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Fritz Riemann, 1979 im Alter von 77 Jahren verstorben, war nach einem Studium der Psychologie und der Ausbildung zum Psychoanalytiker in Leipzig und Berlin Mitbegründer des Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie in München. Dort wirkte er als Dozent und Lehranalytiker und führte eine eigene psychotherapeutische Praxis. Seine Verdienste um die Psychoanalyse brachten ihm die Ehrenmitgliedschaft der »American Academy of Psychoanalysis« in New York. In diesem Buch entwirft der Autor, ausgehend von den Grundängsten der menschlichen Existenz, eine Charakterkunde, die den fachgebundenen Rahmen sprengt und Lesern aller Schichten Einsicht in die psychoanatytische Praxis gewährt. Seine »Grundformen« — schizoide, depressive, zwanghafte und hysterische Persönlichkeiten — sind fester Bestandteil der Psychologie geworden.

Fritz Riemann

Grundformen der Angst
Eine tiefenpsychologische Studie

Ernst Reinhardt Verlag München Basel

Die Deutsche Bibliothek - CiP-Einheilsaufnahme Riemann, Fritz: Grundformen der Angst: eine tiefenpsychologische Studie / Fritz Riemann. - 600. Tsd. - München ; Basel: E. Reinhardt, 1997 ISBN 3-497-00749-8

© 1961,1997 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co, Verlag, München Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung der Ernst Reinhardt, GmbH & Co, München, unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen in andere Sprachen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Printed in Germany

Inhaltsverzeichnis Einleitung Vom Wesen der Angst und von den Antinomien des Lebens Die schizoiden Persönlichkeiten Der schizoide Mensch und die Liebe Der schizoide Mensch und die Aggression Der lebensgeschichtliche Hintergrund Beispiele für schizoide Erlebnisweisen Ergänzende Betrachtungen Die depressiven Persönlichkeiten Der depressive Mensch und die Liebe Der depressive Mensch und die Aggression Der lebensgeschichtliche Hintergrund Beispiele für depressive Erlebnisweisen Ergänzende Betrachtungen Die zwanghaften Persönlichkeiten Der zwanghafte Mensch und die Liebe Der zwanghafte Mensch und die Aggression Der lebensgeschichtliche Hintergrund Beispiele für zwanghafte Erlebnisweisen Ergänzende Betrachtungen Die hysterischen Persönlichkeiten Der hysterische Mensch und die Liebe Der hysterische Mensch und die Aggression Der lebensgeschichtliche Hintergrund Beispiele für hysterische Erlebnisweisen Ergänzende Betrachtungen Schlußbetrachtung 7 7 20 24 30 34 41 47 59 66 70 74 85 96 105 117 123 129 137 146 156 163 170 173 184 193 199 .

Meiner Frau .

welcher Art auch immer. sie zu betäuben oder zu überspielen und zu leugnen. ein Leben ohne Angst leben zu können. und andererseits die Mittel und Maßnahmen. wenn sie innen oder außen durch ein Erlebnis konstelliert wird. Wir haben dann meist die Neigung. Methoden. aber . Magie. Wir können nur versuchen. hingebende Liebe. Vertrauen. daß wir uns dauernd ihrer bewußt wären. Gegenkräfte gegen sie zu entwickeln: Mut. Die Geschichte der Menschheit läßt immer neue Versuche erkennen. Glaube und Liebe. wenn wir nicht an ihn denken. um Angst zu bekämpfen.und Mondfinsternisse sind für uns ein interessantes Naturschauspiel geworden. Angst anzunehmen. In immer neuen Abwandlungen begleitet sie uns von der Geburt bis zum Tode. Erkenntnis. was jeweils die Angst auslöst. so auch nicht die Angst. und wir haben mancherlei Techniken und Methoden entwickelt. Es bleibt wohl eine unserer Illusionen. sie zu verdrängen. die uns Angstfreiheit versprechen. Diese können uns helfen. Sonnen. Aber wie der Tod nicht aufhört zu existieren. uns mit ihr auseinanderzusetzen. sie gehört zu unserer Existenz und ist eine Spiegelung unserer Abhängigkeiten und des Wissens um unsere Sterblichkeit. So haben wir heute im allgemeinen keine Angst mehr vor Donner und Blitz. zu überwinden oder zu binden. Hoffnung. sie immer wieder neu zu besiegen. zu vermindern. zu glauben. Angst gibt es auch unabhängig von der Kultur und der Entwicklungshöhe eines Volkes oder eines Einzelnen . die wir anwenden. Doch ist sie gleichsam immer gegenwärtig und kann jeden Augenblick ins Bewußtsein treten. will das nicht heißen. können aber helfen. sollten wir mit Skepsis betrachten. Macht. Erforschung der Naturgesetze oder weltentsagende Askese und philosophische Erkenntnisse heben zwar die Angst nicht auf. sind lediglich die Angstobjekte. ihr auszuweichen. Wenn nun auch Angst unausweichlich zu unserem Leben gehört. Angst zu bewältigen. sie werden der Wirklichkeit menschlichen Seins nicht gerecht und erwecken illusorische Erwartungen. Geborgenheit in Gott. Religion und Wissenschaft haben sich darum bemüht.was sich ändert. sie zu vermeiden.Einleitung Vom Wesen der Angst und von den Antinomien des Lebens Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben. das. sie zu ertragen und sie vielleicht für unsere Entwicklung fruchtbar zu machen. Demut.

Das Erlebnis Angst gehört also zu unserem Dasein. An der Tatsache. denen er hilflos ausgeliefert war. manche gewiß. sinnentleerten Wesen gemacht zu werden. Unsere Hybris scheint sich wie ein Bumerang gegen uns selbst zu richten. So allgemeingültig das ist. die durch Eingriffe in natürliche Lebensabläufe gegeben sind. Offenbar besteht hier eine der Ausgewogenheiten des Lebens: Gelingt es uns. Wir kennen die Angst vor den zerstörerischen Kräften in uns selbst . Hatte der Mensch früherer Zeiten Angst vor den Naturgewalten. erforscht ihre Zusammenhänge mit individuell-familiären und soziokulturellen Bedingungen und ermöglicht die Konfrontation mit der Angst. durch Wissenschaft und Technik Fortschritte in der Welteroberung zu machen und dadurch bestimmte Ängste auszuschalten. vor Alter und Einsamkeit. die der Mißbrauch der atomaren Kräfte mit sich bringen kann. daß der »Fortschritt« der immer zugleich auch ein Rückschritt ist . die durch unser eigenes Tun und Handeln gesetzt werden. So ist es wieder eine Illusion. zu beseitigen. denn wir wissen. mit dem Ziel fruchtbarer Angstverarbeitung durch Nachreifen. Dafür kennen wir heute Ängste. zu manipulierten.uns unsere Ängste nehmen werde. tauschen wir dafür andere Ängste ein.denken wir nur an die Gefahren. ändert sich dadurch nichts. aber er wird neue Ängste zur Folge haben. oder an die Machtmöglichkeiten.die Angst ist uns geblieben. Nur eine neue Angst scheint zu unserem heutigen Leben zu gehören: Wir kennen zunehmend Ängste. daß sie kein endgültiges Verschwinden dieser Gestirne oder gar einen möglichen Wettuntergang bedeuten. vor Verkehrsunfällen. erlebt doch jeder Mensch seine persönlichen . die frühere Kulturen nicht kannten . dem es an Liebe und Demut fehlt. müssen wir heute Angst vor uns selbst haben.nicht mehr ein Angsterleben. der Wille zur Macht. das sich gegen uns wendet. Die Methoden der Angstbekämpfung haben sich dagegen gar nicht so sehr gewandelt. die Angst zudeckende pharmazeutische Mittel getreten . Die wohl wichtigste neue Möglichkeit der Angstverarbeitung ist heute die Psychotherapie in ihren verschiedenen Gestalten geworden: sie deckt erstmalig die Geschichte der Angstentwicklung im Individuum auf. daß Angst unvermeidlich zum Leben gehört. Nur sind an die Stelle von Opfern und magischem Gegenzauber heute moderne. läßt in uns die Angst entstehen. vor bedrohenden Dämonen und rächenden Göttern.wir haben etwa Angst vor Bakterien. der Wille zur Macht über die Natur und das Leben. vor neuen Krankheitsbedrohungen. zu meinen.

Unbekannte. da. begleitet uns Angst immerwährend. Jede Entwicklung. Wenn wir Angst einmal »ohne Angst« betrachten. Jeder Mensch hat seine persönliche. wo wir die Angstschranke nicht überwinden. wo alte. »der« Angst. die praktisch mit unserer Geburt beginnt. auch Angst. und jedes Alter hat seine ihm entsprechenden Reifungsschritte mit den dazugehörenden Ängsten. der wir nicht oder noch nicht gewachsen sind. Sie kommt am ehesten ins Bewußtsein an besonders wichtigen Stellen unserer Entwicklung. bei aller Gemeinsamkeit des Erlebnisses Angst an sich. Entwicklung. alters. nämlich den Impuls. sie hat eine Entwicklungsgeschichte. Angst tritt immer dort auf. Das Ausweichen vor ihr und vor der Auseinandersetzung mit ihr. wo wir uns in einer Situation befinden. in innere oder äußere Situationen. sie zu überwinden. Da unser Leben immer wieder in Neues.Abwandlungen der Angst. deren Bewältigung für seine Fortentwicklung wichtig ist. bekommen wir den Eindruck. die gemeistert werden müssen. und sie enthält gleichzeitig einen Aufforderungscharakter. läßt uns ein Stück reifen. es hemmt unsere Weiterentwicklung und läßt uns dort kindlich bleiben. die wir noch nicht und in denen wir uns noch nicht erlebt haben. die es so wenig gibt. der Lust am Abenteuer und der Freude am Risiko. neben dem Reiz des Neuen. Es gibt demnach völlig normale. individuelle Form der Angst. Erwachsen-Werden und Reifen haben also offenbar viel zu tun mit Angstüberwindung. andererseits kann sie uns lähmen. Diese unsere persönliche Angst hängt mit unseren individuellen Lebensbedingungen. daß sie einen Doppelaspekt hat: einerseits kann sie uns aktiv machen. Erstmals-zu-Tuende oder Zu-Erlebende enthält. jeder Reifungsschritt ist mit Angst verbunden. wo neue Aufgaben zu bewältigen oder Wandlungen fällig sind. denn er führt uns in etwas Neues. vertraute Bahnen verlassen werden müssen. die der gesunde Mensch durchsteht und überwächst. Denken . wie »den« Tod oder »die« Liebe und andere Abstraktionen. mit unseren Anlagen und unserer Umwelt zusammen. die zu ihm und seinem Wesen gehört. Angst ist immer ein Signal und eine Warnung bei Gefahren. wenn der Schritt gelingen soll. läßt uns dagegen stagnieren. Es gibt also Angst nur erlebt und gespiegelt von einem bestimmten Menschen und sie hat darum immer eine persönliche Prägung.und entwicklungsgemäße Ängste. Unvertrautes und noch nicht Erfahrenes führt. Alles Neue. bisher nicht Gekanntes und Gekonntes. Das Annehmen und das Meistern der Angst bedeutet einen Entwicklungsschritt. wie er seine Form der Liebe hat und seinen eigenen Tod sterben muß.

vor dem Alleingelassen werden im freien Raum überwinden muß. ein dritter bekommt Angstanfälle.geht es bei genauerem Hinsehen doch immer wieder um Varianten ganz bestimmter Ängste. Alle überhaupt möglichen Ängste haben mit diesen Grundformen der Angst zu tun. So kann bei dem einen Einsamkeit schwere Angst auslösen. oder denken wir an den Berufsbeginn.immer ist an einen Anfang oder vor ein erstmals zu Erfahrendes auch eine Angst gesetzt. Unvertrautes zu wagen. an die Gründung einer eigenen Familie. wovor wir nicht Angst entwickeln können . mit der Übernahme neuer Funktionen in der Gemeinschaft oder der Gesellschaft auftreten. Sie sind entweder Extremvarianten und Zerrformen von ihnen. ein vierter kann sich nicht in geschlossenen Räumen aufhalten. Vertrautem uns zu lösen und uns in Neues. Immer bedeutet ein solcher Schritt eine Grenzüberschreitung und fordert von uns. als die eigentlichen Angstauslöser. oder aber Verschiebungen auf andere Objekte. Nehmen wir die Pubertät und die ersten Begegnungen mit dem anderen Geschlecht unter dem Drang erotischer Sehnsucht und sexuellen Begehrens. von etwas Gewohntem. Spinnen oder Mäusen usf. wieder ein anderer hat Angst vor harmlosen Tieren.wir etwa an die ersten selbständigen Laufschritte des Kindes. vor Käfern.es gibt praktisch nichts. die wir deshalb bei anderen oft nicht verstehen können. Oder denken wir an die großen Zäsuren in unserem Leben. Wir haben nämlich die Neigung. Neben diesen Ängsten gibt es eine Fülle individueller Ängste. So vielfältig demnach das Phänomen Angst bei verschiedenen Menschen ist . wenn er über eine Brücke oder über einen freien Platz gehen will. Nehmen wir den Schulanfang. . die nicht im obigen Sinne typisch für bestimmte Grenzsituationen sind. seelischen oder sozialen Entwicklungsschritten zusammenhängen. weil sie mit körperlichen. vor denen wir nicht ausweichen können. bei einem anderen Menschenansammlungen. bei denen es erstmals die haltende Hand der Mutter loslassen und die Angst vor dem Alleingehen. weil wir sie bei uns selbst nicht kennen. nicht gemeisterte Ängste an harmlosere Ersatzobjekte zu heften. Alle diese Ängste gehören gleichsam organisch zu unserem Leben. die leichter vermeidbar sind. die ich deshalb als »Grundformen der Angst« bezeichnen und beschreiben möchte. wo das Kind aus dem Schoß der Familie in eine neue und zunächst fremde Gemeinschaft hineinwachsen und sich in ihr behaupten soll. nicht verarbeitete. an die Mutterschaft und schließlich an das Altern und die Begegnung mit dem Tod .

führt also die Rotation. wie diese Bewegung in bestimmte Bahnen zwingen: die Schwerkraft und die Fliehkraft. die Umkreisung der Sonne auf und würde nur noch die Rotation. eines Mondes herab. um den sich die anderen Planeten zu drehen hätten. Ich möchte diese beiden Antinomien an einem Gleichnis verdeutlichen. deren wir uns im allgemeinen nicht bewußt sind. und hat etwas von einem festhalten und anziehen wollenden Sog. der Sonne immer die gleiche Seite zuwendend in größter Abhängigkeit. Gleichzeitig dreht sich dabei die Erde um ihre eigene Achse. würde sie die Größenordnung eines Planeten übersteigen und sich als Sonne gebärden. Das Überwiegen oder das Ausfallen einer solchen Bewegung würde die große Ordnung stören bzw. nach der Mitte strebend. die unser Weltsystem sowohl in Bewegung halten. Gäbe sie z. sänke sie von der Planetenstufe auf die eines Trabanten. welche Bewegung wir als Revolution.Die Grundformen der Angst hängen mit unserer Befindlichkeit in der Welt zusammen. »Eigendrehung« benannte Bewegung aus. auf und würde sie nur noch um die Sonne kreisen. das uns in überpersönliche Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten einfügt. nach außen. aus. Gäbe die Erde dagegen die Rotation. richtet sie zentripetal nach innen. Die Riehkraft strebt zentrifugal. die Drehung um die eigene Achse vollziehen. Sie würde sich also nicht mehr in die ihr vorgeschriebene Bahn um die Sonne einfügen. in der wir leben. bewegt sich also um das Zentralgestirn unseres engeren Weltsystems. ihre Eigendrehung. als Mittelpunkt. Wir werden in eine Welt hineingeboren. In beiden Fällen würde sie also ihre Planeten gesetzlichkeit. Stellen wir uns einmal vor. lebendige Ordnung. die wir Kosmos nennen. die Erde würde einen dieser Grundimpulse aufgeben. die Revolution. die vier mächtigen Impulsen gehorcht: Unsere Erde umkreist in bestimmtem Rhythmus die Sonne. Damit sind zugleich zwei weitere gegensätzliche bzw. durchbrechen. mit unserem Ausgespanntsein zwischen zwei großen Antinomien. die wir in ihrer unauflösbaren Gegensätzlichkeit und Widersprüchlichkeit leben sollen. . Nur die Ausgewogenheit dieser vier Impulse garantiert die gesetzmäßige. »Umwälzung«. die Mitte fliehend. die aber dennoch wirklich sind. bezeichnen. sich ergänzende Impulse gesetzt. sich ablösen wollenden Zug. Die Schwerkraft hält unsere Welt gleichsam zusammen. sondern nur noch ihr eigenes Gesetz leben. B. abhängiges Sicheinfügen und dennoch unabhängige Eigendrehung zu haben. zerstören und ins Chaos führen. sie drängt in die Weite und hat etwas von einem loslassen.

wie wir sehen werden. Und nun zu dem Gleichnis: Nehmen wir einmal an .was eigentlich sehr nahe liegt . also nach ihren Entsprechungen im seelischen Erleben zu fragen. Der Revolution. In wechselnder Gestalt durchziehen sie unser ganzes Leben und wollen in immer neuer Weise von uns beantwortet werden. daß wir nach Dauer und andererseits nach Wandlung streben sollen. die wir als einander widersprechende und doch zugleich sich ergänzende Strebungen in uns wiederfinden. des Zentrifugalen. entspräche die Forderung. die die gegensätzlichen Forderungen enthält. zur Veränderung und Wandlung treibt. entspräche psychologisch sinngemäß die Forderung zur Individuation. der Schwerkraft. Nach dieser kosmischen Analogie sind wir vier grundlegenden Forderungen ausgesetzt. der Bewegung um die Sonne als unserem Zentralgestirn.daß der Mensch als Bewohner unserer Erde und als winziges Teilchen unseres Sonnensystems auch dessen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sei. als uns in überindividuelle Zusammenhänge einfügen sollen. die im Zusammenhang damit stehen und so einen tieferen Sinn bekommen. unsere Eigengesetzlichkeit. entspräche auf der seelischen Ebene unser Impuls nach Dauer und Beständigkeit. Dem Zentripetalen. würde sie nur der Fliehkraft unterliegen und chaotisch zerbersten. Damit haben wir auch die andere Antinomie umschrieben: Sie enthält die wiederum gegensätzlichen Forderungen. Der Rotation. denen sie keine eigene Kraft entgegenzusetzen hätte. daß wir sowohl wir selbst werden. aus der Bahn kommen. und daß er damit die beschriebenen Impulse als unbewußte Triebkräfte und zugleich als latente Forderungen in sich trage. so führt uns das zu sehr überraschenden Entsprechungen. sich einzuordnen in ein größeres Ganzes. Wir brauchen nämlich nur jene Grundimpulse auf der menschlichen Ebene ins Psychologische zu übersetzen. und vielleicht mit anderen Weltkörpern zusammenstoßen.Weiter: Hätte die Erde keine Schwerkraft. der Fliehkraft. das Zentripetale. zwischen denen unser Leben ausgespannt ist und. Damit hätten wir die erste Antinomie umschrieben. unser eigenes Wollen zu begrenzen zugunsten überpersönlicher Zusammenhänge. ein Individuum zu werden. entspräche der Impuls. zugleich auf jene Grundformen der Angst. ein einmaliges Einzelwesen. dann stoßen wir auf die erwähnten Antinomien. der Eigendrehung. oder zu passivem Aus-der-Bahn-gezogen-Werden durch andere Kräfte. Und würde sie schließlich nur der Schwerkraft gehorchen ohne den Gegenimpuls der Fliehkraft. müßte das zu völliger Erstarrung und Unveränderlichkeit führen. also dazu. der uns immer wieder vorwärts. und schließlich dem Zentrifugalen. .

denen wir uns verwandt und vertraut fühlen. sind wir doch zugleich Individuen und damit etwas Einmaliges. und sind damit der Unsicherheit. die Seite der Hingabe . in Austausch treten sollen mit dem Außer-uns-Seienden. unser Eigensein nicht angemessen leben zu können. daß wir ein einmaliges Individuum werden sollen. ist die. was Einsamkeit und Isolierung bedeuten würde. Es ist damit gemeint.Jung diesen Entwicklungsvorgang genannt hat. die uns droht.Die erste Forderung. uns auszuliefern. bestimmten Gruppen angehören. ist. kein austauschbarer Massenmensch.an das Leben. dem Fremden. in unserem Gleichnis der Revolution entsprechend. unser Ich zu verlieren.im weitesten Sinne . in unserem Gleichnis der Rotation entsprechend. von allen anderen Menschen deutlich Unterschiedenes. durch unseren Glauben oder unseren Beruf usf. unser Eigensein bejahend und gegen andere abgrenzend. in der wir durch Rasse. und erleben die Einsamkeit des Individuums mit Angst. Das kommt schon in der bemerkenswerten Tatsache zum Ausdruck. die aber zur Spitze hin sich immer mehr aus den verbindenden Gemeinsamkeiten herauslöst und im einmalig Individuellen endet. uns einlassen sollen mit dem Nicht-Ich. So gleicht unsere Existenz einer Pyramide. des »Auch-wie-die-anderen-Seins« heraus. Es geht hier also vor allem um die . und bleiben unserer menschlichen Würde etwas Entscheidendes schuldig. mit dem Individuationsprozeß. daß allein unser Daumenabdruck genügt. daß wir uns der Welt. wie C. abhängig zu werden. wenn wir uns von anderen unterscheiden und dadurch aus der Geborgenheit des Dazugehörens und der Gemeinsamkeit herausfallen. uns zu eigenständigen Individuen zu entwickeln. durch Alter. dem Abgelehnt-. es anderen opfern und in der geforderten Anpassung zu viel von uns selbst aufgeben zu müssen. daß wir unverwechselbare Persönlichkeiten werden sollen. Riskieren wir aber andererseits nicht. dem Leben und den Mitmenschen vertrauend öffnen. deren breite Basis sich aus Typischem und Gemeinsamkeiten aufbaut. u. um so einsamer werden wir. Familien. Denn je mehr wir uns von anderen unterscheiden. Bei aller Breite. um uns von jedem anderen Menschen unverwechselbar zu unterscheiden und eindeutig zu identifizieren. im Typischen stecken. dem Bekämpftwerden ausgesetzt. Mit dem Annehmen und Entwickeln unserer Einmaligkeit. dem Nichtverstanden-. Geschlecht. Damit ist aber alle Angst gegeben. Damit ist aber verbunden alle Angst. bleiben wir zu sehr im Kollektiven.G. fallen wir aus der Geborgenheit des Dazugehörens.U.und Volkszugehörigkeit. Die zweite Forderung.

die wiederum im polaren Verhältnis des Widerspruches und der Ergänzung stehen. als ob wir mit Bleibendem rechnen könnten . als ob wir unbegrenzt leben würden. bleiben wir isolierte Einzelwesen ohne Bindung. ohne Zugehörigkeit zu etwas über uns Hinausreichendem. alles Geschaffene muß in unserer Vorstellung etwas von dieser Dauer haben . die das Leben uns auferlegt: Wir sollen sowohl die Selbstbewahrung und Selbstverwirklichung leben. uns aufschließen sollen. sich dem ewigen Fließen des Lebens zu überlassen. und darum. ja. als ob wir glaubten. als auch die Selbsthingabe und Selbstvergessenheit. daß wir »media in vita morte sumus«.mit dem gleichzeitigen Wissen. in unserem Gleichnis dem Zentripetalen. . daß unser Leben jeden Augenblick zu Ende sein kann. Wir sollen uns auf dieser Welt gleichsam häuslich niederlassen und einrichten. um unser »Geworfensein«. wie die eben beschriebenen: Die dritte Forderung. unbegrenzt Zeit zu haben. die mit dem Wissen um die Vergänglichkeit. der Schwerkraft entsprechend. Und nun zu den beiden anderen Forderungen. Das liegt wohl in dem Ausspruch. davor.sonst würden wir gar nicht anfangen. die uns unsere Ohnmacht fühlen lassen. Wir sind mit dieser ersten Antinomie auf die eine paradoxe Zumutung gestoßen. das nie stillsteht und auch uns selbst wandelnd ergreift. zielstrebig sein. letztlich ohne Geborgenheit und werden so weder uns selbst noch die Welt kennenlernen. in die Zukunft planen. uns in eine Ungewisse Zukunft zu entwerfen. als ob wir damit etwas Festes und Sicheres vor uns hätten . als ob die Welt stabil wäre und die Zukunft voraussehbar.der Fluß und auch man selbst ist stets ein anderer. um unsere Abhängigkeiten und um die irrationale Unberechenbarkeit unseres Daseins zusammenhängen: Die Angst vor dem Wagnis des Neuen. und diese uns vorschwebende Stabilität und Dauer. daß wir die Dauer anstreben sollen. daß wir trotz dieser Abhängigkeiten und Gefährdungen unseres Ichs. zu dauern. unsere Ziele zu verwirklichen. sollen zugleich die Angst vor der Ich-Aufgabe. vor dem Planen ins Ungewisse. Mit dieser Forderung. ist.mit dieser Forderung sind alle Ängste gegeben. überhaupt Zukunft zu haben. wie die Angst vor der Ich-Werdung überwinden. könnten wir nichts schaffen und verwirklichen. uns dem Leben zuwenden. So leben wir immer. Riskieren wir das nicht.Seite unserer Abhängigkeiten. als ob das endlich Erreichte stabil wäre. Würden wir aber andererseits auf die Dauer verzichten. daß niemand zweimal in den gleichen Fluß steigen könne .

einförmig schon Daseiendes wiederholend und festhaltend.diese illusionäre Ewigkeit. Mit dieser Forderung. 3. daß wir dabei sowohl die Angst vor der nicht aufzuhaltenden Vergänglichkeit. daß wir immer bereit sein sollen. Die Angst vor der Wandlung. ist ein wesentlicher Impuls. zum Wagnis des Neuen. Damit haben wir die andere Antinomie skizziert. Die Angst vor der Selbsthingabe. im Gleichnis dem Zentrifugalen. Notwendigkeiten. alles nur als Durchgang zu erleben. und die Zeit und die Mitwelt würde uns überholen und vergessen. als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt. Vertrautes aufzugeben. so blieben wir im Gewohnten haften. Sie besteht darin. uns nicht aufzuhalten. wo der Tod als Vergänglichkeit erschien. ist nun die Angst verbunden. wie die Angst vor der unausweichlichen Notwendigkeit überwinden müssen. durch Ordnungen. der Fliehkraft entsprechend. als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt. Alle möglichen Ängste sind letztlich immer Varianten dieser vier Grundängste und hängen mit den vier Grundimpulsen zusammen. der uns zum Handeln treibt. Die Angst vor der Notwendigkeit. uns immer wieder vom gerade Erreichten zu lösen und Abschied zu nehmen. 2. dem Neuen geöffnet und das Unbekannte wagend. begrenzt zu werden in unseren Möglichkeiten und unserem Freiheitsdrang. als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt. die weitere Zumutung des Lebens an uns: Daß wir zugleich nach Dauer und nach Wandlung streben sollen. Und schließlich die vierte Forderung. festgehalten zu werden. Es droht also hier letztlich. der Tod als Erstarrung und Endgültigkeit. Würden wir aber den Impuls zur Wandlung. als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt. So haben wir vier Grundformen der Angst kennengelernt. Veränderungen und Entwicklungen zu bejahen. Regeln und Gesetze. Die Angst vor der Selbstwerdung. Traditionen und Gewohntes hinter uns zu lassen. aufgeben. durch den Sog der Vergangenheit und Gewohnheit festgelegt. mit dem Gegenstreben nach Selbsthingabe und . die ebenfalls zu unserem Dasein gehören und sich auch paarweise ergänzen und widersprechen: Als Streben nach Selbstbewahrung und Absonderung. uns zu wandeln. 4. eingeengt. uns immer lebendig weiterzuentwickeln. die ich noch einmal zusammenstellen will: 1. im Gegensatz zur vorbeschriebenen Angst. nicht zu haften.

der in seiner Entwicklung nicht Gestörte . die zu früh in der Kindheit erlebt werden. oder wenn sie uns in einem Alter trifft. die von den unseren zu sehr abwichen. Der in seiner Entwicklung Gestörte erlebt Ängste sowohl intensiver als häufiger. sowie Symptombildungen sind die Folge. sondern sie ist voll ungemeiner innerer Dynamik. So ist Angst bei jedem Menschen durch Anlage und Umwelteinflüsse mitgetönt. scheint eine lebendige Ordnung nur möglich zu sein. Anlage und Umwelt . Zu jeder Strebung gehört die Angst vor der Gegenstrebung. wenn sie entweder ein gewisses Maß übersteigt. sowohl von unserer körperlichen und seelisch-geistigen Konstitution also.wird im allgemeinen mit den Ängsten umgehen und sie vielleicht auch überwinden können. sondern etwas immer wieder Herzustellendes ist. wie man meinen könnte. wenn wir eine Gleichgewichtigkeit zwischen diesen antinomischen Impulsen zu leben versuchen. Verständlicherweise werden wir nicht altersgemäße Angsterlebnisse . Eine solche Gleichgewichtigkeit bedeutet indessen nicht etwas Statisches. in einem Alter. wo das Kind noch keine Abwehrkräfte gegen sie entwickeln konnte. Denn auch unsere Ängste haben eine Geschichte. von wie großer Bedeutung dafür unsere Kindheit ist. Dabei müssen wir beachten.können also bestimmte Ängste begünstigen. in die wir hineingeboren werden. wenn wir noch einmal auf unser kosmisches Gleichnis zurückgreifen. Der weitgehend gesunde Mensch . was zum Teil auch erklärt. auch die Gesellschaft gehört . Immer. und wir werden sehen. kann sie schwer verarbeitet werden.Zugehörigkeit. wenn eine Angst durch Intensität oder Dauer zu groß wird. Stehenbleiben oder auch Zurückgleiten in frühere. wie auch von unserer persönlichen Biographie. Der aktivierende positive Aspekt der Angst fällt dann fort. oder wenn sie zu lange anhält. von unserem »Erbe«. kindlichere Verhaltensweisen. und andererseits als Streben nach Dauer und Sicherheit. als auch von den Umweltbedingungen. der Geschichte unseres Gewordenseins. wo wir ihr noch nicht gewachsen sind. warum uns manche Ängste anderer schwer einfühlbar sind . andere zurücktreten lassen.zu welcher neben der Familie. Schwer belastend und krank machend kann eine Angst werden. Und doch. weil sie nie etwas Erreichtes. daß die Art der jeweils erlebten Angst und ihr Intensitätsgrad in großem Maße abhängig sind sowohl von unserer mitgebrachten Anlage. dem »Milieu«. Am schwersten belastend sind Ängste.sie entstanden bei ihnen aus Lebensbedingungen. und eine der Grundformen der Angst wird bei ihm das Übergewicht haben. mit dem Gegenstreben nach Wandlung und Risiko. Entwicklungshemmungen.

oder. ihnen hilflos ausgeliefert. das weitgehende Aufgeben eines der vier Grundimpulse .und sonstige Katastrophen. Lebensgefährdungen. und er kann die möglichen Gefährdungen richtig einschätzen. er kann vor allem verstehen. Unter normalen Bedingungen hat aber der Erwachsene dem Kinde gegenüber eine viel reichere Auswahl an Antwortmöglichkeiten und Gegenkräften gegen die Angst: Er kann sich wehren. All das steht dem Kind noch nicht zur Verfügung. die als Zerrformen oder Extremvarianten der vier normalen Grundstrukturen zu verstehen sind. daß sie aufgrund frühkindlicher Entwicklungsstörungen entstanden sind. Beim Erwachsenen können seltenere Ausnahmesituationen wie Krieg.uns zu vier Persönlichkeitsstrukturen führt. desto wahrscheinlicher ist es. Natur. desto mehr ist es nur Objekt seiner Ängste. die wir in Abstufungen alle kennen und an denen wir alle mehr oder weniger akzentuiert Anteil haben. Dementsprechend wäre es als ein Zeichen von seelischer Gesundheit anzusehen. wie sie die Psychotherapie . seine Situation durchdenken und die Angstauslöser erkennen. zu vier Arten des In-der-Welt-Seins. wenn jemand die vier Grundimpulse in lebendiger Ausgewogenheit zu leben vermöchte was zugleich bedeutete. je kleiner es ist. daß er sich auch mit den vier Grundformen der Angst auseinandergesetzt hat. Je ausgeprägter und einseitiger die zu beschreibenden Persönlichkeitsstrukturen sind. Wir werden sehen. Wird indessen die Akzentuierung zu ausgesprochener Einseitigkeit. aber auch innerseelische Erlebnisse und Prozesse ebenfalls seine Toleranzgrenze für Ängste überschreiten. Die vier Persönlichkeitsstrukturen sind zunächst Normalstrukturen mit gewissen Akzentuierungen. so daß er mit Panik. Diese Persönlichkeitsstrukturen sind also zu verstehen als einseitige Akzentuierung in bezug auf die vier Grundängste. die das Maß des Erträglichen übersteigen.sowie zu große Angstquantitäten. von der anderen Sicht her gesehen. es ist dafür auch die Hilfe von außen angewiesen und wird Schädigungen davontragen. erreicht sie Grenzwerte. besonders im Kindesalter antreffen. ohne Wissen. in der Entwicklung begriffene Ich des Kindes kann gewisse Angstquantitäten noch nicht verarbeiten. wie lange sie anhalten werden und was alles geschehen kann. mit Kurzschlußhandlungen oder Neurosen darauf reagiert. wie das Überwertigwerden einer der vier Grundängste . wenn es mit solchen übergroßen Ängsten alleingelassen wird. Wir stoßen damit auf die neurotischen Varianten der Strukturtypen. woher seine Angst stammt. er kann sie mitteilen und so Verständnis und Hilfe bekommen. Gefangenschaft. Das schwache.

weniger fatalistisch und endgültig festlegend wäre. in die wir hineingeboren werden . weil ich einen bestimmten Körperbau habe. kann verändert werden. ist jedenfalls nicht nur ein Hinzunehmendes. die letzteren stellen sich als schicksalhaft gegeben und unabänderlich dar . schwere bis zu den schwersten Störungen beschreiben. vor allem aber wird unser Interesse den lebensgeschichtlichen Hintergründen gelten.sie sind nur hinzunehmen.vorwiegend auf psychoanalytischen Erkenntnissen und Erfahrungen der Psychotherapie und Tiefenpsychologie aufbauend . Mir geht es hier um anderes. vernachlässigter.die mitgebrachte psychophysische Anlage. das ich aus meiner Lebensgeschichte erworben habe. zum Leben habe. der Depression. Abrundung. Die hier gemeinten Persönlichkeitsstrukturen wollen als Teilaspekte eines ganzheitlichen Menschenbildes verstanden werden. der Zwangsneurose und der Hysterie beschrieben hat. Nicht nur. prägt das meine Persönlichkeit und verleiht ihr bestimmte strukturelle Züge. Es handelt sich damit letztlich um vier verschiedene Arten des In-der-Welt-Seins.ist in gewissen Grenzen durch uns selbst zu gestalten. fehlgeleiteter oder überfremdeter und unterdrückter Teilaspekte unseres Wesens kann die erworbene Struktur verändern und vervollständigen zugunsten jener vorschwebenden Ganzheit oder Reife. wobei uns das kos- . die Umwelt unserer Kindheit mit den Persönlichkeiten unserer Eltern und Erzieher. sondern weil ich eine bestimmte Einstellung. Diese neurotischen Persönlichkeiten spiegeln also jeweils nur in zugespitzter oder extremer Form allgemeinmenschliche Daseinsformen. als vergleichsweise aus der Konstitution oder dem Temperament abgeleitete Typen. die wir alle kennen. sowie die Gesellschaft mit ihren Spielregeln. wie es der einzelne für sich zu erlangen vermag. Die Nachentwicklung zunächst schicksalhaft ungenügend entwickelter. Wir gehen also hier von vier allgemeingültigen Grundeinstellungen und Verhaltensmöglichkeiten aus gegenüber den Bedingungen und Abhängigkeiten unseres Daseins. bei ihrer Schilderung will ich die Folgen jener Einseitigkeit von noch durchaus gesund zu nennenden Erscheinungsformen über leichtere. Konstitutionell entgegenkommende Anlagen sollen dabei berücksichtigt werden. ein bestimmtes Verhalten zur Welt. bin ich so oder so. als sie . Was daran schicksalhaft ist . Zuvor noch eine Zwischenbemerkung: Soweit die Beschreibung der vier Persönlichkeitsstrukturen den Charakter einer Typenlehre anzunehmen scheint. in dem Ausmaß.und Tiefenpsychologie in den vier großen Neuroseformen der Schizoidie. unterschiede sich diese von anderen Typologien insofern.

daß eine Neubenennung überflüssig erscheint. Ich habe es in diesem Buch vermieden.mische Vorbild der lebendigen Ordnung und Ausgewogenheit scheinbar unvereinbarer Gegensätze vorschwebt. Depression usf. die im Schrifttum meist anzutreffende Unterscheidung zwischen Angst und Furcht aufzugreifen. und um die Wichtigkeit unserer Anfangsjahre für unsere Entwicklung deutlich zu machen. zugleich haben sie sich inzwischen so weit eingebürgert. mehr Irrationales. Sie war mir für mein Grundkonzept unwesentlich.und Fremdverständnis zu vermitteln. Das Beibehalten der Begriffsbezeichnungen aus der Neurosenlehre für die vier Strukturtypen. um den Sinn zu wekken. Konkretes zu beziehen. wie etwa bei der Gottesfurcht. aus der Schilderung geläufig und plastisch in seiner Vorstellung geworden sind. Wesentliches lernen können. die nach obiger Unterscheidung Gottesangst heißen müßte. Angst dagegen auf etwas Unbestimmtes. für die großen Zusammenhänge. auch für den sogenannten Gesunden. . Der gewöhnlich gemachte Unterschied. Ich habe daher bewußt darauf verzichtet. wieder zu erwecken. mag eine gewisse Berechtigung haben. um ihm mehr Selbst. Es ist auch geschrieben. Dieses Buch ist geschrieben. ist aber auch nicht immer stichhaltig. wenn ihm die Begriffe der Schizoidie. eine begriffliche Trennung von Angst und Furcht hier vorzunehmen. um dem einzelnen leben zu helfen. wie ich meine. hat praktische Vorteile. denen wir eingefügt sind und von denen wir. wie es in der Unsicherheit der Verwendung beider Begriffe im üblichen Sprachgebrauch zum Ausdruck kommt: Wir sprechen sowohl von Todesangst wie von Todesfurcht und können die beiden Begriffe nicht ohne Gewaltsamkeit differenzieren. weil bei diesen Begriffen immer zugleich die lebensgeschichtliche Entstehung und die neurotische Variante mitgesehen werden kann. Der Leser wird das vermutlich bald verstehen. zudem erscheint sie mir auch nicht zwingend und überzeugend genug. Furcht auf etwas Bestimmtes.

ist uns ebenso mitgegeben wie das dazu gegensätzliche. hinter denen er sich gegen sie abschirmen kann.die Angst vor der Hingabe ist und die zugleich . die da wimmeln in dem allgemeinen Haufen. laß uns anders werden als die Vielen.den Impuls zur »Eigendrehung«. als wir auch in partnerschaftlicher Verbundenheit und mitmenschlicher Bezogenheit und Verantwortung stehen möchten. wie empfindlich wir reagieren. vorwiegend die Selbstbewahrung zu leben versucht? Sein Streben wird vor allem dahin gehen. seiner Integrität. läßt er sie sich nicht zu nahe kommen. Deshalb distanziert er sich von den Mitmenschen. uns von anderen zu unterscheiden. läßt er sich nur begrenzt mit ihnen ein. wenn jemand unseren Namen verwechselt oder entstellt: wir wollen nicht beliebig austauschbar sein. wir wollen das Bewußtsein unserer Einmaligkeit als Individuum haben. als soziale Wesen zu Gruppen oder Kollektiven dazuzugehören. wenn ein Mensch. Nun läßt sich aber Nähe im Leben nicht vermeiden. das hieße psychologisch also: zur Selbstbewahrung und Ich-Abgrenzung. merken wir etwa daran. und versucht. Er wird dann vor allem persönlich-nahe Kontakte vermeiden. Wenn er sich unter Menschen begibt. niemandem verpflichtet zu sein ist ihm entscheidend wichtig.von der Seite der Angst her gesehen .von der Seite der Grundimpulse her betrachtet . so unabhängig und autark wie möglich zu werden. Das Bestreben. und daher sucht er nach Schutzhaltungen. Wie wird es sich nun auswirken. So entwickelt er die für ihn typische Angst vor mitmenschlicher Nähe. Wir wollen sowohl unseren persönlichen Interessen leben dürfen.Die schizoiden Persönlichkeiten »Auf. menschliche Beziehungen zu versachlichen. Wir nennen sie die schizoiden Menschen. empfindet er das als Bedrohung seines Lebensraumes. einem Partner. ein unverwechselbares Individuum zu sein. Wird diese Distanz überschritten. überwertig leben. Auf niemanden angewiesen zu sein. niemanden zu brauchen. und wehrt sich schroff dagegen. Wie sehr. Er scheut Begegnungen mit einem Einzelnen. als Gefährdung seines Unabhängigkeitsbedürfnisses. wo . braucht er Abstand zu ihnen. fühlt er sich am wohlsten in Gruppen oder Kollektiven. Wir alle haben den Wunsch. niemanden im Intimen an sich heranlassen. deren grundlegendes Problem .« (Spitteler) Wir wollen uns nun den Persönlichkeiten zuwenden. die Hingabeseite vermeidend.

und deshalb wieder zutiefst unsicher.er anonym bleiben kann. Das Vermeiden jeder vertrauten Nähe aus Angst vor dem Du. Oft erscheinen sie seltsam. wenn überhaupt. Das erklärt. oder aber Wirklichkeit sind. unpersönlich bis kalt. verhalten sie sich morgen so. denn das erfährt man. den anderen abrupt zurückstößt: Er schaltet plötzlich ab. Seine Angst vor der Nähe wird besonders da konstelliert. soll das Gemeinte deutlicher machen . ob seine Wahrnehmungen nur seine Einbildung und Projektion. ja. So weiß er nie recht. Hat man heute zu ihnen scheinbar einen guten Kontakt gehabt. es entstehen zunehmend Lücken in der Erfahrung über sie. vor sich öffnender Hingabe. Auf die Umwelt wirken solche Menschen fern.wir haben diese Situation alle schon einmal erlebt: Wir sitzen in einem Zug . der Sympathie. Ein Bild. bricht den Kontakt ab. ja feindlich wird. in ihren Reaktionen unverständlich oder befremdend. und doch über gemeinsame Interessen ein Dazugehören erlebt. ja nur in vertrauter Nähe und liebender Zuwendung. der Zärtlichkeit und Liebe uns einander am nächsten kommen lassen. zieht sich auf sich selbst zurück und ist nicht mehr zu erreichen. um so schroffer wenden sie sich plötzlich von uns ab. Da Gefühle der Zuneigung. das wohl Schultz-Hencke zuerst in diesem Zusammenhang gebraucht hat für die Schilderung der Weltbefindlichkeit dieser Menschen. distanziert. als hätten sie uns nie gesehen. und daraus Unsicherheiten im mitmenschlichen Umgang. uneinfühlbar. je näher sie uns gerade gekommen waren. warum er gerade in solchen Situationen abweisend. kühl. die mit den Jahren immer breiter wird und ihn mehr und mehr isoliert. ja schließlich sogar. ohne etwas von sich preisgeben zu müssen. Zwischen ihm und der Umwelt klafft dadurch eine breite Kontaktlücke. Das hat nun immer problematischere Folgen: Durch die Ferne zur mitmenschlichen Umwelt weiß er zu wenig von anderen. erlebt er sie als besonders gefährlich. läßt den schizoiden Menschen mehr und mehr isoliert und einsam werden. Am liebsten hätte er die Tarnkappe des Märchens verfügbar. unter deren Schutz er unerkannt am Leben der anderen teilnehmen und in es eingreifen könnte. die verletzend für uns ist. absonderlich. Daher ist er auf Vermuten und Wähnen angewiesen in seiner mitmenschlichen Orientierung. was im anderen vorgeht. ob seine Eindrücke und Vorstellungen von anderen. wo jemand ihm oder wo er jemandem zu nahe kommt. schwer ansprechbar. ohne sie wirklich zu kennen. oft mit grundlos erscheinender Aggression oder Feindseligkeit. Man kann sie lange kennen.

und der Nachbarzug sich in Bewegung gesetzt hat.in einem Ausmaß. oder auch draußen. glaubt man befürchten zu müssen. würde eine vertraute Nähe voraussetzen. Dieses Bild kann uns sehr treffend die innere Situation eines schizoiden Menschen deutlich machen: Er weiß nie genau . daß mich die Leute so komisch ansehen? Diese Unsicherheit kann alle Schweregrade annehmen. Durch seinen lockeren Kontakt zur mitmenschlichen Welt fehlt ihm die Orientierungsmöglichkeit in ihr. Man kann sich vorstellen. war er anders als sonst . daß einer der beiden Züge sich bewegt. werden schizoide Menschen zur Sicherung nun besonders stark die Funktionen und Fähigkeiten entwickeln. wie wir noch sehen werden. verlacht oder gar für verrückt gehalten zu werden. wenn diese Unsicherheit ein Dauerzustand ist. haben wir keine Erschütterung. weil man ja gerade wegen des erwähnten Mangels an Nahkontakt. hat er etwas gegen mich. das alle auch beim Gesunden mögliche Unsicherheit weit übersteigt . was er fühlt. auf dem Nachbargleis steht ebenfalls ein Zug. keinen Ruck verspürt. weil man nun seine Projektionen für die Wirklichkeit hält. da man diese zu niemandem hat.oder meine ich das nur? Habe ich etwas Auffälliges an mir. sowohl primär Ursache als sekundär auch Folge ihres lockeren mitmenschlichen Kontaktes ist.im Bahnhof. sie nicht korrigieren kann. bis wir an einem feststehenden Gegenstand draußen zu realisieren vermögen. bei denen man dann innen und außen tatsächlich verwechselt.ob das. Wir vermögen uns nun nicht gleich zu orientieren. so daß wir nur den optischen Eindruck einer Bewegung feststellen. die ihnen zu einer besse- . wie quälend und zutiefst beunruhigend es sein muß. ob er sie als Wirklichkeit hinaus verlegen kann. denkt oder sich vorstellt. nur in ihm selbst existiert. nicht verstanden. ohne daß die Verwechslung als solche erkannt wird. Voller Mißtrauen und aus ihrer tiefen Ungeborgenheit heraus. daß etwa unser Zug noch steht. die. von immer wachem Mißtrauen und krankhafter Eigenbezüghchkeit bis zu eigentlich wahnhaften Einbildungen und Wahrnehmungstäuschungen. vor allem. und so schwankt er in der Beurteilung seiner Erlebnisse und Eindrücke zwischen dem Zweifel. welcher der beiden Züge fährt. oder ob sie nur seine »Einbildung« sind. wahrnimmt. oder tausche ich mich. stimmt etwas nicht an mir. plötzlich bemerken wir. Denn jemanden darüber zu befragen. oder umgekehrt. nur seiner Innenwelt angehören: Blickt mich der andere wirklich spöttisch an oder bilde ich mir das nur ein? War der Chef heute wirklich besonders kühl mir gegenüber. Da die Züge heute sehr sanft und fast unmerklich anfahren. ihm seine Unsicherheit und Angst mitzuteilen.

ja einmalig-genial erschienen. sie tragen viel dazu bei.kam er nicht auf den Gedanken. die der Grund für unendlich viele Schwierigkeiten im Alltagsleben bei ihnen werden kann. das Gefühlshafte bleibt bei ihnen oft unterentwickelt. So ist es für diese Menschen charakteristisch. Man kann schon hier verstehen. bei oft überdurchschnittlicher Intelligenzentwicklung. sie realisieren nicht. streben sie die von Gefühlen abgelöste »reine« Erkenntnis an. einen Kollegen zu fragen. das Bewußtsein. daß ihre Schwierigkeiten auf der Kontaktebene liegen und nicht in einem Mangel an Fähigkeiten. Gegenüber der Entwicklung dieser rationalen Seiten bleibt die des Gefühlslebens zurück. Er quälte sich allein mit Problemen herum. es fehlen ihnen die »Mitteltöne« im mitmenschlichen Umgang. wie so etwas üblicherweise gehandhabt würde. ob seine Ausführungen den Erwartungen entsprechen würden.er wußte nicht. den erkennenden Intellekt. Dafür ein Beispiel: Im Rahmen seiner Ausbildung sollte ein Student ein Referat halten. daß so etwas durchaus üblich war. ihnen schon banale und alltägliche Situationen ungemein zu erschweren. im Emotionalen zurückgeblieben wirken. auf die sie sich verlassen können. Gefühlshafte verunsichert. die nur in ihm.hinter welcher Haltung er seine Unsicherheit verbarg . auf einen Partner angewiesen. daß sich schizoide Menschen vor allem den exakten Wissenschaften zuwenden. die er sich weitgehend hätte ersparen können. wie er war. Es fehlten ihm eben die Vergleiche mit den Referaten anderer. indem sie ihm einmal großartig. So hatte er wegen seiner Unbezogenheit ganz überflüssige und überwertige Ängste. wäre er in natürlichem. wenn er sie um Rat gefragt hätte . Kontaktlos. . Solche und ähnliche Situationen und Verhaltensweisen häufen sich im Leben schizoider Menschen. Das ergibt eine breite Kontaktunsicherheit. auf emotionale Bezogenheit und Gefühlsaustausch. ja zuweilen verkümmert. nicht in der Sache lagen. denn dafür ist man auf ein Du. so daß ihnen schon einfachste Kontakte zum Problem werden können. sie haben dafür keine Nuancen verfügbar. die Ratio. kollegialem Kontakt gestanden. die ihnen Resultate zu liefern verspricht. Da sie besonders alles Emotionale.ren Orientierung in der Welt zu verhelfen versprechen: Die Wahrnehmung durch die Sinnesorgane. daß sie. zugleich »arrogant« . die ihnen diese Sicherheit und AbgelÖstheit vom subjektiven Erleben vermitteln sollen. schwankte in ihrer Beurteilung zwischen Selbstüberschätzung und Minderwertigkeitsgefühlen. dann wieder als völlig banal und ungenügend. Er meinte. Er war sich völlig unsicher darüber. es sei vor den Kollegen peinlich und er würde sich etwas vergeben.

werden dem schizoiden Menschen besonders die Entwicklungsschritte zum Problem. Kontakten aus dem Weg geht. die vielleicht noch aufzufangen oder doch gemildert werden kann. sich statt dessen in Bücher vergräbt. . wenn er schwere weltanschauliche Krisen in dieser Zeit durchmacht. wenn ein junger Mensch um die Pubertät herum Beziehungen zum anderen Geschlecht meidet. nach Zärtlichkeit und Liebe. die sich bis zu diesem Alter bereits zu einer weitgehenden Ungeübtheit im Verkehr mit Menschen ausgewachsen haben. je mehr wir uns selbst bewahren wollen. In der Kindheit auftretende Schwierigkeiten im mitmenschlichen Kontakt sollten von Eltern und Erziehern als beginnende schizoide Problematik erkannt werden. bei denen sich die Eltern beraten lassen sollten. die partnerschaftlichen Beziehungen und alle Bindungen. bei denen es um mitmenschlichen Kontakt geht: Der Eintritt in den Kindergarten. je mehr er vor allem in die Gefahr des Liebens oder des Geliebtwerdens kommt. je mehr wir uns dem Du öffnen. Wie soll ein solcher Mensch die nun wachsende Sehnsucht nach Nähe und Austausch. ohne sich mit anderen darüber auszutauschen . die bisher vielleicht noch unbewußt. nun schmerzlich bewußt wird. ihnen selbst verborgen war. mit einsamen Grübeleien über den Sinn des Lebens. um so mehr.Der schizoide Mensch und die Liebe Wie schon gesagt. seelisch und körperlich. in die Klassengemeinschaft. Da bei ihm jede Nähe Angst auslöst. die man verstehen. das er sich nur als ein Sichausliefern und Abhängigwerden vorstellen kann. Noch problematischer pflegt für schizoide Persönlichkeiten die Zeit der zur Partnerschaft drängenden Nachpubertät zu werden. um so mehr aber auch. Daher werden diese Begegnungen oft zu den Klippen. In jeder liebenden Begegnung ist unser Eigen-Sein und unsere Unabhängigkeit gleichsam gefährdet. an denen ihnen ihre Problematik. muß er sich um so mehr zurücknehmen. die Pubertät und die Begegnung mit dem anderen Geschlecht. Basteleien oder sonstige Dinge tut. bevor sie sich tiefer eingespurt hat: Wenn ein Kind Kontaktschwierigkeiten im Kindergarten oder in der Klasse hat.all das sind Alarmzeichen. wenn es sich als Außenseiter und Einzelgänger erlebt oder von anderen so erlebt wird. wie soll er vor allem das aufkommende sexuelle Begehren an einen anderen herantragen? Auf Grund der beschriebenen Kontaktlücken und der fehlenden »Mitteltöne« im mitmenschlichen Umgang. Denn in der Liebe kommen wir einander am nächsten. wenn es keinen Freund findet. bei denen er immer allein ist. je näher er jemandem kommt.

seine ganze Unbeholfenheit und Unerfahrenheit in Gefühlsdingen offenbar würde. Das einzige. darüber hinaus nicht mehr interessiert. war dann für jedermann unerreichbar. das der Befriedigung seiner Sinne dient. was dem schizoiden Menschen wirklich gehört und ihm einigermaßen vertraut ist. zugleich auch vor der Gefahr des Liebens. in denen er die Sexualität von seinem Gefühlserleben gleichsam abspaltet. ist er selbst. daß. konnte keine Liebesgefühle in ihm auslösen. sich zu binden. leicht zu lösende.ist für ihn das Integrieren der Sexualität besonders schwierig. bei tieferem Sicheinlassen mit dem Du. oder auf rein sexuelle Beziehungen einläßt. Aus den Beispielen läßt sich ersehen. So schützt er sich davor. noch eine geheime Wohnung. in Abständen zog er sich in diese zurück. wie er sie beantworten soll. sich festzulegen. verbaler oder emotionaler Ausdruck von Zuneigung. daß er sich nur auf unverbindliche. abhängig oder überrannt zu werden. Er brauchte das. Ihm fehlen die Zwischentöne des Sich-Verhaltens auch hier: Ihm steht weder die werbend-erobemde. und ihm fehlt auch weitgehend die Einfühlung. Aus dem gleichen Grund pflegt er auch Zeichen der Zuneigung von seiten des Partners abzuwehren . nur so lassen sich ihre oft seltsam und unverständlich anmutenden Reaktionen begreifen. daß sie ihn danach wahrscheinlich nie wiedersehen würde. das Sich-in-einen-anderen-versetzen-Können. Ein verheirateter Mann hatte in der gleichen Stadt. in der er mit seiner Familie wohnte. um sich vor zuviel Nähe und dem Gefühlsanspruch seiner Frau und seiner Familie abzuschirmen (die ihrerseits gerade wegen diesem Sichentziehen ihn fester zu binden versuchten. sie sind ihm eher peinlich. zu seiner Familie zu gehen. noch die verführend-hingebende Seite zur Verfügung. Aber auch wegen der emotionalen Unbeteiligtheit sind seine partnerschaftlichen Beziehungen leicht austauschbar. wie groß die Angst schizoider Menschen ist. daher seine Empfindlichkeit gegen . wenn sie wußte. bis er wieder die Neigung fühlte. Häufig so. Eine Frau konnte sich einem Mann nur dann körperlich hingeben. damit nun wieder sein Bedürfnis nach seiner Zuflucht verstärkten).er weiß nicht. Zärtlichkeit. Ein Mann ging auf ein Ehevermittlungsbüro und suchte sich nach den ihm vorgelegten Fotografien die Frau aus. Der Partner ist für ihn dann nur noch »Sexualobjekt«. Die Lösungsversuche des Konfliktes zwischen dem drängenden Begehren und der Angst vor mitmenschlicher Nähe können verschieden aussehen. sind ihm fremd. die ihm am wenigsten gefiel .sie konnte ihm wenigstens nicht gefährlich werden.

in harten Zugriff oder sonstiges Zufügen von Schmerzen.hätte ich sie am liebsten hinausgeworfen« war der charakteristische Ausspruch eines schizoiden Mannes. Dann setzt er diesen immer neuen Bewährungsproben aus. Zärtlichkeit artet leicht in dem Partner Wehtun aus. wenn der Schizoide die schroffe Ambivalenz zwischen Liebes. die er braucht. warf er einen bereits vorher geschriebenen Brief in ihren Briefkasten. zu viel von sich aufgeben zu müssen. Aus seinem Lebensgefühl heraus empfindet er Bindungen als Zwang. Als er ihr Haus verließ. daß er noch vor dem Traualtar oder dem Standesamt umkehrt. was natürlich vor allem bei Partnern möglich wird.gemeint war der Geschlechtsakt . Die Bindungsscheu kann soweit gehen. sondern geht unbekümmert um die Bedürfnisse des Partners direkt auf sein Ziel los. Ähnliche Verhaltensweisen sind bei schizoiden Menschen gar nicht selten. Durch die erwähnte Abspaltung der Sexualität vom Gefühlsleben wird das Triebhafte gleichsam isoliert gelebt. Oft sind sie aus der Ferne gute und zugewandte Briefschreiber. sich in einem nur noch funktionellen Vorgang erschöpfen.wirkliche oder vermeintliche Gefährdung seiner Integrität. um seinen Halt an sich selbst nicht zu verlieren. Schwieriger wird es. Sein Verhalten kann dann ausgesprochen destruktiv werden. der Partner wird dadurch nicht nur zum »Sexualobjekt«. die viel Zuwendung und Nähe des anderen brauchen. der seine Angst vor den Gefühlsansprüchen der Partnerin zeigt. die seinen Zweifel beheben sollen. Er kam mit den Ringen zu ihr und sie feierten zusammen die Verlobung. sondern das ganze Liebesleben kann. gegen Übergriffe und ihn überfremdende Einbrüche in seine Distanz. er wollte sich aber nicht binden. den Partner nach der erreichten Befriedigung baldmöglichst wieder loszuwerden. fordert von ihm immer neue Liebesbeweise. Das kann sich bis zum seelischen und zum eigentlichen Sadismus steigern. der die eben geschlossene Verlobung wieder aufhob. »Nachher« . Dahinter kann unbewußt der Wunsch nach einer spürbaren Reaktion des Partners stehen. nehmen sich aber im persönlichen Nahkontakt sofort wieder zurück und verschließen sich. am Partner austrägt. Weiterhin besteht die Neigung. Er kennt dann kein zärtliches Vorspiel. seinen tiefen Zweifel in das Geliebtwerdenkönnen. Liebesbeweise und Zeichen der Zuneigung des Partners werden abge- . keine Erotik. Ein junger Mann verlobte sich auf das Drängen seiner Freundin sie kannten sich schon seit Jahren.und Haßgefühlen. Natürlich läßt solches Verhalten eine Atmosphäre von Vertrautheit oder gar Innigkeit gar nicht aufkommen.

Die meist vorhandene gute theoretisch-abstrakte psychologische Kombinationsgabe bietet unendliche Möglichkeiten für solche tendenziösen Umdeutungen. die Hauptgestalt seines Romanes »Am offenen Meer«. Auch Axel Borg. wie die Psychoanalyse es nennt. es sei denn. ist ein glänzend geschilderter schizoider Mensch. »wenn du wüßtest. wie eine liebesfähige Frau durch den schizoiden Partner mit der Zeit an ihre Toleranzgrenze gebracht wird. wenn auf den Partner unverarbeitete Haßgefühle und Rachehaltungen unbewußt projiziert. besonders überzeugend auch dargestellt. mit deutlich autobiographischen Zügen. »übertragen« werden. »du hast wohl etwas gutzumachen?«) gedeutet. um sich von ihnen nicht erfassen zu lassen. das alles mit in Kauf nehmen zu müssen. ohne zu realisieren. bringen zugleich eindrucksvolle Beschreibungen der lebensgeschichtlichen Hintergründe solcher Persönlichkeitsentwicklungen (z. Natürlich wird so im Partner systematisch alle Liebesbereitschaft zerstört. analysiert. oder der masochistisehe Gegentypus ist. bagatellisiert. wie weit er den anderen durch sein Verhalten erst soweit gebracht hat. trifft er diesen seelisch an seiner verletzlichsten Stelle. kann die Grenze zu Vergewaltigungen bis zum Lustmord schmal sein. Die autobiographischen Romane Strindbergs enthalten viel von solcher schizoiden Tragik. oder: »laß doch diese albernen Liebesbeteuerungen und kommen wir endlich zur Sache« usf. seinen Gesichtsausdruck oder seine Worte ironisierend ins Lächerliche zieht: »Mach doch nicht so hündisch treue Augen«. von Schuldgefühlen oder als Bestechungsversuch (»was willst du damit erreichen?«. aus Verlustangst oder anderer Motivierung glaubt. wie komisch du eben ausgesehen hast«. Ist die Gefühlskälte noch weiter fortgeschritten. indem er seine Haltung. angezweifelt oder in diabolisch geschickter Weise als Tendenz umgedeutet. steigert sie sich ins Extreme und Krankhafte. daß er eine ungewöhnliche Liebesfähigkeit hat. In dem Roman »Das Ruhekissen« hat Christiane Rochefort eine solche Beziehung ausgezeichnet geschildert. vor allem.B. was dann von dem schizoiden Partner mit einem Triumphgefühl erlebt werden kann (»jetzt kommt dein wahres Wesen zum Vorschein«). Sonst muß er sich schließlich zurücknehmen oder zu hassen beginnen. Nicht selten zerstört der schizoide Partner auch alle zärtlichen Regungen bei sich und dem Partner durch Zynismus. oder Lust am Gequältwerden empfindet. In einem Augenblick besonders inniger Zuwendung des Partners.wertet. »Der Sohn einer Magd«). So wird etwa eine spontane Zuwendung des Partners als Ausdruck eines schlechten Gewissens. . der aus Schuldgefühlen.

wie wenig liebenswert er sich verhält. die er . und dennoch verlassen würde. Man findet bei schizoiden Menschen nicht selten eine infantil gebliebene Sexualentwicklung auch bei sonst hochdifferenzierten Persönlichkeiten. sind alle Triebverbrechen denkbar. Er spürt. Die Motivierung kann dann so aussehen: Wenn es schon nicht möglich scheint. Absichtliche und Dämonische umgedeutet. daß er gerade da. sich in den Partner einzufühlen und die Gefühlsverkümmerung. Daher muß er überall Rivalen wittern. daß der schwer Kontaktgestörte diesen gegenüber weniger Angst hat und mit dem kindlichen Zutrauen rechnen kann.die ursprünglich den ehemaligen Bezugspersonen der Kindheit gegolten haben. daß er so kaum jemanden halten kann. mit einer Lust am Zerstören. Natürlich kann sich an solchen Ersatzobjekten ihre Liebesfähigkeit nicht entwickeln. Das kann sich bis zum Beziehungswahn steigern. wie wenig liebesfähig er ist. Solche Enttäuschungspro- . sich aber nicht anders verhalten kann. allein auszukommen.dann bin ich wenigstens der Handelnde und nicht nur der Erleidende. Eine nicht in das Persönlichkeitsganze integrierte. gleichsam sich selbst zum Partner zu nehmen in ausschließlicher Selbstbefriedigung.für bessere Liebende und für liebenswerter hält. wo er lieben und geliebt werden möchte. daß ich geliebt werden kann. und ahnt.oft mit Recht . obwohl auch diese Formen gestörter Liebesfähigkeit noch Elemente des Liebenwollens enthalten. Aus der Schwierigkeit. Harmlose. wie es etwa beim Fetischismus der Fall ist. ganz natürliche Verhaltensweisen des Partners werden dann von ihm voller Spitzfindigkeit und Haarspalterei ins Hintergründige. als wenn er sich wirklich um ihn bemüht hätte. Manchmal kommt bei ihm die unterdrückte Liebesfähigkeit und Hingabesehnsucht als extreme Eifersucht bis zum Eifersuchtswahn zum Durchbruch. kommt dazu die weitgehende Unfähigkeit. Die manchmal anzutreffende Wahl geschlechtlich unreifer Kinder oder Jugendlicher als Sexualpartner läßt sich daraus verstehen. So kann man Verhaltensweisen verstehen. mit einem Partner eine Gefühlsverbindung einzugehen. die Partnerschaft mit der Zeit unerträglich werden lassen und sie schließlich zerstören. suchen Schizoide auch oft. sich besonders wenig liebenswert gibt. Oder sie weichen auf Ersatzobjekte aus. was ich doch nicht halten kann . Wendet sich dann der Partner von ihm ab. ist ihm das weniger schmerzlich. abgespaltene Triebseite ist indessen immer gefährlich. noch Ausdruck ihrer suchenden Sehnsucht sind. ja überhaupt einen Partner zu finden. zerstöre ich lieber selbst. unter der er selbst leidet.

phylaxe ist bei schizoiden Menschen nicht selten; sie enthält meist unbewußt - zugleich den Aspekt einer Bewährungsprobe für den Partner: Wenn er mich trotz meines Verhaltens noch liebt, liebt er mich wirklich. Überall läßt sich dahinter erkennen, wie schwer es solchen Menschen ist, sich für liebenswert zu halten. In Extremfällen kann das Mißtrauen und die Eifersucht bis zum Mord führen: Wenn der Partner mich nicht liebt, soll er auch keinen anderen lieben können. Bewußt wird die Hingabeangst von schizoiden Menschen meist nur als Bindungsangst erlebt. Die Sehnsucht nach Hingabe, die ja auch zu unserem Wesen gehört, staut sich durch die Unterdrükkung auf und verstärkt die Angst, so daß Hingabe dann nur noch als völliges Sichausliefern, als Ich-Aufgabe und Verschlungen werden vom Du vorgestellt werden kann. Dadurch kommt es zu einer Dämonisierung des Partners, die nun rückwirkend wieder die Angst verstärkt, und manche sonst unverständliche Verhaltensweisen schizoider Menschen verständlicher macht, vor allem ihren plötzlichen Haß, der aus dem Gefühl der Bedrohtheit durch ein übermächtiges Du entsteht, ohne daß sie erkennen, daß ihre eigene Projektion dem anderen erst solche Macht verleiht. So fällt es dem schizoiden Menschen schwer, eine dauerhafte Gefühlsbeziehung zu wagen. Er neigt mehr zu kurzfristigen, intensiven, aber wechselnden Beziehungen. Die Ehe ist für ihn eine Institution mit allen Unvollkommenheiten menschlicher Einrichtungen, daher selbstverständlich auflösbar, wenn sie nicht mehr als befriedigend erlebt wird. Sie sollte den menschlichen Bedürfnissen mehr Rechnung tragen, und an sie angepaßt werden. Untreue ist seiner Meinung nach in einer Dauerbeziehung unvermeidlich; er fordert für sich Freiheit und ist - das allerdings mehr theoretisch und nicht immer so selbstverständlich in der Realität - bereit, sie auch dem Partner zuzugestehen. Oft ist er ein Theoretiker der Ehe, ein Ehereformer; zumindest wagt er es, gegen Konventionen und Traditionen seinen eigenen Lebensstil durchzusetzen und nach seiner Überzeugung zu leben. Darin zeigt er oft mehr Ehrlichkeit und Zivilcourage als viele andere. Manchmal hat er durchaus dauerhafte Beziehungen, schreckt nur vor deren Legalisierung zurück, weshalb es bei ihm häufiger zu eheähnlichen Bindungen ohne Heirat kommt. Bei frühem Ausfall einer Mutterbeziehung oder nach Enttäuschungen an der Mutter, findet man nicht selten Bindungen an ältere, mütterliche Frauen; diese können ihn vieles nachholen lassen, was er als Kind entbehren mußte. Solche Frauen vermögen manchmal Wärme und Geborgenheit zu geben ohne große eigene Ansprüche; es sind schenkende Frauen, die ein un-

mittelbares Verständnis für seine Situation haben, von ihm nicht erwarten, was er nicht geben kann, und ihn gerade dadurch mehr binden, als er es sonst zulassen könnte. Nur die tiefer Gestörten mit entsprechenden Früherfahrungen entwickeln einen ausgesprochenen Frauenhaß mit Racheimpulsen der Frau gegenüber. Da von dem Schizoiden in seiner Lebensgeschichte das Weibliche als unvertraut und bedrohlich erlebt wurde, finden wir bei ihm nicht selten die Hinwendung zum gleichen Geschlecht; oder sie wählen eine Partnerin, die durch quasi männliche Züge ihm nicht so »ganz anders« erscheint, wie eine sehr weibliche Frau. Die Beziehung ist dann oft eine mehr geschwisterlich-kameradschaftliche, fußt mehr auf gemeinsamen Interessen, als auf der erotischen Anziehung der Geschlechter. In allen Beziehungen erträgt er dauernde Nähe schwer - getrennte Schlafzimmer etwa sind ihm selbstverständliches Bedürfnis, und die Partnerin muß Verständnis dafür haben, will sie ihn nicht in die Abwehr und eine dann erzwungene Distanzierung treiben. Zusammenfassend können wir sagen, daß der schizoide Mensch aus welchen Gründen, werden wir noch besser verstehen - es wohl am schwersten hat, seine Liebesfähigkeit zu entwickeln. Er ist ungemein empfindlich gegen alles, was seine Freiheit und Unabhängigkeit einzuschränken droht; er ist in der Gefühlsäußerung karg und am dankbarsten, wenn ihm der Partner eine unaufdringliche Zuneigung, ein Stück Heimat und Geborgenheit gibt. Wer ihn zu nehmen versteht, kann mit seiner tiefen Zuneigung rechnen, die er nur nicht recht zeigen und zugeben kann. Der schizoide Mensch und die Aggression Hier und in den folgenden Abschnitten über die Aggression habe ich es vorgezogen, von Aggression statt von Haß zu sprechen, weil Aggression die häufigste Ausdrucksform des Hasses ist und in ihren verschiedenen Erscheinungsformen einleuchtender zu beschreiben ist. Angst und Aggression hängen eng zusammen; wahrscheinlich lösen ursprünglich Unlust und Angst erst die Aggression aus, wobei Unlust wohl die Vorform, die archaische Form der Angst in unserer Frühzeit ist. In dieser haben wir die späteren Möglichkeiten der Unlustverarbeitung und Angstüberwindung noch nicht zur Verfügung, sondern sind der Unlust und Angst hilflos ausgeliefert. Was sie in der Frühzeit auslöst, sind intensive Frustrationen wie Hunger, Kälte, Schmerzen; Störungen des Ei-

Penrhythmus und der Integrität des Lebensraumes; Überbelastungen der Sinnesorgane und Einschränkung der Bewegungsfreiheit; Überfremdung des Eigen-Seins durch zuviel überrennende Nähe und Eingriffe anderer; Einsamkeit. Angst ist in dieser Zeit also vor allem intensive Unlust; in jenen Situationen fallen beim Kleinstkind Angst und Aggression zeitlich praktisch noch zusammen: was Unlust und Angst auslöst, löst gleichzeitig Aggression, Wut aus. Was hat das Kleinstkind nun für die Angstbewältigung und für die Abfuhr von Unlust zur Verfügung? Zunächst nur ohnmächtige Wut, die sich im Schreien, später im Strampeln und Umsichschlagen, also in motorischer Entladung und Abreaktion äußert. Da es in der Frühstzeit noch keine Unterscheidung von Ich und Du gibt, sind diese Aggressionsäußerungen noch ganz ungerichtet, auf niemanden bezogen -sie sind einfach Abreaktionen von Unbehagen und Unlust zur Entlastung der Befindlichkeit, zur Entlastung des Organismus. Wir können hier von der archaischen Form der Aggression sprechen; sie äußert sich elementar, spontan, unkontrolliert und menschlich noch unbezogen, daher rücksichtslos und ohne Schuldgefühle - diese würden ja eine mitmenschliche Bezogenheit voraussetzen. Die Intensität der archaischen Angst ist ungemein groß, weil sie durch die völlige Hilflosigkeit des Kleinstkindes, von ihm als seine Existenz bedrohend erlebt wird, als Bedrohung seines gesamten Daseins. Entsprechend total wird die Aggression und die Wut erlebt - das Kind ist in solchen Situationen »ganz Wut« oder »ganz Angst«, nur noch besessen von dem Drang, sie abzureagieren, sie loszuwerden. Reflexhaftes sich Zusammenziehen, sich Zurücknehmen von der Welt, oder der beschriebene Bewegungssturm sind wohl die beiden Urformen der Reaktion auf Angst und Unlust auch bei anderen Lebewesen: die Flucht nach hinten, das sich Zurücknehmen bis zum Totstellreflex, oder die Flucht nach vorn, der Bewegungssturm, der Angriff. Bleibt nun ein schizoider Mensch weiterhin bindungslos, erlebt er sich auch weiterhin als ungeborgen, ungeschützt, ausgesetzt und gefährdet, wird er wirkliche oder vermeintliche Angriffe und Bedrohungen weiterhin als seine gesamte Existenz gefährdend erleben. Dementsprechend sind seine Reaktionen darauf noch ganz archaisch im oben beschriebenen Sinne: sofortige rücksichtslose Aggression, die nur bedacht ist auf das Beseitigen der Angst bzw. des Angstauslösers, auf die Entlastung seiner Befindlichkeit - »to get it out of one's System« sagen die Engländer sehr treffend. Man kann sich wohl vorstellen, wie gefährlich diese archaischen schizoiden Aggressionen werden können, die aus dem Gefühl der

existentiellen Bedrohtheit bei Menschen stammen, die kaum Bindungen kennen. Sie werden bei ihnen durch nichts gehalten, gebunden, sie sind nicht integriert in ihre Gesamtpersönlichkeit. So bleiben sie elementare Triebabfuhr ohne Rücksicht. Wie wir es schon bei der Sexualität gesehen hatten, bleibt auch ihre Aggression, bleiben ihre Affekte vom Gesamterleben isolierte, abgespaltene, rein triebhafte Abreaktion, sind nicht eingeschmolzen in ein ganzheitliches emotionales Erleben. Da es ihnen auch weitgehend an Einfühlung mangelt, sind praktisch keine bremsenden Kräfte vorhanden. So dient die Aggression weiterhin nur der Entlastung von Spannungen, wird unkontrolliert und ohne Schuldgefühle ausgelebt. Hinzu kommt, daß schizoide Menschen aus ihrer mitmenschlichen Unbezogenheit heraus keine Vorstellung von der Wirkung ihrer Affekte und Aggressionen auf andere haben - sie haben sich ja »nur« abreagiert; der andere ist ihnen dabei gar nicht so wichtig gewesen. Daher sind sie oft zu scharf, verletzend und brüsk, ohne es zu wissen. In einer Tageszeitung war zu lesen, daß ein Jugendlicher einen Knaben umgebracht hatte. Auf die Frage nach seinen Motiven gab er achselzuckend zur Antwort, er hätte keine besonderen Gründe gehabt - der Junge habe ihn irgendwie gestört. So gefährlich kann eine isolierte, vom Gesamterleben abgespaltene, durch nichts gebundene Aggression werden, die aus einer Bereitschaft zum Haß kommt, die durch kleinste Anlässe ausgelöst werden kann. Sie kann sich verselbständigen und alle denkbaren Extremformen annehmen, besonders, wenn sie sich mit dem ebenfalls nicht integrierten Sexualtrieb verbündet. Das »Selbstporträt des Jürgen Bartsch« gibt davon ein erschütterndes Zeugnis. Der amerikanische Psychiater Kinzel hat an Gefangenen festgestellt, daß die Aggressiven unter ihnen (violent men) einen doppelt so großen Schutzkreis (circle of protection) hatten, wie die nicht Aggressiven. Die Aggressiven - wir würden sie unter die Schizoiden rechnen - reagierten beim Überschreiten dieses Schutzkreises, dieser unsichtbaren, imaginären Grenze durch einen anderen, mit Panik, die sofort in wilden Angriff umschlug. Ein eindrucksvolles Beispiel für schizoide Weltbefindlichkeit, die ein Patient einmal so formulierte: »Wenn man meine Distanz durchbricht, kommt Haß auf.« Man wird an die von Konrad Lorenz beschriebenen Reaktionen bei Tieren erinnert, die mit heftiger Aggression den angreifenden, der ihre Reviergrenze übertritt (Konrad Lorenz: »Das sogenannte Böse«). Seine mitmenschliche Ungeborgenheit und Bindungslosigkeit, sowie das aus ihnen resultierende Mißtrauen, lassen den schizo-

Aggression kann bei ihm daher eine Form der Werbung sein. Eine archaische. aggressive Anfassen statt der nicht gewagten oder nicht gekonnten Zärtlichkeit. daß bei ihnen Aggressionen auch diese Bedeutung einer Werbung haben können. wenn man sich durch ihn bedrängt fühlt. Sie selbst leiden im allgemeinen nicht unter ihnen. Aggressivität fällt ihnen leichter. Schroffheit. das Verbergen der Gefühle. die er zuerst mit Angst. kann sich auch die Aggression gefährlich verselbständigen und dann ins Asoziale oder Kriminelle führen. Im Sinne der Urbedeutung des Wortes ad-gredi — an jemanden herangehen. beantwortet. eisige Kälte und Unerreichbarkeit. Zynismus und sekundenschnelles Umschlagen von Zuwendung in feindselige Ablehnung sind ihre häufigsten Ausdrucksmöglichkeiten von Aggressionen. das rauhe. bis zu allen möglichen Formen der Grausamkeit. denn aus ihrem Erleben heraus finden sie ihr Verhalten durchaus situationsadäquat. die Angst. Auf . zu wissen. kann bei ihnen zur lustvollen Aggressivität werden. wie sie für die Pubertät charakteristisch sind. um so mehr leidet aber ihre Umwelt. Aber auch abgesehen von solchen Extrembeispielen ist es für schizoide Menschen nicht leicht. der sofort die Aggression folgt. plötzliche verletzende Schärfe. Wie alle ungebundenen. als das Äußern von Zuneigung und anderen positiven Gefühlen. sich zu blamieren. abgespaltene Aggression kann bis zur Gewalttätigkeit gehen. des Sadismus. das ihm hierfür zur Verfügung steht. Bei schizoiden Menschen hat aber die Aggression oft noch eine andere Funktion als die der Abwehr und des Schutzes. nicht integrierte.letzteres allerdings nur von außen gesehen. Dieses Lebensgrundgefühl Schizoider macht manche oft unverständlichen Reaktionen verstehbar. Hier wie beim Schizoiden besteht die gleiche Mischung aus Angst und Begehren. situationsangemessener Aggression . die uns vergleichsweise erinnert an die noch ungekonnten Versuche der Annäherung an das andere Geschlecht. die einen anderen wie ein lästiges Insekt beseitigt. vom Gesamterleben abgespaltenen Triebe. ihre Aggressionen zu kontrollieren. ist sie für ihn ein Mittel. Kontakt aufzunehmen. gekonnter. die dann um ihrer selbst willen ausgeübt wird. sich sofort zurückzunehmen. Es ist für den Umgang mit schizoiden Menschen wichtig. die Bereitschaft. Ihnen fehlen auch hier die »Mitteltöne« beherrschter. das Umschlagen von Zuneigung in Abneigung und der Zynismus bei wirklichem oder vermeintlichem Abgelehntwerden. Was ursprünglich Angstabwehr war. oft das einzige.iden Menschen die Annäherung eines anderen als Bedrohung erleben.

überrannt zu werden. das für diese Menschen so charakteristisch ist. Die andere Möglichkeit ist die. muß sich daher abgrenzen und teilweise verschließen. eine geringe Bindungsneigung oder -fähigkeit. und entwickelt daran das mißtrauische Sichzurücknehmen. zu »hautlos«. So ist für den Schizoiden die Distanz notwendig. daß man abgewiesen. Aus der psychotherapeutischen Arbeit mit ihnen wissen wir. zu einem typischen Wesenszug von ihnen wird. es ihnen am ehesten möglich wird.Grund ihrer großen Lücken im mitmenschlichen Kontakt haben sie auch hier eine breite Unsicherheit. wenn man ihnen in gleichmäßiger Zuwendung die Zeit dafür läßt. in seiner Eigenart nicht bejaht und angenommen wird. Der lebensgeschichtliche Hintergrund Wie kann es nun zu schizoiden Persönlichkeitsentwicklungen kommen. Die Distanz schafft ihm die Sicherheit und den Schutz. um nicht von der Fülle aller aufgenommenen Reize überschwemmt zu werden. damit er überhaupt der Welt und dem Leben gewachsen ist. vor allem der Mutter. daß. enttäuscht. zugleich aber bereits deutlicher auf die Umwelt als auslösenden Faktor weisend. Labilität und Verwundbarkeit. nicht von anderen überfremdet. Anlagen. weil man zu große physische und psychische Nähe wegen der radarähnlich fein reagierenden Sensibilität und gleichsam Durchlässigkeit als zu »laut« empfindet. aggressiv-triebhafte Anlage vorliegt. Nicht eigentlich zur Konstitution im eben verwendeten engeren Sinne zu rechnen. wären körperliche oder sonstige Wesensmerkmale zu nennen. daß eine besonders intensive motorisch-expansive. aber doch im Körperlichen liegend. der Selbstbewahrung? Konstitutionell entgegenkommend ist dafür einmal eine zartsensible Anlage. Als Selbstschutz legt man dann eine Distanz zwischen sich und die Umwelt. zu jener überwertigen Angst vor der Hingabe und. eine große seelische Empfindsamkeit. ihre Aggressionen zu integrieren. zu dem überwertigen Betonen der »Eigendrehung«. es zu lernen. er ist von der Anlage her gleichsam ein zu offenes System. durch die man von früh an leichter als lästig oder störend empfunden wird. daß es nicht das erwünschte . Dann macht man immer wieder die Erfahrung. zurechtgewiesen. entsprechend. durch die ein Kind von Anfang an die Erwartungen und Wunschvorstellungen seiner Eltern. ihre Kontaktlücken aufzufüllen. Das kann schon darin liegen. mit ihnen adäquat umzugehen.

Geschlecht hat, aber auch an beliebigen anderen physischen Merkmalen, die es der Mutter schwer machen, ihm die Zuwendung und Zuneigung zu geben, die es hier braucht; auch unerwünschte Kinder sind hier zu erwähnen. Zu diesen konstitutionellen Aspekten - bei denen aber oft die Reaktion der Umwelt darauf mehr für die schizoide Entwicklung verantwortlich zu sein pflegt, als die Anlage selbst - kommen aber nun Umweltfaktoren als wesentlichste Auslöser schizoider Persönlichkeitsentwicklungen hinzu. Um das besser verstehen zu können, müssen wir uns die Situation des Kindes nach der Geburt und in den ersten Lebenswochen vor Augen führen. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen ist das Kind nach der Geburt in einer sehr lange währenden extremen Hilflosigkeit und völligen Abhängigkeit von seiner Umgebung. Adolf Portmann hat in diesem Zusammenhang vom Menschen als einem zu früh Geborenen gesprochen. Damit sich das Kind allmählich vertrauend der Umwelt zuwenden und die erste Du-Findung vollziehen kann, muß ihm diese Umwelt annehmbar und vertrauenerweckend erscheinen. Annehmbar im Sinne von altersgemäß seinen Bedürfnissen entsprechend. Das Kleinstkind braucht eine Atmosphäre, die man am ehesten als Geborgenheit, sich Aufgehobenfühlen, sich Behaglichfühlen beschreiben kann, als Eingebettetsein in ihm angemessene Lebensbedingungen. Diese »paradiesische« Phase selbstverständlich erfüllter Bedürfnisse sollte es erleben dürfen, weil erst aus solchem Urvertrauen es allmählich wagen kann, die Hingabe an das Leben zu riskieren, ohne die Angst, vernichtet zu werden. Seltsamerweise haben wir von diesen dem Kleinstkind nötigen Lebensbedingungen lange nur sehr unbestimmte Vorstellungen gehabt; meist wurde die Differenziertheit und Wahrnehmungsfähigkeit des Säuglings weit unterschätzt, die Wirkung von Außeneinflüssen auf ihn ebenfalls. Sehr eindrucksvoll dafür sind die Untersuchungen des Schweizer Kinderarztes Stirnimann an Neugeborenen. Aus seinem Buch »Psychologie des neugeborenen Kindes« nur ein paar Zitate dafür: »In durchaus seriösen Büchern . . . wird die Schmerzempfindung bis zur 6. Woche für ausgeschlossen gehalten; . . . Daß dies nicht der Fall ist, beobachtete ich bei Injektionen, bei denen ich mit der Sicherheit eines Experimentes . . . voraussagen konnte, daß Neugeborene bei der zweiten Injektion am folgenden Tage schon bei der Desinfektion weinen.« Und über das Gedächtnis: ».. . es gibt auch eine vorgeburtliche Erinnerung: Kinder von Wirtsfrauen sind nach den Beobachtungen unserer Nachtschwestern oft bis nach Mitternacht wach, ohne dabei zu

schreien, während Kinder von Bäckersfrauen morgens 2 bis 3 Uhr häufig unruhig werden. Durch die Tagesarbeit und die Nachtruhe der Mutter hat sich das Kind vor der Geburt schon an den rhythmischen Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe gewöhnt.« Hier ist offensichtlich noch viel zu erforschen; mit Sicherheit dürfte aber aus diesen und anderen Beobachtungen Stirnimanns hervorgehen, daß wir das Empfindungs-, Wahrnehmungs- und Gefühlsleben des Neugeborenen weit unterschätzt haben. Sachgemäße Säuglingspflege, Ernährung und Hygiene schienen lange Zeit das Wichtigste und völlig Ausreichende für das Kleinstkind zu sein. Erst durch die sorgfältige Erforschung der frühen Kindheit, vor allem auch durch die Psychoanalyse Freuds und seiner Schüler, haben wir hier ganz neue Einsichten gewonnen, ergänzt durch die Verhaltensforschung. Wir verdanken ihnen das Wissen um die prägende Bedeutung von Ersteindrücken und Früherfahrungen, besonders auch das Wissen um die Bedeutung der ersten Lebenswochen. Zwar hatte schon Goethe (Gespräch mit Knebel 1810) die gleiche Erkenntnis gehabt, wenn er sagte: »Ein Grundübel bei uns ist, daß auf die erste Erziehung zu wenig gewandt wird. In dieser aber liegt größtenteils der ganze Charakter, das ganze Sein des künftigen Menschen«. Solche intuitiven Einsichten blieben aber vereinzelt, und es wurden nicht die nötigen Folgerungen daraus gezogen. Heute wissen wir, daß die erste Umwelt dem Kinde neben der erwähnten unerläßlichen Säuglingspflege auch emotionale Wärme, Zuwendung, ein ihm angemessenes Maß sowohl an Reizen wie an Ruhe und eine gewisse Stabilität des Lebensraumes bieten muß, damit es sich vertrauend und aufgeschlossen antwortend zu ihr einstellen kann. Von großer Wichtigkeit ist dabei besonders, daß das Kind genügend körpernahe Zärtlichkeit erlebt. Erfährt das Kind dagegen in dieser Frühstzeit die Welt als unheimlich und unzuverlässig, als leer, oder aber als überrennend und überschwemmend, wird es sich von ihr zurücknehmen, abgeschreckt werden. Anstatt sich vertrauend der Welt zuzuwenden, wird es ein ganz frühes und tiefes Mißtrauen erwerben. Sowohl die Leere der Welt, die das Kind erlebt, wenn es zu oft und zu lange allein gelassen wird, als auch ein Übermaß an Reizen und wechselnden Eindrücken, oder eine zu große Intensität der Reize, wirken schizoidisierend auf es; es wird dann bereits im ersten Ansatz seiner Weltzuwendung gestört und gleichsam auf sich selbst zurückgeworfen. Rene Spitz hat in seinen Untersuchungen an Heimkindern gezeigt, daß Kinder, die in den ersten Lebenswochen zu lange von

der Mutter getrennt wurden, und so einen ganz frühen Ausfall an mütterlicher Zuwendung erlebten, schwere bis irreparable Schädigungen in ihrer Entwicklung nahmen - selbst bei bester Ernährung und einwandfreien hygienischen Bedingungen, die sie in einem Heim vorfanden, in dem 10 Kinder auf eine Kinderschwester kamen. Alle ganz früh vernachlässigten oder durch ein Reizüberangebot verschreckten Kinder werden zumindest erhebliche Verspätungen, Einseitigkeiten, Ausfälle oder nicht altersangemessene Frühreife in ihrer Entwicklung aufweisen, weil sie die hier notwendigen Lebensbedingungen nicht oder nicht ausreichend erhielten, und dadurch altersunangemessenen Ängsten ausgesetzt waren. Besonders leicht kommt es zu solchen frühen schizoidisierenden Schädigungen auch bei den von Anfang an ungeliebten oder unerwünschten Kindern; weiter bei solchen, die frühen Trennungen etwa durch längeren Klinikaufenthalt wegen Erkrankungen, oder dem Verlust der Mutter ausgesetzt waren. Gleiches gilt bei lieblosen oder zu gleichgültigen Müttern, bei zu jungen Müttern, die für die Mutterschaft noch nicht reif waren, gilt auch für die »goldeneKäfig-Kinder«, die oft lieblosem oder gleichgültigem »Personal« überlassen werden, weil die Mutter »keine Zeit« für sie hat; auch die Mütter, die nach der Geburt zu früh wieder arbeiten und das Kind zu lange sich selbst überlassen müssen, können ihm nicht das geben, was es hier braucht. Neben solchem Mangel an liebender Zuwendung in der Frühstzeit als einer Quelle für schizoide Persönlichkeitsentwicklungen, ist die andere das Reizüberangebot, wie es bei den Müttern vorliegt, die das Kind nicht in Ruhe lassen und keine Einfühlung in seine Bedürfnisse haben. Das erscheint vielleicht weniger einleuchtend und soll deshalb noch näher beschrieben werden: Für die beginnende Orientierung des Kleinstkindes ist es unerläßlich, daß seine Umgebung eine gewisse Stabilität aufweist, wodurch sie ihm allmählich vertraut wird, so daß es Vertrauen zu ihr fassen kann - Vertrautwerden ist die Basis des Vertrauenkönnens. Ein zu häufiger Wechsel der Bezugspersonen, ein Zuviel an Wechsel der Umgebung und an Sinneseindrücken, kann von ihm nicht verarbeitet werden (z. B. anhaltende lärmende Geräuschkulissen durch Radio und Fernsehen, helle Beleuchtung bis in die Schlafenszeit des Kindes, häufige unruhige Reisen usf.). Solche Unruhe der Umgebung und die Mütter, die gleichsam in das Kind einbrechen, sein Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein überrennen, indem sie sich zuviel mit ihm beschäftigen, es überall mit sich herumschleppen und ihm keine Möglichkeit zu seinen Eigenimpulsen lassen, bewirken ebenfalls, daß das Kind sich zurücknimmt und sich

ängstlich und irritiert verschließt. Neben diesen Milieus gibt es auch solche, die das Kind früh überfordern und dadurch schizoidisierend wirken, weil sie ihm kein organisches Wachstum ermöglichen. Es sind diejenigen, in denen sich das Kind zwischen sehr schwierigen oder unreifen Erwachsenen hindurchlavieren muß, die mit ihren eigenen Schwierigkeiten bzw. mit dem Leben nicht fertig werden. Es muß dann zu früh Stimmungen erspüren und Situationen verstehen, um die an sich gespannte und zugleich labile Atmosphäre nicht noch mit sich selbst zu belasten, ja, es muß nicht selten die Elternrolle für sich selbst und die Eltern übernehmen, weil es an ihnen keinen Halt findet und sie selbst keinen in sich haben. Das ist natürlich eine grenzenlose Überforderung für ein Kind; bevor es sich selbst gefunden hat, wird es in die Elternrolle geschoben, muß ein Verständnis für die Erwachsenen aufbringen, daß es gar nicht dazu kommt, es selbst zu sein, weil es immer nach allen Seiten denken, vermitteln, verstehen und ausgleichen muß, auf solche Weise das Leben der anderen mehr leben muß als es sein eigenes leben kann. Damit wird es nicht nur um seine Kindheit betrogen, sondern es bleibt auch sein Wesenskern unentwickelt, die Sicherheit in sich selbst, und es wird ihm zum Lebensgrundgefühl, auf brüchigem Boden zu stehen. Stand man so in der Welt, wird man bemüht sein, sich unverletzlich zu machen wie Siegfried durch das Bad im Drachenblut, um wenigstens der Welt keine Blößen zu zeigen - es werden aber immer verwundbare Stellen übrig bleiben. Wie kann man sich unverletzlich machen? Offenbar, indem man sich gefühlsmäßig nicht mehr erreichen läßt, indem man gleichsam mit einer Tarnkappe unerkannt und anonym durch die Welt geht. Man legt sich eine glatte Fassade zu, hinter die niemand blicken kann, so daß andere nie wissen, woran sie mit einem sind. Soweit dennoch Gefühle nicht vermeidbar sind, entwickelt man die Fähigkeit, sie bewußt zu steuern, zu dosieren. Man reflektiert sie also und lernt es, sie bewußt zuzulassen oder abzustellen, wird sich ihnen aber keinesfalls spontan überlassen, denn das könnte gefährlich werden. Als die Freundin einer jungen Patientin dieser mitteilte, ihre Eltern hätten sich bei ihr beschwert, daß die Patientin so kalt und feindselig zu ihnen sei, sagte sie nach kurzem Überlegen: »Gut, dann werde ich meinen Haß abstellen« - woraufhin ihr Verhältnis zu den Eltern noch ferner und unbezogener wurde. Es sei hier angefügt, daß wir auch noch als Erwachsene eine Toleranzgrenze gegenüber Sinneseindrücken haben; es ist bekannt, daß wir, wie es in manchen Ländern bei Verhören angewendet wird, durch anhaltende Geräuschkulissen oder Lichtein-

können Ansätze dazu schon hier gelegt werden durch den Ausfall der geschilderten Innigkeit zwischen Mutter und Kind. Flüchtlingsschicksale. und die Unverbindlichkeit in der Beziehung der Geschlechter. die Neigung zur Unabhängigkeit und die Egozentrizität. Wenn wir für die Entstehung der Schizoidie den Mangel an Bindung als ein entscheidendes Charakteristikum erkannten. Es ist dabei komplizierteren Lernvorgängen ausgesetzt. Wenn es draußen keinen adäquaten Partner findet. diesen Entwicklungsvorgang zumindest erschweren. Wir können hier nur andeuten. die Selbstbezogenheit. Die Folge aller beschriebenen Störungen ist jedenfalls. daß die Generation. Von hier aus gesehen bekommt es auch eine besondere Bedeutung. bei denen man sich als zugehörig erleben und doch anonym bleiben kann. nimmt sich selbst zum Partner. und vollzieht den Schritt von sich weg auf das Du hin unzureichend. In der Weiterentwicklung und wenn es später keine korrigierenden Erfahrungen machen kann.Wirkung. lang anhaltende Einsamkeit und Dunkelheit können ähnliche Wirkungen hervorrufen. greift es auf sich selbst zurück. die Neigung zu Gruppenbildungen und Massenveranstaltungen. können hierher gerechnet werden. von der ihm so verläßlich alle Bedürfnisbefriedigung kommt. oder von ihr enttäuscht wird. in deren Frühzeit der Krieg fiel. sowie durch Abgehaltenwerden vom Schlaf seelisch zermürbt werden können. entstehen daraus die oben beschriebenen Lücken. Trennung der Familie. Verlust der Heimat usf. daß das Kind sich von Beginn an gegen die Welt wehren und vor ihr schützen muß. ob ein Kind an der Brust oder mit der Rasche gestillt wird. wie das Brustkind. von Dankbarkeit und Liebe entstehen. Die regelmäßige Wiederkehr der Mutter und die beide beglückende Innigkeit beim Bruststillen ermöglicht dem Kinde nicht nur das allmähliche Wiedererkennen der Person. die sich dazu noch sehr verschieden dem Kind gegenüber verhalten mögen. und wird sich schwerer so intensiv an einen Menschen gebunden fühlen. Das Halbstarkenproblem ist hiermit in Zusam- . Natürlich ist die Toleranzgrenze des Kleinkindes eine viel engere. So sehen in großen Zügen die Umweltfaktoren aus. Beim Flaschenkind können immer wieder wechselnde Personen. daß diese Generation gehäuft schizoide Züge aufweist: ihre Abneigung gegen familiäre Bindungen.). der für viele Kleinkinder ähnliche wie die oben erwähnten Umweltbedingungen bedeutete (Unruhe in den ersten Lebenswochen und darüber hinaus durch nächtliche Bombenangriffe. die schizoide Persönlichkeitsentwicklungen begünstigen. sondern läßt in ihm auch die ersten Ansätze von auf einen Menschen gerichteter Hoffnung.

trotz allem Komfort fühlen wir uns immer gefährdeter. oft ist sie aber abstoßend. die Hippies und Gammler wollen bewußt auf die Errungenschaften einer Technik und Zivilisation verzichten. Die Beherrschung der Natur. wie man es genannt hat. soweit sie mit den Umwelteinflüssen zusammenhängen. die Zeit und Raum überwindende Technik. Mangel an altersgemäßer Geborgenheit in der frühesten Kindheit ist also gleichsam die Kurzformel für die Entwicklung schizoider Persönlichkeitsstrukturen. häufig das gesamte Musikerensemble nach Proben solcher Stücke krank fühlen.menhang zu sehen. Ob und wie weit vorgeburtliche. die durch den »Verlust der Mitte«. intrauterine Einflüsse über den mütterlichen Organismus hier schon mit hereinwirken. wie wir es für die Entstehung schizoider Strukturmerkmale erkannt hatten. daß wir heute in der Lage sind. Auch manche Züge der modernen Kunst. die Hörfähigkeit schon vor der Geburt nachzuweisen: Man stellte eine schwangere Frau vor den Röntgenschirm und ließ eine Autohupe ertönen. zu meditativen Übungen bewerten. Nach Fuhrmeister und Wiesenhütter (»Metamusik«) soll sich in Orchestern. haben in uns ein Gefühl existentieller Bedrohtheit entstehen lassen. So gibt Stirnimann in seinem schon erwähnten Buch an. deren unkontrollierte Herrschaft uns allen immer fragwürdiger geworden ist. die gefährliche Machbarkeit und Beeinflußbarkeit auch lebendiger Entwicklungen durch Technik und Naturwissenschaften. und unser Lebensgefühl wird labilisiert durch die Überfülle an Reizen. die vorwiegend moderne Kompositionen aufführen. uns selbst total zu vernichten. daß es gelang. denen wir ausgesetzt sind und gegen die wir uns nur schwer abschirmen können. Als Gegenbewegung läßt sich die zunehmende Neigung zum Yoga. drohen unsere gemüthaften Seiten immer mehr verkümmern zu lassen. Schizoide Kunst wirkt am ehesten aufrüttelnd. Aber auch die gesamte Umweltsituation des westlichen Menschen wirkt sich schizoidisierend aus: die Welt gibt uns immer weniger Geborgenheit. wenn auch durchaus wahrscheinlich. und die Lebensbedingungen. Möglicherweise kann über das emotionale und af- . so daß wir von einem Schizoidisierungsprozeß der westlichen Gesellschaft sprechen können. und das spürbar werdende Bedürfnis nach einer Rückbesinnung auf die Innenwelt läßt sich noch im Gebrauch der Drogen erkennen. als diese Generation in die Pubertät kam. das auftrat. ist noch zu wenig erforscht. charakterisiert werden können. unter denen wir unseren Existenzkampf durchführen müssen. das Schreckgespenst möglicher Kriege und das Wissen. woraufhin das Kind zusammenzuckte.

feindselige. wonach er sich sehnte. Hier sieht man recht klar die Aussichtslosigkeit. der Freund habe ihm nur seine Überlegenheit zeigen und ihm seine klägliche Lage vor Augen führen wollen . daß er dem anderen eine Bewährungsprobe zumutete: Wenn er es mit seinem Helfenwollen wirklich ernst meint. Beispiele für schizoide Erlebnisweisen Ein begabter. Vor sich selbst argumentierte er. Im zweiten Falle wäre er in seiner Weltan- . wenn die Mutter statt Bejahung und freudiger Erwartung . auch im Rahmen seiner Interessen lag. Er mußte das vor sich selbst umdeuten. aus solchem verhängnisvollen Zirkel herauszukommen und neue Erfahrungen mit Menschen zu machen: Wann ist für ihn die Garantie gegeben. indem er dem Freunde fragwürdige Motive unterschob. und sich um das Verständnis der Hintergründe solchen Verhaltens zu bemühen? Dazu ist die Welt im allgemeinen in keiner Weise geneigt. ablehnende oder haßerfüllte Einstellungen zu dem werdenden Kind hat. wenn er mich trotzdem nicht fallen läßt. Im ersten Falle hätte er nämlich seine Meinung von den Menschen einmal korrigieren müssen und vertrauen können. abhängig zu werden und dem anderen dankbar verpflichtet sein zu müssen. Am Tage. die er bereits zugesagt hatte. daß er an eine echte Zuwendung glauben könnte? Und wer wäre andererseits bereit. über ihre gefühlsmäßige Einstellung zur Schwangerschaft und zum Kinde. an dem er die Stelle antreten sollte. und sich durch mein Verhalten nicht abschrecken läßt. Von einem Bekannten bekam er eine Stellung vermittelt. Dabei lag die Situation bei diesem Mann insofern noch komplizierter.vielleicht habe er sogar homosexuelle Motive gehabt. der Bekannte möchte sich trotz seines Verhaltens weiter um ihn bemühen.fektive Erleben der Mutter. Statt also annehmen zu können. die gut bezahlt war. Etwas tiefer unter dieser schwer verständlichen Haltung lag aber zugleich. bekam er Angst. bedeute ich ihm wirklich etwas. blieb er unentschuldigt weg und verlor die Chance.aus welchen Gründen auch immer . sich soviel zumuten zu lassen. wie daß er ihn fallen ließe. jene Ungeborgenheit bereits im Mutterleib beginnen. und so eine entscheidende Hilfe für ihn bedeutet hätte. als er fast gleich stark wünschte. aber sehr eigenwilliger und fast kontaktloser Musiker lebte in einer schwierigen finanziellen Situation. was ihm wohlwollend angeboten worden war.

ohne daß man recht wußte wie und warum. bei der anderen die Beine. vielleicht sei er politisch nicht zuverlässig usf. daß man sich immer mehr von ihm zurückzog. Daß man dabei eigene unverarbeitete Probleme . ausfällig. Er hatte das Gefühl. Ein weiteres Beispiel für diese Persönlichkeitsstruktur: Ein Mann in mittleren Jahren erlebte sich immer wieder in quälender Form als Außenseiter. war er den meisten Kollegen irgendwie unheimlich. und hätte sich weiter »berechtigt« voll Bitterkeit in seine heroische Einsamkeit und seine Menschenverachtung zurückziehen können. daß andere Menschen ihn ablehnten oder spöttischkritisch ansahen. »schnitt« Arbeitskollegen grundlos. im typischen verhängnisvollen Zirkel. zum Sündenbock des jeweiligen Kollektivs. Biographisch sei hier nur angedeutet. sich über die Gründe ihrer Ablehnung klar zu werden. nichts Gemeinsames mit ihm hatte. sondern. es machte ihn unsicher. weil ihm bei der einen die Art wie sie sich kleidete. fiel in Kleidung und Lebensführung so aus dem Üblichen heraus. in seiner Reaktion darauf tatsächlich immer schwieriger zu behandeln war.. in dem er lebte und wirkte. Er wurde öfter plötzlich. Auf Grund der zunehmenden Distanz und Vereinsamung projizierte nun nicht nur er vieles auf seine Umwelt. auf uns fremd. Er litt darunter. vielleicht sei er »nicht ganz in Ordnung«. wie wir ja immer dazu neigen. die »Lieben« bedeutet.er schien verdächtig zu sein. Da man ihn wenig wirklich kannte. ungewohnt oder unheimlich Erscheinendes eigene Probleme und nicht integrierte. und seine berufliche Laufbahn drohte immer wieder daran zu scheitern. So wurde er mehr und mehr gleichsam zum schwarzen Schaf. ohne daß sie sich indessen jemals bemühten. Dieser Musiker hatte häufig wechselnde Freundinnen. das früh immer wieder zu verschiedenen Verwandten gegeben und von diesen als lästig empfunden wurde.schauung. gegen Vorgesetzte verletzend ironisch. scheinbar ganz unmotiviert. wie es dann in regelmäßig zu findender Wechselseitigkeit zu sein pflegt. kurz . was bequemer war. So bildeten sich bald Gerüchte um ihn. vielleicht stimme es mit seiner Sexualität nicht.Rationalisierungen für seine Bindungsangst und zugleich ein Schutz davor. daß er von anderen als Fremdkörper und als »äußerst schwierig« empfunden wurde und nun. daß er ein außereheliches Kind war. jemanden vielleicht doch einmal zu lieben und sich damit allen Gefährdungen auszusetzen. daß er nirgends wirklich dazugehörte. daß die Menschen doch nicht vertrauenswürdig seien. die Umwelt projezierte ihrerseits ebensoviel auf ihn. bestärkt worden. bei einer dritten ihre Bildung usf. unbewußte Seelenanteile zu projizieren. nicht zusagten . die er jeweils bald verließ.

erfaßte hier und da einen mißtrauischen Blick oder sah.kurz. Wir können danach vermuten. Der Vater war Reiseschriftsteller und in der frühen Kindheit des Sohnes. um aufzuzeigen.tiefer gesehen. von beiden Seiten sich aufschaukelnd. Als er 5 Jahre alt war. sie beging später. des einzigen Kindes.sie hielten das für modern und für ein Zeichen von Freizügigkeit . die schon in den Jahren vorher kaum eine wirkliche Gemeinschaft genannt werden konnte. Nichts von alledem wurde indessen ihm gegenüber je ausgesprochen. niemand kümmerte sich wirklich um ihn. wie sie sich untereinander mit Blicken verständigten. Diese Stiefmutter hatte einen alten Haß gegen ihre Schwester. die Mutter ginge »für längere Zeit fort«.es war seine dritte Ehe. war niemandem bewußt. Der Vater heiratete kurz nach der Scheidung eine Schwester der Mutter . Er stammte aus einem ungewöhnlichen Milieu. zu den späteren sozialen und Kontaktschwierigkeiten. daß sie auch vorher seelisch nicht gesund gewesen war. die er selbst zunächst gar nicht in diesem Zusammenhang sehen konnte.auf ihn projizierte. Er verdiente damals viel Geld und lebte in großem Stil mit rauschenden Festen.was er erst viel später erfuhr . auf. Bald darauf kam übrigens die Mutter . ebenfalls noch sehr früh. er empfand sie nur als rätselhaft und wie schicksalhaft. eigentlich überflüssig und letztlich unerwünscht zu sein.mehrfach auch intime Beziehungen zu anderen Partnern hatten. Selbstmord. und ihm wurde zunächst nur mitgeteilt. ergab sich ein Teufelskreis. er verspürte nur die wachsende. Ich will nun den biographischen Hintergrund dieses Mannes etwas breiter schildern. Er meinte zu erinnern. Die Mutter ging in diesem gesellschaftlichen und luxuriösen Leben ganz auf und hatte für das Kind wenig Zeit . In diesem Milieu wuchs Herr X. er hatte schon früh das Gefühl. worauf der Vater ein viertes Mal heiratete. erfolgte die Scheidung der elterlichen Ehe. wie dort die Keime gelegt wurden zu seiner Schizoidie. als der Junge 15 Jahre alt war. da beide Eltern . sehr erfolgreich. Er blieb beim Vater. die er nicht deuten konnte . So war er von klein auf weitgehend einem Hausmädchen und danach. Er fühlte sich immer als fünftes Rad am Wagen. Verstärkt wurde das noch durch folgende Umstände: Das elterliche Haus lag außerhalb der Stadt auf . zu stören. daß beide immerhin nicht ausgesprochen unfreundlich zu ihm gewesen seien. die zu Hause immer die Bevorzugte gewesen war. wenig Interesse und Liebe.für etwa 2 Jahre in eine Nervenklinik wegen einer Geisteskrankheit. der unlösbar wurde. einem schwarzen Diener überlassen. ohne Kommentar. ihm unverständliche Distanzierung der anderen.

was er selbst später seine »große Krankheit« nannte: Schmal. Sympathie und wohlwollendes Lachen erlebt hatte. war seine Argumentation. später zu dem. auch war er oft wochenlang auf Reisen.Hauslehrern. leiblicher Nähe und gesunden Rivalisierens aus.einem isolierten Hügel in einer noch wenig besiedelten Umgebung. sondern bekam Privatunterricht von .der Vater war stolz. aber letztlich doch komischer Außenseiter empfunden wurde. . gleichgültig gegen Warnungen und Strafen war. Da er bei einigen Gelegenheiten. nach der angedeuteten Vorgeschichte kaum verwunderlich. Das Ergebnis war unter anderem. So wurde der Sohn. die er in der Klasse spielen. Nun tauchten seine Kontaktprobleme erstmals auf. sich in seinem Körper nicht zu Hause fühlte. ein Eigenbrötler. Seinem Vater machte das bei seiner Einstellung eher Spaß. aber keinen wirklichen Freund. daß sich der Sohn genauso wenig wie er kollektiven Ordnungen beugte. hinter der er sich verstecken konnte. Ein freundschaftlicher Kontakt gelang ihm bei aller Sehnsucht danach nicht. auch nicht in die Schule geschickt. was wir heute einen Halbstarken nennen würden. daß er kein gesundes Körpergefühl entwickeln konnte. als er ins Schulalter kam. er machte die Nacht zum Tage. so daß er sogar noch etwas an väterlicher Sympathie bekam . arbeitete nur nachts. indem er alles ironisierte. machte sich über sie lustig . damit fiel ein weiteres Glied möglichen Kontaktes. hoch aufgeschossen und anfällig für Krankheiten. wo er ungewollt komisch wirkte. Er warb um die Sympathie seiner Kameraden. Der Vater. die Lehrer verulkte. die Schule schwänzte usf. Da er zugleich sehr begabt und gescheit war. war noch nie in einer Gemeinschaft gewesen. weil er von den anderen als zwar interessanter und amüsanter. und die dafür charakteristischen Züge von Gehemmtheit und Linkischkeit aufwies. blaß. und schlief am Tage. so daß der Sohn ihn kaum zu Gesicht bekam. Aus Unsicherheit suchte er nun nach einer Rolle. Mit 12 Jahren begann dann.wieder mehrfach wechselnden .sie seien nur für die Dummen und Schwachen. wurde er erst zum Klassenclown. hatte er eine gewisse Anerkennung der Kameraden. weil er da am ungestörtesten war. Er hielt nicht viel von kollektiven Ordnungen. ließ ihn die Stiefmutter vom Turnen befreien und untersagte ihm jede Art von Sport. Erst mit 10 Jahren wurde er eingeschult. Er hatte ja buchstäblich keine Erfahrungen mit Gleichaltrigen bis dahin gemacht. wie er war. »wegen deines Herzens und weil du zu schnell gewachsen bist«. trank häufig und lebte einen eigenwilligen Lebensstil. so daß für den Jungen auch keine Spielkameraden verfügbar waren.

das schon durch Jahre zusammengewachsen war. Nach dem Militär setzte er seine Studien fort. gerade um die Pubertät herum. Mit 24 Jahren heiratete er . und dieser zweite Versuch verlief kontaktmäßig nicht glücklicher als der erste. hinter Überbesorgtheit ihre Abneigung gegen ihn verbergend.was er gar nicht . Man reagierte sauer auf diese Halbstarkenironie und sah nicht die dahinterstehende Not und Hilflosigkeit. Wieder wurde er von den anderen als Fremdkörper erlebt . In einem Testfragebogen nach zukünftigen Berufswünschen schrieb der 15jährige »Berufsraucher«. Er mußte lange im Bett liegen. war eine andere Feststellung von ihm. Die 2 Jahre der Isolierung.oder heterosexuell bin«. er studierte Geschichte. eine latente Lungentuberkulose festzustellen. aber ein erneuter Versuch.Die Stiefmutter schleppte ihn. sich mit Gleichaltrigen zu messen und sich männlich zu bewähren. Sprachen und Literatur. blieb aber auch hier ein Sonderling.was ein typischer Ausspruch schizoider Menschen sein könnte. Nun wurde er für über 2 Jahre auf sein Zimmer und meist sogar auf das Bett beschränkt. »Ich weiß nicht. Die Ärzte spielten das Spiel mit. hatten ihn verständlicherweise noch mehr auf sich selbst zurückgeworfen und seine Kommunikationsschwierigkeiten verstärkt. ob ich homo. bis es endlich einem von ihnen gelang. aus der reichhaltigen väterlichen Bibliothek. Aus den gleichen Beweggründen meldete er sich später freiwillig zum Militär. Die Schüler schätzten seine profunden Kenntnisse und sahen ihm seine Schwächen nach. In dieser Zeit las er Unmengen von Büchern.richtiger wäre es zu sagen: wurde er geheiratet. die er wieder abgesondert von Gleichaltrigen erlebte. wodurch er vorwiegend auf seine Phantasie angewiesen und ohne Partner war. Mit über 14 Jahren kam er dann erst wieder in die Schule. die Unsicherheit über sein Geschlechtsempfinden ausdrükkend. wahllos. Er formulierte einmal in der Behandlung sehr treffend über sich: »Ich bin emotional 10 Jahre jünger als intellektuell« . daß ihn seine Bücher und Studien mehr interessierten als sie . der nur häufig durch seine Ungeschicklichkeit die anderen zu gutmütigem Spott reizte.er kam ja zudem als Neuling in ein Klassenkollektiv. verstand sein Verhalten nicht als Alarmsignal an die Umwelt. was ihm gerade zugänglich wurde. ohne daß etwas Bestimmtes gefunden wurde. »dazuzugehören«. Die Frau beklagte sich bald. von Arzt zu Arzt. der nur in der Welt der Bücher zu Hause war. Als Student trat er in eine schlagende Verbindung ein -etwas ihm völlig Ungemäßes. Nach Abschluß des Studiums ging er ins Lehrfach und wurde ein fachlich anerkannter Eigenbrötler.

daß sie zu wenig auf seine geistige Welt und seine Interessen einging. einen Mangel an Lebenstechnik. sie durch . von niemandem bemerkt und ängstlich verborgen. dazu Mangel an körpernaher Zärtlichkeit und Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes. Man kann wohl verstehen. zur Menschenverachtung. Denn nun macht der Schizoide sozusagen aus der Not eine Tugend. da er ihr das ihm mögliche Maß an Zuwendung gab. Indifferenz. zu wenig Kontakt und gemeinsames Erleben mit Gleichaltrigen. auf die er dann mit schweren Schuldgefühlen und an Verfolgungswahn grenzenden Reaktionen antwortete. Die Steigerung der Verhaltensweisen Schizoider von anfänglichem Mißtrauen über Ablehnung. und die Autarkie als einzige Möglichkeit der Selbsterhaltung erscheint. Gleichgültigkeit und unregelmäßige Verfügbarkeit der Bezugspersonen von Beginn an.es bedarf manchmal nur noch einiger zusätzlicher Auslöser dafür. Man kann wohl auch verstehen. die die fehlende emotionale Kontaktbezogenheit und den Versuch. zu wenig Zugehörigkeit zu Gruppen. und Alleingelassenwerden bei wichtigen Entwicklungsschritten. indem er seine Einsamkeit zu einem Wert erhebt. Die mitgeteilte Biographie enthält manches Typische in bezug auf den lebensgeschichtlichen Hintergrund schizoider Persönlichkeitsentwicklungen: Zu große Ferne. So fielen in die noch junge Ehe bald beiderseitige Untreuen. die ihn schließlich zur Psychotherapie brachten. daß dementsprechend der Impuls zur Selbstbewahrung überwertig werden muß. Ungenügende Entwicklungsmöglichkeiten für die Gefühlsseite. Vertrauen. zum Zynismus und Nihilismus. Ferner der Ausfall an Führung. All das läßt Lücken im Umgehen mit anderen Menschen entstehen. die vor der Hingabe und Nähe. eine Selbstschilderung. besteht eine tiefe Sehnsucht nach Nähe. sich entwickelt. daß von hier aus die Entwicklung leicht ins Asoziale und Kriminelle gehen kann . Noch ein kurzes Beispiel. nach Lieben und Geliebtwerdenwollen. auf seiner Seite auch homosexuelle Erlebnisse. Das kann sich steigern bis zu extremen Formen des Narzißmus und zu verbitterter Feindschaft gegen alle und alles. die zu dem oben beschriebenen Teufelskreis führen. Kälte bis zum Haß und zur Menschenverachtung. zu einer Gemeinschaft.verstand. ist meist die Reaktion auf ihre Umwelterfahrungen. nicht zuletzt durch die Reaktionen der Welt. und seinerseits enttäuscht war. Dahinter indessen. daß auf solcher Basis die eine Grundform der Angst. für das Vertrauenkönnen. die einen solchen Menschen noch mehr auf die Rolle des Außenseiters festlegen. der einen immer wieder auf sich selbst zurückwirft.

verschmelzen nicht zu einheitlichem Erleben. sowie die Organe des Kontaktes und des Austausches betroffen. da er keine ausreichende emotionale Orientierung lernen konnte. Bei ihm ist. in Durchblutungsstörungen. besonders plastisch schildert . bei mir ganz schnell eine Reihe von Schaltprozessen abläuft. es ist. bei ihnen werden entsprechend ihrer Problematik vor allem die Sinnesorgane. nur die Extreme schwarz und weiß vorhanden sind.« Eine ausgezeichnete Beschreibung davon. Schwere Belastungen und Konflikte. die sie nicht bewältigen können. und an ihr drücken sich die Kontaktschwierigkeiten schizoider Menschen bevorzugt aus. wo andere aus dem Gefühl heraus reagieren. die Haut und die Atmung.die »Schaltprozesse« . die Integration der verschiedenen Erlebnis. die Affekte. »gespaltenen« Menschen ist der ganzheitliche Erlebniszusammenhang seiner seelischen Eindrücke.ein schizoider Patient sagte einmal: »Ich habe immer den Eindruck. daß da.rationale Mittel der Orientierung zu ersetzen. mit anderen Worten. Vor allem zwischen Verstand und Gefühl. Mit . Antriebe und Reaktionen in verschieden hohem Maße zerrissen. zwischen Rationalität und Emotionalität. die manchmal schon sehr früh auftreten. vor allem seine Vitalimpulse sind isoliert. besteht ein großer Unterschied des Reifegrades. Ergänzende Betrachtungen Fassen wir noch einmal zusammen: Beim schizoiden. das uns sowohl abgrenzt von der Umwelt. daß bei schizoiden Menschen die ungeübte Gefühlsbeziehung durch intellektuelle Wachheit und radarähnliche Sensibilität der Sinnesorgane und Denkvorgänge . als ob auf der Palette seiner Ausdrucksmöglichkeiten die Mitteltöne fehlten.ersetzt wird.oder Persönlichkeitsschichten durch das einschmelzende Gefühl nicht geglückt. Gefühlsabläufe und Verstandeserfahrungen laufen gleichsam getrennt. stehen ihm keine Gefühlsnuancen zur Verfügung. er kennt vorwiegend die primitiven Vorformen des Gefühls. vom Gefühlserleben abgespalten. Die Haut ist ja das Organ. Weil er sich von früh an durch den Verstand und die Sinneswahrnehmungen orientieren mußte. setzen sich dann in körperliche Symptome um. Als Schutz gegen seine Angst vor der Nähe versucht der schizoide Mensch die größtmögliche Unabhängigkeit zu erreichen. Psoriasis und Schweißen usf. als auch mit ihr in Berührung bringt. asthmatische Beschwerden und Ekzeme gehören hierher. All das sind Folgen des Ausfalls an emotionalen mitmenschlichen Bindungen.

man »ver-rückt« die realen Maßstäbe und rettet sich in eine irreale Welt. verrückt zu werden. wenn man sich ihnen in seiner ganzen Schwäche und Ungeschütztheit zeigen würde. kann bei ihnen unerträgliche Grade annehmen auch in ihr spiegelt sich das Erleben des Anders-als-die-anderenSeins und der Ungeborgenheit in der Welt. in der man selbst gesund und die Außenwelt krank erscheint . Vor allem die Angst. aber diese Angst ist nicht in meinem Ich« . kann Angst durch Anhäufung über lange Zeit Grade erreichen. sondern er erlebte sie als total.er hatte sich völlig von seiner Angst distanziert. Schon das Mitteilenkönnen einer Angst ist eine Erleichterung. Man kann verstehen. wie labil ein solcher Zustand ist. Ein solcher Patient sagte einmal: »Angst ist die einzige Realität. seine emotionale Zuwendung zu ihr. wo man sie leichter vermeiden. wie ein Teufelsrad. wird ver-nichtet. die nicht mehr auszuhalten sind. Ein solches Lebensgefühl drücken die Träume schizoider Menschen oft aus: »Ich befinde mich auf einer großen rotierenden Scheibe. eine zunehmende Egozentrizität unvermeidbar verbunden. sie schien gar nicht mehr in seinem Bewußtsein zu sein. Konkretem. ich kann mich kaum noch halten. Man wird »verrückt«. denn Einsamkeit und Isolierung wirken angstverstärkend. die ihn mehr und mehr in die Isolierung treibt. den man als Objektverlust bezeichnet hat und der von ihm selbst oft als Weltuntergangserlebnis beschrieben wird. die ich kenne«.solcher Neigung zur Autarkie und mit dem Ausweichen vor Nahkontakten ist aber ein Kreisen um sich selbst. immer mehr zurücknimmt. daß solche Menschen wohl die intensivsten Ängste überhaupt erleben. bekämpfen oder beseitigen kann. Man verlegt damit seine Ängste auf Objekte der Außenwelt. Wenn man nämlich seine interessierte Anteilnahme an der Welt. Wenn man das aber nie wagt. wird zu nichts. Mit wachsendem Autismus verliert der schizoide Mensch immer mehr das Interesse an der Welt und den Menschen.was in manchen Fällen sogar stimmen kann. aber man kann sich denken. weil man fürchtet. der Angst zu entrinnen. irgendwo hat etwas in mir wahrscheinlich Angst. rutsche dem äußeren Rand immer näher und kann jeden . sich dadurch den anderen auszuliefern oder für verrückt gehalten zu werden. Und ein anderer: »Ich kenne keine Angst. vor der Innenangst gibt es kein Entrinnen. Dann kann es zu Durchbrüchen der Angst kommen bis zur Psychose als letztem verzweifelten Versuch. sie »geht unter«. verarmt die Welt. wie leicht das Ich von der abgespaltenen Angst überschwemmt werden kann. schildern. ein Vorgang. das schneller und schneller kreist. charakteristischerweise konnte er die Angst nicht als Angst vor etwas Bestimmtem.

»Eine öde Schneelandschaft. in die absolute Leere. Als er einmal Tolstoi besuchte. Klavier zu spielen.« Dieser Traum stammt von einem Jugendlichen und schildert seine Situation: Er wurde als drittes und letztes Kind nach der Rückkehr des Vaters aus dem ersten Weltkrieg geboren. der mit großer Angst erlebt wird. im Vordergrund eine kleine Wanne mit warmem Wasser. erzählte er diesem einen Traum. in dem er auf einer der endlosen winterlichen russischen Straßen ein paar Stiefel marschieren sah . ich fühle mich sehr einsam. auf dem die Familie lebte.Augenblick ins Nichts hinausgeschleudert werden.« Die Einsamkeit. droht die Welt zu verlieren. so daß er schließlich nur noch allein zu existieren meint. die Angstabwehr und das Autarkiebedürfnis lassen sich kaum treffender darstellen. wenn die Mutter beim Spielen diese Taste niederdrückte. ich bewohne sie allein. die Festung ist schwer bewaffnet und mit Lebensmitteln für Jahre ausgestattet. als ein Fallen ins Nichts. um Geld zu verdienen. wie im Traum mit dem Teufelsrad. wenn er schon im Bett lag. Ähnliche psychodynamische Hintergründe liegen nicht selten technischen Erfindungen zugrunde. Wer sich selbst zu fest halten will. die unbewußt ein Mangelerlebnis der Kindheit korrigieren sollen. Eine ähnliche Gestimmtheit scheint Maxim Gorki gekannt zu haben. im Hintergrund ein paar abgeknickte Bäume. Der Vater hatte eine Kopfverwundung. hier ein ungesättigtes Kontaktbedürfnis. Der Junge fühlte sich sehr einsam und konstruierte als etwa 12jähriger folgende »Verbindung« zu der Mutter: sie pflegte abends.nur die Stiefel. Abschirmung. das aufleuchtete. Man könnte schizoides In-der-Welt-Sein kaum prägnanter darstellen als es solche Träume tun. weitgehend ausfiel. und für die Verwaltung des Bauernhofes. .« Oder: »Eine Festung aus Zementmauern mit wenigen kleinen Gucklöchern in einer riesigen Sandwüste. er verband eine Taste durch einen Draht und eine Batterie mit einem Lämpchen an seiner Bettwand. Die Mutter war sehr um ihn bemüht. Häufig nehmen bei schizoiden Menschen Angstvorstellungen und Träume auch die Form von Weltkatastrophen apokalyptischer Art an. Man könnte Einsamkeit kaum knapper darstellen. wie es in der Wanne dargestellt ist. der eine sehr schwere Kindheit hatte und sehr früh auf Wanderschaft ziehen mußte. durch die er ungemein störbar und reizbar war. übernahm zugleich die Führung des Hofes und hatte für das Kind wenig Zeit in der Sprache des Traumes: Das Wenige an Wärme. Das sich Zurücknehmen von der Welt und das sich auf sich selbst Zurückziehen führt also allmählich zum Weltverlust.

immer bereit. was nicht in einer geheimen Beziehung zu einem selbst steht und eine besondere Bedeutung hat. seine Reaktion auf die Veränderung hätte testen wollen. Er wollte sich sozial emporarbeiten. sich gegen plötzliche Überraschungen und vermeintliche Gefahren abzuschirmen. als während seiner Therapiestunde das Telefon ein paarmal klingelte. dann geschieht draußen nichts mehr. Ein junger Mann. verarbeitete das Gefühl des Versagthabens wahnhaft.was jemandem anderen mit mehr Kontakt und lebendigerer Beziehung zur mitmenschlichen Umwelt gar nicht in den Sinn käme . wie er auf die Störung reagieren würde. um zu prüfen. das heißt. der bis zum eigentlichen Wahnsystem ausgebaut werden kann und dann nicht mehr zu korrigieren ist.Schildern wir die Folgen.und Bedeutungswahn. sondern man ist gleichsam dauernd auf dem »qui vive?«. sie sofort zurückzuziehen. vermutete ein schizoider Patient sofort. wo man meinte. mit welcher fein registrierenden Sinnenwachheit Schizoide auch die geringsten Änderungen in der Umwelt wahrzunehmen pflegen. Die damit gegebene mißtrauische Wachheit droht dann immer mehr zu krankhafter Eigenbezüglichkeit zu werden. daß ich damit eine bestimmte. aber er hatte ein zu geringes Selbstvertrauen und auch keine Unterstützung von zu Hause.unterliegt man mehr und mehr einem Beziehungs. Dann begegnet einem nichts und niemand mehr zufällig. die man nun zu ergründen bemüht ist. so verliert man nicht nur alle Unbefangenheit. Als ich in meinem Praxisraum einmal ein Bild umgehängt hatte. sie vermeinen immer und überall Gefahren zu wittern und vermuten noch hinter der harmlosesten Bemerkung beunruhigende Motive. ich hätte diese Anrufe bestellt. er wolle nur unbedingt . die anderen überhaupt nicht auffallen. meinte der gleiche Patient. Sie sind eben zu ihrer Weltorientierung fast ausschließlich auf ihre Sinneswahrnehmungen angewiesen. solche Menschen hören dann. was man draußen wahrnimmt. noch an einigen Beispielen. in Beziehung zu sich setzt . Ein anderes Mal. die sie deshalb so geschärft haben. Das ist natürlich äußerst quälend und beunruhigend. wenn einem jemand zu nahe kommt. auf ihn bezogene Absicht gehabt. Man streckt daher nur äußerst vorsichtig seine Kontaktfühler wie eine Schnecke auf die Welt hin aus. der schon mehrfach im Berufe versagt und gerade wieder einen Mißerfolg erlitten hatte. bereit. wie der Volksmund sagt. die sich aus der Angst vor der Nähe und der überwertigen »Eigendrehung« ergeben. »das Gras wachsen« und »die Flöhe husten«. Wenn man so fast alles. Neben der fast paranoiden Eigenbezüglichkeit fällt an diesem Beispiel auf.

es den anderen zu zeigen. uns bemüht. unterlag leicht einem gewissen Verfolgungswahn und sah in jedem SA. der genau meinem einzigen guten Anzug glich in Farbe und Stoffart . daß es nur ein Zufall war. Hier sieht man auch. verfiel er wieder in die wahnhafte Verarbeitung: Er kam niedergeschlagen in die Behandlung und sagte bitter und fast herausfordernd: »Wollen Sie diesmal vielleicht wieder sagen. als wenn er entspannt in der schützenden Gesellschaft ihm vertrauter Menschen sich befindet.wir könnten cum grano salis sagen. daß ich ein Versager. daß er mir damit zu verstehen geben wollte. besonders wenn er seelisch aufgewühlt oder voll Angst oder Schuldgefühl ist. daher trafen ihn seine Mißerfolge besonders schwer . So enthüllt uns der . Einsamkeit und Isolierung sowie mitmenschliche Ungeborgenheit und reale Gefährdungen begünstigen wahnhafte Reaktionen. Wir hatten diese Zusammenhänge schon mehrfach zu verstehen versucht. seines Versagthabens gut erkennen. Wer etwa im Dritten Reich gegen die Partei und die Machthaber eingestellt war und öfter etwas gegen sie geäußert hatte. wird leichter dazu neigen.schienen sie doch der Familie Recht zu geben. der vielleicht durch Denunziation gehört hatte. oder sonst etwas über einen wußte. der einen abgerissenen Anzug anhatte. es zu schaffen.ist das nicht ein eindeutiger Hinweis. Wer nachts allein in einem fremden Haus. was man gesagt hatte. seine wahnhaften Vorstellungen durch genaue Realitätsprüfung aufzulösen.etwas »Besseres« sein und »zu hoch hinaus«. wie jener Patient an seiner wahnhaften Vorstellung festhielt. es falsch und gleichsam wahnhaft zu deuten. er solle doch lieber in die väterlichen Fußstapfen treten und auf dem Bauernhof bleiben -Schuster bleib' bei deinen Leisten! So war er besonders ehrgeizig bemüht. was ausgereicht hätte. daß ein Vorurteil schon einen Ansatz zum Wahn aufzeigen kann: Wir pflegen an Vorurteilen genauso affektiv festzuhalten.oder SS-Mann einen gefährlichen Feind. oder wenn wir nicht verarbeitete Ängste oder Schuldgefühle haben. um sie vielleicht zu korrigieren. vielleicht noch in einem fremden Land ist und ein ihm unbekanntes Geräusch hört. Ansätze zu solchem Beziehungswahn kennen wir aber auch bei uns selbst. sie einer gründlichen Realitätsprüfung zu unterziehen. auch die psychodynamischen Hintergründe. in seelisch belastenden Zeiten. einen ins Konzentrationslager zu bringen. Aber als er die oben erwähnte Niederlage erlebt hatte. daß ich heute auf dem Bahnhof einen Mann sah. wie nahe Vorurteile an solche wahnhaften Vorstellungen grenzen . nicht bereit. heruntergekommen bin?« Hier können wir die wahnhafte Verarbeitung seines Minderwertigkeitsgefühls. die ich kurz angedeutet habe.

Ungeübt im Umgang mit Menschen und mit seinen eigenen Impulsen. unberührt und ungerührt zu bleiben. wie schmal die Grenze zwischen gesund und krank ist. kann man verstehen. an denen sie ihre »krankhaften« Reaktionen entwikkelten . die er dem Manne gegenüber nicht anzudeuten. wurde er mehr und mehr von einer Angst ergriffen. Hier ist gut zu erkennen. durch die sie nichts mehr wirklich an sich heranlassen. Kontakt mit ihm aufzunehmen. als ob jener ihn damit einkreisen. Arroganz. Unnahbarkeit bis zu Eiseskälte und Gefühllosigkeit annehmen. Das kann alle Grade von kühler Distanz.entwickeln mußten als Selbstschutz. die ihn zunächst nur unbestimmt beunruhigte. wenn .Beziehungswahn schizoider Menschen auch nur wieder ihr Grundproblem: ihre Isoliertheit und ihre mitmenschliche Ungeborgenheit. aber auch durch nichts mehr wirklich zu erreichen. zu plötzlichen Schärfen und explosiven Aggressionen führen. durch nichts aus dem Gleichgewicht zu bringen. wie die unterdrückten Wünsche nach Kontakt. Hier kann die jeweilige Umwelt eine echte Hilfe für ihn werden. der ihn außerordentlich anzog. wie bei einem anderen schizoiden Patienten seine unterdrückte Kontaktsehnsucht und seine Zärtlichkeitswünsche wahnhaft verarbeitet wurden: Ein sehr einsamer und fast kontaktloser Mann in den späten Zwanzigern saß einmal im Konzert neben einem jungen Mann. die es ihnen ermöglicht. wie wir in Ausnahmesituationen Reaktionen zeigen. die wir sonst nur bei Kranken kennen . die Innenangst wird nach außen als Bedrohung verlegt. ihn anzusprechen. nun von ihm als von jenem ausgehende Bemächtigung projiziert wurden. oder. kalter Schweiß brach ihm aus und er mußte den Konzertsaal fluchtartig verlassen. dann aber sich zu einer Panik steigerte. als er vermeinte.weil eben diese Kranken lange Zeit unter solchen Ausnahmebedingungen standen. Noch ein Beispiel dafür. einfangen wolle. die sich um ihn legen wollten. Ist man so labil und ungeschützt der Welt innen und außen ausgesetzt. von dem Mann farbige Kreise ausgehen zu sehen. der er sich nur durch Flucht entziehen konnte. wenn sie mehr von den Zusammenhängen seines Verhaltens weiß. Auch hier ist die wirkliche Situation gleichsam ver-rückt. immer sachlich. wenn diese Schutzhaltungen nicht mehr ausreichen. Zärtlichkeit und dahinter auch nach homosexueller Annäherung. daß schizoide Menschen eine Lebenstechnik zu entwickeln versuchen. wie wir sie beschrieben hatten. Die Beispiele zeigen aber zugleich. distanziert und möglichst überlegen. zu erkennen zu geben wagte. Immer wieder blickte er ihn unauffällig von der Seite an und verspürte ein zunehmendes Verlangen.

Originale Eigenbrötler .Einzelgänger .Sonderlinge . können sie höchste Menschlichkeit erreichen. weshalb man mit ihnen auch darüber nicht diskutieren kann. von denen andere sich respektvoll fernhalten. Wenn wir versuchen. . oft Zyniker. Es finden sich unter ihnen gar nicht selten geniale Begabungen. welche familiären und sozialen Umweltfaktoren andererseits unsere Entwicklung in einem Ausmaß gefährden. Nur bei Gefühlsverarmung und Gefühlskälte können sie hinter dem eigentlich Menschlichen zurückbleiben. In ihrem Verhältnis zur Religion sind sie meist Skeptiker.Asoziale Kriminelle . die die Gefährdetheit menschlicher Existenz aufleuchten lassen. Sie entzaubern und ernüchtern überhaupt gern. Es sei noch betont. nur sehr schwer ausgeglichen werden kann. bis zur ehrfurchtslosen »Erklärung« des Unerklärlichen . sind Schizoide sehr differenzierte und sensible Menschen. die Grenzen überschreiten können. die eine tiefe Abneigung gegen alles Banale und Flache haben.Außenseiter . scharfsinnig im Aufweisen der »Unsinnigkeit« des Glaubens. was für den Menschen existentiell wichtig ist. im Annehmen des Gefühls totalen In-Frage-gestellt-Seins. So viel ist jedenfalls sicher: wenn diese Menschen es vermögen. In der Therapie schizoider Menschen kommt man mit Grenzzuständen in Berührung. kritisch gegen Riten. Traditionen und alles Formalistische.Übersensible .Käuze . über leichter und schwerer Gestörte bis zu den schwerst Gestörten führt. aus welcher inneren Not seine Verhaltensweisen kommen. So sind sie oft die Rationalisten. das. eine Reihe schizoider Persönlichkeiten aufzustellen. Wenn ihr Gefühlsleben nicht verarmt ist.Psychotiker. nur scheu zurückgehalten wird. Beim Genialen wirkt sich die Einsamkeit und Ungebundenheit positiv aus. indem er freier von Traditionen und Rücksichten Dinge erkennen kann. die der Geborgene und Traditionsgebundene nicht sieht oder zu sehen wagt.sie versteht. womit wir die oft schmale Grenze zwischen Genialität und Psychose angedeutet haben. denen für bestimmte Erlebnisgebiete das Organ fehlt. Geniale Menschen entwickeln sich manchmal auf solchem Hintergrund. die von durchaus noch gesund zu nennenden. ihr Leid und ihre Ängste durchzustehen und zu überwinden. Gerade deshalb können wir von ihnen lernen. kämen wir etwa auf die folgende: leicht Kontaktgehemmte . Seine exponierte Situation läßt ihn zu Erkenntnissen kommen. daß schizoide Züge sehr verschiedene Intensität annehmen können. wenn überhaupt.wofür ja eine aufgeklärte und vorwiegend naturwissenschaftlich orientierte Zeit Möglichkeiten genug anbietet.

Nur der Starke hat die Kraft. überfordern und dadurch in Schuldgefühle stürzen. die für ihn verpflichtend ist. dieser eine Macht und eine Bedeutung gibt. Viel eher das Annehmen von etwas überpersönlich Unerforschlichem. dem er die Würde des bedingt freien Individuums gegenüberstellt und das Bewußtsein der humanen Aufgabe des Menschen als Mensch. läßt sich doch wieder die Fragwürdigkeit ihrer Einstellung erkennen. die sich durch moralische Bedenken gebunden fühlen. wie er nun einmal ist.Aber oft scheint es. um die anderen nicht zu brauchen. um nicht enttäuscht zu werden. für die der Satz »der Starke ist am mächtigsten allein« mit allen darin liegenden Möglichkeiten und Gefahren gilt. was bis zu größenwahnsinniger Überheblichkeit und zur Selbstvergottung führen kann. Auffal- . Sind sie starke Persönlichkeiten. andere zu ihrem eigenen Unglauben zu bekehren. es wird aber kein kindlicher Glaube sein. die er nur für sich selbst als gültig anerkennt. leben sie eine Eigengesetzlichkeit. Durch seinen Kontaktmangel ist er weniger sozial angepaßt. wie es das Motto in diesem Kapitel ausdrückt. egozentrisch. was ihm vorwiegend als Feigheit und mangelnder Mut zu autonomer Eigenständigkeit erscheint. lebt er mehr die selbstbewahrenden Seiten und wertet danach. Aber in dem Bestreben. Die Schwergestörten unter ihnen können aus nie erlebter Geborgenheit und Liebe nicht gläubig sein und neigen zum Atheismus. genießen es diabolisch. und warten heimlich doch auf den »Beweis«. vielleicht wollen sie auch nur mit ihrem Unglauben nicht allein bleiben. die allmählich das ganze Bewußtsein ausfüllt. So kann er eine »Herrenmoral« entwickeln. Sie machen sich dann oft selbst zum Maßstab aller Dinge. voll Verachtung für die »Schwachen«. Manchmal sind sie nihilistisch und destruktiv. Es ist dann. auch kein Glaube an einen persönlichen liebenden Gott. Er neigt überhaupt weniger als andere zu Schuldgefühlen. wenn sie anderen ihren Glauben zerstören können. als ob die Zurücknahme ihres Interesses an der Welt und die immer ausschließlichere Zuwendung des Interesses auf die eigene Person. Manche können aber auch im Religiösen die nie erlebte Geborgenheit suchen und finden. Ethik und Moral erscheinen dem Schizoiden eher fragwürdig. was ihm angemessen ist. sein früh ihm bewußt gewordenes Anderssein als die anderen als Wert zu setzen. Er hält nicht viel von Forderungen. der sie überzeugen könnte. Der Schwächere und Brüchigere zieht sich beobachtend von der Welt zurück und sucht sich durch den Ausbau einer Privatwelt einen Ausgleich zu schaffen. die den Menschen. als ob diese Einstellung zur Religion oder zum Glauben auch eine unbewußte Enttäuschungsprophylaxe ist: Sie wagen es nicht zu glauben.

die sie nicht in nahen Kontakt mit anderen bringen. das Gefühl zu bekommen. weil sie heute so liebenswürdig zu mir ist«. dem anderen etwas bedeuten könnte.« Ihre Psychologie hat oft etwas Aufdeckendes. Man kann sich vorstellen. die es gleichsam in Alarmbereitschaft halten. daß seine Liebe ein Wert sein. können die Gefühlsbedürfnisse des Kindes nicht adäquat annehmen und erwidern. Sie haben eine Neigung zu theoretisch-abstrakten Gebieten.lende. sie sind zu unerreichbar für das Kind. demgegenüber sie auch Zärtlichkeit zulassen können. und sie könnten mit Schopenhauer sagen: »Lieber Gott. Oft wenden sie sich vom Menschen ab. als Theologen neigen sie mehr zur Religionswissenschaft als zum praktizierenden Geistlichen. Astronomen. wenn ich eine habe. Wenn sie sich wissenschaftlich mit dem Menschen beschäftigen. geschieht dies gleichsam indirekt. »Mein Fräulein Tochter möchte wohl etwas aus mir herausholen. den Tieren. Die Seele wird ihnen leicht zu einer Anhäufung physiologischer Reflexe. ihm schwer einfühlbaren Reaktionen. Schizoide Eltern und Erzieher geben dem Kind zu wenig Wärme. oft mit einer besonderen Beziehung zur Psychiatrie und zu den Grenzwissenschaften. sie bleiben ihm zu fern. Sie verunsichern das Kind leicht.) Auf Grund ihrer Struktur bevorzugen sie Berufe. ironisieren oft alles Gefühlshafte bei ihm.und makroskopisch. weil es sich im Gefühl nie ernstgenommen erlebt. auf Umwegen: über psychologische Testverfahren. indem sie es durchschauen und seine Motive zu früh psychologisch aufdekken. wenn es dich gibt. Es friert in ihrer Umgebung und wird gestört durch ihre abrupten. Später verbergen sie ihre Zuneigung gern hinter spöttischer Ironie. drängen es dadurch zu früh in die Selbstreflexion. wie in der Pathologie. rette meine Seele. Sie sind als Ärzte mehr Forscher als Therapeuten. Sind sie tiefer gestört. über den Toten. Pflanzen und Gesteinen zu. werden asozial und benutzen andere skrupellos für ihre Zwecke. Entlarven-Wollendes. Sie haben aber oft eine gute Beziehung zum Kleinkind. Exakte Naturwissenschaftler. Mathematiker und Ingenieure finden sich unter ihnen besonders häufig. haben sie oft eine destruktiv-zersetzende Wirkung. über Mikroskope und Röntgenapparate oder. die es dem Kinde schwer macht. und erforschen die Welt mit den verbesserten Sinnesorganen von Mikroskop und Fernrohr mikro. Physiker. manchmal fast ausschließliche Hinwendung zu Tieren oder zur toten Materie kann so zustande kommen. wie gefährlich in den Händen eines schwer schizoiden Wissenschaftlers Erkenntnisse und Machtmög- . Es findet bei ihnen zu wenig Möglichkeiten für die liebende Identifikation. (»Mein Herr Sohn hat ja plötzlich zärtliche Anwandlungen«.

nicht interessiert. sie sind politisch weitgehend desinteressiert Politik »geht sie nichts an«. wie ihnen ganz allgemein die Theorie mehr liegt als die Praxis. können sie neue Entwicklungen auslösen. ausgeprägte Extremstandpunkte. Sie erfassen oft psychologischatmosphärische Dinge. so daß ihre Werke unser Wissen vom Menschen vertiefen können. Satiriker und Karikaturisten. autistisch nur seinen Ideen lebt und sie zu verwirklichen sucht. oder aber. aus ihrem solipsistischen Standpunkt heraus. unkonventionell. Sie ergreifen auch gern Berufe. Die Hinwendung zur Welt der Tiere. oder sie sind die scharfen Kritiker. sie versuchen. Wenn sie sich in ihrer Unbezogenheit an kein bestimmtes Publikum wenden. . das Verkehrswesen und andere Berufe. deuten Unsagbares an und ragen in Bezirke. Pflanzen und Mineralien in irgendeiner Form ist nicht selten. Ihr Stil ist meist eigenwillig. Als Philosophen sind sie oft die lebensfernen abstrakten Denker. Der Beruf wird ihnen leicht zum Job. In der Kunst liegt ihnen mehr die abstrakt-ungegenständliche Richtung. Neben Neigung und Begabung wird die Berufswahl bei ihnen oft dadurch motiviert. ihre komplizierten Innenerlebnisse zu gestalten und drücken diese eher verschlüsselt und symbolisch aus. menschlich ungebunden. die mit viel Einsamkeit verbunden sind und die wenig mitmenschliche Kontakte erfordern. manchmal zukunftweisend. sondern über sich hinaus allgemein Menschliches und Grundsätzliches ausdrücken. womit sie ihren Unterhalt verdienen . in denen sie unbewußt und symbolisch ihr Bedürfnis nach Kontakt und Verbundenheit gleichsam abstrakt erfüllen können. jedenfalls originell. bei ihnen findet man die meisten Liebhabereien und Hobbys.sie führen ihr Eigenleben außerhalb des Berufes. auf denen sie eine von subjektiven Gefühlen ungetrübte verläßliche Erkenntnis zu finden hoffen.lichkeiten werden können. welcher Art auch immer. den die Gemeinschaft. daß sie Gebiete suchen. Sie sind selten zu ihren Lebzeiten populär. In der Politik vertreten sie gern die revolutionären bis anarchistischen Elemente. Schizoide Menschen von Format können die Auslöser großer Umschwünge. Denn diese die Fragwürdigkeit des menschlichen Daseins intensivst Erlebenden nehmen Dinge wahr. Elektriker. von denen sich Geborgenere keine Vorstellung machen. erleben Inferni und erleiden in ihrer Einsamkeit und Ausgesetztheit Grenzzustände. liegen ihnen. weil es für sie letztlich unwichtig ist. Pioniere und Initiatoren sein. den Radikalismus. die von anderen nicht gesehen oder gemieden werden. der.

übernehmen nichts. Scharfe Beobachtungsgabe. gehören zu ihren Stärken. haben sie auch weniger zu verlieren und aufzugeben. das Geschick möchten sie meistern. Die positiven Seiten schizoider Menschen zeigen sich vor allem in souveräner Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Sie haben meist eine ironisch-satirische Seite und einen scharfen Blick für die Schwächen anderer. in der sie leben können. nehmen ihn als Faktum unsentimental und stoisch hin. liegt . zur Autonomie des Individuums. weil wenig bereit. Sie bejahen ihre Autarkie und Bindungslosigkeit als Wert und leben sie auf Kosten anderer aus. hassen sie allen Überschwang. aber darunter nicht leiden. kritisch-unbestechlicher Blick für Tatsachen.aus einer tiefen Menschenverachtung heraus. Sie vertreten ihre Überzeugungen klar und kompromißlos und haben über alles ihre eigene selbständige Meinung. sie machen sich von nichts abhängig. Im allgemeinen kann man sagen. Sie haben sich schon früh eine Eigenwelt aufgebaut.Das Alter kann sie noch mehr vereinsamen und eigenartiger werden lassen. die unter ihrer Rücksichtslosigkeit leiden. Unsentimental. Sie glauben an ihre Fähigkeiten und vermögen es. die Dinge so zu sehen wie sie sind. sich daher als gesund empfinden. weise zu werden. Zu erwähnen sind noch die schizoiden Menschen. alle Unklarheit und Gefühlsduselei. Sie sind am wenigsten beengt durch Traditionen und Dogmen irgendwelcher Art. im Mut zu sich selbst. die über andere verfügen und sie ohne Bedenken für ihre Zwecke benutzen . man kann sie daher schwer täuschen und sie sind im mitmenschlichen Kontakt oft »unbequem«. und können daher leichter loslassen. Da sie nicht so viel in die Welt und in die Menschen investiert haben. Schicksal ist ihnen etwas zu Überwindendes . die eine starke schizoide Struktur haben. Hierher gehören viele Machthaber. Unechtheit und Fassadenhaftes gelten zu lassen. affektlos-kühle Sachlichkeit. bevor sie es nicht geprüft und durchdacht haben. ohne mildernde oder beschönigende Verbrämungen.der Mensch als Selbstgestalter seines Schicksals. Sie fürchten auch den Tod weniger. Wenn hier und im folgenden die »positiven« Vertreter der einzelnen Strukturtypen in der Beschreibung zu kurz kommen. weitgehend ohne Illusionen zu leben. dank ihrer ihnen schon gewohnten Unabhängigkeit und Isolierung ertragen sie die Vereinsamung besser. Aber manche verstehen es auch. nicht einmal an sich selbst. ohne zu sehr auf mitmenschliche Anteilnahme angewiesen zu sein. überhaupt Menschen. der Mut. daß schizoide Menschen leichter als andere zu altern verstehen. sie hängen an nichts besonders stark.

Wie wir im letzten Kapitel sehen werden. den Gegenpol zu seinem Streben nach Selbstbewahrung und Autarkie. Fessel und Gefahr zu erleben. zur Befreiung von krankmachender Einseitigkeit sehen. im Wagen der Selbstvergessenheit liegt die Hilfe. »Es ist nicht gut. daß niemand daraus eine Wertung ableitet. darin möchte ich einen uns unbewußten Drang zur Ergänzung. daß die einseitige und überwertige »Eigendrehung« sich nicht verabsolutiert und ihn in die krankmachende Isolierung treibt. ohne Schaden zu nehmen. daß der Mensch allein sei«. Zuneigung und Bindung nicht nur als Last. denn wir können keinen der vier Grundimpulse einfach auslassen und vor der ihm entsprechenden Angst ausweichen. die ihn aus allen Bindungen fallen läßt. besteht bei allen vier Persönlichkeitsstrukturen die Neigung zur Faszination durch den jeweiligen Gegentypus.es daran. Im Wagen vertrauenden sich Zuwendens. der Bindungslose wird zu leicht unmenschlich. die Seite der Hingabe. ich hoffe. sondern auch als Gehaltenwerden. . jede Struktur hat ihre Möglichkeiten der Entfaltung zu hohem Niveau. daß das Prinzipielle der vier Persönlichkeitsstmkturen gerade an den randständigen Formen klarer aufzuzeigen ist. die aus gefährdender Vereinzelung herausfinden läßt und die Chance enthält. Für den schizoiden Menschen ist es am wichtigsten. sondern sie zur Ergänzung in dem Maße zu integrieren. nicht zu vernachlässigen. als Gemeinsamkeit des Erlebens und der Entwicklung und als Erweiterung unserer Ichbegrenzung durch einen Partner.

können uns selbst vergessen und den beglückenden Austausch des Gebens und Nehmens erleben. Von den Grundimpulsen her gesehen. Wir wollen uns nun wieder überlegen. aber sie muß angesprochen. daß unser Dasein. geweckt werden. das. wir bezeichneten damit die Seite der Hingabe im weitesten Sinne. wir wollen seine Wünsche erraten. der uns mit ihm zu einem Wir zusammenschmilzt. wir fühlen uns in ihn ein. was wir sind. die Empfangenes zurückgeben möchte. Das Urbild solcher Liebe ist die Mutter-KindBeziehung. So gibt uns die empfangene Liebe sowohl das Gefühl unseres eigenen Wertes. wie es aussehen wird. ein eigenständiges Ich zu werden. Als Liebende haben wir den Wunsch. den anderen ebenso beglückt. und zu erfahren. der Angst. die Ich-Werdung vermeidend. Der Wunsch nach vertrautem Nahkontakt. ist gebunden an das Da-Sein eines anderen Menschen und ohne ihn nicht möglich. denken mehr an ihn als an uns selbst. Die erste Folge wird sein. wenn ein Mensch. wenigstens für Augenblicke. dich selbst verliere nie« (Herder) Wenden wir uns nun der zweiten Grundform der Angst zu. um sich entfalten zu können. handelt es sich dabei nach unserem Gleichnis um die Menschen. die zutiefst erlebt wird als das Herausfallen aus der Geborgenheit. Liebendes Sich-hingebenWollen bedarf eines Partners. der jeweilige Partner. und vielleicht sucht alle Liebe das wieder herzustellen. einen Überwert bekommt. das die Getrenntheit der Individuen aufhebt.Die depressiven Persönlichkeiten »Vergiß dein Ich. Wir bringen die Liebesfähigkeit als eine unserer Anlagen mit. wieder zu finden. die die »Revolution«. die Sehnsucht. also die Bewegung um ein größeres Zentrum. einfach als die wir sind. und hier liegt das zentrale Problem der Menschen. Damit ist bereits eine Abhängigkeit gesetzt. als sie auch unsere Liebesbereitschaft ermöglicht. was wir in der frühesten Kindheit erlebten: bedingungslos uns geliebt zu fühlen. überwiegend die Ich-Aufgabe und Hingabe zu leben versucht. daß dadurch das Du. die wir als die depressiven bezeichnen wollen: Sie sind . was wir zu geben haben. lieben zu können und geliebt zu werden. den geliebten Menschen glücklich zu machen. überwertig leben und die »Eigendrehung« vermeiden wollen. gehört zu unserem Wesen und ist eines der Merkmale der Menschlichkeit überhaupt.

Die eine Möglichkeit scheint also zu sein.mehr als andere auf einen Partner angewiesen. die der schizoide Mensch gerade so unbedingt brauchte und aufrecht zu erhalten bemüht war zum Selbstschutz. die man aus sich selbst heraus nicht glaubt erfüllen zu können. Abhängigkeit scheint ihm solche Sicherheit zu geben. weil ich dich liebe« und »Ich liebe dich. Je weniger er an »Eigendrehung« entwickelt hat. Sei es durch ihre Liebesfähigkeit und Liebesbereitschaft.wer könnte so hart und lieblos sein. und Gebrauchtwerden verspricht daher scheinbar eine gewisse Garantie. oder man braucht den anderen. jede Entfernung und Trennung von einem Partner mit Angst. den anderen von sich abhängig zu machen. sei es durch ihr Bedürfnis nach Geliebtwerden . oder diesen von sich abhängig zu machen sucht. die sich mit Erich Fromms Worten aus seinem Buch »Die Kunst des Liebens« in die beiden Sätze zusammenfassen lassen: »Ich brauche dich. Aber gerade das fällt dem Depressiven schwer. Einmal braucht man also jemanden. weil man von ihm geliebt werden will und Bedürfnisse hat. ein hilfloses Wesen zu verlassen? Die andere Möglichkeit scheint darin zu liegen. die sein Problem lösen sollen. nicht verlassen zu werden. die Garantie. entweder indem er sich von einem anderen. daß man nicht so restlos auf einem Partner angewiesen ist. einen Menschen fest an sich zu binden. um seine Liebesfähigkeit anwenden zu können. Wenn nun ein Mensch einen anderen so dringend braucht. aber. denn dafür müßte er ja die enge Bindung an den anderen lockern. um so mehr erlebt er jede Distanz. um damit zu demonstrieren. Was kann man aber tun. um ihn zu lieben. die trennende Distanz zwischen sich und ihm soweit wie möglich aufzuheben. Im Gegensatz dazu will der Depressive dem Du so nahe wie möglich sein und bleiben.die Distanz also. und das würde sofort wieder die Verlustangst auslösen. so viel an Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu entwickeln. sie ist das Gegenbild des . es nur verschlimmern. Ihn quält die trennende Kluft zwischen Ich und Du . und wird versuchen. es nicht dazu kommen zu lassen. Für ihn bedeutet Ferne: Alleingelassenwerden. weil ich dich brauche«. wird er danach streben.zwei Seiten. wie wir sehen werden. indem man möglichst kindlich-hilflos und abhängig von ihm bleibt. So sucht er nach anderen Sicherheiten. daß man nicht verlassen werden darf . Wer von jemandem abhängig ist. indem man ihn gleichsam zum Kinde macht. und das kann ihn in tiefe Depressionen bis zur Verzweiflung führen. Verlassen werden. um nicht der quälenden Trennungsund Verlustangst ausgesetzt zu sein? Die einzige Hilfe wäre. braucht ihn.

um sich vor seiner Angst zu schützen. wie auch das Eintauchen in eine Masse die Angst vor der Individuation aufhebt. weil er es als Entfernung und Entfremdung erlebt. Der depressive Mensch ist dieser Angst besonders ausgesetzt. und ist daher mit Angst verbunden. Wenn der Depressive erkennt. Er ist der Trabant eines anderen. Bedeutet dem Depressiven Nähe: Sicherheit und Geborgenheit. Seine Angst.vorbeschriebenen Bildes. So stellt sich die Verlustangst heraus als die Kehrseite der Ich-Schwäche. wo der vorbeschriebene schizoide Gegentypus die größtmögliche Distanz und Ungebundenheit suchte. die Individuation. In der Sprache unseres Gleichnisses: Der Depressive versucht seiner Angst dadurch zu entgehen. mit umgekehrten Vorzeichen . vor Trennung. aus der Geborgenheit des Auch-wie-andere-Seins herauszufallen. um so mehr unterscheiden wir uns von anderen. daß schon das Ich-Werden. Deshalb versucht er. so dem Depressiven Bedrohung und Alleingelassenwerden. unsere Selbständigkeit zu entwikkeln. Bewußt ist ihm dabei höchstens die Verlustangst. Bei den depressiven Persönlichkeiten ist die Verlustangst die dominierende. oder er gesteht es dem Partner nicht zu. bedeutete dem Schizoiden Distanz: Sicherheit und Unabhängigkeit. enthält den richtigen Kern. der Herdentrieb will diese Angst aufheben. bleibt weitgehend unbewußt. Daher muß der !••• . daß er die »Eigendrehung« aufgibt oder sie dem anderen nicht zugesteht. vor dem Verlassenwerden. daß die eigene oder die Selbständigkeit des Partners zu einem sich voneinander Wegentwickeln und damit zu einem möglichen Verlust führen könne. daß jede Individuation und Eigenständigkeit uns ein Stück isoliert.die Motivation ist die gleiche: eine Abhängigkeit herzustellen. um so mehr brauchen wir andere. echohaftes. in ihren verschiedenen Ausformungen als Angst vor isolierender Distanz. unvermeidlich ein trennendes Anderssein bedeutet. die das eigentliche Problem ist. Je weniger wir gelernt haben. so dem Schizoiden: Bedrohung und Einschränkung seiner Autarkie. die Angst vor der Individuation. Sie suchen die größtmögliche Nähe und Bindung. nur zurückspiegelndes Leben. verzichtet er entweder bei sich darauf. Individuation bedeutet immer auch. Ungeborgenheit und Einsamkeit. oder er drängt es dem anderen auf. oder er macht diesen zu seinem Trabanten. um so weniger Gemeinsames haben wir mit ihnen. Je mehr wir wir selbst werden. Machen wir uns das noch etwas deutlicher. alles ihn vom anderen Unterscheidende aufzugeben. So lebt er ein gleichsam mondhaftes. unser Eigen-Sein. ein anderes Denken oder Fühlen die Verlustangst konstellieren. Bei ihm kann schon ein sich von anderen Unterscheiden.

verharmlost sie. Denn wer sein Ich nicht stark entwickelt. um damit seiner Angst vor der Hingabe auszuweichen. braucht ein stärkeres Ich draußen als Halt.Versuch. von dem er immer abhängiger wird. sich gegen die Verlustangst dadurch zu sichern. des autonomen Subjekt-Seins durchbrochen werden kann. vor allem die ihm nahestehenden. Sie können bei ihm alle Grade annehmen: Überwertige Bescheidenheit. der nur im Wagnis der Ich-Werdung. denn um so restlos vertrauen und uneingeschränkt lieben zu können. Mitgefühl und Mitleid. mit der Abhängigkeit steigert sich aber die Verlustangst. läßt er sie gar nicht bewußt werden. Verzichtsbereitschaft. Friedfertigkeit. scheitern. muß er Zweifel und Kritik unterdrücken.hat er doch alles auf den anderen gesetzt. an ihn so viel delegiert. diesen Halt zu verlieren . die Menschen seien gefährlich und nicht vertrauenswürdig. Wenn der schizoide Mensch sich vor vertrauender Nähe unter anderem dadurch schützte. weil seine Existenz ganz im anderen ruht. indem er an dem Glauben festhält. um nur die wichtigsten zu nennen.im anderen und in sich selbst. er geht Spannungen aus dem Weg. was neben naheliegenden Gefahren des Ausgenutztwerdens. je schwächer er selbst bleibt. Dadurch entwickelt er zu wenig Phantasie für das Böse im Menschen . daher wollen sie so dicht wie möglich am anderen haften. Er idealisiert den Partner und sieht überhaupt die Menschen also zu gut. So kommt es zu dem hier typischen Teufelskreis. weil das seine vertrauenwollende Beziehung gefährden würde. vermeidet Auseinandersetzungen »um des lieben Friedens willen«. daß er ohne ihn nicht lebensfähig zu sein glaubt. Wer aber so abhängig wird. So betreibt er Vogel-Strauß-Politik und versteckt seinen Kopf vor den Abgründen des Lebens im Sand. Für die erstrebte Harmonie und ungetrübte Nähe muß der Depressive nun seinerseits »gut« sein. Er will nichts Erschreckendes oder Beunruhigendes an ihnen wahrnehmen. ja das Gegenteil bewirken. Depressive Menschen suchen daher die Abhängigkeit. . eine bei ihm häufig zu findende. neigt der Depressive auch hierin zum Gegenteil: Er idealisiert die Menschen eher. reagieren deshalb schon bei kurzen Trennungen mit Panik. muß eine immerwährende Angst haben. daß man immer mehr von sich aufgibt. und befleißigt sich daher aller altruistischen Tugenden: Bescheidenheit. Selbstlosigkeit. die für sich selbst nichts fordert. daß der Mensch gut sei. daß er an der Meinung festhielt. entschuldigt ihre Schwächen oder übersieht ihre dunklen Seiten. und weil sie ihm vom Partner zu entfremden drohen. lang anhaltende Naivität und Kindlichkeit mit sich bringt. die ihnen Sicherheit zu geben verspricht.

Dadurch ist er aber immer mehr darauf angewiesen. zu bekommen vielleicht sogar als Belohnung für seine Besheidenheit. Er erlaubt sie sich aus Angst oder aus seiner Ideologie heraus nicht . ich kenne es auch. Ich sitze dann zu Hause und heule. und all das wirkt sich zusätzlich so aus. und wenn nicht hinieden.er kann doch nicht auf einmal selbst das tun. von anderen erfüllt werden. sie können nicht gesund aggressiv sein. Daraus entstehen die passiven Erwartungshaltungen Depressiver. verbirgt er nicht nur deren Motivierung aus der Verlustangst vor sich selbst. Impulsen. Einige Beispiele für depressives Verhalten: Eine verheiratete junge Frau sagt: »Mein Mann geht jetzt öfters mit einem jungen Mädchen aus. dann wenigstens im Himmel. nicht zu leben wagt. Dieses Ausweichen vor der Individuation wird aber teuer bezahlt. sich etwas nehmen. käme die Depression erst richtig zum Durchbruch. Hierbei kann es zu einer gefährlichen Selbsttäuschung kommen: Indem er aus diesen Verhaltensweisen eine Ideologie macht. was er an anderen verurteilt hat. durch den Verzicht auf das Eigen-Sein. All das läßt sich auf den gemeinsamen Nenner bringen: durch das Aufgeben eigener Wünsche. was er noch gar nicht entwickelt hat und besitzt: sein Ich. Affekten und Trieben in ihm ist. die sie indessen nicht vor Enttäuschungen und daraus folgenden Depressionen schützen. oder es sich nicht erlauben. die Verlustangst. Depressive Menschen kommen im Leben gleichsam immer wieder in die Lage des Tantalus: Sie sehen die Früchte und das Wasser vor sich. die er natürlich weiter hat. hofft. Wenn ich ihm Vorwürfe . Wer nicht nehmen kann. sondern er kann sich auch noch moralisch überlegen vorkommen gegenüber denen. sind. die weniger bescheiden. das nun seinerseits wieder ihren Mut zum Fordern und Zupacken schwächt. Verzichten sie andererseits auch noch auf diese Belohnungserwartung. So macht er recht eigentlich aus der Not eine Tugend und meint. wie es die christliche Ideologie verspricht. die sich aber ihnen entziehen. aber das soll er nicht merken. friedfertig usf. daß sie ein geringes Selbstwertgefühl entwickeln.Überanpassung und Unterordnung bis zur Selbstaufgabe. es ist sehr attraktiv und mein Mann ist leicht verführbar. Damit. die Angst vor der Einsamkeit zu bannen. weil sie nicht zugreifen gelernt haben. und sich der deshalb gefürchteten Individuation zu entziehen. daß ihm seine Wünsche und Erwartungen. Sie können nicht fordern. weil das Leben diese Erwartungen nicht erfüllt. daß er alles. was an Wünschen. im Extrem bis zu masochisti seh-hörigen Verhaltensweisen. etwas hinzugeben und zu opfern.

Sie ist unsicher darüber. über Treue und sexuelles Sichausleben. es geht doch immer wieder alles schief bei mir. Sie kam aber nie auf den Gedanken. ihn zu verlieren. anstatt vielleicht ihrerseits den Mann eifersüchtig zu machen. die durch manche Propaganda noch unterstützt wird. Anstatt ihre Meinung zu vertreten. ihm dadurch auf die Nerven zu fallen und ihn erst recht von mir fortzutreiben. was sie hinnehmen muß. der ihrer viel zu sicher zu sein glaubt. Da sie sich selbst nicht ernst nahm. und bekam schon Schuldgefühle. Sie war völlig ratlos als sie erkennen mußte. Männer seien nun einmal so. und ich habe Angst. der hat mir die Frisur völlig verpatzt. In die Richtung des »Pechvogels«. da sie zugleich ein geringes Selbstwertgefühl hat. geht folgendes Beispiel: »Ich kann mir noch so viel Mühe geben. so daß sie schon Wochen vor dem Fest in Zeitängste und Depressionen geriet. meint. was er nun wieder ausnützt. Diese junge Frau stand auch sonst im Leben unter vielen altruistischen Forderungen. um nicht kleinbürgerlich zu wirken. die sie selbst nicht teilt. würde ich es ihm zugestehen. Heute findet man häufig ähnliche Situationen. was sie ihrem Mann »zugestehen muß«. vor allem depressive Menschen. wie sie das alles schaffen sollte neben den üblichen Aufgaben des Alltags. Dann hat mich ein bestellter Handwerker sitzengelassen .machen würde. Als sie spürte. Sie überfordert sich. die vielen Solls erfüllen zu müssen. eine allgemeine Unsicherheit über Freiheit und Bindung. aus der Angst »nicht modern« zu sein und den »Trend der Zeit« nicht begriffen zu haben. Gestern war ich beim Friseur. und sich zu ihrer Toleranzgrenze zu bekennen. sich immer mehr anpassen zu müssen an seine Wünsche. und wenn ich ihn wirklich liebte. wurde sie auch von ihm nicht ernst genommen. um seine Vorstellung moderner Partnerschaft nicht zu enttäuschen. hat sie zuviel Angst. die sie an sich stellte: Zu Weihnachten hatte sie alljährlich eine Liste von annähernd hundert Personen. daß er ihr immer mehr zu entgleiten drohte. glaubte sie durch noch mehr Bereitschaft zum Verständnis ihn halten zu können. völlig verschnitten. die sie eigentlich gar nicht wollen. überschätzt sie jede Rivalin. hielte er mich für kleinbürgerlich eifersüchtig. sich überfordern und Dinge tun. an die sie schreiben oder denen sie ein Geschenk machen »mußte«. daß sie das ändern könnte. Er sagt. oder wo sie sich gegen etwas ihrem Wesen Fremdes wehren könnte. daß er sie daraufhin nur verachtete. wenn sie manchmal Unlust darüber empfand. den wir unter Depressiven häufiger finden.« Sie ist offensichtlich unsicher. Zum Trost wollte ich mir .so was passiert auch nur mir. läßt viele.

der Speiseröhre und des Magens. wie solche Menschen ihre Wünsche nicht klar genug ausdrücken. sich etwas anzueignen. das sei ein organisches Symptom. ihren eigenen Anteil an dem Geschehenen zu erkennen. sie realisierte aber nicht. weil . Weder hatte sie dem Friseur eindeutig genug gesagt. vergessen schnell. Sie hatte Mitleid mit sich selbst und das Gefühl. Sie bezog aus diesem Selbstmitleid eine gewisse Befriedigung . daß sie sich bedauern und für einen Pechvogel halten konnte.und brauchte sich nicht zu ändern.ich hatte eigentlich ganz was anderes gewollt. kann sich bei Depressiven auch in. der ja symbolisch-repräsentativ für alles sich Nehmen. das sie zum Pechvogel verdammte. »Gedächtnisschwäche« äußern. zu Hause gefiel sie mir nicht mehr . Es kommt bei ihnen in Konfliktsituationen psychosomatisch leicht zu Affektionen des Schlundes. vom Leben benachteiligt zu werden. noch hatte sie beim Blusenkauf eine bestimmte Vorstellung davon. die als Ersatzbefriedigung oder als Weltflucht zu verstehen sind.eine Bluse kaufen. daß wir nach Enttäuschungen oder Verlusten uns gern durch Essen oder Trinken entschädigen. sie nicht wirklich mit Interesse und Aufmerksamkeit aufnehmen. und verschleierte sich damit die Möglichkeit. Die Schwierigkeit. Zugreifen und Fordern steht. Von hier führt oft eine schmale Grenze zu Süchten aller Art. immer Pech zu haben. oder daß sie überhaupt unklare. Sie können sich schwer etwas merken. Auch Fettsucht und Magersucht können psychodynamisch mit solchen Konflikten zusammenhängen. Bei genauerem Hinsehen stellt sich indessen meist heraus. der Rachenmandeln. Die Erfahrung mit dem Handwerker. Der Volksmund spricht treffend vom »Kummerspeck« und bezeichnet damit die Erfahrung. Die Konflikte Depressiver drücken sich körperlich bevorzugt in Störungen des Aufnahmetraktes aus.« Hier läßt sich gut erkennen. und konnte damit ihre Gehemmtheit und Angst als Schuld des Schicksals sehen. legte sie sich auch tendenziös so aus. oder eben ihrem Pech an. was sie wirklich wollte sie wollte sich nur zum Ausgleich für die Enttäuschungen »etwas Gutes« tun. wie sie ihr Haar haben wollte. In dem »50 etwas kann auch nur mir passieren« verschob sie die Ursache von sich weg auf die »böse Welt«. unbestimmte Wünsche haben. daß die Unbestimmtheit ihrer Wünsche und das nicht gekonnte Fordern das eigentliche Problem war. von etwas Besitz zu ergreifen. wie sie es zu nennen pflegen. daß sie Eindrücke gar nicht voll apperzipieren. sich Einverleiben. Dadurch werden sie immer wieder enttäuscht und lasten es irgendwelchen äußeren Umständen. die ja heute an der Tagesordnung ist. und meinen.

sie Angst haben, starke Reize zuzulassen; denn das brächte sie in den Konflikt, intensiv etwas zu wollen und es sich doch nicht nehmen zu können; so schalten sie vor viele Reize gleichsam einen Filter und resignieren zu früh. Das kann auch zu Lernschwierigkeiten oder zu einer allgemeinen Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit führen, die die gleiche Funktion eines Schutzfilters haben und nun rückwirkend die Depressionen verstärken, weil man so immer wieder versagt und von sich enttäuscht wird. Solche scheinbare Gedächtnisschwäche Depressiver ist also häufig nur ein Anzeichen für ihre Resignation, für ihre tiefe Überzeugung, daß es ihnen doch nicht glücken würde, von etwas Besitz zu ergreifen. Sie verzichten dann lieber im voraus - dann können sie höchstens noch angenehm enttäuscht werden. So betreiben sie eine Saure-Trauben-Politik, indem sie das, was sie eigentlich möchten, aber nicht glauben sich nehmen zu können oder zu dürfen, vor sich abwerten, als nicht erstrebenswert hinstellen. Damit ersparen sie sich zwar die mögliche Enttäuschung, etwas haben zu wollen und doch nicht zu bekommen - aber zugleich wird die Welt damit für sie immer farbloser, grauer und reizloser, denn ohne eigene Wünsche an das Leben wird es zunehmend leerer und langweiliger. So sitzen sie gleichsam an der vollgedeckten Tafel des Lebens und trauen sich nicht, zuzulangen, müssen dann aber voller Neid sehen, daß andere frisch zugreifen und es sich schmecken lassen - und sich dabei auch noch wohlfühlen. Immer wieder kommt der Depressive an die Grenze seiner Anpassungsfähigkeit und Verzichtsbereitschaft. Im Erkennen, daß er vor dem Subjektsein nicht ausweichen kann, will er nicht zugrunde gehen an einer dauernden Überforderung durch seine »Tugenden«, oder aber einen »fressenden Neid« empfinden denen gegenüber, die sich ohne Schuldgefühl und Angst vom Leben das nehmen, was sie bekommen können, kann der Gesundungsansatz liegen. Der depressive Mensch und die Liebe Liebe, Liebenwollen und Geliebtwerdenwollen ist dem depressiven Menschen das Wichtigste im Leben. Hier kann er seine besten Seiten entwickeln, hier liegen zugleich seine größten Gefährdungen. Nach dem bisher Geschilderten ist es verständlich, daß es bei ihm vor allem in seinen partnerschaftlichen Beziehungen zu Krisen kommen kann. Spannungen, Auseinandersetzungen, Konflikte in diesen sind ihm quälend, ja unerträglich, und sie belasten ihn meist

mehr als nötig, weil sie seine Verlustangst aktivieren. Für ihn unverständlich, führen oft gerade seine Bemühungen um den Partner zu Krisen, weil dieser sich aus der zu engen Umklammerung zu befreien versucht. Der Depressive reagiert dann mit Panik, mit tiefen Depressionen, und in seiner Angst greift er manchmal zu erpresserischen Mitteln bis zum angedrohten, auch versuchten Selbstmord. Er kann sich schwer vorstellen, daß der Partner nicht das gleiche Bedürfnis nach Nähe hat wie er selbst, der gar nicht genug davon bekommen kann. Das Bedürfnis nach Distanz beim Partner erlebt er daher schon als mangelnde Zuneigung oder als Anzeichen, daß der ihn nicht mehr liebt. Die Fähigkeit zur einfühlenden Identifikation, dazu also, einen anderen Menschen in liebender Zuneigung in seinem Wesen zu erfassen, und in transzendierender Teilhabe ihn mitzuerleben, ist für depressive Menschen besonders charakteristisch, und eine ihrer schönsten Eigenschaften. Echt gelebt ist sie ein wesentliches Element alles Liebens, ja aller Menschlichkeit. Ihre Identifikationsbereitschaft kann sich bis zu medialer Einfühlung steigern, in der dann tatsächlich die trennende Grenze zwischen Ich und Du aufgehoben ist - Ursehnsucht aller Liebenden, und Sehnsucht der Mystiker, in grenzauflösender Transzendenz eins zu werden mit dem Göttlichen oder der Schöpfung, worin sie vielleicht unbewußt die grenzenlose Beziehung zur Mutter in der frühen Kindheit auf höherer Ebene wiederzufinden hoffen. Wir werden noch sehen, daß für die Entwicklung unserer Liebesfähigkeit unsere frühe Muttererfahrung von entscheidender Bedeutung ist. Im gesunden Menschen mit depressiven Einschlägen liegt eine große Liebesfähigkeit, Hingabe- und Opferbereitschaft, die Fähigkeit auch Schweres mit dem Partner durchzutragen; er kann Geborgenheit geben, Gefühlsinnigkeit und Unbedingtheit der Zuwendung. Beim tiefer gestörten Depressiven überwiegt in der Liebesbeziehung die Verlustangst; bei ihm kommt es dadurch zu den schwierigeren, den eigentlich depressiven Partnerbeziehungen. Die beiden häufigsten Formen sehen etwa folgendermaßen aus: Man versucht, gleichsam nur noch durch den Partner zu leben, in völliger Identifikation mit ihm. Das ermöglicht tatsächlich die größte Nähe. Man ist gleichsam der Andere geworden, hat aufgehört, ein von ihm getrenntes Eigenwesen zu sein, ein Eigenleben zu haben. Man denkt und fühlt wie er, man errät seine Wünsche, »liest sie ihm von den Augen ab«; man weiß, was er ablehnt und was ihn stört, und räumt es ihm aus dem Weg; man übernimmt seine Ansichten und teilt seine Meinungen - kurz, man lebt, als ob schon ein Andersdenken, eine andere Meinung, ein anderer Geschmack,

überhaupt ein Sich-von-ihm-Unterscheiden und Man-selbst-Sein gefährlich wäre und die Verlustangst heraufbeschwören würde. So geht man ganz im Partner auf und lebt im Bewußtsein aufopfernder Liebe und Selbstlosigkeit. Die Echtheit oder Unechtheit solcher Liebe unterscheidet sich darin, ob man vor der »Eigendrehung« und der zu ihr gehörenden Verlustangst ausweichen will, oder ob man trotz des Bewußtseins der Gefährdetheit alles Liebens, sich selbst und den anderen für die Eigenentwicklung freigeben kann und ihn trotzdem zu lieben wagt. Hier wird das »wo du hingehst, da will ich auch hingehen« gleichsam verabsolutiert. Für den Partner ist zwar eine solche Beziehung in vieler Hinsicht recht bequem; wer aber mehr von einer Partnerschaft erwartet, als im anderen ein Echo von sich selbst zu finden oder einen immer dienstbaren Geist, wird darin enttäuscht werden. In ähnlicher Richtung liegt es, wenn man aus Verlustangst sich selbst so weit aufgibt, daß man praktisch wieder zum Kind wird. Man delegiert dann alles an den Partner, was man eigentlich selbst tun könnte und sollte, wird damit immer abhängiger von ihm und hilfloser ohne ihn, aus der Vorstellung heraus, der andere könnte meinen, man brauche ihn nicht mehr, wenn man selbständiger würde, ja man glaubt, ihn durch die eigene Hilfsbedürftigkeit am sichersten halten zu können. Hier wiederholt man unbewußt deutlich eine Vater- oder Mutter-Kind-Beziehung in der Partnerschaft - es sind gar nicht wenig Ehen, die so aussehen. Ähnlich liegen die Dinge auch bei den Menschen, die, verwitwet, möglichst sofort wieder heiraten, obwohl sie den verstorbenen Partner auf ihre Weise geliebt haben: Sie haben zu wenig Eigenleben und können sich auf jeden neuen Partner einstellen und sich anpassen Hauptsache sie bleiben nicht allein. Was auf diesen Wegen angestrebt wird gleicht einer Symbiose, einer Aufhebung der trennenden Grenze zwischen Ich und Du. Man erstrebt eine Verschmelzung, in der sich Ich und Du nicht mehr unterscheiden und wo, wie einmal ein Depressiver sagte »man nicht mehr weiß, wo man selbst aufhört und der andere anfängt.« Am liebsten würde man sich ganz im anderen auflösen oder ihn »vor Liebe auffressen«, so daß man unverlierbar im anderen enthalten wäre oder ihn unverlierbar in sich trüge. In beiden Fällen liegt das Problem darin, daß man selbst vor der Individuation ausweicht oder sie dem anderen nicht zugesteht. Häufig findet man in der Partnerbeziehung auch die Form des »wenn ich dich Hebe, was geht's dich an«. Das ist ein großartiger Versuch, die Verlustangst zu vermeiden: Der Partner kann sich verhalten wie er will - man liebt letztlich sein Gefühl zu ihm mehr

als ihn selbst, und ist damit nur noch von sich selbst und seiner Liebesbereitschaft abhängig; so kann man Ewigkeit und Unverlierbarkeit erreichen. Schwieriger ist die andere Form depressiver Partnerbeziehung, die erpresserische Liebe. Sie kleidet sich gern in Überbesorgtheit, hinter der sich Herrschsucht, die hier auch aus der Verlustangst stammt, verbirgt. Erreicht man damit nicht, was man erreichen möchte, greift man zu stärkeren Mitteln, zu Selbstmordandrohungen und vor allem zum Erwecken von Schuldgefühlen im Partner; wenn auch das nicht ausreicht, verfällt man in tiefe Depressionen und Verzweiflung. Formulierungen wie »wenn du mich nicht mehr liebst, will ich nicht mehr leben«, bürden dem Partner die Verantwortung auf, daß von seinem Verhalten das Leben des anderen abhängt. Ist er zu weich und neigt er zu Schuldgefühlen, durchschaut er die Situation nicht, können sich hier Tragödien abspielen, die ausweglos werden, wenn die gegenseitige Verstrickung schon zu tief ist. Dann ergibt es jene Beziehungen, die vom Partner nur noch aus Angst, Mitleid und Schuldgefühlen gehalten werden, in denen Haß und Todeswünsche unter der Oberfläche schwelen. Auch Krankheit kann als erpresserische Waffe gebraucht werden und zu ähnlichen Tragödien führen. Wir können wieder sehen, daß auch die Ängste und Konflikte depressiver Menschen etwas allgemein Gültiges haben: Je tiefer wir lieben, umsomehr haben wir zu verlieren, und bei der Gefährdetheit menschlichen Lebens suchen wir alle nach einem Stück Geborgenheit, die wir am tiefsten in der Liebe zu finden hoffen. Wir haben aber auch gesehen, daß das Ausweichen vor der Individuation keine Sicherheit vor der Verlustangst gibt. Im Gegenteil; weil wir damit vor etwas uns Aufgegebenem ausweichen, konstellieren wir gerade das, was wir vermeiden wollten. Zum PartnerSein gehört eine schöpferische Distanz, die es beiden Partnern ermöglicht, sie selbst zu sein, sich zu sich selbst zu entwickeln. Wirkliche Partnerschaft ist nur möglich, zwischen zwei eigenständigen Individuen, nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis des einen vom anderen, wobei der eine zum Objekt gemacht würde. Wer sich nicht traut, ein eigenständiger Partner zu sein, dem droht gerade dadurch die Gefahr des Verlustes; denn durch die Abhängigkeit und die zu geringe Selbstachtung gerät er in die Gefahr, die Achtung des anderen zu verlieren und fordert damit heraus, nicht »für voll« genommen zu werden. Wer andererseits den Partner zum unmündigen Kinde zu machen versucht, muß damit rechnen, daß dieser sich irgendwann befreien und seinerseits ernst genommen werden will, oder daß er seine Toleranzgrenze überschreitet,

sind auch hier einfühlend und haben die Einstellung. ihre Lebensgeschichte und ihre soziale Situation sind zu verschieden. die an sich schon Mangelerlebnisse in ihrer Kindheit erlebten. daß Liebe keine Grenzen verträgt hinsichtlich dessen. auf dem er sitzt. ihnen auszuweichen. sich behaupten und sich durchsetzen. hier muß jeder die ihm gemäße Lösung finden. daß man eine Ideologie der Friedfertigkeit entwickelt. den Partner zu halten. daß wir auch uns ferner liegende Liebesformen respektieren. den er braucht. meist eine fast wörtliche Wiederholung einer Kindheitsbeziehung. so wie die Welt und die Menschen sind. davon abweichende als falsch oder schlecht verurteilen könnte. den Ast abzusägen. Zuneigung und Zärtlichkeit. Die Sexualität ist depressiven Menschen weniger wichtig als Liebe. daß das Umgehen mit seinen Aggressionen und Affekten für den depressiven Menschen ein großes Problem ist. Wir müssen wohl soviel menschliches Verständnis füreinander aufbringen. sonst verurteilen wir zu leicht gerade die. wohinter nicht selten die Vorstellung steht. was erlaubt oder unerlaubt ist. In Fällen großer Abhängigkeit finden sich hier alle möglichen Formen des Masochismus bis zur Hörigkeit. Der depressive Mensch und die Aggression Nach allem Vorhergesagten wird man verstehen. ohne Weiterentwicklung. Was kann man aber mit seinen Aggressionen machen. ihre Anlagen. sich als abhängig erlebt und so auf Liebe angewiesen ist? Der Abhängige kann doch den nicht angreifen. und wie man natürlich auch selbst ist. die aber ein stagnierendes Verhältnis ist. Wie kann er aggressiv sein. Wieviel Freiheit oder Bindung der einzelne braucht.und Liebe sich in Haß verwandelt. können sie sich auch im Körperlichen beglückend schenken. Andererseits sind Aggressionen und Affekte unvermeidlich. Bekommen sie diese. ist nie durch allgemeine Regelung zu lösen. als daß man für alle gültige Forderungen für die Partnerschaft aufstellen. Das würde bedeuten. von dem er abhängig ist. wenn er voller Verlustangst ist. es sei die einzige Möglichkeit. Es sei denn. Das läßt sich vielleicht dadurch erreichen. indem man sich völlig seinem Willen ausliefert. wenn sie einem so gefährlich erscheinen? Eine Möglichkeit ist es. erträgt oder nicht erträgt. Dann nimmt man Gelegenheiten zur Aggression . daher schwer zu einer reifen Liebe finden konnten und nun noch dafür bestraft werden. Die Menschen selbst. man lebt eine Neurose zu zweien.

sondern er hat besonders stark jenes Gefühl moralischer Überlegenheit: Als der Erleidende ist er der Bessere und glaubt. Dabei kommt es zu jener seltsamen Wechselwirkung.ohne daß man indessen erkennt. Wo man sich durchsetzen. der »Heilige« wird zum Quäler. nicht Gewagte. zugreifenden und aggressiven Partners macht. Je mehr man im Rahmen einer solchen Ideologie sich zurücknimmt. moralischen oder sexuellen Masochismus führen kann. die etwas von der Intensität der Affekte ahnen lassen. daß sich auch hinter der überbesorgten Liebe depressiver Menschen unbewußte Aggressionen verbergen. kommt er aus den Schuldgefühlen gar nicht mehr heraus. Hier können sich makabre Dinge abspielen. sich kränken läßt. indem man sie umdeutet und verharmlost . in der vielleicht häufigsten Form depressiver Aggression: im Jammern. macht man unbewußt den anderen zum Leidenden. Wir hatten schon erwähnt. man vergibt sich damit nur etwas. Klagen . Denn indem man den anderen aggressiv. in der Identifikation mit dem anderen miterlebt.»Nicht der Mörder. ohne sich zu wehren. an den man es gewissermaßen abtritt. Wer sich so zum Objekt eines fordernden. sich auseinandersetzen sollte. ihn »weich vergewaltigen«. entschärft man die Situation. wird man gar noch wegen ihm krank. der Ermordete ist schuldig« heißt ein Bühnenstück von Franz Werfel. Ebenfalls unbewußt bleiben die Aggressionen. wenn man ihm diese Deutung anböte. die hinter schweren Depressionen stehen. daß man das nicht Gelebte. . mit solcher Überbesorgtheit kann er den Partner geradezu ersticken. umsomehr muß man zum Ausgleich diese Haltungen kompensieren durch das Gefühl moralischer Überlegenheit .Form der Aggression ist. es lohnt sich doch nicht. delegiert. daß das auch eine . wenn er den anderen schuldig werden läßt. in und außer sich. der »Sünder« zum Gequälten. Hieran kann die Fragwürdigkeit einseitig gelebter »Tugenden« deutlich werden: Während man bewußt der Leidende zu sein glaubt. wo man sich eigentlich wehren müßte. Diese Haltung läßt sich steigern bis zur Dulderrolle. erweckt man in ihm immer mehr Schuldgefühle.der andere hat es ja gar nicht so gemeint. die bis zum seelischen.sublime . das sadomasochistische Verhältnis kehrt sich um. nicht schuldig zu sein. erlebt in der Identifikation mit ihm nicht nur diese in sich unterdrückten Seiten mit.er würde tief erschrecken. wegen einer Kleinigkeit aggressiv zu werden. »böse« und damit schuldig werden läßt in duldender Demut. sich eigene Affekte nicht erlaubt.und diese selbst nicht mehr wahr. während man selbst der unschuldig Leidende bleibt. ohne daß sie dem Betreffenden als Aggression bewußt werden .

ist den Depressiven nicht bewußt. sich zu behaupten oder sich durchzusetzen . so daß er sich zu immer größerer Rücksicht und Anteilnahme im Umgang mit ihnen gezwungen sieht. auch als Selbstbestrafung. eine bestimmte Haltung ausreichen können. und weil man sie mit Schuldgefühlen erlebte. Die größten Tragödien spielen sich in der Kindheit ab. die er sich aus seiner Angst und aus seiner Schuldgefühlsbereitschaft heraus viel zu groß vorstellt . kann sie sich zunächst in Selbstmitleid äußern und sich schließlich gegen die eigene Person richten. daß er falsche Vorstellungen davon hat. die er nicht zur Verfügung hat. Findet die Aggression keinen der hier angedeuteten Wege. sie tragen eine Miene zur Schau. und daß er schließlich weit übertriebene Vorstellungen auch davon hat. wann er aggressiv sein sollte. Aus dem ihm unlösbar gewordenen Konflikt zwischen Aggression. Das hat weiterhin regelmäßig zur Folge. Daß diese auf den Partner zermürbend wirken können. es wird dem Partner zuviel. seine Affekte loszuwerden. bis zum Selbsthaß und zur bewußten oder unbewußten Selbstzerstörung. um respektiert . muß er alle ursprünglich einem anderen geltenden Anklagen. kein Ventil fand. wie es am intensivsten beim Melancholiker der Fall ist. Schuldgefühlen und gleichzeitiger Angst vor Liebesverlust. die man nie äußern durfte. Oder aber. die ihm der Depressive auflastet. was die möglichen Folgen einer geäußerten Aggression sein würden. Erkennen. Wahrhaft tragisch ist solche Selbstzerstörung aus ehemals berechtigten Haß. weil man seine Situation dadurch nur verschlimmert und sich als böse erlebt hätte. erkennen. um etwas zu erreichen. daß ihnen alles zuviel ist. mit seinen Aggressionen umzugehen. daß das Kind sein Abgelehntwordensein als Selbsthaß nach innen nehmen und aus Verlustangst und Ungeborgen heit seine Aggression als zu große Belastung seiner gefährdeten Situation erleben mußte. er durchschaut die Situation und befreit sich von den Schuldgefühlen. der ihn mit der doppelten Wucht trifft. daß dafür enorme Aggressionsquanten nötig wären. Vorwürfe und seinen Haß gegen sich selbst richten. So lernt es der später Depressive von früh an nicht. wo und wann er hätte aggressiv sein können oder sollen. die wortlos anklagt und erwecken auf vielerlei Weise im anderen Schuldgefühle.er hat immer die Angst vor einem Bumerang. hier darin.und Lamentieren. daß die Menschen so böse sind. Sie jammern. mußte man sie gegen sich selbst richten. daß er zu spät oder nicht realisiert.und Neidgefühlen der Kindheit. daß oft nur ein fester Blick. Weil man keine Möglichkeit. welches Ausmaß an Aggression er einsetzen müßte.er resigniert vor der Vorstellung. so rücksichtslos. mit der er geworfen wurde.

die somit kein Ventil finden. wenn es eine unkindliche Neigung zu Antriebslosigkeit hat. wenn wir sie wegen unserer Abhängigkeit und Hilflosigkeit nicht zulassen dürfen. Selbstanklagen. und die Einsicht in die Überschätzung der möglichen Folgen seiner Aggressionsäußerung sind die Nahtstellen. Haß. die man nicht äußern kann oder darf. Wenn ein Kind auffallend still und brav ist. Wir können sagen. Die reife Form der Aggressionsverarbeitung kann man nur dadurch erwerben. Friedfertigkeit und Demut. werden nicht nur äußerst quälend. machen uns auch im späteren Leben noch depressiv. die gleichzeitig Folge der gehemmten Aggressivität sind. Affekte und Aggressionen. des Gefühls für die Würde unserer Persönlichkeit und für einen gesunden Stolz. Wut und Neid sind auch im Leben des Kindes unvermeidbar. wenn sie sich innen aufstauen und zum Hintergrund von Depressionen werden. kann es lernen. Erst wenn das Kind seine Affekte und seine Aggressivität äußern durfte. manche schweren oder unheilbaren Krankheiten können sich psychodynamisch auf solchem Boden entwickeln. die wir unterdrücken müssen. frustrierte Aggressionen. »nieder-geschlagen« . auf die man achten sollte. sie je nach der Situation angemessen einzusetzen oder auf sie zu verzichten. Zur Wendung der Aggression gegen sich selbst gehört auch die bereits erwähnte Somatisierung. gleichsam als letzte unbewußte Selbstbestrafung und zugleich Rache in der Selbstzerstörung. wenn es sich nicht allein beschäftigen kann und auf Alleingelassenwerden überwertig reagiert. Das geringe Selbstwertgefühl Depressiver hat eine wichtige Wurzel . an denen der Depressive es üben kann. Selbstbestrafungen bis zur Selbstzerstörung führt. sekundär wieder zu deren erneuter Hemmung werden. Haß. Ohnmächtige Wut. wenn es keine Initiative zeigt und zu jeder Aktivität angeregt werden muß. neue Erfahrungen mit seinen Aggressionen zu machen. die von der Überbesorgtheit. wenn es sich langweilt und mit der Welt nichts anfangen kann. werden aber erst dann gefährlich.zu werden. Die gesunde und gekonnte Aggressivität ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Selbstwertgefühles. mit ihnen umzugehen. daß die unterdrückte Aggression Depressiver eine ansteigende Linie erkennen läßt.wieviel mehr als Kind. sind das Anzeichen einer beginnenden Depressivitä't. daß man Erfahrungen mit seiner Aggressivität macht. dem Ideologisieren von Bescheidenheit. über das lamentierende Jammern und die Dulderhaltung zur Wendung gegen sich selbst in Selbstvorwürfen. sie führen auch zu einer allgemeinen Antriebsschwäche bis zur Passivität und Indolenz.und Neidgefühle.

was reaktive Antwort ist. wie in einem Menschen die Verlustangst und die Angst vor der Ich-Werdung so überwertig werden können.obwohl auch hierbei die Frage.meist das aggressive Durchsetzungsvermögen zurück. gutartig und wenig kämpferisch. sich von etwas zu lösen. sowie eine große Einfühlungsgabe.sublimieren kann ein Kind noch nicht. wenn wir uns wieder die Situation . wie weit diese Züge auch schon wieder Folge der erkannten Unmöglichkeit oder zumindest der dauernden Gefährdetheit sind. in einer Durchlässigkeit und gleichsam Hautlosigkeit. was Anlage. wodurch sie leicht eine Bevaterung oder Bemutterung unbewußt herausfordern. Wir wollen uns nun wieder fragen. aber . sie haben zu wenig »Ellenbogen«. Eine Gefühlsstruktur also. Die biographischen Zusammenhänge. verstehen wir am besten. ist eine Sublimierung des Neides. das sie mehr angewiesen sein läßt auf Beschütztwerden und Gestütztwerden. wie es zu depressiven Persönlichkeitsentwicklungen kommen kann. Liebesbereitschaft und Liebesfähigkeit. schwer beantwortet werden kann.ebenfalls anlagemäßig . Der lebensgeschichtliche Hintergrund Konstitutionell entgegenkommend kann eine betont gemüthaftgefühlswarme Anlage sein. nicht gekonnten Aggressivität. Beständigkeit und zur liebenden Einfühlung neigen läßt. einem Mangel an »dickem Fell«.in ihrer nicht gewagten. Zugleich tritt bei diesen Menschen . was ihm gefühlsmäßig etwas bedeutet und in das er viel investiert hat. sind von Natur friedfertig. die es dem Depressiven überhaupt schwer machen. die zur Treue. die depressive Persönlichkeitsentwicklungen begünstigen. wie man es bei Menschen mit leichten melancholischen Einschlägen häufig findet. Oft sind diese Züge verbunden mit einer gewissen haftenden Schwerblütigkeit und Anhänglichkeit im Gefühl. Eine andere konstitutionelle Komponente kann in einer sensiblen Vitalschwäche liegen. Wieder werden sich die konstitutionellen mit den biographischen Gegebenheiten überschneiden. wie man es möchte. seine Veranlagung so zu leben. Goethes Wort aus den »Wahlverwandtschaften«: »Gegen große Vorzüge eines anderen gibt es keine Rettung als die Liebe«. Dabei müssen wir es offen lassen. Wahrscheinlich kann auch eine angeborene Neigung zum Phlegma und zur Bequemlichkeit zu den anlagemäßig begünstigenden Faktoren gerechnet werden .

Das innen sich abbildende. bilden so weitgehend eine Einheit. Wer das Glück hatte.des Kleinkindes vergegenwärtigen. Hoffnung und liebender Zu- . wer das Unglück hatte. Das Kleinkind bildet für längere Zeit mit der Mutter ein »Wir«. wenn sie sich entfernt. in der das Kind ganz allmählich begann. wie es auch später im Tiefsten zu sich selbst steht. und wir können verstehen. erkennt es auch seine Abhängigkeit von ihr. sich von der Mutter zu unterscheiden. Echohaft spiegelt das Kind. daß das Kind nur allmählich beginnt. und später ruft sein Lächeln das Lächeln der Mutter hervor. das von Mutter und Kind als beglückend empfunden wird. spiegelt sich später in unserer Einstellung zu uns selbst. daß auch er liebenswert ist. sie ist sein wichtigster Bezugspunkt. eine liebende Mutter sich einbilden zu können. und er wird lange Zeit und viel neue Erfahrungen brauchen. Es braucht die Mutter und ist voller Angst. wird zu einem ungemein wichtigen Seelenbestandteil des Kindes: Wie es die Mutter in ihrer Einstellung zu sich erlebt hat. daß von ihr alle Befriedigung und Beglückung kommt. das ergibt die Grundlagen dafür. was das Leben gewähren kann. wofür ihre regelmäßige und verläßliche Wiederkehr entscheidend wichtig ist. wie das Kunkel einmal formuliert hat: Mutter und Kind leben in einer Symbiose. hat es nun schon die Mutter als die Quelle aller seiner Bedürfnisbefriedigungen erkannt. So liegt in einer geglückten Muttererfahrung ein Kapital. Zunächst ist die trennende Grenze zwischen ihm und der Mutter für sein Bewußtsein noch nicht vorhanden. das man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Das Kind nimmt ihr Bild und ihr Wesen mit allen Sinnen in sich auf. Durch die lange Dauer seiner totalen Abhängigkeit von der Mutter prägt sich ihr Bild tief in seine Seele ein. das zum Beglückendsten gehört. So wird die Mutter »ver-innerlicht«. was ihm entgegengebracht wird. eine harte und ablehnende Mutter in sich abbilden zu müssen. um glauben zu können. Im Maße es nun die Mutter als etwas außerhalb von ihm Seiendes begreift und zugleich erkennt. Es ist ganz auf sie angewiesen und auf sie ausgerichtet. hält sich zutiefst für nicht liebenswert. ein erratendes Verstehen zwischen beiden. Bei einer guten Mutterbeziehung besteht ein Verhältnis wechselseitigen Gebens und Nehmens. daß sich hier die ersten Ansätze von Dankbarkeit. wie die Psychoanalyse sagt »introjizierte« oder »inkorporierte« Mutter-Bild. seine Umwelt bewußt wahrzunehmen. Es besteht eine innige Verbundenheit. hält sich zutiefst für liebenswert. die individuelle Muttererfahrung. jetzt in der zweiten Phase seiner Entwicklung. es beantwortet das Lächeln der Mutter mit Lächeln. Im Unterschied zur Frühstphase.

und für die das Kind nun der ganze Lebensinhalt wird. wie die Mutter es anblickt.neigung bilden. Manchmal kommen schicksalhafte Faktoren hinzu. Fragen wir uns nun. die von der Ehe enttäuscht sind oder den Partner verloren haben. ein. anfaßt. brauchen seine Liebe. so schallt es zurück«. hängt davon ab. um so problematischer werden sie für das Kind.»wie man in den Wald hineinruft. daß die Mutter dem Kind diese Möglichkeiten bietet. in der nichts von ihm gefordert wird. die wir mit Verwöhnung und Versagung bezeichnen können. Es ist von größter Wichtigkeit. worin die Störungsmöglichkeiten in dieser Phase Hegen. Noch ist das Kind in der kurzen Paradieszeit seines Lebens. Mütter also. was es ihnen dankbar verpflichten soll. die »Gluckenmütter«. und tun alles. sich als geliebt oder ungeliebt erlebt. üblicherweise zur Mutter. wenn das Kind immer ein Baby bliebe. in der seine Bedürfnisse erraten und befriedigt werden und es sein Dasein mit Lust und Behagen erlebt . so bei Frauen. Je älter das Kind wird. Das Bild der Mutter und ihres Wesens bildet sich ja dem Kinde zugleich als seine ersten Eindrükke vom Menschen. oder aus Angst vor Liebesverlust das Kind verwöhnen. sie brauchend und auf sie angewiesen. Sie brauchen das Kind zu sehr. Sie überschütten es mit Zärtlichkeit. Zunächst zur Verwöhnung. einen Menschen »in sein Herz zu schließen«. wie seine Entwicklung vorangeht. Das bedeutet für sie: Es entwickelt sich von mir fort. Ob es hier erstmals Zuneigung oder Ablehnung erfährt. denen es am üebsten wäre. mit Angst und Schuldgefühlen erlebt wird. Hier finden wir vor allem die ausgesprochenen Kleinkindmütter. wie es größer und selbständiger wird. vom Menschlichen überhaupt. wobei die Sensibilität und Beeindruckbarkeit des Kindes schon auf feinste Eindrücke reagiert. wagen ihm nichts zuzumuten an gesunden und notwendigen Verzichten. die oft selbst zum depressiven Strukturkreis gehören und aus unbewußter Verlustangst und Lebensängstlichkeit. Sie sehen mit Schrekken. es wird mich bald nicht mehr brauchen und sich anderen Menschen .erleben sollte. ist die nun erkannte Abhängigkeit von einem Menschen und zugleich das erwachende Bedürfnis nach vertrauter Nähe zu ihm. Was also vor allem neu ist in dieser zweiten Phase der flühkindlichen Entwicklung. durch die der Impuls zur »Eigendrehung« statt mit Freude. Es gibt dafür zwei charakteristische Fehlhaltungen der Mütter. behandelt und mit ihm umgeht. Sein Verhältnis zu sich selbst wird hier grundlegend »eingespurt« und ergibt die tiefste Basis für sein Selbstwertgefühl . hilflos und abhängig. damit es in die Lage kommt.

es auf jede Weise zu beschirmen. sich der Welt zuzuwenden. beantworten jede Unlustreaktion des Kindes mit zudeckender Zärtlichkeit. In seinem Roman »Oblomow« hat Gontscharow eine solche Entwicklung glänzend dargestellt. schon wegen ganz normaler Verhaltensweisen. Wollen und Impulsen. aufgegeben hat. weil es selbst das Wünschen verlernt. sondern führt auch dazu. So entstehen Bequemlichkeitshaltungen. Affekte zu äußern oder eigene Lösungen für seine Unbehagen zu finden. in einer gegenseitig verstrickten Nähe. darüber hinaus darf man die großen Opfer über lange Zeit. nehmen es bei jedem Schreien . Auch weiterhin versuchen sie aus den gleichen Motiven. in der Boxersprache ausgedrückt. die eine Mutter dem Kind bringen muß. in der keiner sich mehr frei bewegen kann. bringt weiterhin eine allgemeine Ungeübtheit im Umgang mit der Welt mit sich. Das schwächt zusätzlich seine Impulse. Der weitgehende Ausfall an Wünschen. so daß es Schuldgefühle bekommt.und Kleinhaltenwollen des Kindes ein tiefer Mutterinstinkt entgegen. ziehen wie ein Magnet seine Aufmerksamkeit und seine Gefühle auf sich und leben mit ihm.das oft nur vitale Selbstbetätigung ist. Häufig schildern solche Mütter dem Kind noch die Welt draußen als böse und gefährlich. . so daß es in seiner Weiterentwicklung das Gefühl bekommt. es hat dann resigniert und gleitet in eine passive Indolenz. schon mit dem Stillen. durch die man sekundär wieder mehr auf andere angewiesen bleibt. und ersticken so eine Vitalimpulse. so daß es kaum eine Chance hat. was er über lange Zeit liebend aufgezogen hat. die altersadäquat sind. Geborgenheit. nicht unterschätzen . Sie verwöhnen das Kind von Anfang an. Sie sind dauernd für das Kind da. in einem dauernden Clinch. Das alles bindet das Kind nicht nur immer mehr an die Mutter. etwas ohne die Mutter oder ohne die Genehmigung der Mutter zu tun. daß es schließlich nicht einmal mehr eigene Wünsche hat. vorwegzunehmen. ihm alles »vorzukauen« und sich als Puffer zwischen das Kind und die Welt zu schieben. die die darunterliegende Depression verdecken. dem Kind alles abzunehmen. gleichzeitig aber mit der Erwartung. passive Erwartungshaltungen. Das kann so weit gehen. Sie können gesunde und unvermeidliche Affekte des Kindes nicht annehmen und reagieren darauf gekränkt oder mit Tränen. Wahrscheinlich kommt diesem Festhalten. die Vorstellung vom Leben als einem Schlaraffenland. Verständnis und Sicherheit gibt es nur daheim bei der Mutter.zuwenden. daß man nun seine Wünsche erraten und erfüllen müßte. Wärme. daß es zu wenig Chancen für seine Eigenimpulse hat und von früh an es gar nicht anders kennt. auf.wer läßt schon gern los.

durch Scheidung. Die Situation der Mutter dem Kinde gegenüber kann durch Schicksale verschiedener Art erschwert werden. Durch seine IchSchwäche erscheint ihm die Lebensbewältigung als eine so ungeheure Aufgabe. daheim das Bestmögliche zu haben. schleichenden Depression zu führen. wenn es mit ihr zusammenprallt. sondern sie fordert: »Sei lieb zu mir«. Dann erlebt es die eigene Untüchtigkeit und Schwäche. Nichts Rauhes. und sie pflegen zum Ausbruch der bisher latenten. bleibt es an die Mutter fixiert. der nicht einmal die Zuneigung des Kindes sich frei äußern läßt. durch Geburt des Kindes in eine schwierige Ehephase. daß es davor zurückschreckt und resigniert. der ihr das Kind nehmen könnte. Solche Mütter lassen nach Möglichkeit niemanden an das Kind heran und hüten es eifersüchtig. bleibt reagierendes Echo. Hartes und Kaltes kann an das Kind herankommen. wo sich die bemächtigende Liebe der Mutter nicht nur auf ein Kind ergießt. ick mach es dir schon«. vor der es wieder in die alte Geborgenheit flüchtet. So wird das Kind »weich vergewaltigt«. Denn so töten sie im Kind alle gesunde Selbstentfaltung und schließlich auch die so wichtigen vorübenden Phantasien auf das Leben hin in den ersten Ansätzen vorausgreifener Weltbewältigung. seine Eigenimpulse werden erstickt in der einhüllenden Watte mütterlich besorgter Liebe. Es bleibt passiv und anpassungsbereit mit Erwartungen an das Leben als einer weiterhin verwöhnenden Mutterinstanz. ohne zu ahnen. an dem es sich bewähren könnte. Sie nehmen ihm alles ab: »Laß nur.glaubt es doch. Einzelkinder sind verständlicherweise im allgemeinen in dieser Hinsicht gefährdeter als Kinder mit Geschwistern. oder die Mutter reagiert traurig und gekränkt auf Freundschaften. »gib mir einen Kuß«. und durchbrechen seine Eigenimpulse »willst du nicht damit spielen?«. Natürlich sind so Enttäuschungen unvermeidlich. »das ist noch zu schwer für dich«. Freunde und Freundinnen werden abgewertet. was sie damit anrichten. Ein Patient. wie auf eine Untreue ihr gegenüber. Solche Mütter können also das Kind nicht rechtzeitig und jeweils altersgemäß loslassen und freigeben für seine eigene Entwicklung. durch zu dicht aufeinanderfolgende Geburten usf. Verwitwung. und lernt so weder die Welt noch seine eigenen Möglichkeiten und Grenzen kennen. »das kannst du ja doch noch nicht«. Sie binden es durch ihren Liebesanspruch an sich. da sie in jedem anderen einen potentiellen Rivalen sieht. oft bis weit über die Pubertät hinaus. ein . Es bleibt darauf angewiesen. »hör doch jetzt damit auf«. daß die Welt draußen weiterhin so verwöhnend ist und versagt. Kann das Kind unter solchen Bedingungen seine »Eigendrehung« nicht lernen.

Vor allem sensible Kinder können darunter schwer leiden und Schädigungen davontragen. sie rührte sich längere Zeit nicht und reagierte auf die Bitten des Kindes nicht. wird man sich und ihnen vermeidbares Leid zufügen. die sie so entmachtet und sich ihrer bemächtigt. Sie wagen die altersentsprechenden Schritte der Ablösung von der Mutter nicht zu vollziehen. das gesunde SichEntwickeln der Kinder als Belohnung seiner Liebe. als eine solche »Erziehung« durch Schuldgefühlserweckung. Dafür ein im Typischen gar nicht so seltenes Beispiel: Wenn das Kind in den Augen seiner Mutter ungezogen war . die alles Mutter-Sein in diesem Sinne zu einer undankbaren Aufgabe macht. sich davon zu distanzieren und das unnötige Leiden zu erkennen.»ich gehe und komme nicht wieder«. Wagen sie aber. Die innere Situation solcher Kinder ist aber noch komplizierter. bis es in verzweifeltes Weinen ausbrach. sie opfern. als daß es die Schuldgefühle ertragen kann. . Das Kind muß dann eher auf seine Eigenentwicklung verzichten. das ihm aus vermeintlicher Liebe zugefügt wurde. sagte einmal sehr drastisch: »Wenn meine Mutter das Füllhorn ihrer Liebe über mir ausschüttet. bekomme ich blaue Flekke davon. »du bringst mich noch ins Grab« usf.das heißt.eine vom Kind her gesehen gar nicht anders zu lösende Situation.« Das Loslassenmüssen der Kinder ist eine Notwendigkeit. erweckt sie in ihnen Schuldgefühle durch das Aufzählen. der Mutter so viel Kummer zu machen . die der Erwachsene später seinen Eltern schwer verzeihen kann. wenn er je so weit kommt. Es gibt kaum etwas Belastenderes für ein Kind. so daß es für etwas dankbar sein muß. es ist eine der großen Sünden. sondern was es sogar geschädigt hat. Schuldgefühle erweckende Drohungen sind häufig . oder etwas tat. was ihr nicht paßte . je mehr man Dank erwartet oder gar fordert. umsomehr. nur von dem Kind ja so nicht gefordert worden. seiner Mühen. Es muß sich beschämt als äußerst undankbar vorkommen und seine Befreiungsversuche aus Schuldgefühlen aufgeben. Wenn man nicht die Reife besitzt oder erwirbt.was meist nur hieß.legte sie sich auf das Sofa und »starb« . was sie alles für das Kind getan und geopfert habe. Opfer und Verzichte zu sehen. was es nicht nur gar nicht gewollt hatte. daß es nicht sofort gehorchte. nur etwas davon zu äußern. als auch Haß zu empfinden gegen die Mutter.Einzelkind. Das ist natürlich auch richtig. Ähnliche. wie wir sie in den Beispielen noch kennenlernen werden. Sie können gar nicht anders. Die ganze Gefahr zu enger Bindung und zu großer Abhängigkeit leuchtet hier auf.

sich als Zumutung erlebt. Das Kind wird aber überfordert. gleichzeitig aber von sich verlangt. wo eine Mutter das Kind nicht gewollt hat oder es. wenn es geduldet wird. daß das Kind schon sein Dasein als Schuld empfindet. Sie verwöhnt dann das Kind aus Schuldgefühlen und gleichsam Wiedergutmachungsbestreben. Gemeint ist die Situation. weil sie es nicht sein kann. aber seine Zeit zum Füttern ist noch nicht gekommen. daß es der Mutter eine Last ist. die aus Unsicherheit und mangelnder Einfühlung das Kind nach einem starren Schema stillen und erziehen. Wir wollen nicht unerwähnt lassen.diese Situation ergibt sich verständlicherweise besonders leicht Stiefkindern gegenüber .wie auch sonst so oft . Ist das schon für die Mutter schwierig genug . ihren erstgeborenen Sohn betreffend. vom Kind geliebt zu werden und es sich dankbar zu verpflichten. den Mangel an echter Liebe. Noch relativ harmlos sind die »Programm-Mütter«. daß es eigentlich kein Lebensrecht hat und froh sein muß. daß hierbei . ihm eine gute Mutter zu sein und Schuldgefühle bekommt. Es spürt die Bemühung. wenn es nach dem Stillen sofort in sein Bettchen zurückgelegt wird ohne darauffolgende längere Zuwendung. ohne Rücksicht auf seine individuellen Bedürfnisse. ablehnt und feindselige Gefühle gegen es hat. für etwas dankbar sein zu müssen.« Diese Eintragung wiederholt sich im Tagebuch über längere Zeit. Wir wollen nun die Seite der Versagung betrachten. oft harten Frauen sind meist in ihrer eigenen Kindheit liebesmäßig zu kurz gekommen und haben aus eigener Erfahrung kein Vorbild für das Mutter-Sein. weil es spürt. aber dahinter auch die Ablehnung oder Feindseligkeit. den die Verwöhnung nicht nur nicht ausgleichen kann.als »wissenschaftlich« ausgegebene Privatmeinungen von Ärzten eine manchmal verhängnisvolle Rolle spielen. wie es aus folgendem Tagebuch einer Mutter. die den anderen biographischen Hintergrund depressiver Persönlichkeitsentwicklungen abgibt. wissen zu wenig über die Bedürfnisse des Kindes Bescheid.War die erste Motivierung der Verwöhnung der Wunsch. hervorgeht: »Der Knabe schreit seit mehreren Stunden.so erst recht für das Kind. aus welchen Gründen auch immer. Hier kann es dazu kommen. Wenn es zu unregelmäßig gestillt wird. wenn die Mutter zu wenig Zeit für es hat und den Stillakt hastig . ist die zweite Motivierung wieder anders kompliziert und für das Kind meist noch tragischer. die seinem individuellen Bedürfnis zu wenig Rechnung tragen. wenig mütterlich-liebesfähigen. sondern die es zudem in die Lage bringt. was ihm nicht gern gegeben wird. Die hier gemeinten kargen. wenn ihm zu früh eine Anpassung an Lebensbedingungen zugemutet wird.

aber ich gab dich der Sicherheit halber in eine Kinderklinik. . Schon in den ersten 10 Tagen. Da es sich noch nicht wehren und seine Bedürfnisse ausdrücken kann. daß du für dein Alter einen so »vernünftigen Blick« hättest. wo ich in der Klinik lag.und ungeduldig vornimmt. daß ihnen doch nichts glücken kann. sie sind nur stark im Ertragen und Verzichten. nimmt das Kind allmählich resignierend die Welt hin. die Kinderärztin dort sagte. daß von ihr offenbar nicht mehr zu erwarten ist. wie sie ist. Ich habe dich die ersten 6 Wochen ganz genährt. stellt sich darauf ein. weil du erbrachst und ich dann nichts mehr hatte. die Brust zu nehmen. sie haben es nur gelernt. auch nicht an sich selbst und ihre Möglichkeiten. Dein Kotzen hing sicher nicht mit Cardiospasmus zusammen. wieder aus dem Tagebuch einer Mutter: »Du warst von Anfang an ein mickeriges Kind. Es dauerte oft 5-10 Minuten. Sie können sich gar nicht richtig freuen und zerstören sich manche Glücksmöglichkeiten durch ihre Enttäuschungsprophylaxe: Da sie meinen. Zu Hause hatte ich nach 3 Wochen. ließ ich dich nochmals untersuchen. Es war mehr eine allgemeine Überempfindlichkeit und Nervosität. Als du nach 3-4 Monaten das Normalgewicht noch nicht erreicht hattest. ich fing damals an. weil dann das Mißglücken nur noch schmerzlicher wäre. bekommen sie Schuldgefühle und fragen sich. bis man dich darangequält hatte mit Nase zuhalten usf. Ich war in dieser Zeit schrecklich nervös. Leichtes und Beglückendes bringen könnte. mußte aber sehr oft nachfüttern. sich anzupassen. Du hattest in der Kinderklinik einen Fensterplatz und warst nur mit einer Decke bedeckt. wenn man von vornherein nichts Gutes erwartet. nicht sehr viel Zeit. wo ich wieder mit Arbeit anfing. der Arzt fand nichts. Das Gefühl der Aussichtslosigkeit beherrscht sie. sind ausgesprochene Pessimisten und können sich schwer vorstellen. sind das einige der häufigsten Beispiele für hier mögliche Überforderungen. weigertest du dich. zu Hause hatten wir dich wärmer gehalten. sie können nicht an die Zukunft glauben. womit sie das verdient haben. wenigstens stritten die Ärzte das ab. ging aber wenigstens die ersten Tage hin zum Nähren. erwarten sie immer das Schlimmste. die prägend wirken. daß das Leben auch für sie einmal etwas Frohes. Und wenn es doch einmal geschieht. Ein Beispiel für solche frühen Versagungserlebnisse. Das ergibt das Lebensgrundgefühl vieler Depressiver: eine weitgehende Hoffnungslosigkeit. Erfolg: du bekamst eine Lungenentzündung. kann man nur noch angenehm enttäuscht werden. wie du ja auch nie eine Nacht durchschliefst die ersten 6 Monate. Anstatt erwartungsvoll und hoffend in der Welt zu sein. versuchen sie es gar nicht mit der nötigen Intensität.

wie oben beschrieben. zu einer Ideologie der Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit. sonst wäre nie Ordnung und Gleichmäßigkeit in dein Leben gekommen. daß seine Eltern nicht liebesfähig sind. es kann daher nicht realisieren. diese zu vermeiden. daß man sich dieses verdienen muß und eine Existenzberechtigung nur hat. daß sie dem Kind das Gefühl geben. geliebt worden zu sein.« Dieser Bericht spricht wohl für sich selbst . nicht liebenswert zu sein. und hat nun wenigstens den Trost einer moralischen Überlegenheit. Das pflegt die Basis tiefer Minderwertigkeitsgefühle abzugeben . wie andere sich unbefangen das nehmen. mit . Die andere Folge von frühen Versagungserlebnissen ist. ziemlich angeekelt und verärgert über die schlechte Erziehung<. wird schwer den Neid vermeiden können. um sich für liebenswert halten zu können. Dieses Minderwertigkeitsgefühl hängt auch damit zusammen.er enthält so ziemlich alle Punkte. Riesenschiß hattest du immer vor ärztlichen Behandlungen.alles schwarz zu sehen. mußte der herbeigerufene Arzt unverrichteter Sache abziehen. ist man eben nicht liebenswürdig. des Forderns und Zugreifens. da hast du gebrüllt. versucht man. Im übrigen warst du in deiner Kindheit mein einziger fester Halt. was er sich zu nehmen nicht getraut. und wenn man es nicht erlebt hat. sind offenbar »Eltern überhaupt«. wenn man für andere lebt. oft ein gewisses System mit viel Ausgehen und früh schlafen zu krampfhaft festgehalten. indem man aus der Not eine Tugend macht: Man erhebt seine Gehemmtheit zu einem Wert. daß das Kind noch keine Vergleichsmöglichkeiten in diesem Alter hat. »Schon mein Dasein ist Schuld«. daß man eigentlich kein Lebensrecht hat. Wer aber so verzichtsbereit ist und nicht angemessen zugreifen kann. Als du mal eine Otitis hattest. Es lernt einmal. sagte eine depressive Patientin mit so einer Kindheit. wenn er sieht. Dadurch habe ich zweifellos vielleicht in deiner Erziehung Fehler gemacht. zu früh zu resignieren. muß es wohl an einem selbst liegen. Frühe Versagungserlebnisse haben für das Kind eine doppelte Folge. Das kann zu schuldhafter Fixierung an die Mutter oder die Eltern führen. die hier prägend und belastend für ein Kind sein können.man muß es ja einmal erlebt haben. Dadurch wird es gehemmt auf allen Gebieten des Sich-etwas-Nehmens. Bei schweren Minderwertigkeitsgefühlen kann auch hier das Gefühl entstehen. da Pappi in diesen Jahren durch seine öfteren Ausbrüche und Unberechenbarkeiten äußerst schwierig war. Da man wegen des Neides wieder Schuldgefühle bekommt und sich schlecht vorkommt. seine Welt ist für es »die« Welt und wie seine Eltern sind.

selbst wenn es ihn zunächst interessierte. sich zurückzustellen. Manche finden vielleicht zu der Lösung. sonst würden sie sich überfordern. habe ich das Gefühl. anderen das geben zu wollen. das schüchtern und angepaßt. wenn man schließlich alles als Forderung erlebt. zu früh. Es hat der Welt zu wenig an Eigen-Sein entgegenzustellen. das erlebte Liebesdefizit zu sublimieren in helfenden Tätigkeiten. mögen folgende Beispiele skizzieren: »Wenn die Sonne scheint. dann opfert man sein Leben auf dem Altar elterlicher Egoismen und findet es noch ganz selbstverständlich. Häufig wird dann auch der Ausweg in irgendeine Sucht gesucht. sie versuchen. weil es schließlich alles als Forderung erlebt. ist zu wenig Subjekt und wird so zum Objekt anderer. in caritativen Berufen . wenn überhaupt. keine Ansprüche zu haben. Dann stellt sich heraus. Deshalb scheuen viele depressive Menschen den Kontakt mit mehreren Personen .Ein Student war nicht in der Lage. wenn nämlich das Leben nicht mehr so verwöhnend ist wie einst die Mutter und wenn keine Ersatzmütter . nach einigen Seiten Lektüre schlich sich bei ihm das Gefühl ein. gehören können . daß ich mich darüber freuen soll .wie könnten sie all deren divergente Forderungen erfüllen . alle die vermeintlichen Forderungen zu erfüllen. Im Endeffekt ist die Auswirkung von Verwöhnung und Versagung eine ähnliche: beide führen meist zur Entwicklung einer depressiven Persönlichkeitsstruktur. daß es auch später immer auf andere ausgerichtet ist und deren Forderungen und Erwartungen zu erfüllen bemüht ist.« . Welche Formen es annehmen kann. Da es ihm immer unmöglicher wird. Das verwöhnte Kind kommt nur meist erst später in Angst und Krisen. Es ist so daran gewohnt. daß man den Härten und Anforderungen des Lebens nicht gewachsen ist. ein Buch zu Ende zu lesen. vielleicht bei einem einzelnen Menschen versuchen. Es wird zum stillen.das verdirbt mir dann schon den ganzen Tag. für die Eltern sehr bequem ist. die es meint.das kann man. und es kommt zum Ausbruch der Depression. Sozialversicherungen usf. zu verzichten. anspruchslosen Kind. gerät es in immer neue Schuldgefühle und diesen folgend Depressionen. staatliche Institutionen. Das unter Mangelerlebnissen und Versagungen aufgewachsene Kind lernt es früher.aber auch sie wollen dafür geliebt oder belohnt werden.Wiedergutmachungstendenzen ihnen gegenüber. daß das Buch von ihm gelesen . erfüllen zu müssen.gefunden werden.zu denen eine Versorgungsehe. in aufopfernder Nächstenliebe. die hinter diesen Verhaltensweisen die Depression nicht erkennen. was sie selbst nie bekamen.

zur Ablehnung aller Forderungen. versuchen sie. Eine nach innen genommene feindselig-ablehnende oder überfordernde Mutter ist nicht selten die tiefste Ursache des Selbstmordes als letztmöglicher Resignation. Die hier auftretenden Selbstmordneigungen sind auf sich selbst verschobene Mordtendenzen und zugleich die Selbstbestrafung für den Haß gegen die Mutter. wie solche Erlebnisweise schließlich zu völliger Resignation und Apathie führen muß. durch die es sich selbst ablehnt bis zum Selbsthaß und zur Selbstzerstörung. Unbewußt wiederholen sie so die Situation ihrer Kindheit. Schuldgefühlen. sich immer mehr aufzugeben und die Forderungen zu erfüllen. und wie abhängig seine Einstellung zu sich selbst von seiner Muttererfahrung ist. wie das Kind das Bild der Mutter in sich hereinnimmt. die mangelnde Entwicklung des Subjekt-Seins ist. Denn sie befinden sich in einer für sie unlösbaren Situation: versuchen sie. Nicht er wollte also subjekthaft das Buch lesen. sie sehen überall nur Berge von Forderungen. Daher ist so ein »Streik« noch ein gutes Zeichen. Weil sie der Welt nur ein so schwaches Ich entgegenzusetzen haben. Es wurde wohl deutlich. weil sich darin noch etwas gegen das dauernde Sollen und Müssen auflehnt. Sie können sich dann nur retten in zunehmende Indifferenz. Aus der gleichen Ich- . es machte ihn gleichsam zum Objekt. ohne daß man ihnen die Zeit und Möglichkeit gegeben hat. einer introjizierten ablehnenden Mutter und Selbsthaß. wird für sie alles zur Forderung. Werden solche Menschen nun weiter gezwungen etwas zu leisten. so unerträgliche Schuldgefühle auslösen. daß das zentrale Problem depressiver Menschen die nicht geglückte »Eigendrehung«.werden wollte. vor denen sie schließlich verzweifelt resignieren. Der unvermeidliche Haß gegen die Mutter würde so schwere. Wir sehen. daß es lieber den Haß auf sich selbst richtet. sie werden zu »Versagern« oder flüchten sich in die Sucht oder den Selbstmord. Sie wird zu einer innerseelischen Instanz des Kindes. sind die psychodynamischen Hintergründe schwerer Melancholien. treibt man sie in die äußerste Verzweiflung. aus eigenen Impulsen und Wünschen handelndes Subjekt zu sein. welche Extremformen depressives In-der-Welt-Sein annehmen kann. und er verlor die Lust daran. haben sie keine Freude am Leben. geraten sie in schwere Schuldgefühle. erst einmal nachzuholen. Gleichgültigkeit und Apathie. Man kann sich unschwer vorstellen. sich den Forderungen zu entziehen. Ich hatte weiter oben beschrieben. was sie nie durften: wollendes. Solche Zusammenhänge von Haß. sondern es wurde ihm zur Forderung.

belegt sie immer mehr mit Beschlag und will sie schließlich heiraten. hatte sie das Gefühl. ohne es zu wollen und zu merken macht sie ihm durch ihr Verhatten Hoffnungen und gerät in Schuldgefühle. die sie danach bekämen.ihr Mitleid zu erwecken versteht. durch Schilderung seiner Lage . Ihnen bleibt nur die Depression oder der unbewußte Streik. der sie in eine Unterhaltung zieht. kann ihr ganzes Lebensgefühl vergiften oder muß in immerwährenden Selbstanklagen und Selbstbestrafungen abgesühnt werden. aber unbewußt doch mitkonstelliert haben. depressive Menschen können schwer »nein« sagen. Sie kann nicht nein sagen im rechten Augenblick und hätte sich schon viel früher ablehnend verhalten sollen. Beispiele für depressive Erlebnisweisen Gehen wir wieder zu Beispielen über. ein eigenständiges Individuum zu werden. in reifer Form die Überforderungen abzulehnen. Das Beispiel zeigt viel Charakteristisches für depressives In-derWelt-Sein. die sie denen anderer entgegenzusetzen hätten. Was hier helfen kann. die Angst vor der Ich-Werdung dadurch zu vermeiden.Ehescheidung. Obwohl er ihr nie besonders sympathisch war und sie ihn keineswegs liebte. den sie nie zu äußern wagten. eine noch tiefer Gestörte hätte den Mut zu dem »nein« gar nicht mehr aufgebracht. starke eigene Impulse. was sie aber auch nicht von ihren Schuldgefühlen befreit. Depressive versetzen sich in die Situation des anderen. als sie ihm schließlich eine Absage gibt. daß sie in Lagen kommen. ihn nicht enttäuschen zu dürfen. Wünsche und Zielsetzungen zu haben. Der in der Tiefe aufgestaute Haß und Neid. daß sie immer mehr auf ihr Eigen-Sein verzichten. ist die Situation unlösbar. daß sie den eigenen Standpunkt und die eigenen Interessen darüber weitgehend vergessen. Einsamkeit . Sie sind es gewohnt. Ein junges Mädchen lernt im Cafe einen Mann kennen. die sie nicht gewollt.Schwäche kommen sie weder dazu. ja sie überhaupt als solche zu erkennen. wo er sie doch so zu brauchen schien. Weil sie zu wenig Eigenimpulse und Eigenwünsche haben. aus Verlustangst und aus Schuldgefühlen. sie identifizieren sich mit ihm so weit. Solange sie versuchen. noch gelingt es ihnen. wenn ihre Toleranzgrenze überschritten wird. So kommen sie leichter als andere in schwierige Verwicklungen und werden zum Opfer rücksichtsloser Men- . ist nur das Wagnis. unterliegen sie den Wünschen und Impulsen anderer um so leichter. bittet immer wieder um ein Treffen. Er hängt sich an sie. die Erwartungen anderer zu erfüllen.

war nicht hart genug. Nachahmung Christi«. Ich habe dann einen Lösungsversuch gemacht: Wenn mich schon niemand liebt. in dem unten ein Geschäft war. die Mutter konnte sich nicht wehren und ging auf Arbeit. das ursprünglich aus dem Besitz der ersten Frau ihres Vaters stammte. nicht zugeben wollen. besitzlos sein. Habe daraus eine Tugend gemacht nach christlichem Vorbild: Arm sein. die ebenfalls im gleichen Haus wohnten und sich gegen die neue Frau feindselig einstellten. der Vater damals auch. Sie lief dauernd in die Kirche. denn es waren ja arme Seelen. Sie wurden geduldet bis der Vater starb und dann aus dem Haus gewiesen. der ihr sagte. gab aber immer nach. will ich arm sein. Sie klagte hinten herum über die Verwandtschaft. Tochter und Mutter empfanden sich durch das Verhalten der väterlichen Familie als die Dazugekommenen. sich durchzusetzen. Die Stiefschwestern hatten alles. Ihre Mutter war jung gewesen. aus Schuldgefühlen und auch. Sie suchte zwar einmal einen Anwalt auf. aber sie hatte nicht die Kraft. wenn sie für das Kind etwas Neues anschaffte. mir darf nichts gehören ~ armes Kind . nörgelte dafür dann ewig. als ob es den Stiefgeschwistern damit etwas weggenommen hätte. die schon durch ihr Dasein den anderen etwas wegnahmen. So wuchs das Kind mit dem Gefühl auf kein Lebensrecht zu haben. Dieses Mädchen stammte aus schwierigen Familienverhältnissen. er war damals schon in den Sechzigern und zeigte Anzeichen einer Altersdemenz. was sie zu vergeben hatten. »Die Mutter hatte Angst. die unerwünscht Hereingeschneiten. der sie ausnutzte. sie schleppte mich in die Totenkapelle neben der Kirche und wir beteten für die armen Seelen und um ein bißchen Gelingen. Diese.sehen. es durfte das dann nur heimlich tragen und hatte Schuldgefühle. an sich schüchtern und durch ihren Mann nicht unterstützt. um ein bissei Brot aus der Schüssel des Lebens viel konnte es ja nicht sein. weil sie Beschämung über die eigene Gutgläubigkeit empfinden und die Demütigung dem gegenüber. Sie lebte mit den erwachsenen Stiefgeschwistern im gleichen Haus. Ihr Vater hatte in zweiter Ehe nach dem Tod der ersten Frau ein einfaches Mädchen »unter seinem Stand« geheiratet. nicht einmal hatte ich ein Sichbehaupten an ihr erlebt. und an dem auch noch 2 Schwestern der verstorbenen Mutter beteiligt waren. als die Patientin etwa 8 Jahre alt war. Sie können sich dann schwer aus solchen Situationen befreien. die müssen wie Prinzessinnen gehalten worden sein. sie könne nicht hinausgeworfen werden. die ihre Schwäche ausnutzen. war ewig unzufrieden. fühlte sich mit ihrem Kind nur geduldet.liebes Kind. Sie hatte Angst. .

Ihr Verhalten der Kollegin gegenüber war nur ein Beispiel für viele ähnliche in ihrem Alltag. ihr Nicht-fordern-Können durch die Magensymptome. sich nicht zu wehren. eine Kostenbeteiligung zu fordern. was ihr bei ihrer Pflichteinstellung sehr unangenehm war. das Subjekt-Sein nicht gewagt wird. sie kam sich im Gegenteil schäbig vor. In der psychotherapeutischen Behandlung stellte sich heraus. sondern die Beziehung beider wurde sogar zu einer Freundschaft.es war ja ihr Auto. daß sie an solchen Tagen merkwürdig oft Kopfschmerzen und Magenbeschwerden bekam. verschwanden nicht nur die Wochenendsymptome. daß ihr Unterbewußtsein Alarmsignale gab und mit Symptomen reagierte. die sie sich nicht erklären konnte. diese immer zum Arbeitsplatz mitzunehmen. es sei das Jüdische an ihr. die Kollegin nicht.was ihr selbstverständlich schien . sind sie sich gar nicht bewußt. nachzugeben. Die Kollegin kam gar nicht auf den Gedanken. daß mit diesen Verhaltensweisen ihre anscheinend grundlosen Depressionen zusammenhängen. daß sie Halbjüdin war und meinte. überhaupt so kleinliche Gedanken zu haben . Da es ihnen zur zweiten Natur geworden ist. »fraß« ihren Groll in sich hinein und merkte erst durch ihre Symptome. Erschwerend kam noch hinzu. ein Auto hatte.Fräulein M. was sie bewußt nicht zu leben wagte: den Ärger durch die Kopfschmerzen.das sei doch ihrer nicht würdig. so daß Fräulein M. die nun körperlich das ausdrückten. trödelte morgens gern herum. noch sich ihren Ärger zuzugestehen. war es ihr zur Gewohnheit geworden. Die Kollegin.das Jüdische in ihr hatte sie immer als etwas Negatives geglaubt sehen zu müssen. Weil Fräulein M. wie ein Schicksal hinnehmen. sich fast dazu verpflichtet fühlend. Als sie trotz ihrer Bedenken es schließlich fertigbrachte. an dem nichts zu ändern ist. sich an den Spesen zu beteiligen. brachte es aber weder fertig. wo doch die andere kein Auto hatte. ihretwegen öfter zu spät zur Arbeit kam. zu verzichten. die weniger gewissenhaft war. die Kollegin würde denken. daß offenbar etwas nicht in Ordnung war. Sie nahm die Kollegin auch häufiger auf ihre Wochenendfahrten mit. Der Arzt .bei diesen Gelgenheiten auch die Benzinkosten immer allein trug . das SichDurchsetzen oder Neinsagen. lebte mit einer Kollegin in einer gemeinsamen Wohnung. die sie wie eine Veranlagung. Der Alltag depressiver Persönlichkeiten ist durchzogen von solchen Verhaltensweisen. Dabei fiel ihr auf. So ließ sie sich überfordern und ausnutzen. wenn sie so auf das Geld aus wäre . daß sie . Die Patientin ärgerte sich darüber. sie arbeiteten auch im gleichen Büro. der Kollegin die Mitbeteiligung an den Benzinkosten vorzuschlagen und diese zu ihrer Überraschung darauf einging. bei denen das Sich-Behaupten.

sie bekam das Gefühl. der Vater habe es ja nicht so schlimm gemeint. wie sie es einmal nannte. So versuchte sie verzweifelt . du mußt entscheiden. da er auch keine äußeren Auslöser für die Depression sieht. dem »verratenen« Elternteil gegenüber. Zum Vater sagte sie ebenso heimlich. die so labile und gefährdete Beziehung zwischen den Eltern womöglich noch mit ihren eigenen Nöten und Problemen zu belasten . dann nur mit Schuldgefühlen. Alle eigenen Wünsche.und das war über Jahre fast ein Dauerzustand in ihrer Kindheit . Sie hing an beiden Elternteilen und hätte sich gar nicht entscheiden können. Bei manchen dieser Szenen wurde die Situation so bedrohlich. Der Mutter sagte sie heimlich. und wenn doch.mit anderen Worten. und er bedauere sein Verhalten. »der Kitt und das Gleitmittel« zwischen den Eltern . und so können sie von Medikamenten abhängig werden. Von ganz früh an erlebte sie schwere Auseinandersetzungen zwischen den Eltern mit. wenn du lieber hast. So konnte sie nie unbefangen altersentsprechend kindlich sein. wenn sie es auch oft nicht so zeigen könne. Affekte und Ängste stellte sie allmählich automatisch-reflexhaft zurück. der Vater selbst habe ihr das neulich gesagt. daß sie fürchtete. Sorgen. daß eine Trennung der Eltern nicht mehr aufzuhalten schien. die bestenfalls eine vorübergehende Erleichterung verschaffen. Impulse.pflegt ihnen antidepressive Medikamente zu verschreiben. daß es von ihr abhinge. Häufig sah es für das Kind so aus. . So bekam sie in der elterlichen Ehe eine wichtige Funktion: Sie schien das Zünglein an der Waage zu sein oder. auf einem Vulkan zu leben. Man kann sich vorstellen. Mehrfach wurden die Trennungsabsichten der Eltern ihr gegenüber geäußert.die Mutter war Jüdin. daß die Mutter ihn wirklich liebhabe. die so in eine unlösbare Situation gebracht wurde. es hieß dann: »Papi und Mami wollen sich trennen. Ich will nun den biographischen Hintergrund dieser Patientin breiter schildern: Sie war das einzige Kind in einer sehr schwierigen Mischehe . ob die Eltern beisammen blieben oder sich trennten. und daß sie ganz genau wisse. der jederzeit ausbrechen konnte. im übrigen aber das Problem nur zudecken.zwischen den Eltern auszugleichen und zu vermitteln.« Dies einer Vierjährigen. zum Teil aus anderen Gründen wurde dann die Trennungsabsicht immer wieder aufgeschoben. wie unglücklich die Mutter über die angedrohte Trennung sei. Zum Teil durch diese ihre Vorarbeit. Aber die Patientin hatte das Gefühl. bei wem du bleiben willst. sie würden sich etwas antun. sie selbst sein. er sei eben aufbrausend und sie dürfe das nicht so ernst nehmen.für ihre Vorstellung wäre dann alles zusammengebrochen. daß sie unter diesen Bedingungen nie wagen konnte.

das sie selbst noch gern trug. Der Sohn kokettierte mit ihr. weil sie geheime. wohnte in der Nachkriegszeit in Untermiete bei einer Familie in Deutschland. Dafür entwickelte sie Symptome: Sie bekam sehr früh starken Haarausfall. Obwohl sie müde war und vor dem abendlichen Auftritt noch ausruhen wollte. wo sie eine Ballettausbildung machte.dann bekam sie unbestimmte Ängste und machte es lieber selbst. um die spürbaren intrafamiliären Spannungen auszugleichen. Die ungewohnte Freiheit ängstigt. die nicht recht angenommen war in der Familie und sich durch arrogante Ansprüche dafür rächte . lockere Zähne.Hausfrau. »mußte« sie nun die ganze Familie . die sie später bei der Kollegin bekam.zum Kaffee einladen. Sohn und Schwiegertochter. wo einen das Gefordertsein durch Pflichten der Angst enthebt. etwas ältliche Tochter. Nach fast zwei Stunden vertaner Zeit ging sie endlich erschöpft in ihr Zimmer und begann heißhungrig- . der damals hier noch eine Seltenheit war. unter Zurückstellung der eigenen Person erfüllte. bis diese ihr eines von den ihren schenkte. Weil es den Deutschen nach dem Krieg noch schlecht ging.und Freizeitneurosen aus. bekam sie oft ein laut hörbares Magenglucksen. und obwohl sie sich nichts aus ihm machte. verdrängte. Man kann dieses Symptom als Vorläufer der Magenschmerzen sehen. wenn sie sich durchsetzen sollte oder im Büro von anderen etwas fordern mußte . das sie als unbewußten Protest gegen sie überfordernde Situationen verstehen lernte. erwischte die Wirtin sie regelmäßig und zog sie »zu einem kleinen Plausch« in die Küche. zu deren Erfüllung der Alltag weniger Gelegenheit gibt. Ein Beispiel für das Nicht-nein-sagen-Können: Eine Patientin. die sie gewissenhaft und vorbildlich. Wenn sie vom Training heimkam und unbemerkt in ihr Zimmer schlüpfen wollte. ihre Haut schuppte sich am ganzen Körper ab. »mußte« sie hier und da ihm einen Blick zurückgeben. und schließlich »mußte« sie noch die Schwiegertochter ins Gespräch ziehen. als verboten erlebte Wünsche aufkommen läßt. gegen die sie sich glaubte nicht wehren zu können. der ausgezeichnet »funktionierte«. Aber sie kam in Bedrängnis und war hilflos. was von ihren Arbeitskollegen natürlich ausgenutzt wurde. man selbst zu sein. wenn er in einer bestimmten Forderung stand. So entwickelte sie sich zu einem Menschen.sie kamen scheinbar gar nicht mehr auf in ihr. und sie hatte ein sehr lästiges und ihr peinliches Symptom: Wenn sie mit anderen Leuten zusammen war. Die Tochter bewunderte mit deutlichem Neid das hübsche Kleid der Patientin. konnte sie nicht nein sagen. um ihn nicht zu enttäuschen. eine junge Amerikanerin. Ähnlich sieht der Hintergrund mancher Sonntags.

nahrhafte und nach Gesundheitsaspekten zusammengestellte mütterliche Küche. sich zurückzustellen. Als nach einigen Jahren das Kind geboren wurde. war nicht unglücklich in der Ehe. Spielte das Kind im Sand. . stellte sie sich mit ausgebreiteten Armen vor die Kellertür. das Kind vor allem in ihren Augen Rauhem. war dieser für sie voller heimtückischer Bakterien. die die Entwicklung des Kindes zum autonomen Selbst erschwert oder verhindert haben.wegen dieses Freßdranges. daß ihn die Kameraden verlachten (wofür solche Mütter kein Verständnis zu haben pflegen). die wenig eigene Interessen hatte. und es wurde ihr wichtigster Lebensinhalt. brachte ihm das Frühstück ans Bett . der bis zum Stehlen von Süßigkeiten aus den Garderobeschränken von ihren Kolleginnen ging. Auch sie war ein Einzelkind in einer unglücklichen Ehe und mußte es von früh an lernen. keinen eigenen Willen haben zu dürfen und nicht in die männliche Welt hineinwachsen zu können. Hartem und Gefährlichem zu behüten.was konnte da nicht alles passieren. Immer finden sich in der Lebensgeschichte depressiver Menschen Umwelteinflüsse.wie leicht kann man da stürzen und sich etwas brechen oder überfahren werden! Fahrten mit der Klasse oder mit einigen Kameraden . bis zu möglichen Verführungen und homosexuellen Attakken! Sie badete den Sohn noch bis über die Pubertät. hinter der das Rad eingeschlossen war. Die Mutter. stürzte sie sich mit der ganzen Wucht ihrer unerfüllten Wünsche darauf. die Eltern in ihren Problemen zu verstehen. Der Sohn resignierte und wurde mit seinem Lieblingsgericht und gehäuften mütterlichen Zärtlichkeiten belohnt. war überbesorgt und versuchte. angefangen mit dem Übernachten in Heustadeln und ohne die gute. Radfahren .Nun ein Beispiel für eine verwöhnende Umgebung: Herr S.kurz. er lebte in einem Schlaraffenland. bevor sie ihr eigenes Wesen hatte entdecken und entfallen können. Sie hütete es wie ihren Augapfel. Es hieß etwa . und rief mit dramatischem Pathos »nur über meine Leiche«.süchtig zu essen . war sie in die Therapie gekommen. aber in irgendeiner ihr selbst unklaren Weise unausgefüllt. Nach der Pubertät ließ es die Mutter nicht an Warnungen vor den Mädchen fehlen. Und was hielt sie alles für gefährlich! Ging ein frischer Wind. war ebenfalls das einzige Kind seiner Eltern in einer durchschnittlich guten Ehe. Als er einmal um die Pubertät herum einen Rebellionsversuch wagte und gegen den Willen der Mutter mit Kameraden eine längere Radtour unternehmen wollte. sah sie schon eine Lungenentzündung bei dem Jungen voraus und mummelte ihn so ein. aber um den Preis. schrubbte ihm den Rücken.

sagen zu können: »Mein Sohn hat keine Geheimnisse vor mir. die wissen ja. Er bekam Schuldgefühle. als Herr S. bis es ihm zur Gewohnheit geworden war.« Er selbst war so an diese Distanzlosigkeit gewöhnt. sobald er begann. Damit war sein Schicksal zunächst besiegelt. die Welt durch die Augen seiner Mutter zu sehen. vor den kritischen mütterlichen Augen bestehen. Er hätte nicht gewußt.in wechselnden Versionen: »Die wollen ja nur dein Geld«. wurde die Mutter im rechten Augenblick krank und band den Sohn auf diese Weise fester an sich. daß er es auch nicht als unangemessen fand. denn er hatte ja nur die Gute-Sohn-Haltung erlernt.da . wieder andere waren ihr gegenüber nicht respektvoll genug gewesen. aber sie fragte immer alles aus ihm heraus. die einen kamen aus »keinem guten Stall«. andere waren erotisch zu herausfordernd angezogen und daher undiskutabel. wenn er abends einmal länger ausblieb . aber hartnäckiger Form zu verstehen gegeben wurde. Vor Frauen hatte er eine zunehmende Angst entwickelt und war ihnen gegenüber linkisch und scheu. mütterlichen Frauen .die Mutter machte sich dann solche Sorgen! Alle Wochenenden und die Ferien verbrachte er mit ihr. Als er sein Studium in einer nahen Stadt begann. und er konnte sie doch nicht allein lassen. Er blieb auch sonst im Leben der »gute Sohn«. und letztlich »bist du mir zu gut für sie«. Seine wenigen mißglückten Abnabelungsversuche wurden mit von der Mutter genährten Schuldgefühlen erlebt und bald ganz aufgegeben. daß sie eigentlich recht habe und rationalisierte so zugleich seine Angst davor. fünfzehn Jahre alt war. fand er meist bald. Die Mutter wußte alles von ihm. gab es einen herzzerreißenden Abschied. daß er jedes Wochenende nach Hause kommen würde. ihr alles zu erzählen. nicht. ein reiner Tor. An allen fand sie etwas auszusetzen. »laß dich nur nicht einfangen. wie man eine Frau erobert. verstand sich daher am besten mit älteren. daß du mal alles erbst und spekulieren nur auf dein Vermögen« usf. wenn sie selbstverständlich seine Briefe öffnete und las. die wollen geheiratet werden. Die Mutter war stolz darauf. So wertete sie alle Mädchen vor ihm ab. Drohte doch einmal aus inneren oder äußeren Zusammenhängen dieser Gemeinschaft eine »Gefahr«. und da er gewohnt war. um versorgt zu sein. freundlich und hilfsbereit. Nun hatte die Mutter nur noch ihn. daß er einen solchen Mitteilungsdrang gehabt hätte. So wuchs er als ewiger Sohn heran. ein Mädchen zu erobern. Zu seinem Unglück starb der Vater.dabei war ausgemacht. sich für eines zu interessieren. Natürlich konnte kein Mädchen. aber etwas farblos und wie geschlechtslos. was ihm in verschiedener. als ginge er auf einen anderen Kontinent oder ab wäre es ein Abschied fürs Leben .

was die anderen auch ohne entsprechende Leistung von seiner Seite hätten erkennen sollen. auf denen stand: »Wehe. Durch die Überschätzung von seilen der Mutter. sich zwischendurch (im Außendienst war das möglich) einen freien Nachmittag zu machen. die Hände auf den Rücken gebunden. unerwünscht von Anfang an. Herr A. Freundschaften mit Männern oder gar mit Frauen anzuknüpfen. dabei als impotent. Fand eine altersentsprechende Frau Gefallen an ihm und suchte sie seine Bekanntschaft. wenn du . wieder von einem anderen Mann. Auf der anderen Seite war er durch ihre Verwöhnung ungemein anspruchsvoll. Dinge aufzuschieben.kannte er sich aus.. Und nun noch ein Beispiel für einen Menschen. »Na warte. wo er sich als Schuljunge gezeichnet hatte. sekundär immer wieder an die Mutter. die auf seine Kosten erstaunlich jung blieb in dieser für sie befriedigenden »Ehe« mit dem Sohn-Geliebten. man würde seine Fähigkeiten nicht genügend erkennen bzw. auch nach erneuten Versuchen. so verschanzte er sich hinter den mütterlichen Ermahnungen. wenn auch seine Fach. Nach Abschluß des Studiums bot sich ihm durch Freunde des Vaters eine Stelle als Vertreter in einer bedeutenden Firma. und aufgewachsen mit dem oft gehörten Satz »wenn du doch gar nicht geboren wärst!« Er brachte einmal eine Zeichnung in die Behandlung mit. sicher auch kompensatorisch für seine Schwächen. die rechtzeitig in ihm aufklangen: Sie ist ja nur hinter meinem Geld her. sie schienen als Frauen ungefährlich und waren begeistert von dem höflichen und aufmerksamen jungen Mann. hielt er sich für etwas Besonderes.. Er hatte die Neigung. Natürlich kam er auf diese Weise nicht so rasch vorwärts. erlebte sich. Durch sein höfliches Wesen gewann er aber doch rasch Kunden. Er war empfindlich gegen Kritik und verärgerte seine Vorgesetzten dann durch arrogante Haltungen. ihm selbst nicht bewußt. Auf einer seiner geschäftlichen Reisen wurde er unter Alkoholeinfluß doch einmal von einem Mädchen verführt. durch einen Wald von Verbotstafeln gehend. baden oder ins Kino zu gehen. er meinte aber. Das wurde der Anlaß. So band ihn die Leere seines Lebens und die mit den Jahren immer peinlicher empfundene Unfähigkeit. dessen Wesen durch frühe Versagungen geprägt wurde. sich in ein Kaffee zu setzen. daß er sich in eine psychotherapeutische Behandlung begab gegen den Willen der Mutter. was für ihn sehr viel bedeutete und prognostisch ein gutes Zeichen war. »Laß das sofort sein«.und Sachkenntnis der »Materie« nicht überragend waren. war das dritte außereheliche Kind seiner Mutter.«. wie er es sich vorgestellt hatte. weil es ihm zu gewohnt und selbstverständlich war. schätzen. wenn du nach .

Denn trotz aller Zumutungen und Erniedrigungen. auf der Behandlungscouch lag er mit den Händen an den Hosennähten. und hatte das Gefühl. war überbescheiden und lernte es gar nicht erst.Hause kommst«. mußte er schon sehr früh Geld verdienen durch Zeitungen austragen. »Wenn das noch einmal passiert. Manchmal freilich kam in ihm plötzlicher Haß auf. dann .. war zu allem bereit. Die Sehnsucht nach einer väterlichen Leitfigur war aber wach in ihm. ging er sofort darauf ein. Er hatte gelernt. sich einen heißen Grog zu leisten. »Wo hast du dich wieder herumgetrieben?«. sich so klein und unauffällig wie möglich zu machen. so fügte er sich und versuchte sogar. fordernde und lieblose Mutter. das wenige dabei verdiente Geld hatte er restlos zu Hause abzuliefern. auch etwas zu geben zu haben. jemandem etwas zu bedeuten.er sah in ihnen immer die harte. nicht zuletzt aus der Angst. daß sie ihm keinen Bissen gönnte. Aber dann war doch die Verlustangst stärker. Er ließ alles mit sich machen. die er sich in der Beziehung gefallen ließ. eigene Wünsche und Pläne zu haben. wenn er sich von dem anderen so benützt und zum Objekt gemacht erlebte. Er hatte nun dauernd Angst vor dem Entdecktwerden und geriet in ein Abhängigkeitsverhältnis von dem Freund. was ihm zur zweiten Natur geworden war: Nur nicht auffallen. daß von ihnen nichts Gutes zu erwarten war. So verhielt er sich auch im Leben: Er versuchte so wenig Raum wie möglich für sich zu beanspruchen. oder am Abend ein Zigarillo zu rauchen und hier und da einmal ins Kino zu gehen. sonst das Interesse des Freundes zu verlieren. Er bekam von früh an das Gefühl. möglichst gar nicht bemerkt werden und niemanden reizen . Überall zu kurz gekommen. Er blieb bei diesem Beruf.dann besteht wenigstens eine gewisse Chance. wie der Freund durch ihn . vor Frauen hatte er Angst . und genoß in dieser sadomasochistischen Beziehung in der Identifikation mit ihm seine eigene sadistische Seite. Er lebte sehr einsam. immer verzichten müssend und ohne Hoffnung auf Zukunft. und als ein älterer Mann ihm ein homosexuelles Angebot machte. nicht zu stören oder weggeschickt zu werden. kein Lebensrecht zu haben. bestenfalls geduldet zu werden und dafür noch dankbar sein zu müssen.. das Züge von masochistischer Hörigkeit annahm. und er hatte das Gefühl.« usf. war sie doch ein Stück menschlicher Zuwendung und gab ihm das Gefühl. Seinen Vater hatte er nie gekannt. wagte sich anfangs kaum zu bewegen und brachte so zum Ausdruck. wenn er stundenlang an einem kalten Tag an einer zugigen Ecke gestanden hatte und durchfroren war. den Freund auf neue Weise an sich zu interessieren. Die Mutter lebte in ärmlichen Verhältnissen. wurde Zeitungsverkäufer und die kleinen Freuden seines Lebens bestanden darin.

die das Kind miterlebte.« Hinter dieser Selbstschilderung stand eine wahrhaft tragisch zu nennende Kindheit: Der Vater war geisteskrank gewesen und lebte bis zu seinem Tod (sie war damals etwa 12 Jahre alt) mit einem Pfleger in der Familie. Er hatte nur ein Hobby: Er schrieb heimlich an einem Lustspiel. Für mich drüfte wohl die Beziehung zum Vater die schwerwiegendste in meiner Kindheit gewesen sein. die ihm seine einsamen Abende verschönte mit Träumen zukünftigen Ruhmens. indem sie ihnen eine Nadel in den Kopf bohrte. von der ihr längere Zeit schwere Zwangsvorstellungen verblieben .seine masochistische. wäre dann auch noch zerstört worden.sie müsse ihre Kinder auf grausame Weise töten. anstatt Berge von Affekten in der Tiefe aufzuspeichern. Ich hoffe. daß Sie die Gespenster verscheuchen. die soviel Kraft kosten. In diese Atmosphäre fiel in ihrem fünften Jahr folgendes Ereignis: In einem seiner Jähzornanfälle unter Alkohol stürzte der Vater in das Zimmer. schoß mit einem Revolver knapp über ihren Kopf hinweg und rannte wieder aus dem Zimmer. wohl weil ich äußerlich sehr gefügig bin.« . denn diese Illusion. Eine Frau. was sie sich von der Behandlung erhoffe): »Meine Kindheit war so beängstigend. Ich habe mit großen Widerständen zu kämpfen. Er war zugleich Alkoholiker und bekam unter Alkohol Jähzornausbrüche und Tobsuchtsanfälle. von dem er sich Großes erwartete.vielleicht zu seinem Glück. Anfang der 40. mich ans Land ziehen und mich Ordnung lehren. wo sie sich mit der Mutter aufhielt. der wird uns schon helfen. auch wenn ich anderer Meinung bin als sie. und mich lehren. nach der sie mir folgenden Brief schrieb (ich hatte sie in diesem Erstgespräch unter anderem gefragt. daß es sicher eine Katastrophe gegeben hätte. Und dennoch bleibt er verborgen und erscheint in keinem Traum. mich gegenüber anderen Leuten durchzusetzen. Ich habe noch immer keine echte Beziehung zur Arbeit und bin außerordentlich träge. Nikotin und Alkohol. Die Mutter wollte die Polizei oder einen Arzt rufen. den Dingen und Menschen gegenüber. die immer nicht ernst genommen werden. in der Zeiteinteilung. das aber nie fertig wurde . daher bin ich sozusagen unter Wasser getaucht. Die Mutter war sehr labil und bekam bei der Schwangerschaft mit dem um 3 Jahre jüngeren Bruder eine Wochenbettpsychose. wenn ich sie mit vollem Bewußtsein wahrgenommen hätte. Daß Sie mit mir den Kampf aufnehmen gegen Schlafmittel. Wir hatten eine Vorbesprechung. die mich umgeben. wandte sich brieflich wegen einer psychotherapeutischen Behandlung an mich. aber das Kind sagte: »Wir wollen es doch dem Pappi sagen.

Auf den Hinweis. wenn sie ihre Kindheit mit vollem Bewußtsein wahrgenommen hätte. wo hätte sie wirklichen Schutz finden können? Davon blieb ihr unter anderem . daß Potenzstörungen (organisch lag bei ihm keinerlei Befund vor) nicht nur ein Eigenproblem. vollbringen muß. zog ihre Gefühlsanteilnahme von der Welt zurück. daß ein Kind eine solche Leistung vollbringen kann. so daß es seine Angst nur so bewältigen konnte. wenn sie sich nun um Hilfe an ihn wandte. Wir verstehen nun den Satz aus ihrem Brief besser. als wäre es ein fremder Mann gewesen. sich mit offenen Augen und um die Knie gefalteten Händen in das Wasser seines Sees sinken zu lassen. den sie so dringend brauchte. indem sie seine bedrohende Seite von ihm abspaltete. um ein Geschehen zu verarbeiten! Natürlich war diese Szene nur ein besonders traumatisches und quälendes Erlebnis gewesen. war die Bedrohung von ihm abgelöst und er konnte für ihr Bewußtsein der helfende Vater bleiben. daß der Vater in ihren Erinnerungen noch verborgen blieb und in keinem Traum erschien. So vollzog sie gleichsam diesen Übersprung und rettete das Bild eines guten und beschützenden Vaters. Ein 32jähriger Diplomat kam wegen länger anhaltender Impotenz in die Behandlung. . angstvoll und verzweifelt die Realität ihrer Kindheit auch sonst ausgesehen haben wird. durch das Wasser in den Himmel blickend. um nicht noch einmal so traumatisch getroffen werden zu können. als Schutz vor erwarteten. Wohin hätte sie sich flüchten können. Es wäre unerträglich für sie gewesen. der sie bedroht hatte. daß es sicher eine Katastrophe für sie bedeutet hätte. und auch ihre Süchtigkeit war letztlich der Ausdruck für ein Sich-aus-der-Wirklichkeit-Nehmen. daß es die Wahrnehmung von seinem Gefühlsleben abspaltete. um die Realität überhaupt zu überleben. So rettete sie sich in ein gleichsam traumwandlerisches Leben. was sie mit tiefem Glücksgefühl erlebte.Hier war offensichtlich die Toleranzgrenze des Kindes überschritten. die sie vor weiteren unerträglichen Zusammenstößen mit der Wirklichkeit schützen sollten. man kann sich vorstellen. immer möglichen Gefahren und Bedrohungen blickte sie nichts mehr klar und scharf an. wo es hieß. verstehen auch.neben den erwähnten Süchtigkeiten . am liebsten in das Ungeborensein.das hätte sie völlig ihrer Angst und Ungeborgenheit ausgeliefert.ein Leben wie in einem Traumzustand: Sie war eigentlich nie voll in der Wirklichkeit. So war wohl auch ihre Neigung zu verstehen. die erlebte Bedrohung und Angst bewußt mit dem Vater zu verbinden . Aber welcher Grad von Angst und Verzweiflung ist nötig. so stand sie zwischen Depression und Psychose. wie ungeborgen.

er war auch hier mehr der brave Sohn als der Ehemann. und wurde deshalb von der Mutter abgelehnt. die Liebe seiner Frau zu verlieren wie früher die der Mutter. erst gegen vier Uhr morgens recht angeheitert heim. er verzichtete auf alles Jungenhafte. wickelte und fütterte er den etwa halbjährigen Sohn. überforderte sich selbst und ließ sich von seiner Frau überfordern. vor der . kam. nahm sie ihn lachend in die Arme. erstmals in seiner Ehe. für das er nichts konnte. und er hatte ihr zuliebe darauf verzichtet). Er war der mittlere von drei Brüdern. ergab sich folgender Hintergrund der Störung: Wenn er abends von seiner Tätigkeit heimkam. wie die Mutter ihn haben wollte: als braven Sohn. Ergänzende Betrachtungen Die Beispiele haben wohl gezeigt. badete. wild und schwer zu bändigen. daß er wieder da war.all das natürlich nicht bewußt. Die zweite Grundform der Angst. aus Angst. kam es bei ihm zu einem Durchbruch: Er trank sich den ersten Rausch seines Lebens an und rauchte seine erste Zigarre (Rauchen und Trinken mochte die Mutter nicht. vor dem Subjekt-Sein. der ihr alles zuliebe tat. da sie letztlich eine vernünftige Frau war. verführte ihn. und es kam zum ersten geglückten Verkehr seit langem. Als er diesen Zusammenhang verstand. seine Frau war erschrocken. aber auf Kosten seiner Männlichkeit. wenn er sich gegen sie aufgelehnt hätte. mit der sich daraus ergebenden Verlustangst und der Angst vor dem Alleingelassenwerden. wie die Angst und die Angstvermeidung bei den depressiven Persönlichkeiten im Prinzip aussieht. Er hatte es nicht gelernt. spielte die erlernte Rolle weiter. die Angst vor der »Eigendrehung«. indem er sie nicht mehr befriedigen konnte . der älteste war ein aktivaggressiver Junge gewesen. Männliche. half dagegen der Mutter in der Küche.aber ohne Schuldgefühle haben zu müssen. Er spürte mit dem Instinkt des Kindes. aber froh. ohne seinen Ärger darüber ausdrükken zu können.sondern auch partnerbezogen seien. stach so den älteren Bruder bei ihr aus. Diese Haltung des guten Sohnes setzte er in der Ehe fort . während seine Frau rauchend auf dem Sofa lag und las. anstatt wie sonst sofort vom Dienst. die einen richtigen Mann wollte und keinen Sohn. gleichzeitig war es eine Selbstbestrafung für seine untergründigen Aggressionen gegen seine Frau . seinerseits etwas zu fordern oder einmal nein zu sagen. Sein Symptom war eine Lösung aller Konflikte: Es war seine Rache und die Bestrafung seiner Frau. denn es war ja ein »körperliches Symptom«. hielt sich sauber und ordentlich und wurde ihr Liebling.

nicht erreichen kann .man könnte sagen. was auf der Linie verstehender Einfühlung. ist. Hier liegt die kritische Stelle . Weicht man vor der Ich-Werdung. an dessen Situation und Interessen. des Mitgefühls und Mitleids liegt. fühlt sich in ihn ein bis zur Identifikation. was man sich selbst verbietet bzw. daß sie fühlen. Die Ideologien depressiver Menschen sind . bleibt man aber seinem Mensch-Sein etwas Wesentliches schuldig und wird mehr und mehr zum Objekt des Lebens. daß andere die gleiche Grundeinstellung hätten wie man selbst. der Individuation aus. daß solche Haltungen kollektiven oder religiösen Idealen entsprechen.wie letztlich alle Ideologien . ebenso rücksichtsvoll. Wie die Welt und die Menschen sind. weil sie sie so viel gekostet haben an Verzicht und . einfühlend und anpassungsbereit seien. um den Neid zu verarbeiten und daraus das Bewußtsein moralischer Überlegenheit als Trost zu beziehen. er mißverstehe die christliche Forderung des »liebe deinen Nächsten wie dich selbst« als ein »mehr als dich selbst«. er verliert dadurch zuviel an eigenem Standpunkt und kann zum Echo des anderen werden .es sei denn. wie es bei manchen Forderungen des Christentums der Fall ist. wie man dann aus der Not eine Tugend machen muß. man selbst entsprechend an Wert verliert. die allgemeinste Folge. daß dadurch der jeweilige andere einen Überwert bekommt. unterscheidet sich deutlich von der gegensätzlichen Angst Schizoider vor der Nähe und Hingabe. vor einer der großen Forderungen des Lebens auszuweichen. anderen ohne Neid das zu gönnen. Man macht im Gegenteil die Erfahrung. indem sie nicht voll erwachsen werden wollen. Sie mögen sie schon deshalb nicht aufgeben. wird man mit solcher Einstellung meist sehr bald ausgenutzt. die Individuation vermeidend.wir haben schon beschrieben. Man denkt immer erst an den anderen. Die Erwartungsvorstellung. Das ermöglicht ein tiefes Fremdverständnis. Denn es gehört Größe dazu. die Hingabeseite überwertig lebt. Wahrscheinlich hängt die Schuldgefühlsbereitschaft depressiver Menschen auch damit zusammen. Versuchen wir.Einsamkeit. ein Sich-in-andere-versetzenKönnen. Wenn man. Positiv ergibt das Zurückstellen des eigenen Ichs zunächst alles. daß die anderen viel unbefangen-egoistisch er sind und damit sogar mehr erreichen. wird nur selten erfüllt. sein Verhalten zur Ideologie erheben muß. das Erscheinungsbild depressiver Persönlichkeiten abzurunden. wie wir sahen.schwer zu korrigieren. das zunächst etwas sehr Positives ist. Der eigentlich Depressive bleibt aber nun gleichsam in der Identifikation stecken und nimmt sich nicht wieder zu sich selbst zurück.

der aus einer Ideologie heraus Bescheidene und Demütige wird nicht um den Neid herumkommen. das sie ihm gaben. Hinzu kommt. daß er sich immer schon in die Menschen seiner Umgebung hatte einfühlen müssen. sondern bangte darum. So war er eigentlich nie richtig er selbst. nicht aufs Spiel zu setzen.es fehlt einem ein Stück Lebenstechnik. er identifizierte sich sowohl mit dem Künstler wie mit dem Publikum in der doppelten Angst. So fängt man sich immer mehr in den Schlingen seiner Ideologie. Hat der Depressive etwa Gäste oder ist er bei jemandem zu Gast . weiter wegen der moralischen Genugtuung. Ging er in ein Konzert.er fühlt sich immer für zuviel verantwortlich. wenn man erst einmal darauf achtet. in denen sich depressives Verhalten im neurotischen Sinne manifestiert und tiefer einspurt. daß so etwas »glückt« . um das Stück an Geborgenheit oder Liebe. unwichtiger Situationen. Er kommt gar nicht auf den Gedanken. die Unterhaltung in Gang halten zu müssen. aber auch ändern läßt. sie verstehen und zufriedenstellen wollend. daß so viele Weisen des Umgangs mit der Welt und den Menschen ungeübt und daher ungekonnt sind. wie sie das oben zitierte Goethewort ausspricht. sich selbst dabei zurückstellend. Die Fähigkeit zu echter Sublimierung. ob den Freunden der Neue. um Bitterkeit über die »Ungerechtigkeit« des Lebens. So befand sich ein Patient immer in einer von ihm als quälend erlebten Situation. wenn eine Einladung nicht recht geglückt ist. und daß überhaupt etwas Glück dazugehört. aber seine krampfhaften Bemühungen lassen gerade keine Lockerheit aufkommen. konnte er es auch nicht gelöst genießen. Der Alltag enthält eine Fülle an sich banaler. der Künstler könne versagen und das Publikum enttäuschen. oder jener könnte enttäuscht werden über zu geringen Beifall des Publikums.und schließlich kann man doch nicht auf einmal selbst das tun. daß man auch deshalb sie nicht wagt .Neidverarbeitung. was man an anderen so abgelehnt und verurteilt hat. die sie daraus beziehen . das einen immer wieder in die alten Bahnen fallen läßt. die keine echte Lösung ist. Was hier wie eine Eigenbezüglichkeit anmuten mag. allein für das Gelingen des Abends verantwortlich zu sein. Er bekommt Minderwertigkeitsgefühle oder Schuldgefühle. wenn er Freunden von sich einen neuen Bekannten vorstellte: er konnte das nie unbefangen tun. unbewußt dabei seine Frühsituation wiederholend. eine Angst. ob diesem die Freunde gefallen werden. ist nur eine schein- .immer wird er das Gefühl haben. daß andere ja auch ihren Teil dazu beitragen werden. sondern immer in einer merkwürdigen Zwischenposition zwischen sich und anderen. weil sie eine Schwäche überbrücken soll. ist selten.

Das nicht gelebte Subjekt-Sein führt also fast unvermeidlich zum Hassenmüssen. daß sie überhaupt krank wurden und »versagten«. das man anders nicht abwehren kann. die Ideologie der Bescheidenheit. Es ist wohl auch verständlich. als in sich selbst. uns auf solche Einseitigkeiten aufmerksam zu machen. zu untersuchen. die quälend sind und mit Schuldgefühlen erlebt werden. Solche Menschen können dann eine Krankheit und einen Krankenhausaufenthalt tief genießen .unbewußter und daher nicht schuldhaft erlebter . dann kann man vielleicht hoffen.und Neidgefühle werden dann sanktioniert in nun »legitimer« Intoleranz im Kampf gegen die Andersgläubigen oder Abtrünnigen. andere für sich sorgen zu lassen und sich um nichts kümmern zu müssen wenn sie es sich nicht auch noch übelnehmen und als Schuld erleben. aus ohnmächtiger Schwäche und aus Bitterkeit über das Sich-ausnutzen-Lassen. um die Gläubigen unmündig zu halten. die von der Machtpolitik der Kirchen ausgenutzt wird. unter der die zugedeckten Affekte weiter schwelen. Es wäre eine Sonderstudie wert. in seiner Geschichte so viel Haß. das sich die Religion der Liebe nennt. Ob das mit der christlichen Ideologie der Demut zusammenhängt.Selbstschutz vor dem Sich-überfordern-Lassen. Dann scheint es eine mögliche Rettung vor diesen Gefühlen zu sein. Unsere Seele. daß schließlich als letzter . unser Unbewußtes hat eine besondere Fähigkeit. aus Neid. wenn sie vereinfachend einen der Grundimpulse verabsolutiert oder einen anderen auszuklammern versucht. wie es sich etwa in der Hexenverbrennung und Ketzerverfolgung und in der Inquisition gezeigt hat. Friedfertigkeit und Bedürfnislosigkeit zu entwickeln. Beim Depressiven ist die scheinbare Ichbezogenheit in Wirklichkeit eine extreme Du-Bezogenheit: wenn er sich für alles verantwortlich fühlt. um so sicherer konstelliert sie damit das Vermiedene. die eine Gefährdung der fruchtbaren Spannung zwischen den antinomischen Kräften bedeutet. die Leben heißt: durch Träume und .bare und ganz anders gelagerte. körperliche Symptome auftreten können. sondern ganz im Gegenteil aus fehlender Ich-Stärke.dann haben sie endlich auch einmal das Recht. Ruhe in sich zu finden . die ihn mehr in anderen leben läßt. Demut. Jede Ideologie wird gefährlich. wieso das Christentum. als wir sie beim Schizoiden erlebten: bei diesem konnte es zu einem Beziehungswahn kommen aus Kontaktlosigkeit. mit dem Versprechen einer Belohnung im Jenseits für die Demut im Diesseits? Die dennoch weiterbestehenden Haß.aber es ist eine immer wieder gefährdete Ruhe. wo sich dann ein ungemeiner Sadismus austobte. so nicht aus gleichsam Größenwahn. Grausamkeit und Kriege aufzuweisen hat.

Wir werden darauf noch zurückkommen.stille Introvertierte . daß man von ihm das lernen kann.Bescheidenheit. triebt selten steht am Ende dieser Linie der Selbstmord oder die völlige Apathie und Indolenz. aber als Hinweis für das.und Stehldrang sahen.Gehemmtheit im Fordern und sich Behaupten . wir können sie folgendermaßen skizzieren: Kontemplation. daß der nicht gelebte. in denen das Unterdrückte in extremer Form auftritt. daß die Genese beider Erkrankungen auf verschiedenen Ebenen ansetzt . ja fasziniert fühlt.die Chance zumindest ist darin enthalten. durch Partnerbegegnungen und vor allem durch die Angst . So hat der Überbescheidene und Friedfertige Träume. was man selbst sich nicht zu leben wagt . Schüchternheit . Dann kann es zu Durchbrüchen des Unterdrückten kommen. die durch den Stau zerstörerisch werden. die Depression aufhebt. von Geisteskrankheit. oder man gerät an seine Toleranzgrenze und wird dadurch zu anderen Verhaltensweisen gezwungen. was er in sich integrieren sollte.Fehlleistungen. oder es wird ausgewichen in eine Sucht. wie beim Schizoiden. die hier ohne den Mut zum Subjekt-Sein zum unlösbaren Konflikt werden. rezeptive Passivität . Auch für die depressive Persönlichkeitsstruktur gibt es eine Linie von Menschen mit durchaus noch völlig gesund zu nennenden depressiven Einschlägen über leichtere bis zu den schweren und schwersten depressiven Persönlichkeiten. Immer wieder begegnen wir bei den Grundimpulsen dem Phänomen. die aber nur vorübergehend das Ich stärkt.Melancholie. Entweder man trifft auf eine Situation oder auf einen Partner. da man sich oft vom Gegentyp stark angezogen. was anzeigt.spiegelt in den wechselnden Abläufen manisch-hochgestimmter und depressiv-niedergeschlagener Phasen (»himmelhoch jauchzend .zu Tode betrübt«) oft den biographischen Hintergrund besonders plastisch.Bequemlichkeit. meist auf andere Personen verschoben.charakteristischerweise sprechen wir hier von Gemütskrankheit und nicht. Beschaulichkeit . weil man unbewußt ahnt. unterdrückte Impuls innen oder außen konstelliert wird.Depression .Hoffnungslosigkeit . wie wir es etwa bei der jungen Frau mit dem Freß.wir müssen sie nur zu deuten verstehen. Alle unserer Persönlichkeit nicht integrierten Seelenanteile können sich so gleichsam verselbständigen und dann in archaischer Form sich äußern. Die manisch-depressive Gemütskrankheit . Eine ähnliche Aufforderung zur Ergänzung kann auch in der Partnerwahl liegen. In der manischen Phase fallen alle Hemmungen und .passive Erwartungshaltungen (Schlaraffenerwartungen vom Leben) .

Alle Glaubensformen. Seit der zunehmenden Skepsis in solche ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits finden die Berufe. Vielleicht haben es Depressive am schwersten. die Erschütterungen ihres Glaubens zu ertragen. die Erlösung vom Leiden und die Vergebung der Schuld am stärksten an. in der alles wieder zurückgenommen wird und er in Selbstanklage. und daß eine Wissenschaft.Verzichtshaltungen für einige Zeit fort. macht Schulden. Meßbare und Beweisbare betonenden Wissenschaften werten den Glauben ab. früher oder später sich in ihren eigenen Netzen fängt .bis die depressive Phase einsetzt. unmetaphysische Psychoiogisierung oder erklären sie als Naivität oder reines Wunschdenken. oft auch eine Beziehung zum Buddhismus und seiner Weltentsagung. Aber andererseits neigen Depressive auch dazu. während in der Melancholie nur noch die Hoffnungslosigkeit besteht.wofür bereits Anzeichen zu bemerken sind. dort erhöht werden. die sie auf meditativem Weg zu finden hoffen. die ihr Leben hier nicht erfüllt gestalten konnten. Resignation und Apathie verfällt. daß diese Wissenschaften mit ihren quantitativ-kausalen Methoden nur einen begrenzten Teilaspekt des Lebens und der Welt erfassen können. findet man bei diesen Kranken in der Lebensgeschichte meist einen besonders schroffen Wechsel zwischen hoffnungsvollen Lichtblicken und hoffnungsloser Verzweiflung. Ihr Glaube gibt ihrem Leben Sinn und trägt sie. die durch Erkenntnisse moderner Naturwissenschaften in ihnen hervorgerufen werden können. Der Depressive erkennt dann oft nicht. Ihre Sehnsucht geht oft auf mystische Erlebnisse der Allverbundenheit und Einheit. wie viele pflegerische. in der Religion zieht sie die Erlösungsidee. Mutlosigkeit. versuchen religiöse Gefühle »zurückzuführen« auf eine enge. der es vorwiegend darum geht. der Kranke ist überschwänglich heiter. die große Selbstaufopferung und Entsagung fordern. daß die sich hier erniedrigt haben oder es wurden. an der sie der Gedanke der Demut und des läuternden Leidens anspricht. Wenn wohl zum Leben überhaupt ein gewisser rhythmischer Wechsel zwischen Hochstimmung und Niedergedrücktheit gehört. ist voller Optimismus und verschwenderisch . kauft Unmengen ein. sprechen sie an. Sie haben außer zur christlichen Religion. In kindlicherer Form glauben sie. Wir tragen Himmel und Hölle in uns . Depressive Menschen sind oft religiös. Macht über die Natur zu erlangen. immer schwerer Nachwuchs. Gott und dem Teufel zu viel zu überlassen. an ein besseres Jenseits und daran. die die Selbstvergessenheit und die Loslösung vom Ich anstreben. den toten Aspekt der Natur. Die oft so einseitig das Rationale.

auch weil sie seine Liebe nicht verlieren wollen. konsequent und wenn nötig. zum Erlöserwahn und ähnlichen Erscheinungen. sollten wir auch das Gute. auch die Verantwortung dafür. So hat er zum Schicksal oft eine hinnehmende Einstellung. sie schonen das Kind an falschen Stellen. und es ist ein nur kleiner Schritt vom Echten zum Unechten. er neigt leicht dazu. es zu verstehen. suchen und zu verwirklichen versuchen. aus der heraus sie dann leicht des Guten zuviel tun. zur Christusidentifikation. auch hart zu sein. Ihre Gefahr liegt darin. spielt sich auch hier unser Leben auf Messers Schneide ab. muten ihm nicht gern etwas zu.selbst. anzunehmen und zu bekämpfen und es nicht auf den Teufel oder ein Feindbild zu projizieren. sich in das Kind einzufühlen. wie wir es lernen müssen. das Böse in uns zu erkennen. sich der Welt und der Auseinandersetzung mit ihr zu entziehen. Entsagung. sie sind überbesorgt und können es schwerer altersgemäß für seine Entwicklung freigeben. können aber auch zu einem Mittel für ihn werden. das Kind aus Lebensängstlichkeit und Verlustangst zu sehr an sich zu binden. ist zur Sühne bereit und kann leicht das Opfer derer werden. die das auszunutzen verstehen. die nicht selten mystische Erlebnisse ermöglicht. Das »dein Wille geschehe« kann zu einer Schicksalsergebenheit führen. Der gesunde Mensch mit depressiven Einschlägen kann in seiner Religiosität eine große Innigkeit und Tiefe erreichen. Depressive sehen leicht allzuviel als »Gottes Willen« und Fügung an und können sich damit der Eigenverantwortung entziehen in falsch verstandener Demut. um seiner selbst willen und um unser selbst willen. fühlt sich dadurch überfordert und in seiner Schuldgefühlsbereitschaft bestärkt. Verzicht. in der reifsten Form etwa im Sinne des amor fati. nicht wegen einer Belohnung im Jenseits. Als Eltern und Erzieher sind die Menschen mit depressiven Strukturanteilen kontaktfähig und bemüht. den göttlichen Kern in uns selbst. Im Krankheitsfall kann es bei Depressiven zum religiösen Wahn kommen. Beruflich neigen sie vor allem zu gleichsam mütterlich-sorgli- . Die Fragwürdigkeit aller zu nahen Bindung kann an ihnen am deutlichsten werden. Schicksalsschläge zu ausschließlich im Zusammenhang mit eigener Schuld zu sehen. die eine große Kraft bedeutet. Die Mütter mit eigener karger Kindheit haben oft die Einstellung: »Mein Kind soll es besser haben«. Es fällt ihnen schwer. halten oft auch nicht die notwendige Distanz zu ihm ein. Den Tod erlebt er am ehesten als Erlösung und die Demut des Sterbens findet man hier am häufigsten. In der Ethik nimmt er oft Gebote und Verbote zu wörtlich. Opfer und Askese liegen ihm. Wie immer.

pflegenden Tätigkeiten. mit einem Impuls beginnt. ich trage den Rucksack. Geistliche und Pädagogen usf. wo einem alles Gewünschte mühelos zufliegt. daß der Traum mit einem Wunsch. der Beruf ist ihnen selten nur ein Job.soweit sie das für sie Strukturspezifische ausdrücken . zu den helfenden.das gibt den Hintergrund ab für Schlaraffenträume. Gärtner. hilfsbereite und verstehende Haltungen zeichnen ihn aus. Wer nicht zugreifen darf. so daß der Träumer nicht einmal im Traum zu seinem Ziel kommt und verzichten muß.einmal der Geduld. Soziale und fürsorgerische. Gastwirte. Fürsorgliche. im schönen Doppelsinn des Wortes . und dann auch im Sinne des Pflegerisch-Gärtnerischen. sind sie diejenigen. der Weg ist sehr steil. Oder aber. eher . sondern aus Berufung. dem sich aber lauter Hindernisse in den Weg stellen. wie sie sind. Dieben und Verbrechern. sich dem Mitmenschen zuzuwenden. Auch das Thema des sich Überforderns oder Überfordernlassens. wie etwa in folgendem: »Ich mache mit meinem Vater eine Bergwanderung. wird ihm durch Träume gespiegelt. dienenden. Als Ärzte. Er kann verzeihen.« Der gesunde Mensch auf dieser Linie ist charakterisiert durch Einfühlung und die Bereitschaft. ihre besten Möglichkeiten entfalten können.zeigen besonders häufig die Eßthematik. ihn »anzunehmen«. wo sie aufopferungsfähig. die weniger aus Prestige oder aus finanziellen Gründen den Beruf wählen. er träumt von Seeräubern. Die Träume depressiver Menschen . Sie können »warten«. kann geduldig warten und Dinge reifen lassen und hat einen wenig ausgeprägten Egoismus. womit ihm seine eigenen verdrängten Tendenzen zum Rauben und Stehlen vor Augen geführt werden. dazu noch seinen Mantel und ein Paket mit Sachen von ihm.chen. die ihn verfolgen. gemeinnützige Tätigkeiten liegen ihnen. das für die Entstehung seiner Depression so wichtig ist. als der Zerrform seines nicht gesund Zugreifenkönnens. Er ist anhänglich in seinen Gefühlsbeziehungen. oft verbunden mit Enttäuschungen und Resignation.es ist aber kein Platz mehr für sie. Sie kommen im Traum etwa an eine gedeckte Tafel . ist darauf angewiesen. oder kein Gedeck. so wird er mit seiner Bequemlichkeit und mit seinen passiven Ansprüchen konfrontiert. das in dem Wort liegt. die Lebensmittelbranche und verwandte gleichsam mütterliche Tätigkeiten liegen ihnen. oder alles ist schon aufgegessen . die wir als Tantalussituationen bezeichnen können. geduldig und einfühlend. Förster. die das nicht gewagte Zugreifen verdeutlichen. daß ihm seine Wünsche erfüllt werden .Situationen. Die Gehemmtheit im Zulangen kommt auch darin zum Ausdruck. ärztliche und psychotherapeutische.

Er entwickelt oft eine tiefe Frömmigkeit. Gefühlstiefe und Wärme gehören zu ihren schönsten Eigenschaften. wenn man trotzdem lacht«. was sie haben. nicht unbedingt im kirchlichen Sinn. so die Demut in echtem Sinne lebend. und trotzdem ja sagt zum Leben und es liebt. Gemüthaftigkeit. was ihnen glückt. eher als eine Lebensfrömmigkeit. Ausharren und Ertragenkönnen sind Haupttugenden von ihm. so daß man sie »entdekken« muß. kann aber als Gegengewicht Humor entwickeln. fallen ihm notwendige Verzichte eher leicht. einen Humor etwa im Sinne des »Humor ist. . Sie sind in der Tiefe dankbar für das. Sie sind oft die stillen Wasser. als daß sie es als Geschenk und Gnade empfinden. Das Leben empfindet er dagegen meist als schwer.sie stellen ihr Licht eher unter den Scheffel. die um unsere Abhängigkeiten und Gefährdungen weiß.schlicht und anspruchslos in seinen Bedürfnissen. schreiben sie weniger sich selbst und ihren Fähigkeiten zu. Depressiven Menschen könnte man das Wort von Spitteler aus seinem »Prometheus und Epimetheus« ans Herz legen: »Des Eigenwertes schamhaft eingedenk« zu sein . die tief sind.

In seinem »Testament der Astrologie« hat Oskar Adler den bekannten Ausspruch Kants. die heute wieder eine Renaissance entgegenzugehen scheint.und Mikrokosmos die Astrologie erkannt. Eine Mondlandung etwa wäre nie möglich gewesen. Wie wir gesehen haben. gültige Erkenntnisse zu erwerben. des »gestirnten Himmels über uns«.Die zwanghaften Persönlichkeiten »Einmal zu Stein erstarren! Einmal dauern. weil es nicht von Menschen erdacht wurde und zugleich die fundamentale Bedingung für unsere Existenz und unseren Lebensraum ist. Das eingangs verwendete Gleichnis kann das verdeutlichen. überhaupt für unsere Orientierung in der Welt. wenn der Mond eine willkürliche. Wären wir uns dieses Eingegliedertseins in kosmische Ordnungen bewußter. für Erkenntnis und Erfahrung. fänden wir ein Ordnungsprinzip in uns vor. So erscheint sicheres Wissen und die Möglichkeit. Hesse) Die Sehnsucht nach Dauer ist eine sehr frühe und tiefe in uns. unberechenbare Bahn beschriebe ohne erkennbare Bahngesetze. Dauer und verläßliche Wiederkehr der gleichen Eindrücke ist aber ebenso wichtig für die Entwicklung unseres Gedächtnisses. daß ihn zwei Dinge immer wieder mit tiefster Ehrfurcht erfüllten: der gestirnte Himmel über uns und das moralische Gesetz in uns. Eine chaotische Welt ohne erkennbare und verläßliche Gesetzmäßigkeiten und Ordnungen ließe uns jene Fähigkeiten gar nicht entfalten .dem äußeren würde ein inneres Chaos entsprechen. ist die verläßliche Wiederkehr des Gewohnten und Vertrauten in unserer Kindheit ungemein wichtig für unsere Entwicklung. das über allen Ideologien stände. gleichsam als die innerseelische Spiegelung oder Entsprechung der Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten unseres Weltsystems. Sie ermöglicht uns erst die Entfaltung spezifisch menschlicher Eigenschaften. Das Streben nach Dauer gehört also zu unserem Wesen. Wir sahen beim schizoiden Menschen. Am klarsten hat diesen Zusmamenhang von Makro.1« (H. unserer Gefühls. läßt uns Vertrauen und Hoffen lernen. so angewendet. daß das moralische Gesetz in uns die Spiegelung oder Entsprechung der kosmischen Ordnung sei.und Gemütsseite und unserer Liebesfähigkeit. neben . wie bei häufigem Wechsel der Bezugspersonen oder beim weitgehenden Ausfall einer festen Bezugsperson in der Frühstzeit diese Seiten unterentwickelt bleiben oder verkümmern.

Das kann bis zur bewußten oder unbewußten Unredlichkeit gehen. fühlt er sich gestört. Wir wollen nun zur Schilderung der dritten Grundform der Angst übergehen. aufzuhalten oder einzuschränken. »alles fließt« in immerwährendem Entstehen und Vergehen. Er wird deshalb versuchen. wo sie ihm begegnen. Sie befällt uns um so heftiger. überwertig das Streben nach Dauer und Sicherheit zu leben versucht . wenn es geht. ja geängstigt. das sich nicht aufhalten läßt. sie tendenziös mißversteht oder . Neue Erfahrungen wird man ausweichen. für unveränderlich Gehaltenes plötzlich sich zu ändern beginnt. denn das Leben ist immer im Fluß. Wie kann dieser Versuch überhaupt aussehen? Man wird etwa an Meinungen. Malen wir uns zunächst wieder aus. Er wendet sich gegen Neuerungen. beunruhigt. von der Impulsseite her gesehen. Wenn sich etwas verändert. das der Schwerkraft entspricht. einseitig betont. Grundsätzen und Gewohnheiten eisern festhalten und sie nach Möglichkeit zum immer gültigen Prinzip. an Einstellungen.in der Sprache unseres Gleichnisses also das Zentripetale. wir erleben es aber sofort. Veränderungen zu unterbinden. alles beim alten zu belassen. ist uns nicht immer bewußt. zur unumstößlichen Regel. indem man etwa Details des Neuen übersieht. Gewohntes. und wir werden uns erschreckend unserer Abhängigkeit bewußt. Dann greift der Schauder der Vergänglichkeit nach uns. sie an das schon Bekannte und Gewußte anzugleichen. Erfahrungen. wenn Vertrautes.der Sehnsucht nach der Unverlierbarkeit eines geliebten und uns liebenden Wesens. die er ja so weit wie möglich vermeiden will. Daher sucht er. oder. Änderungen jeder Art erinnern an die Vergänglichkeit. In der Vorstellung der Zeitlosigkeit. wenn das nicht möglich ist. zum »ewigen Gesetz« machen wollen. oder gar aufzuhören. nicht mehr zu existieren droht. ist es sicher eine Wurzel der religiösen Gefühle. zu verhindern und zu bekämpfen. was aber immer mehr zu einer Sisyphusarbeit wird. unserer Zeitlichkeit. Die allgemeinste Folge wird sein. sie umdeuten und versuchen. wenn ein Mensch die Angst vor der Vergänglichkeit überwertig erlebt oder. je mehr wir uns gegen sie absichern wollen. Wie tief dieses Bedürfnis in uns ist. welche Folgen es haben wird. daß er die Neigung hat. Ewigkeit und Allgegenwärtigkeit eines Göttlichen hat sich der Mensch dieses Bedürfnis nach Dauer erfüllt. schon Bekannte und Vertraute wiederzufinden oder wiederherzustellen. die damit gegeben ist: der Angst vor der Vergänglichkeit. immer das Gleiche. alles ist in fortwährender Wandlung begriffen.

lieber riskieren sie es.zu bremsen. unterliegt aber um so mehr der anderen Gefahr. erinnert aber an die Vergänglichkeit. Wir alle haben diese Angst in uns und den Wunsch nach Dauer . der erst ins Wasser gehen wollte. Von der Seite der Angst her gesehen. Dann verfällt man zwar nicht der Gefahr. Vorsicht. Neuem gegenüber zu wenig geöffnet zu sein und dadurch Entwicklungen .auch die eigene . besaß eine umfangreiche Bibliothek. Alles. die. es abzunutzen und damit schon sein Ende absehen zu können. Die Geschichte der Wissenschaft ist voller Beispiele dafür und von unfruchtbarem Streiten darüber. das einen vor Überraschung. schon einen recht grotesken Grad angenommen. Er ging indessen immer in Leihbüchereien und benutzte seine eigenen Bücher nicht. Sie gleichen jenem Mann. das Herz tut ihnen weh. Manche Menschen mit zwanghaften Zügen haben volle Kleiderschränke. vor Ungewohntem und Unbekanntem absichern soll. vor Wandlung und Vergänglichkeit.einfach affektiv ablehnt mit Begründungen. Dinge ungeprüft hinzunehmen in naivem Fortschrittsglauben. was zu Ende geht. er könne einmal an einen Ort versetzt werden. um »Reserven« zu haben. die nicht erschüttert werden darf. zielbewußte Planung auf lange Sicht. Hält man so am Bekannten und Gewohnten fest. Voraussicht. geht man an alles Neue unvermeidlich bereits mit einem Vor-urteil heran. wenn er schwimmen konnte . hängen damit zusammen. wenn sie etwas Neues benutzen sollen . daß etwas einmal zu Ende gehen könne. wenn er die eigenen Bücher schon alle gelesen hätte? Hier hat die Voraussicht und die Angst davor. können wir ihr Problem beschreiben als Angst vor dem Risiko. manchmal sogar zu verhindern. Ein Mann.sie sind sozusagen die Trockenkursier des Lebens. durchschimmern lassen. wo es keine Leihbücherei gebe . daß die Sachen altmodisch oder von Motten zerfressen und niemals getragen werden. überhaupt die Einstellung auf Dauer. mit der »Begründung«. tragen aber immer nur die alten Sachen. Das Grundproblem zwanghafter Menschen können wir also in ihrem überwertigen Sicherungsbedürfnis erkennen. Diese Verhaltensweisen und Einstellungen können nun wieder alle Schweregrade annehmen und sich in den seltsamsten Formen äußern. letztlich an den Tod.was täte er dann. zu hemmen. oft fadenscheinig genug. wer »Recht« hat. daß es einem nicht um Objektivität geht. Mitte der dreißig. sondern um die Rettung einer festgehaltenen Einstellung. Etwas Neues benutzen heißt ja. es der Zeit und damit der Vergänglichkeit auszusetzen.

und holt sich so in ihrer angestrebten ewigen Gültigkeit etwas die Zeit Überdauerndes. zu Prinzipien. wie wir es besonders deutlich beim Kampf der Generationen erleben können: Das zähe Festhalten am Bestehenden und die schroffe Ablehnung des Neuen bei der alten Generation. Je enger der eigene Horizont und Lebensraum ist. das einem Sicherheit gibt. der sie angreift oder in Frage stellt. um so sicherer konstellieren wir die Gegenkräfte nur um so schroffer. je mehr man ihn unverändert beibehalten will. denn man wird seine Sammlung nie vollenden können. zwingt die junge oft erst zu extremistischen Verhaltensweisen. die das Leben verlängern sollen oder suchen nach dem perpetuum mobile. wie wir es gewohnt sind.ein meist nicht bewußtes Motiv dafür ist. Die gleiche Tendenz der Vermeidung der Angst vor Wandel und Vergänglichkeit finden wir wieder im starren Festhalten am Überkommenen. das unendlich ist und empfinden eine tiefe Befriedigung. daß es sich vielleicht als Täuschung oder Irrtum herausstellt. moralischer. wissenschaftlicher und religiöser Art führen zum Dogmatismus.ob Briefmarken. je mehr wir andererseits uns gegen Entwicklungen sträuben. Münzen oder Porzellan . und man sich deshalb umstellen. durch neue Einsichten und Entwicklungen relativiert werden könnte. so ein Stück Ewigkeit. wenn wir sie zu ändern gezwungen oder in ihnen gestört werden. Immer steht dahinter die Angst. auf allen möglichen Gebieten. Das läßt auch unseren Sammeltrieb verstehen: Was man auch sammelt . Traditionen familiärer. politischer. gesellschaftlicher. um so mehr müssen wir die Angst vor der Vergänglichkeit empfinden. oder man erhebt seine eigenen Ansichten und Theorien ins Allgemeine und Zeitlose. läßt diesen Wunsch nach Dauer erkennen. Natürlich hat Tradition und hat das Festhalten an erkannten Werten zunächst eine durchaus positive Bedeutung. wie wir sie verlassen haben. Schon das Festhalten an lieben Gewohnheiten und unsere Empfindlichkeit. Gelernte.und Unsterblichkeit. Je mehr wir also das Alte festzuhalten versuchen. das . Konservatismus. wenn wir bestimmte Dinge so wiederfinden. Erkannte. Je starrer man sie vertritt. um so mehr muß man fürchten. immer werden einem noch Dinge fehlen. wir sollen und müssen auch nach dem Prinzipiellen und Absoluten suchen. desto intoleranter wird man jedem gegenüber. wir alle suchen nach etwas. Andere suchen nach Dauer und Ewigkeit in Erfindungen. eine Garantie der Unendlichkeit zu haben. Geglaubte. Vorurteilen und zu verschiedenen Formen des Fanatismus. wandeln müßte. seine Sicherheit zu verlieren durch neue Entwicklungen. daß das Gewohnte.

Aber was man so zwingen will. Er glaubt. worin wir wieder die Einseitigkeiten ausgleichende Kraft des Lebens glauben erkennen zu können. Aber gerade dadurch scheitern sie immer wieder am Leben. und wie ein Bumerang kommt auf sie selbst als Zwang zurück. hinter jedem Dogma und jedem Fanatismus. um das sich Sträuben gegen fällige Entwicklungen. wie es ihrer Meinung nach sein sollte. wie man ihn haben will. das Leben in Schemata und Regeln zu zwingen und setzt Unduldsamkeit und eigensinnige Ablehnung ein gegen alles was ihn. weit man damit die Vielfalt des Lebendigen gewaltsam vereinfacht. gegen das Hinzulernen und Korrigieren bisheriger Erfahrungen. daß es im Bereich des Lebendigen keine Absolutheit.Nietzsche hat einmal gesagt. so zu sein. daß der Wille zum System immer schon ein Stück Unaufrichtigkeit enthält . wird einem selbst zum Zwang. daß Lebendiges nicht völlig vorausberechenbar festgelegt werden kann. wenn man nicht mit sich geschehen lassen kann. daß sich nichts ändert und dem eigenen Willen entzieht. weil es neu und anders als das Gewohnte ist. beunruhigt. um die mangelnde Fähigkeit oder Bereitschaft zu Neuorientierungen. Bewußt oder unbewußt möchte man dem anderen zuviel vorschreiben. daß etwas oder jemand sich ihrer Macht entzieht. ihrem Willen nicht untersteht. Deshalb können sich zwanghafte Menschen schwer damit abfinden. und vergewaltigte so das Natürliche . Er versucht. soll für den zwanghaften Menschen nicht gelten. alles in ein System einfangen zu können. die Angst vor der Wandlung und der Vergänglichkeit. was sie zwingen wollten: Wenn man Lebendiges zwingen will. Besonders in bezug auf den Partner. letztlich die Angst vor dem Tod. keine unveränderlichen Prinzipien gibt. Aber hier geht es um das Zuviel.Bestand hat . um es lückenlos übersehen und beherrschen zu können. So wird mit einer eindrucksvollen Konsequenz der Zwingenwollende zum Gezwungenen. Der zwanghafte Mensch kann es schwer annehmen. So steht hinter jeder Gewohnheit.nur so können wir überzeitliche Gesetzmäßigkeiten finden. immer auch eine Angst. Im Bereich des Mitmenschlichen wirken sich zwanghafte Verhaltensweisen ähnlich aus. weil man alles selbst bestimmen möchte.eben. auf Abhängige und Kinder pflegt . ist man mehr und mehr gezwungen. aber er bezahlt sein Streben nach starrer Unveränderlichkeit mit der Angst vor der Wandlung. wozu uns das Leben immer wieder zwingt. Sie möchten alle und alles dazu zwingen. schließlich nur noch darauf achten zu müssen. Die alte Wahrheit des »tempera mutantur et nos mutamur in illis«.

Verdrängte. wie schon angedeutet wurde. wenn sie es auch nur ein Mal zuließen . So haben sie Angst vor dem »ersten Schritt« der. sie mit den Mitteln des anderen Extrems bekämpfen zu müssen. für dessen Erhaltung er sehr erfinderisch ist. und leben nach dem Motto »what .es ging darum. Indem sie alles Neue. wenn ich dies oder jenes tue. daß das in ihnen Unterdrückte.sie sind wie ein Herakles. wenn sie auch nur ein wenig lockerer ließen. ohne die immerwährende Selbst.das deutlich zu werden. Ungewohnte. sich auf der Couch zu entspannen und seinen Einfällen zu überlassen. der nun seinerseits meint. unvermeidlicher aber nicht unüberwindlicher. so können sie zu jenen »Trockenkurslern« werden. wenn man die Bereitschaft zeigt. Wissen und Übung dahin zu kommen. Unübliche ablehnen oder unterdrücken wollen. führen sie ihre Einstellung leicht ad absurdum und rufen gerade dadurch die gefürchteten Gegenkräfte auf den Plan. wieviel er verdrängt hatte und durch dauerndes Sich-Kontrollieren und »Zusammennehmen« in der Verdrängung hielt. ist das Zaudern. Ein Patient. Diese Menschen haben immer die Angst. dem Andersartigen sich öffneten und nur etwas nachgäben. und dabei oft das Kind mit dem Bad ausschüttet. alles überschwemmen würde. Hierin liegt wohl ein Stück unvermeidlicher menschlicher Tragik. einmal vollzogen. der schon im voraus zu wissen glaubt. in ihrer Vorstellung Unübersehbares auslöst. wird für den zwanghaften Menschen zum wichtigsten Lebensprinzip. aufgefordert. den Rebellen und Revolutionär. sagte entrüstet: »Aber dann kommt doch die ganze Scheiße hoch« . Zögern und Zweifeln. Sie fürchten dauernd. ob sie eine psychotherapeutische Behand- . Das Generationsproblem. die vor lauter Absicherung und Vorbereitung nicht zum Leben kommen. Aus dem Brief einer so strukturierten (zwanghaften) Persönlichkeit . daß nichts Ungewolltes und Unvorhergesehenes »passiert«. durch immer mehr Macht. Sehen wir uns das an einigen Beispielen an: Eine Möglichkeit. Absicherung gegen alles.if«: was kann es für Folgen haben. das Neue anzunehmen und verstehen zu wollen.damit drastisch ausdrückend. was nicht sein darf. daß alles sofort unsicher. der Konflikt zwischen den Generationen konstelliert sich in diesen Menschen besonders schroff. sich aus dem lebendigen Fluß des Geschehens herauszunehmen. was ihrer Meinung nach nicht sein darf.und Fremdkontrolle. Sie sind daher immer darauf bedacht. ja chaotisch würde. wenn er ihr einen abgeschlagen hat. oder draußen das. was man vermeiden will. oder sich einmal spontan überließen. daß der Hydra mindestens zwei Köpfe nachwachsen.

die notwendig sind. daß ich wieder so ins Ungewisse fahren soll. Dabei ist eigentlich die Entscheidung ganz einfach: ich habe nämlich für München nicht genügend Geld. ohne Sorge erschwingen kann. daß Bad X auch besetzt ist. eben doch etwas für mein Allgemeinbefinden und meine Schwierigkeiten. Inzwischen kam Ihr Brief mit der Mitteilung. Wahrscheinlich nur ganz oberflächlich. Und dann denke ich immer wieder. wird mir angst und bange. Und für diesen Eventualfall möchte ich von Ihnen gerne wissen. die da sind. Das ist eine Realität. ich weiß nicht. täglich (von dort nach München) zu fahren? Ich darf das unter gar keinen Umständen wieder tun. Sorgt man nicht normalerweise erst besser fürs Geld und reist dann in Ruhe? Nächstes Jahr im Mai und Juni könnte ich bestimmt gut so weit sein. Bis jetzt bekamen wir zweimal nur halbes Gehalt. daß man mir so lange nichts reservieren konnte. weil ich mich nicht entscheiden konnte dazu. den ich gern hatte. Also gehts doch nicht. Nach Bad X könnte ich dieses Jahr sicher wieder . Positives ergeben könnte. aber es will nicht reichen.aber ist es nicht zu anstrengend.oder Absage bat. Ich setze die Summen. der Zustand ist abscheulich. daß sich vielleicht die ewigen. Ein Krieg kommt ja wohl anscheinend nicht! Ich nehme an. daß ich am 15. daß Sie entsetzt sind über meine Unentschiedenheit. was ich geldlich gut. Und hinterher war's zu spät! Und jetzt wird's mit der Reise auch so werden. mich entscheiden und schreiben solle. Ich hatte gerade an Bad X geschrieben. Schließlich geht weder das eine noch das andere. daß München. Das ist das. Seither bin ich nun am Schwanken. Bekomme ich nun von da die Nachricht. 9. Aber Sie sind ja Analytiker! Und Sie wissen. daß ich selbst einen Mann. Wenn ich daran denke. was das Geld anbelangt. ob ich die Stunden am 15. von wo man mich um definitive Zu. etwas ängstlich ist. Ich denke ich nehme Bad X.hing bei mir vornehmen oder statt dessen eine Kur machen wollte: »Herzlichen Dank für Ihren Brief! Er hat mich in schwerste Konflikte gebracht. bei Ihnen arbeiten kann. Es bleibt immer bestehen. Das Ende vom Lied wird sein. immer wieder untereinander. nicht geheiratet habe. wenn ich mich dafür entscheiden sollte. anscheinend organischen Erkrankungen bessern könnten. Von jetzt ab geht's dann aber normal. wie sehr notwendig es wäre. wie dringend sogar. 7. . selbst wenn ich hinterher auch nach München schreie. daß ich doch evtl. Dann habe ich ja auch keine Unterkunft in München. ob meine Entscheidungsneurose schon bei Ihnen in unserem ersten Gespräch zur Sprache kam. Ich male mir aus. entscheide ich mich dann vielleicht doch noch für München.

...« (Das tat sie dann auch und entschloß sich doch zur Analyse).. es ist quälend.es ging ja gar nicht darum. man kann da alles mögliche hineinlegen oder herauslesen . da sind und ob ich am 15. 9. Das ist eine schwere Geburt!!. wie sich zwanghafte Menschen den Weg zu unbefangenem Erleben verbauen. ob Sie bis zum 7. die Beschäftigung mit ihnen ist unwissenschaftlich. vor dem er sich abschirmt. Ein weiteres Beispiel dafür.... Und die Einfälle! Was soll mir schon einfallen. seine Angst vor dem »Unkontrollierbaren« wird deutlich . über Träume wissenschaftlich zu diskutieren. Träumen eine Bedeutung zu geben? Es ist doch immer alles relativ. Das sich Absichern. unbedingt sofort ein Stück weiter analytisch arbeiten zu müssen. meine ich. bezahlen könnte.. ist gut zu erkennen. arbeiten kann mit Ihnen. wie ein solcher Mensch seine Entscheidungen von irgendwelchen äußeren Dingen abhängig macht . aber . Freud und Jung haben sogar ganz verschiedene Auffassungen vom Traum gehabt und Träume verschieden ausgelegt. Man kann sich vorstellen.wer sagt mir.. Man sieht auch. vor allem. außerdem fällt mir auch gar nichts ein. daß der Patient sie nur zum Ausweichen benutzte. Mancher mag hier vielleicht denken. Wenn ich nur wüßte.nicht wenige zählen Entscheidungen an den Knöpfen ihres Jacketts ab oder sie würfeln usf.. hier durch gut gekonnte Rationalisierung. da verliert man sich doch völlig ins Ungewisse .: Ich kann mich nicht entscheiden. das führt doch ins Unkontrollierbare . ob Bad X noch freigehalten hat. er sollte sich ja nur seinen Einfällen überlassen. daß ich den richtigen Einfall gefunden habe? Vielleicht habe ich den Traum schon beim Erzählen verändert oder gar nicht mehr genau erinnert? Wird damit nicht alles fragwürdig? Träume sind ja doch nur Schäume. wir werden später sehen wie es zu solcher Angst vor der Selbstverantwortung kommen kann. Ich will mal sehen. Vielleicht schicke ich ein Telegramm. bis 7. daß die Zweifel des Patienten bezüglich der Träume ganz berechtigt waren . Wenn ich dies alles so hinschreibe. darüber hinaus waren seine Zweifel keineswegs nur auf Träume be- . die vor das Erleben geschoben wird. ein Patient erzählt in der Analyse einen Traum und fährt dann fort: »Hat es überhaupt einen Sinn. S.«. P. 9.es bleibt.bezahlen kann und ob ich vom 7. Da gibt es doch offensichtlich nichts Verbindliches und Verläßliches.er übersähe dabei indessen. 9. wenn es sich um gewichtigere Entscheidungen als die hier zu fällende handelt.. wie es ist. wie quälend solches Zögern und sich Nichtentscheidenkönnen werden kann. 8.

wird lebendige Ordnung zu pedantischer Ordentlichkeit. um das Verdrängte in Schach zu halten. wenn man einen Zwang zu unterlassen oder aufzulösen versucht. der nur dadurch zu lösen ist. daß man die »andere Seite«. wie eng und starr. nicht die dahinterstehende Angst vor Risiko. sieht dort zwei Türen mit den Aufschriften »Tor ins Himmelreich« und »Tor zu Vorträgen über das Himmelreich« . Man kann sich wohl denken. Viele zwanghafte Menschen bleiben aus ähnlichen Motiven der Absicherung in den Vorbereitungen zu etwas stecken. und daß die »sinnlosen« Träume einem sehr Wesentliches zu sagen haben. und der Zwanghafte braucht daher immer mehr Zeit und Kräfte. Nimmt man alles so prinzipiell. und selbst wenn sie ihm sinnlos erscheinen. werden die darin gebundenen Ängste frei. Bewußt ist dem Zwanghaften dabei nur. was er als »unsicher« ansah und suchte es zu vermeiden. Immer. Reicht das alles noch nicht aus. »Es« zwingt sie dem Menschen auf. Immer ging es bei ihrer Entstehung darum. annimmt und sich mit ihr auseinandersetzt.schränkt . weil die Fülle des Lebens sich nicht in starre Regeln einfangen läßt. notwendige Konsequenz zu unbelehrbarer Starrheit. was wir verdrängen. so entsteht der zwanghafte Teufelskreis. Es ist ein seelisches Gesetz. So verschieden Zwänge sein können. wie das ein Witz sehr treffend illustriert: Ein Mann kommt in den Himmel. um die Angst zu bewältigen. daß das Unterdrückte sogar gute Kräfte enthält. Wasch-.und Erinnerungszwang sind solche Zwangshandlungen. immer ist es zuletzt die Angst vor dem Wagnis. kann er sie nicht mehr unterlassen. das Verdrängte. Grübel-. gesunder Eigenwille zu trotzigem Eigensinn bis zur Despotie. dadurch steigert sich der Innendruck. daß er das »Richtige« vertreten will (wie jener Patient den »richtigen« Einfall finden zu müssen glaubte und gerade dadurch die freien Einfälle unmöglich machte). daß alles. Angst zu binden. verselbständigen sich aber allmählich und werden zu einem inneren Müssen. auf die wir stoßen. Zähl. Sie haben ursprünglich die Funktion. sich aufstaut. vor unbekümmerter Spontaneität. wie unlebendig sein Leben wird. etwas zu . kommt es zur Entwicklung von Zwangssymptomen und Zwangshandlungen. wie prinzipiell und intolerant. Nur dann kann man das Gemiedene und Gefürchtete integrieren und vielleicht mit Erstaunen erleben. wenn er ihm solche Absolutheit und seine Bedingungen aufzwingen will. vernünftige Ökonomie zu Geiz.und er geht durch das zweite Tor.er hatte Angst vor allem. wie »eisern konsequent« ein Mensch mit solcher Einstellung wird.

wird es gerade dadurch zum Zwang. die man als wirklich oder scheinbar unausweichliche Forderung erlebt. sei es eine Versuchung. ein Abweichen vom Gewohnten. die aus verdrängten Affekten und Impulsen. . In humorvoller Weise hat F. wo wir das irrationale Gefühl des Müssens bei Tätigkeiten haben. ein moralisches Urteil in paragraphenhafter Starre. Der Held des Romans ist in dauerndem Kampf gegen die »Tücke des Objekts«. nicht gelöst ist. ein Glaube in unerschütterlicher Absolutheit .wobei. sollten wir uns fragen. aber es ist letztlich eine tragische Größe. Ihm passieren immer wieder Fehlleistungen. Th. die Meinung über etwas in unverrückbarer Gültigkeit. Verbotenes.vermeiden. vor allem aggressiven. Ein einfaches Beispiel kann uns das Prinzipielle an zwanghaftem Verhalten verdeutlichen . Alles ist dann voraussehbar. Tragik und Komik dicht beieinander liegen: Versuche man doch einmal.dann scheint die Zeit stillzustehen. die man durch Versuchungen gefährdet erlebt. ein Zimmer absolut staubfrei zu halten . das man eigentlich bereinigen will. die Welt ändert sich nicht mehr und das Leben bringt nur mehr die Wiederholung des Gleichen und schon Bekannten . In solchen Haltungen kann manchmal eine gewisse Größe liegen. Immer. das man rein erhalten will. die man erfüllen muß oder zu müssen glaubt. die echte Auseinandersetzung mit unseren Problemen wird uns nicht zum Zwang. Und zur Tragik gehört das Scheitern an einer Absolutheit. wie es dort heißt. die letztlich belanglos sind. Weil aber der Staub für etwas anderes steht. der ein unaufhaltsames Geschehen nicht zulassen und die Zeit anhalten will. Unbekanntes. wird das Staubwischen so lange zum Zwang werden. Er schöpft Wasser in das bodenlose Faß der Danaiden.dann ist aus lebendig pulsierendem Rhythmus gleichförmig-stereotyper Takt geworden.dann erlebt man die ganze Tragikomik dessen. wie es ist: die Gegenstände auf dem Schreibtisch in geheiligter Ordnung. sei es etwas Neues. welcher wesentlichen Auseinandersetzung oder Entscheidung wir uns dadurch entziehen wollen. Unsicheres. weil das hartnäckige Zwingenwollen und Bändigenwollen der Gewalten des Lebens. wie so oft im Leben. etwa der moralischen Sauberkeit. eine Theorie in unangreifbarer Behauptung. der Mangel an Elastizität und die Unmöglichkeit des Unterfangens an sich schon den Keim des Mißglückens in sich trägt.Vischer in seinem Roman »Auch Einer« zwanghafte Problematik geschildert. Denn die angestrebte absolute Staubfreiheät gilt etwas Wesentlicherem. solange das eigentliche Problem. Wenn alles so bleibt. Indem man das eigentliche Problem auf Banales verschiebt. das man auf den Staub verschoben hat.

entschlüpfen der sonstigen Kontrolle und verraten.Versprechen. Jeder Zwang hat aus sich heraus die Neigung . Vielleicht spricht man nur eine magische Formel aus (»Jesus . sie »passieren« ihnen. schmutzige Gedanken oder Wünsche wehren. diese unheimlichen Zwänge. wie wir an späteren Beispielen sehen werden. Die beschriebenen Vorgänge können sich nun auch nur innerseelisch abspielen. die die psychologischen Zusammenhänge noch nicht kannten. Will man sich etwa gegen böse. auch wenn man ihre Unsinnigkeit erkennt. aus Versehen. Dadurch kann ein Leben mehr und mehr eingeengt. hier der Sauciere und seines Anzugknopfes. gegen sie anzukämpfen. ist das eben die Tükke des Objekts. also ohne eigene Schuld und bewußtes Wollen. sofort eine Gegenmaßnahme ergreifen. an dem sie hängenblieb. In ihrer Steigerung können Zwänge beim eigentlich Zwangskranken einen schaurig-makabren Zug bekommen. Man wird das etwa dadurch zu erreichen versuchen.Maria . die man glaubt unterdrücken zu müssen. sündige. muß man zwanghaft jedesmal. als Besessenheit vom Teufel oder von bösen Geistern sich vorstellten. Gerade bei zwanghaften Menschen finden sich solche von Freud so benannten Fehlleistungen besonders häufig. die man ausführen muß. von Zwängen ausgefüllt werden. Wünschen und Impulsen. bisher noch nicht von ihm ergriffene Gebiete auszudehnen. also gleichsam zu wuchern und sich auf andere. Und der Zwangskranke selbst erlebt das Ausführenmüssen seiner Zwangshandlungen oft wie unter einer fremden Macht stehend. In den Fehlleistungen . In . was sie verbergen wollen. daß man gleichsam einen Gegenzauber gegen sie anwendet.um einen Vergleich aus dem somatischen Krankheitsgeschehen zu nehmen Metastasen zu bilden.kommen. nicht der Ausdruck seiner unterdrückten Abneigung und Aggression gegen die Dame. »bösen« Gedanken. die er aber den Objekten als ihre Tücke in die Schuhe schiebt. . etwa in der Abwehr von beunruhigenden. was das zu vermeidende aus dem Bewußtsein drängt. Dann wird ein großer Teil der Zeit und Kraft darauf verwendet. indem sie zunehmend sein Leben ausfüllen und mit geradezu dämonischer Macht ein Eigenleben führen.Josef«). Wenn er seiner ihm unsympathischen Tisch nachbarin »aus Versehen« die Sauce über ihr Kleid schüttet. »aus Versehen« jemanden anrempeln usf. weil sie soviel an lebendigen Impulsen verdrängen. weil sie ihm ichfremd vorkommen.setzt sich bei ihnen das jeweils Unterdrückte durch. wenn frühere Zeiten. oder man muß sonst etwas tun. wenn sie aufzutauchen drohen. Vergessen. Man kann es gut verstehen.

So gerät man auch hier in die Lage dessen.zu lernen. Ihre Leibfeindlichkeit hat in vielen jungen Menschen vermeidbare Ängste und Schuldgefühle gesetzt.und leider auch heute noch manchmal erweckt manche ecclesiogene Neurose verschuldet. Gesangbuchverse und den Katechismus auswendig.zwei . nämlich der Selbstbefriedigung galt. die sich ausweitenden Wucherungen solcher Zwänge. wie es bei den sogenannten Primitiven in ihren Initiationsriten der Fall ist. die Jugendlichen in diese so wichtige Entwicklungsphase zu führen. können sich dann auf immer mehr erstrecken. Das kann manchmal eine so raffinierte Form annehmen. die sie damit erweckte . mußte dementsprechend ihre Genitalregion als die eigentlich »sündhafte«. weil die Sechs an das verpönte Sexuelle erinnert und daher ausgelassen werden muß. vor allem in der Pubertät. daß sie damit die verbotenen Lustgefühle bis zum Orgasmus »hintenherum« wieder einführte und befriedigte . der unbewußt symbolisch ihren »schmutzigen« sexuellen Impulsen.die Natur. tarnen usque recurret« . der sein Zimmer absolut staubfrei halten wollte. die sie als Sünde aufzufassen gelehrt worden war. Anstatt. wo »eins .drei vier . . wie in folgendem Beispiel.pfui . wie wir sie vor allem aus Bereichen von religiösem Fanatismus kennen .einer schwereren Form kann das zu Selbstbestrafungen führen. in denen sie ihre Fragen äußern können. wo unter dem bewußten Aspekt der Abwehr das Abgewehrte gleichsam hintenherum wieder eingeführt wird: Eine zwangsneurotische Patientin mit einem Waschzwang. und die »peinlichen« Fragen tunlichst zu vermeiden. da sie bewußt ja sich nur rein erhalten wollte. besonders intensiv und so häufig waschen. auf irgendeine Weise kommt sie immer wieder zurück. läßt sich nicht gewaltsam austreiben oder unterdrücken. was man vermeiden muß: Schon harmlos lautlich oder sonstwie assoziativ mit dem zu Meidenden verbundene Worte oder Begriffe werden dann als verdächtig empfunden und müssen ebenfalls vermieden werden. das Leben. Darin ist glücklicherweise manches anders geworden.man denke etwa an die Flagellanten.aber nun »ungewollt« und daher ohne Schuldgefühle.sieben« gezählt werden muß. Die christliche Kirche beider Konfessionen hat durch die Verdammung der Sexualität und durch die Schuldgefühle. der überwiegend daraus bestand. gab es lange Zeit nur einen Konfirmandenunterricht. wie es der Witz vom »christlichen Einmaleins« karikiert. Die »Metastasen«. etwa im Schulunterricht oder in Gruppenabenden und themengerichteten Gruppengesprächen. Man wird an das lateinische Sprichwort erinnert: »Naturam expellas furca.fünf .

sie ist völlig unberechenbar. Dafür haben sie in allen partnerschaftlichen Beziehungen Verantwortungsgefühl und stehen zu ihren Entscheidungen. Es fällt ihm daher schwer. Wer einige Jahrzehnte psychotherapeutisch tätig gewesen ist weiß. zu schwankend und vergänglich. so der zwanghafte aus Machtbedürfnis: er will den Partner nach seinem Willen formen. das seine eigenen Gesetze zu haben scheint. Menschen mit zwanghafter Persönlichkeitsstruktur versuchen daher. grenzüberwindende. die von schrecklichen körperlichen und seelischen Schädigungen gefolgt sein sollte. den Partner als gleichberechtigt anzuerkennen. das sich dem Willen entzieht. das sich zu gefährlicher Leidenschaft steigern kann. das man nicht »machen« kann. ist diesen Menschen an sich schon zutiefst beunruhigend. das Anderssein . sie sind zu subjektiv. Der zwanghafte Mensch und die Liebe Die Liebe. das einen überfallen kann wie eine Krankheit und womöglich dazu bringt. Sie sind daher in ihrer Gefühlszuwendung eher sparsam-dosierend. meist beginnend mit dem Kampf gegen die Onanie. Denn auf Gefühle ist kein Verlaß. unter ihrer Kontrolle zu halten. All das ist schwer mit den Sicherungstendenzen und dem Machtwillen zwanghafter Menschen zu vereinen. transzendierende Gefühlserleben. Hier ist offenbar etwas. was ihr vorenthalten wurde. wenn sie sie einmal gefällt haben.und die Jugend hat sich vieles von dem selbst genommen. wider die Vernunft zu handeln. Hammer oder Amboß sein erscheint ihnen als unvermeidliches »Entweder/Oder« . ihre Gefühle in der »Hand zu behalten«. welche verheerenden Folgen die religiösfundierte Leibfeindlichkeit gehabt hat. unvernünftig und eher ein Zeichen von Schwäche. Es fällt ihnen nicht leicht. Leidenschaft ist ihnen noch verdächtiger.und wer möchte schon Amboß sein? So wird eine Bindung bei ihnen leicht zum Machtkampf um die Überlegenheit. sie neigen mehr zu einer vertikalen Ordnung: oben oder unten. können sich schwer ihren Gefühlen überlassen und haben auch für die des Partners wenig Verständnis. dieses irrationale. Wollte der depressive Mensch den Partner aus Verlustangst von sich abhängig machen. wenn der vergebliche Kampf gegen die »Sünde« nicht durchzuführen war. daher schwerste Ängste und Schuldgefühle setzte und nicht selten bei Jugendlichen im Selbstmord endete. Durch Sachlichkeit zur unrechten Zeit können sie in Gefühlsbeziehungen ungemein ernüchternd wirken.

gerade auch seinem Gefühl nach. Das Formale bekommt dann einen Überwert. sei es auch nur. als ob damit etwas immer Gültiges geschaffen worden wäre. daß der Zwanghafte auf Kosten des anderen lebt. Als eine Frau ihren Mann fragte. Er hat eine große Tragfähigkeit und Belastbarkeit. wo doch ihre Ehe. kann es zu einem Pochen auf vermeintliche Rechte und bis ins Sadistische reichende Prinzipien kommen. am Bestehenden festzuhalten. So kann es zu Ehen kommen. Ehen werden nicht selten aus Vernunftsgründen geschlossen. die von ihr dabei gewünschte Zimmertemperatur festgelegt wurden. unerträglich geworden sei. können lange Zweifel einsetzen. warum er nicht in die Scheidung einwilligen wolle. Gewohnheit spielte dabei eine Rolle. Andererseits hat eine Bindung für ihn etwas Schicksalhaftes.sei es aus religiöser oder ethischer Motivierung. das seinem Willen untersteht. umsomehr wird die Ehe als ein juristischer Kontrakt angesehen. als ein neues Risiko einzugehen. und außerdem schien es ihm wohl besser. In einer Ehekrise geht eine Frau zum Anwalt und läßt sich von ihm einen Vertrag aufsetzen. zugleich enthielt der Vertrag das Verbot für den Mann. mit streng festgelegten Rechten und Pflichten. auf das man sich immer berufen kann. Er sagte das nicht aus religiösen oder anderen verständlichen Gründen. die sie schon lange vorgeschlagen hatte. in dem die Häufigkeit des ehelichen Verkehrs. wo schließlich jeder auf den Tod des anderen wartet. als sein Eigentum. weil man nicht aufgeben will. in denen schwelender Haß und gegenseitiges Sichquälen die ganze »Bindung« ausmachen. Je stärker die zwanghaften Züge sind. weil er nun einmal geheiratet hatte. auch wenn man selbst oder der Partner darunter leidet. von dem er zuviel Anpassung und Sichfügen fordert. Hat er sich dann entschlossen. . So ist es in den Partnerbeziehungen nicht selten der Fall.des Partners gelten zu lassen. er faßt ihn zu leicht als seinen Besitz auf. sein Machtbedürfnis. Solange das im vernünftigen Rahmen des »clara pacta . Treue ist ihm schon aus Ökonomischen Gründen naheliegend. wird die Bindung oft als unauflösbar angesehen . ist dagegen nichts einzuwenden. das ergibt dann oft überlange Verlobungszeiten und wiederholte Aufschübe des Heiratstermins. sondern nur.boni amici« bleibt. wo unter dem Deckmantel der Korrektheit feindselige Gefühle und Machtansprüche ausgelebt werden. oder wenn dieser die Beziehung auflösen möchte. und materielle Gesichtspunkte und sonstige Sicherungen pflegen dabei eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen. Wenn aber das Formale die Gefühlsbeziehung ersetzen soll. Bevor er eine Bindung eingeht. antwortete er nur: »Weil wir verheiratet sind«.

. nachzugeben fällt ihm schwer.darin ist sein Versuch der Zuwendung und des Sichbemühens zu erkennen. daß er sonntags immer bei seinen Briefmarken oder Basteleien sitzt und sie sich langweile. versucht Regeln auf zustellen. wie oft dieses oder jenes vorgekommen sei. und so können beide aneinander vorbeileben und die Probleme schaukeln sich immer höher auf. Er wird ein Programm aufstellen. denn er führt dann eine sich selbst auferlegte Pflicht aus und meint. wie ihnen abzuhelfen wäre . wird er einen Kompromißvorschlag machen. Dadurch erhält aber der Partner nie das. mehr mit ihm gemeinsam tun möchte. was er eigentlich will: mehr Freude. . wenn die Frau trotzdem nicht zufrieden ist.Hier wurden regelhafte Bedingungen aufgestellt. daß das ein sachlicher und fairer Vorschlag von ihr war. wo es lag: im emotionalen Sich-nicht-Verstehen und im Erzwingenwollen ihrer Wünsche.das eben gebrachte Beispiel läßt das erkennen. keinen Pflichtausflug. Wenn der Ehemann diesen Vertrag unterschrieb. wolle sie die Ehe mit ihm weiterführen. der die Weiterführung der Ehe ermöglichen sollte. Sie war im Ernst der Überzeugung. Dieses Beispiel kann für viele ähnliche Verhaltensweisen stehen. In Krisen hat er oft seltsame Vorstellungen davon. anstatt das Problem da anzugehen. an die sich beide Partner halten sollen. mehr Spontaneität und spürbare Zuneigung. auch wo er sein Unrecht einsehen sollte. mehr Abwechslung und Heiterkeit im Alltag.im Schlafzimmer zu rauchen und genau festgesetzte Geldbußen beim Übertreten oder Nichteinhalten dieser Bedingungen. Aber alles ist zu sehr gewollt und setzt am falschen Ende an. macht er dem Partner ihm vernünftig erscheinende Programmvorschläge. und rechnet dem Partner pedantisch und mit genauen zeitlichen und sonstigen Belegen vor. Das wird dann auch programmäßig eingehalten . weil sie seine Unlust spürt und letztlich mehr Zuwendung von ihm wollte. In Krisen und Auseinandersetzungen ist der zwanghafte Mensch wenig einsichtig. durch die zwanghafte Menschen ihre Partnerprobleme zu lösen versuchen. was dieser früher und nun schon wieder falsch gemacht habe. wonach er etwa nur jeden zweiten Sonntag seinen Liebhabereien nachgehen.das Gefühl der Unersättlichkeit des Partners. Der Zwanghafte bekommt dann solchen »Ansprüchen« gegenüber als solche muß er sie aus seiner Kargheit und Zurückhaltung empfinden . Wenn sich die Frau etwa beklagt. damit seinen Teil getan zu haben. an den anderen etwas mit ihr zusammen unternehmen werde. Da er von Gefühlen nicht viel hält. Er ist dann sehr erstaunt und ärgerlich. Er klebt an der Vergangenheit.

die Frau gleichsam entmündigt.Eine besondere Rolle spielen bei ihnen Zeit und Geld. das Haushaltsgeld wird zuerteilt mit geforderter Abrechnung »auf Heller und Pfennig«. oder der Mann muß seinen Lohn. der Mangel an erotischer Phantasie läßt das Liebesleben weiter in den einmal einge- . pünktlich. Die Einstellung zur Sexualität wie zu allen Lebensfreuden und Genußmöglichkeiten wird mit zunehmend zwanghaften Seiten immer problematischer. daß »schon wieder« eine Neuanschaffung nötig ist. wie eine Pflichtübung. Pünktlichkeit und Sparsamkeit in der Partnerschaft. wie kalt und programmiert eine solche Ehe aussieht. daß der Partner »funktioniert«. Wir werden im nächsten Kapitel über die Hysterie sehen. Statt lebendigem Austausch. völlig Undionysisches. Der Mangel an Einfühlung in den Partner. gibt es dann nur noch Bedingungen und Vorschriften. sie selbst damit erniedrigend. behandelt und in völliger Abhängigkeit gehalten wurde. daß auch die Sexualität oft »eingeplant« wird. Im Patriarchat mit seinen Privilegien des Mannes gab es häufig Ehen. wo der Mann alles in den Händen hatte. ohne eigene Wünsche oder gar Gefühlsansprüche. sein Gehalt zu Hause abliefern und bekommt ein Taschengeld zuerteilt usf. Dadurch bekommt das ganze Liebesleben etwas Erosfeindliches und atmosphärisch Ernüchterndes. wie sich die Frau dafür rächte. genau. wenn oder weil es »dran« ist. die auf Kosten der Frau gingen. ihre Notwendigkeit wird endlos diskutiert oder sie ist ein Zeichen für die Verschwendungssucht des Partners oder dafür. nicht nach Neigung und Gestimmtheit . statt wechselseitigem Geben und Nehmen. ist ein Beispiel dafür. Geldprobleme sind in solchen Ehen häufigste Krisenauslöser. wie achtlos er mit den Dingen umgeht.man schläft zusammen. Bei schweren zwanghaften Zügen ist es solchen Menschen am wichtigsten. an ihnen pflegen Machttrieb. Nötige Neuanschaffungen werden zu einer Tragödie. zu der man die Sexualität der Frau herabwürdigte. zuverlässig und reibungslos wie eine gut geölte Maschine. Das kann schon die erste Begegnung mit dem anderen Geschlecht im Ansatz mißglücken lassen . in der oft auch das Sexuelle nach festgelegtem Fahrplan ausgeübt wird. zumindest wie ein unreifes Kind angesehen.man denke hier auch an die häufigen Katastrophen der Hochzeitsnacht. Man kann sich vorstellen. Das Essen muß »auf die Minute genau« auf dem Tisch stehen. Im Patriarchat waren Ehen an der Tagesordnung. Es wurde schon angedeutet. wie sich der Partner zu verhalten habe. Allein schon »die eheliche Pflicht«. Pedanterie und Starre am deutlichsten hervorzutreten.

in der Vermischung der Intimbeziehung mit dem Machtwillen. im Zwingenwollen des Partners. Aber auch das Erhaltenbleiben früh erworbener Schamgefühle und Schuldgefühle im Zusammenhang mit der Sexualität kann die Intimbeziehung zu etwas Gequältem. das ihm sehr gefällt. warum soll ich mich schon binden?« (was ja noch gar nicht zur Diskussion stand). was er und die anderen gesagt hatten.warum soll ich mich mit ihr einlassen? Wer garantiert mir. Er verbrachte oft Stunden damit. es werden alle negativen Möglichkeiten vorweggenommen. Man sieht die ungemeine Vorsicht und die Absicherungen. Unfrohen und Phantasielosen machen.wer weiß. Das kann so weit gehen. Er litt zudem an einem Erinnerungszwang: Nach jedem Zusammensein mit jemandem mußte er sich genau ins Gedächtnis zurückrufen. Nicht selten hat die Sexualität Zwanghafter einen sadistischen Einschlag.s o überlegte er z... Häufig trägt der zwanghafte Mensch seinen Leistungswillen auch in die Sexualität. bereits in den letzten Semestern. Der junge Mann hatte auch sonst noch zwanghafte Züge . welchen Schlips er beim Staatsexamen tragen solle. die sexuelle Beziehung wird dann für ihn zur Bewährung seines Leistungsvermögens. oft an den Haaren herbeigezogene Rationalisierungen. auch dieses Symptom war eine Sicherung.fahrenen Bahnen verlaufen. und legte ihn dafür zurück. das nur erlaubt ist im festen Rahmen und unter bestimmten Bedingungen. ob in den Reden des anderen nicht vielleicht etwas Hintergründiges enthalten war. die . die Gespräche zu rekonstruieren. vor allem vor der Spontaneität. Nach der ersten Begegnung zu Hause angekommen. beginnt er zu grübeln: »Was kann diese Beziehung (die noch gar nicht existierte) für Folgen haben? Aus was für einer Familie kommt das Mädchen wohl? Ob sie schon viele Männer gehabt hat? Ob sie wohl gesund ist? Was sie wohl für eine Vorstellung von der Liebe hat? Wenn es zu einer Schwangerschaft käme? Vielleicht stecke ich mich bei ihr an? Sie hatte etwas so Sinnliches um den Mund . vielleicht schläft sie mit jedem? Und überhaupt . ich bin ja noch jung. B. wie in folgendem Beispiel: Ein junger Mann lernt ein Mädchen kennen. seiner Potenz. daß langes Zweifeln oder eine Ekelschranke als Schutz vor den »verbotenen« Trieben aufgerichtet wird oder sonstige Skrupel und Rationalisierungen. ob er auch nichts Verfängliches gesagt habe. nur um sich nicht entscheiden oder handeln zu müssen. um ja kein Risiko einzugehen. das ihm entgangen sein könnte. daß es kein Reinfall wird? Eigentlich steht nichts dafür .

daß sie »vermögend« sind. wo sie nicht lieben.es gibt natürlich viele Möglichkeiten. Gern wird auch Müdigkeit. ihre Sexualität aber bei Dirnen ausleben. Versucht dieser es. und bei diesen Menschen findet man oft die gleiche Einstellung zu ihrer sexuellen Potenz. Die erotisch-sexuelle Liebesbeziehung ist bei ihnen leicht störbar.Partnerin damit zum Objekt seiner Leistungsprüfung. wodurch die Situation nur verschärft wird. den Partner als ihren Besitz anzusehen. Arbeitsüberlastung vorgeschützt . wo sie lieben. daß ihnen die Lust vergeht oder sie nicht potent sind. die nur leichte zwanghafte Züge haben. von Zärtlichkeit und Sinnlichkeit. werden sie ihn immer mehr einengen und sich seiner versichern wollen. die sie lieben . Gerüche. denn sie können ja die ihnen als schmutzig erscheinende Sexualität nicht einer Frau zumuten. derart. ihr »Pulver nicht verschießen« . Die gesunden Menschen auf dieser Linie. Die deutsche Sprache drückt den Zusammenhang zwischen sexueller und finanzieller Potenz durch das gleiche Wort »Vermögen« aus. daß sie da.irgend etwas muß erst noch aufgeräumt. nicht begehren können. oder sie entziehen sich ihm durch regelmäßig vorher noch zu erledigende »Pflichten« . Häufig findet man auch bei ihnen eine scharfe Trennung von Liebe und Sexualität.das würde diese herabwürdigen. die eine Frau verehren.wie sie auch mit ihrem Geld umgehen. neigen sie zur Eifersucht. sie hätten nur eine begrenzte Potenz zur Verfügung und müßten sie daher einteilen. die erfüllt sein müssen: Geräusche. oder sie geizen mit ihrer Potenz aus der Angst. dafür verläßlich und stabil in ihrer Zuneigung. die Lichtverhältnisse. die hier indessen mehr ein Machtproblem ist: der Partner soll sich nicht ihrer Macht entziehen. Sie können eine gleichmäßige Wärme und damit dem Partner das Gefühl der Sicherheit und des verantwortlichen Zu-ihm-Stehens. oft abhängig von bestimmten Bedingungen. Wahrscheinlich erfand ein Zwanghafter seinerzeit den Keuschheitsgürtel. So sind unter ihnen Menschen nicht selten. andererseits nur dort begehren können. Sie sind vorsorgliche Ehe- . Manche von ihnen brauchen lange Waschvorbereitungen und nehmen damit schon im voraus dem intimen Zusammensein alles Erregende. sind im allgemeinen keine leidenschaftlich Liebenden. ungenügend verschlossene Türen und andere äußere Umstände können sie so stören. die sie auch zum Gelde haben: sie wollen entweder zeigen. Wenn sie sich nicht von der Vorstellung frei machen können. des geschützten gut Aufgehobenseins geben. vor lebendiger Partnerschaft und erwarteter Zuwendung auszuweichen. zu Ende gebracht werden. Sie finden nur schwer zu unbefangener Sinnenfreude.

Trotz und Feindseligkeit usf. ein Verhalten. zu mildern. bitte mißverstehen Sie mich nicht. So ge- . Bei ihm wird der Verzicht auf die Affekte meist über die Ideologisierung der Selbstbeherrschung und Selbstzucht vollzogen: Affekte zu äußern ist dann ein Zeichen von Sichgehenlassen.« Hier sieht man gut. sie aber nicht äußern zu dürfen. wie in diesem Beispiel: Als ein Patient in einer Behandlungsstunde einmal eine etwas aggressive Bemerkung über seine Frau gemacht hatte. wie wir bei der Betrachtung seiner Lebensgeschichte sehen werden. zu widerrufen. hat er als Kind nicht dessen Verlustangst. daß er mit seinen Affekten und Aggressionen sehr vorsichtig umgeht. sagte er sofort abschwächend: »Das war natürlich übertrieben von mir gesagt. sie wurden bestraft oder waren von Liebesentzug gefolgt.wir verstehen uns im allgemeinen sehr gut. das unter seiner Würde ist. diese Abschwächungstendenz kann sich bis zur Wiedergutmachung oder zur Selbstbestrafung steigern. angstbesetzt. nur zur Verdeutlichung. danach oft die Neigung haben. oder zurückzunehmen.partner. die auf gegenseitiger Achtung. mußte er von der Kindheit an unterdrücken. sich zu kontrollieren und zu beherrschen. Zuneigung und Verantwortung stabil aufbaut. ich habe es nicht ausschließlich so gemeint. und wenn er es war. und ihre Familie erweckt oft den Eindruck einer »heilen« Gemeinschaft in durchaus positivem Sinne. Haß. von Sich-nicht-in-derHand-Haben. als beim Depressiven. Äußerungen von Wut. die für ihn in solcher Situation übrig bleiben. Die häufigste wird sein. derentwegen er seine Affekte aufgibt. Er hat es zu früh lernen müssen. er wird zögern und zweifeln. sondern er mußte aus Strafangst sich seine Aggressionen verbieten. Aber im Leben sind sie unvermeidlich . Sehen wir uns die Möglichkeiten an. Affekte zu haben.was also mit ihnen tun? Da sein Ich schon etwas kräftiger entwickelt ist. das Geäußerte wieder abzuschwächen. mit welchem Schrecken und folgenden Schuldgefühlen eine Aggressionsäußerung erlebt wird. Sie könnten sonst einen falschen Eindruck bekommen . über die er sich mit Recht geärgert hatte. spontane Reaktionen sind. Der zwanghafte Mensch und die Aggression Auch der zwanghafte Mensch hat Schwierigkeiten mit seinen Aggressionen und Affekten. ob er in einer Situation aggressiv sein darf. Auch beim zwanghaften Menschen kann es zu einer Ideologiebildung kommen als weiterem Lösungsversuch des Konfliktes.

Eine etwas mildere Variante der beschriebenen »legitimierten« . daß er sich damit überfordert. dafür eine Angst vor Messern und spitzen Gegenständen entwickelte. wird man überall etwas finden.was ja in manchen Berufen möglich ist. nach gleichsam legitimen Möglichkeiten für ihre Aggressionen zu suchen. Wie katastrophal es sich auswirken kann. dann immer mehr Kontrolle brauchen. können wir bei allen Kriegen sehen.sund das in gewissen Grenzen ist. in denen die Vernichtung des Feindes zur Tugend erhoben und womöglich von der Kirche noch sanktioniert wird. Auch hier ist die Grenze zwischen dem Gesunden und dem Kranken sehr schmal. die durch den Zweck nun geheiligt werden können . wenn sie ihr zu Gesicht kamen . die unerbittlich. die ihnen Aggressionsäußerungen nicht nur erlauben. wären ihre Aggressionen gar nicht so bedrohlich geworden. So können Fanatiker auf allen möglichen Gebieten entstehen. die sie sofort wegräumen mußte. Eine weitere Möglichkeit für zwanghafte Menschen in jenem Dilemma ist es. nach Anlässen und Gelegenheiten. Das erlaubt ihnen sogar massivste Aggressionen. wie gefährlich das werden kann. mit gutem Gewissen. Daraus können sich Zwangssymptome entwickeln wie bei einer Frau.wir hatten bei den christlichen Ideologien schon darauf hingewiesen. damit sie nicht durchbrechen. wie es durch die Stauung der Fall war. wozu sie dann fähig gewesen wäre. damit etwas Notwendiges zu tun. auf triebhaftem. die ihre feindseligen Gefühle gegen ihren Mann nie äußerte.sie hätten die unterdrückten Aggressionen auslösen können. sondern gegen etwas oder jemanden draußen. daß die Affekte zu sehr abgedrosselt werden und sich nun innen aufstauen. denn wenn man vor allem nach einem Ventil für seine Aggressionen sucht. Sie richten die Aggression nicht mehr gegen sich selbst. Hätte sie sich mit ihrem Mann auseinandergesetzt. die an sich einen Wert bedeuten. Man kann sich vorstellen. Dann bekämpfen sie all das was sie sich selbst verbieten mußten nun überall. moralischem oder religiösem Gebiet. wenn man etwa ein Kollektiv dazu bringt. konnten wir in der Judenverfolgung im Dritten Reich erleben. weil sie überzeugt sind. und wer weiß. wenn sie länger in ihrem Blickfeld geblieben wären. zumindest bedeuten können. besteht dabei doch die Gefahr. kompromißlos und rücksichtslos immer gegen irgendetwas kämpfen sei es auf hygienischem. wo sie darauf stoßen. wie die Depressiven. sondern sogar noch als einen Wert erscheinen lassen . gegen das man »aus Überzeugung« angehen kann. seine Aggressionen in den Dienst einer Ideologie zu stellen. denn die Aggression verbindet sich nun mit Normen.

Die Möglichkeiten. »Ordnung muß sein« . wie wir sahen. sind außerordentlich zahlreich: der Beamte. als Drill. der Richter. Dadurch kann man ihnen die Aggression oft schwer nachweisen. Für die Aggression Zwanghafter ist es. die Macht verleihen und gleichzeitig die Möglichkeit bieten. der Autorität usf. der Lehrer. auch wenn er leicht noch jemanden abfertigen könnte. für den Tat Tat ist. und sie bekommt gleichsam etwas Überpersönliches. und tarnen ihr Verhalten vor sich selbst damit.aber eine lebendige..ohne daß dem Zwanghaften hierbei die Aggression bewußt zu sein pflegt.« und pflegt eng mit dem Machttrieb gekoppelt zu sein. wodurch dann schwer zu erkennen ist. Anonymes. und die Macht dient wieder der Aggression. Regeln und Prinzipien hält. daß sie sich so oft auf Werte berufen. Sie alle leben auf solche scheinbar legitime Weise durch Überkorrektheit ihre Aggressionen aus. die. ohne Berücksichtigung der Motivation . wohl die häufigste Form zwanghafter Aggressionsäußerung ist . Selbstschutz und Abreaktion von Angst wie beim Schizoiden. Von hier aus führt eine direkte Linie zu allem. und Sittlichkeit ist ein Wert . überhaupt charakteristisch. Beamte. daß sie sich an Normen. wohinter sich die persönliche Lust an der Aggression verbirgt. der den kleinsten Interpunktions. was Selbstzweck dabei ist. Polizei. einen Wert vertreten. seine Affekte durch solche Korrektheit auszuleben bis zu ans Sadistische grenzenden Verhaltensweisen. im Namen der Ordnung. Richter. der Prüfer. wie wir ihn vom Militär her kennen.aber eine lebensfeindliche Moral ist es nicht mehr. der Zucht.oder Unaufmerksamkeitsfehler ankreidet. der auf die Minute pünktlich den Schalter schließt. daß viele Politiker mehr oder minder ausgesprochen zu diesem Strukturtypus gehören. und keine pedantische Ordentlichkeit. Militärs.es ließen sich noch viele Beispiele für solche Aggressionsäquivalente finden. sie geschieht bevorzugt »im Namen von . sondern bei ihr geht es um Macht. mißbrauchen ihre Macht. ihre Aggressionen legal auszuleben. Das ist aber gerade das Gefährliche an der Aggression Zwanghafter. Natürlich.Aggression ist die übermäßige Korrektheit. der sich an den Buchstaben des Gesetzes hält. Die Aggression der Zwanghaften dient der Macht. . daß sie ja nur konsequent etwas Richtiges. . sie ist nicht mehr nur Abwehr. was für die Sache notwendig. Es wird uns daher nicht wundern. was wir als Dressur bezeichnen können. Ein weiteres Charakteristikum für die zwanghafte Aggression ist ihre Verbindung mit dem Machtwillen. der nur die haargenau von ihm erwartete Antwort als richtig gelten läßt. Daher finden wir zwanghafte Menschen in Berufen. des Gesetzes. neben der Unterdrückung der Aggression.

die aus dem Hinterhalt zuschlägt. durch das Erwecken von Schuldgefühlen und durch Strafen einen dankbaren Boden abgeben für spätere zwanghafte Persönlichkeitsentwicklungen der Kinder . nicht verantwortlich machen . und die in schweren Fällen zur Tölpelhaftigkeit werden kann. Die Grenze zur Tücke. nur heimlich und hinterrücks . ihn aber für das. Affekte usf. nie offen austragen. scheinbar ohne Absicht. Elternhaus. Linkischen. Es lernt nicht richtig. Dressur. unter dem Deckmantel eines guten Prinzips. die er mit Wasser füllen sollte.er genießt dadurch eine gewisse Narrenfreiheit. Dem Ungeschickten.sie wurden eben im wörtlichen Sinne »verschlagen«. Wie jede Gesellschaft bietet auch die unsere mit ihren Ordnungen und Hierarchien dem Zwanghaften reiche Möglichkeiten. Eine weitere Folge zu strenger Strafen vor allem für die motorisch-expansiven und affektiv-aggressiven Verhaltensweisen des Kindes ist es. was er angerichtet hat. dem Tölpel »passieren« dann seine Aggressionen »ungewollt«.wir werden das im nächsten Kapitel noch besser verstehen. fühlt sich in ihm »nicht zu Hause«. erwirbt man nicht nur eine motorisch-aggressive Gehemmtheit. muß man ihn frei betätigen dürfen. Institutionen. Eine Form zwanghafter Aggression. wie sie mit Macht und Aggression umgeht. der man schon in der sprachlichen Bezeichnung ihre Herkunft ansieht. versteckte Aggression. Man kann sich dann zwar über ihn ärgern. die in ihrer Kindheit für ihre Aggressionsäußerungen schwer bestraft wurden. die wir in ihrer ausgeprägten Form als Linkischkeit zu bezeichnen pflegen. daß ihm »aus Versehen« die kostbare Vase aus den Händen fällt. also die hinterlistig-feige. daß er stolpert und die Stehlampe dabei umreißt usf. Pädagogen und Staatsanwälte. die man lustvoll erlebt. Muß man dagegen dauernd darauf achten. Hier kann sich dann die Aggression nur noch in den schon erwähnten Fehlleistungen durchsetzen. Schule und Kirche sind die ersten erzieherischen Milieus bzw. Es hängt dann von der Reife und Integrität der jeweiligen Persönlichkeit ab. die durch Drill. zum »Wolf im Schafspelz« ist dann eine sehr schmale. Heimtücke. mit seinem Körper umzugehen. nirgends »anzuecken«. sobald sie es wagten. sie durften Trotz.Geistliche. ist die Verschlagenheit. So lebt er seine unterdrückten Aggressionen und Affekte nun in der Form aus. und man hat ihm gegenüber vielleicht . lieblose Erziehungsmethoden. sondern zugleich eine breite Unsicherheit im sich Bewegen. daß das Kind dadurch kein gesundes Körpergefühl entwickeln kann. eine Bewegungsfreiheit haben. seine Aggressionen und seinen Haß legitim auszuleben. Denn um Freude an seinem Körper zu bekommen. Wir finden sie bei Menschen.

die mich nach einer bestimmten Straße fragte.es war nicht ganz leicht. ich wollte davon noch etwas aufholen durch schnelleres Gehen. ihr den Weg zu beschreiben . holte aber dann etwa 1 Minute auf.die letzten Meter zu Ihnen bin ich dann im Dauerlauf gerannt. sozusagen bei Adam und Eva anfangen. diese kann nun wieder als Aggressionsäquivalent benutzt werden. versteckte Form der Aggression. der Bus kam knapp 3 Minuten zu spät. der mir erklären wollte. indem man die Umwelt mit seinen hypochondrischen Ängsten und Symptomen quält und auf diese Weise alle heiteren Stimmungen zerstört. wo ich aussteigen muß. und so kann er sich um viel Lästiges drücken. in denen sich . die ursprünglich die Schuld daran trug. wurde aber von einer Frau aufgehalten.« Das hätte er . Hierher gehören die Frauen.ihre unterdrückten Aggressionen und Affekte durchsetzen: das Trödeln.oder Theaterbesuch mit ihrer Toilette nicht fertig werden und den Partner zur Weißglut bringen können. Dann kann der wirklich oder vermeintlich nicht richtig funktionierende Stuhlgang etwa eine Familienkatastrophe werden usf. weil er es ja doch falsch tun würde. daß ich mich etwas verspätet habe.15 Uhr verlassen. die Umständlichkeit. Ich kam dann mit dieser Verspätung an der Haltestelle an. oder die Männer. die mit der Minute genau zu ihrer Stunde auf die Klingel . und nicht selten ergibt sich dann noch ein weiterer Gewinn für ihn: man nimmt ihm alles ab. daß das immerwährende sich Zusammennehmenmüssen und die überwertige Selbstkontrolle auch einen Ansatz abgeben kann für hypochondrische Selbstbeobachtung. wie in folgendem Beispiel eines zwanghaften Patienten.wenn die zwei Minuten Verspätung überhaupt erwähnenswert gewesen wären .in dem Satz zusammenfassen können: »Entschuldigen Sie. um zu Ihnen zu kommen. und der ich natürlich Auskunft geben mußte . die für die Erklärung des einfachsten Tatbestandes.sogar ein gewisses wohlwollend-mitleidiges Überlegenheitsgefühl . womit sie ihre Umwelt erheblich quälen und belasten können eine sehr feine.« Er war auch einer der Patienten. die Unentschlossenheit. warum er sich heute um »fast zwei Minuten« (!) verspätet hatte: »Ich habe mein Büro pünktlich wie immer um 18. ich bin in meinem gewöhnlichen Schritt zur Omnibushaltestelle gegangen.wiederum ihnen selbst nicht bewußt und daher ohne Schuldgefühle erlebt . daß er »lauter Daumen« erwarb.so fein gesteuert können seine Rachehaltungen an der Umgebung verlaufen. Als Aggressionsäquivalent bei zwanghaften Menschen können wir noch zwei Verhaltensweisen beschreiben. die vor jedem Konzert. Am Rande sei noch erwähnt.

Sind Straf. daß sie vielleicht gern kommen. dem pausenlosen Reden. Man wird dann nicht offen aggressiv. a. Und schließlich ist noch das Nörgeln zu erwähnen. was ihnen als Unhöflichkeit oder böswillige Absicht ausgelegt werden könnte. zwischen zwingenwollender Macht und nicht gewagtem nachgebenden Mit-sich-Geschehenlassen. kommt es auch bei ihm zur Somatisierung. die unangreifbar ist: weder kommen sie zu früh. Zwanghafte Menschen benutzen es ebenfalls als Aggressionsventil.) können die Folgen bzw. Es kann aber auch durch den Stau der Affekte und den damit wachsenden Innendruck zu Durchbrüchen des Unterdrückten kommen bis zum Amoklaufen. es nicht erwarten können. noch zu spät. der Ausdruck zu lang unterdrückter Affekte und Aggressionen in der Körpersprache sein. In ihnen spielt sich der für sie unlösbare Konflikt ab zwischen aggressiv sein wollen und nicht dürfen. mit dem man jemanden mit Beschlag belegt. das eine typische Aggressionsform Zwanghafter ist. Man könnte allgemein sagen. daß der Zwanghafte mehr zu den Unterlassungs. Kopfschmerzen bis zur Migräne. so daß ihm auch die oben beschriebenen Möglichkeiten und Aggressionsäquivalente nicht mehr zur Verfügung stehen.als zu den Begehungssünden neigt . sind Beispiele dafür. an dem der andere abprallt. so daß einem nichts vorgeworfen werden kann.Unterlassungssünden sind schwerer nachzuweisen. als gleichsam indirekte Aggression. was man als aufdringlich verstehen könnte oder als ein Zeichen.und Gewissensangst und die Schuldgefühle im Zusammenhang mit seinen aggressiven Impulsen für den zwanghaften Menschen zu stark. soweit es nicht durch vernünftige Überlegungen begründet ist. und kann damit doch den anderen viel mehr treffen und verletzen. Gleichsam das Gegenstück dazu wäre die Aufdringlichkeit. Schlafstörungen und Darmaffektionen (Koliken u. Herz. Der Ehemann. indem man »ohne Punkt und Komma« spricht. .und Kreislaufstörungen. nicht selten der Vorläufer von Schlaganfällen). die Distanzlosigkeit. zu Jähzornsausbrüchen und einem wahllosen Vernichtungswillen.drücken -sie demonstrieren damit eine Neutralität. das trotzige oder tödliche Schweigen. der prinzipiell sich um jeden noch so kleinen Betrag bitten läßt. Eine Variante hiervon ist das Zurückhalten. das nicht Hergeben. Blutdruckschwankungen (vor allem Hochdruck.Ein Beispiel noch für die Somatisierung von Affekten und Aggressionen: . die sich auch in der vom Volksmund so benannten »Rederitis« äußern kann. In seinem Roman »Malte Laurids Brigge« hat Rilke einen solchen motorischen Durchbruch faszinierend beschrieben.

Konstitutionell scheint eine besonders lebhafte motorisch-aggressive. wegen ihres Images oder wegen eines selbstauferlegten Leitbildes. ja heftig werden wollen. daß er die Person. die ihm kein Ventil offenließ für seine Affekte. sich so in der Hand zu haben. sondern seine ungemeine. der sie gelten. weder Trauer noch Freude. daß Menschen mit starken Affekten in Ämtern stehen. idealisiert und dadurch unangreifbar macht . daß in ihnen kaum noch etwas Emotionales enthalten war. vor allem keinerlei Affekthaftes.seine Panzerung war offensichtlich nicht völlig geglückt. Er hatte sich dahin gebracht. weder Zorn noch Ungeduld jemals zu zeigen . die vor allem für den Zwanghaften charakteristisch ist: Er kann sich vor seinen Aggressionen dadurch schützen. Es kann oft eine Tragik darin liegen. daß er aus Affektstau zu Weinkrämpfen neigte und in Teppiche biß. seelisch unanfechtbar und immer überlegen zu sein. Von Bismarck wissen wir. stellte der konsultierte Arzt einen drohenden Herzinfarkt fest. unnatürliche Selbstbeherrschung und »Haltung«. das gilt auch für den religiösen Bereich. wo sie glauben. Anla- .wobei. sich Affekte nicht leisten zu dürfen. in der er viele Angriffe und Rivalitäten auszuhalten hatte. Ich will noch eine Aggressionsabwehr erwähnen.er war durch nichts mehr zu erschüttern oder zu reizen in diesem Stoizismus. verschlimmerten. in denen er eigentlich hätte ärgerlich. Aber er hatte doch eine verwundbare Stelle: In Situationen. es aber aus Prestigegründen und wegen seines Leitbildes von sich selbst nicht zuließ. sexuelle und allgemein expansive Veranlagung dabei eine Rolle zu spielen. eigenständige Charaktere. Als diese Symptome sich in einer Berufskrise. welche konstitutionellen Faktoren und welche Umwelteinflüsse die Entwicklung zwanghafter Persönlichkeitsstrukturen begünstigen.nach der Kindheit finden wir das vor allem in Schüler-Meister-Beziehungen wieder letztlich bleibt man aber so immer noch ein Stück Sohn oder Tochter.Ein sehr korrekter und selbstbeherrschter Mann in hoher und verantwortlicher Position hatte seine mitmenschlichen Beziehungen so versachlicht und neutralisiert. die berufliche Belastung gar nicht das Ausschlaggebende war. und er war stolz darauf. bekam er immer häufiger deutlich wahrnehmbare Pulsbeschleunigungen und Herzschmerzen . wie so oft. Der lebensgeschichtliche Hintergrund Wir wollen uns nun wieder fragen. wenn er sich nicht mehr entspannen und entlasten würde . auch anlagemäßig betont eigenwillige.

die auf die beiden früher beschriebenen folgt. so viel Eigensein entwickelt. müssen wir auf die Entwicklungsphase näher eingehen. seinem Willen. Wie sehen aber nun die Umwelteinflüsse aus.ausdrücken.gen also.auch sprachlich . es hat aber auch schon so viel Ich. die Angst vor der Vergänglichkeit und Veränderung andererseits überwertig werden? Um das zu verstehen. durch welche das Bedürfnis nach Sicherung und Dauer einerseits. mit denen ein Kind durchschnittlich leichter und öfter »aneckt«. und dem Willen und den Forderungen seiner Erzieher. gedrosselt wird. von den Eltern als unbequem empfunden und daher in seinem Verhalten häufiger gebremst. wodurch sich alle Eindrücke tiefer einprägen und länger anhalten. Es kommt nun zum ersten Mal in die Lage. »braveres« Kind. Wieder müssen wir es offen lassen und können es nicht entscheiden. alle seine Bedürfnisse befriedigt wurden ohne eigenes Bemühen. daß es nun seinerseits auf die Welt zugehen und mit ihr etwas anfangen will. wieweit also solche Verhaltensweisen mehr Folge als Ursache sind. Es hat nun schon ein Alter erreicht. Lebensjahr. es erobert den . in dem man etwas von ihm fordern kann. Diese Frage wird sich nie befriedigend lösen lassen . wie man früher bei vorwiegend auf die Erbfaktoren gerichteter Aufmerksamkeit die Umwelt unterschätzte. in der noch nichts verboten war. den man bei vorwiegendem Interesse für die Umweltforschung zu leicht vernachlässigt. während in den Vorphasen ihm noch alles gebracht werden mußte. in der noch nichts von ihm verlangt und gefordert wurde. als ihm bekommt. bis 4. weil sich das Kind dann selbst zu wenig spontane Reaktionen erlaubt und sich mehr anpaßt. Sicher ist. wo das Kind erstmals mit Geboten und Verboten seiner Umwelt zusammenstößt. als ein vergleichsweise stilleres. mit seiner Umwelt in Konflikt zu geraten. Es kann seine Wünsche und Affekte mehr und mehr . Aber auch anlagemäßige Sanftheit und Anpassungsbereitschaft mit der Neigung zur Nachgiebigkeit und Fügsamkeit kann eine Rolle spielen.man müßte dafür ein und dasselbe Kind in verschiedenen Milieus aufwachsen lassen können. Damit fällt es aus der kurzen Paradieszeit der »unschuldigen« frühesten Kindheit heraus. daß es den Faktor Anlage gibt. ob und wieweit solche Merkmale Anlage oder bereits wieder Reaktion auf Umwelteinflüsse und Erziehung sind. in den Konflikt zwischen seinen eigenen Wünschen und Impulsen. sowie ein stärkeres gefühlsmäßiges Haften an der Vergangenheit in Betracht zu kommen. Ferner scheint eine angeborene Neigung zum Nach-denken. zu gründlich-grüblerischer Genauigkeit. so viel an Bewegungsdrang und Ausdrucksvermögen. Es ist die Zeit um das 2.

und sich durch die Reaktionen der Umwelt als »böse«. immer mehr auf seine Umwelt. dem Kind immer mehr zuwachsenden Fähigkeiten. diesen Schritt allmählich zu vollziehen.Raum und probiert seine Kräfte aus. richtet sich seine Motorik. Nach der Zeit der völligen Abhängigkeit von der Mutter erlebt es nun eine Ablösungsphase mit wachsender Neigung zur Selbständigkeit . von jener Symbiose mit ihr. sowie die Ausformung seines Eigenwillens entschieden. Mit der gleichzeitig immer mehr erworbenen Fähigkeit. in der es erstmals »Ich« sagt. stört. erstmals die Orientierung an Erlaubtem und Unerlaubtem. Immer hängt das Resultat dieses Lösungsversuchs ab von seiner Anlage und von seiner Umwelt. seine hier erlernten Verarbeitungsweisen werden zu Verhaltensmodellen für seine Persönlichkeitsentfaltung. versucht seinen Willen gegen Widerstände durchzusetzen. je nachdem. seine Expansionslust und sein Eigenwillen. den Vorformen der Kategorien von gut und böse. entstehen immer mehr Situationen. in denen es mit der Welt zusammenstossen kann. zwischen sich Durchsetzen und sich Anpassen. etwas mit der Welt anfangen.es ist die Zeit. seine Angriffslust. oder ob man schließlich seinen Eigenwillen ganz früh bricht durch Erzwingen und Strafen. Lebensjahres wird im ersten Ansatz das Schicksal seiner expansiv-motorischen und aggressiven Triebe. in der Ich und Du noch nicht unterschieden waren für sein Erleben. Jedes Kind muß seine individuelle Lösung finden zwischen seinem Eigenwillen und dem Gehorchen müssen. mit der sie zusammentrifft. . »unartig« erlebt. mit seinem Körper umzugehen. Es lernt dadurch sowohl den Widerstand der »Materie« im Zusammenprall mit ihr kennen. etwas mit den Dingen tun zu wollen. Hieran erwirbt es unter anderem. wie das Kind bei der Sauberkeitserziehung behandelt wird: ob man ihm Zeit läßt. Hier kann bereits der Grund gelegt werden sowohl für eine gesunde Selbstbestimmung des Kindes. Daran erfährt es sowohl sein Können. Aber mit den vorbeschriebenen. als Ausdruck für die erkannte. erlebte Unterscheidung von der Mutter. bis 4. aber sehr wesentlich für diese Entwicklungsphase. In dieser Zeit etwa des 2. seine Macht. Die ersten wichtigen und bestimmte Verhaltensweise bereits tief einspurenden Möglichkeiten für Erlebnisse seines Eigenwillens oder aber des Gehorchenmüssens bietet die Sauberkeitserziehung. als auch deren Grenzen. ob man seinen Trotz konstelliert durch zu forcierte Dressur. und durch sein Bedürfnis. als auch die Reaktionen der Umwelt auf sein Verhalten. als auch für Trotzhaltungen oder aber für nachgiebige Gefügigkeit.

Nun heißt es erstmals »du sollst« oder »du darfst nicht« oder »du darfst jetzt nicht« usf. die hier vor allem das Umgehen mit seinem Eigenwillen und mit seiner Spontaneität als weitestem Überbegriff der betroffenen Impulse grundlegend vorformt. affektiven.. wie die Psychoanalyse diese in der Kindheit erworbene Instanz. So entsteht hier die tiefste Grundlage dafür. in dem Kind die Weichen gestellt für die Freiheit oder Unfreiheit seiner Willensimpulse. dem Dürfen und nicht Dürfen. aber nun als einen Richter. ob ein Mensch später ein gesundes Selbstbewußtsein. so das Gelernte und Eingespurte fortsetzend. der in ihm die ursprünglich von außen gesetzten Gebote und Verbote vertritt. seines »Über-Ichs«. Mit dem Erleben der ersten Ansätze von Gut-oder-böse-Sein wird ja erst ein »Sündenfall« möglich.all das ergibt jene frühen Prägungen. Wie wir überall im Bereich des Lebendigen sehen können . den umweltbedingten Anteil des übergreifenden Gewissens. oder durch liebevolle Führung in freiwillige Leistung übergeleitet . oder ob er Autoritäten gegenüber sich trotzig auflehnt. ja oft jede Spontaneität. wann und wie diese ersten Gebote und Verbote an das Kind herangetragen werden. und das Kind erfährt sich im Gehorchen als gut. daß in ihrer Kindheit altersmäßig zu früh und zu starr die lebendigen. nennt. Bei den später zwanghaften Persönlichkeiten finden wir in ihrer Lebensgeschichte mit großer Regelmäßigkeit.man denke etwa an die Forschungsresultate der . Und das in der Entwicklungsphase. die gestalten und verändern wollenden Impulse. werden Trotz und Ungehorsam im ersten Ansatz gebrochen. oder zu lasch und zu inkonsequent. handhabt man sie zu starr und zu prinzipiell. in der die Entfaltung dieser altersgemäß fälligen und neu hinzuzulernenden Fähigkeiten und Verhaltensweisen notwendig ist. gehemmt. oder gefügig anpaßt. jede Äußerung gesunden Eigenwillens gedrosselt. bestraft oder unterdrückt wurden. Es nimmt die Reaktionen der Umwelt auf sein Verhalten jetzt auch wieder nach innen. und damit bereits die Ansätze zu einer später zwanghaften Persönlichkeitsstruktur erwirbt.Es ist nun von entscheidender Wichtigkeit. die zu größerer Eigenständigkeit und Unabhängigkeit führen sollen. So werden durch die Erfahrungen der ersten Zusammenstöße seines Wollens mit dem Sollen und Müssen. sowie für den Grad seiner unbefangenen Spontaneität oder aber Gehemmtheit durch überwertige Selbstkontrolle. aggressiven. gesunden Eigenwillen und Zivilcourage besitzt. Wird es zu früh oder zu spät mit diesen Forderungen konfrontiert. für die Strenge oder Milde seines moralischen Gewissens. im Trotzen als böse beurteilt.

Verhaltensforschung . sich wiederholende Erfahrungen zumindest vorsichtiger. bei schweren Ängsten wird sich mit dem Aufkommen eines Impulses in der gefährlichen Richtung allmählich ein Reflex einfahren. vielleicht auch schon verunsichert und gehemmt werden. zögernder. dann vor allem bekommen sie so leicht eine schicksalhafte Bedeutung und prägen kategoriale Verhaltensweisen auf dem Gebiet des neu zu Lernenden im Erstansatz. Altersgemäße Überforderungen können darin liegen. Nimmt man noch die in Großstädten leider fast zur Regel gewordenen Wohnungsverhältnisse an. Es beginnt etwa damit. weiß das Kind buchstäblich . Hier kann man den eingangs erwähnten Zusammenhang zwischen Umwelt und konstitutionell Entgegenkommendem bei der Entwicklung zwanghafter Persönlichkeitsstrukturen besser verstehen: lebhafte. assoziieren. wenn es laut ist. daß die Mutter es vorwurfsvoll und tadelnd ansieht oder straft.Affekt äußern darf. wenn sie keinen angemessenen Auslauf haben. keinen . daß alles in der Umgebung des Kindes immer nur in einer ganz bestimmten Weise geschehen und getan werden darf. Die Reaktionen der Umwelt auf sein »Fehlverhalten«: Tadel.haben Ersteindrücke und Ersterfahrungen besonders dann eine prägende Wirkung. werden die Folgen entsprechend schwerer sein. nichts kaputtmachen. Es macht etwa die Erfahrung. Liebesentzug und Strafen. die für Kinder zum Gefängnis werden. mit dem man sich nicht zu schämen braucht. Drohungen.auch keinen berechtigten . bleibt es nicht beim Rügen. damit sie sich beim Essen nicht zu breit machten und »gute Manieren« lernten ~ die Münzen durften nicht herunterfallen. impulsive. wenn sie sich auf neu zu Lernendes. dressiertes Kind ist natürlich für die Eltern bequemer und für die weitere Umwelt ein Vorführkind. der ihn sofort abbremst oder unterdrückt. daß das Kind zu früh sauber sein soll. etwas umwirft oder kaputt macht. daß es Abweichungen von dieser Norm als gefährlich oder als sein Bösesein erlebt. verbinden sich in ihm hinfort mit seinen der Umwelt offenbar unerwünschten Impulsen. Ein gut funktionierendes. auf fällige Entwicklungsschritte beziehen. aggressiv-expansive Kinder werden naturgemäß öfter gerügt. Es wird durch solche. »anständig« bei Tisch sitzen und essen soll. kommt es zu Androhungen des Liebesentzuges oder zu Strafen. kontrollierter. Eins der groteskesten Beispiele dafür: In einer Familie mußten die Kinder eine Münze in die Achselhöhle pressen. gebremst und strenger gezügelt als stille Kinder. an dem sich die Erziehungsmethoden der Eltern stolz aufweisen lassen. motorisch-vitale. Warnungen.

So habe ich von ganz früh an darauf gesehen. du siehst doch.du solltest so bald wie möglich sauber sein. Du warst ein unruhiges und lebhaftes Kind. die durch Migräneanfälle besonders störbar und empfindlich war. wie solche Erfahrungen. sich auswirken müssen. Aber das kann noch viel früher beginnen. dich an das Töpfchen zu gewöhnen . war nur letzteres wichtig: es wurde seufzend getadelt. daß du deinen Trotz nicht durchsetzen konntest. Wenn die Eltern dafür kein Verständnis haben und ihm die Situation nicht erleichtern. daß ich Kopfschmerzen habe. wie ich es in einem Buch . auf sich aufzupassen. daß ich lese. wo das Kind schon seinen Eigenwillen und seine Aggressivität entwickelt hat und das nachfolgende Geschwister bewußt als Rivalen empfindet. Das einzige Kind einer Mutter. beschäfigt bin. die Schuhe vor der Wohnungstür ausziehen. weil die Kain-Abel-Problematik in diesem Alter am schroffsten konstelliert wird.nicht. sondern auch die Strafangst und die Schuldgefühlsbereitschaft werden überwertig gesetzt. auf lange Zeit ausgedehnt. still zu halten später genügte es meist schon. Oder das Kind mußte immer wieder hören: »Stör mich doch nicht gerade jetzt. mußte stets. Wenn es so viel zu früh lernt. Geschwistergeburten in diesen Jahren pflegen schwer verarbeitet zu werden. aus dem Tagebuch einer Mutter über ihr erstes Kind (das oft solchen Maßnahmen am stärksten ausgesetzt ist. um keinen Lärm und keinen Schmutz zu machen. daß du brav warst. der Mutter etwas zu zeigen. keine Zeit habe«. die Mutter holte einen Kamm und kämmte die Teppichfransen wieder peinlich »akkurat« (was ein Lieblingswort von ihr war). in ihr Zimmer lief und dabei die Teppichfransen dort in Unordnung brachte. die Notizen beziehen sich auf das erste Lebensjahr des Kindes: »Ich habe schon im dritten Monat begonnen. die schon früh eine zwanghafte Absicherung erzwingen. weil man alles so richtig machen will und soviel darüber gelesen hat). wenn du beim Füttern nicht still hieltest. das dann wegen seiner feindseligen Gefühle und Aggressionen gegen das Geschwister mit Schuldgefühlen reagieren muß. den Impuls hatte. wenn es vom Spielen im Garten oder auf der Straße heraufkam. sich »zusammenzunehmen«. bis du es gelernt hattest. wohin mit seinen Vitalbedürfnissen. mußte ich dir ordentlich was hinten drauf geben. wenn ich dich drohend ansah. Man kann sich wohl selbst ausmalen. kann es zu schwer belastenden Situationen für das Kind kommen. daß es nie aufpassen könne. und das eigentliche Anliegen des Kindes fiel völlig unter den Tisch. geht das nicht nur mehr und mehr auf Kosten seiner natürlichen Unbefangenheit und Spontaneität. Wenn es in der Wohnung spielte.

daß ich nur das Beste für dich wollte und daß ich aus Liebe so streng zu dir war.muß ich also »gut« oder darf ich »böse« sein. seine Impulse sofort abzubremsen. daß es sich verselbständigt zu einem zwanghaften Zweifeln-müssen. so hart zu sein . Das genügt wohl. daß du ein so gehorsames Kind warst und schon mit Blicken regiert werden konntest. daß er sich nicht mehr durchsetzt. wenn er zurückkam. daß ein solches Kind es von ganz früh an lernen muß. Man schiebt dann später zwischen jeden Impuls und seine Ausführung ein An-sichHalten.gelesen hatte: man soll den Trotz im ersten Ansatz brechen. ist das. gut oder böse? Dieses Zweifeln bewirkt bei zwanghaften Menschen auch die für sie charakteristische Neigung zum Zau- . daß es so am besten für dich war und dachte. und ich hatte allein die ganze Verantwortung für dich. was man bereuen müßte. du würdest später schon verstehen. Das führt immer mehr dazu. die sich schließlich automatisieren. später hat es keinen solchen Machtkampf mehr gegeben und die Leute wunderten sich. So habe ich auch. Alle diese Zweifel lassen sich biographisch letztlich auf den Urzweifel zurückführen: Darf ich ich selbst sein und tun was ich will. ob man es riskieren kann. eine Unterbrechung. dieses Zweifeln kann so ausgedehnt werden. daß du mich nur ärgern wolltest.es war zu deutlich. aber ich habe dich allein gelassen. oder er bleibt gleichsam im Zweifel stecken. gleichsam einen Hiatus. oder ob man besser darauf verzichtet. zum Selbstzweck und damit zum Ersatz für lebendiges Tun werden. So kann sich das Zweifeln mehr und mehr verabsolutieren. dem Impuls nachzugeben. wenn du brülltest. wenn ich aus dem Zimmer ging. Das schleift sich mit der Zeit so ein und wird ihm zur »zweiten Natur«. Er ist ein Schutz vor gefährlicher Spontaneität. Man kann hiernach verstehen. sollte er doch ein wohlerzogenes Kind vorfinden«. Du warst dann auch lieb. um zu zeigen. abzudrosseln. Vater war ja in diesen Jahren im Krieg. ihn gleichsam annulliert. daß bei zwanghaften Persönlichkeiten der Zweifel in allen möglichen Variationen eine große Rolle spielt. ob man darf oder nicht darf.aber ich sah ja. bzw. das sich bei jedem als gefährlich erscheinenden Impuls einstellt. was ich tun möchte. um nicht abgewiesen zu werden oder zu stören. dir ein paar Kräftige hinten drauf gegeben. Manchmal mußte ich mich selbst überwinden. bis du dich müde geschrien hattest . oder muß ich gehorchen und auf meine Impulse verzichten . daß durch die Unterbrechung und das Nachdenken der Impuls schon so abgeschwächt wird. du brülltest dann erst noch mehr. vor dem Sich-zu-etwas-hinreißen-Lassen. zu Reflexen. weil man erst überlegen muß.

nur daß es beim Zwanghaften der Mut zur Tat und die Angst vor Strafe ist. Am Ende dieser Linie werden Reize und Impulse gar nicht mehr wahrgenommen. zuschlagen und sich zurückhalten will. Schließlich können beide entgegengesetzten Impulse praktisch zeitlich zusammenfallen und sich völlig paralysieren in totaler Blockierung und katatoner Starre: wenn man gleichzeitig sprechen und nicht sprechen. sie müssen »absolut« richtig sein. daß für diese Menschen einmal gefaßte Entschlüsse und Entscheidungen etwas Endgültiges haben. daß schon jeder Gedanke mit dem Gegengedanken beantwortet werden muß. denn sonst müssen sie ja mit einer Strafe rechnen. So entstand in ihm auch die Vorstellung. ob es sich um das Etwas-tun-Wollen und nicht Dürfen. Schematisch kann man sagen. . daß sie fast gleichzeitig auftreten: erst ist die Pause. Zögern. der Hiatus zwischen Impuls und Gegenimpuls. Der zwanghafte Mensch hat also in seiner Kindheit zu früh die Erfahrung gemacht. zwischen denen er sich nicht entscheiden kann. was er gern getan hätte. je nachdem. und daß vieles verboten war. Je zwanghafter man ist. ins Körperliche übertragen. umsomehr nehmen solche Zwangszweifel den Platz sinnvollen Tuns ein. daß in der Welt vieles nur in einer ganz bestimmten Weise getan werden darf. gleichsam zu einem ganz schnell aufeinanderfolgenden ja-nein-janein. Hinausschieben. etwas Unwiderrufliches. zum Zittern oder Stottern führen kann. weil er sich nicht entscheiden kann. oder um das Etwas-aussprechen-WoIlen und nicht Dürfen handelt. dieser Neigung zu folgen. daß die Stärke ihrer Zwänge davon abhängt. So ist bei ihnen die Entscheidung durch den Konflikt erschwert zwischen der ursprünglichen Neigung. Das zweifelnde Zögern und Zaudern. das. sie treten nicht mehr ins Bewußtsein. Sie geraten gleichsam immer wieder in die Lage von Buridans Esel. dann wird sie immer kürzer. Wenn sich die Aufeinanderfolge von Impuls und Gegenimpuls immer rascher vollzieht. Dadurch können für sie auch schon belanglose Entscheidungen zum Problem werden . sonst setzt Angst ein. wie das Verhältnis von Triebimpuls und Strafangst in ihrer Kindheit ausgefallen ist. das quälende Sich-nichtentscheiden-Können wird noch verständlicher. wenn man weiß. mit welchem er anfangen soll. der zwischen zwei Heubündeln verhungert. zur Unentschlossenheit und zum Aufschieben. weil die Abwehr so reflexhaft eintritt.dem.sie müssen ja immer die richtige Lösung finden. noch länger. und der andressierten Angst. kommt es schließlich dazu. daß sie den Impuls schon im Entstehen abwürgt. muß das zu völliger Lähmung führen. sie können sich bis zur Zweifelsucht steigern und sich reflexhaft so einfahren.

Es sucht dann nach einem inneren Halt. der solange anhielt. Entstehen. Aber auch ein Kind. das in einem chaotischen Milieu aufwächst. erlebt eine Freiheit. die Bäume an der Straße zu zählen. hier aber reaktiv und kompensatorisch: Es findet in seiner Umwelt keine Orientierungsmöglichkeit. war nur betroffen von diesem ihm unverständlichen Zwang. sich ungeschickt zu benehmen und von ihr abgewiesen zu werden. hat zugleich soviel Angst. kann zwanghafte Züge entwickeln. weil darin alle Möglichkeiten der Willkür enthalten sind. Er erschrickt so vor der Kühnheit seiner Phantasie. daß er beginnt. bis die Versuchung vorüber war. woraus sich sein Hang zum Perfektionismus entwickelt. Hier kann man Anlaß. wie es seiner Meinung nach sein sollte.wie Morgenstern seinen Palmström sagen läßt »nicht sein kann was nicht sein darf«. sie in den Arm zu nehmen und zu küssen. um einiges zu wohl erzogen nach gut bürgerlichen Prinzipien. bringt seine Tanzstundendame nach dem Schlußball nach Hause. Das Mädchen gefällt ihm sehr. Einmal so vorgebahnt.oder Schuldgefühle wegen seiner Triebwünsche bekam. Diese nehmen dann zwanghafte Formen an. aber noch unauffälligen zwanghaften Persönlichkeitsstruktur kann uns folgendes Beispiel zeigen: Ein junger Mann.daß es offenbar immer so etwas wie das absolut Richtige geben müsse. an die es sich halten kann und die ihm Sicherheit geben. keinen Halt. in denen er Angst. die es ängstigt. Sich-Einfahren und die Funktion eines Zwangssymptomes gut erkennen: Der Anlaß ist eine . daß er in Situationen. was sich gerade anbot. Das lenkt ihn von seinen gefährlichen Impulsen ab auf etwas Neutrales. daher um so mehr an ihnen festgehalten werden muß. fuhr es sich bei ihm ein. »weil« . weil es draußen keinen findet. So rettete er sich aus für ihn gewagten Situationen vor Entscheidungen und aktivem Handeln in diesen Zählzwang. Er durchschaute den Zusammenhang nicht. Beispiele für zwanghafte Erlebnisweisen Den Ansatz zur Bildung von Zwangssymptomen auf der Basis einer schon bestehenden. Diesen Perfektionismus erhebt er zum Prinzip. und auf dem Heimweg kommen in ihm Wünsche auf. aus sich heraus Ordnungen und feste Grundsätze zu entwikkeln. zwanghaft etwas zu zählen begann. weil sie durch seine Umgebung immer wieder gefährdet werden. der sich ihm aufdrängte und den er als lästig empfand. er möchte allem Lebendigen Bedingungen stellen. Es wird versuchen.

eine plötzliche kurzfristige Absenz. ob er verzichten solle oder zugreifen dürfe. Unlust mit körperlichen Symptomen wie Müdigkeit. So hatte die Atmosphäre zu Hause etwas Museales. Hätte sein Zwangssymtpom nicht mehr ausgereicht als Schutz gegen seine Impulse. daß zu den Mahlzeiten das Gedeck des Vaters immer mit aufgelegt wurde. hätte das unerreichbare mütterliche Idealbild eines Mannes erfüllen sollen. was sich bis zu Erschöpfungszuständen steigern konnte. Herr B. um Frauen zu gefallen. Sobald der Samstag herankam. hätte er stärkere Sicherungen aufrichten müssen. wie er es verlassen hatte. Diese Befindlichkeit . aber zugleich wurde damit auch seine Beziehung zur Frau erschwert: Er bekam durch die Mutter den Eindruck. Sein Schreibtisch und seine Bücher wurden von ihr peinlich so gehalten. die sich auch auf jemals geäußerte Ansichten und Aussprüche des Vaters ausdehnte.Versuchungssituation. ungehobelte Kerle seien. durchdrungen von einer geheiligten Tradition. Dann wäre etwa schon beim Gedanken an Sexuelles die Abwehr durch die Schutzmaßnahme aufgetreten. es gibt verschiedene Möglichkeiten. ohne je zudringlich zu werden. fühlte er unbestimmte und unerklärliche Ängste und schuldgefühlhafte Stimmungen. die als unumstößliche Wahrheiten dargestellt wurden. alles in der Wohnung so zu lassen. auf zwanghafte Weise vor Versuchssituationen auszuweichen. was so weit ging. Nach dem Tode ihres Mannes war sie bemüht. kurz. die ihn vor dem Handeln bewahrt. bis die Gefahr vorüber ist. die ein wirkungsvolleres Aussteigen aus der gefährlichen Situation bedeutet hätte. wobei wieder nur der Vater eine Ausnahme gewesen war: Er hatte die Mutter jahrelang umworben. Konflikte zu vermeiden.er schien fehlerlos und vollkommen gewesen zu sein. die mit Frauen nicht umzugehen verstanden. wie er es getan hatte. Dadurch blieb der Vater für den Sohn unerreichbar . mit der Begründung: Wenn der Vater wiederkäme. Kopfschmerzen und Zerschlagenheit. Bei diesem jungen Mann hatte das bereits eine Vorgeschichte: Seine Mutter war früh verwitwet und hatte selbst deutlich zwanghafte Züge. die mit Angst besetzt ist. um sich nicht entscheiden zu müssen. litt an einer Wochenendneurose. er war immer voller Rücksicht gewesen und hatte sie »auf Händen getragen«. solle er alles so vorfinden. So hätte er offenbar auch sein müssen. Oder er hätte in kritischen Situationen eine »Bewußtseinsstörung« bekommen können. daß Frauen offenbar etwas ungemein Feines und Zartes seien. wie es zu seinen Lebzeiten gewesen war. daß die Männer mit ihnen verglichen. er hätte vielleicht auch eine plötzliche Müdigkeit verspürt. schiebt er eine neutrale Tätigkeit zur Ablenkung ein.

daß dieser in angetrunkenem Zustand den Sohn oft bloßstellte.bis zum nächsten Wochenende. was sein ganzes Elend geoffenbart hätte. die noch dadurch verstärkt wurden. Sie fürchteten. ob er beim Heimkommen noch alles beim alten vorfinden würde. wie sie sich gegenseitig quälten und selbst unglücklich waren. daß in seiner Familie solche Dinge vorkamen. sie womöglich umbringen. Scheidungsandrohungen usf. beide Eltern noch nicht wieder gesehen hatten. keine Katastrophe vor. Krächen und Handgreiflichkeiten zwischen ihnen.was konnte in dieser Zwischenzeit zu Hause alles passiert sein. Dabei kam es zu lauten Szenen. von einem schön verbrachten Wochenende erzählen konnte. ihm einen Kuß zu geben. spürte er doch. am Montag morgen noch schlecht. oder ob die Mutter vielleicht. vor allem gegen den Vater. so daß sie. wie die Kameraden. um nicht gefragt zu werden. Das verstärkte begreiflicherweise wieder seinen Haß gegen die Eltern. hörten sie oft noch heftige Auseinandersetzungen zwischen den Eltern. der jähzornige Vater könne der Mutter etwas antun. daß nun alles wieder gut sei . daß er mit beiden zugleich auch Mitleid empfand. führten eine ausgesprochen schlechte Ehe. wenn sie danach zur Schule gingen. sich solchen Gesprächen zu entziehen. Er . dem er schon mit Angst entgegensah. gegenseitige Anklagen. lieblos kritisierte. Nach längerer psychotherapeutischer Arbeit ergab sich folgender Hintergrund seiner Beschwerden: Die Eltern von Herrn B. mit ihm rätselhafter Regelmäßigkeit. dann in plötzlichem Umschwung in Sentimentalität ihn aufforderte. Kam er am Montag gegen Nachmittag nach Hause und fand alles beruhigt. was er im Rausch öfter drohend ausgesprochen hatte. Er versuchte daher. Am Montagmorgen war der Vater schon früh zur Arbeit gegangen. an denen sie sich gründlich zusammen zu betrinken pflegten. wie sie öfter angedroht hatte. klangen seine Ängste wieder ab. inzwischen davongelaufen war? Zugleich hatte er ein tiefes Schamgefühl und Trauer darüber. die Mutter schlief ihren Rausch aus. In der Schule fühlte sich Herr B. Zu der Angst gesellten sich Haßgefühle. daß er nicht.er hatte ja die Eltern seit Sonntagabend vor dem Schlafengehen nicht mehr gesehen . aber mit Abscheu tat. Seine Gefühlslage wurde noch dadurch kompliziert. Wenn die Kinder am Sonntagabend schlafen gegangen waren. die der Junge und seine kleine Schwester mit großer Angst und widerstreitenden Gefühlen erlebten.hielt den Sonntag über an und klang erst gegen Montag nachmittag ab. er war erleichtert und hoffte. einerseits verfolgten ihn Ängste . was das Kind aus Angst. Am dramatischsten waren mit ziemlicher Regelmäßigkeit die Wochenenden. und die Kinder mußten sich das Frühstück selbst machen.

nun gar nicht mehr wirklichkeitsgerechten Ängsten und Schuldgefühlen erlebte. hätte er eine Ausdrucksmöglichkeit gefunden. in Militärkreisen. gleichsam als Opfer und Gegenzauber.konnte also nie an den Wochenenden unbeschwert sein und sich auf die Freizeit freuen. daß er die Wochenenden weiterhin mit den alten. Aber wie hätte er als Kind diesen Konflikt lösen können? Der Vater hätte ihn seiner Vorstellung nach halb tot geschlagen. da auch seine Sehnsucht. bei Lehrern und Geistlichen oder sonstigen Berufen der Väter. vielleicht den Impuls zu Schlimmerem gehabt. in denen zum Einfluß der Persönlichkeiten der Eltern noch deren soziale Rollen und Prestigeforderungen hinzukommen. natürlich auch. Bitterkeit und Enttäuschung. sicher hätte es die Situation zu Hause nur verschlimmert. das jederzeit geschehen konnte. Allen diesen komplexen und komplizierten Problemen wurde seine Neurose gerecht: sie schützte ihn vor gefährlichen Handlungen. die ebenfalls zwanghafte Entwicklungen der Kinder begünstigen. auf eigene Wünsche verzichtete. das Geschehen zwischen den Eltern überschattete nicht nur alles. wenn das Wochenende vorüber war und er wieder seiner Arbeit nachgehen konnte. daß es vielleicht diesmal nicht so schlimm würde. und es wäre nicht zur Symptombildung gekommen.und die Schuldgefühle nie geäußert werden konnten. wie er litt und zerrissen war von widerstrebenden Gefühlen.vor allem bei den alten preußischen . die Mutter hätte vielleicht seine Partei ergriffen. Es gibt Milieus. die stark auf äußere Wirkung und Prestige ausgerichtet sind und quasi zwanghafte Verhaltensweisen erfordern. seine Trauer. wenn er nur recht brav sei.das Sich-Zusammennehmen. Da die Affekte von Haß. sondern er hatte sogar die Vorstellung. Das hatte sich mit den Jahren bei ihm so eingefahren. weil er mit Freiheit und Freizeit nichts anzufangen wußte. was alles in ihm vorging. die Scham. So war bei den Militärs . Hätte er sich mit den Eltern auseinandersetzen. Buße. hätte er dem Vater einmal gründlich die Meinung gesagt. Opfer und Selbstbestrafung in einem. hatte die Funktion eines magischen Gegenzaubers und war Reue. ihm seine Bitterkeit und seinen Haß ins Gesicht geschleudert. z. gaben sie erst durch ihre Unterdrückung die Basis für die späteren Zwangssymptome ab. damit aber den Zorn des Vaters nur mehr auf sich gelenkt usf. als ob er immer noch Schlimmes und Drohendes verhüten müsse. ihnen oder jemandem anderen sagen können. das Sich-am-RiemenReißen und das Sich-nicht-Gehenlassen eine männliche Berufs- .B. und den »Gegenzauber« durch Verzichte ausübte. Hätte er als Junge seinen Impulsen nachgegeben. So war er weiterhin froh.

ein eher musisches und gemüthaftes Kind.ideologie. eine bewußte Auflehnung gegen ihn wäre undenkbar gewesen und hätte mit Sicherheit zu noch strengeren Maßnahmen geführt . Zugleich war es der einzige Ausweg. die Familie mußte funktionieren wie gut gedrillte Rekruten auf dem Kasernenhof. Die Erziehung war preußisch im angedeuteten Sinn. . So machte er dem Vater mit seinem Symptom einen Strich durch die Rechnung. »Haltung« wurde schon durch die hohen steifen Uniformkragen der Offiziere unterstützt. weil er bei den väterlichen Abhärtungsmethoden im Winter blaugefrorene Hände bekam. Der Jüngere. die ganz gemein weh taten . keinen offenen Widerstand gegen den Vater zu leisten. der auch der Vater sich beugen mußte. der ältere genau um eine Stunde später als der ein Jahr jüngere. gar Weinen. zu erreichen. als ob er einen höheren Dienstgrad hätte mit mehr Freiheiten. daß er für die Schule nicht mehr in Frage kam. machte dort auch keine gute Figur. im Leidensdruck . Nicht lange darauf geriet er bei einem Appell. Ein hoher Offizier hatte zwei Söhne: Er war sehr ehrgeizig für sie. bekam er zu hören. in denen der nationalsozialistische Nachwuchs erzogen wurde. ohne dafür verantwortlich zu sein. sie sollten seine sehr bestimmten Erwartungen erfüllen. Der Vater wollte den Sohn auf eine der damals berühmten Führerschulen schicken. ins Stottern. Mit 15 oder 16 Jahren kam er auf eine solche Schule mit ihrem militärischen Drill. wo er bei einer Meldung scharf angefahren wurde.denn das Stottern war ja auch etwas Quälendes und Peinliches lag auch noch eine unbewußte Selbstbestrafung für seine Auflehnung. Zum Schlafengehen mußten sich die Söhne in strammer Haltung »zum Zubettgehen abmelden«. wenn er Zärtlichkeitsbedürfnisse zeigte oder ihm die Tränen kamen. und war todunglücklich. erschien dem Vater schon deshalb als weichlich.Kinder haben zu parieren und Väter wissen genau. was für sie gut ist. die verhaßte Schule loszuwerden. wäre ihm gar nicht in den Sinn gekommen.aber an so etwas überhaupt zu denken. das sich bald so verschlimmerte. was erreicht werden sollte.Handschuhe waren unmännlich. Alles mußte zu Hause wie am Schnürchen verlaufen. Abhärtung wurde auf allen möglichen Gebieten groß geschrieben. und gleichzeitig seine Rache an ihm zu befriedigen. Das Unbewußte fand im Symptom das Mittel. keine Schuld daran zu haben. die ja in jeder Hinsicht eine Auslese heranzüchten sollte. »du bist überhaupt kein richtiger Junge«. waren verpönt (»ein deutscher Junge weint nicht«). da er dem Symptom gegenüber machtlos war. Gefühlsäußerungen. die einzige Lösung. Natürlich wurde der Sohn gar nicht gefragt .

Das ist an sich gesünder. In schweren Fällen kann eine Trotzhaltung das ganze Leben durchziehen. sich durch gute Leistung und Benehmen von anderen abheben und den Eltern »keine Schande« machen dürfen. der in früh anerzogenem blinden Gehorsam zu allem fähig ist.wenn sie nicht stark genug sind. so gefährlich ist eine autoritäre Erziehung. wenn das Kind etwa Schüler in der Schule des Vaters ist. Das kann bei ihnen zur Basis zwanghafter Entwicklungen werden . querulatorisch an allem etwas auszusetzen haben. was sie als Kind nicht durften.fällt in das andere Extrem einer freigegebenen Willkür. Die antiautoritäre Erziehung . was ihm befohlen wird. Der Kadavergehorsam als äußerste Form solcher »Erziehung« schafft den Massenmenschen.verzeiht es ihnen nicht. wie es dann zu heißen pflegt. Das sind die schwierigen Menschen. aber auch die weitere Umwelt . nicht für ihre falsche Erziehung.vor allem in Dörfern und Kleinstädten. wenn sie versagten oder die Familie sonstwie blamierten. ohne daß das Kind nach dem Warum und dem Sinn der Verbote fragen darf. wie Jung sie nennt. Diese Haltung.schon als »anti« sollte uns skeptisch machen. . die Rolle. in denen die »persona«. denn eine »nichtautoritäre« Erziehung wäre völlig ausreichend . daß sie wohlerzogen sind. von den Eltern nicht. die »Nachbarn« verbergen dann hinter der moralischen Entrüstung ihre Schadenfreude. Erschwert wird das bei Lehrern noch. die unter Beweis zu stellen haben. denn für diese ist es nun der Beweis. die für Freiheit zu halten gefährlich ist. Durch die Kinder aus solchen Milieus muß gleichsam immer die Persönlichkeit des Vaters oder der Rang der Familie hindurchschimmern .So notwendig die gesunde Begrenzung und eine erlebte überzeugende Autorität der Eltern für das Kind ist. als vorbildlich erzogen gelten zu müssen. sich in die Rebellion zu retten und »aus der Art zu schlagen«. sehr wichtig genommen wird. wird ihnen aber nicht verziehen. Man ist dann immer in der Auflehnung gegen wirklichen oder vermeintlichen Zwang. verpflichtet die Kinder zu Musterkindern. und die die Welt auch von ihnen erwartet. die die Eltern aus »Standesgründen« einnehmen »müssen«. kommt es besonders häufig vor. wo jeder jeden kennt . daß die Kinder unter dem Zwang stehen.es wäre undenkbar. die unbedingten Gehorsam fordert. für den »schlechten Charakter« des Kindes. In den Familien. kann schon ganz natürliche Ordnungen als Zwang empfinden und gegen sie anlaufen. die ihr Selbstgefühl aus ihrem Eigensinn beziehen. prinzipiell »nein« zu allem sagen. die man in der Welt spielt oder glaubt spielen zu müssen. und so auf neurotische Weise das nachholen.

von dem. werden viele Kinder geopfert.Solcher Berufspersona. Ihre Kinder durften sie nicht mehr anfassen. Sie spiegeln damit auch ihre Erziehung wider. das Wohl der Kinder über den sozialen Ehrgeiz zu stellen. was sie berührte. zum Baden 2 Stunden. von der jeweiligen Konvention. daß die Eltern immer recht hatten und ihre Autorität nicht angezweifelt werden durfte. was »die Leute« sagen. um all das zu erfassen und darstellen zu können.5 Stunden. machen sie sich zu abhängig von der öffentlichen Meinung. die viele Leute angefaßt hatten usf. »das tut man nicht« usf. wusch sie sich täglich bis zu 6 Stunden. dem gesellschaftlichen. was natürlich. Eine schwer Zwangskranke Mitte der 30 brauchte zum An. sexuelle Beziehungen zu ihrem Mann hatte sie völlig aufgegeben. durch sie unrein wurde. Als sie in die Behandlung kam. es gehört offenbar menschliche Größe dazu. Denn jedes Leben spielt sich ja auf einem ungemein vielschichtigen Hintergrund ab. daß sie sogar die Vorstellung hatte. ohne dem Kind vernünftige Erklärungen über das Warum zu geben.. ohne dem Kind verständliche Begründungen zu geben. Im heute ausklingenden Patriarchat war es üblich. sie lag fast den ganzen Tag im Bett und durfte selbst fast nichts mehr berühren. was »man« sagt und tut. Wie dem sagenhaften König Midas alles zu Gold wurde. weil alles. was sie anfaßte.etwa eine Türklinke. wie vielseitig und kompliziert die Hintergründe zwanghafter Persönlichkeitsentwicklungen aussehen können. so wie der Mensch ist. ohne die Angst. gerade seine Neugier herausfordert und so den Sündenfall konstelliert. Damit kommen wir noch auf etwas für zwanghafte Menschen Charakteristisches: Um sich abzusichern. der wir sind. nicht sagt und nicht tut. Vielleicht ist an den Beispielen deutlich geworden. wurde ihr alles unrein.oder Ausziehen bis zu 1. standesgemäßen oder sozialen Prestige. die so weit ging. was hier nur sehr verkürzt und gleichsam im Zeitraffer dargestellt werden konnte. sie zu erfüllen. wird es wenig bereit sein. Sie mußte gefüttert werden. so daß sie als »Metastasen« eine zwanghafte Berührungsangst entwickelte. In der Vorbesprechung saß sie mit angezogenen Beinen und fest . was er anfaßte. was schließlich den Menschen ergibt. unrein zu werden. wenn sie »Unreines« nur ansah . Schon im Paradiesmythos wird dem ersten Menschenpaar ein Baum verboten ohne Begründung. und man müßte ein Dichter sein. unrein oder schwanger zu werden. in der es immer nur hieß. Wenn solche Gebote und Verbote gefordert werden.

durfte ihnen keinen Kummer machen. sie unterdrückte ihre Eifersucht. und entwickelte Schwangerschaftssymptome. der zunächst nur so aussah. heraus. leicht kränkbar und lebensängstlich. Am Hochzeitstag der Tochter fühlte er sich so unwohl. Als sie 14 Jahre alt war. Mit9 Monaten war sie sauber. a. Die Mutter war streng und moralisch überfordernd.»We killed each other with kindness« sagte sie einmal sehr charakteristisch. Die Eltern waren »so gütig«. stammte aus einem puritanischen Milieu einer Kleinstadt in den Südstaaten der USA. er galt in der Familie als genial. der im Kino neben ihr saß. Tanzen. Ihre Berührungsangst zwang sie dazu. Sie sollten in jeder Hinsicht vorbildlich sein. sie ließ es erst geschehen.eine irrationale Angst. Auf dieser Linie war natürlich jedes »Böse-Sein« unmöglich. Rauchen. Sie wurde ganz in Rücksicht auf die Eltern erzogen. konnte aber vielleicht durch immer mehr Bemühung um Perfektion doch auch liebenswert werden. lief aber dann davon. nie gab es Schläge oder harte Worte . löjährig passierte es ihr beim Petting im Auto. daß sie sich häufiger und gründlicher als sonst wusch. Kartenspielen war verboten. wie einen magischen Gegenzauber. bis zu ihrer Ehe (30jährig) ging sie in die Sonntagsschule. daß ihr so etwas passiert war! In der Behandlung kam u. außer dem Waschen. wo die Geschlechter streng getrennt saßen. sagte sie sich minutenlang flüsternd vor: »Ich bin nicht schmutzig« und konnte sich erst dann mir zuwenden. Kam sie mit einem Gegenstand in Berührung. der Vater weich. daß am Ende der Stunde ihre Extremitäten eingeschlafen waren und sie sich kaum noch bewegen konnte. bekam Erbrechen und die Periode blieb aus. sie selbst meinte höchstens durchschnittlich zu sein. daß sie und ihr Bruder als die besterzogenen Kinder der Kleinstadt galten. indem sie ihn und die Eltern idealisierte. Trinken. daß etwas Samen auf ihre Hand und ihren Mantel kam .das wurde der Beginn ihres Waschzwanges. Diese Frau. sprach aber mit niemandem darüber. führte ein Mann. ihre Hand an sein Glied. daß der um 3 Jahre jüngere Bruder der ausgesprochene Liebling der Mutter gewesen war. für sie unerreichbar. mußte sie. die schon ein Grenzfall zur Psychose war. Wenn sie in das Behandlungszimmer kam. Türen auch zu Hause nur noch . Sie sprach indessen auch darüber mit niemand wie hätte sie die Eltern so enttäuschen können. schwanger geworden zu sein. und die Eltern waren stolz darauf. hatte . ihren Neid und ihren Haß auf den vorgezogenen Bruder. daß er sich ins Bett legen mußte und an der Feier nicht teilnehmen konnte. sich auch immer jenen Satz vorsagen.unaufgeklärt wie sie war . Sie kam sich sündhaft vor.um die Knie gefalteten Hände so starr da. hatte schwere Schuldgefühle.

geheimere Schutzmaßnahmen entwickeln müssen. darüber zu sprechen. daß sie es nicht überleben würden.aufzumachen. und ihre Zwangssymptome verstärkten sich immer mehr. ein vitaler und sinnenfreudiger Mensch. bevor ihre Halbstrümpfe nicht genau gleich hoch an jedem Bein waren .vor Ausbruch der eigentlichen Zwangskrankheit schon früher Ansätze zu Zwangssymptomen gezeigt: 7-8jährig konnte sie nicht in die Schule gehen.für sie war Sexualität nur freigegeben für den einzig erlaubten Zweck der Kinderzeugung. . darüber zu sprechen. So fand sie außen keine Hilfe. indem sie die Klinke mit dem Ellenbogen niederdrückte. denn in einer so »heilen« Umgebung wie sie meinte sie gehabt zu haben. wenn man sie wegen ihrer Symptome bestraft oder verlacht hätte. geschweige denn äußern dürfen.es könnte ihr ja peinlich sein.ein Alarmsignal. daß sie alleingelassen wurde mit ihren Problemen. das ich vergessen habe« (die Mutter lebte noch).« So konnte sie daheim auch zu keinem Arzt gehen. daß ihr Mann. lieber bleibe ich krank. Die auslösende Situation in ihrer Ehe. gegen sich selbst gewandt habe. was aber natürlich auch hieß.wie das zu sein pflegt . hier war man nur zu »taktvoll«. sie dachte daher. Jedoch lautete im Widerspruch dazu ihr Initialtraum: »Ich sehe das Grab meiner Mutter mit einem Datum. weil sie dann über Sexualität und ihre vorehelichen Beziehungen hätte sprechen müssen. und es schiene mir. die sie sich nie habe zugestehen. daß ich voreheliche Beziehungen hatte. die zur Verschlimmerung der Symptomatik geführt hatte. daß ihre Eltern »nur gütig« gewesen seien. Als ich nach einiger Zeit andeutete. aber übersehen »aus Rücksicht« und Takt . daß sie wohl doch ihre Familie idealisiert habe. hätte sie ihre Symptome nicht zu entwickeln brauchen. sie müsse mit ihren Zwängen weiterleben. war gewesen. Die Eltern wissen noch heute nichts von ihrer Krankheit: »Wenn ich ihnen schreiben sollte. blickte sie mich voll Haß an und beteuerte. als ob sie die Affekte und Aggressionen. Das wurde zwar bemerkt. wie es gar nicht selten der Fall ist. größere sexuelle Ansprüche an sie stellte . würde ich sie so kränken. Übrigens hatte sie . Schlimmer wäre es noch gewesen. das aber niemand verstand. dann hätte sie noch schwerere.

Aber im Maße. Dieser Perfektionismus läßt sich beim zwanghaften Menschen immer irgendwo aufzeigen. zu autoritäre und prinzipielle Haltungen der Eltern und Erzieher zum Auslöser zwanghafter Entwicklungen werden können. daß Gewohnheiten schon Ansätze zu Zwängen sind. daß nichts geschieht. mit der sie auf Kleinigkeiten . sie sind weitgehend durch zeit. vor allem. wie er das Leben zwingen will . Wir haben gesehen. Schon ein etwas schief hängendes Bild kann ungemein irritieren .wird ihm dies Bemühen selbst zum Zwang.ursprünglich das Lebendige in sich selbst zwingen mußte . Alle noch so geringen Abweichungen von der »Norm« erinnern an mögliche Gefahren. Bestimmte Zeremonielle in der Reihenfolge des Aufstehens. So gesehen werden manche Verhaltensweisen zwanghafter Menschen verständlicher: ihre große Störbarkeit und Empfindlichkeit. was dann sonst noch alles in Unordnung geraten und sich meiner Kontrolle entziehen kann. auch wenn es sinnlos ist. das Gesetz. Das Vermeidenmüssen aller unerwünschten Verhaltensweisen von früh an bahnt den Weg zum Perfektionismus. geben uns eine gewisse Befriedigung und es verstimmt uns leicht. sich Waschens und Ankleidens oder andere »liebe Gewohnheiten«. wie es sein sollte. wer weiß. wenn wir sie nicht wie gewohnt ausüben können.und kräftesparende Ökonomie entstanden.nicht nur aus ästhetischen Gründen. Denn nur die immer wache Kontrolle über das »Chaos« und dessen Festlegen in Regeln und Gesetze kann die Garantie geben. die sich eingefahren haben. wenn sie zu früh an das Kind herangetragen werden.Ergänzende Betrachtungen In gewissem Sinne kann man sagen. daß wir uns Ordnungen und Verhaltensregeln schaffen. daß zu starre Erziehungsmethoden. Es gehört eben auch zu unserem Dasein. und wir können sie ändern. was nicht geschehen darf. wenn wir wollten. Solche Zeremonielle reichen in großer Breite in unser soziales. die wir gleichmäßig einhalten. und er kann zu lebensfernen und lebensfeindlichen Haltungen führen. wenn es uns zweckmäßig erschiene. gestört wird. können wir von Zwängen sprechen. Er möchte dem Leben immer vorschreiben. wie Bilder zu hängen haben. zur Unduldsamkeit gegen sich und andere. etwa in dem Sinne: wenn schon Bilder anfangen schief zu hängen. als bestimmte Dinge nur in bestimmter Form zu tun. in der Steigerung zu diktatorischen und dogmatischen Zügen. nicht als Zwang. Erst wenn man nicht mehr anders kann. sondern weil dadurch die Ordnung. gesellschaftliches und religiöses Leben hinein. Aber diese Gewohnheiten werden nicht als quälend empfunden.

zum letzten Schneepartikelchen werden. so einengend kann sie sich auswirken im Bereich des Lebendigen.für sie kann eben bereits eine Kleinigkeit der »Anfang vom Ende« sein. daß man nie mit Korrekturen und Verbesserungen fertig wird.»was ich gesagt habe. Das gerade fällt dem zwanghaften Menschen schwer. aus weiterer Sicht gesehen. die Wohnungstür wirklich verschlossen wurde beim Weggehen. Zwanghaftes »quod dixi. das die Lawine des Verdrängten unaufhaltbar ins Rollen bringt.« Im Alltag kann die Linie vom Noch-einmal-nachsehen-Müssen. zwanghaftes Denken verrennt sich leicht in sterile Bahnen und kann zur hemmenden Schranke für freie Schöpferkraft werden. an sich richtige Erkenntnisse und Einsichten ad absurdum zu führen. Die Geologen haben einen paradoxen Satz geprägt. was wir messen . Nur zwanghaften Geistern konnte der Gedanke kommen. sein Perfektionismus drängt ihn immer wieder zu äußerster Präzision. Für zwanghafte Einstellung könnte der Satz eines Experimentalpsychologen über die Seele als charakteristisch zitiert werden: »Wir wissen zwar nicht genau.aber was wir messen. ernsthaft darüber nachzugrübeln. dixi« . simplifizierenden Immer-Gültigkeit erheben wollen. die dann gleichsam ihr Eigenle- . lebensnahen Denkens. messen wir genau. wieder relativiert. wo Präzision die Grundbedingung ist. ein Gesetz des Lebens: indem durch ihre festgelegten und festlegen-wollenden Meinungen eine Gegenbewegung ausgelöst wird. für die Stabilität und Solidität eines Baues usf. ließe keine lebendige Entwicklung mehr zu. wieviele Engel auf der Spitze einer Nadel Platz haben. auch des lebendigen. Das Sich-absichern-Müssen gegen mögliche Fehler und Irrtümer nimmt bei ihnen überwertige Formen an und kann auch dazu führen. ob der Gashahn wirklich zugedreht. und damit den Anstoß zu Weiterentwicklungen gibt. geben sie den Rat. die lebendiger und wirklichkeitsnäher das Behauptete korrigiert. aus der Sterilität herausführt. der das Gemeinte verdeutlichen kann: da man beim Befreien von Versteinerungen leicht zu viel des Guten tut. Aber vielleicht erfüllen sie damit. und beim Abschlagen des umgebenden Gesteins das Fossil verletzen kann. etwa für das Funktionieren einer Maschine. man solle nie »den letzten Schlag tun«. So richtig und notwendig das auf Gebieten ist. habe ich ein für alle Male« gesagt. indem sie sie zur absoluten. zu immer schwereren und zeitraubenderen Zwängen führen.reagieren . weil die Perfektion noch immer nicht erreicht ist.. Immer sind daher zwanghafte Menschen in der Gefahr. eine kleine Unregelmäßigkeit und ein kurzes Nachlassen der Aufmerksamkeit kann zum Durchbruch des Unterdrückten führen.

was er selbst nicht vermochte: sich fallen zu lassen. daß die sichernden Haltungen gegen die Vergänglichkeit sich bei zwanghaften Persönlichkeiten vor allem auf den Umgang mit der Zeit und dem Geld erstrecken. Versucht er doch. Das wirft auch ein Licht auf die Menschen. sich indirekt dauernd mit ihm beschäftigen kann. Sie werden auch meist von dem Betreffenden wie ein ich-fremdes Geschehen erlebt. daß sie . ohne die Angst. die überall Bakterien wittert. daß er mehr gegen das Böse als für das Gute kämpft. daß man vor sich und anderen seine Zwänge rationalisiert.aber aus »moralischen Motiven« . fasziniert von dem.ben führen. lebendigen Impulse. affektive und sexuelle Impulse. daß plötzlich nichts mehr nachkommt. und im Kampf für die Keuschheit ist er nun fortwährend mit dem »schmutzigen Sexuellen« beschäftigt . Ich hatte schon angedeutet. sie als vernünftig zu begründen sucht. die fanatisch gegen etwas ankämpfen: Der Keuschheitsfanatiker spürt überall Sexuelles auf. wohl weil man das Unnatürliche des Nicht-anders-Könnens spürt und nicht zugeben will. In seinem Roman »Das Fräulein« hat Ivo Andric eine zwanghafte Persönlichkeit mit aller ausweglosen Tragik ausgezeichnet dargestellt. treten unbestimmte Ängste und Gefühle der Beunruhigung auf. Ein Patient mit zwanghafter Persönlichkeitsstruktur konnte stundenlang vor einem Wasserfall sitzen. Meistens handelt es sich bei diesen um aggressive. Tote so lebenswirklich herzurichten. Man kann verstehen. Schon ans Makabre grenzend im Nichtanerkennenwollen der Vergänglichkeit und des Todes ist der Brauch amerikanischer Beerdigungsinstitute. und den Lebensraum immer mehr einschränkt. Hier spüren wir die Vergänglichkeit und zugleich die Möglichkeit am stärksten. Die Hilfe kann nur liegen im Bewußtmachen der eigentlichen Hintergründe der Zwänge und im Zulassen und Integrieren der gefürchteten und deshalb gemiedenen. Charakteristisch pflegt noch zu sein. hängt nur von meinem Willen ab. daß etwas zu Ende geht. Wenn jemand auf einer fremden Toilette den Sitzring mit Toilettenpapier auslegt. daß man das Verpönte dauernd abwehrt. daß man dadurch. einen solchen Zwang nicht auszuführen. die Illusion der Dauer und Sicherheit in unserer Macht zu haben: wie ich mit meiner Zeit und mit meinem Geld umgehe.wie es überhaupt zum zwanghaften Menschen gehört. sich zu verströmen. ist das schon reichlich übertrieben. das ihm aufgezwungen wird: er kann nicht anders. beim Verlassen die Türklinke mit dem Ellenbogen niederdrückt und das mit der Infektionsgefahr begründet. aber das kann steh zu einer Infektionsangst ausweiten.

Sie unterliegen jedoch auch häufig abergläubischen und magischen Vorstellungen. mit der dazugehörenden Intoleranz gegen Andersgläubige. die Gläubigen in Angst. heute wird ein Befreiungsversuch spürbar. unbedingten Glauben und Gehorsam fordert. wenn sie nicht der Konzentration und Verinnerlichung dienen. In seiner Erzählung »Der Gaukler Pamphalon« hat Nicolaus Ljesskow eine solche perfektionistisch-zwanghafte Frömmigkeit eindrucksvoll beschrieben. werden sie zwanghafte Züge in ihnen heranzüchten.denn das bedroht ihren Angstschutz. gehört zum Menschen und macht ihn recht eigentlich erst menschlich. Wie bei allen Verdrängungen kann das Unterdrückte plötzlich einmal durchbrechen. die vom Tod nichts wissen. Aber gerade wegen der angestrebten Absolutheit ist ihr Glaube immer in Gefahr. Überall halten zwanghafte Menschen an Institutionen. deren Einhalten ihnen wichtiger werden kann als der eigentliche Glaube. weil sie sich keine Fragen und keine Zweifel gestatten. Soweit die Kirchen aus Machtpolitik die Religion dazu mißbrauchen. deshalb kann man bei ihnen wohl die schwersten Glaubenskämpfe finden und das immer neue Bemühen. die Zweifel zu unterdrücken oder zu widerlegen. Regeln und Prinzipien fest. je mehr sie ihnen unbewußt einen Angstschutz bedeuten.noch zu leben scheinen. und das Einbeziehen des Todes. um so unduldsamer werden sie. Die Gottesvorstellung hat bei ihnen oft den Aspekt des strengen und rächenden Vatergottes. hier in der Form blasphemischer Gedanken. Die Idee der käuflichen Absolution und der Ablaßbriefe konnte wohl nur zwanghaften Gehirnen entsprießen. und ihr in dem Gaukler eine schlichte Menschlichkeit gegenübergestellt. auch des eigenen. von Zweifeln angegriffen zu werden. ein sich Wehren gegen solche Entmündigung. Aber . In der Religion neigen sie zum Dogmatismus und zur Orthodoxie. und lassen sie im buchstäblichen Erfüllen mechanisch und sinnlos werden.und Schuldgefühlen zu halten. der alle patriarchalischen Eigenschaften aufweist. wenn an ihnen gerüttelt wird . Sie sind empfänglich für Riten und Zeremoniells. sie wieder aufzutauen und zum Leben zu erwecken. . die Tote für teures Geld einfrieren eines Tages wird die Wissenschaft soweit sein. Gebetsmühlen und Rosenkränze werden ihnen. Das wird noch übertroffen von geschäftstüchtigen Unternehmern. wovon viele ecclesiogene Neurosen zeugen.unsterblich sind nur. leicht zum schablonenhaften Erfüllen einer Vorschrift. Wir wollen nun wieder die Verhaltensweisen zwanghafter Persönlichkeiten den wesentlichen Gebieten des Lebens gegenüber anzudeuten versuchen.

wären typische Beispiele. was auf den Tisch kommt«. indem es zu früh zu viel und zu perfekt können soll . ohne Widerrede oder Begründung. dem glaubt man nicht. Theorien usf. pedantische Ordentlichkeit. konsequent und verantwortungsbewußt.« Sie sind oft der »Basta«Typ. lassen ihm zu wenig Spiel-Raum in jedem Sinne. unnötig verstärkt wird. Meinungen. muß in jedem Fall aufgegessen werden usf. auch durch lange Unversöhnlichkeit und schwer zu erlangende Verzeihung. überall gilt für sie der Grundsatz: »Wer einmal lügt. und haben zu unelastische Vorstellungen davon. Die Erziehung drosselt die expansiven und aggressiven. So kann man Strebertypen oder Versager aus Angst und Überfordertwerden heranziehen. Sie setzen dem Kind meist zu früh Grenzen. »wenn das noch einmal vorkommt. und das Kind wird überfordert. so daß schon kleine »Vergehen« einen überwertigen Stellenwert bekommen und die Angst vor Schuld und Strafe. es entmündigt.Bei zwanghaften Persönlichkeiten kommt es am ehesten zu Krisen. immer in der Angst. auch die ihm vorgelegte Menge. mit neuen Erkenntnissen und Fortschritten. die es nicht selbst bestimmen durfte. die Gewissensangst. wenn ihre starr festgehaltenen Prinzipien. Als Eltern sind zwanghafte Persönlichkeiten verläßlich. »wir haben das in unserer Kindheit auch nicht gedurft«. weil sie sie selbst nicht erlebt hatten. Mit zunehmender Zwangsstruktur werden diese Haltungen immer starrer und absoluter.etwa sinnlose Pünktlichkeit um ihrer selbst willen. weil man es einmal gesagt hat. ein Lockerlassen könnte es sich gefährlich entwickeln lassen. vor allem die sexuellen Impul- . »Solange ich lebe wird nichts geändert«. »es muß alles essen. Sie haben zu wenig Vertrauen in natürliche Entwicklungen. die ihre bisherige Orientierung bedrohen und sie zum Aufgeben ihres Systems zwingen. sind oft nachtragend. sein Geliebtwerden ist immer nur von der Leistung abhängig. Zeigt es altersentsprechende Trotzhaltungen. den man ihm rechtzeitig austreiben muß. was den blinden Gehorsam des Kindes fordert. Sie vertreten überzeugt Werte. Altersentsprechendes ausprobierendes Tun des Kindes wird als Ausdruck gefährlicher Charakterzüge angesehen. und geben Halt und Führung. daß Fehler schwer wiedergutzumachen sind. Sie beachten das Alter und die Eigenstruktur des Kindes zu wenig. Durch das überfordernde Alles-zu-früh-schon-können-SolIen wird das Kind verunsichert und bekommt Minderwertigkeitsgefühle. oder wenn ihre Sicherheit und ihr Besitz bedroht erscheinen. ist es aus zwischen uns« usf. bei dem ein »nein« nein ist und bleibt. wie es zu sein hat. sehen sie darin schon den späteren Rebellen. mit neuen Entwicklungen zusammenstoßen. Sie geben dem Kind das Gefühl.

d. und machen die Kinder zu Marionetten. sondern auch der Absicht nach zerstörerisch gewesen sei. Das kann sich zu einer Unsicherheit im Vertrautsein mit dem eigenen Körper bis zur Linkischkeit auswirken. sie meinen ihre Macht und Überlegenheit weiter zeigen zu müssen. und hier wirkt sich oft ihre sadistische Seite aus. als sie ernst zu nehmen. wie wir sahen. So züchten solche Eltern bestenfalls Spalierbäume statt frei sich entfalten könnende Bäume. als daß sie erziehen. obwohl sie selbst darunter gelitten hatten. und daß die Jugend in eine veränderte Welt hineinwachsen muß. in der Härte der Strafen. die das Gefühl der persönlichen Würde im Kinde zerstören können. fällt es diesen Eltern schwer. im Erzwingenwollen des Gehorsams. und so geben sie die Tradition. die sie lieber als Schäume bezeichnen.se des Kindes. gehört zu den Maßnahmen. sie dressieren mehr. h. der sie ihr Generationsgesetz schwer einräumen können. den Kindern eine Freiheit zuzugestehen. unverändert weiter. die das Kind die Macht der Eltern spüren lassen sollen und es oft erniedrigen. Sie träumen im allgemeinen seltener. Auch das Abbitte-Ieisten-Müssen {»ich will das nie wieder tun«) usf. »In die Ecke stellen« war neben der Prügelstrafe eine beliebte Strafform in den Schulen und Familien noch zu Beginn unseres Jahrhunders. Zugleich werden so die vorübenden Versuche des Kindes für die später konstruktiven und gestalterischen Fähigkeiten schon im Keim erstickt. Sie haben eher Mißtrauen in die Träume. sie behalten ihre Träume schwerer im Gedächtnis als andere. und können schwer eigene Fehler zugeben. zugleich Unerfüllbares fordern. So kommt es bei ihnen oft zu den schroffsten Auseinandersetzungen zwischen alt und jung. wird es gemaßregelt. Sie halten in der Erziehung viel von Strafen. die sie selbst nicht gehabt haben. in der sie aufgewachsen sind. in Strafen. Zwanghafte Eltern geraten deshalb auch am heftigsten in Konflikte mit der jungen Generation. Ihre Träume benutzen gern technisch- . Sie meinen absolute Autorität sein und den Jugendlichen den Eindruck der Unfehlbarkeit geben zu müssen. Selbst eingeengt und zwanghaft erzogen. wie sie ja überhaupt nur schwer Zugang zu den tiefen unbewußten Seelenschichten finden.. als ob sie sich damit etwas vergäben. Die Träume zwanghafter Menschen zeichnen sich oft durch besondere Magerkeit und Farblosigkeit aus. daß sich die Welt inzwischen ein Stück weitergedreht hat. als ob das Geschehene nicht nur der Wirkung. Wenn es mit seiner Motorik noch nicht umgehen kann und versehentlich etwas umwirft usf. Sie vertreten weiter die »bewährten« Erziehungsmethoden und merken nicht.

ist häufig. Auch die Thematik von Impuls und Gegenimpuls. von begangener Tat. bei deren Handwerk es auf Präzision ankommt. Gründlichkeit und Geduld mehr erfordern als Initiative. So stellen sie sowohl den pflichtbewußten. sind zuverlässig und gleichmäßig im Einsatz. die Improvisation liegt ihnen nicht. strukturspezifisch zu Berufen. die oft den Hinweis auf die Entstehung ihrer Zwänge im Zusammenhang mit der Sauberkeitserziehung aufzeigen. die Geschichte als solche interessiert sie. wie der unerbittliche Moralprediger.mechanische Bilder für lebendige Vorgänge. die dann im gleichen Traum wieder aufgehoben wird. der Philosophie usf. Zwanghafte Menschen haben meist Interesse für alles Geschichtliche. exakte Naturwissenschaftler. Altertumskun- . Präzision. Verantwortung und Übersicht ankommt. wo sich die positiven Eigenschaften dieser Persönlichkeitsstruktur mit den negativen berühren. Elastizität und schöpferische Freiheit.und Schuldgefühlen eine ans Sadistische grenzende Macht sich anmaßt. Der Richter etwa kann sowohl der verantwortungsbewußte. als auch der unmenschliche Paragraphenmensch. sondern ihm auch die eigene Entscheidung und vielleicht Skrupel erspart. verantwortlichen.. in denen ihnen genaue Vorschriften eigene Entscheidungen abnehmen. in denen es auf Genauigkeit.a. auch die Geschichte der Kunst. Archäologie. Themen der Peinlichkeit und anale Themen sind häufig. für den Tat Tat ist und der nach Motiven und psychosozialen Hintergründen gar nicht fragt. Menschen mit zwanghaften Strukturanteilen neigen neben den schon erwähnten Berufen. der Medizin. Die Grenze ist recht schmal. als Ausdruck ihres Entferntseins vom Leiblich-Natürlichen. was schon vergangen ist. Die gehemmte Aggression kommt in den Träumen in elementaren Durchbrüchen zum Ausdruck (Vulkanausbrüche. Erdbeben. und so hat die Beschäftigung damit etwas Zeitloses. Sie erwerben sich meist eine ausgezeichnete Sachkenntnis auf ihrem Fachgebiet. Sorgfalt. um Objektivität bemühte Richter sein. weil sie sein System verunsichern würden. Staudammbrüche u. kann nicht mehr vergehen. die mit Macht verbunden sind. das nach dem Buchstaben verurteilt. Der Geistliche kann hier sowohl der vorbildliche Vater der Gemeinde sein.). wie den pedantischen Beamten. Je nach dem Grad zwanghafter Züge können sie Höchstleistungen erreichen oder sich Tätigkeiten zuwenden. der mit dem Drohen von Höllenstrafen und mit dem Erwecken von Angst. die Ausdauer. Systematiker auf allen möglichen Gebieten. Pädagogen und Geistliche. Handwerker. Juristen. Chirurgen. Finanzbeamte und Bankiers. Solidität. ihm nicht nur Macht gibt.

gegen die sich zu sträuben keinen Sinn hat. und den Fluß der Zeit aufhalten möchte. loszulassen. Er hält sich gern für unersetzlich. so daß es hier oft zu den härtesten Todeskämpfen kommt. Sie ordnen rechtzeitig ihre Angelegenheiten. Manchmal erreichen diese Menschen aber gerade im Alter eine patriarchalische Größe und Ehrwürdigkeit und können zum Symbol der von ihnen vertretenen Werte werden. Weil er nur das Nachlassen der Kräfte. was zu . auch wenn er. der gewohnten Leistung beachtet. seine Position um jeden Preis weiter festhalten. er ist die letzte Realität. Verständlicherweise pflegen zwanghafte Züge sich im Alter eher zu verstärken. Erreicht er nicht diese Reife. nicht mehr voll dazu in der Lage ist. das Nachlassen der Kräfte führt bei ihm leicht zu hypochondrischen Zügen. Alles Extremistische und Experimentieren lehnt er als seinem Wesen ungemäß ab. der jeweiligen Partei oder dem vorhandenen Regime treu zu bleiben. Allgemein gesehen neigt er mehr zum Konservatismus und dazu. nicht zuletzt aus der Einstellung. Bei stark zwanghaften Zügen kann der starre Eigenwille das Sterben besonders quälend werden lassen. was bis zum Haß gegen alles Neue und Junge gehen kann. seinen Platz nicht aufgeben. Ihnen ist der Tod dann eine Naturnotwendigkeit. kann er den ganzen Lebenssinn nur noch darin sehen. Manche versuchen. und es hängt von seinem menschlichen Format ab. durch testamentarische Bestimmungen noch über ihren Tod hinaus Macht auszuüben. mit sich geschehen zu lassen. zu ängstlicher Selbstbeobachtung und zum Gesundheitsfanatismus. die im Freiwerden von Pflichten und im Mehr-mit-sich-geschehen-Lassen liegen. überaltert. wo aus einem tiefen Lebensinstinkt heraus der Mensch überhaupt dazu neigt. unter den Philologen sind sie die Altphilologen.de und verwandte Gebiete ziehen sie besonders an. ihn auszufüllen. festzuhalten. weil er so ganz auf Leistung und Wollen eingestellt ist. Die Politik reizt den Zwanghaften aus Machtgesichtspunkten besonders. daß das Alte immerhin erprobt und bekannt ist. machen ihr Testament beizeiten. um jeden Preis weiterzuleben. der man sich beugen muß und die man mit Haltung und Würde anzunehmen hat. was er noch hat. wie er damit umgeht. nimmt er die Chancen des Alterns nicht wahr. und nun lernen muß. So können bei ihm die früher geschilderten zwanghaften Haltungen gesteigerte Formen annehmen: er will seine Macht. hier kann er seine Machtwünsche am legitimsten ausleben. Altern wird ihm auch deshalb besonders schwer. unter den Historikern die Prähistoriker usf. da er jedes Nachgeben als Schwäche ansieht. wenn es soweit ist.

was er erreichen will.makabren Daseinsformen führt. mit seinem Verantwortungsbewußtsein und seinem ausgeprägten Wirklichkeitssinn. aber dauerhaft in der Zuwendung. Der gesunde Mensch mit zwanghaften Strukturanteilen ist ausgezeichnet durch Stabilität. Mit seiner Konsequenz. In seinem Buch »Philipp II.asketische Hypochonder. da er meist auf weite Ziele ausgerichtet ist.auch im übertragenen sittlichen Sinn . Sie sollten den Gegenimpuls der Bereitschaft zur lebendigen Wandlung mehr integrieren und das wagen. Es ist daher für sie besonders wichtig. Beständigkeit und Sauberkeit . Die Gefahr dieser Menschen liegt also immer darin.der Kriecher und »RadfahrerTyp« . bis zum Zwangskranken verschiedenen Grades. weshalb er oft die Gegenwart zu wenig zu genießen versteht. als was er schon hat. nicht immer nur . wogegen sie glauben sich sichern zu müssen: das Annehmen der Vergänglichkeit. interessiert ihn mehr. Seine Grundgestimmtheit ist eher ernst.zum unbelehrbar Eigensinnigen und Querulanten zum tyrannischen Machtmenschen. daß sie ihr Bedürfnis nach Dauer und Sicherheit zu einseitig betonen. Für die Vitalschwächeren sähe die Linie etwa so aus: unauffällig Angepaßte . die verdrängte Todesangst verschiebt sich dann darauf. Sie sollten es mehr lernen. Solidität. kann er Großes erreichen. er steht zu seinen Meinungen.gehören zu seinen Tugenden. Korrektheit. pflichttreuen.Pedanten und Nörgler . Er ist strebsam und fleißig. ist gewissenhaft und um Objektivität bemüht. wie er überhaupt alles auf Dauer anlegt und sich nicht leicht vom einmal Geplanten ablenken läßt. Tragfähigkeit. daß man nichts wegwerfen kann. am Ende stehen auch hier die Zwangskranken im engeren Sinne. Tüchtigkeit und Zähigkeit. Despoten und Autokraten. Zuverlässigkeit. planvoll und zielstrebig.« hat Reinhold Schneider einen Menschen großen Formates dieses Strukturkreises geschildert. Im Gefühl ist er eher zurückhaltend. Versuchen wir wieder eine Linie zu skizzieren die vom gesunden Menschen mit zwanghaften Strukturanteilen über stärker Zwanghafte bis zu den eigentlichen Zwangskranken führt. am Ende der Linie stände das Krankheitsbild der psychotischen Katatonie. die damit gegebene Möglichkeit zum Erstarren zu erkennen.vorwiegend sich sichernde Lebensängstliche . lassen sich zwei Möglichkeiten erkennen: bei den anlagemäßig vitalstarken Persönlichkeiten führt die Linie von sachlichen. verläßlichen Menschen über zunehmende Nüchternheit zum ehrgeizigen Streber . was an die Vergänglichkeit und das Ende erinnert. Ausdauer und Pflichtgefühl. überflüssige Dinge um sich häuft und alles vermeidet.Zweifler und Zauderer .

sie sind in mancher Hinsicht die »Stützen der Gesellschaft«. Im Rahmen des Volksganzen haben sie die wichtige Funktion. wenn sie nicht durch Überhandnehmen ihrer sichernden oder machtgierigen Seiten zu entwicklungshemmenden Faktoren und dann durch lebendigere Gegenkräfte überwunden werden. aufzubauen.zu wollen. die Tradition zu erhalten. sondern auch mit sich geschehen zu lassen. .

neue Seiten in uns ansprechen und uns wandeln. die große Chance. Für sie soll alles relativ. Diese Angst ist das Spiegelbild der beim zwanghaften Menschen besprochenen Angst. uns bereichern. alle Möglichkeiten unseres Wesens kennenzulernen und auszuschöpfen. Traditionen und festlegenden Gesetzmäßigkeiten. zu reifen und vollständiger zu werden. . die zusammenziehende. vielleicht kommt sie nie wieder.das heißt. der Augenblick ist wichtig. Wie wird es nun aussehen. »Carpe diem« . Wenn der zwanghafte Mensch die Freiheit. die den uns gewohnten Rahmen sprengen.sondern wichtig ist nur. Vergangenheit ist vergangen und interessiert nicht mehr.»nutze die Gelegenheit«.nur die Gegenwart. der Reiz. der Angst vor dem Endgültigen. nichts hat Anspruch auf ewige Gültigkeit. Sie streben ausgesprochen nach Veränderung und Freiheit. Unbekanntes kennenzulernen. die mit ihren Möglichkeiten offen vor ihnen liegt.Die hysterischen Persönlichkeiten »Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Wieder mit einem Sprichwort ausgedrückt: sie leben nach dem Motto »einmal ist keinmal« . und überwiegend den Gegenimpuls der mit- . bereit. Das Abenteuer lockt uns. geht es bei den nun zu schildernden hysterischen Persönlichkeiten um genau Gegensätzliches. es drängt uns. wir kennen sowohl das Heimweh wie das Fernweh. bejahen alles Neue. ferne Länder üben eine Anziehung auf uns aus. wenn man. konzentrierende Schwerkraft vernachlässigt. Wir suchen neue Menschen. sind risikofreudig. aber sie wird nicht eigentlich geplant ..das wäre schon wieder zu viel Festlegung . Unausweichlichen. die Zukunft ist das weite Feld der Möglichkeiten. lebendig und farbig bleiben . nichts ist letztlich verbindlich und verpflichtend. die Freude am Wagnis . die Wandlung und das Risiko scheute. die Sehnsucht nach vertrauter Geborgenheit wie nach Eindrücken und Erlebnissen. Damit kommen wir zur vierten und letzten Grundform der Angst. sich vom Gegebenen zu lösen. in der Sprache unseres Gleichnisses. ihnen ist die Zukunft. in mitmenschlichen Begegnungen uns zu weiten. daß man immer offen für sie ist.« (Hesse) Der Zauber des Neuen. die gerade die Werte für den zwanghaften Menschen waren.sie gehören ebenso zu unserem Wesen wie der Wunsch nach Dauer und Sicherheit. Dementsprechend fürchten sie nun alle Einschränkungen. vor der Notwendigkeit und vor der Begrenztheit unseres Freiheitsdranges.

Mit dieser Realität geht man nun recht großzügig um: man stellt sie in Frage. wenn möglich. der sich außen oder innen anbietet.B. man relativiert. ihr auszuweichen. nicht mit festen Plänen und klaren Zielen. auf der Suche nach neuen Reizen. das Altern und den Tod. Was geschieht nun. Die Welt der Tatsachen also. daß man von Augenblick zu Augenblick lebt. Spielregeln aller Art. weil Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten die Angst vor dem Festgelegtwerden. die wir hinnehmen müssen. mag im Bereich der physikalischen Natur zutreffen . Vorschriften und Gesetze.und Lebensgesetzlichkeiten nicht anzunehmen bereit ist? Dann lebt man wie in einer Gummiwelt. Die so erstrebte Freiheit ist mehr eine Freiheit von etwas als für etwas. abgelehnt oder vermieden. an die wir uns anpassen. die mit der Zeit immer gefährlicher zu werden pflegt. wenn man Natur. ablenkbar daher und verführbar durch den jeweils gerade vorherrschenden Reiz oder Wunsch. die wir als die Wirklichkeit. vielleicht gilt er gerade hier und heute nicht. wie die Geschlechtsrollen von Mann und Frau. weil man so in einer unwirk- . wenn man gültige Spielregeln des zwischenmenschlichen Zusammenlebens.. um sich etwaigen Konsequenzen seines Handelns zu entziehen. Eindrücken und Abenteuern. bagatellisiert oder übersieht sie. ihn für mich anzuerkennen. In einer solchen Welt findet man immer ein Hintertürchen. und daher. Natürlich muß man dann am meisten all das furchten und wenn möglich meiden. sich ihr zu entziehen und was es sonst noch an Möglichkeiten gibt. aber auch Konventionen.telpunktflüchtigen Fliehkraft zu leben versucht? Das würde bedeuten. aus der Erkenntnis unserer Abhängigkeit von Lebe nsgesetzlichkeiten. die »Realität« zu bezeichnen pflegen. Wenn wir all das zusammenfassen: man furchtet am meisten die uns unvermeidlich begrenzenden Seiten des Lebens und der Welt. Das Gesetz der Kausalität z. sondern immer in der Erwartung von etwas Neuem.ich bin nicht bereit. was uns nun einmal unausweichlich festlegt und begrenzt: biologische Gegebenheiten. die scheinbar beliebig nachgiebig und willkürlich dehnbar ist. und wer weiß. der Zusammenhang von Ursache und Wirkung. vor dem Nicht-ausweichen-Können konstellieren. man versucht sie zu sprengen. deren Ordnungen man letztlich nicht ernstzunehmen braucht. weil ja auch sie sich immer wieder verändern. verbindliche Ordnungen werden vorwiegend unter dem Aspekt der Freiheitsbeschränkung erlebt. Allgemein gültige. Vor allem braucht man das Gefühl der Freiheit. sie nicht anzuerkennen. die sich ein Kollektiv für den mitmenschlichen Umgang geschaffen hat. Damit erlangt man eine Scheinfreiheit.

Er ist so von seinem Wunsch erfüllt. daß man sich in der »wirklichen Wirklichkeit« nicht auskennt. Er neigt naiv dazu. sich doch mit ihr einzulassen. keine begrenzenden Realitäten. was er im Augenblick haben. woraufhin man sich mehr in seine Wunschwelt zurückzieht. um so mehr bezahlt man seine Scheinfreiheit damit. es bot so viele Möglichkeiten . in einer »unwirklichen Wirklichkeit«. Sie hatte nun den intensiven Wunsch. und die Kluft zwischen Wunschwelt und Wirklichkeit immer größer wird . Es zwingt uns in eine Gesetzlichkeit. ihr nichts abschlagen zu können. Dafür ein Beispiel zur Verdeutlichung: Eine Schulklasse sollte für einen wohltätigen Zweck Abzeichen verkaufen. zur Konsequenz und zu Verzichten zwingt. von dem. Handlung und Folge. und hatte sich das doch wohl verdient. handelt er gleichsam nach dem Motto »nach mir die Sintflut«. dessen mögliche Folgen er gar nicht überprüfen will. daß vielleicht gerade für ihn die Kausalität und die Folgerichtigkeit von Geschehensabläufen nicht gilt. in der es nur Phantasie. so daß jeder das Gefühl hatte. er denkt sozusagen nur final und überspringt die Kausalität. in welche die eingenommenen Beträge vom Spender eingetragen werden sollten. Er tut so.liehen. Aus dem Gefühl. So lebt man mehr und mehr in einer Pseudorealität. Besessen von dem jeweils in ihm dominierenden Wunsch. Eine der Realitäten unseres Daseins ist das schon erwähnte Kausalitätsgesetz von Ursache und Wirkung.sie war ja so besonders tüchtig gewesen. sich etwas Gutes anzutun. zu wenig gekonnt sind. Die dreizehnjährige Inge ging mit dem ihr eigenen Charme unbefangen und mit gewinnendem Lächeln auf die Leute zu. daß die Versuche. die wir nicht ungestraft bagatellisieren können. daß ihn dieses Kausalgesetz nur einengt. Gehen wir auf den Aspekt der Pseudowirklichkeit näher ein. daß er sich über die möglichen Konsequenzen hinwegsetzt. Das führt dann dazu. mit ihr nicht umgehen kann. erreichen möchte. zu hoffen.der Teufelskreis bei Menschen mit hysterischer Struktur. Zugleich war das Geld eine Versuchung.an die Herkunft und den Zweck des . und daher enttäuschend verlaufen. was ihm eine ungemein suggestive Wirkung verleihen kann. verspürte einen plötzlichen Heißhunger auf etwas Süßes . In kurzer Zeit hatte sie ihre Abzeichen verkauft. oder wenigstens nicht in der gerade in Frage stehenden Situation. und eine bestimmte Menge zu verkaufender Abzeichen. sich ihm durch Vogel-Strauß-Politik zu entziehen. Jede Schülerin bekam eine Sammelliste. als ob die Kausalität nicht existiere. illusionären Welt lebt. Aber je mehr man sich von der Realität entfernt. Möglichkeiten und Wünsche gibt. versucht der Hysteriker.

Geldes dachte sie gar nicht mehr . Sie bekam neue Abzeichen . Die Nachbarin und der ihr geschuldete Betrag wurden vergessen. etwa nach dem Motte: »Was ich nicht weiß.das schon eingenommene Geld habe sie inzwischen zu Hause gelassen (dabei einige Ausreden zuviel erfindend. Sie konnte den Wunsch nicht aufschieben. Hier ist zunächst schon charakteristisch für hysterische Persönlichkeiten: der kurze Spannungsbogen. und sie könne sie daher im Augenblick nicht erreichen. sie werde das schon wieder »irgendwie« in Ordnung bringen.im A ugenblick jedenfalls »gehörte es ihr«.glänzenden Einfall: Sie ging zur Wohnungsnachbarin und fragte sie. sie haben eine erstaunliche Naivität darin. Sie bekam den Betrag. was ebenfalls charakteristisch ist. weil Warten unerträglich ist. das Sofort-Befriedigung verlangte. und werde dann die gesammelten Gelder insgesamt abliefern . nahm von dem eingenommenen Geld etwas weg. Inzwischen war es Abend geworden und damit der letzte Termin zur Ablieferung der Gelder herbeigekommen. das die Situation für sie lösen würde (dieses Zeitgewinnen und andere durch Versprechungen hinhalten ist ebenfalls typisch). Bedürfnisspannungen zu ertragen. Sie kam auf einen . Darin liegt ihre große Verführbarkeit .sie brauche dringend ein Paar Schulhefte. Jeder Impuls. die weitgehende Ungeneigtheit oder Unfähigkeit. mehr jedenfalls. Am selben Tag sollten die Listen und Gelder in der Schule abgeliefert werden. sie könne sicher noch mehr verkaufen. und kaufte sich ihre Lieblingssüßigkeit .sie können Versuchungen schwer widerstehen. an sie zu glauben und sich damit den Forderungen der Wirklichkeit zu entziehen. als ein wahrheitsgemäßer Tatbestand). nur erfüllt von einem Bedürfnis. Solche unbestimmten Erwartungsvorstellungen von möglichen Wundern und Patentlösungen haben diese Menschen virtuos ausgebildet. Was tun? Sie ging zu ihrer Lehrerin und bat sie um weitere Abzeichen. die Mutter sei gerade bei einer Freundin. denn eine Ausrede oder Schwindelei braucht umsomehr »Begründungen« um sie glaubhaft zu machen.wie ihr schien . auf je schwächeren Füßen sie steht.mit der für solche Menschen charakteristischen vagen Vorstellung. macht mich nicht . das Geld vollzählig abzuliefern. muß möglichst sofort befriedigt werden.nun war erst einmal Zeit gewonnen. und wieder war Zeit gewonnen und Raum offen für ein Wunder. jeder Wunsch. mit der leisen Hoffnung. ob sie ihr den fehlenden Betrag bis morgen leihen könne . daß durch ihr eigenes Nicht-daran-Denken vielleicht auch die Nachbarin nicht mehr an die »paar Pfennige« denken würde. und vielleicht geschah inzwischen irgendein »Wunder«. zunächst jedenfalls war sie in der Lage.

Hier kann man gut die Verschiebungstendenz erkennen. es zeigt eine ganze Reihe typischer hysterischer Verhaltensweisen: die Wunschbesessenheit mit dem Drang zur Sofortbefriedigung. . des Zusammenhanges von Tat und Folge. man habe doch wahrhaftig nicht mehr daran gedacht. warten und zu seinen Handlungen stehen müssen. sagt mein Gedächtnis. die den kurzfristigen Genuß viel zu teuer erkaufen ließen. .gibt das Gedächtnis nach. die einfallsreiche Geschicklichkeit. also des eigentlichen Herganges. was nicht selten allerdings auf Kosten anderer geht. die irrreale Einstellung im Mißachten der Konsequenz des eigenen Tuns. Pünktlichkeit. Das Nichtverzichtenkönnen auf die Sofortbefriedigung ihres Wunsches wurde zum Auslöser einer ganzen Kette von unangenehmen Folgen. Vielleicht vergißt sie es auch . unsere Abhängigkeit .vielleicht bekomme ich plötzlich »irgendwoher« Geld geschenkt. vor allem eigener Schuldgefühle. daß man ein Loch zustopft. sie möge entschuldigen. das Zeit-gewinnenWollen und auf ein Wunder hoffen. ist bereits vergessen. nämlich das entwendete Geld. ein anderes aufreißt. Sollte sie einen mahnen. sich Konsequenzen zu entziehen. Und . kann man immer noch sagen. im Gedächtnis haftet nur noch. das Eigentliche. »das kann ich nicht getan haben« . die ganze Sache kam auf und war nun viel unangenehmer. wobei man allerdings dadurch. und schließlich das Ausweichen vor unbequemen Notwendigkeiten wie verzichten.schließlich kann doch jeder Mensch einmal etwas vergessen . den man ihr natürlich zurückgeben wird (das Wie und Wann interessiert im Moment nicht). die Geschicklichkeit im Vergessen unangenehmer Dinge. bevor man das Geld zurückgeben konnte. daß man von der Nachbarin einen kleinen Betrag ganz legal geliehen hat. und ich habe ihr doch auch schon manche Gefälligkeit erwiesen. Endlich . Nach einigen Tagen bat die Nachbarin Inges Mutter um das Geld.für sie ist es doch nur ein kleiner Betrag. Oder . oder kann es mir durch eine Hilfeleistung verdienen . mit der Zeit. Zeitplanung und Zeiteinteilung sind ihm lästig. als es das Zugeben zur rechten Zeit gewesen wäre. die wunschgemäße Umdichtung und Verfälschung der »Geschichte«.heiß«. erscheinen ihm als pedantisch und kleinlich.sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Oder nehmen wir die biologische Realität. Ähnlich großzügig geht der Hysteriker mit einer anderen Realität um. Das Beispiel ist in vieler Hinsicht aufschlußreich und charakteristisch.»kommt Zeit kommt Rat«. die im Augenblick an nichts anderes denken läßt. Auf diese Menschen paßt das Nietzsche-Wort besonders gut: »Das habe ich getan«.

kann man die Illusion ewiger Jugend aufrecht erhalten. was einen alt erscheinen läßt. Wenn man schon Gedankensprünge macht. als die der anderen. letztlich ist ja doch alles relativ und abhängig vom Standpunkt. Und welche phantastischen Möglichkeiten bietet die Sprache. man kann sich gegen sie wehren. die einen festlegen wollen. Denn Verantwortung ist auch einer jener unbehaglichen Begriffe. und wenn sie unausweichlich sind. bei denen der andere nicht mitkommt und die er deshalb als unlogisch bezeichnet. indem man erklärt. Aber auch ihr kann man sich weitgehend entziehen . Ähnlich ist es mit der Ethik und der Moral. daß es gewesen sein soll . durch die man sich jugendlich machen kann. und begangene Fehler lassen sich immer irgendwie begründen. und wer tut das schon wirklich? Einmal ist eben keinmal und trägt noch keine Konsequenzen in sich. ich selber verstehe sie und finde sie logisch. von dem aus man es betrachtet. was man alles mit ihr machen und wie man andere mit ihr matt setzen kann! So entwikkelt man eine Pseudologik. So wird die Welt angenehm plastisch und biegsam. wie man will. vorgegangen ist? Glücklicherweise sind die Gedanken frei. darum aber nicht minder logisch. daß alles so gewesen ist.wer kann das Gegenteil beweisen? Auch die Logik ist eine so lästige Realität. wenn man erst einmal dahintergekommen ist. an das Kausalitätsgesetz und an unliebsame Konsequenzen erinnern. kann man immer noch krank werden und sich ihnen so entziehen.nicht bewußt. so ist das sein Problem.die eigene Logik ist eben eine andere. wenn man sie verbindlich nähme. die bis zur bewußten oder unbewußten Lüge gehen kann.hier vor der Notwendigkeit und Endgültigkeit . . Wieder wird solchen Menschen die eigentliche Angst . daß man sie jetzt gerade nicht ertragen kann.das kann man ja durch mancherlei Mittel aufhalten. Die Ängste. Auch da will man sich nicht festlegen lassen.von geschlechtsbedingten Gegebenheit. Sorgen und Aufregungen läßt man möglichst nicht an sich heran. kosmetischer Chirurgie. Und vor allem: wer weiß. von Reifungsprozessen und vom Altern. Wer weiß schon. was in einem vorgeht. was gut und böse ist. Wenn man nur alles vermeidet. weil einem die Welt dann noch manches nachsieht und man noch nicht voll verantwortlich zu sein braucht. man ist so alt wie man sich fühlt. Wo käme man hin. Und das Altern . die jene Illusionen unterstützen. man möchte möglichst lang unverbindliches Kind. in der man kaum je zu fassen ist. Angefangen mit der Kleidung. und braucht nicht jedem sein wahres Alter zu nennen. und wenn man überzeugend genug versichert. gibt es viele Möglichkeiten kosmetischer Mittel. zumindest jugendlich bleiben.

sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. zur »Flucht nach vorn«. sind Platzangst und Straßenangst (Agoraphobie). daß man wegen seiner Angst gar nicht mehr in die Lage kommt. die wir als Charakter zu bezeichnen pflegen. Fragmentarisches und Schillerndes. immer nur im jeweiligen Augenblick zu leben. Was kann man tun. dieser innere Konflikt wird auf äußere Angstobjekte verschoben. ohne Vergangenheit. kann man Fahrstühle und Brücken im allgemeinen meiden und damit vor seiner Angst ausweichen. Auch Tierphobien sind häufig. Eisenbahnabteilen usf. Denn wenn ich nicht mehr . um sich Verpflichtungen und Endgültigem erfolgreich zu entziehen? Die sicherste Methode scheint zu sein. die Angst. Sie können sich chamäleonartig jeder neuen Situation anpassen. noch sich das Gewünschte zu nehmen wagt. der Versuchung ausgesetzt zu werden. eine Dummheit begangen. ist man mir auf die Schliche gekommen . die kein vernünftiges Durchdenken der Situation mehr ermöglicht. Durch das Durchbrechen zeitlicher und kausaler Zusammenhänge erreichen die hysterischen Persönlichkeiten ihre ungemeine Plastizität.irgendwie wird man doch immer wieder mit seiner Angst konfrontiert und zu Auseinandersetzungen mit ihr gedrängt. weil man weder echt verzichten will.zumindest nicht mehr allein .so hat es eben kein Gestern gegeben und das Leben fängt erst heute an. (Klaustrophobie). kann ich auch keinen Versuchungen mehr ausgesetzt sein. sie leben gleichsam geschichtslos. die den Konflikt dadurch »lösen«. aber andererseits kommt dadurch in ihr Leben etwas Punktförmiges. Wenn man sich dennoch in die Enge getrieben fühlt und keinen Ausweg mehr sieht. Wir wollen nun aufzeigen wie sich die für hysterische Menschen charakteristischen Fehlhaltungen allmählich summieren und sie in immer ausweglosere Situationen bringen. als habe er keine Vorgeschichte und keine Folgen. in Fahrstühlen. Hat man etwa eine Fahrstuhloder Brückenangst. Diese Ängste sind Verschiebungen der eigentlichen Angst auf Nebensächliches und Harmloses. Habe ich etwa gestern einen Fehler gemacht. vor allem auf Vermeidbares. So werfen sie zwar einen erheblichen Ballast ab. Die eigentliche Angst: etwa vor der Freiheitsbeschränkung oder vor einer Versuchungssituation. Sie erscheinen daher unberechenbar und sind schwer zu fassen. ein Mangel an Kontinuität. kommt es zu Panikreaktionen. Da sie immer irgend- . der man nicht gewachsen ist. entwickeln aber zu wenig von jener Ich-Kontinuität. Natürlich ist dieses Ausweichen keine wirkliche Lösung und auch kein verläßlicher Angstschutz .auf die Straße gehen kann.die man stattdessen bei ihnen findet.

Eine weitere Möglichkeit. Das bringt dann ein untergründiges Gefühl von Unsicherheit und unbestimmte Ängste mit sich. ist es. die Extase. die einen vor Konsequenzen und dem Annehmenmüssen der Realität schützt: die »Flucht in die Krankheit«. sowie auf die jeweilige Bezugsperson ausgerichtet ist. die auf den jeweiligen Augenblick und seine Bedürfnisse. so sucht der hysterische Mensch sich zu steigern in einer Erlebnisintensität. Suchte der Depressive in der die Ich-Grenze auflösenden Hingabe und in symbiotischer Verschmelzung. wissen sie zuletzt vor lauter Rollenspielen nicht mehr. indem man die Schuld auf den anderen schiebt. Grenzüberschreitendes Erleben zieht ihn an. die schließlich zur umfassenden Lebenslüge werden kann. was ihn in seinem Selbstwertgefühl zu steigern vermag: den Rausch. aber nicht wie beim Depressiven als Ich-Aufgabe. im äußersten Notfall kann man immer noch eine Rolle finden. sondern bei ihm in der Ich-Weitung. gleichsam in der Apotheose des Ichs. klare Konturen und charakterliche Prägung. wenn man Angst bekommt. die Leidenschaft. Wird man kritisiert und werden einem Vorwürfe gemacht. er steigert sich gern in Höhepunkte des Erlebens.eine Rolle spielen. verwandelt man sie sofort in Gegenkritik und Gegenvorwürfe. So entwickeln sie eine Pseudopersönlichkeit ohne Kontinuität. die unter Umständen von anderswo hergeholt werden und gar nicht zur Diskussion stehen . Natürlich führt das zunehmend zu einer Unaufrichtigkeit sich selbst gegenüber. den »Spieß umzudrehen«. daß man zuletzt selbst fest daran glaubt. die einen zumindest wieder Zeit gewinnen läßt. so ist die Sehnsucht dieser Menschen das Dionysische. über sich hinaus zu transzendieren.aber sie entlasten im Augenblick und machen die Selbsteinsicht unnötig. die ihn über sich selbst hinauswachsen läßt. der andere sei Schuld gewesen. nach der Methode des »haltet den Dieb«. Dieses Projizieren eigener Schuldgefühle als Vorwurf nach außen kann so gesteigert werden. Könnte man das Appollinische als eine Sehnsucht des mehr auf der zwanghaften Linie liegenden Menschen sehen. Er liebt sie wie alles. wer sie selbst sind. wie bei Kindern: wenn das eine etwa sagt »du bist dumm«. . Der hysterische Mensch und die Liebe Der hysterische Mensch liebt die Liebe. weil man sich in die Enge getrieben fühlt. antwortet das andere reflexhaft mit »selber dumm«. Selbstvorwürfe werden dann in Fremdvorwürfe verwandelt. was reflexhaft vor sich geht.

dem Partner das Gefühl der eigenen Liebenswürdigkeit zu geben. Todsünde ist nur. Er liebt Glanz und Pracht. und er langweilt sich leicht. So möchten sie auch die Flitterwochen. verewigen. was viel zu seinem Charme und seinem Sexappeal beiträgt. wenn er allein ist. erotisches Spiel. eine erotische Atmosphäre zu schaffen und kann auf vielerlei Weise bezaubern. Sie sind genußfroh. zugewandte Partner. und sie ertragen das Absinken der Hoch-Zeit in den Alltag schwer. vom Rirt über die Koketterie bis zur Verführung beherrscht er alle Nuancen. leidenschaftlich und fordernd. ist auf ihnen meist Mittelpunkt. Im Sexuellen liegen die Dinge schwieriger. und möchte sie in möglichst vielen ihrer Formen und Gestalten kennenlernen. Er versteht mit dem anderen Geschlecht umzugehen. Wenn die gesunde Einstellung zur eigenen Geschlechtlichkeit und zum Gegengeschlecht nicht geglückt ist. Sie lieben die Abwechslung. Er versteht es. das kann er schwer ertragen und kaum verzeihen. fähig. den honeymoon. ihn nicht liebenswert zu finden. durch Charme. Er versteht auf diesem Instrument zu spielen. du bist so schön«. den Augenblick intensiv zu leben. um so besser Langeweile ist mordend. lebendige.das Bewußtsein seiner Vorzüge und Reize wird so überzeugend dargelegt. Er liebt oft die Liebe mehr als den jeweiligen Partner. daß man sie ihm glauben muß. je sensationeller das Leben ist. sie zu gestalten. Beziehungen mit ihm sind nie langweilig. sie möchten zum Augenblick sagen »verweile doch. phantasiereich und verspielt. er möchte sich an seiner Liebe und an der des Partners berauschen. So sind sie farbige. und ihn so tief wie möglich genießen. ist ihnen oft wichtiger als die Erfüllung sexueller Wünsche. zärtliches Vorspiel. spontan in ihren Gefühlsäußerungen. ist oft ein Meister der Erotik. Feste und Feiern. Er besitzt große Suggestivkräfte. In der Liebe setzt er die früher erwähnte starke Wunschkraft besonders ein. Treue ist ihnen nicht so wichtig . Gewandtheit und Direktheit. und geben ihrer romantischen Phantasie Raum. nicht in langer Belagerung. er kann »die Feste feiern wie sie fallen« und versteht es auch. denen man sich schwer entziehen kann . Man kann mit ihm »Pferde stehlen«. kommt es leicht zu Beeinträchtigungen . Er versteht es meisterhaft. heimliche Liebschaften haben einen besonderen Reiz für sie. Temperament. erwartet davon Höhepunkte des Lebens. Er ist der Mensch des »veni-vidi-vici« und erobert die Festung im Sturm. Er sucht vor allem die Bestätigung seiner selbst.zumindest die eigene.In seinen Liebesbeziehungen ist der Mensch mit hysterischen Wesenszügen daher intensiv. das Ende hinauszögern. voller Neugier und Lebenshunger.

die man zur Selbstbestätigung braucht. Dann wird die Liebesbeziehung eine Einrichtung. auf dem Standesamt drückt die standesbeamtete Krähe ihr Erstaunen darüber aus. nachläßt. Das erinnert an die Fabel vom Pfau. weil er im Partner sich selbst wiederfinden und lieben möchte. sondern als Spiegel. Sein Narzißmus. sondern weil er im Partner etwas ihm selbst möglichst Ähnliches sucht. daß der ihn seines Charmes. aber nicht aus Angst vor dem »ganz anderen« des Gegengeschlechtes. daß ein so prächtiger Pfau die unscheinbare Henne ehelichen wolle. aus dem Begehrtwerden. seiner Bedeutung und sonstiger Vorzüge versichert. aus der von einem anderen zurückgespiegelten Bewunderung. und das Bedürfnis nach Bestätigtwerden wollen nimmt überwertige Formen an. er unterliegt deshalb leicht Schmeicheleien. die immer erneut von der eigenen Unwiderstehlichkeit Zeugnis ablegen soll. weniger. seiner Schönheit.der Liebesfähigkeit bis zur Frigidität und zu Potenzstörungen. worauf er gravitätisch nur sagt: »Ich und meine Frau lieben mich bis zum Wahnsinn. als auch ihres Machtwunsches über den Partner. wie der Schizoide. Denn das Selbstwertgefühl wird bei ihnen vorwiegend aus solchen Erfolgen aufgebaut. aber nicht.« Solche so stark auf dem Bestätigt-werden-Wollen fußende Beziehungen sind natürlich keineswegs krisenfest. um so mehr wächst die fordernde Haltung. weil er ohne ihn nicht lebensfähig zu sein glaubt. und von denen sie restlos bewundert werden. Je mehr es sich nun um eigentlich hysterische Persönlichkeitsstrukturen handelt. wenn die Anziehungskraft. von denen sie sich umso glänzender abheben. So braucht er den Partner vor allem. Verständlicherweise wird das mit dem Altern immer schwieriger. die vorwiegend auf dem Äußeren beruhte. in dem er sich als liebenswert gespiegelt sehen will. wie beim Zwanghaften. zur Aufwertung seines labilen Selbstwertgefühls. Nicht selten suchen hysterische Menschen beiderlei Geschlechts indessen aber auch unscheinbare Partner. die er nur zu gern glaubt. wie der Depressive. der eine einfache Henne heiraten will. als um den Rausch der Machtausstrahlung ihres Wesens zu erleben. seine Eigenliebe bedarf immerwährender Bestätigung. sowohl zur Steigerung ihres Selbstwertgefühls. um den Partner zu zwingen. der Partner kann . Der Hysteriker braucht den Partner. Er neigt daher auch zur narzißtischen Partnerwahl. Frauen besonders mißbrauchen im Sich-Geben oder Sich-Verweigern leicht die Sexualität auf erpresserische Weise. weshalb es bei ihnen die ausgesprochensten Alterskrisen gibt. Beide Geschlechter sehen im Sexus gern ein Mittel zum Zweck.

worin bereits wieder der Keim zum Scheitern liegt. woran er ist. Man findet daher in den Partnerbeziehungen hysterischer Persönlichkeiten die häufigsten Trennungen und Neuanfänge. Dann sucht man nach einem neuen Partner. konnten wir ihre Begrenztheit. sie zu erzwingen. in dem sie um jeden Preis gewinnen müssen. muß man immer wieder enttäuscht werden. ihre Sorgen und Probleme. Katastrophenreaktionen. gewöhnlich erkennt man diesen Zusammenhang indessen nicht und bleibt auf der Suche nach der »großen Liebe«. Da man sein Selbstwertgefühl fast ausschließlich aus den Liebesbeweisen bezieht. Wir alle machen unsere ersten Erfahrungen am anderen Geschlecht an unseren Eltern und Geschwistern. Wenn man von der Liebe oder der Ehe illusionäre Erwartungen hat und mehr fordert. für die Liebe ein Spiel ist. der solchen Erwartungen ent- . unsere Eltern auch als Paar lieben zu können. als sei es der eigene. in dem man sich. Unzufriedenheit. ist man darin unersättlich. Hatten wir das Glück. als man selbst zu investieren bereit ist. Launen. einen Partner zu finden. haben wir mehr Aussichten. Verstimmungen und fordernde Anklagen nach immer erneuten Liebesbeweisen. die gleichsam Skalpe sammeln und deren Selbstwertgefühl von der Zahl ihrer Opfer abhängt. formen unsere Erwartungen von Partnerschaft. weil die letzteren jeweils für die vergangenen Enttäuschungen entschädigen sollen. aber auch ihre Freuden. die Erfahrungen mit unseren Geschwistern. Da ihr Liebesanspruch zu groß ist. die »wirklich« lieben. so daß der Partner nie recht weiß. ihr Verständnis für und ihr Vertrauen zueinander. ihr Zueinander-Stehen. ihr Bemühen miterleben. mit dem sich das gleiche abspielt. Szenen und leidenschaftliche Vorwürfe. Liebe und Sexualität. Ausgesprochene Schürzenjäger und Männerverbraucherinnen liegen auf dieser Linie. Hinweis darauf. ohne sie andererseits bedauern oder verachten. spielen dabei keine geringe Rolle. Bei alldem findet man häufig eine schwer durchschaubare Mischung aus Gefühl und Berechnung. wenn der Partner sich distanziert. ja vielleicht hassen zu müssen.diese Bedürfnisse kaum ausreichend erfüllen. was ein anderer Partner alles für einen tun würde. bei denen finanzieller Aufwand und öffentlicher Erfolg des Partners. weil einem »zu wenig geboten« wird. spiegeln möchte. die an ihnen erlebte Ehe oder sonstige Gemeinschaft. sind vielfältig: Vergleichen des Partners mit anderen. durchziehen Enttäuschungen ihr Leben. und die Mittel und Wege. Die Beziehung der Eltern zueinander. werden neue Beziehungen von Beginn an überfordert. ohne sie idealisieren zu müssen.

oder Tochter-Rolle stecken bleibt. Und Eltern. nicht aus Gerechtigkeitssinn und Selbstwertgefühl die Gleichwertigkeit der Geschlechter anstrebt. wie man sie erstmals erlebt hatte. und haben zugleich für unser eigenes Partner-Sein ein realisierbares Bild vorschweben. in der das Kind. ihm etwas Enttäuschendes oder Abschreckendes vorleben. wie wir noch sehen werden. Angst oder Haß. die Traum-Frau. die vor ihm eine ideale Ehe spielen. wie man zu den Urbildern eingestellt war. tönen seine Erwartungen von der Partnerschaft entsprechend negativ. die. Die am Vater enttäuschte Tochter rächt sich auf ihre Weise am Mann: Sie kann einen Männerhaß entwickeln. weil man zu sehr in der alten Sohn. sich mit den vorgefundenen Vorbildern identifiziert und die ersten Vorformen seiner späteren Einstellung zum eigenen und zum anderen Geschlecht erwirbt. Denn die Hysterie setzt in der letzten der kindlichen Entwicklungsphasen an etwa um das 4. was er einst von der Mutter erlebte. indem er etwa wie Don Juan Frauen verführt und dann wieder verläßt.-6. auf den Partner als Erwartung. so daß die späteren Beziehungen von vornherein mit dem Vor-urteil belastet sind. die das Bedürfnis des Kindes nach geschlechtsspezifischen Vorbildern nicht erfüllen. die hinter den Kulissen sehr anders aussieht. erwartet also von ihm den Traum-Mann. daß sie länger als andere Menschen an ihre ersten gegengeschlechtlichen Bezugspersonen fixiert bleiben. Der von der Mutter enttäuschte Sohn kann einen Frauenhaß entwickeln und sich an den Partnerinnen für die ehemaligen Enttäuschungen rächen. lassen in ihm die Vorstellung einer möglichen Idealehe entstehen. daß Männer oder Frauen so seien. die vor dem Kind ihre Überlegenheit und Unfehlbarkeit glauben aufrecht erhalten zu müssen. und stellt sich auf diese seine Projektion so ein. also seine negativen Erfahrungen. Oder man überträgt die alten Enttäuschungen.spricht. oder zur falsch verstandenen emanzipierten Frau werden. Das Liebesleben hysterischer Persönlichkeiten ist nun dadurch erschwert. sondern den Spieß umdrehen .oder Mutter-Bild auf den Partner oder die Partnerin. die man an den kindlichen Bezugspersonen erworben und nicht verarbeitet hat. wird dann weder dem Partner noch seiner eigenen Partnerrolle gerecht. nun ihnen das zufügend. sich von der Identifikation mit ihnen schwerer lösen können. Eltern. Jahr. Prinzipiell gibt es dann folgende Möglichkeiten: man wiederholt die einstige -kindlich-verehrende oder idealisierende Einstellung zum gegengeschlechtlichen Elternteil oder einem Geschwister am Partner. Man projiziert dann das ehemalige Vater. die es später glaubt finden zu können.

Sie sind daran fixiert geblieben. Männer. Man muß die Lebensgeschichte solcher Menschen kennen. oder die Angst vor ihm. Nahebei liegen die Frauen. die ihnen gefallen. entmachten.« Ein weiteres Beispiel für die Abhängigkeit von den frühen Bezugspersonen. immer schon gebunden seien. ihre Weiblichkeit oder Männlichkeit gesund zu ent- . die die Männer nur am Sexus packt. was vor allem bei Einzelkindern dieses Strukturkreises zu finden ist. Oder sie wird zur Circe. Solche dämonisch-zerstörerischen Frauen finden sich in den Romanen und Bühnenstücken Strindbergs häufig dargestellt. weil sie dann ernsthafter. die sie als Sohn oder Tochter zum Vater bzw. ist bei hysterischen Menschen darin zu erkennen. erniedrigt und sich sexuell hörig zu machen versucht. sie wirft sich an viele Männer weg. daß sie nicht selten in Dreiecksbeziehungen geraten. »kastrieren«. zur Gleichgeschlechtlichkeit führen.oft von ihnen so formuliert. und wiederholen damit die alte Rivalität. in die Beziehung zweier Partner einzudringen und den einen dem anderen wegzunehmen. in solche Dreiecksbeziehungen . in welcher der Partner frei ist. um den Vater damit zu treffen (»wenn du mich nicht liebst. in denen sie unbewußt ihre Stellung zwischen den Eltern wiederholen. Oder. zur Mutter hatten. ihn ausnutzen. von ihrem »Familienroman«. aussaugen. Schließlich kann bei beiden Geschlechtern die Enttäuschung am Gegengeschlecht. scheuen aber zugleich eine Beziehung. sie »zu Schweinen macht«. verbindlicher und ganzheitlicher gefordert würden. daß es offenbar ihr Verhängnis sei. um ihr Verhalten zu verstehen. bin ich eben nichts wert und kann mich wegwerfen« der psychodynamische Hintergrund mancher Dirnen). und aus Rache in der Forderung nach Gleichberechtigung eigentlich die Vormacht der Frauen meint. sie geben meist nur die Sünden weiter. indem sie seine Männlichkeit abwerten. In Wirklichkeit suchen sie indessen bereits gebundene Partner . daß alle Frauen bzw. sie also benutzt. die den Mann physisch. indem sie mit dem gleichgeschlechtlichen Partner rivalisieren und ihn auszustechen versuchen. Immer kann auch ein Bruder oder eine Schwester stellvertretend die Rolle von Vater oder Mutter dabei übernehmen.möchte. wie es in der Odyssee heißt. daß sie nicht frei sind.sie lassen sich mit ihnen schon mit dem Wissen ein. scheinbar ungewollt und wie schicksalhaft. das die Franzosen so ausdrücken: »On revient toujours ä ses premiers amours. Sie geraten. Die Bindung an unsere ersten gegengeschlechtlichen Bezugspersonen ist ein allgemeinmenschliches Phänomen. seelisch oder materiell überfordern. die an ihnen begangen wurden: sie hatten in ihrer Familie nicht die Möglichkeit.

die ein echtes Selbstwertgefühl zu erzeugen vermag. die ihnen ein schönes Leben zu vermitteln scheinen. Titel und äußere Vorzüge des Partners . sie wurden zu sehr an die Familie gebunden. bevor sie also für das Geschlechtliche seelisch reif waren. Ehe und vom anderen Geschlecht ansehen. daß der Mann oder das Weib sich in ihnen entwickeln konnte. die ja Gegentypen sind. als charakterliche Werte. oder sie hatten keine Vorbilder für die Entwicklung ihrer Geschlechtsrolle. sei es. daß er im Recht ist. daß in ihnen das Geschlechtliche zu früh und nicht angemessen angesprochen. durch »Rösselsprünge« im . Tatsachen entstellende »Logik« bis zur Verleumdung und Intrige.oder Weibchenhafte in ihnen konstetliert wurde. Immer wache Sehnsucht und erwartungsvoller Anspruch. daß materielle und Prestigegesichtspunkte . pflegen in keinem gesunden Verhältnis zu stehen. das man eigentlich in sich selbst realisieren müßte: hier das Bemühen um eine echte Liebesfähigkeit. die. eigene Mängel zu projizieren. lassen sich zu leicht durch Äußerlichkeiten imponieren. wird in der Partnerschaft natürlich besonders problematisch.ihnen wichtiger sind. Je mehr der zwanghafte Partner unerbittlich-konsequent darauf besteht. über Anklagen und tendenziöse. um so mehr entzieht sich der hysterische Partner durch unfaßbare »Logik«. Als Hauptproblem hysterischer Menschen in bezug auf die Liebe und die Partnerschaft kann man ihre illusionären Erwartungsvorstellungen vom Leben.wickeln. Die Angst vor dem Erleben ihres eigenen Unwertes kann bei ihnen zur Sucht nach Bestätigung werden. nie befriedigt werden kann. aus denen sie lernen könnten. Das drückt sich bei der Partnerwahl schon darin aus.Stellung. daß sie abgelehnt wurden in ihr. wer an etwas »schuld« war. Die Neigung. und gerade das wird ihnen immer wieder zum Auslöser neuer Enttäuschungen. Sie bleiben auch hierin lange Kinder. die die Ent-täuschung notwendig macht. Fordernde Haltungen und die Bereitschaft zu geben. Vermögen. ist ihre problematischste Seite. Enttäuschungen lasten sie dann gewöhnlich dem Partner an. und so das Männchen. weil sie »außen« etwas sucht. sei es. Sie kann alle Grade annehmen von immer neuem Streit. bevor sie so viel Identität mit sich selbst und so viel Selbstwertgefühl erworben hatten. ohne nach dem eigenen Einsatz zu fragen. wie jede Sucht. die jeweils in Frage stehende Situation haargenau durchzudiskutieren und zu beweisen. daß ihre Grundeinstellung auf einer Täuschung beruht. von Liebe. Besonders schwierig pflegen Verbindungen zwischen einem hysterischen und einem zwanghaften Partner zu sein.

In der Literatur finden sich viele Beispiele ausgezeichnet dargestellter hysterischer Frauen. auf die Dauer pflegt eine solche Bindung zu einseitig auf Kosten des depressiven Partners zu gehen. sein Bedürfnis nach Bestätigt.sie durchschauen ihn zu leicht und haben zu wenig Bereitschaft. treffend genannt hat. die das Kind im Alter zwischen dem 4. im Sich-bewähren-Wollen. was den eigenen Wert bestätigen hilft. Auch das Märchen vom »Fischer und siner Fru« können wir hier anführen. sollte der zwanghafte Partner vielmehr versuchen. geht es schon viel besser. und 6. Lebensjahr hinzu erwirbt. Anstatt ihn also in die Enge zu treiben. Der hysterische Mensch und die Aggression Die spezifische Aggressionsform. in Anlehnung an die Fortbewegung des Springers im Schachspiel. Ist man elastischer. wie etwa S.Denken. spontan. um den Kampf gegen alles. baut man ihm eine Brücke und hält man ihm einen Rückweg offen. Schizoiden Partnern weicht der hysterische Mensch instinktiv eher aus . In den Briefen Puschkins und Fontanes lassen sich die Schwierigkeiten mit einer Partnerin von vorwiegend hysterischer Struktur gut erkennen. Es geht nun um die geschlechtsspezifische Aggression in ihren Grundformen des Werbens und Eroberns. die Situation auch aus der Sicht und dem Erleben seines Partners verstehen zu wollen. sie wird in den Dienst des Geltungsstrebens gestellt. . sich überfordern zu lassen. ihn ausweglos festlegen zu wollen auf begangene Fehler. wenn die hysterischen Strukturanteile nicht zu ausgeprägt sind . die diese Bereitschaft haben und auch die weitere. wie bei jedem neuen Entwicklungsschritt. ist die Aggression beim hysterischen Menschen elastisch. Im Gegensatz zum vorbeschriebenen zwanghaften Menschen. die früheren Aggressionsformen weiterhin erhalten. wie sie Schultz-Hencke. Aggression äußert sich also hier vor allem im Wettstreit mit anderen.und Bewundertwerden zu erfüllen. Dagegen wählen sie sich gern depressive Partner.sonst wird die Rivalität und das Einander-ausstechen-WoIlen zur unvermeidbaren Klippe. wogegen er sich mit allen ihm verfügbaren Mitteln sträubt. Bindungen zwischen zwei Menschen des hysterischen Strukturkreises gehen nur gut. was diesen zu bedrohen scheint. ist das Rivalisieren und Konkurrieren.Maughams »Luise« oder die Scarlett in dem Roman »Vom Winde verweht« von Margaret Mitchell. Dabei bleiben. allgemeiner um den Kampf für alles. denn er spürt deutlich die Tendenz des anderen.

Aus Mangel an Selbstkritik und Selbstkontrolle hat die Aggression hier etwas zu Impulsives. Angeberei. »alle Frauen dumm« usf. zum Beeindrucken des anderen. um so mehr wird die Aggression für den Geltungsdrang eingesetzt. wird er hier mehr zur Dramatisierung benutzt. weil ihm das erfolgversprechender scheint als geplante Strategie. man läßt sich leicht von ihr hinreißen und geht zu weit. Sie dreht also einfach den Spieß um. zwischen Wunsch-Ich und Real-Ich. sich auf völlig abseitige Dinge beziehen. gerät die Frau in wilde Affekte. den es auszustechen gilt zur Erhöhung des eigenen Glanzes. Sie reicht von allen Graden impulsiver Äußerung bis zur Willkür. Das läßt sich letztlich nur verstehen aus dem leicht störbaren. die Diskrepanz zwischen Schein und Sein. ist weniger sach. Charakteristisch ist auch die Tendenz zur Verallgemeinerung.als personenbezogen. Der Hysteriker ist in seiner Aggressionsäußerung der Überraschungssieger. und oft unüberlegt. das sie schon bei leichter Kritik und kleinsten Angriffen so gekränkt reagieren läßt. Mittelpunkt sein. dafür weniger nachhaltend und nachtragend. aber während dieser beim Schizoiden Ausdruck seiner Daseinsbefindlichkeit existentieller Bedrohtheit war. geht auf das Eigentliche überhaupt nicht ein. wegen der mangelnden Identität mit sich selbst ruht es . Die hysterische Aggression steht oft dem archaischen Bewegungsturm nahe. er überrumpelt gern. Je stärker die hysterischen Züge sind. jeder gleichgeschlechtliche Andere ist ein potentieller Rivale. will die »erste Geige« spielen. je größer die Unsicherheit dahinter ist. unersättliche Geltungssucht treten dann auf. der Realität ausweichend in einer Flucht nach vorn. labilen Selbstwertgefühl hysterischer Persönlichkeiten. sondern überhäuft ihn ihrerseits mit einer Flut von Vorwürfen.unbekümmert. eine ungemeine reizbare Empfindlichkeit gegen narzißtische Kränkungen. und dieses Imponierenwollen kann um so höhere Grade annehmen. Häufig finden wir die Form des »Imponiergehabes«. Dafür ein Beispiel: Auf die sachlich berechtigte und ruhig vorgebrachte Kritik ihres Mannes wegen einer Nachlässigkeit. hybride Selbstglorifizierung bis zur Hochstapelei sind die Extremformen. man will unbedingt Eindruck auf andere machen. wie ja überhaupt das Übertreiben zu diesen Persönlichkeiten gehört. Weiter könnte man die hysterische Aggression als »unlogisch« bezeichnen. die mit der gemeinten Angelegenheit überhaupt nichts zu tun haben. bei Aggressionen gegen den Partner sind »alle Männer Waschlappen«. man schiebt sich immer in den Vordergrund. Für ihn ist der Angriff die beste Verteidigung.

welche . Wenn er sich im Fernsehen ein Fußballspiel ansah. woran sie nicht teilnehmen konnte. sie zu verstehen. Kommt hierzu noch der Geschlechterhaß. wofür sie kein Interesse hatte oder worin sie ihm unterlegen war. an ihm Rache für die Enttäuschung an ihrem Vater. Er hatte eine bessere Allgemeinbildung als sie. kann die Rachsüchtigkeit extreme Formen annehmen. durfte ihr Mann .auf einer schmalen Basis und ist daher sofort zu erschüttern. wenn kein Publikum mehr vorhanden ist. ihr unbewußt. weil sie den Rauch nicht vertrug. ausgeprägte Rachehaltungen können so entstehen. machte sie ihn vor den Kindern wegen solcher Primitivität lächerlich. bei denen man sich in eine immer größere Intensität hineinsteigert. deren Zusammenhang mit der Angst vor dem Nichtlieben swert-Sein deutlich zu erkennen ist. Intrigen. die er ihr empfahl. pathetische Gesten und leidenschaftliche Anklagen sind typische hysterische Aggressionsäußerungen. Und ein Beispiel für das Intrigieren: Nach längerer Zeit sagte mir ein Patient. die oft in sich zusammenfallen. Eine besondere Form hysterischei Aggression ist die Intrige. der sie sich mit immer neuen Begründungen entzog. schon leichte Kränkungen der Eigenliebe können intensivste Haßgefühle auslösen. auf dessen Rücken die ehelichen Konflikte ausgetragen wurden. auch bei einem Kollegen eine psychotherapeutische Behandlung angefangen hatte. Ein Beispiel für den Männerhaß und die Rachehattung einer Frau mit stark hysterischen Zügen: Mit dem Anspruch auf Rücksicht wegen ihrer schwachen Nerven und zarten Gesundheit. der die intelligentere Schwester vorgezogen hatte. sich gar nicht die Mühe machte. So wertete sie ihn in jeder Hinsicht ab und nahm. die deutlich auf »Publikum« ausgerichtet ist. Die hysterische Aggression neigt zu »Szenen«. in der man als Kind zwischen den Eltern und eventuellen Geschwistern stand. weil man von einem Ekernteit gegen den anderen oder gegen ein Geschwister ausgespielt und so zum Objekt ungelöster familiärer Probleme gemacht wurde. Abwertung eines anderen bis zum Rufmord und bis zu seiner Vernichtung.auch im Winter . fand sie langweilig. Auch ihr kann man die familiäre Entstehung ansehen: Man wiederholt in ihr unbewußt die Situation. wie sie überhaupt alles abwertete. wer von uns besser sei. daß er. Flammende Entrüstung. Er wollte ausprobieren. zum Objekt. zwischen ihnen hin und her lavieren mußte.nur auf dem Balkon der Wohnung Zigarre rauchen. weil sie sie nicht verstand bzw. gleichzeitig mit seiner Behandlung bei mir. wobei ein Stück schauspielerisch-darstellerischer Begabung angewendet wird. Seine sexuellen Wünsche waren ihr eine Zumutung. Bücher.

geliebt und bewundert zu werden. Der lebensgeschichtliche Hintergrund Wie kann es nun dazu kommen. nun von uns beiden profitieren wollte. daß sie von früh an Sympathie erwecken. einfach weil sie sind. Mittelpunktsflüchtigen. Er wiederholte diese Rache. Bei mir machte er den Kollegen und seine Arbeitsweise schlecht. So spielte er uns gegeneinander aus. keinem von uns gegenüber aufrichtig und boykottierte die therapeutische Situation auf diese Weise. indem sie ihn hinter dem Rücken des einen gegen den anderen Elternteil aufhetzten und ihn für sich zu gewinnen versuchten. wie von den Eltern. die etwas Mitreißendes haben kann solche Menschen sind nie langweilig. der Impuls zum Zentrifugalen. sind aber auch selbst anregend. sich mitzuteilen. Angeborener Charme und oft auch Schönheit bringen es mit sich. große Spontaneität und den lebhaften Drang. hängt vor allem damit zusammen. so einseitig gelebt wird? Wenn wir uns zunächst wieder nach anlagemäßig entgegenkommenden Faktoren umsehen. auf dessen Sympathie und die Bestätigung durch ihn angewiesen. sie sind leicht liebzuhaben und es daher gewohnt zu gefallen. daß er. also zur Veränderung. Daß diese Vorzüge auch ein Danaergeschenk sein können. sich auszudrücken. sie brauchen Anregung. wie er einst die Eltern gegeneinander ausgespielt hatte. ebenfalls wie damals. daß er gleichzeitig in zwei Behandlungen war. Er rächte sich für den Mißbrauch. ohne etwas dafür leisten zu müssen. können wir eine angeborene Lebhaftigkeit und Ansprechbarkeit im Emotionalen vermuten. daß die Angst vor der Notwendigkeit und Endgültigkeit so überwertig erlebt wird oder daß. zugleich war er. eine Kontaktfreudigkeit also. sich auf seine . Das wirkt sich positiv aus in Lebendigkeit. Aufgeschlossenheit. ein Kontaktbedürfnis sowie ein betontes Geltungsbedürfnis. um wie damals seinen Vorteil daraus zu ziehen. daß sie auf diese Weise die Erfahrung machen. denn er schilderte jedem von uns die Behandlung bei dem anderen als eine zeitlich weit zurückliegende.Methode ihm mehr zusage. ohne daß einer von uns ahnte. bei ihm tat er das gleiche mit mir. inneres Erleben nach außen darzustellen. sie werden als reizend empfunden und spüren das natürlich bald. den sie ursprünglich mit ihm getrieben hatten. wie sie sind. auch in einer Lebensintensität. Durch solche Anlagen ist man stärker auf den Mitmenschen. Das kann schon sehr früh den Weg dazu bahnen. Anpassungsfähigkeit und Wandlungsfähigkeit. von der Impulsseite her gesehen.

Das bedeutet auch. Nach den Erfahrungen der Psychoanalyse liegt der Ansatz zu möglichen hysterischen Entwicklungen um das 4. für das sie überlegene Halbgötter waren. Es bildet in den ersten Ansätzen seine geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen aus. die zum Leben des Erwachsenen gehören. die von ihnen vertretenen Ordnungen und Lebensformen nachahmenswert erscheinen. die zum Erwachsenwerden gehören. Realitätsfindung und Realitätsannahme zu vollziehen. braucht es dafür überzeugende Vorbilder. was wir als Realität zu bezeichnen pflegen. Es muß etwas vorgelebt bekommen. und vorahnend die Zukunft vorwegnehmen. nun dem Kleinkindaiter entwachsend und erwachsener werdend. auch der Realität der Begrenztheit seines eigenen Wollens und Könnens. und will damit ernst genommen werden. daß auch seine Liebe den Eltern etwas bedeutet. das ihm erstrebenswert erscheint. In diesem Alter hat das Kind. daß es etwas zu geben hat. das Kind hat hier in vieler Hinsicht die Realitätsprüfung. Man erwartet von ihm zunehmend Einsicht. als ein Feld der Bewährung und des sich Messens mit anderen. daß es seine bisherige magische Wunschwelt mit den Vorstellungen unbegrenzter Möglichkeiten aufgeben soll zugunsten dessen. das als Gesamtperson angenommen und sich als liebenswert erleben will. Verantwortlichkeit und Vernunft kurz. das einen zunehmenden Wissensdrang hat. Wenn diese Reifungsschritte gelingen sollen. wichtige Entwicklungsschritte zu vollziehen. Die Eltern werden in dieser Zeit in neuer Form gefordert. sie haben nicht mehr das Kleinkind vor sich. und das vor allem erfahren möchte. wird aber nun auch vor neue Aufgaben gestellt: es soll allmählich in die Welt der Erwachsenen hineinwachsen. immer und überall selbstverständlich geliebt zu werden. Seine innere und äußere Erlebniswelt ist weiter und reicher geworden. und es weckt die Erwartung. das kritisch beobachtet. und Begründungen hören will für Gebote und Verbote. und 6. bedarf es gewisser Umwelteinflüsse. deren Spielregeln kennenlernen. sondern ein Kind. das fragt. es soll in den ersten Ansätzen seine Geschlechtsrolle als Mädchen oder Junge. Es hat inzwischen reichere Fähigkeiten und Verhaltensmöglichkeiten erworben. Damit sich solche Anlagen problematisch auswirken. Lebensjahr. auf die wir nun eingehen wollen. an denen es sich ausrichten kann. braucht . Die Reife und das Verständnis der Eltern ist hier besonders wichtig. und umfaßt im wesentlichen bereits alle Erlebnisbereiche. die Welt der Erwachsenen muß ihm reizvoll. werbend oder erobernd.äußeren Vorzüge zu verlassen.

was morgen gar nicht bemerkt oder sogar anerkannt wird. Sei krank. Oder man denke an Eltern. vor allem die Milieus also. die ihm sinnvoll erscheinen. Verhält es sich dann ähnlich. wo heute bestraft wird. um seine Fragen ernst zu nehmen und wahrhaftig zu beantworten. auch so zu werden wie sie. wo doch die Eltern dasselbe getan hätten. daß es das alles noch nicht verstehe und daß man sich vor ihm nicht zusammennehmen brauche. wird es plötzlich gerügt.ein sunnygirl. zugunsten von Verantwortung. als Frechheit bestraft nach dem Motto »quod licet Jovi. Den hysterischen Persönlichkeiten hat es gerade in dieser Zeit. es muß sich mit ihnen identifizieren wollen. der zu einem gesunden Selbstwertgefühl und schließlich zur Identitätsfindung führen soll. spiele Theater. gib einerseits den Leuten. daß es sich vernünftig verhalten soll. ein Milieu. von Einsicht in Notwendigkeiten . Um aus dem Kleinkindalter herauszuwachsen.doch das Kind nun gesunde Leitbilder für seinen tastenden Entwurf von sich selbst. zu unwichtig. es mit Stolz und gesundem Selbstwertgefühl erfüllt. Es zieht dann vor. damit ihm das Bewältigen der neuen Aufgaben Freude macht. die chaotisch. muß die Welt für das Kind Ordnungen aufweisen. . die heftige Szenen und Auseinandersetzungen vor dem Kind haben. in der das Bedürfnis nach Führung und Vorbildern am stärksten ist. auf kindliches Verh'alten zu verzichten. und deine Mutter kümmert sich um dich. Es muß Erlebnisse altersgemäßen Könnens und geschlechtsspezifischer Bestätigung haben. unverantwortliches Kind zu bleiben. die früheren kindlichen Verhaltensweisen und Freiheiten aufzugeben. mit der Vorstellung. Nur dann wird es bereit sein. wie es ihm vorgelebt wurde. widerspruchsvoll.Ein Beispiel (aus dem Tagebuch einer Jugendlichen): »Sei außerordentlich und du fällst auf. und die Realtität des Lebens anzunehmen. als sei es noch zu klein und zu dumm. um es aufzugeben. als sei man im keine Aufrichtigkeit schuldig. die aber gleichzeitig von ihm erwarten. ein Präsentierkind. sei gesund und mormaU. und man findet es selbstverständlich. das strahlend jedermann umarmt und als >süß< be- . müssen die Eltern in ihm den Wunsch erwecken können. das schillernd oder chaotisch ist. was sie haben wollen . Deswegen: sei raffiniert. geben dem Kind zu wenig Orientierung und Halt. Stellen wir uns nun ein Milieu vor. in dem das Kind weiter als Kleinkind behandelt wird. daran gefehlt. und gar die Frage nach dem Warum. unverantwortliches Kind zu bleiben. non licet bovi«. unverständlich und ohne Führung und gesunde Leitbilder sind. das man nicht ernstzunehmen braucht.um alle diese neuen Aufgaben auf sich zu nehmen.

Einmal. du seiest sehr glücklich im Kinderheim. wenn er allein im Zimmer war. er bekam quälende Angst.um andererseits dir auch das zu holen.« Ein weiteres Beispiel für hysterisierende Milieuverhältnisse: Ein Mann. >Was ist exaltiert?<. mahnte meine Mutter. Was bisher immer >süß<. überspannt. sie hat sich von diesen zensierten Briefen blenden lassen! Ich mußte im Kinderheim bleiben. Je mehr krank. wenn ich Angst bekomme«). kommt wegen phobischer Symptomatik in die Behandlung.dann könnte ich halten und aussteigen. >reizend< gewesen war. konnte nicht mit einem Schnellzug (»wegen der langen Strekken zwischen zwei Stationen.< Gott. unschuldigen. Daß man einem Kind alles verzeiht. seit ich erwachsen bin. Die größten Don Juans waren angesichts meiner Naivität hilflos und wagten plötzlich nicht mehr. Meine Mutter sagte vorgestern. die Decke könnte über ihm zusammenstürzen. Der Konflikt kam erst in der Pubertät und vor allem. rührenden Augen der Welt nur alles Gute zutraut. fragte ich. was mich betrifft. zugleich hatte er die Angst. sollte nun plötzlich überspannt sein? Langsam begriff ich. Und wenn sie dich nicht so lieben. dann wird dich ihre Sorge um dich zum Ziel bringen. Mitte der Dreißig. daß jedes Alter seine Gesetze hat. trotz meiner flehentlichen Bitten.« Ein anderes junges Mädchen sagte: »Warum soll ich in einer Welt von Narren« (sie meinte ihre Familie) »erwachsen werden und vernünftig sein? Da müßte ich viel zu sehr leiden. vergaß ich dich zuzeiten direkt. nicht mit dem Lift. > Übertrieben. die sonst das Gras wachsen hört. er könne auf Grund dieser von ihm selbst als unsinnig angesehenen Ängste verrückt werden. kam eine Tante auf Besuch. Ich dachte immer. die hellhörige Mutter. daß du dein Ziel mit Zärtlichkeit erreichst. deine Briefe klangen immer sehr fröhliche Sie. nicht über eine Brücke fahren (dann mußte er aus dem Auto aussteigen und zu Fuß dicht am Geländer hinübergehen). das mit hilflosen. einem Teenager schon viel weniger und einem Erwachsenen nichts. als ich sie über meine Kindheit ausquetschte: >Als du im Kinderheim warst. unerfahrenen Mädchens. wurde ich auch sehr berechnend naiv. aber sobald mir eine ältere Bekannte klarmachte. < Ich verstand überhaupt nichts. ich mochte 12 oder 13 sein. Ich lernte eine neue Masche. Da gibt es nur eine Waffe: Krankheit. großen. ich war ja wirklich naiv. Diese Angst vor . was du brauchst. Ich stürzte in altgewohnter Weise die Treppe hinunter und ihr um den Hals. die sich aufs Beste bewähren sollte beim starken Geschlecht: die Masche des naiven. sich mir mit unsittlichen Anträgen zu nähern. ginge es . >sei nicht so exaltiert. um so mehr geliebt.zeichnet wird . wenn ich der Zugführer wäre. wie himmlisch naiv ich sei. er konnte im Kino nur auf einem Eckplatz sitzen.

wobei er gut verdiente und ein großes Leben führte. Der Vater merkte von all dem nichts.sie hatten sich nichts zu sagen. weder in sich selbst noch draußen. an der Ehe mit dem viel älteren und sehr nüchternen Mann enttäuscht. es wurde kaum ein Wort zwischen ihnen gewechselt . hinter seinem Rücken eine Spielernatur. Der Vater war ein korrekter. sie fanden aus beiderseitiger Verlegenheit keinen Weg zueinander. daß sein Leben weitgehend auf Schwindel aufgebaut war. zunehmend Ängste. die dem Vater bei seiner Einstellung und Position höchst verwerflich erschienen wären (der Vater war so korrekt. daß die beiden zu wenig Kontakt miteinander hatten.wurde er von der Mutter sehr verwöhnt. steckte ihm heimlich Geld zu. bei Schulschwierigkeiten usf. Als Kind war der Patient viel krank gewesen. wenn er den Omnibusschaffner wegen Überfüllung nicht zum Billettlösen erreichen konnte. die der somatisierte Ausdruck dafür waren. ihn zu verwöhnen. wenn man ihn mit Unangenehmem in Ruhe ließ. In der Nachpubertätszeit machte der Sohn mit einem Freund Schwarzhandelsgeschäfte. der immer Arbeit vom Büro mit nach Hause nahm. Der Sohn ging nun nicht mehr regelmäßig zur Schule. Er . der Vater die Zeitung lesend. mit vielen Mädchen.da sonst nicht betreten werden durfte . die seine Ängste verständlich machen können: Als einziger Sohn für längere Zeit . So reizvoll dieses Leben an sich war. Er führte ein Doppelleben . daß er. so daß ihn die Familie außer bei den Mahlzeiten kaum zu Gesicht bekam. am nächsten Tag für sich zwei Fahrscheine löste). und das gab der Mutter noch mehr Anlaß. hatte aber deswegen und wegen seiner heimlichen und verbotenen Geschäfte. sonntags einmal zum Vater in dessen Arbeitszimmer kam . Nur die Mutter wußte von diesen Geschäften. die jederzeit entdeckt werden konnten. In großen Zügen einige Hinweise auf seine Biographie. Er hatte keinen wirklichen Halt. war auch nicht weiter daran interessiert und froh. B. von der Mutter gedeckt. sondern noch dadurch erschwert. der Sohn eine Illustrierte. stark zwanghafter Beamter. weil dessen Welt nur aus Pflichten bestand.der Bruder war 8 Jahre jünger als er . Die Mutter verwöhnte ihn hinter dem Rücken des Vaters. und sie suchte sich seine Liebe durch Verwöhnen zu erhalten.vor dem Vater war er der korrekte Sohn. Wenn er z. Sich mit dem Vater zu identifizieren war nicht nur wenig reizvoll.saßen sich Vater und Sohn in großem Abstand gegenüber. bzw. bekam er doch immer häufiger Herzbeschwerden mit Schwindelgefühlen.dem Verrücktwerden war in den letzten Jahren seine schlimmste geworden (ein Bruder war in einer Anstalt wegen einer Geisteskrankheit und dort gestorben). wurde der Sohn ihr das Wichtigste. kaufte ihm viele Anzüge und schob sich immer als Puffer zwischen ihn und die Welt.

war daher gar nicht in der Lage. will dann »nur nicht werden wie die Eltern«. so überspielen sie schließlich ihr Elend in einer Arroganz. bleiben ihm nur zwei Möglichkeiten offen. mit der Mutter lachte er hinter seinem Rücken über »den Alten«. wenn die Mutter »die Hosen anhat« und der Vater ein »Pantoffelheld« ist. fühlt sich dann aber völlig verlassen. aber die dauernde Angst vor einer Katastrophe. und welche Rolle die Eltern draußen in der Welt spielen. »wer sie sind«. Sie werden von den Klassenkameraden beneidet. gab ihm nur einen falschen Schutz bei Schwierigkeiten. hing zum Teil mit dem Bruder zusammen. auf dem sein Leben aufgebaut war. in denen er nicht »aussteigen« konnte. die sehr jung den wesentlich älteren Mann geheiratet hatte. ihm einen Halt zu geben. oder es nimmt die Eltern nicht mehr ernst. es identifiziert sich trotzdem mit ihnen und ihren Scheinwerten.sonst wären sie ja undankbar. die anderen Ängste bezogen sich auf Situationen. zum Teil war sie auch Ausdruck des dumpfen Bewußtseins. der ganze »Schwindel«. was aber natürlich kein konstruktives Leitbild ist. weil sie »alles zu haben« scheinen. Aber auch die »goldenen Käfig-Milieus« der sogenannten besseren Kreise begünstigten hysterische Entwicklungen. Die Mutter. wie ihm das Erwachsensein vorgelebt wurde. konnte ja plötzlich zutage kommen (die Herzbeschwerden mit Schwindelanfällen). die niemand versteht. Schwierig ist es für ein Kind auch.fand den Vater und seine Lebensweise komisch. . hatte keinen festen Boden unter den Füßen. oder es bleibt in der Opposition stecken. nach dem sie selbst sich sehnte. daß es so nicht lange weitergehen könne. vor allem wegen seiner guten Position. Über den Sohn genoß sie das »große Leben« mit. Sind die Eltern zu wenig wirkliche Vorbilder für das Kind. verrückt zu werden. Wird es erwachsen. davor. die weitgehend irgendwelchem »Personal« überlassen werden. daß alles über ihm zusammenbrechen könnte (die Zimmerdecke einstürzen) und nichts ihn tragen würde (die Brükkenangst). Die Angst. Entweder. wegen dessen Eigenbröteleien und Überkorrektheit. Es sollen damit nicht von der Gesellschaft festgelegte Geschlechtsrollen gemeint sein. und müssen so auch noch die Rolle glücklicher Kinder spielen . das gesellschaftliche Prestige ist wichtiger als die Kinder. wobei ihnen gleichzeitig eingeschärft wird. verhält es sich so. wenn er es wollte. und finden sich womöglich tatsächlich beneidenswert. In ihnen ist der Schein betont. So fand er nirgends eine echte Orientierung. war in der Ehe selbst Kind geblieben und in Opposition zu ihm. wenn bei seinen Eltern die Geschlechtsrollen vertauscht sind.

die wir heute abzulegen beginnen. sondern es fällt auch zu früh aus der unbefangenen Kindheit heraus. und die Frau. Das Kind bekommt dann kein angemessenes Vorbild für seine Geschlechtsrolle. daß sie ihn in eine Gegnerschaft zum Vater bringt . und wenn das Kind von einem Elternteil als Partnerersatz genommen wird. damit es sich mit einer ihm reizvoll erscheinenden Gestalt des Väterlich-Männlichen bzw. wie wir meist meinen. um der Vielfältigkeit des Mann. Damit wird es nicht nur altersmäßig überfordert. Die geglückte Einstellung der Eltern zu ihrer Geschlechtlich keit ist einer der wichtigsten Faktoren für das Kind. die hier vertauscht sind. zugunsten einer Emanzipation von solchen »Rollen«. und eine Verachtung gegenüber ihrem eigenen Geschlecht. sollte uns klar machen. weil es in eine Rolle geschoben wird. die noch nicht in sein Alter gehören und ihn nur belasten. bevor es die Möglichkeit hatte. er bezahlt die Rolle des Vertrauten der Mutter. es werden ihm Dinge anvertraut. die altersgemäßen Entwicklungsschritte zu vollziehen. Die Tatsache. um vom Kollektiv als solche angenommen zu werden. und sie beginnt bereits in der frühen Kinderaufzucht damit. Einseitige Festlegung darauf. ihre Geschlechtsrolle zu übernehmen. die eine zu nahe. daß jene Rollen zeitbedingt sind und nicht. vor allem für Einzelkinder. sondern Zerrformen des Männlichen und Weiblichen.oder Frau-Seins gerechter zu werden. für die es noch nicht reif ist. der Angst vor ihr hat. Hysterische Entwicklungen begünstigend sind auch unglückliche Elternehen in diesem Alter des Kindes. was zumindest seine Entwicklung in dieser Beziehung erschwert und später in seiner Einstellung zum anderen Geschlecht problematisch zu werden pflegt. entspringt hierarchischen oder ideologischen Machtansprüchen. zu intime ist. hat ja eine Rivalitäts. Der Pantoffelheld ist ja ein von der Frau entmachteter Mann. wird in vieler Hinsicht frühreif. die vom Vater enttäuscht ist. die beide Geschlechter betrifft und sie aus solchen festlegenden Fesseln befreien will.oder Haßeinstellung zum Männlichen. Der Sohn wird etwa zum Tröster oder Verbündeten der Mutter. Die Gesellschaft sollte für Mann und Frau vielfältigere Möglichkeiten anbieten. wie »der« Mann oder »die« Frau sein und sich verhalten müsse. die sie braucht.wie sie also von der gerade geltenden Konvention gefordert werden. biologische Gegebenheit sind. die sich »aufmannt«. Jede Gesellschaft schafft sich die Rollen von Mann und Frau. Mütterlich-Weiblichen identifizieren kann. Margaret Mead bringt in ihrem Buch »Mann und Weib« eindrucksvolle Beispiele dafür. auch damit. daß Männliches und Weibliches in verschiedenen Kulturen sehr verschieden gelebt wird.

weil er ihn nur durch die Augen der Mutter sieht. Sie können ihm dann nicht nur kein Vorbild sein und ihm die nötige Führung geben. Eltern. die Eltern als Paar zu lieben. daß es nun das von ihnen nicht Erreichte erreichen soll. die ja nicht seinem eigentlichen Wesen entspricht. weil sie im Leben nicht das erreicht haben. die für die spätere Bewährung in der Welt der Männer so wichtig ist. kann nicht erlebt werden. ihm keine echte Sicherheit gibt. was ihnen vorschwebte. sie werden zwar dafür geliebt und bewundert. Schwierig sind auch die Milieus. aus welchen Gründen auch immer. die etwa ein bestimmtes soziales Standesbewußtsein oder eine Minorität im Kollektiv vertreten. sondern nur eine Funktion ist. vom allgemein üblichen zu weit absetzen. Das Kind lernt dann zu Hause Einstellungen und Verhaltensweisen. daß die dem Kind aufgezwungene Rolle. wenn sie es dazu benutzen. Meistens wird es dabei gleichzeitig in anderer Hinsicht weiter als Kind behandelt. und die reifende Auseinandersetzung mit dem Vater wird so gleichsam übersprungen. wenn das Kind in die Rolle gedrängt wird. Das hat zur weiteren Folge. Mutatis mutandis gilt das gleiche für die Tochter. Altklugheit steht dann neben infantilen Zügen. sich eine gesunde Beziehung zum andersgeschlechtlichen Elternteil aufzubauen. die unbefriedigt sind. wenn die Rolle später nicht mehr trägt oder nicht mehr gebraucht wird. »Väterchens oder Mütterchens Sonnenschein« zu sein. sondern drängen es in eine Rolle. und dieses Nebeneinander von Erwachsen-sein-Sollen und als Kind behandelt werden ist zutiefst verwirrend und vermittelt ihm überdies noch Minderwertigkeitsgefühle. heiter und guter Dinge sein und die Eltern erfreuen. Die gesunde Möglichkeit. die zwar in der Familie gelten und hier sogar honoriert. Auf dieser Basis entstehen oft hysterisch-depressive Mischstrukturen. daß sie Überforderungen sind. durch die sie nur schwer und spät zur Identität mit sich selbst finden. und es pflegt zu schweren Depressionen oder Zusammenbrüchen zu führen. beiden seine Zuneigung ohne Schuldgefühle zuwenden zu können. die oft seinen eigenen Neigungen überhaupt nicht entspricht. daß sie völlig an sich selbst vorbeileben. die sich.und ihm oft die Beziehung zu diesem zerstört. weil es nicht erkennt. Zu ähnlichen Folgen führt es. in die es gedrängt wurde. Die Rolle kann ihnen so sehr zur zweiten Natur werden. aber draußen abgelehnt werden. beiden wird die Möglichkeit genommen. müssen aber eine Fassade leben. wenn es die Erwartungen nicht erfüllen kann. können hysterische Entwicklungen beim Kinde begünstigen. Das Kind . Solche Kinder müssen immer strahlen.

die den gesunden Freiheitsdrang dieses Alters unterbinden. indem man nun nicht nur die überwertigen Einschränkungen ablehnt. Das ist dann keine »echte« Hysterie mehr.manchmal wohl auch bewußt. oft unbewußt tendenziös wird . was ja schon in der Bezeichnung liegt. einzwängende. Zugleich mag es uns zur Vorsicht mahnen. und die bittere Erkenntnis. aus einem falschen Respekt vor der Wissenschaft.meist im Schulalter einsetzend . Das kann uns nachdenklich machen und vielleicht das Verständnis für die Bedingungen hysterischer Entwicklungen noch deutlicher werden lassen. daß das daheim Gelernte draußen untauglich ist. lag in der Familie (»und drinnen waltet die züchtige . Das kann manches »ungeratene« Kind in besonders strengem. Gefühle der Unsicherheit und des Blamiertseins. prüdem oder autoritär-engem Milieu erklären. wissenschaftliche Meinungen ungeprüft zu übernehmen. Wir wollen noch kurz die historische Tatsache streifen. was von einem erwartet wurde. die die Gesellschaft von ihr erwartete. Ihr Lebenssinn und die Rolle. fixieren das Kind nun regressiv wieder stärker an die Familie. warum offenbar Frauen besonders häufig hysterisch erkrankten. Die Enttäuschung an der Welt. Das zentrale Problem hysterischer Persönlichkeiten ist also. die ja gerade. dann aber im Protest gegen starre. daß man früher die Hysterie ausschließlich den Frauen zuordnete. Außer den angeführten hysteriebegünstigenden Milieus kann sich eine solche Persönlichkeitsstruktur auch in einer ausgesprochen zwanghaften Umwelt entwickeln. oder sie übernehmen sonstige ihnen aufgedrängte oder sich anbietende Rollen. daß sie die Identität mit sich selbst nicht gefunden haben. Entweder finden sie aus der Identifikation mit den Vorbildern ihrer Kindheit nicht heraus.kommt dann . Das Leben der Frau in unserer westlichen Kultur war früher fast ausschließlich auf den Bereich der Ehefrau. In der Opposition dagegen steigert man sich in extreme Verhaltensweisen und schüttet gleichsam das Kind mit dem Bade aus. Hausfrau und Mutter beschränkt.in Krisen und erlebt Situationen. oder sie bleiben in der Rebellion gegen diese stekken. da das Wort Hysterie abgeleitet ist vom griechischen hystera = Gebärmutter. alle lebendigen Impulse beschneidende erzieherische Haltungen. sondern in bewußter oder unbewußter Herausforderung in allem das Gegenteil davon lebt. sondern eine reaktive. wenn sie etwas über den Menschen aussagt. auf die es nicht oder falsch vorbereitet ist. wenn wir uns fragen. Auf solcher Basis entstehen oft hysterischschizoide Mischstrukturen.

So überall benachteiligt. die Verzweiflungsausbrüche bis zu Selbstmordandrohungen.. damit aber eine Partnerschaft endgültig zerstören. . Dadurch bekam die Partnerbeziehung für die Frau einen anderen Stellenwert als für den Mann. in ihren Entfaltungsmöglichkeiten auf Heim und Familie beschränkt. die um so gefährlicher und bedrohlicher erlebt wird.« heißt es in Schillers Glocke). die zugleich Selbstverteidigung und Rache war. Die zur »ehelichen Pflicht« herabgewürdigte Sexualität der Frau war häufig die Ursache ihrer »Frigidität«. die Leistung der Frau minder eingeschätzt und bezahlt.Hausfrau. je einseitiger man das Männliche vertritt und überbewertet. Hinter dieser Hybris des Mannes. Es ist kein Zufall. was Krankheit. als ihr eigenes Wesen. seine tiefe Angst vor dem Weibe. eine als gleichwertig anerkannte und in ihren Entfaltungsmöglichkeiten nicht unterdrückte Frau braucht sie nicht mehr. die körperlichen Symptome. im Gegensatz zum Manne. die Frau juristisch und wirtschaftlich in Abhängigkeit gehalten. vor der »anderen Seite« des Lebens. daß der Mann mit seinen Mitteln der Ratio und Logik ihm gegenüber machtlos war: was war an den Reaktionen der Frauen Absicht. Mit der Genialität des Unbewußten fand die Frau das Gegengewicht gegen die männliche »Überlegenheit« in der Hysterie. und sich zugleich an ihr zu rächen. mit der man wiederum ihr den schwarzen Peter zuschob. Man möchte fast sagen: sie »erfand« die Hysterie als das Verhalten. kollektiven Vorurteilen unterlegen. demgegenüber der Mann sich als hilflos empfand und resignierte. daß im allmählich ausklingenden Patriarchat die sogenannte klassische Hysterie seltener geworden ist. an denen er oft genug scheiterte. ihre Wünsche und Ansprüche gegen die übermächtige Männerwelt durchzusetzen. Da wurde die Hysterie sozusagen die einzige Waffe der Frau. undurchschaubar und nicht zu fassen. das Männliche wurde allgemein höher bewertet. was war Nicht-Wollen.. legten dem Mann Rätsel über Rätsel vor. vorsichtig gehütet und verborgen. war die Lage der Frau im Patriarchat keine beneidenswerte. gegen das »kein Kraut« gewachsen war. die dramatische Szenen. hinter seinem Machtund Besitzanspruch aber lag. was Nicht-Können. dem viel reichere Möglichkeiten für seine Selbstverwirklichung offenstanden. dazu gedrängt. mehr die Wunschbilder und Erwartungen der Männer und der Gesellschaft zu erfüllen. wollte er nicht die »Widerspenstige« mit der Peitsche Nietzsches »zähmen«. die ihr lange Zeit sogar die Seele absprachen. unlogisch. und später keine eigene Sexualität zugestanden. Hysterisches Verhalten ist so irrational. Zugleich war die soziale Rolle des Mannes in vieler Hinsicht eine bevorzugte.

unabhängig vom Geschlecht.den sie. ist: Unterdrückung. sie meinen immer. und kann ihnen das Maß an Befriedigung und Erfüllung geben. der nur zu durchbrechen ist durch konsequent erworbenes Wissen und Können. daß Hysterie eine Krankheit ist. von denen sie sich das Erhoffte versprechen. mit ihren erlernten Verhaltensweisen nicht den erwarteten Erfolg zu haben . umso schneller und früher erwarten . das erhöht ihr Geltungsbedürfnis. Es ist eine merkwürdige Tatsache. sein. lassen als Gegenreaktionen hysterische Verhaltensweisen entstehen.erleben sie zu wenig echte Befriedigungen ihres Könnens. vielleicht auch damit. was ihn zur moralischen Überlegenheit zu berechtigen scheint. mit einer aufzeig- . das auch für sie möglich ist. das zu Ändernde läge draußen. daß wir hier alte Vorurteile übernommen und beibehalten haben. nach Veränderungen. Vielleicht ist indessen aus den mitgeteilten Krankengeschichten deutlicher geworden. sondern ihre Spielregeln. schwebt den meisten etwas vor. daß der Begriff der Hysterie so oft abwertend gebraucht wird. Das mag damit zusammenhängen. für den zwanghaften. vor der Endgültigkeit und Notwendigkeit kommt. mit der Bereitschaft zur Selbsteinsicht und zum Nachreifen. Nur dann zeigt ihnen die Realität auch ihre positiven Seiten. nicht in ihnen selbst . Auch ihre große Verführbarkeit wird so besser verständlich: ihre allgemeine Unzufriedenheit mit sich und dem Leben macht sie reizhungrig. Unfreiheit. Abwertung. »wenn er nur wolle«. Wir haben in großen Zügen den genetischen Hintergrund hysterischer Persönlichkeitsentwicklungen aufgezeigt. depressiven oder schizoiden Menschen haben wir im allgemeinen mehr Verständnis. der Gesellschaft. sie sind immer auf der Suche nach neuen Reizen. ihnen als Leidenden zu sehen. Dazu gehört der Mut zur Echtheit und die Bereitschaft zu notwendigen Verzichten. nicht mehr vor der Realität auszuweichen. Auch die anderen als hysteriebegünstigend beschriebenen Milieus sind geschlechtsunabhängig. Aus der Enttäuschung. der Hysteriker spiele nur krank. sind wir bereiter. je öfter sie Niederlagen erlebt haben.das zu erkennen ist der Ansatz zur Gesundung.Was wir daraus über die Genese der Hysterie lernen können. daß man die Vorstellung hat. die wir alle leisten müssen. könne durchaus vernünftig usf. das sie nun wieder mit ungenügenden Mitteln zu erreichen versuchen. Zwänge und Uneinsichtigkeit des jeweiligen Partners. was zum hysterischen Teufelskreis führt. Die Hilfe kann für sie nur darin liegen. bezeichnen wir dagegen jemanden als hysterisch. Ordnungen und Gesetze in ihrer Folgerichtigkeit zu erkennen und anzunehmen. auf dem es zu der für sie charakteristischen Angst vor dem Festgelegtwerden.

»eigenmächtig« im Speisesaal des Hotels sich etwas bestellte. kennt man ihre Lebensgeschichte. Beispiele für hysterische Erlebnisweisen Kommen wir wieder zu einigen Beispielen. ihm ihren Körper beim An. wenn aber der Sohn. die ihm aufgedrängte Rolle übernehmend. die sie aber nicht scheiden lassen wollten aus gesellschaftlichen Gründen. daß es . zugleich seine Befangenheit. denen wir daher sozusagen das Recht nicht zusprechen wollen. Sie war eine attraktive Frau und es machte ihr Spaß. die an Hysterie erkranken. Er hatte also nur die Funktion. auf die sie den Sohn immer mitnahm. . daß er eine Neigung zur Homosexualität habe. In der Besprechung mit dem Sohn kamen folgende Details heraus: Die Eltern lebten seit Jahren in einer sehr schwierigen Ehe. letztlich leiden wir alle an nicht genügend verarbeiteter Vergangenheit. Eine vermögende Frau suchte mich wegen ihres 16jährigen Sohnes auf. auf den Sohn verführerisch zu wirken. wird man seine Meinung revidieren müssen. bei wem sie so beschaffen war. dem das nicht zustand.ins beste Licht setzte: sie rückte sowohl den Stuhl so. machte sie ihm vor dem Ober wieder zum kleinen Kind. daß ihr Gesicht am besten zur Geltung kam und eine etwas dicke Backe im Schatten lag (für die sie sich entschuldigte . weil sie Grund zu der Befürchtung haben zu müssen glaubte. Die Mutter machte häufig große Reisen.von außen gesehen .im wörtlichen wie im übertragenen Sinne . In der Besprechung mit ihr war es ihr offensichtlich am wichtigsten. Sie ließ sich von ihm wie von einem Pagen verehren. die Mutter zu verehren und so etwas wie ihr Spielzeug zu sein. weil er aus ihr mehr Hilfen als Schädigungen mitbekam. Vielleicht wird unser Vorurteil auch dadurch bestärkt. und sie schlief auf diesen Reisen bis über seine Pubertät hinaus mit ihm im selben Zimmer. daß er sein Leben dennoch fruchtbar gestalten konnte.es wäre ihr heute morgen ein Zahn gezogen worden). der sollte aus der Dankbarkeit dafür Verständnis und Toleranz gegenüber den weniger Glücklichen aufbringen. daß sie seine verhaltene Neugier und Erregtheit spürte. dagegen ihren Ehemann erheblich kritisierte und abwertete. wie andere Kranke. als sie sich auch als Mutter recht großzügig mit Selbstlob bedachte.oft vom Leben Begünstigte zu sein scheinen.baren Entwicklungsgeschichte. und daß der hysterisch erkrankte Mensch ebenso ein Leidender ist. die sie »süß« fand. Er wurde dann in die Rolle des kleinen Kavaliers geschoben.und Auskleiden so weit sehen zu lassen. daß sie erkrankten. sie wohnten nur in den vornehmsten Hotels. daß sie sich .

kalten und harten Augen der Mutter registrierten jeden »Fehler«. Sie wollte nicht älter als 30 Jahre werden . hatte es einen Fehler gemacht. wenn es sie nicht enttäuschte und gut funktionierte. für die sie dem Mann allein die Schuld gab. die. wurde von der Mutter für die Erfüllung ihres eigenen unbefriedigten Geltungsbedürfnisses mißbraucht. da ja ihre ganze Existenz und ihr Selbstwertgefühl auf ihren körperlichen Reizen beruhte. Ging alles gut. wenn sie immer sagte. Sie rächte sich für die Enttäuschung an ihrer Ehe. er auch eine Abneigung dagegen hatte. Die Mutter saß unterhalb des Laufsteges. Die mit Neid gemischte Bewunderung anderer Kinder war ihm nur ein geringer Trost. etwas falsch zu machen. ein sehr charmantes Mädchen.die Mutter hatte offenbar doch recht. weiterhin von der Mutter scharf kontrolliert und unnachsichtlich beurteilt auf ihren Markt- .. was sie ihm damit antat.Die Beziehung zum Vater hatte sie ihm weitgehend zerstört. sehnte sich unbestimmt nach der »großen Liebe«. indem sie ihn gegen diesen einnahm und eifersüchtig reagierte. sie schienen überhaupt der einzige wirkliche Wert zu sein. die sie letztlich aber unbefriedigt ließen. Der Sohn seinerseits legte das als Gleichgültigkeit aus und sah darin fast etwas wie ein Schuldbekenntnis des Vaters . sie liebe ihn mehr als der Vater.danach schien ihr das Leben keinen Sinn mehr zu haben. ohne daß sie sich Gedanken darüber machte. mit Androhung. sich ungraziös zu bewegen usf. wenn er sich dem Vater zuwendete. wurde es zu Hause heftig gescholten und weiter trainiert. ihn auf gleiche Weise gegen die Mutter einzunehmen und ihr abzuwerben. sah aber keine rechte Möglichkeit. und das Kind hatte große Angst. zugleich erhielten so äußere Vorzüge einen Überwert. ihre Beziehungen zu Männern ebenfalls. daß die Liebe der Mutter nur zu erreichen war. umarmte und küßte die Mutter es zärtlich vor dem Publikum und gab ein rührendes Bild ihrer Mutterliebe. Das einzige Kind in einer sehr problematischen Ehe. Das Kind bekam das Gefühl. Mit vier Jahren mußte es bereits auf dem Laufsteg Kinderkleider vorführen. Der Vater seinerseits spürte die Entfremdung des Sohnes. Sie reagierte mit schweren Depressionen auf schon geringe Gewichtszunahmen. weil er ihr »zu wenig bot«. daß so etwas nicht noch einmal passieren dürfe. wie sie sagte. Später wurde sie ein gesuchtes Mannequin mit viel Erfolgen. da die Mutter schon zeitlich im Vorteil war. ihn für sich zu gewinnen. weil er den Sohn viel seltener sah als sie. ja. Sie hatte dementsprechend viele »Affären«. aber einer zunehmenden Angst vor dem Älterwerden. der sich nicht viel aus ihm mache. So wurde er von ihr ganz für ihre Zwecke und als Racheobjekt gegen ihren Mann benutzt.

sie war noch tief in der Identifikation mit ihr steckengeblieben.sie meinte. der erst seine Freude an ihrem kapriziösen Wesen gehabt hatte.ein in vieler Hinsicht typisches Schicksal in diesem und ähnlichen Berufen. bei der sie häufiger sich aufhielt. der Schwiegersohn war Lehrer und somit zwar »sicher« und pensionsberechtigt. große Reichtümer waren indessen von ihm nicht zu erwarten. gut genug. daß für ihr Alter gesorgt wäre. um die so viele sie beneidet hatten . als in der eigenen Wohnung. und sich das Leben bequem zu machen. sich einmal mit sich selbst und ihrem Verhalten zu konfrontieren. soviel wie möglich aus ihm herauszuholen. Sie war nicht bereit. Der Mann. hätte zuviele unangenehme Selbsteinsicht erfordert und zu anstrengende Konsequenzen gehabt. So wurde die Entfremdung zwischen ihnen immer größer. die ihn zum Schuldigen machte. worin eine Chance zur Einsicht und zu Gesprächen gelegen hätte. Ein fast geglückter Selbstmordversuch brachte sie schließlich in die Psychotherapie. vorwiegend als Erwerbsquelle. Die Mutter wertete den Schwiegersohn häufig ab . und ließ das ganze Elend hinter der schönen Fassade erkennen. als daß sie seine Frau wurde und zu ihm stand. als der Mann eine Beziehung zu einer anderen Frau anknüpfte. auch wollte die Frau die enge Bindung an die Mutter nicht aufgeben . abgelöst. So ging die Tochter ihren Neigungen und Vergnügen nach. und lebte mit der Einstellung. die Mutter vermittelte ihr Beziehungen zu vermögenden Männern und erhoffte sich von einem reichen Schwiegersohn soviel Sicherheit. hoffte. für die Familie den Lebensstandard zu verdienen. darin von der Mutter unterstützt. In diesem Falle war die Frau noch gar nicht von ihrer Familie. die sie einander vielleicht wieder näher gebracht hätten . etwas so Charmantes und Begehrenswertes wie sie lieben zu dürfen. vor allem von der Mutter. ihre Tochter hätte »etwas Besseres« verdient. Sie sah ihren Mann ebenso.das wäre zuviel verbindliche Realtität gewesen. ihr Mann müsse eigentlich froh sein. aber sonst eine »quantite negligeable«. vernachlässigte den Haushalt. daß sich ihre schwierigen Seiten in der Ehe und durch eine Mutterschaft legen würden.sie blieb mehr deren Tochter. Sie wollte keine Kinder. Das geschah indessen nicht.wert hin. Eine Frau mit stark hysterischen Zügen suchte ihren Mann völlig zu beherrschen. und hatte damit deren Maßstäbe . Sie hetzte die Tochter auf. strich die Ehefrau mit einer großzügigen Geste die Vergangenheit und ihren Anteil an dem Geschehen aus und hielt sich nur an das aktuelle Faktum seiner Untreue. Schon in ihrer elterlichen Familie war der Vater mehr oder weniger als komische Figur angesehen gewesen.

sie wollte sich nicht scheiden lassen. wie »die Männer« waren. weil sie immer wußte. ängstlich und unselbständig. war die einzige Tochter in einer sehr schwierigen Ehe. nahm auch er sie nicht ernst. Die Tochter hielt sich mehr an die Mutter. zugleich als abschreckendes Beispiel dafür. Nie hatte sie sich die Mühe gemacht. je unsicherer sie in sich selbst war. die Frauen an zweiter Stelle rangierten. sich über Menschen oder Lebensfragen ein eigenes Urteil zu bilden. er wollte es aus Bequemlichkeit nicht. Solche nicht vollzogenen Ablösungen von den frühen Bezugspersonen sind ein Charakteristikum für hysterische Persönlichkeiten. machte ihm erst verzweifelte Szenen und Vorwürfe. Er war zufrieden.als gute Ehefrau hatte »man« der Meinung seines Mannes zu sein). verwöhnte. »ich bin ganz deiner Meinung« . Sie reagierte hilflos auf die Situation. woran dem Mann allerdings auch nicht viel lag. in der es keine Probleme gab. Sie vertraute dem Kind schon früh ihren Kummer an. in ihr ein so gefügiges. Sie kam dahinter und er leugnete es auch gar nicht ab. zugleich aber unbelehrbar zäh festhaltend an übernommenen Vorurteilen und Meinungen. für ihn sorgendes und ihn bewunderndes Wesen zu haben. sie vertrat das Übernommene umso starrer. und hatte bald andere Frauenbeziehungen. wie »man« sich zu verhalten hatte. selbst aus einer Familie stammend. ordnete sich ihm völlig unter und kam so auch in der Ehe zu keiner Weiterentwicklung. weil sie so wenig anregend und eigenständig war. Der Vater war ein großzügiger Politiker. wie sie in ihrer Familie vorgeherrscht hatten. hatte er doch so seine Abenteuer und trotzdem ein Zuhause außerdem hatte eine Scheidung vielleicht seinem Ruf geschadet. nur daß sie sich in ihrer Not mehr und mehr an die Tochter klammerte. So blieb alles wie es war. das ihn. wo die Männer patriarchalische Vorrechte genossen. daß es den Vater durch die Augen der Mutter als bösen Mann sah. überließ ihm alle Entscheidungen (»du verstehst das ja doch besser«.und Ansichten ungeprüft übernommen. Die Mutter. Dafür ein weiteres Beispiel mit etwas breiterer Schilderung des Milieuhintergrundes: Fräulein P. sondern erreichte auch. ein ausgesprochener Despot. . aber zu Hause tyrannisch. erfolgreich. weil sie das auf die eigenen Füße gestellt hätte. voller Willkür und Intoleranz. belastete es damit nicht nur altersunangemessen. Aber andererseits wurde sie ihm dadurch auch langweilig. Da sie sich selbst nicht ernst nahm. war in der Ehe eine kleinbürgerliche Glucke geblieben. Sie bewunderte den erfolgreichen und bekannten Mann restlos. und lebte so in einer »Man-Welt«. die ihn aber nur langweilten und abstießen. wenn er von seinen häufigen Reisen heimkam.

zog sie deutlich der Mutter vor. So wurde sie hin und her gerissen von sich widersprechenden Gefühlen: der Vater war für sie der Repräsentant der »großen Welt«.die Mutter war viel mehr auf Bescheidenheit und Verzichten eingestellt. als der immer beschäftigte. Der Vater seinerseits begann an ihr erst mehr Interesse zu bekommen. So schien mit dem Weggang des Vaters die »große Welt« zunächst für sie unterzugehen. sich nicht behaupten zu können und die ihr ja. zu der sie mit ihren Sorgen hatte kommen können und auf die sie zählen konnte.der Vater nur mit ihr unternahm. sich die Liebe der Mutter zu verscherzen.weil diese sie verwöhnte und viel mehr für sie da war. die ihr ein ganz neues Selbstwertgefühl gab. denn letztlich war. die ihrerseits nun in der Tochter den ihr verbleibenden Lebensinhalt sah. Diese Problematik wurde verschärft. wie sie meinte. wenn die Tochter ihr eigenes Leben führen wollte und die Mutter häufiger allein ließ. Durch Verwöhnung und durch Erwecken von Schuldgefühlen. Zugleich kam sie in eine schwierige Gefühlssituation. Es entwickelte sich zwischen beiden eine erotisch getönte Beziehung. weil diese bei Anwesenheit des Vaters gleichsam zur Haushälterin degradiert wurde. es doch immer die Mutter gewesen. andererseits empfand sie Schuldgefühle der Mutter gegenüber. als sie in die Pubertät kam und ein recht anziehendes junges Mädchen wurde. Stadtbummel usf. in der sie fürchtete. bei aller Enge und Kleinbürgerlichkeit. den Mann weggenommen hatte. band sie die Tochter an sich. von dem sie klar fühlte. zugleich empfand sie indessen auch einen geheimen Triumph darüber. machte anerkennende Bemerkungen über ihre Figur und tätschelte sie auf nicht mehr nur väterliche Weise. während die reizvollen Dinge . ohne sich zu scheiden.Ausgehen. und hatte eher Angst vor jener Welt. indem sie durch das Verhalten des Vaters zur Rivalin der Mutter gemacht wurde. als die Eltern sich trennten. und sie blieb mit der Mutter im gewohnten Rahmen. und erweckte durch seinen Lebensstil in ihr unbestimmte Erwartungen und vage Vorstellungen eines Lebens. daß sie die Mutter so beim Vater ausgestochen hatte . . Er flirtete mit ihr.sie hatte nur Angst. durch die sie sich ihrer körperlichen Reize bewußt wurde. von der sie Gefühlswärme bekam. der Vater zog in eine größere Stadt. Sie hielt sich wieder enger an die Mutter. und wiederholte so ihre . die sie doch wegen ihrer Verläßlichkeit und immer Verfügbarkeit so brauchte. viel auf Reisen abwesende und so ungeduldige und unberechenbare Vater. daß die Mutter es nie würde erfüllen können . So schmeichelte ihr einerseits die männlich-anerkennende Zuwendung des Vaters.

Haltung. was sie erreicht haben aus eigener Kraft. auch noch die Tochter zu verlieren und dann ganz allein zu sein. daß diese etwas Vernünftiges lernte das hätte ja ihre Zweisamkeit bedroht. denn der Lebensstil des Vaters hätte sie ihr ermöglichen können. und der Vater konnte voll väterlichen Stolzes mit einer jungen Dame ausgehen. sie kritisierte die Mutter. der Stolz über das. nahm sie in die Oper mit usf. die sie sich nicht durch eigene Leistung erfüllen konnte. um von der Tochter gebraucht zu werden. tyrannisierte sie nun ihrerseits die Mutter. Die Mutter nahm ihr soviel wie möglich ab. als ob sie ihr zuständen » womit sie nicht einmal völlig im Unrecht war. Er ging mit ihr in elegante Restaurants. der Stolz. Während er die Mutter knapp hielt. Sie war inzwischen herangewachsen und noch anziehender geworden. und die er für kurze Zeit wie eine Freundin verwöhnte. was herauszuholen war. aus ihrer Angst. wie es der Vater getan hatte. In unbewußter Identifikation mit dem Vater. So setzten beide Frauen die alte eheliche Situation fort. wenn er sie zu sich in die Großstadt einlud. der Schmuck und die erweckten Ansprüche in keiner Weise mehr hineinpaßten. und ließ ihre Unzufriedenheit und ihre Launen an ihr aus. zu arbeiten« . Aber ebenso plötzlich wie der Glanz aufgeleuchtet war. daß sie »es sich leisten können«. wie der Vater es getan hatte. nur mit dem Rollentausch von Vater und Tochter. läßt sie die Folgen für diese vergessen.eine bei Selfmademen nicht selten zu findende Einstellung ihren Kindern gegenüber. in deren kleinbürgerliche Welt. verblaßte er wieder für unbestimmte Zeit: die Tochter wurde zur Mutter zurückgeschickt. die sie dem Manne gegenüber schon eingenommen hatte. Die Meinung des Vaters dazu war: »Meine Tochter hat es nicht nötig. kaufte ihr teure Kleider und Schmuck. Sie selbst hatte keine ausgeprägten Neigungen zu irgendeinem Beruf. So lernte sie. entfaltete er in den Tagen des kurzen Zusammenseins mit der Tochter den ganzen Glanz seines Lebens. Die Tochter sah den Vater nur noch in großen Abständen. hätte er sich mehr um sie gekümmert. daß ihre Töchter kein Geld zu verdienen brauchen. nach der sich die Männer umsahen. hier nur ihre Unzufriedenheit steigerten. ließ sich von ihr verwöhnen und bedienen. die die Mutter aus Verlustangst ertrug. holte nun die Tochter aus der dazu nur zu bereiten Mutter heraus. lebte unbewußt damit wohl auch eine Rache an den . durch die sie seinen Verlust auszugleichen versuchte. und behandelte sie. so daß Mutter und Tochter recht bescheiden leben mußten. Ansprüche zu haben. Ansprüche. wäre ihre Entwicklung wohl anders verlaufen. Vom Vater enttäuscht. war sie gar nicht daran interessiert. in welche die Kleider. die sie an das Leben stellte.

unsicheres Mädchen geblieben. Ihre eigentliche Angst.sie war ja krank. Sie gewöhnte sich einen ihr als vornehm dünkenden leicht näselnden Tonfall an. sich zu kleiden und »Konversation zu machen«. Schwindelgefühlen und Schlafstörungen äußerte. zu erkennen. sollt ihr wenigstens weiter sorgen für mich« .Eltern. anspruchsvoll. sie war eine Rache an den Eltern.mit der Mutter . verstand es. das auf den sie befreienden Prinzen wartet. die sie in Tagträumereien breit ausfantasierte. Anspruch und Sicherheit. und andererseits schlichtere Männer ihr »zu wenig zu bieten hatten«. wurde auf diese Ängste verschoben. warum kauft er mir keine Handschuhe«. deretwegen sie . So wuchs Fräulein P. daß sie zwar große Wünsche an das Leben hatte. wo ich hingehöre. nicht einmal mehr allein ausgehen. sie war charmant. Sie konnte ohne die Mutter nichts mehr unternehmen.die Rechnungen bekam der Vater. Hinter den nach außen gezeigten Haltungen von Stolz. hatte die vom Vater übernommenen großen Allüren . Sie bekam eine Angstneurose mit lärmender Symptomatik. sich allem Unliebsamen entziehen zu können. für deren Verwirklichung aber die Fähigkeiten in ihr nicht entwickelt worden waren. die Angst vor der Realität.von Arzt zu Arzt zog . die man etwa so hätte formulieren können: »Wenn ihr mir schon alles so schwer gemacht habt.was an die Redensart erinnert: »Es geschieht meinem Vater ganz recht. gehemmt und muttergebunden. und sie hatte nun eine »legitime« Entschuldigung dafür. das diese Unsicherheit vor sich selbst und der Welt verschleiern mußte durch arrogantes Auftreten. der sich aber bald weigerte zu zahlen. weil sie zu solchen Kreisen keinen Zugang hatte. sowie vor dem Aufgeben ihrer kindlich-unreifen Haltungen. heran. Die Angstneurose hatte folgende Funktionen: sie band die Mutter als Schutz und Puffer vor der Welt an sich. wie sie ihr Leben gestalten wollte. vor dem sich Bewähren. daß sie auf sie angewiesen blieb. . daß ich nicht weiß. und machte auf den ersten Blick den Eindruck einer leicht gelangweilten jungen Dame der »besseren Kreise«. Nicht gewohnt zu arbeiten. die sich auch in körperlichen Symptomen wie Herzjagen. die nun die Entschuldigung dafür abgeben sollten. hinter deren makabrem Humor oft Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung stehen. Auf diesem skizzierten Hintergrund entwickelte Fräulein P. zunehmend Angstzustände.allerdings ohne dessen Tüchtigkeit und Können. Es tauchte aber keiner auf. sie ersparte ihr die Enttäuschung. war sie ein kleines. daß sie all das eben nicht konnte . wenn ich mir die Hände erfriere. lebte sie wie ein Dornröschen. vor dem Etwas-Lernen und vor klaren Entscheidungen. die sich in der Welt auskannte.

es ihnen gleich zu tun. daß sie sich auch jungenhaft benahm und bewegte.noch dazu als Einzelkind . hätte beide zu Reifungsschritten gedrängt. aber bei allen möglichen Variationen eines hysteriebegünstigenden Milieus.sie brauchten sich gegenseitig zu sehr. bei allem Quälen und Ausnutzen der Mutter. bekam Jungenskleidung. aus alledem keine geglückte Identität mit sich selbst. was denn die »Wirklichkeit« eigentlich sei: Die großzügige Welt des Vaters. kurzen Haarschnitt. die noch einmal zusammengefaßt werden sollen: Eine schwierige elterliche Ehe. um sich loslassen zu können . gleichsam im Zeitraffer gezeichnet. wenn jemand ihr sagte. War sie nun schon kein Junge und insofern eine Enttäuschung. wenn die Mutter einmal starb? Das war gar nicht auszudenken und veranlaßte sie. auch gern hörte und was dazu führte. Sie hätte deshalb ein Junge sein sollen. Ulrike war das dritte Kind ihrer Eltern nach zwei vorangegangenen Schwestern. was sie. wußte nie recht. Fräulein P. und erzogen sie wenigsten wie einen Jungen. Die Erkrankung der Tochter war ein Alarmsignal des noch gesunden Teils in ihr. war stolz. daß es so auf lange Sicht nicht weitergehen könne. in die das Kind . In der Pubertät war sie unglücklich.aber wie reizlos und langweilig war das! Und was sollte sie tun. da es mit deutlicher Anerkennung ausgesprochen wurde. um sie sich möglichst lange zu erhalten. Sie wurde Uli gerufen. und man versicherte sich und ihr immer wieder. in den Tagen ihrer Periode . mit zu wenig gesunden Orientierungsmöglichkeiten in der Welt. läßt es doch viele dafür typische Züge erkennen. daß sie wie ein Junge aussehe. oder die enge.das Erwachsenwerden einer von ihnen hätte ihre sie schützende Neurose zu zweien bedroht. Verführung und Erwecken von vagen Erwartungen für die Zukunft. doch immer wieder nett zu ihr zu sein. aber doch gefühlswarme und verwöhnende Mutter. Sie spielte nur mit Jungen und bemühte sich. Ausfall an solidem Können und Wissen. Wie sollte sie selbst sein? Sollte sie eine große Dame werden . hielten die Eltern trotzdem an ihrem Wunsch fest. So kann man die Ausweglosigkeit der Beziehung beider Frauen verstehen . vor denen sie Angst hatten. als die sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale bei ihr auftraten. sie könne es mit jedem Jungen aufnehmen.aber wie wurde man das? Oder sollte sie wie die Mutter werden .in altersunangemessener Weise einbezogen wird. ein Milieu voller Widersprüche. der Mangel an echter Führung und geschlechtsspezifischen Vorbildern.Natürlich ist auch dieses Beispiel noch zu vereinfacht. zu lange Bindung an einen Elternteil.

und sie bekam ihre erste größere Rolle. Das Beispiel ist vor altem charakteristisch für die Erschwerung der Hinfindung zur weiblichen Rolle und für die Schwierigkeit.ohne daß die Hoffnung auf die schauspielerische Laufbahn aufgegeben wurde-in anderen Stellungen. Dann versuchte sie es inzwischen . Danach bekam sie keine weitere Rolle. an sich kein großes Talent. war einer jener »Erfinder«. die es für ein Kind bedeutet. zu ihrem Glück .und versagte. und entzog sich ihm mit heftiger Abwehr. als ihrem Können verdankte. und die sie daher enttäuschten. an Bühnen und Agenturen. Ulrike hatte in der Schule bei kleinen Aufführungen gewisse Erfolge gehabt und ein gewisses schauspielerisches Talent gezeigt. mit ihm wartete die ganze Familie darauf. ihre ganze Desorientiertheit und Hilflosigkeit kam darin zum Ausdruck. Sie wurde hier und da zum Vorsprechen gebeten. seinen unerfüllten Ehrgeiz über die Tochter auszuleben: Sie sollte Schauspielerin werden. knabenhaften Mädchentypus heranwuchs. der Vater schrieb Unmengen von Briefen.wurde ihr Typ für ein Stück gesucht. die immer auf ihre große Erfindung warten. um nicht hinter den Jungens zurückzustehen. womit sie gar nicht gerechnet hatte. fand sie bald Anklang bei Männern. für die sie aber zu wenig Vorkenntnisse mitbrachte. fühlte sie sich doppelt gehemmt durch die vorangegangenen väterlichen Anpreisungen und die dadurch geweckten Erwartungen .war sie erst recht aktiv. ohne dafür die Fundierung mitzubringen. die sie nie machen. Mit 25 Jahren begab sie sich in eine psychotherapeutische Behandlung wegen Angstzuständen (Agoraphobie). die sie mehr ihrem Typ. sie konnte nicht mehr allein aus dem Haus gehen und war arbeitsunfähig. mit Fotos der Tochter und übertriebener Beschreibung ihrer Talente. der seine Töchter abgöttisch liebte und Großes mit ihnen vorhatte. da sie bisher zum Männlichen nur kameradschaftlich gestanden hatte. Da sie dennoch zu einem recht aparten. und bedauerte den armen Vater. so daß entweder bald ihr gekündigt wurde. ging sie naiv-selbstverständlich schon bald mit einem Mann auf eine Wochenendreise. als dieser etwas von ihr wollte. mit dessen spezifischem Charme. wenn es Wunschvorstellungen der Eltern erfüllen soll. nun versuchte der Vater plötzlich. Sie bekam Schauspielunterricht. . war aber hilflos entsetzt und empört. der so begabt war und nur nicht entdeckt wurde von der Welt. oder sie nach einer Probezeit aufgab.oder Unglück . Der Vater.

und von gewissenlosen Machthabern kann diese Projektionsbereitschaft angeschürt und politisch oder ideologisch ausgenutzt werden. Rassenhaß und . und wieder in aller Unschuld wie neugeboren anfangen kann. Als Patienten in der Psychotherapie möchten sie sich am liebsten hypnotisieren lassen. auch hier ist ihnen oft der Schein wichtiger als die Echtheit. Wir kennen den gleichen Vorgang des Projizierens eigener Mängel und Schuldgefühle auf andere zur Entlastung auch in Kollektiven. sagt ihnen sehr zu. die wir bei ihnen auf allen möglichen Gebieten aufzeigen konnten. weshalb sie aus Krisen selten etwas lernen. im anderen. ihre Schwierigkeiten im Handumdrehen loszuwerden ohne eigene Anstrengung. was sie bei sich selbst nicht wahrhaben wollen. Sie halten gern an der Vorstellung eines persönlichen Gottes im Sinne eines guten Vaters fest. naiv und wundergläubig. Solche unkontrollierten und aufgeheizten Projektionen sind als psychodynamischer Hintergrund am Zustandekommen von Kriegen.man kann nie wissen. sind verführbar durch Heilsversprechungen. wird reichlich benutzt. weil wir alle auch diese uns prägende Entwicklungsphase unserer Kindheit durchlaufen müssen. alles zu relativieren und den Sündenbock draußen.Ergänzende Betrachtungen Hysterische Persönlichkeiten leben in einer Pseudorealität. wenn man die Form erfüllt. wo er eine große und gefährliche Rolle spielt. mit der Erwartung. und man bekommt den Eindruck als müßten Feinde erfunden werden zur Entlastung eigener Schuld. Die Frage der Echtheit ist ihr zentrales Problem .es ist die innere Spiegelung ihres Ausweichens vor der Realität in »Rollen«. Glaubensgemeinschaften und Rassen pflegen aufeinander das zu projizieren. die auch ihr Sensationsbedürfnis ansprechen. Hier eignet sich für solche Projektionen der »Feind« besonders gut. die helfen wollen ohne große eigene Anstrengung. In der Ethik haben sie ähnliche naiv-unverbindliche Einstellungen. Das erschwert ihnen die Selbsteinsicht und Selbstkritik. Sie sind daher oft Anhänger entsprechender Sekten. ob man die Kirche nicht doch einmal braucht. zu suchen. es genügt. So bleiben sie in vielem kindlich-unreif. Auch bei ihnen geht es letztlich um allgemein Menschliches. Die Möglichkeit. an dem wir in verschiedener Akzentuierung teilhaben. Ganze Völker. daß man durch Reue und Beichte alle Schuld loswerden. der natürlich sie besonders liebt und das schon irgendwann zeigen wird. nur nicht bei sich selbst. Die Religion wird ihnen leicht zu einem unverbindlichen Glauben aus Pragmatismus . Der Gedanke. mit den zu ihr gehörenden Aufgaben und Ängsten.

Das sich Befreienwollen von belastender und schuldhafter Vergangenheit ist ein allgemein menschliches Bedürfnis. was den Ansatz legt für spätere Enttäuschungen an sich selbst und am Leben. und so unterstützen sie seine illusionären Wunschvorstellungen. sich mit ihnen auseinanderzusetzen und einen notwendigen Verzicht einzusehen. oder von ihm einen notwendigen Verzicht fordern müssen. weil das Verhalten der Erwachsenen zu stimmungsabhängig. nie recht weiß. womit es zu rechnen hat. ist gastfreundlich. Verwöhnen und Versagen liegen bei ihnen schroff nebeneinander. und sie werden von vielen um ihre Eltern beneidet . bewundern sie. so daß das Kind sich schwer orientieren kann.vergehen unsere Vergehen mit der Zeit? Dem hysterischen Anteil in uns wäre das sehr recht. Das erweckt in ihm jene gefährliche Erwartung einer Zukunft voller Wunder. daß das Leben schön und lebenswert ist. können überzeugen. das verunsichernd oder chaotisierend auf das Kind wirkt. kann uns nachdenklich machen . die irgendwann geschehen werden. das Elternhaus hat »Atmosphäre«. und dem Kind das Gefühl geben. eigene Schuld zu vergessen oder abzuleugnen. wenn es . zu wenig vernünftige und tragende Erfahrungen. weniger von objektiven Tatsachen bestimmt ist. andererseits stoßen sie es plötzlich wieder weg: wenn es für sie zum Anspruch.und lenken es so davon ab. sie haben eine starke Suggestivkraft. bis sie das Fassadenhafte erkannt haben. machen sie ihm unbestimmte Versprechungen auf irgendeine ferne Zukunft . anstatt es an die Realität heranzuführen. zur Last und Verantwortung wird. Bei überwiegend hysterischer Struktur der Eltern liegt die Schwierigkeit vor allem im Mangel an Konsequenz in der Erziehung.Glaubenskämpfen entscheidend mitbeteiligt. jeder Verzicht wird dann beim Kind mit der Erwartung einer demnächst fälligen Belohnung verbunden. daß sie die Bezeichnung für »Vergehen« im zeitlichen wie im sittlichen Sinn durch dasselbe Wort ausdrückt. Sie geben ihm so und auf andere Weise kein rechtes Handwerkszeug mit auf seinen Weg. Die Eigenart der deutschen Sprache. auch. Einerseits binden sie das Kind zu intim an sich. die Kinder empfinden ihre Eltern als liebenswert und sind stolz auf sie.oft allerdings nur so lange. der sich für zu vieles schuldig hält.»wenn du erst einmal erwachsen bist« . Häufig erwecken sie in ihm falsche Lebenserwartungen. So vermitteln sie oft ein seelisches »Aprilklima«. In der Gefühlszuwendung sind sie mehr spontan als gleichmäßig. Wenn sie das Kind enttäuscht haben. Als Eltern und Erzieher können Menschen mit hysterischen Persönlichkeitsanteilen begeistern und mitreißen. Im Gegensatz zum Depressiven. neigt der Hysteriker dazu.

Verständnis sucht für seine Probleme, fühlt es sich plötzlich alleingelassen, und muß erkennen, daß die Liebesbeteuerungen letztlich schöne Worte waren. Sie vertragen die Kritik des Kindes nicht, nehmen sie als persönliche Kränkung, und können schwer eigene Fehler zugeben - im Unterschied zum zwanghaften Menschen, nicht wie dieser aus Machtanspruch und Perfektionismus, sondern aus verletzter Eitelkeit und Eigenliebe. Werden sie vom Kind gestellt, zur Rechenschaft gezogen, gehen sie darauf gar nicht ein, sondern betonen nur, daß sie immer das Beste gewollt und soviel Opfer gebracht haben, so daß das Kind Schuldgefühle bekommt wegen seiner Undankbarkeit, anstatt daß es ernst genommen wird in seinen Schwierigkeiten. Gefährlich ist auch ihre Neigung, die Kinder zu Vorführkindern zu »erziehen«; sie sollen dann zum Ruhm der Eltern glänzen und dürfen nicht enttäuschen, da sie sonst deren Liebe verlieren. Überhaupt ist die Gefahr, das Kind in eine Rolle zu schieben, bei ihnen am größten. Teils weil sie das Kind mißbrauchen, um ihr eigenes Ansehen zu heben, teils weil es ihre eigenen nicht erfüllten Wünsche für sie erfüllen soll - ich erinnere an das Beispiel des Mannequins. In der Politik vertreten die hysterischen Persönlichkeiten gern die liberalen oder revolutionären Parteien, nicht zuletzt aus Sensationsbedürfnis, sowie aus einer unbestimmten Unzufriedenheit und ebenso unbestimmten Zukunftserwartungen. Sie sind aber Revolutionäre nicht mit der Härte und Konsequenz Schizoider: sie sind fortschrittsgläubig, oft in naiver Weise, indem sie an das Neue glauben, nur weil es neu und anders ist - hierin wieder deutlicher Gegenpol zum zwanghaften Menschen, der am Alten hing, weil es zumindest bekannt und erprobt ist. Ein Politiker von Format mit hysterischen Einschlägen ist, nach der Darstellung von Andre" Maurois, wohl Benjamin Disraeli gewesen. Auch als Politiker sind sie die mitreißenden, begeistern könnenden Redner, die nur gern zu viel versprechen. Oft sind sie Führernaturen, denen es mehr liegt, Dinge in Gang zu bringen, neue Wege aufzuzeigen, als die dann notwendige Kleinarbeit in der Durchführung ihrer Ideen zu leisten. Aber sie können auch die Verführer sein, die geschickt die geheimen Wünsche ihrer Wähler benutzen, um sich hochzuspielen, und die nach dem Grundsatz leben »après moi le déluge«, »nach mir die Sintflut«, die sich nicht mehr um das kümmern, was sie ausgelöst haben; manchmal sind sie die Vabanque-Spieler, die viel riskieren, und auch nach Niederlagen wie ein Stehaufmännchen immer wieder auf ihre Füße fallen. In der sozialen Gemeinschaft eignen sie sich für alle Berufe, die

einen persönlichkeitsgebundenen Einsatz erfordern, elastisches Reagieren auf den jeweiligen Augenblick, Wendigkeit, Kontaktfreudigkeit und Anpassungsfähigkeit, und die zugleich ihrem Geltungsbedürfnis, ihrem Wunsch persönlich zu wirken, entgegenkommen. So liegen ihnen alle Tätigkeiten, in denen sie repräsentieren können, in denen sie Würden und Ämter vertreten, die ihnen eine symbolhafte Bedeutung verleihen, da sie sich weitgehend mit dem Amt oder der Würde als Rolle identifizieren. Dabei ist ihnen Amt und Würde weniger Verpflichtung, wie dem zwanghaften Menschen, sondern die Möglichkeit, den Glanz ihrer Persönlichkeit zu erhöhen, weshalb ihnen Orden und Titel besonders reizvoll erscheinen. Alle Tätigkeiten, bei denen es auf Kontaktfähigkeit ankommt und die ihr Bedürfnis nach mitmenschlicher Bezogenheit, ihren Wunsch nach »Publikum« befriedigen, liegen ihnen. Sie sind der überredende Vertreter oder der überzeugende, suggestive Verkäufer, der dem Kunden einen Ladenhüter als besonders günstigen Kauf aufdrängt, oder einen anderen, der nur eine Krawatte kaufen wollte, ganz eingekleidet entlassen. Sie sind überall am Platz, wo es auf Charme, körperliche Vorzüge, auf Gewandtheit und spontane Zielstrebigkeit ankommt, auf Improvisation, auf Überraschungs- und Überrumpelungssiege. Alle Berufe ziehen sie an, die unbestimmte Hoffnungen auf ein Leben in der »großen Welt« versprechen oder damit in Berührung bringen; Fotomodelle, Mannequins, Geschäftsführer; das Schmuck- und Verschönerungsgewerbe, sowie das Hotelwesen liegen ihnen. Sie sind in ihren Leistungen mehr personen- als sachbezogen, so daß diese sehr abhängig sind von demjenigen, für den sie vollbracht werden. Bei entsprechender Begabung können sie ihre Anlagen und Eigenschaften, die starke Wunsch- und Einbildungskraft, die Ausdrucksfähigkeit und Darstellungsfreude, ins Künstlerische sublimieren, vor allem ins Schauspielerische und Tänzerische. Das Alter und der Tod sind die letzten nicht vermeidbaren Realitäten unseres Lebens, die sich auf die Dauer nicht wegleugnen lassen. Ungewohnt, Realitäten anzunehmen und Notwendigkeiten sich zu beugen, haben die hystersichen Persönlichkeiten die Neigung, auch vor diesen Realitäten solange wie möglich die Augen zu verschließen. Das Alter und den Tod gibt es natürlich, das läßt sich nicht leugnen, aber wohl mehr für die anderen, nicht für einen selbst. Sie versuchen daher, die Illusion ewiger Jugend möglichst lange aufrecht zu erhalten, die Vorstellung einer immer noch vor ihnen liegenden Zukunft voller Möglichkeiten. Sie sind besonders empfänglich für alle Methoden und Praktiken, die ein langes Jungbleiben versprechen, sowie für Lehren, die das Fortleben nach

dem Tode, möglichst als Weiterbestehen ihrer Person, ansprechen. Eine häufigere Folge des Ausklammems ihres eignen Todes ist, daß sie nicht rechtzeitig ihr Testament machen und ihre Angelegenheiten ordnen, so daß sie manchmal ein Chaos hinterlassen. Im Alter kommt es bei ihnen nicht selten, unter dem Druck der Todesnähe, zu plötzlichen, scheinbar radikalen Umorientierungen und Änderungen ihres Verhaltens, die an den Spruch »Junge Hure, alte Betschwester« erinnern, und bei genauerer Betrachtung opportunistisch wirken, so daß die Echtheit solcher Wandlung fraglich ist. Sie verstehen es vielleicht am schwersten, mit Würde zu altern, haben dafür die Fähigkeit, ihre Vergangenheit zu verklären und in Erinnerungen zu leben, die sie wunschgemäß abgewandelt haben, und in denen sie die Hauptrolle spielen. Manche vermögen es indessen auch, ihrem Sterben Glanz zu verleihen, und können den Abgang von der Bühne des Lebens zu einem beeindruckenden Schauspiel machen durch eine heroische Größe im Sterben. Die Kunst in allen ihren Formen ist die bevorzugte Domäne hysterischer Persönlichkeiten; was sie schaffen, trägt unverkennbar ihre persönliche Note; manchmal neigen sie zu einem gewissen Exhibitionismus; sie sind gute Brief Schreiber und auch Autobiographie und Selbstdarstellung liegen ihnen. Farbigkeit, Originalität, Lebendigkeit sind ihre Stärken. Das Formale ist ihnen oft nicht so wichtig. Sie neigen auch besonders zu Tagträumereien, die die Gefahr in sich tragen, daß die Phantasie nicht in gesunder Weise sich vorübend auf das Leben hin richtet, sondern sie von ihm abzieht in eine Traum- und Wunschwelt, die sie immer mehr von der Wirklichkeit entfernt - nur der Künstler vermag daraus etwas Schöpferisches zu gestalten. Die Träume hysterischer Persönlichkeiten - soweit sie die strukturspezifische Problematik spiegeln - zeigen häufig in naiver Form Wunscherfüllungen, haben etwas Illusionäres an sich, weil die Gesetze der Realität in ihnen aufgehoben sind, so daß es in ihnen oft wie im Märchen zugeht. Patentlösungen bestehender Probleme werden geträumt - in einer ausweglosen Situation etwa kann man plötzlich fliegen, oder man hat magische Fähigkeiten, oder irgendein deus ex machina taucht plötzlich auf und rettet die Situation. Die verdrängte Angst in der Tiefe drückt sich nicht selten im Traume so aus, daß man keinen festen Boden unter den Füßen hat, plötzlich vor einem Abgrund steht - Situationen also, die man mit dem Bild des Reiters über dem Bodensee charakterisieren könnte. Ihre Träume sind meist farbig, lebendig, voller Geschehen, und auch lange Träume werden oft gut erinnert. Charakteristisch ist

weiter nicht selten, daß die Lösung einer schwierigen Aufgabe, die Anstrengungen kosten würde, nicht vom Träumer selbst vollbracht wird, sondern andere Personen nehmen es ihm ab. Versuchen wir, eine ansteigende Linie hysterischer Persönlichkeitsstrukturen aufzuzeigen vom gesunden Menschen mit hysterischen Persönlichkeitsanteilen, bis zu leichteren und schweren Störungen in diesem Strukturkreis, sähe diese etwa so aus: lebendigimpulsive Menschen mit betonterem Geltungsdrang und Eigenliebe - narzißtisches Bedürfnis nach Bestätigtwerden und Mittelpunkt-sein-Wollen - überwertiger Geltungsdrang und Kontaktsucht-Vater-Töchter und Mutter-Söhne, die sich nicht vom Familienroman abgelöst haben - hysterische Unechtheit, Rollenspiel und Realitätsflucht bis zur Hochstapelei - ewige Backfische und Jünglinge - männer- oder frauenfeindliche Persönlichkeiten, die ihre Geschlechtsrolle nicht annehmen, nicht selten in die Homosexualität ausweichen - »kastrierende«, destruktive Frauen mit ausgesprochenem Männerhaß, und Don-Juan-Typen mit Rachehaltungen der Frau gegenüber - Phobien - schwer hysterische Krankheitsbilder mit seelischer und körperlicher Symptomatik, welch letztere sich auf kein Organsystem festlegen läßt, bei einer Bevorzugung der Extremitäten (Lähmungserscheinungen). Der gesunde Mensch mit hysterischen Strukturanteilen ist risikofreudig, unternehmenslustig, immer bereit, sich Neuem zuzuwenden; er ist elastisch, plastisch, lebendig, oft sprühend und mitreißend, lebhaft und spontan, gern improvisierend-ausprobierend. Er ist ein guter Gesellschafter und nie langweilig, bei ihm ist »immer etwas los«; er liebt alle Anfänge und ist voll optimistischer Erwartungsvorstellungen vom Leben. Jeder Anfang scheint ihm alle Chancen zu enthalten, ist erfüllt mit dem Zauber, der allem Anfang innewohnt, wie es das Motto zu diesem Kapitel ausdrückt. Er bringt alles in Bewegung, rüttelt an Traditionen und veralteten, erstarrten Dogmen und hat etwas bezwingend Suggestives, viel Charme, den er bewußt einzusetzen weiß. Er nimmt nichts zu ernst - außer vielleicht sich selbst - weil er um die Relativität der meisten Dinge im Leben weiß; er ist stärker im Impulse-Setzen und Etwas-in-Gang-Bringen als in der Ausdauer und geduldigen Durchführung von Geplantem. Aber gerade seine Ungeduld, seine Neugier und Unbeschwertheit von Vergangenheit, läßt ihn manche Chance sehen und ergreifen, die anders Geartete nicht sehen, oder die diesen ein Halt, eine Grenze bedeuten würde. So kann er eigenwillig und wagemutig das Leben wie ein buntes Abenteuer sehen, und der Sinn des Lebens liegt für ihn darin, es möglichst reich, intensiv und füllig zu leben.

beibehalten wollen. aufhört. banalen Ängsten. Denn jede Individuation bedeutet ein sich Herausheben aus bergenden Gemeinsamkeiten. Jedem begegnet auch die Angst vor der Ich-Werdung. Es gäbe keinen Stolz mehr. desto mehr müssen wir die Konsequenz und die Grenzen der Realität fürchten. (Hafis) Hinter den vier Grundformen der Angst stehen allgemein-menschliche Probleme. vor ihnen auszuweichen. um so mehr erliegen wir dieser Angst. uns einem anderen ein Stück ausliefern. vor der Härte und Strenge des Endgültigen. weil wir dann ungeschützter und verwundbarer sind. nicht umgehen lassen. und uns mit . Jedem begegnet auch die Angst vor der Vergänglichkeit auf seine Weise. Daher ist alle Angst vor der Hingabe verbunden mit der Angst vor einem möglichen Ich-Verlust. wenn wir die dahinterliegende eigentliche Angst erkannt haben. bezahlen wir den Versuch. Je mehr wir wir selbst werden.Schlußbetrachtung »Wenn jeder altes von dem andern wüßte. etwas von uns selbst aufgeben müssen. die in den verschiedenen Formen ihres Auftretens als Gemeinsames die Angst vor der Einsamkeit hat. oder der Integrität unserer Persönlichkeit haben. plötzlich nicht mehr da ist. Jedem von uns begegnet die Angst vor der Hingabe in einer ihrer verschiedenen Formen. und sie sind letztlich nur aufzulösen. daß etwas zu Ende geht. Und jeder begegnet schließlich auch der Angst vor der Notwendigkeit. die als Gemeinsames das Gefühl der Bedrohtheit unserer Existenz. bei deren verschiedenen Ausformungen das Gemeinsame die Angst vor dem unausweichlichen Festgelegtwerden ist. Denn jedes vertrauende sich Öffnen. jede Zuneigung und Liebe kann uns gefährden. mit vielen kleinen. um so einsamer werden wir. unseres persönlichen Lebensraumes. unvermeidlich erleben wir immer wieder. weil wir dann immer mehr die Isoliertheit des Individuums erfahren. die so wichtig für unsere reifende Entwicklung sind. Da sich die großen Ängste unseres Daseins. Es würde jeder gern und leicht verzeihen. vor der Individuation. deren verschiedene Formen als Gemeinsames die Angst vor der Wandlung erkennen lassen. mit denen wir alle uns auseinandersetzen müssen. Je fester wir etwas halten. keinen Hochmut«. Diese neurotischen Ängste können sich praktisch auf alles werfen. Je mehr wir eine unverbindliche Freiheit und Willkür anstreben.

die uns schwächt. daß es sich dann mit Sicherheit um die Wiederbelebung von Kindheitsängsten handelt. das die verschobene Angst zudecken will. von der Wirklichkeit her gesehen. weil er ein stabiles Fundament seiner Persönlichkeit aufbauen konnte. die zu unserem Menschsein gehören. denen er damals hilflos ausgeliefert war. der uns stärker macht.dieser auseinandersetzen.sie quälen und belasten nur noch. sind immer auch durch unsere Kindheitsängste vorgeformt und mitbestimmt. gegen die er aber inzwischen Kräf- . Ausmaß. Wie aus den lebensgeschichtlichen Beispielen wohl zu ersehen war. die. Die Begegnung mit den großen Ängsten ist ein Teilaspekt unseres reifenden Weiterschreitens. Wo wir eine der großen Ängste erleben. Intensität und Objekt unserer Ängste als Erwachsene. denn sie aktiviert bei ihm alte. unverarbeitete Ängste aus seiner Frühzeit. Es kann ihm aber vielleicht schon eine Hilfe sein bei schwer erträglichen Ängsten. etwas Wesentlicheres. erlebt Angst auch später als viel gefährdender und erdrückender. wenn ihn nicht außergewöhnliche Schicksalsschläge treffen. und das von ganz früh an. hat unsere Angst eine Vorgeschichte. wächst uns ein neues Können zu . sie zu überwinden. erscheinen die neurotischen Ängste als unsinnig . Verharmlosung und gleichsam karikierenden Verzerrung der Daseinsängste. sondern. Der Mensch mit einer weitgehend geglückten Kindheit ist. stehen wir immer in einer der großen Forderungen des Lebens.jede Angstbewältigung ist ein Sieg. Diese aufzuarbeiten kann ihm die Psychotherapie in einer ihrer Formen helfen. daß er nicht an ihnen erkrankt. daß wir auf irgendeine Weise nicht »richtig liegen«. die Grundängste zu verarbeiten. die Verschiebung auf jene stellvertretenden neurotischen Ängste hat nicht nur eine lähmende und hemmende Wirkung. ein nicht wegzudenkender Faktor unserer Entwicklung. im allgemeinen in der Lage. eine Entwicklungsgeschichte. soweit zumindest. im Annehmen der Angst und im Versuch. daß wir etwas vermeiden wollen. als Hinweis darauf. statt uns damit auseinanderzusetzen. sondern sie zieht uns auch von wesentlichen Aufgaben unseres Lebens ab. Wir sollten sie indessen als Alarmzeichen verstehen. In der Verschiebung. das Ausmaß der Angst nicht verständlich machen. sich klar zu machen. jedes Ausweichen vor ihr ist eine Niederlage. So bekommt die Angst in ihren beschriebenen Grundformen eine wichtige Bedeutung: sie ist nicht mehr nur ein möglichst zu vermeidendes Übel. Wer dagegen zu früh altersunangemessenen Ängsten und Schicksalsbelastungen ausgesetzt war und in seiner Umgebung keine Hilfe fand.

sondern deshalb. Das Zusammentreffen unserer Anlage mit der Umwelt. zu jeder mitmenschlichen Beziehung. Es ist wichtig. zur Religion und zur Sexualität usf.macht das aus. das Unbewußte und das Wunderbare. ist etwas allgemein Gültiges und Grundsätzliches gemeint. darauf hinzuweisen. weil in den frühen Kindheitsjahren die Eltern die Hauptbezugspersonen sind. Das scheint auch daraus hervorzugehen. als deren Einstellung zur Gesellschaft. mit den vier Grundimpulsen oder Grundforderungen.es ist die »geprägte Form. das nicht weiter ableitbar zu unserer Existenz gehört. einer Gesellschaftsklasse oder einer herrschenden Ideologie. zu jeder . Einsicht und Mut.so ist das gewiß ein tiefsinniges Wort. zur Leistung. einer Kultur. auf eine Lebenssituation zu antworten. was wir Schicksal nennen. Mit den vier Grundformen der Angst. je nach den herrschenden Ideologien.Umwelt im weitestmöglichen Sinne verstanden . weil ihre Bedeutung unterschätzt wurde. was wir früher als Schicksal glaubten hinnehmen zu müssen. in einem psychotherapeutischen Nachentwicklungsprozeß ihre Vergangenheit zu verarbeiten. Aber auch für sie kann es eine Hilfe sein. mehr bedrückend als ahnungsvoll. Wenn Rilke einmal vom Menschen gesagt hat: »Mach. Deshalb ist in den aufgewiesenen Fehlhaltungen der Eltern dem Kind gegenüber immer auch ein Stück Gesellschaftskritik mitenthalten. der Staat usf. die ihm damals fehlten: Vertrauen. müssen sich mit den vier Grundängsten auseinandersetzen. mehr frustrierend als wunderbar. beginnt mit ihr . deren Forderungen dem Kind übermitteln. Auch die Gesellschaft. die nachträglich wieder gutgemacht werden können. manches von dem. als Folgen früher Umweltschädigungen zu erkennen. und seiner ahnungsvollen Anfangsjahre unendlich dunkelreichen Sagenkreis« . Aber leider trifft es für viele so nicht zu: ihre Anfangsjahre waren mehr dunkel als reich. Soziopsychologische Einwirkungen treffen das Kind zunächst nur mittelbar über seine Eltern. daß wir prinzipiell immer vier Möglichkeiten haben. dieses unser Schicksal wird in seinen Anfängen durch unsere Kindheit vorgeformt. in die wir hineingeboren werden . daß bei diesen Frühprägungen die jeweilige Gesellschaft eine entscheidende Rolle spielt. und sich so weit wie möglich von deren Schädigungen zu befreien. und ihre Antwort darauf fällt verschieden aus. Hoffnung. dann nicht. die lebend sich entwickelt«. zur Autorität. bzw. Aber gerade die Psychotherapie hat uns Möglichkeiten gegeben.te verfügbar hat. daß er seine Kindheit wieder weiß. Wenn sie hier vernachlässigt wurde. soweit eben die Eltern als Mitglieder einer Gemeinschaft.

ist ein Zeichen von Lebendigkeit. sich der Ganzheit. da wir als Menschen unvollkommen und unvollständig sind. Kann die Größe des einen im . seine Unvollständigkeiten und Einseitigkeiten. zumindest sie bei unseren Entscheidungen als verschiedene Möglichkeiten einzubeziehen. Aber nicht nur das. um es nicht nach eigenen Wünschen zu formen und damit zu überfremden. um es Ordnungen erleben zu lassen. seine individuellen Möglichkeiten und Grenzen.Aufgabe oder Forderung können wir uns auf viererlei Weise einstellen: wir können uns erkennend von ihr distanzieren. auf Grund seiner Lebensgeschichte also. Es scheint mir aber wichtig zu sein. die uns individuell begrenzenden Einseitigkeiten unseres Wesens an der vorschwebenden Vorstellung einer solchen Ganzheit auszurichten. daß die »Ganzheit« nicht erreichbar ist. daß »Vollkommenheit« nicht erreichbar ist. auf Grund seiner vorgefundenen Umwelt und ihrer Einflüsse. um dem Kind Vertrauen zu ermöglichen und es einfühlend zu verstehen. sie erfordert eine liebende Einstellung. weil er wsiß. auf Grund seiner individuellen Erfahrungen und erworbenen Verhaltensweisen. sie erfordert gesunde Härte und Konsequenz. Jeder von uns hat auf Grund seiner ererbten körperlich-seelischen Konstitution. und sie erfordert schließlich Zutrauen in die und Respekt vor der Eigengesetzlichkeit des Kindes. Sie verfügbar zu haben und sie je nach den Gegebenheiten der Situation und unseren eigenen Anlagen anzuwenden. Und ein anderer wird versuchen. die seine Persönlichkeit und seinen Charakter formten. oder uns mit ihr liebend identifizieren. und daß die reichste Selbstverwirklichung nur aus dem eigenen Wesen heraus nicht möglich ist. jedes schicksalhafte Geschehen trägt potentiell alle vier Antwortmöglichkeiten in sich. seine Begrenztheit und Einseitigkeit zu bejahen und möglichst fruchtbar zu leben. oder sie unseren Wünschen gemäß umzuwandeln versuchen. Denken wir etwa an die Erziehung: sie erfordert vom Erzieher sowohl die nötige schöpferische Distanz. zum Exponenten eines der vier Grundimpulse. daß wir praktisch gleichzeitig alle vier Impulse in lebendiger Durchdringung leben müssen. oft fordert etwa eine menschliche Beziehung. um das Kind in seinem Eigensein zu erkennen und es ihm zuzugestehen. die er braucht. Der eine wird nun versuchen. den er in größtmöglicher Vollkommenheit lebt. der Vollständigkeit immer mehr zu nähern. So kann er gleichsam zum Repräsentanten einer der vier Grundeinstellungen werden. Jede wesentliche Aufgabe. wir können sie wie ein Gesetz auf uns nehmen. Solche »Vollständigkeit« ist aber dem einzelnen immer nur begrenzt möglich. jede wesentliche menschliche Begegnung. weil er weiß. jede Entscheidung.

Immer können wir versuchen.denn nichts pflegt uns stärker zu faszinieren. vom uns einengenden Ich freizukommen in mitmenschlicher Verbundenheit.gleichsam depressiv . gut und schön erscheint.gleichsam schizoid . eine Faszination . uns selbst treu zu bleiben. in grenzüberschreitender. aber vielleicht unter- .aus der Angst vor Trennung und Einsamkeit in Abhängigkeiten verbleiben. können die Gesetze und Ordnungen. daß je zwei sich antinomisch ergänzende Persönlichkeitsstrukturen oft eine instinktive Anziehung aufeinander ausüben. denen wir uns in unseren Grenzen nur anzunähern vermögen. und im konsequenten Vervollkommnen seines Wesens in seinen Grenzen liegen. oder können wir schließlich gleichsam hysterisch . Das führt dann jeweils zum Ausweichen vor einer oder mehreren der großen Forderungen. das. die wir als notwendig erkannt haben. die es erschüttern und zerstören wollen. Immer können wir versuchen. fest vertreten.bewußten Verzicht auf auch noch Mögliches. was wir selbst auch als Möglichkeit in uns ahnen. Vollkommenheit und Vollständigkeit die beiden menschlichen Idealziele. die beide nicht zu erreichen sind. die das Leben in seiner ganzen Großartigkeit und Furchtbarkeit bejaht. unsere Individualität zu bewahren. im Gegensatz zur vorbeschriebenen »apollinischen« eine »dionysische« Haltung einnehmen. Und immer können wir . den immerwährenden Wandel des Lebens bejahen.der Willkür verfallen. was uns als wahr. Auf die vier Grundstrebungen angewandt: immer können wir versuchen. als wenn ein anderer überzeugend das darlebt. transzendierender Hingabe und Selbstaufgabe. so die des anderen darin.gleichsam zwanghaft . immer können wir .aus Angst vor dem Ich-Verlust den nahen mitmenschlichen Kontakt vermeiden. können wir . und im gleichen Maße wird unsere Menschlichkeit fragmentarischer. möglichst viel von ihm zunächst Wesensfremdem und Fernliegendem in sich zu integrieren und sich damit immer erneut zu weiten. in einfühlender Liebe und Selbstlosigkeit. Abhängigkeiten zu vermeiden und durch Erkenntnis die Welt zu verstehen und furchtlos unser Eigensein zu leben. und beide in der eigenen Seele wiederfindet. als etwas ewig Gültiges anzuerkennen. Es sei noch angedeutet. um die Angst vor der Notwendigkeit und Endgültigkeit zu vermeiden.aus der Angst vor Wandel und Vergänglichkeit am Gewohnten festhalten. Und immer können wir schließlich unsere Freiheit wollen. für dessen Dauer wir uns einsetzen gegen kurzfristig wechselnde Einflüsse.

daß wir durch den jeweiligen Gegentyp zur »Ganzheit« kommen möchten. die für ihn nicht zutreffen. oder weil man dessen Verhalten nur mit den eigenen Maßstäben mißt. ihn ernst nehmen und verstehen wollen. was er nie erleben durfte: vertrauen und sich aufgehoben fühlen. sein einfühlendes Sich-Bemühen und sich selbst Zurückstellen. die uns aus unserer individuellen Begrenztheit und Einseitigkeit befreien soll. Freilich . aus den Fesseln schicksalhafter Strukturfestgelegtheit erlöst zu werden? Jedenfalls kann in der antinomischen Anziehung der Gegentypen eine Chance für solche Ergänzung liegen. bzw. das Anderssein des anderen anzunehmen. wodurch nicht nur die schöpferische Spannung verloren geht. konstelliert das seine zentrale . will ihn sich selbst möglichst ähnlich machen. Es scheint so zu sein. daß dieser etwas lebt. sondern erbitterte Kämpfe zu entstehen pflegen. daß der Schizoide im Depressiven Möglichkeiten spürt. Hier bestände die Faszination darin. am Partner etwas nachzuholen. wenn wir bereit sind. oder nicht zu leben gelernt haben. dieses Andere auch in uns selbst zu entdecken und zu entwickeln. seine Opferbereitschaft. hat das meist folgende Grundlage: Der Schizoide ahnt die Liebesbereitschaft und Liebesfähigkeit des Depressiven. ohne Verlustangst und Schuldgefühle. wenn überhaupt. der Wunsch. können wir hoffen. ob wir darin die Möglichkeit ahnen. die auch in seinem Wesen angelegt sind. was er sich nicht zu leben gewagt hat. sahen wir an dem früher geschilderten Beispiel. weil man nicht bereit ist. die Chance der Erlösung aus seiner Isolierung. am Partner das zu finden. zu einer Vollständigkeit. was ja auch einen wesentlichen Teil der geschlechtlichen Faszination ausmacht. Wie sehr das mißglücken kann. nicht leben durfte: unabhängiges Individuum zu sein. Zugleich spürt er. Und andererseits fasziniert den Depressiven am Schizoiden. In diesem Sinne pflegen einerseits schizoide und depressive.drückt. der seine Liebesbereitschaft dringend braucht. daß hier jemand ist. er ahnt hier.in der Realität des Lebens sieht das meist anders aus: Da versucht jeder. nicht leben durften. Wenn sich schizoide und depressive Partner instinktiv anziehen. Denn wenn der Schizoide den festhalten wollenden Sog des Depressiven spürt. Ob darin unsere unbewußte Sehnsucht nach Er-gänzung zum Ausdruck kommt. hinzuzulernen. andererseits zwanghafte und hysterische Persönlichkeiten sich anzuziehen. Aber nur. was uns selbst fehlt. bzw. die Möglichkeit. aber nicht ausgesprochen wurden in seiner Entwicklung. Oder man mißversteht das Anderssein des anderen hoffnungslos. den anderen in seine Bahn zu ziehen.

Dann wird der zwanghafte Mensch durch immer mehr Gründlichkeit. und sich dagegen abschirmen müssen. Widersprüchlichkeit und Unverbindlichkeit. Aber bei sehr extremer Ausbildung der Gegentypen ist das kaum zu schaffen. weil dieser die Stabilität. Auch hier leben beide aneinander vorbei und verpassen die Chance. Die Korrektheit. ohne Improvisation und Auflockerung des Alltags durch kleine Lichter. es würde ihm die Luft zum Atmen genommen. die er ebenso braucht wie das Bestätigtwerden durch den Partner. der hinter diesen Haltungen seine zentrale Angst vor der Wandlung versteckt. Pedanterie und Nörgelei. Lebendigkeit. wenn jeder seine Art dem anderen gegenüber aus seiner spezifischen Angst zu behaupten versucht. ohne Glanz und Abwechslung erleben. durch rechthaberische Starrheit und Machtanspruch. weil dieser den Eindruck bekommt. oder aber resignieren lassen vor seiner nun bewußt zur Abwehr eingesetzten. und so sein Leben. die Konsequenz und Verläßlichkeit. konstelliert das seine zentrale Verlustangst. immer auf Sicherheit bedacht ist. weil er selbst so überwertig am Gewohnten festhält.Angst vor der Abhängigkeit. Der hysterische Partner wird dann aus seiner zentralen Angst vor zuviel Festgelegtwerden den Zwanghaften immer tiefer irritieren und beunruhigen. und wenn der Depressive den Unabhängigkeitsdrang des Schizoiden spürt. weil dann beide Partner ihre Angst durch das Anderssein des anderen gesteigert erleben. unnötig einengt. Den als zwanghaft beschriebenen Menschen fasziniert die farbige Buntheit. das Ergänzende zu integrieren. Dann spitzen beide gerade ihre Abwehrhaltungen zu in endlosem tragischen Mißverstehen. das Anliegen des jeweils anderen zu verstehen. aus Angst. das ihm so fehlt. vor allem aber durch seine Ansprüche. läßt den hysterischen Partner das Leben mit ihm als programmiert. Nüchternheit und Sachlichkeit des zwanghaften Partners. dieses In-der-Ordnung-Leben hat. Und entsprechend ist. festgelegt. wie er selbst spürt. Solidität. den Partner nur mehr in seine Hysterie hineinsteigern. dann empfin- . der auf der hysterischen Linie liegende Mensch fasziniert von seinem Gegentyp. das dieser ihm zu sparsam gibt. durch seine Neigung zum Erzwingen wollen. wie wir schon andeuteten. und nicht aus Angst die eigene Struktur zu verhärten. die den zwanghaften Partner nun wieder zu immer strengeren Maßnahmen verleiten. die Risikofreudigkeit und Aufgeschlossenheit für alles Neue seines hysterischen Gegentypus. ihn zu verwöhnen. ernst zu nehmen. In beiden Fällen kann die Hilfe nur darin liegen. Aber wieder kann es zu tragischen Verstrickungen und zum Mißverstehen kommen. jener unfaßbaren Unlogik.

nimmt man sich oft gerade die Chance. wie wir sie beim Zwanghaften beschrieben hatten. überindividuellen Ganzen zugute kommen sollte. auf unverändert weitergegebene Erfahrungen. Kulturen. wie jede Entwurzelung. wenn erste Enttäuschungen aufkommen. der Gegentyp dagegen schlechter. sich durch das Verstehen des anderen selbst ein Stück weiter zu entwickeln.nicht als isolierende Selbstverwirklichung und egozentrische Einmaligkeit. Bei der heute so häufig zu findenden Neigung. die antinomische Einstellung der Besinnung auf emotionale und humane Werte bewußter zu pflegen. Unter diesen Aspekten kann das Wissen um die vier Grundeinstellungen und Grundängste auch für die Partnerbeziehungen hilfreich sein. nämlich das Streben nach der Individuation . unterstützt durch eine Technokratie. wie auch für sonstige mitmenschliche Beziehungen. Verschiedene Zeiten. eine deutlich erkennbare Schizoidisierung mit sich gebracht. zeitgebundene Ideologien und Wertsetzungen. die Strukturtypen verschieden bewerten. Das offenbar zu Ende gehende Patriarchat mit seinen typischen Zügen von absoluter Macht und Autorität. im dort beschriebenen Sinne wachsender Bindungslosigkeit. und zu Vermassungsprozessen zu fuhren droht. auf Sicherheit. war Aus- . soziale Strukturen und kollektive Lebensbedingungen. Die Verstädterung und Industrialisierung. so daß sich in ihnen der ihnen gemäße Einstellungstyp besser entwickeln kann. seinem Festhalten an Traditionen und an von ihm errichteten Institutionen. ethische und religiöse. Partnerschaften aufzulösen.den sie nicht mehr die Faszination durch den Gegentyp. die für so viele unbeseelte Tätigkeiten fordert. weil schon die Kinder auf ihn hin erzogen werden. So können ganze Epochen unter der Dominanz eines der vier Strukturtypen stehen. also die Ausrichtung auf Tradition. Vernachlässigung der Gemütsseite. sondern als Aufgabe. der alles machbar geworden ist. Weil es sich bei den vier Formen des in-der-Welt-Seins um grundsätzlich zu unserem Wesen gehörende Möglichkeiten handelt. einerseits den positiven Aspekt der Schizoidie zu betonen. weil er kollektiv abgelehnt oder abgewertet wird. die uns aus vielen natürlichen Bindungen herausgerissen hat. sondern nur noch Beunruhigung und Befremdung. hat. lassen jeweils die vier Grundängste verschieden akzentuiert erleben. die wir heute erleben. andererseits. die einem größeren. Um so wichtiger ist es für uns. politische und wirtschaftliche Einstellungen. So wird eine bäuerlich-seßhafte Kultur die bewahrenden Züge begünstigen. hat es sie immer gegeben und wird es sie immer geben. Besitz und Dauer Züge also.

Und schließlich im Alter. auf Unterdrückung und Ausnutzung der Abhängigen und Schwachen.druck der Vorherrschaft des Zwanghaften. der allerdings meist erst spät bewußt wird. werden wir mit der Einsamkeit in neuer Form konfrontiert. In den sogenannten »besten Jahren« wächst die Neigung. Elternschaft. daß wir ein Teil eines großen Ganzen sind. zu umso extremeren Durchbrüchen. in das wir wieder eingehen werden wie es unsere Sprache in dem Wort »all-ein« ausdrückt. im Bewußtsein. aber nicht mehr auf organisch-lebendiger Basis. Es kommt zur Selbstverwirklichung in Beruf. und dann in rhythmischen Abläufen zum Durchbruch des Unterdrückten führt. andererseits im uns Zugehörig-Fühlen zum »Menschlichen an sich«. das sowohl das isolierte Alleinsein bezeichnet. Partnerschaft. je extrem-einseitiger die Einstellung vorher war. und wir müssen schon das Loslassen allmählich lernen.und Besitzbereich aus. positiv im Suchen nach neuen Freiheiten zum Ausdruck kommt. die der Alltag mit seinen Pflichten und Forderungen nicht zuließ. Denn immer ist auch in einem Kollektiv die Neigung zur Er-gänzung vorhanden. Natürlich sind diese Altersentsprechungen nur gewisse . wird stärker. Nach der Lebensmitte erleben viele dann eine Wandlung. sondern viel stärker auf Macht ausgerichtet. als auch das uns bergende Alleins-Sein. wie es im Extrem etwa in der Forderung nach antiautoritärer Erziehung. im Bewußtsein des näherrückenden Todes. also zwischen den Grundimpulsen und biologischen Abläufen. die zentripetalen Kräfte mit der Neigung zu bestimmten begrenzten Zielsetzungen überwiegen. Nach den erwähnten frühkindlichen Entwicklungsphasen überwiegt üblicherweise in der Jugend das Zentrifugale. Sinnfragen treten in neuer Form auf. In größerer Selbstvergessenheit möchten wir von unserer Ichhaftigkeit loskommen. ein Selbstregulierungsprozeß. die Vergänglichkeit auch für uns selbst annehmen. die Zukunft vor uns liegt und wir uns ins Leben entwerfen voll Hoffnung und Abenteuerfreude. metaphysisch-transzendente Bedürfnisse. Es besteht zweifellos auch ein Zusammenhang zwischen den vier Formen des In-der-Welt-Seins und den Lebensaltern. Damit konstellierte es den Gegenpol umso schroffer. zum Ausgleich von krankmachenden Einseitigkeiten. sich einen stabilen Lebensrahmen zu schaffen und sich darin einzurichten. in der Sexwelle und in der Auflösung von Tabus. der Wunsch nach Verwirklichung von Wesensmöglichkeiten. wir bauen unseren Macht. wie in den bäuerlichen Kulturen. daß wir selbst und die Welt voller Möglichkeiten sind. und können vielleicht weise werden im Annehmen unserer letzten Einsamkeit. das optimistische Gefühl.

daß wir allmählich das Loslassen lernen müssen .so begegnen wir erneut der Angst vor der Endgültigkeit. aus dem wir mit unserem ersten Schritt heraustraten. wobei wir die entsprechenden Ängste aufs neue überwinden müssen: Es beginnt damit. die Kinder verlassen uns und gründen eigene Familien. materielle Güter und geistiger Besitz. sich selbst in einer der beschriebenen vier Persönlichkeitsstrukturen wiederzuerkennen. daß sie sozusagen nicht »rein« vorkommen. Dann erkennen wir. an ihrer Verdauung. Und in der letzten Phase unseres Lebens wartet der Tod auf uns selbst. nun an den Tod.und wir begegnen zum letzten Mal der Angst vor der Selbsthingabe. sich unter unseren Händen verändern.wodurch sich die Angst vor der Einsamkeit auf neue Weise konstelliert. manche Menschen. wir verlieren uns nahestehende Menschen durch den Tod. daß auch unsere Vitalität nachläßt. und enden schließlich als hilflose Greise. sie werden im Alter wieder zu Kindern. sondern wahrscheinlich von allen etwas in sich entdeckt. aber sie lassen vermuten. Der Leser wird vielleicht enttäuscht sein. wenn er bei dem Versuch. Denn solche Eindeutigkeit entspräche viel mehr unserem rationalen Bedürfnis nach klaren Festlegungen und abgren- . und wir beginnen zu verstehen. daß wir realisieren. wie auch von jeder der Grundängste. Das scheint mir aber gerade für die Lebensnähe. daß es keine Absolutheit und keine Dauer gibt . ihrer Gesundheit. daß wir nicht mehr die Fülle aller Möglichkeiten vor uns haben . Wirklichkeitsnähe der Grundängst und der Strukturtypen zu sprechen. haben nur noch Interesse an Essen und Trinken. Der Kreis unseres Daseins schließt sich mit diesem letzten Schritt in das große Unbekannte. je mehr sie ihre Zeit und ihre Kräfte schwinden fühlen.Akzentuierungen. Etwa von der Lebensmitte an scheinen wir die Frühphasen unserer Entwicklung auf höherer Ebene rückläufig nochmals zu durchlaufen. die jene Schritte nicht zu vollziehen wagten. in das wir niemanden mitnehmen können . daß auch das von uns Geschaffene. daß die vor uns liegende Zukunft begrenzt ist. sie hängen um so mehr am Besitz.womit wir aufs neue die Angst vor der Vergänglichkeit erfahren. daß sich eine Lebensgesetzlichkeit in ihnen äußert. das wir mit niemandem teilen. zu keiner eindeutigen Zuordnung gelangt. Freilich. das Sterben. die sich kaum noch vom hilflosen Kleinkind unterscheiden. Dann erleben wir Trennungen. Und vielleicht reicht diese noch weiter. wiederholen dann auf viel wörtlichere Weise die Rückläufigkeit: sie nehmen das Altern nicht an und wollen um jeden Preis jung bleiben.

in welchem Ausmaß unsere frühe und auch noch spätere Umwelt sich pathogenetisch auswirken kann. sondern daß auch Kinder ihren Eltern zum Schicksal werden. werden wir krank. daß wir die Kindheitsphasen. zugleich die so lange frühkindliche Abhängigkeit und große Störbarkeit in . über die am ehesten die Astrologie über unser Horoskop etwas auszusagen weiß.zenden Systemen. Das Schicksal. bzw. Wenn wir von groben Vernachlässigungen oder Schädigungen der Kinder absehen. Einseitig überbetonte Persönlichkeitsstrukturen sind daher eher gefährdet. die so großen Unterschiede der individuellen Persönlichkeiten. und führen uns die Bedeutung der frühen Kindheit für unsere gesunde Entwicklung besonders deutlich vor Augen. die aber immer bereits auch die weitere soziokulturelle Umwelt insofern mit einbegreift. und wenn ihre Ausformung mit dem Durchlaufen frühkindlicher Entwicklungsphasen zusammenhängt.das würde bedeuten. können wir sagen. die ein Zeichen von Krankheit der Eltern sind. Vor allem unsere frühe familiäre Umwelt. relativ gesund durchlaufen konnten.die herrschenden kollektiven Maßstäbe. Ist diese Überfremdung eine zu große. daß nicht nur Eltern ihren Kindern. müssen wir sie auch alle als Möglichkeit und im Ansatz in uns kennen. der es immer Gewalt antut. Wir können danach sogar sagen. die wir aber erst im Laufe unserer Entwicklung kennenlernen. Wenn es sich außerdem bei den Grundimpulsen und den dazugehörenden Ängsten um allgemeinmenschliche Gegebenheiten handelt. Überfremdung unserer ersten Natur ist. wodurch das Kind über sie bereits kollektive Wertsetzungen übernimmt. besteht zwischen unserer primären Natur und Anlage und der uns anerzogenen und erworbenen zweiten Natur eine zu große Diskrepanz.bewußt oder unbewußt . Die mitgeteilten Beispiele zeigten wohl sehr deutlich. in der Erziehung vertreten oder bekämpfen. oder ebenfalls ablehnt. das die vier Grundimpulse in unserer Entwicklung erfahren. der Reichtum an Anlagen. dazu kommt unsere Erbanlage. als unsere Eltern . die durch die Umwelteinwirkungen immer schon gleichsam eine Trübung bzw. die wir alle durchmachen müssen. daß wir in gewissem Sinne um so lebendiger sind. als der Wirklichkeit des Lebens. Die ungemeine Differenziertheit. wenn keiner der Grundimpulse in uns völlig ausfällt . je mehr wir in allen vier Bereichen zu Hause sind. und wir erwerben in der Begegnung und Auseinandersetzung mit unserer frühen und späteren Umwelt unsere »zweite Natur«. in denen die Impulse und Ängste ihre Erstprägung erhalten. hängt von dem Zusammentreffen folgender Faktoren ab: wir bringen eine »erste Natur« mit. zustimmend oder ablehnend.

Erziehungsberatung. Eheberatung. Wir haben bei den somalischen Erkrankungsmöglichkeiten schon lange die selbstverständliche Bereitschaft. Familientherapie. die wir doch bei einigem Bemühen beheben könnten. ob es uns Sorgen macht. Was wir aber tun können.seiner Entwicklung. Aber wir haben seltsamerweise noch keine entsprechenden prophylaktischen Maßnahmen für obligatorische Untersuchungen unserer Kinder bezüglich ihres seelischen Zustandes und der Konflikte der Eltern-Kind. oder Einzeltherapie desjenigen Familienmitgliedes. machen das Wesen Mensch gefährdeter als andere Lebewesen. wenn das Wort meinen soll. wie wir es vermögen und von uns erwarten.noch ganz abgesehen von bestimmten Wünschen. Dafür stehen uns heute neben der »großen Psychotherapie« viele Möglichkeiten zur Verfügung: Spieltherapie. obligatorisch prophylaktische Schuluntersuchungen vorzunehmen. daß wir in irgendeiner Fehlhaltung befindlich sind. wie wir möchten. ob es andererseits für uns schwer einfühlbar und verstehbar ist in seiner Eigenart. und wir uns Mühe geben müssen. fortfahren. Hier sind wir noch Barbaren. ob es uns befremdet. bzw. ob es uns fühlen läßt.schon in ihrem eigensten Interesse.und Kommunikationstherapie. Schäden zu setzen aus der Trägheit des Herzens. das die anderen belastet. daß es sein und sich entwickeln sollte. ist vor allem mehr Wissen zu erwerben über seine frühen Bedürfnisse und über unsere eigenen möglichen Fehlhaltungen in seiner Frühzeit. daß viele somatischen Erkrankungen seelische Hintergründe. Und noch einmal zum Thema Angst: Wenn wir uns quälende Ängste auch als Hinweis verstehen. Ehepaargruppentherapie. oder des dadurch gestörten Kindes. oder vor einer der großen Forderungen . Eltern.und Lehrer-Schüler-Beziehung. ob unsere Liebesfähigkeit ihm mühelos zufließen kann. solche Schädigungen früh zu erkennen und vielleicht zu korrigieren. Ob uns als Eltern ein Kind »liegt«. daß es uns als Eltern auch nicht so annehmen kann. obwohl wir heute wissen. es so zu lieben. die uns ihm gegenüber hilflos erleben lassen. daß wir aus Unwissenheit. ist andererseits die Chance. schwere Schädigungen des Kindes zu vermeiden. ob es für uns leicht liebzuhaben ist. wie es möchte und es brauchte . ob es uns in seinem Wesen entgegenkommt . ziehen wir im somatischen Krankheitsfall selbstverständlich den Arzt hinzu. Verhaltens. und daß frühe seelische Schädigungen so schwere Folgen haben. Erzieher und staatliche Institutionen sollten sich zusammentun und mehr auf die Prophylaxe neurotischer Entwicklungen achten .all das wird ihm und uns auch zum Schicksal und liegt jenseits aller Schuld.

Und vielleicht kann uns das eingangs verwendete Gleichnis dabei eine Hilfe sein. in der Besinnung auf das uns als Menschen Gemeinsame. im Be- .sein zeitlicher Aspekt. gefährdet unsere innere Ordnung und kann uns krank machen. und sich in liebendem Vertrauen dem Leben und den Mitmenschen öffnen könnte. oder jeder Ausfall einer der kosmischen Bewegungsimpulse würde unser Sonnensystem gefährden. und dennoch die Strecke seines Lebens fruchtbar und sinnvoll zu gestalten vermöchte. mit der Auseinandersetzung zwischen seiner Anlage und der vorgefundenen Umwelt. Kultur und Rasse gebunden ist. den Aufforderungscharakter der Angst zu erkennen.auf der menschlichen Ebene: jede Vereinseitigung. der zugleich seine Individualität in freier. der weiterhin die Angst vor der Vergänglichkeit angenommen hätte. im Bewußtsein unserer Teilhabe an dynamischen Kräften.des Lebens zurückscheuen. Dann kann sie uns ihren positiven. und der schließlich die Ordnungen und Gesetze unserer Welt und unseres Lebens auf sich nähme. schöpferischen Aspekt zeigen und zum Anstoß für eine Wandlung werden. Als zeitlich begrenztes Wesen haben wir unsere individuelle Biographie und unsere Eigenprägung erworben. überpersönlichen Ordnungen und Gesetzen und am Gesamtmenschlichen sein überzeitlicher. die bei aller Widersprüchlichkeit und Gegensätzlichkeit doch durch eine eherne Ordnung in lebendigem Gleichgewicht gehalten werden. in der er aufwachsen muß . sondern »das Menschliche an sich« meint. als Teil »des Menschlichen«. In der Teilhabe an diesen kosmischen Kräften. ohne die Angst. und andererseits in unserem Geprägt werden durch unsere mitmenschliche Umwelt. oder der Ausfall einer der Grundimpulse. aus schützenden Geborgenheiten zu fallen. vielleicht zerstören . Und der Mensch als historisches Wesen und einmaliges Individuum. das nicht an Zeit. das nie Stillstand oder statische Ruhe bedeutet. kommt der Doppelaspekt unseres Daseins zum Ausdruck: der Mensch mit seinem Anteil an den überzeitlichen. Jede Überbetonung. mit ihren Einseitigkeiten und Beschränkungen. einen Entwicklungsschritt nicht wagen. die uns über unsere Vergangenheit und die in ihr erworbenen Begrenzungen hinausheben kann. aber auch nie zum Chaos entartet. Wenn es jemanden gäbe. über unsere jeweilige Entwicklungsstufe hinauszuwachsen in eine neue Freiheit. kann uns das helfen. haben wir eine Ahnung von Vollkommenheit und Vollständigkeit in uns. ewiger Aspekt. souveräner Weise zu leben wagte. zugleich in eine neue Ordnung und Verantwortung. als Mensch überhaupt. der sowohl die Angst vor der Hingabe in echtem Sinne verarbeitet hätte.

erscheint es doch als wesentlich. . sie ist keine von Menschen erdachte Ideologie. sondern eine Entsprechung der großen Ordnungen des Weltsystems auf unserer menschlichen Ebene. ohne die Angst. wir würden ihm zweifellos die höchste Reife und Menschlichkeit zuerkennen müssen. Aber wenn wir uns dem auch nur eingeschränkt nähern können.wußtsein ihrer Notwendigkeit und Unausweichlichkeit. durch sie in seiner Freiheit zu sehr beschnitten zu werden wenn es einen solchen Menschen gäbe. überhaupt das Bild einer vollen Menschlichkeit und Reife als Zielvorstellung zu haben.