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Die historische Entwicklung der deutschen Sprache

Der Ursprung liegt im Indoeuropäischen, was eine Sammelbezeichnung für


alle verwandten Sprachen zwischen England und Indien ist. Diese Sprachen
haben alle die gleiche Wurzel, mit Ausnahme der magyarischen Sprachen
(Ungarisch und Finno-ugrisch), diese gehören nicht dazu.

Die gemeinsamen Wurzeln sind Latein und Indisch.

Daraus entwickelt sich zuerst das Indoeuropäische und später das


Germanische (Die Germanen waren eine Völkergruppe, die einen Großteil
Europas besetzten.). Dann kommt das Westgermanische, daraus entwickelt
sich später Englisch und Deutsch. Vom Westgermanischen kommt aber
zunächst einmal das Althochdeutsche (zur Zeit der Völkerwanderung, im 4./5.
Jahrhundert). Das dauert bis ins 7./8. Jahrhundert und geht dann ins
Mittelhochdeutsche über. Das Mittelhochdeutsche geht bis ins 14./15.
Jahrhundert, inzwischen ist die 1. deutsche Klassik (12./13. Jahrhundert). Ab
dem 15. Jahrhundert gibt es das Neuhochdeutsche, dessen Urheber Martin
Luther mit seiner Bibelübersetzung war. Damals war das Zeitalter von
Humanismus, Renaissance und Reformation. Luther griff dabei auf den
Originaltext zurück. Da er aber nicht hebräisch konnte, war ihm Philipp
Melanchthon dabei behilflich. Das Neuhochdeutsche entwickelt sich dann im
Laufe der Zeit zu unserem heutigen Deutsch. Heute gibt es eine Überfilterung
durch das Englische, Englisch ist die Fachsprache für Computer und
Naturwissenschaften. So etwas gab es schon früher einmal zur Zeit von
Ludwig XIV., damals war vieles Französisch.
Literaturgeschichte

Althochdeutsche Literatur (vor 750 nach Christus)

Vom 4. bis zum 8./9. Jahrhundert besiedelten die Germanen den Norden
Europas (Island und Skandinavien ohne Finnland). Sie lebten in Holzhütten
mit Strohdach und ihre Häuser waren die Mittelpunkte der Sippe. Sie lebten
in Sippenverbänden, der Älteste war das Oberhaupt. Im Winter hängten sie
Felle vor Fenster und Türen. In den Hütten lebten Menschen und Tiere
gemeinsam. In der Mitte befand sich eine Feuerstelle, die als Kochplatz
diente. Die Frauen kochten und verarbeiteten die Jagdbeute der Männer: Sie
häuteten sie ab, entfernten die Fettschicht und trockneten das Fell, das sie
dann als Kleidung oder Bettdecke verwendeten. Der Boden der Häuser
bestand aus gestampfter Erde. Bei den Germanen waren die Nächte immer
sehr lang und kalt, um sich zu beschäftigen, bastelten die Menschen und
schnitzten Dinge aus Holz, Knochen und Steinen. Sie ritzten Runen mit einem
Stein in einen anderen Stein, Runen waren geradlinige Schriftzeichen, zuerst
stand eine Rune für ein Wort, z.B. stand für Vieh. Später entwickelte sich
daraus ein eigenes Alphabet, Futhark genannt. Die Germanen hatten eine
eigene Entstehungsgeschichte der Welt, laut der eine Kuh der Ursprung der
ganzen Erde war.

Götter:
In der Götterwelt der Germanen, war Odin (auch Wodan genannt) das
Oberhaupt. Thor und Loki waren seine Söhne, Freja (von ihr stammt das Wort
Freitag) eine Nichte. Die Götter standen alle für verschiedene Stände und
Berufe und saßen im Walhall, das von Walküren bewacht wurde.
Die Walküren waren "perfekte" Frauen, groß, sportlich und mit kräftigem
Körperbau.
Die Germanen glaubten an Naturgeister und hatten heilige Orte, wo sie Opfer
darbrachten. Einer dieser Orte war die Heilige Eiche, die auch als
Sachseneiche bekannt ist, weil sie Karl der Große bei den Sachsenkriegen im
Zuge der Christianisierung zerstörte.
Die Sippen hatten eine regelmäßige Versammlung, an der alle Männer
teilnahmen, und die Thing hieß. Das Thing war eine Art Gericht, die Frauen
hatten überhaupt keine Rechte.

Als im Norden Europas die Population stieg, brauchten die Menschen mehr
Ackerland und litten unter Nahrungsmangel. Also wanderten sie nach Süden,
also nach Dänemark und Norddeutschland und ließen sich in
Flussmündungen (Elbe, Rhein, Weser, Oder) nieder. Sie bekamen aber viele
Kinder, die sie wiederum nicht ernähren konnten. So zogen die Jungen nach
Westen (Westgermanen) und Osten (Ostgermanen), die Alten blieben im
Norden (Nordgermanen).
Die Ostgermanen gelangten bis nach Polen und bis zum Schwarzen Meer. Im
4. Jahrhundert nach Christus waren die Hunnenkriege. Die Hunnen waren ein
Mongolisches Reitervolk, sie trieben die Ostgermanen (ihre Feinde) in
Richtung Römisches Reich. Die Germanen ließen sich in Nordgriechenland
und Mazedonien nieder, sie durften im Römischen Reich bleiben. Das
römische Reich war ja sowieso vom Limes (entlang der Donau) beschützt.
Ein großer Teil der Ostgermanen waren die Goten. Ein junger, reicher Grieche
wurde eines Tages seines Reichtums überdrüssig, fühlte sich berufen und
ging zu den Goten, um sie zu christianisieren. Er ging als Missionar nach
Mazedonien. Das Christentum, das er verbreitete, war das arianische
Christentum (eigentlich gleich wie unseres, es lehnt nur die Trinität ab). Der
Grieche wurde zu Bischof Wulfila, und übersetzte die Bibel in die gotische
Sprache. Diese Übersetzung ist das einzige Sprachdenkmal des Gotischen,
das uns bleibt. Die Bibel (sie stammt aus dem 4. Jahrhundert) heißt Codex
Argenteus, weil der Einschlagdeckel reines Silber war. Sie beinhaltet auch das
gotische Vater unser. Das Buch marschierte immer mit den Germanen mit,
und war während des dreißigjährigen Krieges einmal verschwunden. Doch
dann tauchte es wieder auf, und heute befindet es sich in Uppsala in
Schweden. Dort liegt es in einem Raum mit einer ganz besonderen
Luftfeuchtigkeit in einer Universitätsbibliothek und wird manchmal bei
Ausstellungen zur Besichtigung freigegeben. Es wird aber nie ausgeliehen,
weil keine Versicherung den Diebstahl bezahlen würde.
Die Westgermanen ließen sich entlang der heutigen niederländischen Küste
nieder.

Die Dichtung der Germanen:


Die Dichtung der Germanen bestand aus Spruchdichtungen (auch
Zaubersprüche genannt, die Germanen waren nämlich Heiden) und
Heldenliedern.
Die Literatur wurde mit Runen aufgeschrieben, eckig, weil sie schwer zu
ritzen waren.
Merseburger Zaubersprüche:
Die Merseburger Zaubersprüche wurden durch Zufall in Merseburg am
Bodensee gefunden, sie sind nach ihrem Fundort benannt. In Merseburg gab
es viele Klostergründungen mit eigenen Schreibstuben, wo alles
aufgezeichnet wurde, um der Christianisierung behilflich zu sein.
Es gab zwei Zaubersprüche:
1) Entfesselungszauber
Hier geht es um einen Gefangenen, der befreit wird.
2) Pferdezauber
Bei einem Ritt durch den Wald verstaucht sich Wodans Pferd den Fuß, durch
den Spruch wird er wieder ganz.
Die Zaubersprüche bestehen aus zwei Teilen:
Zuerst kommt die Erzählung (Spell), dann der eigentliche Spruch (Galstar).

Heldenlieder:
Sie sind bei den Nordgermanen entstanden und erst im 12./13. Jahrhundert in
Island aufgezeichnet worden. Das Buch, in dem diese Heldenlieder und
Götterlieder stehen heißt Edda, und gliedert sich in die ältere und die jüngere
Edda.
In der älteren Edda findet man verschiedene Heldenlieder:
Atlilied: vom Hunnenkönig Attila, auch Etzel genannt
Sigurtlied: von Siegfried
Hildebrandslied: Hildebrand war der Waffenmeister von Dietrich von Bern. In
der Figur des Dietrich von Bern verschmelzen die Personen Odoaker und
Theoderich der Große, obwohl diese beiden geschichtlich 100 Jahre
auseinander gelebt haben. Dietrich von Bern soll das Langobardenreich
gegründet haben, eine schöne Stadt ist Ravenna (heute mit schönen
Mosaiken). Das Hildebrandslied ist als Torso erhalten, in 33 Langzeilen, die
durch eine Zäsur in 66 Kurzzeilen zerfallen. Es wurde lange mündlich
tradiert, erst im 13. Jahrhundert in Island fixiert. Die Reimart des
Hildebrandliedes ist die Alliteration (Stabreim).

Während der Völkerwanderung (4. - 8. Jahrhundert) wurden die Heldenlieder


von fahrenden Sängern und Hofsängern (Skop) mündlich tradiert, dann in der
Edda fixiert. Die jüngere Edda heißt auch noch Snorri-Edda, nach Snorri
Sturluson benannt. Sie bringt uns eine Poetik, also eine Anleitung zum
Dichten näher. Außerdem wurden in ihr mündlich tradierte Heldenlieder und
Sagen fixiert.
Einige davon sind:
Burgundisch-rheinfränkische Nibelungensage: Das heutige Burgund liegt im
Elsass. Elsass war gemeinsam mit Lothringen lange Zeit ein Streitgebiet
zwischen Frankreich und Deutschland, weil es reich an Steinkohle ist.
Stuttgart liegt auf der einen Seite, Colmar auf der anderen. Die Sage
gliedert sich in zwei Teile:
Burgundersage: Sie spielt in Xanten bei Worms, im damaligen Burgund.
Sie erzählt den Zug der Burgunder ins Hunnenland (in der Nähe von
Wien, bei Carnuntum war die Hunnenburg, der Sitz des Hunnenreiches).
Die Burgunderkönige waren Gunter, Gernot und Giselher, ihr treuester
Gefolgsmann Hagen von Tronje. Dessen Mutter war Ute, seine
Schwester Kriemhild.
Siegfriedsage: Das Hauptmotiv ist der Streit mit Brünhilde, der Königin von
Island. Wer sie besiegt, darf sie später auch heiraten. Gunter ist in sie
verliebt, also bittet er Siegfried, seine Tarnkappe aufzusetzen, sein
Schwert zu nehmen und sie an seiner statt zu besiegen. Siegfried tut
das, Gunter heiratet Brünhilde, die zu den Burgundern zieht.

Ostgotische Amelungensage: Das ist die Sage um Dietrich von Bern


(Theoderich in der Geschichte). Sie erzählt die Schlacht um Ravenna (auch
Rabenschlacht genannt). In ihr verschmelzen die Figuren von Theoderich
und Odoaker.
Normannische Hegelingensage: Gudrunsage (eigentlich Kudrunsage, weil es
damals noch kein “G” gab.
Langobardische Rothersage: Mittelpunkt: König Rother
Das Mittelalter (∼ 750 - 1500)

Die Kultur des europäischen Abendlandes:


Das Mittelalter wurde geprägt von:
den Errungenschaften der Antike
den Errungenschaften der Germanen
den Errungenschaften des Christentums

Damals war das Theozentrische Weltbild (auf Gott bezogen) vorherrschend.


Das Christentum war der Hauptträger der mittelalterlichen Kultur. Der
christliche Gott stand im Mittelpunkt, das einzige Gesetz war der Wille
Gottes. Der Mensch soll im Diesseits das Leben führen, das er dann im
Jenseits auch verantworten kann. Bis 1500 gab es überhaupt einen
wesentlichen Jenseitsbezug, erst dann im Humanismus war der Mensch das
Maß aller Dinge. Im Mittelalter war es eben Gott. Der Mensch besitzt eine
göttliche Seele, die unsterblich ist, gleich wie Gewissen und Vernunft. Der
Mensch hat auch einen freien Willen. Gott zeichnet dem Menschen einen Weg
vor, den er gehen kann, aber nicht gehen muss.
Während seiner Existenz ist der Mensch außerdem überindividuellen
Autoritäten verpflichtet, nämlich der Kirche und dem Staat. Beide
Institutionen sind von Gott eingesetzt, um die Ordnung der christlichen Lehre
in ihrer Reinheit aufrechtzuerhalten.
Das höchste Ziel des Menschen soll sein, im Jenseits die Gotteskindschaft zu
erreichen. Die höchste christliche Tugend ist die Nächstenliebe. Man soll das
Böse durch das Gute überwinden. Das ist gegen die Blutrache (Auge um
Auge, Zahn um Zahn) bei den Germanen.
Auch die Literatur steht im Dienste dieses Weltbilds: Es gibt jetzt die
Sollseinsdichtung und die Soseinsdichtung. Die Sollseinsdichtung stellt Ideale
dar, die die Menschen nie erreichen können. Manchmal wird auch der Weg
gezeigt, den die Menschen gehen können, um den Idealen wenigstens ein
bisschen zu entsprechen.
Im Hochmittelalter ist die 1. deutsche Klassik.

Die Einteilung des Mittelalters

750 - 1050 n. Chr.


Herrschergeschlechter: Merowinger, Karolinger. Ottonen und Salier
Kulturzentren: Klöster
Kulturträger: Geistliche
Sprache: Althochdeutsch
Karl der Große führte viele Kriege, angeblich um zu christianisieren. In
Wirklichkeit wollte er nur sein Reich erweitern. Er errichtete Grenzmarken, im
Osten zum Beispiel die Ostmark (in Ungarn und Tschechien). Um die
Germanen zum Christentum zu bekehren, ließ er viele Klöster bauen. Fulda
war am bedeutendsten.
Weitere Klöster:
Mainz
Reichenau (eine Insel im Bodensee, mit Gemüse bebaut, weil die Klöster
davon lebten, die andere Insel war Mainau, mit Blumen bepflanzt)
Regensburg
Freising
Wessobrunn
St. Gallen (am Bodensee, in der Schweiz)
St. Peter (in Salzburg)
Mondsee (in Oberösterreich)
Mattsee (in Salzburg, gegründet: 777 n. Chr.)
Kremsmünster (mit schönen Schatzkammern und dem Tassilokelch)
St. Florian (in Oberösterreich)
Melk (im Donauraum, gleichzeitig mit Göss gegründet, nämlich um 1000)
Heilige Hemma von Gurk (in Kärnten)
Stift Göss (war zuerst ein Nonnenkloster: wenn die Herrscher ihre adligen
Schwestern nicht unter die Haube brachten, wurden sie als Äbtissinnen ins
Kloster gesteckt, von deren Mitgift wurden diese dann finanziert)

Missionen
Es gab zwei verschiedene Missionen:
Die Iroschottische Mission
Die Karolingische Mission
Während der ersten Mission gab es die ersten Christianisierungswellen. Jedes
der Klöster hatte einen großen Grundbesitz. St. Peter in Salzburg war das
Zentrum der Christianisierung für ganz Österreich. Es hatte Besitze bis in die
Steiermark (Lungau, Murgau, Adliupinam in Trofaiach, Feisterwiese am
Präbichl: wegen Eisenabbau bei den Römern beliebt, Vordernberg, Trofaiach:
Erzlinie, Leoben: von liupinam, was “liebliche Gegend” bedeutet)

1050 - 1180 n. Chr.


Herrschergeschlechter: späte Salier und frühe Stauffer
Kulturträger: Geistliche und Spielleute
Sprache: frühes Mittelhochdeutsch
Spielleute waren die Journalisten des Mittelalters. Sie zogen von Burg zu Burg
und verbreiteten die neuesten Nachrichten (die oft schon ein Jahr
zurücklagen). Es gab dann Liederabende, an denen die Nachrichten singend
vorgetragen wurden.
Bekannte Klöster (Neugründungen von alten Klöstern):
Admont (älteste Bibliothek Europas)
Kloster Neuburg
Stift Rein
Seckau
Vorrau (Oststeiermark, jetzt eine Barockkirche, mit Gold verzierte Wände,
alles bemalt, Sprachrohre zur Verständigung, Bibliothek)
Millstadt (Kärnten)
Göttweig (Kärnten)
1180 - 1220/30: kleinere Bezeichnung, +/-1300: größere
Bezeichnung
Innerhalb dieser Zeitspanne befindet sich die Mittelhochdeutsche Klassik.
Herrschergeschlecht: Stauffer in ihrer Blütezeit
Sprache: klassisches Mittelhochdeutsch
Kulturzentren: Ritterburgen
Kulturträger: Ritter
Adelige, die zu Rittern wurden, begründeten den neu entstandenen
Ritterstand. Die Adeligen bekamen vom Kaiser Lehen.

14./15. Jahrhundert (Spätmittelalter)


Kulturträger: Bürger
Sprache: spätes Mittelhochdeutsch, frühes Neuhochdeutsch
Kulturzentrum: Stadt
Die Ritter hatten keine Aufgabe mehr, weil sie keine Schusswaffen kannten
und sich weigerten, Lesen und Schreiben zu lernen. Sie konnten in den
Handel nicht eingreifen.

Kunstrichtungen im Mittelalter

Karolingische Kunst (750 - 950)


Man ging vom Holzbau der Germanen zum Steinbau über. Es gab viele
Kloster- und Kirchenbauten, auch die Kaiserpfalzen wurden errichtet.

Romanik (950 - 1250)


Kirchen, Klöster und Burgen entstehen, auch große romanische Dome: Die
berühmtesten stehen in Mainz, Speyer und Worms. In Worms wird durch den
Lichteinfall eine mystische Stimmung erzeugt, das passt gut zur Romanik.

Gotik (1250 - 1500)


In der Gotik strebt alles zum Himmel und ist spitz, im Gegensatz zur Romanik,
die mit ihren Rundbögen, dicken Mauern und niedrigen Türmen etwas
Behäbiges ausdrückte.

Alles in allem gibt es bei der mittelalterlichen Kunst drei Entwicklungsstufen:


Frühmittelalter
Hochmittelalter
Spätmittelalter

Karolingische Renaissance

Das Frankenreich war ursprünglich nur eine römische Provinz (Gallia). Nach
dem Zerfall des Weströmischen Reiches, blieb nur noch der Statthalter,
Syagrius, übrig. Da stellten die Franken einen König aus dem Geschlecht der
Merowinger (fränkisches Herrschergeschlecht). Der Papst bestimmte den
dann zum König der Franken.
Dann kamen die Karolinger, der bedeutendste von ihnen war Karl der Große
(∼ 800 n. Chr.). Er errichtete Grenzmarken, um sein Reich zu schützen, im
Osten war die Ostmark. An den Marken wurden Verwalter eingesetzt. Unter
dem Deckmantel der Christianisierung erweiterte er bei Feldzügen sein Reich.
Bei den Sachsenkriegen wollte er die Sachsen christianisieren, indem er die
Heilige Eiche fällte. Die Germanen waren nämlich Heiden. Um die
Christianisierung vorwärts zu treiben, ließ er Klöster bauen, das Wichtigste ist
Fulda. Er errichtete auch Pfalzen, in denen er sich während seiner Feldzüge
aufhielt. Seine Lieblingspfalz war die Kaiserpfalz in Aachen, dort liegt auch
sein Grabmal.
In den Klöstern wurde die Kulturarbeit verrichtet, so wurden biblische Texte,
einfache Gebete oder z. B. das Taufgelöbnis oder das Ehegelübde ins
Althochdeutsche übertragen. Dazu brauchte man Wörterbücher, das älteste
davon war das Abrogans, benannt nach dem ersten Wort das drinnen stand.
Die Wörter wurden aus dem Lateinischen übersetzt.
Durch die Übersetzungsarbeit entstehen Glossen:
Interlinearglossen: Hier übersetzt man wortwörtlich, ohne auf den Satz zu
achten.
Marginalglossen: Die Texte werden in zusammenhängenden Sätzen
übersetzt.

Codex (Pl: Codices)


Heute findet man in einem Codex ganz verschiedene Sachen.
Damals im Mittelalter waren es wertvolle Handschriften, mit mittelalterlicher
Buchmalerei und großen, schön verzierten Anfangsbuchstaben. Es dauerte
oft Jahre, so ein Buch anzufertigen. Das Nibelungenlied wurde zum Beispiel
sehr viel mündlich tradiert, insgesamt gab es sogar 22 Handschriften, weil es
sehr beliebt war.

Karl der Große unterrichtete die Germanen in ihrer Sprache.

Verschiedene Dinge, wie Gebete (z. Beispiel das Wessobrunner Gebet).


Die Blütezeit von dem Ganzen war die Karolingische Renaissance.

Vertrag von Verdun


Verdun liegt im Elsass, dort gab es im 1. Weltkrieg große Schlachten.
Der Vertrag vom Verdun regelt die Teilung des Frankenreiches in Westreich
(späteres Frankreich) und Ostreich (späteres Deutschland).
Die Söhne Karls des Großen zerstritten sich nämlich und teilten sich also
kurzerhand das große Reich auf.

Im Frühmittelalter zogen Spielleute von Burg zu Burg, meistens Scholaren,


die für ein Jahr auf Wanderschaft (Fahrende Scholaren) gingen und auf den
Burgen die neuesten Nachrichten verbreiteten.

Das Lehenswesen

Im Hochmittelalter (Sprache: Mittelhochdeutsch) gab es in Frankreich eine


große gesellschaftliche Änderung: das Lehenswesen.

Lehenspyramide:
König
Adel
hohe Geistlichkeit
Edle
Geistlichkeit
niederer Adel

Bauern

Mägde, Knechte

Der König gab von seinem riesigen Grundbesitz Lehen (ca. so groß wie
Steiermark und Niederösterreich zusammen) an Adlige weiter, diese mussten
dann dafür mit ihm in den Krieg ziehen. Das Lehen wurde weiter unterteilt in
kleinere Stücke, die dann Edle zur Verwaltung bekamen. Wenn das
Grundstück dann noch immer zu groß für einen Herrn war, bekamen Bauern
einzelne Teile davon. Diese mussten dann an den Zehenttagen den zehnten
Teil ihres Vermögens oder ihrer Ernte an den nächstgrößeren Grundbesitzer
abgeben. Es gab zwei Zehenttage im Jahr, einer im November und einer im
Februar. Im November war es für die Bauern nicht so schlimm, weil die Ernte
gerade in Hülle und Fülle vorhanden war. Im Februar hatten die Bauern aber
sowieso schon zu wenig zu essen, wenn sie von ihrem kleinen Besitz dann
noch etwas hergeben mussten, gingen viele Bankrott: Sie wurden dann
Leibeigene ihres Herrn. Die Leibeigenschaft wurde im Revolutionsjahr 1848
abgeschafft. Es gab für die Abgaben eigene Zehenthöfe, Ministerialen
genannt. Die Ministerialen des Königs mussten Abgaben und Kriegsdienste
für ihren Herrn leisten. Hier entsteht dann im Laufe des Hochmittelalters der
Ritterstand. Die Ritter weigerten sich aber, Lesen und Schreiben zu lernen.
Die Ritter machten nur ungefähr 5 - 10 % der Bevölkerung aus.

Die Ritter waren kulturell an der Dichtung beteiligt:


Es war eine elitäre Dichtung (auserwählt, auserlesen), eine Standesdichtung
(nur für einen Stand bestimmt), von Rittern für andere Ritter.
Die Ritter hatten einen bestimmten Lebensmodus (so genannter
Ehrenkodex), an den sie sich halten mussten. Der gesamte Lebensablauf,
eingeschlossen der Kindeserziehung, wurden bestimmt.
Wenn die Ritter gerade nicht in den Krieg zogen, mussten sie bei Turnieren
körperliche Ertüchtigung üben. Die Ritter mussten in voller Rüstung und mit
Lanzen reiten, und den anderen aus dem Sattel heben.

Es gibt drei Dichtungsarten, mit denen sich die Ritter auseinandersetzten:


Minnelyrik: Minne = Liebe, Verehrung für die Dame
Heldenepen
Höfische Epen

Kreuzzüge

Die Ritter gewannen durch Kreuzzüge an Standesbewusstsein. Es gab


insgesamt zwölf Kreuzzüge. Papst Urban II. wollte nicht, dass die Ritter sich
untereinander bekämpften, also führte er die Kreuzzüge ein, damit die Ritter
sich nicht langweilten. Bei den Kreuzzügen wurde die Befreiung der Heiligen
Städte (Orient) unternommen. Der letzte Kreuzzug war der Kinderkreuzzug
1212, sie blieben in Genua stecken. Die Kinder wurden als Sklaven verkauft.
Ein Teil der Ritter flüchtete nach Malta und gründete den Malteserorden.

Das Zentrum der Bildung und der Kultur wurde von den Klöstern auf die
Burgen verlegt, von deutschem Gebiet auf österreichisches. Österreich
fungierte als Literaturträger. Am wichtigsten war das Donautal und der
Donauraum, z. B. Melk, Klosterneuburg oder Neuburg.
Es wurden vor allem Donauländischer Minnesang und Heldenepen gedichtet,
z. B. das Nibelungenlied.

Die eigentliche mittelhochdeutsche Klassik dauerte von 1180 - 1220.


Innerhalb dieser Zeitspanne war der Standard der Literatur sprachlich und
formal sehr hoch.
Es gab die elitäre Dichtung (von Rittern für Ritter), die nicht für die
Bevölkerung gedacht war.
Das Herrschergeschlecht waren die Stauffer, die Höfe der Landesfürsten
wurden zu Zentren für die Kultur.
Es gab drei Dichtungsgattungen:
Ritterlich-höfisches Epos: Hier ist der Autor bekannt, es stammt vor allem aus
Frankreich. Es gibt hier die Sollseinsdichtung, die Ideale darstellt.
Besonders beliebt war die Sage von König Artus und seiner Tafelrunde.
Volksepos/Heldenepos: Der Autor ist meist unbekannt, der Inhalt greift auf
deutsche Stoffe zurück, ohne fremden Einfluss, es stammt aus dem
süddeutschen Raum.
Höfischer Minnesang: Der Dichter ist meistens bekannt.

Ritter

Der Ritter wird als Ideal gezeigt. Er besitzt zuerst Schwäche, die er später
überwinden muss. Sollseinsdichtung - der Name rührt daher, dass der Ritter
so sein soll. Er ist also ein Vorbild für die anderen.
Er soll nach dem hövescheit (gebildetes und gesittetes Handeln) streben.
Dazu gehört:
Minne: Verehrung, sie wird durch Frauendienst erreicht. Jeder Ritter sollte
eine Dame lieben und verehren und ihr früher oder später ein Gedicht
schreiben. Diese Dame ist dann seine Minnedame.
Êre: Ehre wird durch Herrendienst erreicht. Man muss seinem Herrn immer
treu ergeben sein.
Gotes hulde: Die Ritter sollen im Dienst der christlichen Glaubenslehre ihr
Leben führen. Sie sollen Gottesdienst erweisen und die Heiden
bekämpfen.
Varndes guot: Beim Kampf sollen die Ritter als fahrender Ritter den Armen
helfen.

Die Ritter sollen diese vier Tugenden durch arebeit (nicht Arbeit im heutigen
Sinn) erwerben.
Jeder Ritter wird an den Tugenden gemessen (im Laufe seines Lebens).
Er soll:
Im Maße leben (mâze).
Seiner Minnedame und dem Herrn treu ergeben sein (triuwe).
Standhaft sein (stete).
Sich gegenüber den Armen in Güte und Mildtätigkeit üben (milte).
Zucht und Ordnung haben bei Benehmen und Erziehung (zuht).

Die Stellung der Frau

Im Mittelalter hatte jeder Ritter Frauendienst (Minne) zu verrichten.


Er musste vor höher gestellten Frauen Achtung haben, das war Hoheminne.
Diese stand im Gegensatz zur niederen Minne (zum Beispiel mit der Magd).
Jeder Ritter hatte eine Minnedame, die höher gestellt war als er. Wenn er
mehrere Minnedamen hatte, war er zu triuwe verpflichtet, er musste ihnen
treu sein. Der Ritter durfte nicht hinausjubeln, dass er eine Dame verehrte,
nicht einmal ihren Namen durfte er nennen. Er musste alle ihre Wünsche
erfüllen, wenn er in Turnieren ritt, hatte er vorne auf seiner Lanze ein Stück
Stoff, damit man erkennen konnte, dass er eine Frau verehrte. Wenn er
unterwegs war, brachte der Ritter für seine Minnedame ein Geschenk mit,
z.B. Edelsteine oder Schmuck. Er musste die Dame mit Minnesängen
besingen. Diese Lieder waren genau gebaut und gedichtet, nicht jeder konnte
das. Im Rittersaal der Burg durfte er nicht direkt sagen, dass er eine Frau
verehrte, diese Zeremonie lief nach einem ganz genauen Rhythmus ab, der
Ritter durfte die Dame nicht einmal anschauen, erst später bekam er eine
Belohnung von ihr:
Nîgen: Das ist das erste Zeichen: Die Frau neigt sich, um zu zeigen, dass sie
die Minne annimmt.
Grüezen: Die Dame erlaubt dem Ritter, ihr einen Handkuss zu geben.
Die Dame erscheint in ganz besonders schönen Kleidern zu Feiern, um den
Ritter zu erfreuen.
Überreichung eines Amuletts (nicht im heutigen Sinn): Die Dame erscheint in
einem schönen Kleid bei einem Turnier, ein Ärmel ist nur angehängt.
Diesen hängt sich der Ritter vorne auf die Lanze. Je zerfetzter der Ärmel
dann ist, desto besser ist es für den Ritter, denn es beweist, dass der
Ritter guten Dienst leistet.
Geben eines öffentlichen Kusses auf die Wange
Heimliches Zusammentreffen
Wenn beide nicht gebunden sind: Hochzeit

Minnedienst: Das ist die Verehrung einer höher gestellten Dame, bis die
beiden zusammen kommen, können Jahre vergehen.

Ere + Varndes guot: Der Ritter muss jederzeit bereit sein, mit seinem Herrn in
den Krieg zu ziehen. Er muss ständig trainiert sein und auf Turnieren reiten.
Ere können sie erhalten, wenn sie einen bisher unbesiegten Gegner suchen,
ihn bekämpfen, besiegen und ihm das Leben schenken.
Gottesdienst verpflichtet den Ritter, die Heiden bei den Kreuzzügen zu
bekämpfen.
Alle Dienste müssen in mâze verrichtet werden: nicht zu viel und nicht zu
wenig. Zum Beispiel erhält der Ritter keine Ehre, wenn er sich nur mit seiner
Dame beschäftigt, dann verliget er sich. Wenn er hingegen nur kämpft,
verritet er sich.
Auch die zuht ist wichtig, der Ritter muss Selbstbeherrschung zeigen und das
höfische Benehmen kennen. Er darf die Frau nicht schlagen und beschimpfen,
er muss die Etikette beachten.
Die Frau hatte in den Adelsschichten eine besondere Stellung, sie gewinnt im
Mittelalter immer mehr an Bedeutung. Es gibt auch mehrere Namen für sie:
Wîp: bedeutet Weib, das Wort ist heute in abwertender Form erhalten
Frouwa: bedeutet Frau, verheiratete Herrin
Vrowelîn: bedeutet Fräulein. Das Fräulein hatte eine dienende Stellung und
genoss eine sorgfältige Erziehung. Es lernte das höfische Benehmen und
erwarb gründliche Kenntnisse in den typisch weiblichen Arbeiten: Musik,
Tanz, Latein, Beherrschung der Gesellschaftsspiele (Schach, Dame), Lesen,
Schreiben, Literatur (Tafelrunde und Helden). Das Mädchen kam zu einer
verheirateten Herrin um zu dienen. Es wurde ausgebildet: Es durfte keine
großen Schritte machen, nicht heftig reagieren sondern seine Gefühle
beherrschen. Wenn bei Tisch gegessen wurde, musste es mit gesenktem
Blick dasitzen. Es durfte einen fremden Herrn nicht anreden, übereinander
geschlagene Beine waren verboten. Es musste mit den Händen zierlich
kleine Häppchen nehmen, seiner Herrin beim Ankleiden, Baden und bei
Tisch helfen und ihr vorlesen. Die kleinen Fräulein blieben an der Burg fast
unsichtbar, sie durften die Kemenate fast nie verlassen, nur bei
Festivitäten oder bei einer Tafelrunde.

Die Frau war das Objekt der Verehrung, wie ein höheres Wesen.
Lyrik:

Die Lyrik im Mittelalter war der Minnesang.

Donauländischer Minnesang: älterer Minnesang


Höfischer Minnesang: jüngerer Minnesang

Donauländischer Minnesang:
Er greift auf die heimische Tradition zurück, ohne fremde Vorbilder. Der
Begriff Volkslied existiert nicht, die heimische Volkslyrik wird Vagantenlyrik
genannt. Vaganten waren herumziehende Spielleute. Der Donauländische
Minnesang ist an der Donau, in Bayern, Süddeutschland und Österreich. Es
werden vor allem Natur- und Liebeslieder dargebracht. Die Frau tritt auch als
Werbende auf. Er ist vor 1175 entstanden. Das wahrscheinlich schönste
Minnegedicht stammt von einem unbekannten Verfasser. Es wurde am
Tegernsee in Bayern gefunden (andere Seen in Bayern: Bodensee, Chiemsee,
Starnberger See). Das Minnelied trägt den Namen “Du bist mîn, ich bin dîn.”
In Bayern gibt es viele Klöster.

Kennzeichen bei Minnesängen:


Falkenmotiv: z.B. beim Kürnberger: Der Liebende wird mit einem Falken
verglichen (wie im Decamerone, Renaissance).
Vogelînmotiv: Die Liebenden erwachen in der Morgendämmerung und auf
dem Baum sitzt die Nachtigall und erinnert sie, dass es Zeit ist.
Dialogstrophe: Eine Strophe singt der Mann, eine die Frau.

Die zwei bedeutendsten Dichter sind “Der von Kürenberg” (Kürnberger). Er ist
der älteste Dichter, der in Deutschland namentlich bekannt war. Sein
Falkenlied ist sehr bekannt. Seine Lieder sind in der Nibelungenstrophe
abgefasst.
Auch Dietmar von Aist ist ein bekannter Dichter. Das “erste Tagelied” ist von
ihm überliefert. Es spielt unter einer Linde.

Im Donauraum war Minne echte Liebe!

Höfischer Minnesang:
Er wird auch “jüngerer Minnesang” genannt und existiert ab 1175. Es wird
auf Vorbilder aus Frankreich zurückgegriffen (wie auch bei der Epik). Sie
wurden in Frankreich von Troubadours (im Süden) und Trouvers (im Norden)
dargebracht. Unter Minne verstand man nur Verehrung und nicht Liebe. Das
Minnelied hatte ganz exakt bestimmte Formen. Die Verbreitung war
ursprünglich mündlich, bald wurden die Lieder auf Pergamentstreifen
niedergeschrieben und in Gedichtbüchlein zusammengefasst. Im 13.
Jahrhundert gab es schon richtige Liedersammlungen. Die schönste unter
ihnen ist die Heidelberger Handschrift, die auch Manessische
Liederhandschrift genannt wird, weil sie von Manesse stammt (er schrieb die
Lieder auf).
Friedrich von Häusen brachte die französische Ritterlyrik nach Deutschland,
er war in der Nähe von Worms beheimatet. Im jüngeren Minnesang war die
Frau höher gestellt als der Mann, spielte aber eine passive Rolle. Liedformen
waren zum Beispiel das Naturlied, das Tanzlied, das Festlied oder das
Jubellied.

Es gab drei berühmte Minnesänger:

Heinrich von Morungen: Er war der größte Lyriker neben Walther von der
Vogelweide. Er hatte stets ein übervolles Herz, empfand viel Liebe, war
ständig verliebt, er schwebte in Liebesglück und Liebeskummer. Seine
Gedichte sprengten immer die Konventionen der Minnelyrik, für ihn war
Minne nicht nur Verehrung, sondern echte Liebe.
Reinmar von Hagenau: Er war Elsässer, kam an den Wiener Babenberger
Hof und wurde Hofsänger von Leopold V. Walther von der Vogelweide
wollte auch dort Hofsänger werden, da dort aber schon Reinmar war,
wurde er sein Schüler. Dann geschah es, dass der Schüler den Lehrer
übertraf, also musste Walther gehen. Reinmars Gedichte sind durch
ewiges Sehnen gekennzeichnet, er ist bei den Frauen immer abgeblitzt.
Melancholisch, schmerzvoll, trauernd - so ist der Grundtenor seiner
Gedichte.
Walther von der Vogelweide: Er war der absolute Höhepunkt des höfischen
Minnesangs. Er lebte ungefähr von 1168 - 1228 nach Christus. Seine
Heimat und seine Abstammung sind nicht eindeutig, er kommt
entweder aus Nord- oder Südtirol, sicher ist, dass er ritterbürtig ist. Er
ging am Babenberger Hof in die Lehre, wo er bis 1198 das Singen und
Sagen lernte und Minnelieder im höfisch konventionellen Ton schuf.
Dann verwies ihn der Herzog Friedrich II. der Streitbare des Hofes.
Walther von der Vogelweide nahm immer zu politischen Themen
Stellung, stand dabei aber, wie der Zufall es wollte, immer auf der
falschen Seite. 1198 kam er an den Hof Philipps von Schwaben und
blieb dort bis 1200. Er schrieb Reichssprüche, in denen er sich mit der
aktuellen Politik auseinander setzte. Er übte Kritik am Reichsgeschehen
(ungefähr die Arbeit der heutigen Journalisten). Deswegen war Walther
von der Vogelweide nicht nur der größte Minnelyriker sondern auch
Spruchdichter. Da er von Philipp von Schwaben enttäuscht war,
wanderte er bis 1212. Über diesen Zeitraum ist nur sehr wenig über ihn
bekannt. Es gibt nur eine Urkunde, in der ihm der Bischof von Passau
fünf Dinare für einen Winterpelz gibt. Walther von der Vogelweide
bewegt sich von den höfischen Liedern weg und sieht Liebe plötzlich als
Liebe und nicht als Minne. Er besingt vor allem den Frühling und den
Sommer. Ab 1220 begibt sich Walther von der Vogelweide in die
Dienste des Welfen Otto IV. Sein Gegenspieler war der junge Staufer
Friedrich II. Walther von der Vogelweide war bei Friedrich II. zwar nicht
gern gesehen, als der Minnesänger aber sah, dass ihm dessen Politik
gefiel, lief er zu ihm über. Er bekam ein Lehen in der Nähe von
Würzburg, was er in seinem Lied “Ich han mîn lehen” bejubelte. Er
verbrachte dort bis 1228 seine letzten Lebensjahre. Er wurde sehr alt,
ungefähr sechzig Jahre (die damalige Lebenserwartung lag bei dreißig
bis fünfunddreißig Jahren). Sein Grab soll sich bei der Marienfeste in der
Nähe der Würzburg befinden (dort gibt es einen Hang mit Wein, dem
berühmten Bocksbeutelwein). Es soll dort auch einen Friedhof geben;
auf Walthers Grab wachsen angeblich ein weißer und ein roter
Rosenstock, die umschlungen und verwachsen sind. Walther von der
Vogelweide gilt als der vielseitigste deutsche Minnedichter überhaupt.
Er war unter anderem auch Spruchdichter, Lyriker, er beherrschte alle
Liedsorten, am Ende seines Lebens brillierte er durch seine
Lebensweisheiten. Ein Lied, das er im Alter schrieb, heißt “Oh weh, wie
sind meine Jahre vergangen!” und gehört zu den Liedern über sein
eigenes Leben. Als Spruchdichter lieferte er ein Bild der Politik, er
schrieb politische Sprüche, Kaisersprüche und Reichssprüche.

Epigonen: Nach dem Spätmittelalter schrieben die Epigonen auch


Minnelieder, brachten aber keinen neuen Inhalt. Sie ahmten die Minnedichter
nur nach. Es gibt sie bis ins 14. Jahrhundert, in der Epik sowie in der Lyrik:

Ulrich von Liechtenstein: Er war Minneanhänger und zog von Kapfenberg


als Frau Venus verkleidet zur Burg Liechtenstein (bei Unzmarkt) hinauf.
Der Ursprung der Liechtensteins war die Riegersburg. Sein Hauptwerk
war “Frauendienst”. Ulrich von Liechtenstein war sehr überschwänglich,
er wollte Glanz zeigen, außerdem war er der Letzte, der Frauendienst
verrichtete.
Neidhart von Reuental: Er war der Begründer der höfischen Dorfpoesie.
Seine Lieder sind in Sommer- und Winterlieder eingeteilt. In den
Sommerliedern wird ein Bild der Jahreszeit vermittelt. In einem seiner
Lieder gibt es z. B. einen Streit zwischen der bäuerlichen Mutter und
der Tochter. Ein Ritter lädt die Tochter zum Tanzen ein, doch die Mutter
ist nicht einverstanden. Reuentals Werke sind bauernfeindliche Satiren,
der Dichter beklagt die Dörperheit der Bauern. Ein anderes Werk von
Reuental ist der “Tannhäuser”. Der Tannhäuser ist ein fahrender
Sänger, das Lied ist ein Gespräch zwischen Ritter und Magd. In der
gleichnamigen Oper von Richard Wagner geht es um den Sängerkrieg
auf der Wartburg.
Oswald von Wolkenstein: Er kommt aus Südtirol (in der Nähe: Grödener Tal
 Ski fahren). Er verbrachte mehr als die Hälfte seines Lebens hinter
Gittern, seine Gedichte sind verderbt und verdorben von Sprache,
Inhalt und Form. Oswald von Wolkenstein nennt die Dinge beim Namen.

Epik

Auch hier wird zwischen höfischem Epos und Volksepos unterschieden.

Heldenepos: Es hat eine eigene Form, die Strophenform, z. B. die


Nibelungenstrophe. Außerdem ist der Dichter unbekannt. Es greift auf
heimische Vorbilder zurück.
Höfisches Epos: Der Dichter ist bekannt, es ist im Paarreim verfasst. Die
Vorbilder, auf die es zurückgreift, sind vorwiegend französisch.

Volksepos:
Es wird auch Heldenepos genannt. Es wird auf die Edda (z. B. Heldenlieder)
zurückgegriffen. Sie waren nicht vom Volk für das Volk gedacht, sondern
verarbeiteten Sagengut, das vom Volk mündlich tradiert worden war. Die
Vorbilder waren edle Ritter, Geistliche (Mönche, sie waren die Kompilatoren),
sie bereiteten das Gedankengut für die große Masse vor. Das geschah
vorwiegend im bayrisch-österreichischen Raum. (Die höfischen Epen dagegen
kamen von Frankreich über die Niederlande nach Deutschland.)

Entwicklung:
Es gab in der Völkerwanderungszeit (4./5./6. Jahrhundert) viele Ereignisse.
Über die besten und kühnsten Helden wurde viel gedichtet, die
Heldenlieder wurden dann von Hofsängern (Skop und Skalde) tradiert.
Im 9. Jahrhundert übernahmen die Spielleute die Dichtung, sie wurden
auch Bänkelsänger genannt. Sie waren die Nachrichtenüberbringer der
damaligen Zeit und erzählten über die Politik, Skandale oder das
heimische Sagengut. Das waren dann die Spielmannsepen.
Im 13. Jahrhundert entstehen daraus Heldenepen wie das Nibelungenlied,
das Gudrunlied (Kudrunlied), die Dietrichepen oder die Ortnit- und
Wolfdietrichepen.

Gegenüber den höfischen Epen fehlt dem Heldenepos die maze. Es ist voll
Pathos, Tragik, grob, krass und derb. Am wichtigsten ist die Treue, egal wem
gegenüber (dem Lehnsherrn oder der Frau). Durch die Heldenepen erfahren
wir viel über die Feste, Turniere oder die Kleidung der damaligen Zeit. Die
christlichen Merkmale wurden wie ein Mantel über die germanischen
Situationen gestülpt, so z. B. im Nibelungenlied der Kirchgang der Könige.

Nibelungenlied:

Die Nibelungenstrophe besteht aus vier Langzeilen, die durch eine Zäsur in
acht Kurzzeilen zerfallen. Die ersten drei Langzeilen haben drei Hebungen,
nur die vierte hat vier. Wie das höfische Epos ist sie im Paarreim abgefasst.
Diese Strophenform gilt aber nur für das Nibelungenlied, die Kudrunsage ist
z. B. in der Kudrunstrophe aufgeschrieben.

Für das Nibelungenlied gibt es historische Anhaltspunkte. Es ist bayrisch-


österreichischer Herkunft, was man deshalb erkennen kann, weil das Gebiet
entlang der Donau so genau beschrieben ist. Die Verfasser sind vermutlich
eine Gruppe von Geistlichen, die die Gesänge zu einem Lied
zusammengeführt (kompiliert) haben. Aufgrund der genauen Ortskenntnis
nimmt man also an, dass die Geistlichen aus irgendeinem Kloster dort
stammten.

Das Nibelungenlied besteht aus drei Teilen:


Aventüre 1-19: Kriemhilds Liebe und Leid, der Tod Siegfrieds
Aventüre 20-39: Kriemhilds Rache
Klage: In Reimpaaren wird über das Begräbnis der Gefallenen berichtet. Es
ist aus rein christlicher Sicht geschrieben; dieser Teil wurde erst im 13.
Jahrhundert hinzugefügt.

Die ersten beiden Teile sind durch die Figur der Kriemhild verbunden; durch
das Motiv der Gattenliebe und durch das der Gattentreue.
Das Nibelungenlied war zur damaligen Zeit unglaublich beliebt, davon
zeugen die vielen Handschriften, die zwischen dem 13. und dem 16.
Jahrhundert entstanden sind. Es gibt davon zehn vollständige und
dreiundzwanzig unvollständige. Die eigentliche Urfassung existiert vermutlich
nirgendwo. Es gibt drei bekannte/bedeutsame Handschriften:
Hohenems-Münchener Handschrift
St. Gallener Handschrift
Hohenems-Donaueschinger Handschrift

Es wurde im Nibelungenlied alles germanisch ausgedrückt, so z. B. die Treue


(Siegfried, Kriemhild, Hagen und die drei Burgunderkönige).

Zum Inhalt der zweiten Aventüre:

Nachdem Siegfried und Kriemhild sich verlobt haben, will sich auch Gunther
vermählen. Er ist zwar nicht besonders stark, liebt aber Brünhilde von
Isenstein, die die Figur einer Walküre hat. Es haben schon viele Recken um
sie geworben, doch die kräftige Frau hat bisher alle besiegt. Die Burg
Isenstein befindet sich in Island und ist von einem Feuerwall umgeben. Um
Brünhilde als Ehefrau zu erhalten, muss man sie zuerst im Kampf besiegen.
Gunther bittet Siegfried um Hilfe, da dieser eine Tarnkappe besitzt. Als
Gegenleistung dafür dürfen Siegfried und Kriemhild heiraten. Also besiegt
Siegfried Brünhilde und es kommt zum großen Hochzeitsfest in Worms. In der
Hochzeitsnacht zieht Brünhilde Gunther auf und hängt ihn an die Decke.
Wieder muss Siegfried helfen und Brünhilde gewissermaßen “entwaffnen”. Er
nimmt ihr ihren Gürtel ab und schenkt ihn Kriemhild, die natürlich wissen will,
woher er ihn hat. Als Kriemhild und Brünhilde beim Kirchgang zu streiten
beginnen, prahlt Kriemhild mit dem Gürtel, den ihr Siegfried geschenkt hat.
Das ist letztlich die Ursache für Siegfrieds Tod. Hagen erzählt Kriemhild, es
wäre ein Jagdunfall gewesen, doch sie durchschaut seine Lüge.
Dann will Attila, der Hunnenkönig, eine neue Gemahlin. Er erfährt von der
Witwe Kriemhild und schickt Brautwerber aus. Beim Brautzug zur Etzelsburg,
die sich im Donautal in der Nähe von Carnuntum befindet, kann man wieder
erkennen, dass die Orte sehr genau beschrieben sind. Es werden Dinge
erwähnt, die man nur wissen kann, wenn man mit der Gegend vertraut ist.
Nach der Hochzeit wird Kriemhild schwanger; zwei oder drei Jahre später lädt
sie ihre Brüder und Hagen zu einem Fest ein. Natürlich hat sie nur die Rache
im Sinn (germanisch  Blutrache). Die Herren wissen auch, dass sie in den
sicheren Tod reiten. Sie stellen sich aber der Herausforderung, was der
germanischen Ehre entspricht.
Als sie an die Etzelsburg kommen, gibt es zuerst ein Fest und dann ein
Gemetzel, bei dem der Großteil der Anwesenden getötet wird. Hildebrand
schlägt schlussendlich Kriemhild den Kopf ab; er gehört gemeinsam mit
Attila, Dietrich von Bern (“Theoderich”) und Kriemhilds kleinem Sohn zu den
wenigen Überlebenden.

Höfisches Epos:
Eines der französischen Vorbilder ist Chrétien de Troyes. Sie werden auch
Ritterepen genannt und drehen sich um drei Stoffkreise.

Im ersten geht es um antike Stoffe, Personen, die von Bedeutung sind, sind
zum Beispiel Alexander der Große oder Äneas; die Geschichten handeln
auch vom trojanischen Krieg.

Der zweite Stoffkreis wird auch französisch-bretonischer Stoffkreis genannt.


Es wird von der Bretagne ausgegangen, wo die Angelsachsen ihr Reich
hatten, bevor sie nach England auswanderten. In diesem Stoffkreis gibt es
drei Sagen:

Artussage: König Artus lebte um 500 vor Christus in England zwischen


Cornwall und Wales (walisische Sage). Er war Kelte und verteidigte sein
Land gegen die Sachsen, Pikten, Jüten und Sküten. Die Angelsachsen
kämpften immer gegen Artus, doch dieser gewann immer. Um Artus
drehten sich viele Sagen (Artussagen). Artus gilt als das Symbol für die
höchste Ritterschaft, seine Frau war Ginevra, er hatte seinen Hof in
Caridol. Dort befand sich auch die Tafelrunde, das war ein runder Tisch
mit zwölf (christliche Zahl) Sesseln, wo niemand den Vorsitz hatte.
Mitglieder der Tafelrunde waren zum Beispiel Erek, Iwein, Lanzelot,
Parzival und Gawein. Zur Tafelrunde zu gehören, war das höchste, was
man als Ritter erreichen konnte, denn das hieß, man hatte alle
Rittertugenden durchlebt.
Gralssage: So wie die Artussage das weltliche Rittertum vorzeigt, geht es
in der Gralssage um das geistliche Rittertum, das von den Ritterorden
ausgeführt wurde. Die strengsten unter ihnen waren die Ritter zum
goldenen Vlies. Niemand weiß genau, was der Gral ist, laut Chrétien de
Troyes ist es eine Schale, in der das Blut Christi aufgefangen wurde,
Wolfram von Eschenbach meint hingegen, es sei ein Stein. Fest steht,
dass eine Leben spendende Kraft von ihm ausgeht. Die berühmte
Gralsburg gibt es nur in der Sage, sie ist nur für den Ritter zugänglich,
der auserkoren ist, Gralsritter zu werden. Eine weiße Taube (das Symbol
für Friede, Freiheit, Unschuld, Heiliger Geist) kommt jeden Karfreitag
zum Gral und erneuert dessen Leben spendende Kraft. Chrétien de
Troyes schrieb über Artus, die Tafelrunde und den Gral und war mit
diesen Stoffen Vorbild für die höfischen Epen.
Markesage: “Tristan und Isolde” knüpft daran an.

Den dritten Stoffkreis bilden die so genannten Chansons de Gestes. In einem


französischen Heldenepos, dem Rolandslied, geht es um Roland, einen
Gefährten von Karl dem Großen, der auch “Roland mit dem Horn” genannt
wird. Diese Geschichte wurde von Chrétien de Troyes übernommen (aber
nicht übersetzt oder abgeschrieben), von dem es dann wiederum die
deutschen Dichter übernahmen.

Charakteristik der höfischen Epen:

Sie sind eine elitäre Dichtung (Standesdichtung), als von Rittern für Ritter
geschrieben.
Sie werden vorgelesen und nicht vorgetragen.
Sprache: Sie sind in der Schriftsprache (einer gehobenen Dichtersprache)
verfasst, Dialektwörter und alles was derb oder unhöfisch ist fehlen. Es
werden französische Fremdwörter verwendet und eingedeutscht (heute
noch erhalten: alle Verben auf -ieren)
Verse: Sie werden paarweise gereimt, sind vierhebig, auf die Reinheit der
Reime und des Rhythmus wird geachtet.
Die Dichtung ist idealistisch, es geht um einen Ritter, der bereits ohne
Fehler ist, oder den Weg zum Ideal findet.
Es wird dem Zuhörer/Leser die Kulturgeschichte des Mittelalters mitgeteilt.
Breite Schilderungen sind in die Geschichte eingeflochten zum Beispiel
über Dinge wie den Ablauf eines Turniers, die Gestaltung der Hoffeste,
die damaligen Gewänder und Waffen, das Aussehen der Leute und die
Tafel mit den Speisen und Getränken.

Der Übermittler für die deutschen Dichter war Heinrich von Veldeke, er kam
aus Maastricht in den Niederlanden, dort saß er an einer zentralen Stelle und
kannte die Epen von Chrétien de Troyes. Sein Hauptwerk war die Äneide, eine
französische Bearbeitung des “Äneas” von Vergil.

Die wichtigsten Autoren von höfischen Epen waren ein Dreigestirn:

Hartmann von Aue: Er kam aus Schwaben und war für damalige Verhältnisse
überdurchschnittlich gebildet und außerdem sprachlich gewandt. Er ist der
Erste, der in Deutschland Artusromane schreibt. Zu seinen Werken:
Erec: Dieser Ritter verliget sich und verliert so die Achtung der ritterlichen
Gesellschaft. Seine Frau Enide führt ihn zur maze zurück und er wird
wieder geachtet.
Iwein: Bei ihm geschieht das Gegenteil: Iwein verfaret sich und
vernachlässigt den Frauendienst, er muss sich bessern, um am Ende
des Werkes wieder maze zu erlangen.
Gregorius uf dem steine: Es ist die erste höfische Legende in deutscher
Sprache, gleich wie bei Thomas Mann wird das Ödipus-Motiv
aufgegriffen (das Werk bei Thomas Mann: “Der Erwählte”).
Der arme Heinrich: Für dieses Werk gibt es kein Vorbild, es ist die zweite
höfische Legende in deutscher Sprache. Es wird vom Naturalisten
Gerhart Hauptmann aufgegriffen und unter demselben Titel
herausgegeben.

Wolfram von Eschenbach: Er war ein armer Ritter, verheiratet und hatte zwei
Kinder. Manchmal wird behauptet, er hätte weder Lesen noch Schreiben
gekonnt, doch das ist nicht wahr. In Wirklichkeit sprach er mangelhaft
Französisch und besaß keine “akademische Bildung”. Er hatte aber sehr
wohl ein ritterliches Standesbewusstsein, war aber insofern ein
“schwarzes Schaf”, da er die Minne ablehnte. Er meinte, er habe sowieso
schon eine Frau. In seinen Werken hat er einen dunklen, blumigen Stil und
ist im Gegensatz zu Hartmann von Aue und Gottfried von Straßburg vom
Satzbau her unkonventionell. Er baut barocke Bilder ein, verwendet
bildhafte Ausdrücke, neue Wörter und Fremdwörter, von denen man nicht
weiß, woher sie stammen. In seinen Geschichten findet man kühne
Vergleiche, er verwendet mit Vorliebe die dunklen Vokale a, o und u.
Parzival: Es ist sein Hauptwerk. Von Richard Wagner, dem Universalgenie
im 19. Jahrhundert (er lieferte zu seinen Aufführungen gleichzeitig die
Musik, das Libretto und die Regie), wird dieses Werk übernommen,
allerdings mit der Schreibweise “Parsifal”. Für Eschenbach lieferte
Chrétien de Troyes mit seinem “Perceval” das Vorbild. “Parzival “ ist
der erste Entwicklungs-Erziehungs-und-Bildungsroman der deutschen
Literatur. Der Titelheld Parzival entwickelt sich in Stufen, die für alle
Romane dieser Art die selben sind:
Tumbheit: Das ist der Zustand der Naivität. Parzival wird zum Beispiel
von seiner Mutter von der Welt abgeschirmt. Für seine Naivität
trägt er nicht die Schuld.
Verschuldung/Frevel: Parzival geht in die Welt hinaus und wird mit der
Verführung konfrontiert, er lässt sich auf alles ein. Es kommt dann
zum Sündenfall und ein bestimmtes Ereignis macht dem Helden
seine Situation bewusst.
Buße: Ab nun versucht er, ein gottgefälliges Leben zu führen.
Seelde/Seligkeit: Der Held erfährt die Erlösung.
Parzival wird von seiner Mutter Herzeloyde erzogen, sein Vater ist der
abenteuerlustige Ritter Gahmuret. Seine Mutter will ihm ein solches
Leben ersparen, Parzival soll Gott dienen. Laut seiner Mutter ist Gott
heller als der Tag, als Parzival einmal durch den Wald streift, begegnet
er einem Ritter in hell glänzender Rüstung. Der junge Held glaubt
daraufhin, dieser sei Gott, und beschließt, Ritter zu werden.
Herzeloyde stirbt bald darauf aus Gram. Später trifft Parzival
Gurnemanz, der ihm Ratschläge gibt und ihn lehrt. Parzival befolgt
alles, was er sagt wortwörtlich, auch seine Verhaltensweise kopiert er.
Er kommt zu einer Burg und vermählt sich mit Condwiramurs, der
Prinzessin. Dann wird Parzival von einer geheimnisvollen Kraft zur
Gralsburg gerufen, da er es aber verabsäumt, dem kranken Anfortas
die Mitleidsfrage zu stellen und die anderen Leute nach der Ursache
ihrer Trauer zu fragen, verstößt er gegen das Gesetz der
Nächstenliebe. Deswegen wird er nicht eingelassen. Parzival
verzweifelt und zweifelt auch an Gott, er will nun ohne Gott den
Heiligen Gral suchen. Sein Oheim Trevrizent weist ihm schließlich den
Weg der Reue und der Gnade, Parzival wird reif, um Gralskönig zu
werden. Er lebt dann mit seiner Gattin und seinem Sohn Lohengrin auf
der Gralsburg.
In diesem Werk zeigt Eschenbach alle Probleme, aber auch, wie es sein
sollte. Schließlich sieht man auch die Wandlung des Helden zum
Idealritter.
Titurel: Es ist ein Epos in Strophenform und nur als Torso erhalten.
Willehalm: Auch dieses Werk ist als Torso erhalten.
Mehrere Minnelieder

Gottfried von Straßburg: Er war Bürger, er wurde nicht “Herr”, sondern


“Meister” genannt. Er war ein gelehrter Weltgeistlicher, sprach Latein und
Französisch, war in der Theologie sehr gewandt und konnte Lesen und
Schreiben. Über sein Leben ist nichts Genaues bekannt. Straßburgs Stil ist
klar, leicht und beschwingt, hell und musikalisch, also das Gegenteil von
Eschenbachs Stil. Er dichtet in reinen Reimen und hat eine schöne
Sprache.
Tristan und Isolde: Es ist sein Hauptwerk und umfasst etwa 20 000 Verse.
Straßburg greift dabei auf Thomas von Bretagne zurück, der auf dem
Londoner Hof war. “Tristan und Isolde” ist als Torso erhalten, nach
Straßburgs Tod wird es von den höfischen Dichtern Ulrich von
Thürheim und Heinrich von Freiberg unabhängig fortgesetzt. Zum
Inhalt: Der König Marke (etwa fünfunddreißig Jahre alt, für damalige
Verhältnisse fast ein Greis) will die etwa zwölfjährige Isolde Blondhaar
freien. Da er aber fürchtet, er könnte ihr zu alt erscheinen, schickt er
seinen Neffen Tristan als Brautwerber zu ihr. Einer von Markes
Dienerinnen tut Isolde aber so Leid, dass sie einen Liebestrank für das
Kind braut, um einen Schock zu vermeiden. Irrtümlicherweise trinkt
aber Tristan den Liebestrank gemeinsam mit Isolde und die beiden
entbrennen in großer Liebe zueinander. Der Herrentreue wegen kehren
sie trotzdem zu Marke zurück und Isolde heiratet den König, wie es
vorgesehen war. Das Liebespaar trifft sich aber weiter heimlich. Ab
diesem Zeitpunkt gibt es zwei Fortführungen der Geschichte, und die
Figuren einer Isolde Blondhaar und einer Isolde Goldhaar werden
verwoben. Marke stirbt, Tristan ist inzwischen gegangen, er liebt aber
Isolde immer noch. Doch er hat inzwischen eine Königstochter
geheiratet. Es wird ausgemacht, dass bei der Ankunft von Tristan bei
Isolde das Schiff, wenn er sich darauf befindet, weiße Segel aufziehen
soll, in einem anderen Fall aber schwarze Segel. Durch einen Irrtum
werden aber schwarze Segel aufgezogen und Isolde stürzt sich in ein
Schwert. Als er seine tote Geliebte sieht, bringt sich auch Tristan um.
Auf den Gräbern der beiden werden dann zwei Rosenstöcke gepflanzt,
die mit der Zeit ineinander verwachsen. “Tristan und Isolde” ist der
erste Liebesroman der deutschen Literatur, es ist auch das erste Mal,
dass es eine Dreiecksbeziehung gibt (“Dreiecksroman”), es ist der
erste Eheroman, der erste Familienroman und der erste psychologische
der deutschen Literatur. Es ist ein Hohelied auf die ritterliche Minne
und wird immer wieder aufgegriffen, so zum Beispiel bei Richard
Wagner mit der Oper unter dem gleichnamigen Titel.

Didaktische Dichtung: In der Epik im Mittelalter gibt es nebenbei auch diese


Art der Dichtung. Es ist eine lehrreiche Dichtung, die man in Sprüchen oder
Fabeln findet.

Epigonen: Wie bereits erwähnt, gibt es im Mittelalter auch in der Epik


Epigonen. Die Ritterepen wurden im 13. Jahrhundert immer vielfältiger und
zahlreicher. Es gab nun selbstständige Autoren, die zwar keine gleichwertigen
Leistungen brachten, sprachlich und formal aber äußerst hoch stehend
waren. Sie erfanden keine neuen Inhalte. Zwei dieser Epigonen sind:
Rudolf von Ems: Er war Vorarlberger und schrieb die “Weltchronik”, die
das meistgelesene Werk im Mittelalter war. In der “Weltchronik” ist
alles, was erschienen ist, zusammengefasst.
Konrad von Würzburg

14./15. Jahrhundert: Das bürgerliche Spätmittelalter

Der letzte Abschnitt des Mittelalters wird durch zwei Dinge charakterisiert:

Verfall und Niedergang des Rittertums:


Die Ritter hatten sich immer geweigert, Lesen und Schreiben zu lernen.
Außerdem kämpfte der Ritter mit Schwert und Lanze, doch jetzt wurde das
Schwarzpulver erfunden. Die ritterliche Lebensweise auf der Burg war
überholt, das neue Kulturzentrum war jetzt die Stadt. Durch den Handel
drohte den Rittern der wirtschaftliche Verfall, sie wurden also Raubritter wie
Götz von Berlichingen, der auch “der Ritter mit der eisernen Hand” genannt
wurde. Die Folge davon war, dass das Leben auf der Burg nicht mehr so
schön gestaltet wurde, überall fehlte das Geld, die Ritter wurden durch
Söldnerheere ersetzt (ein Söldner war ein Landsknecht, der dafür bezahlt
wurde, in den Krieg zu ziehen).
Das Bürgertum erlebte einen richtigen Aufschwung, der mittlere Stand der
Bürger gelangte in den Vordergrund. Die Bürger lebten im Schutz der
Stadtmauern, wer durch die Tore kommen wollte, musste Zoll zahlen. Es gab
auch einen Wochenmarkt außerhalb der Stadt, wo die Händler schon eine Art
“Standgebühr” entrichten mussten. Es gab auch das Stapelrecht, wo Waren,
die zum Beispiel aus dem Orient kamen, gegen eine Abgabe gestapelt
werden durften. Dieses Geld bekamen dann die Bürger. Es durften auch nur
die Waren angepriesen werden, die in der Stadt selbst erzeugt wurden. Die
reichsten Bürger lebten in den “Patrizierhäusern” (in Leoben gibt es heute
davon noch das Hackl-Haus). Je weiter man in der Stadtmitte lebte, desto
teurer wurden die Mieten.
Dass man als Bürger reich war, äußerte sich im Leben, im Haus und im
politischen Mitspracherecht. In den Zünften wurden die Rechte der Bürger
vertreten, jede Zunft hatte ihre eigene Verwaltung und eine Zunftkasse. Die
führenden Schichten des Bürgertums waren die Patrizier.
Die Geldwirtschaft löste von Italien ausgehend nach und nach die
Naturalienwirtschaft ab. In Italien gab es im östlichen Mittelmeergebiet
nämlich den Levantehandel. Die zentralen Städte dafür waren Genua und
Venedig. Ein Venezianer, der berühmte Entdecker Marco Polo, reiste entlang
der Seidenstraße am Landweg bis nach China. Von dort kamen dann die
Waren nach Europa. Im Spätmittelalter verkürzten nun die Italiener die
Strecke durch einen Seeweg durch das östliche Mittelmeer bis nach Israel.
Das Problem mit den Naturalien war nun, dass sie schnell verdarben, deshalb
gab es nun Scheine mit einem gewissen Geldbetrag, die eingelöst werden
konnten, ähnlich den heutigen Schecks.

Neue geistige Strömungen:


Das Mittelalter war ausschließlich auf das Jenseits ausgerichtet. Im
Spätmittelalter wurde dann Kritik an der katholischen Kirche geübt. In der
Kirche war damals das Zeitalter der Kirchenversammlungen (Konzil). Man
wollte die Leute durch Reformen zum Glauben bringen, die Dogmen wurden
kritisiert. Die Bürger ließen sich aber von der Kirche nicht gängeln und
suchten den Weg zu Gott ohne die Kirche. Das war dann die Mystik. Sie zeigt
die Individualisierung des religiösen Lebens. Im Mittelalter war die
Wissenschaft die “ancilla”, also die Magd der Theologie. Nur die Erfindungen
waren von Bedeutung, die im Dienst der Kirche standen. Die Bürger sahen
das Ganze nun realistisch: Sie fragten sich, was nützlich war, gewissermaßen
eine “Kosten-Nutzen-Rechnung”. Die Wissenschaft löste sich von der Kirche
und begann selbstständig neu zu forschen. Man erkannte, dass die Erde rund
war, das Theozentrische Weltbild wurde vom Anthropozentrischen Weltbild, in
dem der Mensch im Mittelpunkt steht, abgelöst. Mit dem Buchdruck wurde
die Literatur billiger. Man begann auch verstärkt mit der Erforschung der Erde
und suchte neue Seewege (wie Kolumbus, der nach Indien wollte und durch
Zufall Amerika entdeckte).
Auch der Kompass wurde erfunden.
Durch das neue Weltbild steht nun der Mensch im Mittelpunkt, sein Körper ist
nicht länger der Sitz von Frevel und Sünde. Später erkennen auch Forscher
wie Kopernikus, dass die Erde rund ist.

Dichtung im Spätmittelalter:

Die Träger der Dichtkunst sind ab jetzt die Bürger, also reiche Kaufleute und
Handwerker. Die Handwerker sind ja ein Stand, der praktisch denkt: Er
arbeitet und bekommt dafür Geld. Diese Denkweise wird nun für die
Dichtkunst übernommen: Man überlegt: Was bringt die Dichtung? Die Antwort
darauf: Bildung, Belehrung und Unterhaltung.
Bis jetzt gab es nur die idealisierende Dichtung (der Ritter findet den Weg
zum Ideal). Im Spätmittelalter wollen die Menschen Realität. Die Schauplätze
ändern sich, sie sind ab nun mehr aus dem Alltag gegriffen, zum Beispiel der
Marktplatz, das Wirtshaus, die Stube, die Straße oder der Arbeitsplatz (die
Werkstatt).
Auch die Themen stammen aus dem Alltag, wie betrogene Ehemänner,
Pfaffen, Bauern (=tumb, die Dummheit wird aufgezeigt) oder fahrende
Schüler (gingen auf Stör, also auf Wanderschaft, sie wanderten von Hof zu
Hof, kamen zur naiven Bäuerin, der sie alles erzählen konnten, der Bauer war
aber dagegen). Die Autoritäten des Dorfes (Bürgermeister, Lehrer, Pfarrer,
Arzt) wurden aufs Korn genommen.
Der Mittelpunkt der Dichtung war die Lebensfreude.

Die Bürger sprachen kein Latein, also wurde immer mehr eine deutsche
Sprache benötigt, auch in den Kanzleien der Städte. Ausgegangen wurde von
der Prager Kanzlei (die Habsburger, zum Beispiel Rudolf II, hatten in Prag
Kanzlei). Dort erfand der Sekretär Johannes von Neumarkt die Prager
Kanzleisprache.
Der Durchbruch gelang der deutschen Sprache erst mit der Bibelübersetzung
von Martin Luther. Aber trotzdem gab es auch im Spätmittelalter schon den
Übergang vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen
(gekennzeichnet durch Diphthongierung - hûs zu Haus, Monophthongierung -
bei ph, th, oder wuchs zu wuchs, Dehnung altkurzer Tonvokale in offener
Silbe- ófen zu Ofen).

Alles, was die Bürger schrieben war Deutsch, nicht Latein.


Die ritterlich-höfische Dichtung war aber keineswegs mit einem Schlag zu
Ende, der Wechsel dauerte ungefähr ein Jahrhundert.

Lyrik:

Im Hochmittelalter gab es den Minnesang, jetzt wird er Meistergesang


genannt (von Richard Wagner gibt es die Oper “Der Meistersinger von
Nürnberg”, wo Hans Sachs Meistersinger ist).
Das Spätmittelalter ist die Blütezeit von Volks- und Kirchenlied. Es entstehen
Singbruderschaften, in denen Laien und Geistliche singen.
Seit dem 15. Jahrhundert gründen sich Handwerker in Schulen. Große
Handelszentren wie Nürnberg, Augsburg, Wels oder Steyr bildeten eine Art
Verein; die Mitglieder wurden in fünf Gruppen eingeteilt:

1) Schüler (können sich zum Singer weiterentwickeln)


2) Schulfreunde (können sich nicht weiterentwickeln)
3) Singer (entwickelt sich weiter zum...)
4) Dichter (aus ihm wird vielleicht einmal ein...)
5) Meister (das war man nur, wenn man einen neuen Gesang (betreffend
Text, Strophenform, Melodie) erfunden hatte)

Es gab ein Richterkollegium, die Merker, die die Leistungen beurteilten und
die Meistersinger ernannten.
Vom Aufbau her wurde beim Meistergesang alles vom Minnesang
übernommen, so zum Beispiel die Dreiteiligkeit. Es dominieren die unreinen
Reime. Die Inhalte stammen aus der Bibel, manchmal sind es Legenden,
Schwänke oder Satiren.
Der künstlerische Wert ist gering, aber sie sind wichtig für die Volkserziehung.

Volkslied:
Es ist inhaltlich anspruchslos, aber mit einer Melodie verbunden (zum Beispiel
“Muss i denn...”, “Mei Huat...”, “Peters Brünnerle”). Es ist irgendwann,
irgendwo im Volk entstanden, der Autor ist unbekannt, es wurde sehr lange
Zeit mündlich tradiert. Es wurde immer großen Umänderungen unterworfen,
das Lied wurde sozusagen “zersungen”.
Vom Inhalt handelt es sich um alles, was das Herz des Volkes bewegt, zum
Beispiel Ess-, Trink-, Abschieds-, oder Heimatlieder.

Im Spätmittelalter gab es dann später auch noch Ständelieder, zum Beispiel


“Das Wandern ist des Müllers Lust”.
Am Ende des Mittelalters begann man dann, Volkslieder aufzuzeichnen und
zu sammeln.

Dramatik:

Auf das weltliche Drama (aus Griechenland stammend) wird erst im 16.
Jahrhundert zurückgegriffen.
Jetzt im Spätmittelalter gibt es das europäische Drama. Mit den
Mysterienspielen fasst es Fuß. Es stammt von den Gottesdiensten, als an
hohen Festtagen durch Wechselgesänge dem Volk die biblischen Geschichten
näher gebracht wurden. Sehr bald gingen diese Gesänge in eine szenische
Darstellung über (ab dem 10 Jahrhundert: Osterevangelium in verteilten
Rollen nachgespielt), es gab immer mehr Zuseher und als vor dem Altar kein
Platz mehr war, ging man zuerst auf den Kirchplatz und nach und nach auf
den Dorfplatz, den Marktplatz oder den Stadtplatz. Dort verweltlichten sich
die Inhalte zunehmend, es wurden komische Geschichten eingebaut. Es
begannen großartige Vorstellungen der weltlichen Art der katholischen
Glaubensweise. Bald wurden große Bühnen angeschafft. Das Geld für die
Ausstattung stammte von den Zünften.
Mysterienspiele im 20. Jahrhundert schrieb zum Beispiel Gertrud
Fussenegger.
Es gab aber neben den Weihnachts- und Mysterienspielen auch noch die
Moralitäten. Es werden personifizierte Eigenschaften, wie Neid oder Liebe
dargestellt. Ein Beispiel dafür ist “Jedermann”. Im 16. Jahrhundert war es ein
Schultheater, 1922 kam es unter Hugo von Hoffmannsthal und Max Reinhardt
zu den Salzburger Festspielen, wo es sich jetzt mit Peter Simonischek in der
Hauptrolle noch immer größter Beliebtheit erfreut.
Es gab damals auch das Theophilusspiel (“Teufelsspiel”), in dem es um den
Bund mit dem Teufel geht.

Das alles war jetzt die geistige Entwicklungslinie, daneben gab es noch die
weltliche Entwicklungslinie, von der zum Beispiel die Perchten, die den Winter
und böse Geister vertreiben sollen, stammen.

Ein anderes Beispiel sind die Fastnachtsspiele, sie sind die Weiterentwicklung
der Mysterienspiele. Sie haben weltliche Inhalte, es geht um den Lehrer, den
Pfarrer, den Arzt, den Bürgermeister oder den Großgrundbesitzer.
Es werden die Schwächen jeder Berufsgruppe aufgezeigt. Der Bauer ist zum
Beispiel ein dummer Tölpel, seine Gattin eher resolut.
Das Problem war nur, dass bei Regen der Dorfplatz ein schlechter
Aufführungsort war. Deswegen wurden die Spiele im Wirtshaus vorgeführt.
Dort war ein großer Saal, der Wirt konnte Einnahmen machen, die Gäste
konnten essen und trinken, kurzum: jeder war zufrieden!
Da bei Speis und Trank die Aufmerksamkeit des Publikums schnell sank,
wurden spannende und lustige Stücke gebracht, sie waren bald verdorben
vom Inhalt und von der Sprache her. Die Fastnachtsspiele überlebten bis in
den Barock (17. Jahrhundert), wo allerdings nur noch sexuelle Inhalte
vorherrschend waren.
Im 16. Jahrhundert war Hans Sachs der bedeutendste Verfasser. Bei ihm
waren die zänkische Ehefrau, der betrogene Ehemann und der Pfarrer
beliebte Personen.

Prosadichtung und Volksbücher:

Durch Gutenberg erlebten Bücher einen unglaublichen Aufschwung, sie


waren von nun an für jedermann erschwinglich, so wurde der Stoff der
höfischen Epen und der Helden- und Spielmannsepen gelesen. Das ging bis
ins 17. Jahrhundert.
Es gab auch eigene Erfindungen, wie die Schildbürger, Till Eulenspiegel oder
das Volksbuch des Doktor Faustus. Georg Faust lebte in der Nähe von
Reuttlingen, er beschwindelte die Leute, er war eine Art “Mediziner” und es
entwickelte sich eine Sage um seine Figur, die Faustsage bzw. der
Teufelsbund.
Die Volksbücher waren sehr beliebt, heute sind es Kinderbücher und haben
deswegen eine Moral, sie spielen die Rolle eines Lehrers.

Ein weiteres Beispiel ist “Der Ackermann aus Böhmen” von Johannes von Tepl
(siehe Literaturbuch Seite 64). Seine Frau stirbt und er führt ein
Streitgespräch mit dem Tod. Er klagt ihn des Mordes an, doch der Tod/Teufel
rechtfertigt sich. Es werden in diesem Werk schon humanistische Werte
aufgezeigt.