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Die Bedeutung des schnen Scheins fr die berlieferte sthetik ist in dem seinem Ende sich zuneigenden Zeitalter der Wahrnehmung tief begrndet. Die dementsprechende Lehre hat ihre letzte Fassung im deutschen Idealis mus erfahren. Aber sie trgt schon epigonale Zge. Seine berhmte Formel. da Schnheit Schein sei - sinnliche Erscheinung einer Idee oder sinnliche Erscheinung des Wahren - hat die antike nicht nur vergrbert sondern ihren Erfahrungsgrund preisgegeben. Dieser liegt in der Aura. Weder die Hlle noch der verhllte Gegenstand ist das Schne, sondern dies ist der Gegen stand in seiner Hlle [so Bd. I, 195J das ist die Quintessenz der antiken sthetik. Durch seine Hlle, die nichts anderes als die Aura ist, scheint das Schne. Wo es aufhrt zu scheinen, da hrt es auf, schn zu sein. Das ist die . authentische Form jener alten Lehre, deren Ableger vor unsem Augen [ca. 6-7 Wrter unkenntlich gestrichen J. Das darf den Betrachter nicht abhal f ten!,] seinen Blick auf deren Ursprung zurckzulenken, wre es nur auch um daselbst jenem polaren Begriff zu begegnen, der bisher von dem des I Scheins beeintrchtigt wurde, nun aber in helles Licht zu treten berufen ist. Dieses ist der Begriff des Spiels. Schein und Spiel bilden eine sthetische Polaritt. Bekanntlich hat Schiller in seiner stktik dem Spiel einen ent I: scheidenden Platz gegeben, whrend Goethes Asthetik durch ein leiden i schaftliches Interesse am Schein bestimmt ist. In der Definition der Kunst : mu diese Polaritt Platz finden. Die Kunst, so drfte sie formuliert wer den, iS,t ein Verbesserungsvorschlag an die Natur: ein Nachahmen, dessen
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Anmerkungen zu Seite 350-384

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verborgenes Innere ein Vormachen ist. Kunst ist, mit andern Worten, voll endende Mimesis. In der Mimesis schlummern eng ineinandergefaltet wie Keimbltter beide Seiten der Kunst: Schein und Spiel. Druckvorlage: Benjamin-Archiv. Ms 98(,