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Traumdeutung des Traumes von Albertine (Traumnovelle)

Der österreichische Arzt und Tiefenpsychologe Sigmund Freud hat die Traumdeutung
„revolutioniert“.

Nach seiner Theorie stellt sich jeder Traum als „sinnvolles psychisches Gebilde“ heraus.

So sind alle Träume eine Art Wunscherfüllung. Oft erscheinen im Traum Symbole, welche
gedeutet werden können.

Folgend möchte ich den Traum von Albertine anhand von Symbolen, die ihr im Traum
erschienen sind, deuten.

Am Anfang des Traumes erzählt Albertine ihrem Mann

Zitat: „Ich wußte nur, daß die Eltern sich auf Reisen befanden und mich alleine gelassen
hatten“ (Zeile 27-28 Seite 60) ist ein Symbol dafür, dass die Eltern nicht mit der Hochzeit
einverstanden waren. Im nächsten Satz erklärt Albertine, dass das Brautkleid noch nicht
da ist, obwohl am nächsten Tag die Hochzeit stattfinden sollte Zitat: „Aber das Brautkleid
war noch nicht da“ (Zeile 29-30 Seite 60).

Das nicht vorhandene Brautkleid symbolisiert, dass Albertine Fridolin nie heiraten wollte
bzw. es „so“ nicht vorgesehen war

Im weiteren Verlauf träumt Albertine davon, dass Fridolin plötzlich vor dem Fenster der
Villa stand und sagte

Zitat: „ [...] Galeerensklaven hatten dich hergerudert [...] Du warst sehr kostbar gekleidet in
Gold und Seide, hattest einen Dolch mit Silberhänge an der Seite und hobst mich aus dem
Fenster. Ich war jetzt auch herrlich angetan, wie eine Prinzessin, [...]
(Zeile 4-8 S.61)

Am Anfang des Buches liest die Tochter des Ehepaares aus einem Buch

Zitat: „Vierundzwanzig braune Sklaven ruderten die prächtige Galeere, die den Prinzen
Amgiad zu dem Palast der Kalifen bringen sollte [...] (Zeile 1-3 Seite 5)

In Albertines Traum hat ihr Mann Fridolin, dass typisch äußerliche Aussehen eines
Prinzen. Er trägt edle, kostbare Kleidung und hat einen Dolch. Albertine fühlt sich wie eine
Prinzessin. Der Traum nimmt also Bezug auf die Vorlesung der Tochter.
Wir verarbeiten Nachts die Erlebnisse, welche wir über den Tag erlebt haben. Das wäre
eine sinnvolle Erklärung für diese Sequenz. Andererseits, wenn man Sigmund Freuds
Theorie berücksichtigt, könnte hier der Prinz als Symbol für einen Wunsch stehen.

Der Prinz verkörpert in Träumen oft Verstand, Vernunft und Männlichkeit und er verheißt
die Erfüllung der Träume.

Oft Träumen Frauen von einem „Märchenprinz“ ,welcher den eigenen Partner, genau wie
in der Traumnovelle, widerspiegelt.

Albertine erzählt

Zitat: „ [...], wir flogen über die Nebel hin, [...] (Zeile 14 Seite 61)

Freud deutet das Fliegen in einem Traum als Befreiung von einer möglicherweise
selbstgeschaffenen Begrenzung. Man könnte es also so interpretieren, dass sich Albertine
in ihrem Leben zu viele Begrenzungen und Einschränkungen schafft, von denen sie sich
befreien möchte.

Ein weiteres Anzeichen für diese Theorie ist die folgende Sequenz von der Albertine
träumt

Zitat: „ [...] und plötzlich befanden wir uns sehr hoch im Gebirge in einer Art Lichtung die
auf drei Seiten von Wald umfriedet war, während rückwärts eine steile Felswand in die
Höhe ragte. (Zeile 17-20 Seite 61)

Der Wald um die kleine Lichtung sowie die steile Felswand symbolisieren, dass
Albertine ,gefangenʻ ist und sich in ihrer jetzigen Situation eingeengt fühlt.
Sie spricht rückwärts von einer steilen Felswand, ein unüberwindbares Objekt. Sie will
zurück, was allerdings nicht geht.

Auch das manifestiert sich durch folgende Aussage

Zitat: „ [...] und während ich so dalag, trat aus dem Wald ein junger Mensch hervor, in
einem hellen, modernen Anzug er sah, wie jetzt weiß, ungefähr aus wie der Däne, von
dem ich dir gestern erzählt habe. Er ging seines Weges, grüßte sehr höflich, als er an mir
vorüberkam, beachtete mich aber nicht weiter, ging geradewegs auf die Felswand zu und
betrachtete sie aufmerksam, als überlegte er, wie man sie bezwingen könnte.“ (Zeile 22-29
Seite 62)

Albertine empfindet den Mann als Sympathisch sie beobachtet ihn ganz genau. Er möchte
den Felsen bezwingen, zumindest erhofft sich das Albertine.
Sie denkt, dass sie durch den Mann aus dem „Gefägnis“ in dem sie zu leben scheint
entkommen kann. Mit ihm kann sie zurück gehen, da er weiß, wie man den Felsen
bezwingen kann.
Im weiteren erzählt Albertine davon, dass sie ihren Mann zeitgleich dabei beobachten
konnte wie er die schönsten Kleider, Wäsche, Schuhe, Schmuck für sie in der Stadt
einkaufte. Er tat alles dafür um sie glücklich zu machen.
Albertine beachtete dann aber wieder den Dänen, der ihr nun näher kam.

Sie sagte

Zitat: „Es war immer derselbe und immer ein anderer“

Dieses Paradoxon kann man als Zeichen deuten, dass jeder andere Mann besser für sie
wäre als Fridolin oder/und dass sie mit jedem anderem glücklicher geworden wäre als mit
Fridolin.

Gegen Ende des Traums wird klar, dass sich Albertine eine glückliche(re) Ehe wünscht,
wie die anderen Liebespaare auf der blumenübersäten Wiese. (Zeile 28,29 Seite 65)

Blumen können in Träumen für Liebe stehen, man könnte die Wiese auch als
Liebesübersäte Wiese bezeichnen (Viele Liebespaare).

Albertine wünscht sich mehr Liebe. Sie liegt mit einem anderen Mann Arm in Arm auf der
Wiese.

Albertine verachtet Fridolin, obwohl er ihr treu blieb. Sie erfreut sich sogar noch darüber,
dass er gefoltert und gekreuzigt wird. Sie lacht laut und der Traum endet.

Maximilian Grund