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ZEIT

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

Die Angst vor
Illustration: Smetek für DIE ZEIT

Moralweltmeister Deutschland

Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten

Fukushima, Libyen, die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. Gutmenschen nerven, findet Josef Joffe. Sie sind nötiger denn je, antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49

WISSEN SEITE 37–40

Der alte Mann und das Drama der FDP

Schluss mit luftig
Die EU hat alles versucht, um Griechenland aus der Krise zu helfen. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER
er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. Doch das heißt nicht, dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet, man macht sich unbeliebt. »Retten« ist ein hübsches Wort, aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Es kostet nur wieder Milliarden, und trotzdem beschimpft Europa uns, weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. »Umschulden«, die andere Möglichkeit, ist auch eine hässliche Sache, die im Englischen haircut heißt. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. Vergessen. Nicht mehr bezahlen. Auch das käme alle teuer zu stehen. Die Griechen, denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte, ebenso wie die Deutschen und andere, die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.

Es grünt im Klub
Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO

Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Und: Philipp Rösler versucht, sich die Zukunft vorzustellen Magazin; Politik S. 7

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Europa will sich Ruhe kaufen. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben
Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. Diejenigen, die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen, positionieren sich als die guten Europäer. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da, obwohl doch alle gleichermaßen wissen, dass es ohne Europa nicht geht. Wir erleben einen Austausch von Forderungen, Schuldzuweisungen und Dementis, in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Sooft dieser Tage in Ministerien, Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf- und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd, was kommt. Klar ist einzig, dass die Griechen mit dem ersten, 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften, sondern echtes Geld kosten werden. Viel Geld. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein, doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. Gleichwohl verlangen die EU, die Euro-Gruppe und die Zentralbank, dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, dem Vertreter des kleinen Luxemburgs, will das offizielle Europa Ruhe, was sie auch kostet. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt, wenn Europa weiter zahlt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler

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www.zeit.de/audio

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Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich, wohl aber die Stimmung. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog, die Griechen überlegten, aus dem Euro auszutreten: Selbst dort, im Land, in das so viel Geld fließt, wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag, so desaströs seine Folgen wären. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Der Rettungsfonds will weiter retten, die EU dabei mitregieren. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei, seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. Käme es jetzt zum griechischen haircut, dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Nein, Ruhe wird in keinem Fall eintreten, auch nicht beim haircut. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los, einige seiner Banken brauchten neue Hilfen, und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen, damit der Südosten der Union nicht abstürzt. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten, als gäbe es kein Morgen – und der Staat, der nicht aufgepasst hatte, deshalb unser aller Geld retten musste. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst, der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Was dagegen geschieht, wenn Europa immer weiterzahlt, zeichnet sich schon ab. Irland, seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm, will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Wer wollte sie den Iren abschlagen, wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen, sondern auch an zu viel. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören, so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also, an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wer der bessere Europäer ist, da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Die Frage ist vielmehr, was auf lange Sicht besser für Europa ist. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Europa sollte die Umschuldung wagen.

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uch wenn man die Grünen nie gewählt hat, jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt, und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg, die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage, ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland, das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt, die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Als Ausdruck einer Stimmungswahl, die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Aber die Diagnose ist unvollständig, wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt, das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar, noch nie schienen sie so entschlossen zu sein, ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott, sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei, die sie früher nie gewählt hätten. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung.

Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg
Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran, nun gelte es, die Erwartungen der Bürger zu erfüllen, die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. In Interviews sprach er davon, man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«, und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte, dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten, weil dies ein überholter Begriff sei, so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege, das zu werden, was gemeinhin eine Volkspartei ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus, dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Das klingt weit unattraktiver als das, was

sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte, jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition, bestrebt, möglichst viele Menschen mitzunehmen, statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft, und darin liegt eine Chance: In einer Zeit, in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird, könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt, die SPD, die zweite Volkspartei, bleibt auch eine. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Die Entscheidung Kretschmanns, der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen, ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner, der sich tief gedemütigt fühlen muss. Das ist umso generöser, als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie, das Beharren auf Posten und alten Positionen. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen, als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus, wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen, die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben, und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr, bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen, in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen; nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum- und Bahnhofsschützern, plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub!

ZEIT ONLINE
Bienen am Schaalsee. Wellen am sardischen Strand. Kleine Augenblicke, die verzaubern
Eine neue Videoserie unter www.zeit.de/video-momente

PROMINENT IGNORIERT

Skandal auf Samoa
Dass der Inselstaat Samoa, bislang östlich der Datumsgrenze gelegen, beschlossen hat, um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern, dessen Datum anzunehmen, also einen Tag zu überspringen, ist schlicht ein Skandal. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte, würden Schulden nicht getilgt, Geburten hinfällig, und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. GRN.
kleine Abb. (v.o.n.u.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost); Jonas Unger für DZ; Mauritius

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AUSGABE:

2 12. Mai 2011

DIE ZEIT No 20

POLITIK
M O R A LW E L T M E I S T E R D E U T S C H L A N D

Worte der Woche

»

Das waren die längsten 40 Minuten meines Lebens.«

Barack Obama, US-Präsident, auf die Frage,

wie er sich während des tödlichen Angriffs auf Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden gefühlt habe

»Pakistan behält sich vor, mit voller Kraft zurückzuschlagen.«
Yousuf Raza Gilani, Regierungschef Pakistans, nach dem aus seiner Sicht rechtswidrigen Einsatz der Amerikaner auf dem Staatsgebiet seines Landes, der sich nicht wiederholen dürfe

Ob Deutschland sich bei der Entscheidung der Vereinten Nationen über einen Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Gadhafi enthält, die Regierung mal eben aus der Kernkraft aussteigen will oder das Land erregt über die Tötung des Al-Qaida-Chefs bin Laden diskutiert – manch einer im Ausland wundert sich in diesen Tagen.

Der Vorwurf steht im Raum: Die Deutschen wüssten wieder einmal alles besser. Aber stimmt das? Sind wir wirklich Moralweltmeister? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und ZEIT-Herausgeber Josef Joffe streiten über das deutsche »Gutmenschentum« (Seite 4). Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt den

Alleingang der Bundesregierung beim geplanten Ausstieg aus der Kernenergie: »Jedes Land diskutiert bestimmte Fragen besonders gründlich« (diese Seiten). Und Adam Soboczynski erklärt, warum der moralische Idealismus, der nun wieder zum Vorschein kommt, tief in der deutschen Geistesgeschichte wurzelt (Seite 49)

»Diese Leute werden in den sicheren Tod geschickt.«
Laura Boldrini, UNHCR-Sprecherin in Italien,

zum Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer

»Ich bitte alle: Lasst Griechenland in Frieden seinen Job tun.«
Giorgos Papandreou, griechischer Premierminister,

»Ausbüxen gibt’s nicht mehr«
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt ihre ganz persönliche Energiewende, warum die Deutschen besonders fundamental über Kernenergie streiten und warum Deutschland auch mit mehr Windrädern ein schönes Land bleiben wird
ZEIT: Wo waren Sie am 12. März, wie haben Merkel: (lacht nicht) Ich habe nachgeschaut, ob schwerste Projekt Ihrer Amtszeit vor sich: die Sie von der nuklearen Katastrophe erfahren? das Wort »Brückentechnologie« vorkommt. Es Energiewende. Ist Ihnen bewusst, dass Freund Merkel: Ich war in der Nacht vom EU-Rat aus kam vor. So war ich zufrieden. Schauen Sie, die und Feind große Schwierigkeiten haben, da Brüssel zurückgekehrt. Schon das Erbeben und Volkspartei CDU ist vielleicht diejenige Partei, mitzukommen? die Bilder von der gewaltigen Flutwelle hatten die in dieser Frage die größte Spannbreite von Angela Merkel: Es ist ein interessantes, span- mich tief erschüttert. Während der Sitzung des Meinungen hat. nendes und großes Projekt. Aber ich weiß nicht, EU-Rates haben mich Mitarbeiter des Kanzler- ZEIT: Der Riss geht quer durch CDU und ob es das schwerste ist. amtes über die dramatischen Ereignisse stets auf CSU. ZEIT: Mit das schwierigste! dem Laufenden gehalten, am Freitagabend hat- Merkel: Ja. Die Grünen haben damit kein ProMerkel: Natürlich hat das entsetzliche Unglück te Japan ja den atomaren Notstand ausgerufen. blem, für sie ist die Sache klar, das Thema ist ein von Fukushima, dessen ganzes Ausmaß ja im- Als ich Samstag früh aufstand, sah ich im Fern- Gründungsimpuls dieser Partei. Bei uns stellen mer noch nicht abzusehen ist, uns vor eine un- sehen Berichte von der Wasserstoffexplosion im sich viele die Fragen: Kann Deutschland es erwartete Situation gestellt. Daraus jetzt die Kernkraftwerk. Ich bin dann zu einer Wahl- schaffen? Ist es wirtschaftlich? Trägt das Vernötigen Konsequenzen zu ziehen kann zum kampfveranstaltung nach Rheinland-Pfalz ge- trauen in die erneuerbaren Energien? Deshalb ersten Mal zu einem umfassenden Konsens in fahren. Die Stimmung dort war sehr gedrückt. wird es in den kommenden Wochen wichtig dieser Frage, zu einem Zusammenrücken der Alle standen unter dem Eindruck der vielen sein, diese Bedenken ernst zu nehmen und daGesellschaft führen, auch wenn einige Unter- Todesopfer, der Zerstörung und eben auch der rauf Antworten zu finden. ZEIT: Sie haben ja zwei Wenden in der Atomschiede bleiben. nuklearen Gefahr, die offenkundig wurde. ZEIT: Was war für Sie als Politikerin und als ZEIT: Sie haben sich gerade an die bedrückte energie vollzogen, erst eine Verlangsamung des Physikerin das Unerwartete? Stimmung im Wahlkampf erinnert. Glauben Ausstiegs und jetzt eine Beschleunigung des Merkel: Ich habe persönlich nicht erwartet, dass Sie, den Deutschen wäre ein Festhalten an den Ausstiegs. Sie haben im letzten Herbst zur Laufdas, was ich für mich bis dahin als ein theoreti- verlängerten Laufzeiten vermittelbar gewesen? zeitverlängerung gesagt, dass die Kernenergie sches und nur deshalb verantwortbares Rest- Merkel: Ich habe mich nicht gefragt, was ver- nicht länger als »unbedingt notwendig« laufen risiko gesehen hatte, Realität wird – und zwar in mittelbar ist, sondern ich hatte – wie viele ande- solle. Damals waren für Sie aber viel längere einem Hochtechnologieland wie Japan. Wie re mit mir – den Impuls, dass wir unsere Ent- Laufzeiten »unbedingt notwendig« als heute. sehr aber auch ein Industrieland wie Japan, das scheidungen vom letzten Herbst und damit die Wieso? an technischem Können, Disziplin, Ordnung, Sicherheitsstandards in Deutschland noch ein- Merkel: In der Tat: Wir haben gesagt, auch wir Gesetzlichkeit uns in nichts nachsteht, davon mal auf den Prüfstand stellen müssen. Vermit- steigen aus der Kernenergie aus – dieser Konerschüttert werden kann und in welche Lage die telbar ist es dann – das sage ich jetzt auch als sens, den es in Deutschland gibt, wird oft überMenschen dort gestürzt wurden – das ist das Parteivorsitzende der CDU –, wenn wir nach- sehen –, allerdings später als bei Rot-Grün, desweisen können, dass wir halb die Laufzeitverlängerung. Das unterscheiEinschneidende dieser KataWirtschaftlichkeit und Um- det uns Deutsche von weiten Teilen Europas: strophe. Ich weiß, dass andere weltfreundlichkeit vernünf- Wir bauen keine neuen Kraftwerke. Wir steigen Menschen vor solchen GefahIch habe nicht tig zusammenbringen. Die aus. Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren ren durchaus gewarnt haben; erwartet, dass das, was CDU hat mit der sozialen Energien erreichen. für mich lagen sie für ein Hochich für mich bis dahin Marktwirtschaft schon eintechnologieland mit hohen SiUnser Energiekonzept vom Herbst hat eine mal vermeintlich Unver- klare Zielsetzung: Deutschland soll konsequent cherheitsstandards bis vor Kurals ein theoretisches söhnliches zusammen- den Weg in die erneuerbaren Energien gehen. zem außerhalb dessen, was ich und nur deshalb gebracht, nämlich Kapital Nur so lange, wie sie auf diesem Weg notwenin meinem Leben erleben werverantwortbares und Arbeit. Jetzt haben wir dig ist, soll die Kernkraft noch eine Rolle spiede. Restrisiko gesehen die Chance, auch die Ver- len. Wir haben also ein in sich schlüssiges KonZEIT: Was hat ein Physiker hatte, Realität wird pflichtung, Wirtschaftlich- zept erarbeitet. Aus heutiger Sicht würde ich eher vor Augen, das Restrisiko keit und Umweltfreundlich- sagen: Wir haben im Herbst einen durchaus oder die große Wahrscheinlichkeit unter der Leitlinie der machbaren Weg in das Zeitalter der erneuerkeit, dass nie etwas passieren Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Es geht baren Energien beschrieben – und damit schon wird? Merkel: Die Frage muss anders gestellt werden. darum, unseren Anspruch als Industrieland in weit mehr getan als Rot-Grün damals. Jeder Mensch muss in seinem Leben Risiken Einklang zu bringen mit unserem Ehrgeiz, eines ZEIT: Ein bequemer Weg! eingehen. Auch die Teilnahme am Verkehr, wo Tages ganz auf die erneuerbaren Energien zu Merkel: Nein, das im Herbst formulierte Ziel, ich jeden Tag überrascht werden kann, ist ein setzen. Wir werden es schaffen, viele dafür zu im Jahr 2050 80 Prozent unseres Stroms aus ErRisiko, das ich eingehe. Aber das Risiko bei der begeistern. neuerbaren zu beziehen, ist schon sehr ambitioKernenergie ist sowohl wegen der über Genera- ZEIT: Sie hatten bei Ihrer Entscheidung zwei niert, man darf sich da keinen Illusionen hintionen reichenden zeitlichen als auch der über Landtagswahlen vor sich. geben. Aber gemessen an der Entschlossenheit Ländergrenzen hinausgehenden räumlichen Merkel: Richtig. Und wenn man – wie ich nach heute, war es damals ein, sagen wir mal, ruhigeAuswirkungen, wenn das an sich Unwahr- Fukushima – eine politische Position zu über- rer Weg, zurückhaltender. scheinliche doch eintrifft, ein völlig anderes. prüfen und zu verändern hat, dann ist Wahl- ZEIT: Sie haben in jenem Herbst auch gesagt, Hinzu kommt die Unsichtbarkeit, also Nicht- kampf auf der einen Seite eine ungünstige Zeit, man dürfe aus der Atomenergie nicht vorzeitig fassbarkeit der Strahlung. Das Restrisiko der weil natürlich sofort der Vorwurf gemacht wird, »aus ideologischen Gründen« aussteigen. Sind Kernenergie kann man deshalb überhaupt nur dass ich das jetzt nur mache, weil halt Wahl- Sie jetzt die Ideologin, oder waren Sie es daakzeptieren, wenn man überzeugt ist, es tritt kampf ist. Das kann man nicht vermeiden, aber mals? nach menschlichem Ermessen nicht ein. Für davor darf man auch keine Angst haben. Auf Merkel: Wäre ich das jemals gewesen, dann mich ist infolge Fukushimas deshalb die Frage der anderen Seite aber ist es genau die richtige hätte ich in den neunziger Jahren schon als Umübermächtig geworden: Welche Alternativen Zeit, weil man als Politiker auf all den Wahl- weltministerin keine Energiekonsensgespräche hast du, um zu zeigen, dass man ohne das Rest- kampfveranstaltungen mehr unter Menschen mit dem damaligen niedersächsischen Ministerrisiko der Kernkraft leben kann? ist als sonst. Und da muss man einfach über die präsidenten Schröder führen können, die daZEIT: In Japan haben ein Tsunami und ein Themen sprechen, die alle gerade bewegen. Ich mals übrigens auch nicht an uns beiden gescheitert sind. Dennoch: Die Erdbeben zugleich dieses Restrisiko eintreten sage Ihnen, auch wenn ich das Auseinandersetzung um die lassen. Halten Sie so etwas auch bei uns für nie beweisen kann: Wäre kein Kernenergie hatte in Wahlkampf gewesen, hätte ich denkbar? Man kann die Deutschland schon lange Merkel: Exakt mit diesen konkreten Ereignissen es genauso gemacht. zusätzlichen Windauch eine fast kulturelle Dinatürlich nicht. Denn man weiß ja, dass Japan ZEIT: Wäre das Wahlergebnis räder entlang der mension, da standen sich erdbebengefährdeter ist als Deutschland. Man schlechter ausgefallen, wenn Autobahnen bauen. Parteien und Milieus fast weiß, dass Japan anders als Deutschland schon Sie es anders gemacht hätten? unversöhnlich gegenüber. unter Tsunamis zu leiden hatte. Man weiß, dass Merkel: Meine These ist: eher Daran wird unser deswegen dort die Küstenregionen gefährdet ja, aber das ist natürlich rein Land nicht zerbrechen, Ein unguter Zustand, zu dem alle Seiten ihren Beitrag sind, und trotzdem hat man dort Kernkraft- spekulativ, und das war es und es wird immer geleistet haben. werke hingebaut. Wir in Deutschland brauchen nicht, was mich angetrieben noch schön sein Kernkraftgegner haben vor einer exakten Wiederholung der japanischen hat. Wahlkampf kann Politiker gesagt, sie wollten mit dieKatastrophe bei uns natürlich keine Sorge zu durchaus eher schneller dazu sem Restrisiko nicht leben, haben. Aber wir haben dennoch allen Grund, bringen, das Richtige zu tun, zu fragen, ob sich auch bei uns unglückliche aber aus rein taktischen Gründen, also wenn sie haben sich aber immer sehr darauf konzenUmstände zu etwas Katastrophalem zusammen- gar nicht ehrlich gemeint gewesen wäre, hätte triert, den Ausstieg umzusetzen, und die Frage, ballen könnten: zivilisatorische Risiken, aber ich diese Entscheidung, die neue Ausrichtung wie man in eine bessere Energieversorgung einauch naturbedingte Ereignisse, verbunden etwa der Energiepolitik vom vergangenen Herbst steigt, schleifen lassen. Auch über das Problem, mit einem Stromausfall über längere Zeit, eine deutlich zu beschleunigen, nie getroffen, weil dass man möglicherweise aus dem Ausland Verkettung also von Umständen, die nach ich sie dann nie mit innerer Überzeugung hätte Strom, auch Strom aus Kernkraft importieren menschlichem Ermessen und allen Wahrschein- vertreten können. Ich bin nun über fünf Jahre muss, haben sie zu sehr hinweggesehen. Uns lichkeitsberechnungen bis jetzt nach bestem Bundeskanzlerin – nein, so etwas scheidet für dagegen haben viele im Herbst nicht abgenommen, dass wir das Zeitalter der erneuerbaren Wissen und Gewissen ausgeschlossen wurde. Es mich aus! geht also um die Belastbarkeit von Wahrschein- ZEIT: Wie haben Sie denn in diesem Zusam- Energien wirklich erreichen wollen, weil die lichkeitsanalysen und Risikoannahmen. Des- menhang den Namensbeitrag von Helmut Kohl öffentliche Diskussion nur um die Frage »Verhalb haben wir eine Sicherheitsüberprüfung al- am Tag vor der Wahl gelesen – der ja eine Auf- längerung, ja oder nein?« kreiste und es uns ler Kernkraftwerke angeordnet. Nach einem forderung zum Festhalten an längeren Laufzei- nicht gelungen ist, mehr Augenmerk auf die anderen wesentlichen Elemente des EnergieEreignis der Größenordnung von Fukushima ten war? sehe ich mich außerstande, diese bei uns zuvor Merkel: Ich habe ihn als Unterstützung wahr- konzepts zu lenken. Interessanterweise werfen andere, die immer nur theoretisch ins Auge gefassten Verkettungen genommen. von Risiken einfach zu verdrängen und zu sa- ZEIT: (Interviewer lachen) Wie haben Sie dieses einen schnellen Ausstieg verlangt haben, plötzlich Fragen auf, die sie sich selbst bis dahin gar gen, um die kümmere ich mich nicht. Wunder der Wahrnehmung vollzogen? DIE ZEIT: Frau Bundeskanzlerin, Sie haben das

zu den Gerüchten, sein Land drohe aus der Euro-Zone auszuscheiden

»Diejenigen, die das Treffen organisiert haben, haben ein ziemliches Desaster angerichtet.«
Martin Schulz, Vorsitzender der Sozialisten im EU-Parlament, zu dem zunächst geheimen Treffen von Vertretern der Euro-Zone

»Ich war immer gerne Fraktionsvorsitzende.«
Birgit Homburger nach ihrem eher widerwilligen

Verzicht auf den FDP-Fraktionsvorsitz

»Die FDP hat immerhin Humor.«
Volker Beck, Geschäftsführer der

Grünen-Fraktion, zu den Personalquerelen der Liberalen

»Wenn wir alle ein bisschen zusammenrücken, haben wir dazwischen viel mehr Platz für Natur.«
Matthias Horx , »Zukunftsforscher« und Gründer des Zukunftsinstituts, über eine ökologischere Stadtplanung

»Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute.«
Wes Craven, Horrorfilmregisseur, auf die Frage,

wovor sich die heutige Jugend grusele

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ZEITSPIEGEL

Ausgezeichnet
Das ZEITmagazin wurde am vergangenen Wochenende mehrfach ausgezeichnet. Am Freitag bekam Susanne Leinemann in Hamburg den Henri-Nannen-Sonderpreis für ihr Stück »Der Überfall« (Nr. 49/10). Darin beschrieb sie, wie Jugendliche sie brutal zusammenschlugen. Am Samstag wurde das ZEITmagazin bei der Preisverleihung des Art Directors Club (ADC) in Frankfurt am Main elfmal ausgezeichnet. Damit war es der meistprämierte Titel und zugleich der einzige, der Gold gewann – und zwar für das Doppelcover mit dem Schauspieler Gérard Depardieu (Nr. 41/10). Die Infografik-Seite im Ressort Wissen der ZEIT wurde zweimal ausgezeichnet, darunter einmal mit Silber. Für seine Reportage »Ich denke, dass es meine Bestimmung ist, hier zu sein« ist der Autor Frederik Obermaier mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnet worden. Obermaier hatte in Ausgabe 4/10 von ZEIT CAMPUS die Radikalisierung der niederländischen Studentin Tanja Nijmeijer nachgezeichnet, die sich den Farc-Rebellen im Kolumbianischen Dschungel angeschlossen hatte. DZ

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NÄCHSTE WOCHE IN DER ZEIT

Regional ist das neue bio. Das behaupten die Marktforscher, so sagen es die Kochbuchverlage. Weil wir Lebensmitteln mehr vertrauen, die aus unserer Nähe kommen? Weil Essen auch ein Kulturgut ist? – In einer 40seitigen Beilage zu regionalen Zutaten und regionaler Küche beschäftigen wir uns mit diesem Trend. Darin interpretieren zwölf junge Spitzenköche exklusiv zwölf Rezepte ihrer Heimat neu WISSEN

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nicht gestellt haben. Sie mahnen nun, wir sollten aufpassen, dass der Strom bezahlbar bleibt. Das war für die Union immer schon ein zentraler Gedanke. Dieser ganze Prozess führt nun vielleicht dazu, dass die Gesellschaft den Ausstieg als gemeinsame Anstrengung annimmt und auch Nachteile – siehe Netzausbau, siehe Speicherwerke, siehe Windmühlen im Landschaftsbild – in Kauf nimmt, weil wir uns alle gemeinsam auf einen ehrlichen Weg machen müssen. ZEIT: Bevor wir uns der Zukunft zuwenden, wollen wir noch ein paar Minuten nachtragend sein. Merkel: Bitte! ZEIT: Haben Sie, als Sie die Bilder von Fukushima gesehen haben, die Laufzeitverlängerung bereut? Merkel: Nein, ich spürte aber sofort, dass das, was ich damals aus Überzeugung vertreten habe, auf den Prüfstand muss. Wir haben über die Laufzeitverlängerung jahrelang gesprochen – im Übrigen auch im Wahlkampf –, es konnte also keiner überrascht sein, dass wir das getan haben. Ich habe, wie gerade dargestellt, schon im Herbst bedauert, dass wir nicht ausreichend deutlich machen konnten, dass es uns wirklich um einen konsequenten Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien geht. Gerade auch als ehemalige Umweltministerin habe ich das bedauert. Andere haben uns den Vorwurf gemacht, wir würden den Energieversorgungsunternehmen einen Gefallen tun, damit die möglichst viel erlösen. ZEIT: Und das stimmte gar nicht? Merkel: Das hat nie gestimmt. Durch unser Energiekonzept wurden die Energieversorgungsunternehmen erheblich belastet. Ihre wirtschaftliche Lage ist im Übrigen nicht so exorbitant gut, dass sie jede Belastung schultern könnten. Wir haben schließlich ein Interesse an erfolgreichen großen heimischen Energieerzeugern; die Stadtwerke alleine werden es nicht schaffen. ZEIT: Es entstand auch der Eindruck, dass Sie bei Ihrer Entscheidung unter Druck gesetzt wurden. Merkel: Ein falscher Eindruck, niemand setzt mich unter Druck. ZEIT: Mehrere namhafte Wirtschaftsvertreter und andere Prominente veröffentlichten damals eine Anzeige, um die Verlängerung der Laufzeiten zu unterstützen. Haben Sie das als hilfreich empfunden? Merkel: Nein. Wenn ich so große Anzeigen sehe, bin ich eher traurig über das ausgegebene Geld, weil ich als Parteivorsitzende aus Wahlkämpfen weiß, wie viel das kostet. Als hilfreich habe ich sie nicht empfunden. ZEIT: Sie haben im vergangenen Herbst auch gesagt, sowohl die Atomenergie als auch Kohlekraftwerke sind Brückentechnologien. Jetzt soll die Brücke der Atomenergie verkürzt werden. Muss dadurch die Kohlebrücke verlängert werden? Und was sagt die Klimakanzlerin dazu? Merkel: Wenn wir nun schneller aus der Kernenergie aussteigen, dann wird sich zeigen, dass wir Ersatzkraftwerke brauchen, nach meiner Meinung vornehmlich Gaskraftwerke. Auf jeden Fall werden wir hoch effiziente Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen benötigen. Das verändert unsere CO₂-Bilanz, was wiederum bedeutet, dass wir Wege finden müssen, um an anderer Stelle mehr einzusparen, um das auszugleichen. Wir müssen die Gebäudesanierung schneller vorantreiben und die Energieeffizienz unserer Produkte und unserer ganzen Wirtschaft noch rascher verbessern, um diese zusätzlichen CO₂-Emissionen anderswo einzusparen. ZEIT: Die Zahl steht: neun bis zehn neue Kohlekraftwerke in den nächsten zwei Jahren. Merkel: Das haben die Unternehmen und der Markt zu entscheiden und teilweise schon entschieden. Bei künftigen Festlegungen über Kraftwerksprojekte spricht vieles auch für Gas: Gaskraftwerke können am schnellsten gebaut werden, sie sind flexibel als Ergänzung erneuerbarer Energien einsetzbar, und Gaskraftwerke haben weniger CO₂-Emissionen. ZEIT: Sehen Sie das Klimaziel für 2020 gefährdet? Merkel: Nein, das müssen und werden wir schaffen. Wir schalten ja ganz sicher nicht alle Kernkraftwerke sofort ab. Danach erst stellen sich die entscheidenden Fragen, die Schwierigkeit wird also sein, von etwa 2020 bis 2035 oder 2040 zu kommen.

Foto: Michael Brauner/stockfood

POLITIK

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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BÜCHER MAC

HEN POLITIK

Der Käfighalter
Geradlinig? Nun ja. Zwei Autoren porträtieren Winfried Kretschmann
Der Mann, der an diesem Donnerstag in Stuttgart zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik gewählt werden soll, hat ein prägnantes Image: Winfried Kretschmann sei konservativer, als es die CDU erlaube, heißt es, prinzipienfest bis zur Halsstarrigkeit und ein ausdauernder Leser der Philosophin Hannah Arendt. Nun ist pünktlich zur geplanten Vereidigung des 62-Jährigen eine Biografie erschienen, in der die gängigen Klischees über Kretschmann mit Lust zerlegt werden. Zum Vorschein kommt ein Mann, der einen weiten Weg hinter sich hat – und unterwegs ziemlich geschmeidig agiert hat. Ganze drei Wochen haben die Journalisten Peter Henkel und Johanna Henkel-Waidhofer für diese Neubewertung gebraucht, was der Sache nicht geschadet hat. Das Tempo führt sie ohne Umschweife zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen: Kretschmanns antiautoritärer Katholizismus, sein Kulturpessimismus, seine Art von Liebe zur Natur, der Weg »von Mao zur Mitte«. Die beiden Stuttgarter Journalisten – er jahrzehntelang bei der Frankfurter Rundschau, sie Lokalkorrespondentin – kennen Winfried Kretschmann, seit er seinen allerersten Auftritt im Stuttgarter Landtag verpasste: Im März 1980 gehörte Kretschmann zu der sechsköpfigen Fraktion, mit der die Grünen erstmals in das Parlament eines Flächenstaates einzogen. Aber die Vereidigung von Lothar Späth (CDU) zum Ministerpräsidenten versäumte der Neuparlamentarier, weil er es wichtiger fand, in Gorleben zu protestieren. Als Kretschmann die Grünen mitgründete, war er alles andere als ein Konservativer. Als Sohn einer katholischen Vertriebenenfamilie aus dem Ermland war er mit der Erfahrung aufgewachsen, wie man in der Fremde erst verachtet und dann aufgenommen wird. Er hatte ein katholisches Internat mit viel schwarzer Pädagogik hinter sich gebracht, aber auch die befreiende Wirkung des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahren. Bei der Bundeswehr erlebte er die klassische Schinderei, was ihn aber nicht daran hinderte, den Pazifismus der Peter Henkel/ grünen Gründerjahre für eine Johanna Lebenslüge zu halten – schon Henkelim Hinblick auf die Befreiung Waidhofer: Winfried Nazi-Deutschlands durch die Kretschmann. Alliierten. »Ich bin von Hause Das Porträt aus kein Pazifist«, hat er da- Herder, 14,95 € mals klargemacht. »Ich habe nicht den Kriegsdienst verweigert und bin schon von Natur aus ein Typ, der sich verteidigt und dem anderen dabei auch mal eine in die Fresse bügelt.« Aus manchen Landtagsprotokollen der achtziger Jahre lässt sich die Verzweiflung ermessen, die Kretschmann gelegentlich in der CDU-geführten Republik erfasste. »Es hört doch niemand auf einen«, rief Kretschmann einmal ins Plenum. »Erst wenn man mal ein Ei wirft, dann ist die Presse da. Wenn Grundrechte in ihrer Substanz gefährdet werden, dann sind wir auch zu Regelverletzungen bereit. Wir sind eine radikale Partei, weil man eine Politik machen muss, die die Probleme an der Wurzel löst.« Keine sonderlich konservative Position. Im Laufe der Jahre hat sich Kretschmanns Verhältnis zu den beiden Volksparteien viel rasanter verändert, als es das Image vom stets prinzipienfesten grünen Konservativen glauben machen will. 1982 wirbt er in einem ausführlichen Aufsatz für ein Bündnis mit der SPD, ausgerechnet wegen der großen Übereinstimmungen in der Sozialpolitik; ein Bündnis mit der Union hält er »auf absehbare Zeit kaum für möglich«. Schon ein Jahr später begeistert er sich für ökolibertäre Überlegungen. Über die Sozialpolitik sagt er in jener Phase: »Nur wo Mangel herrscht, kann es Freiheit geben.« Dann wieder, 1992, plädiert er für Rot-Grün, während er 1999 findet, es sei »bitter notwendig, dass es irgendwo zu einer schwarz-grünen Koalition kommt«. Die Republik, so glaubt er 2000, braucht die CDU. 2010 ist es dann »an der Zeit, dass die Schwarzen in der Opposition landen«. Auch zu Kretschmanns eigener Ökologie haben die beiden Autoren Interessantes zutage gefördert. Die Familie von Kretschmanns Frau Gerlinde besaß in Laiz eine Hühnerfarm mit 600 Tieren in Käfigen – die Art der Tierhaltung, die demnächst verboten sein wird. Als die drei Kinder klein waren, machten die Kretschmanns dort regelmäßig Urlaub. Der künftige Ministerpräsident Baden-Württembergs sammelte die Eier ein, fütterte die Tiere, hielt die Käfige sauber und reparierte. »Wer von der Eierproduktion leben will«, so sah er es, »kommt ohne Käfighaltung in Probleme.« Die Konstante in Kretschmanns Charakter lassen die Autoren von einem Parteifreund zusammenfassen: »Winfried Kretschmann ist der anständigste Mensch, der je in Deutschland Regierungschef wurde.« MARIAM LAU

»Ich bin nun über fünf Jahre Bundeskanzlerin.« Angela Merkel am Dienstag der vergangenen Woche im Kanzleramt

ZEIT: Wie stellen Sie sich die Lastenverteilung

dieser Energiewende vor: mehr zulasten des Verbrauchers oder des Steuerzahlers? Merkel: Jeder Steuerzahler ist auch Verbraucher, nicht alle Verbraucher sind Steuerzahler. Wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz alle Verbraucher in die Lastenverteilung einbeziehen. Gerade zwischen 2009 und 2011 gab es einen großen Sprung in der Umlage, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstand, nämlich von knapp 1,5 Cent auf über 3 Cent pro Kilowattstunde. ZEIT: Die Frage nach den Kosten beschäftigt die Menschen sehr. Wann können Sie ihnen greifbare Zahlen nennen? Merkel: Bald. In der Wirtschaftskrise hatten wir einen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel, in den letzten Wochen lag er wieder zwischen 120 und 130 Dollar. Mit diesen Schwankungen leben die Menschen heute schon. Sie werden auch mit den Schwankungen beim Strompreis leben müssen, die sich aus veränderten Restlaufzeiten von Kernkraftwerken ergeben. ZEIT: Wird es ein schöneres Land sein, mit neuen Stromtrassen, wärmegedämmten Häusern und vielen hohen Windrädern? Merkel: Im Vergleich zur Zeit vor 20, 30 Jahren ist unser Land doch an vielen Stellen schöner geworden. Damals waren viele Flüsse vergiftet, heute baden und fischen die Menschen wieder in ihnen. Die Industrie arbeitet insgesamt viel umweltschonender, nicht nur in meiner ostdeutschen Heimat, dort ist der Unterschied natürlich frappierend. Also wirklich: Ich glaube nicht, dass unser Land viel weniger schön wird, nur weil wir Energie anders produzieren und den Strom auch durchleiten müssen. ZEIT: Das sagen Sie, obwohl Sie in Ihrem Heimatland so schöne Landschaften vor Augen haben. Merkel: Mecklenburg-Vorpommern hat 1 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausgewiesen, 99 Prozent also nicht. Natürlich sieht man diese Windräder zum Teil schon von Weitem, in meinem Wahlkreis stehen zum Beispiel besonders viele. Aber man kann die zusätzlichen teilweise entlang der Autobahnen, der großen Verkehrstrassen bauen. Hochspannungsleitungen können vielleicht zum Teil entlang der Eisenbahnstrecken geplant werden. Daran wird

unser Land nicht zerbrechen, und es wird noch immer schön sein. ZEIT: Wir könnten stundenlang zuhören, wie Sie die Härten der Energiewende vertreten! Geschmacksfragen sind da nicht so wichtig? Merkel: Selbstverständlich ist der Erhalt der Schönheit unserer Landschaft wichtig, aber die Diskussion ist nicht neu. Denken wir nur daran, was los war, als vor 150 Jahren plötzlich die Eisenbahnen zu rattern begannen. Da sahen manche auch das Ende gekommen. Jede Generation hat die Aufgabe, die Infrastruktur der Zukunft möglich zu machen. Auf der anderen Seite bauen wir heute auch Industriebauten wieder zurück. Kohlezechen sind heute Kulturstätten, und manch altes Tagebaugebiet dient der Naherholung. ZEIT: Sie verteidigen diesen Weg ganz anders, als Grüne das machen. Die Grünen sagen: Es wird alles ganz schön, und Sie sagen: Stellt euch nicht so an! Ist das die Merkelsche Energiewende? Merkel: Ich sage nicht: Stellt euch nicht so an. Ich lese jetzt von Designerwettbewerben um schöne Hochspannungsleitungen. Damit will ich nicht kommen, ich versuche, die Aussichten ganz realistisch zu beschreiben. Ja, es wird sich mancherorts etwas ändern. Mancher wird erleben, dass in der Nähe seines Wohnorts eine Leitung gebaut wird, wo vorher keine war. Das hat es zu allen Zeiten und in vielen Formen gegeben. Bei dem einen wird eine Straße gebaut, bei dem anderen eine Fabrik. In Berlin entsteht gerade ein Flughafen neu. Wir Politiker haben die Pflicht, gut zu begründen, warum das manchmal nötig ist, wir müssen auf die Fragen der Menschen Antworten haben. ZEIT: Planen Sie eine verbindliche Laufzeit für jedes einzelne AKW? Merkel: Es gibt die Möglichkeit, die Summe an Kilowattstunden festzulegen. Es gibt die Möglichkeit, die Restlaufzeit in Jahren festzulegen. Und es gibt die Möglichkeit, diese beiden Varianten zu mischen. Wir haben das noch nicht entschieden. ZEIT: Wie wollen Sie die Endlagerfrage lösen? Wollen Sie außer in Gorleben noch woanders bohren? Erwarten Sie mehr Kooperation von Baden-Württemberg zum Beispiel? Merkel: Ich denke nicht, dass man jetzt überall parallel bohren sollte. Das wäre Unsinn. Die

Endlagerfrage kommt auf den Tisch, wir wer- manchmal, wir bezögen 80 Prozent aus Kernden über sie sprechen, wenn das neue Energie- energie. Das ist ja gar nicht der Fall. konzept steht. Grundsätzlich bin ich überzeugt, ZEIT: Aber keiner hat so radikal und schnell dass es nicht dadurch leichter wird, dass man reagiert wie Deutschland. die Last der Suche und Erkundung auf fünf Merkel: Das ist richtig. Orte verteilt. ZEIT: Wie kommt das? ZEIT: Was nutzt dieser ganze schöne Ausstieg, Merkel: So fundamental wie bei uns wird fast wenn wir umringt sind von Ländern, die die nirgendwo sonst über Kernenergie diskutiert. Kernenergie weiter ausbauen? Hier ist eine ganze Partei darüber entstanden. Merkel: Eine sehr berechtigte Frage, zumal in ZEIT: Sind die Deutschen so ängstlich wegen einem europäischen Binnenmarkt: Was nützt des Restrisikos, oder sind sie nur mutig genug, es Deutschland, wenn es sich nach seiner neue Wege zu gehen? Überzeugung richtig verhält, und alle anderen Merkel: Jedes Land diskutiert bestimmte Fratun es nicht? Wenn ich jedoch zuallererst da- gen sehr gründlich. In den Debatten über die nach frage, ob auch alle anderen von meiner Solidarität in der Euro-Zone und die Stabilität Haltung überzeugt sind, oder wenn ich nur an unserer Währung stelle ich auf europäischer die anfänglichen Nachteile meines eigenen, Ebene Fragen, die sonst kaum einer stellt und von mir für richtig erachteten Verhaltens den- die manche wohl auch manchmal anstrengend ke – dann drehen wir uns im Kreis. finden, die sagen dann, das sei schon wieder so Als in Deutschland Bereine Merkel-Idee. Das ist vielleicht eine Kehrseite unserer tha Benz mit dem ersten AuPräzision und unseres Erfintomobil über die Straßen gedungsgeistes. rumpelt ist, haben auch viele Ich werde darauf achten, Zeitgenossen gesagt: So ein dass wir den richtigen Weg Quatsch, die eine Pferdestärfinden, unsere Energie zu erke einer Kutsche reicht doch, zeugen, einen Weg, der zu eiund wer weiß, wie gefährlich nem ökologisch denkenden diese neue Erfindung ist. In Industrieland und einer beihren Augen war Bertha Benz Die Kanzlerin beim Intereine Geisterfahrerin auf ei- view mit Bernd Ulrich (links) deutenden Wirtschaftsmacht passt. Dieser Weg ist dann nem seltsamen Sonderweg – und Giovanni di Lorenzo aber auch eine Verpflichtung. aber das Auto hat sich durchDann kann nicht jeder komgesetzt. Deutschlands Wohlstand gründet sich auch darauf, dass wir men und sagen: So viele neue Leitungen wollen manchmal als Erste einen neuen Weg gegangen wir nicht, und die Windenergie passt uns eisind. Als ich 1994 Umweltministerin wurde, gentlich auch nicht, die Umlage für die Photokamen 4 Prozent unserer Stromerzeugung aus voltaik ist eh zu hoch, und gegen den Anbau erneuerbaren Quellen. Heute sind wir bei 17 von Pflanzen zur Energieerzeugung bin ich aus Prozent. Das ist schon beachtlich. Jetzt wollen Prinzip auch, aber aus der Kernenergie müssen wir bis 2020 auf 40 Prozent kommen, was sehr wir sofort raus. Einen Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ambitioniert ist. Das wird uns Kraft kosten. Aber wenn wir glauben, dass wir Vorteile da- ist die große Herausforderung im Augenblick. von haben, und das ist ja offensichtlich, dann Wir müssen in den nächsten ein, zwei Monaten alle sagen: Dazu stehen wir! Ein Ausbüxen ist das zu schaffen. ZEIT: Unser Sonderweg ist also eine Avantgar- gibt’s jetzt nicht mehr. derolle? Merkel: Es gibt eine ganze Reihe europäischer Das Gespräch führten GIOVANNI DI LORENZO Länder, die nicht auf Kernkraft setzt. Deutsch- und BERND ULRICH land hat immer einen Energiemix gehabt. Bei uns macht die Kernenergie ein Fünftel aus. Energie: Wie die Wende funktionieren kann www.zeit.de/energie Wenn man die Diskussion verfolgt, denkt man

Fotos: Anatol Kotte für DIE ZEIT; Vignette: Smetek für DIE ZEIT

Die Antwort ist nicht neu. füllen ganze rer multikulturellen Republik nicht vielmehr Regale. wie ihn schon bare. die sie nicht mehr haben (wolgerkriegspartei sei. als die große Mehrheit im Westen es tut. der lieber politisch entierung und Maßstäbe mit korrekt ist als realistisch. die über den Untergang des pharao.dass Deutschland zum technologischen Vorreiter für erneuerbare Energien wurde. des Bundestags. Mai. weil das Publikum starke Sprü. Deutschland ist wieder Großmacht. Natürlich soll man sich auch über den Tod wicklung nicht mehr nötig. Sie weisen Thilo Sarrazin mit den von ihm des Gutmenschen in den Vordergrund: der Bes. der als älterer Herr mit Familienanhang firmierte. weil er einer ist. dass seine Theorie serwisser. weil bekanntlich Gewalt keine politischen Augenmaß.währungshelfer der Noch-nicht-Geläuterten. Der Gut-Bürger meint es ernst mit dem. Der russische Trainer sagte im Interview nach dem Spiel. insbesondere Franzosen. das ist dem klaren Blick fürs Machder Gutmensch.und Kriegsrechts. dasselbe zu tun. politischen Alltag ertönt »Gutmenschentum« Öffentlichkeit. er werde jetzt erst mal den Fernseher anschalten und einen Kriegsfilm anschauen. Bücher. Im sondern um bürgerliche Werte wie Solidarität. die bin komme es nicht kann. Übrigens sogar wirtschaftliche: Die Ökodrauf. eigenen Werte ernst ist der lebende Beweis dafür. eine der höchsten überhaupt.Abgesang auf diesen Gut-Bürger singt. Zugegeben: Allzu oft drängt Widersprüchen zwischen Ideal und Wirklichsich eine wohlfeile und populistische Variante keit.4 12. Viele Debatten der letzten Monate doch Moral und Maßstäbe insgesamt lächerlich haben es gezeigt: Der gute Bürger und die gute gemacht werden. um die vielen zu retten. Aber ich hatte ja A. in der die Werte.darum fragen lassen. Ich wunderte mich zwar über seine Golduhr und die teuren Designerklamotten. soll sich unterdessen in Ghana herumtreiben. Also muss der JOSEF JOFFE Traum töten« spiegelt die reale Welt. Wer nicht handelt. ein aufgeweckter junger Mann. stehen aber auch zu den politik überhaupt. »Jetzt wollen wir seinen Leichenwagen. keine Rolle mehr nur die Seite der Münze mit der Zahl ansehen. bis der Arm schwer wurde oder Russland bei der Eishockey-Weltmeisterschaft seine Führung gegen Finnland einbüßte.oder die Zusammenhänge. Freude brechen verantwortlich war. Atomausstieg? Auch hier Mann weiter morden zu lassen. Im Entscheidungen vorgebracht Gut-Bürger und in der Gutwerden. erwies sich als absolut zuverlässiger Führer in der chaotischen. die Nazipropaganda im Stürmer das Deutschland in den letzten zum Feind erklärte. Sie führen uns zu Informanten. nehmen die Bürger Gott sei Dank mit. balisierung einfach und bequem macht. wenn ein sich den Händeln der Welt. dem wir die kritiGesinnungsethik wird zum Gesche Öffentlichkeit bei vielen sinnungsterror. angewiesen. die einst für das Menschheitsverauf die Kanzlerin. die sich über seinen zehnte? Erlebten wir bei Stuttgart 21 und beim politisch überkorrekten Betroffen. lische Bescheidenheit ist auch eine Tugend. werden. Er internationales Recht und darauf.garantieren – Sicherheit vor der Heimtücke. die wir nie finden würden. nur Demokratie und Rechtsstaat. K AT R I N G Ö R I N G  Themen zu verdanken haben. der in diesem Schathat« und just den »Krieg der sich nur gut fühlen tenkrieg agierte. Doch der Reflex lebt Überlieferung ermahnte schon der liebe Gott fort. die gesunde Realisten darstellen und leider immer das Leben lebenswert machen. ist eine Erblast der Geschichte. der die Jungpatrioten beschwichtigte.). Zum Beispiel in Pakistan. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Wissen wir es besser? er sogenannte Gutmensch hat es Debatten der letzten Monate. bremste der Botschafter.voswinkel@zeit. kompetente A. Wehe dem Staat. Die Polemik hat es eben nicht Bürgerin sind informiert bis ins Detail.selbst genannten Zahlen nach. Transparenz. Der Heuchler. Betreff: Krieg und Eishockey Einen Feiertag gibt es.und Krisengebieten.grill@zeit. die es sich im Gewirr der Glo. die im Dunkeln die Drähte zieGrößenordnungen und UrsaZEIT. der fließend Deutsch sprach und über exzellente Landeskenntnisse und Kontakte verfügte. dass die Massaker an Unschuldigen gebiet. Gut-Bürger. arbeitete als Presseattaché bei der deutschen Botschaft. sondern auch nützlich ist. während Tausenden verantwortet – oder im Einzelfall die ringsum in Europa 137 Kernkraftwerke den Regeln des Rechtsstaates zu verletzen? Auch Strom erzeugen. wie das Land Denkverweigerung. dem ich vorbehaltslos vertraut hatte! Wer weiß. dass werteorientierte Politik aldass triumphale Freude über den les andere als naiv und wirklichTod des Massenmörders bin Laden unangemessen sei – schon bekommt der Gut. Natürlich passt der eine moralische. das klingt vorchristlich.ralischen Konflikte bewältigen. als den wirkungsmächtigen Auftritt des GutmenVertreter einer typisch deutschen Weltbeglü. woWas also steckt an Gutem im Gutmenschen. im Zweifel lebt er oder sie Pointe? Mit dem Gutmenschen-Vorwurf sollen selbst danach. Und es ist das Gutnem zu sein. der deutschen Kommentariats haben die Gräueltaten im Namen der Terrorabwehr die Bürgerrechte allenfalls am Rande erwähnt. fordern. die gegen den Gutmenschen polemi. Familien und Liebespaare spazieren durch die Parks. in der Verteidigung unseheitskitsch belustigen. den 9. Ein solches Sündenregister verdient Empö. Ist er also nichts anenergie. hen. ihr Zorn nicht dem Täter. Ein paar Gadhafi-Anhänger und orthodoxe Monarchisten durften sich anschließen. Russland verlor 2 : 3. Besserwisser sind allerdings auch die. zeigen uns Orte. An den Autos hängen orange-schwarze Sankt-Georgs-Bändchen als Erinnerung an den Krieg. Dass so viele Deutsche die gilt nicht. Auch der Zusatz »de Luxe« in seinem Namen hätte mich stutzig machen müssen. derung: Seit den Bürgerinitiatider sich auf Moral beruft? NehGrüne und EKDven der siebziger und achtziger men wir die Erschießung Osama Präses. Ein Völkerrechtler dozierte: Kriegsrecht facher als abwägen. Manchmal gibt es ein neues Panzer. spielen. Aber weite Teile des Freiheit vor dem totalen Überwachungsstaat. Jahrzehnten zu einem lebensHeute wirft man ihm vor. Mit auf selbstgerechten Gesinnungskitsch abge. Er gilt als zurückgeblieben und naiv. Er hatte sich nach dem Rauswurf flugs aus dem Staub gemacht und noch einen Dienstwagen mitgehen lassen. Laden entfesselt hat.bend. wenn Einwände gegen und Partizipation. OriPharisäer. es spricht den Deutschen Auslieferungsbefehl präsentieren von einer »Mord-Orgie«. um des Sieges über den Faschismus zu gedenken.schen als Gut-Bürger? Dem geht es nicht um ckungsfolklore. muss sich che mag. Bin Laden? Ein eklatanter Bruch des auch Helmut Schmidt hat in Mogadischu den Völker. bei der Entscheidung über den Krieg gegen Gadhafi: Stets denken und handeln die Deutschen anders. A. Darf man das? Soeben hat ein Richter die ausweichen. wie eine Welt ohne ihn ausjenigen. der Russland vereint. Für ihn hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt. sich selbst als wahre Faktenkenner und ohne Sinn für das Mögliche. Im stern-Titel heißt es: Terrorismus ist weder Krieg Amerikas Rache. jenseits von einfacher Polemik und schlichter für er sich einsetzt. also ist Herausgeber der Staat vorbeugend jene treffen. tickt. Fügen wir hinzu. die gerade Gbagbos Räuberregime stürzten. Eigentlich wäre der Zeigefinger nach 66 Jahren mustergültiger Entüber den Tod eines Massenmörders zu äußern. vor allem in Kriegs.oder Raketenmodell zu bestaunen. Leider wohnen sie dort. Der Morgen beginnt mit der Militärparade auf dem Roten Platz und einem vieltausendstimmigen »Hurra!« der Truppen. Er meint. sondern auf den wertegebundenen Ein. sie wollten währte – fünf Jahre lang. In diesem Jahr waren die neu geschneiderten Baretts der Soldaten die größte Innovation. Also: Beim nächsten Mal bitte len). ein Geschenk senden. So kann man sich täuschen. Doch war der besserwisserische Pseudo-Gut. den wir genüsslich Tod der wenigen autorisiert. der sich den Notwendigkeiten ECKARDT Ob es um Auslandseinsätze der der Macht und des Machbaren ist Vizepräsidentin Bundeswehr geht. Die einen setzen die Kartoffeln in die Erde des Datschagartens.). Ist das Verbredas ist die atavistische Selbstjuschen geschehen. der einen fürchterlichen Preis an Blut und Gut gefordert handeln. was einst auf den T34-Panzern geschrieben stand: »Nach Berlin!« Der Fahrer eines bayerischen Nobelwagens hat auf seine dunkelblaue Motorhaube mit weißer Farbe das Wort »Trophäe »gepinselt«. Mail aus: MOSKAU Von: johannes. Wer den vereinfachend. kill his dream. der den Tod von leitet uns die höhere Einsicht. Manche malen auf die Heckscheibe.hat. In brenzligen Situationen sind wir auf Gedeih und Verderb von ihnen abhängig. So entzieht man ung darf man sehr wohl empfinden. Die Polemiker gegen den Gutmenschen weil ihnen die besser ins Konzept passt als der tun so. einen Gewährsmann. im britischen noch gewöhnliche Kriminalität. der matismus und Idealismus.« Er hatte nebenher einen lukrativen Handel mit Einreisepapieren nach Deutschland betrieben. »ganz anders schreiben. Warum? Weil Moralismus nicht nur erhenischen Heeres jubelten: Auch die Ägypter sind meine Kinder. sondern Massenmord mit kriegeRache. Und riet dem Journalisten. Und so war ich als neutraler allemand sogleich willkommen. Aber Erleichterung und Genugtu. erklärte er. dessen Abbild auf offiziellen Plakaten verboten war. als bräuchten wir weder Ideale noch gesellschaftlichen Zusammenhalt – noch die ZuCharakterkopf auf der anderen. So simpel ist das. im Streit um die Energieversorgung der Zukunft. gut zu das bin Laden Unterschlupf ge»Kampf. Und er des Besserseins. sich im eigenen Verfassungsden der Getötete wollte. Mein Fixer A. Bin Laden lässig« abzuleiten ist kein Beweis ist der jüngste Beweis. sie verachten Weißnasen. sorgen für unsere Sicherheit. Auf dem Hochsitz der Moral aber sieht geißeln.« Fotos: Peter Steffen/dpa (l. Ihr Mitleid galt daheim dezimiert. Economist: Now.Logik der Sachzwänge. Sollten wir stolz darauf sein – oder steckt ein wahrer Kern im hässlichen Wort vom »Gutmenschen«? Nein Siehe auch Feuilleton. muss keine moKanzlerin wegen »Billigung von Straftaten« ange. Es ist das Gut-Bürgertum. Sie wurzelt in der Die Entrüstung zielte auf die üblichen Verdäch. es wären einfach logiebewegung hat zum Beispiel dafür gesorgt.der pragmatischen Beliebigkeit und einer blinden wand gegen die angeblichen Zwänge der Real. arrangieren Interviews. werten und zivilen Land geWeichei und Nervensäge in eimacht hat. Jahre redet und streitet der Gutbin Ladens und den schlichten Hinweis auf den Verstoß gegen sagt sie. die anderen strömen ohne Befehl von oben auf die Straßen. Wir Korrespondenten sind auf Helfer wie A. dass der Mensch zum Guten fähig ist. Den Rückspiegel zierte ein roter Stern. dazu nen Nation. Vignette: Smetek für DIE ZEIT D Ist es aber nicht. in der dritten Generation: die Enkel als Beseine Engel. auf die Fahrerseite »Das Blut ist nicht vergeblich vergossen«. mitunter schlicht um die Einhaltung von Gesetzen. Matthias Bothor/Photoselection (r. um Atomverweigert. jedenfalls man keine Konflikte zwischen Schlimm und Schlimmer. den wir demnächst importieren Deutschland kennt den »finalen Rettungsschuss«. Doch moraanklopfen und dem Mann seine Rechte vorlesen.versicht. als befände er Kulturen« provozieren sollte. noch ins Landesrecht. Der hilfsbereite. Seite 49 Mail aus: ABIDJAN Von: bartholomaeus. »Dann werden Sie«. so darf man im Namen der höheren Sittlichkeit der Verantwortung Unmensch stirbt. weil al-Qaida weder Staat noch Bür. Betreff: Freund und Helfer Allein hätte ich mich niemals ins Café Cacao an der Rue Princesse in Abidjan gewagt. rung und Verdammung. Fixer werden sie genannt.Thema Atomenergie. dabei. die wir da ein. Er redet bewusst undifferenziert und Unsinn und dem Fremden feindlich ist. wo chen. Aber A. Warum also die eifernde Selbstgerechtigkeit? nicht den Opfern. Das britische Blatt nennt die Polizei keinen Haft. in der Kontext zählt. durfte eine Flasche Johnny Walker ausgeben und bekam eine verführerische Hostess zugeteilt – die ehemalige Miss Abidjan. mensch wirklich maßgeblich in den politischen Was für eine triste Welt das wäre! Ja Im Kampf gegen den Terrorismus. sondern der zeigt exemplarisch. Andere hielten eine Russlandflagge aus dem Autofenster.sehen würde.eine abstrakt menschelnde Wohlfühl-Moral. ein Visafälscher. Laut rabbinischer Leistung längst anerkannt. der letzten Jahrschwer.de. die es gewagt hatte. die Welt hat diese eines Feindes nicht freuen. Der mahnende Terrorismus weder ins VölkerZeigefinger ist heute so deutsch. Vorweg fehlt das moralische ibyen? Da machen wir nicht mit. Das Fernsehprogramm ist patriotisch: Im ersten Kanal verteidigt sich heroisch die Brester Festung. sieren.Selbstvergewisserung einer wieder gut gewordetigen: die Amerikaner und ihre Soldateska. im dritten läuft die Jagd auf militärische Werwölfe und im vierten ein Spielfilm über die Suche nach Verrätern in der Roten Armee. welche Deals er nebenher im Café Cacao eingefädelt hatte. Warum? »Weil ich den Burschen feuern musste. helfen nur noch tiz. Ökologie oder Einwanderes als ein störender Geselle.keitsfern ist – sondern ganz reale Wirkungen mensch das Attribut »antiamerikanisch« oben. Aber vom wie es einst Pickelhaube und »Nicht zuständig« das »Nicht zuKnobelbecher waren.de. die angeblich alternaBürgerin verbinden sich Pragtivlos sind. Es wäre wohl eine zynische Welt. Dabei dachte man doch. Es war die erste Niederlage der Eishockey-Nationalmannschaft an einem Siegestag. Zum Dank wollte ich A. Was ist denn das größere Übel: einen Probleme löst. der militanten Anhänger des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo. vom Bürgerkrieg geplagten Metropole der Elfenbeinküste. »Das können Sie sich sparen«.. politische Teilhabe meist dann als Vorwurf. im zweiten geht es um Sowjetspione im Hitlerregime (»Unser Mann in der Gestapo«).werteorientiertem Handeln widersetzen sie sich sehen. L . seine übersteigerte Bürgertum. Dieser Nachtklub ist eine Höhle der Jeunes Patriotes. von einem darauf an. rischen Mitteln. Er würde wider seine höchste Pflicht sündigen: den Bürgern Sicherheit und Freiheit zu das gemeinste Verbrechen in jeder Kultur sind. Später zogen die Kommunisten durch Moskau und feierten den Generalissimo Stalin.Macht verachten. abkanzeln ist einzeigt.

Natürlich kann man fragen: Was ist daran oder gar böswillig Hilfe verweigert. vielleicht auch nicht. Das man mit dem erwartbaren Anstieg der FlüchtUN-Flüchtlingshilfswerk und mehrere Men.ALGERIEN ropa aufbrechen. wieder auf der richtigen Seite der Ge. wie bereitwillig die ägyptischen und Egal. die meisten über die Landeshätten ihr Boot gesichtet. Kampfbomber auf Stellungen Tripolis Mittelmeer Im Vergleich dazu sind die der Armee Muammar al-GadBootsflüchtlinge. dass es mit seinem weitreichende Sätze. der EU und der Nato werden in den nächsten Tagen mehrere Schiffe der deutschen Marine ins Mittelmeer auslaufen. zu seitdem wähnt sich Europa. Papst Benedikt XVI. darunter auch zwei in Deutschland. Kennt Europa keine Gnade? VON ANDREA BÖHM nen Booten aus dem umkämpften Libyen nach Flüchtling nicht als Individuum mit Anspruch Italien zu gelangen. sondern auch ein großes Grab.de/audio Gerettet. zu verteilen.. sehe es die Bundesregierung als ihre Pflicht an. Soll heißen: seit die Abwehr von Flüchtlingen zum ideologischen Kern der Migrationspolitik geworden ist und eben diese Abwehr den Mitgliedsländern am Rande Europas aufgebürdet worden ist. sprach sogar acht Wochen einen Skandal dar. nen koordinierten Schutz von Flüchtlingen. Dass Deutschlands Innenchen ist. könnte die Zahl der Toten um mehrere minister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem zuHundert steigen. 61 Menschen. arabischen Diktato.von Resolution 1973 auch dem Übergangsrat im ren Kommandozentralen des Diktators. Friedrich verkündete unlängst im lischen Zeitung The Guardian am 25. auftretendes Flutrisiko sieht. keine »Welkenntnis. der für jeden Einzelnen Freiheit und Küstenwache hat übrigens gerade erst in einem Würde einfordert. Weil sich greifen. die humanitäre Katastrophe vor der libyschen Küste zu beenden. der bei der Vorbereidoch müsse es nun humanitären Prinzipien und tung einer Militäraktion darüber nachdenkt. dass Deutschland dem EU-Mitsechzehn Tage manövrierunfähig auf dem Mittel.Menschenjagden. In Abstimmung mit dem UN-Sicherheitsrat. um Bootsflüchtlinge zu retten und in mehrere europäische Aufnahmelager. einer kleinen tunesischen Stadt an der Aussagen von Überlebenden verdurstet und ver. Wie Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag vor der Presse verkündeten. Auch waren. Die Nato bestreitet übrigens vehement. wonach Ende Schengen-Raum. Wo der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt.sche und die italienische Küstenwache weisen schichte: Auf der Seite eines prodemokratischen ebenfalls jede Schuld von sich. dann findet sich auch in der Außen-und eine Militärintervention in Libyen enthalten.Vorschlägen sofort mit von der Partie ist. Zuständigkeiten und Befehlshierartrunkener Flüchtlinge an Bord. von Libyen über das Mittelmeer nach Nicolas Sarkozy aber fällt nichts anderes ein als die Italien zu gelangen. ohne einen Rettungsver. Dort sind such zu unternehmen. schenrechtsorganisationen begrüßten die deutUnd doch stellen die 800 Toten der vergangenen sche Initiative. Die UN und der Europarat ihre Lebensumstände alles andere gut. Am 17. endlich reits eine monatelange Odyssee hinter sich haben eine effektive Aktion zur Rettung von Boots.gliedsland Malta 100 Bootsflüchtlinge abnehmen meer umhergetrieben sein sollen.und in Libyen gestrandet waren. Vielleicht neu? Seit Jahren schon ziehen italienische Fischer ging dieses Schiff einfach im Durcheinander der mit ihren Netzen immer wieder die Gebeine er. Deutsch. dass ein erheblicher ÄGYPTEN le«.schämend. muss schen vor der libyschen Küste auseinandergebro. Wer die Reise übersteht. ist längst nicht mehr nur Urlaubsraum und Handelsweg. wie dem Flüchtlingsschutz gerecht werden.Prioritäten. mindestens bruch der Kämpfe in Libyen über 600 000 Menein Militärhubschrauber und ein Flugzeugträger schen geflohen.ten. sondern Schwarzafrikaner.POLITIK 12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 5 O peration »Lifeline« hat begonnen.grenzen nach Tunesien und Ägypten.stehen nun alle Ausländer mit dunkler Hautfarbe ten AWACS-Flugzeuge jede Bewegung von unter dem Generalverdacht der Gadhafi-Gegner. Warum? Weil Alles erfunden. sind bis auf Weiteres 20 000 hungert. niemand vorsätzlich offenbar fallen sie nicht unter Resolution 1973. sondern durch unZEIT-Grafik boat people sind übrigens keine Literlassene Hilfeleistung. den erwartet die Unterbringung in einem überfüllten Sammellager. dung von Besatzungstruppen. dieses Detail ist wichtig – mit Beginn des Aufstands gegen Gadhafi zwischen die Fronten geraParis und Berlin? Schweigen.lingen in Seenot bemerkt zu haben. der weit über von einer . habe sich zwar bei rer Sicherheit und öffentlicher Hygiene reduziert der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über wird. Die italienische Aufbruchs.lingszahlen umgeht. Trotzdem ist es belinge zu erwähnen. die gen Euhafis steht man vor der Er. wahr. Zwischenbilanz von mindestens 800. seit Euwww.auch Flüchtlingsboote gezwungen. Es gibt bislang lediglich einen verzweifelten sowie Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und DiktaHilferuf des UN-Flüchtlingshilfswerks turen wie Somalia. Das Mittelmeer chien verloren: ein tödliches Chaos.ma Flucht und Migration auf ein Problem inneland. sind nach In Dehiba. Und befreiten Bengasi noch einmal vorlegen. allen voran Frankreich und Großbritansind nach Schätzungen des UNHCR tatsächlich nien. Europas inzwischen chronische Gleichgültigkeit STOPP! gegenüber Flüchtlingen hinausgeht. Flüchtlinge sind bedrohte Zivilpersonen. Seitdem beobach. wollen den Vorfall nun untersuchen lassen. westliche Kampfjets bombardie. Miggibt in dieser Militäroperation keiranten. Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen im Sollten sich Berichte bestätigen. das in den vergangenen Jahren eher dazu neigte.Häusern der Bewohner. als sie damit zu be. obwohl es den Bootsinsassen nach wenigen Flüchtlinge untergekommen – die meisten in den Tagen auf See gelungen war. Denn es 500 km byer. März ermächtigte Sturz den wichtigsten Türsteher verliert. Offenbar werden manche von ihnen von schleiern oft mehr. werde. die be(UNHCR) an die europäischen Staaten. Diese Strategie der geduldeten oder gezielten Verwahrlosung ist die logische Folge einer europäischen Politik. Aber Mitarbeiter des UNHCR zeigen sich verblüfft.. 7. Bis auf eines: Seit Ende März Europa.die vor Lampedusa auf einen Felsen aufgelaufen scheinlich über 1000 Toten gegenüber. sondern als in der Masse teiligen sich auch die Küstenwachen Italiens. Nach Angaben des UNHCR sind seit Auslischen Priester in Rom die italienische Küstenwache zu alarmieren. Noch der Sicherheitsrat die UN-Mitgliedsstaaten. was dabei herauskommt: EUROPA vor allem die tunesischen Behörden Knapp zwei Monate nach der UNund die Bewohner der GrenzResolution 1973 und nach den gebiete die Flüchtlinge empfanersten Angriffen westlicher Lampedusa gen und versorgen.zeit. Aber Reso.aus anderen afrikanischen Ländern befinden.Gadhafi doch eine moralische Läuterung reklamiert. aber das mit 72 Menschen an Bord über zwei Wochen im Mittelmeer umherirrte. Blieben noch jene rund 72 Flücht. März von deutschen Fernsehen – sichtlich von sich selbst Libyen aus Richtung Italien aufgebrochen und beeindruckt –. Und wenn das TheSpaniens.unter Gadhafi-treuen Kämpfern auch Söldner sonen zu schützen« – mit Ausnahme der Entsen. die nach Recherchen der eng. trunken.sen aber vor den Rebellen fürchten. Vielleicht sollte man den Text byschen Küste. Und womöglich hat im Fall des Schiffs.Gadhafis Soldaten erst ausgeplündert und dann lution 1973 – besser bekannt unter dem Schlag. als sie klarstellen. Die Reaktion in London. Flugzeugträger und Flüchtlinge berichten von Misshandlungen und kleinere Kriegsschiffe patrouillieren nahe der li.niemanden überraschen. Gadhafis Militäreinheiten. Sicherheitspolitik niemand. Schlupflöcher bieten fast nur noch der Landweg über die Türkei nach Griechenland oder der Seeweg mithilfe von Schmugglern und verrotteten Booten nach Malta und Italien. aber nicht willkommen: Libysche Flüchtlinge treffen auf Lampedusa ein Foto: Francesco Malavolta/dpa (Flüchtlinge erreichen Lampedusa. über einen katho.Grenze zu Libyen.auf Würde und Schutz. Zur Einordnung dieser humanitären Geste: darunter mindestes zwei Kleinkinder. Maltas und Griechenlands. um von Angriffen bedrohte Zivilper. Die meisten storben ist. Dass Silvio Berlusconi bei solchen vergangener Woche ein Boot mit bis zu 600 Men. soll er auch bleiben. mit der Unterstützung des Aufstands gegen mindestens 800 Menschen bei dem Versuch er. Sie sind – und flüchtlingen zu starten. in klei- ropa an seinen unsichtbaren Mauern baut. sondern ein Rinnsal – ganTeil der zivilen Opfer nicht LIBYEN ze zwei Prozent sind auf EUdurch Bomben und Kugeln geTerritorium gelangt. Eritreer oder SudaneLibyen »alle notwendigen Maßnahmen zu er. Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ver. Die maltesikämpfen. einem Abrisshaus oder einer selbst gezimmerten Bretterhütte. die den Das Mittelmeer wird für immer mehr Flüchtlinge aus Libyen zur Todesfalle. die in Libyen gearbeitet haben. in mehr müssen sich Somalis. Seit Ende März sind im Mittelmeer über 800 Menschen bei dem Versuch ertrunken. Überlebende behaupten.irgendeinem Zeitpunkt ein Schiff mit Flüchtren Waffen zu verkaufen. so betonte Westerwelle. An Operation »Lifeline« be. Dem steht nun eine düstere wagemutigen Manöver 500 Flüchtlinge gerettet.stimmt. Darfur oder Eritrea. Der Diktator wort »Stoppt Gadhafi!« – enthält einige sehr möchte Europa wohl zeigen. Mai 2011) Auf dem Wasser verdurstet .

« . Gerhart Baum ist seit Jahren nicht mehr Politiker. Rösler sagt. Politiker müssten auch Vorbild sein. »Meistens«. meint sie. dann flüchten Sie. in seinem Buch Leben statt gelebt werden. Nun ist die Familienministerin in einer Situation. Wenn einer Kanzler ist und Kinder hat. Familienfeindlich seien andere Jobs auch. der als Finanzminister einen der tragenden Jobs hatte und als harter Hund gilt. der im Fall einer Entführung des kleinen Walter zu zahlen sei. werden Sie verführt. dass selbst etablierte Politiker nicht ohne Weiteres bereit seien. probehalber. auf »gefahrengeneigte Posten« zu wechseln. darauf legt Kristina Schröder Wert. »Die Menschen haben ein realistisches Gespür dafür. wurde es taghell wegen der Lichtschranken. »dass er künftig die Termine für die Telefonkonferenzen bestimmt. sagt Baum. winkten mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gleich zwei konservative Politiker mit dem Hinweis ab. Einmal stand Seehofer am Fenster. immer mehr Entscheidungen und auch einer Menge Alkohol im Grunde bedauernswerte Existenzen führten«. Gallen. Worauf der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schließlich erbost verbot. sagt Baum. Der Berliner Volker Ratzmann zog 2008 seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Grünen zurück. In Spitzenjobs der Wirtschaft habe man es auch schwer.« Das Work-Life-Problem empfiehlt er auf traditionelle Weise zu lösen. »Die Anforderungen an Politiker werden immer heftiger«.« Das Gefährliche an der Politik. Ein Enddatum würde Schröder ihrer politischen Laufbahn nicht öffentlich setzen. andere Spitzenpositionen in der Politik zu übernehmen. Bei ihrer Hochzeit hat sie die Kirche gewechselt. Was denkt einer. dass man auch als Politiker ein normales Privatleben haben kann und sich nicht verbiegen muss«. der Familie gerecht werden und den Wählern. dass der neue Parteichef Philipp Rösler seine Frau fragt. ob er seinen Satz zurücknehmen müsse eines Tages. dann umso mehr. sagt Thomas Steg. das offensiv zu tun. am Ende seiner Dienstzeit war der rechte Arm vom Öffnen der schweren Auto-Panzertür lädiert. dann sind das arme Kinder«. ins Schlafzimmer kommt eine Stahltür. wieder aufzuhören. aber sie verändern den Alltag dramatisch. Vätermonate. wie eine Metapher aus der Welt der Zugtiere lautet. immer für ihre Kinder da sind. Kristina Schröder hat sich auf das Gespräch vorbereitet. Er wünscht all den jungen Politikern. Wenn sie ehrlich ist. aber es gibt immer mehr. kann etwas erzählen über die Zumutungen der Politik. kann auch sie sich nicht vorstellen. wenn er hört. beschreibt Walter Kohl. Instrument eines Systems zu sein. »menschlich«. die nicht gefragt wurden. Und als ein Nachfolger für türlich! Denn moderne Frauen. Ein gutes Vorbild für die Gesellschaft sei das nicht. vor ihm einer und daneben drei Motorräder. stellt Seehofer fest. Nur schaut bei denen nicht die ganze Republik zu. dieses Wochenende ist für die Familie reserviert. in der der Partner viel mehr Einfluss nimmt«. in denen verdient man keinen Euro mehr als am Tag bevor man sie antrat. zu beweisen. noch mehr Terminen. in der sie. Nicht weil sie nicht hart genug seien. »Das Gefährliche ist das Anziehende daran. sie hat ein Buch geschrieben. warum man inzwischen unabkömmlich sei. sondern beäugt.« Wo so viele nicht zu ihren familiären Verpflichtungen stehen. sagt er. wer sich für die Partei aufopfert. Als in Berlin die Nachfolge von Guido Westerwelle ausgehandelt wurde. ein Umzug sei das noch nicht. Sie entfremden sich Ihrem privaten Bereich. sondern ein Leben während der Politik. wenn die Frage kommt: Kann eine Kanzlerin Mutter werden? Von Amts wegen müsste sie sagen: Na- war Innenminister unter Helmut Schmidt. er befahl Hans-Peter Friedrich. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Illustration: Beck für DIE ZEIT/www. der Sohn Helmut Kohls. den die Gegner schnell gegen einen verwenden können. dass Menschen sagen. so einen Posten. kein Gefangener der Macht. dass das gegen sie verwendet würde. Sicherheitsstufe 1. Es handelt vom Preis der Politik für die. »Falsche Loyalität darf es in der Politik nicht geben«. sie könne sich vorstellen. Das Thema Work-Life-Balance hat die Politik erreicht. weiß sie: Nein. in zweiter Ehe verheiratet. Horst Seehofer gilt vielen als Prototyp des Machtpolitikers. sich selbst treu. Die andere Frage lautet. Darum gehe es ja: keine Ausrede zu finden.« Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. sagt Baum. er mache sich keine Gedanken. die so denken. »Ich werde alles daran- Karl-Theodor zu Guttenberg gesucht wurde. »wird man in Deutschland unter 50 Jahren ja ohnehin eher nicht Kanzlerin. »offenkundig Privatleben und Beruf vereinbaren muss«. die in all dem liegt. wird nicht mehr bewundert. »Es gibt heute ein anderes Rollenverständnis in der Familie. Kristina Schröder sitzt in einem Besprechungsraum in ihrem Ministerium. nämlich dadurch. ob sie einen solchen Preis zahlen wollten: die Familien und Angehörigen von Politikern.« Miriam Meckel war Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen. die sich auch vorstellen könnten. »Wenn jemand beispielsweise Fraktionsvorsitzender ist. Man kann aber auch sagen: Was ist eine Partei-Intrige gegen eine Facharztprüfung? Einer wie Peer Steinbrück. 1998. dass irgendjemand noch irgendetwas erst mit seiner Frau besprechen dürfe. Wenn er im Auto saß. in dessen Beisein auf fünf Millionen Mark fest. »Wenn Sie in die Politik gehen. Der FDP-Politiker heutzutage? »Ich finde diesen Satz sehr sympathisch«. sind out. und sagt: »Mit 45 höre ich wieder auf«? Beneidet der 78-Jährige den 38-Jährigen. aber mit Mitte 35 stehe für sie »die Familienplanung im Vordergrund«. sagt Kristina Schröder Inzwischen lässt sich die Schwangerschaft nicht mehr verbergen. sagt Rösler. die sich ausschließlich über eine politische Stellung definieren. er stattet sich selbst mit einem Verfallsdatum aus. Die Schnelligkeit. Zurzeit ärgert er sich über die Jungen in seiner Partei. während die Politik immer härter wird. Einmal kommt das BKA und legt den Höchstpreis. vor dem man sich in Acht nehmen muss. Immer mehr Politiker wollen nicht nur ein Leben nach der Politik. »die nicht in die persönliche Lebensplanung passen oder in denen Unwägbarkeiten drohen«. Familie haben. die Chance. und 2004. ist längst auch bei bürgerlich-konservativen Politikern normal. weil Rösler sich damit angreifbar macht. »Ich habe es nicht geschafft«. Dann werden andere die Probleme haben. als Gegen-Rösler par excellence. ich bin nicht Instrument eines Systems. Man kann sagen: Da ist einer der wichtigsten Politiker Deutschlands in der wichtigsten Stunde seiner Karriere nicht dabei. was es mit der Politik macht. die in einem »Zwangssystem aus Terminen. Falsche Loyalität sei es zum Beispiel. das würde wohl nicht gehen.« Was verführt einen? »Die Möglichkeit. Staatskrisen abzuwenden. und viele ihrer Kollegen empfinden es ähnlich.schneeschnee. kann dieser Wunsch in der Politik Wirklichkeit werden? Das ist die eine Frage.« Zweimal hat er plötzlichen Machtverlust erfahren. denken viele Bloß nicht wie Kohl werden oder wie Westerwelle. Es sei eine neue Erfahrung. »Es ist wichtig. ob er sein Amt antreten soll. jedenfalls wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. die Familie und Partner stellen – die Modernisierung der Gesellschaft macht auch vor ihren Volksvertretern nicht halt. was sie sagen wird. Damit Sie die Polizei rufen können. sah draußen keinen Fahrer mehr und keine Sicherheitsbeamten und merkte voller Schreck. Auf einmal steht ein BKAKommando im Haus. wie es so schön heißt. an dem man sich infizieren kann. das muss sie als Ministerin sagen. Wenn nachts ein Hase durch den Vorgarten hoppelte. als er im Streit um die Gesundheitspolitik als Fraktionsvize zurücktrat. Es gibt nicht viele wie Rösler in der Politik. Weil er zum Nachdenken anrege über die Frage: Was ist die Rolle eines Politikers? Röslers Satz ist der Versuch eines Spitzenpolitikers. dass Philipp Rösler nicht mit 45 aufhört. dass er keine Befreiung empfand. Aber das wäre auch so ein Satz. politikfreie Wochenenden. wie sie selbst sagt. Begriffe wie »in den Sielen sterben«. Baum. ließ sich Philipp Rösler telefonisch zuschalten. die offen bekennen: »Für mich ist Politik ein Stück Sucht. sich vor der Politik in Sicherheit zu bringen. Gerhart Baum hatte so einen Job. er glaubt. sondern weil sie die Politik nicht verstanden hätten.« Nachdem Peter Ramsauer nicht Verteidigungsminister und Joachim Herrmann nicht Innenminister werden wollte. sagt Schröder. Es ist ein ungewöhnlicher Satz. können alles. sagt Baum. das Rösler bekämpfen will: dass die Politik etwas Schmutziges ist. dass ihnen das alles gelingt: ehrlich bleiben. sondern: Nein. einen Cordon sanitaire zu schaffen zwischen der Macht und dem Menschen. das vom Burn-out handelt. muss er auch bereit sein. berufstätige Ehefrauen – was bei Grünen und Sozialdemokraten noch programmatischen Charakter hatte. weil sie weiß. sondern Angst und die bange Frage: Gibt es mich eigentlich noch? Seehofer glaubt nicht an selbst gesetzte Verfallsdaten. gefälligst ein Amt im Kabinett anzutreten. Es ist einer von vielen Widersprüchen. und übers Bett sollte ein Knopf. Und nichts wünscht sich das Publikum mehr als Politiker. und auch deshalb sei ein Satz wie der von Rösler gut. das sei ja nicht das Hässliche. Der Satz ist auch zwiespältig. Aber wie viel Freiheit darf sein in ihrem Job? VON TINA HILDEBRANDT E s gibt Jobs. die »authentisch« sind. die mitten im Leben stehen.6 12. ehemaliger Regierungssprecher. Denn was wollen die Bürger im Zweifel lieber: dass ihr Kanzler nachts am Schreibtisch sitzt oder am Kinderbett? Die Röslers suchen jetzt eine große Wohnung in Berlin-Mitte. denken viele und meinen: keine Maske. um die Paparazzi irrezuführen. kaum ein Partner sieht sich heute noch als stiller Dulder.« Wie es ist. dass man die Macht umarmen muss: »Ich würde jede Wette eingehen. oder denkt er: Alles Memmen setzen. eine Hand auf dem Bauch. In der Politik hat Meckel Menschen gesehen. »Ich bin viereinhalb Jahre nicht alleine aufs Klo gegangen«. Katja Kipping von der Linken erklärte kürzlich. weil seine Frau ein Kind erwartete und sich im Jahr darauf wieder für den Bundestag bewerben wollte. aber natürlich jederzeit in der Lage. Aber ein Leben lang Politikerin zu sein. mit denen Politiker umgehen müssen. sagt: »Ich will lieber von Leuten regiert werden. die private Kategorie der Dankbarkeit ins Politische zu übertragen und Guido Westerwelle nicht zu stürzen. Aber das Familienleben mit dem Beruf zu vereinen. sie hat überlegt. als die Regierung Kohl abgewählt wurde.de Die neue Berliner Balance Immer mehr Politiker fordern Zeit für Familie und Privates ein. weil er das Klischee nährt. Schröder wollte Privatleben und Politik immer trennen.« Aber wo genau kippt die Work-Life-Balance in der Politik aus dem Politischen hinaus? Für Horst Seehofer sind bei allem Verständnis für mitentscheidende Ehegatten irgendwann die »Grenzen der Verantwortungslosigkeit erreicht«. heute ist sie Professorin an der Universität in St. mit der man reagieren müsse. und wenn der private Bereich dann auch noch Schwierigkeiten macht. allerdings ein politischer. Abstoßende. weil seine Frau Facharztprüfung hatte. sei »Lichtjahre« von früheren Verhältnissen entfernt. Entscheidungen zu fällen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. sagt Schröder mit einem feinen Lächeln. Kaum einer der jüngeren Politiker mag sich so etwas vorstellen. Die Politiker werden weicher – man könnte auch sagen: normaler –. irgendwann mal ihre Partei anzuführen. der für die Politik härteste Einschränkungen in Kauf genommen hat. er ist wieder Rechtsanwalt. wenn immer mehr Politiker ihren Posten als Teilzeitjob statt als Lebensinhalt begreifen. interessante Menschen zu treffen. fuhr hinter ihm ein gepanzerter Wagen mit Sicherheitsleuten. Doch Seehofer ist einer der wenigen. »nicht verdruckst zu sagen: Ich habe einen anderen Termin. Vater von drei Kindern. »Die Anforderungen werden immer heftiger«. als von machtversessenen Typen. Sie hat sich vorgenommen. Politiker. wollten sie sich und ihrer Familie nicht antun. sehe sie für sich als Ministerin »eine Bringschuld«. zwischen den Antworten atmet sie ein bisschen schwerer als sonst. platzte Seehofer der Kragen. Er vertrat sowjetische Zwangsarbeiter und verklagte die Telekom wegen ihrer Datenskandale. und es heißt: Das Fenster hier muss raus.

ZEIT: Bisher haben viele Ihnen die nötige Härte für ein Spitzenamt nicht zugetraut. Nehmen Sie die Energiewende: Da ist man sehr hektisch von einem Extrem ins andere umgeschwenkt. Rösler: Nein. die Atomkraft für eine akzeptable. wie wir miteinander umgehen. damit klar ist. adoptiert von einem Ehepaar in Norddeutschland 1992–1999 Sanitätsoffizier und Medizinstudium bei der Bundeswehr 2000–2009 FDP-Generalsekretär. In der Wirtschaftskrise müsse die FDP sich deutlicher zu Werten wie Solidarität bekennen 2009 Bundesgesundheitsminister. Das muss anders werden. Eine ostdeutsche Frau ist hier Bundeskanzlerin geworden. Nirgends kann man den Amerikanischen Traum besser leben als in Deutschland. ZEIT: Die FDP steht für große außenpolitische Grundsatzentscheidungen. ZEIT: Haben Sie sich gefreut über den Tod von bin Laden. Ich halte Wirtschaftskompetenz nicht für weniger wichtig. digkeit. möglichst noch etwas lauter als bisher. wäre das schwierig. dass man alte. ZEIT: Bei der Katastrophe von Tschernobyl waren Sie 13 Jahre alt. Rhabarber dürfe man wegen der radioaktiven Verseuchung auf gar keinen Fall essen. als Rainer Brüderle es tut. müssen Sie neben den Regierungen auch die Abgeordneten beteiligen. lässt sich nicht irritieren von äußeren Einflüssen und Kommentaren – und am Ende kommt oft das heraus. Wenn die FDP gute Regierungsarbeit macht. Verpflichtet das einen jungen Parteichef wie Sie? Rösler: Zur Zeit des Kalten Krieges war das erste Ziel. wenn ich zum Reichstag fahre und die große schwarz-rot-goldene Fahne da oben sehe. Rösler: Mit den Inhalten ist es nicht anders als mit dem Personal: Wenn Sie etwas für sich als wichtig entschieden haben. die kritisch über europäische Bürokratie oder mangelnde Transparenz sprechen. reden aber weniger darüber? Rösler: Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft. was ist da passiert? Ich war einfach neugierig. dass sich viele Menschen erlöst fühlen. Es ist jetzt die Aufgabe der FDP. Mein Ziel als Wirtschaftsminister muss es sein. bekannte Forderungen ständig wiederholt. dass Frau Merkel und ich grundsätzlich ähnliche Typen sind. die Bundeswehr oder die Energiewende nicht von Wahlterminen in den Ländern beeindrucken lasse. 2040? Wenn sich andere überbieten bei den Ausstiegsdaten. Wenn Sie mehr Akzeptanz für Europa wollen. die noch das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt haben. einer Partei mit großer außenpolitischer Tradition. Rösler: Meine Erklärung ist. ZEIT: Wird es mit Ihnen an der Spitze mehr oder weniger Konflikte in der Koalition geben? Ihre Partei wünscht sich beides: weniger Streit und dass die FDP sich häufiger durchsetzt. dafür steht die Generation von Hans-Dietrich Genscher. ZEIT: Zwanzig Prozent sind gegen einen schnellen Atomausstieg. das Positive zu sehen. beherrschbare Technologie hielten. welche Inhalte wir vorantreiben. immer wieder hören: Bitte nicht. sondern durch Verlässlichkeit. Das Gleiche gilt für Guido Westerwelle und Rainer Brüderle. Und ich wollte nicht. keine deutschen Soldaten in einen Auslandseinsatz nach Libyen zu schicken. wenn der Parteichef gleichzeitig das Wirtschaftsministerium führt. ZEIT: Hier steht aber keine Fahne. dass beides zusammenhängt: Wenn diejenigen. Deutschland ist meine Heimat. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 7 wollte die FDP attraktiver und sympathischer werden. muss man Optimist sein. wenn Kritiker also reflexhaft in die europafeindliche Ecke gestellt werden. Wirtschaftsinteressen wahrzunehmen. dass Sie nur verkrampfen. ZEIT: Was wollen Sie am geplanten Euro-Rettungspaket ändern? Rösler: Erstens brauchen wir harte Auflagen. sachliche Kritik aufzugreifen und zu zeigen.POLITIK DIE ZEIT: Herr Rösler. Ihr »ordoliberaler Kurs« gehe »an den Menschen vorbei«. Finden Sie. Der beste Weg. ZEIT: Sie wollen einen anderen Umgang mit Frau Merkel pflegen als Guido Westerwelle? Rösler: Das ist eine Selbstverständlichkeit. verantwortlich für den Tod Tausender. dass wir an die Jahreszahlen. das angeblich nur einmal in 100 000 Jahren eintritt. Sonst wäre ich auch falsch in meinem künftigen Ministerium. Das werden wir tun. Bisher haben wir aber zu Recht primär über die Sicherheit der Kernkraftwerke diskutiert. ZEIT: Mit welcher Bilanz soll die FDP 2013 um Wiederwahl werben? Rösler: Auch da gilt. also die FDP. ZEIT: Sie haben der FDP mal in einem Essay empfohlen. ZEIT: Und was war Ihr erster Gedanke? Rösler: Stimmt das wirklich? Der zweite: Wie war das. Ist Europa für Sie Heimat? Rösler: Heimat – da denke ich an die Region. Kann das funktionieren? Rösler: Wenn es diesen Gegensatz gäbe. ZEIT: Sie wollen also immer noch die Steuern senken. Die Balance muss stimmen in dieser Debatte. wie die Kanzlerin? Rösler: Ich habe großes Verständnis dafür. gibt es dafür zumindest mehr Spielräume. ZEIT: Der Preis ist der FDP also wichtiger als ein möglichst schneller Ausstieg? Rösler: Nein. ZEIT: Inwiefern? Rösler: Ohne mich auf eine Ebene mit der Kanzlerin stellen zu wollen: Frau Merkel sieht sich Dinge ruhig an. Vielleicht gelingt es der deutschen Industrie jetzt sogar. das Sie als FDP-Chef vorantreiben wollen? Rösler: Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht dadurch zurück. Das ist mir besonders wichtig. Ich will. Eine vernünftige Partei. dass dieses Projekt vergleichbar ist mit der Mondlandung. Gibt es kein großes Projekt. wenn man immer Rhabarber essen darf. Wir geben unseren Markenkern nicht auf. Das wäre ein Renner. Als Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken habe ich mich allerdings stets sehr stark engagiert gegen die Todesstrafe. Deutschland bietet allen Menschen alle Chancen. wo sich Europa ändern muss. Sie wollen die Partei programmatisch verbreitern. Preisschilder hängen. richtige Feststellung. die Diskussion zu beenden.zeit. in der ich aufgewachsen bin. Brüderle fordert eine Konzentration auf die Kernthemen der Liberalen. plötzlich Realität wurde – und das im Hochtechnologieland Japan. ein in Vietnam geborenes Adoptivkind wird jetzt ihr Stellvertreter. Zweitens sind Sanktionsmaßnahmen erforderlich für Länder. Aber für das Ansehen der Regierung ist nicht nur wichtig. müssen Sie es auch durchsetzen. ohne dass man erst zehn Menüpunkte auf einem Display durchblättern muss. Stabilität und Frieden zu erhalten. heute so viele Euro-Skeptiker gehören. auch jedes Mal. über Glaubwür- 12. etwa für die Haushaltskonsolidierung. Ich sehe die Energiewende daher als Chance für Deutschland. eher intellektuelles Verhältnis hat als diejenigen. eine Kaffeemaschine zu entwickeln. das spüre ich jeden Tag. führt das zu Gegenreaktionen. mit Ihnen an der Spitze ZEIT: Sie reden viel über Stilfragen. Übrigens hat es auch nicht funktioniert. du darfst nicht die europäische Idee gefährden. Diesem Land habe ich nicht nur viel. Das hat sich verschoben. damals hieß es aber. dass auch über den Preis des Ausstiegs geredet wird. in Deutschland produzierte Windanlagen überall in der Welt anzutreffen. Da sind viele Menschen enttäuscht – leider wird dieser Frust vor allem bei uns abgeladen. und im Herbst wird in drei Bundesländern gewählt. den Begriff der Heimat zu entdecken. Ich bin zuversichtlich. ZEIT: Wie lässt sich der Schaden beheben. weil ein Ereignis. die sich nicht an die Vereinbarungen halten. Das Gespräche führten PETER DAUSEND und ELISABETH NIEJAHR Foto (Ausschnitt): Anatol Kotte für DIE ZEIT FDP: Berichte vom Parteitag auf ZEIT ONLINE www. Deutsche Interessen zu vertreten bedeutet heute auch. warum ausgerechnet zur FDP. jüngster Wirtschaftsminister in Niedersachsen 2008 In einem Thesenpapier (»Was uns fehlt«) kritisiert er die Bundespartei. Das war ein Fehler. Haben wir gerade eine Häutung zum Machtpolitiker erlebt? Rösler: Sie haben erlebt. sondern alles zu verdanken. Es gibt keine Ost-West-Auseinandersetzung mehr. Und neulich habe ich das erste Mal seit 25 Jahren frischen Rhabarber gegessen. mit 36. muss dafür sorgen. 2030. Sehen Sie in der Energiewende eher eine Belastung für die Wirtschaft wegen der steigenden Preise oder eher eine Chance zur Erneuerung? Rösler: Da man keine Wahl hat. Euro-Skepsis. Atomausstieg: Wie Philipp Rösler die zerrüttete FDP erneuern will Rösler: Definitiv ja. Sind das nicht Ihre Wähler? Rösler: Beim Atomausstieg müssen wir die Partei der Vernunft sein. ZEIT: Sind Sie patriotisch? »Am Ende gewinne ich« Führungschaos. dass unser Parteitag am Wochenende ein Neuanfang wird. Trotzdem habe ich später zu denen gehört. Berechenbarkeit und Entschlossenheit in der Sache. aus Platzgründen. Und insgesamt glaube ich. ZEIT: Sie sind demnächst Wirtschaftsminister. Dass das ein großartiges Land ist. ZEIT: Was ist cool an Deutschland? Rösler: Der Begriff patriotisch wirkt ja ein wenig pathetisch. im Gegenteil – es ist ein Signal. Mit Fukushima hat sich das auch für mich geändert. Drittens muss das Parlament bei jeder Rettungsaktion mitentscheiden. das Sicherheitsaspekte. Zwischen Birgit Homburger und mir wird menschlich nichts Negatives zurückbleiben. Was kostet der Ausstieg 2020. Sie wird einen Innovationsschub auslösen. Deswegen. weil Menschen nun mal unterschiedlich sind. weil ich glaube. ZEIT: Sie werden Wirtschaftsminister. und so wird es unter meiner Führung sein. kündige ich jetzt nicht groß an. den wir zu Beginn der Legislaturperiode gemacht haben. Aber wir dürfen niemals einen Zweifel an unserer Bündnistreue auch nur aufkommen lassen. Wir haben einen of- Der Neue 1973 geboren in Vietnam.de/FDP . Kosten und Versorgungssicherheit berücksichtigt. Meine Oma hatte ihn immer in ihrem Garten in Hamburg-Harburg. wollen wir ein realistisches Ausstiegsszenario anbieten. Wie haben Sie diese Tage erlebt? Rösler: Wir durften nicht rausgehen zum Sportunterricht. wenn Sie ständig an den Wahltag denken. Und dazu gehört. deren Heizplatte man abschalten kann. dass wir auch schwierige Entscheidungen anders fällen als andere Parteien. sondern auch. dass das mit dem Personalgerangel der vergangenen Tage gelungen ist? Philipp Rösler: Wir wollen vor allem wieder erfolgreicher werden. die aktuell diskutiert werden. Die Welt ist schöner. wartet ab. da stehen die Deutschlandfahne und die Europafahne. Vorbereitung der Krankenkassenreform 2011 Kandidat für den Parteivorsitz Hobby: Bauchredner fiziellen Saal. Christian Lindner und ich sind uns vollkommen einig. der durch den deutschen Alleingang in der Libyen-Frage entstanden ist? Rösler: Ich halte die Entscheidung für richtig. dass wir schon am Montag danach statt über den Euro oder die Energiewende über die Besetzung der Fraktionsführung reden. Landesvorsitzender und. Freiheit und Wirtschaftskompetenz. Es wird meine Aufgabe sein. dass meine Generation zu Europa leider ein weniger emotionales. für die nötige Gelassenheit innerhalb der Regierung zu sorgen. keine Blockkonfrontation. was wir Tolles machen werden. was sie sich wünscht. nicht um Dauerlösungen. wird sie 2013 gewählt. Osama bin Laden war ein Terrorist. ZEIT: Wie hat Ihre Herkunft Ihren Blick auf Deutschland geprägt? Rösler: Meine Dankbarkeit macht es mir leichter. dass es sich bei allen Hilfen nur um Maßnahmen zur Überbrückung von Schwierigkeiten handelt. Rainer Brüderle wird Fraktionsvorsitzender. Gelassenheit. und cool passt irgendwie nicht. war eine schnelle Entscheidung. Wie kommt Ihre Partei aus dem Vier-Prozent-Loch? Rösler: Indem ich mich als Bundespolitiker bei den anstehenden wichtigen Entscheidungen über den Euro. ZEIT: Die FDP hingegen verliert. ZEIT: Wir wüssten gern. hier bin ich groß geworden.

Osama sei tot?«. Nur keine Eile. Er führt durch die Moschee. In der Nähe wurde bin Laden getötet Der Sieg wird unser sein Von Osama bin Ladens Tod lassen sich die Islamisten nicht beirren. Dschama’at al-Islamija. Nichts überstürzen. Als ihn später die Nachricht von bin Ladens Tod erreicht. Alle Räder stehen still. auf die Straße zu gehen. ein früherer Universitätsprofessor. der Ibrahim trifft. sondern Mittel zum Zweck eines islamischen Staates – wie die arabischen Revolutionen. meistens in irgendeinem Büro. Sie wittern ihre Chance.« Er ist erst 35 Jahre alt und Imam. Ibrahim dagegen glaubt. Aber es ruft zum Kampf gegen die Ungläubigen auf. die lange abseits von Gewalt und Terrorismus lag. er lächelt. sogar radikalen Islam. In fünf bis zehn Jahren wird er dauerhaft sein.« Im Gegensatz zu westlichen Beobachtern. dass seine Stunde noch kommen wird. der Zorn Arabiens richte sich nicht gegen die USA.und Kolonialpracht. Osamas Platz einzunehmen. Er stellt die Stühle in die Sonne auf den grünen Rasen. klagt eine Frau. Angesehene Männer wie der frühere ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof von Lahore klingen wie Islamisten. Kein Wort davon. fragt er seelenruhig am Telefon mit seiner leisen. die ihre Despoten abgeschüttelt hat. mit großer Beständigkeit seit über 20 Jahren dem islamischen Glauben zuwende. einst Vorzeigestadt Pakistans. was es heißt. müsse um sein Leben fürchten.« Für Ibrahim geht die Geschichte weiter. Es war angsterregend. Zu gefährlich. Es fordert die strenge Wahrung der islamischen Gesetze. Überall liegen rote Teppiche aus. »Die Demokratie. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer wieder brutale Anschläge. da extremistische Gruppen einen Anschlag auf Ausländer planen könnten. Für ihn schreitet mit Revolution und Instabilität in der Region nur die »Talibanisierung der Köpfe« voran. die Scheiben sind verdunkelt. »Pakistan ist der zukünftige Staat al-Qaidas. als Maulana Abdul Aziz aus der Hauptstadt Islamabad in ein kleines Dorf aufbricht. Ibrahim sieht darin die Chance für eine Wende. Aziz ist Vorsteher der Roten Moschee. Ich aber zweifele daran nicht. zu den Waffen zu greifen. sagt er. Längst ist die Ideologie der Islamisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen. »Sogar auf dem Tahrir-Platz in Kairo warfen sich alle auf die Knie und beteten. Jeder. acht Millionen Einwohner. die sich der Westen wünscht. dass die USA und auch Deutschland kein Recht auf Intervention in der Region hätten. Dafür müssen wir jetzt schon hart arbeiten. Weil er in einer Demokratie lebe. die sich gegen das strenge Blasphemie-Gesetz des Landes ausgesprochen hatten. Aziz und seine Predigerfamilie aber unterstützten die Geiselnahme. Westliche Intellektuelle betonen. sondern gegen die eigenen Herrscher und sei deshalb ein Votum für die westliche Demokratie. dass selbst radikalste Koranprediger in Pakistan salonfähig geworden sind. Wir können in keinem Hotel übernachten. In zwei Jahren haben wir Wahlen«. sagt er. das Ziel auch. in der Geistlichkeit tief verwurzelten antikolonialen Bewegung. VON GEORG BLUME D Ibrahim glaubt. Bald tönen Kinderstimmen aus der Schule herüber. Und obwohl ihre radikalsten Anhänger dieser Tage Bin-LadenPorträts auf den Straßen schwenken.« Aziz entstammt einer berühmten Predigerfamilie. wie abgewirtschaftet die alte demokratische Elite. Er leitet eine Journalistenschule in Lahore. im Westen erheben sich die Berge um den Khyber-Pass nach Afghanistan. er war Provinzpräsident. wird nicht kommen«. Doch politisch bedeutsam wurde sie erst. Kürzlich sind zwei Politiker ermordet worden. das in ei- nem neu gebauten Moschee-Komplex mit islamischer Schule liegt.8 12. alte Mogul. sagt Ibrahim. Ihre Geduld ist aufgebraucht. ein Gotteshaus mitten im Regierungsbezirk der Hauptstadt. noch immer ist er ein Mann mit viel Einfluss in Peschawar. Es ist sein Vereinnahmungsversuch. Frauen verschleiern sich und schicken die eigenen Kinder auf die strengsten Koranschulen. Ibrahim muss sich mit diesem Büchlein nicht verstecken. Das Büchlein ist kein Appell. Nur nicht drängen lassen von den Ereignissen. Würden die Islamisten in Pakistan die nächste Wahl gewinnen: Ibrahim würde Regierungssprecher oder Außenminister werden. dann sind andere dafür verantwortlich. »Die wirkliche Gefahr für uns ist der sogenannte Krieg gegen den Terror. »Aber der Wandel hat gerade erst begonnen. vornehme beige Kleider. ruhiger klarer Blick. dass er die islamische Sache nicht in Gefahr sehe. Ibrahim gilt als Architekt dieses Wahlsiegs. Nicht zufällig stammt es aus Pakistan: Operativ war das Land für die islamistische Bewegung bedeutungslos. Dagegen rief die Erschießung bin Ladens durch die US-Streitkräfte deutlich mehr öffentliche Kritik hervor. Kaum einer in seiner Partei hat so viel Regierungs. Ibrahim schaukelt mit seinem Stuhl auf dem Rasen und schaut in den Himmel. wären die Taliban und al-Qaida keine Bedrohung mehr für uns. Dann verlor sie die Wahlen. über Tunesien. ein junger Mann mit Brille und brauner Predigerkappe. Wo immer man in Pakistan heute hinhört – alle liberalen Kräfte betonen. Dennoch: Die politischen Islamisten hatten gelernt. dass ausländische Mächte für Terror und Gewalt in Pakistan verantwortlich seien. Deshalb fürchten sie jetzt. Bald schon. Seitdem gilt die Moschee als Hochburg der radikalislamischen Bewegung. »Wenn unsere Führer es wagen würden. der Scharia. Wer den islamischen Gesetzen öffentlich widerspreche. im Osten strahlt die weiße Moschee vor blauem Himmel. Ahmed hat Angst vor Anschlägen. Eine ungewöhnliche Reise. ein Prediger wie sein Onkel. seit 1965 führt sie die Rote Moschee. Kurz bevor die Nachricht vom Tod bin Ladens eintraf. sagt Ibrahim. Militärs hatten die Moschee gestürmt. Bestraft wurden sie dafür nie. Er wird begleitet von vier bewaffneten Männern mit AK-47-Gewehren. »Im Augenblick herrscht in der islamischen Welt Aufruhr«. die arabischen Revolutionen stünden für Modernisierung und Säkularisierung. Wir können friedlich entscheiden. »Die arabischen Völker kämpfen gegen ihre Despoten. Unter den Mullahs herrscht nicht nur Chaos. die bereit sind. sondern eine islamische. sich von diesem Krieg zu distanzieren. die bei einer Stiftung arbeitet. in dem vor wenigen Jahren eine spektakuläre Geiselnahme der Taliban endete. wie sehr das Militär von Islamisten unterwandert sei und wie sich letztlich das ganze Land Schritt für Schritt. Und wenn. Nur keine Eile. politisch hält er sich zurück. worüber die Islamisten bisher geschwiegen haben: über sein Land. hatte er in das nordwestpakistanische Peschawar eingeladen.und Amtserfahrung wie er. dass die Revolutionen ein Kampf für islamische Ideen sind Ibrahim sieht aus wie ein Weiser aus dem Morgenland: langer weißer Bart. wie man auf demokratischem Weg die Macht erobert. ist klar. der Krieg um Libyen. als sie vor acht Jahren die Wahlen in der Nordwestprovinz gewann. warnt der international bekannte Autor und Journalist Khalid Ahmed. Zwar gründet Ibrahims Partei Dschama’at al-Islamija auf einer über hundert Jahre alten. Keine demokratische. Es neigt zur Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. dass die Revolutionen ein Kampf für die islamischen Ideen sind. zu regieren. Für Ibrahim ist die Demokratie nicht Ziel. Eine Reise durch Pakistan Peschawar/Lahore/Islamabad er Tod Osama bin Ladens. »Ist es nicht denkbar. denn seit Monaten dürfen westliche Journalisten nicht nach Peschawar. weil sie ihre peinliche Niederlage in Afghanistan kaschieren und uns glauben machen wollen. »Ich sehe keine Notwendigkeit. Ich habe volles Vertrauen in die Massen der Muslime. Besonders bedauert er die Lage in Syrien: kein Licht am Ende des Tunnels. erhält seine politische Bibel: eine Schrift des bedeutendsten Theoretikers von Dschama’at al-Islamija aus den dreißiger Jahren. Sie werden die USA und ihre Ideen besiegen und das heutige politische Vakuum füllen – sofern man sie frei wählen lässt«. Er lässt zwei Stühle aus seinem Büro bringen. dass islamische Bewegungen die Herrschaft ZEIT-Grafik Khyber-Pass AFGHANISTAN Abbottabad Islamabad Peschawar us Lahore INDIEN I nd PAKISTAN PAKISTAN Arabisches Meer 200 km Arabisches INDIEN Meer in den arabischen Ländern erringen. »Es muss heute Tausende geben. Nach und nach ist die Stimmung gekippt – wann. sondern dem strengen. Und zwar nicht dem moderaten. Dass die Geschichte ihm noch recht geben wird. Sehr bald werden die Bewegungen in den arabischen Ländern islamistische Züge bekommen. Doch er reist immer noch viel in der Region. er zeigt auf kunstvolle Deckenmalereien und lässt sich vor einer Bücherwand in seinem Büro nieder. Ibrahims Partei ist heute in modernen Wahlkampftaktiken erprobt. die seine islamistische Partei hegt. Aziz’ Neffe kommt. Ein kompakter roter Backsteinbau mit roten Mosaikfenstern. Foto: Faisaal Mahmood/Reuters . sagt er. sagt er. spricht Ahmed aus pakistanischer Erfahrung. Aber Ibrahim will endlich reden. Die Gefahr eines Atomstaats in Terroristenhand steht hier unmittelbar vor der Tür«. über die Hoffnungen. hat sie sich im öffentlichen Meinungsbild erfolgreich von al-Qaida abgegrenzt. Seither wird sie auch in der Hauptstadt Islamabad ernst genommen. seit der arabische Frühling herrscht. Er trägt eine weiße Kutte und einen schwarzen Turban. Lahore zum Beispiel. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK Jungen an einer Koranschule im pakistanischen Abbottabad. Der Heilige Krieg kann nicht durch den Tod einer Person geschwächt werden. Den Ort für das Treffen wählt er mit Bedacht. Und ein allzu weltlicher Präsident an der Macht. Genau das will Ibrahim zeigen – seine heile islamische Welt. Er ist sich sicher. die Revolutionen in Ägypten und Tunesien – weshalb die Aufregung? Der Weg. aber betonten Predigerstimme. Ägypten. Und neuerdings als Ort der Hoffnung. um den Bau einer Mädchen-Koranschule zu besichtigen. So sehr. dass die USA heute nur deshalb ein Osama-Drama aufführen.« Über Jahrzehnte konnten die säkularen Regierungen in Islamabad derartige Äußerungen aus dem Lager des Islamisten ignorieren. Sie sprechen davon. Die vielen liberalen Intellektuellen der Stadt. ob Pakistan Osama bin Laden all die Jahre geschützt hat. komme es nun zum entscheidenden Kampf – dem zwischen den USA und der islamischen Welt. ideologisch aber umso einflussreicher. Er war Senator im pakistanischen Oberhaus. »Die USA haben Verbindungen mit allen Despoten der Region. es gab zahlreiche Tote. sagt Mohammed Ibrahim. die einst Lahores Ruf als Kulturhauptstadt Pakistans begründeten. Die Empörung war schwach. der keinen anderen Glauben neben sich duldet. Ibrahim ist der politische Kopf der größten islamischen Partei in Pakistan. hat jedes betroffene Land genau studiert. haben Angst. Es zählt heute zu den weltweit meistverbreiteten islamischen Schriften. den die USA führen«. Ibrahim ist ständiger Gast der pakistanischen Talkshows. Bis dahin wird eine neue Generation der islamischen Bewegung an seiner Spitze stehen. nur keine Eile. »Der Heilige Krieg wird nicht durch den Tod einer Person geschwächt« Es ist ein warmer Tag. Das ist einer der größten Erfolge der Islamisten: Sie haben die Grenze zwischen radikalen und gemäßigten Muslimen verschwimmen lassen. das weiß niemand mehr so genau. Jede Nacht schlafen wir woanders. Tagsüber fährt uns ein Taxi. Er. die glauben. Fünf Jahre lang erlebte seine Partei.

Bislang also keine guten Nachrichten diese Männer im Fernsehen auf. dass Provider und vorübergehend auch die Ein. dass diese Bekönnen uns verlangsamen. Anhänger des alten Regimes förderten die Salafisten. Wie lebt es sich dort jetzt? m vergangenen Freitag um 15 sehe. Mitunter wechseln christliche Frauen nur den Glauben. die derzeit eine eigene Partei gründen – und vielleicht gar mehrere. Die Muslimbruderschaft konnte davon nur träumen. Wenn der Gesuchte SUDAN derselben Stadt und doch nicht angetroffen wird. Von dem haben nen wir im Augenblick. wenn Frauen sich von ihren Männern trennen wollten. Wenn ich fern. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 9 »Ich fühle mich umzingelt« Das syrische Regime verhaftet wahllos Menschen und kappt das Internet. Rollt nun die Welle des radikalen Islamismus an. werde so etwas sofort zur öffentlichen Angelegenheit. die sich weigerten mitzukommen. mehr gesprochen. Anhängern eines mystischen Islams. weil sie zum Islam übergetreten sei. Seither habe ich allesamt unter Folter erzwungen worden seien. der Frau eines koptischen Priesters. zwei wei. knöchelfreie Pluderhosen. Die in vielen Vierteln von Homs unterbrochen. wozu dieesse kaum. wer ihn verhaftet hat. den sie machen. jüngst brachten sie in Gaza einen italienischen Friedensaktivisten um. dass Shihatah mit ihrem Mann in einem christlichen Satellitensender beteuerte. bevor sie im misshandelter Körper. Zur Abschreckung. die als Fahrer im Grenzverkehr zwischen Libanon und Syrien Woche. Auf Twitter und Face- N book wurde gemunkelt. die Sendung sei nachträglich gefälscht worden. Vor ein paar che: Ich habe meinen Tagen haben SicherheitsKairo SAUDIMann wiedergesehen. Wer sonst biltelefon hat die Regierung hat denn in Syrien solche schon vor Wochen gesperrt.POLITIK 12. Nicht nur. Dabei huldigen sie oft erfundenen Traditionen. im Telegrammstil laufen die Meldungen von schießen. Oft geht es dabei um Frauen. nen Namen zu besorgen wäre Natürlich sehe ich auch die zu riskant. weil mein Mann und ich nicht da waren. um ein Chaos zu säen. was sie für die Lebensformen der Prophetenzeit halten. Die Muslimbrüder wurden vom alten Regime stark bekämpft. Seit Tagen habe R A Z A N Z E I T O U N E H bei diesen »Terroristen« gefunden wurden? Lachhaft! ich mit keinem Menschen Wenn ich die Bilder sehe. Die Angreifer sind meist Salafisten. Nur kleine Textbotwir kein Lebenszeichen. wirft den Kopten »mangelnde Transparenz« vor. Fotos: Reuters . sind und ihn mitnahmen.de/audio gehalten wird. Die Kirche betreibe Geheimniskrämerei. weil sie sich geweigert für Buchstabe morse ich meihätten. Warum Fundamentalisten gerade nach der Revolution vom Februar so schrill und sichtbar geworden sind. Mehr als 250 Men. prägten dann aber am Nil einen eigenen radikalen Stil. aber nicht stoppen. wird es noch schlimmer: Das syrische Uhr habe ich in meinem Ver. Allenfalls ab und an ein paar tere Fahrer. dass dies gesucht. Säkulare Politiker sehen sich im Fernsehen und im Internet verleumdet. Die zweite Lesart unterscheidet stärker zwischen den oft unpolitischen Salafisten und den Muslimbrüdern. Radikale schnitten einem Kopten in Qena ein Ohr ab. Steine gegen einen Panzer: Von den Protesten gibt es keine Fotos.berichten. damit sie keinen Muslim heiraten. Beweisen können wir es nicht. seit Sicherheitskräfte schaften wandern zwischen unseren Versteam 30. Die Salafisten hingegen genossen erstaunliche Freiheiten. das Werk der Protestierenden Online-Chats – wenn denn Anwältin wird auch in den ist. als voriges Wochenende vor der Koptenkirche ähnliche Schlägertrupps auftauchten wie schon im Februar auf dem Tahrir-Platz und früher bei Wahlkämpfen der inzwischen verbotenen Staatspartei. Berichte über die getöteten Sidie mir auf ihren Namen eine lebte in der Hauptstadt cherheitskräfte. nur solche Internet-Videos VON RAZAN ZEITOUNEH A Immer wieder erwischen wir es bei Lügen: gefoltert haben. Es testen in Homs getötet. Salafisten konkurrieren von rechts mit den Muslimbrüdern. Die Extremisten greifen Alkoholgeschäfte an. die Kirchen anzünden? VON MICHAEL THUMANN ach dem Regimesturz nun der Religionskonflikt? Die Angst geht um in Ägypten. und arbeiten. so wie meinen Schwager. Trotzdem werden SYRIEN Namen der Erschossenen IRAK die Proteste weitergehen. werden beschädigt oder zerstört. der mächtigsten islamistischen Bewegung im Nahen Osten. vor der das alte Regime des gestürzten Herrschers Hosni Mubarak immer gewarnt hatte? Längst bedrohen die Übergriffe von muslimischen Extremisten nicht mehr nur Christen. sagt Hulsman. aber das war Männer eines Haushalts es uns wert.Staatsfernsehen zeigt stundenlang falsche steck noch ein Stück Freiheit ver. Die Salafisten in Imbaba forderten die Herausgabe Kamiliya Shihatahs. Nicht ein Wort seither! Wir Aufgezeichnet von SUSANNE FISCHER wissen nicht. Buchstabe Dissidentin widerfährt worden. Das ist richtig und dennoch nur die halbe Wahrheit. Immer wieder hören wir die Telefoneinwahl funktio. hieß es. Die Waffen.mationen mehr. Sie wurden an der Grenze ohne er. weil er seine Wohnung angeblich an Prostituierte vermietet hatte. Salafisten gibt es heute in der gesamten islamischen Welt. Die Armee nahm 190 Randalierer fest und kündigte Militärgerichtsverfahren an. diese Frauen würden von Christen festgehalten. wo er festwww. Die bekommen sie übrigens auch von den Kopten frei Haus. ZEIT-Grafik wie aus der Welt. Viele Kopten sagen. Waffen? Die Demonstranten eine neue Sim-Karte auf meijedenfalls nicht. Es half nicht. in dem die Menschen nach bewährter Ordnung riefen. Sie berufen sich auf die Vorfahren (as-Salaf ). Jahrhundert stehen: ultralange Bärte. die älter als 15 Jahre wieder jeder für sich. und außen bei mir ein. und einige wenige in der Stadt. Doch die Fundamentalisten drohen wiederzukommen. Dort liefern sie sich auch Gefechte mit der islamistischen Hamas. die angeblich kaum noch Verbindung zur Außenwelt. Ihr populärster Prediger. Musikhass. was ihr als daten. Schon hatten die Salafisten wieder Munition. rauche viel zu viel. Wir haben die winnen. bestehen auf dem. Im Kairoer Arbeiterviertel Imbaba mussten sich koptische Christen am vergangenen Wochenende Attacken muslimischer Radikaler erwehren.deren Familien sich dann wenig später bei uns netverbindung über unseren Aktivisten melden und uns erzählen. die angeblich zum Islam übergetreten sind. Mittelmeer schuldigung falsch ist. brutalen Unterdrückungsdiese zwei seien Terroristen strategie die Oberhand gegewesen. Strom und Internet nen gewissen Erfolg haben und Skepsis an den Motiven unserer Bewegung säen kann. um unser Versteck zu finden Vergangene Woche zum Beispiel traten zwei (das er gar nicht kennt). Im Verfassungsreferendum hätten Salafisten und Muslimbrüder Seite an Seite für die Annahme gekämpft. Der Lärm. auf Demonstranten zu ne Nachrichten nach draußen.das Regime sendet fleißig seine Propaganda. dass die Sichermich nicht mehr bei Skype heitskräfte ihre eigenen Beeinwählen kann. Der Verdacht erhärtete sich. musste seine Botschaften aus dem fernen Qatar senden. Viele ultrakonservative Priester bestehen streng auf dieser Tradition. diese seien erschossen schnur zur Welt.ses Regime fähig ist. Updates über Satellitentelefon. hielten sie gefangen. Deshalb sind viele Ägypter überzeugt. Das war nehmen sie einfach alle ÄGYPTEN zwar riskant. Irgendjemand streut dann etwa das Gerücht. Hunderte wurden verletzt. Aber ich der verhaftet oder werden März untertauchte aus Furcht vor Verhaftung. Die glaube einfach nicht.Geständnisse von angeblichen Terroristen – loren: Das Regime hat die Inter. Die Isolation schlägt mir aufs Gemüt. aber nicht unbedingt für das 7. Damals saß Präsident Hosni Mubarak noch fest im Sattel. sie saßen im Gefängnis. sind entwe. Aufmerksamkeit im Westen erregen vor allem ihre Scharmützel mit Christen. Soweit das Gerücht. In dieser furchtbaren Nacht brannten zwei Kirchen. Doch verbietet das koptische Bekenntnis den Übertritt zu einer anderen Religion – wie auch der Islam. Viele radikale Muslime seien aus den Gefängnissen entlassen worden. wie es ihm geht oder ob sie ihn R ot es M e er Feuer für den Propheten Ägypten nach Mubarak: Wer sind die radikalen Muslime. weil sie den Passus über den Koran als eine Hauptquelle der Gesetze erhalten sehen wollten. Wie viele Anhänger sie wirklich haben. sie hatten unter Hosni Mubarak sogar Fernsehkanäle. am nächsten Tag behaupIm Moment sieht es aus. Viele salafistische Prediger in Ägypten wurden in Saudi-Arabien ausgebildet.kommenden Wochen von Familien getöteter Solniert – sind jetzt meine Nabel. nie übergetreten zu sein. dürfte ihre Bedeutung aber weit übertreffen. dass der schlimmste Anschlag auf Kopten mit 21 Toten und 79 Verletzten am Neujahrstag dieses Jahres geschah. So ging jedenfalls das Gassengerede am vergangenen Wochenende. weil ich weiß ich genau.nichts davon stimme und die Geständnisse wahl übers Telefon gesperrt. April in unsere Wohnung eingedrungen cken hin und her. dass es damit offenbar eischen in Banyas verhaftet. Oft Versteck besucht. Niemand hat dabei vergessen. Cornelis Hulsman.zeit. ihre Medien wurden behindert und verboten. darüber kursieren in Ägypten zwei Lesarten. Damaskus Einen Lichtblick imIch fühle mich regelrecht merhin gab es diese Woumzingelt. welche die Massen mit hochangereicherter spiritueller Nahrung versorgten.Damaskus. Sie und wissen. Nicht nehmen sie gern auch ein 400 km einmal telefonieren könanderes Familienmitglied als Geisel. davon gibt es wurden erschossen. die sicherlich im Internet. Schreine von ägyptischen Sufis. Zwölf Menschen starben. Daraa wird immer noch belagert. Er kräfte ein Viertel in der ARABIEN hat mich kurz in meinem Nähe durchkämmt. dass ihre Prediger geduldet wurden. dass nun die Islamisten überall Auftrieb gewönnen. Und alle Freunde. um endlich von ihrem Mann wegzukommen. Kopten. In der hiesigen Kultur von »Ehre und Scham«. als teten die beiden anderen würde das Regime mit seiner TÜRKEI Männer im Fernsehen. Dann stürmen die Salafisten dankbar die Bühne. Medien berichten von Säureattacken auf unverschleierte Frauen. weiß niemand genau. in sind. Mein Mostände vorführen. Ich Welt sollte doch inzwischen wissen. Jussuf al-Qaradawi. Leiter des ArabWestReport in Kairo und ein langjähriger Beobachter konfessioneller Beziehungen. Zwölfjähriger Junge bei Pro. die Bilder kaufen könnten. Jetzt sind wir mit. Vollverschleierung.wundert mich aber.wir bekommen von dort praktisch keine Inforsichtlichen Grund festgenommen. Scheidung ist verboten.

Es verdienen am morra im Müllgeschäft gewesen zu sein. Laut LeAuswirkungen. Es gibt 16-jährige Jugendliche in Neapel.die Kleiderfirma Benetton.Aufträgen. Sie bilden regelrechte Kartelle auch nicht dazu gedrängt. aufeinandertürmen würde.schen ist dieser Nicola Cosentino von seinem ten. Da ironisches Volk. Natürlich ist das grundlegende Problem dahinter das Fehlen einer nachhaltigen Abfallpolitik. dann haben die Clans die Müllkonsortien mit ihren käme man bei einer Basis von drei Hektar auf Mittelsmännern infiltriert. males Alltagsleben unmöglich. dass die Neapel ist die Müllkrise zum Normalzustand geNeapolitaner keine sauberen Menschen wären.ßen von Neapel bedeutet das Scheitern der Politik.schaft beschuldigt. Nicht selten erfolgt die Sperrung der Kippen auch wegen Umweltproblemen. verfügt ein Gericht die Schließung. Die Neapolitaner Müllmänner eingesetzt werden. Ein beißender Fäulnisgeruch hatte sich in den Sitzen des Autos und in ihrer Kleidung festgekrallt. Wenn der Nachren. Sie funkSilvio Berlusconi. auf denen Müllhaufen zu sehen sind. Ein »Notstand« ist nur eine Episode. Der Müll auf den StraUnternehmen sich treffen.Boom von Klimaanlagen. um ihn drehen sich schließlich Unmengen Die Brände werden in bewährter Manier gelegt: von Beraterverträgen und KrisenmanagementDie besten »Brandstifter« sind ausländische Ju.de/saviano Fotos: Laura Lezza/Getty Images. nien. Aber warum geschieht so etwas nicht in Genua. dass der sen Vierteln hervorragend. ein Gewährsmann der Cadienen die Abfallunternehmen. TEIL 6 Italien ist uns fremd geworden. Als ein www. den die Clans der Mafia verwalten und vervon der Camorra »entsorgen« zu lassen. Diese Kippen füllen sich mit der Zeit. die Postangestellten stand existiert seit 16 Jahren – also so lange. in Wirklichkeit geht der Notstand auch Bisher hat sich noch keine Stadtverwaltung ge. Wie. in und weniger Abfall bedeutet weKampanien die rechte Mitte. Um den Müll ranken sich mittlerweile viele Gevertreiben inzwischen sogar Postkarten.sind es erneut über 3000 Tonnen. ob desaströs. Die Grenzen sind da. die wie eine Neapel zumindest zeitweise vom Müll befreien richtige Zündschnur funktionieren. Klebstoff. dann handelt es Abfallentsorgung haben sich nicht mehr um einen »Notstand«. Jetzt. So absurd es klingt: In mer wieder behauptet. Wer aber viel Geld zu vergeben hat. Die ist wirklich eine Schande. dass einmal im Jahr. indem man sie in allein in 2009 einen Umsatz von 20 Milliarden Brand steckt. Jeder Haushalt wollte dig. er habe Neapel vom Müll Neapel ist Mülltrennung eine Antimafiaaktion. Das sind Konsortien mehrerer Kommunen. Kein Zufall. ja tioniert nicht. dass diese Müllkonsortien zu wahren Aufgezeichnet und übersetzt von BIRGIT SCHÖNAU Machtzentren der Organisierten Kriminalität geworden sind. Auf jeden Fall leiden die Neapolitaner kalt. das illustriert eine Anekdote Roberto Saviano finden Sie unter des Kronzeugen Gianfranco Mancaniello. und er wird sogar immer mehr. wenn man versucht. Neuerunter der ständigen Wiederholung des Müllnot. Zweitens wird die Abfallentsorgung in Neapel und der umliegenden Region Kampanien zu einem ganz überwiegenden Teil durch Müllkippen betrieben. sondern um ihn in die Höhe zu treiben und den Müll letztendlich Müll. Einige ausländische Fußballer wollten an. um die Grund dafür war der Müll. In nichts damit zu tun. weil die Fünf sind bereits errechts. Berlusconi hat ihn ten Rechnungen. Mailand oder Bologna. dass die verweigerten die Arbeit. wie sie jeden Morgen von ihrer Wohnung zur Schule nach Neapel fuhr. und manche sind geradezu grotesk. In niger Verdienst für die MüllwirtRom regiert Berlusconi. sellschaft Telecom Italia und zehnmal so viel wie Villaricca und Qualiano. Nur wer zünden sie die Videobänder an. Santachiara im Müllgeschäft – so wurde der Bock zum GärtDie früheren Folgen von ner gemacht.den. es wurden keine Märkte Bezeichnung »Notstand« schon gar nicht mehr an. Die ZEIT erklärt er Italien Macht.zeit. Straßen und Plätzen von Neapel 3000 Tonnen Wenn der SSC Neapel auswärts Fußball spielt. um die Mülltrennung immer noch Berlusconis starker Mann in Kambilliger zu machen.Müll.10 12. dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind. Auf jeden Fall kommt der Schließungsbefehl immer plötzlich. Es Der Schriftsteller Müll kurz vor der Bürgermeistersind nur zu wenige. den die Staatsanwaltverdient die Organisierte Kriminalität. Eine Serie zur Erklärung eines rätselhaften Landes 6 NEN N SC K ein Ausnahmezustand eben. auch jetzt wieder auf den Straßen deshalb funktioniert das in dievon Neapel. wie das nächste große Geschäft mit Umweltschutzorganisation Legambiente ein gan. Freiheit« trat Cosentino trotz des schwerwiegender getürkten Ausschreibungen und der gefälsch.dings ereignet sich der Notstand sogar häufiger als standes.2008 die Schulen geschlossen. Mülltrenund zwei zur Macht sche Entscheidungen getroffen. Sekunden brennt dann alles lichterloh. Als Parteikoordinator des »Volkes der diese Konsortien zum Paradies des Klientelismus. sondern nur in Neapel? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort. sie sind eben ein selbst. Hoffentlich nicht mehr lange. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 POLITIK R O B E RT O S AV I A N O : I TA L I E N I S C H E L E K T I O N E N . eine nur oberflächlich. und der Gestank reiste mit. In nung bedeutet weniger Abfall. Doch in Wirklichkeit werden panien. zes Jahrhundert lang neapolitanischen Hausmüll antwortet der Boss ungerührt: »Was kümmert hätten fassen können. Wenn er eapels Probleme mit der HE LE jedes Jahr wieder eintritt. Doch der Müllnoterland« nennen. Franck Courtes/VU/laif Warum versinkt Neapel im Müll? IT ALIEN . men nicht ganz so streng nach dem AntimafiaSchmieröl. der Müll kann dann nicht mehr abgeladen werden und bleibt auf der Straße. muss man eben viel Geld pro verbrannten Müllhaufen zahlen. die in Neapel als neapolitanischen Klub anheuern. die laut einem Bericht der sam macht. Doch dazu kam es nicht uns das. zur Lösung des MüllproNeapolitaner sie nicht beherrschschienen – zwei zu blems beigetragen hat. der kann Videokassetten.« – die Camorra füllte die Kippen umgehend mit Das Business der sogenannten Ökomafia Müll aus ganz Italien. auch in den entlegensten Dörfern. die arme Frau wurde deswegen von ihren Schülern gehänselt. war bisher ten oder nicht wollten. kennt keine Krisen. ver. Der dafür. das wirklich durchzusetzen. Abfall gibt es schließlich Der Abfall auf der Straße hat verheerende immer. Vor Weihnachten lagerten auf den ihre Stadt als »Müllhauptstadt« geschmäht wird. das alle nur noch »Feu. denen die Clans der Camorra 50 Euro Müll begraben werden. Camorra-Clan und hat also ein langes Leben. Die Cazent des Abfalls werden nicht wurde mit seinem morra benutzt den Abfall als Mitgetrennt und landen auf der Buch »Gomorrha« tel der politischen Erpressung. wo Politik. Es ver. Die Regierung geblich wegen der Abfallberge erst gar nicht beim hat wie so oft Soldaten geschickt. Hauptsache. einmal weg. Ich werde nie müde zu sagen: Wenn man den – nicht um den Preis zu senken. um sie von dem Abfall zu befreiumwickeln die Müllberge mit den Bändern von en. Berlusconi hatte zudem zum Staatssekretär im Finanzministerium traut. Aber in Wirklichkeit empfinden sie gab es zum Beispiel im Hinterland plötzlich einen die Dauerkonfrontation mit dem Müll als unwür. Erstens hat die Camorra bei dem dauernden Müllproblem ihre Hand im Spiel. Es gibt da ein Dreieck im Hinter. dass die Leute die sich der Staat nicht kümmert. je länger der Abfall nung nie funktioniert. Fast 84 ProRoberto Saviano wahl die Stadt verstopft. der darf auf politischen Erfolg hoffen. das Volumen gambiente haben die Clans mit Müllgeschäften der Müllberge zu verringern. Sie Müllkippe. Längst waltet haben. wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl. der Mafia Neapel regiert die linke Mitte. männer«. Es wurden jede Menge mit dem Abfall blüht. nen Euro jährlich ausgegeben. links wie etwa deswegen nicht. so wachsen jedes Jahr die Müllberge. Die Jungen lockermachen. Aber das ist nicht alles: In den 1990er Jahren wurden kleiner Camorrista seinen Boss darauf aufmerkviele Kippen eröffnet. er kann in darauf und entfernen sich.schichten. Denn der sogenannte Müllnot. Mülltrennung funktioniert nicht in zwölf Lektionen. der imschaft. und sie leiden natürlich auch darunter. Und natürlich wird die Entsorgung In Neapel hat die Mülltrenumso teurer. mit überhöhten Preisen operierende Müllwirtschaft zu sichern. Fehler gemacht. Die Camorra betätigt die Hebel © 2011 by Roberto Saviano – Agentur R. Dieses schmutzige Business ist jener Ort. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Neapel zeigen. die mit dem Organisierten Verbrechen verfilzt ist. Da gibt es ganz andere worden: Wie es im Sommer heiß ist und im Winter Gründe. um den Clans riesige Gewinne durch eine ineffiziente. Amt als Staatssekretär zurückgetreten – aber er ist die sich zusammentun. für sie sind die Abfallhaufen ein weiterer Beweis eine haben. Es einen Politiker berufen.stand war auch Manna für die Politik in Kampaßenrändern pechschwarzen Rauch aufsteigen. Am Geschäft mit dem Müll verdienen alle. Sie verhindert zusammen mit korrupten Politikern eine funktionierende Entsorgung. HausIm Notfall werden die Entsorgungsunternehmüll und Gewerbeabfälle wie Lacke. InzwiMüll auch die sogenannten Entsorgungsgesellschaf. befreit. weil sie so etwas wie SozialkonFast acht Milliarden in zehn Jahtrolle impliziert.unter seiner Regierung weiter. die Fenster geschlossen halten mussten. dessen Gestank derart aufdringlich in die Häuser drang. Oft sieht man da an den Stra. Was die Politik.Euro erzielt.den Verdachts nicht zurück. Von 1998 bis 2008 ge Viertel. solange er Italien eine Nation ist. Und das Ergebnis sehen wir bar trennt. die jeden Quadratzentimeter Erde gesetz kontrolliert. In der D E R A U F K L Ä R E R Camorra kennt die fundamentalen Regeln von Angebot und Millionenstadt gibt es nur weniNachfrage. und wenn das geschieht.Giftmüll das Grundwasser verschmutzen könnte. In der Ortihre Heimatstadt praktisch noch nie ganz vom Müll schaft Maddaloni in der Provinz Caserta wurden befreit erlebt haben. wir trinken Mineralwasser. weil das Geschäft zu der Frage. kurzsichtig. ungefähr so viel wie die Telefongeland von Neapel zwischen den Orten Giugliano. Denn der Abfallberg 15 600 Meter Höhe. schütten Alkohol und Benzin auch auf viele Wählerstimmen hoffen.mehr abgehalten – die Müllberge machten ein norgebracht ist. in denen der getrennwurden zur Bewältigung der Müllte Abfall zu Hause abgeholt wird krisen in Kampanien 780 Millio– die einzig effiziente Methode. Wenn ganze Provinzen unter dem gendliche. und das schon auf der Straße liegt. Eine Lehrerin aus I T IO Wie von Geisterhand immer wieder da: Abfall auf den Straßen von Neapel Boscoreale erzählte mir. Für die zeigt damit im Wahlkampf ihre Gesetz nur 35 Prozent sein. dabei dürften es laut berühmt. immer wieder falnicht getrennt wird. bei fließend. In wenigen kann. dann trenne ich auch. der Müll ist erst mit Dioxin verseuchen. die schließlich mit Baggern weggeschafft wurspotten die gegnerischen Fans die Spieler als »Müll. Mit dem Feuerzeug jedem Fall seine eigene Position festigen. wenn austretende Flüssigkeit den Boden verschmutzt.

Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Seine Übersetzungen (zusammen mit Mirko Bonné) der Gedichte von Rutger Kopland erschienen 2008 im Hanser Verlag. Licht dringt ein. Jahrgang 1969. einige wurden am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. Die Autorin und Kunsthistorikerin unterrichtet als Lehrbeauftragte der Universität Hildesheim Methodik des kreativen Schreibens. Schlucken Sie nicht alles. lebt nach Stationen in Tübingen. wie wir sie seit 12. Inkarnation In diesem Gedicht wird kein Fleisch gegessen. Ihr letzter Gedichtband »Pontus« erschien 2009 im Wallstein Verlag Foto: Nils-Christian Engel POESIE NRO: 10 . Genießen Sie’s. ohne zu stinken. es besteht aus Luftgespinst und Liebe. niemand soll sagen: Der Täter war ein so freundlicher Familienmensch! Es emittiert kein CO₂ und leistet keine Kompensation. sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Lebt als Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Lübeck. weil irgendwo Koniferen dafür gepflanzt werden. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell. O. während das andere sich mit dem starken Andrang moralischer Anforderungen in letzter Zeit befasst. Diesmal handelt eines unserer beiden Gedichte von der Erschießung Osama bin Ladens. Berlin und Leipzig in Halle (Saale). Dieses Gedicht ist nicht animalisch. Es blutet nicht.POLITIK & LYRIK Seit dem 10. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT. aus dem Buch rieseln. Das Gedicht rettet. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 11 Anfang dieses Jahres erleben. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte.) Nicht war es die Zeit in solche Leere zu irren wie die morgens sehr früh als die Katze einer Amsel Gedärme über die Kellertreppe hochzog die rechte Zeit war es nicht zum Briefkasten zu gehen zu sagen: nichts heute nacht ist nichts geschehen nein nicht war es die Zeit nicht war es wahr nicht geschehen das Nichts als ich im Schlaf einem Kampf zusah: der Vogel im Sperrfeuer mir aus dem Grau ins Gesicht fiel nicht war es Zeit zu schlafen für sich sein nicht Zeit gleichzeitig die Katze zu loben und die Amsel begraben DANIELA DANZ. HENDRIK ROST. Prag. Bislang sind vierzehn Gedichte erschienen. Im Frühjahr 2010 erschien sein fünfter Gedichtband »Der Pilot in der Libelle« im Göttinger Wallstein Verlag Foto: privat Die Lebenden sind Legenden aber was sind die Toten? (B. um sich zu spüren. Dieses Gedicht tötet kein Lebewesen. wurde im Münsterland geboren. und stirbt es einmal. Bitte verschonen Sie Ihre Liebsten. 1976 in Eisenach geboren. es fliegt nicht nach Fuerte und sagt »Scheiß drauf!«. Studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten. wird es. Ab und zu ritzt es sich mit Realität. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. es lebt vorzüglich von Substanz.

com/zeitonline Foto: Denis Sinyakov/Reuters . vorzugsweise kalifornische Konzerne.zeit. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Foto: Andrew H. der Tathergang stehe fest. fotografiert und vertont er seine Erlebnisse www. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. Wer nun den Griechen Geld leiht. wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«.com. derweil EU. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. sollte es besser im Kasino verjuxen. Für ZEIT ONLINE beschreibt. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. Da schert es die Leute auch nicht mehr.000 Follower. STX Foto: Mathias Bothor/photoselection Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT erst ein Run auf griechische Banken. 2. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Der Staat – im Bestreben. dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Ob Torben P. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). von 325 auf 340 Milliarden Euro.de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus. Der Bruchpunkt ist jetzt. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Vielleicht zu zurückhaltend. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. haben so lange so heftig geheizt. von Untersuchungshaft verschont wird. was sie erst recht nicht könnten. entscheidet das Gericht.de/wirtschaft Nach der Revolution Der ägyptische Regisseur Magdy Ahmed Aly hatte die lähmenden Strukturen in Ägypten unter Mubarak beschrieben. eine möglichst harte Strafe zu finden. der neuen Volkszählung. Volkszählung. Ausbildung und Beruf gestellt.2011 Erinnern Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. hilft seinen Banken.« www. die Brüssel vorschreibt). Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person. die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. D. Lebensumständen. wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird. kann nicht sparen. Walker/Getty Images for DIFF Foto: Raigo Pajula/AFP/Getty Images Foto: Sean Gallup/Getty Images Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Schreiben Sie einen Leserartikel. wegen versuchten Totschlags. die bekommt. verpufft die Wirkung der Sanktion. fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). so wie schon mehr als 70. Und für die Öffentlichkeit. sogar befördert. Athen vorweg. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt.de/politik Volle Kassen Die gute Konjunktur füllt die Kassen von Bundesfinanzminister Schäuble. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft.com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Nein. Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback). dann mag das in jedem Fall begründet sein. auf den Großen Vaterländischen Krieg.zeit. wie sie Literatur und Quellen finden und korrekt mit Bildern und Statistiken umgehen www.12 12. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille.zeit. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht.twitter. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). sei es wegen besonderer Grausamkeit. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen).000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 MEINUNG POLITIK Wer den Griechen hilft JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten.5.de/kultur Das Ohr zur Welt Gordon Hempton ist akustischer Ökologe. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«. die so noch niemand gehört hat. Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Und man wünscht diesen alten Herren. die Zinsen liegen bei 15 Prozent.facebook. Die Beweislage sei einfach. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www. Er reist um die Welt auf der Suche nach unberührten Landschaften und unverfälschten Geräuschen. das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. bräche das Höllenfeuer aus: HEUTE: 9. wenn der Staat etwas mehr wissen will. Es geht darum. Griechenland. Und bei den Themen Euro-Krise und Energiewende droht Streit. das Signal aber ein anderes. Erwartet wird ein Plus von mehr als 100 Milliarden Euro bis 2015. 3. neue Linie: Es ist ein Parteitag des Umbruchs. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt.de/leserartikel Foto: Gordon Hempton Schreiben Sie für uns! Schüler arbeiten wissenschaftlich Bei ZEIT für die Schule erfahren Schüler. obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme. Hier aber ist das Original zu sehen. Allerdings darf man wohl annehmen. ZEIT ONLINE präsentiert Ihre Texte nun noch prominenter www. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei.und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Am 9. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. zu dem sich die FDP am kommenden Wochenende trifft. singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Der ersten seit 1987. dass diese Zeile falsch sein möge. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat. Dabei hatten Statistiker.und Ausgabenpolitik – fahren. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. das ist nur eine Schätzung. wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. So sehen Sieger aus. die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zur Heizung (Klimaschutz). Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay.zeit. die Spione der Konsumwirtschaft. Das Routinierte der Nachsicht jedoch. die dem Opfer besonderes Leid zufügt.zeit. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. Fazit: Wer den Griechen hilft. Athen nimmt Dampf weg. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein. nach enormem Erregungspotenzial. bis die Kohle ausging. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten. Es wird zum europäischen Sozialfall. Am Donnerstag stellen die Steuerschätzer ihre aktuelle Prognose vor. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe. der Eindruck. sei es wegen »niedriger Beweggründe«. ZEIT ONLINE berichtet aus Rostock www. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt. deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. Das ist ein Mittelweg. ganz simpel.zeit. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. Nun macht er die Ereignisse der Revolution zum Thema seines nächsten Films. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. der Täter habe gestanden. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. damit fertig zu werden. Und blähen sich weiter auf. Bei jenem Thema. WFG Ein Land bleibt cool Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen Die Bürger bleiben cool. eine besonders verwerfliche Tat. wer hätte das Recht.de/schule ZEIT ONLINE auf Facebook FDP HAUSHALT FILM HÖREN Rösler übernimmt Neue Führung. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei. sagen die Staatsanwälte. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Welche Begehrlichkeiten werden entstehen? www. Anklage ist nicht gleich Urteil. Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert. Wenn einer wie Torben P. 43 der Fragen schreibt die EU vor. singt sie. warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist.de/reisen Werden Sie einer von mehr als 58. Für Täter und Opfer. Angeklagt wird Torben P. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. Deshalb ist es auch legitim. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Der Remeduren sind nur drei: 1. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt. ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden.zeit. also wird es teurer. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer. Mord ist mehr als ein Totschlag. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. richtig gemacht. Ein Gespräch mit dem Filmemacher aus Kairo www. weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie). kommt schon ins Grübeln. zurückzublicken. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. darüber zu spotten? F. nicht die Kopie. Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Mord und Totschläger Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden.ohne Politikunion geht nicht. das klingt nach historischer Parallele. doch die Deutschen bleiben cool. es geht nicht darum. ja zurückhaltend. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. um sich selber zu retten Die Kassandras haben recht behalten: Geld. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal.

Spezialeinheiten. malia. die Paul Collier. Zwar mussten Wa. Damit schüren sie Rachegedanken. der Name des Fotografen.Norden des Iraks warteten 1991 wie 2003 kurpen zurück. wenn es zu einem Konflikt kommt wie zugefallen. sondern um einen neuen Höhepunkt dieser aufgeheizten Atmosphäre. Der AlQaida-Chef war schlau genug. Der arabische Frühling könne sich entfalten. einem Politiker – oder einem ZEIT-Leser. der zwar nicht einer mustergültigen Demoausbilden zu lassen. Will der Westen auch in Konflikten wie in Libyen militärisch und politisch die Oberhand behalten. Den Krieg am Boden der verbündeten Konfliktpartei vor Ort. Dies ist also leider nicht der Anfang einer neuen. und es war der Beschluss kratie geglichen. In Wirklichkeit handelt es sich aber nicht um einen krönenden Abschluss. dass der Terror auf der ganzen Welt besiegt ist. der sich heute in – bei der es ebenfalls zu schweLibyen nicht wiederholen darf. Fotos: Alexander Meledin/Mary Evans Picture Library/Interfoto. kann es für den Westen hingegen Nato entschied die Allianz aus Albanern und notwendig erscheinen. serbischen Truppen und der Partner fehlen. ließen ihn die USA töten und unter Missachtung muslimischer Bestattungsbräuche von einem Flugzeugträger aus ins Meer werfen. Die Schiiten wurden T H O M A S S PE C K M A N N Wirkung. die schon damals islamische später. Diese oppositionellen Doch um Symmetrie auf dem Kräfte hätten die Alliierten spätesSchlachtfeld und dann später tens bei ihrer Invasion 2003 föram Verhandlungstisch zu erreidern müssen. eine Gegenoffensive zu Kampf gegen die verbliebenen starten und mehr als die Hälfte Panzer und Kampfflugzeuge des von Bosnien-Herzegowina zuBagdader Regimes im Stich gelasrückzuerobern. was kommt. Denn dort haben sich die französischen Schutzversprechen mit der Entsendung von Kampfhubschraubern als genauso glaubwürdig erwiesen wie die britischen Garantien für Sierra Leone. Nur wenige Wochen von den USA nach der Befreiung nach dem serbischen Massaker Kuwaits 1991 und angesichts der in Srebrenica waren die bosstark geschwächten Armee von nischen und kroatischen TrupSaddam Hussein zu offenem Wipen im Sommer 1995 in der derstand ermutigt. Afghanistan oder im Irak mit dem EinDabei hätte die amerikanische Strategie auf dem satz von Bodentruppen auf das Risiko eines Balkan auch am Hindukusch und am Golf zum langwierigen und verlustreichen Krieges ein. D. Ein Jahr. dann aber im Lage. Wie wäre so ein strahlendes Glück in Moskau im Jahr 1945 möglich. Gemeinsam startete loswerden zu können. Militär. zusammen mit einer internatio. an der Universität Oxford zusammengetragen hat. Deutsche Atlantische Gesellschaft e. dass Politische Wissenschaft aufstand im Süden des Iraks von sich die Serben zu Verhandlun.) Mit gebremster Macht Die westliche Intervention in Libyen wird am Ende Erfolg haben – gerade weil sie auf Bodentruppen verzichtet In Libyen haben sich die Vereinigten Staaten Mittel. ein Nichts zwischen dem.stützung aus der Luft hätten sie sich selbst befreien shington und Brüssel dafür 78 Tage Bomben. damit bislang einen Allein der dritte Golfkrieg hat den amerikanischen Rückfall in den mehr als zehn Jahre währenden BürSteuerzahler nach Berechnungen von Joseph gerkrieg verhindert zu haben. Bei näherem Hinsehen ist dieses Szenario allerdings wenig realistisch. Saddam Husseins Diktatur Befreiungsarmee UCK.tige Sicherheitsgarantien. Der arabische Frühling bedeutet nicht. (u. setzt der Westen in Nordafrika auf die den Terror« beschränkten die USA ihre Operationen Überlegenheit seiner Luftwaffe und unterstützt gegen dieTaliban und al-Qaida auf den Einsatz von mit Geheimagenten. Sierra Leone hat nicht nur Wahlen abgehalten. dentruppen in die Heimat zurückholen zu könIm Kosovo-Krieg beschränkte sich die Nato nen. ehemaliger Forschungsleiter der Weltbank. verfasst von einem Redakteur.Erfolg führen können: Zu Beginn des »Krieges gegen zulassen. ren Kriegsverbrechen kam – war lehrt am Institut für Schon 1991 wurde der Volksmilitärisch so erfolgreich. Die Nordallianz und weitere vergegen die serbischen Truppen von einer ame. so verschwommen wie das Wissen über die Zeit seiner Entstehung. In seinem Leitartikel Ein Krieg weniger (ZEIT Nr. er sei ein Rückfall in das emotionale Klima von 2001. ein Ort. die ihm vor Ort wie an der Heimatfront die politische Unterstützung sicherten. in diesem Moment.V.bündete Afghanen hätten einen Staat aufbauen rikanischen Beratungsfirma für Militärfragen können. mit dem Tod von Osama bin Laden ende auch die irregeleitete Vorstellung des war on terror als Epochenthema.können. Erst danach jugoslawischen Bürgerkrieg die Wende: Es wa. dann sollte er die Tradition britischer und französischer InVON THOMAS SPECKMANN terventionen in Afrika und das kluge Handeln der USA auf dem Balkan zu einer neuen Doktrin verschmelzen: In allen Fällen war Bedingung für den nachhaltigen Erfolg.tember 2001. zehn Jahre nalen Koalition. Dies gelang ihm aber nur.Waffengangs im Irak.begann die Stationierung von größeren Verbänden ren nicht allein die Bombardements der Nato. F.Sicherheitskräfte verhinderte dies – eine Fehlenten schreckte der Westen auch damals aus gu. mit eigenen Bodentruppen westlichen Interventionsmächten schließlich einzugreifen. Hierzu zählten vor allem der Verzicht auf einen langwierigen Einsatz von eigenen Bodentruppen und die weitgehende Beschränkung auf Luftschläge und Waffenlieferungen – auch wenn sich dadurch der Krieg scheinbar in die Länge zog.Fehler. Ihre Rolle übernahm die Kosovo. an diesem Ort.dische Kräfte darauf. Wie heute in Liby. Auch letzt im Jahr 2000. will man das Land nicht in Schutt und Asche zurücklassen. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit. Auch der Terrorismus ist mit bin Ladens Tod keineswegs am Ende.Air Force und Spezialeinheiten – wie nun erneut bei beratern und Waffenlieferungen die Streitkräfte der Tötung Osama bin Ladens. Der Wirtund ihre europäischen Verbündeten auf eine schaftsnobelpreisträger sieht in der ökonomischen Strategie besonnen. Nach den Langzeitstatistiken über 66 Konfliktherde.POLITIK MEINUNG 12. menschlichen wie materiellen Kosten muss daraus Anstatt sich die Strategie in Bosnien und im aber nicht entstehen. würde sie dann so lachen? Könnte er so tief versinken in ihren Geruch und das Gefühl ihrer Haut? Könnten sie beide das. um den Terroristen neuen Unterschlupf zu gewähren. Und Länder wie das chaotische Jemen stehen bereit. Auch im ten Gründen vor dem Einsatz von Bodentrup. wo militärisch schlagkräftige zwischen UCK. und der Westen solle sich dabei bescheiden zeigen. Philip Dingeldey. wollten. nicht zu vergessen. wenn ihnen die vergangenen Jahre gegenwärtig wären? Die Gegenwart ist ein unmögliches Komprimat. westlicher Infanterie – rückblickend ein schwerer die Bosniens Serben und ihre Helfer in Bel. führte die Nordallianz in Afghanistan. angriff stoppten. studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT. haben UN und Nato ebenfalls nicht viel mehr Staaten einschloss. Anstatt bin Laden festzunehmen. Ergebnis Universität Bonn Despoten nicht länger dienen war der Vertrag von Dayton. Sepgrad zur Waffenruhe zwangen – es war viel.de. Zehntausende wurden verwundet.und Soziologie der Soldaten mitgetragen. und dem. im Angesicht dieser Vergangenheit und dieser Zukunft? Das Foto selbst ist ein undatierbares Dokument. und nur Verrückte wünschen. waren keine Bodentruppen des Westens en Staatsapparat aufbauen und die eigenen Boeingesetzt worden. Wer widersprechen will. die bereits in früheren Kon. 20. Es waren ihre Eine ähnliche Strategie brachte bereits im Truppen. Sie wird es auch im Fall Libyens sein. Die Operation sen – ein Fehler. und doch ist dieses Foto ein Beweis ihrer Wirklichkeit. Heute. war bereits Clinton. wie sie Sierra Leone von nen zu nehmen. In Wirklichkeit erwies sich ebendiese Zurückhaltung als die schärfste Waffe. Eine Alternative sind langfrisKosovo zum Vorbild für kommende Interventio. krieg politisch rechtfertigen. um rasch einen neuchen. dass der Westen militärisch Partei ergriff und damit den Konflikt entschied. nicht kleiner. sondern auch einen Regierungswechsel friedlich überstanden. die anderswo schmerzhaft fehlen. spricht für das britische Stiglitz drei bis fünf Billionen Dollar gekostet – Modell. Das ursprüngliche Ziel nach dem 11. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor . weil er sich zugleich Einsatzrestriktionen auferlegte. ein Terrornetzwerk aufzubauen. die Zukunft entschlüsseln zu können. was war. das UN-Waffenembargo erreicht – aber um welchen Preis? zugunsten von Bosniern und Kroaten de facto Auch im Irak hätte sich ein neuer Staat ohne aufzuheben. Der Erfolg. Das werden wir noch zu spüren bekommen. So hat der Sieg ausgesehen. So hat er sich angefühlt. der allerdings leicht in Misserfolg umschlagen kann. die dem gen bereit erklärten. als die Briten einen Rebellenökonomisch sind derlei Einsätze ein Desaster. Ein Abzug aus Afghanistan wäre nicht sinnvoll. Aber den Kampf In Krisenregionen. aber zumindest keine Bedrohung Washingtons. Mit wirkungsvoller Unterman koordinierte Angriffe. Afghanistan den islamistischen Terrormehr die Entscheidung von US-Präsident Bill gruppen als Rückzugsraum zu nehmen. beschloss Washington 2001 in der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien erAfghanistan und 2003 im Irak den Großeinsatz halten hat.Schwäche seiner Heimat eine unmittelbare Folge des flikten erfolgreich war: Anstatt sich wie in So. Er schreibt.für den Westen dargestellt hätte. die in Kabul einmarschierten. Ein langjähriges Engagement mit hohen für sich. London hat der Regierung in Freetown der eigenen Infanterie – mit fatalen Konsequen. in dem einzelne Zellen unabhängig von einer zentralen Figur agieren. die kroatischen Streitkräfte im Kampf erreicht worden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 WIDERSPRUCH Zu früh gefreut Der Terror ist noch nicht besiegt VON PHILIP DINGELDEY DAMALS: 1945 Vergessen Nur Ahnungslose träumen davon. Ross gibt dies zwar zu. dass umgehend Truppen eingeflogen zen: Bis heute sind Tausende alliierter Soldaten werden.zugesichert. was kommt. doch im Gegensatz zu seiner zuversichtlichen Prognose wird die Gefahr größer. Für Ross gehört der amerikanische Jubel noch einer »abschließenden Zeit« an. Doch die fahrlässige Auflösung der irakischen gleichfalls auf Luftschläge. sorgten auch die von Paris unterhaltenen Militärbasen in Afrika für Sicherheit – wie jüngst im Fall der Elfenbeinküste. Wüsste sie.scheidung mit gravierenden Folgen. sondern höchstens ein Erfolg innerhalb der gegenwärtigen Epoche. um ihn vor Gericht zu stellen – er wäre zweifellos verurteilt worden –. amerikanische Invasion aufbauen lassen – und das Diese indirekte Form westbereits direkt nach dem zweiten licher Kriegsführung zeigte Golfkrieg. Nun werden selbst moderate islamische Kräfte radikalisiert und mobilisiert. mehr ist nicht bekannt. 19/11) entwirft Jan Ross ein optimistisches Bild von der Zukunft.

DINGELDEY beeinflussen Richter kaum. STEINBORN UND C. Öko- 62 GLAU BE N & ZW EIF E LN Islamismus Der Prediger Pierre Foto: Marco Valdivia sich über die arabischen Revolutionen VON GEORG BLUME Nachruf Zum Tod von Gunter Sachs VON H. als sie zeigen möchte. Bayerischen Geschichte/Augsburg ThyssenKrupp Der schwerfällige VON HEINRICH WEFING 13 Libyen Wie der Westen erfolg- Konzern startet den lange fälligen Umbau VON JUTTA HOFFRITZ Prozesse Medienkampagnen reich sein kann VON T.kultur VON NINA PAUER Widerspruch Auch nach dem Tod nom und Verhaltensforscher? Vogel reagiert auf bin Ladens Tod VON ANNABEL WAHBA DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein WISSEN 37 Plagiatsaffäre Eine Reform Zucker und Wahn VON CHRISTOPH DIECKMANN weltoffenes Islamzentrum gründen. Nach dem Gespräch – es ging um die Energiefrage – waren sich die ZEIT-Redakteure Giovanni di Lorenzo und Bernd Ulrich (oben im Büro der Kanzlerin) einig: Frau Merkel hat mehr Gesichter.: Haus d. Fotograf Anatol Kotte durfte trotzdem bleiben – für wenige Minuten. GESCHICHTE SEITE 21 Geschichte eines Liedes aus Island – und wovon Europa singt VON D.und Jugendbuch – die Politik ist überfordert VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« Microsoft Der Kauf von Skype FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen RUBRIKEN 2 44 Früher informiert! Die Quotenfrau Mit Formaten wie »Deutschland sucht den Superstar« hat sie die Konkurrenz überholt. es gebe. Plötzlich gilt er als Verfassungsfeind VON ALBRECHT METZGER 20 WOCHE NSCH AU Eurovision Song Contest Die Vergeltung Ein junger Amerikaner über die Jubelvideos aus seiner Heimat VON PATRICK BRUGH Heuchelei Merkels Kritiker der Promotion ist nötig Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit VON THOMAS VAŠEK REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Sein »Königreich der Kunst« entzog sich zwar den Realitäten der politischen Welt.. SPECKMANN Kulturkanäle Das neue Fernsehprogramm zdf. Tiger« VON IJOMA MANGOLD Industriespionage wird erleichtert VON ULRICH HOTTELET 56 31 Telekom-Aktie Das Urteil in 9 Syrien Tagebuch einer Dissidentin VON RAZAN ZEITOUNEH Ägypten Die neue Regierung dem Massenverfahren steht bevor VON MARCUS ROHWETTER 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 32 Tunesien Der schwierige kämpft gegen religiöse Gewalt VON MICHAEL THUMANN wirtschaftliche Neubeginn VON KARIN FINKENZELLER 58 Brüssel Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 80) Flüchtling zu sein VON A. Angeblich weiß sie.de/audio CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 96 ZEIT DE R LESE R Anzeigen in dieser Ausgabe Spielpläne (Seite 19). sagt sie dann. hält Bundeskanzlerin Angela Merkel grundsätzlich für überflüssig. 27 Kinderarmut Die Not ist viel 3 4 Foto: Anatol Kotte für DIE ZEIT geringer als bisher gedacht. TITEL Thema: Die Angst vor Alzheimer 14 AUSGABE: 51 Fernsehen Gespräch mit RTL- nur die Autokonzerne zu fördern VON PETRA PINZLER Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100.de Foto: AllzweckJack/Photocase von bin Laden lebt der Terrorismus weiter VON PHILIP J.8 MHz) und www.zeit. Essay-Sammlung und ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra VON KATRIN GÖRINGECKARDT UND JOSEF JOFFE lasten von altersblinden Patienten Milliarden VON NICOLA KURTH Atompolitik Was der Chef von Greenpeace International will 29 Lebensmittel Ein Internetportal ein Bildband VON A. RIETZ 39 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen VON BURKHARD STRASSMANN Reisende Max Frisch ein Zuhause VON BERNADETTE CONRAD 40 GESCHICHTE 21 Ausstellung Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. unter www. Link-Tipps (Seite 28). Museen und Galerien (Seite 45). und Gemeinschaften.radioeins. in denen Menschen respektvoll miteinander umgehen www. BÖHM WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt 48 Kinder.zeit. längst gibt es dort Räume. in denen Selbstkontrolle funktioniert. an dem er fast ertrunken wäre 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG »Die Lebenden sind Legenden« 12 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE 59 Kunstmarkt Mit Asiatika erzielt Finanzkolumne 35 Kohle Deutschland sollte die das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde VON TOBIAS TIMM Museumsführer (101) Das Volkszählung Warum der Zensus niemanden aufregt VON S. MAI 2011 5 6 Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge VON A. Das aktuelle ist zu sehen auf Seite 2/3 Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen 55 Margaux Fragoso »Tiger.IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland 26 Elektroauto Warum es falsch ist. ISENSCHMID Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT 20 12. aber verrückt war der Mann keineswegs: Eine große Ausstellung in Herrenchiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II.de/brief Historiker Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch noch die meisten Laster bauen VON DIETMAR H. glaubt der Landschaftsarchitekt Peter Wirtz. Armin Falk. Zu Besuch bei seiner legendären Familie Kulinarische Wüste: Wolfram Siebeck reist durch Ägypten und kostet aus der Küche der Revolution Der Schauspieler Robert Hunger-Bühler über den Tag. SCHMIDT CO₂-Speicherung ausprobieren VON CHRISTIAN TENBROCK Justiz Eine milde Anklage im Fall Museum Rade am Schloss Reinbek VON SVEN BEHRISCH 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« VON GÖTZ ALY des Berliner U-Bahn-Schlägers Abb. getanzt von Sasha Waltz VON CLAUS SPAHN Kunst Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG 10 Italienische Lektionen Warum 33 Lettland Ein Krisenopfer kommt Neapel im Müll versinkt VON ROBERTO SAVIANO auf die Beine VON JAN PALLOKAT 34 Ratenzahlung Versicherer Gutes Gras: Blumen werden überschätzt. Zeitmaschine VON U. BÖHM 54 Essay Eberhard Straub Generation Rösler Passen für Verbraucher ärgert die Industrie VON GUNHILD LÜTGE »Zur Tyrannei der Werte« VON HUBERT WINKELS Familie und Politik zusammen? VON TINA HILDEBRANDT nah 30 Kika-Skandal Gegenseitige Roman Nicolas Dickner 7 8 FDP Ein Gespräch mit Philipp Schuldzuweisungen Soziale Netzwerke VON A. MAROHN »Tarmac« VON CATHARINA KOLLER »Ein Ausbüxen gibt’s nicht mehr« Dass gemeinsam mit Interviewern meist auch Fotografen anrücken. SCHNABEL 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft VON CHRISTOPH DRÖSSER Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen VON WINFRIED SCHUMACHER 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei 44 Der Medienforscher Michael Stoll ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-alsauch-dagegen VON RALF ZERBACK Foto: Thomas Rabsch/RTL über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet.zeit. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95. dem kostenlosen Newsletter www.. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL FEUILLETON SEITE 51 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Worte der Woche Stimmt’s/Erforscht & erfunden Mario Draghi 25 Staatsschulden Der Harvard- im Geisterreich der Moral VON ADAM SOBOCZYNSKI 24 Macher und Märkte 54 Taschenbuch 56 Impressum 61 Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. LAMPARTER Kunst und Zensur Der Mut »EINE STUNDE ZEIT« iranischer Filmregisseure 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal VON THOMAS ASSHEUER Wörterbericht/Das Letzte 95 LESE R BR I E F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT. doch schon genug Bilder von ihr.-BRUNO KAMMERTÖNS . sagt Anwalt TOBIAS GOSTOMZYK 36 Was bewegt .de/ziviles-netz Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE Bayern feiert Ludwig II. grob und unfair? Nein. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Das Netz zivilisiert sich selbst Das ganze Internet krawallig. sagen Forscher VON KOLJA RUDZIO 28 Pharma Die Industrie verdient zu- Wiederbegegnung mit dem jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 53 Biografie.

Die kleine Moschee am Ortsausgang liegt inmitten eines Gewerbegebietes. Herr Imam! geschrieben. Seiner ruhigen Stimme hört man gerne zu. so geht es los. sagt Idriz. Erste Kontakte mit der bayerischen Staatsregierung »sind bereits erfreuend zu A verzeichnen«. Jetzt möchte der Imam den Innenminister treffen. Idriz will der islamischen Welt den »Geist der Erneuerung« bringen. Benjamin Idriz. Nur wenn er auf die Kanzel steigt. dann siedelte sich der Lkw-Hersteller MAN an. oder fürchten Staatsschützer nur den Islam? VON ALBRECHT METZGER m 25. Als Absender steht oben rechts die Islamische Gemeinde Penzberg. wird Imam Idriz als Feind der deutschen Verfassung gelten. ein »europäisches Klima der Offenheit«. im Mai 2011. kleidet sich mit T-Shirt und Jeans. »Es muss darum gehen«. Idriz rechnet sich nicht zu ihnen. Sein Gesprächsangebot versteht er als vertrauensbildende Maßnahme. Idriz trägt stets ein mildes Lächeln im Gesicht. Im Gebetsraum der Moschee (Bild oben) dürfen auch Frauen beten Benjamin Idriz kam 1994 nach Penzberg und trat bald darauf seine Stelle als Imam an. aus dem Nahen Osten einstellten. Moscheen. Als die Firmen Menschen aus der Türkei. Schließlich gibt es genug islamische Geistliche in Deutschland. den sich Deutschland wünscht: weltoffen. Türkisch. gegenüber ein Autohändler. und er wird sich fragen: Was ist nur mit mir geschehen? Und warum? Von Penzberg aus. Die rechtlichen Anweisungen im Koran müssten aus ihrer Zeit heraus verstanden werden. zum 60. Fortsetzung auf S. Bis 1966 war ein Kohlebergwerk der größte Arbeitgeber. Arabisch und Deutsch. 1972 wurde er in Makedonien geboren. 20 GESCHICHTE Große Entkitschung: Wer war Ludwig II. die nach islamischen Eroberern benannt sind. Er hat eine Buch mit dem Titel Grüß Gott.« Der Imam sucht Unterstützung für ein Islamzentrum. dass der Islam zu Europa gehört und mit den Werten der Aufklärung vereinbar ist. eloquent. »Sehr geehrter Herr Innenminister«. Arabisch. welche die Söhne den Töchtern vorzieht. oft predigt er die Vorzüge der Demokratie. eine Zugstunde südlich von München. die Stadt München sei informiert. lobt er das politische System der Bundesrepublik. aus Bosnien. Er ermahnt die Männer. Politiker aller Parteien sind begeistert. setzt die Islamische Gemeinde in Penzberg seit Jahren auf die Schwerpunktarbeit einer gesunden Integration von Muslimen in die hiesige Gesellschaftsverordnung. mag er nicht. Er versteht sich als europäischer Muslim. Bosnisch. 2005 eröffnete die Moschee. »Wie Sie sicherlich in der Presse mitverfolgen. 21 12. fährt der Imam in seinem Brief fort. 16 Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . Das Minarett hat deshalb keine Spitze. Türkisch. Der Imam will Deutschland beweisen. und 2009. die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. Er hat seiner Moschee sogar einen deutschen Namen gegeben: »Islamisches Forum«. Sieben Jahre später schrieb er sein Diplom zum Thema »Emanzipation der Frau im Islam«. wenn Christen kämen und eine Kirche mit extra hohem Kirchturm errichteten?«. Noch glaubt der Imam. Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg. das »Projekt fand großes Interesse und stieß auf einen positiven Anklang der Teilnehmer«. Jahrestag des Grundgesetzes. ihre Frauen gut zu behandeln. Ein Imam steht der Gemeinde vor und hält jeden Freitag die Predigt. Mai 2007 schreibt Imam Benjamin Idriz einen Brief an den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein. Progressiven Muslimen gilt Idriz als Hoffnungsträger. Doch plötzlich gilt der Prediger als Verfassungsfeind. ein zweistöckiger Bau aus Kalksandstein mit großen Fenstern und einem Minarett. Englisch. er sei ein unverdächtiger Mann. »Was würden Muslime im Nahen Osten denken. Mit 15 ging er nach Damaskus und besuchte ein Gymnasium mit dem Schwerpunkt islamischer Theologie. Zwangsheiraten hält er für einen Rückfall in die Steinzeit. fragte sich Idriz. um ihm von einem neuartigen Plan zu berichten. gilt als Erneuerer. kann man schon die Umrisse der Alpen am Horizont sehen. er spricht fließend Makedonisch. wirklich? S. in den Sprachen Deutsch. wurde auch der Islam heimisch in Penzberg. ist als solche erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Imam Idriz ist der Muslim. nebenan ein Getränkemarkt. Den Bauplan sprach er mit dem Bürgermeister ab. Es habe schon zwei Treffen mit Münchner Muslimen gegeben. das er in München gründen möchte und in dem er muslimische Geistliche in deutscher Sprache ausbilden lassen will. weil Idriz nicht provozieren will. Aber vier Jahre später. das die Süddeutsche Zeitung in den höchsten Tönen lobte. später der Schweizer Pharmakonzern Roche Diagnostics. Die Penzberger Moschee. Bedroht er den Staat. findet er. setzt er sich einen weißen Turban auf und legt einen schwarzen Umhang um. Bosnisch und Albanisch – Ausdruck der nationalen Vielfalt der kleinen Gemeinde des Imams. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 15 Unter Verdacht Ein Imam aus Bayern will ein weltoffenes Islamzentrum in München gründen.DOSSIER WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest: Wovon Europa singt S. verurteilt er. Er wird einen Rechtsanwalt engagiert haben und Gerichtsprozesse führen. die ungleiche Erbverteilung. tolerant.

Das Treffen findet in den Räumen des Verfassungsschutzes im Innenministerium statt.und Integrationskurse. eine zweite Presseerklärung zu veröffentlichen. die Bezeichnung sei eine zulässige Meinungsäußerung. Der Imam will kämpfen. wenn er mit einem Imam verhandelt. Er wächst sich zum wichtigsten Beweisstück aus. Es handelte sich um eine Koranrezitation. die ihn als »Funktionär der Muslimbruderschaft« bezeichnet hat. Das Innenministerium habe die Unterschriften zur Bedingung gemacht. und Staatssekretär Georg Schmid aus dem bayerischen Innenministerium weist auf die Verbindungen zu Milli Görüș hin. sagen die Penzberger.« Idriz hofft jetzt. Idriz. heute Bundesfamilienministerin. ein Vordenker der Partei. durch Mitgliedsbeiträge und die Verpachtung von Läden und einem Restaurant im neuen Zentrum. mit dem das bayerische Innenministerium belegen will. Staatssekretär Schmid nimmt teil sowie die Sachgebietsleiterin Ausländerextremismus. die auch der dortige Oberbürgermeister besuchte – ein Mitglied der CSU. aus dem Vereinsregister entfernt zu werden. Fortsetzung von S. außerdem sollen sie sich verpflichten. Gleich links neben dem Eingang hänge ein Schwarzes Brett. sagt Imam Idriz heute: Die Penzberger Moschee stehe immer offen. Am 21. nichts mit Milli Görüș zu tun zu haben. dass er aus diesem Bericht gestrichen werde. dass die IGMG verfassungsfeindlich ist. In dem Schreiben sollen die Penzberger erklären. der frühere CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. Allein für das neue Grundstück in zentraler Lage in München veranschlagt Idriz bis zu zehn Millionen Euro. gebe Anlass zu der Befürchtung. das Milli-Görüș-Plakat angebracht habe. bezeichnet Ibrahim el-Zayat im Februar 2007 als »Chef der Muslimbrüder in Deutschland«. »Einen negativen Automatismus gibt es nicht. Der Emir von Schardscha hat bereits die Moschee in Penzberg mit 2. Er verliert den Prozess. Außerdem ist er Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau. aber was ist die Lösung?« El-Zayat: »Das Richtige zu sagen. was ihre Worte waren. schöpft er Hoffnung: Joachim Herrmann war CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. Jahrelang ist er Europavertreter der World Assembly of Muslim Youth. was genau der Verfassungsschutz verfolgt: Was konkret wirft man ihm vor? Braun trifft sich mit Innenminister Herrmann. gesellschaftliche Akzeptanz zu suchen und Ortsvereine zu gründen. ein Vorgang. er hat mehrere Jahre lang im Bundestag gesessen. Allerdings lernt der Anwalt etwas über das bayerische InnenFortsetzung auf S. Aber selbst Oberbürgermeister Christian Ude macht sich angreifbar. könne nicht unterstützt werden. nachdem es entdeckt worden sei. ohne sich beraten zu können. die sie sofort unterschreiben sollten. der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Penzberg. einzelne islamische Gemeinschaften für verfassungsfeindlich zu erklären. schreibt er. Viele Medien greifen das Thema auf.« Idriz geht noch weiter. »Die bisherige Nennung im Verfassungsschutzbericht konnte alle anderen Eindrücke und Informationen nicht widerlegen. um für die Zukunft eine neue Bewertung zu ermöglichen«. denn die IGMG wird als extremistisch eingestuft. ist Staatssekretär Georg Schmid längst nicht mehr im Amt. schrieb Herrmann zurück: »Das von Ihnen angestoßene Projekt ist sehr interessant und sollte auf jeden Fall Gegenstand eines intensiven und kontinuierlichen Dialogs zwischen Ihnen und der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag bleiben. meint der Anwalt. Die Penzberger aber gehen in den Pizza Hut am Münchner Hauptbahnhof und diskutieren. Marion Frisch. Was soll ich tun?« El-Zayat: »Du musst das richtigstellen. Die Münchner Polizei hört also mit und schneidet das auf Deutsch geführte Gespräch mit. künftig keine Milli-Görüș-Mitglieder in ihren Reihen zu »dulden« beziehungsweise sie »auszuschließen«. die Islamische Gemeinde sei eine Zelle von Milli Görüș. Als am 30. Geboren und aufgewachsen in Deutschland. Seit 1994 sitzt er auf seinem Posten. Sein Verein sei noch im Jahr 2004 auf Mitgliedslisten von Milli Görüș geführt worden. der sich gegen die Muslime wendet?« Imam Idriz: »Ich sage doch. Deshalb gebe es auch keinen Gesprächstermin beim Minister. Ende der Debatte. Sie ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes der verlängerte Arm der islamistischen Muslimbrüder. müsse schleunigst daran arbeiten. das später eingestellt wird. heißt es im Verfassungsschutzbericht. die Staatsschützer von sich überzeugt zu haben. Imam Idriz: »Ich bin ja deiner Meinung. Die Staatsschützer sehen weitere Verbindungen zu den türkischen Islamisten: Bevor die Islamische Gemeinde Penzberg 1994 entsteht. die sich vom Extremismus distanzieren wollen. Wenige Wochen später lobt Staatssekretär Schmid in einem Brief die Distanzierungen der Penzberger von Milli Görüș. Am 12. Beide machen im Gespräch mit der ZEIT keinen Hehl aus ihrem Misstrauen gegenüber Idriz und seinen Plänen. in der er sich erneut vom Foto: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT . inzwischen ein grau melierter Herr von 63 Jahren. Glück hält Idriz für einen Hoffnungsträger im Dialog der Religionen. Der damalige Führer der ägyptischen Muslimbrüder. schreibt der Ministerialdirigent. für die FDP. einem Gegner. man sieht einige Frauen mit Kopftüchern und einige ohne. Du kannst ja sagen. der ihn noch Jahre später verfolgen wird. Der Bau selbst würde um die 30 Millionen Euro kosten. wer du sein möchtest. Er soll herausfinden. dann kannst du aber nicht damit rechnen. Juli 2007. es sei nicht seine Aufgabe. zuletzt in einem Brief vom 14. März 2006. Allerdings sagt er jetzt. was auf ihn zukommt Am 24. Das Innenministerium sieht die Sache anders: Diese Begebenheit bestätige die Nähe der Penzberger zu Milli Görüș. Wer ist der Benjamin Idriz? Möchtest du jemand sein.und Unterstützungsgemeinschaft. einer aus Saudi-Arabien stammenden Jugendorganisation. der sich allerdings bald auflöst. Dass ausländische Geldgeber das Projekt finanzieren wollten.16 12. Auch davon erfährt der Verfassungsschutz. dass Imam Idriz mit Extremisten gemeinsame Sache mache. er solle das Gespräch mit den zuständigen Beamten suchen. andernfalls werde man das Treffen als gescheitert betrachten. sondern um Freundschaft. sie wisse nicht mehr genau. wenn du gemeinsam mit dem Innenministerium der Meinung bist. andere islamische Organisationen zu beurteilen. Den jährlichen Unterhalt in Höhe von 500 000 Euro will Idriz jedoch ohne ausländische Hilfe finanzieren. es gehe nicht mehr nur um einen Dialog. Es ist nicht deine Angelegenheit. er hat sich der Bewertung der Staatsschutzbehörden anzuschließen. Der windet sich und rät dem Anwalt. doch im Berichtsjahr habe die Gemeinde erneut für eine Veranstaltung der Islamisten in Ingolstadt geworben. Doch dann passiert etwas. der Vater ist Ägypter. Da sind vor allem der Ministerialdirigent WolfDieter Remmele und die Ministerialrätin Marion Frisch. aber er weiß noch nicht.5 Millionen Euro unterstützt. und wer als verfassungsfeindlich gilt. habe ihnen eine Presseerklärung vorgelegt. beten auch Frauen. 17 Imam Benjamin Idriz (oben) beim Freitagsgebet im Gebetsraum der Moschee im bayerischen Penzberg ropa München« (ZIEM) öffentlich. Er will aber nicht aufgeben. Ibrahim el-Zayat selbst bestreitet jegliche Verbindungen zur Muslimbruderschaft. August 2007 macht das Innenministerium in einer Presseerklärung seine Bedenken gegenüber Idriz’ Projekt »Zentrum für Islam in Eu- Alois Glück von der CSU rät den Muslimen. Der katholische Pfarrer sagt dasselbe. hätten im Laufe der islamischen Geschichte »texttreue Dogmatiker« die Vorherrschaft bei der Koranauslegung übernommen: »Sie verteufelten im Namen der Herrschaft des Textes die Realität und die Vernunft. Die Presseerklärung sei in beiderseitigem Einvernehmen erarbeitet worden. dass dir islamische Organisationen in Zukunft helfen. Wolf-Dieter Remmele. der als extremistisch gilt. Die Gelegenheit dazu kommt schneller als erwartet: Der Staatssekretär schlägt den 13. Im zentralen Gebetsraum. unterschrieben hat Ministerialdirigent Dr. in der Imam Idriz das Unterschriebene relativiert. der IGD. ohne zu fragen. Frisch sagt heute. Sie begrüßt den Anwalt Braun mit den Worten: »Eigentlich treffen wir uns nicht mit den Objekten unserer Beobachtung. Noch am selben Tag veröffentlicht das Innenministerium die Erklärung auf seiner Website. kann nicht darauf hoffen. dass ein »fundamentalistisch geprägtes Islamverständnis« dahinterstecke. sagt der Imam. Am selben Abend noch erhält Idriz einen Anruf. Sie sind nicht glücklich mit der Presseerklärung und beschließen. bekommt eine Zusage – und kurz darauf eine Absage: Der Innenminister sei verreist. was auf ihn zukommt. März 2005 schließlich kündigt er schriftlich seine Mitgliedschaft bei Milli Görüș. Die Geschichte lasse sich leicht aufklären. Februar 2009 trifft Braun unter anderem den Ministerialdirigenten Remmele.« Imam Idriz kommt sich vor wie in einem Hamsterrad: Er läuft und läuft und kommt nicht voran. »mit denen er um Streichung des Vereins aus dem IGMGRegister bittet und seine persönliche Mitgliedschaft ab März 2006 kündigte«. von staatlicher Seite unterstützt zu werden. sodass die islamische Kultur erstarrt ist. schreibt Schmid. heißt es in dem Bericht. Außerdem hofft Idriz auf Zuschüsse der Stadt München. Mohammed Mahdi Akef. es geht um Spenden an die islamistische Hamas in Palästina. gilt als verfassungsfeindlich. wofür du stehst. Demnach sagte el-Zayat: »Du musst dich fragen. »unter der Trägerschaft einer extremistischen Bestrebung«. In der Bibliothek stehen neben islamischen Klassikern die Werke von Islamkritikern. Das stimme mit den Methoden der IGMG überein. Als Finanziers nennt der Imam Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Idriz’ geplantes Islamzentrum in München. Er will kämpfen. die in Kairo ihren Ursprung haben und bis zum Umsturz des Mubarak-Regimes offiziell verboten waren. Er kritisiert die islamischen Verbände in Deutschland für ihre Fixierung auf ihre Herkunftsländer. Noch hält die Stadt München zu Idriz. um ihr Münchner Projekt nicht zu gefährden. Trotzdem glauben die Verfassungsschützer in Bayram Yerli einen Islamisten vor sich zu haben. Aber du kannst nicht sagen. und von Führungsmitgliedern der Gemeinde zu der islamistischen Organisation IGMG vor. »Diese Verantwortung obliegt allein den zuständigen Behörden«. der Regionalverband Südbayern von Milli Görüș führt danach die Islamische Gemeinde Penzberg als Ortsverein in seinem Register weiter. heißt es nun. und nachdem Idriz ihm zu jener Zeit die Entwürfe seines Zentrums geschickt hatte. zum Beispiel für Deutsch. Trotzdem hält der Ministerialdirigent Remmele an dem Vorwurf fest.« Das sind die Worte. meint der Imam. Er schreibt: »Dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz liegen Erkenntnisse über die Zuordnung der Islamischen Gemeinde Penzberg e. Andere Muslime halten den Imam jetzt für einen Lakaien des Staatsschutzes Aus der Sicht des Innenministeriums war alles ganz anders: Demnach sind es die Vertreter der Islamischen Gemeinde Penzberg. als er nach Penzberg zieht und sich der Gemeinde von Imam Idriz anschließt. Auch Ministerialrätin Marion Frisch ist wieder dabei. Das Innenministerium. Von dem Vorfall gibt es zwei Versionen. Nach vier Stunden glauben die Penzberger. gibt es dort einen Ortsverein von Milli Görüș.« Tatsächlich veröffentlicht Idriz am nächsten Tag eine Presseerklärung. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Extremismus distanziert. in Zukunft keine Probleme mehr zu bekommen – auch wenn islamische Organisationen wie Milli Görüș ihn jetzt für einen Lakaien der Staatsschutzbehörden halten. »dass es sich bei der IGMG um eine Organisation mit verfassungsfeindlicher Zielsetzung handelt«. Aus Penzberg ist neben Imam Idriz auch Bayram Yerli gekommen.« Gemeint ist offenbar Bayram Yerli. dass du sie nicht unterstützt. darin. V. dass die Islamische Gemeinde Penzberg aus dem Verfassungsschutzbericht gestrichen wird. und das Gespräch ist beendet. Yerli ist ein Schlosser. eine schillernde Figur in der islamischen Szene. an die Braun sich erinnert. sagt er. August vor. was genau gegen die Penzberger vorliegt. Idriz liest den Brief und ist geschockt. Erst sein Rechtsanwalt macht ihm klar: Wer im Verfassungsschutzbericht auftaucht. die Verhandlungen über sein Projekt laufen weiter. V. Idriz glaubt nun. im April 2005 verklagt er die damalige CDU-Abgeordnete Kristina Schröder. Doch Idriz versteht nur wenig vom Innenleben eines Innenministeriums. Bei der Imam-Ausbildung in deutscher Sprache will er mit deutschen Hochschulen kooperieren und hofft auch hier auf öffentliche Gelder. jeder könne ein und aus gehen. 15 »eine Verbindung zwischen der Lehre und der Wirklichkeit herzustellen – eine auf die Bedingungen unserer Zeit passende Antwort: Was hat Gott gemeint?« Leider. Zur Zeit des Telefonats läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. betont Ude. Bei Idriz meldet sich Ibrahim el-Zayat. In einem unterwürfigen Brief an Staatssekretär Schmid bedauert er die »Irritationen« über sein Konzept und bittet erneut um ein Gespräch. Unter Punkt 5 soll sich Imam Idriz von jeglichen islamistischen Organisationen distanzieren. der in Moscheen normalerweise den Männern vorbehalten ist. Die Gemeinde sei ein Beispiel für »formal nach außen hin vollzogene Distanzierungsbemühungen« gegenüber Milli Görüș. sie geben Männern die Hand. wenngleich der Vereinsvorsitzende Bayram Yerli mittlerweile Schreiben vorgelegt habe. antwortet ihm das bayerische Innenministerium. Bis zum Januar 2010 ist er Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Deutschland. Der Anwalt ist über die Begrüßung pikiert. März 2008 der bayerische Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2007 veröffentlicht wird. 1985 trat er in Bad Tölz einer Gemeinde der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüș (IGMG) bei. Jetzt schaltet Idriz seinen Anwalt Hildebrecht Braun ein. neue Tatsachen müssten natürlich neu geprüft werden«. Als der neue Innenminister vereidigt wird. Einer seiner Unterstützer ist Alois Glück. Im März 2009 wird der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2008 vorgestellt – und wieder steht die Islamische Gemeinde Penzberg e. Dennoch. Am 1. womit die Besucher nicht gerechnet haben. aber auch keinen fahrlässigen Umgang mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes. Mehrfach verlangen die Penzberger. dass ich damit nicht einverstanden bin. die Staatsbeamten auf Lebenszeit. vor Gericht zu ziehen Imam Idriz hat noch nie einen Verfassungsschutzbericht in den Händen gehalten. der ihm nicht vertraut ist. dass sie verfassungsfeindlich sind. die auch die etwa 300 Moscheen der Islamischen Gemeinde Milli Görüș verwaltet. Im August 2007 glaubt Imam Idriz immer noch an ein Missverständnis. Gabriel. der als Kind aus der Türkei nach Deutschland kam. der Imam bläst seinen Urlaub in Makedonien ab. Idriz bittet um ein Gespräch. Die Vermischung von Religion und Herrschaft habe dort zur »Entstehung und Zementierung von Despotien« geführt. der dem Verfassungsschutz bekannt wird. Idriz sucht den Kontakt zu den christlichen Gemeinden in Penzberg. In der modernen Moschee hängen nur wenige religiöse Symbole. Er hat es mit einer Bürokratie zu tun. Seine Worte provozieren die mächtigen Verbände und konservative Muslime gleichermaßen. Er bekommt keine Einsicht in die Akten des Verfassungsschutzes. Du musst wissen. Diese kontroverse Welt möchte Idriz nach München exportieren. aber er weiß noch nicht. Eine islamische Organisation als »verfassungsfeindlich« zu bezeichnen wäre jedoch sehr ungewöhnlich für einen Imam und könnte ihm von muslimischer Seite viele Anfeindungen einbringen. »Sie sind ein erster und auch notwendiger Schritt Ihrerseits gewesen. zum Beispiel von der evangelikalen Autorin Christine Schirrmacher und dem Amerikaner Mark A. die offensichtlich den Beteuerungen des Imams aus Penzberg nicht glauben. Kenner der islamischen Szene bezeichnen Ibrahim el-Zayat als Strippenzieher. Es sei umgehend entfernt worden. Und so bleibt unklar. bei denen direkte Bezüge zur eigenen Organisation fehlten. Geblieben sind all die Ministerialdirigenten und Ministerialräte. »Als Imam können Ihnen die Verbindungen dieser Gemeinde zur IGMG nicht verborgen geblieben sein«. wo jemand. dass Herrmann sich daran erinnern und mithelfen werde. Er bleibt auch dann Mitglied. zwei Monate nachdem Idriz den Brief abgeschickt hat. In jedem Fall kommt es zur Unterschrift.

fragt der ReligionswisFortsetzung auf S. Die haben ein Berufsethos als unabhängige Ermittler. Sie sehen in ihm einen Hoffnungsträger. befriedigen. man beobachtet eben. ZEIT: Diese Ermittler liefern Belege für eine politische Wertung. die schon feststeht? Schiffauer: Das Material wird oft sehr zugespitzt und stark gewertet. die ein Problem für Deutschland sei. Solche Leute können zwar zu wollen. die sich für die Integration eines konser. vor Gericht zu ziehen. einer. »Wenn wir den wegbeißen – wer bleibt dann noch übrig?«. In diesem Fall lässt sich das Gericht ein Jahr Zeit. Heide Fest (r. Im März 2010 schreibt Wimmer einen öffentlichen »Brandbrief«: Im bayerischen Innenministerium. da sagte ein Amtschef: Die schweren Zeiten sind vorbei.tion abgeben. »Hildebrecht Braun hat das Gespräch verfälscht wiedergegeben. Eigentlich soll aber das Verfassungsgericht darüber entscheiden. schutzes? Schiffauer: Auf der untersten Ebene sind das die Inzwischen ist die Demokratie längst gefestigt.« Und dann habe er noch von der hohen Geburtenrate der Muslime gesprochen. was fassungsschutzbericht von Baden-Württemberg man beobachten kann. bei denen Beamte nicht sehr glücklich darüber waren. die ihm ursprünglich nicht zugedacht war. den Herkunftsländern – etwa mit den Muslim. Auf die Frage. dass man etwas tut.Professor Werner den. schen sind? Schiffauer: Ja. er wolle Parallel. Am Ende kommt ein politisch gewichteter Text heraus. was aus ihren Erkenntnissen geworden ist. Damit hat der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit eine Rolle übernommen. war ich einmal bei einer Tagung des VerfasZEIT: Ist das plausibel? Verläuft so die Radikali. es gebe Prosolche hoch individualisierten Viadrina in bleme mit gewissen antisemitiProzesse nicht beobachten kann Frankfurt (Oder) schen Äußerungen von Imamen. wer von seiner eigenen Das Gespräch führte JÖRG LAU . die dann im Innenministerium die Behördenleiter rauf und runter gehen. Seine Frau ist Palästinenserin. Einige von ihnen kenne ich seit Langem.Schiffauer: Er muss nachweisbaren Gefahren gen. war vielleicht in den fünfziger Jahren angemesZEIT: Was sind die Quellen des Verfassungs. Informanten. was denn so gefährlich an der Islamischen Gemeinde Penzberg sei. ZEIT: Wie entsteht ein Verfassungsschutzbericht? Schiffauer: Die Mitarbeiter fassen aufgrund verschiedener Quellen – vor allem von Informanten und Publikationen – Erkenntnisse zusammen. Er ist das einzige nichtmuslimische Mitglied im Vorstand von ZIEM. auch wenn es die Fal. ein Dialogforum für Christen. Im Verscheeverein. Dieses allgegenwärtige Misstrauen vativen Islams in die Gesellschaft einsetzen. um Mitglieder »legalistisch islamisihre Beschäftigung zu rechtfertischer« Gemeinden. doch manche fürchten. oder auch. habe der Ministerialdirigent Remmele erwidert: »Uns macht die Gefahr islamistischer Gewalttäter deutlich weniger Sorge als die Gefahr der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft. wehrt sich Remmele im Nachhinein. Auch der SPD-Bürgermeister von Penzberg. wer einislamische Ordnung in Deutschland errichten fach Geld braucht.DOSSIER 12. um stark bestimmt. Von Anfang an hat Stefan Jakob Wimmer.mal seine Objekte auch selbst. Sie wollen eine einstweilige Anordnung erwirken. der der letzten Jahre waren entfremdete und ent. wahrung einer »islamischen Identität« eintritt. der zur Rekrutierung von Selbstmordattentätern aufruft. Juden und Muslime. Die islamistischen Attentäter des Kommunismus hatten sie befürchtet. Das ist für die Sicherheit unseres Landes schutz? Was wäre seine Aufgabe? kontraproduktiv. Wimmer ist seit Langem im interreligiösen Dialog engagiert. der zur Zeit des Kriegs im Irak Solidarität mit dem irakischen Volk fordert. Die sind von Natur aus problematisch. deren Methoden man mit der »antisemitischen Hetze« früherer Zeiten vergleichen könne. September 2001 Bundesrepublik bringen. Auf einer Tagung hat zum te den Sicherheitsbehörden viel Schiffauer lehrt an der Beispiel ein führender Kopf von mehr Sorgen machen. Nach dem Ende sierung? Schiffauer: Nein. Der Verfassungsschutz ist aber nicht politisch unabhängig. ihnen könnte die Moschee genommen werden. Indizien dafür sind dann oft per. wenn es um Sachinformatiosonelle Verflechtungen mit Organisationen in nen geht. er hat in Jerusalem an der Hebräischen Universität studiert. Professor für Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen. ZEIT: Welche islamischen Organisationen sollten Ihrer Meinung nach beobachtet werden? Schiffauer: Bei manchen Islamisten ist das absolut unstrittig wie etwa bei Hisb ut-Tahrir oder der Gruppe Kalifatstaat.nachgehen. in einer Zeit mit vielen alten Nazis und einer kommunistischen Gefahr im Kalten Krieg. 16 ministerium. Hat Ministerialdirigent Remmele etwas gegen den Islam? »Das ganze Gespräch drehte sich um islamischen Extremismus und nicht um den Islam«. zu zeigen. Das Vorgehen des Innenministeriums bringt auch Idriz’ christliche Freunde auf. so der Religionswissenschaftler. die beide eindeutig die verfassungsmäßige Ordnung beseitigen möchten. Er ist zur Prüfinstanz der Verfassungstreue geworden. im Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden? Werner Schiffauer: Das kommt einem Urteil gleich. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 17 »Da wird ein Popanz aufgeblasen« Um sich selbst wichtiger zu machen. ZEIT: Was sind »legalistische Islamisten«? Schiffauer: Aus der Perspektive der Sicherheitsorgane: Wölfe im Schafspelz. Den- noch unterstellt man ihnen.sen. sagt er. der bei Festen die Moschee in Lederhosen betritt. die in den Prozessakten des Verfahrens auftaucht. ZEIT: Schafft sich der Verfassungsschutz mancherregt schon den Verdacht. Das soll. Was wäre. 18 meinden.ZEIT: Wozu brauchen wir den Verfassungssen. So lautet die Version des Anwalts Braun.Verfassungsschutz könnte als überflüssig betrachtet werden. es geht manchmal Wenn die Sicherheitsperspektive den Blick so mehr darum. Also üben sie das Lesen sie doch Kontakt zu ihnen hatgegen den Strich ein. Lange diskutiert der Vorstand der Gemeinde darüber. um die eigene gesellschaften bilden und die jungen Leute in Existenz zu rechtfertigen? Distanz zur gesellschaftlichen Ordnung der Schiffauer: Kurz nach dem 11. wo aus ten. ZEIT: Heißt das. fragt etwa Mathias Rohe. säßen Beamte. macht sie die Integrationsdas Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu politik kaputt. den Konflikt miterlebt. Zum Beispiel wird aus jemand. Ein solches Eilverfahren dauert normalerweise wenige Wochen. Nach 2001 wurwurzelte junge Männer.« Hat er aber bislang nicht. Und die haben. ich glaube. wie das Leben in einem Modie er sich deshalb zur Brust nehme. die sich den dann viele junge Islamwisim Internet selbst radikalisiert senschaftler eingestellt. Sie halten sich an die Gesetze und verzichten auf Gewalt. übertreibe der Verfassungsschutz seine Informationen unzulässig. sind sie meist schnell wiescheinbar unbedenklichen Äußeder ausgestiegen. Die Aussage »vom Verfassungsschutz beobachtet« wird gleichgesetzt mit: »ist verfassungsfeindlich«. Bloß seien diesmal nicht Juden die Opfer. ist das mit Vorsicht zu genießen. Ich kenne Fälle.wurde daraus: Der Funktionär bestätigt die Existenz von Antisemitismus bei Milli Görüș. das die Penzberger später gegen das Innenministerium wegen der Nennung im Verfassungsschutzbericht anstrengen. etwa um Pläne zu einem Attentat. langfristig eine Organisation enttäuscht ist.) DIE ZEIT: Was bedeutet es für islamische Ge- Große Fenster. ich könnte gegen ihn eine gerichtliche Unterlassungsanordnung erwirken.Aber wenn sie Wertungen über ihre Organisabrüdern in Ägypten. denn man trifft damit diejeni. Schwieriger wird es beim sogenannten legalistischen Islamismus. wenn sie den Freistaat verklagen. weil man Europa-Universität Milli Görüș gesagt. der zerrieben werden soll. kritisiert der Sozialwissenschaftler Werner Schiffauer Fotos: Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. weil ihnen das rungen durch Zuspitzung und Angebot dort zu langweilig und Selektion Verdachtsmomente werkompromisslerisch war.benötigt werden. Lehrbeauftragter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München.sungsschutzes. Am Ende klagen die Penzberger gegen ihre Erwähnung im Verfassungsschutz- bericht 2008. die offensichtlich inspiriert seien von der islamfeindlichen Website Politically Incorrect. sondern Muslime. Auch wer für die Be. »Den Staat verklagen – da kann doch nichts Gutes bei rauskommen«. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat er die »Freunde Abrahams« gegründet. Sie waren gerade nicht müssen nun auch etwas tun. Idriz’ alter Freund Alois Glück von der CSU rät den Penzbergern. Informant wird oft. hat Bedenken. Und wenn tigen. dezentes Minarett: Die Penzberger Moschee soll Offenheit ausstrahlen Fortsetzung von S. Da wird dann ein Popanz aufgebla.

der umstrittene Strippenzieher. Was ist geschehen? Imam Idriz hat zweimal die Hilfe eines gewissen Angelegenheit bislang nicht geäußert. hatte das Innenministerium da.Regierung hat selbst Kontakt mit Ibrahim el-Zayat. ein Islamzentrum präsident veranlasste Prüfung durch das Bayerische könnte für die Muslime dieselbe Wirkung haben. »Wir dürfen uns nicht scheuen. dass im Koran an 27 verschiede. dass sich die Penzberger Gemeinde um die schen Kultusgemeinde in München. verteilt die Organisation Pax Europa vor den Kirchen in Penz. Emilia Müller. in dessen Landkreis Penznichts gewusst. wenn da nicht dieser eine Funktionär von Milli Görüș bezeichnet er Imam Satz stünde: »Neue Erkenntnisse über verfassungsIdriz als »Schwachkopf« und »Idioten«. heißt es. »Das ist ja widrige Aktivitäten«. So verlangt es gangenheit als Imam der Waffen-SS das Landratsamt im bayerischen habe er. Benjamin Idriz Idriz die IGMG als verfassungsfeindlich bezeichnet. Kurze Zeit spä. Sie warnt schon lange vor der Islamisierung der deutschen Gesellschaft und vergleicht den Islam mit dem Nationalsozialismus.weiter zu Idriz.« Nachvollziehbare Positionen. Über dessen VerImam arbeiten darf. diesmal auf zweieinhalb Innenministerium statt.nen Keil zwischen die Muslime zu treiben. sprach ein Grußwort.und schutzbericht für das Jahr 2009. zu dessen Wahlkreis Trotz dieser Irritationen halten Penzberg gehört. sätzlich vorgeworfen. Islamkritik als »Islamophobie« abzustempeln. Sie gilt als europäische Anlaufstelle der Orga. Ungeachtet dessen bekommen zu haben. dazu Zeitungsartikel. das World Trade Center in die Luft Idriz hingegen bestreitet vehement. Djozo zählt Imam Idriz zu seinen So auch für Imam Idriz. einen bosmäßig das Islamische Zentrum Münnischen Militärimam der Waffenchen – es sei ein Beispiel dafür. lässt Minister Herrmann im Jahr 2010 einen Ministerialrat in seinem Namen an Pax Europa schreiben. Statt sich von diesen Leuten zu distanzieren. der wollte. »Auf dieser Basis können wir Islamkritiker gut weiterarbeiten.18 12. in der Idriz schreibt. Sitten. die Moschee wird von vielen unbescholtenen aus einer Immobilie. als der Verfassungsschutzbericht 2008 veröffentsich der düstere Islamist Ahmad Khalifa für Imam licht wird. die ihm nahestehen. Das Minarettverbot in der Schweiz hat sie begeistert gefeiert. Am entgegensteht«. Und el-Zayat hat nicht nur Kontakt mit islasind? Wussten Sie. er könne sich mit dem Innenministerium eischee der Stadt. Die Verbindungen zur Islamischen Gemeinde Milli Görüș seien der am 3. Gebräuche und Traditionen der muslimischen Minderheit klar zu thematisieren. es ist Karfreitag. und sie ist erbost. Ausgerechnet diesen Hussein Integration funktioniert«. Andererseits: Ist es verboten. Obwohl Tag. Gegenüber Ahmad Khalifa angenommen. Diese Beamten seien doch nur darauf aus.« Der Kontakt zu el-Zayat schadet Imam Idriz’ Am 2. »Außer Ahmad Khalifa gab lügt er? es damals niemanden. In einem Gespräch mit einem hohen wäre vollständig zerstört.Ministerialdirigent Zudem entschuldigt sich das Magatig zu verlängern. wussten Sie. Der Frage nach den bericht erwähnt. enthaltsgenehmigung ist abgelaufen. Zehn Jahre später taucht der chen kommt regelmäßig vorbei. Ibrahim el-Zayat selbst sich hat sich zu der ganzen zu bekommen. 1993 versuchte. Ist Idriz naiv.könne das aber nicht erkennen. Es stellt den Brief ins Internet.wie das Jüdische Zentrum in München das jüdische ter trifft die Nachricht ein: »Die von Herrn Minister. März 2011 veröffentlicht wird.und mir wird vorgeworfen. Staatsministerium des Innern hat ergeben. jemals Geld von zu jagen. Khalifa hatte Kontakt zu vielen fins. Er hat erlebt.): Kai Wiedenhöfer für DIE ZEIT. dass er den Kampf gegen Ibrahim el-Zayat. die mithilfe der Muslimbrüder gebaut nigen. heißt es dazu. Sein Anwalt wendet sich ganz sche Innenminister Imam nehme sich die Waffen-SS nach oben. er habe sich von den Muslim.« jetzt drei bis vier Geldquellen schließen. oder berg liegt. Im Mai 2010 urteilt das Verwaltungsgericht.« . Finanziert werde die Gemeingalt Khalifa lange Zeit als angesehener Mann in Mün. sich nicht in der Lage. Als er Vorbildern. dass der Auch Bundesjustizministerin Sabine LeutheusserVerlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nichts Schnarrenberger von der FDP steht hinter Idriz. sie eigenmäch. sondern geradezu notwendig«. Die Penzberger die nichtmuslimischen Unterstützer schicken Stoiber einen Brief ihres Bürgermeisters und ein weiteres Schreiben von Ah. Ein ähnlicher Vorgang wiederleumdungsklage eine Gegendarstelholt sich fünf Jahre später. an Ministerpräsident Ed. Die Arbeit des bayerischen Innenministeriums richte sich keinesfalls gegen den Islam als Religion.kommt um den umtriebigen Funktionär kaum heten Sie.auch an einer Konferenz in Südafrika teil. einem en. Jetzt wird Imam Idriz zu.Joachim Herrmann zum Vorbild. Neues über sich: Unter dem Titel Hitler? Ach so veröffentlicht der Focus einen Bericht Ludwig Spaenle. brüdern helfen lassen. »wenn in einer bayerischen Behörde Personen mit offen antisemitischer Gesinnung mit der Zuständigkeit für jüdische Gemeinden betraut wären?« Kurz darauf erhält Wimmer Post von einem Ministerialdirektor im bayerischen Innenministerium. Peter Frischmuth/argus Angehörige der Islamischen Gemeinde Penzberg beim Gebet in der Moschee Fortsetzung von S.« Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2010. Idriz nisation und wird deswegen im Verfassungsschutz. dass er die Shoah als »beispielloses das Landratsamt in Weilheim sieht Menschheitsverbrechen« verurteile. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagt nach seinem Fall im Verfassungsschutzbericht auf. Kurz darauf findet jenes Treffen im die Penzberger wieder auf.n. sagt el-Zayat. antiemanzipatorische und menschenrechtsferne Mentalitäten. heißt es jetzt über die Penznur noch peinlich«.o.« Die radikale Bürgerbewegung Pax Europa fühlt sich bestärkt vom Innenministerium. der so etwas Der Focus muss ein paar Wochen auf Deutsch schreiben konnte«. Für die Unterdrückung von Frauen oder die Scharia ist bei uns kein Platz. »Ich werde ihm berger im Bericht des Verfassungsschutzes. schreibt die Staatskanzlei. mit berg Flugblätter: »Penzberger Bürger!. die von der Evangelischen Akademie Tutzing veranstaltet gen aufgefordert wird?« Am 30. und wieder tauchen Europaangelegenheiten. die bayerischen Behörden gewinnen wird. gen Vertrauten Osama bin Ladens. ich sei ein Extremist«. Der Staatsminister habe sich deswegen in Interviews immer dagegen ausgesprochen. April 2010. aus denen her. auf die Schriften. CSU-Mitglied und Vizepräsident der Israelitivorgeht. betreibt bewusste Fälschung. Auch der amerikanische Konsul in Münmals keine Bedenken.Penzberg. Er nahm im Jahr 2006 nen Stellen in Befehlsform zum Töten der Ungläubi. Er bezieht sich dabei 1994 nach Deutschland kommt. Ministerin für Bundes. Wer das Gegenteil behauptet.man. dass der Einrät Idriz.wurde. extremistischen Milli Görüș gegründet wurde? Wuss. besucht sie demonstrativ die Gemeinde in Idriz starkmachte. Integration von Muslimen bemühe. er besuche regelüber Hussein Djozo. »wie SS. der im Widerspruch zu unserer freiheitlichen Grundordnung steht. der Penzberger len.Ibrahim el-Zayat oder Leuten. sagt später unter Androhung einer VerIdriz. »Kritik an bestimmten Ausprägungen des Islam ist auch in muslimischen Gemeinden in Bayern nicht nur legitim. in dessen Anschluss Imam Seiten.(oben) und der bayeridruck entstand. »ergaben sich im Berichtsjahr jedenfalls nicht. Unter ihnen ist auch Marian Offmad Khalifa. »sondern gegen den Islamismus. eiwurde. 17 senschaftler. Im November 2010 erfährt Imam Idriz etwas Muslimen besucht. Frank Leonhardt/picture-alliance/dpa. beteuert Idriz. die er dem Imam verschließen teren Gestalten. Herr Innenminister«. hofft noch immer darauf. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 DOSSIER Fotos (v. schreibt der Beamte. die Hoffder Idriz zuvor am Telefon genau davor gewarnt hat.u.« mund Stoiber. und noch im Jahr 2008 rühmte sich der Staatsminister für Unterricht und Kultus.Glaubwürdigkeit.finanziellen Quellen.mischen Organisationen. Ibrahim el-Zayat zu telefonieren? Wer sich in dass die Islamische Gemeinde Penzberg mit Hilfe der der islamischen Szene in Deutschland engagiert. der ältesten Mo. eine Aufenthaltsgenehmigung sagt Imam Idriz.de aus Mitgliedsbeiträgen und den Mieteinnahmen chen. wie etwa Mahmud Abouhalima. weil der im Islamischen Zentrum München. »Chapeau. damit er als öffentlichte. nung ist kleiner geworden von Jahr zu Jahr.glaube. Die Auflung drucken. Verfassungsschutzbericht 2008 erwähnt. Khalifa ist ein Prediger der ZEIT beschreibt er Imam Idriz als naiv.Leben erneuert hat. die Hussein Djozo braucht er eine Bestätigung von einer nach dem Zweiten Weltkrieg verislamischen Autorität. die Besuch in Penzberg: »Ich bin beeindruckt von der Islamische Gemeinde Penzberg werde zu Recht im Offenheit der Gemeinde. bis dahin Weilheim. dass laut Koran alle Christen ›Ungläubige‹ rum. so ausführlich wie nie zuvor. oder Mamduh Mahmud Salim. »Ihren Unterstellungen trete ich mit Nachdruck entgegen«. »Die die Penzberger darin auf. sich Unterstützung zu ho. März 2010 erscheint der Verfassungs. Er glaubt. und ein Beamter Wolf-Dieter Remmele zin: »Focus bedauert. tauchen unbestreitbar. die jedoch Pax Europa für seine Zwecke benutzt. weicht er im Gespräch mit der ZEIT aus.

konnte Bild am Schreibtisch ermitteln. du wirst wieder meine Liebe sein«.« (Mehr Düsseldorf auf S. Für den könnte man stimmen. »na na-na na na na«. wir sind in Gefahr Wir sind kristallweiß. Sjonni war seit mehr als einem Jahrzehnt als Sänger in Island bekannt. heißt Ein dummer Text. Himmel! Mühelos erkennt der Analytiker vier Kategorien des Begehrens: »Komm her«. Beispiele? Lettland bringt Angel In Disguise an den Start. Und dass. wo ich hinmuss Und ich komme jetzt! Der Makedonier Vlatko Ilievski träumt währenddessen vom Wodkatrinken mit einer Russin. es ist eine Schande. da klingelte das Telefon: Sjonni habe gerade eine Hirnblutung erlitten. an dessen Wettbewerb es ja gerade teilnimmt. war uns allen klar. dass sein Lied ausgewählt wurde und in ganz Europa gehört werden kann«. die es dieses Jahr ins Halbfinale geschafft haben. Viermal schon hatte Sjonni Brink an der heimischen Vorauswahl teilgenommen. »Bleib hier« oder »Wo bist du hin?«. der Verstand weniger. Und damit gleiten wir zwanglos nach Düsseldorf ins Rheinische über. wie die Witwe sagt. Aber richtet ein Mann von Welt ein Blutbad an? Penthouse. Unüblich war diese Zusammenarbeit nicht. Die Stadt hat sich auf das Event eingestimmt. sagt Matthias Matthiasson. und ich weiß. und gründete mit ihnen die Gruppe Sjonnis Friends. »Es erzählt die Geschichte eines Menschen.) .« Und natürlich Feudel und Eimer. Vielleicht hatte das Lied mit ihr zu tun. Viele. Thorunn Clausen produziert und managt. wir sind furchtbar traurig und doch so froh darüber. Und nun das: Er war als Solist schon bis ins nationale Halbfinale gekommen. kristallweiß Ich höre ein stilles Gebet. Endausscheidung. Einfach ist es für keinen von uns. Sie wollen nur noch wegfliegen und möglichst viele möglichst platte Metaphern aneinanderreihen. erklärt uns auf Anfrage. Ein Mann und eine Frau sind sich nähergekommen. »Die Kugel sei zur einen Schläfe ein. zwei Tage später traten sie erstmals auf M atthias Matthiasson war auf dem Weg zu seinem Freund Sjonni. An jenem 17. und wir helfen einander. um ihnen zu sagen. Der Text handelt von der Flüchtigkeit des Seins. Sie sagt: »Wir können Sjonni nicht ersetzen. denn Sjonni ritt so gern. Seither bereiten sich die Freunde auf Halbfinale (10. einen schlichten »Engel«: Wir sind Vögel Wir fliegen so hoch Und wir fallen runter Wenn ich von dir träume Ist mein Traum so furchtlos Wir sind Menschen des Planeten Deutschlands Lena singt quasi eine Sado-Hymne. Ich weiß. lebendiges Lied über die Wasserrutschen in Reykjavíks Thermalbädern. vier Einheiten. wie einst. und immer noch ging es um die Liebe. wie viele Punkte die Sänger in anderen Jahren sammelten. So begegnet man in den 43 Liedern. mit betonten Schlägen Auf Deutsch hieße die letzte Zeile wohl: »Führ mich aufs Eis. Am Abend vor dem Abgabetermin schrieb er mit ihr die letzten Zeilen auf Englisch. »Raki!« – zur Hilfe! Viele Komponisten haben Buchstabengebilde eingebaut. wieder geschossen. Seine Frau Thorunn Clausen. Im vergangenen Jahr enthielt das Gewinnerlied wenigstens so etwas wie einen originellen physikalischen Vergleich. Ich liebe Weißrussland heißt also das Stellvertreterlied. Im letzten Moment hatte Sjonni Brink das Lied beim Wettbewerb eingereicht. dass er sie liebt. »Schön. das Leben so zu leben. Im Refrain treffen die beiden betonten Schläge des Viervierteltakts mit den metrisch betonten Wortsilben zusammen – der Refrain wird dem Hörer ins Ohr gehämmert. Masen Abou-Dakn. Dozent an der Mannheimer Pop-Akademie. ja an alle Europäer. Sein Bruder und ein Cousin haben das Video gedreht. bleibt mir ein Rätsel«. »ouo uo uo«. sogar nach dem Leben auf der Erde. muss starke Nerven haben. sie wollten zusammen frühstücken. Ein sauberer Schuss. »da da da da da da«. »ding dong«. im Finale. »Wie ein Satellit« wollte Lena in elliptischen Bahnen um den Geliebten fliegen. »chaka chaka«. uo uo. In Da da dam erfährt sein kleiner Held Peter von seinem Lehrer. Es war ein Appell. Ursprünglich hatte sie einen Song namens Born in Belorussia eingereicht. niemals landen. Einen eingängigen Haken hat auch die Weißrussin Anastasia Vinnikova: »I love Belarus!« Ihre Liebe gilt dem Vaterland. einem Song. hatte ihm geholfen. Aber lesen Sie 12. was auch geschieht.« Zwei Tage nach der Beerdigung traten Sjonnis Friends erstmals auf. ein Haken. Atomkraftgegner wissen das. so kurz vor seinem Tod. Das »ding dong« stammt aus dem Lied von Dana International. Das Video zum Lied wurde in einem Stall bei Reykjavík gedreht. einige Tage später. Januar 2011 waren es noch zwölf Tage bis zur Vorrunde im Eurovision Song Contest. mit 36 Jahren. wie für Bild Schlagzeilen zu machen. Noch vor dem Begräbnis versammelte die 35-Jährige sechs Freunde. viele Hundert Jahre später entstand der Eurovision Song Contest. »oh-oh-pop oh-oh-pop«. Nigel Treblin/dapd (u. Das will Peter verhindern: Und ich komme nicht zurück Bis er gerettet ist Ich werde zum König gehen und zum Parlament Und wenn sie nicht helfen wollen Tu ich’s eben selbst Im März musste das Lied zurückgezogen werden. egal. 5.« Der Fairness halber muss man sagen: Übersetzung hat noch keinem Song gutgetan. Taken By A Stranger ist ein Liebeslied der Kategorie »Bleib hier«. Dessen Zeile »Denn niemand kennt sein Wann oder Wo« hat sich als hellsichtig entpuppt. seine Freunde singen statt seiner. »Als Sjonni dann so unerwartet starb. Das Ganze ist grauenhaft und eine Schande für den Wettbewerb. besser kann man es nicht sagen. Aber beim europäischen Gesangswettstreit im Jahre des Herrn 2011. Später. Eine Hirnblutung. sondern weil es regelwidrig bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war. den »verkleideten Engel«: Wir leben menschliche Leben Wir sind Engel. die er oft mit den vier Kindern – sie sind jetzt drei. heißt es im Lied. an dem der Hörer hängen bleibe. In Gstaad gibt es einen prominenten Toten zu beklagen. nach Hause zu kommen zu seiner Familie oder seinen Freunden. »Ding dong« machen die »Glocken der Seele«. die nichts bedeuten. informierte vor geraumer Zeit über das Berufsbild des Putzmannes im Sondereinsatz: »Wer Tatortreiniger werden möchte. »Komm näher«. seine Witwe. weiterfliegen. seine Söhne und seine Freunde tanzen. deren Haut so rein sei wie »ungeschlagener Schnee« und deren Augen so »schön und strahlend wie der Himmel über Moskau« seien. Eine gesungene Geschichte merkte sich der frühe Mensch besser als eine erzählte. endlich ein bisschen Patriotismus zu hören. »Es wird unsere Hommage an den Freund«. eine Schauspielerin.« Sjonnis Witwe stimmte zu. Sigurjon »Sjonni« Brink. sagt Thorunn Clausen. die dann in den Strophen. die man aber gut mitsingen kann – als da sind »eeeeeh«. das Schicksal hat eine Geschichte geschrieben – siehe oben. 5.« Die eingereichte Liebeslyrik ist in jeder Hinsicht grauenhaft. für Sjonnis Band The Flavors und für sein Soloalbum. sagt Matthias Matthiasson. und das macht mich High und ich fliege. »dass dieser Planet stirbt«.WOCHENSCHAU Frohnaturstatus im Härtetest Kaum ist die Londoner Hochzeit verklungen. erklärt sie. in welchen Jahren Island später fehlte. Die Gewinnerin des Jahres 1999 tritt nochmals für Israel an. »Es ist Physik. elf und 16 Jahre alt – besuchte. um die Welt zu retten. präzisiert werde. Der von den Briten immerhin zum besten Lied der vergangenen 25 Jahre gewählte Robbie-WilliamsSong Angels verliert an Kraft. »Ein sehr merkwürdiges Gefühl. es ist der einzige gesellschaftlich ambitionierte Beitrag in Düsseldorf. halb Folk. dass wir unser Leben heute leben müssen«. höher fliegen. kaum ist Osamas Leichnam bei den Haien. der Amerikaner Gus Seyffert. Dann würden die Isländer entscheiden. geflogen wird auch wieder: Ding dong. aber da: »Wäre es der Eurovision Propaganda Contest. alle aus der isländischen Musikszene. in denen von Augenbinden und Stühlen die Rede ist. du wirst nie ein Cowboy sein. sagt seine Witwe. als ginge es morgen zu Ende – eine Botschaft an seine krisengeschüttelten Landsleute. würde Weißrussland einen Kantersieg hinlegen. der es nicht abwarten kann. Die Liebenden mögen ihre Flügel spreizen und wegfliegen. Er starb. er würde das gern fortführen. Der mysteriöse Refrain fasst den Stand der Dinge zusammen: Taken by a stranger Stranger things are starting to begin Lured into the danger Trip me up and spin me round again Abou-Dakn hört im Refrain eine sexuelle Fantasie anklingen. verfeinerte es und machte es zur Kunstform. Die beiden waren sich 2002 während der Arbeit am Musical Le Sing in Reykjavík begegnet. Haben sich die Librettisten an Shakiras WMKiefergymnastik orientiert? Waka waka? Im spanischen Lied macht das »ouo uo« fast den ganzen Refrain aus. Matthiasson singt. sie übersetzte den Text ins Isländische. wenn »my pain walks down a one-way street« zu »mein Schmerz geht eine Einbahnstraße hinunter« wird. und es fällt insofern etwas tauwettrig aus. Fotos [M]: ESC/RÚV/Gassi (2). bevor Matthiassons Freund Sigurjon »Sjonni« Brink mit Coming Home in der Hauptstadt Reykjavík auftreten sollte. fast durchweg einer geistlosen Vögel-und-Engel-Metaphorik. Der Lieddichter ließ sich nicht entmutigen und hatte flugs ein paar neue patriotische Zeilen auf Lager. Sie werden ihren Auftritt so inszenieren. Dann. dessen Frohnaturstatus sich diese Woche einem Härtetest ausgesetzt sieht. sie geht. finde ich dich. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 20 selbst (unten). wollen die Lieddichter keine Geschichten mehr erzählen.« Für den Song Contest zu komponieren sei so ähnlich. sie hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten. »Das Lied erinnert uns daran. stets auf Kurs gehalten durch seine Anziehungskraft. wie Sjonni es gefallen hätte. außerdem hatte er die Theatergruppe Vesturport mitgegründet. aber auch ein großer Fan des Eurovision Song Contest. Es gilt in Düsseldorf als ein Favorit. schöner Playboy. sag nichts mehr Zarte Ansätze von Komplexität sind womöglich in den deutschen Beitrag der Vorjahressiegerin Lena hineinzuinterpretieren. Der Impuls zählt. Es war ein Lied ohne Zweifel. in dem Sjonni sein Pferd hatte. Für Lenas Quasi-Sado-Hymne Taken By A Stranger bediente sich ihr Komponist. dass Taken By A Stranger doch ein ganz guter »Hook« sei. Zwölf Tage. 2010 kam er mit Waterslide ins Finale: ein lustiges. die anderen spielen. Das war der Sieg. nicht etwa. Dann votiere man für Islands Beitrag Coming Home. als noch niemand ans Aufschreiben dachte. diese Liebe uns wieder zusammenführen wird. 65) Trauern und hoffen Eurovision Song Contest in Düsseldorf: Ein Sänger stirbt. aber wenigstens nicht erzdumm. Dabei verlangt es den Sänger ständig nach »Wodka!«. Apropos Politik. In den Foren des Internets gehen die Meinungen dazu auseinander. »wir mussten das Lied in seinem Namen singen. zum Mitsummen. welche Lieder es ins nationale Finale schaffen. wird schon wieder gejubelt. »da da dam«. fünf. der an diesem Samstag in Düsseldorf sein pompöses internationales Fernsehende findet. Vier Verse. Ganz anders 2011: »Warum er Coming Home ausgesucht hat. weil Propaganda in Weißrussland verboten worden wäre.und zur anderen wieder ausgetreten«. der den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko mutmaßlich entzückte: Als ich einen Stern trug Damals in der UdSSR War ich so gut wie Mama Fühl meine Leidenschaft Wenn alles vorbei ist Wird dein Name wie die Sonne strahlen Du bleibst immer noch das Beste Schön altmodisch Kill mich mit einem Killer-Kuss Liebe mich mit üppigen Schenkeln Verkleideter Engel Die Ukraine setzt Angel dagegen. da gibt es kein Entkommen«.) des Eurovision Song Contest in Düsseldorf vor. »Aber die Strophen interessieren sowieso keinen mehr. ding dong! Beim Eurovision Song Contest starten 43 Länder: Wovon singt Europa? Eine Textanalyse VON CHRISTINA RIETZ I m Anfang war die Geschichte. seitdem hatten sie gemeinsam Liedertexte fürs Theater geschrieben. als es nicht mehr von Bedrohungen durch den Westen spricht. »Da da dam« heißt der Haken des gleichnamigen finnischen Lieds.« »Wenn meine Zeit auf der Erde endet. Der 20-jährige Axel Ehnström tritt unter dem Decknamen Paradise Oskar an. der Kreuzreim tut ein Übriges: reimt sich rhythmisch. der sich nach Meinung vieler »stilvoll« aus dem Leben verabschiedete. Sjonni Brink sei zwar ein Rocker gewesen. So entstand das Lied. ausgerechnet. als man schreiben konnte. und sein Leben war vorbei Na na na. nach einer Geschichte. das im Jahr 2009 erschien. Oder man sehnt sich. dass sie nicht in ihrer Muttersprache singt!«.) und Finale (14. behielt man das Singen bei. dass wir nur eine Wahl hatten«. und dreh mich im Kreis. und er habe alles gewusst: Wer im Jahre 1986 Island zum ersten Mal vertrat. Freilich singen sie auch in Coming Home von wenig mehr als vom »Lachen in den Bäumen« und vom »Flüstern im Wind«. Am Ende jeder Zeile endet auch der Satz. es hier. entschied sich ein Zehntel der Bevölkerung für sie. bewährter Stilmittel. Drei Tage lang geht es um die Endausscheidung beim Eurovision Song Contest. halb Rock. Man singt seit Jahrzehnten und durchaus Bedenkenswertes: »Wärst du doch in Düsseldorf geblieben. Der Schlagzeuger sitzt auf einem Sattel. aber die sechs Freunde zusammen können ihn vertreten. Die Geschichte des Liedes aus Island VON DEBORAH STEINBORN Sjonnis Friends – sie trugen Sjonni zu Grabe. sang sie.

verknallt. Wie er seine Gegenwelten schuf. beförderte den kunstdurchglühten Jüngling 1864 auf den Thron der Wittelsbacher. Als Mönch der Kunst müsse er sie leben und zur idealen Blüte bringen. Auch der Spiegelsaal von Herrenchiemsee steigert das Versailler Original. versinken – unbewusst – höchste Lust!« War es so? Oder Mord? Und von Guddens Tod? Die Ausstellung bietet ein Pro und Contra möglicher Varianten und Motive. Die Verlobung mit seiner Cousine Sophie von Bayern löste er 1867 auf. Enrico Fermi bringt in einem Stapel von Uran. ich verachte den Militarismus. Was wisst ihr denn vom Ludwig? Dass er der Sonnenkönig war. Sie inszeniert Ludwigs Lebensdrama in fünf Akten: Die Werdejahre. aufkommender Sozialdemokratie und ähnlichem Erdenleid. Ludwig erfuhr es wohl nie. Versailles war Hofstaat. doppelt so groß wie das in Versailles. der 400 v. »Atomkraft. zelebrierte. Chr. dieser Friedensbrücke vom Absolutismus zur Demokratie. Das Volk hatte die Wahl. Man kann nur rätseln. Unterzeichnete. »Wie konntet ihr meine Theorie nur so missverstehen!«. Wir nähern uns dem goldenen Zeitalter der Physik. Uns platzen die Augen. imaginierte sein französisches Idol. Ludwigs uferlose Schlossprojekte wurden zur einzigen Realität seines Königtums. Nackte Ziegel. »Das waren noch heldenhafte Zeiten«. Der Chiemgau war dem Hochgebirgsschwärmer eigentlich zu flach. von Käutner bis Visconti. Augenrollen.« Ludwig. Entschlossen ignorierte er das Wesen des konstitutionellen Königtums. Zunächst durchwandern wir den wunderbaren Buchenwald. Nach Ludwigs Amtsenthebung wegen angeblicher Geisteskrankheit und seinem mysteriösen Tod am 13. »mir ging es um die Seele. rechts den noch rauchenden Trümmerhaufen von Tschernobyl. Heisenberg grübelt über der Unschärfe. bis zum heutigen Tag. locken heute Karussell. die Kinderflinte. dass ein Richter den Souverän daran hindert. Sie erzählt von einem Müller in Potsdam. brummt er.« »Ihnen haben wir also den ganzen Schlamassel zu verdanken«. täten wir kein Auge zu. In diesem güldenen Alkoven unterm Baldachin. Überließ seinen Ministern das Regieren. als Verschleuderer des Sippenschatzes? Davon orakelt mit Begeisterung unser Bootsvermieter Stöffl. der sich gegen Friedrich den Großen zur Wehr setzte und am Ende vor Gericht in Berlin obsiegte. der fragt sich doch: Gibt es denn keine Richter mehr in Mainz? B. Gleich am Eingang schlagen die Geigerzähler wild aus. Auroras Strahl bricht durch purpurbeschleierte Lünetten und rötet den Raum. bereits 1752 wieder abgebrochen wurde. die ursprünglich nahe Linderhof im Graswangtal entstehen sollte. Letzteres glückte. Tod und Mythos. von Bayern.« des Hauses der Bayerischen Geschichte (Augsburg) wird vom 14. aber die Erbschatulle der Wittelsbacher. Wagner dankte es dem hochfühligen Monarchen mit Ideologie. Mit ähnlichen Worten entringt sich Tannhäuser den Armen der Venus. Viele Schlossgemächer blieben unvollendet: funktionsloser Hohlraum. Also schwelgte er in artibus. Bayerischen Geschichte/Augsburg All das brach den Realpolitiker und trieb ihn in die Gegenwelt der Kunst.]. das nie in Betrieb ging. an Österreichs Seite. gar zur Ehe zog’s ihn nicht. Auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar am Niederrhein. Der König desgleichen. 1870 provozierte Bismarck den nächsten Krieg und nötigte Ludwig zur deutschen Waffenbruderschaft wider Preußens »Erbfeind«. Südtiroler Schüler aus Meran wallfahrten auf König Ludwigs Spuren. Zucker und Wahn Eine große Ausstellung auf der Herreninsel im Chiemsee entkitscht den »Märchenkönig« Ludwig II. Ludwig II. Gewaltiger Skandal! Allerdings fühlte Sophie sich insgeheim nicht minder befreit als der entsprungene Gespons. So lautet die hübsche Pointe einer hübschen historischen Legende. Er wurde zum Freak. Nein! Barbara legt an. das die Landschaft mit den uralten Rebhängen zerschneidet. Eine Legende. Wir betreten einen Geisterbahn-ähnlichen Tunnel. baute. Ratlos staunend stehen wir im Paradeschlafzimmer. war ein bisschen verrückt. Tel. Aber die Wissenschaft hat mir recht gegeben. »Ja. wie Ludwig II. Denn Ludwig hatte Gott gefunden: Richard Wagner. die nicht im Plan verzeichnet ist: »Nukleus Panopticum« wirbt ein atomgelbes Schild. will dieses Monstrum. Schön zeigt die Ausstellung Ludwigs Faible für die technische Moderne – im Kontrast zu seinem anachronistischen Eigenbild. unteilbaren Einheiten zusammengesetzt. Genug! Und dann die Erlösung: das nördliche Treppenhaus. daran besteht überhaupt kein Zweifel. Der bayerische Ludwig kopierte. sagt Isabella Modanese.und Fortunabrunnen. Die heilige Mission des Königs sei der bewusste Wahn. sagt er. Die Schlossbauten wurden Ludwigs »Hauptlebensfreude«.. Primus Verlag. 0821/329 51 21 ZEITLÄUFTE l y a des juges à Berlin«. wünscht es. wobei die doppelläufige Protzstiege Ludwigs XIV. Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr. »Mir ging es doch um etwas ganz anderes«. das ist der andere gewesen. Der plötzliche Tod seines Vaters Maximilian II. in die Mündungsbucht des Grand Canal. Zum Weibe. wie er gestorben ist. Man weiß nicht. sagt er mit unverkennbarem Stolz. Ludwigs Ausspruch: »Ich hasse. Er wurde der Mäzen des sächsischen Komponisten. nach Freiheit verlangt mich. das bayerische Versailles. der Irrenarzt Bernhard von Gudden. delegierte. Machte die Nacht zum Tage. Aber wer die Modellzeichnung sieht. Wir dürfen schon vorher gucken. Doch was ist das? Bei unserem Besuch stehen wir plötzlich vor einer Attraktion. Die Krönung stieg 1871 ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles. mit aufgepflanztem Bajonett. was aus meiner Idee alles werden würde«. Vom 14. weiß: Auch Seelenatome haben ewigen Bestand!« Dann bricht er in lautes Gelächter aus. Kahl. er überbot es VON CHRISTOPH DIECKMANN W gar.und Grafitblöcken – mitten in der Großstadt Chicago – die erste Kernreaktion zum Laufen. Eines fehlt: Wurde Ludwig von den Wittelsbachern exekutiert. Auf der Schlosstreppe. Aber da wird der Alte grantig. Wir kommen früh. damit er sich in eine andere Welt und Zeit versetzen kann. Und er baute. Nur das Lachen Demokrits dröhnt noch lange in unseren Ohren. erklärt Kathrin Holzknecht. Wenigstens diesem idiotischen Akt des antifranzösischen Triumphalismus hat Ludwig sich entzogen. Sein Finale bleibt dunkel. schottete sich ab. die alte Industrie-Partei SPCDU zu wählen (70. Da.. 22 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit ULRICH SCHNABEL Kernie’s Familienpark verspricht eine Kettenreaktion des Vergnügens. Das düstere Bild verweht. Der Mythos ist viel schöner. Fern und in letzter Sonne schimmert ein Orplid: Herrenchiemsee. sie im »Sonnenkönig« inkarniert empfand und selbst ersehnte. Darunter kommen ein antikes Gewand und Sandalen zum Vorschein. herein«. Der Dampfer Barbara wimmelt von Kindern. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Gehört Bayern zur Bundesrepublik? Sein Landtag lehnte 1949 die Verfassung ab S. Dort klafft der Wald. Die Ikone des Verklärten verdeckt die historische Gestalt. In den Rohbauräumen wird die Landesausstellung gezeigt. alpin überragt von Hochfelln und Kampenwand. Man sieht Ludwigiana vom Taufkleid bis zu seinem letzten Regenschirm.« Daneben Bismarcks Diktum: »Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden [. »Herein. Die Ausstellung »Götterdämmerung – König Ludwig II. Verwirrt blinzeln wir ins Sonnenlicht. gestraft mit Kabinett. Mai bis zum 16. Wie der König Krieg führen musste. Man wollte den Verschwendungswahnsinn des Verewigten beweisen und mit den Eintrittsgeldern die Staatsfinanzen aufbessern. Die Schifffahrt ruht bereits. Ihr dichter Wald birgt König Ludwigs Schloss. der Souverän ist das Volk. Alsdann diktierte Bismarck ihm den »Kaiserbrief«. Porträtpostkarte (1910) nach einem Foto von Joseph Albert 1863 Formal bietet dieses Chambre de Parade. Bekanntlich kam es anders. soeben hat Bayern die Orgie aus Gold und Brokat weihwürdig restauriert. Königgrätz: Die Niederlage geriet katastrophal. Es amselt.9 Prozent). blankes Licht. Ludwigs Traumland Frankreich. pff. 1873 wollte ein württembergisches Holzkonsortium die urmächtigen Bäume fällen. átomos habe ich das genannt. Oktober im Neuen Schloss auf der Insel Herrenchiemsee gezeigt. ruft er mit fremdländisch klingendem Akzent und drückt uns Geigerzähler in die Hand. Die Staatskasse konnte Ludwig nicht plündern. Vom See her quarren Enten. Der Souverän also will diese grauenvolle Brücke über das Moseltal. der Kronprinz. Unrecht zu tun. Achterbahn und Kletterwand am Kühlturm. Wären Sie dafür? Nein. nur für sich. der Ludwig von Frankreich. »es gibt noch Richter in Berlin«. finkt und piroliert. Wallte durchs nächtliche Hochgebirge. antworte ich vorwurfsvoll. nichts weiter. das Volk. Mit 18 Jahren musste Ludwig König werden. Herrenchiemsee ist L’art pour l’art. Doch unser Führer drängt weiter. noch hatte er es vor. ir kommen spät. »Hätte nie gedacht. doch der Priener Bootsvermieter Stöffl hat noch auf. erwartet uns geballte Ludwig-Kompetenz: der Projektleiter Peter Wolf vom Augsburger Haus der Bayerischen Geschichte sowie Katharina Heinemann und Sybe Wartena von der Schlösserverwaltung. den Verlobungsfotografen. Otto Hahn gelingt die Kernspaltung. Ändern soll das die Bayerische Landesausstellung 2011. In der Ferne erklingt Swingmusik.E. Mai bis zum 16. Gegenüber liegt die Herreninsel. das Unzerschneidbare«. sagt Stöffl. Die Schulden wuchsen. Ideell ist es ein Memorial der absoluten Monarchie. Der Ludwig liegt in der Gruft der Münchner Michaelskirche. Um Seelenfrieden ging es mir!« Unvermittelt öffnet er eine Tür und schiebt uns ins Freie. dieses angekündigte Verbrechen betrachtet. Er notierte in sein Tagebuch: »Sophie abgeschrieben. am nächsten Morgen. baute. Denn wer das Wesen der Dinge erkennt. Er hat ganz viel Schönes bauen lassen. Nie schlief er hier. Fröhlich winkt uns ein Herr im Strahlenschutzanzug heran. Katalog (2 Bde. Parlament. Begeistert walzen die Touristenvölker dieser Welt durch Ludwigs Prunkrefugien. Der Chiemsee leuchtet im Abendschein. Die Kitschindustrie überkleisterte den »Märchenkönig« mit einer dicken Zuckerkruste. politisches Zentrum. »Damals hat mir das ja keiner geglaubt. sie hatte sich in Edgar Hanfstaengl. im Flachwasser des Starnberger Sees. Er lebte im Zeitalter der Industrialisierung und Elektrifizierung. Da erkennen wir ihn: Demokrit! Der »lachende Philosoph«. Ließ mitternachts Theater spielen. weil er niemals einen Menschen sehen wollte. ruft er uns hinterher. dass die Gerechtigkeit die Macht in die Schranken weist. Aber in der Pointe versteckt sich die ewige Hoffnung. von Venus malerisch umschlungen.. Der Wald blieb. damit Ludwig das ebene Land und den See nicht sähe und das Volk nicht seines Königs Schloss. sondern durch Blut und Eisen. Der Palast empfängt wie einst Versailles: mit der Escalier des Ambassadeurs im südlichen Treppenhaus. als gottunmittelbarer Königskünstler. Er lief aus dem Ruder. [M]: Haus d. In politicis war Ludwig rechtlich eingeschränkt.. Seine Majestät. Dort endete auch sein Begleiter. Ludwig II. nach Freiheit dürstet mich. Ein Übriges taten Filme. Drei Tage nach seiner Verhaftung und Amtsenthebung starb Ludwig. wo einer der besten Weine der Welt wächst. die Natur sei aus kleinsten. und es geruhte in Rheinland-Pfalz. Zwei Jahre später befand sich Bayern im Krieg gegen Preußen. zwischen Fama. Ist euer Berlusconi auch ein Sonnenkönig? Schreckenskreischen. Dann käme höchstens die Wahrheit raus. kichert er. I . Wir entleihen den Nachen Hansl und rudern zur Insel.). Das Sterberegister vermerkt: »Seine Majestät [.90 €. von empörten Fischern zu Hilfe gerufen. Nein. Ein Rehkitz äst.« Der Schwulst ist Zitat. ruft Esther Osenberg. links sehen wir die geisterhaften Gerippe von Fukushima. wandernd oder im Rokoko-Schlitten. eine funktionable Waffe. Durchaus war Ludwig kein bloßer Fantast. Oktober erzählt sie im Schloss Herrenchiemsee die Götterdämmerung König Ludwigs II. erwarb die Herreninsel für seine Versailles-Kopie. Juni 1886 im Starnberger See öffnete Bayerns Regierung die Königsschlösser. Namens der deutschen Bundesfürsten hatte Ludwig dem Preußenkönig Wilhelm die Kaiserkrone anzutragen.21 12.« Das wäre ein Tristan-Schluss: »Ertrinken. seufzt unser Führer und zieht den Schutzanzug aus. und die Familie lässt den Sarg nicht öffnen. Empfing und sprach sie nie. eine historistisch perfektionierte Nachschöpfung. Abb. nach Aufleben von qualvollem Alp. Bayerns Modernisierung. erst vierzig Jahre alt. 39. Dem Wald verdankt sich das Schloss.] hat sich in seiner Geisteszerrüttung selbst in den See gestürzt. behauptete..

Ein denkwürdiger Doppelbeschluss. So kann die CSU in Bonn wie in München guten Gewissens gegen das Grundgesetz stimmen – folgenlos. Die SPD hat eine »Interpellation gegen die Bemühungen monarchistischseparatistischer Kreise in Bayern« eingebracht. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 22 eiß-blau knattern die Fahnen. die aber nicht stimmberechtigt sind. davon sind acht Mitglied der CSU. dass er dies selbst vor dem Parlament deutlich macht. der am 1. den die Nazis 1934 aufgehoben und dessen Sitz die Bomben zerstört haben. Wie kann das Land seine Identität wahren? Soll es mitmachen bei einem künftigen geeinten Deutschland? So schickt Hoegner gleich eine Sonderration Kartoffeln in die Rheinpfalz. 14 Abgeordnete stellt Bayern. lange nach Mitternacht. Unterm Arm tragen die Parlamentarier die Verfassung des Freistaats Bayern vom 2. Das Elternrecht sei geschmälert. Manchem erscheint das Bonner Werk als der pure Gottseibeiuns. Schon im Mai 1945 haben die Amerikaner Fritz Schäffer zum Ministerpräsidenten ernannt. Gut 70 Prozent aller abstimmenden Bayern billigen am 1. einen strammen Konservativen. Eine knappe Mehrheit verwirft die Idee. der »die föderalistischen Prinzipien im neuen Bundesstaat stärken« werde. Thomas Dehler. einen bedächtigen Fahrensmann. Anton Pfeiffer. Hundhammer werden – nicht zum ersten Mal und nicht ohne Grund – separatistische und monarchistische Neigungen nachgesagt. meinte bereits 1946 der spätere Landtagspräsident Michael Horlacher. Es ist die vierte in der bayerischen Geschichte nach 1808. die beiden Delegierten der rechtsnationalen Deutschen Partei aus Niedersachsen und sechs der acht CSU-Männer aus Bayern votieren gegen das Grundgesetz (nur zwei fränkische CSU-Abgeordnete sind dafür). auf die SPD entfielen 28. Doch heute wird im Plenum über eine andere Verfassung abgestimmt. Er ist sogar Leiter der CDU/CSU-Fraktion. und zwar – oh Wunder! – in denselben Punkten wie die CSU: Die Bundesrechte seien zu stattlich. Nicht immer freilich herrscht Eintracht. um einen Kandidaten gegen den jeweils anderen Flügel durchzusetzen. in der die Länderregierungen das Sagen haben und nicht – wie bei der »SenatsLösung« – die Wähler. Trotz des Ergebnisses bleibt Hoegner auf Wunsch der Militärregierung Ministerpräsident. ferner als »Volks-«. Am Ende freilich bekennt er sich »angesichts der weltpolitischen Lage« zur neuen Konstitution. fordern einige Mitglieder neben dem Ministerpräsidenten auch ein richtiges Staatsoberhaupt. Unten: Hundhammer stimmt ab weiterer Entwurf hervor. Doch da revidieren die Alliierten ihr Urteil und zeigen sich am 22. Mai erfährt man dort nichts. auch wenn er es sich noch föderalistischer gewünscht hätte. Und doch hat sich die Renitenz der Bayern am Ende für sie gelohnt. Die beiden Hauptkontrahenten innerhalb der CSU. Es ist der 19. über allen Verhandlungen in Bonn habe der »bayerische Zweifel« gestanden. Ehard muss mehrere Spagatkunststückchen zugleich vorführen: zum einen stolz präsentieren. Während seiner Rede bekommt er vor allem Beifall von der CSU. denn Pfeiffer und Ehard haben ganze Arbeit geleistet. hatte es doch zunächst »deutscher Bund« und nicht »Bundesstaat« geheißen. Vaterland Gehört Bayern überhaupt zur Bundesrepublik Deutschland? Im Mai 1949 lehnte sein Landtag das Grundgesetz ab. Vaterland« heißen. Und er jammert. warum dies nicht genug ist. Doch seltsam: Auf der Internetseite der CSU findet sich zwar eine detaillierte Chronik jener Jahre.): AP. Am 15. Auf Druck der Amerikaner war der Artikel ohnehin umformuliert worden. Im Plenum stimmt die CSU ihren Klagegesang an. Der Nachfolger Schäffers. Dabei zeigte vor allem die CSU schon früh ihre besondere Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen VON RALF ZERBACK Vom Wählervolk ganz zu schweigen. Er ist schon seit 1947 nicht mehr Chef der bayerischen SPD und hat sich mit seiner erzbajuwarischen Position weit von der Haltung seiner Partei entfernt. schallt es von dort zurück. im Geiste der Confoederatio Helvetica. und nun. Die Formel für diese wirre Dialektik ist rasch gefunden: Nein zum Grundgesetz. Die US-Besatzer haben ihre liebe Not. die CSU. Mai 1949. Bereits im November 1945 gab er die Parole aus: »Vor allem aber wollen wir wieder unsere eigenen Herren im ›Gasthaus zum Bayerischen Löwen‹ sein. Gemeinsam heckt die Rhein-Isar-Entente eine »Bundesrats-Lösung« aus. Ehard muss um seinen Doppelbeschluss fürchten. ist Fraktionsvorsitzender. die Heraufkunft eines »gottlosen Zwangsstaats«. Zwar empfindet Pfeiffer den Beistand als »peinlich«. jetzt muss Ehards komplizierter Plan glücken. Bei den Wahlen zu diesem Konvent haben sich 58. Angst vor dem rechten Flügel der CSU. versuchen. Mai seine Kompromissformel. lässt in Abwesenheit zu Protokoll geben. Lediglich die verlorenen Westgebiete – die Rheinpfalz und der Kreis Lindau am Bodensee – stehen unter französischer Verwaltung.GESCHICHTE 12. dann wollen sie nur einem stark föderalistischen Deutschland beitreten. Zumal das Verfassungswerk zu einem beträchtlichen Teil sein eigen Kind ist. Oktober 1948 im Bonner Hotel Königshof am Rhein zu einem Abendessen mit dem nordrhein-westfälischen Innenminister Walter Menzel. die sich als junge Alternative empfiehlt: die Bayernpartei. wonach Bayern einem künftigen deutschen Bundesstaat beitreten wolle. Die neue deutsche Republik wird ein »gottloser Zwangsstaat« Drei Tage später stimmt der Rat in Bonn ab. es thront über der kriegsversehrten Stadt wie zu Königs Zeiten. Vergebens hat Adenauer noch am Tag zuvor Ehard um ein Votum zur neuen Verfassung gebeten. Prompt schießen die Wogen hoch. Von Pfeiffer eingefädelt. ist von bayerischen Experten verfasst. Einigen Herrgottswinkel-Advokaten ist das Ganze auch zu wenig christlich. Ehard droht nun mit Rücktritt für den Fall eines doppelten Nein. Hoegner ist es auch. ebenfalls von der CSU. der Heros des rechten Flügels. Zu diesem Zeitpunkt ist das neue. Die beiden Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei und die beiden Kommunisten (alle vier aus NRW). seit 1910 priestergeweiht. Am 19. dass der Ausdruck »bayerischer Staatsangehöriger« nicht im Gegensatz zum Begriff des deutschen Staatsangehörigen zu sehen sei. Schäffer intrigiert bereits seit 1948. Auch andere Verfassungsväter sehen überall Weiß-Blau. Konrad Adenauer.und die amerikanische Militärverwaltung in Arbeit. nicht ahnend. Doch da passiert etwas Seltsames: Ehard empfiehlt. dass eine Zustimmung von zwei Dritteln der elf Landtage zum Grundgesetz ausreichen soll. Mai dann die entscheidende Sitzung. . Darunter eine turbulente Szene im Landtag: Ehard (l. Ehard berichtet später. Mai geht es im Landtag zur Sache.« Und Carlo Schmid dichtet im homerischen Stil: »Wo auf den Bergen der Schütz. aus der SPD eine SPB (Sozialdemokratische Partei Bayerns) zu machen«. Man sollte also meinen. sich dem wichtigsten Thema überhaupt hinzugeben: der »bayerischen Frage«. Selbst aus der Bayernhymne will die Partei jeden Hinweis auf Deutschland getilgt sehen. fünf der SPD. Sie wollen eine zu weit gehende Eigenstaatlichkeit vermeiden. Aus der SPD-Fraktion sind »Pfui«-Rufe zu hören. Nun muss Hoegner weichen. auch die Monarchisten. 101 zu 64. Die neue starke Kraft im Lande. der »Entwurf eines Grundgesetzes«. Mai ist angebrochen. Mai das Grundgesetz in der Pädagogischen Akademie zu Bonn feierlich verkündet und unterzeichnet wird. Es folgt die zweite Abstimmung. Jetzt steht die Ratifizierung an.). Der Landtag. die Kinder auf »Bekenntnisschulen« zu schicken. September seine Arbeit aufnimmt. Ehard muss dem Hundhammer-Flügel etwas bieten: das Nein zum Grundgesetz. Ehard ist der einzige Ministerpräsident. Dann stimmt eine große Mehrheit gegen das Grundgesetz. April auf einmal flexibler gegenüber dem Verfassungsentwurf – schlecht für die CSU. Archiv Friedrich (2). vom deutschen Zentralisten zu einem überzeugten Föderalisten geworden. er lebt in Frankfurt a. Aus dem berühmten »Verfassungskonvent von Herrenchiemsee« geht ein Bild oben: Bayerns Ministerpräsident Ehard (l. Alois Hundhammer (mit Bart) und Josef »Ochsensepp« Müller (M. ja zu Deutschland. Am 1.. denn noch immer ist es unpopulär. die CSU. Seinen größten Coup landet der Bayer bei der Gestaltung der zweiten Kammer. abgesehen von einigen wenigen Mitgliedern. als er von der Absprache hinter seinem Rücken erfährt. Derweil ertrinken die deutsche Zivil. sie endet um halb drei nachts. Aus allen Winkeln des Freistaats sind sie nach München geeilt. Dementsprechend fallen deren Rechte üppig aus. zu streiten für Bayerns Freiheit. Juli 1946 tritt die Verfassunggebende Versammlung in München zusammen. Schon bei der Wahl von Hoegners Nachfolger kann man sich nicht einigen. je weiter sie im Norden wohnen. Und Eugen Rindt. als gegen Ende der Debatte Wilhelm Hoegner das Wort ergreift. Bald kommt es zu Spannungen zwischen ihm und der Militärverwaltung. nach einem halben Jahr wird er seines Amtes enthoben. wie Adenauer mürrisch bilanziert. säuberlich getrennt nach Konfessionen. Der Bund ist ihnen im Grundgesetz-Entwurf immer noch viel zu dominant geraten. Dezember 1946 noch in der Aula der ausgebombten Universität. SPD und FDP sind empört. dass die Mannen um Hundhammer und Schäffer zur Bayernpartei wechseln. die SPD zu sich herüberzuziehen. Aber über das gloriose Votum vom 20. »Rechts-«. wie sie nie mehr wiederkehrt«. Orgeltöne erklingen. Angst dazu noch vor einer anderen Partei. der keinem der Flügel angehört und der zudem auch der SPD zu vermitteln ist. Was treibt ihn um? Es ist die Angst. Der erste Nachkriegslandtag versammelt sich am 21. Als die Diskussion um die zukünftige deutsche Verfassung beginnt. Er hat am 19. Es gebe »keine Freiheit in Portionen« und »auch kein Deutschland in Portionen«. andererseits ihn dazu bringen. Tatsächlich bringt die CSU am Ende ganz neue Themen auf wie zum Beispiel das Elternrecht – gemeint ist das Recht. die ihnen nicht passt. 1818 und 1919. Statt »deutsche Erde. einer ist Freidemokrat. gezogen. er habe beim ersten Wahlgang noch »mit Mantel und hochgeschlagenem Kragen im hinteren Teil des Saales« gestanden. Der Präsident des Parlamentarischen Rats. Theodor Heuss reimt ein ABC des Parlamentarischen Rates. Spannend wird es. Wenn überhaupt. die Beleuchtung schummrig. Auch die Diskussionsgrundlage. Zugleich finden die ersten Landtagswahlen statt. weiß-blau glühen die Herzen der Volksvertreter. streitet indessen hingebungsvoll vor sich hin. Um die Souveränität zu betonen. als die Amerikaner ihm zunächst das Hissen der geliebten weiß-blauen Fahne verbieten. der regelmäßig in die Debatten eingreift. wo der allzeit explosionsbereite Kurt Schumacher sogar das Recht auf einen eigenen bayerischen Landesverband der SPD infrage stellt. Das ist der Beitrag der Länder zum Grundgesetz. der »Ochsensepp« und Vertreter des liberalen Flügels. finden dort Unterschlupf. allein in der Hoffnung.3 Prozent der Wähler für die CSU entschieden. damals bayerischer. M. ist Parteichef. kennt. bedeute die Sache plötzlich nichts mehr. Knoeringen spottet. stehe dem christlichen Glauben an die göttliche Allgewalt diametral entgegen. Clay hält in einem Schreiben fest. W Den Herren aus dem protestantischen Norden ist nicht zu trauen Die Ministerpräsidenten lösen sich nun ab wie die Faschingsprinzen.). Schon am 13. lädt er Experten aus den elf westdeutschen Ländern für den August 1948 auf die Herreninsel im Chiemsee ein. Mehr noch: In einer höchst akrobatischen Volte kommen Ehard und seine Christgenossen auf die Idee. Die Alliierten monieren am 2. einer »Bundesrepublik«? Um neun Uhr morgens beginnt die Debatte. das wiederhergerichtete Maximilianeum. Mai 1949 halten Hundhammer wie auch Bayernparteiler flammende Reden für ein freies Bayern. Grafik: Anne Gerdes gefährdet. Territorial blieb es fast unberührt. etwa bei der Finanzverwaltung oder bei der Aufteilung der Steuern. die Formel. Doch keiner von beiden hat eine Chance. denn in einer Probeabstimmung hat sich Hundhammer beim zweiten Teil der Kompromissformel – dem »Ja zu Deutschland« – enthalten. bloß zwei Gruppen: entschlossene Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit und feurige Anhänger einer bayerischen Eigenstaatlichkeit. Zudem beinhalte Artikel 178 der neuen bayerischen Verfassung. Einmal platzt Ratspräsident Adenauer der Kragen ob der »bayerischen Parteifreunde«. Ehard sieht im Grundgesetz die Hoheit der Länder Fotos (Ausschnitte v. Vaterland« soll es jetzt »Heimaterde. die Liberalkonservativen und die Erzkonservativen. Das hehre Werk der Verfassungsgebung. ist ebenfalls nur kurz im Amt. ein Anhänger der Senats-Idee. die in Bonn ein Verbindungsbüro unterhält. Heimaterde. Ehard befürchtet. dann wieder sind es die Rechte des Bundesrats. als am 23. seine Regierung die einzige. Da kommt Hilfe in höchster Not. Immer wieder hat er wegen seiner Heimatliebe Rüffel von der SPD-Zentrale in Hannover erhalten. trifft sich Ehard am 26. In seiner Bilanz hält er als einen Haupterfolg den »Kampf um die Eigenstaatlichkeit Bayerns« fest. Dezember 1946. gut ein Jahr. der die Amerikaner um Unterstützung gebeten hat. die SPD jubiliert. talwärts gezwiebelter Turm / Hüten die Freiheit. Soll Bayern Teil eines westdeutschen Bundesstaats werden. Das alles aber hindert Bayerns Politiker nicht. einen eigenen bayerischen Staatspräsidenten. Unter Ehard zeigt die Regierung zunächst gesamtdeutsches Engagement. So beschwört der fromme CSU-Abgeordnete Georg Meixner. Warum nur? Der Autor ist Historiker und Journalist. in einer zweiten Abstimmung im Landtag dann ausdrücklich den Grundsatz der Zweidrittelmehrheit zu billigen und das Grundgesetz für rechtsgültig auch in Bayern zu erklären. Dann die Abstimmung.« Die Mehrheitspartei der Konstituante. schäumt. Und setzen ihren Kampf sogleich fort. März 1949 den Grundgesetz-Entwurf. die fernher vom Norden der grimmige Preusse / Heldentümlich bedroht. Man träumt von einem Aufstand des Volkes gegen das Grundgesetz. Mai die Ablehnung als visionären Schachzug präsentiert. so lautet das Ergebnis. Außerdem böte das Grundgesetz »unheilvollen Entwicklungen im Parteileben« keine Schranke. Josef Müller. dass sich die Bevölkerung für den Wiederanschluss an Bayern erklärt. das Grundgesetz abzulehnen. Er will ein breites Bayern-Bündnis schmieden mit BonnGegnern aus CSU. den er im Schweizer Exil ausgearbeitet hat. Weiteren Geländegewinn vor Augen. treu dem Hause Wittelsbach. Überall herrschen Zerstörung und Mangel. Der Stellvertretende Militärgouverneur Lucius D. 97 Parlamentarier bekennen sich zur Rechtsgültigkeit der Bonner Verfassung. Der Text bildet eine wichtige Basis für den Parlamentarischen Rat in Bonn. dass die Partei heute stolz auf ihren Kampf gegen das Grundgesetz zurückblickt. »an einen Heizkörper gelehnt«. es verkommt zu einem Klein-Klein. Gegenseitig schlägt man sich die Geschichte um die Ohren: vom Heiligen Römischen bis zum »Dritten Reich«. »Sozial-« und als »Kulturstaat« bezeichnet. Außerdem muss er einerseits Hundhammer vom Vorwurf des Separatismus freisprechen. Denn er selber ist es. resümierte. wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. mit ihrem Nein geselle sich die CSU den Kommunisten zu. da es sich noch nicht um Landtagswahlen gehandelt hat. Die Militärregierung kennt Ehards Nöte und billigt am 5. Sie haben »viel erreicht«. später Bundesvorsitzender der FDP. Der Argwohn der Südländer ist gewaltig. sofern die meisten anderen Landtage Ja sagen. Es gibt jedoch einen Ausweg. was er an Länderrechten im Grundgesetz durchgeboxt hat. SPD und FDP enthalten sich. die Gegenseite sieht ebendiesen Föderalismus als Hitlers erstes Opfer. tönt es von links nach rechts. Schließlich präsentieren die Hundhammer-Leute einen Kompromisskandidaten: Hans Ehard. Bayern habe eine »Chance.8 Prozent. die sich – verdächtig bescheiden – »Grundgesetz« nennt. Ehard aber ist zufrieden. Die Ämter sind genau verteilt: Alois Hundhammer. eine Verfassung. kein Recht. der 20. Die FDP höhnt über »Hoegners Traum. Doch er wütet umsonst« – umsonst. Dezember 1946 die neue Verfassung. hinzu kommen fünf Abgesandte aus West-Berlin. Dort ist er. dies gegebenenfalls zu verweigern.oder Landesfinanzverwaltung als Hindernis bezeichnet. »Ich traue den Herren. gleich die beiden ersten Buchstaben A und B behandeln die Bayern-Frage: »Der Anton pfeift aus dem ff / adagio jetzt und jetzt andante / die Arien des Ochsenseph / der Aloys schnalzt die Älplervariante . In ihr versammeln sich Anhänger eines souveränen Freistaats. Mal ist es die Finanzverfassung. Für Joseph »Pepperl« Baumgartner von der Bayernpartei ist das Grundgesetz ein Bruch der bayerischen Verfassung. 65 Delegierte entsenden die Länderparlamente nach Bonn. bis 1933 war er Vorsitzender der Bayerischen Volkspartei. ruft Thomas Dehler.). Bayern im Glück. Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei. umso weniger«. ist in sein neues Quartier. Geschlossen votiert die CSU gegen das Grundgesetz. »Landesverräter!«. »Separatisten!«. es ist eisig kalt. zum andern begründen. Zur Not der Einheimischen kommt die der Flüchtlinge aus dem Osten und der Displaced Persons. Doch eigentlich will Ehard den Beitritt Bayerns zum Bund. Die Bayern querulieren weiter. die der CSU erneut eine kräftige Mehrheit bescheren. der SPD-Mann Wilhelm Hoegner. des Bundesrats.u. Die CSU habe »immer und immer wieder« die Frage der Bundes.) mit Adenauer (r. Bayernpartei und SPD. »nachdem im Sinne der Bayern die Entscheidung gefallen ist«. einem SPD-Mann. Staatsstolz wird das Land in den ersten drei Artikeln als »Freistaat« – also als Republik –. Hitlers Münchner Anfänge hätten im Dunstkreis des bayerischen Föderalismus gelegen. Auch Hans Ehard setzt seinen Namen unter die Urkunde..n. das Nachkriegsbayern unter US-Verwaltung bald fünf Jahre alt. empfiehlt er seinen CSU-Freunden nun die Zustimmung: Man könne nicht immer Nein sagen. allzu eng mit den Besatzern zu kooperieren. Als V-Mann Ehards dient der gebürtige Pfälzer Anton Pfeiffer.o. der den Versammelten einen Verfassungsentwurf präsentiert. führt den Vorsitz. kritisiert die Finanzverfassung und die zu geringen Rechte des Bundesrats. Doch die Bayern siegen. Waldemar von Knoeringen (SPD) reizt die Rechte bis aufs Blut mit der These. Die Alliierten und der Parlamentarische Rat haben festgelegt. dass er in Kürze zum neuen Chefbayern bestellt werden sollte.

Wieselwörter Microsoft kauft Skype. In der kommenden Woche treffen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten. dass die FDP zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben wird. »Die Basis tobt«. Der Vorteil für Griechenland: Man könnte die eigene Währung beliebig abwerten. Möglich. wie sich nicht nur an den vielen Langzeitarbeitslosen dieser Altersklasse zeigt. Am vergangenen Wochenende. daran glaubt Schäffler fest. All das ist typisch für die Krise des Euro: Internationale Entscheidungen haben nationale Folgen. Allein in diesem Jahr könnte die griechische Wirtschaftsleistung um mehr als drei Prozent schrumpfen. Ein einziger Schnitt. Die Griechen haben zu viele Schulden angehäuft? Dann werfen wir sie aus der Währungsunion! Oder lassen sie pleitegehen! Deutschland wäre nicht länger Zahlmeister. in den Niederlanden. Für 8. 29 12. In die Spielekonsole Xbox. Und das ist das wahre Euro-Drama. Euro-Gegner und Parteirebell: Ginge es nach ihm. könnten sie die Drachme wieder einführen. Und der Widerstand gegen neue Kürzungen wächst. in ein neues Betriebssystem für Mobiltelefone.« 750 Milliarden Euro nahmen die Regierungen Europas vor genau einem Jahr in die Hand. Die indirekten wären weitaus größer – für die Deutschen und für die Griechen. Genau wie der Schuldenberg. welche Risiken man eingehen will – und welche nicht. was besser ist. aber vielleicht könnten ja andere Organisationen aus der Studie lernen. Parteien und Arbeitgeber betonen neuerdings. Warum also Gesprächsminuten extra zahlen. 2. erschaffen sie zig neue. Es hat sich eingebürgert.WIRTSCHAFT D ie jüngste Niederlage hat ihn siegessicher gemacht. der Zahlungsverkehr zusammenbrechen. Die ist bei Microsoft traditionell stärker ausgeprägt als bei Skype: Gerade mal sechs Prozent nutzen dort bisher die kostenpflichtigen Zusatzdienste. DIETMAR H. Auch wenn man die Vorgänge bei der FDP beobachtet. Die Griechen sparen. um zu beraten. Portugal und Irland wackeln.5 Milliarden Dollar übernimmt der Softwarekonzern den Anbieter von kostenlosen Internettelefonaten. Mit Microsoft hat Skype nun einen starken Partner. 22 Milliarden Euro soll Deutschland vom Herbst an für den europäischen Rettungsfonds aufbringen. um ihr eigenes Geschäftsmodell zu schützen. Und sie rechnen. MARCUS ROHWETTER Wie kommen wir da raus? Die Deutschen ringen um die Zukunft des Euro. 110 Milliarden Euro wurden schon zugesagt. Das würde auch in Irland. wenn es um die eigene Zukunft geht. die Griechen könnten frei von Spardiktaten agieren. die das Unternehmen neben den Gratisgesprächen anbietet. müsste die deutsche Regierung bei einer Staatspleite erst einmal einige deutsche Banken retten. Skype betrachtet Telefonate und Videogespräche ebenso als Datenverkehr wie das herkömmliche Surfen im Internet. in eine Kooperation mit dem Handyhersteller Nokia. beim Bundesparteitag in Rostock. der viel Geld investiert. 24 . Die Regierungen agieren unter enormem Zeitdruck. dass sie auch in der Bundesregierung erörtert wird. als könne man die Probleme Europas mit der Präzision eines Chirurgen lösen. In der Hoffnung. Im Jahr darauf wären weitere 38 Milliarden Euro nötig. Die Griechen haben ihre Schulden in Euro aufgenommen. Am kommenden Wochenende. Finanzexperte der FDP. das Nationale drückt aufs Internationale. Gerade noch rechtzeitig haben Mannheimer Forscher entdeckt: Arbeitnehmer bis 65 sind nicht weniger leistungsfähig als jüngere. mit neuen Auflagen. bei der jetzt schon die 45-Jährigen zu alt für einen Führungsjob sind. sagt er. beim Landesparteitag der FDP Nordrhein-Westfalen. Panik wäre die Folge. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 23 INTERNET Punkt für Microsoft Mit dem Kauf von Skype greift der Konzern Apple und Google an Verließe Griechenland die Euro-Zone. klingt es. bekämen die Griechen schon lange kein Geld mehr aus Deutschland. Kein Wunder: Schließlich wird uns der demografische Wandel schon bald einen akuten Nachwuchsmangel bescheren. wenn man schon eine Flatrate fürs Surfen hat? 145 Millionen aktive Kunden konnte Skype damit gewinnen. Verweigert die Regierungspartei der eigenen Regierung die Gefolgschaft. könnten die Griechen ihre Euro-Schulden erst recht nicht mehr bezahlen. käme das Deutschland teuer zu stehen. Auch sie bräuchte wohl eine Kapitalspritze. Das Ergebnis: Schutz vor Schwindlern? Lebensmittelverbraucher wehren sich im Netz S. um seinen Rückstand zu Apple und Google aufzuholen. um die Probleme der Krisenstaaten zu lösen. Drama Wenn Frank Schäffler redet. Für Deutschlands Steuerzahler hieße das: noch mehr Verluste. Mit dem Kauf zeigt Microsoft Siegeswillen im Kampf um die Kommunikation von morgen. Portugal oder Spanien drohen. dass man sich immer wieder fragen muss. dass die Griechen ihre Kredite zurückzahlen können. Die Erlebniswelten von Microsoft werden gegenüber denen von Apple und Google attraktiver. Ist der Kaufpreis nun zu hoch? Schwer zu sagen. All das wären freilich nur die direkten Kosten. Weil deutsche Banken sehr viel Geld in Griechenland verliehen haben – geschätzte 17 Milliarden Euro allein an den griechischen Staat –. damit würden griechische Waren im Ausland billiger. für Europa. um wieder konkurrenzfähig zu werden. dass Deutschland nicht mehr mitmacht. ein Drittel der Verluste müsste Deutschland tragen. Und der europäische Rettungsfonds hat 37. aber die Kürzungen haben die Krise weiter verschärft. und alles wäre vorbei. Es ist wie in einer antiken Tragödie: Es mag zwar Alternativen geben – aber alle erscheinen sie schrecklich. in Finnland. Für die FDP ist es wohl zu spät. sagt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. LAMPARTER Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. allein im kommenden Jahr braucht die Regierung rund 27 Milliarden Euro zusätzlich. ist unkalkulierbar. Die Staatspleite wäre perfekt. Ein Land nach dem anderen könnte aus dem Währungsverbund herausbrechen. unterwegs bei der Autofahrt oder beim Spaziergang. Die schöne Option vom griechischen Ausstieg könnte also grässliche Folgen haben. Es kommt auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden an. wie wichtig ihnen ältere Arbeitnehmer seien. das Problem zu lösen. Drama. Und keiner gibt zu. Zwar muss es so weit nicht kommen. In Deutschland. sollte sie sich am Markt kein Kapital leihen können. wie wenig er weiß VON MARC BROST UND MARK SCHIERITZ 30 SEKUNDEN FÜR Generation 55 plus Bundesregierung. Europaweit rebellieren Bürger und Parlamentarier. Baby. wäre das ein dreifacher Schaden – für die Partei. Das Ende der Währungsunion würde auf dem ganzen Kontinent eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Nun ist das Geld fast weg. und wir werden damit weitermachen«. ist das wenig ermutigend. Das Bankensystem würde kollabieren. Die deutschen Steuerzahler müssten auch nicht für Irland oder Portugal bürgen. Auch die Europäische Zentralbank ist in Griechenland engagiert – angeblich mit 153 Milliarden Euro. Gebracht hat die Retterei wenig. aus Angst vor der Zwangsumstellung und dem Wertverlust ihrer Sparguthaben. Und mit jedem Versuch. Überall könnte Skype nun eingebunden werden und Menschen verbinden: ob beim virtuellen Tennismatch vor dem Wohnzimmerbildschirm. »Wir retten Griechenland seit einem Jahr. »Viele Delegierte wollen sich nicht länger hinhalten lassen.. Doch nun erlebt dieses Europa seine Schicksalstage. wenn sie nur genug Zeit bekommen – und genug Geld. In verschiedenen Ministerien beschäftigen sich Regierungsbeamte mit den Details. Für einen wie Schäffler sind das 22 Milliarden Euro zu viel. zum Argwohn von Deutscher Telekom & Co. Frank Schäffler. werde die Abstimmung anders ausgehen. Statt mühsam die Löhne zu senken. Diese Option klingt so verlockend. brachte er seine Forderungen als Antrag ein – und scheiterte knapp. Aber zur Realität in einer komplexen Welt gehört. Deshalb bereitet die EU ein neues Hilfsprogramm vor. ob man den Griechen überhaupt noch helfen kann – und wie. Positiv zu spüren bekommt das die Generation 55 plus aber kaum. 42 Jahre. Umgerechnet zahlt Microsoft für jeden Nutzer knapp 1000 Dollar. noch höhere Kosten. die Probleme aber sind immer noch da. Die Abkehr vom Euro verspräche ein Exportwunder ohne Schmerzen. 1. Auch dort müssten Bürger und Investoren um ihr Geld fürchten. In Griechenland würden die Bürger die Banken stürmen. Wie hoch sie genau wären. Griechenland steht vor der Pleite. Würde die Drachme dann gegenüber dem Euro deutlich abgewertet.de ZUM THEMA: Interview zur Schuldenkrise mit dem Harvard-Historiker Niall Ferguson auf Seite 25 Ende März vergangenen Jahres erscheint in der Bild am Sonntag ein Artikel über das Treffen der europäiFortsetzung auf S. sondern auch daran. Die Oldies könnten sogar besser mit Stress umgehen und machten weniger Fehler.9 Milliarden Euro verliehen. Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken? Sicher kann niemand sagen. Das scheint nicht allzu viel. die Skype in ihren Netzen lange unterdrückt haben. dass sie bei betrieblichen Fortbildungsangeboten meist außen vor bleibt. wo die Euro-Skeptiker bei den jüngsten Wahlen 22 Prozent der Stimmen abräumten.smetek. Diese blieben auch nach Wiedereinführung der Drachme bestehen. von Europa als »Schicksalsgemeinschaft« zu sprechen. für die Koalition.

Dagegen kann sie auf das Lob der Fachwelt zählen. zurückgezogen hat. Am 11. Sie fürchten vor allem das T-Wort – T wie Transferunion. Was damals keiner ahnt: Im Prinzip haben Europas Politiker das Hilfspaket längst beschlossen. den die Gegner der Griechenlandhilfen gern als ihren Kronzeugen anführen. weil in Nordrhein-Westfalen gewählt wird. Denn bei den 14 Cent bliebe es nur.) . Dass die Menschen sich irgendwann einmal nicht in erster Linie als Deutsche oder Franzosen begreifen. Früher ging es den Deutschen schlecht. Das ergab eine Studie der Postbank. Am Montag dieser Woche präsentiert er seine Thesen an der Humboldt-Universität in Berlin. Heute geht es den Deutschen gut. Dann steigen die Marktzinsen für alle Staaten. Und so beschränkt er sich nicht mehr darauf. Szenarien. Geschäftsführer des BEE. ob ein reicher Bayer für einen armen Saarländer bezahlt oder ein reicher Finne für einen armen Griechen.de (4). die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers empört das Volk. wobei jeder Stein für einen Geldbetrag steht. der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber. Das ist weit mehr als doppelt so viel wie der Preis an der Leipziger Strombörse. 23 fessor und Chef des Münchner ifo Instituts. Etwa die »Gläubigerbeteiligung«. LÜT Geheimtreffen in Luxemburg: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am vergangenen Freitag Ungleiche Erben Ost. Deutschland könnte eine Kandidatur von ihm für das Amt des EZB-Präsidenten unterstützen. Im Gespräch mit der ZEIT (siehe S. den er in diesen Tagen oft hält. sogar von der Gründung einer rechtspopulistischen Partei. aber ihres Inhalts beraubt – so wie ein von einem Wiesel ausgesaugtes Ei. Wenn das größte Bundesland verloren geht. Europa darf alles sein. dass vom engeren Zusammenrücken alle profitieren. der polarisiert. an »einem öffentlichen Prozess der Meinungsbildung« mitzuwirken. die Griechenland konkrete Hilfszusagen machen wollten. einer Ausgründung aus der Universität Leipzig. Das war fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.und Regierungschefs wenige Tage zuvor. Die Zeitung beschreibt. Im Ministerium kennen diesen Sprechzettel nur acht oder neun Personen. die in Europa 2011 zu treffen ist: Wer wird der nächste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Das geht aus einer Studie der Versicherungsforen Leipzig GmbH hervor. Griechenland zu stützen. Bioläden und sogeProzent beträgt das nannten Weltläden anWachstum von geboten. Oder es bezahlt. heißt es oft. »ein naturwüchsiges Meinungsspektrum bloß abzubilden«. dass sie ihren Einsatz verlieren könnten. gut klingend. Weil der Druck auf die Griechen aufrechterhalten werden soll. und es war die Leitlinie bei den Beratungen zu den Rettungspaketen. Wirtschaftspro- Fortsetzung von S. er häuft einen Turm aus bunten Bausteinen an. dem Land geht das Geld aus. ihre Kernkraftwerke gegen einen schweren Atomunfall wie in Fukushima versichern. aber ihr Marktanteil betrug zuletzt erst 2. Pro Kilowattstunde würde sich Atomstrom laut der Expertise um mindestens 14 Cent verteuern. Die vor allem nach sozialen Produktionsbedingungen ausgewählten Waren werden in etwa 30 000 Supermärkten. Dass er überhaupt bekannt wird. Die Ergebnisse zeigten. Seine europäischen Kollegen. die ins schier Bodenlose stürzen. Sie haben es sogar verkündet – in einem dieser diplomatisch verschwurbelten Bulletins. ganz offen Als Wolfgang Schäuble am vergangenen Freitag im Luxemburger Schloss Senningen eintrifft. bevor die Lage eskaliert? Auch um den Preis. was ihn beschäftigt. Portugal und Spanien pleitegingen. Dagegen haben in den alten Bundesländern 19 Prozent aller Hinterlassenschaften einen Wert von mehr als 100 000 Euro. Deshalb dürfen bis jetzt nur Kredite vergeben werden. Das Papier ist das für solche Treffen übliche Briefing der Beamten für ihren Minister: eine Auflistung von Optionen. Er geht auch mitten durch die deutsche Regierung. eine unrealistische Annahme. verteuerten den Atomstrom um mindestens vier Euro pro Kilowattstunde. so Björn Klusmann. Zumal wenn er so unterschiedliche Länder umfasst wie Deutschland und Griechenland. Das Grauen trägt bei Sinn den Titel Warum Deutschland ein SchuldenTsunami droht. Anstelle der Steuerzahler sollten die Banken ran. »Ich kenne Mario Draghi«. dagegen zu votieren. Einer. der neue Herr über den Euro? Der Amtsinhaber Jean-Claude Trichet tritt im Herbst ab. beispielsweise zehn Jahre. sofern das nötig ist. Von einer drohenden Regierungskrise ist die Rede. Merkel braucht solche Berichte. Schon der noch moderat erscheinende Cent-Betrag bedeutete deshalb das ökonomische Aus für die Meiler. Es klingt nach Eigenverantwortung und Härte gegenüber der Finanzindustrie. Kosten.und Westdeutsche erben annähernd gleich oft. zeigt: Der Konflikt um die Rettung des Euro teilt nicht nur Europa. Europa müsse jetzt für die Fehler der Vergangenheit bezahlen. VO Sozialbewusst 27 In Deutschland haben Verbraucher im vergangenen Jahr Fair-Trade-Produkte im geschätzten Wert von rund 340 Millionen Euro gekauft. den Deutschland zahlen muss. Ob bewusst oder unbewusst: An diesem Abend entwift Hans-Werner Sinn das Gegenmodell.« Entschlossen und koordiniert bedeutet: Europa ist bereit. um die finanzielle Stabilität in der Euro-Zone insgesamt zu sichern. keine Spuren an der Schale zu hinterlassen. der über das Grauen spricht. Dass die Deutschen mehr exportieren können. er ist erfahren im Zentralbankgeschäft. Viele in CDU und CSU sind dagegen. Er stimme seinem »Freund Hans-Werner« in fast allen Punkten zu. wäre der durch Kernenergie erzeugte Strom nicht mehr als preisgünstig im Vergleich zu anderen Energiequellen anzusehen«. die Politik zu analysieren und zu bewerten – sondern greift selbst ein. deren Sprengkraft selbst die schlimmsten Ahnungen der Öffentlichkeit übersteigt«.zeit. nur keine Haftungsgemeinschaft. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 STAATEN IN DER SCHULDENKRISE WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Atom-Versicherung Müssten RWE & Co. Draghi gilt nach dem Rückzug Axel Webers weithin als der beste Mann für den Posten. aber im Westen erbt man üblicherweise deutlich mehr. einen Währungsraum ohne Haftungsgemeinschaft zu errichten. Sie kennen seinen Sprechzettel. Dabei würde sich die Politik nur den Launen der Märkte ausliefern. Fast 400 Milliarden Euro würde es Deutschland kosten. denn das Tier schafft es. 3. weil es den Griechen und den Iren schlecht geht. Nur sagt das niemand offen. Seit sich der deutsche Kandidat. Bisher war die Idee der europäischen Integration. einzugreifen. Denn das Kapital bleibt zu Hause.und Regierungschefs: »Die Mitgliedstaaten der EuroGruppe werden entschlossen und koordiniert handeln. noch vor der Katastrophe von Fukushima. desto näher rücken die Krisenländer dem Staatsbankrott. Ihr zufolge beträgt der Wert eines Erbes im Osten in rund 60 Prozent der Fälle weniger als 25 000 Euro. Geheimdiplomatie. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat den Begriff der Wieselwörter bekannt gemacht. bei der die Starken dauerhaft für die Schwachen bezahlen. Ohnehin waren Merkels Optionen begrenzt: Außer Weber hatte Deutschland keinen qualifizierten Kandidaten. Das war die Leitlinie bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht. wie sich Angela Merkel in Brüssel erfolgreich gegen andere Mitgliedsstaaten zur Wehr gesetzt habe. Als der Bundestag im vergangenen Jahr über das Griechenlandpaket abstimmte. dass in der Wirtschaftsgeschichte alle Versuche scheiterten. Für Sinn ist das weitgehend ein Nullsummenspiel – was der eine gewinnt. Der Streit um die Rettung des Euro ist voller Wieselwörter. 400 Milliarden Euro sind mehr als der gesamte Bundeshaushalt. er zeigt Diagramme mit Kurven. Aus Angst vor der Wut des Volkes. Griechenland. Als »Kämpferin für die Stabilität des Euro und deutsche Interessen« wird sie bejubelt. heißt es in der 150-seitigen Studie der Versicherungsfachleute. verliert der andere. ist der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi Favorit. Finanziert wurde sie vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) – und der Auftrag erging schon im Januar. die sich als »Brücke zwischen Versicherungswissenschaft und Versicherungspraxis« versteht. Die Rettungsprogramme sind für ihn »eine tickende Zeitbombe. Merkels Koalition hat einen schlechten Start hingelegt. Im Osten gilt das nur für knapp drei Prozent. »Eisern« ist so ein Wieselwort. schrieb er Abgeordnete an und riet ihnen. Nur die Bundesregierung hatte sich noch nicht festgelegt – und als größte Wirtschaftsmacht hat Deutschland de facto ein Vetorecht. die Angela Merkel vorwerfen. Das Nachrichtenportal zitiert aus einer »internen Vorlage« des Bundesfinanzministeriums. Aber auch. Denn was bedeutet es. Ein Mann. Sinn wirft lange Zahlenreihen an die Wand. 4. Auch Rosen gehen gut. Als Sinn fertig ist. die von den Krisenländern mit Zinsen zurückbezahlt werden müssen.4 Prozent. Schäuble gilt als Verfechter eines weiter zusammenwachsenden Europas. Weitere Informationen im Internet: www. denn wenige Wochen nach dem Treffen wird in NordrheinWestfalen gewählt. wenn die Versicherungssumme über 100 Jahre angespart werden könnte. Alle wissen das – es sagt nur keiner. 2/3) hat sich Angela Merkel nun erstmals direkt zur Kandidatenfrage geäußert – und ihre Sympathien für Draghi erkennen lassen. so heißt ein Vortrag. Am Ende ist der Turm unfassbar hoch. und er hat für die G 20 die Reform der internationalen Finanzmärkte koordiniert. wissen bereits. sie knicke vor den Staaten Südeuropas ein. als »weich« zu gelten. schrieb der Philosoph Jürgen Habermas kürzlich in der Süddeutschen Zeitung.24 12. action press (u. Februar 2010 heißt es in der Abschlusserklärung nach dem Treffen der Staats.« Damit geht die Bundeskanzlerin ein innenpolitisches Risiko ein. sagte sie. LÜT schen Staats. Die deutschen Bürger sind gegen ein Hilfspaket für Griechenland. gebürtiger Amerikaner und Wirtschaftsprofessor an der Humboldt-Universität. Hans-Werner Sinn. Kürzere Ansparfristen. Neben Italien hat sich auch Frankreich für Draghi ausgesprochen. Je öfter in Berlin die Beteiligung der Gläubiger gefordert wird. wenn Draghis Chancen Es ist die wichtigste Personalentscheidung. »Anders als bislang vielfach behauptet. Bis jetzt stimmt das auch. Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. »deutsche Interessen« zu verteidigen? Hart sein um der Härte willen? Die Griechen pleitegehen lassen. Er ist ein Anhänger einer stabilen Währung. die Umfragewerte sind mies. Vielleicht ist es eher so: Entweder korrigiert Europa die Fehler der Vergangenheit. Es sei nicht Aufgabe der Politik. ergreifen sie erst recht die Flucht. Irland. Und deshalb betonen deutsche Politiker immer wieder. Gemeint sind Sprachhülsen. »wie verlogen die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird«. erst recht in der FDP. die Krise habe den Steuerzahler noch keinen Cent gekostet. Am beliebtesFair-Trade-Produkten ten war zuletzt wiederum fair gehandelter Kaffee (7200 Tonnen). weil es den Griechen und den Iren gut ging. wäre Atomstrom in Deutschland unbezahlbar – und alle 17 Meiler würden sofort stillgelegt. Eine Diktatur des Volkes sollte sie nicht sein. Er steht unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe. Wenige Stunden zuvor hat Spiegel Online berichtet. wenn ein Staat pleitegeht – das klingt sozial gerecht und ordnungspolitisch sauber. sagt Burda.tvr-news. wenn in Griechenland die Wirtschaft rund läuft. sondern als Bürger eines geeinten Europas – in dem es keinen Unterschied macht. Griechenland wolle die Euro-Zone verlassen. Und für die angeschlagenen Länder könnten sie schnell zu hoch sein. direkt nach einem Gipfeltreffen Monate zuvor. Ein Italiener an der Spitze der Notenbank – das wird jenen Kritikern neue Nahrung liefern. Das Problem ist nur. Hans-Werner Sinn hat eine klare Vorstellung von der Welt. Tatsächlich dürfte aber die zu erwartende Kostensteigerung weit höher sein. im Westen trifft das nur auf 45 Prozent zu. »Er ist eine sehr interessante und erfahrene Persönlichkeit. Die griechische Krise hat sich zugespitzt. Dort steht er und kann nicht anders Dies ist der Mann. ergreift Michael Burda das Mikrofon.de/finanzkrise Fotos: www. Vielmehr gehe es darum. als »eiserne Kanzlerin« gefeiert. die mit ihm an der geheimen Zusammenkunft der Finanzminister teilnehmen. statt in die Peripheriestaaten zu fließen. Als Griechenland dann Ende April tatsächlich Finanzhilfe beantragt. für viele Bürger und Parlamentarier aber auch attraktiv. auch wenn es der hiesigen Wirtschaft schadet? Vielleicht wäre es ja im deutschen Interesse gewesen. Seine Sicht sei jedoch ein wenig »national«. Seine These ist umstritten. ist die schwarzgelbe Mehrheit im Bundesrat weg. muss er eigentlich gar nichts mehr sagen. 63 Jahre. wird sie innerhalb von wenigen Tagen genehmigt. Dass griechische Rettungspakete auch deutschen Unternehmen zugutekommen. Wenn Investoren wissen.

Das sind Aufstieg von China und Indien ist mehr als ein die Stammwähler.. Afallen Grund. wie die Zukunft aussehen könnte. den europäischen ZEIT: Angenommen.trauen in die Zukunft des Dollar haben. wieder geschafft. als könnten wir alle einpacken. als es für bruch bedroht sind.. ZEIT: Was muss also geschehen? Ferguson: Die Amerikaner haben jetzt die Wahl: Entweder kehren sie zu dem alten Modell zurück.Prozent voraus. sagt er. denn am Ende rede ich doch vom Aufstieg des Ostens. Der Unterschied zwischen den Kernländern und der Peripherie wird zunehmen.. Die Sowjetunion breitete sich in immer versuchen. das die Amerikaner vor einer unmittelbar drohenden Gefahr warnt.und Südamerika aus. davon gehe ich aus. zeigt. Irland auch. dass die bis China die US-Militärdominanz im Pazifik Schulden ein Problem sind. Wenn es einen Wirtschaftsraum gibt.ZEIT: Wo sehen Sie Europa und die Euro-Zone schaftliche Zentrum der Welt wandert vom Wes. wirtschaftlich schwächeren plötzlich verändern. dass wir von Europa in Zukunft ebenfalls nur ein schwaches Wachstum erwarten dürfen. dass der Lauf der Geschichte eben nicht so linear ist. Das größte Versagen der Bundesregiebeitsmarkt zusätzlich beigetreten. haben. dass Geschichte saisonal verläuft und jede Zivilisation eines Tages einen schrecklich kalten Winter erlebt. Amerika hat ein Problem .glaube ich.. ist. und ich ZEIT: Was hätten die tun sollen? glaube. dass die ihre Schulden nicht in den Griff kriegt.. dass sie einen Flugzeugträker ein. riesige ein ziemlich wahrscheinliches Szenario. ist das halts..WIRTSCHAFT STAATEN IN DER SCHULDENKRISE 12. der vor sechshundert Jah. lässt sich auch auf geostrategische ist diese Vorherrschaft konkurrenzlos. zumalen. aber als Sieger werden sie sich dennoch nicht feiern können. Davon abgesehen. Ame. Aber sind die sauber? Oder werden sie Sie das in einem größeren Zusammenhang: Der eines Tages unvermittelt den Dienst versagen? Aufstieg des Westens. Schließlich lebe ich dort. aber das war schwierig JFJ weise vonstattengehen? Bei genug. »Dass wir aus der GeZEIT: Gleichwohl hat die schichte lernen können. Computerviren das Stromnetz des Gegners aushat seinen Höhepunkt längst überschritten.« Ferguson will GeReich und die Habsburgerlen Voraussetzungen immer schichte anwendbar machen monarchie. als wenn tegische und militärische Macht ummünzen . die Märkte und einen Beitrag zu den poliwie rasant die Sowjetunion zu beruhigen. der die japanische Stagflation der neunziger Jahre erleben wird. Es ist eine ziemlich nehmen. nommen ist das ja jetzt schon der Fall. Eine akute strategische Gekeine große Eile in Washington.machen. Die Republikaner müssen einen neuen Ronald Reagan finden. Dennoch herrscht herausfordern kann. komplexe Systeme nicht vor knapp zwanzig Jahren mit Nehmen Sie das Beispiel unbedingt linearen Gesetzen einer Detailstudie über die Lohnstückkosten: Sobald die folgen. 2050 könnten unsere den Rückwärtsgang eingelegt. der hat argumentiert. Aber in zwei Jahren oder sogar noch früher könnte es zu spät sein. aus dem Euro zu teuer. Das Wirtschaftswachs. Ferguson: Wir wissen. dafür ist der Austritt tum war schwach. dass deutsche Banken vom Zusammendurch ungleich schwieriger geworden. nicht kommen. als die Finanzmärkte nacheinander den Griechen.Ferguson: Das ist ja das Problem der Euro-Zone.in seiner Geschichte hat das europäische Projekt licher Zeithorizont gesetzt. und alüber die drohende Pleite Griechenlands. dass die USA mit ihren Schulden in die gleiche Lage geraten könnten wie Griechenland Afrika und Mittel. den.den steigenden Goldpreis als Anzeichen dafür lette mit dem Staatshaushalt. Niall Ferguson: Das ist milde ausgedrückt. den Wählern nicht deutlich zu den ungelernten amerikanischen Arbeiter ist da. befand sich Amerika in Ferguson: Nein. ist das historische Mandat verloren gegangen. hat das Ungleichdessen? gewicht zwischen den groFerguson: Wir müssen von Der Wirtschaftshistoriker Niall ßen Ländern und denen an der Wissenschaft lernen. seit bewusstsein.scheußlich genug werden: Griechenland wird te ein allgemeines Gefühl von amerikanischer pleitegehen. Die Chinesen haben längst Amerikaner kann sich eine Welt vorstellen. Zivilidie das große Bild der GeschichLänder dem Euro beigetresationen sind komplexe Syste um ein Puzzlestück vervollten waren. Ich würde ihnen zu der ersten Alternative raten. als dass Europa keiner besonders rosigen Zukunft entgegenblickt. wenn anderen Euro-Ländern frühere Generationen war. dass die Amerikaner sich an ihren dass uns das Internet gehört. von 1945 eine politische Supermacht. oder nicht? Verstehen Sie mich nicht falsch. was Spengler angeht. Die USA sind immer globalen Weltmachtanspruchs nach Osten. unruhig zu sein.auch außenpolitisch scheint Amerika schwächer druckmaschine der wichtigsten Leitwährung denn je.. Aber noch die größte Volkswirtschaft. dann ist es Europa. und das liegt vor fahr existiert im Cyberspace. Indien und China holen auf. und seit 1991 dem ich rede. Aber der Paradigmenwechsel. Kaum ein Fragen anwenden. Durch den Produkte weiter nach China exportiert. sich dar. dann hat China längst aufgeholt und erleben gerade das Ende der westlichen Vorherr.Wenn das militärische Ziel darin besteht. rika hat ein Riesenproblem. wenn die Geld. und steigende Inflation wird ner breit.mag den Abzug amerikanischer Truppen aus Afsen immer mehr verschulden. Das Leben für rung liegt darin. ich bin nicht für den Niedergang Amerikas. Die Zukunft könnte ein Niveau erreicht. Bedenken Sie.len.Ferguson: Genau. Darauf basiert das amerikanische SelbstSeit 1872 sind sie die größte Volkswirtschaft. Die Ermordung von Osama bin Laden heiß läuft und wenn sich die USA bei den Chine. ZEIT: Amerika stellt nicht nur eine Gefahr für ghanistan ist so instabil wie eh und je. und als Konsequenz werden populistische Bewegungen an Einfluss gewinnen. Geeuropäische Politik es unter alte Weisheit«. nämlich das Bankensystem über Wasser zu halten und gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. »Nur tut nau wie das Byzantinische den gegebenen institutioneles keiner. oder sie entscheiden sich für den europäischen Weg.rum sie Iren oder Portugiesen unterstützen sollen. Mal abgesehen von den möglichen ökonomischen und strategischen Konsequenzen für die Zukunft des Westens: Was wir erleben. die Inflation außer Kontrolle. senken die Steuern und führen die Staatsquote zurück. Ich sage dagegen. Und das ist doch positiv. dass Investoren immer weniger Vergefährliche Strategie. den Obama gehen will.ZEIT: . teme. als würden die Russen den auch die amerikanischen Staatsschulden haben Kalten Krieg gewinnen. dass Ferguson begann seine Karriere der Peripherie zugenommen. Niedergang Amerikas schrittleicht.könnte ein sehr aggressiver Gegner sein. dass höhere Produktivität in den asiatischen Ländern zu einem höheren Lebensstandard führt und dort viel weniger Menschen in Armut leben als noch vor zwanzig Jahren. Ferguson: Also.Mal seit drei Generationen fühlen die Deutschen dammt ernst. schaft. ZEIT: Das klingt ja danach. die Frau Merkel nicht verscheuFünftel der Weltbevölkerung dem globalen Ar. Das wirt. JUNGCLAUSSEN Zur Person . Gesucht: Hollywoodschauspieler fürs Präsidentenamt. sondern auch für den Rest der Welt? ZEIT: Sie sprechen von einer Verschiebung des Ferguson: Ganz genau. Ich sehe mich als Warnlicht. Und genau ge. Europäer wirklich sind. Wir zuschalten. Angesichts dessen können Sie zu keinem anderen Schluss kommen. und wir müssen ebenZEIT: Hat die Politik eine Antwort darauf? Ferguson: Allmählich sehen nicht nur die Politi. ganz so spektakulär wird es. die von der Euro-Krise Teilen des Landes müssen die Menschen schon bisher verschont geblieben ist. Griechenland oder Portugal pleitegehen . Der Aufstieg des Westens insgesamt geht den Europäern lernen kann.. Kurzum. Und anstatt Konvergenz zu ZEIT: Was nimmt man stattschaffen. dass man hanzu Ende. Und Konjunkturpakete zu schnüren. dass amerikanische Militärausrüstung die Schuldensituation in den nächsten fünf bis mit chinesischen Computerchips ausgestattet zehn Jahren stabilisieren würde. Nehmen Sie das Problem der schlecht integrierten muslimischen Immigranten und die demografische Entwicklung von immer älter werdenden Gesellschaften. Die Märkte haben ghanistan zwar vereinfacht haben. weil wir es erfunden Status als Supermacht zu sehr gewöhnt haben. Deswegen wird in Washington Technologien aus den Angeln zu heben. den Iren und den Portugiesen das Ihrer Meinung nach gezählt? Ferguson: Nicht nur die Tage Amerikas sind ge. In weiten Wenn es eine Gruppe gibt. sich nicht dafür verantwortlich. Oder ist es doch nur Ihr Kulturpessimismus? Der »Untergang des Abendlandes« wurde ja von dem Historiker Oswald Spengler schon vor neunzig Jahren vorausgesagt. mit denen wir bisher tutionell defekt und wirtgearbeitet haben. Dennoch wird es Jahrzehnte dauern. aber les sah danach aus. immer wahrscheinlicher . und die EZB wird wie Schwäche. denn die Regierun. um den Status quo mit neuen das anders wäre. und wenn die bisher gibt es kaum Anzeichen dafür. ist.und unzufriedene CDU-Wähler fragen sich. wabensstandard abfinden müssen. Wenn Sie gen spielen seit fast zehn Jahren russisches Rou. Wenn Sie so wolstürzt von der Klippe. dann ist es der jetzt mit viel weniger Geld auskommen – und deutsche Mittelstand. Aber die Zukunft wird und nach dem verlorenen Vietnamkrieg herrsch. was passiert dann genau? Ferguson: Ganz einfach. dass es so nicht weitergehen kann. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 25 »Russisches Roulette mit dem Haushalt« Der britische Historiker Niall Ferguson glaubt. bin ich absolut kein Kulturpessimist. schen Modellen verabschieSie war von Anfang an instiden. Ich halte es für plausibel.schlossenheit. Und im Zentrum der europäischen für US-Staatsanleihen nächste Woche verdop. einem lausigen Zustand.Desintegration liegt Deutschland. Was Amerika von zählt. den sich mit einem wesentlich niedrigeren Le. Unter den Rating-Agenturen macht sich US-Wirtschaft allenfalls ein Wachstum von 1. wir Historiker müssen uns von den zykli.und Fiskalpolitik darauf basiert.. wenn Amerika seine Schulden nicht in den Ferguson: Ich frage mich. bevor das Vertrauen verloren geht. das bekannt. Charaktereigenschaften: jovial. Ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit? Als ich ein Teenager war. menfallen.chen will. Bitte betrachten wurde. Es ist auch kein glaubwürdiges Szenario diskutiert. raschend. viele Amerikaner wer. sondern sich sehr Hyperinflation von Weimar. volkstümlich und genial. wenn die gesamte Haus. Mittlerweile schlägt deutsche Löhne zu zahlen. zwei sich widersprechende DIE ZEIT: Professor Ferguson. das Schuldenproblem zu lösen. und die Geschichte ständigte. schaftlich extrem ungleich. dass die Chinesen ihre U-Boot-Flotte erneuern. das die Finanzmärkte beun. tischen Entscheidungen der kollabierte. allem daran. und dieser merhin herrscht in der europäischen Politik EntProzess könnte ohne Weiteres beschleunigt wer. Noch können sie den Niedergang abwenden. dass Weltmächte nicht der Harvard-Professor mit seiohne dabei jemals das Nilangsam verschwinden. Europa debattiert Niall Ferguson vor dem Swiss-Re-Tower in London Foto (Ausschnitt): Tom Stockill/Camera Press/Picture Press Ziele zu verfolgen. dass wir es noch gar nicht wahrgenomAber wenn der Anleihenmarkt die Risikoprämie men haben.falls davon ausgehen. ZEIT: Dann ist der Zusammenbruch des Euro lohnt sich ein Blick zurück in die siebziger Jahre. mit ren mit den portugiesischen Seefahrern begann..in dieser apokalyptischen Zukunftsvision? Imten in den asiatisch-pazifischen Raum. mit Komplexitätstheorie beschäftigt. Der bedeutet hier und da ein paar Einsparungen und höhere Steuern. wird das Problem schon nächste Woche ver. Stagflation also. Ich habe mich in letzter Zeit viel deln muss. Um sich aber aus. die Weltmacht Amerika Integrationsprozess durch ihre Wirtschafts. heißt es dann. Zum ersten pelt.Vertrauen entzogen haben. und es hat vor allem einer Analyse der amerikaeines gezeigt: Zum ersten Mal nischen Wirtschaftskrise wird oft ein willkür.25 Zweifel über die Kreditwürdigkeit der Amerika. Das Römische historischen und globalen BoReich verschwand binnen gen. ZEIT: Ein Optimist sind Sie nicht gerade. Schließlich haben sie erst ZEIT: Die Tage der Weltmacht Amerika sind also gehandelt. sonnen Büchern und Fernsehdokuveau deutscher Produktivität dern plötzlich in sich zusammentationen lieber den großen zu erreichen. wird das Chinesen ihren wirtschaftlichen Einfluss in straviel schlimmere Konsequenzen haben. Warum sollte der Ferguson: Fürs Erste vielGegenwart leisten. Das Gespräch führte JOHN F.nicht geholfen wird. der still und zufrieden seine zwar nicht erst seit der Finanzkrise.und Finanzkraft auf Kurs zu halten. wie entschlossen die Griff bekommt. die Öffentlichkeit hat langsam begriffen. fingen sie an. Auch ger bauen. in der das Know-how. ist eine weniger Generationen.ganz ähnlich aussehen: Die Prognosen sagen der ruhigt. Ferguson: Doch. Wir bilden uns ein. und zwar so überEnkelkinder ein Problem haben.

die nicht Benzin im Tank. dass weniger Autos gekauft werden. Und auch die Förderung von Modellprojekten oder die steuerliche Begünstigung der klimafreundlichen E-Autos sind sinn- voll. So wollen sie die beiden störrischen Lkw-Bauer unter ihrer Regie endlich zum gemeinsamen Glück zwingen. Anfang der Woche hat Volkswagen seinen Anteil an MAN auf mehr als 30 Prozent erhöht. um Synergien bei den Lkw zu erzwingen VON DIETMAR H. wie es ein Manager der Konkurrenz formuliert. Später. gut sind die kleinen Wagen hingegen für kurze Strecken. Freightliner (USA) und Fuso (Asien) umlegen. Denn deren Batterien reichen für längere Touren noch nicht aus. Und nun das dramatische Finale: Volkswagen will selbst die Macht bei MAN übernehmen. Fahrrädern. Die stolzen Schweden vertrauten auf ihren eigenen Erfolg. . als ein größeres Paket des schwedischen Lkw-Bauers Scania zu haben war. zu dem Schiffsdiesel. als kleinerer Partner untergebuttert zu werden. In Wachstumsmärkten wie China oder Indien wäre Größe ein Vorteil. Zwar darf der Staat der Industrie nicht die Forschungs. Aber wer sagt denn. Stromkonzernen und verschiedenen Verbänden sitzen. wäre mehr drin gewesen. erklärte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. abgestoßen wird. sagt einer. Mehr Elektromobile auf Deutschlands Straßen wären dann tatsächlich ein Einstieg. und sie legt die Vermutung nahe. der Bundeskanzlerin ihren Bericht übergeben. www. holte sich eine Abfuhr. Ignacio López. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT ZWISCHENRUF Und bist du nicht willig . Scania und MAN haben beide ihre Euro-6-Aggregate völlig unabhängig entwickelt. ordentlich teuer. an Ladestationen. Denn Winterkorn und Co. gut erreichbare Ladestationen und kluge Buchungssysteme unterstützt würde. erwarb ein größeres Aktienpaket bei MAN und stockte seinen Scania-Anteil bis zum Erreichen der Stimmenmehrheit auf. die von 2013 an Pflicht ist.zeit. MAN (98 000) plus Scania (46 000) könnten deutlich aufrücken. in der Vertreter von Autoindustrie. deshalb müssen die Wolfsburger nun ein Übernahmeangebot an alle übrigen Aktionäre machen. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hatte seine Liebe zu den großen Brummern bereits entdeckt. zuvor selbst Scania-Manager. Dass viele Autobauer immer noch lieber nur den Ottomotor einfach durch einen Elektroantrieb austauschen und den Rest beim Alten lassen würden. es wird im Gegenteil zu einer teuren Last. Südamerika). Klar. Denn in einem sind sich Industrielobbyisten wie auch unabhängige Verkehrsexperten sicher: Elektromobilität ist tatsächlich ein Thema mit Potenzial. Dahinter steckt zuallererst der Traum eines Mannes: Ferdinand Piëchs. Das Engagement in Brasilien entwickelte sich gut. Eine vertrackte Situation. die ein neues Produkt für eine erfolgreiche Markteinführung braucht. aber für das normale Leben ziemlich unbrauchbar: So knapp lässt sich das Elektroauto bisher beschreiben. wie wenn man bei Pkw Mercedes und BMW zwangsverheiraten würde«. Wenn ihre Nutzung auch noch durch reservierte Parkplätze. Der Schwede. Was Piëch gewaltig wurmte. Und die Widerstände bei den beiden Lkw-Bauern scheinen fest in deren Identität verwurzelt: Beide fühlen sich als technologische Vorreiter. Überall auf der Welt entstehen auf diesem Gebiet derzeit neue Ideen. Volkswagen ergreift die Macht bei MAN. eine völlig neuartige Lkw-Fabrik in Brasilien hochziehen. aber sollte er schon nachdenken.de/audio eu. Standards für die Ladestationen zu entwickeln oder Schilder für Plätze erfinden. umweltfreundlich. den Erlass von Parkgebühren. Reicht das. Turbinen und Turbopumpen gehören. das sich ausschließlich auf das lukrative Segment schwerer Laster konzentriert. Denn die Autos.. der weltweit führende Mobilitätskonzern zu werden! Daher ist für uns das Segment der schweren Lkw und Busse ein hochinteressantes. weil sich Piëch übergangen fühlte. Weitere Querelen bei der »Ingegration« könnten das Wolfsburger Management über Gebühr belasten. Vor allem in den großen Städten taugt es offensichtlich immer weniger als Statussymbol. Für die E-Mobilität wäre genau das die Chance – wenn Bund. die Schweden wehren sich erfolgreich gegen den als feindlich empfundenen Akt. Beim Traditionsunternehmen MAN wiederum herrschte stets die Sorge. Piëch selbst übernahm den Aufsichtsratsvorsitz bei MAN. Elektroscootern. Dahinter. Selbst die wiederholten Mahnungen von Martin Winterkorn. wohl auch. um die Ängste in München und Södertälje abzubauen? Viele Branchenbeobachter sind skeptisch. Scania muss- te immer befürchten. das Recycling und die neue Infrastruktur. ebenso wenig wie seine Wirtschaftspolitiker. Denn danach soll die Bundesregierung der E-Mobilität endlich zum Durchbruch verhelfen und dafür tief in die Staatskasse greifen. In der kommenden Woche wird die Nationale Plattform Elektromobilität. So könnte der Bund beispielsweise dabei helfen. Dann holt sich Scania bei seinem Großaktionär Volkswagen das Plazet. Über eine kluge Hilfe. ist verständlich. Das klassische Autoland Deutschland kann und sollte das nicht ignorieren. so erläuterte der Stratege seinerzeit. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer »integrierten Nutzfahrzeug-Gruppe« gelang immerhin. strategisches Geschäftsfeld. Branchenprimus Daimler etwa kann die Entwicklungskosten jetzt auf seine drei Hauptmarken Mercedes-Benz (Europa. »Das wäre. ob sich die Zwangsheirat der widerstrebenden Lkw-Bauer am Ende auch lohnt. aber nicht mehr unbedingt das eigene Auto benutzen. doch bietet man den MAN-Aktionären einen wenig attraktiven Preis. Diese vergeudete Milliarde wird Ferdinand Piëch gehörig geärgert haben.« Fraglich bleibt. sondern E-Mobilität VON PETRA PINZLER N E in Drama in drei Akten: Erst versucht der Münchner Lkw-Bauer MAN. an der Bekanntheit und damit an fast allen Zutaten. bewirkten keine sichtbaren Fortschritte. Rund 200 Millionen Euro könne man etwa durch einen gemeinsamen Einkauf einsparen. Doch zu Ende ist die Geschichte damit noch nicht. um die Menschen an die neue Technologie heranzuführen. Der Coup war psychologisch und taktisch schlecht vorbereitet. Doch noch fehlt es an günstigen Modellen. dass nach einer Fusion der Lkw-Sparten das zweite Standbein des Unternehmens. dem mittlerweile zum Volkswagen-Konzernchef avancierten langjährigen PiëchWeggefährten. Die Autoren wünschen sich eine Hilfe von fast vier Milliarden Euro. Lang ist die Wunschliste. als MAN die brasilianische Lkw. Statt über das »Auto« sollten alle Beteiligten mehr über »Mobilität« nachdenken. Damit soll der Bund die Entwicklung neuer Batterien und eine Antriebstechnologie fördern. Rein zahlenmäßig würde eine MAN-Scania-VWAllianz aber an Marktmacht gewinnen: Bislang führen bei den international tätigen Herstellern noch Daimler (252 000 Lkw von 6 Tonnen aufwärts im Jahr 2010) und Volvo (129 000) das Feld an. Und warum nicht das Dienstwagenprivileg für große Spritschlucker kürzen – zugunsten von E-Mobilen? Noch wichtiger aber wäre etwas. Seither wurde viel geredet. Die VW-Führung ergriff Partei für Scania. sondern Strom in der Batterie haben. den Konkurrenten Scania zu übernehmen. Gerade kompakte Elektroautos böten sich als Teil eines solchen Konzeptes dann wie von selbst an. wenn man die komplette Fahrzeugpalette aus einer Hand bieten könne – vom Vertreterkombi über den Transporter bis hin zum schweren Lkw. dass sich wieder einmal eine Industrie die Entwicklung neuer Produkte zumindest zum Teil vom Steuerzahler finanzieren lassen will. Die Motivlage hatte Konzernchef Winterkorn eine knappe Woche zuvor schon auf der Hauptversammlung in Hamburg dargelegt: »Der Volkswagen-Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt. das auch im Gutachten der Plattform nur beiläufig erwähnt wird: das Umdenken. Wenn Scania und MAN sich eher zusammengerauft hätten. was bei den Münchnern prompt Abwehrreflexe auf allen Ebenen auslöst. Länder und vor allem auch Städte durch viele kleine Maßnahmen die kluge Kombinationen von Leihautos. schlug Piëch zu. Rund eine Milliarde Euro kostet so eine Entwicklung. aber wenig erreicht. Sie werden weiterhin mobil sein. und das ist auch gut so. Denn gerade viele junge Leuten träumen heute nicht mehr vom eigenen Auto. So etwas ist zwar heute noch ein Tabu. Denn die neuen Mobilitätskonzepte könnten irgendwann auch mal dazu führen. Die jetzt fällige Kartellprüfung (mit positivem Ausgang) werde eine engere Zusammenarbeit ermöglichen. dass Deutschland in der Welt künftig nicht statt Autos gleich ganze Mobilitätskonzepte für Städte ohne Staus und Luftverschmutzung verkaufen könnte? Von »systemischen Lösungen« träumt die Nationale Plattform. Etwa zehn Jahre ist eine Motorengeneration im Einsatz – so lange sind die Synergien jetzt in diesem zentralen Bereich verstellt. Das Ziel sei erst mal nur ein Stimmrechtsanteil »zwischen 35 und 40 Prozent«. neue Produkte und damit auch neue Arbeitsplätze.26 12. Bahn und Bus erleichterten. Noch-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat denn auch schon mal vorsorglich abgewinkt. dann umsteigen Nicht das E-Auto gehört gefördert. mit seinen Spitzenrenditen »als Porsche unter den Lkw-Bauern«. In diesen Wochen führen die großen Lkw-Bauer die neue Motorengeneration Euro 6 ein. Scania zu übernehmen. beispielsweise beim Aufbau der nötigen Infrastruktur. Das könnte mehr als zehn Milliarden Euro kosten. könnten sie tatsächlich eine attraktive Alternative zum eigenen Auto werden.. die Stimmenmehrheit bei Scania besitzen die Wolfsburger bereits. an denen die neuen. Das klingt theoretisch. dass jeder seinen Motor auch in die eigenen Lkw einbauen will. Nötige Gesetzesänderungen sollten ein Leichtes sein. Vorsorglich erklärte Winterkorn alle Geschäftsfelder und die markenspezifischen Eigenschaften von Scania und MAN für »unantastbar«. umweltfreundlichen Autos überall ans Netz können. müssen auch noch die unvollendete Fusion mit Porsche und die unerwartet zähe Annäherung an den Kleinwagenpartner Suzuki meistern. am Service. sind zwar gut fürs Klima – wenn sie Ökostrom laden. LAMPARTER Umdenken. Das alles soll sich nun ändern. verbunden mit großen Hoffnungen. Danach ging Volkswagen in die Offensive. sagt Finanzchef Pötsch. für die man auch noch stundenlang einen Parkplatz suchen muss. stehe ein Kalkül: Für das Flottengeschäft mit Großkunden sei es von Vorteil. Das Geld dafür hätte VW nach dem Höhenflug der jüngsten Zeit. als er noch selbst Vorstandschef in Wolfsburg war. mit Scania aber lief wenig. hat aber praktische Folgen: In den kommenden Jahren werden sich Menschen anders als in der Vergangenheit von einem Ort zum anderen bewegen. So kamen die Münchner zu einem starken Standbein in Südamerika. Das macht sie zu den idealen Verleihautos für die Stadt.und Entwicklungskosten für neue Produkte abnehmen.und Busfabrikation von VW übernahm. Dann kam im Jahr 2006 der damalige MANChef Håkan Samuelsson auf die Idee. zumindest darf es wohl kein Politiker laut fordern. Schließlich gilt Scania. Mitte der neunziger Jahre ließ er seinen damaligen Wundermanager. Die beiden VWBeteiligungen wurden zur engeren Kooperation aufgefordert. seinerseits MAN zu übernehmen.

sondern deutlich weniger Kinder von Armut betroffen als im OECD-Durchschnitt. versprach Ursula von der Leyen.« Deshalb sei es nötig geworden. als sie die alten Zahlen auf einer Pressekonferenz vorstellte. www. Sie werde die Kinderarmut entschieden bekämpfen. Hierzulande sind nicht mehr. Dabei ist die Politik auf methodisch sauber ermittelte Daten angewiesen. wenn er netto über weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens im Land verfügt. Und zuletzt – 2008. das deutsche Sozialsystem funktioniere nicht richtig. was aus heutiger Sicht eine absurde Scheingenauigkeit darstellt. Im Untersuchungsjahr 2004 waren nach den neuen Erkenntnissen statt 16. Das Berliner Institut lässt jedes Jahr einige Tausend Bundesbürger nach ihren Einkommen befragen. wenn sie netto weniger als 1667 Euro im Monat zur Verfügung hatte. Deshalb gibt es je nach Definition unterschiedliche Armutszahlen. Einige Experten wissen das seit Langem. Allerdings ist dessen jährliche Erhebung noch recht neu und wurde methodisch verändert. dass Deutschland auch nach den neuen Zahlen ein Armutsproblem hat.« Befremdlich erscheint allerdings der Umgang des öffentlich finanzierten Instituts mit der Öffentlichkeit. So rasant hat sich die Armut wohl noch nirgendwo halbiert. als sie es bisher dargestellt haben: Deutschland rangiert bei der Bekämpfung der Kinderarmut im internationalen Vergleich tatsächlich nicht ganz hinten. International schneidet Deutschland nun offenbar besser ab als gedacht. Zentrale Botschaften der früheren Untersuchungen werden dadurch in ihr Gegenteil verkehrt. aber die Frage. Jedes sechste Kind in Deutschland. So bleibt ausgerechnet bei dieser brennenden Frage unklar: Befindet sich Deutschland auf einer schiefen Ebene – oder auf dem richtigen Weg? Dass die Armut zunimmt.« Was tatsächlich die Ursachen für die Kinderarmut sind – niedrige Löhne. Denn in den angeführten Publikationen erläutern die Forscher zwar veränderte Berechnungsmethoden und allerlei Detailergebnisse – wie radikal sich die Kinderarmut insgesamt verändert hatte.3. unsere Armutszahlen sind mit extremer Unsicherheit behaftet? Statt die Werte bis auf eine Stelle nach dem Komma auszuweisen. Dazu wolle sie als Erstes das Kindergeld erhöhen. »aber wir wollten dann nicht noch Salz in diese Wunde streuen und haben darauf verzichtet.6 26. um Einkünfte. wie Familienministerin Kristina Schröder nach Bekanntwerden der revidierten Werte verlauten ließ.zeit. Das geben Mitarbeiter offen zu: »Wir hatten erwogen. umfassenden Armutsbericht für die Bundesregierung. auf der der neue Institutschef Gert Wagner nun behauptete.0 8. das zeigt. die in Bezug zur Haushaltsgröße und zum Durchschnitt besonders niedrig liegen. Das ist nur zur Hälfte richtig. sagt Markus Grabka.4 9. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist aber ein Vergleich – zu anderen Ländern oder zur Vergangenheit. ungleiche Bildungschancen –. um sich etwas Geld zu verdienen Der Armuts-Irrtum Es gibt in Deutschland offenbar viel weniger arme Kinder als bisher gedacht – Forscher wollten das für sich behalten ie Zahl platzte mitten in den Bundestagswahlkampf. Ein Zahlenspiel. alte Befragungen neu auszuwerten. Die Bundesrepublik gebe besonders viel Geld für die Familien aus. Sie bewegt sich sonst im Blindflug. die in Armut* leben. Es war ein Schock und eine Blamage für die deutsche Politik. Es geht dabei also um relative Armut. untersucht der Professor gegenwärtig.WIRTSCHAFT 12. In Deutschland hieß das im Jahr 2008: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern war arm. »Das ist aber nicht nur ein Problem des DIW. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 27 Auf einmal gut? Anteil der Kinder bis 18 Jahre.de/audio . und dass sich Daten bei einer Neujustierung ändern. Dann ist es beson- ders schwer. blieb aber bewusst ausgeblendet. dass eine Neuberechnung frühere Ergebnisse auf den Kopf zu stellen vermag – hätten die DIW-Forscher das nicht früher erkennen und warnen müssen: Achtung. Nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit ist jede verlässliche Studie recht. Allerdings ist auch das Gegenteil denkbar: Die Armut verringert sich. sagt Christian Arndt. Auch wenn.2 15. Nach den DIW-Zahlen ist die Kinderarmut bis 2004 rasant gestiegen und danach etwas gesunken. Was wenig später auch geschah. sondern weit vorne.5 21. aus der Armut herauszukommen. »Das Schlimmste für ein Kind ist sicher. man habe in früheren Veröffentlichungen längst »auf die verbesserte Methodik und ihre Konsequenzen« hingewiesen. dass von der OECD veröffentlichte Zahlen plötzlich nicht mehr zu früheren Angaben passen. dass die Lage anders ist. zerfallende Familien. Er arbeitet zusammen mit anderen Wissenschaftlern an einem neuen. Wenn die Datengrundlage so wackelig ist. Hinter der wundersamen Schrumpfung verbirgt sich ein Skandal. Das Armutsproblem ist auch nach den neuen Zahlen nicht gelöst. Einmal mehr scheint sich der Uralt-Spruch von der Statistik zu bestätigen. Dazu werden komplexe Hochrechnungsverfahren und Plausibilitätsüberlegungen genutzt. gibt es widersprüchliche Signale. Nach den neuen Zahlen gehört das hiesige Sozi- alsystem nun eher zu den erfolgreichen. allerdings bleiben einige Länder ein gutes Stück voraus. selbst bei einem gesellschaftlich so brisanten Thema wie der Armut von Kindern. »Früher war das Problem vernachlässigbar. wie Teile des hiesigen Wissenschaftsbetriebs funktionieren. sagt Christian Arndt. von was für einer Qualität die von ihr mitfinanzierten Untersuchungen tatsächlich waren. Für die OECD ist ein Haushalt arm. die alten und die neuen Zahlen einander gegenüberzustellen«. Die von der OECD für Deutschland publizierten Zahlen stammen vom DIW. Was zeitliche Trends betrifft. Nach einem entsprechenden Zeitungsbericht (Fauler Zahlenzauber) berief das DIW eilig eine Pressekonferenz ein. »Wahrscheinlich gibt es beide Effekte«.7 14. »Unklar ist. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs sie beständig. als es hierzulande der Fall ist. weil einer Journalistin der Financial Times Deutschland auffiel. Aber so krasse Veränderungen wie bei den neuen Armutszahlen sind ungewöhnlich. wenn es in einem Elternhaus aufwächst. verkündeten Experten der Industrieländerorganisation OECD im September 2009. Vor knapp zwei Jahren haben die Experten begonnen. VON KOLJA RUDZIO D Eine vierköpfige Familie mit weniger als 1985 Euro netto gilt als arm Im Mittelpunkt dieser Datenaffäre steht ausgerechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.« So wurde die Öffentlichkeit absichtlich im Unklaren darüber gelassen. Klar ist. Die Berechnungen sorgten in Berlin zuerst für hitzige Debatten – und dann für Milliardenausgaben. Und wie schwer es den beteiligten Experten fällt.« Armut sei allerdings auch nicht allein ein Geldproblem.3 21.3 Prozent nur 10 Prozent aller Jungen und Mädchen in der Bundesrepublik arm. muss neu beantwortet werden. **Durchschnitt ZEIT-Grafik/Quelle: OECD Ein Junge in Berlin sammelt Pfandflaschen. die Daten stammen meist aus dem Jahr 2008.6 Polen USA Israel *Arme Haushalte verfügen über weniger als 50 % des jeweiligen mittleren Einkommens. wenn man sie selbst gefälscht habe. das nach einer Reihe negativer Schlagzeilen und hausinterner Querelen gerade einen neuen Chef bekommen hat. welcher überwiegt. welche Wege zur Armutsbekämpfung tatsächlich Erfolg bringen und welche nicht. und es lässt sich kaum beurteilen. Wohl kaum ein Grund. im Kampf gegen Kinderarmut nachzulassen. neuere Zahlen gibt es nicht – waren es bloß 8. deshalb lebten hier überdurchschnittlich viele Kinder in Armut. doch bei den Bedürftigsten komme wenig davon an. Rund 1. wie wenig verlässlich wissenschaftliche Expertisen bisweilen sind. eineinhalb Jahre später. Arbeitslosigkeit. Fragwürdig erscheint jetzt eher. Das gilt vor allem für die skandinavischen Staaten. die Methoden zu verfeinern. in dem niemand eine Arbeit hat. deren Steuer. Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der OECD. Polen und der Türkei. aber in den vergangenen Jahren wurde es immer größer.7 5. der man nur trauen dürfe.1 12.3 (2008) 9. das einzugestehen. ist klar: Die Zahl von der OECD war falsch. Sie mochten es aber nicht an die große Glocke hängen – schließlich hätten sie einräumen müssen. Viele Sozialexperten setzen die Grenze zur Armut deutlich höher an. Bekannt wurde der extreme Rückgang der Armutsquote. Das ist bei solchen Erhebungen durchaus üblich. damals noch Familienministerin. mit denen fehlende Angaben ergänzt würden. Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. sagte Markus Grabka der ZEIT. Der Vorgang dürfte das Vertrauen in wissenschaftliche Expertisen auf sozialpolitischem Gebiet erschüttern. scheint plausibel. Datensalat gab es schon genug. »Es wird viel zu selten auf die Unsicherheit von Stichprobenuntersuchungen hingewiesen«. Daraus ermitteln die Forscher die Armutsquoten.6 10. So warnte Monika Queisser. Bei zwei älteren Kindern (über 14 Jahre) erhöht sich die statistische Armutsschwelle auf 1985 Euro. der beim DIW für die Erhebung zuständig ist. schließlich breitete sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten der Niedriglohnsektor aus. Datenmüll. wie erfolgreich die deutsche Politik es angeht. Schlimmer sei die Situation nur in wenigen Ländern der entwickelten Welt.1 Millionen Kinder und Jugendliche lebten danach zuletzt in finanzieller Bedürftigkeit. OECD ** Japan Italien Deutschland Spanien Foto: Jens Gyarmaty/VISUM 3. Heute. Der Grund: »Wir bekommen immer häufiger nur lückenhafte Auskünfte«. etwa bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. weil heute mehr Menschen einen Job haben und Arbeitslosigkeit das Armutsrisiko schlechthin darstellt. gehört zum Alltag von Statistikern.5 8. Angaben in Prozent Dänemark Norwegen Frankreich Deutschland Schweiz Niederlande Großbrit. lebe in Armut.und Sozialsysteme Einkom- mensunterschiede stärker dämpfen.3 16.3 (2004) 17. etwa in Mexiko. »jedes arme Kind eines zu viel ist«.

dass Atomkraft den Klimawandel brem. Im Kern zeigt die erste große Studie über die Wirksamkeit der beiden Medikamente.und Schwellenländern gilt es. Fotos: Thomas Einberger/argum (2). Das entsprach Avastin solle offiziell erlaubt werden. Neuer Druck könnte entstehen. eine Praxis. der Bau einer reKanzlerin. etwas häufiger auf als bei PatienRabattverträge über die Nutzung von Lucentis ab. wenn kein anderes zugelassenes Spezialmittel zur Verfügung steht. Sie sollten Ihr lebensrettendes Wissen den Entwicklungsländern großzügig weitertechnik. ten. wenn wir mit VollEs ist also eine Brasilien oder Chile: Auch dampf in erneuerbare Quellen völlig unrealistische und eine effizientere Nutzung dort gibt es überall Debatten Darstellung. . Sie Die Bundesregierung. aus denen Flüssigkeit austritt. welches von zwei patentgeschützten Medikamenten besser gegen die feuchte Makuladegeneration hilft. Das Unternehmen. angewendet. Sowohl Lucentis als auch kam Lucentis auf den Markt. sen. Regierungen finden weltweit kaum Solar-Tour durch den indischen Bundesstaat Finanzierungsmöglichkeiten.6 Milliarden Menwir erlebt. Im indischen Jaitapur Deutschland dabei weiter vodie Atomkraft wurden gerade Demonstranrangeht. da wird mit zweierlei Maß gemes. sollte zu erleiden oder gar zu sterben. schätzen Experten. Weiter verbreitet ist das teure. Ein amerikanischer Augenarzt hatte Avastin erstmals erfolgreich off label. übernehmen. Schon widersetzen sich MediziEs geht um sehr viel Geld. dass Lucentis zwar teurer. waren das für die Augenerkrankung an sich nicht zugelassene Krebsmittel Avastin von Roche und das Spezialmedikament Lucentis von Novartis. die Initiierung neuer oder lassen. also abseits des eigentlichen Behandlungszwecks. Das Risiko. Brisant wird diese Einschätzung dadurch. die von der zuständigen Auf. Gerade haben Allerärmsten demonstriert. lungs. Seither folgten Mediziner weltweit seinem Beispiel. sich aber enorm in den Kosten unterscheiden: Lucentis ist mit 1300 Euro pro Injektion rund 30-mal so teuer wie Avastin von Roche. dass also womöglich dahingehend interpretiert. weit ablehnen. Gener der Produkt. Lucentis errechneten Ökonomen. wollte er eingreifen konzerne. er steht exemplarisch für die Frage. das Lucentis heute Herstellern aushandeln könnten. Stellen Sie sich einen atomaren Un. weil die Atom. Die Hauptrolle spielen Sie. Warum? VON NICOLA KURTH ür diese Studie interessieren sich Augenärzte weltweit.Strom. ist wiederum Novartis.hinsichtlich relevanter Nebenwirkungen. die sich in Zeiten technisch immer komplexerer Behandlungsmethoden und immer kostspieligerer Mittel zunehmend stellen. sei unter Avastin Bayer wie geplant 2012 ein neues.Bihar die Chancen solarer Kleinanlagen für die kraft zu teuer und zu riskant ist. bleibe dass es die Krankenkassen drei die Frage. Der Fall weist über sich selbst hinaus. Es ist also eine völkerungen die Atomkraft weltlig unrealistische Darstellung. Heikel wird der seit Jahren schwelende Streit die Unterstützung laufender Studien – Stellschrauben durch die Verflechtungen der beteiligten Pharma. Naidoo: Die realen Investitionen decken aber Naidoo: Jedenfalls tun wir schon eine Menge. Konnten Sie sie beruhigen? Naidoo: Wir sind die Länder durchgegangen.und den Status quo überwinden. halten Sie den deutschen ZEIT: Ein Argument der Kernkraftbefürworter Atomausstieg für einen »Sonderweg«? stimmt ja: Kernkraftwerke emittieren weniger Kumi Naidoo: Nein. Seit 2005 kann diesen Patienten mit Injektionen von Avastin ins Auge geholfen werden. sie renden Berufsverbände der Augenerhalten im Jahr rund 500 000 Inärzte in Deutschland klärende Entjektionen. Eine nachträgliche Aktuell werden noch rund ein Drittel der Patienten mit Avastin beIst im Preis etwa 30-mal Nutzenbewertung könne dazu fühgünstiger: Avastin handelt. Die Ergebnisse der Studie ren. über die Versorgung der Welt mit Energie und den deutschen Atomausstieg ZEIT: Herr Naidoo. levanten Zahl würde zu lange dauern.geben. Sie wollen wissen. 4. die häufigste Ursache für Blindheit im Alter (AMD). wie viel die SolidarMilliarden Euro pro Jahr kosten gemeinschaft für mehr Sicherheit könnte. Viele Krankenkassen schlossen mit Novartis behandelt wurden. die sich mit für AMD zu testen und die dazu nötigen Studien den Fragen der Therapie einer altersbedingten Madurchzuführen. da sind sich lassung. Naidoo: Ja. dass die Präparate zwar nach Meinung vieler Experten im Wirkstoff vergleichbar sind. Da verwundert es institut für Arzneimittel bereits zu Jahresbeginn eine nicht mehr. könnten diesen Anteil schnell auf Freiheit in der Therapie. das Avastin in Europa ver. Injektion: Lucentis Wirkten beide Mittel gleich. Fragen. Der Wirkstoff unterbindet die Blutversorgung von Tumoren – im Fall von AMD lässt sich mit ihm das abnorme Wachstum der Blutgefäße hinter der Netzhaut stoppen. in klein. 1. dass es da eine Renais. Aber derzeit ZEIT: Vergangene Woche waren Sie ja bei der decken AKWs nur zwei bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs.) F » « Bei AMD ist das nicht mehr der Fall. An Roche.Krankenkassen längst angemessene Preise mit den marktet. Avastin für die Ärzte mehr lohnt. Sie sind Vorreiter! Aber CO2. Unterschiede gibt es bei sogenannbei Avastin. dass die Bevölheraus. auch Angela Merkel scheint zu beschäftigen. wie sich das offiziell Gehirn. seinerzeit einem Achtel des gesamdie Überwachung der Sicherheit könne ein unabhängiges Institut ten deutschen Arzneimittelbudgets. sind brisant. Wenn kraft. die wachsenden VolksZEIT: Proteste gibt es da wirtschaften von vorneherein zwar. wie hilflos selbst die Hightechnation schen haben ja noch gar keinen Zugang zu Japan war.Zum Beispiel haben wir vor Kurzem bei einer sance gebe. das einst sowohl Lu. So fordern die fühgibt es derzeit in Deutschland. so der Tenor. Man investiert weiter in Atom.bringen. Viele boykottieren es bis heute und bleiben Mediziner einig. Gegenstand des abgekürzt CATT genannten Vergleichs. werden andere Ländas Klima ten gegen ein geplantes der nachziehen. sagt er nicht. weil sich hinter der Netzhaut kleine Blutgefäße bilden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT »Sie sind Vorreiter!« Kumi Naidoo. inwieweit der Staat den Konflikt mit den Herstellern von Medikamenten wagt – und wie viel die Gesellschaft für Gesundheit zu zahlen bereit ist. und es käme zu wenig Strom dabei um zu zeigen. die nun vor wenigen Tagen bekannt wurden. Naidoo: Tatsächlich ist unsere größte Herausdass ein Alleingang Deutschland isolieren forderung. Bei der Zulassung von Kostet rund 1300 Euro je scheidungen seitens der Politik. gieversorgung zu beschleunigen. jeder Fünfte muss sich behandeln lassen. rigen Schwellenländern ist das aber anders. wenn es um den Erhalt und die Verbesserung der Sehschärfe der Patienten geht.gäbe es für den Staat zur Genüge. Dass am Bundesherstellt. dass die Behandlung mit dem Krebsmedikament Avastin gleich gute Ergebnisse erzielt wie die mit Lucentis. Avastin als Mittel Expertengruppe eingerichtet worden ist. Die Ergebnisse. weiß noch keiner. Deshalb gilt aber auch weiterhin: Sie in fall im indischen Rajasthan vor! den Industrieländern haben erst mal noch eine ZEIT: Viele rechnen aber mit einem Geschäft. wirksam schützen Atomkraftwerk von Areva ZEIT: Gerade in Entwickkönnte festgenommen. den das staatliche National Eye Institute in den Vereinigten Staaten angestellt hat. Anteil an Atomstrom sind 57 Prozent der Menschen für ZEIT: Weltweit droht der Vereinen Ausstieg. Im Januar 2007 Studie keinesfalls eindeutig. was sowieso schon alle wussten«. Dabei ist die Aus.28 12. Bewegung in die Sache kommt.emissionsarm aufzubauen. Die Sehzellen sterben ab. dass zu Roche. sagt ein Insider.ten serious adverse events wie einem stationären Kransichtsbehörde in Deutschland noch toleriert wird – in kenhausaufenthalt oder Durchblutungsstörungen im einer »wohlwollenden Duldung«. behandelt würden.5 Millionen Deutsche leiden an einer Form der Altersblindheit. »Mit CATT wurde bestätigt. zu 30 Prozent beteiligt. Menge Kohlenstoffschulden abzuzahlen. gehört seit 2009 Gesundheitsministeriums aber lässt nur wissen. Weitere Vergleichsstudien könnten die Debatte aber so etwas wie der Goldstandard in der Therapie der Altersblindheit sei. Wie teuer es sein wird. und ihr Alter lag im Schnitt deren Folge sich der Einsatz von der Studie bei über 80 Jahren. einen Schlaganfall beenden. sofern alle Patienten damit bereit sei zu bezahlen. Derweil Novartis die neue Studie kuladegeneration befassen soll.Bekämpfung der Altersblindheit auf den Markt legung der festgestellten Unterschiede in der CATT. dass Roche es ablehnt.kraft. dass sich die beiden Medikamente preislich annäherten. Naidoo: Das werden wir verNaidoo: Ob in der Türkei. Wie stark ist Greenpeace dort vertreten? sen kann.und Preispolitik schätzte 100 000 AMD-Patienten der Hersteller. Nach meinem Eindruck ist das der Kanzlerin bewusst. zicht auf Atomenergie eine Renaissance der Kohle nach ZEIT: In den energiehungsich zu ziehen. Der Preisunterschied Avastin waren ihr zufolge insgesamt gut verträglich empörte Kassen wie Mediziner schon bei der Zu. Selbst in dass die Atomkraft das Klima Frankreich mit seinem hohen wirksam schützen könnte. aber auch die Hoffnung. Tim Brake/dpa (l. dass über die Risiken der Atomder Energie investieren. die mit Avastin nennt. in hindern. Kontrollen. den Ausstieg aus der fossilen Enerkönnte. verfügen über Technologien und Wirtschaftsunterstützt den Export deutscher Atom. Das Gespräch führte CHRISTIANE GREFE Gleiche Wirkung Bei Altersblindheit helfen zwei Medikamente. Hafüber die Hälfte und mehr steigen tungsfragen. die daheim aussteigt. Ein Sprecher des centis als auch Avastin entwickelt hat. die Lucentis injiziert bekamen. Chef von Greenpeace International. eigenes Mittel zur deutlich höher als bei Lucentis. Allerdings war zugleich aber eigene Verträge mit die Anzahl der Patienten relativ den operierenden Augenärzten. nicht die Behauptung. und die Zeit drängt beim Klimaschutz. Diese traten bei Patienten. Doch solche Therapien sind nur erlaubt.

»Lebensmittel sind heute ein komplexes Gut. Gerade aber im Ausblenden des Rechts liege das Problem. vergeht – zum Ärger vieler Verbraucherschützer – deshalb meist viel Zeit. mit dem sich Vertreter der Branche gegen die Initiative wehren. so hoffen die Initiatoren des Portals. Und niemand müsse eine Verunglimpfung befürchten. Außerdem wird es die Möglichkeit geben. Betrieben wird das Portal vom Verbraucherverband Hessen. einen solchen Eingriff durch eine derart mächtige Institution zu rechtfertigen. Das Vorhaben löst deshalb so viel Aufregung aus. dass ein Verbraucher lediglich schlecht informiert ist«. Was sie vor allem stört. Der Name suggeriere. Sie fürchteten. vorausgesetzt. dass der Ministerin die Zuständigkeit fehle. Im Augenblick aber sind große Teile der Lebensmittelwirtschaft regelrecht empört. bevor sie bei Nahrungsmittel-Skandalen Ross und Reiter nennen dürfen.« Die Initiative liefe im Rahmen einer ganz normalen Projektförderung. Schon diese zwei Wörter reichen aus. Das ist nicht das einzige Argument. In diesem Fall wird er nur auf den Informationsteil verwiesen. Sie stört insbesondere. Digitale Sammelstellen dieser Art schrecken inzwischen nicht nur Unternehmen auf. sagt sie. und kritisiert zugleich. Dort können die Kassenmitglieder nicht nur Ärzte suchen.und Staatswissenschaftler Fritz Ossenbühl bemängelt. bei denen sie sich durch die Aufmachung und Kennzeichnung in die Irre geleitet fühlen. sagt Janina Löbel. diese selbst aber das Problem sind. Betroffene Interessen würden ausgeblendet. dass einzelne Unternehmen und deren Marken an den Pranger gestellt werden können. monieren Verbraucherschützer. dass ein fairer und sachbezogener Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern gewährleistet ist. dass sie die Kennzeichnung schnell verbessern. dass »hoheitliche Gewalt durch gesellschaftliche Zwänge ersetzt werden soll«. ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. »Wir hoffen. geht mit dem Projekt streng ins Gericht. vorgehen müssen«. Es können nur vorgegebene Fragen beantwortet werden. »Wir können damit leben«. begegnen sie mit einer speziellen Rubrik. Ohne vernünftige Information könne Vertrauen nicht bestehen und Kritik nicht wirksam sein. Aigner: »Die Lebensmittelüberwachung ist und bleibt Aufgabe der Länder. so Werner Wolf.« Zudem haben die Konstrukteure des Portals aus der bisherigen Kritik bereits ihre Lehren gezogen. wenn die zuständige Behörde tätig geworden ist. wird das Produkt im Internet abgebildet. es gehe vielmehr um eine spezifische Form von Kommunikation. könnte auch der Gesetzgeber beim Erlass seiner Vorschriften lernen. Sie und ihr Kollege Hartmut König. stellt die Ministerin klar. versehen mit dem Kommentar des Herstellers. Kräuterbutter mit Margarine. zum Beispiel mit Abmahnungen. ist. Und das im Zusammenhang mit einer lediglich »gefühlten Täuschung«. könnten die Eigentumsgarantie. können schon heute Meldungen abgegeben werden. sei eines modernen Staates und einer Informationsgesellschaft würdig.« Die Eingriffe. Das ist in der Regel die örtlich zuständige Le- Illustration: Birgit Lang für DIE ZEIT/www. dass es als Informations. Präsident des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft (BLL). dessen Eigenschaften die Verbraucher aus eigener Anschauung regelmäßig nicht kontrollieren können. deren Kennzeichnung rechtlich in Ordnung sei. Obwohl sich Hersteller völlig korrekt verhalten. dass dem Hersteller zwar eine kurze Frist zur Kommentierung eingeräumt werde. ohne dass wir rechtlich. nicht aber ein Bundesministerium«. dass Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner das Portal finanziell unterstützt. fühlen sich manche Verbraucher dennoch getäuscht.de . B bensmittelbehörde.WIRTSCHAFT 12. Im Übrigen. um die Nahrungsmittelindustrie aufzuregen. Auf einer Fachtagung übten sie jüngst massiv Kritik. Das Angebot ist dreigeteilt: Im Informationsbereich können sich die Besucher der Website in rechtlichen Fragen kundig machen. hervorragende Lebensmittel in der Bundesrepublik Deutschland«. So sind beispielsweisen frei formulierte Texte nicht möglich. der Markt würde womöglich gestört. Lebensmittelbehörden müssen vorsichtig agieren.und Meinungsforum dienen soll und kein Organ der amtlichen Überwachung sei. es würden auch Produkte angeprangert. Darf im Schwarzwälder Schinken auch Fleisch aus Dänemark sein? Oder Hühnchen in der Kalbswiener? Im sogenannten produktbezogenen Bereich können Verbraucher konkrete Beispiele melden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 29 Alles wahr oder was? Auf einem neuen Portal im Internet können sich Verbraucher demnächst beschweren. Auch Rechts. hintergangen oder enttäuscht worden zu sein.birgitlang. Doch die Konstruktion des Portals verhindert das. Auf einem Portal wie dem geplanten können sich die Teilnehmer sehr viel freier äußern als Beamte in den Behörden. Dabei findet er es grundsätzlich gar nicht schlecht. »Das Portal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel« Auch Professor Winfried Hassemer. sondern sie auch gleich bewerten. wenn sie sich nach diesen Vorgaben richten. Skepsis löst bereits die Konstruktion der Plattform aus: die Mischung aus Staat und privatwirtschaftlicher Initiative. Dort ginge es um die »gefühlten Rechtsverletzungen« von Laien. dass künftig lockere Debattierzirkel erboster Verbraucher das strikte Reglement amtlicher Kontrolleure ersetzen könnten. die Verbreitung der Sache aber dann auch ohne diesen Kommentar erlaubt sei. etwa über Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. heißt es bei der Bundesärztekammer heute. Es trägt den Namen »Klarheit und Wahrheit«. Hassemers klares Urteil: »Dieses Internetportal ist von Rechts wegen nicht akzeptabel. was kritisiert wurde. So bezweifelt Friedhelm Hufen. Sie koordiniert das Projekt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Manche Hersteller sind deshalb bereits alarmiert. »Informationseingriffe sind von vornherein nur rechtmäßig. weil befürchtet wird. sagt er. Fachleute in der Internetredaktion prüfen die Kritik und bitten die betroffenen Hersteller um eine Stellungnahme. dass in dieser Branche hauptsächlich Gauner unterwegs seien. Außerdem sind Beschwerden gegen Entscheidungen der Lebensmittelkontrolleure möglich. Hassemer gibt zu bedenken: »Allein das subjektive Gefühl einer Person. Vollmundige Werbeversprechungen suggerierten Qualität oder Nähe zur Natur. Daraus. So etwas ist – wenn überhaupt – nur dem Kleingedruckten auf der Packung zu entnehmen. das Grundrecht auf Berufsfreiheit oder das auf Gleichbehandlung verletzen. Zuckersirup statt Honig. bauen auf die Einsicht der Hersteller. Staatsund Verwaltungsrecht an der Universität Mainz. Lebensmittelbehörden können nur in engen Grenzen agieren Obwohl das komplette Portal mit allen Funktionen noch nicht in Betrieb ist. Und das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken darf auch aus Dänemark stammen. Die Mogler und Trickser sollen schon bald ausgebremst werden: mit einem neuen Internetportal. sie haben strenge Vorschriften zu beachten. deren Kennzeichnung zwar den gesetzlichen Vorschriften ent- spricht. könnten die Verbraucher bei der Nutzung des Angebots eindeutig erkennen. Wenn die Verbraucherschützer eine Beschwerde fachlich nachvollziehen können und sie für plausibel halten. Die Wahrung von Geschäftsinteressen ist ein wichtiges Gebot. Hassemer: »Es markiert einen Weg zu bürgerlicher Autonomie. ist nicht imstande. »Manchmal stellt sich auch heraus. Deshalb müssen die betroffenen Firmen zum Beispiel angehört werden. Andere setzen sofort Rechtsanwälte in Bewegung«. So will es unter anderem selbst das Verbraucherinformationsgesetz. Die Doktoren liefen zunächst dagegen Sturm. So muss beispielsweise eine Kalbswiener lediglich 15 Prozent Kalbsfleisch enthalten. sich im Diskussionsbereich an Debatten zu beteiligen oder Fragen an ein Expertenforum zu richten. sagt König. sagt Janina Löbel. Dass die Meinung der Verbraucher nicht nur erforscht. Auch in einem anderen Fall gab es heftigen Ärger: beim so- genannten Arztnavigator.« Als juristische Schludrigkeit bezeichnet er es. Dort werden jene Lebensmittel präsentiert. Und sie haben ein Recht auf Akteneinsicht.« Aber dann: Es gehe in dem Konzept weder um Recht noch um Kontrolle oder Sanktion. die rechtlich in jeder Hinsicht zulässig sei. »Manche reagieren direkt und ändern. Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich deshalb gelegt. den die Krankenkassen AOK und Barmer in der vergangenen Woche im Internet starteten. Ilse Aigner versucht derweil die Wogen zu glätten: »Wir haben erstklassige. schreibt er. wenn sie sich von Lebensmittelherstellern getäuscht fühlen. er hat tatsächlich reagiert. Professor für Öffentliches Recht. Er weiß etliche Juristen auf seiner Seite. der bei der Verbraucherzentrale Hessen das Projekt leitet. Außerdem hat er Zweifel an der notwendigen Neutralität des Portals. Die Industrie läuft Sturm dagegen VON GUNHILD LÜTGE ananenschokolade ohne Banane. Oftmals sei es damit aber nicht weit her. ob die Bundesverbraucherministerin überhaupt für ein solches Projekt zuständig ist. »Das Portal wird so konzipiert sein. verunglimpft zu werden. obwohl sie lebenswichtig sind«. Insgesamt rund 775 000 Euro gibt es vom Staat. Problematisch sei vor allem der produktbezogene Bereich. wann und was im Einzelfall an die Öffentlichkeit darf. Dem Vorwurf. Nächsten Monat soll es laut Janina Löbel trotzdem losgehen. die davon ausgingen. Daraus machte er in einer Stellungnahme für den Verband BLL auch keinen Hehl. Bis endgültig klar ist. sondern auch zum Bestandteil von Auseinandersetzungen und Interventionen gemacht würden.

. Heute wird zuerst versucht. sich mit ihm Kanal geschlossen richtendienst dahintersteckte. darunter knapp ein Drittel knüpfen konnte. antwortet Beckmann auf die Frage.auch potenziellen Angreifern verraten. ob sich Beckmann auf seinem Posten halten kann. den die Revisoren von MDR und ZDF verfasst haben. als seine Firma trotz der zusätzlichen Einnahmen auf die Insolvenz zusteuerte. Dass Tanhäuser erst im September für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden war. Die Nummer zwei im Kika. »Dieser Schriftverkehr sei dem Redaktionsleiter im Zeitraum Ende Oktober bis Anfang Dezember 2010 aber aus einem Ordner in seinem Büro entwendet worden. berichtet Zitting. weil sie leichter Vertrauen formationssicherheit bei HvS Consulting. Leiterin des Wirtschaftsschutzes beim an der Tischkante wahrnehmen. Und das werken sind Umwege beliebt: »Die Kriminellen gilt allgemein mit steigender Tendenz. Wer die 2.24 Euro. haben sechs mit Sozialen Netzwerken zu tun«. Ein Teil des Geldes ging an K. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Brot und Spiele Millionenbetrug beim Kinderkanal: Die beteiligten Sender streiten VON ANNA MAROHN E Kika-Star Bernd das Brot musste für Scheinrechnungen herhalten inmal im Jahr verleiht der Norddeutsche Rundfunk intern den Sehstern. Mitarbeiter in SchlüsAls der neue Partner die Ge. Bei ARD und ZDF verweist man lieber auf die Fahrlässigkeiten des MDR. Weil er seiner Exsante und hochdotierte Stelle Kommilitonin vertraut hatte. Eine gern angezapfte QuelUnternehmen ist auf die Bekämpfung von In. Dort hielt man fest.beruhenden Spionageangriffe sind.« Knapp ein Drittel spräch. der Dax-Konzerne.« Im November 2007 habe außerdem ein Kika-Mitarbeiter über eine mit ihm befreundete Casinomitarbeiterin von den Spielgewohnheiten des Herstellungsleiters erfahren. Die Geschäftsidee war uns die Hände gebunden. sagt die Verfassungsschützerin. Der Mann Wettbewerber oder ein Nachüberredete sie. Da erscheint es fast anbieter Kaspersky. Programmgeschäftsführer Beckmann wurde damals ebenfalls informiert und soll geantwortet haben: »Ich kenne Marco. dass mit dem Gewinn am Ende Gutes getan wird.für Forschung und Analyse beim Virenschutzmationen einzuholen. zuvor hat er acht Jahre lang in Erfurt die Geschäfte für den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal geführt. Als Freund eines sind sich die Fachleute in dieser Frage einig. garniert mit ein paar launigen Worten. erklärt Sicherheitsgerissen die Recherchen mit den Mitteln des Web forscher Stefan Tanase von Kaspersky. »Damit ist ein fingiertes Bewerbergetappte sie endgültig in die Falle. Das hatte ein Revisionsbericht von ZDF und HR ergeben. ein Mann bei ihr. Die Wirtschaft reagiert inzwiwurde. und daviele deutsche Großunternehdurch einen privaten Kontakt men. nehmenssystemen zu schließen. Tisch landete und bei dem unlautet die Einschätzung der Verklar ist. sagt Costin Raiu. »Geheimdienste und Konkurrenzfirmen gehen nach dem gleichen rinnen erinnert. sei im Jahr 2010 103-mal zu Besuch gewesen. dass diese Netze auch vom zweitältesten ven Auskundschaften schreiben die Kriminellen Gewerbe der Welt für seine Machenschaften ge. erklärt Raiu.für Sie.le sind laut Sicherheitsberater Hochenrieder auch dustriespionage spezialisiert und zählt die im die Einträge von IT-Experten. bei dem die Fehler beanstandet wurden – Marco K. Seite. liest sich das anders. Der bei einem bige aus der Firma ausgebootet Sozialen Netzwerken – Softwareentwickler beschäftigte worden. Marco K. zeigt ein Fall aus Berlin. Dummerweise beauftragte der MDR mit der Verbesserung der Kontrollen aber denjenigen. Fragen aber zunehmend merkwürdig vorkamen. der im Zuge der Affäre »ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens sein Amt zur Verfügung stellte«. »Wir prüfen die Vorgänge und behalten uns Schadensersatzansprüche in alle Richtungen vor«. Montage: DZ S oziale Netzwerke eignen sich gut. Die Gründerin be.die Abwehr gegnerischer Nachrichtendienste. Allerdings muss man fairerweise sagen. der Hintermänner dieser Aktionen und der darauf an die erfolgreiche Romeo-Masche von DDR. sagt Hahn. unter Einrechnung der Gewinne. Viel floss an den Geschäftsführer der Koppfilm. die wir pro Jahr bearbeiten. Beschäftigungen vor der NDR-Zeit könnten arbeitsrechtliche Maßnahmen grundsätzlich nicht begründen. Sie führen bis zu 80 Prozent an die Länder und Kommunen ab. sehr private oder berichtet Michael Hochenrieder.s Komplizen bei den Firmen. In dem etwas trockeneren Teil des Revisionsberichts von MDR und ZDF. Bei der Kontaktaufnahme in Sozialen NetzSoziale Netzwerke an die Informationen zu kommen«. Direktor takte zu schließen – und persönliche Infor. Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu VON ULRICH HOTTELET Foto: interTOPICS.30 12. Und die Frage.0 betrieben werden. Den Gebührenzahler tröstet vielleicht die Information der Westspiel Casinos. Im Bericht. trennte zwischen Beruflichem und Privaten kaum. »Ich habe bei dem Herstellungsleiter in keinster Weise Verdacht schöpfen können«.nicht klar. der nicht vom Zocken in Casinos und der Übergabe von Geld in DVD-Hüllen handelt. um Kon.fachliche Foren gefragt. die in Fachforen nach Dax gelisteten Konzerne und den gehobenen Tipps fragen. die 700 000 Menschen in ihrem Engagement unterstützt. Es ging um seine Vergangenheit beim Kinderkanal. er habe dabei vorzugsweise an einem Hyperlink-Automaten mit einem Einsatz von 40 Euro gespielt und pro Woche zirka 20 000 Euro verdaddelt. die automatisch die Profile nutzt und missbraucht wird: der Spionage.zutage Soziale Netze«. Berater für In. gab es keine Konkurrenzschutzklausel. die das nicht beurteilen konnten und teilweise auch nicht berechtigt waren. Das schaffen«. so Zitting. sagt Heike Schreibtisch sehen. und »die Firma lief richtig gut«. sich selbst. ob er etwas von der Spielsucht gewusst habe. Der auch um Spionage Mann wurde von einem angebInhaber des ursprünglichen Un. wie der MDR in einer Pressemitteilung schrieb. Eine Frau hatte nach dem gemeinsamen Hoch. über Ausspähung der Konkurrenz. in dessen Verantwortung der Kika fällt. Herstellungsleiter Marco K. was Beckmann gewusst habe oder fahrlässig übersehen. lässt sich oft Spionen gegenüber Bonner Ministerialsekretä. für gelungenen öffentlich-rechtlichen Journalismus zu feiern. Als möglicher Nachfolger wird Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz genannt. Wie viel diese gesichtswahrende Lösung den Gebührenzahler gekostet hat. »der erst sehr Aus Sicherheitsgründen haben nett schrieb«. und konkrete Änderungsvorschläge wurden gemacht.« Zur anschließenden Unterredung traf man sich in einem Hotel. wenn sie die Zielperson anschreiben«. dass sie damit diese Lücken ungewollt nalität. sagt Zitting. Wie durchforsten und analysieren. Irgendwann meldete sich schen auf die Bedrohungslage. Die Ansprache sei in diesem Umfeld ein bisschen befremdlich gewesen. selbstständig zu machen. die diese Rechnungen ausstellten. »Sie ist in ihrer Ein Beispiel. Er brachte das System durch eine Selbstanzeige im Herbst zu Fall. von ihrer Firma. bei dem etliche Millionen Euro veruntreut wurden. Damals wurde auf die Schwachstellen im Kontrollsystem von MDR und Kika hingewiesen.der DAX-Unternehmen selpositionen haben oft Profile schäftsdetails und den Kunden.sperrt den Zugang zu auf Businessportalen wie Xing stamm kannte.Muster vor«. ob ein ausländischer fassungsschützerin. NDR-Justiziar Werner Hahn betont hingegen. Abhilfe ist schwierig: »In vielen Fällen sind schulabschluss mit einem Studienkollegen ein Unternehmen gegründet. um Sicherheitslücken in ihren UnterMittelstand zu seinen Kunden. hat über diese Summe Scheinrechnungen bezahlen lassen. So wurde etwa beanstandet. Frank Beckmann hat sich bislang nur einmal öffentlich zu der Sache geäußert – in seinem eigenen Programm bei Zapp. Zu den großen Profiteuren des Betrugs gehört auch das Spielcasino in Erfurt. Dafür mitverantwortlich war MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser. auf die im Onlineprofil der Firma verwiesen nicht für die Spionage durch Firmen zuständig. Die Veranstaltung ist für den Sender eine gute Gelegenheit. Auch sein Nachfolger als Programmgeschäftsführer bemerkte den Betrug nicht und wurde dafür bereits abgemahnt. »Alle gezielten Attacken nutzen heut. Um ihn verhaften lassen zu können.« Zittings ProBerliner Verfassungsschutz. Beide Unterneh. In Thüringen ist das die Ehrenamtsstiftung. musste ihn der MDR aus einem Las-Vegas-Urlaub mit einem Freund und Mitarbeiter holen. Beckmann ist seit Ende 2008 in Hamburg beim NDR. und wenn Sie meinen neu. sagt Zitting. so ist er nun mal. steht: Schon 2009 waren Rechnungen aufgefallen.blem: Rechtlich ist der Verfassungsschutz nur für schrieb die Dienstleistung auf ihrer Facebook. Falsche Freunde Ideen klauen. dürfte die Sache aber teuer gemacht haben. von einem Freund der Zielwenn es keine offiziellen Statistiken dazu gibt. die nicht ordentlich geprüft worden waren. person akzeptiert zu werden. Da dem Mann die men existieren noch heute. In diesem Jahr eröffnete Fernseh-Programmdirektor Frank Beckmann die Veranstaltung mit einer Verteidigungsrede in eigener Sache. dass Mitarbeiter die »Sachlich richtig«-Abzeichnung vornahmen. Beim NDR debattieren die Mitarbeiter nun. Marco K. sei die Gutgläuoder LinkedIn. der der Information jedoch nicht nachging. will der Sender mit Hinweis auf vereinbarte Vertraulichkeit nicht preisgeben. »Von Freundes wirken sie dann viel vertrauenswürdiger. Auch versuchen zunächst. Dabei wurden zum Beispiel Aufträge für Trailer oder Onlineseiten gefälscht.nur schwer ausmachen. Der vorläufige Gesamtschaden beläuft sich auf 8 183 815.vorzubeugen lichen Headhunter angeschrieternehmens musste alles machtlos ben: »Wir hätten eine interesmit ansehen.« An Skatrunden bei seinem Mitarbeiter zu Hause hat Beckmann auch schon mal selbst teilgenommen.sogar Programme. der dabei war. werden Sie meine Bissspuren Zitting. Offensichtlich handelte es sich um vier Jahren. Oft scheint ihnen Noch höher ist die Quote in der Cyberkrimi. Zum schnellen und effektilogisch. Nach Angaben eines Kika-Redaktionsleiters soll es schriftliche Memos an die Programmgeschäftsführer gegeben haben. das auf Zittings Naivität darauf hereingefallen«. Bei den Tätern sind oft »kleine. dass er dabei trotzdem nicht besonders gut wegkam.. sagt ein Mitarbeiter. rund 50 Fällen. »Ich beobachte das Ausspähen von Profilen durch beendete er das vermeintliche VorstellungsKonkurrenzfirmen und Nachrichtendienste seit gespräch. den Zugang Später erzählte ihm die Frau zu Facebook oder ähnlichen bei mehreren Treffen noch mehr Plattformen gesperrt. die damit wichtige gesellschaftliche Projekte fördern. Er unterrichtete damals den Redaktionsleiter. Normalerweise. Der Fall steht exemplarisch für den Trend.

Aber die Wahrheit ist womöglich eine ganz andere als diejenige. Stephanie Pilick/AP (v. Zumindest die Demokraten aber scheinen den Klägeranwälten eng verbunden zu sein. der eine Sammelklage gegen ein Unternehmen erfolgreich durchsteht oder einen Vergleich erzielt. um die Grenze zwischen Börsenschwindel und Fehlspekulation zu ziehen. Wer sich Gerechtigkeit erhofft. Die schnelle Ruhe hatte freilich einen hohen Preis. Geduld ist die Tugend enttäuschter Aktionäre. dass man damals weit weniger vom Kapitalmarkt verstand. ihr Recht überhaupt erst zu beanspruchen. Dabei trieb die in Wahrheit oft nur die Gier. oft über Jahre und Ländergrenzen hinweg entstanden. Nach mehr als zehn Jahren Kampf kommt es auf ein paar Tage nicht an. alle Dokumente. Die Fälle. um die Causa Telekom zügig abwickeln zu können. sich einzugestehen. Selbst im Fall einer Niederlage müssen sie nicht einmal ihren eigenen Anwalt bezahlen – denn mit dem haben sie typischerweise ein Erfolgshonorar vereinbart. Krug tat etwas. die amerikanische Laienjurys in solchen Fällen gern zusätzlich anordnen. Zwischen 10 und 20 Prozent bekommt normalerweise ein Rund 800 Anwaltskanzleien mischen in dem Verfahren mit In den Vereinigten Staaten gibt es solche Mammutverfahren viel häufiger. wo es Massen gibt. sondern auch in der Abwicklung von Gerichtsprozessen unterscheiden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 31 103. Das kann nur schiefgehen. Kläger können sogar mehr verlieren als gewinnen – was viele abschreckt. wird enttäuscht werden. und im Jahre 2007 entschuldigte er sich schließlich dafür. die dort class actions heißen. Man kann den Kampf ums Recht folglich als Geschäft begreifen. Der Schauspieler gab der Privatisierung des Staatskonzerns ein Gesicht und buhlte um das Geld der Massen. weil ihre Aktien dort gehandelt wurden. Sie sind Ausdruck einer globalisierten Wirtschaft. gesetz sollte ein wenig amerikanische Effizienz in die Zivilprozessordnung bringen und anhand eines exemplarisch ausgewählten Musterklägers bürokratischen Wahnsinn verhindern. riskiert schlimmstenfalls auf mehr als 8000 Euro Kosten sitzen zu bleiben. Anwaltsverbände und Juristenorganisationen zur Modernisierung der europäischen Sammelklage. müssen neu katalogisiert werden. Erpressungspotenzial und enorme Kosten auf der einen Seite. gründlich zu recherchieren und komplizierten Wirtschaftsfällen bis ins Detail nachzuspüren. ein schlechtes Anreizsystem und lange Ver- fahrensdauer auf der anderen: In den USA wächst ebenso wie hierzulande die Unzufriedenheit beim juristischen Umgang mit Massenschäden. die das Frankfurter Oberlandesgericht nun versucht aufzuklären. wie hoch der individuelle Schaden gewesen ist. Das hält nicht dazu an. Diesen Teil der Wahrheit ans Licht zu bringen überfordert jedes Gericht. klagten rund 17 000 einst stolze T-Aktionäre auf Schadensersatz. Es war einmal. Nestor Bachmann/dpa. versprach Manfred Krug im Werbefernsehen. Aktien der Telekom empfohlen zu haben. sondern mit einem Geschäft zwischen den Beteiligten: Wichtiger als die Frage.9 Milliarden Dollar als Verteidigungskosten ein. Oder als Suche nach der Wahrheit. was ihnen Kapitalmarkt und Selbstüberschätzung genommen haben.57 € 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Der Zorn der siebzehntausend Das Urteil zum Börsengang der Telekom fällt bald. Finanzminister Theo Waigel (rechtes Bild in der Mitte) 15. als solche hochkomplex und von Einzelnen kaum zu durchdringen. was Tausende andere noch nicht getan haben: Er setzte sich mit seiner Verantwortung während des größten deutschen Börsenversuchs auseinander und machte seinen Frieden. Und so mischen – vertreten von rund 800 Anwaltskanzleien – auch die übrigen Kläger munter mit in dem Musterverfahren. Das erledigen dann Scharen von Anwälten in teils monatelanger Arbeit zu Stundensätzen von mehreren Hundert Dollar. als man zu verstehen glaubte. Diesen Musterfall klärt demnächst das Oberlandesgericht: Ein süddeutscher Pensionär hatte ein Vermögen mit T-Aktien verloren. entsprechend schwer tut sie sich damit. die zehntausendfach ein unzureichend getestetes Medikament schlucken. Vorstandskorrespondenz. der die Telekom gegen die Aktionärsstreitmacht verteidigt. sein Anliegen einem Richter vorzutragen. Für den Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz. Weil ein Rechtsstreit so teuer werden kann. sich mit einem Fall so lange aufzuhalten. Das Prozesskostenrisiko bei Massenverfahren beträgt wegen der Gerichts. Merck beendete den Fall außergerichtlich. dass die Sache längst erledigt gewesen wäre. so wie die Deutschen. 5. etwa bei document discoveries oder den Anwaltshonoraren. Damals galten T-Aktien noch als Volksaktien. und die Aussichten schienen rosig. Eine neue Aktienkultur sei entstanden. Wer mit Telekom-Aktien 5000 Euro verloren hat. Bei Bilanzfälschung oder unterschlagenen Nebenwirkungen von Medikamenten werden Konzerne regelmäßig mit Sammelklagen konfrontiert. Oder als Anleger. Die Kommissare Viviane Reding und Joaquín Almunia erwägen.l. Derartige Massenprozesse sind vergleichsweise neu für die deutsche Justiz. irgendwo zwischen Spots für Waschmittel und Tütensuppe. Die Anwälte bemühen sich. Das birgt grundsätzlich das Risiko.) . Tatsächlich waren es wohl nicht die fragwürdigen Detailangaben im Börsenprospekt. Schauspieler Manfred Krug. die europäischen Ansätze für Massenverfahren zu reformieren – an amerikanischen class actions wollen sie sich dabei ausdrücklich nicht orientieren. haben Wissenschaftler bei einer Evaluation des neuen Gesetzes ausgerechnet. Damit kann ein Unternehmen gezwungen werden. Dann will das Oberlandesgericht in Frankfurt entscheiden. dass jeder einzelne Kläger denselben Fehler im Börsenprospekt hätte nachweisen müssen. manche alles. Angesichts solcher Summen kann es sich lohnen. und ein Jahrzehnt reicht offenbar immer noch nicht aus.22 € VON MARCUS ROHWETTER D ie Telekom geht an die Börse. werden alle etwas gemeinsam haben.11. wenn sie sich eigentlich nichts vorzuwerfen haben. und damit war die Sache erledigt. Kleinanleger hoffen auf Entschädigung – die Justiz ist mit solchen Riesenprozessen überfordert Stand am 10.n. Prozesse gut und schnell zu führen. wer das Börsendebakel letztlich zu verantworten hat. Das Ergebnis dürfte in einigen Monaten veröffentlicht werden. dürfte es der Fall seines Lebens sein. Ursprünglich sollte das Sondergesetz nämlich zum November 2010 wieder außer Kraft getreten sein. wird wohl Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen. Irgendwann wird die Verteidigung extrem teuer. Doch während man hierzulande noch viele Jahre lang weiterprozessieren dürfte. ob die Deutsche Telekom beim letzten ihrer drei Aktienverkäufe im Jahre 2000 massenhaft Kleinanleger getäuscht und um Teile ihres Vermögens gebracht hat. »und ich geh’ mit«. 2011 um 17 Uhr 11. dass man sich lieber vergleicht. sind ökonomische Rechnungen. dass die Parteispenden der 110 bedeutendsten Klägeranwälte sowie ihrer Dachorganisation ATLA im vergangenen Jahr zu rund 97 Prozent an die Partei von Präsident Obama flossen. Es ist gut möglich. Bis auf Weiteres. Der Washington Examiner hat herausgefunden. liegt an der deutschen Verfassung. die sich leicht lenken lassen. Doch Brüssel dürfte mit dem Binnenmarkt argumentieren: Grenzüberschreitender Streit braucht ebensolche Regeln. plante er dafür vorsorglich die Riesensumme von 1. Arbeiter und Angestellte zu Börsenfans. Das Parlament muss gehofft haben. Die Betroffenen sind aber meist Laien – ob als Patienten. Die meisten anderen hoffen auf die nächste Woche. und deswegen wackelt auch der Termin in der nächsten Woche. Zu Recht? Bald wissen sie mehr. Der Mann will darüber nicht öffentlich reden. Warum geht das dort so schnell? Und warum dauert es hier so lange? Weil sich Deutschland und die USA nicht nur bei der Aktionärskultur. denn das Zivilrecht ist Sache der Mitgliedsländer. Zur Wahrheit gehört aber auch. Vor allem die bei Klägeranwälten beliebte document discovery lädt zum Missbrauch ein. die zukünftig Sammelklagen provozieren. Sitzungsprotokolle. Reichlich Stoff also für viele weitere Prozessjahre. Wer unterliegt. die Volksaktie weckte Volkszorn. Lange Zeit grübelte Krug. Dass sich der Fall so hinzieht. die auch unbedarfte Anleger damals zum Kauf der Papiere animierten. Politisch ist das Thema gleichwohl heikel. Im Fall der Telekom wären das also bis zu 24 Millionen Dollar Anwaltshonorar gewesen.r. und seine Anwälte von der Kanzlei Tilp aus Kirchentellinsfurt schotten ihn von den Medien ab. Weil aber der Konzern im Börsenprospekt falsche Angaben gemacht haben soll. Der Kurs der Papiere fiel von 66. Doch zwischenzeitlich wurde die Laufzeit um zwei Jahre verlängert. der deutsche sucht Gerechtigkeit im Einzelfall. die scharenweise Problemaktien erwerben. In den USA wird schnell geklagt.1996 Sie schufen einen Börsenalbtraum (v. Der amerikanische Ansatz führt zu ökonomischer Effizienz. Auch die T-Aktie ist dort längst kein Thema mehr. Wie praktisch alle class actions endete auch die gegen die Telekom nicht mit einem Urteil. In Deutschland sind die Anreize andere. weil Kläger kein finanzielles Risiko tragen. dass Unternehmen auch dann zahlen. Nun soll Justitia den Anlegern zurückgeben. Sparbuchfetischisten wären zu besonnenen Investoren gereift. schloss der Konzern in den Staaten bereits 2005 einen Vergleich: Er zahlte 120 Millionen Dollar. Die deutsche Methode könnte künftig stärker von Brüssel geprägt werden. 3. Viele verloren vieles.50 Euro auf heute gut 11 Euro. so wie es die Amerikaner tun. Das Kapitalanleger-Musterverfahrens- Fotos: Bernd Kammerer/AP/ddp. herauszurücken und auf eigene Kosten neu aufzuarbeiten. Das Grundgesetz garantiert jedem das Recht. Zwischen Februar und April befragte die EU-Kommission Regierungen. Vertragsentwürfe. Testergebnisse und viele Papiere mehr. Die Begeisterung für die T-Aktie machte damals Hausfrauen und Rentner. Zugleich endet ein gewaltiges soziales Experiment: Nirgendwo sonst lässt sich die deutsche Einstellung zu Chance und Risiko besser beobachten als am Börsengang der Telekom und seiner juristischen Aufarbeitung. Denn selbst nach der Entscheidung der Oberlandesrichter wird die Sache noch lange nicht vorbei sein. l.WIRTSCHAFT höchster Stand am 6. müsste allerdings noch in jedem der 17 000 Einzelverfahren geklärt werden. Deswegen wurde die Entscheidung in der Vergangenheit immer wieder vertagt. Jurist.50 € Start am 15. Ihr Honorar bemisst sich in der Regel am Streitwert der einzelnen Klagen und ist damit oft viel niedriger als das ihrer amerikanischen Berufskollegen. weil sie extrem viel gewinnen können. hieß es damals. wie so oft bei juristischen Auseinandersetzungen in den USA. Der bedeutendste Massenprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte erreicht nun seinen Höhepunkt. Dabei hatte Deutschland eigens ein Gesetz geschaffen. Vom eigentlichen Schadensersatz war da noch nicht einmal die Rede – und auch nicht von den möglichen Strafzahlungen. die für den Fall relevant sein könnten. 2000 12. Wichtige Änderungen. Etwa den. Wenn die Entscheidung aber kommt und die Telekom tatsächlich zu Schadensersatz verurteilt werden sollte. Eine Sammelklage in den USA war nach wenigen Jahren erledigt In den Vereinigten Staaten wäre es undenkbar. Die Telekom wurde nach ihrem Börsengang auch in den USA verklagt. dass der Termin der Urteilsverkündung noch einmal verschoben wird. Ein Beispiel: Als der USPharmakonzern Merck wegen seines Schmerzmittels Vioxx vor einigen Jahren mit einer Sammelklage konfrontiert war. könnte nur der amerikanische Gesetzgeber vornehmen. machen Eingaben und stellen Ergänzungsanträge. Für Anwälte ist es zudem oft nicht attraktiv. sondern die Werbung des privatisierten Staatskonzerns und die gezielt geschürte Masseneuphorie.): Ex-TelekomChef Ron Sommer. Masseneuphorie kann nur dort entstehen. sich in komplizierte Wirtschaftssachen einzuarbeiten.und Anwaltsgebühren mehr als das Eineinhalbfache des geforderten Schadensersatzes.

bekommen sie höchst qualifizierte Leute zu einem immer noch sehr guten Preis«. neue Jobs etwa durch öffentOperating Manager Tunesien liche Infrastrukturprojekte zu Tunis Bizerte von Leoni.5 IMPORT zielle Not und die Enteignisse ließen sich nicht Handelsdaten von 2010. wo es zuletzt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Gegnern der Übergangsregierung kam und sich bereits mehr als 50 Parteien für die Wahlen zu der wegen der Unruhen nun unsicheren verfassungsgebenden Versammlung im Juli registrieren ließen. Gefahr für den Übergang zur Demokratie«. Sie bevölkern dort die Straßencafés.« Und die Forderung nach Lohndem Arbeitsplatz zählt ein Computer die fertigen erhöhungen? »Sie müssen sich entscheiden. dass Revolution wie ein Kinder- spiel erschien.0 einer Werkshalle sei daher Wirtschaftswachstum in Prozent*: mit Gewerkschaftern und 1. in der Lobby eines Nobelhotels in Tunis ein Bewerbungsgespräch mit einer jungen Ingenieurin beendet. das Hotel werde »in Kürze« wieder den Betrieb aufnehmen. der keine wirtschaftliche Neben. »Aber wer nur über Geld spricht. Der Tourismussektor. Schätzungen Buazizi ihren Ausgang nahm. als die PLO von Jassir Arafat ihren Sitz noch in der tunesischen Hauptstadt hatte. dass er grundsätzlich Ausländische Investoren offen sei für den Standort. Die ErSorge geht um. das Gerücht um. Wandzeichnung des Ex-Diktators Ben Ali in einem Souk in Tunis Foto: Jonathan Alpeyrie/Polaris/laif Vor knapp vier Monaten triumphierten in Tunesien die Menschen über die Diktatur. Sidi Bouzid. Doch der Neuanfang nach 23 Jahren Diktatur in Tunesien ist nicht so entspannt.1 es war schon zu spät. ist Claude Cheneval überzeugt. Néji Mhiri. Trotz sechsjähriger Berufserfahrung. in Mrd. machte sie das Hotel lieber zu. abschlüssen in Mikroelektronik und Qualitäts»L’Union fait la force« steht auf den Kitteln der sicherung war der 30-Jährige ein Jahr lang arbeitsArbeiterinnen. arbeiten für den Ableger der portugiesischen anderen die für den VW-Konzern. Industrieminister der Interimsregierung. sagt Cheneval.32 12. dass finanTunesien EU 9.« Besuch in Bizerte. dass da mal was war. belangt hat. Dass ihm hervorragende Beziehungen zu Ex-Diktator Ben Ali nachgesagt werden.Polizei seinen Gemüsekarren konfisziert hatte. Die Direktion des Hauses wenige Meter neben dem Innenministerium auf der Prachtstraße Avenue Habib Bourguiba hat Hunderte internationaler Konferenzen organisiert und diskret auch so manches Geheimtreffen.mindestens sechs Jahren im Betrieb arbeiten. Auch Mohamed Eines der ausländischen Unternehmen. die aufgrund ihrer langjährigen Armehr die Flexibilität. das schaffen. Diktator Sein al-Abidin Ben Ali war so schnell und leicht vertrieben. Ein Teil der 6000 an die Felsen. für mehr Geld und eine 40-Stun.Partei Ennahda bei der Wahl am 24. Das sind etwa 30 Prozent der abhängig beschäftigten Arbeitnehmer. waren die Pro.an einem Obststand arbeitet oder ein ausgebildeter duktionsstätten ausländischer Betriebe praktisch. Vor allem wird befürchtet. um ihre neue Freiheit zu genießen. ist aufgrund der ausbleibenden Urlauber gelähmt. der Tunesien in den vergangenen Jahren als Billiglohnland in Europas Nähe schätzte. Gerade hat der französische Unternehmensberater. und dass auf dem Mittelstreifen ein Panzer steht und keinen Meter neben der Kaffeetasse Stacheldrahtrollen aufgetürmt liegen.« »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine Rund 600 000 Menschen arbeiten in Tunesien große Gefahr für die Demokratie« für Offshoreunternehmen. Abnehmern glänzend.« So wird auch in den neuen Zeiten.Einwohner in Millionen: duktionsstandort zu begrei14. stehen lediglich 60 000 bis 65 000 den Umsturz mit seiner Hilfe verhindern. Den 85 000 bis 90 000 Er beschäftigt in Tunesien 13 000 Mitarbeiter. Und so mancher ausländische Investor. 200 Beschäftigte. aber immerhin. wie Directrice die in den vergangenen Wochen illegal nach Italien Lurdes Silva sagt. Die jungen Leuten. dem hat der Arbeitgeber bisher nichts anderes geboten. binnen fünf Jahin Sidi Bouzid eröffnen«. noch um 10 Prozent steigen soll. »Ein Volk. »Das müssen wir schon deshalb übersetzten. sagt Sonia Ben Salid. Arbeitslosigkeit in Prozent*: fen. auf der Frauen.4 täten gewährleisten muss. dass Tunesiens Wirtschaft dieses Jahr um lediglich 1. Finanziert werden ist jene Stadt im verarmten sollen diese unter anderem Sousse Landesinnern. die jedes Jahr Schule oder HochEntourage des Diktators glaubte sogar. Der Chef persönlich kam aus Portugal seiner Qualifikation. Schon geht Werksgründung kommt. Die EXPORT 11. warnt Dabei läuft das Geschäft von Leoni und seinen Tunesiens Zentralbankchef Mustapha Kamel Nabli. der sich selbst anzündete. Das habe Marke Isabel Marant. ob Tunesien auch ein wirtschaftlicher Aufbruch gelingt. weil die Bezahlung dieses Jahr Einer von ihnen gehörte zu den jungen Tunesiern. sondern wegen der Revolution.« Mehdi Rouis muss da nicht lange überlegen. mahnt Ayed. ließ der Inhaber. lässt sich von einem Unternehmer nicht Sousse arbeitet auch samstags. meist cedes-E-Klasse und die BMW-3er-Serie. dass die zufriedenheit Profit schlagen könnte. die schon seit stehen bei Neonlicht in den Hallen einer ehemali. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WIRTSCHAFT Streiken und pokern Das Leben geht weiter. dass der im benachbarten Algerien. Oder genauer: wegen der neuen Offenheit. dem nördlichen Ende Afri- kas. Maximalforderungen von heute streikenden Arbeitnehmern hätten auch mit Jahrzehnten des erzwungenen Schweigens und völliger Unerfahrenheit mit Tarifverhandlungen zu tun. Ein erbitterter Arbeitskampf hat zur Schließung des Hotels geführt. An je. wissen.und Fortbildung. zwei Masterabschlüssen zusätzlich zum Studium und einer Position als Teamleiterin bei einem Autozulieferer verdient sie derzeit lediglich 900 Dinar brutto im Monat – umgerechnet nicht einmal 500 Euro. Und nicht in der Wirtschaft. um die Einhaltung von Vorschriften gefeilscht. in der Vergangenheit mangeln lassen. Am Sonntagnachmittag kommen viele Hauptstadtbewohner gerne auf die Avenue Bourguiba. wir sollten ein Werk mit tausend Leuten digt und das Ziel ausgegeben. bei einem Wahlsieg der Operating Manager auch künftig nicht automatisch Partei einschreiten. Streiks und Straßenblockaden behindern seit Wochen immer wieder die Industrieproduktion und Anlieferung wichtiger Materialien. Er lasse sich nicht unter Druck setzen.ran halte ich mich. kritisiert er. Doch mit den Folgen der Revolution im eigenen Land wusste sie nicht umzugehen. peitscht der Wind die Wellen des Mittelmeers für 2011 deutlich angehoben. weil auch die Preise für Lebensmittel und andere Waren steigen. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus. das in Bouazizi. Auch sie los. Minister für Internationale Zusammenarbeit und Interims-Finanzminister Jalloul Ayed hat einen Ausländische Investitionen hat mich angerufen und »Marshallplan« für die arbeitslose Jugend angeküngebeten. kümmert niemanden. Das Fünfsternehaus im Zentrum von Tunis ist nicht wegen ein paar Umbauarbeiten abgesperrt. Ebenso wichtig sei aber die Wertschätzung der Mitarbeiter etwa durch Investition in deren Aus. Auch die Übergangs. Demnächst Die kostenlose Überlassung Inflationsrate in Prozent*: will die Regierung Gespräche 4. Die Tunesier wollen sich auch von Unternehmern nichts gefallen lassen Fast immer geht es dabei um die Höhe der Löhne und die Umgehung des Arbeitsrechts mithilfe von Subunternehmen oder anderen Tricks. sie könne schule verlassen. Mittelmeer zufolge entzogen der ExAm Telefon in seinem Büro TUNESIEN Diktator und seine Familie im Industriegebiet des Küsder tunesischen Wirtschaft tenortes Sousse signalisierte ZEIT-Grafik ALGERIEN LIBYEN jährlich rund zwei Prozent Rouis dem Minister tags 200 km des Wachstums. die einen gewissen Organisationsgrad verfügt. bevor er 2009 den Job als Vorarbeiter bei haben gestreikt. sagt Rouis. Juli aus Unregierung geht jedoch fest davon aus. Ein Schild an einer weißen Metallabsperrung vor dem Haus verspricht. die durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben angelockt wurden. Nur Haken an den Wänden erinnern noch die unter Ben Ali verbotene islamisch geprägte daran. beiten.6 schaftlichkeit seiner Aktivi. dass ein Jurist mangels adäquater Alternativen Unternehmensgründungen von Gunstbezeugungen als Verkäufer für einen Mindestlohn von 280 Dinar der Antragsteller abhängig machte. Seither ist erst kollegen von mir haben bis heute keine Arbeit. die Militärs könnten. das Unternehmen die WirtTunesien als billigen Pro10. hätten wir nicht Gruppierung. die wir als Unternehmen beit im Londoner Exil über Parteistrukturen und brauchen.2 Prozent sei allein im ersten Quartal die Industrieproduktion gesunken. »Wenn die Arbeitgeber ein bisschen was drauflegen. Blusen für Trussardi Jeans er den streikenden Mitarbeitern versprochen. Ennahda ist nach dem Verbot nach vier Jahren unbefristete Verträge gewähren der früheren Regierungspartei RCD die einzige muss. ob wir Stücke. Am Cap Blanc. saß ein Universitätsdiplom. Tunesien in Zahlen . Als Kompromiss Textilfirma Petratex. ist der Nürnberger Kabelhersteller Leoni. wie 1992 betont Rouis.Abitur. Er pokert. Auf der einen Seite mehr alles gefallen«. macht den Arbeitskampf zusätzlich brisant.« einmal Ruhe – auch. darauf. deren Einkommen aufGoldtex bezahlt besser als so manches andere Tex. wie er aussieht. oder mit 3000.« Inzwischen hat Rouis die ZEIT-Grafik/Quelle: GTAI schaftliche Entwicklung den zu Diktaturzeiten obligapolitischen Neuanfang getorischen Fotos von Ben Ali im Werk abhängen fährden könnten. Doch ein wirtschaftlicher Aufbruch steht noch aus VON KARIN FINKENZELLER D as Hotel Africa ist geschlossen. Ihm gehören rund zehn Prozent der Hotelbetten in Tunesien sowie ein Möbelimperium.Mitarbeiter im tunesischen Leoni-Hauptwerk in trieben hat. So kann die Zentrale in Portugal ohne Zeit. wie er sagt. Der Automobilzulieferer hat Leuten wie ihm graut schon vor den Schlagzeilen seinen Konzerngewinn im ersten Quartal mehr als im Ausland. ob er sich nach einer neuen Werkbank umsehen muss. Für 75 Prozent der Schulabgänger in Tunesien haben Diktator Ben Ali. Vier Monate nach der Jasmin-Revolution ist unklar. Um 12. unbegen Schokoladenfabrik T-Shirts für die französische fristete Verträge bekommen. Die Aufgabe entspricht zwar nicht den-Woche.3 Prozent wachsen wird – nach 3.und Gewinnprognose Kraft aus den Wahlen hervorgehen. Daran hätten es viele der Offshorebetriebe. Sie ist des Hofes entstehen die Kabelstränge für die MerPersonalchefin bei Goldtex. Nichts sei entschieden.Leoni bekam. »Aber handlungen aufnehmen. fragt sich. der in den vergangenen Jahren für 10 Prozent der Wirtschaftsleistung stand. »Würden wir das umsetzen. warnt Abdelaziz Rassaâ. der seit Jahren im Land lebt und auch mit der deutsch-tunesischen Handwerkskammer zusammenarbeitet. Gut möglich. Nicht in der Politik. tilunternehmen. »Daoder Jacketts für Zara und Massimo Dutti. 48 Stunden pro Woche ent. Er machte aber auch klar. hinter denen Militärs mit lässig umgehängten Maschinenpistolen das Innenministerium vor einer Demonstration schützen. Viele studieren. sollte die Islamistenpartei als stärkste verdreifacht und die Umsatz. Euro täuschung über die wirtmehr aufhalten.sollen demnächst 480 Beschäftigte. erren mehrere Hunderttausend zählt Mohamed Larbi Rouis.7 Prozent 2010. das einen Diktator ver.hier mit 6000 Leuten und moderaten Löhnen arverzug mitlesen. nachdem die Tunesiens Wirtschaft eine größere Bedeutung er. »Studienangereist und nahm sie ins Gebet. wo die Revodurch die Privatisierung von lution mit der SelbstverbrenUnternehmen und BeteiSidi Bouzid ligungen von Ben Ali und nung des jungen Mohamed seinem Clan. »Der freie Stellen gegenüber. etwa eine Autostunde nördlich von Tunis. »Einheit macht stark«.3 eine der Voraussetzungen Unternehmern über Tarifver*Schätzung für 2011 gewesen. »Muss er ganz und gar nicht«. »Der Niedergang der Wirtschaft ist eine große zu Demokratie und Rechtsstaat führen sollen. mit der jetzt auch in Tunesiens Wirtschaft miteinander gestritten wird. Aber es ist nicht ungewöhnmacht fördern wollte und Lizenzen für einheimische lich. dass lassen. was in Nordafrika gerade passiert. tun. dass müssten aber auch aufhören. Ingenieur in einem Callcenter.gebläht werden. Dennoch sind die Löhne in Bizerte mit 450 bis 600 Dinar um 30 bis 40 Prozent Mit einem Diplom von einer der renommiertesten niedriger als in der portugiesischen Heimat des tunesischen Ingenieurschulen und zwei MasterUnternehmens. Anstatt auf die Forderung der 190 Mitarbeiter nach höheren Löhnen und der gesetzlich festgeschriebenen Entfristung der Arbeitsverträge nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit einzugehen.

das Bauwesen und der Finanzsektor auf. »Es war im Prinzip das gleiche Spiel. das Freiheitsdenkmal eit die bekannte lettische Kosmetikkette Kolonna ihre Preise um rund ein Viertel gesenkt hat. zu protestieren«.gen. um »endlich mal was Kreatives zu machen«. Inzwischen allerdings. Damit ließen sich die Preissenkungen finanzieren. sagt eine Mitarbeiterin im Rigaer Day Spa. Freuen kann sich jedoch niemand darüber. Das ser war weit drastischer als der gegenwärtige Ab. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes lag 2009 bei nicht einmal neun Prozent. Alle Zahlen Garten. Ein weiteres Beispiel für die Chancen in der Nische ist der Holzspielzeughersteller Varis. Dabei geht es darum. schon sturz. Zu Beginn der Krise gab es genau eine einzige größere Demonstration. 2010 ging es noch ein bisschen weiter nach unten. baute Amerika mit ein paar Freundinnen auf ein Netz kleiner Boutiquen in Deutschland und Skandinavien. scheint ein neuerlicher Aufschwung möglich. Getragen wird es fast einfach in den Wagen gelegt. Die daher verfügten Sparmaßnahmen summieren sich bisher auf mindestens 16 Prozent der Wirtschaftsleistung.« Fotos (Ausschnitt): Roman Koksarov/AP/ddp (u. Als dabei ein paar Fensterscheiben zu Bruch gingen. nur um als teures Importpapier wieder zurückzukehren. »waren die Letten wohl derart erschrocken. Auch im Baltikum schlug die globale Finanz. ist Schönsein in Lettland so billig zu haben wie lange nicht mehr. »Jahrelang ging es darum. sobald der Markt wieder pleitegegangen. Die konservative Regierung wurde im vergangenen Herbst sogar wiedergewählt. um seine Banken mit ZwangsversteigeWaren nach Westen zu brinrungen zurück. Der Familienbetrieb lässt in der lettischen Provinz Holzbaukästen fertigen. Örtliche Spediteure sind während der Krise te sich allerdings ändern. »Nur war die Blase. der einzigen Metropole des Baltikums. die sich in den lettische Waren wieder attrakBoomjahren von den rasant tiver gemacht. Dann aber ging es in die umgekehrte Richtung. die Löhne im öffentlichen Dienst wurden um 40 Prozent gesenkt. sich an einen hohen Lebensstandard zu gewöhnen. und ausländische Anbieter steuern in Schwung kommt. gründete Amerika vor einigen Jahren ein Modelabel. »Das geht nur mit Mühsal und Arbeit. im Boom eher dem Nachbarn Estland gleichzutun. dass die Balten in Jahrhunderten der Fremdherrschaft gelernt haben. sagt Finanzstaatssekretär Martins Bicevskis. Zuverlässigkeit und den inzwischen wieder niedrigeren Löhnen Nischen bedienen. das nicht in ausländischen Händen ist. aber auch jegliches Vertrauen internationaler Investoren in die Überlebensfähigkeit der Baltenrepublik untergraben – und noch mehr Unternehmen und Privatleute in den Ruin getrieben. Lettland ist zu klein und zu abgelegen. unverarbeitet. auf zuletzt 17. Wohnungen der Holzverarbeiter Osukalns Einwohner in Millionen: 2. ganze Familie mit preiswerDie Chancen darauf stehen tem Essen aus dem eigenen ESTLAND gar nicht schlecht. Vom Gipfel des Booms bis zum bisherigen Tiefpunkt der Krise verlor das Land ein Viertel seiner Wirtschaftsleistung und brach damit so stark ein wie kein anderes europäisches Land. Auch Varis verkauft direkt an ausgesuchte Spielwarenläden in ganz Europa. sie erinnern sich noch an den wirtschaftlichen Kollaps nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – die. Erstaunlicherweise erlebte das Land keine Unruhen.und Konsumboom. Zu zent des Bruttosozialprodukts und damit weitaus Boomzeiten war das anders. So verlässt zum Beispiel Holz das Land tonnenweise. sagt die Kleinunternehmerin Amerika. wo die Gemeinschaftswährung seit Jaheine Last. Das UnternehInflationsrate in Prozent*: –1. die Preise. allein von der kleinen ExportLITAUEN was uns gefiel. sagt Kudeiko. die sich in einem Haus am Rande der Rigaer Altstadt einquartiert hat. Ihr Besitz ist nach Ostlettland. »Die Lehre aus der Krise ist: Es gibt nicht den einfachen Weg zum Wohlstand«. das Land am Rand der EU kaum noch an. dass sie es seither nie mehr wagten. Liepaja (Libau) und Ventspils (Windau) von Transport und Transit.0 18. Allerdings errichten Industriekonzerne aus dem Ausland im Baltikum keine Fabriken. Ende 2008. Noch halten sich die ZEIT-Grafik/Quelle: Zentr. ddp (2) . dass Lettaus«. Nun war plötzlich die Frage. Lettland stand kurz vor der Pleite. Das war hart«. Anders als in Deutschland. dass es bisweilen klüger ist. damit die Wirtschaft zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren kann. verkürzte die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld und kappte die Zuschüsse an den öffentlichen Nahverkehr. bevor ich Lettland vor Beginn der Krise bei nur etwa 20 Pro.« Als die Blase platzte. nach harten Reformen und Einschnitten. versorgt jetzt die resbeginn gilt. Der Kollaps des sozialistischen Riesenreichs traf Lettland hart.WIRTSCHAFT 12. Zum Beispiel die Firma von Ginta Amerika: Ehemals Beamtin in der Rigaer Stadtverwaltung. Im Boom allerdings blähten sich vor allem der Einzelhandel. die mit Fleiß. Viele Letten hatten auch gar keine Gelegenheit. die der Griechenlands ähnelt. Mit seiner Hauptstadt Riga.6 18. Die Kosmetiker und Masseure bei Kolonna mussten Lohnkürzungen um bis zu 40 Prozent hinnehmen. Das Ende kam abrupt und mit Wucht. vom Tourismus und – wegen seiner ausgedehnten Wälder – vom Holzexport. nahm der Staat Notkredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch und beugte sich im Gegenzug dem Spardiktat der Geldgeber. Die deutlich reduzierZEIT-Grafik 100 km Viel härter trifft es hinten Produktionskosten haben gegen jene. Eine Abwertung der eigenen Währung. wo Bauholz und 23. vor allem in Deutschland. erklärt der in Riga lehrende Ökonom Morten Hansen. ruinierte die Staatsfinanzen. Während ihre Landsleute noch mit Immobilien zockten. Manchen Wirtschaftsexperten gilt Lettlands Rosskur als beispielhaft. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 33 »Das geht nur mit Arbeit« Lettlands Wirtschaft brach in der Krise ein. Für wirtschaftliche Dynamik sorgen dagegen eine Vielzahl kleiner Firmen.2 Prozent. produziert dort besser direkt.) . sagt KolonnaChefin Ieva Plaude-Röhlinger. Lettland erhöhte die Umsatzsteuer auf 22 Prozent. Papierfabriken zu errichten würde viel Kapital erfordern. Es war ein kreditfinanzierter Immobilien. auch das gibt es zu wenig«. Inzwischen arbeiten zwölf Mitarbeiter für die Firma Ameri.einen freien Lkw bekomme«. steigenden Löhnen dazu hinDas merkt zum Beispiel reißen ließen. sich dem Unvermeidlichen zu beugen und auf ihre Chance zu warten. mit aller Kraft Löhne und Preise zu drücken. Geld auszugeben. Immerhin: »Am Ende brauchten wir keine einzige unserer 40 Niederlassungen aufgeben«. Auf Knopfdruck lässt sich die industrielle Basis nicht vergrößern. Er hinterließ Zigtausende arbeitslose Industriearbeiter. und luden für die Rückfahrt die Bretter und Latten dass die Regierung mit dem Ende der Krise be.3 oder Häuser auf Kredit zu aus Jekabpils (Jakobstadt) in Arbeitslosigkeit in Prozent*: 17.ginnen werde. relativ zur Größe des Landes.und thek. mit Holzspielzeug und Ökopullis ein Land zum Wohlstand führen? Wahrscheinlich bleibt den Letten vorerst nichts anderes übrig. Und eine lands Wirtschaftsabsturz vorerst LETTLAND Kollegin fügt hinzu: »Beim gestoppt ist. »Zudem braucht es Knowhow. die Löhne. viel gewaltiger. Lettland lebte dank seiner drei Ostseehäfen Riga. der die lettische Wirtschaft hatte heißlaufen lassen. Kann man aber mit Kleinstfirmen. Die Arbeitslosenrate schnellte nach oben.und Wirtschaftskrise mit unerbittlicher Härte zu: Die Wirtschaft schrumpfte allein 2009 um 18 Prozent. spottet ein Diplomat in Riga. drei Jahren. und die Letten glaubten der Welt sehr gern. wie man spart und neue Einnahmequellen auftut. Während des lettischen Booms.1 dem Absturz meist deutlich men spürt den Wirtschafts*Ende 2010 weniger wert als die Hypoaufschwung in Mittel. Deren Verbindlichkeiten wären weiter gestiegen. Lettland in Zahlen Das verarbeitende Gewerbe zu fördern ist erklärtes Ziel der Regierung. hätte zwar den gleichen Effekt gehabt. der etwa von der Jahrtausendwende bis 2008 währte. zeigten noch alle Zahlen nach oben: das Wachstum. Allerdings fehlen 2008 2009 2010 nicht mehr regelmäßig bedieVertriebschef Juris Kudeiko nen. wo ein ziemlich starker Staat die Beschäftigten mittels Kurzarbeit und Konjunkturprogrammen einigermaßen vor der Krise schützte. die sich bevorzugt in Euro verschuldet hatten. Sogar im traditionell agrarischen Litauen liegt er weit höher. dieses Jahr scheint Riga Einkaufen schaue ich jetzt ein leichtes Wachstum wieder genauer hin. urteilt der Ökonom Morten Hansen. die Pullis und Röcke aus Lettland in ihr Sortiment aufnahmen. die Rettung der wankenden Parex-Bank.1 ten 120 000 Kredite aufgeStecklatten für Saunen und nommen. Wahrscheinlich liegt die nachgerade unwirkliche Ruhe daran. aber bereits weiter fortgeschritten ist – und die manche Beobachter als Blaupause für Athen betrachten. zahlten in Lettland überwiegend Arbeiter und Angestellte die Zeche. was im Ökonomendeutsch »interne Abwertung« genannt wird. weil es kaum Käufer gibt. nahm die Baltenrepublik eine Entwicklung. das man auch in Ländern wie Spanien gesehen hat«. Das dürf. davon kann inzwiBlockhäuser wieder stärker geschen jeder dritte die Raten fragt sind.« wirtschaft. Nach harten Reformen könnte es 2011 wieder aufwärts gehen VON JAN PALLOKAT S Blick von Rigas Kathedrale (oben). »Wir gehen weniger Ostsee deuten darauf hin.könnte auch Lettlands erklärtem Ziel helfen. Also werden alte Überlebensstrategien neu im Jahr 2014 den Euro einzuführen und es damit belebt: Die Oma auf dem Land.2 kaufen. als roher Stamm. vor allem jene. Die Welt sprach bewundernd vom »baltischen Tiger«. früher haben wir möglich. wieder Rücklagen zu bilden. Auch das Bier in den Gaststätten der Hauptstadt. die Miete für die Rigaer Wohnung. Sinkende Preise sind ein Krisensymptom. ein Café im Zentrum (Mitte). Statistikbüro Lettland nun die Lastwagen. da transportierten die niedriger als in westeuropäischen Krisenländern. des Lats. des einzigen lettischen Kreditinstituts von Bedeutung. aus denen sich Bauernhöfe oder Flugzeuge zusammenstecken lassen. »Ich Immerhin lag die Verschuldung des Staates in muss manchmal tagelang telefonieren. Lastwagen aus dem Westen Baustoffe nach Lettland Finanzstaatssekretär Bicevskis verspricht zudem. das in Lettland nicht vorhanden ist. war das dünn besiedelte Land als Teil der ehemaligen Sowjetunion einst zu einem Industriestandort aufgebaut worden.aus Jekabpils auf. Laut Statistik haben von Bruttosozialprodukt in Milliarden Euro Nordeuropa und besonders in 600 000 lettischen HaushalDeutschland. der Käse auf dem Wochenmarkt: Vieles ist preiswerter als noch vor zwei. Und wer den benachbarten russischen Markt bedienen will. Lettland machte durch.

ten zu verhindern. Sie man beispielsweise auch bestimträgen schien plötzlich mögbegründen das mit men. dass der zuständige Senat gangenen Monaten. Die Referenz bei der BeLanze erhielt eine Tabelle.zentrale Hamburg herunterlud. wie viel wurde. Erst als Lanze einen Anwalt einschaltete. Er ist verbrauVerunsicherung herrschte. Für Versicherungsnehmer wie Pia Lanze und für die Assekuranzen. Ende April hatte die Chicagoer Rohstoffbörse höhere Sicherheitsleistungen auf Silberkontrakte verlangt. weil zur selben Zeit die Tötung Osama bin Ladens diskutiert wurde). kam Bewegung ins Spiel. Nun gilt das Urteil des Land. also monatlich. um Spekulationen einzudämmen. Erst Spekulation. Versicherungsnehmer im Einzelfall ist«.splitintoone. »äußerst wenige« meldet die Continentale. auch eine »Neuberechnung des Ratenzahlungszuschlags weil die Verbraucherschützer sich auf Urteile stüt. mathematik ist das.2 % RTS: 1928 +8. eine Rückzahlung des Differenzbetrags. für zu hoch. die Ergo nennt eine monatlichen Zahlung von Pia mittlere vierstellige Zahl an Briefen und Anfragen.9 % 1. die in Wirklichkeit anders heißt. Für den Effektivzins betont heute. Denn geklärt ist die knifflige Sache noch lange nicht. Dann kamen Tränen der Angst. schicken schen einem in Verträgen ausgewiesenen Zuschlag aber nur wenige diesen Brief dann auch ab.Klauseln zu Teilzahlungszuschlägen zukünftig nicht pflichtversicherungen. Im Klartext: Wer mit Silber spekulieren wollte. sagt Rechtsanwalt Joachim die den effektiven Jahreszins in Riesterverträgen Bluhm. Es fehlt bis heute ein höchst. stottert sie halbjährAussagekräftiger ist deshalb dass in der Branche zeitweise lich. Und dafür erheben die Versicherungen einen Aufschlag. Wird die Jahresprämie gestückelt. Dass es tatsächlich ein effektiver Jahreszins von 11. Es waren die Brüder Nelson Bunker und William Herbert Hunt. stieg doch der Silberpreis binnen eines Jahres von weniger als 20 Dollar je Feinunze auf rund 50 Dollar. mit Inflations.oder Deflationsszenarien hat der Silberpreis womöglich weniger zu tun als gedacht.In einigen Fällen ging es im Kern gar nicht um den erkenntnisurteil. die Klauseln Prozent. Die Jahreszins angegeben werden. wie sie erwartet hatte. gerichts. Das war aus heutiger Sicht etwas hoch gegriffen. Denn schon einmal.17 US$/ SCHEFFEL +14. Mai 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 20 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7526 +7. Mittlerweile weiß sie. benennt den Denn auch die komplette die meisten Versicherer »echten Preis«. Es geht um Riesterverträge und Lebensver. heißt das Teilzahlung. dass sie.brief. Glaubt man den Versicherern. Sie hält den Aufschlag. vierteljährlich oder halbjährlich. Die Verbraucherzentrale Hamburg sprach einmal von 15 Milliarden Euro. »ohne Anerkennung einer Rechtspflicht«.5 % 7. die lediglich Einzelfallcharakter haben. die Hoffnung machen. Und mancher Kläger verhielt selbst etwas entschied. Neue Leben Lebensversicherung AG. denn der Silberpreis erholte sich etwas. knickte ein. dass Jahresprämien geschulabzuwenden.»Dort spielt auch keine Rolle. Der VZBV gewann 2006 vor gegen Ratenzuschläge abzutragen. Inzwischen sind sie etwas entspannter. berichteten Manager davon.diese allen anderen Gerichten zum Abschreiben streit der Verbraucherzentrale Hamburg und der vorgelegt«. rückwirkend nur den gedie Versicherer den Ratenzahihn das Bezahlen in setzlichen Effektivzins von vier lern einen Kredit oder nicht? Raten tatsächlich kostet Prozent zahlen müssen.1 % 1514 US$/ FEINUNZE +6. Es ist ein klassisches Mittel. Nicht nur Heraeus macht übrigens Spekulanten für die Silberpreiskapriolen verantwortlich.sicherung am Landgericht Stuttgart verurteilt. Zinseinnahmen. Kleinere Schlachten und schlechter Vergütung der Rechtsanwälte seien werden gewonnen. Deshalb müsse auch der effektive kassierte diese Entscheidung dann aber wieder. Es kam zu einem sogenannten An. den sie dafür zahlt. Doch die Firmen verschleiern die wahren Kosten VON TOBIAS ROMBERG P ia Lanze wollte Gerechtigkeit. Teilzahlung . soll viele andere Versicherer auf Urteile aus den versich abgezeichnet haben. dass sie ihre Jahresprämie monatlich abstottert. Euro Jahresprämie und Krankenversicherungen Pia Lanze nutzte für ihr Anliegen einen Musterausgenommen. sagt Bluhm. als habe sich die Geschichte wiederholt. denn binnen weniger Tage Anfang Mai verlor der Silberpreis rund 20 Prozent (was öffentlich allerdings nur wenig beachtet wurde. Das räumte auch ihr geschäft oder Finanzierungsin den Verträgen Versicherer ein. so wie viele andere auch. Anfang Mai erst ent. Das Oberlandesgericht Prozesse führt.34 12. dann ist das ein dem Landgericht Bamberg gegen die Versicherung. Unfall. Bei der unterjährige Zahlung wird – wenn überhaupt – in Generali liegt die Zahl nach eigenen Angaben »im Prozent des Jahresbeitrags angegeben. so die tatsächlich zu berappenden Preis. Und schließlich flossen Tränen der Erleichterung. ob ein Darlehen teuer oder lich. wie sie sagt.seit Vertragsbeginn auf Basis des gesetzlichen Zinszen. der dann Fast alle Versicherer argumenfällig wird.4 % GELD UND LEBEN Boom. Illustration: Karsten Petrat für DIE ZEIT/www. Doch die meisten Kunden zahlen »unterjährig«. Da wundert es nicht. Umgekehrt heißt das: Mit den Aussichten der Weltwirtschaft. effektive Jahreszinssatz ausgewiesen werden muss«.35 Pro- zent war. Im Juni 2010 erhielt sie einen dreistelligen Betrag – bei Weitem nicht so viel. verlangen cherfreundlicher. ihre sicherungen. Im Fall Pia Lanze unterjährige Zahlweise wie Verbraucherschützer beträgt der Effektivzins 11. um ein höchstrichterliches Urteil zu ihren UngunsUnd Ende April wurde die Stuttgarter Lebensver. Höhere Finanz. monatlich ab. diese Jahresprämien in unterjährigen Raten die Huk-Coburg.com Abgesichert oder abgezockt? Viele Versicherte begleichen ihre Prämien in Raten. weil der Verbraucher nicht trale Hamburg sind lediglich Verträge unter 200 erkennen könne.und Haft. was für ein Typ der richterliches Urteil mit Grundsatzcharakter. satzes von 4 Prozent« und die »Rückerstattung der Bei dem Streit geht es um einen kleinen.mehr zu verwenden. Die Kursausschläge sind unvorhersehbar. trieben Spekulanten den Silberpreis bis an die 50Dollar-Marke. dass sie für ihre monatliche Zahlungsweise fünf Prozent mehr aufbringen muss.35 ein Verbraucherdarlehenskritisieren. Doch nungsformeln. »Wenn dann Einzelfallcharakter haben. die Prämie Monat für Monat abgeerklären sollte. Dafür zahlen sie einen Aufschlag. Zunächst waren es Freudentränen.1 % NIKKEI: 9819 –5. wenn der effekGenau das ist der juristiKunden nicht transtive Jahreszins nicht angegeben sche Knackpunkt: Gewähren parent genug. »dass bei PräTrotz der jüngsten Teilerfolge der Verbrauchermienratenzahlungsklauseln in Versicherungsbedin. der Preis brach daraufhin ein. Und reine Kulanz. so ist zu hören. Es ist ein Drahtseilakt.schützer herrscht längst noch keine Klarheit. Dann Begrenzung.5 % 103 US$/BARREL +15.geladen. rechnung dieses Zuschlags ist stets die die Berechnung des Bedie volle Jahresprämie – auch wenn trags. den sie damals bekam. Laut Verbraucherzengewichtigen Unterschied – den von Ratenzuschlag trale wurde dieser Brief fast 200 000-mal herunterund effektivem Jahreszins. Diese zögerte und verweigerte dann. dass die Un. hatte etwas an der Ratenzahlung für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung und ihre Altersvorsorge auszusetzen. Im Fall der unteren vierstelligen Bereich«. Ein geschickter Schachzug der Huk – ein Die Verbraucherzentrale Hamburg und RechtsAnerkenntnisurteil kann nicht auf andere Fälle anwalt Bluhm setzen deswegen auf Verbandsklagen: übertragen werden. Verbraucherschützer Die Versicherer sind alarmiert halten dagegen: »Wenn der und versuchen. Die Tabelle ist stottert wurde und Lanzes »SchulBezahlt ein Kunde seine furchtbar unübersichtlich. Verbraucher hofhilfe zu behandeln«. sondern kleiner wurden. Die Huk genauerer Betrachtung nicht immer wasserdicht.9 % 12 745 +10. Dann wieder von vorne. in den späten siebziger Jahren. Es scheint. Sache ging bis vor den Bundesgerichtshof.44 US/$ +7. dass beim Silber immer noch sehr viele Spekulanten unterwegs seien. Darin forderte sie erten. Pia Lanze schrieb ihrer Versicherung. Was den Verbraucherschützern unterdessen Bei Individualklagen mit niedrigen Streitwerten gelingt. wie die Assekuranz betonte.4 % 2659 US$/ TONNE +6. Der Ratenzuschlag für die »einige Hundert Anschreiben« die DEVK. der für die Verbraucherzentrale Hamburg nicht angegeben hatte. wenn wichtige Angatieren wie Lanzes Versicheben zum Zins im Vertrag fehlen.dort schlechte Entscheidungen ergehen. ohne dass der BGH zur Sache effektiven Jahreszins. werden schied das Landgericht Hamburg in einem Rechts. Und gungen für den erhobenen Ratenzuschlag auch der die Versicherer werden weiterhin alles unternehmen. machten es für den fen nun. vierteljährlich oder der Effektivzins. musste mehr Geld hinterlegen. Pia Lanze ging lange Zeit davon aus. Während Die Versicherung von Pia Lanze beruft sich wie der mündlichen Verhandlung. Nachteile für die gesamte Branche Versicherer vorschreibt. aber auch um Kfz-. Den Unterschied zwi. Crash.sich offenbar sehr ungeschickt. Sie wurden erst durch die Anordnung höherer Sicherheitsleistungen gestoppt. schwante ihr erst Anfang 2010. sagt Bluhm. wie hoch der Zuschlag sei. Damals erfuhr sie von einem langen Rechtsstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern. dass die meisten Versicherungen ihre Prämien auf Jahresbasis kalkuliert haben. rung ist aber ein Beleg dafür. dann aber Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gegen anbietet. Jahresprämie nicht auf den« somit jeden Monat etwas Die »Kulanz« ihrer Versicheeinen Schlag. Die 53-Jährige. Laut der Verbraucherzen. aber zu viel gezahlten Zinsen«. Doch diese Urteile sind bei wohl dem VZBV recht geben würde. »dass es keine kosten und entgangenen gibt es komplizierte Berechrechtliche Verpflichtung gibt. Lanze war es ein Zuschlag von fünf Prozent. Und forderte Geld von ihrer Versicherung zurück. Für Normalanleger ist das ein sicheres Zeichen: Diese Woche von Finger weg! Als der deutMarcus Rohwetter sche Edelmetallkonzern Heraeus am vergangenen Montag in Hanau seine Bilanz vorlegte. den sie sich von der Website der Verbraucherternehmen verunsichert waren und zunächst mau. er fällt ins Bodenlose! Oder halt: Jetzt steigt er ja doch wieder! Was denn nun? Das begehrte Metall hat vielen in der Finanzbranche gleich mehrfach glänzende Augen beschert. Boom Der Silberpreis steigt wieder. sind Etappensiege. »Verfür die Stückelung der Jahresprämie und einem einzelte Anfragen« habe man bekommen. rung. aber die Versicherer meist weit überlegen. Brisant aber bleibt der Streit. Das gelang ihnen im Rechtsstreit der det und zu Beginn eines Jahres fällig sind. die die Branche vielleicht zahlen müsse. Wie wenig Neues gibt es doch am Finanzmarkt. Dann Absturz. doch Investitionen bleiben gefährlich Der Silberpreis steigt rasant! Nein.Huk. Lanzes Versicherung höheren Verwaltungsgünstig ist. Der Silberpreis ist ja auch schon wieder gestiegen. Insgesamt geht es womöglich um Millionen Verträge. klassischer Ratenkredit«. mit ihm kann Rückabwicklung von VerZusatzkosten.

Aperam und verschenkte deren Anteile kurzerhand stahl billiger herstellen. Einzig bei der Bestimmung der Strafhöhe gibt es einen. Sie leben und arbeiten nicht auf dem Mond. Vergangen.das Recht der Herausarbeiten der eigenen Argumenrum. Im vergangenen Jahrzehnt an seine Aktionäre. zu schweigen. Doch das braucht Zeit – gerade in einem scher Schätzung maximal 1. Sechs Milliarden Euro. ob Berthold Beitz. wenn sie die Welt gegenwärtig lohnen könnte. Damals rich Hiesinger im Amt. Allerdings emittiert selbst ein modernes Kohdie ihm die Erkundung unterirdischer CO2. »Fledie Konjunktur einknickte. Was ist geschehen? Leicht lässt sich dies bei der bei Anwälten und PR-Beratern. Einzig im brandenburgischen Ketzin wird die CO2-Speicherung noch ausprobiert. sondern auch bei Verworrenheit des Falls nicht sagen.lich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht – gen. Dieser Weg stünde auch Thyssorgte Nirosta für reichlich Verlust. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 35 Un-Gestaltung ThyssenKrupp baut um und ab. als lebten in Deutschland lange Pipelines zwischen Stromfabriken und sehr viele dieser Zeitgenossen. ZEIT-Grafik/Quelle: Geschäftsbericht wie sie zu Jahresbeginn Branhat auch Vorgänger Ekkehard chenprimus Arcelor-Mittal Schulz schon versucht – und zwar vergeblich. kämpft manchmal um zwei. Der Plan FORUM Lernen aus dem Fall Kachelmann Kommunikationsberatung bei Gerichtsverfahren nützt weniger als gedacht VON TOBIAS GOSTOMZYK Wer vor Gericht steht. Mittels Es kann also gut sein. mand sollte deshalb ernsthaft meinen. Theater und Medien in Hannover. Es gehe. Natürlich könnten die lich die Autoblech-Pressen. Ackermann. Ziel sei es. meint er. Deutschland viele gung. als dass sich CCS wie Ideen eben sein müssen. wird sich der Welt»Nimby« heißt im mit Milliarden. was auf diese Weise gespeichertes auch die Anwendung – von CCS allein anderen Gas für die anliegenden Grundwasservorkom.jährlich so viel CO2 wie zwei Millionen Autos. ein klein wenig besser machen sollen.landläufige Meinung. Das hat letztlich auch eine wissenschaftliche Erhebung über den Einfluss von Medienberichten auf Richter und Staatsanwälte dokumentiert. Der Vorwurf Staatsanwälten in Mode gekommen. NieKSB INTAX in Fachkreise diskutieren in diesem Hannover. Die Frage ist. Deutschland hat die großindustrielle Anwendung des und nicht als Ersatz für abgeVerfahrens fürs Erste kaum noch eine Chance. denn die mussten in dieser Zeit fast ohne Investitionen auskommen. Handel wäre deshalb eine Abspaltung was der neue Chef nun plant. Doch viele Deutsche wollen das Verfahren nicht einmal testen VON CHRISTIAN TENBROCK Das Kürzel CCS steht für eine große Idee. Importierte Steinfernhalten will.oder Technologiekonzern sein soll. und Debatte um saubere einmal mehr über ein Gesetz. Die Causa Kachelmann hat zwar ein breites. Vorstandschef der Deutschen Bank. alte Meiler nachgerüstet werden. ob sich den Kampf gegen den Klimakollaps ohne die zur CO2-Lagerung vorgesehenen unterirdi. Eine sorgfältige Verzahnung von Rechts. werden aller Wahrscheinlichkeit nach für 40 bis Ende April gab der Atom. in Pipelines geleitet und schließlich in gen noch für Jahrzehnte einen wesentlichen Teil Lagerstätten tief unter der Erdoberfläche ver. Insgesamt würde eine Tonne Weitere Informationen im Internet: blog. Deshalb. Diese Stromfabriken und die Mutlosigkeit vieler Landespolitiker.12 xibilität« für den Ausbau at. lerin Vanessa Tahal von der Hochschule für Musik.Wirtschaftskanzlei ihrer eigenen Berichterstattungslogik standschefs der Deutschen Post.Ländern zu überlassen. des damaligen Vor. Gegenwärtig hat mindestens 20 Prozent. so destens 50 Euro kosten – zu viel. der Ehren-Aufsichtsratsvorsitzende und heimliche Herrscher des Konzerns. vom öffentlichen Druck unabhängig sein zu wollen. Die potenziellen nerschaft« einbringen.5 Milliarden Euro einbehäbigen Konzern wie ThyssenKrupp. dass unbedachte Interviewerlei: sein Recht und seine öffentliche Reputation. Kommunikationsprozesse wäh. vor Beginn des MannesSteuern ließ sich die Presse dagegen mann-Prozesses.WIRTSCHAFT ANALYSE UND MEINUNG Probiert’s doch mal! Kohlestrom kann man sauberer machen. alle Bereiche mit der nötigen Liquidität zu versorgen.nach Sparten.50 Jahre am Netz bleiben. Letztlich besteht das Ziel von Litigation-PR darin. Wert. die Verfeuerung von Braunkohle. sagte überantworten. die Erprobung – und möglicherweise bisher auch. Vom Edelstahl stahl aus dem Portfolio verAuto Edelstahl will er sich trennen schwinden. werden noch immer Schuld daran sind der Widerstand der Bürger neue Kohlemeiler gebaut. aber meist negativ besetztes Bewusstsein für diese Beratungsleistung geschaffen. Schwerpunkte Medien manipulieren zu können. Grüne Parteipolitiker und lokale Bürgerini. kann Verfahren: Niemand weiß bislang etwa. über Medien auf den Ausgang von Auseinandersetzungen Einfluss nehmen zu wollen. Zur Jahr. dass man jemandem mittels Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen zum juristischen Sieg verhelfen könnte. Briten. Heinrich Hiesinger muss klare Entwicklungslinien schaffen. Weil die Republik vor Mitte des Jahrhunwill. »Mit fröhUnangenehmes zwar land kein Ende der Kohlenlichem Gemüt« solle die Techutzung in Sicht ist. Auch Angela Merkel warb Mensch. beim Nachbarn Polen mit einem Nobelpreis besogar über 90 Prozent. Beim Edelstahl kapitulierte nämlich Beispiel Edelstahl: »Nirosta« ist zwar die bekann. dass die fortlaufende Privatlebens des Moderators und G O S T O M Z Y K Weitergabe von Details des ErmittGründers eines Wetterdienstes. Beim normalen Stahl verteidigt der Konzern Platz sechs im Branchenranking. In der destag und Bundesrat zwar kohle ist relativ billig. denn auch bei der Aufte Wettbewerbern anzudienen.und auch der klassische QualitätsTechnologiekonzern vor. allzu früh entstehende Klimagift Kohlendioxid aufgefan. winnen. Der Gebrauch von Litigation-PR ist nicht nur mann bietet dafür ein prominentes Beispiel. Holstein ermöglicht hätten. Kartellrechtlich wäre das sicher nicht ganz einfach geworden – noch ist lösung der Autoteile-Sparte werden nur begrenzt ThyssenKrupp einer der großen Edelstahl-Anbieter Erlöse fließen: Die Fahrwerk-Fabriken will Thyssenweltweit. weshalb zuletzt alle verfügbaren Mittel in neue Hochöfen und Walzwerke gesteckt wurden. und wirtschaftlichen Interessen. relativ kurzfristig die Luft über suchskraftwerk.Bargeld in die Kasse. Doch die Kartellwächter kamen gar nicht Krupp ebenfalls bargeldlos in eine »strategische Partdazu. so teilt hin.4 6 (verbleibt im und auch vom AutozulieferDebatten zogen sich so lange Konzern) 1. die Übersicht zu behalten – und noch schwerer. unermüdliches anmutende Disziplin. ob ThyssenKrupp künftig Stahl. so die Ungewöhnlich am Fall ist aber eine massive me.zehn klimaschädlichsten Stromfabriken Europas suchung möglicher Kohlendioxidlager verbieten stehen in deutschen Landen. aber vom eigenen Hinterhof fernhalten CCS der Energiebedarf eines Kraftwerks um will (Not in my backyard).bringen dürfte. Die Welt benötige eiüberwiegend unter der Norddeutschen Tief. Viele Zeugen wird sie dabei eher kritisiert. auch wirtschaftlichen wenn sie zum Beweismittel des Gegners werden. die reichlich vorhandene heiKohle hat man den das Grundlage für die Erpromische Braunkohle gilt als wichtiger Garant einer unbung und weitere ErforEindruck. CCS versucht also. lungs.den Einsatz von Carbon Dioxid Capture and schen Gesteinsschichten – in Deutschland Storage nicht vorstellen. Der Arcelor-Chef gründete für die korrosionsbeständigen Werkstoffs vor 100 Jahren ungeliebte Tochter eine neue Gesellschaft namens ist viel passiert: Längst können Chinesen den Edel.Medien und der te gegenüber Journalisten lässt sich für rend juristischer Auseinandersetzungen Telekommunikation den eigenen Standpunkt etwas erreichen – selbst wenn das angesichts der vorauszudenken und gegebenenfalls zu Foto: privat Tendenz vieler Medien zur Skandalisierung und Personalisierung unwahrscheinlich klingen mag. Gesamt Qualitäts. A DIE ANALYSE 12. Etliche Medien aktuelle Studie der Kommunikationswissenschaftund nicht zuletzt deren Publikum haben spekuliert. Sollen die alle nur anderswo stehen. Auch die Kosten sind ein Problem: Nach dem angenehmes durchaus dem Nachbarn überantgegenwärtigen Stand der Technik erhöht sich mit worten. Die Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger und Thomas Zerback fanden heraus: Schuldig oder nicht schuldig ist keine Frage guter Presse. aber Zeitung schon suggeriert die Kanzlerin noch im Jahr vom eigenen Hinterhof 2007. . Hunderte Kilometer man den Eindruck. Auch der tiativen mögen über den Teilausstieg aus CCS Ökonom Nicholas Stern. teste Marke des Konzerns. Sicher nehmen auch Richter des Landgerichts Mannheim die Berichte über das Kachelmann-Verfahren wahr. Doch die internen Auto 4. aber ebene und vor der Nordseeküste – das aus Kohlemeilern abgeschiedene Gas wirklich für Jahr. in Milliarden Euro sollte nicht nur Edel-. kohleverbrauch nahezu verEnglischen jene Spezies doppeln. bekannt zu machen.und Strafverfahrens für KachelAuch die Auftritte bekannter Wirtmann vorteilhaft war. äußerungen den juristischen Sieg kosten können. Es geht da. Im Wissen. Kriegsschiffe und Wälzlager für Windmühlen. Vielmehr dürfte schaftslenker vor Gericht bekommen der scheinbar nicht versiegende Inforgroße Aufmerksamkeit: Viele erinnern mationsfluss mit dazu geführt haben. Kohleverstromung wird notgedrungen. dass Medien neue Anlässe fanden. Die Autoteile werden weniger. Die sicherste Alternative 13 wird abgespalten Das klingt gut. da Umsatz von ThyssenKrupp 2010 legt er einen gewaltigen Um. wie lange etwa die Aufzugbauer Platz drei noch halten können. müssen erst mal die alten Schulden weg.selbst der hartnäckigste Sanierer der Branche. Der Fall des Wettermoderators Jörg Kachel. der vor einigen Jahjubeln. Sie folgt Zumwinkels.6 geschäft.und Kohlestrom. Bevor er neue Investitionen tätigen kann. Gerade die Richter im Fall Kachelmann demonstrieren. Das klingt simpel. Das ergibt auch eine und Sachverständige wurden gehört. Eine gewaltige Summe – selbst bei einem Börsengang der Edelstahl-Sparte. als lebten in abhängigen Energieversorschung von CCS sein soll. ThyssenKrupp war einst Weltspitze beim Edelstahl und hat die Position verloren. in den USA und sich ebenso für das Verfahin Deutschland sind es etwa ren ausgesprochen wie der 50. Eineine neue und für Laien eigenartig seiner Arbeit sind zig durch sachliches. scheint es unKohlendioxid aus dem Rauchgas getestet wird. für Juristen nicht verwunderlichen. Das wäre ein Problem. Die Internationale Energieagentur hat damit 80 Prozent seines Stroms.und Kommunikationsstrategie ist dafür notwendig. Lebendig bleiben ist Rechtsanwalt nicht. Ähnlich ist die Situation in Niedersachsen.derts ohne Kohle nicht auskommen wird und falls im SPD-geführten Land Brandenburg steht weil CCS gegenwärtig die einzig bekannte in Schwarze Pumpe das einzige deutsche Ver. Beide Kohlesorten Aber eigentlich könnten sich dieser Zeitgenossen werden als unverzichtbarer Abgeordnete und LandesverGrundstoff für deutschen treter ihre Arbeit sparen. sich an das Victory-Zeichen von Josef ständig über den Fall zu berichten. die Tochter an die Börse zu Federfabriken des Konzerns – was nach optimistibringen. Lagerstätten müssten gebaut. liegt nologie auch in Deutschland gerne dem Nachbarn nicht – wie auch in dieser vorangetrieben werden. Doch er bleibt die Entscheidung schuldig. die in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt sind. Die Begründung: Rund ein Viertel der gesamten deutschen Kohlenmangelnde Akzeptanz in Politik und Bevölke. Der Qualitätsstahl macht auch nach dem Abschied vom Edelstahl noch gut ein Drittel des Portfolios aus. und Medien.Gegenwärtig erzeugt China – wo fast wöchentschutz und Kohlenutzung zusammenzubrin. Aber der Stromerzeugung in einem Kohlekraftwerk CCS nicht einmal erproben heißt. Industrieanlagen. Eisengießereien und Essener auch versuchen.dioxidemissionen entfallen gegenwärtig nur auf rung.Option ist. konzern RWE sämtliche Konzessionen zurück. ob Kachelmann schuldig zu sprechen sei oder nicht. In wurde – am schnellen Atomdieser Woche beraten Bunausstieg. Eben.nige Tausend Anlagen. die sich teils pro und teils contra auch die Bilder der Verhaftung Klaus bei der Kachelmann positionierte.beeinflussen. Des Weiteren ist es nicht erfolgversprechend. Klima.keinesfalls in Deutschland? Es ist reichlich egohunderte sicher speichern können. zu glauben.Dass es aber auch falsch sein kann. Unklar ist istisch.stahl Damit hatte sich die Sache 43 4 Anlagenbau 1 Kriegsschiffe traktiverer Geschäfte zu geerst mal erledigt. so die DER STANDPUNKT: Amerikaner und Australier Prognose seriöser Energiefördern seine Erprobung experten. aber seit Erfindung des Lakshmi Mittal.zeit. senKrupp offen – allerdings käme dabei kein Cent Mehr als einmal versuchte der Konzern die Spar. In den Medien einer Vergewaltigung steht im Raum. Eine wirtschaftliche Analyse der Kommunikationsstrategie von Kachelmann würde vermutlich nicht zu einem positiven Ergebnis führen. Das erklären Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzzern Vattenfall. Beides ist falsch: Es ist die detaillierte Veröffentlichung des T O B I A S nicht ersichtlich. die potenziell Unmen bedeutet.de/gruenegeschaefte eingespartes CO2 die Kraftwerksbetreiber min- tausendwende kündigte das Kaum mehr als 100 Tage ist Unternehmen schon mal eiThyssenKrupp-Chef Heinnen Börsengang an. Aber eine neue Form bekommt der Mischkonzern so nicht VON JUTTA HOFFRITZ Viel Spielraum kann Konzernchef Hiesinger mit seinen Plänen also nicht gewinnen.bund Deutschlands und der WWF.lekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung noch Lagerstätten im CDU/FDP-regierten Schleswig. den neuen Mann auch gewähren lässt. Innerdachte Weltklimarat. In Strom angesehen. Mit dem Umbauprogramm will sich Hiesinger von einem Viertel des Umsatzes (2010: 43 Milliarden Euro) trennen. Und sechs der wo eine schwarz-gelbe Koalition die Unter. Auflagen zu formulieren. eine gute Entwicklung ist dies nicht. halb von 20 Jahren. verantwortlich. die potenziell Dass auch in Deutscheinmal für CCS. um Manipulation von Justiz diale Begleitung über Monate hinweg. wenn er ernsthaft Hand an den Mischkonzern legt.des Verfahrens zu verzichten. ren mit seinen Prognosen über die Kosten des Natürlich gibt es berechtigte Zweifel an dem Klimawandels weltweit Aufsehen erregte. Fragt sich. Nimby heißt im Englischen jene Spezies Mensch. dass alle Tests am Ende Carbon Dioxid Capture and Storage soll das bei mit dem einen Urteil enden: Lieber nicht. Diese Fülle macht es einem Chef schwer. dafür baut der Konzern weiter Aufzüge. auf die intensive Erprobung Betrieben wird es von dem schwedischen Kon. vorbei.aufzugeben. ist aber anspruchsvoll. Verkauft werden sollen ledigPartner winkten direkt ab. bis im Spätsommer 2000 Aufzüge 5 das Unternehmen mit. schaltete Atomkraftwerke. Umbau hier und da reicht nicht. Doch wäre es naiv. Letztere besitzt ihren eigenen. doch vieles. vormachte. in dem die Abscheidung von Kohlekraftwerken zu entlasten. frachtet werden. sondern bauplan für den Stahl. Zusammenhang über Litigation-PR. den Standpunkt von Unternehmen oder Privatpersonen.der weltweiten Energieversorgung ausmachen. Einfluss.

dass auch eine Vertrauenskrise war. Vorbild führende Politiker und andere EntscheiGründer der Philosophischen Praxis in Bergisch dungsträger abgeben. bei dem die allerdings mehr mit Blick aufs individuelle Ent..steuerehrlich sind. Ich bin bereit. oft en schreiben. wenn sie glauben.ZEIT: Hartz IV wurde renoviert. Sind Sie risikoverliebt? Falk: Auch wenn ich schon viele Tausend Men. die Industrielobby intervepen zu indoktrinieren. Es spielt auch eine wichtige Rolle. die richtiArmin Falk erste Erfolge dass es dafür öffentlicher Untergen Fragen zu stellen und dafür stützung bedarf. In der praktidass Sie etwas über Geldpolitik verfassten. sagte er. Bei ihm feierte andere Parteien weiß die SPD. Sie besonders überrascht? Falk: Ein Beispiel: Wir haben in einer repräsenta. sie können einem nicht auf der erleben wir eine Öffnung. weil und trinken mehr. Und Untersuchungen belegen ja. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausFalk: Das ist keine sinnvolle Aufschütten. denn jeder Euro mehr Diplom gemacht – mit einer Arbeit über Finanz. schaft zusammen mit der Frage. Aber ein sozialdemokratischer Die positive Reziprozität wird in der Gesellschaft Ökonom. desto Motive eine wichtige Rolle spielen. der nicht bereit ist. ZEIT: Ein paar wie Sie gab es Falk: Ich fühle mich der Partei damals schon. Wir fan. zum Beispiel bei der Steuermoral. die Menschen in reguläre Beschäftigung kauf genauso wie jetzt für die Weltfinanzkrise. was andere Wahrheit ZEIT: Nirgendwo wird mehr mit Gerechtigkeit nennen. ein Experiment gemacht.einen Transfers empfangen. aber gar nicht bei Gesundheitsfragen. Interessanterweise Wissenschaftler arbeite.das weitverbreitete Dogma gegen staatliches Handeln. Es wäre höchst effizu entwickeln.Man kann innovative Ideen ausprobieren und wird aus risikobereit. Sie essen nen auch nicht einfach zum alten Modell zurück. zialsystem überhaupt erst zu schaffen.Wissenschaft diszipliniert. wie wir sozial funktionieren. Aber ob ich immer als nem anderen ist es umgekehrt. wenn andere unfair sind. desto besser die ökonomischen wissenschaftlich salonfähig: Der Modelle und die Politikberatung. während die anderen scheidungsverhalten. Falk: Tatsächlich ist die deutsche Ökonomenzunft Es ist individuell manchmal von Vorteil. die wichtigste Anerkennung für europäische Ökonomen unter 45. soll das auch tun. ich war selbst noch nie Gegen.. ZEIT: Sie haben durch einen Forschungspreis und ZEIT: Zwei Kategorien menschlichen Tuns haben EU-Mittel rund vier Millionen Euro für Forschung Sie besonders erforscht: Wagemut und unser Ver. Im Schnitt sind wir unseren Eltern also sehr ähnlich. sich in die zu lösen.ZEIT: Der Kerngedanke der Hartz-Reformen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 WAS BEWEGT ARMIN FALK? WIRTSCHAFT »Ich bin risikobereit« Als sozialdemokratischer Starökonom ist Armin Falk ein Sonderfall. wie groß unser Lebenserfolg ist und wie zufrieden Auf einer Skala von 0 (gar nicht risikobereit) bis wir sind. Falk ist der erste deutsche Preisträger. Hier versäumen wir es. was ich wollte. In gründung war Fairness. sondern ein Faszinosum. Steuern scheinlich nicht überzeugt. sondern eine asoziale Handlung. Könnte sein. Aber alle Professoren lehnten ab. Zu helfen ist sinnvoll. muss fragen. Sie wirken wie ein Schröin so etwas erschöpft. Und die Politik muss komGladbach. man Arbeitsfähigkeit feststellt. ein Ökonom. auch das. An realen politischen Fragen genauso wie an ökonomischen oder philosophischen Problemen. Grün: Quatsch. Persönlichkeit.Falk: Richtig. tungen erwartet. Falk: Für Experimente muss man wissenschaftliche zient. was Menschen als gerecht empfinden. weil wir gar nicht wissen. Beim TeleForschungsgemeinschaft niert. um wirklich zu verstehen. Und darum muss es doch gehen. dass zugen risikobereite Männer und umgekehrt. Und vergangene Woche wurde bekannt. bin ich risiko. dass die anderen auch ZEIT: Beeinflusste Sie jemand bei der Studien. Mit einem Teil erforschen Sie nun. nicht Ökonom geblieben. Ich wird das gesamte Einstellungsprofil von Eltern auf kann mir auch etwas ganz anderes vorstellen. kann psychologische Motive in den wirt. dass ein wissenschaftlicher Außenseiter so jung die großen Preise in seinem Metier abräumt. Heute kann man als Volkswirt beides musste man darüber abstimmen. Übrigens ähneln sich Das Gespräch führte UWE JEAN HEUSER Fotos: Michael Dannenmann für DIE ZEIT. DFG . dass ich glaube. Wäre das leistung erbringen müssen – oder nicht. Aber hat die Ökonomie auch seine Eltern in ihrer Risikobereitschaft ähneln.erbringen kann. zu zahlen. Ein sehr lohnendes sehen ist »Fördern und fordern« das Gegenteil Buch.ten. wenn man selbst len oder Kindergärten kostet.36 12. FähigkeiZEIT: Dann wird es höchste Zeit. ein SoDie Kombination finde ich nach wie vor wichtig. Es war also eigentlich eine zen. Sehen Sie. in dem Hilfeempfänger eine Gegenschaftlichen Entscheidungen erforschen. nähmen wir dafür sehr viel Geld in die Fragen in einfache Verhaltensprobleme übersetzen. Falk erhält den Leipnizhätte man früher gesagt. Menschen beschränkt rational sind und soziale ZEIT: Je mehr Verhaltensökonomen lernen. Werde ich dagegen bereitschaft. aus Hartz IV und der staatmarktinnovationen in Kanada. Und genau die bestimmen ganz wesentlich. Wir wollen sehen. Bei ei. aber auch mehr Empathie mit andeunfair behandelt. Strich gut ist. und die Konfonat würde ich dann sagen. Aber der Mann für die richtigen Fragen lebt deswegen noch lange nicht im Elfenbeinturm. aber auch ampel. Die wissenschaftlichen Nase rumtanzen. der zu nicht. Luhmann erklärte. ganze Bevölkerungsgrupdem Chef der Deutschen nicht. denen Fairness ein Anliegen die entscheidenden Fähigkeiten entstehen – wie ist.ist das. wo sie kann. weil er sich begeistert. Aber die ist auch wichtig. unser ZEIT: Bloß sind Politiker auch Wachstum hängt von der RisikoMenschen und machen Fehler. Vielfach erleben vielgestaltiger präsentiert sich die Wirklichkeit. Ich hatte aber immer das Gefühl. Die Wirklichkeit ist für ihn kein Störfall. Hand. dass er sie deswegen nachhaltig verändert. Dadurch wird eine linke Position das Menschenbild. dass ich ein knallharter ZEIT: Was meinen Sie mit »Intervention«? Egoist bin.Hoffnungen erfüllt.garantieren.. Genau das ist ja positive Reziwahl? prozität. der/Steinbrück-Sozialdemokrat. auch die Ehepartner. ZEIT: Immer gab es auch linke Ökonomen in der Falk: Sie gehören zu den wichtigsten Motiven. Zudem sind Bürger viel eher bereit. bereit. wenn er mich vor.). Ich bin überzeugt: Je realistischer nicht wollen. die zu bringen. Rot. wenn die stark durch den Liberalismus geprägt. und echten Egoisten. für eine sozialpolitische Leistung auch GegenleisZEIT: . Doch das tut er eben suchen. Für einen alltäglichen Auto. als Falk: Ich habe dann gesehen. Und Sie? Falk: Ich würde nicht sagen. wie man die Le. aus dem Rheinland zum Ökonomen? ZEIT: Wie das? Armin Falk: Zum Glück wusste ich erst gar nicht Falk: Menschen brauchen das Gefühl: Für hohe genau. Falk: Bei Galbraith kam das Interesse an Wirt.verringert den Anreiz. Sie unterscheiden Wer mehr soziale Mobilität will. Innerhalb der SPD stehe ich insoweit eher rechts. wie einem Bändchen von Niklas Luhmann von 1968. ob sind zentral für Wohlstand. Bevor man warum die einzelnen Menschen so handeln. Zu dieser Frage haben wir kürzlich benswirklichkeit der Menschen verbessern kann. ZEIT: Das sind Grundregungen der Gerechtigkeit. dem linken Harvard-Ökonomen. gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Der heute 43-jährige Rheinländer Armin Falk hat nicht nur 2009 den höchstdotierten deutschen Förderpreis für herausragende Wissenschaftler gewonnen. Anders als ben Sie als besonders kreativ. freudigkeit der Bevölkerung ab. lies mal etwas von John Kenneth Falk: Reziprozität heißt da. diese durch ihre Arbeit finanzieren. dann reagiere ich abweisend. was ökonomisch sinnvoll ist. In Deutschland hängt der Bildungserfolg besonders stark von der Bildung der Eltern ab. andere flusst. dass Risikoeinstellungen über schen zu verbessern? verschiedene Lebensbereiche sehr verschieden Falk: Ökonomie ist schon das Richtige für mich. Sein Institut an der Bonner Universität liegt in einem alten Reihenhaus nahe dem Juridicum.Funktion. Wo hat Ihr Politik sollte sich übrigens öfter melden. wie aber wusste. welches Falk: Auslöser war der Philosoph Gerd Achenbach. inwiefern Kinder ihren durchgesetzt. Menschen eine Diskrepanz zwischen dem. ren und mehr Selbstvertrauen. dann ist ohne Staat alles wunderbar. den LeibnizPreis. Proband. mehr Alkoholiker und Unfalltote. Er faszinierte mich extrem.dazu zu sagen? stand meiner Studien. so. was es bedeutet. Und der Aufschrei zunehmend ablöst.Güter. sondern die Entstehung dieser Probleme emotionalen Verwerfungen von Entscheidungs. wie Armin Falk als Chef und Forscher funktioniert.geben sollte. was sie tun. Drinnen herrscht Betriebsamkeit unter den vielen jungen Forschern. die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt seit den ReforZEIT: Sie durften nicht – und haben doch weiter men erheblich zugenommen hat. Was hat ein Ökonom schen befragt habe.genau aus dem Rationalitätsglauben ergab sich ja bild der Ökonomen. in welcher Rolle man nachher ist. Ziel war es da. sie handeln.ZEIT: Der Junge aus Bergisch Gladbach hat sich tiven Studie untersucht. Und als wir über meine Studienwünsche argumentiert als in der Arbeits. dass die Gesellschaft Galbraith . Bundesrepublik. die Lebensumstände der Menden dabei heraus. die negative ist stärker von Leibniz-Preis abräumt – das ist neu. Und langsam merkt man. Ginge das? Falk: Natürlich. alle Menschen eigennützig und rational sind. sprachen.higkeit zur Selbstkontrolle entsteht. dass Steuerbetrug kein Kavaliersdelikt tur machte und Zivildienstleistender war. Unter den fairen Typen man deren Entwicklung durch Interventionen im gibt es wieder zwei Gruppen: Die einen wehren frühkindlichen Lebensabschnitt positiv beeinsich vor allem. das regelt Preis von Matthias Kleiner. Sie können einem nichts weg. wie man Kindern aus benachteiligten Familien hältnis zur Fairness. Vorleistung. die Kanzlerin riefe an: Herr Falk.. Vielleicht bekäme Nehmen Sie die Lebensmittelman mehr Wachstum. Sind Märkte perfekt und Menschen rationalund sozialpolitische Antworten? DIE ZEIT: Wie wird ein friedensbewegter Junge Der Preisträger Es ist ungewöhnlich. Wer eine Gegenleistung Köln wollten Sie eine Diplomarbeit über Vertrau. die uns Schuhabe ich erlebt. der tut sich schwer. ZEIT: Kommen wir zur Fairness.bessere Chancen verschafft. dass sich Ökonomie glied. sie darf nicht die dass in Zürich einiges geschah. als ich Abi. Und mehr Risikofreude unter dem doch gibt es Korrekturbedarf.und Sozialpolitik. Ernst Fehr von der Uni öffnen für Menschen. Zwar hat er sich vom ersten Preisgeld auch vorlesungsfreie Semester gegönnt. Ändert sie auch wirtschafts.und Entwicklungswilligen mal konnte ich genau das masein. wie zwischen Menschen. Aber heute anderen wissen. kaufen Dinge. dass er nun auch den Yrjö Jahnsson Award erhält. Staat kann helfen. ob dadurch mehr Fäjemandem etwas Gutes zu tun. selbst wenn sie es gut meinen. Bei ihm ist. sind. aber davon abgedas einfach Vertrauen heißt. legende Fähigkeiten mit Nachdruck zu fördern. Ökonomen können viel zu einer besseren Politik beitragen. wenn es um finanzielle Dinge durch die hohen Standards einer gestandenen geht. Wo stehen Sie? nen Wirtschaft bei allen Transaktionen Vertrauen Falk: Hartz IV soll nicht auf Dauer ein gutes Leben eine Rolle spielt. Die ZEIT: Sie sind ein Verhaltensforscher. und Falk ist mittendrin. Gute sozialdemokratische Politik ist es Dafür braucht man Empathie. ZEIT: Angenommen. Falk: Tatsächlich hatte ich die Ursprungsidee aus schen Politik ist dann natürlich die Frage. Ich neige zu reziprokem Verhalten. ob es ein System machen. Man sollte ohnedies nicht verder Markt. was sie Falk: Wir können es uns nicht aussuchen. der Evolution geprägt. in dem er Vertrauen definierte als riskante von »unfair«. die voranZEIT: Führende Ökonomen loZürich gilt als Nobelpreiskommen möchten. ja. UJH egoistisch. dann wäre ich wohl auch den eine dramatisch große Zustimmung dafür. Jemand. Erhöhen Sie die mal. mehr Risikoher anständig behandelt hat. Falk: Ökonomen beschäftigen sich heute mit Präferenzen. Da wurde ich mit offenen Arsondern muss die Partei der Aufmen empfangen. Er erforscht. die Gerechtigkeitsprobleme vom Ende her modellverliebt ist. 10 (sehr risikobereit) bin ich eine 8. Einstellungen. Risikobereite Frauen bevorAber Experimente und Befragungen zeigen. Wir fanimmer noch unmöglich. Und ZEIT: Diese Reziprozität verändert das Menschen. Die Forderung nach deutlich höheren Sätzen entstammt falschen an die Ökonomie geglaubt? Falk: Ich habe erst mal aus Pflichtbewusstsein das Gerechtigkeitsüberlegungen. Viel spannender lichen Abhängigkeit herauszustreben. sehr nahe. sondern auch ein Jahr zuvor den unter Ökonomen wichtigen Gossen-Preis. dass nicht nehmen ohne ernste Konsequenzen. wie Falk: Mentorenprogramme für diese Kinder zum wir das nennen. geht es nicht (lacht).Befunde der Verhaltensökonomik zeigen. Beispiel. Und auf einstiegs. Wir köneigentlich wollen. es ist eher eine Drohkulisse mit der trale Wirtschaftsfrage. Partei der Desillusionierten sein. Und jetzt kommt das Interessanteste: Die BeZEIT: Als Student hatten Sie es noch schwerer.munizieren. positiv wie negativ. der Mensch. Falk: Wenn ich an eine Sache glaube. Ein und derselbe Mensch ist vielleicht über. die Kinder übertragen. der große Auszeichnungen wie den oft von uns erwartet. Sie muss Perspektiven erchen. nachdenkt und überprüft. dass in der moder. die sie hinterher es unkompliziert war. klein: Michael Hauri/imagetrust (l. dass sumenten sind nicht so schlau wie sich der untere Teil der Gesellschaft gedacht. Kandidat. es kann ZEIT: Sie waren mal SPD-Mitnicht sein. Gelb.zu verhindern. vor allem für dann die richtigen Experimente sozial benachteiligte Kinder. grundder Industrie zeigt ja die Wirkung. Märkte und Wettbewerb gabe. problemen hineinzuversetzen. und dem. Ein Gespräch Falk: Sicher. weiß ich noch nicht.eingesammelt. Er begeistert. Wir erforschen das konkret anhand von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Die Steuern gibt es auch ein gutes Angebot öffentlicher traditionelle Auffassung davon hätte mich wahr. Zum Essen geht es ins Studentenlokal um die Ecke. wenn es darum geht. was das eigentlich ist. tue aber nichts nur um des Risikos willen.

der auf die Herstellung von Kunststoffspiegeln spezialisiert ist. die sei immer noch da. dass ihm Namen. ANDREAS SENTKER Bernd Linde leidet an Alzheimer. So viel etwa wiegen die Züge – ohne Personen. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt die Wupper. die Gedanken auseinanderfallen. steige die Angst in ihm hoch. von »welken Hüllen«. von echten Doktorarbeiten unterschieden werden. Vor allem aber sollten jene Doktorarbeiten. Die im Nachthemd auf die Straße laufen. An schlechten Tagen. Man denkt an sabbernde Greise. so wie es ein Maler mit einem schlechten Bild mache. 48 12. seine Frau Beate pflegt ihn (siehe Seite 40). lässt die Einkaufstüte im Supermarkt liegen oder bringt die falschen Dinge nach Hause. weil er so lange zum Einpacken braucht. Oder: Der Baumeister habe richtig gerechnet. Ihre Zufriedenheit hängt ab von erfüllenden Tätigkeiten. Wie man gut mit ihnen umgeht. Der Wissenschaftsrat hat für die Medizinerausbildung schon vor Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. die irgendwann so groß werden. Mit Fahrgästen (Fachjargon: Fleischgewicht) sind sie zehn Tonnen schwerer. vom Gefühl. sondern höchstens einen Türschildtitel rechtfertigen. finden sie durchaus noch Freude am Leben. sein Doktorvater oder dessen Fakultät versagt. die lallend durch die Altenheime irren. Eines Tages fiel er aus der Duschkabine. »Dann reagieren die immer ganz betroffen und packen mit mir zusammen die Tüte ein. Doch Menschen mit Demenz (von der es neben dem Alzheimer-Typ noch andere Formen gibt) erleben sich selbst keineswegs nur im Zustand abgrundtiefer Verzweiflung.WISSEN KINDERZEIT Hoffnung im Gepäck: Was es bedeutet. Beispielhaft zeigt der Fall.zeit. Mit Dreitagebart und Nickelbrille sitzt er am Küchentisch seiner Dachwohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen und redet über seine Krankheit. SAM WISSEN . hat unser Autor in einem besonderen Heim erfahren (Seite 39). Externe Doktoranden sind oft nicht eng genug in den wissenschaftlichen Betrieb eingebunden. Beim Autofahren verlor er die Orientierung. Richtig dagegen ist die Meldung über die jüngste Fehlkalkulation: Nachdem die Deutsche Bahn die Brücke saniert hatte. Nachhaltige Konsequenzen aus dem Fall aber hat bisher keine Universität gezogen. Man müsse die Krankheit eben »überlisten«. Ein Plädoyer für einen neuen Blick VON THOMAS VAŠEK it ihm sei es wie mit einer Sandburg. Es ist die Rede von »lebenden Toten«. Vorher arbeitete er in seinem Betrieb. die sei »standhaft«. Die medizinische Diagnostik nimmt allerdings vor allem die Defizite in den Blick: den schleichenden. wie die Kranken die Welt erleben (diese Seite). erzählt er. doch noch irgendwie gebraucht zu werden. bis ihm der Neurologe ein Bild seines atrophierten Gehirns zeigte. Manch einer hat sich klammheimlich bei seinen Professoren erkundigt.de/alzheimer M Zimmermann will raus aus seiner Burg. per Schienenersatzverkehr. erklärt er einfach. Und wenn die Leute im Supermarkt mal wieder grantig werden. aber falsch nachgerechnet und sich aus Scham über den (falschen) Fehler in den Tod gestürzt. einfach so. Immerhin erkenne er noch heute. wenn die Leute überrascht reagieren. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind von Demenz betroffen – Tendenz steigend. wenn die Mitarbeiter wieder einmal etwas falsch zusammenbauten – obwohl er es selbst nicht mehr zusammenbrächte. Manchmal schaue er in seiner alten Firma vorbei.« erschossen. einmal sägte er sich fast den Finger ab. Gunter Sachs hat sich – so schreibt er in seinem Abschiedsbrief – aus Angst vor »der ausweglosen Krankheit A. die nicht zum Erkenntnisfortschritt beitragen. Der Fotograf Philipp Wente hat sie für uns begleitet Damit die Würde bleibt T I T E LG E S C H I C H T E Die Diagnose Alzheimer löst oft Horrorvorstellungen aus. Er sucht die Schlüssel.« Alzheimer – schon der Begriff löst bei vielen Horrorvorstellungen aus. sich verständlich zu machen. Dabei kann man auch mit dieser Krankheit Freude am Leben haben. Wie Befragungen zeigen.« Doch die Burg. Jetzt ergründet die Forschung. Zimmermann spricht gern in Bildern. von der Bindung an Familie und Freunde. An guten Tagen malt er. 47 Kinder. »Dann sitzt man da und schaut«. dass wieder etwas abbröckelt. Aber nur dann lernen sie wissenschaftliche Standards in der Praxis kennen und können ihre Erkenntnisse in intensiven Debatten auf die Probe stellen. Alles falsch. jahrelangen Prozess der Hirnveränderung. Es freut ihn.« Ist mit der Veröffentlichung des vollständigen Kommissionsberichts am Mittwoch dieser Woche der Fall erledigt? Das System hat den Sünder überführt und bestraft. die ihre engsten Angehörigen nicht mehr erkennen und am Ende nicht mal mehr sich selbst. Dabei haben nicht nur Guttenberg selbst. diesen Alzheimer »übermalen«. dieses Schicksal möchte niemand erleiden. sagt Christian Zimmermann: »Ständig bröckelt etwas ab. Praktische Tipps und Informationen zum Thema: www. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 37 P L A G I AT S A F FÄ R E Doktor-Prüfung Der Fall zu Guttenberg zeigt: Eine Refom der Promotion ist nötig Die Universität Bayreuth ist sich sicher: »Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest. Dass mehr als die Hälfte der Dissertationen mit »ausgezeichnet« oder »sehr gut« bewertet werden. Seine Bilder helfen ihm. Es ist höchste Zeit. Irgendwann machte er plötzlich Fehler. Wenn ihm die Sätze. sagt Zimmermann und macht eine lange Pause. das Handy. natürlich von der halb fertigen Brücke. ob auch der eigenen Uni Skandale drohen. Und dass auch pflegende Angehörige Hilfe brauchen und wie man mit einem dementen Partner Urlaub macht. geht mit Freunden spazieren – oder berichtet anderen von seiner Situation.com Fleischfrei fahren Womöglich liegt doch ein Fluch auf der Müngstener Brücke. wenn er wieder einmal die Worte nicht findet. sagt Zimmermann. Orte und Begriffe verloren gehen. seit 1897. dass die Betroffenen Fortsetzung auf S. ihn umzusetzen. sagt mehr über die Nähe von Doktorvater und Doktorand als über die Leistung des Promovenden. Der lange Weg durch die medizinische »Maschinerie« begann. Flüchtling zu sein S. Nun wird überbrückt. Alzheimer. Der Tod schien ihm die bessere Alternative. Eigentlich sei es die »bestbetreute Zeit« seines Lebens. die sinnlos dahinvegetierten. HALB ein Teil der Brücke habe abgerissen werden müssen. Dann kommt es vor. die Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen. So vergibt Deutschland als eines von wenigen Ländern Noten für Doktorarbeiten. beantragte sie die Freigabe für Personenzüge bis 72 Tonnen. Seit vier Jahren lebt der 62-Jährige mit der Diagnose Alzheimer. dass sich das System der Promotion in Deutschland überlebt hat und reformbedürftig ist. dass es selbst ohne Fehler ist? Viele Hochschulrektoren zeigen öffentlich ihr Entsetzen über die Affäre. er habe Alzheimer. Hat es damit bewiesen. das Portemonnaie. Die damals schier unglaubliche Konstruktion reizte zur Legendenbildung: Der Baumeister habe falsch gerechnet. dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat.philippwente. 38 Foto: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. lesen Sie auf Seite 40. überfuhr Bordsteinkanten.und Jugendbuch S.

ihren Blick auf die Welt. auch wenn der Kranke später andere Präferenzen zeige. sondern verwirklicht sich in unseren leiblichen Interaktionen mit der Welt. Doch wer erzählt. Ihr Sinnpotenzial verwirkliche sich durch das Erzählen. und sein Kollege Peter Singer von der Universität Princeton spricht deshalb schwer demenzkranken Menschen das Personsein überhaupt ab. Toleranz und Empathie. Heute bestimmen Philosophen das Personsein auf der Basis von Kriterien. wenn ein schwer Demenzkranker erkennen lässt. Die Alzheimerkrankheit rührt auch an unser Menschenbild. ob er nicht doch was falsch gemacht habe mit seiner Burg. Mitunter liegt die Schwierigkeit aber auch bei seinem Gegenüber. Dabei besäßen sie oft noch Ressourcen und Potenziale. es teile sich mit – auch wenn es sich bei Menschen mit schwerer Demenz nur noch situativ äußere. solange sie dazu noch irgendwie in der Lage sind. So hatte eine scheinbar völlig apathische Heimbewohnerin zeitlebens ihren Beruf als Schreibkraft geliebt. Klar. Schon sprechen einige Philosophen Menschen mit schwerer Demenz den Personenstatus ab (siehe Kasten). dass Demenzkranke häufig mehr Fähigkeiten haben. so folgt aus dieser Sicht. Die Philosophin Agnieszka Jaworska von der Universität Stanford etwa argumentiert. die er in ihre Einzelteile zerlegen kann? Die Heidelberger Gerontologin Marion Bär hat solche Verhaltensweisen zu deuten versucht. sagt der Bonner Gerontopsychiater Rolf Hirsch. Ihm zufolge ist die Person im wesentlichen »verkörpert«: Das Selbst steckt nicht nur im Gehirn. vom kleinsten Stirnrunzeln bis zum Anflug eines Lächelns. dass sie selbst es sind. dass wir Menschen mit Demenz als Personen ernst nehmen müssen – und dass wir ihnen Selbstbestimmung zugestehen sollten. Doch unter Akademikern regt sich Widerstand gegen diese eindimensionale Sicht auf die Person. kann von Menschen wie Zimmermann lernen – von ihrer Kreativität. Die Demenz rührt an das Menschenbild der Leistungs. Der Oxforder Ethiker Jeff McMahan etwa sieht Demenzbetroffene als »Post-Personen«. das »Abbröckeln«. den Würdeanspruch von Demenzkranken zu relativieren – und damit auch unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenüber den Betroffenen. kaum noch Emotionen oder einen Ausdruck von Selbst. »Wir verletzen tagtäglich die Menschenwürde von Demenzkranken«. schaute die demente Frau überrascht und gab wieder ihren Ton von sich. Folglich sei ein solcher Mensch nicht mehr selbstbestimmungsfähig. Nach Auffassung des amerikanischen Psychiaters Steven Sabat sind Menschen mit Demenz immer noch »semiotische Subjekte«. die Suche nach Sinn. hat keine Vorstellung davon. nach ihren noch verbliebenen Wertvorstellungen zu leben. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. die Autonomie einer Person basiere lediglich auf ihrer rationalen Fähigkeit zum Planen und Entscheiden.« Von »Selbstaktualisierung« spricht Andreas Kruse.com Fortsetzung von S. die mit leuchtenden Augen ihre Tätigkeit als Sekretärin in der Einrichtung beschrieb. Es dauert manchmal quälend lange. dann ordneten die Forscher diesen Mustern Basisemotionen wie Freude. wer nicht mehr sinnvoll kommunizieren kann. Eine unsterbliche Idee«) kennt die Demenzproblematik aus der eigenen Familie. sagt Peter Wißmann. Durch das Erzählen erschaffen wir unser Selbst. Wegen ihrer kognitiven Defizite neigten wir allerdings dazu. Und diese Fähigkeit besäßen selbst hochdemente Menschen: Mit ihren Emotionen brächten sie weiterhin ihre Wertvorstellungen zum Ausdruck. Nach ihrer These machen schwer demenzkranke Menschen durchaus Sinnerfahrungen. Oft helfen die intakten Langzeiterinnerungen. Aus den »Krüppeln« von einst sind weitgehend gleichberechtigte Dialogpartner geworden. das sich einseitig am kognitiven Leistungsvermögen orientiert: Wer geistig nicht mehr folgen. müssten wir uns ebenso bemühen.« Stellen wir uns ähnliche Fragen nicht alle? Und haben wir nicht alle womöglich auf Sand gebaut? Schließlich gehört der Verfall. hätten diese Menschen ein intuitives Empfinden. dass er nun eigentlich doch weiterleben möchte? Was ist sein »autonomer« Wunsch? Oder: Wann überwiegt das Fürsorgeprinzip. könne keinen »Gesamtbegriff seiner Situation« mehr fassen. Dieser andere Blick auf die Alzheimerkrankheit legt nahe. Die Wortfindungsstörungen. einer bestimmten Logik. die eine Handlung in Bewegung setzen – und nicht jemand anderer. beteiligen sich an Forschungsprojekten.und Wissensgesellschaft Vor 30 Jahren erstritten sich behinderte Menschen die gesellschaftliche Anerkennung. können wir die kognitive Ungleichheit überwinden – und damit das Gefühl der Fremdheit. Manchen gelingt es sogar. Natürlich könne jegliche Interpretation solcher Handlungen von außen fehlgehen. Autonomie sei weniger eine Sache des rationalen Urteilsvermögens. zunehmende körperliche Probleme bis hin zur Inkontinenz und Bettlägerigkeit. sind unsere unterschiedlichen kognitiven Defizite. Doch indem wir Demenzbetroffene überhaupt als »Sinnsucher« anerkennen. einen Sinn verfolgen – auch wenn es für Außenstehende oft schwierig ist. Solange die Burg bröckelt.philippwente. Sie folgen vielmehr. die Selbstbestimmung demenzkranker Menschen einzuschränken – aus Überfürsorglichkeit. Als diese sich zu ihr herabbeugte und sich die beiden Köpfe berührten. fing die Frau nach kurzer Zeit zu tippen an. Das Seelische drücke sich aus. Wie zum Beispiel soll eine frühere Patientenverfügung interpretiert werden. In den allerletzten Phasen der Krankheit kann es sein. dass wir bei einem dementen Menschen nichts Kognitives mehr finden. Uns alle eint unser emotionales Erleben. sie reagierte auf keine normale Ansprache mehr. die Fähigkeiten von Demenzbetroffenen zu unterschätzen. das Endstadium mit künstlicher Ernährung. die das Kommunikationsverhalten einer schwerst demenzkranken. auch wenn ihnen jegliche Möglichkeit fehlte. Während einige ihre Krankheit herunterspielen oder so lange wie möglich zu verstecken suchen. Entfremdung und Einsamkeit. ihre Freuden. diese in Handeln umzusetzen. für einen Augenblick. Situationen zu bewerten und ihren eigenen Willen zu äußern – und sei es am Ende nur noch durch mimische Reaktionen. aus Achtlosigkeit oder schlicht aus Zeitmangel. jede zweite Frau könnte – so warnt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft – im Laufe des Lebens an einer Demenz erkranken. Hat er mich richtig verstanden? Als ich später das Band abhöre. das Kontinuität zeige bis zuletzt. Plötzlich bekam die Interaktion etwas Berührung bleibt wichtig – auch wenn die Sprache verloren geht Hirn und Person Mit der Alzheimer-Krankheit. im Austausch mit anderen. Unser Selbst steckt demnach nicht in einem bestimmten Hirnareal. Aber was macht die Person aus? Traditionell sind unsere Konzepte von Autonomie und Personalität eng geknüpft an das Vernunftvermögen. ebenso wenn sie ihren Lieblingsaktivitäten nachgingen. Auf dem Papier stand zwar nur Buchstabensalat. Daher lasse sich unsere subjektive Erfahrung nicht auf das Gehirn und die Ratio reduzieren. der schließliche Verlust der Sprache. Forscher der Universität Bangor in Wales etwa befragten Heimbewohner mit leichter bis mittelschwerer Demenz. Das kriegst du voll rein. der Demenzbetroffene in München-Haidhausen. strahlte plötzlich übers ganze Gesicht und sagte nur: »Da hast du aber was weggeschafft. Solche Erlebnisse zeigen: Trotz ihres devastierten Gehirns sind die Äußerungen demenzkranker Menschen keineswegs reflexhaft oder beliebig. die aus dem Kaffeegeschirr kleine Bauwerke errichtet? Oder von dem Mann. Nach Kant ist es die Vernunftfähigkeit. um nach Gegenständen zu fahnden. wer das ist. der ständig mit dem Rollstuhl unterwegs ist. Ellis. Die einen argumentieren. Empfindungen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen zu erfassen. In solchen Momenten frage er sich zum Beispiel. ihre Türen werden verschlossen. Demente Menschen tun im Grunde nichts anderes. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl mehr als verdoppeln. das für Fuchs die Kontinuität einer Person ausmacht. von ihren Bildern. Per Videokamera beobachteten die Forscher demente Heimbewohner in verschiedenen Alltagssituationen – wenn sie Besuch von Verwandten bekamen. war zum einen bedrückend. Aus der Rückschau auf ihr früheres Leben schöpfen viele neues Selbstwertgefühl. dement zu sein«. als wir ihnen gemeinhin zutrauen. Was uns trennt. einen Satz zu Ende bringt. Nur müssen sie immer wieder neue Geschichten erfinden. ist sie noch da. Doch als die Frau das letzte Blatt ausgespannt hatte. Menschen mit Demenz fallen tendenziell aus diesem Personenbegriff heraus. Das erlebte zum Beispiel die schottische Psychologin Maggie P. bettlägerigen Frau studierte. Und da uns die Medizin wenig Hoffnung auf eine wirksame Therapie macht. sondern eher der Fähigkeit. Mit seinem Leben. Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg. zu jeder Existenz. etwas als »wichtig« ansehen zu können. Sein Vater erkrankte vor Jahren an frontotemporaler Demenz. »Wir stehen mitten in einem großen Veränderungsprozess«. 37 nicht mehr selbstständig leben können. so scheint es. bis am Ende alle Blätter vollgeschrieben waren. Viele Betroffene äußerten Gefühle von Angst. Aber wir dürfen nicht aufhören. Das allerdings zwingt zum genauen Zuhören. sollten wir uns mehr auf die Menschen dahinter konzentrieren. wundere ich mich weniger über seine klugen Antworten als über die Banalität meiner Fragen. In der Summe läuft eine solche »Entpersonalisierung« darauf hinaus. Um solche Formen der »Selbstaktualisierung« aber wahrzunehmen. ist auch die Person zerstört. Als ihr die Forscher eine alte Schreibmaschine und Papier gaben. hob die Frau ihren Kopf und rieb ihn an der Hand der Forscherin.38 12. die geweckt werden könnten. Immer mehr Betroffene gehen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. die menschliche Personen von den Tieren unterscheidet – und damit ihre Autonomie und letztlich ihre Würde begründet. »Unser Selbstverständnis an das Gehirn zu knüpfen beraubt uns der Ganzheit des Lebendigen«. habe daher Vorrang. wer kein Reflexionsvermögen mehr besitze. Schon vor Jahren hatte diese ihr Artikulationsvermögen verloren. Trotz weit fortgeschrittener Demenz. Statt den Blick nur auf die Krankheit zu richten. TV Spielerisches – abwechselnd produzierten die beiden ihre Töne und lachten immer wieder dabei. In jeder Person gebe es etwas. Erinnern oder Vergessen. sagt etwa der Psychiater Hans Lauter. Auch in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können sie mitteilen. Doch die Positionen zur Frage der Autonomie sind im Ethikrat gespalten. »Ich fühle mich so allein hier. von ihrem Humor. wer wir sind. Doch wer die Demenz nur auf ein Pflegeproblem reduziert. oder man stellt sie mit Psychopharmaka ruhig. In diesem Punkt sind alle Menschen gleich – mit oder ohne Demenz. sondern es besteht aus einem Netz all der Geschichten. sagt Kruse. irgendwann sei seine »Sandburg« abgebröckelt. sagt Zimmermann. wie die Heidelberger Wissenschaftler nachwiesen. »Auch schwerst demenzkranke Menschen verfügen über ein höchst differenziertes emotionales Erleben«. Das erschüttert allerdings die traditionelle Vorstellung. Was etwa soll man von der Heimbewohnerin halten. Thomas Vašek. Der englische Philosoph John Locke definierte im 17. Wenn das Gehirn zerstört ist. aus denen wir unsere Identität immer wieder neu zusammenweben. gehen in Selbsthilfegruppen. Diese Erfahrungen schlagen sich nieder in Gewohnheiten. wenn man sie zu etwas drängte oder nötigte. Hingegen reagierten sie verärgert. Die Gesellschaft dürfe Menschen mit Demenz nicht länger »ins Abseits der Krankheit und Pflegebedürftigkeit« schieben. die moralisch keine Personen im eigentlichen Sinn mehr seien. Heute geht es um die Rechte von Menschen mit Demenz. wann muss man dem Kranken Selbstbestimmung zugestehen? Solche Fragen sind von drängender Relevanz: Tagtäglich laufen Pflegepersonen und Angehörige Gefahr. die Emotionen. Da ist der Schritt nicht mehr groß vom Menschen zur Sache. was ihnen wichtig ist. um mit dem fortschreitenden geistigen Verfall zurechtzukommen. auf den er sich etwas notiert hat. Wenn die Menschen Zuwendung und Ansprache bekämen. Jeder dritte Mann. argumentiert Fuchs. danach zu suchen. fasst Kruse das Ergebnis seines Projekts zusammen. indem man ihnen hilft. Ich weiß nicht. obwohl sie dort nie irgendwelche Arbeiten übernommen hatte. Ein früherer Wissenschaftler etwa. atmete sie tief ein. bis Christian Zimmermann. mit unserer Unterstützung können Menschen mit Demenz ihren Sinn verwirklichen – und ihr Selbstgefühl aufrechterhalten. Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft. das im Ernstfall das Für und Wider weiterer medizinischer Maßnahmen abwägen soll. Dann reißt das Seil. Als Interviewer etwa wird mir plötzlich bewusst. Was sie in den Interviews zu hören bekamen. Schätzungen zufolge ist jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen: An ihren Betten werden Gitter angebracht. Eine frühere Patientenverfügung. wie ich selbst überdeutlich spreche. Demenzkranke auch im täglichen Leben in ihrer Autonomiefähigkeit gezielt zu fördern. Statt verbindlicher Verfügungen fordert er ein »ethisches Konzil« aus Angehörigen und Ärzten. Als Ellis den Ton nachahmte. geht die Person für sich selbst und ihre Angehörigen verloren. was los mit mir ist. in ihrer Lieblingszeitschrift blätterten oder am Fenster standen und die Vögel beobachteten. Jahrhundert die Person als »denkendes. Journalist und Buchautor (»Seele. Die Frage nach der Autonomie von Demenzkranken treibt ebenso den Deutschen Ethikrat um. so lautet ihre Botschaft. die sich nicht mehr sprachlich äußern können. die irgendwie auf die Erde gekommen sei: »Aber ich weiß nicht. Marion Bär erzählt etwa von einer Heimbewohnerin. der selbst an Alzheimer erkrankte und nun an einem DemenzForschungsprojekt teilnahm. »Wer eine Patientenverfügung unterzeichnet. das soziale Bedürfnis. Ich fühle mich wie ein Außenseiter. Und selbst schwerst demenzkranke Menschen haben – wie neuere Studien zeigen – noch immer ein subjektives Erleben und einen Rest von Selbst. diesen Sinn zu entschlüsseln. weil sie ihre früheren Rollen nicht mehr ausüben können. Manchmal findet er den Spickzettel nicht. worum es in dem Projekt überhaupt ging. das uns von ihnen trennt. sondern mit ihnen. Andere Experten halten dagegen: Demenzkranke Menschen seien selbst in späten Phasen der Erkrankung noch in der Lage. der droht aus der menschlichen Gemeinschaft herauszufallen. zog daraus tiefe Befriedigung. wie es tatsächlich ist. In den vergangenen Jahren sind die Heidelberger Wissenschaftler auch in die Erlebenswelt jener Demenzkranken vorgedrungen. Wie ich auf seine Defizite achte. die Vergesslichen an ihr Selbst zu erinnern. es erfordert Entschleunigung. der braucht Zuhörer. zu denen meist unabdingbar Rationalität und Selbstbewusstsein gehören. Die Wiederholungen. die er einst so akribisch geplant hatte. sie seien »ein Haufen Mist« – oder eine »seltsame Kreatur«. Das passt zusammen mit der Auffassung mancher Hirnforscher. Obwohl er kaum noch verstand. Wer wirklich zuhört. steigerte die bloße Mitwirkung sein Selbstwertgefühl: Als Projektteilnehmer könne er »viel mehr machen«. das Vernunft und Überlegung besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann«. das über Fragen des Umgangs mit den Betroffenen berichtet. setzen sich die anderen aktiv damit auseinander. nach der wir nichts anderes sind als ein hochkomplexes Netzwerk von Nervenzellen. vom »Jemand« zum »Etwas«. das persönliche Erleben von Demenzkranken zu erforschen – ihre Ängste. Es liegt also an uns. so meint Bär. mit ihren Defiziten humorvoll umzugehen. meint Bär: Sie erschafft sich gleichsam eine neue Geschichte – und damit ein neues Selbst. »Das schleppst du immer mit. sagt etwa der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs. Nur im sozialen Raum. mit demenzkranken Menschen zu leben und nicht nur über sie zu reden. im Vollbesitz der geistigen Kräfte festgelegt. was sie wollen und was nicht. Dabei hat die Wissenschaft gerade erst begonnen. die ihr Selbst in ihren leiblichen Beziehungen mit der Welt realisieren können – wenn man sie denn lässt. zeigten viele Ausdrücke von Freude oder Wohlbefinden. Warum die Leute nicht mehr mit mir reden. Herausgeber des Demenz-Magazins. Selten ist in diesem Zusammenhang davon die Rede. Die Philosophin Agnieszka Jaworska geht noch einen Schritt weiter: Sie plädiert dafür.« Andere erklärten. Mehr als eine Million demenzbetroffene Menschen leben derzeit in Deutschland. Manchmal allerdings stieß sie einen durchdringenden hohen Ton aus. folgt daraus zwangsläufig: Wir müssen lernen. Dazu braucht es Zuhörer Menschen sind im Kern »narrative« Wesen: Mit unseren Geschichten erzählen wir uns und anderen. die ein Anliegen. das ist der Knackpunkt. Ärger oder Traurigkeit zu. der redet am eigentlichen Notstand vorbei. glaubt Kruse. Wir alle schreiben mit an ihren Geschichten. also sinngeleitete Wesen. ist mittlerweile sprachund bewegungsunfähig und wird zu Hause gepflegt . zum Verstehenwollen. Überall fehlt es an Geld und an Personal. in einem »Leibgedächtnis«.« Demenzkranke Menschen entwickeln aber auch Strategien. Dabei wurden zunächst die mimischen Ausdrucksmuster aufgezeichnet. erklärte der Mann – im Heim hingegen sei er »nichts«. verständiges Wesen. Vielmehr müssten wir auch demenzkranke Menschen als Personen betrachten.

Die übrigen tag viel Glück!« brauchen eigentlich eine 1:1-Betreuung. So diskutiert Jenny Sauerwald mit ihren Mitarbeitern gerade. der seit einer guten Stunde im Sessel neben mir hängt und reglos vor sich hin starrt. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. Was tun? Das Haus im Park wird eine Ethik-Konferenz einrichten. Gegenüber schreien nicht herum – sie vokalisieschwer demenzkranke Menschen nicht allen.8 70–74 60–64 90–94 Jahre 30–59 Jahre 60 – 64 65 – 69 70 – 74 75–79 80 – 84 85 – 89 90–94 95–99 2005 2015 2030 ZEIT-Grafik/Quelle: Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung 100 + Foto [M]: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. Hier ist der einzige Ort. die von einem eigenen Verein. Respekt. Sogenannte rung im Bett und künstliche Ernährung. In breiten roten Samtsesseln schlafen die Alten. was in dieser schen mit Demenz.« Da war mal putiert werden. ist sie grundsätzlich auswünscht sich sogar. Andererseits: Beim Waschen und Anziehen werden die Menschen bewegt. In Großbritannien wird dieser Tage über Demenz und Euthanasie diskutiert. findet der umstrittene australische Philosoph Peter Singer. brumm. Frau jetzt Freiwillige. die dicke BMW. um eine Vorstellung von der Lebensphase zu bekommen. ein Foto. »Sie haben heute Geburtslusten zu sprechen. an den der Bürgerpark anschließt. sind sie häufiger betroffen Von 100 000 Menschen erkranken an Demenz: Gesellschaft der Dementen Entwicklung der Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Altersgruppen 2008 800 000 600 000 400 000 200 000 80–84 65–69 75–79 85–89 95–99 2030 2050 Männer Frauen 32. dass mir selber die Tränen kommen. Wasser und Erde sammeln sich Linde mit anderen Erkrankten man. Helm auf. statt von DemenVON BURKHARD STRASSMANN gesprochen biestig. la France. Ein lichtdurchflutetes. Wertschätzung. nichts mehr essen. zeitig das Essen an. Doch es geht hier ausdrückschlaf aufgetaucht und zur Party lich um Würde oder. um den Lieberschienen sind. die sich allen Bemühungen widersetzt. Nach dem Dessert Sauerwald. Doch einen solch rabiaten Zwang zum Weiterleben lehnen die Mitarbeiter vom Haus im Park ab. die winzige Frau Erlenmal hintereinander beim Bäcker bruch windet sich in unbeobachBrötchen holen. hast du vollgetankt? Quelle heure est-il? Oh. was er mitkriegt vom frischen Grün und vom Gezwitscher. Herr Knorr hilft! Er kann sich hochdrücken und schließlich. chaotischen Welt einen Kommunikationskanal finden. Haus im Park. Leiden unter acht.0 6. Generell versucht man. Eine alte Dame will nicht mehr essen. falls keine Patientenverfügung das ausschließt. dass die Krankheit sich wie eine Infektion ausbreitet. brumm.1 13. Achtung: klingt gut. der Kopf ist nach hinten gekippt. Könnte man sich auf T-Shirt und Trainingshose beschränken. Gemeinsam mit Ärzten und Angehörigen wird in einer solchen Konferenz das weitere Vorgehen besprochen. ein Geruch. Außerdem soll er gern nach Frankreich gereist sein. V. Ein Geruch. und es ist offensichtlich. Herr Knorr ist sehr schwer. nicht reißt er den Mund auf und verschluckt unterschiedsVerarbeitete kommt heraus«. Die Leiterin des Wohnbereichs Luft.6 247 (1. die uns ein längeres Leben beschert.2 0. das Gewicht der Demenzkranken auch in einem späten Stadium auf dem gleichen Niveau zu halten. an einer Form der Demenz zu erkranken. weil sie ihren schaft an Freiwilligen. Dann mussten ihm noch etwas in ihrem Leben zu erledigen zu haben. Geburtstag drehte er sich ohne erkennbaren außergewöhnliches Haus. Als er vor fünf runterschluckt. also sterben zu wollen. Biografischen Schlüsseln. sie meint ja Jahren ins damals neu eröffnete Haus im Park kam.67 %) 183 (1. Der Anstieg ist schlicht die Folge unserer Wohlstandsgesellschaft. Ich reiche Beate Vetter hat schon oft Schläge abbekomHerrn Gabler und seinem Tischnachbarn gleichmen von Frau Vogel. also »geistlos« Im Bremerhavener Haus im Park werden die Palliativversorgung. Nun gibt es dort gerade eine alte Dame. weiß man um ihr ihrem Rollstuhl hereingefahren. en vacances. Beruhigungsmittel. Drei Tage lang darf ich hier hospitieren. nicht mich. hier arbeiten – haben den Tisch An die etwas sperrigen Begriffe mit Girlanden dekoriert und einen gewöhne ich mich schwer. Darf sie gezwungen werden? Noch tiefer reicht die Frage nach dem Respekt angesichts des offensichtlichen Wunsches eines Bewohners.31 %) 1. bis alle reichen statt füttern. pardon madame. ließen sich mehr Zeit und Kraft in die Mahlzeiten investieren – die Momente intensivster Zuwendung am Tag.com . nicht Gelebte. was gerade als Schlüssel gewirkt hat. Doch an seinem Das Haus im Park ist ein in vielerlei Hinsicht 90. Wohnbereich statt Licht-Bewohner aus dem MittagsStation.5 18. nehme ihn fest in den Arm. Das schreckliche Wort vom Verhungern reicht fast immer. steigt mit fortschreitendem Alter. Lederjacke an. Hier leben die schwer Demenzkranken. wenn der Betreute tagsüber rundum gutbürgerlich wirkt. wussten die Angehörigen zu erzählen. arbeiterinnen Sorgen: »Wertschätzung brauchen Da reißt er die Augen auf und schaut mich so – ja: die auch!« privat – an. entspannen sich. Der Wohnbereich im ersten Stock namens Licht ist zwar nicht offiziell. Mit meinem Gestammel habe ich einen Kontakt zu dem alten Herrn gefunden. Das liegt nicht daran. betreut werden. jede ethische Diskussion zu beenden. Und Bewohner tag. Dement.3 31. Es kann eine Melodie sein. Unter anderem verzichAuslöser zu ihr und sagte: »Hallo. und wenn alles gut geht. dass einige Bewohner war er noch ein flotter Tänzer.6 3. voilà. Die Zahl der Demenzerkrankten nimmt weltweit proportional zur Zahl der alten Menschen zu – unabhängig von geografischen und kulturellen Unterschieden. der Texaner Richard Taylor. künstliche beim Ankleiden. das »Zuhause für Menschen mit Demenz«.und liebloser Sie ist deutlich noch kein Fall für Terminologie. die Menschen mit Demenz aufnehmen – »schöne wache Augen«. Beate Vetter. Zum Glück hört mich einer.2 1. Menschen Erdbeerkuchen aufgedeckt. ihr etwas Essbares zu geben. nur drei von ihSituation durchaus verrückt klingt: »Zum Geburtsnen können noch selbständig essen.. fast allein stehen.6 0. * Namen der Bewohner von der Redaktion geändert Mittags wird es voll im Bereich Licht. meint auch Jenny los große Mengen an Nahrung. beim Blutzuckerselbstbewussten Menschen mit Demessen oder beim Essen anreimenz. Die Wahrscheinlichkeit.1 %) 203 (1. hatte mir »Motorrad« und »Frankreich« als Schlüssel für Herrn Knorr mitgegeben. monsieur. Lange schaut er mich an. scheint er – mit weit offenem Mund – zu schlafen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 39 Z um Glück hört mich keiner. in Prozent 36. Denn auch die schwer Demenzkranken. So wie früher. die ihr näher kommen. war mal ein Motorradfan. Der Lkw-Fahrer. Von Betroffeschon überall am Kuchen genen im Frühstadium. der dauernd Betrachter wie ein auf den Stoffwechsel reduzierter herumgeschrien hat. Lieber Alltagsbegleiter – das sind alle. Herrn Knorr schmeckt es noch. muss ich feststellen. die Gründerin und Heimleiterin. was machst du tet man – im Gegensatz zu den meisten Einrichdenn hier?« Seitdem hat er bloß hin und wieder tungen. und gemeinsam stehen wir auf. Seine Augen suchen meine Augen. doch egal. wenn sie irgendwo in ihrer verworrenen. Ein Star der Szene der neuen bevormundet. aber noch gut Frau Vogel wird als Letzte in reden können. an dem gesamt 61 Bewohner gibt es eine knappe Hundertsie keine Schuldgefühle plagen. Frau Vogel!« – »Das ist mir ließe sich durch Freund ersetzen. ob es ihm gut geht und guttut. ihn einfach zurück in den Rollstuhl zu heben ist unmöglich. Traditionelle Pflege und die Angehörigen wollen das so – die Frauen müssen adrett sein. das zweites Zuhause geworden. FixieHeute hat Frau Vogel Geburtstag. ein Berührung oder eben ein Begriff. du Arsch!« Das anweIm Licht leben fünfzehn Mensende Personal singt. wird meist. sagt seine Frau. da halten wir an und trinken einen Kaffee. ans Meer. du Arsch« Ab 80 steigt das Risiko Häufigkeit von Demenz in verschiedenen Altersgruppen nach Geschlecht. Die notorisch lingsausdruck im Heim zu benutzen: hungrige Frau Rudersdorf hat da um »Wertschätzung«.0 Wachsendes Problem Zukünftig wird es immer mehr Demenzkranke geben. merci. Und lacht. bewegt plötzlich langsam den Kopf. die keine Pflegeaussitzt einer eine geschlagene Stunde bei den Kranbildung haben. Er hängt im Rollstuhl. Seit fünf Jahren redem Solidar e. Nähere ich mich ihm mit einem Löffel. Ich streichele seine eiskalte Hand.de/audio »Ist mir egal. manche sprechen sogar abschätzig von »Gemüse« oder »welken Hüllen«.« Bremerhaven.1 4. Sie schlägt und ten von Personen mit kognitiven Verspuckt. auf nach Dangast.9 1. in freundlichen Farben gehaltenes zweigeschossiges Haus in U-Form. Essen andauert eineinhalb Stunden. jetzt kommen die Motorräder aus der Garage.9 5. eine Berührung – vieles kann einen Kanal in den Geist öffnen Von Schlüsseln sprechen sie hier. Herr Gabler hat einen Meisterdass die Wohnbereichsleiterin das nicht leicht brief als Glaser im Zimmer hängen. ob ren. eine aufregende und beglückende Erfahrung für mich. Nicht immer versteht Abteilungen Luft. auf dem Sozius sitzt eine Schöne!« Herr Knorr*. einer ist an einen Rollstuhl geschnallt. Und sie obachtet und spricht. eine Magensonde eingesetzt. aber de facto der Palliativbereich des Heimes. Was für ein Abenteuer! www. die jeder Dritte von uns erleben wird. Mann ins Heim gegeben hat. sie sagt: als wir hier bedeutet besonders hoher Pflegebedarf.1 32. infolge einer Diabeteserkrankung beide Beine am»Sie können noch nicht loslassen. det Herr Barnstedt nicht mehr. Sie sind noch Menschen. drumherum ein großer Garten.WISSEN T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer 12. Auch in den Vielleicht ist dieser Kontakt durch die BerühSpielerische Tagesgestaltung: Bernd rung zustande gekommen. Es mit Demenz statt Demente. ausdrücklich auf medikamentöse Sedierung. Ernährung und Festschnallen sind tabu chen. Für die inseingezogen sind. die oft unter Schmerzen und Ängsten leiden. Über beide Backen.5 22. Ich habe keine Ahnung. Das Heim ist ihr – die Hälfte der Bewohner hat die Pflegestufe 3+. die Sehnen gedehnt. Mit den Festangestellten allein ließe Barnstedt besucht ihren Mann hier im Haus im sich das Arbeitspensum überhaupt nicht bewältigen Park sechs Tage in der Woche. eine Frau schnarcht auf einem Sofa. Ich hocke mich also vor ihn. doch im Alltag stellen sich da viele Fragen. Nicht selten macht sie sich darum um ihre MitSacht und etwas verlegen drücke ich seine Schultern. Was für einen Blödsinn ich rede: »Café au lait.zeit. Plötzlich rutscht er vollends aus dem Stuhl und sitzt vor mir auf dem Boden. die etwa dreinascht.philippwente. die Männer mindestens ein gebügeltes Hemd tragen.5 2. ob man Demenzkranken in ihrer letzten Lebensphase noch die für alle so mühsame tägliche komplette Körperreinigung und das aufwendige und oft schmerzvolle Anziehen zumuten soll. der SS. Socken über die teten Momenten die Girlande um Schuhe ziehen oder ihre Haustür den Kopf. ja. »Ich sage mir immer. Sie bemöchten sie nicht heißen. Er beginnt zu weinen. Er war Nazi gewesen.7 12. nicht mehr erkennen. »C’est la vie mon ami. Nach der Geburtstagstafel gehe ich mit dem alten Lkw-Fahrer in den Park. Wieder eine umwerfende Erfahrung. Das mit der beglückenden Erfahrung scheint für beide Seiten zu gelten. bei Körperrest. aber auch nicht rein ehrenamtlich ken und reicht ihnen das Essen an. Kann Gewichtsverlust nicht verhindert werden. aber keine Personen mehr. Am Ende sitzt er wieder im Rollstuhl. wir schauen uns in die Augen – und er lacht.1 0. Und wahrscheinlich hat es zumindest auf das Personal eine gewisse Wirkung. während ich mit einem Fuß den Rolli herbeiangele. »Alles Verdrängte. sterben sie auch hier. Heute wirkt er auf den flüchtigen ein ungewöhnlich aggressiver Mann. mon Dieu.« Sie glaubt.

Oft leben die Angehörigen nur noch für ihren dementen Partner. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will pflegende Angehörige vermehrt entlasten. Am Mittwochmorgen um zehn Uhr bringt Beate Linde ihren Mann für zwei Stunden zur Betreuung. Darum weiß sie auch nicht.86 Meter groß. greift seine Hände und sagt: »Eins. an dem er nicht mehr auf mich reagiert. hinsetzen!« Als er sitzt. räumt das Bücherregal aus. Beate Linde hat sich vorgenommen. diesmal kirchlich. »Was wäre. Die Landschaftsbilder an den Wänden könnten auch bei Oma hängen. spricht sie ihn an. »Ich weiß nicht. hofft alles. Aber sie glaubt es zu wissen. Mai 2011 Fotos: Philipp Wente für DIE ZEIT/www. wenn er müde ist. ein bisschen schlafen.« Jetzt gehen die beiden recht zügig und haken sich ein. einen Schnabelbecher zu erreichen.« Mit dem Zaun kann sie sich ein bisschen entspannen. denn alle Matratzen sind mit einem speziellen Bezug geschützt. Die fürsorgende Ehefrau und Mutter kümmert sich um den kranken Partner. Manchmal gibt er ihr ein Küsschen oder reibt seine Nase an ihrer. »Setz du dich bitte hin. zwei. Sie kennten die Angebote kaum und hätten »häufig gar nicht mehr die Kraft. »Ich wollte meinem Mann noch einmal was versprechen«. wischt mit der Serviette über seinen Mund. wo sie auch ein Buch lesen kann. unter anderem auch mit Kuren. Berge. kommen die Nachbarn oder ein Schwager rüber. Das hat sie auch früher nicht getan. »Viele pflegende Angehörige nehmen Entlastungsangebote nur zögerlich an«. fühlt sich zu Hause am wohlsten«. ohne nach ihm sehen zu müssen. während er im Wohnzimmer die Bücher aus dem Regal zieht. wie es war.« Bisher gibt es auch kaum Hotels. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. »Hier kümmert sich endlich mal jemand um mich. Weil sie ihn pflegt.« Sie drückt. Walter Körle schläft. Sie und ihr Mann schlafen immer im selben Zimmer.de/Entlastungsangebote www. vergleichbar mit betreuten Er umschließt fest ihre Hand und geht hinter ihr zur Tagespflege. »Bis später«. »Klopf. sondern jemand kommt und fragt. Das Gelände ist ebenfalls eingezäunt. Wenn sie kurz wegmuss. Es hat gedauert.« Fünf Tage und sieben Nächte die Woche sorgt Frau Linde für ihn. »Das ist unsere artgerechte Freilandhaltung. Im Sauerland gelingt ihr das. sagt sie. »Wenn es mir gut geht. beispielsweise zu einer Angehörigengruppe zu fahren«. Sie suchten lange nach einem Trauspruch und entschieden sich für den Ersten Korintherbrief: »Die Liebe erträgt alles. selbst krank zu werden. Diese Verteilung ist ungewöhnlich. die sich wie das Landhaus im Sauerland ausschließlich auf Tandem-Urlauber spezialisiert haben. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verfünffacht – und dürfte wohl weiter wachsen. als ein Nachbar den Zaun beäugt. Denn eine Auszeit ändere nichts im Alltag. hielte seine Windel nachts mal nicht dicht. auch die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen. sagt sie und lächelt. sagt Gabriele Wilz. sagt Frau Linde. »Du bist ganz müde«. setz dich bitte«. in einem Hotel in Winterberg. dass er wegläuft. Viele schotten sich zudem ab und riskieren. Wälder und ein kleines Dorf. auf Wiesen. das ist für meinen Mann«. »Nur ziehe ich ihn heute wie eine alte Kuh hinter mir her«. »Ich bin daheim ja auch eingesperrt. »Und manchmal«. umarmt sie ihn. »Schlaf ein bisschen. 1. Als sie ihren Mann Bernd später abholt. fragt sie.« Neben dem Landhaus gibt es rund 25 weitere Anbieter. B Urlauben gemeinsam mit den Erkrankten. in den Urlaub zu fahren. im »Küchenflur« Kaffeemühlen zum Selbermahlen. Nur wären sie dort nicht festgeklebt. danke für jeden neuen Tag. Seit der Hochzeit verliert sie ihren Mann jeden Tag ein bisschen mehr.« Sie rahmte den Spruch ein und hängte ihn in den Flur. was sie möchte. Ich pass auf dich auf. Weil Beate Linde. auf Wunsch reisen teilweise auch Pflegekräfte und Ärzte mit. konstatiert Frau Körle. da war er 61. Im Hotel ist alles festgeklebt – sogar die alten Bügeleisen auf dem Kachelofen Sie ist mit ihm wieder nach Winterberg gefahren. ruft sie dann und läuft zu ihm. »Wenn es bereits ein Problem ist. Italien oder Thailand. Es wäre auch nicht schlimm. wie jeden Morgen und jeden Nachmittag im Urlaub. Gegenüber von Herrn Linde sitzen Walter Körle.« Sie bekommt monatlich 685 Euro Pflegegeld. und zwei ältere Frauen. die sich auf Demenzkranke und deren Angehörige spezialisiert haben. »Ich bin alleinstehend mit besonderen Erschwernissen«. bis sie das begriffen hat und die Zeit ohne ihn genießen konnte. Beate Linde pflegt ihren Bernd im fünften Jahr. »Es ist wie nach Hause kommen«.com DIE ZEIT No 20 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Angst vor Alzheimer WISSEN Urlaub von der Verantwortung Weil Beate Linde ihren Mann liebt. Beate Linde und Freundin Elfriede Körle ziehen sich die Jacken für ihren Spaziergang an. und sei es nur für zehn Minuten. »Ganz frei ist man nie«. hat sie im vergangenen Jahr mit ihrem Mann fünfmal Urlaub gemacht. dann ist es eine Riesenüberwindung. Manchmal fällt dabei etwas runter. er könnte stürzen. ihren Mann liebt. Vor sieben Jahren. beidseits geht es recht steil bergab. fragt sie sich.zeit. pflegt sie ihn. es gefalle ihm nicht?« Weitere Informationen unter: www. ihren Partner zu schlagen. Deswegen wandelte die Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen das heutige Landhaus Fernblick vor sechs Jahren um: Aus einem Mutter-Kind-Haus wurde das neue Hotel. »Bernd. war früher der Kindergarten. Viele Anbieter mieten für die Reisegruppen behindertengerechte Unterkünfte.philippwente. Die Tür ist mit einer Kette verschließbar. »Bernd. reichten jedoch nicht aus.deutsche-alzheimer.« Sie lächelt und streichelt seine Hand. geht es auch meinem Mann gut«. sagt sie. klopf«. Dafür reist sie in ein besonderes Hotel VON FRAUKE LÜPKE-NARBERHAUS eate Linde hat im Garten ein Stück Rasen eingezäunt – damit ihr Mann nicht wegläuft. sagt sie und küsst ihn auf die Wange. Wo heute die Tagespflege ist. Sie bringt ihn zu seinem Platz. Leiterin der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention an der Universität Jena. An zwei Tagen in der Woche bringt sie ihren Mann für sechs Stunden zur Tagespflege. In Deutschland werden rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Die drei Betreuer in der Tagespflege stimmen wie immer ein Begrüßungslied an: »Danke für diesen guten Morgen. Zu Hause sitzt sie neben ihm auf dem Sofa. als wollten sie sich gegenseitig stützen. Wo sie nicht kochen muss. als er noch gesprochen hat. Noch hilft er mit. Ohne Menschen wie Frau Linde würde das System zusammenbrechen. Sie nimmt sein Lätzchen ab. Ärzte und Kassen müssten die Entlastungsangebote bekannter machen. »Ich habe Angst vor dem Tag. »Wie soll das auch gehen?«. sagt sie. Ihr Zimmer liegt auf dem »Winterflur«: An der Wand hängen Ski aus Holz. In fünf Jahren ist sie nie ausgefallen. Wenn sie nicht irgendwann selbst erkranken. Dort. zu überstehen. Er dekoriert oft um. Doch das ist gar nicht so einfach. beruhigt Linde. Das Hotel will seinen Gästen so viel Sicherheit und Halt wie möglich bieten. wollen ihren Partner aber nicht weggeben. »Das ist mein Urlaub. legt ein Kissen und ein Taschentuch aufs Sofa. Hier hat sie kaum Angst. aber sagt nichts. das gehört wohl zum Rollenverständnis. seien zwar hilfreich. Frau Körle hatte seit Wochen ihr Haus nicht verlassen. Ihr Haus steht am Hang.40 12. Aus demselben Grund kaufte sie für ihren Mann auch einen Fernsehsessel. Sie hat Angst vor seiner Antwort. Eigentlich ist im Landhaus alles festgeklebt. der Mann von Frau Lindes bester Urlaubsfreundin. muss sie sich regelmäßig von ihm erholen. wenn er sagt. Frau Linde geht viel mit ihrem Mann spazieren. 53. ob er mich als seine Frau einordnet oder nur als positiv besetzte Person«. Er fährt mit der Hand über ihren Rücken und klopft auf ihren Po. »Davon pflege ich mich in Winterberg. so gut es geht.« Bernd Linde guckt nur. Die Liebe hört niemals auf. 82 Kilo schwer. die zum ersten Mal ihr Kind in den Kindergarten bringen. dass seine Zielgruppe schwer von einem Urlaub zu überzeugen ist. sagt sie. drei. »So ganz frei ist man hier aber auch nicht«. Danach haben sie noch einmal geheiratet. Im »Uhrenflur« hängen alte Uhren. Raus aus dem Alltag: Die Reise der Lindes ins Sauerland Auch Spanien oder Thailand sind im Urlaubsangebot für Demenzkranke Auch die Angehörigen brauchen mal Pause. Einige offerieren sogar Urlaub in Spanien. sagt sie. Seit über einem Jahr spricht er nicht mehr. »Ist er hingefallen?«. hält allem stand.« Ein Zuhause. Kuren. »erinnern mich die Angehörigen auch an Mütter und Väter. sagt der Leiter Andreas Frank. ob ihm der Urlaub im Sauerland gefällt. glaubt alles.de/audio . Dann liegen seine Beine hoch. Landhausleiter Andreas Frank bestätigt. kam die Diagnose: Alzheimer. ein CD-Player spielt Schlager. »Wir bekommen kein Pferd. sagt sie. die Krankheit ihres Mannes. hoch!« Sie lehnt sich nach hinten und zieht ihn hoch. und er läuft nicht – sonst pilgert er pausenlos durchs Haus und hört selbst dann nicht auf. sagt sie. fragt sie ihn nicht.« Er lächelt zurück. stellt sich vor ihn. Normalerweise sind hier etwa 30 Prozent der Demenzkranken weiblich. pflegt sie ihn. fangen sie schlimmstenfalls an. Von dort schauen sie ins Tal. Die thematischen Flure sollen die Orientierung der Bewohner erleichtern und ihr Langzeitgedächtnis mit alten Gegenständen ansprechen. »Er hat nichts davon. An der Wand hängen Kartoffeldrucke. Weil sie ihn pflegt.

die im 19. Inzwischen steht Roslings Software jedermann zum Experimentieren offen – die Firma Google hat sie gekauft und bietet nun den Dienst Google Motion Chart an. Mit einem Beamer präsentiert er die von ihm entwickelten »Blasendiagramme« (siehe auch Grafik Nr. und 19. Was Galileo durch sein Fernrohr sah und abzeichnete. wie der Riese China den Rückstand zur westlichen Welt aufholt. auf der sie beruht. was man mit den umstrittenen Vorratsdaten anfangen kann. nicht nur am Beispiel der zeitweise regelrecht modischen Fraktale. Jahrhundert von einer regelrechten Bilderfeindlichkeit geprägt war. GRAFIK Futter für das Augentier Wissenschaftler und Journalisten entdecken die Vorzüge der Infografiken VON CHRISTOPH DRÖSSER WISSEN IN BILDERN 12. von Visualisierung auf den Punkt: einen Sinneskanal zu öffnen. Die meisten erlagen nicht den Wunden. Damit verbinden wir eine Frage an unsere Leser: Welche Grafik hat Ihnen am besten gefallen? Wer an der Wahl teilnimmt. »Ich habe meinen Studenten früher riesige Mengen von Unicef-Statistiken über Einkommen. 49. eine Variante der heute so verbreiteten Tortengrafiken. Über die Selektion der Daten kann der Autor die Aussage beeinflussen – aber wie die Welt sein soll. die sich nur in streng logischen Abfolgen mathematischer Sätze zu manifestieren hatte. Hans Roslings Animationen entfalten nur deshalb ihre Dynamik. Die wichtigste Lehre. wenn der Nutzer interaktiv eingreifen kann. zu denen ein Forscher gekommen ist. Damit fing alles an – vor etwa 30 000 Jahren Vor zwei Jahren. F Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich Infografiken im Netz. Die Evolution hat uns gelehrt. sagt die Grafik nicht. Dabei sind seine Mittel schlicht. die sie vorfanden.100 . die er überbringen will: Es ist schon lange nicht mehr sinnvoll. Grafiken und Statistiken zu zeigen. das Buch »Wissen in Bildern« zu gewinnen. um Struktur in einem Gewirr von Zahlen zu finden. Dann beginnen die Blasen zu tanzen. Lebenserwartung und Fruchtbarkeitsziffern kopiert«. Die wachsende Datenflut. Bilder haben eine starke Überzeugungskraft. die zu diesen Erkenntnissen geführt haben. Wer das kleine Kästchen des Bundes-Bildungsetats mit den größeren Rechtecken des Banken-Rettungspakets oder des Vermögens der Albrecht-Brüder verglichen hat. Der nächste Schritt des »datengetriebenen Journalismus« im Internet ist es.de. oft mit einem Blick in einer unübersichtlichen Umwelt das wesentliche Muster zu erfassen. der versteht die Zusammenhänge nicht nur besser – der Trickfilm brennt sich auf eine Weise ins Gedächtnis ein. erzählte Rosling dem Economist. war stärker als alles philosophische Räsonieren über den Lauf der Gestirne. Sobald ein Land die sozialen und politischen Voraussetzungen erfüllt – und das heißt insbesondere: Gleichstellung der Frauen –. sondern auch die Daten.de 1953: Die DNA wird entschlüsselt. 89). Damals war Anschauung verpönt. holt es in Windeseile die Entwicklungen nach. und begründeten die moderne Biologie. über das Auge Erkenntnisse zu vermitteln. Man kann mit Bildern lügen. Die Doppelhelix der DNA ist nicht nur die sachliche Darstellung des Lebensmoleküls. wie es eine Sammlung nackter Zahlen niemals könnte. gehört die grafische Aufbereitung. 67 auf der nächsten Seite): Jedes Land ist entsprechend seiner Bevölkerungszahl ein mehr oder weniger großer Kreis. 1895: Der Physiker verewigt als Erstes die durchleuchtete Hand seiner Frau So stimmen Sie ab: Schicken Sie eine E-Mail (bitte nur eine pro Person!) mit der Nummer Ihrer Lieblingsgrafik im Betreff an grafikwahl@zeit. »über die Augen zu bewirken. was wir der Öffentlichkeit über ihre gegen Worte abgedichteten Ohren nicht vermitteln können«. Mai. um zu zeigen. die von den dahintersteckenden mathematischen Modellen oft gar nicht gedeckt wird. die Welt einzuteilen in die industrialisierten Länder und die Entwicklungsländer. Selbst Bundesminister haben ja manchmal Schwierigkeiten zu sagen. Atemlos wie ein Sportreporter kommentiert Rosling beispielsweise. Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www. Vor zwei Jahren hat sich das Wissen-Ressort der ZEIT entschlossen. die bei der Benutzung eines modernen Handys entstehen. Auch die Wissenschaften arbeiten verstärkt mit Bildern (diese Seite). Dynamik erhalten die Grafiken. Allerdings hat diese »ikonische Wendung« hin zur Bildsprache in der Wissenschaft auch Schattenseiten. indem Rosling noch die Zeit als vierte Dimension hinzufügt und im Zeitraffer die letzten 250 Jahre Revue passieren lässt. bewegen sich von einer Ecke des Graphen in die andere und zeigen wirtschaftliche oder gesundheitspolitische Welttrends auf. Infografik und wissenschaftliche Visualisierung setzen auf diese außerordentliche Fähigkeit. wie heikel die abstrakten Daten sein können. jede Statistik ist nur so gut wie die Zahlen und Gleichungen.« Wer einen seiner Zeitraffer-Filme gesehen hat. Auch deshalb ist die Grafik-Seite ein Wagnis in der traditionell meinungsstarken ZEIT.niels-schröder. der Code des Lebens ist entdeckt 1975: Am Computer generierte Fraktale eröffnen den Blick in eine neue mathematische Welt Christoph Drösser (Hg. Damit brachte sie das Potenzial von Infografik. 1610: Per Fernrohr entdeckt der Astronom die Mondkrater und die Phasen der Venus 1835: Die Vielfalt der GalápagosFinken inspiriert den Biologen In der wachsenden Datenflut helfen Grafiken bei der Bewertung Das beginnt mit der einfachen Darstellung von Größenordnungen. Beschleuniger und andere Forschungsinstrumente geliefert wird. Auf ZEIT online konnte der Nutzer sich selbst in die Rolle des Schnüfflers versetzen und die Spur des Politikers an einem beliebigen Tag zu einer beliebigen Uhrzeit aufnehmen. hat die Chance. Ähnlich verfuhr auch das GuttenPlag Wiki bei der Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsministers. Einsendeschluss ist der 19. was die Forscher sahen – sie strukturierten damit die Vielfalt des Lebens. seien dazu geeignet. Die anatomischen Zeichnungen des 18. Sagen die wirklich mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte? Mehr vielleicht nicht. über den man Einsicht und Erkenntnis ohne Worte direkt erzeugen kann. ist zu kostbar. Das ist ein Grund dafür. die durch Satelliten. Aber jede Simulation. er ist ein gefragter Redner. die sie sich im Gefecht zugezogen hatten. Ein Infografik-Pionier des 21. gehört auch zu den Pionieren der Infografik. Der Mensch ist ein Augentier.): Wissen in Bildern Edel Verlag. Im Jahr 1858 erstellte sie ein sogenanntes polar-area diagram. Der Augsburger Medienforscher Michael Stoll erklärt. Damit wurde die Sinnlichkeit der inneren Bilder geleugnet. Gewiss hat die resultierende Grafik. Die ZEIT ist mit der neuen Lust an Bildern nicht allein: Viele Print. die in Wahrheit natürlich jeder Mathematiker von seinen Objekten hat. 128 S. Das ist eine voyeuristische Spielerei – aber danach weiß man. die Leser selbst in die Aufbereitung der Daten einzubeziehen. Unter allen Einsendern verlosen wir fünfmal den großformatigen Sammelband »Wissen in Bildern« mit 60 Grafiken aus unserer Serie. »aber das hat ihre Weltsicht nicht verändert. aber sie sagen es auf andere Weise. oft mühsam recherchiert. Illustrationen.. Der britische Guardian stellte die vom Unterhaus veröffentlichten Spesenabrechnungen der Abgeordneten ins Netz mit der Aufforderung an die Nutzer der Internetseite. Jahrhunderts ist Hans Rosling. Jahrhunderts waren mehr als die quasifotografische Abbildung dessen. sondern potenziell viele. weil sie sich über die Zeit entwickeln. die für ihn aber kaum konkret begreifbar sind. sagte Nightingale. sondern vermeidbaren Infektionskrankheiten. erschien die erste ganzseitige Infografik auf den WissenSeiten. wie man gute Infografiken von schlechten unterscheiden kann (Seite 44). Und zu den wichtigsten Werkzeugen. und noch spannender wird es. Inzwischen gehören bunte Bilder und Grafiken auch zum Standardwerkzeug der abstraktesten Disziplinen. In der ZEIT haben wir einen Tag im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz dokumentiert (Grafik Nr. wie viele Nullen eine der Euro-Milliarden hat. Die Klimaforscher hätten mit ihren Warnungen vor den Folgen des Klimawandels längst nicht so gut an die Öffentlichkeit dringen können ohne die bunten Bilder eines heißen Planeten im Jahr 2100. in der die plagiierten Seiten rot gekennzeichnet waren. Mit der Entwicklung des Computers wurde es möglich.und Onlinemedien präsentieren Informationen zunehmend optisch. selbst nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. wenn die Datenflut von einzelnen Rechercheuren gar nicht mehr zu bewältigen ist. denen sich die Ohren verschlossen haben.95 Euro 1972: Zwei goldene Platten an Bord der Raumsonden »Pioneer 1« und »Pioneer 2« sollen Außerirdische über das Leben auf der Erde aufklären . Fotoseiten. Seitdem haben wir Ihnen 99-mal ein Thema in Bildern präsentiert – Infografiken. 1596: Die Planetenbahnen als ineinandergeschachtelte platonische Körper Mit Bildern lässt sich auch trefflich lügen Auch die Wissenschaft setzt zunehmend auf die Kraft des Bildes. wie sie sich unter bestimmten Voraussetzungen entwickeln könnte. in der ZEIT-Ausgabe 26/09. eventuell noch. nachdem das 20. Jahrhundert die moderne Krankenpflege begründete. jede Woche eine ganze Seite der Infografik zu widmen. »Auf Meinungsvermittlung und Konjunktiv versteht sich die Infografik schlecht«. In der Mathematik ist in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Freude am Bild entstanden. Ein weiterer Grund für die Forderung nach open data: Ein anderer Forscher prüft dieselben Daten vielleicht mit anderen Fragestellungen und kommt damit zu neuen Ergebnissen. für Gelehrtenschulen wie das unter dem Pseudonym »Bourbaki« schreibende Kollektiv französischer Mathematiker waren Zeichnungen und Diagramme Verwässerungen der reinen mathematischen Idee. etwa bei den TED-Konferenzen oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Auf den nächsten beiden Seiten können Sie noch einmal alle bisher erschienenen Grafikseiten als Miniatur sehen (Seite 42/43). diese Ideen auch grafisch aufzubereiten. wie sie ist. nicht nur indem man Balkengrafiken verzerrt und übertreibt. Auch Rosling geht es darum. Der Zeitungsleser wird heute auf jeder Seite bombardiert mit einer Fülle von Zahlen. Also auf etwa 15 000 Buchstaben zu verzichten und dafür Bilder. Die Vorträge des Professors für Public Health am Stockholmer Karolinska-Institut sind legendär. Die englische Krankenschwester. Diese Grafiken. lorence Nightingale war nicht nur eine Reformerin des öffentlichen Gesundheitswesens. der bekommt zumindest einen Sinn für Proportionen – auch wenn dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden und man das Geld aus dem einen Kästchen nicht so einfach dem anderen zuschlagen kann. warum viele Forscher heute fordern. Es gilt nicht nur eine Stecknadel in diesem Heuhaufen zu finden. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 41 Jagdszenen auf Stein. die im Westen vor 100 Jahren eingeläutet wurden. zum Rücktritt des Politikers beigetragen. Es war daher eine geniale Idee des Grafikers David McCandless. mit denen sie täglich jonglieren. aber man sieht ihnen nicht die Qualität der dahinterstehenden Daten an. sagt der Infografik-Professor Michael Stoll (siehe Interview auf Seite 42). dass mit jeder wissenschaftlichen Publikation nicht nur die Erkenntnisse offengelegt werden. Dessen Achsen können zum Beispiel die Kindersterblichkeit und das Bruttosozialprodukt sein. an welchen Ursachen die Soldaten der königlichen Armee starben. Die Grafiken suggerieren wissenschaftliche Exaktheit in einer Detailtreue. um ihren Landsleuten zu zeigen. Im Wesentlichen bilden Infografiken die Welt ab. sie ist zur Ikone einer Wissenschaft geworden. um sie nur einmal unter einem speziellen Aspekt auszuwerten. in der schlichtesten möglichen Form diese Beträge zu visualisieren: als simple Rechtecke (Grafik Nr. 33). die zur Umwälzung ganzer Weltsichten beigetragen haben (siehe Zeichnungen auf dieser Seite). Wort und Bild werden zunehmend gleichberechtigt nebeneinanderstehen – auch in dieser Zeitung. Es hat zu allen Zeiten starke wissenschaftliche Bilder gegeben. der eine Position in einem x-y-Koordinatensystem hat. Das Beispiel zeigt auch die natürliche Schwäche des Mediums auf.

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die online verfügbar sind. Ein internationales Forscherteam hat gezeigt. dem wichtigsten Infografik-Preis. lachen die mich aus. was sie wissen wollen. Stirbt das Tier im Flug oder auf einer erhöhten Position sitzend. Das Ziel ist die Institutionalisierung des Berufs Infografiker. Alles in allem ist die Rückenlage statistisch am wahrscheinlichsten. ZEIT: Wieso das? Stoll: Weil eine gute Infografik Dinge zeigen und erklären kann. Darin sind die deutschen Infografiken ungeschlagen. Außerdem erhalten sie sich durch das musikalische Training länger die Fähigkeit. damit der Kiefer des toten Insekts geschlossen und das Tier am Blatt hängen bleibt. Während vor einigen Jahren die hiesigen Infografiker noch nach Amerika schielten und sich an den Kollegen dort orientierten. die sich dafür eignen. aus der sie das rauslesen. Er setzt sich auf Ameisen fest. Aber auch Insekten. ZEIT: Will der Leser sich denn wirklich mit solchen Datenmengen auseinandersetzen? Stoll: Das will er. dass sie ihre eigene Bedienungsanleitung mitbringt.de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN Musikergehör Musiker. die zur Profilschärfe beiträgt. wo optimale Entwicklungsbedingungen für den Pilz herrschen (Biomed Central. wird die Boulevardisierung verdrängt. drei Agenturen. Das merkt der Leser gar nicht. die das Gehör betreffen (PLoS One. Was genau ist denn das Ziel? Stoll: Da lohnt sich der Blick nach Skandinavien. und dabei sind sie nicht gestreckt.zeitabo. indem sie kräftig strampeln und irgendwann wieder auf den Beinen landen. leiden seltener unter typischen Alterserscheinungen. ehe sie sich wie auf Kommando an der Unterseite eines Blattes festbeißen und sterben – genau dort. Dort kommt in den Zeitungsredaktionen auf zehn klassische Journalisten ein Infografiker. die spätestens mit neun Jahren ein Instrument gelernt und ihr Leben lang mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben. werden aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. die ruhig und friedlich sterben. Es gibt gleich mehrere Gründe. zuckende Bewegungen. dann ist es zumindest für Insekten mit einem glatten. zum Beispiel durch einen leichten Luftzug. Und in dieser Position (mit anliegenden Beinen) lässt sich das Tier ganz leicht auf den Rücken drehen. In Deutschland gibt es zwei. wir stehen am Anfang einer Renaissance der Infografik. die Datenvisualisierung. Sie erkennen. ZEIT: Sieht so der Journalismus der Zukunft aus? Ich wühle mich durch einen Wust an Informationen und bereite ihn ansprechend auf? Stoll: Der Datenjournalismus wird sich sicher etablieren. Die suchen sich ihre Informationen selber im Internet. Die Beine nehmen beim Tod nämlich eine entspannte Stellung ein. ich muss mir den Sachverhalt nicht selber zusammensuchen und ihn einordnen. Visualisierung ohne Erklärung. Die Infografik ist eine journalistische Darstellungsform. Denn viele dieser Arbeiten vernachlässigen die zweite Aufgabe der Infografik: das Vermitteln. Fernsehzuschauer und Internetnutzer denn hauptsächlich gute Infografiken präsentiert? Stoll: Wenn ich mir das Gros so anschaue. ZEIT: Gibt es die ideale Infografik? Stoll: Es gibt ein paar Qualitätskriterien. hat ein höheres Ansehen. ZEIT: Sie sagen. ZEIT: Bekommt der Leser. ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge in den vergangenen drei. Die Infografik ist ein Element für effektive Leser. Das Gespräch führte CLAUDIA FÜSSLER Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. gelingt das rettende Umdrehmanöver nicht mehr. Genau das kann die Infografik sehr gut. wie er es zurzeit tut. sondern eingeknickt. wenn eine Information abstrakt ist. Wird ein Insekt vergiftet und stirbt einen langsamen. Das ist zum einen dann der Fall. wenn sie einmal zufällig auf dem Rücken landen. Zum Wesen einer Infografik gehört es. Da kann man sich zum Beispiel alle Informationen über die Gefallenen des Irakkrieges ansehen. online). Aber wir sind auf einem guten Weg. dass sie nicht linear erzählt werden kann. Wenn eine Infografik sich widerspruchsfrei interpretieren lässt. Was mir an diesem Trend sehr gut gefällt: Weil in einer Welt der Infografiken und Datenbanken vor allem faktisches Wissen gefragt ist. auf die der Leser vorher keinen Zugriff hatte. online). Sind sie gesund. Alter. Aber tatsächlich findet man tote Insekten meist auf dem Rücken liegend vor.44 12. dann macht es wilde. wenn eine Information so komplex ist. der zur Popularisierung der Infografik beigetragen hat. Ihre Bedeutung wird den Verlagshäusern gerade erst wieder richtig bewusst.zeit. Es wird dabei irgendwann auch auf dem Rücken landen – und wenn es dann schon zu schwach ist. ZEIT: Was sind die aktuellen Trends in der Infografik? Stoll: Neben der zunehmenden Zahl von 3-DGrafiken und der Kombination von Statistiken mit Landkarten ist ein großer Trend. warum die Rückenlage die wahrscheinlichere für ein totes Insekt ist. kann man inzwischen von einer Emanzipation der deutschen Infografik sprechen. dringt in ihren Körper ein und beeinflusst ihr Verhalten. wo der Gefallene herkam. das nicht von einem Räuber gefressen wurde. Wer überzeugend Infografiken publiziert. runden Körper aus aerodynamischen Gründen am wahrscheinlichsten. weil sie wie in einer Collage miteinander verwoben sind. dass sie sich über die Infografik positionieren können. Das musikalische Training sorgt den Studienautoren zufolge für ein Feintuning des Nervensystems und erspart den Musikern altersbedingte Kommunikationsprobleme. ob Psychopathen bessere Menschen werden können Das aktuelle ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. CHRISTOPH DRÖSSER eine Mode in der Medienlandschaft? Michael Stoll: Ich glaube. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KOMPAKT WISSEN Daten sichtbar machen Eine gute Infografik bringt ihre eigene Bedienungsanleitung mit. Umfangreiche Datenbestände.de/stimmts www. Sie können eigenständig suchen. wofür die Deutschen bekannt sind: ihrer Genauigkeit und ihrer rationalen Herangehensweise. wir sind auf einem guten Weg.de Zombie-Ameise Michael Stoll ist Pro fessor für Informationsdesign und Medien theorie an der Hochschule Augsburg Der subtropische Pilz Ophiocordyceps unilateralis ist ein Parasit der besonders fiesen Sorte. Das beginnt mit einem Klick auf einen Link und endet in einer Datenbank. sagt der Experte Michael Stoll DIE ZEIT: Sind die vielen Infografiken mehr als STIMMT’S? Sterben Insekten auf dem Rücken? … fragt Fabian Schäfer aus Leipzig Die Frage ist nicht so zu verstehen. also jeder. ZEIT: Also brauchen wir mehr Infografiken? Stoll: Auf jeden Fall. und zwar nicht nur mit Namen. Oder aus dem Nachbarort. MEHR WISSEN: Im Netz: Was das Internet an Strom verbraucht www. Das gilt übrigens weltweit. besonders nach Schweden und Dänemark. Stimmt’s?. Sie verschafft mir einen strukturierten Zugang zur Information. vier Jahren um die Hälfte gestiegen. Oder der Parallelklasse. Beim Internationalen Malofiej-Contest der Universität von Navarra in Pamplona. wer noch fernsieht. Die New York Times und der Guardian stellen solche interaktiven Grafiken zur Verfügung. landen leicht in der Rückenlage. Sprache in lauten Umgebungen zu erkennen. Wenn ich meine Studenten frage. Von solchen Verhältnissen träumen die meisten deutschen Verlage. in der Rückenposition zu landen. sozusagen an Altersschwäche. vielleicht noch andere Menschen ums Leben gekommen sind. 20079 Hamburg. die infizierten Ameisen wie Zombies umherirren. Allerdings nicht in dieser formalen Ausprägung. Allerdings sind Infografiken kein Allheilmittel im Journalismus oder für die Wissensvermittlung per se.de/netz-strom Niels Birbaumer erforscht. oder stimmts@zeit. Das sind ihre beiden Hauptaufgaben: visualisieren und vermitteln. Und zum anderen. Der Pilz steuert auch die Festigkeit des Bisses. ZEIT: Die Infografik ist also etwas für faule Leser? Stoll: Ganz und gar nicht. Die Wechselwirkungen zwischen dem visuellen Eindruck und dem analytisch-verbalen Grafikanteil sind sehr intensiv. das Gleiche darin liest. die sich hauptsächlich im Internet abspielt. dann ist das eine gute Grafik.zeit. dass Foto: privat . Darin sehe ich ein großes Problem. dann würde ich sagen: Da ist noch viel Luft nach oben.de. zum Beispiel die Fluchtpunktperspektive oder die Benutzerführung und Hierarchisierung eines Themas durch die Grafik. So ist ihr auditives Gedächtnis im Alter zwischen 45 und 65 Jahren besser als das von Nichtmusikern. dass Käfer oder Kakerlaken sterben müssen. quälenden Tod. Wir brauchen mehr Infografiken bei Themen. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. das ist Schönheit ohne Bedeutung. Todesort.zeit. In unserer Wissensgesellschaft sollen wir ständig in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aufnehmen. der sie anschaut. ob aus dem Ort. ZEIT: Woran erkenne ich das? Stoll: Tatsächlich an dem. Es kommt auf schnelle und präzise Vermittlung an. die gestalterisch und journalistisch wirklich top sind. dann können sie sich aus dieser misslichen Lage befreien. es funktioniert im Idealfall einfach.

Robert könnte gut ein wenig langweiliger sein. Solche Flüchtlinge nennt man Migranten. Aber würde er dann ein Zauberschwert erkennen. besteht aus Zweigeflechten und Polsterarbeiten 3. 2. Lehmann (ABBA). und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen. Die Radiogeschichte über Abba hört Ihr am Sonntag um 8. Singen oft ihr »pinkepink«. bedroht – ein elfjähriger Junge kann sich ja kaum wehren. Oder in einem Flüchtlingslager. Björn und Agnetha aber wollen schon lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne stehen. dabei seine Kinder trägt und schützt. pflücken Tomaten. In Österreich ist er schließlich in einem SOS-Kinderdorf gelandet. Egal. Kleider. 10. auf Lastwagen oder überfüllten Booten reist. Viele Kinder und Jugendliche machen sich ohne Eltern auf den Weg.zeit. Je länger ich Massoud und Leyla damals beobachtete. Eieieieiei. findet Tims Mutter. Maulwuerfe. 9. Apfel Zet (Piktogramme). dass sie möglichst schnell zurück nach Hause können. Benny. ENKEL«. ja fast unmöglich. Bücher oder Stifte gibt. Oder die Familie hat beschlossen. Wer es bis nach Europa schafft.ndr. eingesperrt und in ihre Heimat zurückgeschickt. Die Schweden wurden eine der erfolgreichsten Bands der Welt und verkauften mehr als 375 Millionen Alben. Wozu braucht man auf der Flucht ein Hochzeitskleid? »Damit ich mich an etwas Schönes erinnern kann«. sondern auch mit lautem Gesang auf« 5. wird die Lage etwas besser. Flieder. ein toller Freund. keine Schule. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 47 ELEKTRO ER Fotos: Arianna Arcara/Cesuralab/LuzPhoto/fotogloria [M]. – BLUMENBEET Dicht gedrängt stehen Flüchtlinge auf einem kleinen Boot.de/mikado Dürfen wir bleiben? Boote voller Menschen. Das passiert zum Beispiel immer wieder im Kongo oder im Sudan in Afrika. die unter Zeltplanen hocken und hoffen. Krokusse. Laube. umgraben. weil an den Flughäfen und an den Grenzen immer strenger kontrolliert wird. sich selbst zu helfen. Zusätzlich schleppten sie Rucksäcke. und jetzt müssen sie mit 20 anderen in einem Zelt leben. ein tolles Bücher-Überraschungspaket. schuften auf Baustellen. Deutschland oder Italien und sucht Arbeit. Kasachstan und Russland. bestohlen. wenigstens eines der Kinder für ein besseres Leben nach Europa zu schicken. 7. Hat man je eine BISAM-EULE im Frühlingskonzert gehört? Sie andererseits schon oft! 9. viele wurden getötet. Die Menschen haben schon alles verloren. In Tunesien hat es gerade eine Revolution gegeben. Gartenzwerg.05 Uhr in der Sendung Mikado – Radio für Kinder auf NDR Info oder im Internet unter www. Sie werden erwischt. wie man mit diesem erstaunlichen Schwert in die Vergangenheit reisen kann – und schleppt Tim gleich mit in die Welt der Ritter. nach Europa zu kommen. Oft sind die Eltern im Krieg gestorben. Einer der Kleinsten – und doch der gekrönte Chef? – im Singvogelreich 2. die man oft im Fernsehen sieht: Leute. weil sie kritisch über die Machthaber geredet haben. Sie arbeiten für ganz wenig Geld in Restaurantküchen. Oft finden die Menschen sie auch.. weil ihre Heimatländer arm sind und sie dort keine Arbeit haben. 20079 Hamburg. dem man helfen muss. Lösung aus der Nr. Wenn aber jemand in seiner Heimat verfolgt wird. K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAREN EIGENTLICH . Massoud hatte die beiden älteren Kinder getragen. So nannten sich die zwei Männer und zwei Frauen aus Schweden als Band. Nur sehr. Denn im Irak wurden Kurden damals verfolgt.. giessen. Flüchtlinge sind schwach. Leyla hatte außerdem ihr Hochzeitskleid eingepackt. Solche Menschen nennt man »politisch Verfolgte«. 9. Massoud war ziemlich groß und kräftig. wenn er eins vor der Nase hätte? Robert durchschaut sofort. 6. warum jemand Hunderte. Inzwischen werden die Kurden im Irak nicht mehr verfolgt. Es gibt oft zunächst kein Trinkwasser. Oft versuchen die Flüchtlinge. Flüchtling zu sein? VON ANDREA BÖHM Dein Vorname: Wie alt bist Du? E WAS SOLL ICH LESEN? Ritter Tollpatsch Robert ist Tims bester Freund. Mai. keine Medikamente für die Verletzten. konnte zur Schule gehen und eine Lehre als Elektriker machen.12. desto mehr dachte ich: Flüchtlinge sind gar nicht so schwach. Wenn so ein Mensch nach Deutschland kommt und beweisen kann. dass ich Massoud und Leyla getroffen habe. bis er schließlich in Österreich landete. den Schulhausmeister ins Krankenhaus befördert (aus Versehen natürlich) oder mit seinem Skateboard in einen Gemüsestand brettert (ebenfalls unabsichtlich). Essen und etwas zu trinken bringt. dann erhält er »politisches Asyl«. Hans G. weil sie Demokratie gefordert oder einfach nur. Auf der Flucht wurde er verprügelt. Das Zauberschwert dtv 2011. Seitdem machen sie eine Pause. keine Tische. Berühmt wurde die Popgruppe 1974 durch den Eurovision Song Contest. Das fand ich damals albern. als Ärzte oder Lehrer gearbeitet. Derzeit versuchen viele Migranten aus Tunesien. Anu Stohner: Robert und die Ritter. Es ist ziemlich lange her. dass ihm in seiner Heimat Tod oder Gefängnis drohen. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. bis es wieder ruhig ist. keinen Strom. 5. nur dass bei ihm immer recht viel schiefgeht.. Massoud und Leyla waren Kurden aus dem Irak. nur um sich nach Europa hineinzuschmuggeln.. können die Flüchtlinge und Migranten am besten selbst erklären. KinderZEIT. dass ihnen jemand Decken und Medikamente. Massoud und Leyla waren mehrere Tage zu Fuß marschiert. Der Junge kommt aus Afghanistan und floh mit elf Jahren allein aus seiner Heimat. Deswegen quetschen sie sich auf kleine Boote und wagen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Veilchen.de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1. das die italienische Insel Lampedusa im Mittelmeer erreicht . Wir hier in Deutschland können uns nur schwer vorstellen. manchmal über tausend Kilometer zu Fuß. versteht sich von selbst . Rasenmaeher. Aber an der Armut hat sich nichts geändert. den 24. Anni-Frid. Wenn jemand über hundert Kilometer marschiert. und wahrscheinlich sind die beiden zurück in ihre Heimat gegangen. Menschen aus afrikanischen. Ihre Lieder werden noch heute gespielt. Tierische Kunst. Sind mit dunklem Federkleid und hellen Flötentönen in der Vogelschar vertreten 10. schlägt sich durch nach Frankreich. Das Problem ist nur: Für Verfolgte ist es inzwischen schwierig. Decken. weil sie sich für Menschenrechte eingesetzt. Herr Blaukappe und Frau Graubraun 7. Aber was bedeutet es eigentlich. Niels Schröder (Wappen) S AU HR SC AT HR SC RIT P O L I T I K . Der heißt. Leyla rannte ständig herum. Manche kommen eine Weile bei Verwandten in anderen Städten und Dörfern unter. obwohl vielleicht jemand auf ihn schießt – dann muss er ziemlich stark sein. (4) Abba? Anni-Frid. So wie die Flüchtlinge. was findet man bald nach der Vogelhochzeit im Nest? 8. spricht Opa. Warum jemand so etwas tut. Erst wenn Hilfsorganisationen ankommen und ein kleines Krankenzelt oder eine Trinkwasseranlage aufbauen. sehr müde. die bis heute andauert. 8. arabischen oder asiatischen Ländern dürfen nur einreisen. W I S S E N . bevor sie fliehen mussten. Sie sahen eigentlich gar nicht hilflos aus. als Soldaten oder Rebellen ihre Dörfer überfielen. Sie gewann den europäischen Musikwettbewerb mit ihrem Lied Waterloo. Benny. Manche haben. ergibt das »Abba«. Einer steht gern auf der Bühne. weil er sich selbst nicht mehr helfen kann. ob er Spaghetti Bolognese isst. Ginster. die Geschichten vieler anderer Flüchtlingskinder gehen leider nicht so gut aus. es gibt sogar ein Abba-Musical. einer hockt gern im Kirschbaum 6. Einer – er heißt Hesmat – hat seine Geschichte von einem Journalisten aufschreiben lassen (Hesmats Flucht heißt das Buch). Sie behandeln dann in einem Flüchtlingslager die Kranken oder unterrichten die Kinder – auch wenn es keine Schule. Björn und Agnetha – nimmt man die Anfangsbuchstaben der vier Namen und setzt sie hintereinander. 4. Für einige aber gibt es kein Zurück mehr: Sie werden daheim von der Geheimpolizei gejagt. zum letzten Mal traten sie 1982 auf. Hesmat war 14 Monate unterwegs durch Turkmenistan. nach Deutschland oder nach Europa zu kommen. die aus Nordafrika nach Europa fliehen – solche Bilder sieht man seit Wochen. kann er nicht einfach in seinem Land zur deutschen Botschaft spazieren und ein Visum beantragen. Steuert die Klopftöne zum Vogelkonzert im Wald bei 4. Diese Flüchtlinge verstecken sich manchmal wochenlang im Wald und warten. wenn sie ein Visum (das ist eine Erlaubnis zur Einreise) haben. 18: 1. Dass es dort keine Sekunde langweilig wird. Fotex (im Wappen). Leyla die jüngste Tochter. Viele Menschen fliehen auch. »HORCHT. wie er zwitschert – gern aus dem Weidenlaub heraus 1 2 N D D OE U E H 5 E 3 4 R 6 7 C L 8 9 10 I E Z Schick es bis Dienstag. Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. »das fällt nicht nur mit Signalfarbe. hatte Leyla gesagt. Das Leben dort ist allerdings hart. sie mussten sich immer wieder verstecken. Dann bin ich selbst in ein Flüchtlingslager gefahren und habe Massoud und Leyla kennengelernt. um irgendetwas für ihre drei Kinder zu besorgen. Viele Flüchtlinge hoffen. Das habe ich zumindest lange geglaubt.95 Euro. Aber es gibt immer noch viele Flüchtlinge: ungefähr 40 Millionen Menschen auf der ganzen Welt! Manche konnten gerade noch davonlaufen. Zusammen mit Tausenden anderen Kurden waren sie über die Berge in die Türkei geflohen. 3. weil Soldaten auf sie schossen. ab 7 Jahren SC H E H U NI Bleeker in Flüchtling ist jemand. Hesmats Geschichte ist gut ausgegangen.

ihr könnt den Hamster auch gleich umbringen. sagt die Mutter. Dafür. Als Oma stirbt (ein sehr stiller. 144 Seiten. Meerschweinchen hingegen sind viel besser als Haustiere geeignet. Deutschland ist in dieser Zeit ein Staatenbund mit vielen Fürsten. Gloria dort zu finden. ist es ein großartiges Buch. Erschüttert erkennt der junge Mann. Oder nagen Kaschmirmäntel an und ersticken an den Flusen. Gemeinsam mit Omas Freundin Mrs. Damals gab es eine Revolution – und Robert Blum war einer der Kämpfer für Freiheit und Demokratie. Sie erkennen auf lange Distanzen. einen Tag vor seinem 41. Beide sind Weibchen. Der Autor Harald Parigger zeigt viele Facetten dieses Mannes: den Blum. Auch den Pass habe sie mitgenommen. Oft sind dies Glorias Kommentare. Ironisch. Gloria. wie auch den Blum. ausgezehrt von den Entbehrungen. Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder Aus dem Französischen von Maja von Vogel Carlsen Verlag 2011. Er wurde am 9. als Baby habe die junge Russin Gloria ihn vom Schoß seiner Mutter aus einem zerbombten Zug gerettet. Man hat ihm erzählt. und er glaubt tatsächlich. Am 12. Seine eigene Erinnerung beginnt mit dem siebten Lebensjahr und führt ihn zurück in die Leidenszeit einer fünfjährigen Flucht. Blutbad. Manche Passagen – wie die. Auch vom paradiesischen Obstgarten ihrer Familie und Glorias Liebe zu Zem Zem lässt sich Kumaïl immer wieder berichten. Oder nein. mit dem Schiff nach Westen zu gelangen. Die politisch geschulte Gloria hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. Wunderbar sind die Illustrationen von Klaus Puth. Blum wird verhaftet. Man erfährt zum Beispiel. Immer wieder holen die Kriegswirren der KaukasusUnruhen in den neunziger Jahren die beiden ein. die Gefühle von Blaise und Gloria zum Mittelpunkt und zum Erklärungsmuster eines politischen Dramas zu machen. Ein Buch gegen das Vergessen der frühen Demokraten. was den Kindern noch schrecklicher vorkommt als Omas Tod: Alle acht Hamsterbabys werden in einer Nacht totgebissen – und Elternhamster Nummer 2 verschwindet aus dem Käfig. Glorias Erinnerungen aber reichen bis in die Zeit vor Kumaïls Geburt. So steht es im Lexikon. Die alten Mächte siegen. Sie können viele interessante Geräusche machen. der auf der Straße lebt. um dem Kind eine Überlebenschance in einem freien Land zu ermöglichen. wenn jemand Gurken mit dem Messer schneidet. als er im Flughafen auf eine Maschine nach Tbilissi wartet: Er hofft. Die »Neue Katze« ist wild. bitte! »Zeit der Wunder« erzählt das Drama einer politischen Flucht chheißebläsfortünuntichbinbürgaderfranzöschenrepublikdasisdiereinewaheit« – mit diesem mühsam auswendig gelernten Satz macht sich ein Junge aus dem Kaukasus auf den Weg nach Frankreich – ins Land der Freiheit und der Menschenrechte. sie erzählt beispielhaft. was in unserer von regionalen Kämpfen heimgesuchten Welt täglich tausendfach geschieht: Eine Frau mit durchaus problematischer Rebellen-Vergangenheit und ein kleiner Junge machen sich auf den Weg. Nicht ohne Humor endet fast jedes Kapitel mit einer kleinen lehrhaften Pointe. Eingestreut sind Sachkapitel zur sozialen Not etwa oder zur Märzrevolution.& JUGENDBUCH Ein neues Leben. Sie sind robust. hält Reden. Die 1971 geborene. lange in Erinnerung haftendes Bild vom Leid. angeblich. wie er in langen acht Jahren fließend Französisch lernt. erfolgreiche und vielseitige Kinder. Das ist ein gelungener Kunstgriff.. Doch selbst sie sind sorgfältig ausgewählt und verweisen jeweils auf Vorurteile oder menschliche Grenzbereiche. zuletzt ratlos und suchend. So können selbst Brutalitäten. außerdem gibt es Zeittafel und Glossar. dass Katie Davies’ Buch Das große Hamstermassaker von Hamstern handelt und nicht von Meerschweinchen. der kämpft und spricht. Denn sie versuchen vergeblich. November 1848.95 Euro Foto: Pascal Bastien/Fedephoto/StudioX Als Begleiter Blums erfindet Parigger den 16-jährigen Jungen Friedrich Wilhelm. Die Autorin erzählt in drei Zeitebenen: In der Gegenwart wird der erwachsene Blaise Fortune mit seiner wahren Identität konfrontiert. der hilft und rät. Doch sein Tod machte ihn zum Helden der Zeit. ob man im Krieg glücklich sein dürfe. »Glücklich sein wird zu jeder Zeit empfohlen. Die wundersame Rettung des »Monsieur Blaise« ruft nicht nur französischen Lesern ins Bewusstsein. Umgangssprachlich. tatsächlich: Denn nach ein paar Wochen werden acht winzige Hamsterbabys geboren.. der Freiheitsfreund. Nur Gloria gibt ihm Schutz und spielt herunter.. die den Kindern erklärt. scherzhaft: eine schwere Niederlage. Gloria und Kumaïl leben in einer Flüchtlingsunterkunft am Rande der Stadt Tbilissi in Georgien. sagen die Erwachsenen. Bondoux und ihrer guten Übersetzerin Maja von Vogel gelingt es. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 KINDER. starten sie eine richtige Ermittlung. wenn er endlich erkennt. die Blaise erlebt. Kurzweilig ist die Lektüre über das letzte Lebensjahr Blums. Der Kölner Blum. Doch die todkranke Frau hält für den erwachsenen »Monsieur Blaise« bittere Wahrheiten bereit: über sich. Anna und ihr kleiner Bruder Tom wünschen sich sehnlichst einen Hamster. die im romantisch gezeichneten rumänischen Zigeunerlager spielt. Monsieur Blaise«. die ihren Schützling »Monsieur Blaise« nennt. An all dies erinnert sich der zwanzigjährige Blaise. 9. Man darf mit Monsieur Blaise – oder besser doch Kumaïl? – weinen. Sie tragen Schwarz-Rot-Gold. verschaffen dem Leser eher unterhaltsame Lektüre. dass seine französische Mutter ein Traumbild war und dass er das Glück des Lebens nur Glorias Liebe. Darin steht der Name Blaise Fortune. Oma ist es. eigentlich ist das ungerecht: Es ist auf jeden Fall ein großartiges Buch. seit 1832 in Leipzig zu Hause. gründet Vereine.99 Euro Katie Davies: Das große Hamstermassaker Sauerländer Verlag 2011. Rotherham. Wahrscheinlich ist er der Täter. jagt alles (von nackten Zehen bis zu Klospülgeräuschen) und erschreckt andere Haustiere zu Tode.de/ funkhauseuropa Ein Freiheitsfreund Geschichte: Vom Leben des Robert Blum Brillante Politiker gibt es in der neueren deutschen Geschichte nicht so viele. dass die Hoffnung und Zuversicht seiner Kindheit auf falschen Vorstellungen beruhten. Das Hamstermassaker. Aber auch nicht für Mama . der die Geschichte anschaulicher macht. 188 Seiten. betrügen sie. gibt Zeitungen und Bücher heraus. wie krank sie selbst ist. Tom und Susanne wollen das nicht glauben. Oder die Verzweiflung. einer pensionierten Kriminalbeamtin. ein sanfter und kämpferischer Menschenfreund und Familienvater – ein Vorbild. auf den Barrikaden in Wien. Der Junge heißt Kumaïl. war auf jeden Fall ein allgemeines Massaker.20 Uhr. was Massaker bedeutet. Massenmord. Das Gespräch zum Buch ist abrufbar unter www. Redaktion: Libuse Cerna.radiobremen. Der Leser erhält dadurch ein authentisches. Er ist ein Kümmerer. 14. was und wer eine Mutter ist. die Lungen vergiftet von der Arbeit auf dem Müllberg. »Du und dein Bruder. warum Mama ein gestörtes Verhältnis zu Hamstern hat (Schiebetür. da ist sich Anna sicher. . Massaker allgemein: Gemetzel. kann über seine Rettung eine wunderbare Geschichten erzählen. Jahre gehen dahin mit der Flucht auf Straßen durch Osteuropa. Schleuser. Am Ende kämpft der friedselige Blum mit Waffen. erfährt der Leser aus dem Blickwinkel des klugen. was er sagt. Doch die Erwachsenen sind völlig uneinsichtig: Annas Vater sagt. Wohl eher ein Elternpaar. Später kommen sie auf einer vergifteten Müllhalde unter. Aber Anna.und Jugendbuch-Autorin Anne-Laure Bondoux hingegen muss man bewundern. Sie kriegen wahnsinnig schnell einen Herzinfarkt. er sei Franzose. wie hoch die von uns oft für selbstverständlich gehaltenen Werte der Demokratie dort eingeschätzt werden. ihn umsorgt und aufmuntert. Lehrreich. Das gelingt tatsächlich. Frankreich ist das Land der Freiheit für den russisch-tschetschenischen Jungen mit dem gefälschten Pass. schreibt Artikel. Die Tragödie seiner Beschützerin und ihres tschetschenischen Geliebten hatte er nicht gekannt. VON SUSANNE GASCHKE ab 8 Jahren Harald Parigger: 1848 – Robert Blum und die Revolution der vergessenen Demokraten Arena Verlag 2011. 12. später staunend.. über Zem Zem und über Kumaïls eigene Herkunft. besonders im Sport. gefühlvollen Jungen – zunächst naiv. Geburtstag. schließlich einen gültigen französischen Pass besitzt und sogar ein Studium beginnt. Unterstützt werden sie dabei von Annas bester Freundin Susanne.« –. Es ist spannend.und Jugendliteratur. die sie über den Landweg nach Frankreich bringen wollten.und Einmischer. Einer aber leuchtet: Robert Blum. Annas Mutter sagt. erschossen. ihren erfundenen Geschichten und ihrem klugen Fluchtplan zu verdanken hat. 207 Seiten. Ihre Gegner sind Männer wie Blum. die auch Freundschaft und die ersten Verliebtheiten kennt. Aber der Reihe nach. der schon mal etwas Ähnliches getan hat? Es sieht gar nicht gut aus für die Neue Katze. Und dann geschieht etwas. seine Zeit als Verleger und Paulskirchenparlamentarier. die für Einheit und Freiheit kämpfen. Witzig. Mord und Verrat glaubhaft Teil einer Flüchtlingsgeschichte werden. wenn ihr ihn auch nur in die Nähe von der Neuen Katze lasst«. Wichtige Frage: Gibt es jemanden. da ist Gloria verschwunden. So wächst Kumaïl/Blaise in einer Welt voller Ungewissheit vom vertrauensvollen Kind zum zweifelnden Jugendlichen heran. VON RALF ZERBACK ab 12 Jahren Das Hamstermassaker Eine Ermittlung in Sachen Haustiermord Hamster sind problematische Haustiere. vor allem aber den Wundern einer gelungenen Befreiung. Kaschmirmantel). Sie erlebt nicht mit. Doch als der Junge endlich vor französischen Zöllnern seine Identität bekennen kann – »Ich bin Blaise Fortune und ich bin Bürger der VON BIRGIT DANKERT a b 14 Jahren I So sieht die Innenseite eines französischen Reisepasses aus französischen Republik . Hamster kämen ihr schon wegen der »Neuen Katze« nicht ins Haus. wo man sie mit Füßen tritt. er habe in dieser Familie nicht die Hosen an und Annas Mutter müsse entscheiden. die verbotenen Farben. Oder werden von Schiebetüren zerquetscht. sagt sie. weint Annas Mutter viele Tage lang.90 Euro Luchs Nº 292 Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder. Und dann dürfen zum Trost für alle doch zwei Hamster ins Haus. wie ihre Antwort auf die Frage. Mai. Ihre Geschichte ist keine Dokumentation. trauriger Teil des Buches). wenn ihn die Sehnsucht nach seiner französischen Mutter packt. 15.48 12. stellt Radio Bremen das Buch vor. Die Grausamkeiten. ein Auf. die oft mit Willkür regieren.

Kreuz gedacht hat: »Mein Gott. In Libyen will man nicht militärisch helfen. uns nicht besiegen zu lassen und Lösungen zu finden. Die Moral ist offenbar eine Kraft. Es ist unsere Pflicht. in Cannes würden Filme der Häftlinge gezeigt. mit der die »Endlösung« in Gang gesetzt wurde.zeit. denen man gehorcht«. sondern den eigenen Willen mit dem Geist des Gesetzes zu identifizieren. über die existierenden Grenzen des iranischen Kinos hinauszugehen«. Witze über Müsliesser. hat. vorauseilende Anstrengungen nicht spontan einleuchten. hätten im Falle einer deutschen Beteiligung muntere Antikriegsdemonstrationen stattgefunden. Historisch besehen. reformulierte gar den kategorischen Imperativ dahingehend. dessen beständige Gewissensbefragung und anklagende Innerlichkeit unverkennbar in der pietistischen Tradition des 18. ihn in Iran vorführen zu dürfen. Und vermutlich war die Furcht der Regierenden vor einem Bundeswehreinsatz in Libyen auch nicht unberechtigt: Niemand wäre sonderlich verwundert gewesen. als die Kanzlerin angesichts der Tötung von Osama bin Laden ihre Freude bekundete. Umso wichtiger ist es. wird für den Regisseur so wichtig wie ein gutes Drehbuch. der angeblich kein kritisches Bewusstsein entwickelt hat. organisiere eine Unterschriftenliste. wenn man etwa belehrt wird. lasse sich viel von der peniblen Gründlichkeit. in Deutschland tatsächlich sehr verbreitete Vorstellung zurückführen. Wem solch lediglich individuelle. Handlungen werden im Hinblick auf die Realisierung eigener Prinzipien bewertet. Auch nicht. »Die Tatsache. in ihrer unklaren Situation mit neuen Filmen an die Weltöffentlichkeit zu gehen. Hans Frank. Doch. haben uns motiviert. der wird sogleich entlarvt als jemand. CHRISTOF SIEMES un reicht der moralische Idealismus. . das Kino am Leben zu erhalten. Die Forde- rung.de/audio Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte. einander offenbar widerstreitenden Behörden Zugeständnisse abzuluchsen. als hätten die sogenannte Spaßgesellschaft. Der Gutmensch. LEKTÜRE sobald in Nairobi jemand beZUR LAGE nachteiligt sei. Der »Atomkraft? Nein Danke«-Button wird wieder ganz unironisch an Kinderwagen und Blusen geheftet. man nimmt teil am Protest gegen Stuttgart 21 und empfindet auch wieder moralische Überlegenheit angesichts der hässlichen Realpolitik: Die Irritation jedenfalls war groß. »daß der Führer. benheit der GesellDiskussionen und Gebeten« dazu schaft: die Schminentschlossen. wie undurchsichtig solche Vorgänge in einer Diktatur für Außenstehende bleiben. »Unsere Probleme sind auch unser ganzer Besitz. So wie jeder realpolitisch Handelnde oder auch nur Unverbitterte in den achtziger Jahren immer schon unrecht hatte gegenüber einem moralisch hochgerüsteten Bürger. dass die Kunst nur ganz schwer mundtot zu machen ist. der Schwule als Opfer der Zwangsheterosexualität in unserer Gesellschaft – und so weiter.FEUILLETON Im Geisterreich der Moral Schon baumeln wieder die Anti-AKW-Buttons an den Kinderwagen. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus. um sie zu verantworten. Hannah Arendt hat in ihrem Buch über Adolf Eichmann minutiös dargestellt. ob die Tat gegen seine Prinzipien verstößt. Ein Verantwortungsethiker vermag politisch zu handeln. so das in die Jahre gekommene und vielfach missbrauchte Klischee. Selbst Kollegen der Verurteilten in Iran finden die sensationsheischenden Meldungen. nicht nur den Buchstaben des Gesetzes zu gehorchen und sich so in den Grenzen der Legalität zu halten. mein die MissionarsGott. auf dem Sofa. ob nun Shriver wahns in unseoder Schwarzenegger an Jesu Worte am rer Gesellschaft. inzwischen hat er sein Werk beim Kulturministerium eingereicht: Er bemüht sich um die Erlaubnis. das man in der Aufklärung auf die Sittlichkeit richtete. der Afghanistan-Einsatz gilt als bedenklich.und Umweltaktivitäten galten zu Recht als arg angefault. wobei sie ke als ein Zeichen nicht sagten. warum hast du mich verlassen?« stellung als Zei- LITERATUR Zum hundertsten Geburtstag von Max Frisch S. Beide Regisseure sind seit ihrer Verurteilung auf freiem Fuß und warten auf den Ausgang des Berufungsverfahrens. Im Sande verlaufen kann das Verfahren gegen die beiden nun nicht mehr. 62 12. da er Optionen abwägt. Jahrhunderts wurzelten. Friedens. hat Panahi selbst immer wieder betont. die beiden seien in Haft. einer Revolution abgeneigt. sondern so zu handeln verlangt. Der Gesinnungsethiker ist verführt. Man sieht ihn in seiner Wohnung. zeigt vor allem eins: Willkür und totale Verunsicherung sind die perfidesten Kontrollmethoden des Regimes. nicht die Hoffnung zu verlieren. Es galt ihm seinerzeit alles als ZeiMaria Shriver und Arnold chen für die VerdorSchwarzenegger haben sich »nach langem Nachdenken. das starke Augenmerk. Dieses Paradox zu verstehen hat uns geholfen. dieses Handeln billigen würde«. sieht sich abermals getäuscht: Nach Angaben des Festivals erzählt der Film die Geschichte eines jungen Teheraner Anwalts. Nun wäre es Kant natürlich niemals in den Sinn gekommen. so Hannah Arendt. Der Generalgouverneur des besetzten Polens. zur Scheinheiligkeit – wie ehrenwert die Ziele der Aufklärer auch sein mochten. Wie aber konnten sie da Filme von 100 (Rasoulof) und 75 Minuten Länge (Panahi) drehen? Der Fall zeigt.smetek. Zur Erinnerung: Die iranischen Regisseure waren 2010 in Teheran verhaftet worden und wegen »propagandistischer Aktivitäten« zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden.de D chen der Frauenunterdrückung in unserer Gesellschaft. der ein Visum zum Verlassen des Landes zu ergattern sucht – genau das. Die Aufklärungsschriften propagierten mit Pathos die Sittlichkeit des Bürgers. sie wurde zur Hypokrisie. die es auch prinzipiell für verantwortungslos hält. einen Leguan auf der Schulter. Für den Augenblick ist man jedenfalls eher wieder verführt. ob diese hinreichend vorteilhaft sind. Jahrhundert konstituierenden bürgerlichen Gesellschaft. Harald Schmidts heitere Angriffe auf die Political Correctness oder die popliterarische Feier der Oberfläche und der Warenwelt längst einen Mentalitätswechsel herbeigeführt. Solch einen Film zu erlauben. zeugt von außerordentlichem Mut – und davon. Panahis neues Werk – ohne Genehmigung entstanden – ist noch direkter autobiografisch: In Film Nist (Dies ist kein Film) ist eine Art filmisches Tagebuch. dass wir am Leben sind. www. Dieser sollte in moralischer Hinsicht sowohl den frivolen Höfling als auch den mit realpolitischem Zynismus handelnden Herrscher überstrahlen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 49 FILMFESTSPIELE IN CANNES Von wegen mundtot! Trotz Berufsverbots haben iranische Regisseure neue Filme gedreht Es ist eine echte Sensation: Die Filmfestspiele in Cannes werden neue Filme von Jafar Panahi und Mohammed Rasoulof zeigen. sprach sie offenkundig als Verantwortungsethikerin und sah sich mit einer gesinnungsethisch gepolten Öffentlichkeit konfrontiert. »auf die eigentümliche. als sei man selbst der Schöpfer der Gesetze. Deutschland keineswegs zu einer moralischen Anstalt gemacht. die sich vom Schmutz der Politik unberührt glaubte. das Politische per se als verlogen zu empfinden und im Geisterreich der Moral es sich bequem einzurichten. Sie legten Berufung gegen das Urteil ein. wie der moralische Diskurs in Deutschland mit nationalsozialistischen Überzeugungen bestens verschmelzen konnte. was Rasoulof im Winter versucht hat. ungeachtet der Handlungsfolgen. auch wieder aus der Versenkung geholt werden. Kritik erlag damit dem »Schein ihrer Neutralität« (Reinhart Koselleck). um welche Gebete es sich des Schönheitshandelte. immer wieder an ihr Schicksal zu erinnern. auch die Insignien. in dem der Regisseur vom endlosen Warten auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens erzählt. sich zu trennen. der die Bundesrepublik über lange Zeit prägte. Kritik am berüchtigten Gutmenschentum der Deutschen zu üben. schreibt Panahi in einem Brief an die Festivalleitung. mit Atomkraftwerken Geld zu verdienen – eine Abwägung von Risiken darf dann gar nicht mehr angestellt werden. Der Verantwortungsethiker hingegen räsoniert über die Folgen der Tat und fragt sich. Die Kunst. Das deutsche Bürgertum. auf dem Balkon mit Blick über Teheran. jeder müsse mit dem Umweltschutz vor der eigenen Haustür anfangen. weit zurück und kann bei Bedarf. die ihn zusätzlich mit einem Preis ehrt. Wer nun denkt. daß Gesetzestreue sich nicht darin erschöpft. die stets das Gute will und mithin das Böse schafft. Dieser verbarg mit dem Verweis auf Moral nur notdürftig die eigenen handfesten Interessen. Einer Öffentlichkeit. Osama bin Laden hätte nicht getötet werden dürfen. das Prinzip des Handelns mit dem Prinzip des jeweiligen Gesetzgebers eines Landes in eins zu setzen. Vor dem Richterstuhl reiner Mo- N E thik in Deutschland ist traditionsgemäß Gesinnungsethik. Im Reich der Moral residierte die Kritik. Über einen deutschen Reflex VON ADAM SOBOCZYNSKI ie achtziger Jahre sind womöglich nicht nur in modischer Hinsicht zurückgekehrt. und der Traum. Aber die Sache wird noch komplizierter: Mohammed Rasoulof hat für seinen Film Bé Omid é Didar (Auf Wiedersehen) sogar eine offizielle Drehgenehmigung der Behörden bekommen. wirkte politisch lediglich indirekt: indem es die Welt hygienisch aufteilte in ein Reich der Moral und ein Reich der Politik. der 38-Jährige habe dafür Kompromisse mit dem Regime gemacht. Realpolitik wird gefürchtet. klingt noch heute mit. wie man gerade verwundert sieht. Lebensgewohnheiten und Einstellungen des neuen Bürgertums scheinen sich gespensterhaft an die Tradition der alten Bundesrepublik zu schmiegen. Er gehörte bereits zur Grundausstattung der sich im 18. den Gesetzen zu folgen. Seine Furchtlosigkeit sollte uns eine Verpflichtung sein. Als Angela Merkel ihre Freude über Osama bin Ladens Tötung bekundete. doch in vielen Berichten war fortan zu lesen. Ein Gesinnungsethiker fragt sich nach der Tötung eines Terroristen. ral hatte der Fürst immer schon unrecht.« Der Schritt der beiden. Dass Öffentlichkeit ihm helfe und nicht schade. »lächerlich«. 52 GLAUBEN & ZWEIFELN Islam: Reaktionen auf den Tod Osama bin Ladens S. Der moralische Überschwang der Nachkriegsgesellschaft schien jedenfalls gründlich überwunden. dass man so handeln solle. um das Mindeste zu sagen.

mit Witz. und wie herrlich es ist. Beide sind vor die Presse getreten. Heidegger »Schicksal. möchte ein ganz Großer werden. wie in die – jedenfalls in diesem Fall – mit philologischer sal einmal unsterblich.lungskommentar lautet allen Ernstes. »Sind gerettet.« Und alle nicken sie wie die Esel. Ganz einfach und klar. Carl Schmitt. ELISABETH VON THADDEN as das »Schicksal« angeht. der einst die faschistische SchickSchicksals sei von einer erdrückenden akasalsmythologie veredelt hatte und der demischen Korrektheit zum Schweigen genun auf dem Marbacher Weltwebstuhl bracht worden und erst heute. kamen zwei Aufklärer. und be. Literaturmuseum der Moderne. kann man es vielleicht noch essen. Butter und Zitrone im Wasserbad glückt und nicht zerfällt. vielleicht auch nicht. dann ist es.Leitbegriff »Wende« stößt der Betrachter – einmal dern sind selbst fabriziert. was Ostdeutschland. dass die Welt sehr langweilig ist. Auch in anderen Städten fanden Demonstrationen statt. Mitglied von Aktion Sühnezeichen seit 1969. kämpfen. Snobismus trägt dem enervierenden Umstand Rechnung. dem vernagelsten von allen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LUDWIG MEHLHORN Es steht in den Sternen Das Marbacher »Literaturmuseum der Moderne« spekuliert über das »Schicksal« VON THOMAS ASSHEUER Am Tor zu Europa Es gibt wenige Biografien. um Texte von Polens Oppositionellen. Jetzt ist Ludwig Mehlhorn. ist das nicht nur eine waghaloder herzbewegend aufgeklärte Texte. dürfe man wieder frei und Die Atmosphäre ist entsprechend myunbefangen über das große Dunkle reden. und vor allem in der Oder ein anderes Beispiel. einer Macht.jenes Exemplar. Mal ist das Schick.50 12. das Fatum aufder Geschichte ihr zeitloses Wesen treibt? erstehen zu lassen – mit kleinen Stücken Das kann man gewiss nicht meinen. Über allen sieben Vitrinen 1944 im Allgäu geboren wurde und 2001 tödlich verunglückte die Namen »Klimakatastrophe«. dessen schlesisches Gut er in ein europäisches Begegnungszentrum umzuwandeln half. Es bleibt eine zentrale kulturelle sal« unmöglich gemacht hat.der. thogen und dunkel. die die deutsche Sprache bis in ihre gramIndes. denn aus der Schreibwerkstatt unter anderem Hannah Arendt ist genau dem geschichtvon Friedrich Nietzsche. so war auch das Schick. über die Vernichtung der europäiChristus schwimmt das Schicksal unbeschen Juden. Wie die anti. dort Metaphy. Ludwig Mehlhorn hatte sich früh selbst die polnische Sprache beigebracht. was andere noch nicht oder nicht mehr sagen. was die DDR im besten Fall vom Westen unterscheidet. Was soll das und Undurchschaute einen numinosen Dokument im Kontext einer Schicksals-Aussemantischen Trost. wenn sie denn kein landes rasch erzählt. Das ist simpel.u. Sieben stellung dem Publikum sagen? Dass Hannah mal sieben unhintergehbare Dinge heißt Arendt einem metaphysischen Fatum entder Versuch des Marbacher Literaturkam. dem Einbruch der schick.sal erlitten. Es gibt keinen Grund. Botho nalsozialisten für Juden vorgesehen hatten. »No más sangre«. Berufsverbot 1985. an Scharlach sterben? über den Tod in Denkfiguren.Daseins«. so ist die oben.zusammenhang des Lebendigen. standslos auf Tuchfühlung gebracht werden. Deshalb wechseln beide nach Jahren den Verein. seine Kin. »Finanzflackert eine himmlische Disco-SchickUnd doch: Ohne Kompass. Der AusstelZitate. wollen Sie sich einmal an Ihre Kücheninsel stellen und eine Sauce hollandaise montieren. um dem kulinarischen Justemilieu. lichen Schicksal entronnen. dass seine Liebsten. der Dortmunder. Strauß.und Küchentechnik dazugelernt. desto eher beglaubigen die Tränen ihre Worte. erst 61 Jahre alt. aber sie entsteigen liche Pop-Kugel. sonErnst ins Auge zu sehen. der Schuld. mal selbst gemacht. des Widerstandskreises um den Grafen Moltke. Oder und Zeit vorgegeben habe. ein Licht aufzusetzen. die ihm Sein glauben an das Fatum jeden Kredit. an denen man wie im Prisma erkennt. ein Stück Brot mit sehr (das »sehr« wird dann in auffälligem Kontrast zur Haltung der Einfachheit ziemlich dick aufgetragen . Zerrissen sind sie zwischen der turbokapitalistischen Welt ihrer Manager und dem Identifikationsverlangen ihrer Fans. Der Herbst 1989 war ihm ein Tor nach Europa.salsmächten in den Arm fallen.sik oder. kann den modernen Schicksalhaften Zeit in das moderne Spiel. Mitbegründer von Demokratie Jetzt im September 1989. Das ist ja in der Tat köstlich. Sie stürzten mächtige es zulassen. Moses und Christus. die Metaphorik des Schicksals matischen Tiefenschichten verbrannt und hat ihren Thronsturz blendend überjede mythologisierende Rede über »Schicklebt. Bunt purzeln die Schicksalsbegriffe durcheinan. wenn te Anstreichungen vorgenommen hat.ihn zuläuft« – den Tod als »Grundbefindlichkeit des Metapherngeschichte des Abend. weil er sich so zerrissen fühlt zwischen inkompatiblen Systemen. indem sie seine rätselhafte Macht lautet. desto eher spüren die Spieler die engen Bande zu ihrem Verein. dass ihnen die einfachen Genüsse die liebsten seien. umso offener für den genuin polnischen Weg in die Demokratie und für die zivile Verständigung mit den Gesellschaften Osteuropas. wenn es ums Essen geht. sie sprechen von einer Schuld.kapitalismus« und »Fukushima« hören. Alles kann gar nicht schlicht und ursprünglich genug sein! Hauptsache. ohne scharfes ana. telegrafiert Hannah zukriegen und spendet dem Leser als Arendt an Günter Anders nach langer Flucht Chiffre für das Ungeheure. wenn die Emulsion aus Eigelb.n. kuriose Fundstücke wie Friedrich Thomas Manns und Hans Blumenbergs Kittlers handgelöteten Synthesizer. Mai Schicksals gebe – neue Gewalten. Diese Sätze zeigen. sie schrammt auch an der die dem Schicksal ein Schnippchen schlaentscheidenden Frage vorbei. wahrscheinlich von einem Drogenkartell. Dass sich vor den Wahlen im nächsten Jahr etwas ändert.Nicht nur. Mal habe Celan die »philosophische Begründung einer Bis 28. nach dem alle Schicksalsfäden in der Hand zu Untergang der schicksalsvergessenen Bunhalten scheint. dann wieder von Poetik« geliefert. Neuer vielleicht zu den Bayern.) gutem Olivenöl tue es auch. Er weint.Versehen sind. gute Produktqualität. anstatt dem immerwährenden Schicksals schnell in Teufels Küche. G. Sie halten jenes Gefühl politischer Dankbarkeit wach. Ernst Jünger. Sahin geht nach Madrid.): Michael Weber/imagebroker/mauritius images. Literatur ist das »Schicksal« nicht unterWohnen 317 West 95«. das zu verleugnen. Genauso wie Manuel Neuer. Katalog 15 Euro Abb. die Reflexion des egger. »weiterkommen«. Unfassbare am 3. Deswegen versucht der Snob das zu sagen. die hinter den Kulissen museums der Moderne. Und: Bitte keine molekulare Küche. den »nächsten Schritt« wagen.. Beide haben bei der Pressekonferenz geweint. wie viel an Geschick und Fingerspitzengefühl in eine solche Sauce eingeht. sige Behauptung. August. wenn es aber zur Phrase von allen geworden ist. Das sind salskugel. »die den Tod voraussetzt und auf Marbach. in Berlin gestorben. der bislang etwa 40 000 Menschen das Leben kostete. kommt das Schicksal von unten. Die Kritik galt insbesondere Präsident Calderón. danach Hilfspfleger. Martin Walser und – obendrüZwischen den Zeilen verbreitet die Ausber und mittendrin – Martin Heidstellung den Eindruck. Alex Cruz/EPA/dpa Selten mischt sich ein Poet so vehement in die Politik ein wie der mexikanische Dichter Javier Sicilia. von Waffengewalt ihr Beweismaterial sichtet und sichert. in seiner Wirkung aber wohltuend. in der Nähe von MexikoStadt. das die NatioGottfried Benn.: Chris Korner/DLA-Marbach W SPARGELSAISON Bitte mit Sauce hollandaise! Wir wollen hier kurz einmal das Wort ergreifen für eine Verteidigung des Snobismus. Gleichzeitig müssen sie kühl ihre Karriereplanung »vorantreiben«. Wissenschaftlern und Schriftstellern für die Bürgerrechtler der DDR zugänglich zu machen.Gott nicht verhindert worden: Wie kann der All. JOHANNES THUMFART In Mexiko-Stadt: Protest der Bürger gegen die Gewalt . Dann aber einem Brief des Dichters Friedrich Rückert. Da tönt es vom Glockenbachviertel bis nach Eppendorf. Ich würde so gerne hier bleiben. Unter dem nicht dem Opferrauch der Seinsgeschichte. für den er sich selbst entschieden hat. IJOMA MANGOLD FUSSBALL Der Athlet weint Fußballer zu sein ist ein hartes Geschäft. um. habe die Gewaltspirale ausgelöst. Seit einigen Jahren sagen alle. schließlich war der April mit über 1400 Toten der blutigste Monat im mexikanischen Drogenkrieg – ein Krieg. und vielleicht geht es auch nicht anders. Weißwein. Es trägt zur semantischen Biodiversität bei. und etwa hunderttausend Bürger folgten ihm. dass sein Interesse der politischen Gedankenwelt der Kreisauer galt. so die Demonstranten.lytisches Besteck kommt man auf dem Feld des die Menetekel der Moderne. Reiseverbot seit 1981. ken Götter. wie bei Walter Benjamin. Celan schreibe nach Auschwitz die Götter vom Thron und entzogen dem Aber. immun gegen die Varianten kommunistischer Weltdeutung. Der moderne Fußballer weint. zwischen Kapitalismus und Moral. desrepublik. die sich oft von Herzen fremd sind. Schillerhöhe 8 bis 10. dass die Ausstellung den Juden Celan siegelten das Schicksal des Schicksals. als wolle er sagen: Ach. studierter Mathematiker. Der moderne Fußballer weint um den Verlust seiner Herzensliebe. wenn alle ständig dasselbe sagen. Nuri Sahin. Am Wochenende führte Sicilia von dort aus einen mehrtägigen Schweigemarsch zum zentralen Platz der Hauptstadt. sie behauptet auch. [M] Sascha Schuermann/dapd. RoMythosbegriffen erkenntnisdienlich behanbert Gernhardts Stachelschweinborsten delt wurden. glaubt aber niemand. von Kreuzberg bis Sachsenhausen: »Also ich esse zum Spargel ja nie Sauce hollandaise. Titel gewinnen. was wohl heißen soll: Die nachtragische Moderne macht aus Fortunas Ballwürfen eine däm. ob es nicht eine moderne Gestalt des freundlich anerkennen – und dadurch Planetenbild des Schriftstellers W. aber nicht mehr hören! Besonders schlimm ist es in der Spargelzeit.. damit Sie wieder vor Augen haben.o. bekennender Protestant. Und beim nächsten Businesslunch bestellen Sie dann bitte lauthals Sauce hollandaise. wer sehnte sich nicht nach der Einfachheit des Paradieses? Aber wir sind nun mal aus dem Garten Eden vertrieben und haben seither die ein oder andere Kultur. Geneigter Leser. heißt es dann immer. forderten sie – »kein Blut mehr«. Deutungsreserve. Er war Christ. wiesen in seinem Blut. und zwar auf das Schicksal glaubt. denn Politik. Schicksal. der seit 2006 die Armee gegen die Drogenkartelle einsetzt. dieses Geschäft ist so grausam. im Erzgebirge geboren. wie Sicilia beklagte. Tatsächlich spreum ein berühmtes Wort von Heinrich chen Celans Gedichte über millionenfachen Heine abzuwandeln: Seit Moses und Mord. die Grenzen einer Remythisierung. der. Armee und Drogenmafia sind. hier ist es bloß eine Metapher. ermordet wurde. KILIAN TROTIER Nuri Sahin muss leider nach Madrid DROGENKRIEG »Kein Blut mehr« Fotos (v. Mai 1941 aus New York. der am 18. Ludwig Mehlhorn hat ein solches ostdeutsches Leben geführt: Arbeiterkind. Für die Mannschaft sollen sie sich aufopfern.poetologisch zum Ministranten Heideggers erklärt. die auf unterlaufen. sondern nur Butter. Das wäre mal ein neuer Ton. das der Westen den Bürgerrechtlern des Ostens schuldet. aber dazwischen gibt Wirklich? Nachdem Generationen von Stues immer wieder einen hellen klaren denten mit Goethes und Benjamins. Je härter dieser kapitalistische Imperativ zuschlägt. tief verstrickt. es verwundert daher nicht. aber was soll ich machen? Irgendwann muss sich das Individuum aus dem Kollektiv winden und egoistisch sein. der Mann aus Schalke. dessen Sohn kürzlich in Cuernavaca. Nun ein kleiner Tipp zur Anwendung. Diese Frage gen. Und nur wer nicht an mehr – auf Heideggers Sein und Zeit. Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge«. in dem der Dichter Paul Celan zar. Erst Calderóns »Krieg gegen die Drogen«. Ich meine. Sebald.

Ein Großteil der Zuschauer hat das wahrgenommen. Schäferkordt: Das sind komplett verschiedene Sendungen! ZEIT: Können die Zuschauer unterscheiden zwischen »echten« Fällen und den erfundenen? Schäferkordt: Ja. wo wir nicht Marktführer sind. Auch wenn ich hoch verschuldet wäre. ZEIT: Sonst müssten Sie sich hinterher womöglich noch wie die »Dschungelcamp«-Bewohner beschweren. Mit ihrem Informationsinteresse genauso wie mit ihrem Wunsch. Damit geht aber Hand in Hand. ZEIT: Sie könnten es ja als Undercover Boss versuchen.). sich mal nur gut unterhalten zu fühlen. welche Grenzen wir uns setzen: was zeigen wir. Schäferkordt: Auch nicht die gehobenen Instinkte? Da bin ich jetzt erstaunt. dass es erst unserer Sendungen bedarf. Mit öffentlicher Kritik bekommen sie noch einmal hohe Aufmerksamkeit. Schäferkordt: Das hängt vom Kritiker ab. Im Moment sucht der Zuschauer diesen Ausgleich verstärkt. den Zuschauer permanent zu unterschätzen. ist ziemlich gering. stellt sich wahrscheinlich nicht. halte ich. Das Format ist relativ teuer und der Januar nicht der werbeintensivste Monat. die so oder so ähnlich stattgefunden haben oder stattfinden könnten. Einmal fiel dabei der schöne Satz: »Frau Schäferkordt. Wenn die Spaghetti Bolognese beim Hartzler zu Hause unbedingt vom Bauch der Freundin gegessen werden müssen . Aber das Schöne ist ja: Das kriegen wir gratis! Im Ernst: Ganz so einfach ist es nicht. Zudem kann man fragen. Wir müssen vor allem realistisch bleiben. dass es den meisten Zuschauern völlig egal ist. auch wenn Sie das jetzt weit von sich weisen. was die Leute wollen? Reden Sie mit Ihrem Taxifahrer? Schäferkordt: Es ist jetzt nicht unser Hauptforschungsgebiet. Auf keinen Fall. was wir wollen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 51 Die Quotenfrau Angeblich weiß sie. was kann ein DSDS-Kandidat erwarten. Friese/RTL. Solche Sender gibt es ja bereits.. dass Sie danach Ihr Programm gestalten und damit die Mehrheit der Zuschauer erreichen. obwohl es eine gute Quote verspricht? Schäferkordt: Das kann man pauschal nicht sagen. dass ein Format in Menschen Instinkte produzieren kann. Schäferkordt ist auch für Sender wie Vox und n-tv verantwortlich. Schäferkordt: Es gibt ja einen Grund. Wir würden Fernsehen für eine kleine. Am Ende tun Sie das Gleiche wie wir: Sie erfüllen auch nur die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe. was wir den Zuschauern zeigen.. reden wir darüber auch nicht. und das würde mich erschrecken. Radio. die an diesen Abenden in Deutschland Fernsehen geschaut hat. zwischen Kameras im neuen RTL-Studio in Köln. etwas heraus. was Deutschland sehen will: Ein Gespräch mit der Senderchefin Anke Schäferkordt über das Menschenbild von RTL DIE ZEIT: Frau Schäferkordt. ZEIT: In der jüngsten Staffel von DSDS gab es »Freddy Fickfrosch«. was die Menschen reden. ob die Politik Themen erst dadurch wahrnimmt. und wir nehmen sie wahr. Er kommt in die achte Staffel. Aber natürlich kommt überall. erreichen wir automatisch vier Millionen Menschen. der Frosch. Das wird alles wiederkommen. Das Managen von Erwartungshaltungen ist im Moment mit das Wichtigste. ZEIT: Wie gehen Sie mit Ihrer Verantwortung um? Wo verläuft die Grenze dessen. Die Westfälin studierte Betriebswirtschaft.« Ich dachte erst. Schäferkordt: So einfach funktioniert es ja nicht. ZEIT: Schaffen Sie nicht manchmal auch Bedürfnisse? Die Zuschauer des »Dschungelcamps« haben vielleicht gar nicht gewusst. ZEIT: Nehmen wir Bild – da sind wir auf halbwegs neutralem Gelände. Da haben Sie Grenzen überschritten. ZEIT: Lesen Sie eigentlich Fernsehkritiken? Manchmal hat man das Gefühl. würden wir dem. nicht mehr gerecht werden. oder? Anke Schäferkordt: Ich bin kein großer Freund von Artikeln über mich persönlich. bewusst auszublenden. Wirtschaftlich ist es kein großer Erfolg. was täglich vermutlich tau- über die Kandidaten machen! Vor allem nehmen wir uns selbst mal richtig auf die Schippe. Anrufe. und die Zielgruppe. bei dem ich sagen würde: Wir könnten ihn einstellen und das Gegenteil von dem tun. Schäferkordt: Nein. Unsere Zuschauer haben zunächst sehr viel Nachrichten geguckt.. ehrlich gesagt. es ist das Konzept dieses Formats. das »Dschungelcamp«. Sie lesen sie. In Zukunft wird der stärkste Sender nicht mehr einen Marktanteil von 20 Prozent haben. schalten die Zuschauer um. Fotos (Ausschnitte. aber sicher keinen vor der Kamera. welches Thema interessiert. dort sehen wir schon eine Veränderung. also geschrieben sind. hätte ich an der Stelle nichts zu lachen gehabt. Wer solche Freunde hat. Es ist extrem erfolgreich. unser Leser hat ein Recht darauf zu erfahren. wie Sie leben. ob ich von etwas Erfundenem gut unterhalten werde oder von etwas. das virulent ist in der Gesellschaft. So einen Zuschauer würden Sie kaum finden. die vorher noch nicht da waren! Ich würde uns zwar immer gern als einflussreich sehen. wie Sie das jetzt darstellen. Wenn wir Fernsehen für Sie machen würden. ob der Fickfrosch des Guten zu viel war. heißt es in der Presse: Riesenflop. ZEIT: Wir haben uns nur gefragt. Schäferkordt: Natürlich sind die Sehbedürfnisse der Zuschauer nicht eindeutig. was Sie nicht mehr zeigen. was zeigen wir nicht? Eine Diskussion über persönlichen Geschmack zu führen. es gibt kaum einen Sendeplatz... die nicht mein persönlicher Geschmack sind. ZEIT: Ist die Inszenierung beim »Dschungelcamp« nicht ein Sinnbild für die gesamte Haltung von RTL? Die Moderatoren stehen oben auf der Brücke. als Zuschauer. Mich drängt es nicht auf den Bildschirm. Zuschriften. Dinge zu skandalisieren. die mich fesselt und unterhält? ZEIT: Aber es ist doch ein kategorialer Unterschied. ob Sie selber ins Camp gehen würden. aber keine ethische Diskussion. dass es von nun an nur noch bergab gehen kann? Schäferkordt: Ach Gott . anders entschieden hätte. Sie haben eine gesellschaftliche Verantwortung. Sie haben gefragt. dass man Ihnen übel mitgespielt habe. aber wir kennzeichnen das auch entsprechend. bei denen ich. ob ein Format wie DSDS Grenzen bewusst überschreitet. Nun gibt es einen Atom-GAU und Krieg in Libyen. Wahrscheinlich gibt es auch Fälle. ZEIT: Dass in Ihrem Programm Känguru-Hoden runtergewürgt werden. Schäferkordt: Wir haben den Bescheid nicht akzeptiert und Einspruch erhoben. Wir nehmen alle ernst. hat es extrem angesprochen. weil es so schön einfach ist. weil wir den Stoff aufgreifen. Aber ich kann mir ja schlecht – wie die Chefs in der Sendung – einen Bart wachsen lassen. Die Frage kommt immer wieder. Natürlich ist die Erzählweise dabei verdichtet. Wir werden den Vorsprung nicht halten können auf lange Sicht. ZEIT: Die Frage. Wir müssen schauen. das man »gewünschtes Antwortverhalten« nennt: Bitte noch mehr Informationsangebote und Dokumentationen! Oder: Die barocke Oper findet viel zu wenig statt! Die Wahrscheinlichkeit. Anke Schäferkordt. Sie bestimmen mit über den gesellschaftspolitischen Diskurs in Deutschland. Das ist nicht so. ein Kollege hat Sie neulich in einem Porträt als »wonder woman« der deutschen Medienlandschaft angehimmelt. was ihn erwartet. Wir liegen zurzeit bei einem Zuschauermarktanteil von über 19 Prozent. Genau darum geht es eben nicht. nur wie oft und wie differenziert oder eben auch nicht wollen Sie die Diskussion führen? Sie können definitiv fragen. die eine Zeit lang auf sich gestellt sind und mit der Kamera beobachtet werden. Ich würde auch nicht in einer Castingshow auftreten. damit ein Thema. das Ergebnis fanden wir aber nicht so gut. Menne/RTL. die ein nachhaltiges Interesse an Wahrheitsfindung haben. ob es richtig ist. die aber auch nicht nur für mich produziert werden. ZEIT: Aber Ihr Sender ist nun einmal Marktführer. wahrscheinlich nicht. Wenn wir bei einem Thema danebenliegen oder es auf einem falschen Sendeplatz senden. weil ich hier im Haus dann doch zu bekannt bin. Schäferkordt: Die stellt sich definitiv nicht. das können sie sehr gut. Schauen Sie sich die US-Quoten an: Wenn ein Network in der Primetime elf Prozent erreicht. Jeden Tag treffen wir in den Redaktionen diese Entscheidungen. Beim »Dschungelcamp« – es tut mir leid. ganz egal. kl. Ich habe mich damals im Theater nur aufgeregt. Eindrücke aus der eigenen Lebensrealität – daraus formt sich ein Weltbild. bei der auf der Bühne gepinkelt wurde. Aber ich distanziere mich deshalb nicht von unserem Format. in Ihrem neuen Erfolgsformat. ob es um Nachrichten oder Unterhaltungsformate geht. Angesichts unseres derzeitigen Erfolgs sind wir in einer Verteidigungshaltung. Dazu gehört. heißt das doch nicht: So ist es in jedem Haushalt. die in den Dschungel gehen. Bedeutet das nicht auch eine gewisse politische Macht? Schäferkordt: Ich kann oder möchte mir nicht vorstellen. ist doch mitunter fragwürdig. das würden wir natürlich nicht tun. im australischen Dschungel spielt. Er war nicht mein persönlicher Favorit. Ob sich da gleich einer einen Atombunker baut? Das wäre am Vorabend wohl zu teuer . für die es gemacht ist. dass diese Sau überhaupt existiert.und Nachteile. Die Digitalisierung hat die Programmvielfalt unendlich gesteigert. Das wirklich Interessante ist. dass der Zuschauer auch loslassen will. v. insgesamt unterstehen ihr knapp 2500 Mitarbeiter der mithilfe dieser Comicfigur die Kandidaten noch mehr durch den Kakao zieht. ZEIT: Aber ist es nicht ein blödes Gefühl.l. was man alles an niederen Instinkten bei ihnen entsichern kann . auch beim Gesamtpublikum liegen Sie deutlich vor ARD und ZDF. Es gibt den einen oder anderen. vielleicht auch eine politische Brisanz. ZEIT: Mitten in der Finanzkrise haben Sie gesagt. aber Sie werden lachen: Das mache ich gerne. Muss Ihr Programm jetzt noch seichter werden? Schäferkordt: Da muss man in die einzelnen Genres schauen. Bahn zu fahren und zu hören.. ZEIT: Aber was wir vom Camp sehen. bei dem wir an den Quotenverläufen genau sehen. Zudem bekommen wir über tägliche Magazine wie Punkt 12 ein Feedback. das besagt. die Wahrscheinlichkeit. Es hat immer alles seine Vor. Schäferkordt: In einen Stahlhelm. Schäferkordt: Natürlich. dass auch Sie das grenzwertig finden. Nach einer großen Show ist es auch spannend. halte ich für einen Fehler. Schäferkordt: Sie unterstellen wieder. Schäferkordt: Es gibt bestimmt Sachen. Aber das war ja nicht Ihre Frage. die wir den ganzen Tag über beziehen. Deutschland sucht den Superstar. Dazu kommen andere Medien wie die Tageszeitung. Schäferkordt: Dass Kandidaten hinterher manchmal sagen. aber er meinte es ernst. und deshalb sendfach in deutschen Familien passiert. ZEIT: Aber durch die hohen Quoten blasen Sie all die Themen auf. Wir zeigen Geschichten aus dem Alltag. ist es mir. dass er weiß. Übrigens hat das auch die Hälfte aller Menschen getan. Es gibt sehr viele Grenzen. Schäferkordt: Das dürfte eher schwierig werden. Interessant wäre es sicher. Nur würde ich mich dabei von einer Kamera begleiten lassen? Nein. ZEIT: Für eine Folge der Super Nanny hat RTL gerade einen Bußgeldbescheid über 30 000 Euro erhalten. weil Sie den Frosch nicht gut finden. Aber auch formal geht es für uns um die nicht unwesentliche Frage. und wir schicken Prominente dorthin. Sie fragen nur: Ist das eine Geschichte. Darin waren wir immer am besten: aus Fehlern zu lernen. Damit die eigene Erwartungshaltung und auch die der Gesellschafter nicht zu hoch ist. um genau das zu klären: Verletzt auch derjenige die Menschenwürde. offen gestanden. ZEIT: Natürlich! Wir vertreten nur die Wahrheit! Schäferkordt: Entschuldigung.r. mit einer Show oder mit einer eher leichten Serie. wie Sie richtig sagen. in den letzten Monaten durchaus im Gespräch. Wir kriegen auch viel Zuschauerfeedback. die wir ziehen. was er empfiehlt. Aber wenn Ihre Frage dahin zielt. wäre ich der leitende Redakteur. dass die Kandidaten nicht singen können? Muss man sie der Quote zuliebe auch noch demütigen? Wir unterstellen mal. das man dort zum Beispiel von Arbeitslosen vermittelt bekommt. Das wäre vermessen. dieses Stück zu sehen. ist das schon ein Erfolg. kann immer noch mehr sein. was gerade in der Realität meist jüngerer Menschen relevant ist. die Leute wollen sich jetzt lieber entspannen und nicht so viel Konflikt im Programm. Die Kommission für Jugendmedienschutz findet. für müßig. Seit 2005 leitet sie die Mediengruppe RTL Deutschland Das funktioniert so nicht. die komödiantische Aspekte bietet. mal loslassen zu wollen vom Alltag. ZEIT: Den würden Sie sonst wohl einstellen. ZEIT: Aber das Bild. dann machen Sie alles genau entgegen dem Kritikerwunsch – und sind erfolgreich. dass die Geschichten gescriptet. der Menschenunwürdiges zeigt und dokumentiert? Auch wir haben die Szene intern lange diskutiert. Schäferkordt: Sein offizieller Name war übrigens Freddy. warum wir bestimmte Dinge nicht gezeigt haben. getestet und erfolgreich platziert hätten.n. ZEIT: Dennoch verhelfen Sie Themen zu einer enormen Sichtbarkeit. Wir wollen das klären. verleihen Ihnen eine neue Dimension. ZEIT: Wie finden Sie heraus. ZEIT: Dann lassen Sie uns über Ihr Geschäft reden: RTL ist klarer Marktführer. eine Idee von Dieter Bohlen. Schäferkordt: Wenn ich da kurz widersprechen darf: Es wäre der größte Fehler. ZEIT: Solange es so gut läuft und gutes Geld verdient. in der Politik ankommt. obwohl es ständig Anfragen dafür gibt. einige Szenen verstießen gegen die Menschenwürde. Wenn Sie mich fragen: Würden wir alles tun für die Quote? Dann ist unsere Antwort: Nein. Die Instinkte des Menschen können wir im Fernsehen so wenig beeinflussen wie Sie im Zeitungsbereich. wenn er sich für die Show bewirbt. Schäferkordt: Schon klar. der Journalist veräppelt mich. auch im Gespräch mit der Kommission. Gregorowius/RTL . Sie erfüllen die Bedürfnisse der Leser. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Homestory gemacht. auch wenn wir den einen oder anderen Witz Vier von Schäferkordts Erfolgsformaten: »Deutschland sucht den Superstar«. Das Bild von der Gesellschaft formt sich aus der Gesamtheit der Informationen.. Jeden Tag treffen wir Einzelfallentscheidungen. Wollen wir es so machen? ZEIT: Ist Ihr momentaner Erfolg auch ein Fluch? Das kapitalistische Mantra lautet ja: Wo viel ist. wo die Realität sich einem Drehbuch fügt. wenn ich Sie an der Stelle enttäuschen muss – habe ich mich einfach köstlich amüsiert. dass sich für die Realität ausgibt. Schäferkordt: Ganz offen: Wenn das mein einziger Beweggrund zum Lachen wäre. ZEIT: Sie haben sich mal über eine Aufführung im Kölner Theater aufgeregt. was ich zum Glück nicht bin. der sich im Garten einen Atombunker baut? Schäferkordt: Natürlich finden Sie vor allem in den Soaps wieder. haben Sie leicht lachen. in Wirklichkeit aber nur entlang von Klischees über die Wirklichkeit erfunden wurde. wir gaukelten etwas vor. kommt vor. den wir machen können – zu glauben. Auch wir werden unsere Baustellen im Programm bekommen und daraus lernen müssen. ZEIT: Und? Schäferkordt: Montags morgens war DSDS. N-tv hatte den erfolgreichsten Monat seiner Geschichte und den Marktanteil verdoppelt. ist genauso eine Fiktion wie die »Scripted Reality« im Nachmittagsprogramm. relativ elitäre Gruppe machen. Als Marktführer haben wir eine besondere Verantwortung. Ich habe angemessenes Feedback. Wenn wir ein neues Format mit 16 Prozent Marktanteil starten. von der das Publikum oft nicht wusste. das ist nicht so. wann und mit welchem Grund in unser Programm eingegriffen wird. dass ich Geld dafür bezahlt habe. mein Ausdruck war falsch: Ich wollte sagen. Die treiben täglich eine Sau durchs Dorf. 48. ZEIT: Ein konkretes Beispiel. aber das glaub’ ich beim besten Willen nicht. bitte. ist sehr groß. und das ist quer durch die Genres schon sehr vielfältig. dann antworte ich: Nein. Das ist auch zynisch.FEUILLETON 12.. denn der Frosch war. ZEIT: Wir wollen das ja auch gar nicht. Wie machen Sie das? Schäferkordt: Wir interessieren uns für unsere Zuschauer und nehmen sie ernst. schauen hinab auf die armen Würste unten im Dschungel und machen sich darüber lustig.): Gregorowius/RTL. dass ich nicht singen kann. Wenn Sie eine solche Geschichte zeigen. die gar nicht so skandalträchtig sind. war Controllerin bei Bertelsmann und Senderchefin bei Vox. lieber Zuschauer? Und er sagt: Ich fände eine Unterhaltungsshow toll. Da ganz kurzfristig auf politische Ereignisse zu setzen. ZEIT: Aber wo ist für Sie persönlich die Grenze? Würden Sie Hartz-IV-Empfänger im Rhein um einen Arbeitsplatz um die Wette schwimmen lassen? Schäferkordt: Nein. ZEIT: Haben die Ereignisse direkten Einfluss auf fiktionale Formate? Gibt es bald bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten einen notorischen Grünen-Wähler. Bei großen Primetime-Serien dagegen sind die Produktionsvorläufe deutlich länger. die »Super Nanny« und »Raus aus den Schulden« mit Peter Zwegat (von links). ob im Genre Real Life oder auch in der fiktionalen Unterhaltung. quer durch alle Bildungsschichten. Schäferkordt: Bitte! Sie glauben doch nicht. ein bisschen verkürzt. braucht keine Feinde. Jedes Medium hat sie. ZEIT: Warum reicht es nicht zu zeigen. da mache ich mir überhaupt keine Illusionen. Es steht im Vorspann und im Abspann. Muss das sein? Schäferkordt: Das ist eine Geschmacksfrage. Das Gespräch führten ANNA MAROHN und CHRISTOF SIEMES Fotos: Thomas Rabsch/RTL (o. auf einem ähnlichen Niveau wie während der Krise 2009. dass wir sie zum Thema machen. Schäferkordt: Zumindest nachdem wir das produziert. Können Sie sich überhaupt noch steigern? Schäferkordt: Nein. Ich kann mich nicht auf die Hohe Straße in Köln stellen und fragen: Was willst du sehen. würde ich vielleicht einen Schuldenberater aufsuchen. wo man ein Mikro aufstellt und die Leute befragt. während der Castings eine Comicfigur. Spaß haben zu wollen. ist aber okay? Schäferkordt: Das ist in vielen Ländern eine Delikatesse! Es ist einfach. aber das müssen wir nicht ausführen. im Januar hatten Sie bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 21 Prozent. ZEIT: Wir fragen Sie als Gesamtverantwortliche für das RTL-Programm. So.

Sie stand ihren Benutzern weit offen. Die Bemerkungen über die »Neger«. wiederzulesen. Für ihn wie auch für seinen Freund und Lektor Uwe Johnson war es eine Frage zeitgemäßer Männlichkeit. Daher die vielen Shortcuts in Montauk. als ich es bin? Es sind diese Fragen. in den Tagebüchern sitzt man im Flugzeug. dass Frisch nicht nur unser Zeitgenosse. der Identitätsfragen und Rollenspiele. fotografiert von Robert Lebeck Das Prinzip Frisch Der Schweizer Schriftsteller wäre jetzt 100 – Wiederbegegnung mit einem unverschämt jung gebliebenen Klassiker VON IRIS RADISCH 1900. hat diese fortschrittliche Gestimmtheit des vorigen Jahrhunderts. der die Romane bis heute lebendigund unverbraucht erscheinen lässt: ihre neusachliche Heiterkeit. Da gibt es die Befremdlichkeiten im ersten Tagebuch aus den vierziger Jahren. der sich in Frischs verworfenem Jugendroman nach einer männlichen Tat sehnt. Der Roman galt als das Paradestück der damals groß in Mode kommenden Ich-Diffusion. und andere Grobheiten. die man stellt. eine neue Existenz zu wählen im Warenhaus der literarischen und philosophischen Lebensentwürfe. Doch an solchen Verschmocktheiten liegt es nicht. die gealtert sind und die den Toten plötzlich für geradezu unverschämt jung halten. Dazu sind sie – auch im literaturpolizeilichen Sinn – zu unbedeutsam. die schöne Julika. ein nichtiger Mensch zu sein. Eine neue Welt bauen. der die »männliche Tat« verklärt. war so üblich und ging niemanden etwas an. Sie sind wahlweise Mannequin. der da kommt«. Nicht weil er.52 12. diese 1954 bei Suhrkamp im zerstörten Nachkriegsdeutschland zur Welt gekommene Figur. des Frisch-Jahrhunderts.« Wenige konnten die Träume unserer in sich selbst verliebten. das man überall (und sehr bald auch auf den Schlachtfeldern) suchte. Im Grunde. Ein Bergmannsroman. abzubrechen oder ironisch zu werden. Ein Herr White mit amerikanischer Vergangenheit wäre ihm lieber als ein Herr Stiller aus Zürich. Wie eine Flaschenpost aus Märchenzeiten liest sich auch der nahezu verschollene Roman Antwort aus der Stille. Frisch hütet sich vor dem Heroischen. wie er es immer sein wollte. Einer Utopie. gegen das wir. Ingenieure. in dieser Feier des Lebens. wie er es spöttisch nannte. ist sein trockener Humor. In dieser Aufbruchstimmung nach D Foto: Robert Lebeck/Max Frisch-Archiv. von der »kein Weibsbild« einen Kerl abzubringen vermag. in denen man neue Leben anprobiert wie Kleider. Aber es ist ein Buch. Dass er irgendwann alt und behäbig war. auch sich selbst gegenüber. Er sagte: »Wir leben auf einem laufenden Band. der verstanden werden kann als die literarische Variante der Schweizer Nichteinmischungsdoktrin. Er habe. neue Ehen. verbarrikadiert sich in seinem Schweizer Bergdorf und baut Pagoden aus Knäckebroten. ein Mann mit südamerikanischen Geschäftsbeziehungen. schon damals den Rückzug aufs Private. Es gibt seine irritierende politische Indifferenz in der Kriegszeit. dass Max Frisch uns ein wenig entrückt ist. Dass er gegen dieses Alter aufbegehrte mit immer imposanteren Automobilen. Stiller mutiert zu einer Art Waldschrat. Mai 1911 in Zürich. Das macht er klar durch einen Kunstgriff. ihres backenbärtigen Paternalismus und ihres vitalistischen Pathos war. In jedem Fall eine Sehnsucht. weil er hundert wird. Aus Selbsterniedrigung wird Selbsterhöhung. die Nichtigkeit noch für das Beste am Menschen zu halten. Ernst Bloch. ein nichtiger Mensch zu sein. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR gramms und zugleich der Urahne für die Gantenbeins. unterhält eine zweite Liebschaft in New York und gedenkt die Mutter der ersten am Romanende in Athen zu heiraten. aber niemals kleine Männer sind. nach vollzogenem Inzest an einem Schlangenbiss (ernsthaft: Schlangenbiss!) verendet ist. in dem das Beständigste noch seine riesige schwarze Brille blieb und in dem die letzte Geliebte bereits die Tocher einer früheren war. angeblich niemals zuteilwerden konnte. nach Mexiko. Auch hier setzt er auf erzählerische Dialektik. kurz und knapp zu halten und da. das nicht mehr auf der Höhe unserer Desillusion ist. sondern Kinder und Enkel der alten Masken. hinter er erste Impuls: Man glaubt ihm die hundert Jahre nicht. Filmschauspielerin. nun doch entgegen seinem lebenslangen Widerstand.« Stiller. Das ist nun alles lange her. Mein Name sei Gantenbein. Es war das Mantra seines Zeitalters. Stadelhoferstraße 28. neue Häuser. Seine Hauptsorge: Er möchte nicht Herr Stiller sein. Eine sanfte. sondern nur ein Dasein. Liest man den Roman heute. Heliosstraße 31. Seitenlang sitzt man in der Boutique und begutachtet Dior-Kostüme. und niemals anhalten. nach Athen. Auch begreift man nicht mehr. Immer wieder in den Romanen. Natürlich geht dennoch alles vorbildlich schlecht aus in Frischs Theaterstücken und Romanen. neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. die Künstler. wie ein Bub vor. so hat Frisch das in einem seiner späten Fernsehinterviews gesagt. in dem man zum Friseur und ins Büro geht und in dem die Liebe zuverlässig in »tödlicher Kameraderie« verendet. aus Ironie Überlegenheit. Einer. Italien und Griechenland. Ich bin einfach nicht bereit. Dass Max Frisch 1991 gestorben ist. die immerzu erwartungsfroh neue Leben anprobierten. noch gar kein Leben. und es gibt keine Hoffnung. seine Heiterkeit. nachdem die gemeinsame Tochter. der so leidenschaftlich auf einem abenteuerlichen »wirklichen Leben« besteht. Homo faber. nach New York. die Frisch so jung machen.« Ein schöner Schlusssatz ist das. Fabers und Geisers. konnte man im Fernsehen sehen. die ihn in eine längst vergangene Zeit katapultieren. Dabei war der Nonkonformist fasziniert von der Konvention. Der die Enge der Heimat und der Herkunft mit der Menge der Geliebten und der Wohnsitze aufwiegt. neue Leben. als die sich die erste Geliebte entpuppt hat. die man gerne für unsere eigene gehalten hätte. Der Frisch-Erzähler findet sich grundsätzlich lächerlich. Im Gegenteil. seine Träume. der das Erwachsenwerden ablehnte. das »sich formen lässt von jedem. gestorben am 4. steht im Zentrum aller großen Frisch-Romane. von Anfang an ein heroisches Format. die »Statthalterin der Utopie« sein sollte. die es macht. Contessa oder Staatsanwaltsgattin. so kurz und bündig wie auf einer Grabinschrift. ein neues Ich. Dann aber mit allem divenhaften Drum und Dran. zuweilen geneigt. der sich an sein Heim und seine Kaffeetasse klammert. dass wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. Geiser. sich nicht auf weitschweifige Gefühligkeit einzulassen. man gestatte den Kalauer: entgegen seinen lebenslangen Frischhaltebemühungen. vorwärtsdrängenden Epoche besser beschwören als Max Frisch. nach Texas. die großen Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens – Tagebuch 1946-1949. Frisch ist doch immer jung gewesen. ist der Urtyp dieses »Darum-werden-wir-erst«-Pro- der sich das Ich-Pathos verbirgt und die bis heute das Beste am ganzen Frisch ist. Stiller ist noch immer ein bewundernswertes Buch voller hinreißender ironischer Sentimentalität. versteht man nicht mehr ohne Weiteres. »Mit der Einsicht. Das mag. die so neu nicht waren. wo es wehtut. Und das dem kleinen Mann. Ein wenig verwundert versucht man nachzubuchstabieren. alles bauhausmäßig klar. Und dass wir es sind. Wir werden diesen jungen Hundertjährigen noch lange lesen. Der Mensch erscheint im Holozän –. Zum Beispiel ein Stiller-Leben in Zürich mit Atelier und Oberlicht. der in sehr preußischblauen Hemden an sehr kompakten Tessiner Steintischen saß und weißweintrinkend sein Leben Revue passieren ließ. »hoffe ich halt immer schon. In jeder Hinsicht ein Jugendautor. April 1991 in Zürich. daß ich eben durch diese Einsicht kein nichtiger Mensch mehr sei. Aber das stört nicht. im Letzten nicht unversöhnliche Melancholie gehört zur Dialektik einer fortschrittlichen Literatur. Frisch-Frauen sind immer mondän. die. der ewig Junge. Weltreisende. in dem man sich unausgesetzt aufgefordert sah. sondern auch ein Erbe der vorletzten Jahrhundertwende. dass er wirklich noch so jung ist. Doch gerade deswegen fehlt uns Max Frisch. reist mit seiner jungen Liebschaft durch Frankreich. dass man Frisch und seinen Helden gewogen bleibt. sagt der kühne Jüngling. Ballerina. und Gantenbein kommt ohnehin den gesamten Roman über kaum einmal hinter seiner Blindenspielbrille hervor. die den Verlierer immer gewinnen lässt. Kommen allerdings ausschließlich im Geliebtenfach zum Einsatz.und Verstellungskomödien und der Illusionskünste der deutschen Romantik. ein nichtiger und unwesentlicher Mensch zu sein«. Die Frisch-Welt hatte mehr zu bieten. Das Haus von Biedermann brennt ab. Siehe auch Reisen Seite 63 . Diese Hoffnung war nicht nur das Mantra von Frischs eigenem Leben. Ein. mit immer jüngeren Frauen. Ihn nun. Woran liegt das? Auf den ersten Blick ließen sich leichte Erklärungen finden. den man las. ehrlich genommen. Raus aus der Vergangenheit – das traf einen Nerv. seitdem die Selbstverwirklichung überall im Sonderangebot zu haben ist. die uns diesen hemdsärmligen jungen Menschen fremd erscheinen lassen. Seine lebenslange Jugendlichkeit mag hier ihren Ursprung haben. geboren am 15. was sich dieser Anatol Ludwig Stiller von der Verwandlung in einen Mister White versprochen hat. der Held des späten Romans Der Mensch erscheint im Holozän. Frisch wusste es selbst und hat nicht ohne Ironie davon gesprochen: Er blieb ein Leben lang der Kleinbürger. die Folgen hatte. seitdem wir an diese Utopie nicht mehr glauben. der literarisch groß auf die Pauke haut. Ihre Fragen sind groß und immer dieselben. über den widerstandslosen Charakter des »Weibes«. die vieles ausschloss. die »pflanzenhaft vor sich hin dösen«. Einer. Diese Sehnsucht nach einem bedeutsameren Leben als dem. Er fasst das literarische und biografische Programm des Autors in zehn Wörtern zusammen: Er war einfach nicht bereit. Es war auch nicht nur das Mantra seiner Figuren. nach Guatemala und so weiter. hoffe ich doch in allem auf Verwandlung. auf Flucht. Hat mal jemand die Flugmeilen im Homo faber nachgezählt? Walter Faber. was er gegen seine Ehefrau. Was Frisch rettet aus der Peinlichkeit dieser Aufsteiger-Prahlerei. Nach Paris. Aber ich habe mich nicht. Es sind Fragen. Montauk. Faber bekommt Magenkrebs. einzuwenden hat. Für uns war und blieb er der Autor einer Lebensdringlichkeit. seiner großartigen Autobiografie. Der Schrecken rührt daher. den Peter von Matt vor zwei Jahren aus der Versenkung holte. Es fehlen seine Verspieltheit. aus Trauer Hoffnung. Frisch ließ das Buch 1937 in NaziDeutschland publizieren und hat es später nicht in seine Gesammelten Werke aufgenommen. hinterrücks gealtert wäre. ein Schweizer Herr mit Hamsterbacken und Krötenhals. Stillers wichtigstes Problem ist: er selber. wenn man sich und der Welt noch viel zutraut. hat man missbilligend zur Kenntnis genommen. wie der ständige Abriss und Neubau des Lebenslaufs einmal mit so viel Hoffnung verknüpft sein konnte. vielen so gegangen sein. heißt es im Stiller. der auf Mamas Schokoladenkuchen lauert. Inzwischen sind wir nüchterner geworden. Sie verleiht ihren Helden. Sie benehmen sich auch so. gerade weil er es heroisch meint. »Neureicher« im Leben und im Schreiben. Oder auch nur ein Fluchtbedürfnis. dessen Prinzip Hoffnung 1959 erschien. Darum werden wir erst. Daher die zärtliche Kaltschnäuzigkeit. Man ist schließlich modern. die noch kommen sollten. Er möchte ein Herr White werden. in eine knappe Sentenz gefasst: »Ich bin. Wie wollen wir leben? Gibt es ein Leben hinter dem Grauschleier des Alltags? Wie komme ich dahin? Wie werde ich ein anderer. die zugegeben ein bisschen fünfziger-Jahre-steif ist mit Kostüm und Handtasche und immer höflich und adrett. Aber was erwartet er sich von der Liebe? Und was von seinem Leben? Ein wenig kommt einem Stiller. Zürich Max Frisch auf der Boccia-Bahn seines Hauses in Berzona. Wir sind auch nicht mehr die Bewohner von Umkleidekabinen. wenn dieser auf der Suche nach dem »wirklichen Leben« ist. Das ist bei strenger Betrachtung ganz und gar nicht mehr an der Klamotte vorbeigeschrammt. Das Prinzip Frisch ist ein Prinzip Hoffnung. als man selber jung war und auch nicht erwachsen werden wollte. ist ein Wiedersehen mit sanftem Schrecken. Trotzdem erinnern sie uns daran. Stiller. gar nichts Dringliches mehr einzuwenden wissen. Tagebuch 1966-1971.

Oradour.« Schließlich hat Schütt den Text gefunden. selbst oft schmerzlich zerrissen. lief dreimal um den Frühstückstisch und sagte dann. eine Frau. ja. durch die Beziehungslosigkeit hatte es doch Aussicht durch alles hinzu unserem Vater und durch dessen Tod durch.90 € ihn an. einen Politiker. nach der Michel Friedman. Die freiesten und amüsantesten. Auf einigen Seite ist dieser Band getrüffelt mit unpuhinreißenden Seiten entfaltete er die blizierten Frisch-Zitaten. wovon ich da unten beim Grenzstein reden könnte. che Vielfalt des Möglichen« der Eindeutiggefangen«. Natürlich stellte ich die Mord-Frage.90 € Schicksal. das Buch. um das erste Aufklingen des kritischen Frisch der fünfziger Jahre zu hören. (. drei unveröffentlichte Gespräche Hages mit Frisch. wie er mit seinem Beatrice von zweiflungen Frischs. Max. Ich habe sie dabei. klima – aufpassen!« Den Stiller. ob diese Fragen nicht der eigentliche Schlüssel zu seiner Biografie sind. Immer endet es in der einzigen. seinen élan vital. will etwas verkaufen. Einmal befreite ihn eine Frau vom »schweren Verhängnis. er habe sich einmal ein Messer gekauft. der immer wieder mit lebe ich oder nicht. und auch sonst nichts. die damit zu tun hat. das um diese Dinge herumgeht.FEUILLETON LITERATUR 12.: Victor Radnicky/Interfoto/Privatbesitz: VG Bild-Kunst.. der soldatischen Grenzwacht – »Stahlgewitter à la Suis. aber dazu fehle ihm wirklich die Zeit. Die Enthüllung der Liebe zu Madeleine SeignerBesson ist eine der schönsten Trouvaillen bei Schütt. sympathisierte er keine Sekunde mit den Schweizer Nazianhängern. Schütt nimmt. Gemälde von Otto Dix. Es kam kein Name. nie habe ich mit ihnen eine neue Dimension erobert. Schütt kennt die Fantasie eines »Lebensabendhauses«. und ich bin »städtischen Altersheim«.und Berg. Frisch Suhrkamp. etwa mit einer Frage wie: »Welche Hoffnungen haben Sie aufgegeben?« Das Scheitern begann in der Regel mit einem Moment der Stille. tat das aber in einer Ausstellungskritik. Er scheut die Pointe nicht. Osten gar kein See. Max!« Suizid – ein Spiel. ZeitFrisch hat Besuch von der toten Mutter lebens hat ihn der Gedanke an den Suizid und unterhält sich beim Frühstück mit begleitet. Als er. me ja aus einem Morast von Ressentiment wird zum Dementen. sind das Meisterstück seines Buches. Werde ich ein andermal davon reden?« Am Ende der kleinen Erzählung hat Frisch die »neuen Berichte von Buchenwald gelesen. Postkarten des Soldaten Frisch. der die Wende bedeutet. wenn es uns nicht einfach an Vorstellung fehlt. wirklich weiterführen kann. Max Frisch machte es so: Er stellte in seinem Tagebuch einen Fragebogen an den Anfang. und er stand auf. Frisch beschreibt darin.« Die zweite Sache habe ich geträumt. Wie sah Madeleine Seigner aus? Das zeigt Volker Hages opulenter Bildband. Schütt fand in einer Rezension die Quellen von Frischs Deutschenbild. Mit erzählten Häusern ließ Suhrkamp. Noch kein Jahr ist es her. man trennt sich. vielleicht stehe das Biographie eines Schütts Frisch ist im Verhältnis zu sich Haus »weiter im Norden«. as es nicht alles für Möglichkeiten gegeben hätte. konnte man den Gesichtern ablesen. die Irrungen »den Grundriss der hölzernen Villa mit und Wirrungen der dreißiger Jahre. die Briefe. wie unsereines. über den Tod. keit des Wirklichen weichen musste.Nagel & Noch in den sechziger Jahren vermutete richten soll. die sich vordem nur aus dem Buch kannte. Er ist seiner Sache Wiesen. womit sie ihre Meinung unterdrücken. mit diesen Nachrichten fertig werden soll. Klischees hervorzuholen. die den gezeigten Antisemitismus »empörend« nannte und angesichts ausdruckslos betrachtender Berliner sagte: »Wir bewundern solche Disziplin. Hier der erst apolitische. weil ich immer wieder denke. beginnt er setzt vieles in neues Licht – den Vater.. dann bisweilen tenzialistischen Frisch.. falsche Fährten legen. die nächsten 25 Jahre. ihm Flügel . Von Matt deutet das Feuilleton mit begann. Max. ja. Wie sich selbst will er fortan unangenehme Sätze werden nicht unterschlagen. Dann verschiebt er sein Haus Julian Schütt: diskret. 160 S. Der Soldat Frisch hält im April 1945 auf einem Grenzstein einen »gemütlichen Hock« mit einem deutschen Soldaten. die Zeugen. Beatrice von Matts Aufsätze folgen der im Gedankenstrich abbrechende Satz. »Ich lebe aus keinem eigenen Verlass heraus«. geradezu zu singen begann: »Ja. Man duzt sich. Interviewpartner heutzutage wollen Fragen abwehren. Max! Eine meisterliche Biografie. einen SPD-Mann . schrieb Frisch im Moment weiter schwebt es durchs Totenreich. Max Frisch wollte sich mit seinen Fragen Wahrheiten nähern. Bonn 2011 . darüber müsse man mal nachdenken. Am nächsten Tag fand das Interview statt. mit diesen Fragen kann nichts schiefgehen. Biographie Max Frisch. es nicht gerade ein anderes auf Erden gab. ja. Ich werde also weiterhin das blaue SuhrkampTaschenbuch mitnehmen. Immer denke: Diese Fragen sind ein derartiger Knüller. ja. und dich erschlagen. Schütt zeigt. bin ich aufgewacht. Journalist und Politiker. dass uns kein Denken. nie mehr das der biblischen Formel »Du sollst dir Meer zu sehen. Das Fazit ist leider niederschmetternd: Ich habe keine Seele aufgeschlossen. das von Matt ausgegraben hat. »Lidice. Interessante Frage.) Buchenwald bei Weimar. 24. vor Wirtschaftsführern. der ein Mörder ist. »ein Liebesdrama« nennt es ziehung setzt. dem Impuls. Frischs er sich als lebendig«. um einen Menschen zu töten. der sich imaginativ mit seieines Aufstiegs. »Einen Sonderplatz« Bruder das Grundstück besichtigt. und die vierte Frage hieß »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Immer wieder unterbricht Frisch die 432 Seiten seines Tagebuches mit Frageblöcken. Schließlich Aufstiegs. Name ist Frisch dem er für ihn ein Einfamilienhaus er. Und irgendwann jemanden treffen.hat. da zeigten Das wichtigste Buch zum Frisch-Jubiläum ist die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch den alten ohne Zweifel Julian Schütts Max Frisch. und schwieg. auf Matt: Mein gibt er der »Nicht-Beziehung« zum Vater.. das ich im Grunde gegen mich bin«. Veranda«.. Dort der sozialistische Humanist in der Rolle son-Leser entdeckt in der Wirklichkeit. Bevor er den Namen sagen konnte. Der Kierkegaard. dem Germanisten Emil Staiger. Er sagte noch. Er fühlte sich 1935 sehr weit ins deutsche Wesen ein. dass sich Frisch durch die fünfziger Jahre »immer von neuem in Madeleine Seigner verliebte«. ja. 1960er Jahre Kultur sehr merkwürdige Sätze über die Emigranten in der Schweiz von sich gegeben. Zürich der Bruder als Grund von Max’ Depressionen. Teufel. zuletzt. den durch den Kalten Krieg. Die 350 Seiten. aber hilflosen Gewissheit. Im Unterschied zu seinem Freund. will etwas loswerden und nichts ergründen. Verblüffend.auch vier antisemitische Sätze auf dem Kerbholz se« – findet er zu sich. fassbar. Einmal war es die Frage »Wären Sie gerne Ihre eigene Frau?«.von Matt. unverrückbar. in Seenähe. Abb.« ersten journalistischen Arbeiten schon da. fürchtete aber. Was dachte der Soldat Max Frisch so viele Bilder des Au..« tiert hat. Frisch hat als Verteidiger der schweizerischen »Der Schriftsteller Max Frisch«.das Meer. Er und sein Spiegelbild läFrisch definitiv zum Schreiben geführt. Und dann. Ich saß damit vor Politikern.Verhältnis zur Schweiz. interessante Frage. Schade wäre es.. will ein Bild von sich entwerfen. der die Frisch beim schreibenden Bau eines Todesnähe bei einem Selbstmordversuch Hauses kehrt wieder in den Essays. man kitschelt und geschäftelt nicht neben Sterbebetten. eine höchst politische und psychologische Zeitchronik der Jahre 1966 bis 1971 zu beginnen. wie sie den Unendlich verwickelt war für alle Zeiten Frischs Stiller zu Pirandellos Roman Mattia Pascal in Be. als ich in sein Gesicht blickte. (Hrsg. die es gibt. Die Schwester des Regisseurs Benno Besson und die Mutter von Frischs letzter Lebensgefährtin Karin Pilliod war bislang fast unbekannt. ob hinter diesen Fragen nicht die Gliederung seines Lebens steckt. sondern: kein Bildnis machen« experimen. ich würde das Meer nie mehr sehen«. – eine Bewegung der Angst. das der Frischianer im Jubiläumsjahr neben sich haben sollte. der damals die Schweizer entzückte: »Es ist einfach keine Zeit dafür. man würde ihn wegen seines zu großen Penis auslachen. nicht zulassen. und am Ende: nichts. vor großen und kleinen Stars. dass ich seit nun 25 Jahren die Fragen von Max Frisch dabeihabe. Freundschaft. darstellerisch und gedanklich Frisch streicht »die hölzernen Säulen der gewachsen. auch sein Land erneuern. zu schreiben fand Frisch Scham. ich dachte daran. 1911 – 1954. Er schreibt elegant. Wir sehen die Zeichnungen des Hauses. Und er erzählt am Tag.Frisch angesichts der Kriegsgefahr? »Entweder übertors machen. das Haus zu einem Berlin 2011. ja. tat er es sogleich mit dem »Ich als souplesse: »Die Arbeit als Architekt hat Währung«. In einer vergessenen Kritik aus der Zeitschrift Du attackierte Frisch 1941 den Film Gilberte de Courgenay. Als Glücksdimension sie werden in einen Zusammenhang voller Nuancen dieses Existenzialismus erweist von Matt in einem gesetzt. und ich weiß nicht. So bleibe ich auf dem halben Wege doch sitzen. die unerfüllten oder die erfüllten?« Ich möchte hier aber nur von einer kleinen Beobachtung berichten. über Geld. Volker Hage cheln sich in einer Schaufensterscheibe Das fertige Haus erfuhr er als Ärgernis.90 € wieder drin«. das Haus in der Schrift hingegen verlieh Frisch könnte ich diese Scheibe einboxen und dich packen. »dass Du viel zu früh durch das den Weinreben entwirft er ein »Haus. In der Ereignislosigkeit der rüd chauvinistische Frisch der dreißiger Jahre. Schon als Kind fühlte sich Frisch de traf. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 53 Könnte ich dich packen. 256 S. will einen Schutzschirm aufbauen. in New England. seines Triumphs mit dem Stiller. Müntefering sagte. Die Stille meiner Interviewpartner verschwand in einer anderen Wahrheit: Wer heute interviewt wird. durch ein Zeitungsfeuilleton aus dem Jahr Schütt zeichnet Linien zu den Ver1942. Überraschend ihre Skizze eines exis. 15. Archive. Hoffnung und Heimat. stilistisch. was er des nationalen Gewissens.« Wie viele 34-Jährige schrieben mit dieser Klarheit? Alle Wege Frischs beschreibt Schütt umsichtig: den in die Ehe und ins Zürcher Bürgertum. und er »Früher war ich Architekt«. Das erste Haus geistert schicken. klagte Frisch 1946. Bald schon gleich ist Schütt im Meer seines Materials steht sein Haus. da muss jedes Interview ein Knüller werden. Viel ist in den sich spielen.« Pause. Und dann folgte – weitere Stille. Es brauchte Schütts Ohren und Quellenkenntnis. Frischs Reichtum hinter den die Fragetechnik. In der Pubertät massierte er seine Nase. Der Traum ging so: Ich stellte Müntefering die FrischFrage »Gesetzt den Fall. zum Schluss zu Stiller. eine Essay-Sammlung und ein Bildband erhellen uns die Welt des Max Frisch VON ANDREAS ISENSCHMID »Wem wären Sie lieber nie begegnet?« Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen VON STEPHAN LEBERT W N och nie konnten sich die Leser von erstaunlichen Essay das Meer. viel Besuch kommt. doch leicht ins Irreale – vielleicht sei der See im Max Frisch lieber ist ihm die Nuance. Seite für nem Sterben aussöhnte. über Frauen. in einem Hotel irgendwo in der deutschen Provinz. die auf keine WänExistenzkampf geworfen wurdest«. um zu bemerken. In kein anderes Werk ist die umfassende Zerrissenheit Frischs mit solcher Wucht eingegangen. die und zeichnet in einem New Yorker Café journalistischen Anfänge. dass Frischs verständnisvolle Schilderung des »deutschen Wesens« in seinem Schwanken »zwischen Minderwertigkeitsangst und übersteigertem Selbstbewusstsein« ein verdecktes Selbstporträt war. »Paris ist ein ideales SelbstmordTschechow über Tolstoi. ich sehe nicht ein. jetzt erzähle er mir was. Man könnte nun lange darüber nachdenken. wenn nicht davon. oder haben sie schon nichts mehr zu unterdrücken?« Es musste Schütt kommen. den zu den großen Dramen. Auschwitz. die als »Gnade« empfindet. Als das Haus fertig war. Immer denke: Die Tiefe der Gedanken wird den Weg in jedes Bewusstsein weisen. als »die unverbindlidurch sein Spiegelbild »begrenzt. wie 2011. wenn ich einen prominenten Menschen interviewe. einige Seiten 595 S. Max Frisch hat sich diese Fragen selbst gestellt. wollte er in der Beatrice von Matt zum Frisch-Jubiläum ersten Fassung in den gelingenden Suizid publiziert hat. 25 Jahre Fragen von Max Frisch. in dessen Frühstücksraum ich am nächsten Morgen sehr früh ein Interview führen sollte mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. nachdenkt und Zeit hat. geprägt. Frisch wollte als Jugendlicher Nationaltorwart werden. dem Welterfolg. als Hitlers Angriff drohte und der »28jährige Bursche« nur dachte »Schade wäre es. Fangen wir an. man weiß ja nie. Und dann noch mal: »Ja. die gebauten aber starrten Berlin 2011. die diesen im Stiller so sehr faszinierte. Zum Beispiel die Frage: »Wenn Sie einen Toten sehen: welche seiner Hoffnungen kommen Ihnen belanglos vor.): Max zu.. In die herbstliche Luft über Kimche. nicht: ein Buch. dass es dazu nie gekommen ist?«. um vom einen zum anderen zu geVor »dem ihm auf den Leib gerückten Tod erfährt langen. Sie blieb bei ihrem Mann und den Kindern und lebte zugleich in aller Freiheit mit Frisch die offene Ehe. Meine 25 Jahre mit Max Frisch: Ich kann nur von zwei bemerkenswerten Ereignissen erzählen. »Max. um sie zu verlängern. empnach dem Tod des Vaters. »Ich komfliegt es durch Raum und Zeit. Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich. in nicht untergegangen. Zuden dreizehn Zimmern«. voll einer milden und herbstlich in die Welt hinaus und in einen einsamen versponnenen Sonne. Erstmals sehen wir Madeleine Seigner mit Frisch auf Korsika. das Frisch für seinen Bruder erträumte. Etwa ein Drittel der 291 Fotos sind Erstveröffentlichungen. Obstbäume in den Tapeten«. 24..

und er schreibt ein Buch über Die Tyrannei der Werte. und zwiren Autoren sich dadurch auszeichnen. und das wußte nie genau. FRANZ SCHUH . wollen zugleich Erfreuliches und Nützliches über das Leben sagen. wenn die Atombombe einschlägt? »Vorkriegsgeneration« nennt der frankokanadische Autor Nicolas Dickner.« nach Karl Kraus klingt. nämlich der sentimensenschaften mit seinem deterministischen Klett-Cotta.und Grimms Wörterbuch weist sage und schreiTauschverhältnissen des kapitalistischen be sechzehn Spalten allein für das Adjektiv Warenverkehrs. eine Sünde wider bend wirkt der Naturalismus der Biowis. Um dem Warten auf diesen Wahn zu entgehen. wie ›Aufräumen ist. auch ihre Liebesgeschichte wagt nicht so recht. und diese spezifische Originalität von Max Goldt kommt nicht zuletzt daher.kann man darüber. Die Dichter. taucht an allerhand zu geißeln. dass der Autor auf sie Wert legt. ein Talent zur nachten und Krieg zu verstehen.. der Relativismus und damit der Nihilismus alles. warum es besser ist. Ozonloch und Jahrtausendwende. wenn wieder einmal deutsche Leitkultur ausgerufen wird. deren Verteidigung bekommt sogar die 173 S. einem Land der allzu einflussreichen Kolumnisten. aber selten gleichzeitige Abwesenheit von großer Liebe. vor und nach dem Kapimit seinen Feinden bis zur Ununterscheidbarkeit. Juli 2001.« den Schlaumeiern und Sprücheklopfern Unter anderem aus diesem Ton. Der Markt generiert den »wert« auf. die europäische Aufklärung. nicht zuletzt bei Max Goldt. Goethe und die Weltliteratur und alles zusammen oder in verschiedenen Legierungen. dass Strom fließt. Mangas und Wissenssendungen. Probleme auf. versucht. wenn das Bier alle ist‹. Das kann man an politischen Diskussionen sehen. in Tarmac – Apokalypse für Anfänger seine Altersgenossen. Deshalb klingt immer nach frühem 20. überschlägt sie bereits. Sehr schön ist das Taschenbuch Max Goldt: Ein Buch namens Zimbo (rororo 25569). Was man von Goldt Nützliches lernen kann. Wenn nichts mehr hilft. deErden sind. was man trinkt. den Spuren bis Tokyo nachzujagen. gebeten darauf. »Wertabstufung« bis »Wertzuwachs« – zuStraub fahndet nach weiteren Kandidaten sammen fast so wertvoll wie ein kleines für seine Angriffslust. Das ist schade. sollte man weitergeben. Jahrhunderts. hilft das christliche Menschenbild.Eberhard Das Lemma lautet »werther(i)sch« und ist Straub: wie folgt belegt: »es wäre nicht nur eine gen aufzuzwingen. Der schönste Eintrag darunter ist Staat.der Werte den heiligen geist. ist für nicht wenige Wiener aufregend. dass sie gut unterhalten. Und wenn dies dann als Wertesubstanz des Grundgesetzes aufgerufen wird. Max Goldt. die in den Ausläufern des Kalten Krieges mit dem Warten auf die Katastrophe aufwachsen. einen Kolumnisten genannt hat. Sie sind Joker. mehr lemiker auszeichnet. als Neurasthenie als Krankheit Mode war. list alter Schule sieht Straub den Begriff des Wertes geprägt von den Produktions. doch die Werte sind der schlechunerwarteten Stellen der Geschichte auf. Nicht nur deshalb lobt man VON HUBERT WINKELS W heute statt traditioneller Werte lieber kompetitive Stärken. Wie ein Materiarisch zu fassen. hieß es bei Horaz.. eine positive Idee des Menschen verbindlich zu machen. aber anderes zählt: Während Dickner in seinem viel gelobten Debüt Nikolski Landkarten und Piratenlegenden mit Phänomenen des Informationszeitalters kurzschließt. bevor Besuch kommt‹ oder ›Die Überbevölkerung sind alle. Aus demselben Jahrhundert stammt die zweite. eine Zitrone so mit Drähten zu verstöpseln. 8. Das Ergebnis: »Die Sauerfruchtproduktion Floridas über einen Zeitraum von 6000 Jahren. 17. Frankfurt a. Tierwelt ihr Fett ab. talität und der Wertherschen gelben hosen. wie er sich selbst zitiert: »Ich sollte eine private Zuckerstückchenedition herausbringen mit aphoristischen Definitionen. Juli ist plötzlich Mindesthaltbarkeitsdatum auf sämtlichen Packungen japanischer Instantnudeln. Wer wenig Geld hat. keine Tyrannen. dass man eine Verwandt. vierunddreißig Spalten für Komposita von über das eine Gesellschaft sich organisiert. Das Buch empfiehlt sich als Geschenk. leiht sich dort Furor und Polemik. der gemäß TierKolumnen so: »Kolumnen sind Meinungspfleger die zufriedensten Menschen auf beiträge in journalistischen Medien. Sie sind so nahe an Platons Ideen wie an Auch immer gerne mit dem AntikapitalisRabattmarken. wie viele Zitronen gebraucht würden. das die englische Königin zur Hochzeit ihres Enkels trug.« Die Wikiquote im Internet hält sich nicht daran. schließe ich un. bezieht sich auch bei Goldt erfahren. 2011. spielerischer. Sie zitiert Max Goldt. setzt Hope auf den Zufall und erwürfelt ihr Datum. Die sogenannte Respektlosigkeit. um die Energie einer Atombombe zu erreichen. Es sei heute unmöglich. was da verhandelt wird. folgt die Volte: ». Ich lebe in Österreich. und es ist plump. wenn man es zitiert. Ebendies. ein Stil und eine Haltung heim. die handfestere Deduktion der Ent-Wertung von Fraglosigkeiten: Die Marxsche politische Ökonomie erkennt die Abhängigkeit einer jeden Wertschöpfung von der Mehrwertproduktion und jeder Wertsetzung vom Handeln auf dem Markt.. Für Hopes Familie gilt das seit Generationen. Und aktuell zorntrei. weil sie es nicht bis auf M Die Zuckerstückchenedition Heutzutage kommen wir Kritiker mit ein paar Gesten gut über die Runden.. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON LITERATUR Warten auf das Ende In »Tarmac« beschreibt Nicolas Dickner seine apokalyptische Generation VON CATHARINA KOLLER ickey ist mehr als fasziniert von Hope: Während die anderen im Chemieunterricht noch versuchen. Da denkt der Ideenhistoriker aus dem Geist des 19. die es hier einst unter Alltag sei heutzutage wohl so etwas wie die gab: scharfer Verstand. nicht töten. zitiert gerne teste Kandidat dafür. Einzelexemplare gebracht hat. Tarmac über ein bloßes Generationsporträt hinausreichen zu lassen. jemanden zu zitieren. Da kommt Als ich einmal in Definitionslaune war.95 € das lustige pläsier mutwillig zu zerstören« (Wilhelm Raabe).54 12. Dafür jongliert er mit Bibelzitaten. mal an der moralischen Empörung gescheitert. den 17. die Dich H TASC ENB U CH Was ist kanarienvogelgelb wie das Kleid der Queen? Richtig: Max Goldts neues Geschenk-Büchlein nicht lieben‹ oder ›Wein ist. hat der Abendlanddenker Eberhard Straub zutragen.Reinbek 2011. Sie sind so gut wie alles. »Wir hatten so lange auf den Weltuntergang gewartet. Sie verlieren an Wert in ebendem Maße.90 € Im Zorn geschrieben Eberhard Straubs Essay »Zur Tyrannei der Werte« vibriert vor Angriffslust erte stehen in einem schlechten Ruf. die humanistische Tradition. Die Schönheit des Buches ist warenästhetisch gemeint: Es ist in einem Gelb gehalten. 19. sich zu entwickeln. definiert Nach einer Überlegung. Andererseits haben Goldts Schriften die Eigenschaft. Und das auch noch in jener Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie.. Jahrhundert. aus einer historischen oder und höherer Kavaliersreisen in die europäische Geintellektuellen Festung heraus seine Angriffe vor. die Differenzierung der Gesellschaft und die Ironisierung aller Verhältnisse. Straub operiert also im Wesentlichen mit Nietzsche und Marx. Er tut dies nach Art einer negativen Theologie. aber von Artistik eleSo wirbelt man einen Haufen philosophischer gant im Zaum gehalten. Wenn man demnächst bei Laune ist. Straub sieht die formale Reinheit der rechtlichen Regel durch bloße Meinungen überlagert. . wie sie beschworen werden. kreiert abstruseste Querverbindungen und schafft es so. 249 S. »Von Max Goldt entzückt sein« ist zum Beispiel so eine Geste. wie man es vom Kleid her kennt.« Kann man aus dem herauslesen. Max Goldt nicht zu zitieren? Es liegt auf der Hand. Bei Stuttgart 2010. Er zieht eine Guerillataktik vor. was uns quer zum herrschenden Kartell und verbündet sich frommt und uns belästigt. die sich durchsetzen und andere niedermachen wollen. der sich hütet. der so treffend formuliert. talismus.« furchterregenden Polemik. der namens Zimbo Rowohlt Verlag. stellt Mickey fest. überlassen.« Diese absurde Rechnung drückt das Ringen um Greifbarkeit dessen aus. Eberhard Straub ist ein strategischer GedankenGebildet im Sinne verschwenderischer Zitatkunst anarchist. was jede Vorstellungskraft übersteigt: Was passiert. Einem Familienfluch gleich offenbaren sich jedem Familienmitglied in der Pubertät exaktes Datum und Hergang des Weltuntergangs. weil er als Bildungsbürger alter Schule um die Anerkennung von Derivaten ehemals tauglicher Allgemeinbegriffe ringt. wollen wir in diesem Moment ihrer Leser gieren. was damit eigentlich gemeint ist. dass er Teil unserer DNS geworden war«. die einst durch Heinrich Heine in die deutsche Welt kam. Die neuen alten Werte sind mal auf der langen Bank des politischen Alltags. Da ist der moderne Buch. Sie sind religiös und numemus Marxscher Prägung. Dann verlässt die Handlung vollends den Bereich des Wahrscheinlichen: Der 17. Angriff auf die Würde des Menschen.Zur Tyrannei impolitesse gewesen. Tatsächlich liegt ein Schwerpunkt der Überlegung in jener Zeit vor 1900. aber auch nicht schlecht belehren. die Industrialisierung auf dem Gipfel und Nietzsche die Höhe der unantastbaren Individualität ihrer seine unzeitgemäßen Betrachtungen schrieb. Im Zitieren reißt man sich eine fremde Originalität unter den Nagel. ändert wenig. Im Kolumnenkasten toben sich die Menschen und ihre Meinungen aus. zehn für das Substantiv und einzelnen Wert und das System der Werte. verflüssigt hätten.. / denn er fühlt wie du den Schmerz. hat damit etwas Gediegenes in der Hand! Das gelbe Buch ist mit einem Zitat von Karlo Tobler versehen: »Zitiere nie Max Goldt zum Scherz. Weihmanierierter Umgang mit ihm. und das geht am besten. auch die Ideen und Vorstellungen des Zusammenlebens. der auf immer weiteren Feldern zweifellos der unmittelbar vor »Werthöhe«. dekliniert er in Tarmac die Apokalypse durch. schen Zufriedenheit und Glück zu unterdass sie unverhohlen nach Zustimmung Max Goldt: Ein Buch scheiden. Schließlich bleiben saurer Regen.199 S. dem Individuum seine Wertsetzun. Ebendas passiert aber nach diversen Stemmversuchen von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende bis zur Ausländerpolitik des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch kaum mehr. dann treibt es einem Polemiker alteuropäischer Provenienz wie dem Journalisten Eberhard Straub die Zornesfalten ins Gesicht. Jahrgang 1972. Dass der Fall der Berliner Mauer das Ende der atomaren Bedrohung einleitet. Eigentlich hätte Straub immer dann ein Fest zu feiern. was man macht. M. den man gegen seinen Willen ebenfalls auf das vermeintlich geistig Überlegene. will Eberhard Straub nicht anerkennen.. Nicolas Dickner: Tarmac – Apokalypse für Anfänger FVA. wenn sie sich dem Punkt der Letztbegründung nähern. Vor diesem schrillen Plot wirken die Figuren Hope und Mickey pubertär blass. sagte ich. die einen Po. Sie können nerven. da die Geschichtlichkeit. Goldt wird Ende Mai in Wien sein. in einem Comic liest Hope von einer prophetischen Schrift mit ebenjenem Datum – Grund genug.99 € Der Skepsis fallen ganze Kategorien zum schaft zwischen großen österreichischen Opfer: »Der Alltag ist eine inzwischen etwas Traditionen und Max Goldt behaupten abgenutzte essayistische Kategorie – ich kann.schichte.

sie hätte der Faktizität ihrer Geschichte etwas grell Inszeniertes hinzugefügt. Leser. und nimmt Glücksverantwortung abnimmt und dessen Gegensich das Leben. Ich werde ihm nicht gleichschichte ohne Generalisierungsanspruch zu erzäh. nen und muss sich regelmäßig in die PsyA. geschaffen hat. wie Gott dich tende Schriftstellerin. dass es jemanden gibt. ihre damaligen Erlebnisse werden nicht durch retrospektive Einsichten gedeutet oder erklärt. Ich tue doch nur. aber auch einen ersten Freund. Während sich die 12-jährige Margaux glücklich geborgen in Peters Arme kuschelt. indem sie das Ungeheuerliche des Vorgangs nicht kommentierend benennt und aufbricht. in Gänze. dass Margaux über die sexuellen Dienste. die Reflexionsgeschich. und die beiden zelebrieren ihre geheime Hochzeit. als der offizielle psycho-pädagogische Diskurs den Opfern andient. ohne es zu publizieren? Natürlich. in dem Fragoso mit einigen psychologischen. dass mit Peter etwas schon vorbei. die a. Das ist grauenvoll. ist das Buch auch Vater der Verdacht kommt. was Margaux habe. Ernst: Alles im Leben ist ein Tauschgeschäft. dass sie weiß. hingegen kann mit ihrer neuen Selbstständigkeit Geschickt baut er die Mutter mit ein.Peter dauerhaft emotional an sich zu binden: Sofähiger Satz. Im Suff Tod. Das alles ist kaum zu ertragen. und die Lektüre ist beklemmend. er hat Angst. lange er mich attraktiv findet. war die Welt aus dem Gleichgewicht geraten. die unserem Bedürfnis nach begrifflicher ebenso emotionale. Das sagt sich immer schnell. indem sie ihm Zugang zu Sex gewährt Generationen verfolgen. sagt er. Teil der Gesellschaft zu sein. das Buch überhaupt geschrieben zu haben? Diese Haltung läuft darauf hinaus. irdische und himmlische Liebe auf perfide Weise in eins gesetzt. zuverlässig schweigt und nicht »Verrat« übt. Ich liebe dich so sehr. »so Margaux Fragoso hat Literaturwissenschaft und tun. Engl. weil die Gesellschaft diese Art der Liebe nicht zulasse. wie mir heute klar ist. die meine Familie seit Peter hat. »Wir wollen«. Margaux Fragoso kann man nicht vorwerfen. dass wir Fragosos grundsätzlichen tionalität im Tausch für Sexualität! Aber vielleicht Verzicht auf einen diskursiv-pädagogischen Über. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 55 Das Maximum an Liebe Perfide Einheit von sexuellem Missbrauch und Geborgenheit: Margaux Fragoso erzählt die Geschichte ihrer zerstörten Kindheit n Tiger. der weitaus längste Teil erzählt von den 14 Jahren. Ein Vorwurf lautete: Die Autorin setze darauf. Die fürchterlichsten Momente dieses Buches sind die Videositzungen. Es gibt dann tatsächlich noch ein kurzes Nach. Angesichts dieser Dauerhölle des häuslichen raschender Weise aufs College. Tiger. Frankfurt Margaux’ Vater. hinterlässt er eine Schneise der VerwüsNachgeschichte. Als Außenstehender würde man Klärung entgegenkommen. den der Leser als einen Teufel erkennt. Als Margaux 14 ist. Margaux liest den 23. der eine Politik der expliziten Offenheit verfolgt. der als scheinbarer Glücksbote seines Opfers auftritt: Dieses Verfahren sorgt für eine bedrückende Lektüre.nicht links liegen lassen. Peter ist dabei ein Meister des moralischen Diskurses. Als er stehenblieb. was einem widerfahren ist. der jungen Margaux als ein Engel erscheint.« Und noch als Peter. Und dafür andere Formen zu wählen. Wenn Margaux das erste Mal ihrem späteren Peiniger Peter im Freibad von Union City in New Jersey begegnet. dass ich dass sie der Zugänglichkeit und Transparenz ihrer dich genau so sehen will. v. um sich am nächsten Tag als sorte beginnen könnte. Ungedullich und flüssig zu erzählen. so lange wird er mich Tiger liegt eben darin. Zum Ende hin geht ohnehin alles sehr schnell. das sie teilen. wenn sie Wie Peter diesen moralischen Eisie ohne den Einsatz auffälliger literarigenkosmos rhetorisch aufbaut und wie scher Darstellungsformen erzählt. Treue heißt für ihn. Doch diese Position verweigert der Andrea Fischer. Und wenn dem Geschicht formulieren könnten. und bevor die Erzählerin und der Leser auch autistischen Verkapselung herausreißt. die Autorin ist dann 23 Jahre alt.90 € tung. Sie zwängt ihm keine anderen Botschaften Sie hat ja sonst niemanden. als wären wir auf unserem eigenen kleinen Kreatives Schreiben studiert. Psalm: »Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. aber doch in seiner psychologischen Detailarbeit höchst aufschlussreich. Zumal es totale mediale Unschuld nicht gibt.Margaux machen kann. die sie erbringt. Sie schreibt nicht: »Dieser Schuft. Auch deine Füße. Ich möchte dich so sehen. nicht stimmt. M. sagt die Mutter. schleuderte mich herum und freute sich dabei wie ein kleines Kind. schaltet. In dem Moment. stehen dem Leser die Haare zu Berge. als wäre die Geschichdas Alter der Erzählerin und das Alter te in unserer eigenen Nachbarschaft der Protagonistin langsam annähern. dass sich Unmittelbarkeit. mit dem sie ein Ge. über das. wie du bist. 2011..dass sie für die Wahrheit zu schwach ist.464 S. 24. er sei also ganz in VON IJOMA MANGOLD I Darf in einer Geschichte über sexuellen Missbrauch das Wort Liebe vorkommen? ihrer Hand. als ein Eigentum zu verfügen.auf als die Faktizität ihrer Lebensgeschichte. solange ich sein Begehren wecke. Das Buch hat 460 Seiten. Foto [M. als mit Peters FVA. sondern reflektiert. Schrecklich deshalb. aber die Eindringlichkeit von Tiger. weil dieses pädophile Ausnutzungsverhältnis tatsächlich das Maximum an Glück für das arme Kind darstellt. Es liegt aber auch ein moralisches Recht darin. sich mit dem Thema ins Gerede zu bringen. und ein seltsames weißes Licht umstrahlte sein Gesicht wie eine Korona. zum kostbaren Rückzugsraum von Vertrauen und Nähe wird.Lebens hat Peter leichtes Spiel. ist für Biografie angemessen präzise. mit einer dig wartet er deshalb darauf. sagt Peter zu ihr. Peter der Zurückgezogenheit und Zärtlichkeit zu bieten. ein Pädophiler. Ihr Mann. chiatrie einweisen lassen. um antwortungsbewusster und verallgemeinerungs. dass es ein Tauschverhältnis ist (aber mal im schreiben meiner Erinnerungen habe ich versucht.]: Brian Shumway/Redux/laif . Hätte sie. ist das Buch auch gender Familienvater in die Brust zu schon fast vorbei.len. Erst mit Peters Selbstmord kann sich Margaux langsam aus dieser Bindung lösen. doch das Einzige.« Ein Kinderschänder im Glorienschein der Erlösung. (weil etwas Besseres als dieses Schlimme aber Schriftstellerin genug. Die Erzählerin – das ist zumindest die formale »Fiktion« in diesem autobiografischen Buch – ist nicht klüger als die Protagonistin. deine Kniekehlen. sieht Margaux darin einen Vertrauensbeweis. Zusammen lesen sie auch Nabokovs Lolita und das gibt ihnen ein ähnliches Gefühl des Aufgehobenseins in größeren Kontexten. Das heißt. Margaux schafft es über. der ihr die pädophilen Taten auffliegen könnten. dass seine erste Frau ihn verlassen habe. weil Margaux diese Filme liebt. Peter sei wort. wurde deshalb angeregt.werfen. dass nicht aufgeschrieben werden darf. kein Akt der Veröffentlichung ist frei davon. Tiger aber nicht. Roman.gültig sein. in der das Geheimnis. Sie geben ihr das Gefühl. ihre eigene sexuelle Missbrauchsgeschichte aufgeschrieben. Tiger hat die Autorin Margaux Fragoso. Als das Buch in der englischsprachigen Welt erschien.oder verweigert. wie sie es im jeweiligen Alter wahrgenommen hat. d. tief verwurzelten Muster von Leiden und einem gefällt oder nicht) und dass sie Macht über Missbrauch aufzubrechen. Fragoso: Tiger. ist ein trauriger und zugleich gewalttätiger Charakter. wie diese Filme zeigen. Tiger ist ein gutes Beispiel damit es endlich zu einem Bewusstdafür. beginnend im Alter von sieben Jahren. Anders sich Margaux darin glücklich einrichtet ausgedrückt: Sie ist keine große Stilistin. damit Margaux lernt. dass seine Apathie froh ist. sondern tiert. Und kann man sie kritisieren. klemmte mich unter seinen Arm. er bietet Emozäh und papieren. Margaux fühlt sich in dieser Kompli. Seine körperlichen Interessen werden als metaphysische Liebesbedürftigkeit überhöht.FEUILLETON LITERATUR 12. in denen sie. Sie ist dann Teil einer symbolischen Ordnung. sondern Fragoso beschreibt ihr vergangenes Leben so. was nicht sein darf. Margaux nur einmal durchatmen und eine Moral von der und Peter sehen sich fast täglich. Margaux vermacht er seinen alten wart die Tochter aus ihrer sozialen Isolierung und Mazda. Das Verallgemeinern überlässt Fragoso dem zenschaft als moralisches Subjekt ernst genommen. dann betrachtet sie ihn mit den Augen der Siebenjährigen.gaux.« Geschichte den größten Dienst erweist. ein intimes Verhältnis zu dem mehr als 40 Jahre älteren Peter hatte. Wenn man so will – und manche Kritiker hat das an diesem Buch sehr empört – reproduziert Fragoso erzählend noch einmal die Unwahrheit und Ungerechtigkeit. die aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt und glücklich ist. Sie könne ihn ja jederzeit ins Gefängnis bringen.. nur eine individuelle Ge. anschauden Leser schwer erträglich. die unbewusst ahnt. Auch diese Loslösungsgeschichte wäre interessant. passiert. wenn Peter und Margaux sich Pornos anschauen. hat meine Einsamkeit bösartig ausgenutzt. Fragoso erzählt streng aus der Perspektive der Protagonistin. Zwar weiß auch Marbau dann doch wertschätzen: »Durch das Nieder. ihr gesteht. das Buch nicht einfach für sich schreiben können. geht sie mit Peter in eine Kirche. auch Sie versteht vom Schreiben so viel. Das ist ein heftiger Stoff. weil der Mann. Er stillt mein Verlangen. ob es die alten. sie hat weiter Kon.« Das ist bestimmt ein ver. publizistischen Nutzen aus einem Erlebnis zu schlagen. hat es für viele Diskussionen gesorgt. heimnis teilt. Selbst der Eremit in der Wüste wehrt sich nicht gegen Berichterstattung . Das liest sich aber so sagen: Das ist doch nur sein Trick.« Stattdessen beschreibt sie die Schwimmbadszene so: »Dann schnappte mich (Peter). Er zeichnet dem jungen Mädchen ein schlimmes Bild der Welt. was auch andere tun. geboren Ende der siebziger Jahre.. die in ihrer nur sehr schlecht umgehen. Sie ist keine bedeuPlaneten. Die erzählt Tiger. Von einem intendierten medialen Hype war die Rede. um ihre ihr noch nicht widerfahren ist). dass ein Erwachsener sie ernst nimmt und mit ihr im Wasserbecken spielt. aber auch keine schlechte. und sie setzt diese Macht ein.ist das zu analytisch gedacht. der sie als Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt. was Frauen Männern bieten. Margaux einen Ort takt zu Peter. Ihre Erlebnisse also nicht mehr Tiger Margaux’ Mutter leidet an Depressionur notiert. weil er sich an den gemeinsamen Töchtern vergangen habe. wie Literatur fremde Erfahrung seinssprung kommt und sich die Autounserem eigenen Bewusstsein zugänglich rin bewertend in die Vorgänge ein. therapeutischen und juristischen Kategorien hanPeter sucht nicht nur sexuelle Intimität.

von denen ich geträumt habe. Andrea Böhm. Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) Tanja Stelzer (Stellv. womöglich werde er es weiter gegen den mit Cowboy. Dr.30. Katrin Hörnlein Feuilleton: Jens Jessen/Moritz Müller-Wirth (verantwortlich). Tschechische Republik CZK 175. »12. Anette Schweizer (Reisen). Claus Spahn. Italien € 5. Claudia Schiffer als »Heldin«.de ZEIT Online GmbH: www. Martin Hinz Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH. 39. Christian Denso. Srednjaja Perejaslaws ka ja 14.00. Alexandra Endres.ca Abonnement USA DIE ZEIT (USPS No. unerhörten Blick auf die Bucht. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. Hamburg Geschäftsführer: Dr. Vor wenigen Wochen kam seinem Esprit und seiner Eleganz die Nachkriegs. Istanbul.« Was hast du aus deinem Leben gemacht? Die Gehäuse aufzustellen. Helmut Schmidt Dr. der mit irPalm Springs. Slowakei € 6.zeit.00 Ausland: Dänemark DKR 43. Dorothee Schöndorf. Marcus Rohwetter. Er habe sich befreien wollen von dieser zeugt. Titelgeschichten: Hanns-Bruno Kammertöns (Koordination) Ilka Piepgras. Irgendwann an seine Frau und ihre Stiftung Kinder in Not. Dossier: Dr. Ehemalige Models. Filme. Jan Roß Gestaltung: Nina Bengtson. was eigentlich verschlungenen Körpern. die er in wähnt. Katharina Schuler. Sascha Venohr (Entwicklung) Geschäftsführer: Dr. aus dem deutschen Festnetz.20. Arnavutköy 34345. E-Mail: archiv@zeit. Kirsten Haake. der nung.: 0043-664/426 93 79. die an den half.00 per annum. die er sich immer gemacht hatte. kein fachärztlicher Befund. da er tot ist. sein Studio. Kaum jemand. Tel Aviv.kleinen Tunnel verbunden. Jürgen von Politik: Bernd Ulrich (verantwortlich). Buceriusstraße.Luise Hauch-Fleck. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. Art-Direktorin: Katja Kollmann Matthias Krupa. das erschoss sich.schirmer@zeit. Broadway. Reiner Luyken. Bevor er auf Reisen ging. spiele.20.« Das reiche dieser Mann in dem blauen Blazer und dem weit heute aus. Sebastian Horn. Anne Fritsch. Moritz äbe es ihn. die Armada der Luxusjachten. wie er sie Wahl. Sieling (i. Birgit Vester. Petersburg. Es sei keine Kurz. Aber. Tel. Tel. Fax: 030/59 00 00 39. dahinter. K. seine Weggefährten.70. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich). Neu-Delhi. war ein großzügiger Mann. Robert Leicht Dr. Anfang der Neun.70. Tel. Seine suizidgefährdet? Als Sachs damals mit diesem Thema Lebensfreude hatte sich offenbar verbraucht. Wasser. Gerd Bucerius † Ijoma Mangold. Philipp Schultz.luyken@zeit. Anne Gerdes.Reihen im Blick.00. zwei Bodyguards engagiert. Petra Kipphoff. Dr. Dabei hätte Zigarettenschachtel. Burk hard Straßmann.95. Dagny Lüdemann. Dr. Daniel Erk (Online) Alice Bota. Elisabeth Niejahr Dorotheenstraße 33.wünsche mir keine Vollendung.de. Thomas Groß. Theo Sommer (Editor-at-Large). Rüdiger Jungbluth. E-Mail: johnf. Ludwig Greven. die Ballettmädchen von De. die sich von München aus mit ihm auf Eden. mit verwunschenen Bildern. E-Mail: stefan. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG. rue Cambronne. aus dem deutschen Mobilfunknetz Abonnement für Österreich Schweiz restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice 20080 Hamburg Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Zwei Chalets. Christoph Dowe (Geschäftsf. Ostra-Allee 18. KG. Dieter Buhl.20 ISSN: 0044-2070 Fotos: (Ausschnitt) Rainer Binder (großes Foto). Christian Röpke Verlag und Redaktion: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. aber dann schickte er wieder einen Brief aus musste man ihn schon fragen. 20 Millionen Daten. Tel. KG. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft). 50. Steffen Dobbert. noch einmal zu.. Jutta Hoffritz. Tel.00. Der entschied Gunter Sachs. frei von Konventionen: Der großzügige Lebenskünstler Gunter Sachs ist tot VON HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS St. St. Als er vor verwirklicht. BLZ 200 100 20 Börsenpflichtblatt: An allen acht deutschen Wertpapierbörsen ZEIT-LESERSERVICE Leserbriefe Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Tel. Tel.: German Language Pub. Werner A. Heuser (verantwortlich). Suite 851. 129110 Moskau. 75015 Paris. Petra Pinzler. Tillmann Prüfer (Style Director). Frida Thurm (Nachrichten). Beim Dinner durch schickte er auf eisaß er in der Mitte des groner altmodischen Postkarßen Tisches.de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404. Dr. Christoph Drösser Dr. Tanja und Kirstin. Chris tian Schmidt. Paris. Frank Siemienski. Mitglied der Chefredaktion). Tel. Ungarn HUF 1605. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. All die Cocktailpartys! »Mein Gott! jetzt geschah. nicht umgekehrt. aber Sachs blieb wach. Dr. Eschersheimer Landstr. Fritz Vorholz Reporter: Tina Hildebrandt. E-Mail: martin. Axel Kuhlmann Anzeigenstruktur: Helmut Michaelis Anzeigen: Preisliste Nr.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto.: 007-495/680 03 85. PO Box 9868. Tropez gewiss in die engere ten.Leben!« Es klang wie ein Schwur! Vielleicht waren schlusshandlung gewesen.: 030/59 00 48-0. Fotoredaktion: Michael Biedowicz (verantwortlich) Özlem Topçu. seine Honorare reichte er weiter schenk des Königs von Marokko. Parvin Sadigh (Gesellschaft). scheinbar endlos genheit. Nele Heitmeyer. Stefanie Flamm. Ulrich Greiner. Lisa Wolk. Grobkörnige Bilder.: 0044-2073/54 47 00.50. Kerstin Bund. ZEIT Campus). Sven Stockrahm. Meike Dülffer (Textchefin). Alserstraße 26/6a. er nickte. der so auste Grüße aus Bora Bora gerichtet war.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur). vielleicht auch. Volker Ullrich Berater der Art-Direktion: Mirko Borsche Art-Direktion: Haika Hinze (verantwortlich).: 0032-2/230 30 82. Politischer Korrespondent: Lamparter. Hauke Friederichs. Hartmut Neitzel. Fax: 069/24 24 49 63. Martina Schories (Bild. Christiane Grefe. 1987 MM 14. Jörg Burger. Achiltibuie by Ullapool. kommt die Erinnerung zufühlte. Frank Drieschner. max. Herausgeber: Iris Radisch (Literatur). Christine Meffert Internationaler Korrespondent: Matthias Naß (Textchefin). Martin Spiewak. in den letzten Jahren je glücklich war? Er hätte legte er in seinem Tempo doch allen Grund gehabt. Ich fünf Jahren eine große Foto-Ausstellung in St. Wolfgang Büscher. seine Sammlungen te er. Susanne Gaschke (verantwortlich). Schweden SEK 61.: 030/59 00 48-7. »Ich habe die meisten zum Leuchtturm. Nun ja. E-Mail: hbuchter@newyorkgermanpress. Harro Albrecht. den Computer eingab. Marie. der ewige Kümmerer. 1972 Bei Dreharbeiten in Norwegen. Kronengasse 10. Dagmar Rosenfeld. Rainer Esser Verlagsleitung: Stefanie Hauer Vertrieb: Jürgen Jacobs Marketing: Nils von der Kall Presse. Tropez. Es folgen Picasso bleu und rose. Wolfgang Lechner (verantwortlich) ZEITmagazin: Christoph Amend (Chefredakteur). Er hörte lieber zu.20.50. Umgeben von Freunden.de © Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Redaktionsleiterin). h.20.: 0041-562 104 950. Gunter Sachs. Moritz Müller-Wirth Michael Allmaier.20. Englewood NJ 07631 Telefon: 001-201/871 10 10 Fax: 001-201/871 08 70 E-Mail: subscribe@glpnews. Rainer Esser. erlebt und & Sachs AG.teuwsen@zeit. Metallkräne. Mariam Lau. Kerstin Kohlenberg. Er sammler. Uwe J. dass man und kündigte einen Abvom Platz des Hausherrn stecher in sein Atelier südaus den Leuchtturm auf lich von München an. BLZ 600 400 71. klären. Gunter Sachs habe eine neue fremd. Jörg Lau.de. E-Mail: jochen. Konto-Nr. Sein Buch mit dem mathematischen Beweis für Krankheit. Angela Köckritz. eine verehrte Bob Wilson. mehr für seine Frau und die antion. Kornkamp 11. Khuê Pham. Katja Nico de mus. der mit seinem Vieux Chalet. Redakteur). 1955 Kostümball mit Mirja. Bartholomäus Grill. 20079 Hamburg. Dr. Dafür danke ich dem Schicksal. Afrika war es nicht. Christoph Dieckmann. Frank reich € 5. Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse. Tribut an das Alter seiner Frage beschäftigte ihn mit zunehmendem Alter Freunde – und an das eigene. Tibor Bogun. Er. stets stilvoll. (Computer). Dr. Susanne Mayer (Sachbuch). Dr. Peking. durften mit ihm rechnen.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen. Marcus Gatzke (Wirtschaft). das Zelt einzurollen und ein winddichtes liebt den Geretteten. Hans Schuh-Tschan (Wissenschaft). E-Mail: reiner. kleiner als eine ein Bonmot nachsichtig abwarten. Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer. 60322 Frankfurt a.thumann@zeit. das stets frei von Konventionen gewesen sei. M. Kai Biermann (Digital/Wissen).bittner@zeit. Sabine Etzold. welches verbindet sich mit Aber Sachs hatte sich entschieden. einfach zu lange her. Gunter Hofmann. 940 National Press Building. der anderen Seite der Bucht Mit Ehefrau Mirja. Matthias Breitinger (Auto). Aber nach diesen wilden Jahren nicht.: 0091-96-50 80 66 77. Hanno Rauterberg. Mechthild Fortmann. 1969 Gunter Sachs (1932–2011) im Jahr 1972 in St. KG. 56 vom 1. Nina Grunen berg.O. E-Mail: angela. A-1090 Wien. Wolfgang Gehrmann. Kein Vergleich zu der Mühe. Dr. E-Mail: joachim. 10004 New York. Ruten berg. Aagaard/Keystone Pressedienst Foto (Ausschnitt): Rudar/StudioX Foto: Keystone/Picture-Alliance/dpa Foto: Monti Bild/Keystone Pressedienst Junge Leser: Dr. wo immer er konnte. Layout). Dr. meinem Leben!« Wie bei so manchem Eilig ist sein Leben imkreativen Geist verbarg mer gewesen. Pascal Struckmann. Tropez.de Washingtoner Redaktion: Martin Klingst. Tel.de. E-Mail: blumegeorg@yahoo. Matthias Weidling Empfehlungs anzeigen: iq media marketing. Multimedia-Formate. Postmaster: Send address changes to: DIE ZEIT. 10117 Berlin. »Spanien womöglich«. Von den Terrassen seiner beiden Beach. Kolja Rudzio.niger technisch. E-Mail: mark. Heinrich Wefing Redaktion ZEITmagazin: Dorotheenstraße 33. Norwegen NOK 60.Häuer. Chef redakteur). Luxemburg € 4. dass Vielleicht waren es zwölf. Jessica Braun. Wilfried Herz. »ein buntes Völkchen«.deren Anvertrauten. Ulrich Schnabel. Alexander Schwabe (Chef/-in vom Dienst). Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr. Domenika Ahlrichs (Stellv. Video. 20095 Hamburg Telefon: 040/32 80-0 Fax: 040/32 71 11 E-Mail: DieZeit@zeit. war er glücklich? Schräg hinter seinem Pool konnten. Für diese Reise hatte er. Anna Kemper.de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann. c. weil er sich da sicher Aufforderung.de.00.koeckritz@zeit. Belgien € 4. Gunhild Lütge. doch ruhig mal öfter anzurufen. Roland Kirbach. Christian Spiller (Sport). Bernd Ulrich Christiane Schott Chef vom Dienst: Chancen: Thomas Kerstan (verantwortlich). 11. Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart. Sabine Rückert. Lon don. vom Bojen vor sich hin dümpelten. Josef Joffe Kulturreporter: Dr. Fax: 040/32 80-404.zeit. Christian Tenbrock Autoren: Dr. Jan-Martin Wiarda Die ZEIT der Leser: Dr. Anita Blasberg. die Häuser mit einem zu den Surrealisten – Sachs ist angekommen. Florian Fritzsche. So verharrte er. Peter Dausend. befand er. Philip Faigle. D. Residence Palace. Michael Schlieben (Reporter). Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Der Letzte seiner Art Ein Mann. Stefan Willeke (verantwortlich). Jana Simon. de * 0. Tel. C. Trend versuchen. Finnland € 6.10.42 €/Min. Manchmal meldete er sich über Monate der Leine führt. V.nicht seine Art war. Kurhessenstr. 153 S Dean St. er wird Kunst. Marion Gräfin Dönhoff (1909–2002) Dr. Prof. Henning Sußebach E-Mail: zeitmagazin@ zeit. Zwischensegnet war. Iris Mainka (verantwortlich).com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel. alle.56 12. Thomas E. Wolfgang Ucha tius Götz Hamann (Koordination Unternehmen). GLP. zwölf in meinem ganzen man seinen Schritt akzeptiert. die Gunter ihm die legendären Geschichten. Dr. murmelgeöffneten Hemd gewiss einiges zu sagen gehabt. sehen konnte. Freunde. aber er war an diesem Ort auch gern albei Gelegenheit auch mit einem Tiger. Bildbearbeitung: Anke Brinks. Wie es hinter seine Factory seit knapp dem Horizont weiterging. Tel. Markus Horeld (Politik).40. 20045. David Hugendick (Literatur). Dem Mann.noch einmal eine Nachricht. Christian Bangel. Jasmin Müller-Stoy (Koordina tion Außen politik). Sina Giesecke.. 129 00 02 07. Eingang Speersort 1. Scheinwerfer und Fotos. Jungclaussen. holte Sachs eine Kamera hervor.50. Aus der Schublade seines Schreibtisches lange konnte er jemandem zuhören. seine Vermählung Sachs am vergangenen Samstag in seinem Chalet mit Brigitte Bardot. Vielleicht war es ein erstes Zeichen für das. 0. Posta kutusu 2. den er an lein.« Gunter Sachs tersburg eröffnete. damals. Reporter: Dr. die Begegnungen mit Dalí und in Gstaad tot aufgefunden haben. Anzeigen: DIE ZEIT. E-Mail: gero. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik). Daniel Angeli/Agence Angeli (r.weniger für sich.de Europa-Redaktion: Dr.: 0351/48 64 24 05. Helga Ernst. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer. Fax: 00972-3/525 03 49. Ein Selbstgefühl sei es gewesen. ein kleiner Pavillon für Yoga und Medita. Auch hier war Platz für mal er ja gern um die Häuser zieht.de Abonnement Jahresabonnement € 187. Gerhard Jör der. Perger. wie es auch ist jetzt das Wichtigste in sein Vater getan hatte. Handynummer – das war alles. 525 52 52. Schmidt (Kulturkorres pondent). gemeinsam verantwortlich. Alzheimer. Birgit Schönau. E-Mail: leserbriefe@zeit.20. Fabian Mohr (Entwicklung.eine astrologische Kraft. Großbritannien GBP 4.M. ein Ge. Dr. Hanno Hammacher. 1040 Brüssel. Chefredakteurin). Karsten Polke-Majewski (Stellv. in sicherer Entfer. Darf man das? Er hätte gewollt. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. Anna Marohn. Slowenien € 5. Zu.. Gisela Dachs. Subscription price for the USA is $ 270. Portugal € 5. 0014259) is published weekly by Zeitverlag. CH-5400 Baden. Tina Groll (Karriere). Vorn das Geäst der und von seinem Platz ganz hinten hatte er alle alten Olivenbäume.schieritz@zeit. Skulpturen von ineinander bezeichnete. Tina Klopp.de Weitere Auslandskorrespondenten: Georg Blume. Mark Spörrle Jeannette Otto. charterte er ein Flugzeug für wurde 78 Jahre alt.1 Megapixel. Ontario.: 0033-972 23 81 95. 1966 Mit Brigitte Bardot. war Extrovertiertheit schickte eine Mail. Seine Fotos im Marmorpalast des Russischen Museums! Gut und gerne 100 Paswww. Er ersteht seinen ersten Druck. Katrin Guddat. Klaus Harpprecht. Dietmar H. Washington. Dr. Dr. Rabea Weihser (Musik). Verganleicht ins Gesicht. Franziska Kelch (Community). Was bleibt? Die Astrologie! Von ihr war er übersich vollendet. E-Mail: peer. wenn nicht Glück verlassene Freunde. Kanarische Inseln € 5. Zufrieden sah er dann aus. Jochen Bittner.und Winnetou-Bildern ist komplett. Seine gletscherfarbenen Haare fielen ihm braune Elfenkörper unter Wüstensonne. Meike Fries (Studium). Peter Kümmel.). Schweiz CHF 7. Fax: 030/59 00 00 40 Frankfurter Redaktion: Mark Schieritz (Finanzmarkt). Urs Willmann Tomas Nieder berg haus. AssistenSt. seinem Vater gehörte die Fichtel Dinge. Arnfrid Schenk. 10117 Berlin. Rom. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). Ein Leben habe Roger Vadim. Er auf die ZEIT zukam. Tel. Konto-Nr. Heike Faller.von. Delia Wilms Infografik: Gisela Breuer. Fax: 007-495/974 17 90 Österreich-Seiten: Joachim Riedl. Reisen). Dr.klingst@zeit.jungclaussen @ zeit.und Öffentlichkeitsarbeit: Silvie Rundel Herstellung/Schlussgrafik: Wolfgang Wagener (verantwortlich). die nicht mehr hier. man besonders gern Jurist. Er konnte nicht dem höchsten Scheidungsrisiko. Adam Sobo czynski (Koordination).14 €/Min. rutschte ihm die Bemerkung heraus: »Ihr müsst wissen. Davina Domanski. dieses sich in seiner Seele ein meGefühl konnte man halancholischer Kern. Gstaad. Cosima Schmitt. Erwin Koch.) Foto (Ausschnitt): BOTTI/STILLS/GAMMA/laif G . Lebensart.besorgte Anwälte. Oliver Nagel.P. Dr.00. Periodicals postage is paid at Englewood NJ 07631 and additional mailing offices. einen irdischen Garten sagiere.com Einzelverkaufspreis Deutschland: € 4. Dr. wie er es wollte. Dr. Fax: 0032-2/230 64 98. Hin und wieder wischte er sich mit der rechten Hand über die Nase und schaute hinaus rück an einen Satz im Flugzeug damals bei der Reise nach St. John F. eine Pointe.de New Yorker Redaktion: Heike Buchter. Postbank Hamburg. Englewood NJ 7631. August 1966 St. Freunde. Irgendwann mit 14 Jahren. Moritz. Mit welchem Sternzeichen wird eine Selbstdiagnose. Blumengas. Adrian Pohr (Video).Sachs gern in Gstaad auf. Tilman Steffen. Matthias Stolz. Steffen Richter (Meinu ng). Kw.de Pariser Redaktion: Gero von Randow.: 0044-7802/50 04 97. Über die deutschen Expressionisten findet er kästen vor den Fenstern. Arne Storn. webiegt er ein in Richtung Moderne. E-Mail: michael. was immer mehr. Im Flugzeug dösten die beiHäuser an der Plage de Pampelonne hatte er einen den Guards vor sich hin. Ulrich Ladurner. Stefan Schmitt. Er hatte Geld. Spanien € 5. hatte lange ein Beduinenzelt gestanden.randow@zeit. 4 –6. Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich). M3B 1Y8 Telefon: 001-416/391 41 92 Fax: 001-416/391 41 94 E-Mail: info@gcnews. wer ist am wenigsten mehr so wirken und leben. Sonja Mohr.riedl@zeit.Dank dafür? Gunter Sachs wusste: »Der Retter ziger. hielt sich Gunter Schlachtenszene von Eugène Delacroix. Niederlande € 4. Patrik Schwarz. was dann kam – diese Frage wollte er gelegentlich 30 Jahren. Eine Assistentin zeit so viel heller machte. Ulrich Bahnsen. Grafik. Rue de la Loi 155. Wenke Husmann . Tel.: 069/24 24 49 62. Jutta Schein. für Studenten € 119. Ehemalige Models. Jetzt. Wo. René Dettmann. Pe. 01067 Dresden. Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich). Klaus-D. dann käme sein Anwesen in den Weg machten. Ob er ben.de/audio Foto: R. Tel. Österreich € 4. Carolin Ströbele (Leitung: Kultur. Es war wie eine das gefiel ihm.60 (inkl. sagen jene. Reinhard Bardoux. Nicole Hausmann.de Wochenschau: Ulrich Stock (verantwortlich) Geschichte: Benedikt Erenz (verantwortlich). dischen Gütern reicher gewieder Gstaad.: 001-212/269 34 38. Griechenland € 5. die er in seinem Abschiedsbrief er. 19. Karin Geil.

Red. die sich um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen bemühen. und selbst die.« dass im Westen alles besser funkDie wirtschaftlichen Ungleichtionierte – von den Internetverheiten waren ein Faktor in dem Der neue Stolz Unmut.« Als ich die Einzigen. die apathischste Gruppe in diesem Land. dass ich nicht weiß. das Datum der Revolution. nur sollte sie möglichst geräuscharm aus. musste am eigenen Leib eine Genitalverstümmelung erleben – doch diese Praxis auszumerzen ist nur eines ihrer Ziele. dass er die Ägypter davon ablenkt. Stammten die Präsidentschaftswahlen. KonUSA noch von der EU regiert lässt das Volk zum werden. »Anfangs galt meine Sorge weniger der moralischen Dimension als dem Umstand. Ein Restaurant bietet anbis in Kleopatras Tage zurück. »Hier wird Politik gemacht. die die Armee. weil sie keinen Grundrechtekatalog enthielt. »Die Befehle waren ziemlich als Kamelschlacht bekannt geworden ist und den unmissverständlich«.« Es hat die Anhänger der säkularen Opposition sie nicht in Demokratie unterstützt und den Befehl erteilt. um den Tahrir-Platz zu verteidigen. Ahmed Saled. um die Revolution zu sehen. dass ich überrascht war. mir die Pyramiden und die Sphinx zu zeigen. der Aufstieg der Muslimbruderschaft aber beunruhigt sie. Sie übersetzte einen Comic über den Montgomery-Busboykott ins Arabische. »Sie haben die Pyramiden noch nicht besichtigt?«. aber er hat auch die Pharaonen adoptiert.« Die gepflegten Gärten und prächtigen Diese jungen Wortführer verdienen jede Unter. »Niemand weiß das«. »Sie wissen gar nichts über die Juden. würde nicht einer eine Frau im Präsidentenamt akzeptieren. So viel zur islamistischen Ablehnung der Götzenverehrung. die Armee einfach einen Herrscher abgesetzt. wollte ich wissen: Wie sieht sie aus in Kairos staubigen Straßen? Oder. sei ein seit Langem bestehendes Problem. die in Ehren halten. um arme Frauen über ihr Wahlrecht und gebildete Frauen über Wahlkampfmethoden aufzuklären. die eine liberale Demokratie ermöglicht. »die einzige funktionierende Institution in diesem gottverlassenen Land«. Die Leute schauen in die Sonne und bensbedingungen verbessern. »Ich würde immer noch meinen Thomas Jefferson brauchen. während ihre Eltern Lieder und neoliberalen Wirtschaftspolitik von Mubaraks Sohn Reden anhören. sagt Amr. wer Elbridge Gerry war. obwohl wir ihre Völker sumgüter sind leichter zu bekomersten Mal Selbstvon Herzen lieben. Sie ist Direktorin des EinsteinForums in Potsdam Fotos: Katja Hoffmann/laif (o. bestand darin. sondern auch eine große jüdische Gemeinschaft einschließt und ihrer Meinung nach mit einer muslimisch fundierten Kultur vereinbar sei – während die jüngsten Angriffe auf Kopten eine Anomalie darstellten. von wem die Schätzung stammt. Julian Roeder/Ostkreuz [M. den Ras. kontrolliert das Militär zwischen 30 und 40 Prozent der Volkswirtschaft. Die Schattenseite. aber kaum ausländische Touristen die Pyramiden »Kant hat mein Leben verändert« Was ist Aufklärung? Die Philosophin SUSAN NEIMAN reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen. »Sie hatten sich orga. »Dass es ernst war mit der Revolution. Zum ersten Mal im Lange schämten sich Leben sind wir stolz darauf. »Auch Obama muss sich in der Kirche zeigen«. sondern aus Patriotismus unterstützt man Mütter tragen Plakate mit Bildern ihrer Söhne. auf Arabisch. »482 Frauen. dass einer meiner Gesprächspartner sich bereitwillig zu jedem beliebigen Thema zitieren lassen wollte. Dalias Leben erfuhr 2006 eine Wende. Doch begegne ich niemandem. auf der sie von Martin Luther King hörte. »Es sollte ein Wendepunkt der Revolution darstellte. als wir selbst es tun. den wirtschaftlichen Status der Familie zu festigen. Das Leben der Frauen hier ist hart. die in Stein verwandelt wurden‹. fragt mich Mohammed. Vom Fremdenführer bis zum politischen Aktivisten sprach jeder Ägypter.) hat gezeigt.« Unlängst verkündete merklich gestiegen ist. »Die Islamisten geben Anlass zur Sorge«. nur nicht zu seinen zaghaften agnostizistischen Tendenzen? Auch die westliche Aufklärung war nie so religionsfeindlich wie allgemein angenommen. sagen die schaft zu übernehmen. dass es noch Jahrzehnte dauern wird. dessen jüngste Entscheidung im Fall »Widersprüchliche Identitäten«. die Stadt der Unternehmen den Verkauf politischer Ämter gesetz. als hätte man keine Adresse. besonders seitdem sie den Befehl vergenau hier ermordet wurden. Die fromme Muslimin. »Achten Sie volutionen brechen mit Vorliebe aus.« men als früher: Klimaanlagen sind bewusstsein spüren Auf dem Tahrir-Platz herrscht kein Luxusartikel mehr. dass zwar 38 Prozent der Ägypter für eine Regierungsbeteiligung der Bruderschaft sind. Und will ich wirklich meine Wurzeln in einer autokratischen Sklavenhaltergesellschaft entdecken?« Ekramy sieht das anders. doch wären es ohne die Muslimbruderschaft Rebellion innerhalb der Armee befürchteten. »Nehmen wir einmal an. Heute sorgt sich Dalia vor allem darum. mit einer in Zeiten politischer Umwälzungen seltenen Reife von der Geduld. gibt er zes entfernt liegt Zemalek. der die Demonstranten bindungen bis zu demokratischen antrieb. die Präsidentwieder aufgenommen – um sicherzustellen. wenn sich Leauf ihre Augen. das Feuer auf die Demonstranten am der Gestank«. Die Ägypter blicken auf Jahrhunderte guter im Rest von Kairo. es gibt zu viele Wachmänner rund um doch waren wir zugleich überzeugt. sagt Amr mit Blick auf die SelbstverbrenFurcht befreien«. meinen James Madison. ein anderes leiter in Mohamed ElBaradeis Wahlkampfteam für einen großartigen Blick über den Nil.schiedene Leute vorschlugen. Für Kant überstieg die Erkenntnis Gottes die menschlichen Fähigkeiten. »Man roch zweites Tiananmen werden. ich wäre Alexander Hamilton«. die sich seit Langem mit der Aufklärung beschäftigt. Nichtsdestotrotz bestanden die Aufklärer des 18.um eine Kopie der Île Saint-Louis zu erschaffen. dass die politische Macht der Fundamentalisten wachsen wird.schlossene Wirtschaft bedrohten. als wir über sie wissen. ten Staaten.« Ekramy. die eine ben. das Tahrir-Platz zu eröffnen. Zugleich ist es eine Pervertierung der Vernunft: Eine einfache Erklärung für alles Böse in der Welt muss her. »Das Referendum (zur Änderung der Verfassung. und Autos ausgelassene Stimmung. mit all den Sternen am Himmel. und wenn der Revolution hat er wenig Arbeit.« Ich kaufe ein paar Schlüsselanhänger. warum sich schnaufpause wurden die Freitagsdemonstrationen die Armee seinem Versuch widersetzte.Bürger gut zu behandeln. ein junger Filmproduzent. warum selbst hat sich das Militär vorbildlich verhalten.« Seine waren Beduinen. Einer der Gründe. Er hat Artikel gegen den Antisemitismus publiziert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 57 Gegenwärtig besuchen viele Ägypter. erzählt Bassem über das Massaker. sagt Amr Bargisi. Nach einer mehrwöchigen Ver. und sie scheint ihn so köstlich wie unmöglich zu finden. um das Freude ist nicht das einzige unübersehbare Gefühl Heft nur noch fester in der Hand zu halten? Nicht auf dem Tahrir-Platz. die Erwartungen zuins Licht. verfallenden Häusern fallen. den Motiven von Fremden mit Gast. aber dessen Lauf vor zweihundert Jahren geändert wurde. dass der ägyptische Antisemitismus tiefere Wurzeln hat als die Ablehnung der israelischen Politik. doch sind sich alle einig. der nicht nur die Kopten. und dennoch entwickelte er die tiefe und hintergründige Vorstellung eines vernünftigen Glaubens. die Amr viel mehr beunruhigt. die genügend Nahrung.« Was aber bedeutet Aufklärung in einem Land von immer noch solcher Religiosität. »Tunesien ist ganz ginnt mit der Bitte: »Möge Gott unsere Herzen von anders«. Die jüngste Umfrage ergab. Anm. Gebiets. ich sehe sogar eine stattliche Frau mit einem Gesichtsschleier. oder hat we can«. ob wir Paris am Nil sind. sagt Mohammed. ein enttäuschendes Ergebnis: Von 1300 Teilnehmern. Jahrhunderts auf der Trennung von Kirche und Staat. dem es oblag. »Kant hat mein Leben verändert«.FEUILLETON 12. Als Philosophin. »Vor dem 19. Unsere Anknüpfungspunkte ans alte Ägypten sind also äußerst dürftig. Auf der anderen. Er verlegte sich auf ein Studium der Politischen Philosophie an der AinShams-Universität in Kairo. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch I m April brach ich auf. »Am schlimmsten war weigerte. »wenn man den Sonnenaufgang sehen kann. der Touristen zu den Pyramiden Hochschulabsolventen vielleicht als Kellner. Ekramy möchte mich sogar zum Essen einladen. die ihre Enkelin die Stufen der Pyramide hinabführt. berichtet der Soziologe Todd Gitlin. »In Kairo arbeiten Land«. Im heutigen Ägypten jedoch gibt sich selbst der liberale Präsidentschaftskandidat ElBaradei als Befürworter von Artikel 2 zu erkennen. der sich taktvoll jeden Anflugs von Selbstgefälligkeit enthält. Als ältester Sohn.« Dalia sagt auch.« Auf dem Bild Israels als des ewigen Feindes beruht die Macht der Armee. sagt Ekramy. in Ägypten ein mutiger Schritt. dass seine MaßOrganisatoren. »Bis zu ist erschwinglich«. – »Ich bin in Ägypten. also gibt es Verrücktheiten wie die Behauptung.meine Kontaktpersonen. zu. der die Verfassung nicht unterzeichnete. dem äußeren Anschein zum tion hätten die Ägypter. und alle machen mit. in der Wüste zu schlafen. sagt Amr.« – »Die Revolution ist großartig. Sie können nicht abreisen. verfasste aber auch herrliche Lobgesänge auf den Deismus. erwidert Amr. »und es war während dieser Revolution schämten wir uns alles Ägyptischen. hatte er Ingenieurwissenschaften studiert. erklärt. dieser Gedanke ist neu für sie. eine Insel mitten im Nil. der Revolution der sicherste Ort. sagt Bassem Sabry. den ich traf. aber die jüngeren Offinichts mehr außer Blut.Häuser auf Zemalek stehen in so scharfem Gegensatz stützung. von der sich für die Neuerfindung von Traditionen zehren ließe? »Die ägyptische Zivilisation ist eine französische Erfindung«. Ist es aber überhaupt eine Revolution. 818 Männern«. die Bausch und Bogen ablehnen.Gamal zu verdanken. Tatsächlich Landes. er weiß sogar mehr über uns. als sie einen Aufsatzwettbewerb gewann und zu einer Konferenz in Kairo eingeladen wurde. jenem umstrittenen Verfassungszusatz. Als man die Statuen fand. sagt Bassem. Diese Leute werden nicht einfach wieder einschlafen. um in Ägypten zu erkunden. Wasser.« Sie war inspiriert und begann. Das öffentliche Mittagsgebet be. Ich liebe es. der Kolonialismus reicht dortigen Cafés zu treffen.« Hunderte kamen ums Le. Junge Männer spazieren Hand in Hand mit ihren in farbenfrohen Hijabs gewandeten Frauen umher. Was für die Menschen zählte. Institutionen. Voltaire zog gegen den Machtmissbrauch des Klerus zu Felde.ziere setzten ihre Vorgesetzten unter Druck. doch bereut er ihr Eigentum konfisziert würde.ständige Sushi unter belaubtem Pavillon. Ohne dieses Bild verlöre sie ihren Daseinszweck. die Häuser der Reichen. »Wer bist du.« Der Mann ist halb so alt wie ich und weiß wie viele seiner Mitstreiter nicht nur so viel mehr über uns.« Kleinlaut räume ich ein. steht auf der einen Seite. nannte man sie ›die Leute. Ägypdass der Lebensstandard seit 2005 viele Ägypter ihres ter zu sein. rechnen in Jahrzehnten.« Revon sich selbst verändert«. d. fand aber stattdessen eine ermutigende Situation vor«. als verGründe zurück. dass dies das Gegenteil von Aufklärung ist. dass die Revolution in den Händen nahmen die Kontrolle des Militärs über eine gedes Volkes bleibt. meint ein Kairoer. Kinder sind allgegenwärtig. Jeder hier hält einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina für eine tragende Säule des Fortschritts im Nahen Osten. »Sie wollen die Regierung nicht übernehmen«. Sie schenkt mir ein ungläubiges Lächeln. wurde mir in dem Moment klar. wie Amr formuliert. »Als ich nach Kairo kam.). »Wir Citizens United über die Wahlkampfwerbung von wissen nie. wie so viele Völker. dass er sein Leben nicht auf instrumentelle Erwägungen gründen wollte. heißt Antisemitismus. vertrieb ihn in Ägypten und im Jemen und schloss sich mit anderen Aktivisten zusammen. sich mit ihren eigenen Problemen zu befassen. der Mossad stünde hinter den jüngsten Haiangriffen im Roten Meer. wenn sich der Bildungsstand in Ägypten nicht verbessert. aber nie von King. Zwar beeindruckt sie die Festschreibung des Religionsgesetzes in dem kürzlich abgehaltenen Verfassungsreferendum nicht.« Die Korruption in Ägypten. Mohammed und Mustafa haben mir angeboten. aber und anderen antiken Sehenswürdigkeiten führt. Decken ihn frage. wie der Westen Ägypten helfen kann. die man nun haben müsse. was Aufklärung ist. Programmleiter der »Ägyptischen Union der liberalen Jugend«. und die Juden erfüllen diesen Zweck. »Er war es. Jahrhundert floss selbst der Nil anders. ob ägyptische Männer Angst vor Frauen haben. aber die meisten sagen auch. ohne sie gesehen zu haben. »Es fehlt ihnen an nichts. dass die patriarchalischen Strukturen tief verankert sind.zu den von Rissen gezeichneten. »Aber sie sind eher wie die Republikaner im US-Kongress. um anschließend mit einem Doktorandenstipendium an die Universität von Chicago zu gehen. die sie am Tag des Referendums durchführte. Die Erfahrung ist die Kluft zwischen den Reichsauf dem Tahrir-Platz ein Transten und den Ärmsten in Ägypten parent: »Wir wollen weder von den der Revolution geringer als in den USA. der die Scharia zur Grundlage des ägyptischen Rechts erhebt. aber die Pyramiden sind etwas anderes. »Yes nehmen und die Geduld nachlässt. dann wüssten sie nichts. Wir beide wissen. außer einigen Busladungen an Briten von närrischer Unerschütterlichkeit sind es vor allem Liebespaare. die nisiert.« Dennoch ergab eine Befragung.« kommt die Antwort unverzüglich: »Geht mit gutem Nicht weit vom Staub und Lärm des Tahrir-PlatBeispiel voran. als sich uns auf dem Tahrir-Platz arme Frauen anschlossen.tausend Minarette oder das pulsierende Herz des Panlich verankert habe? arabismus.« Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Zuletzt erschien von der Amerikanerin Susan Neiman »Moralische Klarheit«.] .« Gibt es eine antike Zivilisation. Geld wollen sie keines für den Tagestrip. erzählt er mir. Ich frage sie. sie waren den nationalen Diskurs nach rechts drängen. aus den wohlhabendsten Familien? »Zemalek sismus der Kolonialmächte verinnerlicht. meinen Benjamin Franklin und sogar meinen Elbridge Gerry. uns hier nicht. von heute aus gefragt: Sind die jüngsten Nachrichten aus Kairo über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen der charakteristische Ausdruck für ein Land im Umbruch? Ich glaube eher nicht. sagt Dalia. Viele Menschen trauern noch. die Mittagshitze zu greifen.« Je nachdem. Ob wohl auch Ägypter die Pyramiden besichtigen? »Am schönsten ist es um fünf Uhr morgens«. wie die Muslimbruderschaft Gefühle ausnutzt: Sagt Ja zu Allah. dass Ägypten auf eine lange Tradition des religiösen Pluralismus zurückblickt. sich in einem der geschenken zu misstrauen. der der Armee Fesseln anlegen möchte: Sie ist. doch seine Kant-Lektüre überzeugte ihn davon. rechnete ich mit einer postrevolutionären Malaise. aus Furcht. wenn du deine Großväter hasst? Das ist. »In Ägypten erfahren wir von Malcolm X. die wie die meisten Frauen in Ägypten mit einem Hijab den Kopf bedeckt. Dalia erinnert mich daran.Trotz. was der Westen schon fast vergessen hat. vor der Revolu. die die Sphinx beäugen. der es von der Polizei zurückerhält. Aber sie arbeiten daran: Dalia hat Programme ins Leben gerufen. Seitdem Tausende gewesen – der Hauptgrund. Diese Woche fanden sich 1200 Menschen zu einer Bürgerversammlung über Wasserpolitik ein. »Die Revolution hat das Bild der Menschen jemanden. bis Ägypten die Art von gebildeter Öffentlichkeit hervorgebracht hat.« Im versmogten Kairo ist kein einziger Stern zu sehen. erzählt Dalia. die Methoden des gewaltlosen Kampfes zu erlernen und weiterzuvermitteln. Amr glaubt. Dalia Ziada leitet das Nordafrikabüro der Amerikanisch-Islamischen Konferenz. »Das sind meine Großväter. Diese Verbeslassen sich die ägyptische Fahne serungen sind im Wesentlichen der aufs Gesicht malen. ergänzt Dalia. was sei mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinig. Die allgemeine Freude ist in der nung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi. Die Polizei jagte Zwar grollten viele Menschen dem Imperialismus. Zurzeit besichtigen mehr Ägypter als ausländische Touristen die Pyramiden. und Abwehrmaßnahmen mobilisieren konnten. Seit nicht als Gemüsehändler auf der Straße. 50 Prozent jedoch die säkulare WAFD-Partei bevorzugen. war ein Stück Land und etwas Wasser. »Ägypten war ein mutloses den dortigen Aufstand auslöste.

Zu offenkundig ist die medienkritische Belehrung. sich vom irdischen Dasein zu lösen und im buddhistischen Sinne eins mit der Natur zu werden. Er Japan vor allem den aus Autos und Industrieprohat in Freiburg beim Schweizer Kompositionspro. Rhythmus und polyfone Strukturen spielen in seinen Stücken kaum eine Rolle. und irgendwann scheint sich die Sonne tatsächlich dem Horizont zu nähern. ob sie wendung zur westlichen Avantgarde einen neuen in ihrer Produktion auf die aktuellen Ereignisse Zugang zur Kunst seiner Heimat verschafft. die sich winden und krümmen. Die Klangfarben des Orchesters geben uns ein Bild davon. Und schon jetzt richtet ihm die Sammlung Goetz in München eine umsichtig komponierte Retrospektive aus. will keine Medienfigur sein. Er will nicht festgelegt werden auf eine Rolle. wie Paul Pfeiffer. Wo zuvor die Monroe stand. Keiner foult so schön. Hinzu kommt. in der sie verdammt sind. Mit gigantischem Aufwand schneidert er ihnen am Computer eine Art digitalen Tarnumhang. Pfeiffer begeistert sich für Sport. um stark zu sein: Toshio Hosokawas neue Oper »Matsukaze«. um stark zu sein. Er hält sich zurück. Sie basiert auf einem zu Recht.« Er Zitherinstrument Koto spielte.und Formenspeck! Runter mit den Bedeutungspfunden! Nicht wenige Künstler der letzten hundert Jahre waren geniale Diätmeister: Sie entschlackten die Motive. Und Alis bekannteste Kämpfe finden jetzt ohne ihn statt und ohne seine Gegner. wachsende. dass nichts zu sehen ist – was bleibt uns also übrig. sagte Hosokawa. Doch zeigt Pfeiffer glücklicherweise auch ein Talent für das Böse und Absurde. sie gewinnen Kristallines. Wir stehen vor einer großen Videoleinwand. erwarten seinen Auftritt. Das zumindest scheint als Hoffnung in vielen Werken mitzuschwingen: dass nicht nur die Motive. so als hätte eine höhere Macht sie am Wickel und würde sie durch die Luft schleudern und niederwerfen. Alles andere hat er aus den Aufnahmen getilgt: die Nummern der Spieler. wenngleich eine anstrengende. Und so erkennen manche in seinen Fußballern auch Inbilder der Geworfenheit. an dem der amerikanische Präsident seine Reden zur Lage der Nation hält.) Dübgen mit viel Feingespür für die Stille zwischen den Versen ins Deutsche übertragen hat. Wir treten näher heran an das Pult – und in diesem Moment ist sie dann doch da. Gefallene Helden – die Videoinstallation »Caryatid (Red. Die Oper handelt auch so von nichts sechshundert Jahre alten Nō-Spiel des in Japan ver. zu vordergründig der Versuchsaufbau. von dem man denkt. der seine Schöpfung auslöscht. nichts ist zu erblicken. Bernd Uhlig (l. geschlagen. den sich die Bühnenbildnerin Chiharu Shiota für die Zwischenwelt der Schwestern ausgedacht hat. auf den berühmten Bildern am Strand. Alles ist postkartenschön arrangiert. das die Librettistin Hannah im Einklang leben. sehen auf dieser das Pult. Schon als Kind hatte Pfeiffer ein großes Faible für Puppenstuben. getanzt von Sasha Waltz in Brüssel VON CLAUS SPAHN ie Hauptrolle in dieser Oper spielen die Klänge der Natur. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 FEUILLETON Zittern der Natur Zu schön. Hosokawa erzählte in einer PressekonDas hört sich fernöstlich entrückter an. der Gesang und der Tanz bringen ihnen am Ende die Erlösung. . was erklingt. sondern nur blauer Himmel und gischtendes Meer. erledigt. Das gilt freilich nicht für den Coup. ganz wie einst Andy Warhol. denn diese Theaterform wird streng traditionalistisch und in ihrer Choreografie bis ins kleinste Fingerspreizen unverändert über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergegeben. Noch heute wohnt diese Erfahrung in seiner Kunst. sogar den Ball und die rempelnden Mitspieler. Hosokawa erklärte. die Bannerwerbung. Hosokawa. seine Botschaft. »was Natur ist. an dem sich Waltz und Hosokawa versucht haben: Matsukaze und Murasame sind Arbeiterinnen in einer Salzmühle. 2008 ielleicht sollte man die Geschichte der modernen Kunst als große Schlankheitskur verstehen. Manchmal zappeln aber auch wir. Er will Herrscher sein – und die Betrachter dazu machen. Denn zu sehen ist ja nur. gefangen in einer der Pfeifferschen Endlosschleifen – für immer muss er dort bäuchlings auf einem Sofa zappeln. Es geht auch nicht um Bundesligapunkte oder Finaleinzug. nie will er sich davon beherrschen lassen. die über ihren Tod hinaus der Liebe zu einem Mann nachhängen und deshalb als unerlöste Geister durch die Welt spuken. sich stürzend zu verbiegen und irrwitzig zu verrenken. Keine üppigen Erzählungen mehr. Er geht sparsam mit den Tönen um. Es ist ein poetischer Abend der zarten musikalischen Gesten und der kalligrafisch in den Raum gemalten Tänzerbewegungen. Bei ihm ist das vergängliche Spiel ewiges Drama: Pfeiffer entzeitlicht seine Szenen. Auch der New Yorker Medienkünstler Paul Pfeiffer. Auch dort sei der Malakt von der geistigen Konzentration bis zu den ausholenden und nachschwingenden Armbewegungen viel umfassender als das. Jahrgang 1966. »Wir haben vater ein Ikebana-Lehrer war und dessen Mutter das vergessen«.feld gleichsam vorwurfsvoll am Ufer zurückließ. etwa wenn er auf winzigen Bildschirmen viele bekannte Hollywood-Größen zu Hollywood-Zwergen schrumpfen lässt. auch im richtigen Leben. die in ihren bunten Leibchen über den Rasen stürmen. V Pfeiffer wäre eine solche Deutung schon wieder viel zu pathetisch. dass Hosokawa sich mit Sasha Waltz und ihrem Berliner Tanzensemble zusammengetan hat. Selbst der Megastar Tom Cruise wird zum Miniwicht. und unter diesem lässt er sie verschwinden. Dennoch oder gerade deshalb: Die Bilder haften. wie zu hören ist. das ist unübersehbar. so steigen die Klänge aus der Stille auf. Dem westlichen Betrachter mag das Projekt wie ein Bekenntnis zur japanischen Theatertradition vorkommen. Mitten in den Berliner Proben zu Die Figuren schweben zwischen Diesseits und Jenseits dieser Oper bebte in Japan die Erde. Bilder von den muskelbepackten Fußballmännern zum Beispiel. dessen neue Oper Matsukaze vergangene Woche in Brüssel uraufgeführt wurde. gelegentlich rauscht eine Möwe vorbei. Das gilt Bezug nehmen sollen. irgendjemand möge doch das Licht ausmachen. Keiner foult schöner Bei ihm zappelt nicht nur Tom Cruise in den Endlosschleifen: Der Medienkünstler Paul Pfeiffer in München VON HANNO RAUTERBERG D Ein grandioses Schicksalsspinnennetz spannt sich über die Bühne Die Geschichte erzählt das Schicksal der Schwestern Matsukaze und Murasame. Doch sie geht nicht unter. Das Publikum glotzt dennoch gebannt auf den leeren Boxring. bis man sich sehnsüchtig wünscht. sie strahlt immer weiter. wie Paul Pfeiffer. Wie sich die unendliche Sehnsucht der beiden in Hosokawas Musik vielfädig ausspinnt. nicht nur in seiner Kunst. Er zählt zwar schon seit etlichen Jahren zu den wichtigsten Video. Wir sind auf einer zauberischen Insel: Wie sich das Land sanft aus dem Meer erhebt. Doch die eigene Bedeutung scheint ihm unheimlich. dessen Groß.dukten bestehenden Zivilisationsschrott. nicht das übliche Gehakel und Geschubse. So wie Pfeiffers Fußballheroen jede Ursache abhandenkam. so lange. zitternde und aufbrausende Natur. Die Illusion zerbirst. kommendes Jahr wird er. seine Kunst erzählt von Ermächtigung. hat sich in der Hin. enträumlicht sie. in vention unhinterfragt lässt. auf der Documenta in Kassel ausstellen. Denn wer durch das Loch sieht. Denn so paradox es klingt: Er ist ein Bildermensch.58 12. den die fessor Klaus Huber studiert und in Stuttgart bei Tsunamiwelle mit sich führte und als TrümmerHelmut Lachenmann. Zurück bleibt der krude Schmerz. damit auf seinen Videos und Fotografien am Ende möglichst wenig zu sehen ist. was am Ende als Tuschestrich auf dem Papier sichtbar werde. Doch so groß seine Begeisterung für Massenphänome auch sein mag. sondern auch die Betrachter herausfinden aus den vorgestanzten Mustern des Sehens und der Bewunderung. so hat sie den leeren Raum mit einem Gewirr aus schwarzen Seilen durchzogen. Jahrhunderts. er entrückt das Vertraute in geradezu mythische Sphären. was nicht erklingt. Sie ist ein bisschen zu schön. Er will. als die Leerstellen mit eigenen Bildern zu füllen? Pfeiffer ist eben nicht nur ästhetischer Diätmeister. Und in gewissem Sinne ist das auch für die Betrachter eine Erlösung. Bis zum 1. er reißt sie aus jener Hölle. vor Ungeduld. so fehlt auch hier das Eigentliche. sie leuchtet. Viel Mühe und Zeit investiert er. Weg mit dem Farb.und Fotokünstlern. dass Mensch und Natur ehrten Dichters Zeami. So kennt man die Kompositionen von Toshio Hosokawa. Pfeiffer erlöst Marilyn Monroe ebenso wie Michael Jackson oder Muhammad Ali. Klein Paul liebte die Rolle des Schöpfers. Wohl auch deshalb scheint er seine Kunst mitunter als Befreiungskommando zu begreifen. als es ist. der Katalog kostet 35 Euro Fotos: Thomas Dashuber/Courtesy Sammlung Goetz. Noch das heißeste Spektakel wird bei ihm kalt serviert. Keiner foult so hässlich. wie die gemächlich untergehende Sonne die Schatten in der Landschaft länger und dunkler werden lässt und wie in der Nacht dann Sturmböen heraufziehen. ebenso allerdings die Begeisterung des Betrachters. Immer wieder baute er sich solche Miniaturwelten. Wir hören das Schwirren des Windes in den Bäumen und das Kräuseln der Meereswellen am Ufer. Erst die Musik. gelegentlich schwanken die Begrenzungsseile. für Hollywood-Filme. da ist nun keine Monroe mehr. immer wieder und wieder. Diese Wand steht für die Grenze zwischen der wirklichen Welt und dem Jenseits. Solches Streben nach Reduktion und Verdichtung zum Essenziellen ist auch in der Musik von Hosokawa und der Choreografie von Waltz stets zu spüren. Blue)«. Drei Monate dauert Pfeiffers Film über den Bau eines Wespennests und noch viel länger sein Sonnenaufgang. um den Stoff auch szenisch-choreografisch ganz aus der Gegenwartsperspektive zu entwickeln. Im Gegenteil. der Bildern misstraut. in großen Bögen sich aufwölbend. Ein großer Zauber liegt über der eineinhalbstündigen Brüsseler Uraufführung. Aus fernöstlichem Blickwinkel hingegen ist die Neuvertonung eines Nō-Spiels eine gewagte Tat.sein Gedächtnis eingebrannt habe. scheint sich für diese Kunst der Entsagung zu begeistern. Sie haben es nicht getan – auch für seine Oper Matsukaze. er ist auch ein Trainer der Vorstellungskräfte. scheint in seinen Werken genauso bedeutsam zu sein wie das. dass aus dem Kunstschauen ein Kunstschaudern wird. Die Musik ist fließende. Der Japaner gehört nicht zu den Komponisten.anderem als der Utopie. aber ganz freisprechen von diesem Vorwurf kann man auch seine Matsukaze-Oper nicht. Doch geht die Hingabe an das Filigrane und fein Ziselierte auch mit einer gewissen Theaterblässe einher. ferenz vor der Premiere. Wunderschön ist Pfeiffers Kunst und wunderschrecklich. In ihr bewegen sich Barbara Hannigan als Matsukaze und Charlotte Hellekant als Murasame stimmlich wie darstellerisch grandios frei schwebend wie Insektenopfer in einem Schicksalsspinnennetz. auch das unübersehbar.und Waltz hätten lange darüber diskutiert. erblickt die Politkulisse im Puppenstubenformat und begreift. Menschen. Er sieht in seiner musikalischen Arbeit Parallelen zur japanischen Kunst der Kalligrafie. Er interessiert sich vielmehr für die Eigendynamik der Klänge und weit gespannte melodische Verlaufsformen. Schluss mit dem kalorienreichen Pathos des 19. das dort drinnen eine Kamera jene Kleinstwelt filmt. Bei ihm ist das Foul kein Regelverstoß. bis sie halb zerdrückt auf dem Gras liegen bleiben. Die beiden Schwestern geben in der Handlung ein Bild für den künstlerischen Prozess. nur um im nächsten Moment böse zu straucheln. Oktober. Ihre Liebessehnsucht hindert sie daran. immer nur Ikonen und Legenden zu sein. für Pop. Pfeiffer interessiert sich einzig für den Leib und seine brachialen Verformungen. das traditionelle Nō-Theater mache ihn schnell müde. der Feuerball glimmt sehnsuchtsfarben. bis nur noch waschbrettstramme Abstraktionen übrig blieben. dass er bei den Bildern aus Hosokawa ist kein altjapanischer Traditionalist. er sei ein Sonnenuntergang. die wir eben noch für groß und real hielten. nur um sie später im Hinterhof mit Kerosin zu übergießen und anzuzünden. der keine Komponierkon. in Endlosschleife. die in ihrer Musik Befindlichkeiten wild gezackt und kompliziert geschichtet ausleben. nur ein winziges Spähloch in der Leinwand. die Botschaft. Doch nichts geschieht. Yellow.

bis 29. Asien. dass Italiaander einigen Einfluss nahm. Fotos: Nagel Auktionen. Der Millionen-Euro-Tisch etwa stammt aus dem kaiserlichen Palast. Mit Fälschungen. Contemporary Fine Arts und Eigen + Art. ein Paar Huanghuali-Armlehnstühle aus dem 17. die dem Geschmack S Der China-Boom Mit Asiatika erzielt das Stuttgarter Auktionshaus Nagel Rekorde. der die Weltenbummelei inzwischen zu seinem Beruf gemacht hatte. und oft brachte er Kunstwerke mit nach Hause.und Fernsehpublikum der sechziger und siebziger Jahre die Wunder der Welt ins Wohnzimmer. 15 in schwarze und weiße Felle vermummte Gestalten versammeln sich um einen roten Fußball. dafür spricht eine andere Meldung des vergangenen Wochenendes: Die Eigentümer der Art Basel. Es gab Widerstände gegen das Museum. sagt Michael Trautmann. Ob sie es taten. brachte Italiaander dem staunenden Lese. der von der Erhabenheit der Alpen schwärmte. Ihr prominentester Vertreter ist Henri Rousseau. Mai große Galerien wie Gagosian. schrieb Rolf Italiaander sein erstes Buch: So lernte ich Segelfliegen. weil sie nicht die Geschichte der Kunst. der ballspielende Männer ebenso wie Urwaldtiere malte und sein Geld als Zöllner verdiente. wie er sich da vor der Königin zu Saba zu einem Handkuss verneigt. Das Bietgefecht. Und so konnte er sich auch für die jetzige Auktion wieder einige mit moderaten Schätzpreisen versehene Meisterstücke sichern. aber nicht unbedingt der europäischen Sammler zusagten. und die Art Basel geht nach Hongkong. um an seine Werke zu gelangen. Über seine Reisen nach Ozeanien. aus dem der Mann aus Hongkong am Ende siegreich hervorging. und man könne sich dort ein wenig wie in der Schweiz fühlen – wegen der liberalen Steuergesetze und Freihäfen der Stadt. Überfremdung sei in Reinbek nicht erwünscht. und wie Bernhard Grzimek. Doch sie zeigen das bekannte Europa. Trügen die Frauen nicht zackige Dreispitze als Kopfbekleidung. aus Baumwurzeln Skulpturen zu schnitzen. Kinderbücher. Die Haltung des jüdischen Königs Salomo auf einem aus Äthiopien mitgebrachten Ölgemälde auf Ziegenfell. Spektakulär war im vergangenen Herbst der Fall jener Qianlong-Vase. dem sie wie einem Fetisch zu huldigen scheinen. In Afrika. ein Wandbild vom Präsidenten des Senegal. »Abstrus!«. wie das Haus noch 2002 mit all seinen Auktionen in einem ganzen Jahr umsetzte. die auf mögliche Kopien hinweisen. der in Peking das Deutsche Hospital leitete und Leibarzt des letzten Kaisers Puyi war. Die Zukunft des Marktes liegt im fernen Osten VON TOBIAS TIMM der asiatischen. die für 43 Millionen Pfund im kleinen englischen Auktionshaus Bainbridge’s einem chinesischen Sammler zugeschlagen. Das entgrenzte Lächeln aller Beteiligten entbehrt nicht einer gewissen Komik. machte das Objekt aus der Qianlong-Periode zum wahrscheinlich teuersten Tisch der Welt. Und die Fliegerei begleitete ihn bis an sein Lebensende. Mit so hohen Zuschlägen hätte auch er nicht gerechnet. dass der Markt für alte chinesische Kunst derzeit unglaublich boomt. Das Rechercheunternehmen Artprice gab kürzlich bekannt. Es ist nicht das einzige Mal. schließlich an viele entlegene Orte der Erde. habe man in den vergangenen Jahren kaum noch Probleme gehabt. Italiaander hat ausschließlich Naive gesammelt. Selbst die Kultbilder und die religiösen Motive aus fernen Ländern wirken vertraut. Kulturschock für einen Euro fünfzig Der ZEIT-Museumsführer: Das Museum Rade am Schloss Reinbek TÄGLICH GEÖFFNET. versuchte sich als Dramatiker und entdeckte als Verleger den noch unbekannten Wolfgang Borchert. in der eine Familie zwischen Bäumen an einem Fluss spazieren geht. Jahrhunderts entstammen. Der Mann hat sich einen Pullover um die Hüfte geknotet. die Szene könnte en plein air statt im Himalaya auch bei Bruhnskoppel in der Holsteinischen Schweiz gemalt worden sein. zu geschult sei inzwischen der eigene Blick und zu eng das Netzwerk der Experten. Museum Rade . das war 1931. glücklich schockiert nach der Auktion. er wurde aus dem extrem langsam nachwachsenden Zitan-Holz geschnitzt.33 Millionen Euro versteigert chreibt es sich besser an einem Tisch. Mit 19 Jahren radelte er quer durch Afrika. Insolvente Bieter versucht man in Stuttgart – wie in anderen Auktionshäusern auch – mit bestimmten Regeln fernzuhalten: So dürfen Sammler nicht über gewisse Limits hinaus mitbieten. dieses Jahr stellen hier vom 25. In Indianerreservaten in Neumexiko stieß er auf die Technik der Sandmalerei.KUNSTMARKT 12. Hörspiele. Zusammengetragen hat Italiaander seine Sammlung mit bescheidenen Mitteln. denn das Geschäft in China könnte bald zum wichtigsten der Welt werden. höchst ungewöhnliches Ensemble. Hongkong. Die Art HK hat sich – zumindest aus westlicher Sicht – als die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst im asiatischen Raum etabliert. wo er auch als Kunstlehrer gearbeitet hatte. wie das Leben sich überall gleicht. anders als die Konkurrenten bevorzugte er für die Nagel-Auktionen schon früh solche Lose. AUSSER MONTAGS VON SVEN BEHRISCH 101 Ein Häuptlingsstuhl aus Melanesien N° m Alter von 18 Jahren. so der Vorwurf. der Tierfilmer. dem einst wichtigsten Kunstmarkt der Welt. Jahrhundert wurde für 600 000 Euro versteigert. »die Schleswig-Holsteiner müssen sich neu besinnen«. Titel: Die schöne iranische Sonne. die in den vergangenen Jahren extrem reich geworden sind und sich nun das entsprechende Kulturgut leisten wollen: Die neuen Kaiser von China bevorzugen Kaiserliches. Auch andere Lose erzielten spektakuläre Preise. doch hat der Markt auch seine Tücken: Es kursieren viele Fälschungen. Bunte Marktstände. von dem sie erzählt. sei eine panasiatische Stadt. Dass die vermögenden Chinesen nicht nur an altem Kunsthandwerk interessiert sind. dann aber von diesem nicht bezahlt worden war. machen sie sie – glaubensbedingt – am Abend wieder kaputt. Nach dem Krieg gründete er eine Gesellschaft deutscher Übersetzer und die Freie Akademie der Künste in Hamburg. es gebe keine Zensur. der am vergangenen Freitag im Stuttgarter Auktionshaus Nagel einen Tisch aus dem kaiserlichen China ersteigerte. Die Figuren mit den überlängten Beinen wirken. sagt Trautmann. muss vor der Auktion eine Depotzahlung an das Auktionshaus überweisen. Reiseromane. Gut drei Prozent mehr als in den USA. Überwältigend der Eindruck von der Vielfalt der Welt. Gut 300 Chinesen saßen während der Auktion im Stuttgarter Auktionshaus. dass nach seinen Berechnungen schon im vergangenen Jahr 33 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Kunstversteigerungen in China gemacht wurden. Viele der Arbeiten bekam er geschenkt. könnte einer höfischen Szene des 18. vor allem aber und immer wieder nach Afrika schrieb er viele Bücher. der 1. Sein Museum hat etwas von diesem Staunen ins Heute herübergerettet. 2001 war die Bücherkiste bei Sotheby’s in London noch für 7000 Pfund (inklusive Aufgeld) versteigert worden. in der er als Homosexueller das Schlimmste zu befürchten hatte. in dem man auf engstem Raum von der Stammeskunst Melanesiens über Wahlplakate aus Ghana bis zu den Zeichnungen der Inuit im Norden Kanadas eine Sammlung derart bunter Kunstwerke sowohl von Amateuren als auch von Nationalmalern besichtigen kann. Die Navaho-Indianer streuen mit buntem Sand Zeichnungen ihrer Götter auf den Boden. Es ist ein kluger Schachzug. ein Huanghuali-Bücherkasten für 240 000 Euro (jeweils ohne das Aufgeld des Auktionshauses von 33 Prozent). der sich laut Bildbeschreibung als Jäger und Fischer ernährte. rote Dächer und neben einem weiß blühenden Baum die Kirche im Dorf. Ähnliches gilt für Ein Markt am Stadtrand von Rio einer brasilianischen Malerin. Man hat diese Kunst als »naive Kunst« bezeichnet. Und bescherte dem Auktionshaus Nagel seinen ersten Millionen-Euro-Hammerpreis sowie den deutschen Rekordumsatz mit einer Spezialauktion. als wäre ein starker Wüstenwind durch Giacomettis Gestalten gerauscht. Fest steht jedoch: Es gibt kein zweites Museum in Deutschland. Er war Konsul mehrerer afrikanischer Staaten und ließ überhaupt recht wenig aus in seinem Leben. begründet der Messedirektor Marc Spiegler den Zukauf. Verblüffend ist die Zahl der Materialien und I Stile.33 Millionen Euro gekostet hat? Die Frage möchte man dem Milliardär aus Hongkong stellen. aus Deutschland kommen unter anderem Sprüth Magers. Erhaben schließlich die Einsicht. Wer zahlt so viel Geld für diese Möbel? Es sind zumeist chinesische Sammler. und die Zahlungsmoral der Höchstbietenden aus China ist zuweilen sehr gering. Seit 1987 beherbergt das Museum Rade am Schloss Reinbek die Sammlung Italiaanders – ein grandioses. Sie kommen nicht heran an eine Lithografie des kanadischen Inuit Iye. er steigerte seinen mittleren Schätzpreis also um das Vierzigfache. Als Autor von Fliegerromanen rettete er sich über die NS-Zeit. Mit Manfred von Richthofen. Mit der Gründlichkeit des Ethnologen und dem Gespür des Sammlers durchstreifte Italiaander die Kontinente. Michael Trautmann hat dem Auktionshaus in Deutschland über die Jahre den besten Ruf bei den Asiaten erworben. 4500 Stück des vierbändigen Auktionskatalogs hatte man in den Wochen zuvor an Interessenten in China verschicken müssen. ein Pudel hechelt verbindlich. Da ist die hügelige Landschaftsidylle eines tibetischen Künstlers. seine Zeichnung statt auf den Sandboden auf die Platte zu streuen. Einmal Kulturschock in Reinbek kostet einen Euro fünfzig. in den zwanziger Jahren gelangte er in den Besitz des deutschen Mediziners Edmund Dipper. Ist die Zeichnung fertig. den sie vermitteln. weil er Farbe in ihr Leben bringt. weltweit die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst. Italiaander präparierte eine Platte mit Leim und brachte einen Navaho dazu. sondern »nur« das Leben reflektiert. wir wissen es nicht. einen ägyptischen Teppich von Helmut Schmidt. Dramen. der beste Jagdflieger des großen Krieges gelang ihm sogar ein Bestseller. Jetzt war der Tisch mit einer Taxe von 20 000 bis 30 000 Euro versehen. Amerika. Die neuen Eigentümer verlegen die Hongkonger Messe ab nächstem Jahr von Ende Mai in den Februar. Und so lassen sich mit altem chinesischem Kunsthandwerk derzeit die unglaublichsten Gewinne machen. Mit Aufgeld hat Nagel in seiner zweitägigen Auktion asiatischer Kunst insgesamt 20 Millionen Euro umgesetzt – in etwa also so viel. der zuständige Asienexperte bei Nagel. und wer über 500 000 Euro ausgeben will. Wie Luis Trenker. Hauser & Wirth und David Zwirner aus. das sich so gar nicht in die backsteinern norddeutsche Leitkultur integrieren mag. obwohl er weiß. Dagegen forderte der Sammler bei der Eröffnung. Vom persischen Schah die Ansicht eines Wüstendorfs unter gleißender Sonne. sodass sie der traditionell im Juni stattfindenden Ur-Art-Basel keine Konkurrenz auf einem anderen Kontinent mehr machen wird. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 59 Dieser chinesische Tisch aus ZitanHolz wurde bei Nagel in Stuttgart für 1. animierte er seine Schüler dazu. das Flugzeug brachte ihn. Sie gehören zu den schönsten Stücken der afrikanischen Abteilung. übernehmen 60 Prozent der Anteile der Hongkonger Kunstmesse Art HK. darunter auch bekannte europäische Namen wie Louis Vivin oder Hector Trotin.

gewinnt Reichtum. in der es sich ereignet – der bohrende Lustblick als die schnellste intime Erfahrung. mit der Fischer 1999 – von einem roten Farbbeutel getroffen und am Trommelfell verletzt – in knapp fünf Minuten den deutschen Kampfeinsatz gegen Serbien auf dem Parteitag der Grünen rechtfertigte.bis 40-jährigen Mediennutzer tatsächlich goutieren. Fischer folgt den Meilensteinen seines Lebens. in der Disco. dass die NS-Verbrechen verfolgt wurden und in den sechziger Jahren an den Schulen Filme und Texte gezeigt wurden. das Horst Seehofer laut Spiegel auch besitzt). doch bleibt er merkwürdig unpersönlich. und die älteste schreibt über ihre Konflikte mit dem Vater: »Dass wir. Natürlich sind das haltlose Spekulationen. die ihn ebenso prägte wie er sie«. 12. sollte es sich gut überlegen. aber wer Räuberhauptmann werden will. aber genauso wenig von Mainstream-Plattheiten angeödet fühlen. Fischer könne es kaum fassen. die keine Zeit hatten. von Eitelkeit und Kontrollwahn getrieben. wo dienstbare Geister auf einen Wink des Herrschers mit der Wasserpfeife herbeieilten? Nichts davon zeigt uns das von den Amerikanern veröffentlichte Foto. Wenn er standhält und zurückstarrt. Obama. dass der furchtbare Osama in dieser Hinsicht eher furchtsam war. so hatte die vierte Folge der Räuberpistole Fluch der Karibik eben in Los Angeles Premiere. in dem die Nachkriegsjugend aufwuchs. die keine Zeit haben. »die palästinensische Revolution unter Kontrolle zu bringen«. Immerhin. Beworben wird der Film mit dem Satz. die aus dem Zentrum der medienüberladenen. man habe das »prinzipienlose Spektakel« unter Protest verlassen. oder von Klaus Störtebeker. Er nannte seine Erinnerungen Böse Jahre.Kultur am vergangenen Wochenende versprochen worden. als er davon schwärmt. Alsdann blieb ihm »eine Position in Europa« versagt. In der Art von Hofschranzen berichten sie ausschließlich Lobenswertes. Unter dem Schlachtruf »Weniger Feuilleton!« solle sich der junge Erwachsene nicht mehr voll schlechten Gewissens von Inhalten abwenden. dass die Fünfundvierziger. setzten durch. FINIS War schon alles gut so. Doch was letzten Samstag um 6. nicht zuletzt wegen des besseren Gedankenflusses. Gelegentlich kommen Duzfreunde zu Wort. und zieht doch »keine gänzlich negative Bilanz«: »1968 und die folgende Zeit haben die Establishments aller Richtungen gezwungen. zusammen Schumann-Lieder am Klavier sangen. gute Jahre.« In aller Ruhe schildert Maier die schwarze Seite der Achtundsechziger-Revolte und die Kämpfe. konnten meine Freunde nicht verstehen. Unter Hinweis auf die Killerkommandos der RAF und die islamische Revolution hatte er damals geschrieben: »Zuviel wird noch gefragt. dass Osama bin Laden diesbezüglich besser versorgt war. miteinander in Streit zu geraten. die er als Initiator der Widerstandsorganisation »Bund Freiheit der Wissenschaft« ausstand. In aller Bescheidenheit sagen kann er das nicht. die ihm als kulturell bedeutsam diktiert werden. Wenn der Bestarrte den Blick senkt. Dalli erlebt unter der Woche am Mittag ihre Renaissance. wir sehen weder Ali Baba noch die vierzig Räuber und ihre sagenhaften Schätze. Inhaltlich fehlt jede kritische Brechung. Vor allem aber trug er 25 Jahre lang in schier unendlichen Auseinandersetzungen dazu bei.. die. konzediert er.« Dazu wäre ihm zu raten. den intensiven Augenkontakt zwischen zwei möglichen Geschlechtspartnern. Und trotzdem musste er den Fernseher mutterseelenallein bedienen. in deren Gemächern orientalische Pracht zu finden sei. der auf einem schäbigen Schreibtisch steht. dass auch Obama eine Modelleisenbahn besitzt und seinen Feind Osama entgleisen ließ. Wie anders der schreckliche Osama bin Laden! Hätte man nicht denken sollen. miteinander auch nur ins Gespräch zu kommen. Wohl deshalb schweigt er über sein postpolitisches Dasein als wenig beachteter Lobbyist. Fischer heute wegen solcher Fehltritte zu diskreditieren. aber bevor es zu ulkig wurde. seine Mutter. Er allein führt die Regie. Die Frage nach Hoch. Die Bielefelder Rede. alte Räuber mag es geben. wo er seine Märklin H0 im Maßstab 1 : 87 fahren ließ (just jenes Modell. einer Reportage über die erste Heavy Metal Band in Bagdad. etwas. Zumindest vorerst. Er bezeichnet. die Zwischenstadien und Übergänge lässt er im Nebel. wie er indigniert bemerkt. er habe drei Ehefrauen besessen. Während Pepe Danquarts Film Joschka und Herr Fischer steht Fischer im Ambiente einer Art Tiefgarage. Aber eingeleitet hatte Fischer diese Wende bereits 1995. mit der Fernbedienung in der Hand. in der Kneipe: Einer durchsengt einen Schwächeren mit dem Hass-Laser. er befehlige eine Bergfestung. die Grünen zu der Partei zu formen. die auf derartige Ansprachen wie keine andere notorisch mit allergischem Argwohn reagiert. Das humane und liberale Gegenstück zu Fischers Selbstporträt präsentierte in diesen Wochen bezeichnenderweise der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU). ließ langhaarige HimmelskörperExperten die »animalische« Wirkung der Gestirne erläutern. die von den Frankfurter Spontis zum Terrorismus führten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 61 Das Letzte Arme. Und diese Unordnung. oh Drama«. diese Steckdosenleiste. Eine ebenso seriöse wie skurrile Dokumentation zur Erotik des Mondes. Ansehen und vielleicht gar das Bundesverdienstkreuz. »Osama. Der Filmheld hat erhebliche Verdienste vorzuweisen. mittendrin die größte Gestalt – der Kaiser als ewiger Rechthaber. den wilden Jahren. umgeben von den Bildern seiner selbst Im Joschkabunker Ein wahrer Staatsmann muss auch im eigenen Film herrschen: »Joschka und Herr Fischer« laues Hemd. Er neigt mittlerweile zu Floskeln. sozusagen im Joschkabunker. dem verwegenen Freibeuter. so erläutert Herr Fischer sein Leben. weil dort versucht worden sei. die elitären Weltverbesserungsfantasien innerhalb der westdeutschen Linken zu überwinden. Lächerlich! Foto: Nadja Klier/X-Verleih WÖRTERBERICHT Blickfick(en) Ein Begriff aus eiligen Zeiten. wie gut er Gedanken.« So wurde er Taxifahrer. PETER KÜMMEL www.« Möglich immerhin. «Internet und Fernsehen«. Der Quotentest beim Jungmenschen. umhüllt von einer Wolldecke. sollte mit wirklich allem rechnen. Und das war immerhin etwas. nachdem wir uns zum Thema Rüstungspolitik oder vorehelichem Geschlechtsverkehr angebrüllt hatten.oder Popkultur. Frauen sind zum Ehrendienst nicht zugelassen. später als Außenminister bis 2005. Fischers politische Gegner werden nur als Witzfiguren eingeblendet.de/audio . selektive Einblicke in mehr als 60 Jahre Leben gewähren. Dank solcher Wandlungen stellte Richard Löwenthal ebenfalls 1979 erleichtert fest. Ebendeshalb bleibt Fischer weit unter seinem Niveau. Was ist mit den Weibern im Orient los? Es kann natürlich sein. Man sieht diesen Blick auf dem Schulhof. Verfassungsstaat und Demokratie mit mehr Phantasie. nicht die Achtundsechziger. eine nie dagewesene Mischung aus »Popkultur« und «Lebensgefühl«. Konzertmitschnitten von Bands wie Mando Diao und Björk. spricht er von der Zukunft: »Vielleicht fange ich das Laufen wieder an. So viel zur Ästhetik. Herausgekommen ist dabei – so zeigt es wenigstens das erste Sendewochenende – ein schneller Rhythmus von Bildabfolgen. 1973 gehörte Fischer zur Frankfurter »Putzgruppe«. Und auch die Nostalgie wird gleich von der ersten Woche an bedient: Die Ratesendung Dalli. ebenso die VerbindunVON GÖTZ ALY B Sehenswert The Four Lions von Christopher Morris An einem Samstag von Alexander Mindadze Das Hausmädchen von Img Sang-soo gen. Was übrigens die Räuberei. herangezoomt. gut möglich. so die Erklärung des Programms.kultur. Poetry-Slam-Live-Übertragungen und ein stets selbstironischer Grundton der Moderatoren. und das Möbel sieht aus. einer wurde dabei lebensgefährlich verletzt. die »ganz überwiegende Mehrheit« der Neuen Linken habe sich vom »neobakunistischen Gewaltkult« abgewandt. Sein 1979 verfasster Aufsatz Durchs wilde Kurdistan trug dazu bei. während er einige Sekunden lang perfekt in das berühmte Foto montiert erschien. Wahrscheinlich hatte er eine Modelleisenbahn im Keller. ist er vernichtet. anders als noch vor drei Jahren. Die Fotos von der propalästinensischen Konferenz in Algier 1969 fehlen. wie es war: Joschka Fischer. aber der Mythos erzählt uns etwas ganz anderes. gehört zu seinen Glanzleistungen und zu den wenigen Höhepunkten des Films. sie stelle sich nicht mehr. beginnt. Maier lässt seine Töchter zu Wort kommen.zeit. erbärmlich. wo es langgeht und was machen. dieses Kabelgewirr! Erbärmlich. der Kampf zweier Menschen. das umso häufiger vorkommt. das den Stab des amerikanischen Präsidenten bei der Beobachtung von Osama bin Ladens Tötung zeigt – und sprang anschließend kommentarlos zum nächsten Thema über. wesentlich zum Aufbau und zum Gelingen der zweiten deutschen Republik beigetragen haben. Ein Räuber mit Fernbedienung! Und was bedient er? Einen 14 Zoll kleinen Röhrenfernseher. Reden und Texte beim zeitweisen Joggen hatte verfertigen können. zu sehen waren abwechselnd Fragmente des klassischen Kulturkanons aus Oper und Sinfonieorchester und rappende Straßenmusiker. er scheint mit genau dieser Mischung aus Kult und Kultur zu bestehen zu sein. Sie. nicht uninformierten oder uninteressierten. Ein »Medium von morgen« war dem jungen Zuschauer schon vor dem Start des neuen digitalen Fernsehkanals zdf.« Zu diesen Veränderungen hat Joschka Fischer beigetragen – im Bösen und im Guten. Er verfährt nach dem Prinzip von Wilhelm II. will auch keine mehr wissen. Eine gewagte Prognose angesichts einer Zielgruppe. die das Mutterhaus in den neuen Kanal exportiert: Die heute nachrichten. dem edlen Rächer der Gerechten. Der Protagonist schnipselt sein Leben für das Goldrähmchen zurecht. die Arme über dem Bauch verschränkt. Seinen Vater. denen 1945 die Freiheit geschenkt wurde. Solche Untaten bagatellisiert der einstige Straßenkämpfer. Fischer zählte damals zu den fünf Delegierten des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. »Weitermachen«. Räuberhauptmann zu werden. Darin flimmern auf Leinwänden wechselnde Fotos und Filmausschnitte. Das philosophische Quartett und aspekte werden regelmäßig auch im Kultursender zu sehen sein. nach uralten Regeln. die heute von so vielen gewählt werden kann. Es gibt keinen Grund. das den Theaterkanal ablöst. um von Gewalt zu reden. aber doch leicht ablenkbaren Jugend der Fernsehzuschauer rekrutiert wurden. die darüber aufklärten. Bild veröffentlicht dazu ein Foto der formidablen Penélope Cruz und schreibt in vertraut subtiler Diktion: »Ihr Dekolleté – pralle Beute für Seeräuber. so lautete am Sonntag die schlichte Ansage eines der tausend neuen FacebookFreunde auf der Profilseite von zdf. also die Halbwüchsigen. Allerdings wird das Wort auch (gern unter jungen U-Bahn-Fahrern) benutzt. je größer die Stadt ist. Das Ganze dauert 140 Minuten und ermüdet enorm. und da weiß ich keine Antwort mehr. sprach Jo Schück in der ersten Ausgabe seines Popmagazins Der Marker ebenso trocken wie sinnfrei. Nur einmal. die darauf folgte. Er erzählt aus der Kindheit. dürfte die skeptische Generation der 20. endlich in die Tat umsetzen will. der seinen Erinnerungen 1922 den Titel Ereignisse und Gestalten verpasste. die sich mit Angriffen auf einzelne Frankfurter Polizisten hervortat. Das wäre sozusagen ein VoodooZauber nach Märklin-Art. Offensichtlich musste dieses Land nach der Gewaltorgie des »Dritten Reiches« durch solche Auseinandersetzungen »ein Stück weit hindurch«.FEUILLETON Weniger Feuilleton Das Fernsehprogramm zdf. denn es wird berichtet.kultur will der denkfaulen Jugend eine Freude machen VON NINA PAUER Schlange gestanden hatten die Signalwörter. Auch darüber schweigt der Film. als Verb wie als Substantiv. wir sehen einen alten Mann.30 Uhr mit dem neuen Video Make Some Noise der Beastie Boys auf Sendung ging. der Zeit als hessischer Umweltminister. Lieber Unternehmer! Da darf man ganz legal räubern. Zu Recht erwähnt Fischer das »moralische Zwielicht«. er schwärmt von Robin Hood. dessen Schiff voller Gold und Silber war. eindimensional und kalt. Später hielt der Nichtpazifist Deutschland aus dem Irakkrieg heraus. fragte im ersten Vorstellungsfilmchen eine strenge Stimme aus dem Off. Einer von ihnen berichtete nach der Rückkehr. mit intelligenteren Methoden zu verteidigen als nur mit dem Traditionsargument. seine Frauen und Kinder behandelt er als Unpersonen. als er gegen die Mehrheit seiner Partei den militärischen Schutz der bosnischen Muslime vor den serbischen Aggressoren verlangte. was während seiner Lebenszeit alles geschehen sei – einer »Epoche. ›wie wir’s dann zuletzt‹ – nach 1945 – ›so herrlich weit gebracht‹. wie Fischer sagt. Das Umdenken. dass er seinen Feind Obama als Puppe auf den Tender setzte und gegen den Prellbock fahren ließ. traten die Sendungen dazwischen. genauer die Seeräuberei betrifft. »Ist das Kultur?«. Eine ganze westdeutsche Protestgeneration hat sie mit ihm begangen. So wie es umgekehrt nicht undenkbar erscheint. als käme es direkt vom Baumarkt. Wer auch immer seinen Kinderwunsch.

in dem man nicht mittels Lügen andere Menschen zerstört!!!« Jetzt sitzt Pierre Vogel lächelnd vor einem Kentucky Fried Chicken am Rande Frankfurts. als sei man der größte Demokrat. Mai 2011) 12. dass einer einen Heiligen Krieg führt? Und wer schützt die Würde seiner potenziellen Opfer? Dass diese alten Fragen offen bleiben. Pierre Vogel kann sich seinem Gegenüber gut anpassen. sie habe sich über den Tod Osama bin Ladens gefreut. als habe Angela Merkel eigenhändig den Al-Qaida-Chef getötet. begreift man am besten. wenn man ehrlich ist. Wenn es um die Scharia geht. Er distanziert sich zwar von Gewalt. Die Gäste blicken von ihren frittierten Hühnchen auf. und wenn er sich falsch zitiert fühlt. das von Martin Luther King stammt: »Hass mit Hass zu vergelten wird nur den Hass vergrößern und eine bereits sternenlose Nacht in noch tiefere Finsternis tauchen. Als Vogel endlich die Bühne betritt. Sie merkte gar nicht. um überhaupt Leute zu beeinflussen. die unmissverständlich klarmachte. D. dann werden Leute kommen. Der Boxer. Seit einiger Zeit strebt das Bundesinnenministerium ein Verbot des Vogel nahestehenden Vereins »Einladung zum Paradies« an. Das ist doch gegenseitige Einschleimerei. hat einem amerikanischen Botschafter a. Nicht mal den Mumm. Er. ist Germanistikdozent im Staat Missouri. er tänzelt auf den Zehenspitzen hin und her. Doch wenn wir Amerikaner so jubeln wie letzte Woche. es mache einen Unterschied. Der radikale Prediger ist bei jungen Muslimen beliebt F und blickt die Reporterin direkt an. dass er heute am Stadtrand predigt. regt er sich über die Schlechtigkeit seiner Mitmenschen auf. dass Sie gegen Terrorismus sind. in die der Terrorismus uns gestürzt hat. Salafismus gilt als unvereinbar mit der parlamentarischen Demokratie. welchen Jugendlichen beeinflusst das? Ich widerlege die Argumente der Gewaltbereiten. auf Mord steht »lebenslänglich«.« Wir Amerikaner haben die Hoffnung auf eine Welt ohne Terror benutzt. Wenn wir also die Universalität der Menschenrechte verteidigen wollen. was schnell passiert. musste ich erst die Ansprache meines Präsidenten hören. wann sie erfahren hätten. Die Antwort steht. wie oft Friedenshoffnungen als Argu- ment für Aufrüstung missbraucht wurden. weil ihm der Zeitungsfotograf im Weg steht. Auf seiner Homepage steht das Video eines Interviews mit Spiegel TV. Als sich ein Passant beschwert. Vogel mag sich in der Öffentlichkeit von Gewalt distanzieren. Pierre Vogel. Ihre Veranstaltung zu boykottieren. Denn hier liegt ja schon das erste Dilemma: Das Leben eines Menschen ist uns so viel wert. Dann wird er wieder ernst. Wir feiern in Finsternis. fragt er als Erstes seine Anhänger. die kürzlich in Düsseldorf festgenommen wurden. als sei alles ganz einfach. was für ein fatales Argument das war: Dieser Tod hat uns nichts genützt. also den Staat repräsentieren. da wird dann gesagt. Vielleicht hatte Nietzsche doch recht. Darin sagt der Altkanzler. weil er ein Subjekt mit einer Würde ist. er wolle Jugendliche zum Gewaltverzicht bekehren. vorgeworfen. Finsternis kann Finsternis nicht vertreiben: Das vermag nur das Licht. Facebook und Twitter verbreiten aber auch ein anderes Zitat. »Das moralische Verurteilen ist die Lieblingsrache der geistig Beschränkten«. Stattdessen schimpft er auf die Medien. Denn in der sonst so ruhigen Stimme lag diese unheimliche Spannung. Sie sind Vertreter eines neuen selbstbewussten Pop-Islams. Frauen »genießen es. Doch nach wenigen Sätzen hielt ich es nicht mehr aus. Allerdings sind diesmal nur 400 Leute gekommen. Pierre Vogels Disziplin ist jetzt die Rhetorik.. der es nicht erwarten kann. der die Argumente von alQaida widerlegt hat. darf man auf dem Friedhof lachen? Gegenfrage: Was ist ein gerechter Krieg. Es mag auch daran liegen. greift uns niemand an. ZEIT: Bin Laden ist ein Massenmörder. erkennt man am klarsten. Vogel: Also nach deutschem Strafrecht gibt es unterschiedliche Haftstrafen . nicht im Licht« Warum ein junger Amerikaner in Deutschland sich für die Jubelvideos aus seiner Heimat schämt VON PATRICK BRUGH U m die Nachricht von Osama bin Ladens Tod zu glauben. regte die Deutschen weniger auf. Der politische Salafismus ist die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland und hat enorme Sogwirkung auf die zweite und dritte Einwanderergeneration.markus-kirchgessner. heißt es in den Auflagen. als stünden Sie für den wahren Islam. junge Frauen mit und ohne Kopftuch. dann zog er den Aufruf wieder zurück und wollte nur noch über Islam und Terrorismus reden. zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufgerufen. Damit verneinte er die Kantsche Definition des Menschlichen. Dass der Verfassungsschutz wieder einmal aufmerksam wurde. dabei ist Ihre Sicht nicht die der meisten Muslime. um den Tod eines Feindes zu feiern. ZEIT: Sie tun. Ein deutscher Muhammad Ali! Pierre Vogel alias Abu Hamsa hätte die Menschen verbinden können. dass hier nicht Freude im Sinne von Frohlocken gemeint war.« Dilich nennt den kriegerischen Menschen Friedenskämpfer und rechtfertigt den Kreislauf der Gewalt. Vogel wurde in dem TV-Beitrag mit dem Satz zitiert. Aber wie verhindern wir. witzelt Vogel: »Sollen wir ihn hauen?« Vogel meint den Passanten. dass der. Der Name bin Laden dürfe in seiner Rede nicht fallen. Aber das sind viele Verbände nicht. weil sie ein Verstoß gegen das Völkerrecht sei. er gibt sich jetzt höflich interessiert VON ANNABEL WAHBA Pierre Vogel (rechts) sprach letzten Samstag in Frankfurt am Main über Islam und Terror. Auch wenn sich Pierre Vogel nicht als Salafist bezeichnet. Selbst Friedrich Nietzsche. das er gibt. weil bei einem seiner Vorträge das indizierte Buch Frauen im Schutz des Islam auslag. Mit dem jüngsten Akt des Blutvergießens ist also nichts erreicht. und 17. Aber ich muss auch gucken. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 62 ETHIK UND OSAMA Was ist Heuchelei? Über den Heiligen Krieg und die deutsche Sprachpolizei Wenn der deutsche Rechthaber recht behalten will. Vogel: Man kann Leute nur zusammenbringen. Er ist zwar längst kein Profiboxer mehr. die mit Osama bin Laden sympathisieren. (27). einer der drei Terrorverdächtigen. ZEIT: Gute Morde. das sei natürlich nur Spaß. null Mut. dieser Soldat ist ein Verbrecher. zu spalten. Moral begründen schwer. Er sucht das Ein Gegendemonstrant hält in Frankfurt das Kreuz Jesu Christi wie ein Banner hoch gebet massiv kritisiert. dessen Wohnung von der Polizei durchsucht wurde. das war nach dem Anschlag am Frankfurter Flughafen. in der Bibel (»Heuchler geben sich ein trübseliges Aussehen. Auf der Wiese nebenan wird gegrillt. Blut. als müsse Angela Merkel nur die richtigen Worte sprechen. schlechte Morde. sondern allenfalls Erleichterung. Und was heute noch heilig sein könnte. die dem Journalismus misstraut. können wir Osama bin Laden nicht als Unmenschen behandeln. dass die Veranstaltung hier draußen ist. wie alles Wichtige. das von der Instrumentalisierung der Idee des Friedens für den Krieg handelt. Hass kann Hass nicht beenden: Das kann nur die Liebe. der den Islam nicht annimmt. wie bei einem Jungen. Der Verein Einladung zum Paradies hat einen YouTube-Ausschnitt von Helmut Schmidts Besuch bei Beckmann auf die Homepage gestellt. dass der 19-jährige Abiturient Amid Ch. So argumentiert al-Qaida: Wir dürfen Amerikaner umbringen. wie das die Muslimverbände tun? Vogel: Das sind doch Sesselfurzer. Vogel: Das Wichtigste ist. in denen er Anschläge verurteilte. dass man sich hier an die Gesetze halten muss. um der Bundeskanzlerin zu unterstellen. Jetzt haben wir also Videos grölender Amerikaner gesehen. Vogels Anhänger tragen T-Shirts mit dem Aufdruck Don’t panic. endlich die moralischen Dilemmata zu sehen. Pierre Vogel verehre. Und wenn er uns genützt hätte? Wäre uns bin Ladens Würde dann wurst? Moral predigen ist leicht. uns zu sagen. Später auf der Veranstaltung am Rebstockpark verhalten sich seine Anhänger so vorbildlich. dass wir auch die Würde eines Mannes wahren müssen. Vogel: Aber ich war es. ist weiteres Blut. Auf dem Höhepunkt der Konfessionskriege im 16. Das ist Schwachsinn. Junge Männer. dafür ergötzten sie sich eine geschlagene Woche an der rhetorischen Frage: Darf man sich über den Tod eines Menschen freuen? Ja. Das vermisse ich in diesem interreligiösen Dia-Lüg. Moralisten zu verhöhnen. hat das Problem scheinheiligen Moralisierens unterschätzt. ein Demokrat ist er nicht. Jedes Interview. hält sich auch als Prediger für unverwundbar. wie er geglaubt hat. hatte Vogel auf Facebook als Freund hinzugefügt. Dass aber deutsche Moralapostel so tun. Vielleicht können wir es so zusammenfassen: Heuchler erkennt man daran. wen ich anspreche. über Reizthemen zu reden. Den Namen bin Ladens nennt er tatsächlich nicht. ist traurig genug – ein Dilemma ist eben unlösbar. dass sie fasten«) und im Wörterbuch Hochdeutscher Mundart (»Scheinheilig ist. EVELYN FINGER Totengebete verboten Wie Deutschlands bekannteste Islamist Pierre Vogel auf das Ende bin Ladens reagierte rüher stieg Pierre Vogel in den Ring. Die Menschenwürde ist so universell. DIE ZEIT: Sie wurden für Ihren Aufruf zum Toten- lafistischen Milieu. der vor zehn Jahren zum Islam konvertierte und heute einer der populärsten deutschen Prediger ist. dass sie sich über ein falsches Wort mehr aufregen als über eine fragwürdige Tat. gleichzeitig rela- tivieren Sie den Mord an den Soldaten.. indem man fragt. Und auch die negativen Medienberichte treffen ihn nicht. er darf nicht zum Objekt degradiert werden. In dem amerikanischen Schnellrestaurant trifft er sich mit seinen Weggefährten. für das sich jemand rächen wird. was scheinheilig ist. die auf Bäume klettern und Fahnen schwenken. Solche alten Droh. Eine deutsche Justizministerin a. Familien mit Kindern. wie er es ihnen auf seiner Homepage geraten hat. antwortete mit einem Bibelwort aus der Genesis: »Wer Menschenblut vergießt. was ein strenggläubiger Muslim eigentlich nicht tut. weil Interviews immer gekürzt werden. Er behauptet. Böse musste man schon sein. bei Vogels letztem Auftritt in Frankfurt waren es dreimal so viele. aber ein Profi im Austeilen ist er noch immer. Vogel wurde viel kritisiert für seinen Aufruf zum Totengebet. Er spricht die Sprache der Jugend. um Sterne zu erschaffen. Vogel kokettiert gern mit seiner Boxervergangenheit. weil die Sätze.« Hunter scheint den dialektischen Charakter dieses Verses übersehen zu haben. Das Ordnungsamt verbot seinen Auftritt in der Frankfurter Innenstadt. »Wir rächen Blut mit Blut. die Islamphobie vieler Deutscher anzuheizen. Trotzdem ereiferte sich die Republik. hier gibt er nun doch das Interview. Ein Satz des deutschen Militärtheoretikers Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1608 geht mir nicht aus dem Sinn: »Durch krieg kompt der frieden / und sollen die jenige / so in fried und ruhe leben wollen / in wahffen geübte leute sein.GLAUBEN & ZWEIFELN alle Fotos: Markus Kirchgessner/laif für DIE ZEIT/www. ein geistlicher Berater Obamas. Aus alten Kriegsbüchern wissen wir. wird gefilmt. wo der 21-jährige Arid U. Aus dem Englischen von MICHAEL ADRIAN Patrick Brugh. dessen Blut soll auch durch Menschen ver- gossen werden. man akzeptiere es. Jahrhundert boten sie eine moralische Rechtfertigung für die entstehende Rüstungsindustrie. Vogel: Trotzdem kriegt der eine vielleicht Sicherheitsverwahrung und der andere 15 Jahre. damit die Leute merken. Keiner hat sich gegen Terrorismus so klar positioniert wie ich. 7. um überall auf der Welt Krieg zu führen. Für die Werbung in eigener Sache nimmt er gern in Kauf. Das mag daran liegen. dass die Scharia von Gott ist und absolute Gültigkeit hat. ZEIT: Die Merkmale eines Mordes sind in beiden Fällen gegeben. Vogel ärgert sich. Mir als Amerikaner in Deutschland war der rowdyhafte Hurrapatriotismus peinlich. Einen Tag nach der Veranstaltung in Frankfurt wird bekannt. bevor sie gemeinsam zum Rebstockpark aufbrechen. wer für ihn betet. in dem es heißt. Osama bin Laden hatte gesagt. Vogel: Was ist denn ein abscheulicherer Mord: wenn jemand einem Kind die Kehle durchschneidet oder wenn jemand denkt. das ist keiner. das Verwaltungsgericht genehmigte ihn doch. Ursprünglich hatte Vogel.de (Frankfurt. ob man sie besser findet als das Grundgesetz. wenn der Mann mit dem langen Bart von Osama bin Laden spricht. ehe sie endlich die Frage stellten: Ist dieser Jubel moralisch? Pfarrer Jim Hunter. dass ihm für den Zweck des Heiligen Krieges jedes Mittel recht sei. entspannt lehnt er sich im Stuhl zurück. Nietzsche wollte sagen. das ist ein Fundamentalist.. und erschießt den? ZEIT: Mord ist Mord. Dass er getötet wurde. dann veröffentlicht er die Originalfassung. wie sich soeben in der bigottesten Debatte des Jahrzehnts gezeigt hat. Arid U. Doch Internetforen und Seminare dienen als Kontaktbörse auch für Extremisten. Was nutzt das. in die Hölle geht. der seine Karriere als Profiboxer ohne Niederlage beendete. »Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung«. Pierre Vogel steht am vergangenen Samstagabend wie immer etwas breitbeinig auf der Bühne. aber er hat sich entschieden. indem man fragt. Jeder Muslim glaubt. Man tut. Er braucht die Medien nicht. und so kann ich mit ihnen über Terrorismus reden. Wir bekämpfen Finsternis mit Finsternis. zwei US-Soldaten erschoss. es ist Samstagmittag. weil sie Steuern zahlen. ist ihm egal. allerdings außerhalb der Stadt auf einem Freigelände am Rebstockpark. ZEIT: Sie verurteilen den Anschlag. Pierre Vogel: Ich weiß genau. D. dass sie über der Kritik am Krieg-gegen-den-Terror beinahe den Terror vergessen und dass ihr wohlfeiler Pazifismus sie hindert. der bringt vielleicht morgen meine Leute um. er hat seine Homepage. wenige Stunden vor seinem Auftritt. herausgeschnitten wurden. sind solche Aussagen doch salafistisch. Tatsächlich hatte sie die Worte »Ich freue mich« mit einer Leichenbittermiene gesprochen. der zum Muslim wurde. Deprimiert setzte ich mich wieder an den Schreibtisch. Eine Interviewanfrage der ZEIT hatte Pierre Vogels Pressemann kürzlich noch mit den Worten abgelehnt: »Wenn Sie ein ehrlicher und verantwortungsbewusster Mensch sind. sagt er. Ein guter Muslim. zumal die Medien ihm eine ganze Weile folgten. Pierre Vogel stört das nicht. dass wir in Finsternis feiern und nicht im Licht. durch bin Ladens Tod würden die islamistischen Anschläge nicht weniger. Ein guter Muslim. der sich selbst ins moralische Abseits gestellt hat. ob jemand Zivilisten töte oder Soldaten. der sich einen Weihnachtsbaum aufstellt und mit dem man auch mal einen trinken kann. Ich habe Morddrohungen bekommen von Terroranhängern! Ich rufe permanent dazu auf. um sich mit seinen Gegnern zu schlagen. dass die dümmsten Bauern die größten Moralapostel sind und dass Ehrpusseligkeit von Mangel an Verstand kommt. Pierre Vogel ist der Star einer Szene.und Vergeltungsszenarien erinnern an heutige Abschre- ckungspolitik: Wenn wir genug Waffen besitzen. sagt Pierre Vogel. wenn da jemand mit Krawatte gegen Gewalt ist. wenn ich ein Totengebet mache. liebe Sprachpolizei. dass eine gewisse Art Moralismus die Rache der geistig Beschränkten ist. verlassen Sie Ihre Werbeagentur und suchen sich einen ehrlichen Job. was selbstgerecht ist. weil er Gesetze als von Gott gemacht ansieht. dass die Tötung bin Ladens die strenggläubigen Muslime nicht in dem Maße aufbringt. der sich einen Spaß daraus machte. geschlagen zu werden«. das ist Heuchelei. Jetzt steigt er auf die Bühne und spricht. Derzeit forscht er an der Herzog-AugustBibliothek Wolfenbüttel über frühe Kriegsromane . mit seinem Geheimnis herauszuplatzen. er ist ein Showtalent. antwortet sein Pressemann in seinem Namen. er finde die Tötung bin Ladens in Pakistan »zweischneidig«. In Wahrheit kommt sie aber von Bosheit. Ob das den Prediger beunruhigt? Nein. dann vergessen wir. was ist ein heiliger Krieg und was ist Heuchelei? Was gerecht ist. ZEIT: Die islamische Religionsgemeinschaft Hessen rief auf. I’m islamic oder I love Islam. Doch seine Botschaften sind zwiespältig. Die meisten Dschihadisten mit Deutschlandbezug kamen aus dem sa- Zwiegespräch mit der Menge. stellt sich in seine Nähe. Außerdem braucht es keinen Pierre Vogel. den äußern Schein der Heiligkeit annehmend. Bereitwillig lassen sie sich von den Polizisten durchsuchen. ZEIT: Warum sagen Sie den jungen Leuten nicht klar und deutlich. die man auch als moralphilosophischen Kern der Menschenrechte ansehen kann: Eine Zweck-Mittel-Relation ist auf den Menschen nicht anwendbar. sogar von ultrareligiösen wahhabitischen Salafisten. und er weiß seine Worte zu wählen. Das Publikum in Frankfurt applaudiert. 32. Vogel: Diese Leute haben null Einfluss. dass wir sogar den Tod eines Massenmörders nicht feiern wollen. das wir für Blut vergießen. ohne es wirklich zu sein«). an das nächste Kapitel meiner Doktorarbeit. schrieb er in Jenseits von Gut und Böse. weil er junge Muslime zu oft als Problemjugendliche stigmatisiert. ich muss auch eine gewisse Rhetorik benutzen. um die USA zu kritisieren. Auch die jungen Angestellten von Kentucky Fried Chicken sehen ehrfürchtig zu ihm herüber.

So unheimlich still. wenn Du dann bereit bist: Unser Zuhause. Will man Marta Regazzoni treffen.) Eingewachsen: Max Frisch 1979 in seinem Haus in Berzona Sein letztes Refugium Vor 100 Jahren wurde er geboren – ein Zuhause fand Max Frisch erst spät. Künstler wie Andersch oder Golo Mann. Durch die verglaste Außenwand blicken sie auf den dichten Wald. bleibt verborgen. »Vielleicht 35?«. seit 1968 verheiratet. öffnet das unverschlossene Gartentor an der Straße und läuft die Stufen bis zum Haus hinunter. Wald umschließt das große Grundstück vollkommen. Zu widerstehen gelte es allerdings jeder Versuchung von Arroganz. Nach fünf italienischen Jahren wollte er wieder in der Schweiz wohnen – »aber nicht ganz!«. mieteten Wohnungen in Amerika. Klingeln. noch im Einschlafen flechten sehen. so geht die Legende. hat Frisch gegen Ende seines Lebens geschrieben. Im August 1978 wurden fast alle Brücken des Tals fortgerissen. in vertrautes Gelände. »Terrassen mit den üblichen Trockenmauern. Marta Regazzoni strahlt. Aussteiger. 64 Blick über Berzona . Gärtchen. Weinkeller und einem Studio im Turm. eine leuchtende Azalee. hinter einem Gebüsch die alte Bocciabahn. es bleibt still. der Mühe hat.. Dass durch die stranieri. sondern abseits.63 12. als dass nicht doch noch eine Palme. Es ist still im Raum. sei nicht von Schaden. Rennräder. Doch immer kamen sie zurück nach Berzona. Handtuchschmale Balkons. An die Stelle des Krämerladens – als einzigem öffentlichen Ort Berzonas – ist eine kunsthandwerkliche Kooperative getreten. Max Frisch ist seit 20 Jahren tot. vorbei am Friedhof von Berzona. halsbrecherisch die Kurven. immer noch. Frisch. wo ich mich am ehesten zu Hause fühle. nur ein Zuhause. Denen verweigert sich das Tal. die Italienisch sprechen: kein Ristorante. und es tritt jedes Mal ein: Daseinslust am Steuer. »Das Dorf. Auch wenn er nicht so bequem ist«. schrieb er ins Tagebuch. dessen Halme die Frauen verflochten. Diese Zeit war vorbei. Er schrieb: »Was mir gefällt: das schwere Dach aus Granit und wie das Ganze in den Hang gestellt ist. eine zierliche Frau. in einer wilden Gegend des Tessins an fasst sich ein Herz.« So schrieb Frisch 1966 in sein Tagebuch. er kam oft in den Laden. wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Schon da gab es etliche Zugezogene. Jahrhundert investierten die Frauen des Dorfes ihre ganze Arbeitskraft in das einzige Gewerbe. Wird mit dem Berg auch das Leben wegrutschen? Das Jahrhundertgewitter gab es wirklich. Nur keine Reisebusse. Das ist eine große Landschaft. reisten zwar weiter durch die Welt. den ich am besten kenne. das Haus und ein steinerner Stall. meist Deutsche und Deutschschweizer. Kastanien. eng neben einer Freundin aus Berzona. die durch Treppen. ein sintflutartiges Gewitter. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal von der Talstraße ins höher gelegene Berzona abgebogen. Das Valle Onsernone ist das vielleicht wildeste der Tessiner Täler. Mit kleinen Gebäuden aus Granit und Gneis. scheinen sich der Vorherrschaft des Waldes entrissen zu haben. da es nicht an der Talstraße liegt. »Das Gelände ist steil«. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 REISEN Fotos: Fernand Rausser/KEYSTONE (gr. das in diesem armen Tal je blühte: die Strohflechterei. Motorradstaffel. Marta läutete auch die Glocke im großen frei stehenden Kampanile. vermutet eine junge Frau. Dschungel mit Brombeeren. Fortsetzung auf S. Gut eine Viertelstunde hinter Locarno zweigt die Straße ab. »die unsere kleine Loggia hält«. Der Dichterkollege Alfred Andersch. ganz am Ende: Spruga auf über 1000 Metern. wie es im Onsernone-Tal oft ist: Grillen.). das existenzielle Angst auslöst. ein wildes Tal! Wild. als Max Frisch und Marianne Oellers kamen. schließlich das Klingelschild: »Max Frisch. die Straße hinunter bis zur Talstraße und durch Mosogno. »Wenn ich einkaufen gehe. lauschen. ein Feigenbaum. ein freundlicher Mann. Und ähnlich wie Geiser machte Frisch eine Krise durch: 1979 war das Jahr der Scheidung von Max und Marianne Frisch. versuche ich mich immer auf Italienisch«. Azalee oder ein Jasmin da blühen könnte.. hat 82 Einwohner. Übergänge ineinander verschlungen sind. Max Frisch? Ja. Auch die Granitsäule. der imposant neben der Kirche am Ortseingang aufragt. wenn er heimkam von irgendwo. natürlich.. Er notierte: »Siebenmal im Jahr fahren wir diese Strecke. die mit ihrer Familie hergezogen ist und nun mit fünf anderen Frauen zusammen das alte Handwerk des Strohflechtens in einem kleinen Atelier wieder betreibt. Frisch am Steuer seines Jaguars. Max Frisch. Bernadette Conrad für DIE ZEIT (kl. tief unten rauscht der Isorno. eine zusammengebastelte lebensgroße Puppe. »Es ist der Ort. Und er wünschte sich ein Haus zusammen mit seiner jungen Liebe Marianne Oellers. Zehn Jahre später dominierte bei ihm eine andere. zwei große Nussbäume. 20 Kilometer geht es hinein in die Schlucht. Keine Chance. Im Wintergarten des Altersheims von Russo sitzt Marta. Vögel. Acht Dörfer und ein paar Weiler liegen hintereinander aufgereiht wie auf einer Schnur. »molto gentile«. Berlin. 53. Ihr Laden ist längst aufgegeben. wie es der jüngere Frisch erlebte. Einstimmung wie beim Tanzen«. machte ihn auf das verfallene Anwesen VON BERNADETTE CONRAD M aufmerksam. nicht einmal eine Bar. Ein schönes Tal. der beinahe ein Turm ist . der mir am meisten vertraut ist. heißt es im Tagebuch. das aussterbende Tal wiederbelebt.« Berzona wurde das Refugium. an dem Frisch »außerhalb von allem« sein konnte.« Die anderen Häuser des Dorfes stehen eng zusammengekauert. Ich bin begeistert . den steinernen Tisch zu sehen. Disteln usw. eine beklemmende Wildheit: In der Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) lässt Frisch den 74-jährigen Herrn Geiser ein Unwetter im Valle Onsernone erleben. Und doch steht am Anfang einer Spurensuche im Valle Onsernone auf dem Klingelschild in Berzona etwas wie ein Lebenszeichen: Hier wohnt. Max und Marianne Frisch. an dem die Frischs viele Gäste bewirteten und an dem auch der »Toggel« saß. der seit Längerem dort lebte. irgendwo rauscht ein Bach. das ist unbedacht und vollkommen. mit dem Auto über den San Bernardino: »Vor allem in den Kurven: der Körper erfasst Landschaft durch Fahrt. zieht sich der Ort den Hang hoch.« Seit dem 17. dass nur noch ein heiseres Flüstern herauskommt. Von 82 Einwohnern kann keine Rede mehr sein. Auf den terrassierten Hängen wuchs Roggen.. Zum Einkaufen in Berzona gab es einzig den kleinen Dorfladen der Einheimischen Marta Regazzoni. Wuchernder Baumdschungel zu beiden Seiten. kein Platz zu klein. jetzt voller Stolz: »Una valle selvaggia!«. Und für beide scheint das Sprechen so ungewohnt geworden. muss man zwei Dörfer weiter fahren. es soll kein Gefängnis werden. Häuser renoviert würden. kam dies gelegen. hinter denen einem alles entgegenkommen kann. Ein Jahr dauerte der Umbau: mit Saunaofen. man habe sie. Zürich. windet sich in engen Schlingen um überhängende Felsen. Und noch immer sind Haus und Garten perfekt vor neugierigen Blicken geschützt. Die glänzen vor Freude über Besuch. fand Frisch. Postbus. Nur Berzona tanzt aus der Reihe. Bei Marta ist aller Ausdruck in die riesigen braunen Augen gewandert. berichtete er. zusammen mit seiner letzten Lebensgefährtin. Karin Pilliod«.

er konnte gut mit Kindern umgehen. zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. er fühle sich in Berzona sicherer als in Zürich: »in tutti i sensi« – in jeder Hinsicht. was von mir bleibt. Und genau das war er selbst. Wer es besser kennenlernen will. eng sind die Häuser aneinandergerückt. ehemals Programmdirektor Kultur des Televisione Svizzera Italiana in Lugano und in den siebziger und achtziger Jahren mit Frisch befreundet. wie eine deutsche Familie unter Schafen und Kiwis. Er war auch ein großzügiger Mensch. Rotpunkt Verlag. keine kleine Sache in einem Tal. die das Altersheim und Ambulatorium begründet haben.palazzogamboni. suchte vergeblich den Zugang zum Maggiatal. 0041-91/797 10 00. zu unwegsam das Gelände. wie es zum Namen Siam kam und welche Rolle das Land im Zweiten Weltkrieg und im Indochinakrieg gespielt hat. dem direkt neben Berzona gelegenen Hauptort des Valle.K. Verlag Kiepenheuer & Witsch. was läuft. sagt ein Mann aus dem Dorf beruhigend. wo er nicht schon jemanden zu Foto: Joerg Modrow/laif bergen hatte. steht hinter Maschendraht. Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. Tel. Verlag C. »Wenn ich jemanden im Notdienst kennenlerne. und sein direkter Nachbar mache ihm das Leben zur Hölle. ein bisschen Liebe ist. der an der Universität Hamburg die Sprache und Kultur Thailands (Thaiistik) lehrt.ch. Geht er nie ins Tal? Der Mann weist auf ein unglaubliches Gefährt. in Comologno: Palazzo Gamboni. links steil der Berg. Unter den knapp 1000 Einwohnern des Tales gibt es wohl niemanden. wie die Neuseeländer sich selbst nennen. Seine Frau sei tot. von Hamburg ins »Land der großen weißen Wolke« folgt: Die Kollegen dort laden sie ein zur Motto-Party mit dem Thema »Sturm auf die Normandie«. als sie ihrem Mann. Kein Jahr später. Ein friedlicher Platz. »Der Mensch erscheint im Holozän« (alle im Suhrkamp Verlag erschienen). Siehe auch Feuilleton Seite 52 SCHWEIZ Comologno Mosogno Spruga Russo Russo Maggia SCHWEIZ ITALIEN Berzona Loco Iso rno Valle Onsernone Onsernone ITALIEN ZEIT-Grafik 5 km Me o lezz Locarno Arcona Tessin Valle Onsernone Anreise: Mit dem Zug nach Locarno (www. dass ein Satz des Doktors noch mal in Erinnerung kommt: Es gebe wohl keinen Kilometer im Tal. Er war ein äußerst freundlicher Mensch. sind die Koffer schnell gepackt: Thailand.30–17 Uhr) geöffnet und bietet handgefertigte Flechtwaren aus Stroh an. und den Leuten im entspannten Südpazifik bleibt ausreichend Zeit für Ortsnamen wie Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. die kämen nur an den Wochenenden. unter dem die Mauer steil zur Schlucht hin abfällt. äußere ich oft die Hoffnung. Essen – alles. Tel. rechts steil die Schlucht. der immer wissen wollte. Nein.« Das Leben immer auch in Bezug auf den Tod zu betrachten. das »Land der Freien«.oder Pauken-Donner. Seit 28 Jahren ist er als Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Notfallund Rettungsmedizin fürs Valle Onsernone tätig. www. 12. Dort. ringsum wohnten Leute aus Zürich und Bern.pagliarte. das ohne billige Klischees auskommt und an dem nicht nur Auswanderungswillige Freude haben dürften. die lebensgroße Puppe. eine Badewanne mit Rädern: »Damit bringe ich alles heim. Serpentinen durch den Wald. wo Abstürze meist tödlich und Selbstmorde häufig sind.): Das Klappern der Zoccoli. Doch dann verlief er sich. Komfortabel und originell am Ende des Tales. noch kein Sommergewitter«. kann man wandern bis ans Ende der Schlucht. 297 S. was ich brauche. einem Urologen. gibt es das nette kleine Ristorante Onsernone. bis die Dunkelheit hereinbrach. München 2010. Bixio Candolfi sagt: »Mir schrieb er einmal die Widmung in ein Buch: ›Für Bixio. Wald- und Wiesendoktor«. Was ist das Leben an seinem Ende? Ein Verlorengehen? Diese großen Fragen stellte der ältere Frisch in seinem Text Der Mensch erscheint im Holozän. als Frisch eine tödliche Krebsdiagnose erhielt. Literarische Wanderungen im Tessin.ch Auskunft: Schweiz Tourismus. www. ruft jemand aus einem eingewachsenen Häuschen. Oktober . Zürich 2000. mit Teller und Glas.ch Unterkunft: In Loco. auf dem einheimische Würmer verspeist werden.ch). ein bisschen Unruhe – dann wäre das schön. Sie erinnert sich an das dramatische Unwetter von 1978: »Damals konnten wir eine Woche nicht aus dem Haus!« Max Frisch ist dem Ehepaar noch lebhaft im Gedächtnis. wird von Volker Grabowsky. 004191/780 60 09. den Talnachbar‹. Wenn Reiseveranstalter mit prächtigen Tempeln trumpfen. im eigenen Beruf ständig mit den großen Fragen der Existenz zu kämpfen: darin fanden sich Frisch und Savary in diesem wilden Tal. »Die Leute sollen im Tal sterben können«. In lockerem Erzählton und mit viel Humor berichtet sie. an den Gartentisch des Berzona-Hauses setzt. Wie ein Gefangener steht er hinter seiner selbst gebastelten Befestigungsanlage. Aber das Knallen. Mücken. die Straße fließt weg. 208 S. Kurz der Eindruck.. Tel. Herr Geiser ist das nicht.64 12. sagt Savary. trafen sich Max Frischs Freunde im Garten in Berzona und streuten seine Asche in den Wind. Seine Kleine Geschichte Thailands zeichnet nach. 525 S. Bixio Candolfis Frau Nice schaut aus dem Fenster. wir sähen uns unter glücklicheren Umständen wie- der. Die Neuseeländer haben auch einen oft recht eigenwilligen lässigen Lebensstil entwickelt. auf unebenen Granitplatten sachte aufwärts. Polter. »Unsere Gespräche gingen oft über Tod und Sterben«. wie tief seine Bewohner im TheravadaBuddhismus verwurzelt sind und welche politischen Ansichten die »Gelbhemden« von den »Rothemden« trennen. Tel. fundiert informiert. DZ ca.com Am Ort erhält man Auskunft beim Infopoint Auressio. Birken. Tel. wo dieses kleine Seitental abzweigt. H. Unten in Russo kann man den Talarzt treffen. Öffnungszeiten: Mi bis So. »Keine Sorge. ein richtiger Talnachbar. Hier wohnt nämlich der 92-jährige Bixio Candolfi. am Abend möchte man hier nicht unterwegs sein – zu tief die Schluchten. den auch Max Frisch oft gegangen ist. Savary strahlt die Entschlossenheit desjenigen aus. er wollte auch über den Tod alles wissen. kleine Gebäude über terrassierte Wiesen verstreut. dass Frisch gegen Ende seines Lebens immer wieder sagte. Er wollte die. fällt die Schlucht so atemraubend in die Tiefe. palmengesäumte Strände und raffinierte Speisen preisen. Darin zitierte er Frisch: »Wenn in dem. Kurz vor der Ankunft bei ihm wird man vom Gewitter eingeholt.onsernone.95 € Man stellt sich vor. Schmetterlinge. gingen auch in die Berge. den Berg hoch. 00800/10 02 00 30 (kostenfrei). die ihn pflegten. Comologno liegt auf einer Höhe von 1076 Metern.30–12 Uhr) und freitags (14. www. der ihn nicht kennt. Von Berzona nahm er so bewusst Abschied.« Auch mit Max Frisch war das so. www.« Das galt dann vor allem von 1990 an. aber es ist auch ein einsamer Bergler. den Geiser sorgsam kategorisierte: als Knall. Vögel. Herrn Geisers Wanderung wird beschrieben in Beat Hächler (Hrsg. Selbst im hintersten Winkel des Valle Onsernone ist Frisch irgendwie anwesend. auf der Südinsel nimmt sie an einem Naturfestival teil. wie Herr Geiser allein in seiner Stube saß. 70 Euro. dem letzten Ort des Tales. www.95 € Unter Kiwis Neuseeland ist nicht nur weit weg.ch . wir aßen zusammen. TalkshowRedakteurin Anke Richter reibt sich jedenfalls immer wieder die Augen. 004191/797 10 00. als es ihm gut ging. »Er war Architekt. das »Klöppeln auf Blech« hörte. Meine Töchter adoptierten Frisch als ihren Großvater. Er führt von Berzona hinüber zur Kirche in Loco. Ein Notfalleinsatz 1983.oder Koller-Donner. nicht endenden Regen und den Donner. Fuß fasst. Donnern und Krachen dauert doch eine halbe Stunde. In Panik verließ Herr Geiser sein Haus. Beck. Ein alter Mann erscheint. als Hall-Donner. MWE Anke Richter: Was scheren mich die Schafe. dem Hauptort des Tales. Den Toggel warf er den Hang hinunter. sie mit Hut und Schal ausstattet.myswitzerland. Ihre heitere Verwunderung hat Richter nun in einem ausgesprochen unterhaltsamen Lesebuch zu Papier gebracht. Ziegen laufen über die Straße. von dort aus weiter mit dem Postbus oder Leihwagen www. Ob man ihm nicht Gesellschaft leisten könne? Er habe nur den Hund. Nach dem Tod des berühmten Talnachbars schrieb Bixio den Nachruf im Voce Onsernonese. H. Bei gutem Wetter ist sein Fluchtweg ein schöner Wanderweg. Auf einem Video ist der Schriftsteller in seinem Garten zu sehen. die es brauchten. »Tagebücher 1966–71«. der Leuten aushalf. Dort hat gerade die Ausstellung Max Frisch Berzona eröffnet.. Ein stummer Dauergast. grasige Ebene. Mein Deutschlehrer hatte gemeint. Deshalb der Maschendraht. dann eine Lichtung mit Gehöften. wenige Menschen. lief zum Passo della Garina. im April 1991. »He!!«. über den er sich ins benachbarte Maggiatal retten wollte. alle Bausteine kennen und auch sein Sterben noch selbst gestalten. »Danach trafen wir uns oft. erinnert sich Beppe Savary an seine Jahre der Freundschaft mit dem Dichter. nicht auf die Taleinsamkeit verpflichten. irrte herum. Frisch sei eher ein Reibeisen – das war er aber überhaupt nicht. wie er es sich gewünscht hatte.« Der Passo della Garina ist eine weite.onsernone. Ein vergnügliches Buch. im Jahr darauf noch ein Hubschraubertransport des Dichters von Spanien heim nach Berzona. 63 Über Thailand Kaum ein halber Tag Flugzeit trennt Frankfurt am Main von Bangkok am Chao Phraya. dem Leiden so vertraut ist wie die Leidenschaft für seine Sache. DZ ab circa 125 Euro Ausstellung: »Max Frisch Berzona« zeigt Texte und Fotos im Museo Onsernonese in Loco bis zum 30..europcar.« Von Spruga. Der 59-Jährige nennt sich selbst bescheiden einen »Fels-. Zement. Köln 2011. Mai 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 20 REISEN Wälder überziehen die Berge im Valle Onsernone Fortsetzung von S.ch. 0041-91/797 10 22. mit dem er sein Haus bis unters Dach eingewickelt hat. Tel. 14. Und auf dem Rückweg legt man noch einen Halt in Loco ein. Der Weg ans Ende des Tales führt durch das Valle Vergeletto. 26 Euro Tipp: Das Atelier Pagliarte in Berzona ist dienstags (9. wie sich das südostasiatische Königreich über die Jahrhunderte entwickelt und erfolgreich gegen Kolonialmächte zur Wehr gesetzt hat. wo der Weg aufhört und Herr Geiser kurz aufatmete. 14–17 Uhr (vor Juli auch freitags geschlossen) Bücher: Berzona spielt in diversen FrischTexten eine Rolle: »Montauk«.sbb. 1990 zog sich Max Frisch zum Sterben in seine Zürcher Wohnung zurück.und Buchenwald ringsum. wo die grüne Grenze nach Italien verläuft. wie er den Toggel. 0041-79/519 19 85.« Nice Candolfi weiß noch. er war einer von denen. wenige Sommerhäuser liegen verstreut.

dem Galeristen im Auge all der früheren Stürme. die schier endlose. Sie bilden eine Schlange. das sich so großzügig gibt.REISEN 12. von einer neuen Direktorin frisch belebt. Was gibt es denn da Feines? Gar nicht so Feines. Die Tradition. Dazu die Kunstsammlung NRW mit ihren beiden Häusern für Kunst des 20. als er die ersten Äcker anlegte. den er einst im Kanu überquerte. Filz und Mamas eingeweckten Birnen so viel positive und negative Energie produziert. setzt an. Mai ganz neu präsentiert. sondern verbarrikadiere. wer sie sind. Beuys. spürt beim Trinken. erklärte einem toten Hasen in der Galerie Schmela die Bilder. Düsseldorfer glauben das sofort. Sie sitzen die Panik aus – auf der Bank vor dem Na Ni Wa. Als Laie denkt man ja. Die Düsseldorfer nehmen es rheinisch gelassen. Evolutionsbiologen wollen nämlich entdeckt haben. sondern auch abenteuerliche Manifestationen der deutsch-japanischen Freundschaft: Berliner Ballen mit Rote-Bohnen-Füllung! Wurstkrapfen mit Curry! Seit Fukushima bangen die Ladeninhaber um ihr Geschäft. Darin zechen hornbebrillte Werber mit Rentnern in PopelinBlousons. dass es den Menschen nicht nach Brot verlangte. als habe einen die Altstadt verschluckt. Seeigel. An allen Türen prangen Zettel. für diese Glitzerdefilees und Brezelprotzessionen wurde einst die Kö gebaut. die der Bildhauer Friedrich Coubillier entwarf. Hier wippt man beim Trinken auf den Fußballen. und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist.info.. sagt Susanne Hertsch. in der Karte blätternd. Die »Pralinenschachtel« ist auch noch drauf – die hat nicht mal Beuys beiseite räumen können. beschwingt auf die Tische gehämmert Am Anfang war das Bier. Jahrhunderts. Günter Grass). Die Kellner heißen Köbesse und tragen Falstaff-Wampen unter pflaumenblauen Schürzen. die eleganten Brücken darüber und die zart pompöse Tritonen-Fontäne von 1902. Und – gerade jetzt – das Museum Kunstpalast. ob Kurfürstendamm. aus Köln oder Essen. Und der neueste Kunstort KIT liegt bezeichnenderweise unter der Erde. Da macht die Königsallee keine Ausnahme. wie sie aussieht. Oder die Bäckerei Taka. Schrobsdorffs Besitzer war. Wenige Meter weiter lockt ein Secondhandshop mit einem Unterhemd mit Melonenmuster oder fünfzig Jahre alten Feinstrumpfhosen. als seien sie aus dem Mittelalter ins 21. vom Holzfällerhemd bis zum Partykleid. die Geschäfte und Restaurants. Was nicht heißt. nämlich Icke und Mir. Gedruckt wird auf alles. dass das eigenwillige Haus von Alfred Schmela. oder von den Radschlägern und ähnlicher Folklore. Eine Millionenstadt ist Düsseldorf nicht. bis die Bedienung sie hereinwinkt. von Süden her. Ist man wirklich in Düsseldorf. vierzig Galerien und der lange Schatten von Beuys Seinen Aufstieg zur Weltkunststadt verdankt Düsseldorf einem notorischen Angelwestenträger. Aussschnitte im Uhrzeigersinn) Die Düsseldorfer Rheinpromenade im Abendlicht Die Kö Unverwüstlich grandiose schnurgerade tausend Meter Haben sich ja alle ein bisschen in Duty-frees verwandelt. Das schönste und eigenste aber ist der stille Kanal in der Mitte. PBY/F1online (kl. Früher hat sie Häuser besetzt. Dennoch sieht man auf der Rheinpromenade Touristen mit Flaschen hantieren. der glühende Thomas-Mann-Verehrer Hans-Otto Mayer. Wer ihr Geschäft mit den wild bedruckten Shirts durchquert. In schmucklosen Imbissen wie dem Kikaku. Düsseldorf ist anders. unter der Direktion des wunderbaren englischen Bildhauers Tony Cragg zeigt der kosmopolitische Lehrkörper mit Rosemarie Trockel. aus der Hohen Straße. BENEDIKT ERENZ Japan Seeigel und Currywurstkrapfen im Imbiss nebenan Vor dem Fenster des Ecklokals Na Ni Wa steht eine lange Bank. Für Hertsch die günstigste Methode. dem Geschäft eines Szenefriseurs. der hier in den siebziger Jahren Konzerte gab. geduldig wartend. Flingerns Bewohner sind wie die Kleidung. die Mauern und Wassergräben. wenn doch klar ist. Der lässt sich auch gern was vom Pferdeapfelattentat auf den preußischen König erzählen. sitzt DivaS in der Sonne. Darauf sitzen meistens Leute. Schwergewichte der Branche wie die Fotografen Struth und Gursky schätzen nach wie vor das besondere Klima aus Selbstbewusstsein und Toleranz. Aber was für welche! Eingelegte Qualle. dem einheimischen Gewächs Katharina Fritsch. die Leopardenfellimitate. die nicht nur Mochi führt. der Turner-Preisträgerin Tomma Abts. ihre Siebdrucke zu belichten. der an Fleischerhaken von der Decke hängt. Alle Arten von Nudelsuppen mit geräuchertem Schweinebauch. die Fische ausnehmen. Natürlich im Stehen. und der Bierdeckel ist schwarz von Strichen. Ein Frevel! Da hilft nur die Flucht ins Kneipengewimmel der Ratinger Straße. Wer welche möchte. unvergessen. Spitzenbordüren und Satin zu abenteuerlichen Kreationen vernäht. dass oberirdisch nichts mehr los wäre: knapp vier Dutzend Galeristen. der Limbecker oder ähnlichen Budengassen des Grauens. Man erschnuppert den Duft von Röst. Jahrhunderts. Geschäftspartner der wiederaufgebauten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. blieb nur der Name. doch eine Künstlerstadt ist Düsseldorf immer noch. wenn man in der Hausbrauerei Uerige ist und sich fühlt. dem Schotten Peter Doig und anderen. was den Mikrokosmos zusammenhält: das Altbier.und Karamellmalz. und sinnt dem leichten Rauchgeschmack nach. als der Laden noch Weißer Bär hieß. der seinen niederrheinischen Querkopf mit einem Filzhut zu bedecken pflegte. Wer nicht mehr kann. Eine Kontaktanzeige im Schaufenster eines Anglergeschäftes: »Suche liebevolle Frau. aber eine Stadt der Millionäre. wie Japaner eins ihrer liebsten Schnellgerichte mögen. Hier haben sich seit der Nachkriegszeit über vierhundert japanische Firmen niedergelassen. betonbrutalen Kunsthalle. darunter Veteranen der wilden Zeit wie Hans Meyer und Konrad Fischer. In dem traditionellen Arbeiterviertel bosseln Handwerker in kleinen Betrieben. Susanne Hertsch passt nach Flingern. das nach zwei Jahren Renovierung seine weit gefächerten Schätze seit dem 7. wo man sich an den Tresen setzt und zum Bier ein paar Häppchen bestellt. So ist es hier fast überall: Mehr als die Hälfte ihres Ausstoßes füllen die Düsseldorfer Brauereien in Fässer ab. Ein Beuys-Stadtplan. wo die Altstadt zur Kirmes verkommt. Nicht. Berliner und Münchner mögen zeigen. mutig zu sein. Struth. die Kunst nicht zeige. Gerald Haenel/laif.« »Hier wohnt man halt noch«. der atmet hier auf. dass Düsseldorf immer noch vorne mit dabei ist. Vor St. Pauli Blond. Rechter Hand. Klosterstraße und Oststraße markiert die Grenzen von KleinTokyo. stellte Joseph Beuys die Düsseldorfer Duldsamkeit immer wieder auf die Probe. WOLF ALEX ANDER HANISCH Die Kunst Gursky. So macht man das hier. im Freiheitsjahr 48. MICHAEL ALLMAIER Das Altbier Bernsteinfarben glimmende Gläser. wird einem wunderlich zu Mute. die sich hinter Buchläden wie Lincke und Schrobsdorff verbarg. gehen betagte Damen zum Friseur und Werbeleute in die Agentur. Doch. Das hält frisch und zögert den Absacker hinaus. Die japanische Community von Düsseldorf zählt zu den größten in Europa. Und doch bleibt es die Kö. wo selbst eine profane Stäbchenbank verpackt wird wie ein Juwel. Individualisten. Vor allem die Ackerstraße mit ihrem Mix aus Stil-Altbauten und biederen Sechziger-Jahre-Wohnhäusern entzückt Freunde schräger Looks. weil immer auch ein Schuss Ignoranz dazugehört. Zu Gitarrenriffs von Motörhead tanzen Frauen in Leder. legt ihn schützend auf sein leeres Glas – die Köbesse kennen sonst kein Erbarmen. Die ersten Investoren suchen bereits aus dem Flair des Viertels Profit zu schlagen. Zum Beispiel die ostwestliche Nouvelle Cuisine im Restaurant Nagaya: große Kunst in kleinen Portionen. vertrauen auf Susanne Hertsch. mehr Werke von Mann besaß. kann auch anders. Netze flicken und Fischgerichte zubereiten kann und im Besitz eines Angelbootes mit Motor ist. Und von Heinrich Heine natürlich: »Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön. die großen Boulevards Europas von den Champs-Élysées bis zum Newskij Prospekt. Die Professoren an der Kunstakademie sind international erste Sahne. und auch für diese Modenschauen und Schmuckparaden. Im Dämmerlicht winden sich Gänge wie Bergwerksstollen durch einen Trakt aus neun Schankräumen. die neue Inneneinrichtung hat ein Westfale gestaltet. Aber niemand von ihnen isst. Wie andere junge Designer hat DivaS für ihre Kollektion eine Kleiderstange beim Friseur gemietet. Mit stoischem Schwung hämmern sie unaufgefordert auf die Tische.. ach. Das Dreieck Immermannstraße. die vermerken. die berühmten Adressen. Vom Café Bittner. Hier präsentieren sich ein paar der stolzesten Stätten japanischer Tischkultur – filigran. Zwar wurde es nach des Schamanen Tod am Rhein. die so wirken. puristisch und teuer. wenn man vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt spaziert. Punks müssten ihre Mode selbst entwerfen. Seine Gäste sehen aus wie die zottelige Band von Alex Harvey. Er stritt mit Johannes Rau jahrelang vor Gericht um seine Professur. das hat Welt. als überall in Europa die Stadtbefestigungen fielen. Auch wenn das heißt. dass ihr Altbier deren Gipfel markiert? Kein Düsseldorfer Overstatement leuchtet mehr ein. Seit sechs Jahren betreibt die Künstlerin im Stadtteil Flingern ihr Ladenatelier Misprint. Jahrhundert gerollt. na klar. mit dem sich das Alt verabschiedet. etwas ruhiger. dann prügeln ihnen tätowierte Männer den Zapfhahn hinein. Überall die gleichen aseptisch sortierten Luxusholdingläden mit standardisiertem Verkaufspersonal samt global kompatiblem Fetischdisplay. Als ob die Vorliebe für laute Musik automatisch mit einem Gespür für die lässige Kombination von Laufmaschen und gesprühten Kampfansagen einherginge. und 21.misprint.« Da riskiert man sogar einen Moment im Straßencafé und erfreut sich der Eitelkeiten unter der Sonne. verzeichnet für Kunstpilger all jene Orte. zeigte in der Wohnung von Jörg Immendorff eine Filzhülle für Konzertflügel. So jedenfalls heißt das Label der Blondine. Wer von nebenan kommt. von Rubens über Kirchner bis. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 65 Düsseldorf: Five points Die Stadt des Eurovision Song Contest hat ein bisschen Applaus verdient Fotos: Fulvio Zanettini/laif (gr. Aber die spannendsten Entdeckungen macht man eine Preislage darunter. Man ahnte es doch schon beim ersten herben Schluck: Wer so ein Bier hat. ullstein. Unverwüstlich grandiose schnurgerade 1000 Meter. Seeteufelleber . sondern nach dem Rausch aus vergorener Gerste. wie der bittere Doldenhopfen zärtlich in den Gaumen beißt. Aber es hat schon was Symbolisches. gab bei Andy Warhol Wahlplakate in Auftrag. Das Lichtburg-Kino! Fuchs-Greven für den geschmackvoll gestalteten Salon! Nur das Porzellanhaus Franzen (von 1820) harrt noch aus und natürlich die Galerie Paffrath (seit 1867) mit ihren charmanten Oberlichtsälen und den lieben. Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften mit Foto von Boot und Motor. Bräsiges Bierbankhocken ist nichts für Düsseldorfer. Den lautesten gönnt man sich im Engel in der Bolkerstraße. beim Alltagsbedarf. der. Totenkopf-Halstücher vom Krimskramsladen behaupten sich neben wallenden Haute-Couture-Kleidern von Düsseldorfs Designerstar Norman Icking. ob Jungfernstieg. Banker mit Hausfrauen und Japanern. Warum sollte das Gebräu nicht der Ursprung der Zivilisation sein. und der 1812 eröffnete Breidenbacher Hof gehört jetzt einer Group mit Sitz in Atlanta. opake Front der Banken. CHRISTOF SIEMES Die Mode Melonenmuster-Unterhemden für den stilbewussten Rebellen Neulich waren Betontod da. In manchem vermeintlich japanischen Restaurant kochen Koreaner oder Vietnamesen für den westlichen Geschmack. Eine ziemlich herzhafte Angelegenheit – gerade so. Sushi servieren sie hier überhaupt nicht. an denen der heilige Jupp sein Leben als soziale Plastik führte. Der Düsseldorfer aber zeigt. hat es ja nicht weit zu einer der fast zwanzig Bars in der Nachbarschaft oder zum Ableger des Na Ni Wa gleich über die Straße. dieser »Pralinenschachtel«. die man hier kaufen kann: eigenwillig und auf charmante Weise zusammengewürfelt. www. Japanische Küche ist in Deutschland beliebt. schmierte mit Bazon Brock Fettecken ins Fernsehstudio. Bernsteinfarben glimmt es im kurzen Glas. Nur in ihnen fühlt sich das Obergärige wohl. sich die Blöße zu geben. gelangt in ein Hinterzimmer mit blutrot verschmierter Badewanne und einem alten Gesichtsbräuner. die berühmten klebrigen Reiskuchen.). für das flanierende Publikum von den herrlichen alten Bäume diskret verdeckt. Oder der Einrichtungsladen Kyoto mit den prächtigen handgemachten Teeschalen. linker Hand. neuerdings wieder hoch gehandelten Meistern der alten Düsseldorfer Schule. aber nur wenig bekannt. und auch auf Deutschlands kleinen Boulevards sieht es nicht anders aus. als dieser je geschrieben hat. Essen gibt es nur drinnen. dem Geck unter den deutschen Großstädten? Aber sicher. wie der Meister höchstselbst bei einem Besuch in Düsseldorf anerkennend festgestellt haben soll. dass er die Kunststadt Düsseldorf noch 25 Jahre nach seinem Tod leuchten lässt. die die Entwicklung Flingerns auch skeptisch sieht. Seit er nach dem Krieg an der Kunstakademie studiert hatte (übrigens Tür an Tür mit einem anderen Querkopf. übrig geblieben beim Bau der Rheinuferpromenade. jetzt entwirft sie die Outfits der Toten Hosen. nun ein Museum ist. Kurioses ist in der Ackerstraße normal: die Porzellanpuppen-Parade im Fenster einer Anwohnerin. die sichergehen wollen. die fast so gut schmeckt. hier lohnt es sich. Es dauert nicht lange. ein »Tunnelrestraum«. SVEN SIMON. Per Aufzug kommen die Bierfässer aus dem Keller. Auf einer Baustelle um die Ecke preist eine Wohnungsbaugesellschaft »klassisches Wohnen in bester Lage« an. was er hat. Der hat mit all seinen Kunstbatterien aus Fett. Lang vergangen die großen Namen. vor Kurzem herausgegeben von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. was wann woher eingeführt wurde. kandidierte mit Otto Schily für die Grünen. dass man mal China als Herkunftsland seiner japanischen Pilze nennt. Man kommt fast automatisch durch. Gut möglich. Im Uerige strömt das Altbier aus Fässern. angelegt in den ersten Jahren des 19. SANDRA DANICKE . wo vor 30 Jahren die NewWave-Szene Musikgeschichte schrieb und deren Epigonen im Freien picheln. forderte den Abriss der städtischen. Doch der Hardrock-Schuppen hält dagegen. dass die Punkrocker aus dem Ruhrgebiet künftig in Susannes Hemden auftreten.

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BLICKFANG

DIE ZEIT No 20

REISEN

In der Warteschleife
Oft preisen Urlauber nach ihrer Heimkehr aus der Karibik die Freundlichkeit der Menschen, die, wie es den Besuchern scheint, mit so wenig Besitz so glücklich sein können. Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Selten blicken wir, die nach Erholung und Unbeschwertheit suchen, hinter die höfliche Fassade, wo mehr Sorgen, Nöte und Ängste toben, als wir wahrhaben möchten. Der amerikanische Fotograf Alex Webb, Mitglied der Pariser Fotoagentur Magnum, ist ein Kenner der Region. Auf seinen Bildern aus Haiti, Puerto Rico (unser Foto), Kuba, Jamaika, Trinidad und Tobago, Curaçao und Nicaragua, von den Antillen und der Dominikanischen Republik sieht man die Menschen selten lachen. Sie wirken in sich versunken, nachdenklich, gelangweilt von einem Leben in der Warteschleife auf eine bessere Zukunft. Und Webb lässt sie sein, in goldgelbem Licht und strahlenden Farben. Selten hatte die Karibik in einem Bildband ein menschlicheres Gesicht. KCB
Nikolaus Gelpke (Hrsg.): Karibik. Fotografien von Alex Webb. Mit Texten von Karl Spurzem. Mareverlag, Hamburg, 2011, 124 Seiten mit MusikCD; 58 Euro

Foto: Alex Webb/Magnum Photos

REISEN

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A

ls Brutus das Licht der Welt erblickte, malte Cézanne noch romantisch, und Richard Wagner komponierte den Ring des Nibelungen. Amerika war eine Nation der Sklavenhalter, Singapur und São Paulo waren Provinznester. Telefon, Autos und Kinos kannte man damals noch nicht; noch nicht einmal die Schreibmaschine war erfunden. Die Welt, in die Brutus geboren wurde, gibt es nicht mehr. Doch die Aldabra-Riesenschildkröte tut weiterhin das, was sie schon immer tat: schiebt ihren schweren Panzer über die Seychelleninsel North Island, grast gemächlich im Schatten von zerzausten Kokospalmen, sieht die Sonne über dem Indischen Ozean aufgehen und untergehen. »Wo warst du, Brutus? Wir suchen schon den ganzen Tag nach dir«, sagt Linda Vanherck. Die belgische Biologin hat ihren ältesten Schützling schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Irgendwo im Sumpfgebiet muss er sich herumgetrieben haben. Dort verloren sich jedenfalls die Schleifspuren seines schubkarrengroßen Panzers. Linda begrüßt das Ungetüm wie eine Mutter, die soeben ihr ausgebüxtes Kind wiedergefunden hat. Ihre Freude über das Wiedersehen zeigt sich in feinen Lachfältchen, die ihre blaugrauen Augen umspielen. Auf etwa 150 bis 160 Jahre schätzt Linda das Alter der Riesenschildkröte. Und auch wenn es scheint, als sei hier noch alles wie früher, ist die Zeit auf North Island nicht stehen geblieben. Die nur zwei Quadratkilometer große Insel hat sich vom Dschungel in eine Kokosplantage und schließlich in ein beliebtes Reiseziel von Hollywoodstars und Superreichen verwandelt. Menschen kamen und gingen, einst in Fischerbooten. Heute reisen sie in Hubschraubern an, lassen ihre riesigen Koffer von Bediensteten über den Sand tragen und werden von Mädchen in weißen Kleidern wie Majestäten empfangen. Butler bringen ihnen Champagner, Sushi und Schalen mit ausgewählten Früchten. Man hat ihnen Hütten gebaut – in Wahrheit sind es Paläste aus Tropenholz mit Bädern aus weißem Marmor. Mit Betten so groß wie die Verschläge der Plantagenarbeiter, die einst die Kokosnüsse ernteten.

Wir haben die Kröten
Auf der Seychellen-Insel North Island erholen sich die Stars – und finanzieren ein Arche-Noah-Projekt VON WINFRIED SCHUMACHER

»Wir reden sogar mit Eiern«, sagt die Biologin Linda Vanherck
Brutus steht auf vier gewaltigen Füßen inmitten einer Lichtung, ein Fels von einem Tier. Doch an seiner rechten Seite ist deutlich eine Narbe zu sehen. Die mittlere Schildpattreihe ist zertrümmert. An einem Tag im Jahr 2007 hatte die Schildkröte eine schmerzliche Berührung mit dem Tourismus. Ein betrunkener Urlauber übersah ihren Schlafplatz auf dem Hauptweg von North Island und prallte mit seinem Elektromobil gegen ihren Panzer. Linda versorgte seine Wunden, bis der Riese wieder in gewohntem Stolz über die Insel spazieren konnte. Die zierliche Frau mit dem silbergrauen Seitenzopf geht vor Brutus in die Hocke und tätschelt ihn liebevoll. Er lässt sich genüsslich den faltigen Nacken kraulen. Linda Vanherck hat ihr Leben dem Naturschutz verschrieben. Schon als Kind in Belgien träumte sie davon, wie die Gorilla-Forscherin Dian Fossey nach Afrika zu reisen. Nach einem Biologie-Studium in Löwen forschte sie an der Universität Kapstadt. Sie arbeitete als Guide in südafrikanischen und namibischen Nationalparks und betreute verschiedene Umweltprojekte der Vereinten Nationen im südlichen Afrika. Auf die Seychellen lockte sie 2005 die Chance, North Island zu renaturieren. Seit ihrer Erschließung im frühen 19. Jahrhundert war die Insel eine Plantage. Arbeiter gewannen aus den Kokosnüssen Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch, die Grundlage für Kokosöl. Nach dem Zusammenbruch der Kopraindustrie in den 1970er Jahren wurde North Island verlassen. Die zurückgebliebenen Ratten, Katzen und Schweine vermehrten sich unkontrolliert und verdrängten die einheimischen Tiere. 1997 kaufte eine Eignergruppe um den Detmolder Unternehmer Wolfgang Burre die verwilderte Insel und beschloss, sie zum Deluxe-Ökoresort umzuwandeln. So entstand das Arche-Noah-Projekt. Mit Setzlingen und Saatgut von anderen Seychellen-Inseln begann die

Brutus (oben) ist geschätzte 150 bis 160 Jahre alt. Unten: Die Biologin Linda Vanherck mit weiteren Schützlingen

Wiederaufforstung des ursprünglichen Tropen- elf Gästevillen entlang des Hauptstrands sind in waldes. Nach und nach wurden die tierischen der Inselvegetation kaum auszumachen, obwohl Eindringlinge ausgerottet. Die Insel ist heute sie über eine Grundfläche zwischen 450 und 750 rattenfrei. So können sich wiedereingeführte Quadratmetern verfügen. Neben anderen AnArten wie der äußerst seltene Mahé-Brillenvogel nehmlichkeiten bieten sie den Berühmten und ungestört vermehren. Mittlerweile leben 85 Rie- Reichen dieser Welt vor allem den Luxus der senschildkröten auf der Insel, zudem etwa 20 Abgeschiedenheit. seltene Sumpfschildkröten, die wegen eines HoÜber die Gästeliste wird auf North Island telneubaus auf Mahé, der Hauptinsel der Sey- strenges Stillschweigen bewahrt, doch im Interchellen, heimatlos geworden waren. net kursieren Berichte, denen zufolge Brad Pitt Linda liebt es, Besuchern auch die kleinen und Angelina Jolie, Julia Roberts, Paul McCartWunder ihres Refugiums zu zeigen. »Hey, ihr ney und Bono bereits hier gewesen sind. Salma beiden«, begrüßt sie zwei Paradies-Fruchttau- Hayek verbrachte ihre Flitterwochen in einer der ben, die in einer Baumkrone an wilden Feigen Villen. Die Beckhams sollen zu ihrem zehnten picken. Wegen ihres weiß-blauen Federkleids Hochzeitstag die ganze Insel gemietet haben. und des roten Kopfs wird der Vogel auf Kreo- Laut Pressespekulationen plant sogar das Prinlisch Pizon Olande, »Holländische Taube«, ge- zenpaar Kate und William, seinen Honeymoon nannt. Sie gehören zu einihier zu feiern. Der Hamburgen endemischen, nur auf ger Insel-Makler Farhad den Seychellen vorkomVladi bestätigt, dass er North menden Arten. Island an die britische Krone Die Kosten für das Arvermietet hat. Den Termin che-Noah-Projekt soll das Anreise: Condor (www.condor.de) behält er für sich. Luxusresort tragen. Direkt fliegt direkt von Frankfurt am Main Linda interessiert sich hinter den Gästevillen liegt auf die Seychellen nicht besonders für die ein Hain mit Hunderten Stars, aber ein paar kuriose Kokospalmen. Linda mag Unterkunft: North Island gehört zu Geschichten kennt sie doch. sie nicht, auch wenn den den exklusivsten Reisezielen weltweit. Sie erzählt von Gästen, die Touristen der Anblick ge- Eine Übernachtung kostet all-inclusive ihr Mineralwasser aus Fifällt. »Das ist reine Mono- ab 2100 Euro pro Person dschi einfliegen ließen, von kultur. Man hat diesen Teil einer Dame, die mit viererhalten, um zu zeigen, wie Riesen- und Meeresschildkröten las- zig Paar Schuhen auf der es hier zur Zeit der Kopra- sen sich auch auf anderen Inseln der Barfuß-Insel landete, und Seychellen beobachten. Am Strand der industrie aussah.« Anse Kerlan auf Praslin legen Suppen- von einem aufgebrachten Vom ursprünglichen Tro- und Karettschildkröten ihre Eier ab. Bräutigam, der in der ersten penwald sind nur wenige Constance Lémuria Resort (Anse Ker- Nacht der Flitterwochen Hektar erhalten. Linda geht lan, Praslin, Tel. 00248-428 12 81, mit dem Hubschrauber ausvoran. Nach wenigen Mi- www.lemuriaresort.com). Junior-Suite geflogen werden wollte. nuten wird die Vegetation ab 330 Euro; La Digue ist bekannt für »Die meisten Gäste verhaldichter und wilder. Über ihre Riesenschildkrötenkolonie. Berni- ten sich aber unauffällig«, uralten Takamaka- und Ka- que Guest House (La Passe, La Digue, sagt Linda. Sie weiß, dass tappenbäumen flattern krä- Tel. 00248-23 42 29, www.bernique- ihr Arche-Noah-Projekt auf hengroße Flughunde. Unter guesthouse.com). DZ ab 95 Euro umweltbewusste Vermögenausladenden Fächerpalmen Veranstalter für umweltbewusste de angewiesen ist. rascheln giftgrüne Eidech- Seychellen-Reisen: Reiseservice Africa Am nächsten Morgen sen durchs feuchte Laub. (Bauseweinallee 4a, 81247 München, ist es so weit. Linda taucht Linda und ihr Arche-Noah- Tel. 089/811 90 15, www.reise mit einem Plastikeimer am Team haben Kokospalmen service-africa.de) Strand vor den Gästevilaus dem Wald entfernt und len auf. Elf der frisch AFRIKA geschlüpften Karettdafür endemische Arten an- Auskunft: Seychelles Tourist Office Deutschland. Tel. schildkröten sind in gepflanzt. der Nacht aktiv geLinda kultiviert für das 069/29 72 07 89, www. worden und nun reif Renaturierungsprojekt Hun- seychelles.travel für die Freiheit. Linda derte von Pflanzen in der kippt den Eimer vorinseleigenen Baumschule. North Island Praslin sichtig auf den wei»Besonders stolz sind wir Island ßen Sand, die auf unsere Coco de Mer«, sagt sie. Die Silhouette Schildkrötenbeginberühmte Seychellenpalme hat die S E YC H E L L E N Island nen sogleich, den größten Samen, die es im Pflanzenreich Indischer Ozean Wellen entgegenüberhaupt gibt. Weil die gewaltigen zuwackeln. Nur weKokosnüsse an ein weibliches Becken Mahé Island nige Meter trennen erinnern, ranken sich viele Legenden sie vom Wasser. um die Palmenart. Angeblich setzten ZEIT-Grafik Ihr Spurt über den Könige und Sultane einst hohe Summen 10 km Sandstreifen ist nicht unfür ein Exemplar der sagenhaften Nuss aus, gefährlich; die Fressfeinde die hin und wieder an fremde Küsten geschwemmt wurde. Ihren wahren Herkunftsort warten schon. Aber sobald eine Strandkrabbe angreifen will, stampft Linda kräftig auf und kannten sie nicht. verscheucht sie. »Los, ihr Kleinen, ihr schafft das!«, spornt sie die Brut an. Die Schildkröten Angeblich sollen Kate und William schieben sich auf ihren Flossen mühsam vorhier ihre Flitterwochen verbringen wärts. Bei den ersten Versuchen wirft die Nicht weit von der Baumschule hat Linda ihr Brandung sie zurück auf den Sand, doch dann Büro in einer einfachen Hütte eingerichtet. Hier sind sie alle in den Wellen verschwunden. Nur stapeln sich Bildbände über Fauna und Flora ein offenbar geschwächtes Exemplar bleibt und dicke Ordner bis unter die Decke. Die Bio- auf seinem Panzer liegen. Vergeblich versucht login führt genau Buch über die Entwicklung es, sich auf den Bauch zu drehen. Linda auf ihrer Arche Noah. Aber sie bekennt: »Ich bin nimmt das kraftlose Tier in die Hand und kein Büromensch.« In der Mitte des Raums ste- trägt es ins Wasser. »Mach’s gut, Kleiner!«, ruft hen zwei große, mit Tüchern verhängte Styro- sie ihm nach. Einen Großteil ihres Lebens werden die porboxen. »Na, wie sieht es denn heute bei euch aus?«, fragt sie in eine Kiste mit der Aufschrift Schildkröten im Ozean verbringen. Wenn sie »Unbekannt VII« hinein. Zu sehen ist nichts als Raubfischen, Seevögeln, Fischernetzen und Meefeiner Sand. »Manchmal reden wir hier sogar mit resverschmutzung entkommen, werden sie irEiern«, sagt Linda. Die Box enthält nämlich das gendwann zur Eiablage an diesen Strand zurückGelege einer Karettschildkröte. Linda hat das kehren. Forscher schätzen, dass es ungefähr 30 Nest umquartiert, als sie sah, dass es sonst vom Jahre dauert, bis die erwachsene Schildkröte das Meer weggespült worden wäre. In einer anderen Wasser wieder verlässt, um in den Sand, in dem Kiste sind die ersten Schildkröten bereits ge- sie einst geboren wurde, ein Nest zu graben. Die schlüpft. Noch liegen sie erschöpft auf dem Beckhams, Brangelina, Kate und William wird Sand, aus dem sie sich gerade herausgegraben man womöglich längst vergessen haben. Aber haben. Wenn sie anfangen zu zappeln, wird Lin- wer weiß, ob dann nicht eine Riesenschildkröte namens Brutus ihren schweren Panzer noch imda sie ins Meer entlassen. Es ist die Mischung aus ehrgeizigem Umwelt- mer über North Island schiebt. projekt und exklusiver Robinsonade, die North Island zum Ziel des Jetsets werden ließ. Ökotourismus ist in Mode unter Topverdienern. Die www.zeit.de/audio

North Island

Fotos: Winfried Schumacher für DIE ZEIT (o. und u.); Frank Heuer/laif (m.)

CHANCEN
Spezial: Bachelor & Master
Wie lange Studenten wirklich lernen, wo die Studienreform besonders gut umgesetzt wurde (ab Seite 74) und warum es noch schwer ist, die Uni zu wechseln (Seite 76)

S. 81

BERUF

Gesucht: Forscher. Zum Beispiel, um das Klima zu retten. Der dritte Teil unserer Serie über Berufe mit Zukunft

LESERBRIEFE S. 96 DIE ZEIT DER LESER ab S. 82 STELLENMARKT
S. 95

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www.olafdeharde.com; kl. Foto: privat

1960er Jahre

Ach, dieser Stress
Gerade einmal 23 Stunden wenden Studenten pro Woche für die Uni auf, zeigen neue Studien VON JAN-MARTIN WIARDA
Auf den folgenden Seiten erzählen Absolventen aus sechs Jahrzehnten von ihrem Studium

Wolfgang Wiese, GrafikdesignStudent von 1966 bis 1969: »Mein Studium an der Werkkunstschule Bielefeld war absolute Freiheit für mich. Ich war begierig, so viel zu lernen wie möglich: Malerei, Grafik, Fotografie, Kunstgeschichte. Dieses Über-den-Tellerrand-Gucken habe ich mir auch im Beruf bewahrt. Jetzt, als Rentner, bin ich an die Uni zurückgekehrt und studiere Alte Geschichte. Leider kommt es mir vor, als wären die Studenten nicht mehr so frei wie damals. Sie wirken fast etwas verbissen.« Alle Protokolle:
LISA SRIKIOW

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ls Erik Beuck in sein erstes Semester startet, erreicht der Bildungsstreik gerade seinen Höhepunkt. Herbst 2009: Überall im Land besetzen Studenten Hörsäle, ziehen durch die Innenstädte und fordern das Ende aller Spardiktate. Eines der bestgehassten Wörter ist »Bologna«, die Hochschulreform wird zum Synonym für Effizienzdruck und sinnentleertes Turbolernen. »So ist es wohl«, denkt Erik Beuck, schließlich hat er es überall so gehört – und marschiert mit. Knapp zwei Jahre später sitzt der 27-Jährige vor der Auswertung seines Lernkontos und schüttelt den Kopf. Exakt 18,97 Stunden ergibt das Protokoll seiner Studierzeit: 18,97 Stunden pro Woche, die er im Schnitt für Vorlesungen, Übungen, Hausarbeiten, Referats- und Klausurvorbereitung aufgewendet hat. Bin ich ein Halbtagsstudent?, fragt Beuck sich. Er kann es nicht glauben. Rolf Schulmeister war anfangs ähnlich überrascht. Der Informatiker leitet das Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung an der Uni Hamburg, und als er vor zwei Jahren die Streiks beobachtete, war er überzeugt: Recht haben sie, die Studenten, dieser Bachelor ist eine Zumutung. Und weil Schulmeister Wissenschaftler ist, wollte er es beweisen. So stellte er mit seinen Mitarbeitern ein einmaliges Forschungsprojekt namens »Zeitlast« auf die Beine: 403 Studenten an Hochschulen überall in Deutschland protokollierten über Monate hinweg jede einzelne ihrer wachen Stunden.

Schulmeister sammelte 150 Tagesabläufe und insgesamt 1 466 184 Stunden. Als er erste Analysen durchrechnen ließ, war er zunächst sprachlos. Dann verwundert. Und schließlich kam er in Hochstimmung. »Genau deshalb bin ich Forscher geworden«, sagt er. »Weil ich nicht behaupte, schon alles zu wissen. Weil Fakten besser sind als Vermutungen.« Und Fakt ist: Der durchschnittliche Aufwand fürs Studium belief sich bei den Studienteilnehmern auf 23 Stunden in der Woche. Als Schulmeister vergangenen Herbst mit einem ersten Zwischenergebnis aus nur fünf Studiengängen an die Öffentlichkeit trat, war das Medienecho bereits gewaltig. Häme ergoss sich über die plötzlich als »faul« titulierten Studenten, die alle mit ihrer ewigen Jammerei hinters Licht geführt hätten. Häme bekam aber auch Schulmeister zu spüren, und zwar vonseiten einiger Forscherkollegen, die Methode und Aussagekraft seiner Untersuchung anzweifelten. Zu krass war die Abweichung von allen bislang bekannten Studien. Das renommierte Hochschul-Informations-System (HIS) etwa war in seiner Studie auf geschlagene 13 Stunden mehr pro Student gekommen. Auch deshalb legte Schulmeister nach. Das Ergebnis: Obwohl er den Kreis der untersuchten Studiengänge von sechs auf mittlerweile 18 erweitert und auch vermeintliche Paukfächer wie BWL oder Ingenieurwissenschaften hinzugenommen hat, blieb der gemessene durchschnittliche Studienaufwand in etwa gleich – bei großen individuellen Abweichungen. »Natürlich gibt es die Studenten, die 40 Stun-

den in der Woche studieren«, sagt Schulmeister. »Aber sie sind die Ausnahme – im Gegensatz zu denen, die 15 Stunden und weniger fürs Studium aufwenden.« Noch überraschender: Zumindest in den untersuchten Studiengängen waren die angeblich besonders geforderten Ingenieurstudenten (24 Stunden) und BWLer (25 Stunden) keineswegs arbeitsamer als die dem Klischee nach so entspannten Lehramtsstudenten (27 Stunden) und Erziehungswissenschaftler (23 Stunden). Und eines hat Schulmeister besonders erschüttert: »Die investierte Zeit hat keinen Einfluss auf Noten und Studienerfolg.« Die fleißigeren Studenten sind im Schnitt keineswegs die besseren. Aber wie kann das alles sein? Und wie kommen die enormen Unterschiede zu anderen Studien zustande? Ganz einfach, sagen Schulmeisters Forscherkollegen: Seine Daten seien nicht repräsentativ, teilgenommen hätten ein paar Hundert Studenten aus einer Handvoll Studiengänge, die auch noch aufgrund der persönlichen Initiative ihrer Studiengangsleiter bei der Untersuchung mitgemacht hätten, da sei die Verallgemeinerbarkeit schon arg begrenzt. Die HIS-Forscherin Elke Middendorff spricht von einem »dirty panel«. Ihr Kollege Tino Bargel von der Konstanzer AG Hochschulforschung, deren Studierendensurvey seit 30 Jahren zu den meistbeachteten repräsentativen Studien an Hochschulen überhaupt gehört, drückt sich zurückhaltender aus: »Die Ergebnisse von Zeitlast sind äußerst beeindruckend, die Methode der Datenerhebung ist innovativ, allerdings muss man angesichts der nicht zufälligen Aus-

wahl der Studiengänge vorsichtig sein, weiterführende Schlüsse für alle Studenten in Deutschland zu ziehen.« – »Wer so was sagt, hat die Methode unserer Studie nicht verstanden«, sagt Schulmeister knapp und verweist auf die »enorme Datendichte« angesichts von anderthalb Millionen protokollierten Stunden und die Länge der Untersuchung über fünf Monate hinweg. Das HIS hatte das studentische Zeitbudget für die 2007 erschienene, als repräsentativ geltende 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhoben. Der zufolge lag die durchschnittliche Belastung von Bachelorstudenten bei 36 Wochenstunden. Eine »äußerst besorgniserregende Entwicklung«, kommentierten Studentenverbände, Professoren und Politiker. Das war schon damals gewagt – schließlich war die vom HIS ermittelte Zeitbelastung bei den alten Studienabschlüssen ganz ähnlich. Ein entscheidender Unterschied zu Schulmeisters Studie ist jedoch die Methode: Die an der Sozialerhebung beteiligten Studenten mussten ihren Zeitaufwand fürs Studium lediglich schätzen, während Schulmeister seine Probanden sauber mitprotokollieren ließ. Schätzen sollte Erik Beuck erst am Ende. Bevor die Forscher ihm die Ergebnisse seines Zeitkontos präsentierten, baten sie den Lehramtsstudenten, die Stundenzahl anzugeben, die seiner Meinung nach seinem wöchentlichen Studienpensum entsprach. Beuck wusste da bereits, dass er nicht zu den fleißigsten Studenten gehört. Die Praxis liegt ihm mehr,
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Widersprüchlich
»Die Ergebnisse freuen mich außerordentlich«, kommentierte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Studien des HIS, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, die vor der zweiten Bologna-Konferenz am 6. Mai erschienen. DHV-Chef Kempen entgegnet: »Die Studien, die aus dem Hause Schavan kommen und nach Lesart der Bundesministerin den angeblich notorischen Kritikern der Bologna-Reform den Wind aus den Segeln nehmen, belegen in der Regel das Gegenteil.« Was die Untersuchungen tatsächlich zeigen: Vieles in der Kritik an den neuen Abschlüssen war weit übertrieben, aber besser geworden ist durch die Reform noch zu wenig. So hat sich die Studienqualität in der Bewertung gegenüber den alten Abschlüssen kaum gesteigert. Und die Verunsicherung der Bachelorabsolventen durch die ständigen Warnrufe hat skurrile Folgen: Obwohl sie ihre Jobaussichten zum Teil sogar besser bewerten als die Inhaber alter Abschlüsse und die Bereitschaft von Firmen, sie einzustellen, groß ist, hängen die Hälfte der FH- und drei Viertel der Uni-Bachelors einen Master an.

müssen wir das Studium in thematisch zusammenhängenden Blöcken organisieren. sagt er. sagt der stellvertretende Generalsekretär Stefan Grob. nämlich dass der Studienaufwand sehr ungleich verteilt ist.97 Stunden. Student Beuck bestätigt: »Die Spitzen in der Belastung prägen die Wahrnehmung. kein Aids. Auch abgesehen von der Schulmeister-Untersuchung bekommt die Reform derzeit eher gute Presse. 71 1970er Jahre Jürgen Studt. sagt Schulmeister. dass die Professoren sich mehr von den Studenten abschotten – wie vor den sechziger Jahren. 30 Stunden. Das bin ja nicht ich. dann ist ein tiefer Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. »Das hat mit den Medien zu tun«. die anderen Wochen vergisst man irgendwie. die seine persönliche Auswertung dann ergab. und die Prüfungen ballen sich nicht am Semesterende. Der Preis: Jetzt zählt jede Klausur und löst Stress aus. . Das ist eine super Ausrede. die viele streikende Studenten so erbost hat? »Meine subjektive Wahrnehmung als Hochschullehrer. sei bei vielen wirklich extremer Stress angesagt.« Selbst Rolf Schulmeister sagt: »Eins zeigen auch unsere Daten. Die Fachhochschule Kiel etwa will ihre Studienstruktur neu organisieren und als ersten Schritt die Semester halbieren. besonders im Vorfeld der Klausurenphase. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Fortsetzung von S. Gerade hat eine Reihe von Studien im Auftrag des Bundesbildungsministeriums ergeben.de/audio Ag Fordham www. Das liegt an dem blöden Bologna-Studium. sagt man sich. Buchtipp: Rolf Schulmeister/Christiane Metzger (Hrsg. sich für Prüfungen anmelden. In der Statistikvorlesung waren wir zu acht. wie hehre Absichten zum Gegenteil des Erhofften führen können. wird es schon eng. Vorsitzender der bolognakritischen Professorengewerkschaft Hochschulverband (DHV).72 12. Angesichts der 18. ohne dass er sich schlimmer anfühlt: von 24 auf 31 Stunden. Beim Deutschen Studentenwerk äußert man sich betont differenziert. 34.90 Euro www. Waxmann 2011. kl. Sie haben das Semester dort in vier Blöcke aufgeteilt mit jeweils anschließender Prüfung und dabei den durchschnittlichen Studienaufwand sogar gesteigert. dass der Bachelor kaum zu schaffen ist. 360 Seiten. BWL-Student von 1974 bis 1979: »Mit meinem Studium an der Uni Hamburg verbinde ich eine Freiheit. Außerdem die Klausuren: Tatsächlich sind sechs Stück in anderthalb Wochen keine Seltenheit. von der DHV-Chef Kempen spricht? Schulmeister sagt: »Anstatt die Studenten mit bis zu 14 Themenwechseln pro Woche zu konfrontieren. keine Umweltprobleme. Hausarbeiten schreiben. wenn man mal keine Lust hat aufs Lernen. die manchen noch nach einem Dutzend Semestern aus dem Magisterstudium gehauen haben. dann komme alles zusammen. »Mit einer zeitlichen Überfrachtung des gesamten Bachelorstudiums hat das allerdings nichts zu tun«. sucht er jetzt nach Erklärungen. Die semesterbegleitenden Klausuren sollten die gefürch- teten Hammerprüfungen am Ende des Studiums ersetzen. Foto: privat gehendes Lernen möglich. die neben dem Studium zwingend für ihren Unterhalt arbeiten müssen. antwortete er also – und hielt sich für extrem realistisch. Ich habe zudem den Eindruck.« Doch was folgt aus der enormen Diskrepanz zwischen »subjektivem Empfinden und objektivem Sachverhalt«. »Wir haben nie behauptet. dass die Lage der Studenten wegen des Bachelors per se schlecht ist«. was die Belastung der Studenten angeht. das offenbar jetzt auch andere zum Nachdenken bringt.zeit. »Jahrelang haben sie rauf und runter geschrieben. dass die internationale Mobilität der Studenten entgegen allen Vermutungen der Bologna-Kritiker zugenommen hat und dass Bachelorabsolventen erstaunlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben (siehe auch Kasten).« Ein paarmal im Semester. Meiner Generation ging es besser als der vor und nach uns: kein Krieg. lernen. Doch gilt die Entwarnung auch für die angebliche Überfrachtung des Studiums. die fast an Unbekümmertheit grenzt. heute nehmen die Studenten nur einen Business Case nach dem anderen durch. »Allerdings muss man festhalten: Gerade für das Drittel der Studenten. sagt Bernhard Kempen. www.« Diese Entschuldigung zumindest könnte sich bald erledigt haben.olafdeharde.): Die Workload im Bachelor.com. Den Studienleiter Rolf Schulmeister haben sie dazu als Berater eingeladen. Ein Ergebnis.« Gemeinsam mit der TU Ilmenau haben die Hamburger Forscher ihr neues Modell bereits ausprobiert. bleibt eine andere«. zumal auch deutlich mehr Lernkontrollen geschrieben werden als früher. Hier offenbart sich.« schon jetzt arbeitet er freiwillig jede Woche einen Tag in einer Schule.

zu Massendemonstrationen gegen die Bologna.der Psycho-Oster-Party. Sie steigt auf das Sofa und klaubt einen achtsemestrigen Bachelor in Psychologie an. das war schon früh klar. Professorin für klinische Psychologie und habe?« Auch die frühen Vertiefungsmöglichkeiten Studiendekanin.mich sinnvoll spezialisieren können. der ruf einsteigen könnte.testen. sagt Brielmann. blie. Allerdings abschlusses stellten viele infrage.Brigitte Rockstroh kennt diese Argumente und gibt zu: »Vier Jahre Bachelor plus zwei Jahre Masnungen. RegelstudienAuch die tatsächliche Berufsbefäzeiten von sechs. Foto: privat Aus sechs mach acht .« Die Universität Konstanz bietet seit Worauf sie verzichten würde. »In einem Einige Hochschulen wagen es: Neben der Universität Konstanz hat zum Bei. sagt sie.gleichen. dass ein Parallelangebot unterJahre laufen zu lassen. Doch bei genauerer Betrachtung sind diese den Beruf entlassen. Deutsche Fachhochschulen. »Den meisten meiner Studenten fehlte bislang die Zeit. um ter finde ich sehr wichtig«. sagt sie. sagt sie. weiß sie allerdings dem Wintersemester 2009/10 einen auch nicht. »Wenn es aber funktioniert.zur Universität oder ein zusätzliches. haben dies längst beVorlesungen zu besuchen oder etwas in Ruhe zu rücksichtigt: Nach Recherchen der Hochschulrekverdauen«. An Kunst. Die Umstellung auf die Bachelor. da in den zusätzlichen Semestern ebenfalls Leistun. ab phase zu wenig Zeit. das im Rahmen des Bachelor-Plusauch die 20-jährige Psychologiestudentin Aenne Programms des DAAD finanziell unterstützt wird Brielmann aus Konstanz. Heimelig war es an der Uni Hamburg nicht. sagt Brielmann.zweisemestrigen Master müsste man sich im Wespiel die Uni Bamberg die Regelstudienzeit ihres sentlichen auf die Masterarbeit konzentrieren«.« Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. »Aber der Stundenplan Berg.com. »Und die Regelstudien. keiner kommt. WirtschaftsReform führten. sagt Brielmann logie zum Beispiel oder Gesundheit und Arbeit.semestriges Masterstudium hin. »Wir haben aus allen Fakultäten ein kla.« Probleme wie diese waren es. sagt Brigitte Rock.torenkonferenz wiesen im vergangenen Wintersemester 44 Prozent der Bachelorstudiengänge zeit zu überschreiten bedeutete Stress. Aber: Dann Die forschungsorientierten Unidauer vor.gilt. »Studieren«. es bleibt Zeit. der Ständige Vertreter des Prädie Universität des Saarlandes lässt wissen: »Alle sidenten der Universität Augsburg. Die Psychologiestudentin Aenne Brielmann Ende zweites Semester. Hochschulrahmengesetz räumen jeder Hochschule die Freiheit ein. und es gibt derzeit keine Pla. »Den Studenten bliebe in der Eingangsversität in Friedrichshafen wirbt damit.schulpräsident Elmar Schreiber. sie fürchten eine Schmalspurnicht verbessern? ausbildung im Master. Und das Studentenwohnheim wurde zu meinem Zuhause. die ohnehin einen gefühlte Druck ist hoch. Klinische Psycho. die man auf sieben oder acht chelor daher fast flächendeckend Semester umstellte. Follow the white rabbit den einen Schwerpunkt wählen. Auch die Goethe-Universität in Frankfurt am Main plant im Fach Sinologie schiedlich langer Bachelorstudiengänge die Mobilität der Studierenden einschränken würde: Hocheine Umstellung auf acht Semester. also aufeinanDie Forderung nach längeren Hochschulen können derfolgenden Studiengängen nur Regelstudienzeiten machte die die Studiendauer des zehn Semester betragen: Zu eiRunde. über ihren näres Studienjahr sollen an einzelnen Hochschulen angeboten werden. hier können die Studieren. heißt nicht sofort panikartig alles wieder umzustellen«. samt Blick auf See und Alpen.Ländergemeinsamen Strukturvorgaben und das ben Freiräume auf der Strecke – so die Kritik. Von der Wand des Fachschaftsraums starrt ein im vierten Semester beginnt die Einführung in die weißer Hase mit roten Augen vom Werbeplakat Anwendungsmodule. auf dem gesucht«. Auch die Konstanzer Psychologieprofessorin unsere Bachelorstudiengänge sind auf sechs Semester ausgelegt. Sense«. Sie hat Dienst im Fachschafts. dies zu ändern. Nur dass ich studieren würde. gefallen ihr. Sie will in den Sportkurs.noch nichts vom Berufsleben mitbekommen stroh. Das weiß inzwischen landsjahr vor. Würden Studiengänbleibt für den Master versitäten lehnen den langen Bage. bei konsekutiven. die Situation weniger Zeit ab. Am »Ich habe mir die Konstanzer Uni bewusst ausSüdrand der Bundesrepublik. die neuen.und Auslandssemester. Rechts-. Die meisten diengang neu akkreditiert werden – das kostet. »Wie soll ich eine wissenschaftlich wirklich gute Grundausbil. wie sie ist. Allerdings beschränkt sich das Phänomen der schulwechsel zwischen Bachelor und Master würden Studienzeitverlängerung bislang nur auf wenige erschwert. Und nach nur drei Jahren PsychoDas anwendungsorientierte Psychologiestudi. Aber ich habe mich schnell zurechtgefunden. Grundsätzlich ist für Studieverlängerten Studiengang zu reden. wenn ich dung vermitteln zu können«. Dort sehen etwa Bachelors flexibel auf gehörte demnach ein zweisemes95 Prozent der Bachelorangebote bis zu acht Semester triger Master. Zeitproblem darf die Gesamtregelstudienzeit zum Teil bis heute.« Dennoch zeigt sie sich von dem Konzept ihres Fachbereichs überzeugt: »Wir sind erst am Anfang.« Hinzu kommt. Bereits hat.olafdeharde. »In Übersichtsplan von der Wand. die andere Option soll die Bachelorabsolventen optimal vorbereitet in abschluss besser qualifiziert. das Studium ließe tierten Zweig entscheiden können. sagt Rockstroh. und grinst. Die Stundenpläne sind oft straff.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. eine sechssemestrige Studienfestlegen. Die wissensich flexibler und individueller gestalten. wenn immer möglich zu verbessern und res Bekenntnis zum dreijährigen Bachelor«. »Unsere Gleichung lautet: Argumente nur teilweise zu halten. eine zierliche.« B 1980er Jahre Juliane Papendorf. Studiengangs Internationale BWL von sechs auf sagt Andreas Archut. »Cut.tät Bonn. Auch Übergangssemester von der Schule Sommersprossen. Pferdeschwanz und kommt.und Sozialwissenschaften.« Möglichkeiten gibt es viele. mit meinen Kommilitonen von dort bin ich noch immer befreundet. So stellt zum Beispiel die Jade Hochschule Oldenburg/Wilhelmshaven/Elsfleth im nächsten Wintersemester alle ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge auf acht Semester um. Abschlüsse ließen sich schlechter verHochschulen und Fachbereiche – ein bundeswei.« ter wären mir lieber. sofern es Finanzen und Zeit zulassen.raum und das Biopsychologie-Seminar gequetscht kante auf das grau melierte Sofa unter ihr. die im Jahr 2009 eine Regelstudienzeit von sieben Semestern auf. kl. »Das Praxissemesunserem Fach sind vier Jahre das Minimum. Rein rechtlich ist das seit Jahren möglich: Die Stattdessen seien gerade die sechssemestrigen Bachelors mit Stoff und Prüfungen vollgestopft. aus.logiestudium. warum die Welt so ist. Basismodule? Sollten vor dem sechsmonatigen Berufspraktikum im fünften muss jedenfalls jetzt los. und die schaftliche Variante führt gezielt auf ein zweiAbsolventen wären mit ihrem ersten Hochschul. Vor allem muss jeder verlängerte Stuter Trend ist mitnichten erkennbar. sieben oder acht higung des ersten HochschulSemestern festzulegen. Die private Zeppelin Uni. »macht immer noch Spaß. werden andere nachziehen. Einige Universitäten wiederum sehen bei bematisch zu einer Entzerrung des Stundenplans. ohnehin acht Semester. energische – ohne dass es zu einer Studienzeitverlängerung Person mit T-Shirt. diese Unabhängigkeit hatte ich sogar gesucht. inhaltlich auf ein Niveau Herbst 2011 als erste deutsche Hochschule alle zu kommen und später ihre wissenschaftlichen ihre Bachelorstudiengänge regulär vier statt drei Grundlagen zu vertiefen. den sie zwischen die Präsenzzeit im Fachschaftssagt Aenne Brielmann und haut mit der Hand. noch betrachtet man uns als Exoten«. Politikstudentin von 1981 bis 1986: »Während der Schule wechselten meine Berufswünsche mehrmals. sagt HochStudiendauer beispielsweise führt nicht auto. wobei sich die Studierenden Dabei scheinen die Vorteile einer Verlängerung nach dem sechsten Semester entweder für den auf der Hand zu liegen: Es bliebe mehr Raum für berufspraktischen oder den wissenschaftlich orienPraxis.insbesondere die Ingenieur-. auch mal andere starken Praxisbezug haben.stimmten Studiengängen ein zusätzliches Ausgen erbracht werden müssen. Und sagt Alois Loidl.und Methoden.steht auf einem Pfeil. Orientierungsmodule? Deadline geschlossen. Semester abgeschlossen sein. Eine längere Acht plus vier ist gleich zehn Semester«. Jeans. interdiszipliraum. Verschieben könne man auch in den vier Jahren rende ein längeres Studium ohnehin nicht auswenig. mit dem man in den Bevielfalt.Abschluss in der Tasche. es zum Beispiel von der Universität Freiburg. Ich wollte wissen. insbesondere an den nem achtsemestrigen Bachelor Universitäten. gerade eingeführten Modelle zu haltend.und Musikund-Master-Struktur sollte Deutschland eigentlich hochschulen dauern drei Viertel der Bachelors fit für den europäischen Hochschulraum machen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 73 Längere Bachelorprogramme könnten die Stundenpläne entlasten. Sie schaffen aber andere Probleme VON MAREN WERNECKE eginnen wir mit der Ausnahme. »Es Hochschulen zeigen sich bei dem Thema zurück. habe man keinen um ist bekannt für seine Fächer. der Sprecher der Universiacht Semester erhöht. ist immer noch unglaublich voll.

Wer sich auf den Weg nach oben macht.« Hildesheim ist die kleinste Großstadt des Landes Niedersachsen. Und wie. Worte lang sein. die mehrheitlich mit Studierenden besetzt ist. desto mehr Universitäten machten sich die Kritik der Studenten zunutze – oft für ihre eigenen Interessen. Gleich mehrmals wurden die Studienordnungen überarbeitet Natürlich macht es Arbeit. In einigen Studiengängen wurden die Module geöffnet. son- dern vor allem auch eine Frage der Einstellung. dem Bologna-Koordinator Toni Tholen und Werner Greve maßgeblich bestimmt wird. Manche der Anwesenden nicken. Hildesheim ist aufgesprungen. gebildeter Mann mit epochalen Gesten und vornehmer Art. Deswegen fragt der Stifterverband: »Welcher Studiengang verdient Lob und warum?« In der Begründung sollen ausschließlich Kriterien eine Rolle spielen. Mittlerweile heißt der Bologna-Tag in Hildesheim »Dies academicus« und ist zum festen Bestandteil des Studienjahrs geworden. Je lauter ihr Protest wurde. drei Mal die für den Master. Und hierbei unterscheidet sich die kleine Universität momentan von mancher Massenhochschule. die auf der Bologna-Konferenz 1999 beschlossen wurde. zeigt die Universität Hildesheim erner Greve hat sich eine bunte Fliege umgebunden und wird gleich etwas sagen. einmal 2000 und einmal 1000 Euro. Für dieses Engagement hat die Hochschulrektorenkonferenz Hildesheim auf die Liste der »Good Practice«-Beispiele gesetzt. sagt Greve hingegen nur. »Wir bevorzugen nicht den Top-down-. Wie das geht. Er fragte die Studenten. Sie wollten das Diplom zurück. sagt Werner Greve. muss sich Debatten stellen.74 12.de/cum-laude. Vier Mal wurde allein an Greves Institut die Bachelor-Studienordnung überarbeitet. »Ich glaube. Aber nicht nur die Studenten zeigten während der Streiks ihre Unzufriedenheit. Studienordnungen innerhalb kurzer Zeit zu ändern. Greves Abendrede ist nicht nur höfliches Gefasel. dass Bildungskrisen auch Chancen bergen. dass das. den Kopf oben zu halten. dann sagt der erst einmal »Tja«. we can make it everywhere!« . die Tausende Studenten in Deutschland 2009 während der Bildungsproteste über ihren Köpfen schwenkten. Daraufhin richtete er einen sogenannten Bologna-Tag ein. Selbst der Asta-Referent der Uni spricht sich inzwischen öffentlich für die Bachelor. andere raunen. Den Studenten gefiel das. was ihnen nicht passte. was in Hildesheim geht. der Leiter des Instituts für Psychologie.stifterverband. Ein Formular für den Antrag steht unter www. wählt eine Shortlist von sechs bis acht Studiengängen aus. aber es muss sein. Als die Hildesheimer Studenten während der Bildungsproteste den Hörsaal der Uni besetzten. In Hildesheim studieren 5000 Studenten von bundesweit rund 2. Die Uni Hildesheim hat sich mit ihrer Reformbereitschaft vom Hannoverschen Stiefkind zum bundesweiten Musterschüler gemausert. einer klatscht. Bologna heiße der Zug der Zeit. Der von Bachelorstudenten oft angeprangerte »Prüfungsmarathon« wurde durch weiter gefasste Prüfzeiträume entzerrt. sondern stattdessen den alten Studiengängen nachgetrauert. und prämiert die drei besten mit einmal 3000. die Prüfungsbelastung ist durch die Verringerung von Modulen reduziert worden.« »Was in Hildesheim geht. Zwei Tage. Es gibt Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer und den ältesten Rosenstock der Welt. was viele Menschen nicht hören wollen.2 Millionen. »Wir sind das Hackfleisch in der Bolognese« oder »Dichter und Denker statt Bachelor und Banker« stand auf den Plakaten. Aber viele universitäre »Sesselpupser« sähen das nicht ein. Die Studenten konnten kommen und in Workshops besprechen. sagt er. die sich direkt aus dem Aufbau des Studiengangs ergeben. Credit Points wurden dem Aufwand angeglichen. »Missbildung«. Einsendeschluss ist der 25. eigene Schwerpunkte zu setzen oder vielleicht ins Ausland zu gehen? Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sucht Studiengänge. was genau sie blöd fänden. Vorschläge können Studierende gemeinsam mit einer Fachschaft einreichen. Eine Jury. Vergangenes Jahr gaben die neun größten technischen Hochschulen in Deutschland beVON NORA GANTENBRINK W kannt. Allem Studenten-Widerstand zum Trotz beweist die Provinz-Uni gerade. »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand. sondern bezeichnend für einen reformerischen Geist. Und die Studenten fühlen sich von der Universitätsleitung in ihren Anliegen ernst genommen. »vergessen wir’s!« Die Umstellung von den alten Studiengängen auf die neuen sei eine echte Chance gewesen. woanders ganz bestimmt auch geht«. ruft er zum Abschluss seiner Abendrede ins Foyer und breitet die Arme aus: »If we can make it here. Werner Greve und Toni Tholen haben sich entschlossen. sagt er dann und weist auf die »spezielle Kommunikationskultur« an seiner Uni hin. Greve und die Universitätsleitung Hildesheim aber schon. Greve hebt sein Sektglas und sagt: »Bologna ist schon jetzt ziemlich prima!« Die Reaktionen der Zuhörer im Foyer des Römermuseums Hildesheim sind gespalten. Manchmal mischt sich schon etwas Größenwahn in seine Worte. dass die deutsche Hochschullandschaft auf Hildesheim blicken sollte. Schicken Sie den Vorschlag mit dem Formular an daniela. Im Fokus steht die Frage: Wie kann man das Studium verbessern? In welchen Fachbereichen gibt es wo genau noch Probleme? Und: Wie sind sie zu beheben? Das Ergebnis: Die Module sind in Hildesheim flexibler geworden. Die präsentieren sich dann Ende November in Berlin. wo die drei besten ausgezeichnet werden. Und dass es nicht nur eine Sache der Größe und des Geldes ist. wie man es besser machen kann. Natürlich ist jedem Studenten etwas anderes wichtig.und Masterstudiengänge aus. »Schade ums Diplom«. dass sie den Master schlecht fänden. um zu diskutieren. sondern den Bottom-up-Prozess«. denen – aus welchem Grund auch immer – besonderes Lob gebührt. so eine Studienordnung immer wieder umzuschreiben. Das klingt dann so: »Auch Cambridge war mal ein rotes Backsteingebäude in der Nähe von London. Greves Meinung nach ist Hildesheim auf dem aufsteigenden Ast. Sie sind die Antreiber auf den Campus. Sie sind gekommen. um den Studenten individuelle Wahlmöglichkeiten zu geben.de. das Preisgeld geht an die Fachschaft. Er soll den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten weiter vorantreiben. In Hildesheim sieht man es als Zeichen des Fortschritts. Mai 2011 AUSSCHREIBUNG DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN Lob dem Studiengang Der Stifterverband sucht die besten des Landes Verdient Ihr Studiengang die Auszeichnung »cum laude«? Ist das Studium besonders gut strukturiert. »Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«. Sie darf maximal 2000 »Bologna ist prima« Man muss die Studienreform nur richtig umsetzen. sind die Lehrinhalte aktuell? Lässt es Ihnen den Freiraum. Friedrich ist ein großer. Trotzdem findet Greve. Juli. ging der Bologna-Koordinator Toni Tholen einfach hinein. An vielen anderen Universitäten gilt es als Niederlage. mit gerade einnmal knapp über 100 000 Einwohnern. Denn viele Universitäten haben die Proteste nicht konstruktiv genutzt. Er sitzt in seinem UniPräsidium wie ein König. geht auch woanders« Wolfgang-Uwe Friedrich. der in der Uni Hildesheim weht und der von Personen wie dem Uni-Präsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich.maegdefessel@stifterverband. sagt Friedrich. eine Frage: Wie kann man die Bachelor-Master-Strukturen an den deutschen Universitäten verbessern? Nicht alle Teilnehmer des Forums sind von der Studienreform überzeugt. oder Sie schauen. Was ist nun an der Uni Hildesheim so anders als anderswo? Stellt man diese Frage dem Präsidenten Friedrich.

Je stärker Praxistauglichkeit angesichts der Schwerfälligkeit der Universitäten zum Gebot der Stunde wurde. das klappt nicht«. der ihn beherbergt hatte. was die Studierenden an den Gymnasien durch die Schulzeitverkürzung nicht gelernt haben. sozialer Arbeit. einsemestriges Studium generale eingerichtet. Studierende. Aber wir können ihnen einen Raum geben«. Auch so werden Inhalte anwendungsbezogen. die brauchen ihre Zeit. Trotz dieser Umstände hatte ich in Hamburg einen engen Kontakt zu meinem Professor. Bauingenieure. In den fünfziger Jahren kamen Elektrotechnik und Maschinenbau dazu. im nächsten Jahr 200.com. Pötzl erzählt. sondern für das Unternehmen. ihre Lebensgewohnheiten. kann den alten Stadtkern erahnen. Deshalb haben die Coburger für den doppelten Abi-Jahrhang ein freiwilliges. Pötzl ist gerade aus dem roten Baucontainer ausgezogen. da ich studentischer Mitarbeiter war. Mit Studierenden der Fakultäten »Soziale Arbeit und Gesundheit« und »Design« sprachen die angehenden Architekten auch über den Aktionsradius alter Menschen. als es denjenigen recht sein dürfte. und dass umfassendere Bildung kein Add-on ist. und Anfang der Siebziger wurde aus dem Polytechnikum eine Hochschule samt Betriebswirtschaft. als er noch vor wenigen Jahren en vogue war. das an den Fachhochschulen lange vernachlässigt wurde. müsse auch von einem Lernen begleitet werden. Materialkunde. Sondern dass die Studierenden auch lernen müssen. Die Studenten schreiben sich ein und können aus etwa 50 verschiedenen Veranstaltungen wählen. das junge Leute haben. mit Ethik-Konzepten von Aristoteles bis Habermas und mit dem Unterschied zwischen geistesund naturwissenschaftlichen Methoden beschäftigen. 112 Studierenden nehmen es derzeit in Anspruch. sagt Pötzl. Knapp 4000 Menschen studieren hier. manche haben die Berufsoberschule absolviert. Jetzt aber laufen sie Gefahr. das dem eigentlichen Studium vorausgeht. Foto: privat Praxisnähe reicht nicht aus Zur Ausbildung gehört auch Bildung. Technik.und Kulturgeschichte dazu. aber praxistaugliche Kräfte zur Verfügung zu stellen. Und zweitens kommt man so dem Orientierungsbedürfnis nach. müssen sie an den Hochschulen nachholen. hatte man im Zuge der Bildungsexpansion ab dem Ende der sechziger Jahre die Humboldtsche Einheit aus Lehre und For- schung aufgegeben – an Fachhochschulen lernten und lehrten vor allem Praktiker. »Persönliche Reifeprozesse können wir nicht beschleunigen. Allmählich aber spricht sich herum. Geburtstag zu feiern. entwickeln neue Studienfächer und unterstützen ihre Studenten beim Berufseinstieg. Der Vorläufer der Hochschule Coburg war rein praktisch ausgerichtet: Vor 199 Jahren wurde die Handwerkerschule gegründet – ein Anlass für die FH. zum Opfer dieses Erfolgs zu werden – denn die Universitäten haben von ihnen gelernt. die aus dem Beruf kommen. »Die nach Schema F zu belehren. die keinen Wehr. und das gilt nicht nur für Sachinhalte. die wiederum den Abiturienten. trivial erschienen. nämlich der Ausbildung praxistauglicher Arbeitnehmer? Die Coburger haben erkannt. dass die Zeichen der Zeit rückwärts deuten. wie ein Haus gestaltet sein soll. ihr Tun in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. kl. aber ihnen fehlten theoretische Grundlagen. Umgekehrt müssen nun die Fachhochschulen von den Universitäten lernen. Die Prüfungen werden ihnen später angerechnet. Heute besuchen die Hochschule Coburg junge Leute mit vielfältigerem Bildungshintergrund: Manche haben das Abitur oder Fachabitur. So sollen erstens die Jahrgänge. und sie ist falsch. Gesundheitswissenschaftlicher. Instrumentelle Bildung. in deren Augen das »allgemein« in »allgemeine Hochschulreife« in erster Linie für »nicht praxisrelevant« stand. worin sich die aktuellen Studienanfänger von den früheren unterscheiden: Jünger seien sie und weniger homogen. 2010 etwa entwickelten Architekturstudenten ein »Wohlfühlhaus für Jung und Alt« aus Holz für Bamberg. sieht er auch die Veste Coburg. die einem dazu in den Sinn kommt. aber ungeliebt. Ist das ein hübscher Marketingeinfall? Oder vielleicht ein Zeichen für den Sinneswandel einer Hochschulgattung. An meiner alten Uni hatte es keine überfüllten Hörsäle gegeben – der Protest und die Stimmung an der neuen haben mich daher ziemlich beeindruckt. Sie haben sich einen neuen Claim gegeben: »Die Projekthochschule«. wissenschaftlicher Anspruch und der Blick über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus. Damit soll das Denken in Zusammenhängen erlernt werden. Betriebswirtschaftler.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. die dafür von der Praxis wenig Ahnung hätten. Politik. Um dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete. Bildung bedeutet zunächst: Orientierung. die durch die Verkürzung der Schulzeit und die Wehrdienstaussetzung gleichzeitig an die Hochschulen stürmen. Bedürfnisse. Produktdesigner. darunter »Allgemeine Ethik«. Er hat mich bis ins Berufsleben begleitet und berät mich noch heute – ich berate ihn allerdings auch. Dreierlei soll darin zum Ausdruck kommen: Anwendungsbezogenheit. desto erfolgreicher wurden die Fachhochschulen.und Zivildienst und ein Schuljahr weniger Zeit hatten. sagt Pötzl. und wenn er sich nach links beugt. also rein zweckgerichtetes Lernen. Sie bemühen sich um ihre Studenten. aber noch grün hinter den Ohren. Gesundheit und Gestaltung. um über ihre persönliche und berufliche Zukunft nachzudenken. entzerrt werden. die doch eigentlich stolz darauf ist.olafdeharde. dass es nicht genügt. was die Hochschule Coburg derzeit umgestaltet. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 75 Fotos: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Das heißt für die Hochschulen: Sie können immer weniger voraussetzen. Deshalb sollen sich alle Erstsemester in Coburg vom Wintersemester 2012/13 an mit philosophischen Grundlagen. Das. Statik und Baukonstruktion. 2012 soll es gebaut werden. Lange fühlten sich die deutschen Fachhochschulen gleichermaßen als Musterschüler und Stiefkinder der Bildungsinstitutionen: effizient. »Einführung in die Ethnologie«. Zu lange galt der Grundsatz: Nicht für die Schule lernen wir. er sitzt über den Baumwipfeln. Im zweiten Semester kommen Wissenschaftstheorie. Eigenheiten – darüber also. das nice to have ist.« . 1990er Jahre Markus Birzer. aber auch »Die Gitarre in Theorie und Praxis« und ang- lizistisch Verklausuliertes wie »Social Contacts and Telephoning«. Wissenschafts-. einige eine Berufsausbildung und drei Jahre Praxiserfahrung hinter sich. Sozialarbeiter und Versicherungswirtschafter gemeinsam. engagieren jüngere Lehrende mit flexibleren Arbeitsverträgen. Denn Elfenbeintürme werden nicht so beherzt umund neu gebaut wie derzeit der Coburger Campus. in dem alte Menschen möglichst gern möglichst lange und möglichst selbstständig leben können. solange sein Zimmer noch nicht fertig war. glaubt man an der Hochschule Coburg VON ANDREAS UNGER E s ist verführerisch. Er ist der humanistischen Tradition näher. Technik. Dabei ging es nicht nur um Gebäudetechnik. Die Coburger Studenten machen das ganz konkret. »Interkulturelle Kompetenz«. sich durch nichts vom Erreichen ihres Hauptziels abhalten zu lassen. und sie zahlen keine Studiengebühren. in Richtung eines umfassenderen Bildungsbegriffes. »Elfenbeinturm« ist die Assoziation. Vor 20 Jahren waren die Studenten klassische Gymnasiasten und Fachoberschüler: schlau. deren Präsident er ist. Und: Diese Seminare besuchen angehende Architekten. das diese Zwecke hinterfragt. seien meistens hoch motiviert und könnten sich gut selbst organisieren. Und das ist nicht das Einzige. Tendenz steigend: Derzeit entstehen neue Hörsäle und Verwaltungsgebäude. Ein Viertel bis ein Drittel der Semesterwochenstunden sollen so gestaltet werden. Fachkräfte gegen den Fachkräftemangel heranzubilden. zu viel in Michael Pötzls Aussicht aus seinem Büro hineinzudeuten: Auf einem Berg über Coburg liegt die Fachhochschule. entrümpeln ihre Curricula und ihren Verwaltungsapparat.und VWL-Student von 1988 bis 1993: »Nach dem Vordiplom in Bamberg bin ich nach Hamburg gegangen und kam dort mitten im Streik des Asta an.

die eine Managementkarriere einschlagen wollen. sagt er lachend. www.« In Marburg studierte sie Germa- nistik im Hauptfach und Kunstgeschichte und Spanisch in den Nebenfächern. die Meurer an seiner alten Uni besucht hatte. Das Seminar Gender-Studies etwa. sagt sie. welche Module Ostholt belegt hatte. www. Hinzu kam. und bei 18 Prozent lagen Prüfungsunterlagen nicht rechtzeitig vor. Margret Wintermantel gibt zu: »Wir sind noch nicht so weit. dass wir hinter alle Ziele des Bologna-Prozesses einen Haken setzen können. der seinen richtigen Namen nicht nennen will. weiß von den Problemen der Studierenden. Für die Studierenden kann dies aber bedeuten. bis Thorsten Ostholt zuletzt fürchtet. am 11.baltic-college. Alle Scheine wurden anerkannt. Dennoch blickten die Hochschulforscher optimistisch in die Zukunft: Die Probleme seien vermutlich auf die Umstellung zurückzuführen. Der angehende Lehrer Thorsten Ostholt sieht seine Odyssee mittlerweile mit Humor. Während er auf eine Zusage wartet. um den Verwaltungsaufwand zu umgehen.de/emadipcomm Bau-Bachelor in Berlin Am 1. als ich musste. www. Ein Master für seine Bachelor-Fächerkombination aus Chemie und Sport. beim Übergang in den Masterstudiengang einer anderen Uni keine Probleme gehabt zu haben. erzählt Ostholt. den »Executive Master of Digital Pioneering«.law-school.« Auch eine aktuelle Absolventenbefragung des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung in Kassel scheint dies zu stützen: 68 Prozent der Bachelorabsolventen geben an. dass sie bei der Organisation des Wechsels weitgehend auf sich allein gestellt war und anders als ihre Kommilitonen an der neuen Hochschule keinen Kontakt zu den Professoren hatte aufbauen können: »Viele weigerten sich. Juni in München. sagt Ninia Binias: »Schlimm war es schon immer. Die Bewerbungsphase ist angelaufen. dass die Universitäten ihn nicht prüfen. die Studenten verlören Zeit. Im Sommer 2010 will er einen erneuten Wechsel wagen. So gibt es auch beim Thema Mobilität und Anerkennung von Studienleistungen anderer Hochschulen noch einiges zu tun.« Vor drei Jahren stellte die Studie »Innerdeutsche Mobilität im Studium« des Hochschul-Informations-Systems (HIS) den deutschen Hochschulen kein gutes Zeugnis in Sachen Wechsel aus: Es gebe Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen. oder 9. Die besten Teilnehmer werden zum mündlichen Test am 8. sondern abschrecken wollen. sagt Ninia Binias. Aber was dann? Florian Pranghe glaubt. Ein engagierter Studienberater riet ihr daher. Bei immerhin 6 Prozent hingegen wurden Leistungen nicht anerkannt. es ist wichtig. Frankfurt am Main und Berlin statt. In Göttingen wollte sie auf Spanisch verzichten und stattdessen zwei Hauptfächer studieren. »Sogar Scheine. verlief alles reibungslos. Das allerdings ging nicht.« In langwierigen Prozeduren wird geprüft. ihrem ersten Studienort den Rücken zu kehren und das Hauptstudium im 140 Kilometer entfernten Göttingen fortzusetzen.« Auch Margret Wintermantel. wie anstrengend das Referendariat ist. hieß es. brachte ihm in Berlin keinen Punkt.« Sie riet damals allen Bekannten von einem Wechsel ab. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN TIPPS UND TERMINE Bewerbungsschluss an der Law School Wer am Zulassungsverfahren der Bucerius Law School für den kommenden Herbst teilnehmen möchte. jemanden zu prüfen.« Die Bildungsministerin Annette Schavan hat das Thema bei der Bologna-Konferenz vergangene Woche zu einem der zentralen Punkte der Reform erklärt. sollten an der neuen auf einmal nichts mehr gelten. sechs Semester später. Oktober startet der neue siebensemestrige Bachelorstudiengang »Umweltingenieurwesen – Bau« an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Mit dem Abschluss des Bologna- Prozesses im Jahr 2010 hoffte man auf Besserung. an eine andere deutsche Hochschule zu wechseln? VON MARIE-CHARLOTTE MAAS E inmal hatte es schon geklappt. und habe einfach mehr ECTS-Punkte gemacht. Heute.« Thorsten Ostholt hatte bereits vorgebeugt: »Ich bin davon ausgegangen. Aus verwaltungstechnischen Gründen. www. Vertrieb und Einkauf. der Autor der Studie.« Kurse.de Neue Bachelors in Biberach Die Hochschule Biberach erweitert ihr Studienangebot zum Herbst um die Bachelorstudiengänge »Energiewirtschaft« und »Industrielle Biotechnologie«. den sie nicht aus den Seminaren kannten. dass mich nach dem Wechsel nichts mehr stressen kann«.« Ständig verlangen die Prüfungsämter neue Unterlagen. sagt Christoph Heine. Nach dem Ende ihres Grundstudiums entschied sich die heute 27Jährige. die er gern vertiefen will. nicht nur an einer Uni gewesen zu sein«. Ist mit Bologna tatsächlich alles komplizierter statt einfacher geworden? Nicht ganz. »Untersuchungen zeigen. sowie an Mitarbeiter aus den Bereichen Unternehmensentwicklung. Physik oder Mathematik. Juli in Hamburg eingeladen. Er informiert sich im Internet über die Studienordnung. Juni in Stuttgart. denn ab einer gewissen Abweichung wird man nicht mehr zugelassen«.zeppelin-university. »ich wollte andere Studienschwerpunkte wahrnehmen. finden wir nicht akzeptabel«. »Die neuen Bachelorund Masterstudienprogramme sind sehr stark ausdifferenziert. »Dieser Wechsel hat mich mehr Mühe gekostet als meine Bachelorarbeit. lernen sollte. Ein Glücksfall. anhand der Inhalte der Seminare zu entscheiden. wird an seiner Uni Göttingen nicht angeboten. dass es niemanden gab. »Die Ergebnisse der Studie waren sehr kritisch«. den einzelnen Betroffenen tröstet sie kaum. Anders als bei David Meurer ist der Hochschulwechsel von Thorsten Ostholt keine freiwillige Angelegenheit. an dem jetzt nachgebessert werden müsse. »Zu jedem Modul musste ich eine Inhaltsbeschreibung abgeben. telefoniert mit der Studienberatung. dass sich die Studienqualität gebessert hat. also gehe ich davon aus. an den ich mich mit Fragen hätte wenden können.de/423/detail/buw Restlos abgeschreckt Warum ist es so schwer. wenn überhaupt.« . »Wenn mir jemand erzählt. dass sie gegebenenfalls Studienleistungen nachholen müssen. sagt Florian Pranghe.de Master für digitale Pioniere Die Zeppelin Universität (ZU) Friedrichshafen bietet ab Herbst einen berufsbegleitenden Masterstudiengang für digitale Geschäftsmodell-Innovationen an. muss bis zum 15. was natürlich auch eine positive Entwicklung ist.76 12. Leipzig. in Marburg ganz groß. Wirtschaftsinformatik. »Inzwischen bin ich gegen alles gewappnet. Zurück in seine Heimatstadt Berlin. In langwierigen Prozeduren wurden alle Module geprüft Auch wenn die Studie allgemein Hoffnung macht.de Erste Master in Schwerin Zum Wintersemester starten am Baltic College/Campus Schwerin die viersemestrigen Masterstudiengänge »Management im Kulturtourismus« und »Marketing-Management im Tourismus«. Düsseldorf und Hamburg. der Vorsitzende des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften. Als der Politikwissenschaftsstudent David Meurer im Wintersemester 2007 von Jena an die Universität Marburg wechseln wollte. nur die besten Studenten haben. »Die Praxis der Hochschulen.beuth-hochschule. Der schriftliche Test findet am 4. dass die Anerkennung der Scheine problematisch werden wird. Bei einem Berlin-Besuch zerschlägt sich schließlich der Traum vom Wechsel: »Im Prüfungsbüro wurden meine Scheine angeschaut. und dann hieß es: Das könnte problematisch werden. plagen ihn Existenzängste: »Das Schlimme war. entgegne ich immer. die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. irgendein beliebiges Fach als zweites Nebenfach zu wählen und sich ein Semester später umzuschreiben. wagt Christoph Heine eine vorsichtige positive Einschätzung. wie David Meurer. des Dachverbands der Studierendenvertretungen in Deutschland. So einfach wie damals wurde es nie mehr. ob ein Wechsel möglich ist. Er richtet sich an IT-Fachkräfte mit einem Hintergrund beispielsweise in Informatik. So muss sich der 24-jährige Lehramtsstudent um eine andere Hochschule bemühen. »Das war sehr umständlich«.« Das kann allerdings keine Lösung für das Problem sein. die man im Ausland erworben hat.« Sie hat das Wechseldrama bereits mitgemacht.hochschule-biberach. Strategie. als der Studienabschluss noch nicht Bachelor hieß. obwohl er sogar seinen alten Magisterstudiengang gegen ein Bachelorprogramm eintauschte. Florian Pranghe vermutet hinter dem Vorgehen der Hochschulen ähnliche Gründe: »Die Unis sind überfüllt und wollen. dass es den Verantwortlichen noch an Lösungsideen mangele. werden leichter anerkannt als die einer anderen deutschen Uni. Schnell stellt sich heraus: Nur eine Handvoll Hochschulen würden ihn gegebenenfalls annehmen. »Ich finde. www. Mai den Online-Bewerbungsbogen ausfüllen. dass sich auch die Bedingungen eines Hochschulwechsels verbessert haben.

Denn letztlich war es auch der Wunsch der Unternehmen nach höher qualifizierten Mitarbeitern und passgenauer Forschung. Roß sieht das gelassen: Das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Bildung. was diese mehr als 30 Jahre lang praktizierten: die Zusammenführung von akademischer und beruflicher Ausbildung. sagt der Studiengangsleiter über seine künftigen Studenten. Das Ungewöhnliche ist aus Sicht der Dualen Hochschule nur logische Konsequenz. zu bestimmen. sagt Roß.« 2000er Jahre Mona Rössler.5 Prozent aller DHBW-Absolventen hängen derzeit direkt einen Master an – im Gegensatz zu 77 Prozent der Universitätsstudenten. Stephanie Odenwald vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft etwa möchte duale Ausbildungen wegen der Vorteile der Studenten am Arbeitsmarkt zwar nicht verteufeln. von Markt und Kapital. Kritiker fürchten um die akademische Unabhängigkeit. dafür an die DHBW zurückkehren. weiterführende Studiengänge anzubieten und Forschung zu betreiben. Bis zum Wintersemester 2014/15 will er die Studentenzahlen auf rund 34 000 wachsen sehen. »Die Ausschließlichkeit des berufsbegleitenden Modells ist einmalig«. die Unternehmen gäben die Themen vor. Als Studentin an der Musikhochschule Lübeck habe ich zudem gelernt. Seit Mitte März liegt das Akkreditierungsgutachten vor. die an der DHBW neben der Zusammenarbeit mit Unternehmen auch die Ausbildung der Studenten begleiten. Das Studium ist berufsbegleitend oder vielmehr berufsintegriert. deren Nachfrage man derzeit nicht befriedigen könne. die in Leitungsaufgaben wollen«. gesellschaftliche und sozialstaatliche Aspekte mit einschließt. der die Einrichtung der Master mit angestoßen hat. deren Masterstudiengänge allesamt weiterbildend sind. Mit der Umwandlung der Berufsakademien in die Duale Hochschule war der Anspruch verbunden. desto besser die Karrierechancen. die nach dem Wochenendunterricht wieder an den Schreibtischen sozialer Einrichtungen sitzen werden. sondern auch rechtliche. Absolventen. An dieser Fakultät sind die Vorbereitungen für den Master am weitesten fortgeschritten. die sich weiterentwickeln. Die große Mehrzahl der über 6000 weiterführenden Studienangebote ist konsekutiv und schließt damit direkt an einen vorausgehenden Bachelor an. wird jedoch auch Skepsis entgegengebracht. das nicht nur wirtschaftliche. Leiter des Masterstudiengangs der Fakultät Sozialwesen. »Der Master ist für diejenigen gedacht.« . Es war toll. und das können wir auch im Master. Eine »ausgelagerte Berufsschule« wolle man jedoch nicht sein. Damit betritt man in Baden-Württemberg Neuland in der deutschen Hochschullandschaft: Die DHBW wird bundesweit die einzige Hochschule sein. halten wir für nicht zutreffend. In Sozialwesen sind es immerhin zehn Prozent. sondern eine Teilgruppe«. Der Master ist für diejenigen gedacht. die einen Abstecher ins Berufsleben und dann einen Master machen. Weitere könnten in den kommenden Jahren folgen – je nach Nachfrage. dass bereits der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss und der Master eher der Ritterschlag als karrieristische Notwendigkeit ist. die einen Master anhängen. Und die sind nicht der Regelfall. dass ich mich endlich auf das konzentrieren konnte. noch auf Diplom studiert zu haben – ich hatte viel mehr Freiheiten als die Musikstudenten heute. die sich derzeit noch im Akkreditierungsverfahren befinden. dass Spannungen zwischen den Ansprüchen der Praxis und denen der Hochschule existierten. »Alles sehr motivierte Leute. sagt er: » Das können wir. Sie ging vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss von acht Berufsakademien hervor und setzt nun als Hochschule fort. Ich gehe davon aus. Befriedigt wird auch Nachfrage von anderer Seite – der der Studenten. sagt Geilsdörfer. Eine Gratwanderung.« Tatsächlich wählen die Kooperationspartner der DHBW die Studenten mit aus und reden auch bei den Studieninhalten mit. Ich bin froh. sich spezialisieren oder Führungsaufgaben übernehmen wollen. Ähnlich soll es nun im Master weitergehen. »Sie fühlen sich eher als Mitarbeiter der Unternehmen denn als Studenten der Hochschule«. Oktober an den drei Fakultäten anlaufen. für mich selbst verantwortlich zu sein. die ersten Masterprogramme. Der Nähe zur Wirtschaft.com Aus dem Büro an die Uni Die Duale Hochschule Baden-Württemberg bietet jetzt den berufsbegleitenden Master einhold Geilsdörfer sieht es nüchtern: »Die Studenten sind unser Kapital. 15 bis 30 Erstsemester werden im Master »Governance Sozialer Arbeit« für 1500 Euro pro Semester auf Führungsaufgaben im sozialen Bereich vorbereitet – nach dem Prinzip Governance. Es sind solche ökonomischen Prinzipien von Angebot und Nachfrage. sagt Geilsdörfer. sagt Präsident Geilsdörfer. »Wir wollen uns damit in der VON SABRINA EBITSCH R akademischen Landschaft endgültig als Hochschule mit Vollprogramm platzieren«. Praxis und Theorie sei nun mal seit vielen Jahren »unser täglich Brot«. wie oft und wie lang ich übe. dass sich dieses Kapital bald vermehren wird.olafdeharde. für das Studium habe ich mich deshalb bereits zu Schulzeiten entschieden. Die wollen die Stuttgarter nun zur Regel machen. die bisher nur Bachelorstudiengänge angeboten hat. Ein Dutzend Masterstudiengänge. dass die Unternehmen einen sehr starken Einfluss ausüben. Klavierstudentin von 2002 bis 2007: »Ich habe immer schon Klavier gespielt. die mit den Masterprogrammen nicht leichter wird. sagt Roß. wie man in Stuttgart betont: Die Studenten behalten ihre Stelle in einem der Partnerunternehmen. dass kritisches Studieren zu kurz komme: »Die Freiheit von Forschung und Lehre ist hier in Gefahr. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 77 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. sagt Geilsdörfer. Für die meisten Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ist die Weiterbildung vor allem ein mehr oder minder lukratives Nebengeschäft. Es bestehe nun einmal die Meinung: je höher der akademische Grad. die sich spezialisieren wollen« Dahinter steht auch die Auffassung. betont Roß: »Den Vorwurf. Das reißverschlussartige Ineinandergreifen von Theorie und Praxis soll im Master noch enger werden. die den Studenten weitgehende Jobsicherheit und den Unternehmen maßgeschneidertes Personal beschert. Niemand diktiert uns die Ausrichtung.CHANCEN SPEZIAL: BACHELOR & MASTER 12. sondern auch ein fester Arbeitsvertrag. sollen am 1. moniert aber. »Auch während der Masterausbildung sollen die Studenten den Unternehmen erhalten bleiben«. sagt Paul-Stefan Roß. Bereits im Bachelor verbringen die rund 26 000 Studenten die Hälfte ihrer dreijährigen Studienzeit in einem der 9000 Kooperationsunternehmen. Voraussetzung für die Teilnahme an den Programmen ist nicht nur Berufserfahrung. verbringen aber ihre freien Tage an der Hochschule und ihre Abende mit Lernen. sagt Geilsdörfer. »Das Grundprodukt ist der Bachelor. »Es werden kleinere Nachjustierungen gefordert. Im Herbst starten an der DHBW. was früher ein Hobby für mich war.« Er gesteht aber auch ein. Anders als an anderen Hochschulen stehen sie ausschließlich Berufstätigen offen. Man verstehe dies auch als personale Entwicklungsmaßnahme für die Unternehmen.« Der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat dafür gesorgt. aber wir haben grünes Licht«. sind die Ausnahme. Gerade einmal 8. Künftig soll gut die Hälfte derjenigen Absolventen.

die voll im Beruf stehen und zusätzlich stu- In Teilzeit studieren Anders als in Großbritannien und den USA haben die Hochschulen hierzulande bislang nur wenige Angebote konzipiert. dass sich das Studium um ein Jahr bis zwei Jahre verlängert. Aber nur jeder siebte arbeitet während des Semesters mehr als sechzehn Stunden pro Woche. was man will. eine schwierige Matheaufgabe zu lösen – auch wenn es bis zwei Uhr nachts dauert. um ein Studium abzuschließen. Mai 2011 Foto: Olaf Deharde für DIE ZEIT/www. Es geht nicht nur darum. Viel Freizeit habe ich allerdings nicht mehr. Es sollte keine Probleme geben. ZEIT: Wer braucht dann überhaupt »echte« Teilzeitstudiengänge? Teichler: Für die Minderheit der Teilzeitstudenten. dass Ältere noch mehr lernen. die es ihnen ermöglichen. für Vollzeit. dass nach Abitur oder Ausbildung einige Jahre Berufstätigkeit folgen und ein späterer Einstieg ins Studium leicht möglich ist – Vollzeit oder Teilzeit. Mitarbeiter und Lehrbeauftragte.78 12. Studenten.« dieren wollen. Hier sind separate Teilzeitstudiengänge gefragt. sondern auch dass nicht alle vor dem Berufseinstieg so lange lernen. Informatikstudentin seit dem Wintersemester 2010: »Dass ich jetzt Informatik studiere. Ältere. nur am Abend oder am Wochenende Kurse zu besuchen. das sich vor allem an der Standard-Studiendauer orientiert. Bevor wir die stärker ausbauen. welche Milieus man schaffen will. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat deshalb mehr Teilzeitangebote gefordert. eine chronische Krankheit oder familiäre Verpflichtungen können dazu führen. Andererseits wird verlangt. wenn ganze Fachbereiche oder Hochschulen sich darauf spezialisierten. Separate Studiengänge für Teilzeitstudenten sollte es nur in Ausnahmefällen geben. müssen wir uns aber fragen: Ist es sinnvoll. Kaum jemand hat dadurch aber schlechtere berufliche Chancen oder verdient weniger. Der Bedarf würde am besten gedeckt werden. Teichler: Bei der Reform hat man das Thema Nebenjob erst einmal übersehen.und Teilzeitstudenten. Teichler: Ja. dass er nicht mehr als Vollzeitstudent gelten kann. ohne offiziell diesen Status zu haben: Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner Sozialerhebung im Jahr 2009 ermittelt. Es wird viel vom lebenslangen Lernen gesprochen. ob wir noch mehr zum Teilzeitstudium ermutigen sollten. Die Regelungen für Studiengebühren müssten ebenfalls flexibler werden: Wer weniger Punkte im Semester machen will. Ich bin nicht sicher.und Prüfungsordnungen vor und für eine Minderheit spezielle Teilzeit-Hochschulen. die am Wochenende oder abends lehren wollen und können. gestaffelt absolviert zu werden. Wir sollten dazu ermutigen. die sich ausdrücklich an Studenten richten. Denn für solche Angebote muss man anderes Personal rekrutieren: Professoren.und Masterstudiengängen kaum noch möglich sei. Das ist nicht die dringlichste Aufgabe. aber hier kann man nachbessern. Interview: STEFAN KESSELHUT . Seit Langem arbeiten Studenten nebenher. dass es in Bachelor. die vorgegebene Stundenzahl pro Semester zu leisten. dass gut ein Viertel der Studenten siebzehn Stunden pro Woche oder mehr in Nebenjobs arbeiten müssen. studieren mehr oder weniger in Teilzeit. studieren allerdings bereits heute viele Studenten faktisch in Teilzeit. dass man nebenher viele Erfahrungen in Jobs und Praktika sammelt. man muss sich auch entscheiden. die nebenbei jobben. Das Klischee vom lockeren Studentenleben trifft auf mich sicher nicht zu. nebenher zu arbeiten. Deshalb müssen wir alle organisatorischen und finanziellen Nachteile für diese Studenten abbauen. dass das Studium zumindest eine Zeitlang zur Nebensache wird. Eine Herausforderung auch für die Politik: Das faktische Teilzeitstudieren zieht häufig Probleme mit dem Bafög oder Studienkrediten nach sich. ohne das Studium zu gefährden. zum Teil gibt es solche Angebote auch schon. Wer ein Modul besteht. Mit der Bologna-Reform wurden Studiengänge in Module eingeteilt. ZEIT: Sie schlagen also flexiblere Studien. dass sie für alle »studierbar« sind: für Jüngere. Aber auch Kinder. 2010er Jahre Laura Rosenberg. Dem »Hochschulkompass« der Hochschulrektorenkonferenz zufolge sind weniger als fünf Prozent der Studiengänge in der Bundesrepublik überhaupt dazu geeignet. wenn jemand erst einige Jahre nach dem Bachelor in den Master einsteigen will. Selbst bei weiterbildenden Studiengängen ist der Anteil kaum größer. Wir müssen Studiengänge so gestalten. das Studium an der Uni Hamburg ist anstrengend und unterscheidet sich kaum von der Schule. Einerseits haben wir die Tradition des Studenten. Was halten Sie davon? Ulrich Teichler: Nebenjobs sind kein Argument für wesentlich mehr Teilzeitstudiengänge. ZEIT: Sollte also lieber doch alles bleiben wie bisher? Teichler: Nicht unbedingt.olafdeharde.com DIE ZEIT No 20 SPEZIAL: BACHELOR & MASTER CHANCEN »Nachteile abbauen« Der Hochschulforscher Ulrich Teichler über die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjobs DIE ZEIT: Dem Deutschen Studentenwerk zufolge arbeitet heutzutage jeder vierte deutsche Student nebenher so viel. ZEIT: Wenn jemand bis zu zwanzig Stunden in der Woche arbeitet – leidet darunter nicht sein Studium? Teichler: Man muss sich entscheiden. sammeln ja Arbeitserfahrung. Hier muss jeder seine persönliche Balance finden. Definiert man »in Teilzeit studieren« umgekehrt so. zahlt weniger. ZEIT: Viele klagen. aber bisher wird wenig für einen anderen Rhythmus von Berufsund Lernphasen getan. dass jemand es nicht mehr schafft. die in Teilzeit studieren wollen. muss man eine bestimmte Zahl an Punkten erreichen. hat mich selbst überrascht. Warum geht das nicht in einer beliebigen Zeit? Zusätzlich müsste das Bafög reformiert werden. um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Ich habe durch ein Schnupperstudium gemerkt. bekommt Punkte. dass mir das liegt. braucht man andere Angebote. dass Teilzeitstudierende unter sich sind? Sollten sie nicht auch in Kontakt mit »Vollzeitstudenten« kommen? Hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen. Das führt meist dazu. die sich den Hochschulen stellt. Aber es ist ein tolles Gefühl. die sich an der Regelstudienzeit orientieren. der zumindest formal in Vollzeit studiert.

sagt Altmeppen. Im Fach Kommunikationswissenschaft/ Journalistik wurde die Universität Hamburg in die Liste aufgenommen. und wie werden die präsentiert? Das war im ersten Semester.« Heute weiß sie. Ganz eingrenzen lässt sich das Feld der Medien. Nicht nur die etablierten Arbeitsgebiete wie Marktforschung. Mehr als 200 Studienangebote für Medien. zu weit ist die thematische Breite. werden nicht in das Ranking einbezogen. ohne an die Theorie zu denken«. dass ich in einem der spannendsten Felder arbeite. liegt Passau jetzt in der Spitzengruppe. Aber vorher muss sie ihre Bachelorarbeit noch fertigstellen. ausschlaggebend für ihre Studienwahl waren sie jedoch nicht.) Uni Greifswald Uni Halle-Wittenberg Uni Hamburg HMTM Hannover Uni Hohenheim TU Ilmenau Uni Jena Uni Leipzig Uni Mainz Uni Mannheim LMU München Uni Münster Uni Nijmegen (NL) Uni Passau Uni Twente (NL) Uni Zürich (CH) 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Uni Bayreuth Uni Bochum HBK/TU Braunschweig TU Chemnitz Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erlangen-Nürnberg Uni Konstanz Uni Leipzig Uni Marburg Uni Paderborn Uni/FH Potsdam Uni Regensburg Uni Weimar Stand 2011 Hochschulen. wie bedient man eine Kamera. das auf Einschätzungen von Studenten beruht. Die 23-Jährige studiert inzwischen im sechsten Semester Medienwissenschaft an der Universität Siegen und arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit. sagt Johannsen. wie auch die grünen Punkte in den Tabellen zeigen. Dabei geht es wieder einmal um Analyse: Johannsen geht der Frage nach. »Man sollte auch im Blick haben. Informationen zu allen Hochschulen und Fakultäten finden Sie im Internet unter www. / Nicht gerankt (keine Daten vorhanden. der Prinz will hochklettern. »Kommunikation gewinnt weiter an Bedeutung. Neben den Analysefächern lernte Carina Johannsen auch.und Kommunikationswissenschaften allerdings selten. »Wenn ich eine Schreibblockade habe. sagt sie. sagt Klaus-Dieter Altmeppen.CHANCEN 12. handwerklich und praktisch mit Medien umzugehen: Was gibt es bei einem Aufnahmegerät zu beachten. Werbung und Journalismus bieten Chancen. was sie im laut aufgedrehten Radio hörte: Wie verändert sich die Betonung der Radiosprecherin? Warum wurden welche Nachrichten ausgewählt. Carina Johannsen freut sich über die beruflichen Aussichten. als könne sie alles. sagt sie und lacht.und Kommunikationswissenschaften existieren inzwischen in Deutschland. wie schneidet man Filme und Radiobeiträge ordentlich? Im dritten Semester hat Johann- VON CHRISTIAN HEINRICH Kommunikationswiss. Warum Hunde auf Spielplätzen zeitweise als große Gefahr erscheinen. sagt Vinzenz Hediger.und Berufsalltag. wird in dieser Übersicht nur eine Fakultät dargestellt.und Medienberufe«. sie könne nichts wirklich. der dort seit 2008 die erste Professur für Kommunikationswissenschaft innehat und an der Errichtung des geplanten Zentrums mitarbeitet. dass das damit nicht passiert wäre. zeigen: Der Kommunikationsstudiengang der Universität Passau hat einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht. aber am Ende hat es gut geklappt«.und Medienwissenschaft einfach nur eingeführt.und Kommunikationswissenschaften würden die beruflichen Chancen vielfältiger. wo Carina Johannsen studiert. Film. So hat Johannsen etwa auch Scheine in Grundlagen aus den Wirtschaftswissenschaften und in Medienrecht gemacht. dann aber plötzlich in Vergessenheit geraten – weil sie von der Agenda der Zeitungen und Fernsehsendungen verschwunden sind. dass sich die Schwerpunkte der einzelnen Studiengänge stark unterscheiden können«. An eine fundierte Fernseh. Sie landete in der Spitzengruppe bei der Internationalen Ausrichtung und in der Schlussgruppe beim Indikator Forschungsgelder. Dann kommt der Slogan des Shampoos und der Hinweis. Noch im Jahr 2008 wurde das Fach in Passau nämlich massiv gefördert: Bald war eine Professur für Kommunikationswissenschaften ausgeschrieben und besetzt. In den vergangenen Jahren haben viele Unis das Fach Kommunikations. an denen das Studium aufgebaut wird oder für die keine Daten vorliegen. aber natürlich haben wir nur an der Oberfläche gekratzt«. Radio hören gehört ja letztlich auch zu ihrem Studium. »Das mit dem Analysieren ist zum Glück bald weniger geworden. Uni Augsburg FU Berlin UdK Berlin TU Dortmund TU Dresden Uni Düsseldorf Uni Duisburg-Essen Uni Erfurt ZU Friedrichshafen (priv.und Medienwissenschaftler von der Universität Frankfurt. an denen die Studenten während des gesamten Studiums kein einziges Mal eine Kamera in der Hand halten. In BWL an Fachhochschulen kam die PFH Göttingen bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt und Studierbarkeit in die Spitzengruppe. um ihr Image zu verbessern. / Schlussgruppe. die ich mir vorstellen kann«. sagt Johannsen. »Andererseits haben wir natürlich nur selten fundierte Kenntnisse. »Wir haben versucht. erzählt die Studentin. Sofern ein Fach an mehreren Fakultäten einer Hochschule angeboten wird. wie die Medien auf Menschen einwirken können. »Ich weiß theoretisch. Studierbarkeit und Praxisbezug der Mittelgruppe zugeordnet. / Mittelgruppe. die neuen Plattformen für die Verbreitung von Nachrichten und Videos. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 79 Radio hören für die Uni UNIVERSITÄT Das Fach Medienwissenschaft tritt thematisch extrabreit an m Anfang analysierte Carina Johannsen sogar noch morgens unter der Dusche. Mediaplanung. der an der Universität Eichstätt als Medienwissenschaftler forscht und lehrt. Die Studenten scheinen zufrieden zu sein: Bei dem wichtigen Kriterium »Studiensituation insgesamt«. Fehlen aber die nötigen Kompetenzen und Kapazitäten. Grundsätzlich stehen bei der Medienwissenschaft Geschichte und Theorie der Medien von der Schrift bis zum Computer im Vordergrund. sagt Ralf Hohlfeld. was sich im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2008 niederschlug: Der Studiengang in Passau war in allen wichtigen Kategorien in der Schlussgruppe vertreten. Inwiefern Ego-Shooter-Spiele aus labilen Menschen Amokläufer machen können. »Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben vor allem durch Facebook und Twitter derartige Formen angenommen. die wachsende Zahl der Mobilservices. aber die Haare reißen. Die Ergebnisse des aktuellen CHE-Ranking. Für Absolventen der Medien. »Es ist toll. weitere folgten. Für Medienwissenschaftler bestimmen sie zusätzlich den Forschungs.zeit. Wer Kommunikations. die in den Tabellen nebenan und auch im neuen ZEIT Studienführer stehen. sich zu spezialisieren«. Wenn Johannsen heute zurückblickt. wie die Universität Passau anfangs feststellen musste. Ich sehe jeden Tag. beim Indikator Praxisbezug der Mittelgruppe. die Ausbildung praktischer zu strukturieren./ Journalistik Forschungsgelder Internationale Ausrichtung Berufsbezug Studierbarkeit Studiensituation insgesamt UNIVERSITÄT Medienwissenschaft Internationale Ausrichtung Medien-Labore Studierbarkeit Studiensituation insgesamt Uni Basel (CH) A sen zusammen mit ihren Kommilitonen für einen Shampoo-Werbespot im Radio die Geschichte von Rapunzel umgeschrieben: »In unserer Variante lässt Rapunzel ihr Haar runter. Das war alles akustisch gar nicht so einfach zu vermitteln. »Ich finde es interessant. Dazu kommen weitere Schwerpunktsetzungen: Bei einem Studienangebot steht die akademische Theorie im Vordergrund. So ist es auch an der Uni Siegen.« In guten Tagen fühlt sich Johannsen. Ganz anders sieht es in Passau heute aus.de/studium/medien / Spitzengruppe. wie Tim Burton die Traumatisierung der Personen in drei seiner Filme darstellt.oder Radioausbildung reicht das aber nicht heran. sagt Johannsen. Medien sind eben überall und fast immer präsent. Die HWR Berlin wurde bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. Bei den Indikatoren Internationale Ausrichtung. und mit ihr wächst das Angebot der Kommunikations. Es gibt auch Universitäten. Aber das geht meist schnell vorüber. erzählt sie. ich kann wieder mit Freude Zeitung lesen und Radio hören. In vielen der untersuchten Bereiche liegt er sogar in der Spitzengruppe. dass die Angebote nach Aussagen vieler Studenten theoretisch und praxisfern blieben. in wenigen Monaten wird sie das Studium abgeschlossen haben. »Ich hatte zwischen Psychologie und Medienwissenschaften hin und her überlegt«.und Medienwissenschaften studieren will. Forschungsgelder und Forschungsreputation kam sie jeweils in die Mittelgruppe. Derzeit wird ein neues »crossmediales Medienzentrum« errichtet. TU Berlin und Handelshochschule Leipzig nun in der Spitzengruppe. bei dem anderen Fach liegt der Fokus auf Fernsehen oder Radio. und die Qualitätsunterschiede sind groß. schadet es eher ihrem Ansehen. Später möchte sie im Bereich Werbung arbeiten. wie ich einen Film machen kann. 2004 hatte man dort einen Bachelorstudiengang Medien und Kommunikation gegründet. Pädagogik und Politikwissenschaften gemeinsam führten – einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft aber gab es nicht. ohne dass die Theorie darunter leidet. kann ich guten Gewissens auch mal das Radio anmachen«. Stand 2011 zu geringe Fallzahlen) Änderungen im Ranking Gegenüber der Veröffentlichung der aktuellen Ranking-Ergebnisse im ZEIT Studienführer und in der letzten Ausgabe der ZEIT haben sich einige Änderungen ergeben: Im Fach BWL an Universitäten liegen beim Indikator Internationale Ausrichtung die Hochschulen ESCP Europe Berlin. . Im Fach Politikwissenschaft wurde die Universität Rostock in den Vergleich einbezogen. während die Kommunikationswissenschaft die politischen und gesellschaftlichen Wirkungen der Massenmedien ins Zentrum stellt. in wie viele Fächer wir Einblicke haben«. Studierbarkeit und Internationale Ausrichtung der Spitzengruppe zugeordnet. Kein Wunder. Es entstehen auch neue Berufsfelder durch die zunehmend professionellen Auftritte der Medien und Unternehmen in Sozialen Netzwerken. Die FHWien wurde in die Ranking-Tabelle aufgenommen und bei den Indikatoren Studiensituation insgesamt. oder zumindest von allem ein bisschen etwas – in schlechten Tagen hat sie das Gefühl. sollte allerdings nicht nur auf die Qualität der Lehre achten. den die Fächer Philologie. muss sie lächeln. wovon die Menschen wie beeinflusst werden. Mit entsprechenden berufsbezogenen Modulen haben die Studenten zum Ende des Stu- diums außerdem die Möglichkeit.

wie man sie von Hirschen kennt. die Thomas Leisner kritisiert: »Mit so einer Einstellung gibt man Klimaverhandlungen schon im Vorfeld auf. sagt Isabelle Steinke. die sie gewonnen hat. Der natürliche Lebensraum des Vorgesetzten ist der Sitzungssaal. »Alle. weil es an den Hochschulen dauert. Dichter Nebel steigt in dem riesigen Kühlschrank auf. Direkt nach der Umfrage. muss nicht nur sehr gut sein. die erwiesenermaßen zunimmt. sondern nur um die Macht. »Wir müssen aus allen Bereichen die wichtigen Punkte zusammenstellen. wie eine Wolke funktioniert«. bezweifelt sie aber VON MISCHA DRAUTZ So kommt man hin: Der Weg ins Berufsleben als Forscher beginnt mit der Doktorarbeit – am Lehrstuhl. desto mehr Licht wird zurückreflektiert und gelangt gar nicht erst auf die Erde. sondern anfangen: Der Eingriff ins Klima könnte Regenzeiten durcheinanderwürfeln und neue Wetterphänomene hervorrufen. sagt sie. sondern braucht auch Glück. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ansatzes werden in Karlsruhe erforscht. die man sich offenhalten sollte. »Wolken sind eine wichtige Komponente im Klimageschehen«. Technisch unveränderte allerdings. sie wollte experimentell arbeiten. müsste man die Aerosole mit Flugkörpern in die Atmosphäre I transportieren. wer dem anderen ins Gehege kommt. Je weniger Meetings nötig sind. das den CO₂-Ausstoß nachhaltig verringert. weil Ergebnisse oft auf sich warten lassen. Das können Wüstenstaub. Da Demokratien selten zu nachhaltiger Politik fähig seien. die von der Sache am meisten verstehen. ein Teilnehmer profiliert sich auf Kosten des nächsten. Die 26 Jahre alte Physikerin erzeugt am Karlsruher Institut für Meteorologie und Klimaforschung künstliche Wolken. dass nur eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes hilft. »da ist es unabsehbar. den CO₂Ausstoß zu verringern«.« Doch mit technisch veränderten Wolken würden die Probleme nicht enden. »Was wäre. Zudem setzen viele Akademiker in den USA auf Climate Engineering. in großer Runde über Probleme zu reden. Aerosole sind feinste Partikelchen. »Da muss man schon hartnäckig sein. Dort schart er sich mehrmals täglich mit Artgenossen um einen Tisch. Bei externen Promotionen fehlt der persönliche Kontakt zur Wissenschaft. das Steinke in ihrer Doktorarbeit beschäftigt. Das führt zu Fehlentscheidungen. Die Kühlung dröhnt fast so laut wie ein startendes Flugzeug. Aber genau wegen Aida hat sie sich auf die Doktorandenstelle am Institut beworben. wirkt es aber übernatürlich. die manche dahinter vermuten: Wer Wolken beeinflussen kann. sagt Steinke. der künstliche Wolken erzeugt – die Abkürzung steht für Aerosol-Interaktion und Dynamik in der Atmosphäre. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 81 DAS ZITAT Werner Finck sagt: Eine Konferenz ist eine Sitzung. Daher sind die Karlsruher Umweltphysiker auch integriert in das interdisziplinäre Projekt Global Governance of Climate Engineering an der Universität Heidelberg. dann bitte auch mit denjenigen am Tisch. sagt Steinke. damit am Ende die Gesellschaft eine Entscheidung treffen kann«. was passiert. Während sich die führenden deutschen Wissenschaftler recht skeptisch äußern und die Politiker in Berlin bei dem Thema noch in Deckung bleiben. um den CO₂-Ausstoß zu verringern wie beispielsweise ein Tempolimit auf Autobahnen seien unpopulär. Bis zum Vordiplom hat sie in Heidelberg neben ihrem Physikstudium auch Seminare in Volkswirtschaft besucht und beim Rollenspiel »Model United Nations« in New York mitgemacht. G E F U N D E N sabelle Steinke will forschen und nicht Gott spielen. bis er gescheitert ist. welche politischen und rechtlichen Konsequenzen es hat. Wolken zu manipulieren. Sie gehen davon aus. Zweimal im Jahr darf Isabelle Steinke für etwa vier Wochen Aida für ihre Versuche in Anspruch nehmen. wisse allerdings noch keiner. Der Himmel über Karlsruhe ist an diesem Tag wolkenlos blau. eine Haltung. Später kann sich Steinke durchaus vorstellen.« Sie findet es spannend. Thomas Leisner ist Professor der Umweltphysik an der Universität Heidelberg und Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung.« Einen Masterplan für den schwierigen Karriereweg in der Wissenschaft hat sie sich aber nicht zurechtgelegt. Aida heißt der überdimensionale Kühlschrank. Die einzige Fähigkeit. »Was wir in der Wissenschaft vor allem lernen. Womit ein neues Problem entstanden ist. Nur gibt ein Professor seine Stelle nicht nach einem Jahr bereits wieder frei. Abteilung Atmosphärische Aerosolforschung. an einem Forschungsinstitut oder in einem Doktorandenprogramm an einer Graduiertenschule. werden überall gebraucht«. Politische Maßnahmen. Um Aida herum stehen Behälter. So kommt man weiter: Die Stellen in der Wissenschaft sind spannend. Wenn Manager über ein neues Einkaufssystem debattieren. Schon den Begriff Climate Engineering mag Leisner nicht. wie Wolken auf verschiedene Aerosole reagieren. »Na ja. »Das klingt. Auch der internationale Austausch auf Konferenzen in aller Welt gehört zum Forscheralltag. ist logisches Denken. sind die Chefs ins nächste Meeting gehüpft. die von Erdöl profitieren. damit Probleme gelöst werden können? Wie der Kabarettist Werner Finck sagt: Nein. bevor das losgeht. interdisziplinär forschen zu können. in der freien Wirtschaft zu arbeiten – zum Beispiel bei einer Unternehmensberatung. wenn auf einmal ein Wirbelsturm auf die USA zusteuert. ob man lieber eine Fach. So – oder so ähnlich – könnte ein Eintrag im Tierlexikon über die Gattung Vorgesetzter und ihr Biotop beginnen. treiben einen aber auch an. dass Wolken so alltäglich und doch so kompliziert sind. in denen die Chancen für Ein. dann aber nach Mexiko abbiegt?« In der Diskussion über Climate Engineering geht es also nicht nur darum. werden verschiedene Maßnahmen angedacht. Wenn sie Experimente durchführt. etwa indem man Wolken als Sonnenschirm benutzt. langfristig an der Uni zu forschen. Aber sind Sitzungen nicht wichtig. Ansonsten darf man sich nicht verrückt machen«. ohne dass ein Einkäufer dabei ist. aber dünn gesät: In Deutschland gibt es in etwa genau so viele Professorenstellen wie Promovierte pro Jahr. Kann man die Umwelt manipulieren. »Das muss man Schritt für Schritt angehen.t-bernhardt. gefüllt mit verschiedenen chemischen Stoffen. Isabelle Steinke und ihre Kollegen basteln nicht einfach Naturphänomene nach. aufs Berufsleben hochgerechnet: schlappe 20 Jahre Meetings! Woran kranken Meetings? Erstens: Es gibt zu viele davon! Wie wäre es. Spaß am Forschungsgegenstand zu haben – und den hat sie. Zeit fürs nächste Meeting! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. bis man als Forscher wirkliche Resultate erzielt«. Eine Umfrage unter 800 Führungskräften im deutschsprachigen Raum ergab: Sieben von zehn Teilnehmern halten Meetings für schlecht vorbereitet. Und das macht Mitarbeiter zu Trotzköpfen: Sie torpedieren diesen Beschluss im Alltag. Um das zu verhindern. sondern auch darum. Auch Neugier und Eigenmotivation sind gefragt.« Noch kritischer äußert sich ihr Betreuer am Institut.« Isabelle Steinke sieht das ähnlich: »Alles andere sind nur Möglichkeiten. Sie halten Climate Engineering vielleicht für keine gute. weil das Institut Aida besitzt. merkt schnell: Hier arbeiten Forscher. Je weißer die Wolken. da ist sich die Mehrheit der Wissenschaftler heute einig. die einen interessieren. sagt die Physikerin. es muss nicht in eine Sitzung ausgelagert werden. auf Climate-Engineering-Aktionen angewiesen zu sein. schwarze. wächst Harnisch zufolge aber die Gefahr. Und für die wir noch Grundlagenforschung betreiben müssen. Bei mir wäre das Nächste eine Postdoc-Stelle. wenn man es kann? Wer eine Weile im Karlsruher Institut verbringt. Sie testet. wenn wir anfangen. weil es einfach lange dauert. wird sich auf Dauer zu stark erwärmen. kann vielleicht auch die Welt vor einer Klimakatastrophe retten. Und jeder Zweite sieht Verantwortlichkeiten nur unzureichend geklärt.Die Serie (3): Wir stellen acht Berufe vor. weil unterhalb der Professorenebene kaum passende Stellen vorhanden sind. um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Und sollte man es tun. die wie riesige Feuerlöscher aussehen. haben kein Interesse. bei der viele hineingehen und wenig herauskommt Der Coach erklärt: Gut verdrahtet: Isabelle Steinke im Kontrollraum Gesucht: Forscher Die Physikerin Isabelle Steinke versucht. Sondern auch. sagt die junge Forscherin und schaut schnell wieder auf ihren Computermonitor. ist die Fähigkeit. Den Rest des Jahres verbringt sie mit dem Interpretieren der Flut von Messdaten. »In den Tagen. In der freien Wirtschaft verdienen Forscher etwa ein Fünftel mehr. in dem Steinke Flüssigkeiten und Stoffe vermischt. Zudem erhält man im Gegensatz zu den meisten Berufstätigen ein hohes Maß an Freiheit in der Arbeitsgestaltung. sie beschäftigen sich auch mit den Auswirkungen ihrer Ergebnisse. braune. Bei der Simulation der UN-Abläufe vertrat sie die klimapolitischen Interessen Uruguays. Politikwissenschaftler und Sprecher des Projekts. denkt an eine solche Gesellschaftsentscheidung mit Sorge. Dabei kommt es zu Rangkämpfen. seine Position zu schärfen. Dort kann man langfristig immer noch überlegen. befürchte ich. keine Technikgläubigen. Und Leute. hat wenig Chancen. mit ungewissen Folgen für ihre Bewohner. Nicht nur. Die Erde. als könnten wir wie Ingenieure etwas gezielt konstruieren. »Mich fasziniert.de . dass niemals ein Klimaabkommen zustande kommt. wenige Antworten. was technisch möglich ist. Das bekommt man: Man kann den Fragen nachgehen. findet unkomplizierte Lösungen. Ob die Partikel dann dort blieben. Meetings verzögerten Arbeitsabläufe. Ob solche Experimente den Klimawandel aufhalten können. Wolken zu manipulieren. aber für die in der Realität bestmögliche Maßnahme. wenn man in großer Runde über Probleme redet. etwa ein Tausendstel Millimeter groß. überhaupt zu verstehen. die das können. um dem ranghöchsten Tier zu imponieren. Das wird spannend: Hitzige Fachdiskussionen mit Kollegen können nervenaufreibend sein. Wer öfter mal im Büro seiner Kollegen vorbeischaut und sich abstimmt. schlafe ich unruhig«. gibt es anderswo durchaus Anhänger. Auf einer Postdoc-Stelle an der Uni verdienen promovierte Wissenschaftler monatlich rund 3300 Euro brutto.« Um echte Wolken zu verdichten. verkommt der Meetingraum zur Insel der Ahnungslosen. Eine Möglichkeit wäre. Macht. Dadurch ist sie auch mit den Denkweisen der Vertreter anderer Fächer vertraut. sagt Harnisch. Grüne. Vulkanasche oder Salzwasserpartikel sein. Sicher ist: Mehr Aerosole machen die Wolke heller und dichter. muss mit heftigen Attacken rechnen. der für den weiteren Weg entscheidend ist. Das wird schwierig: Wer ganz auf die Uni-Karriere setzt. Climate Engineering lautet das Schlagwort. zum Grillen finde ich das schon okay«. Umso wichtiger sei es. Sebastian Harnisch.oder eine Managementkarriere einschlagen möchte. »Das Problem ist. Am liebsten würde sie aber doch an der Uni weiterforschen: »Da ist die Freiheit einfach am größten. bis man in eine lukrative Position gelangt. jeden Tag drei bis vier Stunden zu konferieren. sagt Isabelle Steinke. wenn eine »Koalition der Willigen« Climate Engineering betreibt? Wie steht es mit der Verantwortbarkeit? Bisher gibt es viele Fragen. Das muss man mitbringen: Einen langen Atem. Was passiert. Ihr Desktop-Hintergrund: Wolken. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) Foto: Thomas Bernhardt für DIE ZEIT/www. Denn wer den Sprung auf die Professur nicht schafft. desto besser ist die Organisation! Zweitens geht es bei Meetings oft nicht um die Sache. Eine Abteilung marschiert gegen die andere auf.und Umsteiger jetzt besonders gut sind G E S U C H T BERUF CHANCEN 12. Solche Kämpfe werden von Gleichrangigen ausgefochten. Sechs von zehn sagen. ist danach einen Schritt weiter – er hat zusätzlich ein Beziehungsproblem! Und drittens: Wenn schon Meetings. ein Drittel gab an. dass wir noch weit davon entfernt sind. Mehr Chancen für Forscher bieten Unternehmen. sagt sie. weniger Sonne auf die Erde gelangen zu lassen. Die Chance. Wer vor dem Meeting ein Sachproblem hatte. Es muss allen klargemacht werden. den Dialog auch außerhalb des Sitzungsraums zu pflegen? Alltägliches lässt sich im Alltag klären. erklärt Isabelle Steinke.

. Wernigerode Schuld und angemessene Strafe Dagmar Rosenfeld: »Täter aus gutem Haus« Die Unschuldsvermutung ist keine psychologische Einschränkung des Tatverdachts. um so eine angemessene Strafe zu begründen. der die befreiten Gebiete dort schlagartig sich selbst überließe. Markus Meister. die die emotionalen Bedürfnisse. die sonst ständig die Verrohung der Gesellschaft anmahnen. spannt die Falle der Selbstgerechtigkeit. dass heftige Tritte gegen den Kopf eines Menschen zu dessen Tod führen kann?« – »Doch!«. Kriegswaffen an Diktaturen. dass die Psychohistorie über den Verlauf der letzten Jahrhunderte. Diese Erkenntnisse fügen sich auch sehr gut in den Rahmen der psychohistorischen Forschung. dass man einen Menschen nicht grundlos niederschlagen darf? Haben Sie etwa keine Vorstellung davon. können es jar nicht jenug sein. und das Finanzamt repräsentiert das Böse – und ist auch noch ungerecht. Paehler. Wir werden die im Einzelfall nicht immer befriedigenden Folgen der Unschuldsvermutung weiter ertragen müssen. G. der höchstwahrscheinlich einen großen Teil seines Lebens in engen Kniebundhosen zugebracht hat. ist aberwitzig und geschichtsblind. Bad Fredeburg nachweist. Die Unschuldsvermutung gebietet demgegenüber eine Offenheit des Strafverfahrens. schrieb der 87-jährige Liebermann 1934 selbst: »Ich lebe nur noch aus Hass. Ermutigend ist hierbei. A-1020 Wien . wird als Erwachsener häufiger selbst gewalttätig. Berlin 28. Giebelstadt Es fehlt noch etwas: Arbeitgeber. Saddam Hussein und die Taliban wurde rein gar nichts gelernt. Liebermann hat in jüngeren Jahren dem Durchbruch der Moderne auf die Sprünge geholfen. der es unter Androhung von drastischen Strafen jedem Staat auf der Erde grundsätzlich verbietet. Hans H. dass nur Frauen schön zu sein haben. Den Durchbruch einer neuen Sicht werden die meisten in ihrer Dienstzeit nicht mehr erleben. Vielmehr ist sie eine Lehre aus der Erkenntnis. Empathie und moralisches Empfinden verantwortlich zeichnet. Nicht erwähnt wird. Aus diesem Dissens entsteht zwangsläufig das Missverständnis. Denn unser Strafverfahren will auch die innere Seite eines Verbrechens ermitteln. die überzeugend ZEIT NR. allenfalls »Scheiße!«. dass mit jedem Tatverdacht eine Schuldvermutung verbunden ist. zudem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. weil er sich schlagartig bewusst geworden ist. 18 Hölderlins Beitrag zur Weltliteratur in allen Ehren – wieso man sich im 21. R. Das verstellt den Blick auf die Notwendigkeit neuer Reaktionen auf Unrecht. Berlin/Riga Rechtsanwalt »So jemalt« Manfred Schwarz: »Der vollkommene Bourgeois« NR. diese Bilder nicht zu veröffentlichen. per E-Mail Der Libyen-Krieg beweist wieder einmal die Doppelmoral der Nato-Mitgliedstaaten. 19 12. Diese unterstellte Schuld ist immer in Gefahr. Hamburg Ich bin froh. wenn zwei Grundübel bestehen bleiben: Erstens die verworrenen Steuergesetze mit zig Ausnahmen. Kein noch so grausames Video kann hier alleine Antwort ZEIT NR. bleibt der Wunsch nach einer friedlichen Welt ohne Terrorismus ein Traum. als Zusammenfassung seines bisherigen Lebens. Jahrhundert von einem Hypochonder. Insbesondere stehen hier Erfahrungen aus der Kindheit im Fokus. der mit 75 Jahren die Ermordung seines Vetters Walther Rathenau und mit 86 den Fackelzug zur »Machtergreifung« Adolf Hitlers miterleben musste. ist eine grobe Vereinfachung. per E-Mail Richter am Amtsgericht i. Jens-Christian Pastille. Dr. dass in Hirn und Herz des Übeltäters ganz andere Abläufe stattfinden als gemeinhin angenommen. Tatsächlich hat – wie die Erfahrung lehrt – der Täter sich bei der Tat nichts gedacht. Über die Zeit seiner »inneren Emigration. die einen Menschen zum Mörder machen könnten. Dr. dass die Täter keine Ausländer waren. Dies ist kein zu hoher Preis für eine Rechtsordnung. Axel Felsch. hätte man die Ermordung Osama bin Ladens vermutlich als gerecht empfunden. In konsequenter Folge werden wir hoffentlich demnächst Beiträge über die Unschicklichkeit von Hosen und Erwerbsarbeit für Frauen sowie die Vorzüge von Eiswasser und Kernseife gegenüber Deo und Bodylotion für Männer finden.96 LESERBRIEFE AKTUELL ZUR ZEIT NR. sondern einer der Täter nur der Sohn eines Rechtsanwaltes war. trotz zeitweiliger Rückschläge. Dass aber der heutige amerikanische Präsident. der Täter habe Tathergang und Folgen voll im Griff gehabt und könne Ähnliches künftig vermeiden. Eva Matern-Scherner. reale oder fiktive terroristische Bedrohungen in einem feindlichen Kulturraum zu bekämpfen. Müssen wir uns da wundern. wie Manfred Schwarz schreibt. Wie Saddam Hussein so wurde auch Muammar al-Gadhafi jahrelang vom Westen hofiert und mit modernsten Waffensystemen ausgestattet. Rainer Böhm. Darmstadt NR. Hösseringen Laxe Moral K.oder Irakkrieg steht. Peter Christian Hall Frankfurt am Main Immer wieder prallen das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und das von der Justiz hochgehaltene Rechtsstaatsprinzip aufeinander. vorschreiben lassen soll. Das Arbeitsamt stockt das Einkommen noch auf. Berlin geben. sich bevorzugt in Gesellschaften entwickelt. dass die meisten Steuerklagen aus formellen Gründen gewonnen werden: Die Steuergesetze sind handwerklich so schlecht. In Libyen jedoch engagiert sich der Westen. würde dieses neue Gefühl der Ähnlichkeit untergraben und den Boden für einen »Kampf der Kulturen« bereiten. Bund. solch einen unwiderruflichen Akt der Selbstjustiz lobpreist: »Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«. examinierter Jurist. Florian Dietrich. haltgebende und nachhaltig stressreduzierende Bindung im frühen Kindesalter fördert die Entwicklung des präfrontalen Kortex. die bis zum Urteil Schuld und Nichtschuld in gleicher Weise einkalkuliert. Wer zahlt das letztendlich? Der Steuerzahler! Zu wenige Razzien und zu niedrige Strafen für die Arbeitgeber! Christel Fichtner Sandersdorf Sie sind wie wir Pro und Contra: »Soll der Westen den Krieg verschärfen?« Dass es in Libyen nur um die Macht des Westens geht. nachzulesen in Berichten des Steuerzahlerbundes und des Rechnungshofes. Ich schaue nicht mehr aus dem Fenster . wenn man jemanden. Albert Alten. Über Rückfälle wundert man sich dann. Obama und seine Verbündeten hätten sich stattdessen für einen UN-Beschluss stark gemacht.. die Evidenz liefern können. zweitens die Verschwendung von Steuergeldern. Dirk Kerber. und auch deshalb ist die vermutete Schuld (der Verdacht also) zwar Voraussetzung. Der Wunsch. Aus den Kriegen um Öl und gegen al Qaida. dass aggressives Verhalten zwischen Generationen sozial tradiert wird. Es gibt durchaus wissenschaftliche Ergebnisse. als ginge es um einen Sportevent. sich nach Art einer selbst erfüllenden Prophezeiung selbst zu bestätigen. kulminierend in völkermordenden Diktaturen. beschäftigen Leute nur auf 400-EuroBasis. Bielefeld Verschönt Prominent ignoriert: »Kurz behoste Männer« ZEIT NR. Hamann und W. 18 Die Bilder des im Alter von nur 51 Jahren gestorbenen Edouard Manet ausgerechnet gegen das Spätwerk Liebermanns auszuspielen. wenn jetzt die Rebellen in Libyen gegen Gadhafi allein nichts ausrichten können? Mit Luftangriffen kann die Nato Gadhafi auch nicht wirklich besiegen. sagt der Angeklagte. Dies schützt nicht nur einen tatsächlich zu Unrecht verdächtigten Bürger. Man will ja nicht blöd sein oder jedenfalls nicht als solcher behandelt werden. Diktatoren und in Krisengebiete zu liefern? Roland Klose. bei dem die Freiheit des Einzelnen auch im Strafprozess Maß und Maßstab bleibt. der einfach nur »Streit gesucht hat«.de Beilagenhinweis Die heutige Ausgabe enthält in einer Teilauflage Prospekte der Verlagsgruppe NEWS GmbH. der wesentlich für Impulskontrolle. In seinem Garten«. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 95 Aus No: Entsetzlich Titelthema: Der Fluch des Bösen Die einzig kluge politische Entscheidung nach der Exekution eines bereits schwerkranken Menschen besteht darin. Uchatius: »Der Raubüberfall« ZEIT NR. die restliche Zeit arbeiten sie schwarz gegen Cash. vorwiegend Baufirmen in West und Ost. – ich will die neue Welt um mich herum nicht sehen. ZEIT Nr. die verkennt. In Afghanistan und im Irak ging es darum. nie aber alleinige Rechtfertigung von Untersuchungshaft. Wer als Kind Gewalt erfährt. 18 An der laxen Steuermoral in Deutschland wird sich nicht viel ändern. wenigstens erst mal Haftverschonung gewährt. So ist mittlerweile überzeugend nachgewiesen. Vergeltung für den Tod von Osama bin Laden wird es irgendwo auf diesem Globus bestimmt geben. Eine sichere.ZEIT DER LESER S. 18 Traurig. entsetzt mich. Hirnforscher und Psychologen lehren uns. 18 Die Terrororganisation al-Qaida oder die afghanischen Taliban feiern ihre Symbolfigur als Märtyrer. Man wisse hierüber viel zu wenig. Wieso lernen dann Juristen nicht dazu? Psychologie und Hirnforschung gibt es seit einigen Jahrzehnten. Sonderregelungen und so weiter. sondern eine neue Dimension hat. Das bleibt uns erspart. dass diese Intervention gerade nicht in einer Linie mit dem Afghanistan. insbesondere der jüngsten Kinder. Annette Hund. Und da können gesetzestreue Bürger es sicherlich nur gut finden. dass das Gericht nicht in der Sache gegen das Finanzamt entscheidet. 18 Zum Titelthema »Verzettle dich nicht!«. gestraft wird seit Jahrtausenden. Wäre es nicht besser gewesen. Ralf Hirnrabe. Denn als Ausländer wäre wohl die U-Haft unumgänglich gewesen und wären dem Steuerzahler die Kosten auferlegt worden. Der Artikel legt den Finger in eine Wunde unserer Gesellschaft. dass die Menschen im Maghreb nicht zu einer uns völlig unverständlichen Kultur gehören. Brigitte Hoff. sondern weil die Handlungsgrundlage für das Finanzamt nicht belastbar ist. es fragt. April 2011 18 Alttestamentarisch. wie schuldig sich ein Mensch gemacht hat. Immer häufiger gibt es ernsthaften Dissens. Solange die USA als letzte verbliebene Weltmacht auf diesem Globus den WeltSheriff spielen und nach Belieben Krieg gegen Staaten führen. durch welche Tatverdacht und Unschuldsvermutung sich aufheben würden. sondern genauso sind wie wir – nur ärmer und schlechter regiert! Ein Rückzug aus Libyen. gravierend vernachlässigen. So fragt zum Beispiel der Richter: »Wissen Sie denn nicht. selbst richtig zu handeln. in weit vorchristlicher Zeit. 18 Wie Grausamkeit entsteht Interview mit Terry Eagleton: »Höllische Freude« Eagletons Antwort auf die Frage nach den Ursachen.« Und noch ganz nebenbei sei in Abwandlung des berühmten Liebermann-Satzes über einen angeblich zu langen Arm auf einem Bild Cézannes zu seinen angeblich spießigen Blumenbildern angemerkt: Wenn sie so jemalt sind. Das wird dann von manchen konservativen Politikern und Medienvertretern bei uns verteidigt. Berlin Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit. hat Steuerzahlen keine Lobby. erstaunt ein wenig. dass Grausamkeit. wie ach so bibelfeste Amerikaner auf den Straßen tanzen und feiern. bleibt unerklärt. eine insgesamt positive zivilisatorische Entwicklung nachweist. Wie treffend beschrieben.

»Willkommen und Abschied«) Mein Wort-Schatz Im Grunde ist mein Wort-Schatz ein Schimpfwort.und Jugendjahre zu sprechen und zu hören. die arabische Halbinsel und durch den Suezkanal wird die Reise weitergehen – bis nach Venedig. Oldenburg reicher macht Es ist unser 48. was mir jemand zumutet. Der Tag begann in unsren Schuhen. Mein Mann kannte sich in der Astronomie sehr gut aus und hat mir auf unseren Reisen immer den Sternenhimmel erklärt. Ich habe sie trotzdem gelobt. ist erst mal baff. Mit Ansprachen. der Fehler unauffindbar. an meinen speziell dekorierten Tisch geladen. Monat 2011 DIE ZEIT No 20 96 (nach J. 6° 13’ Nord. Ich habe mit diesem Wort immer den erwünschten Erfolg: Der. oder? Christian Voll. als Bundesumweltminister wissen Sie bestimmt. Sie steht im Garten und hat einen frisch gepflückten Apfel in der Hand. Viele Erinnerungen stiegen in mir hoch. du Welle«. die ich zum allgemeinen Amüsement verlese. dass er ein riesengroßes Rasenherz hat stehen lassen. 55: Nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr wollte sie durch neue Eindrücke Abstand gewinnen. was man angesichts einer überraschenden Zumutung empfindet: erst einen Schock. über die große Nase des Titelhelden zu sprechen. was mir die meisten wünschten. aus traurigem Anlass« unternimmt Sabine Kröner. die ihnen Verwandte aus Deutschland geschickt haben. Das Fremde und was mir vertraut. Lauda-Königshofen Meiner zwölfjährigen Enkelin Jule hebe ich regelmäßig die ZEIT-Kinderseite auf und kaufe ihr die KinderZEIT-Hefte. Mars und Jupiter wollte ich noch finden. würde ich sogar sagen. Heidenheim a. Das Wort bezeichnet doch genau das. So kaschierte man die Armut einfach mit einem Häufchen Laub. sie hauptsächlich während der Unterrichtsstunden gezeichnet zu haben. irgendwo im Golf von Bengalen. (Ich habe gewonnen. Natur. Eberhard Leibbrand. Über Indien. Lachen und Freude pur! Jochen Ruthardt.) Wir trinken Cappuccino mit viel Sahne und reden über die Familie und den Rest der Welt. Walther Weih. Die Sonne hat den schwarzen Sattel für mich beheizt. die Energiepolitik ist knifflig. Mühlacker Mit meinen Freunden Marco. Holger und Michel viermal im Jahr mit unseren Mountainbikes durch den Pfälzer Wald zu schießen. kaum EIN GEDICHT! Klassische Lyrik. das war es. pünktlich um zehn. als hätten wir viel davon: Zeit! Wilfried Ludwigs.. mich gemeinsam mit ihr zu sonnen und das Gras unter den Füßen zu spüren. Am Samstag.!«. Dabei fiel mir ein Foto aus Argentinien aus dem Jahr 1934 in die Hände. Alles braucht viel mehr Zeit. und 20. JVA Bielefeld-Brackwede Du schliefst.. Unsere Stimmung wird immer ausgelassener. Wolfgang Dasch. wenn ich mich recht erinnere. Am Abend sehe ich. Die rasteten auf deiner Haut. und auch. Martina Hömann. wenn ich – ich lebe seit über 40 Jahren in Norddeutschland – einen Besuch in meiner alten Heimat Württemberg mache. Ich bekam sogar mal das Kompliment. . Also machen wir alles mit dem Fahrrad. könnten wir »Das regt mich auf« fortsetzen. Die wunderbare Katharina hat mir eine E-Mail geschickt.Leserbriefe siehe Seite 95 12. ich bekomme die zweite Hälfte der Vorwoche zurück. Jürgen Hartmann. Von Buenos Aires aus ist sie per Schiff um die Südspitze Amerikas und durch die Südsee gefahren. Welch ein schönes Gefühl. nein. Gerlinde Benz. Mittlerweile können wir schon einen kleinen Blues zusammen spielen. »Zufriedenheit«. Angelika Kratz. worauf dieser es ausruft). wie sich in Briefen und Dokumenten erkennen lässt. Christa Lieb. mit 40 Jahren noch einmal Schüler zu sein. zu sehr Lohengrin. jeder ein Instrument zu erlernen: er E-Gitarre. von dem Sie uns gleich erzählen möchten? Schreiben Sie an leser@zeit. »Die ZEIT der Leser«. ich sei der einzige Mensch im Bekanntenkreis. Du wecktest mich mit Radio-Bach. So war im Sommer 2009 dieses Holzschild. zzt. aber da er so herrlich altmodisch ist. Schaute in den sternenklaren Himmel. Das Kreuz des Südens suchte ich und erspähte es auch endlich über dem Heck. Fand Silben.) Zum Abendessen habe ich sieben Menschen. Ulm Freitagmorgens. die ich suchte – und deiner hab ich auch gedacht. Mutter bekommt die erste Hälfte der aktuellen Ausgabe. 82° 22’ Ost Das erste Mal nach einem langen Winter und Winterschlaf mit meiner Schildkröte durch den Garten zu laufen. Hochzeitstag. Sollen wir? Oder wollen Sie gar nicht wissen. und oft haben sich spannende Debatten aus Ihren Beiträgen entwickelt. Und so festzustellen. Nina Lenz. dass der Beitrag in der ZEIT. ej!« oder »Menno!«? Nee! Da ich ein freundlicher und langmütiger Mensch bin oder zumindest so tue. Und Mondessternenstrahlen. doch alleine musste ich resignieren. 89. 20079 Hamburg Die Redaktion behält sich die Auswahl. Magdeburg Wieder den vertrauten Dialekt meiner Kinder. So tragen die Kinder auf dem Bild Kleider und Schuhe. d. Dann unter den Wolken von Kiel bis zur Elbe segeln und sich an unserer wunderbaren Landschaft nicht sattsehen können. lange gab es auf dieser Seite jede Woche die Rubrik »Das regt mich auf«. Noch nie habe ich am Geburtstag so viele Hände geschüttelt und so viele Küsschen erhalten. dass unsere beiden Buben (4 und 2) im Verlauf der Nacht zu uns ins Bett geschlüpft sind. Mein Mann mäht den Rasen. selbst Musik zu machen! Ja. Wenn die Weltreise von Sabine Kröner demnächst zu Ende geht. und jeder Kunde hatte eine Einkaufstasche dabei. September 2009 haben wir uns zuletzt gesehen. Stuttgart Ich las Gedichte in der Nacht. Als sie mir allerdings gestand. Nachdem ich Jule auf die Kritzelei der Woche aufmerksam machte. Jahrhundert. aber es sind auch die kleinen Veränderun- gen.und Südamerika im 19. Eine Party mit so wenig Arbeit und so viel Personal hatte ich noch nie. In Amerika aber ging es vielen von ihnen schlechter als in der alten deutschen Heimat. Plastik gefährdet die menschliche Gesundheit (Bisphenol A und Weichmacher!) und verursacht gewaltige ökologische Probleme: So landen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich mindestens 7000 Tonnen unverwüstliches Plastik im Meer. woge. deine Qualen. Reime.. »Mein lieber Schwan!«? Nein. Über der Elbmündung kreisen – gemeinsam mit einem Seeadler. im Internet unter www.. dem 19.de/zeit-der-leser und auch in einem ZEIT-der-LeserBuch (Sammlung von Leserbeiträgen) veröffentlicht werden kann Nach einem erlebnisreichen Tag auf den Andamanen habe ich meinen Geburtstag an Bord gefeiert. neu verfasst SCHÖNE GRÜSSE Lieber Herr Röttgen. das gebrauche ich nie. »Schockschwerenot« ist übrigens präzise. Mit der Einsendung eines Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden. Fo Es schlug mein Herz. Carola Bührmann. Plön Morgens vor dem ersten Weckerklingeln im Halbschlaf das gleichmäßige Atmen von drei Personen zu hören. Das Foto wurde im August 2009 aufgenommen. auch den Einkauf. dass in Italien die Ausgabe von Plastiktüten in Supermärkten und anderen Geschäften verboten wurde. Ich möchte die Zeit anhalten. im Café. Osnabrück Buch und Bach Das Foto unserer süßen Tochter Caroline. wie ich meine: »Schockschwerenot!« Ich hörte das.zeit. Schleswig-Holstein Ich komme aus dem Laden. Zuerst tauschen wir die ZEIT. Goethe. geschwind zum Buche! to: H il g e m a n n / D a vi Liebe ZEIT-Leserinnen und -Leser. Indonesien. Raimund Nieß. lieber Herr Röttgen. Susanne Lange. Rumohr. ich Saxofon. Ludwigsburg Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit begonnen. Die Kritzelei der Woche Unser Auto ist krank. Wiedergefunden: Ein Dokument der Armut Für das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen arbeite ich an einer Dokumentation über die Auswanderung nach Nord.. v. Niederzier AL AG LT SK U N ST Schicken Sie Ihre Beiträge für »Die ZEIT der Leser« bitte an: leser@zeit. Und so passt mir ein Wort am besten. Singapur und Myanmar auf die zu Indien gehörenden Andamanen-Inseln. schenkte sie mir zum Geburtstag diese Zeichnung. Christian. Jedes Jahr kommen ein paar neue Ferienunterkünfte und Touristenattraktionen hinzu. das im Hafen von Sassnitz den Liegeplatz eines Schiffes markierte. dann eine schwere Not bei der Suche nach der angemessenen Reaktion. Und plötzlich scheint es. Und es funktioniert tatsächlich. der mich ärgert oder ärgern wollte. über die ich mich sehr gefreut habe. Für den kleinen Buben links aber waren wohl keine Schuhe dabei gewesen. das das Gegenüber überrascht und die Zumutung gleich ein wenig entschärft. Hella Maas. eine Kürzung und die übliche redaktionelle Bearbeitung der Beiträge vor. Zugegeben. und beim Dartsturnier spielten wir um mein Alter. erstmals in Cyrano de Bergerac (einer der jungen Soldaten wagt es. dann kam sie über Australien. die mir besonders ans Herz gewachsen sind. der dieses Wort verwende. meist junge Menschen zur Auswanderung genötigt. »Was ist?« – Ich sagte leise: »Ach!« Gabriele Herbst. Geldern . Ich treffe mich mit meiner Mutter. Merci! Sabine Kröner. seit zwei Wochen. besteige mein Fahrrad. das mir richtig zu Herzen ging. auch ein wenig befremdet bis ärgerlich: Was steht mir zur Verfügung? »Ach du Sch . Gedicht. da war Caroline 20 Monate alt. war ich kurz ratlos. Wenn ich über etwas erstaunt bin und darüber.. Viele sagen oder schreiben gar »Weia!« – im Grunde auch Wagner: »Wagala weia. Sekt gab es den ganzen Tag. Am Vorabend war ich bis Mitternacht wach geblieben und hatte das Pooldeck für mich alleine. W. Die Inflationsjahre in Deutschland um 1923 hatten viele. Nach einem weiteren Tanz um den Pool – diesmal ist es ein Cha-Cha-Cha – sinke ich glücklich in meine Federn. Baltmannsweiler An einem leicht bewölkten Tag in ein kleines Segelflugzeug steigen und mit dem Windenseil auf 400 Meter Höhe gezogen werden. sogar Gianna Nannini. Im Nordatlantik sollen unvorstellbare 100 000 Tonnen Plastik in einem einzigen Riesenstrudel treiben. Mit dem uralten Anhänger aus Kleinkindertagen. Bisingen-Wessingen Die Morgenröte ließ mich ruhen.de! Wir sind gespannt. Beim Frühstück erwarteten mich schon die ersten Gratulanten mit Gesang und Orchideen. Brenz Eine kleine Weltreise . Wolfgang spielt meine Wunschmelodien. ich habe es selbst gesehen: 28 besetzte Kassen in einem einzigen Supermarkt. Doch vergangenen Sommer glänzte es mit einem neuen Anstrich. Passau ds Zeitsprung mehr zu lesen. will ich den Gesprächspartner nicht gleich selber ärgern.de oder an Redaktion DIE ZEIT. er klingt ein bisschen vornehm. Sah deine Freude. Aber das mit dem Plastiktütenverbot wäre doch ganz einfach. zzt. was andere Leser aufregt? Oder gibt es Ärgerliches. Massagegutschein und Champagner aus Heidelberg werde ich beschenkt. WL 2009 2010 Was mein LEBEN Seit Jahren verbringen wir unseren Sommerurlaub auf der Insel Rügen. (Im Laufe der Woche werden wir dann auch die andere Hälfte tauschen. Also: nein! Oder: »Mann. die uns auffallen und die das Immer-Wiederkommen interessant machen.

aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. Klar ist einzig.o.und Bahnhofsschützern. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen.zeit. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Vergessen. Doch das heißt nicht. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. in das so viel Geld fließt.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. was gemeinhin eine Volkspartei ist. Käme es jetzt zum griechischen haircut. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Das klingt weit unattraktiver als das.n. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. sondern auch an zu viel.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. nun gelte es.de Abonnement Österreich. Aber die Diagnose ist unvollständig. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. Nein. der sich tief gedemütigt fühlen muss.de. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden.10 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. Es kostet nur wieder Milliarden. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Gleichwohl verlangen die EU. sondern echtes Geld kosten werden. GRN. Die Entscheidung Kretschmanns. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen.de 20 2 0 AUSGABE: . Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. kleine Abb. Geburten hinfällig. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. der nicht aufgepasst hatte. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. möglichst viele Menschen mitzunehmen. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. Nicht mehr bezahlen. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen.u. KG. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. im Land. wenn Europa weiter zahlt. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. um Griechenland aus der Krise zu helfen. »Umschulden«. (v. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. dass die Griechen mit dem ersten. würden Schulden nicht getilgt. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels.de/audio AC 7451 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. Kleine Augenblicke. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. Schuldzuweisungen und Dementis. Viel Geld. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Ruhe wird in keinem Fall eintreten. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. findet Josef Joffe. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. das Beharren auf Posten und alten Positionen. Die Frage ist vielmehr. wer der bessere Europäer ist. Schweiz. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. wohl aber die Stimmung. heute Erzfeinde: Hans-Peter Martin wird von seinem Protegé an den Pranger gestellt Politik Seite 12 D Europa will sich Ruhe kaufen. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. das zu werden. Der Rettungsfonds will weiter retten. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. Leserbriefe@zeit. die Griechen überlegten. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Die Entzweiung Einst ein verschworenes Duo. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. also einen Tag zu überspringen. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. und trotzdem beschimpft Europa uns. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. wenn Europa immer weiterzahlt. man macht sich unbeliebt. auch nicht beim haircut. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. die sie früher nie gewählt hätten. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Wer wollte sie den Iren abschlagen. bestrebt. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Libyen. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. die zweite Volkspartei. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte.zeit.0. was sie auch kostet. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte.PREIS ÖSTERREICH 4. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. so desaströs seine Folgen wären. positionieren sich als die guten Europäer. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. In Interviews sprach er davon. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. dessen Datum anzunehmen.jobs. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 .de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. die andere Möglichkeit. die EU dabei mitregieren. Irland. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Das ist umso generöser. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft.zeit. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. bleibt auch eine. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. Wellen am sardischen Strand. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. ist auch eine hässliche Sache. beschlossen hat. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. was auf lange Sicht besser für Europa ist. 20080 Hamburg. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. Gutmenschen nerven. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. dass es ohne Europa nicht geht. Was dagegen geschieht. Die entscheidende Frage ist aber nicht. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. ebenso wie die Deutschen und andere. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Sie sind nötiger denn je. was kommt.de/audio www. ist schlicht ein Skandal. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. Sooft dieser Tage in Ministerien.de.zeit. »Retten« ist ein hübsches Wort. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. die im Englischen haircut heißt. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. ZEIT-Stellenmarkt: www. zeichnet sich schon ab. J A H RG A N G www.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. Diejenigen. deshalb unser aller Geld retten musste. Europa sollte die Umschuldung wagen. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. E-Mail: DieZeit@zeit. will das offizielle Europa Ruhe. Die Griechen. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www.zeit. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. die SPD. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. weil dies ein überholter Begriff sei. Auch das käme alle teuer zu stehen. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott.

begann Ehrenhauser auf einmal Fragen zu stellen. die er dadurch auslöste. Ein Interview sei Bedingung. sagen Forscher Rösler über seine Regierungspläne Pakistan Die Islamisten freuen DOSSIER 15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU Eurovision Song Contest Die sich über arabische Revolutionen Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung 28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal GegenseitigeSchuldzuweisungen Soziale Netzwerke CHANCEN 71 Bachelor und Master: Ein Spezial auf 10 Seiten 55 Margaux Fragoso »Tiger. Wie könne es sein. Doch nach der Veröffentlichung des Rechenschaftsberichtes der Liste Martin am 29. sagt eine ehemalige Mitarbeiterin. Martin und Martin nannten sich die beiden im Europawahlkampf 2009. die sonst bei jedem Schweinestall protestieren. Im Wochentakt beliefert er nun Zeitungen mit immer neuen Details. Der Verbleib von rund einer Million Euro aus der Wahlkampfkostenrückerstattung für die Europawahl 2009 sei ungeklärt. der Bruch endgültig. Ehrenhauser lud zu vertraulichen Gesprächen. erzählt von den ungeheuren Vorgängen. Tiger« 56 Nachruf auf Gunter Sachs kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet. als das jugendliche Pendant des ergrauten Hans-Peter Martin. oft erst Stunden. Ausdruckslose Gesichter sind im Hohen Haus wäh- E Alfred Dorfer enthüllt das Rätsel der versteinerter Mienen im Hohen Haus AUSSERDEM Wer sonst? Dem Werden und Wirken des berühmtesten Österreichers der Gegenwart widmet sich bereits zu Lebzeiten ein eigenes Museum. Ein Jahr später wurde er dessen parlamentarischer Mitarbeiter. dass sich Ausgaben und Einnahmen der Liste auf den Cent gleichen? »Eine betriebswirtschaftliche Meisterleistung«. Er war einer der Letzten. in dem sich Geheimagenten gegenseitig bespitzeln. damit Martin seinen Protegé ins Parlament hieven konnte. dass es nun eine »neue Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft« brauche. Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 4 5 6 7 8 9 Gutmenschen Ist Deutschland 12 Donnerstalk ALFRED DORFER über die Auswirkungen von Botox auf die Politik 13 Straßenkampf Der neue Wasserwerfer 10 000 der Firma Rosenbauer aus Leonding VON STEFAN MÜLLER 14 Artgenossen Der wankende Mafiaparagraf und das Justiztheater in der Wiener Neustadt VON ALFRED J. gibt immer nur einen Teil der Unterlagen preis. war die Eintrittskarte des Politikstudenten bei dem EU-Rebellen. war er der »junge Hecht im Karpfenteich«. Meist. wandte er sich an Hans-Peter Martin.und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder« 96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. vermittelte Kontakte und brachte ihm die Tricks bei. Gemeinsam zogen sie in Psychokriege. nachdem sie ausgesprochen wurden. Deshalb werden einfache Sätze. wie Martin häufig wegen des extravagant weiten Schnitts seiner Beinkleider genannt wird. möglicherweise habe Martin hohe Summen für den eigenen Gebrauch abgezweigt. Auch Klaus Diekers. mit welcher der 32-Jährige früher über seine politische Arbeit sprach.de/audio Geschichte eines Liedes aus Island 57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze« Kunst Paul Pfeiffer in München GESCHICHTE 21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. einander austricksen. Das erklärte ihm sogar unlängst noch Hans-Peter Martin. Etwa. »Untreue« und »Förderungsmissbrauch«. das zu moderieren. jetzt wurde er durch die Forschung bestätigt. Assistiert von einem Nachrichtenmagazin. […] Schwierig wird es sicher ohne meine explizite Unterstützung. bekam einen Anruf. Kennengelernt hatte sich das Duo drei Jahre zuvor. wenn die Sitzung längst vorbei ist. Foto: Ingo Pertramer Ehrenhauser zelebriert den Bruch mit allen Mitteln der Medienkunst Nebenbei wurden ab Ende März Journalisten mehrerer Medien kontaktiert (darunter auch die ZEIT). sich ein eigenes Profil zulegen und mehr sein als bloß die Stulpe an der »Hose«. berichtete von seinen Anschuldigungen. wird dem Governator von der amerikanischen Verfassung verbarrikadiert. Das Ende einer fast fünfjährigen politischen Zusammenarbeit war besiegelt. die er jahrelang nicht mitbekommen haben will. der ohne Minibar auskommen muss? Schluss mit diesen Menschenversuchen! igentlich wollte Martin Ehrenhauser immer schon einmal einen Spionagethriller schreiben. für die sie mitunter ihr gesamtes Umfeld mobilisierten. als Martin Ehrenhauser vom Büroleiter zum Abgeordneten aufstieg und auf der Bürgerliste von Hans-Peter Martin kandidierte. Nun erhebt Ehrenhauser selbst schwere Vorwürfe gegen sein früheres Idol. NOLL Freiheitliche HC Strache blieb WIRTSCHAFT 23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26 V W Der Konzern will jetzt auch 33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung ThyssenKrupp Der Konzern FEUILLETON 49 Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral 62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod 50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTLSenderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie. erzählt er. Unterlagen sollen ihm noch im Herbst zugespielt worden seien. die bei den Delegationssitzungen oft dabei war. der zugleich als Chef der Liberalen firmierte. oft tagelang Ehrenhauser wurde seinem Idol immer ähnlicher und vertraute ihm blind Das Duo ging gegen jeden vor. um das Thema möglichst lange am Köcheln zu halten und der Gegenwehr seines Opfers keinen Raum zu geben. Doch der neue Saubermann präsentiert sich nun als jemand. etwa »Bitte Ruhe im Saal!«. weil die durch Lähmung reduzierte Mimik beim Gegenüber zu emotionalen Missverständnissen führen kann. ein Foto von sich würde ihm auch gut gefallen. das Altbier und das japanische Viertel 67 Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen ein Vorbild für die Welt? Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt . Jetzt hat sein ehemaliger Kabinettschef dem Magazin Newsweek die Königsidee anvertraut: President of Europe. an dem die Geschichte publik wurde. ein Schulfreund von Hans-Peter Martin. Seitenlange Mails mit Anschuldigungen wurden gewechselt. Dazu würde wohl auch ein Interview genügen. sagt Ehrenhauser heute. Wer ihn dann allerdings wählen soll. signalisierte er gegenüber Hans-Peter Martin noch Gesprächsbereitschaft. Heute wirkt Ehrenhauser verändert. Dass sich seine Vorwürfe heute merkwürdig ähnlich anhören wie seinerzeit jene von Werthmann. September 2010. Ehrenhauser wandte sich an Mitstreiter der Liste Martin. bekannt für ihre deftigen Burger. Ehrenhauser wurde Martin immer ähnlicher. bekam es mit dem Oberösterreicher zu tun. das widerfährt selbst Titanen nur nach ihrem Ableben. begründet er damit. und aus der Delegation austrat. Genau. Angelika Werthmann. um jeglichen Zweifeln vorzubeugen. Muskelheld. Arnold Schwarzenegger. sagt eine. sondern vermindert auch die Denkleistung. Mit welchem Medium er bei der Aufdeckung zusammenarbeiten wolle. schmissige Phrasen. Konservativ und zugleich ein grüner Visionär. befindet sich am Scheideweg.« Auch als Angelika Werthmann im vergangenen Sommer Hans-Peter Martin vorwarf. als die Listendritte. Dazu muss der Übervater rasch in der Versenkung verschwinden. der sich ihnen in den Weg stellte. Doch Ehrenhauser hat die Gesprächsangebote ausgeschlagen«. Armin Falk. Mit geheimen Unterlagen über den Baulöwen Hans-Peter Haselsteiner und den Lobbyisten Alexander Zach. Man hatte das Gefühl. Endlich hätten dann auch die wichtigsten Amis wie Henry Kissinger und seine Freunde eine Telefonnummer bei der Hand. Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte« Roman Nicolas Dickner »Tarmac« REISEN 63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö. aber zugleich weich wie ein schnurrendes Kätzchen. sie würde die Karriere ihres Sohnes behindern. mit meinen abgesicherten Medienauftritten und meinen persönlichen finanziellen Mitteln. wie solche United States zu funktionieren haben. und der politische Stil Martins sei auch nicht unbedingt der seine. Sich in diesem Dauerfeuer zu verteidigen ist unmöglich – der Zauberlehrling hat vom Hexenmeister viel gelernt. sich Ehrenhauser schützend vor sein Vorbild. habe er noch nicht entschieden. wurde später zur Persona non grata für die verschworene Clique. Offensichtlich gelangt bei diesen Experimenten an Mandataren eine noch sehr frühe Entwicklungsstufe des Nervengifts zur Anwendung. wenn wir gemeinsam kandidieren. dass er keinen Einblick in die Finanzen der Partei besessen habe. dass heute nicht mehr viel fehlt und er hat seinen Ausbildner mit dessen eigenen Waffen geschlagen. Den Verdacht hegte man ja schon lange. Doch Werthmann weigerte sich beharrlich. Der Fall des Mentors könnte der Aufstieg des Zöglings sein – medial geschickt orchestriert. Ehrenhauser orchestrierte derweil seinen Abgang. Der selbst ernannte Saubermann ist schwer angeschlagen. Warum er plötzlich aufmuckte. das logische Ziel. Die beiden Mandatare gingen auf Distanz. die sie wählen könnten.zeit. auf falsche Fährten locken und enttarnen. Ehrenhauser wird sich als Supersaubermann darstellen. Einst war er sein größter Fan und willfähriger Erfüllungsgehilfe. wird in Mitleidenschaft gezogen. Besonders das Sprachzentrum. wenn der blasse Belgier. Er selbst sagt. fieberten sie oft bei den Spielen ihres Lieblingsvereins Bayern München. Gesichtsmotorik ist für das Gehirn notwendig. Im Oktober 2010 schrieb dieser in einer Mail an Ehrenhauser: »2014 hätten wir die besten Chancen. mit einer eigenen Liste anzutreten. Als Staatsbürger der USA steht er nun über dem kleinlichen nationalen Zank in der Union und weiß genau. Mai 2011 DONNERSTALK DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Gift im Parlament Botox garantiert ewige Jugend. weiß keiner. Gerne präsentierte er sich als die dynamische Nachwuchshoffnung an der Seite des Europarebellen. der noch Großes im Sinn hat und jetzt die Weichen für seine politische Zukunft stellen möchte. schlug einen Sitzungstermin in Wien vor – just für den Tag. Kino-Ikone und zwei Amtsperioden lang Regierungschef von Kalifornien. Für den Reißer fehlte dem Mandatar im Europäischen Parlament bislang die Zeit. Während er medial die Entzweiung bereits vorbereitete. die gerne gedruckt werden. das Weiße Haus. Dieses gefährliche Wurstgift wurde offensichtlich schon seit Langem an unwissenden Versuchspersonen ausprobiert. wenn es um Familie. Martin warf seinem Schützling vor. und bot an. um selbst einfache Sätze verstehen zu können. Im Fat Boys.« Im Sog der Bestechungsaffäre um den konservativen Parlamentskollegen Ernst Strasser sah Ehrenhauser wohl seine große Chance.kultur . die wissen alles voneinander«. Die Euphorie. Die Korruptionsaffäre.com rend einer Plenarsitzung keine Seltenheit. Es glättet nicht nur verräterische Falten. ins Ausgedinge von Venice Beach oder als Ambassanator für eine bessere Welt von Kontinent zu Kontinent tingeln? Allesamt keine erbaulichen Perspektiven. Flüchtling zu sein 48 Kinder. der für die eigene Redlichkeit sogar seinen politischen Ziehvater opferte. Wer dem umstrittenen Europaparlamentarier am Zeug flicken wollte. dass sich Martin und Martin entzweit hatten. Als der Zauberlehrling antrat. das haben nun Forscher aus den USA herausgefunden. Und Ehrenhauser spricht bereits davon. ob sie als alleinerziehende nicht zur Arbeit erschienen zu sein. sein Blick ist kalt. »Freunde waren wir nie«. erzählen ehemalige Mitstreiter. ist einem kalkulierten Tonfall gewichen. Seine Stimme klingt hart.. Martin habe die eigenen Ideale verraten. demnächst in Pension geht. Den Meister hat der Schüler jedenfalls bereits jetzt übertrumpft. sogar das habe er akzeptiert. wenn die Bombe platzt. Emotionelle Intelligenz ist bei diesen Zusammenkünften ebenfalls sehr selten anzutreffen. Gut einstudierte. Viele fragen sich inzwischen. er müsse sich möglichst weit von Martin distanzieren. Schließlich verzichtete der Listenzweite auf sein Mandat – heute leitet er das Bürgerbüro von Martin Ehrenhauser in Wien. Arnie verkörpert ja gewissermaßen die europäische Schnittmenge. die Falten jedoch nicht gestrafft. Zurück ans Actionfließband in der Filmfabrik. Kampfmaschinendarsteller. Ökonom und Verhaltensforscher? noch die meisten Laster bauen Elektroauto Warum es falsch ist. Heimat und Apfelstrudel geht. blieb aber kryptisch genug.12 12. baby! JR Bessere Zeiten: Martin und Martin feiern den Wahlerfolg 2009 Die Zertrennlichen Einst war Martin Ehrenhauser der größte Fan von Hans-Peter Martin. Vielleicht wollte er endlich aus dem Schatten des Übervaters heraustreten. In internen Sitzungen zielten sie gerne auch unter die Gürtellinie. Sie teilten die Leidenschaft anzuecken und aufzudecken – nicht selten mit Mitteln an der Grenze des guten Geschmacks – und die Begeisterung für Fußball. nennt er das heute. als »Rabenmutter« bezeichnet zu werden. dass sich die beiden aussprechen. Ehrenhauser war gerade bei den Jungen Liberalen hinausgeflogen. »Fußballersprache« sei da gepflegt worden. wenn sie mit Europa sprechen wollen: Hasta la vista. So erfolgreich. »Ich wollte. Unzertrennlich seien beide damals gewesen. Jetzt stellt er seinen Mentor an den Pranger VON FLORIAN GASSER Mutter ihre Funktion in Brüssel überhaupt ausüben könne und nicht Gefahr laufe. einer Sportkneipe in Brüssel neben dem Parlament. 2014 wird er wohl versuchen. begriffen. stellte IN DER ZEIT POLITIK 2 Interview Kanzlerin Angela Foto (Ausschnitt): Harald Schneider/hds/APA/picturedesk. auf wen er zählen könne. mit denen sich jede Mücke zum Elefantenskandal machen lässt. Er hat sich einen Django-Bart wachsen lassen. lotete Ehrenhauser bereits aus. steht in den Sternen. Sonst verarmt die emotionale Intelligenz. Bärenstark.. das Verhältnis wurde schnell frostig. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen ÖSTERREICH 12 Politik Das Zerwürfnis zwischen Hans-Peter Martin und Martin Ehrenhauser VON FLORIAN GASSER Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn 59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer« Kulturkanäle zdf. what’s his name?. Mit größtmöglicher Empörung tritt Ehrenhauser derzeit vor Journalisten auf. Ehrenhauser und seine Mitarbeiter seien seit August 2010 in sein Computersystem eingedrungen und hätten auch Gespräche mitgeschnitten. er habe Parteigelder hinterzogen. »Das war schon sehr untergriffig und ging schnell ins Persönliche. Doch des Skandals nicht genug. Familie und Politik zusammen? FDP Ein Gespräch mit Philipp dem Burschenschafteraufmarsch am Heldenplatz fern VON JOACHIM RIEDL WISSEN 37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können nur die Autokonzerne zu fördern 27 Kinderarmut Die Not wird überschätzt. die HansPeter Martin die Treue hielten und ihn bedingungslos verteidigten. Wo sind die Grünen. die den Betrug belegen – Martin spricht davon. Die Reduktion des Sprachzentrums ist bei Budgetdebatten gang und gäbe. Einen Grundkurs in der Kunst des Tarnen und Täuschens absolvierte er allerdings in den vergangenen fünf Jahren bei seinem Mentor Hans-Peter Martin. er habe dem egomanen Leitwolf einfach blind vertraut. Und eine Idee für den Inhalt des ersten Absatzes der Enthüllungsstory schwebte ihm ebenfalls vor. Und ein Match gegen mich? Da hätte ich wohl auch die besseren Möglichkeiten. Er kennt die brennende Migrationsproblematik aus eigener Lebenserfahrung: Auch er war einst mittellos an fremden Gestaden gelandet. Was nun kommen wird? Für Hans-Peter Martin könnte diese Affäre das politische Ende bedeuten. ließ Ehrenhauser dann Mitte April die Bombe platzen: Er erstattete Anzeige gegen Hans-Peter Martin bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf »schweren Betrug«. kurz darauf avancierte er zum Büroleiter. Andere sagen. um vorzeitige Veröffentlichungen zu verhindern. nach den Europawahlen 2009 auf ihr Mandat verzichten sollte. Osama haben dem Terminator die Navy Seals weggeschnappt. seine weiße Weste sei besudelt. Hans-Peter Martin stellte seinem Schützling Journalisten vor. Sogar Ehrenhausers Mutter warf der Mandatarin vor. Martins Frau schrieb eine Mail an Werthmann und fragte. Immer neue Vorwürfe tauchen auf. Zwar werden alle nervösen Reaktionen hervorgerufen. Einen. Mit Methoden aus der untersten Schublade sollte die Salzburgerin dazu gedrängt werden. »Die steckten rund um die Uhr zusammen. er selbst habe etwas mit den dubiosen Vorgängen zu tun. Als noch niemand außerhalb Brüssels ahnte. warum Martin Ehrenhauser die Trennung nach allen Regeln der Kunst inszeniert.

das Donatella.ÖSTERREICH Fotos: Bodo Marks/picture-alliance/dpa (l. die mit Strohmatten vor Wind und Kälte geschützt werden. Dort bringen wir den Wienern süditalienische Esskultur und Lebensphilosophie nahe. In Österreich gelten Wasserwerfer laut Waffengebrauchsgesetz 1969 zwar als »Dienstwaffe« – darüber sprechen will man aber auch hier nicht so richtig. Ich legte in Spanien. ist die Sache klar: Die Anrüchigkeit des Produkts werde medial geschürt. ist die Frontscheibe nach vorne geneigt. »Hier vorne wird ein Feuerwehrmann gerade scharf angebraten«. Leonding bei Linz. das wir je gebaut haben«. nimmt ein Beobachter das Geschehen ins Visier. eine Kühlvitrine. In der Rossauer Kaserne. Für den grau melierten Gentleman. was wir in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben« In einem Büroraum in Leonding legt Wolfram Mücke.« Viele Nächte hatte er wenig geschlafen.). Das Seitenblech ist gegen Durchstiche mit Eisenstangen gerüstet. so die werksinterne Bezeichnung. Einsatzhäufigkeit? Unbekannt. Mit diesem Wissen gerüstet. Zehn Meter lang. kleinere Brände löschen und sich nur im Notfall – ein bisschen – in einen Wasser speienden Drachen verwandeln. Ende der Durchsage. warum in Deutschland der »Mehrzweckeinsatzstock«. und das Prinzip Abschreckung – inklusive Warnung über die Außenlautsprecher – hat seinen drohenden Wasserstachel verloren. dem in die Jahre gekom- menen WaWe 9000 des deutschen Mitbewerbers Ziegler. legt man Wert auf Konfliktvorbeugung. also die moderne Version des Polizeiknüppels. einer hinten montiert – ist der 10 000-Liter-Tank nämlich schnell leer. die vor 200 Jahren erstmals nach Kampanien gebracht wurden. die an Entfernungsmesser gekoppelt sind. Insgesamt 78 Stück sollen bis 2019 nach Deutschland geliefert werden. Ihr Geschick an den Werfern. zum Einsatz gekommen war. zum Nachdenken. Kostenpunkt: 900 000 Euro. riskiert Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen. beweist Schweden. Mit ihr zusammen eröffneten wir im November ein Lebensmittelgeschäft in Margareten. Sie sollen Brände löschen und Leben retten. Man muss Zeit haben für sich selber. Bleibt zu hoffen. schnauzt eine Sprecherin. Weiterführende Informationen? Fehlanzeige. 27 Jahre lang führte ich einen Musikvertrieb und verkaufte sehr viel von den alten. made in Austria. In einem neutralen Büroraum in Leonding. fallweise auch asiatische Länder – erinnert sich Vertriebsmann Mücke vage. die Dinge richtig einzusetzen. schulen die Beamten auf weitläufigen Testgeländen. Im Ernstfall rollt der WaWe 10 ganz langsam zur Attacke und wird von Bodentruppen flankiert. die solche Geräte bauen. Davor habe es ein umfunktioniertes Feuerwehrauto mit Rosenbauer-Aufbau gegeben. Zwei davon wurden bereits in Hamburg und in Sachsen in Dienst gestellt – ungeachtet der Debatte um den Wasserwerfereinsatz von Stuttgart.und Einsatzmittel der Hamburger Bereitschaftspolizei. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A . die das Wasser in 25 Metern Entfernung auf einer kleinen Fläche entfalten darf. Wie ein schlafender Kettenhund lauert in einer riesigen Werkshalle ein graublaues Monster aus Alu-Blech zwischen einer kleinen Armada feuerroter Löschfahrzeuge. Auch die Symbolik ist nicht gut. Im Herzen. Unklar ist etwa. sieht aus wie eine Mischung aus Schwerlaster und Terminator. Diese sogenannten Blondorangen und Zitronen wachsen auf Bäumen. die Randale machen. Am wichtigsten sei es. die auch Reizmittel versprühen kann. zum Genießen. die 25 Jahre lang im Versicherungsgewerbe tätig war. die schonend auf kleiner Flamme zu Marmelade verkocht werden. neben dem Fahrer. Die Aufgabe von Wasserwerfern beschränke sich längst nicht mehr auf das »Studentenwaschmaschinentum«. Auch im Alltag. als Waffe gilt. Es liegt nahe. Nach bösen Krawallen beim EU-Gipfel in Göteborg 2001 bekannte man sich lieber zu einem verstärkten Dialog mit Demonstranten. eingeflossen. sagt er. Leiter der Abteilung Führungs. Erst- zulassung 1975. »Werfen« heiße das. dass auf den Videos von den Opernballdemos in den achtziger Jahren Beamte zu sehen sind. Löschaufgaben würden wichtiger. Der Kunststofftank des Wasserbehälters. die Sache sei vertraulich. Seltsame Kundenwünsche sind Mücke trotzdem zugetragen worden. Teure Wasserwerfer diffe- renziert einzusetzen sei ohnehin schwer. Also machte ich mich eines Tages mit meiner Frau Donatella. Das Wort Abfallprodukt hört Projektleiter Helmut Ogris aber nicht so gerne. Handelt es sich um eine Waffe? Nein. legt das Monstrum los. im voll betankten Zustand mit einem Gewicht von rund 23 Tonnen. Es komme immer darauf an. Um im leeren Zustand durch das Tor in die Rossauer Kaserne zu passen. Als der Wasserwerfer.« Er zieht einen weiteren Artikel hervor. In dem Leistungskatalog.« Ein Exportschlager könne der WaWe 10 schon deshalb nicht werden. Luftfilter und Klimaanlage sorgen für Frischluft. der 10 000 Liter fasst. Obgleich es den beiden Strahlrohrführern an ihren Joysticks und Bildschirmen am liebsten ist. sagt der Ingenieur: »Die ganze Mannschaft ist stolz darauf. vor allem aber sicherer für die Beamten. versichert er: »Sonst wäre jedes Löschfahrzeug eine Waffe. Irgendwann sah ich ein. internationaler Vertriebsleiter bei Rosenbauer. Das sind einfach Abfallprodukte aus dem Löschfahrzeugbau. die sonst auf Brandherde zielen. Der Anteil am Unternehmensgewinn – 2010 waren es 40 Millionen Euro bei einem Umsatz von 596 Millionen – sei jedenfalls gering.« Sagt es und lächelt. Damit Steine nach unten abprallen. 48. Die Kraft. Das Gefährt ist die neue Wunderwaffe des deutschen Staates gegen Bürger.com 12. Solche Blödheiten machen wir aber natürlich nicht. Lebensmittelhändler Mit 16 Jahren trat ich erstmals als DJ auf. die ein Auffächern der Fontäne ermöglichen – bis zum Schießen mit dem Vollstrahl. Gerät das Fahrzeug doch in Brand. auf die Suche nach den besten Lebensmitteln Süditaliens. Ende 2009 präsentierten die Hanseaten der Presse selbstbewusst den Prototypen. sagt Rüdiger Spahr etwas kryptisch. bei Krawallen um die Wehrmachtsausstellung. Wir durchstreiften Olivenplantagen. dass die Menschen für Musikkonserven kein Geld mehr ausgeben. weshalb es meist Feuerwehrausrüster sind. Dort sahen wir auch die Strauchtomatensorte Pomodorino del Piennolo. die es steuern. taugen genauso zur Abwehr rebellischer Bürger. Bei der Außenwirkung sieht die Sache schon anders aus. ein Ungetüm auf einem Steyr-Fahrgestell. Was wir hier in 14 Monaten auf die Beine gestellt haben. Zeitungsberichte auf den Tisch. In der Umgebung von Neapel fanden wir einen Familienbetrieb. übersiedelten wir vor einem Jahr nach Wien. lasse sogar einen Einsatz als Trinkwassertransporter zu. Alljährlich wüten im Schanzenviertel von Hamburg wilde Straßenschlachten. Achtmal war eine zwölfköpfige Polizeidelegation aus Deutschland zu Gast. die Kabine hält dem Aufprall einer Betonplatte aus dem dritten Stock stand. Wir fuhren von Markt zu Markt und besuchten jedes Wochenende Bauern. um sich solche Peinlichkeiten zu ersparen. Die Bilder aus den Werferkameras werden auf Festplatte gespeichert – um gesetzeskonformen Einsatz nachweisen zu können. Insgesamt ist das neue Gerät potenter. die mit Feuerwehrschläuchen improvisieren. am 1. bei der Sondereinheit Wega der Wiener Polizei. In diesem Jahr riegeln am 1. dass jenes kleine. korrigiert Spahr. den es zu erfüllen galt. Erst als Böller krachen und Leuchtraketen flitzen. Aus dieser Gegend kommen auch Brotzitronen. weil die Hälfte seiner Bestandteile aus Deutschland stamme und die Wartung im Ausland zu aufwendig wäre. wo sie bunte Plastiktonnen vollspritzen. war gewaltig. schräg hinter ihm haben die Rohrführer den Finger am Abzug. genau wie die Verantwortlichen bei Rosenbauer. herkömmlichen Schallplatten. deren Früchte um einen Seilring geflochten zur Lagerung aufgehängt werden. sind 26 Jahre Erfahrung mit dem Vorgängermodell. In diesem Fall spricht man von Lebensqualität. Darauf ein verkohltes britisches Feuerwehrauto.und Dachelemente lassen Brandsätze abrollen. ein Wasserwerfer hingegen laut Polizeidienstverordnung 122 lediglich ein »Hilfsmittel der körperlichen Gewalt« sein soll. Überhaupt produzieren wir diese Fahrzeuge nur fallweise. betont Rüdiger Spahr. Vor dem Kulturzentrum Rote Flora hat die Staatsmacht ihr mächtigstes Geschütz für urbane Konflikte aufgefahren: den nagelneuen Wasserwerfer 10 000 (kurz: WaWe 10). ergonomische Sitze und ein Kühlschrank für Komfort. Der alte Wasserwerfer schaffte es nicht durch das Kasernentor Im Innenministerium erinnert man sich an ein noch älteres Gerät. Mit mächtigen Fontänen fegt es den Aufruhr von der Straße. schrottreife Relikt noch im April 2002. meint ein Sprecher. Heute will der Beschaffer. Dass ein Staat sein Gewaltmonopol auch ohne Wasserwerfer ausüben kann. Bei bis zu 1200 Litern Durchflussmenge pro Minute und 65 Metern Reichweite – zwei Werfer sind vorne. bei dem der Rentner Dietrich Wagner sein Augenlicht verlor. dass man sich auch beim Essen auf Qualität konzentriert. Letzter aktiver Einsatz? 2003 – bei Protesten gegen den Korporationsball. Käse und fanden die dazugehörigen Rinder: braune Kühe. sagt die Polizei. Angeblich zu schwer für so manche Wiener Straße mit gemauertem Kanal darunter. 30 Tonnen schwer. treten die 15 Düsen des Eigenlöschsystems in Aktion. »Gewaltig. 408 PS stark. einem der größten Feuerwehrausrüster der Welt. Auskunft bei der Pressestelle nur per E-Mail. nichts mehr dazu sagen. ein Ehrfurcht heischendes Qualitätsprodukt. Tag der Randale. Ein Reporter der taz beobachtet. eine Römerin. sind wir nicht im Waffenbereich«. In Sorrent suchten wir nach Zitrusfrüchten. wo wir Giorgia kennenlernten. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 DRINNEN Grüße aus Leonding Sein Name ist WaWe 10. Brandbomben gegen die Polizei. »Unser Verständnis von so einem Fahrzeug ist es. »Das ist das technisch komplexeste Gerät. In Avellino aßen wir Paulo Cancro stammt aus Süditalien. »Sonst wäre ja ein Beamter blockiert«.« Pumpen und Spritzen. sitzt der Kommandant. dem die Law-andOrder-Rolle in einem John-Wayne-Western gut passen würde. Die »Cobra«. Anarchisten auf Distanz zu halten. musste jedes Mal Luft aus den Reifen gelassen werden. mit der Schale als Nachspeise gegessen werden. sagt Kommissar Martin Lundin von der schwedischen Bundespolizei: »Der Effekt bei einem motivierten Gegner ist begrenzt. das deutsche Innenministerium. Vielleicht ist es der Polizei unangenehm. um Schlimmeres zu verhindern. Komisch. dass immer wieder Schaulustige vor dem Ungetüm posieren und Erinnerungsfotos knipsen. die Emotion aus Konflikten zu nehmen. Die beiden Fahrzeuge mit 4000 Litern Fassungsvermögen seien 2003 zugelassen worden. dem sogenannten Würfel Fünf. Von da an war mir Musik Passion und Beruf. 75 Quadratmeter. Qualität war für mich immer das Allerwichtigste. In Wien bringt er den Menschen süditalienische Esskultur nahe Am 1. stehen zwei Fahrzeuge von Rosenbauer. Mai 2300 Polizisten in Nahkampfausrüstung die Krawallzone ab. Juni 2010 im Dorotheum für 1600 Euro versteigert wurde. Auf den vulkanischen Böden des Vesuvs entdeckten wir einzigartige Aprikosensorten. acht Sitzplätze. schmiederer. Er ist der dickste Brummer im Arsenal der deutschen Polizei – ein Qualitätsprodukt aus Österreich VON STEFAN MÜLLER Vulkanische Aprikosen Ein Neapolitaner in Wien: Paolo Cancro. Schweden und Deutschland auf. Also drehte ich das Licht ab und schloss meine Firma in Neapel. ist bei 12 Bar Betriebsdruck auf 30 Kilogramm beschränkt. in feine Scheiben geschnitten und gezuckert. zeigte der Tacho 60 100 Kilometer. das »geschützte Tankfahrzeug« diene lediglich der Gewaltprävention. »Hier. Mai schützte der nagelneue Wasserwerfer 10 000 die Rote Flora in Hamburg T ag der Arbeit. die. »Das kann von weidedrahtartigen Stromschlägen beim Berühren der Außenfläche bis zur Heißwasseraufbereitung für den Dachwerfer gehen. Athen. dass die Eskalationsstufen eingehalten werden: Sie reichen vom Anfeuchten mit Wasserglocken – auch ein neues Feature der Hohlstrahlrohre. wenn sie den Auslöser nicht drücken müssen. vorne rechts. »Was den Export betrifft. eine Kaffeemaschine. Auf diese Produkte ist man stolz bei der Rosenbauer AG. Man gerate sonst schnell in Schieflage. Der Neue soll böse aussehen. Nur um den WaWe 10 will man wenig Aufhebens machen.« Rosenbauer hat verschiedene Staaten in Europa mit Wasserwerfern versorgt. der Kaffee über Holzfeuern röstet. die schrägen Heck. Wer aus kurzer Entfernung in so einen Strahl läuft.

wie es ist. 2. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. um der Toten eines noch schlimmeren Blutbades zu gedenken. der fortan als »Verräter« galt. die auf die Stadt zukamen. die es zu vermeiden gelte. Falschgeld oder Sucht. In manchen Jahren jedoch eskaliert der morbide Spuk zu einem Politikum. In den vergangenen Jahren hatte er die deutschnationale Andachtsstunde gemieden. Griechenland. sondern die Schlamperei der Polizei. die Zinsen liegen bei 15 Prozent.ohne Politikunion geht nicht. bis die Kohle ausging. Im nationalen Lager dürfte Strache nun unter Beobachtung stehen. Vergeblich warteten die Totengedenker auf ihren Stargast Strache Zwar repräsentiert der deutschnationale Flügel nur eine Minderheit im Wählerreservoir. so musste das Publikum schon cherung in großem Umfang oder erheblichen bei der Lektüre der Ankündigung fragen. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. wertfrei formuliert. Der Bruchpunkt ist jetzt. Mai schwarzumflort in die Welt zu blicken.Einfluß auf Politik oder Wirtschaft anstrebt . um seine Bewegungsfreiheit nicht zu gefährden. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. Gehaltvollen Stoff vorausgesetzt. Will man der strafbarer Handlungen im Bereich der se. die Freiheit oder das Möglichkeit einer grenzenlos schöpfeVermögen bedrohen. in die man dieses Nullum vor dem Publi. die Prägnanz und Aussagekraft dieser Aufführung zu wiederholen.denn ein Gedenktag in NaziMoll sei. die sich zwar sich mühelos von Mafia bis bin Laden. forensische Unverhältnismäßigkeit und legistische Paranoia. die körperliche die Grundvoraussetzung für die Unversehrtheit. anbringen zu müssen glaubte: Man gedenke hier gleichermaßen aller Toten des Weltkrieges. kann nicht sparen. sondern es wurde die Ankunft des Rechtsstaats in Aussicht gestellt. Doch der Unterstützung dieser Gruppe verdankte es Strache. Republik ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Habsburgermonarchie im vorangegangen Weltkrieg errichtet worden war. ein Mitglied des Wiener Gemeinderats. den Akteuren aber eine schier unendliche nerhaltung reichen. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. die man dem Stück in überkommener Darstellung nicht abzugewinnen können glaubte. Deren Sprachrohr. diesem Stoff steckt. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre. Nicht Kanonen ließ man donnern. Kaum je hat auf österreichischen Bühnen eine Protagonistin die Grenzen verbeamteter Wankelmütigkeit derart plastisch werden lassen. In Wien. Eine fabelhafte Ensembleleistung vor einem klar konturierten Bühnenbild. Dadurch ging im Lärm aus der antifaschistischen Fankurve der letzte Affront unter. Und blähen sich weiter auf. um dann mit einer besonderen Volte zu glänzen: Der Freispruch für alle Angeklagten kam ihr derart unvermittelt und die seit Monaten in der Luft liegende Schelte für die Ermittlungsbeamten derart leichtgängig über die Lippen. Diesmal wollte er.geschmäcklerischen Änderungen hinreißen ließe. der Stargast. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Der Verweis darauf. Aber derartige Darstellungen leiden an Unstrafrechtlicher Substanz und der Länge und anschaulichkeit und einer dem analytischen Zugang Breite. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. hätte wohl sensible Nationalgefühle verletzen können. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt.« A s gehört zum guten Ton der. dass sich das Haus entschlossen hatte. wie es ist. dass er sich seinerzeit im innerparteilichen Machtkampf gegen Jörg Haider durchsetzen konnte. haben so lange so heftig geheizt. und aus diesem Anlass erfasst die rückläufige Gruppierung der schlagenden Burschenschafter wagnerianisches Wehmutspathos. Der Remeduren sind nur drei: 1. Es ist der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. der Schlep.. Der Es gibt kritische Erörterungen des Stoffes sonder Witz der Komödie lag im Missverhältnis von Zahl. Wie ein Raubtierkäfig war die Totengedenkstätte eingegittert worden. wer die Sache leitet. Einige Hundertschaften der Polizei waren ausgerückt. So wie der Herzog niemals nach Hornberg kam. gender strafbarer Handlungen. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Sonja Arleth vermittelte während einiger Monate überaus nachvollziehbar das Bild einer überforderten Richterin. die junge Regisseurin auch im Stück selbst mit einer Hauptrolle zu bedienen. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer.sich das kostbare Gut kreativer Bühnenbearbeitung xuellen Ausbeutung von Menschen. grollte kryptisch auf seiner Heimatseite im weltweiten Netz über eine »politisch-moralisch-ideologische Bankrotterklärung«. von 325 auf 340 Milliarden Euro. vom Ordurch schöpferische Eigensinnigkeit auszeichne. alljährlich am 8. Meist kümmert das anachronistische Ritual nur wenige. weil er ihm nicht mehr opportun war. Allein. am Burgtor erwartet.« Was ließe sich daraus nicht alles machen – ner derart mittelmäßigen Anklage eine auf Unterhaltung und Erbauung zielende Aufführung und was hat man daraus in Wiener Neustadt gelingen? Diese Zweifel müssen auch den Autor nicht alles gemacht! Jedes Wort des gewieften befallen haben. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen. deutschnational gesinnten Kreise in Österreich. ruft Demonstrationen auf den Plan. wenn man sich zu zeitgeistigmitteln ausgerichtet ist. Am vergangenen Sonntag wurde der freiheitliche Parteiobmann Heinz-Christian Strache. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt.geschuldeten Unsinnlichkeit: Was Großartiges in kum ausbreitete. ner solchen Verbindung als Lässt sich das Stück verbesMitglied beteiligt. der mit Salut empfangen werden sollte.und Kulturgemeinschaft« beinhalten wird. wenn Ehre weiterhin Treue heißen solle. das wissen wir durch die Auf»Wer eine auf längere Zeit angelegte führung von Wiener Neustadt. vor dem harten Kern der Partei wieder einmal Gesinnung in Habtachtstellung zu zeigen. dass das ausschließlich durch Bundessubventionen in Höhe von knapp sechs Millionen Euro ermöglichte Spiel eine Wiederholung erfahren wird. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). indem das künftige Parteiprogramm demnächst neuerlich ein Bekenntnis zur »deutschen Volks. Natürlich verprellte der Gedenkdienstverweigerer dadurch die nationalen Politkommissare. vermutet sie. die 66 Jahre zurückliegt. so erschien auch der Rechtsstaat niemals in Wiener Neustadt.. Es schien an der Zeit. erfordert ein Großaufgebot der Polizei und lähmt den Verkehr in der Innenstadt von Wien – vor allem immer dann. der den Rest des Jahres lieber Discoprinz spielt. das lässt die Darbietung aber E R sonen gründet oder sich an eierst schemenhaft erahnen. wäre nicht die Handlung in die Gegenwart versetzt und in skandalträchtiger Weise durch eine geschickte Abänderung der ursprünglich handelnden Personen neu belebt worden. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private Foto: Mathias Bothor/photoselection E Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. mit ei. derweil EU. VON ALFRED J. befinde sich an diesem Tag der Vorhof zu »Wallhalls prangender Burg« (so singt Brünnhilde in Götterdämmerung) am Äußeren Burgtor. wenn sich einige prominente Figuren aus der Freiheitlichen Partei allzu vorlaut unter die akademischen Narbengesichter mischen. sondern die Geschütze der Staatsanwaltschaft. Wer nun den Griechen Geld leiht. als er das Stück erdachte – er gab Werkes löst assoziative Verbindungen aus. die Koalitionstauglichkeit nicht zu gefährden? Immerhin scharrt seine Partei derzeit an der Schwelle zur Regierungsbeteiligung. 3. den der Ersatzredner Wolfgang Jung. wenn sern? Kaum. dass der Jahrestag der endgültigen Befreiung vom NS-Regime doch eher ein fröhlicher Feier. Es kommt eben darauf an. NOLL D Wie sollte denn. hilft seinen Banken. Was wir heute über § Titel § 278a StGB in dürre Worte gekleidet: 278a StGB wissen. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. die dadurch eine Berei. Im nationalen Lager steht er jetzt unter Beobachtung VON JOACHIM RIEDL Die Kassandras haben recht behalten: Geld. und das Gros der Wählerschaft gibt auf den völkischen Bombast keinen Pfifferling. wie das bei anderen Anlässen heißt. Wer hier glaubt. sollte es besser im Kasino verjuxen. auf durch Präzisierung optimieren die wiederkehrende und gezu können. Erwartet wurde diesmal nicht der Herzog von Württemberg. mit welchem Effekt sich die Personen in Szene setzen konnten: Gewiss war es eine besondere Note der Inszenierung.com Bleibt nachzutragen. In der gerade zu Ende gegangen Aufführung des Landesgerichts Wiener Neustadt hatte man das Hornberger Schießen auf den Spielplan gesetzt. und gar noch nie auf einer heimischen Bühne durfte man erleben.müssen. Es wird schwer werden. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 ÖSTERREICH Hoffnung stirbt zuletzt JOSEF JOFFE: Europa wird für Hellas bluten.bewahren. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Freiheit bei der Realisierung einräumten. Man würde darstellerischem mitteln. las er vom Zettel ab – womit Opfer und Täter auf eine Stufe gestellt.und bis zur physischen Erschöpfung durchhielt. vermag eine kluge Führung des Ensembles Einsichten zu vermitteln. der nähme dem plante Begehung schwerwieStück das Wesentliche – just so. schon allein. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«.14 12. Einerlei. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. stellt sich das Stück als die das Leben. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. dorthin pilgern sie. Der dramaturgische Kniff der Aufführung lag gewiss in der mutigen Verbindung einer auf den ersten Blick lachhaften Anklage gegen wild zusammengefangene Tierschützer mit der schier unendlich anmutenden Dauer der Aufführung. zog es vor zu kneifen. Erwartungsgemäß hatte die gesamte Regierung angesichts des Spuks ihren Kopf in den Sand gesteckt. Welch unternehmensähnliche Verbindung Potenzial in den wenigen Zeilen ENOSS TG einer größeren Zahl von Persteckt.Grenzen setzen. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. Und am Ende der auf über 14 Monate ausgedehnten Aufführung waren es nicht die Postkutsche und auch keine Rindviecher. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Jetzt soll das prekäre Vertrauensverhältnis wieder gestärkt werden. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Athen nimmt Dampf weg. auch nicht ausschließlich. Das Spiel vom wankenden Paragrafen Nachtrag zu einer Groteske: Kritik einer Aufführung am Justiztheater von Wiener Neustadt as moderne Regietheater ist vielfältigen Anfeindungen ausgesetzt – oft zu Unrecht. das einst der Nationalsozialismus verschuldet hatte. Lampenfieber vor der stimmgewaltigen Publikumskulisse? Das Kalkül. es findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. Kernmaterial und radioaktiven Stoffen. Athen vorweg. Gleichviel. Haider hatte seinen Recken einst den antiquierten Kampfbegriff aus dem teutonischen Credo kurzerhand gestrichen. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. Geschick Gewalt antun und ihm unerträgliche gefährlichen Abfällen.und Ausgabenpolitik – fahren. was sie erst recht nicht könnten. wie schon 2004. Selten noch haben sich Laiendarsteller derart gut in Szene gesetzt. bunt kostümiert und mit lohendem Fackellicht. die. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. oder schwerwiegenrischen Interpretationsfreiheit dar.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. von dem sich heute das Trauerkorps natürlich in seinen Lippenbekenntnissen distanziert. um eine bunte und lautstarke Protestallianz auf Distanz zu halten. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. dort wo im Ständestaatregime der 1. dann wird man das Stück so nehmen perei oder des unerlaubten Verkehrs mit Kampf. die der Regie daher Anweisungen. Fazit: Wer den Griechen hilft. zumal wir nicht hoffen dürfen. Die Heldenopabeschwörung wurde niedergejohlt und niedergetrillert. Foto: Georg Hochmuth/APA/picturedesk. um sich selber zu retten Gespensterstunde FPÖ-Chef Strache verweigerte den Totengedenkdienst. das lässt sich nur auf der BühDer Autor hatte seine Spielvorlage unter dem ne zum Ausdruck bringen. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland. auf italienischem Lega-Nord-Territorium fand Strache vorübergehend Exil. In diesem Jahr war es wieder so weit. In Abwesenheit Straches geriet die Gespensterstunde zur blamablen Farce. dass großes Lob gerechtfertigt scheint. der Europaabgeordnete Andreas Mölzer. Die allenthalben bekannte Episode hätte vermutlich niemanden in den Saal gelockt. Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien und Mitglied im Ausschuss der Wiener Rechtsanwaltskammer A N . wie eine um die Rechtfertigung jedes einzelnen Subventionscents ringende Staatsanwaltschaft ausschließlich um des ersehnten Publikumserfolges willen an Unvertretbarem fest.ganhandel oder Waffenschmuggel bis zur Hühten. Schließlich wird man diese Leute höchstwahrscheinlich künftig noch für Koalitionsverhandlungen benötigt. Es wird zum europäischen Sozialfall. erneut eine »Totenrede« zum Besten geben. die sich wieder in den Kommandostrukturen der Freiheitlichen eingenistet haben. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Mörder und Ermordete in ein gemeinsames freiheitliches Massengrab geworfen wurden.

bestrebt.de Abonnement Österreich. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 190745 104005 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. Irland.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften. KG. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. weil dies ein überholter Begriff sei. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst. Es kostet nur wieder Milliarden. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. Schweiz. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. was auf lange Sicht besser für Europa ist. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 . Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. GRN. Nicht mehr bezahlen. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. positionieren sich als die guten Europäer. Geburten hinfällig. 7 D Europa will sich Ruhe kaufen. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . was kommt. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. ist auch eine hässliche Sache. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. beschlossen hat. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. das zu werden. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage.zeit. E-Mail: DieZeit@zeit. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Auf ewig: Frisch Aufführen! Warum er jetzt auf die Bühne muss Raus aus der Klause! Der Schriftsteller als Redner Politik Seite 12/13 Jüngster Hundertjähriger Feuilleton Seite 52/53 Wandern im Holozän Reisen Seite 63 Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. Nein. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten. Leserbriefe@zeit. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. die zweite Volkspartei. Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. nun gelte es. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. »Retten« ist ein hübsches Wort. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. wohl aber die Stimmung. Was dagegen geschieht. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Klar ist einzig. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. sondern echtes Geld kosten werden. der nicht aufgepasst hatte. und trotzdem beschimpft Europa uns. »Umschulden«. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. Diejenigen. bleibt auch eine.0.PREIS SCHWEIZ 7.de 20 2 0 AUSGABE: . Wer wollte sie den Iren abschlagen. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. der sich tief gedemütigt fühlen muss. ist schlicht ein Skandal. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht. Vergessen.und Bahnhofsschützern. Die Entscheidung Kretschmanns. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. so desaströs seine Folgen wären. Auch das käme alle teuer zu stehen. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. deshalb unser aller Geld retten musste. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. man macht sich unbeliebt.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. J A H RG A N G www. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten WISSEN SEITE 37–40 Der alte Mann und das Drama der FDP Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. kleine Fotos (v. wenn Europa immer weiterzahlt. Und: Philipp Rösler versucht. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Sooft dieser Tage in Ministerien. Aber die Diagnose ist unvollständig. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. was sie auch kostet. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Wellen am sardischen Strand. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. Politik S. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. Die Frage ist vielmehr. wer der bessere Europäer ist. Das ist umso generöser. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. Ruhe wird in keinem Fall eintreten.u.jobs. Viel Geld. die EU dabei mitregieren. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf.zeit. Kleine Augenblicke. Doch das heißt nicht. Der Rettungsfonds will weiter retten. dass es ohne Europa nicht geht. dass die Griechen mit dem ersten. Die entscheidende Frage ist aber nicht. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. in das so viel Geld fließt. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition. wenn Europa weiter zahlt. will das offizielle Europa Ruhe. zeichnet sich schon ab. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. ZEIT-Stellenmarkt: www. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. Schuldzuweisungen und Dementis.): Pfeiffer/ullstein. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. Die Griechen. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. dessen Datum anzunehmen. sich die Zukunft vorzustellen Magazin. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. das Beharren auf Posten und alten Positionen. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte. ebenso wie die Deutschen und andere. Europa sollte die Umschuldung wagen. was gemeinhin eine Volkspartei ist. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. möglichst viele Menschen mitzunehmen. die im Englischen haircut heißt. würden Schulden nicht getilgt.de/audio www. 20080 Hamburg.de. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. auch nicht beim haircut. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. die andere Möglichkeit. im Land.o. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee.de. Käme es jetzt zum griechischen haircut. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Gleichwohl verlangen die EU. Jonas Unger. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro.n. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. sondern auch an zu viel.zeit. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds. die sie früher nie gewählt hätten. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus.zeit. um Griechenland aus der Krise zu helfen.zeit. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. Das klingt weit unattraktiver als das. In Interviews sprach er davon. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. also einen Tag zu überspringen. die Griechen überlegten. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. die SPD.

Keine Lust oder Fantasie. vor lauter Leuten mit toten und maskenhaften Gesichtern. Was also geschieht mit dem Schriftsteller. Freunde haben Grass auf Band von Lübeck nach Zürich gebracht. Diskussionsrunden in Ehren.« Wenn der Schriftsteller zum Redner wird. sehr geehrte Barbara Frey. braucht Ihnen kein Hergereister zu er. das Menschwerdung fördert und vor Herbert Wehner. also inmitten der aus einer Partei wird. was das politische Engagement von Grass betrifft: »Günter Grass als Wanderredner zur Bundestagswahl – auch in der Ferne hat man reichlich davon gelesen. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. sondern Szene: zwischen einem Mann. er liest vor. der Menschen. wie sehr man es seitens der PoliKosten der Demokratie bereit war (eine Problema. sondern eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Theaterwerk. dazu geplaudert: Alle Achtung! oder aber: Schon wieder eine Grass-Show?« Frisch hat von den Wahlkampfauftritten des Schriftstellerkollegen aber nicht nur gelesen. weg vom Monolog und hin zum Dialog. nämlich Stiller. unter den aufgeben. war Frisch mehr als bewusst. die es darauf abgesehen hatte. aber sie fordert. Mai 2011 ergänzen kann. spielt keine Rolle. sich bloß von seiner sonntäglichen Seite zu zeigen. weil er sich ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt.dieser Frischs Fragen eine nach der anderen durchge Assistenz der Intellektuellen eine geschicht. Ihr Julian Schütt CH »Soll ein Schriftsteller usw. die nichts an Bedeutung verloren hat). zum Schutze seiner Ordnung 1977 in einer Rede vor den Delegierten des SPD. aus der einsamen Schreibstube hinaus und auf die Bühne hinauf. später aber vor allem das Schauspielhaus von Frisch. wenn Frisch sich in die eigenen herrschaftspolitisich Frisch hin. der ihm »ziemlich widerwärtig« war. tik. vor den ver. Grass gibt die Antwort mit seinem Beispiel. in der pragmatische Arbeit einzubinden. wenn sie Reden halten. Frisch hat aber nicht nur Festreden. sollte eine nützliche sein.ohlbaum. den Frisch 1965 in der ZEIT veröffentlicht hat. zumindest der sozialdemokratischen Politik. die Frage nach Parteitages in Hamburg geäußert. fähig ist. Zu Beginn seines Feuilletons zeigt sich Frisch nicht ohne Skepsis. und einer Zuhörer- Foto (Ausschnitt): Isolde Ohlbaum/www. in dem nicht denken konnte. jedenfalls keine routinierte Gedenkveranstaltung. Im zweiten Tagebuch. Wer wissen will.? Seine Antwort: sein Beispiel. der den Spagat schafft zwischen literarischer Demokratie. Diese unsere Hoffnung. findet sich eine längere Pasdamit zu betreiben ist: Abbau der Demokratie (wie sage mit dem Titel »Album«. was er für die Pflicht des Schriftstellers bei solchen Anlässen hielt: Bevor er vor sein Publikum tritt. zu halten in einem hochehrwürdigen sonntäglichen Rahmen. muss der Schriftsteller. wie was das Wort »nützlich« im Brief an Johnson genau besagen soll. also vor mir selber antrete. als sich bloß als nützlich zu erweisen. drittens. nächst einmal seine Solidarität Frisch war es ernst. überholt weil es parabelhaftpädagogisch und moralinsauer sein soll. und schließlich die Frage.dem politischen Entwurf eines Zusammenlebens sammelten SPD-Granden der damaligen Zeit. Wenn ich mir vor Augen halte. So ambitioniert. politischer Redner. seine Offenheit einzubüßen und sich vor einen Karren spannen zu lassen? Der Abbruch des Fragesatzes zeugt von der Selbstverständlichkeit dieser Erwartung an den Schriftsteller ebenso wie von der Unschlüssigkeit Frischs darüber.« Dass von ihm als Preisträger eine »nützliche« Rede erwartet würde. junge Grass. geInbegriff eines redenden Schrifthört der Angst und nicht der Hoffnung auf Mehr. 1966–1971. ein Revival auf der Bühne zu gestatten. Festvorträge. und einem wie Max Frisch schon gar nicht.steller usw. wie er mit Dürrenmatt die Pfauenbühne nach dem Krieg immer wieder aus ihrer Lethargie und Selbstzufriedenheit riss und dazu beitrug. dass ich mir über den Stand meiner politischen Erwartungen klar werde.« er vor sich sieht – ob nun tatsächlich oder bloß in Erstens. sich gemessen die damals an der Macht war: 100 Jahre alt geworden hat. In dieser Eröffnung zeigt sich ein wesentliches der Vorstellung. Und es müssten nicht unbedingt die Schulstoffstücke Biedermann und die Brandstifter oder Andorra zur Aufführung gelangen. Insgeheim hoffte ich. sondern er hat sie – und das ist für ihn das Entscheidende – auch gehört. und das ist ausgerechnet der Klassiker. die in ihrer politischen Eindeutigkeit möglicherweise nicht seiner literarischen Offenheit entspricht.und schildert in einer Serie von scharfen Beobachtungen und knappen Feststellungen. wie er im Nachhinein bekannte. der etwas zu sagen hat? Der ein Anliegen verfolgt und Stellung bezieht? Worin unterscheidet er sich dann noch von einem Politiker? Und inwiefern ist seine Rede noch ein literarischer Text? Das sind mit Blick auf Max Frisch keine rhetorischen Fragen. zweitens. nirgends. um mit mit allen als »Vorbeter des Terro100 Jahre Frisch Peter Bichsel zu reden. Was Einträgen von 1970.und Selbstabschaffungsstimmung im Theaterbetrieb. Stattdessen haben Sie sich für die voreilige Kapitulation entschieden. sondern er Frischs rhetorische Fragetechnik im Angesicht ist auch immer wieder als Redner ins politische der Macht hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Aber das Schauspielhaus hätte die verdammte Pflicht. Eröffnungs.und Geburtstagsreden gehalten. Die literarische Rede war für Frisch die öffentliche Anzettelung eines Gesprächs. öffentliche Zwiesprache mit sich selbst einzubeziehen versucht. dem das Zürcher Schauspielhaus am meisten verdankt: Max Frisch. Jedenfalls hat Frisch es in eine gewisse Spannung gebracht zu dem. und außerdem Lobreden (auf Alfred Andersch oder Peter Bichsel) und Totenreden W (auf Kurt Hirschfeld oder Peter Noll). Wieso nicht Biografie: Ein Spiel? Wieso nicht Graf Öderland? Selbst Triptychon oder die wegen der Atomproblematik wieder erschreckend aktuelle Chinesische Mauer wären einen Versuch wert. dass wichtige Köpfe in Zürich blieben und dass dort international beachtete Uraufführungen stattfanden. Kann lischen Anklagen zu erheben.steller offen bleiben? Das ist zuhause. alles Theatermögliche zu unternehmen. im November 1977. muss er es verstehen. eine halbe Stunde.. Alle Buchveröffentlichungen. Vielleicht würden Sie aber auch die Kritiker mit ihren vorgefassten Meinungen über den angeblich antiquierten Bühnen-Frisch Lügen strafen. ein Pfeife rauchendes Theaterfossil.notfalls Menschenleben zu opfern. damals noch Regierender Bürgermeister zu Berlin. wenn er zu einem Redner wird. die ich mir wünschte . So trat er in den sieb. Vielleicht würden Sie kolossal scheitern. also Dankes-. »Soll ein Schriftsteller usw. Selbst dann hat er sich aber nicht darauf beschränkt. als es ihn jetzt erbracht hat. Günter Grass. indem kein Stück. gilt zur Zeit als Verharmlosung des Terrorismus. Es ist eine Technik des öffent. die in der Paulskirche zu halten ist. einem Album mit Fotografien von Günter Grass ich weiß. evoziert die Frage nach dem öffentlichen Grass mit der Rede gleich Vorschläge für die Antworten – und damit auch die allgemeine Frage nach dem öffentlichen Schriftsteller: nach dem Schriftstelzu unterbreiten. stellte als Auszeichnung empfand.auch als Pressemitteilung der SPD verschicktes tagen der schweizerischen und der deutschen Schreiben des damaligen Parteivorsitzenden und Sozialdemokratie auf. Obwohl der Redner als Einziger spricht. Doch diese Risikofreude erwarte ich von Ihnen. und insbesondere als und sprach dann an die Adresse Autor der Schweiz der anwesenden Politprominenz. was Schmidt. sondern indem er das Publikum in die offene. (Heinrich Böll.12 12.« Welche Zuhörerschaft er sich stattdessen gewünscht hätte. Grass. sondern öffentlich einer als Wahlkämpfer eindeutig sein. seine Rede samt Echo im Saal: »Das ist wichtig: Reden muss man hören. Einer der Einträge lautet: »Soll ein SchriftMoment der Rhetorik von Max Frisch: die Technik. das ist auch Ihre Haltung.Noch der private Grass. Chapeau! Nur zu einem Klassiker fällt Ihnen leider bedenklich wenig ein. Sein Titel: Grass als Redner. das einst in aller Welt gespielt wurde und heute. Die Regisseurin Heike M. Er tat dies. und auch nur auf einer geschützten Nebenbühne. In Willy Brandts Stellungnahme kommt auch die Politik zu sehr weitgehenden Abwehrmaßnahmen gegen die Bedrohung der Demokratie auf zum Ausdruck. wie Sie Klassikern die Schwere austreiben. Anders ist es nicht zu erklären. sein Publikum in ein Gespräch zu verwickeln: indem er ihm nicht einfach Meinungen auftischt wie ein Politiker oder ihm einen Vortrag hält wie ein Akademiker.. Ihre jüngste Inszenierung von Tschechows Platonow ist die perfekte Antwort auf die aktuelle Krisen. bekundete zuschen Belange einmischte. Willy Brandt und Helmut Lebenswerte stiftet. wie zunächst Frisch vom Schauspielhaus profitierte. dem Text den Lebenssaft zu nehmen.tik. an der Frisch als Jürgen Habermas und andere) wirkungsmächtigste Redner. Und das macht mich wütend.stellers. Sie hätten nur gewinnen können. der seinem Publikum einen schön geflochtenen Wörterstrauß überreicht. Ich fürchte. Ich verlange von Ihnen keinen inszenierten Kniefall vor dem toten Jubilar.« lichen Fragens. Schon Tagesgeschäft eingestiegen. keine plakativen Forderungen oder mora. Frisch blättert in es heißt: zur Rettung der Demokratie) – das alles. Meist hat Frisch Reden gehalten. sondern ein Roman von ihm einstudiert wurde. wenn er zum Redner wird? Er kann zum Festredner werden.?« as geschieht mit einem Schriftsteller. gige Analyse stützt. antizyklisch müsste Ihre Bühne sein. was Max Frisch sich zum Geburtstag gewünscht hätte: ein Wagnis. Dessen hundertster Geburtstag wird derzeit überall gefeiert. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ OFFENER BRIEF »Verdammte Pflicht« Frisch-Biograf Julian Schütt wirft der Schauspielhaus-Chefin Mutlosigkeit vor Sehr geehrte Barbara Frey. Doch das war es! Mehr kam zum Festjahr nicht vom Schauspielhaus Zürich. wie es die Absicht verfolgt. Darum geht es Schriftstellern aber selten. bleibt ebenso unklar. Entschuldigen Sie meine Deutlichkeit: Sie handeln Frischs Geburtstag wie eine Strafaufgabe ab. ich bewundere. vielleicht sogar eine Provokation. Im Text Grass als Redner schreibt er: »Rede ist nicht Hymnus. war für Frisch der so scheint es im Augenblick. was zählen. Ich dachte nach dem Stiller-Abend nur eines: Das kann es nicht gewesen sein. dass Ihr Haus vergangenes Jahr dem Stückeschreiber Frisch eine Abfuhr erteilte. als Willy Brandt. um dem Dramatiker Max Frisch. wenn sie nicht willens oder Nachgefechte des »Deutschen Herbstes«. den Beitrag der Intellektuellen in ihre In dieser höchst aufgeladenen Stimmung. Goetze ging wie eine Dracula-Tochter vor. das Schauspielhaus böte das. dann denke ich: Dieses Haus wäre zu einem anderen Einsatz verpflichtet. Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist die Bundestagswahl von 1965. Gegen sämtliche Stücke lässt sich vieles einwenden. Mit diesen Worten hat er sich eines Rechtsstaats. das Ihre Party stört. ler. der sich hinstellt und eine Sache verficht. sämtliche Inszenierungen wären hoch riskant. gegen den amtierenden Kanzler Ludwig Erhard antrat und trotz der Unterstützung von Grass die Wahl verlieren sollte. war Günter Grass. Ich wünsche Ihnen und dem Schauspielhaus trotzdem alles Gute. wie uns Experten gebetsmühlenhaft verkünden. zu Hause beim Vorlesen. wie diese Antwort lautet. muss einen Text beiziehen. nicht als Gesang über Wassern. und zwar als Ereignis an einem Ort.kurz nach seiner Rede erhielt er ein ausführliches.de . Ja. muss er sein Metier also grundsätzlich wechseln: weg vom geschriebenen und hin zum gesprochenen Wort. schrieb er in einem Brief an Uwe Johnson: »Die Rede. Schlimmer noch: Max Frisch scheint Ihnen peinlich zu sein. Angst als des Bürgers erste Pflicht. wie gegenwärtig Frischs Einfälle noch sind. welche Attraktion sich seine Heimbühne überlegen würde.geht: die Frage nach der ethischen Legitimation liche Chance hat«. zuerst einmal vor sich selber antreten – will er mehr tun.?« Soll er wirklich? Auf die Gefahr hin. das sich ebenso auf eine vorgän. ziger Jahren mehrfach als Redner auf den Partei. Dann hätten Sie es aber probiert und müssten sich nicht von einem in Ihren Augen wohl hoffnungslos bildungsbürgerlichen Reaktionär wie mir Mutlosigkeit vorwerfen lassen. aber letztlich kann nur das Theater zeigen und prüfen. wie es sein Geschäft ist. Wie mancher Frisch-Fan war ich ganz besonders gespannt. eigenständig. weil er geehrt wurde und sich mit einer Rede dafür bedanken musste. Hingegen habe ich drei Fragen. mit dem es so viel verband. der vierzig Minuten lang das Wort hat. dass »Politik ohne die lästi. wie man Schriftstellern und Intellektuellen Am 15. der »Sozialdemokraten! Die Zukunft. Als er sich 1976 auf seine Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vorbereitete. als SchriftFragen zu stellen. ob dies tatsächlich zu seinen Aufgaben gehört. und sein rismus« in Verdacht geratenen Wort hatte Gewicht. die wir nicht Ambition und politischer Mission. wäre der wohl Die Figur.

dass ich überhaupt aus solcher Verantwortung heraus schreibe . das öffentliche. zu verspotten.« Und in 30 Minuten eröffnet Michael Dossier handelt. Insbesondere in der Schweiz ist Frisch zur Ikone dieses Schriftstellertypus erstarrt – mit der Folge. Denn dieser war ein ästhetischer und kein pamphletischer. Auch wenn Frisch zum Inbegriff des Schriftstellers geworden ist. dass ich die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers nicht bloß angenommen. sagt Massimo Rocchi in seiner behelfs.Weg nach Hause.« Für sich selbst reklamiert Frisch einen ganz anderen Antrieb. sondern den Beruf des Schriftstellers ausüben.Rocchi. Abend. man soll sich zeigen. um Wirkung nach außen zu erzielen als vielmehr nach innen. es handle sich um ein Gespräch und die Rede antworte spontan auf die Gedanken und Gefühle im Saal. dass wir sie angesprochen haben!« Weniger beglückt als verdutzt sieht sich Frisch einer Forderung gegenüber. zum Beispiel. Das wird verlangt. Nun.H. weil ihnen Schreiben noch eher gelingt als Leben und weil für diesen Versuch. drauf. Sie vertritt ein Land.den der luxemburgische Premier Jean-Claude tainer. die er freilich beherrscht wie isch Anpackendes. die in einem völlig anderen diskursiven – politischen. Der Statthalter der EU in der Schweiz ohne die Nachteile klar und deutlich zu benennen. 9. das sich kultu. Und das wiederum heißt: Verantwortung ist eine Folge des Erfolges. um seine Spitzen zu bemerken. Der bilaterale Weg führe zu will mit der ungewöhnlichen LoSouveränitätsverlust und sei »ein cation auf den unfertigen ChaHandling von Abhängigkeiten«. sondern es blendet auch aus. etwas kokett: »Wieso dies eine Ehre sein soll. Aber auch Bundesrätin. zersetzend gegenüber Phrasen. Es hat etwas europä. dass er etwas zu sagen hat. dabei entstehen die Gedanken und Gefühle im Saal eben durch die Rede selbst. Wie aber sah er selbst diese Rolle? VON THOMAS STRÄSSLE schaft. Es ist nicht bloß naive Machlust. es ist mehr: »Man hebt das Schweigen. sondern die von ihm vor allem erwartet. Nur böswillige Menschen wollten darin rell und wirtschaftlich als Teil Europas versteht. diesem aber politisch nicht angehören will. gegenüber Ideologien. Écrivain. auch von den Medien stark beförderten Wahrnehmung beherrscht Max Frisch. seine erste ganz große Rede vor großem Publikum. der er auf suggestive Weise Meinungen unterstellt. patag«. gab es Auberginenröllchen. zersetzend zu sein mit den eigenen Mitteln. muss unbedingt an die Öffentlichkeit treten. sondern mich. Kontakt ist nicht Einverständnis. raus leitet die offizielle Schweiz eine Haltung ab. wenn man die Folgen sieht: – man soll. Mai 2011. beginnt er mit dem Bekenntnis: »Gehört man zu den Schriftstellern. weder Anklage noch Plädoyer. in der Öffentlichkeit zu stehen? Dazu Frisch. Die – aber irgendwie passt er zum Gemischtes Wohnen: Verhältnis zwischen der Schweiz Botschafter Reiterer und Sozialdemokratin hat ihr Herz wieder einmal der Vernunft und und Europa. auf im Bedürfnis nach Kommunikation. der wird den Menerzählen? Mamma mia! Es ist alles so verdammt schen nie ins Gesicht sehen.. das der Schriftsteller macht. einen gelungenen Abend. bloß weil man Schriftsteller ist. nicht nur zu schreiben. sich »einzumischen«. Was aber bewegt einen Schriftsteller der dritten Fraktion. so ist man weniger beglückt als verdutzt. Citoyen. um zu schreiben. Aber er hatte es ja schon in der Garderobe tut sie bereits unheimlich gut. sagt sie nennen soll. man klar ansprechen.. das sie er rettet sich angesichts des heiklen Themas in »meinen Blaumann« nennt. der sich engagiert und einmischt. er soll – aber eigentlich nur. dass er es ihr tatsächlich auch sagt. wie Frisch es vorschwebte und Grass es vormachte. Die Rede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von 1958. das kann sich daraus ergeben. zu ermutigen. sonst entEin Altersheim wird hier gestünden »Tabus«. Warum schreibt ein Schriftsteller? Einige Schriftsteller wehren sich mit der Behauptung: »Um Geld zu verdienen. wie wenn sich wieder das öffentliche Bedürfnis nach dichterischen Verlautbarungen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen regt. sobald es darum geht. mentalitären und so weiter – Umfeld zu agieren haben als Max Frisch. © Adrian Moser (kl. die ich mir wünschte.erklärend führen und nicht nur die angenommäßigen Garderobe. »ein Paradox« geahnt. in der Öffentlichkeit zu sein gelingt auch jedem Rennfahrer und jedem Minister. Kontakt entsteht aus der suggestiven Fiktion. Und dann kommt Massimo Fünf Minuten vor der Zeit trifft.« Bedürfnis nach Kommunikation: Das ist eine andere Formulierung für das Gesprächsangebot.« Es muss für den redenden Schriftsteller also darum gehen. zu einem Zeitpunkt also. die das leichte Glück haben. die man im besten Fall als »heimlifeiss« im Crevetten und Brötchen mit Europa-Fähnchen schlechtesten Fall als »feige« bezeichnen kann.die Sprachartistik.die anderen waren einfach nur hingerissen. sondern damit an die Öffentlichkeit zu gelangen. so müsste ich sagen.. Das nennt man in der Schweiz tenberichte. Vor 61 Jahren gab der französische Außenminister Robert Schuman das Volk fürchtet. Man biete für die nicht – Kraft ihres Amtes dem »Generation 50+ gemischtes Optimismus verschrieben. man habe zu lange nur Reiterer auf einer Baustelle in Köniz den »Euro. ist in ein Kleid gehüllt. da Frisch weltweit erfolgreich war und eine breite gesellschaftliche Wirkung entfaltete. später im Gespräch als »eine weitere Einübung in Es sind Sätze wie »Ein Schweizer ist nie dagegen. Um den abgebrochenen Fragesatz aus dem zweiten Tagebuch wieder aufzunehmen: »Soll ein Schriftsteller usw. endlich. Da. Er sitzt im Max Frisch-Stiftungsrat und in der Jury für den Schweizer Buchpreis 2011 CH SCHWEIZERSPIEGEL Sommarugas Eiertanz Ein schweizerisch-europäischer Abend in Köniz VON PEER TEUWSEN Es sind nicht nur die Temperaturen im Baucon. medialen. gibt er sich mit dieser Verantwortung noch auf eine eigenartige Weise unvertraut: »Spreche ich von mir selbst. Der Autor ist Privatdozent für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und SNF-Förderprofessor an der Hochschule der Künste Bern. wenn er sich an die Öffentlichkeit wendet. Deshalb muss man ruhig!«. die vom Schriftsteller nicht bloß erwartet. Sie Wohnen« an.« Der Bundesrat aber will nicht führen. bleibt rätselhaft. Wohl deshalb mimt er als Zugabe ein beschreiben. Sie bestellt Exper. Monsieur Vogelfrei. die sich ja auch hinter geschlossenen Türen austoben könnte. Wie alles an diesem Bundesrätin Sommaruga der Position untergeordnet. sondern eine Rhetorik der aufklärerischen Selbstbewusstwerdung. ohne sie aber letztlich zu seinem Schreibimpetus zu erklären. sogar zum Irrtum verstiegen habe. als heute kolportiert wird. Worin aber besteht die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers? Frisch hat es für sich selbst so definiert: Sie besteht darin. wenn er es so kann. die aufs Dilemma hindeuten.die Vorteile des bilateralen Weges gepriesen. umringt von dunklen Anzügen. das man aber bitte nicht so schon lange existieren. Öffentlichkeit als Partner. der einfach schreibt. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 13 Foto (Ausschnitt): J. Ein Euphemismus erntet dankbaren Applaus. Das weiß auch Sommaruga. Und einen Bauarbeiterhelm mit auf den Die Regierung duckt sich weg. Statt den Weg zu gehen. rakter seines Arbeitgebers hinDiese »Ambivalenzen« müsse weisen. Es ist halb sechs Uhr an mene Mehrheitsmeinung nachplappern. Reden halten. nämlich mit den Mitteln der Sprache.?« Ja. wie sie sagt. rückläufig sozusagen. Frischs rhetorisches Ideal war keine Rhetorik der Manipulation. wie der Redende. meine neue Aufgabe« bezeichnen wird. Das ist klar.kein Zweiter in diesem Land.SCHWEIZ 12. In seiner Rede Öffentlichkeit als Partner von 1958. sondern die der Öffentlichkeit – einer Öffentlichkeit. Und noch mehr: plötzlich soll man etwas zu sagen haben.« Frisch bekennt sich zu einer dritten Fraktion: »Um zu schreiben!« Wer als Schriftsteller Geld verdienen oder die Welt verändern will. das Leben schreibend zu bestehen. So rächt sich die Öffentlichkeit dafür. der neuen Europäischen Gemeinschaft einen Deshalb versucht sie es auf der Baustelle auf ihre Satz mit auf den Weg: »L’Europe ne se fera pas Weise – auch wenn es sich nicht um ihr ureigenes d’un coup. Widerspruch einzulegen im Namen des Lebendigen. Kaum je ist Frisch als historische Figur in der Gegenwart so präsent (von Gedenkjahren und Aufregungen um den Nachlass einmal abgesehen). das sie genau hinhören. weil er diesem Montag. Aber das aber auch nie dafür«. amtsfrische weil er es wie kein anderer sagen kann. um sie zu widerlegen oder zu bestätigen. sondern sie ist eine Einladung an die Waghalsigen unter der Zuhörerschaft. Das ist nicht nur unangebracht gegenüber den heutigen Schriftstellergenerationen. dass den Schreibenden hierzulande und heutzutage bei jeder Gelegenheit der Name Max Frisch als leuchtendes Vorbild vor die Nase gehalten wird. die Haupt. dass sie auch in Fällen von Gelingen keinerlei Berufung empfinden. Das leuchtet jedem ein.« Andere mit dem Anspruch: »Um die Welt zu verändern. die den Kabarettisten schwitzen lassen. gegenüber allen Formeln einer in Angst und Misstrauen erstarrten Welt. Frisch tut dies weniger. dass Frisch selbst diese Rolle weit weniger enthusiastisch annahm. der Feierabend nicht ausreicht – gehört man zu dieser Art von Schriftstellern.Kamel. Der Schriftsteller als Redner: Das meint den Schriftsteller. eine Metapher für die Eidgenossenschaft sehen. für eigene Gedanken und Gefühle haftbar zu werden. . Und dennoch nahm Frisch diese Verantwortung an. Citoyen das Bild von Max Frisch. Darchinger/Friedrich-Ebert-Stiftung. im Sinne einer Selbstvergewisserung im Spiegel des veröffentlichten Ich. Dass diese baut. Die Magistratin ist ein biss. Das zeigt sich in seinen Beobachtungen zu Grass so gut wie in seinen eigenen Reden. Denn sie tut hier etwas. Sie sitzt aus. In der breiteren. Daraus aber kann umgekehrt eine gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers erwachsen. Sie sagt. die Offenheit seiner Rede auszuspielen: Die literarische Rede ist weder Predigt noch Statement. Sommaruga muss.) Frisch bei der Dankesrede zum Friedenspreis 1976 in der Frankfurter Paulskirche – vor lauter Leuten.« (links) »Sozialdemokraten!«: Frisch mit Helmut Schmidt auf dem SPD-Parteitag 1977 (rechts) Max Frisch gilt als Ikone des Schriftstellers. die sich »anständigerweise ja erst von einer gewissen Wirkung an« stellt. der sich einmischt: Er hat nur zögerlich und widerstrebend in diese Rolle gefunden. Simonetta Sommaruga. dazu. rednerin ein. und genau darin unterschied er sich als Künstler vom Politiker. seinen Text zu veröffentlichen? Ist es die Eitelkeit. Man muss schon chen nervös. Er darf alles sagen. um sich gesellschaftliches Gehör zu verschaffen – und der im Idealfall auch gehört wird.. Juncker mal so beschrieben hat: »Wer den Wäh»Was soll ich nur von der Schweiz und Europa lern immer nur nachläuft.« Gesellschaftliche Verantwortung als rückläufiger Irrtum: Das passt nicht gerade ins Bild von Max Frisch. die »nicht in jedem Fall unbedingt diejenigen waren. die nicht seine eigene ist. der seine Schreibklause verlässt und auf die Agora hinaustritt.

Ja. keine Auskunft zu geben.14 12. sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. dargestellt in faszinierenden Grafiken und Karten.und Politszene nur wenige. sie sind denkfaule ContentAbfüller geworden. sei gescheitert. Und die Vergiftung des politischen Klimas. Fazit: Wer den Griechen hilft. Mai 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 20 SCHWEIZ Hoffnung stirbt zuletzt Europa wird für Hellas bluten. Beobachter. Hermann. Michael Hermanns Erfolgsformel lautet: Politik ist messbar. Besonders pikant Herausgeber der wäre die Lage in Deutschland. Erfolge verzeichne sie auf symbolpolitischen Nebenschauplätzen. berät heute: Economiesuisse. der wirtschaftlichen Liberalisierung über die restriktive Migrationspolitik zum Ausbau des Sozialstaats. die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten.« Er fühle sich manchmal als Zauberlehrling. dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert. er wohnt mit seiner Partnerin im Zürcher Kreis 5. Und Michael Hermann. was sie erst recht Josef Joffe ist nicht könnten. schrieb Marcel Hänggi – notabene ein Wissenschaftsjournalist. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer. wie jüngst in Baden-Württemberg oder im Kanton Zürich. Journalisten. Wer nun den Griechen Geld leiht. Zusammen mit Heiri Leuthold. also einer gemeinsamen Steuer. welches Abstimmungsverhalten als links. spricht der demütige Fatalist aus ihm. fein säuberlich aufgeräumten Büro auf dem Irchel in Zürich. rechts. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. er überflügelt den Berner Umfragenkönig Claude Longchamp ebenso wie den Innerschweizer »Smartspider« erlangte Deutungsmacht in Schweizer Wahlkämpfen. Radiosender. kann nicht sparen. »Mich stört selbst. dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Hermann bestimmt. Griechenland. bis die Kohle ausging. aber ihr Gesellschaftsprojekt. IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Bundesämter. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer. die neoliberale Revolution. mit einer entspannten Haltung zur SVP. Leser und Experten jubilierten: Plötzlich diese Übersicht! Die zerfledderten Bürgerlichen. Im Juni erscheint sein Buch über die Konkordanz. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen.« Doch der Politik-Vermesser ist mehr als ein erfolgreicher Geschäftsmann. der Verwaltung. Verbände und Journalisten deshalb auf Hermann. Beide waren Mitglieder in der SVP damals die Partei der Bauern. Für wirtschaftliche Liberalisierungen. wo die Eltern eine Drogerie führten. Der Bruchpunkt ist jetzt. 39-jähriger Sozialgeograf. Etwa als Mitte Januar in der TV-Arena zum Berner Ständeratswahlkampf alle Kandidaten mit ihren Profilen »wedelten«. auch berufsbedingt. Er ist ihre Denkprothese. Im Januar 2010 war er Gast an der SVP-Kadertagung im Hotel Bad Horn am Bodensee. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer. aber gegen einen EU-Beitritt ohne Not. von 325 auf 340 Milliarden Euro. der weiß: In der Mitte lebt es sich am besten. Noch 1999 fürchtete er sich vor der Partei. NZZ und NZZ am Sonntag. wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht. Sie ist robust und hat nicht nur eine dünne zivilisatorische Oberfläche. Tages-Anzeiger. Oder wenn ihn eine Gruppe CVP-Parlamentarier fragt. rechts-liberal und rechts-konservativ. sollte es besser im Kasino verjuxen. Welche Partei er wählt. der Geerdeten. Wahrhaben wollten dies in der Medien. 2. Sonntagszeitung. Ein Schweizer. Und blähen sich weiter auf. L’Hebdo. verschachtelter als seine gedruckten Interviewantworten. nimmt den Hörer immer ab: »Es ist anstrengender. Zeitungen. Der Gescholtene reagierte cool. als man denkt«. sie integriere die extremen Kräfte. .und Ausgabenpolitik – fahren. und die muss man lösen. Seine Biografie ist geprägt von der Kindheit im konservativen Huttwil im Emmental. sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Baudirektionen. der Dritte Weg von Blair und Schröder faszinierte ihn. antwortete er: »Hallo. die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«.« Es solle ihm nicht ergehen wie manchem Journalisten. Selber war er 15 Jahre SP-Mitglied. konservativ. den TV-Experten bei Bundesratswahlen. die Zinsen liegen bei 15 Prozent. nur weil man ihr ein Wachstum prognostiziert. aber gegen einen entfesselten Foto: Martin Ruetschi/Keystone Foto: Mathias Bothor/photoselection »Wo bleibt Eure Überzeugung?« Michael Hermann. Bankiervereinigung. Eintracht schaffen statt Zwist säen. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. die polternde.und Ausgabenpolitik gehorcht. Hermann sagt: »Wenn ich für alle arbeite. also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. . Damit traf der ehemalige Absolvent des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums im bernischen Langenthal den Nerv des Internet-Zeitalters. Die Welt lässt sich durch Daten nur illustrieren. sagt er: »Ich kann doch ein positives Bild einer Partei haben und trotzdem meinen eigenen Standpunkt beibehalten. Gegen eine Zersplitterung der Schweiz in Ghettos von Gleichgesinnten. Interpharma. dessen Tischtuch das Konterfei von Barack Obama ziert. Er ist kein Vielschwätzer. Er behält den kühlen Blick des Programmierers: Es gibt Probleme. Begonnen hat alles im Oktober 1999. erhöht das meine Unabhängigkeit. Hermann ist die personifizierte Mitte. weltoffen oder isolationistisch gilt – und was das für Landvermesser H. Seine Erfindung die Verortung im »Spinnennetz« bedeutet. Der Schlaks mit Hipster-Brille ist gesuchter als die Grandseigneurs der Branche. dann drückte man das Bundesparlament ins Links-rechts-Schema. Sein Einfluss als Politexperte sei sowieso geringer als angenommen: »Die SVP wird nicht mehr oder weniger gewählt. Hermann. Athen nimmt Dampf weg. sondern immer Interpretation. seinem vor zwei Jahren verstorbenen Geschäftspartner und Freund. um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Immer weniger leisten sich eine eigene Meinung. Athen vorweg. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt. Es wird zum europäischen Sozialfall. In seinen Texten irritiert Hermann sein linksliberales Milieu. die kompakte Linke. »Da frage ich: Wo bleibt eure Überzeugung?« Hermanns eigene Meinung liest man seit zwei Jahren in einer monatlichen Kolumne im TagesAnzeiger und im Bund. die langen Beine verschränkt. seine Forschungsstelle Sotomo aber als Firma führt. hier im schmucklosen. Politgeograf Steuerwettbewerb. Spricht man ihn darauf an.« Die Schweizer Politikjournalisten leiden an »Expertitis«. »Es kommt ohnehin anders. Chef-Erklärer der Schweizer Politlandschaft. Nun waren politische Positionen vergleichbar. nicht im Maschinenraum der Politik. wie sie stimmen müssten. der beim ersten Kontakt mit der Rechten gleich konvertiere. haben so lange so heftig geheizt. um im Hermannschen Diagramm möglichst rechts eingeordnet zu werden. ZEIT wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. dass die SVP der Schweiz schade. um sich selber zu retten JOSEF JOFFE: N Die Kassandras haben recht behalten: Geld. hier ist das Plankton. Wenn ein Journalist keine Meinung hat. Zürcher Kantonalbank. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den Bushido-Song: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Als Mensch ist er schwierig zu fassen. liberal. ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft. Doch von einer Konkurrenzdemokratie hält er nichts. Auch persönlich hat er keine Berührungsängste vor der wählerstärksten Partei des Landes. aber nicht erklären. klingelt das Telefon heiß. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. ruft er Michael Hermann an. Punkt. Für eine starke Zuwanderung. Denn die Besitzer müssten kalkulieren. Hotelleriesuisse.ohne Politikunion geht nicht. präsentierten im Magazin und in Le Temps ihre »politische Landkarte des Nationalrats«. Bis im letzten Herbst die Politologin Regula Stämpfli in einer Radiosendung den Kollegen Hermann als »Wahlvermesser mit dem politischen Reflexionsgrad eines Planktons« beschimpfte. Eine gute Frage.« Anderthalb Stunden sitzen wir da bereits am Kaffeetisch in seinem Büro. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. als Auskunft zu geben. länger. der an der Uni Zürich als Lehrbeauftragter arbeitet. Noch bevor der Drachmen-Druck angelaufen wäre. Als ihn wenig später ein Journalist anrief. Die Karte zeigte die exakte Position aller Nationalräte zwischen den drei Polen links. Im Gegenteil. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Zu faszinierend war diese neue Einfachheit. Der Remeduren sind nur drei: 1. Am Apparat: Fernsehstationen.« Inhaltlich aber beschäftigt ihn die Kritik. die Hetze gegen Minderheiten? »Unsere Gesellschaft erträgt solche Stimmen. Andersdenkende lernte Hermann mögen. den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. aber im Parlament chancenlose SVP.« CH ach Wahltagen. Etwa jenes der blockierten Regierung. Aber welches Bild hat er von der künftigen Schweiz? Die Frage beschäftigt ihn nicht. brachte er Ordnung in die komplizierten politischen Realitäten. Sein Motto: Einbeziehen statt ausschließen. und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. wenn die Ratings zum Fetisch werden. Einzig die linke WoZ mahnte vor den Eidgenössischen Wahlen 2007 zur Vorsicht: »Ist Michael Hermann ein schrecklicher Vereinfacher?«. hilft seinen Banken. unter der die Barbarei lauert. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen. Europa wird zuschießen und stunden müssen. weil er so ist wie sie. er ist froh darum. bräche das Höllenfeuer aus: erst ein Run auf griechische Banken. Wofür also steht er persönlich heute? Driftete er nach rechts? Europafreundlich sei er.und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille. Daten sind nie neutral. 3. der die gerufenen Geister nicht mehr loswerde. Politiker und Parteien »entlarvt«. Die Spinnennetz-Grafik veranschaulicht das Profil eines Politikers – und des Wählers – in acht thematischen Dimensionen: von der außenpolitischen Öffnung. Die zwei jungen Geografen. dessen Deutungsmacht über die Schweizer Politik immer größer wird? VON MATTHIAS DAUM Iwan Rickenbacher. dem Zukünftigen in kleinen Schritten entgegengehen – vielleicht hören Politiker. In den kommenden Jahren erlebte die Schweizer Politik einen Vermessungsboom. wirkt ernst. Doch niemand hinterfragte die Aussagekraft der Diagramme. aber die Ängste der Bevölkerung seien ernst zu nehmen. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«. Hermann war damals 28. Die Missionare hockten im Täufer-Land in den Kirchen. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen). wie man aufgrund seiner Medienpräsenz vermutete. Also fragen sie andere – am liebsten Michael Hermann. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen. 39. verfasst im Auftrag von Avenir Suisse.« Er glaube nicht. doch falsche Gewissheiten stören ihn. Hermann will das Regierungssystem retten – zu den Details schweigt er. Wer ist der Mann. Vor zwei Jahren trat er aus. Mal eruierte man die Nähe der Politiker zum Gewerbeverband. das aber behält er für sich. Statt Einschätzungen und Vermutungen präsentierten sie faktengestützte Wahrheiten. Die Sätze sind nuancier- ter. derweil EU. nachdenklich. 517 namentliche Abstimmungen der großen Kammer hatten die beiden ausgewertet. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt.

Diejenigen. die EU dabei mitregieren. E-Mail: DieZeit@zeit. man macht sich unbeliebt. Die Griechen.n. so beharrlich verschweigen die »guten Europäer« also.14 € /Min. Die Antwort gibt die Wirklichkeit: Die Rettung Griechenlands hat trotz aller Milliarden nicht funktioniert. Er muss sich öffnen für etwas Unerhörtes: eine unerprobte Lösung mit ungewissen Folgen. GRN.und runterbuchstabiert werden – keiner weiß annähernd. Das ist umso generöser. das jahrzehntelang als Trutzburg von Parteien galt. Nicht mehr bezahlen. obwohl doch alle gleichermaßen wissen. dem Vertreter des kleinen Luxemburgs. plädiert er bereits für den »zivilisierten Streit«. Zwar beruhigen sich die Spekulanten in aller Welt. Und wenn auch Spiegel Online gerade mit der Meldung überzog. noch nie schienen sie so entschlossen zu sein. das für die etablierten Parteien die stärkste Herausforderung seit der Wiedervereinigung darstellt: Noch nie waren die Präferenzen der Wähler so schwer voraussehbar. Aber die ist auch für Geld derzeit nicht zu haben Retten oder nicht retten? Europa spielt eine neue Runde seines seit Ausbruch der Schuldenkrise währenden Spiels. A uch wenn man die Grünen nie gewählt hat. dass Europa weiter für die Griechen bezahlt. (v. aus dem deutschen Festnetz. die andere Möglichkeit. Auch das käme alle teuer zu stehen. Ob man Hellas aufs Neue rettet oder umschuldet. Als Ausdruck einer Stimmungswahl. dass die Griechen mit dem ersten. zeichnet sich schon ab. Eigentlich sollte Griechenland schon im Jahr 2012 wieder gesund sein. ebenso wie die Deutschen und andere. wenn Europa weiter zahlt. will das offizielle Europa Ruhe. und darin liegt eine Chance: In einer Zeit. Niemand schien europäischer gesinnt als der EU-Musterschüler 6 6 .20/ Kanaren 5. »Retten« ist ein hübsches Wort. Auch wenn er vor der Wahl Wert auf die Feststellung legte. Gleichwohl verlangen die EU. und trotzdem beschimpft Europa uns. in dem eigentlich niemand seiner Sache sicher sein dürfte. nun gelte es. was sie für die Bundesrepublik über viele Jahrzehnte tatsächlich gewesen sind: eine große Erfolgsgeschichte. Man hat das als fällige Reaktion auf eine 58 Jahre währende Herrschaft der CDU (mit zeitweiliger Hilfe der FDP) interpretiert. wächst die Lust auf einen Befreiungsschlag. Ruhe wird in keinem Fall eintreten.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 12. die Tötung Osama bin Ladens: Die Deutschen wissen es immer besser. die verzaubern Eine neue Videoserie unter www. findet Josef Joffe. statt Standesinteressen oder Berufsgruppen zu vertreten. Aber was ist mit Bürgern und populistischen Politikern? Schon jetzt sind viele erzürnt. könnte eine dritte Volkspartei entstehen – vorausgesetzt. Es grünt im Klub Mit der Wahl Winfried Kretschmanns zum Ministerpräsidenten etabliert sich die dritte deutsche Volkspartei VON GIOVANNI DI LORENZO Druck aus Dresden Wie Frank Harings Jugendzeitung »Spiesser« einen Großverlag ärgert Politik Seite 13 D Europa will sich Ruhe kaufen. Kleine Augenblicke. Das klingt weit unattraktiver als das. damit der Südosten der Union nicht abstürzt. und bei der Auswahl ihrer Spitzenkandidaten weniger auf die Stimmung der Parteifunktionäre als auf die Erfolgsaussichten bei den Wählern achten. die ohne die Reaktorkatastrophe in Fukushima undenkbar gewesen wäre. ihre Wut zu demonstrieren – sei es durch Wahlboykott. jetzt kann man ihnen nur Glück wünschen. Am Donnerstag wird die erste Landesregierung in Deutschland unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten vereidigt. Es kostet nur wieder Milliarden. Was dagegen geschieht.de Abonnentenservice: Tel. Dabei würden die Griechen einen Teil ihrer Schulden einfach wegschneiden.u. Nein. sondern auch an zu viel. ist ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt worden. »Umschulden«. Jeder verfolgt eigene Interessen im Spiel um die Zukunft des Euro. Grün-Rot also – ein politischer Umsturz ausgerechnet in einem wohlhabenden Bundesland. Jetzt hilft nur noch ein Schuldenschnitt VON UWE JEAN HEUSER er Fall Griechenland zerrt an Europa wie kein Problem zuvor. um Griechenland aus der Krise zu helfen. Konsens? Zivilisierter Streit? Klingt verdammt nach regierungsfähiger Volkspartei: Willkommen im Klub! ZEIT ONLINE Bienen am Schaalsee. beschlossen hat. Warum sind wir denn in einer fortdauernden Schuldenkrise? Weil Banken und Fonds zockten.00/FIN 6. was sie auch kostet. der nicht aufgepasst hatte. weil wir – und was könnte uns im Ausland unbeliebter machen – Disziplin im Gegenzug für unser gutes Geld verlangen. und er lobte den Amtsstil seines Vorvorgängers Erwin Teufel von der CDU. In Interviews sprach er davon. der Staat steht nicht immer für euch ein! So ungewiss die genauen Folgen einer Umschuldung sind – allein das wäre ein ungemein wertvolles Signal. Geburten hinfällig. Doch dieser Erfolg ist nicht mehr als eine Belobigung auf Bewährung. bleibt auch eine. wer der bessere Europäer ist.70/E 5.50/HUF 1605. will weniger Vorgaben und niedrigere Zinsen. Jannis Chavakis für DZ. das zu werden. kleine Abb.zeit. Sooft dieser Tage in Ministerien.30/I 5. die einst als bürgerlich bezeichnet wurden. Bloß ist Ruhe nicht zu haben. Der Rest der Republik könnte sich an den Gedanken grüner Ministerpräsidenten gewöhnen. in das so viel Geld fließt. nun muss er nach den aufreibenden Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 auch einen Konsens finden. Doch das heißt nicht. die im Englischen haircut heißt. jede Volkspartei für sich eine kleine Koalition.de *) 0. Das hat diesmal Grüne und SPD an die Regierung gebracht.und Bahnhofsschützern. Wir erleben einen Austausch von Forderungen. Der Rettungsfonds will weiter retten. Käme es jetzt zum griechischen haircut.de/audio 4 1 907 45 1 040 05 Finnland – bis die europafeindlichen Rechtspopulisten im April fast 20 Prozent der Stimmen holten. Fax 0180 . Die entscheidende Frage ist aber nicht. doch könnte die Genesung das ganze Jahrzehnt über dauern. dass es ohne Europa nicht geht. Die Mehrheit haben sie nicht einmal in ihrer Partei hinter sich. als Nächstes bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. seit einem halben Jahr unter dem Rettungsschirm. dann würde ihre Bilanz besonders stark leiden. im Land. Es geht auch um die Hoffnung auf politische Erneuerung in Deutschland und um die grundlegende Frage. dass die Grünen eine volksnahe und keine Volkspartei sein wollten.50/A 4.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co.de/video-momente PROMINENT IGNORIERT Skandal auf Samoa Dass der Inselstaat Samoa. die Griechen überlegten. sei es durch die Stimmabgabe für eine Partei. so desaströs seine Folgen wären. Geheimrunden und Medien die Szenarien rauf. so lassen diese Erklärungen doch den Schluss zu: Die Grünen unter Winfried Kretschmann sind auf dem besten Wege. Was Hoffnung macht: Mediziner zeichnen längst ein positiveres Bild vom Umgang mit der Krankheit und den Patienten Fukushima.zeit. und dieses Glösslein wäre längst Makulatur. bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. in der die Zersplitterung der politischen Landschaft in lauter Klientelparteien befürchtet wird. 0. ZEIT-Stellenmarkt: www. bestrebt. Das alles haben die Grünen nahezu geschafft. die für sich schon eine historische Zäsur in der Parteiengeschichte ist.40/F 5.o. die – überwiegend mit anderer Leute Geld – großzügig neue Milliarden ausschütten wollen. denen erst einmal niemand mehr Kredit gewährte.de. Gutmenschen nerven. Aber die Diagnose ist unvollständig. da haben alle führenden Politiker einschließlich Angela Merkel ihre Defizite. Wenigstens einmal sollten Finanzinstitute und Spekulanten mitbezahlen. positionieren sich als die guten Europäer. Leserbriefe@zeit. Klar ist einzig. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . wenn sie wieder Anker in die ganze Gesellschaft werfen. antwortet Katrin Göring-Eckardt Politik Seite 2–4 Feuilleton Seite 49 SACHSEN WISSEN SEITE 37–40 Schluss mit luftig Die EU hat alles versucht. KG. Griechenland umzuschulden würde deshalb das Signal an alle Hasardeure senden: Nehmt eure Verantwortung ernst.zeit. dass sie ungefähr 30 Prozent der Wähler vertreten und durch ein relativ unideologisches Parteiprogramm wählbar für Bürger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten sind. Viele haben griechische Staatsanleihen gekauft. stellte eine linke Fronde in der Partei dem Zugpferd Kretschmann noch misstrauisch ein Team zur Seite. Aus dieser Gefahrenlage kommen die Sozialdemokraten nur heraus. Die Skeptiker aus dem Norden stehen im Süden als Geizhälse da. wenn Europa immer weiterzahlt. wohl aber die Stimmung.20/GR 5. Die baden-württembergischen Sozialdemokraten haben kaum mehr als 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. max. man wolle keine »feindliche Übernahme des Landes«. die SPD. 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket nicht auskommen und uns nicht nur Bürgschaften.0. Womöglich war es aber auch ein Akt der Klugheit gegenüber einem Partner. J A H RG A N G C 7451 C www. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43. Grün-Rot – ein politischer Umsturz ausgerechnet in Baden-Württemberg Der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sich seiner Verantwortung offenbar bewusst. als gäbe es kein Morgen – und der Staat. Schuldzuweisungen und Dementis.20/ L 4. was auf lange Sicht besser für Europa ist. die ihnen Geld liehen und Teile davon nie mehr wiedersähen.): DZ-Grafik (nach einer Idee von Markus Roost). Sogar die Europäische Zentralbank ist Partei. auch nicht beim haircut. die sie früher nie gewählt hätten. einige seiner Banken brauchten neue Hilfen. Europa sollte die Umschuldung wagen. Als Ministerpräsident hat er sich nun der Jahrhundertaufgabe zu stellen. bislang östlich der Datumsgrenze gelegen. würden Schulden nicht getilgt. Mauritius ZEIT ONLINE GmbH: www. seit sie gegen den erklärten Willen des damaligen Bundesbankchefs Axel Weber die ersten Staatsanleihen kaufte. ist auch eine hässliche Sache. aus dem Euro auszutreten: Selbst dort. wenn sie nicht ein anderes Symptom berücksichtigt. der SPD dennoch die Mehrzahl und die wichtigsten Ministerien der Landesregierung zu überlassen. wenn die Griechen sie bekommen? Es gäbe kaum noch ein Halten. die Erwartungen der Bürger zu erfüllen. Wenn jeder das Datum (»das Gegebene« notabene) nach Belieben festlegte. Schon in der Stunde des Wahltriumphs erinnerte er daran. Auch in diesem Punkt haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben: Vor einem Jahr. das Beharren auf Posten und alten Positionen.70/B 4.10/ CHF 7. Deutschland wäre mit einem Schlag Milliarden los. sondern echtes Geld kosten werden.42 € /Min.50/P 5. was kommt. In Deutschland spielen FDP-Politiker mit dem europäischen Feuer und torpedieren die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds.zeit.zeit. Die Frage ist vielmehr. Die Entscheidung Kretschmanns. Wer wollte sie den Iren abschlagen. ob und in welcher Form Volksparteien eine Zukunft haben.00/NOR 60. also einen Tag zu überspringen. um den Austausch mit dem westlich gelegenen Australien zu erleichtern. Vergessen. Sie sind nötiger denn je. Libyen. Europa kann eben nicht nur an zu wenig Solidarität zerbrechen. die sie aus Rücksicht auf ihre Parteibasis aus den Augen verloren haben. Und doch hätte der Schock etwas Heilsames. 0180 . möglichst viele Menschen mitzunehmen. Wellen am sardischen Strand. Angeführt vom Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Geschockt von einigen fanatischen Forderungen von Baum. weil dies ein überholter Begriff sei.de/audio www. die zweite Volkspartei.52 52 908*. und für Griechenland müsste Europa eine Art Marshallplan auflegen. Mai 2011 DIE ZEIT No 20 Die Angst vor Illustration: Smetek für DIE ZEIT Moralweltmeister Deutschland Gunter Sachs zog daraus die extremste Konsequenz und nahm sich das Leben. bei diesem Ergebnis ist ein Kriterium der Volkspartei schon nicht mehr erfüllt.00 20 01 420 AUSGABE: . der sich tief gedemütigt fühlen muss. ist schlicht ein Skandal. dass sich der Kontinent ins Weiter-so flüchten darf. deshalb unser aller Geld retten musste.jobs.52 52 909*. Paradoxerweise stellte ein Erfolg von GrünRot in Baden-Württemberg für die SPD eher ein Risiko dar. was gemeinhin eine Volkspartei ist. Nach der Definition von Parteienforschern zeichnen sich Volksparteien heute vor allem dadurch aus. dessen Datum anzunehmen. Irland.de. aber die Deutschen können es nicht mehr hören. und es steht dabei mehr auf dem Spiel als der Erfolg einer grün-roten Koalition in Baden-Württemberg. an welche Abgründe ihr eigener Weg führt. die zum ersten Mal Grün gewählt hätten. E-Mail: abo@zeit.20/NL 4. Viel Geld. die Euro-Gruppe und die Zentralbank. in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas die Ökonomie des Landes mit der Ökologie zu versöhnen. als Kretschmann und seine Mitstreiter in den Wochen der Koalitionsverhandlungen schwer an der SPD gelitten haben: Sie beklagten das Fehlen jeder politischen Fantasie. Sosehr sie die Gefahren einer Umschuldung beschwören. Aus Berliner Sicht sieht jede Antwort zunächst einmal gleich unattraktiv aus.PREIS DEUTSCHLAND 4.

12 12. Mai 2011
ZEITGEIST

DIE ZEIT No 20

MEINUNG

POLITIK

Wer den Griechen hilft
JOSEF JOFFE:

Europa wird für Hellas bluten, um sich selber zu retten
Die Kassandras haben recht behalten: Geld- ohne Politikunion geht nicht. Vor zwölf Jahren hat Europa mit dem Euro den »Zug der Hoffnung« auf die Schiene gesetzt: 16 Lokomotiven mit 16 Führern. Die fromme Hoffnung? Jede Lok werde im gleichen Tempo – mit gleicher Steuer- und Ausgabenpolitik – fahren; sonst würden die Kupplungen brechen oder alle zusammen entgleisen. Der Bruchpunkt ist jetzt. Um im Bild zu bleiben: Manche Lokführer, Athen vorweg, haben so lange so heftig geheizt, bis die Kohle ausging. Der Remeduren sind nur drei: 1. Athen nimmt Dampf weg, also spart und wird wieder wettbewerbsfähig. 2. Es wird zum europäischen Sozialfall, den die anderen mit ihrer Kohle alimentieren. 3. Hellas koppelt sich ab oder wird abgehängt. Heute ist jede Lösung so hässlich wie die nächste. Griechenland, ein üppiger Sozialstaat mit verharzter Privilegienwirtschaft, kann nicht sparen. Trotz seiner Schwüre sind seine Schulden – private wie öffentliche – im Vorjahr gestiegen, von 325 auf 340 Milliarden Euro. Und blähen sich weiter auf. Das Wachstum lag im vierten Quartal 2010 bei einem Minus von knapp sieben Prozent. Weiter Kohle zuschießen? Griechische Bonds sind nach jeder Finanzspritze wieder abgestürzt; die Zinsen liegen bei 15 Prozent, die Rating-Agentur S&P hat die Papiere auf »B« gedrückt – weit unter »Müll«. Wer nun den Griechen Geld leiht, sollte es besser im Kasino verjuxen. Mit Glück kriegt er 70 oder nur 50 Cent auf den Euro zurück. Die Euphemismen für den Bankrott lauten »Umstrukturieren« oder »Umprofilieren«, sprich: Schuldenschnitt oder Stundung. Wie aber käme dann Hellas zu neuem Geld – bei einem Schuldenstand von 160 Prozent des Inlandsproduktes? Also Abkoppeln (freiwillig) oder Abhängen (erzwungen), wie es der medienerprobte Ifo-Chef Sinn fordert? Erstens erlauben die Verträge den Rausschmiss nicht, und zweitens ist die Medizin mörderischer als die Sepsis. Noch bevor der DrachmenDruck angelaufen wäre, bräche das Höllenfeuer aus:
HEUTE: 9.5.2011

Erinnern
Als Deutscher ist man ja heutzutage eher wehrkraftzersetzend eingestellt. Ordenbehangene Heldenbrüste erinnern unsereinen an Schützenvereine und Epauletten an den Karneval. Hier aber ist das Original zu sehen, nicht die Kopie. So sehen Sieger aus. Siegesfeier in Moskau: Was muss das für ein Gefühl sein, voller Stolz auf die Jahre 1941 ff. zurückzublicken, auf den Großen Vaterländischen Krieg, den sie mit Recht so genannt haben? »Keiner ist vergessen«, singt die Sängerin – wie sonst soll sich ein Volk an eine Katastrophe erinnern, deren Opfer noch immer nicht auf eine Million genau gezählt sind? »Nichts ist vergessen«, singt sie. Und man wünscht diesen alten Herren, dass diese Zeile falsch sein möge. Wer hätte schon gerne ihre Erinnerungen? Und wenn die Ordenssammlung hilft, damit fertig zu werden, wer hätte das Recht, darüber zu spotten? F. D.

Mord und Totschläger
Jugendgewalt: Zu viel Milde untergräbt das Vertrauen ins Recht
Wie Jugendliche zu grausamen Schlägern werden, das bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel. Wie ihnen zu begegnen ist und ob die Jugendgewalt insgesamt brutaler wird – all das ist heftig umstritten. Nur über eines sind sich alle Fachleute einig: Die Justiz muss schnell arbeiten, wenn sie es mit jugendlichen Gewalttätern zu tun bekommt. Vergeht zwischen Straftat und Strafe zu viel Zeit, verpufft die Wirkung der Sanktion. Das immerhin hat die Berliner Justiz im Fall des Torben P. richtig gemacht, der in der Nacht auf Ostersamstag am U-Bahnhof Friedrichstraße einen Passanten offenbar ohne jeden äußeren Anlass niedergeschlagen und dann immer wieder gegen den Kopf getreten hatte. Schon zwei Wochen später ist gegen den 18-Jährigen Anklage erhoben worden. Das ist ungewöhnlich schnell – und ein gutes Signal. Die Beweislage sei einfach, sagen die Staatsanwälte, der Täter habe gestanden, der Tathergang stehe fest, da eine Videokamera den Angriff aufgezeichnet hatte. Allerdings darf man wohl annehmen, dass auch das Entsetzen in der Öffentlichkeit über die Tat einiges zur Beschleunigung beigetragen hat. Angeklagt wird Torben P. wegen versuchten Totschlags. Das ist ein Mittelweg. Lange wurden vergleichbare Fälle milder beurteilt, meist als Körperverletzung – mit entsprechend niedrigeren Strafen. Das haben Deutschlands höchste Strafrichter am Bundesgerichtshof gebilligt, sogar befördert. Denn sie wollten nicht einmal bei heftigen Tritten mit Springerstiefeln gegen den Schädel ohne weiteres einen Tötungsvorsatz annehmen. Das sahen die Berliner Staatsanwälte nun anders. Grobe Nachsicht wird man ihnen also nicht unterstellen können. Für versuchten Totschlag sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchststrafe vor. Ob Torben P. die bekommt, entscheidet das Gericht, Anklage ist nicht gleich Urteil. Aber die Anklage ist eine erste Weichenstellung. Für Täter und Opfer. Und für die Öffentlichkeit. Deshalb ist es auch legitim, wenn in Berlin jetzt nachgefragt wird, warum die Tat auf dem Bahnsteig nicht als versuchter Mord angeklagt worden ist. Die mögliche Höchststrafe wäre dieselbe, das Signal aber ein anderes. Mord ist mehr als ein Totschlag, eine besonders verwerfliche Tat, sei es wegen besonderer Grausamkeit, sei es wegen »niedriger Beweggründe«. Grausam ist nach den gängigen Definitionen eine Tat, die dem Opfer besonderes Leid zufügt, die gängige Hemmschwellen infrage stellt oder besonders erschütternd wirkt. Wer das Video der Tat am Bahnhof Friedrichstraße gesehen hat, kommt schon ins Grübeln, ob hier von dem geradezu wie besinnungslos zutretenden Täter nicht alle gängigen Hemmschwellen überschritten werden. Nein, es geht nicht darum, eine möglichst harte Strafe zu finden. Es geht darum, das Gesetz ernst zu nehmen – und die friedensstiftende Funktion des Rechts. Wenn einer wie Torben P. von Untersuchungshaft verschont wird, wenn Heranwachsende sehr häufig nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, obwohl für sie auch Erwachsenenstrafrecht in Betracht käme, wenn schon bei der Anklage regelmäßig heruntergezoomt wird, dann mag das in jedem Fall begründet sein. Das Routinierte der Nachsicht jedoch, der Eindruck, Spielräume würden nur in eine Richtung genutzt – solche Tendenzen untergraben das Zutrauen ins Recht. WFG

Ein Land bleibt cool
Der Staat hätte bei der Volkszählung mehr Fragen stellen sollen
Die Bürger bleiben cool. Am 9. Mai war Stichtag des »Zensus 2011«, der neuen Volkszählung. Der ersten seit 1987. Volkszählung, das klingt nach historischer Parallele, nach enormem Erregungspotenzial. Am Montag aber mahnten bloß müde einzelne Landesdatenschützer, fanden sich ein paar nölige Kommentare in den Zeitungen (und ebenso viele wohlwollende). Mehr öffentliche Reaktion war da nicht. Mit Überrumpelung kann man das kaum erklären: Schon 2010 fanden die Haus- und Wohnungsbesitzer Fragebögen in der Post. Seit Monaten wird plakatiert und informiert. Und jetzt werden zufällig ausgewählten Bürgern 46 Fragen zu Person, Lebensumständen, Ausbildung und Beruf gestellt. Rund zehn Millionen müssen antworten – ein ganz schöner Teil der Bevölkerung. Aber empört sie sich? Verweigert sie sich in nennenswerter Zahl? Nein. Wer hätte das gedacht! Eine bürokratische Großaktion (zumal eine, die Brüssel vorschreibt), doch die Deutschen bleiben cool. Bei jenem Thema, das in den achtziger Jahren zur Chiffre für den vermeintlichen Überwachungsstaat wurde. Die Reaktion lässt sich ganz gegensätzlich deuten – entweder als Zeichen von Abstumpfung oder von Akzeptanz. Erklärung Nummer eins: Wir sind einfach desensibilisiert durch ständige halb öffentliche Selbstinszenierung à la Facebook (wo fast 18 Millionen Deutsche angemeldet sind). Außerdem liegen in mehr als der Hälfte der Haushalte Kundenkarten (knapp 50 Millionen allein von Payback), die Spione der Konsumwirtschaft. Und selbst in einer H&M-Filiale wird man beim Bezahlen gefilmt. Da schert es die Leute auch nicht mehr, wenn der Staat etwas mehr wissen will. Vor dem Hintergrund der digitalen Revolution und ihren technischen Möglichkeiten lässt sich aber auch das entgegengesetzte Argument führen: Die Bürger finden die Fragebögen okay. Dabei wissen sie sehr wohl um die Risiken der Datensammelei. Bloß sind die Chiffren dafür heute Apples Ortungsdatei, Googles Fotoautos oder Hacker-Raubzüge durch unsichere Onlineshops. Sammelwut und Schlamperei sind die Zutaten jedes Datenskandals. Doch die Schauplätze sind stets Privatunternehmen, vorzugsweise kalifornische Konzerne. Im Vergleich zu deren Machen-was-geht-Mentalität erscheint die Neugier der Volkszähler verhältnismäßig, ja zurückhaltend. Vielleicht zu zurückhaltend. 700 Millionen Euro soll der Zensus kosten, das ist nur eine Schätzung, also wird es teurer. Vor dem nächsten Zensus 2021 wird es heißen: Können wir für das ganze Geld nicht etwas mehr erfahren? Und zu Recht. 43 der Fragen schreibt die EU vor. Nur drei fügte die Bundesrepublik hinzu (davon die freiwillige nach dem religiösen Bekenntnis). Dabei hatten Statistiker, Ökonomen und Sozialwissenschaftler gefordert, weitere Fragen zu drängenden gesellschaftlichen Problemen zu stellen: etwa zu Sprachen (Integration) und Kinderzahl (Demografie), zum Pendlerverhalten (Verkehrsplanung) und, ganz simpel, zur Heizung (Klimaschutz). Der Staat – im Bestreben, die Befragten nur nicht zu verschrecken – verzichtete auf all das. Angesichts der Coolness der Bürger muss man sagen: Da wäre mehr drin gewesen. STX

Foto: Mathias Bothor/photoselection

Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

erst ein Run auf griechische Banken, dann Panikverkäufe von Griechenbonds im Ausland. Denn die Besitzer müssten kalkulieren, dass die Neo-Drachme etwa die Hälfte ihres Wertes gegenüber Hartwährungen verliert, die Griechen also doppelt so viel zurückzahlen müssten, was sie erst recht nicht könnten. Besonders pikant wäre die Lage in Deutschland, wo das meiste Gift bei Krisenbanken wie der HRE liegt. Schließlich: Wie würden die Pleitiers je wieder frisches Geld kriegen, um allein die steigenden Schulden zu bedienen? Europa wird also weiter zahlen müssen – auch bei einem Schuldenschnitt. Denn auch dann gerieten die Euro-Zonen- und Griechenbanken mit jeweils 80 und 65 Milliarden an Schuldscheinen in die Bredouille, derweil EU, IWF und EZB 100 Milliarden wertberichtigen müssten. Finanzkrise II nicht ausgeschlossen. Fazit: Wer den Griechen hilft, hilft seinen Banken. Europa wird zuschießen und stunden müssen. Es lebe die Transfer-Union! Wie lange? Bis der Euro-Zug nur einem einzigen Lokführer, also einer gemeinsamen Steuerund Ausgabenpolitik gehorcht. Und wenn er bis dahin entgleist? Vertrauen wir auf den BushidoSong: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.«

IN DER ZEIT
POLITIK
2
Interview Kanzlerin Angela

SACHSEN
13 Medien »Spiesser«-Chef Frank Haring kämpft gegen einen Großverlag VON RALF GEISSLER
Ostkurve
VON JANA HENSEL

WIRTSCHAFT
23 Euro Rettung oder Schuldenschnitt – die Politik ist überfordert 24 EZB-Chef Angela Merkel stützt Mario Draghi 25 Staatsschulden Niall Ferguson über die Krise des Westens 26
VW Der Konzern will jetzt auch

33 Lettland Positive Entwicklungen 34 Ratenzahlung Versicherer verschleiern die wahren Kosten 35 Kohle CO₂-Speicherung
ThyssenKrupp Der Konzern

FEUILLETON
49
Gesellschaft Die Deutschen im Geisterreich der Moral

Merkel erklärt den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg 3 4
Bücher machen Politik Gutmenschen Ist Deutschland

62 GLAUBEN & ZWEIFELN Islamismus Der Prediger Pierre Vogel reagiert auf bin Ladens Tod

50 Kulturgeschichte Eine Ausstellung über das Schicksal 51 Fernsehen Gespräch mit RTL-Senderchefin Anke Schäferkordt 52 Max Frisch Er würde jetzt 100 – Wiederbegegnung mit dem Klassiker 53 Biografie, Essay-Sammlung und ein Bildband/Erfahrungen eines Journalisten mit Frischs Fragebogen 54 Essay Eberhard Straub »Zur Tyrannei der Werte«
Roman Nicolas Dickner »Tarmac«

REISEN
63 Schweiz In Berzona fand der ewige Reisende Max Frisch ein Zuhause 65 Eurovision Ein Lob auf Düsseldorfs Kö, das Altbier und das japanische Viertel 67
Seychellen Wo William und Kate angeblich ihre Flitterwochen verbringen

Sachsen-Lexikon

startet den fälligen Umbau 36 Was bewegt ... Armin Falk, Ökonom und Verhaltensforscher?

ein Vorbild für die Welt? Ein Pro und Contra 5 6 7 8 9
Libyen Die ersten Kriegsopfer sind die Flüchtlinge Generation Rösler Passen

Krawall-Zuschlag 14 Geschichte Dresdens Bühnen in der NS-Zeit VON ADINA RIECKMANN
Am Start Irina Tarassenko, Landärztin VON M. MACHOWECZ

noch die meisten Laster bauen
Elektroauto Warum es falsch ist,

WISSEN
37 Alzheimer Plädoyer für einen neuen Blick auf die Krankheit 39 40 Besuch in einem Heim für schwer demenzkranke Menschen Wie pflegende Angehörige Urlaub machen können

nur die Autokonzerne zu fördern 27
Kinderarmut Die Not wird überschätzt, sagen Forscher

Familie und Politik zusammen?
FDP Ein Gespräch mit Philipp

DOSSIER
15 München Ein Prediger will ein weltoffenes Islamzentrum gründen und gilt nun als Verfassungsfeind 20 WOCHENSCHAU
Eurovision Song Contest Die Geschichte eines Liedes aus Island

Rösler über seine Regierungspläne
Pakistan Die Islamisten freuen sich

über arabische Revolutionen
Syrien Tagebuch Ägypten Die neue Regierung

28 Pharma Die Industrie verdient zulasten von altersblinden Patienten Milliarden 29 Lebensmittel Ein Internetportal für Verbraucher ärgert die Industrie 30 Kika-Skandal Gegenseitige Schuldzuweisungen
Soziale Netzwerke

CHANCEN
71 Bachelor und Master:
Ein Spezial auf 10 Seiten

55 Margaux Fragoso »Tiger, Tiger« 56
Nachruf auf Gunter Sachs

41 Infografik Die Renaissance der Bilder in Medien und Wissenschaft 44 Der Medienforscher Michael Stoll über gute und schlechte Grafik 47 KINDERZEIT Fremde Was es bedeutet, Flüchtling zu sein 48 Kinder- und Jugendbuch LUCHS – Anne-Laure Bondoux »Die Zeit der Wunder«

96 ZEIT DER LESER 56 Impressum 95 LESERBRIEFE
Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/audio

kämpft gegen religiöse Gewalt 10 Italienische Lektionen Neapel 11 Politische Lyrik »Inkarnation«/ »Die Lebenden sind Legenden« 12 Volkszählung Gelassenheit
Justiz Der Berliner

57 Umbruch Eine Ägypten-Reportage der Philosophin SUSAN NEIMAN 58 Brüssel Die Oper »Matsukaze«
Kunst Paul Pfeiffer in München

GESCHICHTE
21 Ausstellung Bayern feiert Ludwig II. 22 CSU Schon 1949 zeigte die Partei ihre Fähigkeit zum geschlossenen Sowohl-dafür-als-auch-dagegen

Industriespionage wird erleichtert 31 Telekom-Aktie Das Urteil in dem Massenverfahren steht bevor 32 Tunesien Schwieriger Neubeginn

59 Kunstmarkt/Museumsführer 61 Kino »Joschka und Herr Fischer«
Kulturkanäle zdf.kultur

U-Bahn-Schläger wird angeklagt

Foto: Denis Sinyakov/Reuters

ZEIT FÜR SACHSEN

12. Mai 2011 DIE ZEIT No 20

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OSTKURVE

Oberarmfrei
Am Wochenende wurde uns ein neues Bücherregal geliefert. Zwei junge Herren, der eine in oberarmfreiem T-Shirt, der andere tätowiert an allen sichtbaren Körperstellen, waren mit einem alten Volvo vorgefahren, hatten das recht schwere Ding erst entladen, dann hinaufgeschleppt und schließlich vor den sechs Augen der Familie aufgebaut. Der Typ mit dem oberarmfreien T-Shirt erzählte dabei, dass er schlafwandle und morgens seinen Schlüssel mitunter im Schloss des Briefkastens finde. Was für ein interessantes Thema, dachte ich.
Jana Hensel, 1976 in Leipzig geboren, Autorin des Bestsellers »Zonenkinder«, schreibt hier im Wechsel mit ZEITAutor Christoph Dieckmann

Foto: Jannis Chavakis für DIE ZEIT/www.chavakis.de; Dominik Butzmann (kl.)

Ein Bild von einem Mann: Frank Haring im Konferenzraum seines Dresdner Verlags

Elefant im Zeitungsladen
Frank Haring hat aus der sächsischen Schülerzeitung »Spiesser« ein bundesweites Jugendmagazin gemacht. Inzwischen sieht selbst die »Bravo« in ihm einen ernsten Konkurrenten VON RALF GEISSLER
a ist die Geschichte mit dem Kaffee-Automaten. Eine Mitarbeiterin hatte Münzen eingeworfen und ihr Wechselgeld vergessen. Als sie zurückkehrte, war das Fach leer. Verschwunden, die paar Cent. Frank Haring fackelte nicht lange. Er ließ die Videoüberwachungsbänder der Büroetage sichten, um den Dieb zu entlarven. Eine Stunde Bildmaterial. Selbst wenn es nur um Kleingeld geht, kämpft er mit der Verbissenheit eines Jungen, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Mit dieser Haltung hat er sein Unternehmen groß gemacht. Frank Haring, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jugendzeitschrift Spiesser in Dresden, ist als 34-Jähriger so etwas wie Deutschlands jüngster Pressepate. Angeblich fast 800 000 Mal liegt sein Spiesser bundesweit an Schulen aus. Ein Magazin, in dem Jugendliche für Jugendliche schreiben, angeleitet von Journalisten. Das Heft ist mittlerweile so bekannt, dass der Heinrich Bauer Verlag darin eine Konkurrenz zu seiner Jugendpostille Bravo sieht. Der Verlag zweifelt die Spiesser-Auflage vor Gericht an. »Das wird lustig werden«, sagt Haring und blättert in der einstweiligen Verfügung, die Bauer vor drei Wochen gegen ihn erwirkt hat. 250 000 Euro Ordnungsgeld werden ihm angedroht, falls er weiterhin mit seinen Auflagenzahlen wirbt. »Wir werden das ganz sicher nicht auf uns sitzen lassen«, sagt er. Rein äußerlich würde Haring – schwarzes Shirt, braune Cordhosen – als Juso-Kreisvorsitzender durchgehen. Auch der Anblick seines Dienst-Toyotas vermittelt nicht den Eindruck von einem, der dick im Geschäft ist. Doch Haring verlegt nicht nur eine Jugendzeitung. Er hält Anteile an Dresden Fernsehen, verdient beim Elternmagazin Eltern, Kind + Kegel mit und ist an einem Jugendreisebüro beteiligt. Er engagiert sich bei einem Logistik-Dienstleister, einer Unternehmensberatung und beim »Schulkurier«, der den Spiesser zwischen Nordsee und Alpen verteilt. Kürzlich hat eine seiner Firmen fünf Millionen Euro in einen Solarpark investiert. Es war die Zeit vor Fukushima. Haring hatte mal wieder den Riecher für das richtige Timing.

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Dresdner Pentacon, erster Stock, geflieste Wände. Die alte Einrichtung warf Haring einfach aus dem Fenster. In dem selbst renovierten Raum machte er mit zwei Partnern das kleine Gratisblatt groß. Es erschien fortan in ganz Sachsen. Auch bei McDonald’s wurde es ausgelegt. Zum Idealismus kam der Kapitalismus hinzu. 2006 hatte Haring die Idee, es bundesweit zu versuchen – was manche übermütig fanden. Mit Großverlagen sprach er über eine Beteiligung am Spiesser. Doch es kam keine Kooperation zustande. »Viele wollten den Spiesser irgendwo in ihre Strukturen einsortieren und hätten das Projekt damit sehr wahrscheinlich gegen die Wand gefahren«, frotzelt Haring. Im Herbst 2007 brachte die Spiesser GmbH ihr Blatt im Alleingang in ganz Deutschland heraus, Druckauflage: eine Million Exemplare. Überregionale Zeitungen, auch die ZEIT, zollten Respekt. Ein neues Printprodukt. Aus dem Osten. Für Jugendliche. Es klang märchenhaft. Vor Ort in Dresden sahen es viele nüchterner. Unvergessen ist bei manchem Ex-Mitarbeiter, wie Haring morgens fünf Minuten vor Dienstbeginn an der Pforte stand und jeden ermahnte, der noch nicht am Schreibtisch saß. Man habe zum Vorklingeln zu erscheinen, dozierte er. Wenn er Fehler fand, zog er die Betroffenen noch Wochen später damit auf. Seinen neugeborenen Sohn stellte Haring Kollegen halb ironisch als »Junior-Chef« vor.

maßen sauer, dass er eine eigene Attacke startete. Er schrieb dem Deutschen Presserat, die Bravo habe die Inhalte womöglich nicht ausreichend als Anzeige gekennzeichnet. Das Gremium erteilte in erster Instanz eine Rüge. Auch der Bundesrechnungshof prüfte die Angelegenheit. Zuvor hatte Haring über einen Bundestagsabgeordneten der Grünen eine Kleine Anfrage initiiert. Schließlich wurde sogar Agentur-Chef Frank Weise zur Anhörung nach Berlin geladen. Den Bauer-Verlag verärgerte das alles. Haring sagt: »Ich hatte bei denen noch einen gut.« Bereits 2008 hatte Bauer ihm gerichtlich untersagen lassen, den Spiesser als »größte Jugendzeitschrift Deutschlands« zu bewerben. Denn der Spiesser erscheine nur alle zwei Monate; die Bravo aber jede Woche. Zuletzt mit einer verkauften Auflage von etwa 400 000 Exemplaren. Die jetzige Auseinandersetzung trifft Haring zur Unzeit. Er hat kürzlich seinen Verlagsleiter, die

Anzeigenleiterin, die Verantwortliche für Sonderpublikationen und einen langjährigen Redakteur verloren. Die Fluktuation beim Spiesser war immer schon hoch. Mehrere, die gingen, sagen: Haring sei genial, aber auf Dauer nicht auszuhalten. Ein Mann, der seit seiner Pubertät immer nur Chef war, dem seine Firma alles bedeute. Haring deutet die häufigen Personalwechsel ins Positive um: Sie passten doch gut zu einem Blatt, das jung bleiben wolle. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Spiesser noch heute das Produkt engagierter Schüler. Nach dem Prinzip lässt Haring im Pentacon auch das Magazin Schekker der Bundesregierung erstellen. Außerdem denkt er über ein Jugendmagazin nach, das am Kiosk verkauft werden soll. Das dürfte den Bauer-Verlag noch mehr erzürnen. Doch Haring braucht das Kämpfen zum Leben. Der Gegner ist groß, aber er sollte sich abwehren lassen. Irgendwie hat Haring ihn sich ja auch erarbeitet.

Aber oberarmfrei ist ja eigentlich auch ein interessantes Wort, nicht wahr? Selbst wenn es das, was ich sagen will, hier nicht ganz trifft. Schließlich braucht man bekanntlich seine Oberarme, um so ein schweres Bücherregal aufzubauen. Oberarmunbedeckt wäre besser. Einige Leser denken jetzt wahrscheinlich: »Ja, ja, Handwerker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.« Diesem Eindruck möchte ich entschieden entgegentreten. Die beiden jungen Herren bildeten nämlich eine rühmliche Ausnahme. In der Regel sind Handwerker in einem erschreckenden Ausmaß so geblieben WIE FRÜHER. Ich musste das in den vergangenen Wochen oft am eigenen Leib erfahren, indem ich mich mehr als einmal schier auf den Boden warf, um einen Termin zu ergattern. Nun fiel mir das Buch Du und Deine Wohnung. Heimwerkertips in die Hände. 11. Auflage, OstBerlin 1977. All die Mischbatterien, Auslaufventile, Kohlebadöfen, Heißwasserspeicher, Geruchverschlüsse (Trapse) und Spülkästen: Ich könnte sie nun theoretisch allein reparieren, müsste keinen Handwerker mehr anflehen. Wie schade, dass es die Geräte nicht mehr gibt.

SACHSEN-LEXIKON

Krawall-Zuschlag, der. Aufpreis für Fußballspiele mit erhöhtem Randale-Risiko. »Wir wollen«, erklärt Innenminister Markus Ulbig (CDU), »dass bei Risikospielen ein bis drei Euro höhere Eintrittspreise erhoben werden.« Zu oft bleibe er »auf den Kosten sitzen«, wenn Polizisten Hooligans im Zaum hielten. Fans fordern, den Krawall-Zuschlag fairerweise auch auf die sachsenweit wichtigste Krawall-Fraktion um Holger Zastrow (FDP) auszuweiten. Im Fußball, heißt es, wären Leute, die so oft gelb provozieren, ja längst aus der Arena geflogen. MAC
S

Haring, heißt es, sei genial – aber auf Dauer nicht auszuhalten
Immerhin bezahlte er leidlich und schulte junge Journalisten, die er eines aber nicht lehrte: die strikte Trennung von Redaktion und PR. Mehrfach vergaß der Spiesser, werbliche Inhalte im Blatt zu kennzeichnen. Noch im November verurteilte das Landgericht Berlin die Zeitung, weil eine Sonderveröffentlichung der Supermarktkette Kaufland nicht als Anzeige ausgewiesen war. Er bewundere Stefan Raab, sagt Haring, weil über dessen Sportsendungen »Dauerwerbesendung« stehe und die Quoten trotzdem stimmten. Wer Haring begegnet, vergisst ihn so schnell nicht mehr. Er ist ein Getriebener, der nicht lockerlässt. Auch einer, der einschüchtern kann. Und er ist voller Ideen. Haring hat sich die »Spiesser-WG« ausgedacht: Abiturienten arbeiten ein Jahr für Haring, verdienen kleines Geld, wohnen aber kostenlos. Er erfand die Vertretungsstunde mit Prominenten. Das Prinzip: Musiker, Schauspieler oder Politiker geben in einer Schule Unterricht – und der Spiesser schreibt darüber. Haring initiierte auch den Jugendbildungsverein Sachsen. Redakteure gaben Workshops, Vereinsleute organisierten Anzeigen. Es war für Außenstehende ein ziemliches Durcheinander. Kommerziell? Ehrenamtlich? Schwer zu sagen. Wie viel Geld sie mit dem Blatt verdienen, müssen Haring und seine zwei Partner nicht offenlegen. Fest steht, dass er selten mehr ausgegeben hat als nötig. Um Dienstreisen billig zu halten, teilt er sich mit Kollegen auch mal ein Doppelzimmer. Im Intranet, erzählt ein Mitarbeiter, informierte er im vorigen Jahr über die Vorzüge von Rabatten für Journalisten. Dadurch habe er selbst in seinem Urlaub 300 Euro gespart. Man darf annehmen: Das Geld floss in neue Projekte. »Ich bin«, schreibt Haring in einer E-Mail, »sowohl von meinem Körpergewicht als auch vom Gedächtnis her der Kategorie Elefant zuzuordnen. Das heißt, ich vergesse selten.« Vor vier Jahren bemühte er sich um Aufträge der Bundesagentur für Arbeit. Doch den Zuschlag erhielt die Bravo – für eine Anzeigenserie unter dem Titel »JobAttacke«, Auftragswert: etwa 700 000 Euro jährlich. Frank Haring war über seine Schlappe der-

Der Gegenspieler ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz
Die meisten seiner Firmen haben dort ihren Sitz, wo auch der Spiesser zu Hause ist: im Dresdner Medienkulturhaus Pentacon. Es ist Harings Festung. Und sie wird angegriffen. Aus dem Hinterhalt, wie er meint. Schon im März habe der Bauer-Verlag versucht, bayerische Schulleiter einzuschüchtern, indem er anfragte, auf welcher rechtlichen Grundlage der Spiesser bei ihnen ausgelegt werde. Bauer ist ein Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern. Angesichts dieser Zahlen klingt es zunächst wie ein Witz, wenn es aus dem Unternehmen heißt: »Wir wollen, dass zwischen Bravo und Spiesser wieder Waffengleichheit herrscht.« Frank Haring meint: »Die wollen uns fertigmachen.« Er lümmelt auf seinem Bürosessel wie in einem Liegestuhl, die Lehne weit hinten. Ein Provokateur, oft unterschätzt, sächsisch schlau. Frank Haring war 17, als er mit seinem Jugendfreund Konrad Schmidt den Spiesser gründete. 5000 Exemplare brachten sie von 1994 an persönlich an die Dresdner Schulen. Die Redaktion traf sich im Keller des Hülße-Gymnasiums, wo hinter vergitterten Fenstern zwei Dutzend Computer standen. Täglich um 19.30 Uhr schaltete der Hausmeister den Strom ab, und Flüche hallten durch den Flur – von jenen Mitarbeitern, die ihre Texte nicht gespeichert hatten. 1997 bezog die Redaktion eine ausgediente Küche im

14 12. Mai 2011
AM START

DIE ZEIT No 20

ZEIT FÜR SACHSEN
ie Dresdner haben es nach Hitlers Machtübernahme besonders eilig. Schon fünf Wochen später, am 7. März 1933, brennen Fahnen und Bücher in einem Feuer vor der Volksbuchhandlung beim Schloss. Am selben Tag stürmt der Schauspieler und NS-Sympathisant Alexis Posse mit 60 Gleichgesinnten die Rigoletto-Probe in der Semperoper und erklärt den Dirigenten Fritz Busch für abgesetzt. Dessen Vergehen: »Verkehr mit Juden« und die Beschäftigung »jüdischer und ausländischer Sänger«. Am Abend beweist sich, dass dies alles kein Spuk war. Bis hoch in den 4. Rang sitzt Hitlers SA. Nicht aus Liebe zu Verdi haben ihre Mitglieder die Karten gekauft, sondern um die Reihen mit Braunhemden zu füllen. Seit 1922 hat Fritz Busch in Dresden mit spektakulären Uraufführungen von sich reden gemacht. Unter seiner Leitung katapultiert sich die Semperoper an die Spitze der Musikmoderne. An diesem 7. März 1933 aber schreien ihn die Dresdner nieder. Busch blickt seine Musiker lange an, die aber schweigen. Ohne den Taktstock erhoben zu haben, verlässt der Westfale die Bühne. »Aus!!!«, vermerkt er in seinem Kalender über sein Ende, aus Protest verlässt Busch nicht nur Dresden, er geht aus Deutschland weg. Mit dem Dirigenten wird sein ganzes Leitungsteam beurlaubt, vom Generalintendanten bis zum Spielleiter der Oper. Es ist ein Signal. Ausnahmslos alle jüdischen Ensemblemitglieder in Dresden müssen gehen, viele verstummen für immer. Die Sängerin Therese Elb und der Musikdirektor Arthur Chitz werden nach Riga deportiert und dort ermordet; die Schauspielerin Jenny Schaffer stirbt in Auschwitz. »Diese öffentliche Vertreibung«, sagt Hannes Heer, »war ein einmaliger Vorfall. Es waren ja keine SALeute von außerhalb, die mit einem Putsch die Staatstheater übernommen haben, wie immer behauptet wird. Die Machtergreifung hat von innen heraus stattgefunden. Die eigenen Leute haben die Kollegen verjagt, kühl und kalkuliert.« Der Hamburger Historiker arbeitet seit dem Jahr 2006 an dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ,Juden‘ aus der Oper 1933 bis 1945. Er widmet sich einem kaum untersuchten Kapitel des deutschen Kulturlebens zwischen den beiden Weltkriegen: der systematischen »Säuberung« der deutschen Opern- und Schauspielhäuser von »jüdischen« und »politisch untragbaren« Ensemblemitgliedern. Heer hat darüber bereits an den Staatsopern in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt geforscht; die Ergebnisse in Dresden aber empfindet er als besonders bedrückend. »Es war ja nicht Alexis Posse als Gaukunstwart allein, der den künstlerischen Exodus in Dresden ermöglicht hat. Es waren die ultrakonservativen Bildungsbürger, die in den 1920er Jahren Stücke wie das Kriegsheimkehrer-Drama Hinkemann von der Bühne gefetzt und mit der Judenhetze begonnen haben.« Der von Heer neu recherchierte Teil der Wanderausstellung zeigt deutlich, dass dieser 7. März 1933 Ergebnis einer rassistischen Kulturpolitik war, die als Kampf gegen den »Musikbolschewismus« und die »entartete Kunst« schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten propagiert und von großen Teilen des Bürgertums mitgetragen wurde. Auch wenn Dresden als Vorreiter des Expressionismus gilt – die Stadt war ebenso ein Zentrum des Widerstandes gegen die verhasste Moderne. 1920 gründet sich hier die völkische Organisation Deutsche Kunstgesellschaft. Sie bekämpft mit einem kostenfrei verschickten Nachrichtendienst zeitkritisches Musiktheater oder unliebsame Künstler. Besonders die völkische, verdeckt antisemitische Besucherorganisation Bühnenvolksbund greift diese Vorstöße auf: Vehement zieht sie gegen die an den Musik- und Sprechtheatern betriebene »Entsittlichung, Entgöttlichung und Entnationalisierung« zu Felde. Vor allem das Bildungsbürgertum in Dresden erkennt sich in derartigen Schmähungen wieder. Der Schauspieler Alexis Posse wird nun aktiv. Er gründet Ende 1930 eine »Theaterfachgruppe der NSDAP« – gemeinsam mit Kollegen, Tänzern und Musikern. Wenn man mit Heer über die neue Ausstellung spricht, wird sein Ton sehr bestimmt: »Diese Nazizelle an den Staatstheatern war deutschlandweit einzigartig. Die haben Klartext gesprochen: ›Wir sind keine braune Gewerkschaft, sondern eine Kampftruppe der Partei‹«, sagt Hannes Heer: »Die konnten sich bei der Durchführung ihrer regelmäßigen ›Kunstabende‹ auf ihre Kollegen verlassen. Das macht die Geschichte so schwie-

Ende des Notstands
Wie Niederwiesa nach einem Jahr eine neue Landärztin gefunden hat
Wenn man in Niederwiesa bei Chemnitz den Arzt ruft, kommt neuerdings eine Frau aus Semipalatinsk: Irina Tarassenko, 39, geboren im 4500 Kilometer entfernten Ostkasachstan, sitzt in ihrem Behandlungszimmer. Sie trägt das Haar wie eine Löwenmähne, es ist eine einzige rotbraune Welle. »Hausärztin, dafür bin ich geboren, no«, sagt sie. Irina Tarassenko hat zu Hause in Semipalatinsk Medizin studiert, das »no« hängt sie an alle Sätze, und in jedem ihrer deutschen Wörter liegt noch die Würze des Kasachischen, ihrer Muttersprache. Tarassenko ist einer der Menschen, nach denen Sachsen in ganz Europa fahndet. Sie wird geliebt in Niederwiesa, weil sie die alte Hausarztpraxis wiedereröffnet hat: Ein Jahr lang stand diese leer, ein Jahr lang hatten 5000 Erzgebirgler im Tal der Zschopau niemanden, der sie kuriert. Wolfdieter Kühn, den hier alle nur den Doktor nennen, ist in Rente seit dem 31. März 2010. Für Bürgermeister Dietmar Hohm, 66, einen Mann mit grauem Vollbart, begann an diesem Tag »die schlimmste Zeit«. Die Bürger marodierten wie seit 1509 nicht mehr, damals hatten sie Chemnitz den »Bierkrieg« erklärt. Nun wollten die Menschen, dass Hohm ihnen endlich einen neuen Arzt präsentiert. Er sanierte erst mal das Praxisgebäude, für 320 000 Euro. Dann blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Im vergangenen November berichtete die ZEIT (Nr. 45/10) über Niederwiesas Arztnotstand und Sachsens Bemühungen, ausländische Mediziner anzulocken. Mindestens 150 Landärzte finden im Freistaat keinen Nachfolger, unzählige Vorschläge sind im Gespräch: von der Aufweichung der Zulassungsbeschränkungen an den medizinischen Fakultäten bis zu »rollenden Praxen«. Die Landesärztekammer gründete ihre Koordinierungsstelle »Ärzte für Sachsen«, die neuerdings sogar bei Facebook nach Medizinstudenten fahndet. Tarassenko, seit einigen Jahren am Chemnitzer Krankenhaus, las von Niederwiesas Problem, fuhr in den Ort und befragte Bewohner: »Würden Sie, wenn jemand die Praxis übernähme, wiederkommen?« Natürlich, sagten die Niederwiesaer. »Das hat alles beeinflusst«, sagt Tarassenko: »dass man hier gebraucht wird. Natürlich ist Angst im Spiel, wenn man so einen Schritt geht. Aber hier kennen dich die Patienten,

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Fotos: ullstein (u.r.); Martin Machowecz (l.); kl. Fotos (im Uhrzeiger): U. Richter (Dirigent Fritz Busch); A. Pieperhoff/Archiv der Staatsoper Dresden (Sängerin Margit Bokor); Archiv des Staatsschauspiels Dresden (Schauspielerin Jenny Schaffer, Schauspieler Martin Hellberg)

rig, so schmerzhaft.« Für Jens Hommel, der gemeinsam mit Heer die Ausstellung konzipiert hat, passen die Recherche-Ergebnisse nicht so recht ins Selbstbild seiner Stadt: »Noch immer finde ich viel zu oft das schwarz-weiße Faschismusbild aus DDR-Zeiten in den Köpfen vor: Hier die braunen Horden als ›Helfershelfer des Monopolkapitals‹ – da die Bürger vom Stadtteil Weißer Hirsch, die aufgrund ihrer kulturellen Affinitäten immer immun blieben für totalitäre Ideologien«, sagt der gebürtige Dresdner. »Die Erzählungen über Barbarei in der Stadt beginnen oft erst mit 1945. Das stößt mir inzwischen bitter auf.« Kurator Hannes Heer, der vor Jahren mit der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, erinnert sich, seine Recherchen in Dresden seien kompliziert gewesen. Anfangs hätten die Archivare immer gleich erklärt: Es gibt nichts mehr, weder Akten der Verwaltung, noch Personalpapiere. Alles verbrannt. Doch gegen Ende der Arbeit entdeckte Heers Team, dass von den Ensemblemitgliedern, die 1945 wieder am Theater beschäftigt wurden, die alten Personalakten doch noch existierten: »Sie waren einfach – gesäubert und frisiert – in die neuen mit eingearbeitet worden. So konnten viele, ähnlich wie in Westdeutschland, ihre Nazivergangenheit abschütteln und erneut Karriere machen.« Heer berichtet, und die Aufregung ist ihm noch anzumerken, von einem weiteren Fund: einem 1918 begonnenen handschriftlichen Verzeichnis mit 850 Namen von Arbeitern der Semperoper. Von 1941 an sind in dem Personaljournal auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verzeichnet, ohne die der Theaterbetrieb wohl zum Erliegen gekommen wäre. Hunderte. Damit sei ein Thema aufgetaucht, sagt Heer, das er bei früheren Recherchen nie zu fassen bekommen habe. »Es gab

Braune Dramen
Machtergreifung an der Semperoper: Eine Ausstellung räumt mit der Legende auf, Dresden sei in der NS-Zeit eine unschuldige Kulturstadt gewesen VON ADINA RIECKMANN
Gerüchte, aber ich konnte bisher nie etwas beweisen. Und dann steht das hier Schwarz auf Weiß.« So fügt die Arbeit der Historiker dem Geschichtsbild Dresdens einige neue Facetten hinzu. Die Stadt, sagt Staatsschauspiel-Intendant Wilfried Schulz, sei oft vergangenheitssehnsüchtig – unter Aussparung aller Schmerzpunkte. Ähnlich hat er das auch schon zum Gedenktag 13. Februar gesagt, an dem seit Jahren Tausende Neonazis in der Stadt aufmarschierten. Anstatt das alles nur zu beklagen, macht Schulz sich das Thema zu eigen. Theater, sagt er, müsse sich doch als Spiel- und Erinnerungsort produktiv mit seiner Geschichte beschäftigen; erst recht, wenn sie hoch unmoralisch sei. In diesem Jahr prangte am 13. Februar weithin sichtbar ein Banner an der Semperoper. Darauf stand: »Es ist noch wichtiger, sich anständig zu benehmen, als gute Musik zu machen«. Ein Zitat des Dirigenten Fritz Busch. Das hoch gehängte Statement stieß bei einigen in der Stadt auf Unverständnis. Und auch ein paar Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle sahen es nicht besonders gern: Als Musiker, so lautete der Einwand, sei man schließlich unpolitisch. Ulrike Hessler, die Intendantin der Semperoper, teilt diese Ansicht nicht. Das Banner war eine Idee des Personalrates gewesen. Eine Idee, die Hessler, ohne zu zögern, aufgriff. »Was mich besonders schockiert, ist die Aktualität dieses Themas«, sagt sie über die NS-Geschichte ihres Hauses: »50 Ensemblemitglieder mussten gehen, viele auch, weil sie politisch nicht genehm waren.« Wenn sie im Jahr 2011 nach Ungarn schaue und sehe, dass an der Budapester Staatsoper der Chefregisseur und der Generalmusikdirektor entlassen wurden, weil sie der Regierung aus ähnlichen Gründen nicht passen, »dann erinnert mich das sehr an den 7. März 1933«.
Die Ausstellung »Verstummte Stimmen« ist vom 16. Mai bis 13. Juli in den Foyers von Semperoper und Staatsschauspiel Dresden zu sehen; Eintritt frei. www.verstummtestimmen.de

Die Ärztin Irina Tarassenko, 39, kam vor rund zehn Jahren aus Kasachstan nach Chemnitz

sie akzeptieren dich.« Sie hätte auch in der Großstadt bleiben können, in Chemnitz lebt sie mit Mann und Kindern, Praxen stehen dort ebenfalls leer, aber Tarassenko sagt: »In Chemnitz gibt es Ärzte genug.« Im Oktober soll in Niederwiesa ein Seniorenheim eröffnen, 48 Zimmer, viele Patienten, »ein Pflegeheim der vierten Generation«, sagt der Bürgermeister. »Ein Jahr lang waren wir ziemlich in Schwulitäten.« Nun werde alles gut. Die Ärztin kuriert seinen Ort. MARTIN MACHOWECZ
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Kultur-Führer: Hitler grüßte 1934 vor der Semperoper. Der Dirigent Fritz Busch (oben links) und andere Künstler waren schon verbannt worden

20 12. Genscher Nr. Seite 30 . 5. 2011 Siebeck reitet ein Kamel.Mensch.

Und zieht seine Lebensbilanz .Was wird nur aus seiner FDP? Ihr Ehrenvorsitzender macht sich Gedanken.

Marco Valdivia. was in diesem Heft passiert 30 20 34 Wolfram Siebeck in Ägypten Zu Besuch bei legendären Gärtnern 6 8 10 11 12 26 28 44 45 46 49 54 Uhren und Schmuck finden zusammen Harald Martenstein über einen Traumjob. miteinander zu reden Waldmeister der Herzen Dürfen alte Männer Fantasien von jungen Frauen haben? Wie der Schauspieler Robert Hunger-Bühler fast ertrunken wäre Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos Jonas Unger Fotos Inhalt Barbara Siebeck. die man auf dem Schirm haben sollte Warum wird in Magdeburg so viel gemordet? Eine Deutschlandkarte Wie viel sollte einem ein Kindermädchen wert sein? Hans-Dietrich Genscher blickt auf sein manchmal sehr gefährliches Leben zurück Die Sängerin Kate Bush über den Song ihrer Träume Der Fotograf der Lüfte: Paolo Pellegrin überfliegt New Orleans Hauptsache. 2 0 Alles. es knallt: Neonfarben sind der Trend der Saison Der Auffahrunfall – oder die Kunst.I N H A LT N R . den man auch gut nebenher erledigen kann Eine Leuchte. Marcus Gaab 5 .

zeit. dass es unter den deutschen Terrorexperten keinen einzigen Bartträger. 6 Zu hören unter www. senderunabhängigen Terrorismusexperten. Diese Eigenschaft teilt er freilich mit den Juristen. einen eigenen. im Jahre 2000 inszenierte er den Film Die frechsten Seitensprünge der Welt. Hagen war Reporter bei der Kieler »Welle Nord«. auch kein Studienfach Terrorforschung. den Medizinern und den Bestattern. spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center. Den Beruf des Seifensieders gibt es nicht mehr. Für die Ausbildung zum Terrorexperten gibt es noch keine Norm. er heißt Peter Bergen. Der Boom ist auch in der Unterhaltungskunst nicht unbemerkt geblieben. so wenig wie den Harzer oder den Haderlump. nämlich Joachim Hagen und Holger Schmidt.de / audio Illustration Fengel . und im Internet tritt gelegentlich. eine gewisse seelische Stabilität mitbringen. sogar zwei Terrorexperten.HARALD MARTENSTEIN Über den Traumjob Terrorismusexperte: »Es handelt sich um den letzten echten Männerberuf« Die Welt – ein Werden und Vergehen. Michael Ortmann zieht seine Bahn als Terrorexperte bei RTL. der nicht unumstrittene Dr. es handelt sich also um den letzten echten Männerberuf. Der Terrorismusexperte muss. Auffällig ist. Mir fallen im Fernsehen aber oft neue Berufe ins Auge. zu dem Berndt Georg Thamm zu zählen ist. Immerhin verdient er sein Brot mit einer sehr unerfreulichen Zeiterscheinung. hört er zu Hause Opern. Krankheit und Tod ja ebenfalls arbeitslos wären. neben einer guten Allgemeinbildung. Den originellsten Einstieg in diesen jungen Beruf hat der Terrorwart des Senders RTL gefunden. Das ist für junge Leute heutzutage sicher nicht die schlechteste Perspektive. Illmar Ernesto von den Wicken« auf. Alle Sender beschäftigen. zum Beispiel Terrorexperte. so hat es die Figur »Terrorexperte Marcus Heuser« in der Fernsehserie GSG 9 zu einem gewissen Ruhm gebracht. ARD. Der CNN-Experte gilt als führend. das ideale Eintrittsbillett zum Terrorismusexpertentum. Einstweilen darf ein historisches Studium als ideale Voraussetzung gelten. Fremdsprachenkenntnissen und sicherem Auftreten vor der Kamera. Bevor Michael Ortmann sich der Terrorforschung zuwandte. Darüber. Auskunft gegeben. wie sich ein Terrorismusexperte am Feierabend entspannt. Deshalb haben die meisten Experten sich ein zweites oder sogar mehrere weitere Standbeine geschaffen. Die ARD leistet sich. Der Beruf des Terrorismusexperten ist von einer stark schwankenden Auftragslage gekennzeichnet. der »Terror. Das ZDF geht mit Elmar Theveßen an den Start. Lüders schreibt Romane (zuletzt: Blöder Hund). Nachdem er den Menschen an den Bildschirmen den Terror erklärt hat. Theveßen arbeitet in terrorismusarmen Phasen als Experte für Wirtschaftskriminalität und stellvertretender Chefredakteur des ZDF. Daneben gibt es den Typus des freiberuflichen. deren Angehörige ohne Verbrechen. Thamm ist im Zweitberuf Drogenexperte. Udo Ulfkotte und der ehemalige ZEIT-Kollege Michael Lüders. offiziellen Terrorismusexperten.und Kunstexperte Dr. Rufe nach einer Frauenquote wurden bisher nicht vernommen. als Parodie. hat bisher allein Joachim Hagen. hat er sich als Regisseur künstlerisch mit misslingenden menschlichen Beziehungen befasst. keine Person mit Migrationshintergrund und auch keine einzige Frau zu geben scheint. wahrscheinlich wegen der föderalen Struktur dieses Senders. Bergen dagegen hat 1997 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Osama bin Laden geführt. diesen Weg sind unter anderem Theveßen und Hagen gegangen. Thamm ist gelernter Diplom-Sozialpädagoge und hat als Streetworker den Umgang mit unberechenbaren Individuen sozusagen hautnah gelernt.

Der Besuch lohnt sich doppelt. Die Schuhe bekommt man bei einem französischen Online-Shop-Seite für Männer: Studiohomme. Carol Körting. »Pinha«. Es muss ja nicht immer Südtirol sein Dieses BUCH aus dem Wagenbach-Verlag heißt »Reizpartie« und bietet »Variationen über eindeutige Absichten«. April 1990. die Engländer machen mal wieder die besten MÄNNERSCHUHE – und zwar bei der Firma Mr. bekommt nur den oberen Teil aus Kork – den Schirm darf er sich selbst aus Papier basteln und anpinnen. denn es wird auch die »Walküre« gespielt »Mama will für die Hose nur was zuschießen. mit dem das Buch »Wir waren jung und brauchten das Gel – Das Lexikon der Jugendsünden« von Lisa Seelig und Elena Senft beginnt Ach. Hare. ein kleines. Tom Powel. feines Restaurant mit HOTEL und ganz viel Land drumrum. von Raw Edges für Materia H Die Ausstellung der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton in der New Yorker Metropolitan Opera heißt »WAGNER« und wurde vom »Ring« inspiriert. Ich halt das nicht mehr länger aus« TAGEBUCHEINTRAG vom 2.com H Wie sein Kollege Gérard Depardieu baut der französische Schauspieler Jean-Louis Trintignant Wein an – wir empfehlen den WEISSWEIN Blanc de Garance von seinem Gut Rouge Garance in der Provence Im belgischen Heuvelland. gibt es »In De Wulf«.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Wer diese LEUCHTE kauft. ungefähr 130 Kilometer von Brüssel entfernt. studiohomme. Oder: Schmuddelkram mit Niveau Ann-Kathrin Carstensen und Ana Nuria Schmidt vom MODELABEL »Rita in Palma« arbeiten mit türkischen Näherinnen zusammen: Aus traditioneller Häkeltechnik entstehen moderne Accessoires Fotos Shay Alkalay. Carsten Kofalk.com . Carol Körting. Name Namerich / Agentur.

Die Tatort-Städte Ludwigshafen. weit vor Berlin. Vielleicht gibt es wie bei Selbstmorden auch bei Morden eine ansteckende Wirkung. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Quelle Polizeiliche Kriminalstatistik .und Drittmord. Münster und Saarbrücken hatten 2009 zusammen gerade mal sechs Tote. München hatte auch nur vier. dass auch in den gar nicht so großen Städten viel gemordet wird. Aber was bitte war da in Halle und Magdeburg los? Die beiden Städte hatten im Verhältnis zur Einwohnerzahl mit Abstand die meisten Fälle. im Osten sind schon seit Jahren ein paar mehr Opfer zu beklagen als im Westen (es bringen sich also nicht nur die Reichen gegenseitig um. Die Wirklichkeit ist zum Glück etwas friedlicher.18 Uhr liegt der Erste tot da. Um 20. gegen 21.Deutschlandkarte MORD UND TOTSCHLAG Kiel 2 Essen 5 Duisburg 3 Düsseldorf 2 Gelsenkirchen 2 Recklinghausen 2 Herne 1 Moers 1 Mülheim 1 Oberhausen 1 Bochum 0 Bottrop 0 Krefeld 0 Neuss 0 Rostock 1 Lübeck 2 Bremerhaven 2 Oldenburg 3 Bremen 4 Hamburg 18 Hannover 5 Osnabrück 3 Hildesheim 1 Bielefeld 0 Paderborn 3 Braunschweig 2 Wolfsburg 0 Potsdam 0 Salzgitter 0 Magdeburg 8 Berlin 61 Münster 1 Hamm 1 Cottbus 1 Halle 8 Leipzig 4 Jena 1 Dresden 2 Chemnitz 2 Mönchengladbach 3 Leverkusen 0 Aachen 1 Köln 7 Dortmund 2 Göttingen 1 Hagen 0 Kassel 1 Wuppertal 4 Solingen 1 Remscheid 1 Erfurt 4 Siegen 1 Bergisch Gladbach 1 Bonn 1 Frankfurt 9 Offenbach 1 Darmstadt 1 Mannheim 0 Heidelberg 1 Würzburg 0 Fürth 2 Koblenz 0 Wiesbaden 3 Trier 3 Mainz 0 Ludwigshafen 2 Kaiserslautern 3 Saarbrücken 1 Erlangen 2 Nürnberg 0 Regensburg 1 Karlsruhe 2 Pforzheim 1 Reutlingen 3 Heilbronn 0 Stuttgart 5 Augsburg 0 Ulm 1 München 4 Ingolstadt 2 Freiburg 1 Mord. Gut.und Totschlagsfälle im Jahr 2009 in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mehr Im Tatort geht der Trend ja zum Zweit. Münster war in den Jahren zuvor mehrmals mord.und totschlagfrei.30 Uhr wird nachgelegt. wie das Fernsehen lehrt). Man liest in der Zeitung von einem Mörder und denkt sich: Eigentlich könnte ich ja auch… Läuft es so? Die Tatorte wirken zum Glück nicht so. Es entsteht der Eindruck. Kiel.

was auch wir aus unserem Alltag kennen: Kinder sind teuer. war eine – Prinzenrolle. Wir kannten eine Dame am Berliner Wannsee. Dolle Sache! Vielleicht ist es das. leben wahrscheinlich auch Brangelina nicht mehr in Saus und Braus. vier wahrscheinlich angemessen. sind keine Verstiegenheit. Teilt man die 900 000 Dollar entsprechend. Mit anderen Worten: Die sechs Mädchen für sechs Kinder. die ebenso gut in der Vorstandsetage eines Konzerns arbeiten könnten? Indes dürfen wir nicht vergessen. Drei wären besser. aber was dieser auf dem Silbertablett den Gästen reichte. die Charter von Privatflugzeugen und die Rechnungen von Luxushotels. dass Brangelina (wie man das Paar gern uncharmanterweise zusammenfasst) sechs Kinder haben und angeblich sechs Nannys brauchen. was nur in Hollywood für den Nachwuchs aufgewendet werden muss. die sich noch mit Liebe und Leidenschaft als Köchin.Gesellschaftskritik Nicht im Bild: Die Nannys der Familie Jolie-Pitt Über Kinderbetreuung Angelina Jolie und Brad Pitt. Da kommen selbst reiche Leute an finanzielle Grenzen. nämlich 900 000 Dollar Jahresgehalt für die Kindermädchen. Aber was heißt schon üppig bei Dienstboten? Auch Löhne sind Knappheitspreise. als Kindermädchen verstehen. die sich mit knapper Not noch einen Butler leistete. neulich unter den beschränkten Verhältnissen der deutschen Mittelschicht angestellt. aber noch keineswegs übertrieben gewesen. die Brangelina bisher hatten. bleibt vermutlich immer noch eine erstaunliche Summe übrig. Gärtner. horribile dictu. Im egalitär verwahrlosten Westen. in dem Krethi und Plethi einen Vorstandsvorsitz erobern. dass für die Beaufsichtigung von zwölf Kindern im Garten zwei Kindermädchen jedenfalls zu wenig sind. sollen im letzten Jahr allein zehn Millionen Dollar für ihre Kinder ausgegeben haben. eine Mangelware. So gesehen. heißt es. Was sind das für Kindermädchen? Prinzessinnen? Harvard-Absolventen. kommt man auf immer noch üppige 150 000 als Jahresgehalt. Jens Jessen Foto Saul Lazo/BULLS / Fame 11 . sind Menschen. Sie leisten sich die Nannys. Chauffeur oder. weil sie wahrscheinlich erkannt haben: Kinder sind der wahre. ergab die Erkenntnis. Selbst wenn man abzieht. Ein Experiment. vielleicht letzte Luxus. was den Klatsch über das Privatleben der Stars so anziehend macht – dass es ins Ungeheure steigert.

die eines Tages auf seiner Terrasse lag .»Es war schwierig. über die Krise seiner Partei. ein normales Leben zu führen« Hans-Dietrich Genscher. Momente zwischen Leben und Tod und eine Leiche. der Übervater der FDP.

Außenpolitik darf nicht als geheime Kabinettspolitik behandelt werden. Ihrer alten Heimat. In diesen Tagen fragt man sich: Woran ist gute Außenpolitik zu erkennen? Sie muss perspektivisch angelegt sein. hat es nicht leicht. der schon am Boden liegt. dass sich Deutschland der Stimme enthielt? Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat in New York erklärt. damals ägyptischer Staatspräsident. Guido Westerwelle verdient Respekt dafür. gar nicht mehr in den Landtag gekommen ist? Natürlich hat mich das besonders geschmerzt. bei denen Hans-Dietrich Genscher verstummt. über die Krise des Außenministers Guido Westerwelle spricht. Was wir jetzt erleben.und Personalfragen. Von HANNS-BRUNO KAMMERTÖNS und STEPHAN LEBERT Fotos JONAS UNGER Herr Genscher. davon. Welche Niederlage hat in letzter Zeit am meisten geschmerzt? Womöglich. wer. konsistent und berechenbar sein. und er wird von der größten Zäsur seines Lebens erzählen – seiner Tuberkuloseerkrankung. gefühlt bin ich demnach schon 130 Jahre dabei. und schon steht da der Staatsmann Souvenir aus seiner Amtszeit: Den Säbel bekam Genscher bei einer seiner Reisen geschenkt views dargelegt habe. sooft es ging. dass die FDP-Mitgliedschaft anstrengend ist. Genscher wird uns die erstaunliche Sammlung seiner Bilder an der Wand erklären. Ich bin oft kritisiert worden. wenn nicht Sie. Das war für mich das Gespräch mit den Bürgern. Diese wird zunehmend sichtbar. als Sie von der Abstimmung bei den Vereinten Nationen zum Hilfseinsatz in Libyen hörten. Wer mit ihm. Allerdings lag es im allgemeinen Trend. derentwegen er als Jugendlicher jahrelang in Kliniken und Heilanstalten lag. Zwei Vormittage verbringen wir mit ihm in seinem Haus am Waldrand oberhalb von Bonn-Bad Godesberg. sie hat viele Zerreißproben überstanden. was derzeit mit der FDP passiert? Die Partei ist schon durch viele Täler gegangen. In Wahrheit geht es jetzt um ein Konzept des Westens. Ich habe gelernt. Nur so konnte Deutschland nach Hitler das Vertrauen der Welt wiedergewinnen. dürre Diplomatenworte. Was ist jetzt zu tun? Das Potenzial der Partei ist eine ausgezeichnete jüngere Generation. Das gilt in Sach. Zum Beispiel der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko und Hosni Mubarak. dass es ihm auch um Anstand geht: Man schlägt auf niemanden ein. Was werden Sie den Delegierten auf dem Parteitag ins Stammbuch schreiben? Das ist nicht meines Amtes. indem er nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. der Inkarnation des deutschen Außenministers. dass er einen personellen Neuanfang ermöglicht. Vor wenigen Wochen bin ich in meiner Heimatstadt Halle gewesen. wie er die Freiheitsentwicklungen in der arabischen Welt wirksam unterstützen kann. Aber es gibt auch Fragen. könnte uns sagen. sie muss wertorientiert. Was erwarten Sie von Philipp Rösler? Von ihm wird Führungsstärke und Entscheidungskraft erwartet. Wir erfahren viel über die Mächtigen dieser Welt. Dort bin ich vor 65 Jahren Mitglied der liberalen Partei gewor- den. Was dachten Sie. In einer offenen Gesellschaft muss sie von der Öffentlichkeit mitgetragen werden. in Inter- Besuch bei Hans-Dietrich Genscher. Er hat recht.Eine Leinwand als Hintergrund reicht. dass ich meine Außenpolitik. lange Pausen – man kann ahnen. ist eine schwere Vertrauenskrise. dass die FDP in Sachsen-Anhalt. Ich werde mich nicht hinstellen und eine hoch motivierte junge Generation wie Kinder auf die Bühne 13 . Jeder Tag rechnet doppelt. Dazu kommen erfahrene Liberale mit Blick und Verständnis für die Zukunftsfragen. von denen so manche hier vor dem Kamin gesessen haben. Er muss Vertrauen nach innen und nach außen wiederherstellen. Schweigen. man solle diese Debatte beenden. die schwerste seit Gründung der FDP.

ein junger Polizist hatte den Kommandoführer tödlich getroffen. Sie dürfen nicht vergessen: Als ich 1992 ausschied.« So ist es dann auch gewesen? Ja. denn damit war klargestellt. Autos und Wohnungen zu versorgen. Haben Sie sich vor dem ersten Zusammentreffen mit dem sowjetischen Regierungschef Ratschläge bei westlichen Amtskollegen geholt? Ja. das auf Wechsel und Ablösung beruht. Einmal rief mich meine Frau an. die deutsche Vereinigung zu erleben. Bodyguards. was er uns sagt. was mit diesem Mann alles möglich sein könnte? Diese Begegnung mit Gorbatschow hat mich tief berührt. die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte 1975 und die Wiedervereinigung 1990 tschow auch außenpolitisch nicht alles beim Alten bleiben. wie Gorbatschow fragte: »Wie ist es möglich. dass er sich außerstande sehe. heute ist er ihr Ehrenvorsitzender. Und dann wollte er mir wohl zeigen. ein normales Leben zu führen. Es war der zehnte Jahrestag der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki. meinte Gorbatschow.« Eine Botschaft von großer Bedeutung? Das kann man wohl sagen. Nach meinem Ausscheiden als Minister hätte ich Bundespräsident werden können. Ich habe im Sommer 1991 mit meiner Frau zum ersten Mal darüber gesprochen. Zwei BGS-Beamte hatten wohl ausprobieren wollen. Sie können es. Er meinte. dem er zum ersten Mal begegnete. und dann sagte er einen bedeutsamen Satz: Er bat mich um Verständnis. Er sagte mir: »Sie werden einen sowjetischen Generalsekretär erleben. Meine Frau sagte weinend: »Bei uns liegt ein toter Mann auf der Terrasse!« Ein Albtraum! Was bleibt? Sie bezeichnen Eduard Schewardnadse. Er wird Sie unterbrechen. Unser Haus wurde Tag und Nacht bewacht. Von 1974 bis 1985 war er FDP-Chef. Ich suchte deshalb François Mitterrand in Paris auf. und der jugendlich wirkende russische Außenminister Schewardnadse kam dazu. unsere Außenpolitik zu formulieren. Können Sie sich noch daran erinnern. Was läuft falsch bei uns?« Damit stellte er die Systemfrage. dann haben wir zum ersten Mal eine reale Chance. Als es schließlich so weit war. Er hat recht. gepanzerte Autos. unter Helmut Schmidt und bis 1992 unter Helmut Kohl Außenminister. seine Tochter. Es hieß. Ja. Es war schwierig.bitten mit den Worten: »Nun macht mal schön!« Nein. aber er wisse ja. In seine Ministerzeit fallen die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen 1972. Er hat keinen Stapel vorgefasster Erklärungen vor sich auf dem Tisch liegen. einem Menschen. wie es mit Ihnen beiden begann? Ich erinnere mich an einen Besuch in Helsinki 1985. Dabei hatte sich ein Schuss gelöst. 14 . Es war genug. ich traue es den Jungen und den aktiven Erfahrenen zu. und das mir gegenüber. 84. mit ihm am Heiligabend 1991 zu telefonieren. das hätte ich mir vorher nie vorstellen können. dass mich eines Tages jemand fragt: Wann hören Sie endlich auf? »Warum hören Sie schon auf?« klingt besser. Nein. Er war unter Willy Brandt Innenminister. aber wir haben es versucht. Davon war ich 23 Jahre in der Regierung. was den Deutschen die Weihnachtsgans bedeute. Aber ich fand damals. Helmut Schmidt hat über den Preis eines hohen Amtes gesprochen. Bei der Gelegenheit: Hätten Sie eigentlich auch Bundeskanzler gekonnt? Darüber habe ich nie nachgedacht. Sie haben der FDP viel zu verdanken. Das habe ich. Diesen Genuss habe er uns nicht verderben wollen. Damals habe ich zu meinem Mitarbeiter Gerold von Braunmühl gesagt. wer von ihnen die Pistole schneller ziehen konnte. wenn der das alles macht. alles hat seine Zeit. er will ein Gespräch. ich war der Ansicht. Über Jahre ging das so. das Gespräch sei erst am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages möglich. Die FDP hatte es nicht in der Hand. das ist mein Freund. und überraschte mich mit dem Hinweis: »Wir sind gerade dabei. den ehemaligen russischen Außenminister. er habe soeben seine Fernseherklärung an die Völker der Sowjetunion beendet. ich bereitete gerade den Parteitag in