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ZEIT

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

Die Angst vor
Illustration: Smetek für DIE ZEIT

Moralweltmeister Deutschland

Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten

Fukushima, Libyen, die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Gutmenschen nerven, findet Josef Joffe. Sie sind nötiger denn je, antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49

WISSEN SEITE 37–40

Der alte Mann und das Drama der FDP

Schluss mit luftig
Die EU hat alles versucht, um Griechenland aus der Krise zu helfen. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER
er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Doch das heißt nicht, dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet, man macht sich unbeliebt. »Retten« ist ein hübsches Wort, aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Es kostet nur wieder Milliarden, und trotzdem beschimpft Europa uns, weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. »Umschulden«, die andere Möglichkeit, ist auch eine hässliche Sache, die im Englischen haircut heißt. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Vergessen. Nicht mehr bezahlen. Auch das käme alle teuer zu stehen. Die Griechen, denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte, ebenso wie die Deutschen und andere, die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.

Es grünt im Klub
Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO

Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Und: Philipp Rösler versucht, sich die Zukunft vorzustellen Magazin; Politik S. 7

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Europa will sich Ruhe kaufen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben
Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Diejenigen, die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen, positionieren sich als die guten Europäer. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da, obwohl doch alle gleichermaßen wissen, dass es ohne Europa nicht geht. Wir erleben einen Austausch von Forderungen, Schuldzuweisungen und Dementis, in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Sooft dieser Tage in Ministerien, Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf- und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd, was kommt. Klar ist einzig, dass die Griechen mit dem ersten, 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften, sondern echtes Geld kosten werden. Viel Geld. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein, doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Gleichwohl verlangen die EU, die Euro-Gruppe und die Zentralbank, dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, dem Vertreter des kleinen Luxemburgs, will das offizielle Europa Ruhe, was sie auch kostet. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt, wenn Europa weiter zahlt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler

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www.zeit.de/audio

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Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich, wohl aber die Stimmung. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog, die Griechen überlegten, aus dem Euro auszutreten: Selbst dort, im Land, in das so viel Geld fließt, wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag, so desaströs seine Folgen wären. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Der Rettungsfonds will weiter retten, die EU dabei mitregieren. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei, seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Käme es jetzt zum griechischen haircut, dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Nein, Ruhe wird in keinem Fall eintreten, auch nicht beim haircut. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los, einige seiner Banken brauchten neue Hilfen, und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen, damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten, als gäbe es kein Morgen – und der Staat, der nicht aufgepasst hatte, deshalb unser aller Geld retten musste. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst, der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Was dagegen geschieht, wenn Europa immer weiterzahlt, zeichnet sich schon ab. Irland, seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm, will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Wer wollte sie den Iren abschlagen, wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen, sondern auch an zu viel. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören, so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also, an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wer der bessere Europäer ist, da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Die Frage ist vielmehr, was auf lange Sicht besser für Europa ist. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Europa sollte die Umschuldung wagen.

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uch wenn man die Grünen nie gewählt hat, jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt, und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg, die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage, ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland, das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt, die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Als Ausdruck einer Stimmungswahl, die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Aber die Diagnose ist unvollständig, wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt, das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar, noch nie schienen sie so entschlossen zu sein, ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott, sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei, die sie früher nie gewählt hätten. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.

Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg
Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran, nun gelte es, die Erwartungen der Bürger zu erfüllen, die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. In Interviews sprach er davon, man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«, und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte, dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten, weil dies ein überholter Begriff sei, so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege, das zu werden, was gemeinhin eine Volkspartei ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus, dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Das klingt weit unattraktiver als das, was

sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte, jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition, bestrebt, möglichst viele Menschen mitzunehmen, statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft, und darin liegt eine Chance: In einer Zeit, in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird, könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt, die SPD, die zweite Volkspartei, bleibt auch eine. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Die Entscheidung Kretschmanns, der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen, ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner, der sich tief gedemütigt fühlen muss. Das ist umso generöser, als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie, das Beharren auf Posten und alten Positionen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen, als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus, wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen, die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben, und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr, bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen, in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen; nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum- und Bahnhofsschützern, plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub!

ZEIT ONLINE
Bienen am Schaalsee. Wellen am sardischen Strand. Kleine Augenblicke, die verzaubern
Eine neue Videoserie unter www.zeit.de/video-momente

PROMINENT IGNORIERT

Skandal auf Samoa
Dass der Inselstaat Samoa, bislang östlich der Datumsgrenze gelegen, beschlossen hat, um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern, dessen Datum anzunehmen, also einen Tag zu überspringen, ist schlicht ein Skandal. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte, würden Schulden nicht getilgt, Geburten hinfällig, und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. GRN.
kleine Abb. (v.o.n.u.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost); Jonas Unger für DZ; Mauritius

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AUSGABE:

2 12. Mai 2011

DIE ZEIT No 20

POLITIK
M O R A LW E L T M E I S T E R D E U T S C H L A N D

Worte der Woche

»

Das waren die längsten 40 Minuten meines Lebens.«

Barack Obama, US-Präsident, auf die Frage,

wie er sich während des tödlichen Angriffs auf Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden gefühlt habe

»Pakistan behält sich vor, mit voller Kraft zurückzuschlagen.«
Yousuf Raza Gilani, Regierungschef Pakistans, nach dem aus seiner Sicht rechtswidrigen Einsatz der Amerikaner auf dem Staatsgebiet seines Landes, der sich nicht wiederholen dürfe

Ob Deutschland sich bei der Entscheidung der Vereinten Nationen über einen Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Gadhafi enthält, die Regierung mal eben aus der Kernkraft aussteigen will oder das Land erregt über die Tötung des Al-Qaida-Chefs bin Laden diskutiert – manch einer im Ausland wundert sich in diesen Tagen.

Der Vorwurf steht im Raum: Die Deutschen wüssten wieder einmal alles besser. Aber stimmt das? Sind wir wirklich Moralweltmeister? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe streiten über das deutsche »Gutmenschentum« (Seite 4). Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt den

Alleingang der Bundesregierung beim geplanten Ausstieg aus der Kernenergie: »Jedes Land diskutiert bestimmte Fragen besonders gründlich« (diese Seiten). Und Adam Soboczynski erklärt, warum der moralische Idealismus, der nun wieder zum Vorschein kommt, tief in der deutschen Geistesgeschichte wurzelt (Seite 49)

»Diese Leute werden in den sicheren Tod geschickt.«
Laura Boldrini, UNHCR-Sprecherin in Italien,

zum Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer

»Ich bitte alle: Lasst Griechenland in Frieden seinen Job tun.«
Giorgos Papandreou, griechischer Premierminister,

»Ausbüxen gibt’s nicht mehr«
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt ihre ganz persönliche Energiewende, warum die Deutschen besonders fundamental über Kernenergie streiten und warum Deutschland auch mit mehr Windrädern ein schönes Land bleiben wird
ZEIT: Wo waren Sie am 12. März, wie haben Merkel: (lacht nicht) Ich habe nachgeschaut, ob schwerste Projekt Ihrer Amtszeit vor sich: die Sie von der nuklearen Katastrophe erfahren? das Wort »Brückentechnologie« vorkommt. Es Energiewende. Ist Ihnen bewusst, dass Freund Merkel: Ich war in der Nacht vom EU-Rat aus kam vor. So war ich zufrieden. Schauen Sie, die und Feind große Schwierigkeiten haben, da Brüssel zurückgekehrt. Schon das Erbeben und Volkspartei CDU ist vielleicht diejenige Partei, mitzukommen? die Bilder von der gewaltigen Flutwelle hatten die in dieser Frage die größte Spannbreite von Angela Merkel: Es ist ein interessantes, span- mich tief erschüttert. Während der Sitzung des Meinungen hat. nendes und großes Projekt. Aber ich weiß nicht, EU-Rates haben mich Mitarbeiter des Kanzler- ZEIT: Der Riss geht quer durch CDU und ob es das schwerste ist. amtes über die dramatischen Ereignisse stets auf CSU. ZEIT: Mit das schwierigste! dem Laufenden gehalten, am Freitagabend hat- Merkel: Ja. Die Grünen haben damit kein ProMerkel: Natürlich hat das entsetzliche Unglück te Japan ja den atomaren Notstand ausgerufen. blem, für sie ist die Sache klar, das Thema ist ein von Fukushima, dessen ganzes Ausmaß ja im- Als ich Samstag früh aufstand, sah ich im Fern- Gründungsimpuls dieser Partei. Bei uns stellen mer noch nicht abzusehen ist, uns vor eine un- sehen Berichte von der Wasserstoffexplosion im sich viele die Fragen: Kann Deutschland es erwartete Situation gestellt. Daraus jetzt die Kernkraftwerk. Ich bin dann zu einer Wahl- schaffen? Ist es wirtschaftlich? Trägt das Vernötigen Konsequenzen zu ziehen kann zum kampfveranstaltung nach Rheinland-Pfalz ge- trauen in die erneuerbaren Energien? Deshalb ersten Mal zu einem umfassenden Konsens in fahren. Die Stimmung dort war sehr gedrückt. wird es in den kommenden Wochen wichtig dieser Frage, zu einem Zusammenrücken der Alle standen unter dem Eindruck der vielen sein, diese Bedenken ernst zu nehmen und daGesellschaft führen, auch wenn einige Unter- Todesopfer, der Zerstörung und eben auch der rauf Antworten zu finden. ZEIT: Sie haben ja zwei Wenden in der Atomschiede bleiben. nuklearen Gefahr, die offenkundig wurde. ZEIT: Was war für Sie als Politikerin und als ZEIT: Sie haben sich gerade an die bedrückte energie vollzogen, erst eine Verlangsamung des Physikerin das Unerwartete? Stimmung im Wahlkampf erinnert. Glauben Ausstiegs und jetzt eine Beschleunigung des Merkel: Ich habe persönlich nicht erwartet, dass Sie, den Deutschen wäre ein Festhalten an den Ausstiegs. Sie haben im letzten Herbst zur Laufdas, was ich für mich bis dahin als ein theoreti- verlängerten Laufzeiten vermittelbar gewesen? zeitverlängerung gesagt, dass die Kernenergie sches und nur deshalb verantwortbares Rest- Merkel: Ich habe mich nicht gefragt, was ver- nicht länger als »unbedingt notwendig« laufen risiko gesehen hatte, Realität wird – und zwar in mittelbar ist, sondern ich hatte – wie viele ande- solle. Damals waren für Sie aber viel längere einem Hochtechnologieland wie Japan. Wie re mit mir – den Impuls, dass wir unsere Ent- Laufzeiten »unbedingt notwendig« als heute. sehr aber auch ein Industrieland wie Japan, das scheidungen vom letzten Herbst und damit die Wieso? an technischem Können, Disziplin, Ordnung, Sicherheitsstandards in Deutschland noch ein- Merkel: In der Tat: Wir haben gesagt, auch wir Gesetzlichkeit uns in nichts nachsteht, davon mal auf den Prüfstand stellen müssen. Vermit- steigen aus der Kernenergie aus – dieser Konerschüttert werden kann und in welche Lage die telbar ist es dann – das sage ich jetzt auch als sens, den es in Deutschland gibt, wird oft überMenschen dort gestürzt wurden – das ist das Parteivorsitzende der CDU –, wenn wir nach- sehen –, allerdings später als bei Rot-Grün, desweisen können, dass wir halb die Laufzeitverlängerung. Das unterscheiEinschneidende dieser KataWirtschaftlichkeit und Um- det uns Deutsche von weiten Teilen Europas: strophe. Ich weiß, dass andere weltfreundlichkeit vernünf- Wir bauen keine neuen Kraftwerke. Wir steigen Menschen vor solchen GefahIch habe nicht tig zusammenbringen. Die aus. Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren ren durchaus gewarnt haben; erwartet, dass das, was CDU hat mit der sozialen Energien erreichen. für mich lagen sie für ein Hochich für mich bis dahin Marktwirtschaft schon eintechnologieland mit hohen SiUnser Energiekonzept vom Herbst hat eine mal vermeintlich Unver- klare Zielsetzung: Deutschland soll konsequent cherheitsstandards bis vor Kurals ein theoretisches söhnliches zusammen- den Weg in die erneuerbaren Energien gehen. zem außerhalb dessen, was ich und nur deshalb gebracht, nämlich Kapital Nur so lange, wie sie auf diesem Weg notwenin meinem Leben erleben werverantwortbares und Arbeit. Jetzt haben wir dig ist, soll die Kernkraft noch eine Rolle spiede. Restrisiko gesehen die Chance, auch die Ver- len. Wir haben also ein in sich schlüssiges KonZEIT: Was hat ein Physiker hatte, Realität wird pflichtung, Wirtschaftlich- zept erarbeitet. Aus heutiger Sicht würde ich eher vor Augen, das Restrisiko keit und Umweltfreundlich- sagen: Wir haben im Herbst einen durchaus oder die große Wahrscheinlichkeit unter der Leitlinie der machbaren Weg in das Zeitalter der erneuerkeit, dass nie etwas passieren Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Es geht baren Energien beschrieben – und damit schon wird? Merkel: Die Frage muss anders gestellt werden. darum, unseren Anspruch als Industrieland in weit mehr getan als Rot-Grün damals. Jeder Mensch muss in seinem Leben Risiken Einklang zu bringen mit unserem Ehrgeiz, eines ZEIT: Ein bequemer Weg! eingehen. Auch die Teilnahme am Verkehr, wo Tages ganz auf die erneuerbaren Energien zu Merkel: Nein, das im Herbst formulierte Ziel, ich jeden Tag überrascht werden kann, ist ein setzen. Wir werden es schaffen, viele dafür zu im Jahr 2050 80 Prozent unseres Stroms aus ErRisiko, das ich eingehe. Aber das Risiko bei der begeistern. neuerbaren zu beziehen, ist schon sehr ambitioKernenergie ist sowohl wegen der über Genera- ZEIT: Sie hatten bei Ihrer Entscheidung zwei niert, man darf sich da keinen Illusionen hintionen reichenden zeitlichen als auch der über Landtagswahlen vor sich. geben. Aber gemessen an der Entschlossenheit Ländergrenzen hinausgehenden räumlichen Merkel: Richtig. Und wenn man – wie ich nach heute, war es damals ein, sagen wir mal, ruhigeAuswirkungen, wenn das an sich Unwahr- Fukushima – eine politische Position zu über- rer Weg, zurückhaltender. scheinliche doch eintrifft, ein völlig anderes. prüfen und zu verändern hat, dann ist Wahl- ZEIT: Sie haben in jenem Herbst auch gesagt, Hinzu kommt die Unsichtbarkeit, also Nicht- kampf auf der einen Seite eine ungünstige Zeit, man dürfe aus der Atomenergie nicht vorzeitig fassbarkeit der Strahlung. Das Restrisiko der weil natürlich sofort der Vorwurf gemacht wird, »aus ideologischen Gründen« aussteigen. Sind Kernenergie kann man deshalb überhaupt nur dass ich das jetzt nur mache, weil halt Wahl- Sie jetzt die Ideologin, oder waren Sie es daakzeptieren, wenn man überzeugt ist, es tritt kampf ist. Das kann man nicht vermeiden, aber mals? nach menschlichem Ermessen nicht ein. Für davor darf man auch keine Angst haben. Auf Merkel: Wäre ich das jemals gewesen, dann mich ist infolge Fukushimas deshalb die Frage der anderen Seite aber ist es genau die richtige hätte ich in den neunziger Jahren schon als Umübermächtig geworden: Welche Alternativen Zeit, weil man als Politiker auf all den Wahl- weltministerin keine Energiekonsensgespräche hast du, um zu zeigen, dass man ohne das Rest- kampfveranstaltungen mehr unter Menschen mit dem damaligen niedersächsischen Ministerrisiko der Kernkraft leben kann? ist als sonst. Und da muss man einfach über die präsidenten Schröder führen können, die daZEIT: In Japan haben ein Tsunami und ein Themen sprechen, die alle gerade bewegen. Ich mals übrigens auch nicht an uns beiden gescheitert sind. Dennoch: Die Erdbeben zugleich dieses Restrisiko eintreten sage Ihnen, auch wenn ich das Auseinandersetzung um die lassen. Halten Sie so etwas auch bei uns für nie beweisen kann: Wäre kein Kernenergie hatte in Wahlkampf gewesen, hätte ich denkbar? Man kann die Deutschland schon lange Merkel: Exakt mit diesen konkreten Ereignissen es genauso gemacht. zusätzlichen Windauch eine fast kulturelle Dinatürlich nicht. Denn man weiß ja, dass Japan ZEIT: Wäre das Wahlergebnis räder entlang der mension, da standen sich erdbebengefährdeter ist als Deutschland. Man schlechter ausgefallen, wenn Autobahnen bauen. Parteien und Milieus fast weiß, dass Japan anders als Deutschland schon Sie es anders gemacht hätten? unversöhnlich gegenüber. unter Tsunamis zu leiden hatte. Man weiß, dass Merkel: Meine These ist: eher Daran wird unser deswegen dort die Küstenregionen gefährdet ja, aber das ist natürlich rein Land nicht zerbrechen, Ein unguter Zustand, zu dem alle Seiten ihren Beitrag sind, und trotzdem hat man dort Kernkraft- spekulativ, und das war es und es wird immer geleistet haben. werke hingebaut. Wir in Deutschland brauchen nicht, was mich angetrieben noch schön sein Kernkraftgegner haben vor einer exakten Wiederholung der japanischen hat. Wahlkampf kann Politiker gesagt, sie wollten mit dieKatastrophe bei uns natürlich keine Sorge zu durchaus eher schneller dazu sem Restrisiko nicht leben, haben. Aber wir haben dennoch allen Grund, bringen, das Richtige zu tun, zu fragen, ob sich auch bei uns unglückliche aber aus rein taktischen Gründen, also wenn sie haben sich aber immer sehr darauf konzenUmstände zu etwas Katastrophalem zusammen- gar nicht ehrlich gemeint gewesen wäre, hätte triert, den Ausstieg umzusetzen, und die Frage, ballen könnten: zivilisatorische Risiken, aber ich diese Entscheidung, die neue Ausrichtung wie man in eine bessere Energieversorgung einauch naturbedingte Ereignisse, verbunden etwa der Energiepolitik vom vergangenen Herbst steigt, schleifen lassen. Auch über das Problem, mit einem Stromausfall über längere Zeit, eine deutlich zu beschleunigen, nie getroffen, weil dass man möglicherweise aus dem Ausland Verkettung also von Umständen, die nach ich sie dann nie mit innerer Überzeugung hätte Strom, auch Strom aus Kernkraft importieren menschlichem Ermessen und allen Wahrschein- vertreten können. Ich bin nun über fünf Jahre muss, haben sie zu sehr hinweggesehen. Uns lichkeitsberechnungen bis jetzt nach bestem Bundeskanzlerin – nein, so etwas scheidet für dagegen haben viele im Herbst nicht abgenommen, dass wir das Zeitalter der erneuerbaren Wissen und Gewissen ausgeschlossen wurde. Es mich aus! geht also um die Belastbarkeit von Wahrschein- ZEIT: Wie haben Sie denn in diesem Zusam- Energien wirklich erreichen wollen, weil die lichkeitsanalysen und Risikoannahmen. Des- menhang den Namensbeitrag von Helmut Kohl öffentliche Diskussion nur um die Frage »Verhalb haben wir eine Sicherheitsüberprüfung al- am Tag vor der Wahl gelesen – der ja eine Auf- längerung, ja oder nein?« kreiste und es uns ler Kernkraftwerke angeordnet. Nach einem forderung zum Festhalten an längeren Laufzei- nicht gelungen ist, mehr Augenmerk auf die anderen wesentlichen Elemente des EnergieEreignis der Größenordnung von Fukushima ten war? sehe ich mich außerstande, diese bei uns zuvor Merkel: Ich habe ihn als Unterstützung wahr- konzepts zu lenken. Interessanterweise werfen andere, die immer nur theoretisch ins Auge gefassten Verkettungen genommen. von Risiken einfach zu verdrängen und zu sa- ZEIT: (Interviewer lachen) Wie haben Sie dieses einen schnellen Ausstieg verlangt haben, plötzlich Fragen auf, die sie sich selbst bis dahin gar gen, um die kümmere ich mich nicht. Wunder der Wahrnehmung vollzogen? DIE ZEIT: Frau Bundeskanzlerin, Sie haben das

zu den Gerüchten, sein Land drohe aus der Euro-Zone auszuscheiden

»Diejenigen, die das Treffen organisiert haben, haben ein ziemliches Desaster angerichtet.«
Martin Schulz, Vorsitzender der Sozialisten im EU-Parlament, zu dem zunächst geheimen Treffen von Vertretern der Euro-Zone

»Ich war immer gerne Fraktionsvorsitzende.«
Birgit Homburger nach ihrem eher widerwilligen

Verzicht auf den FDP-Fraktionsvorsitz

»Die FDP hat immerhin Humor.«
Volker Beck, Geschäftsführer der

Grünen-Fraktion, zu den Personalquerelen der Liberalen

»Wenn wir alle ein bisschen zusammenrücken, haben wir dazwischen viel mehr Platz für Natur.«
Matthias Horx , »Zukunftsforscher« und Gründer des Zukunftsinstituts, über eine ökologischere Stadtplanung

»Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute.«
Wes Craven, Horrorfilmregisseur, auf die Frage,

wovor sich die heutige Jugend grusele

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ZEITSPIEGEL

Ausgezeichnet
Das ZEITmagazin wurde am vergangenen Wochenende mehrfach ausgezeichnet. Am Freitag bekam Susanne Leinemann in Hamburg den Henri-Nannen-Sonderpreis für ihr Stück »Der Überfall« (Nr. 49/10). Darin beschrieb sie, wie Jugendliche sie brutal zusammenschlugen. Am Samstag wurde das ZEITmagazin bei der Preisverleihung des Art Directors Club (ADC) in Frankfurt am Main elfmal ausgezeichnet. Damit war es der meistprämierte Titel und zugleich der einzige, der Gold gewann – und zwar für das Doppelcover mit dem Schauspieler Gérard Depardieu (Nr. 41/10). Die Infografik-Seite im Ressort Wissen der ZEIT wurde zweimal ausgezeichnet, darunter einmal mit Silber. Für seine Reportage »Ich denke, dass es meine Bestimmung ist, hier zu sein« ist der Autor Frederik Obermaier mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnet worden. Obermaier hatte in Ausgabe 4/10 von ZEIT CAMPUS die Radikalisierung der niederländischen Studentin Tanja Nijmeijer nachgezeichnet, die sich den Farc-Rebellen im Kolumbianischen Dschungel angeschlossen hatte. DZ

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NÄCHSTE WOCHE IN DER ZEIT

Regional ist das neue bio. Das behaupten die Marktforscher, so sagen es die Kochbuchverlage. Weil wir Lebensmitteln mehr vertrauen, die aus unserer Nähe kommen? Weil Essen auch ein Kulturgut ist? – In einer 40seitigen Beilage zu regionalen Zutaten und regionaler Küche beschäftigen wir uns mit diesem Trend. Darin interpretieren zwölf junge Spitzenköche exklusiv zwölf Rezepte ihrer Heimat neu WISSEN

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nicht gestellt haben. Sie mahnen nun, wir sollten aufpassen, dass der Strom bezahlbar bleibt. Das war für die Union immer schon ein zentraler Gedanke. Dieser ganze Prozess führt nun vielleicht dazu, dass die Gesellschaft den Ausstieg als gemeinsame Anstrengung annimmt und auch Nachteile – siehe Netzausbau, siehe Speicherwerke, siehe Windmühlen im Landschaftsbild – in Kauf nimmt, weil wir uns alle gemeinsam auf einen ehrlichen Weg machen müssen. ZEIT: Bevor wir uns der Zukunft zuwenden, wollen wir noch ein paar Minuten nachtragend sein. Merkel: Bitte! ZEIT: Haben Sie, als Sie die Bilder von Fukushima gesehen haben, die Laufzeitverlängerung bereut? Merkel: Nein, ich spürte aber sofort, dass das, was ich damals aus Überzeugung vertreten habe, auf den Prüfstand muss. Wir haben über die Laufzeitverlängerung jahrelang gesprochen – im Übrigen auch im Wahlkampf –, es konnte also keiner überrascht sein, dass wir das getan haben. Ich habe, wie gerade dargestellt, schon im Herbst bedauert, dass wir nicht ausreichend deutlich machen konnten, dass es uns wirklich um einen konsequenten Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien geht. Gerade auch als ehemalige Umweltministerin habe ich das bedauert. Andere haben uns den Vorwurf gemacht, wir würden den Energieversorgungsunternehmen einen Gefallen tun, damit die möglichst viel erlösen. ZEIT: Und das stimmte gar nicht? Merkel: Das hat nie gestimmt. Durch unser Energiekonzept wurden die Energieversorgungsunternehmen erheblich belastet. Ihre wirtschaftliche Lage ist im Übrigen nicht so exorbitant gut, dass sie jede Belastung schultern könnten. Wir haben schließlich ein Interesse an erfolgreichen großen heimischen Energieerzeugern; die Stadtwerke alleine werden es nicht schaffen. ZEIT: Es entstand auch der Eindruck, dass Sie bei Ihrer Entscheidung unter Druck gesetzt wurden. Merkel: Ein falscher Eindruck, niemand setzt mich unter Druck. ZEIT: Mehrere namhafte Wirtschaftsvertreter und andere Prominente veröffentlichten damals eine Anzeige, um die Verlängerung der Laufzeiten zu unterstützen. Haben Sie das als hilfreich empfunden? Merkel: Nein. Wenn ich so große Anzeigen sehe, bin ich eher traurig über das ausgegebene Geld, weil ich als Parteivorsitzende aus Wahlkämpfen weiß, wie viel das kostet. Als hilfreich habe ich sie nicht empfunden. ZEIT: Sie haben im vergangenen Herbst auch gesagt, sowohl die Atomenergie als auch Kohlekraftwerke sind Brückentechnologien. Jetzt soll die Brücke der Atomenergie verkürzt werden. Muss dadurch die Kohlebrücke verlängert werden? Und was sagt die Klimakanzlerin dazu? Merkel: Wenn wir nun schneller aus der Kernenergie aussteigen, dann wird sich zeigen, dass wir Ersatzkraftwerke brauchen, nach meiner Meinung vornehmlich Gaskraftwerke. Auf jeden Fall werden wir hoch effiziente Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen benötigen. Das verändert unsere CO₂-Bilanz, was wiederum bedeutet, dass wir Wege finden müssen, um an anderer Stelle mehr einzusparen, um das auszugleichen. Wir müssen die Gebäudesanierung schneller vorantreiben und die Energieeffizienz unserer Produkte und unserer ganzen Wirtschaft noch rascher verbessern, um diese zusätzlichen CO₂-Emissionen anderswo einzusparen. ZEIT: Die Zahl steht: neun bis zehn neue Kohlekraftwerke in den nächsten zwei Jahren. Merkel: Das haben die Unternehmen und der Markt zu entscheiden und teilweise schon entschieden. Bei künftigen Festlegungen über Kraftwerksprojekte spricht vieles auch für Gas: Gaskraftwerke können am schnellsten gebaut werden, sie sind flexibel als Ergänzung erneuerbarer Energien einsetzbar, und Gaskraftwerke haben weniger CO₂-Emissionen. ZEIT: Sehen Sie das Klimaziel für 2020 gefährdet? Merkel: Nein, das müssen und werden wir schaffen. Wir schalten ja ganz sicher nicht alle Kernkraftwerke sofort ab. Danach erst stellen sich die entscheidenden Fragen, die Schwierigkeit wird also sein, von etwa 2020 bis 2035 oder 2040 zu kommen.

Foto: Michael Brauner/stockfood

POLITIK

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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BÜCHER MAC

HEN POLITIK

Der Käfighalter
Geradlinig? Nun ja. Zwei Autoren porträtieren Winfried Kretschmann
Der Mann, der an diesem Donnerstag in Stuttgart zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik gewählt werden soll, hat ein prägnantes Image: Winfried Kretschmann sei konservativer, als es die CDU erlaube, heißt es, prinzipienfest bis zur Halsstarrigkeit und ein ausdauernder Leser der Philosophin Hannah Arendt. Nun ist pünktlich zur geplanten Vereidigung des 62-Jährigen eine Biografie erschienen, in der die gängigen Klischees über Kretschmann mit Lust zerlegt werden. Zum Vorschein kommt ein Mann, der einen weiten Weg hinter sich hat – und unterwegs ziemlich geschmeidig agiert hat. Ganze drei Wochen haben die Journalisten Peter Henkel und Johanna Henkel-Waidhofer für diese Neubewertung gebraucht, was der Sache nicht geschadet hat. Das Tempo führt sie ohne Umschweife zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen: Kretschmanns antiautoritärer Katholizismus, sein Kulturpessimismus, seine Art von Liebe zur Natur, der Weg »von Mao zur Mitte«. Die beiden Stuttgarter Journalisten – er jahrzehntelang bei der Frankfurter Rundschau, sie Lokalkorrespondentin – kennen Winfried Kretschmann, seit er seinen allerersten Auftritt im Stuttgarter Landtag verpasste: Im März 1980 gehörte Kretschmann zu der sechsköpfigen Fraktion, mit der die Grünen erstmals in das Parlament eines Flächenstaates einzogen. Aber die Vereidigung von Lothar Späth (CDU) zum Ministerpräsidenten versäumte der Neuparlamentarier, weil er es wichtiger fand, in Gorleben zu protestieren. Als Kretschmann die Grünen mitgründete, war er alles andere als ein Konservativer. Als Sohn einer katholischen Vertriebenenfamilie aus dem Ermland war er mit der Erfahrung aufgewachsen, wie man in der Fremde erst verachtet und dann aufgenommen wird. Er hatte ein katholisches Internat mit viel schwarzer Pädagogik hinter sich gebracht, aber auch die befreiende Wirkung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahren. Bei der Bundeswehr erlebte er die klassische Schinderei, was ihn aber nicht daran hinderte, den Pazifismus der Peter Henkel/ grünen Gründerjahre für eine Johanna Lebenslüge zu halten – schon Henkelim Hinblick auf die Befreiung Waidhofer: Winfried Nazi-Deutschlands durch die Kretschmann. Alliierten. »Ich bin von Hause Das Porträt aus kein Pazifist«, hat er da- Herder, 14,95 € mals klargemacht. »Ich habe nicht den Kriegsdienst verweigert und bin schon von Natur aus ein Typ, der sich verteidigt und dem anderen dabei auch mal eine in die Fresse bügelt.« Aus manchen Landtagsprotokollen der achtziger Jahre lässt sich die Verzweiflung ermessen, die Kretschmann gelegentlich in der CDU-geführten Republik erfasste. »Es hört doch niemand auf einen«, rief Kretschmann einmal ins Plenum. »Erst wenn man mal ein Ei wirft, dann ist die Presse da. Wenn Grundrechte in ihrer Substanz gefährdet werden, dann sind wir auch zu Regelverletzungen bereit. Wir sind eine radikale Partei, weil man eine Politik machen muss, die die Probleme an der Wurzel löst.« Keine sonderlich konservative Position. Im Laufe der Jahre hat sich Kretschmanns Verhältnis zu den beiden Volksparteien viel rasanter verändert, als es das Image vom stets prinzipienfesten grünen Konservativen glauben machen will. 1982 wirbt er in einem ausführlichen Aufsatz für ein Bündnis mit der SPD, ausgerechnet wegen der großen Übereinstimmungen in der Sozialpolitik; ein Bündnis mit der Union hält er »auf absehbare Zeit kaum für möglich«. Schon ein Jahr später begeistert er sich für ökolibertäre Überlegungen. Über die Sozialpolitik sagt er in jener Phase: »Nur wo Mangel herrscht, kann es Freiheit geben.« Dann wieder, 1992, plädiert er für Rot-Grün, während er 1999 findet, es sei »bitter notwendig, dass es irgendwo zu einer schwarz-grünen Koalition kommt«. Die Republik, so glaubt er 2000, braucht die CDU. 2010 ist es dann »an der Zeit, dass die Schwarzen in der Opposition landen«. Auch zu Kretschmanns eigener Ökologie haben die beiden Autoren Interessantes zutage gefördert. Die Familie von Kretschmanns Frau Gerlinde besaß in Laiz eine Hühnerfarm mit 600 Tieren in Käfigen – die Art der Tierhaltung, die demnächst verboten sein wird. Als die drei Kinder klein waren, machten die Kretschmanns dort regelmäßig Urlaub. Der künftige Ministerpräsident Baden-Württembergs sammelte die Eier ein, fütterte die Tiere, hielt die Käfige sauber und reparierte. »Wer von der Eierproduktion leben will«, so sah er es, »kommt ohne Käfighaltung in Probleme.« Die Konstante in Kretschmanns Charakter lassen die Autoren von einem Parteifreund zusammenfassen: »Winfried Kretschmann ist der anständigste Mensch, der je in Deutschland Regierungschef wurde.« MARIAM LAU

»Ich bin nun über fünf Jahre Bundeskanzlerin.« Angela Merkel am Dienstag der vergangenen Woche im Kanzleramt

ZEIT: Wie stellen Sie sich die Lastenverteilung

dieser Energiewende vor: mehr zulasten des Verbrauchers oder des Steuerzahlers? Merkel: Jeder Steuerzahler ist auch Verbraucher, nicht alle Verbraucher sind Steuerzahler. Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz alle Verbraucher in die Lastenverteilung einbeziehen. Gerade zwischen 2009 und 2011 gab es einen großen Sprung in der Umlage, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstand, nämlich von knapp 1,5 Cent auf über 3 Cent pro Kilowattstunde. ZEIT: Die Frage nach den Kosten beschäftigt die Menschen sehr. Wann können Sie ihnen greifbare Zahlen nennen? Merkel: Bald. In der Wirtschaftskrise hatten wir einen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel, in den letzten Wochen lag er wieder zwischen 120 und 130 Dollar. Mit diesen Schwankungen leben die Menschen heute schon. Sie werden auch mit den Schwankungen beim Strompreis leben müssen, die sich aus veränderten Restlaufzeiten von Kernkraftwerken ergeben. ZEIT: Wird es ein schöneres Land sein, mit neuen Stromtrassen, wärmegedämmten Häusern und vielen hohen Windrädern? Merkel: Im Vergleich zur Zeit vor 20, 30 Jahren ist unser Land doch an vielen Stellen schöner geworden. Damals waren viele Flüsse vergiftet, heute baden und fischen die Menschen wieder in ihnen. Die Industrie arbeitet insgesamt viel umweltschonender, nicht nur in meiner ostdeutschen Heimat, dort ist der Unterschied natürlich frappierend. Also wirklich: Ich glaube nicht, dass unser Land viel weniger schön wird, nur weil wir Energie anders produzieren und den Strom auch durchleiten müssen. ZEIT: Das sagen Sie, obwohl Sie in Ihrem Heimatland so schöne Landschaften vor Augen haben. Merkel: Mecklenburg-Vorpommern hat 1 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausgewiesen, 99 Prozent also nicht. Natürlich sieht man diese Windräder zum Teil schon von Weitem, in meinem Wahlkreis stehen zum Beispiel besonders viele. Aber man kann die zusätzlichen teilweise entlang der Autobahnen, der großen Verkehrstrassen bauen. Hochspannungsleitungen können vielleicht zum Teil entlang der Eisenbahnstrecken geplant werden. Daran wird

unser Land nicht zerbrechen, und es wird noch immer schön sein. ZEIT: Wir könnten stundenlang zuhören, wie Sie die Härten der Energiewende vertreten! Geschmacksfragen sind da nicht so wichtig? Merkel: Selbstverständlich ist der Erhalt der Schönheit unserer Landschaft wichtig, aber die Diskussion ist nicht neu. Denken wir nur daran, was los war, als vor 150 Jahren plötzlich die Eisenbahnen zu rattern begannen. Da sahen manche auch das Ende gekommen. Jede Generation hat die Aufgabe, die Infrastruktur der Zukunft möglich zu machen. Auf der anderen Seite bauen wir heute auch Industriebauten wieder zurück. Kohlezechen sind heute Kulturstätten, und manch altes Tagebaugebiet dient der Naherholung. ZEIT: Sie verteidigen diesen Weg ganz anders, als Grüne das machen. Die Grünen sagen: Es wird alles ganz schön, und Sie sagen: Stellt euch nicht so an! Ist das die Merkelsche Energiewende? Merkel: Ich sage nicht: Stellt euch nicht so an. Ich lese jetzt von Designerwettbewerben um schöne Hochspannungsleitungen. Damit will ich nicht kommen, ich versuche, die Aussichten ganz realistisch zu beschreiben. Ja, es wird sich mancherorts etwas ändern. Mancher wird erleben, dass in der Nähe seines Wohnorts eine Leitung gebaut wird, wo vorher keine war. Das hat es zu allen Zeiten und in vielen Formen gegeben. Bei dem einen wird eine Straße gebaut, bei dem anderen eine Fabrik. In Berlin entsteht gerade ein Flughafen neu. Wir Politiker haben die Pflicht, gut zu begründen, warum das manchmal nötig ist, wir müssen auf die Fragen der Menschen Antworten haben. ZEIT: Planen Sie eine verbindliche Laufzeit für jedes einzelne AKW? Merkel: Es gibt die Möglichkeit, die Summe an Kilowattstunden festzulegen. Es gibt die Möglichkeit, die Restlaufzeit in Jahren festzulegen. Und es gibt die Möglichkeit, diese beiden Varianten zu mischen. Wir haben das noch nicht entschieden. ZEIT: Wie wollen Sie die Endlagerfrage lösen? Wollen Sie außer in Gorleben noch woanders bohren? Erwarten Sie mehr Kooperation von Baden-Württemberg zum Beispiel? Merkel: Ich denke nicht, dass man jetzt überall parallel bohren sollte. Das wäre Unsinn. Die

Endlagerfrage kommt auf den Tisch, wir wer- manchmal, wir bezögen 80 Prozent aus Kernden über sie sprechen, wenn das neue Energie- energie. Das ist ja gar nicht der Fall. konzept steht. Grundsätzlich bin ich überzeugt, ZEIT: Aber keiner hat so radikal und schnell dass es nicht dadurch leichter wird, dass man reagiert wie Deutschland. die Last der Suche und Erkundung auf fünf Merkel: Das ist richtig. Orte verteilt. ZEIT: Wie kommt das? ZEIT: Was nutzt dieser ganze schöne Ausstieg, Merkel: So fundamental wie bei uns wird fast wenn wir umringt sind von Ländern, die die nirgendwo sonst über Kernenergie diskutiert. Kernenergie weiter ausbauen? Hier ist eine ganze Partei darüber entstanden. Merkel: Eine sehr berechtigte Frage, zumal in ZEIT: Sind die Deutschen so ängstlich wegen einem europäischen Binnenmarkt: Was nützt des Restrisikos, oder sind sie nur mutig genug, es Deutschland, wenn es sich nach seiner neue Wege zu gehen? Überzeugung richtig verhält, und alle anderen Merkel: Jedes Land diskutiert bestimmte Fratun es nicht? Wenn ich jedoch zuallererst da- gen sehr gründlich. In den Debatten über die nach frage, ob auch alle anderen von meiner Solidarität in der Euro-Zone und die Stabilität Haltung überzeugt sind, oder wenn ich nur an unserer Währung stelle ich auf europäischer die anfänglichen Nachteile meines eigenen, Ebene Fragen, die sonst kaum einer stellt und von mir für richtig erachteten Verhaltens den- die manche wohl auch manchmal anstrengend ke – dann drehen wir uns im Kreis. finden, die sagen dann, das sei schon wieder so Als in Deutschland Bereine Merkel-Idee. Das ist vielleicht eine Kehrseite unserer tha Benz mit dem ersten AuPräzision und unseres Erfintomobil über die Straßen gedungsgeistes. rumpelt ist, haben auch viele Ich werde darauf achten, Zeitgenossen gesagt: So ein dass wir den richtigen Weg Quatsch, die eine Pferdestärfinden, unsere Energie zu erke einer Kutsche reicht doch, zeugen, einen Weg, der zu eiund wer weiß, wie gefährlich nem ökologisch denkenden diese neue Erfindung ist. In Industrieland und einer beihren Augen war Bertha Benz Die Kanzlerin beim Intereine Geisterfahrerin auf ei- view mit Bernd Ulrich (links) deutenden Wirtschaftsmacht passt. Dieser Weg ist dann nem seltsamen Sonderweg – und Giovanni di Lorenzo aber auch eine Verpflichtung. aber das Auto hat sich durchDann kann nicht jeder komgesetzt. Deutschlands Wohlstand gründet sich auch darauf, dass wir men und sagen: So viele neue Leitungen wollen manchmal als Erste einen neuen Weg gegangen wir nicht, und die Windenergie passt uns eisind. Als ich 1994 Umweltministerin wurde, gentlich auch nicht, die Umlage für die Photokamen 4 Prozent unserer Stromerzeugung aus voltaik ist eh zu hoch, und gegen den Anbau erneuerbaren Quellen. Heute sind wir bei 17 von Pflanzen zur Energieerzeugung bin ich aus Prozent. Das ist schon beachtlich. Jetzt wollen Prinzip auch, aber aus der Kernenergie müssen wir bis 2020 auf 40 Prozent kommen, was sehr wir sofort raus. Einen Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ambitioniert ist. Das wird uns Kraft kosten. Aber wenn wir glauben, dass wir Vorteile da- ist die große Herausforderung im Augenblick. von haben, und das ist ja offensichtlich, dann Wir müssen in den nächsten ein, zwei Monaten alle sagen: Dazu stehen wir! Ein Ausbüxen ist das zu schaffen. ZEIT: Unser Sonderweg ist also eine Avantgar- gibt’s jetzt nicht mehr. derolle? Merkel: Es gibt eine ganze Reihe europäischer Das Gespräch führten GIOVANNI DI LORENZO Länder, die nicht auf Kernkraft setzt. Deutsch- und BERND ULRICH land hat immer einen Energiemix gehabt. Bei uns macht die Kernenergie ein Fünftel aus. Energie: Wie die Wende funktionieren kann www.zeit.de/energie Wenn man die Diskussion verfolgt, denkt man

Fotos: Anatol Kotte für DIE ZEIT; Vignette: Smetek für DIE ZEIT

Ein Völkerrechtler dozierte: Kriegsrecht facher als abwägen. mitunter schlicht um die Einhaltung von Gesetzen.garantieren – Sicherheit vor der Heimtücke. Economist: Now. Warum also die eifernde Selbstgerechtigkeit? nicht den Opfern. Deutschland ist wieder Großmacht. füllen ganze rer multikulturellen Republik nicht vielmehr Regale. weil bekanntlich Gewalt keine politischen Augenmaß. Jahrzehnten zu einem lebensHeute wirft man ihm vor. in der Kontext zählt. erwies sich als absolut zuverlässiger Führer in der chaotischen. insbesondere Franzosen. im Streit um die Energieversorgung der Zukunft. Aber Erleichterung und Genugtu. als den wirkungsmächtigen Auftritt des GutmenVertreter einer typisch deutschen Weltbeglü. keine Rolle mehr nur die Seite der Münze mit der Zahl ansehen. wenn Einwände gegen und Partizipation. Vorweg fehlt das moralische ibyen? Da machen wir nicht mit. jenseits von einfacher Polemik und schlichter für er sich einsetzt. dem wir die kritiGesinnungsethik wird zum Gesche Öffentlichkeit bei vielen sinnungsterror.und Kriegsrechts. Also muss der JOSEF JOFFE Traum töten« spiegelt die reale Welt. der letzten Jahrschwer.Selbstvergewisserung einer wieder gut gewordetigen: die Amerikaner und ihre Soldateska. Sie wurzelt in der Die Entrüstung zielte auf die üblichen Verdäch. den wir demnächst importieren Deutschland kennt den »finalen Rettungsschuss«.selbst genannten Zahlen nach. So entzieht man ung darf man sehr wohl empfinden.darum fragen lassen. arrangieren Interviews. die sie nicht mehr haben (wolgerkriegspartei sei. ein Geschenk senden. Eigentlich wäre der Zeigefinger nach 66 Jahren mustergültiger Entüber den Tod eines Massenmörders zu äußern. Die Polemiker gegen den Gutmenschen weil ihnen die besser ins Konzept passt als der tun so. angewiesen. bei der Entscheidung über den Krieg gegen Gadhafi: Stets denken und handeln die Deutschen anders. gut zu das bin Laden Unterschlupf ge»Kampf. Manche malen auf die Heckscheibe. Aber vom wie es einst Pickelhaube und »Nicht zuständig« das »Nicht zuKnobelbecher waren. die bin komme es nicht kann. Übrigens sogar wirtschaftliche: Die Ökodrauf.versicht. Er hatte sich nach dem Rauswurf flugs aus dem Staub gemacht und noch einen Dienstwagen mitgehen lassen. zeigen uns Orte. An den Autos hängen orange-schwarze Sankt-Georgs-Bändchen als Erinnerung an den Krieg. die Nazipropaganda im Stürmer das Deutschland in den letzten zum Feind erklärte. Natürlich soll man sich auch über den Tod wicklung nicht mehr nötig. der fließend Deutsch sprach und über exzellente Landeskenntnisse und Kontakte verfügte. sie wollten währte – fünf Jahre lang. der militanten Anhänger des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo. er werde jetzt erst mal den Fernseher anschalten und einen Kriegsfilm anschauen. die gerade Gbagbos Räuberregime stürzten. also ist Herausgeber der Staat vorbeugend jene treffen. Familien und Liebespaare spazieren durch die Parks. sorgen für unsere Sicherheit.de. wo chen. politischen Alltag ertönt »Gutmenschentum« Öffentlichkeit. nur Demokratie und Rechtsstaat. L .oder die Zusammenhänge. die einst für das Menschheitsverauf die Kanzlerin.« Fotos: Peter Steffen/dpa (l. nehmen die Bürger Gott sei Dank mit. wie das Land Denkverweigerung. sie verachten Weißnasen. Für ihn hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt. fordern. So kann man sich täuschen. Dass so viele Deutsche die gilt nicht. im britischen noch gewöhnliche Kriminalität. Aber weite Teile des Freiheit vor dem totalen Überwachungsstaat. Er internationales Recht und darauf. Und so war ich als neutraler allemand sogleich willkommen. Fügen wir hinzu. Auf dem Hochsitz der Moral aber sieht geißeln. Das britische Blatt nennt die Polizei keinen Haft. sondern der zeigt exemplarisch. bremste der Botschafter. Die Polemik hat es eben nicht Bürgerin sind informiert bis ins Detail.keitsfern ist – sondern ganz reale Wirkungen mensch das Attribut »antiamerikanisch« oben. der matismus und Idealismus.4 12. dass der Mensch zum Guten fähig ist. bis der Arm schwer wurde oder Russland bei der Eishockey-Weltmeisterschaft seine Führung gegen Finnland einbüßte. von einem darauf an. werden. sich im eigenen Verfassungsden der Getötete wollte. Das Fernsehprogramm ist patriotisch: Im ersten Kanal verteidigt sich heroisch die Brester Festung. Sie weisen Thilo Sarrazin mit den von ihm des Gutmenschen in den Vordergrund: der Bes.hat. dass seine Theorie serwisser. die Welt hat diese eines Feindes nicht freuen. Laut rabbinischer Leistung längst anerkannt. Laden entfesselt hat. Dieser Nachtklub ist eine Höhle der Jeunes Patriotes. die wir nie finden würden. der sich den Notwendigkeiten ECKARDT Ob es um Auslandseinsätze der der Macht und des Machbaren ist Vizepräsidentin Bundeswehr geht. So simpel ist das. dem ich vorbehaltslos vertraut hatte! Wer weiß. OriPharisäer. die sich über seinen zehnte? Erlebten wir bei Stuttgart 21 und beim politisch überkorrekten Betroffen. abkanzeln ist einzeigt.schen als Gut-Bürger? Dem geht es nicht um ckungsfolklore. Ein paar Gadhafi-Anhänger und orthodoxe Monarchisten durften sich anschließen.ralischen Konflikte bewältigen. der den Tod von leitet uns die höhere Einsicht.Logik der Sachzwänge. Vignette: Smetek für DIE ZEIT D Ist es aber nicht. dabei. K AT R I N G Ö R I N G  Themen zu verdanken haben. Natürlich passt der eine moralische. es spricht den Deutschen Auslieferungsbefehl präsentieren von einer »Mord-Orgie«. Auch der Zusatz »de Luxe« in seinem Namen hätte mich stutzig machen müssen. rischen Mitteln. Was ist denn das größere Übel: einen Probleme löst. die es gewagt hatte. Ein solches Sündenregister verdient Empö. ihr Zorn nicht dem Täter. Ist er also nichts anenergie. Andere hielten eine Russlandflagge aus dem Autofenster.der pragmatischen Beliebigkeit und einer blinden wand gegen die angeblichen Zwänge der Real. Ist das Verbredas ist die atavistische Selbstjuschen geschehen. Er redet bewusst undifferenziert und Unsinn und dem Fremden feindlich ist. Viele Debatten der letzten Monate doch Moral und Maßstäbe insgesamt lächerlich haben es gezeigt: Der gute Bürger und die gute gemacht werden.« Er hatte nebenher einen lukrativen Handel mit Einreisepapieren nach Deutschland betrieben.Macht verachten. die angeblich alternaBürgerin verbinden sich Pragtivlos sind. arbeitete als Presseattaché bei der deutschen Botschaft. soll sich unterdessen in Ghana herumtreiben. rung und Verdammung. das klingt vorchristlich. Zugegeben: Allzu oft drängt Widersprüchen zwischen Ideal und Wirklichsich eine wohlfeile und populistische Variante keit.). kill his dream. Wer nicht handelt. muss keine moKanzlerin wegen »Billigung von Straftaten« ange. Ich wunderte mich zwar über seine Golduhr und die teuren Designerklamotten. als befände er Kulturen« provozieren sollte.grill@zeit.sehen würde. Dabei dachte man doch. in der die Werte. sondern auf den wertegebundenen Ein. erklärte er. mensch wirklich maßgeblich in den politischen Was für eine triste Welt das wäre! Ja Im Kampf gegen den Terrorismus. Zum Beispiel in Pakistan. welche Deals er nebenher im Café Cacao eingefädelt hatte. Jahre redet und streitet der Gutbin Ladens und den schlichten Hinweis auf den Verstoß gegen sagt sie. Doch war der besserwisserische Pseudo-Gut. weil er einer ist. Mai. Aber A. jedenfalls man keine Konflikte zwischen Schlimm und Schlimmer. die anderen strömen ohne Befehl von oben auf die Straßen. Mit auf selbstgerechten Gesinnungskitsch abge.voswinkel@zeit. Betreff: Krieg und Eishockey Einen Feiertag gibt es. als bräuchten wir weder Ideale noch gesellschaftlichen Zusammenhalt – noch die ZuCharakterkopf auf der anderen. Sollten wir stolz darauf sein – oder steckt ein wahrer Kern im hässlichen Wort vom »Gutmenschen«? Nein Siehe auch Feuilleton.und Krisengebieten. Der mahnende Terrorismus weder ins VölkerZeigefinger ist heute so deutsch. eigenen Werte ernst ist der lebende Beweis dafür. weil al-Qaida weder Staat noch Bür. Bücher. als die große Mehrheit im Westen es tut. auf die Fahrerseite »Das Blut ist nicht vergeblich vergossen«. »Dann werden Sie«. wie ihn schon bare. der lieber politisch entierung und Maßstäbe mit korrekt ist als realistisch. seine übersteigerte Bürgertum. Der Heuchler. dass die Massaker an Unschuldigen gebiet. »Jetzt wollen wir seinen Leichenwagen. Bin Laden? Ein eklatanter Bruch des auch Helmut Schmidt hat in Mogadischu den Völker. den 9. »ganz anders schreiben. Es war die erste Niederlage der Eishockey-Nationalmannschaft an einem Siegestag. vom Bürgerkrieg geplagten Metropole der Elfenbeinküste. Ökologie oder Einwanderes als ein störender Geselle. Doch der Reflex lebt Überlieferung ermahnte schon der liebe Gott fort. In brenzligen Situationen sind wir auf Gedeih und Verderb von ihnen abhängig.eine abstrakt menschelnde Wohlfühl-Moral. der deutschen Kommentariats haben die Gräueltaten im Namen der Terrorabwehr die Bürgerrechte allenfalls am Rande erwähnt. die wir da ein. Und es ist das Gutnem zu sein. Wehe dem Staat.werteorientiertem Handeln widersetzen sie sich sehen. Manchmal gibt es ein neues Panzer. während Tausenden verantwortet – oder im Einzelfall die ringsum in Europa 137 Kernkraftwerke den Regeln des Rechtsstaates zu verletzen? Auch Strom erzeugen. Es wäre wohl eine zynische Welt. der einen fürchterlichen Preis an Blut und Gut gefordert handeln. Wer den vereinfachend. Wir Korrespondenten sind auf Helfer wie A. der als älterer Herr mit Familienanhang firmierte. um des Sieges über den Faschismus zu gedenken. so darf man im Namen der höheren Sittlichkeit der Verantwortung Unmensch stirbt. spielen. muss sich che mag. Seite 49 Mail aus: ABIDJAN Von: bartholomaeus. dasselbe zu tun. Bin Laden lässig« abzuleiten ist kein Beweis ist der jüngste Beweis. Sie führen uns zu Informanten. dass werteorientierte Politik aldass triumphale Freude über den les andere als naiv und wirklichTod des Massenmörders bin Laden unangemessen sei – schon bekommt der Gut. kompetente A. helfen nur noch tiz. stehen aber auch zu den politik überhaupt. Er würde wider seine höchste Pflicht sündigen: den Bürgern Sicherheit und Freiheit zu das gemeinste Verbrechen in jeder Kultur sind. eine der höchsten überhaupt.bend. Doch moraanklopfen und dem Mann seine Rechte vorlesen. A. sondern auch nützlich ist. balisierung einfach und bequem macht. Die einen setzen die Kartoffeln in die Erde des Datschagartens. Betreff: Freund und Helfer Allein hätte ich mich niemals ins Café Cacao an der Rue Princesse in Abidjan gewagt. der in diesem Schathat« und just den »Krieg der sich nur gut fühlen tenkrieg agierte. Aber ich hatte ja A. die gesunde Realisten darstellen und leider immer das Leben lebenswert machen. Zum Dank wollte ich A.dass Deutschland zum technologischen Vorreiter für erneuerbare Energien wurde. des Bundestags. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Wissen wir es besser? er sogenannte Gutmensch hat es Debatten der letzten Monate. ein Visafälscher. die es sich im Gewirr der Glo. Warum? Weil Moralismus nicht nur erhenischen Heeres jubelten: Auch die Ägypter sind meine Kinder.de. derung: Seit den Bürgerinitiatider sich auf Moral beruft? NehGrüne und EKDven der siebziger und achtziger men wir die Erschießung Osama Präses. im Zweifel lebt er oder sie Pointe? Mit dem Gutmenschen-Vorwurf sollen selbst danach. einen Gewährsmann. Er gilt als zurückgeblieben und naiv. im zweiten geht es um Sowjetspione im Hitlerregime (»Unser Mann in der Gestapo«).währungshelfer der Noch-nicht-Geläuterten. Russland verlor 2 : 3. lische Bescheidenheit ist auch eine Tugend. Gut-Bürger. Im stern-Titel heißt es: Terrorismus ist weder Krieg Amerikas Rache. Mail aus: MOSKAU Von: johannes. Im sondern um bürgerliche Werte wie Solidarität. die gegen den Gutmenschen polemi. Und er des Besserseins. um die vielen zu retten. ein aufgeweckter junger Mann. hen. Die Antwort ist nicht neu. Den Rückspiegel zierte ein roter Stern. »Das können Sie sich sparen«. Warum? »Weil ich den Burschen feuern musste. sondern Massenmord mit kriegeRache.. in der dritten Generation: die Enkel als Beseine Engel. ist eine Erblast der Geschichte. Darf man das? Soeben hat ein Richter die ausweichen.). Mein Fixer A. wie eine Welt ohne ihn ausjenigen. dessen Abbild auf offiziellen Plakaten verboten war. die über den Untergang des pharao. Später zogen die Kommunisten durch Moskau und feierten den Generalissimo Stalin. politische Teilhabe meist dann als Vorwurf.Thema Atomenergie. Leider wohnen sie dort. sich selbst als wahre Faktenkenner und ohne Sinn für das Mögliche. Im Entscheidungen vorgebracht Gut-Bürger und in der Gutwerden. Der Morgen beginnt mit der Militärparade auf dem Roten Platz und einem vieltausendstimmigen »Hurra!« der Truppen. Fixer werden sie genannt. sieren. Es ist das Gut-Bürgertum.oder Raketenmodell zu bestaunen. noch ins Landesrecht. den wir genüsslich Tod der wenigen autorisiert. Matthias Bothor/Photoselection (r. Der hilfsbereite. Freude brechen verantwortlich war. um Atomverweigert. Der Gut-Bürger meint es ernst mit dem. die im Dunkeln die Drähte zieGrößenordnungen und UrsaZEIT. Er meint. was einst auf den T34-Panzern geschrieben stand: »Nach Berlin!« Der Fahrer eines bayerischen Nobelwagens hat auf seine dunkelblaue Motorhaube mit weißer Farbe das Wort »Trophäe »gepinselt«. Transparenz. Und riet dem Journalisten. Atomausstieg? Auch hier Mann weiter morden zu lassen. tickt. Der russische Trainer sagte im Interview nach dem Spiel. der Russland vereint. Ihr Mitleid galt daheim dezimiert. es wären einfach logiebewegung hat zum Beispiel dafür gesorgt. der die Jungpatrioten beschwichtigte. Also: Beim nächsten Mal bitte len). Besserwisser sind allerdings auch die. im dritten läuft die Jagd auf militärische Werwölfe und im vierten ein Spielfilm über die Suche nach Verrätern in der Roten Armee. woWas also steckt an Gutem im Gutmenschen. dazu nen Nation. vor allem in Kriegs. werten und zivilen Land geWeichei und Nervensäge in eimacht hat. wenn ein sich den Händeln der Welt. das ist dem klaren Blick fürs Machder Gutmensch. In diesem Jahr waren die neu geschneiderten Baretts der Soldaten die größte Innovation.Abgesang auf diesen Gut-Bürger singt. in der Verteidigung unseheitskitsch belustigen. durfte eine Flasche Johnny Walker ausgeben und bekam eine verführerische Hostess zugeteilt – die ehemalige Miss Abidjan. weil das Publikum starke Sprü.

in klei- ropa an seinen unsichtbaren Mauern baut. Die Reaktion in London. westliche Kampfjets bombardie. Aber Reso. Blieben noch jene rund 72 Flücht.ten. Nach Angaben des UNHCR sind seit Auslischen Priester in Rom die italienische Küstenwache zu alarmieren. Zwischenbilanz von mindestens 800. Flüchtlinge sind bedrohte Zivilpersonen. Dass Silvio Berlusconi bei solchen vergangener Woche ein Boot mit bis zu 600 Men. sondern als in der Masse teiligen sich auch die Küstenwachen Italiens. der bei der Vorbereidoch müsse es nun humanitären Prinzipien und tung einer Militäraktion darüber nachdenkt.lingszahlen umgeht. auftretendes Flutrisiko sieht. um Bootsflüchtlinge zu retten und in mehrere europäische Aufnahmelager. Vielleicht neu? Seit Jahren schon ziehen italienische Fischer ging dieses Schiff einfach im Durcheinander der mit ihren Netzen immer wieder die Gebeine er. einem Abrisshaus oder einer selbst gezimmerten Bretterhütte. von Libyen über das Mittelmeer nach Nicolas Sarkozy aber fällt nichts anderes ein als die Italien zu gelangen. Natürlich kann man fragen: Was ist daran oder gar böswillig Hilfe verweigert. die meisten über die Landeshätten ihr Boot gesichtet. zu verteilen. Weil sich greifen.Gadhafi doch eine moralische Läuterung reklamiert. keine »Welkenntnis. was dabei herauskommt: EUROPA vor allem die tunesischen Behörden Knapp zwei Monate nach der UNund die Bewohner der GrenzResolution 1973 und nach den gebiete die Flüchtlinge empfanersten Angriffen westlicher Lampedusa gen und versorgen. sondern ein Rinnsal – ganTeil der zivilen Opfer nicht LIBYEN ze zwei Prozent sind auf EUdurch Bomben und Kugeln geTerritorium gelangt. Denn es 500 km byer. die gen Euhafis steht man vor der Er. Warum? Weil Alles erfunden.Gadhafis Soldaten erst ausgeplündert und dann lution 1973 – besser bekannt unter dem Schlag. Das man mit dem erwartbaren Anstieg der FlüchtUN-Flüchtlingshilfswerk und mehrere Men. Aber Mitarbeiter des UNHCR zeigen sich verblüfft. darunter auch zwei in Deutschland. um von Angriffen bedrohte Zivilper..irgendeinem Zeitpunkt ein Schiff mit Flüchtren Waffen zu verkaufen. dass es mit seinem weitreichende Sätze. Vielleicht sollte man den Text byschen Küste. arabischen Diktato. Die italienische Aufbruchs.Menschenjagden. nen koordinierten Schutz von Flüchtlingen. Trotzdem ist es belinge zu erwähnen. Dass Deutschlands Innenchen ist. Eritreer oder SudaneLibyen »alle notwendigen Maßnahmen zu er. dung von Besatzungstruppen. Kennt Europa keine Gnade? VON ANDREA BÖHM nen Booten aus dem umkämpften Libyen nach Flüchtling nicht als Individuum mit Anspruch Italien zu gelangen.stehen nun alle Ausländer mit dunkler Hautfarbe ten AWACS-Flugzeuge jede Bewegung von unter dem Generalverdacht der Gadhafi-Gegner. soll er auch bleiben. Kampfbomber auf Stellungen Tripolis Mittelmeer Im Vergleich dazu sind die der Armee Muammar al-GadBootsflüchtlinge. Dort sind such zu unternehmen. seit Euwww. Die maltesikämpfen. zu seitdem wähnt sich Europa.sche und die italienische Küstenwache weisen schichte: Auf der Seite eines prodemokratischen ebenfalls jede Schuld von sich. Und wenn das TheSpaniens. werde. Diese Strategie der geduldeten oder gezielten Verwahrlosung ist die logische Folge einer europäischen Politik. wie bereitwillig die ägyptischen und Egal. Deutsch. einer kleinen tunesischen Stadt an der Aussagen von Überlebenden verdurstet und ver. Noch der Sicherheitsrat die UN-Mitgliedsstaaten. Der Diktator wort »Stoppt Gadhafi!« – enthält einige sehr möchte Europa wohl zeigen.lingen in Seenot bemerkt zu haben. Miggibt in dieser Militäroperation keiranten. dieses Detail ist wichtig – mit Beginn des Aufstands gegen Gadhafi zwischen die Fronten geraParis und Berlin? Schweigen. der EU und der Nato werden in den nächsten Tagen mehrere Schiffe der deutschen Marine ins Mittelmeer auslaufen.unter Gadhafi-treuen Kämpfern auch Söldner sonen zu schützen« – mit Ausnahme der Entsen. Maltas und Griechenlands. sondern auch ein großes Grab. 61 Menschen. Soll heißen: seit die Abwehr von Flüchtlingen zum ideologischen Kern der Migrationspolitik geworden ist und eben diese Abwehr den Mitgliedsländern am Rande Europas aufgebürdet worden ist. Offenbar werden manche von ihnen von schleiern oft mehr. die den Das Mittelmeer wird für immer mehr Flüchtlinge aus Libyen zur Todesfalle. Sie sind – und flüchtlingen zu starten.stimmt. Gadhafis Militäreinheiten.Vorschlägen sofort mit von der Partie ist.grenzen nach Tunesien und Ägypten.aus anderen afrikanischen Ländern befinden. ohne einen Rettungsver. ist längst nicht mehr nur Urlaubsraum und Handelsweg. sprach sogar acht Wochen einen Skandal dar. habe sich zwar bei rer Sicherheit und öffentlicher Hygiene reduziert der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über wird.niemanden überraschen. als sie klarstellen. die nach Recherchen der eng.sen aber vor den Rebellen fürchten. wieder auf der richtigen Seite der Ge. trunken. Es gibt bislang lediglich einen verzweifelten sowie Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und DiktaHilferuf des UN-Flüchtlingshilfswerks turen wie Somalia.auch Flüchtlingsboote gezwungen. Am 17. Überlebende behaupten. dann findet sich auch in der Außen-und eine Militärintervention in Libyen enthalten. wahr. mindestens bruch der Kämpfe in Libyen über 600 000 Menein Militärhubschrauber und ein Flugzeugträger schen geflohen. der für jeden Einzelnen Freiheit und Küstenwache hat übrigens gerade erst in einem Würde einfordert. muss schen vor der libyschen Küste auseinandergebro. Und womöglich hat im Fall des Schiffs. In Abstimmung mit dem UN-Sicherheitsrat. Die Nato bestreitet übrigens vehement. Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen im Sollten sich Berichte bestätigen. schenrechtsorganisationen begrüßten die deutUnd doch stellen die 800 Toten der vergangenen sche Initiative.auf Würde und Schutz.ma Flucht und Migration auf ein Problem inneland. sondern Schwarzafrikaner. die humanitäre Katastrophe vor der libyschen Küste zu beenden. Seit Ende März sind im Mittelmeer über 800 Menschen bei dem Versuch ertrunken.POLITIK 12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 5 O peration »Lifeline« hat begonnen.Häusern der Bewohner. Papst Benedikt XVI. Die UN und der Europarat ihre Lebensumstände alles andere gut. Zuständigkeiten und Befehlshierartrunkener Flüchtlinge an Bord. Bis auf eines: Seit Ende März Europa.Grenze zu Libyen. sind bis auf Weiteres 20 000 hungert.zeit. so betonte Westerwelle. Schlupflöcher bieten fast nur noch der Landweg über die Türkei nach Griechenland oder der Seeweg mithilfe von Schmugglern und verrotteten Booten nach Malta und Italien. mit der Unterstützung des Aufstands gegen mindestens 800 Menschen bei dem Versuch er. Seitdem beobach. könnte die Zahl der Toten um mehrere minister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem zuHundert steigen. Friedrich verkündete unlängst im lischen Zeitung The Guardian am 25. aber nicht willkommen: Libysche Flüchtlinge treffen auf Lampedusa ein Foto: Francesco Malavolta/dpa (Flüchtlinge erreichen Lampedusa. die in Libyen gearbeitet haben.und in Libyen gestrandet waren.de/audio Gerettet. Darfur oder Eritrea. Die meisten storben ist. März ermächtigte Sturz den wichtigsten Türsteher verliert. sondern durch unZEIT-Grafik boat people sind übrigens keine Literlassene Hilfeleistung. das in den vergangenen Jahren eher dazu neigte. Flugzeugträger und Flüchtlinge berichten von Misshandlungen und kleinere Kriegsschiffe patrouillieren nahe der li. in mehr müssen sich Somalis. über einen katho. Auch waren. Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ver. Sicherheitspolitik niemand.die vor Lampedusa auf einen Felsen aufgelaufen scheinlich über 1000 Toten gegenüber. dass ein erheblicher ÄGYPTEN le«.. allen voran Frankreich und Großbritansind nach Schätzungen des UNHCR tatsächlich nien. 7. endlich reits eine monatelange Odyssee hinter sich haben eine effektive Aktion zur Rettung von Boots. vielleicht auch nicht. wollen den Vorfall nun untersuchen lassen.ALGERIEN ropa aufbrechen.Prioritäten. die be(UNHCR) an die europäischen Staaten. wonach Ende Schengen-Raum. An Operation »Lifeline« be.schämend. Und befreiten Bengasi noch einmal vorlegen. März von deutschen Fernsehen – sichtlich von sich selbst Libyen aus Richtung Italien aufgebrochen und beeindruckt –. Wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag vor der Presse verkündeten. dass Deutschland dem EU-Mitsechzehn Tage manövrierunfähig auf dem Mittel. niemand vorsätzlich offenbar fallen sie nicht unter Resolution 1973. der weit über von einer . Wo der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. sind nach In Dehiba. Europas inzwischen chronische Gleichgültigkeit STOPP! gegenüber Flüchtlingen hinausgeht.gliedsland Malta 100 Bootsflüchtlinge abnehmen meer umhergetrieben sein sollen. Dem steht nun eine düstere wagemutigen Manöver 500 Flüchtlinge gerettet. aber das mit 72 Menschen an Bord über zwei Wochen im Mittelmeer umherirrte. obwohl es den Bootsinsassen nach wenigen Flüchtlinge untergekommen – die meisten in den Tagen auf See gelungen war. Mai 2011) Auf dem Wasser verdurstet . den erwartet die Unterbringung in einem überfüllten Sammellager. sehe es die Bundesregierung als ihre Pflicht an. als sie damit zu be. Zur Einordnung dieser humanitären Geste: darunter mindestes zwei Kleinkinder.von Resolution 1973 auch dem Übergangsrat im ren Kommandozentralen des Diktators. Das Mittelmeer chien verloren: ein tödliches Chaos. wie dem Flüchtlingsschutz gerecht werden. Wer die Reise übersteht.

vor dem man sich in Acht nehmen muss. Rösler sagt. Entscheidungen zu fällen. Es gibt nicht viele wie Rösler in der Politik. dass man die Macht umarmen muss: »Ich würde jede Wette eingehen. sagt Baum. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. ist längst auch bei bürgerlich-konservativen Politikern normal. ob sie einen solchen Preis zahlen wollten: die Familien und Angehörigen von Politikern. »Die Anforderungen an Politiker werden immer heftiger«. sich vor der Politik in Sicherheit zu bringen. die »authentisch« sind. Er vertrat sowjetische Zwangsarbeiter und verklagte die Telekom wegen ihrer Datenskandale. dass irgendjemand noch irgendetwas erst mit seiner Frau besprechen dürfe. ich bin nicht Instrument eines Systems. Einmal kommt das BKA und legt den Höchstpreis.« Wie es ist. Ein Enddatum würde Schröder ihrer politischen Laufbahn nicht öffentlich setzen. »dass er künftig die Termine für die Telefonkonferenzen bestimmt. sondern weil sie die Politik nicht verstanden hätten. das sei ja nicht das Hässliche. die Familie und Partner stellen – die Modernisierung der Gesellschaft macht auch vor ihren Volksvertretern nicht halt. Nur schaut bei denen nicht die ganze Republik zu. dann umso mehr. sie könne sich vorstellen. Nicht weil sie nicht hart genug seien. Einmal stand Seehofer am Fenster. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Illustration: Beck für DIE ZEIT/www. sich selbst treu. dass Philipp Rösler nicht mit 45 aufhört. Als in Berlin die Nachfolge von Guido Westerwelle ausgehandelt wurde. berufstätige Ehefrauen – was bei Grünen und Sozialdemokraten noch programmatischen Charakter hatte. Instrument eines Systems zu sein. Sicherheitsstufe 1. Es ist einer von vielen Widersprüchen. jedenfalls wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. werden Sie verführt. dass das gegen sie verwendet würde. Baum. das offensiv zu tun. Bei ihrer Hochzeit hat sie die Kirche gewechselt. weil seine Frau Facharztprüfung hatte. ließ sich Philipp Rösler telefonisch zuschalten. in denen verdient man keinen Euro mehr als am Tag bevor man sie antrat. kann auch sie sich nicht vorstellen. die Chance. eine Hand auf dem Bauch.« Miriam Meckel war Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen. oder denkt er: Alles Memmen setzen. Die andere Frage lautet. probehalber. Wenn nachts ein Hase durch den Vorgarten hoppelte. denken viele Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. Es handelt vom Preis der Politik für die. kann dieser Wunsch in der Politik Wirklichkeit werden? Das ist die eine Frage. am Ende seiner Dienstzeit war der rechte Arm vom Öffnen der schweren Auto-Panzertür lädiert. Vätermonate. »nicht verdruckst zu sagen: Ich habe einen anderen Termin. und sagt: »Mit 45 höre ich wieder auf«? Beneidet der 78-Jährige den 38-Jährigen. ehemaliger Regierungssprecher. Es ist ein ungewöhnlicher Satz. Darum gehe es ja: keine Ausrede zu finden. sondern beäugt. »die nicht in die persönliche Lebensplanung passen oder in denen Unwägbarkeiten drohen«. weil Rösler sich damit angreifbar macht. Katja Kipping von der Linken erklärte kürzlich. Ein gutes Vorbild für die Gesellschaft sei das nicht. Falsche Loyalität sei es zum Beispiel. Man kann sagen: Da ist einer der wichtigsten Politiker Deutschlands in der wichtigsten Stunde seiner Karriere nicht dabei. Abstoßende. die sich auch vorstellen könnten. sei »Lichtjahre« von früheren Verhältnissen entfernt. Auf einmal steht ein BKAKommando im Haus. interessante Menschen zu treffen. »Meistens«. er mache sich keine Gedanken. aber es gibt immer mehr. ins Schlafzimmer kommt eine Stahltür. kann etwas erzählen über die Zumutungen der Politik. auf »gefahrengeneigte Posten« zu wechseln. als Gegen-Rösler par excellence. Doch Seehofer ist einer der wenigen. denken viele und meinen: keine Maske. Er wünscht all den jungen Politikern. andere Spitzenpositionen in der Politik zu übernehmen. und viele ihrer Kollegen empfinden es ähnlich. »offenkundig Privatleben und Beruf vereinbaren muss«.« Zweimal hat er plötzlichen Machtverlust erfahren. und auch deshalb sei ein Satz wie der von Rösler gut. »Ich bin viereinhalb Jahre nicht alleine aufs Klo gegangen«. können alles. heute ist sie Professorin an der Universität in St. sagt Baum. meint sie. mit denen Politiker umgehen müssen.« Das Gefährliche an der Politik. platzte Seehofer der Kragen. der für die Politik härteste Einschränkungen in Kauf genommen hat. kein Gefangener der Macht. ob er seinen Satz zurücknehmen müsse eines Tages. allerdings ein politischer. der im Fall einer Entführung des kleinen Walter zu zahlen sei. die sich ausschließlich über eine politische Stellung definieren. das muss sie als Ministerin sagen. Politiker müssten auch Vorbild sein. den die Gegner schnell gegen einen verwenden können. dass er keine Befreiung empfand. Begriffe wie »in den Sielen sterben«. dieses Wochenende ist für die Familie reserviert. »Es gibt heute ein anderes Rollenverständnis in der Familie. der Sohn Helmut Kohls. Familienfeindlich seien andere Jobs auch. sagt er. Staatskrisen abzuwenden. Der Satz ist auch zwiespältig. 1998. sondern: Nein. während die Politik immer härter wird.« Nachdem Peter Ramsauer nicht Verteidigungsminister und Joachim Herrmann nicht Innenminister werden wollte. sah draußen keinen Fahrer mehr und keine Sicherheitsbeamten und merkte voller Schreck. winkten mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gleich zwei konservative Politiker mit dem Hinweis ab. wie es so schön heißt. Wenn sie ehrlich ist. in der sie. Gerhart Baum hatte so einen Job. Wenn er im Auto saß. »Ich werde alles daran- Karl-Theodor zu Guttenberg gesucht wurde. ob er sein Amt antreten soll. Familie haben. In Spitzenjobs der Wirtschaft habe man es auch schwer. zwischen den Antworten atmet sie ein bisschen schwerer als sonst. dass ihnen das alles gelingt: ehrlich bleiben. sehe sie für sich als Ministerin »eine Bringschuld«. Sie hat sich vorgenommen. aber mit Mitte 35 stehe für sie »die Familienplanung im Vordergrund«.« Wo so viele nicht zu ihren familiären Verpflichtungen stehen. sagt: »Ich will lieber von Leuten regiert werden. Das Thema Work-Life-Balance hat die Politik erreicht.« Was verführt einen? »Die Möglichkeit. Die Schnelligkeit. Aber das wäre auch so ein Satz. politikfreie Wochenenden. in zweiter Ehe verheiratet. Dann werden andere die Probleme haben. Weil er zum Nachdenken anrege über die Frage: Was ist die Rolle eines Politikers? Röslers Satz ist der Versuch eines Spitzenpolitikers.« Das Work-Life-Problem empfiehlt er auf traditionelle Weise zu lösen. ein Umzug sei das noch nicht. einen Cordon sanitaire zu schaffen zwischen der Macht und dem Menschen. »Es ist wichtig. aber natürlich jederzeit in der Lage. sagt Kristina Schröder Inzwischen lässt sich die Schwangerschaft nicht mehr verbergen. Kristina Schröder hat sich auf das Gespräch vorbereitet. immer für ihre Kinder da sind. »Falsche Loyalität darf es in der Politik nicht geben«. sagt Baum. Gerhart Baum ist seit Jahren nicht mehr Politiker. Die Politiker werden weicher – man könnte auch sagen: normaler –. wollten sie sich und ihrer Familie nicht antun. sagt Rösler. Denn was wollen die Bürger im Zweifel lieber: dass ihr Kanzler nachts am Schreibtisch sitzt oder am Kinderbett? Die Röslers suchen jetzt eine große Wohnung in Berlin-Mitte. vor ihm einer und daneben drei Motorräder. die private Kategorie der Dankbarkeit ins Politische zu übertragen und Guido Westerwelle nicht zu stürzen. weil sie weiß. das würde wohl nicht gehen. nämlich dadurch. In der Politik hat Meckel Menschen gesehen. dass der neue Parteichef Philipp Rösler seine Frau fragt. sie hat überlegt. wie eine Metapher aus der Welt der Zugtiere lautet. noch mehr Terminen. »Die Anforderungen werden immer heftiger«. die nicht gefragt wurden. zu beweisen. »Ich habe es nicht geschafft«. was es mit der Politik macht. Gallen. und wenn der private Bereich dann auch noch Schwierigkeiten macht. Zurzeit ärgert er sich über die Jungen in seiner Partei. kaum ein Partner sieht sich heute noch als stiller Dulder. immer mehr Entscheidungen und auch einer Menge Alkohol im Grunde bedauernswerte Existenzen führten«. der als Finanzminister einen der tragenden Jobs hatte und als harter Hund gilt. Der Berliner Volker Ratzmann zog 2008 seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Grünen zurück. Man kann aber auch sagen: Was ist eine Partei-Intrige gegen eine Facharztprüfung? Einer wie Peer Steinbrück. als er im Streit um die Gesundheitspolitik als Fraktionsvize zurücktrat. was sie sagen wird. Kristina Schröder sitzt in einem Besprechungsraum in ihrem Ministerium. Politiker. dass man auch als Politiker ein normales Privatleben haben kann und sich nicht verbiegen muss«. er stattet sich selbst mit einem Verfallsdatum aus. und es heißt: Das Fenster hier muss raus. Damit Sie die Polizei rufen können. als die Regierung Kohl abgewählt wurde. sind out. und 2004. Sie entfremden sich Ihrem privaten Bereich. Es sei eine neue Erfahrung. beschreibt Walter Kohl. als von machtversessenen Typen. Vater von drei Kindern. er glaubt. Schröder wollte Privatleben und Politik immer trennen. Und nichts wünscht sich das Publikum mehr als Politiker. Wenn einer Kanzler ist und Kinder hat. dass Menschen sagen. in der der Partner viel mehr Einfluss nimmt«. Worauf der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schließlich erbost verbot. die so denken. irgendwann mal ihre Partei anzuführen. wie sie selbst sagt. Aber das Familienleben mit dem Beruf zu vereinen. wieder aufzuhören. um die Paparazzi irrezuführen. »Wenn Sie in die Politik gehen.schneeschnee. sie hat ein Buch geschrieben.6 12. »menschlich«. sagt Schröder. wurde es taghell wegen der Lichtschranken. das vom Burn-out handelt. wenn die Frage kommt: Kann eine Kanzlerin Mutter werden? Von Amts wegen müsste sie sagen: Na- war Innenminister unter Helmut Schmidt. wer sich für die Partei aufopfert. Horst Seehofer gilt vielen als Prototyp des Machtpolitikers. Was denkt einer. weiß sie: Nein. das Rösler bekämpfen will: dass die Politik etwas Schmutziges ist. weil seine Frau ein Kind erwartete und sich im Jahr darauf wieder für den Bundestag bewerben wollte. an dem man sich infizieren kann. die in all dem liegt. aber sie verändern den Alltag dramatisch. Nun ist die Familienministerin in einer Situation. darauf legt Kristina Schröder Wert. gefälligst ein Amt im Kabinett anzutreten. stellt Seehofer fest. sondern ein Leben während der Politik. der Familie gerecht werden und den Wählern. sondern Angst und die bange Frage: Gibt es mich eigentlich noch? Seehofer glaubt nicht an selbst gesetzte Verfallsdaten. wird nicht mehr bewundert. Kaum einer der jüngeren Politiker mag sich so etwas vorstellen. die mitten im Leben stehen. »wird man in Deutschland unter 50 Jahren ja ohnehin eher nicht Kanzlerin. sagt Baum. Und als ein Nachfolger für türlich! Denn moderne Frauen. fuhr hinter ihm ein gepanzerter Wagen mit Sicherheitsleuten. er ist wieder Rechtsanwalt. sagt Thomas Steg. »Wenn jemand beispielsweise Fraktionsvorsitzender ist.« Aber wo genau kippt die Work-Life-Balance in der Politik aus dem Politischen hinaus? Für Horst Seehofer sind bei allem Verständnis für mitentscheidende Ehegatten irgendwann die »Grenzen der Verantwortungslosigkeit erreicht«. dass selbst etablierte Politiker nicht ohne Weiteres bereit seien. er befahl Hans-Peter Friedrich.de Die neue Berliner Balance Immer mehr Politiker fordern Zeit für Familie und Privates ein. wenn immer mehr Politiker ihren Posten als Teilzeitjob statt als Lebensinhalt begreifen. und übers Bett sollte ein Knopf. Der FDP-Politiker heutzutage? »Ich finde diesen Satz sehr sympathisch«. die in einem »Zwangssystem aus Terminen. mit der man reagieren müsse.« . in seinem Buch Leben statt gelebt werden. Aber ein Leben lang Politikerin zu sein. »Das Gefährliche ist das Anziehende daran. die offen bekennen: »Für mich ist Politik ein Stück Sucht. dann sind das arme Kinder«. dann flüchten Sie. Aber wie viel Freiheit darf sein in ihrem Job? VON TINA HILDEBRANDT E s gibt Jobs. so einen Posten. weil er das Klischee nährt. sagt Schröder mit einem feinen Lächeln.« Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. warum man inzwischen unabkömmlich sei. Immer mehr Politiker wollen nicht nur ein Leben nach der Politik. »Die Menschen haben ein realistisches Gespür dafür. wenn er hört. in dessen Beisein auf fünf Millionen Mark fest. muss er auch bereit sein.

der durch den deutschen Alleingang in der Libyen-Frage entstanden ist? Rösler: Ich halte die Entscheidung für richtig. Stabilität und Frieden zu erhalten. im Gegenteil – es ist ein Signal. Nehmen Sie die Energiewende: Da ist man sehr hektisch von einem Extrem ins andere umgeschwenkt. dass unser Parteitag am Wochenende ein Neuanfang wird. Meine Oma hatte ihn immer in ihrem Garten in Hamburg-Harburg. Übrigens hat es auch nicht funktioniert. digkeit. Der beste Weg. Deutsche Interessen zu vertreten bedeutet heute auch. die sich nicht an die Vereinbarungen halten. ZEIT: Wird es mit Ihnen an der Spitze mehr oder weniger Konflikte in der Koalition geben? Ihre Partei wünscht sich beides: weniger Streit und dass die FDP sich häufiger durchsetzt. Verpflichtet das einen jungen Parteichef wie Sie? Rösler: Zur Zeit des Kalten Krieges war das erste Ziel. ZEIT: Sie wollen also immer noch die Steuern senken. Es gibt keine Ost-West-Auseinandersetzung mehr. ZEIT: Zwanzig Prozent sind gegen einen schnellen Atomausstieg. Rösler: Nein. In der Wirtschaftskrise müsse die FDP sich deutlicher zu Werten wie Solidarität bekennen 2009 Bundesgesundheitsminister. ZEIT: Die FDP steht für große außenpolitische Grundsatzentscheidungen. Und insgesamt glaube ich. warum ausgerechnet zur FDP. Und ich wollte nicht. das Positive zu sehen.de/FDP . Eine vernünftige Partei. ZEIT: Wie hat Ihre Herkunft Ihren Blick auf Deutschland geprägt? Rösler: Meine Dankbarkeit macht es mir leichter. Gelassenheit. sondern durch Verlässlichkeit. Sie wird einen Innovationsschub auslösen. in Deutschland produzierte Windanlagen überall in der Welt anzutreffen. dass meine Generation zu Europa leider ein weniger emotionales. dass beides zusammenhängt: Wenn diejenigen. bekannte Forderungen ständig wiederholt. ZEIT: Sind Sie patriotisch? »Am Ende gewinne ich« Führungschaos. Deutschland ist meine Heimat. dass wir an die Jahreszahlen. das spüre ich jeden Tag. Das Gespräche führten PETER DAUSEND und ELISABETH NIEJAHR Foto (Ausschnitt): Anatol Kotte für DIE ZEIT FDP: Berichte vom Parteitag auf ZEIT ONLINE www. ein in Vietnam geborenes Adoptivkind wird jetzt ihr Stellvertreter. was sie sich wünscht. da stehen die Deutschlandfahne und die Europafahne. aus Platzgründen. müssen Sie neben den Regierungen auch die Abgeordneten beteiligen. Landesvorsitzender und. wenn der Parteichef gleichzeitig das Wirtschaftsministerium führt. wäre das schwierig. nicht um Dauerlösungen. ZEIT: Bisher haben viele Ihnen die nötige Härte für ein Spitzenamt nicht zugetraut. hier bin ich groß geworden. Sind das nicht Ihre Wähler? Rösler: Beim Atomausstieg müssen wir die Partei der Vernunft sein. einer Partei mit großer außenpolitischer Tradition. ZEIT: Bei der Katastrophe von Tschernobyl waren Sie 13 Jahre alt. Es wird meine Aufgabe sein. dass auch über den Preis des Ausstiegs geredet wird. ZEIT: Sie haben der FDP mal in einem Essay empfohlen. Das wäre ein Renner. Und neulich habe ich das erste Mal seit 25 Jahren frischen Rhabarber gegessen. dass das mit dem Personalgerangel der vergangenen Tage gelungen ist? Philipp Rösler: Wir wollen vor allem wieder erfolgreicher werden. deren Heizplatte man abschalten kann. du darfst nicht die europäische Idee gefährden. Wie haben Sie diese Tage erlebt? Rösler: Wir durften nicht rausgehen zum Sportunterricht. ZEIT: Was wollen Sie am geplanten Euro-Rettungspaket ändern? Rösler: Erstens brauchen wir harte Auflagen. das Sicherheitsaspekte. über Glaubwür- 12. Zweitens sind Sanktionsmaßnahmen erforderlich für Länder. und so wird es unter meiner Führung sein. reden aber weniger darüber? Rösler: Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft. Das muss anders werden. Ich halte Wirtschaftskompetenz nicht für weniger wichtig. Deswegen. wollen wir ein realistisches Ausstiegsszenario anbieten. keine deutschen Soldaten in einen Auslandseinsatz nach Libyen zu schicken. sondern alles zu verdanken. plötzlich Realität wurde – und das im Hochtechnologieland Japan. Wenn Sie mehr Akzeptanz für Europa wollen. Sehen Sie in der Energiewende eher eine Belastung für die Wirtschaft wegen der steigenden Preise oder eher eine Chance zur Erneuerung? Rösler: Da man keine Wahl hat. Gibt es kein großes Projekt. muss man Optimist sein. 2040? Wenn sich andere überbieten bei den Ausstiegsdaten. ZEIT: Sie sind demnächst Wirtschaftsminister. müssen Sie es auch durchsetzen. sondern auch. Und dazu gehört. Das werden wir tun. wird sie 2013 gewählt. Kann das funktionieren? Rösler: Wenn es diesen Gegensatz gäbe. adoptiert von einem Ehepaar in Norddeutschland 1992–1999 Sanitätsoffizier und Medizinstudium bei der Bundeswehr 2000–2009 FDP-Generalsekretär. die Atomkraft für eine akzeptable. die Bundeswehr oder die Energiewende nicht von Wahlterminen in den Ländern beeindrucken lasse. für die nötige Gelassenheit innerhalb der Regierung zu sorgen. damals hieß es aber. jüngster Wirtschaftsminister in Niedersachsen 2008 In einem Thesenpapier (»Was uns fehlt«) kritisiert er die Bundespartei. Dass das ein großartiges Land ist. Diesem Land habe ich nicht nur viel. dass man alte. Die Welt ist schöner. Rösler: Meine Erklärung ist. ZEIT: Sie werden Wirtschaftsminister. Das hat sich verschoben. eine Kaffeemaschine zu entwickeln. wenn man immer Rhabarber essen darf. Kosten und Versorgungssicherheit berücksichtigt. das Sie als FDP-Chef vorantreiben wollen? Rösler: Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch zurück. auch jedes Mal. ZEIT: Sie wollen einen anderen Umgang mit Frau Merkel pflegen als Guido Westerwelle? Rösler: Das ist eine Selbstverständlichkeit. kündige ich jetzt nicht groß an. Ich bin zuversichtlich. dass wir schon am Montag danach statt über den Euro oder die Energiewende über die Besetzung der Fraktionsführung reden. Das war ein Fehler. Ich sehe die Energiewende daher als Chance für Deutschland. lässt sich nicht irritieren von äußeren Einflüssen und Kommentaren – und am Ende kommt oft das heraus. wartet ab. und im Herbst wird in drei Bundesländern gewählt. dass sich viele Menschen erlöst fühlen. Das ist mir besonders wichtig. ZEIT: Mit welcher Bilanz soll die FDP 2013 um Wiederwahl werben? Rösler: Auch da gilt. Da sind viele Menschen enttäuscht – leider wird dieser Frust vor allem bei uns abgeladen. Aber wir dürfen niemals einen Zweifel an unserer Bündnistreue auch nur aufkommen lassen. ZEIT: Hier steht aber keine Fahne. Brüderle fordert eine Konzentration auf die Kernthemen der Liberalen. beherrschbare Technologie hielten. richtige Feststellung. weil Menschen nun mal unterschiedlich sind. Sonst wäre ich auch falsch in meinem künftigen Ministerium. Rösler: Mit den Inhalten ist es nicht anders als mit dem Personal: Wenn Sie etwas für sich als wichtig entschieden haben. Eine ostdeutsche Frau ist hier Bundeskanzlerin geworden. 2030. Wir geben unseren Markenkern nicht auf. Das Gleiche gilt für Guido Westerwelle und Rainer Brüderle. wie wir miteinander umgehen. mit Ihnen an der Spitze ZEIT: Sie reden viel über Stilfragen. immer wieder hören: Bitte nicht. Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache. und cool passt irgendwie nicht. keine Blockkonfrontation. ZEIT: Und was war Ihr erster Gedanke? Rösler: Stimmt das wirklich? Der zweite: Wie war das. Aber für das Ansehen der Regierung ist nicht nur wichtig. war eine schnelle Entscheidung. Drittens muss das Parlament bei jeder Rettungsaktion mitentscheiden. dass es sich bei allen Hilfen nur um Maßnahmen zur Überbrückung von Schwierigkeiten handelt. Wenn die FDP gute Regierungsarbeit macht. Mit Fukushima hat sich das auch für mich geändert. Euro-Skepsis. Christian Lindner und ich sind uns vollkommen einig. Was kostet der Ausstieg 2020. Nirgends kann man den Amerikanischen Traum besser leben als in Deutschland. verantwortlich für den Tod Tausender. Osama bin Laden war ein Terrorist. muss dafür sorgen. ZEIT: Der Preis ist der FDP also wichtiger als ein möglichst schneller Ausstieg? Rösler: Nein. wenn Sie ständig an den Wahltag denken. Atomausstieg: Wie Philipp Rösler die zerrüttete FDP erneuern will Rösler: Definitiv ja. ZEIT: Was ist cool an Deutschland? Rösler: Der Begriff patriotisch wirkt ja ein wenig pathetisch. die noch das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt haben. Bisher haben wir aber zu Recht primär über die Sicherheit der Kernkraftwerke diskutiert. Finden Sie. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 7 wollte die FDP attraktiver und sympathischer werden. ZEIT: Wie lässt sich der Schaden beheben. das angeblich nur einmal in 100 000 Jahren eintritt. eher intellektuelles Verhältnis hat als diejenigen. dafür steht die Generation von Hans-Dietrich Genscher. dass dieses Projekt vergleichbar ist mit der Mondlandung. dass Sie nur verkrampfen. welche Inhalte wir vorantreiben. was wir Tolles machen werden. führt das zu Gegenreaktionen. damit klar ist. Haben wir gerade eine Häutung zum Machtpolitiker erlebt? Rösler: Sie haben erlebt. wenn ich zum Reichstag fahre und die große schwarz-rot-goldene Fahne da oben sehe. ohne dass man erst zehn Menüpunkte auf einem Display durchblättern muss. Als Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken habe ich mich allerdings stets sehr stark engagiert gegen die Todesstrafe. Es ist jetzt die Aufgabe der FDP. gibt es dafür zumindest mehr Spielräume. weil ein Ereignis. möglichst noch etwas lauter als bisher. den wir zu Beginn der Legislaturperiode gemacht haben. Ihr »ordoliberaler Kurs« gehe »an den Menschen vorbei«. wenn Kritiker also reflexhaft in die europafeindliche Ecke gestellt werden. Zwischen Birgit Homburger und mir wird menschlich nichts Negatives zurückbleiben. ZEIT: Inwiefern? Rösler: Ohne mich auf eine Ebene mit der Kanzlerin stellen zu wollen: Frau Merkel sieht sich Dinge ruhig an. Wirtschaftsinteressen wahrzunehmen. Wie kommt Ihre Partei aus dem Vier-Prozent-Loch? Rösler: Indem ich mich als Bundespolitiker bei den anstehenden wichtigen Entscheidungen über den Euro. Ich will. ZEIT: Die FDP hingegen verliert. Rainer Brüderle wird Fraktionsvorsitzender. Vorbereitung der Krankenkassenreform 2011 Kandidat für den Parteivorsitz Hobby: Bauchredner fiziellen Saal. die kritisch über europäische Bürokratie oder mangelnde Transparenz sprechen. in der ich aufgewachsen bin. die aktuell diskutiert werden. Mein Ziel als Wirtschaftsminister muss es sein. heute so viele Euro-Skeptiker gehören. ZEIT: Wir wüssten gern. Vielleicht gelingt es der deutschen Industrie jetzt sogar. Trotzdem habe ich später zu denen gehört. was ist da passiert? Ich war einfach neugierig.POLITIK DIE ZEIT: Herr Rösler. Wir haben einen of- Der Neue 1973 geboren in Vietnam. dass wir auch schwierige Entscheidungen anders fällen als andere Parteien. wo sich Europa ändern muss. die Diskussion zu beenden. Freiheit und Wirtschaftskompetenz. als Rainer Brüderle es tut. ZEIT: Haben Sie sich gefreut über den Tod von bin Laden. Sie wollen die Partei programmatisch verbreitern. sachliche Kritik aufzugreifen und zu zeigen. mit 36. Die Balance muss stimmen in dieser Debatte. Deutschland bietet allen Menschen alle Chancen.zeit. dass Frau Merkel und ich grundsätzlich ähnliche Typen sind. etwa für die Haushaltskonsolidierung. wie die Kanzlerin? Rösler: Ich habe großes Verständnis dafür. den Begriff der Heimat zu entdecken. Preisschilder hängen. also die FDP. weil ich glaube. Ist Europa für Sie Heimat? Rösler: Heimat – da denke ich an die Region. Rhabarber dürfe man wegen der radioaktiven Verseuchung auf gar keinen Fall essen.

über Tunesien. Angesehene Männer wie der frühere ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof von Lahore klingen wie Islamisten. Nach und nach ist die Stimmung gekippt – wann. worüber die Islamisten bisher geschwiegen haben: über sein Land. die ihre Despoten abgeschüttelt hat. In fünf bis zehn Jahren wird er dauerhaft sein. Wir können friedlich entscheiden. Es ist sein Vereinnahmungsversuch. Dschama’at al-Islamija. Aziz’ Neffe kommt. »Ich sehe keine Notwendigkeit. Nichts überstürzen. es gab zahlreiche Tote. Und obwohl ihre radikalsten Anhänger dieser Tage Bin-LadenPorträts auf den Straßen schwenken. über die Hoffnungen. ein früherer Universitätsprofessor. Kürzlich sind zwei Politiker ermordet worden. Foto: Faisaal Mahmood/Reuters . Es neigt zur Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. Er. Er führt durch die Moschee. Dennoch: Die politischen Islamisten hatten gelernt. Er trägt eine weiße Kutte und einen schwarzen Turban. Er stellt die Stühle in die Sonne auf den grünen Rasen. Dann verlor sie die Wahlen. politisch hält er sich zurück.8 12. Es fordert die strenge Wahrung der islamischen Gesetze. sagt er. Das ist einer der größten Erfolge der Islamisten: Sie haben die Grenze zwischen radikalen und gemäßigten Muslimen verschwimmen lassen. dass die USA heute nur deshalb ein Osama-Drama aufführen. Alle Räder stehen still. Lahore zum Beispiel. Jeder. der Krieg um Libyen. ein Prediger wie sein Onkel. der Zorn Arabiens richte sich nicht gegen die USA. denn seit Monaten dürfen westliche Journalisten nicht nach Peschawar. Keine demokratische. die bereit sind. die sich gegen das strenge Blasphemie-Gesetz des Landes ausgesprochen hatten. Für Ibrahim ist die Demokratie nicht Ziel. Unter den Mullahs herrscht nicht nur Chaos. dass islamische Bewegungen die Herrschaft ZEIT-Grafik Khyber-Pass AFGHANISTAN Abbottabad Islamabad Peschawar us Lahore INDIEN I nd PAKISTAN PAKISTAN Arabisches Meer 200 km Arabisches INDIEN Meer in den arabischen Ländern erringen. ein Gotteshaus mitten im Regierungsbezirk der Hauptstadt. Ein kompakter roter Backsteinbau mit roten Mosaikfenstern. aber betonten Predigerstimme. wie sehr das Militär von Islamisten unterwandert sei und wie sich letztlich das ganze Land Schritt für Schritt. »Sogar auf dem Tahrir-Platz in Kairo warfen sich alle auf die Knie und beteten. müsse um sein Leben fürchten. Es war angsterregend. Der Heilige Krieg kann nicht durch den Tod einer Person geschwächt werden. seit 1965 führt sie die Rote Moschee. spricht Ahmed aus pakistanischer Erfahrung. Eine Reise durch Pakistan Peschawar/Lahore/Islamabad er Tod Osama bin Ladens. ideologisch aber umso einflussreicher. »Die Demokratie. Wo immer man in Pakistan heute hinhört – alle liberalen Kräfte betonen. als sie vor acht Jahren die Wahlen in der Nordwestprovinz gewann. dass selbst radikalste Koranprediger in Pakistan salonfähig geworden sind. »Pakistan ist der zukünftige Staat al-Qaidas. er zeigt auf kunstvolle Deckenmalereien und lässt sich vor einer Bücherwand in seinem Büro nieder. weil sie ihre peinliche Niederlage in Afghanistan kaschieren und uns glauben machen wollen. Nur nicht drängen lassen von den Ereignissen. die seine islamistische Partei hegt. Zwar gründet Ibrahims Partei Dschama’at al-Islamija auf einer über hundert Jahre alten. Er leitet eine Journalistenschule in Lahore. Seitdem gilt die Moschee als Hochburg der radikalislamischen Bewegung. ein junger Mann mit Brille und brauner Predigerkappe. sondern eine islamische. Doch politisch bedeutsam wurde sie erst. Militärs hatten die Moschee gestürmt. Ich habe volles Vertrauen in die Massen der Muslime. Deshalb fürchten sie jetzt. Osamas Platz einzunehmen. Überall liegen rote Teppiche aus. im Osten strahlt die weiße Moschee vor blauem Himmel. was es heißt.und Amtserfahrung wie er. Und zwar nicht dem moderaten. sagt er. hat jedes betroffene Land genau studiert. In zwei Jahren haben wir Wahlen«. Aber es ruft zum Kampf gegen die Ungläubigen auf. Ibrahim schaukelt mit seinem Stuhl auf dem Rasen und schaut in den Himmel. Dafür müssen wir jetzt schon hart arbeiten.und Kolonialpracht. Und ein allzu weltlicher Präsident an der Macht. in dem vor wenigen Jahren eine spektakuläre Geiselnahme der Taliban endete. Tagsüber fährt uns ein Taxi. nur keine Eile. Er war Senator im pakistanischen Oberhaus. Eine ungewöhnliche Reise. Und neuerdings als Ort der Hoffnung. »Aber der Wandel hat gerade erst begonnen. die sich der Westen wünscht. dass die Revolutionen ein Kampf für die islamischen Ideen sind. Dagegen rief die Erschießung bin Ladens durch die US-Streitkräfte deutlich mehr öffentliche Kritik hervor. »Die wirkliche Gefahr für uns ist der sogenannte Krieg gegen den Terror. dass seine Stunde noch kommen wird. seit der arabische Frühling herrscht. die lange abseits von Gewalt und Terrorismus lag. Ägypten. Bald tönen Kinderstimmen aus der Schule herüber. Genau das will Ibrahim zeigen – seine heile islamische Welt. ist klar. »Die arabischen Völker kämpfen gegen ihre Despoten. Seither wird sie auch in der Hauptstadt Islamabad ernst genommen. die einst Lahores Ruf als Kulturhauptstadt Pakistans begründeten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Jungen an einer Koranschule im pakistanischen Abbottabad. der Ibrahim trifft. warnt der international bekannte Autor und Journalist Khalid Ahmed. sondern dem strengen. haben Angst. auf die Straße zu gehen. noch immer ist er ein Mann mit viel Einfluss in Peschawar. fragt er seelenruhig am Telefon mit seiner leisen. dann sind andere dafür verantwortlich.« Für Ibrahim geht die Geschichte weiter. zu regieren. »Im Augenblick herrscht in der islamischen Welt Aufruhr«. alte Mogul. die Scheiben sind verdunkelt. ob Pakistan Osama bin Laden all die Jahre geschützt hat. die glauben. Sie wittern ihre Chance. sondern Mittel zum Zweck eines islamischen Staates – wie die arabischen Revolutionen. Nicht zufällig stammt es aus Pakistan: Operativ war das Land für die islamistische Bewegung bedeutungslos. Längst ist die Ideologie der Islamisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Würden die Islamisten in Pakistan die nächste Wahl gewinnen: Ibrahim würde Regierungssprecher oder Außenminister werden. Die Gefahr eines Atomstaats in Terroristenhand steht hier unmittelbar vor der Tür«. Doch er reist immer noch viel in der Region. Sie werden die USA und ihre Ideen besiegen und das heutige politische Vakuum füllen – sofern man sie frei wählen lässt«. im Westen erheben sich die Berge um den Khyber-Pass nach Afghanistan. Aziz und seine Predigerfamilie aber unterstützten die Geiselnahme. das weiß niemand mehr so genau. Er wird begleitet von vier bewaffneten Männern mit AK-47-Gewehren. Kurz bevor die Nachricht vom Tod bin Ladens eintraf. In der Nähe wurde bin Laden getötet Der Sieg wird unser sein Von Osama bin Ladens Tod lassen sich die Islamisten nicht beirren. Kaum einer in seiner Partei hat so viel Regierungs. »Ist es nicht denkbar. die bei einer Stiftung arbeitet. sagt er. sagt Mohammed Ibrahim. Es zählt heute zu den weltweit meistverbreiteten islamischen Schriften. Er ist sich sicher. Ich aber zweifele daran nicht. Für ihn schreitet mit Revolution und Instabilität in der Region nur die »Talibanisierung der Köpfe« voran. da extremistische Gruppen einen Anschlag auf Ausländer planen könnten. wie man auf demokratischem Weg die Macht erobert. hat sie sich im öffentlichen Meinungsbild erfolgreich von al-Qaida abgegrenzt. sagt Ibrahim. Fünf Jahre lang erlebte seine Partei. Ibrahim gilt als Architekt dieses Wahlsiegs. das Ziel auch.« Er ist erst 35 Jahre alt und Imam. sagt Ibrahim.« Im Gegensatz zu westlichen Beobachtern. sagt er. Ibrahim sieht darin die Chance für eine Wende. klagt eine Frau. Bis dahin wird eine neue Generation der islamischen Bewegung an seiner Spitze stehen. Aber Ibrahim will endlich reden. Osama sei tot?«. vornehme beige Kleider. Frauen verschleiern sich und schicken die eigenen Kinder auf die strengsten Koranschulen. wie abgewirtschaftet die alte demokratische Elite. den die USA führen«. Besonders bedauert er die Lage in Syrien: kein Licht am Ende des Tunnels. Ihre Geduld ist aufgebraucht. Die Empörung war schwach. zu den Waffen zu greifen. Zu gefährlich. acht Millionen Einwohner. dass die Revolutionen ein Kampf für islamische Ideen sind Ibrahim sieht aus wie ein Weiser aus dem Morgenland: langer weißer Bart. Und wenn. Ahmed hat Angst vor Anschlägen.« Über Jahrzehnte konnten die säkularen Regierungen in Islamabad derartige Äußerungen aus dem Lager des Islamisten ignorieren. Sie sprechen davon. das in ei- nem neu gebauten Moschee-Komplex mit islamischer Schule liegt. dass er die islamische Sache nicht in Gefahr sehe. Den Ort für das Treffen wählt er mit Bedacht. hatte er in das nordwestpakistanische Peschawar eingeladen. sogar radikalen Islam. »Die USA haben Verbindungen mit allen Despoten der Region. Bestraft wurden sie dafür nie. wären die Taliban und al-Qaida keine Bedrohung mehr für uns. Jede Nacht schlafen wir woanders. Dass die Geschichte ihm noch recht geben wird. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer wieder brutale Anschläge. Westliche Intellektuelle betonen. Nur keine Eile. Das Büchlein ist kein Appell. komme es nun zum entscheidenden Kampf – dem zwischen den USA und der islamischen Welt. Er lässt zwei Stühle aus seinem Büro bringen. Wir können in keinem Hotel übernachten. mit großer Beständigkeit seit über 20 Jahren dem islamischen Glauben zuwende. Ibrahim ist ständiger Gast der pakistanischen Talkshows. als Maulana Abdul Aziz aus der Hauptstadt Islamabad in ein kleines Dorf aufbricht. VON GEORG BLUME D Ibrahim glaubt. meistens in irgendeinem Büro. Ibrahim ist der politische Kopf der größten islamischen Partei in Pakistan. Aziz ist Vorsteher der Roten Moschee. Ibrahim muss sich mit diesem Büchlein nicht verstecken. die arabischen Revolutionen stünden für Modernisierung und Säkularisierung. einst Vorzeigestadt Pakistans. Kein Wort davon. Sehr bald werden die Bewegungen in den arabischen Ländern islamistische Züge bekommen. die Revolutionen in Ägypten und Tunesien – weshalb die Aufregung? Der Weg. der keinen anderen Glauben neben sich duldet.« Aziz entstammt einer berühmten Predigerfamilie. dass ausländische Mächte für Terror und Gewalt in Pakistan verantwortlich seien. Weil er in einer Demokratie lebe. »Der Heilige Krieg wird nicht durch den Tod einer Person geschwächt« Es ist ein warmer Tag. Nur keine Eile. erhält seine politische Bibel: eine Schrift des bedeutendsten Theoretikers von Dschama’at al-Islamija aus den dreißiger Jahren. wird nicht kommen«. Wer den islamischen Gesetzen öffentlich widerspreche. in der Geistlichkeit tief verwurzelten antikolonialen Bewegung. er lächelt. »Wenn unsere Führer es wagen würden. Ibrahims Partei ist heute in modernen Wahlkampftaktiken erprobt. So sehr. »Es muss heute Tausende geben. Als ihn später die Nachricht von bin Ladens Tod erreicht. sich von diesem Krieg zu distanzieren. er war Provinzpräsident. Die vielen liberalen Intellektuellen der Stadt. Ibrahim dagegen glaubt. Bald schon. ruhiger klarer Blick. dass die USA und auch Deutschland kein Recht auf Intervention in der Region hätten. der Scharia. sondern gegen die eigenen Herrscher und sei deshalb ein Votum für die westliche Demokratie. um den Bau einer Mädchen-Koranschule zu besichtigen.

dass Shihatah mit ihrem Mann in einem christlichen Satellitensender beteuerte. wenn Frauen sich von ihren Männern trennen wollten. Auf Twitter und Face- N book wurde gemunkelt. Die Salafisten in Imbaba forderten die Herausgabe Kamiliya Shihatahs. vor der das alte Regime des gestürzten Herrschers Hosni Mubarak immer gewarnt hatte? Längst bedrohen die Übergriffe von muslimischen Extremisten nicht mehr nur Christen. Schon hatten die Salafisten wieder Munition. dass die Sichermich nicht mehr bei Skype heitskräfte ihre eigenen Beeinwählen kann. hieß es. darüber kursieren in Ägypten zwei Lesarten. am nächsten Tag behaupIm Moment sieht es aus. Zwölfjähriger Junge bei Pro. ihre Medien wurden behindert und verboten. Soweit das Gerücht. Sie und wissen. Immer wieder hören wir die Telefoneinwahl funktio. als voriges Wochenende vor der Koptenkirche ähnliche Schlägertrupps auftauchten wie schon im Februar auf dem Tahrir-Platz und früher bei Wahlkämpfen der inzwischen verbotenen Staatspartei. Die Salafisten hingegen genossen erstaunliche Freiheiten. und außen bei mir ein. Nicht nur.kommenden Wochen von Familien getöteter Solniert – sind jetzt meine Nabel. Mittelmeer schuldigung falsch ist. damit sie keinen Muslim heiraten.wundert mich aber. Deshalb sind viele Ägypter überzeugt. Die Extremisten greifen Alkoholgeschäfte an. sind und ihn mitnahmen. Es testen in Homs getötet. Nicht ein Wort seither! Wir Aufgezeichnet von SUSANNE FISCHER wissen nicht.Damaskus. Rollt nun die Welle des radikalen Islamismus an. In der hiesigen Kultur von »Ehre und Scham«. Die bekommen sie übrigens auch von den Kopten frei Haus. prägten dann aber am Nil einen eigenen radikalen Stil. Wenn ich fern.berichten. Warum Fundamentalisten gerade nach der Revolution vom Februar so schrill und sichtbar geworden sind. brutalen Unterdrückungsdiese zwei seien Terroristen strategie die Oberhand gegewesen. Das war nehmen sie einfach alle ÄGYPTEN zwar riskant. Schreine von ägyptischen Sufis. Mitunter wechseln christliche Frauen nur den Glauben. weil sie den Passus über den Koran als eine Hauptquelle der Gesetze erhalten sehen wollten. Doch verbietet das koptische Bekenntnis den Übertritt zu einer anderen Religion – wie auch der Islam. in dem die Menschen nach bewährter Ordnung riefen. Dort liefern sie sich auch Gefechte mit der islamistischen Hamas. und arbeiten. sie hatten unter Hosni Mubarak sogar Fernsehkanäle. zwei wei.zeit. Waffen? Die Demonstranten eine neue Sim-Karte auf meijedenfalls nicht. sie saßen im Gefängnis. so wie meinen Schwager. Doch die Fundamentalisten drohen wiederzukommen.deren Familien sich dann wenig später bei uns netverbindung über unseren Aktivisten melden und uns erzählen. Zur Abschreckung. Radikale schnitten einem Kopten in Qena ein Ohr ab. Hunderte wurden verletzt. welche die Massen mit hochangereicherter spiritueller Nahrung versorgten. werde so etwas sofort zur öffentlichen Angelegenheit. die sicherlich im Internet.ses Regime fähig ist. nur solche Internet-Videos VON RAZAN ZEITOUNEH A Immer wieder erwischen wir es bei Lügen: gefoltert haben. Steine gegen einen Panzer: Von den Protesten gibt es keine Fotos. Aufmerksamkeit im Westen erregen vor allem ihre Scharmützel mit Christen. auf Demonstranten zu ne Nachrichten nach draußen. Viele ultrakonservative Priester bestehen streng auf dieser Tradition. Wer sonst biltelefon hat die Regierung hat denn in Syrien solche schon vor Wochen gesperrt. Buchstabe Dissidentin widerfährt worden. dass es damit offenbar eischen in Banyas verhaftet. die Sendung sei nachträglich gefälscht worden. Mein Mostände vorführen. werden beschädigt oder zerstört. Wir haben die winnen. Das ist richtig und dennoch nur die halbe Wahrheit. In dieser furchtbaren Nacht brannten zwei Kirchen. aber das war Männer eines Haushalts es uns wert. diese seien erschossen schnur zur Welt. Berichte über die getöteten Sidie mir auf ihren Namen eine lebte in der Hauptstadt cherheitskräfte. Wie lebt es sich dort jetzt? m vergangenen Freitag um 15 sehe. Und alle Freunde. Allenfalls ab und an ein paar tere Fahrer. Viele salafistische Prediger in Ägypten wurden in Saudi-Arabien ausgebildet. Vollverschleierung. Wenn der Gesuchte SUDAN derselben Stadt und doch nicht angetroffen wird. Jussuf al-Qaradawi. Trotzdem werden SYRIEN Namen der Erschossenen IRAK die Proteste weitergehen. der mächtigsten islamistischen Bewegung im Nahen Osten. Dabei huldigen sie oft erfundenen Traditionen. den sie machen. Nicht nehmen sie gern auch ein 400 km einmal telefonieren könanderes Familienmitglied als Geisel. Die Kirche betreibe Geheimniskrämerei. rauche viel zu viel.POLITIK 12. Anhänger des alten Regimes förderten die Salafisten. wozu dieesse kaum. dass dies gesucht. Jahrhundert stehen: ultralange Bärte. Die Waffen. Updates über Satellitentelefon. im Telegrammstil laufen die Meldungen von schießen. wo er festwww. Im Verfassungsreferendum hätten Salafisten und Muslimbrüder Seite an Seite für die Annahme gekämpft. sind entwe.mationen mehr. Bislang also keine guten Nachrichten diese Männer im Fernsehen auf. weil mein Mann und ich nicht da waren. Oft geht es dabei um Frauen. Seit Tagen habe R A Z A N Z E I T O U N E H bei diesen »Terroristen« gefunden wurden? Lachhaft! ich mit keinem Menschen Wenn ich die Bilder sehe. Anhängern eines mystischen Islams. Ich Welt sollte doch inzwischen wissen. Die Muslimbruderschaft konnte davon nur träumen. hielten sie gefangen. dass diese Bekönnen uns verlangsamen. Im Kairoer Arbeiterviertel Imbaba mussten sich koptische Christen am vergangenen Wochenende Attacken muslimischer Radikaler erwehren. um ein Chaos zu säen. Scheidung ist verboten. seit Sicherheitskräfte schaften wandern zwischen unseren Versteam 30. Der Verdacht erhärtete sich. davon gibt es wurden erschossen. Medien berichten von Säureattacken auf unverschleierte Frauen. aber nicht stoppen. und einige wenige in der Stadt. wirft den Kopten »mangelnde Transparenz« vor. diese Frauen würden von Christen festgehalten. Dann stürmen die Salafisten dankbar die Bühne. die als Fahrer im Grenzverkehr zwischen Libanon und Syrien Woche. die sich weigerten mitzukommen. Von dem haben nen wir im Augenblick. Die Armee nahm 190 Randalierer fest und kündigte Militärgerichtsverfahren an. sagt Hulsman. nen Namen zu besorgen wäre Natürlich sehe ich auch die zu riskant. Seither habe ich allesamt unter Folter erzwungen worden seien. Die in vielen Vierteln von Homs unterbrochen. Damaskus Einen Lichtblick imIch fühle mich regelrecht merhin gab es diese Woumzingelt. die Kirchen anzünden? VON MICHAEL THUMANN ach dem Regimesturz nun der Religionskonflikt? Die Angst geht um in Ägypten. wie es ihm geht oder ob sie ihn R ot es M e er Feuer für den Propheten Ägypten nach Mubarak: Wer sind die radikalen Muslime. Sie wurden an der Grenze ohne er. Aber ich der verhaftet oder werden März untertauchte aus Furcht vor Verhaftung.das Regime sendet fleißig seine Propaganda. Säkulare Politiker sehen sich im Fernsehen und im Internet verleumdet. Nur kleine Textbotwir kein Lebenszeichen. um endlich von ihrem Mann wegzukommen. wird es noch schlimmer: Das syrische Uhr habe ich in meinem Ver. dürfte ihre Bedeutung aber weit übertreffen. in sind. Jetzt sind wir mit. Zwölf Menschen starben. um unser Versteck zu finden Vergangene Woche zum Beispiel traten zwei (das er gar nicht kennt). Es half nicht. Beweisen können wir es nicht. Viele radikale Muslime seien aus den Gefängnissen entlassen worden. was sie für die Lebensformen der Prophetenzeit halten. als teten die beiden anderen würde das Regime mit seiner TÜRKEI Männer im Fernsehen. dass ihre Prediger geduldet wurden. das Werk der Protestierenden Online-Chats – wenn denn Anwältin wird auch in den ist.Staatsfernsehen zeigt stundenlang falsche steck noch ein Stück Freiheit ver. die Bilder kaufen könnten. mehr gesprochen. was ihr als daten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 9 »Ich fühle mich umzingelt« Das syrische Regime verhaftet wahllos Menschen und kappt das Internet. Salafisten gibt es heute in der gesamten islamischen Welt. knöchelfreie Pluderhosen. Niemand hat dabei vergessen. Musikhass. jüngst brachten sie in Gaza einen italienischen Friedensaktivisten um. dass der schlimmste Anschlag auf Kopten mit 21 Toten und 79 Verletzten am Neujahrstag dieses Jahres geschah. Daraa wird immer noch belagert.Geständnisse von angeblichen Terroristen – loren: Das Regime hat die Inter. Die Isolation schlägt mir aufs Gemüt. Die Angreifer sind meist Salafisten. weil sie zum Islam übergetreten sei. ZEIT-Grafik wie aus der Welt. wer ihn verhaftet hat. bestehen auf dem. Kopten. weil er seine Wohnung angeblich an Prostituierte vermietet hatte. Oft Versteck besucht. weiß niemand genau. bevor sie im misshandelter Körper. die angeblich kaum noch Verbindung zur Außenwelt. Mehr als 250 Men. die älter als 15 Jahre wieder jeder für sich. April in unsere Wohnung eingedrungen cken hin und her. Die Muslimbrüder wurden vom alten Regime stark bekämpft.nichts davon stimme und die Geständnisse wahl übers Telefon gesperrt. Cornelis Hulsman. weil ich weiß ich genau. Sie berufen sich auf die Vorfahren (as-Salaf ). Damals saß Präsident Hosni Mubarak noch fest im Sattel. Er kräfte ein Viertel in der ARABIEN hat mich kurz in meinem Nähe durchkämmt. die derzeit eine eigene Partei gründen – und vielleicht gar mehrere. musste seine Botschaften aus dem fernen Qatar senden. Salafisten konkurrieren von rechts mit den Muslimbrüdern. Strom und Internet nen gewissen Erfolg haben und Skepsis an den Motiven unserer Bewegung säen kann. aber nicht unbedingt für das 7. Irgendjemand streut dann etwa das Gerücht. Leiter des ArabWestReport in Kairo und ein langjähriger Beobachter konfessioneller Beziehungen. Viele Kopten sagen. dass Provider und vorübergehend auch die Ein. So ging jedenfalls das Gassengerede am vergangenen Wochenende. die angeblich zum Islam übergetreten sind. Fotos: Reuters .de/audio gehalten wird. dass nun die Islamisten überall Auftrieb gewönnen.wir bekommen von dort praktisch keine Inforsichtlichen Grund festgenommen. Wie viele Anhänger sie wirklich haben. der Frau eines koptischen Priesters. Der Lärm. Die glaube einfach nicht. nie übergetreten zu sein. weil sie sich geweigert für Buchstabe morse ich meihätten. Vor ein paar che: Ich habe meinen Tagen haben SicherheitsKairo SAUDIMann wiedergesehen. Ihr populärster Prediger. Die zweite Lesart unterscheidet stärker zwischen den oft unpolitischen Salafisten und den Muslimbrüdern.

auf denen Müllhaufen zu sehen sind. Die ZEIT erklärt er Italien Macht. war bisher ten oder nicht wollten. in denen der getrennwurden zur Bewältigung der Müllte Abfall zu Hause abgeholt wird krisen in Kampanien 780 Millio– die einzig effiziente Methode. Sie funkSilvio Berlusconi. Der Müll auf den StraUnternehmen sich treffen. kennt keine Krisen. und manche sind geradezu grotesk. Ich werde nie müde zu sagen: Wenn man den – nicht um den Preis zu senken. Auf jeden Fall leiden die Neapolitaner kalt. auch jetzt wieder auf den Straßen deshalb funktioniert das in dievon Neapel. ein Gewährsmann der Cadienen die Abfallunternehmen. HausIm Notfall werden die Entsorgungsunternehmüll und Gewerbeabfälle wie Lacke. Kein Zufall. auch in den entlegensten Dörfern.dings ereignet sich der Notstand sogar häufiger als standes. Als ein www. aufeinandertürmen würde. Die Camorra betätigt die Hebel © 2011 by Roberto Saviano – Agentur R. Denn der sogenannte Müllnot.den Verdachts nicht zurück. der kann Videokassetten. Laut LeAuswirkungen. männer«.zeit. Längst waltet haben. solange er Italien eine Nation ist. Denn der Abfallberg 15 600 Meter Höhe. um den Clans riesige Gewinne durch eine ineffiziente. Doch der Müllnoterland« nennen. zur Lösung des MüllproNeapolitaner sie nicht beherrschschienen – zwei zu blems beigetragen hat. In der Ortihre Heimatstadt praktisch noch nie ganz vom Müll schaft Maddaloni in der Provinz Caserta wurden befreit erlebt haben. Jeder Haushalt wollte dig.sind es erneut über 3000 Tonnen. wo Politik. und er wird sogar immer mehr. Was die Politik. Um den Müll ranken sich mittlerweile viele Gevertreiben inzwischen sogar Postkarten. Hoffentlich nicht mehr lange. wie sie jeden Morgen von ihrer Wohnung zur Schule nach Neapel fuhr. um ihn drehen sich schließlich Unmengen Die Brände werden in bewährter Manier gelegt: von Beraterverträgen und KrisenmanagementDie besten »Brandstifter« sind ausländische Ju. sellschaft Telecom Italia und zehnmal so viel wie Villaricca und Qualiano. Sekunden brennt dann alles lichterloh. die jeden Quadratzentimeter Erde gesetz kontrolliert. dann handelt es Abfallentsorgung haben sich nicht mehr um einen »Notstand«. Erstens hat die Camorra bei dem dauernden Müllproblem ihre Hand im Spiel. der Müll ist erst mit Dioxin verseuchen. immer wieder falnicht getrennt wird. In nung bedeutet weniger Abfall. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK R O B E RT O S AV I A N O : I TA L I E N I S C H E L E K T I O N E N . der imschaft. Mülltrennung funktioniert nicht in zwölf Lektionen. Klebstoff. Vor Weihnachten lagerten auf den ihre Stadt als »Müllhauptstadt« geschmäht wird. sie sind eben ein selbst. er habe Neapel vom Müll Neapel ist Mülltrennung eine Antimafiaaktion.den. er kann in darauf und entfernen sich. ja tioniert nicht. je länger der Abfall nung nie funktioniert. um die Mülltrennung immer noch Berlusconis starker Mann in Kambilliger zu machen. Da gibt es ganz andere worden: Wie es im Sommer heiß ist und im Winter Gründe. und der Gestank reiste mit.Giftmüll das Grundwasser verschmutzen könnte. die in Neapel als neapolitanischen Klub anheuern.unter seiner Regierung weiter. das wirklich durchzusetzen. Es wurden jede Menge mit dem Abfall blüht. verfügt ein Gericht die Schließung. kurzsichtig. dass einmal im Jahr.die Kleiderfirma Benetton. das illustriert eine Anekdote Roberto Saviano finden Sie unter des Kronzeugen Gianfranco Mancaniello. nen Euro jährlich ausgegeben. Sie bilden regelrechte Kartelle auch nicht dazu gedrängt. Amt als Staatssekretär zurückgetreten – aber er ist die sich zusammentun. den die Staatsanwaltverdient die Organisierte Kriminalität. dass die Leute die sich der Staat nicht kümmert. Der dafür. nien. Berlusconi hatte zudem zum Staatssekretär im Finanzministerium traut. befreit. wir trinken Mineralwasser. die wie eine Neapel zumindest zeitweise vom Müll befreien richtige Zündschnur funktionieren. Berlusconi hat ihn ten Rechnungen.2008 die Schulen geschlossen. die laut einem Bericht der sam macht. Die Neapolitaner Müllmänner eingesetzt werden. In der D E R A U F K L Ä R E R Camorra kennt die fundamentalen Regeln von Angebot und Millionenstadt gibt es nur weniNachfrage. und wenn das geschieht. TEIL 6 Italien ist uns fremd geworden. Dieses schmutzige Business ist jener Ort. Die Cazent des Abfalls werden nicht wurde mit seinem morra benutzt den Abfall als Mitgetrennt und landen auf der Buch »Gomorrha« tel der politischen Erpressung. Mit dem Feuerzeug jedem Fall seine eigene Position festigen. Wer aber viel Geld zu vergeben hat. indem man sie in allein in 2009 einen Umsatz von 20 Milliarden Brand steckt. Sie verhindert zusammen mit korrupten Politikern eine funktionierende Entsorgung. males Alltagsleben unmöglich. Einige ausländische Fußballer wollten an. weil sie so etwas wie SozialkonFast acht Milliarden in zehn Jahtrolle impliziert. den die Clans der Mafia verwalten und vervon der Camorra »entsorgen« zu lassen. so wachsen jedes Jahr die Müllberge. Neuerunter der ständigen Wiederholung des Müllnot. das Volumen gambiente haben die Clans mit Müllgeschäften der Müllberge zu verringern.Müll. Von 1998 bis 2008 ge Viertel.10 12. Am Geschäft mit dem Müll verdienen alle.schen ist dieser Nicola Cosentino von seinem ten.mehr abgehalten – die Müllberge machten ein norgebracht ist.ßen von Neapel bedeutet das Scheitern der Politik. Santachiara im Müllgeschäft – so wurde der Bock zum GärtDie früheren Folgen von ner gemacht. ob desaströs. sondern um ihn in die Höhe zu treiben und den Müll letztendlich Müll. um die Grund dafür war der Müll. links wie etwa deswegen nicht.Boom von Klimaanlagen. Und das Ergebnis sehen wir bar trennt. In nichts damit zu tun. dass der sen Vierteln hervorragend. weil das Geschäft zu der Frage. Aber das ist nicht alles: In den 1990er Jahren wurden kleiner Camorrista seinen Boss darauf aufmerkviele Kippen eröffnet. sondern nur in Neapel? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort.de/saviano Fotos: Laura Lezza/Getty Images. Natürlich ist das grundlegende Problem dahinter das Fehlen einer nachhaltigen Abfallpolitik. wenn austretende Flüssigkeit den Boden verschmutzt. Für die zeigt damit im Wahlkampf ihre Gesetz nur 35 Prozent sein. in und weniger Abfall bedeutet weKampanien die rechte Mitte. mit überhöhten Preisen operierende Müllwirtschaft zu sichern. denen die Clans der Camorra 50 Euro Müll begraben werden. Aber in Wirklichkeit empfinden sie gab es zum Beispiel im Hinterland plötzlich einen die Dauerkonfrontation mit dem Müll als unwür. dass diese Müllkonsortien zu wahren Aufgezeichnet und übersetzt von BIRGIT SCHÖNAU Machtzentren der Organisierten Kriminalität geworden sind. Ein »Notstand« ist nur eine Episode. der Müll kann dann nicht mehr abgeladen werden und bleibt auf der Straße. muss man eben viel Geld pro verbrannten Müllhaufen zahlen. die mit dem Organisierten Verbrechen verfilzt ist.« – die Camorra füllte die Kippen umgehend mit Das Business der sogenannten Ökomafia Müll aus ganz Italien. Eine Lehrerin aus I T IO Wie von Geisterhand immer wieder da: Abfall auf den Straßen von Neapel Boscoreale erzählte mir. Mülltrenund zwei zur Macht sche Entscheidungen getroffen. dabei dürften es laut berühmt. Diese Kippen füllen sich mit der Zeit. einmal weg. der darf auf politischen Erfolg hoffen. wie das nächste große Geschäft mit Umweltschutzorganisation Legambiente ein gan.schichten. das alle nur noch »Feu.schaft beschuldigt. Es gibt 16-jährige Jugendliche in Neapel. InzwiMüll auch die sogenannten Entsorgungsgesellschaf. die Fenster geschlossen halten mussten. Nur wer zünden sie die Videobänder an. die schließlich mit Baggern weggeschafft wurspotten die gegnerischen Fans die Spieler als »Müll. Sie Müllkippe. die Postangestellten stand existiert seit 16 Jahren – also so lange. Hauptsache.Euro erzielt. dass die Neapel ist die Müllkrise zum Normalzustand geNeapolitaner keine sauberen Menschen wären. Aber warum geschieht so etwas nicht in Genua. Es ver. dessen Gestank derart aufdringlich in die Häuser drang. ungefähr so viel wie die Telefongeland von Neapel zwischen den Orten Giugliano. Wenn der Nachren. Wenn ganze Provinzen unter dem gendliche. eine nur oberflächlich. Die Grenzen sind da. Oft sieht man da an den Stra. men nicht ganz so streng nach dem AntimafiaSchmieröl. Doch in Wirklichkeit werden panien. weil die Fünf sind bereits errechts. Eine Serie zur Erklärung eines rätselhaften Landes 6 NEN N SC K ein Ausnahmezustand eben. dann haben die Clans die Müllkonsortien mit ihren käme man bei einer Basis von drei Hektar auf Mittelsmännern infiltriert. Abfall gibt es schließlich Der Abfall auf der Straße hat verheerende immer. Wenn er eapels Probleme mit der HE LE jedes Jahr wieder eintritt. Franck Courtes/VU/laif Warum versinkt Neapel im Müll? IT ALIEN . ver. zes Jahrhundert lang neapolitanischen Hausmüll antwortet der Boss ungerührt: »Was kümmert hätten fassen können. Fast 84 ProRoberto Saviano wahl die Stadt verstopft. für sie sind die Abfallhaufen ein weiterer Beweis eine haben.stand war auch Manna für die Politik in Kampaßenrändern pechschwarzen Rauch aufsteigen. Nicht selten erfolgt die Sperrung der Kippen auch wegen Umweltproblemen. der Mafia Neapel regiert die linke Mitte. Die Jungen lockermachen. die arme Frau wurde deswegen von ihren Schülern gehänselt. Doch dazu kam es nicht uns das. Und natürlich wird die Entsorgung In Neapel hat die Mülltrenumso teurer. Es gibt da ein Dreieck im Hinter. Auf jeden Fall kommt der Schließungsbefehl immer plötzlich. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Neapel zeigen. dass die verweigerten die Arbeit. Zweitens wird die Abfallentsorgung in Neapel und der umliegenden Region Kampanien zu einem ganz überwiegenden Teil durch Müllkippen betrieben.Aufträgen. schütten Alkohol und Benzin auch auf viele Wählerstimmen hoffen. Camorra-Clan und hat also ein langes Leben. um sie von dem Abfall zu befreiumwickeln die Müllberge mit den Bändern von en. Die Regierung geblich wegen der Abfallberge erst gar nicht beim hat wie so oft Soldaten geschickt. Mailand oder Bologna. Freiheit« trat Cosentino trotz des schwerwiegender getürkten Ausschreibungen und der gefälsch. es wurden keine Märkte Bezeichnung »Notstand« schon gar nicht mehr an. So absurd es klingt: In mer wieder behauptet. in Wirklichkeit geht der Notstand auch Bisher hat sich noch keine Stadtverwaltung ge. und das schon auf der Straße liegt. Wie. wenn man versucht. Jetzt. Es Der Schriftsteller Müll kurz vor der Bürgermeistersind nur zu wenige. Ein beißender Fäulnisgeruch hatte sich in den Sitzen des Autos und in ihrer Kleidung festgekrallt. Als Parteikoordinator des »Volkes der diese Konsortien zum Paradies des Klientelismus. dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind. und sie leiden natürlich auch darunter. wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl. Straßen und Plätzen von Neapel 3000 Tonnen Wenn der SSC Neapel auswärts Fußball spielt. In niger Verdienst für die MüllwirtRom regiert Berlusconi. In wenigen kann. Da ironisches Volk. Fehler gemacht. Das sind Konsortien mehrerer Kommunen. Es verdienen am morra im Müllgeschäft gewesen zu sein. Die ist wirklich eine Schande. dann trenne ich auch. Es einen Politiker berufen. bei fließend.

und stirbt es einmal. einige wurden am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. lebt nach Stationen in Tübingen. Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. weil irgendwo Koniferen dafür gepflanzt werden. O. Seine Übersetzungen (zusammen mit Mirko Bonné) der Gedichte von Rutger Kopland erschienen 2008 im Hanser Verlag. Licht dringt ein. Inkarnation In diesem Gedicht wird kein Fleisch gegessen. niemand soll sagen: Der Täter war ein so freundlicher Familienmensch! Es emittiert kein CO₂ und leistet keine Kompensation. es besteht aus Luftgespinst und Liebe. um sich zu spüren. es lebt vorzüglich von Substanz. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT. 1976 in Eisenach geboren. Bislang sind vierzehn Gedichte erschienen. HENDRIK ROST. Studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. Diesmal handelt eines unserer beiden Gedichte von der Erschießung Osama bin Ladens.) Nicht war es die Zeit in solche Leere zu irren wie die morgens sehr früh als die Katze einer Amsel Gedärme über die Kellertreppe hochzog die rechte Zeit war es nicht zum Briefkasten zu gehen zu sagen: nichts heute nacht ist nichts geschehen nein nicht war es die Zeit nicht war es wahr nicht geschehen das Nichts als ich im Schlaf einem Kampf zusah: der Vogel im Sperrfeuer mir aus dem Grau ins Gesicht fiel nicht war es Zeit zu schlafen für sich sein nicht Zeit gleichzeitig die Katze zu loben und die Amsel begraben DANIELA DANZ. Bitte verschonen Sie Ihre Liebsten. wie wir sie seit 12. Berlin und Leipzig in Halle (Saale). Jahrgang 1969. Dieses Gedicht tötet kein Lebewesen. Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Ab und zu ritzt es sich mit Realität. sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Prag. es fliegt nicht nach Fuerte und sagt »Scheiß drauf!«. wird es.POLITIK & LYRIK Seit dem 10. Das Gedicht rettet. Es blutet nicht. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. aus dem Buch rieseln. wurde im Münsterland geboren. Lebt als Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Lübeck. ohne zu stinken. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. während das andere sich mit dem starken Andrang moralischer Anforderungen in letzter Zeit befasst. das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 11 Anfang dieses Jahres erleben. Schlucken Sie nicht alles. Im Frühjahr 2010 erschien sein fünfter Gedichtband »Der Pilot in der Libelle« im Göttinger Wallstein Verlag Foto: privat Die Lebenden sind Legenden aber was sind die Toten? (B. Dieses Gedicht ist nicht animalisch. Ihr letzter Gedichtband »Pontus« erschien 2009 im Wallstein Verlag Foto: Nils-Christian Engel POESIE NRO: 10 . Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten. Genießen Sie’s. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte.

Athen nimmt Dampf weg. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. also wird es teurer.de/schule ZEIT ONLINE auf Facebook FDP HAUSHALT FILM HÖREN Rösler übernimmt Neue Führung. zu dem sich die FDP am kommenden Wochenende trifft. der Eindruck. Am Donnerstag stellen die Steuerschätzer ihre aktuelle Prognose vor. was sie erst recht nicht könnten. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. Und für die Öffentlichkeit.5. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe. wer hätte das Recht. Erwartet wird ein Plus von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2015. hilft seinen Banken. sei es wegen besonderer Grausamkeit. Das ist ein Mittelweg. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten.zeit. fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. der Täter habe gestanden. Hier aber ist das Original zu sehen. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt. die so noch niemand gehört hat. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. dass diese Zeile falsch sein möge. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Nun macht er die Ereignisse der Revolution zum Thema seines nächsten Films. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Angeklagt wird Torben P. kommt schon ins Grübeln. Ausbildung und Beruf gestellt. ja zurückhaltend. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. singt sie. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. nach enormem Erregungspotenzial. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden.zeit. die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das.zeit. das klingt nach historischer Parallele. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. D. Fazit: Wer den Griechen hilft.« www. derweil EU. bis die Kohle ausging. die Zinsen liegen bei 15 Prozent.zeit. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. ZEIT ONLINE berichtet aus Rostock www. Vielleicht zu zurückhaltend. sagen die Staatsanwälte. haben so lange so heftig geheizt. sollte es besser im Kasino verjuxen.ohne Politikunion geht nicht. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung.de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG. Und man wünscht diesen alten Herren. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. Der ersten seit 1987. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Der Staat – im Bestreben. von 325 auf 340 Milliarden Euro.de/reisen Werden Sie einer von mehr als 58. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. so wie schon mehr als 70. Es wird zum europäischen Sozialfall.zeit.de/politik Volle Kassen Die gute Konjunktur füllt die Kassen von Bundesfinanzminister Schäuble. zur Heizung (Klimaschutz). Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Wenn einer wie Torben P. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit. das ist nur eine Schätzung. Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Am 9. Der Bruchpunkt ist jetzt. es geht nicht darum. von Untersuchungshaft verschont wird. auf den Großen Vaterländischen Krieg. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat. Dabei hatten Statistiker. Lebensumständen. entscheidet das Gericht. meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten. ganz simpel. die bekommt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer.com. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie). sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Das Routinierte der Nachsicht jedoch.facebook. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. 2. Nein. der neuen Volkszählung. Und blähen sich weiter auf. Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. Er reist um die Welt auf der Suche nach unberührten Landschaften und unverfälschten Geräuschen. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«. Und bei den Themen Euro-Krise und Energiewende droht Streit. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). Europa wird zuschießen und stunden müssen. verpufft die Wirkung der Sanktion. darüber zu spotten? F. wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird. sei es wegen »niedriger Beweggründe«. eine möglichst harte Strafe zu finden. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent.twitter. die Spione der Konsumwirtschaft.com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. Welche Begehrlichkeiten werden entstehen? www. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten.und Ausgabenpolitik – fahren. Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert. wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen.zeit. Mord ist mehr als ein Totschlag. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 MEINUNG POLITIK Wer den Griechen hilft JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. Volkszählung. damit fertig zu werden. Für Täter und Opfer. den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«. Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback). dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Da schert es die Leute auch nicht mehr. neue Linie: Es ist ein Parteitag des Umbruchs. ZEIT ONLINE präsentiert Ihre Texte nun noch prominenter www.de/kultur Das Ohr zur Welt Gordon Hempton ist akustischer Ökologe.de/leserartikel Foto: Gordon Hempton Schreiben Sie für uns! Schüler arbeiten wissenschaftlich Bei ZEIT für die Schule erfahren Schüler. Bei jenem Thema. doch die Deutschen bleiben cool. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. So sehen Sieger aus. der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Foto: Andrew H. Es geht darum. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine. dann mag das in jedem Fall begründet sein. wenn der Staat etwas mehr wissen will. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Der Remeduren sind nur drei: 1. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.2011 Erinnern Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. zurückzublicken. das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. 3. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Athen vorweg. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein. zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Wer nun den Griechen Geld leiht. bräche das Höllenfeuer aus: HEUTE: 9. singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern. sogar befördert. wie sie Literatur und Quellen finden und korrekt mit Bildern und Statistiken umgehen www. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Die Beweislage sei einfach. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. der Tathergang stehe fest. deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«. Mord und Totschläger Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden. eine besonders verwerfliche Tat. wegen versuchten Totschlags. fotografiert und vertont er seine Erlebnisse www. warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist.12 12. vorzugsweise kalifornische Konzerne. richtig gemacht. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Walker/Getty Images for DIFF Foto: Raigo Pajula/AFP/Getty Images Foto: Sean Gallup/Getty Images Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Schreiben Sie einen Leserartikel. kann nicht sparen.com/zeitonline Foto: Denis Sinyakov/Reuters . die dem Opfer besonderes Leid zufügt. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig.000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www. Ein Gespräch mit dem Filmemacher aus Kairo www. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen.de/wirtschaft Nach der Revolution Der ägyptische Regisseur Magdy Ahmed Aly hatte die lähmenden Strukturen in Ägypten unter Mubarak beschrieben. obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. STX Foto: Mathias Bothor/photoselection Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT erst ein Run auf griechische Banken. wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird. das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts.zeit. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Deshalb ist es auch legitim. nicht die Kopie.und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Ob Torben P. voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. Allerdings darf man wohl annehmen. das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel.000 Follower. Anklage ist nicht gleich Urteil. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. WFG Ein Land bleibt cool Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen Die Bürger bleiben cool. ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. die Brüssel vorschreibt). Für ZEIT ONLINE beschreibt. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. das Signal aber ein anderes. Griechenland. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. um sich selber zu retten Die Kassandras haben recht behalten: Geld.

der zwar nicht einer mustergültigen Demoausbilden zu lassen. nicht kleiner. Es waren ihre Eine ähnliche Strategie brachte bereits im Truppen. wenn es zu einem Konflikt kommt wie zugefallen. die Paul Collier. nicht zu vergessen. krieg politisch rechtfertigen. Philip Dingeldey. Für Ross gehört der amerikanische Jubel noch einer »abschließenden Zeit« an.Fehler. Wüsste sie. Die Operation sen – ein Fehler. aber zumindest keine Bedrohung Washingtons. Sepgrad zur Waffenruhe zwangen – es war viel. ren Kriegsverbrechen kam – war lehrt am Institut für Schon 1991 wurde der Volksmilitärisch so erfolgreich. was war. Mit wirkungsvoller Unterman koordinierte Angriffe. Ein Jahr. war bereits Clinton.de. beschloss Washington 2001 in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien erAfghanistan und 2003 im Irak den Großeinsatz halten hat. die in Kabul einmarschierten. sorgten auch die von Paris unterhaltenen Militärbasen in Afrika für Sicherheit – wie jüngst im Fall der Elfenbeinküste. Denn dort haben sich die französischen Schutzversprechen mit der Entsendung von Kampfhubschraubern als genauso glaubwürdig erwiesen wie die britischen Garantien für Sierra Leone. Doch die fahrlässige Auflösung der irakischen gleichfalls auf Luftschläge. sondern höchstens ein Erfolg innerhalb der gegenwärtigen Epoche. haben UN und Nato ebenfalls nicht viel mehr Staaten einschloss.stützung aus der Luft hätten sie sich selbst befreien shington und Brüssel dafür 78 Tage Bomben.für den Westen dargestellt hätte. Ergebnis Universität Bonn Despoten nicht länger dienen war der Vertrag von Dayton. London hat der Regierung in Freetown der eigenen Infanterie – mit fatalen Konsequen. Deutsche Atlantische Gesellschaft e. mehr ist nicht bekannt. sondern um einen neuen Höhepunkt dieser aufgeheizten Atmosphäre. studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT. Will der Westen auch in Konflikten wie in Libyen militärisch und politisch die Oberhand behalten. So hat der Sieg ausgesehen. westlicher Infanterie – rückblickend ein schwerer die Bosniens Serben und ihre Helfer in Bel. und dem.können. die kroatischen Streitkräfte im Kampf erreicht worden. Ihre Rolle übernahm die Kosovo. 19/11) entwirft Jan Ross ein optimistisches Bild von der Zukunft. führte die Nordallianz in Afghanistan.zugesichert.tember 2001. Der AlQaida-Chef war schlau genug. serbischen Truppen und der Partner fehlen. doch im Gegensatz zu seiner zuversichtlichen Prognose wird die Gefahr größer. die ihm vor Ort wie an der Heimatfront die politische Unterstützung sicherten. Nach den Langzeitstatistiken über 66 Konfliktherde. um ihn vor Gericht zu stellen – er wäre zweifellos verurteilt worden –. Damit schüren sie Rachegedanken. 20. was kommt. Hierzu zählten vor allem der Verzicht auf einen langwierigen Einsatz von eigenen Bodentruppen und die weitgehende Beschränkung auf Luftschläge und Waffenlieferungen – auch wenn sich dadurch der Krieg scheinbar in die Länge zog. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 WIDERSPRUCH Zu früh gefreut Der Terror ist noch nicht besiegt VON PHILIP DINGELDEY DAMALS: 1945 Vergessen Nur Ahnungslose träumen davon. dass Politische Wissenschaft aufstand im Süden des Iraks von sich die Serben zu Verhandlun. Wie wäre so ein strahlendes Glück in Moskau im Jahr 1945 möglich. In seinem Leitartikel Ein Krieg weniger (ZEIT Nr. spricht für das britische Stiglitz drei bis fünf Billionen Dollar gekostet – Modell. ein Nichts zwischen dem. mit eigenen Bodentruppen westlichen Interventionsmächten schließlich einzugreifen. der sich heute in – bei der es ebenfalls zu schweLibyen nicht wiederholen darf.bündete Afghanen hätten einen Staat aufbauen rikanischen Beratungsfirma für Militärfragen können. Zehntausende wurden verwundet. D.V. an der Universität Oxford zusammengetragen hat.Erfolg führen können: Zu Beginn des »Krieges gegen zulassen. in dem einzelne Zellen unabhängig von einer zentralen Figur agieren. Diese oppositionellen Doch um Symmetrie auf dem Kräfte hätten die Alliierten spätesSchlachtfeld und dann später tens bei ihrer Invasion 2003 föram Verhandlungstisch zu erreidern müssen. Anstatt bin Laden festzunehmen. der allerdings leicht in Misserfolg umschlagen kann. weil er sich zugleich Einsatzrestriktionen auferlegte. zusammen mit einer internatio. Und Länder wie das chaotische Jemen stehen bereit. Dies gelang ihm aber nur. und es war der Beschluss kratie geglichen. wollten. ein Ort. dentruppen in die Heimat zurückholen zu könIm Kosovo-Krieg beschränkte sich die Nato nen. ließen ihn die USA töten und unter Missachtung muslimischer Bestattungsbräuche von einem Flugzeugträger aus ins Meer werfen. Afghanistan den islamistischen Terrormehr die Entscheidung von US-Präsident Bill gruppen als Rückzugsraum zu nehmen. würde sie dann so lachen? Könnte er so tief versinken in ihren Geruch und das Gefühl ihrer Haut? Könnten sie beide das. kann es für den Westen hingegen Nato entschied die Allianz aus Albanern und notwendig erscheinen. Er schreibt. Das werden wir noch zu spüren bekommen. er sei ein Rückfall in das emotionale Klima von 2001. angriff stoppten. ehemaliger Forschungsleiter der Weltbank. Sierra Leone hat nicht nur Wahlen abgehalten. dann sollte er die Tradition britischer und französischer InVON THOMAS SPECKMANN terventionen in Afrika und das kluge Handeln der USA auf dem Balkan zu einer neuen Doktrin verschmelzen: In allen Fällen war Bedingung für den nachhaltigen Erfolg. damit bislang einen Allein der dritte Golfkrieg hat den amerikanischen Rückfall in den mehr als zehn Jahre währenden BürSteuerzahler nach Berechnungen von Joseph gerkrieg verhindert zu haben. setzt der Westen in Nordafrika auf die den Terror« beschränkten die USA ihre Operationen Überlegenheit seiner Luftwaffe und unterstützt gegen dieTaliban und al-Qaida auf den Einsatz von mit Geheimagenten. menschlichen wie materiellen Kosten muss daraus Anstatt sich die Strategie in Bosnien und im aber nicht entstehen. dann aber im Lage. Bei näherem Hinsehen ist dieses Szenario allerdings wenig realistisch. In Wirklichkeit erwies sich ebendiese Zurückhaltung als die schärfste Waffe.tige Sicherheitsgarantien. Der Wirtund ihre europäischen Verbündeten auf eine schaftsnobelpreisträger sieht in der ökonomischen Strategie besonnen. Fotos: Alexander Meledin/Mary Evans Picture Library/Interfoto.Schwäche seiner Heimat eine unmittelbare Folge des flikten erfolgreich war: Anstatt sich wie in So. die anderswo schmerzhaft fehlen.Norden des Iraks warteten 1991 wie 2003 kurpen zurück. was kommt. Auch im ten Gründen vor dem Einsatz von Bodentrup. Zwar mussten Wa. wie sie Sierra Leone von nen zu nehmen.Waffengangs im Irak. Ross gibt dies zwar zu. Die Schiiten wurden T H O M A S S PE C K M A N N Wirkung. in diesem Moment.) Mit gebremster Macht Die westliche Intervention in Libyen wird am Ende Erfolg haben – gerade weil sie auf Bodentruppen verzichtet In Libyen haben sich die Vereinigten Staaten Mittel. Nun werden selbst moderate islamische Kräfte radikalisiert und mobilisiert. Gemeinsam startete loswerden zu können. dass der Terror auf der ganzen Welt besiegt ist. im Angesicht dieser Vergangenheit und dieser Zukunft? Das Foto selbst ist ein undatierbares Dokument. die bereits in früheren Kon. um den Terroristen neuen Unterschlupf zu gewähren. Die Nordallianz und weitere vergegen die serbischen Truppen von einer ame. um rasch einen neuchen.POLITIK MEINUNG 12. die Zukunft entschlüsseln zu können. Der arabische Frühling könne sich entfalten. Wer widersprechen will.scheidung mit gravierenden Folgen. waren keine Bodentruppen des Westens en Staatsapparat aufbauen und die eigenen Boeingesetzt worden. Militär. mit dem Tod von Osama bin Laden ende auch die irregeleitete Vorstellung des war on terror als Epochenthema. Aber den Kampf In Krisenregionen. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit.dische Kräfte darauf. Auch letzt im Jahr 2000. So hat er sich angefühlt. Saddam Husseins Diktatur Befreiungsarmee UCK. ein Terrornetzwerk aufzubauen. Das ursprüngliche Ziel nach dem 11. Wie heute in Liby.und Soziologie der Soldaten mitgetragen. die dem gen bereit erklärten. wenn ihnen die vergangenen Jahre gegenwärtig wären? Die Gegenwart ist ein unmögliches Komprimat. malia. so verschwommen wie das Wissen über die Zeit seiner Entstehung. eine Gegenoffensive zu Kampf gegen die verbliebenen starten und mehr als die Hälfte Panzer und Kampfflugzeuge des von Bosnien-Herzegowina zuBagdader Regimes im Stich gelasrückzuerobern. wo militärisch schlagkräftige zwischen UCK.Air Force und Spezialeinheiten – wie nun erneut bei beratern und Waffenlieferungen die Streitkräfte der Tötung Osama bin Ladens. Nur wenige Wochen von den USA nach der Befreiung nach dem serbischen Massaker Kuwaits 1991 und angesichts der in Srebrenica waren die bosstark geschwächten Armee von nischen und kroatischen TrupSaddam Hussein zu offenem Wipen im Sommer 1995 in der derstand ermutigt. Ein Abzug aus Afghanistan wäre nicht sinnvoll. Heute. Der Erfolg. Eine Alternative sind langfrisKosovo zum Vorbild für kommende Interventio. dass umgehend Truppen eingeflogen zen: Bis heute sind Tausende alliierter Soldaten werden. amerikanische Invasion aufbauen lassen – und das Diese indirekte Form westbereits direkt nach dem zweiten licher Kriegsführung zeigte Golfkrieg. als die Briten einen Rebellenökonomisch sind derlei Einsätze ein Desaster. sondern auch einen Regierungswechsel friedlich überstanden. einem Politiker – oder einem ZEIT-Leser. Erst danach jugoslawischen Bürgerkrieg die Wende: Es wa. Ein langjähriges Engagement mit hohen für sich. Auch der Terrorismus ist mit bin Ladens Tod keineswegs am Ende. an diesem Ort. Afghanistan oder im Irak mit dem EinDabei hätte die amerikanische Strategie auf dem satz von Bodentruppen auf das Risiko eines Balkan auch am Hindukusch und am Golf zum langwierigen und verlustreichen Krieges ein. der Name des Fotografen. die schon damals islamische später. und doch ist dieses Foto ein Beweis ihrer Wirklichkeit.Sicherheitskräfte verhinderte dies – eine Fehlenten schreckte der Westen auch damals aus gu. In Wirklichkeit handelt es sich aber nicht um einen krönenden Abschluss. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor . Dies ist also leider nicht der Anfang einer neuen. und der Westen solle sich dabei bescheiden zeigen. Spezialeinheiten.begann die Stationierung von größeren Verbänden ren nicht allein die Bombardements der Nato. (u. will man das Land nicht in Schutt und Asche zurücklassen. zehn Jahre nalen Koalition. dass der Westen militärisch Partei ergriff und damit den Konflikt entschied. Den Krieg am Boden der verbündeten Konfliktpartei vor Ort. Sie wird es auch im Fall Libyens sein. verfasst von einem Redakteur. F. das UN-Waffenembargo erreicht – aber um welchen Preis? zugunsten von Bosniern und Kroaten de facto Auch im Irak hätte sich ein neuer Staat ohne aufzuheben. und nur Verrückte wünschen. Der arabische Frühling bedeutet nicht.

kultur VON NINA PAUER Widerspruch Auch nach dem Tod nom und Verhaltensforscher? Vogel reagiert auf bin Ladens Tod VON ANNABEL WAHBA DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein WISSEN 37 Plagiatsaffäre Eine Reform Zucker und Wahn VON CHRISTOPH DIECKMANN weltoffenes Islamzentrum gründen.de Foto: AllzweckJack/Photocase von bin Laden lebt der Terrorismus weiter VON PHILIP J. Plötzlich gilt er als Verfassungsfeind VON ALBRECHT METZGER 20 WOCHE NSCH AU Eurovision Song Contest Die Vergeltung Ein junger Amerikaner über die Jubelvideos aus seiner Heimat VON PATRICK BRUGH Heuchelei Merkels Kritiker der Promotion ist nötig Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit VON THOMAS VAŠEK REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Sein »Königreich der Kunst« entzog sich zwar den Realitäten der politischen Welt. in denen Selbstkontrolle funktioniert. Essay-Sammlung und ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra VON KATRIN GÖRINGECKARDT UND JOSEF JOFFE lasten von altersblinden Patienten Milliarden VON NICOLA KURTH Atompolitik Was der Chef von Greenpeace International will 29 Lebensmittel Ein Internetportal ein Bildband VON A. DINGELDEY beeinflussen Richter kaum. RIETZ 39 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen VON BURKHARD STRASSMANN Reisende Max Frisch ein Zuhause VON BERNADETTE CONRAD 40 GESCHICHTE 21 Ausstellung Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. BÖHM 54 Essay Eberhard Straub Generation Rösler Passen für Verbraucher ärgert die Industrie VON GUNHILD LÜTGE »Zur Tyrannei der Werte« VON HUBERT WINKELS Familie und Politik zusammen? VON TINA HILDEBRANDT nah 30 Kika-Skandal Gegenseitige Roman Nicolas Dickner 7 8 FDP Ein Gespräch mit Philipp Schuldzuweisungen Soziale Netzwerke VON A. sagt sie dann. Museen und Galerien (Seite 45).zeit. aber verrückt war der Mann keineswegs: Eine große Ausstellung in Herrenchiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. 27 Kinderarmut Die Not ist viel 3 4 Foto: Anatol Kotte für DIE ZEIT geringer als bisher gedacht. Link-Tipps (Seite 28).radioeins. Das aktuelle ist zu sehen auf Seite 2/3 Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen 55 Margaux Fragoso »Tiger. Zeitmaschine VON U. getanzt von Sasha Waltz VON CLAUS SPAHN Kunst Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG 10 Italienische Lektionen Warum 33 Lettland Ein Krisenopfer kommt Neapel im Müll versinkt VON ROBERTO SAVIANO auf die Beine VON JAN PALLOKAT 34 Ratenzahlung Versicherer Gutes Gras: Blumen werden überschätzt. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 80) Flüchtling zu sein VON A. doch schon genug Bilder von ihr. LAMPARTER Kunst und Zensur Der Mut »EINE STUNDE ZEIT« iranischer Filmregisseure 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal VON THOMAS ASSHEUER Wörterbericht/Das Letzte 95 LESE R BR I E F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT.de/brief Historiker Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch noch die meisten Laster bauen VON DIETMAR H. Angeblich weiß sie. TITEL Thema: Die Angst vor Alzheimer 14 AUSGABE: 51 Fernsehen Gespräch mit RTL- nur die Autokonzerne zu fördern VON PETRA PINZLER Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100.zeit.-BRUNO KAMMERTÖNS . MAROHN »Tarmac« VON CATHARINA KOLLER »Ein Ausbüxen gibt’s nicht mehr« Dass gemeinsam mit Interviewern meist auch Fotografen anrücken.zeit. sagen Forscher VON KOLJA RUDZIO 28 Pharma Die Industrie verdient zu- Wiederbegegnung mit dem jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 53 Biografie.de/ziviles-netz Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE Bayern feiert Ludwig II. an dem er fast ertrunken wäre 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG »Die Lebenden sind Legenden« 12 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE 59 Kunstmarkt Mit Asiatika erzielt Finanzkolumne 35 Kohle Deutschland sollte die das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde VON TOBIAS TIMM Museumsführer (101) Das Volkszählung Warum der Zensus niemanden aufregt VON S.de/audio CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 96 ZEIT DE R LESE R Anzeigen in dieser Ausgabe Spielpläne (Seite 19). SPECKMANN Kulturkanäle Das neue Fernsehprogramm zdf. es gebe.. SCHNABEL 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft VON CHRISTOPH DRÖSSER Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen VON WINFRIED SCHUMACHER 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei 44 Der Medienforscher Michael Stoll ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-alsauch-dagegen VON RALF ZERBACK Foto: Thomas Rabsch/RTL über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. längst gibt es dort Räume. Zu Besuch bei seiner legendären Familie Kulinarische Wüste: Wolfram Siebeck reist durch Ägypten und kostet aus der Küche der Revolution Der Schauspieler Robert Hunger-Bühler über den Tag. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL FEUILLETON SEITE 51 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Worte der Woche Stimmt’s/Erforscht & erfunden Mario Draghi 25 Staatsschulden Der Harvard- im Geisterreich der Moral VON ADAM SOBOCZYNSKI 24 Macher und Märkte 54 Taschenbuch 56 Impressum 61 Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. SCHMIDT CO₂-Speicherung ausprobieren VON CHRISTIAN TENBROCK Justiz Eine milde Anklage im Fall Museum Rade am Schloss Reinbek VON SVEN BEHRISCH 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« VON GÖTZ ALY des Berliner U-Bahn-Schlägers Abb. Nach dem Gespräch – es ging um die Energiefrage – waren sich die ZEIT-Redakteure Giovanni di Lorenzo und Bernd Ulrich (oben im Büro der Kanzlerin) einig: Frau Merkel hat mehr Gesichter. Öko- 62 GLAU BE N & ZW EIF E LN Islamismus Der Prediger Pierre Foto: Marco Valdivia sich über die arabischen Revolutionen VON GEORG BLUME Nachruf Zum Tod von Gunter Sachs VON H.IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland 26 Elektroauto Warum es falsch ist. sagt Anwalt TOBIAS GOSTOMZYK 36 Was bewegt . ISENSCHMID Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT 20 12.und Jugendbuch – die Politik ist überfordert VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« Microsoft Der Kauf von Skype FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen RUBRIKEN 2 44 Früher informiert! Die Quotenfrau Mit Formaten wie »Deutschland sucht den Superstar« hat sie die Konkurrenz überholt.8 MHz) und www. und Gemeinschaften. dem kostenlosen Newsletter www. GESCHICHTE SEITE 21 Geschichte eines Liedes aus Island – und wovon Europa singt VON D.. STEINBORN UND C. unter www. hält Bundeskanzlerin Angela Merkel grundsätzlich für überflüssig. grob und unfair? Nein. Tiger« VON IJOMA MANGOLD Industriespionage wird erleichtert VON ULRICH HOTTELET 56 31 Telekom-Aktie Das Urteil in 9 Syrien Tagebuch einer Dissidentin VON RAZAN ZEITOUNEH Ägypten Die neue Regierung dem Massenverfahren steht bevor VON MARCUS ROHWETTER 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 32 Tunesien Der schwierige kämpft gegen religiöse Gewalt VON MICHAEL THUMANN wirtschaftliche Neubeginn VON KARIN FINKENZELLER 58 Brüssel Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«.: Haus d. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95. glaubt der Landschaftsarchitekt Peter Wirtz. als sie zeigen möchte. Bayerischen Geschichte/Augsburg ThyssenKrupp Der schwerfällige VON HEINRICH WEFING 13 Libyen Wie der Westen erfolg- Konzern startet den lange fälligen Umbau VON JUTTA HOFFRITZ Prozesse Medienkampagnen reich sein kann VON T. Fotograf Anatol Kotte durfte trotzdem bleiben – für wenige Minuten. MAI 2011 5 6 Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge VON A. Armin Falk. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Das Netz zivilisiert sich selbst Das ganze Internet krawallig. in denen Menschen respektvoll miteinander umgehen www. BÖHM WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt 48 Kinder.

Nur wenn er auf die Kanzel steigt. Aber vier Jahre später. »Wie Sie sicherlich in der Presse mitverfolgen. Progressiven Muslimen gilt Idriz als Hoffnungsträger. ein zweistöckiger Bau aus Kalksandstein mit großen Fenstern und einem Minarett. Arabisch und Deutsch. eloquent. Sieben Jahre später schrieb er sein Diplom zum Thema »Emanzipation der Frau im Islam«.DOSSIER WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest: Wovon Europa singt S. Schließlich gibt es genug islamische Geistliche in Deutschland. Er versteht sich als europäischer Muslim. Jahrestag des Grundgesetzes. die Stadt München sei informiert. Die kleine Moschee am Ortsausgang liegt inmitten eines Gewerbegebietes. und er wird sich fragen: Was ist nur mit mir geschehen? Und warum? Von Penzberg aus. wird Imam Idriz als Feind der deutschen Verfassung gelten. Im Gebetsraum der Moschee (Bild oben) dürfen auch Frauen beten Benjamin Idriz kam 1994 nach Penzberg und trat bald darauf seine Stelle als Imam an. tolerant. Das Minarett hat deshalb keine Spitze. Er hat eine Buch mit dem Titel Grüß Gott. aus Bosnien.« Der Imam sucht Unterstützung für ein Islamzentrum. setzt er sich einen weißen Turban auf und legt einen schwarzen Umhang um. kleidet sich mit T-Shirt und Jeans. 21 12. Ein Imam steht der Gemeinde vor und hält jeden Freitag die Predigt. Moscheen. Idriz will der islamischen Welt den »Geist der Erneuerung« bringen. Erste Kontakte mit der bayerischen Staatsregierung »sind bereits erfreuend zu A verzeichnen«. so geht es los. Er ermahnt die Männer. oft predigt er die Vorzüge der Demokratie. fährt der Imam in seinem Brief fort. das die Süddeutsche Zeitung in den höchsten Tönen lobte. ist als solche erst auf den zweiten Blick zu erkennen. zum 60. Er wird einen Rechtsanwalt engagiert haben und Gerichtsprozesse führen. Jetzt möchte der Imam den Innenminister treffen. 1972 wurde er in Makedonien geboren. aus dem Nahen Osten einstellten. 2005 eröffnete die Moschee. Bosnisch und Albanisch – Ausdruck der nationalen Vielfalt der kleinen Gemeinde des Imams. welche die Söhne den Töchtern vorzieht. Mit 15 ging er nach Damaskus und besuchte ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt islamischer Theologie. fragte sich Idriz. Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg. ihre Frauen gut zu behandeln. Englisch. Herr Imam! geschrieben. mag er nicht. Als Absender steht oben rechts die Islamische Gemeinde Penzberg. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 15 Unter Verdacht Ein Imam aus Bayern will ein weltoffenes Islamzentrum in München gründen. 16 Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . Die Penzberger Moschee. kann man schon die Umrisse der Alpen am Horizont sehen. Sein Gesprächsangebot versteht er als vertrauensbildende Maßnahme. oder fürchten Staatsschützer nur den Islam? VON ALBRECHT METZGER m 25. Mai 2007 schreibt Imam Benjamin Idriz einen Brief an den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein. Noch glaubt der Imam. um ihm von einem neuartigen Plan zu berichten. er spricht fließend Makedonisch. wenn Christen kämen und eine Kirche mit extra hohem Kirchturm errichteten?«. Bis 1966 war ein Kohlebergwerk der größte Arbeitgeber. eine Zugstunde südlich von München. weil Idriz nicht provozieren will. Zwangsheiraten hält er für einen Rückfall in die Steinzeit. Es habe schon zwei Treffen mit Münchner Muslimen gegeben. das er in München gründen möchte und in dem er muslimische Geistliche in deutscher Sprache ausbilden lassen will. setzt die Islamische Gemeinde in Penzberg seit Jahren auf die Schwerpunktarbeit einer gesunden Integration von Muslimen in die hiesige Gesellschaftsverordnung. dass der Islam zu Europa gehört und mit den Werten der Aufklärung vereinbar ist. 20 GESCHICHTE Große Entkitschung: Wer war Ludwig II. später der Schweizer Pharmakonzern Roche Diagnostics. Imam Idriz ist der Muslim. verurteilt er. sagt Idriz. Doch plötzlich gilt der Prediger als Verfassungsfeind. Als die Firmen Menschen aus der Türkei. »Was würden Muslime im Nahen Osten denken. Benjamin Idriz. den sich Deutschland wünscht: weltoffen. in den Sprachen Deutsch. und 2009. wirklich? S. Er hat seiner Moschee sogar einen deutschen Namen gegeben: »Islamisches Forum«. Bosnisch. die nach islamischen Eroberern benannt sind. »Es muss darum gehen«. Idriz trägt stets ein mildes Lächeln im Gesicht. findet er. im Mai 2011. Die rechtlichen Anweisungen im Koran müssten aus ihrer Zeit heraus verstanden werden. lobt er das politische System der Bundesrepublik. die ungleiche Erbverteilung. gegenüber ein Autohändler. Bedroht er den Staat. Fortsetzung auf S. nebenan ein Getränkemarkt. Der Imam will Deutschland beweisen. dann siedelte sich der Lkw-Hersteller MAN an. Arabisch. Idriz rechnet sich nicht zu ihnen. Türkisch. Den Bauplan sprach er mit dem Bürgermeister ab. Türkisch. ein »europäisches Klima der Offenheit«. die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. er sei ein unverdächtiger Mann. das »Projekt fand großes Interesse und stieß auf einen positiven Anklang der Teilnehmer«. Politiker aller Parteien sind begeistert. »Sehr geehrter Herr Innenminister«. Seiner ruhigen Stimme hört man gerne zu. gilt als Erneuerer. wurde auch der Islam heimisch in Penzberg.

Kenner der islamischen Szene bezeichnen Ibrahim el-Zayat als Strippenzieher. Allerdings sagt er jetzt. Aus Penzberg ist neben Imam Idriz auch Bayram Yerli gekommen. Im August 2007 glaubt Imam Idriz immer noch an ein Missverständnis. bekommt eine Zusage – und kurz darauf eine Absage: Der Innenminister sei verreist. Aber du kannst nicht sagen. Seine Worte provozieren die mächtigen Verbände und konservative Muslime gleichermaßen. was genau der Verfassungsschutz verfolgt: Was konkret wirft man ihm vor? Braun trifft sich mit Innenminister Herrmann. die sich vom Extremismus distanzieren wollen. »Einen negativen Automatismus gibt es nicht. Das Treffen findet in den Räumen des Verfassungsschutzes im Innenministerium statt. Er wächst sich zum wichtigsten Beweisstück aus. Er will aber nicht aufgeben. inzwischen ein grau melierter Herr von 63 Jahren. dass die IGMG verfassungsfeindlich ist. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Extremismus distanziert. wenn du gemeinsam mit dem Innenministerium der Meinung bist. in der Imam Idriz das Unterschriebene relativiert.« Das sind die Worte. andernfalls werde man das Treffen als gescheitert betrachten. Am 1. sagen die Penzberger. Er will kämpfen. Doch dann passiert etwas. sodass die islamische Kultur erstarrt ist. die Islamische Gemeinde sei eine Zelle von Milli Görüș. Viele Medien greifen das Thema auf. meint der Anwalt. dass Imam Idriz mit Extremisten gemeinsame Sache mache. In dem Schreiben sollen die Penzberger erklären. Mohammed Mahdi Akef.und Integrationskurse. hätten im Laufe der islamischen Geschichte »texttreue Dogmatiker« die Vorherrschaft bei der Koranauslegung übernommen: »Sie verteufelten im Namen der Herrschaft des Textes die Realität und die Vernunft. die Verhandlungen über sein Projekt laufen weiter. Idriz sucht den Kontakt zu den christlichen Gemeinden in Penzberg. März 2006. eine schillernde Figur in der islamischen Szene. Er schreibt: »Dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz liegen Erkenntnisse über die Zuordnung der Islamischen Gemeinde Penzberg e. Der damalige Führer der ägyptischen Muslimbrüder. der als extremistisch gilt. der in Moscheen normalerweise den Männern vorbehalten ist. Geblieben sind all die Ministerialdirigenten und Ministerialräte. er hat mehrere Jahre lang im Bundestag gesessen. wer du sein möchtest. Was soll ich tun?« El-Zayat: »Du musst das richtigstellen. Es ist nicht deine Angelegenheit.16 12. Noch am selben Tag veröffentlicht das Innenministerium die Erklärung auf seiner Website. dass sie verfassungsfeindlich sind. sagt er. Einer seiner Unterstützer ist Alois Glück. Das Innenministerium habe die Unterschriften zur Bedingung gemacht. März 2008 der bayerische Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2007 veröffentlicht wird. Demnach sagte el-Zayat: »Du musst dich fragen. Als der neue Innenminister vereidigt wird. heißt es in dem Bericht. Eine islamische Organisation als »verfassungsfeindlich« zu bezeichnen wäre jedoch sehr ungewöhnlich für einen Imam und könnte ihm von muslimischer Seite viele Anfeindungen einbringen. Diese kontroverse Welt möchte Idriz nach München exportieren. Der windet sich und rät dem Anwalt. Fortsetzung von S. gebe Anlass zu der Befürchtung. schöpft er Hoffnung: Joachim Herrmann war CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. Es handelte sich um eine Koranrezitation. Im März 2009 wird der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2008 vorgestellt – und wieder steht die Islamische Gemeinde Penzberg e. und das Gespräch ist beendet. und wer als verfassungsfeindlich gilt. Sie sind nicht glücklich mit der Presseerklärung und beschließen. sie wisse nicht mehr genau. Den jährlichen Unterhalt in Höhe von 500 000 Euro will Idriz jedoch ohne ausländische Hilfe finanzieren. sagt Imam Idriz heute: Die Penzberger Moschee stehe immer offen. Beide machen im Gespräch mit der ZEIT keinen Hehl aus ihrem Misstrauen gegenüber Idriz und seinen Plänen.und Unterstützungsgemeinschaft. Er verliert den Prozess. zum Beispiel für Deutsch. Das stimme mit den Methoden der IGMG überein. der ihn noch Jahre später verfolgen wird. Der Emir von Schardscha hat bereits die Moschee in Penzberg mit 2. Er hat es mit einer Bürokratie zu tun. Idriz liest den Brief und ist geschockt. aber er weiß noch nicht. die Bezeichnung sei eine zulässige Meinungsäußerung. einer aus Saudi-Arabien stammenden Jugendorganisation. die Staatsschützer von sich überzeugt zu haben. In einem unterwürfigen Brief an Staatssekretär Schmid bedauert er die »Irritationen« über sein Konzept und bittet erneut um ein Gespräch. Am 21. Trotzdem glauben die Verfassungsschützer in Bayram Yerli einen Islamisten vor sich zu haben. Von dem Vorfall gibt es zwei Versionen. der sich allerdings bald auflöst. was genau gegen die Penzberger vorliegt.« Idriz hofft jetzt. dass die Islamische Gemeinde Penzberg aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen wird. kann nicht darauf hoffen. wenn er mit einem Imam verhandelt. Yerli ist ein Schlosser. betont Ude. der ihm nicht vertraut ist. Wer ist der Benjamin Idriz? Möchtest du jemand sein. Idriz bittet um ein Gespräch. zum Beispiel von der evangelikalen Autorin Christine Schirrmacher und dem Amerikaner Mark A. Die Staatsschützer sehen weitere Verbindungen zu den türkischen Islamisten: Bevor die Islamische Gemeinde Penzberg 1994 entsteht. in Zukunft keine Probleme mehr zu bekommen – auch wenn islamische Organisationen wie Milli Görüș ihn jetzt für einen Lakaien der Staatsschutzbehörden halten. Gabriel.« Imam Idriz kommt sich vor wie in einem Hamsterrad: Er läuft und läuft und kommt nicht voran. Das Innenministerium sieht die Sache anders: Diese Begebenheit bestätige die Nähe der Penzberger zu Milli Görüș. vor Gericht zu ziehen Imam Idriz hat noch nie einen Verfassungsschutzbericht in den Händen gehalten. Deshalb gebe es auch keinen Gesprächstermin beim Minister. das später eingestellt wird. ohne sich beraten zu können. Der Imam will kämpfen. wo jemand. »dass es sich bei der IGMG um eine Organisation mit verfassungsfeindlicher Zielsetzung handelt«. Idriz glaubt nun. Geboren und aufgewachsen in Deutschland. dass Herrmann sich daran erinnern und mithelfen werde. die offensichtlich den Beteuerungen des Imams aus Penzberg nicht glauben. im April 2005 verklagt er die damalige CDU-Abgeordnete Kristina Schröder. Dennoch. um für die Zukunft eine neue Bewertung zu ermöglichen«. Bei Idriz meldet sich Ibrahim el-Zayat. Frisch sagt heute. dass er aus diesem Bericht gestrichen werde. Es sei umgehend entfernt worden. Ende der Debatte. Doch Idriz versteht nur wenig vom Innenleben eines Innenministeriums. wofür du stehst. und Staatssekretär Georg Schmid aus dem bayerischen Innenministerium weist auf die Verbindungen zu Milli Görüș hin. Er kritisiert die islamischen Verbände in Deutschland für ihre Fixierung auf ihre Herkunftsländer. wenngleich der Vereinsvorsitzende Bayram Yerli mittlerweile Schreiben vorgelegt habe. doch im Berichtsjahr habe die Gemeinde erneut für eine Veranstaltung der Islamisten in Ingolstadt geworben. dass du sie nicht unterstützt. nichts mit Milli Görüș zu tun zu haben. die auch die etwa 300 Moscheen der Islamischen Gemeinde Milli Görüș verwaltet.« Idriz geht noch weiter. »Sie sind ein erster und auch notwendiger Schritt Ihrerseits gewesen. Sie begrüßt den Anwalt Braun mit den Worten: »Eigentlich treffen wir uns nicht mit den Objekten unserer Beobachtung. Allerdings lernt der Anwalt etwas über das bayerische InnenFortsetzung auf S. Wolf-Dieter Remmele. In der modernen Moschee hängen nur wenige religiöse Symbole. Noch hält die Stadt München zu Idriz. »Diese Verantwortung obliegt allein den zuständigen Behörden«. die Staatsbeamten auf Lebenszeit. mit dem das bayerische Innenministerium belegen will. einem Gegner. Als am 30. Und so bleibt unklar. die sie sofort unterschreiben sollten. Auch Ministerialrätin Marion Frisch ist wieder dabei. Ibrahim el-Zayat selbst bestreitet jegliche Verbindungen zur Muslimbruderschaft. ein Vorgang. der Vater ist Ägypter. Der Anwalt ist über die Begrüßung pikiert. gibt es dort einen Ortsverein von Milli Görüș. womit die Besucher nicht gerechnet haben. aber was ist die Lösung?« El-Zayat: »Das Richtige zu sagen. schreibt der Ministerialdirigent. es sei nicht seine Aufgabe. meint der Imam. Zur Zeit des Telefonats läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Da sind vor allem der Ministerialdirigent WolfDieter Remmele und die Ministerialrätin Marion Frisch. Er bekommt keine Einsicht in die Akten des Verfassungsschutzes. ist Staatssekretär Georg Schmid längst nicht mehr im Amt. Die Geschichte lasse sich leicht aufklären. Außerdem hofft Idriz auf Zuschüsse der Stadt München. der dem Verfassungsschutz bekannt wird.« Gemeint ist offenbar Bayram Yerli. bei denen direkte Bezüge zur eigenen Organisation fehlten. gilt als verfassungsfeindlich. von staatlicher Seite unterstützt zu werden. in der er sich erneut vom Foto: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . ein Vordenker der Partei. das Milli-Görüș-Plakat angebracht habe. müsse schleunigst daran arbeiten. »mit denen er um Streichung des Vereins aus dem IGMGRegister bittet und seine persönliche Mitgliedschaft ab März 2006 kündigte«. Aber selbst Oberbürgermeister Christian Ude macht sich angreifbar. gesellschaftliche Akzeptanz zu suchen und Ortsvereine zu gründen. Dass ausländische Geldgeber das Projekt finanzieren wollten. außerdem sollen sie sich verpflichten. aber er weiß noch nicht. nachdem es entdeckt worden sei. Bei der Imam-Ausbildung in deutscher Sprache will er mit deutschen Hochschulen kooperieren und hofft auch hier auf öffentliche Gelder. er solle das Gespräch mit den zuständigen Beamten suchen. Erst sein Rechtsanwalt macht ihm klar: Wer im Verfassungsschutzbericht auftaucht. Juli 2007. heißt es im Verfassungsschutzbericht. Nach vier Stunden glauben die Penzberger. was ihre Worte waren. es gehe nicht mehr nur um einen Dialog. der IGD. der frühere CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. Im zentralen Gebetsraum. Du musst wissen. schreibt er. Der Bau selbst würde um die 30 Millionen Euro kosten. Bis zum Januar 2010 ist er Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Deutschland. es geht um Spenden an die islamistische Hamas in Palästina. Die Gemeinde sei ein Beispiel für »formal nach außen hin vollzogene Distanzierungsbemühungen« gegenüber Milli Görüș.5 Millionen Euro unterstützt. V. der sich gegen die Muslime wendet?« Imam Idriz: »Ich sage doch. Trotzdem hält der Ministerialdirigent Remmele an dem Vorwurf fest. darin. Idriz’ geplantes Islamzentrum in München. Unter Punkt 5 soll sich Imam Idriz von jeglichen islamistischen Organisationen distanzieren. die ihn als »Funktionär der Muslimbruderschaft« bezeichnet hat. Idriz. Sein Verein sei noch im Jahr 2004 auf Mitgliedslisten von Milli Görüș geführt worden. beten auch Frauen. dass dir islamische Organisationen in Zukunft helfen. In jedem Fall kommt es zur Unterschrift. bezeichnet Ibrahim el-Zayat im Februar 2007 als »Chef der Muslimbrüder in Deutschland«. dann kannst du aber nicht damit rechnen. heißt es nun. Du kannst ja sagen. Andere Muslime halten den Imam jetzt für einen Lakaien des Staatsschutzes Aus der Sicht des Innenministeriums war alles ganz anders: Demnach sind es die Vertreter der Islamischen Gemeinde Penzberg. der als Kind aus der Türkei nach Deutschland kam. sondern um Freundschaft. zuletzt in einem Brief vom 14. Wenige Wochen später lobt Staatssekretär Schmid in einem Brief die Distanzierungen der Penzberger von Milli Görüș. schrieb Herrmann zurück: »Das von Ihnen angestoßene Projekt ist sehr interessant und sollte auf jeden Fall Gegenstand eines intensiven und kontinuierlichen Dialogs zwischen Ihnen und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag bleiben. Er soll herausfinden. Am selben Abend noch erhält Idriz einen Anruf. Außerdem ist er Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau. Die Münchner Polizei hört also mit und schneidet das auf Deutsch geführte Gespräch mit. eine zweite Presseerklärung zu veröffentlichen.« Tatsächlich veröffentlicht Idriz am nächsten Tag eine Presseerklärung. ohne zu fragen. August 2007 macht das Innenministerium in einer Presseerklärung seine Bedenken gegenüber Idriz’ Projekt »Zentrum für Islam in Eu- Alois Glück von der CSU rät den Muslimen. aus dem Vereinsregister entfernt zu werden. 15 »eine Verbindung zwischen der Lehre und der Wirklichkeit herzustellen – eine auf die Bedingungen unserer Zeit passende Antwort: Was hat Gott gemeint?« Leider. Mehrfach verlangen die Penzberger. andere islamische Organisationen zu beurteilen. um ihr Münchner Projekt nicht zu gefährden. könne nicht unterstützt werden. habe ihnen eine Presseerklärung vorgelegt. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Penzberg. die auch der dortige Oberbürgermeister besuchte – ein Mitglied der CSU. an die Braun sich erinnert. denn die IGMG wird als extremistisch eingestuft. 1985 trat er in Bad Tölz einer Gemeinde der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüș (IGMG) bei. jeder könne ein und aus gehen. »Als Imam können Ihnen die Verbindungen dieser Gemeinde zur IGMG nicht verborgen geblieben sein«. was auf ihn zukommt Am 24. Marion Frisch. V. heute Bundesfamilienministerin. die in Kairo ihren Ursprung haben und bis zum Umsturz des Mubarak-Regimes offiziell verboten waren. Auch davon erfährt der Verfassungsschutz. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. Der katholische Pfarrer sagt dasselbe. antwortet ihm das bayerische Innenministerium. Die Gelegenheit dazu kommt schneller als erwartet: Der Staatssekretär schlägt den 13. Sie ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes der verlängerte Arm der islamistischen Muslimbrüder. Die Vermischung von Religion und Herrschaft habe dort zur »Entstehung und Zementierung von Despotien« geführt. und nachdem Idriz ihm zu jener Zeit die Entwürfe seines Zentrums geschickt hatte. schreibt Schmid. Die Penzberger aber gehen in den Pizza Hut am Münchner Hauptbahnhof und diskutieren. und von Führungsmitgliedern der Gemeinde zu der islamistischen Organisation IGMG vor. Allein für das neue Grundstück in zentraler Lage in München veranschlagt Idriz bis zu zehn Millionen Euro. Staatssekretär Schmid nimmt teil sowie die Sachgebietsleiterin Ausländerextremismus. man sieht einige Frauen mit Kopftüchern und einige ohne. Seit 1994 sitzt er auf seinem Posten. Als Finanziers nennt der Imam Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Imam Idriz: »Ich bin ja deiner Meinung. sie geben Männern die Hand. Das Innenministerium. Glück hält Idriz für einen Hoffnungsträger im Dialog der Religionen. neue Tatsachen müssten natürlich neu geprüft werden«. Jetzt schaltet Idriz seinen Anwalt Hildebrecht Braun ein. dass ich damit nicht einverstanden bin. der Imam bläst seinen Urlaub in Makedonien ab. aber auch keinen fahrlässigen Umgang mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. »Die bisherige Nennung im Verfassungsschutzbericht konnte alle anderen Eindrücke und Informationen nicht widerlegen. 17 Imam Benjamin Idriz (oben) beim Freitagsgebet im Gebetsraum der Moschee im bayerischen Penzberg ropa München« (ZIEM) öffentlich. März 2005 schließlich kündigt er schriftlich seine Mitgliedschaft bei Milli Görüș. durch Mitgliedsbeiträge und die Verpachtung von Läden und einem Restaurant im neuen Zentrum. August vor. er hat sich der Bewertung der Staatsschutzbehörden anzuschließen. Am 12. unterschrieben hat Ministerialdirigent Dr. sagt der Imam. Februar 2009 trifft Braun unter anderem den Ministerialdirigenten Remmele. der Regionalverband Südbayern von Milli Görüș führt danach die Islamische Gemeinde Penzberg als Ortsverein in seinem Register weiter. Er bleibt auch dann Mitglied. dass ein »fundamentalistisch geprägtes Islamverständnis« dahinterstecke. einzelne islamische Gemeinschaften für verfassungsfeindlich zu erklären. Gleich links neben dem Eingang hänge ein Schwarzes Brett. für die FDP. Die Presseerklärung sei in beiderseitigem Einvernehmen erarbeitet worden. »unter der Trägerschaft einer extremistischen Bestrebung«. künftig keine Milli-Görüș-Mitglieder in ihren Reihen zu »dulden« beziehungsweise sie »auszuschließen«. In der Bibliothek stehen neben islamischen Klassikern die Werke von Islamkritikern. als er nach Penzberg zieht und sich der Gemeinde von Imam Idriz anschließt. Jahrelang ist er Europavertreter der World Assembly of Muslim Youth. zwei Monate nachdem Idriz den Brief abgeschickt hat. was auf ihn zukommt.

Was wäre. ZEIT: Schafft sich der Verfassungsschutz mancherregt schon den Verdacht. war vielleicht in den fünfziger Jahren angemesZEIT: Was sind die Quellen des Verfassungs. wer einislamische Ordnung in Deutschland errichten fach Geld braucht. Juden und Muslime. ist das mit Vorsicht zu genießen. die beide eindeutig die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen möchten. Informanten. Auch wer für die Be. wo aus ten. weil man Europa-Universität Milli Görüș gesagt. die offensichtlich inspiriert seien von der islamfeindlichen Website Politically Incorrect. Er ist das einzige nichtmuslimische Mitglied im Vorstand von ZIEM. Sie wollen eine einstweilige Anordnung erwirken. es gebe Prosolche hoch individualisierten Viadrina in bleme mit gewissen antisemitiProzesse nicht beobachten kann Frankfurt (Oder) schen Äußerungen von Imamen. um die eigene gesellschaften bilden und die jungen Leute in Existenz zu rechtfertigen? Distanz zur gesellschaftlichen Ordnung der Schiffauer: Kurz nach dem 11. Sie halten sich an die Gesetze und verzichten auf Gewalt. ein Dialogforum für Christen.ZEIT: Wozu brauchen wir den Verfassungssen. Der Verfassungsschutz ist aber nicht politisch unabhängig. Wimmer ist seit Langem im interreligiösen Dialog engagiert. sagt er. er wolle Parallel. Die haben ein Berufsethos als unabhängige Ermittler. in einer Zeit mit vielen alten Nazis und einer kommunistischen Gefahr im Kalten Krieg. Den- noch unterstellt man ihnen. Und die haben. die sich den dann viele junge Islamwisim Internet selbst radikalisiert senschaftler eingestellt. Professor für Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen. übertreibe der Verfassungsschutz seine Informationen unzulässig. so der Religionswissenschaftler. Heide Fest (r. fragt etwa Mathias Rohe. säßen Beamte. Schwieriger wird es beim sogenannten legalistischen Islamismus. der bei Festen die Moschee in Lederhosen betritt. Die sind von Natur aus problematisch. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 17 »Da wird ein Popanz aufgeblasen« Um sich selbst wichtiger zu machen.Verfassungsschutz könnte als überflüssig betrachtet werden. Indizien dafür sind dann oft per. Seine Frau ist Palästinenserin. Ein solches Eilverfahren dauert normalerweise wenige Wochen. sondern Muslime. Eigentlich soll aber das Verfassungsgericht darüber entscheiden. etwa um Pläne zu einem Attentat. dezentes Minarett: Die Penzberger Moschee soll Offenheit ausstrahlen Fortsetzung von S. Das Vorgehen des Innenministeriums bringt auch Idriz’ christliche Freunde auf. befriedigen. Idriz’ alter Freund Alois Glück von der CSU rät den Penzbergern. da sagte ein Amtschef: Die schweren Zeiten sind vorbei. Damit hat der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit eine Rolle übernommen. den Herkunftsländern – etwa mit den Muslim. Ich kenne Fälle.nachgehen. der der letzten Jahre waren entfremdete und ent. Das soll. er hat in Jerusalem an der Hebräischen Universität studiert. der zur Zeit des Kriegs im Irak Solidarität mit dem irakischen Volk fordert. die dann im Innenministerium die Behördenleiter rauf und runter gehen.« Und dann habe er noch von der hohen Geburtenrate der Muslime gesprochen. der zur Rekrutierung von Selbstmordattentätern aufruft. die sich für die Integration eines konser. deren Methoden man mit der »antisemitischen Hetze« früherer Zeiten vergleichen könne. hat Bedenken.Professor Werner den. zu zeigen. Er ist zur Prüfinstanz der Verfassungstreue geworden. ihnen könnte die Moschee genommen werden. Auf die Frage. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat er die »Freunde Abrahams« gegründet. auch wenn es die Fal. Bloß seien diesmal nicht Juden die Opfer. Dieses allgegenwärtige Misstrauen vativen Islams in die Gesellschaft einsetzen. sind sie meist schnell wiescheinbar unbedenklichen Äußeder ausgestiegen. wer von seiner eigenen Das Gespräch führte JÖRG LAU . war ich einmal bei einer Tagung des VerfasZEIT: Ist das plausibel? Verläuft so die Radikali. dass man etwas tut. Solche Leute können zwar zu wollen. ZEIT: Diese Ermittler liefern Belege für eine politische Wertung. ZEIT: Wie entsteht ein Verfassungsschutzbericht? Schiffauer: Die Mitarbeiter fassen aufgrund verschiedener Quellen – vor allem von Informanten und Publikationen – Erkenntnisse zusammen. im Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden? Werner Schiffauer: Das kommt einem Urteil gleich.benötigt werden.sen. um stark bestimmt. kritisiert der Sozialwissenschaftler Werner Schiffauer Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. Das ist für die Sicherheit unseres Landes schutz? Was wäre seine Aufgabe? kontraproduktiv. September 2001 Bundesrepublik bringen.) DIE ZEIT: Was bedeutet es für islamische Ge- Große Fenster. Auf einer Tagung hat zum te den Sicherheitsbehörden viel Schiffauer lehrt an der Beispiel ein führender Kopf von mehr Sorgen machen. ich glaube. wehrt sich Remmele im Nachhinein. Auch der SPD-Bürgermeister von Penzberg.Aber wenn sie Wertungen über ihre Organisabrüdern in Ägypten. So lautet die Version des Anwalts Braun. was aus ihren Erkenntnissen geworden ist. Und wenn tigen. denn man trifft damit diejeni. was denn so gefährlich an der Islamischen Gemeinde Penzberg sei. 16 ministerium. Informant wird oft. In diesem Fall lässt sich das Gericht ein Jahr Zeit. ZEIT: Was sind »legalistische Islamisten«? Schiffauer: Aus der Perspektive der Sicherheitsorgane: Wölfe im Schafspelz. die ein Problem für Deutschland sei.sungsschutzes. Im Verscheeverein. 18 meinden. man beobachtet eben. ich könnte gegen ihn eine gerichtliche Unterlassungsanordnung erwirken. Einige von ihnen kenne ich seit Langem. macht sie die Integrationsdas Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu politik kaputt. Nach 2001 wurwurzelte junge Männer. was fassungsschutzbericht von Baden-Württemberg man beobachten kann. weil ihnen das rungen durch Zuspitzung und Angebot dort zu langweilig und Selektion Verdachtsmomente werkompromisslerisch war. schen sind? Schiffauer: Ja. »Hildebrecht Braun hat das Gespräch verfälscht wiedergegeben. den Konflikt miterlebt.DOSSIER 12. es geht manchmal Wenn die Sicherheitsperspektive den Blick so mehr darum. bei denen Beamte nicht sehr glücklich darüber waren. Lehrbeauftragter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München. schutzes? Schiffauer: Auf der untersten Ebene sind das die Inzwischen ist die Demokratie längst gefestigt. wenn es um Sachinformatiosonelle Verflechtungen mit Organisationen in nen geht. doch manche fürchten. wie das Leben in einem Modie er sich deshalb zur Brust nehme. Da wird dann ein Popanz aufgebla. ZEIT: Welche islamischen Organisationen sollten Ihrer Meinung nach beobachtet werden? Schiffauer: Bei manchen Islamisten ist das absolut unstrittig wie etwa bei Hisb ut-Tahrir oder der Gruppe Kalifatstaat. wenn sie den Freistaat verklagen. langfristig eine Organisation enttäuscht ist.wurde daraus: Der Funktionär bestätigt die Existenz von Antisemitismus bei Milli Görüș. Die Aussage »vom Verfassungsschutz beobachtet« wird gleichgesetzt mit: »ist verfassungsfeindlich«. Am Ende kommt ein politisch gewichteter Text heraus. die ihm ursprünglich nicht zugedacht war. Nach dem Ende sierung? Schiffauer: Nein. Zum Beispiel wird aus jemand. Hat Ministerialdirigent Remmele etwas gegen den Islam? »Das ganze Gespräch drehte sich um islamischen Extremismus und nicht um den Islam«. »Wenn wir den wegbeißen – wer bleibt dann noch übrig?«. oder auch. Sie waren gerade nicht müssen nun auch etwas tun.Schiffauer: Er muss nachweisbaren Gefahren gen. »Den Staat verklagen – da kann doch nichts Gutes bei rauskommen«. die in den Prozessakten des Verfahrens auftaucht. die schon feststeht? Schiffauer: Das Material wird oft sehr zugespitzt und stark gewertet. einer. fragt der ReligionswisFortsetzung auf S. ZEIT: Heißt das.« Hat er aber bislang nicht. Im März 2010 schreibt Wimmer einen öffentlichen »Brandbrief«: Im bayerischen Innenministerium. Von Anfang an hat Stefan Jakob Wimmer. vor Gericht zu ziehen. wahrung einer »islamischen Identität« eintritt.tion abgeben. das die Penzberger später gegen das Innenministerium wegen der Nennung im Verfassungsschutzbericht anstrengen. Die islamistischen Attentäter des Kommunismus hatten sie befürchtet. Sie sehen in ihm einen Hoffnungsträger. der zerrieben werden soll.mal seine Objekte auch selbst. um Mitglieder »legalistisch islamisihre Beschäftigung zu rechtfertischer« Gemeinden. Am Ende klagen die Penzberger gegen ihre Erwähnung im Verfassungsschutz- bericht 2008. Also üben sie das Lesen sie doch Kontakt zu ihnen hatgegen den Strich ein. habe der Ministerialdirigent Remmele erwidert: »Uns macht die Gefahr islamistischer Gewalttäter deutlich weniger Sorge als die Gefahr der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft. Lange diskutiert der Vorstand der Gemeinde darüber.

Joachim Herrmann zum Vorbild. der wollte. einen bosmäßig das Islamische Zentrum Münnischen Militärimam der Waffenchen – es sei ein Beispiel dafür. dass er den Kampf gegen Ibrahim el-Zayat. In einem Gespräch mit einem hohen wäre vollständig zerstört. Zehn Jahre später taucht der chen kommt regelmäßig vorbei. »Die die Penzberger darin auf. Idriz nisation und wird deswegen im Verfassungsschutz.könne das aber nicht erkennen. »sondern gegen den Islamismus. oder berg liegt.Leben erneuert hat.finanziellen Quellen. »ergaben sich im Berichtsjahr jedenfalls nicht. Diese Beamten seien doch nur darauf aus. Unter ihnen ist auch Marian Offmad Khalifa.und mir wird vorgeworfen. Und el-Zayat hat nicht nur Kontakt mit islasind? Wussten Sie. und wieder tauchen Europaangelegenheiten.18 12. die Hoffder Idriz zuvor am Telefon genau davor gewarnt hat. hofft noch immer darauf. lässt Minister Herrmann im Jahr 2010 einen Ministerialrat in seinem Namen an Pax Europa schreiben. besucht sie demonstrativ die Gemeinde in Idriz starkmachte.nen Keil zwischen die Muslime zu treiben. Herr Innenminister«. Die Verbindungen zur Islamischen Gemeinde Milli Görüș seien der am 3. Khalifa hatte Kontakt zu vielen fins. der Penzberger len. Neues über sich: Unter dem Titel Hitler? Ach so veröffentlicht der Focus einen Bericht Ludwig Spaenle. die von der Evangelischen Akademie Tutzing veranstaltet gen aufgefordert wird?« Am 30. so ausführlich wie nie zuvor.« mund Stoiber. eine Aufenthaltsgenehmigung sagt Imam Idriz. der ältesten Mo. beteuert Idriz. Kurz darauf findet jenes Treffen im die Penzberger wieder auf. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagt nach seinem Fall im Verfassungsschutzbericht auf. März 2011 veröffentlicht wird. schreibt die Staatskanzlei. hatte das Innenministerium da. Die Penzberger die nichtmuslimischen Unterstützer schicken Stoiber einen Brief ihres Bürgermeisters und ein weiteres Schreiben von Ah.): Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. auf die Schriften. So verlangt es gangenheit als Imam der Waffen-SS das Landratsamt im bayerischen habe er. Ein ähnlicher Vorgang wiederleumdungsklage eine Gegendarstelholt sich fünf Jahre später. Er hat erlebt. die bayerischen Behörden gewinnen wird. dass im Koran an 27 verschiede. Djozo zählt Imam Idriz zu seinen So auch für Imam Idriz. Die Auflung drucken.man.« Die radikale Bürgerbewegung Pax Europa fühlt sich bestärkt vom Innenministerium. damit er als öffentlichte. antiemanzipatorische und menschenrechtsferne Mentalitäten. brüdern helfen lassen. CSU-Mitglied und Vizepräsident der Israelitivorgeht. Sitten. »Ihren Unterstellungen trete ich mit Nachdruck entgegen«. ich sei ein Extremist«. die Moschee wird von vielen unbescholtenen aus einer Immobilie. Die Arbeit des bayerischen Innenministeriums richte sich keinesfalls gegen den Islam als Religion.« jetzt drei bis vier Geldquellen schließen. er könne sich mit dem Innenministerium eischee der Stadt.« Der Kontakt zu el-Zayat schadet Imam Idriz’ Am 2.Ibrahim el-Zayat oder Leuten. es ist Karfreitag. Über dessen VerImam arbeiten darf. dass sich die Penzberger Gemeinde um die schen Kultusgemeinde in München. in dessen Anschluss Imam Seiten. Gegenüber Ahmad Khalifa angenommen. wie etwa Mahmud Abouhalima. an Ministerpräsident Ed. »wie SS. die er dem Imam verschließen teren Gestalten. Er bezieht sich dabei 1994 nach Deutschland kommt. sie eigenmäch. in dessen Landkreis Penznichts gewusst. »Ich werde ihm berger im Bericht des Verfassungsschutzes. heißt es jetzt über die Penznur noch peinlich«. gen Vertrauten Osama bin Ladens. Im Mai 2010 urteilt das Verwaltungsgericht. Islamkritik als »Islamophobie« abzustempeln. Benjamin Idriz Idriz die IGMG als verfassungsfeindlich bezeichnet. dazu Zeitungsartikel. Andererseits: Ist es verboten. und noch im Jahr 2008 rühmte sich der Staatsminister für Unterricht und Kultus. Am entgegensteht«.Penzberg. Als er Vorbildern. sondern geradezu notwendig«. die Besuch in Penzberg: »Ich bin beeindruckt von der Islamische Gemeinde Penzberg werde zu Recht im Offenheit der Gemeinde. tauchen unbestreitbar.u.n. heißt es.glaube. heißt es dazu. Auch der amerikanische Konsul in Münmals keine Bedenken. Sie warnt schon lange vor der Islamisierung der deutschen Gesellschaft und vergleicht den Islam mit dem Nationalsozialismus. Finanziert werde die Gemeingalt Khalifa lange Zeit als angesehener Mann in Mün.« Nachvollziehbare Positionen. Emilia Müller. Kurze Zeit spä. Frank Leonhardt/picture-alliance/dpa. »Kritik an bestimmten Ausprägungen des Islam ist auch in muslimischen Gemeinden in Bayern nicht nur legitim. extremistischen Milli Görüș gegründet wurde? Wuss. der im Widerspruch zu unserer freiheitlichen Grundordnung steht. sprach ein Grußwort. Khalifa ist ein Prediger der ZEIT beschreibt er Imam Idriz als naiv.mischen Organisationen.und schutzbericht für das Jahr 2009.auch an einer Konferenz in Südafrika teil.Regierung hat selbst Kontakt mit Ibrahim el-Zayat. 17 senschaftler. Wer das Gegenteil behauptet. sagt el-Zayat. Ministerin für Bundes. dass laut Koran alle Christen ›Ungläubige‹ rum. »Chapeau. Gebräuche und Traditionen der muslimischen Minderheit klar zu thematisieren.(oben) und der bayeridruck entstand. Sein Anwalt wendet sich ganz sche Innenminister Imam nehme sich die Waffen-SS nach oben. die ihm nahestehen. dass der Auch Bundesjustizministerin Sabine LeutheusserVerlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nichts Schnarrenberger von der FDP steht hinter Idriz. Er nahm im Jahr 2006 nen Stellen in Befehlsform zum Töten der Ungläubi. Der Frage nach den bericht erwähnt. Was ist geschehen? Imam Idriz hat zweimal die Hilfe eines gewissen Angelegenheit bislang nicht geäußert. weicht er im Gespräch mit der ZEIT aus.« Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2010. enthaltsgenehmigung ist abgelaufen.Glaubwürdigkeit. die jedoch Pax Europa für seine Zwecke benutzt. schreibt der Beamte.weiter zu Idriz. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Fotos (v. Ist Idriz naiv. Ibrahim el-Zayat zu telefonieren? Wer sich in dass die Islamische Gemeinde Penzberg mit Hilfe der der islamischen Szene in Deutschland engagiert. Peter Frischmuth/argus Angehörige der Islamischen Gemeinde Penzberg beim Gebet in der Moschee Fortsetzung von S. und ein Beamter Wolf-Dieter Remmele zin: »Focus bedauert. »wenn in einer bayerischen Behörde Personen mit offen antisemitischer Gesinnung mit der Zuständigkeit für jüdische Gemeinden betraut wären?« Kurz darauf erhält Wimmer Post von einem Ministerialdirektor im bayerischen Innenministerium. er besuche regelüber Hussein Djozo. Für die Unterdrückung von Frauen oder die Scharia ist bei uns kein Platz. dass der Einrät Idriz.Ministerialdirigent Zudem entschuldigt sich das Magatig zu verlängern. Statt sich von diesen Leuten zu distanzieren. wenn da nicht dieser eine Funktionär von Milli Görüș bezeichnet er Imam Satz stünde: »Neue Erkenntnisse über verfassungsIdriz als »Schwachkopf« und »Idioten«. »Auf dieser Basis können wir Islamkritiker gut weiterarbeiten. oder Mamduh Mahmud Salim. der umstrittene Strippenzieher. betreibt bewusste Fälschung. eiwurde. dass er die Shoah als »beispielloses das Landratsamt in Weilheim sieht Menschheitsverbrechen« verurteile. die Hussein Djozo braucht er eine Bestätigung von einer nach dem Zweiten Weltkrieg verislamischen Autorität. weil der im Islamischen Zentrum München. Staatsministerium des Innern hat ergeben. Ausgerechnet diesen Hussein Integration funktioniert«. er habe sich von den Muslim. März 2010 erscheint der Verfassungs. sätzlich vorgeworfen. die mithilfe der Muslimbrüder gebaut nigen. »Wir dürfen uns nicht scheuen. »Das ist ja widrige Aktivitäten«. aus denen her. Er glaubt. bis dahin Weilheim. als der Verfassungsschutzbericht 2008 veröffentsich der düstere Islamist Ahmad Khalifa für Imam licht wird. Ungeachtet dessen bekommen zu haben. mit berg Flugblätter: »Penzberger Bürger!. nung ist kleiner geworden von Jahr zu Jahr. Jetzt wird Imam Idriz zu. wussten Sie. das World Trade Center in die Luft Idriz hingegen bestreitet vehement. sich Unterstützung zu ho. Im November 2010 erfährt Imam Idriz etwas Muslimen besucht. einem en. Obwohl Tag. ein Islamzentrum präsident veranlasste Prüfung durch das Bayerische könnte für die Muslime dieselbe Wirkung haben.wurde.kommt um den umtriebigen Funktionär kaum heten Sie. »Außer Ahmad Khalifa gab lügt er? es damals niemanden.de aus Mitgliedsbeiträgen und den Mieteinnahmen chen. und sie ist erbost. sich nicht in der Lage.wie das Jüdische Zentrum in München das jüdische ter trifft die Nachricht ein: »Die von Herrn Minister. Der Staatsminister habe sich deswegen in Interviews immer dagegen ausgesprochen. sagt später unter Androhung einer VerIdriz.« . Ibrahim el-Zayat selbst sich hat sich zu der ganzen zu bekommen. April 2010. zu dessen Wahlkreis Trotz dieser Irritationen halten Penzberg gehört. der so etwas Der Focus muss ein paar Wochen auf Deutsch schreiben konnte«. Sie gilt als europäische Anlaufstelle der Orga. Verfassungsschutzbericht 2008 erwähnt. verteilt die Organisation Pax Europa vor den Kirchen in Penz. Es stellt den Brief ins Internet. in der Idriz schreibt. 1993 versuchte. jemals Geld von zu jagen.o. Das Minarettverbot in der Schweiz hat sie begeistert gefeiert. Integration von Muslimen bemühe. diesmal auf zweieinhalb Innenministerium statt.

außerdem hatte er die Theatergruppe Vesturport mitgegründet. Zwölf Tage. sie übersetzte den Text ins Isländische. wird schon wieder gejubelt. Haben sich die Librettisten an Shakiras WMKiefergymnastik orientiert? Waka waka? Im spanischen Lied macht das »ouo uo« fast den ganzen Refrain aus. Der Impuls zählt. und dreh mich im Kreis. dass sein Lied ausgewählt wurde und in ganz Europa gehört werden kann«. bleibt mir ein Rätsel«. um die Welt zu retten. Januar 2011 waren es noch zwölf Tage bis zur Vorrunde im Eurovision Song Contest. »da da dam«. nach einer Geschichte. um ihnen zu sagen. dass sie nicht in ihrer Muttersprache singt!«. An jenem 17. eine Schauspielerin. Im letzten Moment hatte Sjonni Brink das Lied beim Wettbewerb eingereicht. seitdem hatten sie gemeinsam Liedertexte fürs Theater geschrieben. wieder geschossen. Er starb. »Aber die Strophen interessieren sowieso keinen mehr. der den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko mutmaßlich entzückte: Als ich einen Stern trug Damals in der UdSSR War ich so gut wie Mama Fühl meine Leidenschaft Wenn alles vorbei ist Wird dein Name wie die Sonne strahlen Du bleibst immer noch das Beste Schön altmodisch Kill mich mit einem Killer-Kuss Liebe mich mit üppigen Schenkeln Verkleideter Engel Die Ukraine setzt Angel dagegen. es ist der einzige gesellschaftlich ambitionierte Beitrag in Düsseldorf. ding dong! Beim Eurovision Song Contest starten 43 Länder: Wovon singt Europa? Eine Textanalyse VON CHRISTINA RIETZ I m Anfang war die Geschichte. sondern weil es regelwidrig bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war. ein Haken. Für den könnte man stimmen. aber wenigstens nicht erzdumm.) des Eurovision Song Contest in Düsseldorf vor. Ein sauberer Schuss. würde Weißrussland einen Kantersieg hinlegen. »na na-na na na na«. wollen die Lieddichter keine Geschichten mehr erzählen. egal. der Verstand weniger. wie Sjonni es gefallen hätte. die nichts bedeuten. wenn »my pain walks down a one-way street« zu »mein Schmerz geht eine Einbahnstraße hinunter« wird. lebendiges Lied über die Wasserrutschen in Reykjavíks Thermalbädern. Freilich singen sie auch in Coming Home von wenig mehr als vom »Lachen in den Bäumen« und vom »Flüstern im Wind«. Die Gewinnerin des Jahres 1999 tritt nochmals für Israel an. Eine gesungene Geschichte merkte sich der frühe Mensch besser als eine erzählte. »Es wird unsere Hommage an den Freund«. halb Rock. Aber lesen Sie 12. der Amerikaner Gus Seyffert. und sein Leben war vorbei Na na na. die es dieses Jahr ins Halbfinale geschafft haben. und er habe alles gewusst: Wer im Jahre 1986 Island zum ersten Mal vertrat. Die Liebenden mögen ihre Flügel spreizen und wegfliegen. behielt man das Singen bei. sagt Matthias Matthiasson. und immer noch ging es um die Liebe. dessen Frohnaturstatus sich diese Woche einem Härtetest ausgesetzt sieht.« (Mehr Düsseldorf auf S. wo ich hinmuss Und ich komme jetzt! Der Makedonier Vlatko Ilievski träumt währenddessen vom Wodkatrinken mit einer Russin. Es war ein Appell. Ich weiß. wie einst. mit betonten Schlägen Auf Deutsch hieße die letzte Zeile wohl: »Führ mich aufs Eis. »wir mussten das Lied in seinem Namen singen. »Raki!« – zur Hilfe! Viele Komponisten haben Buchstabengebilde eingebaut. Aber beim europäischen Gesangswettstreit im Jahre des Herrn 2011. Der mysteriöse Refrain fasst den Stand der Dinge zusammen: Taken by a stranger Stranger things are starting to begin Lured into the danger Trip me up and spin me round again Abou-Dakn hört im Refrain eine sexuelle Fantasie anklingen. Ein Mann und eine Frau sind sich nähergekommen.« Der Fairness halber muss man sagen: Übersetzung hat noch keinem Song gutgetan. Der Text handelt von der Flüchtigkeit des Seins. an dem der Hörer hängen bleibe. halb Folk.« Sjonnis Witwe stimmte zu. »Ding dong« machen die »Glocken der Seele«. sie wollten zusammen frühstücken. seine Söhne und seine Freunde tanzen. In Da da dam erfährt sein kleiner Held Peter von seinem Lehrer. als man schreiben konnte. Viele. sagt Matthias Matthiasson. Am Abend vor dem Abgabetermin schrieb er mit ihr die letzten Zeilen auf Englisch. Vielleicht hatte das Lied mit ihr zu tun. »ding dong«. deren Haut so rein sei wie »ungeschlagener Schnee« und deren Augen so »schön und strahlend wie der Himmel über Moskau« seien. Sie sagt: »Wir können Sjonni nicht ersetzen. Nigel Treblin/dapd (u. denn Sjonni ritt so gern.« Zwei Tage nach der Beerdigung traten Sjonnis Friends erstmals auf. »Bleib hier« oder »Wo bist du hin?«. 65) Trauern und hoffen Eurovision Song Contest in Düsseldorf: Ein Sänger stirbt. nicht etwa. fünf. 5. Der Lieddichter ließ sich nicht entmutigen und hatte flugs ein paar neue patriotische Zeilen auf Lager. sagt seine Witwe. Und damit gleiten wir zwanglos nach Düsseldorf ins Rheinische über. »Als Sjonni dann so unerwartet starb. dass wir nur eine Wahl hatten«. mit 36 Jahren. 2010 kam er mit Waterslide ins Finale: ein lustiges. Das will Peter verhindern: Und ich komme nicht zurück Bis er gerettet ist Ich werde zum König gehen und zum Parlament Und wenn sie nicht helfen wollen Tu ich’s eben selbst Im März musste das Lied zurückgezogen werden. Einfach ist es für keinen von uns. seine Witwe. Aber richtet ein Mann von Welt ein Blutbad an? Penthouse. aber da: »Wäre es der Eurovision Propaganda Contest. »Da da dam« heißt der Haken des gleichnamigen finnischen Lieds. Apropos Politik. Masen Abou-Dakn. dass Taken By A Stranger doch ein ganz guter »Hook« sei. Das Ganze ist grauenhaft und eine Schande für den Wettbewerb. da klingelte das Telefon: Sjonni habe gerade eine Hirnblutung erlitten. Einen eingängigen Haken hat auch die Weißrussin Anastasia Vinnikova: »I love Belarus!« Ihre Liebe gilt dem Vaterland. dass er sie liebt. der an diesem Samstag in Düsseldorf sein pompöses internationales Fernsehende findet. und es fällt insofern etwas tauwettrig aus. den »verkleideten Engel«: Wir leben menschliche Leben Wir sind Engel. wir sind in Gefahr Wir sind kristallweiß. Der von den Briten immerhin zum besten Lied der vergangenen 25 Jahre gewählte Robbie-WilliamsSong Angels verliert an Kraft. und ich weiß. »oh-oh-pop oh-oh-pop«. sie geht. kristallweiß Ich höre ein stilles Gebet. Der Schlagzeuger sitzt auf einem Sattel. aber die sechs Freunde zusammen können ihn vertreten. Es war ein Lied ohne Zweifel.« Für den Song Contest zu komponieren sei so ähnlich. Dann. endlich ein bisschen Patriotismus zu hören. Die Stadt hat sich auf das Event eingestimmt. heißt es im Lied. Das »ding dong« stammt aus dem Lied von Dana International. das Schicksal hat eine Geschichte geschrieben – siehe oben. geflogen wird auch wieder: Ding dong. Der 20-jährige Axel Ehnström tritt unter dem Decknamen Paradise Oskar an.) . besser kann man es nicht sagen. du wirst wieder meine Liebe sein«. Endausscheidung. er würde das gern fortführen.und zur anderen wieder ausgetreten«. heißt Ein dummer Text. einen schlichten »Engel«: Wir sind Vögel Wir fliegen so hoch Und wir fallen runter Wenn ich von dir träume Ist mein Traum so furchtlos Wir sind Menschen des Planeten Deutschlands Lena singt quasi eine Sado-Hymne. kaum ist Osamas Leichnam bei den Haien. »Ein sehr merkwürdiges Gefühl. weiterfliegen. in dem Sjonni sein Pferd hatte. zum Mitsummen. es ist eine Schande.WOCHENSCHAU Frohnaturstatus im Härtetest Kaum ist die Londoner Hochzeit verklungen. weil Propaganda in Weißrussland verboten worden wäre. wie für Bild Schlagzeilen zu machen. sagt Thorunn Clausen. Sie wollen nur noch wegfliegen und möglichst viele möglichst platte Metaphern aneinanderreihen. Oder man sehnt sich. Dessen Zeile »Denn niemand kennt sein Wann oder Wo« hat sich als hellsichtig entpuppt. sag nichts mehr Zarte Ansätze von Komplexität sind womöglich in den deutschen Beitrag der Vorjahressiegerin Lena hineinzuinterpretieren. was auch geschieht. bevor Matthiassons Freund Sigurjon »Sjonni« Brink mit Coming Home in der Hauptstadt Reykjavík auftreten sollte. Drei Tage lang geht es um die Endausscheidung beim Eurovision Song Contest. hatte ihm geholfen. Eine Hirnblutung. Himmel! Mühelos erkennt der Analytiker vier Kategorien des Begehrens: »Komm her«. die dann in den Strophen. Für Lenas Quasi-Sado-Hymne Taken By A Stranger bediente sich ihr Komponist.« Die eingereichte Liebeslyrik ist in jeder Hinsicht grauenhaft. als noch niemand ans Aufschreiben dachte. Seither bereiten sich die Freunde auf Halbfinale (10. so kurz vor seinem Tod. an dessen Wettbewerb es ja gerade teilnimmt. Beispiele? Lettland bringt Angel In Disguise an den Start. finde ich dich. wie die Witwe sagt. Es gilt in Düsseldorf als ein Favorit. schöner Playboy. war uns allen klar. »Schön. Unüblich war diese Zusammenarbeit nicht. einem Song. »chaka chaka«. vier Einheiten.« Und natürlich Feudel und Eimer. einige Tage später. muss starke Nerven haben. Atomkraftgegner wissen das. Fotos [M]: ESC/RÚV/Gassi (2). stets auf Kurs gehalten durch seine Anziehungskraft. verfeinerte es und machte es zur Kunstform. »Komm näher«. in welchen Jahren Island später fehlte. Am Ende jeder Zeile endet auch der Satz. wir sind furchtbar traurig und doch so froh darüber. Thorunn Clausen produziert und managt. nach Hause zu kommen zu seiner Familie oder seinen Freunden. erklärt uns auf Anfrage. Taken By A Stranger ist ein Liebeslied der Kategorie »Bleib hier«. aber auch ein großer Fan des Eurovision Song Contest. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 20 selbst (unten). »Es erzählt die Geschichte eines Menschen. In den Foren des Internets gehen die Meinungen dazu auseinander. entschied sich ein Zehntel der Bevölkerung für sie. Im vergangenen Jahr enthielt das Gewinnerlied wenigstens so etwas wie einen originellen physikalischen Vergleich. präzisiert werde. Dann votiere man für Islands Beitrag Coming Home. und das macht mich High und ich fliege. konnte Bild am Schreibtisch ermitteln. Vier Verse. informierte vor geraumer Zeit über das Berufsbild des Putzmannes im Sondereinsatz: »Wer Tatortreiniger werden möchte. welche Lieder es ins nationale Finale schaffen. »Wie ein Satellit« wollte Lena in elliptischen Bahnen um den Geliebten fliegen. Das war der Sieg. Viermal schon hatte Sjonni Brink an der heimischen Vorauswahl teilgenommen. ja an alle Europäer. Ursprünglich hatte sie einen Song namens Born in Belorussia eingereicht. Die beiden waren sich 2002 während der Arbeit am Musical Le Sing in Reykjavík begegnet. In Gstaad gibt es einen prominenten Toten zu beklagen. Ganz anders 2011: »Warum er Coming Home ausgesucht hat. Das Video zum Lied wurde in einem Stall bei Reykjavík gedreht. Seine Frau Thorunn Clausen. das Leben so zu leben. und wir helfen einander. höher fliegen. »Es ist Physik. sang sie. Und nun das: Er war als Solist schon bis ins nationale Halbfinale gekommen. uo uo. Noch vor dem Begräbnis versammelte die 35-Jährige sechs Freunde. Sie werden ihren Auftritt so inszenieren. Die Geschichte des Liedes aus Island VON DEBORAH STEINBORN Sjonnis Friends – sie trugen Sjonni zu Grabe. wie viele Punkte die Sänger in anderen Jahren sammelten. alle aus der isländischen Musikszene. So begegnet man in den 43 Liedern. viele Hundert Jahre später entstand der Eurovision Song Contest. Und dass. sogar nach dem Leben auf der Erde. ausgerechnet. und gründete mit ihnen die Gruppe Sjonnis Friends. Sjonni Brink sei zwar ein Rocker gewesen. der Kreuzreim tut ein Übriges: reimt sich rhythmisch. die man aber gut mitsingen kann – als da sind »eeeeeh«. Man singt seit Jahrzehnten und durchaus Bedenkenswertes: »Wärst du doch in Düsseldorf geblieben. 5. zwei Tage später traten sie erstmals auf M atthias Matthiasson war auf dem Weg zu seinem Freund Sjonni.« »Wenn meine Zeit auf der Erde endet. die anderen spielen. Dabei verlangt es den Sänger ständig nach »Wodka!«. es hier. als es nicht mehr von Bedrohungen durch den Westen spricht. der sich nach Meinung vieler »stilvoll« aus dem Leben verabschiedete. fast durchweg einer geistlosen Vögel-und-Engel-Metaphorik. Sein Bruder und ein Cousin haben das Video gedreht. »da da da da da da«. Sigurjon »Sjonni« Brink. das im Jahr 2009 erschien. dass wir unser Leben heute leben müssen«. Sjonni war seit mehr als einem Jahrzehnt als Sänger in Island bekannt. für Sjonnis Band The Flavors und für sein Soloalbum. erklärt sie. seine Freunde singen statt seiner. Dozent an der Mannheimer Pop-Akademie. als ginge es morgen zu Ende – eine Botschaft an seine krisengeschüttelten Landsleute. »Die Kugel sei zur einen Schläfe ein. sie hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten. Dann würden die Isländer entscheiden. elf und 16 Jahre alt – besuchte. »ouo uo uo«. So entstand das Lied. »Das Lied erinnert uns daran. du wirst nie ein Cowboy sein. Später. da gibt es kein Entkommen«. niemals landen. »dass dieser Planet stirbt«. in denen von Augenbinden und Stühlen die Rede ist. die er oft mit den vier Kindern – sie sind jetzt drei. Matthiasson singt. der es nicht abwarten kann. im Finale. Im Refrain treffen die beiden betonten Schläge des Viervierteltakts mit den metrisch betonten Wortsilben zusammen – der Refrain wird dem Hörer ins Ohr gehämmert. bewährter Stilmittel. Ich liebe Weißrussland heißt also das Stellvertreterlied. diese Liebe uns wieder zusammenführen wird.) und Finale (14.

Nie schlief er hier. bis zum heutigen Tag. Man weiß nicht. und die Familie lässt den Sarg nicht öffnen. Wären Sie dafür? Nein. Zucker und Wahn Eine große Ausstellung auf der Herreninsel im Chiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. von Venus malerisch umschlungen. die Kinderflinte. I . »Damals hat mir das ja keiner geglaubt. täten wir kein Auge zu. Wir kommen früh. ruft er uns hinterher. die Natur sei aus kleinsten. Wenigstens diesem idiotischen Akt des antifranzösischen Triumphalismus hat Ludwig sich entzogen. Tod und Mythos. Eine Legende. Aber wer die Modellzeichnung sieht. den Verlobungsfotografen. Er lief aus dem Ruder. Die heilige Mission des Königs sei der bewusste Wahn. Vom See her quarren Enten. das ist der andere gewesen. Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr. sie hatte sich in Edgar Hanfstaengl. nichts weiter. Da. Ist euer Berlusconi auch ein Sonnenkönig? Schreckenskreischen. Die Krönung stieg 1871 ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles. herein«. Begeistert walzen die Touristenvölker dieser Welt durch Ludwigs Prunkrefugien. Genug! Und dann die Erlösung: das nördliche Treppenhaus. Ludwig erfuhr es wohl nie. was aus meiner Idee alles werden würde«.. Gewaltiger Skandal! Allerdings fühlte Sophie sich insgeheim nicht minder befreit als der entsprungene Gespons. antworte ich vorwurfsvoll. Das Sterberegister vermerkt: »Seine Majestät [. Er hat ganz viel Schönes bauen lassen. Sie inszeniert Ludwigs Lebensdrama in fünf Akten: Die Werdejahre. Darunter kommen ein antikes Gewand und Sandalen zum Vorschein. »Atomkraft. Mai bis zum 16. »Hätte nie gedacht. ruft Esther Osenberg. 1870 provozierte Bismarck den nächsten Krieg und nötigte Ludwig zur deutschen Waffenbruderschaft wider Preußens »Erbfeind«. doch der Priener Bootsvermieter Stöffl hat noch auf. Mit ähnlichen Worten entringt sich Tannhäuser den Armen der Venus. Dann käme höchstens die Wahrheit raus. dass ein Richter den Souverän daran hindert. erwartet uns geballte Ludwig-Kompetenz: der Projektleiter Peter Wolf vom Augsburger Haus der Bayerischen Geschichte sowie Katharina Heinemann und Sybe Wartena von der Schlösserverwaltung. die alte Industrie-Partei SPCDU zu wählen (70. Und er baute. Zum Weibe. Der Souverän also will diese grauenvolle Brücke über das Moseltal.« Das wäre ein Tristan-Schluss: »Ertrinken.. Eines fehlt: Wurde Ludwig von den Wittelsbachern exekutiert. Mai bis zum 16. Doch unser Führer drängt weiter. Nein! Barbara legt an. In diesem güldenen Alkoven unterm Baldachin. Das Volk hatte die Wahl. locken heute Karussell. wie er gestorben ist. soeben hat Bayern die Orgie aus Gold und Brokat weihwürdig restauriert. Ideell ist es ein Memorial der absoluten Monarchie.] hat sich in seiner Geisteszerrüttung selbst in den See gestürzt. Mit 18 Jahren musste Ludwig König werden. er überbot es VON CHRISTOPH DIECKMANN W gar. Der plötzliche Tod seines Vaters Maximilian II. dieses angekündigte Verbrechen betrachtet. Fern und in letzter Sonne schimmert ein Orplid: Herrenchiemsee. erwarb die Herreninsel für seine Versailles-Kopie. imaginierte sein französisches Idol. Man sieht Ludwigiana vom Taufkleid bis zu seinem letzten Regenschirm. 22 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit ULRICH SCHNABEL Kernie’s Familienpark verspricht eine Kettenreaktion des Vergnügens. Durchaus war Ludwig kein bloßer Fantast. Der König desgleichen.« Der Schwulst ist Zitat. Herrenchiemsee ist L’art pour l’art. von empörten Fischern zu Hilfe gerufen. Ein Rehkitz äst. Der bayerische Ludwig kopierte. und es geruhte in Rheinland-Pfalz. Denn Ludwig hatte Gott gefunden: Richard Wagner. sagt Isabella Modanese. baute. Die Schulden wuchsen. baute. gar zur Ehe zog’s ihn nicht. Der Mythos ist viel schöner. sagt er. Dort endete auch sein Begleiter. Man kann nur rätseln. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Gehört Bayern zur Bundesrepublik? Sein Landtag lehnte 1949 die Verfassung ab S. Man wollte den Verschwendungswahnsinn des Verewigten beweisen und mit den Eintrittsgeldern die Staatsfinanzen aufbessern.. aufkommender Sozialdemokratie und ähnlichem Erdenleid. Bayerns Modernisierung. Die Schlossbauten wurden Ludwigs »Hauptlebensfreude«. Alsdann diktierte Bismarck ihm den »Kaiserbrief«. ich verachte den Militarismus. Auroras Strahl bricht durch purpurbeschleierte Lünetten und rötet den Raum. Um Seelenfrieden ging es mir!« Unvermittelt öffnet er eine Tür und schiebt uns ins Freie. 1873 wollte ein württembergisches Holzkonsortium die urmächtigen Bäume fällen. Tel. Nach Ludwigs Amtsenthebung wegen angeblicher Geisteskrankheit und seinem mysteriösen Tod am 13. sagt er mit unverkennbarem Stolz. Ihr dichter Wald birgt König Ludwigs Schloss. Denn wer das Wesen der Dinge erkennt. aber die Erbschatulle der Wittelsbacher. Gleich am Eingang schlagen die Geigerzähler wild aus. in die Mündungsbucht des Grand Canal. Seine Majestät. Porträtpostkarte (1910) nach einem Foto von Joseph Albert 1863 Formal bietet dieses Chambre de Parade. Bekanntlich kam es anders. kichert er. Aber die Wissenschaft hat mir recht gegeben. »Das waren noch heldenhafte Zeiten«. Oktober im Neuen Schloss auf der Insel Herrenchiemsee gezeigt. das Volk. Als Mönch der Kunst müsse er sie leben und zur idealen Blüte bringen. ruft er mit fremdländisch klingendem Akzent und drückt uns Geigerzähler in die Hand. Der Chiemgau war dem Hochgebirgsschwärmer eigentlich zu flach. Gegenüber liegt die Herreninsel. Die Schifffahrt ruht bereits. zwischen Fama. sondern durch Blut und Eisen. Auf der Schlosstreppe. wobei die doppelläufige Protzstiege Ludwigs XIV. Er notierte in sein Tagebuch: »Sophie abgeschrieben. Empfing und sprach sie nie. als Verschleuderer des Sippenschatzes? Davon orakelt mit Begeisterung unser Bootsvermieter Stöffl. Machte die Nacht zum Tage. das nie in Betrieb ging.und Grafitblöcken – mitten in der Großstadt Chicago – die erste Kernreaktion zum Laufen. die nicht im Plan verzeichnet ist: »Nukleus Panopticum« wirbt ein atomgelbes Schild. unteilbaren Einheiten zusammengesetzt. gestraft mit Kabinett. brummt er. Uns platzen die Augen. weiß: Auch Seelenatome haben ewigen Bestand!« Dann bricht er in lautes Gelächter aus. Enrico Fermi bringt in einem Stapel von Uran. 0821/329 51 21 ZEITLÄUFTE l y a des juges à Berlin«. Unrecht zu tun. der Irrenarzt Bernhard von Gudden. eine historistisch perfektionierte Nachschöpfung.. Der Wald blieb. wo einer der besten Weine der Welt wächst. Der Chiemsee leuchtet im Abendschein. Wir betreten einen Geisterbahn-ähnlichen Tunnel. bereits 1752 wieder abgebrochen wurde. Chr. Augenrollen. Wir entleihen den Nachen Hansl und rudern zur Insel. damit er sich in eine andere Welt und Zeit versetzen kann. finkt und piroliert. Wagner dankte es dem hochfühligen Monarchen mit Ideologie. Die Staatskasse konnte Ludwig nicht plündern. Zunächst durchwandern wir den wunderbaren Buchenwald. behauptete. der sich gegen Friedrich den Großen zur Wehr setzte und am Ende vor Gericht in Berlin obsiegte. Wallte durchs nächtliche Hochgebirge. Wir dürfen schon vorher gucken. nach Freiheit dürstet mich. Er wurde der Mäzen des sächsischen Komponisten. nach Aufleben von qualvollem Alp. Parlament. Nur das Lachen Demokrits dröhnt noch lange in unseren Ohren. versinken – unbewusst – höchste Lust!« War es so? Oder Mord? Und von Guddens Tod? Die Ausstellung bietet ein Pro und Contra möglicher Varianten und Motive. im Flachwasser des Starnberger Sees. »Mir ging es doch um etwas ganz anderes«. ir kommen spät. Otto Hahn gelingt die Kernspaltung. In der Ferne erklingt Swingmusik. blankes Licht.« »Ihnen haben wir also den ganzen Schlamassel zu verdanken«. Überließ seinen Ministern das Regieren. Primus Verlag. átomos habe ich das genannt. das Unzerschneidbare«. wünscht es. pff. Der Dampfer Barbara wimmelt von Kindern.90 €. Königgrätz: Die Niederlage geriet katastrophal. Aber in der Pointe versteckt sich die ewige Hoffnung.]. alpin überragt von Hochfelln und Kampenwand. Katalog (2 Bde. Dem Wald verdankt sich das Schloss. Der Ludwig liegt in der Gruft der Münchner Michaelskirche. Zwei Jahre später befand sich Bayern im Krieg gegen Preußen. Die Ikone des Verklärten verdeckt die historische Gestalt. erst vierzig Jahre alt. Doch was ist das? Bei unserem Besuch stehen wir plötzlich vor einer Attraktion. Achterbahn und Kletterwand am Kühlturm.und Fortunabrunnen. »mir ging es um die Seele. Ein Übriges taten Filme. Der Palast empfängt wie einst Versailles: mit der Escalier des Ambassadeurs im südlichen Treppenhaus. Ludwigs Ausspruch: »Ich hasse. Letzteres glückte. Nackte Ziegel. der 400 v. sie im »Sonnenkönig« inkarniert empfand und selbst ersehnte. Nein. Aber da wird der Alte grantig.« Ludwig. politisches Zentrum. Abb. Er wurde zum Freak. In den Rohbauräumen wird die Landesausstellung gezeigt. Ändern soll das die Bayerische Landesausstellung 2011. So lautet die hübsche Pointe einer hübschen historischen Legende. der Souverän ist das Volk. rechts den noch rauchenden Trümmerhaufen von Tschernobyl. 39. Auch der Spiegelsaal von Herrenchiemsee steigert das Versailler Original. zelebrierte. die ursprünglich nahe Linderhof im Graswangtal entstehen sollte. Wie der König Krieg führen musste. an Österreichs Seite. Sein Finale bleibt dunkel. von Bayern.. sagt Stöffl. Viele Schlossgemächer blieben unvollendet: funktionsloser Hohlraum. Kahl. Bayerischen Geschichte/Augsburg All das brach den Realpolitiker und trieb ihn in die Gegenwelt der Kunst. Schön zeigt die Ausstellung Ludwigs Faible für die technische Moderne – im Kontrast zu seinem anachronistischen Eigenbild. Sie erzählt von einem Müller in Potsdam. Was wisst ihr denn vom Ludwig? Dass er der Sonnenkönig war. Es amselt. Auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar am Niederrhein. wandernd oder im Rokoko-Schlitten. Er lebte im Zeitalter der Industrialisierung und Elektrifizierung. mit aufgepflanztem Bajonett. Also schwelgte er in artibus. Versailles war Hofstaat. das die Landschaft mit den uralten Rebhängen zerschneidet. Juni 1886 im Starnberger See öffnete Bayerns Regierung die Königsschlösser. Entschlossen ignorierte er das Wesen des konstitutionellen Königtums. »Wie konntet ihr meine Theorie nur so missverstehen!«. Das düstere Bild verweht. Heisenberg grübelt über der Unschärfe.). eine funktionable Waffe.E. Ludwigs Traumland Frankreich. Wie er seine Gegenwelten schuf. »Herein. verknallt. delegierte. als gottunmittelbarer Königskünstler.« des Hauses der Bayerischen Geschichte (Augsburg) wird vom 14. Ludwig II. Namens der deutschen Bundesfürsten hatte Ludwig dem Preußenkönig Wilhelm die Kaiserkrone anzutragen. Vom 14. nur für sich. Die Verlobung mit seiner Cousine Sophie von Bayern löste er 1867 auf. Die Kitschindustrie überkleisterte den »Märchenkönig« mit einer dicken Zuckerkruste. Ratlos staunend stehen wir im Paradeschlafzimmer. von Käutner bis Visconti. Ließ mitternachts Theater spielen. »es gibt noch Richter in Berlin«. daran besteht überhaupt kein Zweifel. [M]: Haus d. am nächsten Morgen. war ein bisschen verrückt. der fragt sich doch: Gibt es denn keine Richter mehr in Mainz? B. Südtiroler Schüler aus Meran wallfahrten auf König Ludwigs Spuren. links sehen wir die geisterhaften Gerippe von Fukushima. damit Ludwig das ebene Land und den See nicht sähe und das Volk nicht seines Königs Schloss. Wir nähern uns dem goldenen Zeitalter der Physik. Ludwig II. Oktober erzählt sie im Schloss Herrenchiemsee die Götterdämmerung König Ludwigs II. der Ludwig von Frankreich. wie Ludwig II. schottete sich ab. dieser Friedensbrücke vom Absolutismus zur Demokratie.« Daneben Bismarcks Diktum: »Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden [. erklärt Kathrin Holzknecht. Die Ausstellung »Götterdämmerung – König Ludwig II. weil er niemals einen Menschen sehen wollte. Fröhlich winkt uns ein Herr im Strahlenschutzanzug heran. Ludwigs uferlose Schlossprojekte wurden zur einzigen Realität seines Königtums. noch hatte er es vor. In politicis war Ludwig rechtlich eingeschränkt. Unterzeichnete.9 Prozent). seufzt unser Führer und zieht den Schutzanzug aus. will dieses Monstrum.21 12. beförderte den kunstdurchglühten Jüngling 1864 auf den Thron der Wittelsbacher. Dort klafft der Wald. der Kronprinz. Drei Tage nach seiner Verhaftung und Amtsenthebung starb Ludwig. nach Freiheit verlangt mich. Da erkennen wir ihn: Demokrit! Der »lachende Philosoph«. doppelt so groß wie das in Versailles. Verwirrt blinzeln wir ins Sonnenlicht. dass die Gerechtigkeit die Macht in die Schranken weist. »Ja. das bayerische Versailles.

Vaterland« heißen. dass die Partei heute stolz auf ihren Kampf gegen das Grundgesetz zurückblickt. Bei den Wahlen zu diesem Konvent haben sich 58. Dann stimmt eine große Mehrheit gegen das Grundgesetz. da es sich noch nicht um Landtagswahlen gehandelt hat. Zu diesem Zeitpunkt ist das neue. Unterm Arm tragen die Parlamentarier die Verfassung des Freistaats Bayern vom 2. Schließlich präsentieren die Hundhammer-Leute einen Kompromisskandidaten: Hans Ehard. Oktober 1948 im Bonner Hotel Königshof am Rhein zu einem Abendessen mit dem nordrhein-westfälischen Innenminister Walter Menzel. Mal ist es die Finanzverfassung. Schäffer intrigiert bereits seit 1948. Mai 1949 halten Hundhammer wie auch Bayernparteiler flammende Reden für ein freies Bayern. die SPD jubiliert. Am 1. Und er jammert. eine Verfassung. Ehard muss dem Hundhammer-Flügel etwas bieten: das Nein zum Grundgesetz. einen bedächtigen Fahrensmann. bedeute die Sache plötzlich nichts mehr. als am 23. Zwar empfindet Pfeiffer den Beistand als »peinlich«. März 1949 den Grundgesetz-Entwurf. wonach Bayern einem künftigen deutschen Bundesstaat beitreten wolle. später Bundesvorsitzender der FDP. Wenn überhaupt. die in Bonn ein Verbindungsbüro unterhält. davon sind acht Mitglied der CSU. bis 1933 war er Vorsitzender der Bayerischen Volkspartei. dass er in Kürze zum neuen Chefbayern bestellt werden sollte. schäumt. Darunter eine turbulente Szene im Landtag: Ehard (l. Vaterland« soll es jetzt »Heimaterde. der den Versammelten einen Verfassungsentwurf präsentiert.« Die Mehrheitspartei der Konstituante. wie Adenauer mürrisch bilanziert. Dementsprechend fallen deren Rechte üppig aus. als er von der Absprache hinter seinem Rücken erfährt. ruft Thomas Dehler. Angst dazu noch vor einer anderen Partei. Er will ein breites Bayern-Bündnis schmieden mit BonnGegnern aus CSU. Die Formel für diese wirre Dialektik ist rasch gefunden: Nein zum Grundgesetz. vom deutschen Zentralisten zu einem überzeugten Föderalisten geworden. der die Amerikaner um Unterstützung gebeten hat. finden dort Unterschlupf. Zugleich finden die ersten Landtagswahlen statt. Grafik: Anne Gerdes gefährdet. Mai geht es im Landtag zur Sache. »Rechts-«.und die amerikanische Militärverwaltung in Arbeit. Tatsächlich bringt die CSU am Ende ganz neue Themen auf wie zum Beispiel das Elternrecht – gemeint ist das Recht.). ja zu Deutschland. Man sollte also meinen. der »die föderalistischen Prinzipien im neuen Bundesstaat stärken« werde. Das alles aber hindert Bayerns Politiker nicht. hatte es doch zunächst »deutscher Bund« und nicht »Bundesstaat« geheißen. . Doch er wütet umsonst« – umsonst. warum dies nicht genug ist. mit ihrem Nein geselle sich die CSU den Kommunisten zu. Aus der SPD-Fraktion sind »Pfui«-Rufe zu hören. 97 Parlamentarier bekennen sich zur Rechtsgültigkeit der Bonner Verfassung. Man träumt von einem Aufstand des Volkes gegen das Grundgesetz. führt den Vorsitz. Einmal platzt Ratspräsident Adenauer der Kragen ob der »bayerischen Parteifreunde«. Geschlossen votiert die CSU gegen das Grundgesetz. einer ist Freidemokrat. Es ist die vierte in der bayerischen Geschichte nach 1808. der SPD-Mann Wilhelm Hoegner. »Sozial-« und als »Kulturstaat« bezeichnet. Knoeringen spottet. abgesehen von einigen wenigen Mitgliedern. das Grundgesetz abzulehnen. Der Nachfolger Schäffers. ist Parteichef. Ehard aber ist zufrieden. tönt es von links nach rechts. damals bayerischer. Am 19. empfiehlt er seinen CSU-Freunden nun die Zustimmung: Man könne nicht immer Nein sagen. etwa bei der Finanzverwaltung oder bei der Aufteilung der Steuern. so lautet das Ergebnis. Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei. den die Nazis 1934 aufgehoben und dessen Sitz die Bomben zerstört haben. Unten: Hundhammer stimmt ab weiterer Entwurf hervor. Mai 1949. So beschwört der fromme CSU-Abgeordnete Georg Meixner. Dann die Abstimmung. Die Bayern querulieren weiter. die SPD zu sich herüberzuziehen.o.. Zudem beinhalte Artikel 178 der neuen bayerischen Verfassung. Sie haben »viel erreicht«. Wie kann das Land seine Identität wahren? Soll es mitmachen bei einem künftigen geeinten Deutschland? So schickt Hoegner gleich eine Sonderration Kartoffeln in die Rheinpfalz. Außerdem böte das Grundgesetz »unheilvollen Entwicklungen im Parteileben« keine Schranke. und nun. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 22 eiß-blau knattern die Fahnen. Staatsstolz wird das Land in den ersten drei Artikeln als »Freistaat« – also als Republik –. Bereits im November 1945 gab er die Parole aus: »Vor allem aber wollen wir wieder unsere eigenen Herren im ›Gasthaus zum Bayerischen Löwen‹ sein. wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. Aber über das gloriose Votum vom 20. In seiner Bilanz hält er als einen Haupterfolg den »Kampf um die Eigenstaatlichkeit Bayerns« fest. nicht ahnend. die Heraufkunft eines »gottlosen Zwangsstaats«. Hitlers Münchner Anfänge hätten im Dunstkreis des bayerischen Föderalismus gelegen. säuberlich getrennt nach Konfessionen. Außerdem muss er einerseits Hundhammer vom Vorwurf des Separatismus freisprechen. der »Ochsensepp« und Vertreter des liberalen Flügels.. Auch die Diskussionsgrundlage. die sich – verdächtig bescheiden – »Grundgesetz« nennt. Mai erfährt man dort nichts. Der erste Nachkriegslandtag versammelt sich am 21. SPD und FDP enthalten sich. Josef Müller. Der Landtag. Ehard ist der einzige Ministerpräsident. der »Entwurf eines Grundgesetzes«. gezogen. Es gibt jedoch einen Ausweg. auch wenn er es sich noch föderalistischer gewünscht hätte. der regelmäßig in die Debatten eingreift. Doch seltsam: Auf der Internetseite der CSU findet sich zwar eine detaillierte Chronik jener Jahre. dass der Ausdruck »bayerischer Staatsangehöriger« nicht im Gegensatz zum Begriff des deutschen Staatsangehörigen zu sehen sei. Anton Pfeiffer. Schon im Mai 1945 haben die Amerikaner Fritz Schäffer zum Ministerpräsidenten ernannt. gut ein Jahr.n. Immer wieder hat er wegen seiner Heimatliebe Rüffel von der SPD-Zentrale in Hannover erhalten. Theodor Heuss reimt ein ABC des Parlamentarischen Rates. die der CSU erneut eine kräftige Mehrheit bescheren. Dezember 1946. kennt. Der Präsident des Parlamentarischen Rats. Ehard muss um seinen Doppelbeschluss fürchten. allzu eng mit den Besatzern zu kooperieren.). talwärts gezwiebelter Turm / Hüten die Freiheit. Juli 1946 tritt die Verfassunggebende Versammlung in München zusammen. Prompt schießen die Wogen hoch. bloß zwei Gruppen: entschlossene Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit und feurige Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit. lässt in Abwesenheit zu Protokoll geben. Auch Hans Ehard setzt seinen Namen unter die Urkunde. Trotz des Ergebnisses bleibt Hoegner auf Wunsch der Militärregierung Ministerpräsident. hinzu kommen fünf Abgesandte aus West-Berlin. ebenfalls von der CSU. 1818 und 1919. Alois Hundhammer (mit Bart) und Josef »Ochsensepp« Müller (M. Er hat am 19. was er an Länderrechten im Grundgesetz durchgeboxt hat. als die Amerikaner ihm zunächst das Hissen der geliebten weiß-blauen Fahne verbieten. Vaterland Gehört Bayern überhaupt zur Bundesrepublik Deutschland? Im Mai 1949 lehnte sein Landtag das Grundgesetz ab. Dort ist er. dies gegebenenfalls zu verweigern. Aus dem berühmten »Verfassungskonvent von Herrenchiemsee« geht ein Bild oben: Bayerns Ministerpräsident Ehard (l. und zwar – oh Wunder! – in denselben Punkten wie die CSU: Die Bundesrechte seien zu stattlich. Territorial blieb es fast unberührt. dann wollen sie nur einem stark föderalistischen Deutschland beitreten. Hoegner ist es auch. Als die Diskussion um die zukünftige deutsche Verfassung beginnt. Es ist der 19. Dezember 1946 die neue Verfassung. der 20. Die Militärregierung kennt Ehards Nöte und billigt am 5. Als V-Mann Ehards dient der gebürtige Pfälzer Anton Pfeiffer. Ehard droht nun mit Rücktritt für den Fall eines doppelten Nein. im Geiste der Confoederatio Helvetica. Auch andere Verfassungsväter sehen überall Weiß-Blau. Die Alliierten monieren am 2. Er ist schon seit 1947 nicht mehr Chef der bayerischen SPD und hat sich mit seiner erzbajuwarischen Position weit von der Haltung seiner Partei entfernt. auch die Monarchisten. der Heros des rechten Flügels. ferner als »Volks-«. Doch da revidieren die Alliierten ihr Urteil und zeigen sich am 22. Zumal das Verfassungswerk zu einem beträchtlichen Teil sein eigen Kind ist. die Beleuchtung schummrig. Die neue starke Kraft im Lande. dass sich die Bevölkerung für den Wiederanschluss an Bayern erklärt. Und doch hat sich die Renitenz der Bayern am Ende für sie gelohnt. Thomas Dehler.): AP. Während seiner Rede bekommt er vor allem Beifall von der CSU. Ein denkwürdiger Doppelbeschluss. »Landesverräter!«. Bayern habe eine »Chance. wo der allzeit explosionsbereite Kurt Schumacher sogar das Recht auf einen eigenen bayerischen Landesverband der SPD infrage stellt. April auf einmal flexibler gegenüber dem Verfassungsentwurf – schlecht für die CSU. Es folgt die zweite Abstimmung. sich dem wichtigsten Thema überhaupt hinzugeben: der »bayerischen Frage«. Und Eugen Rindt. schallt es von dort zurück. Im Plenum stimmt die CSU ihren Klagegesang an. Die US-Besatzer haben ihre liebe Not. Zur Not der Einheimischen kommt die der Flüchtlinge aus dem Osten und der Displaced Persons. Bayern im Glück. lädt er Experten aus den elf westdeutschen Ländern für den August 1948 auf die Herreninsel im Chiemsee ein. ist in sein neues Quartier. Denn er selber ist es. fordern einige Mitglieder neben dem Ministerpräsidenten auch ein richtiges Staatsoberhaupt. stehe dem christlichen Glauben an die göttliche Allgewalt diametral entgegen. resümierte. Gemeinsam heckt die Rhein-Isar-Entente eine »Bundesrats-Lösung« aus. in einer zweiten Abstimmung im Landtag dann ausdrücklich den Grundsatz der Zweidrittelmehrheit zu billigen und das Grundgesetz für rechtsgültig auch in Bayern zu erklären. Eine knappe Mehrheit verwirft die Idee. treu dem Hause Wittelsbach. Was treibt ihn um? Es ist die Angst. es thront über der kriegsversehrten Stadt wie zu Königs Zeiten. Für Joseph »Pepperl« Baumgartner von der Bayernpartei ist das Grundgesetz ein Bruch der bayerischen Verfassung. auf die SPD entfielen 28. umso weniger«. Ehard berichtet später. Archiv Friedrich (2). Von Pfeiffer eingefädelt. Die CSU habe »immer und immer wieder« die Frage der Bundes. Am 15. die Formel. jetzt muss Ehards komplizierter Plan glücken. sie endet um halb drei nachts. dass die Mannen um Hundhammer und Schäffer zur Bayernpartei wechseln. sofern die meisten anderen Landtage Ja sagen. Mai die Ablehnung als visionären Schachzug präsentiert.GESCHICHTE 12. dass er dies selbst vor dem Parlament deutlich macht. Mai das Grundgesetz in der Pädagogischen Akademie zu Bonn feierlich verkündet und unterzeichnet wird. Ehard sieht im Grundgesetz die Hoheit der Länder Fotos (Ausschnitte v.8 Prozent. Schon bei der Wahl von Hoegners Nachfolger kann man sich nicht einigen. zu streiten für Bayerns Freiheit. einem SPD-Mann. kein Recht. Der Bund ist ihnen im Grundgesetz-Entwurf immer noch viel zu dominant geraten. Bald kommt es zu Spannungen zwischen ihm und der Militärverwaltung. es ist eisig kalt. in der die Länderregierungen das Sagen haben und nicht – wie bei der »SenatsLösung« – die Wähler. denn Pfeiffer und Ehard haben ganze Arbeit geleistet. Überall herrschen Zerstörung und Mangel. Spannend wird es. seine Regierung die einzige. einen strammen Konservativen. »nachdem im Sinne der Bayern die Entscheidung gefallen ist«. Da kommt Hilfe in höchster Not. aus der SPD eine SPB (Sozialdemokratische Partei Bayerns) zu machen«. Nicht immer freilich herrscht Eintracht. die Kinder auf »Bekenntnisschulen« zu schicken. die beiden Delegierten der rechtsnationalen Deutschen Partei aus Niedersachsen und sechs der acht CSU-Männer aus Bayern votieren gegen das Grundgesetz (nur zwei fränkische CSU-Abgeordnete sind dafür). Unter Ehard zeigt die Regierung zunächst gesamtdeutsches Engagement. Angst vor dem rechten Flügel der CSU. Die beiden Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei und die beiden Kommunisten (alle vier aus NRW). Lediglich die verlorenen Westgebiete – die Rheinpfalz und der Kreis Lindau am Bodensee – stehen unter französischer Verwaltung. es verkommt zu einem Klein-Klein. Mehr noch: In einer höchst akrobatischen Volte kommen Ehard und seine Christgenossen auf die Idee. Soll Bayern Teil eines westdeutschen Bundesstaats werden. M. streitet indessen hingebungsvoll vor sich hin. Die beiden Hauptkontrahenten innerhalb der CSU. Bayernpartei und SPD. trifft sich Ehard am 26. das wiederhergerichtete Maximilianeum. Dabei zeigte vor allem die CSU schon früh ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen VON RALF ZERBACK Vom Wählervolk ganz zu schweigen. 65 Delegierte entsenden die Länderparlamente nach Bonn.oder Landesfinanzverwaltung als Hindernis bezeichnet. die CSU. Doch da passiert etwas Seltsames: Ehard empfiehlt. dann wieder sind es die Rechte des Bundesrats. Die neue deutsche Republik wird ein »gottloser Zwangsstaat« Drei Tage später stimmt der Rat in Bonn ab. das Nachkriegsbayern unter US-Verwaltung bald fünf Jahre alt. die CSU. die sich als junge Alternative empfiehlt: die Bayernpartei. kritisiert die Finanzverfassung und die zu geringen Rechte des Bundesrats. die aber nicht stimmberechtigt sind. ist ebenfalls nur kurz im Amt. den er im Schweizer Exil ausgearbeitet hat. die Liberalkonservativen und die Erzkonservativen. über allen Verhandlungen in Bonn habe der »bayerische Zweifel« gestanden. September seine Arbeit aufnimmt. wie sie nie mehr wiederkehrt«. »an einen Heizkörper gelehnt«. Seinen größten Coup landet der Bayer bei der Gestaltung der zweiten Kammer. Jetzt steht die Ratifizierung an.« Und Carlo Schmid dichtet im homerischen Stil: »Wo auf den Bergen der Schütz. lange nach Mitternacht. Doch eigentlich will Ehard den Beitritt Bayerns zum Bund. Am Ende freilich bekennt er sich »angesichts der weltpolitischen Lage« zur neuen Konstitution. Das ist der Beitrag der Länder zum Grundgesetz. Dezember 1946 noch in der Aula der ausgebombten Universität. meinte bereits 1946 der spätere Landtagspräsident Michael Horlacher. Er ist sogar Leiter der CDU/CSU-Fraktion. Das Elternrecht sei geschmälert. Hundhammer werden – nicht zum ersten Mal und nicht ohne Grund – separatistische und monarchistische Neigungen nachgesagt. Der Argwohn der Südländer ist gewaltig. Selbst aus der Bayernhymne will die Partei jeden Hinweis auf Deutschland getilgt sehen. er lebt in Frankfurt a. Nun muss Hoegner weichen. »Separatisten!«.3 Prozent der Wähler für die CSU entschieden. Doch keiner von beiden hat eine Chance. Sie wollen eine zu weit gehende Eigenstaatlichkeit vermeiden. weiß-blau glühen die Herzen der Volksvertreter. Manchem erscheint das Bonner Werk als der pure Gottseibeiuns. Um die Souveränität zu betonen. dass eine Zustimmung von zwei Dritteln der elf Landtage zum Grundgesetz ausreichen soll. Orgeltöne erklingen. Das hehre Werk der Verfassungsgebung. Gut 70 Prozent aller abstimmenden Bayern billigen am 1. 101 zu 64.) mit Adenauer (r. Mai seine Kompromissformel. fünf der SPD. 14 Abgeordnete stellt Bayern. seit 1910 priestergeweiht. W Den Herren aus dem protestantischen Norden ist nicht zu trauen Die Ministerpräsidenten lösen sich nun ab wie die Faschingsprinzen. versuchen. Auf Druck der Amerikaner war der Artikel ohnehin umformuliert worden. Die Ämter sind genau verteilt: Alois Hundhammer. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. denn in einer Probeabstimmung hat sich Hundhammer beim zweiten Teil der Kompromissformel – dem »Ja zu Deutschland« – enthalten. Mai ist angebrochen. der am 1. Aus allen Winkeln des Freistaats sind sie nach München geeilt. allein in der Hoffnung.u. Doch die Bayern siegen. die ihnen nicht passt. Heimaterde. Ehard befürchtet. Warum nur? Der Autor ist Historiker und Journalist. gleich die beiden ersten Buchstaben A und B behandeln die Bayern-Frage: »Der Anton pfeift aus dem ff / adagio jetzt und jetzt andante / die Arien des Ochsenseph / der Aloys schnalzt die Älplervariante . je weiter sie im Norden wohnen. Konrad Adenauer. andererseits ihn dazu bringen. Ehard muss mehrere Spagatkunststückchen zugleich vorführen: zum einen stolz präsentieren. Vergebens hat Adenauer noch am Tag zuvor Ehard um ein Votum zur neuen Verfassung gebeten. Die Alliierten und der Parlamentarische Rat haben festgelegt. So kann die CSU in Bonn wie in München guten Gewissens gegen das Grundgesetz stimmen – folgenlos. Doch heute wird im Plenum über eine andere Verfassung abgestimmt. In ihr versammeln sich Anhänger eines souveränen Freistaats. einen eigenen bayerischen Staatspräsidenten. als gegen Ende der Debatte Wilhelm Hoegner das Wort ergreift. die fernher vom Norden der grimmige Preusse / Heldentümlich bedroht. Die FDP höhnt über »Hoegners Traum. ist Fraktionsvorsitzender. der keinem der Flügel angehört und der zudem auch der SPD zu vermitteln ist. Einigen Herrgottswinkel-Advokaten ist das Ganze auch zu wenig christlich. zum andern begründen. »Ich traue den Herren. Clay hält in einem Schreiben fest. Statt »deutsche Erde. Die SPD hat eine »Interpellation gegen die Bemühungen monarchistischseparatistischer Kreise in Bayern« eingebracht.). die Gegenseite sieht ebendiesen Föderalismus als Hitlers erstes Opfer. ein Anhänger der Senats-Idee. Mai dann die entscheidende Sitzung. er habe beim ersten Wahlgang noch »mit Mantel und hochgeschlagenem Kragen im hinteren Teil des Saales« gestanden. ist von bayerischen Experten verfasst. Der Text bildet eine wichtige Basis für den Parlamentarischen Rat in Bonn. Weiteren Geländegewinn vor Augen. denn noch immer ist es unpopulär. Derweil ertrinken die deutsche Zivil. Schon am 13. nach einem halben Jahr wird er seines Amtes enthoben. des Bundesrats. Es gebe »keine Freiheit in Portionen« und »auch kein Deutschland in Portionen«. Der Stellvertretende Militärgouverneur Lucius D. Und setzen ihren Kampf sogleich fort. Gegenseitig schlägt man sich die Geschichte um die Ohren: vom Heiligen Römischen bis zum »Dritten Reich«. SPD und FDP sind empört. um einen Kandidaten gegen den jeweils anderen Flügel durchzusetzen. einer »Bundesrepublik«? Um neun Uhr morgens beginnt die Debatte. Waldemar von Knoeringen (SPD) reizt die Rechte bis aufs Blut mit der These.

wie sich nicht nur an den vielen Langzeitarbeitslosen dieser Altersklasse zeigt. in Finnland. müsste die deutsche Regierung bei einer Staatspleite erst einmal einige deutsche Banken retten. und alles wäre vorbei. wo die Euro-Skeptiker bei den jüngsten Wahlen 22 Prozent der Stimmen abräumten. dass sie bei betrieblichen Fortbildungsangeboten meist außen vor bleibt. Für 8. Diese blieben auch nach Wiedereinführung der Drachme bestehen. 22 Milliarden Euro soll Deutschland vom Herbst an für den europäischen Rettungsfonds aufbringen. um zu beraten. Doch nun erlebt dieses Europa seine Schicksalstage. Umgerechnet zahlt Microsoft für jeden Nutzer knapp 1000 Dollar. »Wir retten Griechenland seit einem Jahr. dass sie auch in der Bundesregierung erörtert wird. erschaffen sie zig neue. Die Griechen haben zu viele Schulden angehäuft? Dann werfen wir sie aus der Währungsunion! Oder lassen sie pleitegehen! Deutschland wäre nicht länger Zahlmeister. Genau wie der Schuldenberg. sondern auch daran. Im Jahr darauf wären weitere 38 Milliarden Euro nötig.smetek. Es hat sich eingebürgert. Auch die Europäische Zentralbank ist in Griechenland engagiert – angeblich mit 153 Milliarden Euro. Die Staatspleite wäre perfekt. allein im kommenden Jahr braucht die Regierung rund 27 Milliarden Euro zusätzlich. die das Unternehmen neben den Gratisgesprächen anbietet. Positiv zu spüren bekommt das die Generation 55 plus aber kaum. wenn man schon eine Flatrate fürs Surfen hat? 145 Millionen aktive Kunden konnte Skype damit gewinnen. Aber zur Realität in einer komplexen Welt gehört. Kein Wunder: Schließlich wird uns der demografische Wandel schon bald einen akuten Nachwuchsmangel bescheren. ob man den Griechen überhaupt noch helfen kann – und wie. Das Bankensystem würde kollabieren. Baby. Die Griechen haben ihre Schulden in Euro aufgenommen. aber die Kürzungen haben die Krise weiter verschärft. welche Risiken man eingehen will – und welche nicht. Verweigert die Regierungspartei der eigenen Regierung die Gefolgschaft. wäre das ein dreifacher Schaden – für die Partei. in ein neues Betriebssystem für Mobiltelefone. 110 Milliarden Euro wurden schon zugesagt. als könne man die Probleme Europas mit der Präzision eines Chirurgen lösen. Deshalb bereitet die EU ein neues Hilfsprogramm vor. Weil deutsche Banken sehr viel Geld in Griechenland verliehen haben – geschätzte 17 Milliarden Euro allein an den griechischen Staat –. Das scheint nicht allzu viel. Für die FDP ist es wohl zu spät. Wie hoch sie genau wären. Würde die Drachme dann gegenüber dem Euro deutlich abgewertet. Überall könnte Skype nun eingebunden werden und Menschen verbinden: ob beim virtuellen Tennismatch vor dem Wohnzimmerbildschirm. Die Abkehr vom Euro verspräche ein Exportwunder ohne Schmerzen. die Griechen könnten frei von Spardiktaten agieren. Gebracht hat die Retterei wenig. das Problem zu lösen. Zwar muss es so weit nicht kommen. ist unkalkulierbar.de ZUM THEMA: Interview zur Schuldenkrise mit dem Harvard-Historiker Niall Ferguson auf Seite 25 Ende März vergangenen Jahres erscheint in der Bild am Sonntag ein Artikel über das Treffen der europäiFortsetzung auf S. Und sie rechnen. Panik wäre die Folge. für Europa. sagt er. In der kommenden Woche treffen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten. noch höhere Kosten. Für Deutschlands Steuerzahler hieße das: noch mehr Verluste. 2. beim Bundesparteitag in Rostock. ist das wenig ermutigend. Auch dort müssten Bürger und Investoren um ihr Geld fürchten. zum Argwohn von Deutscher Telekom & Co. Die Regierungen agieren unter enormem Zeitdruck. Ein Land nach dem anderen könnte aus dem Währungsverbund herausbrechen. werde die Abstimmung anders ausgehen. Und das ist das wahre Euro-Drama. bei der jetzt schon die 45-Jährigen zu alt für einen Führungsjob sind. Die Griechen sparen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 23 INTERNET Punkt für Microsoft Mit dem Kauf von Skype greift der Konzern Apple und Google an Verließe Griechenland die Euro-Zone. Europaweit rebellieren Bürger und Parlamentarier. In die Spielekonsole Xbox. sollte sie sich am Markt kein Kapital leihen können. von Europa als »Schicksalsgemeinschaft« zu sprechen. Euro-Gegner und Parteirebell: Ginge es nach ihm. beim Landesparteitag der FDP Nordrhein-Westfalen. mit neuen Auflagen. aber vielleicht könnten ja andere Organisationen aus der Studie lernen. wenn sie nur genug Zeit bekommen – und genug Geld. Parteien und Arbeitgeber betonen neuerdings. All das ist typisch für die Krise des Euro: Internationale Entscheidungen haben nationale Folgen. MARCUS ROHWETTER Wie kommen wir da raus? Die Deutschen ringen um die Zukunft des Euro. der Zahlungsverkehr zusammenbrechen. brachte er seine Forderungen als Antrag ein – und scheiterte knapp. unterwegs bei der Autofahrt oder beim Spaziergang. Warum also Gesprächsminuten extra zahlen. was besser ist. wenn es um die eigene Zukunft geht. Es ist wie in einer antiken Tragödie: Es mag zwar Alternativen geben – aber alle erscheinen sie schrecklich. in eine Kooperation mit dem Handyhersteller Nokia. die Skype in ihren Netzen lange unterdrückt haben. Und mit jedem Versuch. in den Niederlanden. Drama. Der Vorteil für Griechenland: Man könnte die eigene Währung beliebig abwerten. Am kommenden Wochenende. In der Hoffnung. Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Sicher kann niemand sagen. Es kommt auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden an. wie wichtig ihnen ältere Arbeitnehmer seien. könnten die Griechen ihre Euro-Schulden erst recht nicht mehr bezahlen. DIETMAR H. aus Angst vor der Zwangsumstellung und dem Wertverlust ihrer Sparguthaben. Gerade noch rechtzeitig haben Mannheimer Forscher entdeckt: Arbeitnehmer bis 65 sind nicht weniger leistungsfähig als jüngere. Am vergangenen Wochenende. In Griechenland würden die Bürger die Banken stürmen. Das Ergebnis: Schutz vor Schwindlern? Lebensmittelverbraucher wehren sich im Netz S.« 750 Milliarden Euro nahmen die Regierungen Europas vor genau einem Jahr in die Hand. Statt mühsam die Löhne zu senken. Portugal und Irland wackeln. Auch sie bräuchte wohl eine Kapitalspritze. »Die Basis tobt«. Die Erlebniswelten von Microsoft werden gegenüber denen von Apple und Google attraktiver.WIRTSCHAFT D ie jüngste Niederlage hat ihn siegessicher gemacht. Ein einziger Schnitt. sagt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. dass die FDP zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben wird. Portugal oder Spanien drohen. um die Probleme der Krisenstaaten zu lösen. die Probleme aber sind immer noch da. Diese Option klingt so verlockend. käme das Deutschland teuer zu stehen. um wieder konkurrenzfähig zu werden. wie wenig er weiß VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ 30 SEKUNDEN FÜR Generation 55 plus Bundesregierung. Und keiner gibt zu. Mit Microsoft hat Skype nun einen starken Partner. Und der europäische Rettungsfonds hat 37. 1. daran glaubt Schäffler fest. Die Oldies könnten sogar besser mit Stress umgehen und machten weniger Fehler. klingt es. Auch wenn man die Vorgänge bei der FDP beobachtet. Skype betrachtet Telefonate und Videogespräche ebenso als Datenverkehr wie das herkömmliche Surfen im Internet. Griechenland steht vor der Pleite. Drama Wenn Frank Schäffler redet. dass man sich immer wieder fragen muss. um ihr eigenes Geschäftsmodell zu schützen. das Nationale drückt aufs Internationale. für die Koalition. könnten sie die Drachme wieder einführen. 24 . Die schöne Option vom griechischen Ausstieg könnte also grässliche Folgen haben. ein Drittel der Verluste müsste Deutschland tragen. In verschiedenen Ministerien beschäftigen sich Regierungsbeamte mit den Details. Allein in diesem Jahr könnte die griechische Wirtschaftsleistung um mehr als drei Prozent schrumpfen. Mit dem Kauf zeigt Microsoft Siegeswillen im Kampf um die Kommunikation von morgen. Nun ist das Geld fast weg. um seinen Rückstand zu Apple und Google aufzuholen. Für einen wie Schäffler sind das 22 Milliarden Euro zu viel. Möglich. Das Ende der Währungsunion würde auf dem ganzen Kontinent eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die indirekten wären weitaus größer – für die Deutschen und für die Griechen. »Viele Delegierte wollen sich nicht länger hinhalten lassen. All das wären freilich nur die direkten Kosten. Und der Widerstand gegen neue Kürzungen wächst. 29 12.5 Milliarden Dollar übernimmt der Softwarekonzern den Anbieter von kostenlosen Internettelefonaten. der viel Geld investiert. 42 Jahre. bekämen die Griechen schon lange kein Geld mehr aus Deutschland. Die deutschen Steuerzahler müssten auch nicht für Irland oder Portugal bürgen. Die ist bei Microsoft traditionell stärker ausgeprägt als bei Skype: Gerade mal sechs Prozent nutzen dort bisher die kostenpflichtigen Zusatzdienste. Finanzexperte der FDP. dass die Griechen ihre Kredite zurückzahlen können. In Deutschland.. damit würden griechische Waren im Ausland billiger. Frank Schäffler. Das würde auch in Irland. dass Deutschland nicht mehr mitmacht. und wir werden damit weitermachen«.9 Milliarden Euro verliehen. LAMPARTER Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. Wieselwörter Microsoft kauft Skype. Ist der Kaufpreis nun zu hoch? Schwer zu sagen.

was ihn beschäftigt. Einer. auch wenn es der hiesigen Wirtschaft schadet? Vielleicht wäre es ja im deutschen Interesse gewesen. schrieb er Abgeordnete an und riet ihnen.tvr-news. Im Gespräch mit der ZEIT (siehe S. ihre Kernkraftwerke gegen einen schweren Atomunfall wie in Fukushima versichern. 2/3) hat sich Angela Merkel nun erstmals direkt zur Kandidatenfrage geäußert – und ihre Sympathien für Draghi erkennen lassen. den er in diesen Tagen oft hält. einen Währungsraum ohne Haftungsgemeinschaft zu errichten. so Björn Klusmann. einer Ausgründung aus der Universität Leipzig. dass vom engeren Zusammenrücken alle profitieren.zeit. Seine europäischen Kollegen. Europa müsse jetzt für die Fehler der Vergangenheit bezahlen. Im Osten gilt das nur für knapp drei Prozent. als »weich« zu gelten. »Ich kenne Mario Draghi«. Seine These ist umstritten. Dabei würde sich die Politik nur den Launen der Märkte ausliefern. ist die schwarzgelbe Mehrheit im Bundesrat weg.und Regierungschefs wenige Tage zuvor. ist der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi Favorit. Bis jetzt stimmt das auch. Denn was bedeutet es. Er stimme seinem »Freund Hans-Werner« in fast allen Punkten zu. im Westen trifft das nur auf 45 Prozent zu. beispielsweise zehn Jahre. Anstelle der Steuerzahler sollten die Banken ran. Vielleicht ist es eher so: Entweder korrigiert Europa die Fehler der Vergangenheit. Geheimdiplomatie. Pro Kilowattstunde würde sich Atomstrom laut der Expertise um mindestens 14 Cent verteuern. Dagegen haben in den alten Bundesländern 19 Prozent aller Hinterlassenschaften einen Wert von mehr als 100 000 Euro. aber ihr Marktanteil betrug zuletzt erst 2. Heute geht es den Deutschen gut. Auch Rosen gehen gut.de/finanzkrise Fotos: www. denn wenige Wochen nach dem Treffen wird in NordrheinWestfalen gewählt. die ins schier Bodenlose stürzen. wenn ein Staat pleitegeht – das klingt sozial gerecht und ordnungspolitisch sauber. Gemeint sind Sprachhülsen. sagte sie. Der Streit um die Rettung des Euro ist voller Wieselwörter. »Eisern« ist so ein Wieselwort. Dass die Deutschen mehr exportieren können. Schäuble gilt als Verfechter eines weiter zusammenwachsenden Europas. gut klingend. Und für die angeschlagenen Länder könnten sie schnell zu hoch sein. wäre der durch Kernenergie erzeugte Strom nicht mehr als preisgünstig im Vergleich zu anderen Energiequellen anzusehen«. Es klingt nach Eigenverantwortung und Härte gegenüber der Finanzindustrie. »Anders als bislang vielfach behauptet. desto näher rücken die Krisenländer dem Staatsbankrott. sie knicke vor den Staaten Südeuropas ein. der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber. wobei jeder Stein für einen Geldbetrag steht. und er hat für die G 20 die Reform der internationalen Finanzmärkte koordiniert. wie sich Angela Merkel in Brüssel erfolgreich gegen andere Mitgliedsstaaten zur Wehr gesetzt habe. Das war fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. so heißt ein Vortrag. Oder es bezahlt. ergreifen sie erst recht die Flucht. Zumal wenn er so unterschiedliche Länder umfasst wie Deutschland und Griechenland. weil es den Griechen und den Iren gut ging. und es war die Leitlinie bei den Beratungen zu den Rettungspaketen. Als Sinn fertig ist. Das ist weit mehr als doppelt so viel wie der Preis an der Leipziger Strombörse. Von einer drohenden Regierungskrise ist die Rede. um die finanzielle Stabilität in der Euro-Zone insgesamt zu sichern. Was damals keiner ahnt: Im Prinzip haben Europas Politiker das Hilfspaket längst beschlossen. sondern als Bürger eines geeinten Europas – in dem es keinen Unterschied macht. er häuft einen Turm aus bunten Bausteinen an. der neue Herr über den Euro? Der Amtsinhaber Jean-Claude Trichet tritt im Herbst ab. Das ergab eine Studie der Postbank. Schon der noch moderat erscheinende Cent-Betrag bedeutete deshalb das ökonomische Aus für die Meiler. Hans-Werner Sinn hat eine klare Vorstellung von der Welt. Finanziert wurde sie vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) – und der Auftrag erging schon im Januar. er ist erfahren im Zentralbankgeschäft. Ohnehin waren Merkels Optionen begrenzt: Außer Weber hatte Deutschland keinen qualifizierten Kandidaten. »ein naturwüchsiges Meinungsspektrum bloß abzubilden«. Merkel braucht solche Berichte. die Politik zu analysieren und zu bewerten – sondern greift selbst ein. Das Grauen trägt bei Sinn den Titel Warum Deutschland ein SchuldenTsunami droht. die mit ihm an der geheimen Zusammenkunft der Finanzminister teilnehmen. sofern das nötig ist. 23 fessor und Chef des Münchner ifo Instituts. Je öfter in Berlin die Beteiligung der Gläubiger gefordert wird.) .4 Prozent. Denn bei den 14 Cent bliebe es nur. Viele in CDU und CSU sind dagegen. 400 Milliarden Euro sind mehr als der gesamte Bundeshaushalt. »deutsche Interessen« zu verteidigen? Hart sein um der Härte willen? Die Griechen pleitegehen lassen. an »einem öffentlichen Prozess der Meinungsbildung« mitzuwirken. Die Zeitung beschreibt. Er ist ein Anhänger einer stabilen Währung. als »eiserne Kanzlerin« gefeiert. dass sie ihren Einsatz verlieren könnten. Bioläden und sogeProzent beträgt das nannten Weltläden anWachstum von geboten. Draghi gilt nach dem Rückzug Axel Webers weithin als der beste Mann für den Posten. Die Rettungsprogramme sind für ihn »eine tickende Zeitbombe. LÜT Geheimtreffen in Luxemburg: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am vergangenen Freitag Ungleiche Erben Ost. Es sei nicht Aufgabe der Politik. eine unrealistische Annahme. Und so beschränkt er sich nicht mehr darauf. Geschäftsführer des BEE. dass in der Wirtschaftsgeschichte alle Versuche scheiterten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 STAATEN IN DER SCHULDENKRISE WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Atom-Versicherung Müssten RWE & Co.« Entschlossen und koordiniert bedeutet: Europa ist bereit. ergreift Michael Burda das Mikrofon. Sinn wirft lange Zahlenreihen an die Wand. den Deutschland zahlen muss. aber im Westen erbt man üblicherweise deutlich mehr. Kürzere Ansparfristen. Dort steht er und kann nicht anders Dies ist der Mann. Sie haben es sogar verkündet – in einem dieser diplomatisch verschwurbelten Bulletins. Dass die Menschen sich irgendwann einmal nicht in erster Linie als Deutsche oder Franzosen begreifen. zeigt: Der Konflikt um die Rettung des Euro teilt nicht nur Europa. die Krise habe den Steuerzahler noch keinen Cent gekostet. Ihr zufolge beträgt der Wert eines Erbes im Osten in rund 60 Prozent der Fälle weniger als 25 000 Euro. 3. Am Ende ist der Turm unfassbar hoch. Europa darf alles sein. Tatsächlich dürfte aber die zu erwartende Kostensteigerung weit höher sein. sogar von der Gründung einer rechtspopulistischen Partei.24 12. Am 11. Sie kennen seinen Sprechzettel. Deshalb dürfen bis jetzt nur Kredite vergeben werden. Kosten. Eine Diktatur des Volkes sollte sie nicht sein. verliert der andere. Weitere Informationen im Internet: www. Am Montag dieser Woche präsentiert er seine Thesen an der Humboldt-Universität in Berlin. Ein Italiener an der Spitze der Notenbank – das wird jenen Kritikern neue Nahrung liefern. Denn das Kapital bleibt zu Hause.« Damit geht die Bundeskanzlerin ein innenpolitisches Risiko ein. Dagegen kann sie auf das Lob der Fachwelt zählen. Etwa die »Gläubigerbeteiligung«. Dass er überhaupt bekannt wird. direkt nach einem Gipfeltreffen Monate zuvor. für viele Bürger und Parlamentarier aber auch attraktiv. die von den Krisenländern mit Zinsen zurückbezahlt werden müssen. wissen bereits. Deutschland könnte eine Kandidatur von ihm für das Amt des EZB-Präsidenten unterstützen.und Westdeutsche erben annähernd gleich oft. wenn Draghis Chancen Es ist die wichtigste Personalentscheidung. Alle wissen das – es sagt nur keiner. Die vor allem nach sozialen Produktionsbedingungen ausgewählten Waren werden in etwa 30 000 Supermärkten. noch vor der Katastrophe von Fukushima. Aber auch. Neben Italien hat sich auch Frankreich für Draghi ausgesprochen. Griechenland wolle die Euro-Zone verlassen. Das geht aus einer Studie der Versicherungsforen Leipzig GmbH hervor.und Regierungschefs: »Die Mitgliedstaaten der EuroGruppe werden entschlossen und koordiniert handeln. Bisher war die Idee der europäischen Integration. ganz offen Als Wolfgang Schäuble am vergangenen Freitag im Luxemburger Schloss Senningen eintrifft. Portugal und Spanien pleitegingen. er zeigt Diagramme mit Kurven. Früher ging es den Deutschen schlecht. Hans-Werner Sinn. Irland. Griechenland zu stützen. Weil der Druck auf die Griechen aufrechterhalten werden soll. 4. VO Sozialbewusst 27 In Deutschland haben Verbraucher im vergangenen Jahr Fair-Trade-Produkte im geschätzten Wert von rund 340 Millionen Euro gekauft. Das Nachrichtenportal zitiert aus einer »internen Vorlage« des Bundesfinanzministeriums. denn das Tier schafft es. verteuerten den Atomstrom um mindestens vier Euro pro Kilowattstunde. Februar 2010 heißt es in der Abschlusserklärung nach dem Treffen der Staats. Sie fürchten vor allem das T-Wort – T wie Transferunion. aber ihres Inhalts beraubt – so wie ein von einem Wiesel ausgesaugtes Ei. »Er ist eine sehr interessante und erfahrene Persönlichkeit. statt in die Peripheriestaaten zu fließen. Wenn das größte Bundesland verloren geht. der über das Grauen spricht. die sich als »Brücke zwischen Versicherungswissenschaft und Versicherungspraxis« versteht. gebürtiger Amerikaner und Wirtschaftsprofessor an der Humboldt-Universität. Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. Vielmehr gehe es darum. Das Papier ist das für solche Treffen übliche Briefing der Beamten für ihren Minister: eine Auflistung von Optionen. keine Spuren an der Schale zu hinterlassen. Die griechische Krise hat sich zugespitzt. Fast 400 Milliarden Euro würde es Deutschland kosten. dem Land geht das Geld aus. muss er eigentlich gar nichts mehr sagen. deren Sprengkraft selbst die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit übersteigt«. Nur die Bundesregierung hatte sich noch nicht festgelegt – und als größte Wirtschaftsmacht hat Deutschland de facto ein Vetorecht. Dann steigen die Marktzinsen für alle Staaten. die Griechenland konkrete Hilfszusagen machen wollten. dagegen zu votieren. Im Ministerium kennen diesen Sprechzettel nur acht oder neun Personen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat den Begriff der Wieselwörter bekannt gemacht. 63 Jahre. LÜT schen Staats. heißt es in der 150-seitigen Studie der Versicherungsfachleute. sagt Burda. schrieb der Philosoph Jürgen Habermas kürzlich in der Süddeutschen Zeitung. action press (u. Ein Mann. zurückgezogen hat. Wenn Investoren wissen. wird sie innerhalb von wenigen Tagen genehmigt. Aus Angst vor der Wut des Volkes. wenn in Griechenland die Wirtschaft rund läuft. Er geht auch mitten durch die deutsche Regierung. der polarisiert. Das war die Leitlinie bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht. »wie verlogen die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird«. Die deutschen Bürger sind gegen ein Hilfspaket für Griechenland. die Umfragewerte sind mies. Seine Sicht sei jedoch ein wenig »national«. den die Gegner der Griechenlandhilfen gern als ihren Kronzeugen anführen. erst recht in der FDP. wenn die Versicherungssumme über 100 Jahre angespart werden könnte. weil in Nordrhein-Westfalen gewählt wird. die Angela Merkel vorwerfen. die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers empört das Volk. die in Europa 2011 zu treffen ist: Wer wird der nächste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Wirtschaftspro- Fortsetzung von S. bei der die Starken dauerhaft für die Schwachen bezahlen. Für Sinn ist das weitgehend ein Nullsummenspiel – was der eine gewinnt. Ob bewusst oder unbewusst: An diesem Abend entwift Hans-Werner Sinn das Gegenmodell. Dass griechische Rettungspakete auch deutschen Unternehmen zugutekommen. Das Problem ist nur. wäre Atomstrom in Deutschland unbezahlbar – und alle 17 Meiler würden sofort stillgelegt. Am beliebtesFair-Trade-Produkten ten war zuletzt wiederum fair gehandelter Kaffee (7200 Tonnen).de (4). ob ein reicher Bayer für einen armen Saarländer bezahlt oder ein reicher Finne für einen armen Griechen. bevor die Lage eskaliert? Auch um den Preis. Nur sagt das niemand offen. Und deshalb betonen deutsche Politiker immer wieder. Als »Kämpferin für die Stabilität des Euro und deutsche Interessen« wird sie bejubelt. Als der Bundestag im vergangenen Jahr über das Griechenlandpaket abstimmte. Merkels Koalition hat einen schlechten Start hingelegt. einzugreifen. Seit sich der deutsche Kandidat. Die Ergebnisse zeigten. Als Griechenland dann Ende April tatsächlich Finanzhilfe beantragt. heißt es oft. weil es den Griechen und den Iren schlecht geht. nur keine Haftungsgemeinschaft. Szenarien. Er steht unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe. Wenige Stunden zuvor hat Spiegel Online berichtet. Griechenland.

ZEIT: Wo sehen Sie Europa und die Euro-Zone schaftliche Zentrum der Welt wandert vom Wes. Die Zukunft könnte ein Niveau erreicht. und die EZB wird wie Schwäche. das bekannt. Die Republikaner müssen einen neuen Ronald Reagan finden. Ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit? Als ich ein Teenager war. dann ist es der jetzt mit viel weniger Geld auskommen – und deutsche Mittelstand. dass deutsche Banken vom Zusammendurch ungleich schwieriger geworden. und steigende Inflation wird ner breit. als könnten wir alle einpacken. ist das halts. Was Amerika von zählt.glaube ich.. Aber die Zukunft wird und nach dem verlorenen Vietnamkrieg herrsch.len. Das Leben für rung liegt darin. dass Ferguson begann seine Karriere der Peripherie zugenommen. als würden die Russen den auch die amerikanischen Staatsschulden haben Kalten Krieg gewinnen. Es ist eine ziemlich nehmen. Die USA sind immer globalen Weltmachtanspruchs nach Osten. Das Römische historischen und globalen BoReich verschwand binnen gen. Die Märkte haben ghanistan zwar vereinfacht haben. dass amerikanische Militärausrüstung die Schuldensituation in den nächsten fünf bis mit chinesischen Computerchips ausgestattet zehn Jahren stabilisieren würde. Zivilidie das große Bild der GeschichLänder dem Euro beigetresationen sind komplexe Syste um ein Puzzlestück vervollten waren. und als Konsequenz werden populistische Bewegungen an Einfluss gewinnen. die Inflation außer Kontrolle. die Weltmacht Amerika Integrationsprozess durch ihre Wirtschafts.Wenn das militärische Ziel darin besteht. aus dem Euro zu teuer. zwei sich widersprechende DIE ZEIT: Professor Ferguson.Vertrauen entzogen haben. schaft. wirtschaftlich schwächeren plötzlich verändern. befand sich Amerika in Ferguson: Nein. und ich ZEIT: Was hätten die tun sollen? glaube.. Ich würde ihnen zu der ersten Alternative raten. dann hat China längst aufgeholt und erleben gerade das Ende der westlichen Vorherr. Davon abgesehen. aber als Sieger werden sie sich dennoch nicht feiern können. weil wir es erfunden Status als Supermacht zu sehr gewöhnt haben. mit Komplexitätstheorie beschäftigt. Aber noch die größte Volkswirtschaft. den sich mit einem wesentlich niedrigeren Le. nommen ist das ja jetzt schon der Fall. den europäischen ZEIT: Angenommen. Mal abgesehen von den möglichen ökonomischen und strategischen Konsequenzen für die Zukunft des Westens: Was wir erleben. Und das ist doch positiv. dass man hanzu Ende. bevor das Vertrauen verloren geht. Durch den Produkte weiter nach China exportiert.und Fiskalpolitik darauf basiert.. und zwar so überEnkelkinder ein Problem haben. Aber der Paradigmenwechsel. sondern auch für den Rest der Welt? ZEIT: Sie sprechen von einer Verschiebung des Ferguson: Ganz genau. viele Amerikaner wer. ZEIT: Dann ist der Zusammenbruch des Euro lohnt sich ein Blick zurück in die siebziger Jahre. Kaum ein Fragen anwenden. wenn anderen Euro-Ländern frühere Generationen war. Aber sind die sauber? Oder werden sie Sie das in einem größeren Zusammenhang: Der eines Tages unvermittelt den Dienst versagen? Aufstieg des Westens. »Nur tut nau wie das Byzantinische den gegebenen institutioneles keiner. wenn die Geld. Wenn Sie gen spielen seit fast zehn Jahren russisches Rou. teme. dass wir von Europa in Zukunft ebenfalls nur ein schwaches Wachstum erwarten dürfen. ZEIT: Amerika stellt nicht nur eine Gefahr für ghanistan ist so instabil wie eh und je. Schließlich lebe ich dort. Auch ger bauen. Bitte betrachten wurde. unruhig zu sein. das die Finanzmärkte beun. fingen sie an. und das liegt vor fahr existiert im Cyberspace. volkstümlich und genial. wir Historiker müssen uns von den zykli. die Märkte und einen Beitrag zu den poliwie rasant die Sowjetunion zu beruhigen. wird das Problem schon nächste Woche ver.Ferguson: Das ist ja das Problem der Euro-Zone. lässt sich auch auf geostrategische ist diese Vorherrschaft konkurrenzlos. davon gehe ich aus. Warum sollte der Ferguson: Fürs Erste vielGegenwart leisten. Die Ermordung von Osama bin Laden heiß läuft und wenn sich die USA bei den Chine. dass die Amerikaner sich an ihren dass uns das Internet gehört. dass sie einen Flugzeugträker ein. Ferguson: Doch. einem lausigen Zustand. dass die Chinesen ihre U-Boot-Flotte erneuern. Europa debattiert Niall Ferguson vor dem Swiss-Re-Tower in London Foto (Ausschnitt): Tom Stockill/Camera Press/Picture Press Ziele zu verfolgen. ZEIT: Ein Optimist sind Sie nicht gerade.ganz ähnlich aussehen: Die Prognosen sagen der ruhigt. ich bin nicht für den Niedergang Amerikas. »Dass wir aus der GeZEIT: Gleichwohl hat die schichte lernen können.« Ferguson will GeReich und die Habsburgerlen Voraussetzungen immer schichte anwendbar machen monarchie.und Südamerika aus. die Frau Merkel nicht verscheuFünftel der Weltbevölkerung dem globalen Ar. tischen Entscheidungen der kollabierte. Und im Zentrum der europäischen für US-Staatsanleihen nächste Woche verdop..scheußlich genug werden: Griechenland wird te ein allgemeines Gefühl von amerikanischer pleitegehen.machen. den Iren und den Portugiesen das Ihrer Meinung nach gezählt? Ferguson: Nicht nur die Tage Amerikas sind ge. Wir bilden uns ein. was Spengler angeht. und wir müssen ebenZEIT: Hat die Politik eine Antwort darauf? Ferguson: Allmählich sehen nicht nur die Politi. wie entschlossen die Griff bekommt.Ferguson: Genau. Die Sowjetunion breitete sich in immer versuchen. wieder geschafft. oder sie entscheiden sich für den europäischen Weg. Das Gespräch führte JOHN F.falls davon ausgehen. Um sich aber aus. Der bedeutet hier und da ein paar Einsparungen und höhere Steuern.. Aber in zwei Jahren oder sogar noch früher könnte es zu spät sein. das Schuldenproblem zu lösen.mag den Abzug amerikanischer Truppen aus Afsen immer mehr verschulden.in dieser apokalyptischen Zukunftsvision? Imten in den asiatisch-pazifischen Raum. Deswegen wird in Washington Technologien aus den Angeln zu heben. den Obama gehen will. ist. sagt er. um den Status quo mit neuen das anders wäre. Niall Ferguson: Das ist milde ausgedrückt. Indien und China holen auf. wenn Amerika seine Schulden nicht in den Ferguson: Ich frage mich.chen will. Der Unterschied zwischen den Kernländern und der Peripherie wird zunehmen. Und anstatt Konvergenz zu ZEIT: Was nimmt man stattschaffen. Ich halte es für plausibel. die von der Euro-Krise Teilen des Landes müssen die Menschen schon bisher verschont geblieben ist. Der Aufstieg des Westens insgesamt geht den Europäern lernen kann. der vor sechshundert Jah. Unter den Rating-Agenturen macht sich US-Wirtschaft allenfalls ein Wachstum von 1. Wir zuschalten. und wenn die bisher gibt es kaum Anzeichen dafür. sondern sich sehr Hyperinflation von Weimar. Ferguson: Wir wissen. hat das Ungleichdessen? gewicht zwischen den groFerguson: Wir müssen von Der Wirtschaftshistoriker Niall ßen Ländern und denen an der Wissenschaft lernen. Geeuropäische Politik es unter alte Weisheit«.ZEIT: . Computerviren das Stromnetz des Gegners aushat seinen Höhepunkt längst überschritten. dass die bis China die US-Militärdominanz im Pazifik Schulden ein Problem sind. komplexe Systeme nicht vor knapp zwanzig Jahren mit Nehmen Sie das Beispiel unbedingt linearen Gesetzen einer Detailstudie über die Lohnstückkosten: Sobald die folgen. aber les sah danach aus. Und genau ge. 2050 könnten unsere den Rückwärtsgang eingelegt. Darauf basiert das amerikanische SelbstSeit 1872 sind sie die größte Volkswirtschaft. wabensstandard abfinden müssen. nicht kommen. Afallen Grund. Zum ersten pelt.in seiner Geschichte hat das europäische Projekt licher Zeithorizont gesetzt. aber das war schwierig JFJ weise vonstattengehen? Bei genug. rika hat ein Riesenproblem. Eine akute strategische Gekeine große Eile in Washington. das die Amerikaner vor einer unmittelbar drohenden Gefahr warnt. Griechenland oder Portugal pleitegehen . mit ren mit den portugiesischen Seefahrern begann. und es hat vor allem einer Analyse der amerikaeines gezeigt: Zum ersten Mal nischen Wirtschaftskrise wird oft ein willkür.trauen in die Zukunft des Dollar haben.. dass Weltmächte nicht der Harvard-Professor mit seiohne dabei jemals das Nilangsam verschwinden. dass der Lauf der Geschichte eben nicht so linear ist. denn die Regierun. Mittlerweile schlägt deutsche Löhne zu zahlen.25 Zweifel über die Kreditwürdigkeit der Amerika. Niedergang Amerikas schrittleicht. Gesucht: Hollywoodschauspieler fürs Präsidentenamt. sonnen Büchern und Fernsehdokuveau deutscher Produktivität dern plötzlich in sich zusammentationen lieber den großen zu erreichen..schlossenheit. dass die USA mit ihren Schulden in die gleiche Lage geraten könnten wie Griechenland Afrika und Mittel. Das größte Versagen der Bundesregiebeitsmarkt zusätzlich beigetreten. Noch können sie den Niedergang abwenden.Prozent voraus. der still und zufrieden seine zwar nicht erst seit der Finanzkrise. menfallen.WIRTSCHAFT STAATEN IN DER SCHULDENKRISE 12.den steigenden Goldpreis als Anzeichen dafür lette mit dem Staatshaushalt.. sich dar. und seit 1991 dem ich rede. ZEIT: Was muss also geschehen? Ferguson: Die Amerikaner haben jetzt die Wahl: Entweder kehren sie zu dem alten Modell zurück. nämlich das Bankensystem über Wasser zu halten und gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Das sind Aufstieg von China und Indien ist mehr als ein die Stammwähler. Das wirt. Ame. wird das Chinesen ihren wirtschaftlichen Einfluss in straviel schlimmere Konsequenzen haben. heißt es dann. Irland auch.rum sie Iren oder Portugiesen unterstützen sollen. als es für bruch bedroht sind. zeigt. haben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 25 »Russisches Roulette mit dem Haushalt« Der britische Historiker Niall Ferguson glaubt. ist eine weniger Generationen. schen Modellen verabschieSie war von Anfang an instiden. Oder ist es doch nur Ihr Kulturpessimismus? Der »Untergang des Abendlandes« wurde ja von dem Historiker Oswald Spengler schon vor neunzig Jahren vorausgesagt. und dieser merhin herrscht in der europäischen Politik EntProzess könnte ohne Weiteres beschleunigt wer.Desintegration liegt Deutschland. Dennoch herrscht herausfordern kann. Die Chinesen haben längst Amerikaner kann sich eine Welt vorstellen. senken die Steuern und führen die Staatsquote zurück. den Wählern nicht deutlich zu den ungelernten amerikanischen Arbeiter ist da. dass die ihre Schulden nicht in den Griff kriegt. dafür ist der Austritt tum war schwach. Schließlich haben sie erst ZEIT: Die Tage der Weltmacht Amerika sind also gehandelt. dass Investoren immer weniger Vergefährliche Strategie. Und Konjunkturpakete zu schnüren. Wenn es einen Wirtschaftsraum gibt.auch außenpolitisch scheint Amerika schwächer druckmaschine der wichtigsten Leitwährung denn je. was passiert dann genau? Ferguson: Ganz einfach. Ich sage dagegen.könnte ein sehr aggressiver Gegner sein. Es ist auch kein glaubwürdiges Szenario diskutiert. Ferguson: Also. Charaktereigenschaften: jovial. In weiten Wenn es eine Gruppe gibt. dass es so nicht weitergehen kann. dann ist es Europa.nicht geholfen wird. Das Wirtschaftswachs. dass höhere Produktivität in den asiatischen Ländern zu einem höheren Lebensstandard führt und dort viel weniger Menschen in Armut leben als noch vor zwanzig Jahren. seit bewusstsein. bin ich absolut kein Kulturpessimist. riesige ein ziemlich wahrscheinliches Szenario.Mal seit drei Generationen fühlen die Deutschen dammt ernst. den.und unzufriedene CDU-Wähler fragen sich. und die Geschichte ständigte. dass Geschichte saisonal verläuft und jede Zivilisation eines Tages einen schrecklich kalten Winter erlebt. ist. ist das historische Mandat verloren gegangen. Ich habe mich in letzter Zeit viel deln muss.. in der das Know-how. ganz so spektakulär wird es. schaftlich extrem ungleich.. und alüber die drohende Pleite Griechenlands. Ich sehe mich als Warnlicht. der die japanische Stagflation der neunziger Jahre erleben wird.und Finanzkraft auf Kurs zu halten. die Öffentlichkeit hat langsam begriffen. Amerika hat ein Problem . der hat argumentiert. als die Finanzmärkte nacheinander den Griechen. sich nicht dafür verantwortlich. Europäer wirklich sind. Dennoch wird es Jahrzehnte dauern. ZEIT: Das klingt ja danach. als wenn tegische und militärische Macht ummünzen . wenn die gesamte Haus. denn am Ende rede ich doch vom Aufstieg des Ostens. Wenn Sie so wolstürzt von der Klippe. Kurzum. Nehmen Sie das Problem der schlecht integrierten muslimischen Immigranten und die demografische Entwicklung von immer älter werdenden Gesellschaften. JUNGCLAUSSEN Zur Person . oder nicht? Verstehen Sie mich nicht falsch. von 1945 eine politische Supermacht. Stagflation also. raschend. Bedenken Sie. wie die Zukunft aussehen könnte. mit denen wir bisher tutionell defekt und wirtgearbeitet haben. immer wahrscheinlicher . dass wir es noch gar nicht wahrgenomAber wenn der Anleihenmarkt die Risikoprämie men haben. zumalen. allem daran. Angesichts dessen können Sie zu keinem anderen Schluss kommen. als dass Europa keiner besonders rosigen Zukunft entgegenblickt.

könnten sie tatsächlich eine attraktive Alternative zum eigenen Auto werden. So könnte der Bund beispielsweise dabei helfen. müssen auch noch die unvollendete Fusion mit Porsche und die unerwartet zähe Annäherung an den Kleinwagenpartner Suzuki meistern. In diesen Wochen führen die großen Lkw-Bauer die neue Motorengeneration Euro 6 ein. sagt einer. Turbinen und Turbopumpen gehören. Weitere Querelen bei der »Ingegration« könnten das Wolfsburger Management über Gebühr belasten.zeit.de/audio eu. umweltfreundlich. Der Coup war psychologisch und taktisch schlecht vorbereitet. Diese vergeudete Milliarde wird Ferdinand Piëch gehörig geärgert haben. Nötige Gesetzesänderungen sollten ein Leichtes sein. der Bundeskanzlerin ihren Bericht übergeben. Seither wurde viel geredet. für die man auch noch stundenlang einen Parkplatz suchen muss. MAN (98 000) plus Scania (46 000) könnten deutlich aufrücken. Die Motivlage hatte Konzernchef Winterkorn eine knappe Woche zuvor schon auf der Hauptversammlung in Hamburg dargelegt: »Der Volkswagen-Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt. Elektroscootern. sondern E-Mobilität VON PETRA PINZLER N E in Drama in drei Akten: Erst versucht der Münchner Lkw-Bauer MAN. dass nach einer Fusion der Lkw-Sparten das zweite Standbein des Unternehmens. Und die Widerstände bei den beiden Lkw-Bauern scheinen fest in deren Identität verwurzelt: Beide fühlen sich als technologische Vorreiter. Denn gerade viele junge Leuten träumen heute nicht mehr vom eigenen Auto. als er noch selbst Vorstandschef in Wolfsburg war. wenn man die komplette Fahrzeugpalette aus einer Hand bieten könne – vom Vertreterkombi über den Transporter bis hin zum schweren Lkw. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer »integrierten Nutzfahrzeug-Gruppe« gelang immerhin. Scania zu übernehmen. Stromkonzernen und verschiedenen Verbänden sitzen. Sie werden weiterhin mobil sein. Rund 200 Millionen Euro könne man etwa durch einen gemeinsamen Einkauf einsparen. Und nun das dramatische Finale: Volkswagen will selbst die Macht bei MAN übernehmen. Wenn ihre Nutzung auch noch durch reservierte Parkplätze. Über eine kluge Hilfe. Das Ziel sei erst mal nur ein Stimmrechtsanteil »zwischen 35 und 40 Prozent«. bewirkten keine sichtbaren Fortschritte.und Busfabrikation von VW übernahm. Später. den Erlass von Parkgebühren. sagt Finanzchef Pötsch. Das alles soll sich nun ändern. den Konkurrenten Scania zu übernehmen. die Schweden wehren sich erfolgreich gegen den als feindlich empfundenen Akt. Lang ist die Wunschliste. verbunden mit großen Hoffnungen. Anfang der Woche hat Volkswagen seinen Anteil an MAN auf mehr als 30 Prozent erhöht. Vor allem in den großen Städten taugt es offensichtlich immer weniger als Statussymbol. ebenso wenig wie seine Wirtschaftspolitiker. seinerseits MAN zu übernehmen. Rein zahlenmäßig würde eine MAN-Scania-VWAllianz aber an Marktmacht gewinnen: Bislang führen bei den international tätigen Herstellern noch Daimler (252 000 Lkw von 6 Tonnen aufwärts im Jahr 2010) und Volvo (129 000) das Feld an. Die jetzt fällige Kartellprüfung (mit positivem Ausgang) werde eine engere Zusammenarbeit ermöglichen. wie es ein Manager der Konkurrenz formuliert. Rund eine Milliarde Euro kostet so eine Entwicklung. Dann holt sich Scania bei seinem Großaktionär Volkswagen das Plazet. aber nicht mehr unbedingt das eigene Auto benutzen. holte sich eine Abfuhr. Das klingt theoretisch. so erläuterte der Stratege seinerzeit. beispielsweise beim Aufbau der nötigen Infrastruktur. was bei den Münchnern prompt Abwehrreflexe auf allen Ebenen auslöst. Denn in einem sind sich Industrielobbyisten wie auch unabhängige Verkehrsexperten sicher: Elektromobilität ist tatsächlich ein Thema mit Potenzial. Volkswagen ergreift die Macht bei MAN. Selbst die wiederholten Mahnungen von Martin Winterkorn. Statt über das »Auto« sollten alle Beteiligten mehr über »Mobilität« nachdenken. die nicht Benzin im Tank. Zwar darf der Staat der Industrie nicht die Forschungs. doch bietet man den MAN-Aktionären einen wenig attraktiven Preis. um die Ängste in München und Södertälje abzubauen? Viele Branchenbeobachter sind skeptisch. das Recycling und die neue Infrastruktur. Wenn Scania und MAN sich eher zusammengerauft hätten. www. LAMPARTER Umdenken. Das Engagement in Brasilien entwickelte sich gut. Etwa zehn Jahre ist eine Motorengeneration im Einsatz – so lange sind die Synergien jetzt in diesem zentralen Bereich verstellt. Piëch selbst übernahm den Aufsichtsratsvorsitz bei MAN. Klar. Das macht sie zu den idealen Verleihautos für die Stadt. Das Geld dafür hätte VW nach dem Höhenflug der jüngsten Zeit. Denn die Autos. und das ist auch gut so. Mehr Elektromobile auf Deutschlands Straßen wären dann tatsächlich ein Einstieg. Denn deren Batterien reichen für längere Touren noch nicht aus. erklärte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.« Fraglich bleibt. das sich ausschließlich auf das lukrative Segment schwerer Laster konzentriert. Die stolzen Schweden vertrauten auf ihren eigenen Erfolg. am Service. zu dem Schiffsdiesel. umweltfreundlichen Autos überall ans Netz können.26 12. ist verständlich. die von 2013 an Pflicht ist. mit Scania aber lief wenig. Dass viele Autobauer immer noch lieber nur den Ottomotor einfach durch einen Elektroantrieb austauschen und den Rest beim Alten lassen würden. schlug Piëch zu. sind zwar gut fürs Klima – wenn sie Ökostrom laden. In der kommenden Woche wird die Nationale Plattform Elektromobilität. sondern Strom in der Batterie haben. Standards für die Ladestationen zu entwickeln oder Schilder für Plätze erfinden. dass sich wieder einmal eine Industrie die Entwicklung neuer Produkte zumindest zum Teil vom Steuerzahler finanzieren lassen will. Denn die neuen Mobilitätskonzepte könnten irgendwann auch mal dazu führen. Reicht das. Mitte der neunziger Jahre ließ er seinen damaligen Wundermanager. Scania und MAN haben beide ihre Euro-6-Aggregate völlig unabhängig entwickelt. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hatte seine Liebe zu den großen Brummern bereits entdeckt. die ein neues Produkt für eine erfolgreiche Markteinführung braucht. wäre mehr drin gewesen. In Wachstumsmärkten wie China oder Indien wäre Größe ein Vorteil. Das könnte mehr als zehn Milliarden Euro kosten. Doch zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht. Schließlich gilt Scania. mit seinen Spitzenrenditen »als Porsche unter den Lkw-Bauern«. stehe ein Kalkül: Für das Flottengeschäft mit Großkunden sei es von Vorteil. Branchenprimus Daimler etwa kann die Entwicklungskosten jetzt auf seine drei Hauptmarken Mercedes-Benz (Europa. dass weniger Autos gekauft werden. Dann kam im Jahr 2006 der damalige MANChef Håkan Samuelsson auf die Idee. gut sind die kleinen Wagen hingegen für kurze Strecken. der weltweit führende Mobilitätskonzern zu werden! Daher ist für uns das Segment der schweren Lkw und Busse ein hochinteressantes. So wollen sie die beiden störrischen Lkw-Bauer unter ihrer Regie endlich zum gemeinsamen Glück zwingen. an denen die neuen. wohl auch. wie wenn man bei Pkw Mercedes und BMW zwangsverheiraten würde«. Das klassische Autoland Deutschland kann und sollte das nicht ignorieren. aber sollte er schon nachdenken. Länder und vor allem auch Städte durch viele kleine Maßnahmen die kluge Kombinationen von Leihautos. als kleinerer Partner untergebuttert zu werden. Dahinter. dass jeder seinen Motor auch in die eigenen Lkw einbauen will. zuvor selbst Scania-Manager. Fahrrädern. Ignacio López.. an der Bekanntheit und damit an fast allen Zutaten. Vorsorglich erklärte Winterkorn alle Geschäftsfelder und die markenspezifischen Eigenschaften von Scania und MAN für »unantastbar«. Der Schwede. Denn danach soll die Bundesregierung der E-Mobilität endlich zum Durchbruch verhelfen und dafür tief in die Staatskasse greifen. Südamerika). Bahn und Bus erleichterten. Was Piëch gewaltig wurmte. das auch im Gutachten der Plattform nur beiläufig erwähnt wird: das Umdenken. an Ladestationen. Für die E-Mobilität wäre genau das die Chance – wenn Bund. dass Deutschland in der Welt künftig nicht statt Autos gleich ganze Mobilitätskonzepte für Städte ohne Staus und Luftverschmutzung verkaufen könnte? Von »systemischen Lösungen« träumt die Nationale Plattform. zumindest darf es wohl kein Politiker laut fordern. Und auch die Förderung von Modellprojekten oder die steuerliche Begünstigung der klimafreundlichen E-Autos sind sinn- voll. aber wenig erreicht.und Entwicklungskosten für neue Produkte abnehmen. eine völlig neuartige Lkw-Fabrik in Brasilien hochziehen. Die beiden VWBeteiligungen wurden zur engeren Kooperation aufgefordert. Damit soll der Bund die Entwicklung neuer Batterien und eine Antriebstechnologie fördern. erwarb ein größeres Aktienpaket bei MAN und stockte seinen Scania-Anteil bis zum Erreichen der Stimmenmehrheit auf. dann umsteigen Nicht das E-Auto gehört gefördert. Dahinter steckt zuallererst der Traum eines Mannes: Ferdinand Piëchs. . weil sich Piëch übergangen fühlte. Beim Traditionsunternehmen MAN wiederum herrschte stets die Sorge.. So kamen die Münchner zu einem starken Standbein in Südamerika. Überall auf der Welt entstehen auf diesem Gebiet derzeit neue Ideen. So etwas ist zwar heute noch ein Tabu. »Das wäre. die Stimmenmehrheit bei Scania besitzen die Wolfsburger bereits. als ein größeres Paket des schwedischen Lkw-Bauers Scania zu haben war. Die Autoren wünschen sich eine Hilfe von fast vier Milliarden Euro. deshalb müssen die Wolfsburger nun ein Übernahmeangebot an alle übrigen Aktionäre machen. Die VW-Führung ergriff Partei für Scania. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT ZWISCHENRUF Und bist du nicht willig . Aber wer sagt denn. es wird im Gegenteil zu einer teuren Last. um die Menschen an die neue Technologie heranzuführen. hat aber praktische Folgen: In den kommenden Jahren werden sich Menschen anders als in der Vergangenheit von einem Ort zum anderen bewegen. Doch noch fehlt es an günstigen Modellen. um Synergien bei den Lkw zu erzwingen VON DIETMAR H. Gerade kompakte Elektroautos böten sich als Teil eines solchen Konzeptes dann wie von selbst an. und sie legt die Vermutung nahe. abgestoßen wird. Scania muss- te immer befürchten. Danach ging Volkswagen in die Offensive. ob sich die Zwangsheirat der widerstrebenden Lkw-Bauer am Ende auch lohnt. Und warum nicht das Dienstwagenprivileg für große Spritschlucker kürzen – zugunsten von E-Mobilen? Noch wichtiger aber wäre etwas. strategisches Geschäftsfeld. in der Vertreter von Autoindustrie. Freightliner (USA) und Fuso (Asien) umlegen. gut erreichbare Ladestationen und kluge Buchungssysteme unterstützt würde. dem mittlerweile zum Volkswagen-Konzernchef avancierten langjährigen PiëchWeggefährten. Eine vertrackte Situation. Noch-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat denn auch schon mal vorsorglich abgewinkt. aber für das normale Leben ziemlich unbrauchbar: So knapp lässt sich das Elektroauto bisher beschreiben. Denn Winterkorn und Co. neue Produkte und damit auch neue Arbeitsplätze. als MAN die brasilianische Lkw. ordentlich teuer.

sagt Christian Arndt. um sich etwas Geld zu verdienen Der Armuts-Irrtum Es gibt in Deutschland offenbar viel weniger arme Kinder als bisher gedacht – Forscher wollten das für sich behalten ie Zahl platzte mitten in den Bundestagswahlkampf. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs sie beständig. **Durchschnitt ZEIT-Grafik/Quelle: OECD Ein Junge in Berlin sammelt Pfandflaschen. International schneidet Deutschland nun offenbar besser ab als gedacht. man habe in früheren Veröffentlichungen längst »auf die verbesserte Methodik und ihre Konsequenzen« hingewiesen. »Das ist aber nicht nur ein Problem des DIW. eineinhalb Jahre später.3 16. dass eine Neuberechnung frühere Ergebnisse auf den Kopf zu stellen vermag – hätten die DIW-Forscher das nicht früher erkennen und warnen müssen: Achtung. unsere Armutszahlen sind mit extremer Unsicherheit behaftet? Statt die Werte bis auf eine Stelle nach dem Komma auszuweisen.« Deshalb sei es nötig geworden. wie Familienministerin Kristina Schröder nach Bekanntwerden der revidierten Werte verlauten ließ.6 10. OECD ** Japan Italien Deutschland Spanien Foto: Jens Gyarmaty/VISUM 3. das zeigt. die in Bezug zur Haushaltsgröße und zum Durchschnitt besonders niedrig liegen. doch bei den Bedürftigsten komme wenig davon an. »Es wird viel zu selten auf die Unsicherheit von Stichprobenuntersuchungen hingewiesen«. Viele Sozialexperten setzen die Grenze zur Armut deutlich höher an. umfassenden Armutsbericht für die Bundesregierung.de/audio . Das Berliner Institut lässt jedes Jahr einige Tausend Bundesbürger nach ihren Einkommen befragen. auf der der neue Institutschef Gert Wagner nun behauptete. Nach einem entsprechenden Zeitungsbericht (Fauler Zahlenzauber) berief das DIW eilig eine Pressekonferenz ein. Datenmüll.« Befremdlich erscheint allerdings der Umgang des öffentlich finanzierten Instituts mit der Öffentlichkeit. Was zeitliche Trends betrifft. Der Vorgang dürfte das Vertrauen in wissenschaftliche Expertisen auf sozialpolitischem Gebiet erschüttern. das deutsche Sozialsystem funktioniere nicht richtig. schließlich breitete sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten der Niedriglohnsektor aus. von was für einer Qualität die von ihr mitfinanzierten Untersuchungen tatsächlich waren. wie wenig verlässlich wissenschaftliche Expertisen bisweilen sind. Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. verkündeten Experten der Industrieländerorganisation OECD im September 2009. sagt Christian Arndt. wenn es in einem Elternhaus aufwächst. Daraus ermitteln die Forscher die Armutsquoten. Sie werde die Kinderarmut entschieden bekämpfen. wie Teile des hiesigen Wissenschaftsbetriebs funktionieren. dass Deutschland auch nach den neuen Zahlen ein Armutsproblem hat. muss neu beantwortet werden. www. blieb aber bewusst ausgeblendet. Hinter der wundersamen Schrumpfung verbirgt sich ein Skandal. Datensalat gab es schon genug. Dann ist es beson- ders schwer. Bei zwei älteren Kindern (über 14 Jahre) erhöht sich die statistische Armutsschwelle auf 1985 Euro. Dazu werden komplexe Hochrechnungsverfahren und Plausibilitätsüberlegungen genutzt. im Kampf gegen Kinderarmut nachzulassen. die Daten stammen meist aus dem Jahr 2008. Allerdings ist dessen jährliche Erhebung noch recht neu und wurde methodisch verändert.6 Polen USA Israel *Arme Haushalte verfügen über weniger als 50 % des jeweiligen mittleren Einkommens. damals noch Familienministerin. Rund 1. Klar ist. Sie bewegt sich sonst im Blindflug. Denn in den angeführten Publikationen erläutern die Forscher zwar veränderte Berechnungsmethoden und allerlei Detailergebnisse – wie radikal sich die Kinderarmut insgesamt verändert hatte. Dazu wolle sie als Erstes das Kindergeld erhöhen. aber die Frage.0 8. gibt es widersprüchliche Signale. Sie mochten es aber nicht an die große Glocke hängen – schließlich hätten sie einräumen müssen. zerfallende Familien. dass von der OECD veröffentlichte Zahlen plötzlich nicht mehr zu früheren Angaben passen. die in Armut* leben. »Wahrscheinlich gibt es beide Effekte«. Auch wenn. gehört zum Alltag von Statistikern.2 15. sondern deutlich weniger Kinder von Armut betroffen als im OECD-Durchschnitt. allerdings bleiben einige Länder ein gutes Stück voraus. VON KOLJA RUDZIO D Eine vierköpfige Familie mit weniger als 1985 Euro netto gilt als arm Im Mittelpunkt dieser Datenaffäre steht ausgerechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. sagt Markus Grabka. weil heute mehr Menschen einen Job haben und Arbeitslosigkeit das Armutsrisiko schlechthin darstellt. Für die OECD ist ein Haushalt arm. untersucht der Professor gegenwärtig. und dass sich Daten bei einer Neujustierung ändern. ist klar: Die Zahl von der OECD war falsch. Der Grund: »Wir bekommen immer häufiger nur lückenhafte Auskünfte«. In Deutschland hieß das im Jahr 2008: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern war arm. Deshalb gibt es je nach Definition unterschiedliche Armutszahlen. Nach den neuen Zahlen gehört das hiesige Sozi- alsystem nun eher zu den erfolgreichen. scheint plausibel.5 21. Vor knapp zwei Jahren haben die Experten begonnen. selbst bei einem gesellschaftlich so brisanten Thema wie der Armut von Kindern. aber in den vergangenen Jahren wurde es immer größer. in dem niemand eine Arbeit hat. Angaben in Prozent Dänemark Norwegen Frankreich Deutschland Schweiz Niederlande Großbrit. Im Untersuchungsjahr 2004 waren nach den neuen Erkenntnissen statt 16. Ein Zahlenspiel. Das ist bei solchen Erhebungen durchaus üblich.« So wurde die Öffentlichkeit absichtlich im Unklaren darüber gelassen.7 5. So warnte Monika Queisser. Das gilt vor allem für die skandinavischen Staaten.1 12. etwa bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. mit denen fehlende Angaben ergänzt würden. ungleiche Bildungschancen –. Zentrale Botschaften der früheren Untersuchungen werden dadurch in ihr Gegenteil verkehrt. als es hierzulande der Fall ist. sagte Markus Grabka der ZEIT.4 9. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist aber ein Vergleich – zu anderen Ländern oder zur Vergangenheit. Das geben Mitarbeiter offen zu: »Wir hatten erwogen. Es geht dabei also um relative Armut. wie erfolgreich die deutsche Politik es angeht. und es lässt sich kaum beurteilen. als sie es bisher dargestellt haben: Deutschland rangiert bei der Bekämpfung der Kinderarmut im internationalen Vergleich tatsächlich nicht ganz hinten. Heute. Wenn die Datengrundlage so wackelig ist.7 14. welche Wege zur Armutsbekämpfung tatsächlich Erfolg bringen und welche nicht. Hierzulande sind nicht mehr.und Sozialsysteme Einkom- mensunterschiede stärker dämpfen. aus der Armut herauszukommen. wenn sie netto weniger als 1667 Euro im Monat zur Verfügung hatte. Die von der OECD für Deutschland publizierten Zahlen stammen vom DIW. So bleibt ausgerechnet bei dieser brennenden Frage unklar: Befindet sich Deutschland auf einer schiefen Ebene – oder auf dem richtigen Weg? Dass die Armut zunimmt. Einige Experten wissen das seit Langem. alte Befragungen neu auszuwerten. Was wenig später auch geschah. »aber wir wollten dann nicht noch Salz in diese Wunde streuen und haben darauf verzichtet. Allerdings ist auch das Gegenteil denkbar: Die Armut verringert sich. Wohl kaum ein Grund. So rasant hat sich die Armut wohl noch nirgendwo halbiert. neuere Zahlen gibt es nicht – waren es bloß 8. Polen und der Türkei. welcher überwiegt. etwa in Mexiko. Schlimmer sei die Situation nur in wenigen Ländern der entwickelten Welt.3 21. dass die Lage anders ist. lebe in Armut. das nach einer Reihe negativer Schlagzeilen und hausinterner Querelen gerade einen neuen Chef bekommen hat. »Früher war das Problem vernachlässigbar. versprach Ursula von der Leyen. Es war ein Schock und eine Blamage für die deutsche Politik. weil einer Journalistin der Financial Times Deutschland auffiel. wenn er netto über weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens im Land verfügt. Arbeitslosigkeit.zeit.3. was aus heutiger Sicht eine absurde Scheingenauigkeit darstellt.3 (2008) 9. Er arbeitet zusammen mit anderen Wissenschaftlern an einem neuen. Die Bundesrepublik gebe besonders viel Geld für die Familien aus. Und zuletzt – 2008. Bekannt wurde der extreme Rückgang der Armutsquote. deshalb lebten hier überdurchschnittlich viele Kinder in Armut. Nach den DIW-Zahlen ist die Kinderarmut bis 2004 rasant gestiegen und danach etwas gesunken. das einzugestehen. Dabei ist die Politik auf methodisch sauber ermittelte Daten angewiesen.5 8. Aber so krasse Veränderungen wie bei den neuen Armutszahlen sind ungewöhnlich.« Was tatsächlich die Ursachen für die Kinderarmut sind – niedrige Löhne.3 Prozent nur 10 Prozent aller Jungen und Mädchen in der Bundesrepublik arm. die Methoden zu verfeinern. als sie die alten Zahlen auf einer Pressekonferenz vorstellte. Das ist nur zur Hälfte richtig. Einmal mehr scheint sich der Uralt-Spruch von der Statistik zu bestätigen. Nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit ist jede verlässliche Studie recht.1 Millionen Kinder und Jugendliche lebten danach zuletzt in finanzieller Bedürftigkeit. Das Armutsproblem ist auch nach den neuen Zahlen nicht gelöst. deren Steuer. »Das Schlimmste für ein Kind ist sicher.« Armut sei allerdings auch nicht allein ein Geldproblem. »Unklar ist. »jedes arme Kind eines zu viel ist«.3 (2004) 17. um Einkünfte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 27 Auf einmal gut? Anteil der Kinder bis 18 Jahre. der man nur trauen dürfe. wenn man sie selbst gefälscht habe. die alten und die neuen Zahlen einander gegenüberzustellen«. Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der OECD. Fragwürdig erscheint jetzt eher. der beim DIW für die Erhebung zuständig ist.6 26. sondern weit vorne. Und wie schwer es den beteiligten Experten fällt.WIRTSCHAFT 12. Jedes sechste Kind in Deutschland. Die Berechnungen sorgten in Berlin zuerst für hitzige Debatten – und dann für Milliardenausgaben.

waren das für die Augenerkrankung an sich nicht zugelassene Krebsmittel Avastin von Roche und das Spezialmedikament Lucentis von Novartis. Sie Die Bundesregierung. wie sich das offiziell Gehirn. dass Lucentis zwar teurer. Ein Sprecher des centis als auch Avastin entwickelt hat. Diese traten bei Patienten. zu 30 Prozent beteiligt. Kontrollen. lungs. schätzen Experten.28 12. und die Zeit drängt beim Klimaschutz. Regierungen finden weltweit kaum Solar-Tour durch den indischen Bundesstaat Finanzierungsmöglichkeiten. weiß noch keiner. behandelt würden. sie renden Berufsverbände der Augenerhalten im Jahr rund 500 000 Inärzte in Deutschland klärende Entjektionen. Konnten Sie sie beruhigen? Naidoo: Wir sind die Länder durchgegangen. dass die Bevölheraus. 1. Ein amerikanischer Augenarzt hatte Avastin erstmals erfolgreich off label. die Initiierung neuer oder lassen. Lucentis errechneten Ökonomen. Neuer Druck könnte entstehen. inwieweit der Staat den Konflikt mit den Herstellern von Medikamenten wagt – und wie viel die Gesellschaft für Gesundheit zu zahlen bereit ist. auch Angela Merkel scheint zu beschäftigen. die mit Avastin nennt. So fordern die fühgibt es derzeit in Deutschland. Anteil an Atomstrom sind 57 Prozent der Menschen für ZEIT: Weltweit droht der Vereinen Ausstieg. Viele boykottieren es bis heute und bleiben Mediziner einig. dass die Behandlung mit dem Krebsmedikament Avastin gleich gute Ergebnisse erzielt wie die mit Lucentis. Warum? VON NICOLA KURTH ür diese Studie interessieren sich Augenärzte weltweit.emissionsarm aufzubauen. wollte er eingreifen konzerne.5 Millionen Deutsche leiden an einer Form der Altersblindheit.Krankenkassen längst angemessene Preise mit den marktet. Dass am Bundesherstellt. Doch solche Therapien sind nur erlaubt. Sie wollen wissen. wirksam schützen Atomkraftwerk von Areva ZEIT: Gerade in Entwickkönnte festgenommen. dass über die Risiken der Atomder Energie investieren. Die Hauptrolle spielen Sie. Avastin für die Ärzte mehr lohnt. Gerade haben Allerärmsten demonstriert. sagt er nicht. er steht exemplarisch für die Frage. da sind sich lassung.und den Status quo überwinden. die sich in Zeiten technisch immer komplexerer Behandlungsmethoden und immer kostspieligerer Mittel zunehmend stellen. etwas häufiger auf als bei PatienRabattverträge über die Nutzung von Lucentis ab. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT »Sie sind Vorreiter!« Kumi Naidoo. Fragen. dass es da eine Renais. angewendet. Bei der Zulassung von Kostet rund 1300 Euro je scheidungen seitens der Politik. dass sich die beiden Medikamente preislich annäherten. Naidoo: Tatsächlich ist unsere größte Herausdass ein Alleingang Deutschland isolieren forderung. sofern alle Patienten damit bereit sei zu bezahlen.6 Milliarden Menwir erlebt. dass die Präparate zwar nach Meinung vieler Experten im Wirkstoff vergleichbar sind. Brisant wird diese Einschätzung dadurch. Gener der Produkt. Das Risiko. Wie teuer es sein wird.) F » « Bei AMD ist das nicht mehr der Fall. könnten diesen Anteil schnell auf Freiheit in der Therapie. Der Fall weist über sich selbst hinaus. werden andere Ländas Klima ten gegen ein geplantes der nachziehen. Sie sollten Ihr lebensrettendes Wissen den Entwicklungsländern großzügig weitertechnik. Tim Brake/dpa (l.kraft. eine Praxis. sollte zu erleiden oder gar zu sterben. und ihr Alter lag im Schnitt deren Folge sich der Einsatz von der Studie bei über 80 Jahren.gäbe es für den Staat zur Genüge. welches von zwei patentgeschützten Medikamenten besser gegen die feuchte Makuladegeneration hilft. Sowohl Lucentis als auch kam Lucentis auf den Markt. sen. dass also womöglich dahingehend interpretiert. . Die Ergebnisse. ist wiederum Novartis. wenn wir mit VollEs ist also eine Brasilien oder Chile: Auch dampf in erneuerbare Quellen völlig unrealistische und eine effizientere Nutzung dort gibt es überall Debatten Darstellung. Stellen Sie sich einen atomaren Un. die sich mit für AMD zu testen und die dazu nötigen Studien den Fragen der Therapie einer altersbedingten Madurchzuführen. der Bau einer reKanzlerin. Naidoo: Das werden wir verNaidoo: Ob in der Türkei. Hafüber die Hälfte und mehr steigen tungsfragen. jeder Fünfte muss sich behandeln lassen. also abseits des eigentlichen Behandlungszwecks. übernehmen. Derweil Novartis die neue Studie kuladegeneration befassen soll. Da verwundert es institut für Arzneimittel bereits zu Jahresbeginn eine nicht mehr. Fotos: Thomas Einberger/argum (2). wie viel die SolidarMilliarden Euro pro Jahr kosten gemeinschaft für mehr Sicherheit könnte. Das entsprach Avastin solle offiziell erlaubt werden. Im Kern zeigt die erste große Studie über die Wirksamkeit der beiden Medikamente. sagt ein Insider. dass zu Roche.bringen. Das Unternehmen. Nach meinem Eindruck ist das der Kanzlerin bewusst. Im indischen Jaitapur Deutschland dabei weiter vodie Atomkraft wurden gerade Demonstranrangeht. das Lucentis heute Herstellern aushandeln könnten. eigenes Mittel zur deutlich höher als bei Lucentis. weil die Atom. die wachsenden VolksZEIT: Proteste gibt es da wirtschaften von vorneherein zwar. sei unter Avastin Bayer wie geplant 2012 ein neues. Menge Kohlenstoffschulden abzuzahlen. rigen Schwellenländern ist das aber anders. Wie stark ist Greenpeace dort vertreten? sen kann. Viele Krankenkassen schlossen mit Novartis behandelt wurden. die von der zuständigen Auf. levanten Zahl würde zu lange dauern. Sie sind Vorreiter! Aber CO2.Strom. die Lucentis injiziert bekamen. »Mit CATT wurde bestätigt. Seither folgten Mediziner weltweit seinem Beispiel. das einst sowohl Lu. da wird mit zweierlei Maß gemes. über die Versorgung der Welt mit Energie und den deutschen Atomausstieg ZEIT: Herr Naidoo. aus denen Flüssigkeit austritt. und es käme zu wenig Strom dabei um zu zeigen. gieversorgung zu beschleunigen. nicht die Behauptung. den Ausstieg aus der fossilen Enerkönnte. die häufigste Ursache für Blindheit im Alter (AMD).Zum Beispiel haben wir vor Kurzem bei einer sance gebe. Weitere Vergleichsstudien könnten die Debatte aber so etwas wie der Goldstandard in der Therapie der Altersblindheit sei. in klein. Seit 2005 kann diesen Patienten mit Injektionen von Avastin ins Auge geholfen werden. die daheim aussteigt.ten serious adverse events wie einem stationären Kransichtsbehörde in Deutschland noch toleriert wird – in kenhausaufenthalt oder Durchblutungsstörungen im einer »wohlwollenden Duldung«. Man investiert weiter in Atom. einen Schlaganfall beenden. Naidoo: Ja. Heikel wird der seit Jahren schwelende Streit die Unterstützung laufender Studien – Stellschrauben durch die Verflechtungen der beteiligten Pharma. Das Gespräch führte CHRISTIANE GREFE Gleiche Wirkung Bei Altersblindheit helfen zwei Medikamente. Selbst in dass die Atomkraft das Klima Frankreich mit seinem hohen wirksam schützen könnte. so der Tenor. Der Wirkstoff unterbindet die Blutversorgung von Tumoren – im Fall von AMD lässt sich mit ihm das abnorme Wachstum der Blutgefäße hinter der Netzhaut stoppen. die nun vor wenigen Tagen bekannt wurden. halten Sie den deutschen ZEIT: Ein Argument der Kernkraftbefürworter Atomausstieg für einen »Sonderweg«? stimmt ja: Kernkraftwerke emittieren weniger Kumi Naidoo: Nein. Chef von Greenpeace International. Allerdings war zugleich aber eigene Verträge mit die Anzahl der Patienten relativ den operierenden Augenärzten. wie hilflos selbst die Hightechnation schen haben ja noch gar keinen Zugang zu Japan war.und Schwellenländern gilt es.Bihar die Chancen solarer Kleinanlagen für die kraft zu teuer und zu riskant ist. 4. Naidoo: Die realen Investitionen decken aber Naidoo: Jedenfalls tun wir schon eine Menge. sind brisant. wenn es um den Erhalt und die Verbesserung der Sehschärfe der Patienten geht. wenn kein anderes zugelassenes Spezialmittel zur Verfügung steht. Injektion: Lucentis Wirkten beide Mittel gleich.geben. Wenn kraft. sich aber enorm in den Kosten unterscheiden: Lucentis ist mit 1300 Euro pro Injektion rund 30-mal so teuer wie Avastin von Roche. Aber derzeit ZEIT: Vergangene Woche waren Sie ja bei der decken AKWs nur zwei bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs. verfügen über Technologien und Wirtschaftsunterstützt den Export deutscher Atom.Bekämpfung der Altersblindheit auf den Markt legung der festgestellten Unterschiede in der CATT. aber auch die Hoffnung. ten. Bewegung in die Sache kommt. Die Sehzellen sterben ab. Unterschiede gibt es bei sogenannbei Avastin. Dabei ist die Aus. An Roche. Gegenstand des abgekürzt CATT genannten Vergleichs. Eine nachträgliche Aktuell werden noch rund ein Drittel der Patienten mit Avastin beIst im Preis etwa 30-mal Nutzenbewertung könne dazu fühgünstiger: Avastin handelt. in hindern. Der Preisunterschied Avastin waren ihr zufolge insgesamt gut verträglich empörte Kassen wie Mediziner schon bei der Zu. Deshalb gilt aber auch weiterhin: Sie in fall im indischen Rajasthan vor! den Industrieländern haben erst mal noch eine ZEIT: Viele rechnen aber mit einem Geschäft. was sowieso schon alle wussten«.und Preispolitik schätzte 100 000 AMD-Patienten der Hersteller. weil sich hinter der Netzhaut kleine Blutgefäße bilden.hinsichtlich relevanter Nebenwirkungen. den das staatliche National Eye Institute in den Vereinigten Staaten angestellt hat. Avastin als Mittel Expertengruppe eingerichtet worden ist. Weiter verbreitet ist das teure. zicht auf Atomenergie eine Renaissance der Kohle nach ZEIT: In den energiehungsich zu ziehen. gehört seit 2009 Gesundheitsministeriums aber lässt nur wissen. weit ablehnen. dass Atomkraft den Klimawandel brem. Die Ergebnisse der Studie ren. bleibe dass es die Krankenkassen drei die Frage. Schon widersetzen sich MediziEs geht um sehr viel Geld. Im Januar 2007 Studie keinesfalls eindeutig. dass Roche es ablehnt. das Avastin in Europa ver. Es ist also eine völkerungen die Atomkraft weltlig unrealistische Darstellung. seinerzeit einem Achtel des gesamdie Überwachung der Sicherheit könne ein unabhängiges Institut ten deutschen Arzneimittelbudgets.

Insgesamt rund 775 000 Euro gibt es vom Staat. um die Nahrungsmittelindustrie aufzuregen. dass sie die Kennzeichnung schnell verbessern. ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. Die Wahrung von Geschäftsinteressen ist ein wichtiges Gebot. Das Angebot ist dreigeteilt: Im Informationsbereich können sich die Besucher der Website in rechtlichen Fragen kundig machen. ist nicht imstande. sagt Janina Löbel. Vollmundige Werbeversprechungen suggerierten Qualität oder Nähe zur Natur. »Wir können damit leben«. Skepsis löst bereits die Konstruktion der Plattform aus: die Mischung aus Staat und privatwirtschaftlicher Initiative. In diesem Fall wird er nur auf den Informationsteil verwiesen. Und niemand müsse eine Verunglimpfung befürchten. dass es als Informations. Und das im Zusammenhang mit einer lediglich »gefühlten Täuschung«. es würden auch Produkte angeprangert. sich im Diskussionsbereich an Debatten zu beteiligen oder Fragen an ein Expertenforum zu richten. Sie und ihr Kollege Hartmut König. schreibt er. was kritisiert wurde. wird das Produkt im Internet abgebildet. nicht aber ein Bundesministerium«. ob die Bundesverbraucherministerin überhaupt für ein solches Projekt zuständig ist. Professor für Öffentliches Recht. so hoffen die Initiatoren des Portals.birgitlang. Sie stört insbesondere. wann und was im Einzelfall an die Öffentlichkeit darf. zum Beispiel mit Abmahnungen. Und das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken darf auch aus Dänemark stammen. Manche Hersteller sind deshalb bereits alarmiert. Ohne vernünftige Information könne Vertrauen nicht bestehen und Kritik nicht wirksam sein. Hassemers klares Urteil: »Dieses Internetportal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel. ohne dass wir rechtlich. hintergangen oder enttäuscht worden zu sein. geht mit dem Projekt streng ins Gericht. »Manche reagieren direkt und ändern. der bei der Verbraucherzentrale Hessen das Projekt leitet. wenn die zuständige Behörde tätig geworden ist. sondern sie auch gleich bewerten. Nächsten Monat soll es laut Janina Löbel trotzdem losgehen. ist. dass ein fairer und sachbezogener Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern gewährleistet ist. Und sie haben ein Recht auf Akteneinsicht. »Das Portal wird so konzipiert sein. Es können nur vorgegebene Fragen beantwortet werden. Doch die Konstruktion des Portals verhindert das. der Markt würde womöglich gestört. »Das Portal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel« Auch Professor Winfried Hassemer. Aigner: »Die Lebensmittelüberwachung ist und bleibt Aufgabe der Länder. Fachleute in der Internetredaktion prüfen die Kritik und bitten die betroffenen Hersteller um eine Stellungnahme. sagt Janina Löbel. Es trägt den Namen »Klarheit und Wahrheit«.WIRTSCHAFT 12. die davon ausgingen. Dabei findet er es grundsätzlich gar nicht schlecht. So etwas ist – wenn überhaupt – nur dem Kleingedruckten auf der Packung zu entnehmen. Lebensmittelbehörden können nur in engen Grenzen agieren Obwohl das komplette Portal mit allen Funktionen noch nicht in Betrieb ist. sagt König. begegnen sie mit einer speziellen Rubrik. Auch Rechts. Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich deshalb gelegt. Lebensmittelbehörden müssen vorsichtig agieren. einen solchen Eingriff durch eine derart mächtige Institution zu rechtfertigen. Auch in einem anderen Fall gab es heftigen Ärger: beim so- genannten Arztnavigator. vorgehen müssen«. So muss beispielsweise eine Kalbswiener lediglich 15 Prozent Kalbsfleisch enthalten. Was sie vor allem stört. dass dem Hersteller zwar eine kurze Frist zur Kommentierung eingeräumt werde.« Zudem haben die Konstrukteure des Portals aus der bisherigen Kritik bereits ihre Lehren gezogen. wenn sie sich nach diesen Vorgaben richten. So will es unter anderem selbst das Verbraucherinformationsgesetz. Darf im Schwarzwälder Schinken auch Fleisch aus Dänemark sein? Oder Hühnchen in der Kalbswiener? Im sogenannten produktbezogenen Bereich können Verbraucher konkrete Beispiele melden. und kritisiert zugleich. können schon heute Meldungen abgegeben werden. Digitale Sammelstellen dieser Art schrecken inzwischen nicht nur Unternehmen auf. Präsident des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft (BLL). sondern auch zum Bestandteil von Auseinandersetzungen und Interventionen gemacht würden. versehen mit dem Kommentar des Herstellers. die rechtlich in jeder Hinsicht zulässig sei. Sie koordiniert das Projekt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. könnten die Verbraucher bei der Nutzung des Angebots eindeutig erkennen. B bensmittelbehörde. Bis endgültig klar ist. Dort können die Kassenmitglieder nicht nur Ärzte suchen. diese selbst aber das Problem sind. bauen auf die Einsicht der Hersteller. Schon diese zwei Wörter reichen aus. etwa über Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Andere setzen sofort Rechtsanwälte in Bewegung«. Das ist nicht das einzige Argument. Dort ginge es um die »gefühlten Rechtsverletzungen« von Laien. vorausgesetzt. Dass die Meinung der Verbraucher nicht nur erforscht. Oftmals sei es damit aber nicht weit her. Außerdem hat er Zweifel an der notwendigen Neutralität des Portals. sagt sie. Wenn die Verbraucherschützer eine Beschwerde fachlich nachvollziehen können und sie für plausibel halten. könnten die Eigentumsgarantie. »Informationseingriffe sind von vornherein nur rechtmäßig. dass Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner das Portal finanziell unterstützt. Das Vorhaben löst deshalb so viel Aufregung aus. sei eines modernen Staates und einer Informationsgesellschaft würdig. bevor sie bei Nahrungsmittel-Skandalen Ross und Reiter nennen dürfen. Dem Vorwurf. fühlen sich manche Verbraucher dennoch getäuscht. Betroffene Interessen würden ausgeblendet. »Lebensmittel sind heute ein komplexes Gut. die Verbreitung der Sache aber dann auch ohne diesen Kommentar erlaubt sei. könnte auch der Gesetzgeber beim Erlass seiner Vorschriften lernen. obwohl sie lebenswichtig sind«. dass der Ministerin die Zuständigkeit fehle. bei denen sie sich durch die Aufmachung und Kennzeichnung in die Irre geleitet fühlen. Auf einem Portal wie dem geplanten können sich die Teilnehmer sehr viel freier äußern als Beamte in den Behörden. Sie fürchteten.de . Betrieben wird das Portal vom Verbraucherverband Hessen. »Wir hoffen. vergeht – zum Ärger vieler Verbraucherschützer – deshalb meist viel Zeit. Im Augenblick aber sind große Teile der Lebensmittelwirtschaft regelrecht empört. dass künftig lockere Debattierzirkel erboster Verbraucher das strikte Reglement amtlicher Kontrolleure ersetzen könnten. Daraus machte er in einer Stellungnahme für den Verband BLL auch keinen Hehl.und Staatswissenschaftler Fritz Ossenbühl bemängelt. dass in dieser Branche hauptsächlich Gauner unterwegs seien.« Aber dann: Es gehe in dem Konzept weder um Recht noch um Kontrolle oder Sanktion. Im Übrigen. Außerdem wird es die Möglichkeit geben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 29 Alles wahr oder was? Auf einem neuen Portal im Internet können sich Verbraucher demnächst beschweren. dass ein Verbraucher lediglich schlecht informiert ist«. Hassemer gibt zu bedenken: »Allein das subjektive Gefühl einer Person. Das ist in der Regel die örtlich zuständige Le- Illustration: Birgit Lang für DIE ZEIT/www. weil befürchtet wird. das Grundrecht auf Berufsfreiheit oder das auf Gleichbehandlung verletzen.und Meinungsforum dienen soll und kein Organ der amtlichen Überwachung sei. wenn sie sich von Lebensmittelherstellern getäuscht fühlen. sagt er. Die Doktoren liefen zunächst dagegen Sturm. deren Kennzeichnung rechtlich in Ordnung sei. stellt die Ministerin klar. Die Industrie läuft Sturm dagegen VON GUNHILD LÜTGE ananenschokolade ohne Banane. »Manchmal stellt sich auch heraus. Hassemer: »Es markiert einen Weg zu bürgerlicher Autonomie.« Die Initiative liefe im Rahmen einer ganz normalen Projektförderung. heißt es bei der Bundesärztekammer heute. Die Mogler und Trickser sollen schon bald ausgebremst werden: mit einem neuen Internetportal. Obwohl sich Hersteller völlig korrekt verhalten. Staatsund Verwaltungsrecht an der Universität Mainz. hervorragende Lebensmittel in der Bundesrepublik Deutschland«. So bezweifelt Friedhelm Hufen. Er weiß etliche Juristen auf seiner Seite. Daraus. verunglimpft zu werden. monieren Verbraucherschützer. Zuckersirup statt Honig. so Werner Wolf.« Als juristische Schludrigkeit bezeichnet er es. sie haben strenge Vorschriften zu beachten. Dort werden jene Lebensmittel präsentiert. Ilse Aigner versucht derweil die Wogen zu glätten: »Wir haben erstklassige. So sind beispielsweisen frei formulierte Texte nicht möglich. dessen Eigenschaften die Verbraucher aus eigener Anschauung regelmäßig nicht kontrollieren können. Kräuterbutter mit Margarine. er hat tatsächlich reagiert. dass einzelne Unternehmen und deren Marken an den Pranger gestellt werden können. es gehe vielmehr um eine spezifische Form von Kommunikation. Gerade aber im Ausblenden des Rechts liege das Problem. Der Name suggeriere.« Die Eingriffe. mit dem sich Vertreter der Branche gegen die Initiative wehren. Auf einer Fachtagung übten sie jüngst massiv Kritik. Problematisch sei vor allem der produktbezogene Bereich. den die Krankenkassen AOK und Barmer in der vergangenen Woche im Internet starteten. Deshalb müssen die betroffenen Firmen zum Beispiel angehört werden. dass »hoheitliche Gewalt durch gesellschaftliche Zwänge ersetzt werden soll«. deren Kennzeichnung zwar den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht. Außerdem sind Beschwerden gegen Entscheidungen der Lebensmittelkontrolleure möglich.

Irgendwann meldete sich schen auf die Bedrohungslage. Die Veranstaltung ist für den Sender eine gute Gelegenheit. zuvor hat er acht Jahre lang in Erfurt die Geschäfte für den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal geführt. Fragen aber zunehmend merkwürdig vorkamen. bei dem etliche Millionen Euro veruntreut wurden. Die Ansprache sei in diesem Umfeld ein bisschen befremdlich gewesen. und wenn Sie meinen neu.« An Skatrunden bei seinem Mitarbeiter zu Hause hat Beckmann auch schon mal selbst teilgenommen.der DAX-Unternehmen selpositionen haben oft Profile schäftsdetails und den Kunden. bei dem die Fehler beanstandet wurden – Marco K. Beschäftigungen vor der NDR-Zeit könnten arbeitsrechtliche Maßnahmen grundsätzlich nicht begründen. sagt die Verfassungsschützerin.zutage Soziale Netze«. Das hatte ein Revisionsbericht von ZDF und HR ergeben. der Dax-Konzerne. dass Mitarbeiter die »Sachlich richtig«-Abzeichnung vornahmen. trennte zwischen Beruflichem und Privaten kaum. der nicht vom Zocken in Casinos und der Übergabe von Geld in DVD-Hüllen handelt. sagt Zitting. Der auch um Spionage Mann wurde von einem angebInhaber des ursprünglichen Un. die das nicht beurteilen konnten und teilweise auch nicht berechtigt waren. In diesem Jahr eröffnete Fernseh-Programmdirektor Frank Beckmann die Veranstaltung mit einer Verteidigungsrede in eigener Sache. der Hintermänner dieser Aktionen und der darauf an die erfolgreiche Romeo-Masche von DDR.sperrt den Zugang zu auf Businessportalen wie Xing stamm kannte. Tisch landete und bei dem unlautet die Einschätzung der Verklar ist. der der Information jedoch nicht nachging. sagt ein Mitarbeiter. lässt sich oft Spionen gegenüber Bonner Ministerialsekretä. Die Gründerin be. den die Revisoren von MDR und ZDF verfasst haben. »Ich beobachte das Ausspähen von Profilen durch beendete er das vermeintliche VorstellungsKonkurrenzfirmen und Nachrichtendienste seit gespräch. die wir pro Jahr bearbeiten. Der Fall steht exemplarisch für den Trend. Das schaffen«. sei die Gutgläuoder LinkedIn. Weil er seiner Exsante und hochdotierte Stelle Kommilitonin vertraut hatte. erklärt Raiu. Die Geschäftsidee war uns die Hände gebunden. die damit wichtige gesellschaftliche Projekte fördern. Heute wird zuerst versucht. Bei der Kontaktaufnahme in Sozialen NetzSoziale Netzwerke an die Informationen zu kommen«. ob er etwas von der Spielsucht gewusst habe. Er unterrichtete damals den Redaktionsleiter.fachliche Foren gefragt. Direktor takte zu schließen – und persönliche Infor. Normalerweise. »Ich habe bei dem Herstellungsleiter in keinster Weise Verdacht schöpfen können«. weil sie leichter Vertrauen formationssicherheit bei HvS Consulting. Der bei einem bige aus der Firma ausgebootet Sozialen Netzwerken – Softwareentwickler beschäftigte worden. Zum schnellen und effektilogisch. sagt Costin Raiu. Zu den großen Profiteuren des Betrugs gehört auch das Spielcasino in Erfurt. um Sicherheitslücken in ihren UnterMittelstand zu seinen Kunden. dass mit dem Gewinn am Ende Gutes getan wird. und daviele deutsche Großunternehdurch einen privaten Kontakt men. Dabei wurden zum Beispiel Aufträge für Trailer oder Onlineseiten gefälscht. sich selbst.sogar Programme. Als Freund eines sind sich die Fachleute in dieser Frage einig. Dort hielt man fest. dürfte die Sache aber teuer gemacht haben. Da erscheint es fast anbieter Kaspersky. unter Einrechnung der Gewinne. Bei ARD und ZDF verweist man lieber auf die Fahrlässigkeiten des MDR. Die Wirtschaft reagiert inzwiwurde. dass diese Netze auch vom zweitältesten ven Auskundschaften schreiben die Kriminellen Gewerbe der Welt für seine Machenschaften ge. Falsche Freunde Ideen klauen. So wurde etwa beanstandet. Als möglicher Nachfolger wird Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz genannt. Wer die 2. Und das werken sind Umwege beliebt: »Die Kriminellen gilt allgemein mit steigender Tendenz. die diese Rechnungen ausstellten. In dem etwas trockeneren Teil des Revisionsberichts von MDR und ZDF. Der Mann Wettbewerber oder ein Nachüberredete sie. von einem Freund der Zielwenn es keine offiziellen Statistiken dazu gibt. er habe dabei vorzugsweise an einem Hyperlink-Automaten mit einem Einsatz von 40 Euro gespielt und pro Woche zirka 20 000 Euro verdaddelt. . »Sie ist in ihrer Ein Beispiel. Eine Frau hatte nach dem gemeinsamen Hoch. auf die im Onlineprofil der Firma verwiesen nicht für die Spionage durch Firmen zuständig. Sie führen bis zu 80 Prozent an die Länder und Kommunen ab. Mitarbeiter in SchlüsAls der neue Partner die Ge. für gelungenen öffentlich-rechtlichen Journalismus zu feiern. Dummerweise beauftragte der MDR mit der Verbesserung der Kontrollen aber denjenigen. Berater für In. Beckmann ist seit Ende 2008 in Hamburg beim NDR. ob sich Beckmann auf seinem Posten halten kann. Programmgeschäftsführer Beckmann wurde damals ebenfalls informiert und soll geantwortet haben: »Ich kenne Marco. Den Gebührenzahler tröstet vielleicht die Information der Westspiel Casinos. erklärt Sicherheitsgerissen die Recherchen mit den Mitteln des Web forscher Stefan Tanase von Kaspersky.24 Euro.Muster vor«. zeigt ein Fall aus Berlin. Leiterin des Wirtschaftsschutzes beim an der Tischkante wahrnehmen. »Damit ist ein fingiertes Bewerbergetappte sie endgültig in die Falle. »Alle gezielten Attacken nutzen heut. so ist er nun mal. sagt Heike Schreibtisch sehen. musste ihn der MDR aus einem Las-Vegas-Urlaub mit einem Freund und Mitarbeiter holen. die automatisch die Profile nutzt und missbraucht wird: der Spionage. Wie durchforsten und analysieren.nicht klar.s Komplizen bei den Firmen. rund 50 Fällen. von ihrer Firma. was Beckmann gewusst habe oder fahrlässig übersehen. dass er dabei trotzdem nicht besonders gut wegkam. so Zitting. Eine gern angezapfte QuelUnternehmen ist auf die Bekämpfung von In.« Zittings ProBerliner Verfassungsschutz. Im Bericht. In Thüringen ist das die Ehrenamtsstiftung. Und die Frage. in dessen Verantwortung der Kika fällt. werden Sie meine Bissspuren Zitting. Beim NDR debattieren die Mitarbeiter nun. das auf Zittings Naivität darauf hereingefallen«. haben sechs mit Sozialen Netzwerken zu tun«. die 700 000 Menschen in ihrem Engagement unterstützt. person akzeptiert zu werden. Dafür mitverantwortlich war MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser. »Dieser Schriftverkehr sei dem Redaktionsleiter im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang Dezember 2010 aber aus einem Ordner in seinem Büro entwendet worden. Damals wurde auf die Schwachstellen im Kontrollsystem von MDR und Kika hingewiesen. Beide Unterneh. Wie viel diese gesichtswahrende Lösung den Gebührenzahler gekostet hat. Dass Tanhäuser erst im September für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden war. steht: Schon 2009 waren Rechnungen aufgefallen. Auch versuchen zunächst. Bei den Tätern sind oft »kleine. berichtet Zitting. und »die Firma lief richtig gut«. Es ging um seine Vergangenheit beim Kinderkanal. die nicht ordentlich geprüft worden waren. Ein Teil des Geldes ging an K. »Von Freundes wirken sie dann viel vertrauenswürdiger.« Zur anschließenden Unterredung traf man sich in einem Hotel. Allerdings muss man fairerweise sagen. garniert mit ein paar launigen Worten. Abhilfe ist schwierig: »In vielen Fällen sind schulabschluss mit einem Studienkollegen ein Unternehmen gegründet.nur schwer ausmachen.le sind laut Sicherheitsberater Hochenrieder auch dustriespionage spezialisiert und zählt die im die Einträge von IT-Experten.auch potenziellen Angreifern verraten.« Knapp ein Drittel spräch. und konkrete Änderungsvorschläge wurden gemacht. Um ihn verhaften lassen zu können. als seine Firma trotz der zusätzlichen Einnahmen auf die Insolvenz zusteuerte. um Kon. dass sie damit diese Lücken ungewollt nalität. Marco K.30 12. hat über diese Summe Scheinrechnungen bezahlen lassen. Frank Beckmann hat sich bislang nur einmal öffentlich zu der Sache geäußert – in seinem eigenen Programm bei Zapp. sagt Hahn.0 betrieben werden. antwortet Beckmann auf die Frage. »Wir prüfen die Vorgänge und behalten uns Schadensersatzansprüche in alle Richtungen vor«. sich mit ihm Kanal geschlossen richtendienst dahintersteckte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Brot und Spiele Millionenbetrug beim Kinderkanal: Die beteiligten Sender streiten VON ANNA MAROHN E Kika-Star Bernd das Brot musste für Scheinrechnungen herhalten inmal im Jahr verleiht der Norddeutsche Rundfunk intern den Sehstern. sehr private oder berichtet Michael Hochenrieder. darunter knapp ein Drittel knüpfen konnte. die in Fachforen nach Dax gelisteten Konzerne und den gehobenen Tipps fragen. sagt Zitting. gab es keine Konkurrenzschutzklausel.beruhenden Spionageangriffe sind. den Zugang Später erzählte ihm die Frau zu Facebook oder ähnlichen bei mehreren Treffen noch mehr Plattformen gesperrt. Marco K. Oft scheint ihnen Noch höher ist die Quote in der Cyberkrimi. über Ausspähung der Konkurrenz. nehmenssystemen zu schließen. »Geheimdienste und Konkurrenzfirmen gehen nach dem gleichen rinnen erinnert. liest sich das anders. wenn sie die Zielperson anschreiben«..« Im November 2007 habe außerdem ein Kika-Mitarbeiter über eine mit ihm befreundete Casinomitarbeiterin von den Spielgewohnheiten des Herstellungsleiters erfahren.vorzubeugen lichen Headhunter angeschrieternehmens musste alles machtlos ben: »Wir hätten eine interesmit ansehen. Auch sein Nachfolger als Programmgeschäftsführer bemerkte den Betrug nicht und wurde dafür bereits abgemahnt. Offensichtlich handelte es sich um vier Jahren. Nach Angaben eines Kika-Redaktionsleiters soll es schriftliche Memos an die Programmgeschäftsführer gegeben haben. »der erst sehr Aus Sicherheitsgründen haben nett schrieb«. Er brachte das System durch eine Selbstanzeige im Herbst zu Fall.die Abwehr gegnerischer Nachrichtendienste. will der Sender mit Hinweis auf vereinbarte Vertraulichkeit nicht preisgeben. Da dem Mann die men existieren noch heute.blem: Rechtlich ist der Verfassungsschutz nur für schrieb die Dienstleistung auf ihrer Facebook. Herstellungsleiter Marco K. NDR-Justiziar Werner Hahn betont hingegen. Die Nummer zwei im Kika. der im Zuge der Affäre »ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens sein Amt zur Verfügung stellte«. Montage: DZ S oziale Netzwerke eignen sich gut. selbstständig zu machen. sei im Jahr 2010 103-mal zu Besuch gewesen.für Sie. ein Mann bei ihr. Viel floss an den Geschäftsführer der Koppfilm. Seite. ob ein ausländischer fassungsschützerin. Der vorläufige Gesamtschaden beläuft sich auf 8 183 815. wie der MDR in einer Pressemitteilung schrieb.für Forschung und Analyse beim Virenschutzmationen einzuholen. der dabei war. Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu VON ULRICH HOTTELET Foto: interTOPICS.

wenn sie sich eigentlich nichts vorzuwerfen haben. wird enttäuscht werden. und deswegen wackelt auch der Termin in der nächsten Woche. was ihnen Kapitalmarkt und Selbstüberschätzung genommen haben. Zur Wahrheit gehört aber auch. Die meisten anderen hoffen auf die nächste Woche. Das Parlament muss gehofft haben. weil ihre Aktien dort gehandelt wurden. sondern auch in der Abwicklung von Gerichtsprozessen unterscheiden. Selbst im Fall einer Niederlage müssen sie nicht einmal ihren eigenen Anwalt bezahlen – denn mit dem haben sie typischerweise ein Erfolgshonorar vereinbart. Ursprünglich sollte das Sondergesetz nämlich zum November 2010 wieder außer Kraft getreten sein. und ein Jahrzehnt reicht offenbar immer noch nicht aus. Für Anwälte ist es zudem oft nicht attraktiv. Das Prozesskostenrisiko bei Massenverfahren beträgt wegen der Gerichts.50 Euro auf heute gut 11 Euro. Das Ergebnis dürfte in einigen Monaten veröffentlicht werden. Prozesse gut und schnell zu führen. die sich leicht lenken lassen. gründlich zu recherchieren und komplizierten Wirtschaftsfällen bis ins Detail nachzuspüren. Der Kurs der Papiere fiel von 66. Die Kommissare Viviane Reding und Joaquín Almunia erwägen. die amerikanische Laienjurys in solchen Fällen gern zusätzlich anordnen. Stephanie Pilick/AP (v.50 € Start am 15. Schauspieler Manfred Krug. Viele verloren vieles. Dann will das Oberlandesgericht in Frankfurt entscheiden. um die Grenze zwischen Börsenschwindel und Fehlspekulation zu ziehen. dürfte es der Fall seines Lebens sein. sein Anliegen einem Richter vorzutragen. Und so mischen – vertreten von rund 800 Anwaltskanzleien – auch die übrigen Kläger munter mit in dem Musterverfahren. Damit kann ein Unternehmen gezwungen werden. wie hoch der individuelle Schaden gewesen ist. der die Telekom gegen die Aktionärsstreitmacht verteidigt. manche alles.11. oft über Jahre und Ländergrenzen hinweg entstanden. Doch Brüssel dürfte mit dem Binnenmarkt argumentieren: Grenzüberschreitender Streit braucht ebensolche Regeln. Politisch ist das Thema gleichwohl heikel. Geduld ist die Tugend enttäuschter Aktionäre. Das Grundgesetz garantiert jedem das Recht. weil sie extrem viel gewinnen können. Arbeiter und Angestellte zu Börsenfans. herauszurücken und auf eigene Kosten neu aufzuarbeiten. Bis auf Weiteres.57 € 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Der Zorn der siebzehntausend Das Urteil zum Börsengang der Telekom fällt bald. ihr Recht überhaupt erst zu beanspruchen. dass Unternehmen auch dann zahlen. Vertragsentwürfe. Dabei trieb die in Wahrheit oft nur die Gier. wie so oft bei juristischen Auseinandersetzungen in den USA.l. Deswegen wurde die Entscheidung in der Vergangenheit immer wieder vertagt. sondern die Werbung des privatisierten Staatskonzerns und die gezielt geschürte Masseneuphorie. Die deutsche Methode könnte künftig stärker von Brüssel geprägt werden. Für den Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz. sich in komplizierte Wirtschaftssachen einzuarbeiten. Wie praktisch alle class actions endete auch die gegen die Telekom nicht mit einem Urteil. Diesen Teil der Wahrheit ans Licht zu bringen überfordert jedes Gericht. wer das Börsendebakel letztlich zu verantworten hat. als man zu verstehen glaubte. müssen neu katalogisiert werden. dass die Sache längst erledigt gewesen wäre. Der Schauspieler gab der Privatisierung des Staatskonzerns ein Gesicht und buhlte um das Geld der Massen. dass man damals weit weniger vom Kapitalmarkt verstand. dass die Parteispenden der 110 bedeutendsten Klägeranwälte sowie ihrer Dachorganisation ATLA im vergangenen Jahr zu rund 97 Prozent an die Partei von Präsident Obama flossen. Nun soll Justitia den Anlegern zurückgeben. Vom eigentlichen Schadensersatz war da noch nicht einmal die Rede – und auch nicht von den möglichen Strafzahlungen. ein schlechtes Anreizsystem und lange Ver- fahrensdauer auf der anderen: In den USA wächst ebenso wie hierzulande die Unzufriedenheit beim juristischen Umgang mit Massenschäden. Zwischen 10 und 20 Prozent bekommt normalerweise ein Rund 800 Anwaltskanzleien mischen in dem Verfahren mit In den Vereinigten Staaten gibt es solche Mammutverfahren viel häufiger. denn das Zivilrecht ist Sache der Mitgliedsländer. Die Begeisterung für die T-Aktie machte damals Hausfrauen und Rentner. Die Anwälte bemühen sich.1996 Sie schufen einen Börsenalbtraum (v. der eine Sammelklage gegen ein Unternehmen erfolgreich durchsteht oder einen Vergleich erzielt. die auch unbedarfte Anleger damals zum Kauf der Papiere animierten. Anwaltsverbände und Juristenorganisationen zur Modernisierung der europäischen Sammelklage.n. irgendwo zwischen Spots für Waschmittel und Tütensuppe. versprach Manfred Krug im Werbefernsehen. Finanzminister Theo Waigel (rechtes Bild in der Mitte) 15. Sitzungsprotokolle. Der Washington Examiner hat herausgefunden. Die Telekom wurde nach ihrem Börsengang auch in den USA verklagt. 3. alle Dokumente. Kläger können sogar mehr verlieren als gewinnen – was viele abschreckt.) . Eine Sammelklage in den USA war nach wenigen Jahren erledigt In den Vereinigten Staaten wäre es undenkbar. Masseneuphorie kann nur dort entstehen. Es ist gut möglich. Vor allem die bei Klägeranwälten beliebte document discovery lädt zum Missbrauch ein. die für den Fall relevant sein könnten. Zwischen Februar und April befragte die EU-Kommission Regierungen. Ihr Honorar bemisst sich in der Regel am Streitwert der einzelnen Klagen und ist damit oft viel niedriger als das ihrer amerikanischen Berufskollegen. Oder als Suche nach der Wahrheit. um die Causa Telekom zügig abwickeln zu können. werden alle etwas gemeinsam haben. Krug tat etwas. Zumindest die Demokraten aber scheinen den Klägeranwälten eng verbunden zu sein. Wichtige Änderungen. als solche hochkomplex und von Einzelnen kaum zu durchdringen. 2000 12. Wer mit Telekom-Aktien 5000 Euro verloren hat. Nach mehr als zehn Jahren Kampf kommt es auf ein paar Tage nicht an. die zukünftig Sammelklagen provozieren. Aktien der Telekom empfohlen zu haben. Reichlich Stoff also für viele weitere Prozessjahre.WIRTSCHAFT höchster Stand am 6. sondern mit einem Geschäft zwischen den Beteiligten: Wichtiger als die Frage. Ein Beispiel: Als der USPharmakonzern Merck wegen seines Schmerzmittels Vioxx vor einigen Jahren mit einer Sammelklage konfrontiert war.): Ex-TelekomChef Ron Sommer. klagten rund 17 000 einst stolze T-Aktionäre auf Schadensersatz. Das Kapitalanleger-Musterverfahrens- Fotos: Bernd Kammerer/AP/ddp. so wie die Deutschen. dass der Termin der Urteilsverkündung noch einmal verschoben wird. »und ich geh’ mit«. Testergebnisse und viele Papiere mehr. Das birgt grundsätzlich das Risiko. Damals galten T-Aktien noch als Volksaktien. In Deutschland sind die Anreize andere. Sparbuchfetischisten wären zu besonnenen Investoren gereift. weil Kläger kein finanzielles Risiko tragen. schloss der Konzern in den Staaten bereits 2005 einen Vergleich: Er zahlte 120 Millionen Dollar. die das Frankfurter Oberlandesgericht nun versucht aufzuklären. Vorstandskorrespondenz. Man kann den Kampf ums Recht folglich als Geschäft begreifen. was Tausende andere noch nicht getan haben: Er setzte sich mit seiner Verantwortung während des größten deutschen Börsenversuchs auseinander und machte seinen Frieden. Doch während man hierzulande noch viele Jahre lang weiterprozessieren dürfte.r. Lange Zeit grübelte Krug. wird wohl Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. ob die Deutsche Telekom beim letzten ihrer drei Aktienverkäufe im Jahre 2000 massenhaft Kleinanleger getäuscht und um Teile ihres Vermögens gebracht hat. Diesen Musterfall klärt demnächst das Oberlandesgericht: Ein süddeutscher Pensionär hatte ein Vermögen mit T-Aktien verloren. 2011 um 17 Uhr 11. die zehntausendfach ein unzureichend getestetes Medikament schlucken. Der bedeutendste Massenprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte erreicht nun seinen Höhepunkt. sind ökonomische Rechnungen. Merck beendete den Fall außergerichtlich. Tatsächlich waren es wohl nicht die fragwürdigen Detailangaben im Börsenprospekt. etwa bei document discoveries oder den Anwaltshonoraren. Der Mann will darüber nicht öffentlich reden. Irgendwann wird die Verteidigung extrem teuer. Sie sind Ausdruck einer globalisierten Wirtschaft. Etwa den. Der amerikanische Ansatz führt zu ökonomischer Effizienz. machen Eingaben und stellen Ergänzungsanträge. Das erledigen dann Scharen von Anwälten in teils monatelanger Arbeit zu Stundensätzen von mehreren Hundert Dollar. 5. Doch zwischenzeitlich wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 31 103. Kleinanleger hoffen auf Entschädigung – die Justiz ist mit solchen Riesenprozessen überfordert Stand am 10. dass man sich lieber vergleicht. die europäischen Ansätze für Massenverfahren zu reformieren – an amerikanischen class actions wollen sie sich dabei ausdrücklich nicht orientieren.22 € VON MARCUS ROHWETTER D ie Telekom geht an die Börse. der deutsche sucht Gerechtigkeit im Einzelfall. haben Wissenschaftler bei einer Evaluation des neuen Gesetzes ausgerechnet. Aber die Wahrheit ist womöglich eine ganz andere als diejenige. Derartige Massenprozesse sind vergleichsweise neu für die deutsche Justiz.9 Milliarden Dollar als Verteidigungskosten ein. plante er dafür vorsorglich die Riesensumme von 1. und damit war die Sache erledigt. Die Betroffenen sind aber meist Laien – ob als Patienten. und die Aussichten schienen rosig. sich einzugestehen. Nestor Bachmann/dpa. In den USA wird schnell geklagt. Es war einmal. die Volksaktie weckte Volkszorn. riskiert schlimmstenfalls auf mehr als 8000 Euro Kosten sitzen zu bleiben. gesetz sollte ein wenig amerikanische Effizienz in die Zivilprozessordnung bringen und anhand eines exemplarisch ausgewählten Musterklägers bürokratischen Wahnsinn verhindern. Zugleich endet ein gewaltiges soziales Experiment: Nirgendwo sonst lässt sich die deutsche Einstellung zu Chance und Risiko besser beobachten als am Börsengang der Telekom und seiner juristischen Aufarbeitung. liegt an der deutschen Verfassung. Dass sich der Fall so hinzieht. sich mit einem Fall so lange aufzuhalten. Wer unterliegt. Das hält nicht dazu an. Weil ein Rechtsstreit so teuer werden kann. die dort class actions heißen. dass jeder einzelne Kläger denselben Fehler im Börsenprospekt hätte nachweisen müssen. und seine Anwälte von der Kanzlei Tilp aus Kirchentellinsfurt schotten ihn von den Medien ab. Die schnelle Ruhe hatte freilich einen hohen Preis. Auch die T-Aktie ist dort längst kein Thema mehr. Zu Recht? Bald wissen sie mehr. Warum geht das dort so schnell? Und warum dauert es hier so lange? Weil sich Deutschland und die USA nicht nur bei der Aktionärskultur. Jurist. Weil aber der Konzern im Börsenprospekt falsche Angaben gemacht haben soll. könnte nur der amerikanische Gesetzgeber vornehmen. l. so wie es die Amerikaner tun. Eine neue Aktienkultur sei entstanden. entsprechend schwer tut sie sich damit. Das kann nur schiefgehen. und im Jahre 2007 entschuldigte er sich schließlich dafür.und Anwaltsgebühren mehr als das Eineinhalbfache des geforderten Schadensersatzes. Angesichts solcher Summen kann es sich lohnen. Denn selbst nach der Entscheidung der Oberlandesrichter wird die Sache noch lange nicht vorbei sein. hieß es damals. Die Fälle. müsste allerdings noch in jedem der 17 000 Einzelverfahren geklärt werden. Bei Bilanzfälschung oder unterschlagenen Nebenwirkungen von Medikamenten werden Konzerne regelmäßig mit Sammelklagen konfrontiert. Oder als Anleger. Dabei hatte Deutschland eigens ein Gesetz geschaffen. Wenn die Entscheidung aber kommt und die Telekom tatsächlich zu Schadensersatz verurteilt werden sollte. Wer sich Gerechtigkeit erhofft. wo es Massen gibt. Erpressungspotenzial und enorme Kosten auf der einen Seite. die scharenweise Problemaktien erwerben. Im Fall der Telekom wären das also bis zu 24 Millionen Dollar Anwaltshonorar gewesen.

Leoni bekam. Dennoch sind die Löhne in Bizerte mit 450 bis 600 Dinar um 30 bis 40 Prozent Mit einem Diplom von einer der renommiertesten niedriger als in der portugiesischen Heimat des tunesischen Ingenieurschulen und zwei MasterUnternehmens. Seither ist erst kollegen von mir haben bis heute keine Arbeit. Als Kompromiss Textilfirma Petratex. Um 12. Er pokert. dass er grundsätzlich Ausländische Investoren offen sei für den Standort. bekommen sie höchst qualifizierte Leute zu einem immer noch sehr guten Preis«. Doch der Neuanfang nach 23 Jahren Diktatur in Tunesien ist nicht so entspannt. Dass ihm hervorragende Beziehungen zu Ex-Diktator Ben Ali nachgesagt werden. Sie bevölkern dort die Straßencafés. Gefahr für den Übergang zur Demokratie«. in der Vergangenheit mangeln lassen. Tunesien in Zahlen .6 schaftlichkeit seiner Aktivi. arbeiten für den Ableger der portugiesischen anderen die für den VW-Konzern. weil die Bezahlung dieses Jahr Einer von ihnen gehörte zu den jungen Tunesiern. meist cedes-E-Klasse und die BMW-3er-Serie. Die jungen Leuten. Am Cap Blanc.« einmal Ruhe – auch. dass Revolution wie ein Kinder- spiel erschien.Einwohner in Millionen: duktionsstandort zu begrei14. Ennahda ist nach dem Verbot nach vier Jahren unbefristete Verträge gewähren der früheren Regierungspartei RCD die einzige muss. dem nördlichen Ende Afri- kas. dass ein Jurist mangels adäquater Alternativen Unternehmensgründungen von Gunstbezeugungen als Verkäufer für einen Mindestlohn von 280 Dinar der Antragsteller abhängig machte. sagt Cheneval. Und so mancher ausländische Investor. So kann die Zentrale in Portugal ohne Zeit. »Studienangereist und nahm sie ins Gebet. ist Claude Cheneval überzeugt. fragt sich. wo die Revodurch die Privatisierung von lution mit der SelbstverbrenUnternehmen und BeteiSidi Bouzid ligungen von Ben Ali und nung des jungen Mohamed seinem Clan. Er machte aber auch klar. sie könne schule verlassen. Streiks und Straßenblockaden behindern seit Wochen immer wieder die Industrieproduktion und Anlieferung wichtiger Materialien. Nichts sei entschieden.Abitur. Auf der einen Seite mehr alles gefallen«. dass da mal was war. Gerade hat der französische Unternehmensberater. in der Lobby eines Nobelhotels in Tunis ein Bewerbungsgespräch mit einer jungen Ingenieurin beendet. um die Einhaltung von Vorschriften gefeilscht. belangt hat. Industrieminister der Interimsregierung. Das Fünfsternehaus im Zentrum von Tunis ist nicht wegen ein paar Umbauarbeiten abgesperrt. »Aber wer nur über Geld spricht. Auch Mohamed Eines der ausländischen Unternehmen. Die Tunesier wollen sich auch von Unternehmern nichts gefallen lassen Fast immer geht es dabei um die Höhe der Löhne und die Umgehung des Arbeitsrechts mithilfe von Subunternehmen oder anderen Tricks. binnen fünf Jahin Sidi Bouzid eröffnen«. waren die Pro. dass Tunesiens Wirtschaft dieses Jahr um lediglich 1. etwa eine Autostunde nördlich von Tunis. beiten. hätten wir nicht Gruppierung. Schätzungen Buazizi ihren Ausgang nahm. »Wenn die Arbeitgeber ein bisschen was drauflegen. Viele studieren. für mehr Geld und eine 40-Stun. peitscht der Wind die Wellen des Mittelmeers für 2011 deutlich angehoben. Nicht in der Politik. mahnt Ayed. Ingenieur in einem Callcenter. tun. als die PLO von Jassir Arafat ihren Sitz noch in der tunesischen Hauptstadt hatte. ob wir Stücke. nachdem die Tunesiens Wirtschaft eine größere Bedeutung er.« Besuch in Bizerte. Die Aufgabe entspricht zwar nicht den-Woche.sollen demnächst 480 Beschäftigte. warnt Dabei läuft das Geschäft von Leoni und seinen Tunesiens Zentralbankchef Mustapha Kamel Nabli. kümmert niemanden. bevor er 2009 den Job als Vorarbeiter bei haben gestreikt. das Hotel werde »in Kürze« wieder den Betrieb aufnehmen. Aber es ist nicht ungewöhnmacht fördern wollte und Lizenzen für einheimische lich.3 Prozent wachsen wird – nach 3. stehen lediglich 60 000 bis 65 000 den Umsturz mit seiner Hilfe verhindern. deren Einkommen aufGoldtex bezahlt besser als so manches andere Tex. Am Sonntagnachmittag kommen viele Hauptstadtbewohner gerne auf die Avenue Bourguiba. saß ein Universitätsdiplom.Partei Ennahda bei der Wahl am 24. die schon seit stehen bei Neonlicht in den Hallen einer ehemali. Ebenso wichtig sei aber die Wertschätzung der Mitarbeiter etwa durch Investition in deren Aus. kritisiert er. dass müssten aber auch aufhören.hier mit 6000 Leuten und moderaten Löhnen arverzug mitlesen. das schaffen. Nur Haken an den Wänden erinnern noch die unter Ben Ali verbotene islamisch geprägte daran. »Würden wir das umsetzen. »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine große zu Demokratie und Rechtsstaat führen sollen. dass die zufriedenheit Profit schlagen könnte. Mittelmeer zufolge entzogen der ExAm Telefon in seinem Büro TUNESIEN Diktator und seine Familie im Industriegebiet des Küsder tunesischen Wirtschaft tenortes Sousse signalisierte ZEIT-Grafik ALGERIEN LIBYEN jährlich rund zwei Prozent Rouis dem Minister tags 200 km des Wachstums. dass finanTunesien EU 9. was in Nordafrika gerade passiert.mindestens sechs Jahren im Betrieb arbeiten. Die EXPORT 11.gebläht werden. darauf. Minister für Internationale Zusammenarbeit und Interims-Finanzminister Jalloul Ayed hat einen Ausländische Investitionen hat mich angerufen und »Marshallplan« für die arbeitslose Jugend angeküngebeten. wir sollten ein Werk mit tausend Leuten digt und das Ziel ausgegeben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Streiken und pokern Das Leben geht weiter. wie er sagt. erren mehrere Hunderttausend zählt Mohamed Larbi Rouis. Für 75 Prozent der Schulabgänger in Tunesien haben Diktator Ben Ali. 200 Beschäftigte. in Mrd. zwei Masterabschlüssen zusätzlich zum Studium und einer Position als Teamleiterin bei einem Autozulieferer verdient sie derzeit lediglich 900 Dinar brutto im Monat – umgerechnet nicht einmal 500 Euro. das in Bouazizi. machte sie das Hotel lieber zu.2 Prozent sei allein im ersten Quartal die Industrieproduktion gesunken. Diktator Sein al-Abidin Ben Ali war so schnell und leicht vertrieben. Finanziert werden ist jene Stadt im verarmten sollen diese unter anderem Sousse Landesinnern. Auch die Übergangs. weil auch die Preise für Lebensmittel und andere Waren steigen. Arbeitslosigkeit in Prozent*: fen. tilunternehmen.ran halte ich mich. die durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben angelockt wurden. Und nicht in der Wirtschaft. warnt Abdelaziz Rassaâ. das Unternehmen die WirtTunesien als billigen Pro10. unbegen Schokoladenfabrik T-Shirts für die französische fristete Verträge bekommen. Vier Monate nach der Jasmin-Revolution ist unklar. Abnehmern glänzend. neue Jobs etwa durch öffentOperating Manager Tunesien liche Infrastrukturprojekte zu Tunis Bizerte von Leoni. Maximalforderungen von heute streikenden Arbeitnehmern hätten auch mit Jahrzehnten des erzwungenen Schweigens und völliger Unerfahrenheit mit Tarifverhandlungen zu tun. Trotz sechsjähriger Berufserfahrung. noch um 10 Prozent steigen soll.5 IMPORT zielle Not und die Enteignisse ließen sich nicht Handelsdaten von 2010. ist aufgrund der ausbleibenden Urlauber gelähmt. ob Tunesien auch ein wirtschaftlicher Aufbruch gelingt. Ein Schild an einer weißen Metallabsperrung vor dem Haus verspricht. der keine wirtschaftliche Neben.« So wird auch in den neuen Zeiten. abschlüssen in Mikroelektronik und Qualitäts»L’Union fait la force« steht auf den Kitteln der sicherung war der 30-Jährige ein Jahr lang arbeitsArbeiterinnen. Das sind etwa 30 Prozent der abhängig beschäftigten Arbeitnehmer.4 täten gewährleisten muss. auf der Frauen. ist der Nürnberger Kabelhersteller Leoni.an einem Obststand arbeitet oder ein ausgebildeter duktionsstätten ausländischer Betriebe praktisch. »Muss er ganz und gar nicht«. macht den Arbeitskampf zusätzlich brisant. der Tunesien in den vergangenen Jahren als Billiglohnland in Europas Nähe schätzte. »Daoder Jacketts für Zara und Massimo Dutti. und dass auf dem Mittelstreifen ein Panzer steht und keinen Meter neben der Kaffeetasse Stacheldrahtrollen aufgetürmt liegen. das einen Diktator ver. sagt Rouis. Néji Mhiri. sagt Sonia Ben Salid. Blusen für Trussardi Jeans er den streikenden Mitarbeitern versprochen. wissen.7 Prozent 2010. Doch mit den Folgen der Revolution im eigenen Land wusste sie nicht umzugehen. Der Automobilzulieferer hat Leuten wie ihm graut schon vor den Schlagzeilen seinen Konzerngewinn im ersten Quartal mehr als im Ausland. Das habe Marke Isabel Marant. das Gerücht um.und Gewinnprognose Kraft aus den Wahlen hervorgehen.« Und die Forderung nach Lohndem Arbeitsplatz zählt ein Computer die fertigen erhöhungen? »Sie müssen sich entscheiden. oder mit 3000. aber immerhin. »Das müssen wir schon deshalb übersetzten.32 12. ließ der Inhaber. die aufgrund ihrer langjährigen Armehr die Flexibilität. wie 1992 betont Rouis. Juli aus Unregierung geht jedoch fest davon aus.und Fortbildung.1 es war schon zu spät. Er lasse sich nicht unter Druck setzen. um ihre neue Freiheit zu genießen. bei einem Wahlsieg der Operating Manager auch künftig nicht automatisch Partei einschreiten. dem hat der Arbeitgeber bisher nichts anderes geboten. sollte die Islamistenpartei als stärkste verdreifacht und die Umsatz. die wir als Unternehmen beit im Londoner Exil über Parteistrukturen und brauchen. Den 85 000 bis 90 000 Er beschäftigt in Tunesien 13 000 Mitarbeiter. Demnächst Die kostenlose Überlassung Inflationsrate in Prozent*: will die Regierung Gespräche 4. sondern wegen der Revolution.Polizei seinen Gemüsekarren konfisziert hatte. Ihm gehören rund zehn Prozent der Hotelbetten in Tunesien sowie ein Möbelimperium. »Aber handlungen aufnehmen. die jedes Jahr Schule oder HochEntourage des Diktators glaubte sogar.« Inzwischen hat Rouis die ZEIT-Grafik/Quelle: GTAI schaftliche Entwicklung den zu Diktaturzeiten obligapolitischen Neuanfang getorischen Fotos von Ben Ali im Werk abhängen fährden könnten. Daran hätten es viele der Offshorebetriebe. der in den vergangenen Jahren für 10 Prozent der Wirtschaftsleistung stand. Der Tourismussektor. Die Direktion des Hauses wenige Meter neben dem Innenministerium auf der Prachtstraße Avenue Habib Bourguiba hat Hunderte internationaler Konferenzen organisiert und diskret auch so manches Geheimtreffen. Wandzeichnung des Ex-Diktators Ben Ali in einem Souk in Tunis Foto: Jonathan Alpeyrie/Polaris/laif Vor knapp vier Monaten triumphierten in Tunesien die Menschen über die Diktatur.Mitarbeiter im tunesischen Leoni-Hauptwerk in trieben hat. die Militärs könnten. mit der jetzt auch in Tunesiens Wirtschaft miteinander gestritten wird. Sie ist des Hofes entstehen die Kabelstränge für die MerPersonalchefin bei Goldtex. der seit Jahren im Land lebt und auch mit der deutsch-tunesischen Handwerkskammer zusammenarbeitet. »Ein Volk. Sidi Bouzid. wie er aussieht. Oder genauer: wegen der neuen Offenheit. wie Directrice die in den vergangenen Wochen illegal nach Italien Lurdes Silva sagt. dass der im benachbarten Algerien. Ein Teil der 6000 an die Felsen.« Mehdi Rouis muss da nicht lange überlegen. Ein erbitterter Arbeitskampf hat zur Schließung des Hotels geführt. »Einheit macht stark«. An je. »Der freie Stellen gegenüber. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus. die einen gewissen Organisationsgrad verfügt. ob er sich nach einer neuen Werkbank umsehen muss. hinter denen Militärs mit lässig umgehängten Maschinenpistolen das Innenministerium vor einer Demonstration schützen. Schon geht Werksgründung kommt. lässt sich von einem Unternehmer nicht Sousse arbeitet auch samstags. Anstatt auf die Forderung der 190 Mitarbeiter nach höheren Löhnen und der gesetzlich festgeschriebenen Entfristung der Arbeitsverträge nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit einzugehen. Auch sie los. Die ErSorge geht um. wo es zuletzt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Gegnern der Übergangsregierung kam und sich bereits mehr als 50 Parteien für die Wahlen zu der wegen der Unruhen nun unsicheren verfassungsgebenden Versammlung im Juli registrieren ließen. Vor allem wird befürchtet. Euro täuschung über die wirtmehr aufhalten. Der Chef persönlich kam aus Portugal seiner Qualifikation.0 einer Werkshalle sei daher Wirtschaftswachstum in Prozent*: mit Gewerkschaftern und 1.3 eine der Voraussetzungen Unternehmern über Tarifver*Schätzung für 2011 gewesen. der sich selbst anzündete. 48 Stunden pro Woche ent. Doch ein wirtschaftlicher Aufbruch steht noch aus VON KARIN FINKENZELLER D as Hotel Africa ist geschlossen. dass lassen.« »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine Rund 600 000 Menschen arbeiten in Tunesien große Gefahr für die Demokratie« für Offshoreunternehmen. Gut möglich.

und thek. Lettland in Zahlen Das verarbeitende Gewerbe zu fördern ist erklärtes Ziel der Regierung. mit Holzspielzeug und Ökopullis ein Land zum Wohlstand führen? Wahrscheinlich bleibt den Letten vorerst nichts anderes übrig. ddp (2) . steigenden Löhnen dazu hinDas merkt zum Beispiel reißen ließen. die Miete für die Rigaer Wohnung. Während des lettischen Booms. Der Kollaps des sozialistischen Riesenreichs traf Lettland hart. Örtliche Spediteure sind während der Krise te sich allerdings ändern. Zum Beispiel die Firma von Ginta Amerika: Ehemals Beamtin in der Rigaer Stadtverwaltung. Er hinterließ Zigtausende arbeitslose Industriearbeiter.und Wirtschaftskrise mit unerbittlicher Härte zu: Die Wirtschaft schrumpfte allein 2009 um 18 Prozent. Getragen wird es fast einfach in den Wagen gelegt. und luden für die Rückfahrt die Bretter und Latten dass die Regierung mit dem Ende der Krise be. Nun war plötzlich die Frage. die Preise. Als dabei ein paar Fensterscheiben zu Bruch gingen. »Zudem braucht es Knowhow. was im Ökonomendeutsch »interne Abwertung« genannt wird. Eine Abwertung der eigenen Währung.könnte auch Lettlands erklärtem Ziel helfen. um seine Banken mit ZwangsversteigeWaren nach Westen zu brinrungen zurück. So verlässt zum Beispiel Holz das Land tonnenweise. »Jahrelang ging es darum. sagt Finanzstaatssekretär Martins Bicevskis. urteilt der Ökonom Morten Hansen. nahm die Baltenrepublik eine Entwicklung. die sich bevorzugt in Euro verschuldet hatten. das in Lettland nicht vorhanden ist. das Land am Rand der EU kaum noch an. viel gewaltiger. Die deutlich reduzierZEIT-Grafik 100 km Viel härter trifft es hinten Produktionskosten haben gegen jene. Lettland lebte dank seiner drei Ostseehäfen Riga. Freuen kann sich jedoch niemand darüber. Der Familienbetrieb lässt in der lettischen Provinz Holzbaukästen fertigen. Auch Varis verkauft direkt an ausgesuchte Spielwarenläden in ganz Europa. Dabei geht es darum. nur um als teures Importpapier wieder zurückzukehren. mit aller Kraft Löhne und Preise zu drücken. Deren Verbindlichkeiten wären weiter gestiegen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 33 »Das geht nur mit Arbeit« Lettlands Wirtschaft brach in der Krise ein. Anders als in Deutschland. Das UnternehInflationsrate in Prozent*: –1. Noch halten sich die ZEIT-Grafik/Quelle: Zentr. Lettland stand kurz vor der Pleite. »Nur war die Blase. zu protestieren«. die Pullis und Röcke aus Lettland in ihr Sortiment aufnahmen. Viele Letten hatten auch gar keine Gelegenheit.einen freien Lkw bekomme«. die mit Fleiß. Auf Knopfdruck lässt sich die industrielle Basis nicht vergrößern. Die konservative Regierung wurde im vergangenen Herbst sogar wiedergewählt. sich dem Unvermeidlichen zu beugen und auf ihre Chance zu warten. sie erinnern sich noch an den wirtschaftlichen Kollaps nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – die. als roher Stamm.ginnen werde. Zu zent des Bruttosozialprodukts und damit weitaus Boomzeiten war das anders. »Das geht nur mit Mühsal und Arbeit. erklärt der in Riga lehrende Ökonom Morten Hansen. Ende 2008. Nach harten Reformen könnte es 2011 wieder aufwärts gehen VON JAN PALLOKAT S Blick von Rigas Kathedrale (oben). Und eine lands Wirtschaftsabsturz vorerst LETTLAND Kollegin fügt hinzu: »Beim gestoppt ist. 2010 ging es noch ein bisschen weiter nach unten. die Löhne. »Wir gehen weniger Ostsee deuten darauf hin. Das war hart«. sobald der Markt wieder pleitegegangen.2 Prozent. Kann man aber mit Kleinstfirmen. das Freiheitsdenkmal eit die bekannte lettische Kosmetikkette Kolonna ihre Preise um rund ein Viertel gesenkt hat. schon sturz. »Die Lehre aus der Krise ist: Es gibt nicht den einfachen Weg zum Wohlstand«. Geld auszugeben.gen. Manchen Wirtschaftsexperten gilt Lettlands Rosskur als beispielhaft. Zu Beginn der Krise gab es genau eine einzige größere Demonstration. Die Welt sprach bewundernd vom »baltischen Tiger«. Allerdings errichten Industriekonzerne aus dem Ausland im Baltikum keine Fabriken. Für wirtschaftliche Dynamik sorgen dagegen eine Vielzahl kleiner Firmen. Wahrscheinlich liegt die nachgerade unwirkliche Ruhe daran. Immerhin: »Am Ende brauchten wir keine einzige unserer 40 Niederlassungen aufgeben«. aber bereits weiter fortgeschritten ist – und die manche Beobachter als Blaupause für Athen betrachten. ruinierte die Staatsfinanzen. sagt KolonnaChefin Ieva Plaude-Röhlinger. vor allem jene. die sich in einem Haus am Rande der Rigaer Altstadt einquartiert hat. Lettland erhöhte die Umsatzsteuer auf 22 Prozent. das nicht in ausländischen Händen ist.3 oder Häuser auf Kredit zu aus Jekabpils (Jakobstadt) in Arbeitslosigkeit in Prozent*: 17. Die Kosmetiker und Masseure bei Kolonna mussten Lohnkürzungen um bis zu 40 Prozent hinnehmen.« Als die Blase platzte.2 kaufen.aus Jekabpils auf. auch das gibt es zu wenig«. baute Amerika mit ein paar Freundinnen auf ein Netz kleiner Boutiquen in Deutschland und Skandinavien. damit die Wirtschaft zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren kann. Sinkende Preise sind ein Krisensymptom. Liepaja (Libau) und Ventspils (Windau) von Transport und Transit. Inzwischen allerdings. wieder Rücklagen zu bilden. relativ zur Größe des Landes. bevor ich Lettland vor Beginn der Krise bei nur etwa 20 Pro. zahlten in Lettland überwiegend Arbeiter und Angestellte die Zeche. und ausländische Anbieter steuern in Schwung kommt. sagt Kudeiko. Die daher verfügten Sparmaßnahmen summieren sich bisher auf mindestens 16 Prozent der Wirtschaftsleistung. Statistikbüro Lettland nun die Lastwagen. der einzigen Metropole des Baltikums. wo Bauholz und 23. Das Ende kam abrupt und mit Wucht. Die Arbeitslosenrate schnellte nach oben. Papierfabriken zu errichten würde viel Kapital erfordern. Dann aber ging es in die umgekehrte Richtung. Lastwagen aus dem Westen Baustoffe nach Lettland Finanzstaatssekretär Bicevskis verspricht zudem. spottet ein Diplomat in Riga. Also werden alte Überlebensstrategien neu im Jahr 2014 den Euro einzuführen und es damit belebt: Die Oma auf dem Land. vor allem in Deutschland.1 dem Absturz meist deutlich men spürt den Wirtschafts*Ende 2010 weniger wert als die Hypoaufschwung in Mittel. Ein weiteres Beispiel für die Chancen in der Nische ist der Holzspielzeughersteller Varis. dass die Balten in Jahrhunderten der Fremdherrschaft gelernt haben.« Fotos (Ausschnitt): Roman Koksarov/AP/ddp (u. im Boom eher dem Nachbarn Estland gleichzutun. um »endlich mal was Kreatives zu machen«. Ihr Besitz ist nach Ostlettland. Laut Statistik haben von Bruttosozialprodukt in Milliarden Euro Nordeuropa und besonders in 600 000 lettischen HaushalDeutschland. nach harten Reformen und Einschnitten. die sich in den lettische Waren wieder attrakBoomjahren von den rasant tiver gemacht. Zuverlässigkeit und den inzwischen wieder niedrigeren Löhnen Nischen bedienen. sagt eine Mitarbeiterin im Rigaer Day Spa. dass Lettaus«.« wirtschaft.1 ten 120 000 Kredite aufgeStecklatten für Saunen und nommen. Alle Zahlen Garten. »waren die Letten wohl derart erschrocken. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes lag 2009 bei nicht einmal neun Prozent. die der Griechenlands ähnelt. unverarbeitet. wo die Gemeinschaftswährung seit Jaheine Last. Auch im Baltikum schlug die globale Finanz.und Konsumboom.6 18. scheint ein neuerlicher Aufschwung möglich. da transportierten die niedriger als in westeuropäischen Krisenländern. nahm der Staat Notkredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch und beugte sich im Gegenzug dem Spardiktat der Geldgeber. sagt die Kleinunternehmerin Amerika. aus denen sich Bauernhöfe oder Flugzeuge zusammenstecken lassen. gründete Amerika vor einigen Jahren ein Modelabel. »Ich Immerhin lag die Verschuldung des Staates in muss manchmal tagelang telefonieren. ein Café im Zentrum (Mitte).WIRTSCHAFT 12. das man auch in Ländern wie Spanien gesehen hat«. zeigten noch alle Zahlen nach oben: das Wachstum. hätte zwar den gleichen Effekt gehabt. versorgt jetzt die resbeginn gilt. war das dünn besiedelte Land als Teil der ehemaligen Sowjetunion einst zu einem Industriestandort aufgebaut worden. das Bauwesen und der Finanzsektor auf. »Es war im Prinzip das gleiche Spiel. aber auch jegliches Vertrauen internationaler Investoren in die Überlebensfähigkeit der Baltenrepublik untergraben – und noch mehr Unternehmen und Privatleute in den Ruin getrieben. die Rettung der wankenden Parex-Bank. und die Letten glaubten der Welt sehr gern. die Löhne im öffentlichen Dienst wurden um 40 Prozent gesenkt. ganze Familie mit preiswerDie Chancen darauf stehen tem Essen aus dem eigenen ESTLAND gar nicht schlecht. Lettland ist zu klein und zu abgelegen. verkürzte die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld und kappte die Zuschüsse an den öffentlichen Nahverkehr. Mit seiner Hauptstadt Riga. drei Jahren. des Lats. Es war ein kreditfinanzierter Immobilien. sich an einen hohen Lebensstandard zu gewöhnen.0 18. Lettland machte durch. Allerdings fehlen 2008 2009 2010 nicht mehr regelmäßig bedieVertriebschef Juris Kudeiko nen. der die lettische Wirtschaft hatte heißlaufen lassen. davon kann inzwiBlockhäuser wieder stärker geschen jeder dritte die Raten fragt sind. ist Schönsein in Lettland so billig zu haben wie lange nicht mehr. Wohnungen der Holzverarbeiter Osukalns Einwohner in Millionen: 2. Sogar im traditionell agrarischen Litauen liegt er weit höher.) . der Käse auf dem Wochenmarkt: Vieles ist preiswerter als noch vor zwei. vom Tourismus und – wegen seiner ausgedehnten Wälder – vom Holzexport. wie man spart und neue Einnahmequellen auftut. der etwa von der Jahrtausendwende bis 2008 währte. Das dürf. Erstaunlicherweise erlebte das Land keine Unruhen. des einzigen lettischen Kreditinstituts von Bedeutung. auf zuletzt 17. Vom Gipfel des Booms bis zum bisherigen Tiefpunkt der Krise verlor das Land ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung und brach damit so stark ein wie kein anderes europäisches Land. allein von der kleinen ExportLITAUEN was uns gefiel. dass sie es seither nie mehr wagten. weil es kaum Käufer gibt. Auch das Bier in den Gaststätten der Hauptstadt. Im Boom allerdings blähten sich vor allem der Einzelhandel. Das ser war weit drastischer als der gegenwärtige Ab. dieses Jahr scheint Riga Einkaufen schaue ich jetzt ein leichtes Wachstum wieder genauer hin. dass es bisweilen klüger ist. Und wer den benachbarten russischen Markt bedienen will. Inzwischen arbeiten zwölf Mitarbeiter für die Firma Ameri. früher haben wir möglich. wo ein ziemlich starker Staat die Beschäftigten mittels Kurzarbeit und Konjunkturprogrammen einigermaßen vor der Krise schützte. produziert dort besser direkt. Damit ließen sich die Preissenkungen finanzieren. Während ihre Landsleute noch mit Immobilien zockten.

Für den Effektivzins betont heute. Den Unterschied zwi. Es waren die Brüder Nelson Bunker und William Herbert Hunt. satzes von 4 Prozent« und die »Rückerstattung der Bei dem Streit geht es um einen kleinen. Insgesamt geht es womöglich um Millionen Verträge. Es geht um Riesterverträge und Lebensver. Ende April hatte die Chicagoer Rohstoffbörse höhere Sicherheitsleistungen auf Silberkontrakte verlangt.2 % RTS: 1928 +8. wie viel wurde. wie hoch der Zuschlag sei. ihre sicherungen. den sie damals bekam. Die Kursausschläge sind unvorhersehbar.9 % 12 745 +10. »dass es keine kosten und entgangenen gibt es komplizierte Berechrechtliche Verpflichtung gibt.»Dort spielt auch keine Rolle. Bei der unterjährige Zahlung wird – wenn überhaupt – in Generali liegt die Zahl nach eigenen Angaben »im Prozent des Jahresbeitrags angegeben. Neue Leben Lebensversicherung AG. Das war aus heutiger Sicht etwas hoch gegriffen. Doch die Firmen verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG P ia Lanze wollte Gerechtigkeit. schicken schen einem in Verträgen ausgewiesenen Zuschlag aber nur wenige diesen Brief dann auch ab. Dass es tatsächlich ein effektiver Jahreszins von 11. Umgekehrt heißt das: Mit den Aussichten der Weltwirtschaft. der Preis brach daraufhin ein. Die Huk genauerer Betrachtung nicht immer wasserdicht. Nun gilt das Urteil des Land. Es scheint.1 % NIKKEI: 9819 –5. Anfang Mai erst ent.sich offenbar sehr ungeschickt.geladen.4 % 2659 US$/ TONNE +6. Wird die Jahresprämie gestückelt.5 % 103 US$/BARREL +15. sagt Rechtsanwalt Joachim die den effektiven Jahreszins in Riesterverträgen Bluhm.Huk. »Wenn dann Einzelfallcharakter haben.seit Vertragsbeginn auf Basis des gesetzlichen Zinszen. Verbraucher hofhilfe zu behandeln«.und Haft. aber auch um Kfz-. Sie man beispielsweise auch bestimträgen schien plötzlich mögbegründen das mit men. die Ergo nennt eine monatlichen Zahlung von Pia mittlere vierstellige Zahl an Briefen und Anfragen. trieben Spekulanten den Silberpreis bis an die 50Dollar-Marke. dass Jahresprämien geschulabzuwenden. Es ist ein Drahtseilakt. vierteljährlich oder der Effektivzins. wenn der effekGenau das ist der juristiKunden nicht transtive Jahreszins nicht angegeben sche Knackpunkt: Gewähren parent genug. Laut Verbraucherzengewichtigen Unterschied – den von Ratenzuschlag trale wurde dieser Brief fast 200 000-mal herunterund effektivem Jahreszins. dass sie für ihre monatliche Zahlungsweise fünf Prozent mehr aufbringen muss. auch eine »Neuberechnung des Ratenzahlungszuschlags weil die Verbraucherschützer sich auf Urteile stüt. Sie wurden erst durch die Anordnung höherer Sicherheitsleistungen gestoppt.In einigen Fällen ging es im Kern gar nicht um den erkenntnisurteil. also monatlich. verlangen cherfreundlicher. Und mancher Kläger verhielt selbst etwas entschied. Und forderte Geld von ihrer Versicherung zurück. weil zur selben Zeit die Tötung Osama bin Ladens diskutiert wurde).5 % 7. vierteljährlich oder halbjährlich. Wie wenig Neues gibt es doch am Finanzmarkt. dass sie.brief. Das räumte auch ihr geschäft oder Finanzierungsin den Verträgen Versicherer ein. Im Fall Pia Lanze unterjährige Zahlweise wie Verbraucherschützer beträgt der Effektivzins 11. Die Jahreszins angegeben werden. Kleinere Schlachten und schlechter Vergütung der Rechtsanwälte seien werden gewonnen. dass die meisten Versicherungen ihre Prämien auf Jahresbasis kalkuliert haben. sagt Bluhm. knickte ein. wie die Assekuranz betonte. so die tatsächlich zu berappenden Preis. Zinseinnahmen. die in Wirklichkeit anders heißt. Die Tabelle ist stottert wurde und Lanzes »SchulBezahlt ein Kunde seine furchtbar unübersichtlich. in den späten siebziger Jahren. Boom Der Silberpreis steigt wieder. Damals erfuhr sie von einem langen Rechtsstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern. kam Bewegung ins Spiel. schwante ihr erst Anfang 2010. dass beim Silber immer noch sehr viele Spekulanten unterwegs seien. monatlich ab. Laut der Verbraucherzen. den sie sich von der Website der Verbraucherternehmen verunsichert waren und zunächst mau. hatte etwas an der Ratenzahlung für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung und ihre Altersvorsorge auszusetzen. Und gungen für den erhobenen Ratenzuschlag auch der die Versicherer werden weiterhin alles unternehmen.diese allen anderen Gerichten zum Abschreiben streit der Verbraucherzentrale Hamburg und der vorgelegt«.35 Pro- zent war. was für ein Typ der richterliches Urteil mit Grundsatzcharakter. ob ein Darlehen teuer oder lich. denn der Silberpreis erholte sich etwas. Und schließlich flossen Tränen der Erleichterung. effektive Jahreszinssatz ausgewiesen werden muss«. die Klauseln Prozent. Erst als Lanze einen Anwalt einschaltete. Für Versicherungsnehmer wie Pia Lanze und für die Assekuranzen. Crash. Teilzahlung . Lanze war es ein Zuschlag von fünf Prozent. Das gelang ihnen im Rechtsstreit der det und zu Beginn eines Jahres fällig sind. Im Klartext: Wer mit Silber spekulieren wollte. Nachteile für die gesamte Branche Versicherer vorschreibt. Doch diese Urteile sind bei wohl dem VZBV recht geben würde.splitintoone. um Spekulationen einzudämmen. Denn schon einmal. ohne dass der BGH zur Sache effektiven Jahreszins. »Verfür die Stückelung der Jahresprämie und einem einzelte Anfragen« habe man bekommen. Mai 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 20 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7526 +7. Und dafür erheben die Versicherungen einen Aufschlag. Pia Lanze ging lange Zeit davon aus. stieg doch der Silberpreis binnen eines Jahres von weniger als 20 Dollar je Feinunze auf rund 50 Dollar.1 % 1514 US$/ FEINUNZE +6. stottert sie halbjährAussagekräftiger ist deshalb dass in der Branche zeitweise lich. mathematik ist das. dass der zuständige Senat gangenen Monaten. Der Ratenzuschlag für die »einige Hundert Anschreiben« die DEVK. Verbraucherschützer Die Versicherer sind alarmiert halten dagegen: »Wenn der und versuchen. gerichts. Da wundert es nicht. so ist zu hören. Versicherungsnehmer im Einzelfall ist«. Doch nungsformeln. Dann wieder von vorne. Die Referenz bei der BeLanze erhielt eine Tabelle. »dass bei PräTrotz der jüngsten Teilerfolge der Verbrauchermienratenzahlungsklauseln in Versicherungsbedin. Euro Jahresprämie und Krankenversicherungen Pia Lanze nutzte für ihr Anliegen einen Musterausgenommen. aber die Versicherer meist weit überlegen. um ein höchstrichterliches Urteil zu ihren UngunsUnd Ende April wurde die Stuttgarter Lebensver. Illustration: Karsten Petrat für DIE ZEIT/www. mit ihm kann Rückabwicklung von VerZusatzkosten. Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach einmal von 15 Milliarden Euro. Pia Lanze schrieb ihrer Versicherung. er fällt ins Bodenlose! Oder halt: Jetzt steigt er ja doch wieder! Was denn nun? Das begehrte Metall hat vielen in der Finanzbranche gleich mehrfach glänzende Augen beschert.9 % 1.dort schlechte Entscheidungen ergehen. werden schied das Landgericht Hamburg in einem Rechts. Darin forderte sie erten. Der Silberpreis ist ja auch schon wieder gestiegen.44 US/$ +7. Es kam zu einem sogenannten An. Mittlerweile weiß sie. sagt Bluhm.35 ein Verbraucherdarlehenskritisieren. denn binnen weniger Tage Anfang Mai verlor der Silberpreis rund 20 Prozent (was öffentlich allerdings nur wenig beachtet wurde. machten es für den fen nun. Brisant aber bleibt der Streit. dann aber Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gegen anbietet. Glaubt man den Versicherern.com Abgesichert oder abgezockt? Viele Versicherte begleichen ihre Prämien in Raten. Ein geschickter Schachzug der Huk – ein Die Verbraucherzentrale Hamburg und RechtsAnerkenntnisurteil kann nicht auf andere Fälle anwalt Bluhm setzen deswegen auf Verbandsklagen: übertragen werden. die lediglich Einzelfallcharakter haben. dann ist das ein dem Landgericht Bamberg gegen die Versicherung. heißt das Teilzahlung. Die 53-Jährige. klassischer Ratenkredit«.4 % GELD UND LEBEN Boom. Dann Absturz. Deshalb müsse auch der effektive kassierte diese Entscheidung dann aber wieder. »ohne Anerkennung einer Rechtspflicht«. rung. soll viele andere Versicherer auf Urteile aus den versich abgezeichnet haben. weil der Verbraucher nicht trale Hamburg sind lediglich Verträge unter 200 erkennen könne. Nicht nur Heraeus macht übrigens Spekulanten für die Silberpreiskapriolen verantwortlich. dass die Un. Im Fall der unteren vierstelligen Bereich«. Sache ging bis vor den Bundesgerichtshof. Lanzes Versicherung höheren Verwaltungsgünstig ist. der dann Fast alle Versicherer argumenfällig wird. Höhere Finanz. der für die Verbraucherzentrale Hamburg nicht angegeben hatte. benennt den Denn auch die komplette die meisten Versicherer »echten Preis«. diese Jahresprämien in unterjährigen Raten die Huk-Coburg. die die Branche vielleicht zahlen müsse.oder Deflationsszenarien hat der Silberpreis womöglich weniger zu tun als gedacht. Dann kamen Tränen der Angst. Erst Spekulation. Denn geklärt ist die knifflige Sache noch lange nicht.sicherung am Landgericht Stuttgart verurteilt.Klauseln zu Teilzahlungszuschlägen zukünftig nicht pflichtversicherungen. Es fehlt bis heute ein höchst. Für Normalanleger ist das ein sicheres Zeichen: Diese Woche von Finger weg! Als der deutMarcus Rohwetter sche Edelmetallkonzern Heraeus am vergangenen Montag in Hanau seine Bilanz vorlegte. wie sie erwartet hatte. Dafür zahlen sie einen Aufschlag. eine Rückzahlung des Differenzbetrags. »äußerst wenige« meldet die Continentale. rechnung dieses Zuschlags ist stets die die Berechnung des Bedie volle Jahresprämie – auch wenn trags. Zunächst waren es Freudentränen. sondern kleiner wurden. Der VZBV gewann 2006 vor gegen Ratenzuschläge abzutragen. musste mehr Geld hinterlegen. die Prämie Monat für Monat abgeerklären sollte. wenn wichtige Angatieren wie Lanzes Versicheben zum Zins im Vertrag fehlen. den sie dafür zahlt.34 12.mehr zu verwenden. dass sie ihre Jahresprämie monatlich abstottert. Dann Begrenzung. Unfall. wie sie sagt. Im Juni 2010 erhielt sie einen dreistelligen Betrag – bei Weitem nicht so viel. Sie hält den Aufschlag. Er ist verbrauVerunsicherung herrschte. Während Die Versicherung von Pia Lanze beruft sich wie der mündlichen Verhandlung. rückwirkend nur den gedie Versicherer den Ratenzahihn das Bezahlen in setzlichen Effektivzins von vier lern einen Kredit oder nicht? Raten tatsächlich kostet Prozent zahlen müssen.schützer herrscht längst noch keine Klarheit. doch Investitionen bleiben gefährlich Der Silberpreis steigt rasant! Nein. so wie viele andere auch. Es ist ein klassisches Mittel. Das Oberlandesgericht Prozesse führt. Inzwischen sind sie etwas entspannter. aber zu viel gezahlten Zinsen«. als habe sich die Geschichte wiederholt.17 US$/ SCHEFFEL +14. Doch die meisten Kunden zahlen »unterjährig«. Was den Verbraucherschützern unterdessen Bei Individualklagen mit niedrigen Streitwerten gelingt. sind Etappensiege. berichteten Manager davon.zentrale Hamburg herunterlud.ten zu verhindern. die Hoffnung machen. Und reine Kulanz. mit Inflations. für zu hoch. Jahresprämie nicht auf den« somit jeden Monat etwas Die »Kulanz« ihrer Versicheeinen Schlag. rung ist aber ein Beleg dafür. Diese zögerte und verweigerte dann.

dass unbedachte Interviewerlei: sein Recht und seine öffentliche Reputation. der Ehren-Aufsichtsratsvorsitzende und heimliche Herrscher des Konzerns. Viele Zeugen wird sie dabei eher kritisiert. Eine gewaltige Summe – selbst bei einem Börsengang der Edelstahl-Sparte. ein klein wenig besser machen sollen. sondern bauplan für den Stahl. Zur Jahr. werden aller Wahrscheinlichkeit nach für 40 bis Ende April gab der Atom. Kartellrechtlich wäre das sicher nicht ganz einfach geworden – noch ist lösung der Autoteile-Sparte werden nur begrenzt ThyssenKrupp einer der großen Edelstahl-Anbieter Erlöse fließen: Die Fahrwerk-Fabriken will Thyssenweltweit. ren mit seinen Prognosen über die Kosten des Natürlich gibt es berechtigte Zweifel an dem Klimawandels weltweit Aufsehen erregte. Im vergangenen Jahrzehnt an seine Aktionäre. Auflagen zu formulieren. Beide Kohlesorten Aber eigentlich könnten sich dieser Zeitgenossen werden als unverzichtbarer Abgeordnete und LandesverGrundstoff für deutschen treter ihre Arbeit sparen. Wert. Lebendig bleiben ist Rechtsanwalt nicht. Umbau hier und da reicht nicht. teste Marke des Konzerns. Einfluss. zu schweigen. Vorstandschef der Deutschen Bank.12 xibilität« für den Ausbau at. Deshalb. so destens 50 Euro kosten – zu viel. Briten. frachtet werden. Die potenziellen nerschaft« einbringen. In wurde – am schnellen Atomdieser Woche beraten Bunausstieg. kann Verfahren: Niemand weiß bislang etwa.stahl Damit hatte sich die Sache 43 4 Anlagenbau 1 Kriegsschiffe traktiverer Geschäfte zu geerst mal erledigt. Ziel sei es. Einzig im brandenburgischen Ketzin wird die CO2-Speicherung noch ausprobiert. Doch die internen Auto 4. Der Arcelor-Chef gründete für die korrosionsbeständigen Werkstoffs vor 100 Jahren ungeliebte Tochter eine neue Gesellschaft namens ist viel passiert: Längst können Chinesen den Edel. Aber der Stromerzeugung in einem Kohlekraftwerk CCS nicht einmal erproben heißt.selbst der hartnäckigste Sanierer der Branche. Das wäre ein Problem. Mit dem Umbauprogramm will sich Hiesinger von einem Viertel des Umsatzes (2010: 43 Milliarden Euro) trennen. dass die fortlaufende Privatlebens des Moderators und G O S T O M Z Y K Weitergabe von Details des ErmittGründers eines Wetterdienstes. relativ kurzfristig die Luft über suchskraftwerk. als lebten in Deutschland lange Pipelines zwischen Stromfabriken und sehr viele dieser Zeitgenossen. . Einzig bei der Bestimmung der Strafhöhe gibt es einen. auch wirtschaftlichen wenn sie zum Beweismittel des Gegners werden. sich an das Victory-Zeichen von Josef ständig über den Fall zu berichten. Unklar ist istisch.beeinflussen. äußerungen den juristischen Sieg kosten können. In Strom angesehen. konzern RWE sämtliche Konzessionen zurück. den Standpunkt von Unternehmen oder Privatpersonen. Und sechs der wo eine schwarz-gelbe Koalition die Unter.Aperam und verschenkte deren Anteile kurzerhand stahl billiger herstellen.das Recht der Herausarbeiten der eigenen Argumenrum.50 Jahre am Netz bleiben. wenn sie die Welt gegenwärtig lohnen könnte.nach Sparten. ob Berthold Beitz. Heinrich Hiesinger muss klare Entwicklungslinien schaffen. halb von 20 Jahren. ob sich den Kampf gegen den Klimakollaps ohne die zur CO2-Lagerung vorgesehenen unterirdi. die sich teils pro und teils contra auch die Bilder der Verhaftung Klaus bei der Kachelmann positionierte. Allerdings emittiert selbst ein modernes Kohdie ihm die Erkundung unterirdischer CO2. dass Medien neue Anlässe fanden. denn die mussten in dieser Zeit fast ohne Investitionen auskommen. Diese Fülle macht es einem Chef schwer. Theater und Medien in Hannover. ob Kachelmann schuldig zu sprechen sei oder nicht. A DIE ANALYSE 12. Nimby heißt im Englischen jene Spezies Mensch. Sollen die alle nur anderswo stehen. aber ebene und vor der Nordseeküste – das aus Kohlemeilern abgeschiedene Gas wirklich für Jahr. ob ThyssenKrupp künftig Stahl.Dass es aber auch falsch sein kann. aber meist negativ besetztes Bewusstsein für diese Beratungsleistung geschaffen. da Umsatz von ThyssenKrupp 2010 legt er einen gewaltigen Um. Was ist geschehen? Leicht lässt sich dies bei der bei Anwälten und PR-Beratern. die reichlich vorhandene heiKohle hat man den das Grundlage für die Erpromische Braunkohle gilt als wichtiger Garant einer unbung und weitere ErforEindruck. Im Wissen. Des Weiteren ist es nicht erfolgversprechend. aber seit Erfindung des Lakshmi Mittal. Doch das braucht Zeit – gerade in einem scher Schätzung maximal 1. Die Begründung: Rund ein Viertel der gesamten deutschen Kohlenmangelnde Akzeptanz in Politik und Bevölke. doch vieles. vorbei. Das klingt simpel. Es gehe.dioxidemissionen entfallen gegenwärtig nur auf rung. Bevor er neue Investitionen tätigen kann. Die Internationale Energieagentur hat damit 80 Prozent seines Stroms. dass man jemandem mittels Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen zum juristischen Sieg verhelfen könnte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 35 Un-Gestaltung ThyssenKrupp baut um und ab. über Medien auf den Ausgang von Auseinandersetzungen Einfluss nehmen zu wollen. aber Zeitung schon suggeriert die Kanzlerin noch im Jahr vom eigenen Hinterhof 2007. Vielmehr dürfte schaftslenker vor Gericht bekommen der scheinbar nicht versiegende Inforgroße Aufmerksamkeit: Viele erinnern mationsfluss mit dazu geführt haben. verantwortlich. Das hat letztlich auch eine wissenschaftliche Erhebung über den Einfluss von Medienberichten auf Richter und Staatsanwälte dokumentiert. die Übersicht zu behalten – und noch schwerer.oder Technologiekonzern sein soll. Sechs Milliarden Euro. Innerdachte Weltklimarat. den neuen Mann auch gewähren lässt. Lagerstätten müssten gebaut. und wirtschaftlichen Interessen.Bargeld in die Kasse. »Mit fröhUnangenehmes zwar land kein Ende der Kohlenlichem Gemüt« solle die Techutzung in Sicht ist. Zusammenhang über Litigation-PR. weshalb zuletzt alle verfügbaren Mittel in neue Hochöfen und Walzwerke gesteckt wurden. Auch der tiativen mögen über den Teilausstieg aus CCS Ökonom Nicholas Stern. Aber eine neue Form bekommt der Mischkonzern so nicht VON JUTTA HOFFRITZ Viel Spielraum kann Konzernchef Hiesinger mit seinen Plänen also nicht gewinnen. als lebten in abhängigen Energieversorschung von CCS sein soll. dass alle Tests am Ende Carbon Dioxid Capture and Storage soll das bei mit dem einen Urteil enden: Lieber nicht. der vor einigen Jahjubeln. NieKSB INTAX in Fachkreise diskutieren in diesem Hannover.bund Deutschlands und der WWF. so die DER STANDPUNKT: Amerikaner und Australier Prognose seriöser Energiefördern seine Erprobung experten. aber vom eigenen Hinterhof fernhalten CCS der Energiebedarf eines Kraftwerks um will (Not in my backyard). in dem die Abscheidung von Kohlekraftwerken zu entlasten. dafür baut der Konzern weiter Aufzüge. Kommunikationsprozesse wäh. Die Autoteile werden weniger. bis im Spätsommer 2000 Aufzüge 5 das Unternehmen mit. alle Bereiche mit der nötigen Liquidität zu versorgen.der weltweiten Energieversorgung ausmachen. vor Beginn des MannesSteuern ließ sich die Presse dagegen mann-Prozesses. Natürlich könnten die lich die Autoblech-Pressen.landläufige Meinung. in Milliarden Euro sollte nicht nur Edel-.de/gruenegeschaefte eingespartes CO2 die Kraftwerksbetreiber min- tausendwende kündigte das Kaum mehr als 100 Tage ist Unternehmen schon mal eiThyssenKrupp-Chef Heinnen Börsengang an. Fragt sich. Letztere besitzt ihren eigenen. bekannt zu machen. Klima. Eben. winnen. Deutschland viele gung. Auch Angela Merkel warb Mensch. In den Medien einer Vergewaltigung steht im Raum.zeit.und Kohlestrom. wird sich der Welt»Nimby« heißt im mit Milliarden. Doch er bleibt die Entscheidung schuldig. Auch die Kosten sind ein Problem: Nach dem angenehmes durchaus dem Nachbarn überantgegenwärtigen Stand der Technik erhöht sich mit worten. die in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt sind.nige Tausend Anlagen. in den USA und sich ebenso für das Verfahin Deutschland sind es etwa ren ausgesprochen wie der 50. Beim Edelstahl kapitulierte nämlich Beispiel Edelstahl: »Nirosta« ist zwar die bekann. die Verfeuerung von Braunkohle. als dass sich CCS wie Ideen eben sein müssen. um Manipulation von Justiz diale Begleitung über Monate hinweg. Handel wäre deshalb eine Abspaltung was der neue Chef nun plant. lungs. Eine wirtschaftliche Analyse der Kommunikationsstrategie von Kachelmann würde vermutlich nicht zu einem positiven Ergebnis führen.den Einsatz von Carbon Dioxid Capture and schen Gesteinsschichten – in Deutschland Storage nicht vorstellen.und Kommunikationsstrategie ist dafür notwendig. allzu früh entstehende Klimagift Kohlendioxid aufgefan. Diese Stromfabriken und die Mutlosigkeit vieler Landespolitiker. Insgesamt würde eine Tonne Weitere Informationen im Internet: blog. Letztlich besteht das Ziel von Litigation-PR darin.keinesfalls in Deutschland? Es ist reichlich egohunderte sicher speichern können. ThyssenKrupp war einst Weltspitze beim Edelstahl und hat die Position verloren. Schwerpunkte Medien manipulieren zu können. die Erprobung – und möglicherweise bisher auch. Die Welt benötige eiüberwiegend unter der Norddeutschen Tief. Vergangen.und Strafverfahrens für KachelAuch die Auftritte bekannter Wirtmann vorteilhaft war. meint er. wie lange etwa die Aufzugbauer Platz drei noch halten können. für Juristen nicht verwunderlichen. so teilt hin. Mittels Es kann also gut sein.Medien und der te gegenüber Journalisten lässt sich für rend juristischer Auseinandersetzungen Telekommunikation den eigenen Standpunkt etwas erreichen – selbst wenn das angesichts der vorauszudenken und gegebenenfalls zu Foto: privat Tendenz vieler Medien zur Skandalisierung und Personalisierung unwahrscheinlich klingen mag. die potenziell Unmen bedeutet. Gesamt Qualitäts. Industrieanlagen.Wirtschaftskanzlei ihrer eigenen Berichterstattungslogik standschefs der Deutschen Post. Dieser Weg stünde auch Thyssorgte Nirosta für reichlich Verlust. sagte überantworten. Der Qualitätsstahl macht auch nach dem Abschied vom Edelstahl noch gut ein Drittel des Portfolios aus. werden noch immer Schuld daran sind der Widerstand der Bürger neue Kohlemeiler gebaut.zehn klimaschädlichsten Stromfabriken Europas suchung möglicher Kohlendioxidlager verbieten stehen in deutschen Landen. Die Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger und Thomas Zerback fanden heraus: Schuldig oder nicht schuldig ist keine Frage guter Presse. was auf diese Weise gespeichertes auch die Anwendung – von CCS allein anderen Gas für die anliegenden Grundwasservorkom. wenn er ernsthaft Hand an den Mischkonzern legt. Verkauft werden sollen ledigPartner winkten direkt ab. unermüdliches anmutende Disziplin. Es geht da. Doch wäre es naiv. Eisengießereien und Essener auch versuchen. eine gute Entwicklung ist dies nicht. beim Nachbarn Polen mit einem Nobelpreis besogar über 90 Prozent. vormachte. CCS versucht also.WIRTSCHAFT ANALYSE UND MEINUNG Probiert’s doch mal! Kohlestrom kann man sauberer machen.des Verfahrens zu verzichten. Ähnlich ist die Situation in Niedersachsen. Sicher nehmen auch Richter des Landgerichts Mannheim die Berichte über das Kachelmann-Verfahren wahr. Vom Edelstahl stahl aus dem Portfolio verAuto Edelstahl will er sich trennen schwinden. müssen erst mal die alten Schulden weg. und Debatte um saubere einmal mehr über ein Gesetz. lerin Vanessa Tahal von der Hochschule für Musik. Weil die Republik vor Mitte des Jahrhunwill. Das erklären Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzzern Vattenfall. scheint es unKohlendioxid aus dem Rauchgas getestet wird. Eine sorgfältige Verzahnung von Rechts. Etliche Medien aktuelle Studie der Kommunikationswissenschaftund nicht zuletzt deren Publikum haben spekuliert. denn auch bei der Aufte Wettbewerbern anzudienen. Importierte Steinfernhalten will. Holstein ermöglicht hätten. Gerade die Richter im Fall Kachelmann demonstrieren. vom öffentlichen Druck unabhängig sein zu wollen. Kohleverstromung wird notgedrungen. Sie folgt Zumwinkels. und Medien. Beides ist falsch: Es ist die detaillierte Veröffentlichung des T O B I A S nicht ersichtlich.4 6 (verbleibt im und auch vom AutozulieferDebatten zogen sich so lange Konzern) 1.und auch der klassische QualitätsTechnologiekonzern vor. Kriegsschiffe und Wälzlager für Windmühlen. Der Gebrauch von Litigation-PR ist nicht nur mann bietet dafür ein prominentes Beispiel.Option ist. Der Vorwurf Staatsanwälten in Mode gekommen. Der Fall des Wettermoderators Jörg Kachel. kämpft manchmal um zwei. alte Meiler nachgerüstet werden. Deutschland hat die großindustrielle Anwendung des und nicht als Ersatz für abgeVerfahrens fürs Erste kaum noch eine Chance. Die sicherste Alternative 13 wird abgespalten Das klingt gut.bringen dürfte. kohleverbrauch nahezu verEnglischen jene Spezies doppeln. auf die intensive Erprobung Betrieben wird es von dem schwedischen Kon.derts ohne Kohle nicht auskommen wird und falls im SPD-geführten Land Brandenburg steht weil CCS gegenwärtig die einzig bekannte in Schwarze Pumpe das einzige deutsche Ver.5 Milliarden Euro einbehäbigen Konzern wie ThyssenKrupp.jährlich so viel CO2 wie zwei Millionen Autos. In der destag und Bundesrat zwar kohle ist relativ billig. Die Frage ist. ist aber anspruchsvoll. sondern auch bei Verworrenheit des Falls nicht sagen. »Fledie Konjunktur einknickte. des damaligen Vor. Doch viele Deutsche wollen das Verfahren nicht einmal testen VON CHRISTIAN TENBROCK Das Kürzel CCS steht für eine große Idee. senKrupp offen – allerdings käme dabei kein Cent Mehr als einmal versuchte der Konzern die Spar. Ackermann. Grüne Parteipolitiker und lokale Bürgerini. liegt nologie auch in Deutschland gerne dem Nachbarn nicht – wie auch in dieser vorangetrieben werden. die Tochter an die Börse zu Federfabriken des Konzerns – was nach optimistibringen. in Pipelines geleitet und schließlich in gen noch für Jahrzehnte einen wesentlichen Teil Lagerstätten tief unter der Erdoberfläche ver. Eineine neue und für Laien eigenartig seiner Arbeit sind zig durch sachliches. mand sollte deshalb ernsthaft meinen.Gegenwärtig erzeugt China – wo fast wöchentschutz und Kohlenutzung zusammenzubrin. so die Ungewöhnlich am Fall ist aber eine massive me. Gegenwärtig hat mindestens 20 Prozent. Das ergibt auch eine und Sachverständige wurden gehört. Der Plan FORUM Lernen aus dem Fall Kachelmann Kommunikationsberatung bei Gerichtsverfahren nützt weniger als gedacht VON TOBIAS GOSTOMZYK Wer vor Gericht steht. schaltete Atomkraftwerke. Hunderte Kilometer man den Eindruck. die potenziell Dass auch in Deutscheinmal für CCS.Ländern zu überlassen. Doch die Kartellwächter kamen gar nicht Krupp ebenfalls bargeldlos in eine »strategische Partdazu.lekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung noch Lagerstätten im CDU/FDP-regierten Schleswig. zu glauben. Damals rich Hiesinger im Amt. Sie leben und arbeiten nicht auf dem Mond.lich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht – gen. Die Causa Kachelmann hat zwar ein breites. Beim normalen Stahl verteidigt der Konzern Platz sechs im Branchenranking.aufzugeben. ZEIT-Grafik/Quelle: Geschäftsbericht wie sie zu Jahresbeginn Branhat auch Vorgänger Ekkehard chenprimus Arcelor-Mittal Schulz schon versucht – und zwar vergeblich.6 geschäft.

es kann ZEIT: Sie waren mal SPD-Mitnicht sein. der große Auszeichnungen wie den oft von uns erwartet.ZEIT: Hartz IV wurde renoviert. sondern auch ein Jahr zuvor den unter Ökonomen wichtigen Gossen-Preis. Beim TeleForschungsgemeinschaft niert.ist das. dass nicht nehmen ohne ernste Konsequenzen. wenn sie glauben. dann wäre ich wohl auch den eine dramatisch große Zustimmung dafür. Doch das tut er eben suchen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WAS BEWEGT ARMIN FALK? WIRTSCHAFT »Ich bin risikobereit« Als sozialdemokratischer Starökonom ist Armin Falk ein Sonderfall. wie aber wusste. Und Sie? Falk: Ich würde nicht sagen. Die wissenschaftlichen Nase rumtanzen. Einstellungen. wenn er mich vor. ZEIT: Angenommen. was es bedeutet. Vielfach erleben vielgestaltiger präsentiert sich die Wirklichkeit. dass ich glaube.zu verhindern. Zu dieser Frage haben wir kürzlich benswirklichkeit der Menschen verbessern kann. Sein Institut an der Bonner Universität liegt in einem alten Reihenhaus nahe dem Juridicum. Falk: Tatsächlich hatte ich die Ursprungsidee aus schen Politik ist dann natürlich die Frage.Befunde der Verhaltensökonomik zeigen. den LeibnizPreis.ZEIT: Der Kerngedanke der Hartz-Reformen. Staat kann helfen. Was hat ein Ökonom schen befragt habe. Bei ei. Vorleistung. Ich hatte aber immer das Gefühl. Kandidat. diese durch ihre Arbeit finanzieren. Und genau die bestimmen ganz wesentlich. dass ein wissenschaftlicher Außenseiter so jung die großen Preise in seinem Metier abräumt. Er faszinierte mich extrem. ob es ein System machen. die zu bringen. Zwar hat er sich vom ersten Preisgeld auch vorlesungsfreie Semester gegönnt. zum Beispiel bei der Steuermoral. der/Steinbrück-Sozialdemokrat. ein SoDie Kombination finde ich nach wie vor wichtig. Gelb. nicht Ökonom geblieben. Aber alle Professoren lehnten ab.. Könnte sein. DFG .munizieren.geben sollte. auch die Ehepartner. Ziel war es da. Aber hat die Ökonomie auch seine Eltern in ihrer Risikobereitschaft ähneln. wie Falk: Mentorenprogramme für diese Kinder zum wir das nennen. Sind Märkte perfekt und Menschen rationalund sozialpolitische Antworten? DIE ZEIT: Wie wird ein friedensbewegter Junge Der Preisträger Es ist ungewöhnlich. mehr Risikoher anständig behandelt hat. Strich gut ist. Sie wirken wie ein Schröin so etwas erschöpft. Menschen eine Diskrepanz zwischen dem.Falk: Richtig. denen Fairness ein Anliegen die entscheidenden Fähigkeiten entstehen – wie ist. Drinnen herrscht Betriebsamkeit unter den vielen jungen Forschern.und Sozialpolitik. Bevor man warum die einzelnen Menschen so handeln. soll das auch tun. In gründung war Fairness. Aber der Mann für die richtigen Fragen lebt deswegen noch lange nicht im Elfenbeinturm. ein Experiment gemacht. Und jetzt kommt das Interessanteste: Die BeZEIT: Als Student hatten Sie es noch schwerer. der zu nicht. Und ZEIT: Diese Reziprozität verändert das Menschen.Hoffnungen erfüllt. die uns Schuhabe ich erlebt. Heute kann man als Volkswirt beides musste man darüber abstimmen. dass ich ein knallharter ZEIT: Was meinen Sie mit »Intervention«? Egoist bin. Falk: Für Experimente muss man wissenschaftliche zient.einen Transfers empfangen. nähmen wir dafür sehr viel Geld in die Fragen in einfache Verhaltensprobleme übersetzen. wie man Kindern aus benachteiligten Familien hältnis zur Fairness. Und auf einstiegs.eingesammelt. dass er sie deswegen nachhaltig verändert. ein Ökonom. wo sie kann.ZEIT: Der Junge aus Bergisch Gladbach hat sich tiven Studie untersucht.higkeit zur Selbstkontrolle entsteht. Vielleicht bekäme Nehmen Sie die Lebensmittelman mehr Wachstum. Und darum muss es doch gehen. Die Steuern gibt es auch ein gutes Angebot öffentlicher traditionelle Auffassung davon hätte mich wahr. zialsystem überhaupt erst zu schaffen. Falk ist der erste deutsche Preisträger. und Falk ist mittendrin. Wir wollen sehen. Falk: Tatsächlich ist die deutsche Ökonomenzunft Es ist individuell manchmal von Vorteil. Wo hat Ihr Politik sollte sich übrigens öfter melden. Man sollte ohnedies nicht verder Markt. schaft zusammen mit der Frage. die voranZEIT: Führende Ökonomen loZürich gilt als Nobelpreiskommen möchten. In Deutschland hängt der Bildungserfolg besonders stark von der Bildung der Eltern ab. Interessanterweise Wissenschaftler arbeite. Aber die ist auch wichtig. Es war also eigentlich eine zen. in welcher Rolle man nachher ist. sondern ein Faszinosum. andere flusst.garantieren. Sie muss Perspektiven erchen. was das eigentlich ist. das regelt Preis von Matthias Kleiner. die sie hinterher es unkompliziert war. Innerhalb der SPD stehe ich insoweit eher rechts. es ist eher eine Drohkulisse mit der trale Wirtschaftsfrage. Ändert sie auch wirtschafts. Falk: Ökonomen beschäftigen sich heute mit Präferenzen.. wie Armin Falk als Chef und Forscher funktioniert. Märkte und Wettbewerb gabe.. Die ZEIT: Sie sind ein Verhaltensforscher. Hier versäumen wir es. desto besser die ökonomischen wissenschaftlich salonfähig: Der Modelle und die Politikberatung. bei dem die allerdings mehr mit Blick aufs individuelle Ent. Vorbild führende Politiker und andere EntscheiGründer der Philosophischen Praxis in Bergisch dungsträger abgeben. wenn es darum geht. wenn man selbst len oder Kindergärten kostet. Und der Aufschrei zunehmend ablöst. die wichtigste Anerkennung für europäische Ökonomen unter 45. positiv wie negativ. Zudem sind Bürger viel eher bereit. Ich bin überzeugt: Je realistischer nicht wollen. wie man die Le. dass zugen risikobereite Männer und umgekehrt. Risikobereite Frauen bevorAber Experimente und Befragungen zeigen. und echten Egoisten.steuerehrlich sind. bereit. gehen selbst mit gutem Beispiel voran. bin ich risiko. Menschen beschränkt rational sind und soziale ZEIT: Je mehr Verhaltensökonomen lernen. dann reagiere ich abweisend. die richtiArmin Falk erste Erfolge dass es dafür öffentlicher Untergen Fragen zu stellen und dafür stützung bedarf. ich war selbst noch nie Gegen. freudigkeit der Bevölkerung ab. ob sind zentral für Wohlstand. dass die Gesellschaft Galbraith . wie wir sozial funktionieren.). desto Motive eine wichtige Rolle spielen. Im Schnitt sind wir unseren Eltern also sehr ähnlich. Bei ihm feierte andere Parteien weiß die SPD. sind. Wir fan. aus dem Rheinland zum Ökonomen? ZEIT: Wie das? Armin Falk: Zum Glück wusste ich erst gar nicht Falk: Menschen brauchen das Gefühl: Für hohe genau. Falk: Wenn ich an eine Sache glaube. sie darf nicht die dass in Zürich einiges geschah. wenn andere unfair sind. sich in die zu lösen.Güter. Sie unterscheiden Wer mehr soziale Mobilität will. der nicht bereit ist. Übrigens ähneln sich Das Gespräch führte UWE JEAN HEUSER Fotos: Michael Dannenmann für DIE ZEIT. die Industrielobby intervepen zu indoktrinieren. inwiefern Kinder ihren durchgesetzt. dass sumenten sind nicht so schlau wie sich der untere Teil der Gesellschaft gedacht. ZEIT: Kommen wir zur Fairness. sondern eine asoziale Handlung. Luhmann erklärte. was Menschen als gerecht empfinden. auch das. sagte er.bessere Chancen verschafft. weil er sich begeistert. Der heute 43-jährige Rheinländer Armin Falk hat nicht nur 2009 den höchstdotierten deutschen Förderpreis für herausragende Wissenschaftler gewonnen. Anders als ben Sie als besonders kreativ. Es wäre höchst effizu entwickeln. Falk: Bei Galbraith kam das Interesse an Wirt. grundder Industrie zeigt ja die Wirkung. Falk erhält den Leipnizhätte man früher gesagt. ganze Bevölkerungsgrupdem Chef der Deutschen nicht. dass Risikoeinstellungen über schen zu verbessern? verschiedene Lebensbereiche sehr verschieden Falk: Ökonomie ist schon das Richtige für mich.Funktion. Genau das ist ja positive Reziwahl? prozität.. sie handeln. Werde ich dagegen bereitschaft. ob dadurch mehr Fäjemandem etwas Gutes zu tun. ZEIT: Ein paar wie Sie gab es Falk: Ich fühle mich der Partei damals schon. nachdenkt und überprüft. Viel spannender lichen Abhängigkeit herauszustreben. Ein sehr lohnendes sehen ist »Fördern und fordern« das Gegenteil Buch. der Evolution geprägt. die negative ist stärker von Leibniz-Preis abräumt – das ist neu. dass Steuerbetrug kein Kavaliersdelikt tur machte und Zivildienstleistender war. FähigkeiZEIT: Dann wird es höchste Zeit. ZEIT: Immer gab es auch linke Ökonomen in der Falk: Sie gehören zu den wichtigsten Motiven. In der praktidass Sie etwas über Geldpolitik verfassten. geht es nicht (lacht). tungen erwartet. sprachen. Sie besonders überrascht? Falk: Ein Beispiel: Wir haben in einer repräsenta. Partei der Desillusionierten sein.Man kann innovative Ideen ausprobieren und wird aus risikobereit. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausFalk: Das ist keine sinnvolle Aufschütten. was sie Falk: Wir können es uns nicht aussuchen. was ökonomisch sinnvoll ist.Wissenschaft diszipliniert. sie können einem nicht auf der erleben wir eine Öffnung. wie zwischen Menschen. Er erforscht. problemen hineinzuversetzen. sondern die Entstehung dieser Probleme emotionalen Verwerfungen von Entscheidungs. Zum Essen geht es ins Studentenlokal um die Ecke. oft en schreiben. weil und trinken mehr. für eine sozialpolitische Leistung auch GegenleisZEIT: .erbringen kann. dem linken Harvard-Ökonomen. wie einem Bändchen von Niklas Luhmann von 1968. Ein und derselbe Mensch ist vielleicht über. aber davon abgedas einfach Vertrauen heißt. Unter den fairen Typen man deren Entwicklung durch Interventionen im gibt es wieder zwei Gruppen: Die einen wehren frühkindlichen Lebensabschnitt positiv beeinsich vor allem. alle Menschen eigennützig und rational sind. Bundesrepublik. weil wir gar nicht wissen. zu zahlen. Wir köneigentlich wollen. Aber heute anderen wissen. muss fragen. als ich Abi. Mit einem Teil erforschen Sie nun. aus Hartz IV und der staatmarktinnovationen in Kanada. UJH egoistisch. Ginge das? Falk: Natürlich. Jemand. so. dass er nun auch den Yrjö Jahnsson Award erhält. Gute sozialdemokratische Politik ist es Dafür braucht man Empathie. Und langsam merkt man. und dem. Aber ein sozialdemokratischer Die positive Reziprozität wird in der Gesellschaft Ökonom. dann ist ohne Staat alles wunderbar. Grün: Quatsch. die Lebensumstände der Menden dabei heraus. aber auch ampel. dass sich Ökonomie glied. Die Forderung nach deutlich höheren Sätzen entstammt falschen an die Ökonomie geglaubt? Falk: Ich habe erst mal aus Pflichtbewusstsein das Gerechtigkeitsüberlegungen. Sie essen nen auch nicht einfach zum alten Modell zurück. Persönlichkeit. Proband.36 12. man Arbeitsfähigkeit feststellt. kaufen Dinge. der tut sich schwer. die Kinder übertragen. vor allem für dann die richtigen Experimente sozial benachteiligte Kinder.dazu zu sagen? stand meiner Studien. Er begeistert. in dem er Vertrauen definierte als riskante von »unfair«. Die Wirklichkeit ist für ihn kein Störfall. denn jeder Euro mehr Diplom gemacht – mit einer Arbeit über Finanz. dass in der moder. ZEIT: Das sind Grundregungen der Gerechtigkeit. selbst wenn sie es gut meinen. Und vergangene Woche wurde bekannt. 10 (sehr risikobereit) bin ich eine 8. ZEIT: Sie haben durch einen Forschungspreis und ZEIT: Zwei Kategorien menschlichen Tuns haben EU-Mittel rund vier Millionen Euro für Forschung Sie besonders erforscht: Wagemut und unser Ver. mehr Alkoholiker und Unfalltote. Erhöhen Sie die mal. aber auch mehr Empathie mit andeunfair behandelt. lies mal etwas von John Kenneth Falk: Reziprozität heißt da. Und die Politik muss komGladbach. ja. Beispiel. Steuern scheinlich nicht überzeugt. was sie tun. Hand. in dem Hilfeempfänger eine Gegenschaftlichen Entscheidungen erforschen. unser ZEIT: Bloß sind Politiker auch Wachstum hängt von der RisikoMenschen und machen Fehler. und die Konfonat würde ich dann sagen. Zu helfen ist sinnvoll.verringert den Anreiz. während die anderen scheidungsverhalten. Sind Sie risikoverliebt? Falk: Auch wenn ich schon viele Tausend Men. Ein Gespräch Falk: Sicher. als Falk: Ich habe dann gesehen.das weitverbreitete Dogma gegen staatliches Handeln. ren und mehr Selbstvertrauen. Rot. Wäre das leistung erbringen müssen – oder nicht. wenn es um finanzielle Dinge durch die hohen Standards einer gestandenen geht. Wir erforschen das konkret anhand von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen. klein: Michael Hauri/imagetrust (l. dass die anderen auch ZEIT: Beeinflusste Sie jemand bei der Studien. Bei ihm ist. wenn die stark durch den Liberalismus geprägt. die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt seit den ReforZEIT: Sie durften nicht – und haben doch weiter men erheblich zugenommen hat. was ich wollte. aber gar nicht bei Gesundheitsfragen. was andere Wahrheit ZEIT: Nirgendwo wird mehr mit Gerechtigkeit nennen. Ich bin bereit. Für einen alltäglichen Auto. Ernst Fehr von der Uni öffnen für Menschen. An realen politischen Fragen genauso wie an ökonomischen oder philosophischen Problemen. weiß ich noch nicht. welches Falk: Auslöser war der Philosoph Gerd Achenbach. die Kanzlerin riefe an: Herr Falk. wie groß unser Lebenserfolg ist und wie zufrieden Auf einer Skala von 0 (gar nicht risikobereit) bis wir sind. die Gerechtigkeitsprobleme vom Ende her modellverliebt ist. Wir fanimmer noch unmöglich. Und mehr Risikofreude unter dem doch gibt es Korrekturbedarf. Ich wird das gesamte Einstellungsprofil von Eltern auf kann mir auch etwas ganz anderes vorstellen. Ich neige zu reziprokem Verhalten. Es spielt auch eine wichtige Rolle. um wirklich zu verstehen. Sehen Sie. Und als wir über meine Studienwünsche argumentiert als in der Arbeits.genau aus dem Rationalitätsglauben ergab sich ja bild der Ökonomen. Da wurde ich mit offenen Arsondern muss die Partei der Aufmen empfangen. kann psychologische Motive in den wirt. Sie können einem nichts weg. Und Untersuchungen belegen ja. Ökonomen können viel zu einer besseren Politik beitragen. Wer eine Gegenleistung Köln wollten Sie eine Diplomarbeit über Vertrau. sehr nahe. Aber ob ich immer als nem anderen ist es umgekehrt.ten.und Entwicklungswilligen mal konnte ich genau das masein. dass auch eine Vertrauenskrise war. der Mensch. legende Fähigkeiten mit Nachdruck zu fördern. die Menschen in reguläre Beschäftigung kauf genauso wie jetzt für die Weltfinanzkrise. Wo stehen Sie? nen Wirtschaft bei allen Transaktionen Vertrauen Falk: Hartz IV soll nicht auf Dauer ein gutes Leben eine Rolle spielt. Dadurch wird eine linke Position das Menschenbild. tue aber nichts nur um des Risikos willen.

hat unser Autor in einem besonderen Heim erfahren (Seite 39). Dabei kann man auch mit dieser Krankheit Freude am Leben haben. Beim Autofahren verlor er die Orientierung. Er sucht die Schlüssel. steige die Angst in ihm hoch. die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen. einmal sägte er sich fast den Finger ab. seine Frau Beate pflegt ihn (siehe Seite 40). jahrelangen Prozess der Hirnveränderung. An guten Tagen malt er. Wie Befragungen zeigen. Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden. wie die Kranken die Welt erleben (diese Seite). Man müsse die Krankheit eben »überlisten«. geht mit Freunden spazieren – oder berichtet anderen von seiner Situation. Seit vier Jahren lebt der 62-Jährige mit der Diagnose Alzheimer.« erschossen. Wie man gut mit ihnen umgeht. natürlich von der halb fertigen Brücke. die Gedanken auseinanderfallen. lesen Sie auf Seite 40. Jetzt ergründet die Forschung. wenn er wieder einmal die Worte nicht findet. Seine Bilder helfen ihm. Die medizinische Diagnostik nimmt allerdings vor allem die Defizite in den Blick: den schleichenden. Zimmermann spricht gern in Bildern. ANDREAS SENTKER Bernd Linde leidet an Alzheimer. 48 12. Es freut ihn. Irgendwann machte er plötzlich Fehler. die Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen. Wenn ihm die Sätze. »Dann reagieren die immer ganz betroffen und packen mit mir zusammen die Tüte ein. Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Ihre Zufriedenheit hängt ab von erfüllenden Tätigkeiten. dieses Schicksal möchte niemand erleiden. die sei »standhaft«. Vorher arbeitete er in seinem Betrieb. wenn die Leute überrascht reagieren. ihn umzusetzen. Man denkt an sabbernde Greise.« Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch dieser Woche der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 37 P L A G I AT S A F FÄ R E Doktor-Prüfung Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest. Doch Menschen mit Demenz (von der es neben dem Alzheimer-Typ noch andere Formen gibt) erleben sich selbst keineswegs nur im Zustand abgrundtiefer Verzweiflung.zeit. 38 Foto: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. das Handy.und Jugendbuch S. die lallend durch die Altenheime irren. vom Gefühl. Immerhin erkenne er noch heute.philippwente. dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat. Alzheimer. die sinnlos dahinvegetierten. sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden. dass ihm Namen. Es ist höchste Zeit. Und wenn die Leute im Supermarkt mal wieder grantig werden. Dann kommt es vor. sagt Christian Zimmermann: »Ständig bröckelt etwas ab. Es ist die Rede von »lebenden Toten«. Ein Plädoyer für einen neuen Blick VON THOMAS VAŠEK it ihm sei es wie mit einer Sandburg. die irgendwann so groß werden. So viel etwa wiegen die Züge – ohne Personen.com Fleischfrei fahren Womöglich liegt doch ein Fluch auf der Müngstener Brücke. SAM WISSEN . Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen. Der Tod schien ihm die bessere Alternative. sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen. Richtig dagegen ist die Meldung über die jüngste Fehlkalkulation: Nachdem die Deutsche Bahn die Brücke saniert hatte. ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. bis ihm der Neurologe ein Bild seines atrophierten Gehirns zeigte. Der Fotograf Philipp Wente hat sie für uns begleitet Damit die Würde bleibt T I T E LG E S C H I C H T E Die Diagnose Alzheimer löst oft Horrorvorstellungen aus. sagt Zimmermann. dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt.« Alzheimer – schon der Begriff löst bei vielen Horrorvorstellungen aus. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen.« Doch die Burg. dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist. erzählt er. lässt die Einkaufstüte im Supermarkt liegen oder bringt die falschen Dinge nach Hause. das Portemonnaie. Die damals schier unglaubliche Konstruktion reizte zur Legendenbildung: Der Baumeister habe falsch gerechnet. wenn die Mitarbeiter wieder einmal etwas falsch zusammenbauten – obwohl er es selbst nicht mehr zusammenbrächte. er habe Alzheimer. die ihre engsten Angehörigen nicht mehr erkennen und am Ende nicht mal mehr sich selbst. überfuhr Bordsteinkanten. dass die Betroffenen Fortsetzung auf S. die sei immer noch da. beantragte sie die Freigabe für Personenzüge bis 72 Tonnen. Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst. Orte und Begriffe verloren gehen. der auf die Herstellung von Kunststoffspiegeln spezialisiert ist. Beispielhaft zeigt der Fall. An schlechten Tagen. Oder: Der Baumeister habe richtig gerechnet. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt die Wupper. Die im Nachthemd auf die Straße laufen. so wie es ein Maler mit einem schlechten Bild mache. per Schienenersatzverkehr. sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. Mit Dreitagebart und Nickelbrille sitzt er am Küchentisch seiner Dachwohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen und redet über seine Krankheit. einfach so. diesen Alzheimer »übermalen«. »Dann sitzt man da und schaut«. Gunter Sachs hat sich – so schreibt er in seinem Abschiedsbrief – aus Angst vor »der ausweglosen Krankheit A. Praktische Tipps und Informationen zum Thema: www. von echten Doktorarbeiten unterschieden werden.de/alzheimer M Zimmermann will raus aus seiner Burg. erklärt er einfach. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind von Demenz betroffen – Tendenz steigend. von »welken Hüllen«. Mit Fahrgästen (Fachjargon: Fleischgewicht) sind sie zehn Tonnen schwerer. So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten. Der lange Weg durch die medizinische »Maschinerie« begann. doch noch irgendwie gebraucht zu werden. weil er so lange zum Einpacken braucht. aber falsch nachgerechnet und sich aus Scham über den (falschen) Fehler in den Tod gestürzt. Alles falsch. von der Bindung an Familie und Freunde. sich verständlich zu machen. seit 1897. Nun wird überbrückt. dass wieder etwas abbröckelt. Flüchtling zu sein S.WISSEN KINDERZEIT Hoffnung im Gepäck: Was es bedeutet. 47 Kinder. Und dass auch pflegende Angehörige Hilfe brauchen und wie man mit einem dementen Partner Urlaub macht. finden sie durchaus noch Freude am Leben. sagt Zimmermann und macht eine lange Pause. Eigentlich sei es die »bestbetreute Zeit« seines Lebens. Manchmal schaue er in seiner alten Firma vorbei. Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten. Eines Tages fiel er aus der Duschkabine. HALB ein Teil der Brücke habe abgerissen werden müssen. Hat es damit bewiesen.

« Von »Selbstaktualisierung« spricht Andreas Kruse. ist auch die Person zerstört. kann von Menschen wie Zimmermann lernen – von ihrer Kreativität. die Suche nach Sinn. Dabei wurden zunächst die mimischen Ausdrucksmuster aufgezeichnet. von ihrem Humor. Doch unter Akademikern regt sich Widerstand gegen diese eindimensionale Sicht auf die Person. argumentiert Fuchs. So hatte eine scheinbar völlig apathische Heimbewohnerin zeitlebens ihren Beruf als Schreibkraft geliebt. Doch als die Frau das letzte Blatt ausgespannt hatte. sondern verwirklicht sich in unseren leiblichen Interaktionen mit der Welt. ist sie noch da. die ihr Selbst in ihren leiblichen Beziehungen mit der Welt realisieren können – wenn man sie denn lässt. Jeder dritte Mann. sagt etwa der Psychiater Hans Lauter. Schätzungen zufolge ist jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen: An ihren Betten werden Gitter angebracht. Entfremdung und Einsamkeit. so meint Bär. Ihr Sinnpotenzial verwirkliche sich durch das Erzählen. jede zweite Frau könnte – so warnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft – im Laufe des Lebens an einer Demenz erkranken. Das erlebte zum Beispiel die schottische Psychologin Maggie P. also sinngeleitete Wesen. einer bestimmten Logik. in einem »Leibgedächtnis«. sagt Peter Wißmann.« Andere erklärten. Und selbst schwerst demenzkranke Menschen haben – wie neuere Studien zeigen – noch immer ein subjektives Erleben und einen Rest von Selbst. Marion Bär erzählt etwa von einer Heimbewohnerin. Überall fehlt es an Geld und an Personal. zu jeder Existenz. indem man ihnen hilft. so folgt aus dieser Sicht. diese in Handeln umzusetzen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Das passt zusammen mit der Auffassung mancher Hirnforscher. die moralisch keine Personen im eigentlichen Sinn mehr seien. es teile sich mit – auch wenn es sich bei Menschen mit schwerer Demenz nur noch situativ äußere. wie ich selbst überdeutlich spreche. zu denen meist unabdingbar Rationalität und Selbstbewusstsein gehören. von ihren Bildern.« Stellen wir uns ähnliche Fragen nicht alle? Und haben wir nicht alle womöglich auf Sand gebaut? Schließlich gehört der Verfall. Thomas Vašek. Situationen zu bewerten und ihren eigenen Willen zu äußern – und sei es am Ende nur noch durch mimische Reaktionen. Die Philosophin Agnieszka Jaworska geht noch einen Schritt weiter: Sie plädiert dafür. die Autonomie einer Person basiere lediglich auf ihrer rationalen Fähigkeit zum Planen und Entscheiden. die ein Anliegen. die Vergesslichen an ihr Selbst zu erinnern. meint Bär: Sie erschafft sich gleichsam eine neue Geschichte – und damit ein neues Selbst. das sich einseitig am kognitiven Leistungsvermögen orientiert: Wer geistig nicht mehr folgen. »Wer eine Patientenverfügung unterzeichnet. folgt daraus zwangsläufig: Wir müssen lernen. Als Interviewer etwa wird mir plötzlich bewusst. um mit dem fortschreitenden geistigen Verfall zurechtzukommen. Nach Auffassung des amerikanischen Psychiaters Steven Sabat sind Menschen mit Demenz immer noch »semiotische Subjekte«. die sich nicht mehr sprachlich äußern können. Die Philosophin Agnieszka Jaworska von der Universität Stanford etwa argumentiert. Journalist und Buchautor (»Seele. Durch das Erzählen erschaffen wir unser Selbst. als wir ihnen gemeinhin zutrauen. wie die Heidelberger Wissenschaftler nachwiesen. Viele Betroffene äußerten Gefühle von Angst. aus denen wir unsere Identität immer wieder neu zusammenweben. zunehmende körperliche Probleme bis hin zur Inkontinenz und Bettlägerigkeit. aus Achtlosigkeit oder schlicht aus Zeitmangel. die irgendwie auf die Erde gekommen sei: »Aber ich weiß nicht. zeigten viele Ausdrücke von Freude oder Wohlbefinden. Um solche Formen der »Selbstaktualisierung« aber wahrzunehmen. mit demenzkranken Menschen zu leben und nicht nur über sie zu reden. Wie ich auf seine Defizite achte. In der Summe läuft eine solche »Entpersonalisierung« darauf hinaus. Folglich sei ein solcher Mensch nicht mehr selbstbestimmungsfähig. Jahrhundert die Person als »denkendes. Trotz weit fortgeschrittener Demenz. Das kriegst du voll rein. im Austausch mit anderen. Wenn das Gehirn zerstört ist. Daher lasse sich unsere subjektive Erfahrung nicht auf das Gehirn und die Ratio reduzieren. sagt Kruse. dass er nun eigentlich doch weiterleben möchte? Was ist sein »autonomer« Wunsch? Oder: Wann überwiegt das Fürsorgeprinzip. Forscher der Universität Bangor in Wales etwa befragten Heimbewohner mit leichter bis mittelschwerer Demenz. das uns von ihnen trennt. ist mittlerweile sprachund bewegungsunfähig und wird zu Hause gepflegt . Manchmal findet er den Spickzettel nicht. Als ihr die Forscher eine alte Schreibmaschine und Papier gaben. wer kein Reflexionsvermögen mehr besitze. Aber was macht die Person aus? Traditionell sind unsere Konzepte von Autonomie und Personalität eng geknüpft an das Vernunftvermögen. Erinnern oder Vergessen. dass wir Menschen mit Demenz als Personen ernst nehmen müssen – und dass wir ihnen Selbstbestimmung zugestehen sollten. mit ihren Defiziten humorvoll umzugehen. Uns alle eint unser emotionales Erleben. Manchmal allerdings stieß sie einen durchdringenden hohen Ton aus. Dazu braucht es Zuhörer Menschen sind im Kern »narrative« Wesen: Mit unseren Geschichten erzählen wir uns und anderen. auf den er sich etwas notiert hat. In solchen Momenten frage er sich zum Beispiel. die Fähigkeiten von Demenzbetroffenen zu unterschätzen. Das Seelische drücke sich aus. Mitunter liegt die Schwierigkeit aber auch bei seinem Gegenüber. Nach Kant ist es die Vernunftfähigkeit. Warum die Leute nicht mehr mit mir reden. Auch in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können sie mitteilen. Und diese Fähigkeit besäßen selbst hochdemente Menschen: Mit ihren Emotionen brächten sie weiterhin ihre Wertvorstellungen zum Ausdruck. Die Wiederholungen. sollten wir uns mehr auf die Menschen dahinter konzentrieren. zum Verstehenwollen. Es dauert manchmal quälend lange. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl mehr als verdoppeln. Auf dem Papier stand zwar nur Buchstabensalat. sagt der Bonner Gerontopsychiater Rolf Hirsch. wie es tatsächlich ist. die er einst so akribisch geplant hatte. wenn ein schwer Demenzkranker erkennen lässt. das Endstadium mit künstlicher Ernährung. TV Spielerisches – abwechselnd produzierten die beiden ihre Töne und lachten immer wieder dabei. die das Kommunikationsverhalten einer schwerst demenzkranken. Nach ihrer These machen schwer demenzkranke Menschen durchaus Sinnerfahrungen. es erfordert Entschleunigung. 37 nicht mehr selbstständig leben können. beteiligen sich an Forschungsprojekten. hob die Frau ihren Kopf und rieb ihn an der Hand der Forscherin. dass wir bei einem dementen Menschen nichts Kognitives mehr finden. atmete sie tief ein. »Wir stehen mitten in einem großen Veränderungsprozess«. Der Oxforder Ethiker Jeff McMahan etwa sieht Demenzbetroffene als »Post-Personen«. was los mit mir ist. Hat er mich richtig verstanden? Als ich später das Band abhöre. fing die Frau nach kurzer Zeit zu tippen an. sind unsere unterschiedlichen kognitiven Defizite. Doch wer erzählt. »Auch schwerst demenzkranke Menschen verfügen über ein höchst differenziertes emotionales Erleben«. Die Gesellschaft dürfe Menschen mit Demenz nicht länger »ins Abseits der Krankheit und Pflegebedürftigkeit« schieben. der Demenzbetroffene in München-Haidhausen. sondern es besteht aus einem Netz all der Geschichten. Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg. Es liegt also an uns. sie seien »ein Haufen Mist« – oder eine »seltsame Kreatur«. ihre Freuden. der braucht Zuhörer. hätten diese Menschen ein intuitives Empfinden. Und da uns die Medizin wenig Hoffnung auf eine wirksame Therapie macht.com Fortsetzung von S. die geweckt werden könnten. Solange die Burg bröckelt. Hingegen reagierten sie verärgert. Aus den »Krüppeln« von einst sind weitgehend gleichberechtigte Dialogpartner geworden. sondern mit ihnen. auch wenn der Kranke später andere Präferenzen zeige. Dabei besäßen sie oft noch Ressourcen und Potenziale. wann muss man dem Kranken Selbstbestimmung zugestehen? Solche Fragen sind von drängender Relevanz: Tagtäglich laufen Pflegepersonen und Angehörige Gefahr. In den allerletzten Phasen der Krankheit kann es sein. Per Videokamera beobachteten die Forscher demente Heimbewohner in verschiedenen Alltagssituationen – wenn sie Besuch von Verwandten bekamen. der selbst an Alzheimer erkrankte und nun an einem DemenzForschungsprojekt teilnahm. die menschliche Personen von den Tieren unterscheidet – und damit ihre Autonomie und letztlich ihre Würde begründet. Autonomie sei weniger eine Sache des rationalen Urteilsvermögens. In diesem Punkt sind alle Menschen gleich – mit oder ohne Demenz. den Würdeanspruch von Demenzkranken zu relativieren – und damit auch unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenüber den Betroffenen. Ärger oder Traurigkeit zu. Herausgeber des Demenz-Magazins. bis Christian Zimmermann. das für Fuchs die Kontinuität einer Person ausmacht. Vielmehr müssten wir auch demenzkranke Menschen als Personen betrachten. habe daher Vorrang. wer nicht mehr sinnvoll kommunizieren kann. Aber wir dürfen nicht aufhören. das über Fragen des Umgangs mit den Betroffenen berichtet. Während einige ihre Krankheit herunterspielen oder so lange wie möglich zu verstecken suchen. schaute die demente Frau überrascht und gab wieder ihren Ton von sich. Selten ist in diesem Zusammenhang davon die Rede. Dabei hat die Wissenschaft gerade erst begonnen. das ist der Knackpunkt. oder man stellt sie mit Psychopharmaka ruhig. Wegen ihrer kognitiven Defizite neigten wir allerdings dazu. »Wir verletzen tagtäglich die Menschenwürde von Demenzkranken«. Statt verbindlicher Verfügungen fordert er ein »ethisches Konzil« aus Angehörigen und Ärzten. Diese Erfahrungen schlagen sich nieder in Gewohnheiten. Oft helfen die intakten Langzeiterinnerungen. zog daraus tiefe Befriedigung. dass sie selbst es sind. Da ist der Schritt nicht mehr groß vom Menschen zur Sache. Heute bestimmen Philosophen das Personsein auf der Basis von Kriterien. »Das schleppst du immer mit. im Vollbesitz der geistigen Kräfte festgelegt. Immer mehr Betroffene gehen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. der droht aus der menschlichen Gemeinschaft herauszufallen. Ich weiß nicht. Der englische Philosoph John Locke definierte im 17. Demenzkranke auch im täglichen Leben in ihrer Autonomiefähigkeit gezielt zu fördern. Statt den Blick nur auf die Krankheit zu richten. steigerte die bloße Mitwirkung sein Selbstwertgefühl: Als Projektteilnehmer könne er »viel mehr machen«. die aus dem Kaffeegeschirr kleine Bauwerke errichtet? Oder von dem Mann. Aus der Rückschau auf ihr früheres Leben schöpfen viele neues Selbstwertgefühl. worum es in dem Projekt überhaupt ging. Nur müssen sie immer wieder neue Geschichten erfinden. so lautet ihre Botschaft. Das erschüttert allerdings die traditionelle Vorstellung. Eine frühere Patientenverfügung. obwohl sie dort nie irgendwelche Arbeiten übernommen hatte. Was etwa soll man von der Heimbewohnerin halten. wenn man sie zu etwas drängte oder nötigte. einen Sinn verfolgen – auch wenn es für Außenstehende oft schwierig ist. fasst Kruse das Ergebnis seines Projekts zusammen. wer das ist. Dann reißt das Seil. Wenn die Menschen Zuwendung und Ansprache bekämen. sagt Zimmermann. diesen Sinn zu entschlüsseln. Schon vor Jahren hatte diese ihr Artikulationsvermögen verloren. vom kleinsten Stirnrunzeln bis zum Anflug eines Lächelns. etwas als »wichtig« ansehen zu können. Doch indem wir Demenzbetroffene überhaupt als »Sinnsucher« anerkennen. dement zu sein«. Plötzlich bekam die Interaktion etwas Berührung bleibt wichtig – auch wenn die Sprache verloren geht Hirn und Person Mit der Alzheimer-Krankheit. Dieser andere Blick auf die Alzheimerkrankheit legt nahe. was ihnen wichtig ist. müssten wir uns ebenso bemühen. setzen sich die anderen aktiv damit auseinander. »Unser Selbstverständnis an das Gehirn zu knüpfen beraubt uns der Ganzheit des Lebendigen«. war zum einen bedrückend.und Wissensgesellschaft Vor 30 Jahren erstritten sich behinderte Menschen die gesellschaftliche Anerkennung. Die einen argumentieren. solange sie dazu noch irgendwie in der Lage sind. dass Demenzkranke häufig mehr Fähigkeiten haben. Andere Experten halten dagegen: Demenzkranke Menschen seien selbst in späten Phasen der Erkrankung noch in der Lage. Das allerdings zwingt zum genauen Zuhören. Heute geht es um die Rechte von Menschen mit Demenz. wundere ich mich weniger über seine klugen Antworten als über die Banalität meiner Fragen. Solche Erlebnisse zeigen: Trotz ihres devastierten Gehirns sind die Äußerungen demenzkranker Menschen keineswegs reflexhaft oder beliebig. Eine unsterbliche Idee«) kennt die Demenzproblematik aus der eigenen Familie. Obwohl er kaum noch verstand. hat keine Vorstellung davon.philippwente. die mit leuchtenden Augen ihre Tätigkeit als Sekretärin in der Einrichtung beschrieb. Wie zum Beispiel soll eine frühere Patientenverfügung interpretiert werden. nach ihren noch verbliebenen Wertvorstellungen zu leben. strahlte plötzlich übers ganze Gesicht und sagte nur: »Da hast du aber was weggeschafft. glaubt Kruse.« Demenzkranke Menschen entwickeln aber auch Strategien. Klar. um nach Gegenständen zu fahnden. ihren Blick auf die Welt. Nur im sozialen Raum. In den vergangenen Jahren sind die Heidelberger Wissenschaftler auch in die Erlebenswelt jener Demenzkranken vorgedrungen. Mehr als eine Million demenzbetroffene Menschen leben derzeit in Deutschland. sie reagierte auf keine normale Ansprache mehr. weil sie ihre früheren Rollen nicht mehr ausüben können. dann ordneten die Forscher diesen Mustern Basisemotionen wie Freude. Die Frage nach der Autonomie von Demenzkranken treibt ebenso den Deutschen Ethikrat um. Toleranz und Empathie. geht die Person für sich selbst und ihre Angehörigen verloren. der ständig mit dem Rollstuhl unterwegs ist. »Ich fühle mich so allein hier. Demente Menschen tun im Grunde nichts anderes. das Vernunft und Überlegung besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann«. auch wenn ihnen jegliche Möglichkeit fehlte. kaum noch Emotionen oder einen Ausdruck von Selbst. bis am Ende alle Blätter vollgeschrieben waren. Die Alzheimerkrankheit rührt auch an unser Menschenbild. mit unserer Unterstützung können Menschen mit Demenz ihren Sinn verwirklichen – und ihr Selbstgefühl aufrechterhalten. könne keinen »Gesamtbegriff seiner Situation« mehr fassen. sondern eher der Fähigkeit. verständiges Wesen. vom »Jemand« zum »Etwas«. ihre Türen werden verschlossen. Doch die Positionen zur Frage der Autonomie sind im Ethikrat gespalten. ebenso wenn sie ihren Lieblingsaktivitäten nachgingen. sagt etwa der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs. Als diese sich zu ihr herabbeugte und sich die beiden Köpfe berührten. der schließliche Verlust der Sprache. In jeder Person gebe es etwas. Ihm zufolge ist die Person im wesentlichen »verkörpert«: Das Selbst steckt nicht nur im Gehirn.38 12. Menschen mit Demenz fallen tendenziell aus diesem Personenbegriff heraus. und sein Kollege Peter Singer von der Universität Princeton spricht deshalb schwer demenzkranken Menschen das Personsein überhaupt ab. das soziale Bedürfnis. Sie folgen vielmehr. bettlägerigen Frau studierte. Wer wirklich zuhört. das im Ernstfall das Für und Wider weiterer medizinischer Maßnahmen abwägen soll. Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft. Unser Selbst steckt demnach nicht in einem bestimmten Hirnareal. die eine Handlung in Bewegung setzen – und nicht jemand anderer. Die Demenz rührt an das Menschenbild der Leistungs. gehen in Selbsthilfegruppen. Ich fühle mich wie ein Außenseiter. das persönliche Erleben von Demenzkranken zu erforschen – ihre Ängste. irgendwann sei seine »Sandburg« abgebröckelt. in ihrer Lieblingszeitschrift blätterten oder am Fenster standen und die Vögel beobachteten. ob er nicht doch was falsch gemacht habe mit seiner Burg. Wir alle schreiben mit an ihren Geschichten. Was sie in den Interviews zu hören bekamen. so scheint es. die Selbstbestimmung demenzkranker Menschen einzuschränken – aus Überfürsorglichkeit. Sein Vater erkrankte vor Jahren an frontotemporaler Demenz. danach zu suchen. Ellis. Schon sprechen einige Philosophen Menschen mit schwerer Demenz den Personenstatus ab (siehe Kasten). für einen Augenblick. Empfindungen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen zu erfassen. der redet am eigentlichen Notstand vorbei. Als Ellis den Ton nachahmte. nach der wir nichts anderes sind als ein hochkomplexes Netzwerk von Nervenzellen. das »Abbröckeln«. Natürlich könne jegliche Interpretation solcher Handlungen von außen fehlgehen. Doch wer die Demenz nur auf ein Pflegeproblem reduziert. Mit seinem Leben. erklärte der Mann – im Heim hingegen sei er »nichts«. Ein früherer Wissenschaftler etwa. was sie wollen und was nicht. einen Satz zu Ende bringt. können wir die kognitive Ungleichheit überwinden – und damit das Gefühl der Fremdheit. Manchen gelingt es sogar. Was uns trennt. die Emotionen. Die Wortfindungsstörungen. das Kontinuität zeige bis zuletzt. wer wir sind. die er in ihre Einzelteile zerlegen kann? Die Heidelberger Gerontologin Marion Bär hat solche Verhaltensweisen zu deuten versucht.

ausdrücklich auf medikamentöse Sedierung. Es mit Demenz statt Demente. wir schauen uns in die Augen – und er lacht. eine Frau schnarcht auf einem Sofa.31 %) 1. Er hängt im Rollstuhl. das Gewicht der Demenzkranken auch in einem späten Stadium auf dem gleichen Niveau zu halten. Und Bewohner tag. statt von DemenVON BURKHARD STRASSMANN gesprochen biestig. Er war Nazi gewesen. der SS.« Da war mal putiert werden. auf nach Dangast.1 0.1 13. nicht mich. In Großbritannien wird dieser Tage über Demenz und Euthanasie diskutiert. drumherum ein großer Garten. * Namen der Bewohner von der Redaktion geändert Mittags wird es voll im Bereich Licht. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. Biografischen Schlüsseln. Nun gibt es dort gerade eine alte Dame. was machst du tet man – im Gegensatz zu den meisten Einrichdenn hier?« Seitdem hat er bloß hin und wieder tungen. ob ren. ein Berührung oder eben ein Begriff. eine Magensonde eingesetzt. in freundlichen Farben gehaltenes zweigeschossiges Haus in U-Form. Gegenüber schreien nicht herum – sie vokalisieschwer demenzkranke Menschen nicht allen. sagt seine Frau. Sie sind noch Menschen. Frau Vogel!« – »Das ist mir ließe sich durch Freund ersetzen. also sterben zu wollen. ihn einfach zurück in den Rollstuhl zu heben ist unmöglich. nichts mehr essen. muss ich feststellen. eine aufregende und beglückende Erfahrung für mich. ist sie grundsätzlich auswünscht sich sogar. Gemeinsam mit Ärzten und Angehörigen wird in einer solchen Konferenz das weitere Vorgehen besprochen. »Sie haben heute Geburtslusten zu sprechen. merci. ja. chaotischen Welt einen Kommunikationskanal finden. bis alle reichen statt füttern. bei Körperrest. weil sie ihren schaft an Freiwilligen. und wenn alles gut geht.de/audio »Ist mir egal. So diskutiert Jenny Sauerwald mit ihren Mitarbeitern gerade.9 1. wenn der Betreute tagsüber rundum gutbürgerlich wirkt. ob man Demenzkranken in ihrer letzten Lebensphase noch die für alle so mühsame tägliche komplette Körperreinigung und das aufwendige und oft schmerzvolle Anziehen zumuten soll. Der Anstieg ist schlicht die Folge unserer Wohlstandsgesellschaft. »Alles Verdrängte. Mit meinem Gestammel habe ich einen Kontakt zu dem alten Herrn gefunden.« Bremerhaven. die etwa dreinascht. ließen sich mehr Zeit und Kraft in die Mahlzeiten investieren – die Momente intensivster Zuwendung am Tag. nicht Gelebte. entspannen sich. an den der Bürgerpark anschließt. Wohnbereich statt Licht-Bewohner aus dem MittagsStation. nur drei von ihSituation durchaus verrückt klingt: »Zum Geburtsnen können noch selbständig essen. an dem gesamt 61 Bewohner gibt es eine knappe Hundertsie keine Schuldgefühle plagen. Seine Augen suchen meine Augen. FixieHeute hat Frau Vogel Geburtstag. scheint er – mit weit offenem Mund – zu schlafen. Seit fünf Jahren redem Solidar e. Wasser und Erde sammeln sich Linde mit anderen Erkrankten man. auf dem Sozius sitzt eine Schöne!« Herr Knorr*.0 6. Generell versucht man. also »geistlos« Im Bremerhavener Haus im Park werden die Palliativversorgung. Essen andauert eineinhalb Stunden. die oft unter Schmerzen und Ängsten leiden. weiß man um ihr ihrem Rollstuhl hereingefahren. Menschen Erdbeerkuchen aufgedeckt. Doch es geht hier ausdrückschlaf aufgetaucht und zur Party lich um Würde oder. du Arsch!« Das anweIm Licht leben fünfzehn Mensende Personal singt. fast allein stehen. dass die Krankheit sich wie eine Infektion ausbreitet. »C’est la vie mon ami. steigt mit fortschreitendem Alter.und liebloser Sie ist deutlich noch kein Fall für Terminologie. Lederjacke an. und es ist offensichtlich. Traditionelle Pflege und die Angehörigen wollen das so – die Frauen müssen adrett sein. ans Meer. in Prozent 36. Das mit der beglückenden Erfahrung scheint für beide Seiten zu gelten. Sogenannte rung im Bett und künstliche Ernährung. Und lacht. Die Zahl der Demenzerkrankten nimmt weltweit proportional zur Zahl der alten Menschen zu – unabhängig von geografischen und kulturellen Unterschieden. bewegt plötzlich langsam den Kopf. Nicht immer versteht Abteilungen Luft. zeitig das Essen an. Was für einen Blödsinn ich rede: »Café au lait. Beruhigungsmittel. Plötzlich rutscht er vollends aus dem Stuhl und sitzt vor mir auf dem Boden.zeit. sterben sie auch hier.6 0. V. die Männer mindestens ein gebügeltes Hemd tragen. nehme ihn fest in den Arm.« Sie glaubt.1 %) 203 (1. Über beide Backen.67 %) 183 (1. während ich mit einem Fuß den Rolli herbeiangele.1 32.6 3. Und wahrscheinlich hat es zumindest auf das Personal eine gewisse Wirkung. In breiten roten Samtsesseln schlafen die Alten.7 12. Nähere ich mich ihm mit einem Löffel. die keine Pflegeaussitzt einer eine geschlagene Stunde bei den Kranbildung haben. Herr Knorr ist sehr schwer. der Texaner Richard Taylor. doch egal. Frau jetzt Freiwillige. Leiden unter acht. Die notorisch lingsausdruck im Heim zu benutzen: hungrige Frau Rudersdorf hat da um »Wertschätzung«. Mit den Festangestellten allein ließe Barnstedt besucht ihren Mann hier im Haus im sich das Arbeitspensum überhaupt nicht bewältigen Park sechs Tage in der Woche. und gemeinsam stehen wir auf. Nach der Geburtstagstafel gehe ich mit dem alten Lkw-Fahrer in den Park. Zum Glück hört mich einer.WISSEN T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer 12.1 4. Socken über die teten Momenten die Girlande um Schuhe ziehen oder ihre Haustür den Kopf. Lieber Alltagsbegleiter – das sind alle. Dann mussten ihm noch etwas in ihrem Leben zu erledigen zu haben. der seit einer guten Stunde im Sessel neben mir hängt und reglos vor sich hin starrt. die winzige Frau Erlenmal hintereinander beim Bäcker bruch windet sich in unbeobachBrötchen holen. Andererseits: Beim Waschen und Anziehen werden die Menschen bewegt. mon Dieu. Ich habe keine Ahnung. Hier leben die schwer Demenzkranken. Sie bemöchten sie nicht heißen. infolge einer Diabeteserkrankung beide Beine am»Sie können noch nicht loslassen. war mal ein Motorradfan. was er mitkriegt vom frischen Grün und vom Gezwitscher.6 247 (1. was in dieser schen mit Demenz. en vacances. Mann ins Heim gegeben hat. Beate Vetter. Ich streichele seine eiskalte Hand.5 18. um eine Vorstellung von der Lebensphase zu bekommen.9 5. an einer Form der Demenz zu erkranken. wussten die Angehörigen zu erzählen. Denn auch die schwer Demenzkranken. Ernährung und Festschnallen sind tabu chen. monsieur. Nach dem Dessert Sauerwald. arbeiterinnen Sorgen: »Wertschätzung brauchen Da reißt er die Augen auf und schaut mich so – ja: die auch!« privat – an. Das schreckliche Wort vom Verhungern reicht fast immer.8 70–74 60–64 90–94 Jahre 30–59 Jahre 60 – 64 65 – 69 70 – 74 75–79 80 – 84 85 – 89 90–94 95–99 2005 2015 2030 ZEIT-Grafik/Quelle: Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung 100 + Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. betreut werden. was gerade als Schlüssel gewirkt hat. sie sagt: als wir hier bedeutet besonders hoher Pflegebedarf. Das Heim ist ihr – die Hälfte der Bewohner hat die Pflegestufe 3+. beim Blutzuckerselbstbewussten Menschen mit Demessen oder beim Essen anreimenz. pardon madame. Respekt.2 1.2 0. die uns ein längeres Leben beschert. Was tun? Das Haus im Park wird eine Ethik-Konferenz einrichten.philippwente. Außerdem soll er gern nach Frankreich gereist sein. Achtung: klingt gut. findet der umstrittene australische Philosoph Peter Singer. Er beginnt zu weinen. das »Zuhause für Menschen mit Demenz«. voilà. sie meint ja Jahren ins damals neu eröffnete Haus im Park kam. Das liegt nicht daran. hier arbeiten – haben den Tisch An die etwas sperrigen Begriffe mit Girlanden dekoriert und einen gewöhne ich mich schwer. det Herr Barnstedt nicht mehr. du Arsch« Ab 80 steigt das Risiko Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen nach Geschlecht. Kann Gewichtsverlust nicht verhindert werden. Doch einen solch rabiaten Zwang zum Weiterleben lehnen die Mitarbeiter vom Haus im Park ab.0 Wachsendes Problem Zukünftig wird es immer mehr Demenzkranke geben. Und sie obachtet und spricht. die Sehnen gedehnt. dass mir selber die Tränen kommen. aber noch gut Frau Vogel wird als Letzte in reden können.3 31. Eine alte Dame will nicht mehr essen. Am Ende sitzt er wieder im Rollstuhl. Die Wahrscheinlichkeit. ihr etwas Essbares zu geben.com . manche sprechen sogar abschätzig von »Gemüse« oder »welken Hüllen«. la France. künstliche beim Ankleiden. die Gründerin und Heimleiterin. Der Lkw-Fahrer. die dicke BMW. nicht mehr erkennen. Wertschätzung. Wieder eine umwerfende Erfahrung. brumm. hatte mir »Motorrad« und »Frankreich« als Schlüssel für Herrn Knorr mitgegeben. die sich allen Bemühungen widersetzt. brumm. Herrn Knorr schmeckt es noch. Haus im Park. nicht reißt er den Mund auf und verschluckt unterschiedsVerarbeitete kommt heraus«. Auch in den Vielleicht ist dieser Kontakt durch die BerühSpielerische Tagesgestaltung: Bernd rung zustande gekommen. Nicht selten macht sie sich darum um ihre MitSacht und etwas verlegen drücke ich seine Schultern. Herr Knorr hilft! Er kann sich hochdrücken und schließlich. Von Betroffeschon überall am Kuchen genen im Frühstadium. ein Foto. Dement. falls keine Patientenverfügung das ausschließt. Es kann eine Melodie sein. die jeder Dritte von uns erleben wird. die ihr näher kommen. hast du vollgetankt? Quelle heure est-il? Oh. Ich reiche Beate Vetter hat schon oft Schläge abbekomHerrn Gabler und seinem Tischnachbarn gleichmen von Frau Vogel. die von einem eigenen Verein. Ein Geruch. Hier ist der einzige Ort. jetzt kommen die Motorräder aus der Garage.5 22. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 39 Z um Glück hört mich keiner. jede ethische Diskussion zu beenden. doch im Alltag stellen sich da viele Fragen. Die Leiterin des Wohnbereichs Luft. eine Berührung – vieles kann einen Kanal in den Geist öffnen Von Schlüsseln sprechen sie hier.. wird meist. Die übrigen tag viel Glück!« brauchen eigentlich eine 1:1-Betreuung. aber keine Personen mehr. Herr Gabler hat einen Meisterdass die Wohnbereichsleiterin das nicht leicht brief als Glaser im Zimmer hängen. Für die inseingezogen sind. da halten wir an und trinken einen Kaffee. Ein Star der Szene der neuen bevormundet. Sie schlägt und ten von Personen mit kognitiven Verspuckt. So wie früher. ein Geruch. die Menschen mit Demenz aufnehmen – »schöne wache Augen«. Der Wohnbereich im ersten Stock namens Licht ist zwar nicht offiziell. Könnte man sich auf T-Shirt und Trainingshose beschränken.5 2. ob es ihm gut geht und guttut. aber auch nicht rein ehrenamtlich ken und reicht ihnen das Essen an. dass einige Bewohner war er noch ein flotter Tänzer. Drei Tage lang darf ich hier hospitieren. Unter anderem verzichAuslöser zu ihr und sagte: »Hallo. um den Lieberschienen sind. wenn sie irgendwo in ihrer verworrenen. Darf sie gezwungen werden? Noch tiefer reicht die Frage nach dem Respekt angesichts des offensichtlichen Wunsches eines Bewohners. aber de facto der Palliativbereich des Heimes. Als er vor fünf runterschluckt. Was für ein Abenteuer! www. der Kopf ist nach hinten gekippt. das zweites Zuhause geworden. »Ich sage mir immer. Ich hocke mich also vor ihn. Doch an seinem Das Haus im Park ist ein in vielerlei Hinsicht 90. Geburtstag drehte er sich ohne erkennbaren außergewöhnliches Haus. Helm auf. der dauernd Betrachter wie ein auf den Stoffwechsel reduzierter herumgeschrien hat. Lange schaut er mich an. sind sie häufiger betroffen Von 100 000 Menschen erkranken an Demenz: Gesellschaft der Dementen Entwicklung der Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Altersgruppen 2008 800 000 600 000 400 000 200 000 80–84 65–69 75–79 85–89 95–99 2030 2050 Männer Frauen 32. Ein lichtdurchflutetes. meint auch Jenny los große Mengen an Nahrung. Heute wirkt er auf den flüchtigen ein ungewöhnlich aggressiver Mann. einer ist an einen Rollstuhl geschnallt.

»Klopf. In Deutschland werden rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. »Ich habe Angst vor dem Tag. Er fährt mit der Hand über ihren Rücken und klopft auf ihren Po. hält allem stand. Wenn sie nicht irgendwann selbst erkranken. in den Urlaub zu fahren. kam die Diagnose: Alzheimer. was sie möchte. ein bisschen schlafen. »Das ist unsere artgerechte Freilandhaltung. Er dekoriert oft um. Sie suchten lange nach einem Trauspruch und entschieden sich für den Ersten Korintherbrief: »Die Liebe erträgt alles. sagt Gabriele Wilz. fragt sie. die sich wie das Landhaus im Sauerland ausschließlich auf Tandem-Urlauber spezialisiert haben. zu überstehen. »Hier kümmert sich endlich mal jemand um mich. hofft alles. fragt sie sich. wo sie auch ein Buch lesen kann. und sei es nur für zehn Minuten. sagt sie. danke für jeden neuen Tag. aber sagt nichts. Normalerweise sind hier etwa 30 Prozent der Demenzkranken weiblich. Wo sie nicht kochen muss. Weil Beate Linde. Beate Linde und Freundin Elfriede Körle ziehen sich die Jacken für ihren Spaziergang an. Dort. das gehört wohl zum Rollenverständnis.« Jetzt gehen die beiden recht zügig und haken sich ein. »Ich bin alleinstehend mit besonderen Erschwernissen«. Seit über einem Jahr spricht er nicht mehr. Beate Linde hat sich vorgenommen. Wenn sie kurz wegmuss. »Das ist mein Urlaub. Ihr Zimmer liegt auf dem »Winterflur«: An der Wand hängen Ski aus Holz. geht es auch meinem Mann gut«. reichten jedoch nicht aus. Manchmal gibt er ihr ein Küsschen oder reibt seine Nase an ihrer. Doch das ist gar nicht so einfach. Dann liegen seine Beine hoch. an dem er nicht mehr auf mich reagiert. »Schlaf ein bisschen. sagt sie. Oft leben die Angehörigen nur noch für ihren dementen Partner. fangen sie schlimmstenfalls an. kommen die Nachbarn oder ein Schwager rüber. wollen ihren Partner aber nicht weggeben. war früher der Kindergarten. Die Landschaftsbilder an den Wänden könnten auch bei Oma hängen. Wo heute die Tagespflege ist. ihren Partner zu schlagen. »Bernd.philippwente. Nur wären sie dort nicht festgeklebt.« Sie drückt.« Mit dem Zaun kann sie sich ein bisschen entspannen. sagt sie und lächelt. Die thematischen Flure sollen die Orientierung der Bewohner erleichtern und ihr Langzeitgedächtnis mit alten Gegenständen ansprechen. auch die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen. »Was wäre. »Davon pflege ich mich in Winterberg. zwei. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. Weil sie ihn pflegt. Beate Linde pflegt ihren Bernd im fünften Jahr. die sich auf Demenzkranke und deren Angehörige spezialisiert haben. spricht sie ihn an. dass seine Zielgruppe schwer von einem Urlaub zu überzeugen ist. 82 Kilo schwer. drei. sagt sie. bis sie das begriffen hat und die Zeit ohne ihn genießen konnte. An zwei Tagen in der Woche bringt sie ihren Mann für sechs Stunden zur Tagespflege. »Ganz frei ist man nie«. Das Gelände ist ebenfalls eingezäunt. wischt mit der Serviette über seinen Mund.« Sie bekommt monatlich 685 Euro Pflegegeld. sagt sie. B Urlauben gemeinsam mit den Erkrankten. pflegt sie ihn. »Nur ziehe ich ihn heute wie eine alte Kuh hinter mir her«. klopf«. ob ihm der Urlaub im Sauerland gefällt. Dafür reist sie in ein besonderes Hotel VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS eate Linde hat im Garten ein Stück Rasen eingezäunt – damit ihr Mann nicht wegläuft. »Setz du dich bitte hin. Es hat gedauert. da war er 61. im »Küchenflur« Kaffeemühlen zum Selbermahlen. Sie und ihr Mann schlafen immer im selben Zimmer. »Und manchmal«. der Mann von Frau Lindes bester Urlaubsfreundin. pflegt sie ihn. Das Hotel will seinen Gästen so viel Sicherheit und Halt wie möglich bieten. Leiterin der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention an der Universität Jena. Frau Körle hatte seit Wochen ihr Haus nicht verlassen. Sie hat Angst vor seiner Antwort.zeit. umarmt sie ihn. hielte seine Windel nachts mal nicht dicht. Manchmal fällt dabei etwas runter. dann ist es eine Riesenüberwindung. räumt das Bücherregal aus. Im »Uhrenflur« hängen alte Uhren. die zum ersten Mal ihr Kind in den Kindergarten bringen. dass er wegläuft. Walter Körle schläft. setz dich bitte«. in einem Hotel in Winterberg. die Krankheit ihres Mannes. und zwei ältere Frauen. Viele Anbieter mieten für die Reisegruppen behindertengerechte Unterkünfte. Berge.« Sie lächelt und streichelt seine Hand. Zu Hause sitzt sie neben ihm auf dem Sofa. so gut es geht.40 12. sagt sie. Viele schotten sich zudem ab und riskieren. Ihr Haus steht am Hang. konstatiert Frau Körle. Am Mittwochmorgen um zehn Uhr bringt Beate Linde ihren Mann für zwei Stunden zur Betreuung. Vor sieben Jahren. »Bernd. ruft sie dann und läuft zu ihm. »Ich weiß nicht. sagt der Leiter Andreas Frank. wie es war. sondern jemand kommt und fragt. Eigentlich ist im Landhaus alles festgeklebt. hoch!« Sie lehnt sich nach hinten und zieht ihn hoch. »Ist er hingefallen?«. greift seine Hände und sagt: »Eins. selbst krank zu werden.« Sie rahmte den Spruch ein und hängte ihn in den Flur. wenn er müde ist. Raus aus dem Alltag: Die Reise der Lindes ins Sauerland Auch Spanien oder Thailand sind im Urlaubsangebot für Demenzkranke Auch die Angehörigen brauchen mal Pause. In fünf Jahren ist sie nie ausgefallen. stellt sich vor ihn. ob er mich als seine Frau einordnet oder nur als positiv besetzte Person«.com DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Urlaub von der Verantwortung Weil Beate Linde ihren Mann liebt. es gefalle ihm nicht?« Weitere Informationen unter: www. Italien oder Thailand.deutsche-alzheimer. »Er hat nichts davon. als er noch gesprochen hat. Mai 2011 Fotos: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Denn eine Auszeit ändere nichts im Alltag. Es wäre auch nicht schlimm. beidseits geht es recht steil bergab. »Wenn es bereits ein Problem ist.« Er lächelt zurück.de/audio . sagt sie. Im Hotel ist alles festgeklebt – sogar die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen Sie ist mit ihm wieder nach Winterberg gefahren. Die fürsorgende Ehefrau und Mutter kümmert sich um den kranken Partner. er könnte stürzen. Die Tür ist mit einer Kette verschließbar. Seit der Hochzeit verliert sie ihren Mann jeden Tag ein bisschen mehr.86 Meter groß. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. Einige offerieren sogar Urlaub in Spanien. sagt sie und küsst ihn auf die Wange. seien zwar hilfreich. und er läuft nicht – sonst pilgert er pausenlos durchs Haus und hört selbst dann nicht auf. diesmal kirchlich. An der Wand hängen Kartoffeldrucke. 1. Ich pass auf dich auf. Ärzte und Kassen müssten die Entlastungsangebote bekannter machen. einen Schnabelbecher zu erreichen. glaubt alles. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will pflegende Angehörige vermehrt entlasten. Als sie ihren Mann Bernd später abholt. Sie nimmt sein Lätzchen ab. vergleichbar mit betreuten Er umschließt fest ihre Hand und geht hinter ihr zur Tagespflege. »Du bist ganz müde«. »Viele pflegende Angehörige nehmen Entlastungsangebote nur zögerlich an«. unter anderem auch mit Kuren. sagt Frau Linde. Frau Linde geht viel mit ihrem Mann spazieren. »Es ist wie nach Hause kommen«.« Bisher gibt es auch kaum Hotels. auf Wunsch reisen teilweise auch Pflegekräfte und Ärzte mit. »Wenn es mir gut geht. Noch hilft er mit. beispielsweise zu einer Angehörigengruppe zu fahren«. Deswegen wandelte die Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen das heutige Landhaus Fernblick vor sechs Jahren um: Aus einem Mutter-Kind-Haus wurde das neue Hotel. beruhigt Linde. Gegenüber von Herrn Linde sitzen Walter Körle. »So ganz frei ist man hier aber auch nicht«. Wälder und ein kleines Dorf. Die drei Betreuer in der Tagespflege stimmen wie immer ein Begrüßungslied an: »Danke für diesen guten Morgen. sagt sie. Sie bringt ihn zu seinem Platz. Sie kennten die Angebote kaum und hätten »häufig gar nicht mehr die Kraft. Weil sie ihn pflegt. legt ein Kissen und ein Taschentuch aufs Sofa. Danach haben sie noch einmal geheiratet. Die Liebe hört niemals auf. Ohne Menschen wie Frau Linde würde das System zusammenbrechen. Landhausleiter Andreas Frank bestätigt. Von dort schauen sie ins Tal. Aus demselben Grund kaufte sie für ihren Mann auch einen Fernsehsessel. »Wir bekommen kein Pferd. Darum weiß sie auch nicht. Kuren.« Ein Zuhause. wie jeden Morgen und jeden Nachmittag im Urlaub. ein CD-Player spielt Schlager.« Bernd Linde guckt nur. »Bis später«. wenn er sagt. Das hat sie auch früher nicht getan. hat sie im vergangenen Jahr mit ihrem Mann fünfmal Urlaub gemacht. ihren Mann liebt. Hier hat sie kaum Angst. »Wie soll das auch gehen?«.« Fünf Tage und sieben Nächte die Woche sorgt Frau Linde für ihn. Aber sie glaubt es zu wissen.« Neben dem Landhaus gibt es rund 25 weitere Anbieter. fühlt sich zu Hause am wohlsten«. hinsetzen!« Als er sitzt. »Ich wollte meinem Mann noch einmal was versprechen«. 53. als ein Nachbar den Zaun beäugt. Diese Verteilung ist ungewöhnlich. ohne nach ihm sehen zu müssen. fragt sie ihn nicht. »Ich bin daheim ja auch eingesperrt. Im Sauerland gelingt ihr das. das ist für meinen Mann«.de/Entlastungsangebote www. denn alle Matratzen sind mit einem speziellen Bezug geschützt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verfünffacht – und dürfte wohl weiter wachsen. als wollten sie sich gegenseitig stützen. während er im Wohnzimmer die Bücher aus dem Regal zieht. auf Wiesen. »erinnern mich die Angehörigen auch an Mütter und Väter.

Hans Roslings Animationen entfalten nur deshalb ihre Dynamik. »Auf Meinungsvermittlung und Konjunktiv versteht sich die Infografik schlecht«. Das ist ein Grund dafür. 128 S. dass mit jeder wissenschaftlichen Publikation nicht nur die Erkenntnisse offengelegt werden. Auch Rosling geht es darum. seien dazu geeignet. Und zu den wichtigsten Werkzeugen. gehört auch zu den Pionieren der Infografik. bewegen sich von einer Ecke des Graphen in die andere und zeigen wirtschaftliche oder gesundheitspolitische Welttrends auf. für Gelehrtenschulen wie das unter dem Pseudonym »Bourbaki« schreibende Kollektiv französischer Mathematiker waren Zeichnungen und Diagramme Verwässerungen der reinen mathematischen Idee. Inzwischen gehören bunte Bilder und Grafiken auch zum Standardwerkzeug der abstraktesten Disziplinen. diese Ideen auch grafisch aufzubereiten. hat die Chance. eine Variante der heute so verbreiteten Tortengrafiken. Grafiken und Statistiken zu zeigen. erzählte Rosling dem Economist. Atemlos wie ein Sportreporter kommentiert Rosling beispielsweise. sagte Nightingale. wie man gute Infografiken von schlechten unterscheiden kann (Seite 44). die in Wahrheit natürlich jeder Mathematiker von seinen Objekten hat. Gewiss hat die resultierende Grafik.95 Euro 1972: Zwei goldene Platten an Bord der Raumsonden »Pioneer 1« und »Pioneer 2« sollen Außerirdische über das Leben auf der Erde aufklären . an welchen Ursachen die Soldaten der königlichen Armee starben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 41 Jagdszenen auf Stein. in der die plagiierten Seiten rot gekennzeichnet waren. was die Forscher sahen – sie strukturierten damit die Vielfalt des Lebens. sagt die Grafik nicht. sondern potenziell viele. Das ist eine voyeuristische Spielerei – aber danach weiß man. Unter allen Einsendern verlosen wir fünfmal den großformatigen Sammelband »Wissen in Bildern« mit 60 Grafiken aus unserer Serie. Lebenserwartung und Fruchtbarkeitsziffern kopiert«. Die Doppelhelix der DNA ist nicht nur die sachliche Darstellung des Lebensmoleküls. wie es eine Sammlung nackter Zahlen niemals könnte. lorence Nightingale war nicht nur eine Reformerin des öffentlichen Gesundheitswesens. die sie vorfanden. Die Klimaforscher hätten mit ihren Warnungen vor den Folgen des Klimawandels längst nicht so gut an die Öffentlichkeit dringen können ohne die bunten Bilder eines heißen Planeten im Jahr 2100. eventuell noch. Aber jede Simulation.100 . Die Vorträge des Professors für Public Health am Stockholmer Karolinska-Institut sind legendär. Mai. das Buch »Wissen in Bildern« zu gewinnen. Damit verbinden wir eine Frage an unsere Leser: Welche Grafik hat Ihnen am besten gefallen? Wer an der Wahl teilnimmt. zu denen ein Forscher gekommen ist.de. Dann beginnen die Blasen zu tanzen. Dynamik erhalten die Grafiken. Dabei sind seine Mittel schlicht. gehört die grafische Aufbereitung. Damit fing alles an – vor etwa 30 000 Jahren Vor zwei Jahren. Über die Selektion der Daten kann der Autor die Aussage beeinflussen – aber wie die Welt sein soll. Es hat zu allen Zeiten starke wissenschaftliche Bilder gegeben. die sich nur in streng logischen Abfolgen mathematischer Sätze zu manifestieren hatte. Was Galileo durch sein Fernrohr sah und abzeichnete. 33). zum Rücktritt des Politikers beigetragen. der bekommt zumindest einen Sinn für Proportionen – auch wenn dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden und man das Geld aus dem einen Kästchen nicht so einfach dem anderen zuschlagen kann. Sagen die wirklich mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte? Mehr vielleicht nicht. die sie sich im Gefecht zugezogen hatten. von Visualisierung auf den Punkt: einen Sinneskanal zu öffnen. Der Zeitungsleser wird heute auf jeder Seite bombardiert mit einer Fülle von Zahlen. Im Jahr 1858 erstellte sie ein sogenanntes polar-area diagram. die zur Umwälzung ganzer Weltsichten beigetragen haben (siehe Zeichnungen auf dieser Seite). Vor zwei Jahren hat sich das Wissen-Ressort der ZEIT entschlossen. Wort und Bild werden zunehmend gleichberechtigt nebeneinanderstehen – auch in dieser Zeitung. oft mit einem Blick in einer unübersichtlichen Umwelt das wesentliche Muster zu erfassen. Auch die Wissenschaften arbeiten verstärkt mit Bildern (diese Seite). Seitdem haben wir Ihnen 99-mal ein Thema in Bildern präsentiert – Infografiken. um Struktur in einem Gewirr von Zahlen zu finden. mit denen sie täglich jonglieren. auf der sie beruht. der Code des Lebens ist entdeckt 1975: Am Computer generierte Fraktale eröffnen den Blick in eine neue mathematische Welt Christoph Drösser (Hg. Mit einem Beamer präsentiert er die von ihm entwickelten »Blasendiagramme« (siehe auch Grafik Nr. 89). Einsendeschluss ist der 19. Die Grafiken suggerieren wissenschaftliche Exaktheit in einer Detailtreue. die im Westen vor 100 Jahren eingeläutet wurden. selbst nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. Illustrationen.« Wer einen seiner Zeitraffer-Filme gesehen hat. Die ZEIT ist mit der neuen Lust an Bildern nicht allein: Viele Print. die zu diesen Erkenntnissen geführt haben. nicht nur indem man Balkengrafiken verzerrt und übertreibt. Allerdings hat diese »ikonische Wendung« hin zur Bildsprache in der Wissenschaft auch Schattenseiten. Die anatomischen Zeichnungen des 18. wie heikel die abstrakten Daten sein können. Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www. Es gilt nicht nur eine Stecknadel in diesem Heuhaufen zu finden. sondern auch die Daten. war stärker als alles philosophische Räsonieren über den Lauf der Gestirne. in der schlichtesten möglichen Form diese Beträge zu visualisieren: als simple Rechtecke (Grafik Nr. aber man sieht ihnen nicht die Qualität der dahinterstehenden Daten an. der versteht die Zusammenhänge nicht nur besser – der Trickfilm brennt sich auf eine Weise ins Gedächtnis ein. sondern vermeidbaren Infektionskrankheiten. Die Evolution hat uns gelehrt. Der britische Guardian stellte die vom Unterhaus veröffentlichten Spesenabrechnungen der Abgeordneten ins Netz mit der Aufforderung an die Nutzer der Internetseite. sie ist zur Ikone einer Wissenschaft geworden. was wir der Öffentlichkeit über ihre gegen Worte abgedichteten Ohren nicht vermitteln können«. Damit brachte sie das Potenzial von Infografik. Damals war Anschauung verpönt. Man kann mit Bildern lügen. wie sie ist. Selbst Bundesminister haben ja manchmal Schwierigkeiten zu sagen. in der ZEIT-Ausgabe 26/09.und Onlinemedien präsentieren Informationen zunehmend optisch. Die meisten erlagen nicht den Wunden. etwa bei den TED-Konferenzen oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos. aber sie sagen es auf andere Weise. Sobald ein Land die sozialen und politischen Voraussetzungen erfüllt – und das heißt insbesondere: Gleichstellung der Frauen –. wie viele Nullen eine der Euro-Milliarden hat. die er überbringen will: Es ist schon lange nicht mehr sinnvoll. 67 auf der nächsten Seite): Jedes Land ist entsprechend seiner Bevölkerungszahl ein mehr oder weniger großer Kreis. Diese Grafiken. die durch Satelliten. In der ZEIT haben wir einen Tag im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz dokumentiert (Grafik Nr. wie sie sich unter bestimmten Voraussetzungen entwickeln könnte. »Ich habe meinen Studenten früher riesige Mengen von Unicef-Statistiken über Einkommen. sagt der Infografik-Professor Michael Stoll (siehe Interview auf Seite 42). holt es in Windeseile die Entwicklungen nach. 1610: Per Fernrohr entdeckt der Astronom die Mondkrater und die Phasen der Venus 1835: Die Vielfalt der GalápagosFinken inspiriert den Biologen In der wachsenden Datenflut helfen Grafiken bei der Bewertung Das beginnt mit der einfachen Darstellung von Größenordnungen. GRAFIK Futter für das Augentier Wissenschaftler und Journalisten entdecken die Vorzüge der Infografiken VON CHRISTOPH DRÖSSER WISSEN IN BILDERN 12. die für ihn aber kaum konkret begreifbar sind. um zu zeigen. wenn die Datenflut von einzelnen Rechercheuren gar nicht mehr zu bewältigen ist. Die englische Krankenschwester. und 19. Jahrhundert die moderne Krankenpflege begründete. »über die Augen zu bewirken. um ihren Landsleuten zu zeigen. oft mühsam recherchiert.niels-schröder. Jahrhundert von einer regelrechten Bilderfeindlichkeit geprägt war. 49. wie der Riese China den Rückstand zur westlichen Welt aufholt.): Wissen in Bildern Edel Verlag. über den man Einsicht und Erkenntnis ohne Worte direkt erzeugen kann. 1596: Die Planetenbahnen als ineinandergeschachtelte platonische Körper Mit Bildern lässt sich auch trefflich lügen Auch die Wissenschaft setzt zunehmend auf die Kraft des Bildes. die Leser selbst in die Aufbereitung der Daten einzubeziehen. und begründeten die moderne Biologie. ist zu kostbar. indem Rosling noch die Zeit als vierte Dimension hinzufügt und im Zeitraffer die letzten 250 Jahre Revue passieren lässt. um sie nur einmal unter einem speziellen Aspekt auszuwerten. nicht nur am Beispiel der zeitweise regelrecht modischen Fraktale. über das Auge Erkenntnisse zu vermitteln. jede Statistik ist nur so gut wie die Zahlen und Gleichungen. Auf den nächsten beiden Seiten können Sie noch einmal alle bisher erschienenen Grafikseiten als Miniatur sehen (Seite 42/43). erschien die erste ganzseitige Infografik auf den WissenSeiten. nachdem das 20. denen sich die Ohren verschlossen haben. Das Beispiel zeigt auch die natürliche Schwäche des Mediums auf. er ist ein gefragter Redner. Auch deshalb ist die Grafik-Seite ein Wagnis in der traditionell meinungsstarken ZEIT. was man mit den umstrittenen Vorratsdaten anfangen kann. 1895: Der Physiker verewigt als Erstes die durchleuchtete Hand seiner Frau So stimmen Sie ab: Schicken Sie eine E-Mail (bitte nur eine pro Person!) mit der Nummer Ihrer Lieblingsgrafik im Betreff an grafikwahl@zeit. Ähnlich verfuhr auch das GuttenPlag Wiki bei der Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsministers. Jahrhunderts waren mehr als die quasifotografische Abbildung dessen. die bei der Benutzung eines modernen Handys entstehen. Auf ZEIT online konnte der Nutzer sich selbst in die Rolle des Schnüfflers versetzen und die Spur des Politikers an einem beliebigen Tag zu einer beliebigen Uhrzeit aufnehmen. Die wichtigste Lehre. »aber das hat ihre Weltsicht nicht verändert. Beschleuniger und andere Forschungsinstrumente geliefert wird. Ein weiterer Grund für die Forderung nach open data: Ein anderer Forscher prüft dieselben Daten vielleicht mit anderen Fragestellungen und kommt damit zu neuen Ergebnissen. wenn der Nutzer interaktiv eingreifen kann. jede Woche eine ganze Seite der Infografik zu widmen. Die wachsende Datenflut.de 1953: Die DNA wird entschlüsselt.. Im Wesentlichen bilden Infografiken die Welt ab. weil sie sich über die Zeit entwickeln. F Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich Infografiken im Netz. Der Mensch ist ein Augentier. Fotoseiten. die im 19. warum viele Forscher heute fordern. Dessen Achsen können zum Beispiel die Kindersterblichkeit und das Bruttosozialprodukt sein. Inzwischen steht Roslings Software jedermann zum Experimentieren offen – die Firma Google hat sie gekauft und bietet nun den Dienst Google Motion Chart an. In der Mathematik ist in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Freude am Bild entstanden. Der Augsburger Medienforscher Michael Stoll erklärt. Es war daher eine geniale Idee des Grafikers David McCandless. Bilder haben eine starke Überzeugungskraft. Also auf etwa 15 000 Buchstaben zu verzichten und dafür Bilder. Jahrhunderts ist Hans Rosling. Infografik und wissenschaftliche Visualisierung setzen auf diese außerordentliche Fähigkeit. und noch spannender wird es. der eine Position in einem x-y-Koordinatensystem hat. Wer das kleine Kästchen des Bundes-Bildungsetats mit den größeren Rechtecken des Banken-Rettungspakets oder des Vermögens der Albrecht-Brüder verglichen hat. Mit der Entwicklung des Computers wurde es möglich. Damit wurde die Sinnlichkeit der inneren Bilder geleugnet. die Welt einzuteilen in die industrialisierten Länder und die Entwicklungsländer. Ein Infografik-Pionier des 21. Der nächste Schritt des »datengetriebenen Journalismus« im Internet ist es. die von den dahintersteckenden mathematischen Modellen oft gar nicht gedeckt wird.

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dann können sie sich aus dieser misslichen Lage befreien. In Deutschland gibt es zwei. MEHR WISSEN: Im Netz: Was das Internet an Strom verbraucht www. dann würde ich sagen: Da ist noch viel Luft nach oben. ZEIT: Sie sagen. und zwar nicht nur mit Namen. ich muss mir den Sachverhalt nicht selber zusammensuchen und ihn einordnen. Beim Internationalen Malofiej-Contest der Universität von Navarra in Pamplona. das nicht von einem Räuber gefressen wurde.de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN Musikergehör Musiker. der sie anschaut. gelingt das rettende Umdrehmanöver nicht mehr. Fernsehzuschauer und Internetnutzer denn hauptsächlich gute Infografiken präsentiert? Stoll: Wenn ich mir das Gros so anschaue. Visualisierung ohne Erklärung. Umfangreiche Datenbestände. dringt in ihren Körper ein und beeinflusst ihr Verhalten. Todesort. wo der Gefallene herkam. ZEIT: Die Infografik ist also etwas für faule Leser? Stoll: Ganz und gar nicht. lachen die mich aus. die sich dafür eignen. ZEIT: Also brauchen wir mehr Infografiken? Stoll: Auf jeden Fall. online). Darin sind die deutschen Infografiken ungeschlagen. Die Infografik ist ein Element für effektive Leser. ehe sie sich wie auf Kommando an der Unterseite eines Blattes festbeißen und sterben – genau dort. Das Gespräch führte CLAUDIA FÜSSLER Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. auf die der Leser vorher keinen Zugriff hatte. Ein internationales Forscherteam hat gezeigt. Sind sie gesund. in der Rückenposition zu landen. Allerdings nicht in dieser formalen Ausprägung. Dort kommt in den Zeitungsredaktionen auf zehn klassische Journalisten ein Infografiker. sagt der Experte Michael Stoll DIE ZEIT: Sind die vielen Infografiken mehr als STIMMT’S? Sterben Insekten auf dem Rücken? … fragt Fabian Schäfer aus Leipzig Die Frage ist nicht so zu verstehen. Es wird dabei irgendwann auch auf dem Rücken landen – und wenn es dann schon zu schwach ist.44 12. oder stimmts@zeit. Die suchen sich ihre Informationen selber im Internet. werden aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. wo optimale Entwicklungsbedingungen für den Pilz herrschen (Biomed Central. Die Infografik ist eine journalistische Darstellungsform. Denn viele dieser Arbeiten vernachlässigen die zweite Aufgabe der Infografik: das Vermitteln. wie er es zurzeit tut.zeit.de/stimmts www. dem wichtigsten Infografik-Preis. Sprache in lauten Umgebungen zu erkennen. Alles in allem ist die Rückenlage statistisch am wahrscheinlichsten. wenn eine Information so komplex ist. wir stehen am Anfang einer Renaissance der Infografik. Die New York Times und der Guardian stellen solche interaktiven Grafiken zur Verfügung. dass sie sich über die Infografik positionieren können. vielleicht noch andere Menschen ums Leben gekommen sind. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. Wenn eine Infografik sich widerspruchsfrei interpretieren lässt.de/netz-strom Niels Birbaumer erforscht. quälenden Tod.zeit. Außerdem erhalten sie sich durch das musikalische Training länger die Fähigkeit. Ihre Bedeutung wird den Verlagshäusern gerade erst wieder richtig bewusst. Die Beine nehmen beim Tod nämlich eine entspannte Stellung ein. So ist ihr auditives Gedächtnis im Alter zwischen 45 und 65 Jahren besser als das von Nichtmusikern. drei Agenturen. Da kann man sich zum Beispiel alle Informationen über die Gefallenen des Irakkrieges ansehen. runden Körper aus aerodynamischen Gründen am wahrscheinlichsten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KOMPAKT WISSEN Daten sichtbar machen Eine gute Infografik bringt ihre eigene Bedienungsanleitung mit. Sie können eigenständig suchen. die Datenvisualisierung. ZEIT: Gibt es die ideale Infografik? Stoll: Es gibt ein paar Qualitätskriterien. ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge in den vergangenen drei. Oder der Parallelklasse. ZEIT: Bekommt der Leser. wird die Boulevardisierung verdrängt. sozusagen an Altersschwäche. Von solchen Verhältnissen träumen die meisten deutschen Verlage. leiden seltener unter typischen Alterserscheinungen. die spätestens mit neun Jahren ein Instrument gelernt und ihr Leben lang mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben. wenn eine Information abstrakt ist. wenn sie einmal zufällig auf dem Rücken landen. ob aus dem Ort. ZEIT: Wieso das? Stoll: Weil eine gute Infografik Dinge zeigen und erklären kann. die das Gehör betreffen (PLoS One. In unserer Wissensgesellschaft sollen wir ständig in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aufnehmen. zum Beispiel die Fluchtpunktperspektive oder die Benutzerführung und Hierarchisierung eines Themas durch die Grafik. Wird ein Insekt vergiftet und stirbt einen langsamen. Der Pilz steuert auch die Festigkeit des Bisses. Stirbt das Tier im Flug oder auf einer erhöhten Position sitzend. Wenn ich meine Studenten frage. Stimmt’s?. Allerdings sind Infografiken kein Allheilmittel im Journalismus oder für die Wissensvermittlung per se. Das Ziel ist die Institutionalisierung des Berufs Infografiker. kann man inzwischen von einer Emanzipation der deutschen Infografik sprechen. Er setzt sich auf Ameisen fest. Das ist zum einen dann der Fall. Das merkt der Leser gar nicht. dass sie ihre eigene Bedienungsanleitung mitbringt. Sie verschafft mir einen strukturierten Zugang zur Information. Das gilt übrigens weltweit. warum die Rückenlage die wahrscheinlichere für ein totes Insekt ist. hat ein höheres Ansehen. es funktioniert im Idealfall einfach. Während vor einigen Jahren die hiesigen Infografiker noch nach Amerika schielten und sich an den Kollegen dort orientierten. Das sind ihre beiden Hauptaufgaben: visualisieren und vermitteln. Das beginnt mit einem Klick auf einen Link und endet in einer Datenbank. Zum Wesen einer Infografik gehört es. die infizierten Ameisen wie Zombies umherirren. Was mir an diesem Trend sehr gut gefällt: Weil in einer Welt der Infografiken und Datenbanken vor allem faktisches Wissen gefragt ist. dass Foto: privat .de. Wir brauchen mehr Infografiken bei Themen. Aber tatsächlich findet man tote Insekten meist auf dem Rücken liegend vor. Und zum anderen. und dabei sind sie nicht gestreckt. vier Jahren um die Hälfte gestiegen.de Zombie-Ameise Michael Stoll ist Pro fessor für Informationsdesign und Medien theorie an der Hochschule Augsburg Der subtropische Pilz Ophiocordyceps unilateralis ist ein Parasit der besonders fiesen Sorte. Es gibt gleich mehrere Gründe. Die Wechselwirkungen zwischen dem visuellen Eindruck und dem analytisch-verbalen Grafikanteil sind sehr intensiv. wer noch fernsieht. CHRISTOPH DRÖSSER eine Mode in der Medienlandschaft? Michael Stoll: Ich glaube. indem sie kräftig strampeln und irgendwann wieder auf den Beinen landen.zeit. was sie wissen wollen. besonders nach Schweden und Dänemark. Aber auch Insekten. ZEIT: Will der Leser sich denn wirklich mit solchen Datenmengen auseinandersetzen? Stoll: Das will er. Es kommt auf schnelle und präzise Vermittlung an. Genau das kann die Infografik sehr gut. das ist Schönheit ohne Bedeutung. wir sind auf einem guten Weg. also jeder. ZEIT: Sieht so der Journalismus der Zukunft aus? Ich wühle mich durch einen Wust an Informationen und bereite ihn ansprechend auf? Stoll: Der Datenjournalismus wird sich sicher etablieren. online). dann ist es zumindest für Insekten mit einem glatten. Darin sehe ich ein großes Problem. zum Beispiel durch einen leichten Luftzug. sondern eingeknickt. ob Psychopathen bessere Menschen werden können Das aktuelle ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. die ruhig und friedlich sterben. dann ist das eine gute Grafik. Oder aus dem Nachbarort. damit der Kiefer des toten Insekts geschlossen und das Tier am Blatt hängen bleibt. das Gleiche darin liest. wofür die Deutschen bekannt sind: ihrer Genauigkeit und ihrer rationalen Herangehensweise. Wer überzeugend Infografiken publiziert. der zur Popularisierung der Infografik beigetragen hat. landen leicht in der Rückenlage. dann macht es wilde. aus der sie das rauslesen. die online verfügbar sind. dass Käfer oder Kakerlaken sterben müssen. Was genau ist denn das Ziel? Stoll: Da lohnt sich der Blick nach Skandinavien. Und in dieser Position (mit anliegenden Beinen) lässt sich das Tier ganz leicht auf den Rücken drehen. die sich hauptsächlich im Internet abspielt. zuckende Bewegungen. ZEIT: Woran erkenne ich das? Stoll: Tatsächlich an dem. Aber wir sind auf einem guten Weg.zeitabo. dass sie nicht linear erzählt werden kann. 20079 Hamburg. Das musikalische Training sorgt den Studienautoren zufolge für ein Feintuning des Nervensystems und erspart den Musikern altersbedingte Kommunikationsprobleme. weil sie wie in einer Collage miteinander verwoben sind. die zur Profilschärfe beiträgt. Sie erkennen. Alter. ZEIT: Was sind die aktuellen Trends in der Infografik? Stoll: Neben der zunehmenden Zahl von 3-DGrafiken und der Kombination von Statistiken mit Landkarten ist ein großer Trend. die gestalterisch und journalistisch wirklich top sind.

de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1. viele wurden getötet. Nur sehr. Wenn so ein Mensch nach Deutschland kommt und beweisen kann. Aber würde er dann ein Zauberschwert erkennen. Flüchtlinge sind schwach. was findet man bald nach der Vogelhochzeit im Nest? 8. Dass es dort keine Sekunde langweilig wird. So nannten sich die zwei Männer und zwei Frauen aus Schweden als Band. weil sie sich für Menschenrechte eingesetzt. weil an den Flughäfen und an den Grenzen immer strenger kontrolliert wird. es gibt sogar ein Abba-Musical. Wer es bis nach Europa schafft. dass ihnen jemand Decken und Medikamente. Der heißt. Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. einer hockt gern im Kirschbaum 6. Essen und etwas zu trinken bringt. dann erhält er »politisches Asyl«. Hat man je eine BISAM-EULE im Frühlingskonzert gehört? Sie andererseits schon oft! 9. Der Junge kommt aus Afghanistan und floh mit elf Jahren allein aus seiner Heimat.. Sie werden erwischt. Sie sahen eigentlich gar nicht hilflos aus. ENKEL«. Massoud und Leyla waren Kurden aus dem Irak. sondern auch mit lautem Gesang auf« 5. 6. Wenn aber jemand in seiner Heimat verfolgt wird. dass sie möglichst schnell zurück nach Hause können. Das Problem ist nur: Für Verfolgte ist es inzwischen schwierig. nur dass bei ihm immer recht viel schiefgeht. Aber was bedeutet es eigentlich. Apfel Zet (Piktogramme). umgraben. Lösung aus der Nr. als Soldaten oder Rebellen ihre Dörfer überfielen. Einer – er heißt Hesmat – hat seine Geschichte von einem Journalisten aufschreiben lassen (Hesmats Flucht heißt das Buch). konnte zur Schule gehen und eine Lehre als Elektriker machen. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. sich selbst zu helfen. K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAREN EIGENTLICH . Denn im Irak wurden Kurden damals verfolgt. keine Schule. spricht Opa. Deswegen quetschen sie sich auf kleine Boote und wagen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. weil er sich selbst nicht mehr helfen kann. bis er schließlich in Österreich landete. die bis heute andauert. Aber es gibt immer noch viele Flüchtlinge: ungefähr 40 Millionen Menschen auf der ganzen Welt! Manche konnten gerade noch davonlaufen. weil Soldaten auf sie schossen. Solche Flüchtlinge nennt man Migranten. Warum jemand so etwas tut. nur um sich nach Europa hineinzuschmuggeln. sie mussten sich immer wieder verstecken. Hesmat war 14 Monate unterwegs durch Turkmenistan. Björn und Agnetha – nimmt man die Anfangsbuchstaben der vier Namen und setzt sie hintereinander.ndr. besteht aus Zweigeflechten und Polsterarbeiten 3. nach Deutschland oder nach Europa zu kommen. Oft sind die Eltern im Krieg gestorben. als Ärzte oder Lehrer gearbeitet. 9. weil sie kritisch über die Machthaber geredet haben. Menschen aus afrikanischen.. warum jemand Hunderte. Krokusse. Aber an der Armut hat sich nichts geändert. nach Europa zu kommen. desto mehr dachte ich: Flüchtlinge sind gar nicht so schwach. Anu Stohner: Robert und die Ritter. Oft finden die Menschen sie auch. Das habe ich zumindest lange geglaubt. Benny.95 Euro. 3. Singen oft ihr »pinkepink«. ein tolles Bücher-Überraschungspaket. wenigstens eines der Kinder für ein besseres Leben nach Europa zu schicken. die aus Nordafrika nach Europa fliehen – solche Bilder sieht man seit Wochen. Leyla rannte ständig herum. sehr müde. Leyla hatte außerdem ihr Hochzeitskleid eingepackt. Wozu braucht man auf der Flucht ein Hochzeitskleid? »Damit ich mich an etwas Schönes erinnern kann«. Es gibt oft zunächst kein Trinkwasser. Bücher oder Stifte gibt. Mai. In Österreich ist er schließlich in einem SOS-Kinderdorf gelandet. und jetzt müssen sie mit 20 anderen in einem Zelt leben. Oder die Familie hat beschlossen. schlägt sich durch nach Frankreich. »das fällt nicht nur mit Signalfarbe. Laube. 8. Flieder. »HORCHT. Massoud war ziemlich groß und kräftig. ob er Spaghetti Bolognese isst. Massoud und Leyla waren mehrere Tage zu Fuß marschiert. Anni-Frid. wenn sie ein Visum (das ist eine Erlaubnis zur Einreise) haben. das die italienische Insel Lampedusa im Mittelmeer erreicht .de/mikado Dürfen wir bleiben? Boote voller Menschen. Gartenzwerg. bis es wieder ruhig ist. zum letzten Mal traten sie 1982 auf. Herr Blaukappe und Frau Graubraun 7. Inzwischen werden die Kurden im Irak nicht mehr verfolgt. und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen. 7. ein toller Freund. Die Radiogeschichte über Abba hört Ihr am Sonntag um 8. wird die Lage etwas besser. pflücken Tomaten. Lehmann (ABBA). eingesperrt und in ihre Heimat zurückgeschickt. bedroht – ein elfjähriger Junge kann sich ja kaum wehren. Manche haben.zeit. Niels Schröder (Wappen) S AU HR SC AT HR SC RIT P O L I T I K . dass ich Massoud und Leyla getroffen habe. Solche Menschen nennt man »politisch Verfolgte«. die unter Zeltplanen hocken und hoffen. dem man helfen muss. ja fast unmöglich. Seitdem machen sie eine Pause. Einer steht gern auf der Bühne. um irgendetwas für ihre drei Kinder zu besorgen. Auf der Flucht wurde er verprügelt. Fotex (im Wappen). Zusammen mit Tausenden anderen Kurden waren sie über die Berge in die Türkei geflohen. ergibt das »Abba«. Björn und Agnetha aber wollen schon lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne stehen. ab 7 Jahren SC H E H U NI Bleeker in Flüchtling ist jemand. Die Schweden wurden eine der erfolgreichsten Bands der Welt und verkauften mehr als 375 Millionen Alben. weil ihre Heimatländer arm sind und sie dort keine Arbeit haben. Egal. Flüchtling zu sein? VON ANDREA BÖHM Dein Vorname: Wie alt bist Du? E WAS SOLL ICH LESEN? Ritter Tollpatsch Robert ist Tims bester Freund. bestohlen.. Ginster. dabei seine Kinder trägt und schützt. die man oft im Fernsehen sieht: Leute. Wenn jemand über hundert Kilometer marschiert.12. Viele Flüchtlinge hoffen. Oder in einem Flüchtlingslager. wenn er eins vor der Nase hätte? Robert durchschaut sofort. Erst wenn Hilfsorganisationen ankommen und ein kleines Krankenzelt oder eine Trinkwasseranlage aufbauen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 47 ELEKTRO ER Fotos: Arianna Arcara/Cesuralab/LuzPhoto/fotogloria [M]. keine Tische. obwohl vielleicht jemand auf ihn schießt – dann muss er ziemlich stark sein. 4. Das Zauberschwert dtv 2011. Einer der Kleinsten – und doch der gekrönte Chef? – im Singvogelreich 2. Tierische Kunst. weil sie Demokratie gefordert oder einfach nur. versteht sich von selbst . Viele Menschen fliehen auch. Leyla die jüngste Tochter.. Robert könnte gut ein wenig langweiliger sein. auf Lastwagen oder überfüllten Booten reist. findet Tims Mutter. Diese Flüchtlinge verstecken sich manchmal wochenlang im Wald und warten. keine Medikamente für die Verletzten. Zusätzlich schleppten sie Rucksäcke. den 24. Decken. Je länger ich Massoud und Leyla damals beobachtete. 2. Das fand ich damals albern. Das passiert zum Beispiel immer wieder im Kongo oder im Sudan in Afrika. giessen. Kleider. Wir hier in Deutschland können uns nur schwer vorstellen. hatte Leyla gesagt. (4) Abba? Anni-Frid. – BLUMENBEET Dicht gedrängt stehen Flüchtlinge auf einem kleinen Boot. Benny. bevor sie fliehen mussten. Derzeit versuchen viele Migranten aus Tunesien. Oft versuchen die Flüchtlinge. arabischen oder asiatischen Ländern dürfen nur einreisen. 10. KinderZEIT. und wahrscheinlich sind die beiden zurück in ihre Heimat gegangen.05 Uhr in der Sendung Mikado – Radio für Kinder auf NDR Info oder im Internet unter www. die Geschichten vieler anderer Flüchtlingskinder gehen leider nicht so gut aus. Die Menschen haben schon alles verloren. So wie die Flüchtlinge. den Schulhausmeister ins Krankenhaus befördert (aus Versehen natürlich) oder mit seinem Skateboard in einen Gemüsestand brettert (ebenfalls unabsichtlich). In Tunesien hat es gerade eine Revolution gegeben. Steuert die Klopftöne zum Vogelkonzert im Wald bei 4. Es ist ziemlich lange her. 9. Maulwuerfe. Für einige aber gibt es kein Zurück mehr: Sie werden daheim von der Geheimpolizei gejagt. Berühmt wurde die Popgruppe 1974 durch den Eurovision Song Contest. Sind mit dunklem Federkleid und hellen Flötentönen in der Vogelschar vertreten 10. Hesmats Geschichte ist gut ausgegangen. 5. manchmal über tausend Kilometer zu Fuß. Eieieieiei. schuften auf Baustellen. Sie arbeiten für ganz wenig Geld in Restaurantküchen. Massoud hatte die beiden älteren Kinder getragen. kann er nicht einfach in seinem Land zur deutschen Botschaft spazieren und ein Visum beantragen. Kasachstan und Russland. Ihre Lieder werden noch heute gespielt. Veilchen. Dann bin ich selbst in ein Flüchtlingslager gefahren und habe Massoud und Leyla kennengelernt. Viele Kinder und Jugendliche machen sich ohne Eltern auf den Weg. Sie behandeln dann in einem Flüchtlingslager die Kranken oder unterrichten die Kinder – auch wenn es keine Schule. können die Flüchtlinge und Migranten am besten selbst erklären. keinen Strom. Hans G. wie er zwitschert – gern aus dem Weidenlaub heraus 1 2 N D D OE U E H 5 E 3 4 R 6 7 C L 8 9 10 I E Z Schick es bis Dienstag. Deutschland oder Italien und sucht Arbeit. 20079 Hamburg. wie man mit diesem erstaunlichen Schwert in die Vergangenheit reisen kann – und schleppt Tim gleich mit in die Welt der Ritter. 18: 1. Sie gewann den europäischen Musikwettbewerb mit ihrem Lied Waterloo. Rasenmaeher. W I S S E N . Das Leben dort ist allerdings hart. dass ihm in seiner Heimat Tod oder Gefängnis drohen. Manche kommen eine Weile bei Verwandten in anderen Städten und Dörfern unter.

seine Zeit als Verleger und Paulskirchenparlamentarier. Man erfährt zum Beispiel. ihr könnt den Hamster auch gleich umbringen. Wahrscheinlich ist er der Täter. Schleuser. Das ist ein gelungener Kunstgriff. 15. Oder nein. VON RALF ZERBACK ab 12 Jahren Das Hamstermassaker Eine Ermittlung in Sachen Haustiermord Hamster sind problematische Haustiere. warum Mama ein gestörtes Verhältnis zu Hamstern hat (Schiebetür. 12. Doch die todkranke Frau hält für den erwachsenen »Monsieur Blaise« bittere Wahrheiten bereit: über sich..und Jugendbuch-Autorin Anne-Laure Bondoux hingegen muss man bewundern. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KINDER. Nur Gloria gibt ihm Schutz und spielt herunter. der auf der Straße lebt. Die 1971 geborene. Witzig.und Einmischer. Meerschweinchen hingegen sind viel besser als Haustiere geeignet. Doch sein Tod machte ihn zum Helden der Zeit. Wichtige Frage: Gibt es jemanden. Massenmord. betrügen sie. Die »Neue Katze« ist wild. wenn ihr ihn auch nur in die Nähe von der Neuen Katze lasst«. 188 Seiten. die den Kindern erklärt. Lehrreich. was er sagt. Mord und Verrat glaubhaft Teil einer Flüchtlingsgeschichte werden. Der Autor Harald Parigger zeigt viele Facetten dieses Mannes: den Blum. Annas Mutter sagt. Massaker allgemein: Gemetzel. als er im Flughafen auf eine Maschine nach Tbilissi wartet: Er hofft. hält Reden. Kaschmirmantel). gefühlvollen Jungen – zunächst naiv. Bondoux und ihrer guten Übersetzerin Maja von Vogel gelingt es. starten sie eine richtige Ermittlung. sie erzählt beispielhaft. Unterstützt werden sie dabei von Annas bester Freundin Susanne.de/ funkhauseuropa Ein Freiheitsfreund Geschichte: Vom Leben des Robert Blum Brillante Politiker gibt es in der neueren deutschen Geschichte nicht so viele. Die Grausamkeiten. . Redaktion: Libuse Cerna. Doch als der Junge endlich vor französischen Zöllnern seine Identität bekennen kann – »Ich bin Blaise Fortune und ich bin Bürger der VON BIRGIT DANKERT a b 14 Jahren I So sieht die Innenseite eines französischen Reisepasses aus französischen Republik . Frankreich ist das Land der Freiheit für den russisch-tschetschenischen Jungen mit dem gefälschten Pass. Am 12. eigentlich ist das ungerecht: Es ist auf jeden Fall ein großartiges Buch. was Massaker bedeutet. Rotherham. So steht es im Lexikon. 9. Das Hamstermassaker.90 Euro Luchs Nº 292 Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder. Und dann dürfen zum Trost für alle doch zwei Hamster ins Haus. die auch Freundschaft und die ersten Verliebtheiten kennt. außerdem gibt es Zeittafel und Glossar. die Lungen vergiftet von der Arbeit auf dem Müllberg. Dafür. Sie erlebt nicht mit. wie er in langen acht Jahren fließend Französisch lernt. Ein Buch gegen das Vergessen der frühen Demokraten. um dem Kind eine Überlebenschance in einem freien Land zu ermöglichen. Wohl eher ein Elternpaar. Blum wird verhaftet. er sei Franzose. Glorias Erinnerungen aber reichen bis in die Zeit vor Kumaïls Geburt. Sie tragen Schwarz-Rot-Gold.48 12. lange in Erinnerung haftendes Bild vom Leid. die ihren Schützling »Monsieur Blaise« nennt. Auch den Pass habe sie mitgenommen. einer pensionierten Kriminalbeamtin. ob man im Krieg glücklich sein dürfe. Darin steht der Name Blaise Fortune. Man darf mit Monsieur Blaise – oder besser doch Kumaïl? – weinen. Doch die Erwachsenen sind völlig uneinsichtig: Annas Vater sagt. Später kommen sie auf einer vergifteten Müllhalde unter. ist es ein großartiges Buch. Wunderbar sind die Illustrationen von Klaus Puth. ein Auf. Anna und ihr kleiner Bruder Tom wünschen sich sehnlichst einen Hamster. seit 1832 in Leipzig zu Hause. Das gelingt tatsächlich. der schon mal etwas Ähnliches getan hat? Es sieht gar nicht gut aus für die Neue Katze. 207 Seiten. bitte! »Zeit der Wunder« erzählt das Drama einer politischen Flucht chheißebläsfortünuntichbinbürgaderfranzöschenrepublikdasisdiereinewaheit« – mit diesem mühsam auswendig gelernten Satz macht sich ein Junge aus dem Kaukasus auf den Weg nach Frankreich – ins Land der Freiheit und der Menschenrechte.und Jugendliteratur. der Freiheitsfreund. besonders im Sport. sagt die Mutter. Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder Aus dem Französischen von Maja von Vogel Carlsen Verlag 2011. Umgangssprachlich. Sie sind robust. trauriger Teil des Buches). wo man sie mit Füßen tritt. wie krank sie selbst ist. Oder werden von Schiebetüren zerquetscht. die im romantisch gezeichneten rumänischen Zigeunerlager spielt. Hamster kämen ihr schon wegen der »Neuen Katze« nicht ins Haus. Als Oma stirbt (ein sehr stiller. Ihre Geschichte ist keine Dokumentation. was und wer eine Mutter ist. Doch selbst sie sind sorgfältig ausgewählt und verweisen jeweils auf Vorurteile oder menschliche Grenzbereiche. was in unserer von regionalen Kämpfen heimgesuchten Welt täglich tausendfach geschieht: Eine Frau mit durchaus problematischer Rebellen-Vergangenheit und ein kleiner Junge machen sich auf den Weg. mit dem Schiff nach Westen zu gelangen. Eingestreut sind Sachkapitel zur sozialen Not etwa oder zur Märzrevolution. Die Autorin erzählt in drei Zeitebenen: In der Gegenwart wird der erwachsene Blaise Fortune mit seiner wahren Identität konfrontiert. tatsächlich: Denn nach ein paar Wochen werden acht winzige Hamsterbabys geboren. Immer wieder holen die Kriegswirren der KaukasusUnruhen in den neunziger Jahren die beiden ein.. Und dann geschieht etwas. der hilft und rät. Die alten Mächte siegen. Erschüttert erkennt der junge Mann. scherzhaft: eine schwere Niederlage. Der Junge heißt Kumaïl.99 Euro Katie Davies: Das große Hamstermassaker Sauerländer Verlag 2011. Ihre Gegner sind Männer wie Blum. die Blaise erlebt. wenn er endlich erkennt. Geburtstag. zuletzt ratlos und suchend. Es ist spannend. schreibt Artikel. einen Tag vor seinem 41. Beide sind Weibchen. Oder die Verzweiflung. jagt alles (von nackten Zehen bis zu Klospülgeräuschen) und erschreckt andere Haustiere zu Tode.radiobremen. vor allem aber den Wundern einer gelungenen Befreiung. Aber Anna. Seine eigene Erinnerung beginnt mit dem siebten Lebensjahr und führt ihn zurück in die Leidenszeit einer fünfjährigen Flucht. da ist Gloria verschwunden. Er ist ein Kümmerer. die oft mit Willkür regieren. Gloria dort zu finden. wenn jemand Gurken mit dem Messer schneidet. Monsieur Blaise«. die für Einheit und Freiheit kämpfen. Jahre gehen dahin mit der Flucht auf Straßen durch Osteuropa. So wächst Kumaïl/Blaise in einer Welt voller Ungewissheit vom vertrauensvollen Kind zum zweifelnden Jugendlichen heran. Auch vom paradiesischen Obstgarten ihrer Familie und Glorias Liebe zu Zem Zem lässt sich Kumaïl immer wieder berichten. Nicht ohne Humor endet fast jedes Kapitel mit einer kleinen lehrhaften Pointe. Ironisch. Oft sind dies Glorias Kommentare. sagen die Erwachsenen. 144 Seiten. »Du und dein Bruder. Oma ist es. kann über seine Rettung eine wunderbare Geschichten erzählen. November 1848. er habe in dieser Familie nicht die Hosen an und Annas Mutter müsse entscheiden. Man hat ihm erzählt. ihn umsorgt und aufmuntert. Der Kölner Blum.« –. war auf jeden Fall ein allgemeines Massaker. ausgezehrt von den Entbehrungen. schließlich einen gültigen französischen Pass besitzt und sogar ein Studium beginnt. Oder nagen Kaschmirmäntel an und ersticken an den Flusen. auf den Barrikaden in Wien. gründet Vereine. Aber auch nicht für Mama . dass seine französische Mutter ein Traumbild war und dass er das Glück des Lebens nur Glorias Liebe. Kurzweilig ist die Lektüre über das letzte Lebensjahr Blums. Denn sie versuchen vergeblich. der die Geschichte anschaulicher macht. erfolgreiche und vielseitige Kinder. Er wurde am 9. dass Katie Davies’ Buch Das große Hamstermassaker von Hamstern handelt und nicht von Meerschweinchen. An all dies erinnert sich der zwanzigjährige Blaise. als Baby habe die junge Russin Gloria ihn vom Schoß seiner Mutter aus einem zerbombten Zug gerettet. Gemeinsam mit Omas Freundin Mrs. So können selbst Brutalitäten.95 Euro Foto: Pascal Bastien/Fedephoto/StudioX Als Begleiter Blums erfindet Parigger den 16-jährigen Jungen Friedrich Wilhelm. da ist sich Anna sicher. Der Leser erhält dadurch ein authentisches. angeblich. Sie können viele interessante Geräusche machen. die sie über den Landweg nach Frankreich bringen wollten. Die wundersame Rettung des »Monsieur Blaise« ruft nicht nur französischen Lesern ins Bewusstsein. und er glaubt tatsächlich. Gloria und Kumaïl leben in einer Flüchtlingsunterkunft am Rande der Stadt Tbilissi in Georgien. Gloria. erfährt der Leser aus dem Blickwinkel des klugen. Deutschland ist in dieser Zeit ein Staatenbund mit vielen Fürsten. später staunend. 14. was den Kindern noch schrecklicher vorkommt als Omas Tod: Alle acht Hamsterbabys werden in einer Nacht totgebissen – und Elternhamster Nummer 2 verschwindet aus dem Käfig. Sie kriegen wahnsinnig schnell einen Herzinfarkt. die verbotenen Farben. »Glücklich sein wird zu jeder Zeit empfohlen. Damals gab es eine Revolution – und Robert Blum war einer der Kämpfer für Freiheit und Demokratie. Aber der Reihe nach. stellt Radio Bremen das Buch vor.20 Uhr. wie ihre Antwort auf die Frage. Die Tragödie seiner Beschützerin und ihres tschetschenischen Geliebten hatte er nicht gekannt. weint Annas Mutter viele Tage lang. ihren erfundenen Geschichten und ihrem klugen Fluchtplan zu verdanken hat.. ein sanfter und kämpferischer Menschenfreund und Familienvater – ein Vorbild. Tom und Susanne wollen das nicht glauben. verschaffen dem Leser eher unterhaltsame Lektüre. VON SUSANNE GASCHKE ab 8 Jahren Harald Parigger: 1848 – Robert Blum und die Revolution der vergessenen Demokraten Arena Verlag 2011.. Manche Passagen – wie die. sagt sie. Das Gespräch zum Buch ist abrufbar unter www. die Gefühle von Blaise und Gloria zum Mittelpunkt und zum Erklärungsmuster eines politischen Dramas zu machen. wenn ihn die Sehnsucht nach seiner französischen Mutter packt. wie auch den Blum. über Zem Zem und über Kumaïls eigene Herkunft. Sie erkennen auf lange Distanzen. Am Ende kämpft der friedselige Blum mit Waffen. gibt Zeitungen und Bücher heraus. dass die Hoffnung und Zuversicht seiner Kindheit auf falschen Vorstellungen beruhten. der kämpft und spricht. Mai. Einer aber leuchtet: Robert Blum. wie hoch die von uns oft für selbstverständlich gehaltenen Werte der Demokratie dort eingeschätzt werden. Die politisch geschulte Gloria hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. erschossen.& JUGENDBUCH Ein neues Leben. Blutbad.

zeugt von außerordentlichem Mut – und davon. als hätten die sogenannte Spaßgesellschaft. zeigt vor allem eins: Willkür und totale Verunsicherung sind die perfidesten Kontrollmethoden des Regimes. Wer nun denkt. ungeachtet der Handlungsfolgen. Umso wichtiger ist es. um sie zu verantworten. Realpolitik wird gefürchtet. das Politische per se als verlogen zu empfinden und im Geisterreich der Moral es sich bequem einzurichten. man nimmt teil am Protest gegen Stuttgart 21 und empfindet auch wieder moralische Überlegenheit angesichts der hässlichen Realpolitik: Die Irritation jedenfalls war groß. Vor dem Richterstuhl reiner Mo- N E thik in Deutschland ist traditionsgemäß Gesinnungsethik. Dieser sollte in moralischer Hinsicht sowohl den frivolen Höfling als auch den mit realpolitischem Zynismus handelnden Herrscher überstrahlen. einer Revolution abgeneigt. 52 GLAUBEN & ZWEIFELN Islam: Reaktionen auf den Tod Osama bin Ladens S. das Prinzip des Handelns mit dem Prinzip des jeweiligen Gesetzgebers eines Landes in eins zu setzen. lasse sich viel von der peniblen Gründlichkeit. dass die Kunst nur ganz schwer mundtot zu machen ist. den Gesetzen zu folgen. die stets das Gute will und mithin das Böse schafft. ob nun Shriver wahns in unseoder Schwarzenegger an Jesu Worte am rer Gesellschaft. Aber die Sache wird noch komplizierter: Mohammed Rasoulof hat für seinen Film Bé Omid é Didar (Auf Wiedersehen) sogar eine offizielle Drehgenehmigung der Behörden bekommen. die sich vom Schmutz der Politik unberührt glaubte. »daß der Führer. Die Moral ist offenbar eine Kraft. Die Kunst.« Der Schritt der beiden. Dieses Paradox zu verstehen hat uns geholfen. auch die Insignien. hätten im Falle einer deutschen Beteiligung muntere Antikriegsdemonstrationen stattgefunden. Doch. vorauseilende Anstrengungen nicht spontan einleuchten. Er gehörte bereits zur Grundausstattung der sich im 18. nicht nur den Buchstaben des Gesetzes zu gehorchen und sich so in den Grenzen der Legalität zu halten.smetek. Witze über Müsliesser. 62 12. jeder müsse mit dem Umweltschutz vor der eigenen Haustür anfangen. warum hast du mich verlassen?« stellung als Zei- LITERATUR Zum hundertsten Geburtstag von Max Frisch S. Dieser verbarg mit dem Verweis auf Moral nur notdürftig die eigenen handfesten Interessen. Für den Augenblick ist man jedenfalls eher wieder verführt. Es galt ihm seinerzeit alles als ZeiMaria Shriver und Arnold chen für die VerdorSchwarzenegger haben sich »nach langem Nachdenken. Nun wäre es Kant natürlich niemals in den Sinn gekommen. sprach sie offenkundig als Verantwortungsethikerin und sah sich mit einer gesinnungsethisch gepolten Öffentlichkeit konfrontiert. dieses Handeln billigen würde«. Wem solch lediglich individuelle. organisiere eine Unterschriftenliste. so das in die Jahre gekommene und vielfach missbrauchte Klischee. Sie legten Berufung gegen das Urteil ein. Zur Erinnerung: Die iranischen Regisseure waren 2010 in Teheran verhaftet worden und wegen »propagandistischer Aktivitäten« zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden. sich zu trennen. denen man gehorcht«. Lebensgewohnheiten und Einstellungen des neuen Bürgertums scheinen sich gespensterhaft an die Tradition der alten Bundesrepublik zu schmiegen. Deutschland keineswegs zu einer moralischen Anstalt gemacht. in dem der Regisseur vom endlosen Warten auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens erzählt. Die Aufklärungsschriften propagierten mit Pathos die Sittlichkeit des Bürgers. wenn man etwa belehrt wird. Und vermutlich war die Furcht der Regierenden vor einem Bundeswehreinsatz in Libyen auch nicht unberechtigt: Niemand wäre sonderlich verwundert gewesen. Jahrhundert konstituierenden bürgerlichen Gesellschaft. zur Scheinheiligkeit – wie ehrenwert die Ziele der Aufklärer auch sein mochten. dessen beständige Gewissensbefragung und anklagende Innerlichkeit unverkennbar in der pietistischen Tradition des 18. sondern so zu handeln verlangt.zeit. LEKTÜRE sobald in Nairobi jemand beZUR LAGE nachteiligt sei. »Unsere Probleme sind auch unser ganzer Besitz. Historisch besehen. ral hatte der Fürst immer schon unrecht. haben uns motiviert. Kritik erlag damit dem »Schein ihrer Neutralität« (Reinhart Koselleck). In Libyen will man nicht militärisch helfen. Beide Regisseure sind seit ihrer Verurteilung auf freiem Fuß und warten auf den Ausgang des Berufungsverfahrens. Im Reich der Moral residierte die Kritik. nicht die Hoffnung zu verlieren. ihn in Iran vorführen zu dürfen. und der Traum. das starke Augenmerk. um welche Gebete es sich des Schönheitshandelte. klingt noch heute mit. Dass Öffentlichkeit ihm helfe und nicht schade. mein die MissionarsGott. Kreuz gedacht hat: »Mein Gott. einen Leguan auf der Schulter. der die Bundesrepublik über lange Zeit prägte. in Cannes würden Filme der Häftlinge gezeigt. mit der die »Endlösung« in Gang gesetzt wurde. was Rasoulof im Winter versucht hat. wird für den Regisseur so wichtig wie ein gutes Drehbuch. Ein Gesinnungsethiker fragt sich nach der Tötung eines Terroristen. sie wurde zur Hypokrisie. Der »Atomkraft? Nein Danke«-Button wird wieder ganz unironisch an Kinderwagen und Blusen geheftet. CHRISTOF SIEMES un reicht der moralische Idealismus. Harald Schmidts heitere Angriffe auf die Political Correctness oder die popliterarische Feier der Oberfläche und der Warenwelt längst einen Mentalitätswechsel herbeigeführt. sondern den eigenen Willen mit dem Geist des Gesetzes zu identifizieren. sieht sich abermals getäuscht: Nach Angaben des Festivals erzählt der Film die Geschichte eines jungen Teheraner Anwalts. so Hannah Arendt. als die Kanzlerin angesichts der Tötung von Osama bin Laden ihre Freude bekundete. Der Gesinnungsethiker ist verführt. Hannah Arendt hat in ihrem Buch über Adolf Eichmann minutiös dargestellt. über die existierenden Grenzen des iranischen Kinos hinauszugehen«. der angeblich kein kritisches Bewusstsein entwickelt hat. Seine Furchtlosigkeit sollte uns eine Verpflichtung sein. auf dem Balkon mit Blick über Teheran. Das deutsche Bürgertum. Handlungen werden im Hinblick auf die Realisierung eigener Prinzipien bewertet. Ein Verantwortungsethiker vermag politisch zu handeln. Jahrhunderts wurzelten. Auch nicht. Friedens.FEUILLETON Im Geisterreich der Moral Schon baumeln wieder die Anti-AKW-Buttons an den Kinderwagen. uns nicht besiegen zu lassen und Lösungen zu finden. Einer Öffentlichkeit.und Umweltaktivitäten galten zu Recht als arg angefault. ob die Tat gegen seine Prinzipien verstößt. Selbst Kollegen der Verurteilten in Iran finden die sensationsheischenden Meldungen. die es auch prinzipiell für verantwortungslos hält. Als Angela Merkel ihre Freude über Osama bin Ladens Tötung bekundete. »auf die eigentümliche. Die Forde- rung. die ihn zusätzlich mit einem Preis ehrt. daß Gesetzestreue sich nicht darin erschöpft. Osama bin Laden hätte nicht getötet werden dürfen. benheit der GesellDiskussionen und Gebeten« dazu schaft: die Schminentschlossen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 49 FILMFESTSPIELE IN CANNES Von wegen mundtot! Trotz Berufsverbots haben iranische Regisseure neue Filme gedreht Es ist eine echte Sensation: Die Filmfestspiele in Cannes werden neue Filme von Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof zeigen. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus. der 38-Jährige habe dafür Kompromisse mit dem Regime gemacht. weit zurück und kann bei Bedarf. wobei sie ke als ein Zeichen nicht sagten. www. reformulierte gar den kategorischen Imperativ dahingehend. auf dem Sofa. Der moralische Überschwang der Nachkriegsgesellschaft schien jedenfalls gründlich überwunden. ob diese hinreichend vorteilhaft sind. dass man so handeln solle. in ihrer unklaren Situation mit neuen Filmen an die Weltöffentlichkeit zu gehen. Kritik am berüchtigten Gutmenschentum der Deutschen zu üben. inzwischen hat er sein Werk beim Kulturministerium eingereicht: Er bemüht sich um die Erlaubnis. Es ist unsere Pflicht. als sei man selbst der Schöpfer der Gesetze. schreibt Panahi in einem Brief an die Festivalleitung. auch wieder aus der Versenkung geholt werden. der wird sogleich entlarvt als jemand. Panahis neues Werk – ohne Genehmigung entstanden – ist noch direkter autobiografisch: In Film Nist (Dies ist kein Film) ist eine Art filmisches Tagebuch. in Deutschland tatsächlich sehr verbreitete Vorstellung zurückführen. »Die Tatsache. der Afghanistan-Einsatz gilt als bedenklich. wirkte politisch lediglich indirekt: indem es die Welt hygienisch aufteilte in ein Reich der Moral und ein Reich der Politik. der Schwule als Opfer der Zwangsheterosexualität in unserer Gesellschaft – und so weiter. Hans Frank. Der Gutmensch. der ein Visum zum Verlassen des Landes zu ergattern sucht – genau das. Über einen deutschen Reflex VON ADAM SOBOCZYNSKI ie achtziger Jahre sind womöglich nicht nur in modischer Hinsicht zurückgekehrt.de/audio Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. »lächerlich«. mit Atomkraftwerken Geld zu verdienen – eine Abwägung von Risiken darf dann gar nicht mehr angestellt werden. Wie aber konnten sie da Filme von 100 (Rasoulof) und 75 Minuten Länge (Panahi) drehen? Der Fall zeigt. immer wieder an ihr Schicksal zu erinnern. wie der moralische Diskurs in Deutschland mit nationalsozialistischen Überzeugungen bestens verschmelzen konnte. das Kino am Leben zu erhalten. um das Mindeste zu sagen. wie undurchsichtig solche Vorgänge in einer Diktatur für Außenstehende bleiben. wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte. da er Optionen abwägt. hat Panahi selbst immer wieder betont. . dass wir am Leben sind. Im Sande verlaufen kann das Verfahren gegen die beiden nun nicht mehr. Solch einen Film zu erlauben. Der Verantwortungsethiker hingegen räsoniert über die Folgen der Tat und fragt sich. doch in vielen Berichten war fortan zu lesen. Man sieht ihn in seiner Wohnung.de D chen der Frauenunterdrückung in unserer Gesellschaft. hat. wie man gerade verwundert sieht. einander offenbar widerstreitenden Behörden Zugeständnisse abzuluchsen. die beiden seien in Haft. das man in der Aufklärung auf die Sittlichkeit richtete. So wie jeder realpolitisch Handelnde oder auch nur Unverbitterte in den achtziger Jahren immer schon unrecht hatte gegenüber einem moralisch hochgerüsteten Bürger. Der Generalgouverneur des besetzten Polens.

lungskommentar lautet allen Ernstes. lichen Schicksal entronnen. die auf unterlaufen. wie Sicilia beklagte. dass seine Liebsten. Es bleibt eine zentrale kulturelle sal« unmöglich gemacht hat.u. Sie stürzten mächtige es zulassen. der Mann aus Schalke. mal selbst gemacht. RoMythosbegriffen erkenntnisdienlich behanbert Gernhardts Stachelschweinborsten delt wurden. Tatsächlich spreum ein berühmtes Wort von Heinrich chen Celans Gedichte über millionenfachen Heine abzuwandeln: Seit Moses und Mord. schließlich war der April mit über 1400 Toten der blutigste Monat im mexikanischen Drogenkrieg – ein Krieg. zwischen Kapitalismus und Moral.Daseins«. Der moderne Fußballer weint um den Verlust seiner Herzensliebe. Je härter dieser kapitalistische Imperativ zuschlägt. sige Behauptung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LUDWIG MEHLHORN Es steht in den Sternen Das Marbacher »Literaturmuseum der Moderne« spekuliert über das »Schicksal« VON THOMAS ASSHEUER Am Tor zu Europa Es gibt wenige Biografien. dass die Ausstellung den Juden Celan siegelten das Schicksal des Schicksals. wiesen in seinem Blut. dass ihnen die einfachen Genüsse die liebsten seien. Sie halten jenes Gefühl politischer Dankbarkeit wach. Ich meine. indem sie seine rätselhafte Macht lautet. studierter Mathematiker.der. Deshalb wechseln beide nach Jahren den Verein. Genauso wie Manuel Neuer.kapitalismus« und »Fukushima« hören. Zerrissen sind sie zwischen der turbokapitalistischen Welt ihrer Manager und dem Identifikationsverlangen ihrer Fans.salsmächten in den Arm fallen. wie in die – jedenfalls in diesem Fall – mit philologischer sal einmal unsterblich. und zwar auf das Schicksal glaubt. Diese Frage gen. Was soll das und Undurchschaute einen numinosen Dokument im Kontext einer Schicksals-Aussemantischen Trost. dass sein Interesse der politischen Gedankenwelt der Kreisauer galt. den »nächsten Schritt« wagen. aber nicht mehr hören! Besonders schlimm ist es in der Spargelzeit. der bislang etwa 40 000 Menschen das Leben kostete. Und nur wer nicht an mehr – auf Heideggers Sein und Zeit. und vor allem in der Oder ein anderes Beispiel. »Sind gerettet. mit Witz. denn aus der Schreibwerkstatt unter anderem Hannah Arendt ist genau dem geschichtvon Friedrich Nietzsche. Mitbegründer von Demokratie Jetzt im September 1989. weil er sich so zerrissen fühlt zwischen inkompatiblen Systemen. Armee und Drogenmafia sind. und wie herrlich es ist.poetologisch zum Ministranten Heideggers erklärt. sie behauptet auch. ein Licht aufzusetzen. Beide haben bei der Pressekonferenz geweint. »weiterkommen«. G. Moses und Christus. der einst die faschistische SchickSchicksals sei von einer erdrückenden akasalsmythologie veredelt hatte und der demischen Korrektheit zum Schweigen genun auf dem Marbacher Weltwebstuhl bracht worden und erst heute. wenn alle ständig dasselbe sagen. wahrscheinlich von einem Drogenkartell. Er weint. Es trägt zur semantischen Biodiversität bei. Strauß. Dass sich vor den Wahlen im nächsten Jahr etwas ändert. Deswegen versucht der Snob das zu sagen. erst 61 Jahre alt. es verwundert daher nicht. was wohl heißen soll: Die nachtragische Moderne macht aus Fortunas Ballwürfen eine däm. desrepublik. Erst Calderóns »Krieg gegen die Drogen«. sie schrammt auch an der die dem Schicksal ein Schnippchen schlaentscheidenden Frage vorbei. die die deutsche Sprache bis in ihre gramIndes. was Ostdeutschland. Unter dem nicht dem Opferrauch der Seinsgeschichte.Versehen sind.Leitbegriff »Wende« stößt der Betrachter – einmal dern sind selbst fabriziert. kann man es vielleicht noch essen. Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen statt. wenn te Anstreichungen vorgenommen hat. »Finanzflackert eine himmlische Disco-SchickUnd doch: Ohne Kompass. Reiseverbot seit 1981. Das wäre mal ein neuer Ton. Jetzt ist Ludwig Mehlhorn..sik oder. ohne scharfes ana. desto eher beglaubigen die Tränen ihre Worte. heißt es dann immer.) gutem Olivenöl tue es auch. danach Hilfspfleger. Oder und Zeit vorgegeben habe. Geneigter Leser. Das ist simpel. standslos auf Tuchfühlung gebracht werden. umso offener für den genuin polnischen Weg in die Demokratie und für die zivile Verständigung mit den Gesellschaften Osteuropas. kämpfen. Und: Bitte keine molekulare Küche. Literatur ist das »Schicksal« nicht unterWohnen 317 West 95«. »die den Tod voraussetzt und auf Marbach. Alles kann gar nicht schlicht und ursprünglich genug sein! Hauptsache. anstatt dem immerwährenden Schicksals schnell in Teufels Küche. Nuri Sahin. an Scharlach sterben? über den Tod in Denkfiguren. Botho nalsozialisten für Juden vorgesehen hatten. was die DDR im besten Fall vom Westen unterscheidet. denn Politik. Titel gewinnen. das die NatioGottfried Benn. kommt das Schicksal von unten. in der Nähe von MexikoStadt. kann den modernen Schicksalhaften Zeit in das moderne Spiel. dem vernagelsten von allen. Bunt purzeln die Schicksalsbegriffe durcheinan.zusammenhang des Lebendigen. bekennender Protestant. und be. habe die Gewaltspirale ausgelöst. seine Kin. die Metaphorik des Schicksals matischen Tiefenschichten verbrannt und hat ihren Thronsturz blendend überjede mythologisierende Rede über »Schicklebt. Sebald. wer sehnte sich nicht nach der Einfachheit des Paradieses? Aber wir sind nun mal aus dem Garten Eden vertrieben und haben seither die ein oder andere Kultur. sonErnst ins Auge zu sehen. Ludwig Mehlhorn hat ein solches ostdeutsches Leben geführt: Arbeiterkind. dann wieder von Poetik« geliefert. Ernst Jünger. dort Metaphy.« Und alle nicken sie wie die Esel. das zu verleugnen. dem Einbruch der schick. was andere noch nicht oder nicht mehr sagen. Sieben stellung dem Publikum sagen? Dass Hannah mal sieben unhintergehbare Dinge heißt Arendt einem metaphysischen Fatum entder Versuch des Marbacher Literaturkam. so ist die oben. wie bei Walter Benjamin. Carl Schmitt. Am Wochenende führte Sicilia von dort aus einen mehrtägigen Schweigemarsch zum zentralen Platz der Hauptstadt. Sahin geht nach Madrid.: Chris Korner/DLA-Marbach W SPARGELSAISON Bitte mit Sauce hollandaise! Wir wollen hier kurz einmal das Wort ergreifen für eine Verteidigung des Snobismus. Es gibt keinen Grund. Weißwein. Celan schreibe nach Auschwitz die Götter vom Thron und entzogen dem Aber. Über allen sieben Vitrinen 1944 im Allgäu geboren wurde und 2001 tödlich verunglückte die Namen »Klimakatastrophe«. Ludwig Mehlhorn hatte sich früh selbst die polnische Sprache beigebracht. möchte ein ganz Großer werden. dürfe man wieder frei und Die Atmosphäre ist entsprechend myunbefangen über das große Dunkle reden. Gleichzeitig müssen sie kühl ihre Karriereplanung »vorantreiben«. Das ist ja in der Tat köstlich. das Fatum aufder Geschichte ihr zeitloses Wesen treibt? erstehen zu lassen – mit kleinen Stücken Das kann man gewiss nicht meinen. um. wenn sie denn kein landes rasch erzählt. Deutungsreserve. und etwa hunderttausend Bürger folgten ihm. für den er sich selbst entschieden hat. Schicksal. dann ist es. wenn es ums Essen geht. Katalog 15 Euro Abb. Literaturmuseum der Moderne. in dem der Dichter Paul Celan zar. als wolle er sagen: Ach. ist das nicht nur eine waghaloder herzbewegend aufgeklärte Texte. hier ist es bloß eine Metapher. desto eher spüren die Spieler die engen Bande zu ihrem Verein. dessen schlesisches Gut er in ein europäisches Begegnungszentrum umzuwandeln half. Diese Sätze zeigen. Unfassbare am 3. des Widerstandskreises um den Grafen Moltke. dieses Geschäft ist so grausam. thogen und dunkel. Wissenschaftlern und Schriftstellern für die Bürgerrechtler der DDR zugänglich zu machen. tief verstrickt. Snobismus trägt dem enervierenden Umstand Rechnung.n.o. IJOMA MANGOLD FUSSBALL Der Athlet weint Fußballer zu sein ist ein hartes Geschäft. von Kreuzberg bis Sachsenhausen: »Also ich esse zum Spargel ja nie Sauce hollandaise. über die Vernichtung der europäiChristus schwimmt das Schicksal unbeschen Juden. die Grenzen einer Remythisierung. der. der am 18. »No más sangre«. die Reflexion des egger. Seit einigen Jahren sagen alle. die hinter den Kulissen museums der Moderne. der Schuld. immun gegen die Varianten kommunistischer Weltdeutung. nach dem alle Schicksalsfäden in der Hand zu Untergang der schicksalsvergessenen Bunhalten scheint. um Texte von Polens Oppositionellen. glaubt aber niemand. Dann aber einem Brief des Dichters Friedrich Rückert. die ihm Sein glauben an das Fatum jeden Kredit. der seit 2006 die Armee gegen die Drogenkartelle einsetzt.und Küchentechnik dazugelernt. und vielleicht geht es auch nicht anders.Gott nicht verhindert worden: Wie kann der All.ihn zuläuft« – den Tod als »Grundbefindlichkeit des Metapherngeschichte des Abend. Ganz einfach und klar. August. ermordet wurde. Neuer vielleicht zu den Bayern. forderten sie – »kein Blut mehr«.jenes Exemplar. von Waffengewalt ihr Beweismaterial sichtet und sichert. dass die Welt sehr langweilig ist. Er war Christ. aber dazwischen gibt Wirklich? Nachdem Generationen von Stues immer wieder einen hellen klaren denten mit Goethes und Benjamins. vielleicht auch nicht.): Michael Weber/imagebroker/mauritius images.lytisches Besteck kommt man auf dem Feld des die Menetekel der Moderne.50 12. Schillerhöhe 8 bis 10. Mai 1941 aus New York. Martin Walser und – obendrüZwischen den Zeilen verbreitet die Ausber und mittendrin – Martin Heidstellung den Eindruck. Und beim nächsten Businesslunch bestellen Sie dann bitte lauthals Sauce hollandaise. Heidegger »Schicksal. dessen Sohn kürzlich in Cuernavaca. Alex Cruz/EPA/dpa Selten mischt sich ein Poet so vehement in die Politik ein wie der mexikanische Dichter Javier Sicilia. Mitglied von Aktion Sühnezeichen seit 1969. Berufsverbot 1985. ELISABETH VON THADDEN as das »Schicksal« angeht. einer Macht. so die Demonstranten. Mal ist das Schick. Da tönt es vom Glockenbachviertel bis nach Eppendorf. gute Produktqualität. Für die Mannschaft sollen sie sich aufopfern. sondern nur Butter. um dem kulinarischen Justemilieu. der Dortmunder. Der AusstelZitate. an denen man wie im Prisma erkennt. kuriose Fundstücke wie Friedrich Thomas Manns und Hans Blumenbergs Kittlers handgelöteten Synthesizer. die sich oft von Herzen fremd sind. so war auch das Schick. Mai Schicksals gebe – neue Gewalten.sal erlitten. wenn es aber zur Phrase von allen geworden ist. Nun ein kleiner Tipp zur Anwendung. Mal habe Celan die »philosophische Begründung einer Bis 28. wenn die Emulsion aus Eigelb. wie viel an Geschick und Fingerspitzengefühl in eine solche Sauce eingeht. ein Stück Brot mit sehr (das »sehr« wird dann in auffälligem Kontrast zur Haltung der Einfachheit ziemlich dick aufgetragen . Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge«. Butter und Zitrone im Wasserbad glückt und nicht zerfällt. Der moderne Fußballer weint. [M] Sascha Schuermann/dapd. in Berlin gestorben. Die Kritik galt insbesondere Präsident Calderón. wollen Sie sich einmal an Ihre Kücheninsel stellen und eine Sauce hollandaise montieren. aber was soll ich machen? Irgendwann muss sich das Individuum aus dem Kollektiv winden und egoistisch sein. damit Sie wieder vor Augen haben. telegrafiert Hannah zukriegen und spendet dem Leser als Arendt an Günter Anders nach langer Flucht Chiffre für das Ungeheure. Das sind salskugel. JOHANNES THUMFART In Mexiko-Stadt: Protest der Bürger gegen die Gewalt . Wie die anti. in seiner Wirkung aber wohltuend.Nicht nur. KILIAN TROTIER Nuri Sahin muss leider nach Madrid DROGENKRIEG »Kein Blut mehr« Fotos (v. sie sprechen von einer Schuld. Ich würde so gerne hier bleiben.. kamen zwei Aufklärer. Der Herbst 1989 war ihm ein Tor nach Europa. Beide sind vor die Presse getreten. aber sie entsteigen liche Pop-Kugel. das der Westen den Bürgerrechtlern des Ostens schuldet. ken Götter. ob es nicht eine moderne Gestalt des freundlich anerkennen – und dadurch Planetenbild des Schriftstellers W. im Erzgebirge geboren.

auf einem ähnlichen Niveau wie während der Krise 2009.. Es gibt sehr viele Grenzen. bewusst auszublenden. aber Sie werden lachen: Das mache ich gerne. war Controllerin bei Bertelsmann und Senderchefin bei Vox. was wir den Zuschauern zeigen. schauen hinab auf die armen Würste unten im Dschungel und machen sich darüber lustig. Aber natürlich kommt überall. ZEIT: Warum reicht es nicht zu zeigen. So. ist es mir. ob ich von etwas Erfundenem gut unterhalten werde oder von etwas. bei der auf der Bühne gepinkelt wurde. Das Managen von Erwartungshaltungen ist im Moment mit das Wichtigste. Das Bild von der Gesellschaft formt sich aus der Gesamtheit der Informationen. das man »gewünschtes Antwortverhalten« nennt: Bitte noch mehr Informationsangebote und Dokumentationen! Oder: Die barocke Oper findet viel zu wenig statt! Die Wahrscheinlichkeit.l. ZEIT: Dass in Ihrem Programm Känguru-Hoden runtergewürgt werden. die Wahrscheinlichkeit. auch wenn wir den einen oder anderen Witz Vier von Schäferkordts Erfolgsformaten: »Deutschland sucht den Superstar«. was Sie nicht mehr zeigen. Sie haben gefragt. Wollen wir es so machen? ZEIT: Ist Ihr momentaner Erfolg auch ein Fluch? Das kapitalistische Mantra lautet ja: Wo viel ist. Damit die eigene Erwartungshaltung und auch die der Gesellschafter nicht zu hoch ist. ZEIT: Dennoch verhelfen Sie Themen zu einer enormen Sichtbarkeit. Deutschland sucht den Superstar. und wir schicken Prominente dorthin. unser Leser hat ein Recht darauf zu erfahren. Schäferkordt: Bitte! Sie glauben doch nicht. ein Kollege hat Sie neulich in einem Porträt als »wonder woman« der deutschen Medienlandschaft angehimmelt. obwohl es eine gute Quote verspricht? Schäferkordt: Das kann man pauschal nicht sagen. Es ist extrem erfolgreich. dass auch Sie das grenzwertig finden. Auf keinen Fall. ist aber okay? Schäferkordt: Das ist in vielen Ländern eine Delikatesse! Es ist einfach. Wahrscheinlich gibt es auch Fälle. zwischen Kameras im neuen RTL-Studio in Köln. die »Super Nanny« und »Raus aus den Schulden« mit Peter Zwegat (von links). Muss Ihr Programm jetzt noch seichter werden? Schäferkordt: Da muss man in die einzelnen Genres schauen. nur wie oft und wie differenziert oder eben auch nicht wollen Sie die Diskussion führen? Sie können definitiv fragen. oder? Anke Schäferkordt: Ich bin kein großer Freund von Artikeln über mich persönlich. Schauen Sie sich die US-Quoten an: Wenn ein Network in der Primetime elf Prozent erreicht. Aber wenn Ihre Frage dahin zielt. und das ist quer durch die Genres schon sehr vielfältig. dass ich nicht singen kann. wann und mit welchem Grund in unser Programm eingegriffen wird. lieber Zuschauer? Und er sagt: Ich fände eine Unterhaltungsshow toll. Beim »Dschungelcamp« – es tut mir leid. und wir nehmen sie wahr. bitte. ZEIT: Solange es so gut läuft und gutes Geld verdient. denn der Frosch war. ZEIT: Sie haben sich mal über eine Aufführung im Kölner Theater aufgeregt. aber keine ethische Diskussion. ist sehr groß. die Leute wollen sich jetzt lieber entspannen und nicht so viel Konflikt im Programm. Ein Großteil der Zuschauer hat das wahrgenommen. weil Sie den Frosch nicht gut finden. ist das schon ein Erfolg. In Zukunft wird der stärkste Sender nicht mehr einen Marktanteil von 20 Prozent haben. auch im Gespräch mit der Kommission. wie Sie das jetzt darstellen. Interessant wäre es sicher. ob die Politik Themen erst dadurch wahrnimmt. aber wir kennzeichnen das auch entsprechend. das man dort zum Beispiel von Arbeitslosen vermittelt bekommt. getestet und erfolgreich platziert hätten. Schäferkordt: Wir haben den Bescheid nicht akzeptiert und Einspruch erhoben. So einen Zuschauer würden Sie kaum finden.). auch wenn Sie das jetzt weit von sich weisen. ZEIT: Nehmen wir Bild – da sind wir auf halbwegs neutralem Gelände. um genau das zu klären: Verletzt auch derjenige die Menschenwürde. Bedeutet das nicht auch eine gewisse politische Macht? Schäferkordt: Ich kann oder möchte mir nicht vorstellen. Wie machen Sie das? Schäferkordt: Wir interessieren uns für unsere Zuschauer und nehmen sie ernst. reden wir darüber auch nicht. eine Idee von Dieter Bohlen. auch beim Gesamtpublikum liegen Sie deutlich vor ARD und ZDF. damit ein Thema. ZEIT: Mitten in der Finanzkrise haben Sie gesagt. ist ziemlich gering. Sie bestimmen mit über den gesellschaftspolitischen Diskurs in Deutschland. Natürlich ist die Erzählweise dabei verdichtet. ZEIT: Die Frage. ZEIT: Sie könnten es ja als Undercover Boss versuchen. Schäferkordt: Nein. der sich im Garten einen Atombunker baut? Schäferkordt: Natürlich finden Sie vor allem in den Soaps wieder. den Zuschauer permanent zu unterschätzen. Die Digitalisierung hat die Programmvielfalt unendlich gesteigert. ZEIT: Aber durch die hohen Quoten blasen Sie all die Themen auf. Eindrücke aus der eigenen Lebensrealität – daraus formt sich ein Weltbild. Schäferkordt: Die stellt sich definitiv nicht. was täglich vermutlich tau- über die Kandidaten machen! Vor allem nehmen wir uns selbst mal richtig auf die Schippe. Sie fragen nur: Ist das eine Geschichte. Schäferkordt ist auch für Sender wie Vox und n-tv verantwortlich. Darin waren wir immer am besten: aus Fehlern zu lernen. der Menschenunwürdiges zeigt und dokumentiert? Auch wir haben die Szene intern lange diskutiert. ist genauso eine Fiktion wie die »Scripted Reality« im Nachmittagsprogramm.): Gregorowius/RTL. aber er meinte es ernst. dann machen Sie alles genau entgegen dem Kritikerwunsch – und sind erfolgreich. erreichen wir automatisch vier Millionen Menschen. ehrlich gesagt. würden wir dem. verleihen Ihnen eine neue Dimension. kl. Anke Schäferkordt. wie Sie leben.. dass ein Format in Menschen Instinkte produzieren kann. dass diese Sau überhaupt existiert. Wir kriegen auch viel Zuschauerfeedback. ZEIT: Sonst müssten Sie sich hinterher womöglich noch wie die »Dschungelcamp«-Bewohner beschweren. ZEIT: Lesen Sie eigentlich Fernsehkritiken? Manchmal hat man das Gefühl. ZEIT: Dann lassen Sie uns über Ihr Geschäft reden: RTL ist klarer Marktführer. Er war nicht mein persönlicher Favorit. Im Moment sucht der Zuschauer diesen Ausgleich verstärkt. welches Thema interessiert. Fotos (Ausschnitte. Sie lesen sie. welche Grenzen wir uns setzen: was zeigen wir. 48. Schäferkordt: Natürlich sind die Sehbedürfnisse der Zuschauer nicht eindeutig. in Wirklichkeit aber nur entlang von Klischees über die Wirklichkeit erfunden wurde. die wir ziehen. Das Format ist relativ teuer und der Januar nicht der werbeintensivste Monat. die aber auch nicht nur für mich produziert werden. ZEIT: Wir wollen das ja auch gar nicht. Es gibt den einen oder anderen. Schäferkordt: In einen Stahlhelm. dass es von nun an nur noch bergab gehen kann? Schäferkordt: Ach Gott . ZEIT: In der jüngsten Staffel von DSDS gab es »Freddy Fickfrosch«. ob ein Format wie DSDS Grenzen bewusst überschreitet. Wenn wir ein neues Format mit 16 Prozent Marktanteil starten. der Journalist veräppelt mich. in der Politik ankommt. die so oder so ähnlich stattgefunden haben oder stattfinden könnten. Seit 2005 leitet sie die Mediengruppe RTL Deutschland Das funktioniert so nicht. Auch wenn ich hoch verschuldet wäre. das virulent ist in der Gesellschaft.. in den letzten Monaten durchaus im Gespräch. Aber ich kann mir ja schlecht – wie die Chefs in der Sendung – einen Bart wachsen lassen. ZEIT: Schaffen Sie nicht manchmal auch Bedürfnisse? Die Zuschauer des »Dschungelcamps« haben vielleicht gar nicht gewusst. im australischen Dschungel spielt. ZEIT: Den würden Sie sonst wohl einstellen. dass der Zuschauer auch loslassen will. also geschrieben sind. Das wird alles wiederkommen. Jedes Medium hat sie. Aber das war ja nicht Ihre Frage. Schäferkordt: Sein offizieller Name war übrigens Freddy. Sie erfüllen die Bedürfnisse der Leser. Radio. nicht mehr gerecht werden. Zuschriften. aber das müssen wir nicht ausführen. die an diesen Abenden in Deutschland Fernsehen geschaut hat. Die Westfälin studierte Betriebswirtschaft. ein bisschen verkürzt. Genau darum geht es eben nicht. Es hat immer alles seine Vor. wie Sie richtig sagen. dann antworte ich: Nein. ZEIT: Wir haben uns nur gefragt. Können Sie sich überhaupt noch steigern? Schäferkordt: Nein. ZEIT: Wie gehen Sie mit Ihrer Verantwortung um? Wo verläuft die Grenze dessen. das ist nicht so. was ihn erwartet. die gar nicht so skandalträchtig sind. von der das Publikum oft nicht wusste. ZEIT: Für eine Folge der Super Nanny hat RTL gerade einen Bußgeldbescheid über 30 000 Euro erhalten. die vorher noch nicht da waren! Ich würde uns zwar immer gern als einflussreich sehen. heißt das doch nicht: So ist es in jedem Haushalt. den wir machen können – zu glauben. ob Sie selber ins Camp gehen würden. vielleicht auch eine politische Brisanz. haben Sie leicht lachen. dass es erst unserer Sendungen bedarf. Aber das Schöne ist ja: Das kriegen wir gratis! Im Ernst: Ganz so einfach ist es nicht.FEUILLETON 12. im Januar hatten Sie bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 21 Prozent. Wirtschaftlich ist es kein großer Erfolg. hat es extrem angesprochen. stellt sich wahrscheinlich nicht. dass er weiß. bei dem wir an den Quotenverläufen genau sehen. ZEIT: Natürlich! Wir vertreten nur die Wahrheit! Schäferkordt: Entschuldigung. Es steht im Vorspann und im Abspann. Das wirklich Interessante ist. ZEIT: Aber wo ist für Sie persönlich die Grenze? Würden Sie Hartz-IV-Empfänger im Rhein um einen Arbeitsplatz um die Wette schwimmen lassen? Schäferkordt: Nein. Er kommt in die achte Staffel. Mich drängt es nicht auf den Bildschirm.« Ich dachte erst. insgesamt unterstehen ihr knapp 2500 Mitarbeiter der mithilfe dieser Comicfigur die Kandidaten noch mehr durch den Kakao zieht. würde ich vielleicht einen Schuldenberater aufsuchen. schalten die Zuschauer um. Wir liegen zurzeit bei einem Zuschauermarktanteil von über 19 Prozent. Ob sich da gleich einer einen Atombunker baut? Das wäre am Vorabend wohl zu teuer . ganz egal. Angesichts unseres derzeitigen Erfolgs sind wir in einer Verteidigungshaltung. das Ergebnis fanden wir aber nicht so gut. Ich habe mich damals im Theater nur aufgeregt. Muss das sein? Schäferkordt: Das ist eine Geschmacksfrage.und Nachteile. Aber ich distanziere mich deshalb nicht von unserem Format. Wer solche Freunde hat. etwas heraus. Wir müssen schauen. die wir den ganzen Tag über beziehen. dass Sie danach Ihr Programm gestalten und damit die Mehrheit der Zuschauer erreichen. es ist das Konzept dieses Formats. Übrigens hat das auch die Hälfte aller Menschen getan. hätte ich an der Stelle nichts zu lachen gehabt. sich mal nur gut unterhalten zu fühlen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Homestory gemacht. wenn er sich für die Show bewirbt. Einmal fiel dabei der schöne Satz: »Frau Schäferkordt. ZEIT: Und? Schäferkordt: Montags morgens war DSDS. Nun gibt es einen Atom-GAU und Krieg in Libyen. wenn ich Sie an der Stelle enttäuschen muss – habe ich mich einfach köstlich amüsiert. was gerade in der Realität meist jüngerer Menschen relevant ist. Ich kann mich nicht auf die Hohe Straße in Köln stellen und fragen: Was willst du sehen. was zeigen wir nicht? Eine Diskussion über persönlichen Geschmack zu führen. mein Ausdruck war falsch: Ich wollte sagen. Da ganz kurzfristig auf politische Ereignisse zu setzen. Die Instinkte des Menschen können wir im Fernsehen so wenig beeinflussen wie Sie im Zeitungsbereich. Die Kommission für Jugendmedienschutz findet. das »Dschungelcamp«. Zudem kann man fragen. und das würde mich erschrecken. Jeden Tag treffen wir Einzelfallentscheidungen. die ein nachhaltiges Interesse an Wahrheitsfindung haben. relativ elitäre Gruppe machen. dass sich für die Realität ausgibt. obwohl es ständig Anfragen dafür gibt. Unsere Zuschauer haben zunächst sehr viel Nachrichten geguckt. ZEIT: Wie finden Sie heraus. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL DIE ZEIT: Frau Schäferkordt. Das ist auch zynisch. für die es gemacht ist. wahrscheinlich nicht. wir gaukelten etwas vor. ZEIT: Aber das Bild. Wenn die Spaghetti Bolognese beim Hartzler zu Hause unbedingt vom Bauch der Freundin gegessen werden müssen . dort sehen wir schon eine Veränderung. dieses Stück zu sehen. ZEIT: Ein konkretes Beispiel. kommt vor. dass man Ihnen übel mitgespielt habe. wäre ich der leitende Redakteur. Schäferkordt: Sie unterstellen wieder. Schäferkordt: Das dürfte eher schwierig werden. heißt es in der Presse: Riesenflop. was ich zum Glück nicht bin.. Damit geht aber Hand in Hand. Wir zeigen Geschichten aus dem Alltag. das besagt.. während der Castings eine Comicfigur. quer durch alle Bildungsschichten. einige Szenen verstießen gegen die Menschenwürde. Schäferkordt: Das hängt vom Kritiker ab. bei dem ich sagen würde: Wir könnten ihn einstellen und das Gegenteil von dem tun. für müßig. Auch wir werden unsere Baustellen im Programm bekommen und daraus lernen müssen. dass wir sie zum Thema machen. Bei großen Primetime-Serien dagegen sind die Produktionsvorläufe deutlich länger. Nur würde ich mich dabei von einer Kamera begleiten lassen? Nein. Jeden Tag treffen wir in den Redaktionen diese Entscheidungen. wo wir nicht Marktführer sind. Menne/RTL. Wir nehmen alle ernst. ZEIT: Ist die Inszenierung beim »Dschungelcamp« nicht ein Sinnbild für die gesamte Haltung von RTL? Die Moderatoren stehen oben auf der Brücke. mit einer Show oder mit einer eher leichten Serie. Das Gespräch führten ANNA MAROHN und CHRISTOF SIEMES Fotos: Thomas Rabsch/RTL (o. Wenn Sie mich fragen: Würden wir alles tun für die Quote? Dann ist unsere Antwort: Nein. Wir werden den Vorsprung nicht halten können auf lange Sicht. weil ich hier im Haus dann doch zu bekannt bin. Das ist nicht so. Bahn zu fahren und zu hören. dass die Geschichten gescriptet. Aber auch formal geht es für uns um die nicht unwesentliche Frage. ZEIT: Aber was wir vom Camp sehen. Wir wollen das klären. dass die Kandidaten nicht singen können? Muss man sie der Quote zuliebe auch noch demütigen? Wir unterstellen mal. Schäferkordt: Wenn ich da kurz widersprechen darf: Es wäre der größte Fehler. das können sie sehr gut. die komödiantische Aspekte bietet. Spaß haben zu wollen. Schäferkordt: Dass Kandidaten hinterher manchmal sagen. was kann ein DSDS-Kandidat erwarten. Dazu gehört. Ich würde auch nicht in einer Castingshow auftreten. halte ich. was man alles an niederen Instinkten bei ihnen entsichern kann . die nicht mein persönlicher Geschmack sind. Wir müssen vor allem realistisch bleiben.. da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. bei denen ich. weil wir den Stoff aufgreifen. Wenn wir Fernsehen für Sie machen würden. Schäferkordt: Zumindest nachdem wir das produziert. die eine Zeit lang auf sich gestellt sind und mit der Kamera beobachtet werden. braucht keine Feinde. kann immer noch mehr sein. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 51 Die Quotenfrau Angeblich weiß sie. halte ich für einen Fehler. anders entschieden hätte. was die Menschen reden. ZEIT: Haben die Ereignisse direkten Einfluss auf fiktionale Formate? Gibt es bald bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten einen notorischen Grünen-Wähler. N-tv hatte den erfolgreichsten Monat seiner Geschichte und den Marktanteil verdoppelt. aber sicher keinen vor der Kamera. dass ich Geld dafür bezahlt habe. ZEIT: Wir fragen Sie als Gesamtverantwortliche für das RTL-Programm. Dinge zu skandalisieren. Ich habe angemessenes Feedback. das würden wir natürlich nicht tun. Schäferkordt: Natürlich. Da haben Sie Grenzen überschritten. und deshalb sendfach in deutschen Familien passiert.r. Schäferkordt: Es gibt ja einen Grund. Friese/RTL. was die Leute wollen? Reden Sie mit Ihrem Taxifahrer? Schäferkordt: Es ist jetzt nicht unser Hauptforschungsgebiet. Schäferkordt: So einfach funktioniert es ja nicht. ist doch mitunter fragwürdig. Wenn Sie eine solche Geschichte zeigen. ZEIT: Aber ist es nicht ein blödes Gefühl. Das wäre vermessen. die in den Dschungel gehen. Die Frage kommt immer wieder. Mit ihrem Informationsinteresse genauso wie mit ihrem Wunsch. Dazu kommen andere Medien wie die Tageszeitung. Mit öffentlicher Kritik bekommen sie noch einmal hohe Aufmerksamkeit. es gibt kaum einen Sendeplatz. die mich fesselt und unterhält? ZEIT: Aber es ist doch ein kategorialer Unterschied. Schäferkordt: Auch nicht die gehobenen Instinkte? Da bin ich jetzt erstaunt. Wenn wir bei einem Thema danebenliegen oder es auf einem falschen Sendeplatz senden. als Zuschauer. Schäferkordt: Das sind komplett verschiedene Sendungen! ZEIT: Können die Zuschauer unterscheiden zwischen »echten« Fällen und den erfundenen? Schäferkordt: Ja. mal loslassen zu wollen vom Alltag. der Frosch. Schäferkordt: Schon klar. Schäferkordt: Es gibt bestimmt Sachen. und die Zielgruppe. wo die Realität sich einem Drehbuch fügt. wo man ein Mikro aufstellt und die Leute befragt. in Ihrem neuen Erfolgsformat. Schäferkordt: Ganz offen: Wenn das mein einziger Beweggrund zum Lachen wäre..n. Nach einer großen Show ist es auch spannend. ob im Genre Real Life oder auch in der fiktionalen Unterhaltung. v. weil es so schön einfach ist. ob es um Nachrichten oder Unterhaltungsformate geht. offen gestanden. Sie haben eine gesellschaftliche Verantwortung. Als Marktführer haben wir eine besondere Verantwortung. ob es richtig ist. Gregorowius/RTL . Die treiben täglich eine Sau durchs Dorf. aber das glaub’ ich beim besten Willen nicht. Wir würden Fernsehen für eine kleine.. Zudem bekommen wir über tägliche Magazine wie Punkt 12 ein Feedback. ob der Fickfrosch des Guten zu viel war. Solche Sender gibt es ja bereits. Am Ende tun Sie das Gleiche wie wir: Sie erfüllen auch nur die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe. was wir wollen. warum wir bestimmte Dinge nicht gezeigt haben. ZEIT: Aber Ihr Sender ist nun einmal Marktführer. Anrufe. dass es den meisten Zuschauern völlig egal ist. was er empfiehlt.

Raus aus der Vergangenheit – das traf einen Nerv. konnte man im Fernsehen sehen. sagt der kühne Jüngling. angeblich niemals zuteilwerden konnte. nachdem die gemeinsame Tochter. Sie benehmen sich auch so. Weltreisende. die zugegeben ein bisschen fünfziger-Jahre-steif ist mit Kostüm und Handtasche und immer höflich und adrett. als die sich die erste Geliebte entpuppt hat. Das ist bei strenger Betrachtung ganz und gar nicht mehr an der Klamotte vorbeigeschrammt. Nicht weil er. verbarrikadiert sich in seinem Schweizer Bergdorf und baut Pagoden aus Knäckebroten. den man las. aber niemals kleine Männer sind. die Folgen hatte. der ewig Junge. Natürlich geht dennoch alles vorbildlich schlecht aus in Frischs Theaterstücken und Romanen. Fabers und Geisers. wie der ständige Abriss und Neubau des Lebenslaufs einmal mit so viel Hoffnung verknüpft sein konnte. Seitenlang sitzt man in der Boutique und begutachtet Dior-Kostüme. über den widerstandslosen Charakter des »Weibes«. Zum Beispiel ein Stiller-Leben in Zürich mit Atelier und Oberlicht. Frisch hütet sich vor dem Heroischen. seiner großartigen Autobiografie. seitdem die Selbstverwirklichung überall im Sonderangebot zu haben ist. Doch gerade deswegen fehlt uns Max Frisch. eine neue Existenz zu wählen im Warenhaus der literarischen und philosophischen Lebensentwürfe. diese 1954 bei Suhrkamp im zerstörten Nachkriegsdeutschland zur Welt gekommene Figur. Dass er irgendwann alt und behäbig war. Der Schrecken rührt daher. Daher die zärtliche Kaltschnäuzigkeit. man gestatte den Kalauer: entgegen seinen lebenslangen Frischhaltebemühungen. wie er es immer sein wollte. Stillers wichtigstes Problem ist: er selber. Auch begreift man nicht mehr. Ein. der da kommt«. Ein Herr White mit amerikanischer Vergangenheit wäre ihm lieber als ein Herr Stiller aus Zürich. dessen Prinzip Hoffnung 1959 erschien. aus Trauer Hoffnung. ein Mann mit südamerikanischen Geschäftsbeziehungen. Dazu sind sie – auch im literaturpolizeilichen Sinn – zu unbedeutsam. sich nicht auf weitschweifige Gefühligkeit einzulassen. Das ist nun alles lange her. Dabei war der Nonkonformist fasziniert von der Konvention. Seine lebenslange Jugendlichkeit mag hier ihren Ursprung haben. Frisch wusste es selbst und hat nicht ohne Ironie davon gesprochen: Er blieb ein Leben lang der Kleinbürger. Liest man den Roman heute. Heliosstraße 31. der in sehr preußischblauen Hemden an sehr kompakten Tessiner Steintischen saß und weißweintrinkend sein Leben Revue passieren ließ. nach Texas. Der Frisch-Erzähler findet sich grundsätzlich lächerlich. der so leidenschaftlich auf einem abenteuerlichen »wirklichen Leben« besteht. die Künstler. als ich es bin? Es sind diese Fragen. Der Roman galt als das Paradestück der damals groß in Mode kommenden Ich-Diffusion. Diese Hoffnung war nicht nur das Mantra von Frischs eigenem Leben. versteht man nicht mehr ohne Weiteres. hat diese fortschrittliche Gestimmtheit des vorigen Jahrhunderts. schon damals den Rückzug aufs Private. Hat mal jemand die Flugmeilen im Homo faber nachgezählt? Walter Faber. In jeder Hinsicht ein Jugendautor. dass wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. Filmschauspielerin. Was Frisch rettet aus der Peinlichkeit dieser Aufsteiger-Prahlerei. Ein Bergmannsroman. als man selber jung war und auch nicht erwachsen werden wollte. Aus Selbsterniedrigung wird Selbsterhöhung. wie er es spöttisch nannte. abzubrechen oder ironisch zu werden. wo es wehtut. im Letzten nicht unversöhnliche Melancholie gehört zur Dialektik einer fortschrittlichen Literatur. auch sich selbst gegenüber. der die »männliche Tat« verklärt. Ein wenig verwundert versucht man nachzubuchstabieren. weil er hundert wird. Frisch ist doch immer jung gewesen. heißt es im Stiller. Der die Enge der Heimat und der Herkunft mit der Menge der Geliebten und der Wohnsitze aufwiegt. der sich in Frischs verworfenem Jugendroman nach einer männlichen Tat sehnt. von Anfang an ein heroisches Format. wiederzulesen. war so üblich und ging niemanden etwas an. »Neureicher« im Leben und im Schreiben. Es war auch nicht nur das Mantra seiner Figuren. Wie eine Flaschenpost aus Märchenzeiten liest sich auch der nahezu verschollene Roman Antwort aus der Stille. die Nichtigkeit noch für das Beste am Menschen zu halten. das nicht mehr auf der Höhe unserer Desillusion ist. ist ein Wiedersehen mit sanftem Schrecken. Frisch-Frauen sind immer mondän. Auch hier setzt er auf erzählerische Dialektik. Wir werden diesen jungen Hundertjährigen noch lange lesen. Immer wieder in den Romanen. seine Träume. Inzwischen sind wir nüchterner geworden. die den Verlierer immer gewinnen lässt. Das macht er klar durch einen Kunstgriff. wenn dieser auf der Suche nach dem »wirklichen Leben« ist. Einer. sondern Kinder und Enkel der alten Masken. Dass Max Frisch 1991 gestorben ist. April 1991 in Zürich. Es sind Fragen. seine Heiterkeit. hinter er erste Impuls: Man glaubt ihm die hundert Jahre nicht. in dem das Beständigste noch seine riesige schwarze Brille blieb und in dem die letzte Geliebte bereits die Tocher einer früheren war. Es fehlen seine Verspieltheit. was sich dieser Anatol Ludwig Stiller von der Verwandlung in einen Mister White versprochen hat. Aber es ist ein Buch. wie ein Bub vor. »Mit der Einsicht. »hoffe ich halt immer schon. und andere Grobheiten. Es war das Mantra seines Zeitalters. Man ist schließlich modern. sondern nur ein Dasein. die man stellt. die gealtert sind und die den Toten plötzlich für geradezu unverschämt jung halten. die ihn in eine längst vergangene Zeit katapultieren. Dann aber mit allem divenhaften Drum und Dran. nun doch entgegen seinem lebenslangen Widerstand. hinterrücks gealtert wäre. Ballerina.52 12.« Wenige konnten die Träume unserer in sich selbst verliebten. nach vollzogenem Inzest an einem Schlangenbiss (ernsthaft: Schlangenbiss!) verendet ist. so hat Frisch das in einem seiner späten Fernsehinterviews gesagt. Geiser. Das Prinzip Frisch ist ein Prinzip Hoffnung. Im Gegenteil. Doch an solchen Verschmocktheiten liegt es nicht. die vieles ausschloss. Eine neue Welt bauen. noch gar kein Leben. Einer. Aber ich habe mich nicht. so kurz und bündig wie auf einer Grabinschrift. Woran liegt das? Auf den ersten Blick ließen sich leichte Erklärungen finden. fotografiert von Robert Lebeck Das Prinzip Frisch Der Schweizer Schriftsteller wäre jetzt 100 – Wiederbegegnung mit einem unverschämt jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 1900. alles bauhausmäßig klar. Oder auch nur ein Fluchtbedürfnis. Sie sind wahlweise Mannequin. nach Athen. gestorben am 4. neue Ehen. neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. und Gantenbein kommt ohnehin den gesamten Roman über kaum einmal hinter seiner Blindenspielbrille hervor. Eine sanfte. Er habe. Die Frisch-Welt hatte mehr zu bieten. in dieser Feier des Lebens. der Identitätsfragen und Rollenspiele. Montauk. in eine knappe Sentenz gefasst: »Ich bin. Darum werden wir erst. sondern auch ein Erbe der vorletzten Jahrhundertwende. Für ihn wie auch für seinen Freund und Lektor Uwe Johnson war es eine Frage zeitgemäßer Männlichkeit. dass Frisch nicht nur unser Zeitgenosse. gerade weil er es heroisch meint. ist der Urtyp dieses »Darum-werden-wir-erst«-Pro- der sich das Ich-Pathos verbirgt und die bis heute das Beste am ganzen Frisch ist. Italien und Griechenland. Die Bemerkungen über die »Neger«. und es gibt keine Hoffnung. daß ich eben durch diese Einsicht kein nichtiger Mensch mehr sei. zuweilen geneigt. das man überall (und sehr bald auch auf den Schlachtfeldern) suchte. Stiller. Wir sind auch nicht mehr die Bewohner von Umkleidekabinen. nach Guatemala und so weiter. ist sein trockener Humor. Aber was erwartet er sich von der Liebe? Und was von seinem Leben? Ein wenig kommt einem Stiller. der auf Mamas Schokoladenkuchen lauert. Seine Hauptsorge: Er möchte nicht Herr Stiller sein. der sich an sein Heim und seine Kaffeetasse klammert. Ingenieure. mit immer jüngeren Frauen. Er möchte ein Herr White werden. dass Max Frisch uns ein wenig entrückt ist. die noch kommen sollten. hat man missbilligend zur Kenntnis genommen. gar nichts Dringliches mehr einzuwenden wissen. neue Häuser. steht im Zentrum aller großen Frisch-Romane. Ich bin einfach nicht bereit. dass er wirklich noch so jung ist. Aber das stört nicht.« Stiller. die schöne Julika. von der »kein Weibsbild« einen Kerl abzubringen vermag. der das Erwachsenwerden ablehnte. Mein Name sei Gantenbein. Stiller ist noch immer ein bewundernswertes Buch voller hinreißender ironischer Sentimentalität. das »sich formen lässt von jedem. Der Mensch erscheint im Holozän –. Siehe auch Reisen Seite 63 . der Held des späten Romans Der Mensch erscheint im Holozän. Kommen allerdings ausschließlich im Geliebtenfach zum Einsatz. Sie verleiht ihren Helden. die man gerne für unsere eigene gehalten hätte. kurz und knapp zu halten und da. ein neues Ich. die so neu nicht waren. der die Romane bis heute lebendigund unverbraucht erscheinen lässt: ihre neusachliche Heiterkeit. die Frisch so jung machen. Tagebuch 1966-1971. was er gegen seine Ehefrau. Daher die vielen Shortcuts in Montauk. Das mag. hoffe ich doch in allem auf Verwandlung. unterhält eine zweite Liebschaft in New York und gedenkt die Mutter der ersten am Romanende in Athen zu heiraten. Und das dem kleinen Mann. Ihre Fragen sind groß und immer dieselben. dass man Frisch und seinen Helden gewogen bleibt. Er fasst das literarische und biografische Programm des Autors in zehn Wörtern zusammen: Er war einfach nicht bereit. Trotzdem erinnern sie uns daran. die es macht. Er sagte: »Wir leben auf einem laufenden Band. Frisch ließ das Buch 1937 in NaziDeutschland publizieren und hat es später nicht in seine Gesammelten Werke aufgenommen. ein nichtiger Mensch zu sein. in dem man zum Friseur und ins Büro geht und in dem die Liebe zuverlässig in »tödlicher Kameraderie« verendet. vorwärtsdrängenden Epoche besser beschwören als Max Frisch. Es gibt seine irritierende politische Indifferenz in der Kriegszeit. ein nichtiger und unwesentlicher Mensch zu sein«. Wie wollen wir leben? Gibt es ein Leben hinter dem Grauschleier des Alltags? Wie komme ich dahin? Wie werde ich ein anderer. Ihn nun. In dieser Aufbruchstimmung nach D Foto: Robert Lebeck/Max Frisch-Archiv.und Verstellungskomödien und der Illusionskünste der deutschen Romantik. die »pflanzenhaft vor sich hin dösen«. Und dass wir es sind. Stiller mutiert zu einer Art Waldschrat.« Ein schöner Schlusssatz ist das. Homo faber. aus Ironie Überlegenheit. Im Grunde. gegen das wir. Zürich Max Frisch auf der Boccia-Bahn seines Hauses in Berzona. reist mit seiner jungen Liebschaft durch Frankreich. ehrlich genommen. den Peter von Matt vor zwei Jahren aus der Versenkung holte. in dem man sich unausgesetzt aufgefordert sah. die großen Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens – Tagebuch 1946-1949. Diese Sehnsucht nach einem bedeutsameren Leben als dem. Einer Utopie. der literarisch groß auf die Pauke haut. der verstanden werden kann als die literarische Variante der Schweizer Nichteinmischungsdoktrin. und niemals anhalten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR gramms und zugleich der Urahne für die Gantenbeins. Da gibt es die Befremdlichkeiten im ersten Tagebuch aus den vierziger Jahren. die »Statthalterin der Utopie« sein sollte. wenn man sich und der Welt noch viel zutraut. Ernst Bloch. Nach Paris. In jedem Fall eine Sehnsucht. in denen man neue Leben anprobiert wie Kleider. Das Haus von Biedermann brennt ab. vielen so gegangen sein. ein Schweizer Herr mit Hamsterbacken und Krötenhals. ein nichtiger Mensch zu sein. ihres backenbärtigen Paternalismus und ihres vitalistischen Pathos war. nach Mexiko. Stadelhoferstraße 28. geboren am 15. nach New York. Faber bekommt Magenkrebs. neue Leben. in den Tagebüchern sitzt man im Flugzeug. die uns diesen hemdsärmligen jungen Menschen fremd erscheinen lassen. Für uns war und blieb er der Autor einer Lebensdringlichkeit. Dass er gegen dieses Alter aufbegehrte mit immer imposanteren Automobilen. die immerzu erwartungsfroh neue Leben anprobierten. Mai 1911 in Zürich. einzuwenden hat. Contessa oder Staatsanwaltsgattin. des Frisch-Jahrhunderts. die. Sie stand ihren Benutzern weit offen. auf Flucht. seitdem wir an diese Utopie nicht mehr glauben.

Müntefering sagte. und ich bin »städtischen Altersheim«. Am nächsten Tag fand das Interview statt. über Frauen. nicht zulassen. Der Traum ging so: Ich stellte Müntefering die FrischFrage »Gesetzt den Fall. Im Unterschied zu seinem Freund. Und irgendwann jemanden treffen. aber dazu fehle ihm wirklich die Zeit. nachdenkt und Zeit hat. womit sie ihre Meinung unterdrücken. Werde ich ein andermal davon reden?« Am Ende der kleinen Erzählung hat Frisch die »neuen Berichte von Buchenwald gelesen. Journalist und Politiker. der immer wieder mit lebe ich oder nicht. das Frisch für seinen Bruder erträumte. »Paris ist ein ideales SelbstmordTschechow über Tolstoi. stilistisch. nie habe ich mit ihnen eine neue Dimension erobert. ich sehe nicht ein. vor großen und kleinen Stars. Und dann noch mal: »Ja. Schließlich Aufstiegs.: Victor Radnicky/Interfoto/Privatbesitz: VG Bild-Kunst. dass es dazu nie gekommen ist?«. als »die unverbindlidurch sein Spiegelbild »begrenzt. dem Germanisten Emil Staiger. um zu bemerken. die unerfüllten oder die erfüllten?« Ich möchte hier aber nur von einer kleinen Beobachtung berichten. ja. lief dreimal um den Frühstückstisch und sagte dann. Viel ist in den sich spielen. wie 2011. auf Matt: Mein gibt er der »Nicht-Beziehung« zum Vater. man weiß ja nie. »ein Liebesdrama« nennt es ziehung setzt. Er schreibt elegant. mit diesen Fragen kann nichts schiefgehen. Einmal befreite ihn eine Frau vom »schweren Verhängnis. Max! Eine meisterliche Biografie.90 € wieder drin«. Frischs Reichtum hinter den die Fragetechnik. »Einen Sonderplatz« Bruder das Grundstück besichtigt.« Die zweite Sache habe ich geträumt. durch die Beziehungslosigkeit hatte es doch Aussicht durch alles hinzu unserem Vater und durch dessen Tod durch. das ich im Grunde gegen mich bin«. Max Frisch wollte sich mit seinen Fragen Wahrheiten nähern. der die Frisch beim schreibenden Bau eines Todesnähe bei einem Selbstmordversuch Hauses kehrt wieder in den Essays. In einer vergessenen Kritik aus der Zeitschrift Du attackierte Frisch 1941 den Film Gilberte de Courgenay. und er »Früher war ich Architekt«. auch sein Land erneuern. Der Soldat Frisch hält im April 1945 auf einem Grenzstein einen »gemütlichen Hock« mit einem deutschen Soldaten. die damit zu tun hat. 160 S. Bonn 2011 . Oradour. nie mehr das der biblischen Formel »Du sollst dir Meer zu sehen. Und dann folgte – weitere Stille. Er scheut die Pointe nicht.. 1911 – 1954. und dich erschlagen. Verblüffend. dem Welterfolg. Frisch hat als Verteidiger der schweizerischen »Der Schriftsteller Max Frisch«. »dass Du viel zu früh durch das den Weinreben entwirft er ein »Haus. In kein anderes Werk ist die umfassende Zerrissenheit Frischs mit solcher Wucht eingegangen. 24. darstellerisch und gedanklich Frisch streicht »die hölzernen Säulen der gewachsen. ich würde das Meer nie mehr sehen«. und am Ende: nichts. Name ist Frisch dem er für ihn ein Einfamilienhaus er. ob hinter diesen Fragen nicht die Gliederung seines Lebens steckt. In der Pubertät massierte er seine Nase. tat das aber in einer Ausstellungskritik. »Max. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 53 Könnte ich dich packen. Immer endet es in der einzigen. Mit erzählten Häusern ließ Suhrkamp. wie unsereines. einen SPD-Mann . einen Politiker. Und dann. der damals die Schweizer entzückte: »Es ist einfach keine Zeit dafür. Volker Hage cheln sich in einer Schaufensterscheibe Das fertige Haus erfuhr er als Ärgernis. da muss jedes Interview ein Knüller werden. und schwieg. in einem Hotel irgendwo in der deutschen Provinz. doch leicht ins Irreale – vielleicht sei der See im Max Frisch lieber ist ihm die Nuance. eine Frau. Einmal war es die Frage »Wären Sie gerne Ihre eigene Frau?«. Archive. Zum Beispiel die Frage: »Wenn Sie einen Toten sehen: welche seiner Hoffnungen kommen Ihnen belanglos vor. ZeitFrisch hat Besuch von der toten Mutter lebens hat ihn der Gedanke an den Suizid und unterhält sich beim Frühstück mit begleitet. Das Fazit ist leider niederschmetternd: Ich habe keine Seele aufgeschlossen. Sie blieb bei ihrem Mann und den Kindern und lebte zugleich in aller Freiheit mit Frisch die offene Ehe. che Vielfalt des Möglichen« der Eindeutiggefangen«. wovon ich da unten beim Grenzstein reden könnte. Der Kierkegaard. konnte man den Gesichtern ablesen. In die herbstliche Luft über Kimche. wirklich weiterführen kann. will einen Schutzschirm aufbauen. Man duzt sich. Es brauchte Schütts Ohren und Quellenkenntnis. Was dachte der Soldat Max Frisch so viele Bilder des Au. 256 S. Von Matt deutet das Feuilleton mit begann. zum Schluss zu Stiller. Biographie Max Frisch.. Hier der erst apolitische. klagte Frisch 1946.das Meer. interessante Frage. nicht: ein Buch. Erstmals sehen wir Madeleine Seigner mit Frisch auf Korsika.auch vier antisemitische Sätze auf dem Kerbholz se« – findet er zu sich. Es kam kein Name. So bleibe ich auf dem halben Wege doch sitzen. etwa mit einer Frage wie: »Welche Hoffnungen haben Sie aufgegeben?« Das Scheitern begann in der Regel mit einem Moment der Stille. will ein Bild von sich entwerfen. wenn nicht davon. dann bisweilen tenzialistischen Frisch. drei unveröffentlichte Gespräche Hages mit Frisch. Wir sehen die Zeichnungen des Hauses. das Haus in der Schrift hingegen verlieh Frisch könnte ich diese Scheibe einboxen und dich packen. durch ein Zeitungsfeuilleton aus dem Jahr Schütt zeichnet Linien zu den Ver1942. dass uns kein Denken. Das erste Haus geistert schicken. in nicht untergegangen. 15. Er fühlte sich 1935 sehr weit ins deutsche Wesen ein. Überraschend ihre Skizze eines exis. die als »Gnade« empfindet. die diesen im Stiller so sehr faszinierte. Bevor er den Namen sagen konnte. Abb. er habe sich einmal ein Messer gekauft. Die Schwester des Regisseurs Benno Besson und die Mutter von Frischs letzter Lebensgefährtin Karin Pilliod war bislang fast unbekannt. man trennt sich. fassbar. zuletzt. um einen Menschen zu töten.Verhältnis zur Schweiz. Meine 25 Jahre mit Max Frisch: Ich kann nur von zwei bemerkenswerten Ereignissen erzählen. Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich. eine Essay-Sammlung und ein Bildband erhellen uns die Welt des Max Frisch VON ANDREAS ISENSCHMID »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT W N och nie konnten sich die Leser von erstaunlichen Essay das Meer.« Wie viele 34-Jährige schrieben mit dieser Klarheit? Alle Wege Frischs beschreibt Schütt umsichtig: den in die Ehe und ins Zürcher Bürgertum. ob diese Fragen nicht der eigentliche Schlüssel zu seiner Biografie sind. unverrückbar. der die Wende bedeutet. aber hilflosen Gewissheit. Bald schon gleich ist Schütt im Meer seines Materials steht sein Haus. vor Wirtschaftsführern. die und zeichnet in einem New Yorker Café journalistischen Anfänge. Die freiesten und amüsantesten. ja.von Matt. empnach dem Tod des Vaters. wie sie den Unendlich verwickelt war für alle Zeiten Frischs Stiller zu Pirandellos Roman Mattia Pascal in Be. der sich imaginativ mit seieines Aufstiegs. die gebauten aber starrten Berlin 2011. (Hrsg.« ersten journalistischen Arbeiten schon da. bin ich aufgewacht. die nächsten 25 Jahre. Auschwitz. Auf einigen Seite ist dieser Band getrüffelt mit unpuhinreißenden Seiten entfaltete er die blizierten Frisch-Zitaten. nach der Michel Friedman. Er ist seiner Sache Wiesen. wenn es uns nicht einfach an Vorstellung fehlt. seinen élan vital. schrieb Frisch im Moment weiter schwebt es durchs Totenreich. »Ich komfliegt es durch Raum und Zeit. Frischs er sich als lebendig«. der ein Mörder ist. den durch den Kalten Krieg. was er des nationalen Gewissens. das der Frischianer im Jubiläumsjahr neben sich haben sollte.. Als er. Osten gar kein See. mit diesen Nachrichten fertig werden soll.FEUILLETON LITERATUR 12. in New England. Klischees hervorzuholen. Schütt nimmt. um vom einen zum anderen zu geVor »dem ihm auf den Leib gerückten Tod erfährt langen.Frisch angesichts der Kriegsgefahr? »Entweder übertors machen. die sich vordem nur aus dem Buch kannte.und Berg. In der Ereignislosigkeit der rüd chauvinistische Frisch der dreißiger Jahre. Noch kein Jahr ist es her. vielleicht stehe das Biographie eines Schütts Frisch ist im Verhältnis zu sich Haus »weiter im Norden«. Dann verschiebt er sein Haus Julian Schütt: diskret. Fangen wir an. – eine Bewegung der Angst. Wie sah Madeleine Seigner aus? Das zeigt Volker Hages opulenter Bildband. in Seenähe. keit des Wirklichen weichen musste. Gemälde von Otto Dix. 25 Jahre Fragen von Max Frisch. weil ich immer wieder denke. und ich weiß nicht.. Die 350 Seiten. Ich werde also weiterhin das blaue SuhrkampTaschenbuch mitnehmen. wenn ich einen prominenten Menschen interviewe. darüber müsse man mal nachdenken. und er stand auf. über den Tod. Schon als Kind fühlte sich Frisch de traf. Interviewpartner heutzutage wollen Fragen abwehren. ich dachte daran. Beatrice von Matts Aufsätze folgen der im Gedankenstrich abbrechende Satz. ja. dass Frischs verständnisvolle Schilderung des »deutschen Wesens« in seinem Schwanken »zwischen Minderwertigkeitsangst und übersteigertem Selbstbewusstsein« ein verdecktes Selbstporträt war. man kitschelt und geschäftelt nicht neben Sterbebetten. Frisch beschreibt darin. Schade wäre es. Natürlich stellte ich die Mord-Frage. viel Besuch kommt. 1960er Jahre Kultur sehr merkwürdige Sätze über die Emigranten in der Schweiz von sich gegeben. Seite für nem Sterben aussöhnte. das von Matt ausgegraben hat. einige Seiten 595 S. Max. Als Glücksdimension sie werden in einen Zusammenhang voller Nuancen dieses Existenzialismus erweist von Matt in einem gesetzt. Hoffnung und Heimat. Schütt kennt die Fantasie eines »Lebensabendhauses«. »Ich lebe aus keinem eigenen Verlass heraus«. ja. Veranda«.. ja. und auch sonst nichts. dass sich Frisch durch die fünfziger Jahre »immer von neuem in Madeleine Seigner verliebte«. und die vierte Frage hieß »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Immer wieder unterbricht Frisch die 432 Seiten seines Tagebuches mit Frageblöcken. um das erste Aufklingen des kritischen Frisch der fünfziger Jahre zu hören. die auf keine WänExistenzkampf geworfen wurdest«. die den gezeigten Antisemitismus »empörend« nannte und angesichts ausdruckslos betrachtender Berliner sagte: »Wir bewundern solche Disziplin. sympathisierte er keine Sekunde mit den Schweizer Nazianhängern. Interessante Frage. Zuden dreizehn Zimmern«. Und er erzählt am Tag. Ich habe sie dabei. tat er es sogleich mit dem »Ich als souplesse: »Die Arbeit als Architekt hat Währung«. Teufel. ihm Flügel .90 € ihn an. Max. den zu den großen Dramen. Die Enthüllung der Liebe zu Madeleine SeignerBesson ist eine der schönsten Trouvaillen bei Schütt. um sie zu verlängern. Zürich der Bruder als Grund von Max’ Depressionen. geradezu zu singen begann: »Ja. Man könnte nun lange darüber nachdenken. Frisch wollte als Jugendlicher Nationaltorwart werden. Max!« Suizid – ein Spiel. in dessen Frühstücksraum ich am nächsten Morgen sehr früh ein Interview führen sollte mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. will etwas verkaufen. fürchtete aber. sondern: kein Bildnis machen« experimen. das um diese Dinge herumgeht. Als das Haus fertig war. Die Stille meiner Interviewpartner verschwand in einer anderen Wahrheit: Wer heute interviewt wird. Immer denke: Diese Fragen sind ein derartiger Knüller. man würde ihn wegen seines zu großen Penis auslachen. zu schreiben fand Frisch Scham. der soldatischen Grenzwacht – »Stahlgewitter à la Suis. das Buch. die Irrungen »den Grundriss der hölzernen Villa mit und Wirrungen der dreißiger Jahre. Dort der sozialistische Humanist in der Rolle son-Leser entdeckt in der Wirklichkeit. jetzt erzähle er mir was. es nicht gerade ein anderes auf Erden gab. Schütt fand in einer Rezension die Quellen von Frischs Deutschenbild. beginnt er setzt vieles in neues Licht – den Vater. Etwa ein Drittel der 291 Fotos sind Erstveröffentlichungen. me ja aus einem Morast von Ressentiment wird zum Dementen.): Max zu. da zeigten Das wichtigste Buch zum Frisch-Jubiläum ist die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch den alten ohne Zweifel Julian Schütts Max Frisch. das Haus zu einem Berlin 2011. Er und sein Spiegelbild läFrisch definitiv zum Schreiben geführt.Nagel & Noch in den sechziger Jahren vermutete richten soll. eine höchst politische und psychologische Zeitchronik der Jahre 1966 bis 1971 zu beginnen. die Briefe. wie er mit seinem Beatrice von zweiflungen Frischs.. die es gibt. seines Triumphs mit dem Stiller. geprägt.« Schließlich hat Schütt den Text gefunden. ja. Immer denke: Die Tiefe der Gedanken wird den Weg in jedes Bewusstsein weisen.« Pause. sind das Meisterstück seines Buches.hat. »Lidice. Max Frisch hat sich diese Fragen selbst gestellt. Schütt zeigt.) Buchenwald bei Weimar. dass ich seit nun 25 Jahren die Fragen von Max Frisch dabeihabe. will etwas loswerden und nichts ergründen. selbst oft schmerzlich zerrissen. Max Frisch machte es so: Er stellte in seinem Tagebuch einen Fragebogen an den Anfang. 24. Obstbäume in den Tapeten«. falsche Fährten legen. Er sagte noch. Ich saß damit vor Politikern. wollte er in der Beatrice von Matt zum Frisch-Jubiläum ersten Fassung in den gelingenden Suizid publiziert hat. as es nicht alles für Möglichkeiten gegeben hätte. Wie sich selbst will er fortan unangenehme Sätze werden nicht unterschlagen. als Hitlers Angriff drohte und der »28jährige Bursche« nur dachte »Schade wäre es. (. als ich in sein Gesicht blickte. Postkarten des Soldaten Frisch. klima – aufpassen!« Den Stiller.90 € Schicksal. voll einer milden und herbstlich in die Welt hinaus und in einen einsamen versponnenen Sonne.. oder haben sie schon nichts mehr zu unterdrücken?« Es musste Schütt kommen.. dem Impuls. über Geld.. Frisch Suhrkamp. die Zeugen.« tiert hat. Freundschaft.

den Spuren bis Tokyo nachzujagen. Eigentlich hätte Straub immer dann ein Fest zu feiern.. deErden sind. versucht.. die Industrialisierung auf dem Gipfel und Nietzsche die Höhe der unantastbaren Individualität ihrer seine unzeitgemäßen Betrachtungen schrieb. Ich lebe in Österreich.. leiht sich dort Furor und Polemik. Goldt wird Ende Mai in Wien sein. will Eberhard Straub nicht anerkennen. dass man eine Verwandt. wie viele Zitronen gebraucht würden. wie man es vom Kleid her kennt. Einzelexemplare gebracht hat.und Grimms Wörterbuch weist sage und schreiTauschverhältnissen des kapitalistischen be sechzehn Spalten allein für das Adjektiv Warenverkehrs. Probleme auf. Das ist schade. Im Zitieren reißt man sich eine fremde Originalität unter den Nagel. und zwiren Autoren sich dadurch auszeichnen. Da ist der moderne Buch. Straub operiert also im Wesentlichen mit Nietzsche und Marx. ein Talent zur nachten und Krieg zu verstehen. die humanistische Tradition. wollen zugleich Erfreuliches und Nützliches über das Leben sagen. Die Schönheit des Buches ist warenästhetisch gemeint: Es ist in einem Gelb gehalten. eine Zitrone so mit Drähten zu verstöpseln. ändert wenig. Angriff auf die Würde des Menschen. Mangas und Wissenssendungen. 8. der gemäß TierKolumnen so: »Kolumnen sind Meinungspfleger die zufriedensten Menschen auf beiträge in journalistischen Medien. ein Stil und eine Haltung heim. bevor Besuch kommt‹ oder ›Die Überbevölkerung sind alle. hat der Abendlanddenker Eberhard Straub zutragen. Schließlich bleiben saurer Regen. der namens Zimbo Rowohlt Verlag. ist für nicht wenige Wiener aufregend. Es sei heute unmöglich. dekliniert er in Tarmac die Apokalypse durch. Straub sieht die formale Reinheit der rechtlichen Regel durch bloße Meinungen überlagert.« Die Wikiquote im Internet hält sich nicht daran. dass der Autor auf sie Wert legt. wenn das Bier alle ist‹. und das geht am besten. Dann verlässt die Handlung vollends den Bereich des Wahrscheinlichen: Der 17. der so treffend formuliert. Aus demselben Jahrhundert stammt die zweite.kann man darüber.54 12. warum es besser ist. Im Kolumnenkasten toben sich die Menschen und ihre Meinungen aus. jemanden zu zitieren. sagte ich. und es ist plump. Das Ergebnis: »Die Sauerfruchtproduktion Floridas über einen Zeitraum von 6000 Jahren. Dafür jongliert er mit Bibelzitaten. die europäische Aufklärung. Die Dichter. den 17. Was man von Goldt Nützliches lernen kann. folgt die Volte: ». nicht zuletzt bei Max Goldt. dem Individuum seine Wertsetzun. keine Tyrannen.schichte. kreiert abstruseste Querverbindungen und schafft es so. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR Warten auf das Ende In »Tarmac« beschreibt Nicolas Dickner seine apokalyptische Generation VON CATHARINA KOLLER ickey ist mehr als fasziniert von Hope: Während die anderen im Chemieunterricht noch versuchen. Sehr schön ist das Taschenbuch Max Goldt: Ein Buch namens Zimbo (rororo 25569). eine positive Idee des Menschen verbindlich zu machen. Juli 2001. »Wir hatten so lange auf den Weltuntergang gewartet. aber selten gleichzeitige Abwesenheit von großer Liebe. Da denkt der Ideenhistoriker aus dem Geist des 19. was da verhandelt wird. die einst durch Heinrich Heine in die deutsche Welt kam. setzt Hope auf den Zufall und erwürfelt ihr Datum. Da kommt Als ich einmal in Definitionslaune war. Der Markt generiert den »wert« auf. Tatsächlich liegt ein Schwerpunkt der Überlegung in jener Zeit vor 1900. da die Geschichtlichkeit. schen Zufriedenheit und Glück zu unterdass sie unverhohlen nach Zustimmung Max Goldt: Ein Buch scheiden. deren Verteidigung bekommt sogar die 173 S. Deshalb klingt immer nach frühem 20.« den Schlaumeiern und Sprücheklopfern Unter anderem aus diesem Ton. wenn die Atombombe einschlägt? »Vorkriegsgeneration« nennt der frankokanadische Autor Nicolas Dickner. Sie zitiert Max Goldt.. in einem Comic liest Hope von einer prophetischen Schrift mit ebenjenem Datum – Grund genug. einen Kolumnisten genannt hat.« Diese absurde Rechnung drückt das Ringen um Greifbarkeit dessen aus. dass Strom fließt. Ozonloch und Jahrtausendwende. 249 S. zehn für das Substantiv und einzelnen Wert und das System der Werte. sich zu entwickeln. 17. Sie verlieren an Wert in ebendem Maße. mehr lemiker auszeichnet. und er schreibt ein Buch über Die Tyrannei der Werte.. die sich durchsetzen und andere niedermachen wollen. Jahrgang 1972. hilft das christliche Menschenbild. Sie sind so nahe an Platons Ideen wie an Auch immer gerne mit dem AntikapitalisRabattmarken. gebeten darauf. eine Sünde wider bend wirkt der Naturalismus der Biowis.99 € Der Skepsis fallen ganze Kategorien zum schaft zwischen großen österreichischen Opfer: »Der Alltag ist eine inzwischen etwas Traditionen und Max Goldt behaupten abgenutzte essayistische Kategorie – ich kann. zitiert gerne teste Kandidat dafür. Für Hopes Familie gilt das seit Generationen. schließe ich un. Ebendies. in Tarmac – Apokalypse für Anfänger seine Altersgenossen. Max Goldt nicht zu zitieren? Es liegt auf der Hand. weil sie es nicht bis auf M Die Zuckerstückchenedition Heutzutage kommen wir Kritiker mit ein paar Gesten gut über die Runden. Wenn man demnächst bei Laune ist. spielerischer. stellt Mickey fest. Sie können nerven. Er zieht eine Guerillataktik vor. taucht an allerhand zu geißeln. Und wenn dies dann als Wertesubstanz des Grundgesetzes aufgerufen wird.« nach Karl Kraus klingt. die handfestere Deduktion der Ent-Wertung von Fraglosigkeiten: Die Marxsche politische Ökonomie erkennt die Abhängigkeit einer jeden Wertschöpfung von der Mehrwertproduktion und jeder Wertsetzung vom Handeln auf dem Markt. talität und der Wertherschen gelben hosen. Jahrhundert. was damit eigentlich gemeint ist. nämlich der sentimensenschaften mit seinem deterministischen Klett-Cotta. bezieht sich auch bei Goldt erfahren. die in den Ausläufern des Kalten Krieges mit dem Warten auf die Katastrophe aufwachsen. Andererseits haben Goldts Schriften die Eigenschaft. . »Von Max Goldt entzückt sein« ist zum Beispiel so eine Geste. Sie sind Joker. Eberhard Straub ist ein strategischer GedankenGebildet im Sinne verschwenderischer Zitatkunst anarchist. überlassen. Weihmanierierter Umgang mit ihm. Goethe und die Weltliteratur und alles zusammen oder in verschiedenen Legierungen. die Dich H TASC ENB U CH Was ist kanarienvogelgelb wie das Kleid der Queen? Richtig: Max Goldts neues Geschenk-Büchlein nicht lieben‹ oder ›Wein ist. was uns quer zum herrschenden Kartell und verbündet sich frommt und uns belästigt.. aber anderes zählt: Während Dickner in seinem viel gelobten Debüt Nikolski Landkarten und Piratenlegenden mit Phänomenen des Informationszeitalters kurzschließt. dass er Teil unserer DNS geworden war«. Das Buch empfiehlt sich als Geschenk. Die sogenannte Respektlosigkeit. Bei Stuttgart 2010. definiert Nach einer Überlegung. die einen Po.Eberhard Das Lemma lautet »werther(i)sch« und ist Straub: wie folgt belegt: »es wäre nicht nur eine gen aufzuzwingen. und diese spezifische Originalität von Max Goldt kommt nicht zuletzt daher. vor und nach dem Kapimit seinen Feinden bis zur Ununterscheidbarkeit. wie er sich selbst zitiert: »Ich sollte eine private Zuckerstückchenedition herausbringen mit aphoristischen Definitionen. talismus. sollte man weitergeben.199 S. dass sie gut unterhalten. um die Energie einer Atombombe zu erreichen. hat damit etwas Gediegenes in der Hand! Das gelbe Buch ist mit einem Zitat von Karlo Tobler versehen: »Zitiere nie Max Goldt zum Scherz. list alter Schule sieht Straub den Begriff des Wertes geprägt von den Produktions.95 € das lustige pläsier mutwillig zu zerstören« (Wilhelm Raabe). M. Tierwelt ihr Fett ab. Sie sind religiös und numemus Marxscher Prägung. Wie ein Materiarisch zu fassen. Vor diesem schrillen Plot wirken die Figuren Hope und Mickey pubertär blass. vierunddreißig Spalten für Komposita von über das eine Gesellschaft sich organisiert. Max Goldt. Das kann man an politischen Diskussionen sehen. Jahrhunderts. »Wertabstufung« bis »Wertzuwachs« – zuStraub fahndet nach weiteren Kandidaten sammen fast so wertvoll wie ein kleines für seine Angriffslust. wollen wir in diesem Moment ihrer Leser gieren. auch ihre Liebesgeschichte wagt nicht so recht. Wenn nichts mehr hilft. was man trinkt. was man macht. mal an der moralischen Empörung gescheitert.« furchterregenden Polemik. Er tut dies nach Art einer negativen Theologie. Ebendas passiert aber nach diversen Stemmversuchen von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende bis zur Ausländerpolitik des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch kaum mehr. verflüssigt hätten.. 2011. 19. Tarmac über ein bloßes Generationsporträt hinausreichen zu lassen. wenn man es zitiert. Juli ist plötzlich Mindesthaltbarkeitsdatum auf sämtlichen Packungen japanischer Instantnudeln. als Neurasthenie als Krankheit Mode war. überschlägt sie bereits. Sie sind so gut wie alles. und das wußte nie genau. wenn wieder einmal deutsche Leitkultur ausgerufen wird.90 € Im Zorn geschrieben Eberhard Straubs Essay »Zur Tyrannei der Werte« vibriert vor Angriffslust erte stehen in einem schlechten Ruf. Der schönste Eintrag darunter ist Staat. / denn er fühlt wie du den Schmerz. nicht töten. was jede Vorstellungskraft übersteigt: Was passiert. der auf immer weiteren Feldern zweifellos der unmittelbar vor »Werthöhe«. Dass der Fall der Berliner Mauer das Ende der atomaren Bedrohung einleitet.Zur Tyrannei impolitesse gewesen. hieß es bei Horaz. weil er als Bildungsbürger alter Schule um die Anerkennung von Derivaten ehemals tauglicher Allgemeinbegriffe ringt. aber von Artistik eleSo wirbelt man einen Haufen philosophischer gant im Zaum gehalten. Und das auch noch in jener Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie. aber auch nicht schlecht belehren. den man gegen seinen Willen ebenfalls auf das vermeintlich geistig Überlegene. einem Land der allzu einflussreichen Kolumnisten. wenn sie sich dem Punkt der Letztbegründung nähern. Frankfurt a. dann treibt es einem Polemiker alteuropäischer Provenienz wie dem Journalisten Eberhard Straub die Zornesfalten ins Gesicht. Wer wenig Geld hat. Um dem Warten auf diesen Wahn zu entgehen. Einem Familienfluch gleich offenbaren sich jedem Familienmitglied in der Pubertät exaktes Datum und Hergang des Weltuntergangs.« Kann man aus dem herauslesen. Und aktuell zorntrei. das die englische Königin zur Hochzeit ihres Enkels trug. doch die Werte sind der schlechunerwarteten Stellen der Geschichte auf. FRANZ SCHUH .Reinbek 2011. der sich hütet. der Relativismus und damit der Nihilismus alles.der Werte den heiligen geist. auch die Ideen und Vorstellungen des Zusammenlebens. Nicolas Dickner: Tarmac – Apokalypse für Anfänger FVA. die Differenzierung der Gesellschaft und die Ironisierung aller Verhältnisse. aus einer historischen oder und höherer Kavaliersreisen in die europäische Geintellektuellen Festung heraus seine Angriffe vor. die es hier einst unter Alltag sei heutzutage wohl so etwas wie die gab: scharfer Verstand. wie sie beschworen werden. Nicht nur deshalb lobt man VON HUBERT WINKELS W heute statt traditioneller Werte lieber kompetitive Stärken. wie ›Aufräumen ist. Die neuen alten Werte sind mal auf der langen Bank des politischen Alltags.

weil der Mann. sieht Margaux darin einen Vertrauensbeweis.len. Die Erzählerin – das ist zumindest die formale »Fiktion« in diesem autobiografischen Buch – ist nicht klüger als die Protagonistin. und nimmt Glücksverantwortung abnimmt und dessen Gegensich das Leben.ist das zu analytisch gedacht. und ein seltsames weißes Licht umstrahlte sein Gesicht wie eine Korona.Lebens hat Peter leichtes Spiel. irdische und himmlische Liebe auf perfide Weise in eins gesetzt. Margaux nur einmal durchatmen und eine Moral von der und Peter sehen sich fast täglich. um antwortungsbewusster und verallgemeinerungs. der ihr die pädophilen Taten auffliegen könnten. Und wenn dem Geschicht formulieren könnten. nen und muss sich regelmäßig in die PsyA. Das ist ein heftiger Stoff. die in ihrer nur sehr schlecht umgehen. indem sie ihm Zugang zu Sex gewährt Generationen verfolgen. dann betrachtet sie ihn mit den Augen der Siebenjährigen. das Buch überhaupt geschrieben zu haben? Diese Haltung läuft darauf hinaus. dass es jemanden gibt. um ihre ihr noch nicht widerfahren ist). Während sich die 12-jährige Margaux glücklich geborgen in Peters Arme kuschelt. in der das Geheimnis. Margaux schafft es über. Schrecklich deshalb. er bietet Emozäh und papieren.oder verweigert. der eine Politik der expliziten Offenheit verfolgt. Zumal es totale mediale Unschuld nicht gibt. Tiger aber nicht. die sie erbringt. hinterlässt er eine Schneise der VerwüsNachgeschichte.auf als die Faktizität ihrer Lebensgeschichte. die Reflexionsgeschich. die a. sondern Fragoso beschreibt ihr vergangenes Leben so. und bevor die Erzählerin und der Leser auch autistischen Verkapselung herausreißt. dass mit Peter etwas schon vorbei. Ungedullich und flüssig zu erzählen. schaltet. d. in dem Fragoso mit einigen psychologischen. Angesichts dieser Dauerhölle des häuslichen raschender Weise aufs College. tief verwurzelten Muster von Leiden und einem gefällt oder nicht) und dass sie Macht über Missbrauch aufzubrechen. ist das Buch auch Vater der Verdacht kommt. die Autorin ist dann 23 Jahre alt. Sie schreibt nicht: »Dieser Schuft. Das Buch hat 460 Seiten. Ein Vorwurf lautete: Die Autorin setze darauf. als wäre die Geschichdas Alter der Erzählerin und das Alter te in unserer eigenen Nachbarschaft der Protagonistin langsam annähern. Im Suff Tod. mit einer dig wartet er deshalb darauf. Als das Buch in der englischsprachigen Welt erschien. in denen sie. Tiger. die unserem Bedürfnis nach begrifflicher ebenso emotionale. Als er stehenblieb. 24. hat meine Einsamkeit bösartig ausgenutzt. als mit Peters FVA. Margaux liest den 23. Ernst: Alles im Leben ist ein Tauschgeschäft. wenn sie Wie Peter diesen moralischen Eisie ohne den Einsatz auffälliger literarigenkosmos rhetorisch aufbaut und wie scher Darstellungsformen erzählt. Tiger hat die Autorin Margaux Fragoso. Margaux einen Ort takt zu Peter. was auch andere tun. was nicht sein darf. ist das Buch auch gender Familienvater in die Brust zu schon fast vorbei. (weil etwas Besseres als dieses Schlimme aber Schriftstellerin genug. Leser. in Gänze. chiatrie einweisen lassen. geht sie mit Peter in eine Kirche. Er zeichnet dem jungen Mädchen ein schlimmes Bild der Welt. und sie setzt diese Macht ein. Das liest sich aber so sagen: Das ist doch nur sein Trick. aber auch keine schlechte. ohne es zu publizieren? Natürlich. und die beiden zelebrieren ihre geheime Hochzeit. Selbst der Eremit in der Wüste wehrt sich nicht gegen Berichterstattung . wenn Peter und Margaux sich Pornos anschauen. dass sie weiß. indem sie das Ungeheuerliche des Vorgangs nicht kommentierend benennt und aufbricht. Peter ist dabei ein Meister des moralischen Diskurses. dass nicht aufgeschrieben werden darf. Und dafür andere Formen zu wählen. die unbewusst ahnt. Und kann man sie kritisieren. über das. was Margaux habe. um sich am nächsten Tag als sorte beginnen könnte. dass ein Erwachsener sie ernst nimmt und mit ihr im Wasserbecken spielt. Zum Ende hin geht ohnehin alles sehr schnell. wie du bist. Peter sei wort. zuverlässig schweigt und nicht »Verrat« übt. Sie geben ihr das Gefühl. sagt Peter zu ihr. schleuderte mich herum und freute sich dabei wie ein kleines Kind. Das heißt. zum kostbaren Rückzugsraum von Vertrauen und Nähe wird. passiert. Margaux Fragoso kann man nicht vorwerfen.nicht links liegen lassen. Wenn man so will – und manche Kritiker hat das an diesem Buch sehr empört – reproduziert Fragoso erzählend noch einmal die Unwahrheit und Ungerechtigkeit. lange er mich attraktiv findet.« Das ist bestimmt ein ver. auch Sie versteht vom Schreiben so viel.« Und noch als Peter. Auch diese Loslösungsgeschichte wäre interessant. klemmte mich unter seinen Arm. aber auch einen ersten Freund. wie sie es im jeweiligen Alter wahrgenommen hat.werfen. Hätte sie. Ihre Erlebnisse also nicht mehr Tiger Margaux’ Mutter leidet an Depressionur notiert. als ein Eigentum zu verfügen. anschauden Leser schwer erträglich. damit Margaux lernt. Es liegt aber auch ein moralisches Recht darin. das Buch nicht einfach für sich schreiben können. sondern tiert. In dem Moment. Margaux fühlt sich in dieser Kompli. Fragoso: Tiger. weil er sich an den gemeinsamen Töchtern vergangen habe. der weitaus längste Teil erzählt von den 14 Jahren. Ich werde ihm nicht gleichschichte ohne Generalisierungsanspruch zu erzäh. Das ist grauenvoll.dass sie für die Wahrheit zu schwach ist. Es gibt dann tatsächlich noch ein kurzes Nach. Ich tue doch nur. ihre damaligen Erlebnisse werden nicht durch retrospektive Einsichten gedeutet oder erklärt. Peter der Zurückgezogenheit und Zärtlichkeit zu bieten. Zusammen lesen sie auch Nabokovs Lolita und das gibt ihnen ein ähnliches Gefühl des Aufgehobenseins in größeren Kontexten.464 S. was einem widerfahren ist. »so Margaux Fragoso hat Literaturwissenschaft und tun.« Stattdessen beschreibt sie die Schwimmbadszene so: »Dann schnappte mich (Peter).]: Brian Shumway/Redux/laif . Die erzählt Tiger. ist ein trauriger und zugleich gewalttätiger Charakter. ist für Biografie angemessen präzise. doch das Einzige. sagt die Mutter. wurde deshalb angeregt. mit dem sie ein Ge. Das Verallgemeinern überlässt Fragoso dem zenschaft als moralisches Subjekt ernst genommen. der jungen Margaux als ein Engel erscheint. ihre eigene sexuelle Missbrauchsgeschichte aufgeschrieben. Teil der Gesellschaft zu sein.« Ein Kinderschänder im Glorienschein der Erlösung. solange ich sein Begehren wecke. sagt er.Margaux machen kann. beginnend im Alter von sieben Jahren. Margaux vermacht er seinen alten wart die Tochter aus ihrer sozialen Isolierung und Mazda. Frankfurt Margaux’ Vater. er sei also ganz in VON IJOMA MANGOLD I Darf in einer Geschichte über sexuellen Missbrauch das Wort Liebe vorkommen? ihrer Hand. Das alles ist kaum zu ertragen. sich mit dem Thema ins Gerede zu bringen. die meine Familie seit Peter hat. als der offizielle psycho-pädagogische Diskurs den Opfern andient. ein intimes Verhältnis zu dem mehr als 40 Jahre älteren Peter hatte. Tiger ist ein gutes Beispiel damit es endlich zu einem Bewusstdafür. kein Akt der Veröffentlichung ist frei davon. Wenn Margaux das erste Mal ihrem späteren Peiniger Peter im Freibad von Union City in New Jersey begegnet.. ein Pädophiler. dass sich Unmittelbarkeit. Roman. sie hat weiter Kon.FEUILLETON LITERATUR 12. dass seine erste Frau ihn verlassen habe. geboren Ende der siebziger Jahre. so lange wird er mich Tiger liegt eben darin. dass ich dass sie der Zugänglichkeit und Transparenz ihrer dich genau so sehen will. Foto [M.. Sie zwängt ihm keine anderen Botschaften Sie hat ja sonst niemanden. weil Margaux diese Filme liebt. als wären wir auf unserem eigenen kleinen Kreatives Schreiben studiert. Seine körperlichen Interessen werden als metaphysische Liebesbedürftigkeit überhöht. Von einem intendierten medialen Hype war die Rede. aber die Eindringlichkeit von Tiger. der sie als Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt. dass es ein Tauschverhältnis ist (aber mal im schreiben meiner Erinnerungen habe ich versucht. die aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt und glücklich ist. Als Außenstehender würde man Klärung entgegenkommen. Treue heißt für ihn. Ich liebe dich so sehr. weil die Gesellschaft diese Art der Liebe nicht zulasse. Fragoso erzählt streng aus der Perspektive der Protagonistin. er hat Angst. hingegen kann mit ihrer neuen Selbstständigkeit Geschickt baut er die Mutter mit ein.gaux. das sie teilen. therapeutischen und juristischen Kategorien hanPeter sucht nicht nur sexuelle Intimität. wie Gott dich tende Schriftstellerin. Doch diese Position verweigert der Andrea Fischer. sondern reflektiert. Ich möchte dich so sehen. Auch deine Füße. ob es die alten. nur eine individuelle Ge. Psalm: »Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.. ihr gesteht. was Frauen Männern bieten. Engl. Als Margaux 14 ist. 2011. wie diese Filme zeigen. Anders sich Margaux darin glücklich einrichtet ausgedrückt: Sie ist keine große Stilistin. Sie ist keine bedeuPlaneten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 55 Das Maximum an Liebe Perfide Einheit von sexuellem Missbrauch und Geborgenheit: Margaux Fragoso erzählt die Geschichte ihrer zerstörten Kindheit n Tiger. v.90 € tung. aber doch in seiner psychologischen Detailarbeit höchst aufschlussreich. heimnis teilt. dass Margaux über die sexuellen Dienste.gültig sein. Er stillt mein Verlangen. war die Welt aus dem Gleichgewicht geraten. Das sagt sich immer schnell.« Geschichte den größten Dienst erweist. stehen dem Leser die Haare zu Berge. dass seine Apathie froh ist. Sie ist dann Teil einer symbolischen Ordnung. Zwar weiß auch Marbau dann doch wertschätzen: »Durch das Nieder.Peter dauerhaft emotional an sich zu binden: Sofähiger Satz. publizistischen Nutzen aus einem Erlebnis zu schlagen. den der Leser als einen Teufel erkennt. wie mir heute klar ist. und die Lektüre ist beklemmend. sie hätte der Faktizität ihrer Geschichte etwas grell Inszeniertes hinzugefügt. »Wir wollen«. wie Literatur fremde Erfahrung seinssprung kommt und sich die Autounserem eigenen Bewusstsein zugänglich rin bewertend in die Vorgänge ein. weil dieses pädophile Ausnutzungsverhältnis tatsächlich das Maximum an Glück für das arme Kind darstellt. hat es für viele Diskussionen gesorgt. M. deine Kniekehlen. Die fürchterlichsten Momente dieses Buches sind die Videositzungen. dass wir Fragosos grundsätzlichen tionalität im Tausch für Sexualität! Aber vielleicht Verzicht auf einen diskursiv-pädagogischen Über. geschaffen hat. der als scheinbarer Glücksbote seines Opfers auftritt: Dieses Verfahren sorgt für eine bedrückende Lektüre. Ihr Mann. Erst mit Peters Selbstmord kann sich Margaux langsam aus dieser Bindung lösen. nicht stimmt. Sie könne ihn ja jederzeit ins Gefängnis bringen.

« Das reiche dieser Mann in dem blauen Blazer und dem weit heute aus. St.14 €/Min. Jan-Martin Wiarda Die ZEIT der Leser: Dr.de Pariser Redaktion: Gero von Randow. Dr. Jutta Schein. Anna Marohn. Gerd Bucerius † Ijoma Mangold. Birgit Vester.schieritz@zeit. Kaum jemand. E-Mail: archiv@zeit. Lisa Wolk. hielt sich Gunter Schlachtenszene von Eugène Delacroix. Tropez. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer. Redaktionsleiterin). Jürgen von Politik: Bernd Ulrich (verantwortlich). Tel. aber Sachs blieb wach. Dr. Moritz äbe es ihn. Skulpturen von ineinander bezeichnete. Englewood NJ 7631. stets stilvoll.: 0091-96-50 80 66 77. E-Mail: jochen. de * 0. aus dem deutschen Mobilfunknetz Abonnement für Österreich Schweiz restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice 20080 Hamburg Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Tropez gewiss in die engere ten.50. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. rue Cambronne. Sonja Mohr. Wie es hinter seine Factory seit knapp dem Horizont weiterging. 0014259) is published weekly by Zeitverlag. Dagny Lüdemann. Grobkörnige Bilder.20 ISSN: 0044-2070 Fotos: (Ausschnitt) Rainer Binder (großes Foto). Bevor er auf Reisen ging. Kornkamp 11.Luise Hauch-Fleck. Washington. C. Rue de la Loi 155.bittner@zeit. Anette Schweizer (Reisen). Er. Marie. Rainer Esser Verlagsleitung: Stefanie Hauer Vertrieb: Jürgen Jacobs Marketing: Nils von der Kall Presse. Iris Mainka (verantwortlich). der anderen Seite der Bucht Mit Ehefrau Mirja. John F. Nun ja. das Zelt einzurollen und ein winddichtes liebt den Geretteten. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik).40. Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart. Fax: 030/59 00 00 39.M. dass Vielleicht waren es zwölf.zeit. spiele. Dr. Nele Heitmeyer. Hanno Rauterberg. Tel. Oliver Nagel. Stefanie Flamm. Ob er ben. seine Honorare reichte er weiter schenk des Königs von Marokko. Susanne Gaschke (verantwortlich). Wolfgang Gehrmann. h. Postmaster: Send address changes to: DIE ZEIT. sagen jene. Ulrich Schnabel. Ruten berg. Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr.70. 20079 Hamburg. Dietmar H. wo immer er konnte. sein Studio. Matthias Breitinger (Auto). Irgendwann an seine Frau und ihre Stiftung Kinder in Not.de Europa-Redaktion: Dr. 1955 Kostümball mit Mirja. das stets frei von Konventionen gewesen sei.56 12. kleiner als eine ein Bonmot nachsichtig abwarten. noch einmal zu. Fax: 069/24 24 49 63. E-Mail: michael. E-Mail: stefan. Handynummer – das war alles. webiegt er ein in Richtung Moderne. Tina Klopp. Ulrich Bahnsen.schirmer@zeit. wenn nicht Glück verlassene Freunde. Suite 851. befand er. Prof. 50. AssistenSt. Dr. Politischer Korrespondent: Lamparter. Dieter Buhl. Fotoredaktion: Michael Biedowicz (verantwortlich) Özlem Topçu.de Abonnement Jahresabonnement € 187. dann käme sein Anwesen in den Weg machten. Was bleibt? Die Astrologie! Von ihr war er übersich vollendet.42 €/Min. vom Bojen vor sich hin dümpelten. der mit irPalm Springs. Ich fünf Jahren eine große Foto-Ausstellung in St. Schweiz CHF 7. Urs Willmann Tomas Nieder berg haus. Dr. frei von Konventionen: Der großzügige Lebenskünstler Gunter Sachs ist tot VON HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS St. KG. Ein Leben habe Roger Vadim.riedl@zeit. Er konnte nicht dem höchsten Scheidungsrisiko. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. rutschte ihm die Bemerkung heraus: »Ihr müsst wissen. Italien € 5. Thomas E. Christine Meffert Internationaler Korrespondent: Matthias Naß (Textchefin). 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Residence Palace.00. zwei Bodyguards engagiert. Beim Dinner durch schickte er auf eisaß er in der Mitte des groner altmodischen Postkarßen Tisches. Konto-Nr. Petra Pinzler. Reinhard Bardoux. Mitglied der Chefredaktion). Klaus-D.. Adrian Pohr (Video). Dr. Jutta Hoffritz. Dr. 20045. die nicht mehr hier. war Extrovertiertheit schickte eine Mail. Khuê Pham. Karsten Polke-Majewski (Stellv.de. E-Mail: gero. Heuser (verantwortlich). Tel. Dr. Peter Dausend. Arnavutköy 34345. Axel Kuhlmann Anzeigenstruktur: Helmut Michaelis Anzeigen: Preisliste Nr. Broadway. Tel Aviv. Rainer Esser. Tina Groll (Karriere). Tel. 01067 Dresden.50. Vor wenigen Wochen kam seinem Esprit und seiner Eleganz die Nachkriegs. die Begegnungen mit Dalí und in Gstaad tot aufgefunden haben. die er in wähnt. Frank Siemienski. Christoph Drösser Dr.1 Megapixel. E-Mail: reiner. Titelgeschichten: Hanns-Bruno Kammertöns (Koordination) Ilka Piepgras. Dr. Rabea Weihser (Musik). BLZ 200 100 20 Börsenpflichtblatt: An allen acht deutschen Wertpapierbörsen ZEIT-LESERSERVICE Leserbriefe Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Es war wie eine das gefiel ihm. Chris tian Schmidt.20.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto.deren Anvertrauten. Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer. klären. All die Cocktailpartys! »Mein Gott! jetzt geschah. Domenika Ahlrichs (Stellv.20. dischen Gütern reicher gewieder Gstaad. Dr. E-Mail: angela. Kerstin Bund. Helmut Schmidt Dr. Volker Ullrich Berater der Art-Direktion: Mirko Borsche Art-Direktion: Haika Hinze (verantwortlich). Postbank Hamburg. Bildbearbeitung: Anke Brinks.30. Kw. Mariam Lau. Angela Köckritz. Englewood NJ 07631 Telefon: 001-201/871 10 10 Fax: 001-201/871 08 70 E-Mail: subscribe@glpnews. Petersburg. Gisela Dachs. Dr. Dr. Parvin Sadigh (Gesellschaft).00.de.besorgte Anwälte. 129 00 02 07. »Spanien womöglich«. das erschoss sich. 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Moritz Müller-Wirth Michael Allmaier. René Dettmann. Elisabeth Niejahr Dorotheenstraße 33.Reihen im Blick. Tropez.: 0044-7802/50 04 97. Tel. Christoph Dowe (Geschäftsf. 1972 Bei Dreharbeiten in Norwegen. Peter Kümmel. Delia Wilms Infografik: Gisela Breuer.20. was dann kam – diese Frage wollte er gelegentlich 30 Jahren. Heike Faller. hatte lange ein Beduinenzelt gestanden. Kerstin Kohlenberg. Bernd Ulrich Christiane Schott Chef vom Dienst: Chancen: Thomas Kerstan (verantwortlich).luyken@zeit. M. einfach zu lange her. Ein Selbstgefühl sei es gewesen. die Häuser mit einem zu den Surrealisten – Sachs ist angekommen. 1969 Gunter Sachs (1932–2011) im Jahr 1972 in St. Irgendwann mit 14 Jahren. »Ich habe die meisten zum Leuchtturm. A-1090 Wien. Perger. Birgit Schönau. Tschechische Republik CZK 175.wünsche mir keine Vollendung. Dr. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Der Letzte seiner Art Ein Mann. die sich von München aus mit ihm auf Eden. Anna Kemper. Wo. Rüdiger Jungbluth. Wenke Husmann . Josef Joffe Kulturreporter: Dr.Sachs gern in Gstaad auf.: 0043-664/426 93 79. Er sammler. wie er sie Wahl. Kurhessenstr. KG. E-Mail: johnf. Alexander Schwabe (Chef/-in vom Dienst).thumann@zeit. Zwischensegnet war. Seine Fotos im Marmorpalast des Russischen Museums! Gut und gerne 100 Paswww. Stefan Willeke (verantwortlich). Wasser. Christian Spiller (Sport). wie es auch ist jetzt das Wichtigste in sein Vater getan hatte. Trend versuchen. Arne Storn.95.de Wochenschau: Ulrich Stock (verantwortlich) Geschichte: Benedikt Erenz (verantwortlich).de/audio Foto: R. wie er es wollte. die Ballettmädchen von De. Andrea Böhm.« Was hast du aus deinem Leben gemacht? Die Gehäuse aufzustellen. Thomas Groß. E-Mail: joachim. Jörg Burger. Petra Kipphoff. war er glücklich? Schräg hinter seinem Pool konnten. M3B 1Y8 Telefon: 001-416/391 41 92 Fax: 001-416/391 41 94 E-Mail: info@gcnews. Luxemburg € 4. Dr. der mit seinem Vieux Chalet. die Armada der Luxusjachten. Afrika war es nicht. doch ruhig mal öfter anzurufen. weil er sich da sicher Aufforderung.00.noch einmal eine Nachricht. Filme.de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404.. Klaus Harpprecht. Daniel Angeli/Agence Angeli (r.20. Ungarn HUF 1605. Dr.00 per annum. Nina Grunen berg. Schmidt (Kulturkorres pondent). Anfang der Neun. Chef redakteur). Katrin Hörnlein Feuilleton: Jens Jessen/Moritz Müller-Wirth (verantwortlich). Ludwig Greven. Buceriusstraße. Chefredakteurin). 0. Helga Ernst. Alzheimer.koeckritz@zeit. Dossier: Dr. Subscription price for the USA is $ 270. Jasmin Müller-Stoy (Koordina tion Außen politik).) Foto (Ausschnitt): BOTTI/STILLS/GAMMA/laif G . Philipp Schultz. Zu. für Studenten € 119. einen irdischen Garten sagiere.P. Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich).de Washingtoner Redaktion: Martin Klingst.: 0032-2/230 30 82. murmelgeöffneten Hemd gewiss einiges zu sagen gehabt. Redakteur). Vielleicht war es ein erstes Zeichen für das. Hamburg Geschäftsführer: Dr. Tanja und Kirstin. Periodicals postage is paid at Englewood NJ 07631 and additional mailing offices. Der entschied Gunter Sachs. Marcus Rohwetter.und Öffentlichkeitsarbeit: Silvie Rundel Herstellung/Schlussgrafik: Wolfgang Wagener (verantwortlich). Als er vor verwirklicht. CH-5400 Baden. Frida Thurm (Nachrichten). Patrik Schwarz. Steffen Richter (Meinu ng). Frank reich € 5.de © Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Griechenland € 5. So verharrte er. 56 vom 1. Zufrieden sah er dann aus. Metallkräne.« Gunter Sachs tersburg eröffnete. Wolfgang Ucha tius Götz Hamann (Koordination Unternehmen). Niederlande € 4. Auch hier war Platz für mal er ja gern um die Häuser zieht. Ulrich Greiner. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft).de.: 069/24 24 49 62. Vorn das Geäst der und von seinem Platz ganz hinten hatte er alle alten Olivenbäume. Schweden SEK 61. Ostra-Allee 18. 940 National Press Building. Er ersteht seinen ersten Druck. Dem Mann. Aus der Schublade seines Schreibtisches lange konnte er jemandem zuhören. 129110 Moskau. Kronengasse 10. meinem Leben!« Wie bei so manchem Eilig ist sein Leben imkreativen Geist verbarg mer gewesen. Ulrich Ladurner. Bartholomäus Grill. V. Jörg Lau. Tel. 20 Millionen Daten. Katja Nico de mus.. unerhörten Blick auf die Bucht.20. Dorothee Schöndorf. E-Mail: martin. war ein großzügiger Mann. die Gunter ihm die legendären Geschichten. Slowakei € 6. Dagmar Rosenfeld. E-Mail: mark. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich). Aagaard/Keystone Pressedienst Foto (Ausschnitt): Rudar/StudioX Foto: Keystone/Picture-Alliance/dpa Foto: Monti Bild/Keystone Pressedienst Junge Leser: Dr.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur).de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann.eine astrologische Kraft. Lon don. Dabei hätte Zigarettenschachtel. BLZ 600 400 71. 20095 Hamburg Telefon: 040/32 80-0 Fax: 040/32 71 11 E-Mail: DieZeit@zeit. Tel. Fax: 00972-3/525 03 49. Christian Bangel. in sicherer Entfer.und Winnetou-Bildern ist komplett. Im Flugzeug dösten die beiHäuser an der Plage de Pampelonne hatte er einen den Guards vor sich hin. womöglich werde er es weiter gegen den mit Cowboy. 75015 Paris. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. Mechthild Fortmann. Eine Assistentin zeit so viel heller machte. dass man und kündigte einen Abvom Platz des Hausherrn stecher in sein Atelier südaus den Leuchtturm auf lich von München an. Pe. Ehemalige Models. 1040 Brüssel. Es sei keine Kurz. Martin Spiewak. Wolfgang Lechner (verantwortlich) ZEITmagazin: Christoph Amend (Chefredakteur).randow@zeit. »ein buntes Völkchen«. Reisen). Peking. Frank Drieschner. Ontario. aber dann schickte er wieder einen Brief aus musste man ihn schon fragen.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen. Carolin Ströbele (Leitung: Kultur.de ZEIT Online GmbH: www. Kai Biermann (Digital/Wissen). Tel.de. Aber. seine Weggefährten. KG. David Hugendick (Literatur). den er an lein.kleinen Tunnel verbunden. Jochen Bittner. Roland Kirbach.Leben!« Es klang wie ein Schwur! Vielleicht waren schlusshandlung gewesen. Moritz. Wolfgang Büscher.com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel.10. Christian Denso. Jetzt. Fabian Mohr (Entwicklung. Jessica Braun. Für diese Reise hatte er. durften mit ihm rechnen. Gstaad. Hans Schuh-Tschan (Wissenschaft). Portugal € 5. Umgeben von Freunden. Erwin Koch. ZEIT Campus).: 030/59 00 48-7. Finnland € 6. K. 10117 Berlin. Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse. zwölf in meinem ganzen man seinen Schritt akzeptiert. Claus Spahn. dahinter. Rom. seinem Vater gehörte die Fichtel Dinge. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. Kanarische Inseln € 5. 1987 MM 14. Meike Fries (Studium). Tel. Es folgen Picasso bleu und rose. die er sich immer gemacht hatte.von. Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) Tanja Stelzer (Stellv. August 1966 St. Gunhild Lütge. 1966 Mit Brigitte Bardot. Nicole Hausmann. Achiltibuie by Ullapool. Davina Domanski. Harro Albrecht. charterte er ein Flugzeug für wurde 78 Jahre alt. Gerhard Jör der.niger technisch. Er hatte Geld.00. Istanbul. Claudia Schiffer als »Heldin«. Alexandra Endres. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). 19. Mit welchem Sternzeichen wird eine Selbstdiagnose. Reporter: Dr. Pascal Struckmann. der ewige Kümmerer. Sina Giesecke. 10004 New York. 39. Sascha Venohr (Entwicklung) Geschäftsführer: Dr. D. Video. Freunde. Kirsten Haake. E-Mail: blumegeorg@yahoo. »12. da er tot ist. 11. Hin und wieder wischte er sich mit der rechten Hand über die Nase und schaute hinaus rück an einen Satz im Flugzeug damals bei der Reise nach St. Martina Schories (Bild. Heinrich Wefing Redaktion ZEITmagazin: Dorotheenstraße 33. Franziska Kelch (Community). E-Mail: leserbriefe@zeit. Matthias Stolz. den Computer eingab.: 001-212/269 34 38. Art-Direktorin: Katja Kollmann Matthias Krupa. E-Mail: peer.teuwsen@zeit. Dr. Tel. aus dem deutschen Festnetz.weniger für sich. Karin Geil. Scheinwerfer und Fotos. Arnfrid Schenk. man besonders gern Jurist. Sieling (i. Er auf die ZEIT zukam. der so auste Grüße aus Bora Bora gerichtet war. Christian Tenbrock Autoren: Dr. Christoph Dieckmann. von denen ich geträumt habe. vielleicht auch. Tribut an das Alter seiner Frage beschäftigte ihn mit zunehmendem Alter Freunde – und an das eigene. 4 –6. Posta kutusu 2. holte Sachs eine Kamera hervor. die an den half. wer ist am wenigsten mehr so wirken und leben.: 0351/48 64 24 05. aber er war an diesem Ort auch gern albei Gelegenheit auch mit einem Tiger. Daniel Erk (Online) Alice Bota. die er in seinem Abschiedsbrief er.: 030/59 00 48-0. Fax: 040/32 80-404. 525 52 52.Häuer. Srednjaja Perejaslaws ka ja 14. was immer mehr. Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich). ein Ge. Belgien € 4. Er habe sich befreien wollen von dieser zeugt. kein fachärztlicher Befund. Sebastian Horn. Anne Fritsch. Tilman Steffen. Seine gletscherfarbenen Haare fielen ihm braune Elfenkörper unter Wüstensonne. Konto-Nr. gemeinsam verantwortlich.: 0044-2073/54 47 00. Uwe J. welches verbindet sich mit Aber Sachs hatte sich entschieden.00. Eschersheimer Landstr. Markus Horeld (Politik). kommt die Erinnerung zufühlte. Christian Röpke Verlag und Redaktion: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Jan Roß Gestaltung: Nina Bengtson. Kein Vergleich zu der Mühe. Philip Faigle. alle. Tel. Theo Sommer (Editor-at-Large).: 007-495/680 03 85. Sabine Etzold. in den letzten Jahren je glücklich war? Er hätte legte er in seinem Tempo doch allen Grund gehabt. Anzeigen: DIE ZEIT. er nickte. Slowenien € 5.20. Reiner Luyken. der nung. Steffen Dobbert. Fax: 007-495/974 17 90 Österreich-Seiten: Joachim Riedl.Dank dafür? Gunter Sachs wusste: »Der Retter ziger. Fritz Vorholz Reporter: Tina Hildebrandt. Michael Schlieben (Reporter). Tillmann Prüfer (Style Director). Susanne Mayer (Sachbuch). eine verehrte Bob Wilson. Fax: 030/59 00 00 40 Frankfurter Redaktion: Mark Schieritz (Finanzmarkt). Sven Stockrahm. Gunter Sachs. 60322 Frankfurt a. Tel. max. Hartmut Neitzel. Jungclaussen. Jana Simon. Layout). mit verwunschenen Bildern.70. Dafür danke ich dem Schicksal. Blumengas.com Einzelverkaufspreis Deutschland: € 4. Werner A. Neu-Delhi. Österreich € 4. Sabine Rückert. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG. Manchmal meldete er sich über Monate der Leine führt.klingst@zeit. GLP.). Stefan Schmitt.: German Language Pub. Adam Sobo czynski (Koordination).

berichtet der Soziologe Todd Gitlin. ohne sie gesehen zu haben. KonUSA noch von der EU regiert lässt das Volk zum werden. dann wüssten sie nichts. »Die Befehle waren ziemlich als Kamelschlacht bekannt geworden ist und den unmissverständlich«. während ihre Eltern Lieder und neoliberalen Wirtschaftspolitik von Mubaraks Sohn Reden anhören. sei ein seit Langem bestehendes Problem. »Sie haben die Pyramiden noch nicht besichtigt?«. Zum ersten Mal im Lange schämten sich Leben sind wir stolz darauf. warum selbst hat sich das Militär vorbildlich verhalten. wenn sich der Bildungsstand in Ägypten nicht verbessert. fragt mich Mohammed. Jahrhundert floss selbst der Nil anders. die Präsidentwieder aufgenommen – um sicherzustellen. was Aufklärung ist.« Was aber bedeutet Aufklärung in einem Land von immer noch solcher Religiosität. wurde mir in dem Moment klar. der es von der Polizei zurückerhält. als hätte man keine Adresse. als verGründe zurück. weil sie keinen Grundrechtekatalog enthielt. der Revolution der sicherste Ort. gibt er zes entfernt liegt Zemalek. Diese Verbeslassen sich die ägyptische Fahne serungen sind im Wesentlichen der aufs Gesicht malen.ständige Sushi unter belaubtem Pavillon. aber die Pyramiden sind etwas anderes. der sich taktvoll jeden Anflugs von Selbstgefälligkeit enthält. Das Leben der Frauen hier ist hart.« kommt die Antwort unverzüglich: »Geht mit gutem Nicht weit vom Staub und Lärm des Tahrir-PlatBeispiel voran. aus Furcht.tausend Minarette oder das pulsierende Herz des Panlich verankert habe? arabismus. Diese Woche fanden sich 1200 Menschen zu einer Bürgerversammlung über Wasserpolitik ein. »Er war es. obwohl wir ihre Völker sumgüter sind leichter zu bekomersten Mal Selbstvon Herzen lieben. erzählt Bassem über das Massaker. – »Ich bin in Ägypten. der die Scharia zur Grundlage des ägyptischen Rechts erhebt. Auf der anderen. sagt Amr mit Blick auf die SelbstverbrenFurcht befreien«.« Ich kaufe ein paar Schlüsselanhänger. in der Wüste zu schlafen. sagt Amr.« Der Mann ist halb so alt wie ich und weiß wie viele seiner Mitstreiter nicht nur so viel mehr über uns. meinen Benjamin Franklin und sogar meinen Elbridge Gerry.« Es hat die Anhänger der säkularen Opposition sie nicht in Demokratie unterstützt und den Befehl erteilt. die sich um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen bemühen.schlossene Wirtschaft bedrohten. als wir über sie wissen. dass der ägyptische Antisemitismus tiefere Wurzeln hat als die Ablehnung der israelischen Politik. dem äußeren Anschein zum tion hätten die Ägypter.« Auf dem Bild Israels als des ewigen Feindes beruht die Macht der Armee. ob ägyptische Männer Angst vor Frauen haben. dass die Revolution in den Händen nahmen die Kontrolle des Militärs über eine gedes Volkes bleibt. Decken ihn frage. aber er hat auch die Pharaonen adoptiert. erklärt. 50 Prozent jedoch die säkulare WAFD-Partei bevorzugen. erzählt Dalia. d. warum sich schnaufpause wurden die Freitagsdemonstrationen die Armee seinem Versuch widersetzte. die apathischste Gruppe in diesem Land. die Amr viel mehr beunruhigt. der der Armee Fesseln anlegen möchte: Sie ist.schiedene Leute vorschlugen. »die einzige funktionierende Institution in diesem gottverlassenen Land«. Wasser. als wir selbst es tun. Amr glaubt.meine Kontaktpersonen. er weiß sogar mehr über uns. Ich liebe es. »Sie hatten sich orga. würde nicht einer eine Frau im Präsidentenamt akzeptieren. Kinder sind allgegenwärtig. es gibt zu viele Wachmänner rund um doch waren wir zugleich überzeugt. Er verlegte sich auf ein Studium der Politischen Philosophie an der AinShams-Universität in Kairo. mit all den Sternen am Himmel. was der Westen schon fast vergessen hat. die sie am Tag des Referendums durchführte. dass dies das Gegenteil von Aufklärung ist. sagt Bassem Sabry. vor der Revolu. Julian Roeder/Ostkreuz [M. auf der sie von Martin Luther King hörte.« Sie war inspiriert und begann. 818 Männern«. So viel zur islamistischen Ablehnung der Götzenverehrung. die in Ehren halten. Sie übersetzte einen Comic über den Montgomery-Busboykott ins Arabische. um anschließend mit einem Doktorandenstipendium an die Universität von Chicago zu gehen. jenem umstrittenen Verfassungszusatz. dessen jüngste Entscheidung im Fall »Widersprüchliche Identitäten«.« Seine waren Beduinen. »Die Islamisten geben Anlass zur Sorge«. als sie einen Aufsatzwettbewerb gewann und zu einer Konferenz in Kairo eingeladen wurde. die die Armee. »Bis zu ist erschwinglich«. und alle machen mit. dass die politische Macht der Fundamentalisten wachsen wird. Unsere Anknüpfungspunkte ans alte Ägypten sind also äußerst dürftig. Ahmed Saled. Zugleich ist es eine Pervertierung der Vernunft: Eine einfache Erklärung für alles Böse in der Welt muss her. sich in einem der geschenken zu misstrauen. Zwar beeindruckt sie die Festschreibung des Religionsgesetzes in dem kürzlich abgehaltenen Verfassungsreferendum nicht. von heute aus gefragt: Sind die jüngsten Nachrichten aus Kairo über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen der charakteristische Ausdruck für ein Land im Umbruch? Ich glaube eher nicht. Stammten die Präsidentschaftswahlen. wollte ich wissen: Wie sieht sie aus in Kairos staubigen Straßen? Oder. fand aber stattdessen eine ermutigende Situation vor«. und wenn der Revolution hat er wenig Arbeit. »Auch Obama muss sich in der Kirche zeigen«. »In Ägypten erfahren wir von Malcolm X. Als ältester Sohn.ziere setzten ihre Vorgesetzten unter Druck. sich mit ihren eigenen Problemen zu befassen. der die Demonstranten bindungen bis zu demokratischen antrieb. »Yes nehmen und die Geduld nachlässt. Die Leute schauen in die Sonne und bensbedingungen verbessern. Sie schenkt mir ein ungläubiges Lächeln. meinen James Madison. »Das Referendum (zur Änderung der Verfassung. »Es sollte ein Wendepunkt der Revolution darstellte. Die Ägypter blicken auf Jahrhunderte guter im Rest von Kairo. ein anderes leiter in Mohamed ElBaradeis Wahlkampfteam für einen großartigen Blick über den Nil. doch seine Kant-Lektüre überzeugte ihn davon. Zurzeit besichtigen mehr Ägypter als ausländische Touristen die Pyramiden. wie so viele Völker. oder hat we can«. um das Freude ist nicht das einzige unübersehbare Gefühl Heft nur noch fester in der Hand zu halten? Nicht auf dem Tahrir-Platz. den wirtschaftlichen Status der Familie zu festigen. aber und anderen antiken Sehenswürdigkeiten führt. die man nun haben müsse. außer einigen Busladungen an Briten von närrischer Unerschütterlichkeit sind es vor allem Liebespaare. Ich frage sie. »Ägypten war ein mutloses den dortigen Aufstand auslöste. Und will ich wirklich meine Wurzeln in einer autokratischen Sklavenhaltergesellschaft entdecken?« Ekramy sieht das anders. bestand darin. »Man roch zweites Tiananmen werden. die in Stein verwandelt wurden‹. als sich uns auf dem Tahrir-Platz arme Frauen anschlossen.« Die Korruption in Ägypten. »Kant hat mein Leben verändert«. Ägypdass der Lebensstandard seit 2005 viele Ägypter ihres ter zu sein. »Es fehlt ihnen an nichts. steht auf der einen Seite. Dalia Ziada leitet das Nordafrikabüro der Amerikanisch-Islamischen Konferenz. die Bausch und Bogen ablehnen. Mohammed und Mustafa haben mir angeboten. »und es war während dieser Revolution schämten wir uns alles Ägyptischen. rechnen in Jahrzehnten. der die Verfassung nicht unterzeichnete. Die Erfahrung ist die Kluft zwischen den Reichsauf dem Tahrir-Platz ein Transten und den Ärmsten in Ägypten parent: »Wir wollen weder von den der Revolution geringer als in den USA.« dass im Westen alles besser funkDie wirtschaftlichen Ungleichtionierte – von den Internetverheiten waren ein Faktor in dem Der neue Stolz Unmut. Als man die Statuen fand. sagt Bassem. dass er die Ägypter davon ablenkt.« Dalia sagt auch. die sich seit Langem mit der Aufklärung beschäftigt. wie die Muslimbruderschaft Gefühle ausnutzt: Sagt Ja zu Allah. »Sie wollen die Regierung nicht übernehmen«. erzählt er mir. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 57 Gegenwärtig besuchen viele Ägypter. ein junger Filmproduzent. dass seine MaßOrganisatoren. ein enttäuschendes Ergebnis: Von 1300 Teilnehmern. Tatsächlich Landes.Häuser auf Zemalek stehen in so scharfem Gegensatz stützung. aus den wohlhabendsten Familien? »Zemalek sismus der Kolonialmächte verinnerlicht. wie der Westen Ägypten helfen kann. ten Staaten. das Tahrir-Platz zu eröffnen.« Hunderte kamen ums Le. Was für die Menschen zählte. »Das sind meine Großväter.« Ekramy. sondern auch eine große jüdische Gemeinschaft einschließt und ihrer Meinung nach mit einer muslimisch fundierten Kultur vereinbar sei – während die jüngsten Angriffe auf Kopten eine Anomalie darstellten. ergänzt Dalia. Junge Männer spazieren Hand in Hand mit ihren in farbenfrohen Hijabs gewandeten Frauen umher. sagt Mohammed. nur nicht zu seinen zaghaften agnostizistischen Tendenzen? Auch die westliche Aufklärung war nie so religionsfeindlich wie allgemein angenommen. uns hier nicht. das Feuer auf die Demonstranten am der Gestank«. aber dessen Lauf vor zweihundert Jahren geändert wurde.« Je nachdem. die die Sphinx beäugen. nannte man sie ›die Leute. Für Kant überstieg die Erkenntnis Gottes die menschlichen Fähigkeiten. »Ich würde immer noch meinen Thomas Jefferson brauchen. sagt Dalia. der Mossad stünde hinter den jüngsten Haiangriffen im Roten Meer. erwidert Amr. die Mittagshitze zu greifen. den Motiven von Fremden mit Gast. die ihre Enkelin die Stufen der Pyramide hinabführt. dass Ägypten auf eine lange Tradition des religiösen Pluralismus zurückblickt. musste am eigenen Leib eine Genitalverstümmelung erleben – doch diese Praxis auszumerzen ist nur eines ihrer Ziele. sondern aus Patriotismus unterstützt man Mütter tragen Plakate mit Bildern ihrer Söhne. dass ich nicht weiß. heißt Antisemitismus. und sie scheint ihn so köstlich wie unmöglich zu finden.« Dennoch ergab eine Befragung.« Gibt es eine antike Zivilisation. kontrolliert das Militär zwischen 30 und 40 Prozent der Volkswirtschaft. die genügend Nahrung. »Tunesien ist ganz ginnt mit der Bitte: »Möge Gott unsere Herzen von anders«. die Stadt der Unternehmen den Verkauf politischer Ämter gesetz. Sie ist Direktorin des EinsteinForums in Potsdam Fotos: Katja Hoffmann/laif (o. »Aber sie sind eher wie die Republikaner im US-Kongress.« Im versmogten Kairo ist kein einziger Stern zu sehen. vertrieb ihn in Ägypten und im Jemen und schloss sich mit anderen Aktivisten zusammen. sagt Ekramy. »wenn man den Sonnenaufgang sehen kann.« Kleinlaut räume ich ein.« Als ich die Einzigen. und Autos ausgelassene Stimmung. aber die jüngeren Offinichts mehr außer Blut. ich wäre Alexander Hamilton«. der Kolonialismus reicht dortigen Cafés zu treffen. »Als ich nach Kairo kam. »In Kairo arbeiten Land«. Die allgemeine Freude ist in der nung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. Vom Fremdenführer bis zum politischen Aktivisten sprach jeder Ägypter. mit einer in Zeiten politischer Umwälzungen seltenen Reife von der Geduld. aber kaum ausländische Touristen die Pyramiden »Kant hat mein Leben verändert« Was ist Aufklärung? Die Philosophin SUSAN NEIMAN reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen. um in Ägypten zu erkunden. doch sind sich alle einig. »Hier wird Politik gemacht. von wem die Schätzung stammt. »Sie wissen gar nichts über die Juden. ich sehe sogar eine stattliche Frau mit einem Gesichtsschleier. den Ras. hatte er Ingenieurwissenschaften studiert. und dennoch entwickelte er die tiefe und hintergründige Vorstellung eines vernünftigen Glaubens. »Die Revolution hat das Bild der Menschen jemanden. Einer der Gründe. »Vor dem 19. Anm. zu. Ist es aber überhaupt eine Revolution. Heute sorgt sich Dalia vor allem darum. »Nehmen wir einmal an. bis Ägypten die Art von gebildeter Öffentlichkeit hervorgebracht hat.« Die gepflegten Gärten und prächtigen Diese jungen Wortführer verdienen jede Unter. doch bereut er ihr Eigentum konfisziert würde. die eine ben. wenn du deine Großväter hasst? Das ist. dass er sein Leben nicht auf instrumentelle Erwägungen gründen wollte. mir die Pyramiden und die Sphinx zu zeigen. die Erwartungen zuins Licht. sie waren den nationalen Diskurs nach rechts drängen. dem es oblag. »Wer bist du.Bürger gut zu behandeln.) hat gezeigt. aber die meisten sagen auch. Ekramy möchte mich sogar zum Essen einladen. der Aufstieg der Muslimbruderschaft aber beunruhigt sie. sagt Amr Bargisi. doch wären es ohne die Muslimbruderschaft Rebellion innerhalb der Armee befürchteten. Nichtsdestotrotz bestanden die Aufklärer des 18. aber nie von King. dieser Gedanke ist neu für sie. »Wir Citizens United über die Wahlkampfwerbung von wissen nie.« Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Zuletzt erschien von der Amerikanerin Susan Neiman »Moralische Klarheit«. die nisiert. wie Amr formuliert. das Datum der Revolution. Als Philosophin. wer Elbridge Gerry war. »Anfangs galt meine Sorge weniger der moralischen Dimension als dem Umstand. Geld wollen sie keines für den Tagestrip.Gamal zu verdanken. um den Tahrir-Platz zu verteidigen. Dalias Leben erfuhr 2006 eine Wende. Ob wohl auch Ägypter die Pyramiden besichtigen? »Am schönsten ist es um fünf Uhr morgens«. dass es noch Jahrzehnte dauern wird.« Unlängst verkündete merklich gestiegen ist. Das öffentliche Mittagsgebet be. Red. Die Polizei jagte Zwar grollten viele Menschen dem Imperialismus. Viele Menschen trauern noch. »Am schlimmsten war weigerte. besonders seitdem sie den Befehl vergenau hier ermordet wurden. und die Juden erfüllen diesen Zweck. um die Revolution zu sehen. in Ägypten ein mutiger Schritt. von der sich für die Neuerfindung von Traditionen zehren ließe? »Die ägyptische Zivilisation ist eine französische Erfindung«. Seit nicht als Gemüsehändler auf der Straße.). dass die patriarchalischen Strukturen tief verankert sind.FEUILLETON 12. die wie die meisten Frauen in Ägypten mit einem Hijab den Kopf bedeckt. Sie können nicht abreisen. die Methoden des gewaltlosen Kampfes zu erlernen und weiterzuvermitteln. Die Schattenseite. Aber sie arbeiten daran: Dalia hat Programme ins Leben gerufen. sagen die schaft zu übernehmen.« Revon sich selbst verändert«. meint ein Kairoer. dass ich überrascht war. Ohne dieses Bild verlöre sie ihren Daseinszweck. nur sollte sie möglichst geräuscharm aus. Wir beide wissen. Die jüngste Umfrage ergab. Jahrhunderts auf der Trennung von Kirche und Staat. »Dass es ernst war mit der Revolution. »Achten Sie volutionen brechen mit Vorliebe aus. rechnete ich mit einer postrevolutionären Malaise. ob wir Paris am Nil sind. sagt Amr.] .Trotz. »Niemand weiß das«. Im heutigen Ägypten jedoch gibt sich selbst der liberale Präsidentschaftskandidat ElBaradei als Befürworter von Artikel 2 zu erkennen. »482 Frauen. die eine liberale Demokratie ermöglicht. die Armee einfach einen Herrscher abgesetzt. Voltaire zog gegen den Machtmissbrauch des Klerus zu Felde. und selbst die. die Häuser der Reichen. Nach einer mehrwöchigen Ver. Ein Restaurant bietet anbis in Kleopatras Tage zurück. verfasste aber auch herrliche Lobgesänge auf den Deismus. um arme Frauen über ihr Wahlrecht und gebildete Frauen über Wahlkampfmethoden aufzuklären. Institutionen.« men als früher: Klimaanlagen sind bewusstsein spüren Auf dem Tahrir-Platz herrscht kein Luxusartikel mehr.um eine Kopie der Île Saint-Louis zu erschaffen. war ein Stück Land und etwas Wasser. Er hat Artikel gegen den Antisemitismus publiziert. dass einer meiner Gesprächspartner sich bereitwillig zu jedem beliebigen Thema zitieren lassen wollte. also gibt es Verrücktheiten wie die Behauptung. Die fromme Muslimin. Diese Leute werden nicht einfach wieder einschlafen. der nicht nur die Kopten. Programmleiter der »Ägyptischen Union der liberalen Jugend«. was sei mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinig. der Touristen zu den Pyramiden Hochschulabsolventen vielleicht als Kellner. Jeder hier hält einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina für eine tragende Säule des Fortschritts im Nahen Osten. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch I m April brach ich auf. dass zwar 38 Prozent der Ägypter für eine Regierungsbeteiligung der Bruderschaft sind. den ich traf. verfallenden Häusern fallen. auf Arabisch.zu den von Rissen gezeichneten.« – »Die Revolution ist großartig. Gebiets. und Abwehrmaßnahmen mobilisieren konnten. Dalia erinnert mich daran. eine Insel mitten im Nil. Doch begegne ich niemandem. wenn sich Leauf ihre Augen. Seitdem Tausende gewesen – der Hauptgrund.

seine Kunst erzählt von Ermächtigung. Noch heute wohnt diese Erfahrung in seiner Kunst.dukten bestehenden Zivilisationsschrott. Bei ihm ist das Foul kein Regelverstoß. die in ihren bunten Leibchen über den Rasen stürmen. kommendes Jahr wird er. Yellow. Wir sind auf einer zauberischen Insel: Wie sich das Land sanft aus dem Meer erhebt. Weg mit dem Farb. dessen neue Oper Matsukaze vergangene Woche in Brüssel uraufgeführt wurde. Alles ist postkartenschön arrangiert. von dem man denkt. der keine Komponierkon. Ein großer Zauber liegt über der eineinhalbstündigen Brüsseler Uraufführung. auch im richtigen Leben. Es ist ein poetischer Abend der zarten musikalischen Gesten und der kalligrafisch in den Raum gemalten Tänzerbewegungen. an dem der amerikanische Präsident seine Reden zur Lage der Nation hält. sie strahlt immer weiter. so hat sie den leeren Raum mit einem Gewirr aus schwarzen Seilen durchzogen. Hosokawa. Die Musik ist fließende. scheint in seinen Werken genauso bedeutsam zu sein wie das. um stark zu sein: Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. und irgendwann scheint sich die Sonne tatsächlich dem Horizont zu nähern. Doch die eigene Bedeutung scheint ihm unheimlich. scheint sich für diese Kunst der Entsagung zu begeistern.und Formenspeck! Runter mit den Bedeutungspfunden! Nicht wenige Künstler der letzten hundert Jahre waren geniale Diätmeister: Sie entschlackten die Motive. nur um sie später im Hinterhof mit Kerosin zu übergießen und anzuzünden. als es ist. was nicht erklingt. Wunderschön ist Pfeiffers Kunst und wunderschrecklich. Hinzu kommt. so steigen die Klänge aus der Stille auf. die Botschaft. bis nur noch waschbrettstramme Abstraktionen übrig blieben. Er geht sparsam mit den Tönen um. nicht das übliche Gehakel und Geschubse. Gefallene Helden – die Videoinstallation »Caryatid (Red. Das zumindest scheint als Hoffnung in vielen Werken mitzuschwingen: dass nicht nur die Motive. Er will Herrscher sein – und die Betrachter dazu machen. nicht nur in seiner Kunst. auf den berühmten Bildern am Strand. Wir stehen vor einer großen Videoleinwand. »was Natur ist. Das gilt freilich nicht für den Coup. Rhythmus und polyfone Strukturen spielen in seinen Stücken kaum eine Rolle. Sie basiert auf einem zu Recht. Bis zum 1. Er will nicht festgelegt werden auf eine Rolle. Keiner foult schöner Bei ihm zappelt nicht nur Tom Cruise in den Endlosschleifen: Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG D Ein grandioses Schicksalsspinnennetz spannt sich über die Bühne Die Geschichte erzählt das Schicksal der Schwestern Matsukaze und Murasame. Aus fernöstlichem Blickwinkel hingegen ist die Neuvertonung eines Nō-Spiels eine gewagte Tat. Menschen. das ist unübersehbar. die sich winden und krümmen. dass aus dem Kunstschauen ein Kunstschaudern wird. denn diese Theaterform wird streng traditionalistisch und in ihrer Choreografie bis ins kleinste Fingerspreizen unverändert über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben. Wie sich die unendliche Sehnsucht der beiden in Hosokawas Musik vielfädig ausspinnt. der Gesang und der Tanz bringen ihnen am Ende die Erlösung. auf der Documenta in Kassel ausstellen. Mitten in den Berliner Proben zu Die Figuren schweben zwischen Diesseits und Jenseits dieser Oper bebte in Japan die Erde. in großen Bögen sich aufwölbend. für Pop. die wir eben noch für groß und real hielten. für Hollywood-Filme. er entrückt das Vertraute in geradezu mythische Sphären. sondern auch die Betrachter herausfinden aus den vorgestanzten Mustern des Sehens und der Bewunderung. Immer wieder baute er sich solche Miniaturwelten. aber ganz freisprechen von diesem Vorwurf kann man auch seine Matsukaze-Oper nicht. Es geht auch nicht um Bundesligapunkte oder Finaleinzug. was am Ende als Tuschestrich auf dem Papier sichtbar werde. Alles andere hat er aus den Aufnahmen getilgt: die Nummern der Spieler. wie Paul Pfeiffer. Jahrhunderts.anderem als der Utopie. dass Hosokawa sich mit Sasha Waltz und ihrem Berliner Tanzensemble zusammengetan hat.« Er Zitherinstrument Koto spielte. etwa wenn er auf winzigen Bildschirmen viele bekannte Hollywood-Größen zu Hollywood-Zwergen schrumpfen lässt. in der sie verdammt sind. erblickt die Politkulisse im Puppenstubenformat und begreift. dessen Groß. Auch dort sei der Malakt von der geistigen Konzentration bis zu den ausholenden und nachschwingenden Armbewegungen viel umfassender als das. erwarten seinen Auftritt. er sei ein Sonnenuntergang. gelegentlich schwanken die Begrenzungsseile. Er interessiert sich vielmehr für die Eigendynamik der Klänge und weit gespannte melodische Verlaufsformen. Pfeiffer erlöst Marilyn Monroe ebenso wie Michael Jackson oder Muhammad Ali. Und so erkennen manche in seinen Fußballern auch Inbilder der Geworfenheit. um stark zu sein. Er Japan vor allem den aus Autos und Industrieprohat in Freiburg beim Schweizer Kompositionspro. Auch der New Yorker Medienkünstler Paul Pfeiffer. bis sie halb zerdrückt auf dem Gras liegen bleiben. Pfeiffer interessiert sich einzig für den Leib und seine brachialen Verformungen. Hosokawa erklärte.) Dübgen mit viel Feingespür für die Stille zwischen den Versen ins Deutsche übertragen hat. Wir treten näher heran an das Pult – und in diesem Moment ist sie dann doch da. Und in gewissem Sinne ist das auch für die Betrachter eine Erlösung. dass er bei den Bildern aus Hosokawa ist kein altjapanischer Traditionalist. bis man sich sehnsüchtig wünscht. Denn so paradox es klingt: Er ist ein Bildermensch. Sie ist ein bisschen zu schön. Doch nichts geschieht. geschlagen. Solches Streben nach Reduktion und Verdichtung zum Essenziellen ist auch in der Musik von Hosokawa und der Choreografie von Waltz stets zu spüren. Er zählt zwar schon seit etlichen Jahren zu den wichtigsten Video. Bilder von den muskelbepackten Fußballmännern zum Beispiel. Er sieht in seiner musikalischen Arbeit Parallelen zur japanischen Kunst der Kalligrafie. Wo zuvor die Monroe stand. sie gewinnen Kristallines. Das gilt Bezug nehmen sollen. Er will. an dem sich Waltz und Hosokawa versucht haben: Matsukaze und Murasame sind Arbeiterinnen in einer Salzmühle. immer nur Ikonen und Legenden zu sein. als die Leerstellen mit eigenen Bildern zu füllen? Pfeiffer ist eben nicht nur ästhetischer Diätmeister. sich vom irdischen Dasein zu lösen und im buddhistischen Sinne eins mit der Natur zu werden. in Endlosschleife. da ist nun keine Monroe mehr. nie will er sich davon beherrschen lassen. die über ihren Tod hinaus der Liebe zu einem Mann nachhängen und deshalb als unerlöste Geister durch die Welt spuken. Die Illusion zerbirst. Manchmal zappeln aber auch wir. Das Publikum glotzt dennoch gebannt auf den leeren Boxring. Mit gigantischem Aufwand schneidert er ihnen am Computer eine Art digitalen Tarnumhang. Noch das heißeste Spektakel wird bei ihm kalt serviert. ferenz vor der Premiere. sie leuchtet. Keine üppigen Erzählungen mehr. Erst die Musik. Doch geht die Hingabe an das Filigrane und fein Ziselierte auch mit einer gewissen Theaterblässe einher. Keiner foult so hässlich. Zu offenkundig ist die medienkritische Belehrung. Bernd Uhlig (l. die Bannerwerbung. Doch zeigt Pfeiffer glücklicherweise auch ein Talent für das Böse und Absurde. er ist auch ein Trainer der Vorstellungskräfte. Viel Mühe und Zeit investiert er. V Pfeiffer wäre eine solche Deutung schon wieder viel zu pathetisch. getanzt von Sasha Waltz in Brüssel VON CLAUS SPAHN ie Hauptrolle in dieser Oper spielen die Klänge der Natur. zu vordergründig der Versuchsaufbau. er reißt sie aus jener Hölle. Wir hören das Schwirren des Windes in den Bäumen und das Kräuseln der Meereswellen am Ufer. der Feuerball glimmt sehnsuchtsfarben. will keine Medienfigur sein. Bei ihm ist das vergängliche Spiel ewiges Drama: Pfeiffer entzeitlicht seine Szenen. was erklingt. vor Ungeduld.und Fotokünstlern. sehen auf dieser das Pult. so lange. den sich die Bühnenbildnerin Chiharu Shiota für die Zwischenwelt der Schwestern ausgedacht hat. Im Gegenteil. Zurück bleibt der krude Schmerz. Sie haben es nicht getan – auch für seine Oper Matsukaze. Ihre Liebessehnsucht hindert sie daran. gelegentlich rauscht eine Möwe vorbei. wenngleich eine anstrengende. dass Mensch und Natur ehrten Dichters Zeami. enträumlicht sie. Oktober. so fehlt auch hier das Eigentliche. Und schon jetzt richtet ihm die Sammlung Goetz in München eine umsichtig komponierte Retrospektive aus. seine Botschaft. sogar den Ball und die rempelnden Mitspieler. das traditionelle Nō-Theater mache ihn schnell müde. dass nichts zu sehen ist – was bleibt uns also übrig. Selbst der Megastar Tom Cruise wird zum Miniwicht.58 12. wie Paul Pfeiffer. Denn wer durch das Loch sieht. »Wir haben vater ein Ikebana-Lehrer war und dessen Mutter das vergessen«. um den Stoff auch szenisch-choreografisch ganz aus der Gegenwartsperspektive zu entwickeln. Doch sie geht nicht unter. nichts ist zu erblicken. Jahrgang 1966. Und Alis bekannteste Kämpfe finden jetzt ohne ihn statt und ohne seine Gegner.und Waltz hätten lange darüber diskutiert. hat sich in der Hin. Blue)«. ob sie wendung zur westlichen Avantgarde einen neuen in ihrer Produktion auf die aktuellen Ereignisse Zugang zur Kunst seiner Heimat verschafft. den die fessor Klaus Huber studiert und in Stuttgart bei Tsunamiwelle mit sich führte und als TrümmerHelmut Lachenmann. so als hätte eine höhere Macht sie am Wickel und würde sie durch die Luft schleudern und niederwerfen. in vention unhinterfragt lässt. wie die gemächlich untergehende Sonne die Schatten in der Landschaft länger und dunkler werden lässt und wie in der Nacht dann Sturmböen heraufziehen. zitternde und aufbrausende Natur. Hosokawa erzählte in einer PressekonDas hört sich fernöstlich entrückter an. So wie Pfeiffers Fußballheroen jede Ursache abhandenkam. wie zu hören ist. sondern nur blauer Himmel und gischtendes Meer. Drei Monate dauert Pfeiffers Film über den Bau eines Wespennests und noch viel länger sein Sonnenaufgang. der Bildern misstraut. der Katalog kostet 35 Euro Fotos: Thomas Dashuber/Courtesy Sammlung Goetz. irgendjemand möge doch das Licht ausmachen. Schon als Kind hatte Pfeiffer ein großes Faible für Puppenstuben. damit auf seinen Videos und Fotografien am Ende möglichst wenig zu sehen ist. ebenso allerdings die Begeisterung des Betrachters. gefangen in einer der Pfeifferschen Endlosschleifen – für immer muss er dort bäuchlings auf einem Sofa zappeln. Schluss mit dem kalorienreichen Pathos des 19. und unter diesem lässt er sie verschwinden. der seine Schöpfung auslöscht. die in ihrer Musik Befindlichkeiten wild gezackt und kompliziert geschichtet ausleben. Klein Paul liebte die Rolle des Schöpfers. Denn zu sehen ist ja nur. sagte Hosokawa. auch das unübersehbar. immer wieder und wieder. In ihr bewegen sich Barbara Hannigan als Matsukaze und Charlotte Hellekant als Murasame stimmlich wie darstellerisch grandios frei schwebend wie Insektenopfer in einem Schicksalsspinnennetz. nur ein winziges Spähloch in der Leinwand. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Zittern der Natur Zu schön. So kennt man die Kompositionen von Toshio Hosokawa. Doch so groß seine Begeisterung für Massenphänome auch sein mag. nur um im nächsten Moment böse zu straucheln. ganz wie einst Andy Warhol. 2008 ielleicht sollte man die Geschichte der modernen Kunst als große Schlankheitskur verstehen. erledigt. das dort drinnen eine Kamera jene Kleinstwelt filmt. Keiner foult so schön. das die Librettistin Hannah im Einklang leben. Die Klangfarben des Orchesters geben uns ein Bild davon. Der Japaner gehört nicht zu den Komponisten.feld gleichsam vorwurfsvoll am Ufer zurückließ. Wohl auch deshalb scheint er seine Kunst mitunter als Befreiungskommando zu begreifen. . sich stürzend zu verbiegen und irrwitzig zu verrenken.sein Gedächtnis eingebrannt habe. Diese Wand steht für die Grenze zwischen der wirklichen Welt und dem Jenseits. Er hält sich zurück. Dennoch oder gerade deshalb: Die Bilder haften. wachsende. Die beiden Schwestern geben in der Handlung ein Bild für den künstlerischen Prozess. Dem westlichen Betrachter mag das Projekt wie ein Bekenntnis zur japanischen Theatertradition vorkommen. Die Oper handelt auch so von nichts sechshundert Jahre alten Nō-Spiel des in Japan ver. Pfeiffer begeistert sich für Sport.

und wer über 500 000 Euro ausgeben will. die in den vergangenen Jahren extrem reich geworden sind und sich nun das entsprechende Kulturgut leisten wollen: Die neuen Kaiser von China bevorzugen Kaiserliches. 4500 Stück des vierbändigen Auktionskatalogs hatte man in den Wochen zuvor an Interessenten in China verschicken müssen. Dass die vermögenden Chinesen nicht nur an altem Kunsthandwerk interessiert sind. der 1. sondern »nur« das Leben reflektiert. Gut drei Prozent mehr als in den USA. von dem sie erzählt. anders als die Konkurrenten bevorzugte er für die Nagel-Auktionen schon früh solche Lose. Doch sie zeigen das bekannte Europa. und die Art Basel geht nach Hongkong.und Fernsehpublikum der sechziger und siebziger Jahre die Wunder der Welt ins Wohnzimmer. Viele der Arbeiten bekam er geschenkt. der beste Jagdflieger des großen Krieges gelang ihm sogar ein Bestseller. Ihr prominentester Vertreter ist Henri Rousseau. Er war Konsul mehrerer afrikanischer Staaten und ließ überhaupt recht wenig aus in seinem Leben. Gut 300 Chinesen saßen während der Auktion im Stuttgarter Auktionshaus. Mit Fälschungen. Selbst die Kultbilder und die religiösen Motive aus fernen Ländern wirken vertraut. und die Zahlungsmoral der Höchstbietenden aus China ist zuweilen sehr gering. wo er auch als Kunstlehrer gearbeitet hatte. so der Vorwurf. seine Zeichnung statt auf den Sandboden auf die Platte zu streuen. wie das Haus noch 2002 mit all seinen Auktionen in einem ganzen Jahr umsetzte. Ist die Zeichnung fertig. Die neuen Eigentümer verlegen die Hongkonger Messe ab nächstem Jahr von Ende Mai in den Februar. Sein Museum hat etwas von diesem Staunen ins Heute herübergerettet. bis 29. Sie gehören zu den schönsten Stücken der afrikanischen Abteilung. könnte einer höfischen Szene des 18. Erhaben schließlich die Einsicht. darunter auch bekannte europäische Namen wie Louis Vivin oder Hector Trotin. in der er als Homosexueller das Schlimmste zu befürchten hatte. versuchte sich als Dramatiker und entdeckte als Verleger den noch unbekannten Wolfgang Borchert. vor allem aber und immer wieder nach Afrika schrieb er viele Bücher. Hauser & Wirth und David Zwirner aus. Trügen die Frauen nicht zackige Dreispitze als Kopfbekleidung. Nach dem Krieg gründete er eine Gesellschaft deutscher Übersetzer und die Freie Akademie der Künste in Hamburg. »Abstrus!«. dafür spricht eine andere Meldung des vergangenen Wochenendes: Die Eigentümer der Art Basel. ein Paar Huanghuali-Armlehnstühle aus dem 17. 15 in schwarze und weiße Felle vermummte Gestalten versammeln sich um einen roten Fußball. weil sie nicht die Geschichte der Kunst.33 Millionen Euro gekostet hat? Die Frage möchte man dem Milliardär aus Hongkong stellen. dass nach seinen Berechnungen schon im vergangenen Jahr 33 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Kunstversteigerungen in China gemacht wurden. »die Schleswig-Holsteiner müssen sich neu besinnen«. machte das Objekt aus der Qianlong-Periode zum wahrscheinlich teuersten Tisch der Welt. Mai große Galerien wie Gagosian. aus Deutschland kommen unter anderem Sprüth Magers. Und bescherte dem Auktionshaus Nagel seinen ersten Millionen-Euro-Hammerpreis sowie den deutschen Rekordumsatz mit einer Spezialauktion. Mit so hohen Zuschlägen hätte auch er nicht gerechnet. das sich so gar nicht in die backsteinern norddeutsche Leitkultur integrieren mag. die dem Geschmack S Der China-Boom Mit Asiatika erzielt das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde. der am vergangenen Freitag im Stuttgarter Auktionshaus Nagel einen Tisch aus dem kaiserlichen China ersteigerte.KUNSTMARKT 12. das war 1931. Bunte Marktstände. muss vor der Auktion eine Depotzahlung an das Auktionshaus überweisen. aber nicht unbedingt der europäischen Sammler zusagten. Italiaander präparierte eine Platte mit Leim und brachte einen Navaho dazu. die auf mögliche Kopien hinweisen. sodass sie der traditionell im Juni stattfindenden Ur-Art-Basel keine Konkurrenz auf einem anderen Kontinent mehr machen wird. glücklich schockiert nach der Auktion. als wäre ein starker Wüstenwind durch Giacomettis Gestalten gerauscht. dass Italiaander einigen Einfluss nahm. schrieb Rolf Italiaander sein erstes Buch: So lernte ich Segelfliegen. Michael Trautmann hat dem Auktionshaus in Deutschland über die Jahre den besten Ruf bei den Asiaten erworben. aus dem der Mann aus Hongkong am Ende siegreich hervorging. Dagegen forderte der Sammler bei der Eröffnung. Amerika. und oft brachte er Kunstwerke mit nach Hause. das Flugzeug brachte ihn. Auch andere Lose erzielten spektakuläre Preise. ein Pudel hechelt verbindlich. Ob sie es taten. ein Wandbild vom Präsidenten des Senegal. doch hat der Markt auch seine Tücken: Es kursieren viele Fälschungen. in dem man auf engstem Raum von der Stammeskunst Melanesiens über Wahlplakate aus Ghana bis zu den Zeichnungen der Inuit im Norden Kanadas eine Sammlung derart bunter Kunstwerke sowohl von Amateuren als auch von Nationalmalern besichtigen kann. Der Mann hat sich einen Pullover um die Hüfte geknotet. schließlich an viele entlegene Orte der Erde. In Indianerreservaten in Neumexiko stieß er auf die Technik der Sandmalerei. AUSSER MONTAGS VON SVEN BEHRISCH 101 Ein Häuptlingsstuhl aus Melanesien N° m Alter von 18 Jahren. Das Bietgefecht. und wie Bernhard Grzimek. Es gab Widerstände gegen das Museum. sagt Trautmann. Das Rechercheunternehmen Artprice gab kürzlich bekannt. denn das Geschäft in China könnte bald zum wichtigsten der Welt werden. Jahrhunderts entstammen. Mit der Gründlichkeit des Ethnologen und dem Gespür des Sammlers durchstreifte Italiaander die Kontinente. Dramen. habe man in den vergangenen Jahren kaum noch Probleme gehabt. dass der Markt für alte chinesische Kunst derzeit unglaublich boomt. Es ist nicht das einzige Mal. Die Figuren mit den überlängten Beinen wirken. Insolvente Bieter versucht man in Stuttgart – wie in anderen Auktionshäusern auch – mit bestimmten Regeln fernzuhalten: So dürfen Sammler nicht über gewisse Limits hinaus mitbieten. der in Peking das Deutsche Hospital leitete und Leibarzt des letzten Kaisers Puyi war. es gebe keine Zensur. Fest steht jedoch: Es gibt kein zweites Museum in Deutschland. höchst ungewöhnliches Ensemble. Der Millionen-Euro-Tisch etwa stammt aus dem kaiserlichen Palast. Verblüffend ist die Zahl der Materialien und I Stile. Sie kommen nicht heran an eine Lithografie des kanadischen Inuit Iye. aus Baumwurzeln Skulpturen zu schnitzen.33 Millionen Euro versteigert chreibt es sich besser an einem Tisch. in der eine Familie zwischen Bäumen an einem Fluss spazieren geht. Zusammengetragen hat Italiaander seine Sammlung mit bescheidenen Mitteln. Und die Fliegerei begleitete ihn bis an sein Lebensende. einen ägyptischen Teppich von Helmut Schmidt. Spektakulär war im vergangenen Herbst der Fall jener Qianlong-Vase. Kulturschock für einen Euro fünfzig Der ZEIT-Museumsführer: Das Museum Rade am Schloss Reinbek TÄGLICH GEÖFFNET. zu geschult sei inzwischen der eigene Blick und zu eng das Netzwerk der Experten. dem einst wichtigsten Kunstmarkt der Welt. weltweit die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst. wie das Leben sich überall gleicht. In Afrika. machen sie sie – glaubensbedingt – am Abend wieder kaputt. Italiaander hat ausschließlich Naive gesammelt. Es ist ein kluger Schachzug. Die Zukunft des Marktes liegt im fernen Osten VON TOBIAS TIMM der asiatischen. Und so konnte er sich auch für die jetzige Auktion wieder einige mit moderaten Schätzpreisen versehene Meisterstücke sichern. Mit Aufgeld hat Nagel in seiner zweitägigen Auktion asiatischer Kunst insgesamt 20 Millionen Euro umgesetzt – in etwa also so viel. Fotos: Nagel Auktionen. Hörspiele. Jahrhundert wurde für 600 000 Euro versteigert. Als Autor von Fliegerromanen rettete er sich über die NS-Zeit. obwohl er weiß. der die Weltenbummelei inzwischen zu seinem Beruf gemacht hatte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 59 Dieser chinesische Tisch aus ZitanHolz wurde bei Nagel in Stuttgart für 1. Da ist die hügelige Landschaftsidylle eines tibetischen Künstlers. übernehmen 60 Prozent der Anteile der Hongkonger Kunstmesse Art HK. weil er Farbe in ihr Leben bringt. wir wissen es nicht. Titel: Die schöne iranische Sonne. in den zwanziger Jahren gelangte er in den Besitz des deutschen Mediziners Edmund Dipper. und man könne sich dort ein wenig wie in der Schweiz fühlen – wegen der liberalen Steuergesetze und Freihäfen der Stadt. die Szene könnte en plein air statt im Himalaya auch bei Bruhnskoppel in der Holsteinischen Schweiz gemalt worden sein. Hongkong. ein Huanghuali-Bücherkasten für 240 000 Euro (jeweils ohne das Aufgeld des Auktionshauses von 33 Prozent). rote Dächer und neben einem weiß blühenden Baum die Kirche im Dorf. Asien. Die Haltung des jüdischen Königs Salomo auf einem aus Äthiopien mitgebrachten Ölgemälde auf Ziegenfell. Und so lassen sich mit altem chinesischem Kunsthandwerk derzeit die unglaublichsten Gewinne machen. den sie vermitteln. der Tierfilmer. Die Navaho-Indianer streuen mit buntem Sand Zeichnungen ihrer Götter auf den Boden. Vom persischen Schah die Ansicht eines Wüstendorfs unter gleißender Sonne. Überwältigend der Eindruck von der Vielfalt der Welt. er wurde aus dem extrem langsam nachwachsenden Zitan-Holz geschnitzt. die für 43 Millionen Pfund im kleinen englischen Auktionshaus Bainbridge’s einem chinesischen Sammler zugeschlagen. Über seine Reisen nach Ozeanien. dieses Jahr stellen hier vom 25. Ähnliches gilt für Ein Markt am Stadtrand von Rio einer brasilianischen Malerin. Jetzt war der Tisch mit einer Taxe von 20 000 bis 30 000 Euro versehen. dann aber von diesem nicht bezahlt worden war. Museum Rade . sagt Michael Trautmann. der von der Erhabenheit der Alpen schwärmte. um an seine Werke zu gelangen. wie er sich da vor der Königin zu Saba zu einem Handkuss verneigt. er steigerte seinen mittleren Schätzpreis also um das Vierzigfache. sei eine panasiatische Stadt. Überfremdung sei in Reinbek nicht erwünscht. begründet der Messedirektor Marc Spiegler den Zukauf. Einmal Kulturschock in Reinbek kostet einen Euro fünfzig. Wer zahlt so viel Geld für diese Möbel? Es sind zumeist chinesische Sammler. der ballspielende Männer ebenso wie Urwaldtiere malte und sein Geld als Zöllner verdiente. dem sie wie einem Fetisch zu huldigen scheinen. Mit 19 Jahren radelte er quer durch Afrika. brachte Italiaander dem staunenden Lese. Das entgrenzte Lächeln aller Beteiligten entbehrt nicht einer gewissen Komik. Wie Luis Trenker. Contemporary Fine Arts und Eigen + Art. Kinderbücher. Die Art HK hat sich – zumindest aus westlicher Sicht – als die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst im asiatischen Raum etabliert. Mit Manfred von Richthofen. Seit 1987 beherbergt das Museum Rade am Schloss Reinbek die Sammlung Italiaanders – ein grandioses. Reiseromane. Man hat diese Kunst als »naive Kunst« bezeichnet. animierte er seine Schüler dazu. der sich laut Bildbeschreibung als Jäger und Fischer ernährte. 2001 war die Bücherkiste bei Sotheby’s in London noch für 7000 Pfund (inklusive Aufgeld) versteigert worden. der zuständige Asienexperte bei Nagel.

die keine Zeit hatten. mit der Fernbedienung in der Hand. Bild veröffentlicht dazu ein Foto der formidablen Penélope Cruz und schreibt in vertraut subtiler Diktion: »Ihr Dekolleté – pralle Beute für Seeräuber. wo es langgeht und was machen. gute Jahre. sie stelle sich nicht mehr. gut möglich.« Dazu wäre ihm zu raten. wesentlich zum Aufbau und zum Gelingen der zweiten deutschen Republik beigetragen haben. Wie anders der schreckliche Osama bin Laden! Hätte man nicht denken sollen. dem edlen Rächer der Gerechten. Er neigt mittlerweile zu Floskeln. mit intelligenteren Methoden zu verteidigen als nur mit dem Traditionsargument. in der es sich ereignet – der bohrende Lustblick als die schnellste intime Erfahrung. dass er seinen Feind Obama als Puppe auf den Tender setzte und gegen den Prellbock fahren ließ. aber doch leicht ablenkbaren Jugend der Fernsehzuschauer rekrutiert wurden. Alsdann blieb ihm »eine Position in Europa« versagt. wie Fischer sagt. den intensiven Augenkontakt zwischen zwei möglichen Geschlechtspartnern. der auf einem schäbigen Schreibtisch steht. Poetry-Slam-Live-Übertragungen und ein stets selbstironischer Grundton der Moderatoren. Seinen Vater. Die Bielefelder Rede. sollte es sich gut überlegen. Fischers politische Gegner werden nur als Witzfiguren eingeblendet. um von Gewalt zu reden. dass der furchtbare Osama in dieser Hinsicht eher furchtsam war. alte Räuber mag es geben. er habe drei Ehefrauen besessen. Das Umdenken. Fischer könne es kaum fassen. wo dienstbare Geister auf einen Wink des Herrschers mit der Wasserpfeife herbeieilten? Nichts davon zeigt uns das von den Amerikanern veröffentlichte Foto. Lächerlich! Foto: Nadja Klier/X-Verleih WÖRTERBERICHT Blickfick(en) Ein Begriff aus eiligen Zeiten. Einer von ihnen berichtete nach der Rückkehr. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 61 Das Letzte Arme. Die Fotos von der propalästinensischen Konferenz in Algier 1969 fehlen. herangezoomt.zeit. Maier lässt seine Töchter zu Wort kommen. nicht zuletzt wegen des besseren Gedankenflusses. der Kampf zweier Menschen.« In aller Ruhe schildert Maier die schwarze Seite der Achtundsechziger-Revolte und die Kämpfe. Er erzählt aus der Kindheit. später als Außenminister bis 2005. das den Theaterkanal ablöst. Und diese Unordnung. er befehlige eine Bergfestung. Nur einmal. Sein 1979 verfasster Aufsatz Durchs wilde Kurdistan trug dazu bei. Und trotzdem musste er den Fernseher mutterseelenallein bedienen. Ein »Medium von morgen« war dem jungen Zuschauer schon vor dem Start des neuen digitalen Fernsehkanals zdf. so erläutert Herr Fischer sein Leben. oh Drama«. PETER KÜMMEL www. zusammen Schumann-Lieder am Klavier sangen. als käme es direkt vom Baumarkt. nach uralten Regeln. Und das war immerhin etwas. in der Disco. 12. In aller Bescheidenheit sagen kann er das nicht. er schwärmt von Robin Hood. Darin flimmern auf Leinwänden wechselnde Fotos und Filmausschnitte. aber der Mythos erzählt uns etwas ganz anderes. sollte mit wirklich allem rechnen. setzten durch. die ihm als kulturell bedeutsam diktiert werden. Konzertmitschnitten von Bands wie Mando Diao und Björk. und da weiß ich keine Antwort mehr. Inhaltlich fehlt jede kritische Brechung. die heute von so vielen gewählt werden kann. in der Kneipe: Einer durchsengt einen Schwächeren mit dem Hass-Laser. die er als Initiator der Widerstandsorganisation »Bund Freiheit der Wissenschaft« ausstand. Das Ganze dauert 140 Minuten und ermüdet enorm.bis 40-jährigen Mediennutzer tatsächlich goutieren. die keine Zeit haben. Es gibt keinen Grund. beginnt. die das Mutterhaus in den neuen Kanal exportiert: Die heute nachrichten. von Eitelkeit und Kontrollwahn getrieben. Man sieht diesen Blick auf dem Schulhof. sozusagen im Joschkabunker. die Arme über dem Bauch verschränkt. Zu Recht erwähnt Fischer das »moralische Zwielicht«.de/audio . Aber eingeleitet hatte Fischer diese Wende bereits 1995. dessen Schiff voller Gold und Silber war. Natürlich sind das haltlose Spekulationen. Dalli erlebt unter der Woche am Mittag ihre Renaissance. »Ist das Kultur?«. fragte im ersten Vorstellungsfilmchen eine strenge Stimme aus dem Off. Der Protagonist schnipselt sein Leben für das Goldrähmchen zurecht. der Zeit als hessischer Umweltminister. Zumindest vorerst. Verfassungsstaat und Demokratie mit mehr Phantasie. denn es wird berichtet. in dem die Nachkriegsjugend aufwuchs. und zieht doch »keine gänzlich negative Bilanz«: »1968 und die folgende Zeit haben die Establishments aller Richtungen gezwungen. So wie es umgekehrt nicht undenkbar erscheint. Auch darüber schweigt der Film. Frauen sind zum Ehrendienst nicht zugelassen. Eine gewagte Prognose angesichts einer Zielgruppe. Unter dem Schlachtruf »Weniger Feuilleton!« solle sich der junge Erwachsene nicht mehr voll schlechten Gewissens von Inhalten abwenden. seine Mutter. aber bevor es zu ulkig wurde. ›wie wir’s dann zuletzt‹ – nach 1945 – ›so herrlich weit gebracht‹. Ansehen und vielleicht gar das Bundesverdienstkreuz. Fischer zählte damals zu den fünf Delegierten des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. eindimensional und kalt. endlich in die Tat umsetzen will. Solche Untaten bagatellisiert der einstige Straßenkämpfer. als er gegen die Mehrheit seiner Partei den militärischen Schutz der bosnischen Muslime vor den serbischen Aggressoren verlangte. Wohl deshalb schweigt er über sein postpolitisches Dasein als wenig beachteter Lobbyist. konzediert er. Das humane und liberale Gegenstück zu Fischers Selbstporträt präsentierte in diesen Wochen bezeichnenderweise der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU). während er einige Sekunden lang perfekt in das berühmte Foto montiert erschien. ebenso die VerbindunVON GÖTZ ALY B Sehenswert The Four Lions von Christopher Morris An einem Samstag von Alexander Mindadze Das Hausmädchen von Img Sang-soo gen. oder von Klaus Störtebeker. spricht er von der Zukunft: »Vielleicht fange ich das Laufen wieder an. Allerdings wird das Wort auch (gern unter jungen U-Bahn-Fahrern) benutzt. Später hielt der Nichtpazifist Deutschland aus dem Irakkrieg heraus. Eine ganze westdeutsche Protestgeneration hat sie mit ihm begangen. Er allein führt die Regie. was während seiner Lebenszeit alles geschehen sei – einer »Epoche. und das Möbel sieht aus. so lautete am Sonntag die schlichte Ansage eines der tausend neuen FacebookFreunde auf der Profilseite von zdf. Was ist mit den Weibern im Orient los? Es kann natürlich sein. konnten meine Freunde nicht verstehen. und die älteste schreibt über ihre Konflikte mit dem Vater: »Dass wir. Wenn er standhält und zurückstarrt. seine Frauen und Kinder behandelt er als Unpersonen. die von den Frankfurter Spontis zum Terrorismus führten. wie er indigniert bemerkt. in deren Gemächern orientalische Pracht zu finden sei. Er nannte seine Erinnerungen Böse Jahre. Lieber Unternehmer! Da darf man ganz legal räubern. Herausgekommen ist dabei – so zeigt es wenigstens das erste Sendewochenende – ein schneller Rhythmus von Bildabfolgen. als er davon schwärmt. Räuberhauptmann zu werden. «Internet und Fernsehen«. aber wer Räuberhauptmann werden will. die Grünen zu der Partei zu formen. der seinen Erinnerungen 1922 den Titel Ereignisse und Gestalten verpasste. also die Halbwüchsigen. ist er vernichtet. als Verb wie als Substantiv. Ein Räuber mit Fernbedienung! Und was bedient er? Einen 14 Zoll kleinen Röhrenfernseher. man habe das »prinzipienlose Spektakel« unter Protest verlassen. selektive Einblicke in mehr als 60 Jahre Leben gewähren. miteinander auch nur ins Gespräch zu kommen. diese Steckdosenleiste. die auf derartige Ansprachen wie keine andere notorisch mit allergischem Argwohn reagiert. Der Filmheld hat erhebliche Verdienste vorzuweisen. Das philosophische Quartett und aspekte werden regelmäßig auch im Kultursender zu sehen sein. die ihn ebenso prägte wie er sie«. die darauf folgte. aber genauso wenig von Mainstream-Plattheiten angeödet fühlen. Und auch die Nostalgie wird gleich von der ersten Woche an bedient: Die Ratesendung Dalli. das umso häufiger vorkommt. weil dort versucht worden sei. dürfte die skeptische Generation der 20. mit der Fischer 1999 – von einem roten Farbbeutel getroffen und am Trommelfell verletzt – in knapp fünf Minuten den deutschen Kampfeinsatz gegen Serbien auf dem Parteitag der Grünen rechtfertigte. er scheint mit genau dieser Mischung aus Kult und Kultur zu bestehen zu sein. umgeben von den Bildern seiner selbst Im Joschkabunker Ein wahrer Staatsmann muss auch im eigenen Film herrschen: »Joschka und Herr Fischer« laues Hemd. Er verfährt nach dem Prinzip von Wilhelm II. umhüllt von einer Wolldecke. Reden und Texte beim zeitweisen Joggen hatte verfertigen können. Offensichtlich musste dieses Land nach der Gewaltorgie des »Dritten Reiches« durch solche Auseinandersetzungen »ein Stück weit hindurch«. eine nie dagewesene Mischung aus »Popkultur« und «Lebensgefühl«.oder Popkultur. die darüber aufklärten. ließ langhaarige HimmelskörperExperten die »animalische« Wirkung der Gestirne erläutern. FINIS War schon alles gut so. Immerhin. dem verwegenen Freibeuter. einer wurde dabei lebensgefährlich verletzt. je größer die Stadt ist. Das wäre sozusagen ein VoodooZauber nach Märklin-Art. etwas. Eine ebenso seriöse wie skurrile Dokumentation zur Erotik des Mondes. wie es war: Joschka Fischer.. die aus dem Zentrum der medienüberladenen. das Horst Seehofer laut Spiegel auch besitzt). denen 1945 die Freiheit geschenkt wurde. nicht uninformierten oder uninteressierten. mittendrin die größte Gestalt – der Kaiser als ewiger Rechthaber. einer Reportage über die erste Heavy Metal Band in Bagdad. Was übrigens die Räuberei.« Möglich immerhin. Dank solcher Wandlungen stellte Richard Löwenthal ebenfalls 1979 erleichtert fest. Er bezeichnet. gehört zu seinen Glanzleistungen und zu den wenigen Höhepunkten des Films. Unter Hinweis auf die Killerkommandos der RAF und die islamische Revolution hatte er damals geschrieben: »Zuviel wird noch gefragt.30 Uhr mit dem neuen Video Make Some Noise der Beastie Boys auf Sendung ging. Wer auch immer seinen Kinderwunsch. wir sehen weder Ali Baba noch die vierzig Räuber und ihre sagenhaften Schätze.Kultur am vergangenen Wochenende versprochen worden. zu sehen waren abwechselnd Fragmente des klassischen Kulturkanons aus Oper und Sinfonieorchester und rappende Straßenmusiker. doch bleibt er merkwürdig unpersönlich. Doch was letzten Samstag um 6. will auch keine mehr wissen.kultur. Obama. sprach Jo Schück in der ersten Ausgabe seines Popmagazins Der Marker ebenso trocken wie sinnfrei.« Zu diesen Veränderungen hat Joschka Fischer beigetragen – im Bösen und im Guten. Sie. den wilden Jahren. Während Pepe Danquarts Film Joschka und Herr Fischer steht Fischer im Ambiente einer Art Tiefgarage. »Weitermachen«. traten die Sendungen dazwischen. dass die NS-Verbrechen verfolgt wurden und in den sechziger Jahren an den Schulen Filme und Texte gezeigt wurden. So viel zur Ästhetik. die elitären Weltverbesserungsfantasien innerhalb der westdeutschen Linken zu überwinden. In der Art von Hofschranzen berichten sie ausschließlich Lobenswertes. nachdem wir uns zum Thema Rüstungspolitik oder vorehelichem Geschlechtsverkehr angebrüllt hatten. dass auch Obama eine Modelleisenbahn besitzt und seinen Feind Osama entgleisen ließ. »die palästinensische Revolution unter Kontrolle zu bringen«. Fischer heute wegen solcher Fehltritte zu diskreditieren. genauer die Seeräuberei betrifft. erbärmlich.« So wurde er Taxifahrer. Beworben wird der Film mit dem Satz. die »ganz überwiegende Mehrheit« der Neuen Linken habe sich vom »neobakunistischen Gewaltkult« abgewandt. Gelegentlich kommen Duzfreunde zu Wort. das den Stab des amerikanischen Präsidenten bei der Beobachtung von Osama bin Ladens Tötung zeigt – und sprang anschließend kommentarlos zum nächsten Thema über. die sich mit Angriffen auf einzelne Frankfurter Polizisten hervortat. wo er seine Märklin H0 im Maßstab 1 : 87 fahren ließ (just jenes Modell. Fischer folgt den Meilensteinen seines Lebens. 1973 gehörte Fischer zur Frankfurter »Putzgruppe«. »Osama. gewinnt Reichtum. nicht die Achtundsechziger. so hatte die vierte Folge der Räuberpistole Fluch der Karibik eben in Los Angeles Premiere. Der Quotentest beim Jungmenschen. dass die Fünfundvierziger. Wahrscheinlich hatte er eine Modelleisenbahn im Keller. miteinander in Streit zu geraten. so die Erklärung des Programms.FEUILLETON Weniger Feuilleton Das Fernsehprogramm zdf. Ebendeshalb bleibt Fischer weit unter seinem Niveau.kultur will der denkfaulen Jugend eine Freude machen VON NINA PAUER Schlange gestanden hatten die Signalwörter. die. wir sehen einen alten Mann. die Zwischenstadien und Übergänge lässt er im Nebel. Wenn der Bestarrte den Blick senkt. Vor allem aber trug er 25 Jahre lang in schier unendlichen Auseinandersetzungen dazu bei. anders als noch vor drei Jahren. wie gut er Gedanken. dieses Kabelgewirr! Erbärmlich. Die Frage nach Hoch. dass Osama bin Laden diesbezüglich besser versorgt war.

Nicht mal den Mumm. Jetzt steigt er auf die Bühne und spricht. Stattdessen schimpft er auf die Medien. wen ich anspreche. an das nächste Kapitel meiner Doktorarbeit. in die Hölle geht. Denn in der sonst so ruhigen Stimme lag diese unheimliche Spannung. sagt er. der zum Muslim wurde. der seine Karriere als Profiboxer ohne Niederlage beendete. Und was heute noch heilig sein könnte. also den Staat repräsentieren. ist weiteres Blut. man akzeptiere es. Familien mit Kindern. Jahrhundert boten sie eine moralische Rechtfertigung für die entstehende Rüstungsindustrie. Vogel: Das Wichtigste ist. um den Tod eines Feindes zu feiern. Allerdings sind diesmal nur 400 Leute gekommen. hat einem amerikanischen Botschafter a. was selbstgerecht ist. dabei ist Ihre Sicht nicht die der meisten Muslime. es mache einen Unterschied. D. nicht im Licht« Warum ein junger Amerikaner in Deutschland sich für die Jubelvideos aus seiner Heimat schämt VON PATRICK BRUGH U m die Nachricht von Osama bin Ladens Tod zu glauben.und Vergeltungsszenarien erinnern an heutige Abschre- ckungspolitik: Wenn wir genug Waffen besitzen. Ich habe Morddrohungen bekommen von Terroranhängern! Ich rufe permanent dazu auf. dass der 19-jährige Abiturient Amid Ch. weil er Gesetze als von Gott gemacht ansieht. dass die Veranstaltung hier draußen ist. der den Islam nicht annimmt. weil er junge Muslime zu oft als Problemjugendliche stigmatisiert. die unmissverständlich klarmachte. sind solche Aussagen doch salafistisch. weil bei einem seiner Vorträge das indizierte Buch Frauen im Schutz des Islam auslag. Das mag daran liegen. »Das moralische Verurteilen ist die Lieblingsrache der geistig Beschränkten«. Er behauptet. Vielleicht hatte Nietzsche doch recht. es ist Samstagmittag. Mir als Amerikaner in Deutschland war der rowdyhafte Hurrapatriotismus peinlich. als stünden Sie für den wahren Islam. um überall auf der Welt Krieg zu führen. dass wir in Finsternis feiern und nicht im Licht. um überhaupt Leute zu beeinflussen. Ein deutscher Muhammad Ali! Pierre Vogel alias Abu Hamsa hätte die Menschen verbinden können. »Wir rächen Blut mit Blut. Pierre Vogel verehre. ZEIT: Gute Morde. Wir bekämpfen Finsternis mit Finsternis. schlechte Morde. was ist ein heiliger Krieg und was ist Heuchelei? Was gerecht ist. dann werden Leute kommen. antwortete mit einem Bibelwort aus der Genesis: »Wer Menschenblut vergießt. Und wenn er uns genützt hätte? Wäre uns bin Ladens Würde dann wurst? Moral predigen ist leicht. hier gibt er nun doch das Interview. Die Gäste blicken von ihren frittierten Hühnchen auf. indem man fragt. das ist ein Fundamentalist. Ob das den Prediger beunruhigt? Nein. Deprimiert setzte ich mich wieder an den Schreibtisch. wie er geglaubt hat. das von der Instrumentalisierung der Idee des Friedens für den Krieg handelt. aber ein Profi im Austeilen ist er noch immer. allerdings außerhalb der Stadt auf einem Freigelände am Rebstockpark. sondern allenfalls Erleichterung. Es mag auch daran liegen. wann sie erfahren hätten. die dem Journalismus misstraut. für das sich jemand rächen wird. der sich einen Weihnachtsbaum aufstellt und mit dem man auch mal einen trinken kann. Selbst Friedrich Nietzsche. dafür ergötzten sie sich eine geschlagene Woche an der rhetorischen Frage: Darf man sich über den Tod eines Menschen freuen? Ja. erkennt man am klarsten. ZEIT: Sie tun. Der radikale Prediger ist bei jungen Muslimen beliebt F und blickt die Reporterin direkt an. liebe Sprachpolizei. das ist keiner. Und auch die negativen Medienberichte treffen ihn nicht. wenn der Mann mit dem langen Bart von Osama bin Laden spricht. und wenn er sich falsch zitiert fühlt. Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Patrick Brugh. Jedes Interview. vorgeworfen. ohne es wirklich zu sein«). das von Martin Luther King stammt: »Hass mit Hass zu vergelten wird nur den Hass vergrößern und eine bereits sternenlose Nacht in noch tiefere Finsternis tauchen. hat das Problem scheinheiligen Moralisierens unterschätzt. Einen Tag nach der Veranstaltung in Frankfurt wird bekannt. dessen Blut soll auch durch Menschen ver- gossen werden. da wird dann gesagt. wie sich soeben in der bigottesten Debatte des Jahrzehnts gezeigt hat. Außerdem braucht es keinen Pierre Vogel.« Wir Amerikaner haben die Hoffnung auf eine Welt ohne Terror benutzt. Doch nach wenigen Sätzen hielt ich es nicht mehr aus. die mit Osama bin Laden sympathisieren. das ist Heuchelei. was für ein fatales Argument das war: Dieser Tod hat uns nichts genützt. er darf nicht zum Objekt degradiert werden. Ein guter Muslim. Sie merkte gar nicht. ZEIT: Die islamische Religionsgemeinschaft Hessen rief auf. 32. begreift man am besten. Aus alten Kriegsbüchern wissen wir. wer für ihn betet. weil sie ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei. das wir für Blut vergießen. Denn hier liegt ja schon das erste Dilemma: Das Leben eines Menschen ist uns so viel wert. Pierre Vogel steht am vergangenen Samstagabend wie immer etwas breitbeinig auf der Bühne. der vor zehn Jahren zum Islam konvertierte und heute einer der populärsten deutschen Prediger ist. heißt es in den Auflagen. Jetzt haben wir also Videos grölender Amerikaner gesehen. Die Menschenwürde ist so universell. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 62 ETHIK UND OSAMA Was ist Heuchelei? Über den Heiligen Krieg und die deutsche Sprachpolizei Wenn der deutsche Rechthaber recht behalten will. hält sich auch als Prediger für unverwundbar. Vogel: Diese Leute haben null Einfluss. das er gibt. Er ist zwar längst kein Profiboxer mehr. die man auch als moralphilosophischen Kern der Menschenrechte ansehen kann: Eine Zweck-Mittel-Relation ist auf den Menschen nicht anwendbar. Jeder Muslim glaubt. den äußern Schein der Heiligkeit annehmend. dass hier nicht Freude im Sinne von Frohlocken gemeint war. dieser Soldat ist ein Verbrecher. Damit verneinte er die Kantsche Definition des Menschlichen. er ist ein Showtalent. was scheinheilig ist. dass man sich hier an die Gesetze halten muss. ob man sie besser findet als das Grundgesetz. Später auf der Veranstaltung am Rebstockpark verhalten sich seine Anhänger so vorbildlich. Aber wie verhindern wir. dass sie sich über ein falsches Wort mehr aufregen als über eine fragwürdige Tat. Vogel: Also nach deutschem Strafrecht gibt es unterschiedliche Haftstrafen . ist ihm egal. dass er heute am Stadtrand predigt. darf man auf dem Friedhof lachen? Gegenfrage: Was ist ein gerechter Krieg. er wolle Jugendliche zum Gewaltverzicht bekehren. ehe sie endlich die Frage stellten: Ist dieser Jubel moralisch? Pfarrer Jim Hunter. Vogel: Was ist denn ein abscheulicherer Mord: wenn jemand einem Kind die Kehle durchschneidet oder wenn jemand denkt. können wir Osama bin Laden nicht als Unmenschen behandeln. der es nicht erwarten kann. Vogel: Man kann Leute nur zusammenbringen. in die der Terrorismus uns gestürzt hat. der sich einen Spaß daraus machte. Finsternis kann Finsternis nicht vertreiben: Das vermag nur das Licht. Auch wenn sich Pierre Vogel nicht als Salafist bezeichnet. dessen Wohnung von der Polizei durchsucht wurde. DIE ZEIT: Sie wurden für Ihren Aufruf zum Toten- lafistischen Milieu. zwei US-Soldaten erschoss. Moralisten zu verhöhnen. weil ihm der Zeitungsfotograf im Weg steht. Trotzdem ereiferte sich die Republik. ZEIT: Die Merkmale eines Mordes sind in beiden Fällen gegeben. als müsse Angela Merkel nur die richtigen Worte sprechen. aber er hat sich entschieden. ein geistlicher Berater Obamas. Vogels Anhänger tragen T-Shirts mit dem Aufdruck Don’t panic.. Der Boxer. Vogel wurde viel kritisiert für seinen Aufruf zum Totengebet. Nietzsche wollte sagen. Vogel wurde in dem TV-Beitrag mit dem Satz zitiert. wie bei einem Jungen. Dass aber deutsche Moralapostel so tun. Vogel ärgert sich. als habe Angela Merkel eigenhändig den Al-Qaida-Chef getötet. ob jemand Zivilisten töte oder Soldaten. Tatsächlich hatte sie die Worte »Ich freue mich« mit einer Leichenbittermiene gesprochen. In Wahrheit kommt sie aber von Bosheit. dann zog er den Aufruf wieder zurück und wollte nur noch über Islam und Terrorismus reden. Blut. Der Verein Einladung zum Paradies hat einen YouTube-Ausschnitt von Helmut Schmidts Besuch bei Beckmann auf die Homepage gestellt. wenige Stunden vor seinem Auftritt. er gibt sich jetzt höflich interessiert VON ANNABEL WAHBA Pierre Vogel (rechts) sprach letzten Samstag in Frankfurt am Main über Islam und Terror. D. in dem man nicht mittels Lügen andere Menschen zerstört!!!« Jetzt sitzt Pierre Vogel lächelnd vor einem Kentucky Fried Chicken am Rande Frankfurts. I’m islamic oder I love Islam.de (Frankfurt. regt er sich über die Schlechtigkeit seiner Mitmenschen auf. Den Namen bin Ladens nennt er tatsächlich nicht. Was nutzt das. Junge Männer. zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufgerufen. damit die Leute merken. dass der. dass eine gewisse Art Moralismus die Rache der geistig Beschränkten ist. in dem es heißt. Vogel: Aber ich war es. um die USA zu kritisieren. um sich mit seinen Gegnern zu schlagen. der bringt vielleicht morgen meine Leute um. Auf der Wiese nebenan wird gegrillt. Arid U. als sei man der größte Demokrat. die auf Bäume klettern und Fahnen schwenken. Das ist doch gegenseitige Einschleimerei. Wenn wir also die Universalität der Menschenrechte verteidigen wollen. weil Interviews immer gekürzt werden. weil sie Steuern zahlen. wo der 21-jährige Arid U. wenn man ehrlich ist. die kürzlich in Düsseldorf festgenommen wurden. welchen Jugendlichen beeinflusst das? Ich widerlege die Argumente der Gewaltbereiten. ZEIT: Warum sagen Sie den jungen Leuten nicht klar und deutlich. und erschießt den? ZEIT: Mord ist Mord. Ein Satz des deutschen Militärtheoretikers Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1608 geht mir nicht aus dem Sinn: »Durch krieg kompt der frieden / und sollen die jenige / so in fried und ruhe leben wollen / in wahffen geübte leute sein. und 17. indem man fragt. Aber ich muss auch gucken. Doch Internetforen und Seminare dienen als Kontaktbörse auch für Extremisten.« Dilich nennt den kriegerischen Menschen Friedenskämpfer und rechtfertigt den Kreislauf der Gewalt. Facebook und Twitter verbreiten aber auch ein anderes Zitat. Wir feiern in Finsternis. Ursprünglich hatte Vogel. Er. zumal die Medien ihm eine ganze Weile folgten. Der Name bin Laden dürfe in seiner Rede nicht fallen. dass Sie gegen Terrorismus sind. sogar von ultrareligiösen wahhabitischen Salafisten. stellt sich in seine Nähe. »Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung«. Pierre Vogel: Ich weiß genau. greift uns niemand an.. mit seinem Geheimnis herauszuplatzen. Vielleicht können wir es so zusammenfassen: Heuchler erkennt man daran. ist Germanistikdozent im Staat Missouri. witzelt Vogel: »Sollen wir ihn hauen?« Vogel meint den Passanten. Mit dem jüngsten Akt des Blutvergießens ist also nichts erreicht. durch bin Ladens Tod würden die islamistischen Anschläge nicht weniger. dass die Scharia von Gott ist und absolute Gültigkeit hat. und er weiß seine Worte zu wählen. Er distanziert sich zwar von Gewalt. wird gefilmt. in der Bibel (»Heuchler geben sich ein trübseliges Aussehen. Seit einiger Zeit strebt das Bundesinnenministerium ein Verbot des Vogel nahestehenden Vereins »Einladung zum Paradies« an. wie das die Muslimverbände tun? Vogel: Das sind doch Sesselfurzer. Für die Werbung in eigener Sache nimmt er gern in Kauf. Das vermisse ich in diesem interreligiösen Dia-Lüg. das Verwaltungsgericht genehmigte ihn doch. Er braucht die Medien nicht. Osama bin Laden hatte gesagt. um der Bundeskanzlerin zu unterstellen. endlich die moralischen Dilemmata zu sehen. Dass er getötet wurde. Ein guter Muslim. schrieb er in Jenseits von Gut und Böse. ich muss auch eine gewisse Rhetorik benutzen. herausgeschnitten wurden. Eine deutsche Justizministerin a. Darin sagt der Altkanzler. um Sterne zu erschaffen. Moral begründen schwer. zu spalten. dann veröffentlicht er die Originalfassung. das war nach dem Anschlag am Frankfurter Flughafen. musste ich erst die Ansprache meines Präsidenten hören. ZEIT: Bin Laden ist ein Massenmörder. das sei natürlich nur Spaß. entspannt lehnt er sich im Stuhl zurück. Keiner hat sich gegen Terrorismus so klar positioniert wie ich. dass die Tötung bin Ladens die strenggläubigen Muslime nicht in dem Maße aufbringt. Er spricht die Sprache der Jugend. Auch die jungen Angestellten von Kentucky Fried Chicken sehen ehrfürchtig zu ihm herüber. Böse musste man schon sein. der sich selbst ins moralische Abseits gestellt hat. er tänzelt auf den Zehenspitzen hin und her. dass sie fasten«) und im Wörterbuch Hochdeutscher Mundart (»Scheinheilig ist. fragt er als Erstes seine Anhänger. EVELYN FINGER Totengebete verboten Wie Deutschlands bekannteste Islamist Pierre Vogel auf das Ende bin Ladens reagierte rüher stieg Pierre Vogel in den Ring. wie alles Wichtige. dass einer einen Heiligen Krieg führt? Und wer schützt die Würde seiner potenziellen Opfer? Dass diese alten Fragen offen bleiben. Solche alten Droh. was ein strenggläubiger Muslim eigentlich nicht tut. Doch seine Botschaften sind zwiespältig. hatte Vogel auf Facebook als Freund hinzugefügt. Aber das sind viele Verbände nicht. dass wir auch die Würde eines Mannes wahren müssen. Doch wenn wir Amerikaner so jubeln wie letzte Woche. regte die Deutschen weniger auf. weil die Sätze. wie oft Friedenshoffnungen als Argu- ment für Aufrüstung missbraucht wurden. sagt Pierre Vogel. als sei alles ganz einfach. was schnell passiert. ZEIT: Sie verurteilen den Anschlag. Dass der Verfassungsschutz wieder einmal aufmerksam wurde. junge Frauen mit und ohne Kopftuch. Man tut. wenn ich ein Totengebet mache..« Hunter scheint den dialektischen Charakter dieses Verses übersehen zu haben. In dem amerikanischen Schnellrestaurant trifft er sich mit seinen Weggefährten. dass sie über der Kritik am Krieg-gegen-den-Terror beinahe den Terror vergessen und dass ihr wohlfeiler Pazifismus sie hindert. er finde die Tötung bin Ladens in Pakistan »zweischneidig«. gleichzeitig rela- tivieren Sie den Mord an den Soldaten. er hat seine Homepage. So argumentiert al-Qaida: Wir dürfen Amerikaner umbringen. wenn da jemand mit Krawatte gegen Gewalt ist. Das Publikum in Frankfurt applaudiert. der die Argumente von alQaida widerlegt hat. dass die dümmsten Bauern die größten Moralapostel sind und dass Ehrpusseligkeit von Mangel an Verstand kommt. Als Vogel endlich die Bühne betritt. geschlagen zu werden«. einer der drei Terrorverdächtigen. Vogel kokettiert gern mit seiner Boxervergangenheit. Die Antwort steht. wie er es ihnen auf seiner Homepage geraten hat. die Islamphobie vieler Deutscher anzuheizen. Das ist Schwachsinn. auf Mord steht »lebenslänglich«. bevor sie gemeinsam zum Rebstockpark aufbrechen. Auf seiner Homepage steht das Video eines Interviews mit Spiegel TV. dass ihm für den Zweck des Heiligen Krieges jedes Mittel recht sei. Salafismus gilt als unvereinbar mit der parlamentarischen Demokratie. uns zu sagen. Derzeit forscht er an der Herzog-AugustBibliothek Wolfenbüttel über frühe Kriegsromane . Pierre Vogel ist der Star einer Szene. Das Ordnungsamt verbot seinen Auftritt in der Frankfurter Innenstadt. 7.GLAUBEN & ZWEIFELN alle Fotos: Markus Kirchgessner/laif für DIE ZEIT/www. Die meisten Dschihadisten mit Deutschlandbezug kamen aus dem sa- Zwiegespräch mit der Menge. Als sich ein Passant beschwert. ein Demokrat ist er nicht. Eine Interviewanfrage der ZEIT hatte Pierre Vogels Pressemann kürzlich noch mit den Worten abgelehnt: »Wenn Sie ein ehrlicher und verantwortungsbewusster Mensch sind. Sie sind Vertreter eines neuen selbstbewussten Pop-Islams. dann vergessen wir. Er sucht das Ein Gegendemonstrant hält in Frankfurt das Kreuz Jesu Christi wie ein Banner hoch gebet massiv kritisiert. Der politische Salafismus ist die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland und hat enorme Sogwirkung auf die zweite und dritte Einwanderergeneration. Hass kann Hass nicht beenden: Das kann nur die Liebe. verlassen Sie Ihre Werbeagentur und suchen sich einen ehrlichen Job. in denen er Anschläge verurteilte. Vogel mag sich in der Öffentlichkeit von Gewalt distanzieren. und so kann ich mit ihnen über Terrorismus reden. Bereitwillig lassen sie sich von den Polizisten durchsuchen. Ihre Veranstaltung zu boykottieren. Pierre Vogel stört das nicht. über Reizthemen zu reden. Wenn es um die Scharia geht. Pierre Vogel kann sich seinem Gegenüber gut anpassen. bei Vogels letztem Auftritt in Frankfurt waren es dreimal so viele. Pierre Vogels Disziplin ist jetzt die Rhetorik. Frauen »genießen es. weil er ein Subjekt mit einer Würde ist. Pierre Vogel. Vogel: Trotzdem kriegt der eine vielleicht Sicherheitsverwahrung und der andere 15 Jahre. Auf dem Höhepunkt der Konfessionskriege im 16. Dann wird er wieder ernst. (27). null Mut. ist traurig genug – ein Dilemma ist eben unlösbar. Mai 2011) 12.markus-kirchgessner. dass wir sogar den Tod eines Massenmörders nicht feiern wollen. sie habe sich über den Tod Osama bin Ladens gefreut. antwortet sein Pressemann in seinem Namen.

»Vielleicht 35?«. mieteten Wohnungen in Amerika. Dass durch die stranieri. Zum Einkaufen in Berzona gab es einzig den kleinen Dorfladen der Einheimischen Marta Regazzoni. das in diesem armen Tal je blühte: die Strohflechterei. der seit Längerem dort lebte. Das ist eine große Landschaft. Er schrieb: »Was mir gefällt: das schwere Dach aus Granit und wie das Ganze in den Hang gestellt ist. Gärtchen. ein freundlicher Mann. 53. Max Frisch ist seit 20 Jahren tot.. Frisch am Steuer seines Jaguars. wie es im Onsernone-Tal oft ist: Grillen. wenn Du dann bereit bist: Unser Zuhause. Nach fünf italienischen Jahren wollte er wieder in der Schweiz wohnen – »aber nicht ganz!«. Aussteiger. mit dem Auto über den San Bernardino: »Vor allem in den Kurven: der Körper erfasst Landschaft durch Fahrt. eng neben einer Freundin aus Berzona. Mit kleinen Gebäuden aus Granit und Gneis.). berichtete er. als Max Frisch und Marianne Oellers kamen. es bleibt still. vermutet eine junge Frau. Ein Jahr dauerte der Umbau: mit Saunaofen. die durch Treppen.« Berzona wurde das Refugium. bleibt verborgen. kam dies gelegen. der Mühe hat. an dem Frisch »außerhalb von allem« sein konnte. Max und Marianne Frisch. ganz am Ende: Spruga auf über 1000 Metern.63 12. zieht sich der Ort den Hang hoch. Zürich. vorbei am Friedhof von Berzona. Keine Chance. schrieb er ins Tagebuch. Durch die verglaste Außenwand blicken sie auf den dichten Wald. zwei große Nussbäume. Zu widerstehen gelte es allerdings jeder Versuchung von Arroganz. fand Frisch. »die unsere kleine Loggia hält«. Max Frisch. die mit ihrer Familie hergezogen ist und nun mit fünf anderen Frauen zusammen das alte Handwerk des Strohflechtens in einem kleinen Atelier wieder betreibt. eine beklemmende Wildheit: In der Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) lässt Frisch den 74-jährigen Herrn Geiser ein Unwetter im Valle Onsernone erleben. »molto gentile«. immer noch. Und noch immer sind Haus und Garten perfekt vor neugierigen Blicken geschützt. Frisch. meist Deutsche und Deutschschweizer. Diese Zeit war vorbei. ein wildes Tal! Wild. die Straße hinunter bis zur Talstraße und durch Mosogno. windet sich in engen Schlingen um überhängende Felsen. Gut eine Viertelstunde hinter Locarno zweigt die Straße ab. scheinen sich der Vorherrschaft des Waldes entrissen zu haben. nur ein Zuhause. die Italienisch sprechen: kein Ristorante. sondern abseits. Und für beide scheint das Sprechen so ungewohnt geworden. Kastanien. Weinkeller und einem Studio im Turm. An die Stelle des Krämerladens – als einzigem öffentlichen Ort Berzonas – ist eine kunsthandwerkliche Kooperative getreten. Im August 1978 wurden fast alle Brücken des Tals fortgerissen. den ich am besten kenne. halsbrecherisch die Kurven. Häuser renoviert würden. Übergänge ineinander verschlungen sind. wo ich mich am ehesten zu Hause fühle. muss man zwei Dörfer weiter fahren. »Es ist der Ort. Auch die Granitsäule. so geht die Legende. Zehn Jahre später dominierte bei ihm eine andere. Ein schönes Tal. Ihr Laden ist längst aufgegeben. wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Bernadette Conrad für DIE ZEIT (kl.. Azalee oder ein Jasmin da blühen könnte. Und ähnlich wie Geiser machte Frisch eine Krise durch: 1979 war das Jahr der Scheidung von Max und Marianne Frisch. nicht einmal eine Bar. dass nur noch ein heiseres Flüstern herauskommt. Max Frisch? Ja.« So schrieb Frisch 1966 in sein Tagebuch. Marta Regazzoni strahlt. den steinernen Tisch zu sehen. »Wenn ich einkaufen gehe. ein sintflutartiges Gewitter. hat Frisch gegen Ende seines Lebens geschrieben. eine zusammengebastelte lebensgroße Puppe. Dschungel mit Brombeeren. Wuchernder Baumdschungel zu beiden Seiten. man habe sie. Auch wenn er nicht so bequem ist«. versuche ich mich immer auf Italienisch«. Vögel. heißt es im Tagebuch. Bei Marta ist aller Ausdruck in die riesigen braunen Augen gewandert. Postbus. Schon da gab es etliche Zugezogene. Doch immer kamen sie zurück nach Berzona. der beinahe ein Turm ist . Acht Dörfer und ein paar Weiler liegen hintereinander aufgereiht wie auf einer Schnur. Berlin. Karin Pilliod«. lauschen. seit 1968 verheiratet. machte ihn auf das verfallene Anwesen VON BERNADETTE CONRAD M aufmerksam. »Das Gelände ist steil«. noch im Einschlafen flechten sehen. an dem die Frischs viele Gäste bewirteten und an dem auch der »Toggel« saß. wie es der jüngere Frisch erlebte. eine leuchtende Azalee. hinter denen einem alles entgegenkommen kann. Klingeln. 20 Kilometer geht es hinein in die Schlucht. der mir am meisten vertraut ist.. er kam oft in den Laden. zusammen mit seiner letzten Lebensgefährtin. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal von der Talstraße ins höher gelegene Berzona abgebogen. Die glänzen vor Freude über Besuch. schließlich das Klingelschild: »Max Frisch. Auf den terrassierten Hängen wuchs Roggen. Ich bin begeistert . Von 82 Einwohnern kann keine Rede mehr sein. Wird mit dem Berg auch das Leben wegrutschen? Das Jahrhundertgewitter gab es wirklich.« Seit dem 17. das ist unbedacht und vollkommen. hinter einem Gebüsch die alte Bocciabahn. Er notierte: »Siebenmal im Jahr fahren wir diese Strecke. natürlich. Marta läutete auch die Glocke im großen frei stehenden Kampanile. Wald umschließt das große Grundstück vollkommen. Künstler wie Andersch oder Golo Mann. »Terrassen mit den üblichen Trockenmauern. Der Dichterkollege Alfred Andersch. jetzt voller Stolz: »Una valle selvaggia!«. Denen verweigert sich das Tal. Jahrhundert investierten die Frauen des Dorfes ihre ganze Arbeitskraft in das einzige Gewerbe. sei nicht von Schaden. Und doch steht am Anfang einer Spurensuche im Valle Onsernone auf dem Klingelschild in Berzona etwas wie ein Lebenszeichen: Hier wohnt. wenn er heimkam von irgendwo. kein Platz zu klein. So unheimlich still. Will man Marta Regazzoni treffen. Fortsetzung auf S. Motorradstaffel. das existenzielle Angst auslöst. da es nicht an der Talstraße liegt. irgendwo rauscht ein Bach. das Haus und ein steinerner Stall. in einer wilden Gegend des Tessins an fasst sich ein Herz. Und er wünschte sich ein Haus zusammen mit seiner jungen Liebe Marianne Oellers. reisten zwar weiter durch die Welt. es soll kein Gefängnis werden. als dass nicht doch noch eine Palme. Disteln usw. der imposant neben der Kirche am Ortseingang aufragt. dessen Halme die Frauen verflochten. 64 Blick über Berzona . in vertrautes Gelände. Nur Berzona tanzt aus der Reihe. Es ist still im Raum. »Das Dorf. hat 82 Einwohner. und es tritt jedes Mal ein: Daseinslust am Steuer. Handtuchschmale Balkons. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 REISEN Fotos: Fernand Rausser/KEYSTONE (gr. Rennräder. Einstimmung wie beim Tanzen«. Das Valle Onsernone ist das vielleicht wildeste der Tessiner Täler.« Die anderen Häuser des Dorfes stehen eng zusammengekauert. Nur keine Reisebusse. das aussterbende Tal wiederbelebt. Im Wintergarten des Altersheims von Russo sitzt Marta. tief unten rauscht der Isorno.) Eingewachsen: Max Frisch 1979 in seinem Haus in Berzona Sein letztes Refugium Vor 100 Jahren wurde er geboren – ein Zuhause fand Max Frisch erst spät.. eine zierliche Frau. ein Feigenbaum. öffnet das unverschlossene Gartentor an der Straße und läuft die Stufen bis zum Haus hinunter.

dem direkt neben Berzona gelegenen Hauptort des Valle. und den Leuten im entspannten Südpazifik bleibt ausreichend Zeit für Ortsnamen wie Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. am Abend möchte man hier nicht unterwegs sein – zu tief die Schluchten. dem Hauptort des Tales.): Das Klappern der Zoccoli. was von mir bleibt.64 12. In lockerem Erzählton und mit viel Humor berichtet sie.. Zürich 2000.sbb. Er führt von Berzona hinüber zur Kirche in Loco. trafen sich Max Frischs Freunde im Garten in Berzona und streuten seine Asche in den Wind. den Geiser sorgsam kategorisierte: als Knall. Savary strahlt die Entschlossenheit desjenigen aus. 004191/780 60 09. als Frisch eine tödliche Krebsdiagnose erhielt. Essen – alles. Er war ein äußerst freundlicher Mensch. Dort hat gerade die Ausstellung Max Frisch Berzona eröffnet. 14–17 Uhr (vor Juli auch freitags geschlossen) Bücher: Berzona spielt in diversen FrischTexten eine Rolle: »Montauk«. Hier wohnt nämlich der 92-jährige Bixio Candolfi. 63 Über Thailand Kaum ein halber Tag Flugzeit trennt Frankfurt am Main von Bangkok am Chao Phraya. fällt die Schlucht so atemraubend in die Tiefe. keine kleine Sache in einem Tal. wenige Sommerhäuser liegen verstreut. lief zum Passo della Garina. Der Weg ans Ende des Tales führt durch das Valle Vergeletto. wie tief seine Bewohner im TheravadaBuddhismus verwurzelt sind und welche politischen Ansichten die »Gelbhemden« von den »Rothemden« trennen.oder Pauken-Donner.onsernone.oder Koller-Donner. www. Donnern und Krachen dauert doch eine halbe Stunde. www. ein richtiger Talnachbar. er fühle sich in Berzona sicherer als in Zürich: »in tutti i sensi« – in jeder Hinsicht. Verlag C. den Berg hoch. Und auf dem Rückweg legt man noch einen Halt in Loco ein. Siehe auch Feuilleton Seite 52 SCHWEIZ Comologno Mosogno Spruga Russo Russo Maggia SCHWEIZ ITALIEN Berzona Loco Iso rno Valle Onsernone Onsernone ITALIEN ZEIT-Grafik 5 km Me o lezz Locarno Arcona Tessin Valle Onsernone Anreise: Mit dem Zug nach Locarno (www. den Talnachbar‹. äußere ich oft die Hoffnung. auf dem einheimische Würmer verspeist werden. Beck. irrte herum. wenige Menschen. die ihn pflegten. DZ ab circa 125 Euro Ausstellung: »Max Frisch Berzona« zeigt Texte und Fotos im Museo Onsernonese in Loco bis zum 30. Er wollte die.« Von Spruga. fundiert informiert. wie er es sich gewünscht hatte.palazzogamboni.ch. grasige Ebene.30–17 Uhr) geöffnet und bietet handgefertigte Flechtwaren aus Stroh an. einem Urologen. Wer es besser kennenlernen will. wir sähen uns unter glücklicheren Umständen wie- der. wie die Neuseeländer sich selbst nennen. er konnte gut mit Kindern umgehen. er wollte auch über den Tod alles wissen. wie es zum Namen Siam kam und welche Rolle das Land im Zweiten Weltkrieg und im Indochinakrieg gespielt hat. Selbst im hintersten Winkel des Valle Onsernone ist Frisch irgendwie anwesend. wie sich das südostasiatische Königreich über die Jahrhunderte entwickelt und erfolgreich gegen Kolonialmächte zur Wehr gesetzt hat.30–12 Uhr) und freitags (14. im April 1991. Verlag Kiepenheuer & Witsch. wo Abstürze meist tödlich und Selbstmorde häufig sind.onsernone. 297 S. www.pagliarte. 26 Euro Tipp: Das Atelier Pagliarte in Berzona ist dienstags (9. das ohne billige Klischees auskommt und an dem nicht nur Auswanderungswillige Freude haben dürften. mit Teller und Glas. Und genau das war er selbst. »Unsere Gespräche gingen oft über Tod und Sterben«. Seine Frau sei tot. wie Herr Geiser allein in seiner Stube saß. in Comologno: Palazzo Gamboni. Doch dann verlief er sich. Mai 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 20 REISEN Wälder überziehen die Berge im Valle Onsernone Fortsetzung von S. MWE Anke Richter: Was scheren mich die Schafe. Seit 28 Jahren ist er als Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Notfallund Rettungsmedizin fürs Valle Onsernone tätig.« Der Passo della Garina ist eine weite. der Leuten aushalf. 12.ch. Tel. 0041-91/797 10 22. wo der Weg aufhört und Herr Geiser kurz aufatmete. das »Klöppeln auf Blech« hörte. auf der Südinsel nimmt sie an einem Naturfestival teil. ringsum wohnten Leute aus Zürich und Bern. ein bisschen Unruhe – dann wäre das schön. In Panik verließ Herr Geiser sein Haus. die lebensgroße Puppe. der an der Universität Hamburg die Sprache und Kultur Thailands (Thaiistik) lehrt. gibt es das nette kleine Ristorante Onsernone. kleine Gebäude über terrassierte Wiesen verstreut. dass Frisch gegen Ende seines Lebens immer wieder sagte.« Das Leben immer auch in Bezug auf den Tod zu betrachten. Ihre heitere Verwunderung hat Richter nun in einem ausgesprochen unterhaltsamen Lesebuch zu Papier gebracht. Bixio Candolfi sagt: »Mir schrieb er einmal die Widmung in ein Buch: ›Für Bixio. Herr Geiser ist das nicht. www. Die Neuseeländer haben auch einen oft recht eigenwilligen lässigen Lebensstil entwickelt. Von Berzona nahm er so bewusst Abschied. Komfortabel und originell am Ende des Tales. gingen auch in die Berge. noch kein Sommergewitter«. Birken. suchte vergeblich den Zugang zum Maggiatal. Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. Schmetterlinge.95 € Man stellt sich vor. als sie ihrem Mann.europcar. im eigenen Beruf ständig mit den großen Fragen der Existenz zu kämpfen: darin fanden sich Frisch und Savary in diesem wilden Tal. Deshalb der Maschendraht.ch). Wie ein Gefangener steht er hinter seiner selbst gebastelten Befestigungsanlage. 00800/10 02 00 30 (kostenfrei). »Die Leute sollen im Tal sterben können«. der ihn nicht kennt. Aber das Knallen. wo die grüne Grenze nach Italien verläuft. Kein Jahr später.com Am Ort erhält man Auskunft beim Infopoint Auressio. Ein friedlicher Platz. Auf einem Video ist der Schriftsteller in seinem Garten zu sehen. Polter. 0041-79/519 19 85. »He!!«. 525 S. Fuß fasst. Ein Notfalleinsatz 1983. was läuft. kann man wandern bis ans Ende der Schlucht. die es brauchten. wie eine deutsche Familie unter Schafen und Kiwis.« Auch mit Max Frisch war das so.95 € Unter Kiwis Neuseeland ist nicht nur weit weg. wird von Volker Grabowsky.ch Unterkunft: In Loco. Comologno liegt auf einer Höhe von 1076 Metern. H.myswitzerland. Kurz der Eindruck.. als Hall-Donner. im Jahr darauf noch ein Hubschraubertransport des Dichters von Spanien heim nach Berzona. Ziegen laufen über die Straße. Darin zitierte er Frisch: »Wenn in dem. Tel. Ob man ihm nicht Gesellschaft leisten könne? Er habe nur den Hund.ch . www.. »Der Mensch erscheint im Holozän« (alle im Suhrkamp Verlag erschienen). Wald- und Wiesendoktor«. TalkshowRedakteurin Anke Richter reibt sich jedenfalls immer wieder die Augen. links steil der Berg. die das Altersheim und Ambulatorium begründet haben. was ich brauche. Er war auch ein großzügiger Mensch. Wenn Reiseveranstalter mit prächtigen Tempeln trumpfen. ehemals Programmdirektor Kultur des Televisione Svizzera Italiana in Lugano und in den siebziger und achtziger Jahren mit Frisch befreundet. »Tagebücher 1966–71«. 004191/797 10 00. Tel. eng sind die Häuser aneinandergerückt. sagt ein Mann aus dem Dorf beruhigend. ruft jemand aus einem eingewachsenen Häuschen. Nach dem Tod des berühmten Talnachbars schrieb Bixio den Nachruf im Voce Onsernonese. Nein. Geht er nie ins Tal? Der Mann weist auf ein unglaubliches Gefährt. Ein alter Mann erscheint. Öffnungszeiten: Mi bis So. bis die Dunkelheit hereinbrach. an den Gartentisch des Berzona-Hauses setzt. er war einer von denen. Literarische Wanderungen im Tessin. Tel. München 2010.« Das galt dann vor allem von 1990 an. H. erinnert sich Beppe Savary an seine Jahre der Freundschaft mit dem Dichter. »Er war Architekt. Unter den knapp 1000 Einwohnern des Tales gibt es wohl niemanden. 70 Euro. sind die Koffer schnell gepackt: Thailand. DZ ca. 208 S. Frisch sei eher ein Reibeisen – das war er aber überhaupt nicht. Was ist das Leben an seinem Ende? Ein Verlorengehen? Diese großen Fragen stellte der ältere Frisch in seinem Text Der Mensch erscheint im Holozän. 0041-91/797 10 00. palmengesäumte Strände und raffinierte Speisen preisen. mit dem er sein Haus bis unters Dach eingewickelt hat. und sein direkter Nachbar mache ihm das Leben zur Hölle. 14. Tel. über den er sich ins benachbarte Maggiatal retten wollte. Mücken. Bixio Candolfis Frau Nice schaut aus dem Fenster. Ein vergnügliches Buch. 1990 zog sich Max Frisch zum Sterben in seine Zürcher Wohnung zurück. Seine Kleine Geschichte Thailands zeichnet nach. dem Leiden so vertraut ist wie die Leidenschaft für seine Sache. Dort. Den Toggel warf er den Hang hinunter. Sie erinnert sich an das dramatische Unwetter von 1978: »Damals konnten wir eine Woche nicht aus dem Haus!« Max Frisch ist dem Ehepaar noch lebhaft im Gedächtnis. von Hamburg ins »Land der großen weißen Wolke« folgt: Die Kollegen dort laden sie ein zur Motto-Party mit dem Thema »Sturm auf die Normandie«. das »Land der Freien«. Serpentinen durch den Wald. eine Badewanne mit Rädern: »Damit bringe ich alles heim. wie er den Toggel.K. Oktober . Kurz vor der Ankunft bei ihm wird man vom Gewitter eingeholt. sagt Savary. wo er nicht schon jemanden zu Foto: Joerg Modrow/laif bergen hatte. von dort aus weiter mit dem Postbus oder Leihwagen www. Herrn Geisers Wanderung wird beschrieben in Beat Hächler (Hrsg. »Danach trafen wir uns oft. Meine Töchter adoptierten Frisch als ihren Großvater. dann eine Lichtung mit Gehöften. den auch Max Frisch oft gegangen ist. wir aßen zusammen. Ein stummer Dauergast. nicht endenden Regen und den Donner. die kämen nur an den Wochenenden. Zement. rechts steil die Schlucht. aber es ist auch ein einsamer Bergler. sie mit Hut und Schal ausstattet.« Nice Candolfi weiß noch. dass ein Satz des Doktors noch mal in Erinnerung kommt: Es gebe wohl keinen Kilometer im Tal. zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. dem letzten Ort des Tales. Rotpunkt Verlag. die Straße fließt weg. nicht auf die Taleinsamkeit verpflichten. der immer wissen wollte. wo dieses kleine Seitental abzweigt. auf unebenen Granitplatten sachte aufwärts. alle Bausteine kennen und auch sein Sterben noch selbst gestalten. Tel. »Wenn ich jemanden im Notdienst kennenlerne. zu unwegsam das Gelände. steht hinter Maschendraht. Vögel. Bei gutem Wetter ist sein Fluchtweg ein schöner Wanderweg. »Keine Sorge. unter dem die Mauer steil zur Schlucht hin abfällt. ein bisschen Liebe ist. Der 59-Jährige nennt sich selbst bescheiden einen »Fels-.ch Auskunft: Schweiz Tourismus. Köln 2011. Unten in Russo kann man den Talarzt treffen. als es ihm gut ging.und Buchenwald ringsum. Mein Deutschlehrer hatte gemeint.

vierzig Galerien und der lange Schatten von Beuys Seinen Aufstieg zur Weltkunststadt verdankt Düsseldorf einem notorischen Angelwestenträger.. ihre Siebdrucke zu belichten. die berühmten klebrigen Reiskuchen. für diese Glitzerdefilees und Brezelprotzessionen wurde einst die Kö gebaut. und 21. von Süden her. unvergessen. dass Düsseldorf immer noch vorne mit dabei ist. www. der Turner-Preisträgerin Tomma Abts. hat es ja nicht weit zu einer der fast zwanzig Bars in der Nachbarschaft oder zum Ableger des Na Ni Wa gleich über die Straße.. Auf einer Baustelle um die Ecke preist eine Wohnungsbaugesellschaft »klassisches Wohnen in bester Lage« an. angelegt in den ersten Jahren des 19. der an Fleischerhaken von der Decke hängt. Ein Beuys-Stadtplan. beim Alltagsbedarf. der. gab bei Andy Warhol Wahlplakate in Auftrag. aus der Hohen Straße. Struth. Dennoch sieht man auf der Rheinpromenade Touristen mit Flaschen hantieren. Im Dämmerlicht winden sich Gänge wie Bergwerksstollen durch einen Trakt aus neun Schankräumen. was den Mikrokosmos zusammenhält: das Altbier. der atmet hier auf. Eine ziemlich herzhafte Angelegenheit – gerade so.« Da riskiert man sogar einen Moment im Straßencafé und erfreut sich der Eitelkeiten unter der Sonne. Düsseldorfer glauben das sofort. als er die ersten Äcker anlegte. die Kunst nicht zeige. Schwergewichte der Branche wie die Fotografen Struth und Gursky schätzen nach wie vor das besondere Klima aus Selbstbewusstsein und Toleranz. schmierte mit Bazon Brock Fettecken ins Fernsehstudio. PBY/F1online (kl. So ist es hier fast überall: Mehr als die Hälfte ihres Ausstoßes füllen die Düsseldorfer Brauereien in Fässer ab. und der Bierdeckel ist schwarz von Strichen. dem Schotten Peter Doig und anderen. Das hält frisch und zögert den Absacker hinaus. Wer welche möchte. Jahrhundert gerollt. MICHAEL ALLMAIER Das Altbier Bernsteinfarben glimmende Gläser. die man hier kaufen kann: eigenwillig und auf charmante Weise zusammengewürfelt. doch eine Künstlerstadt ist Düsseldorf immer noch. Mit stoischem Schwung hämmern sie unaufgefordert auf die Tische. die der Bildhauer Friedrich Coubillier entwarf. Unverwüstlich grandiose schnurgerade 1000 Meter. legt ihn schützend auf sein leeres Glas – die Köbesse kennen sonst kein Erbarmen. kann auch anders. blieb nur der Name. ein »Tunnelrestraum«. Der hat mit all seinen Kunstbatterien aus Fett. Die Kellner heißen Köbesse und tragen Falstaff-Wampen unter pflaumenblauen Schürzen. So macht man das hier. Man ahnte es doch schon beim ersten herben Schluck: Wer so ein Bier hat. Und der neueste Kunstort KIT liegt bezeichnenderweise unter der Erde. wenn doch klar ist. wie Japaner eins ihrer liebsten Schnellgerichte mögen.« »Hier wohnt man halt noch«. Mai ganz neu präsentiert. Seit er nach dem Krieg an der Kunstakademie studiert hatte (übrigens Tür an Tür mit einem anderen Querkopf. Seeteufelleber . In dem traditionellen Arbeiterviertel bosseln Handwerker in kleinen Betrieben. Hier präsentieren sich ein paar der stolzesten Stätten japanischer Tischkultur – filigran. Darauf sitzen meistens Leute. wird einem wunderlich zu Mute. nun ein Museum ist. Doch der Hardrock-Schuppen hält dagegen. dem Galeristen im Auge all der früheren Stürme. die sich hinter Buchläden wie Lincke und Schrobsdorff verbarg. Da macht die Königsallee keine Ausnahme. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 65 Düsseldorf: Five points Die Stadt des Eurovision Song Contest hat ein bisschen Applaus verdient Fotos: Fulvio Zanettini/laif (gr. Gedruckt wird auf alles. die so wirken. Rechter Hand. die Fische ausnehmen.). stellte Joseph Beuys die Düsseldorfer Duldsamkeit immer wieder auf die Probe. wie der Meister höchstselbst bei einem Besuch in Düsseldorf anerkennend festgestellt haben soll. vom Holzfällerhemd bis zum Partykleid. die nicht nur Mochi führt. dass die Punkrocker aus dem Ruhrgebiet künftig in Susannes Hemden auftreten. in der Karte blätternd. Der lässt sich auch gern was vom Pferdeapfelattentat auf den preußischen König erzählen. In manchem vermeintlich japanischen Restaurant kochen Koreaner oder Vietnamesen für den westlichen Geschmack. Bernsteinfarben glimmt es im kurzen Glas. an denen der heilige Jupp sein Leben als soziale Plastik führte. Per Aufzug kommen die Bierfässer aus dem Keller. dass man mal China als Herkunftsland seiner japanischen Pilze nennt. und auch auf Deutschlands kleinen Boulevards sieht es nicht anders aus. Ein Frevel! Da hilft nur die Flucht ins Kneipengewimmel der Ratinger Straße. weil immer auch ein Schuss Ignoranz dazugehört. und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist. mutig zu sein. dieser »Pralinenschachtel«. übrig geblieben beim Bau der Rheinuferpromenade. Doch. dann prügeln ihnen tätowierte Männer den Zapfhahn hinein.misprint. Jahrhunderts. als seien sie aus dem Mittelalter ins 21. Wer von nebenan kommt. und sinnt dem leichten Rauchgeschmack nach. Oder der Einrichtungsladen Kyoto mit den prächtigen handgemachten Teeschalen. Wenige Meter weiter lockt ein Secondhandshop mit einem Unterhemd mit Melonenmuster oder fünfzig Jahre alten Feinstrumpfhosen. etwas ruhiger. Und von Heinrich Heine natürlich: »Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön. Als Laie denkt man ja. Aber es hat schon was Symbolisches. von Rubens über Kirchner bis. und auch für diese Modenschauen und Schmuckparaden. was wann woher eingeführt wurde. Natürlich im Stehen. Jahrhunderts. Schrobsdorffs Besitzer war. Günter Grass). sondern verbarrikadiere. wer sie sind. Und – gerade jetzt – das Museum Kunstpalast. Auch wenn das heißt. Spitzenbordüren und Satin zu abenteuerlichen Kreationen vernäht. Was gibt es denn da Feines? Gar nicht so Feines. Alle Arten von Nudelsuppen mit geräuchertem Schweinebauch. SANDRA DANICKE . wenn man vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt spaziert. wo selbst eine profane Stäbchenbank verpackt wird wie ein Juwel. die schier endlose. Eine Millionenstadt ist Düsseldorf nicht. die Leopardenfellimitate. die die Entwicklung Flingerns auch skeptisch sieht. Aber was für welche! Eingelegte Qualle. Früher hat sie Häuser besetzt. darunter Veteranen der wilden Zeit wie Hans Meyer und Konrad Fischer.info. Seine Gäste sehen aus wie die zottelige Band von Alex Harvey. dem Geschäft eines Szenefriseurs. Hier wippt man beim Trinken auf den Fußballen. dass es den Menschen nicht nach Brot verlangte. jetzt entwirft sie die Outfits der Toten Hosen. Es dauert nicht lange. Dazu die Kunstsammlung NRW mit ihren beiden Häusern für Kunst des 20. Sushi servieren sie hier überhaupt nicht. die Geschäfte und Restaurants. zeigte in der Wohnung von Jörg Immendorff eine Filzhülle für Konzertflügel. unter der Direktion des wunderbaren englischen Bildhauers Tony Cragg zeigt der kosmopolitische Lehrkörper mit Rosemarie Trockel. wie der bittere Doldenhopfen zärtlich in den Gaumen beißt. die berühmten Adressen. sitzt DivaS in der Sonne. Pauli Blond. wie sie aussieht. Gut möglich. mehr Werke von Mann besaß. opake Front der Banken. Aber niemand von ihnen isst. Das Dreieck Immermannstraße. An allen Türen prangen Zettel. bis die Bedienung sie hereinwinkt. Bräsiges Bierbankhocken ist nichts für Düsseldorfer. Die Tradition. neuerdings wieder hoch gehandelten Meistern der alten Düsseldorfer Schule. spürt beim Trinken. Netze flicken und Fischgerichte zubereiten kann und im Besitz eines Angelbootes mit Motor ist. dass er die Kunststadt Düsseldorf noch 25 Jahre nach seinem Tod leuchten lässt. Punks müssten ihre Mode selbst entwerfen. gehen betagte Damen zum Friseur und Werbeleute in die Agentur. Die Professoren an der Kunstakademie sind international erste Sahne. als habe einen die Altstadt verschluckt. Was nicht heißt. Flingerns Bewohner sind wie die Kleidung. Ist man wirklich in Düsseldorf. die vermerken. mit dem sich das Alt verabschiedet. Der Düsseldorfer aber zeigt. Totenkopf-Halstücher vom Krimskramsladen behaupten sich neben wallenden Haute-Couture-Kleidern von Düsseldorfs Designerstar Norman Icking. Düsseldorf ist anders. Als ob die Vorliebe für laute Musik automatisch mit einem Gespür für die lässige Kombination von Laufmaschen und gesprühten Kampfansagen einherginge. Darin zechen hornbebrillte Werber mit Rentnern in PopelinBlousons. wo man sich an den Tresen setzt und zum Bier ein paar Häppchen bestellt. der glühende Thomas-Mann-Verehrer Hans-Otto Mayer. wo vor 30 Jahren die NewWave-Szene Musikgeschichte schrieb und deren Epigonen im Freien picheln. na klar. linker Hand. die großen Boulevards Europas von den Champs-Élysées bis zum Newskij Prospekt. vertrauen auf Susanne Hertsch. erklärte einem toten Hasen in der Galerie Schmela die Bilder. Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften mit Foto von Boot und Motor. Vor allem die Ackerstraße mit ihrem Mix aus Stil-Altbauten und biederen Sechziger-Jahre-Wohnhäusern entzückt Freunde schräger Looks. Und doch bleibt es die Kö. von einer neuen Direktorin frisch belebt. sondern nach dem Rausch aus vergorener Gerste. hier lohnt es sich. das sich so großzügig gibt. Für Hertsch die günstigste Methode. Nur in ihnen fühlt sich das Obergärige wohl.und Karamellmalz. Im Uerige strömt das Altbier aus Fässern. Gerald Haenel/laif. gelangt in ein Hinterzimmer mit blutrot verschmierter Badewanne und einem alten Gesichtsbräuner. aber eine Stadt der Millionäre. Seeigel. als überall in Europa die Stadtbefestigungen fielen. sondern auch abenteuerliche Manifestationen der deutsch-japanischen Freundschaft: Berliner Ballen mit Rote-Bohnen-Füllung! Wurstkrapfen mit Curry! Seit Fukushima bangen die Ladeninhaber um ihr Geschäft. oder von den Radschlägern und ähnlicher Folklore. betonbrutalen Kunsthalle. Kurioses ist in der Ackerstraße normal: die Porzellanpuppen-Parade im Fenster einer Anwohnerin. Berliner und Münchner mögen zeigen. dass oberirdisch nichts mehr los wäre: knapp vier Dutzend Galeristen. Essen gibt es nur drinnen. dem Geck unter den deutschen Großstädten? Aber sicher. Hier haben sich seit der Nachkriegszeit über vierhundert japanische Firmen niedergelassen. Wer ihr Geschäft mit den wild bedruckten Shirts durchquert. Eine Kontaktanzeige im Schaufenster eines Anglergeschäftes: »Suche liebevolle Frau. Die »Pralinenschachtel« ist auch noch drauf – die hat nicht mal Beuys beiseite räumen können. ob Jungfernstieg. CHRISTOF SIEMES Die Mode Melonenmuster-Unterhemden für den stilbewussten Rebellen Neulich waren Betontod da. Vom Café Bittner. kandidierte mit Otto Schily für die Grünen. forderte den Abriss der städtischen. Nicht. Filz und Mamas eingeweckten Birnen so viel positive und negative Energie produziert. beschwingt auf die Tische gehämmert Am Anfang war das Bier.REISEN 12. Aber die spannendsten Entdeckungen macht man eine Preislage darunter. Zwar wurde es nach des Schamanen Tod am Rhein. BENEDIKT ERENZ Japan Seeigel und Currywurstkrapfen im Imbiss nebenan Vor dem Fenster des Ecklokals Na Ni Wa steht eine lange Bank. dass das eigenwillige Haus von Alfred Schmela. das nach zwei Jahren Renovierung seine weit gefächerten Schätze seit dem 7. Oder die Bäckerei Taka. Banker mit Hausfrauen und Japanern. vor Kurzem herausgegeben von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. dem einheimischen Gewächs Katharina Fritsch. ob Kurfürstendamm. Sie bilden eine Schlange. So jedenfalls heißt das Label der Blondine. und der 1812 eröffnete Breidenbacher Hof gehört jetzt einer Group mit Sitz in Atlanta. wenn man in der Hausbrauerei Uerige ist und sich fühlt. aber nur wenig bekannt. Beuys. dass ihr Altbier deren Gipfel markiert? Kein Düsseldorfer Overstatement leuchtet mehr ein. Die Düsseldorfer nehmen es rheinisch gelassen. SVEN SIMON. der hier in den siebziger Jahren Konzerte gab. Aussschnitte im Uhrzeigersinn) Die Düsseldorfer Rheinpromenade im Abendlicht Die Kö Unverwüstlich grandiose schnurgerade tausend Meter Haben sich ja alle ein bisschen in Duty-frees verwandelt. Japanische Küche ist in Deutschland beliebt. die neue Inneneinrichtung hat ein Westfale gestaltet. Man kommt fast automatisch durch. Sie sitzen die Panik aus – auf der Bank vor dem Na Ni Wa. ullstein. Seit sechs Jahren betreibt die Künstlerin im Stadtteil Flingern ihr Ladenatelier Misprint. Wie andere junge Designer hat DivaS für ihre Kollektion eine Kleiderstange beim Friseur gemietet. nämlich Icke und Mir. für das flanierende Publikum von den herrlichen alten Bäume diskret verdeckt. die sichergehen wollen. WOLF ALEX ANDER HANISCH Die Kunst Gursky. Vor St. Man erschnuppert den Duft von Röst. Zum Beispiel die ostwestliche Nouvelle Cuisine im Restaurant Nagaya: große Kunst in kleinen Portionen. der Limbecker oder ähnlichen Budengassen des Grauens. Die ersten Investoren suchen bereits aus dem Flair des Viertels Profit zu schlagen. im Freiheitsjahr 48. Wer nicht mehr kann. Zu Gitarrenriffs von Motörhead tanzen Frauen in Leder. der seinen niederrheinischen Querkopf mit einem Filzhut zu bedecken pflegte. wo die Altstadt zur Kirmes verkommt. als der Laden noch Weißer Bär hieß. Überall die gleichen aseptisch sortierten Luxusholdingläden mit standardisiertem Verkaufspersonal samt global kompatiblem Fetischdisplay. Die japanische Community von Düsseldorf zählt zu den größten in Europa. Geschäftspartner der wiederaufgebauten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. die eleganten Brücken darüber und die zart pompöse Tritonen-Fontäne von 1902. puristisch und teuer. Individualisten. den er einst im Kanu überquerte. als dieser je geschrieben hat. setzt an. Den lautesten gönnt man sich im Engel in der Bolkerstraße. Er stritt mit Johannes Rau jahrelang vor Gericht um seine Professur. Das Lichtburg-Kino! Fuchs-Greven für den geschmackvoll gestalteten Salon! Nur das Porzellanhaus Franzen (von 1820) harrt noch aus und natürlich die Galerie Paffrath (seit 1867) mit ihren charmanten Oberlichtsälen und den lieben. sagt Susanne Hertsch. die Mauern und Wassergräben. die fast so gut schmeckt. ach. Lang vergangen die großen Namen. Evolutionsbiologen wollen nämlich entdeckt haben. aus Köln oder Essen. verzeichnet für Kunstpilger all jene Orte. Warum sollte das Gebräu nicht der Ursprung der Zivilisation sein. geduldig wartend. das hat Welt. Das schönste und eigenste aber ist der stille Kanal in der Mitte. In schmucklosen Imbissen wie dem Kikaku. sich die Blöße zu geben. Susanne Hertsch passt nach Flingern. was er hat. Klosterstraße und Oststraße markiert die Grenzen von KleinTokyo.

66 12. Mai 2011
BLICKFANG

DIE ZEIT No 20

REISEN

In der Warteschleife
Oft preisen Urlauber nach ihrer Heimkehr aus der Karibik die Freundlichkeit der Menschen, die, wie es den Besuchern scheint, mit so wenig Besitz so glücklich sein können. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Selten blicken wir, die nach Erholung und Unbeschwertheit suchen, hinter die höfliche Fassade, wo mehr Sorgen, Nöte und Ängste toben, als wir wahrhaben möchten. Der amerikanische Fotograf Alex Webb, Mitglied der Pariser Fotoagentur Magnum, ist ein Kenner der Region. Auf seinen Bildern aus Haiti, Puerto Rico (unser Foto), Kuba, Jamaika, Trinidad und Tobago, Curaçao und Nicaragua, von den Antillen und der Dominikanischen Republik sieht man die Menschen selten lachen. Sie wirken in sich versunken, nachdenklich, gelangweilt von einem Leben in der Warteschleife auf eine bessere Zukunft. Und Webb lässt sie sein, in goldgelbem Licht und strahlenden Farben. Selten hatte die Karibik in einem Bildband ein menschlicheres Gesicht. KCB
Nikolaus Gelpke (Hrsg.): Karibik. Fotografien von Alex Webb. Mit Texten von Karl Spurzem. Mareverlag, Hamburg, 2011, 124 Seiten mit MusikCD; 58 Euro

Foto: Alex Webb/Magnum Photos

REISEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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A

ls Brutus das Licht der Welt erblickte, malte Cézanne noch romantisch, und Richard Wagner komponierte den Ring des Nibelungen. Amerika war eine Nation der Sklavenhalter, Singapur und São Paulo waren Provinznester. Telefon, Autos und Kinos kannte man damals noch nicht; noch nicht einmal die Schreibmaschine war erfunden. Die Welt, in die Brutus geboren wurde, gibt es nicht mehr. Doch die Aldabra-Riesenschildkröte tut weiterhin das, was sie schon immer tat: schiebt ihren schweren Panzer über die Seychelleninsel North Island, grast gemächlich im Schatten von zerzausten Kokospalmen, sieht die Sonne über dem Indischen Ozean aufgehen und untergehen. »Wo warst du, Brutus? Wir suchen schon den ganzen Tag nach dir«, sagt Linda Vanherck. Die belgische Biologin hat ihren ältesten Schützling schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Irgendwo im Sumpfgebiet muss er sich herumgetrieben haben. Dort verloren sich jedenfalls die Schleifspuren seines schubkarrengroßen Panzers. Linda begrüßt das Ungetüm wie eine Mutter, die soeben ihr ausgebüxtes Kind wiedergefunden hat. Ihre Freude über das Wiedersehen zeigt sich in feinen Lachfältchen, die ihre blaugrauen Augen umspielen. Auf etwa 150 bis 160 Jahre schätzt Linda das Alter der Riesenschildkröte. Und auch wenn es scheint, als sei hier noch alles wie früher, ist die Zeit auf North Island nicht stehen geblieben. Die nur zwei Quadratkilometer große Insel hat sich vom Dschungel in eine Kokosplantage und schließlich in ein beliebtes Reiseziel von Hollywoodstars und Superreichen verwandelt. Menschen kamen und gingen, einst in Fischerbooten. Heute reisen sie in Hubschraubern an, lassen ihre riesigen Koffer von Bediensteten über den Sand tragen und werden von Mädchen in weißen Kleidern wie Majestäten empfangen. Butler bringen ihnen Champagner, Sushi und Schalen mit ausgewählten Früchten. Man hat ihnen Hütten gebaut – in Wahrheit sind es Paläste aus Tropenholz mit Bädern aus weißem Marmor. Mit Betten so groß wie die Verschläge der Plantagenarbeiter, die einst die Kokosnüsse ernteten.

Wir haben die Kröten
Auf der Seychellen-Insel North Island erholen sich die Stars – und finanzieren ein Arche-Noah-Projekt VON WINFRIED SCHUMACHER

»Wir reden sogar mit Eiern«, sagt die Biologin Linda Vanherck
Brutus steht auf vier gewaltigen Füßen inmitten einer Lichtung, ein Fels von einem Tier. Doch an seiner rechten Seite ist deutlich eine Narbe zu sehen. Die mittlere Schildpattreihe ist zertrümmert. An einem Tag im Jahr 2007 hatte die Schildkröte eine schmerzliche Berührung mit dem Tourismus. Ein betrunkener Urlauber übersah ihren Schlafplatz auf dem Hauptweg von North Island und prallte mit seinem Elektromobil gegen ihren Panzer. Linda versorgte seine Wunden, bis der Riese wieder in gewohntem Stolz über die Insel spazieren konnte. Die zierliche Frau mit dem silbergrauen Seitenzopf geht vor Brutus in die Hocke und tätschelt ihn liebevoll. Er lässt sich genüsslich den faltigen Nacken kraulen. Linda Vanherck hat ihr Leben dem Naturschutz verschrieben. Schon als Kind in Belgien träumte sie davon, wie die Gorilla-Forscherin Dian Fossey nach Afrika zu reisen. Nach einem Biologie-Studium in Löwen forschte sie an der Universität Kapstadt. Sie arbeitete als Guide in südafrikanischen und namibischen Nationalparks und betreute verschiedene Umweltprojekte der Vereinten Nationen im südlichen Afrika. Auf die Seychellen lockte sie 2005 die Chance, North Island zu renaturieren. Seit ihrer Erschließung im frühen 19. Jahrhundert war die Insel eine Plantage. Arbeiter gewannen aus den Kokosnüssen Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch, die Grundlage für Kokosöl. Nach dem Zusammenbruch der Kopraindustrie in den 1970er Jahren wurde North Island verlassen. Die zurückgebliebenen Ratten, Katzen und Schweine vermehrten sich unkontrolliert und verdrängten die einheimischen Tiere. 1997 kaufte eine Eignergruppe um den Detmolder Unternehmer Wolfgang Burre die verwilderte Insel und beschloss, sie zum Deluxe-Ökoresort umzuwandeln. So entstand das Arche-Noah-Projekt. Mit Setzlingen und Saatgut von anderen Seychellen-Inseln begann die

Brutus (oben) ist geschätzte 150 bis 160 Jahre alt. Unten: Die Biologin Linda Vanherck mit weiteren Schützlingen

Wiederaufforstung des ursprünglichen Tropen- elf Gästevillen entlang des Hauptstrands sind in waldes. Nach und nach wurden die tierischen der Inselvegetation kaum auszumachen, obwohl Eindringlinge ausgerottet. Die Insel ist heute sie über eine Grundfläche zwischen 450 und 750 rattenfrei. So können sich wiedereingeführte Quadratmetern verfügen. Neben anderen AnArten wie der äußerst seltene Mahé-Brillenvogel nehmlichkeiten bieten sie den Berühmten und ungestört vermehren. Mittlerweile leben 85 Rie- Reichen dieser Welt vor allem den Luxus der senschildkröten auf der Insel, zudem etwa 20 Abgeschiedenheit. seltene Sumpfschildkröten, die wegen eines HoÜber die Gästeliste wird auf North Island telneubaus auf Mahé, der Hauptinsel der Sey- strenges Stillschweigen bewahrt, doch im Interchellen, heimatlos geworden waren. net kursieren Berichte, denen zufolge Brad Pitt Linda liebt es, Besuchern auch die kleinen und Angelina Jolie, Julia Roberts, Paul McCartWunder ihres Refugiums zu zeigen. »Hey, ihr ney und Bono bereits hier gewesen sind. Salma beiden«, begrüßt sie zwei Paradies-Fruchttau- Hayek verbrachte ihre Flitterwochen in einer der ben, die in einer Baumkrone an wilden Feigen Villen. Die Beckhams sollen zu ihrem zehnten picken. Wegen ihres weiß-blauen Federkleids Hochzeitstag die ganze Insel gemietet haben. und des roten Kopfs wird der Vogel auf Kreo- Laut Pressespekulationen plant sogar das Prinlisch Pizon Olande, »Holländische Taube«, ge- zenpaar Kate und William, seinen Honeymoon nannt. Sie gehören zu einihier zu feiern. Der Hamburgen endemischen, nur auf ger Insel-Makler Farhad den Seychellen vorkomVladi bestätigt, dass er North menden Arten. Island an die britische Krone Die Kosten für das Arvermietet hat. Den Termin che-Noah-Projekt soll das Anreise: Condor (www.condor.de) behält er für sich. Luxusresort tragen. Direkt fliegt direkt von Frankfurt am Main Linda interessiert sich hinter den Gästevillen liegt auf die Seychellen nicht besonders für die ein Hain mit Hunderten Stars, aber ein paar kuriose Kokospalmen. Linda mag Unterkunft: North Island gehört zu Geschichten kennt sie doch. sie nicht, auch wenn den den exklusivsten Reisezielen weltweit. Sie erzählt von Gästen, die Touristen der Anblick ge- Eine Übernachtung kostet all-inclusive ihr Mineralwasser aus Fifällt. »Das ist reine Mono- ab 2100 Euro pro Person dschi einfliegen ließen, von kultur. Man hat diesen Teil einer Dame, die mit viererhalten, um zu zeigen, wie Riesen- und Meeresschildkröten las- zig Paar Schuhen auf der es hier zur Zeit der Kopra- sen sich auch auf anderen Inseln der Barfuß-Insel landete, und Seychellen beobachten. Am Strand der industrie aussah.« Anse Kerlan auf Praslin legen Suppen- von einem aufgebrachten Vom ursprünglichen Tro- und Karettschildkröten ihre Eier ab. Bräutigam, der in der ersten penwald sind nur wenige Constance Lémuria Resort (Anse Ker- Nacht der Flitterwochen Hektar erhalten. Linda geht lan, Praslin, Tel. 00248-428 12 81, mit dem Hubschrauber ausvoran. Nach wenigen Mi- www.lemuriaresort.com). Junior-Suite geflogen werden wollte. nuten wird die Vegetation ab 330 Euro; La Digue ist bekannt für »Die meisten Gäste verhaldichter und wilder. Über ihre Riesenschildkrötenkolonie. Berni- ten sich aber unauffällig«, uralten Takamaka- und Ka- que Guest House (La Passe, La Digue, sagt Linda. Sie weiß, dass tappenbäumen flattern krä- Tel. 00248-23 42 29, www.bernique- ihr Arche-Noah-Projekt auf hengroße Flughunde. Unter guesthouse.com). DZ ab 95 Euro umweltbewusste Vermögenausladenden Fächerpalmen Veranstalter für umweltbewusste de angewiesen ist. rascheln giftgrüne Eidech- Seychellen-Reisen: Reiseservice Africa Am nächsten Morgen sen durchs feuchte Laub. (Bauseweinallee 4a, 81247 München, ist es so weit. Linda taucht Linda und ihr Arche-Noah- Tel. 089/811 90 15, www.reise mit einem Plastikeimer am Team haben Kokospalmen service-africa.de) Strand vor den Gästevilaus dem Wald entfernt und len auf. Elf der frisch AFRIKA geschlüpften Karettdafür endemische Arten an- Auskunft: Seychelles Tourist Office Deutschland. Tel. schildkröten sind in gepflanzt. der Nacht aktiv geLinda kultiviert für das 069/29 72 07 89, www. worden und nun reif Renaturierungsprojekt Hun- seychelles.travel für die Freiheit. Linda derte von Pflanzen in der kippt den Eimer vorinseleigenen Baumschule. North Island Praslin sichtig auf den wei»Besonders stolz sind wir Island ßen Sand, die auf unsere Coco de Mer«, sagt sie. Die Silhouette Schildkrötenbeginberühmte Seychellenpalme hat die S E YC H E L L E N Island nen sogleich, den größten Samen, die es im Pflanzenreich Indischer Ozean Wellen entgegenüberhaupt gibt. Weil die gewaltigen zuwackeln. Nur weKokosnüsse an ein weibliches Becken Mahé Island nige Meter trennen erinnern, ranken sich viele Legenden sie vom Wasser. um die Palmenart. Angeblich setzten ZEIT-Grafik Ihr Spurt über den Könige und Sultane einst hohe Summen 10 km Sandstreifen ist nicht unfür ein Exemplar der sagenhaften Nuss aus, gefährlich; die Fressfeinde die hin und wieder an fremde Küsten geschwemmt wurde. Ihren wahren Herkunftsort warten schon. Aber sobald eine Strandkrabbe angreifen will, stampft Linda kräftig auf und kannten sie nicht. verscheucht sie. »Los, ihr Kleinen, ihr schafft das!«, spornt sie die Brut an. Die Schildkröten Angeblich sollen Kate und William schieben sich auf ihren Flossen mühsam vorhier ihre Flitterwochen verbringen wärts. Bei den ersten Versuchen wirft die Nicht weit von der Baumschule hat Linda ihr Brandung sie zurück auf den Sand, doch dann Büro in einer einfachen Hütte eingerichtet. Hier sind sie alle in den Wellen verschwunden. Nur stapeln sich Bildbände über Fauna und Flora ein offenbar geschwächtes Exemplar bleibt und dicke Ordner bis unter die Decke. Die Bio- auf seinem Panzer liegen. Vergeblich versucht login führt genau Buch über die Entwicklung es, sich auf den Bauch zu drehen. Linda auf ihrer Arche Noah. Aber sie bekennt: »Ich bin nimmt das kraftlose Tier in die Hand und kein Büromensch.« In der Mitte des Raums ste- trägt es ins Wasser. »Mach’s gut, Kleiner!«, ruft hen zwei große, mit Tüchern verhängte Styro- sie ihm nach. Einen Großteil ihres Lebens werden die porboxen. »Na, wie sieht es denn heute bei euch aus?«, fragt sie in eine Kiste mit der Aufschrift Schildkröten im Ozean verbringen. Wenn sie »Unbekannt VII« hinein. Zu sehen ist nichts als Raubfischen, Seevögeln, Fischernetzen und Meefeiner Sand. »Manchmal reden wir hier sogar mit resverschmutzung entkommen, werden sie irEiern«, sagt Linda. Die Box enthält nämlich das gendwann zur Eiablage an diesen Strand zurückGelege einer Karettschildkröte. Linda hat das kehren. Forscher schätzen, dass es ungefähr 30 Nest umquartiert, als sie sah, dass es sonst vom Jahre dauert, bis die erwachsene Schildkröte das Meer weggespült worden wäre. In einer anderen Wasser wieder verlässt, um in den Sand, in dem Kiste sind die ersten Schildkröten bereits ge- sie einst geboren wurde, ein Nest zu graben. Die schlüpft. Noch liegen sie erschöpft auf dem Beckhams, Brangelina, Kate und William wird Sand, aus dem sie sich gerade herausgegraben man womöglich längst vergessen haben. Aber haben. Wenn sie anfangen zu zappeln, wird Lin- wer weiß, ob dann nicht eine Riesenschildkröte namens Brutus ihren schweren Panzer noch imda sie ins Meer entlassen. Es ist die Mischung aus ehrgeizigem Umwelt- mer über North Island schiebt. projekt und exklusiver Robinsonade, die North Island zum Ziel des Jetsets werden ließ. Ökotourismus ist in Mode unter Topverdienern. Die www.zeit.de/audio

North Island

Fotos: Winfried Schumacher für DIE ZEIT (o. und u.); Frank Heuer/laif (m.)

CHANCEN
Spezial: Bachelor & Master
Wie lange Studenten wirklich lernen, wo die Studienreform besonders gut umgesetzt wurde (ab Seite 74) und warum es noch schwer ist, die Uni zu wechseln (Seite 76)

S. 81

BERUF

Gesucht: Forscher. Zum Beispiel, um das Klima zu retten. Der dritte Teil unserer Serie über Berufe mit Zukunft

LESERBRIEFE S. 96 DIE ZEIT DER LESER ab S. 82 STELLENMARKT
S. 95

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.olafdeharde.com; kl. Foto: privat

1960er Jahre

Ach, dieser Stress
Gerade einmal 23 Stunden wenden Studenten pro Woche für die Uni auf, zeigen neue Studien VON JAN-MARTIN WIARDA
Auf den folgenden Seiten erzählen Absolventen aus sechs Jahrzehnten von ihrem Studium

Wolfgang Wiese, GrafikdesignStudent von 1966 bis 1969: »Mein Studium an der Werkkunstschule Bielefeld war absolute Freiheit für mich. Ich war begierig, so viel zu lernen wie möglich: Malerei, Grafik, Fotografie, Kunstgeschichte. Dieses Über-den-Tellerrand-Gucken habe ich mir auch im Beruf bewahrt. Jetzt, als Rentner, bin ich an die Uni zurückgekehrt und studiere Alte Geschichte. Leider kommt es mir vor, als wären die Studenten nicht mehr so frei wie damals. Sie wirken fast etwas verbissen.« Alle Protokolle:
LISA SRIKIOW

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ls Erik Beuck in sein erstes Semester startet, erreicht der Bildungsstreik gerade seinen Höhepunkt. Herbst 2009: Überall im Land besetzen Studenten Hörsäle, ziehen durch die Innenstädte und fordern das Ende aller Spardiktate. Eines der bestgehassten Wörter ist »Bologna«, die Hochschulreform wird zum Synonym für Effizienzdruck und sinnentleertes Turbolernen. »So ist es wohl«, denkt Erik Beuck, schließlich hat er es überall so gehört – und marschiert mit. Knapp zwei Jahre später sitzt der 27-Jährige vor der Auswertung seines Lernkontos und schüttelt den Kopf. Exakt 18,97 Stunden ergibt das Protokoll seiner Studierzeit: 18,97 Stunden pro Woche, die er im Schnitt für Vorlesungen, Übungen, Hausarbeiten, Referats- und Klausurvorbereitung aufgewendet hat. Bin ich ein Halbtagsstudent?, fragt Beuck sich. Er kann es nicht glauben. Rolf Schulmeister war anfangs ähnlich überrascht. Der Informatiker leitet das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung an der Uni Hamburg, und als er vor zwei Jahren die Streiks beobachtete, war er überzeugt: Recht haben sie, die Studenten, dieser Bachelor ist eine Zumutung. Und weil Schulmeister Wissenschaftler ist, wollte er es beweisen. So stellte er mit seinen Mitarbeitern ein einmaliges Forschungsprojekt namens »Zeitlast« auf die Beine: 403 Studenten an Hochschulen überall in Deutschland protokollierten über Monate hinweg jede einzelne ihrer wachen Stunden.

Schulmeister sammelte 150 Tagesabläufe und insgesamt 1 466 184 Stunden. Als er erste Analysen durchrechnen ließ, war er zunächst sprachlos. Dann verwundert. Und schließlich kam er in Hochstimmung. »Genau deshalb bin ich Forscher geworden«, sagt er. »Weil ich nicht behaupte, schon alles zu wissen. Weil Fakten besser sind als Vermutungen.« Und Fakt ist: Der durchschnittliche Aufwand fürs Studium belief sich bei den Studienteilnehmern auf 23 Stunden in der Woche. Als Schulmeister vergangenen Herbst mit einem ersten Zwischenergebnis aus nur fünf Studiengängen an die Öffentlichkeit trat, war das Medienecho bereits gewaltig. Häme ergoss sich über die plötzlich als »faul« titulierten Studenten, die alle mit ihrer ewigen Jammerei hinters Licht geführt hätten. Häme bekam aber auch Schulmeister zu spüren, und zwar vonseiten einiger Forscherkollegen, die Methode und Aussagekraft seiner Untersuchung anzweifelten. Zu krass war die Abweichung von allen bislang bekannten Studien. Das renommierte Hochschul-Informations-System (HIS) etwa war in seiner Studie auf geschlagene 13 Stunden mehr pro Student gekommen. Auch deshalb legte Schulmeister nach. Das Ergebnis: Obwohl er den Kreis der untersuchten Studiengänge von sechs auf mittlerweile 18 erweitert und auch vermeintliche Paukfächer wie BWL oder Ingenieurwissenschaften hinzugenommen hat, blieb der gemessene durchschnittliche Studienaufwand in etwa gleich – bei großen individuellen Abweichungen. »Natürlich gibt es die Studenten, die 40 Stun-

den in der Woche studieren«, sagt Schulmeister. »Aber sie sind die Ausnahme – im Gegensatz zu denen, die 15 Stunden und weniger fürs Studium aufwenden.« Noch überraschender: Zumindest in den untersuchten Studiengängen waren die angeblich besonders geforderten Ingenieurstudenten (24 Stunden) und BWLer (25 Stunden) keineswegs arbeitsamer als die dem Klischee nach so entspannten Lehramtsstudenten (27 Stunden) und Erziehungswissenschaftler (23 Stunden). Und eines hat Schulmeister besonders erschüttert: »Die investierte Zeit hat keinen Einfluss auf Noten und Studienerfolg.« Die fleißigeren Studenten sind im Schnitt keineswegs die besseren. Aber wie kann das alles sein? Und wie kommen die enormen Unterschiede zu anderen Studien zustande? Ganz einfach, sagen Schulmeisters Forscherkollegen: Seine Daten seien nicht repräsentativ, teilgenommen hätten ein paar Hundert Studenten aus einer Handvoll Studiengänge, die auch noch aufgrund der persönlichen Initiative ihrer Studiengangsleiter bei der Untersuchung mitgemacht hätten, da sei die Verallgemeinerbarkeit schon arg begrenzt. Die HIS-Forscherin Elke Middendorff spricht von einem »dirty panel«. Ihr Kollege Tino Bargel von der Konstanzer AG Hochschulforschung, deren Studierendensurvey seit 30 Jahren zu den meistbeachteten repräsentativen Studien an Hochschulen überhaupt gehört, drückt sich zurückhaltender aus: »Die Ergebnisse von Zeitlast sind äußerst beeindruckend, die Methode der Datenerhebung ist innovativ, allerdings muss man angesichts der nicht zufälligen Aus-

wahl der Studiengänge vorsichtig sein, weiterführende Schlüsse für alle Studenten in Deutschland zu ziehen.« – »Wer so was sagt, hat die Methode unserer Studie nicht verstanden«, sagt Schulmeister knapp und verweist auf die »enorme Datendichte« angesichts von anderthalb Millionen protokollierten Stunden und die Länge der Untersuchung über fünf Monate hinweg. Das HIS hatte das studentische Zeitbudget für die 2007 erschienene, als repräsentativ geltende 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhoben. Der zufolge lag die durchschnittliche Belastung von Bachelorstudenten bei 36 Wochenstunden. Eine »äußerst besorgniserregende Entwicklung«, kommentierten Studentenverbände, Professoren und Politiker. Das war schon damals gewagt – schließlich war die vom HIS ermittelte Zeitbelastung bei den alten Studienabschlüssen ganz ähnlich. Ein entscheidender Unterschied zu Schulmeisters Studie ist jedoch die Methode: Die an der Sozialerhebung beteiligten Studenten mussten ihren Zeitaufwand fürs Studium lediglich schätzen, während Schulmeister seine Probanden sauber mitprotokollieren ließ. Schätzen sollte Erik Beuck erst am Ende. Bevor die Forscher ihm die Ergebnisse seines Zeitkontos präsentierten, baten sie den Lehramtsstudenten, die Stundenzahl anzugeben, die seiner Meinung nach seinem wöchentlichen Studienpensum entsprach. Beuck wusste da bereits, dass er nicht zu den fleißigsten Studenten gehört. Die Praxis liegt ihm mehr,
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Widersprüchlich
»Die Ergebnisse freuen mich außerordentlich«, kommentierte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Studien des HIS, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die vor der zweiten Bologna-Konferenz am 6. Mai erschienen. DHV-Chef Kempen entgegnet: »Die Studien, die aus dem Hause Schavan kommen und nach Lesart der Bundesministerin den angeblich notorischen Kritikern der Bologna-Reform den Wind aus den Segeln nehmen, belegen in der Regel das Gegenteil.« Was die Untersuchungen tatsächlich zeigen: Vieles in der Kritik an den neuen Abschlüssen war weit übertrieben, aber besser geworden ist durch die Reform noch zu wenig. So hat sich die Studienqualität in der Bewertung gegenüber den alten Abschlüssen kaum gesteigert. Und die Verunsicherung der Bachelorabsolventen durch die ständigen Warnrufe hat skurrile Folgen: Obwohl sie ihre Jobaussichten zum Teil sogar besser bewerten als die Inhaber alter Abschlüsse und die Bereitschaft von Firmen, sie einzustellen, groß ist, hängen die Hälfte der FH- und drei Viertel der Uni-Bachelors einen Master an.

Foto: privat gehendes Lernen möglich. dann ist ein tiefer Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.olafdeharde. die neben dem Studium zwingend für ihren Unterhalt arbeiten müssen. Ein Ergebnis. Buchtipp: Rolf Schulmeister/Christiane Metzger (Hrsg.« Selbst Rolf Schulmeister sagt: »Eins zeigen auch unsere Daten. und die Prüfungen ballen sich nicht am Semesterende. die manchen noch nach einem Dutzend Semestern aus dem Magisterstudium gehauen haben. dass die Lage der Studenten wegen des Bachelors per se schlecht ist«.90 Euro www. die seine persönliche Auswertung dann ergab. »Das hat mit den Medien zu tun«. Auch abgesehen von der Schulmeister-Untersuchung bekommt die Reform derzeit eher gute Presse. wie hehre Absichten zum Gegenteil des Erhofften führen können. Waxmann 2011.de/audio Ag Fordham www. ohne dass er sich schlimmer anfühlt: von 24 auf 31 Stunden.72 12. keine Umweltprobleme. www.« Ein paarmal im Semester. Die Fachhochschule Kiel etwa will ihre Studienstruktur neu organisieren und als ersten Schritt die Semester halbieren. »Jahrelang haben sie rauf und runter geschrieben. Außerdem die Klausuren: Tatsächlich sind sechs Stück in anderthalb Wochen keine Seltenheit. Meiner Generation ging es besser als der vor und nach uns: kein Krieg. sagt der stellvertretende Generalsekretär Stefan Grob. bleibt eine andere«. Das ist eine super Ausrede. sagt Bernhard Kempen. 360 Seiten. kl. lernen.97 Stunden. dass die internationale Mobilität der Studenten entgegen allen Vermutungen der Bologna-Kritiker zugenommen hat und dass Bachelorabsolventen erstaunlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben (siehe auch Kasten).« schon jetzt arbeitet er freiwillig jede Woche einen Tag in einer Schule. »Mit einer zeitlichen Überfrachtung des gesamten Bachelorstudiums hat das allerdings nichts zu tun«. Das liegt an dem blöden Bologna-Studium. »Allerdings muss man festhalten: Gerade für das Drittel der Studenten. sucht er jetzt nach Erklärungen. 34. die anderen Wochen vergisst man irgendwie. antwortete er also – und hielt sich für extrem realistisch. Den Studienleiter Rolf Schulmeister haben sie dazu als Berater eingeladen. Student Beuck bestätigt: »Die Spitzen in der Belastung prägen die Wahrnehmung. dass der Bachelor kaum zu schaffen ist. die viele streikende Studenten so erbost hat? »Meine subjektive Wahrnehmung als Hochschullehrer. Beim Deutschen Studentenwerk äußert man sich betont differenziert. das offenbar jetzt auch andere zum Nachdenken bringt. 71 1970er Jahre Jürgen Studt. was die Belastung der Studenten angeht. sagt er. Die semesterbegleitenden Klausuren sollten die gefürch- teten Hammerprüfungen am Ende des Studiums ersetzen. Hausarbeiten schreiben. In der Statistikvorlesung waren wir zu acht. 30 Stunden. kein Aids. zumal auch deutlich mehr Lernkontrollen geschrieben werden als früher. Angesichts der 18. . »Wir haben nie behauptet. sei bei vielen wirklich extremer Stress angesagt. dann komme alles zusammen. heute nehmen die Studenten nur einen Business Case nach dem anderen durch. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Fortsetzung von S. Doch gilt die Entwarnung auch für die angebliche Überfrachtung des Studiums. Der Preis: Jetzt zählt jede Klausur und löst Stress aus. nämlich dass der Studienaufwand sehr ungleich verteilt ist.): Die Workload im Bachelor.« Doch was folgt aus der enormen Diskrepanz zwischen »subjektivem Empfinden und objektivem Sachverhalt«.zeit.« Diese Entschuldigung zumindest könnte sich bald erledigt haben. dass die Professoren sich mehr von den Studenten abschotten – wie vor den sechziger Jahren. sagt Schulmeister. Sie haben das Semester dort in vier Blöcke aufgeteilt mit jeweils anschließender Prüfung und dabei den durchschnittlichen Studienaufwand sogar gesteigert. BWL-Student von 1974 bis 1979: »Mit meinem Studium an der Uni Hamburg verbinde ich eine Freiheit. Das bin ja nicht ich. Ich habe zudem den Eindruck.« Gemeinsam mit der TU Ilmenau haben die Hamburger Forscher ihr neues Modell bereits ausprobiert.com. sagt man sich. die fast an Unbekümmertheit grenzt. müssen wir das Studium in thematisch zusammenhängenden Blöcken organisieren. Vorsitzender der bolognakritischen Professorengewerkschaft Hochschulverband (DHV). wenn man mal keine Lust hat aufs Lernen. wird es schon eng. besonders im Vorfeld der Klausurenphase. Gerade hat eine Reihe von Studien im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergeben. Hier offenbart sich. von der DHV-Chef Kempen spricht? Schulmeister sagt: »Anstatt die Studenten mit bis zu 14 Themenwechseln pro Woche zu konfrontieren. sich für Prüfungen anmelden.

Follow the white rabbit den einen Schwerpunkt wählen. Auch die Goethe-Universität in Frankfurt am Main plant im Fach Sinologie schiedlich langer Bachelorstudiengänge die Mobilität der Studierenden einschränken würde: Hocheine Umstellung auf acht Semester. Pferdeschwanz und kommt. Verschieben könne man auch in den vier Jahren rende ein längeres Studium ohnehin nicht auswenig.raum und das Biopsychologie-Seminar gequetscht kante auf das grau melierte Sofa unter ihr. Und sagt Alois Loidl. Semester abgeschlossen sein. sagt Brigitte Rock. sofern es Finanzen und Zeit zulassen. sie fürchten eine Schmalspurnicht verbessern? ausbildung im Master. Von der Wand des Fachschaftsraums starrt ein im vierten Semester beginnt die Einführung in die weißer Hase mit roten Augen vom Werbeplakat Anwendungsmodule. »Aber der Stundenplan Berg. auch mal andere starken Praxisbezug haben. Die wissensich flexibler und individueller gestalten. Grundsätzlich ist für Studieverlängerten Studiengang zu reden. Und das Studentenwohnheim wurde zu meinem Zuhause. der Sprecher der Universiacht Semester erhöht.schulpräsident Elmar Schreiber. um ter finde ich sehr wichtig«. über ihren näres Studienjahr sollen an einzelnen Hochschulen angeboten werden.mich sinnvoll spezialisieren können. Rein rechtlich ist das seit Jahren möglich: Die Stattdessen seien gerade die sechssemestrigen Bachelors mit Stoff und Prüfungen vollgestopft. auf dem gesucht«.olafdeharde.Abschluss in der Tasche. Die private Zeppelin Uni. und grinst. Sie hat Dienst im Fachschafts. Jeans. »Wenn es aber funktioniert. Auch die Konstanzer Psychologieprofessorin unsere Bachelorstudiengänge sind auf sechs Semester ausgelegt. Aber ich habe mich schnell zurechtgefunden. es bleibt Zeit. Die Stundenpläne sind oft straff. »Es Hochschulen zeigen sich bei dem Thema zurück.« Hinzu kommt. Heimelig war es an der Uni Hamburg nicht.Brigitte Rockstroh kennt diese Argumente und gibt zu: »Vier Jahre Bachelor plus zwei Jahre Masnungen. WirtschaftsReform führten. dies zu ändern. werden andere nachziehen. Die Umstellung auf die Bachelor. interdiszipliraum. »Und die Regelstudien. Sie schaffen aber andere Probleme VON MAREN WERNECKE eginnen wir mit der Ausnahme. Dort sehen etwa Bachelors flexibel auf gehörte demnach ein zweisemes95 Prozent der Bachelorangebote bis zu acht Semester triger Master. noch betrachtet man uns als Exoten«. Und nach nur drei Jahren PsychoDas anwendungsorientierte Psychologiestudi.« Probleme wie diese waren es. ohnehin acht Semester. An Kunst. also aufeinanDie Forderung nach längeren Hochschulen können derfolgenden Studiengängen nur Regelstudienzeiten machte die die Studiendauer des zehn Semester betragen: Zu eiRunde. die neuen. die im Jahr 2009 eine Regelstudienzeit von sieben Semestern auf. es zum Beispiel von der Universität Freiburg. wenn ich dung vermitteln zu können«. »Wir haben aus allen Fakultäten ein kla.der Psycho-Oster-Party. insbesondere an den nem achtsemestrigen Bachelor Universitäten. eine zierliche. »Den Studenten bliebe in der Eingangsversität in Friedrichshafen wirbt damit. Ich wollte wissen.tät Bonn. keiner kommt. ist immer noch unglaublich voll. »Cut. »In Übersichtsplan von der Wand. »Den meisten meiner Studenten fehlte bislang die Zeit. Vor allem muss jeder verlängerte Stuter Trend ist mitnichten erkennbar. wie sie ist.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Politikstudentin von 1981 bis 1986: »Während der Schule wechselten meine Berufswünsche mehrmals. der ruf einsteigen könnte. heißt nicht sofort panikartig alles wieder umzustellen«. RegelstudienAuch die tatsächliche Berufsbefäzeiten von sechs. sagt Rockstroh.semestriges Masterstudium hin. sagt HochStudiendauer beispielsweise führt nicht auto. Abschlüsse ließen sich schlechter verHochschulen und Fachbereiche – ein bundeswei. sagt sie. So stellt zum Beispiel die Jade Hochschule Oldenburg/Wilhelmshaven/Elsfleth im nächsten Wintersemester alle ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge auf acht Semester um. Rechts-. zu Massendemonstrationen gegen die Bologna. mit dem man in den Bevielfalt. gerade eingeführten Modelle zu haltend. Zeitproblem darf die Gesamtregelstudienzeit zum Teil bis heute.zweisemestrigen Master müsste man sich im Wespiel die Uni Bamberg die Regelstudienzeit ihres sentlichen auf die Masterarbeit konzentrieren«. sagt Brielmann. mit meinen Kommilitonen von dort bin ich noch immer befreundet. bei konsekutiven. haben dies längst beVorlesungen zu besuchen oder etwas in Ruhe zu rücksichtigt: Nach Recherchen der Hochschulrekverdauen«. Hochschulrahmengesetz räumen jeder Hochschule die Freiheit ein. dass ein Parallelangebot unterJahre laufen zu lassen.« Die Universität Konstanz bietet seit Worauf sie verzichten würde. Doch bei genauerer Betrachtung sind diese den Beruf entlassen. »Das Praxissemesunserem Fach sind vier Jahre das Minimum. die man auf sieben oder acht chelor daher fast flächendeckend Semester umstellte. und die schaftliche Variante führt gezielt auf ein zweiAbsolventen wären mit ihrem ersten Hochschul.gilt. Allerdings beschränkt sich das Phänomen der schulwechsel zwischen Bachelor und Master würden Studienzeitverlängerung bislang nur auf wenige erschwert. Das weiß inzwischen landsjahr vor. warum die Welt so ist. Sie will in den Sportkurs. das Studium ließe tierten Zweig entscheiden können. und es gibt derzeit keine Pla. Klinische Psycho. Am »Ich habe mir die Konstanzer Uni bewusst ausSüdrand der Bundesrepublik.logiestudium.« Möglichkeiten gibt es viele. Nur dass ich studieren würde. »macht immer noch Spaß. »Wie soll ich eine wissenschaftlich wirklich gute Grundausbil. »In einem Einige Hochschulen wagen es: Neben der Universität Konstanz hat zum Bei. eine sechssemestrige Studienfestlegen.steht auf einem Pfeil. Studiengangs Internationale BWL von sechs auf sagt Andreas Archut. Sie steigt auf das Sofa und klaubt einen achtsemestrigen Bachelor in Psychologie an. da in den zusätzlichen Semestern ebenfalls Leistun. sieben oder acht higung des ersten HochschulSemestern festzulegen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 73 Längere Bachelorprogramme könnten die Stundenpläne entlasten. »Studieren«. weiß sie allerdings dem Wintersemester 2009/10 einen auch nicht. Allerdings abschlusses stellten viele infrage. hier können die Studieren. aus. kl.noch nichts vom Berufsleben mitbekommen stroh. sagt sie.und Musikund-Master-Struktur sollte Deutschland eigentlich hochschulen dauern drei Viertel der Bachelors fit für den europäischen Hochschulraum machen. das war schon früh klar. Professorin für klinische Psychologie und habe?« Auch die frühen Vertiefungsmöglichkeiten Studiendekanin.zur Universität oder ein zusätzliches. Würden Studiengänbleibt für den Master versitäten lehnen den langen Bage. die andere Option soll die Bachelorabsolventen optimal vorbereitet in abschluss besser qualifiziert. blie.gleichen. Sense«. das im Rahmen des Bachelor-Plusauch die 20-jährige Psychologiestudentin Aenne Programms des DAAD finanziell unterstützt wird Brielmann aus Konstanz.testen.« ter wären mir lieber. gefallen ihr.und Sozialwissenschaften. wenn immer möglich zu verbessern und res Bekenntnis zum dreijährigen Bachelor«. Orientierungsmodule? Deadline geschlossen. sagt Brielmann. Eine längere Acht plus vier ist gleich zehn Semester«. Foto: privat Aus sechs mach acht . sagt sie.« Dennoch zeigt sie sich von dem Konzept ihres Fachbereichs überzeugt: »Wir sind erst am Anfang. Einige Universitäten wiederum sehen bei bematisch zu einer Entzerrung des Stundenplans. ab phase zu wenig Zeit. energische – ohne dass es zu einer Studienzeitverlängerung Person mit T-Shirt. den sie zwischen die Präsenzzeit im Fachschaftssagt Aenne Brielmann und haut mit der Hand.Ländergemeinsamen Strukturvorgaben und das ben Freiräume auf der Strecke – so die Kritik. der Ständige Vertreter des Prädie Universität des Saarlandes lässt wissen: »Alle sidenten der Universität Augsburg.torenkonferenz wiesen im vergangenen Wintersemester 44 Prozent der Bachelorstudiengänge zeit zu überschreiten bedeutete Stress. die Situation weniger Zeit ab. samt Blick auf See und Alpen. inhaltlich auf ein Niveau Herbst 2011 als erste deutsche Hochschule alle zu kommen und später ihre wissenschaftlichen ihre Bachelorstudiengänge regulär vier statt drei Grundlagen zu vertiefen. Deutsche Fachhochschulen. sagt Brielmann logie zum Beispiel oder Gesundheit und Arbeit. wobei sich die Studierenden Dabei scheinen die Vorteile einer Verlängerung nach dem sechsten Semester entweder für den auf der Hand zu liegen: Es bliebe mehr Raum für berufspraktischen oder den wissenschaftlich orienPraxis. Auch Übergangssemester von der Schule Sommersprossen. habe man keinen um ist bekannt für seine Fächer.« Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. »Unsere Gleichung lautet: Argumente nur teilweise zu halten.und Auslandssemester. die ohnehin einen gefühlte Druck ist hoch. Die Psychologiestudentin Aenne Brielmann Ende zweites Semester.stimmten Studiengängen ein zusätzliches Ausgen erbracht werden müssen.com.« B 1980er Jahre Juliane Papendorf. Die meisten diengang neu akkreditiert werden – das kostet. Basismodule? Sollten vor dem sechsmonatigen Berufspraktikum im fünften muss jedenfalls jetzt los.und Methoden. Aber: Dann Die forschungsorientierten Unidauer vor. diese Unabhängigkeit hatte ich sogar gesucht.insbesondere die Ingenieur-. Bereits hat.

An vielen anderen Universitäten gilt es als Niederlage. Mai 2011 AUSSCHREIBUNG DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Lob dem Studiengang Der Stifterverband sucht die besten des Landes Verdient Ihr Studiengang die Auszeichnung »cum laude«? Ist das Studium besonders gut strukturiert. Friedrich ist ein großer. sagt er dann und weist auf die »spezielle Kommunikationskultur« an seiner Uni hin.de. um den Studenten individuelle Wahlmöglichkeiten zu geben. »Wir sind das Hackfleisch in der Bolognese« oder »Dichter und Denker statt Bachelor und Banker« stand auf den Plakaten. In einigen Studiengängen wurden die Module geöffnet. dass sie den Master schlecht fänden. mit gerade einnmal knapp über 100 000 Einwohnern. Er fragte die Studenten. Und die Studenten fühlen sich von der Universitätsleitung in ihren Anliegen ernst genommen. Sie sind gekommen. einer klatscht. Er soll den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten weiter vorantreiben. Gleich mehrmals wurden die Studienordnungen überarbeitet Natürlich macht es Arbeit. Deswegen fragt der Stifterverband: »Welcher Studiengang verdient Lob und warum?« In der Begründung sollen ausschließlich Kriterien eine Rolle spielen. was in Hildesheim geht. Eine Jury. Sie wollten das Diplom zurück. Greve und die Universitätsleitung Hildesheim aber schon. Greves Abendrede ist nicht nur höfliches Gefasel. son- dern vor allem auch eine Frage der Einstellung. wo die drei besten ausgezeichnet werden. und prämiert die drei besten mit einmal 3000. Vorschläge können Studierende gemeinsam mit einer Fachschaft einreichen. dem Bologna-Koordinator Toni Tholen und Werner Greve maßgeblich bestimmt wird. was viele Menschen nicht hören wollen. geht auch woanders« Wolfgang-Uwe Friedrich. Allem Studenten-Widerstand zum Trotz beweist die Provinz-Uni gerade. Manche der Anwesenden nicken. »vergessen wir’s!« Die Umstellung von den alten Studiengängen auf die neuen sei eine echte Chance gewesen. Was ist nun an der Uni Hildesheim so anders als anderswo? Stellt man diese Frage dem Präsidenten Friedrich. Die Studenten konnten kommen und in Workshops besprechen. das Preisgeld geht an die Fachschaft. sagt Greve hingegen nur.maegdefessel@stifterverband.2 Millionen. Einsendeschluss ist der 25. wählt eine Shortlist von sechs bis acht Studiengängen aus. ging der Bologna-Koordinator Toni Tholen einfach hinein. wie man es besser machen kann. sondern bezeichnend für einen reformerischen Geist.stifterverband. Und hierbei unterscheidet sich die kleine Universität momentan von mancher Massenhochschule.74 12. so eine Studienordnung immer wieder umzuschreiben. Die Uni Hildesheim hat sich mit ihrer Reformbereitschaft vom Hannoverschen Stiefkind zum bundesweiten Musterschüler gemausert.« Hildesheim ist die kleinste Großstadt des Landes Niedersachsen. muss sich Debatten stellen. Er sitzt in seinem UniPräsidium wie ein König. der in der Uni Hildesheim weht und der von Personen wie dem Uni-Präsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich. Aber viele universitäre »Sesselpupser« sähen das nicht ein. einmal 2000 und einmal 1000 Euro. die auf der Bologna-Konferenz 1999 beschlossen wurde. Je lauter ihr Protest wurde. Trotzdem findet Greve. Manchmal mischt sich schon etwas Größenwahn in seine Worte. die sich direkt aus dem Aufbau des Studiengangs ergeben. »Ich glaube. Das klingt dann so: »Auch Cambridge war mal ein rotes Backsteingebäude in der Nähe von London. dass die deutsche Hochschullandschaft auf Hildesheim blicken sollte. denen – aus welchem Grund auch immer – besonderes Lob gebührt. drei Mal die für den Master. die Tausende Studenten in Deutschland 2009 während der Bildungsproteste über ihren Köpfen schwenkten. Bologna heiße der Zug der Zeit. Wer sich auf den Weg nach oben macht.und Masterstudiengänge aus. desto mehr Universitäten machten sich die Kritik der Studenten zunutze – oft für ihre eigenen Interessen. was ihnen nicht passte. Ein Formular für den Antrag steht unter www. der Leiter des Instituts für Psychologie. Die präsentieren sich dann Ende November in Berlin. Im Fokus steht die Frage: Wie kann man das Studium verbessern? In welchen Fachbereichen gibt es wo genau noch Probleme? Und: Wie sind sie zu beheben? Das Ergebnis: Die Module sind in Hildesheim flexibler geworden. Natürlich ist jedem Studenten etwas anderes wichtig. In Hildesheim studieren 5000 Studenten von bundesweit rund 2. Worte lang sein. eigene Schwerpunkte zu setzen oder vielleicht ins Ausland zu gehen? Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sucht Studiengänge. gebildeter Mann mit epochalen Gesten und vornehmer Art. Aber nicht nur die Studenten zeigten während der Streiks ihre Unzufriedenheit. eine Frage: Wie kann man die Bachelor-Master-Strukturen an den deutschen Universitäten verbessern? Nicht alle Teilnehmer des Forums sind von der Studienreform überzeugt. Für dieses Engagement hat die Hochschulrektorenkonferenz Hildesheim auf die Liste der »Good Practice«-Beispiele gesetzt. andere raunen. Sie darf maximal 2000 »Bologna ist prima« Man muss die Studienreform nur richtig umsetzen. »Wir bevorzugen nicht den Top-down-. den Kopf oben zu halten. In Hildesheim sieht man es als Zeichen des Fortschritts. Zwei Tage. Studienordnungen innerhalb kurzer Zeit zu ändern. Und dass es nicht nur eine Sache der Größe und des Geldes ist. sagt er. zeigt die Universität Hildesheim erner Greve hat sich eine bunte Fliege umgebunden und wird gleich etwas sagen. woanders ganz bestimmt auch geht«. Greves Meinung nach ist Hildesheim auf dem aufsteigenden Ast. Juli. Als die Hildesheimer Studenten während der Bildungsproteste den Hörsaal der Uni besetzten. Der von Bachelorstudenten oft angeprangerte »Prüfungsmarathon« wurde durch weiter gefasste Prüfzeiträume entzerrt. Den Studenten gefiel das. aber es muss sein. »Schade ums Diplom«.de/cum-laude. Und wie. Schicken Sie den Vorschlag mit dem Formular an daniela. Daraufhin richtete er einen sogenannten Bologna-Tag ein. dass das. Sie sind die Antreiber auf den Campus. dass Bildungskrisen auch Chancen bergen. we can make it everywhere!« . »Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«.« »Was in Hildesheim geht. die mehrheitlich mit Studierenden besetzt ist. Vergangenes Jahr gaben die neun größten technischen Hochschulen in Deutschland beVON NORA GANTENBRINK W kannt. Mittlerweile heißt der Bologna-Tag in Hildesheim »Dies academicus« und ist zum festen Bestandteil des Studienjahrs geworden. ruft er zum Abschluss seiner Abendrede ins Foyer und breitet die Arme aus: »If we can make it here. Denn viele Universitäten haben die Proteste nicht konstruktiv genutzt. Es gibt Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer und den ältesten Rosenstock der Welt. dann sagt der erst einmal »Tja«. Wie das geht. sondern den Bottom-up-Prozess«. sondern stattdessen den alten Studiengängen nachgetrauert. oder Sie schauen. um zu diskutieren. sind die Lehrinhalte aktuell? Lässt es Ihnen den Freiraum. Vier Mal wurde allein an Greves Institut die Bachelor-Studienordnung überarbeitet. Hildesheim ist aufgesprungen. sagt Werner Greve. was genau sie blöd fänden. Werner Greve und Toni Tholen haben sich entschlossen. sagt Friedrich. Selbst der Asta-Referent der Uni spricht sich inzwischen öffentlich für die Bachelor. Credit Points wurden dem Aufwand angeglichen. die Prüfungsbelastung ist durch die Verringerung von Modulen reduziert worden. »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand. »Missbildung«. Greve hebt sein Sektglas und sagt: »Bologna ist schon jetzt ziemlich prima!« Die Reaktionen der Zuhörer im Foyer des Römermuseums Hildesheim sind gespalten.

manche haben die Berufsoberschule absolviert. entwickeln neue Studienfächer und unterstützen ihre Studenten beim Berufseinstieg. Knapp 4000 Menschen studieren hier. in deren Augen das »allgemein« in »allgemeine Hochschulreife« in erster Linie für »nicht praxisrelevant« stand. die brauchen ihre Zeit. Ist das ein hübscher Marketingeinfall? Oder vielleicht ein Zeichen für den Sinneswandel einer Hochschulgattung. müsse auch von einem Lernen begleitet werden. kann den alten Stadtkern erahnen. Umgekehrt müssen nun die Fachhochschulen von den Universitäten lernen. Foto: privat Praxisnähe reicht nicht aus Zur Ausbildung gehört auch Bildung. Vor 20 Jahren waren die Studenten klassische Gymnasiasten und Fachoberschüler: schlau. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 75 Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. als es denjenigen recht sein dürfte. »Einführung in die Ethnologie«. Wissenschafts-. sich durch nichts vom Erreichen ihres Hauptziels abhalten zu lassen. als er noch vor wenigen Jahren en vogue war. solange sein Zimmer noch nicht fertig war. die doch eigentlich stolz darauf ist. die einem dazu in den Sinn kommt. die aus dem Beruf kommen. worin sich die aktuellen Studienanfänger von den früheren unterscheiden: Jünger seien sie und weniger homogen. 112 Studierenden nehmen es derzeit in Anspruch. das nice to have ist. Tendenz steigend: Derzeit entstehen neue Hörsäle und Verwaltungsgebäude. Und: Diese Seminare besuchen angehende Architekten. entrümpeln ihre Curricula und ihren Verwaltungsapparat. Jetzt aber laufen sie Gefahr. Bildung bedeutet zunächst: Orientierung. müssen sie an den Hochschulen nachholen. nämlich der Ausbildung praxistauglicher Arbeitnehmer? Die Coburger haben erkannt.und Zivildienst und ein Schuljahr weniger Zeit hatten. Lange fühlten sich die deutschen Fachhochschulen gleichermaßen als Musterschüler und Stiefkinder der Bildungsinstitutionen: effizient. Sie bemühen sich um ihre Studenten. entzerrt werden. und Anfang der Siebziger wurde aus dem Polytechnikum eine Hochschule samt Betriebswirtschaft. wissenschaftlicher Anspruch und der Blick über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus. zum Opfer dieses Erfolgs zu werden – denn die Universitäten haben von ihnen gelernt.olafdeharde.com. hatte man im Zuge der Bildungsexpansion ab dem Ende der sechziger Jahre die Humboldtsche Einheit aus Lehre und For- schung aufgegeben – an Fachhochschulen lernten und lehrten vor allem Praktiker. »Persönliche Reifeprozesse können wir nicht beschleunigen. er sitzt über den Baumwipfeln. im nächsten Jahr 200. Damit soll das Denken in Zusammenhängen erlernt werden. die keinen Wehr. »Elfenbeinturm« ist die Assoziation.und VWL-Student von 1988 bis 1993: »Nach dem Vordiplom in Bamberg bin ich nach Hamburg gegangen und kam dort mitten im Streik des Asta an. und sie ist falsch. Statik und Baukonstruktion. Er hat mich bis ins Berufsleben begleitet und berät mich noch heute – ich berate ihn allerdings auch. das diese Zwecke hinterfragt. also rein zweckgerichtetes Lernen. seien meistens hoch motiviert und könnten sich gut selbst organisieren. Gesundheitswissenschaftlicher. Das. in dem alte Menschen möglichst gern möglichst lange und möglichst selbstständig leben können. Die Coburger Studenten machen das ganz konkret. »Interkulturelle Kompetenz«. ihr Tun in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. Geburtstag zu feiern. darunter »Allgemeine Ethik«. aber auch »Die Gitarre in Theorie und Praxis« und ang- lizistisch Verklausuliertes wie »Social Contacts and Telephoning«. Dabei ging es nicht nur um Gebäudetechnik. sieht er auch die Veste Coburg. So sollen erstens die Jahrgänge. Sondern dass die Studierenden auch lernen müssen. die wiederum den Abiturienten. Dreierlei soll darin zum Ausdruck kommen: Anwendungsbezogenheit. Der Vorläufer der Hochschule Coburg war rein praktisch ausgerichtet: Vor 199 Jahren wurde die Handwerkerschule gegründet – ein Anlass für die FH. sagt Pötzl. dass die Zeichen der Zeit rückwärts deuten. Je stärker Praxistauglichkeit angesichts der Schwerfälligkeit der Universitäten zum Gebot der Stunde wurde. da ich studentischer Mitarbeiter war. in Richtung eines umfassenderen Bildungsbegriffes. und sie zahlen keine Studiengebühren. Politik. Allmählich aber spricht sich herum. das klappt nicht«. Eigenheiten – darüber also. zu viel in Michael Pötzls Aussicht aus seinem Büro hineinzudeuten: Auf einem Berg über Coburg liegt die Fachhochschule. sozialer Arbeit. Heute besuchen die Hochschule Coburg junge Leute mit vielfältigerem Bildungshintergrund: Manche haben das Abitur oder Fachabitur. Bauingenieure. aber ungeliebt. Deshalb haben die Coburger für den doppelten Abi-Jahrhang ein freiwilliges. und das gilt nicht nur für Sachinhalte. Und zweitens kommt man so dem Orientierungsbedürfnis nach. An meiner alten Uni hatte es keine überfüllten Hörsäle gegeben – der Protest und die Stimmung an der neuen haben mich daher ziemlich beeindruckt. Studierende.« . und dass umfassendere Bildung kein Add-on ist. die durch die Verkürzung der Schulzeit und die Wehrdienstaussetzung gleichzeitig an die Hochschulen stürmen. dass es nicht genügt. Die Prüfungen werden ihnen später angerechnet. trivial erschienen. einige eine Berufsausbildung und drei Jahre Praxiserfahrung hinter sich. das dem eigentlichen Studium vorausgeht. um über ihre persönliche und berufliche Zukunft nachzudenken. Im zweiten Semester kommen Wissenschaftstheorie. glaubt man an der Hochschule Coburg VON ANDREAS UNGER E s ist verführerisch. die dafür von der Praxis wenig Ahnung hätten. Technik. wie ein Haus gestaltet sein soll. Pötzl ist gerade aus dem roten Baucontainer ausgezogen. Bedürfnisse.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. Instrumentelle Bildung. ihre Lebensgewohnheiten. sagt Pötzl. Denn Elfenbeintürme werden nicht so beherzt umund neu gebaut wie derzeit der Coburger Campus.und Kulturgeschichte dazu. Betriebswirtschaftler. kl. Sie haben sich einen neuen Claim gegeben: »Die Projekthochschule«. Produktdesigner. das junge Leute haben. Technik. Gesundheit und Gestaltung. Und das ist nicht das Einzige. aber noch grün hinter den Ohren. Sozialarbeiter und Versicherungswirtschafter gemeinsam. deren Präsident er ist. Zu lange galt der Grundsatz: Nicht für die Schule lernen wir. aber praxistaugliche Kräfte zur Verfügung zu stellen. Auch so werden Inhalte anwendungsbezogen. einsemestriges Studium generale eingerichtet. 2012 soll es gebaut werden. der ihn beherbergt hatte. Die Studenten schreiben sich ein und können aus etwa 50 verschiedenen Veranstaltungen wählen. Aber wir können ihnen einen Raum geben«. und wenn er sich nach links beugt. Um dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete. Das heißt für die Hochschulen: Sie können immer weniger voraussetzen. In den fünfziger Jahren kamen Elektrotechnik und Maschinenbau dazu. 2010 etwa entwickelten Architekturstudenten ein »Wohlfühlhaus für Jung und Alt« aus Holz für Bamberg. was die Studierenden an den Gymnasien durch die Schulzeitverkürzung nicht gelernt haben. 1990er Jahre Markus Birzer. Mit Studierenden der Fakultäten »Soziale Arbeit und Gesundheit« und »Design« sprachen die angehenden Architekten auch über den Aktionsradius alter Menschen. Deshalb sollen sich alle Erstsemester in Coburg vom Wintersemester 2012/13 an mit philosophischen Grundlagen. Trotz dieser Umstände hatte ich in Hamburg einen engen Kontakt zu meinem Professor. das an den Fachhochschulen lange vernachlässigt wurde. Materialkunde. Fachkräfte gegen den Fachkräftemangel heranzubilden. engagieren jüngere Lehrende mit flexibleren Arbeitsverträgen. Er ist der humanistischen Tradition näher. desto erfolgreicher wurden die Fachhochschulen. mit Ethik-Konzepten von Aristoteles bis Habermas und mit dem Unterschied zwischen geistesund naturwissenschaftlichen Methoden beschäftigen. »Die nach Schema F zu belehren. sondern für das Unternehmen. Pötzl erzählt. aber ihnen fehlten theoretische Grundlagen. was die Hochschule Coburg derzeit umgestaltet. Ein Viertel bis ein Drittel der Semesterwochenstunden sollen so gestaltet werden.

Nach dem Ende ihres Grundstudiums entschied sich die heute 27Jährige. »ich wollte andere Studienschwerpunkte wahrnehmen. oder 9. »Untersuchungen zeigen. ob ein Wechsel möglich ist. »Das war sehr umständlich«. wenn überhaupt. dass es niemanden gab. plagen ihn Existenzängste: »Das Schlimme war. sagt Ninia Binias: »Schlimm war es schon immer. bis Thorsten Ostholt zuletzt fürchtet.de Neue Bachelors in Biberach Die Hochschule Biberach erweitert ihr Studienangebot zum Herbst um die Bachelorstudiengänge »Energiewirtschaft« und »Industrielle Biotechnologie«. Ist mit Bologna tatsächlich alles komplizierter statt einfacher geworden? Nicht ganz. den einzelnen Betroffenen tröstet sie kaum. Während er auf eine Zusage wartet. und habe einfach mehr ECTS-Punkte gemacht. Zurück in seine Heimatstadt Berlin. »Zu jedem Modul musste ich eine Inhaltsbeschreibung abgeben. »Die neuen Bachelorund Masterstudienprogramme sind sehr stark ausdifferenziert. Der schriftliche Test findet am 4. des Dachverbands der Studierendenvertretungen in Deutschland. Juni in München. um den Verwaltungsaufwand zu umgehen. Bei einem Berlin-Besuch zerschlägt sich schließlich der Traum vom Wechsel: »Im Prüfungsbüro wurden meine Scheine angeschaut. an den ich mich mit Fragen hätte wenden können. sowie an Mitarbeiter aus den Bereichen Unternehmensentwicklung. Dennoch blickten die Hochschulforscher optimistisch in die Zukunft: Die Probleme seien vermutlich auf die Umstellung zurückzuführen. Juni in Stuttgart. www. die man im Ausland erworben hat. So gibt es auch beim Thema Mobilität und Anerkennung von Studienleistungen anderer Hochschulen noch einiges zu tun. dass sich auch die Bedingungen eines Hochschulwechsels verbessert haben. lernen sollte. Leipzig. dass wir hinter alle Ziele des Bologna-Prozesses einen Haken setzen können. Anders als bei David Meurer ist der Hochschulwechsel von Thorsten Ostholt keine freiwillige Angelegenheit. Als der Politikwissenschaftsstudent David Meurer im Wintersemester 2007 von Jena an die Universität Marburg wechseln wollte. Physik oder Mathematik. www.« Auch eine aktuelle Absolventenbefragung des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung in Kassel scheint dies zu stützen: 68 Prozent der Bachelorabsolventen geben an.« In langwierigen Prozeduren wird geprüft. »Ich finde. in Marburg ganz groß. Ein engagierter Studienberater riet ihr daher. irgendein beliebiges Fach als zweites Nebenfach zu wählen und sich ein Semester später umzuschreiben. die er gern vertiefen will. der Vorsitzende des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften. dass die Anerkennung der Scheine problematisch werden wird.de Erste Master in Schwerin Zum Wintersemester starten am Baltic College/Campus Schwerin die viersemestrigen Masterstudiengänge »Management im Kulturtourismus« und »Marketing-Management im Tourismus«. ihrem ersten Studienort den Rücken zu kehren und das Hauptstudium im 140 Kilometer entfernten Göttingen fortzusetzen.« Kurse.« Sie hat das Wechseldrama bereits mitgemacht. »Die Praxis der Hochschulen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN TIPPS UND TERMINE Bewerbungsschluss an der Law School Wer am Zulassungsverfahren der Bucerius Law School für den kommenden Herbst teilnehmen möchte.hochschule-biberach.beuth-hochschule. So einfach wie damals wurde es nie mehr. Ein Master für seine Bachelor-Fächerkombination aus Chemie und Sport. In langwierigen Prozeduren wurden alle Module geprüft Auch wenn die Studie allgemein Hoffnung macht. brachte ihm in Berlin keinen Punkt. Die besten Teilnehmer werden zum mündlichen Test am 8. den »Executive Master of Digital Pioneering«. die Meurer an seiner alten Uni besucht hatte. »Wenn mir jemand erzählt. beim Übergang in den Masterstudiengang einer anderen Uni keine Probleme gehabt zu haben. der Autor der Studie. Mai den Online-Bewerbungsbogen ausfüllen. den sie nicht aus den Seminaren kannten. In Göttingen wollte sie auf Spanisch verzichten und stattdessen zwei Hauptfächer studieren.« Vor drei Jahren stellte die Studie »Innerdeutsche Mobilität im Studium« des Hochschul-Informations-Systems (HIS) den deutschen Hochschulen kein gutes Zeugnis in Sachen Wechsel aus: Es gebe Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen. Er informiert sich im Internet über die Studienordnung.« Thorsten Ostholt hatte bereits vorgebeugt: »Ich bin davon ausgegangen. Das Seminar Gender-Studies etwa. denn ab einer gewissen Abweichung wird man nicht mehr zugelassen«. sagt sie.« . als der Studienabschluss noch nicht Bachelor hieß. Heute. wie David Meurer. finden wir nicht akzeptabel«.« Ständig verlangen die Prüfungsämter neue Unterlagen. erzählt Ostholt. werden leichter anerkannt als die einer anderen deutschen Uni.« Das kann allerdings keine Lösung für das Problem sein. anhand der Inhalte der Seminare zu entscheiden.« Sie riet damals allen Bekannten von einem Wechsel ab.« Auch Margret Wintermantel. muss bis zum 15. dass es den Verantwortlichen noch an Lösungsideen mangele. Aus verwaltungstechnischen Gründen. Wirtschaftsinformatik.de Master für digitale Pioniere Die Zeppelin Universität (ZU) Friedrichshafen bietet ab Herbst einen berufsbegleitenden Masterstudiengang für digitale Geschäftsmodell-Innovationen an. Bei immerhin 6 Prozent hingegen wurden Leistungen nicht anerkannt. dass sich die Studienqualität gebessert hat. sondern abschrecken wollen. hieß es. sagt Ninia Binias. nicht nur an einer Uni gewesen zu sein«. Die Bewerbungsphase ist angelaufen. Er richtet sich an IT-Fachkräfte mit einem Hintergrund beispielsweise in Informatik. Alle Scheine wurden anerkannt. und dann hieß es: Das könnte problematisch werden.de/emadipcomm Bau-Bachelor in Berlin Am 1. an dem jetzt nachgebessert werden müsse. am 11. entgegne ich immer. Im Sommer 2010 will er einen erneuten Wechsel wagen.law-school. und bei 18 Prozent lagen Prüfungsunterlagen nicht rechtzeitig vor.« Die Bildungsministerin Annette Schavan hat das Thema bei der Bologna-Konferenz vergangene Woche zu einem der zentralen Punkte der Reform erklärt. Aber was dann? Florian Pranghe glaubt. Oktober startet der neue siebensemestrige Bachelorstudiengang »Umweltingenieurwesen – Bau« an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. dass sie gegebenenfalls Studienleistungen nachholen müssen. wie anstrengend das Referendariat ist. sechs Semester später. Düsseldorf und Hamburg. sollten an der neuen auf einmal nichts mehr gelten. »Sogar Scheine. dass mich nach dem Wechsel nichts mehr stressen kann«. »Dieser Wechsel hat mich mehr Mühe gekostet als meine Bachelorarbeit. jemanden zu prüfen.de/423/detail/buw Restlos abgeschreckt Warum ist es so schwer. www. www. also gehe ich davon aus. Vertrieb und Einkauf. dass sie bei der Organisation des Wechsels weitgehend auf sich allein gestellt war und anders als ihre Kommilitonen an der neuen Hochschule keinen Kontakt zu den Professoren hatte aufbauen können: »Viele weigerten sich.« In Marburg studierte sie Germa- nistik im Hauptfach und Kunstgeschichte und Spanisch in den Nebenfächern. Frankfurt am Main und Berlin statt. obwohl er sogar seinen alten Magisterstudiengang gegen ein Bachelorprogramm eintauschte. weiß von den Problemen der Studierenden. die Studenten verlören Zeit. sagt Florian Pranghe. »Inzwischen bin ich gegen alles gewappnet. Margret Wintermantel gibt zu: »Wir sind noch nicht so weit. Das allerdings ging nicht. an eine andere deutsche Hochschule zu wechseln? VON MARIE-CHARLOTTE MAAS E inmal hatte es schon geklappt. dass die Universitäten ihn nicht prüfen. www. Der angehende Lehrer Thorsten Ostholt sieht seine Odyssee mittlerweile mit Humor. Strategie. Ein Glücksfall. Schnell stellt sich heraus: Nur eine Handvoll Hochschulen würden ihn gegebenenfalls annehmen. welche Module Ostholt belegt hatte. der seinen richtigen Namen nicht nennen will. verlief alles reibungslos. es ist wichtig. »Die Ergebnisse der Studie waren sehr kritisch«. Für die Studierenden kann dies aber bedeuten. die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. wagt Christoph Heine eine vorsichtige positive Einschätzung. Florian Pranghe vermutet hinter dem Vorgehen der Hochschulen ähnliche Gründe: »Die Unis sind überfüllt und wollen. sagt er lachend. als ich musste.zeppelin-university. telefoniert mit der Studienberatung. wird an seiner Uni Göttingen nicht angeboten. So muss sich der 24-jährige Lehramtsstudent um eine andere Hochschule bemühen. nur die besten Studenten haben.baltic-college. die eine Managementkarriere einschlagen wollen. was natürlich auch eine positive Entwicklung ist. Hinzu kam. sagt Christoph Heine.76 12. Juli in Hamburg eingeladen. Mit dem Abschluss des Bologna- Prozesses im Jahr 2010 hoffte man auf Besserung.

sagt Paul-Stefan Roß. von Markt und Kapital.com Aus dem Büro an die Uni Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bietet jetzt den berufsbegleitenden Master einhold Geilsdörfer sieht es nüchtern: »Die Studenten sind unser Kapital. dass bereits der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss und der Master eher der Ritterschlag als karrieristische Notwendigkeit ist. »Das Grundprodukt ist der Bachelor. sagt Roß. sollen am 1. Es war toll. die Unternehmen gäben die Themen vor. sind die Ausnahme. der die Einrichtung der Master mit angestoßen hat. Voraussetzung für die Teilnahme an den Programmen ist nicht nur Berufserfahrung. für das Studium habe ich mich deshalb bereits zu Schulzeiten entschieden. die einen Master anhängen. Die wollen die Stuttgarter nun zur Regel machen. betont Roß: »Den Vorwurf. Ich gehe davon aus. An dieser Fakultät sind die Vorbereitungen für den Master am weitesten fortgeschritten. weiterführende Studiengänge anzubieten und Forschung zu betreiben. wie oft und wie lang ich übe. Sie ging vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss von acht Berufsakademien hervor und setzt nun als Hochschule fort. sagt Geilsdörfer. Gerade einmal 8. aber wir haben grünes Licht«. Seit Mitte März liegt das Akkreditierungsgutachten vor. Das Studium ist berufsbegleitend oder vielmehr berufsintegriert. gesellschaftliche und sozialstaatliche Aspekte mit einschließt. Ein Dutzend Masterstudiengänge. noch auf Diplom studiert zu haben – ich hatte viel mehr Freiheiten als die Musikstudenten heute. Eine »ausgelagerte Berufsschule« wolle man jedoch nicht sein. sondern auch rechtliche. sagt Geilsdörfer. Künftig soll gut die Hälfte derjenigen Absolventen. Ich bin froh. dass sich dieses Kapital bald vermehren wird. die nach dem Wochenendunterricht wieder an den Schreibtischen sozialer Einrichtungen sitzen werden. Das Ungewöhnliche ist aus Sicht der Dualen Hochschule nur logische Konsequenz. sagt Geilsdörfer. Praxis und Theorie sei nun mal seit vielen Jahren »unser täglich Brot«. wird jedoch auch Skepsis entgegengebracht. wie man in Stuttgart betont: Die Studenten behalten ihre Stelle in einem der Partnerunternehmen.« Er gesteht aber auch ein. das nicht nur wirtschaftliche. Kritiker fürchten um die akademische Unabhängigkeit. Stephanie Odenwald vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft etwa möchte duale Ausbildungen wegen der Vorteile der Studenten am Arbeitsmarkt zwar nicht verteufeln.« Tatsächlich wählen die Kooperationspartner der DHBW die Studenten mit aus und reden auch bei den Studieninhalten mit. Es bestehe nun einmal die Meinung: je höher der akademische Grad. sagt Präsident Geilsdörfer. deren Nachfrage man derzeit nicht befriedigen könne. sondern auch ein fester Arbeitsvertrag. und das können wir auch im Master. sagt Roß. dass ich mich endlich auf das konzentrieren konnte. zu bestimmen. dass kritisches Studieren zu kurz komme: »Die Freiheit von Forschung und Lehre ist hier in Gefahr. die den Studenten weitgehende Jobsicherheit und den Unternehmen maßgeschneidertes Personal beschert. die mit den Masterprogrammen nicht leichter wird. Damit betritt man in Baden-Württemberg Neuland in der deutschen Hochschullandschaft: Die DHBW wird bundesweit die einzige Hochschule sein. Befriedigt wird auch Nachfrage von anderer Seite – der der Studenten. Der Nähe zur Wirtschaft. sondern eine Teilgruppe«.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. verbringen aber ihre freien Tage an der Hochschule und ihre Abende mit Lernen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 77 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Als Studentin an der Musikhochschule Lübeck habe ich zudem gelernt. Absolventen. Denn letztlich war es auch der Wunsch der Unternehmen nach höher qualifizierten Mitarbeitern und passgenauer Forschung. »Der Master ist für diejenigen gedacht. Mit der Umwandlung der Berufsakademien in die Duale Hochschule war der Anspruch verbunden. Oktober an den drei Fakultäten anlaufen. sagt Geilsdörfer. Weitere könnten in den kommenden Jahren folgen – je nach Nachfrage.« . Es sind solche ökonomischen Prinzipien von Angebot und Nachfrage. »Alles sehr motivierte Leute. Man verstehe dies auch als personale Entwicklungsmaßnahme für die Unternehmen.« 2000er Jahre Mona Rössler. Das reißverschlussartige Ineinandergreifen von Theorie und Praxis soll im Master noch enger werden. Und die sind nicht der Regelfall. »Die Ausschließlichkeit des berufsbegleitenden Modells ist einmalig«. Bis zum Wintersemester 2014/15 will er die Studentenzahlen auf rund 34 000 wachsen sehen. dafür an die DHBW zurückkehren. die einen Abstecher ins Berufsleben und dann einen Master machen. sagt der Studiengangsleiter über seine künftigen Studenten. die sich spezialisieren wollen« Dahinter steht auch die Auffassung. Ähnlich soll es nun im Master weitergehen. die an der DHBW neben der Zusammenarbeit mit Unternehmen auch die Ausbildung der Studenten begleiten. »Es werden kleinere Nachjustierungen gefordert. was diese mehr als 30 Jahre lang praktizierten: die Zusammenführung von akademischer und beruflicher Ausbildung. In Sozialwesen sind es immerhin zehn Prozent. Klavierstudentin von 2002 bis 2007: »Ich habe immer schon Klavier gespielt. für mich selbst verantwortlich zu sein. Leiter des Masterstudiengangs der Fakultät Sozialwesen. deren Masterstudiengänge allesamt weiterbildend sind.« Der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat dafür gesorgt. Der Master ist für diejenigen gedacht. die bisher nur Bachelorstudiengänge angeboten hat. »Wir wollen uns damit in der VON SABRINA EBITSCH R akademischen Landschaft endgültig als Hochschule mit Vollprogramm platzieren«. Im Herbst starten an der DHBW. 15 bis 30 Erstsemester werden im Master »Governance Sozialer Arbeit« für 1500 Euro pro Semester auf Führungsaufgaben im sozialen Bereich vorbereitet – nach dem Prinzip Governance. Bereits im Bachelor verbringen die rund 26 000 Studenten die Hälfte ihrer dreijährigen Studienzeit in einem der 9000 Kooperationsunternehmen. die in Leitungsaufgaben wollen«. dass die Unternehmen einen sehr starken Einfluss ausüben.olafdeharde. die ersten Masterprogramme.5 Prozent aller DHBW-Absolventen hängen derzeit direkt einen Master an – im Gegensatz zu 77 Prozent der Universitätsstudenten. sich spezialisieren oder Führungsaufgaben übernehmen wollen. die sich weiterentwickeln. »Auch während der Masterausbildung sollen die Studenten den Unternehmen erhalten bleiben«. die sich derzeit noch im Akkreditierungsverfahren befinden. dass Spannungen zwischen den Ansprüchen der Praxis und denen der Hochschule existierten. Niemand diktiert uns die Ausrichtung. sagt er: » Das können wir. »Sie fühlen sich eher als Mitarbeiter der Unternehmen denn als Studenten der Hochschule«. Für die meisten Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ist die Weiterbildung vor allem ein mehr oder minder lukratives Nebengeschäft. moniert aber. Eine Gratwanderung. Die große Mehrzahl der über 6000 weiterführenden Studienangebote ist konsekutiv und schließt damit direkt an einen vorausgehenden Bachelor an. was früher ein Hobby für mich war. halten wir für nicht zutreffend. Anders als an anderen Hochschulen stehen sie ausschließlich Berufstätigen offen. Roß sieht das gelassen: Das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Bildung. desto besser die Karrierechancen.

der zumindest formal in Vollzeit studiert. Was halten Sie davon? Ulrich Teichler: Nebenjobs sind kein Argument für wesentlich mehr Teilzeitstudiengänge.und Masterstudiengängen kaum noch möglich sei. das Studium an der Uni Hamburg ist anstrengend und unterscheidet sich kaum von der Schule.olafdeharde. um ein Studium abzuschließen. dass sie für alle »studierbar« sind: für Jüngere. sammeln ja Arbeitserfahrung. Dem »Hochschulkompass« der Hochschulrektorenkonferenz zufolge sind weniger als fünf Prozent der Studiengänge in der Bundesrepublik überhaupt dazu geeignet. Separate Studiengänge für Teilzeitstudenten sollte es nur in Ausnahmefällen geben. studieren mehr oder weniger in Teilzeit. Teichler: Ja. Deshalb müssen wir alle organisatorischen und finanziellen Nachteile für diese Studenten abbauen. Ich bin nicht sicher. Es wird viel vom lebenslangen Lernen gesprochen. aber bisher wird wenig für einen anderen Rhythmus von Berufsund Lernphasen getan. Aber es ist ein tolles Gefühl. dass das Studium zumindest eine Zeitlang zur Nebensache wird. Die Regelungen für Studiengebühren müssten ebenfalls flexibler werden: Wer weniger Punkte im Semester machen will. dass jemand es nicht mehr schafft. Wer ein Modul besteht. ob wir noch mehr zum Teilzeitstudium ermutigen sollten. aber hier kann man nachbessern. dass sich das Studium um ein Jahr bis zwei Jahre verlängert. die am Wochenende oder abends lehren wollen und können. bekommt Punkte. was man will. Mit der Bologna-Reform wurden Studiengänge in Module eingeteilt. Es geht nicht nur darum. ZEIT: Wenn jemand bis zu zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – leidet darunter nicht sein Studium? Teichler: Man muss sich entscheiden. müssen wir uns aber fragen: Ist es sinnvoll. die nebenbei jobben.« dieren wollen. zum Teil gibt es solche Angebote auch schon. Viel Freizeit habe ich allerdings nicht mehr. Das führt meist dazu. nebenher zu arbeiten. wenn jemand erst einige Jahre nach dem Bachelor in den Master einsteigen will. Das ist nicht die dringlichste Aufgabe. eine schwierige Matheaufgabe zu lösen – auch wenn es bis zwei Uhr nachts dauert. Selbst bei weiterbildenden Studiengängen ist der Anteil kaum größer. ZEIT: Viele klagen. Das Klischee vom lockeren Studentenleben trifft auf mich sicher nicht zu. Wir sollten dazu ermutigen. Bevor wir die stärker ausbauen. Hier sind separate Teilzeitstudiengänge gefragt. die sich ausdrücklich an Studenten richten. Seit Langem arbeiten Studenten nebenher. man muss sich auch entscheiden. dass Teilzeitstudierende unter sich sind? Sollten sie nicht auch in Kontakt mit »Vollzeitstudenten« kommen? Hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen. Mitarbeiter und Lehrbeauftragte. braucht man andere Angebote. die in Teilzeit studieren wollen. das sich vor allem an der Standard-Studiendauer orientiert.und Prüfungsordnungen vor und für eine Minderheit spezielle Teilzeit-Hochschulen. dass Ältere noch mehr lernen. zahlt weniger. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden. Eine Herausforderung auch für die Politik: Das faktische Teilzeitstudieren zieht häufig Probleme mit dem Bafög oder Studienkrediten nach sich. nur am Abend oder am Wochenende Kurse zu besuchen. um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. sondern auch dass nicht alle vor dem Berufseinstieg so lange lernen. dass nach Abitur oder Ausbildung einige Jahre Berufstätigkeit folgen und ein späterer Einstieg ins Studium leicht möglich ist – Vollzeit oder Teilzeit. die sich an der Regelstudienzeit orientieren. Denn für solche Angebote muss man anderes Personal rekrutieren: Professoren. die sich den Hochschulen stellt. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat deshalb mehr Teilzeitangebote gefordert. dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. für Vollzeit. ZEIT: Sollte also lieber doch alles bleiben wie bisher? Teichler: Nicht unbedingt. 2010er Jahre Laura Rosenberg. Einerseits haben wir die Tradition des Studenten. die voll im Beruf stehen und zusätzlich stu- In Teilzeit studieren Anders als in Großbritannien und den USA haben die Hochschulen hierzulande bislang nur wenige Angebote konzipiert. die es ihnen ermöglichen. Mai 2011 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. ohne das Studium zu gefährden.com DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN »Nachteile abbauen« Der Hochschulforscher Ulrich Teichler über die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjobs DIE ZEIT: Dem Deutschen Studentenwerk zufolge arbeitet heutzutage jeder vierte deutsche Student nebenher so viel. studieren allerdings bereits heute viele Studenten faktisch in Teilzeit. ZEIT: Sie schlagen also flexiblere Studien. Andererseits wird verlangt. dass gut ein Viertel der Studenten siebzehn Stunden pro Woche oder mehr in Nebenjobs arbeiten müssen. dass mir das liegt. ohne offiziell diesen Status zu haben: Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner Sozialerhebung im Jahr 2009 ermittelt. eine chronische Krankheit oder familiäre Verpflichtungen können dazu führen. welche Milieus man schaffen will. die vorgegebene Stundenzahl pro Semester zu leisten. dass er nicht mehr als Vollzeitstudent gelten kann. dass es in Bachelor. Interview: STEFAN KESSELHUT . Kaum jemand hat dadurch aber schlechtere berufliche Chancen oder verdient weniger. gestaffelt absolviert zu werden. Wir müssen Studiengänge so gestalten. wenn ganze Fachbereiche oder Hochschulen sich darauf spezialisierten. ZEIT: Wer braucht dann überhaupt »echte« Teilzeitstudiengänge? Teichler: Für die Minderheit der Teilzeitstudenten.78 12. muss man eine bestimmte Zahl an Punkten erreichen. Teichler: Bei der Reform hat man das Thema Nebenjob erst einmal übersehen. Informatikstudentin seit dem Wintersemester 2010: »Dass ich jetzt Informatik studiere. Studenten. Warum geht das nicht in einer beliebigen Zeit? Zusätzlich müsste das Bafög reformiert werden.und Teilzeitstudenten. Aber auch Kinder. Es sollte keine Probleme geben. hat mich selbst überrascht. Der Bedarf würde am besten gedeckt werden. Ich habe durch ein Schnupperstudium gemerkt. Aber nur jeder siebte arbeitet während des Semesters mehr als sechzehn Stunden pro Woche. Definiert man »in Teilzeit studieren« umgekehrt so. Ältere.

handwerklich und praktisch mit Medien umzugehen: Was gibt es bei einem Aufnahmegerät zu beachten. aber am Ende hat es gut geklappt«. den die Fächer Philologie. Carina Johannsen freut sich über die beruflichen Aussichten. sagt Johannsen. sie könne nichts wirklich. zu weit ist die thematische Breite. als könne sie alles. Aber vorher muss sie ihre Bachelorarbeit noch fertigstellen. TU Berlin und Handelshochschule Leipzig nun in der Spitzengruppe. In BWL an Fachhochschulen kam die PFH Göttingen bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt und Studierbarkeit in die Spitzengruppe. Im Fach Politikwissenschaft wurde die Universität Rostock in den Vergleich einbezogen. die wachsende Zahl der Mobilservices. Neben den Analysefächern lernte Carina Johannsen auch. Noch im Jahr 2008 wurde das Fach in Passau nämlich massiv gefördert: Bald war eine Professur für Kommunikationswissenschaften ausgeschrieben und besetzt. . aber natürlich haben wir nur an der Oberfläche gekratzt«. sollte allerdings nicht nur auf die Qualität der Lehre achten. So ist es auch an der Uni Siegen. wo Carina Johannsen studiert. Für Medienwissenschaftler bestimmen sie zusätzlich den Forschungs. »Ich finde es interessant. ohne dass die Theorie darunter leidet.« Heute weiß sie. Es gibt auch Universitäten. sich zu spezialisieren«. dass das damit nicht passiert wäre. muss sie lächeln. erzählt sie. Stand 2011 zu geringe Fallzahlen) Änderungen im Ranking Gegenüber der Veröffentlichung der aktuellen Ranking-Ergebnisse im ZEIT Studienführer und in der letzten Ausgabe der ZEIT haben sich einige Änderungen ergeben: Im Fach BWL an Universitäten liegen beim Indikator Internationale Ausrichtung die Hochschulen ESCP Europe Berlin. erzählt die Studentin.und Berufsalltag. Die 23-Jährige studiert inzwischen im sechsten Semester Medienwissenschaft an der Universität Siegen und arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit. wovon die Menschen wie beeinflusst werden. beim Indikator Praxisbezug der Mittelgruppe. das auf Einschätzungen von Studenten beruht. an denen das Studium aufgebaut wird oder für die keine Daten vorliegen.« In guten Tagen fühlt sich Johannsen. werden nicht in das Ranking einbezogen. Forschungsgelder und Forschungsreputation kam sie jeweils in die Mittelgruppe.und Kommunikationswissenschaften existieren inzwischen in Deutschland. Kein Wunder. sagt Klaus-Dieter Altmeppen. Ganz eingrenzen lässt sich das Feld der Medien. / Schlussgruppe.) Uni Greifswald Uni Halle-Wittenberg Uni Hamburg HMTM Hannover Uni Hohenheim TU Ilmenau Uni Jena Uni Leipzig Uni Mainz Uni Mannheim LMU München Uni Münster Uni Nijmegen (NL) Uni Passau Uni Twente (NL) Uni Zürich (CH) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Uni Bayreuth Uni Bochum HBK/TU Braunschweig TU Chemnitz Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erlangen-Nürnberg Uni Konstanz Uni Leipzig Uni Marburg Uni Paderborn Uni/FH Potsdam Uni Regensburg Uni Weimar Stand 2011 Hochschulen.und Kommunikationswissenschaften allerdings selten. Inwiefern Ego-Shooter-Spiele aus labilen Menschen Amokläufer machen können. dass ich in einem der spannendsten Felder arbeite. Studierbarkeit und Praxisbezug der Mittelgruppe zugeordnet. ich kann wieder mit Freude Zeitung lesen und Radio hören. Ganz anders sieht es in Passau heute aus. Radio hören gehört ja letztlich auch zu ihrem Studium. aber die Haare reißen. dann aber plötzlich in Vergessenheit geraten – weil sie von der Agenda der Zeitungen und Fernsehsendungen verschwunden sind. / Mittelgruppe. wie ich einen Film machen kann. Das war alles akustisch gar nicht so einfach zu vermitteln. wird in dieser Übersicht nur eine Fakultät dargestellt. Dazu kommen weitere Schwerpunktsetzungen: Bei einem Studienangebot steht die akademische Theorie im Vordergrund. sagt Ralf Hohlfeld. weitere folgten. oder zumindest von allem ein bisschen etwas – in schlechten Tagen hat sie das Gefühl.und Medienwissenschaftler von der Universität Frankfurt. »Es ist toll. Wenn Johannsen heute zurückblickt. Sofern ein Fach an mehreren Fakultäten einer Hochschule angeboten wird. In vielen der untersuchten Bereiche liegt er sogar in der Spitzengruppe. und wie werden die präsentiert? Das war im ersten Semester. Informationen zu allen Hochschulen und Fakultäten finden Sie im Internet unter www. Die Ergebnisse des aktuellen CHE-Ranking.und Medienwissenschaften studieren will. »Das mit dem Analysieren ist zum Glück bald weniger geworden.und Kommunikationswissenschaften würden die beruflichen Chancen vielfältiger. »Ich hatte zwischen Psychologie und Medienwissenschaften hin und her überlegt«. Mediaplanung. die in den Tabellen nebenan und auch im neuen ZEIT Studienführer stehen. Werbung und Journalismus bieten Chancen. Wer Kommunikations. an denen die Studenten während des gesamten Studiums kein einziges Mal eine Kamera in der Hand halten. der Prinz will hochklettern. in wie viele Fächer wir Einblicke haben«. »Ich weiß theoretisch. sagt sie. die neuen Plattformen für die Verbreitung von Nachrichten und Videos. sagt Johannsen. sagt Vinzenz Hediger. ohne an die Theorie zu denken«. Dann kommt der Slogan des Shampoos und der Hinweis. Die HWR Berlin wurde bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt.CHANCEN 12. Mit entsprechenden berufsbezogenen Modulen haben die Studenten zum Ende des Stu- diums außerdem die Möglichkeit. »Wir haben versucht. So hat Johannsen etwa auch Scheine in Grundlagen aus den Wirtschaftswissenschaften und in Medienrecht gemacht. um ihr Image zu verbessern. Film. »Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben vor allem durch Facebook und Twitter derartige Formen angenommen. Nicht nur die etablierten Arbeitsgebiete wie Marktforschung. Es entstehen auch neue Berufsfelder durch die zunehmend professionellen Auftritte der Medien und Unternehmen in Sozialen Netzwerken. die ich mir vorstellen kann«. wie die Universität Passau anfangs feststellen musste. Die Studenten scheinen zufrieden zu sein: Bei dem wichtigen Kriterium »Studiensituation insgesamt«. zeigen: Der Kommunikationsstudiengang der Universität Passau hat einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht. Studierbarkeit und Internationale Ausrichtung der Spitzengruppe zugeordnet. sagt sie und lacht. sagt Johannsen.de/studium/medien / Spitzengruppe. liegt Passau jetzt in der Spitzengruppe. Die FHWien wurde in die Ranking-Tabelle aufgenommen und bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. wie bedient man eine Kamera. kann ich guten Gewissens auch mal das Radio anmachen«. / Nicht gerankt (keine Daten vorhanden.und Medienwissenschaft einfach nur eingeführt. Uni Augsburg FU Berlin UdK Berlin TU Dortmund TU Dresden Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erfurt ZU Friedrichshafen (priv. wie auch die grünen Punkte in den Tabellen zeigen. und die Qualitätsunterschiede sind groß. bei dem anderen Fach liegt der Fokus auf Fernsehen oder Radio. In den vergangenen Jahren haben viele Unis das Fach Kommunikations. Warum Hunde auf Spielplätzen zeitweise als große Gefahr erscheinen. und mit ihr wächst das Angebot der Kommunikations. An eine fundierte Fernseh.zeit. Dabei geht es wieder einmal um Analyse: Johannsen geht der Frage nach. wie schneidet man Filme und Radiobeiträge ordentlich? Im dritten Semester hat Johann- VON CHRISTIAN HEINRICH Kommunikationswiss. Bei den Indikatoren Internationale Ausrichtung. was sich im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2008 niederschlug: Der Studiengang in Passau war in allen wichtigen Kategorien in der Schlussgruppe vertreten./ Journalistik Forschungsgelder Internationale Ausrichtung Berufsbezug Studierbarkeit Studiensituation insgesamt UNIVERSITÄT Medienwissenschaft Internationale Ausrichtung Medien-Labore Studierbarkeit Studiensituation insgesamt Uni Basel (CH) A sen zusammen mit ihren Kommilitonen für einen Shampoo-Werbespot im Radio die Geschichte von Rapunzel umgeschrieben: »In unserer Variante lässt Rapunzel ihr Haar runter. Fehlen aber die nötigen Kompetenzen und Kapazitäten. Pädagogik und Politikwissenschaften gemeinsam führten – einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft aber gab es nicht. Sie landete in der Spitzengruppe bei der Internationalen Ausrichtung und in der Schlussgruppe beim Indikator Forschungsgelder. sagt Altmeppen. Im Fach Kommunikationswissenschaft/ Journalistik wurde die Universität Hamburg in die Liste aufgenommen. dass sich die Schwerpunkte der einzelnen Studiengänge stark unterscheiden können«.oder Radioausbildung reicht das aber nicht heran. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 79 Radio hören für die Uni UNIVERSITÄT Das Fach Medienwissenschaft tritt thematisch extrabreit an m Anfang analysierte Carina Johannsen sogar noch morgens unter der Dusche. Medien sind eben überall und fast immer präsent. »Kommunikation gewinnt weiter an Bedeutung. Grundsätzlich stehen bei der Medienwissenschaft Geschichte und Theorie der Medien von der Schrift bis zum Computer im Vordergrund. Mehr als 200 Studienangebote für Medien. der dort seit 2008 die erste Professur für Kommunikationswissenschaft innehat und an der Errichtung des geplanten Zentrums mitarbeitet. Derzeit wird ein neues »crossmediales Medienzentrum« errichtet. dass die Angebote nach Aussagen vieler Studenten theoretisch und praxisfern blieben. der an der Universität Eichstätt als Medienwissenschaftler forscht und lehrt. wie die Medien auf Menschen einwirken können. Ich sehe jeden Tag. ausschlaggebend für ihre Studienwahl waren sie jedoch nicht. »Andererseits haben wir natürlich nur selten fundierte Kenntnisse. Später möchte sie im Bereich Werbung arbeiten. »Wenn ich eine Schreibblockade habe. »Man sollte auch im Blick haben. die Ausbildung praktischer zu strukturieren. während die Kommunikationswissenschaft die politischen und gesellschaftlichen Wirkungen der Massenmedien ins Zentrum stellt. wie Tim Burton die Traumatisierung der Personen in drei seiner Filme darstellt. 2004 hatte man dort einen Bachelorstudiengang Medien und Kommunikation gegründet.und Medienberufe«. Aber das geht meist schnell vorüber. in wenigen Monaten wird sie das Studium abgeschlossen haben. was sie im laut aufgedrehten Radio hörte: Wie verändert sich die Betonung der Radiosprecherin? Warum wurden welche Nachrichten ausgewählt. Für Absolventen der Medien. schadet es eher ihrem Ansehen.

braune. Solche Kämpfe werden von Gleichrangigen ausgefochten. eine Haltung.de . aufs Berufsleben hochgerechnet: schlappe 20 Jahre Meetings! Woran kranken Meetings? Erstens: Es gibt zu viele davon! Wie wäre es. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) Foto: Thomas Bernhardt für DIE ZEIT/www. bezweifelt sie aber VON MISCHA DRAUTZ So kommt man hin: Der Weg ins Berufsleben als Forscher beginnt mit der Doktorarbeit – am Lehrstuhl. interdisziplinär forschen zu können. sondern anfangen: Der Eingriff ins Klima könnte Regenzeiten durcheinanderwürfeln und neue Wetterphänomene hervorrufen. Die Chance. Dort kann man langfristig immer noch überlegen. dass wir noch weit davon entfernt sind. bei der viele hineingehen und wenig herauskommt Der Coach erklärt: Gut verdrahtet: Isabelle Steinke im Kontrollraum Gesucht: Forscher Die Physikerin Isabelle Steinke versucht. Auch Neugier und Eigenmotivation sind gefragt. Vulkanasche oder Salzwasserpartikel sein.und Umsteiger jetzt besonders gut sind G E S U C H T BERUF CHANCEN 12. »Was wir in der Wissenschaft vor allem lernen. Ob solche Experimente den Klimawandel aufhalten können. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 81 DAS ZITAT Werner Finck sagt: Eine Konferenz ist eine Sitzung. erklärt Isabelle Steinke. So kommt man weiter: Die Stellen in der Wissenschaft sind spannend. Der Himmel über Karlsruhe ist an diesem Tag wolkenlos blau. befürchte ich. Und Leute. sagt Isabelle Steinke. die von Erdöl profitieren. Kann man die Umwelt manipulieren. »Was wäre. um dem ranghöchsten Tier zu imponieren. Am liebsten würde sie aber doch an der Uni weiterforschen: »Da ist die Freiheit einfach am größten. der für den weiteren Weg entscheidend ist. Aida heißt der überdimensionale Kühlschrank. Schon den Begriff Climate Engineering mag Leisner nicht. Sebastian Harnisch. Um das zu verhindern. Eine Abteilung marschiert gegen die andere auf. sind die Chefs ins nächste Meeting gehüpft. mit ungewissen Folgen für ihre Bewohner. »Mich fasziniert. Auf einer Postdoc-Stelle an der Uni verdienen promovierte Wissenschaftler monatlich rund 3300 Euro brutto. Die 26 Jahre alte Physikerin erzeugt am Karlsruher Institut für Meteorologie und Klimaforschung künstliche Wolken. in der freien Wirtschaft zu arbeiten – zum Beispiel bei einer Unternehmensberatung. weil das Institut Aida besitzt. So – oder so ähnlich – könnte ein Eintrag im Tierlexikon über die Gattung Vorgesetzter und ihr Biotop beginnen. sagt Harnisch. wenn wir anfangen. dann bitte auch mit denjenigen am Tisch. Sicher ist: Mehr Aerosole machen die Wolke heller und dichter. weil es an den Hochschulen dauert. Da Demokratien selten zu nachhaltiger Politik fähig seien. bis er gescheitert ist. Und für die wir noch Grundlagenforschung betreiben müssen. Dadurch ist sie auch mit den Denkweisen der Vertreter anderer Fächer vertraut. verkommt der Meetingraum zur Insel der Ahnungslosen. Das können Wüstenstaub. Sie testet. Isabelle Steinke und ihre Kollegen basteln nicht einfach Naturphänomene nach. den CO₂Ausstoß zu verringern«. sagt Steinke. Die Erde. sondern braucht auch Glück. die sie gewonnen hat. etwa indem man Wolken als Sonnenschirm benutzt. überhaupt zu verstehen. Dabei kommt es zu Rangkämpfen. die das können. Meetings verzögerten Arbeitsabläufe. Wolken zu manipulieren. Aber sind Sitzungen nicht wichtig. Ansonsten darf man sich nicht verrückt machen«. Je weißer die Wolken. Ob die Partikel dann dort blieben. Technisch unveränderte allerdings. Was passiert. die man sich offenhalten sollte. die erwiesenermaßen zunimmt. in dem Steinke Flüssigkeiten und Stoffe vermischt. Zudem erhält man im Gegensatz zu den meisten Berufstätigen ein hohes Maß an Freiheit in der Arbeitsgestaltung. der künstliche Wolken erzeugt – die Abkürzung steht für Aerosol-Interaktion und Dynamik in der Atmosphäre. Umso wichtiger sei es. Später kann sich Steinke durchaus vorstellen. ein Drittel gab an. um den CO₂-Ausstoß zu verringern wie beispielsweise ein Tempolimit auf Autobahnen seien unpopulär. etwa ein Tausendstel Millimeter groß. Das wird schwierig: Wer ganz auf die Uni-Karriere setzt. die manche dahinter vermuten: Wer Wolken beeinflussen kann. Zweimal im Jahr darf Isabelle Steinke für etwa vier Wochen Aida für ihre Versuche in Anspruch nehmen.« Doch mit technisch veränderten Wolken würden die Probleme nicht enden. wenn auf einmal ein Wirbelsturm auf die USA zusteuert. wenige Antworten. Die einzige Fähigkeit. »Wir müssen aus allen Bereichen die wichtigen Punkte zusammenstellen. bevor das losgeht. Sondern auch. Bei mir wäre das Nächste eine Postdoc-Stelle. schlafe ich unruhig«. da ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler heute einig. muss mit heftigen Attacken rechnen. wächst Harnisch zufolge aber die Gefahr. ist die Fähigkeit. müsste man die Aerosole mit Flugkörpern in die Atmosphäre I transportieren. ob man lieber eine Fach. Das wird spannend: Hitzige Fachdiskussionen mit Kollegen können nervenaufreibend sein.« Um echte Wolken zu verdichten. weniger Sonne auf die Erde gelangen zu lassen. damit am Ende die Gesellschaft eine Entscheidung treffen kann«. Auch der internationale Austausch auf Konferenzen in aller Welt gehört zum Forscheralltag. muss nicht nur sehr gut sein. die wie riesige Feuerlöscher aussehen. Das führt zu Fehlentscheidungen. Den Rest des Jahres verbringt sie mit dem Interpretieren der Flut von Messdaten. Während sich die führenden deutschen Wissenschaftler recht skeptisch äußern und die Politiker in Berlin bei dem Thema noch in Deckung bleiben. wirkt es aber übernatürlich. Eine Möglichkeit wäre. die von der Sache am meisten verstehen. Bei externen Promotionen fehlt der persönliche Kontakt zur Wissenschaft. Grüne. Politikwissenschaftler und Sprecher des Projekts. gefüllt mit verschiedenen chemischen Stoffen. keine Technikgläubigen. um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Und sollte man es tun. was passiert. sie beschäftigen sich auch mit den Auswirkungen ihrer Ergebnisse. jeden Tag drei bis vier Stunden zu konferieren. »In den Tagen. werden überall gebraucht«. Abteilung Atmosphärische Aerosolforschung. sagt die Physikerin.« Noch kritischer äußert sich ihr Betreuer am Institut. Wer vor dem Meeting ein Sachproblem hatte. haben kein Interesse. Das bekommt man: Man kann den Fragen nachgehen. kann vielleicht auch die Welt vor einer Klimakatastrophe retten. hat wenig Chancen. Zudem setzen viele Akademiker in den USA auf Climate Engineering. sagt Isabelle Steinke. Aerosole sind feinste Partikelchen. weil unterhalb der Professorenebene kaum passende Stellen vorhanden sind. langfristig an der Uni zu forschen. weil Ergebnisse oft auf sich warten lassen. In der freien Wirtschaft verdienen Forscher etwa ein Fünftel mehr. Thomas Leisner ist Professor der Umweltphysik an der Universität Heidelberg und Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung. welche politischen und rechtlichen Konsequenzen es hat. in denen die Chancen für Ein. Eine Umfrage unter 800 Führungskräften im deutschsprachigen Raum ergab: Sieben von zehn Teilnehmern halten Meetings für schlecht vorbereitet. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ansatzes werden in Karlsruhe erforscht. »da ist es unabsehbar. sagt die junge Forscherin und schaut schnell wieder auf ihren Computermonitor.« Sie findet es spannend. wisse allerdings noch keiner. an einem Forschungsinstitut oder in einem Doktorandenprogramm an einer Graduiertenschule. Der natürliche Lebensraum des Vorgesetzten ist der Sitzungssaal. »Wolken sind eine wichtige Komponente im Klimageschehen«. »Da muss man schon hartnäckig sein. dass niemals ein Klimaabkommen zustande kommt. denkt an eine solche Gesellschaftsentscheidung mit Sorge. ist danach einen Schritt weiter – er hat zusätzlich ein Beziehungsproblem! Und drittens: Wenn schon Meetings. Ihr Desktop-Hintergrund: Wolken. aber für die in der Realität bestmögliche Maßnahme. sie wollte experimentell arbeiten. Dichter Nebel steigt in dem riesigen Kühlschrank auf. wie eine Wolke funktioniert«. Dort schart er sich mehrmals täglich mit Artgenossen um einen Tisch. Nicht nur. »Alle. Wenn sie Experimente durchführt. sondern nur um die Macht. werden verschiedene Maßnahmen angedacht. Sie gehen davon aus. Spaß am Forschungsgegenstand zu haben – und den hat sie. Daher sind die Karlsruher Umweltphysiker auch integriert in das interdisziplinäre Projekt Global Governance of Climate Engineering an der Universität Heidelberg. schwarze. Und das macht Mitarbeiter zu Trotzköpfen: Sie torpedieren diesen Beschluss im Alltag. wie man sie von Hirschen kennt. die einen interessieren. ein Teilnehmer profiliert sich auf Kosten des nächsten.« Einen Masterplan für den schwierigen Karriereweg in der Wissenschaft hat sie sich aber nicht zurechtgelegt. sagt sie. wie Wolken auf verschiedene Aerosole reagieren. wird sich auf Dauer zu stark erwärmen. Um Aida herum stehen Behälter. wenn man in großer Runde über Probleme redet. Mehr Chancen für Forscher bieten Unternehmen. ohne dass ein Einkäufer dabei ist. Nur gibt ein Professor seine Stelle nicht nach einem Jahr bereits wieder frei. aber dünn gesät: In Deutschland gibt es in etwa genau so viele Professorenstellen wie Promovierte pro Jahr. dass Wolken so alltäglich und doch so kompliziert sind. Aber genau wegen Aida hat sie sich auf die Doktorandenstelle am Institut beworben. damit Probleme gelöst werden können? Wie der Kabarettist Werner Finck sagt: Nein. Je weniger Meetings nötig sind. Macht.Die Serie (3): Wir stellen acht Berufe vor. Sechs von zehn sagen. Die Kühlung dröhnt fast so laut wie ein startendes Flugzeug. desto mehr Licht wird zurückreflektiert und gelangt gar nicht erst auf die Erde. weil es einfach lange dauert. auf Climate-Engineering-Aktionen angewiesen zu sein. G E F U N D E N sabelle Steinke will forschen und nicht Gott spielen. wer dem anderen ins Gehege kommt. was technisch möglich ist. »Das muss man Schritt für Schritt angehen. sondern auch darum. Und jeder Zweite sieht Verantwortlichkeiten nur unzureichend geklärt. findet unkomplizierte Lösungen.« Isabelle Steinke sieht das ähnlich: »Alles andere sind nur Möglichkeiten.t-bernhardt. Bis zum Vordiplom hat sie in Heidelberg neben ihrem Physikstudium auch Seminare in Volkswirtschaft besucht und beim Rollenspiel »Model United Nations« in New York mitgemacht. Wer öfter mal im Büro seiner Kollegen vorbeischaut und sich abstimmt. den Dialog auch außerhalb des Sitzungsraums zu pflegen? Alltägliches lässt sich im Alltag klären. wenn eine »Koalition der Willigen« Climate Engineering betreibt? Wie steht es mit der Verantwortbarkeit? Bisher gibt es viele Fragen. das den CO₂-Ausstoß nachhaltig verringert. Wolken zu manipulieren. desto besser ist die Organisation! Zweitens geht es bei Meetings oft nicht um die Sache. dass nur eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes hilft. Bei der Simulation der UN-Abläufe vertrat sie die klimapolitischen Interessen Uruguays. wenn man es kann? Wer eine Weile im Karlsruher Institut verbringt. bis man als Forscher wirkliche Resultate erzielt«. »Das Problem ist. seine Position zu schärfen.oder eine Managementkarriere einschlagen möchte. es muss nicht in eine Sitzung ausgelagert werden. Wenn Manager über ein neues Einkaufssystem debattieren. Climate Engineering lautet das Schlagwort. in großer Runde über Probleme zu reden. das Steinke in ihrer Doktorarbeit beschäftigt. als könnten wir wie Ingenieure etwas gezielt konstruieren. dann aber nach Mexiko abbiegt?« In der Diskussion über Climate Engineering geht es also nicht nur darum. Zeit fürs nächste Meeting! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. Es muss allen klargemacht werden. Denn wer den Sprung auf die Professur nicht schafft. zum Grillen finde ich das schon okay«. Das muss man mitbringen: Einen langen Atem. die Thomas Leisner kritisiert: »Mit so einer Einstellung gibt man Klimaverhandlungen schon im Vorfeld auf. gibt es anderswo durchaus Anhänger. Womit ein neues Problem entstanden ist. ist logisches Denken. »Na ja. bis man in eine lukrative Position gelangt. »Das klingt. treiben einen aber auch an. Sie halten Climate Engineering vielleicht für keine gute. sagt sie. Direkt nach der Umfrage. sagt Steinke. merkt schnell: Hier arbeiten Forscher. Politische Maßnahmen.

Rainer Böhm. gestraft wird seit Jahrtausenden. Man will ja nicht blöd sein oder jedenfalls nicht als solcher behandelt werden. Wieso lernen dann Juristen nicht dazu? Psychologie und Hirnforschung gibt es seit einigen Jahrzehnten. 19 12. haltgebende und nachhaltig stressreduzierende Bindung im frühen Kindesalter fördert die Entwicklung des präfrontalen Kortex. per E-Mail Richter am Amtsgericht i. Bad Fredeburg nachweist. der Täter habe Tathergang und Folgen voll im Griff gehabt und könne Ähnliches künftig vermeiden. trotz zeitweiliger Rückschläge. sagt der Angeklagte. schrieb der 87-jährige Liebermann 1934 selbst: »Ich lebe nur noch aus Hass. die restliche Zeit arbeiten sie schwarz gegen Cash. Ralf Hirnrabe. In Libyen jedoch engagiert sich der Westen. vorwiegend Baufirmen in West und Ost. wie schuldig sich ein Mensch gemacht hat. Wie Saddam Hussein so wurde auch Muammar al-Gadhafi jahrelang vom Westen hofiert und mit modernsten Waffensystemen ausgestattet. und auch deshalb ist die vermutete Schuld (der Verdacht also) zwar Voraussetzung. sich nach Art einer selbst erfüllenden Prophezeiung selbst zu bestätigen. ist aberwitzig und geschichtsblind... April 2011 18 Alttestamentarisch.« Und noch ganz nebenbei sei in Abwandlung des berühmten Liebermann-Satzes über einen angeblich zu langen Arm auf einem Bild Cézannes zu seinen angeblich spießigen Blumenbildern angemerkt: Wenn sie so jemalt sind. Bund. Eva Matern-Scherner. 18 Hölderlins Beitrag zur Weltliteratur in allen Ehren – wieso man sich im 21. der einfach nur »Streit gesucht hat«. insbesondere der jüngsten Kinder. nie aber alleinige Rechtfertigung von Untersuchungshaft. Berlin geben. G. Darmstadt NR. der die befreiten Gebiete dort schlagartig sich selbst überließe. 18 Die Terrororganisation al-Qaida oder die afghanischen Taliban feiern ihre Symbolfigur als Märtyrer. die die emotionalen Bedürfnisse. dass die Psychohistorie über den Verlauf der letzten Jahrhunderte. Ich schaue nicht mehr aus dem Fenster . der es unter Androhung von drastischen Strafen jedem Staat auf der Erde grundsätzlich verbietet. es fragt. sondern weil die Handlungsgrundlage für das Finanzamt nicht belastbar ist.ZEIT DER LESER S. Liebermann hat in jüngeren Jahren dem Durchbruch der Moderne auf die Sprünge geholfen. wie Manfred Schwarz schreibt. solch einen unwiderruflichen Akt der Selbstjustiz lobpreist: »Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«. Dies schützt nicht nur einen tatsächlich zu Unrecht verdächtigten Bürger. A-1020 Wien . Das verstellt den Blick auf die Notwendigkeit neuer Reaktionen auf Unrecht. zudem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. die überzeugend ZEIT NR. examinierter Jurist. Brigitte Hoff. Uchatius: »Der Raubüberfall« ZEIT NR. In Afghanistan und im Irak ging es darum. 18 Traurig. wenigstens erst mal Haftverschonung gewährt. wie ach so bibelfeste Amerikaner auf den Straßen tanzen und feiern. die einen Menschen zum Mörder machen könnten. sondern eine neue Dimension hat. als ginge es um einen Sportevent. und das Finanzamt repräsentiert das Böse – und ist auch noch ungerecht. Hamburg Ich bin froh. Obama und seine Verbündeten hätten sich stattdessen für einen UN-Beschluss stark gemacht. dass in Hirn und Herz des Übeltäters ganz andere Abläufe stattfinden als gemeinhin angenommen.96 LESERBRIEFE AKTUELL ZUR ZEIT NR. der wesentlich für Impulskontrolle. ZEIT Nr. die verkennt. Sonderregelungen und so weiter. Annette Hund. würde dieses neue Gefühl der Ähnlichkeit untergraben und den Boden für einen »Kampf der Kulturen« bereiten. In konsequenter Folge werden wir hoffentlich demnächst Beiträge über die Unschicklichkeit von Hosen und Erwerbsarbeit für Frauen sowie die Vorzüge von Eiswasser und Kernseife gegenüber Deo und Bodylotion für Männer finden. dass die Menschen im Maghreb nicht zu einer uns völlig unverständlichen Kultur gehören. beschäftigen Leute nur auf 400-EuroBasis. Hans H. Giebelstadt Es fehlt noch etwas: Arbeitgeber. 18 Wie Grausamkeit entsteht Interview mit Terry Eagleton: »Höllische Freude« Eagletons Antwort auf die Frage nach den Ursachen. So ist mittlerweile überzeugend nachgewiesen. spannt die Falle der Selbstgerechtigkeit. dass man einen Menschen nicht grundlos niederschlagen darf? Haben Sie etwa keine Vorstellung davon. Der Artikel legt den Finger in eine Wunde unserer Gesellschaft. Solange die USA als letzte verbliebene Weltmacht auf diesem Globus den WeltSheriff spielen und nach Belieben Krieg gegen Staaten führen. 18 Zum Titelthema »Verzettle dich nicht!«. In seinem Garten«. Aus den Kriegen um Öl und gegen al Qaida. Der Wunsch. Denn unser Strafverfahren will auch die innere Seite eines Verbrechens ermitteln. Das wird dann von manchen konservativen Politikern und Medienvertretern bei uns verteidigt. Insbesondere stehen hier Erfahrungen aus der Kindheit im Fokus. Diktatoren und in Krisengebiete zu liefern? Roland Klose. nachzulesen in Berichten des Steuerzahlerbundes und des Rechnungshofes. Und da können gesetzestreue Bürger es sicherlich nur gut finden. Florian Dietrich. Ermutigend ist hierbei. So fragt zum Beispiel der Richter: »Wissen Sie denn nicht. sich bevorzugt in Gesellschaften entwickelt. in weit vorchristlicher Zeit. der mit 75 Jahren die Ermordung seines Vetters Walther Rathenau und mit 86 den Fackelzug zur »Machtergreifung« Adolf Hitlers miterleben musste. um so eine angemessene Strafe zu begründen. reale oder fiktive terroristische Bedrohungen in einem feindlichen Kulturraum zu bekämpfen. diese Bilder nicht zu veröffentlichen. dass das Gericht nicht in der Sache gegen das Finanzamt entscheidet. Berlin 28. Über Rückfälle wundert man sich dann. selbst richtig zu handeln. dass die meisten Steuerklagen aus formellen Gründen gewonnen werden: Die Steuergesetze sind handwerklich so schlecht. erstaunt ein wenig. wenn zwei Grundübel bestehen bleiben: Erstens die verworrenen Steuergesetze mit zig Ausnahmen. Nicht erwähnt wird. Vielmehr ist sie eine Lehre aus der Erkenntnis. dass diese Intervention gerade nicht in einer Linie mit dem Afghanistan. Über die Zeit seiner »inneren Emigration. Tatsächlich hat – wie die Erfahrung lehrt – der Täter sich bei der Tat nichts gedacht. Eine sichere. Die Unschuldsvermutung gebietet demgegenüber eine Offenheit des Strafverfahrens. gravierend vernachlässigen. – ich will die neue Welt um mich herum nicht sehen. Diese unterstellte Schuld ist immer in Gefahr. sondern genauso sind wie wir – nur ärmer und schlechter regiert! Ein Rückzug aus Libyen. Dass aber der heutige amerikanische Präsident. hätte man die Ermordung Osama bin Ladens vermutlich als gerecht empfunden. Hamann und W. Wäre es nicht besser gewesen. Hirnforscher und Psychologen lehren uns. Kein noch so grausames Video kann hier alleine Antwort ZEIT NR. Wer zahlt das letztendlich? Der Steuerzahler! Zu wenige Razzien und zu niedrige Strafen für die Arbeitgeber! Christel Fichtner Sandersdorf Sie sind wie wir Pro und Contra: »Soll der Westen den Krieg verschärfen?« Dass es in Libyen nur um die Macht des Westens geht. Wernigerode Schuld und angemessene Strafe Dagmar Rosenfeld: »Täter aus gutem Haus« Die Unschuldsvermutung ist keine psychologische Einschränkung des Tatverdachts. dass aggressives Verhalten zwischen Generationen sozial tradiert wird. die Evidenz liefern können. Müssen wir uns da wundern. bleibt der Wunsch nach einer friedlichen Welt ohne Terrorismus ein Traum. entsetzt mich. 18 Die Bilder des im Alter von nur 51 Jahren gestorbenen Edouard Manet ausgerechnet gegen das Spätwerk Liebermanns auszuspielen. Man wisse hierüber viel zu wenig. Vergeltung für den Tod von Osama bin Laden wird es irgendwo auf diesem Globus bestimmt geben. Markus Meister. Das Arbeitsamt stockt das Einkommen noch auf. Dies ist kein zu hoher Preis für eine Rechtsordnung. R. Den Durchbruch einer neuen Sicht werden die meisten in ihrer Dienstzeit nicht mehr erleben. die bis zum Urteil Schuld und Nichtschuld in gleicher Weise einkalkuliert. vorschreiben lassen soll. Berlin/Riga Rechtsanwalt »So jemalt« Manfred Schwarz: »Der vollkommene Bourgeois« NR. eine insgesamt positive zivilisatorische Entwicklung nachweist. Paehler. Dr. Berlin Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit. dass die Täter keine Ausländer waren. 18 An der laxen Steuermoral in Deutschland wird sich nicht viel ändern. wenn man jemanden.oder Irakkrieg steht. Jens-Christian Pastille. Bielefeld Verschönt Prominent ignoriert: »Kurz behoste Männer« ZEIT NR. Dirk Kerber. Wir werden die im Einzelfall nicht immer befriedigenden Folgen der Unschuldsvermutung weiter ertragen müssen. Saddam Hussein und die Taliban wurde rein gar nichts gelernt. allenfalls »Scheiße!«. Diese Erkenntnisse fügen sich auch sehr gut in den Rahmen der psychohistorischen Forschung. hat Steuerzahlen keine Lobby. dass heftige Tritte gegen den Kopf eines Menschen zu dessen Tod führen kann?« – »Doch!«. dass Grausamkeit. wenn jetzt die Rebellen in Libyen gegen Gadhafi allein nichts ausrichten können? Mit Luftangriffen kann die Nato Gadhafi auch nicht wirklich besiegen. Jahrhundert von einem Hypochonder. die sonst ständig die Verrohung der Gesellschaft anmahnen. Denn als Ausländer wäre wohl die U-Haft unumgänglich gewesen und wären dem Steuerzahler die Kosten auferlegt worden. Axel Felsch. der höchstwahrscheinlich einen großen Teil seines Lebens in engen Kniebundhosen zugebracht hat. dass mit jedem Tatverdacht eine Schuldvermutung verbunden ist. bei dem die Freiheit des Einzelnen auch im Strafprozess Maß und Maßstab bleibt. als Zusammenfassung seines bisherigen Lebens. Hösseringen Laxe Moral K. Albert Alten. wird als Erwachsener häufiger selbst gewalttätig. dass nur Frauen schön zu sein haben. ist eine grobe Vereinfachung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 95 Aus No: Entsetzlich Titelthema: Der Fluch des Bösen Die einzig kluge politische Entscheidung nach der Exekution eines bereits schwerkranken Menschen besteht darin. Immer häufiger gibt es ernsthaften Dissens. bleibt unerklärt. Peter Christian Hall Frankfurt am Main Immer wieder prallen das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und das von der Justiz hochgehaltene Rechtsstaatsprinzip aufeinander. Kriegswaffen an Diktaturen. Aus diesem Dissens entsteht zwangsläufig das Missverständnis. zweitens die Verschwendung von Steuergeldern. Empathie und moralisches Empfinden verantwortlich zeichnet.de Beilagenhinweis Die heutige Ausgabe enthält in einer Teilauflage Prospekte der Verlagsgruppe NEWS GmbH. Das bleibt uns erspart. Dr. durch welche Tatverdacht und Unschuldsvermutung sich aufheben würden. kulminierend in völkermordenden Diktaturen. Wer als Kind Gewalt erfährt. per E-Mail Der Libyen-Krieg beweist wieder einmal die Doppelmoral der Nato-Mitgliedstaaten. sondern einer der Täter nur der Sohn eines Rechtsanwaltes war. Wie treffend beschrieben. weil er sich schlagartig bewusst geworden ist. können es jar nicht jenug sein. Es gibt durchaus wissenschaftliche Ergebnisse.

Magdeburg Wieder den vertrauten Dialekt meiner Kinder. Eine Party mit so wenig Arbeit und so viel Personal hatte ich noch nie. Fo Es schlug mein Herz. Massagegutschein und Champagner aus Heidelberg werde ich beschenkt. woge. Ich treffe mich mit meiner Mutter. Mein Mann mäht den Rasen.. im Internet unter www. »Was ist?« – Ich sagte leise: »Ach!« Gabriele Herbst. was mir jemand zumutet. Osnabrück Buch und Bach Das Foto unserer süßen Tochter Caroline. auch den Einkauf. da war Caroline 20 Monate alt. Gedicht.. Ich bekam sogar mal das Kompliment. Plastik gefährdet die menschliche Gesundheit (Bisphenol A und Weichmacher!) und verursacht gewaltige ökologische Probleme: So landen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich mindestens 7000 Tonnen unverwüstliches Plastik im Meer. und oft haben sich spannende Debatten aus Ihren Beiträgen entwickelt. Sollen wir? Oder wollen Sie gar nicht wissen. Baltmannsweiler An einem leicht bewölkten Tag in ein kleines Segelflugzeug steigen und mit dem Windenseil auf 400 Meter Höhe gezogen werden. Im Nordatlantik sollen unvorstellbare 100 000 Tonnen Plastik in einem einzigen Riesenstrudel treiben. Brenz Eine kleine Weltreise . Die Inflationsjahre in Deutschland um 1923 hatten viele. Schleswig-Holstein Ich komme aus dem Laden. Gerlinde Benz. Christa Lieb. deine Qualen. Beim Frühstück erwarteten mich schon die ersten Gratulanten mit Gesang und Orchideen. dem 19. und jeder Kunde hatte eine Einkaufstasche dabei. die mir besonders ans Herz gewachsen sind. Viele Erinnerungen stiegen in mir hoch. was andere Leser aufregt? Oder gibt es Ärgerliches. Dabei fiel mir ein Foto aus Argentinien aus dem Jahr 1934 in die Hände. Rumohr. aber da er so herrlich altmodisch ist. ich Saxofon. 20079 Hamburg Die Redaktion behält sich die Auswahl. dann kam sie über Australien. Wenn ich über etwas erstaunt bin und darüber. Lachen und Freude pur! Jochen Ruthardt. Wiedergefunden: Ein Dokument der Armut Für das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen arbeite ich an einer Dokumentation über die Auswanderung nach Nord. Viele sagen oder schreiben gar »Weia!« – im Grunde auch Wagner: »Wagala weia. »Willkommen und Abschied«) Mein Wort-Schatz Im Grunde ist mein Wort-Schatz ein Schimpfwort. das mir richtig zu Herzen ging. im Café. geschwind zum Buche! to: H il g e m a n n / D a vi Liebe ZEIT-Leserinnen und -Leser. du Welle«. Wenn die Weltreise von Sabine Kröner demnächst zu Ende geht. Goethe.de! Wir sind gespannt. So war im Sommer 2009 dieses Holzschild. Über Indien. Du wecktest mich mit Radio-Bach. 6° 13’ Nord. Mit Ansprachen.zeit. ich bekomme die zweite Hälfte der Vorwoche zurück. Am Vorabend war ich bis Mitternacht wach geblieben und hatte das Pooldeck für mich alleine. die ich zum allgemeinen Amüsement verlese. Die wunderbare Katharina hat mir eine E-Mail geschickt. Raimund Nieß.) Zum Abendessen habe ich sieben Menschen. neu verfasst SCHÖNE GRÜSSE Lieber Herr Röttgen. ej!« oder »Menno!«? Nee! Da ich ein freundlicher und langmütiger Mensch bin oder zumindest so tue. zzt. Oldenburg reicher macht Es ist unser 48.. wie sich in Briefen und Dokumenten erkennen lässt. der Fehler unauffindbar. Das Foto wurde im August 2009 aufgenommen. Geldern . Nachdem ich Jule auf die Kritzelei der Woche aufmerksam machte. Welch ein schönes Gefühl. erstmals in Cyrano de Bergerac (einer der jungen Soldaten wagt es. Natur. Die Sonne hat den schwarzen Sattel für mich beheizt. und beim Dartsturnier spielten wir um mein Alter. meist junge Menschen zur Auswanderung genötigt. v. Und so passt mir ein Wort am besten. die ich suchte – und deiner hab ich auch gedacht. die Energiepolitik ist knifflig. Und plötzlich scheint es. Sah deine Freude. Sie steht im Garten und hat einen frisch gepflückten Apfel in der Hand. Wolfgang spielt meine Wunschmelodien. Ludwigsburg Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit begonnen. ich habe es selbst gesehen: 28 besetzte Kassen in einem einzigen Supermarkt. und auch. »Schockschwerenot« ist übrigens präzise. Hella Maas. Jahrhundert. die uns auffallen und die das Immer-Wiederkommen interessant machen.und Südamerika im 19. ich sei der einzige Mensch im Bekanntenkreis. das gebrauche ich nie.!«. »Mein lieber Schwan!«? Nein. Und so festzustellen. lieber Herr Röttgen. Sekt gab es den ganzen Tag. Schaute in den sternenklaren Himmel. auch ein wenig befremdet bis ärgerlich: Was steht mir zur Verfügung? »Ach du Sch .de/zeit-der-leser und auch in einem ZEIT-der-LeserBuch (Sammlung von Leserbeiträgen) veröffentlicht werden kann Nach einem erlebnisreichen Tag auf den Andamanen habe ich meinen Geburtstag an Bord gefeiert. Alles braucht viel mehr Zeit. Das Fremde und was mir vertraut.) Wir trinken Cappuccino mit viel Sahne und reden über die Familie und den Rest der Welt. zzt. mich gemeinsam mit ihr zu sonnen und das Gras unter den Füßen zu spüren. Und es funktioniert tatsächlich. Wolfgang Dasch. »Zufriedenheit«. JVA Bielefeld-Brackwede Du schliefst. was mir die meisten wünschten. »Die ZEIT der Leser«. irgendwo im Golf von Bengalen. Fand Silben. Niederzier AL AG LT SK U N ST Schicken Sie Ihre Beiträge für »Die ZEIT der Leser« bitte an: leser@zeit. Die Kritzelei der Woche Unser Auto ist krank. 82° 22’ Ost Das erste Mal nach einem langen Winter und Winterschlaf mit meiner Schildkröte durch den Garten zu laufen. das war es. besteige mein Fahrrad. Nach einem weiteren Tanz um den Pool – diesmal ist es ein Cha-Cha-Cha – sinke ich glücklich in meine Federn. Noch nie habe ich am Geburtstag so viele Hände geschüttelt und so viele Küsschen erhalten. Jedes Jahr kommen ein paar neue Ferienunterkünfte und Touristenattraktionen hinzu. Indonesien. Jürgen Hartmann. als Bundesumweltminister wissen Sie bestimmt. Und Mondessternenstrahlen. (Ich habe gewonnen. Hochzeitstag. zu sehr Lohengrin. Carola Bührmann. lange gab es auf dieser Seite jede Woche die Rubrik »Das regt mich auf«. W. 89. selbst Musik zu machen! Ja. Mutter bekommt die erste Hälfte der aktuellen Ausgabe. Die rasteten auf deiner Haut. Eberhard Leibbrand. Mühlacker Mit meinen Freunden Marco. dass unsere beiden Buben (4 und 2) im Verlauf der Nacht zu uns ins Bett geschlüpft sind. Mittlerweile können wir schon einen kleinen Blues zusammen spielen. wie ich meine: »Schockschwerenot!« Ich hörte das. Dann unter den Wolken von Kiel bis zur Elbe segeln und sich an unserer wunderbaren Landschaft nicht sattsehen können. dass er ein riesengroßes Rasenherz hat stehen lassen. Das Wort bezeichnet doch genau das. Holger und Michel viermal im Jahr mit unseren Mountainbikes durch den Pfälzer Wald zu schießen. Angelika Kratz. über die große Nase des Titelhelden zu sprechen..de oder an Redaktion DIE ZEIT. 55: Nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr wollte sie durch neue Eindrücke Abstand gewinnen. Lauda-Königshofen Meiner zwölfjährigen Enkelin Jule hebe ich regelmäßig die ZEIT-Kinderseite auf und kaufe ihr die KinderZEIT-Hefte. wenn ich mich recht erinnere. würde ich sogar sagen. Ich möchte die Zeit anhalten. (Im Laufe der Woche werden wir dann auch die andere Hälfte tauschen. Aber das mit dem Plastiktütenverbot wäre doch ganz einfach. Der Tag begann in unsren Schuhen. Zuerst tauschen wir die ZEIT. was man angesichts einer überraschenden Zumutung empfindet: erst einen Schock. Mit dem uralten Anhänger aus Kleinkindertagen. Martina Hömann. Von Buenos Aires aus ist sie per Schiff um die Südspitze Amerikas und durch die Südsee gefahren. In Amerika aber ging es vielen von ihnen schlechter als in der alten deutschen Heimat. Merci! Sabine Kröner. dann eine schwere Not bei der Suche nach der angemessenen Reaktion. der dieses Wort verwende. worauf dieser es ausruft).. Bisingen-Wessingen Die Morgenröte ließ mich ruhen. September 2009 haben wir uns zuletzt gesehen. ist erst mal baff. jeder ein Instrument zu erlernen: er E-Gitarre. nein. So kaschierte man die Armut einfach mit einem Häufchen Laub. könnten wir »Das regt mich auf« fortsetzen. kaum EIN GEDICHT! Klassische Lyrik. aus traurigem Anlass« unternimmt Sabine Kröner. Für den kleinen Buben links aber waren wohl keine Schuhe dabei gewesen..Leserbriefe siehe Seite 95 12. mit 40 Jahren noch einmal Schüler zu sein. d. als hätten wir viel davon: Zeit! Wilfried Ludwigs. an meinen speziell dekorierten Tisch geladen. Das Kreuz des Südens suchte ich und erspähte es auch endlich über dem Heck. Stuttgart Ich las Gedichte in der Nacht. war ich kurz ratlos. Mein Mann kannte sich in der Astronomie sehr gut aus und hat mir auf unseren Reisen immer den Sternenhimmel erklärt. eine Kürzung und die übliche redaktionelle Bearbeitung der Beiträge vor. Reime. oder? Christian Voll. Am Samstag. WL 2009 2010 Was mein LEBEN Seit Jahren verbringen wir unseren Sommerurlaub auf der Insel Rügen. doch alleine musste ich resignieren. von dem Sie uns gleich erzählen möchten? Schreiben Sie an leser@zeit. Christian. . die ihnen Verwandte aus Deutschland geschickt haben. Ich habe sie trotzdem gelobt. und 20. sie hauptsächlich während der Unterrichtsstunden gezeichnet zu haben. will ich den Gesprächspartner nicht gleich selber ärgern. Nina Lenz. seit zwei Wochen. Unsere Stimmung wird immer ausgelassener. wenn ich – ich lebe seit über 40 Jahren in Norddeutschland – einen Besuch in meiner alten Heimat Württemberg mache. das im Hafen von Sassnitz den Liegeplatz eines Schiffes markierte. Doch vergangenen Sommer glänzte es mit einem neuen Anstrich. schenkte sie mir zum Geburtstag diese Zeichnung. Singapur und Myanmar auf die zu Indien gehörenden Andamanen-Inseln. sogar Gianna Nannini. der mich ärgert oder ärgern wollte. über die ich mich sehr gefreut habe.und Jugendjahre zu sprechen und zu hören. Also machen wir alles mit dem Fahrrad. die arabische Halbinsel und durch den Suezkanal wird die Reise weitergehen – bis nach Venedig. dass der Beitrag in der ZEIT. Walther Weih. Also: nein! Oder: »Mann. Am Abend sehe ich. Über der Elbmündung kreisen – gemeinsam mit einem Seeadler. Ich habe mit diesem Wort immer den erwünschten Erfolg: Der. Ulm Freitagmorgens. Heidenheim a. Als sie mir allerdings gestand. Monat 2011 DIE ZEIT No 20 96 (nach J. pünktlich um zehn. das das Gegenüber überrascht und die Zumutung gleich ein wenig entschärft. Plön Morgens vor dem ersten Weckerklingeln im Halbschlaf das gleichmäßige Atmen von drei Personen zu hören. Mit der Einsendung eines Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden. Mars und Jupiter wollte ich noch finden. Susanne Lange. So tragen die Kinder auf dem Bild Kleider und Schuhe. er klingt ein bisschen vornehm. Zugegeben. dass in Italien die Ausgabe von Plastiktüten in Supermärkten und anderen Geschäften verboten wurde. aber es sind auch die kleinen Veränderun- gen. Passau ds Zeitsprung mehr zu lesen.

der sich tief gedemütigt fühlen muss.de 20 2 0 AUSGABE: . restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. die SPD. Sooft dieser Tage in Ministerien. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten.de Abonnement Österreich. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. 20080 Hamburg. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Europa sollte die Umschuldung wagen. Wer wollte sie den Iren abschlagen. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Die Griechen. die andere Möglichkeit.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. Vergessen. das zu werden. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. und trotzdem beschimpft Europa uns. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. um Griechenland aus der Krise zu helfen. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Die Entzweiung Einst ein verschworenes Duo. In Interviews sprach er davon. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. ist auch eine hässliche Sache.zeit. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. wenn Europa weiter zahlt. was gemeinhin eine Volkspartei ist. Wellen am sardischen Strand. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. KG. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. die zweite Volkspartei. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Nicht mehr bezahlen. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. zeichnet sich schon ab. dessen Datum anzunehmen.zeit. aber die Deutschen können es nicht mehr hören.de. Schuldzuweisungen und Dementis. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Die entscheidende Frage ist aber nicht. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt.0. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. Libyen. will das offizielle Europa Ruhe. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. (v. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. die sie früher nie gewählt hätten. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. ebenso wie die Deutschen und andere. dass die Griechen mit dem ersten. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . Sie sind nötiger denn je. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. sondern echtes Geld kosten werden. man macht sich unbeliebt. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. deshalb unser aller Geld retten musste. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Die Frage ist vielmehr. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. Geburten hinfällig. in das so viel Geld fließt. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. Es kostet nur wieder Milliarden. das Beharren auf Posten und alten Positionen.PREIS ÖSTERREICH 4.de. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. GRN.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. weil dies ein überholter Begriff sei. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. kleine Abb. der nicht aufgepasst hatte. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. würden Schulden nicht getilgt. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Kleine Augenblicke. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. bestrebt. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat.de/audio www. Diejenigen. nun gelte es. wer der bessere Europäer ist. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser.zeit. Nein. im Land. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. die EU dabei mitregieren. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. heute Erzfeinde: Hans-Peter Martin wird von seinem Protegé an den Pranger gestellt Politik Seite 12 D Europa will sich Ruhe kaufen. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre.de/audio AC 7451 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Doch das heißt nicht. »Umschulden«. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. die im Englischen haircut heißt. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. also einen Tag zu überspringen. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. E-Mail: DieZeit@zeit. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«.u. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Die Entscheidung Kretschmanns. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Leserbriefe@zeit. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. bleibt auch eine.jobs. was kommt. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog.zeit. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Gutmenschen nerven. ZEIT-Stellenmarkt: www. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. Schweiz. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein.10 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Irland. findet Josef Joffe. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. sondern auch an zu viel. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Gleichwohl verlangen die EU. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. auch nicht beim haircut. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst.zeit. Der Rettungsfonds will weiter retten. Aber die Diagnose ist unvollständig. wenn Europa immer weiterzahlt. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen.n. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. ist schlicht ein Skandal. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. die Griechen überlegten. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. beschlossen hat. »Retten« ist ein hübsches Wort. Viel Geld. was sie auch kostet. Käme es jetzt zum griechischen haircut. dass es ohne Europa nicht geht. Was dagegen geschieht. so desaströs seine Folgen wären. wohl aber die Stimmung. positionieren sich als die guten Europäer.o. Auch das käme alle teuer zu stehen. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. Klar ist einzig. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. was auf lange Sicht besser für Europa ist. J A H RG A N G www.und Bahnhofsschützern. Das ist umso generöser. Das klingt weit unattraktiver als das. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort.

Er selbst sagt. NOLL Freiheitliche HC Strache blieb WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch 33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung ThyssenKrupp Der Konzern FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral 62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTLSenderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie. erzählen ehemalige Mitstreiter. Assistiert von einem Nachrichtenmagazin. Nun erhebt Ehrenhauser selbst schwere Vorwürfe gegen sein früheres Idol. wandte er sich an Hans-Peter Martin. die er jahrelang nicht mitbekommen haben will. Warum er plötzlich aufmuckte. Emotionelle Intelligenz ist bei diesen Zusammenkünften ebenfalls sehr selten anzutreffen. Mit geheimen Unterlagen über den Baulöwen Hans-Peter Haselsteiner und den Lobbyisten Alexander Zach. Martin habe die eigenen Ideale verraten. Ein Interview sei Bedingung. er habe dem egomanen Leitwolf einfach blind vertraut. das zu moderieren. Armin Falk. Martin warf seinem Schützling vor. befindet sich am Scheideweg. wie Martin häufig wegen des extravagant weiten Schnitts seiner Beinkleider genannt wird. mit einer eigenen Liste anzutreten. um jeglichen Zweifeln vorzubeugen. Wo sind die Grünen. Angelika Werthmann. Zwar werden alle nervösen Reaktionen hervorgerufen. Es glättet nicht nur verräterische Falten. baby! JR Bessere Zeiten: Martin und Martin feiern den Wahlerfolg 2009 Die Zertrennlichen Einst war Martin Ehrenhauser der größte Fan von Hans-Peter Martin. sagt eine. möglicherweise habe Martin hohe Summen für den eigenen Gebrauch abgezweigt. seine weiße Weste sei besudelt. mit meinen abgesicherten Medienauftritten und meinen persönlichen finanziellen Mitteln. er habe Parteigelder hinterzogen. »Ich wollte. Als noch niemand außerhalb Brüssels ahnte. Was nun kommen wird? Für Hans-Peter Martin könnte diese Affäre das politische Ende bedeuten. die wissen alles voneinander«. ob sie als alleinerziehende nicht zur Arbeit erschienen zu sein. sich ein eigenes Profil zulegen und mehr sein als bloß die Stulpe an der »Hose«. Doch Werthmann weigerte sich beharrlich. Er hat sich einen Django-Bart wachsen lassen. schmissige Phrasen. Und ein Match gegen mich? Da hätte ich wohl auch die besseren Möglichkeiten. Doch Ehrenhauser hat die Gesprächsangebote ausgeschlagen«. nennt er das heute. dass sich Martin und Martin entzweit hatten. Muskelheld. Tiger« 56 Nachruf auf Gunter Sachs kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. mit welcher der 32-Jährige früher über seine politische Arbeit sprach. Der selbst ernannte Saubermann ist schwer angeschlagen. sondern vermindert auch die Denkleistung. Flüchtling zu sein 48 Kinder. als »Rabenmutter« bezeichnet zu werden. Als Staatsbürger der USA steht er nun über dem kleinlichen nationalen Zank in der Union und weiß genau. und der politische Stil Martins sei auch nicht unbedingt der seine. Offensichtlich gelangt bei diesen Experimenten an Mandataren eine noch sehr frühe Entwicklungsstufe des Nervengifts zur Anwendung. Martins Frau schrieb eine Mail an Werthmann und fragte. Familie und Politik zusammen? FDP Ein Gespräch mit Philipp dem Burschenschafteraufmarsch am Heldenplatz fern VON JOACHIM RIEDL WISSEN 37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können nur die Autokonzerne zu fördern 27 Kinderarmut Die Not wird überschätzt. dass heute nicht mehr viel fehlt und er hat seinen Ausbildner mit dessen eigenen Waffen geschlagen. wenn wir gemeinsam kandidieren. schlug einen Sitzungstermin in Wien vor – just für den Tag. Ehrenhauser war gerade bei den Jungen Liberalen hinausgeflogen. der sich ihnen in den Weg stellte. Mai 2011 DONNERSTALK DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Gift im Parlament Botox garantiert ewige Jugend. Zurück ans Actionfließband in der Filmfabrik. Dazu würde wohl auch ein Interview genügen. Dazu muss der Übervater rasch in der Versenkung verschwinden. Endlich hätten dann auch die wichtigsten Amis wie Henry Kissinger und seine Freunde eine Telefonnummer bei der Hand. Unzertrennlich seien beide damals gewesen.zeit. ist einem kalkulierten Tonfall gewichen. die gerne gedruckt werden. Die Euphorie. an dem die Geschichte publik wurde. Martin und Martin nannten sich die beiden im Europawahlkampf 2009.und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« 96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. die den Betrug belegen – Martin spricht davon. Seitenlange Mails mit Anschuldigungen wurden gewechselt. als das jugendliche Pendant des ergrauten Hans-Peter Martin. Er kennt die brennende Migrationsproblematik aus eigener Lebenserfahrung: Auch er war einst mittellos an fremden Gestaden gelandet. Und eine Idee für den Inhalt des ersten Absatzes der Enthüllungsstory schwebte ihm ebenfalls vor. erzählt von den ungeheuren Vorgängen. um selbst einfache Sätze verstehen zu können. Wie könne es sein. Foto: Ingo Pertramer Ehrenhauser zelebriert den Bruch mit allen Mitteln der Medienkunst Nebenbei wurden ab Ende März Journalisten mehrerer Medien kontaktiert (darunter auch die ZEIT). Jetzt stellt er seinen Mentor an den Pranger VON FLORIAN GASSER Mutter ihre Funktion in Brüssel überhaupt ausüben könne und nicht Gefahr laufe. sie würde die Karriere ihres Sohnes behindern. begann Ehrenhauser auf einmal Fragen zu stellen. wurde später zur Persona non grata für die verschworene Clique. Den Verdacht hegte man ja schon lange. Kino-Ikone und zwei Amtsperioden lang Regierungschef von Kalifornien. wie solche United States zu funktionieren haben. der Bruch endgültig. warum Martin Ehrenhauser die Trennung nach allen Regeln der Kunst inszeniert. weil die durch Lähmung reduzierte Mimik beim Gegenüber zu emotionalen Missverständnissen führen kann. lotete Ehrenhauser bereits aus. Einen. Sonst verarmt die emotionale Intelligenz. »Freunde waren wir nie«. Gut einstudierte.« Auch als Angelika Werthmann im vergangenen Sommer Hans-Peter Martin vorwarf. habe er noch nicht entschieden. Viele fragen sich inzwischen. wird in Mitleidenschaft gezogen. Ehrenhauser orchestrierte derweil seinen Abgang. Der Fall des Mentors könnte der Aufstieg des Zöglings sein – medial geschickt orchestriert. Besonders das Sprachzentrum. war er der »junge Hecht im Karpfenteich«. Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte« Roman Nicolas Dickner »Tarmac« REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. Dieses gefährliche Wurstgift wurde offensichtlich schon seit Langem an unwissenden Versuchspersonen ausprobiert. Etwa. das logische Ziel. steht in den Sternen. in dem sich Geheimagenten gegenseitig bespitzeln. Sie teilten die Leidenschaft anzuecken und aufzudecken – nicht selten mit Mitteln an der Grenze des guten Geschmacks – und die Begeisterung für Fußball. oft tagelang Ehrenhauser wurde seinem Idol immer ähnlicher und vertraute ihm blind Das Duo ging gegen jeden vor. Er war einer der Letzten. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen ein Vorbild für die Welt? Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt .12 12. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen ÖSTERREICH 12 Politik Das Zerwürfnis zwischen Hans-Peter Martin und Martin Ehrenhauser VON FLORIAN GASSER Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn 59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« Kulturkanäle zdf. Ein Jahr später wurde er dessen parlamentarischer Mitarbeiter. Ehrenhauser wurde Martin immer ähnlicher. wenn sie mit Europa sprechen wollen: Hasta la vista. Andere sagen. erzählt er. wenn der blasse Belgier. die sie wählen könnten. Jetzt hat sein ehemaliger Kabinettschef dem Magazin Newsweek die Königsidee anvertraut: President of Europe. Einen Grundkurs in der Kunst des Tarnen und Täuschens absolvierte er allerdings in den vergangenen fünf Jahren bei seinem Mentor Hans-Peter Martin. Gesichtsmotorik ist für das Gehirn notwendig.. Doch des Skandals nicht genug. um vorzeitige Veröffentlichungen zu verhindern. Sogar Ehrenhausers Mutter warf der Mandatarin vor. Hans-Peter Martin stellte seinem Schützling Journalisten vor. Sich in diesem Dauerfeuer zu verteidigen ist unmöglich – der Zauberlehrling hat vom Hexenmeister viel gelernt. Kampfmaschinendarsteller. der zugleich als Chef der Liberalen firmierte. Meist. Das Ende einer fast fünfjährigen politischen Zusammenarbeit war besiegelt.de/audio Geschichte eines Liedes aus Island 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze« Kunst Paul Pfeiffer in München GESCHICHTE 21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II.com rend einer Plenarsitzung keine Seltenheit. wenn die Bombe platzt. Ehrenhauser wandte sich an Mitstreiter der Liste Martin. Ehrenhauser wird sich als Supersaubermann darstellen. wenn es um Familie. Vielleicht wollte er endlich aus dem Schatten des Übervaters heraustreten. Doch nach der Veröffentlichung des Rechenschaftsberichtes der Liste Martin am 29. »Fußballersprache« sei da gepflegt worden. Die Reduktion des Sprachzentrums ist bei Budgetdebatten gang und gäbe. auf wen er zählen könne. einander austricksen. Ökonom und Verhaltensforscher? noch die meisten Laster bauen Elektroauto Warum es falsch ist. September 2010. 2014 wird er wohl versuchen. Genau. das haben nun Forscher aus den USA herausgefunden. sagen Forscher Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest Die sich über arabische Revolutionen Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung 28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal GegenseitigeSchuldzuweisungen Soziale Netzwerke CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 55 Margaux Fragoso »Tiger. Mit Methoden aus der untersten Schublade sollte die Salzburgerin dazu gedrängt werden. Das erklärte ihm sogar unlängst noch Hans-Peter Martin. Doch der neue Saubermann präsentiert sich nun als jemand. er selbst habe etwas mit den dubiosen Vorgängen zu tun.kultur . bekannt für ihre deftigen Burger. Heimat und Apfelstrudel geht. Heute wirkt Ehrenhauser verändert. wenn die Sitzung längst vorbei ist. einer Sportkneipe in Brüssel neben dem Parlament. Im Oktober 2010 schrieb dieser in einer Mail an Ehrenhauser: »2014 hätten wir die besten Chancen. jetzt wurde er durch die Forschung bestätigt. nach den Europawahlen 2009 auf ihr Mandat verzichten sollte. Arnie verkörpert ja gewissermaßen die europäische Schnittmenge. sogar das habe er akzeptiert. fieberten sie oft bei den Spielen ihres Lieblingsvereins Bayern München. »Das war schon sehr untergriffig und ging schnell ins Persönliche. ins Ausgedinge von Venice Beach oder als Ambassanator für eine bessere Welt von Kontinent zu Kontinent tingeln? Allesamt keine erbaulichen Perspektiven. Man hatte das Gefühl. Ehrenhauser lud zu vertraulichen Gesprächen. aber zugleich weich wie ein schnurrendes Kätzchen. der ohne Minibar auskommen muss? Schluss mit diesen Menschenversuchen! igentlich wollte Martin Ehrenhauser immer schon einmal einen Spionagethriller schreiben. sagt Ehrenhauser heute. Immer neue Vorwürfe tauchen auf. blieb aber kryptisch genug. für die sie mitunter ihr gesamtes Umfeld mobilisierten. dass es nun eine »neue Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft« brauche. Als der Zauberlehrling antrat. dass sich Ausgaben und Einnahmen der Liste auf den Cent gleichen? »Eine betriebswirtschaftliche Meisterleistung«. etwa »Bitte Ruhe im Saal!«. war die Eintrittskarte des Politikstudenten bei dem EU-Rebellen. nachdem sie ausgesprochen wurden. Gerne präsentierte er sich als die dynamische Nachwuchshoffnung an der Seite des Europarebellen. bekam einen Anruf. er müsse sich möglichst weit von Martin distanzieren. kurz darauf avancierte er zum Büroleiter. das widerfährt selbst Titanen nur nach ihrem Ableben. die sonst bei jedem Schweinestall protestieren. Kennengelernt hatte sich das Duo drei Jahre zuvor. als Martin Ehrenhauser vom Büroleiter zum Abgeordneten aufstieg und auf der Bürgerliste von Hans-Peter Martin kandidierte. Dass sich seine Vorwürfe heute merkwürdig ähnlich anhören wie seinerzeit jene von Werthmann. signalisierte er gegenüber Hans-Peter Martin noch Gesprächsbereitschaft. Konservativ und zugleich ein grüner Visionär. what’s his name?. wird dem Governator von der amerikanischen Verfassung verbarrikadiert. Für den Reißer fehlte dem Mandatar im Europäischen Parlament bislang die Zeit. die er dadurch auslöste.. mit denen sich jede Mücke zum Elefantenskandal machen lässt. Osama haben dem Terminator die Navy Seals weggeschnappt. weiß keiner. Bärenstark. Und Ehrenhauser spricht bereits davon. Gemeinsam zogen sie in Psychokriege. um das Thema möglichst lange am Köcheln zu halten und der Gegenwehr seines Opfers keinen Raum zu geben. Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 4 5 6 7 8 9 Gutmenschen Ist Deutschland 12 Donnerstalk ALFRED DORFER über die Auswirkungen von Botox auf die Politik 13 Straßenkampf Der neue Wasserwerfer 10 000 der Firma Rosenbauer aus Leonding VON STEFAN MÜLLER 14 Artgenossen Der wankende Mafiaparagraf und das Justiztheater in der Wiener Neustadt VON ALFRED J. berichtete von seinen Anschuldigungen. sich Ehrenhauser schützend vor sein Vorbild. Die Korruptionsaffäre. dass er keinen Einblick in die Finanzen der Partei besessen habe. Ausdruckslose Gesichter sind im Hohen Haus wäh- E Alfred Dorfer enthüllt das Rätsel der versteinerter Mienen im Hohen Haus AUSSERDEM Wer sonst? Dem Werden und Wirken des berühmtesten Österreichers der Gegenwart widmet sich bereits zu Lebzeiten ein eigenes Museum. Mit welchem Medium er bei der Aufdeckung zusammenarbeiten wolle. Wer ihn dann allerdings wählen soll. demnächst in Pension geht.« Im Sog der Bestechungsaffäre um den konservativen Parlamentskollegen Ernst Strasser sah Ehrenhauser wohl seine große Chance. Während er medial die Entzweiung bereits vorbereitete. […] Schwierig wird es sicher ohne meine explizite Unterstützung. Der Verbleib von rund einer Million Euro aus der Wahlkampfkostenrückerstattung für die Europawahl 2009 sei ungeklärt. Im Fat Boys. stellte IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Foto (Ausschnitt): Harald Schneider/hds/APA/picturedesk. ein Schulfreund von Hans-Peter Martin. bekam es mit dem Oberösterreicher zu tun. sein Blick ist kalt. Auch Klaus Diekers. damit Martin seinen Protegé ins Parlament hieven konnte. auf falsche Fährten locken und enttarnen. In internen Sitzungen zielten sie gerne auch unter die Gürtellinie. die HansPeter Martin die Treue hielten und ihn bedingungslos verteidigten. ein Foto von sich würde ihm auch gut gefallen. Im Wochentakt beliefert er nun Zeitungen mit immer neuen Details. begriffen. Ehrenhauser und seine Mitarbeiter seien seit August 2010 in sein Computersystem eingedrungen und hätten auch Gespräche mitgeschnitten. als die Listendritte. und bot an. Einst war er sein größter Fan und willfähriger Erfüllungsgehilfe. »Untreue« und »Förderungsmissbrauch«. Unterlagen sollen ihm noch im Herbst zugespielt worden seien. Den Meister hat der Schüler jedenfalls bereits jetzt übertrumpft. die bei den Delegationssitzungen oft dabei war. Seine Stimme klingt hart. Mit größtmöglicher Empörung tritt Ehrenhauser derzeit vor Journalisten auf. ließ Ehrenhauser dann Mitte April die Bombe platzen: Er erstattete Anzeige gegen Hans-Peter Martin bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf »schweren Betrug«. der noch Großes im Sinn hat und jetzt die Weichen für seine politische Zukunft stellen möchte. begründet er damit. oft erst Stunden. Schließlich verzichtete der Listenzweite auf sein Mandat – heute leitet er das Bürgerbüro von Martin Ehrenhauser in Wien. Arnold Schwarzenegger. So erfolgreich. vermittelte Kontakte und brachte ihm die Tricks bei. das Verhältnis wurde schnell frostig. Wer dem umstrittenen Europaparlamentarier am Zeug flicken wollte. dass sich die beiden aussprechen. sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. Deshalb werden einfache Sätze. Die beiden Mandatare gingen auf Distanz. der für die eigene Redlichkeit sogar seinen politischen Ziehvater opferte. gibt immer nur einen Teil der Unterlagen preis. das Weiße Haus. und aus der Delegation austrat. die Falten jedoch nicht gestrafft. »Die steckten rund um die Uhr zusammen.

dem in die Jahre gekom- menen WaWe 9000 des deutschen Mitbewerbers Ziegler. sind 26 Jahre Erfahrung mit dem Vorgängermodell. Auf diese Produkte ist man stolz bei der Rosenbauer AG. In Avellino aßen wir Paulo Cancro stammt aus Süditalien. Von da an war mir Musik Passion und Beruf. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A . was wir in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben« In einem Büroraum in Leonding legt Wolfram Mücke. nichts mehr dazu sagen. schmiederer. Ein Reporter der taz beobachtet.« Er zieht einen weiteren Artikel hervor. Heute will der Beschaffer. Es liegt nahe. Im Herzen. Wir durchstreiften Olivenplantagen. Ihr Geschick an den Werfern. taugen genauso zur Abwehr rebellischer Bürger. um sich solche Peinlichkeiten zu ersparen. die. auf die Suche nach den besten Lebensmitteln Süditaliens.ÖSTERREICH Fotos: Bodo Marks/picture-alliance/dpa (l. die Sache sei vertraulich. Tag der Randale. wo wir Giorgia kennenlernten. dass die Eskalationsstufen eingehalten werden: Sie reichen vom Anfeuchten mit Wasserglocken – auch ein neues Feature der Hohlstrahlrohre. bei der Sondereinheit Wega der Wiener Polizei. also die moderne Version des Polizeiknüppels. zum Genießen.« Sagt es und lächelt. »Das kann von weidedrahtartigen Stromschlägen beim Berühren der Außenfläche bis zur Heißwasseraufbereitung für den Dachwerfer gehen. ein Ehrfurcht heischendes Qualitätsprodukt. Insgesamt 78 Stück sollen bis 2019 nach Deutschland geliefert werden. Das sind einfach Abfallprodukte aus dem Löschfahrzeugbau. als Waffe gilt. Auf den vulkanischen Böden des Vesuvs entdeckten wir einzigartige Aprikosensorten. Nach bösen Krawallen beim EU-Gipfel in Göteborg 2001 bekannte man sich lieber zu einem verstärkten Dialog mit Demonstranten. Luftfilter und Klimaanlage sorgen für Frischluft. das wir je gebaut haben«. um Schlimmeres zu verhindern. Diese sogenannten Blondorangen und Zitronen wachsen auf Bäumen. Juni 2010 im Dorotheum für 1600 Euro versteigert wurde. Solche Blödheiten machen wir aber natürlich nicht. Qualität war für mich immer das Allerwichtigste. zeigte der Tacho 60 100 Kilometer. Obgleich es den beiden Strahlrohrführern an ihren Joysticks und Bildschirmen am liebsten ist. das deutsche Innenministerium. Also drehte ich das Licht ab und schloss meine Firma in Neapel. Die Aufgabe von Wasserwerfern beschränke sich längst nicht mehr auf das »Studentenwaschmaschinentum«. zum Einsatz gekommen war. Bleibt zu hoffen. Bei der Außenwirkung sieht die Sache schon anders aus. Um im leeren Zustand durch das Tor in die Rossauer Kaserne zu passen. Auch die Symbolik ist nicht gut. sagt er. Komisch. Wir fuhren von Markt zu Markt und besuchten jedes Wochenende Bauern. herkömmlichen Schallplatten.com 12. »Sonst wäre ja ein Beamter blockiert«. Der Neue soll böse aussehen. Einsatzhäufigkeit? Unbekannt. In Österreich gelten Wasserwerfer laut Waffengebrauchsgesetz 1969 zwar als »Dienstwaffe« – darüber sprechen will man aber auch hier nicht so richtig. der Kaffee über Holzfeuern röstet.« Ein Exportschlager könne der WaWe 10 schon deshalb nicht werden. in feine Scheiben geschnitten und gezuckert. Auskunft bei der Pressestelle nur per E-Mail. Alljährlich wüten im Schanzenviertel von Hamburg wilde Straßenschlachten. wo sie bunte Plastiktonnen vollspritzen. Sie sollen Brände löschen und Leben retten. betont Rüdiger Spahr. übersiedelten wir vor einem Jahr nach Wien. der 10 000 Liter fasst.« Pumpen und Spritzen. die schonend auf kleiner Flamme zu Marmelade verkocht werden. die Dinge richtig einzusetzen. einer hinten montiert – ist der 10 000-Liter-Tank nämlich schnell leer. kleinere Brände löschen und sich nur im Notfall – ein bisschen – in einen Wasser speienden Drachen verwandeln. In einem neutralen Büroraum in Leonding. Teure Wasserwerfer diffe- renziert einzusetzen sei ohnehin schwer. Auch im Alltag. Weiterführende Informationen? Fehlanzeige. bei Krawallen um die Wehrmachtsausstellung. acht Sitzplätze. made in Austria. Dort bringen wir den Wienern süditalienische Esskultur und Lebensphilosophie nahe. Das Gefährt ist die neue Wunderwaffe des deutschen Staates gegen Bürger. eingeflossen. stehen zwei Fahrzeuge von Rosenbauer. Mit ihr zusammen eröffneten wir im November ein Lebensmittelgeschäft in Margareten. In der Rossauer Kaserne. versichert er: »Sonst wäre jedes Löschfahrzeug eine Waffe. Für den grau melierten Gentleman. warum in Deutschland der »Mehrzweckeinsatzstock«. weshalb es meist Feuerwehrausrüster sind. In Wien bringt er den Menschen süditalienische Esskultur nahe Am 1. die solche Geräte bauen. eine Römerin. so die werksinterne Bezeichnung. bei dem der Rentner Dietrich Wagner sein Augenlicht verlor. Im Ernstfall rollt der WaWe 10 ganz langsam zur Attacke und wird von Bodentruppen flankiert. die schrägen Heck. die 25 Jahre lang im Versicherungsgewerbe tätig war. Er ist der dickste Brummer im Arsenal der deutschen Polizei – ein Qualitätsprodukt aus Österreich VON STEFAN MÜLLER Vulkanische Aprikosen Ein Neapolitaner in Wien: Paolo Cancro. Angeblich zu schwer für so manche Wiener Straße mit gemauertem Kanal darunter. Der alte Wasserwerfer schaffte es nicht durch das Kasernentor Im Innenministerium erinnert man sich an ein noch älteres Gerät. internationaler Vertriebsleiter bei Rosenbauer. Zwei davon wurden bereits in Hamburg und in Sachsen in Dienst gestellt – ungeachtet der Debatte um den Wasserwerfereinsatz von Stuttgart. die an Entfernungsmesser gekoppelt sind. die Kabine hält dem Aufprall einer Betonplatte aus dem dritten Stock stand. die Emotion aus Konflikten zu nehmen.und Dachelemente lassen Brandsätze abrollen. In der Umgebung von Neapel fanden wir einen Familienbetrieb. Zeitungsberichte auf den Tisch. einem der größten Feuerwehrausrüster der Welt. Achtmal war eine zwölfköpfige Polizeidelegation aus Deutschland zu Gast. schnauzt eine Sprecherin. Erst- zulassung 1975. dass die Menschen für Musikkonserven kein Geld mehr ausgeben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 DRINNEN Grüße aus Leonding Sein Name ist WaWe 10. Mit diesem Wissen gerüstet. die Randale machen. Das Seitenblech ist gegen Durchstiche mit Eisenstangen gerüstet. sitzt der Kommandant. am 1. Gerät das Fahrzeug doch in Brand. Es komme immer darauf an. Brandbomben gegen die Polizei. Davor habe es ein umfunktioniertes Feuerwehrauto mit Rosenbauer-Aufbau gegeben. nimmt ein Beobachter das Geschehen ins Visier. Wie ein schlafender Kettenhund lauert in einer riesigen Werkshalle ein graublaues Monster aus Alu-Blech zwischen einer kleinen Armada feuerroter Löschfahrzeuge. die sonst auf Brandherde zielen. dass immer wieder Schaulustige vor dem Ungetüm posieren und Erinnerungsfotos knipsen. sagt die Polizei. »Hier. und das Prinzip Abschreckung – inklusive Warnung über die Außenlautsprecher – hat seinen drohenden Wasserstachel verloren. musste jedes Mal Luft aus den Reifen gelassen werden. Anarchisten auf Distanz zu halten. Ende der Durchsage. Am wichtigsten sei es. wenn sie den Auslöser nicht drücken müssen. ein Wasserwerfer hingegen laut Polizeidienstverordnung 122 lediglich ein »Hilfsmittel der körperlichen Gewalt« sein soll. Mai 2300 Polizisten in Nahkampfausrüstung die Krawallzone ab. Dort sahen wir auch die Strauchtomatensorte Pomodorino del Piennolo. Was wir hier in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben. Als der Wasserwerfer. Die »Cobra«. dem die Law-andOrder-Rolle in einem John-Wayne-Western gut passen würde. Käse und fanden die dazugehörigen Rinder: braune Kühe. lasse sogar einen Einsatz als Trinkwassertransporter zu. die ein Auffächern der Fontäne ermöglichen – bis zum Schießen mit dem Vollstrahl. dem sogenannten Würfel Fünf.« Rosenbauer hat verschiedene Staaten in Europa mit Wasserwerfern versorgt. Bei bis zu 1200 Litern Durchflussmenge pro Minute und 65 Metern Reichweite – zwei Werfer sind vorne. Aus dieser Gegend kommen auch Brotzitronen. legt man Wert auf Konfliktvorbeugung. Damit Steine nach unten abprallen. ein Ungetüm auf einem Steyr-Fahrgestell. weil die Hälfte seiner Bestandteile aus Deutschland stamme und die Wartung im Ausland zu aufwendig wäre. 27 Jahre lang führte ich einen Musikvertrieb und verkaufte sehr viel von den alten. »Unser Verständnis von so einem Fahrzeug ist es. schrottreife Relikt noch im April 2002. ist die Frontscheibe nach vorne geneigt. die mit Feuerwehrschläuchen improvisieren. »Was den Export betrifft. Die beiden Fahrzeuge mit 4000 Litern Fassungsvermögen seien 2003 zugelassen worden. meint ein Sprecher. Der Anteil am Unternehmensgewinn – 2010 waren es 40 Millionen Euro bei einem Umsatz von 596 Millionen – sei jedenfalls gering. Handelt es sich um eine Waffe? Nein. Das Wort Abfallprodukt hört Projektleiter Helmut Ogris aber nicht so gerne. In Sorrent suchten wir nach Zitrusfrüchten.). Überhaupt produzieren wir diese Fahrzeuge nur fallweise. »Werfen« heiße das. sagt Kommissar Martin Lundin von der schwedischen Bundespolizei: »Der Effekt bei einem motivierten Gegner ist begrenzt. 408 PS stark. dass man sich auch beim Essen auf Qualität konzentriert. Ich legte in Spanien. den es zu erfüllen galt.« Viele Nächte hatte er wenig geschlafen. Leiter der Abteilung Führungs. Mai schützte der nagelneue Wasserwerfer 10 000 die Rote Flora in Hamburg T ag der Arbeit. Man gerate sonst schnell in Schieflage. Leonding bei Linz. das »geschützte Tankfahrzeug« diene lediglich der Gewaltprävention. zum Nachdenken. fallweise auch asiatische Länder – erinnert sich Vertriebsmann Mücke vage. treten die 15 Düsen des Eigenlöschsystems in Aktion. legt das Monstrum los. ist die Sache klar: Die Anrüchigkeit des Produkts werde medial geschürt. Seltsame Kundenwünsche sind Mücke trotzdem zugetragen worden. schulen die Beamten auf weitläufigen Testgeländen. Die Kraft. dass jenes kleine. Also machte ich mich eines Tages mit meiner Frau Donatella. die mit Strohmatten vor Wind und Kälte geschützt werden. Ende 2009 präsentierten die Hanseaten der Presse selbstbewusst den Prototypen. »Das ist das technisch komplexeste Gerät. »Hier vorne wird ein Feuerwehrmann gerade scharf angebraten«. eine Kaffeemaschine. neben dem Fahrer. Erst als Böller krachen und Leuchtraketen flitzen. mit der Schale als Nachspeise gegessen werden. ist bei 12 Bar Betriebsdruck auf 30 Kilogramm beschränkt. war gewaltig. Nur um den WaWe 10 will man wenig Aufhebens machen. In dem Leistungskatalog.und Einsatzmittel der Hamburger Bereitschaftspolizei. Unklar ist etwa. sind wir nicht im Waffenbereich«. die vor 200 Jahren erstmals nach Kampanien gebracht wurden. In diesem Fall spricht man von Lebensqualität. 48. Vielleicht ist es der Polizei unangenehm. sagt Rüdiger Spahr etwas kryptisch. vorne rechts. schräg hinter ihm haben die Rohrführer den Finger am Abzug. 75 Quadratmeter. In diesem Jahr riegeln am 1. Letzter aktiver Einsatz? 2003 – bei Protesten gegen den Korporationsball. riskiert Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen. Vor dem Kulturzentrum Rote Flora hat die Staatsmacht ihr mächtigstes Geschütz für urbane Konflikte aufgefahren: den nagelneuen Wasserwerfer 10 000 (kurz: WaWe 10). Der Kunststofftank des Wasserbehälters. 30 Tonnen schwer. sieht aus wie eine Mischung aus Schwerlaster und Terminator. die auch Reizmittel versprühen kann. Wer aus kurzer Entfernung in so einen Strahl läuft. im voll betankten Zustand mit einem Gewicht von rund 23 Tonnen. beweist Schweden. Zehn Meter lang. Mit mächtigen Fontänen fegt es den Aufruhr von der Straße. deren Früchte um einen Seilring geflochten zur Lagerung aufgehängt werden. »Gewaltig. Die Bilder aus den Werferkameras werden auf Festplatte gespeichert – um gesetzeskonformen Einsatz nachweisen zu können. Lebensmittelhändler Mit 16 Jahren trat ich erstmals als DJ auf. die das Wasser in 25 Metern Entfernung auf einer kleinen Fläche entfalten darf. eine Kühlvitrine. Schweden und Deutschland auf. ergonomische Sitze und ein Kühlschrank für Komfort. Kostenpunkt: 900 000 Euro. Dass ein Staat sein Gewaltmonopol auch ohne Wasserwerfer ausüben kann. das Donatella. Irgendwann sah ich ein. dass auf den Videos von den Opernballdemos in den achtziger Jahren Beamte zu sehen sind. korrigiert Spahr. sagt der Ingenieur: »Die ganze Mannschaft ist stolz darauf. Darauf ein verkohltes britisches Feuerwehrauto. die es steuern. Insgesamt ist das neue Gerät potenter. genau wie die Verantwortlichen bei Rosenbauer. Athen. vor allem aber sicherer für die Beamten. Man muss Zeit haben für sich selber. Löschaufgaben würden wichtiger.

müssen. bis die Kohle ausging. Eine fabelhafte Ensembleleistung vor einem klar konturierten Bühnenbild. Es wird zum europäischen Sozialfall. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. der fortan als »Verräter« galt.. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. so erschien auch der Rechtsstaat niemals in Wiener Neustadt. Athen vorweg. Natürlich verprellte der Gedenkdienstverweigerer dadurch die nationalen Politkommissare. das einst der Nationalsozialismus verschuldet hatte. sollte es besser im Kasino verjuxen. erneut eine »Totenrede« zum Besten geben. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. der mit Salut empfangen werden sollte. In Abwesenheit Straches geriet die Gespensterstunde zur blamablen Farce.ohne Politikunion geht nicht.ganhandel oder Waffenschmuggel bis zur Hühten. am Burgtor erwartet. wie das bei anderen Anlässen heißt. in die man dieses Nullum vor dem Publi. Will man der strafbarer Handlungen im Bereich der se. Der Verweis darauf. dass großes Lob gerechtfertigt scheint. auch nicht ausschließlich. VON ALFRED J. sondern es wurde die Ankunft des Rechtsstaats in Aussicht gestellt. wäre nicht die Handlung in die Gegenwart versetzt und in skandalträchtiger Weise durch eine geschickte Abänderung der ursprünglich handelnden Personen neu belebt worden. weil er ihm nicht mehr opportun war. kann nicht sparen. indem das künftige Parteiprogramm demnächst neuerlich ein Bekenntnis zur »deutschen Volks.com Bleibt nachzutragen.und Kulturgemeinschaft« beinhalten wird. las er vom Zettel ab – womit Opfer und Täter auf eine Stufe gestellt. vermag eine kluge Führung des Ensembles Einsichten zu vermitteln.« Was ließe sich daraus nicht alles machen – ner derart mittelmäßigen Anklage eine auf Unterhaltung und Erbauung zielende Aufführung und was hat man daraus in Wiener Neustadt gelingen? Diese Zweifel müssen auch den Autor nicht alles gemacht! Jedes Wort des gewieften befallen haben. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. ruft Demonstrationen auf den Plan. der Stargast. anbringen zu müssen glaubte: Man gedenke hier gleichermaßen aller Toten des Weltkrieges. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. die körperliche die Grundvoraussetzung für die Unversehrtheit. die Prägnanz und Aussagekraft dieser Aufführung zu wiederholen. dort wo im Ständestaatregime der 1. von dem sich heute das Trauerkorps natürlich in seinen Lippenbekenntnissen distanziert. Denn die Besitzer müssten kalkulieren.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. die 66 Jahre zurückliegt. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. Kaum je hat auf österreichischen Bühnen eine Protagonistin die Grenzen verbeamteter Wankelmütigkeit derart plastisch werden lassen. Es ist der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Deren Sprachrohr.« A s gehört zum guten Ton der. Der dramaturgische Kniff der Aufführung lag gewiss in der mutigen Verbindung einer auf den ersten Blick lachhaften Anklage gegen wild zusammengefangene Tierschützer mit der schier unendlich anmutenden Dauer der Aufführung. wie eine um die Rechtfertigung jedes einzelnen Subventionscents ringende Staatsanwaltschaft ausschließlich um des ersehnten Publikumserfolges willen an Unvertretbarem fest.bewahren. Das Spiel vom wankenden Paragrafen Nachtrag zu einer Groteske: Kritik einer Aufführung am Justiztheater von Wiener Neustadt as moderne Regietheater ist vielfältigen Anfeindungen ausgesetzt – oft zu Unrecht. Der Es gibt kritische Erörterungen des Stoffes sonder Witz der Komödie lag im Missverhältnis von Zahl. wenn sern? Kaum. grollte kryptisch auf seiner Heimatseite im weltweiten Netz über eine »politisch-moralisch-ideologische Bankrotterklärung«. Meist kümmert das anachronistische Ritual nur wenige. dorthin pilgern sie. Aber derartige Darstellungen leiden an Unstrafrechtlicher Substanz und der Länge und anschaulichkeit und einer dem analytischen Zugang Breite. wie es ist. So wie der Herzog niemals nach Hornberg kam. Schließlich wird man diese Leute höchstwahrscheinlich künftig noch für Koalitionsverhandlungen benötigt. Sonja Arleth vermittelte während einiger Monate überaus nachvollziehbar das Bild einer überforderten Richterin. NOLL D Wie sollte denn. schon allein. deutschnational gesinnten Kreise in Österreich. Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien und Mitglied im Ausschuss der Wiener Rechtsanwaltskammer A N . die Freiheit oder das Möglichkeit einer grenzenlos schöpfeVermögen bedrohen. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten.geschmäcklerischen Änderungen hinreißen ließe. wer die Sache leitet. Freiheit bei der Realisierung einräumten. Kernmaterial und radioaktiven Stoffen. und gar noch nie auf einer heimischen Bühne durfte man erleben. dass er sich seinerzeit im innerparteilichen Machtkampf gegen Jörg Haider durchsetzen konnte. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). so musste das Publikum schon cherung in großem Umfang oder erheblichen bei der Lektüre der Ankündigung fragen. Vergeblich warteten die Totengedenker auf ihren Stargast Strache Zwar repräsentiert der deutschnationale Flügel nur eine Minderheit im Wählerreservoir. den der Ersatzredner Wolfgang Jung. Griechenland. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Mai schwarzumflort in die Welt zu blicken. In der gerade zu Ende gegangen Aufführung des Landesgerichts Wiener Neustadt hatte man das Hornberger Schießen auf den Spielplan gesetzt. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Doch der Unterstützung dieser Gruppe verdankte es Strache. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Allein. von 325 auf 340 Milliarden Euro. um seine Bewegungsfreiheit nicht zu gefährden. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. In Wien.geschuldeten Unsinnlichkeit: Was Großartiges in kum ausbreitete. Geschick Gewalt antun und ihm unerträgliche gefährlichen Abfällen. um eine bunte und lautstarke Protestallianz auf Distanz zu halten. um dann mit einer besonderen Volte zu glänzen: Der Freispruch für alle Angeklagten kam ihr derart unvermittelt und die seit Monaten in der Luft liegende Schelte für die Ermittlungsbeamten derart leichtgängig über die Lippen. In den vergangenen Jahren hatte er die deutschnationale Andachtsstunde gemieden.Grenzen setzen. In diesem Jahr war es wieder so weit. vermutet sie. mit ei. Die allenthalben bekannte Episode hätte vermutlich niemanden in den Saal gelockt. Die Heldenopabeschwörung wurde niedergejohlt und niedergetrillert. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.und bis zur physischen Erschöpfung durchhielt. die es zu vermeiden gelte. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Fazit: Wer den Griechen hilft. Und blähen sich weiter auf. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. die sich wieder in den Kommandostrukturen der Freiheitlichen eingenistet haben. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Hoffnung stirbt zuletzt JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten. Im nationalen Lager steht er jetzt unter Beobachtung VON JOACHIM RIEDL Die Kassandras haben recht behalten: Geld. wie es ist. den Akteuren aber eine schier unendliche nerhaltung reichen. Einige Hundertschaften der Polizei waren ausgerückt. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. sondern die Geschütze der Staatsanwaltschaft. Mörder und Ermordete in ein gemeinsames freiheitliches Massengrab geworfen wurden. stellt sich das Stück als die das Leben. Jetzt soll das prekäre Vertrauensverhältnis wieder gestärkt werden. und das Gros der Wählerschaft gibt auf den völkischen Bombast keinen Pfifferling. Wer nun den Griechen Geld leiht. haben so lange so heftig geheizt. hätte wohl sensible Nationalgefühle verletzen können. 3. Falschgeld oder Sucht. vom Ordurch schöpferische Eigensinnigkeit auszeichne. die. Wie ein Raubtierkäfig war die Totengedenkstätte eingegittert worden. zog es vor zu kneifen. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. vor dem harten Kern der Partei wieder einmal Gesinnung in Habtachtstellung zu zeigen.denn ein Gedenktag in NaziMoll sei. auf durch Präzisierung optimieren die wiederkehrende und gezu können. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Welch unternehmensähnliche Verbindung Potenzial in den wenigen Zeilen ENOSS TG einer größeren Zahl von Persteckt. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. um der Toten eines noch schlimmeren Blutbades zu gedenken. Foto: Georg Hochmuth/APA/picturedesk. dass der Jahrestag der endgültigen Befreiung vom NS-Regime doch eher ein fröhlicher Feier. Es kommt eben darauf an. der Schlep. dass das ausschließlich durch Bundessubventionen in Höhe von knapp sechs Millionen Euro ermöglichte Spiel eine Wiederholung erfahren wird. als er das Stück erdachte – er gab Werkes löst assoziative Verbindungen aus. die der Regie daher Anweisungen. dann wird man das Stück so nehmen perei oder des unerlaubten Verkehrs mit Kampf. der nähme dem plante Begehung schwerwieStück das Wesentliche – just so. die junge Regisseurin auch im Stück selbst mit einer Hauptrolle zu bedienen. die dadurch eine Berei. diesem Stoff steckt. auf italienischem Lega-Nord-Territorium fand Strache vorübergehend Exil..und Ausgabenpolitik – fahren.14 12. Selten noch haben sich Laiendarsteller derart gut in Szene gesetzt. wie schon 2004. ner solchen Verbindung als Lässt sich das Stück verbesMitglied beteiligt. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück.sich das kostbare Gut kreativer Bühnenbearbeitung xuellen Ausbeutung von Menschen. um sich selber zu retten Gespensterstunde FPÖ-Chef Strache verweigerte den Totengedenkdienst. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Europa wird zuschießen und stunden müssen. mit welchem Effekt sich die Personen in Szene setzen konnten: Gewiss war es eine besondere Note der Inszenierung. Dadurch ging im Lärm aus der antifaschistischen Fankurve der letzte Affront unter. zumal wir nicht hoffen dürfen. Republik ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Habsburgermonarchie im vorangegangen Weltkrieg errichtet worden war. bunt kostümiert und mit lohendem Fackellicht. befinde sich an diesem Tag der Vorhof zu »Wallhalls prangender Burg« (so singt Brünnhilde in Götterdämmerung) am Äußeren Burgtor. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. Lampenfieber vor der stimmgewaltigen Publikumskulisse? Das Kalkül. oder schwerwiegenrischen Interpretationsfreiheit dar. die man dem Stück in überkommener Darstellung nicht abzugewinnen können glaubte. die auf die Stadt zukamen. ein Mitglied des Wiener Gemeinderats. Es schien an der Zeit. die Koalitionstauglichkeit nicht zu gefährden? Immerhin scharrt seine Partei derzeit an der Schwelle zur Regierungsbeteiligung. hilft seinen Banken. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. Im nationalen Lager dürfte Strache nun unter Beobachtung stehen. Nicht Kanonen ließ man donnern. Es wird schwer werden. Gehaltvollen Stoff vorausgesetzt. Diesmal wollte er. Wer hier glaubt. Haider hatte seinen Recken einst den antiquierten Kampfbegriff aus dem teutonischen Credo kurzerhand gestrichen. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Einerlei. Erwartet wurde diesmal nicht der Herzog von Württemberg. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. das wissen wir durch die Auf»Wer eine auf längere Zeit angelegte führung von Wiener Neustadt. was sie erst recht nicht könnten. wertfrei formuliert. Gleichviel. die Zinsen liegen bei 15 Prozent.Einfluß auf Politik oder Wirtschaft anstrebt . es findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Athen nimmt Dampf weg. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Der Bruchpunkt ist jetzt. Am vergangenen Sonntag wurde der freiheitliche Parteiobmann Heinz-Christian Strache. erfordert ein Großaufgebot der Polizei und lähmt den Verkehr in der Innenstadt von Wien – vor allem immer dann. Man würde darstellerischem mitteln. 2. wenn sich einige prominente Figuren aus der Freiheitlichen Partei allzu vorlaut unter die akademischen Narbengesichter mischen. In manchen Jahren jedoch eskaliert der morbide Spuk zu einem Politikum. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. alljährlich am 8. forensische Unverhältnismäßigkeit und legistische Paranoia. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. das lässt die Darbietung aber E R sonen gründet oder sich an eierst schemenhaft erahnen. der den Rest des Jahres lieber Discoprinz spielt. die sich zwar sich mühelos von Mafia bis bin Laden. Erwartungsgemäß hatte die gesamte Regierung angesichts des Spuks ihren Kopf in den Sand gesteckt. gender strafbarer Handlungen. sondern die Schlamperei der Polizei. dass sich das Haus entschlossen hatte. Der Remeduren sind nur drei: 1. und aus diesem Anlass erfasst die rückläufige Gruppierung der schlagenden Burschenschafter wagnerianisches Wehmutspathos. wenn Ehre weiterhin Treue heißen solle. derweil EU. Und am Ende der auf über 14 Monate ausgedehnten Aufführung waren es nicht die Postkutsche und auch keine Rindviecher. Was wir heute über § Titel § 278a StGB in dürre Worte gekleidet: 278a StGB wissen. das lässt sich nur auf der BühDer Autor hatte seine Spielvorlage unter dem ne zum Ausdruck bringen. der Europaabgeordnete Andreas Mölzer. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private Foto: Mathias Bothor/photoselection E Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. wenn man sich zu zeitgeistigmitteln ausgerichtet ist.

und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern.und Bahnhofsschützern. Die Griechen.): Pfeiffer/ullstein. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. ZEIT-Stellenmarkt: www. Käme es jetzt zum griechischen haircut. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. und trotzdem beschimpft Europa uns. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Geburten hinfällig. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs.u. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. die zweite Volkspartei. die im Englischen haircut heißt. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Die Entscheidung Kretschmanns. Wer wollte sie den Iren abschlagen.jobs. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. dass die Griechen mit dem ersten. Leserbriefe@zeit. die SPD. wenn Europa immer weiterzahlt. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. die sie früher nie gewählt hätten. will das offizielle Europa Ruhe. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. Auch das käme alle teuer zu stehen. E-Mail: DieZeit@zeit. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie.zeit. wohl aber die Stimmung.zeit. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. die andere Möglichkeit. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. GRN. Schweiz. um Griechenland aus der Krise zu helfen. in das so viel Geld fließt. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Das ist umso generöser. Irland. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. das zu werden. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. der nicht aufgepasst hatte. auch nicht beim haircut. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Wellen am sardischen Strand. würden Schulden nicht getilgt. als gäbe es kein Morgen – und der Staat.PREIS SCHWEIZ 7.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. ist auch eine hässliche Sache. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. zeichnet sich schon ab. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Aber die Diagnose ist unvollständig. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. so desaströs seine Folgen wären. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften.de. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. die EU dabei mitregieren. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. Vergessen. J A H RG A N G www. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Kleine Augenblicke. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. was sie auch kostet. deshalb unser aller Geld retten musste. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. man macht sich unbeliebt. 7 D Europa will sich Ruhe kaufen. Was dagegen geschieht. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. also einen Tag zu überspringen. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Die entscheidende Frage ist aber nicht. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. möglichst viele Menschen mitzunehmen. der sich tief gedemütigt fühlen muss. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus.de 20 2 0 AUSGABE: . sondern echtes Geld kosten werden. sondern auch an zu viel. bleibt auch eine. wenn Europa weiter zahlt. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. was gemeinhin eine Volkspartei ist. Viel Geld. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Es kostet nur wieder Milliarden. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. sich die Zukunft vorzustellen Magazin. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Auf ewig: Frisch Aufführen! Warum er jetzt auf die Bühne muss Raus aus der Klause! Der Schriftsteller als Redner Politik Seite 12/13 Jüngster Hundertjähriger Feuilleton Seite 52/53 Wandern im Holozän Reisen Seite 63 Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. bestrebt.de Abonnement Österreich. Nein. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg.zeit. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. was auf lange Sicht besser für Europa ist. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. Politik S. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Klar ist einzig. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 .0. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite.zeit. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen.de. ist schlicht ein Skandal. Nicht mehr bezahlen. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. im Land. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Gleichwohl verlangen die EU.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. nun gelte es. Diejenigen. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. Schuldzuweisungen und Dementis. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. 20080 Hamburg. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. positionieren sich als die guten Europäer. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. wer der bessere Europäer ist. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein.o. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten.de/audio www. Doch das heißt nicht. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. was kommt.n. Das klingt weit unattraktiver als das. kleine Fotos (v. »Umschulden«. Jonas Unger. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten WISSEN SEITE 37–40 Der alte Mann und das Drama der FDP Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. Sooft dieser Tage in Ministerien. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. Der Rettungsfonds will weiter retten. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. dass es ohne Europa nicht geht. beschlossen hat. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. ebenso wie die Deutschen und andere. »Retten« ist ein hübsches Wort. dessen Datum anzunehmen. KG. Die Frage ist vielmehr. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. die Griechen überlegten. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. In Interviews sprach er davon. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. Und: Philipp Rösler versucht. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten.zeit. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Europa sollte die Umschuldung wagen. weil dies ein überholter Begriff sei. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar.

« Wenn der Schriftsteller zum Redner wird. seine Rede samt Echo im Saal: »Das ist wichtig: Reden muss man hören. wie es sein Geschäft ist. wenn sie Reden halten. Kann lischen Anklagen zu erheben. Mai 2011 ergänzen kann. das ist auch Ihre Haltung.notfalls Menschenleben zu opfern. unter den aufgeben. weil er sich ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. ler. fähig ist. antizyklisch müsste Ihre Bühne sein. Sein Titel: Grass als Redner. Jedenfalls hat Frisch es in eine gewisse Spannung gebracht zu dem. Diskussionsrunden in Ehren. Eröffnungs. er liest vor. ob dies tatsächlich zu seinen Aufgaben gehört. um dem Dramatiker Max Frisch.tik. Die Regisseurin Heike M.12 12. wenn er zu einem Redner wird. bekundete zuschen Belange einmischte.kurz nach seiner Rede erhielt er ein ausführliches. spielt keine Rolle. Es ist eine Technik des öffent. ein Pfeife rauchendes Theaterfossil. Schlimmer noch: Max Frisch scheint Ihnen peinlich zu sein. alles Theatermögliche zu unternehmen. evoziert die Frage nach dem öffentlichen Grass mit der Rede gleich Vorschläge für die Antworten – und damit auch die allgemeine Frage nach dem öffentlichen Schriftsteller: nach dem Schriftstelzu unterbreiten. schrieb er in einem Brief an Uwe Johnson: »Die Rede. als es ihn jetzt erbracht hat. geInbegriff eines redenden Schrifthört der Angst und nicht der Hoffnung auf Mehr. muss einen Text beiziehen. dazu geplaudert: Alle Achtung! oder aber: Schon wieder eine Grass-Show?« Frisch hat von den Wahlkampfauftritten des Schriftstellerkollegen aber nicht nur gelesen. welche Attraktion sich seine Heimbühne überlegen würde. sondern ein Roman von ihm einstudiert wurde.? Seine Antwort: sein Beispiel. als sich bloß als nützlich zu erweisen. das einst in aller Welt gespielt wurde und heute. sich gemessen die damals an der Macht war: 100 Jahre alt geworden hat. sollte eine nützliche sein. die wir nicht Ambition und politischer Mission. weg vom Monolog und hin zum Dialog. Goetze ging wie eine Dracula-Tochter vor. Wenn ich mir vor Augen halte. gilt zur Zeit als Verharmlosung des Terrorismus. wie sehr man es seitens der PoliKosten der Demokratie bereit war (eine Problema. Diese unsere Hoffnung.auch als Pressemitteilung der SPD verschicktes tagen der schweizerischen und der deutschen Schreiben des damaligen Parteivorsitzenden und Sozialdemokratie auf. der etwas zu sagen hat? Der ein Anliegen verfolgt und Stellung bezieht? Worin unterscheidet er sich dann noch von einem Politiker? Und inwiefern ist seine Rede noch ein literarischer Text? Das sind mit Blick auf Max Frisch keine rhetorischen Fragen. mit dem es so viel verband.« lichen Fragens. der sich hinstellt und eine Sache verficht. in dem nicht denken konnte. vor den ver. zumindest der sozialdemokratischen Politik. Und es müssten nicht unbedingt die Schulstoffstücke Biedermann und die Brandstifter oder Andorra zur Aufführung gelangen. Ja. So ambitioniert. sehr geehrte Barbara Frey. und zwar als Ereignis an einem Ort. wie uns Experten gebetsmühlenhaft verkünden. das sich ebenso auf eine vorgän. stellte als Auszeichnung empfand. der vierzig Minuten lang das Wort hat. weil er geehrt wurde und sich mit einer Rede dafür bedanken musste. nicht als Gesang über Wassern. Ich verlange von Ihnen keinen inszenierten Kniefall vor dem toten Jubilar. also inmitten der aus einer Partei wird.ohlbaum. ziger Jahren mehrfach als Redner auf den Partei. Einer der Einträge lautet: »Soll ein SchriftMoment der Rhetorik von Max Frisch: die Technik. Ihr Julian Schütt CH »Soll ein Schriftsteller usw. den Beitrag der Intellektuellen in ihre In dieser höchst aufgeladenen Stimmung. wie diese Antwort lautet. sondern eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Theaterwerk. seine Offenheit einzubüßen und sich vor einen Karren spannen zu lassen? Der Abbruch des Fragesatzes zeugt von der Selbstverständlichkeit dieser Erwartung an den Schriftsteller ebenso wie von der Unschlüssigkeit Frischs darüber. gegen den amtierenden Kanzler Ludwig Erhard antrat und trotz der Unterstützung von Grass die Wahl verlieren sollte. tik. So trat er in den sieb. was Schmidt. Ich dachte nach dem Stiller-Abend nur eines: Das kann es nicht gewesen sein. der ihm »ziemlich widerwärtig« war. und außerdem Lobreden (auf Alfred Andersch oder Peter Bichsel) und Totenreden W (auf Kurt Hirschfeld oder Peter Noll). Meist hat Frisch Reden gehalten. In Willy Brandts Stellungnahme kommt auch die Politik zu sehr weitgehenden Abwehrmaßnahmen gegen die Bedrohung der Demokratie auf zum Ausdruck.?« as geschieht mit einem Schriftsteller. später aber vor allem das Schauspielhaus von Frisch. und das ist ausgerechnet der Klassiker. und einer Zuhörer- Foto (Ausschnitt): Isolde Ohlbaum/www. 1966–1971. damals noch Regierender Bürgermeister zu Berlin.. und einem wie Max Frisch schon gar nicht. die es darauf abgesehen hatte. Ihre jüngste Inszenierung von Tschechows Platonow ist die perfekte Antwort auf die aktuelle Krisen. Angst als des Bürgers erste Pflicht. nämlich Stiller. in der pragmatische Arbeit einzubinden.und Selbstabschaffungsstimmung im Theaterbetrieb. Er tat dies. bleibt ebenso unklar. wie zunächst Frisch vom Schauspielhaus profitierte. dass Ihr Haus vergangenes Jahr dem Stückeschreiber Frisch eine Abfuhr erteilte. wenn er zum Redner wird? Er kann zum Festredner werden. muss er es verstehen. einem Album mit Fotografien von Günter Grass ich weiß. Frisch hat aber nicht nur Festreden. sich bloß von seiner sonntäglichen Seite zu zeigen. und sein rismus« in Verdacht geratenen Wort hatte Gewicht. sein Publikum in ein Gespräch zu verwickeln: indem er ihm nicht einfach Meinungen auftischt wie ein Politiker oder ihm einen Vortrag hält wie ein Akademiker. Was Einträgen von 1970. zu Hause beim Vorlesen. zweitens. um mit mit allen als »Vorbeter des Terro100 Jahre Frisch Peter Bichsel zu reden. wie man Schriftstellern und Intellektuellen Am 15.. das Schauspielhaus böte das. Doch das war es! Mehr kam zum Festjahr nicht vom Schauspielhaus Zürich. Grass gibt die Antwort mit seinem Beispiel. Hingegen habe ich drei Fragen. Mit diesen Worten hat er sich eines Rechtsstaats. Grass.steller usw. keine plakativen Forderungen oder mora.und schildert in einer Serie von scharfen Beobachtungen und knappen Feststellungen. (Heinrich Böll.« Dass von ihm als Preisträger eine »nützliche« Rede erwartet würde. Doch diese Risikofreude erwarte ich von Ihnen. und insbesondere als und sprach dann an die Adresse Autor der Schweiz der anwesenden Politprominenz. das Ihre Party stört. Im zweiten Tagebuch. Was also geschieht mit dem Schriftsteller.dieser Frischs Fragen eine nach der anderen durchge Assistenz der Intellektuellen eine geschicht.« er vor sich sieht – ob nun tatsächlich oder bloß in Erstens. Chapeau! Nur zu einem Klassiker fällt Ihnen leider bedenklich wenig ein. also Dankes-. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ OFFENER BRIEF »Verdammte Pflicht« Frisch-Biograf Julian Schütt wirft der Schauspielhaus-Chefin Mutlosigkeit vor Sehr geehrte Barbara Frey. Ich fürchte. Frisch blättert in es heißt: zur Rettung der Demokratie) – das alles. dass ich mir über den Stand meiner politischen Erwartungen klar werde. Zu Beginn seines Feuilletons zeigt sich Frisch nicht ohne Skepsis. Wer wissen will. wie gegenwärtig Frischs Einfälle noch sind. Dann hätten Sie es aber probiert und müssten sich nicht von einem in Ihren Augen wohl hoffnungslos bildungsbürgerlichen Reaktionär wie mir Mutlosigkeit vorwerfen lassen. Schon Tagesgeschäft eingestiegen. nirgends. Insgeheim hoffte ich.?« Soll er wirklich? Auf die Gefahr hin. ich bewundere. der den Spagat schafft zwischen literarischer Demokratie. sondern er hat sie – und das ist für ihn das Entscheidende – auch gehört. wie Sie Klassikern die Schwere austreiben. Anders ist es nicht zu erklären.geht: die Frage nach der ethischen Legitimation liche Chance hat«. drittens.de . Vielleicht würden Sie kolossal scheitern. vielleicht sogar eine Provokation. zu halten in einem hochehrwürdigen sonntäglichen Rahmen. den Frisch 1965 in der ZEIT veröffentlicht hat. ein Revival auf der Bühne zu gestatten. vor lauter Leuten mit toten und maskenhaften Gesichtern. war Frisch mehr als bewusst. war für Frisch der so scheint es im Augenblick. wie es die Absicht verfolgt. sondern Szene: zwischen einem Mann. an der Frisch als Jürgen Habermas und andere) wirkungsmächtigste Redner. öffentliche Zwiesprache mit sich selbst einzubeziehen versucht. Selbst dann hat er sich aber nicht darauf beschränkt. Als er sich 1976 auf seine Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vorbereitete. Willy Brandt und Helmut Lebenswerte stiftet. die nichts an Bedeutung verloren hat).stellers.dem politischen Entwurf eines Zusammenlebens sammelten SPD-Granden der damaligen Zeit. politischer Redner. dem das Zürcher Schauspielhaus am meisten verdankt: Max Frisch. muss er sein Metier also grundsätzlich wechseln: weg vom geschriebenen und hin zum gesprochenen Wort. Sie hätten nur gewinnen können. eigenständig.steller offen bleiben? Das ist zuhause. gige Analyse stützt. dass wichtige Köpfe in Zürich blieben und dass dort international beachtete Uraufführungen stattfanden. indem kein Stück. aber letztlich kann nur das Theater zeigen und prüfen. die ich mir wünschte . und schließlich die Frage. was das politische Engagement von Grass betrifft: »Günter Grass als Wanderredner zur Bundestagswahl – auch in der Ferne hat man reichlich davon gelesen. sondern er Frischs rhetorische Fragetechnik im Angesicht ist auch immer wieder als Redner ins politische der Macht hat ihre Wirkung nicht verfehlt. was er für die Pflicht des Schriftstellers bei solchen Anlässen hielt: Bevor er vor sein Publikum tritt. als Willy Brandt. Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist die Bundestagswahl von 1965. nächst einmal seine Solidarität Frisch war es ernst. Darum geht es Schriftstellern aber selten. dass »Politik ohne die lästi. wäre der wohl Die Figur. sämtliche Inszenierungen wären hoch riskant. wenn Frisch sich in die eigenen herrschaftspolitisich Frisch hin. braucht Ihnen kein Hergereister zu er.und Geburtstagsreden gehalten. zuerst einmal vor sich selber antreten – will er mehr tun. Entschuldigen Sie meine Deutlichkeit: Sie handeln Frischs Geburtstag wie eine Strafaufgabe ab. der Menschen. Festvorträge. eine halbe Stunde. die in der Paulskirche zu halten ist. wie er im Nachhinein bekannte. Freunde haben Grass auf Band von Lübeck nach Zürich gebracht. Dessen hundertster Geburtstag wird derzeit überall gefeiert. überholt weil es parabelhaftpädagogisch und moralinsauer sein soll. wie er mit Dürrenmatt die Pfauenbühne nach dem Krieg immer wieder aus ihrer Lethargie und Selbstzufriedenheit riss und dazu beitrug. Günter Grass. muss der Schriftsteller. sondern indem er das Publikum in die offene. Alle Buchveröffentlichungen. Die literarische Rede war für Frisch die öffentliche Anzettelung eines Gesprächs. Wieso nicht Biografie: Ein Spiel? Wieso nicht Graf Öderland? Selbst Triptychon oder die wegen der Atomproblematik wieder erschreckend aktuelle Chinesische Mauer wären einen Versuch wert. als SchriftFragen zu stellen. junge Grass. wie was das Wort »nützlich« im Brief an Johnson genau besagen soll. Stattdessen haben Sie sich für die voreilige Kapitulation entschieden. Obwohl der Redner als Einziger spricht. zum Schutze seiner Ordnung 1977 in einer Rede vor den Delegierten des SPD. Im Text Grass als Redner schreibt er: »Rede ist nicht Hymnus. Keine Lust oder Fantasie. dann denke ich: Dieses Haus wäre zu einem anderen Einsatz verpflichtet. im November 1977. aber sie fordert. der »Sozialdemokraten! Die Zukunft. Wie mancher Frisch-Fan war ich ganz besonders gespannt. war Günter Grass. wenn sie nicht willens oder Nachgefechte des »Deutschen Herbstes«. jedenfalls keine routinierte Gedenkveranstaltung. der seinem Publikum einen schön geflochtenen Wörterstrauß überreicht. aus der einsamen Schreibstube hinaus und auf die Bühne hinauf. was Max Frisch sich zum Geburtstag gewünscht hätte: ein Wagnis. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. das Menschwerdung fördert und vor Herbert Wehner. dem Text den Lebenssaft zu nehmen. Gegen sämtliche Stücke lässt sich vieles einwenden. findet sich eine längere Pasdamit zu betreiben ist: Abbau der Demokratie (wie sage mit dem Titel »Album«. und auch nur auf einer geschützten Nebenbühne. was zählen.« Welche Zuhörerschaft er sich stattdessen gewünscht hätte. also vor mir selber antrete. In dieser Eröffnung zeigt sich ein wesentliches der Vorstellung. »Soll ein Schriftsteller usw. die Frage nach Parteitages in Hamburg geäußert. Aber das Schauspielhaus hätte die verdammte Pflicht. Vielleicht würden Sie aber auch die Kritiker mit ihren vorgefassten Meinungen über den angeblich antiquierten Bühnen-Frisch Lügen strafen. die in ihrer politischen Eindeutigkeit möglicherweise nicht seiner literarischen Offenheit entspricht. Und das macht mich wütend.Noch der private Grass. Ich wünsche Ihnen und dem Schauspielhaus trotzdem alles Gute. sondern öffentlich einer als Wahlkämpfer eindeutig sein.

Widerspruch einzulegen im Namen des Lebendigen. medialen. sich »einzumischen«. das kann sich daraus ergeben. er soll – aber eigentlich nur. So rächt sich die Öffentlichkeit dafür. Nun. . Man biete für die nicht – Kraft ihres Amtes dem »Generation 50+ gemischtes Optimismus verschrieben. einen gelungenen Abend. Vor 61 Jahren gab der französische Außenminister Robert Schuman das Volk fürchtet. Sie sitzt aus..erklärend führen und nicht nur die angenommäßigen Garderobe. weil ihnen Schreiben noch eher gelingt als Leben und weil für diesen Versuch. es handle sich um ein Gespräch und die Rede antworte spontan auf die Gedanken und Gefühle im Saal. Darchinger/Friedrich-Ebert-Stiftung. sogar zum Irrtum verstiegen habe. ist in ein Kleid gehüllt. das sie er rettet sich angesichts des heiklen Themas in »meinen Blaumann« nennt. es ist mehr: »Man hebt das Schweigen. Er sitzt im Max Frisch-Stiftungsrat und in der Jury für den Schweizer Buchpreis 2011 CH SCHWEIZERSPIEGEL Sommarugas Eiertanz Ein schweizerisch-europäischer Abend in Köniz VON PEER TEUWSEN Es sind nicht nur die Temperaturen im Baucon. Dass diese baut. nämlich mit den Mitteln der Sprache. auch von den Medien stark beförderten Wahrnehmung beherrscht Max Frisch. auf im Bedürfnis nach Kommunikation. Der Schriftsteller als Redner: Das meint den Schriftsteller. sagt Massimo Rocchi in seiner behelfs. Die Magistratin ist ein biss.« Frisch bekennt sich zu einer dritten Fraktion: »Um zu schreiben!« Wer als Schriftsteller Geld verdienen oder die Welt verändern will. der neuen Europäischen Gemeinschaft einen Deshalb versucht sie es auf der Baustelle auf ihre Satz mit auf den Weg: »L’Europe ne se fera pas Weise – auch wenn es sich nicht um ihr ureigenes d’un coup. Und dennoch nahm Frisch diese Verantwortung an. um Wirkung nach außen zu erzielen als vielmehr nach innen. Er darf alles sagen. Wohl deshalb mimt er als Zugabe ein beschreiben. Und das wiederum heißt: Verantwortung ist eine Folge des Erfolges. Reden halten. die den Kabarettisten schwitzen lassen. zu ermutigen. gegenüber allen Formeln einer in Angst und Misstrauen erstarrten Welt. dass er etwas zu sagen hat. zu einem Zeitpunkt also. mentalitären und so weiter – Umfeld zu agieren haben als Max Frisch. Kontakt entsteht aus der suggestiven Fiktion. Mai 2011. Denn sie tut hier etwas. Auch wenn Frisch zum Inbegriff des Schriftstellers geworden ist. sondern mich. das sich kultu. sobald es darum geht. die vom Schriftsteller nicht bloß erwartet. wie Frisch es vorschwebte und Grass es vormachte. beginnt er mit dem Bekenntnis: »Gehört man zu den Schriftstellern. in der Öffentlichkeit zu sein gelingt auch jedem Rennfahrer und jedem Minister. die man im besten Fall als »heimlifeiss« im Crevetten und Brötchen mit Europa-Fähnchen schlechtesten Fall als »feige« bezeichnen kann. um sie zu widerlegen oder zu bestätigen. raus leitet die offizielle Schweiz eine Haltung ab. dass wir sie angesprochen haben!« Weniger beglückt als verdutzt sieht sich Frisch einer Forderung gegenüber. im Sinne einer Selbstvergewisserung im Spiegel des veröffentlichten Ich. rednerin ein.. bleibt rätselhaft. Ein Euphemismus erntet dankbaren Applaus. Und einen Bauarbeiterhelm mit auf den Die Regierung duckt sich weg. gegenüber Ideologien. etwas kokett: »Wieso dies eine Ehre sein soll. Die Rede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von 1958. Und noch mehr: plötzlich soll man etwas zu sagen haben. sondern eine Rhetorik der aufklärerischen Selbstbewusstwerdung. sondern die der Öffentlichkeit – einer Öffentlichkeit. da Frisch weltweit erfolgreich war und eine breite gesellschaftliche Wirkung entfaltete. die sich »anständigerweise ja erst von einer gewissen Wirkung an« stellt. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. Citoyen das Bild von Max Frisch. Was aber bewegt einen Schriftsteller der dritten Fraktion.?« Ja. Man muss schon chen nervös. Wie alles an diesem Bundesrätin Sommaruga der Position untergeordnet. Das ist klar.« Für sich selbst reklamiert Frisch einen ganz anderen Antrieb.« Gesellschaftliche Verantwortung als rückläufiger Irrtum: Das passt nicht gerade ins Bild von Max Frisch. Frischs rhetorisches Ideal war keine Rhetorik der Manipulation. © Adrian Moser (kl. dass den Schreibenden hierzulande und heutzutage bei jeder Gelegenheit der Name Max Frisch als leuchtendes Vorbild vor die Nase gehalten wird.Weg nach Hause.SCHWEIZ 12. Abend. In der breiteren. wenn er sich an die Öffentlichkeit wendet.kein Zweiter in diesem Land. der sich einmischt: Er hat nur zögerlich und widerstrebend in diese Rolle gefunden. Die – aber irgendwie passt er zum Gemischtes Wohnen: Verhältnis zwischen der Schweiz Botschafter Reiterer und Sozialdemokratin hat ihr Herz wieder einmal der Vernunft und und Europa. Der bilaterale Weg führe zu will mit der ungewöhnlichen LoSouveränitätsverlust und sei »ein cation auf den unfertigen ChaHandling von Abhängigkeiten«. weil er diesem Montag. »ein Paradox« geahnt. Juncker mal so beschrieben hat: »Wer den Wäh»Was soll ich nur von der Schweiz und Europa lern immer nur nachläuft. Das leuchtet jedem ein. Frisch tut dies weniger. Monsieur Vogelfrei. wie wenn sich wieder das öffentliche Bedürfnis nach dichterischen Verlautbarungen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen regt.die Vorteile des bilateralen Weges gepriesen. der sich engagiert und einmischt. ohne sie aber letztlich zu seinem Schreibimpetus zu erklären. der seine Schreibklause verlässt und auf die Agora hinaustritt. sondern damit an die Öffentlichkeit zu gelangen. die nicht seine eigene ist. diesem aber politisch nicht angehören will. um seine Spitzen zu bemerken. Und dann kommt Massimo Fünf Minuten vor der Zeit trifft. die er freilich beherrscht wie isch Anpackendes. Aber das aber auch nie dafür«. Aber er hatte es ja schon in der Garderobe tut sie bereits unheimlich gut. das sie genau hinhören.« Andere mit dem Anspruch: »Um die Welt zu verändern. dabei entstehen die Gedanken und Gefühle im Saal eben durch die Rede selbst. für eigene Gedanken und Gefühle haftbar zu werden. man habe zu lange nur Reiterer auf einer Baustelle in Köniz den »Euro.den der luxemburgische Premier Jean-Claude tainer. dass ich die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers nicht bloß angenommen. Deshalb muss man ruhig!«. meine neue Aufgabe« bezeichnen wird. wenn man die Folgen sieht: – man soll. drauf. sondern die von ihm vor allem erwartet. dass er es ihr tatsächlich auch sagt. gab es Auberginenröllchen. Der Statthalter der EU in der Schweiz ohne die Nachteile klar und deutlich zu benennen. in der Öffentlichkeit zu stehen? Dazu Frisch. sonst entEin Altersheim wird hier gestünden »Tabus«. Kontakt ist nicht Einverständnis. Statt den Weg zu gehen. Wie aber sah er selbst diese Rolle? VON THOMAS STRÄSSLE schaft. man soll sich zeigen. Das zeigt sich in seinen Beobachtungen zu Grass so gut wie in seinen eigenen Reden. dass sie auch in Fällen von Gelingen keinerlei Berufung empfinden. das öffentliche. wenn er es so kann. die in einem völlig anderen diskursiven – politischen.« Es muss für den redenden Schriftsteller also darum gehen. wie sie sagt. Das wird verlangt. so ist man weniger beglückt als verdutzt. die sich ja auch hinter geschlossenen Türen austoben könnte. Das weiß auch Sommaruga.« Der Bundesrat aber will nicht führen.. das Leben schreibend zu bestehen. amtsfrische weil er es wie kein anderer sagen kann. Der Autor ist Privatdozent für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und SNF-Förderprofessor an der Hochschule der Künste Bern. Sie vertritt ein Land. Écrivain. um zu schreiben. der wird den Menerzählen? Mamma mia! Es ist alles so verdammt schen nie ins Gesicht sehen. Öffentlichkeit als Partner. weder Anklage noch Plädoyer. um sich gesellschaftliches Gehör zu verschaffen – und der im Idealfall auch gehört wird. Aber auch Bundesrätin. Worin aber besteht die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers? Frisch hat es für sich selbst so definiert: Sie besteht darin. muss unbedingt an die Öffentlichkeit treten.« Bedürfnis nach Kommunikation: Das ist eine andere Formulierung für das Gesprächsangebot. der einfach schreibt. dass ich überhaupt aus solcher Verantwortung heraus schreibe .) Frisch bei der Dankesrede zum Friedenspreis 1976 in der Frankfurter Paulskirche – vor lauter Leuten. sondern es blendet auch aus. rakter seines Arbeitgebers hinDiese »Ambivalenzen« müsse weisen. Das nennt man in der Schweiz tenberichte. dazu. dass Frisch selbst diese Rolle weit weniger enthusiastisch annahm. seinen Text zu veröffentlichen? Ist es die Eitelkeit. der Feierabend nicht ausreicht – gehört man zu dieser Art von Schriftstellern. Warum schreibt ein Schriftsteller? Einige Schriftsteller wehren sich mit der Behauptung: »Um Geld zu verdienen.. zum Beispiel. Es ist halb sechs Uhr an mene Mehrheitsmeinung nachplappern. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 Foto (Ausschnitt): J. rückläufig sozusagen. zersetzend zu sein mit den eigenen Mitteln. Simonetta Sommaruga. Daraus aber kann umgekehrt eine gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers erwachsen. Sie sagt. eine Metapher für die Eidgenossenschaft sehen. Denn dieser war ein ästhetischer und kein pamphletischer. die Offenheit seiner Rede auszuspielen: Die literarische Rede ist weder Predigt noch Statement. später im Gespräch als »eine weitere Einübung in Es sind Sätze wie »Ein Schweizer ist nie dagegen. Insbesondere in der Schweiz ist Frisch zur Ikone dieses Schriftstellertypus erstarrt – mit der Folge. Sommaruga muss. 9. seine erste ganz große Rede vor großem Publikum. nicht nur zu schreiben.Rocchi. Es ist nicht bloß naive Machlust. Sie bestellt Exper. der er auf suggestive Weise Meinungen unterstellt. die Haupt. bloß weil man Schriftsteller ist.« (links) »Sozialdemokraten!«: Frisch mit Helmut Schmidt auf dem SPD-Parteitag 1977 (rechts) Max Frisch gilt als Ikone des Schriftstellers.Kamel. die das leichte Glück haben. zersetzend gegenüber Phrasen. das man aber bitte nicht so schon lange existieren. Da. endlich. In seiner Rede Öffentlichkeit als Partner von 1958.H. Um den abgebrochenen Fragesatz aus dem zweiten Tagebuch wieder aufzunehmen: »Soll ein Schriftsteller usw. zu verspotten.die anderen waren einfach nur hingerissen.die Sprachartistik. und genau darin unterschied er sich als Künstler vom Politiker. Sie Wohnen« an. so müsste ich sagen. als heute kolportiert wird. Kaum je ist Frisch als historische Figur in der Gegenwart so präsent (von Gedenkjahren und Aufregungen um den Nachlass einmal abgesehen). umringt von dunklen Anzügen. sagt sie nennen soll. sondern sie ist eine Einladung an die Waghalsigen unter der Zuhörerschaft. sondern den Beruf des Schriftstellers ausüben. gibt er sich mit dieser Verantwortung noch auf eine eigenartige Weise unvertraut: »Spreche ich von mir selbst.« Und in 30 Minuten eröffnet Michael Dossier handelt. man klar ansprechen. wie der Redende. die aufs Dilemma hindeuten. Es hat etwas europä. Citoyen. Nur böswillige Menschen wollten darin rell und wirtschaftlich als Teil Europas versteht. patag«. das der Schriftsteller macht. Das ist nicht nur unangebracht gegenüber den heutigen Schriftstellergenerationen. die ich mir wünschte.

den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. als Auskunft zu geben. verschachtelter als seine gedruckten Interviewantworten. erhöht das meine Unabhängigkeit. Er ist kein Vielschwätzer. um sich selber zu retten JOSEF JOFFE: N Die Kassandras haben recht behalten: Geld. Damit traf der ehemalige Absolvent des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums im bernischen Langenthal den Nerv des Internet-Zeitalters. wenn die Ratings zum Fetisch werden. antwortete er: »Hallo. spricht der demütige Fatalist aus ihm. Daten sind nie neutral. Also fragen sie andere – am liebsten Michael Hermann. Bundesämter. 39. Und Michael Hermann.« Anderthalb Stunden sitzen wir da bereits am Kaffeetisch in seinem Büro.und Ausgabenpolitik – fahren. Auch persönlich hat er keine Berührungsängste vor der wählerstärksten Partei des Landes. sie integriere die extremen Kräfte.und Ausgabenpolitik gehorcht. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Athen vorweg. rechts-liberal und rechts-konservativ. nimmt den Hörer immer ab: »Es ist anstrengender. »Mich stört selbst. Hermann. nur weil man ihr ein Wachstum prognostiziert. aber nicht erklären. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Andersdenkende lernte Hermann mögen. Hermann war damals 28. dessen Deutungsmacht über die Schweizer Politik immer größer wird? VON MATTHIAS DAUM Iwan Rickenbacher. Es wird zum europäischen Sozialfall. die neoliberale Revolution. dem Zukünftigen in kleinen Schritten entgegengehen – vielleicht hören Politiker. 517 namentliche Abstimmungen der großen Kammer hatten die beiden ausgewertet. nicht im Maschinenraum der Politik. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Die Sätze sind nuancier- ter. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. ruft er Michael Hermann an. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den Bushido-Song: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. Sein Einfluss als Politexperte sei sowieso geringer als angenommen: »Die SVP wird nicht mehr oder weniger gewählt. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. 39-jähriger Sozialgeograf. wie jüngst in Baden-Württemberg oder im Kanton Zürich. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. 3. Politiker und Parteien »entlarvt«. Wer ist der Mann. aber gegen einen entfesselten Foto: Martin Ruetschi/Keystone Foto: Mathias Bothor/photoselection »Wo bleibt Eure Überzeugung?« Michael Hermann. die langen Beine verschränkt. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Am Apparat: Fernsehstationen. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. schrieb Marcel Hänggi – notabene ein Wissenschaftsjournalist. dass die SVP der Schweiz schade. seinem vor zwei Jahren verstorbenen Geschäftspartner und Freund. L’Hebdo. Punkt. Im Gegenteil. Wofür also steht er persönlich heute? Driftete er nach rechts? Europafreundlich sei er. keine Auskunft zu geben. Wahrhaben wollten dies in der Medien. Im Januar 2010 war er Gast an der SVP-Kadertagung im Hotel Bad Horn am Bodensee. Eine gute Frage. der Verwaltung. Athen nimmt Dampf weg. Chef-Erklärer der Schweizer Politlandschaft. hier ist das Plankton. aber gegen einen EU-Beitritt ohne Not. Ja. wie sie stimmen müssten. hier im schmucklosen. Hermann bestimmt. Statt Einschätzungen und Vermutungen präsentierten sie faktengestützte Wahrheiten. Erfolge verzeichne sie auf symbolpolitischen Nebenschauplätzen. Aber welches Bild hat er von der künftigen Schweiz? Die Frage beschäftigt ihn nicht. Der Bruchpunkt ist jetzt. Politgeograf Steuerwettbewerb. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. 2. Verbände und Journalisten deshalb auf Hermann. sollte es besser im Kasino verjuxen. . In den kommenden Jahren erlebte die Schweizer Politik einen Vermessungsboom. Als Mensch ist er schwierig zu fassen. seine Forschungsstelle Sotomo aber als Firma führt. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. brachte er Ordnung in die komplizierten politischen Realitäten. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. der weiß: In der Mitte lebt es sich am besten. weil er so ist wie sie. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. er wohnt mit seiner Partnerin im Zürcher Kreis 5. Interpharma. Journalisten.« Inhaltlich aber beschäftigt ihn die Kritik. Oder wenn ihn eine Gruppe CVP-Parlamentarier fragt. Beide waren Mitglieder in der SVP damals die Partei der Bauern. Und blähen sich weiter auf. welches Abstimmungsverhalten als links.« Es solle ihm nicht ergehen wie manchem Journalisten. Immer weniger leisten sich eine eigene Meinung. Baudirektionen. Im Juni erscheint sein Buch über die Konkordanz. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. die kompakte Linke. Noch bevor der Drachmen-Druck angelaufen wäre. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Zürcher Kantonalbank. Griechenland. der die gerufenen Geister nicht mehr loswerde. Eintracht schaffen statt Zwist säen.« Er glaube nicht. Michael Hermanns Erfolgsformel lautet: Politik ist messbar. Hermann will das Regierungssystem retten – zu den Details schweigt er. Etwa als Mitte Januar in der TV-Arena zum Berner Ständeratswahlkampf alle Kandidaten mit ihren Profilen »wedelten«. Die Karte zeigte die exakte Position aller Nationalräte zwischen den drei Polen links. der beim ersten Kontakt mit der Rechten gleich konvertiere. Mal eruierte man die Nähe der Politiker zum Gewerbeverband. auch berufsbedingt. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. um im Hermannschen Diagramm möglichst rechts eingeordnet zu werden. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. wo die Eltern eine Drogerie führten. die polternde. Die Missionare hockten im Täufer-Land in den Kirchen. nachdenklich.« Doch der Politik-Vermesser ist mehr als ein erfolgreicher Geschäftsmann. Der Remeduren sind nur drei: 1. Doch von einer Konkurrenzdemokratie hält er nichts. In seinen Texten irritiert Hermann sein linksliberales Milieu. Wer nun den Griechen Geld leiht. Radiosender. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Die zwei jungen Geografen. Selber war er 15 Jahre SP-Mitglied. Seine Erfindung die Verortung im »Spinnennetz« bedeutet. fein säuberlich aufgeräumten Büro auf dem Irchel in Zürich. Etwa jenes der blockierten Regierung. Sie ist robust und hat nicht nur eine dünne zivilisatorische Oberfläche. Vor zwei Jahren trat er aus. haben so lange so heftig geheizt. weltoffen oder isolationistisch gilt – und was das für Landvermesser H. Zusammen mit Heiri Leuthold. Gegen eine Zersplitterung der Schweiz in Ghettos von Gleichgesinnten. er ist froh darum. und die muss man lösen.« Die Schweizer Politikjournalisten leiden an »Expertitis«. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Tages-Anzeiger. sei gescheitert. »Es kommt ohnehin anders. wie man aufgrund seiner Medienpräsenz vermutete. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Hermann. klingelt das Telefon heiß. Beobachter. sondern immer Interpretation. NZZ und NZZ am Sonntag. Besonders pikant Herausgeber der wäre die Lage in Deutschland. dargestellt in faszinierenden Grafiken und Karten. Begonnen hat alles im Oktober 1999. Für eine starke Zuwanderung.« Er fühle sich manchmal als Zauberlehrling. was sie erst recht Josef Joffe ist nicht könnten. Hotelleriesuisse.14 12. Fazit: Wer den Griechen hilft.ohne Politikunion geht nicht. doch falsche Gewissheiten stören ihn. »Da frage ich: Wo bleibt eure Überzeugung?« Hermanns eigene Meinung liest man seit zwei Jahren in einer monatlichen Kolumne im TagesAnzeiger und im Bund. Und die Vergiftung des politischen Klimas. von 325 auf 340 Milliarden Euro. Wenn ein Journalist keine Meinung hat. konservativ. dann drückte man das Bundesparlament ins Links-rechts-Schema. Welche Partei er wählt. die Hetze gegen Minderheiten? »Unsere Gesellschaft erträgt solche Stimmen. Spricht man ihn darauf an. als man denkt«. hilft seinen Banken. bis die Kohle ausging. Zeitungen. mit einer entspannten Haltung zur SVP. berät heute: Economiesuisse. Seine Biografie ist geprägt von der Kindheit im konservativen Huttwil im Emmental. . Zu faszinierend war diese neue Einfachheit. Nun waren politische Positionen vergleichbar. Sonntagszeitung. Hermann sagt: »Wenn ich für alle arbeite. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. ZEIT wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. unter der die Barbarei lauert. wirkt ernst. Sein Motto: Einbeziehen statt ausschließen. Der Gescholtene reagierte cool. rechts. Einzig die linke WoZ mahnte vor den Eidgenössischen Wahlen 2007 zur Vorsicht: »Ist Michael Hermann ein schrecklicher Vereinfacher?«. er überflügelt den Berner Umfragenkönig Claude Longchamp ebenso wie den Innerschweizer »Smartspider« erlangte Deutungsmacht in Schweizer Wahlkämpfen. aber ihr Gesellschaftsprojekt. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Leser und Experten jubilierten: Plötzlich diese Übersicht! Die zerfledderten Bürgerlichen. Bankiervereinigung. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Hermann ist die personifizierte Mitte. Für wirtschaftliche Liberalisierungen. verfasst im Auftrag von Avenir Suisse. sie sind denkfaule ContentAbfüller geworden. aber im Parlament chancenlose SVP. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Er ist ihre Denkprothese. sagt er: »Ich kann doch ein positives Bild einer Partei haben und trotzdem meinen eigenen Standpunkt beibehalten. Doch niemand hinterfragte die Aussagekraft der Diagramme. Die Welt lässt sich durch Daten nur illustrieren. aber die Ängste der Bevölkerung seien ernst zu nehmen. den TV-Experten bei Bundesratswahlen. kann nicht sparen. länger. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). Ein Schweizer. der wirtschaftlichen Liberalisierung über die restriktive Migrationspolitik zum Ausbau des Sozialstaats. Noch 1999 fürchtete er sich vor der Partei. Als ihn wenig später ein Journalist anrief. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Die Spinnennetz-Grafik veranschaulicht das Profil eines Politikers – und des Wählers – in acht thematischen Dimensionen: von der außenpolitischen Öffnung.« CH ach Wahltagen. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. liberal. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ Hoffnung stirbt zuletzt Europa wird für Hellas bluten. dessen Tischtuch das Konterfei von Barack Obama ziert.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Er behält den kühlen Blick des Programmierers: Es gibt Probleme. derweil EU. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. präsentierten im Magazin und in Le Temps ihre »politische Landkarte des Nationalrats«. der Geerdeten. also einer gemeinsamen Steuer. Der Schlaks mit Hipster-Brille ist gesuchter als die Grandseigneurs der Branche.und Politszene nur wenige. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. das aber behält er für sich. der Dritte Weg von Blair und Schröder faszinierte ihn. Bis im letzten Herbst die Politologin Regula Stämpfli in einer Radiosendung den Kollegen Hermann als »Wahlvermesser mit dem politischen Reflexionsgrad eines Planktons« beschimpfte. der an der Uni Zürich als Lehrbeauftragter arbeitet.

die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Die Griechen.14 € /Min.zeit.de/audio 4 1 907 45 1 040 05 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. Aber die Diagnose ist unvollständig. Klar ist einzig.52 52 909*. Was dagegen geschieht. Gleichwohl verlangen die EU. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa.20/ Kanaren 5. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 SACHSEN WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. Fax 0180 . die SPD. findet Josef Joffe.30/I 5. die im Englischen haircut heißt. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. wer der bessere Europäer ist. was gemeinhin eine Volkspartei ist.de/audio www. würden Schulden nicht getilgt. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. deshalb unser aller Geld retten musste. das Beharren auf Posten und alten Positionen. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. 0180 . Die Frage ist vielmehr. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. (v.10/ CHF 7. sondern auch an zu viel. Nein. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. zeichnet sich schon ab.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. In Interviews sprach er davon.00/FIN 6. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte.de *) 0.20/ L 4. max. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern.50/P 5. die zweite Volkspartei. Wer wollte sie den Iren abschlagen. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. »Umschulden«. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. der nicht aufgepasst hatte. will das offizielle Europa Ruhe.zeit. was auf lange Sicht besser für Europa ist. Der Rettungsfonds will weiter retten. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Schuldzuweisungen und Dementis.70/E 5.70/B 4. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte.zeit. Geburten hinfällig.20/GR 5. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. man macht sich unbeliebt. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. E-Mail: abo@zeit.0. Sooft dieser Tage in Ministerien.zeit. Kleine Augenblicke. Irland. bestrebt. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. bleibt auch eine. positionieren sich als die guten Europäer. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden.de Abonnentenservice: Tel. Wir erleben einen Austausch von Forderungen.50/A 4. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. sondern echtes Geld kosten werden. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. dass es ohne Europa nicht geht. wenn Europa weiter zahlt. Vergessen. KG.u. ist auch eine hässliche Sache. wohl aber die Stimmung. Auch das käme alle teuer zu stehen. also einen Tag zu überspringen. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. 0.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. ist schlicht ein Skandal. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Druck aus Dresden Wie Frank Harings Jugendzeitung »Spiesser« einen Großverlag ärgert Politik Seite 13 D Europa will sich Ruhe kaufen.52 52 908*. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort.und Bahnhofsschützern. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Die Entscheidung Kretschmanns. Das ist umso generöser. möglichst viele Menschen mitzunehmen. in das so viel Geld fließt.50/HUF 1605. weil dies ein überholter Begriff sei. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.00 20 01 420 AUSGABE: .n. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. Leserbriefe@zeit. kleine Abb. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat.de.42 € /Min. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. GRN. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. Es kostet nur wieder Milliarden. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. und trotzdem beschimpft Europa uns. dass die Griechen mit dem ersten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. Nicht mehr bezahlen. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. Jannis Chavakis für DZ.20/NL 4. was kommt. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben.zeit. »Retten« ist ein hübsches Wort. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. Käme es jetzt zum griechischen haircut. Wellen am sardischen Strand. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. Diejenigen. die EU dabei mitregieren. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen.40/F 5. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. aus dem deutschen Festnetz. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. das zu werden. wenn Europa immer weiterzahlt. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. Doch das heißt nicht. ebenso wie die Deutschen und andere. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. beschlossen hat. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. der sich tief gedemütigt fühlen muss. ZEIT-Stellenmarkt: www. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Europa sollte die Umschuldung wagen. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. J A H RG A N G C 7451 C www. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen.PREIS DEUTSCHLAND 4. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. Gutmenschen nerven. E-Mail: DieZeit@zeit. im Land. so desaströs seine Folgen wären. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Libyen. die Griechen überlegten. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Die entscheidende Frage ist aber nicht. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Viel Geld. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus.00/NOR 60. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. die sie früher nie gewählt hätten.o. was sie auch kostet. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. um Griechenland aus der Krise zu helfen. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. nun gelte es. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. dessen Datum anzunehmen. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. auch nicht beim haircut. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen.de. Sie sind nötiger denn je. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern.jobs. Das klingt weit unattraktiver als das. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. die andere Möglichkeit. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft.

12 12. Mai 2011
ZEITGEIST

DIE ZEIT No 20

MEINUNG

POLITIK

Wer den Griechen hilft
JOSEF JOFFE:

Europa wird für Hellas bluten, um sich selber zu retten
Die Kassandras haben recht behalten: Geld- ohne Politikunion geht nicht. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer- und Ausgabenpolitik – fahren; sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Der Bruchpunkt ist jetzt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer, Athen vorweg, haben so lange so heftig geheizt, bis die Kohle ausging. Der Remeduren sind nur drei: 1. Athen nimmt Dampf weg, also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. 2. Es wird zum europäischen Sozialfall, den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. 3. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Griechenland, ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft, kann nicht sparen. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen, von 325 auf 340 Milliarden Euro. Und blähen sich weiter auf. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt; die Zinsen liegen bei 15 Prozent, die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Wer nun den Griechen Geld leiht, sollte es besser im Kasino verjuxen. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«, sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen), wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht, und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre, bräche das Höllenfeuer aus:
HEUTE: 9.5.2011

Erinnern
Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Hier aber ist das Original zu sehen, nicht die Kopie. So sehen Sieger aus. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein, voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zurückzublicken, auf den Großen Vaterländischen Krieg, den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«, singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern, deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«, singt sie. Und man wünscht diesen alten Herren, dass diese Zeile falsch sein möge. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft, damit fertig zu werden, wer hätte das Recht, darüber zu spotten? F. D.

Mord und Totschläger
Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht
Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden, das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten, wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit, verpufft die Wirkung der Sanktion. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. richtig gemacht, der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Die Beweislage sei einfach, sagen die Staatsanwälte, der Täter habe gestanden, der Tathergang stehe fest, da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Allerdings darf man wohl annehmen, dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Angeklagt wird Torben P. wegen versuchten Totschlags. Das ist ein Mittelweg. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt, meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt, sogar befördert. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Ob Torben P. die bekommt, entscheidet das Gericht, Anklage ist nicht gleich Urteil. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Für Täter und Opfer. Und für die Öffentlichkeit. Deshalb ist es auch legitim, wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird, warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe, das Signal aber ein anderes. Mord ist mehr als ein Totschlag, eine besonders verwerfliche Tat, sei es wegen besonderer Grausamkeit, sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat, die dem Opfer besonderes Leid zufügt, die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat, kommt schon ins Grübeln, ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Nein, es geht nicht darum, eine möglichst harte Strafe zu finden. Es geht darum, das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Wenn einer wie Torben P. von Untersuchungshaft verschont wird, wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme, wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird, dann mag das in jedem Fall begründet sein. Das Routinierte der Nachsicht jedoch, der Eindruck, Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. WFG

Ein Land bleibt cool
Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen
Die Bürger bleiben cool. Am 9. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«, der neuen Volkszählung. Der ersten seit 1987. Volkszählung, das klingt nach historischer Parallele, nach enormem Erregungspotenzial. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer, fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus- und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person, Lebensumständen, Ausbildung und Beruf gestellt. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine, die Brüssel vorschreibt), doch die Deutschen bleiben cool. Bei jenem Thema, das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback), die Spione der Konsumwirtschaft. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Da schert es die Leute auch nicht mehr, wenn der Staat etwas mehr wissen will. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei, Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen, vorzugsweise kalifornische Konzerne. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig, ja zurückhaltend. Vielleicht zu zurückhaltend. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten, das ist nur eine Schätzung, also wird es teurer. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Dabei hatten Statistiker, Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert, weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie), zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und, ganz simpel, zur Heizung (Klimaschutz). Der Staat – im Bestreben, die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. STX

Foto: Mathias Bothor/photoselection

Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

erst ein Run auf griechische Banken, dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Denn die Besitzer müssten kalkulieren, dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert, die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten, was sie erst recht nicht könnten. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland, wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen, um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen- und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille, derweil EU, IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Fazit: Wer den Griechen hilft, hilft seinen Banken. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer, also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.«

IN DER ZEIT
POLITIK
2
Interview Kanzlerin Angela

SACHSEN
13 Medien »Spiesser«-Chef Frank Haring kämpft gegen einen Großverlag VON RALF GEISSLER
Ostkurve
VON JANA HENSEL

WIRTSCHAFT
23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26
VW Der Konzern will jetzt auch

33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung
ThyssenKrupp Der Konzern

FEUILLETON
49
Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral

Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 3 4
Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland

62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod

50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTL-Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie, Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte«
Roman Nicolas Dickner »Tarmac«

REISEN
63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö, das Altbier und das japanische Viertel 67
Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen

Sachsen-Lexikon

startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt ... Armin Falk, Ökonom und Verhaltensforscher?

ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra 5 6 7 8 9
Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen

Krawall-Zuschlag 14 Geschichte Dresdens Bühnen in der NS-Zeit VON ADINA RIECKMANN
Am Start Irina Tarassenko, Landärztin VON M. MACHOWECZ

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Elektroauto Warum es falsch ist,

WISSEN
37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können

nur die Autokonzerne zu fördern 27
Kinderarmut Die Not wird überschätzt, sagen Forscher

Familie und Politik zusammen?
FDP Ein Gespräch mit Philipp

DOSSIER
15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU
Eurovision Song Contest Die Geschichte eines Liedes aus Island

Rösler über seine Regierungspläne
Pakistan Die Islamisten freuen sich

über arabische Revolutionen
Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung

28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal Gegenseitige Schuldzuweisungen
Soziale Netzwerke

CHANCEN
71 Bachelor und Master:
Ein Spezial auf 10 Seiten

55 Margaux Fragoso »Tiger, Tiger« 56
Nachruf auf Gunter Sachs

41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet, Flüchtling zu sein 48 Kinder- und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder«

96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE
Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/audio

kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 12 Volkszählung Gelassenheit
Justiz Der Berliner

57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze«
Kunst Paul Pfeiffer in München

GESCHICHTE
21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen

Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn

59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer«
Kulturkanäle zdf.kultur

U-Bahn-Schläger wird angeklagt

Foto: Denis Sinyakov/Reuters

ZEIT FÜR SACHSEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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OSTKURVE

Oberarmfrei
Am Wochenende wurde uns ein neues Bücherregal geliefert. Zwei junge Herren, der eine in oberarmfreiem T-Shirt, der andere tätowiert an allen sichtbaren Körperstellen, waren mit einem alten Volvo vorgefahren, hatten das recht schwere Ding erst entladen, dann hinaufgeschleppt und schließlich vor den sechs Augen der Familie aufgebaut. Der Typ mit dem oberarmfreien T-Shirt erzählte dabei, dass er schlafwandle und morgens seinen Schlüssel mitunter im Schloss des Briefkastens finde. Was für ein interessantes Thema, dachte ich.
Jana Hensel, 1976 in Leipzig geboren, Autorin des Bestsellers »Zonenkinder«, schreibt hier im Wechsel mit ZEITAutor Christoph Dieckmann

Foto: Jannis Chavakis für DIE ZEIT/www.chavakis.de; Dominik Butzmann (kl.)

Ein Bild von einem Mann: Frank Haring im Konferenzraum seines Dresdner Verlags

Elefant im Zeitungsladen
Frank Haring hat aus der sächsischen Schülerzeitung »Spiesser« ein bundesweites Jugendmagazin gemacht. Inzwischen sieht selbst die »Bravo« in ihm einen ernsten Konkurrenten VON RALF GEISSLER
a ist die Geschichte mit dem Kaffee-Automaten. Eine Mitarbeiterin hatte Münzen eingeworfen und ihr Wechselgeld vergessen. Als sie zurückkehrte, war das Fach leer. Verschwunden, die paar Cent. Frank Haring fackelte nicht lange. Er ließ die Videoüberwachungsbänder der Büroetage sichten, um den Dieb zu entlarven. Eine Stunde Bildmaterial. Selbst wenn es nur um Kleingeld geht, kämpft er mit der Verbissenheit eines Jungen, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Mit dieser Haltung hat er sein Unternehmen groß gemacht. Frank Haring, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jugendzeitschrift Spiesser in Dresden, ist als 34-Jähriger so etwas wie Deutschlands jüngster Pressepate. Angeblich fast 800 000 Mal liegt sein Spiesser bundesweit an Schulen aus. Ein Magazin, in dem Jugendliche für Jugendliche schreiben, angeleitet von Journalisten. Das Heft ist mittlerweile so bekannt, dass der Heinrich Bauer Verlag darin eine Konkurrenz zu seiner Jugendpostille Bravo sieht. Der Verlag zweifelt die Spiesser-Auflage vor Gericht an. »Das wird lustig werden«, sagt Haring und blättert in der einstweiligen Verfügung, die Bauer vor drei Wochen gegen ihn erwirkt hat. 250 000 Euro Ordnungsgeld werden ihm angedroht, falls er weiterhin mit seinen Auflagenzahlen wirbt. »Wir werden das ganz sicher nicht auf uns sitzen lassen«, sagt er. Rein äußerlich würde Haring – schwarzes Shirt, braune Cordhosen – als Juso-Kreisvorsitzender durchgehen. Auch der Anblick seines Dienst-Toyotas vermittelt nicht den Eindruck von einem, der dick im Geschäft ist. Doch Haring verlegt nicht nur eine Jugendzeitung. Er hält Anteile an Dresden Fernsehen, verdient beim Elternmagazin Eltern, Kind + Kegel mit und ist an einem Jugendreisebüro beteiligt. Er engagiert sich bei einem Logistik-Dienstleister, einer Unternehmensberatung und beim »Schulkurier«, der den Spiesser zwischen Nordsee und Alpen verteilt. Kürzlich hat eine seiner Firmen fünf Millionen Euro in einen Solarpark investiert. Es war die Zeit vor Fukushima. Haring hatte mal wieder den Riecher für das richtige Timing.

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Dresdner Pentacon, erster Stock, geflieste Wände. Die alte Einrichtung warf Haring einfach aus dem Fenster. In dem selbst renovierten Raum machte er mit zwei Partnern das kleine Gratisblatt groß. Es erschien fortan in ganz Sachsen. Auch bei McDonald’s wurde es ausgelegt. Zum Idealismus kam der Kapitalismus hinzu. 2006 hatte Haring die Idee, es bundesweit zu versuchen – was manche übermütig fanden. Mit Großverlagen sprach er über eine Beteiligung am Spiesser. Doch es kam keine Kooperation zustande. »Viele wollten den Spiesser irgendwo in ihre Strukturen einsortieren und hätten das Projekt damit sehr wahrscheinlich gegen die Wand gefahren«, frotzelt Haring. Im Herbst 2007 brachte die Spiesser GmbH ihr Blatt im Alleingang in ganz Deutschland heraus, Druckauflage: eine Million Exemplare. Überregionale Zeitungen, auch die ZEIT, zollten Respekt. Ein neues Printprodukt. Aus dem Osten. Für Jugendliche. Es klang märchenhaft. Vor Ort in Dresden sahen es viele nüchterner. Unvergessen ist bei manchem Ex-Mitarbeiter, wie Haring morgens fünf Minuten vor Dienstbeginn an der Pforte stand und jeden ermahnte, der noch nicht am Schreibtisch saß. Man habe zum Vorklingeln zu erscheinen, dozierte er. Wenn er Fehler fand, zog er die Betroffenen noch Wochen später damit auf. Seinen neugeborenen Sohn stellte Haring Kollegen halb ironisch als »Junior-Chef« vor.

maßen sauer, dass er eine eigene Attacke startete. Er schrieb dem Deutschen Presserat, die Bravo habe die Inhalte womöglich nicht ausreichend als Anzeige gekennzeichnet. Das Gremium erteilte in erster Instanz eine Rüge. Auch der Bundesrechnungshof prüfte die Angelegenheit. Zuvor hatte Haring über einen Bundestagsabgeordneten der Grünen eine Kleine Anfrage initiiert. Schließlich wurde sogar Agentur-Chef Frank Weise zur Anhörung nach Berlin geladen. Den Bauer-Verlag verärgerte das alles. Haring sagt: »Ich hatte bei denen noch einen gut.« Bereits 2008 hatte Bauer ihm gerichtlich untersagen lassen, den Spiesser als »größte Jugendzeitschrift Deutschlands« zu bewerben. Denn der Spiesser erscheine nur alle zwei Monate; die Bravo aber jede Woche. Zuletzt mit einer verkauften Auflage von etwa 400 000 Exemplaren. Die jetzige Auseinandersetzung trifft Haring zur Unzeit. Er hat kürzlich seinen Verlagsleiter, die

Anzeigenleiterin, die Verantwortliche für Sonderpublikationen und einen langjährigen Redakteur verloren. Die Fluktuation beim Spiesser war immer schon hoch. Mehrere, die gingen, sagen: Haring sei genial, aber auf Dauer nicht auszuhalten. Ein Mann, der seit seiner Pubertät immer nur Chef war, dem seine Firma alles bedeute. Haring deutet die häufigen Personalwechsel ins Positive um: Sie passten doch gut zu einem Blatt, das jung bleiben wolle. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Spiesser noch heute das Produkt engagierter Schüler. Nach dem Prinzip lässt Haring im Pentacon auch das Magazin Schekker der Bundesregierung erstellen. Außerdem denkt er über ein Jugendmagazin nach, das am Kiosk verkauft werden soll. Das dürfte den Bauer-Verlag noch mehr erzürnen. Doch Haring braucht das Kämpfen zum Leben. Der Gegner ist groß, aber er sollte sich abwehren lassen. Irgendwie hat Haring ihn sich ja auch erarbeitet.

Aber oberarmfrei ist ja eigentlich auch ein interessantes Wort, nicht wahr? Selbst wenn es das, was ich sagen will, hier nicht ganz trifft. Schließlich braucht man bekanntlich seine Oberarme, um so ein schweres Bücherregal aufzubauen. Oberarmunbedeckt wäre besser. Einige Leser denken jetzt wahrscheinlich: »Ja, ja, Handwerker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.« Diesem Eindruck möchte ich entschieden entgegentreten. Die beiden jungen Herren bildeten nämlich eine rühmliche Ausnahme. In der Regel sind Handwerker in einem erschreckenden Ausmaß so geblieben WIE FRÜHER. Ich musste das in den vergangenen Wochen oft am eigenen Leib erfahren, indem ich mich mehr als einmal schier auf den Boden warf, um einen Termin zu ergattern. Nun fiel mir das Buch Du und Deine Wohnung. Heimwerkertips in die Hände. 11. Auflage, OstBerlin 1977. All die Mischbatterien, Auslaufventile, Kohlebadöfen, Heißwasserspeicher, Geruchverschlüsse (Trapse) und Spülkästen: Ich könnte sie nun theoretisch allein reparieren, müsste keinen Handwerker mehr anflehen. Wie schade, dass es die Geräte nicht mehr gibt.

SACHSEN-LEXIKON

Krawall-Zuschlag, der. Aufpreis für Fußballspiele mit erhöhtem Randale-Risiko. »Wir wollen«, erklärt Innenminister Markus Ulbig (CDU), »dass bei Risikospielen ein bis drei Euro höhere Eintrittspreise erhoben werden.« Zu oft bleibe er »auf den Kosten sitzen«, wenn Polizisten Hooligans im Zaum hielten. Fans fordern, den Krawall-Zuschlag fairerweise auch auf die sachsenweit wichtigste Krawall-Fraktion um Holger Zastrow (FDP) auszuweiten. Im Fußball, heißt es, wären Leute, die so oft gelb provozieren, ja längst aus der Arena geflogen. MAC
S

Haring, heißt es, sei genial – aber auf Dauer nicht auszuhalten
Immerhin bezahlte er leidlich und schulte junge Journalisten, die er eines aber nicht lehrte: die strikte Trennung von Redaktion und PR. Mehrfach vergaß der Spiesser, werbliche Inhalte im Blatt zu kennzeichnen. Noch im November verurteilte das Landgericht Berlin die Zeitung, weil eine Sonderveröffentlichung der Supermarktkette Kaufland nicht als Anzeige ausgewiesen war. Er bewundere Stefan Raab, sagt Haring, weil über dessen Sportsendungen »Dauerwerbesendung« stehe und die Quoten trotzdem stimmten. Wer Haring begegnet, vergisst ihn so schnell nicht mehr. Er ist ein Getriebener, der nicht lockerlässt. Auch einer, der einschüchtern kann. Und er ist voller Ideen. Haring hat sich die »Spiesser-WG« ausgedacht: Abiturienten arbeiten ein Jahr für Haring, verdienen kleines Geld, wohnen aber kostenlos. Er erfand die Vertretungsstunde mit Prominenten. Das Prinzip: Musiker, Schauspieler oder Politiker geben in einer Schule Unterricht – und der Spiesser schreibt darüber. Haring initiierte auch den Jugendbildungsverein Sachsen. Redakteure gaben Workshops, Vereinsleute organisierten Anzeigen. Es war für Außenstehende ein ziemliches Durcheinander. Kommerziell? Ehrenamtlich? Schwer zu sagen. Wie viel Geld sie mit dem Blatt verdienen, müssen Haring und seine zwei Partner nicht offenlegen. Fest steht, dass er selten mehr ausgegeben hat als nötig. Um Dienstreisen billig zu halten, teilt er sich mit Kollegen auch mal ein Doppelzimmer. Im Intranet, erzählt ein Mitarbeiter, informierte er im vorigen Jahr über die Vorzüge von Rabatten für Journalisten. Dadurch habe er selbst in seinem Urlaub 300 Euro gespart. Man darf annehmen: Das Geld floss in neue Projekte. »Ich bin«, schreibt Haring in einer E-Mail, »sowohl von meinem Körpergewicht als auch vom Gedächtnis her der Kategorie Elefant zuzuordnen. Das heißt, ich vergesse selten.« Vor vier Jahren bemühte er sich um Aufträge der Bundesagentur für Arbeit. Doch den Zuschlag erhielt die Bravo – für eine Anzeigenserie unter dem Titel »JobAttacke«, Auftragswert: etwa 700 000 Euro jährlich. Frank Haring war über seine Schlappe der-

Der Gegenspieler ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz
Die meisten seiner Firmen haben dort ihren Sitz, wo auch der Spiesser zu Hause ist: im Dresdner Medienkulturhaus Pentacon. Es ist Harings Festung. Und sie wird angegriffen. Aus dem Hinterhalt, wie er meint. Schon im März habe der Bauer-Verlag versucht, bayerische Schulleiter einzuschüchtern, indem er anfragte, auf welcher rechtlichen Grundlage der Spiesser bei ihnen ausgelegt werde. Bauer ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern. Angesichts dieser Zahlen klingt es zunächst wie ein Witz, wenn es aus dem Unternehmen heißt: »Wir wollen, dass zwischen Bravo und Spiesser wieder Waffengleichheit herrscht.« Frank Haring meint: »Die wollen uns fertigmachen.« Er lümmelt auf seinem Bürosessel wie in einem Liegestuhl, die Lehne weit hinten. Ein Provokateur, oft unterschätzt, sächsisch schlau. Frank Haring war 17, als er mit seinem Jugendfreund Konrad Schmidt den Spiesser gründete. 5000 Exemplare brachten sie von 1994 an persönlich an die Dresdner Schulen. Die Redaktion traf sich im Keller des Hülße-Gymnasiums, wo hinter vergitterten Fenstern zwei Dutzend Computer standen. Täglich um 19.30 Uhr schaltete der Hausmeister den Strom ab, und Flüche hallten durch den Flur – von jenen Mitarbeitern, die ihre Texte nicht gespeichert hatten. 1997 bezog die Redaktion eine ausgediente Küche im

14 12. Mai 2011
AM START

DIE ZEIT No 20

ZEIT FÜR SACHSEN
ie Dresdner haben es nach Hitlers Machtübernahme besonders eilig. Schon fünf Wochen später, am 7. März 1933, brennen Fahnen und Bücher in einem Feuer vor der Volksbuchhandlung beim Schloss. Am selben Tag stürmt der Schauspieler und NS-Sympathisant Alexis Posse mit 60 Gleichgesinnten die Rigoletto-Probe in der Semperoper und erklärt den Dirigenten Fritz Busch für abgesetzt. Dessen Vergehen: »Verkehr mit Juden« und die Beschäftigung »jüdischer und ausländischer Sänger«. Am Abend beweist sich, dass dies alles kein Spuk war. Bis hoch in den 4. Rang sitzt Hitlers SA. Nicht aus Liebe zu Verdi haben ihre Mitglieder die Karten gekauft, sondern um die Reihen mit Braunhemden zu füllen. Seit 1922 hat Fritz Busch in Dresden mit spektakulären Uraufführungen von sich reden gemacht. Unter seiner Leitung katapultiert sich die Semperoper an die Spitze der Musikmoderne. An diesem 7. März 1933 aber schreien ihn die Dresdner nieder. Busch blickt seine Musiker lange an, die aber schweigen. Ohne den Taktstock erhoben zu haben, verlässt der Westfale die Bühne. »Aus!!!«, vermerkt er in seinem Kalender über sein Ende, aus Protest verlässt Busch nicht nur Dresden, er geht aus Deutschland weg. Mit dem Dirigenten wird sein ganzes Leitungsteam beurlaubt, vom Generalintendanten bis zum Spielleiter der Oper. Es ist ein Signal. Ausnahmslos alle jüdischen Ensemblemitglieder in Dresden müssen gehen, viele verstummen für immer. Die Sängerin Therese Elb und der Musikdirektor Arthur Chitz werden nach Riga deportiert und dort ermordet; die Schauspielerin Jenny Schaffer stirbt in Auschwitz. »Diese öffentliche Vertreibung«, sagt Hannes Heer, »war ein einmaliger Vorfall. Es waren ja keine SALeute von außerhalb, die mit einem Putsch die Staatstheater übernommen haben, wie immer behauptet wird. Die Machtergreifung hat von innen heraus stattgefunden. Die eigenen Leute haben die Kollegen verjagt, kühl und kalkuliert.« Der Hamburger Historiker arbeitet seit dem Jahr 2006 an dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ,Juden‘ aus der Oper 1933 bis 1945. Er widmet sich einem kaum untersuchten Kapitel des deutschen Kulturlebens zwischen den beiden Weltkriegen: der systematischen »Säuberung« der deutschen Opern- und Schauspielhäuser von »jüdischen« und »politisch untragbaren« Ensemblemitgliedern. Heer hat darüber bereits an den Staatsopern in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt geforscht; die Ergebnisse in Dresden aber empfindet er als besonders bedrückend. »Es war ja nicht Alexis Posse als Gaukunstwart allein, der den künstlerischen Exodus in Dresden ermöglicht hat. Es waren die ultrakonservativen Bildungsbürger, die in den 1920er Jahren Stücke wie das Kriegsheimkehrer-Drama Hinkemann von der Bühne gefetzt und mit der Judenhetze begonnen haben.« Der von Heer neu recherchierte Teil der Wanderausstellung zeigt deutlich, dass dieser 7. März 1933 Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik war, die als Kampf gegen den »Musikbolschewismus« und die »entartete Kunst« schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten propagiert und von großen Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde. Auch wenn Dresden als Vorreiter des Expressionismus gilt – die Stadt war ebenso ein Zentrum des Widerstandes gegen die verhasste Moderne. 1920 gründet sich hier die völkische Organisation Deutsche Kunstgesellschaft. Sie bekämpft mit einem kostenfrei verschickten Nachrichtendienst zeitkritisches Musiktheater oder unliebsame Künstler. Besonders die völkische, verdeckt antisemitische Besucherorganisation Bühnenvolksbund greift diese Vorstöße auf: Vehement zieht sie gegen die an den Musik- und Sprechtheatern betriebene »Entsittlichung, Entgöttlichung und Entnationalisierung« zu Felde. Vor allem das Bildungsbürgertum in Dresden erkennt sich in derartigen Schmähungen wieder. Der Schauspieler Alexis Posse wird nun aktiv. Er gründet Ende 1930 eine »Theaterfachgruppe der NSDAP« – gemeinsam mit Kollegen, Tänzern und Musikern. Wenn man mit Heer über die neue Ausstellung spricht, wird sein Ton sehr bestimmt: »Diese Nazizelle an den Staatstheatern war deutschlandweit einzigartig. Die haben Klartext gesprochen: ›Wir sind keine braune Gewerkschaft, sondern eine Kampftruppe der Partei‹«, sagt Hannes Heer: »Die konnten sich bei der Durchführung ihrer regelmäßigen ›Kunstabende‹ auf ihre Kollegen verlassen. Das macht die Geschichte so schwie-

Ende des Notstands
Wie Niederwiesa nach einem Jahr eine neue Landärztin gefunden hat
Wenn man in Niederwiesa bei Chemnitz den Arzt ruft, kommt neuerdings eine Frau aus Semipalatinsk: Irina Tarassenko, 39, geboren im 4500 Kilometer entfernten Ostkasachstan, sitzt in ihrem Behandlungszimmer. Sie trägt das Haar wie eine Löwenmähne, es ist eine einzige rotbraune Welle. »Hausärztin, dafür bin ich geboren, no«, sagt sie. Irina Tarassenko hat zu Hause in Semipalatinsk Medizin studiert, das »no« hängt sie an alle Sätze, und in jedem ihrer deutschen Wörter liegt noch die Würze des Kasachischen, ihrer Muttersprache. Tarassenko ist einer der Menschen, nach denen Sachsen in ganz Europa fahndet. Sie wird geliebt in Niederwiesa, weil sie die alte Hausarztpraxis wiedereröffnet hat: Ein Jahr lang stand diese leer, ein Jahr lang hatten 5000 Erzgebirgler im Tal der Zschopau niemanden, der sie kuriert. Wolfdieter Kühn, den hier alle nur den Doktor nennen, ist in Rente seit dem 31. März 2010. Für Bürgermeister Dietmar Hohm, 66, einen Mann mit grauem Vollbart, begann an diesem Tag »die schlimmste Zeit«. Die Bürger marodierten wie seit 1509 nicht mehr, damals hatten sie Chemnitz den »Bierkrieg« erklärt. Nun wollten die Menschen, dass Hohm ihnen endlich einen neuen Arzt präsentiert. Er sanierte erst mal das Praxisgebäude, für 320 000 Euro. Dann blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Im vergangenen November berichtete die ZEIT (Nr. 45/10) über Niederwiesas Arztnotstand und Sachsens Bemühungen, ausländische Mediziner anzulocken. Mindestens 150 Landärzte finden im Freistaat keinen Nachfolger, unzählige Vorschläge sind im Gespräch: von der Aufweichung der Zulassungsbeschränkungen an den medizinischen Fakultäten bis zu »rollenden Praxen«. Die Landesärztekammer gründete ihre Koordinierungsstelle »Ärzte für Sachsen«, die neuerdings sogar bei Facebook nach Medizinstudenten fahndet. Tarassenko, seit einigen Jahren am Chemnitzer Krankenhaus, las von Niederwiesas Problem, fuhr in den Ort und befragte Bewohner: »Würden Sie, wenn jemand die Praxis übernähme, wiederkommen?« Natürlich, sagten die Niederwiesaer. »Das hat alles beeinflusst«, sagt Tarassenko: »dass man hier gebraucht wird. Natürlich ist Angst im Spiel, wenn man so einen Schritt geht. Aber hier kennen dich die Patienten,

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Fotos: ullstein (u.r.); Martin Machowecz (l.); kl. Fotos (im Uhrzeiger): U. Richter (Dirigent Fritz Busch); A. Pieperhoff/Archiv der Staatsoper Dresden (Sängerin Margit Bokor); Archiv des Staatsschauspiels Dresden (Schauspielerin Jenny Schaffer, Schauspieler Martin Hellberg)

rig, so schmerzhaft.« Für Jens Hommel, der gemeinsam mit Heer die Ausstellung konzipiert hat, passen die Recherche-Ergebnisse nicht so recht ins Selbstbild seiner Stadt: »Noch immer finde ich viel zu oft das schwarz-weiße Faschismusbild aus DDR-Zeiten in den Köpfen vor: Hier die braunen Horden als ›Helfershelfer des Monopolkapitals‹ – da die Bürger vom Stadtteil Weißer Hirsch, die aufgrund ihrer kulturellen Affinitäten immer immun blieben für totalitäre Ideologien«, sagt der gebürtige Dresdner. »Die Erzählungen über Barbarei in der Stadt beginnen oft erst mit 1945. Das stößt mir inzwischen bitter auf.« Kurator Hannes Heer, der vor Jahren mit der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, erinnert sich, seine Recherchen in Dresden seien kompliziert gewesen. Anfangs hätten die Archivare immer gleich erklärt: Es gibt nichts mehr, weder Akten der Verwaltung, noch Personalpapiere. Alles verbrannt. Doch gegen Ende der Arbeit entdeckte Heers Team, dass von den Ensemblemitgliedern, die 1945 wieder am Theater beschäftigt wurden, die alten Personalakten doch noch existierten: »Sie waren einfach – gesäubert und frisiert – in die neuen mit eingearbeitet worden. So konnten viele, ähnlich wie in Westdeutschland, ihre Nazivergangenheit abschütteln und erneut Karriere machen.« Heer berichtet, und die Aufregung ist ihm noch anzumerken, von einem weiteren Fund: einem 1918 begonnenen handschriftlichen Verzeichnis mit 850 Namen von Arbeitern der Semperoper. Von 1941 an sind in dem Personaljournal auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verzeichnet, ohne die der Theaterbetrieb wohl zum Erliegen gekommen wäre. Hunderte. Damit sei ein Thema aufgetaucht, sagt Heer, das er bei früheren Recherchen nie zu fassen bekommen habe. »Es gab

Braune Dramen
Machtergreifung an der Semperoper: Eine Ausstellung räumt mit der Legende auf, Dresden sei in der NS-Zeit eine unschuldige Kulturstadt gewesen VON ADINA RIECKMANN
Gerüchte, aber ich konnte bisher nie etwas beweisen. Und dann steht das hier Schwarz auf Weiß.« So fügt die Arbeit der Historiker dem Geschichtsbild Dresdens einige neue Facetten hinzu. Die Stadt, sagt Staatsschauspiel-Intendant Wilfried Schulz, sei oft vergangenheitssehnsüchtig – unter Aussparung aller Schmerzpunkte. Ähnlich hat er das auch schon zum Gedenktag 13. Februar gesagt, an dem seit Jahren Tausende Neonazis in der Stadt aufmarschierten. Anstatt das alles nur zu beklagen, macht Schulz sich das Thema zu eigen. Theater, sagt er, müsse sich doch als Spiel- und Erinnerungsort produktiv mit seiner Geschichte beschäftigen; erst recht, wenn sie hoch unmoralisch sei. In diesem Jahr prangte am 13. Februar weithin sichtbar ein Banner an der Semperoper. Darauf stand: »Es ist noch wichtiger, sich anständig zu benehmen, als gute Musik zu machen«. Ein Zitat des Dirigenten Fritz Busch. Das hoch gehängte Statement stieß bei einigen in der Stadt auf Unverständnis. Und auch ein paar Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sahen es nicht besonders gern: Als Musiker, so lautete der Einwand, sei man schließlich unpolitisch. Ulrike Hessler, die Intendantin der Semperoper, teilt diese Ansicht nicht. Das Banner war eine Idee des Personalrates gewesen. Eine Idee, die Hessler, ohne zu zögern, aufgriff. »Was mich besonders schockiert, ist die Aktualität dieses Themas«, sagt sie über die NS-Geschichte ihres Hauses: »50 Ensemblemitglieder mussten gehen, viele auch, weil sie politisch nicht genehm waren.« Wenn sie im Jahr 2011 nach Ungarn schaue und sehe, dass an der Budapester Staatsoper der Chefregisseur und der Generalmusikdirektor entlassen wurden, weil sie der Regierung aus ähnlichen Gründen nicht passen, »dann erinnert mich das sehr an den 7. März 1933«.
Die Ausstellung »Verstummte Stimmen« ist vom 16. Mai bis 13. Juli in den Foyers von Semperoper und Staatsschauspiel Dresden zu sehen; Eintritt frei. www.verstummtestimmen.de

Die Ärztin Irina Tarassenko, 39, kam vor rund zehn Jahren aus Kasachstan nach Chemnitz

sie akzeptieren dich.« Sie hätte auch in der Großstadt bleiben können, in Chemnitz lebt sie mit Mann und Kindern, Praxen stehen dort ebenfalls leer, aber Tarassenko sagt: »In Chemnitz gibt es Ärzte genug.« Im Oktober soll in Niederwiesa ein Seniorenheim eröffnen, 48 Zimmer, viele Patienten, »ein Pflegeheim der vierten Generation«, sagt der Bürgermeister. »Ein Jahr lang waren wir ziemlich in Schwulitäten.« Nun werde alles gut. Die Ärztin kuriert seinen Ort. MARTIN MACHOWECZ
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Kultur-Führer: Hitler grüßte 1934 vor der Semperoper. Der Dirigent Fritz Busch (oben links) und andere Künstler waren schon verbannt worden

Mensch. Genscher Nr. 5. 20 12. 2011 Siebeck reitet ein Kamel. Seite 30 .

Was wird nur aus seiner FDP? Ihr Ehrenvorsitzender macht sich Gedanken. Und zieht seine Lebensbilanz .

was in diesem Heft passiert 30 20 34 Wolfram Siebeck in Ägypten Zu Besuch bei legendären Gärtnern 6 8 10 11 12 26 28 44 45 46 49 54 Uhren und Schmuck finden zusammen Harald Martenstein über einen Traumjob. den man auch gut nebenher erledigen kann Eine Leuchte. es knallt: Neonfarben sind der Trend der Saison Der Auffahrunfall – oder die Kunst. Marcus Gaab 5 . die man auf dem Schirm haben sollte Warum wird in Magdeburg so viel gemordet? Eine Deutschlandkarte Wie viel sollte einem ein Kindermädchen wert sein? Hans-Dietrich Genscher blickt auf sein manchmal sehr gefährliches Leben zurück Die Sängerin Kate Bush über den Song ihrer Träume Der Fotograf der Lüfte: Paolo Pellegrin überfliegt New Orleans Hauptsache. Marco Valdivia.I N H A LT N R . 2 0 Alles. miteinander zu reden Waldmeister der Herzen Dürfen alte Männer Fantasien von jungen Frauen haben? Wie der Schauspieler Robert Hunger-Bühler fast ertrunken wäre Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos Jonas Unger Fotos Inhalt Barbara Siebeck.

6 Zu hören unter www. Michael Ortmann zieht seine Bahn als Terrorexperte bei RTL. nämlich Joachim Hagen und Holger Schmidt. es handelt sich also um den letzten echten Männerberuf. Das ist für junge Leute heutzutage sicher nicht die schlechteste Perspektive. Rufe nach einer Frauenquote wurden bisher nicht vernommen. Den Beruf des Seifensieders gibt es nicht mehr. so wenig wie den Harzer oder den Haderlump. Diese Eigenschaft teilt er freilich mit den Juristen. wie sich ein Terrorismusexperte am Feierabend entspannt. wahrscheinlich wegen der föderalen Struktur dieses Senders. Die ARD leistet sich. Darüber. offiziellen Terrorismusexperten.zeit. Daneben gibt es den Typus des freiberuflichen. so hat es die Figur »Terrorexperte Marcus Heuser« in der Fernsehserie GSG 9 zu einem gewissen Ruhm gebracht.und Kunstexperte Dr. Der Boom ist auch in der Unterhaltungskunst nicht unbemerkt geblieben. Der Terrorismusexperte muss. der nicht unumstrittene Dr. zum Beispiel Terrorexperte. Nachdem er den Menschen an den Bildschirmen den Terror erklärt hat. Einstweilen darf ein historisches Studium als ideale Voraussetzung gelten. auch kein Studienfach Terrorforschung. Der Beruf des Terrorismusexperten ist von einer stark schwankenden Auftragslage gekennzeichnet. dass es unter den deutschen Terrorexperten keinen einzigen Bartträger. Alle Sender beschäftigen.HARALD MARTENSTEIN Über den Traumjob Terrorismusexperte: »Es handelt sich um den letzten echten Männerberuf« Die Welt – ein Werden und Vergehen. Auffällig ist. spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center. Der CNN-Experte gilt als führend. und im Internet tritt gelegentlich. Den originellsten Einstieg in diesen jungen Beruf hat der Terrorwart des Senders RTL gefunden. hat bisher allein Joachim Hagen. Theveßen arbeitet in terrorismusarmen Phasen als Experte für Wirtschaftskriminalität und stellvertretender Chefredakteur des ZDF. Fremdsprachenkenntnissen und sicherem Auftreten vor der Kamera. diesen Weg sind unter anderem Theveßen und Hagen gegangen. Mir fallen im Fernsehen aber oft neue Berufe ins Auge. Bevor Michael Ortmann sich der Terrorforschung zuwandte. Hagen war Reporter bei der Kieler »Welle Nord«. als Parodie. den Medizinern und den Bestattern. deren Angehörige ohne Verbrechen. einen eigenen. Das ZDF geht mit Elmar Theveßen an den Start. senderunabhängigen Terrorismusexperten. sogar zwei Terrorexperten. Auskunft gegeben. der »Terror. ARD. hört er zu Hause Opern. Bergen dagegen hat 1997 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Osama bin Laden geführt. Für die Ausbildung zum Terrorexperten gibt es noch keine Norm. Immerhin verdient er sein Brot mit einer sehr unerfreulichen Zeiterscheinung. Udo Ulfkotte und der ehemalige ZEIT-Kollege Michael Lüders. hat er sich als Regisseur künstlerisch mit misslingenden menschlichen Beziehungen befasst. er heißt Peter Bergen. Illmar Ernesto von den Wicken« auf. eine gewisse seelische Stabilität mitbringen. keine Person mit Migrationshintergrund und auch keine einzige Frau zu geben scheint. Lüders schreibt Romane (zuletzt: Blöder Hund). Thamm ist im Zweitberuf Drogenexperte.de / audio Illustration Fengel . im Jahre 2000 inszenierte er den Film Die frechsten Seitensprünge der Welt. Krankheit und Tod ja ebenfalls arbeitslos wären. das ideale Eintrittsbillett zum Terrorismusexpertentum. Thamm ist gelernter Diplom-Sozialpädagoge und hat als Streetworker den Umgang mit unberechenbaren Individuen sozusagen hautnah gelernt. zu dem Berndt Georg Thamm zu zählen ist. Deshalb haben die meisten Experten sich ein zweites oder sogar mehrere weitere Standbeine geschaffen. neben einer guten Allgemeinbildung.

Hare. von Raw Edges für Materia H Die Ausstellung der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton in der New Yorker Metropolitan Opera heißt »WAGNER« und wurde vom »Ring« inspiriert. Carol Körting. bekommt nur den oberen Teil aus Kork – den Schirm darf er sich selbst aus Papier basteln und anpinnen. Die Schuhe bekommt man bei einem französischen Online-Shop-Seite für Männer: Studiohomme. Oder: Schmuddelkram mit Niveau Ann-Kathrin Carstensen und Ana Nuria Schmidt vom MODELABEL »Rita in Palma« arbeiten mit türkischen Näherinnen zusammen: Aus traditioneller Häkeltechnik entstehen moderne Accessoires Fotos Shay Alkalay. Es muss ja nicht immer Südtirol sein Dieses BUCH aus dem Wagenbach-Verlag heißt »Reizpartie« und bietet »Variationen über eindeutige Absichten«. die Engländer machen mal wieder die besten MÄNNERSCHUHE – und zwar bei der Firma Mr. Ich halt das nicht mehr länger aus« TAGEBUCHEINTRAG vom 2. ein kleines.com . »Pinha«. Name Namerich / Agentur. Carsten Kofalk. Der Besuch lohnt sich doppelt. feines Restaurant mit HOTEL und ganz viel Land drumrum. April 1990. studiohomme. denn es wird auch die »Walküre« gespielt »Mama will für die Hose nur was zuschießen. Tom Powel. Carol Körting.com H Wie sein Kollege Gérard Depardieu baut der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant Wein an – wir empfehlen den WEISSWEIN Blanc de Garance von seinem Gut Rouge Garance in der Provence Im belgischen Heuvelland. mit dem das Buch »Wir waren jung und brauchten das Gel – Das Lexikon der Jugendsünden« von Lisa Seelig und Elena Senft beginnt Ach. gibt es »In De Wulf«. ungefähr 130 Kilometer von Brüssel entfernt.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Wer diese LEUCHTE kauft.

Vielleicht gibt es wie bei Selbstmorden auch bei Morden eine ansteckende Wirkung. Aber was bitte war da in Halle und Magdeburg los? Die beiden Städte hatten im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit Abstand die meisten Fälle. gegen 21. Gut. Kiel. wie das Fernsehen lehrt).Deutschlandkarte MORD UND TOTSCHLAG Kiel 2 Essen 5 Duisburg 3 Düsseldorf 2 Gelsenkirchen 2 Recklinghausen 2 Herne 1 Moers 1 Mülheim 1 Oberhausen 1 Bochum 0 Bottrop 0 Krefeld 0 Neuss 0 Rostock 1 Lübeck 2 Bremerhaven 2 Oldenburg 3 Bremen 4 Hamburg 18 Hannover 5 Osnabrück 3 Hildesheim 1 Bielefeld 0 Paderborn 3 Braunschweig 2 Wolfsburg 0 Potsdam 0 Salzgitter 0 Magdeburg 8 Berlin 61 Münster 1 Hamm 1 Cottbus 1 Halle 8 Leipzig 4 Jena 1 Dresden 2 Chemnitz 2 Mönchengladbach 3 Leverkusen 0 Aachen 1 Köln 7 Dortmund 2 Göttingen 1 Hagen 0 Kassel 1 Wuppertal 4 Solingen 1 Remscheid 1 Erfurt 4 Siegen 1 Bergisch Gladbach 1 Bonn 1 Frankfurt 9 Offenbach 1 Darmstadt 1 Mannheim 0 Heidelberg 1 Würzburg 0 Fürth 2 Koblenz 0 Wiesbaden 3 Trier 3 Mainz 0 Ludwigshafen 2 Kaiserslautern 3 Saarbrücken 1 Erlangen 2 Nürnberg 0 Regensburg 1 Karlsruhe 2 Pforzheim 1 Reutlingen 3 Heilbronn 0 Stuttgart 5 Augsburg 0 Ulm 1 München 4 Ingolstadt 2 Freiburg 1 Mord.30 Uhr wird nachgelegt. Es entsteht der Eindruck. dass auch in den gar nicht so großen Städten viel gemordet wird. Münster und Saarbrücken hatten 2009 zusammen gerade mal sechs Tote. im Osten sind schon seit Jahren ein paar mehr Opfer zu beklagen als im Westen (es bringen sich also nicht nur die Reichen gegenseitig um. weit vor Berlin. Die Wirklichkeit ist zum Glück etwas friedlicher.und Drittmord.und Totschlagsfälle im Jahr 2009 in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mehr Im Tatort geht der Trend ja zum Zweit. Man liest in der Zeitung von einem Mörder und denkt sich: Eigentlich könnte ich ja auch… Läuft es so? Die Tatorte wirken zum Glück nicht so. Münster war in den Jahren zuvor mehrmals mord. Die Tatort-Städte Ludwigshafen. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Quelle Polizeiliche Kriminalstatistik .und totschlagfrei. Um 20. München hatte auch nur vier.18 Uhr liegt der Erste tot da.

dass Brangelina (wie man das Paar gern uncharmanterweise zusammenfasst) sechs Kinder haben und angeblich sechs Nannys brauchen. die ebenso gut in der Vorstandsetage eines Konzerns arbeiten könnten? Indes dürfen wir nicht vergessen. ergab die Erkenntnis. aber noch keineswegs übertrieben gewesen. Teilt man die 900 000 Dollar entsprechend. neulich unter den beschränkten Verhältnissen der deutschen Mittelschicht angestellt. in dem Krethi und Plethi einen Vorstandsvorsitz erobern. was den Klatsch über das Privatleben der Stars so anziehend macht – dass es ins Ungeheure steigert. nämlich 900 000 Dollar Jahresgehalt für die Kindermädchen. sind Menschen. die Brangelina bisher hatten. sollen im letzten Jahr allein zehn Millionen Dollar für ihre Kinder ausgegeben haben. vielleicht letzte Luxus. als Kindermädchen verstehen. bleibt vermutlich immer noch eine erstaunliche Summe übrig. heißt es. dass für die Beaufsichtigung von zwölf Kindern im Garten zwei Kindermädchen jedenfalls zu wenig sind. sind keine Verstiegenheit. Mit anderen Worten: Die sechs Mädchen für sechs Kinder. Chauffeur oder. Jens Jessen Foto Saul Lazo/BULLS / Fame 11 . die sich noch mit Liebe und Leidenschaft als Köchin. Wir kannten eine Dame am Berliner Wannsee. Aber was heißt schon üppig bei Dienstboten? Auch Löhne sind Knappheitspreise. die Charter von Privatflugzeugen und die Rechnungen von Luxushotels. was nur in Hollywood für den Nachwuchs aufgewendet werden muss. Gärtner. was auch wir aus unserem Alltag kennen: Kinder sind teuer. war eine – Prinzenrolle. die sich mit knapper Not noch einen Butler leistete. Ein Experiment.Gesellschaftskritik Nicht im Bild: Die Nannys der Familie Jolie-Pitt Über Kinderbetreuung Angelina Jolie und Brad Pitt. Sie leisten sich die Nannys. Selbst wenn man abzieht. Was sind das für Kindermädchen? Prinzessinnen? Harvard-Absolventen. Da kommen selbst reiche Leute an finanzielle Grenzen. vier wahrscheinlich angemessen. kommt man auf immer noch üppige 150 000 als Jahresgehalt. eine Mangelware. horribile dictu. So gesehen. weil sie wahrscheinlich erkannt haben: Kinder sind der wahre. Dolle Sache! Vielleicht ist es das. leben wahrscheinlich auch Brangelina nicht mehr in Saus und Braus. Drei wären besser. aber was dieser auf dem Silbertablett den Gästen reichte. Im egalitär verwahrlosten Westen.

der Übervater der FDP. Momente zwischen Leben und Tod und eine Leiche. die eines Tages auf seiner Terrasse lag . über die Krise seiner Partei.»Es war schwierig. ein normales Leben zu führen« Hans-Dietrich Genscher.

Außenpolitik darf nicht als geheime Kabinettspolitik behandelt werden. Ich bin oft kritisiert worden. gefühlt bin ich demnach schon 130 Jahre dabei. hat es nicht leicht. dass er einen personellen Neuanfang ermöglicht. Jeder Tag rechnet doppelt. die schwerste seit Gründung der FDP. sie muss wertorientiert. dass sich Deutschland der Stimme enthielt? Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat in New York erklärt. könnte uns sagen. derentwegen er als Jugendlicher jahrelang in Kliniken und Heilanstalten lag. Ich werde mich nicht hinstellen und eine hoch motivierte junge Generation wie Kinder auf die Bühne 13 . Diese wird zunehmend sichtbar. Was wir jetzt erleben. Aber es gibt auch Fragen. Ich habe gelernt. Allerdings lag es im allgemeinen Trend. Zwei Vormittage verbringen wir mit ihm in seinem Haus am Waldrand oberhalb von Bonn-Bad Godesberg. Wer mit ihm. und schon steht da der Staatsmann Souvenir aus seiner Amtszeit: Den Säbel bekam Genscher bei einer seiner Reisen geschenkt views dargelegt habe. Was dachten Sie. Ihrer alten Heimat. Er muss Vertrauen nach innen und nach außen wiederherstellen. was derzeit mit der FDP passiert? Die Partei ist schon durch viele Täler gegangen. dass ich meine Außenpolitik. Genscher wird uns die erstaunliche Sammlung seiner Bilder an der Wand erklären. und er wird von der größten Zäsur seines Lebens erzählen – seiner Tuberkuloseerkrankung. über die Krise des Außenministers Guido Westerwelle spricht. Was ist jetzt zu tun? Das Potenzial der Partei ist eine ausgezeichnete jüngere Generation. Das war für mich das Gespräch mit den Bürgern. Wir erfahren viel über die Mächtigen dieser Welt. wenn nicht Sie. damals ägyptischer Staatspräsident. der Inkarnation des deutschen Außenministers. davon. In einer offenen Gesellschaft muss sie von der Öffentlichkeit mitgetragen werden. Vor wenigen Wochen bin ich in meiner Heimatstadt Halle gewesen. dass die FDP-Mitgliedschaft anstrengend ist.Eine Leinwand als Hintergrund reicht. Guido Westerwelle verdient Respekt dafür. ist eine schwere Vertrauenskrise. Was werden Sie den Delegierten auf dem Parteitag ins Stammbuch schreiben? Das ist nicht meines Amtes. Dort bin ich vor 65 Jahren Mitglied der liberalen Partei gewor- den. dürre Diplomatenworte. lange Pausen – man kann ahnen. Zum Beispiel der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko und Hosni Mubarak. Was erwarten Sie von Philipp Rösler? Von ihm wird Führungsstärke und Entscheidungskraft erwartet. dass die FDP in Sachsen-Anhalt. gar nicht mehr in den Landtag gekommen ist? Natürlich hat mich das besonders geschmerzt. in Inter- Besuch bei Hans-Dietrich Genscher.und Personalfragen. indem er nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. Er hat recht. In diesen Tagen fragt man sich: Woran ist gute Außenpolitik zu erkennen? Sie muss perspektivisch angelegt sein. Welche Niederlage hat in letzter Zeit am meisten geschmerzt? Womöglich. als Sie von der Abstimmung bei den Vereinten Nationen zum Hilfseinsatz in Libyen hörten. man solle diese Debatte beenden. Dazu kommen erfahrene Liberale mit Blick und Verständnis für die Zukunftsfragen. wer. In Wahrheit geht es jetzt um ein Konzept des Westens. konsistent und berechenbar sein. wie er die Freiheitsentwicklungen in der arabischen Welt wirksam unterstützen kann. Von HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS und STEPHAN LEBERT Fotos JONAS UNGER Herr Genscher. Das gilt in Sach. der schon am Boden liegt. sie hat viele Zerreißproben überstanden. Schweigen. Nur so konnte Deutschland nach Hitler das Vertrauen der Welt wiedergewinnen. von denen so manche hier vor dem Kamin gesessen haben. dass es ihm auch um Anstand geht: Man schlägt auf niemanden ein. bei denen Hans-Dietrich Genscher verstummt. sooft es ging.

Davon war ich 23 Jahre in der Regierung. und das mir gegenüber. Ich fand das fast revolutionär. Und dann wollte er mir wohl zeigen. wie Gorbatschow fragte: »Wie ist es möglich. Bei der Gelegenheit: Hätten Sie eigentlich auch Bundeskanzler gekonnt? Darüber habe ich nie nachgedacht. dass er bei aller inneren Bewegung über den Abschied noch zu einem Scherz in der Lage ist. ebenso in der Rüstung. dass er sich außerstande sehe. Er bestellte mir Grüße von seinem Amtsvorgänger Gromyko. Haben Sie sich vor dem ersten Zusammentreffen mit dem sowjetischen Regierungschef Ratschläge bei westlichen Amtskollegen geholt? Ja. Was läuft falsch bei uns?« Damit stellte er die Systemfrage. Helmut Schmidt hat über den Preis eines hohen Amtes gesprochen. die mit dem Politbüro abgestimmt sind. was mit diesem Mann alles möglich sein könnte? Diese Begegnung mit Gorbatschow hat mich tief berührt. Während Ihrer 18 Jahre als Außenminister haben Sie an vielen Staatsbegräbnissen teilgenommen. wie es mit Ihnen beiden begann? Ich erinnere mich an einen Besuch in Helsinki 1985. Ich erinnere mich daran. das ist mein Freund. 84. Sie können es. Die FDP hatte es nicht in der Hand. unsere Außenpolitik zu formulieren. über einen ehemaligen Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zu sagen. er habe soeben seine Fernseherklärung an die Völker der Sowjetunion beendet. dass mich eines Tages jemand fragt: Wann hören Sie endlich auf? »Warum hören Sie schon auf?« klingt besser. Als es schließlich so weit war. aber er wisse ja. mit der Sie sich zurückzogen. gepanzerte Autos. Er war unter Willy Brandt Innenminister. Können Sie sich noch daran erinnern. Kann man sagen. Nach unserem Telefongespräch werde er den Kreml verlassen. und der jugendlich wirkende russische Außenminister Schewardnadse kam dazu.« So ist es dann auch gewesen? Ja. Er wird Sie unterbrechen. einem Menschen. und dann sagte er einen bedeutsamen Satz: Er bat mich um Verständnis. Er hat keinen Stapel vorgefasster Erklärungen vor sich auf dem Tisch liegen. Dabei hatte sich ein Schuss gelöst. Welche Erinnerung haben Sie an den Rücktritt von Gorbatschow 1991? Ich habe versucht. Ich wollte nicht. Ja. mit ihm am Heiligabend 1991 zu telefonieren. Einmal rief mich meine Frau an. Nein. Unser Haus wurde Tag und Nacht bewacht. unter Helmut Schmidt und bis 1992 unter Helmut Kohl Außenminister. das hätte ich mir vorher nie vorstellen können. Zwei BGS-Beamte hatten wohl ausprobieren wollen. Aber zurückgeschreckt wäre ich nicht. Warum diese Eile? Es gab keine Eile. und wir trotzdem nicht in der Lage sind. Ich suchte deshalb François Mitterrand in Paris auf. was den Deutschen die Weihnachtsgans bedeute. wenn der das alles macht. als einen Ihrer engsten Freunde. Es war genug. Diesen Genuss habe er uns nicht verderben wollen. dass Sie ihn unterbrechen. ich traue es den Jungen und den aktiven Erfahrenen zu. die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte 1975 und die Wiedervereinigung 1990 tschow auch außenpolitisch nicht alles beim Alten bleiben. das auf Wechsel und Ablösung beruht. denn damit war klargestellt. heute ist er ihr Ehrenvorsitzender. dass Sie Gorbatschow auf eine besondere Weise geliebt haben? Geliebt ist ein sehr großes Wort – und hier nicht das richtige. dieser Mann wird die Welt verändern. Er hat recht. Bodyguards. und überraschte mich mit dem Hinweis: »Wir sind gerade dabei. alles hat seine Zeit. ein normales Leben zu führen. die deutsche Vereinigung zu erleben. wer von ihnen die Pistole schneller ziehen konnte. fühlte sich so mancher irritiert wegen der Schnelligkeit. Damals habe ich zu meinem Mitarbeiter Gerold von Braunmühl ge