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Histologie und Physiologie des Zahnes

Block Z2
A. Schedle
WS 2007/2008

Ohne Abbildungen, ersetzt nicht den Besuch der


Vorlesung und das Studium der relevanten
Literatur
Der Zahnschmelz

Amelogenesis und Zahnschmelz


Differenzierung der Ameloblasten
Differenzierung der Ameloblasten

• Zahnschmelz
• Ist ein fast rein kristallines Gefüge und entsteht
als Produkt zellulärer Leistung

• Schmelzmatrix
• Ist das Primärprodukt der Ameloblasten
• Zahnschmelz
• Ist das mineralisierte und ausgereifte
Endprodukt
Phasen der Schmelzbildung

• 3 beim Menschen am Einzelzahn


gleichzeitig ablaufende Prozesse:
• Bildung der Schmelzmatrix,
initiale Mineralisation dieser Matrix
• Rückresorption der Matrix
• Sekundäre Mineralisation,
Reifung des kristallinen Gefüges
Differenzierung der Ameloblasten

• Ameloblasten
• Entstehen durch Differenzierung aus Zellen des
inneren Schmelzepithels -
• der Schmelz ist daher ektodermaler Herkunft
Differenzierung der Ameloblasten

• Vor Beginn der Prädentinbildung


• Zellen des inneren Schmelzepithels sind noch teilungsfähig
• Nach Beginn der Prädentinbildung
• Die Zellen des inneren Schmelzepithels beginnen mit dem
Differenzierungsprozeß
• Zellen nehmen Säulengestalt an (Präameloblasten)
• Die Zellen verlieren ihre Teilungsfähigkeit und polarisieren
• Kern 9 basal
• Golgi-Apparat 9 distal
Differenzierung der Ameloblasten

• Strukturschema des Ameloblasten:


• Tomesscher Fortsatz
¾ pyramidale Ausstülpung, distal
• Am basalen und distalen Pol: Schlußleistensystem
• Entlang der lateralen Seitenfläche: desmosomale Kontakte, fokale
Tight (Z. occludens) - und Gap junctions (Nexus)
• Kern basal
• Golgi-Apparat distal paranukleär
• Mitochondrien sind über ganzes Zytoplasma verteilt
• Distal Sekretgranula: enthalten lysosomale Enzyme oder die
synthetisierte aber noch nicht ausgeschüttete Schmelzmatrix
Beginn und Modalität der Schmelzbildung

• Die Schmelzbildung beginnt, sobald die Sekretion der


Schmelzmatrix einsetzt
• Die Sekretion der Matrix erfolgt analog der einer
ekkrinen Drüsenzelle
• RER synthetisiert Proteinanteile der Schmelzmatrix
• Bläschen gefüllt mit Matrixvorstufen erscheinen im Golgi-Apparat
• Im Golgi-Apparat werden Kohlenhydratkomponenten der
Schmelzmatrix synthetisiert und mit Proteinanteilen zu Glykoproteinen
vereint 9 Vakuolen 9 Tomesscher Fortsatz
• Dort fusionieren die Granulamembranen mit der zytoplasmatischen
Membran 9 Granulainhalt extrazellulär ausgeschüttet
Entstehung und Mineralisation der
Schmelzprismen

• Die erste etwa 3 µm dicke Schmelzschicht ist


homogen strukturiert. Alle Kristallite sind mit
ihrer Längsachse zwischen distalem
Ameloblastenpol und Dentinoberfläche ausgerichtet
und liegen parallel zueinander.
• Danach bildet der Ameloblast den Tomesschen
Fortsatz. Mit seiner Hilfe gelingt es dem
Ameloblast die Schmelzkristallite in strukturelle
Einheiten zusammenzufassen (Schmelzprismen)
und damit dem Schmelz ein charakteristisches
Strukturgefüge zu verleihen.
Entstehung und Mineralisation der
Schmelzprismen

• Prismenscheide:
• Entlang der N-Fläche bzw. ihrer Fortsetzung im Schmelz
bleibt eine dünne Matrixschicht bestehen = PS
• Prismenstab:
• Von der Prismenscheide umgebener Schmelzbereich
• Zwischenstabschmelz:
• Der außerhalb bzw. zwischen mehreren Scheiden
befindliche Schmelzbereich
Entstehung und Mineralisation der
Schmelzprismen

• Prismenstabschmelz und Zwischenstabschmelz sind


strukturell und biochemisch identisch und können letztlich
nur durch die unterschiedlich angeordneten Kristallite
voneinander unterschieden werden.
• Während der fortwährenden Synthese und Ausschüttung von
Schmelzmatrix und deren initialer Mineralisation bewegen
sich die Ameloblasten von der Schmelz-Dentingrenze nach
peripher
• nicht geradlinig zentrifugal
• in komplizierten Bogenschwingungen
Aufbau und Anordnung der
Schmelzprismenstäbe
• Kristallite des ausgereiften Zahnschmelzes:
• Leicht abgeflachte hexagonale Stäbe
• Chemisch: Kalziumphosphat des Apatittyps
• Optische Achse: in bestimmter und relativ streng geregelter
Weise orientiert
¾ Prismatische und und zwischenprismatische Anteile können
optisch voneinander getrennt werden

• Matrix:
• Die Gesamtheit der Kristallite ist in eine gelartig-strukturlose,
organische Matrix eingebettet, die im ausgereiften Schmelz nur
1-2% des Volumens einnimmt
Aufbau und Anordnung der
Schmelzprismenstäbe
• Das Schmelzprisma
• Ist ein aus Kristallen gefügter, koronal von der Prismenscheide
umgebener Stab, der sich kontinuierlich von der Schmelz-Dentin-
Grenze bis dicht unter die Schmelzoberfläche erstreckt
• „Schlüssellochtyp“:
• Koronal: arkadenförmig abgerundeter Kopf
• Zervikal: dünn auslaufender „Bart“
• Keine interprismatische Zonen
• „Pferdehuftyp“:
• Arkadenförmiger Querschnitt
• Dreiseitig von interprismatischem Schmelz umgeben
Aufbau und Anordnung der
Schmelzprismenstäbe

• Beide Schmelzprismentypen sind idealisierte


Modelle und werden in der inneren Hälfte des
Schmelzmantels abwechselnd angetroffen, da
die Prismenstäbe in ihrem Verlauf gegen die
Zahnoberfläche horizontal gegeneinander
schwingen Auf 1 mm2 Zahnoberfläche laufen
durchschnittlich 20 000 - 30 000 Prismenstäbe
zu.
Strukturmerkmale des Schmelzes

• Schmelz-Dentin-Grenze
• Stark gewellt; Wellung im Höckerbereich stärker
ausgebildet als weiter zervikal
• Schmelz-Dentin-Verzahnung ist etwa 12 µm Breit
und verstärkt die Haftung des Schmelzes am Dentin
Strukturmerkmale des Schmelzes

• Schmelzbüschel
• Entspringen im Bereich der Schmelz-Dentin-Grenze
• Sind in koronozervikaler Richtung verlaufende Girlanden
• Entsprechen unvollständig mineralisierten und daher
matrixangereicherten Schmelzanteilen
• Durchziehen nur das untere Drittel des Schmelzmantels
• Schmelzlamellen
• Entsprechen Schmelzbüschel, die den gesamten
Schmelzmantel durchziehen
Strukturmerkmale des Schmelzes

• Schmelzsprünge (= Sturkturfehler)
• Entstehen prä- und posteruptiv und können von den
während der Amelogenese entstehenden
Schmelzlamellen lichtoptisch kaum unterschieden
werden
Strukturmerkmale des Schmelzes

• Hunter - Schregersche Streifung


• In koronozervikaler Richtung aufeinanderfolgende
dunkle und helle Streifen
• Ist das Resultat optischer Phänomene die durch den
geschilderten Verlauf der Prismenstäbe verursacht
werden
Strukturmerkmale des Schmelzes

• Retzius - Streifen
• = Wachstumslinien
• Verlaufen von der Schmelz-Dentingrenze in schräger
Richtung nach okklusal
• Horizontalschnitt: konzentrische Ringe
werden mit den Jahresringen eines Baumes verglichen
• Meist hypomineralisierte Zonen
• Sollen eine Periode der amelogenetischen Ruhephase
zwischen zwei aktiven Sekretionsphasen verkörpern
Strukturmerkmale des Schmelzes

• Strukturmerkmale an der Schmelzoberfläche


• Imbrikationslinien
• = Schnittpunkte der Retzius-Streifen mit der
Schmelzoberfläche
• Perikymatien
• = wellenförmige, dachziegelartig angeordnete Bänder
zwischen den Imbrikationslinien
Strukturfehler des Schmelzes

• Schmelzspindeln
• Kolbenförmige Gebilde an der Schmelz - Dentingrenze, in den Schmelz
hineinragend
• Präeruptiv entstanden als Relikte von Odontoblastenfortsätzen, die im
Schmelzbereich persistieren
• Schmelzsprünge
• Entstehen präeruptiv und posteruptiv
• Als Folge von Spannungsphänomenen
• Können kaum von den Schmelzlamellen unterschieden werden
• Neonatallinie:
• Geburtsabhängiger, verbreiteter, hypomineralisierter Retzius-Streifen
Ausgereifter Zahnschmelz, seine
Zusammensetzung und Eigenschaften

• Ausgereifter Zahnschmelz:
• Ist das am stärksten mineralisierte und härteste Zellprodukt
des menschlichen Körpers
• Wassergehalt:
• Beträgt während der Amelogenese 50% und nimmt während der
Schmelzreifung kontinuierlich ab
• Die organische Matrix:
• Besteht vorwiegend aus unlöslichen Proteinen und wenig
Kohlenhydrat- und Lipidanteilen
• Zu keiner Zeit enthält die Schmelzmatrix die Matrixproteine
Hydroxyprolin und Hydroxylysin, ist also kein Kollagen
Ausgereifter Zahnschmelz, seine
Zusammensetzung und Eigenschaften

• Ausgereifter Zahnschmelz:
• Mineraldichte:
• Fällt im allgemeinen von der Oberfläche zur Schmelz-
Dentingrenze hin ab.
• Der Schmelz besitzt eine graubläuliche Eigentönung
und ist transparent
Das Dentin

Dentinogenesis und Dentin


Differenzierung der Odontoblasten
Differenzierung der Odontoblasten

• Odontoblasten:
• Spezifische mit Osteoblasten und
Fibroblasten verwandte Bindegewebszellen,
die das Dentin bilden und später unterhalten
• Entstehen aus der Zellpopulation der
Zahnpapille, sind daher ektomesenchymaler
Herkunft, d.h. entstammen der Neuralleiste
Differenzierung der Odontoblasten

• Odontoblasten:
• Spätes Glockenstadium: alle Zellen der Zahnpapille
sind strukturell gleich
• Der Differenzierungsprozeß erfaßt die peripheren
Zellen der Zahnpapille
• Der Differenzierungsprozeß verläuft in
koronoapikaler Richtung
Differenzierung der Odontoblasten

• Odontoblasten:
• Differenzierungsprozeß:
• Vermehrung der Organellen
• Vergrößerung des zytoplasmatischen Volumens
• Kern rückt an den basalen Zellpol
• Mitotische Aktivität wird eingestellt
Modalität und Beginn der Dentinbildung

• Odontoblast:
• Zellkörper:
• 40 - 50 µm lang, 7 µm breit
• Liegen eng aneinander
• Schlußleistensystem:
¾ verbindet die benachbarten Odontoblasten miteinander und
verschließt den Interzellularraum gegen die Dentinseite
¾ Bildet eine Grenzzone zwischen dem organellenarmen Stamm
des Odontoblastenfortsatzes und zwischen dem
organellenreichen Zytoplasma des Odontoblastenkörpers
• Außerdem stehen sie untereinander mit Nexus in Kontakt
Modalität und Beginn der Dentinbildung

• Prädentin (= Primärprodukt der Odontoblasten):


• ekkrine Sekretion:
• Kollageneiweiße, im speziellen Prokollagen Typ I:
¾ Synthetisiert im RER
¾ Im Golgi-Apparat gesammelt, mit Kohlenhydraten zu
Glykoprotein gekoppelt
¾ Kohlenhydrat-Proteinkomplexe treten zunächst innerhalb von
Golgi-Vesikeln auf, werden zu präsekretorischen Granula
¾ Wandern Richtung Odontoblastenfortsatz und werden zu
sekretorischen Granula
¾ Ihr Inhalt (Prokollagen) gelangt durch Exozytose in das Prädentin
Modalität und Beginn der Dentinbildung

• Prädentin (= Primärprodukt der Odontoblasten):


• Die Dentinbildung besteht daher zunächst in der Anhäufung einer
organischen Vorstufe, dem Prädentin, das später, in deutlichem
Abstand zur Odontoblastenschicht mineralisiert.
• Topographisch gesehen wird Prädentin zunächst im Bereich der
späteren Schneidekanten und Höckerspitzen abgelagert
• Da der Vorgang der Odontoblastendifferenzierung in apikaler
Richtung voranschreitet, wird auch der Bereich initialer
Dentinbildung stets weiter nach apikal verschoben
Entstehung des Manteldentins

• = periphere (äußerste, an innerer Schmelzgrenze


verlaufende) Dentinschicht
• 30 µm dick
• Im Verhältnis zum zirkumpulpalen Dentin weniger dicht
mineralisiert
Zirkumpulpales Dentin

• = Hauptmasse des Dentinkerns, die sich zwischen


Manteldentin und Pulparaum ausdehnt
• Intertubuläres Dentin
¾ Befindet sich zwischen den Dentinkanälchen
¾ Weniger dicht mineralisiert
¾ Enthält große Mengen kollagerner Fasern (ca 50%),
ein Flechtwerk quer zur Verlaufsrichtung der Dentinkanälchen
• Peritubuläres Dentin
¾ Kleidet die Wände der Dentinkanälchen aus
¾ Dicht und homogen mineralisiert
¾ Enthält keine kollagenen Fibrillen
¾ Fehlt im Bereich des Interglobulardentins und des Prädentins
Entstehung des zirkumpulpalen
(intertubulären) Dentins

• Die Mineralisation des zirkumpulpalen Dentins setzt also


erst ein, wenn das Dentin einen bestimmten Reifungsgrad
erreicht hat.
• Daher befindet sich die Mineralisationsfront stets in
einem Abstand von etwa 5 - 20 µm distal der
Odontoblastenreihe
• Die Mineralisation geht von fokalen Zentren aus, die an
der Verkalkungsfront entstehen und als Kalkglobuli
bezeichnet werden und die später zusammenfließen.
Entstehung des zirkumpulpalen
(intertubulären) Dentins

• Die Bildung des zirkumpulpalen Dentins ist kein


kontinuierlicher, sondern ein rhythmischer Prozeß.
Perioden aktiver Sekretion von Prädentin wechseln mit
Ruhephasen ab.
• Diese Ruhephasen zeichnen sich im entmineralisierten
Dentinschnitt als Linien (Ebnersche Linien oder
Wachstumslinien) ab..
Entstehung des zirkumpulpalen
(intertubulären) Dentins

• Im Gegensatz zur Amelogenese ist die Dentinbildung


nicht auf die Zeit vor dem Zahndurchbruch beschränkt,
sondern kann während der gesamten Lebenszeit des
Zahnes fortgeführt werden.
Entstehung des zirkumpulpalen
peritubulären Dentins
• Sobald die erste 60-100 µm dicke, geschlossen
mineralisierte Dentinschicht an der Peripherie der
Zahnpapille entstanden ist, setzt die Bildung einer
zusätzlichen Dentinart ein.
• Dieses andersartige Dentin entsteht als auskleidende
Wand im inneren der Dentinkanäle und wird
peritubuläres Dentin genannt
Entstehung des zirkumpulpalen
peritubulären Dentins

• In vitalen Zähnen entsteht peritubuläres Dentin während


des gesamten Lebens. Dies stellt u.a. einen
physiologischen Alterungsprozeß dar, der bis zum
vollständigen Verschluß des ursprünglichen Dentinkanals
führen kann.
Strukturmerkmale des Dentins

• 1. Odontoblasten
• 2. Dentinkanälchen
• 3. Manteldentin
• 4. Intertubuläres (zirkumpulpales) Dentin
• 5. Peritubuläres (zirkumpulpales) Dentin
Dentinkanälchen

• = Raum, den die Odontoblastenfortsätze


einnehmen
• = lange Röhren, die das mineralisierte Dentin
durchziehen
• Enthalten:
¾ Zytoplasma der Odontoblastenfortsätze
¾ Axone
¾ Dentinliquor
Weiter Strukturmerkmale bzw.
Strukturfehler des Dentins
• Ebner´sche Linien: s.o

• Treten im Verlauf der Dentinogenese metabolische Störungen auf, so


wird die Matrixbildung und Mineralisation des Dentins beeinträchtigt:
• Owensche Konturlinien
• Akzentuierte, d.h. verbreiterte deutlich hypomineralisierte
Wachstumslinien
• Verschiedene Allgemeinerkrankungen während des Kindesalters
• Neonatallinie
• Akzentuierte Wachstumslinie, die während der Geburt entsteht
Weiter Strukturmerkmale bzw.
Strukturfehler des Dentins

• Interglobulardentin
• Stark hypomineralisierte, arkadenförmig
begrenzte, zwickelartige Anteile des
zirkumpulpalen Dentins, die entlang meist
peripher gelegener Konturlinien angeordnet sind.
• Entsteht, wenn während der Mineralisation die
Kalkglobuli nicht oder nur teilweise konfluieren
• Im peripheren Bereich des koronalen
zirkumpulpalen Dentins fast aller Zähne
Weiter Strukturmerkmale bzw.
Strukturfehler des Dentins

• Tomessche Körnerschicht
• Interglobulardentin und Tomessche Körnerschicht
sind identisch, sofern beide Gebilde unverkalkte
Partien der Grundsubstanz sind
• Befindet sich im Manteldentin der Zahnwurzel
• Folgt dem Verlauf der Zement-Dentingrenze
Vitalität des Dentins, Sensibilität,
Alterung und Abwehr
• Vitalität
• Kann als die Fähigkeit eines Gewebes auf
physiologische Einwirkungen zu reagieren
definiert werden
• Möglichkeiten der Schmerzperzeption
• Funktionelle Anpassung, die auf odontoblastischer
Leistung beruht
Vitalität des Dentins, Sensibilität,
Alterung und Abwehr
• Innervation
• Die Endäste des sensiblen Faserplexus (marklose
Nervenfasern des N. trigeminus) ziehen durch die
Odontoblastenreihe hindurch und entlang der
Odontoblastenfortsätze durch die Dentinkanälchen des
pulpanahen Dentins
(wenigstens 0,2 mm; bis zur Schmelz/Dentingrenze)
• Die Dichte dieser Fasern nimmt von koronal nach zervikal-
apikal ab
• Im koronalen Dentin enthält jeder zweite Kanal eine
Nervenfaser
• Das interradikuläre Dentin über dem Furkationspol und das
Tertiärdentin sind nicht innerviert
Vitalität des Dentins, Sensibilität,
Alterung und Abwehr

• Sensibilität des Dentins


• 1. Transduktionstheorie
• Odontoblastenfortsatz übernimmt die Reizleitung von der
Dentinperipherie bis zur pulpanahen Nervenendigung
• 2. Hydrodynamische Theorie von Brännström
• Reizübertragung mit Hilfe einer Flüssigkeitsbewegung innerhalb der
Dentinkanälchen und/oder Odontoblastenfortsätze
• 3. Direkte Konduktionstheorie
• Pulpanahe Nervenendigungen werden direkt angesprochen
1. Transduktionstheorie

• Gap junctions zwischen Odontoblasten und


Nerven wurden gefunden
• Jonenfluss durch diese Gap junctins könnte zu
Depolarisation von somatosensorischen Neuronen
führen
• Es gibt jedoch bis heute keinen Nachweis, dass
Odontoblasten mit Nervenendigungen derart
kommunizieren, dass eine Schmerzempfindung
ausgelöst wird.
2. Hydrodynamische Theorie von Brännström

• Dentinliquor wird durch die starren Wände des


peritubulären Dentins in seiner Bewegung eingeschränkt
• Temperaturänderungen oder Änderungen des
osmotischen Druckes produzieren rasche Expansion oder
Kontraktion des Dentinliquors
• Die Flüssigkeitsbewegung kann die Nervenendigungen
anregen
• Hitze oder Substanzen, die den osmotischen Druck
verändern produzieren Schmerzen, wenn diese in Kontakt
mit freiliegenden Dentinkanälchen kommen
3. Direkte Konduktionstheorie

• Die Hydrodynamische Theorie erklärt nicht, warum


chemische Substanzen, die nicht den osmotischen Druck
verändern, trotzdem Schmerz verursachen
• Wahrscheinlich diffundieren diese Substanzen in die
Dentinkanälchen, um direkt die Nervenendigungen
anzuregen
Reduktion der Dentinsensitivität

• Reduktion durch:
• Physiologische Formation von peritubulärem
Dentin
• Intratubuläre Ablagerung von
Kollagenfibrillen
• Klinische Applikation von Substanzen, die
Mineralablagerung innerhalb der
Dentinkanälchen bewirken
Zusammenhang zwischen hydrodynamischer
Schmerztheorie und Gewebedruck der Pulpa

• Hydrodynamische Stimuli im Dentin können die pulpanahen Nerven-


endigungen anregen
• Zur selben Zeit können diese Stimuli die Freisetzung von
sensorischen Neuropeptiden von Nervenendigungen in die Pulpa
auslösen
• Diese Neuropeptide induzieren Vasodilatation
• Dieser erhöhte Gewebedruck erhöht den Ausfluss von Dentinliquor aus
eröffneten Dentinkanälchen und schützt dadurch die Pulpa vor dem
Eindringen schädlicher Substanzen
Vitalität des Dentins, Sensibilität,
Alterung und Abwehr

• Sklerosierung
• = Verdickung des peritubulären Dentins und
vollständige Obliteration der Dentinkanälchen
• Makroskopisch homogen und durchsichtig wie Glas
• Physiologischer Alterungsprozeß
• Abwehrreaktion
Vitalität des Dentins, Sensibilität,
Alterung und Abwehr

• Weitere Ursachen für Sklerosierung


• Abrasion und Attrition
• Karies
• Kavitätenpräparation
• Applikation von Kortikosteroiden
• Füllungsmaterialien
Vitalität des Dentins, Sensibilität,
Alterung und Abwehr

• Tote Zonen (dead tracts)


• Gruppen von mit Luft gefüllten, leeren Dentinkanälchen
• = dunkle Bänder (Zahnschliff im Durchlicht)
• Entstehen, wenn in einer Gruppe benachbarter
Dentinkanälchen die Odontoblastenfortsätze und vielleicht
auch die Odontoblastenkörper aus unbekannten Gründen
absterben
Vitalität des Dentins, Sensibilität,
Alterung und Abwehr

• Primäres Dentin (=Orthodentin)


• Alles Dentin, das bis zum Abschluß des Wurzelwachstums
entsteht
• Sekundärdentin
• Zu irgendeinem Zeitpunkt danach zusätzlich unter
physiologischen Bedingungen angelagertes Dentin
• Physiologisches Sekundärdentin entsteht als Kontinuum im
Anschluß an das primäre, zirkumpulpale Dentin
Vitalität des Dentins, Sensibilität,
Alterung und Abwehr

• Tertiärdentin (=Reizdentin)
• Wird auf äußere Einwirkung gebildet
• Attrition
• Karies
• Kavitätenpräparation
• Resultat einer Abwehrleistung der Pulpa-Dentin-Einheit
• Kann variabel atypische Struktur annehmen:
• Stark reduzierte Kanälchendichte
• Unregelmäßige Kanalanordnung
• Gewellter Kanalverlauf
• Kanalabwesenheit
• Einschluß von Blutgefäßen (Vasodentin)
• Ähnlichkeit mit dem Knochen (Osteodentin)
• Atubuläres Fibrodentin
Das Zahnbein, seine Zusammensetzung,
seine Eigenschaften

• In seiner chemischen Zusammensetzung ist


Dentin dem Wurzelzement und Knochen
sehr ähnlich, unterscheidet sich aber stark
vom Schmelz
Das Zahnbein, seine Zusammensetzung,
seine Eigenschaften

• Das Dentin ist bedeutend weniger hart als


Schmelz, aber härter als Knochen oder
Wurzelzement
Das Zahnbein, seine Zusammensetzung,
seine Eigenschaften

• Der Odontoblast
• Ist das wichtigste funktionelle Element des
Dentins
• Pulpa-Dentin-Einheit
• Aus diesem Grunde spricht man heute von der
Pulpa-Dentin Einheit
= Endodontium
Im durchgebrochenen Zahn reagieren
Dentin und Pulpa auf alle äußeren Einflüsse
gemeinsam
Die Zahnpulpa

Zahnpapille und Pulpa


Entstehung und Struktur der Zahnpapille
Definitionen

• Die Zahnpulpa
• Ist ein stark vaskularisiertes, spezialisiertes
Bindegewebe und wird fast allseitig von Dentin
umschlossen
• Pulpa und Dentin
• Bilden ein entwicklungsgeschichtliches und
funktionelles Ganzes: die Pulpa-Dentin-Einheit
• Das Pulpagewebe ist für die Vitalität und das
Reaktionsvermögen des Dentins und des gesamten
Zahnes verantwortlich
Entstehung und Struktur der Zahnpapille

• Die Pulpa ist ektomesenchymaler Herkunft.


• Sie entwickelt sich aus der Zahnpapille

• Die peripheren Zellen der Papille differenzieren sich zu


Odontoblasten
Entwicklung der Pulpa

• Während der Dentinogenese wächst die Zahnglocke und


erreicht die Form und Größe der zukünftigen Zahnkrone
• Gleichzeitig vergrößert sich die Papille durch zelluläre
Proliferation
• Der von ihr eingenommene Raum wird aber infolge der
zunehmenden Dicke der Dentinwand wieder verkleinert
• Die apikale Öffnung der Papille ist sehr weit, solange die
Wurzelbildung andauert
• Erst während der Apexbildung wird die Öffnung auf die
Dimensionen des Foramen apikale verkleinert
Topographie und Formvariabilität des
Pulparaumes

• Pulpakammer:
• Der Raum, welchen das Pulpagewebe
einnimmt, heißt Pulpakammer
• und wird topographisch unterteilt in
Kronenkavum und Wurzelkanäle
Topographie und Formvariabilität
des Pulparaumes
• Kronenkavum:
• Die Form des Kronenkavums entspricht inetwa der Zahnform
Pulpahörner
• Koronale Ausweitungen des Kronenkavums, unter den
Inzisalkanten und Höckerspitzen
Pulpadach
• Koronal des Kronenkavums liegende Dentinschicht
Boden des Kavums
• Bei mehrwurzeligen Zähnen, wird gebildet durch die
interradikuläre Dentinmasse
Topographie und Formvariabilität des
Pulparaumes

• Wurzelkanäle
• Die Wurzelkanäle folgen der Wurzelachse
• Sie können einen individuell schwer
vorraussagbaren Verlauf und vielfach verschiedene
Gestalt und Zahl annehmen
• Die Wurzelkanäle stehen über eine oder mehrere
Öffnungen am Wurzelapex sowie über akzessorische
Kanäle mit dem desmodontalen Raum in Verbindung
• Es besteht eine gewaltige Formvariabilität der
Pulpakammern
Topographie und Formvariabilität des
Pulparaumes

• Da auch nach Abschluß der Wurzelbildung


sekundäres Dentin gebildet wird, nimmt
das Volumen der Pulpakammer mit
zunehmendem Alter des Individuums ab.
Strukturkomponenten der Pulpa

• Zellpopulationen der Pulpa


• Odontoblasten
• Fibroblasten
• In aktivem und inaktivem Funktionszustand

• Sind für Produktion und Umsatz der


Interzellularsubstanz verantwortlich
Strukturkomponenten der Pulpa

• Zellpopulationen der Pulpa


• Ersatzzellen (Reservezellen)
= undifferenzierte Mesenchymzellen
Diese undifferenzierte Mesenchymzelle soll:
• Odontoblasten ersetzen und sekundäres Dentin bilden können
• zu einem Makrophagen heranreifen können
• Funktionen von Fibroblasten und Osteoblasten übernehmen
können
• Abwehrzellen (Makrophagen, Lymphozyten)
Strukturkomponenten der Pulpa

• Fasern
• Retikuläre Fibrillen
• Besonders zahlreich während der Dentinogenese
• In jugendlichem Pulpagewebe
• Kollagene Fibrillen
Strukturkomponenten der Pulpa

• Grundsubstanz
• Proteoglykane
• Glykoproteine
Strukturkomponenten der Pulpa

• Gefäßversorgung der Pulpa


• Die Pulpa ist sehr stark vaskularisiert
• Die Gefäße treten durch die Foramina apikalia in das
Pulpagewebe ein und aus
• Besonders im Bi- oder Trifurkationsraum mehrwurzeliger
Zähne treten Gefäße via die akzessorischen Kanäle in die
Wurzelpulpa ein und von ihr aus
• Gefäße steigen in gerader Verlaufsrichtung nach koronal auf
und verzweigen sich dort zunehmend
Strukturkomponenten der Pulpa

• Gefäßversorgung der Pulpa


• Kapillarplexus
• An der Peripherie der Kronen- und Wurzelpulpa bilden die
Arterienäste einen sehr dichten Kapillarplexus, dessen periphere
schlingenartige Ausläufer bis in die Odontoblastenreihe
hineinreichen
• Netzwerk arteriovenöser Anastomosen
• Venolen und Venen
• Ziehen vom Kapillarplexus ins Zentrum der Kronenpulpa
• Und danach geradlinig apikalwärts
• Lymphgefäße
Strukturkomponenten der Pulpa

• Nervale Versorgung der Pulpa


• Markhältige (myelinisierte) Nervenfasern
• Entstammen dem N. trigeminus
• Und sind somatosensible afferente Nervenleitungen
• Besitzen „freie Nervenendigungen“
• Registrieren „Schmerzsensationen“
• Marklose (nicht myelinisierte) Nervenfasern
• Gehören größtenteils zum vegetativ-autonomen Nervensystem,
verlaufen in unmittelbarer Nachbarschaft der Gefäße, und regulieren
die Vasokonstriktion
Gewebszonen der Pulpa

• 3 periphere Randzonen
• 1. Odontoblastenreihe
• 2. Kernarme oder Weilsche Zone
• 3. Kernreiche oder bipolare Zone
Gewebszonen der Pulpa

• 1. Odontoblastenreihe
• Desmosomen, Nexus und tight junctions
bestehen auch zwischen Odontoblasten und
subodontoblastisch gelegenen Zellen
Gewebszonen der Pulpa

• 2. Kernarme Zone
• Enthält:
• zytoplasmatische Fortsätze der in der zellkernreichen
Zone lokalisierten Fibroblasten (nicht zellfrei!)
• Große Anteile des subodontoblastischen Kapillarplexus,
reicht bis in die Odontoblastenreihe
• Fibroblastenfortsätze stehen untereinander und mit
Odontoblasten über Desmosomen/Nexus/tight junctions in
Verbindung
Gewebszonen der Pulpa

• 3. Kernreiche oder bipolare Zone


• Enthält:
• Zahlreiche und dicht gelagerte bipolare Zellen mit spindelförmigen
Kernen;
• Das sind:
• Fibroblasten in ruhendem und aktivem Funktionszustand
• Undifferenzierte Ersatzzellen
• Wo die bipolare Zone gut ausgebildet ist, sind auch die
Nervenendverzweigungen des Raschkowschen Nervenplexus
sehr zahlreich
Gewebszonen der Pulpa

• Kernzone der Kronen- oder Wurzelpulpa


• Schließt pulpawärts an die zellkernreiche Zone der
Pulpa an
• Alle Fibroblasten dieser Zone stehen mit ihren
Fortsätzen untereinander und über die bipolaren Zellen
auch mit den Odontoblasten in direktem oder
indirektem Membrankontakt
Gewebszonen der Pulpa

• 3 periphere Randzonen
• 1. Odontoblastenreihe
• 2. Kernarme oder Weilsche Zone
• 3. Kernreiche oder bipolare Zone

Im subodontoblastischen Raum besteht


• ein hoher Grad physiologischer Aktivität
• Zelluläre Ersatz- und Reparationsmöglichkeiten
• Bereitschaft zur Verteidigung der dentinbildenden
Gewebsfront
Funktion und Leistungsgrenzen der
Pulpa

• Die Zahnpulpa steht unter einem Druck von 8-15 mm


Hg, der durch Gefäßkonstriktion regulierbar ist
• Bei pulpaler Entzündung steht die Zahnpulpa unter
einem Druck bis zu 35 mm Hg.
• An der primären und sekundären Dentinbildung
beteiligt
• Nervenfasergeflechte für die Innervation des Dentins
• Schmerzsensationen (Druck, Traumata, hohe und tiefe
Temperaturen, chemische Irritationen)
• Stellt ein zelluläres Abwehrsystem bereit
• Kann ausfallende Odontoblasten ersetzen
Molar, unmittelbar nach Kavitätenpräparation
extrahiert

• Veränderte Anfärbung des


Dentins in der Nähe der
Kavität
• = verbranntes Dentin durch
ineffektive Wasserkühlung
bei der Präparation
Molar, unmittelbar nach Kavitätenpräparation
extrahiert

• Inhalt eines
Dentinkanälchens
tritt in die Kavität
aus
Leichte Reaktion der Pulpa
(Vergrößerung x10)

• Erhöhte Anzahl von Zellen


in der „zellfreien“ Zone im
Bereich der Präparation
Leichte Entzündungsreaktion der Pulpa
(stärkere Vergrößerung; x100)

• Stärkere Vergrößerung: Die


Odontoblastenschicht ist
sichbar
• mehr Kapillaren
• Erhöhte Anzahl von Zellen
im Bereich der „zellfreien“
Zone (Fibroblasten,
undifferenzierte Zellen)
• Wenige Entzündungszellen
Moderate Entzündungsreaktion der Pulpa
(Vergrößerung x10)

• viele Zellen in der


„zellfreien“ Zone im
Bereich der Präparation
Moderate Entzündungsreaktion der Pulpa
(stärkere Vergrößerung; x100)

• Keine Odontoblastenschicht
ist sichtbar, aber einzelne
Odontoblasten sind in ihrer
„normalen“ Position
• Einige Odontoblastenkerne
sind in die Dentinkanälchen
disloziert
• viele Kapillaren
• viele Zellen im Bereich der
„zellfreien“ Zone:
neutrophile Granulozyten,
Monozyten, Fibroblasten,
undifferenzierte Zellen
Schwere Entzündungsreaktion der Pulpa
(Vergrößerung x10)

• Massive zelluläre
Infiltration in der
„zellfreien“ Zone im
Bereich der Präparation,
korrespondierend mit einem
Abszess
Schwere Entzündungsreaktion der Pulpa
(stärkere Vergrößerung; x100)

• Keine Odontoblasten
sichtbar, kein Prädentin (7
Tage nach
Kavitätenpräparation)
• Einige Odontoblastenkerne
sind in die Dentinkanälchen
disloziert
• viele Zellen im Bereich der
„zellfreien“ Zone: vor allem
Granulozyten und
Monozyten
Tertiärdentin

• Lokalisiertes, tubuläres,
Tertiärdentin unter einer
oberflächlichen
Kariesläsion, die kaum das
Dentin erreicht.
• Die Odontoblasten, die das
Tertiärdentin formieren
sind kurz und und die
zellfreie Zone ist etwas
schmäler im betroffenen
Areal als in der übrigen
Pulpa
Reaktion der Pulpa auf Karies

• Lokalisierter Abszess, der sich


in 7 Tagen gebildet hat,
nachdem menschliches kariöses
Dentin auf den Kavitätenboden
einer experimentell in einem
Affenzahn präparierten Kavität
plaziert wurde.
• Dichte Akkumulatin von
Granulozyten,
• Kein Prädentin
• Keine Odontoblasten
Reaktion der Pulpa auf Karies

• Stärkere Vergrößerung
• Enge Nachbarschaft von
Leukozyten zu den
Dentinkanälchen
Tertiärdentin

• Tertiärdentin als Resultat des


Heilungsprozesses der Läsion,
die in den vorangegangenen
Folien gezeigt wurde
• Wenig angefärbtes atubuläres
„Interface Dentin“
• Niedrige Odontoblasten
• Keine zellfreie Zone
Tertiärdentin

• Stärkere Vergrößerung
• Keine oder nur geringe
Kommunikation
zwischen den
Dentinkanälchen des
Primärdentins (D) und
den Dentinkanälchen
des Tertiärdentins mit
Ausnahme des unteren
Randes der Darstellung
Tertiärdentin

• Interfacedentin mit
zellulären
Einschlüssen
• Keine Kontinuität
zwischen den
Dentinkanälchen des
Primärdentins (D) und
den Dentinkanälchen
des Tertiärdentins
(TD)
Tertiärdentin

• Interfacedentin ohne
zelluläre Einschlüsse
• Keine Kontinuität
zwischen den
Dentinkanälchen des
Primärdentins (D) und
den Dentinkanälchen
des Tertiärdentins
(TD)
Tertiärdentin

• Pulpale Heilung ein


Monat nach der starken
pulpalen Entzündung,
wie in den
vorangegangenen
Folien gezeigt
• Sekundäre
Odontoblasten säumen
das tubuläre
Tertiärdentin
Das Wurzelzement

Zementogenesis und Wurzelzement


Zementbildende Zellen
Definitionen

• Das Wurzelzement
• Ist ein mineralisiertes aber uneinheitliches
Bindegewebe, das die Oberfläche der Zahnwurzel(n)
bedeckt
• Befestigung des Zahnes in der knöchernen Alveole
• Adaptive und reparative Prozesse
• Strukturbiologische Verwandtschaft mit dem
Knochen
• Alle Formen des Wurzelzementes sind in der Regel
dem Dentin aufgelagert und sind selbst nicht
vaskularisiert
Zementbildende Zellen

• Ein Teil des Wurzelzementes entsteht präeruptiv während


der Bildung der Zahnwurzel
• Ein anderer Teil wird während und nach Abschluß des
Zahndurchbruches und später zeitlebens gebildet, solange
ein funktionsfähiges Desmodont besteht.
• Folgende Zellen sind für seine Entwicklung verantwortlich:
• Zementoblasten
• Zementozyten
• Fibroblasten
Zementbildende Zellen

• Zementoblasten:
• Sind den Osteoblasten ähnlich
• Ihre Struktur ist typisch für aktive Protein- und
Polysaccharidkomplexe synthetisierende Zellen
• Golgi-Apparat
• RER
• Zahlreiche zytoplasmatische Fortsätze
• Können Zementmatrix nach allen Seiten
ausscheiden
Zementbildende Zellen

• Zementozyten
• Entstehen aus Zementoblasten
• Entsprechen strukturell und funktionell den
Osteozyten
• Können kollagene Fibrillen und Grundsubstanz
(=Zementmatrix) synthetisieren
• „zementolytische“ Aktivität
Zementbildende Zellen

• Fibroblasten
• Entsprechen strukturell Bindegewebsfibroblasten
• Bilden das Azelluläre Fremdfaserzement
Verschiedene Zementarten

• Das Wurzelzement ist ein Derivat des


eigentlichen Zahnsäckchens
• überzieht das gesamte Wurzeldentin von der
Schmelzzementgrenze bis zum Apex, wo es
zum Teil bis in die Foramina apikalia
hineinreicht
Verschiedene Zementarten

• Wurzelzement ist kein einheitliches Gewebe


• 4 Zementarten werden morphologisch und
funktionell voneinander unterschieden:

• 1. Azellulär-afibrilläres Zement
• 2. Azelluläres Fremdfaserzement
• 3. Zelluläres Eigenfaserzement
• 4. Zelluläres Gemischtfaserzement
Verschiedene Zementarten

• 1. Azellulär-afibrilläres Zement
• Enthält weder Zementozyten, noch kollagene
Fibrillen
• 2. Azelluläres Fremdfaserzement
• Besteht fast ausschließlich aus dicht gepackten,
von außen einstrahlenden Bündeln
kollagener Fibrillen (den Sharpeyschen
Fasern)
• Ist ein Produkt spezieller Fibroblasten
Verschiedene Zementarten

• 3. Zelluläres Eigenfaserzement
• Kann als zellhaltiger oder zellfreier Typ vorliegen
• Enthält Zementozyten in variabler Dichte
• Besteht zum Teil aus gebündelten zementeigenen
Fasern, die parallel zur Wurzeloberfläche verlaufen
• Ist ein Zementoblastenprodukt, wird gebildet als
• Regulärer Teil des Gemischtfaserzementes
• Oder bei reparativen Prozessen
Verschiedene Zementarten

• 4. Zelluläres Gemischtfaserzement
• Besteht aus alternierend aufeinander aufgelagerten
Schichten von:
• Azellulärem Fremdfaserzement
• Zellulärem Eigenfaserzement
• Enthält:
• Zementozyten
• Von außen einstrahlende Sharpeysche Fasern
• Zementeigene Fasern und Faserbündeln
• Ist ein Mischprodukt von:
• Zementoblasten und Fibroblasten
Entstehung und Lokalisation des
azellulär-afibrillären Zementes
• Nur im ELMI azellulär-fibrillären Wurzelzement zu unterscheiden
• Zementzungen
• Zum Teil präeruptiv gebildet, entstehen am zervikalen
Schmelzrand, wenn das reduzierte Schmelzepithel koronal der
Schmelz-Zementgrenze endet.
• Gehen kontinuierlich in das azellulär-fibrilläre Zement der Zahnwurzel
über.
• Zementinseln
• Können entstehen, wenn das reduzierte Schmelzepithel koronal der
Schmelz-Zement-Grenze fleckenweise aufgelöst wird und die
ausgereifte Schmelzoberfläche mit Bindegewebe in Kontakt kommt:
¾ Am Zahnhals, selten in der Tiefe okklusaler Fissuren

Zementzungen und Zementinseln sind Zahnbildungsfehler


Entstehung und Lokalisation des
azellulären Fremdfaserzementes

• Entsteht prä- und posteruptiv


• Primäre Entstehung des AFZ:
• Erstreckt sich von der Schmelz-Zementgrenze 60-
90% der gesamten Wurzellänge nach apikal
• Sekundäre Entstehung des AFZ:
• In der apikalen Region wird AFZ auf primäre
gebildetes zelluläres Eigenfaserzement aufgelagert
Entstehung und Lokalisation des
azellulären Fremdfaserzementes

• Primäre Entstehung des AFZ:


• Die primäre Entstehung von AFZ begleitet die
Wurzelbildung
• Die Zahnwurzel wird zunächst als Dentinröhre angelegt, in
kontinuierlicher Fortsetzung des Kronendentins
• Während Wurzeldentin länger wird und an Dicke zunimmt,
bewegt sich der Zahn koronalwärts
Entstehung und Lokalisation des
azellulären Fremdfaserzementes

• Primäre Entstehung des AFZ:


• Die HES löst sich auf
• Reste der HES = Malassezsche Epithelreste
• An dieser Oberfläche besteht zu dieser Zeit eine dünne Lage
Dentinmatrix
• Auf dieser Strecke, die sich mit fortschreitender Wurzelbildung in
apikaler Richtung verschiebt, entsteht zunächst ein kurzer Rasen
kollagener Fibrillen.
• Die externe Mineralisationsfront beginnt gegen die Wurzeloberfläche
vorzurücken überrollt diese und dringt in den Rasen ein
Entstehung und Lokalisation des
azellulären Fremdfaserzementes

• Primäre Entstehung des AFZ:


• 1. AFZ ist das Verankerungszement. Spezielle
Fibroblasten des eigentlichen Zahnsäckchens und des
Desmodonts bilden die organische Matrix
• 2. Die kollagenen Matrixfasern erscheinen später als vom
Desmodont einstrahlende, d.h. fremde, Sharpeysche Fasern
• 3. Die Bildung weiterer Schichten, d.h. die Dickenzunahme
ist das Resultat der Mineralisation der Wurzeloberfläche
unmittelbar benachbarter, desmodontaler Fasern, die die
Verlängerung der ursprünglichen Zementfasen darstellen
Entstehung und Lokalisation des
zellulären Eigenfaserzementes

• ZEZ
• Ist ein reines Zementoblastenprodukt
• Entsteht präeruptiv im Rahmen der normalen
Wurzelentwicklung und posteruptiv apikal und in
den Wurzelfurkationen
¾ als erste und weitere Schichten des zellulären
Gemischtfaserzementes,
¾ wie auch bei der Reparatur von Resorptionslakunen und
Wurzelfrakturen
• Kann direkt auf eben entstandenes Dentin
aufgelagert werden
Entstehung und Lokalisation des
zellulären Eigenfaserzementes

• ZEZ
• Präzementoblasten nehmen mit dem Prädentin Kontakt auf
• Weiter koronal bilden Zementoblasten und junge
Zementozyten Zementmatrix
• Diese Zementmatrix besteht mehrheitlich aus zufällig
angeordneten und gebündelten Kollagenfibrillen, die nicht
senkrecht sondern parallel zur Wurzeloberfläche
ausgerichtet werden.
• Diese Matrix wird 200 µm koronal der Wurzelkante entlang
einer Mineralisationsfront verkalkt
Entstehung und Lokalisation des
zellulären Gemischtfaserzementes

• ZGZ
• = sekundäres Zement
• Bedeckt die apikalen 10-40% der gesamten
Wurzellänge und nimmt anteilsmäßig von anterior
nach posterior zu
• Schichtung ist unregelmäßig
Strukturmerkmale des Fremd- und
Gemischtfaserzementes

• Azelluläres Fremdfaserzement:
• Im zervikalen Drittel der Wurzeloberfläche aller Milch-,
Ersatz- und Zuwachszähne findet sich ausschließlich
azelluläres Fremdfaserzement
• Faserstruktur
• Mehr oder weniger senkrecht zur Dentinoberfläche
• = regelmäßig angeordnete Sharpeysche Fasern
Strukturmerkmale des Fremd-und
Gemischtfaserzementes

• Azelluläres Fremdfaserzement:
• Linien parallel zur Zementoberfläche
• = Anlagerungs- oder Wachstumslinien
• Spiegeln die Ruhephasen zwischen 2 Zementbildungs-perioden wieder
• Zementoid
• Ist der äußersten Zementschicht vorgelagert
• AFZ wird ständig verdickt, solange es von normalem
Desmodont umgeben ist,
• daher verdickt es sich sowohl bei durchgebrochenen als auch bei
impaktierten Zähnen
Strukturmerkmale des Fremd- und
Gemischtfaserzementes

• Zelluläres Gemischtfaserzement
• In mittleren und vor allem apikal gelegenen
Wurzelabschnitten findet sich, besonders an Furkationsstellen
bei mehrwurzeligen Zähnen ZGZ
• Kann auf dünne Schichten azellulären Fremdfaserzementes
aufgelagert oder von solchen durchzogen oder bedeckt sein
• Faserstruktur
• Sharpeysche Fasern:
• Zementeigene Fasern
Strukturmerkmale des Fremd- und
Gemischtfaserzementes

• Zelluläres Gemischtfaserzement
• Dicke
• ZGZ nimmt ebenfalls mit dem Alter an Dicke zu und
erreicht im apikalen Wurzeldrittel eine etwa 3-4 mal größere
Gesamtdicke als das nur sehr langsam dicker werdende
azelluläre Fremdfaserzement in zervikalen Wurzelabschnitten
Morphologie der Schmelz-
Zementgrenze

• Die Art der Schmelz-Zement-Grenze ist beim


Menschen nicht vorhersehbar variabel.
• 3 Arten der Grenzstrukturen:
• Schmelz-Zement-Angrenzung
• Zementüberlappung
• Exponiertes Dentin
Das Wurzelzement, ein Bestandteil des
Zahnes und des Parodonts

• Von allen drei Zahnhartsubstanzen ist das


Wurzelzement am wenigsten mineralisiert. Seine
chemische Zusammensetzung ist der des
Knochens sehr ähnlich.
• Das Wurzelzement ist
• leicht gelblich gefärbt
• weicher als Dentin, aber etwa gleich hart wie Knochen.
Das Wurzelzement, ein Bestandteil des
Zahnes und des Parodonts
• Das Wurzelzement ist dem Dentin aufgelagert und daher ein
Bestandteil des Zahnes selbst
• Seine Struktur und der zeitlebens andauernde Einbau neuer
desmodontaler Faseranteile weisen darauf hin, daß Wurzelzement auch
ein Teil des Parodonts ist.
• Funktion:
• AFZ
• Verankerung des Zahnes
• ZGZ:
• Kann sehr rasch an Dicke zunehmen:
Funktion des ZEZ in diesem Bereich:
• Kompensatorische Anpassung der Zahnwurzel an eine veränderte
Alveole und kompensatorische Verlängerung
• Reparative Leistungen