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Institut fr Soziologie Einfhrung in die Soziologie Statement I

Die Annahme von groer Unwahrscheinlichkeit des Sich-Verstehens und spter sogar die Behauptung eines unmglichen Konsens zwischen Individuen prgen den Text von Alois Hahn (2000): Konstruktionen des Selbst, der Welt und der Geschichte. Frankfurt a.M. Diese Thesen, die auf dem Prinzip der doppelten Kontingenz, also dem Nichtwissen um die Gedanken, Ansichten und Sinnunterstellungen des Gegenbers beruhen, sind meiner Ansicht nach sehr schlssig. Insbesondere geben diese Aussagen fr mich Sinn, da sie sehr nah an der Wirklichkeit argumentieren. Denn ich erlebe in meinem Alltag ebenfalls nicht die Situation einer vollkommenen bereinstimmung von Auffassungen und Meinungen mit meinen Gesprchspartnern. Einen Kommunikation, die auf der sinngemen Ergnzung des Gehrten basiert schafft polyvalente Perspektiven, ein Merkmal, welches wiederum hufig in der Realitt zu beobachten ist. Die Prsenz dieses Merkmals kann als Resultat Streitgesprche und Kriege, in allen Arten von Beziehungen nach sich ziehen. Als Beispiel wrde ich hier die Dissonanzen zwischen den Religionen anfhren. Allerdings gibt es auch positive Beispiele von Verstndigung, bei denen nicht versucht wird, durch Machtausbung die eigenen Ansichten besser zu stellen. Eine wissenschaftliche Diskussion knnte als Beispiel dienen. Hierbei wird versucht, durch gewaltlose Argumentation jemanden von seiner Meinung zu berzeugen und somit eine innere Zustimmung hervorzurufen. Die interessanteste These ist fr mich allerdings die der Unendlichkeit der Kommunikation. Also praktisch ein Circulus Vitiosus von Verhaltensunterstellungen, der nur funktioniert, weil gewisse Verstndnisse und Erfahrungen bereits in der Gesellschaft vorhanden sind. Hahn behauptet, dass es bei diesem Vorgang nicht relevant ist, dass richtig verstanden wurde, sondern dass irgend etwas verstanden wurde und dass man davon ausgehen kann, damit es weitergehen kann. Es ist in Gesellschaften also von grerer Bedeutung einen Anschluss durch eine solche Art von Kommunikation zu finden, als vollkommen und mit smtlichem intentionierten Sinn verstanden zu werden.