst aufgeladenen Stimmung. ein Pfeife rauchendes Theaterfossil. Doch das war es! Mehr kam zum Festjahr nicht vom Schauspielhaus Zürich.Noch der private Grass. indem kein Stück. die wir nicht Ambition und politischer Mission. der etwas zu sagen hat? Der ein Anliegen verfolgt und Stellung bezieht? Worin unterscheidet er sich dann noch von einem Politiker? Und inwiefern ist seine Rede noch ein literarischer Text? Das sind mit Blick auf Max Frisch keine rhetorischen Fragen. gige Analyse stützt. sämtliche Inszenierungen wären hoch riskant. keine plakativen Forderungen oder mora. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. Und das macht mich wütend. antizyklisch müsste Ihre Bühne sein. Was Einträgen von 1970. wie zunächst Frisch vom Schauspielhaus profitierte. bekundete zuschen Belange einmischte. In Willy Brandts Stellungnahme kommt auch die Politik zu sehr weitgehenden Abwehrmaßnahmen gegen die Bedrohung der Demokratie auf zum Ausdruck. das ist auch Ihre Haltung. Entschuldigen Sie meine Deutlichkeit: Sie handeln Frischs Geburtstag wie eine Strafaufgabe ab. der den Spagat schafft zwischen literarischer Demokratie. Er tat dies. findet sich eine längere Pasdamit zu betreiben ist: Abbau der Demokratie (wie sage mit dem Titel »Album«.« er vor sich sieht – ob nun tatsächlich oder bloß in Erstens. ler. Und es müssten nicht unbedingt die Schulstoffstücke Biedermann und die Brandstifter oder Andorra zur Aufführung gelangen. ob dies tatsächlich zu seinen Aufgaben gehört. aber letztlich kann nur das Theater zeigen und prüfen. der vierzig Minuten lang das Wort hat. nächst einmal seine Solidarität Frisch war es ernst. Alle Buchveröffentlichungen. muss er es verstehen. mit dem es so viel verband. im November 1977. wie man Schriftstellern und Intellektuellen Am 15. der seinem Publikum einen schön geflochtenen Wörterstrauß überreicht. Selbst dann hat er sich aber nicht darauf beschränkt. Keine Lust oder Fantasie. sondern er hat sie – und das ist für ihn das Entscheidende – auch gehört. So ambitioniert. wenn er zum Redner wird? Er kann zum Festredner werden. drittens. spielt keine Rolle. vor den ver. wie sehr man es seitens der PoliKosten der Demokratie bereit war (eine Problema.« lichen Fragens. Obwohl der Redner als Einziger spricht. Aber das Schauspielhaus hätte die verdammte Pflicht. das sich ebenso auf eine vorgän. zumindest der sozialdemokratischen Politik. Sie hätten nur gewinnen können. sich gemessen die damals an der Macht war: 100 Jahre alt geworden hat. Wieso nicht Biografie: Ein Spiel? Wieso nicht Graf Öderland? Selbst Triptychon oder die wegen der Atomproblematik wieder erschreckend aktuelle Chinesische Mauer wären einen Versuch wert. Ich wünsche Ihnen und dem Schauspielhaus trotzdem alles Gute. aus der einsamen Schreibstube hinaus und auf die Bühne hinauf. Dann hätten Sie es aber probiert und müssten sich nicht von einem in Ihren Augen wohl hoffnungslos bildungsbürgerlichen Reaktionär wie mir Mutlosigkeit vorwerfen lassen. Vielleicht würden Sie aber auch die Kritiker mit ihren vorgefassten Meinungen über den angeblich antiquierten Bühnen-Frisch Lügen strafen. als sich bloß als nützlich zu erweisen. gegen den amtierenden Kanzler Ludwig Erhard antrat und trotz der Unterstützung von Grass die Wahl verlieren sollte. sondern Szene: zwischen einem Mann. und einer Zuhörer- Foto (Ausschnitt): Isolde Ohlbaum/www. Gegen sämtliche Stücke lässt sich vieles einwenden. was Max Frisch sich zum Geburtstag gewünscht hätte: ein Wagnis.. der ihm »ziemlich widerwärtig« war. »Soll ein Schriftsteller usw. Eröffnungs. dem Text den Lebenssaft zu nehmen. Im Text Grass als Redner schreibt er: »Rede ist nicht Hymnus. Ich fürchte. einem Album mit Fotografien von Günter Grass ich weiß. eine halbe Stunde. und zwar als Ereignis an einem Ort. Anders ist es nicht zu erklären. wenn sie nicht willens oder Nachgefechte des »Deutschen Herbstes«.stellers. Wer wissen will. seine Offenheit einzubüßen und sich vor einen Karren spannen zu lassen? Der Abbruch des Fragesatzes zeugt von der Selbstverständlichkeit dieser Erwartung an den Schriftsteller ebenso wie von der Unschlüssigkeit Frischs darüber. muss er sein Metier also grundsätzlich wechseln: weg vom geschriebenen und hin zum gesprochenen Wort. ziger Jahren mehrfach als Redner auf den Partei. das Menschwerdung fördert und vor Herbert Wehner. als SchriftFragen zu stellen. sein Publikum in ein Gespräch zu verwickeln: indem er ihm nicht einfach Meinungen auftischt wie ein Politiker oder ihm einen Vortrag hält wie ein Akademiker. das einst in aller Welt gespielt wurde und heute. stellte als Auszeichnung empfand. sondern er Frischs rhetorische Fragetechnik im Angesicht ist auch immer wieder als Redner ins politische der Macht hat ihre Wirkung nicht verfehlt. wäre der wohl Die Figur. nirgends. und sein rismus« in Verdacht geratenen Wort hatte Gewicht. Grass gibt die Antwort mit seinem Beispiel. So trat er in den sieb. Diese unsere Hoffnung. weg vom Monolog und hin zum Dialog. sehr geehrte Barbara Frey.und Selbstabschaffungsstimmung im Theaterbetrieb.steller usw. Meist hat Frisch Reden gehalten. vielleicht sogar eine Provokation. damals noch Regierender Bürgermeister zu Berlin. sollte eine nützliche sein. wie es die Absicht verfolgt. aber sie fordert. Ich dachte nach dem Stiller-Abend nur eines: Das kann es nicht gewesen sein. um dem Dramatiker Max Frisch. Mai 2011 ergänzen kann. wenn er zu einem Redner wird. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ OFFENER BRIEF »Verdammte Pflicht« Frisch-Biograf Julian Schütt wirft der Schauspielhaus-Chefin Mutlosigkeit vor Sehr geehrte Barbara Frey. Günter Grass. Diskussionsrunden in Ehren. sondern indem er das Publikum in die offene. eigenständig. muss der Schriftsteller. (Heinrich Böll. Freunde haben Grass auf Band von Lübeck nach Zürich gebracht. Die literarische Rede war für Frisch die öffentliche Anzettelung eines Gesprächs. Insgeheim hoffte ich. wie diese Antwort lautet. das Ihre Party stört. Dessen hundertster Geburtstag wird derzeit überall gefeiert. Hingegen habe ich drei Fragen. was Schmidt. politischer Redner. die in ihrer politischen Eindeutigkeit möglicherweise nicht seiner literarischen Offenheit entspricht.dem politischen Entwurf eines Zusammenlebens sammelten SPD-Granden der damaligen Zeit. also vor mir selber antrete.dieser Frischs Fragen eine nach der anderen durchge Assistenz der Intellektuellen eine geschicht.notfalls Menschenleben zu opfern. den Frisch 1965 in der ZEIT veröffentlicht hat. in der pragmatische Arbeit einzubinden. nicht als Gesang über Wassern. Im zweiten Tagebuch.geht: die Frage nach der ethischen Legitimation liche Chance hat«. Vielleicht würden Sie kolossal scheitern. die Frage nach Parteitages in Hamburg geäußert. der »Sozialdemokraten! Die Zukunft. was zählen. sondern öffentlich einer als Wahlkämpfer eindeutig sein. schrieb er in einem Brief an Uwe Johnson: »Die Rede. überholt weil es parabelhaftpädagogisch und moralinsauer sein soll. alles Theatermögliche zu unternehmen. was er für die Pflicht des Schriftstellers bei solchen Anlässen hielt: Bevor er vor sein Publikum tritt. um mit mit allen als »Vorbeter des Terro100 Jahre Frisch Peter Bichsel zu reden. und außerdem Lobreden (auf Alfred Andersch oder Peter Bichsel) und Totenreden W (auf Kurt Hirschfeld oder Peter Noll). und auch nur auf einer geschützten Nebenbühne. Grass. nämlich Stiller. Schlimmer noch: Max Frisch scheint Ihnen peinlich zu sein. war Frisch mehr als bewusst. zum Schutze seiner Ordnung 1977 in einer Rede vor den Delegierten des SPD. dazu geplaudert: Alle Achtung! oder aber: Schon wieder eine Grass-Show?« Frisch hat von den Wahlkampfauftritten des Schriftstellerkollegen aber nicht nur gelesen. evoziert die Frage nach dem öffentlichen Grass mit der Rede gleich Vorschläge für die Antworten – und damit auch die allgemeine Frage nach dem öffentlichen Schriftsteller: nach dem Schriftstelzu unterbreiten. war Günter Grass. sondern ein Roman von ihm einstudiert wurde. Ihr Julian Schütt CH »Soll ein Schriftsteller usw. gilt zur Zeit als Verharmlosung des Terrorismus. weil er sich ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. Chapeau! Nur zu einem Klassiker fällt Ihnen leider bedenklich wenig ein. Einer der Einträge lautet: »Soll ein SchriftMoment der Rhetorik von Max Frisch: die Technik. Die Regisseurin Heike M.und schildert in einer Serie von scharfen Beobachtungen und knappen Feststellungen. weil er geehrt wurde und sich mit einer Rede dafür bedanken musste. sich bloß von seiner sonntäglichen Seite zu zeigen.? Seine Antwort: sein Beispiel. Ihre jüngste Inszenierung von Tschechows Platonow ist die perfekte Antwort auf die aktuelle Krisen. sondern eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Theaterwerk. das Schauspielhaus böte das. Frisch hat aber nicht nur Festreden. als Willy Brandt. Sein Titel: Grass als Redner. dann denke ich: Dieses Haus wäre zu einem anderen Einsatz verpflichtet. dass wichtige Köpfe in Zürich blieben und dass dort international beachtete Uraufführungen stattfanden. also Dankes-. in dem nicht denken konnte. zu halten in einem hochehrwürdigen sonntäglichen Rahmen. Ich verlange von Ihnen keinen inszenierten Kniefall vor dem toten Jubilar. die in der Paulskirche zu halten ist. Goetze ging wie eine Dracula-Tochter vor. Willy Brandt und Helmut Lebenswerte stiftet. der sich hinstellt und eine Sache verficht. Zu Beginn seines Feuilletons zeigt sich Frisch nicht ohne Skepsis. vor lauter Leuten mit toten und maskenhaften Gesichtern. welche Attraktion sich seine Heimbühne überlegen würde. was das politische Engagement von Grass betrifft: »Günter Grass als Wanderredner zur Bundestagswahl – auch in der Ferne hat man reichlich davon gelesen. der Menschen. an der Frisch als Jürgen Habermas und andere) wirkungsmächtigste Redner.kurz nach seiner Rede erhielt er ein ausführliches. zu Hause beim Vorlesen..« Wenn der Schriftsteller zum Redner wird. wie was das Wort »nützlich« im Brief an Johnson genau besagen soll. wie es sein Geschäft ist. und das ist ausgerechnet der Klassiker. wie er im Nachhinein bekannte. wenn sie Reden halten. Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist die Bundestagswahl von 1965. die nichts an Bedeutung verloren hat). und einem wie Max Frisch schon gar nicht. später aber vor allem das Schauspielhaus von Frisch.steller offen bleiben? Das ist zuhause. Wenn ich mir vor Augen halte. In dieser Eröffnung zeigt sich ein wesentliches der Vorstellung. junge Grass. Schon Tagesgeschäft eingestiegen. Kann lischen Anklagen zu erheben. zuerst einmal vor sich selber antreten – will er mehr tun. braucht Ihnen kein Hergereister zu er.?« Soll er wirklich? Auf die Gefahr hin.de .?« as geschieht mit einem Schriftsteller. Stattdessen haben Sie sich für die voreilige Kapitulation entschieden. öffentliche Zwiesprache mit sich selbst einzubeziehen versucht. wenn Frisch sich in die eigenen herrschaftspolitisich Frisch hin. bleibt ebenso unklar. Festvorträge.« Dass von ihm als Preisträger eine »nützliche« Rede erwartet würde. Jedenfalls hat Frisch es in eine gewisse Spannung gebracht zu dem. Es ist eine Technik des öffent. jedenfalls keine routinierte Gedenkveranstaltung. die es darauf abgesehen hatte. dass »Politik ohne die lästi.

sich »einzumischen«. Und dann kommt Massimo Fünf Minuten vor der Zeit trifft. weder Anklage noch Plädoyer.« Und in 30 Minuten eröffnet Michael Dossier handelt. dass ich die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers nicht bloß angenommen. die vom Schriftsteller nicht bloß erwartet. Ein Euphemismus erntet dankbaren Applaus. Warum schreibt ein Schriftsteller? Einige Schriftsteller wehren sich mit der Behauptung: »Um Geld zu verdienen.die anderen waren einfach nur hingerissen. wie der Redende. Das leuchtet jedem ein. zu ermutigen. Der bilaterale Weg führe zu will mit der ungewöhnlichen LoSouveränitätsverlust und sei »ein cation auf den unfertigen ChaHandling von Abhängigkeiten«. Öffentlichkeit als Partner. Sie bestellt Exper. Nun. dass den Schreibenden hierzulande und heutzutage bei jeder Gelegenheit der Name Max Frisch als leuchtendes Vorbild vor die Nase gehalten wird.« Für sich selbst reklamiert Frisch einen ganz anderen Antrieb. eine Metapher für die Eidgenossenschaft sehen. Auch wenn Frisch zum Inbegriff des Schriftstellers geworden ist. dass wir sie angesprochen haben!« Weniger beglückt als verdutzt sieht sich Frisch einer Forderung gegenüber. die Offenheit seiner Rede auszuspielen: Die literarische Rede ist weder Predigt noch Statement. Es ist nicht bloß naive Machlust. in der Öffentlichkeit zu stehen? Dazu Frisch. Und einen Bauarbeiterhelm mit auf den Die Regierung duckt sich weg. Der Schriftsteller als Redner: Das meint den Schriftsteller. raus leitet die offizielle Schweiz eine Haltung ab. Écrivain.?« Ja. dass sie auch in Fällen von Gelingen keinerlei Berufung empfinden. sondern die der Öffentlichkeit – einer Öffentlichkeit. Sie sagt. das man aber bitte nicht so schon lange existieren. Was aber bewegt einen Schriftsteller der dritten Fraktion. Denn sie tut hier etwas.kein Zweiter in diesem Land. Das ist klar. einen gelungenen Abend. Wie aber sah er selbst diese Rolle? VON THOMAS STRÄSSLE schaft.erklärend führen und nicht nur die angenommäßigen Garderobe. © Adrian Moser (kl. amtsfrische weil er es wie kein anderer sagen kann. weil ihnen Schreiben noch eher gelingt als Leben und weil für diesen Versuch. dass ich überhaupt aus solcher Verantwortung heraus schreibe . Mai 2011. patag«.« (links) »Sozialdemokraten!«: Frisch mit Helmut Schmidt auf dem SPD-Parteitag 1977 (rechts) Max Frisch gilt als Ikone des Schriftstellers. die nicht seine eigene ist. Es hat etwas europä. wenn er sich an die Öffentlichkeit wendet. Citoyen das Bild von Max Frisch.« Der Bundesrat aber will nicht führen. da Frisch weltweit erfolgreich war und eine breite gesellschaftliche Wirkung entfaltete. Sommaruga muss. weil er diesem Montag. Deshalb muss man ruhig!«. man soll sich zeigen. Dass diese baut. So rächt sich die Öffentlichkeit dafür. meine neue Aufgabe« bezeichnen wird. auf im Bedürfnis nach Kommunikation. die er freilich beherrscht wie isch Anpackendes. gibt er sich mit dieser Verantwortung noch auf eine eigenartige Weise unvertraut: »Spreche ich von mir selbst. es handle sich um ein Gespräch und die Rede antworte spontan auf die Gedanken und Gefühle im Saal.« Andere mit dem Anspruch: »Um die Welt zu verändern. Der Autor ist Privatdozent für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und SNF-Förderprofessor an der Hochschule der Künste Bern.die Vorteile des bilateralen Weges gepriesen. die sich »anständigerweise ja erst von einer gewissen Wirkung an« stellt. die ich mir wünschte. rückläufig sozusagen. In seiner Rede Öffentlichkeit als Partner von 1958. sagt sie nennen soll. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. Nur böswillige Menschen wollten darin rell und wirtschaftlich als Teil Europas versteht. das Leben schreibend zu bestehen. man habe zu lange nur Reiterer auf einer Baustelle in Köniz den »Euro.den der luxemburgische Premier Jean-Claude tainer. bloß weil man Schriftsteller ist. Insbesondere in der Schweiz ist Frisch zur Ikone dieses Schriftstellertypus erstarrt – mit der Folge. gegenüber Ideologien. sondern den Beruf des Schriftstellers ausüben. sonst entEin Altersheim wird hier gestünden »Tabus«.SCHWEIZ 12. Der Statthalter der EU in der Schweiz ohne die Nachteile klar und deutlich zu benennen. der wird den Menerzählen? Mamma mia! Es ist alles so verdammt schen nie ins Gesicht sehen. Sie vertritt ein Land. die Haupt. zu verspotten. sagt Massimo Rocchi in seiner behelfs. dass Frisch selbst diese Rolle weit weniger enthusiastisch annahm. wie sie sagt. Citoyen. ohne sie aber letztlich zu seinem Schreibimpetus zu erklären. nämlich mit den Mitteln der Sprache.Rocchi. um sie zu widerlegen oder zu bestätigen. mentalitären und so weiter – Umfeld zu agieren haben als Max Frisch. wenn man die Folgen sieht: – man soll.. die das leichte Glück haben. dass er es ihr tatsächlich auch sagt. so ist man weniger beglückt als verdutzt. endlich. wenn er es so kann.Weg nach Hause. das kann sich daraus ergeben.) Frisch bei der Dankesrede zum Friedenspreis 1976 in der Frankfurter Paulskirche – vor lauter Leuten. für eigene Gedanken und Gefühle haftbar zu werden. Er darf alles sagen. um seine Spitzen zu bemerken.« Gesellschaftliche Verantwortung als rückläufiger Irrtum: Das passt nicht gerade ins Bild von Max Frisch. . seinen Text zu veröffentlichen? Ist es die Eitelkeit. medialen. die in einem völlig anderen diskursiven – politischen.. später im Gespräch als »eine weitere Einübung in Es sind Sätze wie »Ein Schweizer ist nie dagegen. in der Öffentlichkeit zu sein gelingt auch jedem Rennfahrer und jedem Minister. der Feierabend nicht ausreicht – gehört man zu dieser Art von Schriftstellern. Das nennt man in der Schweiz tenberichte. dazu. Sie Wohnen« an. bleibt rätselhaft. die aufs Dilemma hindeuten. Vor 61 Jahren gab der französische Außenminister Robert Schuman das Volk fürchtet. Er sitzt im Max Frisch-Stiftungsrat und in der Jury für den Schweizer Buchpreis 2011 CH SCHWEIZERSPIEGEL Sommarugas Eiertanz Ein schweizerisch-europäischer Abend in Köniz VON PEER TEUWSEN Es sind nicht nur die Temperaturen im Baucon. sogar zum Irrtum verstiegen habe. Frisch tut dies weniger. zersetzend gegenüber Phrasen. Das wird verlangt. Reden halten.« Bedürfnis nach Kommunikation: Das ist eine andere Formulierung für das Gesprächsangebot. und genau darin unterschied er sich als Künstler vom Politiker. Darchinger/Friedrich-Ebert-Stiftung.Kamel. Daraus aber kann umgekehrt eine gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers erwachsen. Monsieur Vogelfrei. Da. der neuen Europäischen Gemeinschaft einen Deshalb versucht sie es auf der Baustelle auf ihre Satz mit auf den Weg: »L’Europe ne se fera pas Weise – auch wenn es sich nicht um ihr ureigenes d’un coup. rakter seines Arbeitgebers hinDiese »Ambivalenzen« müsse weisen. dabei entstehen die Gedanken und Gefühle im Saal eben durch die Rede selbst. Die – aber irgendwie passt er zum Gemischtes Wohnen: Verhältnis zwischen der Schweiz Botschafter Reiterer und Sozialdemokratin hat ihr Herz wieder einmal der Vernunft und und Europa. sondern mich. Kontakt entsteht aus der suggestiven Fiktion. Kontakt ist nicht Einverständnis. Sie sitzt aus. Und noch mehr: plötzlich soll man etwas zu sagen haben. Das weiß auch Sommaruga. um Wirkung nach außen zu erzielen als vielmehr nach innen. »ein Paradox« geahnt.« Es muss für den redenden Schriftsteller also darum gehen. sondern sie ist eine Einladung an die Waghalsigen unter der Zuhörerschaft.. im Sinne einer Selbstvergewisserung im Spiegel des veröffentlichten Ich. das öffentliche. um sich gesellschaftliches Gehör zu verschaffen – und der im Idealfall auch gehört wird. Aber das aber auch nie dafür«. seine erste ganz große Rede vor großem Publikum. wie wenn sich wieder das öffentliche Bedürfnis nach dichterischen Verlautbarungen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen regt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 Foto (Ausschnitt): J. sondern damit an die Öffentlichkeit zu gelangen. das sie er rettet sich angesichts des heiklen Themas in »meinen Blaumann« nennt. zersetzend zu sein mit den eigenen Mitteln. zu einem Zeitpunkt also. umringt von dunklen Anzügen. Und das wiederum heißt: Verantwortung ist eine Folge des Erfolges. Das ist nicht nur unangebracht gegenüber den heutigen Schriftstellergenerationen. nicht nur zu schreiben.« Frisch bekennt sich zu einer dritten Fraktion: »Um zu schreiben!« Wer als Schriftsteller Geld verdienen oder die Welt verändern will. Aber auch Bundesrätin. der sich engagiert und einmischt. Widerspruch einzulegen im Namen des Lebendigen. diesem aber politisch nicht angehören will. man klar ansprechen. ist in ein Kleid gehüllt. Abend. Die Magistratin ist ein biss. der einfach schreibt. Denn dieser war ein ästhetischer und kein pamphletischer. auch von den Medien stark beförderten Wahrnehmung beherrscht Max Frisch. Und dennoch nahm Frisch diese Verantwortung an. gegenüber allen Formeln einer in Angst und Misstrauen erstarrten Welt. gab es Auberginenröllchen. als heute kolportiert wird. die sich ja auch hinter geschlossenen Türen austoben könnte. Simonetta Sommaruga. sondern die von ihm vor allem erwartet. beginnt er mit dem Bekenntnis: »Gehört man zu den Schriftstellern. Die Rede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von 1958. es ist mehr: »Man hebt das Schweigen. wie Frisch es vorschwebte und Grass es vormachte. 9. der sich einmischt: Er hat nur zögerlich und widerstrebend in diese Rolle gefunden. Um den abgebrochenen Fragesatz aus dem zweiten Tagebuch wieder aufzunehmen: »Soll ein Schriftsteller usw.. sondern eine Rhetorik der aufklärerischen Selbstbewusstwerdung. das sie genau hinhören. der er auf suggestive Weise Meinungen unterstellt. muss unbedingt an die Öffentlichkeit treten. Statt den Weg zu gehen. Man muss schon chen nervös. Man biete für die nicht – Kraft ihres Amtes dem »Generation 50+ gemischtes Optimismus verschrieben. Aber er hatte es ja schon in der Garderobe tut sie bereits unheimlich gut. er soll – aber eigentlich nur. Juncker mal so beschrieben hat: »Wer den Wäh»Was soll ich nur von der Schweiz und Europa lern immer nur nachläuft. Es ist halb sechs Uhr an mene Mehrheitsmeinung nachplappern.H. Worin aber besteht die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers? Frisch hat es für sich selbst so definiert: Sie besteht darin. um zu schreiben. rednerin ein. dass er etwas zu sagen hat. Das zeigt sich in seinen Beobachtungen zu Grass so gut wie in seinen eigenen Reden. Wie alles an diesem Bundesrätin Sommaruga der Position untergeordnet. sobald es darum geht. Wohl deshalb mimt er als Zugabe ein beschreiben. etwas kokett: »Wieso dies eine Ehre sein soll.die Sprachartistik. die den Kabarettisten schwitzen lassen. sondern es blendet auch aus. Kaum je ist Frisch als historische Figur in der Gegenwart so präsent (von Gedenkjahren und Aufregungen um den Nachlass einmal abgesehen). das der Schriftsteller macht. der seine Schreibklause verlässt und auf die Agora hinaustritt. die man im besten Fall als »heimlifeiss« im Crevetten und Brötchen mit Europa-Fähnchen schlechtesten Fall als »feige« bezeichnen kann. drauf. In der breiteren. zum Beispiel. so müsste ich sagen. das sich kultu. Frischs rhetorisches Ideal war keine Rhetorik der Manipulation.

klingelt das Telefon heiß. Und blähen sich weiter auf. Er ist kein Vielschwätzer. Der Remeduren sind nur drei: 1.und Ausgabenpolitik – fahren. Als Mensch ist er schwierig zu fassen. nachdenklich. Damit traf der ehemalige Absolvent des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums im bernischen Langenthal den Nerv des Internet-Zeitalters. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). unter der die Barbarei lauert. Die Spinnennetz-Grafik veranschaulicht das Profil eines Politikers – und des Wählers – in acht thematischen Dimensionen: von der außenpolitischen Öffnung. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Hermann war damals 28. Immer weniger leisten sich eine eigene Meinung. sei gescheitert. Bis im letzten Herbst die Politologin Regula Stämpfli in einer Radiosendung den Kollegen Hermann als »Wahlvermesser mit dem politischen Reflexionsgrad eines Planktons« beschimpfte. aber gegen einen entfesselten Foto: Martin Ruetschi/Keystone Foto: Mathias Bothor/photoselection »Wo bleibt Eure Überzeugung?« Michael Hermann. länger. er wohnt mit seiner Partnerin im Zürcher Kreis 5. aber gegen einen EU-Beitritt ohne Not. der Dritte Weg von Blair und Schröder faszinierte ihn. Athen vorweg. Leser und Experten jubilierten: Plötzlich diese Übersicht! Die zerfledderten Bürgerlichen. aber nicht erklären. Und die Vergiftung des politischen Klimas. fein säuberlich aufgeräumten Büro auf dem Irchel in Zürich. wo die Eltern eine Drogerie führten. schrieb Marcel Hänggi – notabene ein Wissenschaftsjournalist. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt.« Er fühle sich manchmal als Zauberlehrling. der Verwaltung. welches Abstimmungsverhalten als links. Politgeograf Steuerwettbewerb.« Inhaltlich aber beschäftigt ihn die Kritik. Die Karte zeigte die exakte Position aller Nationalräte zwischen den drei Polen links. Der Schlaks mit Hipster-Brille ist gesuchter als die Grandseigneurs der Branche. kann nicht sparen. ZEIT wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Athen nimmt Dampf weg. Sein Einfluss als Politexperte sei sowieso geringer als angenommen: »Die SVP wird nicht mehr oder weniger gewählt. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Die Sätze sind nuancier- ter. Spricht man ihn darauf an. weil er so ist wie sie. als man denkt«. Am Apparat: Fernsehstationen. Erfolge verzeichne sie auf symbolpolitischen Nebenschauplätzen. von 325 auf 340 Milliarden Euro. Bundesämter. Der Bruchpunkt ist jetzt. ruft er Michael Hermann an. spricht der demütige Fatalist aus ihm. 3. der Geerdeten. seine Forschungsstelle Sotomo aber als Firma führt. wie man aufgrund seiner Medienpräsenz vermutete. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. . Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Besonders pikant Herausgeber der wäre die Lage in Deutschland. Wer ist der Mann. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. doch falsche Gewissheiten stören ihn. erhöht das meine Unabhängigkeit. derweil EU. Sonntagszeitung. Er ist ihre Denkprothese. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. verschachtelter als seine gedruckten Interviewantworten. brachte er Ordnung in die komplizierten politischen Realitäten. dass die SVP der Schweiz schade. Wofür also steht er persönlich heute? Driftete er nach rechts? Europafreundlich sei er. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. er ist froh darum. Verbände und Journalisten deshalb auf Hermann. aber im Parlament chancenlose SVP. 2. Sein Motto: Einbeziehen statt ausschließen.« CH ach Wahltagen. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Im Gegenteil. dessen Tischtuch das Konterfei von Barack Obama ziert. Chef-Erklärer der Schweizer Politlandschaft.ohne Politikunion geht nicht. keine Auskunft zu geben. Griechenland. Seine Biografie ist geprägt von der Kindheit im konservativen Huttwil im Emmental. dessen Deutungsmacht über die Schweizer Politik immer größer wird? VON MATTHIAS DAUM Iwan Rickenbacher. Michael Hermanns Erfolgsformel lautet: Politik ist messbar. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Daten sind nie neutral. Selber war er 15 Jahre SP-Mitglied. Beide waren Mitglieder in der SVP damals die Partei der Bauern. Zeitungen. Politiker und Parteien »entlarvt«.« Die Schweizer Politikjournalisten leiden an »Expertitis«. Der Gescholtene reagierte cool. sagt er: »Ich kann doch ein positives Bild einer Partei haben und trotzdem meinen eigenen Standpunkt beibehalten. dem Zukünftigen in kleinen Schritten entgegengehen – vielleicht hören Politiker. Zürcher Kantonalbank. Hermann sagt: »Wenn ich für alle arbeite.« Doch der Politik-Vermesser ist mehr als ein erfolgreicher Geschäftsmann. Die Missionare hockten im Täufer-Land in den Kirchen. bis die Kohle ausging. sie sind denkfaule ContentAbfüller geworden. Interpharma.« Er glaube nicht. nicht im Maschinenraum der Politik. die neoliberale Revolution. Im Juni erscheint sein Buch über die Konkordanz. dann drückte man das Bundesparlament ins Links-rechts-Schema. Tages-Anzeiger. Vor zwei Jahren trat er aus. L’Hebdo. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. aber die Ängste der Bevölkerung seien ernst zu nehmen. sie integriere die extremen Kräfte. Und Michael Hermann. haben so lange so heftig geheizt. wie jüngst in Baden-Württemberg oder im Kanton Zürich. »Es kommt ohnehin anders. antwortete er: »Hallo. liberal. Sie ist robust und hat nicht nur eine dünne zivilisatorische Oberfläche. nur weil man ihr ein Wachstum prognostiziert. auch berufsbedingt. Zusammen mit Heiri Leuthold. weltoffen oder isolationistisch gilt – und was das für Landvermesser H. Journalisten. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. als Auskunft zu geben. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Andersdenkende lernte Hermann mögen. Welche Partei er wählt. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. 39-jähriger Sozialgeograf. die langen Beine verschränkt. Eintracht schaffen statt Zwist säen.und Ausgabenpolitik gehorcht. Es wird zum europäischen Sozialfall. Fazit: Wer den Griechen hilft. der weiß: In der Mitte lebt es sich am besten. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Zu faszinierend war diese neue Einfachheit. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den Bushido-Song: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Baudirektionen. Doch von einer Konkurrenzdemokratie hält er nichts. Doch niemand hinterfragte die Aussagekraft der Diagramme. Hotelleriesuisse. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Die zwei jungen Geografen. um sich selber zu retten JOSEF JOFFE: N Die Kassandras haben recht behalten: Geld. Denn die Besitzer müssten kalkulieren.und Politszene nur wenige. verfasst im Auftrag von Avenir Suisse. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. die polternde. Mal eruierte man die Nähe der Politiker zum Gewerbeverband. rechts. Nun waren politische Positionen vergleichbar. Die Welt lässt sich durch Daten nur illustrieren. Punkt. Eine gute Frage. In den kommenden Jahren erlebte die Schweizer Politik einen Vermessungsboom. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Einzig die linke WoZ mahnte vor den Eidgenössischen Wahlen 2007 zur Vorsicht: »Ist Michael Hermann ein schrecklicher Vereinfacher?«. präsentierten im Magazin und in Le Temps ihre »politische Landkarte des Nationalrats«. der die gerufenen Geister nicht mehr loswerde. wirkt ernst. Auch persönlich hat er keine Berührungsängste vor der wählerstärksten Partei des Landes. die Hetze gegen Minderheiten? »Unsere Gesellschaft erträgt solche Stimmen. wenn die Ratings zum Fetisch werden. Für eine starke Zuwanderung. Also fragen sie andere – am liebsten Michael Hermann.« Anderthalb Stunden sitzen wir da bereits am Kaffeetisch in seinem Büro. dargestellt in faszinierenden Grafiken und Karten. In seinen Texten irritiert Hermann sein linksliberales Milieu. Ein Schweizer. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Europa wird zuschießen und stunden müssen. konservativ. nimmt den Hörer immer ab: »Es ist anstrengender. berät heute: Economiesuisse. sollte es besser im Kasino verjuxen. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. und die muss man lösen. Beobachter. um im Hermannschen Diagramm möglichst rechts eingeordnet zu werden. sondern immer Interpretation. Hermann. Wahrhaben wollten dies in der Medien. hilft seinen Banken. Als ihn wenig später ein Journalist anrief. Etwa jenes der blockierten Regierung.14 12. Hermann. »Da frage ich: Wo bleibt eure Überzeugung?« Hermanns eigene Meinung liest man seit zwei Jahren in einer monatlichen Kolumne im TagesAnzeiger und im Bund. Seine Erfindung die Verortung im »Spinnennetz« bedeutet. seinem vor zwei Jahren verstorbenen Geschäftspartner und Freund. hier ist das Plankton. also einer gemeinsamen Steuer. Er behält den kühlen Blick des Programmierers: Es gibt Probleme. rechts-liberal und rechts-konservativ. 517 namentliche Abstimmungen der großen Kammer hatten die beiden ausgewertet. der wirtschaftlichen Liberalisierung über die restriktive Migrationspolitik zum Ausbau des Sozialstaats. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. Bankiervereinigung.« Es solle ihm nicht ergehen wie manchem Journalisten. er überflügelt den Berner Umfragenkönig Claude Longchamp ebenso wie den Innerschweizer »Smartspider« erlangte Deutungsmacht in Schweizer Wahlkämpfen.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. der an der Uni Zürich als Lehrbeauftragter arbeitet. aber ihr Gesellschaftsprojekt. wie sie stimmen müssten. »Mich stört selbst. Oder wenn ihn eine Gruppe CVP-Parlamentarier fragt. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Für wirtschaftliche Liberalisierungen. Hermann ist die personifizierte Mitte. hier im schmucklosen. das aber behält er für sich. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Ja. Statt Einschätzungen und Vermutungen präsentierten sie faktengestützte Wahrheiten. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. mit einer entspannten Haltung zur SVP. Wer nun den Griechen Geld leiht. die kompakte Linke. Gegen eine Zersplitterung der Schweiz in Ghettos von Gleichgesinnten. Begonnen hat alles im Oktober 1999. den TV-Experten bei Bundesratswahlen. Im Januar 2010 war er Gast an der SVP-Kadertagung im Hotel Bad Horn am Bodensee. Hermann bestimmt. Aber welches Bild hat er von der künftigen Schweiz? Die Frage beschäftigt ihn nicht. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ Hoffnung stirbt zuletzt Europa wird für Hellas bluten. Noch bevor der Drachmen-Druck angelaufen wäre. Etwa als Mitte Januar in der TV-Arena zum Berner Ständeratswahlkampf alle Kandidaten mit ihren Profilen »wedelten«. . der beim ersten Kontakt mit der Rechten gleich konvertiere. was sie erst recht Josef Joffe ist nicht könnten. Wenn ein Journalist keine Meinung hat. Noch 1999 fürchtete er sich vor der Partei. 39. NZZ und NZZ am Sonntag. Radiosender. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. Hermann will das Regierungssystem retten – zu den Details schweigt er. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland.

weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte.70/B 4. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Diejenigen. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. und trotzdem beschimpft Europa uns. Es kostet nur wieder Milliarden.00/FIN 6. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus.0. im Land. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. auch nicht beim haircut. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. Das klingt weit unattraktiver als das.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. wenn Europa weiter zahlt. E-Mail: DieZeit@zeit. Nicht mehr bezahlen. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. max.40/F 5.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost).20/ L 4. KG.10/ CHF 7. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. so desaströs seine Folgen wären. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. Fax 0180 . Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. nun gelte es.und Bahnhofsschützern.n. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite.14 € /Min. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. In Interviews sprach er davon.50/HUF 1605. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. also einen Tag zu überspringen. Wellen am sardischen Strand.50/A 4. der sich tief gedemütigt fühlen muss.zeit. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. wer der bessere Europäer ist. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. 0180 . Käme es jetzt zum griechischen haircut.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. Die entscheidende Frage ist aber nicht. positionieren sich als die guten Europäer.00/NOR 60. aus dem deutschen Festnetz.de Abonnentenservice: Tel. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. Auch das käme alle teuer zu stehen. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Die Entscheidung Kretschmanns. die im Englischen haircut heißt. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. »Umschulden«. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Druck aus Dresden Wie Frank Harings Jugendzeitung »Spiesser« einen Großverlag ärgert Politik Seite 13 D Europa will sich Ruhe kaufen. um Griechenland aus der Krise zu helfen. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. dessen Datum anzunehmen. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. Vergessen. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten.o. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden.jobs. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. (v. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. was gemeinhin eine Volkspartei ist. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee.de/audio www. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 SACHSEN WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht.zeit. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. Jannis Chavakis für DZ. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.42 € /Min. Wir erleben einen Austausch von Forderungen.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. wohl aber die Stimmung. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. die Griechen überlegten. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert.00 20 01 420 AUSGABE: . Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. was auf lange Sicht besser für Europa ist. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. was kommt. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Sie sind nötiger denn je. würden Schulden nicht getilgt. E-Mail: abo@zeit.zeit. Sooft dieser Tage in Ministerien. Libyen. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser.20/ Kanaren 5. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Die Griechen. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Europa sollte die Umschuldung wagen. Aber die Diagnose ist unvollständig. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. Viel Geld. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen.20/GR 5. Gutmenschen nerven. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. die sie früher nie gewählt hätten. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. will das offizielle Europa Ruhe. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. zeichnet sich schon ab. ZEIT-Stellenmarkt: www. Irland.de *) 0. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern.u. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott.zeit. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. Nein. 0. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. dass die Griechen mit dem ersten. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. »Retten« ist ein hübsches Wort. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen.20/NL 4. kleine Abb. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. die EU dabei mitregieren. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte.de. sondern echtes Geld kosten werden. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. wenn Europa immer weiterzahlt. GRN.52 52 909*. Kleine Augenblicke. Wer wollte sie den Iren abschlagen. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie.50/P 5. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. deshalb unser aller Geld retten musste. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . an welche Abgründe ihr eigener Weg führt.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. die andere Möglichkeit. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. ebenso wie die Deutschen und andere. ist schlicht ein Skandal. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da.52 52 908*. die zweite Volkspartei. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. weil dies ein überholter Begriff sei. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Geburten hinfällig. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. Die Frage ist vielmehr. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. Doch das heißt nicht. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. das zu werden. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. bleibt auch eine. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los.30/I 5. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. Klar ist einzig. Schuldzuweisungen und Dementis. dass es ohne Europa nicht geht. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. ist auch eine hässliche Sache. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte.PREIS DEUTSCHLAND 4. findet Josef Joffe. sondern auch an zu viel. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. man macht sich unbeliebt. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. J A H RG A N G C 7451 C www. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Gleichwohl verlangen die EU. Was dagegen geschieht. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Leserbriefe@zeit.70/E 5. Der Rettungsfonds will weiter retten. möglichst viele Menschen mitzunehmen. in das so viel Geld fließt. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. beschlossen hat. was sie auch kostet. die SPD. der nicht aufgepasst hatte.zeit. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Das ist umso generöser. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. bestrebt. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen.de.de/audio 4 1 907 45 1 040 05 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten.

12 12. Mai 2011
ZEITGEIST

DIE ZEIT No 20

MEINUNG

POLITIK

Wer den Griechen hilft
JOSEF JOFFE:

Europa wird für Hellas bluten, um sich selber zu retten
Die Kassandras haben recht behalten: Geld- ohne Politikunion geht nicht. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer- und Ausgabenpolitik – fahren; sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Der Bruchpunkt ist jetzt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer, Athen vorweg, haben so lange so heftig geheizt, bis die Kohle ausging. Der Remeduren sind nur drei: 1. Athen nimmt Dampf weg, also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. 2. Es wird zum europäischen Sozialfall, den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. 3. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Griechenland, ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft, kann nicht sparen. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen, von 325 auf 340 Milliarden Euro. Und blähen sich weiter auf. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt; die Zinsen liegen bei 15 Prozent, die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Wer nun den Griechen Geld leiht, sollte es besser im Kasino verjuxen. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«, sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen), wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht, und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre, bräche das Höllenfeuer aus:
HEUTE: 9.5.2011

Erinnern
Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Hier aber ist das Original zu sehen, nicht die Kopie. So sehen Sieger aus. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein, voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zurückzublicken, auf den Großen Vaterländischen Krieg, den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«, singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern, deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«, singt sie. Und man wünscht diesen alten Herren, dass diese Zeile falsch sein möge. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft, damit fertig zu werden, wer hätte das Recht, darüber zu spotten? F. D.

Mord und Totschläger
Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht
Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden, das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten, wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit, verpufft die Wirkung der Sanktion. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. richtig gemacht, der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Die Beweislage sei einfach, sagen die Staatsanwälte, der Täter habe gestanden, der Tathergang stehe fest, da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Allerdings darf man wohl annehmen, dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Angeklagt wird Torben P. wegen versuchten Totschlags. Das ist ein Mittelweg. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt, meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt, sogar befördert. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Ob Torben P. die bekommt, entscheidet das Gericht, Anklage ist nicht gleich Urteil. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Für Täter und Opfer. Und für die Öffentlichkeit. Deshalb ist es auch legitim, wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird, warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe, das Signal aber ein anderes. Mord ist mehr als ein Totschlag, eine besonders verwerfliche Tat, sei es wegen besonderer Grausamkeit, sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat, die dem Opfer besonderes Leid zufügt, die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat, kommt schon ins Grübeln, ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Nein, es geht nicht darum, eine möglichst harte Strafe zu finden. Es geht darum, das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Wenn einer wie Torben P. von Untersuchungshaft verschont wird, wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme, wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird, dann mag das in jedem Fall begründet sein. Das Routinierte der Nachsicht jedoch, der Eindruck, Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. WFG

Ein Land bleibt cool
Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen
Die Bürger bleiben cool. Am 9. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«, der neuen Volkszählung. Der ersten seit 1987. Volkszählung, das klingt nach historischer Parallele, nach enormem Erregungspotenzial. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer, fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus- und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person, Lebensumständen, Ausbildung und Beruf gestellt. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine, die Brüssel vorschreibt), doch die Deutschen bleiben cool. Bei jenem Thema, das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback), die Spione der Konsumwirtschaft. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Da schert es die Leute auch nicht mehr, wenn der Staat etwas mehr wissen will. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei, Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen, vorzugsweise kalifornische Konzerne. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig, ja zurückhaltend. Vielleicht zu zurückhaltend. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten, das ist nur eine Schätzung, also wird es teurer. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Dabei hatten Statistiker, Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert, weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie), zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und, ganz simpel, zur Heizung (Klimaschutz). Der Staat – im Bestreben, die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. STX

Foto: Mathias Bothor/photoselection

Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

erst ein Run auf griechische Banken, dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Denn die Besitzer müssten kalkulieren, dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert, die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten, was sie erst recht nicht könnten. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland, wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen, um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen- und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille, derweil EU, IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Fazit: Wer den Griechen hilft, hilft seinen Banken. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer, also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.«

IN DER ZEIT
POLITIK
2
Interview Kanzlerin Angela

SACHSEN
13 Medien »Spiesser«-Chef Frank Haring kämpft gegen einen Großverlag VON RALF GEISSLER
Ostkurve
VON JANA HENSEL

WIRTSCHAFT
23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26
VW Der Konzern will jetzt auch

33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung
ThyssenKrupp Der Konzern

FEUILLETON
49
Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral

Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 3 4
Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland

62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod

50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTL-Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie, Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte«
Roman Nicolas Dickner »Tarmac«

REISEN
63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö, das Altbier und das japanische Viertel 67
Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen

Sachsen-Lexikon

startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt ... Armin Falk, Ökonom und Verhaltensforscher?

ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra 5 6 7 8 9
Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen

Krawall-Zuschlag 14 Geschichte Dresdens Bühnen in der NS-Zeit VON ADINA RIECKMANN
Am Start Irina Tarassenko, Landärztin VON M. MACHOWECZ

noch die meisten Laster bauen
Elektroauto Warum es falsch ist,

WISSEN
37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können

nur die Autokonzerne zu fördern 27
Kinderarmut Die Not wird überschätzt, sagen Forscher

Familie und Politik zusammen?
FDP Ein Gespräch mit Philipp

DOSSIER
15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU
Eurovision Song Contest Die Geschichte eines Liedes aus Island

Rösler über seine Regierungspläne
Pakistan Die Islamisten freuen sich

über arabische Revolutionen
Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung

28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal Gegenseitige Schuldzuweisungen
Soziale Netzwerke

CHANCEN
71 Bachelor und Master:
Ein Spezial auf 10 Seiten

55 Margaux Fragoso »Tiger, Tiger« 56
Nachruf auf Gunter Sachs

41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet, Flüchtling zu sein 48 Kinder- und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder«

96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE
Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/audio

kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 12 Volkszählung Gelassenheit
Justiz Der Berliner

57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze«
Kunst Paul Pfeiffer in München

GESCHICHTE
21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen

Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn

59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer«
Kulturkanäle zdf.kultur

U-Bahn-Schläger wird angeklagt

Foto: Denis Sinyakov/Reuters

ZEIT FÜR SACHSEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

13

OSTKURVE

Oberarmfrei
Am Wochenende wurde uns ein neues Bücherregal geliefert. Zwei junge Herren, der eine in oberarmfreiem T-Shirt, der andere tätowiert an allen sichtbaren Körperstellen, waren mit einem alten Volvo vorgefahren, hatten das recht schwere Ding erst entladen, dann hinaufgeschleppt und schließlich vor den sechs Augen der Familie aufgebaut. Der Typ mit dem oberarmfreien T-Shirt erzählte dabei, dass er schlafwandle und morgens seinen Schlüssel mitunter im Schloss des Briefkastens finde. Was für ein interessantes Thema, dachte ich.
Jana Hensel, 1976 in Leipzig geboren, Autorin des Bestsellers »Zonenkinder«, schreibt hier im Wechsel mit ZEITAutor Christoph Dieckmann

Foto: Jannis Chavakis für DIE ZEIT/www.chavakis.de; Dominik Butzmann (kl.)

Ein Bild von einem Mann: Frank Haring im Konferenzraum seines Dresdner Verlags

Elefant im Zeitungsladen
Frank Haring hat aus der sächsischen Schülerzeitung »Spiesser« ein bundesweites Jugendmagazin gemacht. Inzwischen sieht selbst die »Bravo« in ihm einen ernsten Konkurrenten VON RALF GEISSLER
a ist die Geschichte mit dem Kaffee-Automaten. Eine Mitarbeiterin hatte Münzen eingeworfen und ihr Wechselgeld vergessen. Als sie zurückkehrte, war das Fach leer. Verschwunden, die paar Cent. Frank Haring fackelte nicht lange. Er ließ die Videoüberwachungsbänder der Büroetage sichten, um den Dieb zu entlarven. Eine Stunde Bildmaterial. Selbst wenn es nur um Kleingeld geht, kämpft er mit der Verbissenheit eines Jungen, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Mit dieser Haltung hat er sein Unternehmen groß gemacht. Frank Haring, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jugendzeitschrift Spiesser in Dresden, ist als 34-Jähriger so etwas wie Deutschlands jüngster Pressepate. Angeblich fast 800 000 Mal liegt sein Spiesser bundesweit an Schulen aus. Ein Magazin, in dem Jugendliche für Jugendliche schreiben, angeleitet von Journalisten. Das Heft ist mittlerweile so bekannt, dass der Heinrich Bauer Verlag darin eine Konkurrenz zu seiner Jugendpostille Bravo sieht. Der Verlag zweifelt die Spiesser-Auflage vor Gericht an. »Das wird lustig werden«, sagt Haring und blättert in der einstweiligen Verfügung, die Bauer vor drei Wochen gegen ihn erwirkt hat. 250 000 Euro Ordnungsgeld werden ihm angedroht, falls er weiterhin mit seinen Auflagenzahlen wirbt. »Wir werden das ganz sicher nicht auf uns sitzen lassen«, sagt er. Rein äußerlich würde Haring – schwarzes Shirt, braune Cordhosen – als Juso-Kreisvorsitzender durchgehen. Auch der Anblick seines Dienst-Toyotas vermittelt nicht den Eindruck von einem, der dick im Geschäft ist. Doch Haring verlegt nicht nur eine Jugendzeitung. Er hält Anteile an Dresden Fernsehen, verdient beim Elternmagazin Eltern, Kind + Kegel mit und ist an einem Jugendreisebüro beteiligt. Er engagiert sich bei einem Logistik-Dienstleister, einer Unternehmensberatung und beim »Schulkurier«, der den Spiesser zwischen Nordsee und Alpen verteilt. Kürzlich hat eine seiner Firmen fünf Millionen Euro in einen Solarpark investiert. Es war die Zeit vor Fukushima. Haring hatte mal wieder den Riecher für das richtige Timing.

D

Dresdner Pentacon, erster Stock, geflieste Wände. Die alte Einrichtung warf Haring einfach aus dem Fenster. In dem selbst renovierten Raum machte er mit zwei Partnern das kleine Gratisblatt groß. Es erschien fortan in ganz Sachsen. Auch bei McDonald’s wurde es ausgelegt. Zum Idealismus kam der Kapitalismus hinzu. 2006 hatte Haring die Idee, es bundesweit zu versuchen – was manche übermütig fanden. Mit Großverlagen sprach er über eine Beteiligung am Spiesser. Doch es kam keine Kooperation zustande. »Viele wollten den Spiesser irgendwo in ihre Strukturen einsortieren und hätten das Projekt damit sehr wahrscheinlich gegen die Wand gefahren«, frotzelt Haring. Im Herbst 2007 brachte die Spiesser GmbH ihr Blatt im Alleingang in ganz Deutschland heraus, Druckauflage: eine Million Exemplare. Überregionale Zeitungen, auch die ZEIT, zollten Respekt. Ein neues Printprodukt. Aus dem Osten. Für Jugendliche. Es klang märchenhaft. Vor Ort in Dresden sahen es viele nüchterner. Unvergessen ist bei manchem Ex-Mitarbeiter, wie Haring morgens fünf Minuten vor Dienstbeginn an der Pforte stand und jeden ermahnte, der noch nicht am Schreibtisch saß. Man habe zum Vorklingeln zu erscheinen, dozierte er. Wenn er Fehler fand, zog er die Betroffenen noch Wochen später damit auf. Seinen neugeborenen Sohn stellte Haring Kollegen halb ironisch als »Junior-Chef« vor.

maßen sauer, dass er eine eigene Attacke startete. Er schrieb dem Deutschen Presserat, die Bravo habe die Inhalte womöglich nicht ausreichend als Anzeige gekennzeichnet. Das Gremium erteilte in erster Instanz eine Rüge. Auch der Bundesrechnungshof prüfte die Angelegenheit. Zuvor hatte Haring über einen Bundestagsabgeordneten der Grünen eine Kleine Anfrage initiiert. Schließlich wurde sogar Agentur-Chef Frank Weise zur Anhörung nach Berlin geladen. Den Bauer-Verlag verärgerte das alles. Haring sagt: »Ich hatte bei denen noch einen gut.« Bereits 2008 hatte Bauer ihm gerichtlich untersagen lassen, den Spiesser als »größte Jugendzeitschrift Deutschlands« zu bewerben. Denn der Spiesser erscheine nur alle zwei Monate; die Bravo aber jede Woche. Zuletzt mit einer verkauften Auflage von etwa 400 000 Exemplaren. Die jetzige Auseinandersetzung trifft Haring zur Unzeit. Er hat kürzlich seinen Verlagsleiter, die

Anzeigenleiterin, die Verantwortliche für Sonderpublikationen und einen langjährigen Redakteur verloren. Die Fluktuation beim Spiesser war immer schon hoch. Mehrere, die gingen, sagen: Haring sei genial, aber auf Dauer nicht auszuhalten. Ein Mann, der seit seiner Pubertät immer nur Chef war, dem seine Firma alles bedeute. Haring deutet die häufigen Personalwechsel ins Positive um: Sie passten doch gut zu einem Blatt, das jung bleiben wolle. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Spiesser noch heute das Produkt engagierter Schüler. Nach dem Prinzip lässt Haring im Pentacon auch das Magazin Schekker der Bundesregierung erstellen. Außerdem denkt er über ein Jugendmagazin nach, das am Kiosk verkauft werden soll. Das dürfte den Bauer-Verlag noch mehr erzürnen. Doch Haring braucht das Kämpfen zum Leben. Der Gegner ist groß, aber er sollte sich abwehren lassen. Irgendwie hat Haring ihn sich ja auch erarbeitet.

Aber oberarmfrei ist ja eigentlich auch ein interessantes Wort, nicht wahr? Selbst wenn es das, was ich sagen will, hier nicht ganz trifft. Schließlich braucht man bekanntlich seine Oberarme, um so ein schweres Bücherregal aufzubauen. Oberarmunbedeckt wäre besser. Einige Leser denken jetzt wahrscheinlich: »Ja, ja, Handwerker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.« Diesem Eindruck möchte ich entschieden entgegentreten. Die beiden jungen Herren bildeten nämlich eine rühmliche Ausnahme. In der Regel sind Handwerker in einem erschreckenden Ausmaß so geblieben WIE FRÜHER. Ich musste das in den vergangenen Wochen oft am eigenen Leib erfahren, indem ich mich mehr als einmal schier auf den Boden warf, um einen Termin zu ergattern. Nun fiel mir das Buch Du und Deine Wohnung. Heimwerkertips in die Hände. 11. Auflage, OstBerlin 1977. All die Mischbatterien, Auslaufventile, Kohlebadöfen, Heißwasserspeicher, Geruchverschlüsse (Trapse) und Spülkästen: Ich könnte sie nun theoretisch allein reparieren, müsste keinen Handwerker mehr anflehen. Wie schade, dass es die Geräte nicht mehr gibt.

SACHSEN-LEXIKON

Krawall-Zuschlag, der. Aufpreis für Fußballspiele mit erhöhtem Randale-Risiko. »Wir wollen«, erklärt Innenminister Markus Ulbig (CDU), »dass bei Risikospielen ein bis drei Euro höhere Eintrittspreise erhoben werden.« Zu oft bleibe er »auf den Kosten sitzen«, wenn Polizisten Hooligans im Zaum hielten. Fans fordern, den Krawall-Zuschlag fairerweise auch auf die sachsenweit wichtigste Krawall-Fraktion um Holger Zastrow (FDP) auszuweiten. Im Fußball, heißt es, wären Leute, die so oft gelb provozieren, ja längst aus der Arena geflogen. MAC
S

Haring, heißt es, sei genial – aber auf Dauer nicht auszuhalten
Immerhin bezahlte er leidlich und schulte junge Journalisten, die er eines aber nicht lehrte: die strikte Trennung von Redaktion und PR. Mehrfach vergaß der Spiesser, werbliche Inhalte im Blatt zu kennzeichnen. Noch im November verurteilte das Landgericht Berlin die Zeitung, weil eine Sonderveröffentlichung der Supermarktkette Kaufland nicht als Anzeige ausgewiesen war. Er bewundere Stefan Raab, sagt Haring, weil über dessen Sportsendungen »Dauerwerbesendung« stehe und die Quoten trotzdem stimmten. Wer Haring begegnet, vergisst ihn so schnell nicht mehr. Er ist ein Getriebener, der nicht lockerlässt. Auch einer, der einschüchtern kann. Und er ist voller Ideen. Haring hat sich die »Spiesser-WG« ausgedacht: Abiturienten arbeiten ein Jahr für Haring, verdienen kleines Geld, wohnen aber kostenlos. Er erfand die Vertretungsstunde mit Prominenten. Das Prinzip: Musiker, Schauspieler oder Politiker geben in einer Schule Unterricht – und der Spiesser schreibt darüber. Haring initiierte auch den Jugendbildungsverein Sachsen. Redakteure gaben Workshops, Vereinsleute organisierten Anzeigen. Es war für Außenstehende ein ziemliches Durcheinander. Kommerziell? Ehrenamtlich? Schwer zu sagen. Wie viel Geld sie mit dem Blatt verdienen, müssen Haring und seine zwei Partner nicht offenlegen. Fest steht, dass er selten mehr ausgegeben hat als nötig. Um Dienstreisen billig zu halten, teilt er sich mit Kollegen auch mal ein Doppelzimmer. Im Intranet, erzählt ein Mitarbeiter, informierte er im vorigen Jahr über die Vorzüge von Rabatten für Journalisten. Dadurch habe er selbst in seinem Urlaub 300 Euro gespart. Man darf annehmen: Das Geld floss in neue Projekte. »Ich bin«, schreibt Haring in einer E-Mail, »sowohl von meinem Körpergewicht als auch vom Gedächtnis her der Kategorie Elefant zuzuordnen. Das heißt, ich vergesse selten.« Vor vier Jahren bemühte er sich um Aufträge der Bundesagentur für Arbeit. Doch den Zuschlag erhielt die Bravo – für eine Anzeigenserie unter dem Titel »JobAttacke«, Auftragswert: etwa 700 000 Euro jährlich. Frank Haring war über seine Schlappe der-

Der Gegenspieler ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz
Die meisten seiner Firmen haben dort ihren Sitz, wo auch der Spiesser zu Hause ist: im Dresdner Medienkulturhaus Pentacon. Es ist Harings Festung. Und sie wird angegriffen. Aus dem Hinterhalt, wie er meint. Schon im März habe der Bauer-Verlag versucht, bayerische Schulleiter einzuschüchtern, indem er anfragte, auf welcher rechtlichen Grundlage der Spiesser bei ihnen ausgelegt werde. Bauer ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern. Angesichts dieser Zahlen klingt es zunächst wie ein Witz, wenn es aus dem Unternehmen heißt: »Wir wollen, dass zwischen Bravo und Spiesser wieder Waffengleichheit herrscht.« Frank Haring meint: »Die wollen uns fertigmachen.« Er lümmelt auf seinem Bürosessel wie in einem Liegestuhl, die Lehne weit hinten. Ein Provokateur, oft unterschätzt, sächsisch schlau. Frank Haring war 17, als er mit seinem Jugendfreund Konrad Schmidt den Spiesser gründete. 5000 Exemplare brachten sie von 1994 an persönlich an die Dresdner Schulen. Die Redaktion traf sich im Keller des Hülße-Gymnasiums, wo hinter vergitterten Fenstern zwei Dutzend Computer standen. Täglich um 19.30 Uhr schaltete der Hausmeister den Strom ab, und Flüche hallten durch den Flur – von jenen Mitarbeitern, die ihre Texte nicht gespeichert hatten. 1997 bezog die Redaktion eine ausgediente Küche im

14 12. Mai 2011
AM START

DIE ZEIT No 20

ZEIT FÜR SACHSEN
ie Dresdner haben es nach Hitlers Machtübernahme besonders eilig. Schon fünf Wochen später, am 7. März 1933, brennen Fahnen und Bücher in einem Feuer vor der Volksbuchhandlung beim Schloss. Am selben Tag stürmt der Schauspieler und NS-Sympathisant Alexis Posse mit 60 Gleichgesinnten die Rigoletto-Probe in der Semperoper und erklärt den Dirigenten Fritz Busch für abgesetzt. Dessen Vergehen: »Verkehr mit Juden« und die Beschäftigung »jüdischer und ausländischer Sänger«. Am Abend beweist sich, dass dies alles kein Spuk war. Bis hoch in den 4. Rang sitzt Hitlers SA. Nicht aus Liebe zu Verdi haben ihre Mitglieder die Karten gekauft, sondern um die Reihen mit Braunhemden zu füllen. Seit 1922 hat Fritz Busch in Dresden mit spektakulären Uraufführungen von sich reden gemacht. Unter seiner Leitung katapultiert sich die Semperoper an die Spitze der Musikmoderne. An diesem 7. März 1933 aber schreien ihn die Dresdner nieder. Busch blickt seine Musiker lange an, die aber schweigen. Ohne den Taktstock erhoben zu haben, verlässt der Westfale die Bühne. »Aus!!!«, vermerkt er in seinem Kalender über sein Ende, aus Protest verlässt Busch nicht nur Dresden, er geht aus Deutschland weg. Mit dem Dirigenten wird sein ganzes Leitungsteam beurlaubt, vom Generalintendanten bis zum Spielleiter der Oper. Es ist ein Signal. Ausnahmslos alle jüdischen Ensemblemitglieder in Dresden müssen gehen, viele verstummen für immer. Die Sängerin Therese Elb und der Musikdirektor Arthur Chitz werden nach Riga deportiert und dort ermordet; die Schauspielerin Jenny Schaffer stirbt in Auschwitz. »Diese öffentliche Vertreibung«, sagt Hannes Heer, »war ein einmaliger Vorfall. Es waren ja keine SALeute von außerhalb, die mit einem Putsch die Staatstheater übernommen haben, wie immer behauptet wird. Die Machtergreifung hat von innen heraus stattgefunden. Die eigenen Leute haben die Kollegen verjagt, kühl und kalkuliert.« Der Hamburger Historiker arbeitet seit dem Jahr 2006 an dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ,Juden‘ aus der Oper 1933 bis 1945. Er widmet sich einem kaum untersuchten Kapitel des deutschen Kulturlebens zwischen den beiden Weltkriegen: der systematischen »Säuberung« der deutschen Opern- und Schauspielhäuser von »jüdischen« und »politisch untragbaren« Ensemblemitgliedern. Heer hat darüber bereits an den Staatsopern in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt geforscht; die Ergebnisse in Dresden aber empfindet er als besonders bedrückend. »Es war ja nicht Alexis Posse als Gaukunstwart allein, der den künstlerischen Exodus in Dresden ermöglicht hat. Es waren die ultrakonservativen Bildungsbürger, die in den 1920er Jahren Stücke wie das Kriegsheimkehrer-Drama Hinkemann von der Bühne gefetzt und mit der Judenhetze begonnen haben.« Der von Heer neu recherchierte Teil der Wanderausstellung zeigt deutlich, dass dieser 7. März 1933 Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik war, die als Kampf gegen den »Musikbolschewismus« und die »entartete Kunst« schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten propagiert und von großen Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde. Auch wenn Dresden als Vorreiter des Expressionismus gilt – die Stadt war ebenso ein Zentrum des Widerstandes gegen die verhasste Moderne. 1920 gründet sich hier die völkische Organisation Deutsche Kunstgesellschaft. Sie bekämpft mit einem kostenfrei verschickten Nachrichtendienst zeitkritisches Musiktheater oder unliebsame Künstler. Besonders die völkische, verdeckt antisemitische Besucherorganisation Bühnenvolksbund greift diese Vorstöße auf: Vehement zieht sie gegen die an den Musik- und Sprechtheatern betriebene »Entsittlichung, Entgöttlichung und Entnationalisierung« zu Felde. Vor allem das Bildungsbürgertum in Dresden erkennt sich in derartigen Schmähungen wieder. Der Schauspieler Alexis Posse wird nun aktiv. Er gründet Ende 1930 eine »Theaterfachgruppe der NSDAP« – gemeinsam mit Kollegen, Tänzern und Musikern. Wenn man mit Heer über die neue Ausstellung spricht, wird sein Ton sehr bestimmt: »Diese Nazizelle an den Staatstheatern war deutschlandweit einzigartig. Die haben Klartext gesprochen: ›Wir sind keine braune Gewerkschaft, sondern eine Kampftruppe der Partei‹«, sagt Hannes Heer: »Die konnten sich bei der Durchführung ihrer regelmäßigen ›Kunstabende‹ auf ihre Kollegen verlassen. Das macht die Geschichte so schwie-

Ende des Notstands
Wie Niederwiesa nach einem Jahr eine neue Landärztin gefunden hat
Wenn man in Niederwiesa bei Chemnitz den Arzt ruft, kommt neuerdings eine Frau aus Semipalatinsk: Irina Tarassenko, 39, geboren im 4500 Kilometer entfernten Ostkasachstan, sitzt in ihrem Behandlungszimmer. Sie trägt das Haar wie eine Löwenmähne, es ist eine einzige rotbraune Welle. »Hausärztin, dafür bin ich geboren, no«, sagt sie. Irina Tarassenko hat zu Hause in Semipalatinsk Medizin studiert, das »no« hängt sie an alle Sätze, und in jedem ihrer deutschen Wörter liegt noch die Würze des Kasachischen, ihrer Muttersprache. Tarassenko ist einer der Menschen, nach denen Sachsen in ganz Europa fahndet. Sie wird geliebt in Niederwiesa, weil sie die alte Hausarztpraxis wiedereröffnet hat: Ein Jahr lang stand diese leer, ein Jahr lang hatten 5000 Erzgebirgler im Tal der Zschopau niemanden, der sie kuriert. Wolfdieter Kühn, den hier alle nur den Doktor nennen, ist in Rente seit dem 31. März 2010. Für Bürgermeister Dietmar Hohm, 66, einen Mann mit grauem Vollbart, begann an diesem Tag »die schlimmste Zeit«. Die Bürger marodierten wie seit 1509 nicht mehr, damals hatten sie Chemnitz den »Bierkrieg« erklärt. Nun wollten die Menschen, dass Hohm ihnen endlich einen neuen Arzt präsentiert. Er sanierte erst mal das Praxisgebäude, für 320 000 Euro. Dann blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Im vergangenen November berichtete die ZEIT (Nr. 45/10) über Niederwiesas Arztnotstand und Sachsens Bemühungen, ausländische Mediziner anzulocken. Mindestens 150 Landärzte finden im Freistaat keinen Nachfolger, unzählige Vorschläge sind im Gespräch: von der Aufweichung der Zulassungsbeschränkungen an den medizinischen Fakultäten bis zu »rollenden Praxen«. Die Landesärztekammer gründete ihre Koordinierungsstelle »Ärzte für Sachsen«, die neuerdings sogar bei Facebook nach Medizinstudenten fahndet. Tarassenko, seit einigen Jahren am Chemnitzer Krankenhaus, las von Niederwiesas Problem, fuhr in den Ort und befragte Bewohner: »Würden Sie, wenn jemand die Praxis übernähme, wiederkommen?« Natürlich, sagten die Niederwiesaer. »Das hat alles beeinflusst«, sagt Tarassenko: »dass man hier gebraucht wird. Natürlich ist Angst im Spiel, wenn man so einen Schritt geht. Aber hier kennen dich die Patienten,

D

Fotos: ullstein (u.r.); Martin Machowecz (l.); kl. Fotos (im Uhrzeiger): U. Richter (Dirigent Fritz Busch); A. Pieperhoff/Archiv der Staatsoper Dresden (Sängerin Margit Bokor); Archiv des Staatsschauspiels Dresden (Schauspielerin Jenny Schaffer, Schauspieler Martin Hellberg)

rig, so schmerzhaft.« Für Jens Hommel, der gemeinsam mit Heer die Ausstellung konzipiert hat, passen die Recherche-Ergebnisse nicht so recht ins Selbstbild seiner Stadt: »Noch immer finde ich viel zu oft das schwarz-weiße Faschismusbild aus DDR-Zeiten in den Köpfen vor: Hier die braunen Horden als ›Helfershelfer des Monopolkapitals‹ – da die Bürger vom Stadtteil Weißer Hirsch, die aufgrund ihrer kulturellen Affinitäten immer immun blieben für totalitäre Ideologien«, sagt der gebürtige Dresdner. »Die Erzählungen über Barbarei in der Stadt beginnen oft erst mit 1945. Das stößt mir inzwischen bitter auf.« Kurator Hannes Heer, der vor Jahren mit der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, erinnert sich, seine Recherchen in Dresden seien kompliziert gewesen. Anfangs hätten die Archivare immer gleich erklärt: Es gibt nichts mehr, weder Akten der Verwaltung, noch Personalpapiere. Alles verbrannt. Doch gegen Ende der Arbeit entdeckte Heers Team, dass von den Ensemblemitgliedern, die 1945 wieder am Theater beschäftigt wurden, die alten Personalakten doch noch existierten: »Sie waren einfach – gesäubert und frisiert – in die neuen mit eingearbeitet worden. So konnten viele, ähnlich wie in Westdeutschland, ihre Nazivergangenheit abschütteln und erneut Karriere machen.« Heer berichtet, und die Aufregung ist ihm noch anzumerken, von einem weiteren Fund: einem 1918 begonnenen handschriftlichen Verzeichnis mit 850 Namen von Arbeitern der Semperoper. Von 1941 an sind in dem Personaljournal auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verzeichnet, ohne die der Theaterbetrieb wohl zum Erliegen gekommen wäre. Hunderte. Damit sei ein Thema aufgetaucht, sagt Heer, das er bei früheren Recherchen nie zu fassen bekommen habe. »Es gab

Braune Dramen
Machtergreifung an der Semperoper: Eine Ausstellung räumt mit der Legende auf, Dresden sei in der NS-Zeit eine unschuldige Kulturstadt gewesen VON ADINA RIECKMANN
Gerüchte, aber ich konnte bisher nie etwas beweisen. Und dann steht das hier Schwarz auf Weiß.« So fügt die Arbeit der Historiker dem Geschichtsbild Dresdens einige neue Facetten hinzu. Die Stadt, sagt Staatsschauspiel-Intendant Wilfried Schulz, sei oft vergangenheitssehnsüchtig – unter Aussparung aller Schmerzpunkte. Ähnlich hat er das auch schon zum Gedenktag 13. Februar gesagt, an dem seit Jahren Tausende Neonazis in der Stadt aufmarschierten. Anstatt das alles nur zu beklagen, macht Schulz sich das Thema zu eigen. Theater, sagt er, müsse sich doch als Spiel- und Erinnerungsort produktiv mit seiner Geschichte beschäftigen; erst recht, wenn sie hoch unmoralisch sei. In diesem Jahr prangte am 13. Februar weithin sichtbar ein Banner an der Semperoper. Darauf stand: »Es ist noch wichtiger, sich anständig zu benehmen, als gute Musik zu machen«. Ein Zitat des Dirigenten Fritz Busch. Das hoch gehängte Statement stieß bei einigen in der Stadt auf Unverständnis. Und auch ein paar Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sahen es nicht besonders gern: Als Musiker, so lautete der Einwand, sei man schließlich unpolitisch. Ulrike Hessler, die Intendantin der Semperoper, teilt diese Ansicht nicht. Das Banner war eine Idee des Personalrates gewesen. Eine Idee, die Hessler, ohne zu zögern, aufgriff. »Was mich besonders schockiert, ist die Aktualität dieses Themas«, sagt sie über die NS-Geschichte ihres Hauses: »50 Ensemblemitglieder mussten gehen, viele auch, weil sie politisch nicht genehm waren.« Wenn sie im Jahr 2011 nach Ungarn schaue und sehe, dass an der Budapester Staatsoper der Chefregisseur und der Generalmusikdirektor entlassen wurden, weil sie der Regierung aus ähnlichen Gründen nicht passen, »dann erinnert mich das sehr an den 7. März 1933«.
Die Ausstellung »Verstummte Stimmen« ist vom 16. Mai bis 13. Juli in den Foyers von Semperoper und Staatsschauspiel Dresden zu sehen; Eintritt frei. www.verstummtestimmen.de

Die Ärztin Irina Tarassenko, 39, kam vor rund zehn Jahren aus Kasachstan nach Chemnitz

sie akzeptieren dich.« Sie hätte auch in der Großstadt bleiben können, in Chemnitz lebt sie mit Mann und Kindern, Praxen stehen dort ebenfalls leer, aber Tarassenko sagt: »In Chemnitz gibt es Ärzte genug.« Im Oktober soll in Niederwiesa ein Seniorenheim eröffnen, 48 Zimmer, viele Patienten, »ein Pflegeheim der vierten Generation«, sagt der Bürgermeister. »Ein Jahr lang waren wir ziemlich in Schwulitäten.« Nun werde alles gut. Die Ärztin kuriert seinen Ort. MARTIN MACHOWECZ
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Kultur-Führer: Hitler grüßte 1934 vor der Semperoper. Der Dirigent Fritz Busch (oben links) und andere Künstler waren schon verbannt worden

5. 2011 Siebeck reitet ein Kamel.Mensch. Seite 30 . 20 12. Genscher Nr.

Und zieht seine Lebensbilanz .Was wird nur aus seiner FDP? Ihr Ehrenvorsitzender macht sich Gedanken.

2 0 Alles. den man auch gut nebenher erledigen kann Eine Leuchte. die man auf dem Schirm haben sollte Warum wird in Magdeburg so viel gemordet? Eine Deutschlandkarte Wie viel sollte einem ein Kindermädchen wert sein? Hans-Dietrich Genscher blickt auf sein manchmal sehr gefährliches Leben zurück Die Sängerin Kate Bush über den Song ihrer Träume Der Fotograf der Lüfte: Paolo Pellegrin überfliegt New Orleans Hauptsache. was in diesem Heft passiert 30 20 34 Wolfram Siebeck in Ägypten Zu Besuch bei legendären Gärtnern 6 8 10 11 12 26 28 44 45 46 49 54 Uhren und Schmuck finden zusammen Harald Martenstein über einen Traumjob. es knallt: Neonfarben sind der Trend der Saison Der Auffahrunfall – oder die Kunst. miteinander zu reden Waldmeister der Herzen Dürfen alte Männer Fantasien von jungen Frauen haben? Wie der Schauspieler Robert Hunger-Bühler fast ertrunken wäre Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos Jonas Unger Fotos Inhalt Barbara Siebeck.I N H A LT N R . Marco Valdivia. Marcus Gaab 5 .

spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center. eine gewisse seelische Stabilität mitbringen. Der Terrorismusexperte muss. Einstweilen darf ein historisches Studium als ideale Voraussetzung gelten. wie sich ein Terrorismusexperte am Feierabend entspannt. Rufe nach einer Frauenquote wurden bisher nicht vernommen. er heißt Peter Bergen. Theveßen arbeitet in terrorismusarmen Phasen als Experte für Wirtschaftskriminalität und stellvertretender Chefredakteur des ZDF. nämlich Joachim Hagen und Holger Schmidt. hat er sich als Regisseur künstlerisch mit misslingenden menschlichen Beziehungen befasst. das ideale Eintrittsbillett zum Terrorismusexpertentum.de / audio Illustration Fengel . Thamm ist im Zweitberuf Drogenexperte. einen eigenen. so hat es die Figur »Terrorexperte Marcus Heuser« in der Fernsehserie GSG 9 zu einem gewissen Ruhm gebracht. Die ARD leistet sich. Der CNN-Experte gilt als führend. sogar zwei Terrorexperten. Lüders schreibt Romane (zuletzt: Blöder Hund). als Parodie. keine Person mit Migrationshintergrund und auch keine einzige Frau zu geben scheint. Bevor Michael Ortmann sich der Terrorforschung zuwandte.HARALD MARTENSTEIN Über den Traumjob Terrorismusexperte: »Es handelt sich um den letzten echten Männerberuf« Die Welt – ein Werden und Vergehen. Illmar Ernesto von den Wicken« auf. deren Angehörige ohne Verbrechen. Hagen war Reporter bei der Kieler »Welle Nord«. der »Terror. wahrscheinlich wegen der föderalen Struktur dieses Senders. und im Internet tritt gelegentlich. so wenig wie den Harzer oder den Haderlump. offiziellen Terrorismusexperten. auch kein Studienfach Terrorforschung. senderunabhängigen Terrorismusexperten. Den Beruf des Seifensieders gibt es nicht mehr. Auskunft gegeben. Daneben gibt es den Typus des freiberuflichen. Der Boom ist auch in der Unterhaltungskunst nicht unbemerkt geblieben. hat bisher allein Joachim Hagen. Den originellsten Einstieg in diesen jungen Beruf hat der Terrorwart des Senders RTL gefunden. Udo Ulfkotte und der ehemalige ZEIT-Kollege Michael Lüders. hört er zu Hause Opern. Das ist für junge Leute heutzutage sicher nicht die schlechteste Perspektive. Bergen dagegen hat 1997 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Osama bin Laden geführt. 6 Zu hören unter www. Der Beruf des Terrorismusexperten ist von einer stark schwankenden Auftragslage gekennzeichnet. neben einer guten Allgemeinbildung.und Kunstexperte Dr. Darüber. Thamm ist gelernter Diplom-Sozialpädagoge und hat als Streetworker den Umgang mit unberechenbaren Individuen sozusagen hautnah gelernt. es handelt sich also um den letzten echten Männerberuf. Diese Eigenschaft teilt er freilich mit den Juristen.zeit. Mir fallen im Fernsehen aber oft neue Berufe ins Auge. Deshalb haben die meisten Experten sich ein zweites oder sogar mehrere weitere Standbeine geschaffen. Michael Ortmann zieht seine Bahn als Terrorexperte bei RTL. zum Beispiel Terrorexperte. Auffällig ist. Für die Ausbildung zum Terrorexperten gibt es noch keine Norm. zu dem Berndt Georg Thamm zu zählen ist. im Jahre 2000 inszenierte er den Film Die frechsten Seitensprünge der Welt. Krankheit und Tod ja ebenfalls arbeitslos wären. Nachdem er den Menschen an den Bildschirmen den Terror erklärt hat. Fremdsprachenkenntnissen und sicherem Auftreten vor der Kamera. Alle Sender beschäftigen. diesen Weg sind unter anderem Theveßen und Hagen gegangen. Das ZDF geht mit Elmar Theveßen an den Start. Immerhin verdient er sein Brot mit einer sehr unerfreulichen Zeiterscheinung. den Medizinern und den Bestattern. dass es unter den deutschen Terrorexperten keinen einzigen Bartträger. ARD. der nicht unumstrittene Dr.

feines Restaurant mit HOTEL und ganz viel Land drumrum. ein kleines. Carol Körting.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Wer diese LEUCHTE kauft. Hare. Oder: Schmuddelkram mit Niveau Ann-Kathrin Carstensen und Ana Nuria Schmidt vom MODELABEL »Rita in Palma« arbeiten mit türkischen Näherinnen zusammen: Aus traditioneller Häkeltechnik entstehen moderne Accessoires Fotos Shay Alkalay. »Pinha«. bekommt nur den oberen Teil aus Kork – den Schirm darf er sich selbst aus Papier basteln und anpinnen. von Raw Edges für Materia H Die Ausstellung der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton in der New Yorker Metropolitan Opera heißt »WAGNER« und wurde vom »Ring« inspiriert. studiohomme. mit dem das Buch »Wir waren jung und brauchten das Gel – Das Lexikon der Jugendsünden« von Lisa Seelig und Elena Senft beginnt Ach.com H Wie sein Kollege Gérard Depardieu baut der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant Wein an – wir empfehlen den WEISSWEIN Blanc de Garance von seinem Gut Rouge Garance in der Provence Im belgischen Heuvelland. Der Besuch lohnt sich doppelt. Es muss ja nicht immer Südtirol sein Dieses BUCH aus dem Wagenbach-Verlag heißt »Reizpartie« und bietet »Variationen über eindeutige Absichten«. denn es wird auch die »Walküre« gespielt »Mama will für die Hose nur was zuschießen. April 1990. gibt es »In De Wulf«. Name Namerich / Agentur. ungefähr 130 Kilometer von Brüssel entfernt. Tom Powel. die Engländer machen mal wieder die besten MÄNNERSCHUHE – und zwar bei der Firma Mr. Carol Körting. Carsten Kofalk.com . Ich halt das nicht mehr länger aus« TAGEBUCHEINTRAG vom 2. Die Schuhe bekommt man bei einem französischen Online-Shop-Seite für Männer: Studiohomme.

weit vor Berlin. Die Wirklichkeit ist zum Glück etwas friedlicher. Münster und Saarbrücken hatten 2009 zusammen gerade mal sechs Tote. Aber was bitte war da in Halle und Magdeburg los? Die beiden Städte hatten im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit Abstand die meisten Fälle. im Osten sind schon seit Jahren ein paar mehr Opfer zu beklagen als im Westen (es bringen sich also nicht nur die Reichen gegenseitig um. Kiel. Die Tatort-Städte Ludwigshafen. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Quelle Polizeiliche Kriminalstatistik .Deutschlandkarte MORD UND TOTSCHLAG Kiel 2 Essen 5 Duisburg 3 Düsseldorf 2 Gelsenkirchen 2 Recklinghausen 2 Herne 1 Moers 1 Mülheim 1 Oberhausen 1 Bochum 0 Bottrop 0 Krefeld 0 Neuss 0 Rostock 1 Lübeck 2 Bremerhaven 2 Oldenburg 3 Bremen 4 Hamburg 18 Hannover 5 Osnabrück 3 Hildesheim 1 Bielefeld 0 Paderborn 3 Braunschweig 2 Wolfsburg 0 Potsdam 0 Salzgitter 0 Magdeburg 8 Berlin 61 Münster 1 Hamm 1 Cottbus 1 Halle 8 Leipzig 4 Jena 1 Dresden 2 Chemnitz 2 Mönchengladbach 3 Leverkusen 0 Aachen 1 Köln 7 Dortmund 2 Göttingen 1 Hagen 0 Kassel 1 Wuppertal 4 Solingen 1 Remscheid 1 Erfurt 4 Siegen 1 Bergisch Gladbach 1 Bonn 1 Frankfurt 9 Offenbach 1 Darmstadt 1 Mannheim 0 Heidelberg 1 Würzburg 0 Fürth 2 Koblenz 0 Wiesbaden 3 Trier 3 Mainz 0 Ludwigshafen 2 Kaiserslautern 3 Saarbrücken 1 Erlangen 2 Nürnberg 0 Regensburg 1 Karlsruhe 2 Pforzheim 1 Reutlingen 3 Heilbronn 0 Stuttgart 5 Augsburg 0 Ulm 1 München 4 Ingolstadt 2 Freiburg 1 Mord. Man liest in der Zeitung von einem Mörder und denkt sich: Eigentlich könnte ich ja auch… Läuft es so? Die Tatorte wirken zum Glück nicht so. Es entsteht der Eindruck. München hatte auch nur vier. Gut.18 Uhr liegt der Erste tot da. dass auch in den gar nicht so großen Städten viel gemordet wird.und totschlagfrei. Um 20. gegen 21. Vielleicht gibt es wie bei Selbstmorden auch bei Morden eine ansteckende Wirkung.30 Uhr wird nachgelegt.und Totschlagsfälle im Jahr 2009 in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mehr Im Tatort geht der Trend ja zum Zweit. Münster war in den Jahren zuvor mehrmals mord. wie das Fernsehen lehrt).und Drittmord.

als Kindermädchen verstehen. Dolle Sache! Vielleicht ist es das. ergab die Erkenntnis. aber was dieser auf dem Silbertablett den Gästen reichte. Im egalitär verwahrlosten Westen. dass Brangelina (wie man das Paar gern uncharmanterweise zusammenfasst) sechs Kinder haben und angeblich sechs Nannys brauchen. kommt man auf immer noch üppige 150 000 als Jahresgehalt. aber noch keineswegs übertrieben gewesen. die sich mit knapper Not noch einen Butler leistete. nämlich 900 000 Dollar Jahresgehalt für die Kindermädchen. Gärtner. Sie leisten sich die Nannys. Jens Jessen Foto Saul Lazo/BULLS / Fame 11 . leben wahrscheinlich auch Brangelina nicht mehr in Saus und Braus. sind keine Verstiegenheit. Wir kannten eine Dame am Berliner Wannsee. was auch wir aus unserem Alltag kennen: Kinder sind teuer. Mit anderen Worten: Die sechs Mädchen für sechs Kinder. Ein Experiment. horribile dictu. Selbst wenn man abzieht. eine Mangelware. sollen im letzten Jahr allein zehn Millionen Dollar für ihre Kinder ausgegeben haben. die Charter von Privatflugzeugen und die Rechnungen von Luxushotels. vier wahrscheinlich angemessen. Drei wären besser. vielleicht letzte Luxus. Was sind das für Kindermädchen? Prinzessinnen? Harvard-Absolventen. So gesehen. was den Klatsch über das Privatleben der Stars so anziehend macht – dass es ins Ungeheure steigert. sind Menschen. Chauffeur oder. in dem Krethi und Plethi einen Vorstandsvorsitz erobern. weil sie wahrscheinlich erkannt haben: Kinder sind der wahre. Teilt man die 900 000 Dollar entsprechend. die sich noch mit Liebe und Leidenschaft als Köchin. bleibt vermutlich immer noch eine erstaunliche Summe übrig. die ebenso gut in der Vorstandsetage eines Konzerns arbeiten könnten? Indes dürfen wir nicht vergessen. heißt es.Gesellschaftskritik Nicht im Bild: Die Nannys der Familie Jolie-Pitt Über Kinderbetreuung Angelina Jolie und Brad Pitt. neulich unter den beschränkten Verhältnissen der deutschen Mittelschicht angestellt. Aber was heißt schon üppig bei Dienstboten? Auch Löhne sind Knappheitspreise. die Brangelina bisher hatten. war eine – Prinzenrolle. was nur in Hollywood für den Nachwuchs aufgewendet werden muss. Da kommen selbst reiche Leute an finanzielle Grenzen. dass für die Beaufsichtigung von zwölf Kindern im Garten zwei Kindermädchen jedenfalls zu wenig sind.

ein normales Leben zu führen« Hans-Dietrich Genscher.»Es war schwierig. der Übervater der FDP. Momente zwischen Leben und Tod und eine Leiche. über die Krise seiner Partei. die eines Tages auf seiner Terrasse lag .

Er hat recht. In Wahrheit geht es jetzt um ein Konzept des Westens. Was werden Sie den Delegierten auf dem Parteitag ins Stammbuch schreiben? Das ist nicht meines Amtes. Was dachten Sie. Genscher wird uns die erstaunliche Sammlung seiner Bilder an der Wand erklären. Jeder Tag rechnet doppelt. von denen so manche hier vor dem Kamin gesessen haben. Vor wenigen Wochen bin ich in meiner Heimatstadt Halle gewesen. Wer mit ihm. hat es nicht leicht. die schwerste seit Gründung der FDP. Aber es gibt auch Fragen. was derzeit mit der FDP passiert? Die Partei ist schon durch viele Täler gegangen. Ihrer alten Heimat. der schon am Boden liegt. Zum Beispiel der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko und Hosni Mubarak. dass sich Deutschland der Stimme enthielt? Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat in New York erklärt. wenn nicht Sie. wie er die Freiheitsentwicklungen in der arabischen Welt wirksam unterstützen kann. konsistent und berechenbar sein. Er muss Vertrauen nach innen und nach außen wiederherstellen. Das war für mich das Gespräch mit den Bürgern. gefühlt bin ich demnach schon 130 Jahre dabei. In einer offenen Gesellschaft muss sie von der Öffentlichkeit mitgetragen werden. über die Krise des Außenministers Guido Westerwelle spricht.und Personalfragen. sie hat viele Zerreißproben überstanden. gar nicht mehr in den Landtag gekommen ist? Natürlich hat mich das besonders geschmerzt. Außenpolitik darf nicht als geheime Kabinettspolitik behandelt werden. davon. In diesen Tagen fragt man sich: Woran ist gute Außenpolitik zu erkennen? Sie muss perspektivisch angelegt sein. könnte uns sagen. Allerdings lag es im allgemeinen Trend. Welche Niederlage hat in letzter Zeit am meisten geschmerzt? Womöglich. und schon steht da der Staatsmann Souvenir aus seiner Amtszeit: Den Säbel bekam Genscher bei einer seiner Reisen geschenkt views dargelegt habe. Von HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS und STEPHAN LEBERT Fotos JONAS UNGER Herr Genscher. Ich habe gelernt. dass er einen personellen Neuanfang ermöglicht. dürre Diplomatenworte. Was wir jetzt erleben. Was ist jetzt zu tun? Das Potenzial der Partei ist eine ausgezeichnete jüngere Generation. Dort bin ich vor 65 Jahren Mitglied der liberalen Partei gewor- den. Das gilt in Sach. dass die FDP-Mitgliedschaft anstrengend ist. derentwegen er als Jugendlicher jahrelang in Kliniken und Heilanstalten lag. Zwei Vormittage verbringen wir mit ihm in seinem Haus am Waldrand oberhalb von Bonn-Bad Godesberg. Ich werde mich nicht hinstellen und eine hoch motivierte junge Generation wie Kinder auf die Bühne 13 . sooft es ging. indem er nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. als Sie von der Abstimmung bei den Vereinten Nationen zum Hilfseinsatz in Libyen hörten. Wir erfahren viel über die Mächtigen dieser Welt. Diese wird zunehmend sichtbar. Schweigen. lange Pausen – man kann ahnen. man solle diese Debatte beenden. Nur so konnte Deutschland nach Hitler das Vertrauen der Welt wiedergewinnen. Was erwarten Sie von Philipp Rösler? Von ihm wird Führungsstärke und Entscheidungskraft erwartet. in Inter- Besuch bei Hans-Dietrich Genscher. dass ich meine Außenpolitik. der Inkarnation des deutschen Außenministers. dass die FDP in Sachsen-Anhalt. wer. Dazu kommen erfahrene Liberale mit Blick und Verständnis für die Zukunftsfragen. und er wird von der größten Zäsur seines Lebens erzählen – seiner Tuberkuloseerkrankung. Ich bin oft kritisiert worden. damals ägyptischer Staatspräsident. Guido Westerwelle verdient Respekt dafür. ist eine schwere Vertrauenskrise. dass es ihm auch um Anstand geht: Man schlägt auf niemanden ein.Eine Leinwand als Hintergrund reicht. sie muss wertorientiert. bei denen Hans-Dietrich Genscher verstummt.

ein junger Polizist hatte den Kommandoführer tödlich getroffen. und der jugendlich wirkende russische Außenminister Schewardnadse kam dazu. meinte Gorbatschow. dass wir den Amerikanern in der Raumfahrt mindestens ebenbürtig sind. Welche Erinnerung haben Sie an den Rücktritt von Gorbatschow 1991? Ich habe versucht. Haben Sie sich vor dem ersten Zusammentreffen mit dem sowjetischen Regierungschef Ratschläge bei westlichen Amtskollegen geholt? Ja. er hätte ja auch Heiligabend zurücktreten können. Es war schwierig. Haben Sie damals schon geahnt. Damals habe ich zu meinem Mitarbeiter Gerold von Braunmühl gesagt. Er sagte mir: »Sie werden einen sowjetischen Generalsekretär erleben. alles hat seine Zeit. aber wir haben es vers