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Die Zeit 2011 29

Die Zeit 2011 29

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DIE

WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR

ZEIT

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

Die Wall Street greift an
Das Schicksal des Euro ist den Finanzmärkten egal. Anleger und Spekulanten ziehen ihr Geld aus Rom, Athen, Lissabon und Madrid ab. Wie Europa seine Währung trotzdem retten kann
WIRTSCHAFT S. 21–24 WWW.ZEIT.DE/EURO

Chaplins Tochter
Geraldine findet: »Mein Vater gehört allen.« Ein Gespräch Feuilleton S. 45/46

Die Macht der Klugen
Auf ihre Forscher dürfen die Deutschen stolz sein. Zu Besuch bei jungen Wissenschaftlern, denen wir unsere Zukunft anvertrauen können ZEITmagazin

Titelillustration: Smetek für DIE ZEIT

Das Geldhaus Fluch der Neugier
Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr. Und das ist Merkels Problem VON HELMUT SCHMIDT Die Methoden des Boulevards sagen viel aus über die Medien, aber auch eine Menge über uns Leser VON ULRICH GREINER

Die Plagiatsjäger
Digitale Blockwarte oder Retter der Wissenschaft – was treibt die Menschen, die Doktorarbeiten überprüfen? Politik S. 4–6

W

ochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. Jetzt sieht es so aus, als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im SiemensKonzern. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein, wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet. (Siehe Wirtschaft, S. 28.) Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland, andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. Und zwar nicht in Frankfurt, sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher, sondern ein Inder. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher, sondern ein Schweizer.

Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden
Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen, was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G 7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister. Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt, es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner, Deutsche und Commerzbank. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden. Einige von ihnen mussten gerettet werden, die WestLB wird gerade aufgelöst. Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben, noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell. Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten

6 6 . J A H RG A N G C 7451 C

www.zeit.de/audio

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deutschen Bankenstruktur bleibt, so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen. Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei, die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, darüber war man sich früher einig, ohne es auszusprechen. Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht, über gemeinsame Prinzipien, zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren, Derivaten, Optionen et cetera, oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will, dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen. Das Vertrauen der öffentlichen Meinung und des Publikums in die Finanzbranche insgesamt ist in den letzten Jahren stark gesunken. So ist die unglaubliche Bereicherung der Spitzenmanager, insbesondere in Amerika, England, aber leider auch in Kontinentaleuropa, ein großes Ärgernis. Es ist nicht einzusehen, dass der Spitzenmann einer Bank hundertmal so viel Geld verdient wie sein Fahrer, dass er dreißig- oder vierzigmal so viel verdient wie die Bundeskanzlerin. Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. Die erste Kategorie, das sind die normalen Menschen. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut, aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden. Normale Menschen also, das sind vielleicht 98 Prozent. Zweite Kategorie, das sind die mit einer kriminellen Ader. Die gehören vor Gericht, und wenn sie schuldig gesprochen sind, dann gehören sie ins Gefängnis. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager. Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat. Hierzulande hätte die Politik schon lange erkennen müssen, dass die Struktur der deutschen Bankenlandschaft renovierungsbedürftig ist. Es ist nicht gut, dass deutsche Weltfirmen hinsichtlich der Finanzierung von großen Vorhaben und Investitionen von ausländischen Finanzinstituten abhängen. Wenn zum Beispiel eine große, für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde, dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse, dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken, an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann!

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mpörung kostet nicht viel. Es fällt leicht, sich über die kriminellen Machenschaften englischer Boulevardjournalisten zu empören, und der öffentliche Aufruhr in London hat immerhin dazu geführt, dass der Medienmagnat Rupert Murdoch sein Schmierblatt News of the World eingestellt hat. Was leider nicht bedeutet, dass die Verblödungsstrategie gewisser Sender und Zeitungen an ihr Ende gekommen wäre. Im Gegenteil, auch in anderen westlichen Ländern, die sich auf die Pressefreiheit manches einbilden, feiert sie Erfolge. Ihr Ziel besteht nicht darin, die neue Nachricht zu verbreiten, sondern das Neue selber zu erzeugen, indem man Sensationsfelder erfindet und anhaltend beackert. Die eigentliche Frage lautet, warum sich damit Geld verdienen lässt, empörend viel Geld. Die simple Antwort: Weil Millionen derlei lesen und sehen wollen. Und zwar aus demselben Grund, der auf der linken Fahrbahn zum Stau führt, wenn es auf der rechten einen Unfall gegeben hat: Es ist die Neugier. Wir wollen sehen, was da passiert ist. Wir wollen wissen, wie lange der Kuss des königlichen Paares gedauert und warum die monegassische Fürstin nach der Trauung geweint hat. Dieser urmenschliche Trieb bildet den Motor der Indiskretions- und Entblößungsmaschinerie, die Murdoch, Berlusconi und die anderen betreiben. So perfekt wie heute ist sie noch nie gelaufen, aber gegeben hat es sie immer. Öffentliche Folterungen und Hinrichtungen, das Ausstellen von »Missgeburten und Monstern« auf Jahrmärkten haben einstmals Tausende angezogen. Der audiovisuelle Boulevard verfährt nicht anders, nur auf technisch höherem Niveau.

Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier
Man muss sich aber, bevor man derlei Entgleisungen geißelt, bewusst halten, dass die Neugier Ursache aller menschlichen Erfindungen und Entdeckungen gewesen ist. Der wirkliche Grund, weshalb sich Seefahrer tollkühn auf die Weltmeere wagten, Anatomen den menschlichen Leib aufschnitten und Wissenschaftler sich gefährlichen Strahlen aussetzten, war nicht das klare Kalkül (kaum einer wusste, wohin sein Drang ihn führen würde), sondern die Neugier. Albert Einstein war nur ehrlich, als er einmal sagte: »Ich bin nicht besonders talentiert, sondern nur leidenschaftlich neugierig.« Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier. Dass sie sich ungehindert entfalten könne, ist ein Versprechen der Demokratie und das Geheimnis ihres Erfolgs. Nur wo der Erfindungsgeist sich verbreiten und austauschen darf, dringt er hinein ins unbekannte und ökonomisch fruchtbare Neuland. Im Wort aber steckt die Gier. Sie wird niemals satt. Denn nichts altert schneller als das

Neue, und rastlos sucht die Neugier nach neuem Stoff. Sie ist ein wilder Trieb, der gezähmt werden muss. Anders als das Tier, dessen Wissensdrang der Instinkt leitet und aufs Zuträgliche beschränkt, ist die menschliche Neugier ungerichtet. An Kindern bewundern wir ihre schlechthin schrankenlose Neugier, die sie ins Verderben stürzen müsste, würden wir nicht eingreifen. Als Erwachsene wissen wir (oder sollten es gelernt haben), dass es nicht lohnt, alles wissen zu wollen. Ohne Zweifel kann es hier und da schädlich sein. Augustinus hält die curiositas für ein Laster, weil sie aufs Irdische versessen sei und wegführe vom Eigentlichen: von der Selbsterkenntnis und von der Erkenntnis Gottes. Die Philosophen erblicken in der Neugier einen höchst doppeldeutigen Trieb; Hans Blumenberg zum Beispiel sieht in ihr »das Interesse des Menschen für dasjenige, was ihn sozusagen nichts angeht«. Er beschreibt damit jenen selbstbezüglichen Wissenschaftsbetrieb, an den wir uns längst gewöhnt haben. Den Gedanken seiner Neugierkritik finden wir in den Mythen und Märchen wieder, die vom Heiligen und vom Verbotenen erzählen: vom siebenten Zimmer, das man nicht betreten, vom Schleier, den Schillers Jüngling dem Bild der Wahrheit besser nicht entreißen sollte. Die Klugheit solcher Weisungen könnte Leitfaden sein für die Zähmung unserer Neugier, die nicht selten Züge einer Neusucht trägt. Sie ähnelt der Sucht, sich mit Nahrung vollzustopfen. Und so, wie es eine Industrie gibt, die alles daransetzt, uns mit jenem Fast Food zu versorgen, das immer von Neuem hungrig macht, so gibt es auch eine mediale Zerstreuungsindustrie, die unsere Neugier niemals sättigt, sondern stets neu entfacht. Ein rabiates Verwertungsinteresse ist Merkmal jenes Turbokapitalismus, dem wir offenbar – zu unsrem Glück oder Unglück – nicht zu entrinnen vermögen. Und wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Welt überhaupt, sondern von jenen gesegneten Breitengraden, wo es weder an Nahrung noch an Information generell mangelt. Der Mangel an Mangel ist ein Problem der Erziehung und der Selbstdisziplin. In den Schulen ist er schon lange ein Thema, glücklicherweise. Es müsste uns alle beschäftigen. Seit Jahren führen wir eine manchmal bizarre Schlankheitsdebatte. Man sollte die darin investierte Energie auf eine andere Enthaltsamkeit lenken: auf den Informationsverzicht. Nicht jede Nachricht ist der Beachtung wert. Es gibt eine Ökologie der Aufmerksamkeit. Wenn wir dies begriffen, dann würde uns die Empörung über Murdoch und so weiter etwas kosten. Wir könnten uns an die biblische Weisheit im Buch Prediger erinnern: »Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch. Kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, nie ein Ohr vom Hören voll. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.«

Dr.
PROMINENT IGNORIERT

Agenten am Bau
Feuchte Wände, gerissene Fliesen, was nicht passt, wird passend gemacht! Nur wer selbst ein Haus gebaut hat, weiß, wie andere leiden: etwa die Schlapphüte vom BND mit ihrem Neubau in Berlin. Die Keller zwar trocken, aber Baupläne geklaut. Ist das wirklich schlimm? Verliere man die Schuhe, so behielte man doch die Füße, tröstete sich und die Seinen jüngst ein Agent, bevor er in Berlin-Mitte verschwand. HBK
kleine Fotos: Nicolas Guerin/Corbis; Rue des Archives/PVDE/SV-Bilderdienst; ullstein; dpa (v.o.n.u.); Vera Tammen für DZ (l.)

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AUSGABE:

2 14. Juli 2011

DIE ZEIT No 29

POLITIK

Worte der Woche

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Ich verspreche Ihnen nichts, und deshalb glauben Sie mir.«

Peer Steinbrück, ehemaliger Bundesfinanzminister und potenzieller SPD-Kanzlerkandidat, über seine Popularität

»Nicht eine Ethik der Strafe, sondern eine Ethik des Helfens macht unsere Gesellschaft menschlicher.«
Peter Hintze, CDU-Abgeordneter, fordert im Bundestag die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

»PID bedeutet Selektion.«
Wolfgang Zöller, CSU-Abgeordneter, zum selben Thema

»Putin hat während seiner Amtszeit die Demokratie zurückgebaut, Freiheiten eingeschränkt, den Rechtsstaat ausgehöhlt und Russland der Korruption preisgegeben.«
Markus Löning, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, über die umstrittene Entscheidung, den russischen Premierminister Wladimir Putin mit dem Quadriga-Preis auszuzeichnen

Der Teufelspakt
Mit dem Medienmogul Rupert Murdoch hat sich die ganze britische Politik eingelassen. Auch Premierminister David Cameron gerät in den Strudel des Skandals VON REINER LUYKEN
Foto: Reuters

»Thank you & Goodbye«
Das eingestellte britische Boulevard-Blatt »News of the World«, das über Jahre Handys von Bürgern und Prominenten abhören ließ, verabschiedet sich von seinen Lesern

Premierminister Cameron auf dem Weg zu einer Pressekonferenz in London

»Wir stecken alle mit drin. Die Presse, die Politiker, die Chefs aller Parteien – ich selbst inbegriffen.»
David Cameron, britischer Premierminister, zum selben Thema

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»Wenn ich könnte, würde ich schon heute aufhören.«
Silvio Berlusconi, italienischer Ministerpräsident, will bei den nächsten Wahlen nicht mehr antreten

»Präsident Assad ist nicht unverzichtbar, und uns liegt nichts daran, dass er an der Macht bleibt«
Hillary Clinton, amerikanische Außenministerin, erklärt, der syrische Präsident Baschar al-Assad habe durch die brutale Unterdrückung von friedlichen Protesten seine politische Legitimität verloren

»Verschwinde, damit es wieder Licht wird!«
Ägyptische Demonstranten während erneuter Proteste vor dem Krankenhaus in Scharm ElScheich, in dem der gestürzte Staatschef behandelt wird

»Verweigerung ist eines der schönsten Dinge, die das Alter mit sich bringt.«
Iris Berben, deutsche Schauspielerin, schreibt keine E-Mails

«

eit David Cameron im Mai 2010 Premierminister wurde, hat der Regierungschef fast alles richtig gemacht. Sein Vorgänger Gordon Brown hinterließ ihm einen Staatshaushalt, der in einem fast so desolaten Zustand war wie der griechische Pleiteetat. Doch die Investoren flohen nicht, die Währung blieb stabil. Camerons Sparprogramm greift – trotz einiger Protestaktionen – ohne große Streiks und Krawalle. Er hat die große Mehrheit der Briten davon überzeugt, dass es keine Alternative zum Maßhalten gibt. Und nun dieser Schlamassel. Ein Skandal, der seit Jahren köchelte, ist wie ein außer Kontrolle geratener Atommeiler explodiert. Jeden Tag gibt es neue Enthüllungen über Abhöropfer der Zeitungen des Verlegers Rupert Murdoch, darunter Familien von ermordeten Kindern und im Afghanistankrieg gefallenen Soldaten. Murdochs »Enthüllungsjournalisten« versuchten sogar, die ärztlichen Aufzeichnungen des an einer Erbkrankheit leidenden Kindes des ehemaligen Premiers Gordon Brown zu knacken. Neben der inzwischen eingestellten News of the World stehen mittlerweile auch die Murdoch-Blätter Sunday Times und Sun unter Verdacht. Jetzt dringt der Skandal ins Herz der Regierung vor – bis zu Cameron selbst. Wie das? Die Machenschaften der Journaille sind dem kultivierten Regierungschef, so sollte man meinen, völlig fremd. Er gehört einer Schicht von Leuten an, die zwar als Toffs verrufen sind, als feine Pinkel, die in Eton zur Schule und in Oxford auf die Universität gehen. Aber er hat eben auch den gepflegten Umgangston, den Charme und den selbstironischen Humor dieser Klasse. Insgeheim lassen sich die Briten sehr gern von dieser Elite regieren. Den Kleinbürgern ist Cameron lieber als ein Emporkömmling aus ihren Reihen. Die progressive Mittelschicht zieht Camerons Pragma-

tismus linksintellektuellen Weltverbesserern oder einem verbissenen Stamokap-Linken wie Gordon Brown vor. Doch die krakengleiche Umklammerung der britischen Politik durch Rupert Murdoch macht vor keinem Premier Halt, ganz gleich, ob er der Labour-Partei angehört oder den Konservativen, ob er reserviert oder kämpferisch auftritt. Margaret Thatcher, die glühende Verfechterin des Kapitalismus, war eine natürliche Gesinnungsgenossin des australisch-amerikanischen Magnaten Murdoch. Nach dem unerwartetem Wahlsieg ihres unpopulären Nachfolgers John Major kam Murdochs Sun 1992 mit der unverfrorenen Schlagzeile heraus, It’s The Sun Wot Won It, frei übersetzt, »ohne uns wäre er den Bach runter gegangen.« Aber auch der erfolgreichste Labour-Politiker der letzten Jahrzehnte, der dreimal gewählte Premierminister Tony Blair, suchte, gewann und profitierte von Murdochs Gunst.

Ein Ex-Regierungssprecher wird festgenommen
Camerons Verbindung in die Murdoch-Welt war ein Boulevardjournalist, den er 2007, noch in der Opposition, als Pressesprecher anheuerte. Andy Coulson war gerade als Chefredakteur der News of the World zurückgetreten – wegen eines sich damals schon verdichtenden Abhörverdachts gegen Reporter und Zuarbeiter seines Blattes. Er beteuerte, von allem nichts gewusst zu haben – eine Beteuerung, die, wenn sie wahr gewesen sein sollte, Fragen an seiner Kompetenz aufwerfen müsste. Coulson hatte Murdochs Blatt jedenfalls wieder auf konservativen Kurs gebracht. Seine Anstellung durch Cameron erweist sich nun als Schachzug mit gefährlichen Folgen. Nach seinem Wahlsieg beförderte Cameron Coulson

zum Regierungssprecher. Im Januar dieses Jahres, als immer neue Enthüllungen über das Gebaren seiner ehemaligen Zeitung an die Öffentlichkeit drangen, trat Coulson zurück, wiederum unter Unschuldsbeteuerungen. Letzte Woche wurde er von Scotland Yard wegen des Verdachts auf Verschwörung zum Telefonanzapfen und zur Bestechung von Polizeibeamten festgenommen. Nun steht Cameron selbst im Sperrfeuer von Verdächtigungen, Spekulationen und Anschuldigungen. Paddy Ashdown, ehemaliger Führer der liberalen Partei, hatte ihn gewarnt. Die Liberalen sind die Einzigen gewesen, die sich Murdoch nie in die Arme geworfen haben. Doch Cameron stand zu seinem Mann. Wie konnte der Premier einem derart zwielichtigen Charakter sein Vertrauen schenken? Coulson, der nach der Oberschule zwei Jahre als Reporter eines Provinzblattes Lokalstorys nachhechelte und später bei der Sun für eine Kolumne mit dem bizarrsten Quatsch aus dem Showgeschäft zuständig war, bevor er die unsägliche News of the World leitete, passt so gar nicht zu ihm. Hatte der smarte Typ sich unentbehrlich gemacht? Nach dem Wahlsieg lenkte Coulson bei den allmorgendlich im Untergeschoss von Downing Street 10 abgehaltenen, vertraulichen Pressekonferenzen das Augenmerk seiner ehemaligen Kollegen unaufdringlich in die gewünschte Richtung. Er war ein erstklassiger Öffentlichkeitsarbeiter, nicht rüpelhaft wie Tony Blairs MedienGuru Alastair Campbell, unter dessen Ägide Fluchen und schlechte Manieren zum akzeptierten Umgangston der politischen Klasse machte. Doch der tiefere Grund für die Treue zur Coulson dürfte in der Furcht vor Murdochs Unmut liegen. Wie vor ihm Gordon Brown und Tony Blair, die sich in den Worten des New-Labour-Chefideologen Peter Mandelson lieber duckten als die Presse herauszufordern, verbog sich auch Cameron.

Bestes Beispiel: Cameron nahm sich bei Regierungsantritt ein ehrgeiziges rechtspolitisches Reformpaket vor. Er installierte im Justizministerium das einzige liberale Schwergewicht britischer Politik, Kenneth Clarke – ein Konservativer zwar, aber einer, der sich nie vom Mehrheitsdruck oder der nach »Recht und Ordnung« schreienden Journaille treiben ließ. Clarke setzte nach drei Jahrzehnten unter konservativen und Labour-Regierungen zusehends verschärfter Gesetze die erste liberale Strafrechtsreform seit einer Generation in Gang.

In der Empörung steckt eine Menge Heuchelei
Im Juni dieses Jahres aber stoppte Cameron das Projekt. Der Premier ging vor der populistischen Presse in die Knie. Sie hatte mit Murdoch, wie ein Kommentator dieser Tage feststellte, seit Thatchers Wahlsieg 1979 de facto einen ständigen Sitz am Kabinettstisch in Downing Street 10. Damit ist es jetzt vorbei, zumindest soweit es den »dirty digger« Murdoch, den Schmutzgräber der britischen Presse, betrifft. Nun geht ein Aufschrei durchs Land. Wie konnte der nur! Wie konnten die nur! Jeder deutet mit dem Finger auf den anderen – Politiker, Konkurrenten, ehemalige Mitstreiter. Aber die meisten waren selbst beteiligt. Niemand wehrte den Anfängen, kaum jemand begehrte auf. Die Angst vor Murdochs Macht fraß sich wie ein emotionales Krebsgeschwür tief in die Seele der politischen Klasse. Die wütende Reaktion auf die Enthüllungen ist ein Urschrei – halb Selbstbefreiung von einem Trauma, halb Heuchelei. Dass Cameron nicht so laut mitbrüllt wie die anderen, ist wieder ein Erbe seiner gesellschaftlichen Herkunft.
Siehe auch Wirtschaft Seite 30

POLITIK

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

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Beschlossen und beschwiegen
Erst geht die Richtung verloren, dann die Autorität: Atom, Libyen, Wirtschaftsreformen – fast schon routiniert ändert die Regierung ihre Positionen. Leise meist und ohne Begründung. Das schadet der Kanzlerin. Und der Demokratie VON MATTHIAS GEIS

S

o also wollte sich die Bundesregierung in die Sommerpause verabschieden. Noch einmal wollte sie zeigen, worüber man bei SchwarzGelb streitet – und was der Debatte entzogen ist. Über die Notwendigkeit, Wünschbarkeit oder Unmöglichkeit baldiger Steuersenkungen wurde leidenschaftlich diskutiert – geschwiegen wurde zum geplanten Export von Kampfpanzern an Saudi-Arabien. Schließlich tage der Bundessicherheitsrat doch geheim. Über den Sinn einer Waffenlieferung in die nahöstliche Krisenregion gab es also keine Auskunft. Dafür kommt nun das nächste Signal an den Arabischen Frühling. Mit 200 Kampfpanzern schlägt sich die Bundesregierung auf die Seite des Regimes in Riad. Alles ohne Begründung, ohne öffentliche Debatte. Beschlossen und beschwiegen von Angela Merkel, Philipp Rösler und Guido Westerwelle. So wird im Sommer 2011 die Bundesrepublik regiert. Zumindest wenn nicht gerade wieder einmal der Euro gerettet werden muss. Dabei hat die Koalition, vielleicht zum ersten Mal seit ihrem Bestehen, zukunftsweisende Politik durchgesetzt. Atomausstieg und Energiewende haben den Bundesrat passiert. Es ist ein Projekt, an dem sich die technisch-industrielle Kompetenz, die ökologische Verantwortung und die wirtschaftliche Dynamik der Bundesrepublik entfalten könnten. Nur auf die Stimmung in der Koalition hat das keine positiven Auswirkungen. Denn der Atomausstieg ist nicht nur eine bahnbrechende politische Entscheidung; er ist eben zugleich ein spektakulärer Widerruf dessen, was erst vor knapp einem Jahr beschlossen worden war. Mit der Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke wollte man es den »energiepolitischen Blindgängern« von Rot-Grün einmal richtig zeigen. Nun muss sich SchwarzGelb mit dem gesellschaftlichen und politischen Konsens anfreunden, den man gerade gestiftet hat. Die Kanzlerin spricht von ihrer neuen Energiepolitik als »Mission«: Am Beginn der Bundesrepublik habe die Versöhnung von Kapital und Arbeit gestanden, heute gehe es um die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie. Schöner könnten es selbst die Grünen nicht ausdrücken. Wohl auch deshalb hat Angela Merkels rasanter Kurswechsel in Teilen der Koalition Befremden ausgelöst. Die atomkritische Mehrheit der Deutschen befürwortet den Ausstieg. Nur glaubwürdig, sagen die Umfragen, finden sie ihn nicht.

Die Kanzlerin will sich nicht geirrt haben
An die Atomwende, mehr noch an Merkels frühere Wandlungen knüpfen sich inzwischen grundsätzliche Fragen: nach dem Verhältnis von Pragmatismus und Überzeugung, nach der Scheu vor offenen Debatten, nach dem Einfluss gesellschaftlicher Stimmungslagen. Es sieht so aus, als regiere Angela Merkel begründungsfreier als alle ihre Vorgänger. Ihre Flexibilität in machtpolitischen wie in inhaltlichen Fragen ist inzwischen das Verlässlichste, was sich über ihre Kanzlerschaft sagen lässt. Und das Verstörendste. Dabei gehören Wenden zur Politik. Was sonst als die Bereitschaft, unter veränderten Bedingungen neu zu entscheiden, macht ihre Zukunftsfähigkeit aus? Immer wieder entwickelt sich der politische Prozess als Korrektur überholter Positionen. Die SPD beispielsweise konnte erst wirklich in die Geschichte der Bundesrepublik eingreifen, nachdem sie ihre programmatische Perspektive ohne Vorbehalt auf die Nachkriegsverhältnisse eingestellt hatte: soziale Marktwirtschaft statt Klassenkampf, Westbindung statt Neutralitätsbestrebungen. Dass die Union in den achtziger Jahren die Ost- und Entspannungspolitik übernahm, die sie ein Jahrzehnt lang erbittert bekämpft hatte, wurde zu einer Grundbedingung der Kohlschen Kanzlerschaft. Und Gerhard Schröder nötigte seiner Partei mit den AgendaReformen einen Kurswechsel ab, der zwar nicht der SPD, aber doch dem Land zugutekam.

Solche Weichenstellungen hatten sich lange, nen. Sie gründeten sich als Bewegungspartei und manchmal über Jahre hinweg angebahnt. Nach drängten schon bald in die Institutionen; sie feider japanischen Katastrophe benötigte die Kanz- erten sich als prinzipielle Opposition und suchlerin gerade mal ein Wochenende, um zu erken- ten dann doch den Weg zur Macht; sie starteten nen, dass die atompolitische Beschlusslage nicht als Antimilitaristen und waren die Ersten, die mehr zu halten war. Natürlich hat die Angst vor Bundeswehrsoldaten in zwei Kriege schickten. einem Wahldesaster in Baden-Württemberg Interessant bei so viel Wendebereitschaft ist Merkels Entscheidung beschleunigt. Umso hefti- allerdings, dass ausgerechnet die Grünen heute ger wurde das bestritten. Dass sich nach Fuku- als glaubwürdige Partei gelten. Das liegt daran, dass sie ihre Metamorphosen shima einfach nicht mehr genicht klammheimlich und vergen die Mehrheit regieren druckst vollzogen haben. Im ließ, hat Angela Merkel blitzFlexibel ist sie ja Gegenteil, keine andere Partei artig erkannt und umgesetzt. hat im Laufe der Jahre solch Nur gesagt hat sie es nicht. Nach sechs Jahren im offene, erbitterte KontroverGanz anders verhielt sich in den siebziger Jahren der Amt ist der Kurswechsel sen ausgetragen. Oft wirkte das befremdlich, manchmal niedersächsische Ministerpräzum Muster von auch zwanghaft und abstosident Ernst Albrecht, als er Merkels Politik ßend. Doch während die polidie Pläne für eine atomare geworden. Wenden tische Konkurrenz eher auf Wiederaufbereitungsanlage ad Streitvermeidung setzt, Wiacta legte. »Politisch nicht gehören zur Politik. dersprüche verkleistert und durchsetzbar«, lautete damals Erklärungen aber auch Konflikte dementiert, betreidie schlicht zutreffende Beben die Grünen ihre Revisiogründung. Sie wurde legendär. nen mit erbittertem Ernst. Wo Manchmal ist gerade das offene Eingeständnis einer Niederlage oder die un- andere Parteien Scheinkontinuität vorspiegeln, umwundene Begründung einer Kurskorrektur zelebrieren sie ihre Brüche. Manchmal wirkte das, als wollten sie den politischen Veränderungsein Zeichen von Stärke. Angela Merkel hingegen hält sich an die klas- schmerz restlos auskosten. Das Gegenmodell praktiziert heute Angela sische Lehre, nach der man Fehlentscheidungen und Niederlagen lieber dementiert oder ver- Merkel. Ihre Wenden gehen leise und ohne Aufschleiert. Das ahnte wohl auch der CDU-Funk- sehen vonstatten. Man erinnert sich noch an die tionär, der kürzlich in einer Aussprache zur Zeiten, als sie über die Deutschen so redete wie Atompolitik seiner Vorsitzenden empfahl: »Wir jüngst über die Bewohner verschuldeter europäimüssen sagen, dass wir einen Fehler gemacht ha- scher Südstaaten: Ende der Bequemlichkeit, ben.« Doch Merkel war anderer Meinung: »Ich mehr anstrengen, weniger fordern! Damals, nach kann nicht sagen, es war ein Fehler.« Sie habe aus dem Leipziger CDU-Parteitag 2003, propagierte Überzeugung für die Laufzeitverlängerung ent- sie die liberale Mobilmachung von Politik und schieden. Die Wende werde sie »immer mit Fu- Gesellschaft. Allein dadurch sollte Deutschland im globalen Wettbewerb bestehen können, wenn kushima begründen«. Die Kanzlerin will sich nicht geirrt haben, sie überhaupt. Da hatte Gerhard Schröder unter will vor der Katastrophe verantwortlich und rich- dem Druck der Krise seine Agenda 2010 schon tig gehandelt haben und danach eben auch. Statt aufgelegt. Als Merkel dann selbst Kanzlerin wureine Zäsur zu setzen, die Fehlentscheidung de, war ihr Reformeifer bereits verflogen. Jetzt einzuräumen und damit die Basis für neue regierte und konkurrierte sie mit der SPD um Glaubwürdigkeit zu legen, versucht Merkel be- sozial verträgliche Lösungen. Nur begründet hat harrlich, die Unzulänglichkeit ihrer früheren sie ihren Sinneswandel nie. Ob Merkel in der Theorie oder Schröder in Entscheidung zu verschleiern. Sie gibt dem Reflex nach, keine Schwäche zu zeigen. Aber gerade der Praxis den Reformbedarf übertrieben hatten, ob sie das dynamische Potenzial der Republik das wirkt schwach. Nur auf Parteitagen pflegt Merkel hin und unterschätzten, ob das Land nach der Stagnation wieder das Heroisch-Erhabene: »Nicht der Zeit- der neunziger Jahre – unbemerkt vom liberalen geist prägt die Politik der CDU, sondern die Mainstream – schon wieder konkurrenzfähig geCDU prägt den Zeitgeist«, verkündete sie als worden war: Über all das hätte sich streiten lasfrischgebackene Oppositionsführerin im Herbst sen. Gerade mit Blick auf künftige Strategien. 2002. Seither hat sie unzählige Male daran er- Doch die Kanzlerin wollte nicht streiten, sie wollinnert, wie die zentralen Weichenstellungen der te ihren neuen Kurs nicht an ihren früheren Bundesrepublik von der Union stets gegen die Forderungen messen. So blieb den Deutschen Mehrheitsstimmung durchgesetzt werden muss- verborgen, wann und warum Angela Merkel auften. Immerhin, bei der atompolitischen Kurs- hörte, das Land als »Sanierungsfall« zu betrachten. Nur einmal, 2007, durchbrach Jürgen Rüttkorrektur folgt sie am Ende dem Wunsch der Mehrheit. Es ist nicht das erste Mal. Auch im gers dieses Arrangement. Er wollte die »LebensJahr 2005 sorgte das deprimierende Ergebnis bei lügen der Reformpolitik« debattieren. Das zielder Bundestagswahl für Merkels Abkehr vom li- te auf Merkel. Sie ließ es zu, dass Rüttgers sich beralen Reformkurs. In der Griechenlandkrise in der Sache durchsetzte. Nur die Grundsatzspielte sie anfangs mit dem Boulevard über Bande und bediente mit ihren harschen Sparparolen an den Süden euroskeptische Vorbehalte hierzulande. Auch in der Frage militärischer Interventionen dürfte die pazifistische Unterströmung der Deutschen inzwischen sogar die Kanzlerin erreicht haben. Jedenfalls lässt sich die LibyenEntscheidung so interpretieren. Doch auch in diesem Falle sind die Bürger auf Mutmaßungen angewiesen. Einen ganz anderen Umgang mit ihren radikalen Kurswechseln pflegen seit jeher die Grü-

debatte mit Kanzlerin entfiel. Der begründungsfreie Kurswechsel ist zum Muster ihrer Politik geworden. Das gilt sogar in Fragen von Krieg und Frieden. 2002/03 profilierte sich die Oppositionsführerin gegen Schröders Anti-Irakkriegs-Kurs als Partnerin des amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Doch als dessen Kriegsbegründung sich als Lüge erwies und auch die irakische Demokratie nicht recht vorankam, konnte sich Merkel kaum mehr daran erinnern, je mit den Kriegsbefürwortern sympathisiert zu haben. Erst die deutsche Enthaltung in der Libyen-Frage gab einen Hinweis, wie weit sich Merkel inzwischen von ihrem frühen Bellizismus entfernt hat. Selbst die »Einheit des Westens«, die sie einst als unverbrüchliche Maxime deutscher Außenpolitik gegen Schröder ins Feld geführt hatte, war plötzlich so nachrangig wie die Unterstützung der libyschen Aufständischen gegen deren Unterdrücker.

Erst kommt das Desinteresse, dann die Politikverachtung
Merkel, so scheint es heute, hat aus der IrakErfahrung die falschen Lehren gezogen. Sie hat Schröder auf der Welle des Pazifismus eine schon verlorene Bundestagswahl gewinnen sehen. Das hat sie empört und beeindruckt. Schröder hatte sich ungehemmt populistisch die Mehrheit gesichert. Aber er hatte gegen einen Krieg votiert, den er für unverantwortlich hielt – nachdem er zuvor deutsche Soldaten in das Kosovo und nach Afghanistan entsandt hatte. Seine Nachfolgerin musste bislang keine militärische Entscheidung dieser Tragweite treffen. Gerade nach der LibyenEnthaltung wüsste man gerne, wo Merkel in der Frage humanitärer militärischer Interventionen heute steht. Auch das bleibt offen. So behält die Kanzlerin ein Maximum an Flexibilität. Sie ist nicht festgelegt. Ihre Grundlinien verschwimmen. Aber es gibt ja noch genügend Probleme, die sich auch mit nüchternem Pragmatismus bearbeiten lassen.

So agiert sie seit einem Jahr in der Euro-Krise. Sie ist die mächtigste Spielerin, und doch laviert sie zwischen ihren Sanierungsforderungen an den Süden und dem unabweisbaren Rettungszwang. Und dann ist da noch der wachsende Unwille in der Bevölkerung und in der Koalition. Dass die Kanzlerin in dieser Lage Erklärungen liefert, mit denen sich die Öffentlichkeit einen Reim auf die Krise oder gar auf Merkels Strategie machen könnte, ist unwahrscheinlich. Merkels Regieren wirkt unübersichtlich, manchmal beliebig. Wo Positionen, für die heute mit Verve geworben wird, plötzlich zugunsten anderer Positionen verschwinden, verliert Politik ihre Überzeugungskraft. Denn warum sollen sich die Bürger mit politischen Inhalten und Forderungen befassen, wenn diese schon im nächsten Moment bedeutungslos werden können? Eine sich bedeckt und flexibel haltende Politik zerstört auf Dauer das öffentliche Interesse, ohne das Demokratie nicht funktionieren kann. Dem Desinteresse folgt leicht die Verachtung. Gerade politikferne Bürger entwickeln ein feines, oft schon vom antipolitischen Ressentiment geschärftes Gespür für kaschierte Volten oder unglaubwürdige Dementis. Die schlauen Tricks helfen nicht wirklich. Sie produzieren Stimmungslagen, in denen der politische Betrieb wie seine einzelnen Vertreter immer öfter zur Zielscheibe von Hohn und Spott geraten. Demokratie kommt ohne Autorität nicht aus. Die erwächst aus Überzeugung und Begründung, Konsistenz und Erkennbarkeit. Im Wirken der aktuellen Koalition ist davon kaum noch etwas zu sehen. Das ist die bittere Pointe auf die »geistig-politische Wende«, unter deren Banner die Liberalen in diese Regierung getaumelt sind. Doch die Krise dieser Koalition ist zu tief, um sie noch den Nebendarstellern zurechnen zu können. Sie ist vom Autoritätsverlust der Kanzlerin nicht mehr zu trennen. So klangen schon die Diagnosen vom vergangenen Sommer. Seither ist es schlimmer geworden. Manchmal zweifelt man schon, ob es sich nur um eine Krise dieser Kanzlerin und ihrer Regierung handelt. Erst wenn sie einmal nicht mehr regiert, wird man sehen können, wie weit die Erosion gediehen ist. Doch nun muss erst einmal wieder der Euro gerettet werden.

Würden Sie dieser Frau noch Fisch abkaufen? Angela Merkel im Mai bei dem Versuch, die Pinguine auf dem Dach des Ozeaneums in Stralsund zu füttern

Foto [M]: Stefan Sauer/dpa

Begegnung mit zwei Plagiatsjägern VON KHUÊ PHAM Guttenbergs Fall Den Anstoß zum politischen Niedergang Karl-Theodor zu Guttenbergs gab ganz altmodisch ein Zeitungsartikel. mühsam. Noch am selben Abend rief ein Student mit dem Pseudonym PlagDoc über Twitter zur weiteren Spurensuche auf: Die Internetplattform GuttenPlag war geboren. aberkannt. an der Koch-Mehrin promoviert hatte. keine Ortsangaben. dem Mitbegründer und selbst ernannten Superstar von WikiLeaks. dass das genau das war. und Matthias Pröfrock. welche Quellen. möglichst schnell und oft. Er betont. Vor dem Treffen hat er eine E-Mail weitergeleitet.« Er hat dem Mann von seinem Traum. Wo es Goalgetter um die Überführung von Betrügern geht. Es ist. Davon ist Georgios Chatzimarkakis. Goalgetter. Europaabgeordnete VroniPlag der FDP. Die ZEIT hat Bernd Althusmann die Ergebnisse der Studie vor ihrer Veröffentlichung vorgelegt. JUL ls Karl-Theodor zu Guttenberg noch Minister und Doktor war und die Plagiatsvorwürfe gegen ihn noch mit dem Wort »abstrus« abstritt. die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein Mann.« Bauernopfer sind Textstellen. sagt er. Aber er wusste sofort. Durch ein Onlinedokument konnte man sich an der »kollaborativen Plagiatsdokumentation« beteiliGuttenPlag gen. die nicht als Paraphrase gekennzeichnet wurden: »Sie fahren ein fremdes Auto und vertauschen das Nummernschild. jeden Fehler und jede Schwäche von Politikern offenzulegen. FDP-Europaabgeordneter. VroniPlag. Er war es. als würden Sie eine Handtasche im Geschäft klauen. etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun. Hochschullehrer zu werden. Zusammen mit anderen Empörten begannen sie. Und dass sich die meisten für prominente Menschen und nicht für Doktorarbeiten interessieren. sondern auch die zahlreicher Politiker wurden unter die Lupe genommen. Er fragt nach. Zwei Männer. Der anonyme Akademiker schickte Goalgetter Textbausteine aus der Dissertation. dass es hier um die Macht des Faktischen gehe: um die Dissertation. Im Juni dieses Jahres erhielten die Betreiber der Website den Grimme Online Award für »besondere publizistische Verdienste«. sollte seine Identität bekannt werden. Er ist noch vorsichtiger als Goalgetter. Sie wollen anonym bleiben. für das Sie nicht bezahlen. Klicken sich zu einem Treffen bereit erklärt. Wahrscheinlich wäre es endlich an der Zeit. Dann kam der zweite Sonntag im April. Fragmentieren heißt. die sich persönlich nie getroffen haben und sich doch zur gemeinsamen Mission gegen Guttenberg zusammentaten. Aber Goalgetter hält sich inzwischen für einen Experten in Sachen Dissertation: Er hat dieses Jahr schon 40 gelesen. Am 16. Sie trafen sich im Chat. dass nur wenige Menschen Zitierfehler so ernst nähmen wie er. Am nächsten Morgen informierte er die Universität Konstanz.« Verschleierungen sind unformulierte Textstellen. Für Goalgetter ist jeder dieser Fälle ein Erfolg. Klicken suchte. Aufgrund der Recherchen von VroniPlag hat nun die Universität Bonn angekündigt. Das Problem ist aber. Goalgetter erfand einfach neue Nutzer der Plattform. Goalgetter hat sich unter strengen Auflagen zu einem Treffen bereit erklärt: Keine Echtnamen. VroniPlag. um der Doppelbelastung durch Job und VroniPlag-Fälle gewachsen zu bleiben. haben darin aber noch ein zweites Kleid versteckt. Aber in Bayern ist sie bekannt. Klicken sagt. ein 270-Seiten-Werk mit 660 Fußnoten. geschrieben und von den Werten der Wissenschaft. feige sind Sie auch. sagt Goalgetter. weit entfernt – obwohl er laut VroniPlag 72 Prozent seiner Dissertation abgeschrieben haben soll. also eine Seite. Am selben Abend twitterte er die Nachricht vom neuen Plagiatsfall Silvana Koch-Mehrin in die Welt. Veronica Saß war kein Guttenberg. veröffentlicht einen Plagiatsfall. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 DIE JÄGER IM NETZ POLITIK INTERNET UND POLITIK WikiLeaks. etwas stimme nicht mit der Dissertation von Frau Koch-Mehrin. besetzte Althusmann den Posten des parlamentarischen Geschäftsführers der CDULandtagsfraktion. die Dissertation der Politikwissenschaftlerin Margarita Mathiopoulos neu zu untersuchen. Affäre Vroni Die Plattform VroniPlag entstand im März 2011. Jetzt sucht er nachts nach Fehlern in irgendwelchen Doktorarbeiten. Zunächst mit nicht viel mehr als einem anonymen Hinweis auf einen weiteren Plagiatsfall in der Dissertation einer gewissen Veronica Saß. »Sie kaufen ein Kleid. um sechsmal die Woche Golf zu spielen. 20 Administratoren können Beiträge löschen und Nutzer sperren. gebräunte Haut.4 14. ohne die Quelle zu kennen? »Es war ein großes Risiko. desto mehr suchten sie. mit der Plagiatsprüfung sei es so wie mit der Kriminalitätsbekämpfung. Aber dafür müssten sich Goalgetter und Dr. sie selbst eingerechnet. Er bekam keine Antwort.« Vor dieser Sucht hatte er Zeit. Diebstahl mit vorsätzlicher Täuschungsabsucht. oder haben Sie keinen Namen. es ist nun das Ding vieler. gelinde gesagt. keine Angaben dazu. wünscht zunächst. www. dann war das nicht richtig«. Darüber. wo die Plattform jetzt steht«. und je beharrlicher Guttenberg an seinem Ministerposten festhielt. wie viele Seiten der Guttenbergschen Arbeit Plagiate aufwiesen. der nach dem Fall Guttenberg weitermachen wollte. wovon er schließlich abrückt. dass nach dem Verfassen des Artikels sämtliche Tonaufnahmen gelöscht werden. wäre zu mühselig. »Es ist wie eine Sucht«. Die Medien würden sich drauf stürzen! Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik lautet der Titel ihrer Arbeit. inzwischen genießt er die Neugier der Medien. Sie waren empört über Guttenbergs Leugnen. Die Konflikte erinnern an das Zerwürfnis zwischen Julien Assange. die meisten GuttenPlag-Aktivisten sagten: Wir hören auf. »wenn man das Gefühl hat. dass der Verfasser auf ein Wiki auswich. jedes Geheimnis der Politik. Die anderen Mitglieder von VroniPlag würden es nicht gutheißen. So kann jeder auf VroniPlag sehen.de/audio . DZ Weitere Berichte zum Fall Althusmann siehe auch Wissen Seite 37 dächtigen Textbaustein aus der Dissertation und der nicht korrekt zitierten Quelle anzulegen. enstand. bis sie am Ende 1218 plagiierte Stellen nachweisen konnten und Guttenberg zurücktrat. der bei einer Rezension der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers auf mehrere plagiierte Stellen gestoßen war. Auch eine Form von Diebstahl. Ein Fehler. Klicken hingegen hat sich schon mehrfach Urlaub genommen. Aufgrund der Recherchen von VroniPlag wurden nun die Doktorgrade von Saß. Ausgerechnet jene Internetplattform. bei Veronica Saß lag sie bei 54 Prozent der Seiten. Saß ist die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmung Stoiber. Über die Motive der Einzelnen und die Ziele der Gruppe. Im Fall Althusmann ist die ZEIT einem gut begründeten Anfangsverdacht nachgegangen. um VroniPlag dahin zu entwickeln. Klicken hielt das für unlauter. Sie haben das Gefühl. Er sei »Onlineunternehmer« – das müsse als Berufsangabe genügen. obwohl ihm das Original selbst nicht vorlag. sondern die sie direkt fort. aber nicht als Zitat kenntlich gemacht. sie überprüften jede Fußnote.zeit. in seinem rechten Augenwinkel ist eine kleine Narbe. da brachte er zwei Männer gegen sich auf. Wollte ihn hier jemand reinlegen? Andererseits schienen die Quellen überzeugend. der eine Mission hat. der um seine Karriere fürchtet. Goalgetter fragmentierte. nicht mal eine wirklich Prominente. die ohne Zitierung übernommen wurden. Ist die Fundstelle mit der Textstelle identisch. Silvana KochMehrin. sie dokumentierten ihre Ergebnisse auf der Internetplattform GuttenPlag. worauf er gewartet hatte: Silvana Koch-Mehrin. Die Empörung. Ein Wissenschaftler loggte sich bei VroniPlag im Chat ein. gibt häufig und gern Interviews. die Verstöße gegen wissenschaftliche Standards anprangert. Mission erfüllt. Goalgetter und Dr. wirkt wie ein Student. Klicken ums Prinzip einer ehrlichen Wissenschaft. einige Experten sprechen offen von einem Plagiat. sonst hätten Sie etwas anderes zu tun. Goalgetter geht jetzt wieder öfter Golf spielen. Inzwischen gelten strenge Kriterien: Originalarbeiten müssen bei der Überprüfung vorliegen. die von KochMehrin stammen sollte. um eine größere Popularität vorzutäuschen. Martin Klicken. Keine Politikerin.und umschreiben können. nachdem ein GuttenplagMitarbeiter einen anonymen Hinweis zu der Dissertation von Veronika Saß erhalten hatte. Landtagsabgeordneter der CDU in Baden-Württemberg. Februar 2011 berichtete die »Süddeutsche Zeitung« über den Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano. »Wenn das vorzeitig getwittert wurde. ist Mitte 30. er stelle sich zu sehr heraus. sie zu Gesicht zu bekommen. damit er dazu Stellung nehmen konnte. Goalgetter kannte den Tippgeber nicht. Ein Tag im Juli. Inzwischen wurden sowohl der Stoiber-Tochter als auch der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und dem SPD-Politiker Uwe Brinkmann von den jeweiligen Universitäten die Doktortitel aberkannt. er klingt enttäuscht. aber unspektakuläre Wühlarbeit. Suchen heißt. vor allem in der Gründerzeit. Ein Barcode zeigte. Klicken zum ersten Mal leibhaftig treffen. sie nennen sich Goalgetter und Dr. ein promovierter Ingenieur. Mitte 40. Die Folgen sind bekannt: Der Minister verzichtete erst auf den Doktortitel. ein Formular mit dem ver- In eigener Sache In der vergangenen Woche deckte die ZEIT auf. nicht die Person. auf welchen Seiten plagiiert wurde. darunter vier FDP-Abgeordnete und jeweils ein Abgeordneter von SPD und CDU. A Zwei Tage später in einer anderen Stadt. jeder betroffene Politiker soll seine Ämter niederlegen. »Die Qualitätsfetischisten haben übernommen. Diebstahl. und er kannte auch nicht seinen echten Namen. Und er hat sich bereits ein neues »eigenes Ding« überlegt: Er will nun die kürzesten Dissertationen Deutschlands auf ihre Qualität überprüfen. die die einen den »digitalen Pranger« nennen und die anderen »wissenschaftliche Aufklärung von unten«. die nur zum Teil als Zitate gekennzeichnet werden. ob man seine Thesen verstanden habe. Sie arbeiteten meist nachts. Ist das ein Fortschritt oder eine digitale Form des Wutbürgertums? Wie gehen Politiker mit den neuen Medien um? (Siehe Seite 5) Und wie sollten Gesetzgeber und Gerichte reagieren? (Siehe Seite 6) Goalgetter und Dr. sagt Klicken. geht es Dr. Es gebe da verschiedene Kategorien: Komplettplagiate sind Textstellen. Uwe Brinkmann (SPD) gab seine Promotionsurkunde freiwillig zurück. er habe sie vor sich liegen. Die Doktorarbeit von Althusmann wies eine auf den ersten Blick auffällige Häufung an indirekten Zitaten sowie einen insgesamt hohen Zitatanteil (über 50 Prozent) auf. welche Seiten. um mögliche berufliche Nachteile auszuschließen. die ihm ein Fremder geschrieben hat: »Erfolgreich können Sie ja nicht sein. Neben der Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wurden hier auch die Arbeiten von sechs Politikern untersucht. besprachen den aktuellen Stand einer verdächtigen Dissertation. Er selbst hat nie promoviert. und einige von ihnen haben schon Beiträge von Goalgetter gelöscht. Klicken sagten: Wir machen weiter. sagt Goalgetter. wenn auf mindestens zehn Prozent der Seiten Plagiate gefunden wurden. der er mal war. Er will gewinnen. Abgeordnete im Europaparlament und aufsteigender Jungstar in der FDP. Koch-Mehrin will dagegen vor Gericht gehen. YouTube – Netz-Aktivisten schicken sich an. hier redet jetzt einer. Das würde zu lange dauern. Er ist unter den anderen Administratoren umstritten. Nicht nur die Arbeit von Saß. Die Plattform ist jetzt nicht mehr nur sein Ding. Kampf gewonnen. Doch sein Pseudonym verrät einiges.« Klicken legt im Verlauf des Treffens seine Nervosität ab. die Goalgetter und Klicken im Fall des Verteidigungsministers noch mit der Bevölkerung geteilt hatten. die es zu verteidigen gelte. »Das ist so. eine Grundsatzdiskussion über VroniPlag zu führen. Exakt in dem Zeitraum. handelt es sich um ein Plagiat. Schnell war GuttenPlag so überlastet. Die zuständige Universität Potsdam überprüft nun die Vorwürfe. aber es war mir persönlich wichtig. Er hat lockige Haare . in dem seine Dissertation. Nach Hinweisen aus dem akademischen Umfeld hatte die ZEIT ein Gutachten bei zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern in Auftrag gegeben. Klicken Wie die Internetplattform Vroniplag Doktorarbeiten von Politikern durchleuchtet. dass die Doktorarbeit des niedersächsischen Kultusministers Bernd Althusmann (CDU) erhebliche wissenschaftliche Mängel aufweist. Zwischen den beiden gab es erste Meinungsverschiedenheiten. oft bis vier Uhr morgens. dessen Dissertation zu durchforsten. auffällige Wörter oder Wortkombinationen aus dem Text zu filtern und bei Google Books oder einem der Quellentexte nach ihnen zu fahnden. Sie haben eine Weile täglich miteinander telefoniert. dass er ihn nach seiner Promotion auf das Pseudonym übertrug. und VroniPlag ist erlahmt«. er habe da einen Verdacht. und sie begegneten sich diesen Februar im Internet. Ihre wahren Namen geben sie nicht preis. Er hat noch immer die Körperspannung des Leistungssportlers. ein Plagiatsvorwurf darf erst öffentlich erhoben werden. diese Empörung teilten sie nun vor allem mit sich selbst. Goalgetter prüfte und verglich. Torjäger. und dazu Textbausteine aus verschiedenen nicht zitierten Quellen. der sich heute nicht mehr wiederholen könnte. dann auf die Ämter. als VroniPlag vier Mitglieder hatte. An seinem Doktortitel hängt er so sehr. Ego und Publicity gegen Kollektivgeist und disziplinierte. Im März gründete Goalgetter eine neue Internetplattform. Ach so. wie es weitergehen soll. und seinen ehemaligen Mitstreitern. Nach mehreren Anfragen per E-Mail hat Dr. Ein Barcode illustriert die Plagiatsquote. die Nutzer nicht nur lesen. um sein Ziel zu verbreiten: Jedem auf seiner Plattform Überführten soll der Doktortitel aberkannt werden. Die Jury lobte die »faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis«. ob er in einer politischen Partei ist.

glaubt Thomas Jarzombek (CDU). Schlagzeilen machte Twitter vor Kurzem. um durch persönliche Nachrichten Nähe zum Volk zu demonstrieren. ist das. deshalb gehe man auch zu Unternehmen oder zur Bahnhofsmission. Wenn man bei YouTube »Politiker« eingibt. 3700 Freunde hat er bei Facebook. Veröffentlichte Live-Mitschnitte lassen manchem Ereignis eine Wichtigkeit zukommen.. einige sind auch bei Twitter. dass ein 69-Jähriger in der Regierung für neue Medien zuständig ist. unter denen Politik gemacht wird. Weil ein Briefschreiber offenbar noch mal darüber geschlafen habe. wenn morgen gefragt wird: Welchem Politiker würden Sie gerne eine reinhauen? »Respekt vor Politikern«. diese Einschätzung teilt er mit fast allen seiner Kollegen. Behalten sie die Kontrolle über die Politik? VON TINA HILDEBRANDT uletzt hat es Bernd Neumann erwischt. Wie Twitter wird YouTube aufgrund seiner großen Popularität gerne von Politikern genutzt. um über das Netz eigene Inhalte zu verbreiten. seit Guttenbergs Rücktritt stimmt die Prognose plötzlich. die sie immer schon verbreitet haben. Alles sehr lustig. Man findet im Netz Oettinger talking English worse than Westerwave. so Seibert: »Politik braucht Vertraulichkeit. Jede »getwitterte« Nachricht steht sofort all jenen zur Verfügung. Bilderflut Das Videoportal YouTube wurde im Februar 2005 gegründet. Auch er ist schon ins Netz-Näpfchen getreten. der es Nutzern ermöglicht. In Wahrheit lassen die meisten Parlamentarier ihre Seiten von Mitarbeitern bearbeiten.« Der sei durch einen »Promi-Faktor« ersetzt worden. sondern auch das Lebensgefühl der Politiker. was Netzaktivisten letztlich wollen. Ein großes Problem. kommen automatisch Zusätze wie: »besoffen«. »ist schon lange nicht mehr da. dank Bär heißt es inzwischen: Ein paar von den Konservativen sind ganz in Ordnung. Bis man selbst mal dran war. »Versprecher«. Das verändert nicht nur die Bedingungen. 5): Peter M. hat Polenz wenig Mitleid: »Keiner hat Anspruch darauf. JUL Illustrationen (S. Derzeit. Politik. Beides sei falsch. Registrierte Nutzer können hier Videos hochladen und veröffentlichen. 65 Jahre alt: Manchmal sieht der modernste Teil des Bundestags auch so aus.de Durch das Internet verlieren Politiker die Kontrolle über ihr Image. sondern hat dort eine Fanseite.POLITIK DIE JÄGER IM NETZ 14. die von Plagiatsjägern überführt wurden und jetzt ihre Doktortitel verlieren. manchmal lässt er nicht locker. blauer Siegelring. Es gebe inzwischen unter vielen Politikern das Gefühl: Morgen kannst du der Depp der Woche sein. Auch einzelne Politiker bedienen sich des Nachrichtendienstes. Das Netz herrscht asymmetrisch.« Bär ist vermutlich eine der netzaktivsten Politikerinnen. sagt der Abgeordnete aus Düsseldorf. Ausgerechnet bei der »Media Night« der CDU. beim Pfuschen nicht erwischt zu werden. Er erwartet politische Reaktionen. sichtlich auf dem falschen Fuß erwischt. jeder kann aussehen wie der letzte Depp. weil das Publikum denke. vielleicht habe ihm die Häme auch einen Teil seiner fast 33 000 Follower beschert. Kinder zu haben. wäre er nicht auf YouTube zum Gespött der Nation geworden. und ob diese nicht lieber den Nachnamen der Mutter bekommen sollten. »Angenommen. Michael Offer.pmhoffmann. der Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien ist. sie würde dort nie etwas Privates posten. Albrecht. sagt Björn Böhning. Mitglied der Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft. die jeder Politiker im Netz bekommt. nie haben das Internet und seine vielfältigen Plattformen solch greifbare Auswirkungen auf die Politik gehabt. Die Zahl der deutschen Spitzenpolitiker. In seinen elf Monaten Amtszeit sei ihm aber vor allem eins klar geworden. Die Vorstellung. er sendet zurück. Nur eins gefällt ihm nicht. Wenn er mit der Kanzlerin unterwegs ist. so Albrecht. sagt Böhning. ihre Fehler sollen öffentlich werden. die einen echten. Jedenfalls offiziell. Spätestens seit Ende der Neunziger beschwören Politiker. sagt Böhning. Das macht er alles selbst. Wo sollen die Daten dann zwischengelagert werden?«. »Es gibt eine Hemmschwelle. sagt Polenz.www. sei das Internet für die politische Meinungsbildung und den Austausch »extrem wichtig«. in Echtzeit Nachrichten von maximal 140 Zeichen Länge zu versenden.« . Ob es die Veröffentlichungen von WikiLeaks sind. die den jeweiligen »Tweet« (Nachrichtenstrom) eines bestimmten Autors abonniert haben. Die Politik macht es nicht aufregender und offener. sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. Der entsprechende YouTube-Mitschnitt erzielte 300 000 Klicks. nämlich einfach nur als weiteren Kanal zum Senden.de kann man zwischen zwei Fotos abstimmen. In Wahrheit hat man davon lange wenig gespürt. Schwarm gegen Individuum. außenpolitischer Experte der CDU-Fraktion. Das Netz schaffe Zugänge und Transparenz. Fast 10 000 Abrufe allein bei YouTube und tonnenweise Kübel voll Häme waren dem Düpierten sicher. Auch die klassischen Medien hätten sich auf Fehler gestürzt. Silvana Koch-Mehrin oder einfach nur der honorige Herr Schäuble. wenn Politiker immer misstrauischer werden. »Als Abgeordneter muss man sich bemühen. eine Übergangsphase. Blaues Jackett mit Goldknöpfen. Politiker und etablierte Medien sollen sich nicht sicher fühlen. Mitglied im Bundesvorstand der SPD. ist mit dem Internet aufgewachsen und hat keine Berührungsängste. »Sie fragen mich jetzt aber auch schwierige Fragen«. das Verstecken hinter Pseudonymen. Andererseits erscheint es wenig sinnvoll. aber irgendwann mussten sie sich schon aus Kapazitätsgründen auch wieder anderen Dingen zuwenden. dass es alles verändere. Er sei aber sicher. Aber Bär beunruhigt eher ein drohender Brief als die vielen Beschimpfungen. »rastet aus«. das Internet ist voll.. die arabischen Revolutionen und Christian Wulff. Wie das genau sei.?«. Z »Oettinger talking English worse than Westerwave« »Die Reichweite für positive Botschaften ist viel kleiner als für negative«. Man könne mit dem Internet in Deutschland keine Wahl gewinnen. Doch seit WikiLeaks. das stets unter mangelnder europäischer Öffentlichkeit leidet. die Sau rauszulassen. Jeder Mensch hat mal einen schwachen Moment. Manchmal huscht er schnell wieder weg. Bär ist meistens unter den Top Ten. Die Freude daran hält sich in Grenzen. und nun wirkt niemand überraschter als diejenigen. Im politischen Europa. »Auf diesen Effekt kann eine Gesellschaft nicht verzichten. fragte eine Reporterin der ARD-Sendung Extra 3 mit Unschuldsmiene den Staatsminister. wie es wäre. aber man könne sie inzwischen damit verlieren. und zwar plötzlich. sendet er ständig kleine Botschaften. Nachrichtenstrom Twitter ist ein Kurznachrichtendienst. Erst seit 2010 ist Ruprecht Polenz. oder hat es eine Tendenz? Zwei Mythen gebe es. der von Minister Wolfgang Schäuble auf einer Pressekonferenz zusammengestaucht worden war. Bernd Neumann gehört jedenfalls nicht dazu. wie wichtig das Internet für die Politik sei. dass jemand für das Bodemuseum zuständig ist und für Twitter. sie ist nicht nur bei Facebook. »Man kann nichts mehr aussitzen«. anscheinend betrunken. Dorothee Bär würde das so nie sagen. unlöschbar und ohne dass sich der Betroffene dagegen gut zur Wehr setzen kann. er treibe jede Woche solchen Unsinn. in der sich der Umgang mit den neuen Medien noch einpendeln müsse. Was ist. Hoffmann für DIE ZEIT/ www. die den Abgeordneten beunruhigt. Manchmal denkt der 38-Jährige darüber nach. Es passt einfach nicht mehr zusammen. das sei nicht immer leicht klarzumachen. debattiert über Thilo Sarrazin. das sei die größte Veränderung durch die neuen Medien. »weil es sonst gar keinen Sinn hat«. Aber nicht jeder bewegt sich ständig in der Öffentlichkeit.« Ist das Netz nur ein neutrales Medium. bei Abgeordnetenwatch.. herrsche so etwas wie eine »Exzess-Situation«.« Polenz ist ein Netz-Fan. Insgesamt hat Bär bislang gute Erfahrungen gemacht. Polenz stellt Beiträge ins Netz. die in der Provinz über faule Griechen herzieht. 33. Das Netz sei inzwischen ein so großer Teil der Wirklichkeit für einen so großen Teil der Bürger. 28 Jahre alt. Doch nicht immer ist die mediale Wirkung im Sinne des Gefilmten. wer das Gatter geöffnet hat«. so wie ein Politiker. ziemlich aktiv im Netz. beim Pfuschen nicht erwischt zu werden« Auf der Seite sexybundestag. »Soziales Medium heißt. Angela Merkel. Rainer Brüderle. auch sie. Sie sagt. Das passe schlecht zu einer Bürgergesellschaft. täglich kommen neue dazu. Als Osama bin Laden starb. winkt Seibert ab. bei der sich die Partei als moderne Zukunftspartei präsentieren wollte. man kann kommunizieren – aber in beide Richtungen«. »Pannen«. die geouteten Doktorenplagiate von Karl-Theodor zu Guttenberg. Täglich wird die Seite von über zwei Milliarden Menschen aufgerufen. »dass Google ein Konzept hat«. heißt es da.de lassen die meisten regelmäßig Fragen beantworten. und es sei eine Demokratieverhunzungsmaschine. Neumann wird sich vermutlich so schnell nicht wieder spontan zu etwas äußern. Manchmal warnen sie Freunde: Du lässt die Leute viel zu nahe an dich ran. sie versendet regelmäßig Nachrichten bei Twitter. der offenkundig nichts davon versteht. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 5 Depp-derWoche. der im Videoclip mit ganz unbürgerlichem Vergnügen seinen Sprecher herunterputzt. twitterte Seibert: »Obama verantwortlich für den Tod Tausender Unschuldiger . Im Fall Neumann steckt die ganze Zwiespältigkeit der Wirkung. die die neuen Medien auf die Politik haben. damit man sie nicht gleich mit ihm in Verbindung bringen kann.de »Keiner hat Anspruch darauf. schätzt Böhning auf ein Dutzend. sagt Jarzombek. 4 u. wisse er nicht. »Das Internet reagiert ähnlich wie Boulevardmedien vor allem auf Fehler und Skandale«. dauere aber oft »länger als ein Mausklick«. sagt der grüne Europa-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht: Es sei eine Demokratiemaschine. Alle großen deutschen Parteien haben mittlerweile einen eigenen Twitter-Account. Seine Kriterien sind schwer einzuordnen. jeder blufft mal. In der Netzgemeinde hat die CDU/ CSU eher einen schweren Stand. die Wirklichkeit zu kennen«. als der Regierungssprecher Steffen Seibert sich nach der Erschießung Osama bin Ladens durch US-Streitkräfte »vertwitterte« und der Kanzlerin die Worte »Obama verantwortlich für Tod Tausender Unschuldiger« in den Mund legte. Mit den Politikern. Der Netzschwarm ist weniger berechenbar. So drastisch hätte er kaum reagiert. entgegnete der 69-Jährige.. Inzwischen hat fast jeder Abgeordnete eine Seite bei Facebook. sei die Anonymität. »Mit welchem Poitiker würden Sie lieber . S. Jorgo Chatzimarkakis. Dabei hält sich Neumanns Schaden noch in Grenzen. wenn man ihn nur in diesem Moment sieht. Offer reichte die Kündigung ein. wenn klar ist. eigenen Draht zum Netz haben. Seibert ist der erste twitternde Regierungssprecher. Sie sagt: »Es sollte einen eigenen Staatsminister für neue Medien geben. Man denke an den Fall des Pressesprechers im Finanzministerium. Politiker und Parteien hätten das Netz lange Zeit falsch verstanden. sagt Bär.« Man müsse das locker sehen. sagt Polenz. bei der IT-Messe und Bernd Neumann. Der Bürger sitzt nicht mehr als braver Nachrichtenempfänger vor dem Fernseher. Dank Internet können solche Momente millionenfach reproduziert werden. die es anders nie erfahren hätte.

März versuchen wir im Politikteil der ZEIT. Stichwort: Volatilität! Auch sollt ihr die Wolle nicht auf dem Rücken der Tiere verkaufen. weil sie sonst von teuren Großkanzleien kaputt geklagt würden. Nebenbei kann man hier auch zu Zweikämpfen antreten: Die Wettstreiter messen sich in Kategorien wie »größter Sexappeal« oder »schönste Augen«. Das kann doch durchaus im Intranet von Schulen stattfinden. In bester Online-Manier lassen diese nun abstimmen: Sollen sie sich der Polizei stellen. GuttenPlag und VroniPlag haben zur Entlarvung der politischen Klasse und ihrer Selbstinszenierung beigetragen.kannt.de geht Notengeben andersrum: Schüler können ihre Lehrer nach Kriterien wie »fachliche Kompetenz« oder »Auftreten« bewerten. Es gibt Traumatisierungserfahrungen durch ZEIT: Was also tun? Mobbing. Moment.6 14. Wenn der Mandant schwört. groß genug. dass jedes Fehlverhalten dokumentiert Schertz: Nein. und sehen Persönlichkeitsrechte »nicht ausreichend geschützt«. Presse und im Fernsehen.com eine Lästerplattform für Jugendliche. aber erscheint sein Buch nicht einfach ausgleichen. Das Leben ist insgesamt ungemütlicher ZEIT: Was hat das mit der LehrerC H R I S T I A N S C H E RT Z geworden. mit Max Marek (2010. Kritiker der Seite bemängeln. ZEIT: Aber sind Sie ernsthaft der Meinung. Das halte ich für eine den. im Internet durchleuchtet und bloßgestellt zu werden? Ein Gespräch mit dem Medienanwalt Christian Schertz DIE ZEIT: Herr Schertz. Futures. Auch anonym. Bild verletzt nicht mehr jeden Tag Persönlichkeitsrechte. An die Urheber kommt man nicht ran. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. dass Schmähungen und Beleidigungen herausgenommen werden. Aber dass ganz normale Mensch steht.stehen. das dauert. Zuletzt »ELF KLEINE DRESSUREN». Schertz: Nur sehr schwer. Gleiches die gesamtgesellschaftliche Ent. und insofern ist der Umgang mit ihnen derzeit erträglich. Schüdruck. Hoffmann für DIE ZEIT.de. Aufgrund der technischen Entwicklung lebt mehr als zehn Jahre Zeit. wird mit virtuellen Dollars belohnt: Davon kann man den Freunden Geschenke kaufen und das eigene Profil »pimpen«. Seither sind viele Urteil ergangen. weil es im Internet so leicht ist und anonym funktioniert. die Politik und die Gerichte. müsste ja eigentlich keine Angst vor einer Klage haben. wäre meine erste Frage gewesen: Unter uns. Ja. ZEIT: Wie gehen wir künftig mit der Anonymität derer um. Da sage ich: Richter.kritisch beurteilt. auf Lady Di mit tödlicher Folge ihren traurigen dass auch Politiker menschliche Abgründe oder Höhepunkt hatten. Jemanden eines massiven Fehlverhaltens zu bezichtigen und sich dann zu verstecken ist ein bisschen wie eine anonyme Anzeige. um als Politiker Eindruck zu machen. Diffamierung im Netz. nicht die Medien und das Internet. dass den Verrohungen im Boulevard. ich meine es ernst. Das müsste der Gesetzgeber Dominik Höch tun. Und ihr sollt nicht mit unreifen Früchtchen handeln. dass jeder Lehrer sich namentlich im In. sa. die sich Es gibt Berichte über Schüler. besagen: Diese unerträglichen Paparazzi-Jagden sind nicht durch ein Interesse der Öffentlichkeit an ZEIT: Und da bekommt man sie nicht mehr raus? einer Berichterstattung gedeckt. Anwälte können da nur noch Berlin. Das haben dann auch die deutschen Gerichte.Schertz: Wir haben eine humanistische Tradition. werdet ihr die präzise atomisieren.einschließlich des Bundesverfassungsgerichts. ob die Hacker nur bluffen? Die Online-Community ist sich einig: Stellt euch nicht! JUL POLITIK & LYRIK Seit dem 10. Schertz: Aber der Boulevard hat sich verändert. Ich werbe dafür. wo Schüler gegen Schüler hetzen. Ich möchte nicht in einer totalitären Post privacy- Gesellschaft leben. verfolgt und diffamiert. Schertz: Heute wird häufiger geschmäht. Deshalb muss man schelte zu tun? fragen: Wo stehen wir gerade mit Schertz: Spickmich. wie im Fall Guttenberg. sie müssten anonym arbeiten. in der ner potenziellen Dauerkontrolle des Individuums. mit der Ehre und dem Ansehen einer anderen Person sorgsam umzugehen. gangen haben. Bild und Bunte haben sich an die geltende Rechtslage angepasst. reguliere sich das von selbst. können Schüler hier über ihre Mitschüler herziehen. Das führt zu ei. Es vermittelt den EinFacebook.nommen. Und es wird euch wohlergehen auf Erden. Das wäre es. dass ich meinen Kopf hinhalte. Stalking. sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Ist der Betroffene aber schuldig. Wenn die mal eine. Die Furcht vor Fotohandys ist Illustration: Peter M. Aber ganz werden sie die Sache nicht mehr in den Griff bekommen. POESIE NRO: 19 ZINSVERBOT Da hat doch schon wieder jemand die Milch in der Kuh verkauft. Die öffentliche – jetzt höchstrichterlich erlaubte – Kritik am eigenen Lehrer ist nicht weit weg von der virtuellen Vorführung von Mitschülern. Bislang sind 24 Gedichte erschienen. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. Foto: privat dant ruft Sie an und sagt. Im Oktober 2006 folgte der Essayband »Ah.de die Sitten verrohen? Bloß weil ein paar Schüler mal Dampf ablassen? Schertz: Für mich sind Mobbingseiten. sönlichen Ehre hat in den letzten Aber das stimmt nicht. ganz klar. ZEIT: Sie lehnen also Internetseiten wie GuttenPlag ab? Schertz: Nein. jedes Zitat korrekt gekennzeichnet zu haben. verfasst mit digungen. dass die höchsten Richter lerhassseiten und so weiter. warum jeder wissen soll. Die Zukunft steht prinzipiell offen. Fotohandys. Wenn jefünf Jahren dramatisch zugenom. ZEIT: Hat sich der Druck auf die Politiker durch das Netz verändert? ZEIT: Man könnte auch argumentieren. Nicht einmal das. Die Seite versichert Anonymität. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 DIE JÄGER IM NETZ POLITIK »Das Leben wird ungemütlicher« Muss man es hinnehmen. Säuberlich nach Bundesländern getrennt.(Ullstein). Und es wird weitere Kreise ziehen. ein Individuum vor unwahren Behauptungen zu schützen. ZEIT: Die Plagger argumentieren. die den Doktortitel nur brauchen. Dauerangst. die solche Behauptungen dann zu Unrecht aufstellen. Grenzen gesetzt werden müseinfach nur Gelüste haben. Wenn ich Herrn zu Guttenberg vertreten hätte. ihr habt auch Kinder. sich hier jener Internet-Community angeschlossen haben. Da ist die erste Frage des Anwalts: Hast du die Tat begangen oder nicht? Davon hängt die Verteidigungsstrategie ab. das ist mein Euter! Ihr sollt die Milch nicht im Euter verkaufen. auf denen Gewerbetreibende nicht nur schieden. IP-Adressen werden nicht gespeichert. um straffrei auszugehen. verklagt zu werden. was hier gerade los ist. 2001 erschien »Begriffsstudio 1996 – 2001« in der edition sutstein. die schossen« wird und die Bilder im Netz landen. letztlich auch Folgen von spickmich.und Zunamen benannt. überlich die berechtigte Sorge. jeder hatte riesig. was ist hier los? Das ist wie in einem Strafverfahren. Das hat eindeutig verdienstvolle Seiten. zugunsten insolventer Besteller. kl.schlecht behandelt fühlen – oder Konkurrenten. wenn man nur alles ins Netz Schertz: Die Verletzung der perstelle. was Schüler über einen Lehrer denken. Wenn man euch versehentlich Gelder als Zinsguthaben übereignet. Das wünsche ich weder der deutschen noch der Weltgesellschaft. ten. Politi.die besagt.de ent. um damit für Tiernahrung oder Mietwägen zu werben. sondern schlicht diffamiert werternet bewerten lassen muss. müssen wir die Gesellschaft ändern. Aber das ist eben Teil unserer Streitkultur. die dann immer mehr relativiert werden müssen.Das erleben wir zunehmend. Gesichtserkennung. ZEIT: Dem halten die Befürworter des Transparenz-Gedankens entgegen: Das Internet ist nicht das Problem. Die wollen die Wissenschaft frei halten von Karrieristen. dass Lehrer hier »öffentlich an den Pranger gestellt« würden. ker müssen mehr ertragen. Was raten Sie ihm? Christian Schertz: Das kommt auf den Fall an. Ist das eine berechtigte Sorge? Schertz: Ich verstehe schon die Angst. WikiLeaks. sondern der Spiegel der Gesellschaft. Ihr sollt warten. Bürger jederzeit von anderen durchleuchtet und Die Menschenwürde ist das höchste Gut. die in der Paparazzi-Jagd 24 Stunden am Tag. lässt sich das Schadensbegrenzung betreiben.ist Medienanwalt in mand ein Sexvideo seines Expartmen. Das müsabgestraft werden können – das halte ich für eine sen Politik und Richter wieder stärker beherzigen. die halten ja auch frei. ZEIT: Das wird dem Boulevardjournalismus seit hundert Jahren nachsagt.»Privat war gestern« gilt für Diffamierungen und Beleiwicklung können wir nicht aufhal. Manchmal sind es aufgebrachte Kunden. den. Diese Woche widmet sich Monika Rinck der Finanzkrise. Bedenkt. Anonymer Mob Nach dem Vorbild der amerikanischen TV-Serie »Gossip Girl« schafft iShareGossip. Internetseiten entdas Schülerbewertungsportal spickmich. Jeder hat heute eine Kamera dabei. ZEIT: Wie wollen Sie Seiten wie spickmich. Die Möglichkeit der Klage hat ja den Sinn. das Love-Ding!« und im Frühjahr 2007 der Lyrikband »zum fernbleiben der umarmung«. nachdem sie digital gemobbt wur. die Selbstmord be. ZEIT: Wie verändert es das Leben Aber die haben noch überhaupt der normalen Leute? nicht erkannt. Terminhandel: auch das nicht. edition sutstein) . Demnächst ners ins Netz stellt. Und gehen Sie mal davon aus. die Betreiber enttarnt zu haben. oder abwarten.sen. Aber warum müssen der Nachbar des Lehrers und die ganze Welt das lesen können? Und dann müssen die Betreiber auch dafür sorgen. Schertz: Normale Lehrer und Ärzte können an die Der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil über Öffentlichkeit gezerrt werden. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte. dass im Mittelpunkt des Rechts der willig ihren Kopf raus. Opfer hingegen werden oft mit Vor. Und Zins sollt ihr nicht nehmen! Wie? Zins nicht! Ihr habt schon verstanden. Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Mehr braucht ihr dazu gar nicht zu wissen. das den Persönsichts von Internet. dann würde ich eine Vorwärtsverteidigung empfehlen und Medien.de war ein neudem Schutz des Individuums angees Grundsatzurteil. einschränkte. würde ich dringend empfehlen. Im Gegenteil. sich an die neue Situation heute jeder Prominente. in etwa. auf Unterlassung in Anspruch nehmen. Sie müssen das im Zusammenhang werden kann. komplette Fehleinschätzung der Meinungsfreiheit. Ja. dass man dort »abge. bis die Reize eine angemessene Größe haben. lichkeitsschutz wieder erheblich Google Street View. Und wer eine Behauptung zu Recht aufstellt. besteht sicher. jeder Politiker unter der zu gewöhnen. ein ManSchertz: Ja. den Mund zu halten und nicht noch vollmundige Erklärungen abzugeben. Gegen die Aussagen im Netz kommt man ja schwer an. die ZEIT: Wo stehen wir? glaubt. Dennoch steht iShareGossip vor dem Aus: Eine HackerGruppe gibt an. Wer sich auf spickmich als besonders eifrig hervortut. die schmähen. Das würde zu einer kompletten Verrohung der Streitkultur führen. Anfang des Jahrtausends hatte der EuropäiJeder kann jeden jederzeit überall fotografieren und sche Gerichtshof für Menschenrechte zu Recht eres sofort weltweit veröffentlichen. Wenn wir etwas ändern wollen. Ich finde Anonymität an dieser Stelle ein wenig unsportlich. weil nicht offengelegt wird. angenommen. gen wir: Tabledance-Bar besuchen. die Server befinden sich in Schweden. sehen. 2004 der Lyrikband »Verzückte Distanzen« im zu Klampen! Verlag.de einhegen? Schertz: Es gibt keinen Grund. ganz fatale Entwicklung. dass durch Internetseiten wie spickmich. Foto: Sven Paustian MONIKA RINCK. verleumden und unrechtmäßig verfolgen? Schertz: Die Rechtsprechung muss sich ändern. wenn ich über einen anderen etwas behaupte. wer die Aussagen trifft. Juristisch ist dem Portal kaum beizukommen: Die Domain ist in Neuseeland gemeldet. was da draußen los ist! Die Fragen stellten GÖTZ HAMANN und HEINRICH WEFING Zensierte Lehrer Im Onlineportal spickmich. meine Doktorarbeit wird gerade im Netz auf Plagiate durchgesehen.

die man in den USA gesammelt hat. Wenn aber ein etwa in der Messdienerfreizeit. Pfeiffer: Möglicherweise hat es eines in der Ver. Wir möchten also auch die Missbrauchstäter unter den Priestern motivieren. Er umfasst eine sehr große Band. Vergewaltigern – intensiv auseinanderzusetzen. Daist eingebürgert. Wenn man mit ihnen sprechen will. Anders kann man mit Menschen nicht umgehen. mich mit schlimmsten Tätern – Mördern. In fast allen Diözesen tauchten daraufhin Missbrauchsvorwürfe auf.Pfeiffer: So ist es. Für die Kirche wurde das Schweigen als Strategie unmöglich. das stimmt. Ich habe großes Verständnis. weil Trainer nicht erreichen kann. ZEIT: Faszinierend klingt merkwürdig.suchen.ter gekommen ist – und dies parallel zu einer schen 1945 und 2009 aufarbeiten lassen. Wir stellen niemanden bloß und Opfer Anzeige erstattet hat. Dadurch können sie andere davor bewahren. aus unseren Befunden Schlussfolgerungen widmen uns auch den Opfern. Aus Gründen des Datenxuellen Missbrauchs verdächtig waren. Wir werden auch klären müssen. wenn er ein gläubiger Mensch ist: »Ich gehe in einen Beruf. eher Befunde der vom John Jay College durchgeführstädtisch geprägte Diözesen und ländliche sowie ten Untersuchung zu den USA eine erste Hypogroße und kleine. dass die Priester im Vergleich zu sieren und zudem nicht erkennbar werden lassen.. Insofern geht.keine Antwort geben. ihre Erfahrungen zu schildern. ehrlich mit uns zu reden.zunehmend leichter. alle 27 Diözesen stehen hinter dem Projekt.wachsenden Liberalisierung im Umgang mit Selich zugänglich ist eine achtseitige Zusammenfas.POLITIK 14. Wir haben Anhalts. die von Vertuschung und Versagen spricht. Wir sind Forscher. Können Sie immer mit kühlem wissenschaftlichem Blick an das Thema herangehen? Empfinden Sie nie Verachtung für die Täter? Pfeiffer: Verachtung gegenüber den Tätern ist mir völlig fremd. Anzeigebereitschaft in diesem Milieu abweicht. in Sportvereinen komme Missbrauch häufiger vor als C H R I S T I A N PF E I F F E R Für ihn wäre der Zölibat dann ein Schutzfaktor. ganz gleich. Frauen. kann man das Dokument nicht öfIst das viel oder wenig? fentlich zugänglich machen.tailliert auf die Fälle ein.xualität. Die bisheri. Schließlich kam es zu einem 27-zu-null-Beschluss.Aber er kann auch eine Ursache sein. das Rinen. Befreiung nach 1968 das Grundübel. abzuleiten. Vom Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen sind aber Jungen häufiger betroffen. Die Kirche hat 2002 ein neues nicht auf die katholische Kirche beschränkte Re. vom methodischen Aufwand her be.bis 40-Jährigen durchgeführt und können die Ergebnisse nun mit denen vergleichen. ob es struktuWir haben außerdem gerade eine allgemeine. Frauen erstatten häufiger Anzeige und suchen therapeutische Hilfe. Wir möchten zunächst erfahren. wir mussdie Kirche dazu bewegen. heißt. Doch noch gibt es dazu keine Kindern oder Jugendlichen verempirischen Befunde. ob die wortung der Kirche wird zur Sprache kommen.Bischöfen. Es gab Ängste. häufiger von Jungen die Rede. sagen. Aber wir fragen natürlich gläubige Katholiken davor zurückschrecken. Demnach werden wir die Ergebnisse verweit zu diesem Thema gegeben hat. bewältigen zudem den Missbrauch anders als Männer. aber der Begriff möglicherweise ein Zusammenhang besteht. unterrepräsentiert sind. wenn sie sich menschlich öffnen wollten. die es welt.ZEIT: Sehr schnell fällt da der Verdacht auf den messen? Es klingt so. sagt er zierter darstellen. alle Forschungsinstitut Bistümer für Ihre Studie zu ge. hängt ja entscheidend davon ab. Gestützt auf die Daten beider Untersuchungen. dass der Zölibat von 2000 bis 2003 Missbrauch eher fördert als verPfeiffer: Es war ein sehr langer Landesjustizminister hindert: Sie werden doch kaum Prozess. Dank dieser Forschung und der geplanten Befragung von Opfern des sexuellen Missbrauchs durch Priester werden wir beurteilen können. Es sind solche mit hohem Katholiken. dass Pfeiffer: Die Frage ist berechtigt. die sich innerhalb der Kirche ereignet haben. Was sagt keine zusätzlichen Erkenntnisse gebracht. wie wir ihn zunehmend seit den siebziger Jahren in Deutschland erleben. Auch wir werden aus Christian Pfeiffer: Wenig. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 7 »Männer schämen sich mehr« Der Kriminologe Christian Pfeiffer leitet die weltweit größte Untersuchung von Missbrauchsfällen in der Kirche. Aber immerhin legen die anteil dabei und solche mit einem geringen.öffentlichen. siko von Kindern und Jugendlichen zu verringern. wann sie stolz auf sich waren. ZEIT: Gibt es also gar kein spezifisch katholisches ZEIT: Wer damals an verantwortlicher Stelle TäProblem? ter geschützt und danach Karriere gemacht hat.Niedersachsen und war ZEIT: Gesetzt den Fall. Für die Jahre nach 2000 unter. und löste damit eine Welle an Bekenntnissen aus. breite vom körperlosen Belästigen bis zur Verge. sie könne einen Vergewaltiger nicht verteidigen. Öffent. genau zu prüfen. auf den sowohl Opfer als auch Täter ein Promille der Tatverdächtigen in diesem Bereich. Sie schämen sich mehr. dass er sich ersatzweise an fen. Das ist ein schutzes. ZEIT: Finden Sie das Wort »Missbrauch« ange.nach kann der Zölibat Missbrauch verhindern. Er rief Betroffene dazu auf.« hauptung. Zu Recht? sexuell korrekt gebrauchen. keusch zu leben. Dann ist es Angelegenheit der Kirgen Untersuchungen sind primär täterfixiert. Zölibats sexuelle Kontakte suchen. die vergewählt? klemmte katholische Sexualmoral sei schuld. Die Fragen stellte CHRISTIANE FLORIN Trägt der Zölibat eine Mitschuld? Die katholische Kirche will Aufklärung Unmögliches Schweigen Lange vertuschte die katholische Kirche Fälle von sexuellem Missbrauch – bis der Jesuitenpater Klaus Mertes im Januar 2010. Wir werden das in der Studie differen. die umfangreichste Studie. Es mag sein. ZEIT: Warum wurden für den Zeitraum von ZEIT: Die Debatte um das Thema Missbrauch 1945 bis 2000 nur neun von 27 Bistümern aus. so faszinierend. ob der offene Umgang mit Sexualität. Wir werden sehen. Männer fressen diese Erlebnisse eher in sich hinein. dass Priester verstärkt in Schwierigkeiten gekommen sind. kann es qua Beruf Kinder anfassen dürsein. das haben wir in früheren Forschungen erfahren. die im vergangenen Jahr öffentlich wurde. was sie Böses getan haben. ZEIT: Ein beliebtes Entlastungsargument für die sich vielleicht. an die Öffentlichkeit ging. erwachsene Partner zu finden. dass ihn Kinderkörper anziehen. einen Beitrag dazu geleistet hat. die wir 1992 mit einer entsprechenden Untersuchung erarbeitet hatten. In neun repräsentativ gewählten Diözesen untersucht er zudem Akten. das Lehrmeinung zu ändern. relle Mängel gibt. melden sich fast nur Frauen. Auf der anderen Seite werden wir aber auch zu prüfen haben.) . Pfeiffer erhält für die vergangenen zehn Jahre Zugang zu den Personalakten in allen 27 Diözesen. Missbrauch zu begehen.konservative Katholiken sehen in der sexuellen fahrungen. aber das Thema des sexuellen Missbrauchs durchgeführt. Er fragt auch: Wann sind Priester glücklich? DIE ZEIT: In den vergangenen 15 Jahren wurde Pfeiffer: Das Münchner Gutachten geht sehr de- gegen etwa 150 Priester ermittelt. über Missbrauch zu reden. die Frage mit Scheuklappen zu untertrachtet. dass sich Priester ersatzweise an ihnen vergehen.mit den Tätern umgegangen? Die Mitverantsche Kirche soll unter anderem klären. Ist das männliche Opfer der größere Skandal? Pfeiffer: Insgesamt sind Mädchen die deutlich größere Gruppe. werden wir also in der Lage sein. nach den Er. Dies hat offenbar dazu beigetragen. ob sich kann das kein Entlastungsargument für die Kirche sein. DZ Fotos (Ausschnitte): Roos Koole/ANP/dpa (gr. sondern alle Bistümer. die dort unter Verletzung des sung. Ob man ein Tatverdächti. Deshalb war die geballte Ladung männlichen Leidens. Holger Hollemann/dpa (kl. den Männern ihrer Altersgruppe in Deutschland in welcher Diözese sich einzelne Vorfälle abgespielt haben.Regelwerk erlassen und dies später noch einmal präsentativbefragung mit 11 000 Menschen zum präzisiert. wie sich der sexuelle Missbrauch generell entwickelt hat und welche Besonderheiten sich im Hinblick auf die Fälle zeigen. als es der Begriff vermittelt. ihre ten Vertrauen gewinnen. Erst dann können wir uns dem Thema Missbrauch annähern. können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht Insofern haben wir Vergleichszahlen. als Verdachtsfälle an seinem Berliner Canisius-Kolleg auftauchten. Pfeiffer: Es gibt aus den USA Erkenntnisse. Unsere erste Frage an Priester wird nicht sein.bleibt also geheim? gangenheit gegeben. ZEIT: Unter den Missbrauchsopfern sind mehr Mädchen als Jungen.these nahe: Dort hat sich nämlich gezeigt. weil sie des se. einen durch sie verübten Missbrauch anzuzeigen. Pfeiffer: Wir haben keine Auflagen von den Es wird. in den letzten drei Jahrzehnten zu einem starken weil das für die aktuelle Prävention wichtig ist. wann ihr Leben gut war. Priester eigentlich erwachsene Stimmt das? Frauen oder Männer begehrt und Pfeiffer: Es gibt einen Verdacht diese dann wegen des Zölibats gegen Sportvereine. Wenn wir persönliche Opferbefragungen planen. der katholische Kirche ist die Bemir abverlangt. Recht haben. Pfeiffer: Eine Totalerhebung hätte. Das sieht nach Scheintransparenz aus. Wenn ein waltigung. In der Öffentlichkeit ist jedoch. dass das reicht. wann sie glücklich. dass Opfer erst nach einer gewissen Zeit über ihre Erfahrungen sprechen können und wir in 20 Jahren andere Zahlen über das Jahr 2011 haben werden? Pfeiffer: Wir haben gerade im Auftrag des Bundesforschungsministeriums eine repräsentative Befragung unter 16. Die Studie für die katholi. Insoweit bieten die Gespräche die Chance für ein Stück Wiedergutmachung. Die der Wissenschaftler? neun ausgewählten Bistümer sind repräsentativ Pfeiffer: Für Deutschland können wir hier noch für alle 27.wird ideologisch geführt: Die Linke sagt. ZEIT: War es schwierig. ob das kein Gericht. Sie fänwinnen? den heraus. ob es tatsächlich speziell bei den Priestern eine stärkere Zurückhaltung gibt. Männer tun sich sehr schwer damit. wenn eine Rechtsanwältin sagt. dass verurteilen niemanden. als könne man Kinder auch Zölibat. Nun hat die katholische Kirche den Kriminologen Christian Pfeiffer mit einer beispiellosen Untersuchung der Missbrauchsfälle beauftragt. ZEIT: Kann es sein. wir che.16-Jähriger beim Besuch des Schwimmbads merkt. die bis 1945 zurückreichen – von denen aber vermutlich einige vernichtet worden sind. muss man sie doch erst einmal als Menschen annehmen und ihr Leben verstehen. ob es um kirchliche Internate oder die Odenwaldschule geht. Symbolfoto). Rückgang des sexuellen Missbrauchs durch PriesZEIT: Das Erzbistum München hat die Zeit zwi. wir sind ger wird. hatten es so ohne die Namen der Verantwortlichen zu nen. Selber hatte ich nie ein Problem damit. Priester.diesem Grund in unseren Texten strikt anonymipunkte dafür. dass es suchen wir nicht nur neun. Es mag sein. ihr Keuschheitsgelübde zu halten. den schon: Wie ist die Kirche mit den Opfern und Priester anzuzeigen. leitet das Kriminologische diese Hypothesen bei uns bestätigen werden.

dass die Freiheitskämpfer zu ihren Zielen werden könnten. in welche Komplikationen die Militärmission steuert. wie angebliche Gadhafi-Truppen eine Moschee nutzen. schließlich geht es darum. Wird der Kampf um die Hauptstadt erst eröffnet. Das 1916 von Bayer nische Epilepsie eingesetzt werde: »Henker sind entwickelte Präparat dient heute.« Bisher allerdings. sich dem Aufstand anzuschließen und den Despoten zu stürzen.Werk bei Mailand zu produzieren. Doch auch die moralische Richtigkeit befreit die Allianz nicht aus der rechtlichen Klemme. mit dem Gadhafi-Regime zu verhandeln. ähneln sie mit ihren Giftspritzen Medizinern. die Seiten oder zumindest die Schussrichtung zu wechseln? Laut Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates ist es der Nato im Libyen-Konflikt verboten. und zwar ganz gleich. Einige von ihnen der US-Firma Hospira. misshandelt haben. belgische oder dänische Jets Militärlastwagen. Gadhafi zu stürzen. hatte ihn im Herbst unTat geschritten. Auf dem Alten Kontinent ist der Widerstand Zum Glück gibt es eine solche Großmacht in gegen die amerikanische Exekutionspraxis weit Europa nicht mehr. ter dem Druck wachsender Proteste Die Firma aus Dänemark – wo es vom Markt genommen. wenn die Nato ihren UN-Auftrag ernst nimmt. Laut einem Bericht der New York Times haben sich in dem Gebirge um die 2000 Kämpfer gesammelt und feiern schon das »Neue Libyen«. müsste sie dann nicht den Vormarsch der Rebellen auf Tripolis stoppen? »Unser Mandat ist klar«. die verur. ob Gadhafi dabei selbst am Tisch sitzen könnte oder erst zu- rücktreten müsse. Die Nato. sehen die Henker verbreitet. sagt Mike Bracken. In der Hauptstadt warten angeblich 15 000 Kämpfer darauf. Kurzum. War es das nun? Steht die fast 42 Jahre währende Herrschaft von Muammar al-Gadhafi vor ihrem Ende? Oder ist – falls der Machthaber trotz der Umzingelung nicht abtreten will – der Sturm auf Tripolis nur der Anfang eines ganz neuen Szenarios. Der Strafgerichtshof in Den Haag ermittelt auch gegen ihre Mitglieder. Nimmt die Nato ihr Mandat ernst.und Ölleitungen sowie zu dringend benötigten Kraftwerken. Die Nato kann Luftaufnahmen davon zeigen. sollten die Nato-Staaten nicht »zu Sinnen« kommen. außer zur Behand. . »dass die Bevölkerung Libyens ohne die Angst leben muss. Dass Gadhafi tatsächlich der Verzweiflung nahe sein könnte. dass es direkte Gespräche mit Gadhafi-Vertretern gebe. Frei von Brutalisierung ist aber auch die Rebellenarmee nicht. »Der Revolutionsführer wird nicht in die Diskussion eingreifen«. Die strategisch wichtige Stadt Brega östlich der Rebellen-Hochburg Bengasi wird noch von Gadhafi-Truppen gehalten. Gefragt. Doch die über die USA choll ist das ein Meilenstein im US-Bundesgesetze verlangen strenge Kampf gegen die Todesstrafe: »Zum Kontrollen für die Einfuhr von Mediersten Mal hat ein globaler Pharmakamenten und eine Registrierung der konzern eine so direkte Aktion unterImporteure durch die Drogenbekämpfungsbehörde DEA. sein soll als der elektrische Stuhl oder Erhängen. Liefergesuche aus den USA abteilte Verbrecher exekutieren. die »humaner« Philipp Rösler. so Bouchard. www.Beihilfe für Hinrichtungen in den USA untersagt.gegeben. In den 35 US-Bundesstaaten. Partei zu ergreifen. möglichst rasch einen Diktator zu stürzen. Sie seien. notierte Franz Kafka. muss sie auch die Rebellen stoppen Danke vielleicht auch ganz konkret für ein paar Geschenke aus der Luft. der kanadische General Charles Bouchard. diejenigen. anhaltender Bürgerkrieg. Sollte sie von den Rebellen erobert werden. »falls Zivilisten attackiert werden. den er mit angezettelt hätte. Juli zog Lundbeck die Reißleine. die seine Aufklärungsflugzeuge in der Nähe der Front geschossen haben. Tripolis verhandle schon seit Längerem mit der französischen Regierung: »Frankreich hat gesagt: Wenn wir mit euch eine Übereinkunft erzielen. Die Hafenstadt Misrata wird zwar von Regierungstruppen beschossen. wenn diese ihre Waffen selbst auf Zivilisten richten? Genau das könnte schon bald passieren. Die offene Parteilichkeit der Nato ist moralisch verständlich.« Lundbeck müsse sene Hersteller des Mittels. spritzen in den Todestrakten da. Mike Bracken. Dann doch lieber ein Ende ohne den Einmarsch in Tripolis? Der Führungsclique in Gadhafis Palast scheint diese Aussicht ebenfalls zu gefallen. außerdem würden sie die Hauptküstenstraße zur Autobahn Richtung Tripolis kontrollieren. »An der Frontlinien von Zlitan haben die Regimekräfte außerdem etwa 300 Zivilisten postiert. dass dieser. lobt im Hauptquartier in Neapel die »sehr guten Erfolge«. sie sollen Schwarzafrikaner. lässt sich nicht zuletzt aus seiner neuerlichen Drohung lesen. dass sein Produkt nur gegen chrosind dem Beispiel gefolgt. In den USA aber sind von einem Reisenden. was Sarkozy im Wahlkampf braucht Das Pariser Außenministerium bestreitet zwar. »Thank you. ihr Selbstverständnis zu verbergen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 POLITIK »Danke. die die Bevölkerung über Jahrzehnte schikaniert und terrorisiert haben. Sie können und sechzig seiner Kollegen nicht zuletzt selbst seither anstelle des Thiopentals das von dem dä. verkündet der Ministerpräsident. so melden die Rebellen diese Woche. aufgenommen von einem Aufklärungsflugzeug as die Nato seit vier Monaten am Himmel über Libyen macht. Den USA ist eines der drei vorgeschriebe. nämlich sich eigentlich als Luftwaffe der Rebellen zu fühlen. der nicht nur als skrupelloser Gewaltherrscher bekannt ist. der NTC solle beginnen.zulehnen. Munitionsdepots. Thiopental in ihrem zehren derzeit von einer ungeplanten Gnaden. Aber um Tripolis zu verhandeln statt zu kämpfen. ZEITGrafik Wenn Libyens Rebellen Tripolis erobern. die den Stoff gar der Pharmakonzern Lundbeck zur produzierte. von wem sie ausgehen. Nach Darstellung der Nato dringen die Rebellen derzeit sowohl von den Küstenstraßen im Osten von Tripolis wie auch von den Nafusah-Bergen im Süden auf Gadhafi zu. dem auf der fernen Insel inzwischen 18 Delinquenten mithilfe von Pento.davon auszuschließen. Das Unternehmen lässt wissen: PenBundesstaaten hatten sich das ausgegantobarbital wird jetzt exklusiv über ein gene Thiopental-Natrium zunächst aus Vertriebsprogramm versandt. Derart dezimiert habe die Allianz mittlerweile die Kampfmaschinerie von Muammar al-Gadhafi.« Den Anstoß dafür hatten Nicholl Ohio ihr Exekutionsrecht geändert. schrieben sie Annischen Pharmakonzern Lundbeck in Amerika fang Juni im Medizinjournal The Lancet. Nato« TUNESIEN Tripolis Zlitan Misrata Bengasi Tobruk Mittelmeer Foto (Ausschnitt): Press and Media Section/Media Operations Centre NATO. von Regimekräften angegriffen zu werden«. arbeite weiter daran.Arzneihändler. Auf all diese Kampfzonen konzentriert die Nato derzeit ihre Luftangriffe.London fügte sich der europäischen Politik. die nen Präparate für den Todescocktail Abschaffung der Todesstrafe auf der ausgegangen. ist aber nicht mehr belagert. »keine größeren Offensivoperationen mehr starten kann«. in die sie sich mit jedem Tag Gefechtshilfe tiefer hineinmanövriert: Was macht die Nato mit ihren neuen Freunden vom Nationalen Übergangsrat (NTC). in dem der Westen gezwungen sein könnte. ein Narkosemittel mit ganzen Welt zu erreichen. itawie bartlose Tenöre aus.zeit. und verdem Wirkstoff Thiopental-Natrium. warten 3330 Men.« Gegenüber der algerischen Zeitung Al-Khabar sagte der Gadhafi-Sohn Saif al-Islam.de/audio AUS DER WELT Henker sind auszuschließen! In Prag. Italiens Parlament stoppte den Versuch schen auf die letale Injektion. In den US-Gefängnissen lienische Parlamentarier und deutsche Politiker. Jeden Tag zerstören französische oder britische. Die Flugverbotszone über dem Land W dient dem Zweck.8 14. Sichtlich stolz zeigt der General zwei Fotos. ein britischer Luftwaffenoffizier. 5539-mal flogen sie Bombenangriffe. machte der französische Verteidigungsminister zu Wochenbeginn den Vorschlag. Das wäre allerdings wirklich revolutionär. ist das Letzte. er werde Hunderte Libyer als Selbstmordattentäter nach Europa schicken. Artilleriestellungen und Radaranlagen. Eine dritte Front liegt auf einer Länge von fünfzig Kilometer zwischen den Orten Zlitan und Dafnya. gewönne der NTC eigenen Zugang zu Gas. Vielleicht weil er ahnt. antwortet der Sprecher der Operation. die Waffen niederzulegen. »Pentovertriebene Pentobarbital einsetzen – die Traditions. Seither klopseit 1882 keine zivile Hinrichtung fen die von der Droge abhängigen mehr gegeben hat – stand plötzlich als Gefängnisbehörden bei den Pharmaeinziger Lieferant für die Betäubungserzeugern fremder Länder an. dass Gadhafi weiterhin die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde benutzt«. er verbindet Brüssel und London. Und selbst frist. Die französische Regierung hat mittlerweile zugegeben. vor allem dem Einschläfern von Tieren. die Die EU hatte schon Anfang des Jahres jegliche den Eid des Hippokrates verraten. Bloß dass es so lange dauern würde. es ist möglicherweise das letzte Bollwerk Gadhafis vor der Hauptstadt. was beweist.« Ein blutiger Bürgerkrieg ist das Letzte. Muss der Westen jetzt verhandeln? VON JOCHEN BITTNER ALGERIEN NafusahGebirge Syrte Adschdabija Brega ÄGYPTEN L I BY E N ZEIT-Grafik Legende Gadhafi-Truppen Rebellen Front Nato-Angriffe 200 km LIBYEN AFRIKA Ein Gruß der Aufständischen an ihre Partner. So war Jeffrey LandriChristian Lieferung an Gefängnisse ausschließt. habe der Vormarsch auf Tripolis begonnen. Der Kommandeur der Operation Unified Protector. »Wir sind entsetzt«.einer europäischen Großmacht stolz die Exekution mittels einer Maschine vorgeführt wird. die dafür verantwortlich sind. protokolliert sie präzise: 14 804-mal (Stand Dienstag) starteten seit dem 23.gen in den USA geworden. welche die Rebellen im Westen des Landes erzielten. die sie für Gadhafi-Unterstützer hielten. Diese Tatsache verdrängt die Nato ebenso wie die Möglichkeit. Angriffe auf Zivilisten zu verhindern. Am Boden. Nato«. Nun ist soDie einzige US-Firma. sondern der mittlerweile auch als Kriegsverbrecher vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGh) gesucht wird. haben wir den Auftrag. zu Verhandlungen auch ohne den Machthaber bereit. anzugreifen. die willkürlich Zivilisten beschossen hätten. Die Medika. trotz Waffenembargos für ganz Libyen den Rebellen Kriegsmaterial per Fallschirm zukommen lassen zu haben. Oktober in Arizona mit eiSchmidt-Häuer die letale Injektionen vornehmen. wie ein Nato-Sprecher sagt.und Tankflugzeuge von Italien und von Trägerschiffen im Mittelmeer aus. Der französische Staatspräsident war der ambitionierteste Verfechter eines militärischen Eingreifens in Libyen. diese Variante dürfte Nicolas Sarkozy mittlerweile durchaus entgegenkommen. antwortete der Minister: »Er würde in einem anderen Zimmer in seinem Palast sitzen und mit einem anderen Titel. Ein blutiger. März Kampf. Für ner aus England stammenden Giftmiberichtet heute den irischen Neurologen David Nischung exekutiert worden. heißt es. könnte es ein Blutbad geben. steht da mit dicken Lettern auf eine Straße und auf ein Dach geschrieben. werden wir den NTC zwingen. Zudem dürften genug Bewohner Gründe haben. auch zivile Wohngebiete zu beschießen. Deshalb haben Oklahoma und nommen. das hat er nicht geglaubt. war dem Appell auf dem Fuß gefolgt mit einer ist ein eklatanter Verstoß gegen die medizinische »eindringlichen« Bitte an Pharmafirmen und Ethik. um von deren Hof aus Granaten auf Wohngebiete zu schießen. gan am 25. werden die Rebellen es kaum verhindern können. was Sarkozy im Wahlkampf gebrauchen kann. hängte ein Exportverbot. mentisierung der Hinrichtung. barbital getötet worden. damals noch Gesundheitsminister. heißt es ergänzend aus dem Brüsseler Nato-Hauptquartier. seien es ausschließlich Regierungstruppen gewesen. Weitere Bundesstaaten dafür sorgen. Am Die Gefängnisbehörden einzelner 1. In der Praxis freilich haben selbst offizielle Nato-Vertreter Mühe. Rache zu üben an Gadhafis Unterstützern und Helfern. das jede der EU besorgt.barbital ist jetzt zur ersten Wahl für Hinrichtunfirma Lundbeck ist der einzige in Amerika zugelas.« Kafkas Erzählung In der Strafkolonie handelt lung von chronischer Epilepsie.

Kommentator der Financial Times und Direktor am Reuters-Institut der Universität Oxford. fehlender politischer Ehrgeiz. ob die Weltgemeinbracht. dass es sich die Deutschen mit ihrem PaziBisher hat die Bundesrepublik fismus auf Kosten anderer gut immer verstanden. spottet David Marsh. Das Profil einer wirtschaftlich beängstigend ambitionierten Nation kontrastiert auf das Merkwürdigste mit deren politischem Provinzialismus. Nachsicht und Geduld breiteste Kreuz. der ein »zweites Wirtschaftswunder« erbeunruhigt Franzosen. In den ersten Jahren ihrer Kanzlerschaft tung«. möglicht habe. folgte Deutschland nur 1. Diese sind in ihrer Selbstwahrnehmung geborene. schien sie Europas neue »Eiserne Lady« zu sein. warum die Rolle Deutschlands so wichtig sei. Staatsschuldenkrise kann er ihre abrupte Wende »dass nicht allein der Einsatz militärischer Mittel in der Atompolitik nachvollziehen. Kupchan. der geht dabei nicht um Libyen allein. Es mus«. liberal und international? Wohl nicht. Sie gelten heute bei lins die Hand gemeinsam mit den Botschaftern vielen als die besten EuroRusslands und Chinas heben.Anti-Pershing-Proteste mer unpassend. ist Mangel an strategischem Denken. Wittig musste auf Weisung Ber. das er. dass sich Deutschland nicht in berater und Autor. dass sie einen Rie. Aber Lloyd formuliert nur besonders klar die Hoffnung.Part spiele. Kohl. In Berlin dürften sie Anlass Zeiten eines Joschka Fischer zurückzur Beunruhigung sein. sagt Charles A.schaft aus dem Versagen in Ruanda und Srebrenica gelernt hat.4 Milliarden). dass wir die unter denen hätten die Deutschen nun mal das Lehren aus unserer Geschichte gezogen haben. standfest. Paris und London votierten für ein Sicherheitsrat.« Dem stehe der Aufstieg Chinas und Indiens gegenüber. vom abrupten Ausstieg aus der Atomenergie in Berlin aber im Wert von 10. dass wir verlässliche Verbündete geworden sind. Bei Angela Unheimlichkeit Studie. die Mischung von markigen jüngst Pekings Premier Wen Jiabao Europa besucht habe. Deutschland hat. »Mal sind sie zu schlecht für die Welt. Heute gebe militärisches Eingreifen in Libyen. historischen Moment – die Transatlantiker. Aber haben wir uns wirklich erneut auf einen »Sonderweg« begeben? Kaum jemand befürchtet das. mal zu gut«. ein Fels in der die Auslandseinsätze der Bundeswehr vorsichtig Brandung. die Deutschen stünden unverbrüchlich zum Westen. auch wenn es aus dem zudenken. »und sie haben keine liberalen Werte. »Europa hat seine Vergangenhabe »die deutsche Nabelschau ihre Apotheose« heit hinter sich gelassen«. Volker Rühe. wurde Angela Vereinigten Staaten geben 5. lange Jahre Korrespondent der Financial Times in Bonn.beteiligt. »prinzipientreu.Fast nostalgisch scheint man an die staunliche Fragen. Als ratische Hin und Her. wächst ein Unbehagen. dass uns bis heute der »Hauch der Unheimlichkeit« umweht. bis zumindest Libyen-Entscheidung eidie Bundeskanzlerin begriff. Deutschland möge endlich seine Führungsverantwortung übernehmen – und die Erwartung. sagt einer. Noch nervöser ehemalige Chefredakteur des Observer und heuhat die Verbündeten das Euro-Krisenmanagement tige Leiter des liberalen Thinktanks The Work der Kanzlerin gemacht. spricht. Staatsschulden.Charles A.sind es 2.Bengasi.4 Prozent des BrutMerkel nicht jüngst in Washington mit Glanz und toinlandprodukts für die Verteidigung aus Gloria empfangen? Verlieh Präsident Obama ihr (785.« sein. »Geschafft! Auftrag erfüllt! barkeit und Verlässlichkeit der deutschen Außen. Der innenpolitischen Agonie der Regierung land.päer und die treuesten te – für einen kurzen. der hört nicht viele freundliche Worte.zeit.de/Außenpolitik » « .ihre Regierung den Eindruck »einer Gruppe.3 Milliarden Pfund unterzeichnet worden. »Die große Erzählung der angelsächsischen Welt ist der Niedergang Amerikas – und der damit verbundene Niedergang Großbritanniens. ganz gewiss in der Ära ein deutscher Botschafter. Neid und Missgunst. der nicht würdigte. durch die Nachrichtenagenturen erfährt statt »Fast das Zehnfache!« Will Hutton schwärmt durch einen Anruf Angela Merkels. und lerschaft Helmut Schmidts war schlecht für die Welt. Stetig. Ziel der In. da verstanden das sogar die Kanzler und die Außenminister.1 Milliarden). Juli 2011 DIE ZEIT No 29 9 Illustration: Anne Gerdes für DIE ZEIT V Vernagelt Deutschlands Verbündete sind entsetzt über Berlins Außenpolitik.7 Prozent (60. Bei Europäern und Amerikanern mischen Merkel korrespondiert ein rapider außenpoliti. festgesetzt. Es ging darum. reich 2.nen. sagt er. Europas Stabilität und Sicherheit lägen Land gebracht. Verteidigungsminister Karl-Theodor bindung und Bündnissolizu Guttenberg war gerade zurückgetreten.allein möchte man sich tagswahlen an. woran man mit dem Land ist. An diesem Tag enthielt sich Die Deutschen hätten sich damals Botschafter Peter Wittig im UN-Sicherheitsrat auch an der intellektuellen Debatte der Stimme. um deutlich zu machen. Man hätte gedacht. ten Welt definieren.nen »Affront gegen das senfehler begangen hatte. Es ist viel mühsamer für uns. die nisteriums von China ab und sich in die Ecke gedrängt fühlt«. an den Beziehungen zu China. Es Der Keim des Zweifels war gelegt. kann schnell als Ausrede. wir aber nur gelernte Demokraten. Bei Gerhard Schröder mal zu gut.Dieses Urteil über die deutsche Kanzlerin hat sich sen möchte. Libyen hat den Glauben an die Berechen. der diesen tervention: das von Staatschef Gadhafi angekün.4 Milliarden Euro. Haben wir nicht ähnliche Debatten vor zwanzig. Er gilt als Dilettant im Amt. bei Großbritannien nicht Amerikas höchsten zivilen Orden. weil ihr so wenig für die Verteidigung tut? Die Aber. zieht eine weite historisch-politische Linie. habe einfach »kei. dann vertieft geradezu von Deutschlands »gutem Kapitalisdas nicht die Liebe zwischen Berlin und Paris. Sie ist wohl doch kein zweiter Helmut Kohl: sehr hochrangigen Diplomaten. Was man den Deutschen vorwirft. schlechten Klang. Wer kann diese liberalen Werte schützen und bewahren? Deutschland.nug Unheil über die Welt und über das eigene trieren. als Alibi ausgelegt wer»Ich hatte ein Klischeebild von ihr«. Und schon gar nicht ist ihr Wie sieht Deutschland seine Rolle in der Welt? Außenminister ein neuer Hans-DietFür welche Prinzipien ist es bereit zu kämpfen? rich Genscher. Washington/Paris/London or einigen Wochen im State entschieden. wir brauchen euch! Es sei eine Geste mehr sind eine durch und durch kriegsunwillige Naan das Land gewesen als an die Kanzlerin. de vor der neuen deutschen Unberechenbarkeit.von Merkel gewesen. »sich an der Macht zu halten«. Die Kanzlerin. Mit den Einsätzen der BunWeißen Haus beschwichtigend heißt: »Dies ist deswehr in Bosnien und im Kosovo keine Beziehung. Was aber nichts daran ändert. die Pre. In darität«. Berliner Diplomaten. amüsiert sich Fukushima waren mehrere Atomreaktoren in die Hans Stark vom Institut Luft geflogen und hatten die von der Bundes. die repariert werden muss. Halbscher Vertrauensverlust. Cem Özdemir nannte die Es dauerte keine 24 Stunden.POLITIK Ähnlich ist es in Washington zu hören. illustriert Will Hutton. Das werde nur gemeinsam städten des Westens über die Berliner Diplomatie gelingen – unter deutscher Führung. Amerika tion geworden. Inzwischen aber verfolvon wirtschaftlichem Durchgen die Nachbarn die Windungen der Berliner Europa-Politik mit wach. I Deutsche Außenpolitik – Analysen und Hintergründe: www. der wollte deutumweht die Deutschen Hans Kundnani vom European Council on Foreign sches Geld nicht länger in ein Hauch von Relations schreibt in einer Brüssel »verbraten«. »Wir tun so. In Libyen aber Gespräch die druckfrische Taschenbuch-ausgabe ging es um etwas anderes. Kupchan det sich das Gespräch in der vom Council on Foreign Relations. von Deutschland Hilfe zu erwarten. mit ruhiger Hand: Das sei das Bild Department. schrieb jüngst. für den engsten Verbündeten. wird.8 Milliarden Dollar).sich Bewunderung. Aber aus Verständnis.4 Prozent (45. der sich leider nicht namentlich zitieren las. Seine Kollegen aus Barack Obamas Nationalem Washington. Die Meinungen über Wie will es seine Interessen und das Völkerrecht Guido Westerwelle sind schlicht verheerend. gewissermaßen »das reinste Beispiel einer geoökosendem Befremden. so staltungswille eher noch wichtiger iger schildert es einer der damaligen Hauptakteure.seien dafür zu klein. »Das kann moralisch begründet werden muss. Unter der KanzMal sind sie zu könnten.Foundation.« Die einzelnen EU-Länder Wer in diesen Sommertagen in den Haupt. der als Verteidigungsminister Marsh. Schließlich ist sie Physikerin!« 14.« So wenig wie ihr Schlingern in der und umsichtig ausgeweitet hat. digte Blutbad an den Bürgern der Stadt Bengasi Überhaupt die Grüzu verhindern. das Gefühl.nomischen Macht in der Welt heute«. bei Franksidential Medal of Freedom? Das alles. Die Regierung Obama etwa habe es aufgegeben. Libyen. Es gehe nur Libyen zu. da der deutsche GeIn der aufgeheizten Berliner Atmosphäre.geworden? Jeder versteht. Merkel habe auf die europäische Staatsschul. In Baden-Württemberg standen Land. Und verstünde. Es ging um ein angeseines neuen Buches über den Euro (The Euro. werden plötzlich sehr grundsätzlich. müssen im Werben für die deutsche Politik immer eine »ExtraMeile« gehen. Aber da war es zu spät. Es Warum das so sei. ist paradox: »Die Enkel der Weltpolitische Entscheidungen kommen im. Deutschland sei »einMerkel begann es vielversprezigartig in seiner Kombination chend. Und die Fragen des noch darum. Jetzt mache Chefetage des US-Außenmi. der das nicht zuallererst in den Händen der Europäer. dreißig Jahren geführt? Kann es wirklich einen Zweifel geben. als für Amerikaner. er. so weit waren wir schon einmal. hat in London zum Kriege hineinziehen lassen will. das muss Opportunismus Verweigerung militärischer Hilfe bedarf einer Rechtfertigung. Auch die nicht Ignoranz sein. Die Politik dieser Länder aber sei unkalkulierbar.es niemanden. Eines kommt bei den Deutschen hinzu: Sie einer Botschaft: Wir wollen euch wieder im Boot haben. Kein Verbündeter. Franzosen und Briten. intellektuelle Trägheit. Der Unternehmens.Jetzt muss Europa seine Rolle in der globalisierpolitik tief erschüttert. da seien in London Verträge im Wert Worten und mageren Taten.laut wird aber auch die Frage gestellt: Geht es krise und Atomausstieg: Ratlos stehen die Freun. Sind die Deutschen eine egoistische Nation denkrise gestarrt »wie ein verängstigtes Kaninchen«. meint Stephen Szabo von der Transatlantic Academy in Washington. Immer schon weniger. als die Resolution 1973 zur Abstim. die europäiD AV I D M A R S H : gehen lassen. Es gab Zeiten. glaubt erlebt.« Aus dem Munde eines Briten ist dies ein überraschender – und etwas übertriebener – Vertrauensbeweis. Tatsächlich hat kein europäisches Land von dass die deutsche Abhängigkeit von russischen der Globalisierung mehr profitiert als DeutschGaslieferungen nun noch größer werden wird.0 Prozent (52 Milliarden) und bei der in Washington unmittelbar dabei war. Immer umwehe die Deutschen »ein Hauch von Unheimlichkeit«. verlängerung für deutsche AKWs obsolet geAber auf die Grünen macht. Mit ihren Soldaten haben sie gewill sich endlich auf die Probleme daheim konzen. Was ja nicht ganz falsch ist. miteinander verbinden? Das sind. kündigtes Massaker an der Zivilbevölkerung von The Battle for the New Global Currency) mitge. ließe sich einwenden. auf die wir uns zu Recht viel zugutehalten. Parteichef Seiten gewechselt. ihr ewiges Zögern.hungen (ifri) in Paris.für Internationale Bezieregierung im Herbst beschlossene Laufzeit. Briten und Amerikaner. heißt es anerkennend. So wird auch in Paris und in London gedacht.euch Deutschen deshalb wirtschaftlich so gut.setzungswillen und militärischer Abstinenz«. sagt David den. sagt das so. März 2011 hat die deutsche wechsel in der deutschen SicherheitsAußenpolitik bei den engsten Freunden einen politik vollzogen. seufzt David Marsh. Die »Kultur der Zurückhalnen Sinn für die Märkte«. das können wir nicht«. Um Himmels willen jetzt nicht nicht verlassen zu einer auch noch Libyen! Zeit. John Lloyd aber. Berlin hatte im März ganz ande. atlantische Bündnis«. Ein Reisebericht VON MATTHIAS NASS Man hätte Deutschland im Westen gern als verlässlichen Partner – und weiß immer noch nicht. das wissen die Klugen unter ihnen. Vertrauen zu gewinnen. Unvermittelt wen.« habe Rot-Grün einen ParadigmenSeit dem 17.stehen heute für Westre Sorgen. Und wenn der französische Staatspräsident von 1. sagt ein Mitarbeiter von n mung aufgerufen wurde. als schen Interessen als die eigenen ob wir eine große Schweiz sein zu definieren.

in einem Berliner Kino und schauten uns 18 Monate unter Genossen an. Labor-Organe könnten den Transplantationsmarkt entspannen. die sie einzäunen und notdürftig bewässern. fällt Philipp Rösler in Teil 2 in ein Fass Vielsaft-Trank und hört sich nun an wie Ihr-wisst-schon-wer in der Kammer des Schreckens. Diese Hungersnot ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Fortschreibung von etwas Altem. Am Sonntag bloggen wir ab 20:45 Uhr live zum Finale in Frankfurt am Main www. kann selbst das für Zufall halten. Komplexe Organe. in dem die Regierung nicht einmal die eigene Hauptstadt Mogadischu kontrolliert. So abstrakt hört sich das gut oder wenigstens nicht komplett abwegig an.« Knapper sagt es die Historikerin Christina Eibl in ihrem Überlebensbericht aus dem Herzen Moskaus (2011): »Wer sich nicht unterwirft. wie eine Leber oder Niere.. der schwarz-gelben Koalition: »Ich will ein niedrigeres.und Oligopolkapitalismus. dass diese Woche endlich die Harry Potter-Adaption Philipp Rösler und die Heiligtümer des Todes.de/newsletter ZEIT ONLINE auf Facebook GUATEMALA TRANSPLANTATIONEN FILMMUSIK FUSSBALL-WM Im Würgegriff der Kartelle Mexikos Drogenkartelle reagieren auf den blutigen Konkurrenzkampf im eigenen Land – und weichen auf andere Staaten aus. sondern der Beginn von etwas Neuem. Vor acht Monaten endete erst der letzte Hausarrest. Todesmärsche durch die Wüste. wie es zugeht. April. Gu und Deyr genannt. Kein Wunder. wo sie sie sahen. die afrikanischen Hungerleidenden selbst für ihr Unglück verantwortlich zu machen: Somalia. Wladimir Putin? Und dann ein so honoriges Gremium wie die »Werkstatt Deutschland«.com. der sich im Kuratorium »strikt gegen Putin ausgesprochen« hat.zeit. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www. taucht im Umkreis solcher Speicher bisweilen so viel Vieh auf. nicht vom Wähler entschieden werden«. Von wegen Klimawandel – Dürren gab es in Somalia schon immer! Wissen kann man allerdings. 2011 wird wieder so ein Jahr. einfacheres und gerechteres Steuersystem. es ist korrupter als die üblichen Verdächtigen in Schwarzafrika. Die Bilder aus den Flüchtlingslagern in Kenia und Äthiopien zeigen. dem so ehrbare Leute vorsitzen wie Lothar de Maizière und Richard Schröder? Das den Quadriga-Preis seit 2003 an so ehrenwerte Menschen wie Michail Gorbatschow. Höchste Zeit. sondern der 9. Geben wir ihm als Sonderpreis die Mini-Version eines Quadriga-Pferdes auf dem Brandenburger Tor. Teil 2. das Wahlen abhält. rufen die Besserwisser. Oppositionskandidaten werden eingeschüchtert und disqualifiziert.und Entwicklungshilfe helfe nicht. Unter Politiker hinterherlatschenden Cineastendarstellern sagt man auch: Es fehlt das Narrativ. wenn man statt »Aufklärung« Mediengleichschaltung setzt. wenn Menschen gezwungen sind. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Lesen zur Ferienzeit Redakteure und Autoren von ZEIT ONLINE empfehlen Bücher für den Sommer www. das ist doch der Piratenstaat. Ganz besonders leidet Guatemala unter den Gewaltorgien der kriminellen Organisationen. Sogar der Bau von Wasserspeichern. wenn sie auf die Wirklichkeit des Klimawandels stoßen. darunter das Auswärtige Amt.7-Grad-Welt. Aber Putin? Die Werkstatt bemüht ganz ironiefrei Orwell-Sprech in der Begründung: »Im Inneren .de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG. ÖT Selbst schuld? Von wegen! Die Hungerleidenden in Somalia sind die ersten Opfer des Klimawandels Somalia hat seine eigene Zeitrechnung. dass sich die Somalier daran noch Generationen später erinnern. die sich zu dieser Zeit zutrugen: 1914. den ihr die Militärjunta auferlegt hatte. in der wir leben. Die eigenen Leute werden belohnt und protegiert. Aber man wüsste doch gern. Juli 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 29 MEINUNG POLITIK Werkstatt Orwell JOSEF JOFFE: Wieso ehrt ein honoriges deutsches Gremium Wladimir Putin? Unwillkürlich schnellt der Blick nach oben. schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand. Not. Auf solche Fragen gibt es zwei Standardantworten – aber beide klingen hohl.twitter. Das verschärft die Not der Ausgesperrten. Kadaver nämlich. sondern Liebling der Nation. wenn auch erschöpften Lächeln.de/ausland Organe aus dem Labor Vor zehn Jahren transplantierten Ärzte eine künstliche Blase – mit Erfolg. sind noch immer ein Zukunftstraum www.zeit. auf das Erscheinungsdatum der Zeitung. sie produzieren und verkaufen Holzkohle – und dünnen so den Baumbestand VON FRANK DRIESCHNER BERLINER BÜHNE Potter. in dem islamistische Milizen den Ton angeben. die gerade getestet wird.de/sport Werden Sie einer von über 63. sondern Regen gemäß dem seit Jahrhunderten bekannten Muster der Jahreszeiten ist inzwischen die Ausnahme. dass die Menschen sich an die neuen Verhältnisse in einer zunehmend wärmeren Welt anpassten. Jahre werden bisweilen nicht durch Jahreszahlen bezeichnet. Wieder andere sichern sich eigene Areale. der die Erosion der dünnen Schicht fruchtbaren Bodens verhindert.com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. das Jahr »Als man unreines Fleisch aß«. und dass der Ausfall dieser Regenzeiten eine seltene Katastrophe war – so selten. Geehrt werden müsste ein anderes Vorbild: der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Es sei unrealistisch oder zu teuer. die Dürre und Hunger am Horn von Afrika verursachen oder zumindest dazu beitragen. Dies ist eine gute Gelegenheit. Es herrsche ein »Schattennetzwerk von Politikern.com/zeitonline Foto: Soe Zeya Tun/Reuters . sind halt kein Orden des Phönix.de/organspende Zum Hören ins Kino Schon viermal war Alexandre Desplat für den Oscar nominiert. verendetes Vieh – die Rede ist von der schlimmsten Hungerkatastrophe seit Jahrzehnten. Gerade hat Aung San Suu Kyi die alte Königsstadt Bagan besucht. »Als Wasser in Lastwagen kam«. es ist kein zweites Sommermärchen geworden. Sagt Ihnen nichts? Der Filmmusikkomponist hat die neue Harry-Potter-Episode vertont. Überfüllte Flüchtlingslager. wie sich ein somalischer Viehzüchter an das Leben in der Wüste anpassen soll. Der eine Rat lautet. ihn aufhalten zu wollen.zeit. so gut sie können. Dies aber ist die sechste schwere Dürre seit der Jahrtausendwende.zeit. um eine wassersparende Hightechlandwirtschaft und andere Anpassungstechniken finanzieren zu können. 1974. dass sie dort hungern. sich ein zu Unrecht unterbelichtetes Musikgenre genauer anzusehen www. der wird Gründe finden. um sein politisches Ableben hinauszuzögern. war menschlich: Damals war »KT« noch kein Plagiator. Vier Jahre nach Beginn der Putin-Präsidentschaft meldete Freedom House. in der Katastrophe am Horn von Afrika das wiederzuerkennen. Viel sinnvoller sei es. Das sind die Kreml-Getreuen im Big Business und Sicherheitsapparat – die Putinsche Machtelite.. die »Aufklärung. Ein Irrtum.« Im März 2012 wird wohl Putin gegen den heutigen Präsidenten Medwedjew antreten. beschreibt Stanford-Politologe Francis Fukuyama in seinem neuen Buch The Origins of Political Order: Seit Putin sei Russland zu einem »autoritären Regime mit Wahlen« geworden. dem Film wie den Sozen. dass die Böden überweidet werden. mit zum Gruß gefalteten Händen. Es schürte die Hoffnung. die Somalier helfen sich. Die mäßig erwärmte 0. Der Film ist eine ganz wunderbare Momentaufnahme über den Zustand der ältesten deutschen Partei.de/musik Live-Blog zum Finale Schade. Aber auch nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalelf bleibt die FrauenFußball-WM natürlich spannend und macht Spaß. Aber es scheint natürlich zu sein. HEUTE: 11. Umso größer ist unsere Freude darüber. Das ist nicht einmal völlig falsch. die nicht durch Warenströme oder Nachrichten vermittelt wird – sondern durch Kohlendioxid in der Erdatmosphäre.zeit. »Engagiert« ist Putin tatsächlich: bei der Perfektion dieses Systems. die Platitüden entwicklungspolitischer Zyniker zu hinterfragen. und statt »Gemeinschaftswohl« das Wohlleben der neuen Bojaren. was Klimaforscher seit vielen Jahren vorhergesagt und immer häufiger auch beobachtet haben: die Folgen eines zunehmend unregelmäßigen Monsuns. kann Schaden anrichten.10 14. so geht das Argument. Es wäre leicht. helfen könnten sich die Betroffenen nur selbst. Kann man gar nicht wissen!. deutsche Autos und chinesische Kraftwerke. theoretisch ein Mittel der Wahl zur Anpassung an zunehmende Trockenheit. Plausibler aber ist es wohl. so lernen wir daraus. eröffnet uns gerade einen Ausblick in die Zukunft Afrikas in Zeiten des Klimawandels.07. Foto: Mathias Bothor/photoselection www. Aber Sicherheitsbeamte ließen sie nicht in Ruhe. der die Lebensgrundlage der Menschen in trockenen Erdregionen zerstört.de/literatur Foto: Luke MacGregor/Reuters Foto: Fabrizio Bensch/Reuters Foto: Edgard Garrido/Reuters Täglicher Newsletter Foto: Srdjan Suki/EPA/dpa Erhalten Sie zwei Mal täglich eine Auswahl der wichtigsten Themen auf ZEIT ONLINE. es war nicht der 1. Andere treiben Ackerbau auf ungeeignetem Land und ruinieren es damit für die Viehhaltung. Und wer sich die quälenden Bilder aus den Flüchtlingslagern vom Leibe halten will. Man kann die Angst der Beamten verstehen: die wachen Augen. das Jahr der »Dürre mit dem langen Schwanz«. Das Regime kontrolliert fast alle Medien und erlaubt keine Kritik. »Vorbild« wäre richtig. die kleinen. 1964. einem gutmütigen. Engagement und Gemeinschaftswohl verpflichtet« seien. wird gnadenlos verfolgt.2011 Kämpferin Es ist nicht ihre natürliche Haltung. selbst Libyen und Jemen kommen besser weg. Verarmte Viehzüchter haben sich eine zweite Einkommensquelle gesucht. das sie sich trotz jahrzehntelanger Schikanen und Hausarresten bewahrt hat.zeit.« Wie das realiter aussieht. Da macht sich der Halbblutprinz Philipp Rösler auf die Suche nach dem Stein der Weisen – und hat noch nicht einmal ein eigenes Narrativ dabei! Die Liberalen. der Anfang einer Globalisierung. als die Süddeutsche berichtete: »Preisrätsel: Deutscher Verein ehrt Putin als mustergültigen Staatsmann«. aus.« Traurig. während die Menschen sie mit Blumenketten begrüßten. Eine andere Platitüde.« 2011 klang es nicht besser: »In diesem Jahr fiel Russland im Demokratie-Ranking ab. anläuft. in diesem Elend nichts anderes als eine Fortsetzung der somalischen Leidensgeschichte zu sehen. Nicht Dürre. Schimon Peres.000 Follower. Er hat genauso wenig zu erzählen wie diese momentan selbst. in die sich seine Heimat gerade verwandelt. so wie schon mehr als 77. das jährlich den Zustand der Freiheit auf der Welt misst: »Politische Rechte und Freiheiten sind in Russland so eingeengt worden. eine Dokumentation aus dem Innenleben der SPD. am Montag zusätzlich eine Zusammenfassung der Wochenend-Themen www. dünnen Fäuste mit den heraustretenden Adern – so sehen Friedenskämpferinnen aus. betrifft den Klimawandel selbst. Diese Wahl wird »von einer kleinen Elite. die Schlange Kubicki und Philipp Rösler selbst. das sich schnaubend aufbäumt. ist so ein Satz.« Auf der Korruptionsskala von Transparency International (2010) liegt Russland ganz unten auf Platz 154. Im ersten Teil hatte Ihr-wisst-schon-wer seine Macht verloren. verfolgten sie.zeit.facebook. Nun. dass Somalia einmal zwei halbwegs regelmäßige Regenzeiten hatte. einen verfluchten Vorsitz niedergelegt und – anstatt umgehend durch das Verschwindekabinett zu disapparieren – seine Seele in insgesamt sieben Horkruxe ausgelagert. Es sind amerikanische Flugzeuge. als hätten wir nichts Schöneres zu tun. diesen Rat zu befolgen. traurig. Juli. Aber es ist zu einfach. Dies ist auch unsere Katastrophe. möglichst schnell reich zu werden. Es sollte eine unauffällige Erholungsreise werden. um seinen Machterhalt zu legitimieren. Wird anderswo das Wasser knapp. Wir kennen die birmanische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi meist nur in friedvollen Posen. Nein.000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www. zur Not in fruchtbarere Regionen auszuwandern. Ein Land. Weiter mit Orwell: Mit dem Quadriga-Preis werden »Vorbilder« ausgezeichnet. Definieren wir es mit Lenin als »demokratischen Zentralismus« plus Staats. sondern durch Beschreibungen der Hungerkatastrophen. dass sie Haltung hat. Die FDP ist ihr eigener Todesser. Wer unbedingt will. liberal Parteien auf der Leinwand: Was wir im Kino über SPD und FDP lernen Am Freitagabend saßen wir. PETER DAUSEND Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT dass es von ›teilweise frei‹ auf ›nicht frei‹ herabgestuft wurde. Offiziellen und Wirtschaftsinteressen. Beim Versuch. Wolfgang Schäuble und Sylvia von Schweden verliehen hat? Dass sich die Jury mit Guttenberg (2010) ein wenig geirrt hat. Der Rechtsstaat dort droht zu kollabieren www. Wirtschaft und Identität. Der andere Vorschlag legt nahe. Unter den vergangenen fünf Jahren war nur eines mit normalen Regenfällen. die übrigen Horkruxe zu zerstören.

Ein Stresstest pur für die Parteien. Sein sprächsbereitschaft. Doch will ihn die SPD wirklich als Kandidaten? Ist der wirtschaftsnahe Ex-Finanzminister der Parteilinken überhaupt zu vermitteln? Dass dies die entscheidenden Fragen seien. Diese dreiste Lüge Steinbrücks spielt in der heutigen Debatte allerdings keine Rolle mehr. großen Gewinnern. In Deutschland ist ein K A R L  RU D O L F KO RT E jeder Parlamentswahl beteiligen echter Koalitionsmarkt entstansich. wie lernfähig Parteien sind. aus lermarkt keine Rolle mehr. Absolu.infrage und suchen sich Empörungsorte abseits ternehmen wären unter solchen prekären Rah. Wie andere Duisburg-Essen.diese Ressource mit Gemeinwohl-Metaphern auf schen Willensbildung mitzuwirken: Der Anteil dem Wählermarkt in Deutschland anbietet. schnell wie nach dem Fukushima-Schock. Mitgliederschwund zehrt Themenhoheit verlieren. Den ersten mit sechs. So zeigt sich einmal mehr. Die Denn wir Wähler und Bürger machen es Grünen bieten wertorientiert Sicherheit an.POLITIK MEINUNG 14. Die Personalie Steinbrück ist ein Paradebeispiel für das kurze Gedächtnis von Medien und Öffentlichkeit. um außerparMitgliederorganisationen ver. Aber es wird übersehen. dort als Sympathieorganisation vor allem das besondern bringen strategisch denkende Köpfe in sorgte Bürgertum. Wiederauferstanden von der allseits beliebten Gattung der Politrentner. Gänzlich vergessen scheint zudem. Was die einen an tisch zugenommen. tik unter dem Druck der komplexen Ereignisse Eine Lagermentalität bietet heute keine verändert. ÖT Lob des Opportunismus Die Wandlungsfähigkeit unserer Parteien spricht für. wie Dausend es tut. dass Politik eine gemeinsame direkte Demokratie (mit allen Spielarten von BürVerabredung von Regeln und Prioritäten ist. Ob in Die Todeskralle schlägt zu oder Der Mann mit der Todeskralle oder Die Todesfaust des Cheng Li – wo seine Hand oder sein Fuß landeten. um stabile Mehr.sendem Nichtwissen entscheiden können. Auch wenn viele Kritikpunkte berechtigt sind: Parteien stehen für die modernste Form politischer Willensbildung in repräsentativen Demokratien. von den Ereignissen der Finanzkrise überrascht worden zu sein. Es ist Zeit für eine kleine haltigkeit. Auch hier zeigen sich Bunte Koalitionsmuster kennzeichnen deshalb die Parteien robust und lernfähig: Der Triumph die Vielfalt in deutschen Parlamenten. hat sich Peer Steinbrück auffallend unauffällig als Kanzlerkandidat ins Gespräch gebracht. gehört dabei zu den erkoalitionen zu verhindern. was Bündnisse mehr kalkulierbar mehrheitsfähig. bekannt waren. nutzt die Erklärmacht der Politik. krisenfest und wandlungsfähig. flexibel. Dabei täte er gut daran. um Entscheidungen für uns zu treffen? Wie könnten wir ohne Parteien politische Teilhabe fair organisieren. aber mit neuen Angeboten in der politischen Mitte. 25. Moritz Heiser. studiert Politikwissenschaft an der Uni Leipzig Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT. weil er nie anders konnte: Immer auf der Lauer. verfasst von einem Redakteur. oder sie nicht mehr automatisch durch bieten Parteipolitiker als Schlicheine von beiden repräsentiert. hat der Nicht.der Universität die Parteien Fantasie und Gebote für die Mitte. Schocks wie Fukushima lähmen nicht. In Deutschland hat Parteienkritik eine lange Tradition. Die schnell an. Bei blem. Doch die Beispiele zeigen. an der politi. wenn es darum geht. der gespannte Körper. die finanziellen Ressourcen der Parteien auf. die den Wandel mit ihren Grundüberzeugungen verzahnen kann. soll Bruce Lee bereits zwanzig Filme gedreht haben. Doch man sollte wissen. also lange vor Ausbruch der Finanzkrise und schon vor Steinbrücks Amtsantritt. Meist war Lee in Todeskrallen-Pose zu sehen. Wir beziehen unsere Kritik dabei auf die alte westdeutsche Volks- parteiendemokratie. Alles. Kleiner Poser. ten die Parteien mit einem neuen Rhythmus der Die Umkehrung der Mehrheitsverhältnisse von Politik konfrontiert. Heute wird der ehemalige Finanzminister für seine Distanz zum Politikbetrieb geschätzt.eine Erfolgsformel gefunden. Drache starb mit 32 Jahren. eine starke Bindekraft in einer Der öffentliche Druck auf die immer weiter ausdifferenzierParteien ist enorm. kann. der keit unserer Parteien.verlässig reagieren. Auch in diesem Bereich sie erkennen in ihnen immer School of Governance an neuer Gesellschaftsberatung zeigen weniger lieb gewonnene Ange. Jenseits der sich ständig präsentieren und getradierten parteipolitischen Lager sind keine raten so unter »Kommunikationsstress«. sein Agieren während der Finanzkrise gilt als vorbildlich. die aber ist längst Geschichte. Wer das anschaulich begründet. traditionellen sein. Wer widersprechen will.winnt den Eindruck.und Politikerverdrossenheit sind Chiffren für die Unzufriedenheit der Bürger mit den Unübersichtlichkeiten einer komplizierten Demokratie. Eine Würdigung Unsere Parteien lernen und passen sich extrem Die politische Mitte sortiert sich neu. Die Bürger fühlen sich Parteien als Initiatoren. Der politische Wettbewerb verlangte von ihkumentiert anschaulich die Entwicklung. manchmal so grundlegend und dig geblieben ist.) . ist deshalb sehr kurz gegriffen. dass Steinbrück eine gute Wahl für die Genossen wäre. einem der größten Länder Europas. Sie mussten schnell und zurot-grünen Koalitionen zu grün-roten Ver. mehr dem Panzer einer Schildkröte gleichend als der Haut eines Menschen. Proteste gegen Stuttgart 21. leistungsstark und strategiefähig zu von den einst mitgliederstarken. Sie erodieren und lassen dem: Hinter vielen Bürgerbegeheine Repräsentationslücke zuren stecken häufig auch wieder die rück.de. wo sich bürgerlicher Protest entfalten geben: Auch die Parteien sind angeschlagen. Politik.Terrain. Parteiheiten zu kreieren.sich in den Parlamenten nicht ausreichend von lässlich mit Stimmen kalkulieren? Sie müssen ihnen vertreten fühlen. dass aus dem Krisenmanagement der Großkoalitionäre noch Risiken von Hunderten Milliarden Euro für den Bundeshaushalt in den kommenden Jahren bestehen. Wir kennen ihn nicht anders. Wir modernisieren allzu gern unsere Vorurteile gegenüber den Parteien. Wie Viele Bürger kritisieren die Parteien. die Gefahr witternd.der Parlamente. Zuge. schnell erlangte er in der Martial-Arts-Szene den Namen »kleiner Drache«. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 11 WIDERSPRUCH Der Überschätzte Peer Steinbrück ist nicht so gut. und die propagieren sie mit einem Würdigung dieser Wandlungs. pardon.Forschungsschwerpunkt lamentarische und parlamentarifügen auch die ehemaligen ist das politische System sche Verfahren enger miteinander Volksparteien nicht mehr über Deutschlands zu verzahnen. Das fällt auch der ZEIT-Redaktion auf. Man geVolksparteien zu mehreren mittelgroßen Par. wenn die Bürger nicht mehr an das heitsschwund: Wähler scheinen nicht mehr da. Dausend stellt gar nicht erst in Zweifel. Risiko. Ihre Leitkultur ist die Nachallen Parteien hervor. Das prominenteste Beispiel dafür sind die Und dennoch zeigen sie sich extrem robust. gewinnen die anderen. Als er nach der verlorenen Wahl in NRW vom Düsseldorfer Ministerpräsidentensessel ins Berliner Finanzministerium wechselte. Gleichzeitig verändern Zahlen. einem Politiker oder einem ZEITLeser.und der Wechselwähler hat drama. 28/11). wie viele denken VON MORITZ HEISER DAMALS: 1970 Kleiner Drache Es ist seine natürliche Haltung. der feine Schweißfilm auf den Muskeln. dass auch er es war. ihnen scharenweise neue Mitglieder zutreibt. schließlich verbreitet Steinbrück auch hier seine beim Volk anscheinend beliebten Botschaften. die sich beliebig wandelt. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor Fotos: IMPRESS. ist sofort öffentlich. Es bedarf von Komplexität. Die Parteien zeigen sich en ohne Risikokompetenz spielen auf dem Wähhierbei beweglich. immer der Hab-Acht-Blick. weil sie können Parteien unter diesen Umständen ver. nicht gegen sie. Sie stellen die Rolle der auf all diese Veränderungen schnelle und Parlamente als legitime Orte von Entscheidungen verlässliche Antworten liefern.Wirkungsversprechen der Politik glauben? Die ran zu glauben. sondern nur diejenige. Die Augen fixieren den unwürdigen Bösewicht. Wer zudem in Zeiten dem Wählerauftrag am Wahltag eine Regie. sie tun. ist Direktor der NRW ter an. als ein Ereignis das andere jaghältnissen wie in Baden-Württemberg do. suggeriert Peter Dausend in seinem Artikel Auf Messers Schneide (ZEIT Nr. Ein Gespenst geistert durch Deutschland. Denn auf den StimmungsVON KARL-RUDOLF KORTE kurven von Meinungen wird nicht die Partei belohnt. trotz insgesamt rückläufiger den. immer noch weitaus sich Form und Gestalt der klasmehr Bürger als in den Verfahren sischen Volksparteien SPD und der direkten Demokratie. Er bleibt professionell unterscheidbar und authentisch. Sie muss auch unter den Bedingungen Orientierung mehr für Bündnisse. setzte er die Politik der Deregulierung der Finanzmärkte seines Vorgängers Hans Eichel nahtlos fort. Nicole Maskus (u. Sie begleiten und organisieren den Grünen sind hinzugekommen und repräsentieren Wandel. Ohne klassische Volksparteien vielleicht. der die Bankenkrise verursacht hat.te. Mit 18 Jahren. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit. Die Ablehnung des Kandidaten Steinbrück auf Agenda 2010 und Rente mit 67 zu reduzieren.Glaubwürdigkeits.des Unwahrscheinlichen über das Wahrscheinlite Mehrheiten wie in Hamburg stehen neben che – von der Finanzkrise bis zur Katastrophe von Experimenten mit Minderheitsregierungen wie Fukushima – hat in den zurückliegenden Monain NRW.und Lernfähig. Unsicherheit und wachneuer Formeln zur Macht. Wirtschaftsun. wuchs kein Bambusstrauch mehr. dass die Risiken in den Bankbilanzen im Finanzministerium schon spätestens 2003. die nicht nur spontane Betroffenheit widerspiegelt? Insofern müssen wir weiterhin die Parteiendemokratie stärken. dass sich die Natur der Politeien führt. Orte in einem »vorpolitischen« menbedingungen längst pleitegegangen.und Vertrauensvorsprung. sie müssen ten Gesellschaft. Wie ein Mensch diese Spannung aushält? Nicht lange zumindest. Wer sollte stellvertretend für sie an freien Wahlen teilnehmen? Welche anderen repräsentativen Gruppen wären gleichermaßen politisch legitimiert. dass das Parteiensystem Wir ändern häufig spontan unsere politische als ein System kommunizierender Röhren lebenMeinung. so die Legende.tiv entkernt daherkommt.des Gewissheitsschwundes als Partei nicht normarungsmehrheit zu bilden – und so große Dau. Aber wie kann die Zukunft der Parlamente Über allem liegt ein dramatischer Gewiss. die MehrheitssuDemokratie« bevorzugt immer che wird darin zum Kernprodie unmittelbar Betroffenen.aussehen. AußerCDU. gerbeteiligungen) kann sicher kein alleiniger AusEin Fünf-Parteien-System hat weg sein. So eine »Anliegersich etabliert. die nen. Wer ihnen auch nicht gerade einfach. Heute behauptet Steinbrück.

V. Ein Gespräch mit dem besten Koch Deutschlands über Führung. Spielpläne (Seite 58). JUNGCLAUSSEN 29 14. HEIKE BUCHTER UND MARK SCHIERITZ Orten des postmigrantischen Theaters VON KILIAN TROTIER 49 Roman Martin Walser »Mutter- Worte der Woche Stimmt’s?/Erforscht & erfunden Früher informiert! 28 Macher und Märkte 48 Impressum 49 Gedicht/Wir raten zu 50 Hörbuch 59 Biostrom.. Neue Investoren finden: So etwas schüttelt der Mann normalerweise aus dem Handgelenk. 13 Versagt das Recht im Netz? Ein Interview mit dem Medienanwalt Christian Schertz Aufklärung Der Kriminologe 31 Frauenquote Wirbel bei SAP 59 Kunst Eine Ausstellung in und Telekom VON M.und ein Taktik-Fazit VON A.zeit.« Luchs des Monats: Kate de Goldis »Abends um zehn« VON S.. Thackeray Wörterbericht/Finis ZEIT-Scrabble-Sommer (2) aus aller Welt VON THOMAS FISCHERMANN »Das Buch der Snobs« VON MANFRED SCHWARZ 87 LESER BR IE F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT. ASSHEUER 8 Libyen Beginnt die Schlacht Stuttgart 21 Die Bahn macht um Tripolis? Aus der Welt 9 sich unglaubwürdig teuer VON K. Deutsche Außenpolitik Berlins Verbündete sind entgeistert VON MATTHIAS NASS 34 Was bewegt . als sie ihr nutzen: Sie schädigen das Klima und zerstören die Artenvielfalt WISSEN SEITE 35 Snyder »Bloodlands« VON JÖRG BABEROWSKI »EINE STUNDE ZEIT« Google Elegante Lobbyarbeit 22 Konjunktur Gefahren drohen 51 Klassiker W. Begleitet wurde er von ZEIT-Reporter Stefan Willeke (oben am Empfang eines Restaurants in Tokyo). Dem Atommanager war es womöglich ganz recht DOSSIER S. Harald Wohlfahrt. Politik zwischen Twitter und YouTube VON TINA HILDEBRANDT Gesellschaft Die Affäre Strauss-Kahn als Triumph des bürgerlichen Tugendideals VON BARBARA VINKEN nah 6 Der letzte Saurier Eine gute Show hinlegen für Fondsmanager. in den USA gefördert VON NIKLAS SCHENCK Sponsoring in der Schule Endlager der Habsburger VON JOACHIM RIEDL FEUILLETON 45 Kino Vaters Tochter – ein Ab wann ist es Werbung? VON LEONIE ACHTNICH Zeitmaschine VON KLAUS J.zeit. Frankreichs großer Intellektueller.zeit. das war das Ziel der Japanreise des RWE-Chefs Jürgen Großmann. Perfektion und die Kunst des Loslassens WIRTSCHAFT SEITE 34 18 WOCHE NSCH AU Berlin-Wahl Die Kreuzberger verbreitete sich rund um das Mittelmeer – per Schiff VON ALINA SCHADWINKEL CHANCEN 67 Rechenschwäche Vier Millionen Kandidaten der großen Parteien haben alle türkische Wurzeln VON JENNI ROTH 43 KINDERZEIT Energiewende Woher kommt künftig unser Strom? leiden darunter. ULLRICH Nachruf Zum Tode des Malers Aktien aus der Volksrepublik? VON HEIKE BUCHTER 7 Cy Twombly VON T. Der Betreiber des Atomkraftwerks von Fukushima. HAMM Vereinsmeierei Neudeutsche 44 Kinder. steht seit Jahren für eine Küche auf Drei-Sterne-Niveau.de/brief Gasprom Dürfen die Russen sohn« VON ADAM SOBOCZYNSKI RWE kaufen? VON CHRISTIAN TENBROCK 50 Politisches Buch Timothy Immer mehr Landwirte satteln um und erzeugen auf ihren Höfen Strom aus Mais oder Gülle. JULI 2011 58 5 Gehetzt und beobachtet. KEMPER UND O. die Anlage zu besichtigen. SCHMIDT Großbritannien Der Pakt mit dem Presseteufel VON REINER LUYKEN 24 Finanzmärkte Bundesbank-Chef Jens Weidmann im Interview 28 Deutsche Bank Ein Inder 54 China Der Dissident 3 Kanzlerin Schweigsam Warum erklärt Angela Merkel ihre Politik nicht? VON MATTHIAS GEIS 4 Die digitalen Häscher Wer rückt an die Spitze VON MARK Liao Yiwu erzählt von seinen Jahren im Gefängnis 55 ZEIT-Museumsführer SCHIERITZ UND ARNE STORN 29 EU Haushaltskommissar Janusz Das Gleimhaus in Halberstadt VON BENEDIKT ERENZ sind die Plagiatsjäger? Ein Besuch VON KHUÊ PHAM Lewandowski will eine Billion Euro für Brüssel – ein Gespräch 30 Murdoch Wer erbt das umstrittene Medien-Imperium? VON JOHN F. Museen und Galerien (Seite 55). ROHWETTER 32 Chinesen Wie solide sind Baden-Baden über den guten Geschmack VON W. den Meisterkoch Teil 8 VON ELISABETH VON THADDEN Harald Wohlfahrt? Gelehrtenrepublik Deutschland: Zu Besuch bei den originellsten Wissenschaftlern der neuen Generation Alfred Grosser. wie ein verpasstes Treffen ihm das Leben rettete Von der Schönheit des Welkens: Michael Weselys Blumenbilder zeigen. muss mitunter ein halbes Jahr lang warten. dem Chef von RWE VON STEFAN WILLEKE 17 Frauenfußball-WM 2011 38 Grafik Wie hat sich die Nutzung der Medien seit 1970 verändert? 39 Pharmazie Besser verträgliche Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft – ein Stimmungs. SCHMIDT-HÄUER Riestern Bürokratisch und oft zu VON RÜDIGER JUNGBLUTH Film kommt in die Kinos. M. Die meisten der Anlagen belasten die Umwelt mehr. KORFMANN Foto: Kazuhiro Nogi/AFP/Getty Images 13 Atomenergie Eine Japanreise mit Jürgen Großmann.IN DER ZEIT POLITIK 2 Foto: Androniki Christodoulou/Agentur Focus TITEL Währungskrise: Die Wall Street greift an 12 AUSGABE: 23 Italien Die neue Angst VON BIRGIT SCHÖNAU 52 Kulturpolitik 60 Jahre Goethe-Institut – eine Weltreise VON THOMAS E.und Jugendbuch gründen »Typisch Deutsch e.8 MHz) und www. Aber normal war dieses Mal eben einiges nicht mehr. GASCHKE Jugendroman »Das Geheimnis 68 Ehrenamt Soziales Engagement von Schülern kann prägend sein 69 Leistungssport und Studium Sie blicken nach vorn Vier Monate ist es her. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95. wie die Zeit vergeht 10 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE Hungersnot in Somalia WISSEN 35 Energie Viele Biogasanlagen REISEN 61 Montreux Vor 40 Jahren machte Selbst schuld? Von wegen VON FRANK DRIESCHNER belasten die Umwelt Internet »Wiki-Watch« schädigt der Song »Smoke On The Water« den Badeort weltbekannt VON RALPH GEISENHANSLÜKE 11 Parteien Sind besser als ihr Ruf! VON KARL-RUDOLF KORTE den Ruf der Viadrina 37 Plagiate Jura-Professor 62 Hoteltest Ein neues Sofitel Widerspruch Peer Steinbrück ist überragt das barocke Wien VON TOMAS NIEDERBERGHAUS der falsche Kanzlerkandidat VON MORITZ HEISER Wolfgang Löwer kritisiert das Promotionsrecht VON M. die Firma Tepco. vor allem wenn dabei auch gut gegessen wird. SPIEWAK Ein Plädoyer für die Reform akademischer Qualitätsprüfungen VON PETER GAEHTGENS 63 Windrad Bayern bläst zu einem ungewöhnlichen Gipfelsturm VON WOLF ALEXANDER HANISCH DOSSIER Foto: Deniz Saylan für DZ 64 Lesezeichen 65 Athen Auf dem Hausberg Párnitha suchen Wanderer Ruhe und Spieler ihr Glück VON HANS W. Wer dort ein Menü genießen will. nein danke! VON HANS SCHUH Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. HENNIG 20 Krieg für Menschenrechte? Gespräch mit Geraldine Chaplin Literatur Der Wettbewerb in 71 Eine Debatte mit Tradition VON DANIEL SCHULZ Kita Eine Erzieherin und eine Landwirtin betreuen Kinder auf ihrem Bauernhof VON JULIA NOLTE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. der Perfektionist.de/japan GESCHICHTE 19 Kapuzinergruft Das gloriose Foto: Michael Staudt/Your Photo Today/SUPERBILD der vermissten Dinge« In Deutschland erschwert. Unterstützung erhalten sie kaum VON PETRA HEMMELMANN VON M.radioeins. FRITSCH Medikamente gegen Schlaganfall VON JUTTA HOFFRITZ 66 Leipziger Zoo 42 Archäologie Eine Schnecke Die neue Tropenhalle »Kochen ist Entbehrung« Sein Reich ist die »Schwarzwaldstube« in Tonbach. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 70) Klagenfurt VON MARIE SCHMIDT 88 ZEIT DE R LESE R 47 Zeitgeist Über das schnelle WIRTSCHAFT 21 Euro Angriff auf die 48 Vergessen unserer Tage VON MORITZ RINKE RUBRIKEN 2 42 Bühne Eine Reise zu zentralen Gemeinschaftswährung VON MARC BROST. Wie geht es den Menschen dort jetzt? Eine Bestandsaufnahme www. dann ein Tsunami den Nordosten des Landes überrollte. erzählt. Ein Interview mit Ralph Fiennes über seine Rolle als Voldemort und über das absolute Böse Das Beste zuletzt »Harry Potter«. dass in Japan erst die Erde bebte. erlaubte dem Deutschen nicht.de/audio Anzeigen in dieser Ausgabe Link-Tipps (Seite 42). dem kostenlosen Newsletter www. BUND VON JOCHEN BITTNER VON C.de Foto: Andri Pol Christian Pfeiffer wird den Missbrauch in der katholischen Kirche untersuchen VON CHRISTIANE FLORIN 33 Forum Helft nicht einfach so! VON HANS-WERNER SINN 60 GLAU BE N & ZW EIFELN Fantasy Der letzte Harry-Potter- .

»Einen Moment noch!«. Er braucht einen frischen Anzug.« Danach war das Gespräch schnell beendet. Aber der Weckruf kam nicht. ein Sieg der Selbstgewissheit über den kleinen Glauben. hat sein Bruder über ihn gesagt. Etwas Erstaunliches ist geschehen: Jürgen Großmann hat keine Termine. vor übertriebener Eile. die er in der Fabrik unterstellte. der Japaner wartet. Doch noch am selben Tag machte Gasprom das Treffen auf seiner Internetseite publik. aber keine bekommen. das er mit sich herumschleppt. hängt auch von dieser Geschäftsreise ab. Man kann darin die Standhaftigkeit eines prinzipienfesten Managers sehen. Es ist acht Uhr. mit einer Stunde Verspätung. wie das Geschäft läuft«. Damals schien noch alles offen. Nach Informationen der »Süddeutschen Zeitung« sei aus RWE-Sicht eine strategische Beteiligung Gasproms an RWE oder an Konzerntöchtern denkbar.WOCHENSCHAU DOSSIER 14. »Ich weiß. eines in Frankreich. Den Aufsichtsratschef von Tepco nennt Großmann einen Freund. Bleibt die Frage: Soll er zum Frühstück noch ein Atomkraftwerk schlucken? In England. Er könnte allen beweisen. dass ihn das Management der japanischen Firma Tepco. die ihn jetzt. als das Wort Fukushima fiel. Aber als Großmann aus dem Restaurant kommt. die in Notlagern leben.« Die britische Regierung. müsse schon einen Teil des Risikos übernehmen. Wie seine Geschichte weitergehen wird. schließlich unhörbar. er fuhr nach Berlin. »verdammt. wie es dort aussieht. Der Abend in der Hotelbar war lang. aber es wurde der Auftakt zu einer Serie von Konflikten.und herzuschieben. und die Angestellten an der Rezeption hatten versprochen. »er hat einen bestialischen Job. der sich für Atommeiler interessiert. der auf ihn wartete. Andreas Mundt. wenn ihn jemand warten lässt.« Man kann auf der Küstenstraße mit dem Auto Richtung Norden fahren. Juni die Hauptversammlung für seine Aktionäre im Ballsaal eines Hotels in Tokyo ab. Großmann besitzt ein Weingut in Australien. der sich in den Kopf gesetzt hätte. Solange es um James Stewart ging. am Rande der evakuierten Zone.04 Meter großer Riese die Stufen der Treppe hinunter. Auf einem Bild sind Großmann und Miller samt Begleiter am Tisch in einem tristen Hinterzimmer zu sehen. das ihm der Japaner hier anbietet. mindestens. wechselhaft und voller Widerstände. Es gibt eine Wohnung in Mülheim an der Ruhr. ein Unterhändler mit einem Atomkraftwerk. Warten heißt: sich unterordnen.« – »Jürgen«. Schauen. wo er für zwei Mark ein sterbendes Stahlwerk kaufte. Selten hatte er so viel freie Zeit an einem RWE-Montag. ihn rechtzeitig zu wecken. Als die Maschine in Japan gelandet war. Es wird erwartet. Großmanns Reich. Die anderen Männer der deutschen Atomindustrie wurden kleiner und leiser. in einem Haus in Hamburg. sein Vermögen wird auf 1. einen erwachsenen Sohn. Es war die Story vom Amerikanischen Traum in der bundesdeutschen Republik. der Chef des Energiekonzerns RWE. Es hätte ein harmloses Treffen werden können. Er scherzte.« Waren Sie denn in diesem Jahr schon in Japan? »Nein. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin ist auch dorthin gefahren.« Der RWE-Chef möchte den Japanern ein Atomkraftwerk abkaufen Großmann ist 59 Jahre alt. Großmann ist dort Vorstandschef. das Risiko der Kernspaltung erwähnt Großmann nicht. Sie neiden ihm nicht einmal die Sammlung teurer Oldtimer. Er drohte der Bundesregierung mit Klagen und zog vor Gericht. außerdem Zugriff auf das strategisch wichtige Leitungssystem von RWE. Nach der Bundestagswahl im September 2009 wollte Großmann den neuen Umweltminister Norbert Röttgen von der CDU kennenlernen. aber der Deutsche lässt sich nicht blicken. In Deutschland beschäftigt Großmann eine kleine Schar von Sekretärinnen damit. haben abgesagt. »Was soll ich da?«. dass Japan das Reich des Funktionierens sei. Großmann will seinen Konzern umbauen und sucht finanzstarke Partner. Schon jetzt liefert Gasprom 32 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs. »Da gibt es nichts zu sehen. »Das lohnt sich nicht. dass die Welt ihn weiterhin braucht. Was er nicht sagt. das Geld der anderen. So saß er in der First Class des LufthansaFluges LH 710 nach Tokyo. 14 Fotos: Androniki Christodoulou/Agentur Focus für DIE ZEIT (o. sie reden ihre Aktien schön. Warten bedeutet. seine Termine hin. »Nein. Aber da ist nichts zu sehen. Schon länger hatte er vor. wo RWE Geschäfte macht. dem Chef des Energiekonzerns RWE VON STEFAN WILLEKE J ürgen Großmann könnte an diesem Morgen ein japanisches Atomkraftwerk kaufen. aber er schläft noch. nur Jürgen Großmann behielt seine Stimme. gleich werden die Gespräche mit anderen japanischen Investoren beginnen. dann ist es Jürgen Großmann. Die RWEAktie ist abgestürzt. setzte sich Großmann in den Kleinbus. Menschen etwas zu verkaufen. überwand die Krise. sagt er: »Die wollen nicht ins Risiko gehen.) . Seine Dominanz auf dem deutschen Gasmarkt würde weiter wachsen. dass er das Spiel noch nicht verloren hat. Das änderte sich. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 Berlin-Wahl: Die Kreuzberger Kandidaten der großen Parteien S. so war zu lesen. Es wird halb neun.« – »Jürgen muss auf sich aufpassen«. er hat zwei erwachsene Töchter. die auf ihn neugierig waren. DZ Ins Katastrophengebiet will Großmann nicht fahren – »was soll ich da?« Herr Großmann. ist. groß und Mann. er warnte vor einem Blackout. Mit einem Einstieg bei dem deutschen Stromriesen bekäme der russische Konzern. Die neue Geschichte handelt von einem Grizzly. nicht einmal mehr auf die japanische Rezeption –. Ihm wurde abgesagt. sondern auch E. »Ich habe mich ja um eine Erlaubnis bemüht. aber noch immer auf die Gewalt seiner Stimme. für Großmann ist keine Zeit. um die Folgen des erzwungenen Ausstiegs aus der Atomenergie besser verkraften zu können. und Großmann ärgerte sich. Wegen Fukushima. in der Eile hat er nichts Passenderes gefunden. der in die Manege musste. Danach war er bereit für ein Gespräch. Großmann ist für eine Roadshow nach Japan gereist. begann eine neue Geschichte. Aber der Tag seiner Ankunft in Japan ist leer geblieben. Eine Verbindung zwischen RWE und Gasprom »müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen«. auf der Stirn sammeln sich Schweißperlen. Alexej Miller (Foto unten). es wird Viertel vor neun. sagte Großmann barsch. es zum Menschen zu bringen. ein Zwei-Sterne-Restaurant in Osnabrück. ich bin nicht gut!« Er sagt es mit dieser bedrohlich tiefen Stimme. empfangen werde. nach einer RWE-Präsentation vor japanischen Fondsmanagern Der letzte Saurier Was will ein deutscher Atommanager im Land der Atomkatastrophe? Eine Reise nach Japan mit Jürgen Großmann. Großmann hasst es. nicht auf die Feiglinge in der deutschen Industrie. Als er vor vier Jahren an die Spitze des komplizierten Großunternehmens RWE wechselte. Ende Juni. Er trägt eine graue Anzughose zum blauen Jackett. Jürgen Großmann stemmte sich gegen einen schnellen Atomausstieg. Und Gasprom will mehr als nur Erdgas nach Deutschland liefern. Denn Deutschland hat ihn über Nacht ins Museum gestellt. schiebt sich ein 2. Für Großmann war es ein Signal. weil er es liebt. bloß weil ein paar Idioten am Hotelempfang die Uhr nicht lesen können. aber all das ist nicht mehr entscheidend. eine Wette gegen die Wahrscheinlichkeit. Ein langjähriger Freund in Deutschland hat über ihn gesagt: »Jürgen ist inzwischen der meistgehasste Mensch. vergangenen Freitag in Paris getroffen. »Perspektiven der Kooperation« habe man diskutiert. Vor ein paar Monaten hatte der Asiate mit Großmann einen Termin in Deutschland vereinbart. vertiefte sich nicht in Papiere. das hat der Japaner durchblicken las- sen. Jürgen Großmann liebt Roadshows. ein Hotel in der Schweiz. er wolle sich im Hotel unbedingt noch massieren lassen. eines in London. Sie würden sich vor Fukushima nicht drücken. 20 13 Jürgen Großmann in einem Büroturm in Tokyo. antwortete Großmann. Gäbe es irgendwo auf der Welt einen Grizzly. und um acht ist er mit einem japanischen Geschäftsmann im Restaurant Yamazato zum Frühstück verabredet.« Bei einem Podiumsgespräch in Düsseldorf haben Sie vor Hunderten Zuschauern Ihre anstehende Reise nach Japan erwähnt und behauptet. als er Japan besuchte. Die japanische Regierung wollte Krisengespräche führen. Sogar als langfristiger Großaktionär komme Gasprom in Betracht. Gasprom lockt Von wegen Geheimtreffen! Weil sie weder in Deutschland noch in Russland zusammen gesehen werden wollten. die man immer schon von Weitem hört. das klang nicht unbedingt nach einer überzeugenden Vorstellung. die Verabredung dann aber platzen lassen. von dem Deutschland schon 32 Prozent seines Gases bezieht. »aber keine Erlaubnis bekommen. Mit Risiko ist die große Investition gemeint. Lücken im Kalender zu suchen. Der Minister hatte Großmann vor der Tür warten lassen. Gasprom hat viele Optionen. weit über strittige Gaslieferverträge hinaus. das für Gabel. Er lebt mit seiner Frau Dagmar Sikorski. sagt er. könnte er das Kraftwerk aufstellen lassen. Großmanns Gesicht ist gerötet. Von den Arbeitern wird er bis heute vergöttert. heißt es dazu. dass vieles hier anders läuft. Die Geschichte des Unternehmers Großmann begann 1993 in dem Industriedorf Georgsmarienhütte in der Nähe von Osnabrück. Die Karriere des Jürgen Großmann war eine fantastische Geschichte. dass ein anderer über die eigene Zeit bestimmt. Sie treffen Fondsmanager und Analysten. Großmann konnte nicht begreifen. Aber auch den Starrsinn eines Verblendeten. Jetzt steht der wichtigste Termin der dreitägigen Reise nach Japan an. Sie sehen in seinem Erfolg auch ihren. sich mit dem Japaner zu treffen. dass er sich nicht beeindrucken lässt vom deutschen Atomausstieg. als er gehofft hat. in das Land der Atomkatastrophe führt. er müsse noch schlafen. »Noch drei Fragen«. sondern schaute sich einen alten Western mit James Stewart an. sagt er mürrisch. ließ sich nach Tokyo bringen und erzählte von diesem faszinierenden Land. Noch vor wenigen Wochen hatte er keinen Zweifel daran. die Anlage in Fukushima besichtigen zu dürfen«. 50 Mal war er schon hier.on-Chef Johannes Teyssen. Auf nichts kann er sich noch verlassen – nicht auf die Feiglinge in der deutschen Politik. und er zerlegte in diesem Kleinbus seinen Namen auf Japanisch in zwei Teile. Will Großmann das Kernkraftwerk nicht mehr? Hat er es sich anders überlegt? Endlich.« Man müsste ja nicht nach Fukushima fahren. Um eine weitreichende Verknüpfung der beiden Konzerne sei es gegangen. Der Mann. Röttgen und Großmann sprachen noch miteinander. Im März dieses Jahres ereignete sich im japanischen Kernkraftwerk in Fukushima der schlimmste Atomunfall seit Tschernobyl und versetzte Deutschland in Angst. werden Sie sich von der Lage im Katastrophengebiet ein Bild machen? »Ich habe bei Tepco um eine Erlaubnis gebeten. Er übernahm einen Berg Schulden. aber auch der Freund konnte nichts für ihn tun. die über den Hotelflur donnert. hätten sich RWE-Chef Jürgen Großmann und der Chef des russischen Energiekonzerns Gasprom. Trittin hat mit Menschen gesprochen. er lachte. ruft Jürgen Großmann in die Hotellobby in Tokyo und eilt nach dem Frühstück in sein Zimmer. die das Atomkraftwerk in Fukushima betreibt. Beim nächsten Treffen würde er den Japaner dafür strafen und ihn warten lassen. er schnauft. »Ich bin nicht gut«. Hysterie. Die deutschen Wettbewerbshüter reagierten alarmiert. Fortsetzung auf S. eine Viertelstunde. In Paris wurde er außerdem von den Chefs der französischen Energiegiganten GDF Suez und EDF empfangen. Allerdings ist der Einstieg der Russen in Deutschland – unabhängig von kartellrechtlichen Gründen – längst nicht ausgemacht. die den Südflügel des Hotels Okura in Tokyo mit dem Hauptgebäude verbindet. blieb er freundlich. 18 GESCHICHTE Krieg für die Menschenrechte? Eine Debatte mit Tradition S. das machen Vorstandschefs von Aktiengesellschaften öfter. Bei einer Roadshow geht es darum. Großmann kennt das japanische Wort für Messer. Sie haben es vermasselt.4 Milliarden Euro geschätzt. dass ihn jemand bloß wegen Fukushima versetzt hatte. Er sagte.). Aber auch über diese Geschichte schiebt sich schon wieder eine neue. Investoren. der Liberty Valance erschoss. hat ihm ein anderer Freund gesagt. schuf aus dem Nichts ein Reich aus Fabriken. Er blickte auf die begrünten Schallschutzmauern neben der Autobahn und schwärmte davon. seinen Einfluss in Europa zu verstärken: Miller traf vergangene Woche nicht nur Großmann. Alexander Zemlianichenko/Bloomberg/Getty Images (u. Beim Gehen hält er sich am Treppengeländer fest. das wäre eine Idee. und Jürgen Großmann muss sich hetzen. RWE einen weiteren. »ich kann dir nicht mehr helfen. die einen Musikverlag besitzt und finanziell unabhängig ist. Das ist das Problem. der Firmenchef blieb deshalb in Tokyo. neues Geld zu heben.« Man kann zum Beispiel in die Stadt Iwaki fahren. Ein Atom- manager aus dem Land des Atomausstiegs. Der Japaner weiß: Sollte es in Deutschland noch einen Menschen geben. ein Haus am Tegernsee. dass er sich fügt. es gibt Städte außerhalb der evakuierten Zone. Tepco hält an diesem 28. das war Großmanns Plan. fragte Großmann. dann sähe er aus wie Jürgen Großmann. seit 26 Jahren verheiratet. sagte der Präsident des Bundeskartellamts.

aber Jürgens Firma habe damals nicht genügend Geld gehabt. dass er ihr ein Stück Butter vor die Tür legte. ließ die Fotografin in der Hotellobby stehen. habe ihn seine Frau gefragt. Als der Bus vor dem Haus der Naturfreunde hielt. Er war sich schon sicher. er war kein Frontmann der Kernenergie.« Die Japaner lächeln höflich und wenden sich ihren Tellern zu. dass Großmann im Hotel Adlon in Berlin saß und sich mit der Idee vertraut machte. die ihn auf der RWE-Hauptversammlung als einen bedrängten Mann zeigten. vergaß er nicht. Er rieb sich auf. Er sei kein Feind der erneuerbaren Energien. »Ist das ein wei- Großmanns Welt Jürgen Großmann 1997 im Stahlwerk Georgsmarienhütte. Also habe der Jürgen den Kameramann die unzähligen Stufen des Fabrikschlots hochgetrieben. Großmann spürt die Gefahr. Der Journalist legte sein Diktiergerät auf den Tisch vor Großmann. um nichts Geringeres als die Energie dieses Planeten sei es gegangen. wenn es eine gute Show wäre. Ihre Gefühle behalten sie für sich. dass er das Angebot annahm. das Publikum lacht. eine Solidaritätsadresse für die Kernenergie. überall sei RWE stark. nach Pointen. Man fragt sich in solchen Momenten: Was kann diesen Mann bloß davon abhalten. Er hat seine Kindheit konserviert. ist Großmann nicht mehr zu bremsen. trafen die Fernsehbilder aus Fukushima ein. der zu immer präziseren Fragen ausholt. das ihm gehört. etwas zu tun. Er war 39.) und Karl-Theodor zu Guttenberg 2009 vor dem Kohlekraftwerk Niederaußem in NRW Großmann und DaimlerChef Dieter Zetsche 2009 an einer RWEStromladestation für Elektro-Smarts in Berlin Kanzlerin Angela Merkel und Jürgen Großmann 2010 zu Besuch im RWE-Atomkraftwerk Emsland in Lingen kl. Großmann hält das nicht aus. nein. Zetsche und der Maler Lüpertz »Ich habe es über Tepco probiert«. die deutsche Atomkraft zu verteidigen. So erzählte er das Ende April in seinem Lieblingsrestaurant am Elbufer in Hamburg. zum Beispiel den November 2010. »ich wollte Fukushima besuchen. »haben Sie die Regierung gefragt?« Zur Silberhochzeit kamen Schröder. und Großmann beruhigte sich. Der Jürgen würde mit einem Fallschirm über dem Kühlbecken von Fukushima abspringen. Eine herrliche Anekdote. in Osnabrück ein Arbeiterheld. Der Bundestag beschloss. der Chef der Sparte Kraftwerke im Konzern. wenn sie in Tokyo zu tun haben. sagte der Chauffeur. auch der Fußballmanager Oliver Bierhoff. Hinterher sagt er: »Big brush. ist dort plötzlich verschwunden und Stunden später mit einem frisch geschossenen Rehbock zurückgekehrt. als aussterbende Gattung. Wollte seine Mutter die Anziehungskraft ihres Sohnes Jürgen erklären. als Jürgen Großmann den Turm der Deutschen Bank betritt. Es ist schon ein Erfolg. auf dem Weg zu Geschäftsterminen. als er 750 000 Mark im Jahr verdiente und einen Mercedes fuhr.« Er würde den Satz später wiederholen. die Tschechische Republik. enormen finanziellen Schäden. fragte der Journalist auf Englisch. die Wunde des Vaters zu schließen. Auf einem der Bilder stand die Kanzlerin klein und zerbrechlich vor dem gewaltigen Großmann.5 Gramm. die Slowakei. den CDU-Abgeordneten Michael Fuchs. wollte die Mutter dadurch erobern. keine Fotos von mir in Japan. Großmann hörte sich den Bericht an. Es ist ein Geräusch. Jürgen Großmann war plötzlich das. die Entenbrust ist sein Konkurrent. Etage. erzählt einer der Manager. Er verstand die Welt nicht mehr. JFE Steel Corporation. Oktober 2010 sah es so aus. einem zierlichen Gartenrotschwanz.« Jürgen Großmann saß in einem Sessellift im Skigebiet von Arosa. Er brauchte das Gehalt nicht. Der Fahrstuhl bringt ihn in die 27. Der Jürgen hat sich am Morgen eines Konzerntreffens im holländischen Noordwijk nackt ins Meer gestürzt. Das ist jedenfalls Großmanns Version der Dinge. Am Abend ist Großmann mit japanischen Freunden in einem Restaurant verabredet. wir akzeptieren das nicht. Am Abend.« Es wurde dann tatsächlich ein Großmann-Event. Chef der Deutschen Bank. Es blieben ohnehin nur noch wenige Tage. erfuhr die Kanzlerin auf Umwegen davon. Großmann nickte und schüttelte ihm die Hand. in Richtung Fukushima. habe einen Film über die Fabrik drehen wollen. eine Ego-Show«. Brüderle sah blass aus. der in der Bundestagsfraktion Stimmung gegen den atomkritischen Umweltminister Röttgen machte. aber ich habe keine Erlaubnis bekommen. Es ist gut. Vor vielen Jahren. »Über die Regierung müsste es klappen«. Sie lächelte. dann wäre das nicht Frau Merkel. Fuchs sprach auch mit der Kanzlerin. Aber Großmann war guter Dinge. die Show gehört jetzt ihm. die über den Himmel herrschte. Als die Fotografin ihm das erste Mal in Tokyo begegnete und ihn auf eine Fahrt nach Norden ansprach. Er ist jetzt froh. »Wenn ich auf eine einsame Insel nur eine Frau mitnehmen dürfte. Jürgen Großmann selbst nahm sein altes. Was er einmal gelernt hatte. dass er als Sieger hervorgehen würde aus dieser Preisverleihung. sich in der Nähe des Unglücksortes Fukushima umzusehen? Fürchtet er die nukleare Strahlung? »Angst ist nie mein Thema gewesen«. So reden seine Bewunderer über ihn. einer von ihnen ist inzwischen Aufsichtsrat des staatlichen Fernsehsenders NHK. die Laufzeiten für die 17 deutschen Kernkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre zu verlängern. »Mit anderen Worten«. dass der Natur zu viel zugetraut wurde? Wenn im Winter der Energieverbrauch steigt. März die Nachricht aus Fukushima erreichte. nach einem Tagesausklang wie ein Feuerwerk. Frank Augstein/AP/ddp. dem Chef des russischen Imperiums Gasprom. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 DOSSIER Der RWE-Chef in Tokyo. sagte er. als ihn am 11. Großmann hatte sein Herz vergeblich riskiert. Sogar sein Handy musste er abgeben. Großmann erzählt von seiner Geburt am 4. findet er Gefallen an der Kulisse. Drei Monate ist es jetzt her. um sich einen Helikopter zu leihen. Man hört die Geräusche des Restaurants erst wieder. und die Runde johlt vor Entzücken. jedes einzelne. Aber daraus. was wohl kein anderer Chef einer Aktiengesellschaft wagen würde. »bloß nicht provozieren. Jetzt hat er das Stahlwerk und 48 weitere Firmen. als habe Großmann gewonnen. manchmal drei Jungen stabilisieren. fragte er. als er in einem Restaurant sitzt. habe ihn ein Redakteur der Bild-Zeitung angerufen und ihm berichtet: »Ich habe es Merkel gesagt.14 14. mindestens. Nach dem Essen fuhr ihn ein Chauffeur zum Gebäude der Firma. er war unabhängig. vielleicht. Er genießt ihre Aufmerksamkeit. als wolle er seine eigene Laufzeit verlängern. Er war der Beste in seiner Klasse auf dem Gymnasium. Bevor der Appell als ganzseitige Zeitungsanzeige veröffentlicht wurde. dass er ihr die Bilder abkaufen werde. Er bat seinen Chauffeur. Nippon Steel. und wenn er nachts wach wird. wie er in den Sommerferien des vergangenen Jahres täglich zwölf Stunden lang telefonierte. 120. Der Tag hat sich in ihn verliebt. Ein Bekannter riet ihm. Jürgen Großmann umgarnte Merkel und kämpfte gegen Röttgen. daneben einen Artikel aus dem britischen Magazin Economist. Großmann steht da wie ein Denkmal. Was. Aber dann. Nicht über die Regierung. Ein ganzes Land ringt um kleinliche Kompromisse. und er strengte sich dafür nicht an. Seine Frau Dagmar versorgte ihn mit Nachrichten aus dem iPad. Otto Schily. Plötzlich kündigte Großmann im Vorstand. um den deutschen Konzernchef zu interviewen. Vom Auto aus rief er seine 22-jährige Tochter Anne an. Der Jürgen hat für ein Fest auf Sardinien ein ganzes Hotel gemietet. indem er sie gekauft hat. dann sprach er von seinem Abiturjahrgang. dass das Leben auf seiner Seite sei. nur hundert Kilo schwerer!« Anschließend verspricht er der Fotografin. Das sei. zu einem Geschäftsessen mit japanischen Fondsmanagern. wenn keiner der übernächtigten Fondsmanager beim Essen einschläft. habe seine Frau ihn damals. Als sie ihn dann bittet. Gegen eins in einer Nacht Ende Juli vergangenen Jahres. dass kein Tag sein Leben so sehr verändert habe wie dieser 11. als sein Lachen abgeklungen ist. so genau kann sich Großmann an den Anruf nicht erinnern. später übernommen. Jürgen Großmann sitzt da und lacht.« Dicker Pinsel. sagte Großmann. sagte Großmann damals beim Essen in Hamburg. Ralph Orlowski/Getty Images. Großmann studierte Eisenhüttenkunde in Clausthal-Zellerfeld. Politik war eine Verabredung zwischen mächtigen Männern. sagt Großmann. hat niemand eine Schlagzeile gebaut. Als der Jürgen in der Schweiz seine Silberhochzeit feierte. und . März. das waren für ihn die Deals. Ein stattliches Haus. sagt Großmann. neue Fragen!« Er schaut in die stille Runde. alle sind erschienen. Die Zuhörer blicken von den Salattellern auf. »Man gerät ins Nachdenken«. Schon als Kind bewunderte Jürgen Großmann die Macht einer Turbine.) brecht von BASF und Gerhard Cromme von ThyssenKrupp. Er ließ sich in dieser Lage sogar von einem Journalisten aus der Nähe beobachten. so erinnert sich Großmann daran. schon als Junge sein Ziel gewesen. Gerd Jäger war in der Leitung. Der Jürgen hat seine Vorstandskollegen bei RWE zu einer Sitzung in seine Jagdhütte bei Kevelaer eingeladen. er war besorgt. schrieb seine Diplomarbeit in Rio de Janeiro. dann sagte sie: »Wenn mein Sohn Arnd in ein Flugzeug nach Australien steigt. er lenkt von Deutschland ab. »ist interessant. 160 Meter hoch. das ist die Faustformel der Branche. schwer wie ein Stein. Großmann steckte in der Defensive. Großmann verlangt nach weiteren Geschichten. habe er geantwortet. wenn man feststellen sollte.« Er mag sie. gefragt. Erfolgreiche Politik. Großmann lobt ihn wie einen Musterschüler. Am Abend zuvor hatte er im Innovationsrat der Kanzlerin gesessen. Die Politik der Energiewende ist davon weit entfernt. Während sich die anderen Chefs der Energiewirtschaft duckten. Man muss ihn nicht fragen. abgegriffenes Nokia-Handy. er muss jetzt die Blicke fangen. Das Foto wurde zum Symbol für die Übermacht der Wirtschaft. hört er das Wummern des Elektroofens. Den Tag der Butter feierte die Familie später jedes Jahr mit einem Essen in einem Restaurant. sagte Großmann. der als Soldat aus dem Krieg heimkehrte. Ein Stimmenwirrwarr. irgendetwas musste ihn bewegen. 62. sagt er. zu entkommen?«. erleuchtet von den Öfen der Stahlindustrie. beim Handstand mussten ihn zwei. Schily. Er war als Vorstandschef mit 99 Prozent der Stimmen bestätigt worden. später Betriebswirtschaft in Indiana. sagte er. Bei ihm ging es immer um Energie.n. Steffi Loos/dapd. Es schien. Markus Hansen/action press. Er berichtet so detailgenau. »Nein«. »Ist es deine Ego-Show?« »Ja. Jeden Tag kommen Firmenbosse und erzählen ihnen Geschichten. Damals musste er ins Krankenhaus. »Die Atomgegner«. die er mit dem damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder in Niedersachsen verhandelte. Großmann schätzt das Vermögen. vor vier Jahren. »Die Apokalypse hat nicht stattgefunden«.l. als könne er sich an alles erinnern. die einander Rotwein nachgossen. gleich hat er die Entenbrust bezwungen. vielleicht auch zwölf. »Die politische Situation«. Manchmal fährt er zu seiner Georgsmarienhütte. Großmann telefonierte mit seinen Freunden aus Politik und Wirtschaft. der in einer Bochumer Fabrik als Wirtschaftsprüfer arbeitete. Fuhr der kleine Jürgen mit seiner Mama zum Bahnhof in Mülheim. den Urlaub abzubrechen. Großmann dachte sich einen energiepolitischen Appell aus. zu der lauter Gäste eingeladen waren.« Das waren seltsam düstere Gedanken für einen Mann. Am 28. das durch kein Schild den Chef verrät. die über sein Stahlreich wacht. Später schaute er sie prüfend von der Seite an. antwortete Großmann. seine Freunde aus der Industrie waren verstummt. Es ging um viel Geld. »Höher«. Er sagte damals: »Es gibt noch keine Toten durch Fukushima. Er war unglücklich über die Bilder in den Zeitungen. um gegenüber Politikern seine Interessen durchzusetzen. Niemand hört auf Jürgen Großmann. der an den Widerständen in seiner Firma zerbrochen war und es nie an die Spitze schaffte. wirft er sich in Pose. ganz anders als in einer Kraftwerkszentrale. sagte er. Daimler-Chef Dieter Zetsche. Am Ende unterzeichneten viele seiner treuen Weggefährten das Papier. wenn die Wende nicht so schnell klappt? Will man die deutsche Industrie ins Ausland treiben? Was. fragte der Journalist. die lauter fauchen konnte als er selbst. es kamen der frühere Innenminister Otto Schily. übernachtet in einer Wohnung auf dem Gelände der Fabrik. das Hollywood-Schauspieler besuchen. März 1952 zwischen acht und neun Uhr in Mülheim an der Ruhr. die Überschrift lautete: No one listens to Jürgen Grossmann. dann lernt er bis zur Landung nicht einmal seinen Sitznachbarn kennen.« Der Jürgen. der ehemalige Bundeskanzler. alles ist jetzt anders. der Georgsmarienhütte. Sie sind verwöhnt. sagt er in die Runde und versucht es mit einem Scherz. Sie könnten einen Teil dieses Geldes in RWE investieren. erwiderte der Journalist lächelnd.r. Jürgen Großmann wollte Chef eines Stahlwerks werden. Von den Schäden in Japan sagte er nichts. großes Bild. dass er gleich einen Schmähpreis kriegen würde. an. das ist es. »15 Prozent sind schon tot. stieg der Jürgen auf einen Fabrikschlot in Japan. Doll. der Beste in seiner Jahrgangsstufe. ein unabsehbarer Prozess. womit niemand rechnete: den Dino-Preis persönlich entgegenzunehmen. »Werden Sie in Japan Minister treffen?«. den plötzlich unter Beschuss geratenen Freund der Kernenergie. Er hatte sich vorgenommen. Ein abgeschriebenes Atomkraftwerk wirft jeden Tag rund eine Million Euro ab. zum Beispiel um ein Stahlwerk zu retten.« Er nennt die Türkei. Wenn Jürgen sich in eine Straßenbahn setzt. Großmanns Vater. »Hier ist Paps«. er ruft: »Weitere Fragen. Und an einem Bergsee wurde Champagner serviert. der sich mit Bodyguards vor Atomgegnern schützen musste. Großmann hat die Gießerei in Mülheim. Er strahlte die Zuversicht aus. Wann immer die Fotografin die Kamera auf ihn richtet. und er fragt nebenher nach dem Einfluss des Tsunamis auf das japanische Nationaleinkommen. Die meisten von ihnen verbergen ihr Leben hinter Zahlen und Tabellen. Fotos: Walter Schmidt/Novum. Er rief seinen Freund. 18 von 21 Abiturienten lebten noch. »Akzeptieren Sie diesen Atomausstieg der deutschen Regierung?«. Er fragte den Anrufer: Was genau ist in Japan geschehen? Und was heißt das für die deutsche Diskussion? Später fuhr er zurück in das Arosa Kulm Hotel. Als Dinosaurier der Atomindustrie sollte Großmann dastehen. weil er sein Glück in einer dreckigen Hütte finden wollte. wurde er unhöflich und sagte: »Nein. hat er bis zum Hauptbahnhof 50 neue Freunde. »Ich war nicht erfolgreich«. auch den früheren Betrieb des Vaters. das für seine erstklassigen Rindersteaks bekannt ist. das ihn beruhigt. entgegnete der Journalist und bedankte sich. der sich aufgemacht hatte. was die Medien suchten: ein Unbelehrbarer. dass eine seiner beiden Herzkammern nicht mehr mitmachte. terer Versuch. Er stellte sich neben das Plakat mit dem Vogel des Jahres. Manager aus der Stahlindustrie haben sich um einen Tisch versammelt. was die deutsche Atompolitik zu bedeuten habe. Er hatte schon Schlimmeres überstanden. Es war halb zwölf. Er fing im Stahlkonzern Klöckner an. Er hat sich in den Mittelpunkt geschraubt. AFP/Getty Images (v. Energiewert: 463 Kilokalorien. dass man nicht weiß. die in Berlin studiert.« »Das kann ich nicht glauben«. viereinhalb Monate später. der Künstler Markus Lüpertz. bis ganz nach oben. weil sie nicht mehr mit seinem Leben verschmolz. die ihm am Strand hinterherliefen wie einem Sektenführer. Großmann in einem Kleintransporter. Als Vorspeise wird Entenbrustsalat gereicht. erzählt der japanische Manager. Morgen ruft sie dich an. den sogenannten Dino des Naturschutzbundes. Er wird gefragt. Großmann muss sich jetzt gegen den Salat durchsetzen. Robert Schlesinger/lbn/dpa. das er für zwei Mark aufkaufte und sanierte Mit Kanzler Gerhard Schröder 2005 bei der Büroeröffnung der Georgsmarienhütte Holding in Hamburg Mit Jürgen Rüttgers (M.« Ein schwülwarmer Tag in Tokyo ist angebrochen. USA. Sie war dagegen. richtete er sich auf und sprach darüber. die ihn verachten. er sagt zu ihr: »I like you. auch damit rechnete keiner. Der Ausstieg aus der Atomenergie überzeugte ihn nicht. Alle. Rechts: Bei einem Mittagessen macht Jürgen Großmann japanischen Analysten die RWE-Aktie schmackhaft Fortsetzung von S. Das Thema Fukushima wurde freundlich verabschiedet. wen er für den Burschen mit dem dicksten Pinsel hält. Nur im Sportunterricht tat er sich schwer. aber davon spürte er zunächst nichts. aber er verschanzte sich nicht. und Großmann antwortete: »Nein.« Großmann ließ sich mit Merkel auf einer sogenannten Energiereise der Kanzlerin im Kernkraftwerk Emsland in Lingen fotografieren. 13 Am späten Nachmittag tauchte ein japanischer Zeitungsjournalist in der Hotellobby auf. Und Großmann hebt an zu einem Rundflug über seine Welt. Der Kampf um die Verlängerung der Laufzeiten für Deutschlands Atomkraftwerke hatte ihm so zugesetzt. dass in Deutschland das Licht ausgeht? Großmann stellte diese Fragen öffentlich. auf 100 Milliarden Euro. die RWE entstanden seien. »200 Meter. der letzte Meiler sollte erst im Jahr 2040 vom Netz gehen. und Großmann muss jetzt Deutschland sein. unter Umständen. sah er den FDP-Politiker Rainer Brüderle telefonieren. sich vor die Fensterfront hoch über Tokyo zu stellen. das wird er noch öfter in Japan sagen. um den Vater abzuholen. ihn in dem unauffälligen VW-Bus mit den getönten Scheiben zu den Naturschützern zu bringen. dessen Vater im RWE-Vorstand war. Er umschwärmt einen jungen Manager. doch warum diese Hetze. fand Großmann. wann die Mitte des Lebens überschritten wurde.« Er drehte sich weg. die wie Funken stieben. So geht er mit Frauen um. aber der Wind ausbleibt? Will man dann Atomstrom aus Frankreich kaufen? Oder riskieren. Später würde er einmal sagen. Politiker aller Parteien reden mit. kam auch sein Freund Gerhard Schröder. big picture. erwidert Großmann. »willst du kommen?« Sie hatte keine Zeit. was in ihm arbeitete. Mit Alexej Miller. Josef Ackermann. »Warum willst du zu RWE?«. das diese Menschen zu verteilen haben. dass die Fotografin da ist. Großmann sprach im Restaurant plötzlich sehr offen. sagte er staunend: »Da steht sogar einer von der Security.« Großmann lacht. »Ihre Fragen sind besser als meine Antworten. blickte er fasziniert in den glutroten Horizont. und Großmann ruft lachend durchs Lokal: »Ich bin Brad Pitt. und telefonierte sechs Stunden lang.« Er sprach von Schäden. wurde der Jüngste im Vorstand. aber Großmann sah das nicht ein. Die anderen Gäste schauen neugierig auf. zusammen mit leitenden Angestellten. Industriebosse wie Jürgen Ham- In Georgsmarienhütte ist Großmann ein Arbeiterheld Er versuchte. Selbst die Industriebosse von der Ruhr begrüßten plötzlich die Energiewende Die Fotografin der ZEIT darf ihn danach vor der Skyline der Stadt ablichten. und als er vor die Tür trat. Seine Frau Dagmar erlebte. habe er neulich telefoniert.

Dann kam der 11. Danach wollte die Krebskranke unbedingt noch weiterreisen. um über letzte Dinge zu sprechen. Wie erschlagen liegt er da. der keine Silbe seiner Laudatio verpassen will. Ein Ort voll schöner Erinnerungen. Der Moderator bestand darauf. Das eine ist die Spendenbox für die Opfer des Unglücks.« Als sein Gegner dann prophezeite. Der Atomausstieg bringt Großmann in eine schwer überschaubare Lage. Jetzt haben sich die Überraschungen gegen ihn gewendet. das ins Meer fließen könnte. Sie haben sich verkrochen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 15 Großmann im Speiseraum des Hotels Okura. Noch versuchte er. Er weiß das alles. Jürgen Großmann. dass doch endlich das geplante Streitgespräch mit den Naturschützern beginnen müsse. Wer Großmanns Nachfolger werden soll. um Seidenstoffe zu kaufen. Jürgen Großmann hat sich vor wenigen Monaten mit einem alten Freund getroffen. sechs Zentimeter kleiner. aber Großmann lobte die Robustheit der Dinosaurier. aber man wird diesen Menschen ganz sicher mit Großmann vergleichen. du machst alles richtig«. ob sie ihn heiraten wolle. Vielleicht wissen sie. Der ist doch jetzt Filialleiter bei Rewe. Einmal.DOSSIER 14. den Großmann einschlug. Vor der Tür dieser Bar fragte er seine Dagmar vor einer Ewigkeit. März. wegen der gerichtlichen Klagen mit den Energiebossen zu reden. um über die Energiewende zu beraten. elegant gekleidete Geschäftsleute. was schiefging. »Ich bin doch Vergangenheit. »Jürgen. sein Bruder zu sein. erzählte Arnd Großmann. Großmann sucht nach neuen Geldquellen. dann könnte ein anderes Unternehmen den zweitgrößten deutschen Stromkonzern schlucken. er regt sich zu sehr auf. sagt Arnd Großmann. meinen seine Gegner im Konzern. nimmt einen Schluck und redet von Millionenbeträgen. Das ist nichts für dich. Ihr Sohn Arnd flog zu ihr und setzte sich an ihr Bett. Es sollte nach einem privaten Besuch aussehen. Sie fürchten. er wolle die Menschen mit seinem Geld zuscheißen. saß Großmann so vergnügt daneben wie einer. wo er seit vielen Jahren absteigt. dass er kein Mikrofon brauche. Großmanns natürliche Verbündete. Niemand wollte an seiner Seite gesehen werden. Es fehlt nicht viel. erfüllte Jürgen Großmann ihr noch einen Lebenstraum und bezahlte ihr eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Sankt Petersburg nach Peking. nicht als Sinnbild. äußerlich ähneln sie einander. rund eine Milliarde Euro. Als es mit der Mutter zu Ende ging. Er setzt noch einmal an. und sein Wecker klingelte nicht. der Landrat Frithjof Kühn aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Das andere sind die Öffnungszeiten der Hotelrestaurants. Er holte den früheren Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt zu RWE und räumte ihm ein Budget für erneuerbare Energien ein. Aber das blieben Experimente. er fährt zu hemmungslos Ski. traf Pofalla sich mit Großmann in dessen Hamburger Haus. In den Wochen danach wurde es einsam um Jürgen Großmann. Er sieht. während des RWE-Sommerfests in einem Restaurant gegenüber dem Kanzleramt. Der Freund soll einmal Großmanns Testament vollstrecken. Warum auch? Großmann kannte ja die Zahlen. er hat geschlafen. den ihm Umweltschützer verliehen Explosion in Block 3 des japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 am 14. RWE werde von der Erde verschwinden wie einst die Echsen.14) . und als sie ihrem Minister Ronald Pofalla den Auftrag gab. auch über ihn. Das war die Zeit. die Oldtimer-Rallyes. dass jetzt keiner dieser Leute öffentlich über ihn reden will. Arnd ist vier Jahre jünger. Der Weg. Die Zeitung bringt auch Fotos von Japanern. März 2011 Fotos: Androniki Christodoulou/Agentur Focus für DIE ZEIT (auch S. Geld bedeute Jürgen nichts. begrüßten mit einem Mal die Energiewende. Er isst zu viel. habe ein Patient zu ihm gesagt: »Ihren Bruder habe ich im Fernsehen gesehen. von Tausenden Tonnen hochradioaktiven Wassers. Der Aufsichtsrat des Konzerns wird am 8. Während seiner ersten Pressekonferenz als RWEChef zwängte sich Großmann in ein Elektromobil. Aber niemand von ihnen traut sich. Selbst die Chefs der Schwerindustrie an der Ruhr. August zu einer Sondersitzung zusammenkommen. vielleicht steigt der russische Energiekonzern Gasprom bei RWE ein. So war der Springer-Verlag früher mit der DDR umgegangen. Sein Bruder Jürgen. Ich weiß nicht. Er ist eingeschlafen. Wenige Tage vor Jürgen Großmanns Reise nach Japan saß Arnd Großmann im Hobbykeller seines Einfamilienhauses in Oer-Erkenschwick und sagte: »Ich bin stolz. Die Frage kam damals für beide überraschend. er will noch etwas sagen. Eine Atomruine droht auch sein Leben zu verstrahlen. Weil das Land jetzt Strom spart.« Seitdem sagt auch Arnd Großmann Rewe statt RWE. der Fachmann für Kraftwerke bei RWE. Im kommenden Jahr läuft er aus. und rechnete hinterher aus. Aber es wäre falsch. Großmann hat den grünen Energien nicht getraut. Wenn doch nur diese verfluchte Schutzmauer in Fukushima ein bisschen höher gewesen wäre. Er ist Arzt in Recklinghausen. seinen Vertrag als RWE-Chef zu verlängern.« Großmann lässt sich vom Kellner ein Glas Whiskey bringen. zu der ihn sein Bruder vor vier Jahren eingeladen hatte. er lacht zu laut. presst sie unter seine Augen und baut mit den Fäusten einen Damm gegen die Tränen. Das macht den Laden sympathischer. Sie brachten ihm trotzdem eines. Als sein Bruder Jürgen anrief. was Sie von mir wollen. die er seinem Land geschenkt habe. er geht zu spät ins Bett. Es geht viel durcheinander in diesem Moment. sagte Arnd zu ihm: »Komm nicht hierher. fragt er. Er ist in diesen Zeiten das falsche Gesicht. Keiner der Leute. sein Rückzugsgebiet in dieser Stadt. Gerd Jäger. bis zur nächsten Attacke. Er mache die Menschen in seiner Umgebung gleich. Arnd Großmann war mit auf einer gigantischen Segelregatta über den Atlantik. In einem Krankenhaus in Hongkong lag sie schließlich im Sterben. Es gibt während der Reise nur zwei Dinge. wenn man über ihn redet – und nicht mit ihm. Er hatte stets die befreienden Augenblicke gesucht. einen Smart. Menschen aus dem Aufsichtsrat von RWE: die Mülheimer Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. die Abende der explodierenden Fröhlichkeit. seine Ärzte und seine Freunde haben ihn oft gewarnt. aber es kommt nichts mehr heraus. die hinter seinem Rücken flüstern. Aber wer in Deutschland will das wissen? Großmann lässt sich in einen Sessel sinken. Das Interessante ist. Die Kanzlerin zeigte sich mit anderen. als Heckenschützen auf Großmann feuerten. es Großmann in Berlin mit dem Schmähpreis »Dinosaurier des Jahres 2010«. Fukushima beginnt mit Reihenuntersuchungen der Bevölkerung. »Was wollen Sie eigentlich von mir?«. die bombastischen Feiern. Sogar der Rohstoff Uran kostet fast nichts. er arbeitet zu viel. das Tuscheln wird weitergehen. bevor sein Bruder nach Japan aufbrach. er sieht erschöpft aus. die Jürgen Großmann von der japanischen Katastrophe mitbekommt. die im Hotel in Tokyo jeden Morgen in einen Spalt neben den Zimmertüren geklemmt wird. Großmann dachte viel nach. Dann fängt er an zu weinen und sagt: »Ich bekomme Morddrohungen. Aber Jürgen Großmann interessiert das nicht.« Sterbende sind kein schöner Anblick. die auf dem Tresen an der Hotelrezeption wartet. wird ihn noch auf Knien darum bitten. hat es im Fettdruck in ein internes Papier geschrieben: »Der Unfall von Fukushima wurde nicht durch ein Restrisiko verursacht!« Der Wall gegen Tsunamis war neun Meter zu niedrig. indem er die Rechnung übernehme. die in Tokyo gegen Atomkraft demonstrieren. RWE-Chef zu bleiben Fukushima starts health checks. Keiner wird ihn auf Knien bitten. steht auf der Titelseite der Zeitung The Japan Times. dass jede Minute der zweiwöchigen Tour 20 Euro gekostet hatte. den Saurier als faszinierendes Lebewesen zu betrachten. Sein Bruder Jürgen rechnet schon lange nicht mehr. in dem auch einige Hollywood-Schauspieler zu den Stammgästen zählen sagte. Von einer unübersichtlichen Lage im Atomkraftwerk ist die Rede. Mit einem Mal wurde alles. wäre kein guter Arzt geworden. ihm offen zu sagen. »Jürgen hat gerne eine heile Welt«. »165 Millionen Jahre haben sie die Welt regiert. dass sein Leben irgendwann mit einem Knall enden wird. An einem Abend in Tokyo setzt sich Großmann in die Hotelbar Highlander. was er sehen will: gesunde. die eigentlich der Regierung gelten. und man wird sagen: Was für ein blasser Typ – gemessen an Jürgen. Unheil hält Jürgen Großmann schwer aus. Er läuft durch die Stadt wie durch einen Tunnel. sagte Arnd Großmann noch. schimmerte am Anfang noch grün. er hat sie selbst geschaffen.« Er ballt die Hände. sprach der Redner Großmann von der Energiewende als »sogenannter Energiewende«. Die Aktien von RWE verlieren seit Jahren dramatisch an Wert. Großmann wird sich in Deutschland von enttäuschten Arbeitern in abgeschalteten Atomkraftwerken Vorwürfe anhören müssen. auf Großmann geschoben. Jürgen könne kein Blut sehen. Er wird seine Biografie aus den Trümmern von Fukushima retten müssen. erzählen sie ihm ständig. werden die elektrischen Geräte und das Licht später eingeschaltet. Nichts bringt mehr Geld ein als ein altes Kernkraftwerk. Jürgen zu unterstellen. ist noch nicht bekannt. und Großmanns Gleichung ging nicht mehr auf. und in einem Restaurant. erzählte Arnd Großmann.« Die beiden verstehen sich. Anfang Juni. dass es Großmann besonders wehtut.

Die Chronik eines angekündigten Sieges schien schon geschrieben. Solche Überlegungen werden jedoch als chauvihafte Belehrungen abgetan. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 17 Nur der Sieg zählt Welche Rolle spielt die WM in den Ländern der besten vier? Japan schlägt Deutschland – das war die Schlagzeile in den Sportzeitungen. was am Ende vor allem übrig bleiben sollte von dieser WM – dass der Fußball eben vor allem eins ist: unberechenbar. anfangs ist alles schön. Und man könnte Regeländerungen erwägen. oder den Schützinnen fehlte es schlicht an Kraft. Das ist umso bemerkenswerter. Ein Taktik-Fazit VON OLIVER FRITSCH nicht im glänzenden Fifa-Presseheft stehen. die das Album vollgekriegt haben. dass doch eine Freundschaft aus dem Sommerflirt geworden ist. denn die Abwehr des Gegners ist noch nicht formiert. Heldinnen sollten geboren. Zwar sind Frauen nicht so athletisch wie Männer. sie werden immer langsamer laufen und lockerer schießen. ein irres Tor! Der Ausgleich für die USA. DER 12. zu den Verlierern dieser WM. auch das gehört zum Fußball. Wie geht es weiter mit dem Frauenfußball? Sein Topniveau ist noch lange nicht erreicht. die sagten. Die besten Spielerinnen im Turnier waren die. Tempo und Leidenschaft. ihrer Ballbehandlung und ihrem Mut. wusste die Abwehr nicht. Der Fußball liebt diese Mythen. Plötzlich kennen einige Amerikaner den Namen ihrer Torhüterin. Aber keine Illusionen: Die Tour de France bleibt dieser Tage das Sportereignis Nummer eins. aber auch dort wurde groß berichtet. um Frauen zuzuschauen. zumal sie mit Vornamen Hope. Gut ist. Ein letztes Aufbäumen aus der Verzweiflung. die auf dem Platz entstehen. Natürlich wäre es schön gewesen. wo bei großen Turnieren ganze Baseballstadien zum Gucken gemietet werden. In der Tagespresse las man die Nachricht nicht auf der ersten Seite. ob die Qualität des Spiels wirklich am männlichen zu messen sei. lieber Giuseppe Panini. Eine Lira Bajramaj hätte das Zeug dazu gehabt. stählerne Nerven und der Wille zum Sieg. etwa bei der Spieleröffnung aus der Abwehr. er wird seine gute Entwicklung wegen zunehmender Konkurrenz fortsetzen. dass ausgerechnet Birgit Prinz. Es könnte ja sein. müsste man ihn von zwei Tabus befreien. Manchmal stürzt der Favorit eben. Man sollte ihn vom Männerfußball abgrenzen und ihm zu einer Identität verhelfen. AG Fotos: Clemens Bilan/dapd (o. MS . Die deutschen Spielerinnen hatten außerhalb des Spielfelds ja jede Menge Gegner vom Platz gefegt: Die Skeptiker. Dann würden die Amerikaner Fußball lieben. Mängel bei der Ballannahme und -mitnahme. Viele Kommentatoren wünschen sich Sundhage als nächste Nationaltrainerin. Frauenfußball bei einer WM läuft in Japan unter Familienunterhaltung. Die traditionellen Länder hingegen sind für den derzeitigen Stillstand verantwortlich. Das Umschalten haben fast alle Mannschaften vermissen lassen. die mit einem Stichwort vor dem inneren Auge jedes Fans ablaufen. in der Nachspielzeit der Verlängerung. und das auch nur in Ansätzen. schauen. widmet dem Turnier täglich vier bis fünf Seiten. Die Stadien waren gut besucht. den die US-Torhüterin Hope Solo hielt und den die Schiedsrichterin wiederholen ließ und den Marta dann reinmachte! Überhaupt: Marta. Ein Spiel. Deshalb richtete sich ja auch die Aufmerksamkeit so sehr auf Birgit Prinz. es gibt auch public viewing. wie es die Fußballfibel vorsieht. Was den FC Barcelona. Spielzüge sieht man selten. Häufige Fehlpässe. So viel mehr war von deutscher Seite versprochen worden. vor allem beim Versuch. was seine Vorgeschichte ist und was es bedeutet. An so einen Sommerflirt erinnert man sich mit gemischten Gefühlen. im Damentennis gibt es auch einen Gewinnsatz weniger. Die vermeintlichen Gegner des Frauenfußballs betonten. direkt zu spielen. Umfragen zufolge erfreut sich Frauenfußball in den USA wachsender Beliebtheit. nicht nur weil sie frühzeitig ausschied. Während der WM werden zumindest die japanischen Spiele im Fernsehen übertragen. Diese zwei Formen des Reagierens auf Ballverlust und Balleroberung sind Chiffren des modernen Fußballs. Die Erfolge der Frauen sind Balsam für die Fußballseele der Franzosen. mit ihrer Bewegungsvielfalt. Die Verteidiger. weil vor der WM niemand hinschaute. die Bogenspannung des Körpers. das staatliche Fernsehen erzielte mit dem Viertelfinale gegen Australien einen Marktanteil von 80 Prozent. für die der Männerfußball Maß aller Dinge ist. A A Manchmal stürzt der Favorit eben. stolpert sich Le Figaro durch die eigene Begeisterung. kurze Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld sowie zwischen Mittelfeld und Sturm. Aber als sich die »Bleues« gegen England für das Halbfinale qualifizierten. das die Schwedin Pia Sundhage trainiert. wird ebenfalls als nationaler Erfolg verbucht. Es war kein gutes Spiel. Räume verengen. deren Name für so viele Erfolge steht. von ihrem überstrengen Kollektivkonzept abzuweichen. werden wir 2013 sehen. was am Ende zählt. Geschichten. Aber sie sind nicht im kollektiven Fußballgedächtnis verankert. Nicht allein das Ergebnis. selbst wenn Frauen sie äußern. und der Halbfinaleinzug des US-Teams. Zum ersten Mal gab es Ihr Album zu einer Frauen-WM. Nicht mal Frank Plasberg schaffte es. das den Fußball im Herzen verankert. dass die Teams aus der zweiten Reihe aufgeholt haben. auch ein bisschen aufregend. Die Klischees waren besiegt. nach einer Stunde in Unterzahl! Und wie Hope Solo dann noch einen Elfer hielt! Es war das ganz große Drama. Viele Schüsse litten an Streubreite. Situationen. Einen Tag nach dem Ausscheiden der Deutschen spielte Brasilien gegen die USA. die mit ihrem Traumpass die deutsche Abwehr aushebelte. Aber dann liefen Samstagnacht die Spielerinnen mit rot geränderten Augen durch die Katakomben des Wolfsburger Stadions und sagten immer wieder diesen einen Satz: »Das ist Fußball. weil die deutsche Trainerin Silvia Neid nicht bereit war. us sportlicher Sicht hat die WM viele Anhänger des Frauenfußballs enttäuscht. Deutschland. Es bleibt zunächst der fast unheimliche Eindruck. das ist die Verwirklichung des amerikanischen Traums. wenn der Schmerz Mannschaft und Publikum vereint. Die Mannschaft gehört. die vor ein paar Wochen kaum jemand kannte. eine technisch durchgehend beschlagene Mannschaft. spielen«. Ausnahmen bestätigen die Regel. dank Ihres Sammelalbums wurde der deutschen Mannschaft während der WM nie langweilig. und was liest sich langweiliger als die Chronik eines angekündigten Sieges? Vielleicht ist bei den Halbfinalspielen gestern Abend wieder so ein dramatisches Spiel dazugekommen. heißt. zu deren Übertragung die staatlichen Fernsehsender in Frankreich verpflichtet sind. dann nach dem Motto »Stoppen. Die jungen Spielerinnen konnten dem Turnier nicht ihren Stempel aufdrücken. weil sie den Ball weiter schießen können als der Gegner. Ob das geschehen ist. dass das auch im Männerfußball vorkommt. Die USA sind als Einzige der Big Five ins Halbfinale vorgedrungen. verzeichnete das Privatfernsehen Quoten wie während der großen Spiele des Männerfußballs. Denn das. Vor allem. wenn er in einem so dramatischen Spiel errungen wird wie im Viertelfinale gegen Brasilien. Die viel gelobte Carolina Morace fiel dagegen dadurch auf. Es herrschte Einigkeit und Langeweile. auf Zufall ausgelegte Pässe. auf dem Platz – und die Mehr Spielfreude! Frauen können viel schöner und besser Fußball spielen. auch das gehört zum Fußball Es ist wohl die einzige große Geschichte. Beim Spiel mit dem Ball offenbarten die Frauenmannschaften jedoch Schwächen. als sie es bei dieser WM gezeigt haben. Um den Frauenfußball weiterzuentwickeln. Hoffnung. Bis zu 18 Millionen Zuschauer schalteten bei den Übertragungen im Fernsehen ein. GVR Noch nie wurde in Schweden so intensiv über Frauenfußball berichtet wie jetzt. wie attraktiver Frauenfußball aussieht. alles populär zu machen.« Und genau das ist das Gefühl. Aber wie sagt Abby Wambach. Falsches Timing bei springenden Bällen. sondern ein Sommerflirt. das man nicht vergisst. Norwegen und Brasilien sind ausgeschieden. Und vielleicht wird dann Kim Kulig ein überragendes Spiel machen. Deutschland hat mit Ausnahme des Siegs gegen Frankreich gerumpelt: viele lange. die den Ball zirkulieren lässt. weil es sie an ihre Schmach erinnert? Das begehrteste Bild auf dem Panini-Transfermarkt war übrigens das deutsche Mannschaftsfoto. etwa als Befreiungsschlag aus der Abwehr heraus. es auf eBay verkaufen. wie sie sich gegen Japan das Kreuzband riss? Und jetzt das! So ist Fußball. sogar auf die Seite eins. das ist so ein typischer Stoff. die Außenverteidigerinnen schalten sich immer wieder ein. China war erst gar nicht qualifiziert. Die große emanzipatorische Debatte wie in Deutschland gibt es nicht. geht es in Überzahl rasant und steil nach vorn.) Das Spiel ist aus: Babett Peter und Verena Faißt nach der Niederlage gegen Japan Mehr Drama! Nicht nur große Siege. Und vor einem großen Publikum werden die Ligaspiele wohl auch in der nächsten Saison nicht stattfinden. die der Fußball geschrieben hat. Selbst Frauen in einer vermeintlichen Männerdomäne. dass sich doch niemand für Frauenfußball interessiert. beim Freilaufen oder bei Überzahlangriffen. die von der deutschen Mannschaft bei dieser WM bleiben wird. Doch sie können besser und schöner Fußball spielen. mit dem tragischen Ende ihrer Karriere den Frauenfußball in diese Wirklichkeit holte. Ein Stimmungs-Fazit VON ANNA KEMPER m Ende war es kein Sommermärchen. aus dem die Fußballmythen gestrickt sind. ist das Einzige. Aber in einem Moment der Sendung blitzte auf. dann kommt die Ernüchterung und mit ihr die Enttäuschung. In einem solchen Moment schafft es die WM ausnahmsweise einmal in die Zeitungen. und die Spielerinnen sammelten fleißig. dass der DFB es schaffen kann. als sie es bei dieser Weltmeisterschaft zeigen. zeigt. was dem Frauenfußball noch fehlt: Da ging es um die schlechten Schiedsrichterleistungen. das Nonplusultra des Weltfußballs. Es hat sogar eine zaghafte Diskussion darüber eingesetzt. sie schauten auch alle Spiele. Der Frauenfußball wurde behandelt wie Fußball. und wenn mal kombiniert wurde. zu viele Fehlpässe und krasse Patzer in der Verteidigung. dass sie gar keine seien. Ideenlosigkeit. Und Marta aus Brasilien bewies erneut. dass diese körperlich unterlegene Mannschaft im Turnier so weit gekommen ist. Was Borussia Dortmund auszeichnet: Stiehlt die Mannschaft dem Gegner den Ball. So sieht der Frauenfußball der Zukunft aus. etwa die wuchtigen Distanztore der Mexikanerin Monica Ocampo und der Amerikanerin Heather O’Reilly. durch das Frankreich sich für die WM qualifizierte! Es ging um Spiele. Man könnte auch die Halbzeit wieder um fünf Minuten verkürzen. Immer mehr Mädchen werden in immer mehr Ländern immer früher von immer besseren Trainern ausgebildet. »In der vergangenen Saison hatten die Jungs das Land in Bestürzung versetzt. Die Verächter. Die Rote Karte! Der Elfmeter. Aber diese Zeilen gehören den Männern.). dass die WM trotz des Ausscheidens der Deutschen ein spannendes Turnier sein kann. sondern vor allem spannende Spiele können den Frauenfußball in den Herzen verankern. Doch wie man auf lange Pässe in den Rücken reagiert. und man erinnerte sich daran. tiefer als jede Plakatkampagne es kann. Und Silvia Neid agierte im entscheidenden Moment mutlos: Warum hat sie ihre degradierte Torjägerin Birgit Prinz gegen Japan nicht wenigstens eingewechselt? Ohnehin ist es nicht die WM der Trainer. Doch sie durfte ihre Anlagen nicht zeigen. die schwedische Bild-Zeitung. Es bleibt auch die Enttäuschung. jetzt aber halten die Mädels den football tricolore hoch«. wenn die deutsche Mannschaft diese Momente erzeugt hätte. Zumal die Europameisterschaft 2013 in Schweden stattfindet. Mit dem Fall Prinz waren die Spielerinnen nach all den Kosmetikgeschichten rund um die WM in der Fußballwirklichkeit angekommen. Eine Ausnahme ist Japan. einem Spiel durch eine Anweisung im Detail eine andere Richtung zu geben: In der zweiten Halbzeit gegen Nordkorea ließ sie Stürmerin Abby Wambach über links angreifen statt durch die Mitte. Warum nicht mit kleineren oder leichteren Bällen spielen wie die Handballerinnen? Momentan haben Mannschaften wie die USA einen enormen Vorteil. neben den technischen Fähigkeiten so stark macht: Die Spieler wollen sich den Ball schnell in einer Position nahe dem gegnerischen Tor zurückholen. zum Ball verschieben. Die moderne Raumdeckung beherrschen mittlerweile fast alle Mannschaften: Viererkette. der WM-Sieg sollte geholt und Deutschland zum Frauenfußball-Land Nummer eins gemacht werden. MS In den USA zählt allein der Sieg. Und so sind Sommerflirts eben: Man erwartet vorher immer zu viel von ihnen. Heute: Den Gebrüdern Panini Lieber Benito Panini.« MAK Diese WM gehört nicht zu den 21 Top-Ereignissen. Aber. was er will. Nur Schweden und Frankreich haben Tempo mit Präzision verbunden Japans Erfolg im Viertelfinale lag aber auch an der Einfallslosigkeit des Gegners. Aber es war ein Spiel. Wie die 32-jährige Japanerin Homare Sawa. und man wird sagen: Weißt du noch. In die Offensive ist die gesamte Elf eingebunden. Ein Bild mit Sammlerwert: So wird man sie nie wieder sehen. die US-Stürmerin? »Vielleicht sollte man im Fußball ein Tor mit 50 Punkten gleichsetzen. wurde offenbar zu wenig trainiert. Doch allenfalls die Schwedinnen und Französinnen haben Tempo mit Präzision auf diese Weise kombiniert. Kalkuliert werden kann das vorher nicht. Und dann riefen plötzlich alle aufgeregt durcheinander: Das nicht erkannte Tor der Engländer gegen Deutschland! Maradona damals! Wembley! Das Handspiel. Das Aftonbladet. Der US-Trainerin Pia Sundhage gelang es als ei- ner der wenigen. Die Schweden sind begeistert von ihrer Mannschaft. bei der Europameisterschaft. Auch in Niederlagen kann ein Team die Herzen erobern. MANN Auf dem Rasen spielen die Frauen.FRAUENFUSSBALL-WM 2011 14. sondern wie es entstanden ist. wenn auch nicht im gleichen Maßstab wie bei den Männern. die schon lange dabei sind. doch das Team verlässt sich trotz aller Modernisierungsversuche ihrer Trainerin auf Athletik. wenn die Frauen spielten. was man sich vom Fußball wünscht. in seiner Sendung hart aber fair mit dem Titel Müssen jetzt alle Frauenfußball gut finden? eine kontroverse Runde zusammenzustellen. wie gut der Ball ihrem linken Fuß gehorcht. durch Tempodribblings Abwehrreihen aufzureißen. Auch wenn einige Kopfballtreffer fielen. was auf dem Platz geschieht. das Merchandising lief besser als erhofft. Oliver Lang/dapd (u. Aufstieg und Fall eines Helden. ihr 2 : 1. die den Frauenfußball mit allerlei gesellschaftlicher Bedeutung aufladen wollten. Selbst Außenseiter wie Mexiko und Kolumbien verrieten Spielfreude und ließen ahnen. das alles hatte. Aber dass andere Teams mitreißend spielen. Diese Momente gab es sicher auch in der Geschichte des Frauenfußballs. Ein gutes Zeichen für den Sport. die WM ist ja noch nicht zu Ende. dass sie mit ihren Kanadierinnen überambitionierte Eckballvarianten einstudieren ließ. als in der Herrenfußballliga noch gespielt wird. dass das Bild von Silvia Neid so fest auf der Seite klebte? Ob die Spielerinnen. und das ist das Gute für den Frauenfußball. Und es ist eine Ironie des Schicksals. Und dann wartet am Sonntag noch das Finale. die man nicht vergisst. dann wäre aus dem wohlwollenden Interesse der deutschen Zuschauer vielleicht Leidenschaft geworden. Ob Saskia Bartusiak und Nadine Angerer ihre Bilder der japanischen Torschützin Karina Maruyama jetzt gern tauschen würden? Ob es Birgit Prinz am Ende gestört hat. Es war der Schlüssel zum Sieg.

wie jemand aussieht. die EinAußerdem gibt es auch in unserem Verein wanderer mitbringen. müssten wir trotzdem darüber diskutieren. Sie sind Taskirans Thema. Der ZEIT: Was soll man stattdessen sagen? Idealzustand.. hat ungarische. Die Grünen sind für mehr Eigentumswohnungen – und damit nah bei der CDU. egal. in Berlin geboren. Berlin und Chicago. was ich sagen muss – bis ich merkte: Man muss vor allem zuhören! Sezen Tatlici: Die Lehrer lechzen nach Hilfe. Da kann es leicht zur Ausgrenzung kommen. Auch ihre Sichtweise verändern wir manchmal. denn in Berlin liegt die Arbeitslosenquote bei fast 20 Prozent. Multiethnische und Multilinguale repräsentiert. Die Grünen 100 000 in der »Green Economy«. Sezen Tatlici (nicht im Bild). die selbst gedrehte Zigaretums Abgeordnetenhaus – am 18. die Mutter aus Ghana. An einem Sonntag sind die Vertreter aller vier Parteien auf dem Oranienplatz beim interkulturellen Umweltfestival zu finden. uns über den Ausschluss von Dritten zu definieren. und jetzt im Wahlkampf hat der Fußballfan natürlich Termine über Termine. 27. befindet Izgin. Darauf gab es Wahnsinnsreaktionen! Den Altdeutschen wollen wir damit sagen: Leute. die Kommunen kürzen weiter ihre Mittel. Und sie machen Politik. Michelle Piccirillo. Sie kommen aus einfachen Verhältnissen. Nur neulich.zierliche Frau.) H mente: Jedes zweite Kind in Kreuzberg lebt von Hartz IV. Sie waren Analphabeten und hatten wenig Geld. Das ist sehr. ZEIT: Auf Ihrer Website geht es auch um ich will auch ausdrücken. dass jeder sagen darf. Als Monteurin bei Siemens in fällt die Entscheidung. Weit oben auf der Wunschliste der Linken-Politikerin stehen die doppelte Staatsbürgerschaft und das kommunale Wahlrecht für Einwanderer. 29. Bildungsfern gehe oft einher mit sozia5/11). glaubt Taskiran.gemeinsam eine Lösung suchen. V.« . Turgut Altug kämpft für die Grünen und Ertan Taskiran für die CDU ser halten konnte. Ich weiß nicht. fordern die Grünen. weißrussische.« Ich würde nicht »Deutschland« brüllen und die Fahne schwenken. wenn sie »die einzige Partei ist.schaftsschulen zu verhindern!«. rund um den Moritzplatz sind es bis zu 75 Prozent der Kinder. das schnell zu erreichen. »Unfassbar!«. ist Direktkandidatin der Linken. Er ist ein gläubiger Mensch und betet jeden Freitag in der Moschee. Der Anstecker – und liebt seine alte Heimat. aus Berlin zu kommen. Turgut Altug kommt auf einem kann. 20 Prozent der Kreuzberger dürfen nicht wählen. Er träumt von autofreien Vierteln – aber nur in Abstimmung mit den Bürgern. schen berücksichtigt werden. gründen sie erst mal einen Verein. Sezen Tatlici: Ich finde den Begriff in Sabrina Corsi: Letztes Jahr im September.dem kein Problem damit. sie hat arabische und türkische Wurzeln. weil es »Eine Stadt für alle«. Der CDU-Kandidat will Krawallmacher und Drogendealer vertreiben. gab es Kollegen. in Kassel geboren. Ohne Deutschland wäre ich nichts. der grüne Kandidat.schäftigt Muharrem Aras. sicheres und drogenfreies Kreuz. und Deutschland ist kein Land. Wir alle finden unser Grundgesetz toll. das meinte: »Ich finde es gut. so toll? Sabrina Corsi: Sie werden täglich mit Problemen konfrontiert..vileg. dem ist das Land nicht egal«. rot oder grün – schafften es. später das Studium der Sozialpädagogik. gegründet? Sezen Tatlici: Weil es hierzulande keinen Verein gibt. wo alle drin schen: Wir müssen uns am Riemen reißen sind und wo auch die altdeutschen Men. es gibt Wichtigeres!« Die Wirtschaft zum Beispiel.Dort war sein Vater Werftarbeiter und Gesche Umweltzentrum gegründet (ZEIT Nr. und das ist nicht die Türkei oder Syrien. »Wer wählen darf.Berlin war sie vom ersten Tag an Gewerksauberes. Figen Izgin. das uns eint. ihr Vater kommt aus Italien. »Das »Eine Kindergrundsicherung muss her!« Der tionsmedaille verliehen. »Endlich wird sich jemand für unsere Belange einsetzen. dass ich gleichzeitig Patriotismus. »Unverschämt!«. ist jetzt vielerorts in privaten Händen. Er ten raucht. was habe ich mit und Neudeutschen. schaffen. Identität und Verantwortung. ist natürlich. italienische und dänische Wurzeln. an meinem SchlüsDeutsch e. wo er herkommt. ihnen ist es gelungen. weil er nahelegt. ZEIT: Zum Beispiel? Sezen Tatlici: Da war ein Junge aus türkischer Familie. einen für die DIE ZEIT: Warum haben Sie Typisch Typisch Deutsch e. V. mit 39. die alternativen Integrationsverein Allmende. Es gibt viele Migrantenvereine. mit 18 der erweiterte Schulabschluss. sie sagen: Ich bin stolz.nicht gerecht verteilt ist? Diese Frage be. Deutschland ist meine Heimat. Schon als kleiner Junge half er bei der Feldarbeit. September putsch gar nicht gut an«. Strittig ist das Thema »Touristen« – die Zahl der Übernachtungen betrug 2010 über neun Millionen. Selbst wenn die Integration ökonomisch funktionieren sollte. »keine Politik von oben herab!«. Egal. als Schüler schloss er sich einer Demokratiebewegung an. jeder sagt darin nur seinen Namen und dass er typisch Noch ein Verein! Wozu? Seine neudeutschen Gründer antworten deutsch sei. der uns versteht«. Pastor. Michelle Piccirollo: Wir sind hierzulande sehr fixiert auf die problematischen Aspekte des Zusammenlebens verschiedener Kulturen. will Aras als SPDKandidat »etwas zurückgeben« und für die Rechte der Schwachen kämpfen. man auch die Stärken einbeziehen. Gerechtigkeit und Freiheit prägen unser Menschenbild. Flyer mit der Aufschrift »Berlin liebt dich nicht« machen die Runde. und das finde ich gut! Du willst immer wieder zurück nach Hause. wie Aras sagt. Ich bin hier geboren. deshalb fordert Figen Izgin: Jahr von der Bundesregierung die Integra. Er weiß. Kulturwissenschaftlerin an der HumboldtUniversität. erweitern. die diese Spaltung heilen kann. »Die jungen Gutverdiener sind eine Chance für den Kiez!«. »Die christlichen Werte ». Mit Einschränkungen.V. Und dafür hatte die SPD gekämpft.« Michelle Piccirillo: Am meisten berührt haben mich die Worte: »Danke. Der Vater kommt aus dem Kongo. berg – für alle«. Der Sohn empfand früh die Ungerechtigkeit der Verhältnisse im Land. welcher Herkunft die Leute sind. Mieten sind 2009 teils um 14 Prozent ge- stiegen. Die Oranienstraße ist zum Laufsteg geworden. »finde ich im Islam wieder. würdevoll behandelt zu werden. Aras hat sich vor dem Platzregen aus der Menge zum Stand geflüchtet und bläst rote SPD-Luftballons auf. er in der Türkei nicht finden konnte. Wir kommen nicht als Lehrer. was deutsch sein soll. Sabrina Corsi: In Berlin erlebe ich einen starken Lokalpatriotismus. und du hast dann gesagt: Jetzt muss was gemacht werden! Sezen Tatlici: Es ist einfacher zu spalten als zu einen. seit er denken sich doch selbst verraten. auf ihrem Kiez mitbestimmen wollen. Figen Izgin trifft man nach Feierabend beim Plakatekleben. Warum? etwas anderes bin. so wie viele »Gastarbei. Ich habe viel darüber nachgedacht. Die Direktkandidatin der Linken kam vor über 30 Jahren aus dem nordtürkischen Kars nach Berlin. vor allem in der »Kreativbranche«. Die 14-Jährige sprach kein Wort Deutsch. Am nächsten Tag holte er es nach. gegen Lärm etwa und Feinstaub und für soziale Gerechtigkeit. werkschaftsmitglied.« Der 41-Jährige geht als Kreuzberger Direktkangern pflanzt Turgut Altug im Park Obst. aber wir müssen darüber reden und nicht versuchen.nieren« oder »neu definieren«: Wir wollen ten von »Migrationshintergrund« und »Aus. findet Figen schaften. Und der Begriff Neu.« Ich mache auch Projekte zum Thema »Judentum. einen für ist unser aller Land.Integration zu tun? boren. Als ich in die Schule ging. So kann länder« ist es schwer. Jetzt lebt er mit seiner schaftsmitglied.« ZEIT: Auf Ihrer Website haben sich Polizeibeamte begeistert geäußert. Aber Bildung sei in Kreuzberg oft ein Pri46-jährige hat 2008 das erste türkisch-deut. und er hat auf unsere Frage: »Wie fühlst du dich. der angepasst werden Altdeutschen. Was aber bringt alle Freiheit.« Und dann war da ein altdeutsches Kind. Und wir brauchen endlich eine Initiative. Wir haben ein Video gemacht. den wir anstreben. seine CDU-Broschüren zu trocknen. »Das ist doch blauäugig!«. erst Monteurin. besonders den ersten Artikel. rot und rot. Alle vier Kreuzberger Kandidaten sind türkischer Abstammung. das haben auch die Investoren begriffen. und dafür wurde ihm im vergangenen ter«-Väter seiner Kumpels. wie wir es sind: hier ge. V. Taskiran will »ein blieb dann noch zum Studium. die sagen: Ich bin nicht nur deutsch.te aber in Stuttgart. Er mischt sich gern unters Volk.Jura in Bremen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 18 Der Jurist Muharrem Aras tritt für die SPD an. Mit den Kreuzber. sie sind erstaunt über die Beiträge ihrer Schüler. Der gebürtige Hamburger tritt für die Izgin. Er trägt einen »Stolz auf Berlin«.Berliner Sozialstrukturatlas liefert ihr Arguelmut Kohl ist das Idol seiner Kindheit. was bist du?«. Joshua Lupemba: Wir sind alle gegen den Begriff »Integration«. V. Hip-Hop-mäßig gekleidet. Die Grünen hätten kraft-Button. sagt der Grünen-Politiker Altug. nachmittags aber musste er mit anpacken. sagte er aus dem Kreißsaal heraus ein Treffen ab. Vorsitzende des Vereins Jung und jüdisch e. und in der Türkei liegen meine kulturellen Wurzeln. Investoren und Mittelständler in den Kiez locken. sie »versuchen sogar. Fotos: PR (4). Sabrina Corsi. dass diese Menschen Steuern zahlen und sonst nicht mitbestimmen dürfen«. auf den Getreidefeldern seiner Eltern nahe Mersin in der Südtürkei. und zu den Neudeutdie Italiener – aber eben keinen. auf jeden Fall geben. sehr wichtig. Joshua Lupemba: Wir sprechen von »defidass alle nur noch deutsch sind. das ist Berlin-Schöneberg. Werte wie Familie. kommentiert der SPDMann Aras. weil sie keinen deutschen Pass haben. geantwortet: »Ich bin Deutscher und dankbar dafür. promovier. Dank seiner Grundschullehrerin durfte er eine weiterführende Schule besuchen. dass ZEIT: Altdeutsche Menschen? Sezen Tatlici: Wir unterscheiden zwischen jemand außen vor ist. Dann die Ausbildung zur Erzieherin. die Aufwertung und Teuerung von Wohngebieten. dass es eine Identitätskrise gibt: Man weiß nicht genau. Sabine Gudath für DIE ZEIT (u.r. die Jobs. Alle vier Kreuzberger Kandidaten – ob schwarz. Islam« für die fünfte bis neunte Klasse. Vor fast 20 Jahren schon trat er in die CDU ein. wurde uns gesagt: Wir sind jetzt Europa. unsere Gemeinklapprigen Fahrrad angebraust und bestellt SPD an. jetzt Sozialpädagogin. lobt eine junge Frau sie. didat der CDU in den Berliner Wahlkampf tisch aktiv sein. Der Christdemokrat Taskiran hält dagegen: »Doppelte Staatsbürgerschaft und kommunales Wahlrecht. das ist ja fast schon fremdenfeindlich!« Altug schlägt vor: Die Touristen könnten doch mitdemonstrieren. es müsste Typisch Deutsch e. in Berlin geboren und aufgewachsen. was deutsch ist. Aber in Zei. Bildung ist im Café Ahorn einen Latte macchiato. Was finden sie an Typisch Deutsch e. Sie biss sich durch: erst die Ausländerklasse. haben wir erbit.und Verantwortung übernehmen. aber mit ausländischen Wurzeln. auf ihn berufen wir uns. Nach Für die Berlin-Wahl im September haben die vier großen Parteien türkischstämmige ihrer Scheidung lebt sie nun mit ihren beiden erwachsenen KinKandidaten aufgestellt VON JENNI ROTH dern in einer WG. was das Ideale ist. Die Linken wollen 150 000 Jobs. findet auch Altug. Darin sind sie sich vollkommen einig: »Bis auf die Herkunft haben wir nichts gemein. Als ich noch im Bundestag bei Otto Schily gearbeitet habe. Vielleicht sagen die Leute ja in ein paar Jahren: Wir kommen aus Deutschland und sind stolz darauf. Christentum. dass ich Deutscher bin. grün. »Aber es kann doch nicht sein. Familie und Tradition sind ihm wichtig. später gründete sie den Tochter in Berlin und liebt die Freiheit. sekundiert der SPDler Aras. sondern eine Region. Gegenüber versucht Taskiran. muss. das kam nach dem Militär. 2001 wurde sie Mitglied der PDS.und Weihnachtsbäume. einen für die Türken. 30. erklärt ErtanTaskiran. vor allem aber sind sie schwarz. den Eingeborenen sozusagen. V. Deutschland problematisch. ZEIT: Es heißt ja. Alle Kandidaten prangern die soziale Verdrängung an. wer seid ihr?« ZEIT: Wie ist das Echo? Sezen Tatlici: Das Schönste für mich war: »Endlich darf ich sagen. wir verwickeln sie in ein Gespräch und fragen: »Wie fühlt ihr euch. Das gilt auch für Hamburg oder Frankfurt. das Zugehörigkeit und Verantwortung ausdrückt. ob er Deutsch spricht oder sich danebenbenimmt: Alle haben das Recht. Ich habe trotzals Sarrazin Furore machte. weil sie die Verhältnisse in ihrer Stadt. dass er Deutscher ist. das sind Randthemen. 46 Jahre ist sie alt. weil ich mich mit Bafög über Was. wenn drei Deutsche zusammentreffen. Heute trägt der Kandidat Anzug und Schlips. Sezen Tatlici: (lacht) Genauso war es bei uns auch. die ernsthaft soziale Ihr Kandidat trägt einen buschigen Zopf aus angegrauten Locken und einen Anti-Atom. dies Koreaner. Auch Kreuzberg droht inzwischen die sogenannte Gentrifizierung. schwarze Korkenzieherlocken schmücken die kleine. arbeitet beim Bundesverband WindEnergie e. Aras hat studiert.Gerechtigkeit fordert«. er ist verheiratet und hat zwei Kinder. dass ihr mir zugehört habt. Izgin eine Herzensangelegenheit. 24. was harte Arbeit heißt. ein kleiner Rabauke. der SPD-Mann Aras ist empört: »Wir sind hier doch nicht in der schwäbischen Provinz. Egal. er ist Doktor der Agrarwissen. Was früher öffentlicher Wohnungsbestand war. als sein erstes Kind geboren wurde. ZEIT: Wie meinen Sie das? Michelle Piccirillo: Die Sarrazin-Debatte hat gezeigt. wie wir sie zu lösen versuchen. studierte Business Administration. aber es muss etwas geben.ging nur. ler Schwäche. geboren und aufgewachsen in Berlin. »Aber poli- Der Kreuzberger Traum tert diskutiert. sagt Altug. Ich würde aber sagen.WOCHENSCHAU 14.« Jetzt. der das Multikulturelle. die sagten: »Dass finde ich mutig. Die Fragen stellte FOKKE JOEL Joshua Lupemba. Die Grünen wollen eine »City-Tax« auf Hotelübernachtungen. Leute.Michelle Piccirillo: Das ist ein großes Streitdeutsch schließt auch sie ein. Wir wollen das thema bei uns! Bild davon. selbund eine deutsche Fahne zu tragen. Ich würde mich das nicht trauen. ZEIT: Welches ist Ihr wichtigstes Projekt? Sezen Tatlici: »Typisch Deutsch geht zur Schule«: Wir sprechen mit Schülern über Heimat. durch Bildung aufzusteigen. »den Teufelskreis zu durchbrechen«.

Und so heißt der Kaisersohn auch jetzt. Wenn in wenigen Tagen die beiden Särge von Otto Habsburg und seiner bereits im vergangenen Jahr verstorbenen Frau Regina im Kreis ihrer Ahnen stehen werden. in denen die cadaveri eccellenti einer wechselvollen Geschichte ruhen. an dem der Doppeladler. muss es allerdings geradezu gotteslästerlich klingen.« Die Habsburger sind heute eine weitverzweigte Familie. da. Vor Palästina. Juli in Pöcking am Starnberger See. auf seiner letzten Reise zurück nach Wien. um den Sarg.. Seit Ende August nur widrige Winde. die mit seinem Namen in Verbindung gebracht werden könnten. deren ärmlichen Stammbaum in die Annalen einzutragen. die republikanische Gegenwart zu betreten. der Witwe von Carl Ludwig. als er vor mehr als 15 Jahren die lebenslustige Francesca Thyssen-Bornemisza freite. Doch weder Kreta noch Phoinix: Als die Insel Gavdos in Sicht kommt. um die Verbände zu unterstützen. Prunk und Pracht in Bronze und Zinn – ein letzter Sockel ist noch frei In den Ohren der katholischen Korpsstudenten und der Kaiserschützen. aber die Leutchen hier glauben. wurde zu einem Schwerkranken gerufen. in deren Stammbaum sich 14 untadelige Adelsvorfahren finden. Wohl nirgendwo anders blüht die morbide Kunst des Craniums so prachtvoll wie in der Wiener Kapuzinergruft. Einlass in die Kaisergruft! Soll der Herold denn an diesem wohl allerletzten Tag. Jetzt ist er weg. Und sie schaudern vielleicht ein wenig angesichts der Vielzahl an Totenschädeln. er muss über Bord. um noch zu Lebzeiten sein Heimatland wieder betreten zu dürfen. können auch Land riechen. in dessen Machtgebälk es bedrohlich ächzte. um Zypern. im Pariser Exil sein Epitaph auf die untergegangene Donaumonarchie schrieb. Ob er wirklich gelebt hat? So genau weiß man das nicht. Manche sind böse oder gemein.. eine Art Rabbiner. wer denn der Tote sei. robustes Selbstbewusstsein. Honig saugend aus giftigen Blumen. mit ihrer Hymne. in dem sich Weihrauch zu nihilistischem Helium zersetzt hat. der beim Segelbergen das Tuch aus den Händen reißt. Davon soll ihre Familiengruft künden. wenn nun im Namen eines Toten. und Treibanker ausbringen. dann ist kaum noch Platz in den zwölf Gewölben. in dem sein Kaiser Franz Joseph ruht. Andere Herschergeschlechter kamen und gingen. die verlöschende Sonne als Lebensspenderin preisend. nannte er die Romanelegie Kapuzinergruft. Er war ein genialer Narr.. kann sie nicht anführen. der um diese Stunde Einlass begehre in die kühle Gruft seiner Ahnen? Kaiser. in dem Maria Theresia und ihr Gemahl Franz Stephan von Lothringen bestattet sind. König. in Haupt. glich doch seine ganze Existenz nach dem Ersten Weltkrieg. »Wie würde es dir gefallen. Jährlich 200 000 Besucher zwängen sich durch die scheinbar endlosen Reihen mit Zinnsärgen. hier einmal begraben zu sein?« Sie sagte Ja. der. verzichtet: auf Krone und Thron.. dass Kaiser Claudius’ Entschädigungszusage noch gilt. macht allen Angst: Das Schiff solle unbedingt in Kreta bleiben und dort überwintern. Der Heiratsantrag klang vielversprechend: »Wie würde es dir gefallen. am Samstag mit seinem Hermesstab an die Klosterpforte der Kapuziner zu Wien pochen wird. nach seinem Tod am 4. Damals wurde sein Name vom Innenminister des republikanischen Österreich in einer amtlichen Verordnung festgeschrieben: Otto Habsburg-Lothringen. Foto: MK/STAR-MEDIA Im Reich der Cadaveri eccellenti Die Wiener Kapuzinergruft ist die berühmteste Grablege Europas. wo eines Tages für seinesgleichen alles endet: in die Kapuzinergruft. der Schützen aus Tirol. Hat ständig auf den Kapitän eingeschwallt. Sowohl seine Mutter Zita – die letzte Kaiserin starb 1989 in einem Kloster in der Schweiz – als auch sein Bruder Carl Ludwig – der Erzherzog lebte bis zu seinem Tod 2007 im Exil in Brüssel – hatten sich zeit ihres Lebens geweigert. So steht es in seinem Reisepass. den Romantikern und den aufgeklärten Geistern. zuletzt begnügten sie sich mit einem südosteuropäischen Imperium. Da hatte der Habsburger-Spross aber ein wenig geflunkert. Herzog. Im Nu türmen sich wütende Seen auf. beanspruchte die Dynastie eine historische Kontinuität. plagt ein Problem. An ihrem Ende pilgert der Letzte eines Geschlechts von treuen Untertanen. die verdorrende Erde küssend als die Mutter der Fruchtbarkeit. der ihm geblieben ist. dem Herrscherhaus der Habsburger. Weit voraus ein sandiger Uferstreifen. die ihn am Samstag im Trauerzug begleiten werden. Doch der Herold. Es ist der einzige Ort. Juli 2010 DIE ZEIT No 29 Krieg für Menschenrechte? Eine Debatte aus der Französischen Revolution S. Meine Traumreise! Mal auf einem Weizenfrachter der römischen Annona-Flotte von Ägypten bis nach Italien segeln! Das Ganze hat sich allerdings zäh angelassen. lossagen müssen. wir seien auf der jonischen Insel Kefalonia gelandet. wollte das. die Tochter eines Stahlbarons Thyssen zur Seite gelegt werden. da liege man geschützt. der Sturm hat nachgelassen. Sie gewannen mit einem geschickten Schachzug neue Provinzen und verspielten sie wieder in einem kriegerischen Abenteuer. Der Autor ist Publizist und lebt in Köln. Der Taten. zweieinhalb Kilometer langen Weg zur Ewigkeit. gefürsteter Graf . Genau in ihrer Mitte. die vorgeschriebene Frage stellen wird. Eines Nachts hören wir Brandung. wird ihnen und uns allen die Zeit bis dahin geistig versüßen. die Auserwählte dorthin. B. Gleichviel. Ein katholischer Ewigkeitsbunker. dem letzten Kaiser in Wien. alles von Gewicht geht hinterher. ihn ermorden zu wollen. manche Dynastien regierten nicht viel länger. die einstmals die Geschicke des Kontinents bestimmte. Dragoner aus Salzburg. Der Ideen.. auf sämtliche Vorrechte seiner hohen Abstammung und auf alle dynastischen Ansprüche. die Luther-Beauftragte der Evangelischen Kirche. Des Seins. In Hamburg. ein respektloser Kerl. noch im Pluralis Majestatis an. deren sterbliche Überreste zuletzt der Obhut der Kapuzinerpatres übergeben worden sind. Till Eulenspiegel dürfen wir jetzt schon feiern: Vor 500 Jahren erschien erstmals das Volksbuch mit seinen lustigen Streichen. in denen 13 Kaiser und Könige und deren engere Verwandtschaft ihre letzte Ruhestatt gefunden haben. andere einen Helm oder sind verschleiert. ein todgeweihtes Geschlecht. wenn der Pater Guardian. von Karl I. Spätestens mit dem Tod von Otto Habsburg.und Deutschmeister. nach dem Zerbrechen des Vielvölkerreiches. das habsburgische Wappentier.19 14. seine Streiche. sagt er. Jetzt liegt Kreta an Steuerbord. Saulus.E.7 Tonnen wiegen. Der Tag zeigt uns eine weite Bucht. So führte Karl Habsburg. der vom Stephansdom quer durch die imperial geprägte Wiener Innenstadt zur Grablege ihrer Vorfahren führt. Und diese Sophie Chotek von Chotkowa war immerhin die Tochter eines böhmischen Grafen. das der Tod verschmäht hatte . zu besuchen. das können viele schon gar nicht mehr erwarten. welche die Leichentruhen aus den unterschiedlichen Epochen zieren. Auch der einzig noch freie Marmorsockel ist bereits reserviert: für den Sarg von Yolande de Ligne. der noch dazu seine Nobilität einer Adoption verdankt? Eine müßige Frage. Seltsamer Mann. HENNIG Der Streit auf dem Achterdeck wird lauter. die anno 1617 von Kaiserin Anna unmittelbar vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges eingerichtet worden war. als die Chronisten Zeit benötigten. Mit dem Südwind könne er die westlichen Kaps runden und Nordwest anliegend Phoinix auf dem Peloponnes anlaufen. ist ihr imperiales Vermächtnis entschlafen. Niemand weiß. und der alte Kapitän muss seine Ladung in Pozzuoli löschen. notariell beglaubigt. Doch nach wie vor einigt sie ein ausgeprägter dynastischer Familiensinn.und Nebenlinien über den ganzen Erdball verstreut und in vielen unterschiedlichen Brotberufen tätig. Die Pforte zur Kapuzinergruft blieb 1914 selbst der Gattin des Kronprinzen Franz Ferdinand verschlossen. ein hageres Männchen mit zausigem Bart. plötzlich ganz ohne »von und zu« Einlass begehrt wird. Einige tragen Kronen. wo sonst das Auge Gottes wacht oder die Taube des Heiligen Geistes. zu der Gruft. er sei ein Gott . September zeigt die Galerie Eigensinn in Jena seine Fotos von alten Schiffsfriedhöfen in der Bretagne en Herold. die über den Tod hinaus das Dasein barocker Potentaten glorifizieren – der prächtigste. Auch das ging seinerzeit nicht ohne eine turbulente Staatskrise ab. Da heißt es Tauwerk um den Rumpf spannen. Paulus – was ist mit diesem Paulus? Wo steckt er? Die ganze Zeit hat er gezetert. D Ein Totenkopf mit Kaiser krone ziert den Sarkophag Karls VI. Paulus oder so ähnlich. wer seine Legionäre und die Gefangenen hier monatelang verpflegen solle. den kriegerischen Fürsten ebenso wie den Lebemännern. Unter all die erlauchten Leichen schafft es seine Angetraute niemals. Reservespieren. in der einst evangelischen Gnadenkirche – sie gehört heute den Russisch-Orthodoxen –. vor der Klosterpforte antworten müssen: ein ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments? Ein Abgeordneter der CSU? Ein Politiker aus – Bayern? Jene Verwandten von Otto Habsburg. lässt der Alte alle vier Heckanker werfen. Amphoren. der sich freute. All diese Schädelornamente haben Zahnlücken. Wie man überhaupt nie so genau weiß. Sind auch nicht alle lustig. Wollte dies. dem alten Zeremoniell gemäß. Noch bis zum 30. der Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und des Souveränen Malteserordens – in den Ohren all dieser Kaisertreuen. Denn die Kapuzinergruft ist ohnehin bereits ausgebucht. grinste ein Clownsgesicht. die an der Seite des Thronfolgers dem Attentat von Sarajevo zum Opfer gefallen war. das den Zeitgenossen mitunter wie ein Naturgesetz erschienen sein muss. Raulus. jener. Am Samstag wird dort Otto Habsburg bestattet VON JOACHIM RIEDL ZEITLÄUFTE Heute ist die Kapuzinergruft vor allem eine museale Sehenswürdigkeit. Als das Lot 15 Faden Tiefe anzeigt. Wie soll da je all den Majestäten und Erzherzögen. der aus Abscheu vor den Nazis zum Verzweiflungsmonarchisten geworden war. haben das Protokoll vor kein vergleichbares Dilemma gestellt. der Zeremonienmeister des Trauerkonduktes. für die noch Platz ist in dieser Totenherberge einer Herrscherdynastie. zumindest dort. Verdächtigte uns. Unfassbar. Die Habsburger hingegen residierten in ihrem Gottesgnadentum. Der Centurio Julius fragt. Nach genauer Lesart der Gesetze hatte er sich 1961 sogar von seiner eigenen Familie. der 1922 im Exil auf Madeira gestorben war. Denn auf all diese Titel hatte Otto bereits vor fünfzig Jahren. I . Auch vor Top und Takel machen wir zu viel Fahrt. Wir trocknen uns an einem Feuer. das er zufriedenstellend nicht lösen kann. die über die Zeitrechnung hinausreicht. hier einmal begraben zu sein?« Es gibt dennoch kaum einen Ort in Europa. die Otto Habsburg 1922 von seinem Vater geerbt hatte. soll nach Angaben seines Schöpfers Balthasar Moll 1. wo Österreichs Behörden offiziell mit dem Leichnam befasst sind. Was soll er antworten. In den sechs Jahrhunderten seiner Herrschaft entwickelte das Haus Habsburg ein sehr n sechs Jahren ist das Lutherjahr. Als der traurige Dichter Joseph Roth. So ähnlich werden einmal die Menschen einen Tag vor dem Jüngsten Gericht leben. Er prophezeit. dem letzten Kronprinzen. Margot Käßmann. Sie traten ihren letzten. 500 Jahre Thesenanschlag. Sie mehrten oder vergeudeten ihren Besitz. die sich nur noch aus dem Geist der imperialen Begräbnisstätte nährt: »Wir aber waren heillos unfruchtbar heimgekehrt. eigentlich ist die Liste der Titel ziemlich lang. der Hoch. jener einer Mikrobe. für die das Universum keine Verwendung mehr hat. noch einmal sein Gefieder plustert. Gott ein Narr? Und die Welt nur ein Witz? Martin Luther jedenfalls mochte den Till Eulenspiegel nicht. dem Gott erhalte. überfällt uns ein Nordost. gab es einmal ein modernes Fensterbild.. der bei allem erlösungsüberzeugten Totenprunk so sehr erfüllt ist von der beklemmenden Atmosphäre der Vergeblichkeit. Das muss dieser Häftling sein. den Schwachsinnigen. Es heißt. eine prächtige Rosette. Sie wird aller Voraussicht nach die Letzte der Sippe sein. Sie bestaunen die Prunksarkophage. der Männer aus den Traditionsregimentern von allen Ecken der weiland Kronländer. Der Alte hofft nur. woran man bei ihm ist. wo wir sind. Werkzeug. der die Welt auf den Kopf stellte. Ebenso wie sich die Zinnpest durch das Metall der dynastischen Reliquienschreine fraß und nur durch moderne Restaurierungsmethoden gestoppt werden konnte. wenn es tüchtig krachte und die Fetzen flogen. Lange wussten sie ein Weltreich untertan. Die meisten sind auf gekreuzten Schenkelknochen gebettet und grienen herüber aus dem Moder der Vergangenheit. längs Kilikien. das neue Oberhaupt des Klans.. Anderntags verstopft der aufquellende Weizen die Pumpen. 20 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit KLAUS J. mit lahmen Lenden. Lycien und Rhodos. den einst der Allmächtige selbst zum Monarchen bestimmt hatte.

der alle Throne gleichzeitig trifft. Ebenso aber geht es um die Menschenrechte und die »legitimen Forderungen des libyschen Volkes« – um Demokratie. Reichstruppen waren bereits in Bewegung gesetzt. Sie fürchteten eine Falle der Gegenrevolution. als sich mit der Kriegsfrage zu befassen. Die Redner schöpften sowohl aus dem Vokabular des traditionellen Republikanismus – Tugend.. Cloots selber ging mit patriotischem Beispiel voran: 12 000 Livres opferte er der »Religion der Menschenrechte« auf dem »Altar des konstitutionellen Gottes«. als die Abgeordneten ein Hilferuf der Revolutionäre aus der wallonischen Bischofsstadt Lüttich ereilte. die Völker befreien und schließlich in eine neue Weltordnung münden. der Vernunft und der Beredsamkeit. sondern angeboren. im Paris der Revolution VON DANIEL SCHULZ D ie Nato greift ein. Frankreich blieb keine andere Wahl. das sich gegen die Herrschaft des Papstes erhob). wo man vor gar nicht allzu langer Zeit noch als Besatzer aufgetreten war: »Eine solche Invasion könnte viel eher die Erinnerung an die Verwüstung der Pfalz durch die Truppen Ludwigs XIV. Wir schlagen die Despoten und erlösen die Menschen. Die heiligen Rechte der Menschheit drängten zum Kampf gegen alle inneren und äußeren Feinde. Der ebenso vermögende wie kosmopolitische Baron. Es muss Krieg führen. die ganze Menschheit zu befreien. ja muss sogar eine Intervention im Namen der Freiheit. Es war die Revolution von 1789. »Die Menschheit«. als dass sie konstitutionelle Ideen zum Keimen brächte. die Revolution war beendet. die durch die Unwissenheit. Herbeigeführt wurde sie durch die Initiative Frankreichs. Der Autor ist Politikwissenschaftler an der TU Dresden .. wenn man daran denkt. in dem Elbschlösschen bei Dresden ihre Unterstützung für Frankreichs König (und Leopolds Schwager) Ludwig XVI. Menschenrechte. Gedeckt von einem UN-Mandat. und »dass in ihm weniger Patriotismus herrschen kann.GESCHICHTE Quatorze Juillet 2011 DIE ZEIT No 29 20 Die ganze Welt wird Republik Abb. als ihre heiligen Lettern. den Generälen die nötigen Befehle zu geben. sind nur noch Missionare der Verfassung. . geführt in der Nationalversammlung und den politischen Klubs ebenso wie in der breiten Öffentlichkeit. Wir kämpfen für die Menschenrechte. Unsere Der holländisch-preußische Baron Jean-Baptiste (Anacharsis) Cloots entwarf eine »République universelle« Generäle . Größere Zustimmung erhielt der girondistische Deputierte Jean-Baptiste Mailhe. ganz alleine das Antlitz der Erde verwandeln und alle Tyrannen auf ihren Thronen erzittern lassen können. als »Tribun. Der Befreiungskampf für die Menschheit aber verwandelte sich nach der Machtergreifung Napoleons 1799 in einen imperialistischen Eroberungskrieg. sondern um uns zu lauschen! Es ist schade. das Ancien Régime wiederhergestellt. Sagen wir Europa. die wie das ganze Fürstbistum bislang zum alten deutschen Reich gehörte. Auch kam es ihm sicherlich nicht ungelegen. sah sich die Lütticher Republik in ihrer Existenz bedroht. eilen uns entgegen. Im Januar 1792 ironisierte der Anwalt aus Arras im Jakobinerklub das universale Sendungsbewusstsein der liberalen Republikaner und ihre – in heutigen Begriffen gesprochen – »Nation-Building«Visionen. Zunächst war dies jedoch nicht mehr als Metaphorik. rief er den Parlamentariern zu. »dass in einem solchen Staat die Sitten lax sind. will nicht immer gelingen. wenn man sie herausfordert. »wenn die Unterdrücker des Menschengeschlechts vernichtet sind«. Das Schicksal der menschlichen Gattung liegt in den Händen Frankreichs. weil die Tugenden vernachlässigt werden und die Laster unbestraft bleiben«. dieser Tempel wird nicht wanken. So machte sich der Parfümhändler Maximin Isnard.). 1792 wählte ihn das Département Oise in den Konvent. Seine Ablehnung begründete er am 21. das auf die Nationalversammlung gefolgt war – schien jetzt den Ideen der Universalisten zu folgen. der in der späteren Kriegsdiskussion eine bedeutsame Rolle spielen sollte. »unsere siegreiche Armee zu allen benachbarten Völkern. dass die Wahrheit und der gesunde Menschenverstand diese herrlichen Voraussagen Lügen strafen. in eine République universelle. Appelliert wurde an das Heilige und das Höchste der Revolution: die Menschenrechte.« Wenige Wochen darauf wurde das Dekret noch erweitert: Die Generäle hatten nun die Volkssouveränität in allen eroberten Gebieten zu proklamieren. für die Freiheit zu streiten – einen ganz neuen Charakter an. Zu Beginn des Jahres 1791 marschierten die Österreicher ein. Patriotismus – als auch aus dem des neuen. Am Tag nach der Entscheidung in der Nationalversammlung predigt er enthusiastisch den Krieg: »Die Verzweiflung der europäischen Tyrannei zwingt eine edelmütige und freie Nation. Es ist leichter. um fünfzig Soldaten für den Krieg auszurüsten. war nach langen Reisen an die Seine zurückgekehrt. Niemand mag die bewaffneten Missionare!« Mit Blick auf Deutschland erinnerte Robespierre an die Schwierigkeit. um die Freiheit von den Lastern des Despotismus reinzuwaschen. und unsere Siege werden der Würde des Menschen neuen Glanz verleihen. So warnte der Architekt Louis Becquey am 20. darf. die von einer universalen Republik zu träumen wagten – wie Jean-Baptiste Cloots. Der Kampf der revolutionären Franzosen – der »Neufranken«. Bei schweren Verletzungen der Menschenrechte kann der Weltsicherheitsrat einen oder mehrere Staaten ermächtigen. nach dem täppischen Fluchtversuch des Königspaars. »So werden sich die Völker – wenn mitten im Kampf zwischen den feindlichen und unseren Armeen das Licht der Philosophie ihre Augen trifft – im Angesicht der entthronten Tyrannen. Ein Krieg sei weder in seinem Ausmaß noch in seiner Dauer vorhersehbar. Der Nationalkonvent erklärte. radikalliberalen Gironde. weit davon entfernt. schrieb 1798 – mit Blick auf den französischen Freiheitsexport – der deutsche Revolutionssympathisant Georg Friedrich Rebmann. in das jene geraten. Am 19. Der Krieg begann – mit Niederlagen. September 1790 appellierte die Lütticher Gesandtschaft in der Pariser Nationalversammlung an die universalen Prinzipien der Französischen Revolution: »Franzosen.. mag unterstützend hinzugetreten sein. Die Menschlichkeit befiehlt uns. Jetzt will er die Freiheit notfalls auch gewaltsam verbreiten. aber bedenken Sie auch.. »Sie führen«. dort als Befreier zu erscheinen. wollen Länder wie Frankreich und Großbritannien sie mit militärischen Mitteln in einem fremden Staat durchsetzen. Aber auch das. das nach zehn Jahrhunderten der Sklaverei die Freiheit errungen hat. in dem er mit der Zerstörung von Paris drohte. das allen Menschen gleichermaßen leuchtet. Freiheit und Demokratie entfalteten die mobilisierende Kraft eines revolutionären Heilsversprechens. unveräußerlich und universal.« Für Frankreich stell- te sich jetzt ganz konkret die Frage: Kann. und es muss schließlich Krieg führen.. die Leidenschaften und den Despotismus ausgelöscht wurden. Spätestens aber nach der Deklaration von Pillnitz gewann die Diskussion in Frankreich eine neue Dynamik: Am 27. April 1792. Die Nationalversammlung bürgerte ihn ein. Vor allem aber folgte dem Krieg nach außen der Krieg im Inneren. wurde er auf Betreiben Robespierres in einem Schauprozess abgeurteilt und am 24. am 29. Im September 1792 gelang es. die Mörder zurückzuschlagen.« Lüttich blieb sich selbst überlassen. Jean-Baptiste Cloots. sondern diente der Aufklärung über die allgemeinen Prinzipien der Menschenrechte und letztlich dem universalen Frieden. welche die Freiheit verderben könnten. die Schmach der französischen Diplomatie nach ihrem Desaster in Tunesien zu tilgen. in deren Namen man alle Bürger zu einer letzten Entscheidungsschlacht für die Freiheit aufrief.. Erstmals verpflichtete sich ein Land zur Intervention im Namen der Menschenrechte. »Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern« Viele Jakobiner indes blieben skeptisch. Die Moralisten machen uns Vorwürfe. zum anderen bewirkte er mehr und mehr die »Nationalisierung« Frankreichs. sie ist nicht der Blitz.. wo die Bürger gegen die Patrizier rebellierten. Die außenpolitische Zurückhaltung wurde fallen gelassen. 1755 als Spross einer holländischen Kaufmannsfamilie in einem Schlösschen nahe Kleve am Niederrhein geboren und auf Pariser Schulen und der Berliner Militärakademie ausgebildet. Zudem seien seine konkreten Ziele noch gar nicht benannt. die revolutionäre Gewalt wurde in Form der Guillotine zum zentralen Integrationsfaktor der jakobinischen Politik. Ihre schrecklichen Schreie dringen an unser Ohr. die ihre Freiheit wiedererlangen möchten. »Mehrere unterdrückte Völker«. muss Krieg führen.« Auch der Journalist Jacques Pierre Brissot. »dass er allen Völkern. die für Interventionen im Namen des Guten streiten. Die Frage einer Intervention stellte sich bereits im August 1790. wie deutsche Sympathisanten sie da- mals nannten – zielte für Isnard nicht auf Eroberung und imperiale Beherrschung. sahen durch den Krieg die neue Ordnung in Frankreich selbst gefährdet. der Rednertribüne der Nationalversammlung. Die Debatte jener Jahre zeigt wie in einem fernen Spiegel das tiefe Dilemma. artikulierte die realpolitische Zurückhaltung der französischen Revolutionäre. Als »Redner des Menschengeschlechts« sah er sich. Nachdem das Reichskammergericht in Wetzlar jedoch die – notfalls auch gewaltsame – Wiederherstellung der Ordnung bestimmt hatte.« Auch Isnards Hoffnung auf eine allgemeine Verbrüderung der Völker im Angesicht der universalen Menschenrechte hielt Robespierre für Trug. »leidet zweifellos. die Waffen der Vernunft mit den Waffen des Krieges zu verbinden .. Fast zeitgleich mit dem Bastillesturm hatten die Bürger dort 1789 den Bischof verjagt und eine Republik gegründet. in Zeiten desaströser Umfragewerte in der eigenen Bevölkerung als erfolgreicher Feldherr wiederaufzuerstehen. Die Kriegsdebatte. Es begann der Weg in die Schreckensherrschaft. die sich in der politischen Kultur der Französischen Republik mit der Vorstellung von Demokratie und Menschenrechten verbindet. Es geht um den Schutz von Zivilisten. dass 10 Millionen Franzosen. Er werde das Land in die Anarchie stürzen und die Prinzipien der Verfassung gefährden. Direktorate und Nationalversammlungen ein . November 1791 zum Sprachrohr der zunehmend kriegerischen Stimmung. Erst im Sommer 1791. Damals wurde in Europa erstmals die Frage gestellt. der getrösteten Erde und des befriedigt zuschauenden Himmels umarmen. Und doch griff Frankreich nicht ein. als sie Robespierre und seine Anhänger selbst traf. Die Freiheit der französischen Nation wurde dabei mehr und mehr zum Auftrag. dass mit der Kriegserklärung der Tod von mehreren Tausend Menschen deklariert wird. dem Tag der Abstimmung. Wir befinden uns in einer Krise des Universums.: Photo12/StudioX (o. Im Moment der Bedrohung entwickelte sich eine neue patriotische Begeisterung. in der Nationalversammlung vor der unkontrollierbaren Dynamik einer militärischen Auseinandersetzung.. und die der letzten Kriege wachrufen. Staatliche Souveränität gilt nicht mehr als sakrosanktes Prinzip zur Abwehr jeglicher Einmischung in innere Angelegenheiten. Sie unterschätzt die symbolische Macht. Sie richten überall Gemeindehäuser. die Vasallen der fremden Monarchen. um im Namen der Freiheit diesen Völkern Schutz zu bieten und diejenigen Bürger zu verteidigen. November im Jakobinerklub damit. militärisch zu intervenieren. es muss Krieg führen. Die Revolution mobilisierte alle Reserven. Sie ließen keinen Zweifel daran. um aus seinem Schoß jene Männer zu entfernen. RMN/bpk Das Marseillaise-Relief des Pariser Arc de Triomphe erinnert an die Kriege des revolutionären Frankreich Militärische Interventionen im Namen der Menschenund Bürgerrechte? Kriege für die Freiheit? Schon lange vor der Libyen-Resolution der UN wurde über diese Frage gestritten: Ende des 18. radikalen Kosmopolitismus. unbewegliche Zuschauer zu bleiben. Seinen Vornamen änderte er – wie es Mode wurde – in antikisierender Weise und nannte sich nach einer populären Romanfigur Anacharsis. um die Freiheit auf unerschütterliche Grundlagen zu stellen.. Der Konvent – das Parlament. forderte wenig später mit enthusiastischen Worten den Krieg: »Ein Volk. nicht um uns zurückzutreiben. Kurz darauf gingen die Franzosen zur Gegenoffensive über. aber die Politik zwingt uns. So geschah es auch in diesem Falle mit der UN-Resolution 1973. Während der Debatte um die Hilfe für die Aufständischen in Lüttich mahnte er zu Zurückhaltung. Zusammen mit dem englisch-amerikanischen Revolutionär Thomas Paine verhaftet. brüderliche Hilfe und Schutz gewähren wird. unser Feldlager ist eine Schule des öffentlichen Rechts.« Andere rieten ebenfalls zur Vorsicht. gerade die deutsche Geschichte hat es gezeigt. Robespierre kannte schon im Januar 1792 »nichts Leichtfertigeres als die philanthropische Aufwallung des Herrn Anacharsis Cloots«. entwickelte sich der Anhänger der konstitutionellen Monarchie zum sendungsbewussten Republikaner. einer der Wortführer der Girondisten.« Zurückhaltender in der Kriegsfrage zeigten sich dagegen Maximilien Robespierre und die Jakobiner. denn die Masse des Volkes in diesen Landstrichen kennt jene Ereignisse besser als unsere Verfassung.« Am Ende beschloss die Versammlung mit nur sieben Gegenstimmen den Krieg. Jahrhunderts. ob und wie ein Staat Demokratie und Menschenrechte mit militärischer Macht in einem anderen Staat durchsetzen kann. Man mordet sie an der Schwelle unseres Landes. Diese Erklärung allein greift jedoch zu kurz. der in Liebe zur Freiheit erglüht und in Hass entflammt ist gegen die Tyrannen«. aber die Politiker haben eine aufgeklärtere Moral. duldet ihr. Damit aber nahmen auch die traditionellen patriotischen Tugenden – allen voran die Verpflichtung. Das gefürchtete Revolutionstribunal erhielt größere Kompetenzen. die auch für ähnliche Fälle galt (wie im schweizerischen Fribourg. Robespierre und sein Vertrauter Saint-Just schürten zudem das Misstrauen gegen Fremde. »Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern«. in der sich die Sprengkraft der politischen Aufklärung mit allen Konsequenzen entfaltete. Mit Luftschlägen kommt sie den Rebellen in Libyen zu Hilfe. Primärversammlungen zu bilden und die Freiheiten und Rechte in der Landessprache an alle Bezirke zu versenden. diesem Plan überhaupt Widerstand entgegenzusetzen. die beleidigt wurden oder es hätten werden können. höhnte er in Richtung Brissot. Seine Mission werde sich erst erfüllt haben. . August 1791 verkündeten Kaiser Leopold II. vom Feuer der Freiheit entflammt und bewaffnet mit dem Schwert. so klagte Cloots. »strecken die Arme nach uns aus. das Invasionsheer des Reiches bei Valmy in der Champagne aufzuhalten. den Rückzug auf eigene Sorgen und Interessen. Ausländer und »Spione«. Unsere schlecht berechnete Menschlichkeit würde grausamer sein als unsere wohlüberlegte Unmenschlichkeit. Die Entscheidung beflügelte nun auch diejenigen Revolutionäre. März 1794 in Paris guillotiniert. die der Krieg erzeugte. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. Der Konflikt spiegelte die widersprüchliche Dynamik. Denn der kosmopolitisch entgrenzte Republikanismus verpflichtete die Bürger nun gleichermaßen auf zwei Gemeinschaften: die Nation und die Menschheit. der allgemein als Verrat empfunden wurde. Er beauftragt die Exekutivgewalt. sie auf ein Blatt Papier zu schreiben oder in Erz zu gravieren. der Menschenrechte und der Demokratie geführt werden? Die Delegation wurde mit großer Sympathie aufgenommen. zum Schutz der monarchischen Ordnung in Europa ihrerseits militärisch zu intervenieren. Seine Freiheitsrechte waren jetzt nicht mehr. Man warf dem Kosmopoliten Verrat an der Nation vor. Die Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen von 1789 und die Verfassung von 1791 wurden zu sakralen Texten aufgeladen. Am 18. oder im provenzalischen Carpentras. dass Sie damit vielleicht die Freiheit der ganzen Welt deklarieren. Die konstituierende Nationalversammlung in Paris war noch mit der Arbeit an der ersten Verfassung beschäftigt. Der Wunsch von Präsident Nicolas Sarkozy. um die Revolution zu unterstützen. die von Gerüchten über eine Mobilisierung französischer Emigranten jenseits des Rheins noch angefeuert wurde: »Sollten auch alle Adligen dieser Erde über uns herfallen. Alexandre Courtois aus dem Stab des Generals Dumouriez (der in Belgien einen Nationalkonvent einrichten sollte) hielt Cloots’ Idee von der Weltrepublik für »vielleicht schöner als durchführbar«. Zum einen wurde er idealistisch vom Glauben an die Weltrepublik und die universelle Geltung der Menschenrechte befeuert. glich einem rhetorischen Feuerwerk. wenn ein befreundetes Volk geopfert wird? Das Volk von Lüttich wird verfolgt: Man will es versklaven. weil die Bürger einander nicht nahe genug sind«.« Der Krieg sollte die Verfassung verbreiten.« Die universale Freiheit gelte für alle Völker der Erde. wieder in die Herzen der Menschen einzuschreiben. zumal im nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen sind. an einen Ort oder Stand oder eine bestimmte Ordnung gebunden. Abgeordneter des Départements Var und Anhänger der bürgerlichen. die sich gegen den Militärdiktator Gadhafi erhoben haben. November verabschiedete er sein berühmtes Befreiungsdekret. Auch für Cloots hatte diese Wende Konsequenzen. Robespierre verspottet alle »Nation-Building«-Visionen Die Aufklärung hatte den Menschen als Bürger und den Bürger als Menschen deklariert. »Die Erklärung der Rechte ist keinesfalls das Licht der Sonne.. wie noch in den Republiken früherer Zeiten.. Die innere Gewaltspirale endete wenige Wochen später. Der Libyen-Einsatz stellt nur das jüngste Beispiel einer neuen Rechtsentwicklung dar. Im Juli 1792 veröffentlichte der Herzog von Braunschweig ein Ma- nifest.

Und immerhin werden hier die globalen Kapitalströme dirigiert.7 Millionen Dollar und richtet eine Konferenz für bekehrte Gewalttäter aus. Die Schuldenlast lag und liegt bei 120 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung – doppelt so viel wie erlaubt. Ein wichtiger Grund für die Herabstufung sei »die gestiegene Wahrscheinlichkeit. was vor allem die Bundesregierung unbedingt durchsetzen will: dass Banken und Versicherungen ihren Beitrag zur Finanzierung der Rettungspakete leisten. diese Geschichte lässt sich den Bürgern gut verkaufen. Vergangene Woche traf Gasprom-Chef Alexej Miller die Spitzen von E. In Griechenland sind sie bloß mit 25 Milliarden Euro engagiert. wenn die Deutschen ihr Engagement bei der Nabucco-Pipeline aufgeben. aber notfalls mit der Androhung von Zwang. dem man den Kopf abgeschlagen hat und das noch eine Weile herumrennt.8 Milliarden an den Staat. könnte der weltgrößte Gasexporteur hier leicht helfen. Die Europäische Kommission begnügte sich damals mit der Erwartung. Seit Wochen tourt er mit einer Botschaft durch die Hauptstädte: Die Zwangsbeteiligung des Privatsektors sei hochgefährlich. die Finanzen der Privathaushalte solide (siehe Seite 23). Und deswegen braucht Europa die Finanziers. die nach Griechenland. Der Euro? Hat für ihn keine Zukunft. Putin-treu und darauf aus. das Kartellamt würde zustimmen. weil sie am Ende die Rechnung immer weiter in die Höhe treibe. Google ergänzt sein gesellschaftliches Engagement durch hartes Lobbyhandwerk. Sie sehen auch keine Hassplakate gegen Deutsche wie in Dublin oder Lissabon. Portugals Kreditwürdigkeit wird zurückgestuft. Ob diesem Land das Geld auszugehen droht. Versicherungen und Investmentfonds auf der ganzen Welt. Zerstritten. müssen sie sich zurückziehen. Nachrichtenagenturen verbreiten die I Weitere Informationen im Internet: www. Der Devisenspekulant John Taylor verglich die Gemeinschaftswährung schon mal mit einem Huhn. Er tut das subtil und elegant und finanziert nun ein wissenschaftliches Institut zur Erforschung von »Internet und Gesellschaft« in Berlin. galt damals in Teilen der deutschen Politik und Wirtschaft als Kreml-gelenkt. Freiwillig. Immer mehr Tabus fallen. sprachfähig werden. Daran sollten sich deutsche Ministerien ein Beispiel nehmen. die sich in der Hauptstadt dafür interessieren. dass keine Universität solch eine Einrichtung aus öffentlichen Mitteln finanziert. die den Euro schwächen wollten. Portugal und Spanien nun auch Italien »aufs Korn« nähmen. machte man sich in Deutschland noch Sorgen um die Dominanz Russlands als Gasversorger Europas. Die Geldgeber haben ihr Urteil bereits gefällt. So haben es Merkel und Schäuble dem Bundestag – und den widerspenstigen Abgeordneten der Regierungskoalition – versprochen. Am Abend des 5. Umgekehrt suchen E. füllt in Deutschland eine klaffende Lücke und kann der deutschen Internetpolitik sehr nützlich werden. Zigtausend Bundesbürger verbringen in diesen Tagen ihren Urlaub in Italien. Grundsätzlich ist nichts gegen ein stärkeres Engagement eines russischen Unternehmens auf dem deutschen Markt zu sagen. Damit haben sich die Europäer. vergrößern sie die Unsicherheit. So geht Europa tief gespalten ins Endspiel um den Euro. Mehr erreicht er nicht. möglicherweise erhält er mehr Geld und neue Kompetenzen. sagt Demirali. Washington legt nach. der vor der unerbittlichen Logik der Märkte immer gewarnt hat: JeanClaude Trichet. die sie für die Rettung brauchen. dass eine Beteiligung des Privatsektors« bei der Vergabe neuer Rettungskredite gefordert werde. Aber dem Kontinent fehle das politische Fundament für eine gemeinsame Währung. um dann tot umzufallen. Die Banken sind gesund. Aber klar ist auch: So viel Kapital. Nun wackelt der ewige Wackelkandidat. Ob sich überhaupt noch Geldgeber finden. Die internationalen Geldgeber ziehen ihr Kapital ab. Juli. Google vergibt inzwischen auch einen Förderpreis für innovativen Journalismus in Höhe von 2. dass an der Wall Street häufig zu hören ist. Der Portfoliomanager arbeitet bei der Investmentfirma Cumberland Advisors in New York.und Wissenschaftsszene ein. Vorausgesetzt. und das ist das Gefährliche an ihr. verschickt die Rating-Agentur Moody’s eine kurze Mitteilung an ihre Kunden – Banken. im Fall Griechenlands sind es nur 280 Milliarden. Man sieht als Gast nicht sofort. Der andere – gern verschwiegene – Teil lautet: Ausgerechnet durch ihre Rettungsmanöver vergraulen die Staaten Europas jene Finanziers. Moody’s hat sich in den Wochen zuvor die Haushaltszahlen von Portugal angesehen. ihr Kollege Michel Barnier will die Bonitätsbewertungen für bestimmte Länder verbieten. Man sieht die Bedrohung nicht – selbst wenn es um die Zukunft eines ganzen Kontinents geht. die Europa längst abgeschrieben haben. werden die Europäer niemals bereitstellen können. Gasprom. dass dadurch das Verständnis für seine unternehmerischen Belange wächst.zeit. Der Kurs des Euro bricht ein. der Konzern. Das Land ist zu groß. ohne dass die Deutschen etwas Substanzielles beitragen. Denn fällt Italien. Aber dem Gründungsmitglied der EU die Gemeinschaftswährung vorzuenthalten galt als politisch unmöglich. GÖTZ HAMANN Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. um unsere Währung zu retten. damit der Dollar weiter die Devisenmärkte dominieren könne. Es sind auch Europas Politiker. Man darf nicht naiv sein.de/euro . die Probleme zu lösen – obwohl die Euro-Zone insgesamt weniger Schulden hat als die USA. Sorgen macht der Rating-Agentur also. Und damit die Krise. Aus dem gleichen Grund finanziert Google einen Thinktank namens Col:laboratory und bindet hier führende Köpfe der deutschen Internet. angeführt von den Deutschen. weil in den kommenden Monaten Entscheidungen über die Regulierung des Internets anstehen. in Deutschland stärker Fuß zu fassen. Ist die Gemeinschaftswährung noch zu retten? VON MARC BROST. die alles zerstören. Es gibt einen.on und RWE infolge der schwarz-gelben Energiewende nach neuen Geschäftsmodellen jenseits der Atomkraft und benötigen frisches Kapital. T I T E LG E S C H I C H T E 14. Aber Italien war eben immer auch der Beleg dafür. dessen Staatspapiere am Dienstag von den Rating-Agentur Moody’s auf Ramschstatus herabgestuft wurden. Der Euro ist mehrfach unter Druck: Griechenland kommt nicht aus dem Schlamassel. während des russisch-ukrainischen Gaskonflikts. HEIKE BUCHTER UND MARK SCHIERITZ Jetzt auch Italien Was noch alles schiefgehen kann Seite 22 Panik in Rom Der Bundesbank-Chef rät Das sagt Hans-Werner Sinn Seite 23 Seite 24 Seite 33 GOOGLE Und jetzt im Chor Kein Konzern macht so elegante Lobbyarbeit wie Google Der Suchmaschinenkonzern Google rüstet sich für die Debatten um die Regulierung des Internets. Warum also geraten die Märkte in Panik und warum jetzt? Auch darauf finden sich Hinweise in der Mitteilung von Moody’s. wie man brauchte. Und wenn auf einmal das Undenkbare denkbar wird – die Staatspleite Italiens –. In Washington sucht der Konzern zwölf (!) neue Lobbyagenturen. Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Das Institut ist unabhängig. die diese Botschaft unters Volk streuen. An dieser Stelle kann man Google nur danken. ob es »missbräuchliches Verhalten« gab. Vom »Angriff der Wall Street« auf den Euro ist die Rede. Seit dem Wochenbeginn befinden sich italienische Staatsanleihen im freien Fall. soll das heißen – und es sind die Spekulanten. So geschah es in Griechenland und Irland. ob ein Land vor dem wirtschaftlichen Kollaps steht. mit dem die Avancen Gasproms betrachtet werden. Oder man setzt sie gegen den Willen der Wall Street durch – und riskiert damit die massive Kapitalflucht. Es ist eine Schande. Aber: Die Deutschen würden im Falle von RWE einen möglicherweise hohen Preis zahlen: Gasprom würde sich wohl nur beteiligen. Ohne RWE wäre das ohnehin schon sieche Nabucco-Projekt wohl tot.WIRTSCHAFT Euro am M Abgrund an sieht diese Krise nicht. Die soll zukünftig Gas aus der kaspischen Region – und an Russland vorbei – nach Europa transportieren. Und es stimmt ja auch: Die italienische Staatsverschuldung mag zwar hoch sein – im Gegensatz zu anderen Ländern aber steigt sie nicht weiter. die Zinsen auf Hilfskredite sollen gesenkt werden. Europa gegen das Treiben auf den Finanzmärkten. Sie sehen keine Massendemonstrationen wie noch vor Wochen in Athen und Madrid. Banken und Versicherungen werden schließlich dafür bezahlt.smetek. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 21 GASPROM Der falsche Freund? Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas wird größer Vor drei Jahren. dann rückt auch die ganz große Katastrophe näher: das Ende des Euro. um alle Schuldenstaaten zu finanzieren. Sie sollten aufstocken. den die Regierungen zögern. Von amerikanischen Großbanken. »Europa hat den gefährlichsten Moment der Schuldenkrise erreicht«. die es gerade vertreibt. Vor allem im Gespräch mit RWE soll es dabei um eine enge Kooperation und eine substanzielle Beteiligung an dem deutschen Energiekonzern gegangen sein. In Brüssel und Berlin hat er die Mannschaft verstärkt. Auch jetzt wieder. der Chef der Europäischen Zentralbank. Die Finanzmärkte trauen der europäischen Politik nicht zu. Und Europas Regierungen können sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. und überall auf der Welt stoßen Investoren sofort portugiesische Anleihen ab. Sie ziehen aus vielen Ländern ihr Kapital ab. die mehr als 1. Seht her. an dem der russische Staat 51 Prozent der Anteile hält.8 Milliarden Dollar für internationale Anleger verwaltet. doch was die Experten der RatingAgentur zu hören bekommen. Und so geschieht es jetzt in Portugal und Italien. dass es auch die Insider an den Finanzmärkten überrascht. Sie diene nur vordergründig dem Schutz der Steuerzahler. in Spanien mehren sich die Probleme. der Staat im Netz) geben sie Bücher heraus und verteilen sie an alle. weil sie sich aus der Umklammerung durch Gasprom befreien wollen. Chefökonom der Berenberg Bank. Prompt fordert EU-Kommissarin Viviane Reding die Zerschlagung der großen RatingAgenturen. gibt es kein Halten mehr. Drohen Verluste. Dass Gesprächspartner in Politik und Gesellschaft künftig auf höherem Niveau diskutieren können – und Google dabei gut wegkommt. die Abhängigkeit der Europäer von russischem Gas ist eher noch gewachsen. Es ist ein Argument. sagt Holger Schmieding. Die europäische Idee sei »nobel und irgendwie bewundernswert«. so rasch und so massiv. um vom europäischen Rettungsfonds aufgefangen zu werden – im Gegensatz zu Irland. An den Fakten hat sich seither nichts geändert.de Euro verliehen. mit Regierungsvertretern und Notenbankern gesprochen. im Fall Italien. den Kontinent mit Pipelines und Firmenbeteiligungen in die Zange zu nehmen. dass sie das Geld ihrer Kunden gewinnbringend anlegen. überzeugt sie nicht. in ein strategisches Dilemma hineinmanövriert. dass ein Land mit großen Problemen sich irgendwie durchwursteln kann. Das Volumen der ausstehenden italienischen Schuldverschreibungen beläuft sich auf 1600 Milliarden Euro. In einer EU-Krisensitzung am Montag in Brüssel darf Trichet seine Einwände zu Protokoll geben. So oder so: Mit jedem Tag. aufrüsten. sie entspannen am Strand von Viareggio oder bummeln durch die Straßen von Florenz. Der Rettungsfonds soll ausgebaut werden. Dass es trotz hoher Schulden und latenter Regierungskrisen als vertrauenswürdig gelten kann – bei Touristen und Investoren. Das tat sie nicht. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Genau das wird nun zum Problem. Nabucco planen die Europäer eben deshalb. Brüssel legt vor. zaudernd: So nehmen die Investoren Europa war – und deshalb legen sie ihr Geld lieber woanders an. Zu wesentlichen Themen (Urheberrecht. Dass die Deutschen als Folge des Atomausstiegs in eine größere Abhängigkeit von russischem Gas geraten: Ob die schwarzgelbe Regierung das bei ihrer Energiewende bedacht hat? CHRISTIAN TENBROCK Die Finanzmärkte haben ihr Urteil gefällt: Die Europäer versagen in der Schuldenkrise.on und RWE nacheinander zum Tête-à-Tête. zögerlich. und Finanzminister Wolfgang Schäuble lässt prüfen. von den unerbittlichen Finanzmärkten. Zugleich aber hofft der Konzern natürlich. dass die Schuldenquote fortan »rascher sinken« werde. Neu ist allerdings der Gleichmut. Google wehrt sich mit allen lauteren Mitteln. Gemäß den Regeln hätte Italien den Euro niemals bekommen dürfen. Dies sind die Tage der Wahrheit für die Währungsunion. wir unternehmen doch alles. Sie werde Investoren verunsichern und andere Länder unter Druck setzen. Irland. Das alles ist ehrenhaft – aber zugleich interessengeleitet. Sonst entstehen globale Regeln. Es stimmt zwar: Italiens Wirtschaft war innerhalb der Euro-Zone immer ein Wackelkandidat. davon 35. am Dienstag der vergangenen Woche. Entweder verzichtet man auf die kurzfristige Beteiligung der Großfinanz – und verprellt die Parlamente. Peter Demirali gehört zu denen. Allein deutsche Banken haben in Italien – Stand März 2011 – 116 Milliarden Meldung.

Noch sind hierzulande die Konsumenten zuversichtlich. Produktionsanlagen. dass Ereignisse irgendwo auf der Welt – Dürren in Russland. w e n n d i e Ko n Wa s p a s s i e r der be sich dann auch er n in d e m Ta k t g e r ä t ? F ä l l t llenländ en Schwe d it? l o s e R o h s t o ff b o o m i n taaten m ßt a nd e re S z u s a mm e n u n d re i ie gute Nachricht zuerst: Deutschlands Wirtschaft blüht.und Weltwirtschaftskrise aus China und den Schwellenländern? Die Weltwirtschaft ist 2011noch enger verflochten als je zuvor. Die größte Zeitbombe allerdings tickt in der Finanzwelt: Die beiden wichtigsten Ankerwährungen der Weltwirtschaft sind bedroht. als ihre Schulden abzutragen. Das schadet auch anderen Volkswirtschaften. um überhaupt noch neue Schulden aufnehmen zu können. Was passiert mit Griechenland. Unsere Exporteure sind beim Verkauf von Waren und Produkten in andere Länder ausgesprochen erfolgreich. in vielen wichtigen Industrieländern schrumpfte die Wirtschaft gar. Erz und Soja gibt es ja einen Weltmarkt. auf welcher Verrechnungsgrundlage soll man dann noch Geschäfte machen? Illustration: Nora Coenenberg/www. standen weltweit die Räder still. Hurrikan-Verwüstungen im Golf von Mexiko – sich weltweit auswirken. Einige Ökonomen sagen eine erneute Rezession voraus. e indem sie den Dollar in di rei b t? Inflation t Euro pa Ist der Boo m bei Immobilien p re i s e n . hat sie auch anderswo die Wirtschaft angefacht: zum Beispiel in Schwellenländern wie Brasilien. besonders in der ersten Jahreshälfte 2009. viele Amerikaner sind verschuldet und kaufen wenig ein. Vor allem aber wachsen die Selbstzweifel: Sind die rasch steigenden Waren-. Häfen. Im Augenblick wächst die Weltwirtschaft mit einer Rate um die fünf Prozent im Jahr. Das führt dazu. Wer hätte das kürzlich noch gedacht? Gleich nach der Eskalation der Finanzkrise.und Immobilienpreise in diesen Ländern wirklich ein Signal dafür. Die Stabilität des Dollar ist in Gefahr. dass mehr Wohlstand entsteht? Oder vielmehr für Spekulationsblasen? Zerplatzen demnächst wieder Träume? Werden dann Finanzinstitutionen in den Untergang gerissen. die Fabrikanten auch. Die Industrie wächst nicht genug. und manche Wirtschaftsforscher sagen für 2011 ein Wachstum von drei oder gar vier Prozent voraus. die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. ob noch weitere Länder demnächst vor einem möglichen Staatsbankrott stehen. Wenn Euro und Dollar ständig extrem schwanken. Rumänien.com . Gegenwärtig weiß niemand. Flughäfen und Straßen sind überlastet. der Ukraine? Werden nach Staatsbankrotten europäische Banken kollabieren? Zerbricht der Euro? Braucht der Kontinent eine neue Währungsordnung? Die Unsicherheit lähmt die Kreditvergabe und schreckt Investoren. Ungarn. weil das Boomland jahrelang mehr exportierte als importierte und in der Folge riesige Dollarberge angehäuft hat. Das wiederum ist der größte Albtraum der Chinesen. Im Weltdurchschnitt gab es damals überhaupt kein Wachstum. Portugal. Dieses Mal kommen auch die USA. Überschwemmungen in Amerika. Irland? Spanien. Bislang lag es fast ausschließlich an den Chinesen. kommt die nächste Finanz. dass die Weltwirtschaft ihre Krise so schnell überstehen konnte. Vulkanausbrüche in Island. falls die Amerikaner irgendwann keine andere Wahl mehr haben.nocoii. das massenhaft Soja. Auch auch in China und anderen Schwellenländern mehren sich die Warnzeichen. Allerdings zeigen sich nun überall dunkle Wolken am Horizont. Doch ein Kollaps des Dollar wäre auch der größte Albtraum für die Weltwirtschaft insgesamt. Rohstoff-. Die Stabilität des Euro ist in Gefahr. Indem die Volksrepublik Land und Volkswirtschaft in atemberaubendem Tempo ausbaute. eine Atomkatastrophe wie in Fukushima.und Entwicklungsländer so stark eingebunden sind. indem sie Dollar drucken.und Schwellenländern. die früher nach großen Weltkrisen stets die Wachstumslokomotive waren. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Wall Street greift an WIRTSCHAFT Eine gefährliche Welt Nicht bloß Griechenland und Italien: Unserer Wirtschaft droht Schlimmes von allen Kontinenten VON THOMAS FISCHERMANN (TEXT) UND NORA COENENBERG (ILLUSTRATION) ? la l e i t e n ke n ko l Ko m m t e s z taatsp n u e i n e r Ke t t e n r e a k t i o n v o n S ße Ba ro D ro h t e i n e n e u e R e z e s s i o n ? We r d e n w i e d e r g l d ? n Ge Ko m m e n U ht mehr a nter nehmen dann nic bie re n ? W i rd d i e Re g i e r u n g i h re l a h m e W i r t s c h a f t b e l e b e n u n d i h re n riesigen Schuldenberg abtrage n . Auch in Deutschland. und das ist für Deutschland besonders vor- D teilhaft. eben weil Schwellen. d e re n P l a t ze n d e m n ä ch s t die chin esische V olkswir tschaft beschädigt – und die de r ganzen We l t ? $ 100 $ 500 $ 30 0 us China a junktur in spieli t . Belgien. Zwei Drittel des weltweiten Wirtschaftswachstums entstanden im ersten Quartal 2011 in den Entwicklungs. wenn Italien & Co umschulden müssen. Treibstoff. denn für Öl.und Rohstoffpreise gehen wegen der starken Nachfrage in die Höhe. Treibstoffe und Erze nach China liefert. Und jetzt? Italien ist nur der jüngste in einer langen Reihe von Problemfällen – und wohl auch nicht der letzte. aus ihrer Abwärtsspirale nicht heraus. Hauspreise fallen. Präsident Barack Obama muss außergewöhnlich harte politische Kämpfe ausfechten.22 14. Das Problem ist: Der deutsche Boom steht und fällt mit der Lage anderswo. Griechenland und Italien hin oder her. Technische Durchbrüche – die Amerika früher aus Schwächeperioden geholfen haben – sind nicht in Sicht. Aktien. Was die Wachstumschancen beschneidet. A k t i e n k u r s en u n d Wo h l s t a n d s ve r s p re c hen schnell vergä ng lich? Sind Spekulations blasen entstande n .

dann Moody’s im Juni. Am Samstag wurde der Dienstag. Er sagte: »Wir haben unsere Staatsfinanzen weitaus besser unter Kontrolle als andere Länder. der Staat werde härter und mehr sparen als geplant. das Land wirklich zu regieren.Bilanzen der Politik der Gewinn aus Zustimanzügen oder luftigen Sommerkleidern. Reuters an diesem schwarzen Europäischen Zentralbank Mario Draghi. das ist seit der Attacke der Finanzmärkte auf Großverleger Carlo De Benedetti. lächel.653 % Die Spekulation sei Arbeitsmarkt sei er. Die Reformuntüch- tigkeit seiner Regierung. Ebenso ungewöhnlich sind die nisters Giulio Tremonti eine Zumutung. verurteilt. die Produktivi14. Doch dann kamen der Montag und der ersten Mal nachgaben.Staatsanleihen** marginal. ob es um Investitionen in die Bildung geht.tien des Erbfeinds Carlo De Benedetti hätten essen in einer römischen Villa. versprach der Premier. der diese Haltung terrassen. die AkBanca d’Italia gekauft. über Jahrzehnte Entscheidendes versäumt zu haben. Die Ereignisse der vergangenen Tage könnten ein rasches Ende für die Regierung von Silvio Berlusconi einläuten. aber führungslos«. Wie schlimm steht es? Foto (Ausschnitt): Minnella/Graffiti/ROPI . so der NoBörsenaufsichtsbehörtenbanker. das daran gewöhnt ist. Über »Er kümmert sich nur um die Märkte. ein bisschen aufmunternd. Berlusconis Fininvest habe im genheit. dass in den dore schritten lächelnde Angestellte in Leinen. Das ist wahr: Italiener überschuldeten Staat zur Generalabrechnung. Als Verantwortlicher der schwersten Krise seit 1993 werden nicht finstere ausländische Spekulanten. Gleichzeitig Euro. Als in einem Land. Italien Griechenland Deutschland tienkurse der Banken Keinesfalls drohe fielen ins Bodenlose. Seine Minister bleiben alle Antworten auf drängende Fragen schuldig. aber man sitze schließlich Nacht kommt es für den Unternehmer Berlusschon eine ganze Weile gemütlich darauf. die seinen heruntergewirtschafteten. Eine Stange Geld habe das auch seine Aufregung erfasst. die telseite. Berlusconi schwieg künftige Präsident der ZEIT-Grafik/Quelle: IWF.Tribunal befand. als sein Hausblatt Il Giornale verschuldet und grundsolide sein könne.er werde Tremonti schon noch zurückpfeifen: nale betrat. Risikoaufschläge auf und sie haben bisher italienische Staatsanunverdrossen neue leihen erreichten ReStaatspapiere von der Wirtschaftsdaten im Vergleich: kordniveau. der Sü. es detti vorbei den Zuschlag für das Verlagshaus werde nicht gezagt und gewackelt. Wenn coni und für den Regierungschef Berlusconi und der Staat auch hoch verschuldet sein mag. starrt auf die Börsennachrichten wie auf das Jüngste Gericht und erwartet gefasst das Verdikt: Blut.« Deshalb großzügigen Schalterhalle aus der Gründerzeit werde er Tremontis Spargesetz im Parlament »abtauschten ein paar Italiener ihre alten Lire gegen mildern«. Nur wenn Bevölkerung 60 Mio. dann ist das Silvio Berlusconi. vor der eindeutigen Schuldzuweisungen. gegen das man sich liener kurz die Augenbrauen: Was wollen die bislang immun wähnte – der »griechischen Amerikaner. dafür sei Wirtschafts1% –3 % 2. warnte der *geschätzt vom Internationalen Währungsfond (IWF). die die lange Sommerpause regungslos überstanden. und warum gerade jetzt? Es ist Krankheit«. aber ohne Sozialmen unzureichende Sparpaket seines Finanzmi.543 % 2. den sen. Berlusconi schwieg auch beste Beispiel dafür.beben und Vulkanausbrüchen. Nicht künftig. **12. »Wir sind höchst gefährdet. nein. ist ebenso allgegenwärtig wie die Hoffnung auf eine kathartische Wirkung der Krise. Das war am Freitag. in den Bars und auf den Dachdoch alles wie immer. lia an der römischen Via Nazio. Inzwischen erscheint der fast 75 Jahre alte Premier regelmäßiger als Angeklagter in den Gerichtssälen als im Parlament. um an De Benenoch: Sein Land sei nicht wie Griechenland. 5. Diese Panik vor dem Untergang ist neu personifiziert. Unverantwort.über sieben Prozent verloren. Ansonsten aber hoben die Ita. ren hingegen beeindas noch lange so weitergehe. könne es gefährlich werden. an denen viele Italiener ih. Es bestimmt die Gespräche auf den Wochenmärkten.Angst vor einem Virus. der Rendite auf 10-jähr. sondern der einheimische Schlendrian ausgemacht. die als Vater der Krise ebenso einstimmig nur einen ausmachen: Silvio Berlusconi.erinnere ihn immer wieder daran. gab er zu.6 % trauensverlust und die tät zu niedrig. großer italienischer Privatbankier. Und hinter den massiven Bürotüren verkündete er. Früher leistete sich Italien sogenannte »Baderegierungen«. Italien! Innerhalb von drei Tragen verfällt das Land in Panik und macht dafür gleich den Schuldigen aus: Silvio Berlusconi er vergangene Woche das der Regierungschef die Bürger bewahren müsse. Wir müssen sparen. 2181 310 3518 in Milliarden US. doch das übrige Italien wollte sich nicht dem Land die Abwertung androhten.-$ Spekulanten verantStillstand. Wenn es einen Mann gibt. Der Sturm brach zählen zu den fleißigsam Montag los.6 % daraus folgenden Verden chronisch unterkäufe von Staatspapieentwickelt. 7. das durch Skandale beschädigte Ansehen seiner eigenen Person sind die Ursachen für einen Vertrauensverlust mit unabsehbaren Folgen. erst mehr ablenken lassen. Zuletzt sah man ihn bei öffentlichen Auftritten einfach einschlafen.8 % 6. gleichgültig. er schwieg über den Inhalt eines Telefongesprächs mit Angela Merkel. nicht morgen. Man schlägt sich an die Brust. Montag. Italien sei das vor allem aber warnend. Seit seinem letzten Wahlsieg 2008 erweckt Berlusconi immer weniger den Anschein.in zynisches Triumphgeheul ausbrach: Die Akte der Finanzmann über einem feinen Mittag.Ministerpräsident von einem Mailänder Gericht in zweiter Instanz zur Zahlung von 560 Millioren Gleichmut verloren haben. Das italienische Staatspapiere eine zu heikle Angele. dass man gleichzeitig hoch noch am Dienstag. 2011 druckend. aber ich die weiten und kühlen Korri.« Und.WIRTSCHAFT T I T E LG E S C H I C H T E : Die Wall Street greift an 14.Arbeitslosenquote 8. Die Kanzlerin Aber auch Draghi sagte: künftig. Il Giornale feierte lich sei eigentlich nur die Panikmache durch die Verluste von Berlusconis Rivalen auf der Tijene US-amerikanischen Ratingagenturen. der nicht zu lange anhalten darf. zwei Tage. Schweiß und Tränen. Das wird sich nicht wiederholen.765 % 17.nicht mehr kandidieren zu wollen. Plötzlich ist das Land von einer nie gekannten Standard & Poor’s im Mai. die nach den VON BIRGIT SCHÖNAU W dramatischen Ereignissen des Wochenbeginns ergehen. formulierte es die große Tageszeitung La Repubblica – ein gefährlicher Zustand. um Energiepolitik oder um die Erneuerung der hoffnungslos veralteten Infrastrukturen. 81 Mio. mit Erdsei das ohnehin längst überfällige und vollkom. Es gebe wortlich zu machen. um Ende September ebenso lautlos abzutreten. Zwar sei der Mondadori zu erhalten. auf einmal spürt man blanke Bank gekostet. Die ten Sparern Europas. kein Wachstum. dafür in Bausch Sein wirkliches Pround Bogen namenlose blem sei vielmehr der BIP 2011*. Der hochrangige Manager der Bank will sich nen Euro Schadensersatz an seinen schärfsten inzwischen nicht mehr namentlich zitieren las.5 % de Consob weigerte das Land zu stabil. Lange absehbar und doch gleichsam wie über Schuldenberg von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung gewaltig. Die Erkenntnis. In der mung und Wählerstimmen besteht.erklärte Berlusconi in einem Zeitungsinterview. also ein Sturz in den Staatsverschuldung 120 % 152 % 80 % Und die italienische Abgrund. morgen. Am Dienstagnachmittag meldete sich der Regierungschef schließlich doch zu Wort. Aber vor dem Wochenende sagte er Jahr 1991 Richter bestochen.Konkurrenten und politischen Intimfeind. hoffnungslos Bürger sind es nicht. ja. So sprach vor ein paar Tagen auch noch ein hatte ihn angerufen. der Verstarrt. fand – Ruhe. wachstum 2011* sich. heißt es unisono in allen nicht vom Regierungslager kontrollierten Medien. als die Staatspapiere zum de Töne. 11 Mio. bei den nächsten Wahlen 2013 der Nationalbank erklangen erst recht beruhigen. Hauptgebäude der Banca d’Ita. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 23 »Die Finanzen sind unter Kontrolle«: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi Ach.hilfe zu leben.

die festlegen. ZEIT: Warum ist das ein Problem? Weidmann: Weil wir so die konjunkturellen Ausschläge und den Preisdruck verstärken. Warum? Weidmann: Das Eurosystem vertraut keineswegs blind dem Urteil der Rating-Agenturen und bildet sich durchaus eine eigene Meinung. ZEIT: . Das zu entscheiden ist aber die Aufgabe der Regierungen und Parlamente. Die Vergemeinschaftung der Schulden würde daran rein gar nichts ändern. nur sie sind dafür demokratisch legitimiert. dass wir Schritt für Schritt unsere Prinzipien aushöhlen. für Geldwertstabilität zu sorgen. der langjährige Wirtschaftsberater der Kanzlerin. ZEIT: Sprechen wir über Deutschland. im Gegenteil: Eine staatliche Insolvenz im Euro-Raum darf nicht ausgeschlossen werden. egal. reden.. im Gegenteil. sondern um die Frage. die Einnahmenverluste müssten durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen werden. einen geringen Nutzen und gefährliche Nebenwirkungen zur Folge. ZEIT: Die Bürger haben aber das Gefühl. ZEIT: Italien überlassen wir den Finanzmärkten? Weidmann: Was Italien braucht. Länder freundlich zu bewerten. dass sie handlungsfähig sind. ZEIT: Nun hat die EZB ihre Regeln aber doch längst gelockert. Deshalb verleiht das Eurosystem Geld nur gegen angemessene Sicherheiten. wann ein Land zahlungsunfähig ist. und zwar im gesamten Euro-Raum. denn es geht um die Glaubwürdigkeit der Notenbanken. ganz abgesehen davon. Dies aufzufangen ist Aufgabe der nationalen Ebene. ZEIT: Warum garantieren wir dann nicht einfach für die griechischen Schulden? Das würde die Märkte beruhigen. Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Politik zu schaffen. Ratings können krisenverschärfend wirken. Weidmann: Das denke ich nicht.. auch Sie haben in Ihrer vorherigen Position als Kanzlerberater an einer Insolvenzordnung für Staaten mitgearbeitet.... ZEIT: Die FDP argumentiert.. Weidmann: . Das Geld des Rettungsschirms sollte nicht für den Ankauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt eingesetzt werden. Italien und die Rolle der Rating-Agenturen Der Rückkehrer Als Jens Weidmann. Die Mitgliedsländer benötigen Instrumente. die Gewährung weiterer Hilfen der Staatengemeinschaft an den Zwang zur Beteiligung des Privatsektors zu knüpfen. sondern ein konsequentes Sparprogramm. Weidmann: Diese Diskussion ist zwar berechtigt. ZEIT: Geht es konkreter? Weidmann: Erstens. die Beschäftigung wächst. Die Ratings sind nur ein Faktor bei der Bewertung der Sicherheiten. sondern ein Mangel an Wettbewerbsfähigkeit und unsolide Staatsfinanzen in einigen Ländern der Währungsunion. das die Märke ihnen derzeit nicht geben wollen. Und auch die beabsichtigte weitere Verringerung der Zinskosten für die Programmländer ist nicht zielführend. Zweitens muss rasch Klarheit über das neue Programm für Griechenland hergestellt werden. Weidmann: Die Politik muss einen Plan haben. Dadurch würden die Anreize für eine solide Haushaltspolitik weiter geschwächt. die Schuldenkrise weitet sich aus. es kann keine maßgeschneiderte Geldpolitik für ein Land geben. ZEIT: Die EU scheint entschlossen. Die Bundesregierung will die Steuern senken. im Mai an die Spitze der Bundesbank wechselte. Weidmann: Der Schirm ist Teil der Diskussion. Muss das sein? Weidmann: Ja. Ursache der Krise sind unsolide Staatsfinanzen. ZEIT: Würde sich der Kanzlerberater Jens Weidmann über den Bundesbanker Jens Weidmann ärgern? Weidmann: Meine Aufgabe als Präsident der Bundesbank ist. steht der Rettungsschirm zur Verfügung. ZEIT: Viele Investoren sind wegen der von der Bundesregierung losgetretenen Debatte um eine Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Krise verunsichert. Weidmann: Diese Diskussion geht zum Teil in die falsche Richtung. ist unerheblich. Diese Probleme und ihre oft zu zögerliche Bewältigung machen mir viel mehr Sorgen als die Urteile der Agenturen. Italien ist eine Volkswirtschaft mit einer starken Industrie. ZEIT: Die Europäische Zentralbank trägt nicht gerade zu einer Deeskalation der Lage bei. gegen die Bonitätswächter vorzugehen. insolvente Banken. Es birgt im gegenwärtigen Umfeld mehr Risiken als Chancen. die Verluste aber der Allgemeinheit aufgebürdet werden. um die Abwärtsspirale zu stoppen. Deshalb müssen wir eine rote Linie ziehen. Griechenland ist trotz erheblicher Anstrengungen hinter den Vorgaben des ursprünglichen Anpassungsprogramms zurückgeblieben. Gerade in einer Währungsunion ist eine antizyklische Finanzpolitik geboten. Weidmann: Die Bundesbank ist nicht per se gegen eine Gläubigerbeteiligung. obwohl sie Ramschstatus haben. wenn wir Anleihen eines zahlungsunfähigen Landes akzeptieren würden. Die Eindämmung der Krise darf nicht dazu führen. Mittel aus dem Fonds für den Ankauf von bereits am Markt platzierten Staatsanleihen der Krisenländer zu verwenden. aber nur bei entsprechender Gegenfinanzierung. Insofern schützt der Rückgriff auf externe Ratings unsere Unabhängigkeit. ZEIT: Vor den Folgen einer Pleite wurde doch immer gewarnt. nur weil sie auf die Notenbankbilanzen geschoben werden. Um die Unsicherheit zu stoppen. Es ist nicht unsere Aufgabe. Die Fragen stellte MARK SCHIERITZ DIE ZEIT: Herr Weidmann. Die jüngsten Reformbeschlüsse des Parlaments sind zwar ein wichtiges Signal. Der politische Druck wäre enorm. Griechische Anleihen werden immer noch akzeptiert. Weidmann: Richtig. zum Beispiel den Ansteckungseffekten und den daraus resultierenden Belastungen für die Steuerzahler. ZEIT: Sie haben in der Bundesbank so viele kluge Volkswirte – sie könnten die Anleihen einfach selbst bewerten . Im Ergebnis würden Lasten zwischen den Steuerzahlern der Euro-Länder umverteilt.und Exportbasis. Auch nach Abzug der Inflation wird hier ein deutliches Plus verbleiben... ZEIT: Also keine Steuersenkungen? Weidmann: Man kann über eine Bekämpfung der kalten Progression . wenn die Gewinne privatisiert. Wie ernst ist die Lage? Jens Weidmann: Die Lage ist sicherlich angespannt. ZEIT: Warum schützen Sie dann die Banken? Weidmann: Es geht nicht um einen Schutz der Banken. Mit der bereits geplanten Aufstockung hat er ein Volumen von insgesamt 750 Milliarden Euro. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Wall Street greift an WIRTSCHAFT wenigen Anbietern dominiert. Anleihen im Fall einer Zahlungsunfähigkeit weiter als Sicherheiten anzunehmen ginge aber auf jeden Fall einen entscheidenden Schritt zu weit. dass es nicht mehr gerecht zugeht. selbst wenn das Lohnplus nur die Inflation wettmacht . Prinzipiell müssen in einer Marktwirtschaft alle Akteure die Konsequenzen ihres Handelns tragen. war es eine Rückkehr: Angela Merkel hatte Weidmann einst der Bank abgeworben. Diese Maßnahmen müssen nun aber auch zügig umgesetzt werden. ZEIT: Die Griechen kämen aber leichter an Geld. Was der Kanzlerberater in Berlin darüber denkt. Das Eurosystem muss sich am Durchschnitt der Euro-Zone orientieren. Zur Stützung von Mitgliedsstaaten. ZEIT: Dabei unterwerfen Sie sich dem Diktat der Rating-Agenturen. aber das tun sie schon ohne weitere Entlastungen: Die Arbeitslosigkeit sinkt. dass die Risiken nicht verschwinden. Zu Recht? Weidmann: Angesichts der Risiken in der Finanzplanung und eines krisenbedingt sehr hohen Schuldenstands muss die Haushaltskonsolidierung Vorrang haben. Den Konflikt mit Berlin hat der neue Präsident – ein promovierter Volkswirt. Weidmann: Die Ursachen der Krise sind doch letztlich nicht Fehleinschätzungen der Märkte. dass die Bürger von dem Aufschwung profitieren sollen.zeit.. ZEIT: Im Gespräch ist auch. Wir stünden sehr bald vor noch größeren Problemen. dass das nicht mit den EU-Verträgen – konkret dem Nichtbeistandsgebot – zu vereinbaren wäre. also des Phänomens. von der politischen Akzeptanz in den Hilfe gewährenden Ländern ganz zu schweigen. der für den Internationalen Währungsfonds und den Sachverständigenrat tätig war – seither nicht gescheut: In der Währungs. sie spiegeln reale Probleme in den betroffenen Ländern wider.de/euro . und die Löhne ziehen an. die Finanzmärkte nehmen Italien ins Visier. denn letztlich diszipliniert vor allem das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit die Finanzpolitik.und der Haushaltspolitik liegt er keineswegs auf Regierungslinie.. wie sich bei einem Scheitern des griechischen Programms die drohenden Ansteckungseffekte eindämmen lassen. die dies aus eigener Kraft nicht schaffen können. Der Bundespräsident hat sich für eine Beteiligung der Gläubiger ausgesprochen. müssen die Staaten des Euro-Raums jetzt dringend zeigen. daher ist die Haushaltskonsolidierung entscheidend. Hinzu kommt.. um die möglichen negativen Auswirkungen auf die heimischen Finanzsysteme abzufedern. Das ist unseres Erachtens nicht der Fall. sie lenkt aber von den eigentlichen Ursachen der Krise ab: Die kritisierten Bonitätsnoten sind ja nicht willkürlich. ZEIT: Wie meinen Sie das? Weidmann: Für Verluste des Eurosystems steht am Ende der Steuerzahler gerade. und uns so in einen permanenten Interessenkonflikt begeben. dass die Arbeitnehmer in höhere Steuerstufen rutschen. geschweige denn Länder zu finanzieren. Der Markt wird von »Die Politik braucht einen Plan« Bundesbankpräsident Jens Weidmann über Europas Schuldenkrise. Und zweitens bringt es nichts. Andernfalls sollten keine weiteren Zahlungen an Griechenland mehr geleistet werden. die griechischen Banken von der Geldversorgung abzuschneiden.24 14.. bei dem die entscheidenden Teile rasch und nicht erst in einigen Jahren umgesetzt werden. Das hätte hohe Kosten. Nach unserer Einschätzung steigen die verfügbaren Einkommen 2011 und 2012 um dreieinhalb und drei Prozent. Deutschland wäre gemäß dem Kapitalschlüssel der EZB mit gut einem Viertel beteiligt. ob in der aktuellen Situation die Chancen einer Beteiligung des privaten Sektors – also der zu erwartende Beitrag des Finanzsektors – im angemessenen Verhältnis zu den Risiken stehen. ZEIT: Muss er noch größer werden? Im Gespräch ist eine Verdopplung auf 1500 Milliarden Euro. Die Ausgangslage ist insoweit günstig. Das heißt. Foto [M]: Gaby Gerster/laif I Weitere Informationen im Internet: www. welchen Namen er trägt. Kam die Idee zur Unzeit? Weidmann: Die Vielstimmigkeit in den öffentlichen Diskussionen der vergangenen Wochen – nicht nur über die Privatsektorbeteiligung – hat jedenfalls nicht dazu beigetragen. Weidmann: . Warum stellen Sie sich ausgerechnet jetzt quer und machen der Regierung das Leben schwer? Weidmann: Ihre Frage zeigt doch gerade die Gefahr eines Glaubwürdigkeitsverlusts. Sie und Ihre Kollegen drohen im Fall eines Schuldenschnitts. Italien kann seine Probleme aus eigener Kraft lösen. Gegen diesen Grundsatz würden wir verstoßen. Aber erstens kann eine solche Entscheidung nur die Politik treffen. auf jedes neue Problem reflexhaft mit einer Vergrößerung zu antworten. Außerdem könnte eine Steuersenkung die ohnehin schon lebhafte Konjunktur zusätzlich befeuern. ist nicht ein noch größerer Schirm.

1995 holte man Edson Mitchell. die bereits seit mehreren Jahren rückläufig ist.zeit. Alfred Herrhausen (1985–1989). sich mit Ackermann zu arrangieren. sollen die Deutsche Bank gemeinsam führen. Es sind turbulente Tage bei der Deutschen Bank.35 Milliarden Euro) und von Klein. Und wenn jetzt in Berlin Erinnerungen an Ackermann als Berater in der Krise und Bankenretter aufgewärmt werden. fielen die durch die Betriebsprüfungen erzielten Einnahmen 2010 um rund 1. in den hindern. dass es bei den Erbfolgekriegen in den Frankfurter Zwillingstürmen nicht nur um persönliche Rivalitäten und den Ruf der Bank bei Kunden und Investoren geht. sondern Peking. für den nur die Rendite zählt. auch bei Händlern. Unwidersprochenen Berichten zufolge gehören den Investmentbankern zudem mehr als 20 Prozent der Bank. diesem Gesicht der Bank in lukrativen Geschäft mit Börsenzwischen Frankfurt und London der Heimat. Handwerkern und Wirten hin und wieder ganz genau hinzuschauen. An London. in Berlin umhört. Wie deutsch ist die Deutsche Bank? Die Antwort auf diese Frage hat das Institut längst gegeben. vorzeitig geht. Mit umgerechnet 2. Als Josef geschätzt wird.4 Prozent. für den Wunsch der Deutschen nach einem diese Gehälter! »Die Kollegen fielen reihenweise von bodenständigen.Heer junger. der das Unternehmen von 1992 bis 2005 führte und bis 2007 Aufsichtsratschef war. Die Haltung zu Pierer und anderen Vorständen spalte die Belegschaft und sorge für Unfrieden. Es scheint aber gesichert. im Grünen und doch Frankfurt nahe. Oppenheim. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Prüfungserfolg Die Betriebsprüfer der deutschen Finanzämter haben dem Fiskus im vergangenen Jahr Mehreinnahmen von fast 17 Milliarden Euro beschert. geschäft in der Heimat neu schätzen gelernt. unter heim vergebens. die kein Na. 2007 war die Truppe noch um 454 Frauen und Männer stärker. ullstein.48 Jahre alt.8 Milliarden Euro.warum? John Craven. 2011 einen Gewinn von 10 Milliarden Euro zu erwirtschaften. die PostInvestmentbanking hat in der Deutschen Bank eine bank und Sal. dass am Ende dieser Woche wieder alles anders aussieht als an ihrem Anfang. Als Weber aus dem manager fremdelten anfangs. dass es falsch war. dass die Zahl der Prüfer. Er weiß um die Bedeutung des Heimatmarkts. Wirtschaftsverbände fürchten um den deutschen Einfluss auf den internationalen Kapitalmärkten. ehrgeiziger Investmentbanker. breit banking hin. dass Investobessere Verzahnung der Banksparten vor Ort. Montage: DZ . wo viele andere Einkommensmillionäre der für die Frankfurter war. die ihnen bei der Eroberung neuer Märkte zur Seite steht. Nahost und Nordamerika hat. sucht man in Hof. Rolf Breuer (1997–2002). Es ist ein beschauliches Hilmar Kopper. wie gemacht für den ihnen: Anshu Jain. Sogar für den Posten des Aufsichtsratschefs empfahlen ihn einige plötzlich. das die Journalistin Ursula Weidenfeld mit ihm führte und das in dem von ihr herausgegebenen Sammelband Nützliche Aufwendungen? Der Fall Siemens und die Lehren für das Unternehmen. noch einmal stark vergrößert. so Solmssen in einem Interview. dass Ackermann. weil die Vergangenheit immer in einem freundlicheren Licht erscheint. der Druck. der Nachfolger Herrhausens. wie wichtig das Investmentbanking für Frankfurt mit Argwohn verfolgen.Ausrichtung ändert das aber nichts – und Grund hausen.ren und Wirtschaftsmedien die Führungskrise in schen weiß. ddp. von denen es derzeit rund 192 000 gibt. der 1989 die britische Investmentbank für den Kauf der Postbank war weniger deren GeMorgan Grenfell übernahm – gegen das Votum schäft mit Kleinsparern als vielmehr der Zugriff auf engster Berater und gegen große Widerstände. hielten die Kollegen Herrhausen entgegen.3 Billionen Euro lagen sie im Juni um 30 Prozent über dem Vorjahreswert. Vergleichsweise niedrig waren dagegen die Zusatzeinnahmen von Mittelbetrieben (1. hat Ackermann das klassische Bankchen. Der Sinneswandel offenbart. der den deutschen Interessen in New York. Fit. Doch Jain ist in erster Linie ein kluger Banker. Dem Vernehmen nach misslang auch das. Häuser. Viele Topsich für die Schweizer UBS.3 Milliarden Euro niedriger aus. Alimdi.5 Jahre. was als wahrscheinlich gilt. dessen Vertrag erst 2013 endet.und Kleinstbetrieben (1. Dafür handelt die Bank heute aber umso mehr im Auftrag ihrer Kunden – und leitet einen immer größeren Teil der globalen Kapitalströme über ihre Plattformen. Ganz sicher ging es ihm aber um das Wohl der Deutschen Bank. eine Betriebsprüfung über sich ergehen lassen zu müssen. die Industrie und die Gesellschaft enthalten ist. doch dann entschied dieser Konzernbeteiligungen in der Heimat. Hinzu kamen mehr als 1. genau wie sie lernte. Da passt es. dass bereits die Befürchtung. die ausgewählte Firmen gründlich unter die Lupe nahmen. den über Jahre steht: Jürgen Fitschen kommt aus Jürgen Fitschen das offen ausgetragenen Konflikt dem Investmentbanking. www. den Chef der Briten. Josef Ackermann (seit 2002). wohlhabend. »Keiner sagt. Die Politik wird mit Jain leben lernen. Sie sei »in dieser Prüfungsklasse ohne Aussagewert«. die die Betriebsprüfer bei Bauherrengemeinschaften und sogenannten Verlustzuweisungsgesellschaften holten. aap. dann auch. wie deutsch die 141 Jahre alte Deutsche Bank ist. Heute nennen Händler später in London die Sparte geweltweit »Deutsche« in einem führt. noch weiter abgenommen hat.28 14. Da Harsefeld nahe Hamburg stammt und heute in brach der kalte Neid aus«. Die Verbraucherpreise steigen in China mit einer Jahresrate von 6. den Kauf der Postbank hat er unterstützt. Was selten im Vordergrund was andere begonnen hatten. Es ist kein Zufall.den wolle man sich »erst mal anschauen«. bis heute wird Angela Merkel vorgehalten. Und süchte. schnell eine LöRegional Management seit Jahren weltweit für eine sung zu finden.7 Jahre geprüft werden und Mittelbetriebe alle 14.de/audio Fotos: dpa (2). Sie wollen eine Bank.net. Die die immensen Kundengelder. er habe das System der Bestechung erfunden. weil sie nun dauernd über Bezüge Deutschen Bank. an Anshu Jain kommt daher niemand in der Deutschen Bank vorbei. die nun noch vom gesamten Aufsichtsrat abgesegnet werden muss. Wer sich nun in diesen Tagen. lancierter Berichte und Dementis. »Er müsste nur sagen. Ein Ort. der gewinnt auf einmal den Eindruck. Die Notenbank kauft Devisen an. Während aus der Statistik der Länderfinanzbehörden ersichtlich ist. Parallel zu seiner Rolle als Deutschlandchef. viele Kleinunternehmer davon abhalte. Interfoto. Genauer gesagt: das Bild des Josef Ackermann. Pierers Lebensleistung sei aber »viel mehr als die Affäre«. Die Länderfinanzminister glauben allerdings. JUN Chefs der Deutschen Bank (von links oben): Hermann Josef Abs (1957–1967). anlässlich Ackermanns 60.nen Wettbewerbsnen Jahren angehäuft vorteil zu verschaffen. Eine Berufung Jains an die Spitze macht nach außen für alle sichtbar. Er wollte den früheren Bundesbankpräsidenten Axel Weber als klassische Kreditgeschäft und pflegte ihre zahllosen Nachfolger installieren.Deals. und Finanzmetropole residieren. So hat es sich Oberkontrolleur Clemens Börsig gewünscht. Getty Images. die die Abhängigkeit Deutsche Bank betrieb damals noch vor allem das von den schwankenden Finanzmärkten verringern. in seinem Gefolge ein ganzes und einen Mini nebeneinander. heißt es. der das Ver. und der oberste Investmentbanker Anshu Jain. dass der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats sich vor wenigen Tagen für eine Doppelspitze entschieden hat. Josef Ackermann – er galt als Agent des globalen Finanzkapitals. Fusionen und Kapitalauf ein erträgliches Maß zu redusam sollen sie den marktgeschäften. im Schnitt alle 4. ohne Ackermann sei die Stabilität der Republik in Gefahr. kommen die rund 7. Im vergangenen Jahr trug das Investmentbanking zum Vorsteuergewinn von 7. dass die Behörden lieber gleich auf eine Angabe des durchschnittlichen Prüfungsabstands verzichten. dass im Fall eines Rückzugs von Ackermann ein wichtiger Ansprechpartner verloren gehe. Ihm gelang es. Englisch sprechen – Spiel war. vario images. Solmssen schäfte konnten in dieser Zeit unbehelligt gedeihen und sich ausbreiten«. Das Hoffen auf den Bonus. Zwar hat Ackermann sich von vielen der hochriskanten Bereiche wie dem Handel auf eigene Rechnung verabschiedet. für die Jain steht. 2002 an Anshu Jain ist men hat. Delhi und São Paulo heißen. Für Ackermann ist die Entscheidung eine krachende Niederlage. Doppelpack dass die Kanzlerin ihn auf ihre Ackermann. einen genug für einen Mercedes. Parlamentarier warnen. insbesondere in der Zukunft nicht Frankfurt. wenn wir mit Herrn von Pierer in jeder Hinsicht einen Ausgleich fänden. sich mit dem Chef der Deutschen Bank in der Öffentlichkeit zu zeigen. dass es Ackermann auch um das Wohl des Landes gegangen ist. Atemzug mit »Goldman« oder »Barclays«. Allein mit Krediten an schwäbische Mittelständler und der Beratung vermögender Kunden lässt sich so viel Geld nicht verdienen. was längst Realität ist. Visum. dafür aber eine Einfahrt haben. in ihren Steuererklärungen falsche Angaben zu machen. aber weit weniger protzig als Kron. Möglich auch. Im vergangenen Jahr waren es 13 210 Finanzbeamte. Ackermann – er gilt heute als Mann der sozialen Markwirtschaft. in ihren Reihen genügend geeignete Kräfte für die anspruchsvolle Aufgabe der Betriebsprüfung zu finden. 62 Jahre alt. die Zugang zu den großen Investoren in Asien. die Berliner Bank. Gemeingängen. Überdies ist die Einarbeitungszeit in diesem Bereich relativ lang. Oder anders formuliert: wie viel Patriotismus ein Land von seinem größten Geldhaus erwarten kann. London oder Tokyo Gehör verschafft. Davon entfielen 12 Milliarden Euro auf Großbetriebe. Düsseldorf und Mün. Möglich. imago (2). erinnerte sich später Hofheim am Taunus wohnt. obwohl es von denen sehr viel mehr gibt. Nun folgen wohl Jürgen Fitschen und Anshu Jain Solmssen über Pierer Siemens-Rechtsvorstand Peter Y. Die aktuelle Statistik zeigt allerdings. Die die derzeit so gern betont wird.65 Milliarden Euro). Vorstand aufnehmen? »Den kennen wir doch gar Mehr und mehr wird Jürgen Fitschen dieser nicht«. alle rechtlichen Hürden für solch einen fliegenden Wechsel außer Acht lassend. rührt vor allem daher. sorgt er als Head of Dynamik dieser Tage. einen Porsche Cayenne Star der Wall Street. dass Fitschen aus redeten. sagte Solmssen. so reizvoll war es auch. Es geht auch um die alte Frage. um den Anstieg des Wechselkurses der eigenen Währung Yuan zu verhindern und Billionen Dollar hat den Exporteuren eiChina in den vergange. Jain spricht kein Deutsch und ist wohl auch mit den deutschen Befindlichkeiten nicht allzu vertraut. Jain ist wie sein Vorgänger sachlich versiert und nach 16 Jahren im Haus keineswegs blind für die Rolle der Deutschen Bank als Ansprechpartner für Wirtschaft und Politik.2 Milliarden Euro rund drei Viertel bei.« JUN Ackermanns Erben Ein Duo steht kurz vor der Machtübernahme in der Bank. Geburtstags 2009 ein Abendessen im Kanzleramt veranstaltet zu haben. Bis vor Kurzem war es im politischen Berlin noch eher unschick. Deutschlandchef Jürgen Fitschen. Und die deutschen Konzerne schätzen die Internationalität sogar. Schritt für Schritt entwickelt zurückhaltend auftretenden Fitschen. »Ich würde es sehr begrüßen. Verglichen mit dem für die Finanzbeamten besonders ergiebigen Vorjahr. voller Gerüchte. die nur noch ein bisschen »die Deutsche« ist VON MARK SCHIERTZ UND ARNE STORN J Geldmeister China 3. vollendete er. Tage zu einer Projektionsfläche für allerlei Sehn. Die Kehrseite dieser Politik ist ein starkes Wachstum der Geldmenge.so gab die Deutsche Bank sich dem Investmentmensschild. Gut möglich. Den Finanzämtern fällt es schwer. seriösen Herrn an der Spitze der den Stühlen. dass Großbetriebe. mit diesem System illegaler Zahlungen zu leben. das Liebäugeln mit dem Risiko – so neu dies berg. JUN osef Ackermann durchläuft derzeit eine seltsame Wandlung. Hilmar Kopper (1989–1997). Der Chef der Deutschen Bank ist vor allem eines – ein Banker. ist ohne Jains Mannen nicht zu erreichen. Er hat Der globale Ansatz und die Ausrichtung aufs die Norisbank gekauft. sagte Solmssen über Pierer. lange Jahre der Kopf aktuelle Afrikareise mitgenomdes Investmentbankings. Er hat in den zieren und die Bank an den Kaneunziger Jahren die Expansion pitalmärkten zum Begriff zu Schweizer ersetzen in Asien vorangetrieben und machen. die Bank ist und dass die Wachstumsmärkte der In den vergangenen Jahren. die ohnehin schon die größten der Welt waren. Die Steuerbehörden wollen daher nicht ganz darauf verzichten. in denen die Nachfolge des Schweizers geregelt wird. Wilfried Guth (1976–1985) und Friedrich Wilhelm Christians (1976–1988). Manchem Finanzchef war die alte Deutsche Bank zu piefig.sich die Deutsche Bank zu einer ernst zu nehmenden Konkurrentin für die alttrauen vieler deutscher Konzerneingesessenen Adressen in Lonchefs genießt und von Politikern don und New York. Die Protzerei seiner Branche ist ihm fremd. dass es ihm leidtut«. Die Zentralbank hat die Zinsen zuletzt mehrfach erhöht. DZ. Politiker mieden die Empfänge des Geldhauses. An der internationalen lange Tradition.2 Die chinesische Zentralbank hat ihre Devisenreserven. das Denken in Städtchen. die Spitze rückte.und Kleinbetriebe so selten dran. Alles begann einst mit Alfred Herr. Investmentbanker. Solmssen erwartet von dem früheren Vorstandschef Heinrich von Pierer eine öffentliche Entschuldigung. wollte Ackermann offenbar Fitschen ver. die weit höher waren als ihre eigenen.6 Millionen Klein. Ackermanns großes Ziel.Finanzkrise. aber Siemensdie unsauberen GeRechtsvorstand Peter Y.

Deutschland. etwa indem er beim Agrarbudget spart und 50 Milliarden Euro zugunsten von Verkehrs. den haben eigene EinnahmeNiederlanden. um diese Fragen offen zu diskutieren. Ich verwurde 1951 in Lublin stehe die deutschen ZEIT: Mit dem Untergeboren und zählte Anfang Steuerzahler.doch zu erwarten – Deutschland ist schließlich der tungskosten ein. das Budget um die Verteilung der tischen Mitteln zu lösen. werden von Ihnen in diese Debatte nicht mit einbezogen. ZEIT: Die nationalen Parlamente. Derzeit reist Lewandowski durch die Hauptstädte und verteidigt seine Pläne.mich sehr für eiserne Disziplin bei den Verwal. Das Paket ist aber nun einmal genehmigt. damit der Haushalt inflationsbereinigt konstant bleibt. Die polnische bescheiden. auch wenn es der Haushalt für eine ist ein Kompromiss mit 27 Mitgliedern so etwas Ratspräsidentschaft wird im Herbst eine Konfe. Ich gehöre der Generation Solidarność an. und mehr Geld für Bildung und Forschung. ZEIT: Eine Erfahrung. Erst vor Kurzem habe ich den größte Einzahler. Pordent Barroso aber nicht. ohne den reiaussprechen. es gibt land nichts Neues. zurückhalten. Euro. die deutschen Gemeinden in Skandinavien. der Landwirtschaft fast 400 Milliarden Euro zu versprechen. nomen die Freiburger Schule tugal und Irland guLewandowski: Das eurodes Wirtschaftsliberalismus cken. haben Sie in den vergangenen Wochen Zeitung gelesen? Janusz Lewandowski: Ja. Eurobesucht – und die nehmen. sein Anteil an vor dem blutigsten Verteilungskampf seiner Gewerden. sondern um eine Änderung der Finanzierungsstruktur. selbstverständlich: 2004. ist die Arbeit als Privatisierungsminister. Das war kein nung zu tragen. für den neuen HausAgrarmittel Das ist nicht einfach. verteilt auf die Jahre 2014 bis 2020 und viele Ressorts. Im Gegenzug steigen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um real 46 Prozent! Natürlich hätte man noch mehr umschichten können. und wir haben erwartet. sogar die Nachrichten aus Berlin. EU-Steuern auf Finanzgeschäfte und zusätzliche Anteile Brüssels an nationalen Mehrwertsteuern einzuführen. auch Grenzen der Solidarität. ohne politisch dafür bestraft zu werden.Wunschkonzert. die Verwaltungs. auch in J . etwa in Energie. dass der europäischen Wirtschaftsleistung ist deutlich schichte stehe. zugege.. Die Kunst der päische Parlament ist deVerhandlung besteht mokratisch gewählt und für mich darin. Wir wollen darüber hinaus Schluss machen mit dem gegenwärtig komplexen System von Rabatten und Ausnahmen und den Haushalt auf der Einnahmenseite radikal vereinfachen. bei den bislang letzten Investitionen. ging es um die Verteilung der Agrarmittel. Dabei ging fast unter. L E WA N D OW S K I quellen. Bis vielen Rettungspakete kann. Es geht bei den neuen Eigenmitteln nicht um Mehrausgaben für Europa. Auf welche Erfahrung hätten Sie in dieser Zeit gern verzichtet? Lewandowski: Auf gar keine. mit der Bitte. um den künftigen Haushalt zu finanzieren? Lewandowski: Das ist schon eine Revolution – es geht uns jedoch nicht um neue Steuerbefugnisse für Europa. die ich Einrichtung. Ich habe in Danzig einst den Widerstand mit organisiert.Kommission und Parlament einigen. halt gegenüber 2013 nur gemäß der Inflationsrate ZEIT: Aus Ihrem Umfeld ist zu hören.etwas wert in diesen turbulenten Zeiten. ging es überschreitenden demokragefordert. Das Gespräch führte CLAAS TATJE . völlig unrealistisch. und die ist immer sehr optimistisch gewesen. Eine Billion Euro ist er groß geworden. Ich muss zudem daran erinnern.Präsidenten aller europäischen Institutionen einen dass Außenminister Guido Westerwelle und Fiben. als Tafelsilber. arbeite in Straßburg und Brüssel mit Menschen aus vielen Nationen zusammen. dass man seinen der achtziger Jahre zu den dem Haushalt auf die Bürgermeister abwählen Beratern Lech Wałęsas.dass dieses Geld sinnvoll eingesetzt wird. Die Griechen betrachten all das. Aber mit dem neuen Vertrag von Lissabon Brief geschrieben. DIE ZEIT: Herr Lewandowski. was privatisiert werden soll. Wir brauchen eine Debatte ohne Tabus.nanzminister Wolfgang Schäuble mir vergangene haben wir mehr Europa vereinbart.rückläufig. wie ein Finanzfrieden für Europa. Das ist nicht so einfach mit Woche in Berlin versichert haben. Sie fordern mehr ZEIT: Sie müssen sich bis Ende 2012 mit Rat. halt um 110 Milliarwir sind der weltweite den Euro zu stutzen. Was ist damit gemeint? sich die EU seit den römischen Verträgen aus Ei. die kann der Kommission neuen Länder zu förim Zweifel das Misstrauen Ich habe alle Hauptdern. wobei wir uns in der Höhe sehr lichen Maklers zwischen den Mitgliedsstaaten und Ausgangspunkt für die echten Verhandlungen.Lewandowski: Ich sehe mich in der Rolle des ehr. Das ist wirklich renz mit Beteiligung der nationalen Parlamente Lewandowski: Nach unseren Plänen soll der Haus. Was glauben Sie – wie schwer wird es für Athen. All das will ich nicht missen. Wie kann Haushaltsverhandlungen. Natürlich bestädte und Parlamente cheren zu viel wegzutreten wir Neuland. Jetzt bin ich EU-Kommissar. wenn wir in die EU aufgenommen werden. aber das ist politisch sehr schwer: Ich habe alle Hauptstädte und Parlamente besucht – und die Hälfte der Zeit. durch viele Jetzt haben wir von oben für alle Bereiche Limits » « Fotos (Ausschnitte): Uwe Steinert/imago festgesetzt. und das kann man in Griechenland nicht schnell und billig verkaufen. grenzüberschreiallen voran Deutschin den Parlamenten tende Fragen mit grenzland – haben bereits verbracht habe. Das führt dazu. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 29 »Wir betreten Neuland« Er will eine Billion Euro – und hat unzählige Gegner. ZEIT: Dänen kontrollieren plötzlich wieder ihre Grenzen. 50 Milliarden Euro Staatsvermögen zu privatisieren? Lewandowski: Mit meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Das ist der explosive Teil des Rettungsprogramms.und Transportnet. pas Regierungen werden niemals zustimmen.kosten einzufrieren. Kommissionspräsiheute begeistert den Ökofür Griechenland. Das ist für Deutsch.und Energienetzen umschichtet. abhalten. dass in unserem Vorschlag die Agrarausgaben nominal eingefroren werden. die ich in den Parlamenten verbracht habe. die neben schied. das gelingen? Dem versuchen wir in unserem Vorschlag Rech. dass wir das Ende des Kommunismus erleben werden. dass Europa Ich bin sicher.Periode von sieben Jahren ist. Wünsche der Mitgliedsstaaten. ZEIT: Ist es zeitgemäß. Das ist keineswegs Schritt in diese Richtung. dem Parlament. in der man ZEIT: Die Reicheren – versucht. Griechen zünden Europaflaggen an – und in dieser Stimmung fordern Sie eine EU-Steuer. noch zu leben. Insbesondere eine Finanzmarktsteuer würde im gleichen Ausmaß zu niedrigeren Überweisungen der Mitgliedsstaaten nach Brüssel führen. dass der Anteil der Landwirtschaft am EU-Budget bis 2020 von heute über 40 Prozent auf 33 Prozent sinken wird. das klingt nicht gerade Kompromisse eine Einigung zu erzielen. dass der 60-jährige Pole weitere Tabus gebrochen hat. ich bekomme aus allen 27 Ländern einen Pressespiegel. EU-Kommissar Janusz Lewandowski über seine Haushaltspläne Fast ein Jahr lang hat die Europäische Kommission intern um ihren neuen Haushalt gerungen. formulierte die ProdiKommission zunächst einen Vorschlag wie ein ze. Lewandowski: Die Rahmenbedingungen für diese genmitteln finanzieren soll. pa ist eine einzigartige Hälfte der Zeit. dass unser Entnanzmarktsteuer für den EU-Haushalt wäre ein manchen Beamten und sicherlich nicht gerade wurf die Grundlage für die nun anstehenden Verhandlungen sein wird. während Zukunftsprojekte wie die Galileo-Satelliten und das Kernfusionsprojekt ITER um Geld ringen? Lewandowski: Zunächst einmal weise ich darauf hin. Wir wollen nicht in die nationale Haushaltssouveränität eingreifen. folgte schnell Kritik aus den Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament. Lewandowski: Unser Versuch ist ehrgeizig. Umso mehr hat mich gefreut. und eine Fi. dass wir da Fortschritte machen wachsen – real bleibt er also gleich. mit dem Auftrag. In ihrem Zentrum: das Haushaltsvolumen und der Vorschlag. Man spürt. Prototyp. Als Haushaltskommissar Janusz Lewandowski den Entwurf kürzlich präsentierte. Die Mitglieds- staaten müssen unseren Plänen einstimmig zu. und setze Verhandlungen sind schwer. Für mich stimmen und diese sogar ratifizieren. Wir konnten nicht erwarten. Ehrgeizig sind auch die populär. sondern nur das Verhältnis zwischen den direkten Zahlungen der Mitglieder und den eigenen Mitteln der EU ändern. Ich fühle mich verantwortlich dafür.ZEIT: Eine Billion Euro. Lewandowski: Mit mir gibt es keine Besteuerung ohne demokratische Vertretung. die Sie anderen voraushaben. deren größtes Vorrecht traditionell der Haushalt ist.WIRTSCHAFT 14. Lewandowski: Das war ZEIT: Trotzdem sind Ihre Pläne lebensfern. und damit hat die griechische Regierung keine andere Alternative. ZEIT: Sie haben ein Jahr lang an Ihrem Siebenjahreshaushalt für Europa gearbeitet.

hat das amerikanische Wall Street Journal übernommen und will sich gerade den größten europäischen Bezahlfernsehkanal BSkyB endgültig einverleiben. Medientreffens in Cannes. Aber mit seiner augenzwinkernden Attacke hatte der Independent einen Verhaltenskodex der englischen Presse verletzt: »Die Hunde in der Meute beißen sich nicht gegenseitig«.) E . www. erzählte sollte ein großer Schritt nach vorn sein. »Je härter die Bandagen. Zudem würde es die Gewichte im Konzern deutenden Internetaktivitäten im Konzern. Ein Journalist soll sogar ärztliche Informationen über Gordon Browns Sohn Fraser ergattert haben. sondern auch die Murdoch-Blätter Sun und Sunday Times auf höchst dubiose Weise Zugang zu vertraulichen Unterlagen verschafft haben. Der verdutzte Chefredakteur Simon Kellner schob den aufgebrachten Eindringling in sein Büro. was sich in kürzester Zeit Murdoch in London nicht kennen. einfach abgeschafft. Weg vom Vater. minister vor Rupert in die Knie gegangen«. Großbritanniens wichtigstes Massenblatt setzt seit Jahrzehnten bei jeder Wahl auf die richtige Seite und brüstet sich jedes Mal selbstbewusst. schrieb der Meister der politischen Scharade. Doch das wird ihm vorerst nicht helfen. desto nen Jahr 32 Milliarden Dollar umgesetzt hat. »Was zum Teufel bildet ihr euch ein?«. Grund für den Wutausbruch in der fremden Redaktion war ein Seitenhieb des Independent gegen den Vater. die Abhöraffäre wird die Rolle der Medien in der britischen Gesellschaft grundlegend verändern. Die politische Klasse kuscht nicht mehr. Bestechungsgelder bezahlt. »Jahrelang ist die Politik Murdoch hinterhergelaufen«. sagt Familienbio. GorAiles. lithische Marken« wie Google und Apple etablieren. »Nicht Rupert Murdoch wird diese Wahl entscheiden. dass er seinen BSkyB-Deal retten kann.Sun. ohne gegenüber James Murdoch ein kritisches Wort über den BSkyB-Deal zu verlieren. und »weder sein Vater der Sun im Wahlkampf gegen die dahinsiechende noch starke Kollegen.schon seit Jahren die Wochenenden in der ländlichen Idylle von Oxfordshire. doch in diesen Tagen zeigt sich: Der junge Murdoch ist mindestens so ambitioniert und ruchlos wie sein Vater – nur ist er noch nicht so geschickt. Denn nicht der Vater steht im Zentrum des größten Medienskandals.30 14. wie der Fox-News-Chef Roger Tory-Regierung von John Major zu sichern. seine ZuVater über Nacht auf einen neuen stimmung zu geben. Also kam James Murdoch persönlich vorbei.de/audio Fotos [M]: Ian Nicholson/AFP/Getty Images. und 200 Journalisten wurden entlassen. dem PR-Guru Matthew Freud. führer mit seinem Spindoktor Alastair Campbell Jedoch hatte er sich. ist sie doch mit einem alten Schulfreund von ihm verheiratet. aber nicht länger entziehen. Damals war die Welt noch in Ordnung. Die Idee kam von James allein. Sein Besuch beim Konkurrenzblatt Independent vermittelte einen frühen Eindruck von seiner gewachsenen Rolle. der seit seiner Geburt an Mukoviszidose leidet. während die Polizei noch nach dem Mädchen sucht. gibt die aggressivsten. Die konzentrierte Ruhe in der Redaktion der Londoner Tageszeitung Independent wurde jäh gestört. Bisher koner damals. Lachlan verließ liche Freundschaft zu Rebekah Brooks.extra nach Australien. Seit Sonntag ist nämlich bekannt. nationale Expansion seines Vaters gewesen sind. sondern Sie«. rot vor Zorn. was zu retten ist: auf Distanz zu gehen. als würde James’ älterer Bruder ein Leben nicht vorstellen? Lachlan das Rennen für sich entscheiden. All diese Vorwürfe reichen viele Jahre zurück. letztes Jahr im April.Vertraute der Familie. beim Auf. was er kann. so eng mit dem politischen Establishment verwoben zu sein. Die Auflage war ihr wichtiger als ihre Freundschaft zur Mutter des Kindes. ebenfalls Millionen Dollar Verlust. der im vergangegraf Michael Wolff. wenn er die News of the World einstellt. färbte sich die Haare blond und gründete eine Plat. und das brachte die Kabelsender schrieb damals 100 politische Klasse dazu. sagt eine Mitarbeiterin der Sun. erklärte der 39-Jährige kürzlich am Rande eines »Ich habe eine Knarre in meinem Schreibtisch liegen. um die Schadensbegrenzung zu koordinieren. der seit 42 Jahren eine der entscheidenden Figuren in der Londoner Medienszene ist. Und nicht nur das: Seit Rupert Murdoch in London eintraf.Andrew Neil. Stets war der alte Murdoch die treibende Kraft. Nach 168 Jahren wurde die größte Sonntagszeitung. James gab den chinesischen Markt auf und Retten. News Corp kaufte seine Fir. sobald ein Murdoch auftaucht.bringen. tenfirma für amerikanische Rapper aus dem Ghetto.Medienkonzern müsse sich in Zukunft gegen »monointelligente James das Filmstudium in Harvard hin. Doch inzwischen ist klar: Sein Gesellenstück misslingt. lebt. Als solcher handelte er auch. das er mit aufgebaut hat. Im Auch der aktuelle britische Premierminister David vergangenen März vollendete James schließlich seinen Cameron verbringt mit der Murdoch-Vertrauten Marsch an die Spitze. sondern Sohn. JUNGCLAUSSEN Für den Fisch von morgen: Die letzte Ausgabe der »News of the World« s war an einem Mittwoch. Zunächst hätte das eigentlich niemanden überrascht. Die Familie kontrolliert News Corp. der frühedas Unternehmen und räumte seinen Platz für James. das ist die klassische MurdochMethode«. sunde Kinder geboren hat. James Murdoch (39) ist nicht irgendwer. schrie er. Um ihren Auftrag auszuführen. »Auf einen Schock reagiert man am besten mit einem noch größeren Schock. Er wurde Chef des Mrs. Tony Blair flog als Oppositionstrale von News Corp bis in den Vorstand aufgerückt. Beim »News of the World«-Debakel in Großbritannien erweist er sich als wahrer Erbe seines Vaters VON JOHN F. als ein jungenhafter Mann in tadellosem Anzug das Großraumbüro stürmte. Das Geschäft sich dem direkten Wettkampf mit seinem Bruder würde zwar rund zehn Milliarden Euro kosten. das die Murdochs eigentlich Indien.»Wir müssen weiter expandieren oder untergehen«. in dem James’ Schwester Elisabeth mit ihrem Mann. Er vergleicht das Leben der beiden Söhne innerhalb des Konzerns mit dem Da. endgültig von der Presse hin zum digitalen Geschäft »Durch James fand das digitale Geschäft von News verschieben. »Wettbewerb ist für Rupert Murdoch die Essenz des Unternehmertums«. haben britische Journalisten seit Jahrzehnten zwielichtige Praktiken angewandt: Telefone verwanzt. Der Konzerns ab. um die Ehre seines Vaters zu verteidigen. dass sich nicht nur die Reporter der News of the World. ren Chefredakteurin von News of the World und Der wurde 2007 an die Spitze von News Inter. Die damalige Chefredakteurin Rebekah Brooks machte daraus eine Titelgeschichte. um sich die Rückendeckung stieg kein eigenes Feld erobert. muss man sich James’ Werdegang anschauen. erklärt der politische Kommentator Andrew Neil. das ging selbst den Briten zu weit. Es ist der Sohn. erinnerte das Blatt seine Leser. der die Murdochs aus seiner Zeit als Chefredakteur der Sunday Times bestens kennt. anders als sein Bruder. ist sein eigenes Lebenswerk in die Schusslinie geraten. ters«. den die britische Presse je erlebt hat. schmiss der hoch. Er muss zurück ins Glied.zeit. James Murdoch muss daher geglaubt haben. An dieser Stelle zog James Murdoch die Notbremse: Er stellte die News of the World kurzerhand ein. und James Murdoch beteuert. Der BSkyB-Deal wird auf absehbare Zeit nicht genehmigt. die mal Model war und ihm zwei geihn beerben soll. Alastair Campbell. Politischer Gegenwind ist etkonzentrierte sich stattdessen auf James und Rupert was. Der von seiner Familie kontrollierte den Aufstieg im Konzern begann. Zugleich steckte James sein Terrain als Thronfolger ab. Aber das Handy eines minderjährigen Mordopfers abzuhören und den elektronischen Briefkasten zu manipulieren. Die Gespräche von Hinterbliebenen gefallener Soldaten zu belauschen entfachte landesweite Empörung. Er wurde stellvertretender Vor. Sunday Times). Erfüllter kann man sich Lange schien es. ließ sich eine Viertelstunde von James Murdoch anschnauzen – und machte die Sache hinterher öffentlich. Unterdessen war Lachlan in der New Yorker Zen. sagt später von Sky Italia. meint Andrew Neil.rund eine Milliarde zusätzlichen Gewinn pro Jahr ma. und die geplante volldenn einige von den Typen kommen mit ’ner MP ständige Übernahme des Bezahlfernsehkanals BSkyB unterm Mantel zu Vertragsverhandlungen«. Im Kampf um die Auflage hatten Journalisten des Blattes jahrelang die Handys von fast 4000 Menschen abgehört und daraus krasse Titelgeschichten konstruiert. kürzlich bei Twitter.dem Geschäft. »jetzt nimmt jeder Politiker die Beine in die Hand und rennt. Sie ist inzwischen Chefin des britischen Vernational in London befördert und übernahm dort lagsgeschäfts von News Corp und eine sehr enge jene Medien. Hin zum Sohn und zu Corp zum ersten Mal die Aufmerksamkeit des Va. Nächsten Dienstag müssen Vater und Sohn Murdoch und Rebekah Brooks vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen. sagt Michael Wolff. die entscheidende politische Instanz im Land zu sein.« Und durch den direkten ZweiKeine vierzig. Amerikanische Aktionäre von News Corp reichten zu Beginn der Woche eine Klage gegen das Management wegen mangelnder Sorgfaltspflicht ein. auch als Chef der britischen Konzernmedien nichts von den Machenschaften gewusst zu haben. nachdem die Sun sich im britischen Wahlkampf auf die Seite der Opposition geschlagen hatte. Erbe und so gut wie bestellter Nachfolger des erfolgreichen Medienunternehmers Rupert Murdoch (80). sagt Michael Wolff. und James wurde Chef der damals noch unbe.standschef des gesamten Konzerns. Weil BSkyB seinen Sitz in Großbritannien hat. konnte er trollieren die Murdochs nur 39 Prozent. schrillsten Zeitungen in Großbritannien heraus (Sun.« Im Jahr 2000 ging mende Zwischenfall: Die Briten James nach Hongkong und überwandten sich von den Medien des nahm die Führung von Star TV. In seiner Hand die aktuelle Ausgabe des Blattes. da tummelte sich die politische Elite des Landes auf dem Rasen vor einem 500 Jahre alten Anwesen. eine britische Institution. die einst die Keimzelle für die inter. den er don Browns Frau Sarah entwickelte eine persöngebraucht hätte«. den zweitgrößten Medienkonzern der Welt. Olivia Harris/Reuters (u. Während Doch für einen Murdoch geht es immer weiter er mit 22 Jahren bei einer australischen Lokalzeitung und weiter. Milliardär und verheiratet mit einer kampf entschied er auch. James. auf dem sie sich zu für die Murdochs größte anzunehbeweisen hatten.war der Kulturminister Jeremy Hunt für die Genehsein von Diplomaten: »Alle paar migung der Übernahme zuständig Jahre wurden die beiden von ihrem – und war drauf und dran. Thatcher ist jeder Premierbritischen Bezahlsenders BSkyB. Doch dann ereignete sich der Posten geschickt. als er die Strategie des Konzerns im aktuellen Medienskandal bestimmte: Zum Murdoch-Imperium gehörte bis vor wenigen Tagen die Sonntagszeitung News of the World.« Anders gesagt. und um ihn zu verstehen. Stundenlang habe er am Telefon um die Zustimmung seines Vaters gerungen. Schatzkanzler George Osborne und auch der Oppositionsführer Ed Miliband feierten fröhlich. Es ist erst zwei Wochen her. »Seit den Tagen von bezahlt machte. befriedigender. welches seiner Kinder schönen Frau. Die Anzeigenkunden wandten sich ab. Als der junge Rebell 26 wurde. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 WIRTSCHAFT Monströse Hinterlassenschaft James Murdoch soll einst den zweitgrößten Medienkonzern der Welt übernehmen. gaben ihm den Vertrauensvorschuss. Sein Plan war kühn und riskant.

Doch vor Kurzem wurde bekannt. könne man nicht allein auf die Selbstverpflichtung von Unternehmen und Mitgliedsstaaten hoffen. Verlässt das Unternehmen nach nur einem Jahr wegen Kritik an Nutzung des Firmenjets für private Heimflüge Politikerin Nachfolgerin von Thomas Sattelberger. Wird wegen ihrer Nähe zur Politik kritisiert. Die Angestellten hatten da schon etliche Sparrunden hinter sich. In der vergangenen Woche wurde sie als künftiger Personalvorstand der Telekom der Öffentlichkeit präsentiert.zeit. wenn es um die Förderung von Frauen in Führungspositionen geht. Erst in der vergangenen Woche hatte sich der Bundestag in einer Stellungnahme an die EU-Kommission gegen eine gesetzliche Quotenregelung ausgesprochen. Doch genau diese Idee wird auf europäischer Ebene zurzeit populär. Vor ihrer Zeit bei SAP gehörte sie zur Geschäftsleitung bei Unilever Kommt im Mai nächsten Jahres zur Telekom. Soll helfen. Am vergangenen Mittwoch verabschiedete das Europäische Parlament mit großer Mehrheit einen entsprechenden Entschluss. Physikerin Europavorstand Kommt im Oktober 2011 zur Deutschen Telekom. dass die Managerin den Firmenjet für Heimflüge vom badischen Walldorf nach Hamburg genutzt hat. Und Angelika Dammann demonstriert.) Sammelte bei McKinsey viel Erfahrung im Technologiesektor in Europa. Noch immer gehört ein knappes Drittel der Telekom-Aktien dem Bund und der öffentlich-rechtlichen Bankengruppe KfW. so etwas gehört zum Alltag von Alphatieren der Business Class. dass man sich schon lange vor Amtsantritt ziemlich unbeliebt machen kann. Doch nur weil derzeit politisch auf europäischer Ebene ausgelotet wird. die Staatsferne des einstigen Staatskonzerns infrage. Marion Schick zeigt. Im vergangenen Sommer kam Dammann als Personalvorstand zu SAP. wie man nach gerade mal einem Jahr in der Chefetage entnervt die Brocken hinwirft. Reibungslos lief es demgegenüber bei Nemat. Das mag genehmigt und völlig korrekt gewesen sein – ungeschickt war es trotzdem gegenüber einer tief verunsicherten Belegschaft. werden die drei Managerinnen zu Prototypen in einer Debatte. Das hat mit dem Geschlecht zwar nichts zu tun. dass die Besetzung des Personalressorts bei der Telekom grundsätzlich heikel ist – die Jahre nach der Privatisierung waren von zahlreichen Stellenstreichungen und Lohnkürzungen gekennzeichnet. Die Parlamentarier forderten die EU-Kommission auf. dass Unternehmen eine Selbstverpflichtung durchaus ernst meinen können. Denn nichts symbolisiert Luxus und Abgehobenheit stärker als ein privat genutzter Firmenjet. In diesem Frühjahr zogen dann die anderen großen bösennotierten Konzerne nach und versprachen gegenüber der Bundesregierung. Doch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Konzerns fühlten sich übergangen und kritisierten. Dammann stolperte über fehlendes politisches Taktgefühl gegenüber den Mitarbeitern und bestärkt damit jene.de/Telekom . Die Telekom ist diesem Ziel etwas näher gekommen. Aber SAP ist weiter entfernt denn je. Angelika Dammann Marion Schick 51 Jahre alt. Damit wurde die Telekom zum Modellfall für Frauenförderung in Deutschland – und zugleich wichtigstes Argument der Politik gegen eine gesetzliche Frauenquote. Vorher war sie Direktorin bei der Beratungsfirma McKinsey Beraterin Fotos: dpa (2). sich bis Ende 2011 eigene Zielquoten zu geben. Schon Marion Schicks Berufung stand unter einem schlechten Stern. bis 2015 weltweit 30 Prozent aller Spitzenjobs mit Frauen zu besetzen. Juristin 52 Jahre alt.WIRTSCHAFT 14. Wirtschaftspädagogin Personalvorstand Personalvorstand Hat ihr Amt in der vergangenen Woche niedergelegt. »bis 2012 legislative Maßnahmen einschließlich Quoten« vorzuschlagen. weiblicher und männlicher Führungsstil seien gar nicht so unterschiedlich. Die Vorkommnisse an sich sind kaum der Rede wert. Der Aufsichtsrat bestellte die Unternehmensberaterin – und alle sind zufrieden. das Osteuropageschäft der Telekom flott zu bekommen esetzliche Frauenquote oder doch lieber unternehmerische Selbstverpflichtung? Wie unterscheidet sich die weibliche Führungskultur von der männlichen? Und was bedeutet das für deutsche Konzerne? Zahlreiche Fragen bewegen derzeit Politik und Wirtschaft. ddp (m. Afrika und dem Mittleren Osten. eine beim Softwarekonzern SAP: Claudia Nemat ist der Beweis dafür. So hatte man sich das bei der Telekom vorgestellt: Als erster deutscher Großkonzern hatte er sich vor mehr als einem Jahr verpflichtet. um den Anteil weiblicher Führungskräfte in europäischen Unternehmen bis 2020 auf 40 Prozent zu erhöhen. die im Herbst das Europaressort im Vorstand der Telekom übernehmen soll. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 31 Frauen und Learjets Bei SAP und Telekom gibt es Streit um weibliche Führungskräfte – ein Zeichen neuer Normalität VON MARCUS ROHWETTER Claudia Nemat G 42 Jahre alt. sie ist Mitglied der CDU I Weitere Informationen im Internet: www. inwieweit sich Gesetzgeber in die Besetzung der Führungsgremien einmischen sollen. eine echte Aussprache über die Personalie habe es nicht gegeben. Außerdem steht mit Schick. Weil der Anteil von Frauen in Führungsgremien der Wirtschaft bloß um einen halben Prozentpunkt jährlich wachse. wohl aber mit der Tatsache. Vorher war sie Kultusministerin in Baden-Württemberg Vielfliegerin War die erste Frau im Vorstand des badischen Softwarekonzerns. die zuvor Kultusministerin in Baden-Württemberg war. der die Frauenquote bei der Telekom durchsetzte und nun einer Frau Platz macht. die glauben. Innerhalb weniger Tage sorgen gleich drei von ihnen für viel Wirbel – zwei bei der Telekom.

Auch BDO. sowie die Wirtschaftsprüfer. Es sind die Investmentbanker. »Die Meldungen finanzieller Informationen an die AIC dienen der jährlichen Registrierung und Verwaltungszwecken und können sich deutlich von den chinesischen GAAPund IFRS-Anforderungen sowie den Angaben gegenüber den Steuerbehörden unterscheiden«. was sie dem heimischen Team erzählen«. Grund für die positive Bewertung sei der positive Zwischenbericht. die ihnen lukrative Gebühren einbringen. Schwer durchschaubar ist in diesem Geschäft aber ohnehin so einiges. erklärte Powerland für das Jahr 2009 einen Umsatz von 82 Millionen Euro. »Betrugs. Die Börsen konkurrieren heftig um die Neulinge. dass. mit den Bilanzen für steuerliche Zwecke oder Finanzinformationen für Investoren hat das nichts zu tun. das potenziellen Klägern anbietet. Seit 2006 gab es nach Informationen des Finanzdatendienstes Dealogic 115 Börsengänge chinesischer Unternehmen in den USA und 48 in Europa. laut Claimpicker lediglich einen Umsatz von 14. Trotz der Ungereimtheiten empfahlen die Analysten die Powerland-Aktien Im Fall Powerland AG handelt es sich bei den Konsortialbanken um Macquarie Capital Europe und die Berenberg Bank. Und wer prüft. der zuständige Wirtschaftsprüfer für Powerland. In Deutschland sind solche Transaktionen die Ausnahme. gehörte zu den Großaktionären des Forstwirtschaftsunternehmens. wie die Aufsicht SEC sie bei einem direkten Börsendebüt anwenden würde. sagt von Preysing. das Unternehmen habe massiv bei den An- gaben zu seinen Waldbeständen übertrieben. Macquarie wollte auf Anfrage der ZEIT zu Powerland keine Stellung nehmen. »Alles reine Abkassierbuden«. Berater und Vertreter von Unternehmen erklären. und auch bei Claimpicker sind die Initiatoren mehr als dubios. »Mittelständische chinesische Unternehmen schätzen Frankfurt als Listingplatz«. Der Grund der Schachtelei? Das sei für die Unternehmen oft die einzige von den Aufsichtsbehörden erlaubte Möglichkeit. Leiter des Bereichs Markets Services. »Für potenzielle Partner und Kunden hier im Westen erhöht es das Vertrauen und die Sichtbarkeit«. »Bisher hat sich in jedem Fall. Der Börsenprospekt der Powerland AG etwa ist ausschließlich auf Englisch erhältlich – selbst für sprachkundige Laien ist das 245 Seiten starke Werk kaum zu verstehen. Und statt der ausgewiesenen 18 Millionen Euro Gewinn ermittelten die Rechercheure von Claimpicker nur einen Betrag von 248 457 Euro. der darauf spekuliert. dass es reale Probleme gab«. ob die Angaben der Unternehmen auf dem Papier tatsächlich der Wahrheit entsprechen? Die Deutsche Börse stellt lediglich fest. da die AIC-Daten in China für die breite Öffentlichkeit relativ einfach zugänglich sind«. die von denen im Börsenprospekt deutlich abwichen. durch die niedrigeren AIC-Angaben Steuern und Gebühren zu sparen. »Die Unternehmen im Prime Standard unterwerfen sich freiwillig dem Regelwerk für deutsche Aktiengesellschaften«. ob der Börsenkandidat die Bedingungen für eine Notierung formal erfüllt. und diese Holding wiederum ist der Eigentümer des eigentlichen Betriebs auf dem chinesischen Festland. werde am chinesischen Luxusmarkt weiter kräftig expandieren.4 % 1553 US$/ FEINUNZE +9. man äußere sich »berufsüblich« nicht zu einzelnen Mandaten.5 Millionen davon kassierte der Gründer und Großaktionär Guo selbst. Allerdings sind Bird und seine Kollegen an den Finanzmärkten nicht unumstritten: Sie profitieren schließlich vom Kurseinbruch. kündete Guo an.3 % Millionen für Herrn Guo Powerland-Chef Shunyuan Guo schlägt den Gong zum Börsenstart in Frankfurt D er 11. befand er. die das Unternehmen im Wesentlichen ausmachen. sagt Bird. warum es bei der Meldung an die AIC und den Angaben im Börsenprospekt erhebliche Unterschiede gebe. Ein Vertreter einer großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das Forstwirtschaftsunternehmen Sino Forest. In dem Prospekt. die den Börsengang betreuen. der BaFin. das gelte sogar für Unternehmen. Auch bei der Deutschen Börse freut man sich. da diese eine Form von Marktmanipulation darstellen und auf den Preis der notierten Aktien einwirken können. Mitte Juni meldete ein Internetportal namens Claimpicker. Schadensersatzprozesse vorzufinanzieren. hat fast 90 Prozent des Aktienwertes verloren. Allerdings sind Investmentbanker wie auch Wirtschaftsprüfer Dienstleister. handelt es sich um Börsengänge durch die Hintertür. Da besitzt die eine Holding die Anteile einer weiteren Holding. ob die Angaben im Börsenprospekt tatsächlich zutreffen. den das Unternehmen für April und Mai veröffentlicht habe.8 % 2506 US$/ TONNE +0. bestätigten die Analysten des Konsortialführers Macquarie ihre Empfehlung für die Aktie und behielten auch ihre Bewertung »outperform« – besser als der Gesamtmarkt – sowie ihr Kursziel von 24 Euro bei. Sie bürgen für die Richtigkeit. an der Börse in Toronto notiert.3 % 6.9 Millionen.5 % 97 US$/BARREL +8. Der Vorstandsvorsitzende der Powerland AG feierte das Börsendebüt seines Unternehmens in Frankfurt. Die meisten chinesischen Firmen sind kompliziert konstruiert: Oft sind verschiedene Holdinghüllen über die eigentlichen operativen Geschäfte gestülpt. der Milliarden mit seiner Wette gegen US-Schrotthypotheken verdient hat. hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der ZEIT. Derzeit notiert der Handtaschenhersteller bei knapp 14 Euro. Der 62-jährige Texaner ist ein sogenannter Short Seller. Nur wenige Tage nachdem Claimpicker auf die Diskrepanzen bei den Jahresabschlüssen hingewiesen hatte. später herausgestellt. Hedgefonds-Superstar John Paulson. die von einem erfolgreichen Börsengang profitieren. »Ein direkter Börsengang eines chinesischen Unternehmens im Ausland ist von den Behörden dort in den vergangenen Jahren in keinem einzigen Fall genehmigt worden. Doch zuletzt häuften sich die negativen Schlagzeilen. sagt Sprecherin Anja Engelland. der Börsenkandidaten vor Ort prüft. nachdem Vorwürfe erhoben wurden. Gegenüber der chinesischen Behörde für Industrie und Handel AIC meldeten die beiden chinesischen Powerland-Töchter. nach der Höhe des angegebenen Umsatzes zu schließen. Foto: Bernd Kammerer/dpa Chinesische Mittelständler holen sich Geld an westlichen Börsen. sagt der Spekulant. Schwer durchschaubar ist vieles in diesem Geschäft Begründungen gibt es dafür freilich. sagt Alexander von Preysing. »So einen schnellen Lagerumschlag hat höchstens ein Donut-Shop!«.oder Bilanzierungsfälschungsvorwürfe spielen aber auch für uns eine Rolle. der von der BaFin abgesegnet wurde. teilte im April Alexander Höptner mit. Dabei übernimmt eine bereits börsennotierte leere US-Firmenhülle die chinesische Holding.32 14. hieß es in einer Mitteilung.57 US$/ SCHEFFEL +4. Mehr als ein Dutzend chinesischer Unternehmen sieht sich jetzt Vorwürfen oder zumindest großer Skepsis ausgesetzt. Anleger im Westen stürzen sich auf die Gelegenheit. Powerland gehört zu der wachsenden Zahl mittelständischer chinesischer Unternehmen.1 % RTS: 1918 +8. hieß es in dem Macquarie-Research-Bericht. die den Bilanzen ein Gütesiegel verpassen.« Für chinesische Entrepreneure sei ein Börsengang im Heimatland kompliziert und mit langen Wartezeiten verbunden. Damit unterliegen diese Börsenneulinge nicht denselben strengen Regeln. Powerland selbst erklärte auf die Frage. Bird ist ein Zahlenfuchs. die es an westliche Börsen zieht. die wiederum ihren rechtlichen Sitz in einer Steueroase wie den Cayman Islands hat. Powerland. Seine Verluste werden auf über 700 Millionen Dollar geschätzt. fiel ihm auf. die den Anlegern im Westen präsentiert wurden.2 % NIKKEI: 9926 –4.« Die schöne chinesisch-deutsche Erfolgsgeschichte droht gerade böse Kratzer zu bekommen. »Was sie uns erzählen. »Ihre Aktien sind hier in Euro notiert und werden in einem hochliquiden Markt gehandelt. in dem es Abweichungen gab. man sei 2009 noch ein Privatunternehmen gewesen und habe »aus Wettbewerbs. Juli 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 29 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7174 +2. abgenommen werden. 75 Millionen Euro hatte der Hersteller von Lederhandtaschen und Koffern von den Anlegern einsammeln können – 7. sagt: »Das ist eine Formalität: Die Unternehmen reichen dort Zahlen ein. die bisher nur in China tätig seien. sich ein Stück vom Chinaboom zu sichern. die Produktion eigenartig perfekt und reibungslos laufen und der Lagerumschlag rekordverdächtige sieben Tage betragen müsste.« Aus Birds Sicht sind dies aber faule Ausreden. erklärte. bestritt allerdings weder die Existenz der Unterlagen noch die von Claimpicker angeführten Zahlen. sich kundig zu machen. um eine Geschäftslizenz zu bekommen oder zu verlängern. Leiter der Emittentenbetreuung bei der Deutschen Börse. Im Mai 2011 habe man die korrekten Zahlen für 2010 als auch die Zahlen für 2009 bei der AIC hinterlegt beziehungsweise nachgereicht und damit diesen »historiebedingten Fehler« korrigiert. Doch eine Prüfung. nimmt auch die Finanzaufsichtsbehörde nicht vor.3 % 1. April war ein guter Tag für Shunyuan Guo. sagt von Preysing. Bird ließ sich die bei der Handelskammer AIC hinterlegten Bilanzen übersetzen und stellte – ähnlich wie Claimpicker im Fall Powerland – teilweise erhebliche Abweichungen zu den Zahlen fest.9 % 12 526 +8. Der Börsenprospekt muss von der Aufsicht. die in den vergangenen Jahren in den USA in die Kritik geraten sind. ist was ganz anderes als das.40 US$ +4. im Ausland an die Börse zu gehen. Interessant: Auf der Website der Deutschen Börse werden die Chinaspezialisten von BDO als Ansprechpartner genannt. Das ist verboten und wird von der BaFin als zuständiger Aufsichtsbehörde untersucht«. sagt John Bird. Der Lederwarenhersteller habe an eine Behörde in China Zahlen gemeldet. Für deutsche Investoren ist es dennoch schwer.und Vertraulichkeitsgründen niedrigere Ertragszahlen bei der AIC hinterlegt. und BDO wird als Partnerunternehmen in Sachen Listings ausgewiesen. man versuche. dass bestimmte Unternehmensaktien fallen. einem Anbieter von chinesischer Alternativmedizin wie Abnehmpflastern und Hämorrhoidensalben. Powerland wies den Vorwurf der Bilanzmanipulation in einer Presseerklärung zurück. Aber kann man ihnen trauen? VON HEIKE BUCHTER . Bei China Sky One Medical zum Beispiel. Zudem bringe eine Notierung etwa in Frankfurt ein positives Image mit sich. Die SEC hat inzwischen eine Untersuchung eingeleitet. Bei der Mehrheit der Unternehmen. erhebliche Zweifel an den Bilanzen von Powerland an.

würde ein ohnehin schon teurer Ausstieg aus dem Projekt wohl völlig unrealistisch werden. Die war aber nicht mehr Versicherung oder die Bank. Grube drohnehmen so nicht te: Würde dieser Termin nicht eingehalten. mit der Vergabe der Großaufträge wäre Stuttgart 21 praktisch besiegelt.Anzahl der Riester-Verträge. der aus Sachbücher.an die Wirtschaft und die Staaten der GIPStem Geld aus. Er sei schließlich an Verträge gebunden. Gerade aus der europäischen tungspakt würde es unserem noch rechtzeitig soll der StabiSchuldenfalle zu Land schwerer fallen. chen.4 kann es passieren. nicht selten die tragsformularen aufgeführt 8 Beträge. Irland. da legte sich die Auf. Grube hatte den Eindruck erweckt.Ländern ergeben. Bei ihnen übersteigen Kunden bei Riester-Rentendie Summen. dass die Gesamtkosten zunächst gar nicht wesentlich steigen würden. Nach Schätzunund für Griechenland sollen Die Falle gen der Citi-Bank wird man noch einmal 120 Milliarden im Endeffekt Rettungspakete folgen. Es geht immerhin um 750 Millionen Euro.41.Universität München zufließt. dass aktuell. Der Grund: Die Überprüfung des Stresstests. wie viel ein Baustopp bis zum Herbst kosten würde: mehr als 400 Millionen Euro. sagte er den StuttMehrfach haben garter Nachrichten sich die Drohunvor gut einem Monat. Das ist noch nicht alles: Vergangene Woche wurden Vorwürfe laut.lichen Kreditflusses passieren würde. weil sie sie nicht beantragen. zu einem Prozent verKapital aus dem Defizitland flieht und der Im. dern der ehemaligen D-Mark-Zone eins zu eins Sie kann sich nicht einfach wie in Europa bei die durch Notenbankkredit zustande gekom. flation. satz nicht mehr erreichen und verlöre ihr wichIm Euro-System will der von Frankreich tigstes geldpolitisches Instrument. keit der südlichen Länder zementieren und den Sie war gezwungen.teln verhindern. die die Versiversicherungen über Jahre 14 cherung von dem Spargeld hinweg höhere Kosten be. dere Notenbank. dauert länger als geplant. Man vertrau- A DIE ANALYSE 14. tralbankrat diese Selbstkorrektur der Märkte Irland und Portugal vom Rettungsschirm der EZB unter allen Umständen mit öffentlichen Mitunter den Rettungsschirm der Euro-Staaten ge.bilanzdefizit verschwindet. er kommt aber einem fiskalischen Hilfsschweren Zahlungsbilanzkrise von der Art. Aber der Weg in die Transferunion. Und so fällt auch Drohkulisse Nummer zwei in sich zusammen. Juli entpuppt sich als Drohkulisse.der Geldmenge. nächst 700 Milliarden Euro schwerer fallen. sich zu verweigern VON HANS-WERNER SINN Der Euro-Raum leidet derzeit unter einer sichert. Steuerregeln und Eigenbeitragsvorschriften überfordert. wird er so jedenfalls kaum näher kommen. bis dann ab 2013 Mit jedem weiteren von mehr als zwei Billionen endlich mit dem ESM ein Rettungspaket würde Euro benötigen. hat der lagen war eine sogenannte Kostenquote von Gesetzgeber festgelegt. sich der grenzenlosen Kreditvergabe in die GIPS-Länder zu verlagern. und es passiert – nichts. 3. wäre in Wahrheit noch bedrohZahlungsbilanzdefizite durch die Druckerpresse licher. ZEIT-Grafik/Quelle: Bundesministerium für Arbeit den. . die geschöpft und verliehen. So regung schnell wieder. Ländern (Griechenland.anderen Notenbanken zum Hauptrefinanziemene Geldmenge. Doch als die Landesregierung die Bahn dann aufforderte. Fast alle Bürger sind mit dem Wirrwarr der Riester-Sparformen.bedrohlicher gemalt werden könnten. die Notwendigkeit des Bahnhofsbaus zu begründen. die 2005 einen Versicherungsvertrag nach den RiesDamit eine bestimmte Sparform nach den Riester-Regeln geschlossen hatten. man habe den Stresstest locker bestanden. dass die Sparer sich schon die günstigsten auswählen würden. hat es versäumt. Hätte die man sie von Festkurssystemen kennt. nach. Man wolle auch mit der neuen Landesregierung. ihdes Euro-Raums vergleichbar nen also den Nettoerwerb sind. manchmal legt er auch seine Hand kurz auf dessen Unterarm. Foto: Eventpress aber bedauerlicherweise die Als herauskam. »Hier ist sozugen des Bahnsagen eine rote Lichefs als haltlos nie – bis hierher und nicht weiter.Instituts für Wirtschaftslungsbilanzdefizit ihres Disgeschöpftem Zentralbankgeld forschung und trikts mit zusätzlich geschafim Euro-Raum oder 90 Pro.ist aber auch nicht gut. Für die BahnVON KERSTIN BUND hofsgegner wurde es danach schwieriger. Sträflich unterschätzt haben die Politiker die Tendenz der Versicherungswirtschaft. die Lebensstandard der Deutschen dauerhaft einsie sonst der deutschen Wirtschaft zur Verfügung schränken würde. müsste der Konzern die Aufträge komplett neu ausschreiben. bestätigte das Projekt aber im Großen und Ganzen. Vergeben wird sie die Aufträge aber erst später. Das war völlig welt. SymAn diesem Freipathischer wird tag also wollte die Bahn zwei große das StaatsunterTunnelaufträge vergeben. Insbesondere muss eine fasst derzeit 59 Prozent des Sinn ist Präsident des ifo Notenbank. Die te. im Umfang von über 300 Milliarden aufbringt. Und sind die erst einmal ausgegeben. Er lehrt zudem nanzieren will. Seinem Ziel. Das Misstrauen gegenüber dem Staatskonzern wächst. den Ausweg aus der Sack. um Einspruchsfristen einzuhalten. obwohl das abschließende Urteil der unabhängigen Gutachter noch gar nicht vorliegt. Juli sei für die DER STANDPUNKT: Bahn »ein immens wichtiges Datum«. mit marktgängigen strömende Zentralbankgeld und normal verzinsten Wertverdrängte in den Kernlänpapieren dafür kompensieren. Als die Stiftung Warentest vergangenes Jahr Riester-Rentenversicherungen auf den Prüfstand stellte. dass Vordem der Versicherer verkün. Je früher die Politik den Mut gestellt hätte. Die Selbstbedienung den Euro pro Jahr.« erwiesen. aus der Bahn ein sympathisches Unternehmen zu machen. also die 12 Prozent ausgewiesen. Hinzu kommt der Ärger mit den Zulagen. Berücksichtigt man die Indiskretion aufflog. die sie mit »gut« bewertete. In den USA gibt zusätzliches Zentralbankgeld es zwölf Distrikte der Fed. Länder weiterverliehen worden wäre. die gleiche Verteilung der für das zuströmende Außengeld an Gren. Da das Bundesbank kurzfristige. Unter dem Eindruck anhaltender Kritik von Verbraucherschützern will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dafür sorgen. Sein Technik-Vorstand Volker Kefer drohte gar mit Schadensersatzklagen und rechnete vor. Er bietet der EZB. um Banken und andere Verschubst wurden. die viele ter-Sparen eingeführt hat. Diese Kapitalgarantie ist nicht schlecht. Das würde dauerhafter. Geldschöpfungskredite. Das erzwingt in der Defizitregion Milliarden Euro geschrumpft war. Eine Renaber keineswegs bewältigt. Die Bahn ging gestärkt aus der Schlichtung hervor. Die Distrikt-Notenbanvon Gütern und Vermögensken haben keine Beziehungen objekten in anderen Ländern zu den Bundesstaaten. sind Minusgeschäfte für Sparer (und Staat) Mit der Wiedergutmachung ist der Skandal nämlich dadurch nicht ausgeschlossen. weil er die fehlende Wettbewerbsfähignur Erfüllungsgehilfe ohne eigene Kompetenzen. garantieren muss. als in den An. fand sie unter 23 Angeboten nur sieben. Der 15. In ihren Unter. Sie ließ die Bagger wieder anrollen und verkündete. Für die Gegner war das eine Provokation. wieso die mögensbesitzer vor Verlusten und die BevölkeEuro-Staaten überhaupt in Aktion traten. sich aus litätsmechanismus ESM die der Schuldenfalle der periAnschlussfinanzierung für die befreien pheren Länder zu befreien. in der die Grünen gegen das Projekt sind und die SPD dafür ist. desto glimpflicher wird die zwar über die EZB und wird gemeinsam von allen Sache für Deutschland und das Euro-System Euro-Staaten gemäß ihren Kapitalanteilen be. Die Botschaft war klar: Nichts kann Stuttgart 21 jetzt noch stoppen. Der Kredit floss zu verweigern.6 Stand: 31. Das Projekt würde sich dann um eineinhalb Jahre verzögern. Entwicklung Rentenversicherungen und Riester-Investmentfondsversicherung einem Teil ihrer von 2001 bis zum ersten Quartal 2011 träge. Irgendwann müsse auch mal Schluss sein. Die Schlichtung im Herbst hatte den Konflikt zivilisiert. die Riesterzur Ergo-Gruppe gehörende Hamburg-Mannheimer Ver. der das Geld Das von außen herein. der nachweisen soll. die das Riesnung bei Ergo sind die hohen Kosten. die jeweils anan der Ludwig-Maximiliansden GIPS-Ländern stammt. die lange schon Partei mit hand.zinste Eurobonds der Luxemburger Zweckgeportüberhang nicht mehr finanziert werden sellschaft gekauft. sagte er.und lebensfremd. Doch Grube setzt einiges aufs Spiel. Formal ist sie im Recht. Für rung dieser Länder vor Einbußen bei dem auf Griechenland. was bei einer Unterbrechung des öffentfesten Eigeninteressen im europäischen Rettungs. dass die Das Problem stellt sich nicht bei allen Versicherungsunternehmen das eingesammelte Riester-Vertragsformen gleichermaßen. die der Staat als waren. Die Strategie der harten Linie mag für die Bahn am Ende aufgehen.10 abzweigt. Seine Glaubwürdigkeit schrumpft. in die sie sich manövriert hat. Zahlungsbilanzdefizite der peweil die Schreckensgemälde ripheren Länder sichern. Denn mindestens ditegarantie gibt es nicht. er werde die Kunden 2001 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 sorgeverträge mit Steuergeldern bezuschusst werallesamt entschädigen. immer poker geworden ist. Und das erklärt auch. ob es sich um ein günstiges Angebot handelt oder nicht. Dabei schien es in Stuttgart lange Zeit gut zu laufen für die Bahn. um die absehbaren Versicherer den für das Alter sparenden Bürgern Einbußen bei der gesetzlichen Rente auszugleivon ihren Beiträgen abziehen. Nun berichtet die Financial Times Deutschland aber. den Baustopp bis zum geplanten Volksentscheid im Herbst zu verlängern. bis das Kapital EZB könnte in diesem Fall die Banken der wieder Interesse an ihr findet und das ZahlungsKernländer mit ihrem Hauptrefinanzierungs. Da der Restbestand dieses durch die Druckerpresse ist in Amerika ausKredits Ende letzten Jahres schon bis auf 180 geschlossen. 2011 4. hilft die Notenbank mit frisch gedruck. Er verpasste Stuttgart 21 am Ende zwar ein paar Auflagen.12 10. »konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten«. die sich viele Sparer entgehen lassen. zu sagen. hieß es zur Begründung. dass 15 Millionen Menschen in diesem Land Vorsorgeverträge laufen haben. rund 14 000 Menschen. und sie des Euro-Raums zu ermögvergemeinschaften ihre gegenlichen. um von ihrer ökonomischen Podie Zahlungsbilanzdefizite dietenz her mit den Ländern ser Länder zu finanzieren. droht er im eine Senkung der Preise ihrer VermögensobjekJahr 2013 gänzlich zur Neige zu gehen. die wirtschaftlich unBetroffen sind angeblich und Soziales sinnig sind. Seither stellt die Bahn auf stur und erhöht den Druck. dass die beiden häufigsten. dass der Anbieter. Denn der größte Brocken der Auftragssumme würde erst viel später fällig. Heiner Geißler sorgte dafür.zu Beginn der Rente mindestens die eingezahlten vor auf 16 Prozent angehoben hatte. der Konzern habe seine Kalkulation für den Prestigebau und die dazugehörige Neubaustrecke nach Ulm jahrelang geschönt und die Öffentlichkeit getäuscht. aber ausreichend ist sie wohl nicht.der gleiche Kreditfluss. Es ist vermutlich nicht überspitzt. Sie sollen verpflichtet werden. bis der Schwindel durch eine In. dass die Versicherungsgesellschaften ihre Angebote künftig transparenter und verständlicher darstellen. Die Bahn wird am Freitag nun ein paar Absagen an die unterlegenen Bieter verschicken. Der Bahnchef schaut seinem Gegenüber dabei direkt in die Augen.rungssatz verschulden. den Europa auf diegasse. Portugal und Im US-amerikanischen System wäre ein Spanien) zusammengenomähnlicher Vorgang nicht mögmen für 314 Milliarden Euro H A N S  W E R N E R S I N N lich gewesen. Für die Befürworter wurde es leichter. Dafür sind unermessund Euro-Länder bislang schon liche öffentliche Kreditströme 273 Milliarden Euro bewilligt. hielt Rüdiger Grube sich zunächst zurück. Die Initiative ist löblich. dafür zu sorgen. in einem sogenannten Produktinformationsblatt die wesentlichen Angaben zu Kosten und Risiken übersichtlich aufzuführen. gleiche reale Güterstrom zwischen den EuroBis zum März 2011 wurde in den GIPS.ter-Regeln staatlich gefördert werden kann. Die Bundesbank war bei der Finanzierung der se Weise ginge. wie programm der Bundesbank gleich. Nun kommt dieser Tag.WIRTSCHAFT FORUM ANALYSE UND MEINUNG Keine maßlose Rettung! Die Politik muss den Mut haben. Wie immer entsteht die Krise. ihrer Güter und ihrer Arbeit.8 für sich und ihre Vertreter rechnet hatte. sie höheren Kosten. Überzeugend wirkte auch. das hat Heiner Geißler in seinem Schlichterspruch verordnet. was Grube in einem Interview zu Stuttgart 21 verkündete: Der 15. den Massenprotest wiederzubeleben. Er kommt dann sehr glaubwürdig rüber. weil der Versicherer diese Quote kurz zu. Ohne dieses Testat kann die Bahn aber nicht im großen Stil weiterbauen. seit 2008 etwa 100 Milliar. erforderlich.ausgehen.2 14. es betrifft Altersgeld kostengünstig verwalten. Es fällt selbst Ökonomen und Juristen schwer. Tatsächlich Beiträge und die staatlichen Zulagen zur Verfügung berechnete Ergo den Kunden dann heimlich die stehen. deren Verkaufserlös sodann kann. dass Griechenland. Anstatt zu triumphieren.Autor wirtschaftspolitischer fenem Gemeinschaftsgeld fizent desjenigen Teils. dann in klaren. Führt mehr Transparenz zu besseren Angeboten? VON RÜDIGER JUNGBLUTH te einfach auf den Wettbewerb der Anbieter und darauf.dessen. Nur zwei Tage nach der Landtagswahl im März verhängte er einen Bauund Vergabestopp. beliebig erweiterDeutschland in die Knie barer Rettungsschirm von zues unserem Land zwingen. mithilfe der Vertragsunterlagen herauszufinden. Dieses zusätzliche seitigen Kreditbeziehungen Geld (die Target-Salden) umnicht. dass es beim Bahnhofsstreit wieder um die Sache ging und Gegner und Befürworter auf Augenhöhe diskutierten. sich Mit jedem weiteren Reterrichtet sein wird. einfachen Sätzen. Private Altersvorsorge Auf die harte Tour Bahnchef Rüdiger Grube überzieht bei Stuttgart 21 – und schadet sich nur selbst Wenn Rüdiger Grube spricht. Gleiches gilt bei den Kosten für den Tiefbahnhof. und den peripheren Ländern dominierte ZenDas ist der Grund dafür. Kosten im Kleingedruckten zu verstecken. ebenso anstößig wie die damalige FalschberechDie rot-grüne Bundesregierung. riss dem Bahnchef der Geduldsfaden. deren wesentliche Grundlagen sie nicht begreifen. wenn sie ein Zahgesamten Bestands an kredit. dass der neue Bahnhof leistungsfähiger ist als der alte. hätte sich weil die Aufnahmefähigkeit der anderen Län. Dabei ist die richtige Auswahl wichtig.59 Millionen Förderung zuschießt. Irland und Portugal haben IWF Pump finanzierten Lebensstandard zu schützen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 33 Altersverwirrung Riestern ist bürokratisch und oftmals zu teuer.2 dete. Und das Projekt? Verzögert sich dadurch trotzdem nicht. die gleiche Haftung und der zen stößt.

jeder weiß. ZEIT: Das hat Ihnen Mut gemacht? DIE ZEIT: Herr Wohlfahrt.mehr geht nicht. Die Grundprodukte waren damals vielleicht sogar besser. manche liegen unter Blättern und. Wirft man Mitarbeiter Wohlfahrt: Auch das habe ich durch das Buch geins kalte Wasser. Den Spargel im Mixer klein zu hauen und alle Vitamine klein zu schlagen und mit Sahne zu versetzen. und. muss ich davon ausgehen. kosten die zwar noch 180 Euro. die uns die Natur zum Kochen zur Verfügung stellt. Irkein großes Auto. Eine Speise kann ten Chef? Wohlfahrt: In so einer Küche arbeiten Menschen noch so schön dekoriert sein – schmeckt es nicht. Wohlfahrt: Ja. jedes Pfingsten bei mir jeder Schnitt am besten. Wohlfahrt: Ja. dass er alles ganz toll fand. wird es auch bei dir funktionieren. vom Kochen? Wohlfahrt: Ich hab relativ große Hände. was möglich ist. Wenn Sie einen guten Tag in einem ZweiSterne-Restaurant erwischen. ist mit Stärken und Schwächen. Die Zutaten.erreicht. sich so zu artikulieren. wer morgens fit ist und wer ZEIT: Haben Sie den dritten Stern gefeiert? abends vielleicht etwas zu lange weg war. ZEIT: Die geben für Sie den Ton an? Wohlfahrt: Ja. was kann ich noch mehr tun? Mehr geht heiß ist. welches Material ich einsetze. Man braucht ein Team.. Es geht um den Weg ben Induktionskochfelder und eine Klimaanlage.Wohlfahrt: Da waren Jahre dabei. Heute sind die Arbeitsflächen höher. anonymer. irgendwo in den Bergen. verwinkelter Gang. Das ist mein Ziel. aus welchen Gründen auch immer. an den Wänden die Arbeitsplatten. Da muss man einen es gar nichts. zweier junger Männer. Ich mache das anders. Von da an war für mich klar: Es sollen drei Sterne werden. Ich habe meine Frau vom Wochenso. in dem einer für den morgen nicht mehr können sollte: Wen interessiert anderen einsteht. ZEIT: Sie schaffen etwas Perfektes.ZEIT: Sie könnten gelassen sein. Bleibt was auf dem Teller. hat er einem den Fisch hingeworfen. wie toll sie gewesen sind. Ich muss wissen. steht da ein Greis mit langem Bart. Hat man den Lachs verschnitten. ich brauche an. das war regelrechte Selbstversorgung. Dessen Koch – manche halten ihn für den besten Deutschlands – wartet schon vor dem holzverschnörkelten Eingang. so sitzt jedes Weihnachten. den Sie nicht gese. aber dann freue ich mich. die hab ich aufgenommen und verarbeitet. und unglaubliche Auszeichnung. 20 Jahre drei Sterne. Ich bin zum Chef und hab Wohlfahrt: Das Buch heißt Musashi. und das Arbeiten an sich? Wohlfahrt: Früher hatten wir hier drin eine Riesen. würde wie einen räudigen Hund. immer weiter? hen. Ich stülpe die Silbercloche ZEIT: Wie haben Sie es gedreht? Wohlfahrt: Einerseits bin ich raus. Wenn ich einen.den dritten Stern wollte. Stallhasen. ZEIT: Können Sie besser schmecken als vor 30 Jahren? Wohlfahrt: Geschmack entwickelt sich. der hat eh nur Blick für den verliert. sind auch entdeckt. auf denen Wohlfahrts Köche jetzt Trüffel in Scheiben hobeln und Lachshaut bearbeiten – erste Vorbereitungen für den Abend. Er hat sich geoutet und gesagt. Wohlfahrt: Ich konnte das nicht. Der Sinn der Kochkunst ist ja. Der ist für einen härteren Umgangston bekannt. Nur das Milchlamm war ihm im Geschmack nicht ausdrucksstark genug. Oder junger Bärlauch! Oder die Ölrauke! Oder der junge Löwenzahn! Aus dessen Blüten kann man wunderbaren Honig machen und damit schön eine Ente la- ckieren. Wenn der einen Lachs filetiert Wohlfahrt: Ich habe für dieses Restaurant mein Lehaben wollte. Wir folgen Harald Wohlfahrt in sein Reich. wo ich jetzt stehe. ZEIT: Warum wollten Sie nach den Erfahrungen von damals überhaupt Koch bleiben? Wohlfahrt: Bei Eckart Witzigmann hat es mich ge- packt. das hoteleigene Restaurant. hoch aner. Die Sonneneinstrahlung ist anders. was an die Tür klopft. Einsatz. Die Arbeitsflächen waren auf 70 ZEIT: Sie haben mal als Lieblingsbuch ein Werk Zentimeter. sonst sehe ich schwarz. der Fleischposten. wenn man da den Anschluss fallen. ging an die Gesundheit. ZEIT: Mal unter uns: Kann man den Unterschied zwischen zwei und drei Sternen schmecken? Wohlfahrt: Den kann man nicht mehr in Worte fassen. Ich hab so viel Hummer. wird man sofort infrage gestellt. der ins Dunkle führt.. Ich hab autoritäre Küchenchefs kennenge. Klar gibt es Momente. das ist eine der die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber am Ende bin ich nur ein ganz normaler Angestellter. Hausschlachtung. und dennoch werden neue Musikstücke geschrieben. die mit einem unter solchen Bedingungen? mir wichtig Schwert durchtrennt wurde. so viel Trüffel. Ich sage: Go. weil ich elf Monate im Jahr keine Morcheln gesehen habe. In der Mitte die Kochfelder. bei uns zu essen. ZEIT: Sie haben sehr kräftige Finger. Aber das passiert mir heute nicht mehr. Wohlfahrt: So ging es auch nicht. in den Mülleimer schmeißen. dass alles gefragt. dazu die riesigen Edelstahlkochfelder. Das ist nicht immer der teurere. wer hier auch wirklich hinwill: In die Traube. um mitzuhören. die mir eine neue Dimension des Kochens offenbart haben. in der Zeit. dass sie keine Lust mehr haben. kann es sein. dass es eine Zeit nach mir geben wird. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert? machen die anders. Es war immer in ihm. Man kann den Stand von 1992 und heute nicht vergleichen. Ich kann mich nicht auf die faule Haut legen und dann um 23 Uhr in die Küche kommen und den Jungs hier sagen. Ich konnte nicht gelöst sein. ZEIT: Sie wollten Sternekoch werden. Der Druck war ZEIT: Beim Fußball sagt man ja. die war auch eine Sache der inneren Einstellung. schaffe ich das. ich bin der Chef im Ring hier. und ihn meine Küche interessiert. das heißt. bett geholt und nach Hause gebracht und bin sofort gab’s einen Anschiss. Er wichtig. um das zu verstehen. wenn das Fleisch hinzuarbeiten oder den dritten Stern zu behalten? besonders gelungen ist. lieber Freund. in denen Und dem jungen Mann kommt die Erleuchtung: Er man zeigt. als wenn dann. Jetzt bin » « Die Schwarzwaldstube in Tonbach: Die Tische sind mittags und abends auf ein halbes Jahr ausgebucht Ohne sein Okay geht nichts raus: Wohlfahrt an seinem Platz. In das kleine Dorf Tonbach kommt nur. oder in den Tiefkühler mit Schwertkämpfer werden. Kochen ist Entbehrung. Ein haus. was kann ich verbessern? Es Wohlfahrt: Weniger Butter. Ich bin auf dem Land auf dem Bauernhof meiner Großeltern aufgewachsen. ZEIT: Haben Sie sich damals gedacht: So nicht? Wohlfahrt: Nicht durch andere.dem dritten Stern klappen muss. Ich muss dabei sein. der Fischposten. 1981 in Paris bei Joël Robuchon im Jamin. Als wenn man eine Rakete anzündet. das erschließt sich mir nicht mehr. denn es war klar. Das kann ich Gericht für Gericht abrufen. er machen muss. Wenn hier sein. einmal. wenn Sie das Gefühl haben. Ich habe in dieser Küche meinen Köchen: So filetiere ich den Lachs. Franzose. Und in die Schwarzwaldstube. wachsen können.musste ja damit rechnen. Aber selbst wenn Sie das perfekte Gericht geschaffen haben. ob man was getan ders weitergekocht. Da kommt mehr raus.. Und wenige Minuten später ist es weg. und jetzt muss den Alten nicht umbringen. zur Sterneküche geSchnitt ist so perfekt. weniger Sahne. Da habe ich mich im Restaurant hinter einer Säule versteckt. Ich schaue. dass es nicht geschmeckt hat. hatte oder nicht. Der eine ist beseelt davon. ZEIT: Sie sind Perfektionist. Oder wilde Brunnenkresse.so groß. die Galle hatte. Ich will Perfektion. das würde ich heute nicht mehr machen. das geht stark auf die Bandscheiben und die Knie. dass ich es nicht bringe. Ich ZEIT: Es geht kein Teller raus. dass ein Gast alles schnell herunterschlingt . ZEIT: Sie kochen seit zwanzig Jahren auf Drei. hätte woanwar man abends stehend kaputt. Dafür stehe ich jeden Morgen auf. der größte Kämpfer aller Zeiten zu werden. Sie ist erstaunlich klein. In der Spitze wird man vernachlässigen Sie die anderen.com (gr. Aber da habe ich gemerkt. Das war nie meins. Aber wir komponieren die Gerichte anders. von mehr als 50 Grad. weil sie denken. das sind Unterschiede er muss gegen alle kämpfen. die ich gebe. aber da ist Feingefühl drin.mehr.immer weitergeht. Ich dachte: Wenn ich so nah dran bin. mach mal. PR (3) . Dann eine schwere Tür mit Glasfenster. Ich war dabei. Wenn jemand darauf spart. aber keinen WettZEIT: Sie werden nie laut? Wohlfahrt: Ich hab mich immer als Führungskraft kampf mehr bestreiten. Sie könjeder sein eigenes Süppchen kocht. Die anderen Köche kochen auf mich zu: einfach nicht. Aber früher musste ich auch mal Gänseleber. wir ha. Bild). Der Man sagt ja. Wenn ich ein Körbchen Erdbeeren habe. Haben Sie mal wilde Brunnenkresse probiert? ZEIT: Nein. wo ich zwei Jahrzehnte war? Mir ist klar. Im Frühjahr 1983 war ein Tester da. Das hier ist die ZEIT: Sonst? Südseite. Wohlfahrt: Ich tranchiere das Fleisch. jedes Ostern. ich es mir vielleicht noch an. Perfektion und die Kunst des Loslassens Tiefster Schwarzwald. Das sind gendwann kommt er an die letzte Das ist mir nicht extreme Belastungen. Ich muss spüren. ZEIT: Müssen Sie heute für drei Sterne filigraner kochen? Wohlfahrt: Einen schönen Spargel zu Püree oder Mousse zu verarbeiten. tern. so viele Jahre. Kochen ist sieht im Garten vor dem Haus Zeit: Wie funktioniert ein Team eine Bauernrose. bei denen nur ihre eigene Meinung gezählt Wohlfahrt: Ich finde schon. Sie haben alles ter Mann. Ich habe keine teure Uhr. geguckt. Ich brauche minus 18. Der hat die Reflexe nicht verstanden und nicht als Rausschmeißer und Dik. Ich muss einen guten Madeira von einem hervorragenden Madeira unterscheiden können. wir waren ständig in Bückhaltung. Direkt vor mir wird angerichtet. Wohlfahrt: Aber die Erinnerung bleibt. Er ist es schon. Uhr. also noch fünf Jahre. Wenn die ersten Morcheln am Markt sind. dass einer glänzt und die anderen unterdrückt werden. nicht mehr die Stimme. Kochen ist wie Musik. vielleicht 40 Quadratmeter. wo die Vorspeisen – und dann: wieder nicht geschafft. Wohlfahrt: Nicht einer. der hat das Gespräch mit den Mitarbeitern gesucht. Ich weiß. musste ich geduldig sein. dann lassen die sich permanent verglichen. im Sommer bis zu 48 Grad. Ich kann meine Gäste nicht betrügen. Ich wusste. so viel Gänseleber verarbeitet. Mit ZEIT: Ist Kochen ein Knochenjob? Wohlfahrt: Schauen Sie mal die Steinböden hier. in dem Sie den ersten Bissen schmecken. was Sterne-Niveau. Stufe. man hatte Hühner. Beim fünften Mal sage Das weiß ich. ZEIT: Warum? Und wenn wir hier 35 Grad haWohlfahrt: Man muss es gelesen ben und einer muss ins Kühlhaben. wie Kartoffeln gepflanzt werden. Genuss empfinden. Durchhaltevermögen. jetzt musst du dich richtig bemü. Als er wird hochkonzentriert gearbeitet. dem habe ich mich identifiziert. Dann habe ich mir das Küche ist sehr entfettet worden . vergessen. der könnte immer noch eine geniale Sauce machen. Ich möchte die drei Sterne behalten.es mir empfohlen. Es klar ist: Wer das getan hat. Lebensjahr mit ZEIT: . Das ist mein Herd. Wille.ZEIT: Gibt es das perfekte Gericht? lernt. kleiner. auf die Teller. wir nutzen heute viel mehr die Jahreszeiten. die Eigentümerfamilie mich nicht vom Hof jagen ZEIT: Sie haben bei Eckart Witzigmann gelernt. die ich gemacht habe. das ist mir alles nicht wichtig. Beim vierten Mal gucke Kochen ist mir wichtig. Ich kann nicht loslassen. derbekommen. Wohlfahrt: Hauptsache. um der Größte zu muss die Order laufen. dann essen Sie besser als in einem Drei-Sterne-Haus an einem schlechten Tag. Ich musste meinen Weg gehen. die perfekt im Vakuum in Butter gegart werden.ich hab andere Häuser angeschaut. schmeckt ja nicht jede genial. wo ist Ihr Platz? Wohlfahrt: Das war für mich Feuer unterm HinHarald Wohlfahrt: Genau da. was sich hier ab. als ich unbedingt spielt. ZEIT: Sie sind ein Getriebener. soll er das Bestmögliche bekommen. er hat es gegessen. Das ist mein Arbeitsfeld. dass ihm hört ein brüllender Sternekoch.ZEIT: Es geht weiter. Da war sein zwei. Man hatte Most. Weg. Wohlfahrt: Hier hört man eher die Nadel fallen. demoralisiert. Das Gespräch führten MARC BROST und ANNA MAROHN Fotos: Deniz Saylan für DIE ZEIT/denizsaylan. Das sage ich kein großes Auto. Ich habe mir gemacht werden. wird das nichts. das große Hotel am Fuße des Bergs. habe schnell zwei Sterne erkocht. die ist so etwas ganz Besonderes. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 WAS BEWEGT HARALD WOHLFAHRT? WIRTSCHAFT »Kochen ist Entbehrung« Harald Wohlfahrt richtet seit 20 Jahren Essen auf Drei-Sterne-Niveau an – ein Gespräch über Führung. Das hat auch was Haptisches. Ich schme. Druck gemacht. Das des japanischen Autors Eiji Yoshikawa genannt. in dem es nur zwei Grad junger Mensch will der größte Ich habe keine teure hat. wo ich nicht mehr die erste Geige spielen darf. dass der Druck mäßige Spieler als Mannschaft über sich hinaus. Pädagogisch nicht gut. durch die Licht fällt. Das ist der Grund. und das habe ich geschafft. ZEIT: Was genau machen Sie? ZEIT: Es dauerte allerdings noch mal neun Jahre. Und warum ich mich selbst antreibe. der Gemüse. weiter. kannte Fachkraft.. Dann kam der Michelin raus posten und die kalte Küche. Heute habe ich lieber schön gleichmäßige Stangen. an dem er die Speisen anrichtet So sieht ein Wohlfahrt-Teller aus: Mousse und Tatar vom Stör mit Imperial-Kaviar und grünem Spargel ich älter und weiß. Die großen Essen. ich war in Paris. weiß ich noch genau. dass irgendwann auch die hen haben? Eigentümerfamilie denkt.. und. Wohlfahrt: Die hat so einen bestimmten Charakter. wie mein Team funktioniert. ZEIT: Wie wichtig ist Erfahrung beim Kochen? Wohlfahrt: Das macht viel aus. zweimal. Blick dafür haben. noch nicht. Ein Gast hat gesagt: Komm mal rein und guck. dreimal. Ein schmaler. Wohlfahrt: Wir haben. Ich bin hier 1980 sehr jung Küchenchef geworden. Ich weiß. Monsieur Bernard. bis ich 60 bin. Die Besuche. zu verkrampfen. Wie jemand isst. nen mir den Bocuse herholen. Das ist der Moment. Da gibt es nur eine bestimmte Anzahl von Tönen. da hab ich mich cke die Saucen noch mal ab. Eignest du es dir so verbracht. Wenn Sie den höchsten hat und sonst nichts. hitze. dass viele mittel. muss der Beste sein. Im Grunde spiele ich mit den Aromen der Natur. dass man aus den bestehenden Dingen etwas Neues schafft.. ZEIT: Was macht einen guten Koch zu einem gu. Da Wohlfahrt: Sonst hätte ich aufgehört. wie ein frischer Meerrettich in der Erde steckt. warum ich meine Leute antreibe. Dahinter: die Küche. sind die überfordert und schnell so lernt: Als ich jung war. Ist das in der Küche auch so? ZEIT: Was ist schwieriger: Auf den dritten Stern Das Gemüse wird ja nicht besser. wenn wir sie dieses Jahr wieWohlfahrt: Es ist eher so: Haben Sie nur einen Star. Ich sage wieder hierhergekommen. Ziel gesetzt. tator. ich. auch wenn ich es nicht so machen wollte wie er. dass es bis zum 40. dass meine Zeit kommt. ben gegeben. um das beste Ergebnis zu kriegen. ist nicht mein Problem. Durch mich selbst.ich habe alles gegeben.34 14.

unter anderem zugunsten eines Insulinprodukts der Firma Sanofi-Aventis. Immer neue Kuppeln von Bioreaktoren sprießen aus dem Boden und oft gleich daneben: kilometerweit Mais. so heißen die dezentralen Strom. Denn anders als der unstete Wind. ein Antiatomkreuz hängt an ihrem holzverkleideten Haus. Auf solche Lehrbeauftragte stützt sich auch die juristische Fakultät der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) in ihrem Forschungsschwerpunkt Medienrecht. das unter dem Deich durchsickert. Kürzlich wandte sich ein Orchester an den Wissenschaftler. Gitarrenernte ist frühestens 2012. rein in die Ökoenergie« nicht erst seit Fukushima. bei Flaute oder bedecktem Winterhimmel könnten die Bauern ihre Gasmotoren anwerfen und so Strom erzeugen. In die wenigen freien Zonen zeichnet sie weitere Kreise: »Hier ist eine neue Anlage im Bau. ist die Reputation der Universität gefährdet. 43 14. Noch dominiert vielerorts Grünland. der aggressiv gegen Homosexuellen-Verbände auftrat. Ludwig Sothmann. viele Wind-. nein danke! Satter Sound Wolfgang Palme arbeitet in der Gemüseabteilung der Höheren Bundeslehr. Sie kommen aus der Praxis und bringen für einen »Ehrenlohn« ihre Erfahrungen in Forschung und Lehre ein. Das hat seinen Preis. Warum nicht Kürbisse in Gitarrenkörpern wachsen lassen? Als Saiten empfiehlt Palme Gurkenschalen. Von Heinegg hat nun angekündigt. der ergiebigste Kraftstoff für die Ökomeiler. Doch zum kompletten vegetarischen Soundteppich fehlen dem Vienna Vegetable Orchestra vitaminreiche Gitarren. Sanofi-Aventis in Internetfragen zu beraten. Die ökologischen Nebenwirkungen kennt kaum jemand besser als die Biologin Petra Bernardy. die unter anderem für das Bundesumweltministerium und das I Biosphärenreservat Elbe forscht. Umweltverbände kritisieren schon seit Langem die lebensfeindlichen Monokulturen. Viele der Biogasanlagen liegen in oder neben Naturschutzgebieten. Vögel sind empfindliche Indikatoren für die Artenvielfalt.WISSEN Promotionen: Dürfen Doktorväter sowohl Betreuer als auch Benoter sein? S. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 35 WIKIPEDIA Doppelexistenz Das zweifelhafte »Wiki-Watch« schädigt den Ruf der Viadrina Honorarprofessoren zeichnen sich meist dadurch aus. schädigen Gewässer und das Klima VON HANS SCHUH Aufschichten von gehäckseltem Mais für eine Biogasanlage in Schleswig-Holstein m Landkreis Lüchow-Dannenberg lässt sich die Zukunft der Energiewende besichtigen. Vogelschutzgebieten und Lebensräumen nach der Fauna-FloraHabitat-Richtlinie (FFH) willkommen. garantiert auf 20 Jahre. Jeder steht für eine Biogasanlage und ihr Einzugsgebiet. Eine Hauptrolle spielt dabei die Produktion von Biogas.und Wärmequellen. Sie lebt nördlich von Dannenberg in Hitzacker an der Elbe.« Auf dem neuen Elbdeich. Er verändert nicht nur das Wendland. Im Gegenteil: Sie zerstören die Artenvielfalt. Lerchen. Qualmwasser. Von den einstigen Kiebitzschwärmen keine Spur. 1. Schon dicht dahinter sprießen junge Maispflanzen. Erst kürzlich geißelte der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). In den vergangenen Wochen stellte sich aber heraus. Die Wärme der Motoren ließe sich auch zum Heizen nutzen. Dreißig rosa Kreise leuchten darauf. und da …« Das Wendland wird Gasland. sauber. Möhren. WILL WISSEN . Sie sollte »Wiki-Watch« schnellstens den Stecker ziehen. Bernardy warnt nun gemeinsam mit Kollegen der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft davor. es brauchte noch ein Instrument. die zur Gitarrenform neigen. Schillernde Persönlichkeiten können das akademische Leben bereichern. Hier gilt das Leitmotiv »Raus aus der Atomkraft. Pfefferschoten. Wolfgang Stock war kein unbeschriebenes Blatt: ehemaliger Redakteur von FAZ. Das ist überfällig: Solange das Siegel der Viadrina auf Stocks privater Website prangt. Wenn sie ihn einspeisen. So wurde die Vogelvielfalt in den letzten Jahrzehnten stark dezimiert. Es ist leer. den Rückgang etwas zu bremsen. das legen Recherchen von Wikipedianern nahe. 36 Foto [M]: Michael Staudt/ Your Photo Today/SUPERBILD Biostrom. CHRISTOPH DRÖSSER Die meisten Biogasanlagen belasten die Umwelt deutlich mehr. betont die Wissenschaftlerin. das EEG als »Auslöser der Vermaisung ganzer Regionen«. Außerdem besitzt Stock eine PRAgentur. erzkonservativer CDU-Politiker. Das lässt sich belegen. baut sie ihr Spektiv auf. Davon ist nur ein schmaler Streifen am Qualmwasser geblieben. möglichst bald. Antiatomplakate und -kreuze prägen die Landschaft.oder gar Mehrfachexistenz im Internet führte: Der selbst ernannte Wiki-Wächter.und Brutgebiete. dass Stock eine Doppel. lässt wertvolle Flachgewässer entstehen. Solar. Landwirtschaft ist in Biosphärenreservaten. verlieren sie Nahrungs. unentgeltlich eine »Arbeitsstelle Wiki-Watch« einzurichten. wenn Brachflächen verschwinden und Grasland umgepflügt oder intensiver genutzt wird. »Ich bin für Biogas«. sondern weite Teile der Republik. Heute. Doch für die meisten Biogasanlagen trifft dieses Idealbild nicht zu. Die Landschaft wird zum Kraftwerk. Im vergangenen Oktober trat Wolfgang Stock an die Fakultät heran und erbot sich. 37 KINDERZEIT Energiewende: Woher kommt künftig unser Strom? S. Kiebitze. Es ist paradox: Im Prinzip ist Biogas sinnvoll und wichtig für die Energiewende. Doch sie wollen mehr: grüne Energie exportieren – möglichst viel. bereut er das zutiefst. Und jeder Stromkunde finanziert gemäß dem gerade renovierten Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) die fortschreitende Industrialisierung der Landschaft mit. Doch weil die Milch von Weidekühen kaum mehr Gewinne bringt. als sie ihr nutzen. editierte unter diversen Pseudonymen Artikel in der Enzyklopädie. Da ist eine genehmigt. gelten als umweltfreundlich. Intensive Monokulturen gefährden ihre Lebensgrundlage. Gärtner Palme ließ Samen von Kürbissen keimen. »mit dramatischen Folgen für die biologische Fortsetzung auf S. Sie zerstören die Artenvielfalt. sondern schon seit den Anfängen von Gorleben. Der »ungesteuerte Wildwuchs bei den Biogasanlagen« beschleunige die Industrialisierung der Agrarwirtschaft.und Biogasanlagen sowie Äcker voller Energiepflanzen. Doch sie hadert mit den Folgen der Alternative: »Bitte keine weiteren Maisäcker mehr! Vor allem nicht mitten im Biosphärenreservat oder Vogelschutzgebiet!« Bernardy zeigt auf eine Karte des Landkreises (siehe nächste Seite). Im Reich der Mitte ziehen Gemüsevirtuosen längst Gewächse in Gefäßen zur gewünschten Gestalt. Diesem geschenkten Gaul schaute der Lehrstuhlinhaber Wolff Heintschel von Heinegg nicht weiter ins Maul. Sellerie. Zerstörung der Artenvielfalt Petra Bernardy steuert ihr Auto durch die Landschaft ihrer Heimat. Dort kommt noch eine hin. Punkt für Punkt. und rät nun zur Verfeinerung nach chinesischer Methode. auf der Landseite des Deiches. Kurze Zeit später begann er. solange sie im Einklang mit der Natur betrieben wird. evangelikaler Aktivist. belasten die Umwelt und schaden teilweise sogar dem Klima. die ein kritisches Auge auf die Diskussionen und Bearbeitungen der großen Online-Enzyklopädie werfen sollte. Auf einem hohen Pfahl thront ein Storchennest. flexibel und effizient. umgepflügt und industrialisiert. der neue Agrarboom könne die Verluste wieder beschleunigen. »die erforderlichen Schritte« zu tun.und Forschungsanstalt für Gartenbau Schönbrunn in Wien. Das ist erlaubt. Schon versorgen sich die Wendländer vollständig mit Ökostrom. Vielerorts gelang es. Das Ensemble bringt Gurken. Unten. Einen Zusammenhang bestreitet Wolfgang Stock. Blockheizkraftwerke. satteln Landwirte um und erzeugen lieber Biostrom. quaken Frösche. nahe der alten Eisenbahnbrücke nach Dömitz. so darf man vermuten.und Solarstrom lässt es sich speichern. doch immer wieder deutet sie auf Mais- äcker links und rechts der Straße: »Das waren früher Weiden. Berliner Zeitung und Focus. die Unternehmen bei ihren Aktivitäten in Sozialen Netzen berät. Wirsing HALB und Petersilie zum Klingen und füllt damit Konzertsäle. bekommen sie dafür eine hohe Vergütung. Früher gingen diese in weite Feuchtwiesen über – ein Dorado für Störche. dass sie kein Honorar erhalten.

Während zwei Dritteln des Jahres können deshalb Wind und Regen die ungeschützten Böden erodieren. Jahrhunderts wurde die Steinau ähnlich radikal begradigt wie der Försterbach. um sich fortzupflanzen«. renaturieren Ingenieure wie Foth und Giese seit vielen Jahren behutsam: Sie beseitigen Schlamm und Wehre. Die kürzlich erschienene Übersicht Brutvögel in Deutschland 2010 zählt den Kiebitz zu den vier am stärksten gefährdeten Arten.25 Prozent des eingesetzten Stickstoffs werde in Lachgas umgewandelt. dann Futter für Tiere liefern. Wind oder Sonne. Zudem treiben Biogasproduzenten ein heikles Spiel mit zwei potenten Treibhausgasen: Methan. Erst nach einigem Suchen entdeckt die Vogelkundlerin vier Kiebitze. Zudem verbrennt Biogas wegen seiner geringen Qualität unvollständig im Motor. wären Verwehungen unausweichlich. das gerade international zum Standard wird: Landwirtschaft soll zuerst der Ernährung von Menschen dienen. Biogasanlagen sind nicht absolut dicht. oder sie lassen Gas ab. Sollte tatsächlich ein Sturm über das Land ziehen. Da sich große Felder schlecht ganzjährig komplett abdecken lassen. 18 weitere Anlagen haben die Genehmigung oder warten darauf. das entstehende Kohlendioxid haben ja Pflanzen zuvor aus der Luft geholt. sagt Foth. In einem ihrer Einzugsbereiche liegt das Schloss Wotersen. das zwischen den Maisfeldern erhalten geblieben ist. dann enthält der Boden zunächst viel Humus. Die beiden Ingenieure sind im Kreis Herzogtum Lauenburg für die Gewässerpflege zuständig. ohne die Bestände zu verringern. So kostet es viel Energie. »Da. Biogas.de/audio . eigene Recherche wiesen talwärts. Neben Schloss Wotersen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 WISSEN Fortsetzung von S. genügen schon wenige Prozent Verlust. Zwei davon trippeln im schmalen Wiesenstreifen unten am Deich herum. sondern deutschlandweit –.bis dreimal so hoch. Einst machte die Steinau ihrem Namen Ehre. mit Gärresten aus der Biogasanlage gedüngt und zur Maiszucht genutzt«. Naturbelassene Uferstreifen schützen vor Stoffeinträgen durch Erosion. Und sie sinkt weiter. Doch kein Lüftchen weht. Ihr Laich entwickelt sich geschützt in den Hohlräumen zwischen den Kieseln. Die Erosion lässt neu angelegte Kiesbänke versanden und verschlammen. Gülle 1 Nawaro mit 2 Nawaro mit 30 % Hühnermist 30 % Rindergülle und Wärmenutzung und Wärmenutzung 3 Nawaro mit Wärmenutzung 4 Nur Nawaro *Nawaro: Hälfte Mais. In den vergangenen 20 Jahren hat sich durch die intensivere Landwirtschaft die Zahl der Kiebitze mehr als halbiert. Kein bewachsener Uferstreifen trennt Gewässer und Acker. Silofüllen (Hintergrundfoto) erfordern Energie und setzen CO2 frei. Dabei ließen sich die 3. umströmt von Frischwasser.« Hier aber haben jetzt Krähenvögel die Lufthoheit. Das würde die staatlich geförderte Massenproduktion frischer Pflanzen für Biostrom verbieten. Wind. dem Stromgenerator (»Schlupf«) oder durch Betriebsstörungen. Sollten die Jungen dennoch schlüpfen und den Pestizidduschen des Bauern entgehen. Das nährstoffreiche Dreckwasser landet dann in der Steinau. auch für Abwärmenutzung. Sümpfe und Feucht- 1 2 3 4 370 zum Vergleich: 340 Erdgaskraftwerk 230 ErdgasHeizkraftwerk 40 Ökostrom (Sonne. vor Schädlingen zu schützen. die über das Junge hinwegfliegt. sondern laufen stur rund um die Uhr. »Forellen brauchen steinige und kiesige Bachbetten. 2. Dies passiert häufig. »Solche Erosionen gefährden unsere jahrelangen Bemühungen. 35 Wendland wird Gasland Immer mehr Biogasanlagen (rosa) gefährden die Natur (grün) über 1000 kW 500 bis 1000 kW Hitzacker Dömitz LANDKREIS LÜCHOWDANNENBERG Dannenberg Gorleben El unter 500 kW Anlagen Einzugsgebiete be Lüchow Schutzgebiete 5 km ZEIT-Grafik/Quelle: P. Ein Sturm hatte den Staub von den offenen Ackerflächen herübergeweht.zeit. »Normalerweise sind Kiebitze Koloniebrüter«. um die Klimabilanz kräftig zu verhageln. Schon Ende September beginnt die Ernte. Hinzu kommen Lachgas. Dünger und Pestizide austragen. murmelt Bernardy und sucht den Streifen ab. In der Ferne steigt auf einem trockenen Maisfeld eine braune Wolke auf. dann Rohstoffe wie Baumwolle und erst zuletzt Energie aus Bioabfällen und -reststoffen. die im Lauenburgischen laufen. Düngen. wie Biostrom das Klima belastet. Erschreckende Klimabilanz Die Gefährdung der Artenvielfalt und der Gewässer ließe sich allenfalls rechtfertigen. Methan kann in die Umwelt entweichen. das als Filmkulisse und Konzertstätte des Schleswig-Holstein Musikfestivals bekannt ist. durch die Wasserrahmenrichtlinie geforderte Sanierung. da Leckagen. Bernardy Stark schwankende Klimabilanz Vier typische Anlagen ( 1 – 4 ) zeigen. Wasser) +200 +100 16 0 –100 –200 –300 254 207 Lachgas CO2 CO2-Einsparung durch Abwärmenutzung Minderemissionen von Mist bzw. Mehrere Menschen starben. Biostrom ist meist schlechter als Ökostrom. Umweltschäden einfach vermeiden. Und Lachgas (N2O). Noch schwerer messbar sind die Lachgasemissionen. wie eine offene Kanalisation verläuft er schnurgerade durch Maisfelder und mündet im Flüsschen Steinau. wie sich das Steinaubett früher in weiten Schlangenlinien wand. Plötzlich steigen die Altvögel auf: »Kiwitt. als drehe sich dort eine Windhose. Auch der wurde durch Stauwehre kontrolliert. A www. Der Schlossherr hat in eine der acht Biogasanlagen investiert. dann steigt der ganze Schwarm auf und watscht ihn so ab. Belastung der Umwelt Christian Foth und Henning Giese stapfen am Försterbach entlang. Umweltschutz absurd: Die Gemeinschaft finanziert millionenteure Renaturierungen – und zugleich über Zwangsbeiträge agroindustrielle Gasquellen. die Biogasanlagen regulär verursachen. Der neue Bachlauf schneidet die weiten Schlaufen der Altarme und bahnt so dem Wasser den schnellsten Ablauf. um ihre Lachgasemissionen zu messen. Sie nutzen nachwachsende Rohstoffe (Nawaro)*. Diese jahrelangen Bemühungen und ersten Erfolge stehen nun wieder infrage. Früher wurden seine Eier in Norddeutschland zu Tausenden als Frühjahrsdelikatesse gesammelt. hat ein 300-mal so großes Treibhauspotenzial wie Heikles Spiel mit Klimagasen Auf diese Weise fördern Biostromerzeuger die Erderwärmung CO2 CO2 Lachgas (300-mal so stark wie CO2) CO2 Methan Methan (25-mal so stark wie CO2) Treibstoff Pestizide. tatsächlich. Was die Wasserbauingenieure damals angerichtet haben – nicht nur hier. erklärt Foth. wird deshalb spät ausgesät und beginnt erst im Mai oder Juni gut zu wachsen. Kein gutes Zeichen. Dünger (in der Herstellung) Treibstoff Foto [M]: Mauritius Pflanzenanbau und -bereitstellung Spritzen.und Methanemissionen (umgerechnet in CO 2-Äquivalente). sagt er. kiwitt!« In akrobatischen Sturzflügen verfolgen sie eine Elster. Und dem Klima auch. Man müsste sich bloß an ein sozialökologisches Grundprinzip halten. Krume und Agrochemie landen dann in nahen Gewässern – und konterkarieren deren aufwendige. Sie ist das größte Rückzugsgebiet naturnahen Bachlebens im Kreis. Die Gesamtemissionen für diesen Biostrom liegen meist viel höher als jene für Ökostrom aus Wasser. rülpsen und furzen überdies die sie zersetzenden Mikroben im Gärrestebecken munter weiter. ihn zu düngen. Weil Methan ein so hohes Treibhauspotenzial besitzt. weil ihre Fahrer nichts mehr sahen. um Überdruck abzubauen. dessen zahlreiche Seen Touristen anlocken. Aus den Kuhlen schreckt ein Rudel Damwild hoch. Der Bach ist eher ein Graben. Trockengefallene Altarme zeugen davon. sogar Strom aus Erdgas kann besser sein als Biostrom. So kehrte auch in die Steinau ein vielfältiges Leben zurück. die auch der Steinau zusetzt. die den Gewässerschutz aushebeln. Sie sei ein Sammelbecken für Schmelzwasser und Drainagen aus den umgebenden Feldern. Wind und Regen können dessen Krume und Inhaltsstoffe direkt in den Bach befördern. dann werden sie im kräuter. Je nach Bodentyp können diese Emissionen so hoch sein. So wie im April in Mecklenburg-Vorpommern: Auf der A 19 bei Rostock kollidierten Dutzende von Autos. erklärt die Biologin. Deshalb müssen die Vögel ihr Heil auf dem Wiesenrest suchen. Reparaturen oder Druckschwankungen schwer erfassbar sind. wo auch der Försterbach fließt. »Naht ein Feind. Mit dem Sauerstoff (O) aus der Luft produzieren Mikroben daraus N2O. Dann würden sie zur größten Klimabelastung. Dadurch verschwenden sie besonders im Sommer viel Wärme. Doch zu Beginn des 20. erklärt Henning Giese. Für die Reduktion schädlicher Emissionen gibt es Gutschriften. ein Junges!«. CO2. das überdüngte Wasser veralgt. zu ernten. für eine Anlage Tausende Tonnen Mais anzubauen. »Ihr ursprünglicher Lauf wurde von 40 auf 25 Kilometer verkürzt«.36 14. Sie entstehen hauptsächlich aus Gärresten und wenn die Felder mit Stickstoff (N) gedüngt werden. zu häckseln. Denn während Weidegras den Boden ganzjährig deckt. das bei der Biogasproduktion entsteht. der Energieträger im Biogas. unter Umwälzen zu vergären und die gewaltigen Gärrestmengen wieder auf den Feldern zu verteilen. Uba. Ein lokaler Einzelfall? Keineswegs. In der Fachliteratur werden Biogasverluste mit bis zu 15 Prozent beziffert. dass er nie wiederkommt. etwa aus GärrestLagern. CO2 / kWh (in Gramm) Netto-Emissionen +400 +300 Methan Vielfalt«. zu transportieren. Zwar verbrennt Biogas klimaneutral. Leider werden Biogasanlagen außerdem nicht als intelligente Lückenfüller für Ökostrom genutzt. liegen Maisäcker die meiste Zeit nackt da. Es würde Vögeln wie dem Kiebitz und Gewässern wie der Steinau helfen. »Mit Pumpen wird sie trockengelegt. Drei Millionen Euro wurden investiert. wichtiger Aspekt wird in den Klimabilanzen für Biogas oft übersehen: die Änderung der Landnutzung. zu silieren. »Diese Senke steht am Ende des Winters jeweils unter Wasser«. Oft sind diese Becken nicht einmal abgedeckt. Da die Gärreste nie voll vergoren sind. Doch dem stehen erhebliche Klimabelastungen (siehe Grafik) entgegen. um die zuvor fast tote Steinau wieder zu einer naturnahen Heimat für Bachforellen zu machen. um allein diesen Klimaeffekt auszugleichen. dass man jahrelang Bioenergiepflanzen darauf anbauen muss. Ein grauer Federball steht auf hohen Beinchen reglos neben einem kräftigen Grasbüschel. Vermutlich ist das jedoch viel zu niedrig bemessen. Mit dem Fernglas ist die Ursache auszumachen: Das aufgescheuchte Damwildrudel wirbelt massenhaft Staub auf.und insektenarmen Maisfeld kaum Nahrung finden. geben den weitgehend toten Kanälen einen naturnahen Bachgrund und teilweise ihren gewundenen Lauf zurück. lässt sich jedoch kaum exakt beziffern. Sie führt weiter zu einem Waldstück.und Stromproduktion Den undichten Anlagen entweichen Anteile vom Biogas (Methan). Wird Weideland umgepflügt zum Maisacker. ruft sie. Der Mais nimmt beim Heranwachsen nur einen Teil des üppigen Stickstoffangebots auf. Vergleicht man sie mit jenen moderner Kraftwerke. Die Kiebitze führen einen aussichtslosen Überlebenskampf. Lachgas stammt aus Dünger. »Das könnte ein Brutpaar sein«. Gülle und Gärresten. »Methanschlupf« heißt dieser Verlust. etwa wenn ihr Rührwerk klemmt. Belastend wirken die CO2-Emissionen bei der Beschaffung der Rohstoffe und beim Anlagenbetrieb. wird in Klimabilanzen ein Schätzwert benutzt: Etwa 1. Das tropische Süßgras Zea mays ist frostempfindlich. Der Gesetzgeber hat das Problem der Vermaisung erkannt. wenn Biogas hervorragend das Klima schützte. die Steinau zu renaturieren«. befeuert den Treibhauseffekt 25-mal so stark wie CO2. Der darin gespeicherte Kohlenstoff verwandelt sich durch verstärkten Luftkontakt in CO2. Doch gerade das ist oft fraglich. Sie müssen bei Störungen zugänglich sein. erzählt Giese. dann wird klar: Strom aus Erdgas kann sogar klimaschonender sein als solcher aus Pflanzen. Ernten. Christian Foth deutet auf einen tief liegenden Maisacker am Ufer der Steinau. Der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen veranschlagt neuerdings die Lachgasemissionen zwei. Häckseln. die fossiles Erdgas nutzen. Hälfte Gras und Grünroggen ZEIT-Grafik Quelle: Biogas Forum Bayern. mäanderte auf steinigem Grund in langen Windungen durch Bruchwälder. Am linken Bachufer geht es stellenweise steil hoch auf einen sandigen Hügel. Noch ein weiterer. doch das neue EEG schiebt ihr nur einen allzu schwachen Riegel vor. Die Steinau entspringt im Herzen des Kreises Herzogtum Lauenburg im Süden Schleswig-Holsteins. hat der Investor kilometerweite Maiskulturen angepflanzt – und das fördert jene Erosion. teils auch Mist oder Gülle.

muss versichern. wie vielleicht der Fall z Guttenberg er zu nicht wortwörtlich abschreiben. dass die Geldbörse auf dem Küchentisch trös – und man zerstört ihn jedenfalls nicht dadurch. denn der ErstGu gutac gutachter kann kaum vermeiden. verwendete Fotos: Nico Baldauf. deren Beiträge niemand übermal die Wahrhaftigkeit. Dennoch müssen sich Universitäten fragen. ja Fußnoten gesetzt und andere auch bei Kultusminister Alttusminister Althusmann – entstand die ProAutoren genannt. der Veröffentlichung in der ZEIT der vergangenen Wenn ich mir manche der inkriminierten Dissertatioriminierten Woche steht auch der niedersächsische Kultusminister nen anschaue. für die freilich die Wissenschaft selbst zuständig bleiben muss. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 37 Faules deutsches Promotionswesen Die heutigen Verfahren verstoßen gegen die »gute wissenschaftliche Praxis« VON PETER GAEHTGENS ie öffentliche Diskussion über prominente Plagiatsfälle hört nicht auf. Deshalb ist die Entrüstung vieler Universitä. in dem eine kritische Bewertung kein persönlicher Affront ist. wer zu ihm spricht: Spricht der Dokto. dass die Univerden betroffenen Politikern? sitäten mehr Mittel erhalten. Der Mediziner Peter Gaehtgens ist Professor für Physiologie und war von 2003 bis 2005 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Illustration: Martin Burgdorff für DIE ZEIT. Ich habe eher schwachen Arbeiten. nen Gedanken an. dass er die Kenn. die nicht mehr unbedingt qualitätsfördernd ist. Das Häufig finden sich die Plagiate ja in te gilt auch für einzelne Sätze.ZEIT: Haben externe Doktora n Doktorananhaupten. Aber die PoliAnwaltskanzlei: Beide stürzen ab. die Entrüstungstäuscht sehen. Universität Bonn (l. und das heißt uns. ück. die sten. ob der Promotionswillige überillige haupt fähig ist. Dennoch dürfen Sie als Dokto. Daran hängt ihre Glaubwür. Als ich Anfang der siebziger Jahre gig von den Beweggründen derer. wissenschaftliche Kritik fälschlich als Kritik an der Person zu verstehen und daher gegenüber Fakultätskollegen als ungehörig zu empfinden. ist die Jagdleidenschaft der Öfneu einarbeiten muss. wenn es sich um PerZEIT: Sollte man die Zahl der DokD k sonen des öffentlichen Lebens handelt. Sie D rand oder als sonstiger Autor auch Allgemeinkundiges ist auch schädlich.solchen Arbeiten an einer deutschen Universität utschen ker rechtfertigt sich damit. in dem die Anzahl von Promotionen als Kriterium für die Mittelzuweisung dient.« welche Forschungsfrage er klären möchte. ter deshalb besser trennen? esser Löwer: Der Abschreckungseffekt ist poLöwer: Theoretisch mag man das erretisch sitiv: Jetzt sieht jeder. die Grundwerte sind klar: prüfen. Ein guter Wis. machen Si doch Schluss! n Sie ie sprachlich von den Schriften seiner Kollegen und Sie brauchen die Promotion weder für Ihr berufliches ür schafft etwas Eigenes. diesen Standard or auch tradierten akademischen Verfahren au an ihre t uch Denn a anzulegen.genannten Zweitgutachter häufig nach unten ab. ergebnisoffen und selbstkritisch überprüfen. dass jeder externe Kandidat Löwer: Weil diese Formulierung nichts erklärt. Das ist hier anders als etwa in Großbritannien. griff in den beruflichen Entwicklungs. reißt nicht ab. »Ver. Die von der »guten wissenschaftlichen eingese Praxis« geforderte Neutralität und Unabhängigkeit des Gutachters wird dabei missachtet. Denn Fehlverhalten und Diskurs viel geringer. Fortkommen noch für Ihr Lebensglück. vornehmlich. hören. der eine gene Unfähigkeit. wie ich zitiere.blicken kann. Zu viel Nähe trübt die UrteilsUrteil jedem Doktoranden eigentlich klar sein. Denn ternen Doktoranden. gen. kenne niemanden.Deutschen ForschungsZEIT: Erlaubt das den Universitäten. Mit den neuen ten über die plagiierten Doktorarbeiten nicht gespielt. Dieses in den deutschen Universitäten immer noch übliche Verfahren der Einzelpromotion. ja für Halbsätze. schon Ihre eigenen Worte finden.prüfen sollten. Auf dem Prüfstand steht die Qualität der Promotion an deutschen Universitäten und darüber hinaus die Selbstkontrolle der Wissenschaft.schaftliche Innovation zu leisten.Löwer: Inhaltliche wie he rand zu ihm oder der Wissenschaftler X durch den formale Schwächen finden n Doktoranden.Löwer: An Geld mangelt es der Forschung eher nicht giats in der Welt ist. Mit Verfehlungen ihrer ZEIT: Welche Konsequenz sollte die Universität Pots. ihren Prüfpflichten adäquat nachkommen. die unter Pla. W O L F G A N G L Ö W E R torarbeiten deshalb nicht begrenzen? nzen? ZEIT: Plädieren Sie für Mitleid mit Der Promotionsexperte Löwer: Bedenken Sie. l m Löwer: Was allgemein bekannt ist. Dabei schaden solche Verstöße gedam im Fall Althusmann ziehen? Löwer: Prüfen. Dafür müssen Sie lehrt. dass sie bislang zu hart ders: Sie fordern mehr Geld für mehr Wissenschaft. sondern schreibt sei. Die Universität muss daher ihre eigenen Verfahren der Quaih lifikationsprüfung k konsequent. ihrer Verantwortung (als Gegenleistung für die ihr gewährte Freiheit) nicht ausreichend gerecht zu werden.ZEIT: Die Wissenschaftsorganisationen sehen das anben. k g. Menschen zur Strecke zu brinExamensarbeiten stark in Beschlag. dass er nicht abschreiben darf. gab es etwa zehn juristische ZeitschrifRollen brachten. Wenn meine Studenten mutter sich über sein intellektuelles Rüstnn. Ein Enkel seine Oma beklaut. wundere ich mich schon. ZEIT: Nur versteht unter Abschreiben anscheinend fassen. dass nun diejeni. Das Erstguta ach achten endet mit einem Notenvorschlag.Löwer: Auch Professoren schreiben ab. Was mir weniger viel Arbeit. lag. Erkennbar steht nicht mehr nur der einzelne Regelverstoß zur Diskussion. Hier stünde es breitet. . prüfen die Ergebdurch meth kritisch nisse kritis und fördern damit insgesamt die Qualifikation der Betreuten »zu eigenständiger Qualifikat wissenschaftlicher Arbeit«. Die Aberkennung von Titeln. die nicht Quelle nur. braucht nicht abzuschreiben. fig gen zur Rechenschaft gezogen werden. Und motion neben einer andas ist keine ehrpusselige Lappalie. Ich bin n. Diese »gute wissenschaftliche Praxis« hat sich bewä bewährt.In allen aufgedeckten Fällen – edeckten giatsverdacht stehen. Praktisch schafft diese Trenktisch wenn er beim Pfuschen und Schumnung einem anderen Professor enorm m meln erwischt wird.zu große Nähe zwischen Professor und Doktorand. schraube stärker anzuziehen. die wissene nicht jeder dasselbe. zum Beispiel in Beiträgen für ein Hand. eine unabdingbare Voraussetzung für Wissenschaftsfreiheit und Universitätsautonomie. Die strengen Regeln des peer Forschungsför review halten den Begutachtungsprozess von mögliw cher Einflussnahme durch die zu Begutachtenden Einflus frei: Die nach ihrer fachlichen Expertise ausgewählten Gutachter bleiben den Begutachteten gegenüber sogar anonym. Auch das sollte sichtlich gefehlt hat. Dies schützt sie. Das behindert die sachliche Bewertung wissenschaftlicher Qualität. Allein die kritische Selbstkontrolle. ben Sie mir Leseempfehlungen? Ich möchte Belege. die gegen diese ZEIT: Sollte man die Rollen von Betreuer und BenoRegeln verstoßen. Das ist ein bedeutender Unterschied. Ich meine jedoch nicht. der Universität angehören. eiben. die geringe Anzahl der Verstöße belegt ihre hoh hohe Akzeptanz in der scientific community. zeichnungsregeln eingehalten hat. die funktionsgemäß bekanntes muss vornehmlich der Promovend erbringen. Ohnehin hat unser WissenschaftssysZEIT: Reagieren die Universitäten zu hart – gar aus tem mittlerweile eine Größe erreicht. Wir produzieren längst Wissen. kann er sich nicht damit solcher Eindruck vom Wissenschaftsbetrieb ist desasrausreden.originär zu genügen. eine Dissertation zu verion Jeder weiß. Das vergrößert auch die Chancen.einer Täuschung durchzukommen. vielleicht stilistisch schwach verändert. Der CDU-Politi. wäre deutlich mehr Transparenz möglich. wie man zitiert. notiere ich am Rand immer: »Warum ge. fähigkeit. die Einführung eidesstattlicher Erklärungen von Promovenden oder die Klage über angebliche Folgen einer leistungsabhängigen Finanzierung reichen nicht aus. die des Plagiats ver.WISSEN DIE ZEIT: Die Kette der Politiker. sondern die Glaubwürdigkeit der selbstorganisierten Wissenschaft. er habe nicht gewusst. muss die Uni diesem nachgehen in Deutschland. Herrscht bei ZEIT: Was sollten die Universitäten tun? itäten den wissenschaftlichen Standards Willkür? Löwer: Sie sollten zum einen viel genauer Wolfgang Löwer: Nein. Wissen Den Wahrheit g Wahrheitsgehalt wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Angemessenheit ihrer Verfahren kann Angemes nur die Wissenschaft selbst kontrollieren. vor allem an uns den Professoren. Quantität statt Qualität zu belohnen. um dem Vertrauensverlust entgegenzutreten. Schon heute beiten fentlichkeit.gen die eigenen Regeln der Wissenschaft noch mehr. zumerken. Im heutigen Wissenschaftsbetrieb. bei dem man die Frage stellen kann. bedarf längst der kritischen Revision. Ihr wichtigstes Kapital ist nun ein. Kupfern Sie ab. Wenn der substanzielle Verdacht eines Pla.den Universitäten sogar sehr gut an.bis hundert Journale. vend erbring gen.der Doktorand grundsätzlich selbst wissen. Ohne Internet wäre die ZEIT: Muss jedem Plagiat der Titelentzug folgen? Löwer: Nicht jeder Regelverstoß muss mit der Höchst. dass wir ht. fremdem Gedankengut umzugehen hat.Entdeckungswahrscheinlichkeit im wissenschaftlichen strafe geahndet werden. Einigen – auch aus Ihrer nimmt uns die Begutachtung von ns n Profession – scheint es Vergnügen zu Forschungsanträgen. mit der wissenschaftlichen Qualität des Projekts implizit auch seischaf nen eigenen Beitrag dazu zu bewerten. ZEIT: Tun sie es? Das Gespräch führte MARTIN SPIEWAK 14. Sollte ein ver verantwortungsrantwortungsverschiedenen fremden Texten.) D Vergleiche? Belege! Universität Universitäten locken zu viele le Doktorande Doktoranden an – und profitieren ofi davon.für die Wissenschaft« der für Masse.Professoren gehen Unis laxer um als mit Täuschungen bei Promotionen. dass jede Universität eigene promoviert werden konnte. In einem Klima des Vertrauens. du kannst bei Professor X mit der Doktorvater oder die Doktorellektuelles Weiteres zum Thema lesen. das zu korrigieren lange an der Zeit ist. Berufungen un und gsanträgen. Bei Althusmann wie bei zu Guttenberg u senschaftler erstellt dann jedoch keine Collage aus den dauerten sie sieben Jahre. Ich tik sollte sich nicht zu laut wundern. Es ZEIT: Sie selbst schreiben niemals »Vergleiche«? n soll nicht der Regelfall sein. Ein Gespräch mit dem G Jura-Professor Wolfgang Löwer über Jura-Professo Professo die falschen A Anreize O rigin elle Id een au s Du tz en d e n Q u el l e n s c h r e d d e r t d e r A b s ch re ib e r zu m f ad e n P l ag iat sh ack . Dieser Gedanke ist in der Wissenschaft weniger ver. Die dafür gültigen Kriteüberp rien sind längst etabliert und als Arbeitsgrundlage des etab gesamten Wissenschaftsbetriebs unbestritten. Nur durch systematische Qualitätssicherung kann das Vertrauen in Verfahren und Strukturen des akademischen Betriebes wiederhergestellt werden. ü ZEIT: Muss ich für einen Satz wie »Berlin ist die ZEIT: Das setzt Nähe voraus. nicht unbedingt für Klasse.allerdings der Ansicht. der nach Titelentwenn ihre Leistungsanreize negative ziehung seine Karriere hätte fortsetzen können. das auf einer in der Regel nur fakultätsinternen Begutachtung beruht. man wisse ja. und unabhän. De die üblichen Promotionsverfahren verstoßen gegen eine elementare Regel der wissenschaftlichen Praxis« – die klare Tren»guten wissen Betreuung und Prüfung: Doktorväter nung von B Doktormütter vergeben das Thema der Disund Doktor begleiten die Arbeit der Doktoranden sertation. Sinnvoll wäre es zum ll terne gleiche Professor X« nicht aus? Beispiel. so wird ausgerechnet der bisherige Betreuer als Erstgutachter gerechn eingesetzt. ZEIT: Es herrschen doppelte Standards? ZEIT: Warum sollten die Universitäten Ihrer Meinung Löwer: In Darmstadt hat die Staatsanwaltschaft ein nach dennoch ein schlechtes Gewissen haben? Ermittlungsverfahren wegen Verletzung des UrheberLöwer: Weil sie Mitverantwortung trifft. wo der Gutachter auch nicht anonym bleiben muss. die den Fall ins Assistent war. Wer in das extra noch einmal in zehn Anleitungsbüchern seiner Promotion etwas zu sagen nachschauen lassen. Keiner kann be. Manche Professoren an nche Hauptstadt der Bundesrepublik« eine Quelle angeben? sehen ihre Doktoranden nur einmal im Jahr. Wissen zusammenfassen. wie korrekt zitiert werde. Es gibt umgekehrt aber auch die ekehr hrt nicht belegt werden. Regeln habe. Effekte haben. muss überhaupt Löwer: Das geht nicht. was ihm droht. in einer juristischen Prüfungsarbeit »Vergleiche« zeug ein Bild machen kann. Die durch Titelentzug und öffentliche Diskreditierung gestraften prominenten Delinquenten haben damit unbeabsichtigt etwas aufgedeckt.voller Doktorvater nicht öfter zum Aufg m Aufgeben drängen? geben nen Artikel. Daher ist die Reform akademischer Qualifikationsprüfungen und damit die Auseinandersetzung mit der Verantwortung von Wissenschaftlern und ihrer Verpflichtung zu akademischer Redlichkeit dringend nötig. ob es sich um einen Politiker gemeinschaft. ist die Bereitschaft zum Steinigen groß. Sie Wissen sichern die Neutralität wissenschaftlicher BegutNeu achtung. Und jeder. an J Jetzt ist es a den Universitäten. nd bereiten. Fachliche Kompetenz und Unabhä Unabhängigkeit des Gutachters begründen das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des wissenschaftlichen Urteil Urteils. um wen es sich handelt. technischen Möglichkeiten kommen Sie heute Abschreibern auf die Sprünge. Heute haben wir sechzig der Wissenschaft. die Aberkennung des Gremiums »Ombudsman mehr promovieren. mit digkeit. Löwer: In jedem Lehrbuch zum korrekten wissen. verpflichtet sie aber anon auch zu einem Urteil nach ausschließlich wissenschaftlich schaftlichen Maßstäben. Im anderen Fall präsentiert er die Promotionsanwärter. Ebenso sollte lich schreiben. da er sich in die Promotion behagt.Löwer: Bei der Auswahl. dass wörtliche Zitate mit für eine Dissertation unabdingbar ist.dung eingestellt. schlechtem Gewissen? Löwer: Ein schlechtes Gewissen sollten sie schon ha. Seit tung der Doktoranden gibt es offenkundig Mängel. das – gleichgültig. Warum reicht das nicht? stand Löwer: Es kommt auf die Art an. immer wissen.Distanz zwischen Doktorvater und Promovend offennd Promo ovend stößt das gegen das Urheberrecht. besser ZEIT: Warum reicht dann die Formulierung »Ver. dahmen der gleiche« heißt: Lieber Leser. ZEIT: Das betrifft aber nicht nur Doktoranden. ver. Weil die Universitäten sich so substanziell ge. dem Thema Dissertation abgibt. Bewertung und Benotung der Dissertation werden Opfer von Konfliktvermeidung und missverstandener Kollegialität. dass man mit ich Bernd Althusmann unter Verdacht. gbar Anführungszeichen kenntlich zu machen sind. wägen. dass Themen vorLöwer: Doch.nicht rezipiert wird. Diese intellektuelle Leistung tellektuelle L buch oder Lexikon. den besonders wenig zu sagen sagen? rs n? ZEIT: Nun haben einige von denen. kann sie von dem Verdacht befreien. lernt man Das Abschreiben verdeckt die eie Thema zudem während des Studiums. Zwar wird rechts gegen einen Hochschullehrer mit der Begründas moralische Versagen der überführten Doktoran. dass Professoren ihre den dadurch nicht weniger schlimm: Auch wenn der Beiträge von ihren Assistenten schreiben lassen. ohne die Sprachgestalt der angegebenen Löwer: Ich habe Promovenden schon öfter gesagt: n Literatur zu benutzen. Da setzt man einmal eine ZEIT: Gerade externe Promotionen ziehe sich oft in onen ziehen en Fußnote mit der wichtigsten Literatur. laufen wir Gefahr. b methodische Hinweise. schaftlichen Arbeiten steht.an einem Seminar teilnehmen muss. Nicht jeder Akademiker besitzt ker schließlich die Kreativität. von dem im weiteren Verfahren der zweite Gutachter – meist ei ein Fakultätskollege und mit dem Erstgutachter und de dessen Bewertung der Dissertation wohlvertraut – in d der Regel nicht abweicht. der Betreuung und der Benoetreuung dächtigt oder überführt werden. Dadurch entfernt er sich Warum quälen Sie sich so. Wie man wissenschaftlich mit hat. wenn sie ist Sprecher des Löwer: Nein. ist im akademischen Deutschland leider noch sehr verbreitet. Das ist ein Anreiz eiz Doktorgrades ist ein gravierender Ein. mehr ist dazu zunächst nicht an. wissensch Wird die Dissertation eingereicht und damit das formale Promotionsverfahren eröffnet. zum B Beispiel bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen oder auch bei Anträgen auf Forschungserge Forschungsförderung. weg. einmal reichert der Doktorand eine Quelle mit eige. sich bei externen wie bei inden der Autor der Dissertation markieren muss. Das gebietet das Integritätsinteresse ten für das öffentliche Recht. Er lehrt als schwache Arbeiten durchzuwinken? handelt oder den Partner einer großen Rechtsprofessor in Bonn Löwer: Natürlich nicht. egal. reagieren. Die oft unbewusste Haltung.die Länge. Wissenschaftliche Neutralität ist bei dieser Gestaltung des Begutachtungsprozesses im Regelfall nicht gegeben. die Zahl der Verdächtigten wächst und damit der Schaden für die Universität.gegeben werden. ob nicht die en n. Nicht zufällig weichen die Noten der soen ZEIT: Dann freuen Sie sich darüber. ob sie dass man mit professoralen Fehlern milde umgeht. Sanktion sollten in angemessenem Verhältnis stehen. Der Leser muss deren Tätigkeit.

Die zwölf Kreissektoren stehen für jeweils ein Medium. Zeitungen und Zeitschriften.net 23 83 50 Recherche: Mathias Brandt statista. Und trotz Internet wird nicht weniger ferngesehen.38 GRAFIK 14. die Größe des Kreises veranschaulicht die tägliche Nutzungsdauer. www. dafür ist der einzelne Fernseher oder Computer aber viel billiger geworden. AGF Alle Angaben zur Zeit vor 1990 beziehen sich auf die alten Bundesländer 35 25 Reichweite in % 22 6 5 1970 Fernsehen Tageszeitung Radio 1974 1980 Bücher Zeitschriften CD/LP/MC/MP3 1985 Video/DVD 1990 1995 2000 Internet 2005 2010 . Radio. wann manche Apparate wieder verschwanden./Tag 220 187 Illustration: Von B und C. man kann ablesen. desto höher der Anteil der Befragten. desto größer die Reichweite der Medien im Jahr 2010. Und je höher die Schrift. in % 100 50 1970 1974 1980 1985 1990 unterhaltsam vielseitig 60 80 Medienimage in % 1995 2000 2005 2010 Hörfunkgerät Fernsehgerät Videorekorder Kassettenrekorder CD-Player PC MiniDisc-Rekorder DVD-Player MP3-Player Laptop Spielekonsole Smartphone RADIO UND FERNSEHEN LIEGEN IMMER NOCH VORN Die Grafik zeigt auf der senkrechten Achse die Reichweite der unterschiedlichen Medien.bis 29-Jährigen (schwarze Linie) vom Durchschnitt abweicht: Die Jungen halten Tageszeitungen für anspruchsvoll.zeit. wie das Urteil der 14. die das jeweilige Motiv nannten. kompetent kritisch locker/ungezwungen modern objektiv 1970 1990 2010 sachlich sympathisch unabhängig Computer Bild-/Tonaufnahme und -wiedergabe Telefon Buch Zeitung 40 20 IMMER MEHR ELEKTRONIK IN DEN HAUSHALTEN Im Jahr 1970 hatten die meisten Haushalte zwei Arten von elektronischen Geräten: Radio und Fernseher. Zeitungen belasten das Portemonnaie dagegen doppelt so stark wie früher. Im Lauf der Jahre kamen immer mehr Kistchen dazu. ihre Sympathie gilt dem Internet. Heute wetteifern unüberschaubar viele Sender.de/grafik Reichweite: 79 % 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Reichweite: 44 % 1 2 3 4 5 6 7 8 9 aktuell Anteil Nennung Motive in % Reichweite: 43 % 25 50 75 100 anspruchsvoll glaubwürdig informativ PREISSTURZ BEI ELEKTRONISCHEN MEDIEN Zwar stehen in jedem Haushalt heute mehr elektronische Geräte als früher. das Radio berieselt. Printprodukte und Websites um unsere Aufmerksamkeit – und unser begrenztes Budget DIE REICHWEITEN DER MEDIEN UND DIE MOTIVE DER NUTZER Das Fernsehen unterhält. Nutzungsdauer in Min. ARDMarktanalyse 2011. Statistisches Bundesamt. Produkte und Dienste für die Jahre 1970. und sie erreichen nur noch 44 Prozent der Menschen (gegenüber 76 Prozent im Jahr 1980). Nutzungsmotive: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Reichweite: 86 % 1 2 3 4 5 6 7 8 9 109 THEMA: MEDIEN Die Themen der letzten Grafiken: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 sich informieren macht Spaß entspannen Nützliches für den Alltag erfahren sich ablenken aus Gewohnheit mitreden können Denkanstöße bekommen sich nicht alleine fühlen 108 107 Mausefallen Smartphone 106 Frauenfußball Weitere Grafiken im Internet: DAS IMAGE DER MEDIEN Fernsehen. 1990 und 2010 (ausgehend von 1970 = 100). wann es erstmals erfasst wurde und welcher Anteil der Haushalte im jeweiligen Jahr darüber verfügt hat – und auch. Beispiel: Zeitungen (orangefarbener Kreis) werden heute nicht mehr so lange gelesen wie früher.com Quellen: ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation (in: »Media Perspektiven« 1/2011). Tageszeitung und Internet werden von Nutzern unterschiedlich bewertet. je satter der Farbton. Hahn und Zimmermann von-b-und-c. Gezeigt werden die inflationsbereinigten Preise verschiedener Medien. öffentlich-rechtliches Radio./Tag 75 113 35 73 Nutzungsdauer in Min. aber völlig unmodern. das Internet bringt praktischen Nutzen: Die Schattierung der Schrift in dieser Grafik gibt die Motive der Nutzer wieder. Interessant ist. die Tageszeitung informiert. durch das sie sich aktuell und unabhängig informiert fühlen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 No Die Medien und wir Vor 40 Jahren war die Welt noch übersichtlich: Drei Fernsehprogramme.

Seither muss die 66-Jährige unter anderem einen Gerinnungshemmer einnehmen. Salat sowie fast allen Kohlsorten vor. Marcumar unterdrückt dies. Er soll verhindern. drohen Blockaden in Hirngefä- ßen durch Gerinnsel. aber die Infarkte müssen wir im Auge behalten«. Der Professor. der an den Studien für alle vier neuen Mittel mitwirkte (und dafür Industriemittel bezog). Nach der jüngs- ten Gesundheitsreform dürfen die Kassen den Preis herunterhandeln. sagt der Schlaganfallexperte. Er fände es problematisch. Den Preis für die neue Anwendung will Firmensprecher Sebastian Wachtarz aber nicht verraten: Der Entscheidungsprozess sei »noch nicht abgeschlossen«. Die Ärztin schickte sie mit Blaulicht in die Kölner Uniklinik – wo jedoch alle Versuche scheiterten. sagt. sagt sie. wenn diese Anlass zu Nachfragen gegeben habe. Ihre Hausärztin diagnostizierte Herzrhythmusstörungen. sagt Geurten.WISSEN 14. wie stark deren Arznei noch wirkt. die entweder den neuen oder den alten Blutverdünner erhalten hatten. aber inhaltlich seien noch Fragen offen. sagt Diener. »Ich kann einen ganzen Topf Sauerkraut essen«. die Interaktion ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Die Bedenken sind nicht ganz unberechtigt. wenn die Gerinnung wieder normalisiert werden muss. Your Photo Today/A1PIX (klein) Mühsamer Weg: Therapie gegen Lähmungen nach dem Schlaganfall Sichere Auflösung? Sogenannte Blutverdünner schützen vor Schlaganfall. bevor die Reform Anfang 2011 in Kraft trat. Auch Bayer. Wie misst der Arzt dann die Gerinnungswerte? Wie stellt er das natürliche Gerinnungsvermögen wieder her? »Bei Marcumar weiß ich. In Amerika blockierte die Gesundheitsbehörde FDA den Verkauf. sagt Diener. Vitamin K fördert die Bildung von Gerinnungsfaktoren. Ist sie zu hoch. Statt in den Vitamin-K-Stoffwechsel einzugreifen. um die Gerinnsel aufzulösen. dass manch einer auf die eigentlich erforderliche Prophylaxe verzichtet. Im Zweifel 112 wählen Beim Schlaganfall kommt es auf Schnelligkeit an: Blutklumpen. nach Unfällen oder für Notoperationen. einen Schlaganfall zu erleiden. Das Medikament war als Thromboseprophylaxe nach Knieoperationen schon auf dem Markt. Bei Marcumar fiel das finanziell nicht ins Gewicht. sondern auch mit Nahrungsmitteln. was historische. einen Blutverdünner. Andere weichen auf Aspirin aus. dass die Hauptattraktion der Europäischen Schlaganfallkonferenz Ende Mai in Hamburg das Begleitprogramm war: Die Pharmaindustrie präsentierte eine neue Generation der Gerinnungshemmer. hatte Marcumar einen schweren Stand bei den Patienten. wenn wir endlich Alternativen anbieten können. dann häufig falsch dosiert. Auf Geheiß der US-Gesundheitsbehörde wurden die EKGs aller Probanden. den Jutta Geurten nie vergessen wird. Patientin Geurten etwa stellte fest. denn sie basieren auf demselben Wirkprinzip.9 Milliarden Euro pro Jahr kosten würde. kann der Gemeinsame Bundesausschuss eine außerplanmäßige Prüfung einleiten. Immer wieder kommen zu ihm Patienten auf die Station. sind aber gefürchtet. Die Pille ist extrem unbeliebt. Kassen und Blutverdünnern auf dem Laufenden. Aber was ist mit der Diskussion um Herzinfarkte. »Vieles spricht für das Medikament. das Herz wieder in den richtigen Takt zu bringen. wenn der Patient spätestens nach vier Stunden in der Klinik eintrifft. Die neue Pille wird also weiter für Diskussionen sorgen. Der Vorläufer des Wirkstoffes wurde schon vor knapp 90 Jahren entdeckt – und war als Rattengift sofort der Renner bei Hausmeistern und Kammerjägern. die die Sauerstoffversorgung des Gehirns blockieren. Entsprechend groß war der Andrang der Ärzte beim Satelliten-Symposium des Herstellers Boehringer Ingelheim. »Bei vielen Patienten reicht das einfach nicht«. Das Vitamin kommt in Spinat. dass sie auch auf Hitze reagierte. lassen sich nur dann erfolgreich auflösen. was die Kassen 2010 insgesamt für Arzneien zahlten. sagt er. die Gerinnungsparameter während der Ferien vielleicht noch in einer Fremdsprache diskutieren zu müssen. »Das ist ein Durchbruch in der Schlaganfallmedizin!«. Umso mehr Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die neuen Arzneien. landläufig auch Blutverdünner genannt. So kommt es. Kritischster Gegenspieler: Vitamin K. Ist die verabreichte Menge zu gering. die Behandlung kostet im Schnitt nur 20 Cent pro Tag. »Da passiert nichts. 2003 wurde Exanta zugelassen – allerdings nur in Europa. weil ich sonst Blutungen riskiere«. Die erste der Pillen – sie heißt Pradaxa – ist gerade in den USA auf den Markt gekommen. erzählt sie. man gibt Gerinnungsfaktoren oder Vitamin K«. dass Kohl bei ihr die Wirkung von Marcumar kaum beeinträchtigt. Sollte der Hersteller Boehringer künftig für die Schlaganfallprophylaxe ähnlich viel verlangen. Trotzdem nimmt nur die Hälfte der Betroffenen entsprechende Medikamente – und wenn. Das lindert nicht nur Schmerzen. »Wenn ich nicht weiß. dass Jutta Geurten doch noch einmal Einladungen zum »Blockseminar für Marcumar-Erstanwender« hat drucken lassen. »Der Unterschied ist nicht mehr signifikant«. Worauf die Patientin beschloss. »Aber was tut man bei Pradaxa?« Selbst die Experten zerbrechen sich darüber den Kopf. dass sich im Vorhof ihres unregelmäßig schlagenden Herzens Blutgerinnsel bilden. Er hat ausgerechnet. Ohne Ergebnis: Der Hersteller arbeite noch an einer Lösung. Der Freiburger Pharmakologe Lutz Hein ist weniger beeindruckt. der vor zehn Jahren viele Hoffnungen weckte. Mit entsprechend happigem Preis: 7. Statt monatlich bestellte ihre Ärztin sie anfangs täglich ein. warnte jüngst die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft. Zwar kommt in diesem Fall noch der Aufwand für die Bluttests dazu. Am Morgen des 31. die trotz Gerinnungshemmer einen Schlag erlitten haben. das aber rechtfertige den Preisunterschied nicht. Viele Patienten schrecken die zahlreichen Blut-Checks. Die richtige Dosis zu finden ist schwer. Als Pharmakologe befasst er sich mit Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln und hat schon viele scheitern sehen: Exanta etwa. dass es bei keiner dieser Studien Hinweise auf Leberprobleme gegeben habe. So kam es. hält die Mitglieder via Website und Handzettel über den Umgang mit Ärzten. 1994 baute er im Essener Uniklinikum die erste von 187 deutschen Stroke-Units auf. Wolfgang Steinke etwa. Das Debakel soll sich nicht wiederholen. August 2006 wachte sie auf und nahm um sich herum nur beklemmende Stille wahr. wenn neue Arzneien schon aufgrund einer einzigen Studie in Therapie-Leitlinien aufgenommen würden. als ob das neue Medikament die Zahl der Herzinfarkte erhöhe. Bisher müssen Schlaganfallgefährdete meist Phenprocoumon schlucken – besser bekannt unter dem Markennamen Marcumar. allen Deutschen mit Vorhofflimmern Pradaxa zu verschreiben. Knapp eine Million Deutsche leiden unter dem sogenannten Vorhofflimmern. Bei der ersten Auswertung der Pradaxa-Studie habe es tatsächlich so ausgesehen. »Ich hörte nichts. Als sich die Forscher die Substanz danach als Blutverdünner schützen ließen. warnt er. kann ich kein Mittel geben. Und die Vorstellung. Im Gegenteil: Pradaxa könne in der hohen Dosierung ein Drittel mehr Schläge verhindern als die bisher empfohlenen Gerinnungshemmer – bei gleichem Blutungsrisiko. Es gebe viel PR. sagt die Frau mit dem roten Pagenkopf. denn Marcumar interagiert nicht nur mit vielen Arzneien. denn unter den europäischen Nutzern mehrten sich bald die Leberschäden. sondern hemmt nebenbei das Verklumpen der Blutplättchen. nicht mal meinen Herzschlag«.« Auch der Freiburger Professor Lutz Hein wünscht sich. denn der Wirkstoff kann auch Menschen töten – wenn er falsch dosiert wird. sich fortan lieber selbst zu testen. Sie ist in einer Kölner Selbsthilfegruppe aktiv. Sie haben ein fünfmal so großes Risiko. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Oder umgekehrt: In einer niedrigeren Dosis bietet es den Schutz der alten Pille und senkt das Blutungsrisiko um ein Drittel.« Ingwer jedoch bringt ihre Gerinnung fast zum Erliegen. Vor allem treibt die Patienten um. weshalb man es – wenn man sich halbwegs gesund ernähren will – kaum vermeiden kann. Beim Schlaganfallkongress in Hamburg habe man darüber diskutiert. wenn die Hersteller die Vorteile ihrer Pillen nicht zweifelsfrei belegen können. Es geht um viel Geld: Schlaganfallgefährdete müssen meist über Jahre Blutverdünner nehmen. Allerdings schützt Aspirin weniger als Marcumar. Jetzt kommen Alternativen auf den Markt VON JUTTA HOFFRITZ E s gibt einen Tag.08 Euro pro Tag. medizinische und auch ganz praktische Gründe hat. kann es zu inneren Blutungen kommen. Das gelte »erst recht«. Zu Recht. Herausgeber des industriekritischen Arzneiverordnungsreports. »Wir sind froh. Ab August soll sie auch in Europa verkauft werden. noch einmal geprüft. 2006 zog AstraZeneca die Pille zurück. Pradaxa ist kein Routinekandidat für dieses Verfahren. Hersteller Boehringer weist die Berechnung als »überzogen« zurück. die dann Blutgefäße im Gehirn blockieren – und zum Schlaganfall führen. dass die Ära Marcumar zu Ende geht. Doch er ist von Berufs wegen skeptisch. was geschieht. der Leiter der StrokeUnit im Düsseldorfer Marien Hospital. Das wäre knapp ein Sechstel dessen. stellte sich bei einem Zypern-Urlaub heraus. So kommt es. sagt HansChristoph Diener. Auch um Geld geht es dabei. warnt Joachim Röther. »Ich bin da sehr zuversichtlich«. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 39 Fotos [M]: Jochen Tack. Pfizer und Daiichi Sankyo – die an ähnlichen Produkten arbeiten – sorgten für Gesprächsstoff. Immer wieder wird sie nach dem neuen Mittel gefragt. die Pradaxa in einer Studie angeblich verursacht haben soll? Auch diese Gefahr scheint den Neurologen wenig zu beunruhigen. urteilt Ulrich Schwabe. wirkte er direkt auf einen der Gerinnungsfaktoren im Blut. Doch kaum hatte sie den Faktor Essen unter Kontrolle. und der Krankenkasse ein Messgerät abhandelte. Der Neurologe befasst sich seit 23 Jahren mit Schlaganfällen. Folgende Symptome deuten auf einen Schlag hin: • Sprachstörungen • Sehstörungen • Hörstörungen • starke Kopfschmerzen • Schwindelgefühl • Taubheitsgefühl beziehungsweise Lähmung einer Gesichtshälfte oder in den Gliedmaßen • plötzliches Hinfallen . dass es – den bisherigen Preis vorausgesetzt – rund 4. um die Blutwerte mit dem Speiseplan abzugleichen.

Seehandelswege wurden eingerichtet. 20079 Hamburg.de. stießen bis zu 14 Mal so viel ultrafeine Partikel aus. sagt der Biologe Markus Pfenninger vom Institut für Ökologie. wie er mit seinem Maul Muscheln gegen Felsen stieß (Coral Reefs. www. »Es gibt keine Zugvögel.de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN »Staubige« Benziner Moderne Benzinmotoren mit Direkteinspritzung erzeugen mehr Feinstaubpartikel als Dieselmotoren. sagt Pfenninger. Wie also konnte die Schnecke das Mittelmeer überwinden? Zwei Möglichkeiten schlossen die Forscher gleich aus. Die Technik sei vorhanden und billiger als jene für Dieselautos. Die kleinen Schnecken hatten somit leichtes Spiel. erklärt Pfenninger. dann geht die Kamera gern nahe ran und zeigt. die online auf PLoS ONE veröffentlicht wurde. das suggerieren diese Szenen. Die Forscher entschlüsselten die DNA und ermittelten daraus die Verwandtschaftsbeziehungen.zeit. Sie lebt versteckt im Geröll der Küsten Südfrankreichs. Zweite Vermutung: Könnten einige der Schnecken mit der Meeresströmung. weil es Benzin spart.2 TSI und ein BMW 116i. Auch Fische demonstrierten jüngst ihre Cleverness: Der Taucher Scott Gardner erwischte einen Schwarzfleck-Zahnlippfisch dabei. Wie also verbreiteten sich die langsamen Kriecher? Und wo begann ihre Reise? Mithilfe von molekularen Markern und neuen statistischen Methoden haben Pfenninger und seine Kollegen die Besiedlungsgeschichte jetzt rekonstruiert. Das kleine Bläschen in der Spritze ist also nicht lebensgefährlich. Damals verbreitete sich die neolithische Kultur im westlichen Mittelmeerraum. Nun ist Tudorella sulcata an sich ein sehr ruhiges. Von Sardinien nach Algerien und anschließend in die südfranzösische Provence ging die Reise. wird wohl weiterhin ein Geheimnis bleiben.zeit. Es war angeblich der erste beobachtete Werkzeuggebrauch eines Wildfisches.de/audio MEHR WISSEN: Im Netz: Die Wartelisten für Organspenden sind lang. mitgenommen wurden oder sich als blinde Passagiere an die Schiffe hefteten. weil sie tief in die Lunge eindringen und ins Blut gelangen können. das ist amtlich. ist für den Patienten beziehungsweise das Opfer tödlich. dass die weiß bis orange-rötlich schimmernden Schleimer aus Italien stammen und die Mittelmeerküsten mit größter Wahrscheinlichkeit bereits vor 8000 Jahren zu erobern begannen. etwa auf einem Baumstamm treibend. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. Bleibt nur noch eine Möglichkeit: der Mensch. Generell geht man davon aus. wie der Mediziner die Spritze »entlüftet« und eine kleine Fontäne herausspritzt. Erstens: Vögel. Stimmt’s?. Die Beute war in einem der Näpfe unter einem Deckel verborgen. wenn es regnet. geradezu passives Wesen. die eine Schnecke dieser Größe überhaupt transportieren könnten«. oder stimmts@zeit. erklärt der Molekularbiologe. Sie entstünden durch die Direkteinspritzung. Sardiniens und Algeriens. Im Lauf ihres Lebens legt sie keine großen Strecken zurück.de/stimmts www.zeitabo. In Krimis wird das Spritzen von Luft gern als Tötungsmethode verwendet. Wikipedia gibt (ohne Quelle) 0. dass sie schlau sind. Die getesteten Modelle. Online). sagt Pfenninger. Dr. »Für eine Landschnecke ist es ungewöhnlich. Umtriebig ist anders. so kann die aufgestaute Luft auch hier den Kreislauf stoppen.de . Sie fanden heraus. und um einen Menschen mit einer Luftinjektion zu töten. müsste man eine ziemlich große Spritze benutzen. Diese sehr kleinen Partikel sind besonders gefährlich. Wissenschaftler von der Duke University ließen puerto-ricanische Chamäleons in zwei Näpfen nach Würmern suchen (Biology Letters. wie die Bläschen durch die Adern wandern. Das neue ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. zerrissenen Lebensraum hat – die Küsten waren zuletzt vor 30 Millionen Jahren direkt miteinander verbunden. Das ergab eine Untersuchung des ADAC im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe DUH und des Verkehrsclubs Deutschland. es kommt darauf an. vermutet die Studie. Evolution und Diversität in Frankfurt. Deshalb wunderten sich Forscher schon seit einiger Zeit. Die Frage ist nur: Wie viel Luft braucht man dafür? Das lässt sich nicht allgemein beantworten. online). Kleine Luftbläschen kann der Körper aber resorbieren. 138 Schnecken aus 28 Gebieten mussten für diese Forschung dran glauben. ihnen Teile des Fußmuskels entfernt.4 Milliliter pro Kilo Körpergewicht pro Minute an – das wären bei einem 75-Kilo-Mann 30 Milliliter. Es besteht die Gefahr einer Embolie: Enthält eine Vene Luft. Wann können Zuchtorgane dieses Problem lösen? www. dass mindestens zehn Kubikzentimeter für eine tödliche Wirkung nötig sind. Ob sie allerdings absichtlich. CHRISTOPH DRÖSSER Schleimer auf großer Fahrt Frühe Seefahrer sorgten für die Verbreitung einer Landschnecke Die Landschnecke Tudorella sulcata ist ein unscheinbares Tier.zeit. Schon die kleinste Menge Luft im Blutkreislauf. dass Feuerstein von Sardinien bis nach Nordafrika gehandelt worden ist«. Markus Pfenninger/Sebastian Klaus Stirbt man. wie für Dieselautos erlaubt sind. dann wandern die Bläschen in Richtung Herz und Lunge. »Also nur an ganz wenigen Tagen im Jahr«. um neue Ufer zu erobern? »Erwiesenermaßen laufen die Strömungen genau umgekehrt zur Ausbreitungsrichtung der Tiere«. Aktiv wird sie – falls überhaupt –. Die Tierchen lernten schnell und schubsten das Hindernis mit der Schnauze beiseite. Luft hat in den Adern tatsächlich nichts zu suchen.zeit. wenn Luft in die Adern gespritzt wird? … fragt Jürgen Sander aus Braunschweig Wenn im Fernsehen ein Arzt eine Spritze verabreicht. etwa als Schmuck. kein zusammenhängendes Verbreitungsgebiet zu haben«. wieso das Weichtier einen so großen. Und ähnlich wie Luftbläschen in der Kraftstoffanlage eines Autos den Benzinfluss zum Erliegen bringen können. Doch nun haben Reptilien auch noch gezeigt. ein VW Golf 1. Smarte Tierchen Schnell sind sie. Die Ausbreitung der Schnecken überschneidet sich verblüffend gut mit der des Homo sapiens in der Jungsteinzeit. Juli 2011 STIMMT’S? DIE ZEIT No 29 KOMPAKT WISSEN Foto (Ausschnitt): Prof. heißt es in der Studie. Präzise wurden VON ALINA SCHADWINKEL Tudorella sulcata ist an sich ein sehr passives Wesen Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. Dieses moderne Verfahren ist beliebt.42 14. Mit 15 bis 20 Millimetern Höhe ist die Schnecke nämlich ein ganz schöner Brocken. Sie brauchten für den Intelligenztest sogar drei Versuche weniger als Vögel. Die DUH fordert nun auch einen Grenzwert und Partikelfilter für Benziner. mehrere Wochen quer über das Mittelmeer gereist sein.de/organspende Kuriose Psychotherapien werden populär – und haben gefährliche Nebenwirkungen. »Das spiegelt sich unter anderem darin wieder. Luft in einer Arterie kann Organe von der Sauerstoffversorgung abschneiden und beispielsweise zu einem Schlaganfall führen.

Höchst knifflig. es den Pflanzen gleichzutun und das Sonnenlicht zu nutzen. Das Bundesumweltministerium schätzt.Foto [M]: Frank Krahmer/corbis.und Ostsee pflanzen. Sie müssen von den Windrädern durchs Meer an die Küsten gelegt werden – und danach noch durchs ganze Land. die rote Sonne hat es vorgemacht. Außerdem können selbst modernste Solarzellen immer nur einen kleinen Teil der Lichtenergie in Strom umwandeln. Leider konnte er nicht mit Geld umgehen. blase! Die Atomkraftwerke in Deutschland werden abgeschaltet: Das finden viele Menschen gut. Eine andere Idee ist. Sie erzeugen weder Abgase noch gefährliche Strahlung. das neue »Ums Eckchen gedacht«-Buch für Knobelfans. Lesetipp: Ein Mann. bisher benötigt die aber leider viel mehr Energie.de/mikado Blase. Deshalb tüfteln Wissenschaftler an Batterien. Allerdings nicht genug. 8. viele Eckchen Seit es die KinderZEIT gibt (das sind jetzt bald drei Jahre). Niels Schröder (Wappen). »Kernfusion« sagen die Wissenschaftler dazu. weil man damit Brennstoffzellen betreiben kann.05 Uhr in der Sendung »Mikado – Radio für Kinder« auf NDR Info oder im Internet unter www. das von den Gegenständen und Personen selbst ausgehe. 7. Die Frage »Atomkraft?« beantwortet sie stets höflich mit einem »Nein danke«. dass es erst in über vierzig Jahren so weit ist. Er malte Szenen aus der Bibel. Landschaften und bekam sehr viele Aufträge für Porträts. Dann müssen die sich nicht alles von ihren Stromkunden zurückholen.. um 17 Atomkraftwerke aufzuwiegen. Große treten beim Sportfest an. ullstein. der auf der Sonne abläuft – und damit praktisch selbst Sonnenstrahlen erzeugen. Lösung aus der Nr. Um es im Meer aufzubauen. Zu seiner Zeit galt das Malen von Bildern als Handwerk wie Tischlern oder Schneidern.ndr. um Offshore-Windparks zu bauen. In letzter Zeit sah man die rote Sonne wieder häufig. Ob weit. also kann sich auch keiner beschweren. war er völlig verarmt. Rembrandts Spezialität war das Spiel mit Licht und Schatten. Und so ging Rembrandt bei einem Maler in die Lehre. Mit vollem Namen hieß er Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Ferienanfang. Autobahn. 6. Für Kricket braucht man größere als für Tischtennis 5. kannst Du Dir jede Woche den Kopf über unser kniffliges Rätsel »Ums Eckchen gedacht« zerbrechen. Wind. Rembrandt: Alfredo Dagli Orti/The Art Archive/Galleria degli Uffizi Florence. W I S S E N . Die Radiogeschichte über Rembrandt hört Ihr am Sonntag um 8. den 26. und bis es so weit ist. – SERPENTINE . dass der Strom bald viel mehr Geld kostet. r/Reifen. abbiegen. dass es nicht nur weiße und braune Sandstrände gibt. KinderZEIT. den Stromkonzernen Geld zu geben. als er 1669 starb.. 5 Euro. hölzerne werden übers Brett gezogen 4. zum Beispiel Strand und Meer. Fast die Hälfte der 17 deutschen Atommeiler steht schon still. dass sie ein ganzes Buch füllen. auf Ansteckern. muss Anlauf nehmen 3. (11) Rembrandt Er war ein berühmter Maler. die in Norddeutschland wohnen. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. wo er sich schnell einen Namen machte. Du findest darin 66 Rätsel zu je einem Thema. Tunnel. Doch woher kommt in Zukunft unser Strom? Es gibt eine Menge Ideen VON MAGDALENA HAMM Dein Vorname: Wie alt bist Du? D WAS SOLL ICH LESEN? Viele. haben viele Leute Angst. Schiebedach. 27: 1. ältere stoßen die 6. das bedeutet weit weg von der Küste. Der meiste Strom soll nach den Plänen der Regierung aber bald aus Windkraft stammen. etwas gegen Windräder. wonach es in Deutschland bereits in elf Jahren keinen Strom mehr aus Atomkraftwerken geben soll – vor allem. fällt dann der Strom einfach aus? Das darf natürlich nicht passieren. der die Sonnenenergie aufnimmt und auf die einzelnen Wassermoleküle überträgt. aufbrechen. Seit mehr als dreißig Jahren ist sie das Symbol der Atom kraft gegner. Damit er dorthin fließen kann. Kräne und Bohrer. Und was passiert. Reiselust. Spritpreise. Damit wird der Sportler besser – ANNI und GRIT sind dabei 9. Der allererste Ladenbesucher? Wer genug Punkte sammelt. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 43 P O L I T I K . auf denen zu laufen – die mit Bach können fliegen 2. Biogas und Erdwärme werden wir auf die nicht erneuerbaren Energien wie Kohle. ist also noch viel zu tun. ob hoch – wer’s will. außerdem ist Wind eine unerschöpfliche Quelle – klingt perfekt. 4. 3. als sie erzeugt. Strom sollte im besten Fall aus natürlichen Quellen stammen. Sondern sie wollen den Prozess nachahmen. Abb. Dort wohnt niemand. wenn der Wind mal nicht weht. wollen die Stromkonzerne aufs Meer ausweichen und ganze Felder von Windrädern in die Nord. muss das Leitungsnetz erneuert und ausgebaut werden. außerdem seien sie laut und würfen flackernde Schatten. In Zukunft brauchen wir daher eine bunte Mischung aus vielen Stromquellen. An den Küsten in Norddeutschland weht der Wind stark genug. braucht man jede Menge technisches Gerät. Bis wir uns ganz auf erneuerbare Energien verlassen können. Ein Offshore-Windrad ist über hundert Meter hoch und tonnenschwer. Apfel Zet (Piktogramme) ELEKTRO ER S AU HR SC AT HR SC RIT 14. V/verfahren. um Tausende Windräder anzutreiben. Gäbe es nicht ein paar Haken. das »innere« Licht. 5. »Sie verspargeln die Landschaft«. Dafür gibt es in Deutschland einfach zu wenig Sonnenschein. Daneben werden noch eine Menge andere Energiequellen erforscht – und da kommt die Sonne wieder ins Spiel. so sah es Anna Lund damals. Daran arbeiten zum Beispiel Forscher in Rostock. Wasserstoff wiederum ist nützlich. Weil der Ausbau der Windenergie so teuer ist. Ein Problem sind auch die Stromkabel.zeit. sagen die Anwohner. Für die Wasserspaltung braucht man aber einen »Vermittler«. die letzten drei sollen 2022 in den Ruhestand gehen. Aufklebern und Fahnen. K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAR EIGENTLICH . Wenn man Wasser zerlegt. Dieses ist nun pünktlich zum Ferienstart erschienen und hilft garantiert gegen Langeweile auf langen Urlaubsfahrten. In Frankreich entsteht eine riesige Testanlage. und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen. Neben den erneuerbaren Energien wie Solarund Wasserkraft. erhält man Sauerstoff und Wasserstoff. Extra-Anstrengung mit Ziellinie in Sicht 8. er male das Licht. der vor mehr als 400 Jahren in den Niederlanden gelebt hat. ab 8 Jahren SC H E H U NI B Bleeker ie rote Sonne ist geduldig. Zum Beispiel arbeiten Physiker daran. In Flautezeiten könnte man diese Batterien dann anzapfen. weil es sehr gefährlich werden kann. darf auf eine hoffen 10. als sie noch zur Uni ging und Wirtschaftswissenschaften studierte. 10. Obendrein lernst Du zu jedem Thema noch eine überraschende Tatsache: Wusstest Du zum Beispiel. Einmal soll er gesagt haben. große Transportschiffe. die Strom erzeugen. Die Regierung hat aber schon versprochen. aus »erneuerbaren« Energien. der auf Windräder klettert Seite 63 Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. können noch zwanzig Jahre vergehen. Am Ende vom Sportfest: Im Wettkampf gegen den GEGNER SEI RUH. Aber woher soll der Strom stattdessen kommen? Als sich die 22-jährige Dänin Anna Lund 1975 an ihren Schreibtisch setzte und das Anti-Atom-Symbol mit der roten Sonne entwarf. nicht nur die Energie aus den Sonnenstrahlen zu nutzen. © OOA Fonden (im Wappen). wenn in einem solchen Kraftwerk ein Unfall passiert. um Wassermoleküle zu spalten. Wir müssen geduldig sein. Zum Beispiel haben viele Menschen. Diese Technik kostet sehr viel Geld. »Offshore« sagt man dazu. Dabei muss der Renner auch abgeben können 7. Aus ihrem Licht lässt sich mithilfe von Solarzellen ja auch Strom gewinnen. Wenn Du alle zehn Begriffe herausbekommen hast. So wie eben die Sonne eine ist. 20079 Hamburg. die Energie speichern können.de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1. 9. wenn sie dran ist N D D 1 2 3 E G AE 5 Diese Windräder stehen in Dagebüll an der Nordseeküste AE 4 U U I H 6 7 F 8 N 9 R 10 Schicke es bis Dienstag. erhältst Du ein Lösungswort. Juli. Unmittelbar vor der Sommerpause hat der Bundestag mit großer Mehrheit die »Energiewende« beschlossen: eine Reihe von Gesetzen. Jüngere Sportler werfen den Ball. Mittlerweile hat sich der Rätselmacher Eckstein so viele Knobeleien ausgedacht. platte liegen in Fluren. Über 350 Bilder hat Rembrandt gemalt. So ein Stoff ist noch nicht gefunden. Öl und Gas vorerst nicht verzichten können. wie man die Atomkraft ersetzen könnte: »Die Sonne spendet für alle reichlich und gratis Energie«. hatte sie schon eine Vorstellung davon. Um sich Ärger zu ersparen. Ihr langes Warten hat sich gelohnt. Denn der Windstrom aus dem Norden Deutschlands wird ja auch in Süddeutschland benötigt. die nicht aufgebraucht werden. die bei starkem Wind zu viel produziert wurde. sondern auch schwarze oder rosafarbene? Eckstein: Ums Eckchen gedacht – Kreuzworträtsel für Kinder Fischer Verlag 2011. 2. Nach vier Jahren Ausbildung zog er von Leiden in die Großstadt Amsterdam.

Oder: »Ein nachdenklicher Mensch zu sein. Wren«. Es ist so viel besser geworden. liebevoll. von außen kommen. die Alltagssorgen mit ein paar intelligenten Strategien einzuhegen. Die unhinterfragte Logik derer aber. lässt sich unmöglich nacherzählen. sondern um eine Familie. so zart wie ein Glühwürmchen in der Abenddämmerung. dass es zu dieser Sorte Übel zählt. angstfrei. Ich hab mir gesagt: Guck dir’s lieber noch mal am Morgen an. Das klappt so gut. hat sie hinter sich gelassen. Er konnte sich Als einen solchen normalen. denn kein Satz darin ist überflüssig. ohne sich die geringsJungen lernen wir Frankie zuten Sorgen um militärische Ausnächst kennen. wie es war – und weder Freunden noch Eltern kann man trauen Die Fox Street.de/ chen-Sandwiches sicher schon »stresslösende Wirkung von Katfunkhauseuropa zen auf Erwachsene«. die sich erwachsen nennen. in Gestalt der neuen Mitschülerin Sydney. »der schrecklich und trotzdem so offensichtlich und so unbestreitbar war. Die Worte der »neuen Merce« erwischen den Leser denn auch so kalt wie Mo: »›Als ich letzte Nacht hier ankam. vielleicht könnte tatsächlich alles anders werden . das sind nicht mehr als fünf Häuser links und rechts.. als habe einem jemand einen Eimer über den Kopf gestülpt. 15. um die verrutschte Realität wieder mit sich selbst zur Deckung zu bringen. als er mit seinem bildung oder Krieg oder Verwundungen zu machen. Es ist immer schlimmer geworden.nimmt und dass das bei anderen Menschen nicht rigen über Gebühr beunruhigen sollten. tu ich nicht!!‹« Springstubb erzählt von Mos aufkeimender Panik mit einer solchen Leichtigkeit. wie Mo von einem neuen Gedanken getroffen wird.. 335 Seiten. Es regnet auch nicht mehr. Abend für Kinder. den schlecht gelaunten Dackel Rorauben ihm den Schlaf und lassen nald erschreckt (ebenfalls wie ihn in einer Endlosschleife der immer) und dem Busfahrer ein Angst kreisen. fragt dass selbst sein leicht aufbrausenman sich – und merkt erst allder. Tricia Springstubb braucht nicht mehr als eine Handvoll Seiten. und ein kleines Wunder ist auch dieses Buch selbst. ein kleines Stück Amerika. dass er allein nicht mehr zurechtkommt. eine kleine Tür. trifft auch den Leser in die Magengrube. gelassen und freundJugendliteratur.. dass Frankie sich sogar vorstellen kann. stellt das. Mos bester Freundin. »Frage!«. gegen die Vergänglichkeit anzukämpfen. Bremen den LUCHS-Preis samen Geheimsprache »Chilun« Sie beruhigt ihn auch. in der aber niemand jemals einen Fuchs erblickt hat? (Jedenfalls niemand außer Mo. dass alles im Leben vergänglich ist und dass es sich trotzdem lohnt. so ist: »Das war das Tolle an Gigs. Am liebsten möchte man einfach nur zitieren. dass es sie gab. um Sydney an ihrem neuen Wohnort zu besuchen. der auf Deutsch erscheint. dass die Schweigespirale durchbrochen wird und Frankie in psychologische Behandlung kommt. dass diese Mutter nicht ruhig und entspannt zu werden scheint. Die Familie versucht alles zu ignorieren: Niemand spricht über die psychische Ausnahmesituation der Mutter. Gefangener düsterer Vorahnungen. eingebauten Schutzraum für sich allein. am anderen die Schlucht. Mercedes ist in den Zeitbeschleuniger der Pubertät geraten und trägt plötzlich die gleichen trendigen schwarzen Jeans wie die »beliebten Mädchen« in Mos Klasse: »›Merce! Du siehst so anders aus!‹ – ›Mo! Du siehst noch genauso aus!‹ – ›Nein.44 14. ich habe einfach immer Angst. Und das ist inzwischen so gut wie alles auf der Welt. mit der Mo die Veränderung ihrer Welt erfährt. dass sie zuvor geschlossen war«. was in seinem Kopf vorgeht: »So eine Rattenstimme. Sondern der größte Teil von Frankies Problem. ihre Familie weit dysfunktionaler als Frankies. Um glücklicher.« Weil alle Familienmitglieder vor der psychischen Störung der Mutter die Augen verschließen. den sie von zu Hause aus führt. Frankies Verzweiflung treibt ihn über eine Grenze. genannt »Mr. Schon etwas weniger Jeden Monat vergeben normal mutet es an. Je näher der Leser an den in ihrer Kindheit und mehreren ZusammenJungen herankommt. Radio Bremen das Buch vor. genannt »das wilde Kind« – und alles hat seine Ordnung. ob er Hepatitis oder Lebensmittelvergiftung und das Futter für die haben könnte. desto deutlicher wird. wie Mo ihn an der fünfjährigen Dottie erlebt. die Mitte der Welt zu verkaufen. Es geht hier nicht um eine »Problemfamilie«. Wo nimmt diese dazu war Frankies Beobachtung. In den Augen von Mo Wren aber ist diese Straße die ganze Welt. sondern Geld für den Bus da. weil ein Immobilienmakler ein verführerisches Angebot macht?! Das Geheimnis der vermissten Dinge ist der erste Jugendroman der 1950 geborenen Amerikanerin Tricia Springstubb. dass es fast nicht auszuhalten ist. die jeden Sommer in die Fox Street kommt. trägt sie zum Familieneinkommen bei. von einer Lebensmittelschaftsunterricht normalerweise Redaktion: Libuse Cerna.20 Uhr. Doch für Frankie wird dieses Beschweigen auf die Dauer gefährlich. . er wird Am 14. wie es Recht Sorgen: Nach einem schlimmen Ereignis ihm selbst lieb wäre.. Immer habe ich vor irgend etwas Angst. dass sie irgendwann die entscheidende Frage stellen wird: Warum geht deine Mutter nicht vor die Tür? Mit Sydney als Freundin fällt Frankie das Leben etwas leichter. das liegt nahe. Hilfe für Frankie muss. er weiß. Das ist m itunte rend r k om verstö isch. ruft sie dann. Ich möchte keine Angst vor der Welt haben. Juli. zugewandt. die Idee einer neuen. erforschen: Sie machen eine Reivergiftung hätte man zehn StunDas Gespräch zum Buch ist abrufbar unter henuntersuchung zum Thema den nach Verzehr eines Hühnwww. und ihrer Schwester Dottie. der wie Mo Wren eine »Nachdenkerin« ist und gerade das unwegsame Reich betritt. könnte man meinen – aber nem Inneren außergewöhnlich viel Raum einkeine Umstände. Oder Freund Gigs den Berg zur BushalAmeisen in heißen Ländern. um Mos Fox-Street-Kosmos und seine Bewohner in jenes verunsichernde Zwielicht zu tauchen.) Was auf dieser Suche alles geschieht. »Fettkontrolle« auf seinem Schoß liegt. wo das Herz schlagen würde. und sie hat eine unglaublich direkte Art. Und das tut sie. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 KINDER. ›Da sieht es sogar noch schlimmer aus. 12. Bis Mo ein Gedanke beschleicht. extrem stressanfälliger Vater mählich.radiobremen. Einziges Gegenmittel: Er muss einfach abends Codewort zuraunt (täglich wechum zehn Uhr ins Schlafzimmer selnd). gar vergnügten vorstellen. und der ließe die Welt ohne Ende dröhnen und schallen. erträglicher. cherweise den Namen »Fettkontrolle« trägt). was Jungen im Naturwissenkeine Hepatitis bekommen.« Frankies Tante ist eine vernünftige Frau. von der sie nicht einmal gewusst hatte. aber . Ich konnte ihr Sachen erzählen. das sich zwischen Kindheit und Erwachsensein erstreckt. es auch um Kriege und Naturkatastrophen. ihre Erwachsenen sind sympathisch.95 Euro Wo ist Kiki? Unser Vorlesesommer macht eine Pause. mit einem hübschen. Sein Therapeut hilft ihm.‹« Nichts passt in diesem Sommer mehr zusammen im Kosmos Fox Street. eines Tages untergehen könnte. Aber auch ein harter. Und dass er so war wie Ma: furchtsam und beklommen. meist aber tief VO N AN SUS NE G C AS HK E er Tag beginnt ein wenig Frankie unter immensem innerem Druck steht: anstrengend für Frankie: dass er sich nicht nur Sorgen um fehlendes KleinWieder einmal ist kein geld und nachzukaufende Milch macht. um die fehlt die Milch fürs Müsli. im vermutlich letzten Zehn-Uhr-abends-Gespräch: »Ich möchte nicht so werden wie du. so rar und »voller Anmut und Schönheit« wie Mos Fuchsmutter. Dinge. 222 Seiten. sieht auch niemand die seelischen Nöte des Kindes. ständig auf den Hieb der Sense wartete. die zwar ein »Allyou-can-eat-Büfett« für Waschbären ist. Was zum Teufel ist logisch daran. wenn Franseiner Mutter gehen und sich von DIE ZEIT und Radio kie und Gigs sich in ihrer gemeinihr beruhigen lassen. doch jeder Schritt über die Türschwelle versetzt sie in nackte Panik.und unterhalten. Die nächste Kiki-Geschichte lest Ihr in der kommenden Ausgabe Buchcoverillustration: Formlabor/Kerstin Schürmann. was ihre Welt ausmacht. am offenen Ende. sofort anzusprechen. Doch so lächelnd. Sie hat Fragen gestellt. Frankie spürt durchaus. als Sydneys unstete Mutter mit ihren drei Töchtern schon nach wenigen Monaten wieder umziehen will. die dafür sorgt.90 Euro Darf man die Mitte der Welt verkaufen? Nein! Die zehnjährige Mo liebt das Leben in der Fox Street. Es würde so lange dauern wie der Roman selbst. 41 zuschlägt (wie immer). »Am einen Ende war die Paradise Avenue. klügste und witzigste Buch über die Erkenntnis. ans andere Ende des Landes. dass er sie senkrecht aus dem Sessel hob«: dass all das. und vertraut seiner Tante an. Sorgen um seine berufliche ZuKatze (die unergründli. Mo Wrens Haus stand in der Mitte – dort. wie ein Kapitel des Romans überschrieben ist. die Gefahren einer Flugreise auf sich zu nehmen. dass die Angst in seiAlles etwas lästig. nationale und globale Probleme eine Weile links liegen zu lassen – und versuchsweise an schöne Dinge zu denken. Der Gedanke war immer da gewesen.. 16. Frage. © Carlsen Verlag Hamburg D Haus nicht mehr. Cecilie Dressler Verlag 2011. Und um seine Mutter. dass irgendwann tatsächlich der erste Abrissbagger anrollt. und Frankie erzittert jedes Mal. Doch Sydney ruht in sich. General zu sein. die all das ausspricht. Fragen quälen Mo: WaVON CHRISTIAN STAAS ab 12 Jahren rum heißt eine Straße Fox Street. »Langsam öffnete sich in ihr eine kleine Tür. Manchmal war es aber auch.« Diesen Weltmittelpunkt bewohnt die Zehnjährige mit ihrem Vater. von »notwendigen Übeln« zu sprechen. Tricia Springstubb: Das Geheimnis der vermissten Dinge Deutsch von Siggi Seuß. wovor ich Angst habe. die BriefBesonders abends quälen kastenklappe von Haus Nummer Frankie die dunklen Gedanken. und ich dachte. so flüchtig wie der Anblick einer Füchsin im Regen.kunft. In jeder Fox Street lebt irgendwo ein Fuchs. in das jeder gerät. ich möchte nirgendwo anders sein . das war eine verzwickte Angelegenheit. Mit einem Konditoreibetrieb. Umso größer ist seine Fassungslosigkeit. wie Mos Vater es tut? Kann es denn etwas geben. muss Frankie seiner Mutter etwas sagen. er freut sich mehr und fürchtet sich weniger.« Es gibt für Mo kein Zurück zur alten Ordnung – aber. wenn die Fox Street ein Mensch gewesen wäre. sie wird als unhinterfragbare Normalität akzeptiert. heißt es an einer dieser Stellen. Auch nach dem »Ende der Magie«. Doch in diesem Jahr ist etwas anders. die für ihre Probleme die falsche Bewältigungsstrategie gewählt hat. so optimistisch und heiter das Ende dieser ungeheuer einfühlsamen Geschichte daherkommt: Der Kampf mit Depressionen hat seinen Preis. die ihr merkwürdig vorkommen. Carlsen Verlag 2011. Frau ihren Gleichmut her. neben dem Grummeln der Nagestimme«: dass sein Bruder Louie und seine Schwester Gordana wie sein Vater waren – »kühn und sorglos. Nicht nur. Sydney ist eine Art Hippiepunk. geschweige denn.« Ein notwendiger Satz. liegt ihr noch ferner.. weil er weiß. die einen normalen Zwölfjäh. »Im Grunde hatte er es immer gewusst. Und jetzt geht Sydney weg.« testelle hinuntertrottet. die sich auf die Suche macht. seit sie da ist! Irgendwie war alles besser. fröhlich. auf den ersten Blick eine klare Außenseiterin. Und auch ihr gefür Abend. der irgendwie ständig kauerte. nein. meinsames Schulprojekt ist nicht lich und geduldig: Nein. Ich konnte nicht mit ins Camp fahren. Die Autorin Kate de Goldi prangert das in keiner Weise an. Doch plötzlich ist hier nichts mehr. Den magischen Kinderglauben. Mit Mo Wrens Geschichte ist ihr etwas Großartiges gelungen – oder zumindest das denkbar zärtlichste. Manchmal fühlte man sich wie eine Schildkröte. Im Alltag ist sie »stabil«. weit fort.& JUGENDBUCH a b 10 Jahre n Rattenstimm st e i ng D e der A n Fra ki tet s fürch e ich vor fast allem. Die Wucht. an denen Springstubb die Poesie so kraftvoll in ihren Text einbrechen lässt. Denn um seine Mutter macht er sich zu Frankies Interesse am Thema Stress ist aber nicht ganz so distanziert und akademisch. um freier zu werden. hält das Leben also noch Wunder bereit. wenn die nur eine Trösterin ist. dass brüchen verlässt sie schlicht und einfach das Luchs Nº 294 Kate de Goldi: Abends um zehn Deutsch von Ingo Herzke.‹ Mercedes schluckte. das notwendig ist – und ein Übel zugleich? Und darf es sein. Alles beginnt mit der ersehnten Ankunft von Mercedes. sah alles so – ich weiß nicht – so heruntergekommen aus. Der Anstoß etwas gemerkt.

Interessant zu beobachten war auch. wie ungewohnt »Mein Vater gehört allen!« Erstmals wird Charlie Chaplins Gesamtwerk im Rahmen einer Berliner Retrospektive gezeigt. das seine erzählerische Stimme zu nicht-literarischen Sprechweisen unterhält. ZEIT: Chaplin wurde in den folgenden Jahren irrtümlich als Jude bezeichnet. der sich nicht kleinkriegen lässt. Und dass er dahinter eine tiefe Unsicherheit vermutet habe. und auch den Bürgermeisterempfang möge man nicht vergessen. Nur an spärlichen Stellen blitzte die Ahnung auf. ZEIT: Ist es nicht ein Treppenwitz der Weltgeschichte. dass es bei dieser spröden Veranstaltung um einen utopischen Literaturort geht. Wir reisten für die Premiere von Rampenlicht nach London. Aber meine Mutter war der einzige Mensch. mich mal zu besuchen. bewohnt von Büchermenschen. wurde er manchmal schwermütig. da sein Besuch als Verneigung vor dem Regime ausgelegt werden würde. laudatierte Daniela Strigl. das ist Freiheit!« Ich hatte meine eigene Wohnung. dass er den Amerikanern diese Geste gewährte. er hat all seinen Kindern eine liberale.« Das machte ihm so große Angst. wenn er seine Drehbücher schrieb. dass die Diskussionen aufregender sein könnten. 1931. um die Vorstellung. Und er besuchte Albert Einstein in dessen Wohnung und diskutierte mit ihm über Politik und Wirtschaft. und es hieß. dass der Film für großen Ärger sorgen würde. als er den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk entgegennahm. Wir bekämpften das System von innen heraus. den vierzehn in diesem Jahr beim Klagenfurter Literaturwettbewerb lesenden Autoren. wie sehr ihn die Anonymität verunsichere: »Vielleicht ist meine Persönlichkeit schwach. ZEIT: Für viele Amerikaner war das damals leider dasselbe. seinen Rauswurf aus den USA und eine entwendete Leiche »Ich war halt ein Spätzünder« – Geraldine Chaplin er es finde. Wenn ihr etwas nicht gefiel. dass er selbst den Herrgott ausstach. wurde ihm als mangelnder Patriotismus ausgelegt. ZEIT: Erst 1972 fuhr Charlie Chaplin wieder in die USA. wenn er kam. ihn an dieser Reise zu hindern. sofort seine Gravitationskraft spürte: Die Wassertemperatur des Wörthersees betrage 23 Grad. dass Chaplin von amerikanischen Konservativen für Der große Diktator angefeindet wurde? Chaplin: Der Film war ihnen ein Dorn im Auge. dass er sich schon als Neunjähriger mit Auftritten in einer Music Hall durchschlagen musste. Edgar Hoovers Komitee für unamerikanische Umtriebe zitiert. weil sie 36 Jahre jünger war als er. Als nämlich in der Schule jemand sagte: »Dein Vater ist ein Kommunist. Er war kein Prediger. Als ich sehr jung nach Spanien ging. 46 L I T E R AT U RW E T T B E W E R B Kärntner Weltfremde In Klagenfurt gab es jede Menge Cremeschnitten und Philologie Zur Begrüßung empfahl Burkhard Spinnen. wenn man. Der Disziplin meines Vaters. die auf der Suche nach dem Zeitgenössischen in Klagenfurt ein kritisches Instrumentarium zum Einsatz brachte. Chaplin. Hatte er darüber nachgedacht. dass man sich fragen könnte. Ich war halt ein Spätzünder. der immer wieder aufsteht. Ohne meinen Namen hätte mich David Lean wahrscheinlich nicht zum Vorsprechen für die Rolle der Tonya in Doktor Schiwago eingeladen. Die autobiografische Erzählung folgt einem Mädchen. In den Filmen Ihres damaligen Lebensgefährten Carlos Saura wurden Sie zum Kinogesicht des spanischen Widerstands gegen die Diktatur. und beides wurde als erfrischend begrüßt. Warum nicht? Chaplin: Aus Solidarität mit den Verfolgten. verweigerte ihm Hoover die Rückkehr in die USA. Dieser Held. kritischer Weltbürger passte mein Vater nicht in das gängige Bild eines amerikanischen Filmstars. als antikommunistisches Bollwerk. So in Leif Randts Text. Vorsitzender der Kritikerjury. Und die Grazie. Man versteht nur in Klagenfurt selbst. Dann waren wir irgendwann in der Schweiz im Hotel. Wir kämpften mit schmutzigen Tricks. Deshalb bin ich so glücklich über diese komplette Werkschau in Berlin. die Ferien würden verlängert. den Kampf um Selbstbehauptung als Individuum. dass wir irgendwann zurückkehren würden. Er enthält alles. dass sie recht hatte. 1947 wurde er gleich mehrmals vor J. dass wir seinen Namen ausbeuten würden. berühmt zu sein. ist immer noch unser Zeitgenosse. dass er abreiste. es gäbe eine Kleinstadt. Oder auch Der große Diktator. warum unsere »Ferien« so endlos waren. Als eigenständige Person wurde sie immer unterschätzt. ZEIT: Chaplin wurde elf Mal Vater. als Ihr Vater mit seiner Familie in England war. Da hier in drei Wochen achtzig Filme gezeigt werden. konnte ausgehen. kritische Haltung mitgegeben. in dem von einem Dokumentarfilm über die totalitäre Ästhetik eines utopischen Ortes gesagt wird: »Indem der Film ausschließlich Bilder von CobyCounty zeigt. weil sie damals noch auf Hitler setzten. Aber dann musste ich die Sache selbst in die Hand nehmen. Wir hielten die Annahme des Oscars für einen Verrat seiner Prinzipien. Obwohl ich lange Zeit noch sehr naiv war. Es war ein KatzFortsetzung auf S. wenn sie der Haltung. ZEIT: Was hat er darüber erzählt? Chaplin: Dass ihm Hitlers rhetorisches Talent erschreckend wirkungsvoll vorgekommen sei. Aber er wollte auf keinen Fall. Die Wölkchen der herannahenden Zukunft haben sich damit aber erst mal wieder verzogen. Die antisemitische Hetze gegen ihn war dann sicher auch ein Anstoß. wenn meine Mutter für mich und meine Geschwister diese tollen Geschenke unter den Baum legte. Er sagte: »Ich bekam als Kind nur eine Orange. Geraldine Chaplin: Eine wunderbare Mutter! Sie war nicht nur die große Liebe meines Vaters. In solchen Momenten hatte man das Gefühl.« Mit Sicherheit hat seine berühmteste Filmfigur The Tramp mit dieser Kindheit zu tun. Warum? Chaplin: Zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen gehören die Tage. Beachtung schenkten. Kärnten nicht nur Jahr für Jahr mit überwiegend Berliner Literatur-Chic zu bevölkern. ZEIT: Was macht für Sie Chaplins Kino aus? Chaplin: Dieser Humanismus und eine große politische Wachheit. die in Badehosen auf Holzstegen sitzen und abends hinter großen Tischen voller Cremeschnitten den Sonnenuntergang über dem See betrachten. Sie behaupteten einfach. Mein Vater liebte es.« In Anbetracht der soliden philologischen Interessen der Juroren nahm es dann niemanden Wunder. Und er hat ihn dann ja auch mit seinem eigenen Geld finanziert. Dann gingen wir dort zur Schule und dachten immer noch. ZEIT: Was heißt das? Chaplin: Dass ich nie ein schlechtes Gewissen hatte. ZEIT: 1952. sagte Spinnen über den Text der Autorin Antonia Baum. Ich bin einfach durch alle Türen gegangen. Ähnliches galt manchmal auch für die Jury.FEUILLETON DIE ZEIT: Mrs. Er erwarte. Bis ich meinen Vater aufforderte. wie ich wollte. dass er nie kommen werde. Und der sich einen Sinn für Schönheit und Romantik bewahrt. dass wir aus Amerika herausgeworfen worden waren. Dass seine Gesten ein wenig zu groß gewesen seien. die die Texte zur Weltwirklichkeit einnehmen. schrieb er in sein Tagebuch. Aber dann fuhr er doch. ZEIT: Sind Sie durch Ihren Vater zu einem politisch denkenden Menschen geworden? Chaplin: Ich denke. sich von den Begleitumständen des alljährlichen Ereignisses nicht kirre machen zu lassen. Wenn sie sich auch für den Weltausschnitt interessierten. der Disziplin der Nonnenschule. was das Werk meines Vaters so groß macht: die Mischung von Ohnmacht und Aufbegehren. Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Chaplin: Als eine Mischung aus Liebe und Kampf. genauso wie seine filmische Kritik an den Auswüchsen des Kapitalismus. Seine Filme waren damals in Deutschland noch nicht gelaufen. Damals kam ich also in Francos Spanien an und dachte: »Yeah. Erst mit fünfzehn Jahren bekam ich heraus. Wie haben Sie den Verlust Ihrer damaligen Heimat erlebt? Chaplin: Ich war damals acht Jahre alt. wie andere mediale Formen in der Prosa auftauchten. weil er wusste. Erst da fiel bei mir der Groschen. Was sie nicht mochte. dass wir zum Film gehen. dessen Urteil mein Vater respektierte. Ein völlig mittelloser Vagabund.« Marxismus war für mich damals die coolste Sache der Welt. erfanden alle erdenklichen Hinderungsgründe. Dass er seinen britischen Pass behielt. Er sagte. Und diese Ehrung gab ihm noch einmal ungeheure Lebenskraft. Auch nicht darüber. vom Fernsehstudio zum Strandbad gelange man in einer Viertelstunde. Und genau das habe ich dann ja auch hemmungslos getan. den ein Autor wählt. Und ein paar Seiten weiter schrieb er dann. ZEIT: Charlie Chaplin verbrachte seine Kindheit in großer Armut. Aber nur Sie sind ihm ins Rampenlicht gefolgt. kommen ihre politischen und zeitgeschichtlichen Bezüge erst richtig zum Vorschein. als er zur Premiere von City Lights zurückkehrte. dass wir noch Ferien in England machen würden. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 45 Chaplins Tochter. ZEIT: Warum nicht? Chaplin: Weil er fürchtete. Für mich war diese Figur immer eine Art verklärte Kindheitserzählung meines Vaters: die Verkörperung eines Humanismus. der Hitler sagen muss. ZEIT: Wie war überhaupt Charlie Chaplins Verhältnis zu Deutschland? Chaplin: Als er 1921 zum ersten Mal in Berlin war. Erst dann erzählte sie mir. 49 GLAUBEN & ZWEIFELN Der letzte »Harry Potter« kommt ins Kino: Ein Interview mit Ralph Fiennes über das Böse S. die sich mir geöffnet haben. sondern auch ein wichtiges Gegenüber für seine Arbeit und in seiner Auseinandersetzung mit der Welt. ZEIT: Aber dann holten Sie schnell auf. Ich hatte keinerlei Bewusstsein für die Diktatur. verweist er ganz subtil auf eine Welt da draußen. Vor Kurzem habe ich mir noch mal Moderne Zeiten angeschaut. ihn abzulehnen? Chaplin: Er nicht. Hatte das einen Einfluss auf Ihre Erziehung? Chaplin: Er sprach nie über das Elend und den Hunger und die Londoner Armenhäuser. sondern seiner Geschichte Gehör zu verschaffen. gemeinsam mit Ihrer Mutter hatte er acht Kinder. Die damals bereits existierende NaziPresse führte jedoch eine Kampagne gegen ihn. sahen die Dinge ganz anders aus: Marlene Dietrich begrüßte ihn am Bahnhof. Und möglicherweise eine notwendige Entscheidung. der Disziplin des Balletts. Der große Diktator zu drehen. Deshalb gibt es in Der große Diktator ständig jemanden im Hintergrund. gerade von den Routiniers des Events über dessen Umstände aufgeklärt. Ein Mann. In guten Jahren. auf der Straße nicht angesprochen zu werden. Für meine Mutter muss unser Rauswurf aus den USA ein Albtraum gewesen sein. Und er hatte vollkommen recht. ob Sie auch eine Mutter hatten. Sie sind so sehr Charlie LITERATUR Martin Walsers neuer Roman »Muttersohn« S. wie toll er ist. Mein Vater hat die politischen Verhältnisse seiner Zeit immer konsequent auf der Leinwand reflektiert. Aber an Weihnachten. Man hatte meinen Vater gewarnt. der noch mit körperlicher List gegen die Tücke des modernen Objekts kämpft. an denen mein Vater mich von der Schule abholte. der dennoch Würde und Manieren hat. Und es war wirklich ein Kampf. dass der »makellose Text« der in Klagenfurt lebenden Maja Haderlap den Bachmann-Preis gewann. das sich der Geister des Partisanenkampfes der Kärntner Slowenen im Zweiten Weltkrieg bewusst wird. Die Nonnen unseres Schweizer Internats flippten aus. die seine Figuren der Schwerkraft zu entrücken scheint. Ich kam nach Hause und berichtete es stolz meiner Mutter. das mit sehr traditionellen Literarizitäts-Begriffen umgeht. der hier in Selbstgenügsamkeit untergehe. wurde gestrichen. Aber spielen musste ich den Part schon selbst. Ein Gespräch mit seiner Tochter Geraldine über ihre Kindheit. Chaplins Hitler-Bild. war dieser Schritt für mich vor allem eine Flucht vor der Disziplin. Es waren die längsten Standing Ovations in der Geschichte der Oscars. wurde er wütend. und für das Verhältnis. 60 14. MARIE SCHMIDT Foto: © Nicolas Guerin/Corbis . Übrigens sah mein Vater 1931 in Berlin auch zum ersten Mal Filmaufnahmen von Adolf Hitler. Aber meine Schwester Josephine und ich. Und meine Eltern spielten für uns Komödie. Wir wollten nicht. von den Jungen einen »Gegenwärtigkeits-Überschuss«. Was einem kurios vorkam. wenn sie sich nicht auf meinen Ruhm stützen kann. Chaplin: Als liberaler. was er allerdings nie richtigstellte. wir versuchten vehement. während am Horizont die Literatur der Zukunft erscheint. Aber er war kein Kommunist. Tatsächlich zogen am Nachmittag des ersten Lesungs-Tages sowohl Gewitter als auch ein kleiner Generationenkonflikt auf. Er war ein Pazifist und Antimilitarist. »Ein in jeder Hinsicht notwendiger Text«.

hat sich jetzt ein neues Logo gegeben. Im Pool wächst ein hoher Baum. um ein schlimmes Beispiel zu erwähnen. das in meinen Adern fließt. ich bin einfach über das Tor geklettert. französisch gelesen. ZEIT: Hat sich Ihr Vater Ihre Filme angeschaut? Hat er Ihre Rollen kommentiert? Chaplin: Ja. des Ödipus von Sophokles. Die überkandidelte Hochzeitsplanerin in Robert Altmans Eine Hochzeit habe ich zum Beispiel einer altjüngferlichen Agentin meines Vaters nachempfunden. im Gewimmel der Anspielungen. wenn ihm seine Zukunft lieb ist: Es muss sich sofort umbenennen. wo er sich versteckt. Experimentelle Eigenprodukte. www. Die langgliedrigen Finger seiner Rechten hält der »Retter der Welt« erhoben. also niemand könnte G.5 Millionen Dollar) als teuerstes verstei- Es ist der Tageszeitung Die Welt hoch anzurechnen. Kalifornien. politische Pamphlete über die Welt ausgestreut. er hat mich gerne gelobt. In meiner Familie gab es Leute. Hingegen erinnert uns der Aufwiegelungstext der Welt in seinem tollwütig-intriganten Kern eher an einen Klassiker des modernen Theaters. dass noch andere Verbrechersyndikate des Theaterwesens ihr übles Spiel mit Andeutungen treiben. denen man auf den ersten Blick nichts nachweisen konnte: Züchte Raben. Und ich hatte keine Lust mehr. Und wir waren Teil eines konspirativen Netzes. welche für Titel wie Damage done berüchtigt ist. Wenn das stimmt und sich ein Käufer fände. Doch es gibt auch Zweifler an der Eigenhändigkeit. könnte das Bild schon bald für eine weitere Sensation sorgen: für den höchsten Preis. Wissen Sie. Dann erlernte ich erst mein Handwerk. mehrere seiner Schüler haben das Motiv gemalt. ob er die Nachbarn oder irgendeine seltene Insektenart stören könnte. Spanisch und Französisch gedreht. Jetzt sieht es darin aus wie in Angkor Wat. mit zunehmendem Alter sieht man auch die absurden Seiten der Prominenz. Wenn man in der Schweiz einen Parkplatz bauen will. das nicht nur er. holt die Natur es sich zurück. sind wir da ganz nahe bei Shakespeare. Denn angeblich. Das neue Logo des Kopf ab? WirNationaltheaters belsäule raus? Streng Mannheim genommen. auch die London School of Economics. Shaw vorwerfen. Was ist daraus geworden? Chaplin: Es gibt den Plan noch. ZEIT: Eine schöne Vorstellung. SUSANNE MAYER Chaplin: Der Vorteil meiner Kindheit ist. TOBIAS TIMM T H E AT E R M A N N H E I M Das Teufelslogo G. wird es von einem Händlerkonsortium zum Kauf angeboten. ZEIT: Sie haben auf Englisch. das öffentliche Leben vorangetrieben. will es fortan auf jede seiner Publikationen schreiben: ›Fick deine Mutter!‹« Dem Nationaltheater Mannheim bleibt jetzt nur eines. Aber es ist ein langer bürokratischer Weg. unter anderem Robert Altman. In den Filmen von Carlos Saura verkörperte sie in den siebziger Jahren den Widerstand gegen Francos Diktatur. Oder dass sein Gesicht nicht auf T-Shirts oder Unterwäsche oder alkoholischen Getränken abgebildet werden dürfe. egal. in seinen Frauenporträts (bekleidet) den Sinn für Schönheit. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON Fotos: Society of Authors/The Bernard Shaw estate/London School of Economics (o. in ein blaues Gewand gesteckt und ihm eine große Glaskugel in die linke Hand gelegt. Dank Carlos Saura traf ich Regisseure wie Robert Altman und Jacques Rivette. dass Sie damals erst zur Schauspielerin wurden? Vom unerfahrenen Doktor Schiwago-Star zu einer Heldin des internationalen Autorenkinos? Chaplin: Doktor Schiwago und der Name Chaplin waren der Schritt zur Celebrity. Wenn Sie das Stück eines lebenden Au- K U N S T S E N S AT I O N Leonardos Segen Der New Yorker Kunsthändler Robert Simon ist auf ein Ölgemälde gestoßen. Ehefrau von Doktor Schiwago. was ihm noch fehlt. Haut käsig. Es ist einfach nur das Blut. ist das ein Albtraum. keine Wurzeln zu haben. PETER KÜMMEL . kurzerhand erfunden.46 14. Chap- gertes Kunstwerk. ZEIT: Haben Sie noch einen Schlüssel zum Haus Ihrer Kindheit? Chaplin: Nein. Seitdem arbeitete sie immer wieder mit großen Autorenfilmern. Viele Beispiele aus der Pionierzeit des neuen Mediums. ein Jesus-Bild: Leonardo hat ihn mit langen. die Freunde mit 250 000 Briefen überflutet. woher ihnen mein Gesicht bekannt vorkam. Sollte aber dieser Zweifel nicht hegemonial und die Nase nicht noch länger werden. Das Deutsche Theater Berlin etwa begeht die Blasphemie. weil es genau zwischen britischem und amerikanischem Englisch angesiedelt ist. 1904 Foto: Intertopics Geraldine Chaplin (hier 1967 zwischen ihrem Vater und ihrer Schwester Josephine) wurde 1944 in Santa Monica. und die perfiden Theaterleute behaupten. die Arme eng am Körper. 200 Millionen Dollar. ZEIT: War das ein schwerer Schritt? Chaplin: Nein. der Tennisplatz ist voller Moos. Aber immer sehr überschwänglich und allgemein. die Augen sind abgesenkt. Ich führte die Verhandlung mit den »Entführern«. ist nichts anderes als die Inhaltsangabe eines sehr frühen Dramas. Nur einmal durfte ich auf der Leinwand so sprechen wie im Leben. die Knie sind zusammengepresst. © 2011 Salvator Mundi LLC Fortsetzung von S. Seine eigenen Filme hat er sich hingegen immer wieder sehr genau angeschaut. Der Rumpf ist unbequem zurückgelehnt. bereit. In der National Gallery in London soll das Bild ab dem 9. In welcher Sprache sind Sie zu Hause? tors spielen wollen. ZEIT: Könnte man sagen. die sich MK nennen – ein Verrat am Bildungsauftrag! Schließlich ist MK die Abkürzung für das Kampfspiel Mortal Kombat. Anna und die Wölfe. zu dessen Spielaufträgen es gehört. Es ist seltsam. in dem weiland Schiller – noch so ein Rabauke – ein und aus ging. Ihren ersten Auftritt hatte sie als Achtjährige in Rampenlicht von Charlie Chaplin. dabei müsste jeder wissen. Später wurde sogar ein Fernsehfilm darüber gedreht. tief in ein Buch vergraben. 45 und-Maus-Spiel mit der Zensur. Es war eine wichtige. den Segen zu spenden. einen Feind zu enthaupten und ihm die Wirbelsäule aus dem Rumpf zu reißen. Man kann die Ikone Charlie Chaplin gar nicht vulgarisieren. neue Ideen verbreitet. Gleichzeitig waren meine Figuren auch immer ein wenig »hausgemacht«. Vor einigen Jahren stand ich mal in einem Geschäft in Cannes. Über das nun aufgetauchte Bild war in der Literatur schon lange gestritten worden. Selbstporträt mit Buch. Ein kleiner Paparazzi-Traum. Alain Resnais und Martin Scorsese lins Schweizer Haus in ein Museum zu verwandeln. Die Welt hat aber entdeckt.babylonberlin. Wiltshire zu sehen. Hinter mir in der Schlange tuschelten zwei ältere Damen. denn es gibt von ihm nur wenige erhaltene Gemälde. Und selbst NTM. Füchse und Rehe laufen darin herum. In allen anderen Rollen musste ich entweder meine britischen oder meine amerikanischen Anteile unterdrücken.htm FOTOFUND IN ENGLAND Bei George Gestalt: dürr. Shaw. Am liebsten versteckt er sich in der Sprache. ob es ein verrückter Fan war oder die Mafia oder wer auch immer. die der Ansicht waren. Und ich war bereit. Jacques Rivette. 60 Dramen. Er gehört allen. wird erst geprüft. Es handelt sich um den Salvator mundi. nachdem mehrere LeonardoKenner – unter ihnen Martin Kemp von der Universität Oxford – ihr Okay gegeben haben. sich mit DT abzukürzen. feinen Locken gemalt. Es besteht aus den Buchstaben NTM. etwa die linksintellektuelle Fabian Society. November für drei Monate als Teil einer Leonardo-Schau ausgestellt werden. die nackte Radikalität. sie zeigen seine Natur. ZEIT: Ihre Brüder hatten einmal den Plan. Wissen Sie. Ein wiederentdecktes Leonardo-Gemälde ist eine Sensation. dass DT das Kürzel der Death-Metal-Band Dark Tranquillity ist. Namensvorschläge bitte ans Feuilleton der Welt. als seine Leiche aus dem Grab entwendet wurde? Wir wussten erst nicht. By George. Aber auch komisch. geboren. so hört man. Im privaten Kunsthandel soll ein Tropfbild von Jackson Pollock vor ein paar Jahren sogar 140 Millionen Dollar gebracht haben. Aber ich habe meine Anteile vor zwölf Jahren an meine Schwester verkauft. mit den anderen ständig darüber zu streiten. an Arthur Millers Hexenjagd. mich formen zu lassen. B. Oder auf Zigarettenpackungen. Auch mein Englisch ist nicht einzuordnen. Die Welt zieht aus diesen Informationen den Schluss: »Das ehrwürdige Haus. Dort im Archiv lagert sein Nachlass. Sie sind sonderbar gerötet. Seine Augen scheinen – auf den digitalen Reproduktionen zumindest – unter einer Bindehautentzündung zu leiden. für mich sehr prägende Zeit. bis 7. Es gibt dafür zwei Vorzeichnungen Leonardos. auch auf einem Stich des Böhmen Der »Retter der Wenzel Hollar aus der Welt«.de/stummfilme. dass sie den Teufel entdeckt. die Auffahrt ist von Baumwurzeln gewellt. sondern auch maßgebliche Kunsthistoriker für ein eigenhändiges Werk Leonardo da Vincis halten.« Offenbar spreche ich genauso wie die New Yorker Upperclass um die Jahrhundertwende. dass uns unsere Prominenz vor Gefängnis und Folter schützte. das Gras ist mannshoch. 7. im Berliner Kino Babylon statt.« Oder: »Der Gag ist nicht schlecht. darauf hinzuweisen. auch die National Gallery hätte einen neue Aufgabe gefunden: als Marktplatz des internationalen Kunsthandels. Romane. Das Blatt hat übrigens versäumt. die dann zum Glück gefasst wurden. wäre das nicht nur ein neuer Kunstweltrekordpreis. Im Wohnzimmer wachsen Büsche. dass man die Filme meines Vaters sozusagen nur vor einem andächtig knienden Publikum in einer Kathedrale zeigen dürfe. Wir drehten metaphorische Filme. natürlich die Labour Party. die sich in der königlichen Bibliothek in Windsor befinden. Ich teile diese Ansicht nicht. Chaplin: Sie meinen. Jetzt könnte es der Altmeister Leonardo den Modernen so richtig zeigen.« Wäre er jetzt hier in Berlin. Plötzlich sagte die eine: »Ich hab’s! Das ist die Tochter von Laurel und Hardy. er habe sich auf diesem Foto als Sexobjekt inszeniert. Naturbetrachtungen von großer Tiefe. Und da das Haus meines Vaters seit Jahren verlassen ist. dass ich Schwärme von Paparazzi an meinen Fersen hätte. dann ist das kein Problem. Dabei kommentierte er sich selbst in der dritten Person: »Das hat er gut gemacht. ZEIT: Das haben manche Leute nach seinem Tod ganz buchstäblich so gesehen. Bisher gilt ein Picasso (Preis: 106.« Das Gespräch führte K ATJA NICODEMUS Die Charlie-Chaplin-Werkschau »Chaplin complete« findet vom 15. das sei die Abkürzung für Nationaltheater Mannheim. Zugleich hatten Carlos und ich stets ein Bewusstsein dafür. Eine Auswahl der Kollektion Shaw ist von dieser Woche an im Fox Talbot Museum in Lacock. ich sehe das ganz unsentimental. Auch eine rüde französische Hip-Hop-Band heißt so: NTM.). Auch nicht. B. Scorsese sagte den anderen Schauspielern: »Hört Geraldine zu! Das ist die Sprache eurer Klasse. Das bin nicht ich. Vor allem die lange Nase des Dargestellten scheint manchen Forschern nicht besonders leonardesk zu sein. Chaplin: Es ist ja nicht so. es gibt nichts Schlimmeres als Erben. Als Tonya. der auf dem Kunstmarkt jemals für ein Gemälde erzielt wurde. was hat er sich gedacht?! Vermutlich wie immer viel. Irgendwie war es wie ein letzter Chaplin-Gag aus dem Grab heraus. Chaplin gehört zum Menschheitserbe. vermutlich Zeit um 1650 ist es zu von Leonardo sehen. dass NTM im Französischen die Abkürzung für eine Obszönität ist – Nique ta mère. der irische Dramatiker George Bernhard Shaw hat in seinem langen Leben (1856 – 1950) wenige geistige Abenteuer ausgelassen. wenn Sie ihn auf Toilettenpapier drucken würden. Wenn Sie es mit Erben zu tun haben. wurde sie zum Weltstar. also im grausamen Herzen des Theaters. In Martin Scorseses EdithWharton-Verfilmung Zeit der Unschuld. Es war ein Albtraum. Ich schwöre es! ZEIT: Wer hat eigentlich die Rechte an den Chaplin-Filmen? Chaplin: Die Familie. Offenbar überlegten sie. würde er sich alle achtzig Filme anschauen. 8. so ein Gerücht. Unser Haus war von Fotografen umlagert. dass inmitten der adretten Schweiz so ein Dschungelhaus steht. Das Nationaltheater Mannheim. tatsächlich wurden bei George etwa 20 000 Fotos gefunden. Die Eigentümer verlangen für das Bild. Oder nehmen wir die Münchner Kammerspiele.

warum solche Sätze über bin Laden eigentlich nicht gehen. Kicker et cetera) Nietzsche nennt es ein »rasend-unbedachtes Zersplittern und Zerfasern aller Fundamente«. wir haben keine Ahnung .. Angela Merkel schickt eine SMS. v. Glykol. aus der Ereignisfülle heraus. Entscheidungen ohne Sinn für Vergangenheit und Zukunft. Strauss-Kahn et cetera. Ich springe von Ereignis zu Ereignis. »Reformator in Prag aus Fenster geworfen!«. wo Mubarak? Wo sind unsere EuroRettungsmilliarden? Und wieso ist Fukushima kein Thema mehr? Gedanken über eine verlorene Zeit VON MORITZ RINKE Vielleicht ist deshalb die SMS-Technik für Angela Merkel genau das richtige Regierungsinstrument? 160 Zeichen für einen Entscheidungsaugenblick. Eine Zeit. schwarzes Zimmermädchen! STRAUSSKAHN läuft nackt aus dem Badezimmer . nur haben wir heute ähnlich adrenalinkickende Schlagzeilen nicht in zwei Jahrhunderten. Wie er in den Siebzigern geklungen hat. die wir. die man noch nicht zu lesen geschafft hat. vom »unermüdlichen Zerspinnen und Historisieren alles Gewordenen«. sie immer von neuem zu besehen. der Euro zittert!« Eigentlich war Strauss-Kahn auf dem Weg nach Berlin zu Angela Merkel. sondern in einer Woche! Aber werden sich in 400 Jahren die Schlagzeilen: »Kachelmann freigesprochen!«. steht Deutschland plötzlich im UN-Sicherheitsrat Seite an Seite mit China und Russland gegen die Nato. Nach Fukushima waren dann die deutschen Atomkraftwerke innerhalb von drei Tagen plötzlich doch irgendwie unsicher. Focus. Der Film wurde mehr als drei Millionen Mal angeklickt. ist Schriftsteller und zählt zu den bekanntesten Dramatikern Deutschlands. unmöglich. sie scheucht den sanftesten Träumer aus den letzten Winkeln in das unbarmherzige Licht des Tages. ich könnte ihren Widerhall noch unten einfangen. doch ihre Tischnachbarin. Und die Last der Fehlersuche. Hans Ulrich Gumbrecht zitiert in seinem Buch 1926 – Ein Jahr am Rand der Zeit den Journalisten Leo Lania. Mäusekot? Alles verschwunden und vorbei. Merkel in einem ZEITInterview vom 12. Es ist. Da bekommen alle Dinge neue Form und neue Farbe. v. Es liest sich heute wie ein Kommentar auf die Tyrannei des Augenblicks: »Die durchdringende Stimme der Gegenwart ist nicht zu übertönen. man serviert ihr einen Salat. für alles verfügbar zu sein? Die zwanziger Jahre entluden sich in Grausamkeiten. Ich schreie meine Eindrücke ganz oben in den Wind. aber sie haben sich nicht so groß herumgesprochen wie in unserem globalen Dorf. der den vorherigen aus dem Bewusstsein schiebt: Dioxin? Nitrofen? Acrylamid. was der Augenblick verlangt. kämpften deutsche Politiker in BadenWürttemberg um ihre Ämter. Johannes Simon/ddp. »Kolumbus gelandet!«. Fotos unten (Ausschnitte. radikal zu vereinfachen? Wäre also insofern unser Ereigniswahn eigentlich ein Segen? Eine angenehme Resignation? Oder sind diese Fülle und dieser Wahn nur die raffiniertere Form einer Vereinfachung. und wahrscheinlich könnte man bald auch schon wieder getrost Gemüse aus Fukushima vertilgen. Und warum? Landtagswahlen in Baden-Württemberg? Brauchten die FDP und der Außenminister ein Thema zur Profilierung? Und als dann also die Rebellen in Bengasi um ihr Leben kämpften. Biosprossen und Fukushima? Man muss das gar nicht verurteilen. Bevor sie überhaupt die Chance haben. beruhigt sie: »Schuld sind die BIOSPROSSEN aus Uelzen! Gurken können wir jetzt wieder essen!« Bewusstseinstechnisch können wir auch wieder Eier essen.r. weil die rasende Augenblickskultur nicht gerade das Beharren auf einer Untersuchung von Fehlern in der Vergangenheit befördert. dann wird umgeschaltet: TOOOR in New York! Sofitel. wenn sich diese Tyrannei mittlerweile auf ein ganzes politisches System anwenden lässt? Vor Kurzem noch galt für die Bundesregierung die Atomkraft als die einzig sichere und verantwortbare Energiequelle. Pestizide? BSE. aber die jeweiligen Türme laufe ich nicht mehr hinunter.. Entscheidungen ohne Sinn für Entwicklungen. hochemotionale Bilder über ein so reißerisches Thema wie »griechische Staatsanleihen«.« (Handelsblatt. ein Spiel habe überhaupt keine Geschichte mehr: TOOOOR in Abbottabad. Mark Zuckerberg befreundet sich bei Facebook mit Gott. es gab einmal ein OZONLOCH! Baharren wir auf dem Ozonloch! Wo das wohl geblieben ist?? Wenn wir es wiederfinden und hineinschauen würden. Helene Hegemann mit Sarrazin. die man wohl Realpolitik zu nennen pflegt. so gesehen. hatte ich das Gefühl. Japan. aber sie täte es. aber Seite an Seite mit dem Kriegsherrn George W. was würden wir sehen? Die verlorene Zeit? Eine kleine Erinnerung an unsere Gegenwart? Unsere verlorene Zukunft? Und am Rande des Lochs würden die Veteranen des Augenblicks sitzen und winken: Adolf Sauerland und dieser Funke. H1N1.. Zu beharren. Suite 2806. bevor wir uns wieder dem nächsten Reiz übergeben. bin Laden zu töten.FEUILLETON 14. Davor war Bioethanol. »Beben in Konstantinopel!«. und es wurde der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg beschlossen. wie schön. Washington jubelt!« Angela Merkel kann gerade noch in Berlin sagen: Oh. Alles sei zerfahren. das nicht mehr unterscheiden kann zwischen Substanz und Klatsch? Ist in der Wahrnehmung dann letztlich alles gleichwertig: Guttenberg und Gadhafi. Portugal. tyrannische Minute der politischen Entscheidung: Erst also die Ereignisse ohne Nachklang. Koch und Ypsilanti mit Walter Mixa und Ben Ali. Eine ungeheuren Finanzmarkt. wo unsere ganzen Euro-Rettungsmilliarden am Ende landen werden. Wenn die Kanzlerin dabei eine ZenMeisterin wäre. mehr am Rande der rasenden Zeit wären – ob wir dann wohl wieder mehr Aufbegehren in uns hätten? Ist es nicht sonderlich. dass sich daraus ein anderer Umgang mit Wirklichkeit ergibt. lebt er eigentlich noch? Und Georg Funke? Wer ist Funke?? Und wo sind die Milliarden Steuergelder hin für die Pleitebank Hypo Real Estate? Hat sie jetzt etwa die Fifa? Und wohin ist das Dioxin in den Eiern? Ist es weg? Ist es durch Ehec weg? Und der Missbrauch in der katholischen Kirche? Auch weg – durch Kachelmann?? Mubarak?! Mubarak weg. diese Augenblicksanpasserei. Oh je. sofort weiterschalten! Wie war das in anderen Jahrhunderten? »Jungfrau besiegt England!«. Wie anders er war in den Achtzigern. Fischwürmer. Nudeln. nicht zu unserer Eilkrankheit. sondern vielleicht nur feststellen. dass die rasenden Überinformationen uns ratloser und uninformierter werden lassen. Bei Eriksen bedeutet diese Tyrannei. und einer Zukunft. dann die Entscheidungen ohne Gedächtnis. gab der VVV Venlo bekannt. Was jedoch. um tiefere Auseinandersetzung zu vermeiden? Statt Diktatur und Zensur nun Ereignisfülle wie Tausende von Zuckerwatten? Ja. ruft sie der Kellnerin nach. Und jeder kennt wohl dieses erschöpfende Gefühl beim Anblick einer Zeitung von letzter Woche.. Genauso ist es mit den Konferenzschaltungen: Das nächste Tor ist immer das interessanteste. ihre Konturen abzutasten. Aber gegen diese Tyrannei könnten wir uns ja noch theoretisch wehren. trotzdem aber bitte ohne Diskussion deutsche Kampfpanzer für die Saudis! – also diese Willkür.n. Mubarak und die Biosprossen. wie die Soziologen Thomas Eriksen und Hartmut Rosa meinen. StraussKahn mit Berlusconis Musen. Ein bisschen so ist es mit der Wahrnehmung und der Verarbeitung. Spekulanten und Rating-Agenten nicht auf die Straße oder wenigstens in eine Facebook-Revolution ziehen? Und dass wir es vielleicht nur tun würden. Libyeneinsatz: nein. Wir brauchen eine Partei am Rande der Zeit! Und wie schön und fast schon grotesk ist es.): Reuters. sondern sie läge bei den Beharrern. also schalte ich aus. Die Gegenwart wird zerlegt. Stuttgart oder Syrien oder auch in Iran entwickeln wird? Ausblenden. »Fifa korrupt!«. »Strauss-Kahn verhaftet!«. Eine Zeitung von gestern wäre etwas für Schildkröten..und Erlebnisfolgen. die beschriebene Tyrannei und das rasend unbedachte Zersplittern anzumahnen. 1926 und heute? Wird unser Augenblickskult mit der heutigen Technologie noch durchdringender. Jahrhundert. wenn plötzlich wichtige Nachrichten wie »Revolution in Nordafrika« oder »AtomGAU in Japan« neben den Kachelmanns und Westerwelles stehen? Konkurrieren sie dann in einem System von Nachrichten. Jahrhunderts ohne Massenmedien. »Mönch nagelt Thesen an Tür!«. wenn wir beharrlicher. flogen meine Worte weg mit dem Wind.« Und der Unterschied. dieser ganze Irrsinn vom Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg: Was Fataler Andrang auf der Love Parade soll es anderes sein als Tyrannei beziehungsweise ein ständig über uns hereinbrechender Opportunismus als Folge der Augenblickstyrannei? Vielleicht gibt es zwei grundsätzliche Bewegungen innerhalb unseres Hypes um den Augenblick: Zum einen die rasenden Personalgeschichten.? Als Kind stand ich immer gerne auf den Leuchttürmen in Dänemark. dass ihr vielleicht einmal ein Sozialist erklärt. Bin Laden und Westerwelle mit einer verwelkten Jasminblüte. geschmeidige Regierungskunst beschrieben. Und der 18 Monate alte Profi Baerke van der Meij schießt mit rechts in das Ozonloch. von Leuchtturm zu Leuchtturm.. Paris bebt. Joern Pollex/Getty. Moritz Rinke.. auf dem sein Sohn drei Bälle in eine Spielzeugkiste schießt. in lauter adrenalinkickende Sequenzen. Fischstäbchen. aber Jasminrevolution in Nordafrika: ja. der durch das Jahrhundert fiel« Atomkraftwerk in Fukushima Prinz William und Kate Middleton Ehec: Die unschuldigen Gurken Karl-Theodor zu Guttenberg im Einsatz Die Ägypter und ihre Revolution Fotos oben (Ausschnitte. 12 Uhr. dass wir heute vor lauter Ereignissen schnell zum nächsten wechseln und gar nicht in der Lage sind. stehen wir noch greller im Licht des Tages? Zwingen uns die neuen Medien immer weiter und unbarmherziger.r. Sarrazin! Und dann Guttenberg. Tunesien. Der Rechtsfuß erhielt einen Zehn-Jahresvertrag. nachdem es bezeichnenderweise kurz davor nur über WESTERWELLE geredet hatte. Dafür sorgen jetzt die BIOSPROSSEN. »TOOOR in Spanien.. unsere Ereignisse genauer abzutasten. Beharrer brauchten wir! Eine Partei der Beharrlichen.): Reuters.. der sich über die soziale Reportage Gedanken macht. Komischerweise muss es dieses Gefühl schon früher gegeben haben. Demokratie da? Hat Ägypten also in zehn Tagen die Demokratie bekommen. Ahmed Asad/Polaris/laif ann sich noch jemand an Adolf Sauerland aus Duisburg erinnern? Regiert er weiter? Ist er zurückgetreten. etwas Tröstliches darin. der Begründungen und Aufarbeitungen von endlosen Ernährungsskandalen oder wieder und wieder neuen Finanzskandalen und Rettungspaketen – sie liegt nicht bei den Augenblickspolitikern. wir aber gegen diesen Wo sollen wir damit anfangen? Vielleicht beim guten alten Ozonloch? Ja. wenn aus unserem Bewusstsein die japanische Strahlung verschwunden ist. der den Mut hat. im Fall Libyens. allerhöchstens würde sie in einer kleinen Zeremonie achtsam ihr Display putzen. aber dieses Hin und Her und Kreuz und Quer – Steuersenkung: ja. Libyen. Zuletzt erschien sein Roman »Der Mann. aber der ungeheure Satz der Kanzlerin hat sich schon versendet – und Strauss-Kahn eigentlich auch. Baerke van der Meij habe ein Gefühl im rechten Fuß wie David Beckham. Broker. die sich zwischen den einen und den nächsten Augenblick wirft. die nicht sofort dem nächsten Reiz erliegt und die ihr Programm nicht auf Ereignismodus eingestellt hat. New York. Und dass es in den Neunzigern eigentlich wieder einen neuen Bowie gab. Bei meinen Fußballfreunden ist die BundesligaKonferenzschaltung schwer in Verruf geraten: Ständig werde von einem Tor zum nächsten geschaltet. wie Lania schreibt. und man hätte sich wünschen können. In einem Restaurant in Köln sitze ich neben der Schwester der RAF-Terroristin Susanne Albrecht. Selbst der US-Nachrichtensender CNN setzte die Szene auf seine Website. Wir könnten sagen: Die Ereignisse werden mir eins nach dem anderen wie Konsumgüter verkauft. die Tochter von Jürgen Ponto. später. »Buchdruck erfunden!«. 43. rasender Abstieg – Guttenberg. Und dann höre ich keinen Hall mehr. dass es gelungen sei. Autokillerbenzin E10! Stuttgart 21! Steuersenkung: JA! Abschaffung der Wehrpflicht! Abschaffung Deutschlands. Ein aufstrebender Künstler hat heute ungefähr die Haltbarkeit eines Handys auf dem Smartphone-Markt. das ist eine seltsame Zeit: eine Mischung aus einer rasenden. also rasender Aufstieg. gegen Banker. Es ist immer der nächste K weg . Ägypten. In der Berichterstattung über Angela Merkel wird diese Form von Politik gern als eine flexible. sie freue sich. Ich komme nichts und keinem Ereignis mehr auf den Grund. Und nur wenn ich schnell durch den Turm nach unten lief. sie verwandelten die Zeit in eine radikale Vereinfachung. Bush. ohne an die kommende Landtagswahl zu denken. wenn es ergreifende.l. und ihr Sinn und ihr Wesen erschließt sich nur dem.« (Der Spiegel) Es geht noch besser: »Ein Niederländer ist seit einer Woche der jüngste Fußballprofi der Welt. würde sie zwar tun. ja. zu behorchen. die sofort in dunkler. damals auf dem Tahrir-Platz? Und die neue Verfassung regeln jetzt locker die Armeegeneräle? Und Libyen? Syrien? Griechenland. Italien? Europa? Und die Lage in Japan? Haiti?? Ich glaube. müssten wir also gerade doch den Mut haben. aufmerksamer. bestimmt aus Spanien!«. Wenn ich von oben herunterrief. OSAMA BIN LADEN in einer Blitz-Aktion erschossen. Und Christoph Schlingensief performt. »Erde ist rund!« – das waren die Schlagzeilen des 15. es waren die GURKEN aus Málaga!« Also redet das ganze Land jetzt über Gurken. Fanatiker des Augenblicks Die Ereignisse überstürzen sich. wenn wir heute wie in Zeitlupe von Musikern wie David Bowie sprechen. als »Tyrannei des Augenblicks« beschreiben könnten. man könne die Entwicklung eines Spiels gar nicht mehr »lesen« und analysieren. sind sie schon alte Zeitung passt nicht in unseren Beschleunigungszwang. Jörg Kachelmann in U-Haft Dioxinvergiftetes Ei im Januar »Nach zwei gefeierten Filmen gilt der 22-jährige Xavier Dolan als größtes Regietalent der Welt. die nur einen ereignispolternden Augenblick feiert und überhöht. nein. ich bekomme ja hier so einen richtig moralischen Unterton. Michael Kappeler/AFP/Getty. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 47 Ex-Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke Osama bin Laden vor dem Fernseher Skandal. Und Guttenberg mit dem Gorch Fock-Kapitän. »Leonardo da Vinci tot!«. Und ob wir dann. in die wir blind hineinlaufen. als trete man die Probleme wie eine Büchse oder einen faulen Apfel nur immer weiter die Straße hinunter. sie immer von Neuem zu besehen? . Mai: »Ein Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ist die große Herausforderung im Augenblick. Das ist in der Politik so wie in der Musik und immer mehr auch in den anderen Künsten.l. Köhler und der Kachelmann. Der 18 Monate alte Baerke van der Meij überzeugte die Verantwortlichen des niederländischen Erstligisten VVV Venlo. Housekeeping. Eine Partei der Aufmerksamkeit. in der rasenden Gegenwart der Lenas oder Röslers. wie früher die altgedienten ZEIT-Kommentatoren! Aber vielleicht wäre es der zarte Beginn von so etwas wie Moral. dass wir keine Ahnung haben. So etwas scheint heute. Rind. Guttenberg! Und Mubarak! Und Steuersenkung: NEIN! Tsunami! GAU! Prinz William! Pippa! PID! Peking und Ai Weiwei! Gunter Sachs und Steuersenkung jetzt wieder: JA! Kretschmann oder Kachelmann. Vogelgrippe? Gammelfleisch. und 16. Koch-Mehrin. Lena singt. wirklich ihr Handwerk und ihren Beruf zu erlernen. aber da mache ich nicht mehr mit. »Gläubigerbeteiligungen« oder »Das wahre Gesicht der EZB« im Fernsehen der bei YouTube gäbe . er spricht von ihrer »Auflösung in ein immer fließendes und zerfließendes Werden«. Der Vater des Profis hatte bei YouTube ein Video hochgeladen.n. »Wollen Sie mich umbringen?! Da sind ja Gurken drin. grellen Gegenwart. und uns schwirrt der Kopf: Wo ist Ehec hin. Geflügel. Was aber. Oder ALLES umgekehrt . Peter Malzbender/WAZ PhotoPool. »Westerwelle tritt ab!« oder »Guttenberg schreibt Doktorarbeit ab!« irgendwo finden lassen? News dieser Art hatte bestimmt auch das 16. zerhackt. Babynahrung et cetera.« Augenmaß im Augenblick? Eine ähnliche Tyrannei des Augenblicks in der Libyenpolitik: Im Irakkrieg ist die künftige Kanzlerin gegen den Antikriegskurs ihres Vorgängers Gerhard Schröder. An die Gegenwart zu erinnern. Kachelmann und bin Laden. unverarbeiteter Vergangenheit liegt. Doch wo finden wir solche Beharrer? Ja. Wäre.. Uli Deck/dpa. Wie es gefallen ist? Warum es gefallen ist? Und vor allem: Wie sich das Spiel danach in Uelzen. Irland. Volkmar Schulz/Keystone. UPPA/face to face. Zum anderen die schnelle. in Ereignis.

wo alles um 1900 begann. die viel sagt. ob sich auch strukturell etwas bewegt oder ob nicht doch nur die »nächste Stufe von Gelaber« erreicht wird. Helga Ernst. die von Matthias Lilienthal 2004 aus der Filmbranche ans Hebbel am Ufer geholt wurde und dort Festivals mit dem pragmatischen Titel »beyond belonging« organisierte. Helmut Schmidt Dr. die vieles zunichtemachen könnte. wer da auf der Bühne steht. rufen die einen. Die aus der dritten Generation heißen Hilde und en Günter.O. Oder über die. Hilal Sezgin oder Feridun Zaimoglu. Kronengasse 10. aus dem Kreuzberger Kieztheater. sagt Orhan Müstak.thumann@zeit. aus dem deutschen Festnetz.de Pariser Redaktion: Gero von Randow. Anette Schweizer (Reisen). Großflächige Gedanken über Migration. ein multikulturelles Ensemble zusammenbringen zu wollen. 0014259) is published weekly by Zeitverlag.00. Tel. A-1090 Wien. Posta kutusu 2. Dr. Als jemand. die im besten Falle nicht durch die stereotypbelasteten Brillen unterschiedlicher Herkünfte und Religionen auf sich schaut. Und so haben es die Jurys in diesem Jahr ents entschieden. Doch dann brach etwas n auf. Und nur der Vollständigkeit halber: Die Blonde heißt Yvette Coetzee.50. Anna Kemper. Elisabeth Niejahr Dorotheenstraße 33. Christoph Drösser Dr. Steffen Richter (Meinu ng). Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer. und der Hartz-IV-Empfänger in Deutschland dieselben Sorgen haben. D. sitzt in einem schwarzblauen Sessel im Theater an der Ruhr und empfängt zu Kaffee und Kuchen. aber in diesem Kontext leben. Die Literatur und gefehlt. auch für das Naheliegende. gilt wie selbstverständlich als Muster-Deutschtürke auf der Bühne.00 Ausland: Dänemark DKR 43. Tel Aviv. Der über Jahre antrainierte Reflex. Heinrich Wefing Redaktion ZEITmagazin: Dorotheenstraße 33. Roberto Ciulli. Fritz Vorholz Reporter: Tina Hildebrandt. E-Mail: stefan. Josef Joffe Kulturreporter: Dr. »nahmen sich die Frauen«. Schon 1972 schrieb Aras Ören das Gedicht Was will Niyazi in der Naunynstraße?. Norwegen NOK 60. A www. 10117 Berlin. Lon don. hat deutsche Wurzeln. das Buch von Mark Terkessidis. Tel. Dr. in d. Er. E-Mail: michael. Redakteur). K. Karin Geil. Hartmut Neitzel. Wahrscheinlich kommt sie aus der Mittelschicht. 75015 Paris. und es schwingt eine Angst mit. Herausgeber: Iris Radisch (Literatur). Von den letzten dreißig. Mit seiDu nem Markenkern. Österreich € 4. Dieses Ziel scheint in allen Gesprächen auf: Normalität. Slowakei € 6. Buceriusstraße. Dr. Matthias Breitinger (Auto). ob es diesmal nicht doch besser der große Blonde sein sollte«. Droht den Migranten am Theater dasselbe? Der Mann. sondern in den Theatern der Republik erprobt werden soll. Ungarn HUF 1605. Klaus-D. Dr. Zusammen mit ihrem Chefdramaturgen Josef Mackert hielt sie vor einem Jahr bei der Jahrestagung des Deutschen Bühnenvereins einen Vortrag über die Entwicklungen des Theaters in einer multikulturellen Gesellschaft. »Diese Geschichten«. C. 19. als Deutschland noch ein geteiltes Land und das Wichtigste an dem Wort Gastarbeiter die erste Silbe war. Martin Spiewak. Gunter Hofmann. Tel. gration zum Leitfaden. Kinder sollten möglichst früh möglichst kreativ und möglichst leichtfüßig an die Hochkulturhäuser herangeführt werden. rue Cambronne. Postmaster: Send address changes to: DIE ZEIT. Portugal € 5. 1040 Brüssel. sagt er. mit seinem Ensemble zu gastieren. Tibor Bogun. es gibt Altmeister und Aufstrebende. Grafik.: 0091-96-50 80 66 77. Erste Generkreis. gucken. raus aus der Festung Theater. Internationaler Korrespondent: Matthias Naß Titelgeschichten: Hanns-Bruno Kammertöns (Koordination) Ilka Piepgras. ins Telefon schreienden und sackkratzenden Jungsack schauspielern. Denn die sind ihrem ureigenen Anspruch nach der Ort. E-Mail: martin. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.: 0043-664/426 93 79. vorsichtig Suchende und tatkräftig Vorpreschende. Anzeigen: DIE ZEIT. Dr. 10004 New York. »muss unsere gemeinsame Utopie sein. was nichts mit meinem Aussehen zu tun hat«. Konkret heißt das: in die Stadt gehen. Khuê Pham. nun ja. von dem Strahlkraft ausgeht.40. Nur: für welche Rollen eigentlich? »Ich freue mich jedes Mal. Tel.« der Film. zurü Von pöbelnden. für Studenten € 119. muss es sich öffnen. Wie die Deutschen.« Das bedeutet? »Wir müssen endlich lernen. Es ist ein Ringen um die richtige Interpretation. Auch auf und hinter der Bühne. Ehrenmord zu machen. Denn darum geht’s doch. Birgit Schönau. sagt Nurkan Erpulat. Thomas Groß. Kurhessenstr. als Teil einer internationalen Kulturboheme.de. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON Bist du schwul oder Türke? Das große Thema unserer Zeit ist die Migration.de Wochenschau: Ulrich Stock (verantwortlich) Geschichte: Benedikt Erenz (verantwortlich). Fax: 007-495/974 17 90 Österreich-Seiten: Joachim Riedl. deutschen Handwerkern und Händlern. Kleines Haus. die sie für ihr Theater definiert. will schneller sein und weiter kommen als alle anderen.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur). Kreuzb kommt der »Hit der Saiso Saison«. Sonja Mohr. können wir vernünftig darüber reden. Politischer Korrespondent: Lamparter. dass er sich immer fremder fühle. die Einheimischen heirateten und mit ihnen Kinder bekamen. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. Kornkamp 11. das kann sie auch. Vor einigen Jahren rollte eine Welle der Erziehungsprogramme durch die Theater und Opern der Republik.Häuer. Gründerin »haben der deutschen Theaterlandschaft bislang bitter gefehlt. Schmidt (Kulturkorres pondent). Mit Stücken an ihrem Theater. entwickeln.20. Ein Miteinander zu schaffen.20. Subscription price for the USA is $ 270. M3B 1Y8 Telefon: 001-416/391 41 92 Fax: 001-416/391 41 94 E-Mail: info@gcnews.randow@zeit. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik). Alle Intendanten reden davon. John F. Aber das Theater? Da hat Shermin Langhoff das Heft in die Hand genommen. sitzt im Theater Freiburg an einem riesigen Planungstisch im dritten Stock. sprachen von Jesus. M. David Hugendick (Literatur). oder? Also: Helle Haut hat die Frau auf der Bühne. Karsten Polke-Majewski (Stellv. Gespielt in ein nem Deutschland.de Europa-Redaktion: Dr. Frida Thurm (Nachrichten). ist keine. Für das Theater bedeutet das: Es geht nicht darum. Es war die Essenz aus vielen Gesprächen und Reflexionen. Dorothee Schöndorf. Tel. Und genau wie Nurkan Erpulat. Dort entscheidet sich. Zum Vorsprechen durfte nur kommen.de Weitere Auslandskorrespondenten: Georg Blume. als Italiener lange Jahre der einzige Intendant mit Migrationsgeschichte. dass der Migrant.. Heute ist Beier wieder offen für alle. sagt sie. Moritz Müller-Wirth Michael Allmaier. 10117 Berlin. Chefredakteurin). wie Menschen mit Migrationsgeschichte das Bühnengeschehen mitprägen können. ja. Petra Pinzler. Fax: 030/59 00 00 40 Frankfurter Redaktion: Mark Schieritz (Finanzmarkt). Chefredakteurin). aber von der Anfangseuphorie ist wenig übrig geblieben.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto. Spanien € 5. max. Überraschend heftig seien die Reaktionen gewesen. 20079 Hamburg.bittner@zeit.00. Intendantin und 2008 Gründer des Ballhauses. wie wer dort lebt. Und Bühnendeutsch? Ja. in dem jeder fünfte den berühmten Migrationshintergrund hat und in dem die Theatermacher sich lange her Jahre nur zögerlich tastend auf ch die riesengroße Themenwiese namens Migration trauten. Gisela Dachs. der von Asylbewerberheim zu Asylbewerberheim zog. Multimedia-Formate. Tel. Stiefel. Wolfgang Ucha tius Götz Hamann (Koordination Unternehmen). alte Konfliktlinien werden neu gezogen. Periodicals postage is paid at Englewood NJ 07631 and additional mailing offices. Frank reich € 5. Gerd Bucerius † Ijoma Mangold. Tel. Kerstin Kohlenberg. Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr. Meike Dülffer (Textchefin). Abschluss des Festivals »Odyssee: Heimat«. Dagny Lüdemann. direkt daneben. sagt Mundel.20. E-Mail: joachim. Heute gibt es Schriftsteller wie Akif Pirinçci. von denen die weiße blonde Frau mit dem Pony in der deutschen Auswandererstadt Bremerhaven auf der Bühne erzählt. Hauke Friederichs. Intendanten und Dramaturgen en trafen sich auf Tagungen. stritten und polemisierten. Fax: 030/59 00 00 39. 50. E-Mail: hbuchter@newyorkgermanpress.). die in die Türkei ziehen. »Wir haben gerade erst begonnen. mit anderen ins Gespräch kommen und am Ende etwas gemeinsam machen. von Freiburg nach Heidelberg. E-Mail: johnf. sind gefragter denn je. wie dieses Thema vibriert. die diese dokumentarische Form des Theaters ausprobieren. Katja Nico de mus. Marion Gräfin Dönhoff (1909–2002) Dr. Adam Sobo czynski (Koordination). Reporter: Dr. Sie fordert und sie provoziert. Tina Klopp. Thomas E. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft). ist so etwas wie die Dampflok der Bewegung. Anne Fritsch. Kai Biermann (Digital/Wissen). Großbritannien GBP 4. Der t«. Wenn man die Migranten von der Straße auf die Bühne zerrt. Chef redakteur).70. Video. Aus vereinzelten Diskuszelten sionsflicken wurde binnen einer de Saison ein deutschlandweiter utschlandweiter Debattenteppich. Wenke Husmann . verkündete sie. Das Thema . Eschersheimer Landstr. KG. die tastet und sucht. Dr. es bordeauxrote Wände. Arnavutköy 34345. ist in Südafrika aufgewachsen und 2001 nach Berlin gezogen. Eine Migrationsgeschichte mit umgekehrten Vorzeichen. Dann denken wir weiter über Einwanderer und ihre Nachkommen nach. Peking.20. Matthias Stolz. Sie alle haben sich an den verdrehten Blick von außen gewöhnt. mitsamt Gegenstimmen und Ergänzungen. Dossier: Dr. E-Mail: leserbriefe@zeit. in die Alibifalle namens Migration zu treten. Davina Domanski. an der Thematik zu kratzen. die Fibel für ein neues Verständnis unserer Gesellschaft. Gibt es genügend professionelle Schauspieler mit Migrationshintergrund auf dem Markt.com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel. in der es nicht um »Eingliederung« der anderen. weil seine Familie mit Stromschlägen von türkischen Soldaten gefoltert wurde. Markus Horeld (Politik). Art-Direktorin: Katja Kollmann Alice Bota. Gerhard Jör der.schieritz@zeit. was sie maWe chen. Sie wollen alle weiter. die sich eröffnen.de New Yorker Redaktion: Heike Buchter. Patrik Schwarz. Heidelberg lud die Türkei als Gastland zum Stückemarkt ein. die h haben eine breitere Basis. Hanno Rauterberg. und nd von ihnen handelt das Theaterelt stück.luyken@zeit. Kolja Rudzio. Volker Ullrich Berater der Art-Direktion: Mirko Borsche Art-Direktion: Haika Hinze (verantwortlich). h.00 per annum. Gestaltung: Nina Bengtson. Kirsten Haake. Englewood NJ 7631. sie verpflichten zu wollen. sagt Langhoff. Broadway. Pascal Struckmann. die Tabus ansprechen: Bist du schwul oder bist du Türke?. Konto-Nr. Steffen Dobbert.42 €/Min. Theo Sommer (Editor-at-Large). Christian Bangel. Seitdem hadoppel ben sie nicht genug Karsi ten für all die Anfragen. Jutta Schein. die damals nach Papua-Neuguinea gingen. Katrin Guddat. Nina Grunen berg.von. Aber bei der Frage nach dem Wie scheren die Meinungen auseinander. Anna Marohn.: 0033-972 23 81 95. dass es keinen Unterschied zwischen Migranten und Nichtmigranten gibt. Intendantin. Philip Faigle. dachte und machte er internationales Theater. Alserstraße 26/6a. Andere reagieren reservierter. Schweiz CHF 7. mit deutschen Missionaren. die da hinter den deutschen Bühnen ausgefochten wird.00. E-Mail: archiv@zeit. 4 –6.. Kanarische Inseln € 5.70. Eine.riedl@zeit. den jeder auf sich selbst richten solle. Suite 851.: 0044-7802/50 04 97. der erlebt.und Öffentlichkeitsarbeit: Silvie Rundel Herstellung/Schlussgrafik: Wolfgang Wagener (verantwortlich). Carolin Ströbele (Leitung: Kultur. wie es Theatermacher und Schauspieler packt und durchschüttelt. Schweden SEK 61. auf der Bühne oder in der Nachbarschaft. Frank Drieschner. um Faust zu inszenieren.: German Language Pub. Rüdiger Jungbluth. eines um Deutungshoheit. Daniel Erk (Online) Politik: Bernd Ulrich (verantwortlich). Fax: 0032-2/230 64 98. Dr. ist es zur Experimentierstube geworden. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). Eine Reise zu den zentralen Orten des »postmigrantischen Theaters« VON KILIAN TROTIER Das Stück der Saison: »Verrücktes Blut« am Ballhaus Naunynstraße in Berlin. Roland Kirbach. im regumarkt lären Programm spielten sie Orhan Pamuks Schnee und Fatih Akins Gegen nd die Wand. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. 01067 Dresden. Jan-Martin Wiarda Iris Mainka (verantwortlich). Harro Albrecht. Robert Leicht Dr. sondern die Komplexität eines postmigrantischen Raums anerkennt und die jeweils subjektiven Sichtweisen zu akzeptieren lernt. sondern darum. Sven Stockrahm. Stefan Willeke (verantwortlich). oder ist das in den Zwängen des Alltagsgeschäfts nicht möglich? Eines ist gewiss: Die Profischauspieler. Sina Giesecke. Fabian Mohr (Entwicklung. Luxemburg € 4. die irgendwann einmal aus Deutschland in die ganz ferne Welt aufgebrochen sind. einfordern. Jutta Hoffritz. GLP. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich). Italien € 5.50. Christiane Grefe. Sie ist gleichzeitig Migrantin und Nachkomme von Ausgewanderten. seit dieser Spielzeit Ensemblemitglied in Freiburg. Eingang Speersort 1. Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich). 56 vom 1. auf die tionshinterg Bühne geworfen und von dort gewo mit blitzendem Sarkasmus und bitS terem Ernst zurückreflektiert wird. der als Junge aus einem kleinen kurdischen Dorf nach Deutschland floh. Lebensart. dritte eneration. zweite Generation.de Washingtoner Redaktion: Martin Klingst.« Und dann spricht Ciulli vom Gefühl der Fremdheit. Genau wie Sesede Terziyan. Ein Theater für eine Gesellschaft. Christian Denso. Vieles wird vermengt in dieser Debatte. Martin Hinz Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH. BLZ 600 400 71. startete den ersten Austausch zwischen deutschem und türkischem Theater. Typisch deutsches Theater. Dr. Visionäre und Pragmatiker. als Umriss auf dunkler Oberfläche. dass ein Stadttheater voll auf das Thema setzte. E-Mail: reiner. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer. wie Mark Terkessidis es formuliert. ohne familiären Bezug zu Deutschland. Henning Sußebach E-Mail: zeitmagazin@ zeit.de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann. einen anderen Blick einzuüben. Susanne Mayer (Sachbuch). Christiane Schott Bernd Ulrich Chancen: Thomas Kerstan (verantwortlich). Nicole Hausmann.: 030/59 00 48-0. wer einen Migrationshintergrund hat. Alexandra Endres. 11.20 ISSN: 0044-2070 Fotos (Ausschnitte): Ute Langkafel/Maifoto R ten. und von ste dort. Rainer Esser Verlagsleitung: Stefanie Hauer Vertrieb: Jürgen Jacobs Marketing: Nils von der Kall Presse. Tilman Steffen. Reiner Luyken. C Chris tian Schmidt.zeit. wie so lange. 20095 Hamburg Telefon: 040/32 80-0 Fax: 040/32 71 11 E-Mail: DieZeit@zeit.10. einen Kontakt auf Augenhöhe. de * 0. Heuser (verantwortlich). Stefan Schmitt.P. Hanno Hammacher. Klaus Harpprecht. Neu-Delhi. Kw. Ostra-Allee 18. Urs Willmann Tomas Nieder berg haus. Langhoff prescht vor. so hoffen sie. Dr (verantwortlich) Katrin Hörnlein Feuilleton: Jens Jessen/Moritz Müller-Wirth (verantwortlich). sondern um Innovation für das Ganze geht. Dr. Jürgen von Ruten berg. Slowenien € 5. Tanja Stelzer (Stellv. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. Philipp Schultz. 20045. Die Blonde auf der Bühne erklärt das so: »Die Weißen«. Finnland € 6. Marie. bei und den Mülheimer Theatertagen Mülhe gewannen sie den Publikumspreis. ironisch und doppelbödig. Eine der zehn heiß bege begehrten Einladungen zum Theatertreffen in Berlin Theater ging an die Regisseure Nurkan Erpulat un Jens Hillje. Jörg Burger. 940 National Press Building. Einige Projekte laufen weiter. Anita Blasberg. Belgien € 4. Ein Theater von und für Menschen. Ressentiments kochen hoch. Eine Quote? Ja. brauchen wir eine Neujustierung unserer Wahrnehmung dieser Vielheit. was Frauenquoten in anderen Bereichen bewirkt hätten. nennen es die. Konkret heißt das aber auch: die Vielfalt der Gesellschaft auf der Bühne abbilden. Theater heute druckte sie ab. Meike Fries (Studium).« Und kratzen bedeutet: die mühevolle Kleinarbeit. Sie sprachen von »Möglichkeitsräumen«. von seinen dialektischen Erfahrungen. Wilfried Herz. Peter Kümmel. machten Geschäfte und heirateten einheimische Frauen. urteils den unsere Gesellschaft u auf Jugendliche mit MigraJugen tionshintergrund hat. Ludwig Greven. in dem jeder seine Rolle hat: Es gibt Theoretiker und Praktiker. Mitglied der Chefredaktion). Die Perspektive weitet sich. Maria und Alfred. wie der vorsehen urteilsgesättigte Blick. sagt sie und malt auf einer Schultafel einen großen Kreis weiß aus. Shermin Lanhoff und Nurkan Erpulat zum Beispiel. Istanbul. Christine Meffert Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) (Textchefin). das könne schon sein. Christian Spiller (Sport). »und die bekamen Kinder«. E-Mail: peer. auch nach der Tagung. über Mülheim nach Berlin und Bremerhaven fährt.de/audio Schauspieler mit Migrationsgeschichte sind gefragter als je zuvor Der Widerspruch kam prompt. Wer sich nun. gespielt von einem Ensemble.00. Achiltibuie by Ullapool. Kerstin Bund. eine längere Historie. dem die Debatten um ten Multikulti und Migration im vergangenen Jahr einen grotesken Höhepunkt erepunkt reichten. Dr.de. die nicht mehr. n So war es bis zu dieser Spielzeit.de ZEIT Online GmbH: www. »Weil es immer falsch ist.« Eine Utopie. zuerst von der Politik propagiert werden darf. Peter Dausend. Tillmann Prüfer (Style Director). und alle lasen Interkultur. Ulrich Ladurner. Niedergang einer deutr schen Auswanderertrarer dition als Bühnenhnenstück. vor denen die Theater die Augen verschließen. Die Blonde ist die einzige Schauspielerin und erzählt eine fast vergessene deutsche Auswanderergeschichte vom anderen Ende der Welt. was ist daran noch Kunst? Und: Ist Migrantentheater nicht vor allem eine Chiffre für Partizipation und damit Vorbote des Niedergangs der Hochkultur? Die Rede schlug hohe Wellen. Christoph Dowe (Geschäftsf. wenn man über Migranten am Theater spricht. um Veränderungen auf der Bühne zu sehen. Konto-Nr. Hamburg Geschäftsführer: Dr. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. Nur ansehen kann man ihr das alles nicht.koeckritz@zeit. Dr. Man müsse sich nur angucken.. c. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG. Dietmar H. Identität. Dieter Buhl. in die Hauptschule musste und es schließlich auf die Theaterschule in Rostock schaffte.: 0044-2073/54 47 00. helle Bluse. Reisen). Er kooperierte mit einem Roma-Theater. So nennt sie ihr Theater. Ulrich Greiner. Total am Anfang seien die Theater da. Diejenigen.de © Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Heike Faller.com Einzelverkaufspreis Deutschland: € 4. um in den Ländern. egal wo. Ulrich Schnabel. Susanne Gaschke (verantwortlich). Rom. Residence Palace. Delia Wilms Infografik: Gisela Breuer. Es ist das Einst maleins der Migration als ration theatrale Methode. Lisa Wolk.95. Dr. E-Mail: jochen. Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart. Jochen Bittner.de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404. Dr. KG. sagt Mundel heute. die da diskutieren.: 007-495/680 03 85. Ulrich Bahnsen.60 (inkl.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen. Florian Fritzsche. Marcus Gatzke (Wirtschaft). der Maître des multikulturellen Theaters. Und da beginnt der Streit. auf die ganz Theaterau deutschland blickt. Dr. Da entfaltet sich ein ganz eigenes Stück hinter den Bühnen. werden in Diskussionen über eine potenzielle neue Zielgruppe gezwängt.20. merhaven. Katharina Schuler. Ontario. V. große Themen auf pragmatische Theaterlegitimationsantworten zu falten. Jessica Braun. Michael Schlieben (Reporter). debattier- Das Gefühl der Fremdheit ist die Grunderfahrung der Moderne Das Thema Migration – eine Modeerscheinung? Tja. Für das Ballhaus ist Verrücktes Blut der endgültige Durchbruch. Weil das. Fax: 00972-3/525 03 49. Jörg Lau. Sabine Rückert. aus dem deutschen Mobilfunknetz Abonnement für Österreich Schweiz restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice 20080 Hamburg Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. sagt Erpulat. . die Narrative aus den Einwanderergenerationen zu draEinwandererge matisieren. Claus Spahn. die gerade als Lehrerin in Verrücktes Blut gefeiert wird und deren Eltern Christen armenischer Abstammung sind. auf die Reise zu denen macht. » sagt Shermin Lang Langhoff. Einen Schritt in die Wirklichkeit. Fax: 069/24 24 49 63. an dem Zukunftsvisionen in die Praxis umgesetzt. wer den Faust spielt. In Bochum holten sie einen chum Istanbuler. Parvin Sadigh (Gesellschaft). Martina Schories (Bild. Jana Simon. Geschichten von Fremdheit in unserer Zeit aus der Mitte der Gesellschaft zu erzählen. Sieling (i. die eine Migrationsgeschichte haben. Rue de la Loi 155. funktioniert weiter prächtig.Luise Hauch-Fleck. begierig nach Kopftuchfrauen im Publikum Ausschau zu halten oder alibimäßig jedes Jahr ein Stück über. Dr.jungclaussen @ zeit. Arnfrid Schenk. Wolfgang Büscher. denkt man. Tel. Chef vom Dienst: Jeannette Otto. dogmatisch zu sein«. René Dettmann. das eine Grunderfahrung des globalisierten Menschen sei. der nach dem Schauspielstudium in der Türkei nach Berlin kam. 27.48 14. ihre blonden Haare sind zum Pony verfranst. »Aber die Substanz wird bleiben. Wolfgang Gehrmann. Tina Groll (Karriere). sagen sie. den Kinderkreis.30. Tel. das ist ihre Vokabel. das verschmitzt aus d einer sechsstöckigen Häuserfront hervorragt.50. aber genauso über Auswanderer wie die gut ausgebildeten Deutschtürken. die Augen zu öffnen. Jungclaussen. Anne Gerdes. Tel. Rabea Weihser (Musik). Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich). witzig und durchgew dreht ist. Mark Spörrle Die ZEIT der Leser: Dr. BLZ 200 100 20 Börsenpflichtblatt: An allen acht deutschen Wertpapierbörsen ZEIT-LESERSERVICE Leserbriefe Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. ZEIT Campus).« Also ist er optimistisch? »Nur dann. je mehr er in Deutschland heimisch werde.klingst@zeit. E-Mail: angela.teuwsen@zeit. Tel.: 069/24 24 49 62. PO Box 9868. was es dort gibt. der andere folgten.: 001-212/269 34 38. Washington. der diese Frage am besten beantworten kann. Marcus Rohwetter. aber ihr Experiment ist nicht aufgegangen. Der Film hat die Ikone Fatih Akin. E-Mail: blumegeorg@yahoo. Reinhard Bardoux. Dr. Tel. Birgit Vester. die sich schnell aus der Deckung wagt. Mit Pistole: Sesede Terziyan als Deutschlehrerin Die Schulkinder in »Verrücktes Blut« eden wir doch erst einmal übers Aussehen. Es erreicht nun endlich auch die deutschen Bühnen. Generation. Andrea Böhm. Alexander Schwabe (Chef/-in vom Dienst). Nele Heitmeyer. der von Lampedusa kommt. von dem fremden Blick. gemeinsam verantwortlich. Tschechische Republik CZK 175. Häuse »Ballhaus Naunynstraße« steht darauf. Arne Storn. KG. Sie kamen nach Vunapope. Dr. Axel Kuhlmann Anzeigenstruktur: Helmut Michaelis Anzeigen: Preisliste Nr. von Stadttheatern als »soziokulturellen Zentren in der Mitte von sozial und kulturell divergierenden Stadtgesellschaften«. Layout). folgte dem Verlauf der Seidenstraße. Jan Roß Fotoredaktion: Michael Biedowicz (verantwortlich) (Koordina tion Außen politik).de. Matthias Weidling Empfehlungs anzeigen: iq media marketing. und sie wissen: Wenn das Theater überleben will. Rainer Esser. 60322 Frankfurt a. ration. Gunhild Lütge. Dagmar Rosenfeld. Schon zu einer Zeit. Hans Schuh-Tschan (Wissenschaft).: 030/59 00 48-7. (Computer).: 0351/48 64 24 05. Eines mit 99 Sitzplätzen und einem kleinen schwarz-weißen Banner. 0. Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse. um zu sehen. Griechenland € 5. 153 S Dean St. Und es gibt ein Zentrum der Bewegung. Franziska Kelch (Community). 525 52 52. Postbank Hamburg. ein zweiter Kreis. Domenika Ahlrichs (Stellv. Sie. In Bree. Oliver Nagel. Barbara Mundel.zeit. Burk hard Straßmann. Englewood NJ 07631 Telefon: 001-201/871 10 10 Fax: 001-201/871 08 70 E-Mail: subscribe@glpnews. Tel. Bildbearbeitung: Anke Brinks. die ihre Rabaukend klasse mit vorgehaltener Waffe zu Schiller zwingt. Mariam Lau. So nannte der Spiegel das Stück Verrücktes d Blut über eine Lehrerin. Christoph Dieckmann. Fax: 040/32 80-404. sondern eine. Petra Kipphoff. Migration wird zum großen Movens unserer Zeit. Angela Köckritz. wird sich niemand mehr darum scheren. t Die Liste ließe sich problemlos verlänich gern. Noch bevor Karin Beier 2007 ihre Intendanz am Kölner Stadttheater antrat. Dr. wenn die Rückkehr in den »Musentempel« ein für alle Mal ausgeschlossen bleibt. Prof. Frank Siemienski. E-Mail: mark. Das Fachjournal Theater heute war voll von Artikeln über Migration. oder fehlt es schlicht an Quantität und Qualität? Muss man konsequent ein paar Jahre auf den Nachwuchs setzen. Srednjaja Perejaslaws ka ja 14. Migration kletterte in der Aufrte merksamkeitspyramide schnurstracks mide an die Spitze. Das Theater faden.: 0032-2/230 30 82. Werner A. mit denen bald ein unverwechselin bares Kauderwelschdeutsch auschdeutsch sterben wird. Jasmin Müller-Stoy Matthias Krupa. die nicht selber migriert sind. dass unsere Gesellschaft ihre Probleme nur auf die Gruppe der Migranten abschiebt. die erst einmal Dimensionen abstecken Junge Leser: Dr. Christian Röpke Verlag und Redaktion: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. und sie malt einen dritten Kreis.schirmer@zeit. wenn ich mal was spiele. Es war das erste Mal. Stefanie Flamm.de Abonnement Jahresabonnement € 187.de. 39. am Ende dieser Spielzeit. Ihre Familie kommt aus Namibia. »Das«. Wir sind in PapuaNeuguinea. wie sinnvoll das wäre. Mimat. Perger. Christian Tenbrock Autoren: Dr. Sabine Etzold. Erwin Koch. und vor allem erst einmal durchdacht werden müssen. Tel. In Bremerhaven machten sie Heimat. Wolfgang Lechner (verantwortlich) ZEITmagazin: Christoph Amend (Chefredakteur). 129 00 02 07.20. der er gar nicht ist. eine Frau mit multiplen Identitäten. um ihr Glück zu finden. durch die dieser uralte Handelsweg führte. Bartholomäus Grill. »Denn erst wenn es egal ist.: 0041-562 104 950. 129110 Moskau. wenn unsere Gesellschaft irgendwann aufhört. Sascha Venohr (Entwicklung) Geschäftsführer: Dr. sie folgten Mark Terkessidis auf seinen Pfaden der Interkultur und resümierten: »Statt auf die Realität der Vielheit mit Angst zu reagieren. aber wenig labert. In der Branche interpretieren das einige anders: Eine gute Idee. Mechthild Fortmann. fü Denn nun wollen auch Bildungsbürger aus CharBildun lottenburg in dem kleilottenb nen Saal mit OrnamentSa säulen und Stuckdecke neben Kids aus dem nebe Kiez sitzen und zusehen.00.« wollen. und sie wird sich verfestigen. schlohweißes Haar. Niederlande € 4. ob der Vater aus dem Kongo oder aus Kaiserslautern kommt. Aber irgendwann.14 €/Min. E-Mail: gero. Adrian Pohr (Video). CH-5400 Baden.ca Abonnement USA DIE ZEIT (USPS No. Sebastian Horn. Özlem Topçu. Postmigrantisch. Uwe J. und mit Begriffen.

24. genauer: von der reinen.. einen körperlichen Zusammenbruch. der für Spannung sorgt. Sein Gegenspieler ist der junge. von der heiligen Stille. darf boshafterweise durchaus vermutet werden. In den Gesprächen mit einem 25-jährigen Journalisten plädiert Hessel dafür. M. etwa ein prächtiges Gedicht von Percy.FEUILLETON LITERATUR 14. die jeden Zauber. Erst recht aber der Umstand. dass sie in Gefahr gewesen wäre. Der wunderliche Professor Augustin Feinlein (sic! Augustin. der erfüllte Augenblick. aber er trotzt dem Publikum durch gläubige Unbeirrtheit und Spontaneität durchaus Beifall ab. war einst Percys Mutter in Kainz verliebt gewesen. Heinrich Seuse und Emanuel Swedenborg zu huldigen. Percy hat nämlich sehr wohl einen Vater. heiteren. Bruderhofer. der über Reliquien forscht. Wie fast immer bei Walser ist es nicht der Plot. der Hure und der Gottesmutter nicht entscheiden kann und schließlich in der Klinik landet. sich einmischend. die im Mittelpunkt jedes zeitgenössischen Romans steht. M Als in Russland im Oktober 1917 die Revolution ausbrach. ein Gläubiger. Wohlgefühl geht Percy Anton Schlugen halt immer in die Beine. Sekretärinnen. von den Lebenströstern und den schlimmen »Heruntermachern« (man darf im Walserschen Kosmos für Heruntermacher auch Aufklärer. der Vater. Er wurde Widerstandskämpfer. Nicht. die bitte schön herrschen soll unter den Menschen. für die man ihn rühmt und feiert. als jemand. Ullstein. sich mit Eifer umzubringen. sei eine Missgeburt. d. er ist »ein Engel ohne Flügel«. es muss angesichts dieses Romans natürlich: schicksalhafterweise heißen. a. das von Normen und Begrenzungen nichts mehr wissen will. Frz. eifrig Psychopharmaka verabreichende Konkurrent Dr. Foto: Karin Rocholl Kjell Espmark: vintergata/milchstraße – Epiphanien. die Erzählstränge rabiat zusammengeführt. Ein Gott steht schließlich jenseits von Kritik. Er heißt. er tischt in Stendhalscher Manier die aberwitzigsten Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten auf. wie es vielleicht nur jemand kann. Auf dass es sei. sei kein Weg. Der neue Messias bringt es mit seiner ungeklärten Vaterschaft gar in die Talkshows. er ist Percys Ersatzvater und behandelt seine Patienten vor- zugsweise mit Johanniskraut. es habe keinen Mann zur Zeugung bedurft. Weshalb denn Percy natürlich nicht einfach ein Laienprediger ist. Sein Glaube macht ihn für die Außenwelt zum Kuriosum. die in der arkadischen Klinik leben und vom fröhlichen Glauben Percys und Feinleins angegangen werden. Jetzt hat Hessel – politischer Frühling des hohen Alters – gleich noch ein Buch herausgebracht. die lustvolle Entfaltung schwerer Dilemmata. sondern das vertrackte Innenleben der Figuren. um ihn zu lindern. Jahrhunderts: poeta alter deus. Walsers neuester Hauptprotagonist. Nur so lässt sich die »Verlassenheit« im Leben ertragen. Gegen Ende des Romans wird es dann doch noch handlungsreich: Es wird munter gestorben. Wie denn überhaupt Martin Walsers neuer Roman Muttersohn eindringlich von der Sprache. sagt der alte Herr. Percy erschaffen. Reinbek bei Hamburg 2011. Jetzt bin ich grau und leicht wie ein herabgefallenes Wespennest von reizbaren Gedanken sirrend. immer stärker gealtert. im Kreis seiner Lieben zu sterben – in der Stunde von Krampf und Ersticken in ihre tränenden Augen zu fliehen. von seinem Glauben an etwas.. hatte da gerade eine seiner großen religiösen Reden gehalten. einen menschenfreundlichen Erzählergott entschieden. Martin Walser. Percy macht sich. So gut wie jeder Figur in diesem Roman droht eine Art heitere Umnachtung. der Himmel. Wie Georg Büchners Lenz. andere dichten besessen oder suchen. Jemand. in dem er für die Belebung der Demokratie wirbt. Wissenschaftler. 25 € Großer Gott. Walser ist der Gott. Anfang Dreißig. Bruderhofer. der Himmelsgöttin. sagt er über sich. nein. ein Gleichklang der Gefühle. jeden Wunderglauben schreckhaft zurückweist. er ist jetzt gleich Messias und folgt einer radikalen Maxime des Romans: »Ziellos zu erzählen. Der Ursprung eines Gedankens. biografisch anspielungsreichen. einen Selbstmord. Ein Freak zwar. v. dass dieser sich. Walser muss ähnlich rasant vorgegangen sein. Und es gibt natürlich nichts Schöneres. Kogon. das ist das. wie damals in Russland. Sagt man dem Altersstil von Schriftstellern oftmals eine formale Strenge nach.95 € E s heißt über Percy. allen Wirren zum Trotz. oder jene. in dem er sich als »Fürst der Freundlichkeit« bezeichnet. vom körperlichen Ausdruck eines inneren Einsseins.« Walser darf sich alles erlauben. Revolutionäre Gewalt. Walser! Mit seinem neuen Roman »Muttersohn« treibt Martin Walser ein wildes Spiel mit dem Glauben VON ADAM SOBOCZYNSKI Der Schriftsteller im vergangenen Oktober. 3. keine Notizen. ohne dass dies seltsamerweise auf Kosten des Lesevergnügens ginge. Münster 2011. reich aber ist die Hinterlassenschaft. der folgerichtig seinen Schöpfer preist: »Ich bin eine prima Konstruktion«. den im Roman herbeizitierten Mystikern Jakob Böhme. Niemand kann sich an mich noch erinnern. man denke bei seinem Anblick an »Anmut und Würde«. wenngleich halbwegs ironisch. diskutierend. »lauter / schweigend jeden Tag«. die bereits im vergangenen Jahr vorab veröffentlicht wurde. Und nicht. erfindet einen sorgfältig ausgeführten Genickschuss. der Feinlein einst die große Liebe ausgespannt hat. Schwedischen von Klaus-Jürgen Liedtke. international. von der Liebe und vom Hass. Angestellte und entrückte Patienten komplettieren das Kuriositätenkabinett. Gleich mehrfach gespiegelt! WIR RATEN ZU Empört reicht nicht Derlei darf man natürlich nicht ernst nehmen. was du tun musst. 227 S. hat sich Walser für einen verrückt gewordenen. und so bewegt sich dieser anmutige Pfleger einer Irrenanstalt am Bodensee gern tänzelnd und mit hochgerecktem Kopf. Es spricht aus ihm mehr. Zufälligerweise. der den Augenblick feiert. Und davon. gar genießen. vor allem aber auch: Kritiker einsetzen). bevor er zu einer Rede ansetzt.. Das Banalste ist der Tod. »was nicht ist«. das politische Erbe des Widerstands heute in demokratisches Handeln umzusetzen: in den Parlamenten. vom Kampf gegen Dr. Sie erblickte ihn in den frühen siebziger Jahren bei einer Demonstration. Das Jenseits findet durch den irren Glauben bereits zu Lebzeiten statt. der den KZs der Nazis entkam und seither Europäer ist. schrieb ihm zahllose Liebesbriefe. er ist immer unvorbereitet. die in nur 53 Tagen abgefasst wurde und gleichfalls überstürzt endet. Im Gegenteil: Es geht zu wie in der Kartause von Parma von Stendhal. als von seinem Sohn zu hören. als dass er spräche. die im Banner der grellen Medien und der Zivilisation stehen. Es spricht aus ihm von der Muttergottes. Es wird jedenfalls einiger Aufwand betrieben. altersweises Spiel begreifen. Rowohlt Verlag. der zunächst keine Müdigkeit kennt auf seiner Wanderung. Und damit einen Gegenentwurf zu liefern für unsere durchrationalisierte. nur dass es ihm manchmal unangenehm ist. den Percy so glühend sucht. Percy. dass nur die Patienten der Klinik auf abschüssige Wege geraten. Jetzt weiß ich: die äußerste Freude ist es. einer Metapher bei Percy ist so dunkel wie seine Zeugung. 505 S. Sucht er Patienten auf. auf dem Weg durch die politischen Institutionen. Religion und Kunst fallen in diesem Roman in eins: »Glauben heißt die Welt so schön machen. karrieregeile. der offenbarten Sprache handelt. genauer und emphatischer: ein Genie ganz im Geiste des 18. Der Dichter ist hier nicht mehr nur Dichterfürst (wie noch in Walsers Goetheroman Ein liebender Mann). Er bewegt sich. 64 S. sondern spirituelle Begegnungen. Manche hören Stimmen.99 € E . der sich schlechterdings nicht verstellen kann. Die Welt. Der Reiz dieses verspielten. s ragt aus dem Roman die Novelle Mein Jenseits heraus. Ein Auserwählter ist dieser Mann. Walser hat. Großer Raum wird Ewald Kainz geschenkt. UN-Diplomat und unlängst Autor des Millionen-Bestsellers Empört Euch!. ohne dass die beiden sich je richtig kennengelernt hätten. spendet er umgehend Trost. it Muttersohn hat Walser mit bester Laune das Reich der Zeitgenossen verlassen und die Kunstreligion gefunden. d. an die Schönheitskonzeption der Weimarer Klassik also. wer denn eigentlich gesund ist: die da draußen. a. Kleinheinrich Verlag. Er sei ein Stern. dass Feinlein. sondern vor allem ein Künstler. Und natürlich soll sich der Leser fragen. Martin Walser: Muttersohn Roman. ein Liebender im umfassenden Sinne: Keine schnöde Paarbeziehung. prosaische Gegenwart. Bei Walser ist das Glück gnädige Vernebelung. sondern muss es als heiteres. Mutter Fini versicherte ihrem Sohn. von seiner leiblichen Mutter. treibt ihn an. was das Verhältnis der beiden naturgemäß einigermaßen belastet. stets einem großen Tänzer gleich. die von einer Vereinigung von innerer und äußerer Schönheit träumte. Und unterdessen erscheint Empört Euch! in China. Er spielt hier Gott auf lau- nige Weise. heißt es gegen Ende. Sie ist aus der Perspektive Feinleins abgefasst und erzählt von einem Romaufenthalt des melancholischen Klinikdirektors. von der Anziehungskraft des Unerklärlichen. Enkeln und Ururenkeln bin ich ans Grab gefolgt. ELISABETH VON THADDEN Stéphane Hessel: Engagiert Euch! Im Gespräch mit Gilles Vanderpooten. trotz seiner Leibesfülle. aber das kann sein Geschöpf nicht wissen. kam in Berlin Stéphane Hessel zur Welt. nicht Augstein) leitet sie. um diese wie »ein Kind aus einem brennenden Haus« zu retten. der auch unter arabischen Demonstranten die Runde macht. Berlin 2011. dass er angeblich aus einer unbefleckten Empfängnis hervorging.« Dass mit den gottgleichen Kreativitätsschüben seiner Figur der Autor eine kokette Selbstcharakterisierung vornimmt. der sich zwischen der Geliebten und der Ehefrau. heißt es. da sie eindringlich sind und allen zu Herzen gehen. wie sie nicht ist. als ausgesprochen gelungen empfindet. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 49 GEDICHT: KJELL ESPMARK Ich wollte unsterblich werden und die treulosen Götter erhörten mein Gebet. eine Monstranz aus der Stiftskirche seiner Klinik entwendete. mithin etwas arg ausufernd geratenen Romans speist sich aus den illustren Figuren der zauberberghaften Klinik (die natürlich zuvor ein Kloster war). eines Wortspiels. »daß er nicht auf dem Kopf gehen konnte«. ohne sie jemals abzuschicken. es herrsche in ihr ein furchtbarer Mangel. indem er sich schweigend neben sie setzt über Stunden oder mit ihnen mystische Verse rezitiert.

die in Europa ihresgleichen suchten. was sonst nirgendwo erreichbar war. Snyder erspart seinen Lesern kein Detail des Schreckens. selbst damit rechnen. wäre die mentale Zurichtung der Täter unmöglich gewewollte. T. Parlando. der Kampf ums Im aktuellen Parlando-Programm glänzt er mit einer Dasein im tosenden Strudel der Welt rückt uns beängssubtilen Lesung der Komödie in Moll des kürzlich tigend nahe auf den Leib. Auf den killing fields im Osten Europas konnte das Denkbare zum Machbaren.gen wahr. Noch fünf Jahre später führten Einheiten der Roten Armee und der Staatssicherheit Krieg gegen Partisanen und aufständische Bauern. was den Taten der Nationalsozialisten entspricht. 1943 geborener Schauspieler und Synchronsprecher. Denn in die ethnischen Säuberungen und die Deportation den Bloodlands hatten die Armeen des Zaren und von »Feindvölkern« Reaktionen auf den rassistides deutschen Kaisers gegeneinander gekämpft. wird men wird.Brückner.bevor der Krieg ausbrach. mit seinem Buch Bloodlands entzogen.verrät es nicht. vom Antisemitismus in der Sowjetunion nach was auf den killing fields im Osten Europas ge. Solch ein Verfahren ist wahrscheinlich ohne Alternative. Heute man darf man mit guten Gründen prophezeien. Snyder will nicht nur erzählen. vernichtet zu Der Boden war also schon bereitet. In der Ukraine führte das stalinistische Regime einen blutigen Krieg gegen Partisanen und Deserteure. die anderen betraten eine rem Zufall zu Feinden erklärt worden waren? Und Terra incognita. weil Stalin den Befehl gegeben hatte. Zum ersten Mal ist inzwischen nur für wenige Historiker noch eine schien die Propaganda mit der Wirklichkeit überTerra incognita. Diesem Wettbewerb des Schreckens hat sich Timothy Snyder. Judenpogroeine andere Wahl. was ihm anderswo verboten worden wäre. Denn die Erkenntnis. was andere ihnen an. Aber auch dieser Wandel steht im Dienst des Politischen.H Beck Rücksicht auf Zivilisten. ohne sich vor irgendjemandem für ihre Verbrechen rechtfertigen zu müssen. wie die wussten: dass nämlich beide Regime grenzenlose Gewalttaten der einen mit den Exzessen der an. Nirgendwo. worauf der Nationalsozialismus auch eine Antwort war.der sie keine Siege erringen konnten. die baltischen Republiken und den Westen der Ukraine mit Terror und Gewalt heimsuchten. Bisher haben Historiker entweder das eine oder das andere beschrieben. was die Verstorbenen getan haben. weil auf verwüstetem Terrain gelang.und Klassenkonoder auch mal Adalbert Stifters Werke: immer als ein. Baltikum angerichtet hatte. und als Stalins Armeen 1944 in die Region zurückkamen. ohne ein Bekenntnis zur Einzigartigkeit des nationalsozialistischen Mordprogramms abzugeben. Familien. Aber die eigentliche Frage beantwortet er nicht . dungsroman. diesen Raum zum ersten Mal betraten. dass in einer noch zu Dieser amerikanische Klassiker aus dem Jahr schreibenden – und dann von ihm einzu1929. mit den Nationaleinen Ort hatte. seien nicht vom Himmel gefallen. die Bloodlands verschwanden für immer. die nur wenige Todesopfer forderte. was andere vor ihm auch schon ohne dass sich Klarheit darüber einstellt. dass Ukrainer und Litauer Juden und Kommunisten töteten. sondern in der Beschreibung ineinandergreifender Gewaltpraktiken. Hitlers Helfer aber ten und legitimierten und warum sich diese Ra.99 € des dortigen Way of Life ausformt in wild weise.Beck Der Historiker Timothy Snyder stellt in seinem Meisterwerk »Bloodlands« die Verbrechen Hitlers und Stalins in einen Zusammenhang. und sie wird die schen Imperiums auf den Kopf stellten? Gewaltpraktiken beider Seiten beeinflusst haben. bevor sie die Bloodlands betraten lismus besiegt und das Imperium stabilisiert war. das den Juden er einmal die Antwort: »Zu große Lautstärke. konnte.vertrautem Terrain. ohne ihn mit den Exzessen der schichte des Judenmords alles gesagt. als diese im Juni 1941 die Sowjetunion findung war im zweiten Jahr des Krieges für beide überfielen und die Völkerpyramide des sowjeti. 29. Nirgendwo ist der Horror der ukrainischen Hungersnot. schreibt Snyder. Auch Snyder sieht den Zusammenhang Timothy Snyder. dass Jeckeln in Riga geboren und aufgewachsen war? In jedem Fall glaubte Jeckeln offenbar. drangen sie in kontaminiertes Gelände vor. dass Historiker weder Richter noch Ankläger sind. und während des Zweiten Weltkrieges. dass die alten Machthaber für immer zurückgekommen waren. dass die Nationalsozialisten die sowjeland Kriegsland wurde.erfährt man wenig. in denen die Täter ihre Gewaltpotenzen überhaupt erst zur Entfaltung bringen konnten. die sich aus der Gewalt in den Bloodlands für die Täter ergaben. Unverwechselbar ist seine vielfach Schau heimvon Brückner mit dazu passender Leidenpreisgekrönte Stimme: rau und irgendwie wärts. er nur erzählt. Die Bloodlands waren damit begonnen hatte. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON LITERATUR HÖR B UC H Leidenschaftlich heiser Hörstoff für unterwegs: Der preisgekrönte Christian Brückner als Sommerbegleiter Auf die Frage »Was verabscheuen Sie am meisten?« gab das holländische Paar Wim und Marie. aber sen. war die Deutungshoheit über die Geschichte ein Politikum. als aus staatsfernem Bauern. nachdem Hitler waltexzesse des Bürgerkrieges ums Leben gekommen. die Verbrechen der einen durch den Hinweis auf die Mordtaten der anderen zu »relativieren«. Snyders sowjetische Episode aber beginnt mit der der Gewalt zahlen. weil Stalin keinen Nur im staatsfernen Gewaltraum konn. Engel schaft dargeboten. wovon Hitler Europa zwischen Vernichtungskrieg führte. Moby Dick und Geschmäcker. unerzählt zu lassen. Es ist ein klassischer Bildauerheiser. Landschaften zu von Gewalt verseuchter Boden. höchst anrührenden Geschichte um pralle Fülle Amerikas. die das Inferno des stalinistischen Terrors und der interethnischen Kriege erlebt hatten. dass die stalinistischen Funktionä. Niemand nahm in einem solchen Krieg noch 1933 geträumt haben mag. wenn es darum geht. Was schah. Eine Antwort könnte lauten: Als Wen identifizierten sie selbst als ihre Feinde. und mehrere Hunderttausend Bauern verhungerten. der einen die Verbrechen der anderen radikalisier. Snyder nennt sie »Bloodlands«. Nicht einmal nach dem Ende des Krieges hörte die Gewalt auf. Jahrhunderts. der im August 1941 die erste Massenerschießung von Juden in Kamenets-Podolsk anordnete. der in der Kleinstadt Altamont aufwächst. muss mit ihr umzugehen hatte. auf Konventionen und Regeln. Keine Untersuchung über staatliche Gewaltexzesse kommt heute noch ohne vergleichende Hinweise aus. dass das Geschehen aber hat diese letzte Kampagne Stalins. obgleich das Geschehen doch in seiner Verschränkung verstehbar werden soll. zurück. schen Mordexzess der nationalsozialistischen BeMillionen von Menschen waren bei den satzer und ihrer Helfer? Vor allem aber: Hatten die Gegner ethnischen Säuberungen.Seiten unabwendbar geworden.eigenen Augen. Die Mordexzesse des 20. das ganze Kolorit und fantastische Dialoge einer zelner Vorleser und nicht als Stimmorchestersimulator. aber auch verstanden. Niemand konnte über die Gewaltexzesse des Stalinismus schreiben. Diese Empsachern. Man hätte ihm vorgeworfen. Und warum hörte die Gewalt nach taten? Mit welchen Erwartungen begegneten dem Tod Stalins auf? Auch darüber schweigt sich sie jenen.Thomas Wolfe: um das Leben des jungen Eugene Gant. der Wolfes Schau heimwärts. Alles konnte miteinander verglichen werden. den Städten in der westlichen Ukraine und im Was in der Sowjetunion der Stalin-Zeit geschah. Snyder: Kriegsjahr begriffen. jene ungebärdige. dann müsste man Snyders Text schon deswegen zu den Meisterwerken der Geschichtsschreibung zählen. Antwort schuldig: wie nämlich die Verbrechen die ihr Mordhandwerk gelernt und erprobt hatten. um zu verstehen. Aber Snyder erzählt Hungersnot der Jahre 1932 und 1933 und endet von dieser Verschränkung des Geschehens übermit dem Großen Terror. mussten ihre Soldaten erfahren. Als der Nationalsoziasie gemacht. mal heroisch. er will Neues und Spektakuläres mitteilen.50 14. Die Bevölkenicht mehr durchsetzen und weil weder Verlag 2011. fernen Epoche dringen in unser Ohr.und Vernichtungsfantasien der totalitären Regime Wirklichkeit werden. die Gewalt gegen das eigene Volk einzuMacht für ihre Zwecke zu nutzen? Woher ka. schreibt er. dass Einzigartigkeitsnachweise ohne Vergleich und Kontrast nicht zu haben waren. Denn die Bloodlands waren natürlich daten der Sicherungsdivisionen. Abseits aller bürgerlichen Sicherungssysteme. was vor ihnen im Osten Europas Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. nicht VON JÖRG BABEROWSKI von Zwängen. Historiker an der Universität Yale. Thomas er den kleinen Hörbuchverlag Parlando. War es ohne Bedeutung. ohne dass es dazu einer Aufforderung der SS bedurft hätte. was zur gleichen Zeit geschah. erlebt. die aus pu. dass sie ihre schlimmsten Verbrechen dort verübten. Und auch über die nationalsozialistischen Mordexzesse im Osten Europas weiß Snyder auf eine Weise zu erzählen. Die Bloodlands wurden von Menschen bewohnt. Sie entstanden vielmehr in den lone und der Waffen-SS von den stalinistischen Schlachten des Ersten Weltkrieges und des russi. sodass der Hörer sich oft ängs. weil er Ereignisse in fremdes Licht taucht und sie auf solche Weise erst verständlich macht. für selbstverständlich gehalten. phe und das ganze alltägliche Getriebensein genommen und doch eindringlich. die Kornkammer des Imperiums auszuplündern und die Landbevölkerung Sklavenarbeit leisten zu lassen.Sprecher Chr. was er doch erzählen V Wenn es die Bloodlands nicht gegeben hätte – die Nationalsozialisten hätten sie erfinden müssen. die totale darauf. wo schon die Bolschewiki Tod und Verderben verbreitet hatten. Wie haben Menschen. und mit ihren Opfern konfrontiert wurden? konnten Stalins Nachfolger Frieden schließen. dem sei Brückner als diesmal völlig anders auftretender akustischer Begleiter bekannt aus vielen Kinofilmen als die markante deutsche Stimme Robert De Niros. Inzwischen wird. indem der nationalsozialistischen Vernichtungsexzesse.Handwerkern des Todes? Nahmen Stalins Scherschen Bürgerkrieges. auf dem verwüsten.Nico während der deutschen Besatzung vor der Gestamöglich deshalb ist er zum prominentesten Hörbuch. Sie wollen verstehen. dass auch er einen ten die Bolschewiki tun. zwischen 1939 und 1941. Historiker sollen Geschichten erzählen.Europas vollzog. weil sie sich Hitler und gegen organisierten Widerstand schon Stalin. der sich auf dem Territorium der SowjetJuden und ihre kumulative Radikalisierung hat union und in den Vernichtungslagern im Osten Saul Friedländer in seinem Buch über die Ge. sondern auch Schriftsteller. 29. verständigten sich seine Nachfolger und welche Möglichkeiten hatten sie. wird niemanden überraschen. men die Täter. weil sie keinen Feind mehr benötigten. Diese Wahrheit hatten Hitler bevor Bolschewiki und Nationalsoziaund seine Generäle schon im zweiten listen ihn besetzten und verwüsteten. betraten sie ein von der stalinistischen Gewalt verwüstetes Land.einzustimmen. jener 1947 erst. was die Leser schon wissen. Auch Snyder weiß. konnten die Schergen Hitlers und Stalins Herren über Leben und Tod sein. was einmal als anstößig galt. was der Gegner beim Abzug aus nehmungshorizont von Tätern und Opfern ein. Engel in der großzuletzt seinen zehnten Geburtstag feiern artigen Neuübersetzung von Irma Wehrli. Denn sie sind nicht nur Sachwalter der Wissenschaft. die über Leben und Tod entschieden? der Autor aus. Er verschenkt sein Thema. in der Ukraine tun zu können.H. geschehen war? Und hatte diese Wahrnehmung Seine Spezialgebiete sind das Zarenreich und der Stalinismus Folgen für ihr eigenes Gewalthandeln? Foto: Verlag C. monumental wulesenden – Geschichte des deutschen Hörchernde. 1986 und in den dann folgenden Jahren des Historikerstreites. Historiker zwischen diesen Gewaltexzessen und dem stalian der Universität Yale nistischen Terror. Für schlimm darf offenbar nur gehalten werden.« Wo. der Deportationen und des Massenterrors packender und ergreifender beschrieben worden.Brückner erweist sich als erfahrener Lotse durch die mals erschienenen. Stalin starb. Ohne die Massaker der stalinistischen Geheimpolizei. Doch auch damals wusste jeder. In der angelsächsischen Welt ist es von der Kritik als wegweisend aufgefasst worden. im rechtsfreien Raum. Dennoch lässt sich über Meisterliches auch Kritisches sagen. So las Brückner die Odyssee oder den Pferdeflüsterer. Andererseits muss der Autor dafür den Preis bezahlen. mal 29 Std. in dem Waffen in allen tische Bevölkerungshierarchie veränderten? Waren Machtfragen das letzte Wort sprachen. Die Nahmen die nationalsozialistischen Täter. Ihr folgt eine Erzählung haupt nicht. Auf die eigentliche Frage bleibt Snyder die Stalins Schergen waren professionelle Killer. Snyder spricht von Überzeugungen und Ideologien. stalinistischen Diktatur zu verbinden. Snyder erzählt nacheinander. der die Tragödien und Triumtigt. Auch über die Ausgrenzungs. Snyder aber will beides verbinden: nicht im Vergleich. Denn mittlerweile ist der Holocaust zum einzigen Maßstab für die Beurteilung staatlich organisierter Gewaltverbrechen geworden. Als die Wehrmacht in den Westen der Ukraine und in die baltischen Republiken einmarschierte.528 S. Hörstoff braucht. Sie hätten sich in Räumen ereignet. konnten die Mord.stellen. dikalisierung in den Bloodlands im Osten Europas Menschen erschoss und vergaste.Bloodlands Zweifel daran ließ.95 € blutigen Preis für diese Entgrenzung bereitet werden mussten. Deshalb waren die Bloodlands Experimentierfelder der Unterwerfung und der Gewalt. die nicht wahrhaben wollten. empfohlen: Mehr als 28 Stunden lang liest er Gemeinsam mit seiner Frau Waltraut betreibt mit inwendig glühender Energie das amerikanische Großepos schlechthin. Wenn die Qualität des Erzählens der Maßstab für die Beurteilung von Büchern wäre. die sie nicht verstanden und auf was erwarteten Stalins Schergen von ihren Wider. wie man Völker deportierte. der Polizeibatailnicht einfach da. und welche Erfahrungen hatten um Loyalität zu erzwingen. Denn ohne den Exzess der stalinistischen Diktatur wird überhaupt nicht verständlich. schreibt er. wie man einen Vernichtungskrieg entfacht. Snyder aber erzählt vom Massenstrategie der Nationalsozialisten gegenüber den mord. Denn die Soldaten der Wehrmacht sahen mit er ordnet diese Geschichte nicht in den Wahr. Snyder erzählt vom großen Morden. ALEXANDER CAMMANN In verwüstetem Land or zwanzig Jahren wäre das noch undenkbar gewesen: dass ein Historiker die Mordexzesse und Vernichtungsstrategien der Nationalsozialisten mit den Bluttaten der Bolschewiki in einer Geschichte miteinander verbindet. als die Nationalsozialisten ihr monströses Menschenvernichtungsprogramm in den Bloodlands exekutierten.flikte. Die Soldaten re Krieg gegen das eigene Volk führten. expressiv ausgemalte Südstaatensaga buchs Brückner ein eigenes Kapitel bekom. Snyders Buch endet mit einem Kapitel. während des Großen Terrors der Jahre 1937 und 1938. die aus den Gewalt. als einen Vernichmen und während der grausamen Getungskrieg zu führen.sozialisten und den Bloodlands zu tun? Synder räumen kamen.Jörg Baberowski ist Professor für Osteuropäische haupt wahr. Und wer jetzt in den Sommermonaten am Strand interpreten hierzulande geworden: Christian Brückner. werden.dem Ende des Zweiten Weltkrieges spricht. über. Es scheint mir kein Zufall zu sein. den Polizeichef des »Reichskommissariats Ostland«. Aber keine Sorge: Christian 101-jährig verstorbenen Hans Keilson. sie würde plötzlich wegbleiben. oft eine gewisse Melanübertreibende.mussten erst lernen. Aber damals. C. exzessive Sprache: Gerüche cholie ausstrahlend. starben in solch kurzer Zeit so viele Menschen wie in der Ukraine und in Weißrussland: während der Kollektivierung der Landwirtschaft. der Holocaust aber durfte in seiner Einzigartigkeit nur er selbst sein.po versteckt. rung der Bloodlands musste einen Opfer noch Täter auf die Gewalt vor. das deren verbunden waren und wozu man die Kategorie der Bloodlands benötigt. 2 mp3. Klarheit zu schaffen und Ordnung in einen Text zu bringen.. fast gar nichts. Als die Nationalsozialisten die Ukraine eroberten. Und tatsächlich relativiert jeder Vergleich. An einer Stelle verweist er auf Friedrich Jeckeln. Niemand betrat sie voraussetzungslos. dass das Blut in den Adern gefriert. Lernten die Solvollzog. dass sie und Geheimpolizisten Stalins bewegten sich auf scheinbar sinnlos Menschen töteten.. Städte aushungern zu lassen Menschen Gewalt erfahren und erlitten und Menschen auszurotten? Denn wer hatten.Verbrechen verübten. Über die Begegnung der verwandten Feinde Was aber bedeutete es für die nationalsozialistischen Täter. als Hitler und Stalin Polen. und niemand bewegte sich in ihnen folgenlos.

oder der. und indem er den typischen. sondern überdies nen. am genauesten vornehmer Lebensart zu geben: Wil. Von Barry Lyndon und vor allem Vanity National Standard zum Beispiel. alle ray: Das Buch Dieses geistreich-witzige MeisterAdeligen seien. dass ihm das auch noch heute gelingt. sind dafür wesentliche Voraussetzungen. entspannter Weltläufigkeit und unaufdringlicher Höflichkeit. über den Thackeray spottet. den Aufsteiger und englische Stenze. Er führt uns die literarischen. by One of Themselves.und genauen Beobachtungen unmissverständlich bejer seinen Lebensunterhalt verdienen. A. GeburtsDas mag einerseits vielleicht nur eine Gisbert Haefs. M. was man zwar für erstrebenswert hält. der nur deswegen so genau hingeschaut hat. reits gründlich ruiniert. weil er irgendwie auch dazugehört. Er hat hier. dass er überaus stolz gewesen sei.feinsten Verästelungen verfolgt und in seinen gar dienen. hat letztendlich nicht die geringste Ahnung davon. aber nicht zum Gentleman. wenigstens eigenen An. durch Arbeit oder trotz aller Brillanz im großen Ganzen und aller irgendwelche Geschäftemacherei Geld zu verdie. kaum dass es begonnen hatte.das Adelsprivileg verleiht. der ihm ganz verfällt. Leider ist dabei nicht nur. was meist übersehen und immer unterschätzt wird: In Gegenreaktion auf die florierende Arroganz und Blasiertheit der Regency-Epoche. d. obgleich man in sellschaft im viktorianischen Zeitalter England immer bereit ist. seine Seziermesser geschärft für der englischen Oberschicht. die Universitäts-. seine Regeln und boren wurde. zum Literaten.nicht mehr feinen Triebkräften offengelegt wird. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 51 Hauptsache Eindruck machen König der Snobs: William Makepeace Thackerays köstliche Lästerei über den ewigen Kampf ums Dabeisein VON MANFRED SCHWARZ E r hat nicht lange gefackelt. fitabel – hatte der junge Müßiggänger eine be. lautet vollständig: The Book of Snobs. von Philologie« ist nun zum 200. In so will. aber höchst fashionablen Zeitvertreib als Sohn eines Kolonialbeamten in Kalkutta ge. da es ja für einen Monarchen per se unmöglich ist. Beim Glücks. Thackeray schlagartig berühmt maAber immerhin: Thackeray war gechen wird. mit Geld umzugehen. um der sucht. vom »Wohlgeratenen«. William Makepeace Thackeray aber hat mit seinem Buch der Snobs zahllose Gentlemen geschaffen. das sich davon absetzt – und bald schon das dominierende Leitbild guten gesellschaftlichen Betragens wird in der ewigen Epoche Queen Victorias. Etwas vorspiegeln zu wol- len. nach dem Theater der Macht. Jahrhundert hegte. feineren Gesellschaft aufsteigen zu wollen als er sie selber bietet. Es handelt sich also nicht nur um einen »intimen Kenner der Szene«. Immer. der ohnehin eine große Liebe zum 18. so die die monumentale Chirurgenarbeit im schriftstellernde Aristokratin Nancy W. aber de facto nicht besitzt.« Und selbst die »königlichen Snobs«. bei uns schon immer hübsche – oder schlaue – Pose sein. der diesen ungemein scharfen schon wieder vorbei: Er musste nun wie ein Ple.der Snobs werk viktorianischer »Gesellschaftsgaben zufolge. im »Schwung seiner Jugend« eine »neue Form der Schuhschnalle« erfunden zu haben. brachte seine stattliche Erbschaft in seine Akteure. gehöre das zum guten Ton. Sondern vielmehr um einen. mit grünem Einband – und zuvor 52 Wochen lang als Fortsetzungsreihe in der satirischen Zeitschrift The Punch veröffentlicht worden war –. dann doch bitte nicht zum Geldver. damals allgegenwärtigen Snob mit all seinen Ambitionen demaskiert und der Lächerlichkeit preisgibt. bei aller berechtigten. steht im trächtliche Summe in Zeitungen gesteckt. Der Snob.. Unfähigkeit. Er entpuppt sich also schließlich in jeder Hinsicht als das vollkommene Gegenbild zum Ideal des englischen Gentleman. hat mit seinem ungemein populären. Ein König könne jemand zum Edelmann machen. spiel natürlich. mitunter auch leidenschaftlichen Kritik und geradezu missionarischer Absicht. die City.FEUILLETON LITERATUR 14. hin hat er dies nicht mit anrüchigem Handel ver. Uneitelkeit des Betragens. in den Mittelpunkt von Thackerays großen Romanen. denn die traditionelle erschienen. Mitford. als die hemmungslosesten und einfallslosesten von allen. auf Bescheidenheit. Weil er. Die irischen Snobs natürlich. weil er so dicht dran ist. bei exzentriab 1848 in Fortsetzung erscheint und schen Hobbys ein Auge zuzudrücken. wie die grundsätzliche Ablehnung. der als großes. Engl. So wie George IV. Schlichtheit. Auch bei der einen oder ande. Es wäre zu wünschen. Thacke»Jahrmarkt der Eitelkeiten«. »dass man aus ihnen eine ganze Brigade aufstellen könnte. 22. Den ungeniert Mobilen in einem eiren unglücklich verlaufenen Börsenspekulation. der gar nicht erst in Gefahr geraten könnte. nutzliam Makepeace Thackeray. obwohl es solche nach gängigen Definitionen des Snobismus gar nicht geben dürfte. wie ihn Thackeray versteht. ein gelegentlich etwa altfränkischer Ton ins Spiel gekommen. die militärischen und die geistlichen Snobs vor.95 € neuer Übersetzung von Gisbert Haefs dingter Eleganz. schon in jungen Jahren ein gearbeitet hat. Manesse 2011. auch den Tisch gefallen. Außerdem jedoch – und ebenfalls unpro.und die Country-Snobs. wie es der Earl of Chesterfield in den 1774 veröffentlichten und dann rasch berühmten Briefen an seinen (illegitimen) Sohn formulierte. Denn darum kreist ja die ganze Existenz des Snobs. hoffnungslos ruiniert. der Hochstapelei und Angeberei gewährt.nisten. eine gewisse Schwäche für die Schwächen hat. Über den Gesellschaftsmenschen. tag des großen.schrieb. wenn man ganzes Vermögen zu verschleudern. der am 18. Das Gesellschaftsleben. Er genügt sich nicht selbst und verzehrt sich unentwegt nach Anerkennung. das bis in seine allerdenn wenn man schon Derartiges zum Zeitvertreib macht. weit unterschätzten Schriftstellers in führt aber andererseits auch zu unbe.in seiner Falschheit und Borniertheit. der am ner Vertrautheit mit den Feinheiten liebsten – und am amüsantesten. ebenso bissiges wie hätte eigentlich ein bisschen misstrauamüsantes Panorama der besseren Geisch machen müssen. Thackeray.Blender. der uns diese köstlichen Einblicke in die Welt des schönen Scheins und der haarfeinen Unterschiede. schreibt er im betreffenden Kapitel. über die er schreibt. Und in seinem Buch der rade erst volljährig geworden und beSnobs. Aber auch ein König mag nach anderen Meriten gieren. die politischen. »Ich kenne so viele Nachfahren irischer Könige«. zu einer höheren.Stenz wurde also notgedrungen zum Feuilletobe seines guten Geschmacks und sei. ja prägenden Snobbuch eine entscheidende Weichenstellung vollzogen. Der perfekte Gentleman-Hochstapler: William Makepeace Thackeray Foto (Ausschnitt): akg-images . wie es sich seit jeher gehört für den Geltungssüchtigen. derjenige dagegen.Liebe zum Detail. wie Franz Werfel einmal bemerkte. auch die des königlichen: ums Eindruckmachen. zum Humoristen. Für Thackeray war jedoch das feine Leben der auch irgendwie der Untertitel des Originals unter leisure class. vielleicht ja sogar in Deutschland. basierend auf den antiken Vorstellungen vom Edelmann. wie ihn noch Nietzsche ersehnen und verherrlichen wird. strebt immerzu woandershin. Und das ist das Entscheidende an Thackerays Snobbuch: seine vollständige Kenntnis des snobistischen Milieus. Dem Snob geht es nicht etwa um die Macht.das 1848 erschien. vom corteggiano der Renaissance und vom hônnette homme des grand siècle. Der Titel des Werkes. Er hatte es also um die gleichen Phänomene kreisend. hat Edmund Burke einmal geschrieben. propagiert er unwiderstehlich jenes Idealbild des englischen Gentleman. sondern er giert vor allem nach dem Märchenbild. sondern mit dem Schreiben: Der junge Londoner Gesellschaft eine Kostpro. Juli 1811 losen. und das Fair. atemberaubend kurzer Zeit durch.Und über sein Zerrbild: den Snob. an dem er im gleichen Zeitraum. der ihm fast erliegt. Könnte es eine bessere Voraussetzung geben? Niemand kennt das Laster besser als derjenige. gentlich doch festen gesellschaftlichen Gefüge. Über das feine Leben. geschafft.456 S. basierend auf Natürlichkeit. die ihn nicht verachten.– über englische Stenze und ihren eitlen. im handlichen Almanach- Format. Er verachtet all diejenigen. den Streber.

sich stellung. politischen Bremsen ins Schaufenster. auf europäische Unterstützung einzugehen? Die Afrikaner schätzen das Goethe-Institut. Hanoi am 4. von woher einst zahllose Gastarbeiter Studium in Deutschland interessiert. im Ausland fragt niemand mehr nach Realismus. kleinteilige Routine spieße.Russland genauso wie in der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun. an einige Orte. Und wir in Südostasien arfortführen. Willy Brandt sprach Er betritt einen Galerieraum. Doch von oben lassen sich solche Vorhaben in Afrika nicht durchsetzen. den zehnte.Lehrmitteln und einer eigens ausgebildeten Lehrkraft unterrichtet wird. Nach langen Debat. junge Menschen frühzeitig an Deutschland zu binden. Lohnt sich Tag des Besuches von leiterin Devi Kar das Lehrerzimmer betritt. dass Deutsch. In den Gastländern versucht Goethe. dass Südamerika Marianne Rosenbergs oder Michael Holms in Bataillonsstärke hervorgebracht hat. das Jubiläum wird groß gefeiert. alle 17. der hält Ausschau beitslosigkeit und Not darf es nicht geben. pa (im Bild das Institut in Mosrecht klein und spröde.). zum Beispiel diejenige von Józef Robabis sechs Millionen Zuschauer sehen zu. In Kamerun. seiner Standorte geht es ausgesprochen sparsam Bundesrepublik mitgeprägt – Das New Yorker Publikum ist der Maßstab. wo man heute nach seinen europäitauchen sie beide entschlossen in die Fluten des Roten schen Wurzeln sucht und uns vorwirft. des Wohlstands. Ebenso in Kolumbien. dass das Goethe-Institut schnell adoptiert. in die Bundesrepublik später die Boat Deutschlerner allerdings zurück. nur um die Luft noch feuchter zu machen. Filme zu machen. Reste deutscher Kolonialbauten in Kamerun wie das ländliche Leben Kalkuttas Fotos mitte (Ausschnitte.75 Millionen Euro. sich darüber zu besechs deinen Hintern im Internet bewundern. Es herrschen mit der Bewegung von Körpern möglich ist. Inzwischen weiß die Politik. sind nicht mehr ganz jung. auch dischen Partnern eher Zurückhaltung geböte. machen. Im Gegenteil. Die Erfahrung zeigt. Und tatsächlich ist das Deutsche in vielen Ländern zur Zweitsprache der aufstrebenden Mittelklassen geworden. Dann Handke stimmt wieder eine Retourkutsche vom Kulturministerium.zeigt sich. das in sieben Sprachen und in sieben das Projekt richtig. In den Kunstrepublik in New York eine Galerie betreiben Unterstützung für den traditionellen Tanz in szenen vieler Länder ist Goethe Kambodscha. »dort gab es Dinge zu sehen. Streitereien sind überholt. erstKehren wir in den Westen zurück. An einigen Orten. dass auch die DDR Tee. begleitet von einer Kunstinitiative aus Douala. die Straße ist Schlamm. Trotzdem bewerben sich Sood. Doch überall auf auf den Ort und sein Publikum einzulassen. Endzeit einer kommunistischen Diktatur kann in Vietnam nur im Immer wieder wird Brecht genannt. gelegentlich hartnäsche Anarchokunst aus den frühen Achtzigern. Joachim Ölsner/Goethe-Institut Kamerun. die Frangipani-Bäume duften. Auch so kann man eine Tradition mindestens zu 30 Prozent refinanziert.Kulturarbeit machte. sogar durch pantomimische Zivilisierung des Straßenverkehrs haben sich die Leute wieder mit ihrem Gemeinwesen identifiziert. schieben sich blauschwarze Wolken über die Anden und setzen Bogotá unter Wasser. kluge Pädagogen und talentierte Manager lich nie endet. Und für wie viele Besucher? Trotzdem ist als Kooperationspartner unverfernsehen. Oder ein formidables Kindermuss. seine Künste – oder auch nur auf Berlin. kein deutdas Goethe-Institut. das Oberhaupt der traditionellen Stammesgemeinschaft. bringt von sich aus indische und deutsche Künstler minister Westerwelle dort mit den Oberen der Religionsgemeinschaf. was werden muss. Juni 2011. und man lernt. Stolz führt der Gouverneur vor. In Istanbul nierungsversuche der angereisten Kulturleute verbeten. Folglich haben die art people Ludlow 38 weiß eigentlich kaum. Deepal. demokratisch ging es zu. Solche Neubauten weichen wie ihr kleines Schilfparadies am Ufer. Es liegt bestimmt nicht nur an Goethe. an den Goethe-Instituten kann man Guido Westerwelle walt auf dem Schulhof oder Drogen hat man nur aus Deutsch lernen. Das Goethe-Institut fängt diese Neugier auf. dass die Versuche. brachte. hob Michael Kahn-Ackermann in den vergangenen Jahren dig. Long-Bien-Brücke in Hanoi. Wer in NowosiEr entspricht so gar nicht dem offiziellen Selbstbild des Landes. ren oder um sich Bücher auszuleihen. Die Republik hat sich entspannt. auf eher vertrautes Terrain. Draußen ist Zensorland. erscheint die Modern High School wie ein Ort aus da draußen in der Welt.hat enorme Kräfte der Idealisierung geweckt. muss sich das Goethe-Institut wieder und wieder in die aktuellen Debatten einfädeln: Wie weit ist es für eine lange unterdrückte und erst zaghaft sich entwickelnde schwarze Kultur fruchtbar. herrscht eine kommode. Gemessen am Stadtbild. Weltweit geht die Anzahl der in die DDR gekommen waren. ob die Bundesfilmprojekt mit dem Schwerpunkt in Hanoi oder Asien verlagert. net. Lange schon ist das Goethe-Institut kein Reisebüro für deutsche Künstler mehr. Zwischendurch es beinahe verkommen. Manchmal kommt der Zensor zum hat (wobei man an dieser Stelle einfügen muss. an der sich auch die Ausland zu fördern. Und viele drückten danach ist dem Wahren. irgendwann Früchte tragen. dass viele von ihnen in Deutschland studiert haben. Achille Mbembe. denkenden in Hanoi sehr bewusst und sehr intensiv genutzt wird. punkt seiner Arbeit in Osteurosam wird er doch. oder mangelnder Organisationsfähigkeit der Partner. SCHMIDT Welt ist selbstbewusst geworden und an Zusammenarbeit interessiert. ein riesiges Wasserkraftwerk und eine alte Eisenbahnbrücke aus den Zeiten der deutschen Kolonisierung. Ein Film über die schäbige einmal Epoche gemacht hat. seit Theodor Heuss in den jahrzehntelang Schweigen auferlegt hatten. Edéa hat gut 120 000 Einwohner.« Vielleicht beleuchtet ein Beispiel aus Zentralafrika am besten. dass so etwas kein Interesse weckt. die sonst in Manhattan nicht zu sehen 135 000 Euro hat das Ganze gekostet. Der Erfolg solcher Programme hängt vom Geschick ab. Auch von Stillstand ist auf den Nachweis. die Kunst werde verstören. In den vergangenen Jahren Ludlow 38? Schnell von dannen. Und es zeigte das kleine Wunder von New York bestaunen. wenn Indien oder anderswo. zum Filmegucken und Plattenhöihre Filme drehen wollen. regen an. die nur wenig men oder kastenlosen Familien auf. den öffentlichen Raum zu verändern. was Mbembe meint. das ausländische Publikum unmittelbar zu beteiligen. ein Ort der Zuversicht. kaufen ließ. keine ethnische Gruppe darf ausgeschlossen bleiben. Nationen gesendet wird. sagt Der Karriere ist das nicht förderlich. nalleiter Franz Xaver Augustin resümiert: »Man kowski. Das war ein langer Prozess. statt zu begeistern. Sie tanzen Vallenato oder die Cumbia. Es ist ein Idyll.« Heute ist Pooja Sood selbstverständdank eines klug und zäh ausgehandelten Kulturabkommens zwischen liche Kooperationspartnerin des Goethe-Instituts. Mithilfe von Festivals.« Nicht alles gelingt den Goethe-Leuten. In wenigen Jahren werden sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt sehnsüchtig erwartet. Die Kunst darf nicht spalten. Auf der anderen Seite der Welt gießt es in Strömen. Draußen unterbricht ein apokalyptischer Regenschauer 14. sie seien vor allem in die eigene Tätigkeit Bananenblätter glitzern. Schiller-Institut). Juli 2011 DIE ZEIT No 29 53 Zarte Diplomaten ch bin ganz nackt!«. Es mals mit Mitteln der Europäischen Union. auch nicht stolz zeigen. aber schweigeinem Zentralinstitut in Jakarta zugeordnet. Die Brücke über den Sanaga hat für Kamerun strategische Bedeutung. Dafür realisiert es. und die Antwort auf derschönen weißen Goethe-Villa in Hanoi gibt es ein »Doc-Lab«. die Goethe-Leiterin. Bei Goethe ist man darüber nicht Goethe-Institute Zum Umfeld der GoetheInstitute gehören (im Uhrzeigersinn) Slums in Bogotà ebenso wie der New Yorker Times Square. Etwa in der Region Südostasien: Die als Kultur. um unseren Apparat zu erhalten. wortet: »Wenn wir jetzt gefilmt werden. so würde diese Liste sehr lang ausfallen. aber eines. was Goethe im Grunde immer tut: eine Idee. ruft der eine. mal so. im.über ihre gelegentlichen Aussprachefehler. Zum Ausklang gibt es Fleisch.« Dann werden. nur zwei benötigen wir. Jetzt ist es wieder lebentes Netz von Instituten existiert. Es wird eingewandt. Eitan Abramovich/AFP/Getty Images. Irene Bark. die dort ihr Material bearbeiten oder miteinander diskutieren. wo der Auftrag zur Kooperation mit ausländass Edéa bereits die Standorte für die Kunst ausgewählt hat. die in Indien neu waren und die Hunderte. Nur weckt es das Interesse ZehntauKunst. sollen die wichtigen Leute Stellung beziehen – unter ihnen der Verwaltungsleiter. und der Gouverneur bekommt sogar noch ein paar Zeilen aus dem Erlkönig zusammen. Seit ein paar Jahren betreut auch nicht nur an BMW oder Bastian Schweinsteiger. An den meisten näle eröffnet und das Bild der gibt es keine Verpflichtung auf die Heimat. Goethe stellt nichts manchmal die Rede. selbst Kunst ten ist klar: Es wird das Projekt geben. menarbeit. Konzerten. dass sie nicht zum Mittel eines deutschen Zweckes werden. ist bei Goethe nicht mehr zu finden. wie sie ihre Jugend in den Siebzigern mit und bei Goethe verarbeiten in irgendeinem Job. auch die Russen nicht zeigten. denn inmitten des wahnwitzichtbar geworden. wo die Wunden der Apartheid immer noch offenliegen und wo man sehr sensibel auf die Besserwissereien des weißen Mannes reagiert. Dabei ist die Normal High Kultur zu stehen – in so unterschiedlichen Städten School kein Eliteinstitut. im Uhrzeiger von o. Die Sache versetzt Edéa in Aufregung. aber immer wieder aufgebaut wurde. welches der Kultur ermöglicht. Die Sympathie. dass dies ein dreckiges Menschen dort andere Sorgen haben oder die Obrigkeit keine geis.das gehört zum Bild.verliebt. Im Schilf unter der Long-Bien-Brücke in Hanoi Alltags.Programmarbeit.« Der Erste: schweren. die einem entgegenschlägt. die ersten Choreografien von Pina Bausch. was die große chinesische Städte. was seither sches Opulenzfoto an der Wand. fasst seine Erfahrungen mit Goethe folgendermaßen zusammen: »Anders als manche andere Kulturinstitute aus Europa suchen die Deutschen die Augenhöhe mit ihren Partnern. dass es nirgendwo echte Fremdheit gibt. sehr vor. Die bogotanos konnten ihre Stadt – weitgehend – dem Verbrechen entreißen und nutzen sie wieder als die ihre. dass die Anforderungen an eine zeitgemäße Kulturarbeit Stil ist auch für die EU etwas Neues. Das ist die berühmte Von dort aus werden Kultur. kafrühen Fünfzigern eine Villa an der 5th Avenue men über ihre persönlichen Erlebnisse ins Reden. Die zwei fidelen alten mindest nicht unter den Jüngeren. zum Beispiel das Dokumentarhat sich der nach Afrika und Die Frage stellt sich natürlich. hatte das Goethe-Institut lange Zeit die Auf2008 mit einer Galerie in der Ludlow Street 38 Deutschland und China aus der Taufe. wie sie von Deutschland auf Distanz zu Europa gehalten »Und um sieben sind wir in den Nachrichten. ist erstaunlich. in Schilf tritt. dass Goethe auf Augenhöhe seines jeweiligen Standortes Kultur organisiert. einer der bekanntesten Theoretiker des Postkolonialismus. Das Ganze ist ein Kulturprojekt. aber sie achten darauf. der Schuldirektor. sodass man den ten hat doch die gleiche Kultur?« . meint: »Die Einwohner müssen das Projekt als ihres annehmen. leicht größen. mit der Arbeit des Goethe-Instituts etwas anfangen.« sagt Frau Kar. Es zeigt sich. Hier hakt das Goethe-Institut in Bogotá ein. schützen. Wenn die Sonne sinkt. um auch die schroffen Seiten der BRD zu zeigen. Der Schnaps inspiriert zum gemeinsamen Spontan-Karaoke. Deutsch erfreut sich höchster Beliebtheit Bundesrepublik tatsächlich nicht mehr kennt als Fußball und Bier. Herzblut-Künstler. in Tokyo oder Kalkutta. Goethe will nichts vorführen. der existenzbedrohende ckig eingeforderte DialogbereitNorbert Lammert lässt sich das Konzept erSparzwänge abwehrt. Edéa hätte sich Überredungs. spielerische Methoden angewandt werden.birsk oder Jakarta sitzt und eine Zukunft hat. dass wir tige Freiheit will. verwirklichte Claudia Hahn-Raabe ein großes Literaturprojekt. Manche Institutsleiter vertrauen vielleicht zu sehr hier nackt sind und schwimmen? Es ist unsere Kultur. Literatur turnation vorzustellen. hinsichtlich der Kunst und mehr Bildungsprojekte. in einer anderen Welt. die eingespielten waren in 1014 5th Avenue zu Gast. Vor einigen Wochen traf sich Außen. Der Schwerpunkt des Projekts lag in Bundestagspräsident Norbert Lammert möchte den Kurdenstädten der Osttürkei. keine Bevölkerungs-. der wieder ausgeladen die überall auf der Welt die Augen dafür öffneten. Bernhard Ludewig/Goethe-Institut Moskau I besorgt. Im Souterrain der wun. wie es sonst nicht zu sehen ist. Irgendwann gibt es be. hoffend. sonst bleibt es aufgepfropft. bildungswillige junge Leute sind sehr am Beispielsweise nach Vietnam. in deren geistigen Biografien das Deutsche Das Leben der Anderen aufgeführt wird. Nicht dass Lammert sich so etwas wie EnttäuInstitute zwischen Hanoi und Melbourne sind Nach 1989 lag der Schwerschung anmerken lassen würde. Hier erhebt sich das Kollegium. sondern Arbeit. dessen Gegenstand genau das ist. ob die Bundesrepublik die Hoffnungen all Möglichkeit. auf sein Bildungskeine Bundeseinrichtung so sehr von Einzelpersönlichkeiten geprägt system. Nachdem die künstlerischen Vorhaben vorgestellt wurden. Wahrscheinlich wird die nach einem Land des Friedens. Pauli am Anfang der Achtziger. Devyani und jünger ist als die Bundesrepublik und sich unter dem Dach des Aus. sehr südamerikanische Nächte zu feiern. kannst du um Auch in der Türkei. In den kommenden Jahren legt es ein großes Stadtentwicklungsprojekt auf. Kein Land bleibt wahnsinnige Intendanten. Ratlos die Referenten. freut sich Kerle treten in einem Dokumentarfilm auf.52 14. die die Frage steht aus. dass sie sozialkritische Kunst ins Ausland truplaudern. Und eine Besonderheit der Arbeit des Goethe-Instituts beiten besonders effizient. In China. Er zeigt ein Stück Viet.Stück Land ist. Nicht jede AusDafür braucht es Fingerspitzengefühl und die Bereitschaft. bote konzipiert. Das Haus Deutschland identisch. Traditionalisten streiten mit Modernisten. Eine gute Stunde lang quält sich der Wagen durch Was tun die Leute vom Goethe-Institut eigentlich den Verkehr von Kalkutta. die freimütig über ihre Hoffnungen und Sorgen kern dafür gezaust. Zwei charismatische Bürgermeister setzten diesen Wandel in Gang – und zwar über eine Mobilisierung der städtischen Kultur. Was ist falsch daran. In der Dunkelheit meidet man nach wie vor bestimmte Straßenzüge und benutzt nur bewährte Taxidienste. Die Kälte hindert die Leute keineswegs daran. so hell. aber der Zukunftsoptimismus ist nicht kleiner. ohne dass ein Zensor die Stirn runzelt. für die deutsche dem fernen Westen gehört. nun ja. die sich geunternehmen. der Sicherheitschef. Früher wurden die Goethe-Leute von konservativen Politieinfacher Leute. kuratieren. Vorbilder sind die SenSprach. wo Deutschland mit starken Erwartungen Eine Bundestagsabgeordnete jubelte einmal: »In Indien gelingt oder Erinnerungen konfrontiert ist. Die Globalisierung vorgeführt werden. Ihr gefällt auch nicht. erst zögerlich gentrifiziert. Erst 1968 Mit kleinem Tross stoppt also Lammert. es etwa 1500 »Partnerschulen« weltweit. weil die meint einer der Männer: »Niemand soll sagen. neuen Bibliotheken. lange bevor im Unterricht andere. In Johannesburg beispielsweise. aber es liegt eben schen als zweite Fremdsprache zu stärken. Es will die Wirkungen und die Potenziale von Kultur in einer Metropole wie Bogotá untersuchen und leistet damit Hilfe zur kritischen Selbstbeobachtung einer Gesellschaft im Übergang.wie ein Schneekönig auf Studium oder Job in Düsseldorf oder nam. Wer Deutsch büffelt. liebten Chinesen hatten eine Menge Spaß daran. einer Schicht.und Bildungsland. irgendwo unterhalb der amerika ohne Not dem Einfluss der USA preisgegeben. Kulturförderung im großen zeigt sich. wie New York oder Kalkutta? Was gilt dort überhaupt als deutsch? »nimmt die private Schule ein festes Kontingent von Kindern aus arUnd wie bemisst man die Leistung einer Einrichtung. es ist ein großer Spaß für sie – auch weil der schönen deutschen Sprache widmen darf: Soft Power. ermuntern. dabei an die türkische Das Goethe-Institut in New York ist ein PrestiErzähltradition anzuknüpfen: Menschen. die technikbegeistert und aufstiegsorientiert ist. die das Land mit eigenen Blick sehen und deutschen oder in das der Sowjets. deutsche Wirtschaft beteiligte. um ihre Liebweiht. angeregt vom Goethe-Institut aus Yaoundé. Kolumbien erlebt einen Aufstieg. Sehr kontrovers. es ist nach Downtown gezogen und hat seit 1951 gegründet. Immer wenn Kamerun und Nigeria sich über Ölvorkommen streiten. Von Gedas? Man weiß. in bester Qualität. wenn die Schulhelfen. Die den Sonnenschein. eine kulturelle Roadshow.r. Mit der Sprache fängt turnation hat. die Attraktivität seiner Stadt werde sich erhöhen. Wahrscheinlich wird der Welt gibt es diese Neugier auf Deutschland. auch der lokale Chief. dass das Deutsche überhaupt nicht wärtigen Amtes weitgehend unabhängig den schönen Künsten und schwierig sei. fantasielose ließen Deutsch lernen sie tatsächlich aus Freude am Lernen. kleine Fotos: Hoang Duc Thinh/Goethe-Institut Hanoi (l. Bald schon wird es hinter Brasilien das politisch wichtigste und wirtschaftsstärkste Land Südamerikas sein. die Brücke zu bombardieren.in Kontakt. die von amerikanischen Bomben zerHistorische Ressentiments scheint es nicht mehr zu geben. gewiefte Diplomaten. Seitdem hat das klären: Ein deutscher Kurator bespielt die politischen Stimmungslage entsprechend. institute. eigentlich gabe. Wollte man eine Liste erstellen all der Intellektuellen aus ten im Land. Eine Ausbildung wird nicht angeboten. Für viele war die ästhetische Moderne mit Kunst aus 39 Grad. die eine Künstlervereinigung Die Autoren. die Lokale sehen aus wie die Punk-Kneipen in Hamburg St. auf dem Subkontinent. Und der Wesauf die Künste als Mittel zur Veränderung der Welt. der schaft meint. denn dort entstand er. die Qualität der Lernenden sei insgesamt gestiegen. oft allein. Im Kulturausschuss des der Außenpolitik«. Die meisten haben studiert und leitet. Durch sein zigen Kulturangebots der Stadt entstand etwas. wo die Party angebwie das Goethe-Institut. Das Goethe-Institut ist tatsächlich ein zensurfreier Raum. Es könnte also sein. Sein Kumpel mit den schwarzen Füßen ant. der in manchen Gegenden der Welt beschwerlich ist. oder dorthin. Ar. aber was heißt es. sondern öffnet ein solches. aber fünf sender gut ausgebildeter junger ist. Nicht überall gibt es für reisende Politiker etwas zum Staunen. oder jemanden. und die Event-vertematischen kulturellen ZusamFassaden anlangt. eingelegte Fischköpfe und Rotwein. dieser jungen Leute erfüllen kann. vor allem: Heldinnen und Helden des einfach stumm. Aber was tun sie? Eine Reise an die Grenzen des Deutschen VON THOMAS E. das ist für dort ganz anders aussehen. so freundlich und geordLondon und Shanghai? Fast 3000 Leute arbeiten im Das Goethe-Institut in deutschen Kulturaustausch. Bald wird ihr Viertel unterhalb der Brücke ebenso den gen. Und es darunter. befruchtet dessen Vietnam und Deutschland. aber dann ermüdete Goethe in New York Ländern und ihren Erwartungen entsprechende irgendwann und war für ein junges Publikum Projekte zu entwickeln. bestehen darauf. genauer ein Format zu entwickeln. große JahrGoethe-Muster zu vergessen. oder Thomas Bernhard.oder MissioAndere Goethe-Chefs gehen neue Wege. Erst seit wenigen Jahren sind die Einwohner wieder stolz auf ihre Stadt. »Jedes Jahr. zu Werke. organisieren. Die Stimmung ist dann mal so. Sie zog durch begann es vor Ort mit einer sysbestaunt die Lower East Side. Schönen. der eine ganze Generation erweckt Goethe-Institut gezeigt werden. der gerade aus dem People. um neue. der in den meisten Formen von Entwicklungszusammenarbeit in Afrika steckt. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON FEUILLETON Seit 60 Jahren gibt es Goethe-Institute im Ausland. Die wichtigen Künstler erwies sich als ein beträchtlicher Katalysator. so breit wie ein Finanziell fielen die letzten Jahre gut aus für damals von der »dritten Säule Handtuch: kein deutsches Ölbild. und dieses Jahr ist die Galerie sich aus den Einnahmen des Sprachbetriebes zu einem der besten nicht kommerziellen Kunstorte der Stadt gewählt worden. der Ordnung. drohen die Nigerianer. Dokumentation irgendwann einmal im Saal des Goethe-Instituts und sei es nur für die Zeit seiner Ausbildung. 1. Von zehn Euro gehen bei uns acht in die wird erkennbar: Es kommt nicht auf »deutsche« Inhalte an.vieles an. aber im Grunde doch die gleichen sind: Goethe eine gewaltige Summe. der mittlerweile ins Stocken zu geraten droht. RegioMenschen an Deutschland. wo die Leute Grund hätten. das abgehängt. auch Häuser für die Künstler stehen bereit.« Das Wichtigste für die Vertreter der Stadt ist Konsens. die Stellung des Deutland heute als die beliebteste Nation weltweit gilt. Arindam Mukherjee/Sipa Press. die sich. und Denker der USA und der Bundesrepublik Manchmal ist es auch nötig. und Nie wird dieser Film im vietnamesischen Fernsehen zu sehen sein. »Aber Goethe war cooler«. ein Ausstellungsraum für dung mit der Maus und neuneinhalb. mehr Goethe-Institut viele DialogkaGalerie für ein Jahr. was sie an einer singen sie a cappella Durch den Monsun von Tokio Hotel und kichern neugierig machenden Außendarstellung der Bundesrepublik als Kul. nur polniBundestags hat das Institut inzwischen einen vergeduldige. die deutsche Sprache im eine neue Vorzeigeadresse. auf halbem Weg zwischen der Hauptstadt Yaoundé und der Wirtschaftsmetropole Douala liegt Edéa. Es wird ein Hearing in der Halle des Rathauses veranstaltet. ein Bild. Abends ging man entweder in das Kulturinstitut der WestDas Doc-Lab ist für jene. wir hätten nach 1989 SüdFlusses wie zwei kleine Wale. das Projekt sei zu verkopft. In Neu-Delhi erzählt Pooja Sood. dass es richtig war. Guten und Kühlen gesogar die Bänke des Goethe-Instituts. vor allem mobil. Alle der Begriff erfunden wurde? Fantasievolle Außenminister konnten sprechen sie außer Englisch noch mindestens zwei indische Sprachen. um Westdeutschland wieder als Kulkaum waren die Gefühle zu bändigen.« Nivedita. wo man von der uns fast alles!« Das stimmt. von zähen Bürokratien. Der Gouverneur ist für die Kunst. Alles welches auch das Budget der Region verwaltet. aber insgesamt ist die Stadt von Neuem zu einem öffentlichen Raum geworden. Es heißt. das man säubern muss. wo Deutsch mit gestifteten Dies ist eine kleine Reise durch das Netz der deutschen Kultur. Das gefiel der Partei nicht. sich. das von Anderslingsliteratur im Original lesen zu können.Bidisha. Die Verdacht nicht loswird. Dann will das Goethe-Institut selbst Kultur sein. dort glänzen. nicht jedes Konzert ist ein Leuchtturm. Genau dort soll bald zeitgenössische afrikanische Kunst stehen.und Sprachangekau). Der patriarchale Rest. zustört. Er spielt an einer Badestelle Berlin.): blickwinckel. wo kein breinicht länger interessant.und Kulturangebot das aufmerken ließ. wie es die Deutschen machen. lässlichen Verbündeten.

Er hatte die Angewohnheit. gehen auf den Markt. das Sprechen war mir zuwider. in der Kindheit hatten unsere Mütter uns mit diesem Tonfall nach Hause gerufen. ich steckte die Hand durch das Gitter. »hätte sie einen Vater wie dich gehabt …« »Ich bin auch kein guter Vater«. Unter den Schatten würde er keinen Hunger mehr leiden. wurde gefoltert. Die Brustwarzen sahen aus wie Kirschen. Er steckte noch in seinem engen Unterzeug. schüttelte ratlos den Kopf und schnippte hinter seinem Rücken mit dem Finger. Und selbst die Hunde konnten dem Teufel begegnen. da sagte dieser dreiste Kerl mit lachendem Gesicht: »Konterrevolution. wie ein naives megalozephales Baby.« »In einem Staat in Südamerika gibt es ein Traumdorf«. denn sein Mund hat dieses halbe Mantou bis in den Tod nicht mehr losgelassen. schloss die Augen und entspannte sich. Sein Partner stand auf und zog sich schweigend zur Seite zurück. sagte der Tote Lan böse. und alles ordentlich zubinden. dass man ihn zum Tode verurteilt hatte. Der gute Liu hatte ein Leben lang alle Widrigkeiten über sich ergehen lassen. Ich war ganz von der Rolle und setzte einen linken Haken an. war außer sich. dann knallte die Tür zu.) Als er mit dem Essen begann. griff nach dem Obstmesser und fuchtelte damit in der Gegend herum.« »Weiß der Himmel«. es wölbte sich eine weibliche Brust heraus wie bei einem jungen. wird zum Kiefernberg gebracht. wie sich das Ding des Toten Lan ungeschickt bewegte. Fischer Verlag. oder besser gesagt.. jäh den Kopf heben. sagte er und lachte hart. Der Polizeibeamte tat einen Schritt in den Raum hinein. einige steckten Schnauze und Gesicht in ihren Reisbrei. nun steht er vor einem Neuanfang von hinten kam eine Hand wie eine Schlingpflanze und drückte mir den Hals zu. »Ist schon an einen Fremden vergeben«. als mir die Augen aus dem Kopf zu studieren und aus einem Tag zwei Tage Leben zu machen. und die Kerle wurden in die Zelle getrieben. ich hatte meine Wache noch nicht lange angetreten. als bringe er es nicht über sich. Der alte Lan richtete sich auf. Erst als er blinzelnd seine Brille vom Boden aufhob und aufsetzte. (. sich für den Weg von drinnen nach draußen zu waschen und sich sauber in ein Gespenst zu verwandeln. allein deine Drei Reiche habe ich dreimal verschlungen. runden Bauch streichelten. zog er sich auf seine Ecke des Kang zurück. Ich hatte keine Decke. Aber nach noch nicht einmal der Hälfte der Strecke sank ihm dessen Kopf schlaff auf die Schulter. Er hatte eigentlich vorgehabt. und jeder geht nach Hause.. es war zum Steinerweichen. Juli 2011) Foto: Axel Schmidt/dapd/ddp images . der sich nie über ihn lustig gemacht hat. ich hatte das Gefühl. Drei Schatten. auf den Weg machte. Meine Augen waren schon aus Gewohnheit halb geschlossen (. während er in Windeseile seinen runden Brustverband aufriss und Milch in das Schälchen drückte. 592 Seiten. Am Schluss drehte er durch.« Am nächsten Tag nach Mittag war es unerträglich heiß. Salbe auftragen. das Traumdorf. Meldung zu machen. damit er sich sorgfältig abwischen konnte. die Spatzen saßen auf den Elektronetzen und putzten sich sorglos das Gefieder – das war wohl einer der herzerfrischendsten Sommertage in der Bergstadt. die beiden fanden keinen Schlaf und haben oft an meiner Stelle Wache geschoben. Der gute Liu schaute dumm. die Verwaltung schaffte den Gefängnisarzt heran. in der Hoffnung auf Kühlung. die Umerziehung durch Arbeit hatten.).. über die Mauer kommen die Geister der Gehängten. Der Körper des kleinen Liu lag auf dieser Sänfte hingebreitet. Ich schlief und war nicht wach zu bringen. wo er oft saß. Juli hat er China verlassen und lebt jetzt bis auf Weiteres in Deutschland In jener Nacht kam Wind auf. dass mich eine Stimme rief. Er zeigte sich erkenntlich. doch als er sich umdrehte. Autos und Passanten wichen zur Seite. Die Freundschaft zwischen mir und meinen beiden zum Tode verurteilten Bettnachbarn ist in diesen Nächten entstanden. die einzige Macke. knallte seine Fesseln gegen die Wand. hieß mit Vornamen Shizhong. es schien fast.) . er sah aus wie ein ungehorsamer kleiner Junge. erst als die Leute. Auf einmal warf er das Buch zur Seite. Sein Buch erzählt von den Jahren im Gefängnis. Er wurde ein bekannter Dichter. was zu seiner Verhaftung im Februar 1990 führte. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. Ein Polizist wischte sich vor der Scheibe das Blut von der Nase. bei diesem extrem heißen Wetter! Außerdem hatte er beide Arme schützend vor die Brust gelegt. den Kopf nach oben. die Adern traten blau hervor. wehten über die Straße und lösten sich jäh aus den Zahnzwischenräumen. und nun so ein Ende. »da sind die Menschen nachts aktiv. der öde Regenvorhang. S. obwohl mir ein Kerl seine stinkenden Füße ins Gesicht drückte. Frankfurt am Main 2011. durchbrach die Menschenmauer. herein: »Lan. war es schon über 20 Tage her. Lan war aufgebracht. Sonnenlicht bestrich die Zelle mit Salven. das Denken war mir zuwider. 24. rief den alten Liu heraus und brannte ihm den Elektroknüppel über. Doch kaum hatte der seine Strafe kassiert und war zurück in der Zelle. Als die Verwaltung weg war. was dazu führte. »Wenn der Mensch tot ist. Ich reichte ihm Toilettenpapier. die Lampen leuchten. mit mehr als 1000 Dioptrien kurzsichtig. stand auf. Und der alte Lan. er biss sich auf die Lippen. Es gab Expeditionen. wie ein Mini-Mörser. auf den Gesichtern der anderen Kerle stand ein schiefes Grinsen. Am 6. folgten ihm in ihren blauen Kitteln und blauen Hosen auf dem Fuß. das ist bitter!« Und dann stimmte er ein Lied an. gab ich an. In der Morgendämmerung. das war so ein Traumdorf«. er saß. er rannte im Kreis herum. und die Männer drängten sich mit ihrem Paket auf den Hintersitz eines mittleren Jeeps. ein Schlachter.. beeilte sich. ist er ein großer Haufen Scheiße. aber er machte sie nicht zu. Ich hob ein Hemd auf und legte es ihm um die Schultern. Guang und Zhang in dem Buch sehr gemocht. er war ein begeisterter Leser und schmökerte Tag und Nacht. das Zeugnis von dieser Zeit gibt.) begegneten. der ihn umgab. baute sich vor dem Eisengitter auf und war für eine Weile tief in Gedanken. schwebte hoch in der Luft und lud das feige. mit dem Gesicht am Buch zu kleben. er konnte am Fuß der Wand. die Bergspitzen. seine Brust schrumpfte schlimm zusammen. »Das ist Widerstand gegen die Staatsgewalt!«. Ein Vorabdruck deine Generation so treu und ergeben ist. In einem Kreis drum herum standen die Leute und gafften. Es war heiß. das Traumdorf gibt es. Juni 1989 schrieb Liao die Litanei »Massaker«. »Liao Yiwu!« Der Ruf wurde deutlicher. aber ich war schon ganz apathisch. aber er kam leider zu spät. was er gesagt hatte. fügte ich selbstkritisch hinzu. Die anderen Gefangenen hielten vorsichtig ihre Schalen in Händen und nahmen die Haltung von Unbeteiligten ein. eine Lesereise durch Amerika wurde ihm untersagt. »Zu schmutzig«. als werde ein dünner Schlamm weggetragen. die Hände wurden mir auf den Rücken gefesselt. schade. Er breitete freundlich die Arme aus und sagte: »Liu. fiel es wieder zu Boden. dass ich mit ihm seine Decke teilte. Nun ist er in Freiheit. wischte sich reihum den Körper ab. dass einem die Haare zu Berge standen. wie ein Aal im Schlamm. der mäandernde Umgehungsring unter den ineinander verzahnten Fängen der Hochhäuser weich wie die Lippen eines Mundes. Mit einem frischen Windhauch wehte der Ruf dieser weichen weibischen Stimme. Er rappelte sich auf und setzte sich schnaufend wie ein Ochse vor das Gitter. dass die Schatten hier verwirrt waren. Schweiß oder Blut. und nie war etwas vorgekommen. in meinen ganzen Körper hätten sich wilde Tiere verkrallt. Draußen mischen sich Regen und Wind. wieso hast du eigentlich drei Titten bekommen?« Der Tote Lan musste jeden Tag die Salbe erneuern. stießen sie fast zusammen. Der gute Liu verbarg sich schüchtern. zwei für die Brust und einen für seinen lädierten Kopf. lobte ich. Ich widersprach nicht. Die Zellentür ging unbemerkt auf. Als der Gefängnisarzt die Blutung gestillt hatte. an meine Familie zu denken. schien es. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON (. »Liu Shizong!«. Manchmal war er von den Geschichten in den Büchern so mitgerissen. aber in seinen Augen war ein ungewöhnliches Strahlen. hatte erst einen Mundvoll von dem Reisbrei herunter und schob gerade ein Mantou nach. der Zellenchef.. und es war keine Seltenheit. aber er erntete immer sofort das Gelächter der Meute. treiben Handel. Aber erst als er eine frische Hose angezogen hatte. schwoll seine Brust plötzlich an. die dabeigestanden hatten. war es früh am Morgen. dann tappen sie verzweifelt zu Hause herum und warten auf den Mann. ich ging irgendwohin und schlief. Ein paarmal durchbrach er den Ring aus Menschen. der gute Liu war wie immer. die armen Gefangenen beim Essen zu stören. aber Unter Toten Der chinesische Dichter LIAO YIWU wurde verfolgt und inhaftiert. Zögernd blieb ich stehen.« »Mein früheres Leben. dem Ganzen ein schnelles Ende zu machen. brav. nacheinander suchten sich alle ein Decke. Zentrale! Nummer eins zappelt im Netz. Zwei große Kerle hielten mich in der Mitte. ich war gezwungen. fette Kind auf die aus vier Armen gebildete menschliche Sänfte. ich war tot. und seufzte: »Jetzt habe ich sämtliche Bücher hier drin gelesen.« »Von wegen Traumreisen. dass der andere zuckend in einer Blutlache lag. dass ich mit einem Bein an die Wand gestützt – schlief.. »noch ein paar Tage und ich muss da wieder hin. versuchte. die er hatte: Er schlief sehr wenig und verbat es sich. jetzt bleibt mir nichts übrig. und ging draußen zum Teich. ich habe vor. Im diffusen Licht streckte der Tote Lan einen Finger aus und stupste mich wach und malte von oben ein Essschälchen. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann. der in diesem Augenblick wieder ein Kind wurde. die Menschen hielten sich sehr aufrecht nach vorne. sei brav!« Während er das sagte. Der Tote Liu war von ausgeglichenem Gemüt.95 € (Erscheint am 21. sein Anwalt hatte vergeblich Berufung eingelegt. Die beiden lebenden Toten trugen immer Wortgefechte aus.. und wenn sie sich zufällig (. aber weil er an irgendeinem Tag mit jemandem gestritten hatte. sagte ich nachlässig. An diesem Abend habe ich ausgesprochen gut geschlafen. er sprach nicht lange mit mir und zog einfach mein Bein unter seine Decke. stand alles um den alten Lan herum und veralberte ihn: »Brav. dass sein Speisepartner das Frühstück bringen würde. Instinktiv zog er die Beine zurück und stieß dabei die Reisschale um. am Arsch«. habe ich den Liu. Wen Zhi schlug ihn auf der Stelle nieder. wehrte er mit rotem Kopf ab. aber ich sah in einem Ärmel Handschellen baumeln. erschnüffelte er die Schriftzeichen regelrecht mit den Augen. sehr erotisch. schob nicht nur für mich Wache. eine Zelle voller Räuber. Die Meute wusch ihre Schalen. die ich mir hätte überziehen können. ich eilte. Als ich mit der Wache an der Reihe war. »Ein sehr liebes Mädchen«. über dem Scheitel des Toten Lan öffnete sich eine aus zahllosen goldenen Kreuzen gebildete Passage. ein Polizeibeamter kam herein. die Grillen zirpten. ein anderer lutschte wild an seinem lädierten Ringfinger. in hoher Tonlage. um die Belustigten zu verprügeln. kommen Sie einmal heraus!« Die Atmosphäre war mit einem Mal eisig. warf sich in den Teich und schöpfte scheppernd mit einem Napf Wasser. dass die Gefangenen im Wechsel nach vorne kamen und seinen großen. Eine Kolonne von Polizeiautos raste mit Blaulicht und Tatütata davon. In diesem Augenblick war mein Herz ein Knäuel aus Sorgen. von anderen zum Ausruhen ermahnt zu werden: »Die erste Hälfte meines Lebens habe ich mit Schweinen zu tun gehabt. stellte er fest. ihn mahnten. Er Die Verhaftung Liao Yiwu!« Geistesabwesend hörte ich. rief er schließlich mit seiner extrem weibisch-traurigen Stimme. Tränen..« Liao Yiwu Der Reporter. also habe ich mich wohl oder übel möglichst eng in mein einziges Bettlaken gewickelt. Sie bestellen die Felder. schüttelte es und wanderte ins Reich der Träume. Ich war der Einzige in der Zelle. wobei er so fürchterlich mit den Zähnen knirschte. schaute zum Himmel und sagte mit einem langen Seufzer: »Liu Shizhong. ich nahm ihm die halbe Schale mit klebriger Flüssigkeit ab. sie gaben ganz gegen ihre Art keinen Laut von sich. Einmal hat er dann nicht aufgepasst. Nach der Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4.« Der Tote Liu wurde in die Zelle 5 verlegt und machte sich dann auf den Weg. ach. sich zu töten. sie dampften vor Wut. packte er sich den Verletzten auf den Rücken und lief zum Krankenhaus.. in der Zelle fiel auf einmal die Temperatur. in der sich seine Seele auflösen und davonflattern würde. wenn er auch nur ein wenig trödelte. hatte der ihm paar Ohrfeigen verpasst.54 14. unterbewusst war es mir sogar zuwider. durch zusammengekniffene Augen schaute ich mich um.Als Gegenleistung schrieb ich ihnen ihre Briefe nach Hause. man müsse die Schwellungen abstützen. aber auch er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. und er sah mit starren Augen zu. machte sich ohne einen Faden am Leib auf den Weg. den feuchten Wänden entstieg kalter Nebel. Irgendetwas lief ihm über das Gesicht. Der Tote Liu. wenn ich schlief. sage er. dass das hartnäckige Eisen nach und nach wärmer wurde. ich war längst an der äußersten Grenze meiner körperlichen Leistungsfähigkeit angelangt. ich hatte das Gefühl. Zwei Rotfelle. Er sang gerne Schlager. dass seine Gewohnheit war. »ich kann mich um meine schwangere Frau draußen nicht kümmern. Mein bester Trick war bei der Wache. dass er übelste Geschwülste am ganzen Körper bekam. las der Tote Liu immer noch Die Drei Reiche.. in welches Kapitel er sich gerade vertiefte. Musiker und Dichter Liao Yiwu wurde 1958 in der Provinz Sichuan geboren und wuchs während der Hungersnot zur Zeit des »Großen Sprungs« auf. ihre Klageschriften und ihre Testamente. ein paar Salven abschoss und in seiner Unterhose einen großen feuchten Fleck hinterließ. Nach 15 vereitelten Ausreiseversuchen konnte Liao im letzten Jahr erstmalig ins Ausland fahren. um mit aggressiven Verhören fertigzuwerden.. er solle sich vorsichtig aus Gaze einen Büstenhalter schneiden. Shizhong heißt ›generationentreu‹. bevor sie einander auswichen. aber jedes Mal versperrte ihm Wen Zhi den Weg. Wenn man mich unvoreingenommen ansah. »wenn der Bauch der Frauen einmal dick ist. brüllte der Kerl rechts von mir und rüttelte an meinen Fesseln – die Stahlzähne bohrten sich knirschend ins Fleisch. hob der Tote Liu die Schale mit beiden Händen hoch (.« Aus: Zelle 10 Ich hatte immer noch Wache bei den Todeskandidaten. sie fanden heraus. dass er anfing zu lachen. Die Zellenverwaltung und die Rotfelle traten hervor. Der Fettsack auf dem Fahrersitz griff sich ein Handy und schnarrte hochnäsig hinein: »Zentrale. lachte der Tote Liu.« Der gute Liu sah ihn von der Seite an. schlug mir zweimal die Handschellen dagegen. sie war von einem blassen Gelb und roch nach vergammeltem Fisch. um ihm zu helfen. Den Tonfall kannten wir nur zu gut. ein paar Zeilen von sich geben. Konterrevolution. wie das Wasser im Teich immer weniger wurde. von dem du gesprochen hast. stürzte wie ein tollwütiger Hund nackt und mit eingezogenem Kopf heraus. Auf diese Weise haben wir einander lange gegenseitig die Beine umklammert. meinen Gemütszustand zu kontrollieren. der Wachhabende kam gerannt.) als ich klein war. Als er in die Zelle kam. mit untergeschlagenen Beinen auf einer Ecke des Kang und wartete. schob schamvoll das Teil zu Seite. als wäre ich in das Lernen von englischen Vokabeln vertieft. die Augen in sich versunken. Instinktiv wich ich zurück. Ich kämpfte etwa fünf Minuten um mein Leben. Er quälte sich eine geschlagene halbe Stunde herum. Ein paar Tage bevor sich mein anderer Nachbar. In vier Jahren Gefängnis erlitt er Zusammenbrüche. als die Zellentür leise aufging. dann fangen sie an zu gähnen.. und die purpurfarbene Zunge hing ihm auf den Hals. der Tote Lan. also lag er in nassem Hemd und nasser Hose auf dem nassen Boden und las.). Der Tote Lan entschuldigte sich: »Nur noch ein paar Tage. Mir drehte sich alles. Wie die Gefangenen aus seiner Zelle später erzählten. ignorierte.« »Du bist nicht auf den Kopf gefallen«. Es war wie im Traum. Diesmal war die ganze Zelle außer Rand und Band vor Vergnügen. Und Liu. komm. der 30 Millionen Menschen zum Opfer fielen. seine bebenden Brüste waren kurz davor aufzubrechen. Liu bestand darauf. es sah aus. die Hände auf dem Rücken. der noch nicht nach Hause will. der Räuber. Triefend und dumpf vor sich hin starrend stand er unter den bunten Sprenkeln der Sonne. bis der Tag anbricht. die beiden Brüste des Toten Lan waren wieder angeschwollen wie am Anfang. er schenkte mir auch ein Foto von seiner Tochter. Der kleine Liu zog sich weiter zurück. ist vom Kang gefallen und hat sich seitlich an der Stirn ein Loch geschlagen. wie es Liao Yiwu traf am 6. Wen Zhi. knospenden Mädchen. und ich habe selbst auch geschlafen wie ein totes Schwein. Ich weiß nicht.« »Hast du sie noch alle?« Wie auf Verabredung kamen die anderen Gefangenen hoch und beschwerten sich. stellte er einen Fuß auf den Kang. man konnte nicht sagen. die am helllichten Tag in das Dorf eindrangen. die hochstanden wie Brustwarzen. eingepackt in militärische Regenoutfits. sprang vom Kang. wurde ich Zeuge. Jetzt erscheint sein Buch »Für ein Lied und hundert Lieder«. er hatte mehr als zehn Jahre Schweinefleisch verkauft. was es war. schwoll seine Brust gefährlich an. die alle so gut kannten. ein Lied aus der Sichuan-Oper. Damals konnte es vorkommen. Auszug aus: Liao Yiwu: Für ein Lied und hundert Lieder. und er zog die stille und verlassene Gefängniszelle in einen Wirbel. Die Schatten wurden wirklich. Juli in Berlin ein. einer in Zivil griff sich mein rechtes Handgelenk. (.

Bürger und Voß. Doch im Zusammenspiel der Gesichter und Gestalten entsteht ein sanfter historischer Zauber.KUNSTMARKT TÄGLICH GEÖFFNET. um 1750 och ein Dichterhaus? Hier schrieb und schnarchte . Und sie schauten gern herein bei Vater Gleim – obgleich es ihm nicht gelang. in ihrer sozialen Enge und ihrer staunenswerten kosmopolitischen Weite. wiewohl ihm manch kraftvoller. Zu den Gemälden. wenn die Noth ans Fenster klopfte. der Karschin und Sophie von La Roche. die auch eine kurze Kunstgeschichte des bürgerlichen Porträts in Deutschland ergeben. und dem internationalen John-Cage-Projekt im Burchardikloster bildet das Haus ein Ensemble. kann man sich die literarischen und politischen Debatten jener Jahre vorstellen. Und er sammelte sie nicht nur. Denn Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719 bis 1803). Es ist mehr Gemäldegalerie als Memorialmausoleum. kommt die viele Tausend Bücher zählende Bibliothek Gleims. sie dauerhaft in Halberstadt zu halten und aus dem Ort ein zweites Weimar zu machen. AUSSER MONTAGS 14. zeigt ganz andere Schätze und Relikte. er gab sie selbst in Auftrag. in diesen Bühnenräumen einer Epoche. Aber auch mindere Qualität gibt es. und ermutigte sie. auch sie wurde über alle Kriege und Verwüstungen gerettet. mit Elisa von der Recke. die deutsche Aufklärung in ihrem Glanz und ihrer Gräue.. Seume und Jean Paul. als Domsecretarius ein Mann nicht ohne Vermögen. seiner einzigartigen Porträtgalerie aus dem Geist der aufgeklärten Empfindsamkeit. als Dichter herzlos vergessen. Es befinden sich berühmte Porträts darunter. Halberstadt. 2008 neu eröffneten Domschatzkammer.? Da die Feder. muffige Gardinen. Hier stimmt es einmal. der zugleich das Forschungsinstitut Gleimhaus repräsentiert. um sich versammelt wissen. Hier. von Anton Graff gemalt. dort das Kissen für den Gichtfuß? Rote Kordel. Zusammen mit der fantastischen. Herder. das den Mittdreißiger zeigt – nicht den biedermeierlichen Bonhomme. Das Gleimhaus in Halberstadt. Oder die hinreißende Porträtstudie des Dessauer Architekten Erdmannsdorff von Johann Friedrich August Tischbein. die an bessere Wirtshausschilder erinnern. korrespondierte ausschweifend und nimmermüde mit allen: mit Lessing und Klopstock. Abb. Er unterstützte sie. Oder als junger: Das allen Jean-Paul-Lesern liebe Konterfei des Dichters von Heinrich Pfenninger aus dem Jahr 1798. an die 13 000 Blatt.und Gelehrtenrepublik. sondern den Hungerkünstler und Geisterseher aus dem Fichtelgebirge. Porträt von Gottfried Hempel. das der bedeutsamen jüdischen Kultur Halberstadts gewidmet ist. zeitgenössische Kopien oder Bilder. manch fröhlicher Vers glückte. mit Wieland. dem sich kein Besucher entziehen kann. ein stattlicher Fachwerkbau gleich neben dem ungeheuren gotischen Dom der kleinen Stadt am Harz. und den über zehntausend Briefen kommt die grafische Sammlung des Hauses.. Dicht an dicht bedecken sie alle Wände im oberen Stockwerk des Hauses. Moritz. Er wollte die ganze deutsche Dichter. die zänkische Geliebte und der reiche Onkel. ein Psychogramm des Künstlers als alter Mensch. Lessing im blauen Rocke von Anna Rosina de Gasc und Jens Juels Klopstock-Bildnis. zitterndes Vitrinenglas. Meisterwerke der Porträtkunst sind unter den Gemälden. 130 Gemälde zählt diese Sammlung. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 55 Bühne einer Epoche Der ZEIT-Museumsführer: Das Gleimhaus in Halberstadt VON BENEDIKT ERENZ N 108 N° Der junge Gleim lädt in sein Haus. meist kleinere Formate. dem Berend Lehmann Museum. Der Junggeselle Gleim.: Das Gleimhaus. Schiller und Goethe sind denn auch die Einzigen. Herder. Foto: Ulrich Schrader . den jungen Mann. schon aus Platzgründen. die verwitterte Gemahlin. ungelesene Romane und verblasste Silhouetten: der versumpfte Sohn. hier darf wirklich ein Jahrhundert besichtigt werden: die großen Jahre des 18. wie Schiller meinte. sammelte Porträts. der »aus dem Mond gefallen« war. den kleinen Zank und das enthusiastische Deliberieren über die großen Projekte. heftig überdachten Anbaus. der sein Testament jeden Monat zweimal änderte? Das nun nicht. Sie ist heute das Herzstück des modernen. als der er sich später ironisch inszenierte. Jahrhunderts. die unser Bild vom jeweiligen Meister bis heute prägen. die fehlen in Gleims »Freundschaftstempel«. so plastisch wie sonst allenfalls noch in Weimar. wie man es in dieser außergewöhnlichen Zusammensetzung kein zweites Mal in unserem lieben Vaterlande findet. in deren heimlicher Mitte er sich sehr im Stillen fühlte. mit Winckelmann.

Nach über zweihundert Jahren Feminismus muss man sich verzweifelt fragen: Was ist mit der weiblichen Lust? Wieso schreiben wir nur den Männern – und das neuerdings pseudowissenschaftlich untermauert – Lust zu? Weshalb hängen wir an der verfolgten Unschuld? Und weshalb sind ausgerechnet große Teile der Feministinnen zu den überzeugendsten Vertretern dieser letzten Endes patriarchalischen Institution. Tugend führt zu spektakulärem gesellschaftlichen Aufstieg. aber jedenfalls nicht mehr im 18. als die Sitzengelassenen. Die Männer mussten sich mit einem lächerlichen Zehntel begnügen. Das Bürgertum setzte seine Machtinteressen gegen den Adel bekanntlich im Mantel einer moralischen Revolution durch. Pamela ist ein armes. als betrogene Ehefrauen oder aber als Huren. der mit allen Mitteln auf Sex aus ist. der in seinem Leben das seltene Schicksal hatte. wenn betrügende Ehemänner nach der Beichte öffentlich Besserung geloben. A www. Frauen. Durch die bürgerliche Tugend wird der adelige Mann von seiner perversen Lust geheilt und vor den adeligen. sondern nur ihrem Vergnügen dienstbar macht. welche die Männer nicht wirklich liebt.zeit. in ihrer diffamierten Weiblichkeit näher anzusehen. an die Wäsche zu gehen. Jahrhundert Praxis waren: Das Jus primae Noctis. Frauen kommen in öffentlichen Diskursen entweder als Opfer männlicher Übergriffe vor. Was wirklich zwischen Strauss-Kahn und dem Zimmermädchen passiert ist. das ihr lüsterner. adelige Männlichkeit dagegen gründlich reformiert zum treuen Ehemann und sorgenden Vater. Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen. Der reformierte Ehemann ist das älteste ihrer Kinder. adeligen Lüstling. der adelige Verführer. über Mode und dekonstruktiven Feminismus geforscht. Und das erklärte Hauptziel des Pamela-Feminismus besteht nun darin. hält der adlige Verführer es für ein Recht. welche im Roman allesamt sittlich anrüchig und von französischer Galanterie infiziert sind. halten an der – durch irgendwelche Darwinismen neu aufgepeppten – Vorstellung triebgesteuerter Lüstlinge fest. geworden? Wieso ist der Raum des Eros bei Männern auf den Trieb. korrespondiert das Schreckbild einer nicht minder perversen Verführerin. Dagegen steht nun das Bollwerk der bürgerlichen. Jetzt aber scheint sie den Tugendtest nicht bestanden zu haben und ist dabei. Für sie gehören in der neuen Rolle der Ehefrau und Mutter Sex und Ehe untrennbar zusammen. Dabei wurde ihr Körper unablässig von den prüfenden Augen der Leser auf Zeichen der Lust hin getestet und gerade in seiner sinnlichen Unberührbarkeit hypersexualisiert. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie mit ihrem Buch »Die deutsche Mutter« bekannt. Bereits zu seinen Lebzeiten wurde dieser Roman als neues Evangelium gefeiert.58 14. scheinen wir an ebendiesen Punkt zurückgeworfen. dafür aber in der seriellen Monogamie der einzige legitime Ort für Sex geworden. die vielleicht irgendwann in dunklen Zeiten. zum Wohle ihrer Tochter schwer arbeitende alleinerziehende Mutter dargestellt wurde. die französische Adelige. Verallgemeinert gesprochen.de/audio Barbara Vinken ist Professorin für Allgemeine Literaturwissenschaft und Romanische Philologie an der Universität München. die ihre Macht dazu missbrauchen. der bürgerlichen Ehe. Richardson brauchte viele Hundert Seiten. Heute. sondern große Teile des Feminismus. In Amerika und in Deutschland – Länder. Von Zeus befragt. Adelige Weiblichkeit wird durch bürgerliche Mütterlichkeit aus dem Feld geschlagen. und die Institution Ehe wird zum einzigen legitimen Ort von Sexualität. Zuletzt erschien von ihr »Flaubert – Durchkreuzte Moderne« . um die Tugendhaftigkeit seiner Pamela gegen alle Anfechtungen so ins Bild zu setzen. wer bei der Lust mehr Lust habe. Das zweite Feindbild dieser moralischen Revolution ist dabei seltsam unter die Räder gekommen: die adelige Frau. Nicht nur die bürgerliche Öffentlichkeit. bürgerliche Dienstmädchen. (Ausschnitt) Horst Galuschka/action press I m Jahr 1740 erschien in London ein Roman. Der pseudoreligiöse Charakter der Ehe tritt in Amerika besonders deutlich zutage. der sich Rechte anmaßte. Denn letzten Endes ging es in der bürgerlichen Revolution auch um das Aufräumen mit einem Frauentypus. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON Der neue Pamela-Feminismus In der Affäre Strauss-Kahn triumphiert die Ideologie des bürgerlichen Tugendideals VON BARBARA VINKEN Fotos: Xinhua News Agency/eyevine/Picture Press (l. dass sie über jeden Dominique StraussKahn mit Ehefrau Anne Sinclair Zweifel erhaben blieb. Sie hat u. Vielleicht sollte man auch an den antiken Seher Tiresias erinnern. den man nicht anders als Pamela-Feminismus bezeichnen kann. fast dreihundert Jahre später. werden wir wahrscheinlich nie erfahren. unverführbaren Tugend auf. in denen das gründlich refor- mierte Bürgertum gesiegt hat – ist die Ehe zwar keine Institution mehr. sich die große Verliererin der bürgerlichen Reform. aber tugendhaftes Hausmädchen. und wir haben ein armes. Dem perversen. a. Gesteuert wird das öffentliche Interesse für diese Geschichte aber von ebendiesem bürgerlich-reformierten ideologischen Szenario. der unser Denken über Sex und Macht verändern sollte. ist das verschrienste dieser Privilegien. der sich nicht zur Ehefrau und Mutter reformieren ließ: dem der französischen adeligen Frau. bei Frauen auf bloßes Vorteilsstreben – Sex für Geld. in der Presse umstandslos zur Hure zu mutieren. nach Lust und Laune mit niedriger geborenen Frauen zu verfahren. wenn es nicht zur Ehe gekommen ist. das Recht der ersten Nacht. Der Puritaner Samuel Richardson schrieb einen sagenhaften Bestseller: Pamela oder die belohnte Tugend. das zuerst als tugendhafte. von seiner Geilheit blind getriebenen Lüstling – einen der reichsten und mächtigsten Männer der Welt –. Sex für sozialen Aufstieg – reduziert worden? Vielleicht ist es deshalb an der Zeit.). lustgetriebenen Frauen geschützt. die sonst nichts von ihnen wissen wollten. Wir haben einen »perversen«. eingewandertes Zimmermädchen. Am Ende triumphiert die bürgerliche Tugend über den adeligen Perversen: Der Herr selbst bekehrt sich und heiratet statt standesgemäß eine Adelige. das tugendhafte. sprach Tiresias neun Zehntel den Frauen zu. moralisch verkommener Herr mit allen Mitteln der Kunst ins Bett bekommen will. Zu diesem Zweck wurde ein Feind erfunden. sowohl Mann als auch Frau gewesen zu sein.

Daher ist eine traditionelle Institution wie eine Kunsthalle gleich doppelt in der Defensive. Und so präsentiert Holten in seiner Ausstellung gerade auch Künstler. Doch was die Kritik als »Feier platonischer Schönheit« rühmte. um das Billige zu nobilitieren und zu einem Statussymbol avancierten Geschmacks werden zu lassen. ihr Publikum zu erreichen. der als Miniretrospektive des Avantgardisten Constant gestaltet ist. sie schaukeln ihre Brut auf traktorgroßen Pneus. Von Orpheus bleibt bei ihm nur ein filigran vibrierender Strich. 04. die über einen geschulten und differenzierten Geschmack verfügen. Ein »Frauenmarder« kann gar nicht anders. von einem sentimentalischen zu einem kulturpessimistischen Blick zu wechseln und es einseitig als Verlust zu sehen. auf jeden Fall aber erwartet sie jetzt die Rendite. weitere Informationen unter www. wenn er nicht sein Leben zweidimensional auf den Asphalt gestreckt verhauchen will. die nicht anders können. der von seinen Eltern unklug zu Fuß gebracht wird. Weh ihnen! FINIS WÖRTERBERICHT Frauenmarder Mit den Männern verändern sich auch die Bezeichnungen für jene. auf dass es steiler und höher hinaufsteige als selbst der Geländewagen mit seinem teuer bezahlten Klettervermögen. Mythos. wofür der neue Direktor Sympathien hegt. Und in der Caravaggio-Anspielung Schule von Athen erscheinen Platon und Aristoteles als zwei ovale Kringel.. Es ist alles von ihrer Kraft in den Autokauf gegangen. Gekrakel«). kann in einer Kunsthalle nur – ziemlich folgenlos – gutgeheißen. es ist nicht die uneinsehbare S-Kurve. in denen eindeutig geklärt war. wurden binnen eines Tages vierzigtausend Soldaten hingeschlachtet. als sein nasses. Werke zu Teilen einer größeren Versuchsanordnung zu machen. bissbereit grinsend im weißen Hemd (das Sakko nach Vertreterart im Autoinnern aufgehängt) – ist ebenfalls ein Panzer fürs schwere Gelände. er zeige Werke. eine sichtbar-unsichtbare Craquelé auf bleichem Grund. sie hören nichts. hier wird gewürdigt. Erst recht gilt es in Zeiten eines wohlstandsgeprägten Individualismus als anmaßend. Er möchte ergründen. sie sei † 05. Dieser Vater – breit. als misstraue man im Letzten – von den Künstlern bis zu den Kunsttheoretikern – der völligen Freiheit. Holten hat gerade die Leitung der Kunsthalle Baden-Baden übernommen und widmet nun seine erste Ausstellung dem Phänomen des Geschmacks. Da sie darüber jedoch nicht verfügt. der von den Reifenstollen fliegt. was einen guten Geschmack repräsentierte und wie das Publikum darin geschult werden konnte. folgt in der Sandale ein kalkweißer Hinterlauf. Das kleine Kind. künstlich angespitzte Kind natürlich. Twomblys leuchtendes Rot war ein Strom von Blut. Ganz im Gegensatz zum Checker und Versteher. also gemeinsame ästhetische Normen oder sogar allgemein verbindliche Werte fördern zu wollen. die in den letzten Jahren gehypt wurden. dass heute alles Mögliche als wertvoll und als Kunst angesehen werden kann.kunsthalle-baden-baden. in dem Landschaftsgemälde aus der Zeit um 1800 hängen. kann es schlagartig angesagt sein. Was sind das für Muttis? Konnte. Twomblys Lepanto-Zyklus leuchtet dem Betrachter im fantastischen Sonnenhell entgegen. spritzen wie der Kot. Twombly mache »Intellektuellenkunst«. um die Aufmerksamkeit zu lenken und Geschmacksvorstellungen zu verändern. um auch die Problemfelder und Paradoxien nicht einfach verdrängen zu können. beiseite springen. In Italien. sie spielt auch keine entscheidende Rolle bei der Auswahl dessen. Man darf gespannt sein. die der Kunst im 20. unter dem spekulativen Himmel des Mittelmeers. wann etwas als geschmackvoll angesehen wird. hängt mittlerweile kaum noch jemand der idealistischen Vorstellung an. Jahrhundert allein noch übrig blieb.zeit. Nicht nur hat ihre ursprüngliche Aufgabe an Anerkennung verloren. dass frühere Künstler allein mit ihren sozialen Utopien der Kunst gesellschaftliche – geschmacksbildende – Relevanz verliehen. wie sehr es viele selbst Jahrzehnte nach den ersten Readymades noch beeindruckt. Doch wirkt es auch so. Cy Twombly arbeitete mit den Augen gen Süden und mit dem Rücken zum Norden. in seltsam provisorischen Chiffren und Wörtern. solange es nicht von den Blicken der Konkurrenzmuttis erdolcht oder vom Vater abgeholt wird. Es ist nicht die ampellose Hauptverkehrsstraße. der den Kunstbetrieb unvoreingenommen und genau genug anschaut. Sammlung: The Dakis Joannou Coll.de/audio .] öffentlichen Institution [. sondern als »Argumente« einer These zu verwenden. Ihre Konzepte waren zu theoretisch oder nur bedingt in ästhetische Formen übersetzbar. und übrig geblieben ist nur ein trockenes Holz. den Muttis geht es schlecht. also Malerei für die Theorie-Schickeria und die Insassen des akademischen Sektors. von dem der Krallenlack blättert. Atmosphärisch ist also klar. Als Erstes erscheint. Und dies gilt gerade für die Kunst. Doch taten sie sich oft bereits schwer. darunter Mark Rothko und Ad Reinhardt. um Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen zu können. die darauf wartet. Jahrhundert Die Beliebtheit dieser künstlerischen Praxis verrät. Während die Geschmacksbildung im 18.) © 2009 John Bock. So sind Markt und Marketing die Orte. Diese Kategorien sind alles andere als offensichtlich. Bis zum 9. »nach welchen Kategorien das Ausstellungsprogramm einer [. was anderswo geschieht. Wahrscheinlich wurde seine Karriere von der Frau ebenso teuer bezahlt. sensibler sind und daher auch als soziale Wesen einfühlsamer agieren. schwarz verspiegelten Geländewagen dem Waldkindergarten entgegenwalzen. der »Frauenmarder« würde hier zwischen Leghörnern und Suppenhennen keinen Unterschied machen. Die Konstellation war einzigartig. das kleine. um sie zu kritisieren? Ganz sicher ist man sich bei Johan Holten nicht. bis hin zur Liebe – Eigenständigkeit beweisen. das noch nicht weiß. der Kunst als Tabubruch und Provokation begreift. während Virgil von einem Grauweiß verschluckt zu werden droht.. zur amerikanischen Moderne.« Der zweite Vorwurf lautete. Im Katalog zur Ausstellung arbeitet Johan Holten ideengeschichtlich versiert heraus. an der Tüten und Taschen für die Brut oder auch der Maxi-Cosi für das Zweitkind baumeln. Wird etwas teuer verkauft. »ist unnachahmlich. Arbeiten von Katharina Grosse oder dem Pariser Künstlerduo M/M lassen den Besucher ratlos zurück. Holten hat in seiner Ausstellung einen Raum eingerichtet. schrieb er.FEUILLETON Schönheitsschmerz Wenn die Welt zur Schrift wird: Zum Tode des Malers Cy Twombly Als in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine internationale Weltwutgemeinschaft gegen die abstrakte Malerei zu Felde zog und dabei auch den Maler Cy Twombly ins Visier nahm (»Gekritzel. 2011 »kalt«. und man ertappt sich vielleicht sogar dabei. schwer. von der Gesellschaft unbemerkt. aus der die Autos wie Geschosse fliegen. alles andere ist uncool. als alle Frauen besitzen zu wollen. sie zerstöre die namenlose Unmittelbarkeit zwischen Mensch und Welt und presse das Einzigartige in die gleichgültige Kombinatorik austauschbarer Buchstaben. Nichts von der Kraft der Motoren ist auf sie übergegangen. ist von Schrecken durchtränkt. wonach Menschen. Doch darf man einem Kurator unterstellen. wie er künftig seine Frage nach den Kategorien des Ausstellungsprogramms beantworten wird. denen alles nicht oder schwächer Motorisierte ins Ameisenhafte entrückt ist? Warten wir. bis die Muttis ausgestiegen sind. folgt schließlich die ganze. Bei Twombly steht die »Venus« so selbstverständlich und unschuldig auf dem Papier.] zusammengestellt werden soll«. ja ihnen gar als obszönes Faszinosum erscheint. dass in einer pluralistischen Gesellschaft ohnehin nichts mehr an sich einen guten oder schlechten Geschmack verkörpert. besitzt noch eine gewisse Wärme. und doch »erzählte« Twombly von ihm nur skriptural. an denen sich heute Geschmacksfragen Fotos: Francois Guillot/AFP/Getty Images (l. als die Flotte des Osmanischen Reiches auf die der christlichen Allianz stieß. lächelt zaghaft. der alles isoliert und für eine Umwertung bereit macht. Da wollen wir ihm doch in unserem Sprachbiotop eine glückliche Wiederansiedlung wünschen! HEIKE KUNERT www. sie also nicht nur als autonome Kunst zu präsentieren. erlebte man ihn als jemand. von Diäten ausgemergelte Gestalt. platzte dem französischen Literaturwissenschaftler Roland Barthes der Kragen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 59 Das Letzte Wie sieht das denn aus? Eine ungewöhnlich kluge Ausstellung in Baden-Baden über den guten Geschmack und die ratlosen Museen VON WOLFGANG ULLRICH Am Kopf wärmt es sehr schön: Der Künstler John Bock lässt die Kunst zur »Modenschau« auflaufen unst beginnt dort. Denn Cy Twombly Twombly befreit die * 25. seiner bisherigen Wirkungsstätte. zwei Generationen jünger als Ammann. der eine Neigung dazu hat. und 19. Vielmehr bestimmen willkürliche und schnell austauschbare Setzungen darüber. im Geschmack hingegen nur Kompromiss und Spießertum erkennt. Johan Holten. eine solche Anziehungskraft auf philosophische Geister ausgeübt wie der 1928 in Lexington/Virginia geborene und 1957 für immer nach Italien übergesiedelte Cy Twombly. auf der die Muttis in ihren panzerbreiten. entdeckte er seine Faszination für den mythischen Kosmos der Antike. Foundation (Foto: Jan Windszus) K entscheiden. Wie eine Sphinx antwortet sein Werk auf die Mutmaßungen philosophierender Betrachter – es spricht in den tausend Zungen der Andeutung und mit jener diskreten Menschenfreundlichkeit. Oktober. NACHRUF die sich ins pastose Nichts entfernen. was als ästhetisch vorbildhaft deklariert wird. ist dabei – so Holtens These – das Geld. 1928 Schrift von dem uralten Vorwurf. Die Schlacht bei Lepanto (1571) war das erste Seegemetzel der Neuzeit. analysiert oder einfach gezeigt werden. mit der Entwicklung von Geschmack einen sensus communis. behauptete vor einigen Jahren der bekannte Museumsdirektor Jean-Christophe Ammann – und pflegt damit einen machohaften Geniekult. Ursprung. stille Sackgasse.. galoppierende Pulse zu drücken. Daher wendet man den Blick vielleicht sogar etwas sentimental auf jene Epochen. Dazu müsste sie selbst die Mittel haben.de Die letzten fünfzig Meter zum Kindergarten sind die gefährlichsten. Tatsächlich haben nur wenige Maler. Es ist die kleine. Er ist insgeheim mindestens so sehr ein Kunstsoziologe wie ein Museumsdirektor. Vor ihm verblassen alle modischen Synonyme. Versuchen Sie. Sie sehen nichts. Konjunktur haben Frauenversteher und Checker. Auch ein Raum. hungriges Schnäuzchen an warme. Warum sonst sollte man diese Strategie so oft wiederholen und so viel darüber reflektieren? Ihr Erfolg scheint beunruhigend zu sein. wo Geschmack aufhört«. Das stärkste Mittel. dass allein die Inszenierung – vor allem die Kombination mit angestammt Hochwertigem – ausreicht.. Hier herrscht nicht die Kälte des white cube. Auf ähnliche Weise wird man auch bei Holtens Ausstellung bezweifeln müssen. Im Gegenteil will jeder – wie auch in anderen Bereichen des sozialen Lebens. wenn die Panzertür sich öffnet. vielmehr sind die Wände in warmem Grün gestrichen. eine krallenmagere Klaue. für deren Charakterisierung das Wort »verhärmt« ein Hilfsausdruck wäre. wird weder von ihm noch von Ihnen sein. Welchen Pfeil? Nun. Jahrhundert noch als zentrale Aufgabe gerade von Museen und Ausstellungen galt. THOMAS ASSHEUER 14. Über die glanzvolle Zeit der Weiberhelden und Schürzenjäger legt sich schon der Grünspan. als seien die Buchstaben noch nie für ein anderes Wort benutzt worden – als seien sie die Sache selbst. Ganz falsch war das nicht. Später hat sich Twombly von seiner Skripturalkunst losgesagt und in Farbkaskaden die maßlose Schönheit der Natur besungen. dass es als tödliches Geschoss im Herzen einer unerbittlich um den Aufstieg konkurrierenden Mutter enden soll. Fassen wir zusammen: Den Autos geht es gut. »Der Strich von Cy Twombly«. Es muss der Wicht. zahlbar bei Tod durch die Versicherung oder bei Lebzeiten durch die Kinder. Es lächelt. und genau in dieser Kargheit liegt die Sensation. unstillbares Rot. Man verweilt gerne und schult die eigene Sensibilität etwa an wunderbar nuancierten Verblauungen. aus dem Gelb sickert ein dünnes. Wahrheit – in äußerster Askese hat Twombly noch einmal die Pathoswörter des Abendlandes versammelt. 07. In Werken etwa von Anselm Reyle oder Josephine Meckseper lässt sich die Willkür von Geschmacksurteilen sogar als Thema erkennen: Wie zahlreiche andere Künstler nutzen sie banale oder trashige Objekte und Ästhetiken und führen vor. es wird NICHTS sein. ihn nachzuahmen: Was Sie machen. dass die präzise Ausgangsidee überall deutlich genug umgesetzt wurde. den Pfeil abzuschießen. dass sich bei grundsätzlich allem in nur wenigen Schritten eine völlige Geschmacksumwertung erzielen und eine spektakuläre Wertschöpfung betreiben lässt. Wäre die Welt ein Hühnerstall. von Ehrgeiz krumm gezogen wie ein Bogen unter dem Zug der Sehne. wo man es bekanntlich mit besonders hohen Preisen zu tun hat. liegen solche platten Parolen nicht. Auf jeden Fall ist er jemand. Und als Kontrastmittel gibt es Gemälde aus dem 18. Am Dienstag vergangener Woche ist Cy Twombly nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren in Rom gestorben. Denn schon im Kunstverein Heidelberg. In Fontanes Roman L’Adultera stößt man auf die ergötzende wie erschöpfende Bezeichnung »Frauenmarder«. ein Muttergeschlecht von Zyklopen entstehen.

der unsichtbar macht. mit dem man die Toten ins Leben zurückrufen kann.cher Despot ist? tioniert und was nicht. Religion und Literatur begegnen.und unserer Blindheit. ob die Liebe mehr ist als Stoff für die Partnerbörsen im Netz und die Freundschaft mehr als eine gemeinsame Shoppingtour. die ich so oft wie möglich gelesen habe. K. eine poetische Konstellation. dass die Bilder des Films all die furchtlos gestellten Menschheitsfragen der Potter-Welt in gewaltberauschtem Budenzauber. in Ihrer Familie diskutiert? ZEIT: Welchen hat sie denn? Fiennes: Welchen Experten? Fiennes: Das Publikum zu verändern. Fiennes: Deshalb habe ich viel am Äußeren gear. Das gefiel mir. Manchmal hat Recherche DIE ZEIT: Mister Fiennes. wohin er sich entwickelt. ob mit Kindern etwas anderes in die Welt kommt als nur Fortsetzungsvarianten des ewig dursleyhaft Gleichen. Voldemort will die Welt beherrschen und unsterblich werden. dieses Machtspiel. in denen Jugendliche bloß Fantasiebilder einer Zauberwelt sehen. So leicht würden wir Potter. ich könnte einfach verschwinden. Teil 2. kann man nur hoffen. der alles zerstört. dass Voldemort doch Macht? Diese lässige Art. sie bricht auf halbem Weg zum Herzen ab. welches würden Sie wählen? Fiennes: Voldemort will natürlich den Zauberstab. ZEIT: Spielte Religion dabei eine Rolle? Fiennes: Ja. dass es zu unseren menschlicheen Potenzia. wenn Voldemort spürt. Mit seinem Verhalten begann für sie eine Distanzierung. Man legt sich fest. Er ist human. ein man ihm etwas Menschliches nahebringt. Voldemorts Fiennes: Ich will zeigen. Gesten. einfach keinen Sinn. ich kann mich nicht erinnern. todernst und heiter bis zuletzt. der auch so ein fürchterliden Regisseur. Rowlings Kunst: Sie hat etwas erfunden. dass da etwas ist. mit immer denselben Hauptdarstellern. dass Voldemort eine starke Rolle ist. Wie in diesen urmusterhaften Erfahrungen zeigt sich auch die Gewalt eher archetypisch: Ein Lichtstrahl ist in den Heiligtümern des Todes als Waffe entscheidend. wo Tanzlehrer. in den der Held auszieht. aber plötzlich darin. um den Zauberstab. ZEIT: Glauben Sie an das absolute Böse? Fiennes: Nein. Am hilfreichs. flacher Moralität und Gefühls-Folkore verläppern lassen könnten. Oft doch. Der Film setzt den Betrachter den bedrohlichen Urmächten aus. Harry und seinen Freunden gefunden und vernichtet wird. ein Gegenspieler mit scharfen Konturen. Deshalb kann man es auch so schwer spielen. stellung des Bösen? und doch hat er eine Familie. Ich konnte mir nicht vorstellen. Hamlet ist die Der Voldemort des Films liebt interessante Ausnahme. obwohl die Welt nicht bis ins letzte erkennbar ist. ZEIT: Sie bereiten sich auf Ihre Rollen sehr genau vor. der Abschied könnte vermasselt sein. jenen schlangengesichtigen Satan.und wir sehen an seinen Augen. warum die Messe in Latein gelesen werden muss.entspringt dann der nächste Vergeltungsschlag. Eines Tages gehen Kinder aus dem Haus. Und J. Es ist RALPH FIENNES wie bei Ödipus. ZEIT: Dumbledore hat selbst eine nicht wiedergutzumachende Schuld auf sich geladen. Fiennes: Vollständig. indem ZEIT: Einer Ihrer Onkel ist Jesuitenpater. Fiennes: Ich kann nur sagen. Das erfolgreichste Erlösungsbuch aller Zeiten (gleich nach den Heiligen Schriften) schildert das Böse nicht nur als Unfähigkeit zum Guten. Nein. Aber ich denke. dass ich lange mit mir gehadert habe. stammt eine davon zu ergreifen. Was half bei Voldemort? Fiennes: Ja. in unserer Angst Man weiß nie. Kalt glitzert Triumph in seinen Augen. Sonst hätte meine nische mal mit den zwei Experten Schauspielerei keinen Sinn. ZEIT: Glauben Sie. denen sein Schüler Harry ausgesetzt ist. Aber ich würde nicht das Wort holy. Weil der Film uns mit der Todesangst konfrontiert. Für den schizophrenen Helden in Spider verbrachten Sie Wochen in der Psychiatrie.nem das gelingt. Er ist das Böse. der unbesiegbar macht. wegzusprengen? nicht genug Screentime. Er ist liebesfähig. Toby Melville/Reuters (u. und der Mantel. Wir können wählen.ZEIT: Warum handelt dann Ihr erster Film als beitet: verschiedene Gewänder. »Roter Drache« und »Der ewige Gärtner« gilt er als Spezialist für abgründige Charaktere. Die Hingabe an eine Sache und das Bekenntnis zu einer Aufgabe können etwas Heiliges haben. Was haben Ihre Eltern Sie gelehrt? Fiennes: Meine Eltern wollten. von ZEIT: Trotzdem hat man fast Mitleid mit ihm. um die neueste Verfilmung eines Potter-Bandes zu sehen. seine wusst. ihn zu spielen. den heutigen Filmstars sein Schmerz. Coriolans Tragödie besteht bricht. alsdann der Kampf mit dem entfesselten Feuer. ZEIT: Ja. das jedes Menschenwerk verschlingen will und bis ins Kino ausgreift. zur Rettung der Welt. Rowling wollte es nicht verraten. sondern auch im Vergleich zu dem mit Details überfüllten Buch den Stoff zu sich selbst kommen lassen. Doch der Abschied ist nicht vermasselt. Es ist eine angedeutete Sterbegeste. die Kaben. Ich weiß. Wir sehen Voldemort als Mephisto. auf das Eigentliche: auf die Frage. ZEIT: Der letzte Harry Potter-Roman heißt Die Heiligtümer des Todes. Tatsächlich ist der Anfang des neuen »Potter«Films großes Theater. und er Alternativen seines Handelns lässt sie um seine Gunst winseln. das trauten die »Harry Potter«-Verfilmer nur einem der Besten zu. Und weil der erste Film mich nicht ansprach. N . gottverlassenes Kind. ist dies hier wirklich. den endlosen Zauber. gleichzeitig. Im Buch sind sie so vieldeutig: die Frage. In seinem ZEIT: Sie haben für Ihren Hamlet maskenhaften Gesicht blitzt eine sogar einen Preis am Broadway verächtliche Freude auf. die sich über zehn Jahre des erlebten. berstab beibrachte. Meine Mutter war eine engagierte Katholikin. nicht wiedersehen. das Gute nur in uns selbst liegen. Wenn eiZEIT: Ihr Voldemort scheint keine Wahl zu ha. war es am schlimmsten: Es war die Angst. Die Friedhofsszene. dass man sich für das Richtige entscheiden kann.). Buch. was funk. in den die 3-D-Technik den Zuschauer schwindelnd hineinsaugt. der uns das Hantieren mit dem Zau. Er kennt die Fallstricke des Menschseins. dem achten Film einer Serie. Einmal forderte sie jedoch unseren Priester auf. dass meine Mutter. dass so eine Rolle Spuren hinterlässt. Ralph Fiennes ist ein Magier der Menschendarstellung. Aber keine Angst: Das heißt nicht. Dieses Bestechende und Zupackende. aber wir ahnen. Kriecherisch Fiennes: Hamlet überblickt alle scharen sie sich um ihn. Später verlor sie den Glauben an ihre Kirche. zudem die mythologisch einschlägige Schlange. Dann wendet er Voldemort von der Bestie Amon Göth? unendlich langsam den Kopf und schaut uns an. mal abgesehen von der Angst? geredet. was Herrschaft geboren 1962. Es hat mehr mit dem Geheimnis des Menschseins zu tun. dass man die Welt retten die behaupten. Vielleicht ein Fehler. Dieses ist der beste Potter.hinterher nicht raus. Weil ich mir immer öfter wünsche. Er ignorierte sie auf der Straße. aus dem er nicht ausbrechen kann. Je mehr Finsterlinge ich spiele. beglückend. der alle Schwierigkeiten sieht. K. die das Theater liebte. Am Set gab es aber einen Also habe ich nach Augenblicken gesucht. Teil acht VON ELISABETH VON THADDEN Voldemorts letztes Gefecht: Todesfluch gegen Harry Potter auf dem trümmerübersäten Schulhof von Hogwarts »Das Böse ist nur eine Idee« Ein Gespräch mit Ralph Fiennes über seine Rolle als Voldemort in der Harry-Potter-Verfilmung »Die Heiligtümer des Todes« Wie besiegt man das Böse? Indem man herausfindet. Deshalb spaltet er seine Seele in sieben Teile. Danach war ich von der Idee geheilt. ZEIT: Kennen Sie selbst dieses handelt von der Selbstaufopfe. Erst Mike Newell. dass wieder ein Teil seiner ZEIT: Wie unterscheidet sich die Fantasy-Bestie Seele zerstört worden ist. Man verpflichtet sich beispielsweise der Kunst. dass er ausschließlich seiner eigenen Wahrexplodiert er. der des Bösen. Seit Filmen wie »Der Englische Patient«.taucht sein Gesicht fern am Himmel auf oder als len gehört. Woher wissen Sie das? ZEIT: Die Filmfirma Warner Bros. ZEIT: Hätten Sie die Wahl zwischen den Heiligtümern des Todes. Hat das Wort heilig irgendeine Bedeutung für Sie? Fiennes: Ja. dann die befreiende Auseinandersetzung mit dem Drachen. wenn er die blasse Hand in den Sarkophag senkt. Er ist auf zauberhafte Weise gelungen: bedrängend. einem Gesichtsausdruck. ZEIT: Voldemort hat nur eine dunkle. Leider fühlte er sich angegriffen und wollte nicht mehr mit ihr sprechen. ahnt man nur an seinem durchdringend grünen Blick und seiner ausgesuchten Höflichkeit. Die Bosheit um. dass es nicht wirklich ist. die seit je den Menschen in Mythologie. Er ist ein demort ist eine so simple Kreatur. die Figur lebendig Voldemort die Schutzglocke über Hogwarts bersten. ZEIT: In jedem? Dieser extreme Hunger nach Fiennes: Könnte schon sein. sondern ließ mich ein Regiment besuchen. die er verleiht. die strah- lende Erlösergestalt Albus Dumbledore oder den geheimnisvollen Lehrer Severus Snape? Fiennes: Dumbledore. antwortet Dumbledore weise. Kann die Zivilisation gegen das Chaos obsiegen? Zunächst muss der Abstieg in einen höllenartig tiefen Schlund gelingen. Man denkt. wie das Böse in die Welt kommt. der kürzlich in die Kinos kam. ob die Todesangst überwindbar ist. zuletzt dem Verderber. und das will etwas heißen. Aber ich fand. wie es im Kino zuvor nie geschah. Er lehrt. Pictures (o. wer wir sind. es gibt komplexe Kräfte. seine Anhänger quält. die ihn liebt und Fiennes: Die Momente zu finden. Dass er Interviews hasst. Als sie Krebs bekam und anfangs erfolgreich behandelt wurde. dass sie nur eine helle Seite haben. Fiennes: Ich möchte jedenfalls daran glauben. ins Kino zu gehen. ZEIT: Bleiben noch der Stein der Auferstehung.der sich immer nach den existenzialistische Grundgefühl: rung der Guten im Kampf gegen alten Theaterrollen sehnt dass alles absurd ist? das Böse. in schwarzem Mantel und gebieterischer Haltung. besaß dramatische Wucht. Dieses Leben ist voller Widersprüche. Mir flößt dieser Stab Angst ein. anderer Professor für Theologie. Doch am lästigsten war die Angst. einer Geste. man überantwortet sich der Suche nach der Wahrheit. Er sieht die auch heißt: Unterwerfung der Feiaus einer englischen Sinnlosigkeit der menschlichen gen. so allein. Ausgerechnet in der schreckensreichen abschließenden Konfrontation zwischen Voldemort.verschwommenes Bild in einem Albtraum. die Einsamkeit im dunklen Wald ist zu meistern. Fiennes zeigt. in denen sich die er liebt. wenn er gewonnen.« Darin besteht J. Er spielt damit. ich wollte keine bloße Idee spielen. Das nenne ich gegensätzliche mensch. Sie einzufangen in liche Potenziale. vor den Heiligtümern des Todes. Hier sind nicht die üblichen Action-Techniken am Werk. als ich zur Armee wollte. in der er wiederkehrt. wie Angst in son mit einem eigenen Leben: seiner Ehefrau. ZEIT: Glauben Sie an Gott? Fiennes: Ich glaube nicht an Gott als eine von uns Menschen getrennte Instanz. zu ergreifen und blitzschnell einen Fluch zum Himmel zu schleudern. zu machen. nach all dem verwirrenden Gerenne und Gesuche. in einer heilsgeschichtlich gefärbten Klimax. um sein Dilemma zu Fiennes: Ja. Fiennes zeigt sie uns in dem blutigen Blick. aber nicht an Gott. oder findet es in meinem Kopf statt?« – »Es findet in deinem Kopf statt«. Das Beängstigendste am Bösen ist entfalten. Er wirkt wie gefesselt durch seine finsteren mera hält es fest und der Regisseur schneidet es Weltunterwerfungswünsche.Das Menschlichste an Voldemort ist seine Angst zu ten waren die Beschreibungen Voldemorts im sterben.das Wesen des Bösen zeigt. Er ist weise. Fiennes: Gar nichts. Mit dem letzten der Filme haben der Produzent David Heyman und der Regisseur David Yates nicht nur alle bisherigen Folgen überboten. ein neu erscheinendes Buch aufzuschlagen. den es je gab. dass die Hindernisse für Unberechenbarkeit ist uns ganz gut gelungen. über Dumbledores marmornem Grab aufragen. überzeugte mich. schen Drogengangster gelesen. Vol. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 60 Fotos: 2011 Warner Bros. ZEIT: Und was wäre das Menschliche an VoldeFiennes: Ach so (lacht).ZAUBERN & ZWEIFELN 14. Mit einem harten Schwung des Zauberstabs lässt die mir als Schauspieler helfen. die hoffen. kann? Als Privatmann unterstützen Sie Unicef. dass es nicht wahr ist. Dieser Film konzentriert sich. die man nun mal in dieser Welt hat. Ich glaube. behauptet es. Voldemort gleicht weniger einem Menschen als einem Monstrum. sondern als freie Entscheidung. ZEIT: Wen würden Sie lieber spielen. Wir Schauspieler sind ja sonst Schwerter oder Pistolen gewohnt. stimmt es. Aber weiß man es wirklich? Als Harry in einer Art Nahtoderfahrung im lichtdurchfluteten Bahnhof Kings Cross zuletzt dem Mentor Dumbledore begegnet. ohnmächtige Wut umschlägt. Wir wissen es nicht.seine menschliche Natur durchschimmert.und Gewaltsequenzen der ersten Teile. Hermine und Ron. Aber leider hatte ich lig im Weg sind. Das macht er beheit folgt und unfähig ist. Jetzt. Es ist nur eine abstrakte Idee. was sich ihm nicht unterwirft. der unbesiegbar macht. lesenden Lebens erstreckt hat. der Regisseur von Harry Potter und der Feuerkelch.Fiennes: Dass er so isoliert ist. wenn der letzte Horkrux. nicht wahr? das in jedem von uns steckt. Anders als sonst brauchte ich Shakespeares Coriolan. Ich fürchte mich vor der unendlichen Macht. um sich allein den Feinden der Zivilisation zu stellen. Fehlbarkeit zu erkennen. ob das Gute sich in der Welt lächerlich macht. wenn doch jeder Lesende von Anbeginn weiß: Die Sache geht gut aus. Ein gefallener Engel. weil es ein gigantisches Lizenzgeschäft war. sondern das Wort sacred benutzen. die uns ewig ein Rätsel bleiben. immer aber davor. Nicht rausgeschnitten wurde dieses Zucken von Fiennes: Voldemort ist so etwas wie die Essenz Voldemorts Hand. die mit Abermillionen ihrer Leser erwachsen wurden. ZEIT: Was ist das Allerschwierigste bei der Darandere zu liquidieren. Die Fragen stellte EVELYN FINGER ie hatte ich Angst. obwohl das Spiel des Lebens soviele Unbekannte hat. Fiennes hebt kurz und wie resignierend die Hand. dass Sie die Rolle des Voldemort ablehnen wollten. weil Sie nicht an das absolute Böse glauben? Ralph Fiennes: Um ehrlich zu sein. Er ist unter Existenz von Anfang an. ZEIT: Warum? Fiennes: Vielleicht weil er ein Mentor ist. ein Seelenbruchstück schützend umschloß. Es werden nicht einfach Körper zerstört und gefoltert. aber sie hielt mich nicht auf. dessen Job es ist. wir haben nicht mort. die einem zufäl. Aus dieser Wut seinen Geliebten und seiner Arbeit als Lagerkom. Stimm. Der Nazi ist eine echte Per. Oft wirkt er in sich gekehrt. So kommt das Böse in die Welt. zu erklären.Regisseur. in der Wirklichkeit existiert es nicht. ZEIT: Warum? Fiennes: Ich mochte seinen Look. ohne ins Kleinteilige oder Sentimentale abzugleiten. Aber am Ende hat es mir doch Spaß gemacht. der mir sagen musste. diese vertrauten Erfindungen. Sie können zerstören oder heilen. Es wird immer nur kurz berührt. Haben Sie das MessiaFiennes: Nein. Voldemort ist eine sehr theatralische Figur. Sie haben sich unseren Entscheidungen nie in den Weg gestellt. dass ihre Kinder so sehr sie selbst sind wie möglich. unternahm sie eine Pilgerreise und schrieb ein Buch darüber. schließt ihn wie einen Käfig. Das ist des Tyrannen andere trifft. Ich habe gerade von einem mexikani. Ich wollte mich im Kino nicht vor Gewaltszenen fürchten. desto misstrauischer werde ich gegenüber Menschen. Fiennes: Ich würde den Mantel wählen.nicht so eindimensional ist. bleibt man in seinem Bann bis zum Schluss. Leute. im großen Finale. aber Fiennes sieht am Tag der Londoner Premiere einschüchternd gut aus. und dem Jungen Harry Potter kehrt buchstäblich Ruhe ein. mandant. stellt er die Frage fast all seiner Leser: »Professor. Er tut schreckliche Dinge. Meine Eltern haben mich grundlegende Normen des Respekts und des Anstands gelehrt. der noch mit regloser Miene ein Seelendrama entfalten kann. »aber das bedeutet nicht. auch diese. Herauszufinden. Aber wie zeigt man es im Film? Aus den Seelenbruchstücken eine plausible Leinwandfigur zusammenzusetzen. dem Herrn des Bösen. von lagen ausprobiert. erschrak. Macbeth – sie alle sind blind. Und falls ja: warum und wie. dass die Willkür Adelsfamilie. Medea. wann der Zorn aus ihm heraus. Das ist ein Bekenntnis zum Leben.) Angst vor dem Ende Das Beste zuletzt: Harry Potter. Nun hat er zum letzten Mal Lord Voldemort gespielt. ZEIT: Das ganze Potter-Epos der kühle Gentleman. deshalb ist er unfähig. Für den KZ-Kommandanten Amon Göth in Schindlers Liste haben Sie viel Literatur über das »Dritte Reich« studiert.

der schon weiß. renovierter hat Estelle in Pop-Art-Manier an die Wand malen Klassiker. Schon am Nachmittag erkennt man die Stadt nicht wieder. Bäcker und Optiker dekorieren ihre Schaufenster mit E-Gitarren. ehe der es ausgesprochen hat. Das Feuer der frühen. Auf der Veranda eröffnet sich ein Panorama in allen Tönen von Blau Als Deep Purple einzogen. Deep Purple selbst haben ihn oft neu interpretiert. Nach dem Feuer ZEIT-Grafik 3258 m Genf 15 km half er Frauen und Kindern aus dem Saal. was ein Künstler trinken möchte. wie es hier erst SCHWEIZ zugegangen sein muss. Nach Montreux fährt man nicht. das renommierteste und schillerndste seiner Art. Gotthilf Fischer intonierte ihn. man führt seine neue Sonnenbrille Festival: Das Abschlusskonzert von Deep Purple with Symphonic Orchestra am 16. Straßenmusiker stellen ihre kleinen Batterieverstärker auf und klampfen mit selbst gestrickten Songs gegen die Techno-Beats aus den Partyzelten an. ohne den es das alles hier nicht gäbe«. Seine bunte Auswahl. Juli aus. die darauf warten. Paul Simon. Erste Paraglider leisten kreisenden Falken Gesellschaft. der vor vierzig Jahren hier entstand. und dieser Moment ist nur noch ein paar Stunden entfernt. Dass es jeden Sommer unter dem Wohlstandsmehltau von Montreux vibriert. C. Vevey In solchen Momenten ahnt man. Die Aufnahmen für die sieben Songs von Machine Head dauerten drei Wochen statt sechs Monate wie sonst. könnte man Sushi essen. DZ ab circa 190 Euro mal im Monat der Hotspot für alle unter 40. Mischpulten. neu. außer vielleicht Frank Zappa. ist ausverkauft. über Betten und Badewannen. Eigentlich ohne Publikum. Dass aber der Name von Montreux mit einem Mal um die Welt ging. was in den USA undenkbar wäre: sich an den Aufpassern vorbeizumogeln. Warum gehen wir nicht alle raus?« Aber einmal im Jahr wird es laut in Montreux. wie sie damals hieß. Vor drei Jahren weiter mit dem Zug nach Montreux hat sie aus ihrer Passion ein Hotel gemacht. In der Ferne schimmern die Dreiecke der Bootssegel. der triumphierend seine Faust in den Himmel reckt. die jede Feinheit aufsaugen. heute internationaler Musikstrippenzieher mit dem Nimbus eines Renaissancefürsten. die allein Santana an diesem Abend spielen wird. spielten sie einfach weiter. Sie sehen aus wie frisch gewaschen. aber anders als Zappa hatten sie immerhin noch ihr Equipment. die in den Parks und im BahnChillon hof schliefen. Darum besteht es bis heute. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 61 REISEN Fotos: Cyrus Saedi für DIE ZEIT/www. 62 . Ethnoschmuck. Sicher war es lauter im Casino. muss nicht einmal die Position der Finger verändern. Diese Akkorde könnten von Jazz nicht weiter entfernt sein. Heute wird eine kleine Fotoausstellung eröffnet. hängt ein riesiges Foto von einem Musiker beim Tel. wo Frank Zappa 1971 auftrat. »Vor 40 Jahren«. Funky Claude half. gemeinsam aufgetreten sind sie bislang nicht. dem Bassisten. Und auch die Zuhörer waren um einige Jahre jünger. Der Rauch rührte von einem Brand. C / G. im Halbschlaf der Text dazu ein. Estelle Mayer. dass er bis heute in den größten Konzerthallen mitgegrölt wird. dass die Rauchenden wirklich nur auf dem Trottoir stehen. Palmwedel wiegen sich. heißt es in Bern Smoke On The Water. B. Das Haus aus dem 16. innen aus wie ein Designhotel.montreuxjazz. Damals brannte der Saal buchstäblich. Nobs holte schon Anfang der sechziger Jahre Rockbands in die Stadt. Hämmer klopfen. Die Besetzung ist für das Konzert aufgestockt worden. B. Es gibt nur zwei Discos und keinen einzigen Tel. rocken. 75. sondern das Casino. Die langen Wege erwiesen sich als Vorteil. Akkuschrauber surren die Ouvertüre für das Montreux Jazz Festival. zunächst bloß Füllmaterial für das Album. grooven. »Funky Claude« Dents du Midi haben Deep Purple ihn genannt. brennt die Luft – ein spiritueller Höhenflug in der für Montreux typischen perfekten Soundqualität.14. Roadies schieben schwitzend Kisten mit Equipment über die Laderampe. Warum gehen wir nicht alle raus?« Bei dem Feuer verlor er seine ganze Ausrüstung bis zum letzten Plektron. »haben wir nicht so gut geklungen. vornehmer Ort. weiter links strahlen die weißen Spitzen der Dents du Midi. Jazz ist hier ein weites Feld: Sting. zu Händen von Santanas Frau Cindy Blackman. Sonnenbrillen. um sich das Ergebnis anzuhören. G. sogar eine Swing-Version spielten die gereiften Herren 2006 in Montreux. Unter dem Eindruck der Ereignisse fiel Roger Glover. Die Rocker von Deep Purple hätten da gut hineingepasst. um sich im Schlamm zu wälzen wie bei einem Open-Air-Spektakel oder um Handy-Kameras in die Luft zu halten.und Lebensmittelkonzerne und von Reichen aus aller Welt. Montreux ist ein ruhiger. Lautsprechern abzuladen. Zu Guttenberg wünschte ihn sich zu seinem Abschied. nicht nur quer durch die Gärten am Seeufer. Eine feuchtwarme Brise rauscht sanft durch Pinien und Zypressen. Und doch prangen gerade diese Noten. Nach wenigen Tagen wurde die »lauteste Band der Welt«. der seine acht Gitarren (links) mitgebracht hat Z artblau und glatt wie Frischhaltefolie. denn viele im Publikum hören schon so lange Musik. gern auch mit bekifften Hippies. auch durch alle Stile und Schulen. www. modern. Von der Seepromenade. IhDZ ab circa 110 Euro ren »Helden. Sauber aufgereiht stehen die BelleÉpoque-Hotels an der Grand Rue. vorbei an der Rezeption. Auf dem Genfer See blitzt die Morgensonne. Er fand das gerade geschlossene Grand Hotel des Alpes.« Besser wäre es. ging weit über Jazz hinaus. Der Gitarren-Roadie präpariert die acht Instrumente. in den Hinterhof. 1820 Montreux. Zappa blieb cool und fragte ins Publikum: »Es gibt ein Feuer. wilden Jahre glimmt in Montreux nur noch sehr verhalten. 1967 begründete er das Festival. 1820 Montreux. Wer spielen sollte. Inzwischen ist der Song durch alle Institutionen marschiert. er quartierte sie im Pavillon ein. Unterschied zu den anderen Palästen bezahlDas Jahr über ist Montreux keine musikalische bar. B. Anderseits war er auch immer ein guter Grammont Geschäftsmann. wie ihr Kollege Dennis Chambers bereits mit der Band durch die irrwitzigsten Arrangements fliegt. Hinter den schwarzen Vorhängen wabert der Geruch von Räucherstäbchen. Ein Impresario alter Schule. allen voran das Montreux Palace. 0041-21/966 33 33. Inoffizielle Stimmen erklären das mit den jungen Liebhabern vermögender Witwen. Plattenladen. und er ist noch immer der Chef. als er seine Gitarre von der Schulter nimmt. Schlagzeugen. »Da ist noch zu viel Durcheinander. von der Polizei verjagt. über den im Nachhinein alle glücklich waren. Festivalchef Nobs ist im Flur verewigt. in dem sie ihr sechstes Album einspielen wollten. Stadt. kommen sie mit Sinfonieorchester. B. an der Fassade entlang. Zwei Wochen lang wird es swingen. erschien erst ein Jahr später als Single. Des.cyrus-saedi. Direkt vor der Tür hielt der Orient-Express. B. der sich um alle und jeden kümmert. Die After-Work-Party im Tralala ist einch. Liza Minnelli. das verdankt die Stadt ihrem mittlerweile bekanntesten Sohn. hinaus auf die Veranda. Inhaberin des Tralala Hotels in der Rue du Temple. Fortsetzung auf S. Jetzt proben nämlich zwei Veteranen jener Jahre: Carlos Santana und John McLaughlin. sagt John McLaughlin. Ihre Afro-Mähne wippt leicht mit. die von Schloss Chillon über neun Kilometer bis nach Vevey führt.suisse-majestic. der »Salade Nobs«. Nun. Den Altersdurchschnitt würde man auf 65 schätzen. gelernter Koch. C / G. Als Cindy Blackman mit McLaughlin ein Duett für Schlagzeug und Gitarre spielt. das sie 1971 nach Montreux brachte. als ein Fan vor lauter Begeisterung mit einer Leuchtpistole in die holzverkleidete Decke schoss. nach jedem Take zum Mischpult hinunterzugehen. Es trug den Arbeitstitel »Drr Drr Drr« und enthielt die berühmten Akkorde. »They burned down the gambling house / It died with an awful sound«. Sie gehören zu den ersten. In jedem Zimmer Rue du Temple 2. Quincy Jones und Bootsy Collins geben sich in diesem Jahr das Mikrofon in die Hand. Für die Gitarristen wird es eine Premiere.ch. um dem angestaubten Badeort mehr Zulauf zu verschaffen. der wusste. sagt Santana mit weicher Stimme.com Schall und Rauch Vor 40 Jahren machte Deep Purples Song »Smoke On The Water« den Schweizer Badeort Montreux weltbekannt. »Stopp«. vorbei an Ständen mit bunten T-Shirts. Es war aber gar nicht das Festival. Aber in einer Schweizer Kleinstadt gelingt manchmal. als sie sich auf den Knien warm trommelt und zuhört. Verfügbare Karten für andere Der Fotograf Pascal Corbat hat seine LieblingssongKonzerte unter www. die Gitarrenschüler lernen. Der Akustik halber verbarrikadierte man die Räume mit Matratzen. Erneut war Nobs zur Stelle. Air Berlin) oder Genf (easyJet). Sie haben in den Siebzigern viele Aufnahmen eingespielt. hat schon als Kind auf den SchulAnreise: Mit dem Flugzeug nach Zürich (Swiss. hängt zusammen mit einem einzigen Gitarrenriff: G.« Er zählt mit dem Zeigefinger vier Schläge vor und schickt die Band weiter im Schnelldurchlauf durch das Repertoire. Zwei Stunden vor dem Eröffnungskonzert stehen sie in Shorts und Hawaiihemden auf der Bühne des StravinskiAuditoriums. Claude Nobs. Avenue des Alpes 45. denen das Schweizer Steuerrecht so wohltut wie das subtropische Klima im Schutz der Alpen. Wenn Santana später im Konzert ein paar Töne von Don’t Let Me Be Misunderstood in ein Solo einflicht. unweit der Statue von Freddie Mercury. als der junge Claude Nobs Genfer See beschloss. Grand Hotel Suisse Majestic. offiziell wird er mit 40 Jahren angegeben. Zappa blieb cool: »Es gibt ein Feuer. Davon später. war es kalt und dunkel. www. in schwarzes Metall geschmiedet.com zeilen inszeniert. Tonnen von Gitarren. seinen Heimatort aufzumischen. unter anderem um ein zweites Schlagzeug. ebenso sauber davor geparkt die Bentleys und Aston Martins. Hinter dem anderen Ufer ragt der Grammont dunkelgrün in den Himmel. früher Mitarbeiter des Fremdenverkehrsamtes. Auf der Straße stauen sich die Autos wegen der vielen Trucks. hofs. brandet Jubel auf.tralalahotel. Der herrschaftliche Bau aus dem Jahr 1905 wurde in den Glanzzeiten des Stadtteils Territet errichtet. Nach dem Brand waren sie eine Band ohne Raum. Belle Epoque mit Seeblick – im lassen. »Smoke On The Water«. Wegen amtlicher Auflagen dürfen sie keinen Fuß auf die Straße setzen und auch keine GeMontreux Lausanne tränke mit herausnehmen. Sie schieben sich durch die Budengassen rund um die Kongresshalle. Ein unfertiges Lied hatte die Band aus dem Pavillon mitgebracht. Batikkleidern. die damalige Crème der schwarzen Musik ins Waadtland zu holen. Fotos Montreux-Festival zeigen ihn sogar mit einem Feuerwehrschlauch in der Hand. Kinder springen herum. wie er Geld für das Fes2172 m FRANKREICH tival auftreiben konnte. einem kleinen Theater. zum Jubiläum am Wochenende. Die Nachbarn. bestimmte er. in der weniger prätentiösen Altstadt oberhalb des BahnUnterkunft: Tralala Hotel. Draußen wacht ein Türsteher darüber. Da die Musiker die Lust daran verloren. Man schrubbt sie einfach runter. Auf jeden ihrer 24 000 Bürger kommen jetzt zehn Besucher. Hierher kommen Gourmets. Jahrhundert sieht von gepflegt mit musikaffinem Publikum. Bis heute spielt hier jeden Sommer die Musik VON RALPH GEISENHANSLÜKE Der Genfer See bildet die ideale Kulisse für das Jazzfestival von Montreux. 0041-21/963 49 73. Er beginnt mit den Worten »We all came out to Montreux«: Deep Purples Smoke On The Water. Auftritt. alles verstummt sofort. als Abschnitt eines Zauns an der Uferpromenade. Sie gehören zu dem Song. Hier spielen neben der Derek Trucks Band (oben) auch Rockgrößen wie Carlos Santana. Die Band baute ihre Instrumente am Ende eines Korridors auf. bevölkert von den Pensionären der unweit ansässigen Pharma. tern ihrer Eltern Konzerte besucht. King. Dank guter Kontakte in die USA schaffte er es. B. Kilometer von Kabeln führten zum Mischpult. geboren im Stadtteil Territet. In Restaurants werden Teller mit Noten und Klaviaturen hervorgeholt.

Im Atrium stehen weiße Liegen. weil man dachte. das man sich gen Himmel bewegt. Wände und Möbel – alles grau. er lebt im Augenblick. Heute ist es ein Apartmenthaus. als man verloren und auch ein wenig verdutzt in der Lobby stand. Stock des Sofitel Stephansdom hinunter auf die Stadt. 3-D-Brillen auf der Nase. ob das. hinten links: die Rezeption. Barock siehe unten Das Sofitel Stephansdom überragt Wien mit formklarer Eleganz A Blick aus dem Restaurant im Dachgeschoss des Wiener Sofitel-Hotels ch. den Gedanken zu verdrängen. ein Wallfahrtsort. »er ist unberechenbar. eher zufällig. Vor weiß gedeckten Tischen stehen drehbare Fauteuils. als wir vor dem gläsernen Fahrstuhl im Innern des Chalets warten.62 14. Was bewegt diesen Mann? Leider kann das vereinbarte Interview nicht stattfinden. bis der Horizont sich biegt. Es war der Moment. Die beiden hängen in einer Gondel vor der Fassade und reinigen die Fenster. 1020 Wien. Eine Frau tritt ein. Wer nach einem langen Tag im barocken Wien in eines der 182 Gästezimmer zurückkommt. Tel. läuft schlaftrunken ins Bad. ägyptische Baumwolle wahrscheinlich. Hinter der riesigen Panoramascheibe liegt einem Wien zu Füßen.30 Uhr noch einen Termin bekommen? Geht klar. nichts. bis unters Dach vollgestopft mit Kostbarkeiten und Erinnerungsstücken. dass diesen winzigen Schwitzkasten jemand von außen absperren könnte. und schaut aus dem 13. 61 Das »gambling house« wurde am selben Ort neu errichtet. ein kräftiger Mann und ausgebildeter Physiotherapeut. Und so viel guten Bordeaux. Gebratenen Milchlammrücken gibt es. Man geistert durch leere. Der Raum ist schlicht gestaltet. Das eigene Zimmer ist eines der grauen. weiß die schlichte Eleganz mit klaren Linien und ohne Schnickschnack zu schätzen. zu erreichen über ein Parkdeck. digital aufbereitet und gepflegt von seinem Lebenspartner. klar und einladend erscheinen die weißen Gästeräume. eher ein Sarkophag. Im Konzertgeschäft. sich in die Empfangshalle eines Versicherungskonzerns verlaufen zu haben. die gläserne Eingangstür gegenüber einem Whirlpool. die Fliesen sind so heiß. Mancher wie B. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt des Hotels. Nobs behandelt sie alle wie Familienmitglieder. kein Sessel. das zunehmend nach den Regeln des Investment-Banking abläuft. Noch immer kommen die großen Namen. In den abblätternden Arkaden um den früheren Haupteingang warten ein Friseur und eine Apotheke auf Kundschaft. reißt die Augen panisch auf und beginnt zu schreien. Maximal entspannt fährt man später mit dem Aufzug in den 18. Wer mit dieser Aussicht lebt. Heute erscheint das Casino von Montreux wie ein Westentaschen-Vegas. über das der Rauch einst zog. Diesmal hebt man einfach die Zeitung. Auf den Dom und auf die Donau. Das Grand Hotel in Territet schloss 1975 endgültig. beherrscht die Entspannungsmassage so perfekt. Es gibt Zimmer komplett in Schwarz. Gute Idee: jetzt eine Massage! Könnte ich für 17. um Quincy Jones persönlich abzuholen. der sich verirrt hat«. Herr Gholami. läuft zurück ins Zimmer – und traut seinen Augen nicht. am Vorabend auf den ungewöhnlichen Besuch hinzuweisen. Zweige. beruhigt später Ramin Gholami. Bloß: Wo steht das? Herr Nouvel legt offensichtlich nicht viel Wert auf Beschilderung. King war schon zwanzigmal da. dass man im Frauen-Hamam gelandet ist. nimmt eine Dusche. 0043-1/90 61 60. Seit Mercurys Tod ist die unauffällige Studiotür. gewinnt das Haus jedoch an Stil. er wird mit Gemüse und einem Kartoffel-Fenchel-Auflauf serviert. Medienleute. dass man ohne Unterlage für immer gebrandmarkt wäre. Draußen auf der Veranda eröffnet sich ein gigantisches Panorama in allen Tönen von Blau. Und den Hotelbetreibern untersagt. frische Blumen in der Empfangshalle aufzustellen – sie könnten ja sein Werk profanieren. dunkel geflieste Flure. sie sind nach Westen ausgerichtet. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 REISEN HOTELTEST Fortsetzung von S. Nobs lässt Besuchergruppen. In einem Bunker lagert sein persönliches Archiv der Mitschnitte sämtlicher Festivalkonzerte aus 45 Jahren. Man rekelt sich in feinster weißer Bettwäsche. Dabei gab es am Service bisher gar nichts zu mäkeln. so beginnt der Tag wunderbar. wirklich stimmt. An der ergrauten Fassade laufen Kabel von Satellitenschüsseln entlang. »Nobs ist wie Jazz«. Anthrazit glänzen die Oberflächen. Mit jedem Stockwerk. Nur ein großer dunkler Marmorblock.« Hier oben in Caux. das ist bekannt. Decke. Stock und damit direkt ins Restaurant Le Loft. sagt sein Assistent. mit LEDStrahlern von innen beleuchtet. »Sie sind nicht der Erste. das vom Zimmer durch nichts getrennt wird. die zur Südseite liegen. sagt sein Assistent. auf 1100 Metern. O weia. Himmelblau – und erweckt durch die Spiegelung in der Glasscheibe den Eindruck. Er hat den 18-stöckigen Glasturm im zweiten Bezirk von Wien entworfen. Berge. In dem Betonbau ertönt die Kakofonie der Daddelmaschinen. Die jungen Männer von gestern hängen vor der Scheibe des Restaurants. schaut sich Nobs nicht im Saal an. läuft um ein paar Ecken und entdeckt. Praterstraße 1. und man fährt runter in den fünften Stock. Aber das gehört wohl zum Konzept des französischen Architekten Jean Nouvel. TOMAS NIEDERBERGHAUS Foto: www. In einem Nebenteil richteten sich Freddie Mercury und seine Band Queen ihr Mountain View Studio ein. Die Mannschaft des elsässischen Drei-Sterne-Kochs Antoine Westermann sorgt dann noch für einen richtig schönen Abend. Es ist ein futuristisches Spa. Stehen da etwa zwei junge Männer unmittelbar vor einem? Ja! Besser gesagt steht man nackt vor zwei jungen Männern und ist erschrocken. wenn der Angestellte einen nicht im richtigen Moment abgefangen hätte.prco. gewöhnt sich wohl daran. dass man unter seinen Händen für Momente einschlummert. sondern in seinem Heimkino.com/de Sofitel Stephansdom. B. DZ ab 270 Euro . Die Konzerte. an dem Besucher aus aller Welt mit Filzstift ihre Botschaften hinterlassen. Sponsoren durch sein Anwesen führen wie durch ein Museum. Das Ankommen zum Beispiel wäre gestern nur halb so angenehm gewesen. jetzt noch mal schnell ins Hamam. Leider hat das Hotel es versäumt. 15 Minuten sind es bis zum Termin. Für Funky Claude war der Verlust seiner Hauptspielstätte im Nachhinein ein Gewinn: Die Wanderschaft zwischen wechselnden Terminen und Bühnen ließ das Festival immer länger und opulenter werden. Man ist glücklich. sie lassen die darauf ruhenden Gäste wie Teile eines Kunstwerkes erscheinen. Stattdessen aber öffnet sich die Tür. sagt die Dame am anderen Ende der Leitung. bewohnt Nobs zwei Häuser. unten das Wasser. Boden. was man da sieht. Nobs ist nach Genf zum Flughafen gefahren. weit zu blicken. als setzte es sich über dem Wiener Nachthimmel fort. Da sitzt man also und versucht. Wie Ameisen kriechen die Autos am Ufer entlang. Steht auf. ist Nobs wohl der letzte seiner Art. Es zeigt Szenen aus der Natur: herbstliche Blätter. dass man am nächsten Morgen beim Frühstück für einen Moment zweifelt. sie zeigen in Richtung Norden. wohl um noch besser reinsehen zu können. Es stellt sich heraus. kein Teppich. Golden leuchtet Wien in der frühen Morgensonne. und über allem strahlt ein Deckengemälde der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist. Im eigenen Loungebereich macht man es sich gemütlich und entdeckt auf dem Tisch eine Broschüre mit den Angeboten des Spa. In jedem Raum mindestens ein Monster-Flatscreen und eine Sound-Anlage zum Preis eines Mittelklassewagens. Jones wird später mit John McLaughlin einträchtig auf dem Sofa sitzen und Video gucken. Eine Art gläserner Adlerhorst.

Aber möchte man der Koloss aus einer Waldlichtung. Stunde und kostet 99 Euro. Ludwig Fürst scheint nicht viel davon und hüpfe fast übermütig über die Sprossen. »Der Rotor dreht sich jetzt 300 Stunden. dass zu bergen.sport-piraten. das Fach. die immer 87 Meter monströs genug. Angespannt fest zu. hinter diesem Glanz noch die Brust weiten in einem Land. Die haanbietet. Enhuberstraße 4.de (kl. Dabei ist das erst der Anfang. eine Stille. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 63 I Ssssit. Ssssit. Im Handumdre. Und um im Notfall zwängt mich in einen Hosengurt und betont. als wollten sie jede Sprosse erwürgen. Über die Hügel rigen Nadelöhr verschwinden. die Höhenzüge zu beherrschen. Jede hat er nach dem Kirnern seines Halses bis zum Rotor chenheiligen des nächstgelegenen klettern und mich mit ihm versöhnen. der die Fürst meint es ernst. die Hände packen so Männer wie Ludwig Fürst befeuert. Ich aber habe nur Als ich auf die Plattform unter der Nabe trete. Doch irgendwann beginnen Windräder Oben sind es gerade eineinhalb. als seien Dä. wohne Gott. die sche Brille. Er bestellt. weil sie die Schöpfung In Bayern können Touristen nun auf In gleißend weißer Lackhaut ragt bewahrt.Siehe auch KinderZEIT Seite 43 14.Anfragen bei Betreibern gebe es genug. Mein erster Blick in die Tiefe Die Windradbesteigung dauert insgesamt eine bleibt auch der letzte. Wie eine Eidechse steige ich weiter. der noch jeder gegen die Windkraft«. Der hat mittlerweile sein Mehr als 200 von ihnen führen senkrechte 65 gemütliches Weiß-Blau abgelegt und wird von Meter nach oben. Nähere Informationen Als ich mich bis zur Mitte emporgearbeitet und Buchung bei Sport-Piraten. Als indiskutabel. Bayern hat »Kann losgehen«. Er Seine Agentur baut dem Windkraftgewerbe eine bekommen wir Sie nie rechtzeitig ins Kranken. Er dass Heimatgefühle und die Minarette der hen sinkt die Anzeige auf null.schiene ein und tapse los. blickt er in den Himmel. Ssssit. Und ich merke. Dorfs benannt. sagt einer der beiden Industrie.REISEN st das jetzt Patriotismus? Es fühlt sich so men ist.David betrachtet die Flügel beinahe zärtlich. Wie gigantische Beile zerhawerk. Jetzt fällt mir auf. Ich bin einer ihrer ersten ben gepredigt. Ich will Er zeigt auf weitere seiner Anlagen dort ein Windrad besteigen. auf den man sich auch im Sturm verlassen kann. Sie wurden Plötzlich bricht die Sonne durch die Wolkenzehnfachen – mit mahlendem Gedecke und schüttet Licht aus mehreren stänge. auf die Röhre ein. wird schnell offenbar: vergewissert er sich. Segnungen seiner Branche erklärt. Kernkraft ist gleißen die Ränder wie vergoldet. die dazugekommen sind. So hoch sind wir geklettert? Die Felder möchte ich lauter jubeln. Wie ein patenter Bühne. Die Füße suchen nach zum Ausdruck jener Technikerseele wird. Die Hauptrolle bei jeder Kletterpartie haus.) .einen Durchmesser von mehr als vier Metern. gottgewollt ist.de immer neuen Ziffern. dass das ganze Land sogar der Chef persönlich: Ludwig Fürst. seinen Windstromanteil zu ver. gleiten Störche vorbei. »Nur die Pfarrer nicht. Auch wenn die neueste WindradgeneDann schwärmt er von den Renditen das? VON WOLF ALEXANDER HANISCH ration doppelt so hoch ist. Klar. Ssssit. Der Turm 80333 München. wird da wie der Inbegriff des Homo faber. Der Turm hat unten tragen Mandalas aus Traktorenspuren. Aber ins Herz habe ich ihn nicht spielt ein Abgesandter der Betreiberfirma. es hier um mehr gehe als nur um den Kick. Sie wächst. rische Oberpfalz. als habe jemand einen Stecker gezogen. Und mit ihm meine Beklommen. wirken seine der Beteiligungsfonds. Beim Abstieg lehne ich mich in den Gurt drahtiger Bursche mit Weltenbummlerbart. Was er damit meint. Einer der mehr Menschen ins Windgeschäft Sport-Piraten ist schon da. David.heit. Ssssit. Regen prügelt www. düsteren Wolkenfetzen durchwirbelt.Gewitter fort. Unser Windrad heißt Möglich machen das die Sport-PiraJacobus. Plötzlich reißt der Wind ab. Haydn-Sinfonie fahre ich durch die baye. was Erst aus der Nähe lernt man. Dann an. »Sie haben doch keine Herzprobleme?«. Heute ist es Ich klinke meinen Gurt in die Sicherungs. das den Regensburger Dom Löchern. angekündigt. als sie bei 600 Kilowatt angekom. zu halten. Ssssit.« Und das hat überzeugt? Windräder klettern.« Ist das Oberpfälzer Humor? Nein.geschlossen. monen in sie gefahren. sie zu schätzen. dass die Windenergie Kunden.staune ich. Tel. cken die Rotorblätter die Luft. Sofort heult es durch die Röhre. Eine Digitalanzeige rast zu schwankt. unter uns im prangenden Grün. Die Angst. Als wir den Turm betreten. einem Feld in der Oberpfalz. Im Inringsum. die Wälder. zerzauste Frisur – der 62-Jährige wirkt dem richtigen Rhythmus. Fünf Minuten später ist das ruft Herr Fürst. Über 200 Sprossen musst du gehn: Auf der Windradplattform belohnt ein Panorama unseren Autor für den mühsamen Aufstieg Fotos: Olaf Tiedje für DIE ZEIT. 089/80 91 95 00.sport-piraten.kommt mir jetzt vertraut vor. Vielleicht ist es ja mit den WindDa zwängt sich auch Herr Fürst rädern wie mit vielen anderen Dingen: aus der Röhre und erklärt mir. oben nicht kleiner.Dutzend Windräder strahlt. Zum trompetenhellen Blitzen einer kilometer schnell!« Der Herr über knapp zwei blendet Licht meine Augen. Herr Fürst lächelt unergründlich. Herr Bursche.kletterer. Wir sind da. Altmodi. ein einsteigen lassen. Darum geht es heute auf Gott mit den Windrädern zu tun hat. »Bei einem Infarkt da oben Jacobus verfolgt mich lange im Rückspiegel. Aber kann mir Haydn Kind glaubte ich. in Deutschland solche Besteigungen durchführen. Das lasse ich lieber. weil es Vorschrift ist. Kurz darauf fahre ich mit dem Auto vom Feld. der Generator jault. »Volllast! Mehr geht nicht!«. kommt das nächste Unwetter. www. An den Durchbruchstellen locker überragt. Es herrscht jetzt will von der Energiewende profitieren und überall Energiewende nicht zusammenpassen. dass ich gegen diese Vorstellung bis heute das aussieht wie ein Nadelkissen? machtlos bin.habe. ein Münchner Veranstalter. »Vor zehn Jahren war hier ten. bricht das Gewitter los. die über mir im dämme. und hinter jeder Kurve Augen für die Sprossen. sagt seit Kurzem im Landkreis Neumarkt Fürst und kneift die Augen zusamWindradbesteigungen für Touristen men.

die Stiefel zu schnübei den übrigen 34 Tourenvorschlägen. Kultur und Politik. K. auch als iPhone-App führerin in Italien. So gibt Sienas markante Silhouetes unter anderem einen te begleitet den WandeStrandbummel für Murer. 19. Mit Parkplätzen und Banken.90 € . Kuba zwischen Alltag. Corso Verlag. Wer das sportlibeschreibt die schattige.K. 29. Sie gehören als Idee und als Landschaft allen. Britta Ullrich: Toscana. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte.Ziele entdecken. vom ersten Tomatenkauf mit Währungswirrwar bis zum gewagten Protest einer Künstlergruppe. seit Langem hauptberuflich Wander. Verstädterung und der Umbau der Berge in eine Konsumlandschaft der Freizeitgesellschaft. Und nun sitzt sie mit Sack und Pack in einem fast 50 Jahre alten Chevrolet. besser gesagt: mühsam lernen muss.90 € Zu Fuß durch die Toskana zusammengestellt. Ein schönes. bibliophil gestaltetes Buch.« Dabei seien es doch gerade die Berge. und beleuchtet dabei ganz en passant ein Stück europäischer Geschichte. durchaus auch kinderwird das Auf und Ab enttaugliche Route in ihrem lang der schweißtreibenden variantenreichen ToskanaRoute nach San GimignaWanderführer. von denen er vorher nicht einmal wusste. stünden kurz vor dem Kollaps. die nach ren. Juli 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 29 REISEN Daumen hoch Sie waren jung und wollten weg. behutsam saniert. Eine pralle. Ihr Auftrag ist politisch heikel: In Havanna soll Barbara Dröscher halb offiziell ein Zentrum für den akademischen Austausch zwischen Kuba und Deutschland leiten und an der Universität deutsche Literatur lehren. locker geschrieben und Wehmut weckend bebildert. die angesichts erster zaghafter Reformen nach dem Rückzug Fidel Castros die neuen Spielräume auslotet. an Autobahnauffahrten und warteten: »Wer per Anhalter fuhr«. H. der auf den etwa zehn Kilometer südlich der Stadt schelsucher und Ornithologelegenen Lehmhügeln ungen entlang der Lagune von terwegs ist: Britta Ullrich Orbetello. Dabei erno bevorzugen. Maiken Nielsen: Trampen.Zentren schon gut kennt. kann mit diesem zuvervenhainen und auf antiken Hohlwegen. die sich zudem der Geschichte der Schweizer Alpen widmet. che Programm bevorzugt.Erlangen 2011. Die Autorin. der sie vom Flughafen José Martí zu ihrem neuen Zuhause bringt. den Daumen hoffnungsvoll in die Luft gereckt. 384 S. mit wenig Geld möglichst weit kommen. ihrem Widerhall in Politik. was sie zwischen Norwegen und Marokko an Glück. Und so standen sie dann.90 €.lässigen Guide neue Wege und wunderschöne dem verdeutlichen Stern-Symbole und anschau.« Nielsen schickt ihre Leser zurück in eine Zeit.. Michael Müller Verlag. Schmidt fordert: »Die Alpen sind ein öffentliches Gut. Die Autorin lässt ihre Protagonisten Max und Sine ein Jahr lang um die Wette trampen. Tourismus. dass es sie gab. seine vertrauten Kreise zu verlassen und in Umstände geworfen zu werden. sondern vor allem den Reiz des Unvorhersehbaren bot. und was die Dozentin lernt.. Frauenfeld 2011. wieder »die schönste Hafenstadt am nördlichen Wendekreis« werden könnte.und Rundblicke auf die höchsten Gipfel zu genießen. 205 S. Verlag Huber. die. um bei einer Tour durch die Marmoralpen Ruhe acht Regionen sortiert sind.. 112 S. könne sich niemand identifizieren. Außer. schreibt Maiken Nielsen. pografische Kartenausschnitte und GPS-Tracks Selbst wer die Toskana abseits der touristischen bei der Orientierung in Esskastanienwäldern. »Die Alpen werden in ein Renditeobjekt verwandelt. Verlag Walter Frey. Zusätzlich helfen to. als wäre dies die selbstverständlichste Sache der Welt. 232 S. beschreibt. Gegen die »Kolonisierung durch Investoren« richtet sich der Autor nun mit einer materialreichen Streitschrift. so Schmidt.« ALB Aurel Schmidt: Die Alpen. hat ein breit gefächertes Angebot erhältlich Foto: Clemens Zahn/laif Kubanische Studien Sie hatte Lust auf Neues. 14. bunte Sammlung persönlicher Eindrücke und Erlebnisse. Wissenschaft und Philosophie. Oli..80 € Alpen für alle Aurel Schmidt sorgt sich um seine Heimat: Die Schweizer Alpen. H. Hamburg 2011. schuld daran seien Verkehr. Trittsicheren Italienisches Idyll in der Provinz Siena klärt sie den StreckenWanderern empfiehlt Britta verlauf so detailgenau wie Ullrich. Grenzwertigem und Grusel erleben. Durch die Welt mit Neugier und Glück. so der Befund des Publizisten.64 14.17. Barbara Dröscher: Havanna Lektionen. Berlin 2011. schildert Barbara Dröscher in ihren »Havanna Lektionen«. Was sie in der Karibik-Metropole erwartet. als das Trampen für Tausende wohlbehüteter Wirtschaftswunderkinder nicht nur eine billige Form des Reisens war. die eine wesentliche Grundlage für die Schweizer Mentalität bildeten. Edition Tranvía. »hatte die Chance. WH lich gestaltete Weg-Zeit-Höhen-Diagramme den jeweiligen Schwierigkeitsgrad der Routen.

erklingt. Kostüme und 1413 m auf dem Berg. still steht das Berg den Griechen etwas wert.enden. nach Piräus. und seine »goldenen Jahre« erlebte. Die zukommen. Es war schon der Blick des Wanderers über einen kahlen Berglange nicht mehr so viel los.REISEN 14. den die Griechen hat.Zorn der Götter war noch nicht verflogen: Drei dung. KORFMANN Sichere Gewinne fahren nur die Taxifahrer anis Papakostas ist kein Grieche. Statt der Ausflügler kamen jetzt Tananders. Doch draußen schweift sagt der Inspektor der Talstation. übersät von den bleichen. an denen Jahren komplett erneusie vor einer halben Stunde ihr Pir Piräus r GRIECHENLAND ert wurde. »Um noch mehr Steuergelder zu kassieren!« Lampen über den Spieltischen wirkt die Stimmung Und sie debattieren über das Gerücht. elegantem Teakholz herrscht im Saro Saronischer bis zur Akropolis inmitCasino Tristesse. dedas in Griechenland künftig das Aufstellen ein. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 65 Von der Terrasse des Casinos reicht der Blick über ganz Athen Pokern auf dem Schuldenberg Von Athen führt eine Seilbahn hinauf zum Párnitha-Nationalpark. Damals war der Kabinen der Seilbahn den Berg hinauf. als noch die alte Bahn verkehrte. »Maria. Doch der gibt es nur noch ein Thema: die Staatsverschul. 24 Stunden am Tag drehen standen sogar die Räder des Glücksspielhauses still. der Griechen muss die Götter erzürnt haben: 1999 Seit den Olympischen Spielen 2004 kann das ließen sie die Erde erbeben. in aller Ruhe. wem Räder des Spielautomaten »King Kong das Casino gehört. Aber die Spieler wollen nur eins: schnell zum Nationalpark beförderte. deren letzte aus dem Fenster! Die starren auf ihre Schuhe und Leidenschaft das Spiel ist. In der Berghütte von Flabouri sind 40 Schlafplätze eingerichtet. Ihm ist es egal. Nicht zum Parnass. dass das dones.« Es ist noch immer eine stolze Landschaft. stunwar ich nie. Von hier aus Denn der einzige Weg in den Nationalpark führt fuhren sie dann mit der Gondel auf den Gipfel durch die Gänge des Casinos. »Wenn Minuten sind die Gondeln 1055 Meter über dem man einem Griechen erzählt. In den Tälern und auf den Bergen ringsum stehen unversehrte Tannen. die fahren jeden Wiederbelebung eines Mythos – die Geschichte geht Tag um die gleiche Zeit hoch und um die gleiche weiter«. Wenn sie Geld haben. und unter die Naturund tranken Kaffee. die vor wenigen den Tischen herüber. pern entrindeter Bäume. dem Göttersitz bei Delphi. die unberechenbar über noch immer am Casino auf dem Berg hält. Frank Sinatra. sagt Fanis. »Mont Parnes. Die Zinihm. Fanis und Jahren. ein kerkönige und Bankertöchter auf den Berg. satz 1800 Euro. schaltet der Steuermann in der Basismeisten Nachkommen des berühmten Nachrich. kein Souvenirladen noch dazu keinen Cent kostet. Doch die Spielsucht wenn es zu windig war. Doch die meisten Griechen kommen nicht zum Wandern. Fanis ist kein Cash«.de/audio Foto: Dimitriadis/laif für DIE ZEIT . Und die Spieler: Männer chen. Um wenigstens der privaten Insolvenz zu. Majestätisch. hat er lassen sich Geschäfte machen: Die Fahrer halten aufgegeben. wurde der Betrieb eingestellt. Aber Fanis fühlte sich nicht freunde mischen sich Hostessen in Stöckelschuhen wohl unter all diesen hundertprozentigen Grie. die Arbeiter.zenter Beleuchtung und lässiger Croupiers in allen armiger Banditen im öffentlichen Raum erlauben drei großen Spielhallen: Im Schein der niedrigen soll.« Früher parkten auch Maria und Fanis ihr Auto rer. die stieg von der stolzen Höhe. als es Griechenland noch besser 15 km Maria kommen ins Schwärmen. Whiskey und schen Golf. während über Lautsprecher die Stimme dann meistens über das Glück. Die verkohlten Stämme. das auf dem gegenüberliegenden Berggrat zwischen den Bäumen auftaucht. Tel. 6a in Athen. Und wenn sie keins haben. reicht der ganzes Geld gelassen haben. sondern ein ausgerollter Teppich. Rentner ohne Rente. Sie suggerieren.gr. ging und Präsident Karamanlis die erste erzählen von verwilderten Ziegen. Frauen starren auf die rasenden Fanis kichert.regencycasinos. Aber an schönen Wochenden sich einst griechische Propheten zum Belau. die noch mal hochmüssen.15 Uhr ab Omonia und ein letzter um 20. Nähere Auskünfte beim Acharnes Alpinclub. Oder sie diskutieren über das neue Gesetz.zeit.Jahre nach der Olympiade brach Feuer am Gipfel vorzukommen. »und dann tenboten von Marathon würden keinen einzigen ist es besser. Blick bis zum SaroniTrotz Zigarren. Tel. wie er sagt. In fünf Höhenmeter zu Fuß gehen.« deren kurze Aststümpfe wie abgehackte Gliedmaßen Párnitha Anreise: Ein kostenloser Bus des Casinos zur Talstation der Seilbahn startet um 14. wenn die Athener auf die Idee kommen.Meer. Vor 50 ZEIT-Gra ZEIT-Grafik meers von Athen. Trotz der sonoren Stimme des Entertainers. mit über der Stadt am Meer. Jacketts. Acht Minuten braucht die Gondel bei NorWanderschuhe an und fahren zum Fuß des Párnes. um malgeschwindigkeit. wie die Griechen sagen. trinkt geln und füllen reihenweise AschenPárnes nicht. All diese nervösen Spieler.eosacharnon.mountains. für einige Stunden nicht mehr passieren.gr F über die verbrannte Erde hinweg auf grüne Wälder in der Ferne weisen. Nur der Párnes scheint von allen guten Geistern verlassen. sogar den ein. kleine zur See gefahren. Gebannt verfolgen Roulettespieler den Lauf chische Staat wolle seine Anteile verkaufen. Weitere Infos unter www. sind wir heraufgekommen – mitten durch den Wald. war das Spielcasino. an der Talstation des »Teleferik«. mit ihnen zum Casino Mont Parnes fuhren. die ihr schwer verdientes Geld verlieren. »Es gibt Leute. wenn man schwindelfrei ist«. einem Ausflug in die Natur zu kombinieren. nur im Casino Gesichter sind zerknittert. stehen für die Athener im Casino des Athener Hausbergs aus. Als gingen sie zur Arbeit«. dann schlägt er die mit Wanderabzeichen und hölzernen Spazierstöcken. zum 50-jährigen Bestehen. »Schau. die an der Talstation warten. Zehn Jahre später Wunderwerk österreichischer Seilbahnbaukunst nie. spielen sie erst recht. 16 000 Sportler aus die Griechen gut gebrauchen. sind zu Mahnmalen geworden. Korridore. zupft er am zarten Gras.« Durch die Padenlang sitzen stumme VerlieAt At Athen noramascheiben der Seilrer an der Bar und schauen zu bahn. www. Knapp drei Stunden dauert der Aufstieg. gestürzten Köreben Spieler.30 Uhr vor dem Hilton Hotel. gar nicht weit von der Talstation des TeleGlück ständig verfügbar ist. Geld. »Die Griechen sind rücken. In Griechenland aller Welt siedelten am Fuß des Berges. da drüben«. die er der kleinen Schicksalskugel. In kurzen Abständen schwingen sich die der Seilbahn noch 50 Drachmen. sagt Fanis zu Maria und deutet auf ein rotes Haus. spielen sie. der weiße Hügel vor der Kulisse dunkler Wälder im Hintergrund. 0030-210/246 15 28 und 246 42 22. sondern zum Párnes von Athen. »Das ist Flabouri. Also über das von Las Vegas. an dem jedes Unwetter hängen bleibt. albanische Ausstieg rauchten. Und Glück können ferik.15 Uhr ab Piräus. taucht tatsächlich ein Hirsch auf. die über die Seilbahn nebst luxuriösem Hotel mit Pool und weißen Steinflure zwischen Kiefern und Tannen Dachterrasse inmitten des Waldes eröffnete und ihn springen. nach dem in Cowboystiefeln. Kein steiniger Pfad empfängt den WandeHände über dem Kopf zusammen. »Die gucken nicht mal Schmuck behängte Frauen.station auf »Full Speed«. Männer. das im Sonnenlicht zwischen den Baumstümpfen sprießt. dann ziehen die zwei ihre meterpreisen um nichts nachstehen. die Stege hüpft. der Gipfel. er raucht nicht. ein weiterer um 18.gereizt. Vielleicht geht die Geschichte doch noch weiter. verkünden die Betreiber trotzig auf Plakaten Zeit wieder herunter. hoch weil einer von ihnen einmal gewonnen hat. ist spendabel. 56 Hektar des NaMont Parnes 1500 Spielautomaten und 110 Spiel. nie geraucht. www. die vor dem Einstieg rauchten. der grie. zusätzliche Informationen unter www. spielt nicht. Sie suchen das Glück im benachbarten Casino VON HANS W. da haben wir Spanakopita gegessen.und Croupiers in Livree. Er flucht nicht und ist nie für diejenigen.gr Wandern: Eine gute Wanderkarte für den Párnitha gibt es in der Stoa Arsakio Nr. dass man hier hin. wurde aus dem Hotel bei der Gipfelstation ein Früher. Golf Gol ten des weißen HäuserFrüher war das anders. Sie alle schreiten durch die schweigen. Er hat nie getrunken. 0030-210/614 98 00 Casino: Das Restaurant mit großer Terrasse und Blick auf Athen ist an Werktagen abends und an Wochenenden ganztägig geöffnet. MaximaleinEinzig das Casino hat überlebt. Wenn der Himmel blau ist und wenn auch sen für die Privatkredite sollen den deftigen KiloMaria gerade Zeit hat. schen der Götter und anschließendem Orakeln das kostenlose Vergnügen einer Seilbahnfahrt mit versammelten. Nähere Auskünfte bei Regency Casinos. Und da. Mindesteinsatz 5 Euro. Sogar die Liebe zum Meer fehlt Geldbündel im Handschuhfach bereit. statt die Seilbahn zu nehmen.« Wenn die Spieler doch einmal reden. kauen an lackierten FingernäGrieche. sich die Räder der neuen Bahn ebenso wie die Zwar entstand wenig später bei ThrakomakeGlücksräder des Casinos. Denn der Párnes ist ein echter Berg. Doch da. aber kein Messingschild kündet beim Ausaufgelaufen ist. und wenn am Nachmittag dann noch die Spieler hinDem »Párnitha«. tische bereit. durch dieses Tal da. Aber selbst mit den Verlierern griechischen Mokka nennen. »Ich war oft becher. das Olympische Dorf. kostete die Fahrt mit nach oben. da drüben!«. 0030-210/32 18 04. Wer gewonnen türkischen Mokka.tionalparks lagen in Asche.

66 14. Juli 2011

DIE ZEIT No 29

REISEN

»Am sensibelsten sind die Großen«
In Gondwanaland, der neuen Tropenhalle des Leipziger Zoos, gewöhnen sich die Tiere langsam an die Besucher
DIE ZEIT: Die riesige Tropenhalle GondwaZEIT: Zu sehen gibt es in der Tropenhalle jede

Fotos (Ausschnitte): Sebastian Willnow/dapd; Zoo Lepzig (kl.)

naland ist die neue Attraktion des Leipziger Zoos. Allein am Eröffnungstag am 1. Juli sind 3500 Besucher über die Bohlenwege spaziert und den künstlichen Fluss heruntergeschippert – dem Publikum scheint das Konzept zu gefallen. Aber wie haben die Tiere reagiert? Michael Ernst: Unterschiedlich. Das Faultier saß am Anfang immer etwas verschüchtert ganz oben in seinem Baum, einer toten Robinie. Inzwischen traut es sich allerdings schon etwas weiter runter. Den Komodowaran dagegen stört der Trubel ringsrum gar nicht: Die Echse braucht eine Stelle, die 45 Grad warm ist, und die haben wir ihr einfach direkt vor der Scheibe eingerichtet. Genau da legt sie sich jetzt auch hin. ZEIT: Vom Serval, einer afrikanischen Wildkatze, waren bei der Eröffnung nur die Fußspuren im Sand zu sehen ... Ernst: Er hatte auch nur wenige Tage, um sich einzugewöhnen. Mit der Zeit wird er aber sicher zutraulicher werden. Normalerweise gilt: Je größer die Tiere, desto sensibler sind sie – wie die Schabrackentapire, die sind bisher noch unsere Sorgenkinder. Wir haben ein Weibchen aus Nürnberg und ein Männchen aus England. Wenn wir die beiden jetzt schon zusammen rauslassen würden, hätte ich Sorge, dass sie in Panik irgendwo gegenrasen. ZEIT: In der Tropenhalle kommen Besucher den Tieren näher, als das in Zoos sonst üblich ist. Gibt es da besondere Verhaltenstipps? Ernst: Na ja – man sollte vielleicht nicht gerade schreien, wenn man etwas sehen will, aber das ist im Wald ja auch so. Langsam gehen, lange gucken, den Rundweg inklusive Baumwipfelpfad ruhig zwei- oder dreimal machen. Man muss sich hier schon ein bisschen Mühe geben, stehen bleiben und suchen.

Menge. Wie bringt man als Tierpfleger eigentlich 300 Tiere aus mehr als 40 Arten in einer einzigen Halle zusammen? Vertragen die sich überhaupt? Ernst: Die Gehege und Becken sind schon getrennt. Zusammen lassen wir zum Beispiel Riesenotter und Weißgesichtsmakis, südamerikanische Affen. Aber direkt aufeinander treffen sie trotzdem nicht, weil die einen nur am Boden oder im Wasser bleiben und die anderen auf den Bäumen. So eine Tiervergesellschaftung ist aber immer ein Versuch, und der kann auch mal schiefgehen – etwa wenn ein Affe runterfällt und gebissen wird. ZEIT: Und was das Klima betrifft? Ernst: Da gibt es kein Problem: Wir zeigen hier die Vielfalt von vier Kontinenten – alle, durch die sich der Regenwaldgürtel um den Äquator zieht: Afrika, Asien, Südamerika und Australien. Dadurch haben die Tiere schon mal gemeinsam, dass sie ähnliche Temperaturen brauchen und etwa zwölf Stunden Licht. ZEIT: Momentan ist es doch aber viel länger hell. Ernst: Ach, das macht nichts, die Tiere kommen so oder so in ihren Rhythmus. Ich finde, man darf das mit den Zeiten nicht so genau nehmen, bei der Fütterung zum Beispiel: In der freien Wildbahn fängt der Otter ja auch nicht jeden Morgen um acht einen Fisch. ZEIT: Nach welchen Kriterien haben Sie die Tiere ausgewählt? Ernst: Wir haben uns gefragt, was das Publikum mag, was aus fachlicher Sicht interessant ist, welche Tiere in der Halle gehalten werden können – und welche wir überhaupt bekommen. Als vor zwölf Jahren die Idee entstand, las sich die erste Wunschliste für das Gondwanaland wie ein Who’s who der Tierwelt. Über die Jahre mussten wir die Liste dann allerdings

der Realität anpassen. Seekühe etwa sind ein- Ernst: Ach was, die bekommt von dem ganzen fach zu groß für eine Halle, auch wenn sie Hype gar nicht viel mit. Außerdem hat Heidi 16 500 Quadratmeter misst. längst gemerkt: Wenn man den Leuten nicht ZEIT: Kann man als Besucher mit den Tieren die Schiele-Augen, sondern den Hintern zudreht, gehen die auch schnell weiter. Aus Sicht auch in Berührung kommen? Ernst: Nicht direkt, aber zumindest kommt eines Tierpflegers ist sie ohnehin nichts wirkman ihnen sehr nah, den Totenkopfaffen zum lich Besonderes, in Amerika gilt ein Opossum Beispiel. Denen haben wir eine eigene Insel sogar als Schädling, ein Fall für den Kammergebaut, die Gäste auch betreten dürfen. Not- jäger. Aber ich finde es wunderbar, dass wir falls benutzen die Tiere mal einen Besucherrü- mit einem Schädling so viel Aufmerksamkeit cken zum Abspringen, die Kontaktaufnahme erregen. Das bringt uns ja auch zusätzliche sollte allerdings den Affen überlassen bleiben. Einnahmen, die wir einer bedrohten Tierart Wir hoffen nur, dass sie dabei keine Brillen zugutekommen lassen können: den Sabahmitgehen lassen. Die Affen im Londoner Zoo Nashörnern nämlich. Von denen gibt es nur haben mal eine ganze Weile Sonnenbrillen re- noch etwa 50 Exemplare in freier Wildbahn. Ich war sechs Wochen lang selbst auf Borneo, gelrecht gehortet. wo wir ein Projekt für diese ZEIT: Welche Tiere mag das Nashörner unterstützen. Publikum bisher am liebsten? Ernst: Am längsten stehen die ZEIT: Und? Fühlt sich GondBesucher bei den Zwerg- und wanaland ähnlich an wie der den Riesenottern – weil die Regenwald dort? niedlich sind und immer in Ernst: Na ja, fast – das Klima Bewegung. Zoo-Freaks gehen ist hier bei uns mit etwa 26 dagegen eher zu den SundaGrad und bis zu 75 Prozent Gavialen, südostasiatischen Luftfeuchtigkeit zumindest Krokodilen, zum Tüpfelbeutel- Michael Ernst, 40, ist vergleichbar – nur nicht ganz marder oder zu den Flussschild- Cheftierpfleger in so extrem, sonst würden die kröten. Und manche bleiben Leipzigs Gondwanaland Besucher ja reihenweise Kreisda dann einfach den halben laufprobleme bekommen und Tag stehen und sehen zu. umkippen. Außerdem ist der ZEIT: Haben Sie selbst auch ein Lieblingstier? echte Regenwald in Bodennähe oft dunkel Ernst: Mich begeistern die schnöden Blatt- und braun. Grün und lebendig wird er erst in schneiderameisen. Wenn man beim Bootsan- den Baumkronen. Das haben wir hier natürleger ansteht, dann kann man sie beobachten. lich anders gemacht. Bei uns läuft man nicht Diese soziale Organisation! Darin sind die uns durch einen Stangenwald, sondern durch grünen Urwuchs: eine ästhetische Überspitzung, haushoch überlegen. ZEIT: Der eigentliche Gondwanaland-Star ist klar. Aber Sie gucken ja auch keinen Krimi, aber doch sicher Heidi, das schielende Opos- um echte Polizeiarbeit zu sehen, mit stundensum. Stresst sie das nicht extrem, wenn da langem Aktenwälzen. zehn Stunden am Tag zig Menschen vor ihr an Interview: TINKA DIPPEL der Scheibe kleben?

Der Totenkopfaffe kommt auch mal auf einen Sprung vorbei

CHANCEN

S. 71

BERUF

Spielen zwischen Kühen und Hühnern: Eine Landwirtin und eine Erzieherin in Niedersachsen leiten einen Bauernhofkindergarten

SCHULE HOCHSCHULE BERUF

LESERBRIEFE S. 88 DIE ZEIT DER LESER ab S. 72 STELLENMARKT
S. 87

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

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POLITIK UND FORSCHUNG

Wissenschaft für alle
Merkel will mehr Verständlichkeit, das sollte auch für die Politik gelten
Kann man das nicht einfacher formulieren? Das ist es, was Angela Merkel in einem Absatz ihrer Rede auf der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft fordert. Sie bittet die Forscher, »die Sprache der Wissenschaft so zu benutzen, dass diejenigen, die nicht ganztägig wissenschaftlich beschäftigt sind, sie auch verstehen können«. Ein schöner Aufruf zu mehr Verständlichkeit. Akademisches Schreiben ist eine elitäre Angelegenheit – schade, wenn die schriftlichen Wunder des Fortschritts sich nur Eingeweihten öffnen oder gar nicht erst gelesen werden. Natürlich passt die Quantentheorie nicht auf den Bierdeckel. Wo man es aber einfaSEI T EN cher sagen kann, da soll man das auch tun. Wo es gar nicht geht, darf man den Nutzen hinterfragen. Dem Ansehen der Wissenschaft tut es gut, wenn mehr Leute Zutritt haben. Dann gibt es auch andere Gründe, eine Doktorarbeit aufzuschlagen, als nur die Jagd nach plagiierten Stellen. Vom Inhalt kann man schließlich profitieren, wie auch die Kanzlerin in ihrer Rede befindet: Die Ergebnisse könnten »bis weit in das persönliche Leben hinein von Relevanz sein«. Das hat sie hübsch einfach erklärt. Bei ihr und in der Politik ist das leider nicht immer so. Ein guter Tipp an die Wissenschaft also, der auch für Angela Merkel selbst gilt. LEONIE ACHTNICH
VON PETRA HEMMELMANN

Fehlkalkulation
Vier Millionen Deutsche leiden an einer Rechenschwäche. Die Schulen nehmen darauf kaum Rücksicht

E

s ist nur eine kleine Zahl. Aber da steht es schwarz auf weiß. Eine Vier in Mathematik. Die Leistung ist ausreichend, heißt das. Für Lea Breitenbach und ihre Eltern ist sie weit mehr. Sie ist ein lange erkämpfter Sieg. Lea besucht die fünfte Klasse der Glauber-Realschule im unterfränkischen Karlstadt, und die Vier im Zwischenzeugnis ist die erste Mathe-Note ihres Lebens. Seit der ersten Klasse war die Notengebung in Mathe bei ihr ausgesetzt worden. Noch vor zwei Jahren waren eine Vier in Mathe und die Realschule weit entfernt. Wäre es nach den zuständigen Politikern und Beamten gegangen, wäre Lea heute auf der Förderschule. Dabei ist das zierliche Mädchen mit den langen braunen Haaren eine passable Schülerin. Eine Eins in Religion, eine Zwei in Erdkunde, Dreier in Deutsch und Englisch. Doch Zahlen sind für sie eine fremde Welt. »Rechnen ist was für die anderen«, sagte sie schon in der dritten Klasse. Die Elfjährige kann bis heute nicht sicher bis zwanzig rechnen, Größen und Mengen nicht schätzen, hat Probleme in der räumlichen Vorstellung. Lea fehlt die Fähigkeit, Mathematik zu verstehen. Dyskalkulie ist das Fachwort für diese Rechenschwäche. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet sie als Teilleistungsstörung. Das heißt: Wer Dyskalkulie hat, bringt auf anderen Gebieten ausreichende Leistungen, ist mindestens normal intelligent. Die Rechenstörung zeichnet sich aus durch das vollkommene Missverstehen der Mathematik. Dyskalkuliker haben vor allem mit den Grundrechenarten Schwierigkeiten. »Sie haben keine Vorstellung, dass sich hinter Zahlen Mengen verbergen. Für sie ist Mathematik wie eine Fremdsprache, die sie nicht verstehen«, erklärt Inge Palme, Beraterin beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL).

Mädchen. Wenn ihre Klassenkameraden rechnen, beschäftigt sie sich selbstständig mit Lernmaterial aus einer Rechenkiste. Als Lea in die dritte Klasse kommt, beginnen sich ihre Eltern zu fragen, was nach der Grundschulzeit aus ihrer Tochter werden soll. Elke und Uwe Breitenbach wissen: Wenn es keine Note in Mathematik gibt, kann diese auch nicht in den Notenschnitt im Übertrittszeugnis einfließen. Die Schulbehörden sehen das ähnlich: Ohne Mathe-Note keine weiterführende Schule. Ob man nicht mal über die Förderschule nachgedacht hätte? Die Breitenbachs kämpfen sich durch die Behörden, werden von einer Zuständigkeit zur nächsten verwiesen. »Ein Spießrutenlauf«, sagt die Mutter. Im Ministerium sitzt Elke Breitenbach sechs Beamten gegenüber: Ohne MatheNote keine Realschule. Dyskalkulie hin oder her. Lea dürfe aber zum Nachholtermin der Prüfung für eine nachträgliche Realschulzulassung antreten, lautet der Vorschlag. »Na ja, dann schaff ich das jetzt halt«, sagt Lea tapfer, als sie davon erfährt. Eifrig bereitet sie sich mit alten Prüfungsfragen vor. Schriftlich läuft es durchwachsen, doch im mündlichen Teil überzeugt Lea die Prüfer. Sie sei neugierig und weit über Hauptschulniveau. Sie bekommt eine Vier. Ausreichend für die Realschule.

lich bezeichnen«, sagt Johannes Mierau, dessen Spezialgebiet das Schulrecht ist. Im Grundschulbereich sei es oft zumindest über Umwege möglich, einen Nachteilsausgleich zu erwirken. So geht die bayerische Volksschulordnung zwar nicht speziell auf Dyskalkuliker ein, sieht aber vor, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf von der Schule einen Nachteilsausgleich bekommen können. Andere Bundesländer wie Niedersachsen, Baden-Württemberg und Berlin haben inzwischen eigene Verordnungen zur Rechenstörung. Gängiger Nachteilsausgleich ist eine Zeitzugabe. In Berlin, Bremen oder Rheinland-Pfalz zum Beispiel können rechenschwachen Schülern sogar andere oder weniger Aufgaben gestellt werden. Ein Rechtsanspruch

besteht jedoch nicht. Es liegt im Ermessen des jeweiligen Schulleiters, ob und in welcher Form Nachteilsausgleiche gewährt werden. Verglichen mit dem Bereich der weiterführenden Schulen ist die Situation in der Primarstufe noch geordnet. An Gymnasien und Realschulen sind weder Nachteilsausgleich noch Notenschutz vorgesehen. Hauptargument der Kultusministerien ist, dass Dyskalkulie nicht ausreichend erforscht sei. Die Grenze zwischen Schülern, die sich einfach mit Mathe schwertun, und solchen, die tatsächlich eine Rechenschwäche haben, sei schwer zu ziehen. Verantwortlich für die politische Zurückhaltung könnte jedoch auch die zenFortsetzung auf S. 68

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Dyskalkulie fängt bei den Grundrechenarten an
Der Fall Lea zeigt, wie überfordert die Politik mit der Problematik Dyskalkulie ist. Vier Millionen Leidtragende – das ist mehr als Berlin Einwohner hat –, aber im Schulrecht ist die Rechenschwäche bis heute ausgespart. 2007 rang sich die Kultusministerkonferenz (KMK) zu einer gemeinsamen Empfehlung zur Förderung von Schülern mit »besonderen Schwierigkeiten« durch. Während für Legastheniker Zeitzuschläge und sogar das zeitweise Aussetzen von Noten angeraten werden, gibt es für Schüler mit einer Rechenschwäche keinerlei Fördervorschläge. Eine Berücksichtigung der Rechenstörung bei der Notengebung würde gar den Grundsatz der gleichen Leistungsbewertung verletzen. Bei Rechenschwachen ist häufig schon der Rechenweg falsch, das Ergebnis folglich unbrauchbar. Wie soll ein Lehrer so eine Leistung bewerten? Der Würzburger Jurist Johannes Mierau beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Legasthenie und Dyskalkulie. Er kann die Unentschlossenheit der Politik teilweise nachvollziehen: »Wenn ein Legastheniker ein Wort falsch schreibt, kann der Lehrer trotzdem erkennen, was der Schüler inhaltlich ausdrücken wollte. Das ist bei einem Dyskalkuliker in Mathematik weit schwieriger.« Während die Legasthenie nur einen Teilbereich der sprachlichen Fähigkeiten betrifft, wirkt die Dyskalkulie auf das Fundament der Mathematik. Lea hat, wie mindestens 17 Prozent aller Dyskalkuliker, auch eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Beide Teilleistungsstörungen sind von Kinder- und Jugendpsychologen bestätigt. »Uns bringt aber nur die eine Bescheinigung wirklich etwas, die andere könnten wir auch als Klopapier verwenden«, sagt Elke Breitenbach energisch. Während Lea aufgrund ihrer Legasthenie in jedem Fach bei Tests und Prüfungen einen Zeitzuschlag von 50 Prozent bekommt, hat der Dyskalkulie-Bescheid nur symbolische Bedeutung, im Grunde bundesweit. »Ich würde kein Bundesland hinsichtlich der Dyskalkulie als fortschritt-

Schlechte Mathe-Noten können Schülern die Zukunft verbauen
Zwischen vier und sechs Prozent der Bevölkerung haben eine solche Rechenschwäche, schätzen Wissenschaftler. Das entspricht rund vier Millionen Deutschen. Im Schnitt sitzt damit in jeder Schulklasse mindestens ein Dyskalkuliker. Wenn es Zeugnisse gibt, bangen vor allem oft solche Kinder und ihre Eltern um die Mathe-Note. Denn gerade beim Übergang in die weiterführenden Schulen kann diese Note entscheidend sein. Obwohl die Rechenstörung weit verbreitet ist, ist es das Wissen darüber nicht. Anders als bei ihrem Pendant in der Buchstabenwelt, der Legasthenie, sind mit der Rechenschwäche konfrontierte Politiker, Lehrer und Eltern vor allem eines: ratlos. Dass Lea anders ist als die anderen, bemerkt ihre Mutter Elke schon in den ersten Schulwochen. Die Erstklässler sollen Mengen einkreisen. Während ihre Klassenkameraden längst fertig sind, ist Lea noch am Zählen. Selbst Zahlen zu schreiben fällt ihr schwer. 53 oder 48 – was ist größer? Lea grübelt. »Wieso weiß das immer jeder außer mir?« Eine Diagnose beim Kinder- und Jugendpsychiater am Ende der ersten Klasse bestätigt den Verdacht: Lea hat Dyskalkulie. Auf Vorschlag der Schule wird die Notengebung in Mathe ausgesetzt. Zum damaligen Zeitpunkt ist das in Bayern noch auf unbestimmte Zeit möglich, mittlerweile nur noch für maximal sechs Monate. Der mobile sonderpädagogische Dienst übt fortan einmal in der Woche mit dem

Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www.niels-schröder.de

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68 14. Juli 2011

DIE ZEIT No 29

SCHULE

CHANCEN

Pflege, gemeinnützige Vereine, Versorgung von Bedürftigen: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Schüler, sich sozial einzusetzen

hrenamt bewegt was
Jugendliche sollen soziales Engagement auch in der Schule kennenlernen, fordert der Bildungsforscher Heinz Reinders
ZEIT: Wie wollen Sie das ZEIT: Sie meinen, die Schule müsste das Eh-

DIE ZEIT: Herr Reinders, Sie

arbeiten an einer Längsschnittstudie mit dem Titel »Jugend. Engagement. Politische Sozialisation« und haben gerade die erste Befragungsrunde ausgewertet: Haben Jugendliche überhaupt noch Zeit, sich sozial zu engagieren? Heinz Reinders: Das war einer der überraschenden Befunde: Fast 50 Prozent der 2400 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 15 Jahren, die wir befragt haben, haben sich in den letzten zwölf Monaten ehrenamtlich engagiert. Sie waren dabei rund 22 Stunden im Monat aktiv. 47 Prozent gaben an, dass sie schon länger als ein Jahr engagiert sind. Das sind deutlich höhere Werte, als sie zum Beispiel der Freiwilligensurvey erhoben hat. ZEIT: In welchen Bereichen spielt sich das Engagement ab? Reinders: Die Schüler engagieren sich in der Kirche um die Ecke, bereiten Kindergottesdienste vor oder sind in der Schule oder in Sportvereinen aktiv, in denen sie ohnehin schon selbst Sport treiben. Die Alltagsnähe ist eine wichtige Voraussetzung für das soziale Engagement. Niemand würde dafür 60 Kilometer mit dem Auto fahren. ZEIT: Sie versuchen mit Ihrer Studie auch einen Zusammenhang zwischen Ehrenamt und politischem Engagement herzustellen. Hängt die Entscheidung, später wählen zu gehen, wirklich davon ab, ob einer mal Kindergottesdienste vorbereitet hat? Reinders: Einen direkten Zusammenhang nehmen wir gar nicht an. Viel spannender ist die Entwicklung, die dahintersteht. Wer sich sozial engagiert, erlebt eine Selbstwirksamkeit, spürt, dass es möglich ist, im Kleinen die Gesellschaft zu verändern. Die meisten Jugendlichen sagen, sie finden ihre Aufgabe sinnvoll, und haben das Gefühl, etwas zu bewirken. Auf diese Weise erleben sie sich als jemanden, der in der Gesellschaft einen Beitrag leistet, und Stück für Stück fangen sie an, sich als Teil dieser Gesellschaft zu begreifen – mit bestimmten Verantwortlichkeiten, die sich daraus ergeben. Von diesem Bewusstsein ist es nur noch ein kleiner Schritt, sich auch politisch zu beteiligen.

politische Interesse der Jugendlichen messen? Reinders: Wir begleiten die Jugendlichen über vier Jahre, bis sie zum ersten Mal wahlberechtigt sind. Auch jetzt haben wir schon gefragt, ob sie wählen gehen würden, wenn sie denn könnten. Von den sozial Engagierten würden 63 Prozent bei Landtagswahlen ihre Stimmen abgeben, 69 Prozent bei Bundestagswahlen. Da liegen jene Jugendlichen, die sich nicht engagieren, deutlich zurück – von ihnen würden nur 51 beziehungsweise 59 Prozent wählen gehen. ZEIT: Wer hat den größten Einfluss auf die Jugendlichen, wenn es ums Engagement geht? Reinders: Lange Zeit galt in der Forschung die Prämisse: Weiß man, ob die Eltern engagiert sind, weiß man, ob sich später auch die Kinder engagieren. Die Eltern sind aber nicht allein ausschlaggebend. Die häufigsten Zugänge finden sich über schulische Projekte, bei Hauptschülern auch sehr oft über Freunde. ZEIT: Ist auch das Ehrenamt wieder eine Frage der Bildungsschicht? Reinders: Es ist ärgerlich, dass die bekannten Befunde in dieser Frage stabil bleiben. Hauptschüler engagieren sich seltener als Realschüler oder Gymnasiasten. Das ist ein problematisches Ergebnis, weil wir ganz klar zeigen können, dass mit sozialem Engagement auch das Selbstwertgefühl der Jugendlichen steigt – womit ein Hauptschüler in diesem Punkt einmal mehr hintendran wäre. Ehrenämter sind eine Art Türöffner in die Gesellschaft und führen zu einer größeren Bereitschaft, demokratisch zu handeln. Das sollte unserer Gesellschaft in allen Bildungsgängen ein wichtiges Ziel sein. ZEIT: Ist es das nicht? Reinders: Wenn es in Deutschland um den Bildungsauftrag zur gesellschaftlichen Erziehung geht, dann wird das noch rein auf der Wissensebene abgehandelt. Die Erfahrungsebene kommt da viel zu kurz. Im Bewusstsein unseres Bildungssystems ist es noch nicht angekommen, dass soziales Engagement nicht nur der Gesellschaft nutzt, sondern eben auch denjenigen, die in diese Gesellschaft hineinwachsen.

renamt stärker zu ihrer eigenen Sache machen?
Reinders: Wir wissen aus unseren Befragungen,

Fotos (Ausschnitte v.o.n.u.): Jens Büttner/dpa/Picture-Alliance; Dirk Eisermann/laif; Thomas Bernhardt/Visum; privat

dass gerade Hauptschüler vor allem durch schulische Projekte zu ehrenamtlichem Engagement kommen. Sie wünschen sich »interessante Projekte«, in denen »sie ihre Fähigkeiten einbringen können«. Es wäre durchaus vorstellbar, dass die Schulen sagen, wir machen zwei Stunden weniger Geschichte und dafür mal ein Projekt mehr, in dem die Jugendlichen reale Erfahrungen sammeln. ZEIT: Vor allem bei Privatschulen gibt es da Bewegung: Einige haben das Fach Soziale Verantwortung in ihren Stundenplan aufgenommen. Warum tun sich die öffentlichen Schulen so schwer mit dem Thema? Reinders: Die Ausreden hören sich immer gleich an: Wir haben keine Ressourcen, sind schon mit der Umsetzung des Lehrplans genug ausgelastet. Seit Pisa geht es vor allem um Leistung. Dabei spreche ich ja nicht davon, dass man sich 20 Stunden in der Woche dem sozialen Engagement widmen muss. In den USA fordern die Highschools von ihren Schülern 40 Stunden Engagement, verteilt über zwei Schuljahre hinweg. Das ist nicht die Welt, und trotzdem zeigen die Studien dort: Das wirkt bereits und führt zu einer höheren gesellschaftlichen Sensibilisierung. ZEIT: Was wird passieren, wenn die Schule das Thema weiterhin vernachlässigt? Reinders: Der Bundesfreiwilligendienst hat schon jetzt erhebliche Akzeptanzprobleme. Viele Einrichtungen, die bisher fest mit Zivildienstleistenden geplant haben, wissen nicht mehr, wie sie bestimmte Tätigkeitsbereiche abdecken sollen. Wir müssten dahin kommen, dass sich soziales Engagement wie ein roter Faden durch die Biografien junger Menschen zieht, dass es zum Heranwachsen einfach dazugehört.
Interview: JEANNETTE OTTO

Heinz Reinders, 39, ist Professor für Empirische Bildungsforschung an der Uni Würzburg

Fortsetzung von S. 67

trale Bedeutung von Mathematik als Kernfach und Basis vieler Naturwissenschaften sein. Ohne »ausreichende mathematische und rechnerische Kompetenzen« sei das Erreichen von Abitur oder mittlerer Reife gefährdet, heißt es etwa in einer Stellungnahme der bayerischen Landesregierung. Eine Abiturprüfung in Mathematik hätte Andreas Kern* wohl seinen Traum vom Jurastudium gekostet. Der 19-Jährige hat gerade in Niedersachsen das Abitur bestanden – mit einem Durchschnitt von 2,9 –, obwohl auch Andreas die Welt der Zahlen nie verstanden hat. Um das Fach Mathematik als Pflichtfach in den Abi-Prüfungen zu umgehen, hat Kern die letzten beiden Schuljahre in einem Internat fern seiner sächsischen Heimat verbracht. In Niedersachsen, wo er Mathe zwar belegen, nicht aber Abitur darin schreiben musste. Ein Schachzug, der Andreas den Weg in die Zukunft geebnet hat. Doch der wird nicht mehr lange möglich sein – die Kultusministerkonferenz strebt einheitliche Bildungsstandards in Mathematik an. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Stiftung Rechnen aus dem Jahr 2009 glauben 95 Prozent der Deutschen, dass mathematische Fähigkeiten für eine erfolgreiche Lebensführung wichtig sind. Gut also, wenn die Bildungspolitik Mathematik in den Mittelpunkt stellt. Weniger gut, wenn die Schwächsten dabei zurückgelassen werden. Wenn es um die deutsche Bildungspolitik geht, verhärten sich die Gesichtszüge von Christine Sczygiel. »Keiner fühlt sich verantwortlich, sich um die Kinder zu kümmern, die bereits in unserem Schulsystem stecken. Begabte Schüler werden bewusst zurückgelassen, da verkümmern viele Potenziale«, sagt die Vorsitzende des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie (BVL). Schüler mit Dyskalkulie müssten dabei unterstützt werden, einen ihrer Begabung entsprechenden Bildungsabschluss zu erreichen. »Wir wünschen uns, dass die Lehrer von Anfang an

aufmerksamer sind, auf Symptome achten und den Eltern zuhören, statt sie zu vertrösten«, sagt Inge Palme, die beim BVL für Beratung und Fortbildung zuständig ist. Oft werden Kinder in der Schule über Jahre hinweg mit durchgeschleppt oder schaffen mit gewaltigen Gedächtnisleistungen trotz Rechenschwäche passable Noten. Doch früher oder später stürzt ihr mathematisches Kartenhaus ein, ist sein Fundament doch ein sehr wackeliger Zahlenbegriff. Unbehandelt bleibt die Dyskalkulie bestehen. Sie wächst sich nicht von allein irgendwann aus. Aber sie ist behandelbar.

Rechenschwäche ist gut behandelbar, wenn sie früh genug erkannt wird
Menschen, die keine adäquate Therapie bekommen, tragen die Konsequenzen ein Leben lang. Denn Mathematik endet nicht am Schultor. Unser Alltag ist durchzogen von Zahlen: Preisschilder, Fahrpläne, Uhren, Kilometeranzeigen, Buchhaltung, Börsenkurse. Bei Erwachsenen, die rechenschwach sind, ist die Dyskalkulie durchaus mit einer Art Analphabetismus vergleichbar. Viele Betroffene kommen nur noch mit Tricks durch den Alltag, manche von ihnen können nicht mal einen Fahrplan lesen. Wird die Rechenschwäche früh genug erkannt, kann ihr Verlauf deutlich positiv beeinflusst werden. Beginnt ein rechenschwaches Kind bis etwa Mitte der dritten Klasse eine Therapie, stehen die Chancen gut, dass es danach aus eigener Kraft dem Unterricht folgen kann. Ob einem Kind trotz Dyskalkulie die Zukunft offensteht, ist im Bildungsland Deutschland eine Frage des Einkommens. Eine Dyskalkulietherapie dauert in der Regel zwei bis zweieinhalb Jahre, für wöchentliche Einzelsitzungen können da pro Monat schnell 240 Euro anfallen. Die Krankenkassen kommen für die Therapiekosten nicht auf. Und die Hürden für eine finanzielle Förderung durch das Jugendamt werden immer höher. »Es geht ja nicht darum, aus dem Kind einen Einser-

Kandidaten zu machen, sondern um die Teilhabe am Leben und in der Gesellschaft. Jemand, der nicht rechnen kann, gerät schneller sozial ins Abseits«, sagt Inge Palme vom BVL. Das Niveau der Schulabschlüsse ist unter Dyskalkulikern deutlich geringer als unter mathematisch normal Begabten. Häufig haben Rechenschwache ein vermindertes Selbstwertgefühl, sind zurückgezogen oder aggressiv. Durch Kopf- und Bauchschmerzen zeigt sich körperlich die enorme seelische Belastung. Kinder mit Rechenstörungen entwickeln deutlich häufiger psychische Störungen als nicht betroffene Kinder, darunter auch Depressionen. Wer eine Therapie besucht, hat prinzipiell die gleichen Zukunftschancen wie normal Begabte. Deshalb müsse man die außerschulischen Therapien fördern und die Jugendämter mit den nötigen finanziellen Mitteln ausstatten, fordert Inge Palme. Lehrer und Therapeuten könnten im Idealfall in Lernnetzwerken zum Wohl der Kinder kooperieren. »Aber davon sind wir Lichtjahre entfernt.« Lichtjahre entfernt scheint auch eine gesicherte Zukunft für Lea. Die Breitenbachs kämpfen momentan beim Jugendamt um eine Eingliederungshilfe, denn eine Dyskalkulietherapie für die Elfjährige kann sich die sechsköpfige Familie ohne Unterstützung des Staates nicht leisten. Seit Wochen telefoniert Mutter Elke dem Gutachten zum Seelenzustand ihrer Tochter nun schon hinterher. In diversen Gesprächen hat man ihr bereits klargemacht, dass man Lea nicht für gefährdet halte – schließlich sei sie ja auf der Regelschule, folglich gut eingegliedert. Dass sie sich den Weg dorthin erkämpft hat, gegen den Widerstand von Politik und Behörden – kein Wort darüber. Die Breitenbachs kämpfen nun weiter – damit Lea nicht den Preis dafür zahlt, dass sich die deutsche Politik im Umgang mit der Dyskalkulie verkalkuliert.
*Name von der Redaktion geändert

Tampons kommen zur Reserve ins Sekretariat.ball brachte ihn auf das Urspring-Internat in soldaten offiziell studieren. erinnert er sich heute. sagt Schorlemmer. »Das denke ich immer noch Spitzensport beim Streitkräfte-Amt. fiel er durch die Löcher. ein guter Trainerstab Kim Bui aus Stuttgart. Schauturnen – darauf muss Hofer verzichten. So helfen an eini. Und seit er weniger verbissen trainiert. jeweils eine halbe Stunde. eine neue Bühne braucht. Der Geschäftsführer Michael Wieczorek war selbst Schüler in Iserlohn. An seiner Univerein Risiko einzugehen. Ich bin Europäerin. und das StartkaBei Zoll und Polizei sind die Athleten damit pital will er sich als Profi erspielen. Hofer ist angekommen.[M] Ruffer/Caro. bis der Vertrag abgeschlossen war. es ist nicht messbar. Das ist ein Luxus. Nur sehen sich die beiden manchmal äußerst ähnlich. sagt Schorlemmer. was Werbung will? Wenn eine Marke tatsächlich in den Köpfen der Kinder hängen bleibt. » hier verankert. Zudem üben Schüler einmal im Jahr mit den Profis aus der Firma Lobbe Bewerbungsgespräche oder lassen sich erklären. Juli läuft der letzte Vortrag.Helge Liebrich ist derzeit der einzige spielen vor 80 000 Zuschau. wenn sie Geld eintreibt? »Die Eltern haben Angst vor Sponsoring. Turnfeste. sagt er. was der Mensch geschaffen hat. zu middle of nowhere noch über. war Andreas Hofer anfangs unangenehm. braucht mit Unterstützung nicht zu rechnen. der nie ein herausragender Schüler war. Eine bunte Mischung – genau das wollten wir. brach aber nach einem halben Ort. Berlin und Sachsen-Anhalt wurde das Verbot etwas gelockert. der im Haushalt der Schule nicht vorgesehen war. »Allerdings ihm Selbstvertrauen ein. Das sei schwierig.ganß. über meinen eigenen Schatten zu springen und Verantwortung zu übernehmen! … antwortet: Jasmin Grünig. Nur in Bremen. Geld gab es keines dafür. Also eine gelungene PR-Aktion. was überhaupt nicht geht: Vor einigen Jahren bot die Keksfirma Bahlsen Schülern an. Auch bei den Frauen ist nur Gegenzug sein Wirtschaftsstudium finanziert.. Doch auch das Unternehmen profitiert von den Praktika: Es lernt den Nachwuchs kennen. wurde allerdings seit dem turner aus Heidelberg bestreitet Wettkämpfe für ersten Semester nicht mehr international die University of Nebraska und bekommt im eingesetzt. Moralvorstellungen und das Rechtssystem. Klar ist. einem anderen Schwerpunkt: Wie wäre es zum Beispiel. die Trainer selbst beStürmer Vedad Ibisevic. Während andere Pause machen. entschieden. sie werden keine Ersatztermine angeboten. Wie turner Andreas Hofer Karriere einen Hochschulabrund 700 deutsche Spitzenim Jahr geschenkt.glaubte. Sind das alles Rentner? Natürlich sind da eine Reihe älterer Zuhörer. wenn es doch noch klappt mit einer WM oder Olympia«.dreas Hirsch hält ohnehin nicht viel vom lichen Bedürfnissen ausgerichtet wird. Denn »Schulsponsoring ist keine altruistische Angelegenheit«. Am 22.. Und welcher Ort wäre für meine Idee besser geeignet als die Universitätskirche mitten im Stadtzentrum! Kirche und Astronomie haben ja gewissermaßen den gleichen Gegenstand – beide Joachim Wambsbeschäftigen sich mit himm. »Sie profitieren enorm davon. Seine Mutter stammt von den tiven Laufbahn. Der Bürgermeister von Iserlohn schlug dem Schulleiter damals vor. Schulmarketing nennt sich das. Das wurde dem Unternehmen gerichtlich untersagt.de/universumfueralle ins Internet. »mehr kann ich nicht schultern«. Vieles ist Ermessenssache der Lehrer or sieben Jahren beschloss Schulleiter Gerhard Müller-Frerich.sitzen. Wer unter einem duale Karriere aus Sport und Studium noch am gewissen Schnitt liegt. Und hier liegt das Problem. Auch Müller-Frerich hat sich dieser Verantwortung gestellt. Grundlagen.Stunden. ist das schlimm? Und darüber hinaus: Welches Gesellschaftsbild vermittelt eine Schule einem Kind. Dann konnten die Partner beginnen. Spenden. inklusive Diskussion.viele Überschneidungen. bei dem Geld oder Sachmittel fließen. Anders in den Vereinigten Staaten VON NIKLAS SCHENCK USA! dass er bald seinen Wechsel nach Chicago verkündete. Doch der Transfer an die katholische De-La-Salle-Hochschule platzte in letzter Minute. der meistens gut gelaunt ist. Auch die Uni hat etwas davon. Deswegen hat es lange gedauert. Polizei und Zoll finanzieren zwar knapp 1000 Sportlern das Training. Der 24 Jahre alte Kunst.« Dass er mehr als 30 000 Dollar im Jahr geschenkt bekommt. statt einfach mal 30 000 Dollar besagt Hofer. »Da nutzen meine Lehrer und ich den gesunden Menschenverstand«. er war schon mit 16 Jahren an ein Sportinternat in Stuttgart gewechselt. Deutschland steht mit Ansätzen für eine halten die Noten im Blick. die sich noch mehr als Europäerin fühlt. Ihr Konzept funktioniert. »Noch schlimmer als ihn für die Monotonie des Alldie Bildungsfeindlichkeit tags in Lincoln. sagt Helmut Schorlemmer. Auf seinem Tisch ist auch schon einiges gelandet: Tampons. Sein Trainer dort impfte Fern. bei denen ein Unternehmen versucht. ein Absolvent der Schule hat bereits so seinen Weg zu dem Betrieb gefunden. Astrophysiker der Univerlischen Dingen. bekommt Nachhilfe fiAnfang. Ich würde mich freuen! Interview: JAN-MARTIN WIARDA Der deutsche Basketballer Elias Harris spielt inzwischen in der amerikanischen College-Liga Mit freundlicher Unterstützung der Keksfirma Die Grenzen zwischen Sponsoring und Werbung an der Schule sind unscharf. hat sich in Lincoln schnell Respekt verschafft.und Onlinestudiengängen. dass für Alkohol.).l. nach dem Motto: Uns interessiert nicht. dass die Unternehmen ihnen die Praxis näherbringen«. Hundefutter landet im Müll. sagt Helmut Schorlemmer. Ein Link auf der Homepage. Sein Team wählte ihn zum Kapitän. dass sich die Bildungsein. Zigaretten und Süßigkeiten VON LEONIE ACHTNICH V an Schulen nicht geworben werden darf. was noch geht. In 13 Ländern sollten die Schulen also werbefreie Zone sein. In den USA erhöhen erfolgreiche Athleten den Marktwert der Universitäten. einem im Ort ansässigen mittelständischen Entsorgungsbetrieb. dass die Aula seiner Schule. als niemand an ihn unter der Bedingung. Hundefutter. Welch ein Pensum! Ich muss die Vorträge ja nicht alle selbst halten. wenn auch nur in der Nähe von Ulm. Da gibt Nebraska galt. was etwas wert ist und was nicht«. Dort ist Werbung in Klassenzimmern erlaubt. Das Abitur später fiel ihm leicht. Standhardinger möchte einmal Restaumittelt. das an seinen sport. werden Athleten der Finanzierung.schon mal für ein paar Spiele suspendiert. Zu Hause hatte er bereits ein paar Mal für Deutschland geturnt.Standhardinger war so unglücklich. Tennis. Standhardinger sportbeauftragte dabei. Sein Trainer fragt ihn regelmäßig um Rat. weil er jungen Turnern als Mentor zur Seite stand. Den meisten aber geht es noch wie den manchmal. ist nicht im Einzelnen messbar Unklar ist aber. das ist unser Motto. sagt er. rants und Clubs betreiben. Schlechte Laune bekommt er davon nicht. und seit Kurzem dürfen Sport. 8000 Kilometer weit weg von zu Hause.sität in Nebraska haben 95 manchen überraschte deshalb Prozent der Sportler nach ihrer sein Umzug in die USA. weil er 2010 im Finale die höchste Punktzahl der Uni-Geschichte erreichte. Außer Football. Den hat damals auch Schulleiter Müller-Frerich in Iserlohn zur Hand genommen. Ein Studium scheitert meist nicht an nanziert. Zielgruppe Schüler. versöhnen Studieren während der Karriere. etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen.CHANCEN SCHULE UND HOCHSCHULE 14. Wie genau die aber auszusehen hat. lernt er sportlich viel dazu. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 69 Sport und Studium? Wer in Deutschland als Spitzensportler studiert. dass ihre Kinder beeinflusst wer- den«. Aber es stimmt schon: Nach über 60 »Halben Heidelberger Sternstunden« gehe ich fast auf dem Zahnfleisch. Die Angebote reichen von Büchern über Hundefutter bis zu Kondomen Und an den Lehrern bleibt es dann auch hängen. die dem Euro geschuldet ist. Neben diesen offiziellen Partnerschaften gibt es aber auch immer wieder Projekte. . ist das Beeinflussung. Werbung nicht. aber auch Touristen. »Wir wollten uns starkmachen für die Region«. Hofer hat Jahre in Trainingsschweiß investiert und sieht das Stipendium in Nebraska als eine Art Gewinnausschüttung. Danach ist alles vorbei? Nicht unbedingt. STUDENTEN ERKLÄREN IHRE WELT » Was ist Ihnen Europa wert?« … fragt: Claudia Roth. Die Schuldenkrise Griechenlands und anderer europäischer Länder ist eine Krise. Seitdem sind Wirtschaft und Bildung im beschaulichen Iserlohn offiziell verzahnt. kl.« Ein ganzer Werbezweig beschäftigt sich damit. weil die Polizei Standhardinger nachts mit einer Studentin im Auto erwischte. Der Euro ist ein Gemeinschaftskonzept. Bis jetzt hat das – zumindest in Iserlohn – gut funktioniert. Zum einen.bisch Gmünd. Ändert sich nichts. »Ich dachte ordnet«. oder wird er ohnehin nie angeklickt? Bleibt ein Logo im Gedächtnis? Wissen Kinder. die Schüler als Konsumenten zu werben. wenn ich Bundeswehr war an ein Studium bisher häufig wirklich Ahnung habe von Betriebswirterst mit Ende zwanzig zu denken. »Oft dieselbe Universität wie Andreas Hofer. Der Göppinger trieben wäre. mittags mal einen Kurzvortrag über Beethovens Fünfte zu hören oder über den Gang nach Canossa? Und vielleicht haben ja auch andere Unis Lust. im Gegenteil. ihren Teil des Vertrags zu erfüllen.o. wissen Sie überhaupt noch. was nutzt. Bundestrainer Anund vor allem ein Studium. Der Blondschopf. Viele Unternehmen bieten kostenloses Unterrichtsmaterial an. von der sportler hat sich Hofer für den Dafür steigert er deutsche Sportverbände nur Ortswechsel über den Atlantik den Marktwert träumen können. war für ihn klar. Und warum die ganze Mühe? Dieses Jahr feiert die Universität Heidelberg ihr 625-jähriges Bestehen. eine von zehn Turnerinnen immatrikuliert. Viele College-Neulinge sind zum ersten Mal von zu Hause weg.trotzdem. dass Schüler Taschengeld in zweistelliger Milliardenhöhe zur Verfügung haben.dinger schon passiert. da sind sich alle Beteiligten uneinig. Das ist Produktwerbung. [M] ZUMA Press/imago (m. Mir ging es darum. Milliarden Euro gaben die deutschen Hochschulen für Lehre. mitzumachen. 22. Die Kultusministerien lassen den Schulleitern – je nach Bundesland – ziemlich freie Hand. den sie sich sonst nie leisten könnten. wenn ihre Wett. weil sie nicht wollen. Insgesamt habe ich 38 Kollegen überzeugen können. Es gibt schon einige Ideen. Auch wenn es im Einzelfall gut funktioniert. das ist doch ein schöner Anlass für ungewöhnliche Aktionen. Mir ist Europa es wert. »Auch mit Ticketverkauf und Merchandising verdienen wir Millionen«. Dazu zählen auch politische Institutionen. So bekommen Spitzensportler ist auch dem Münchner Christian StandharExtrasemester aufgebrummt. Kondome. Aber immer wenn dann vor Welt. Studentin der Kommunikationswissenschaften in Hamburg NACKTE ZAHLEN 38. aber eine Partnerschaft mit einem Unternehmen? Der Bürgermeister brachte den Schulleiter mit dem Unternehmen Lobbe zusammen. Die Nachfrage dort bestätigt. spieler Alexander Waske etwa oder Hoffenheim. laden Sie seit Anfang April täglich interessierte Laien in die Heidelberger Peterskirche: jeden Mittag um halb eins. Wo hört das eine auf. Dezernent für damals. der Sportverbände ist alAls Turner feilt Hofer lieber Üppige Förderung lerdings die Spitzensportwochenlang an sportlichen feindlichkeit deutscher Unis«. »Die stellen wir auch für Stipendien außerhalb des Sports zur Verfügung.u. für die Kunden Produkte im Schulalltag zu integrieren.platz. Beste ärztliche Betreuung. sagt Andreas Hahn. wirtschaftliche Arbeitsnetze. was Sie Den Abschluss in Business Management will er in Ihrer Freizeit machen«. sagt er. sie ist Meine kulturelle Identität ist mir sehr viel wert. Wie sehr Werbung Schüler beeinflusst. wie man Mittagspause macht? So schnell verlernt man das nicht. was schadet. welchen Eindruck das Engagement bei den Kindern hinterlässt. »Uni(versum) für alle!«. So kommt der Leistungs. Das lohnt sich aber für Unternehmen leider noch nicht wirklich. Fotos rechts v. Gerade dann.« Obwohl Standhardinger als einer der besFreunden von Andreas Hofer im deutschen Turnnationalteam. »Die sind fast alle in der ten »Rekruten« der Uni-Geschichte von Sportfördergruppe und studieren nicht. Er wird Lehrer in SchwäHofer fehlt es an nichts. sagt Tom Osborne. Heute sieht er das anders: »Diese Stipendien sind ja kein Gutmenschentum. frei sollte sein Sprungbrett sein in den Profisport.9 Sternenkunde zur Mittagsstunde . was das Un- ternehmen zu leisten hat – und was die Schule.). für dessen sichere Umsetzung alle Beteiligten einstehen müssen. Einig sind sich alle darin. sich die Renovierung sponsern zu lassen. Als die Anfrage kam. PR ist meist viel wirksamer: Schüler dürfen zwar nicht gezielt mit Werbung angesprochen werden – Lehrer aber schon. wie man ein Bewerbungsschreiben verfasst. Aber keine. Auch dass er einmal mit Schüttelfrost und Hitzewallungen einen Wettkampf für die Universität turnte. Im Gegenzug für diese Leistungen steht das Logo von Lobbe auf der Homepage der Schule. wenn es didaktisch gut aufbereitet ist. privat. Die Agentur Schulmedia bietet neben Werbung auch Sponsoring an. der nicht zur Schule gehört. spektrum. Sie berät bei Einzelfragen und hat einen Leitfaden für das Schulsponsoring herausgebracht. Sie ködern zahlende Studenten und entlocken den Absolventen großzügige Spenden. doch Bundeskader. Fotos: Ocean/Corbis (o. sagt Philipp Lied. das aber didaktisch nicht ausreichend aufgearbeitet ist – und zum Teil Werbung enthält. Als Deutsche. Talent im Basketzu vereinbaren. das ist klar. dass Wissenschaft sich der Öffentlichkeit verständlich machen muss. sagt er. Der Sport hat ihn schon einmal gerettet. Das Geld war knapp. denn Sponsoring ist erlaubt. ? In einer Heidelberger Kirche gibt es tägliche Astronomievorlesungen für alle Herr Wambsganß. des Märkischen Gymnasiums Iserlohn. Darunter fällt auch das Schulsponsoring. »Das wäre schon kurios. Sogar ein Auslandssemester in Oxford steht ihm als Sportler offen – ihm. Nebraska. Seit einigen Jahren betreut die Stiftung Schulen bei Projekten mit der Wirtschaft. nach der ak. Nun überlegt er. Er ist Sponsoring-Experte der Stiftung »Partner für Schule NRW« und selbst Schulleiter. kann sich jeder selbst anschauen: Wir haben jede Präsentation aufgezeichnet und stellen sie unter www. sität Heidelberg Im Schnitt haben Sie 70 Besucher pro Vortrag. 70 insgesamt. Kultur im weitesten Sinne bedeutet die Summe dessen. vor vielen Jahren. Friederike Hentschel. für den die Bezeichnung Jahr wieder ab – zu viel Zeitdruck. Er legt genau fest. Mehr als das! Wie abwechslungsreich. und bei der te werden mich ernster nehmen. sagt er. ohne Ausbildung. Andie Tür zu einem Studiendere wiederum nutzen das College als Umweg in den Profisport.Philippinen. Angebote von Brauereien. Die meisten Bundesländer verbieten Werbung auch für andere Produkte. dass er mitmacht. Hauptsächlich davon – und von weiteren Spendengeldern – baute Müller-Frerich im ersten Jahr die neue Bühne für die Aula. Studium und Training war ein schwieriges Kind. setzte der Trainer ihn es nach Karriereende oft ein böses Erwachen auf einer fremden Spielposition ein.und Trainingspläne werden perfekt aufeinander abgestimmt. sondern oft an organisatori. Er spielte Basketball für kämpfe mit Prüfungsphasen kollidieren. Bundeswehr. »Meist sehe ich sofort.schaft«. Das europäische Kulturgut besteht aus viel mehr als dem Euro. sagt der 21 Jahre alte Basketballer.Student unter 22 Turnern im deutschen ern ist hier nicht viel los. Sportdirektor an der University of Nebraska. aber auch. der Vater ließ die Familie früh gen Berliner Universitäten inzwischen Spitzen. mir gehört die Welt«. einem Studium. heißt es auf den Websites – die auch damit werben.ebenso zwei deutsche Meistertitel. Dann kommen die Jugendlichen aus der neunten oder zehnten Klasse für eine Woche in die Verwaltung oder ins Labor. spannend und gleichzeitig tiefgehend die Vorträge sind. Er hat neben Lobbe noch einen weiteren Sponsor ins Boot geholt. die Aktion nächstes Jahr weiterzuführen. ob er ein weiteres Angebot in den USA annimmt – oder zurückgeht nach Europa. es mit aller Macht zu wollen. fünf astronomische Kurzvorträge die Woche. wenn er aufhört. Im Fall Iserlohn zahlt das Unternehmen der Schule ein paar Tausend Euro im Jahr. sofern sie nur genug Punkte von den Bahlsen-Kekspackungen ausgeschnitten und eingereicht hätten. richtung dem von uns gesetzten Zeitplan unter. wird ihm hoch angerechnet.oder Europameisterschaften der Kader ausgesiebt wurde. Hofer kennt diese Situation. Studenten. Auch Praktika bietet das Unternehmen für sie an. wo fängt das andere an? Das regelt eigentlich das jeweilige Schulgesetz der Länder. »Und Jugendliche sind sehr beeinflussbar.seine Profiträume zerstören. dessen Agentur Sportler in die USA ver. solange es mit der Bildung vereinbar ist. Vielleicht mit einem anderen Fach. schluss – eine Quote. dass die Leute ihre Schwellenangst vor der Universität überwinden und spannende Wissenschaft erleben.9 Prozent mehr als 2008. Geschäftsleute. In 86 Prozent aller nordrhein-westfälischen Schulen mischt jemand mit. Drei Monate lang.n. Schließlich könnte eine Verletzung gens. Schüler. »Ein Präsenzstudium als Basketballer wäre unmöglich«. weil er nur dort Stipendien öffnen ameriseinem Sport nachgehen und seiner Universität kanischen Sportlern häufig zugleich studieren kann. Solche Partnerschaften sind nichts Neues. Forschung und Krankenbehandlung in ihren Universitätskliniken im Jahr 2009 aus – 6. Kostenloses Unterrichtsmaterial landet auch mal auf dem Pult. Aber gerade an ihm wird Europa derzeit gemessen.« Der hessische Nationa. empfinde ich diese Verurteilungswut als übertrieben. meint er. um alles richtig zu machen. Vorsitzende der Grünen A ndreas Hofer fühlt sich wohl lturner Fabian Hambüchen versuchte ein in Lincoln. Langsam ändert sich das. Sponsoring war für das Märkische Gymnasium ein neues Konzept. Er würde dann an einer Fernuniversität weiterstudieren.« Ski fahren mit Freunden. »Die Leuaber auf einen Beruf festgelegt. zwischen dem zu unterscheiden. eine Klassenreise zu bezuschussen. Das schen Hürden. und dem.

»Die ist aber lieb«. ein Fischteich. »Viele Menschen trauen sich das nicht. Dazu zum Bauernhaus: »Unsere einzige Möglichkeit. seien nicht das Ziel. Dinge entschiedener wegzuwerfen. »Völlig zu Unrecht«. ein C bekommen solche. die den Kaffee bringt? In welcher Tonlage sprechen Ihre Gesprächspartner miteinander? Und werden Sie bei Ihrem Gespräch wie ein Gast behandelt – oder eher wie ein Verdächtiger beim Verhör? Was Sie zwischen den Zeilen lesen. die Haustür sei noch das Original und Pflanzen. Drucker. Gehen Sie jedem Verdacht. wenn sie äußerte. die auf jeden Fall delegiert werden können oder deren Bearbeitung nicht am selben Tag erfolgen muss. regelmäßig materiellen und damit auch gedanklichen Ballast abzuwerfen. die das zusammen hinbekommen.2 Millionen Euro aus nationalen und EU-Mitteln. Überlegen Sie anschließend. stellt Niedersachsen zusätzliche Gelder bereit. Stroh auf dem Boden zu verteilen. das sie essen. Wo. lässt sich bei einem Trapez natürlich kein Volumen berechnen. Ateliers – und vereinzelt auch Kindergärten. könne man mithilfe des ABC-Prinzips den Überblick behalten und den Leistungsdruck verringern. »Die Kinder sollen den Die Kinder sind zwischen drei und sechs Jahre alt und Ursprung kennenlernen und Sinneseindrücke erst so groß. ist meist wahrer als das polierte Verbal-Kleingeld der gesprochenen Worte. und mit dem Geld aus der Vermietung an den Kindergarten kann ich es nun in seiner Schönheit erhalten. ihre Eltern haben sich ein Altenteil geauch viel zu bedenken hat«. dass sie mit den Kühen auf Augenhöhe sammeln«. »Wir haben gesagt. Ulrike Cohrs Frauen haben ihn in den mindestens 360 Jahren seines rangiert gerade mit dem Trecker. Schweine. Dinge etwa. Der Papierkorb macht frei Der Papierkorb führt in vielen Büros ein verstecktes Schattendasein unter dem Schreibtisch. Zielgruppe sind Berufstätige mit Hochschulabschluss. weil sie so eine Betreuung für ihre sagt die Mutter von Ulrike Cohrs. nicht nur Dinge. Genau hier liegt Ulrike Cohrs zufolge die größte Herausforderung: »Dass sich zwei finden. »Nicht so laut. woher das Fleisch kommt. 27/11) nahegelegt. Bewerbungsschluss ist der 31.« Wer sein Verhalten aber dauerhaft ändern will. mit der sie benutzt werden. In dieser Zeit zogen die beiden zufällig in eine WG. bei denen noch nicht ganz klar ist. Diese. aber effizienten ABC-Methode. wird beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen (LGLN) als besonders gelungenes Beispiel bezeichnet. der dem Bewerber aus dem Mantel hilft und Kaffee nachschenkt. Jeans und Fliesjacke betritt Ulrike Cohrs den Stall. Den Winter Cohrs lebt schon seit Längerem nutzt sie dazu. die schon nach wenigen Jahren wieder dichtmachten. In dem Fachwerkhaus aus Die Kinder lernen weißen Balken und hellrotem möglichen: »Hier nehmen sie eine zu kochen und den Grundlage an natürlichem VerKlinker sei ihr inzwischen 82 Jahre halten mit. in der Ihr Vorgänger festsaß – zum Beispiel überzogene Ansprüche eines Vorgesetzten –. dafür lernen sie zu stürmen 15 Kindergartenkinder in kochen. Prioritäten setzen Weil Büroorganisation auch viel mit gutem Zeitmanagement zu tun hat. eigene Tochter habe. »fällt es leichter. kommen in einen Ordner oder eine Mappe mit ebendieser Beschriftung: »Dann steht zum Beispiel drauf: Ich gehöre nirgendwo rein. sagt Karin Toma.de 14. ruhiger und behut.CHANCEN BERUF Fotos: Tine Casper für DIE ZEIT/www.« Dabei gehe es keinesfalls um Perfektion. welches die größten Schwierigkeiten in Ihrem neuen Job wären. muss sich selbst rund einen Monat Zeit geben. stellen sich die Kinder Sie führt den Hof in der 13. das sie sam. baut und sind aus dem Haupthaus Der Kindergarten sei ihr eine ausgezogen. wenn es um die neue Nutzung landwirtschaftlicher Gebäude geht. weil sie Angst haben.« kommt. die professionell im Web tätig sind. http://experiencedclass2011. sagt die 36 Jahre alte Landwirtin über ihre stehen. als achte Hofherrin. und wie man Kartoffeln erntet. »Ein klares Arbeitsumfeld dagegen erleichtert das klare Denken. Ungefähr 15 Bauernhofkindergärten gibt es deutschlandweit. »Ich kenne sie und sie kennen VON JULIA NOLTE Ulrike Cohrs (links) und Karin Toma im Bauernhofkindergarten B mich«. die den Kuhstall. Dann. eine Halle für die Pferde zu bauen. Sie haben weißes. sollte man vom Schreibtisch aus sitzend erreichen können. Hof-Cafés. könnte schauen. rät Schmidt. Und weil das Büro oft auch der Ort ist. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 71 DAS ZITAT Peter F. »Muuuuuhhh!« Laut rufend. überhaupt Probleme zu haben. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) TIPPS UND TERMINE CHANCEN KOMPAKT Platz für Gedanken So schafft man der Beraterin Renate Schmidt zufolge Ordnung im Büro Mindestens 160 Stunden verbringt monatlich im Büro. den Tisch zu decken. Ulrike Cohrs sagt: »Ohne den Zuschuss vom LGLN hätte ich das alte Gebäude nicht renovieren können. nehmen die Kinder die Arme voll Heu und essen. Generation.len. Bestehens übernommen. an dem Großes geleistet werden soll.« Die Voraussetzung für einen Zuschuss: Man muss haupt. 25 Hektar Verkehrserziehung zu machen. auch wenn mittlerweile drei Vorgänger an diesem Job verzweifelt sind und sich von ihren Burn-outs kurieren.bcg. anschließend studierte sie noch Sozialpädagogik. Ähnliche Programme gibt es auch in den anderen Bundesländern. rechts. milie Cohrs umgebaut. In dieser Umgebung erfahren Außerdem erfreue es sie einfach.« Um ähnliche Vorhaben zu fördern. So wie Karin und ich. werden anderswo verstaut. wartet nach Ihrer Einstellung auf Sie. Doch auch Nichtbauern können profitieren. was Sie hören – das Wichtigste ist. sondern bitten. »Legen Sie stattdessen lieber beschriftete Mappen und Ordner an. dass sie ihnen zusätzlich zur Landwirtschaft Geld einbringen. ehe Sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben.« es Zeit für ihr Frühstück ist. was heute an Landwirtschaft übrig ist«. zu hören. Für Vorstellungsgespräche gilt frei nach Peter F.« In Zukunft sollte jeden Abend vor dem Nachhausegehen diese Ordnung wiederhergestellt sein. »Aber den Bullen habe ich immer im und toben in den Gängen und Höhlen im Heu.tine-casper. den Fehler zu entschuldigen. machen wir ein soziales Projekt auf Ulrikes Hof«.« Warum also nicht den Papierkorb im Büro zum echten Möbelstück erheben? »Gestalten Sie den Papierkorb dekorativ. Es ist kurz nach acht Uhr morgens. dann ist eine ausweichende Antwort auch eine: Offenbar will man Ihnen die – womöglich explosive – Wahrheit verschweigen. wer Vollzeit arbeitet – weit mehr Zeit also als im Wohnzimmer.« Wie aber VON MARLENE HALSER Berufsbegleitende »Web Science« Zum Wintersemester startet an der FH Köln der berufsbegleitende Masterstudiengang »Web Science«. dass sie auf ihrem Bauernhof einen Kindergarten eröffnen wolle. diesen Raum gut zu strukturieren. Schmidt empfiehlt deshalb. in der Nähe von Hamburg gelegen. Da verkauft sich eine Schlafwagen-Firma als »innovativ und für alle Ideen der Mitarbeiter offen«. »Maßstab ist allein das eigene Wohlbefinden. »Es kostet sehr viel mit Tochter und Mann im kleineKraft. die Sie ins Regal stellen oder in einem Hängeregister verstauen können. links« Ulrike Cohrs. Oft wird übersehen. die Tiere erschrecken sich«. so Schmidt.und führt die Gruppe über die Dorfstraße hinüber trieb auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. »Geben Sie Ihren einzelnen Arbeiten vor Beginn eines Tagespensums eine Wertigkeit«. In Gummistiefeln. Birnen. Im Gegenteil: Der Bauernhofkindergarten Wilkenshoff in Hollenstedt. dass sie sie irgendwann noch mal brauchen könnten. und wie man die Kinder zwar nichts über die wie die Kinder den Hof belebten. zuletzt die Großmutter von schaut Karin Toma hörbar nach »links. . welche Gegenstände unabkömmlich sind. mahnt Karin Toma. an Umgang mit Tieren alter Mann geboren worden. Juli. mit dem Stapeln erst gar nicht anzufangen. Neue Wirtschaftsriesen Über das Auftauchen neuer Wirtschaftsriesen aus den Emerging Markets bietet die Boston Consulting Group am 17. die man täglich verwendet. Dabei war es nie so leicht wie heute. Sieben in Zweierreihen neben das Stallgebäude. Wir sitzen das nicht aus. Sie wolle während sie vor ihrem ehemaligen Neue Eindrücke auch anderen Kindern ein AufZuhause etwas Laub zusammenwachsen auf dem Bauernhof erharkt. wenn wir groß sind. als wären Heiratsschwindler am Werk. erklärt Schmidt.« Um Raum für den Kindergarten zu schaffen. die Eier aus dem Hühnerstall zu holen und sie zu zähLeiterin des Kindergartens. ist oft so weit von der Wahrheit entfernt. Computer und woher das Fleisch von 1882. Wald. Nach der Fütterung klettern sie auf die Rundballen lockiges Fell. Drucker sagt: Das Wichtigste in einem Gespräch ist. sodass Sie Lust bekommen. können wir auch die höchstmögliche Leistung erbringen«. dieses Jahr 4. lohnt es. suchte Geldgeber und stieß dabei auf das Förderprogramm zur Diversifizierung. Ein überquellender Schreibtisch in einem chaotischen Büro verursache Chaos im Kopf. Jeder neue Mitarbeiter wird als Problemlöser eingestellt. Bedeutung von Ampeln und ZeKartoffeln erntet brastreifen. was nicht gesagt wird! Wenn Sie zum Beispiel am Ende des Gespräches fragen. wo Leerstand ist. schenem Korn anfühlt.und Geisteswissenschaften sowie des Rechts zusammengeführt werden. Reithallen. damit die Dörfer nicht verfallen. ist Gefahr in Verzug. rät Schmidt zu der einfachen. Weitere Signale. indem sie mit einem Landwirt zusammenarbeiten. Da bläst sich eine Provinzfirma vor dem Bewerber zum »Marktführer« auf. sagt Ulrike Cohrs. klettert durch das Gatter zu den Tieren und beginnt mit energischen Bewegungen. und Bedenken hört sie keine mehr. auch wenn dieser »Markt« an der letzten Haltestelle des Stadtbusses endet. müssen diese beschämend groß sein. Wo Rhabarfüttern die Kühe zum zweiten Mal. auch den Rest ordentlich zu halten. »Ist der erst aufgeräumt«. Ordnung auf dem Schreibtisch Der Schreibtisch ist das Herzstück des Büros. empfiehlt Schmidt. So bekommen Bauern die Möglichkeit. sagt Karin Toma. Und derselbe Vorgesetzte. »Das ist der Lauf der Herzensangelegenheit.« A www. Gerade wenn viel zu tun ist. Oder erkundigen Sie sich. wie er drauf ist. hier gehören 70 Hektar Acker. jedem unguten Gefühl durch eine gründliche Recherche nach. so vielseitig zu sein. wo sie hingehören. dass es funktioniert«.« Unterlagen. um ihn später auch selber leiten zu dürfen. Mutterkühe der Rasse Charolais. Ökonomie. »Und man sollte vorher ein wirtschaftliches Konzept erstellen und sicher sein. Und Tisch zu decken. die dort ein Jahr als Gasthörerin studierte. leer stehende Gebäude so umzubauen. sagt Iris GeislerBerneis vom LGLN Lüneburg. und es ist nun auch gut«. dem eine Kuh aus der Hand frisst. sagt Schmidt und rät dringend dazu. und geben Sie ihm eine persönliche Note. sagt Iris Geisler-Berneis. Dabei lernte sie Ulrike Cohrs kennen. Man weiß nie. Gameboy kommen früh genug. sagt Unternehmensberaterin und Buchautorin Renate Schmidt. Die offene Position wird als Himmelreich beschrieben. Mit einem A kennzeichnet man die wichtigsten Aufgaben. dass sich in einem Vorstellungsgespräch nicht nur die Firma für oder gegen einen Bewerber entscheiden kann – sondern auch umgekehrt! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. einschließlich PC und Telefon. was aus dem letzten Inhaber der Stelle geworden ist. Sie erfahren. Gezielt ablegen statt stapeln Akten.« Ein Verfallsdatum auf Ordnern und Berichtigung Anders als in dem Artikel Das sitzen sie aus (ZEIT Nr.zeit. »Frau Cohrs macht vor. Und das wurde acht Jahre später der Bauernhofkindergarten. das hängt von der Häufigkeit ab.de den zahllosen Stapeln ein Ende bereiten? »Räumen Sie den Schreibtisch ganz leer. Im Rahmen der Umnutzung oder »Diversifizierung« – der Entwicklung weiterer Betriebszweige – entstehen in Ställen und Scheunen dann Ferienwohnungen. Die 36 Jahre alte Kindergärtnerin studierte zunächst ökologische Agrarwissenschaften an der Universität Kassel in Witzenhausen. ihn tatsächlich zu benutzen«. Für sie ist der Stall ein Abenteuerspielplatz. Denn Erledigtes zu entsorgen kann sehr befreiend sein. die sich auf dem Schreibtisch stapeln. »Nur wenn wir unseren Arbeitsraum als motivierenden Lebensraum empfinden. Als der Weg frei ist. sagt Schmidt. auf die Sie achten sollten: Wie behandelt der Chef die Sekretärin. Gleichzeitig sollen auf diese Weise historische Gebäude erhalten und Arbeitsplätze geschaffen werden. Die beiden hatten eine ähnliche Einrichtung bei Plön gesehen und beschlossen: »Das machen wir auch!« In ihrer Diplomarbeit plante Karin Toma die Umsetzung des Kindergartens. Mappen hilft schließlich dabei. Sozial.de/audio Was Firmen in Vorstellungsgesprächen von sich behaupten.« Der Landwirt richtet es dann mithilfe der Förderung her und vermietet es. wie man die Gebäude trotzdem mit Leben füllen kann. Gegenstände. erinnert bei seinen Wutanfällen im Alltag auffällig an Rumpelstilzchen. Als Blick. Dann ergreift sie eine Mistgabel. Was fand er am schwierigsten an seinem Job? Fällt die Antwort der Firmenvertreter einsilbig aus. Wenn eine Firma leugnet. versperren den Platz für große Gedanken und Ideen. und einen Bauern finden. Juli. hat den Be. in dem Perspektiven der Informatik. Jedes Projekt wird mit bis zu 75 000 Euro gefördert. »Die alten Höfe sind oft zu groß für das. bevor sie den Hof auf Öko-Bewirtschaftung umstellte. Denn dieselbe Schlangengrube. Zur gleichen Zeit gründete sie einen gemeinnützigen Trägerverein. »Wer zum Beispiel ein Atelier oder Räume für ein Gewerbe auf dem Land sucht. Ulrike Pferde und Hühner. Angesprochen sind Arbeitnehmer mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung. dem großen ManagementVordenker: Glauben Sie nicht alles. Zeitungsausschnitte und lose Notizblätter. September den Workshop »Experienced Class 2011« an. wo der Rhabarber wächst Eine Landwirtin und eine Erzieherin haben auf einem Bauernhof zusammen einen Kindergarten gegründet ist du wahnsinnig? Die Kinder zwischen den Maschinen?!« So etwas hatte Ulrike Cohrs von Bekannten zu hören bekommen. betont sie.und Apfelbäume. ber wächst und wie sich ein Bad in frisch gedrosagt ein Mädchen. der sein Gebäude umnutzen will. das sie von einem großen Rundballen löst. sich wichtige Informationen wiederzubeschaffen. Auch wenn man zu Beginn vielleicht etwas mehr Zeit investieren müsse – die später gewonnene Zeitersparnis sei enorm. Sie gibt ihren Kühen Heu. und genießen Sie diesen Anblick mindestens fünf Minuten lang. weil man ren Häuslingshaus nebenan. ein wurde das alte Wohnhaus der Fagroßer Gemüsegarten. auch wenn diese Ideen im Alltag vom Management wie Brotkrumen vom Tisch gewischt werden.und Grünland. Bewerbungsschluss ist der 21. Inzwischen gibt es ihn seit gut zwei Jahren. Das sollten maximal sieben Dinge sein.oder nebenberuflich Landwirtschaft betreiben. was nicht gesagt wurde Der Coach erklärt: Spielen. die vom Schreibtisch verbannt wurden.

hinterherhinkt und überfordert ist. Alter Wein in neuen Schläuchen! Detlef Dost. was man anrichtet. den Bundespräsidenten zu fragen. Unerwähnt bleibt aber. wird immer wieder herangezogen. Dazu verlängern sie das Wort ADEL. Eine Teilnahme per Post. sondern als eine von vielen pädagogischen Möglichkeiten der Behebung von Leistungsdefiziten. klar auszusprechen. Den Eltern den Wert und die Chancen des dreigliedrigen Schulwesens begreiflich zu machen. ob er fürs Gymnasium begabt ist oder nicht. sechs Scrabble Junior. wenn bei den Bürgern nicht mehr genug Geld ankommt. Christian Knudsen. und auf sie fiel un- maske inklusive Telefonnummer vollständig aus. Griechenland hat es voll erwischt. 27 Wer jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte. damit wir Sie gleich verständigen können. das ist kein Tippfehler! Nicht von »nennen« nämlich leitet sich dieses Lösungswort ab. Auch Helmut Schmidt musste als Kanzler Krisenmanagement betreiben. Weitere Infos unter www. Zugleich ist er aber ehrlich genug. Bornheim Dr. gerade weil sie vor Fukushima einen anderen Ausstieg aus der Kernenergie bevorzugte. Usingen Eine Selektion trifft sowieso nur auf monogenetische Erbleiden zu. Juli 2011 durch das Fehlen eines gültigen Wahlrechts befindet. der vermag nachzuvollziehen.zeit. mit ihrem Lösungswort spielen wir hier weiter. dass man der Komplexität schulischer Arbeit mit Generalregelungen von oben nicht gerecht werden kann. Der von Pädagogen gepriesene Mentalitätswechsel ist letztlich ein tiefgehender Wertewandel oder ein Bildungsverfall. sechs Scrabble Travel Deluxe. obwohl sie nur aus »billigen« Buchstaben bestehen. die die Schule in ihrer pädagogischen Verantwortung für jeden einzelnen Schüler maßgeschneidert anwenden sollte. Juni 2011 27 Die Politik unserer schwachen Regierung ist im Grundsatz nicht neu. 11. von denen das Land heute kräftig profitiert. Die Bundesrepublik bringt bei der Problemlösung ihr Ansehen und ihr Gewicht auf europäischer und internationaler Ebene durchaus wirksam ein. denn eines Tages könnte uns das gleiche Schicksal ereilen! Thomas Henschke. Juli 2011. Sarah Baumann. Sieht man denn sein eigenes Kind objektiv und kritisch genug? Kann man sich vorstellen. Jede Woche verlosen wir unter den besten Mitspielern eine Einladung zum Turnier. warum er dazu schweigt. Im Grunde genommen werden die Richtlinien der Politik durch die Banken bestimmt. Ich hätte sehr gern erfahren. bringt die Dinge auf den Punkt. E-Mail. Es wird sowohl am Geld wie auch an der Zeit. Günther Zettel. welcher Partei sie auch angehören. dass mein Bundesland die Möglichkeit des Sitzenbleibens (noch) nicht abgeschafft hat. Ob allerdings Wulffs Einlassung zur Enthaltung der Bundesrepublik in der Frage der Libyen-Intervention ganz geschickt war. Je globaler die anstehenden Probleme werden. nur wer einmal durch anhaltende Mißerfolge fast zu Boden gedrückt worden ist. egal. 8 Tage Rundreise mit Privatchauffeur (albpension) und 8 Tage in einer Poolvilla des Hotels Serene Pavilions (Ü/F). 11.zeit. Als Leiter einer beruflichen Schule in Baden-Württemberg bin ich sehr froh. wo es hingehört: in die Sammlung pädagogischer Maßnahmen. dass bereits 1951 das Buch des Heidelberger Professors Arthur Kern mit dem Titel »Sitzenbleiber-Elend« das sehr heikle Thema zur Diskussion stellte. dass die Regierungsparteien den verbindlichen Auftrag des Bundesverfassungsgerichts missachtet haben. oft zu viel aufgebürdet. 27 14. der ist sicher. Bitte füllen Sie die Eingabe- Das sind unsere Preise: EINE TRAUMREISE von Meier’s Weltreisen nach Sri Lanka für 2 Personen: Flug in der PremiumEconomy-Class von SriLankan. Es geht bei der PID nicht darum. sich einem oder gar mehreren Versuchen der In-vitro-Fertilisation (IVF) zu unterziehen. an denen sich eine Gesellschaft abarbeiten solle! Das Gegenteil ist der Fall. wenn Sie jedes Mal mit demselben Namen und derselben Anschrift teilnehmen. Heinrich Nitschke. dass in den ersten Jahren der Grundschule keine Zensuren vergeben werden.und Euro-Krise kann sich sehen lassen. was 6 Punkte bringt. der Geburt und natürlich des Lebens selbst entgegen.de Bildungspolitiker. aber nur innerhalb der Geldinstitutionen. 4. Beide Wörter bringen. falls Sie gewonnen haben. 18. Wer auch immer nur will. und außerdem: Könnte man diese vielleicht nicht durch leichtere Fächer ersetzen. Die Mehrheit von geistigen und körperlichen Behinderungen werden peri. unter der Internetadresse www. 2012 eingelöst werden. der Hauptpreis kann nach Anfrage und Verfügbarkeit zwischen 1. d. Sigurd Schmidt Bad Homburg v. Juni 2011 eine Wahlrechtsreform durchzuführen. H. Ingolstadt Als ehemaliger Lehrer und Schulleiter will ich daran erinnern. Über alle Gewinne entscheidet das Los. desto weniger eignen sich herkömmliche Ideen über das Regieren als Maßstab. 10. Das Management der Finanz. sie ist vielmehr charakteristisch: Jede CDU Regierungspolitik von Kanzler Adenauer über Kohl bis hin zu dessen Schülerin Merkel schien zuvörderst auf den eigenen Machterhalt gerichtet.de/scrabble mit. Unter ihnen war Ursula Feldberger aus Kesswil in der Schweiz. daran scheitern unsere Kultusministerien und unsere Grundschulen. darf mit einem Fragezeichen versehen werden. Auflage. Christiana Zwickenpflug. Wachtberg-Pech nicht als Strafmaßnahme einsetzt. »Die deutsche Rechtschreibung«. Dies ironisch angemerkt.« Dem Land geht es trotzdem ökonomisch gut. Und von denselben »Geldverwaltern«. weil ser Los. bei mehreren Vorschlägen der Zug mit der höchsten Punktzahl. ja demütigend es für einen jungen Menschen sein kann. Hamburg ist der »Vorreiter« – und andere Länder wollen folgen. der ohnehin immer Stützunterricht braucht. Dabei handelt es sich um Turbulenzen. Als Trostpreise verlosen wir am Ende der neun Wochen unter den Mitspielern. sondern von »genant«. die sich mit fachlicher Zusatzschulung beheben lassen. Wie kann dieser Zusammenhang nach kaum fünf Jahren vollständig ins Dunkle geraten. Naumburg Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit. werden Opfer abverlangt. nicht aber zu Weihnachten und zu Ostern. Das Geld fließt wieder. Teilen Sie uns das beste Wort. bis 5. Manfred Hensler. per E-Mail ZEIT NR. je 36 Punkte. optimierte Wunschkinder zu erzeugen. Dazu ein Zitat: ». dass schwache Schulleistungen oft ganz andere Gründe haben als solche. Ohne großes Aufsehen. weil Kanzler Schröder seine Macht aufs Spiel setzte. weil sie beratungsresistent sind und den Besuch des Gymnasiums als Statussymbol missverstehen. dass sie allein die Schulwahl treffen dürfen. Knapp 900 Leserinnen und Leser haben ENTSAGEN vorgeschlagen.de). Und dass der Ausstieg aus der Kernenergie von dieser Regierung mit Nachdruck betrieben wird. findet vom 30. Jetzt wird das »Sitzenbleiben« an Staatsschulen abgeschafft. dem stehen schon noch genügend Unwägbarkeiten und Fährnisse der Schwangerschaft. Nürnberg ZEIT NR. Berlin ZEIT-Scrabble-Sommer (2) Zwei gleich hoch dotierte Lösungen gab es in der ersten Woche: ENTSAGEN auf K5 – K12 und GENANTES auf K4 – K11. bis zum 30. bleibt ihr Verdienst. spielen wir nächste Woche weiter. Und es gibt 50 Bonuspunkte für das Ablegen aller sieben Buchstabensteine. GENANTES? Nein. wer den Meister nicht übertrifft. die mindestens einmal eine gültige Lösung eingesandt haben: 24 Scrabble-Spiele Original. obwohl er ein Lehrstück für demokratische Politik abgibt. in welcher sich die Bundesrepublik ZEIT NR. Tadashi Makabe. Zum Beispiel. werden viele Kinder an Überforderung leiden. 27 Zum Beitrag von Susanne Gaschke: »Jetzt ist mal gut mit der Reformiererei« Das Stigma des Versagens Titelthema: »Nie mehr sitzen bleiben!« Hinter der Abschaffung des Sitzenbleibens steckt die totale Abwertung von Bildung und ihrer Inhalte. sondern wachsam sein. sondern Beurteilungen. Pro Person und Woche gilt nur eine Einsendung. Wessen Begabung an der höheren Mathematik scheitert. Man muss sich nur einmal vorstellen. Runding In Ihrem Artikel werden die offensichtlichen Verdienste der Regierung kleingeredet. für die man nicht kontinuierlich Grundlagen aufbauen muss? Schließlich brauche man das alles gar nicht. ob er sich die Bildungsinhalte angeeignet hat oder nicht. um schwierige (Sozial-)Reformen auf den Weg zu bringen. dass durch die PIDMethode eventuell überzählige »Embryonen vernichtet« werden würden. Die Reise kann gewinnen. 2011 im Maritim-Hotel am Titisee statt. Vielleicht wird das in der Öffentlichkeit noch nicht verstanden. um auf das vermeintlich unethische Handeln hinzuweisen. kann es absolut segensreich sein. bitte bis Montag.und postnatal erworben. zusammen also 92. 25.ZEIT DER LESER S. Telefon oder Fax ist nicht möglich. wer mindestens einmal die optimale Lösung findet 36-MAL »RICHTIGES UND GUTES DEUTSCH« Das »Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle« (Infos unter www. 27 seit dem 1. Vielmehr geht es darum. ihre Kinder am Gymnasium unterzubringen und nicht an der für ihr Kind geeigneten Schulart. Wir Deutschen aber sollten weniger über die Griechen lästern.-Biologin per E-Mail Ein ständiger Spagat Gespräch mit Christian Wulff: »Etwas ist aus den Fugen geraten« Zu meiner Verblüffung haben Sie es versäumt. wenn man es auf einen Weg schickt. Es gelten die allgemeinen Scrabble-Regeln und das Turnierreglement (www. falls die PID-Gegner befürchten. begreifen nicht. Es zählen nur Wörter. Nietzsche hat es vorhergesehen: »Ein(e) schlechte(r) Schüler(in). unabhängig davon. per E-Mail Die Tatsache. dass zwischen den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger und den begrenzten Möglichkeiten des Bundespräsidentenamtes ein ständiger Spagat zu leisten sei.. dass ständig »Säugetier-Zellhaufen« (zum Beispiel Mäuse-Embryonen) und auch schon geborene artfremde Lebewesen zu medizinischen Zwecken genutzt und »vernichtet« werden! Was unterscheidet einen Zellhaufen menschlichen Ursprungs von dem eines anderes Säugetieres in dieser Phase seines Seins? Gar nichts bis auf die DNA. die die Krise ausgelöst haben. die im Duden. verzeichnet sind. Seine Aussage. 27 Weniger über die Griechen lästern Mark Schieritz und Wolfgang Uchatius: »Wer kassiert unser Geld?« Die Risiken sind auf die Volkswirtschaften durchgeschlagen. Welche Probleme stellen sich im Einzelnen? Den Eltern wird schon damit. soll in kürzester Zeit (G 8!) das (dann wertlose) Abiturzeugnis bekommen. Berlin Der Mann hat Rückgrat. das Sie mit den neuen Buchstaben bilden können. 133 GENANTES. Und die Griechen sollten sich nicht beirren lassen und gegen die unsozialen Sparmaßnahmen weiterhin lautstark demonstrieren. wenn die Infrastruktur implodiert? Karin Keller-Matschke. Köln Kein Risiko Martin Spiewak: »Mit Gewissen und Verstand« NR. Dipl. wie quälend. Dr. unserer Gesellschaft kommen Menschen mit Behinderung abhanden. den gymnasialen Ausbildungsplatz ihrer Kinder als ihr persönliches Prestigeobjekt missbrauchen. weil sich die notwendige individuelle Förderung im Schulalltag trotz guten Willens nicht wird realisieren lassen. um einen minimalen Lebensstandard aufrechterhalten zu können und der Mittelstand wegbricht? Wovon soll investiert werden. Das konnte er sich nicht aussuchen. ist nur nicht richtig individualisiert gefördert worden. also gleich viermal gezählt werden. ihm komme keine Funktion als Akteur der Tagespolitik zu. Abarbeiten müssen sich die Eltern und Pfleger. 2011 und 30. inklusive Fahrt und Aufenthalt Mit dem wertreichsten Wort. die Schuldenberge abzutragen. Wie denn sollen die Griechen die Wirtschaft in Schwung bringen. schüchtern.de/newsletter . Heinrich Neufedt. so lange wird der Übertrittsdruck die Kleinen zermürben. Die Punkte aus den einzelnen Runden werden automatisch registriert und addiert. Seit Jahrzehnten beobachte ich. das eingesandt wird.de) hilft auch bei scrabblerischen Streitfällen! Gewinnen kann jede gültige Einsendung DAS ZEIT-SCRABBLE-TURNIER sie über zwei hellrote Bonusfelder reichen. Ernst Pöhler. Frau Feldberger erhält eine Einladung zum ZEIT-ScrabbleTurnier. wie sie kaum eine andere Regierung seit 1949 durchzustehen hatte. 12 Uhr. der sich von vornherein als zu schwer erweist? Dr. Auch der Zeitpunkt für die Abschaffung der Wehrpflicht war gut gewählt. Wenn man dieses Instrument Die zugrundeliegenden Annahmen der Schulreform sind nachvollziehbar und ehrenwert. Sie können nicht in bar ausgezahlt oder übertragbar werden.. Die Reformen werden aber in der Praxis scheitern. warum der Inhaber des höchsten Staatsamtes willentlich schweigt zu der akuten Verfassungskrise. In Deutschland sollte man deshalb gleich Angela Merkel durch Herrn Ackermann als Bundeskanzler ersetzen! Das wäre ehrlicher. vier Scrabble Deluxe sowie viermal das Spiel Bezzerwizzer. André Hempel. Singen organisatorischen Umsetzung scheitern. Man kann das »Sitzenbleiben« problemlos aus der »Schmuddelecke« des Versagens herausholen und dahin befördern. weil er sich zu grundsätzlichen Aspekten des Parlamentarismus und des Parteiengefüges kritisch äußert. was Sitzenbleiben für die Seele bedeutet!« Selbst wenn Arthur Kern besonders über das Sitzenbleiben in der Grundschule forschte – seine damaligen Forschungsergebnisse über das »Stigma des Versagens« und das nutzlose Wiederholen eines Schuljahres sind noch heute allgemein gültig für Schüler aller Schulformen und Klassen. und beim Bürger kommt nichts an. dem erforderlichen qualifizierten Personal als auch an der Das Hauptproblem liegt bei vielen Eltern.duden. die das Wohl der Allgemeinheit intendiert und nicht bestehende Regentschaft perpetuiert? Dr. Denn dieses Land braucht einen Schuldenschnitt.scrabble. wie nach und nach Teile der Waldorfschulpädagogik in den sogenannten Staatsschulen Einzug halten. Günther Hoffmann. im Wirtschaftsleben komme es ohnehin nur auf Ellenbogenkompetenz und Outfit an. wenn er jedes Jahr aufs Neue statt an attraktiven Zusatzangeboten immer nur an sogenannten individuellen Fördermaßnahmen teilnehmen kann und so schnell als der gebrandmarkt ist. die sowieso Verständnis und Einfühlungsvermögen haben. dass ganz bestimmt kein Risiko einer exzessiven Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) besteht. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 87 Aus No: 30. ganz zu schweigen davon. Solange diese um jeden Preis versuchen. die ohnehin schon schwierigen Voraussetzungen für die Erfüllung eines Kinderwunschs so gut wie möglich zu gestalten.88 LESERBRIEFE Turbulenzen Bernd Ulrich: »Kopflos glücklich« ZEIT NR.

Leserbriefe siehe Seite 87

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

88

Liebe ZEIT-Leserinnen und Leser, die EhecKatastrophe, scheint’s, wird noch eine Zeit lang nachklingen, auch auf dieser Seite: Ein kleiner Junge fürchtet sich vor dem Gemüse in seiner Frühstücksdose (siehe ganz rechts), und Christa Herterich aus Köln macht sich lyrische Gedanken über gefährliche Sprossen. Wobei sie selbst es in ihrem Begleitschreiben ein »hoffentlich nicht zu makabres Elaborat« nennt und vorsichtshalber meint: »Der selige B. B. möge mir die Blasphemie verzeihen!« Das wird er, da sind wir ganz sicher. Obwohl sein Gedicht von der Marie A. ein ganz melancholisches ist. Und vielleicht auch gerade deshalb. WL

1971

2011

1971: Das medizinische Staatsexamen hatten wir bestanden. Ein Glas Sekt entließ uns in eine hoffnungsvolle Zukunft, und wir verteilten uns über die damalige Bundesrepublik. Kürzlich trafen wir uns am Studienort Freiburg wieder: ein

Landarzt, ein Radiologe, ein Internist und ein Nephrologe. Und natürlich feierten wir das Wiedersehen nach vierzig Jahren wiederum bei einem Glas Sekt. Die Haare sind grauer, die Bäuche runder geworden. Lediglich die Tisch-

EIN GEDICHT!
Klassische Lyrik, neu verfasst

SCHÖNE GRÜSSE

Lieber Ben Becker,
P u b lic A d d re s s / u

Zeitsprung

Was mein

LEBEN

reicher macht
Ein regnerischer Montagmorgen an der Trambahnstation, auf dem Weg zur Arbeit. Ein kleines Mädchen, das ich nicht kenne, läuft auf mich zu, bleibt stehen und sagt: »Du bist schön!« Lieben Gruß an die fünfjährige Anna, die meinen Tag und meinen Start in die Woche so wunderbar erhellt hat! decke hat sich kaum verändert. Wir sind jetzt alle im Ruhestand, aber uns kam es vor, als seien nur vier Wochen zwischen den Aufnahmen vergangen.
Joachim Hacker, Eisenbach Tina Schäfer, Berlin

Nach einem Jahr Auslandsaufenthalt nach Hause zu kommen und zu merken, dass man mit den Freundinnen noch genauso reden kann, als wäre man gar nicht weg gewesen.
Saskia Scheler, Suhl, Thüringen

(nach Bertolt Brecht, »Erinnerung an die Marie A.«)

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Erinnern und VergEssen
Es war im Mai bei einem Bienenhause Dass ich die kleinen weißen Sprossen sah Sie warn so bleich und gleichsam todumfangen Als ich sie aufaß, war ich nicht mehr da. Es gibt davon noch ungeheuer viele, Denn auch die Bienen schwärmen hin und her Die Sprossen sprießen blass und krumm und traurig, Dass man sie aufisst, ohn’ zu wissen mehr. Wo ich sie aß, das kann ich nicht mehr sagen Doch wie sie schmeckten, weiß ich vom Verzehr Sie schmeckten weiß, morbid und melancholisch Sie schmeckten einfach wie von unten her.

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natürlich gibt es amüsantere Aktivitäten an einem strahlend sonnigen Sommernachmittag, als ihn freiwillig vor düsterer Bühnenkulisse bei Kerzenschein zu verbringen – zumal um schwermütige Texte zu hören. Aber Ihnen ist es gelungen, daraus eine kleine künstlerische Sternstunde zu machen. John Donnes schaurigmorbides Todesduell und die Große Elegie von Joseph Brodsky, von Ihnen rezitiert, interpretiert und musikalisch begleitet, ließen den dunklen Theatersaal plötzlich heller leuchten als den Sonnenschein draußen. Mitten im Sommer in abgründige Texte eintauchen? Mit Ihnen – jederzeit wieder!
Valérie Klemm, Frankfurt am Main

Der gütige und warmherzige Standesbeamte auf der Insel Langeoog. Er nimmt sich eine Dreiviertelstunde Zeit und überrascht uns mit einer nachdenklichen Rede und einem eigenen Trauspruch. In unserer Seele berührt, umarmen wir drei uns beim Abschied. Spontan schenken wir ihm unsere Hochzeitsmusik.
Gerlinde Lutz und Arnd Vogel, Gera

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STRASSENBILD

Das Jubelgeschrei der U-11-Fußballjungs, die mein Mann und ich trainieren. In einer viel zu schweren Gruppe verlieren wir ständig und richtig hoch. Nach einer 14:2-Niederlage feiern unsere Jungs in der Kabine ihre zwei Tore so ausgelassen, als hätten sie das ChampionsLeague-Finale gewonnen. Und wir Großen lernen: Alles ist relativ. Und Freude ist ansteckend!
Patricia Schütz, Kottgeisering, Oberbayern

Mein Wort-Schatz
Herzensbildung liegt ganz zuoberst in meiner Wortschatzkiste. Ein Wort wie ein Füllhorn der Fantasie. Bestehend aus zwei Begriffen, die in ihrer ursprünglichen Bedeutung den Körper ertüchtigen und den Geist bereichern. Doch erst zusammengesetzt machen sie den ganzen Menschen aus, zeigen uns ein Stück seiner Seele. Ich bedaure sehr, dass der Begriff und seine anstiftende Wirkung immer mehr in Vergessenheit geraten. Denn was schließt dieser Wort-Schatz nicht alles ein: Mitgefühl, Güte, Anstand und Hilfsbereitschaft. Gelassenheit und Lebensweisheit. Auch Beherztheit und Selbstsicherheit, Verantwortungs- und Handlungsbereitschaft schwingen mit. Und vieles mehr. Wer denkt dabei nicht an die führende Hand der Großeltern, den prägenden Rat des Vaters, die weisende Liebe der Mutter? An Geschwister, Freunde, Lieblingslehrer. Mag es auch pathetisch klingen: Jenseits von Pisa und G 8 ist Herzensbildung der goldene Schlüssel zu einer besseren Welt – zumindest aber zu einem besseren Miteinander. Heben wir den Schatz!
Christof Krüger, Ostfildern

Fo

to:

Christa Herterich, Köln

Hätte man sich sparen können!

Diese Szenerie findet man täglich am Berliner Ostbahnhof in der Nähe des Haupteingangs. Mehrere dieser Verbotsschilder zieren rundum das Geländer einer Tiefgarageneinfahrt, die Radfahrer aber haben kein Einsehen. Denn schließlich: Hier kann man sein Fahrrad fest anschließen, was auf der gegenüberliegenden Straßenseite, an den offiziellen Fahrradständern, nicht so bequem geht. Da nützt es auch nichts, dass dort das völlig absurde Schild »Fahrradabstellanlage« angebracht ist. All diese Schilder hätte man sich also wirklich sparen können.
Franz Fischer, Berlin

Die Straßenbahn wird gleich abfahren. Eine ältere, gehbehinderte Frau versucht, sie noch zu erreichen. Da steht ein etwa 13-jähriger Junge von seinem Sitz auf, drückt den Türöffner von innen, die Bahn muss weiter halten, und die Dame kann einsteigen. Ob sie die kleine Aufmerksamkeit des Jugendlichen bemerkt hat? Ich weiß es nicht. Aber es hat mich berührt, gefreut und irgendwie glücklich gestimmt.
Rolf Schmidt, Darmstadt

Wenn mein Sohn weinend zur Mutter läuft, weil Papa ihm womöglich Ehec-verseuchtes Gemüse in die Frühstücksbox gelegt hat und er sterben muss, wenn er es isst. Das macht mein Leben nicht wirklich reich, aber es gibt mir zu denken.
Michael Kühne, Hannover

AL AG LT

Die Kritzelei der Woche

SK U N ST

Wiedergefunden: Die brasilianischen Verwandten
Schon als Kind haben mich die alten Fotos im Album meiner Großeltern fasziniert. Da waren Menschen verschiedenen Alters zu sehen, inmitten gerodeter Wälder, zum Teil zu Pferd, die Kinder barfuß. Es hieß: »Das sind Verwandte, die nach Brasilien ausgewandert sind.« Keiner konnte (oder wollte?) mir die verwandtschaftlichen Verhältnisse erklären. Als ich jetzt nach fünfzig Jahren meinen Stammbaum auf einer Internetseite eingab, kam nach kurzer Zeit die Nachricht, dass in Brasilien jemand einen Stammbaum hat mit den Namen einiger meiner Vorfahren. 92 Prozent Übereinstimmung! Sollten das die verloren gegangenen Verwandten sein? Inzwischen findet ein reger E-Mail-Kontakt zwischen Brasilien und Deutschland statt. Meine Urgroßmutter, die ich noch kennengelernt habe, und die Großmutter des brasilianischen Verwandten waren Schwestern! Nun haben alle Menschen auf den Fotos Namen und Identität bekommen. Ich weiß den Grund der Auswanderung und kenne nun so manche Anekdote über meine Urgroßmutter. Es ist ein wunderbares Gefühl, einen Zweig seiner Familie wiedergefunden zu haben.
Kerstin Forneck, Königswinter

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oder an
Redaktion DIE ZEIT, »Die ZEIT der Leser«, 20079 Hamburg

Kürzlich, an einem Montag, hatte mein Mann einen Geburtstagswunsch: einmal Baden-Badens Flair erleben! Doch: Alle Museen zu, im Friedrichsbad wurden Männlein und Weiblein getrennt. Nur ein Stadtbummel – das war nicht das, was wir wollten. So saßen wir im Park, in Angesicht der Büste von Kaiserin Augusta, und mein Mann erzählte von Kaisern und Königen, von ungewollten Kriegen und vermeintlichem Frieden, von Hoffnungen und Verträgen. Eine Zeitreise über 500 Jahre aus der Sicht eines Historikers. Bei mir blieb das Gefühl: Ich habe 50 Jahre auf diesen Mann gewartet, und jetzt wartet der Regen in den Wolken, wartet der Tag für einen langen Augenblick auf die nächste Sekunde, wartet die Zeit auf das Ende der Geschichte. Nur meine Warterei hat ein Ende, ich bin Königin, und der Vertrag hält.
Ute Stumpf, Aglasterhausen, Baden-Württemberg

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Das Abendläuten.
Simone Tietz, Weisenheim am Sand, Rheinland-Pfalz

Diese Schreibtischunterlage zeigt in konzentrierter Form vieles, was ich vor etwa 23 Jahren mit meiner ersten Freundin am Telefon besprochen habe. Es war wie bei wohl vielen Jungen, die zum ersten Mal verliebt sind: Eher sprachlos hat man vor Augen, was gar nicht so einfach zu formulieren ist. Also sammelten sich bei mir die Skizzen, während meine Freundin richtig schön erzählen konnte. Das Produkt hat sie nie gesehen, wenn ich mich recht erinnere.
Oliver Ehlers, Heidelberg

Was für ein Tag! Abends heimgekommen von einer Wanderung mit lieben Menschen. Auf dem Tisch ein Zettel: »Für den besten Vermieter der Welt. Opa, es steht ein Kuchen für Dich im Kühlschrank, lass es Dir schmecken!«
Dieter Blezinger, Markdorf

PREIS ÖSTERREICH 4,10 €

DIE

WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR

ZEIT

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

Die Wall Street greift an
Das Schicksal des Euro ist den Finanzmärkten egal. Anleger und Spekulanten ziehen ihr Geld aus Rom, Athen, Lissabon und Madrid ab. Wie Europa seine Währung trotzdem retten kann
WIRTSCHAFT S. 21–24 WWW.ZEIT.DE/EURO

Chaplins Tochter
Geraldine findet: »Mein Vater gehört allen.« Ein Gespräch Feuilleton S. 45/46

Die Macht der Klugen
Auf ihre Forscher dürfen die Deutschen stolz sein. Zu Besuch bei jungen Wissenschaftlern, denen wir unsere Zukunft anvertrauen können ZEITmagazin

Titelillustration: Smetek für DIE ZEIT

Das Geldhaus Fluch der Neugier
Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr. Und das ist Merkels Problem VON HELMUT SCHMIDT Die Methoden des Boulevards sagen viel aus über die Medien, aber auch eine Menge über uns Leser VON ULRICH GREINER

Die Plagiatsjäger
Digitale Blockwarte oder Retter der Wissenschaft – was treibt die Menschen, die Doktorarbeiten überprüfen? Politik S. 4–6

W

ochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. Jetzt sieht es so aus, als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im SiemensKonzern. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein, wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet. (Siehe Wirtschaft, S. 28.) Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland, andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. Und zwar nicht in Frankfurt, sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher, sondern ein Inder. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher, sondern ein Schweizer.

Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden
Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen, was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G 7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister. Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt, es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner, Deutsche und Commerzbank. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden. Einige von ihnen mussten gerettet werden, die WestLB wird gerade aufgelöst. Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben, noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell. Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten

6 6 . J A H RG A N G

www.zeit.de/audio

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deutschen Bankenstruktur bleibt, so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen. Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei, die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, darüber war man sich früher einig, ohne es auszusprechen. Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht, über gemeinsame Prinzipien, zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren, Derivaten, Optionen et cetera, oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will, dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen. Das Vertrauen der öffentlichen Meinung und des Publikums in die Finanzbranche insgesamt ist in den letzten Jahren stark gesunken. So ist die unglaubliche Bereicherung der Spitzenmanager, insbesondere in Amerika, England, aber leider auch in Kontinentaleuropa, ein großes Ärgernis. Es ist nicht einzusehen, dass der Spitzenmann einer Bank hundertmal so viel Geld verdient wie sein Fahrer, dass er dreißig- oder vierzigmal so viel verdient wie die Bundeskanzlerin. Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. Die erste Kategorie, das sind die normalen Menschen. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut, aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden. Normale Menschen also, das sind vielleicht 98 Prozent. Zweite Kategorie, das sind die mit einer kriminellen Ader. Die gehören vor Gericht, und wenn sie schuldig gesprochen sind, dann gehören sie ins Gefängnis. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager. Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat. Hierzulande hätte die Politik schon lange erkennen müssen, dass die Struktur der deutschen Bankenlandschaft renovierungsbedürftig ist. Es ist nicht gut, dass deutsche Weltfirmen hinsichtlich der Finanzierung von großen Vorhaben und Investitionen von ausländischen Finanzinstituten abhängen. Wenn zum Beispiel eine große, für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde, dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse, dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken, an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann!

E

mpörung kostet nicht viel. Es fällt leicht, sich über die kriminellen Machenschaften englischer Boulevardjournalisten zu empören, und der öffentliche Aufruhr in London hat immerhin dazu geführt, dass der Medienmagnat Rupert Murdoch sein Schmierblatt News of the World eingestellt hat. Was leider nicht bedeutet, dass die Verblödungsstrategie gewisser Sender und Zeitungen an ihr Ende gekommen wäre. Im Gegenteil, auch in anderen westlichen Ländern, die sich auf die Pressefreiheit manches einbilden, feiert sie Erfolge. Ihr Ziel besteht nicht darin, die neue Nachricht zu verbreiten, sondern das Neue selber zu erzeugen, indem man Sensationsfelder erfindet und anhaltend beackert. Die eigentliche Frage lautet, warum sich damit Geld verdienen lässt, empörend viel Geld. Die simple Antwort: Weil Millionen derlei lesen und sehen wollen. Und zwar aus demselben Grund, der auf der linken Fahrbahn zum Stau führt, wenn es auf der rechten einen Unfall gegeben hat: Es ist die Neugier. Wir wollen sehen, was da passiert ist. Wir wollen wissen, wie lange der Kuss des königlichen Paares gedauert und warum die monegassische Fürstin nach der Trauung geweint hat. Dieser urmenschliche Trieb bildet den Motor der Indiskretions- und Entblößungsmaschinerie, die Murdoch, Berlusconi und die anderen betreiben. So perfekt wie heute ist sie noch nie gelaufen, aber gegeben hat es sie immer. Öffentliche Folterungen und Hinrichtungen, das Ausstellen von »Missgeburten und Monstern« auf Jahrmärkten haben einstmals Tausende angezogen. Der audiovisuelle Boulevard verfährt nicht anders, nur auf technisch höherem Niveau.

Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier
Man muss sich aber, bevor man derlei Entgleisungen geißelt, bewusst halten, dass die Neugier Ursache aller menschlichen Erfindungen und Entdeckungen gewesen ist. Der wirkliche Grund, weshalb sich Seefahrer tollkühn auf die Weltmeere wagten, Anatomen den menschlichen Leib aufschnitten und Wissenschaftler sich gefährlichen Strahlen aussetzten, war nicht das klare Kalkül (kaum einer wusste, wohin sein Drang ihn führen würde), sondern die Neugier. Albert Einstein war nur ehrlich, als er einmal sagte: »Ich bin nicht besonders talentiert, sondern nur leidenschaftlich neugierig.« Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier. Dass sie sich ungehindert entfalten könne, ist ein Versprechen der Demokratie und das Geheimnis ihres Erfolgs. Nur wo der Erfindungsgeist sich verbreiten und austauschen darf, dringt er hinein ins unbekannte und ökonomisch fruchtbare Neuland. Im Wort aber steckt die Gier. Sie wird niemals satt. Denn nichts altert schneller als das

Neue, und rastlos sucht die Neugier nach neuem Stoff. Sie ist ein wilder Trieb, der gezähmt werden muss. Anders als das Tier, dessen Wissensdrang der Instinkt leitet und aufs Zuträgliche beschränkt, ist die menschliche Neugier ungerichtet. An Kindern bewundern wir ihre schlechthin schrankenlose Neugier, die sie ins Verderben stürzen müsste, würden wir nicht eingreifen. Als Erwachsene wissen wir (oder sollten es gelernt haben), dass es nicht lohnt, alles wissen zu wollen. Ohne Zweifel kann es hier und da schädlich sein. Augustinus hält die curiositas für ein Laster, weil sie aufs Irdische versessen sei und wegführe vom Eigentlichen: von der Selbsterkenntnis und von der Erkenntnis Gottes. Die Philosophen erblicken in der Neugier einen höchst doppeldeutigen Trieb; Hans Blumenberg zum Beispiel sieht in ihr »das Interesse des Menschen für dasjenige, was ihn sozusagen nichts angeht«. Er beschreibt damit jenen selbstbezüglichen Wissenschaftsbetrieb, an den wir uns längst gewöhnt haben. Den Gedanken seiner Neugierkritik finden wir in den Mythen und Märchen wieder, die vom Heiligen und vom Verbotenen erzählen: vom siebenten Zimmer, das man nicht betreten, vom Schleier, den Schillers Jüngling dem Bild der Wahrheit besser nicht entreißen sollte. Die Klugheit solcher Weisungen könnte Leitfaden sein für die Zähmung unserer Neugier, die nicht selten Züge einer Neusucht trägt. Sie ähnelt der Sucht, sich mit Nahrung vollzustopfen. Und so, wie es eine Industrie gibt, die alles daransetzt, uns mit jenem Fast Food zu versorgen, das immer von Neuem hungrig macht, so gibt es auch eine mediale Zerstreuungsindustrie, die unsere Neugier niemals sättigt, sondern stets neu entfacht. Ein rabiates Verwertungsinteresse ist Merkmal jenes Turbokapitalismus, dem wir offenbar – zu unsrem Glück oder Unglück – nicht zu entrinnen vermögen. Und wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Welt überhaupt, sondern von jenen gesegneten Breitengraden, wo es weder an Nahrung noch an Information generell mangelt. Der Mangel an Mangel ist ein Problem der Erziehung und der Selbstdisziplin. In den Schulen ist er schon lange ein Thema, glücklicherweise. Es müsste uns alle beschäftigen. Seit Jahren führen wir eine manchmal bizarre Schlankheitsdebatte. Man sollte die darin investierte Energie auf eine andere Enthaltsamkeit lenken: auf den Informationsverzicht. Nicht jede Nachricht ist der Beachtung wert. Es gibt eine Ökologie der Aufmerksamkeit. Wenn wir dies begriffen, dann würde uns die Empörung über Murdoch und so weiter etwas kosten. Wir könnten uns an die biblische Weisheit im Buch Prediger erinnern: »Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch. Kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, nie ein Ohr vom Hören voll. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.«

Dr.
PROMINENT IGNORIERT

Agenten am Bau
Feuchte Wände, gerissene Fliesen, was nicht passt, wird passend gemacht! Nur wer selbst ein Haus gebaut hat, weiß, wie andere leiden: etwa die Schlapphüte vom BND mit ihrem Neubau in Berlin. Die Keller zwar trocken, aber Baupläne geklaut. Ist das wirklich schlimm? Verliere man die Schuhe, so behielte man doch die Füße, tröstete sich und die Seinen jüngst ein Agent, bevor er in Berlin-Mitte verschwand. HBK
kleine Fotos: Nicolas Guerin/Corbis; Rue des Archives/PVDE; ullstein; dpa (v.o.n.u.); Vera Tammen für DZ (l.)

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AUSGABE:

10 14. Juli 2011
DONNERSTALK

DIE ZEIT No 29

ÖSTERREICH

Große Töchter
Jetzt war sie aber wirklich sauer, die Gräfin RauchKallat. Mann ließ die Frau im Nationalrat schlicht nicht zu Wort kommen, quasselte lieber so lange über Schweinemast und Hühnerdreck, bis der ganze Laden in den Parlamentsurlaub ging. Wo doch der ehemaligen Frauenministerin seit Langem ein wichtiges Anliegen auf den Lippen brennt. Sie möchte die Bundeshymne gegendert wissen, wie die linguistische Geschlechtsumwandlung im Jargon der feministischen Kampfsprache heißt. Also sei zu singen: »große Söhne und große Töchter im viel geliebten Heimatland«. Haben hier verbohrte Machomandatare eine wichtige Gesetzesinitiative vereitelt? Mitnichten, man ist den Frauen ohnehin schon zu weit entgegengekommen. Die Bundeshymne ist ohnehin bereits

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Alfred Dorfer befürchtet, dass bald auch die letzten maskulinen Bastionen wanken

AUSSERDEM

Doppeladler
Er habe die Visitkarte der Nation zu sein, so steht es sinngemäß im Anforderungsprofil des öffentlichrechtlichen Senders ORF. Und diese Nation, es kann nicht geleugnet werden, ist aus beklagenswertem Anlass mehr denn je von der brennenden Sehnsucht erfüllt, ein erlauchter Völkervater möge das leidgeprüfte und vernachlässigte Land endlich wieder von der republikanischen Kleingeisterei erlösen, in die es seit vielen Jahrzehnten herabgesunken ist. Der Mann, was heißt, der Titan, der es vermocht hätte, diese gottgefällige Tat zu vollbringen, wird am Samstag zu Grabe getragen, in die Gruft seiner Ahnen, denen alle so unendlich viel zu verdanken haben (vor allem den Fremdenverkehr). Es hat nach Gottes Ratschluss nicht sollen sein. Jedermann, gleich ob Bürger, Bauer oder Edelmann, ist deshalb an diesem Tag gebeugt von schwarzgelber Trauer. Man wird Abschied nehmen. Viele schwere Stunden lang. Abschied von einer erhabenen Idee und Abschied von einer überragenden Gestalt der Geschichte, die stets in einer größeren Dimension dachte, als sie im beengten Sendegebiet des ORF Platz findet. Was alles müsste an diesem Tag auf der Visitkarte der Nation stehen. Doch die dafür Verantwortlichen versündigen sich gegen ihre heilige Pflicht. Bloß läppische sechs Stunden lang wollen sie Stadt und Land teilhaben lassen an dem Trauerkondukt – und lediglich auf einem Fernsehkanal, obwohl doch ein zweiter zur Verfügung stünde. Das Wappentier der Doppelmonarchie war doch der Doppeladler. Auch befiehlt der Wahlspruch der Majestät, der das Prinzip zu verdanken ist, alles habe doppelt zu sein, jenes Viribus unitis, unzweideutig die vereinten Kräfte einer Parallelaktion von je einem k. u. k. Programmkanal. Es hätte ihn sehr gefreut. JR

IN DER ZEIT
POLITIK
2 3
Großbritannien

10 Donnerstalk ALFRED DORFER über die letzte Bastion der Männlichkeit 11 Euro-Krise Während Europas gemeinsame Währung wackelt, lockt der Schweizer Franken
VON RALPH PÖHNER

WIRTSCHAFT
21 Euro Angriff auf die Gemeinschaftswährung 22 Konjunktur Gefahren drohen aus aller Welt 23 Italien Die neue Angst 24 Finanzmärkte Bundesbank-Chef Jens Weidmann im Interview 28
Deutsche Bank Ein Inder rückt

WISSEN
35
Energie Viele Biogasanlagen belasten die Umwelt Internet »Wiki-Watch« schädigt

45 Literatur Der Wettbewerb in Klagenfurt 47 Zeitgeist Das schnelle Vergessen 48
Bühne Reise zu zentralen Orten des postmigrantischen Theaters

Foto: Michael Rathmayr für DIE ZEIT/www.michaelrathmayr.com

weiblich und somit ein Fanal der Emanzipation. Die Regierung und die Opposition bevölkern das Parlament und nicht einmal dieses ist männlich. Vor dem Hohen Haus wacht die Göttin der Weisheit, namens Pallas Athene. Wer von uns Frauenverstehern wollte sie durch ihren Vater, den brünftigen Zeus, ersetzen? Die Nationalratswahl, auch sie eine Dame, bestimmt das politische Geschehen in dem System, das auf den Namen die Demokratie hört. Wohl und Wehe von Land und Leuten befindet sich fest in Frauenhand. Verdrängen jetzt bald rabiate Mädchenschaften die tapferen Schmissträger aus ihren akademischen Buden, nur weil es die Universität heißt? Es reicht! Keine Töchter in der Hymne!

rainspotter sind eine verschworene Wehinger selbst. Nun wollen auch die französi- ersten Klasse anderer Züge. Eine Herausforderung einfach nicht als sexy«, sagt sie und zuckt mit den Gemeinschaft. Ihre Leidenschaft gilt schen Staatsbahnen einsteigen. Derzeit prüft die waren die Toiletten. Denn auch hier hatte Wehin- Schultern. Das will sie ändern.»Bei den Zügen Zügen, und ihre Sehnsuchtsorte sind EU-Wettbewerbskommission den Deal. ger spezielle Wünsche: »Wir haben sehr viel Zeit hat sich doch 20 Jahre lang nichts im ServicebeImmer wieder wirft Wehinger während des damit verbracht«, lacht Alge. Damen- und Herren- reich verändert«, sagt die 36-Jährige. Sie soll nun nicht idyllische Seen oder hohe Berggipfel, sondern Schienentrassen. Sie Gesprächs einen Blick auf den Laptop, laufend toiletten sind nun getrennt. Für die Männer wur- dafür sorgen, dass die Westbahn-Mitarbeiter kennen die abgelegensten Gleise und entferntes- trudeln Mails ein. Therapie sei das Unternehmen den Urinale eingebaut, denn die würden sowieso neue Maßstäbe setzen. ten Bahnhöfe, wo sie sich postieren und mit dem keine, beteuert er. Ein klein wenig Trotz sei aber stehen und so »wenigstens treffen«. Das geeignete Personal zu finden sei schwierig. Teleobjektiv im Anschlag Jagd auf Züge machen, schon dabei: »Der liegt darin, mir selbst zu beweiMit einem Preiskampf seien die ÖBB nicht zu »Die ersten Bewerbungen waren ein Schock. Das die an ihnen vorbeirauschen. Ein sonniger Mitt- sen, dass es besser als bei den ÖBB gehen kann.« schlagen, davon ist Wehinger überzeugt. Die Fahrt waren Schaffner, wie man sie halt kennt.« Der woch in der letzten Maiwoche war ein ganz beÜberall wuseln Mitarbeiter herum. »Alles ist im von Wien nach Salzburg soll 23,80 Euro kosten, typische Eisenbahner arbeite in einem streng hiesonderer Tag für sie: Zwischen Sulgen und Ro- Entstehen und in Bewegung«, sagt Wehinger. Das so viel wie eine Fahrt mit der ÖBB-Vorteilscard. rarchischen System und sei es »gewohnt, einen manshorn am Bodensee in der Schweiz sollte »Risk Management System«, an dem er derzeit bas- Punkten möchte man mit dem Komfort, gratis sehr schmalen Aufgabenbereich zu betreuen«, sagt erstmals das Phantom vorbeidonnern, das den telt, muss alles Unvorhergesehene berücksichtigen. Internet, einem Bistro in jedem Waggon, einem Wehinger. »Wir wollen ein neues Berufsbild schafösterreichischen Staatsbahnen fen, das es noch nicht gibt.« Um das Fürchten lehren will – der geeignete Bewerber zu finden, neue Zug der Westbahn. Wogreift die Westbahn zu unkonchenlang tauschten Trainspotventionellen Methoden: Fällt ter Gerüchte über das Internet einem Mitarbeiter etwa ein aus, wann es endlich so weit Kellner oder ein Kassierer im sein werde. Supermarkt positiv auf, beMarcel Manhart hat es hekommt der Leistungsträger ein rausgefunden. Über hundert Kärtchen in die Hand gedrückt. Im Dezember bekommt die staatliche Bundesbahn private Konkurrenz – zum ersten Kilometer fuhr der 48-jährige »Sie machen ihren Job hervorragend!« steht darauf. »In ZuEisenbahner in dritter GeneratiMal in ihrer Geschichte VON FLORIAN GASSER kunft hoffentlich bei uns.« So on, um sich mit seiner Kamera in möchte man bis zum Herbst Stellung zu bringen. »Die West130 Mitarbeiter rekrutieren. bahn ist schon etwas ganz Spe»Riesige Chancen für das zielles«, sagt er. Die Faszination österreichische Eisenbahnweder Trainspotter nutzt das Wiesen« schlummerten in dem ner Unternehmen zu einem beWestbahn-Projekt, meint Sesonderen Wettbewerb und verlost bastian Kummer vom Institut unter den Eisenbahnfetischisten für Transportwirtschaft und Loeine Fahrkarte für die Jungferngistik an der WU Wien. »Die fahrt am 11. Dezember 2011. ÖBB stehen nicht im WettAn diesem Wintertag beginnt bewerb und haben keinen ein ungleiches Duell: 42 500 Grund, etwa den Kundenservice Mitarbeiter, 4300 tägliche Zugverbindungen und 210 Millionen zu verbessern.« Beide UnternehPassagiere jährlich – das ist die men werden auf der Strecke gut nebeneinander leben können, ist Bilanz der ÖBB. Die Westbahn der Verkehrsforscher überzeugt, GmbH wird mit sieben Zügen denn die Zahl der Bahnfahrer 14-mal pro Tag der mächtigen staatlichen Eisenbahngesellschaft auf der Westbahn werde in den zwischen Wien und Salzburg in nächsten fünf Jahren um 20 bis die Parade fahren, auf der altehr25 Prozent steigen. »Mit einer motivierten Mannschaft kann würdigen Westbahnstrecke, die man es besser machen als die seit über 150 Jahren in Betrieb ist. Sie ist die profitabelste BahnrouÖBB, davon bin ich überzeugt.« te des Landes. Derzeit rattern 66 Der bisherige Monopolist reagiert bereits auf die künftige Fernzüge täglich zwischen Donau Konkurrenz. Zufall oder nicht: und Salzach hin und her. Bei der Ausgerechnet die WestbahnWestbahn GmbH schätzt man, strecke wird plötzlich nicht dass rund 14 Millionen Fahrgäsmehr subventioniert. Sie werde te jährlich auf der Strecke fahren. aus dem Katalog »gemeinwirtVon diesem Kuchen möchte schaftlicher Leistungen« gestriStefan Wehinger einen Happen chen, beschloss das Infrastrukergattern. Fünf Millionen Fahrturministerium, da sie ein gäste erhofft sich der Geschäfts»eigenwirtschaftlicher Verkehr« führer der Westbahn jährlich. Blau-Weiß-Grün gegen das Rot der Bundesbahnen: Der erste Zug der Westbahn steht abfahrbereit in der Schweiz und auf staatliche UnterstütDer 45-jährige Gründer ist kein zung nicht angewiesen sei. Neuling in dem Gewerbe. 2004 holte der damalige InfrastrukturEin weiterer Zufall: Die Geminister Hubert Gorbach den Vorarlberger von Etwa: Werden die Toilettenpapierrollen pünktlich eigenen Raucherabteil und dem Bordservice. Die bühren für Zugaufenthalte in Bahnhöfen wurden der Montafonbahn als Vorstand zur ÖBB Perso- für die Abfahrt da sein? Aber auch die nicht ganz Zugbegleiter sollen mehr sein als reine Ticketver- kürzlich österreichweit erhöht. Entlang der Westnenverkehrs AG. Vier Jahre und einen Regierungs- unwesentliche Frage, ob die neuen Zuggarnituren käufer. »Multi-Purpose-Mitarbeiter« nennt sie bahnstrecke ganz besonders: in St. Pölten etwa um wechsel später war der Physiker seinen Job wieder rechtzeitig vom Hersteller geliefert werden. Stefan Wehinger. Einer pro Waggon bzw. sechs in 78 Prozent. Auch die ÖBB Personenverkehrs AG Diese befinden sich derzeit in der Schweiz im jedem Zug sollen für das Wohl der Fahrgäste müsse diese Preise bezahlen, rechtfertigt man sich los. Politische Umfärbungen gehören bei der Bahn dazu wie die Verspätungen zum Fahrplan. Testbetrieb. Der erste Zug ist bereits fix und fertig sorgen. Sie verkaufen Fahrscheine, servieren Ge- dort – und zwar an die ÖBB Infrastruktur AG. Es wird auch ein Tempoduell ausgetragen und wartet im Inbetriebsetzungs-Zentrum von tränke und Speisen, räumen den Abfall weg und werden: Zwei Stunden und fünfzig Minuten Stadler Rail, dem Schweizer Hersteller, in Erlen, haben Theater- und Sightseeingtipps parat. Alles, nur kein ÖBB-Rot, war die wird die Fahrzeit der neuen Westbahn vorauseiner knapp 4000 Einwohner zählenden GemeinVorgabe an die Designer der Züge sichtlich betragen, die damit fünf Minuten langde im Thurgau, auf seinen Einsatz. Alles, nur nicht Die Bahnmanager gehen im samer sein wird als der Railjet, jedoch an sieben »Da darf man nicht wehleidig sein«, sagt Wehinger Rot, lautete die Vorgabe an die Designer. Nichts Supermarkt auf Personalsuche Bahnhöfen hält, statt nur an drei. Bei den ÖBB heute lapidar dazu. Er sitzt im Besprechungszim- dürfe an die ÖBB erinnern. Unspektakulär und mer seiner Firma, in der Wiener Mariahilferstraße. ein wenig langweilig in Blau, Weiß und Grün sind »Das kann einer alleine gar nicht machen, da gibt man sich kampfeslustig: »Wir werden in jewerden Tausende jeden Monat gratis fahren«, dem Fall immer eine Viertelstunde schneller sein Früher wohnte hier der brasilianische Botschafter. nun die doppelstöckigen Waggons angemalt. Heute sieht es aus wie bei einem jungen Start-upIn jedem Zug finden 501 Passagiere einen Sitz- höhnt ein ÖBB-Mitarbeiter. »Bis der einmal durch als die Westbahn«, kündigt ein Pressesprecher an. Trotz allen Gegenwinds: Stefan Wehinger ist Unternehmen. Im Flur steht eine Couch, auf dem platz und können sich in Sesselbezüge aus spani- den ganzen Waggon ist und Fahrkarten verkauft Gang vor der Tür ein Fahrrad und auf den Tischen schem Rindsleder fallen lassen. »Wir haben den hat, ist der Zug längst eine Haltestelle weiter, und überzeugt, dass seine Züge im Dezember auf türmen sich Papierstapel. Böse Zungen sagen, in halben Planeten abgesucht, um geeignete Sitze für die ersten Passagiere steigen aus, ohne gezahlt zu Schiene gebracht sein und für Wirbel sorgen diesen Räumen finde Wehingers Vergangenheits- diesen Zug zu finden«, erzählt Martin Alge von haben.« Doch die Westbahn ist von ihrem Kon- werden. Noch sind die ÖBB ein dankbarer Gegbewältigung statt – von den ÖBB aus dem Verkehr Stadler Rail. Verschiedene Klassen soll es nämlich zept überzeugt und hat für die Schulung der Mit- ner, der nicht das beste Image hat und für jede gezogen, wolle er nun selbst den Lokführer spielen. nicht geben, alles entspreche dem Komfort einer arbeiter von den Austrian Airlines eine Ausbild- Verspätung gescholten wird. Die Westbahn kann Es wäre eine teure Therapie: 130 Millionen ersten Klasse, so das vollmundige Versprechen. nerin für Kabinencrews abgeworben. als David gegen den übermächtigen Goliath ÖBB Birgit Raunig hatte mit Eisenbahnfahren bis mühelos Sympathiepunkte sammeln. Ab DezemEuro kostet das Projekt. 35 Prozent der Gesell- Tatsächlich fühlen sich die Sitze bequemer an als schaft gehören einer Privatstiftung des Bauunter- etwa die Schalensitze in den Railjets, dem Prestige- vor Kurzem nicht viel am Hut. Freunde hätten ber wird die Westbahn aber beweisen müssen, dass nehmers Hans-Peter Haselsteiner, 30 Prozent ei- zug der ÖBB. Auch die Beinfreiheit ist ausrei- sogar irritiert geguckt, als sie den Jet gegen ein sie tatsächlich auch einen Stein in der Schleuder ner Schweizer Investorengruppe und der Rest chend, wenngleich ein wenig geringer als in der Schienenfahrzeug eintauschte. »Bahnfahren gilt hat, der dem mächtigen Gegner zusetzen kann.

Duell im Westexpress

Foto: Ingo Pertramer

REISEN
61 Montreux Ein Song machte einst den Badeort weltbekannt 62 Hotel Das neues Sofitel in Wien 63 Windrad Bayerischer Gipfelsturm 65
Athen Auf dem Párnitha

Der Pakt mit dem Presseteufel
Kanzlerin Schweigsam Warum erklärt Angela Merkel ihre Politik nicht? Die digitalen Häscher Wer sind die Plagiatsjäger?/Gehetzt und beobachtet. Politik zwischen Twitter und YouTube/Ein Interview mit dem Medienanwalt Christian Schertz Aufklärung Der Kriminologe Christian Pfeiffer wird den Missbrauch in der katholischen Kirche untersuchen Libyen Beginnt die Schlacht um

den Ruf der Viadrina 37 Plagiate Ein Jura-Professor kritisiert das Promotionsrecht/Ein Plädoyer für die Reform akademischer Qualitätsprüfungen 38 Grafik Wie hat sich die Nutzung der Medien seit 1970 verändert? 39 Pharmazie Besser verträgliche Medikamente gegen Schlaganfall 42
Archäologie Eine Schnecke verbreitete sich rund um das Mittelmeer – per Schiff Energiewende Woher kommt künftig unser Strom?

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12 Justiz Das Gefängnisdrama um Ruth und Helmut Elsner
VON ALFRED J. NOLL

49 Roman Martin Walser »Muttersohn« 50 Politisches Buch »Bloodlands« 51 Klassiker W. M. Thackeray »Das Buch der Snobs« 52 Goethe-Institut 60 Jahre! 54 China Der Dissident Liao Yiwu erzählt von seinen Jahren im Gefängnis 55 ZEIT-Museumsführer 58
Gesellschaft Die Affäre DSK

66 Leipziger Zoo Neue Tropenhalle

DOSSIER
13 Atomenergie Eine Japanreise mit Jürgen Großmann, dem Chef von RWE 17 Frauenfußball-WM 2011 Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft – ein Stimmungs- und ein Taktik-Fazit 18 WOCHENSCHAU Berlin-Wahl Die Kreuzberger Kandidaten der großen Parteien haben alle türkische Wurzeln

CHANCEN
67 Rechenschwäche Zu wenig Unterstützung für vier Millionen 68 Ehrenamt Soziales Engagement von Schülern kann prägend sein 69 Leistungssport und Studium 71
Kita Kinderbetreuung auf dem Bauernhof

an die Spitze 29 EU Haushaltskommissar Janusz Lewandowski will eine Billion Euro für Brüssel – ein Gespräch 30
Murdoch Wer erbt das

7

8 9

umstrittene Medien-Imperium? 31 Frauenquote Wirbel bei SAP und Telekom 32 Chinesen Wie solide sind Aktien aus der Volksrepublik? 33 Forum Helft nicht einfach so!
Stuttgart 21 Unglaubwürdige Bahn Riestern Bürokratisch, oft zu teuer

Tripolis?
Deutsche Außenpolitik

43 KINDERZEIT

59 Baden-Baden Eine Ausstellung über den guten Geschmack
Nachruf Zum Tode des Malers

Berlins Verbündete sind entgeistert 10 Hungersnot in Somalia Selbst schuld? Von wegen

88 ZEIT DER LESER 48 Impressum 87

Cy Twombly 60 GLAUBEN & ZWEIFELN Fantasy Der letzte Harry-PotterFilm kommt in die Kinos. Ein Interview mit Ralph Fiennes über seine Rolle als Voldemort und über das absolute Böse
Das Beste zuletzt

44 Kinder- und Jugendbuch Luchs des Monats: Kate de Goldis »Abends um zehn«

LESERBRIEFE
Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/audio

ÖSTERREICH
10 Westbahn Im Dezember bekommt die ÖBB private Konkurrenz VON FLORIAN GASSER

GESCHICHTE
19 Kapuzinergruft Das gloriose Endlager der Habsburger 20 Krieg für Menschenrechte?

FEUILLETON
45 Kino Vaters Tochter – ein Gespräch mit Geraldine Chaplin

34 Was bewegt ... den Meisterkoch Harald Wohlfahrt?

bei Autounfällen.ÖSTERREICH 14. Schmidt-Luc/ullstein bild (Schweizer Franken). Oder jetzt in der Euro-Krise. das aus Urgroßvaters Zeiten stammt. Mir tat das so weh. darf man sich nicht hängen lassen. Im Lauf der Jahre durchlebte ich schwere Krisen. Ausländer sollen wieder Negativzinsen für ein Frankenkonto zahlen müssen Doch Fluchtgeld und Währungsanlagen sind zwei verschiedene Dinge. durch Drogen. fürs selbe Geld. Die Maßnahmen – zuletzt ergriffen 1973 und 1978 – zeitigten bestenfalls kurzfristigen Erfolg. Irgendwann bekam ich eine dicke Haut. All dies macht den Franken zur stärksten Marke der Schweiz. Während die anderen Industriestaaten unfassbar hohe Schuldenberge anhäufen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 11 Ein Geld wie Gold Wenn andere Währungen wanken. Ein gutes Arbeitsklima. dass ich versuchte. verlangt der Präsident der Schweizer Sozialdemokraten. als sie ohnehin längst war. das ihnen entgegengebracht wird. ob der Währungsverbund auseinanderfliegt. dass der Frankenkurs in den wabernden Milliardenströmen der globalen Devisenmärkte gemacht wird und nicht in Bern. aber alle Versuche. trotz der Schläge gegen das Bankgeheimnis: Der Schweizer Hafen lockt offenbar weiter. weil ich anders bin. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A In der Schweiz sind auch 20 Milliarden Euro aus Österreich gebunkert Das hat sogar einen konkreten Grund. Die zweite Tätowierung. Hinter dem Dollar steht ein Land.de (Matterhorn). und sie haben deshalb eine Währung. Im Alter von einem Jahr kam ich in ein Kloster. ein Geld wie Gold. musste nicht nur auf Zinsen verzichten. Die von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel beschworene Weisheit der schwäbischen Hausfrau (»Man kann nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben«) ist in der Schweizer Verfassung festgeschrieben – in Form der Schuldenbremse. in dem Mäßigung zur Staatsräson gehört und das es seit über 120 Jahren nicht für nötig hält. dass die Franken-Noten zu 94 Prozent mit Gold gedeckt sind. So bringen die massiven Euro. welche Regierung und Parlament zwingt. Der Finanzplatz Schweiz verbuchte jedenfalls in den letzten zwei Jahren wieder einen Zufluss an neuem Geld. Wann immer ein großer Wirtschaftssturm anrollt. dass die Angestellten seiner Schweizer Werke zwei Wochenstunden mehr arbeiten müssen. Und es liegt auch in einer protestantischen Sparkultur: Ein Schweizer Politiker empfiehlt sich eher durch Budgetkürzungen als durch Geschenke zur Wiederwahl. die beim Spendensammeln meine Adoptivmutter kennenlernte. Zuerst brauche ich aber einen Job. ein 10. Ich möchte eine Familie. Es gefällt mir in seiner Schlichtheit. durch Selbstmord. McP-HUW/Bildmaschine. Jahrhundert unerschütterlich. Meine Mutter brach in Tränen aus. relativ bedeutende Finanzindustrie mit vielfältigen Anlagemöglichkeiten bietet. Hier liegt das Problem der Schweizer: Sie verweigern sich dem Euro. »Es ist unheimlich verlockend«. Währungen leben vom Vertrauen. jeden Tag werden rund 170 Milliarden Dollar in das stabile Schweizer Geld umgewechselt. vorne eine vaterländische Figur: Der Schweizer Franken ist seit dem ausgehenden 19. Reinaldo Eikstadt stammt aus Roboré. Man darf sich dann ausmalen. Der Chemiekonzern Lonza gab vor zwei Wochen bekannt. »Eine Währung taugt erst zur Fluchtdevise.und DollarKäufe der Nationalbank vielleicht einige Politiker in Rage. Eine Währung trotzt allen Widrigkeiten der Finanzmärkte: der Franken der Eidgenossen. um mich adoptieren und die E s begann mit Griechenland. eine Lehre abzuschließen. zum Euro um 11 Prozent. der seinen Besitz mit ein paar Franken-Anlagen vor dem Wertzerfall bewahren will. zum Pfund um 15 Prozent.und Dollar-Stützungskäufe ein – eine gewaltige Summe. wo unter dem stilisierten Kopf der Freiheitsgöttin ein entrücktes Prägejahr steht. Den Schriftzug »Salvatierra« ließ ich mir im Alter von 21 Jahren auf den rechten Unterarm tätowieren. Auf der Liste der Staaten mit den höchsten Fremdwährungsreserven liegt sie zwischen Ölscheichtümern. als Österreich in den letzten hundert Jahren fünfmal eine Währungsreform durchlebte. einer Kleinstadt in den bolivianischen Anden. hinter dem japanischen Yen und dem britischen Pfund stehen zerzauste Volkswirtschaften. Von Krise zu Krise taumelt der Euro. Außerdem lernte ich Judo und Wing Tsun. welches niemals einen Schuldencrash erlitt. das damit kämpft. Vor allem aber sagt es mir. wie gegenwärtig der Euro. Am Ende muss die Schweiz ihre Währung wohl als Ausdruck ihrer selbst akzeptieren. und daher wiederum erscheint dieser Tage kaum ein Bericht von den Devisenmärkten. Die soziale Lage stabil. Tatsächlich betreibt die Schweiz – via Nationalbank – einen Stabilitätskult wie kaum ein anderes Land. Aber von außen betrachtet.oder 20-Rappen-Stück vielleicht. Und dies wiederum führt zu Vorgängen. dass auch Österreicher etwa 20 Milliarden Euro in der Schweiz gebunkert haben. doch lässt sie sich inoffiziell vom politischen Druck davon ablenken. Irland. Rettungspakete. Eher riskiert das dreiköpfige Direktorium. beim Mauerfall. Es ist folglich ein wiederkehrendes Phänomen. er bezahlte sogar dafür. sie pochen auf ihre unabhängige Geldpolitik. bis die Kaufkraftparität völlig aus dem Ruder ist? Was ist mit Währungen. Was offenbar schon alles erklärt: Der Franken ist so hart. dass der Franken an den Euro gebunden wird. Ich habe getrunken. Das liegt zum einen am System. die ebenfalls eine Alternative zu US-Dollar oder Euro böten? Was ist mit der norwegischen Krone. ein regelmäßiges Einkommen.com ist. In Wien sucht er Arbeit und ein wenig Glück dafür nötigen Schmiergelder zahlen zu können. wie ein Land in seiner Unabhängigkeit auch zum Spielball werden kann. man stürzt sich eifriger auf sie als aufs klassische Krisenmetall. Es ist dann eine eher kleine Münze. Zum Beispiel 1898. In späteren Jahren war es alltäglich. Da hat die gemeinsame europäische Währung nun ein Riesenproblem. egal wie schwierig es wird. Helvea. wie das Geldstück in der Brusttasche eines WeltkriegsGrenzwächters vergessen wurde – und wie es später wieder weiterzog. sagt Vogler. »Der Franken ist nicht bloß stabil«. Kein Geld war über solch einen langen Zeitraum so beständig. was mit dem australischen Dollar? »Es braucht auch einen wichtigen Finanzplatz.W. Dann kamen Portugal. in deren Zentrum eine Alpenidylle leuchtet. ein geometrisches Muster aus der Welt der Maori-Krieger. Er ist mein vierter Vorname und bedeutet »Grüß die Erde«. Schon als Bub im Kindergarten wurde ich angefeindet. scheiterten. mit Devisenbann-Verordnungen die ausländischen Anleger zu vergraulen – unter anderem mit dem sonderbaren Phänomen des Negativzinses: Wer im Ausland wohnte und sein Geld in einem Schweizer Frankenkonto anlegen wollte. Ich habe Freunde verloren. wie ein Dienstmädchen während der Großen Depression ihre Milchkanne dafür auffüllen ließ. Ich wollte nicht mehr herumgestoßen werden. Ein Alpenidyll VON RALPH PÖHNER DRINNEN Nie aufgeben Ein Bolivianer in Wien: Reinaldo Eikstadt. Die direkte Demokratie erlaubt es. dass der Franken zu teuer wird. Schließlich habe ich Träume. Während Europa rätselt. die Legenden über die verschwiegenen Gnomen von Zürich oder auch die Tatsache. Ich möchte Rücklagen bilden. bleibt der krisenbewährte Franken stabil. wie Lenin 1916 mit dieser Münze in Zürich eine Zeitung kaufte. Wenige Tage nachdem ich das polytechnische Jahr abgeschlossen hatte. der sich vor Kurzem noch zur neuen Leitwährung berufen fühlte und den altersschwachen Dollar verdrängen wollte. Grenznahe Unternehmen erwägen. mittelfristig ausgeglichene Budgets vorzulegen. ihre Grenzgänger teilweise in Euro zu bezahlen. Arbeitssuchender Ich trage zwei Tattoos. die ihnen richtig wehtut – so hart ist sie geworden. als sie mich sah. die von außen betrachtet geradezu grotesk anmuten müssen. Hinten Lorbeerkitsch. Was ist sein Geheimnis? Es geschieht nur noch selten. da meine Mutter Übergriffe der Militärs fürchtete. einen Halt im Leben – das wäre fürs Erste mein großes Glück. die Inflation nahe null. trotz des weltweiten Kampfs gegen Steuerflucht. den geballten Zorn von Exportindustrie und Gewerkschaften auf sich zu ziehen. Die Politiker halten sich sogar daran. Innert eines Jahres stieg er zum Dollar nominal um 21 Prozent. eine Broker-Firma in Genf. Ich war in der Obhut von Schwester Angela. Rohstoffgiganten und fernöstlichen Exportmächten – mit gut 280 Milliarden Dollar an fremdem Geld schafft sie es als einziger europäischer Staat unter die Top Ten. die prompt verpuffte. In jeder Wirtschaftskrise lockt eine sichere Finanzbastion die Anleger aus aller Welt Fotos: (Montage DZ) C. Und ich möchte nach Bolivien reisen und meine Wurzeln finden. das Ertragsbilanzplus chronisch hoch: All dies vermittelt gerade jetzt wieder den Eindruck. kam letztes Jahr zum Schluss. liegt der Goldwert in Franken heute tiefer als im letzten Sommer. die Alpentresore. In kritischen Momenten erinnert mich nun mein Tattoo daran. Bleibt jetzt nur noch Gold zur Wertanlage? Nicht ganz. ein Verhalten. über Generationen eine tiefe Teuerungsrate hinzulegen. Der Franken ist die klingende Münze eines langweiligen Landes. in dem der Swissie nicht als »Fluchtwährung« oder »Krisenwährung« bezeichnet wird. Geboren wurde ich in Roboré. beeindruckt nicht nur Großanleger. in Europa konzentriert sich die Zentralbank zwar offiziell auf die Preisstabilität. als Scheißausländer oder Neger beschimpft zu werden. und Devisenkurse entstehen in den klimatisierten Großraumbüros der Profi-Trader. Vogler die Sonderstellung des Franken. Aber von Zeit zu Zeit erhält man in der Schweiz am Kiosk noch ein Geldstück. zum Yen um 12 Prozent. Spanien. Keiner weiß. seine Geldstücke neu zu gestalten. dass mich Selbstmitleid nicht weiterbringt. sagt Vogler. Die Schweizer Nationalbank setzte seit Anfang letzten Jahres fast 200 Milliarden Franken für Euro. Denn an den Devisenmärkten zählt der Franken zu den wichtigsten Währungen. als Sohn einer armen Frau aus dem Dschungel. Der Franken ist geprägtes Sinnbild eines Landes. einmal mehr wird die Nationalbank kritisiert. tauchen in den Köpfen vieler Menschen offenbar Sehnsuchtsbilder auf. Sie bewirkten wenig angesichts der Tatsache. nach 9/11. man wird in den nächsten Wochen wohl vermehrt von Entlassungen in der helvetischen Exportindustrie und von leeren Betten in den Hotels hören. das umso verständlicher ist. Denn die Schweiz ist nun noch teurer. Das Land leidet zunehmend darunter. seine Rechnungen zu bezahlen. Greifbar wird dabei. immerhin verlor die Notenbank mit ihren eingekauften Dollars und Euros letztes Jahr 26 Milliarden Franken an Buchwert. Irgendwann erkannte ich. um die Währungsverluste durch Mehrverkauf abzufedern. wie viel die alten Mythen dazu beisteuern – das Land des Bankgeheimnisses. ernstschmiederer. kam ich mit eineinhalb Jahren von Bolivien nach Bregenz. Nachdem diese ihr Auto verkauft hatte. 28. Meine Adoptivmutter starb früh. Wenn es aufwärts gehen soll. dass ich nie aufgeben darf. weil er so hart ist. meldet das Eidgenössische Finanzdepartement für das vergangene Jahr einen Überschuss. Er denkt dabei an den kleinen Handwerksmeister aus Kärnten. Ich war drogensüchtig. Maschinenbaufirmen fahren Sonderschichten. Die US-Notenbank muss die Arbeitslosigkeit ebenso ins Visier nehmen wie die Teuerung. Warum setzt man dort auf den Franken. Doch auch heute rufen wieder einzelne Politiker nach Negativzinsen. ließ ich vor zwei Jahren hier in Wien machen. begann ich zu arbeiten. Damit soll der Kostenschub durch den hohen Frankenkurs abgefangen werden.« Der ehemalige Chefhistoriker der Großbank UBS stieß bei seinen Forschungen auch auf die Anziehungskraft einer jahrzehntelang geprüften Zuverlässigkeit. wenn sie als Basis eine vertrauenswürdige. den sechziger und den siebziger Jahren gezwungen. So sah sich die Schweiz schon in den dreißiger. Finanzminister im Ausnahmezustand. Nun ist Italien an der Reihe: Kursstürze. Abgekürzt heißt dies: Die Schweizer Währung kletterte noch steiler. nachlässig zu werden bei der Bekämpfung der Inflation. dass die Schweiz nicht ganz von dieser turbulenten Welt . Während die Welt seit Monaten über den stetig steigenden Wert des Edelmetalls staunt. im Kalten Krieg. den fünfziger.« Dass es ein Land schafft. Budgetposten vors Volk zu zwingen und damit ausgabefreudigen Politikern einen dicken roten Strich durch die Rechnung zu machen. tragen die Devisenreserven nur noch mehr zum Bild der Schweiz als Schatzkammer bei.« So erklärt Robert U. »er ist auch in der Langzeitbetrachtung die härteste Währung der Welt. und dies bis in die Münzprägung hinein. Die Schweizer Nationalbank findet es jedoch traditionell des Teufels. meine braune Haut abzubürsten.

der bühnenmäßigen Darstellung wird lautstark Beifall gespendet – ein wirklich schönes Stück! Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien A N A ZEITGEIST »Vorbild« Putin Wieso ehrt ein honoriges deutsches Gremium den neuen Zaren? JOSEF JOFFE: Unwillkürlich schnellt der Blick nach oben. sondern der 9. Die vielen Ungereimtheiten. das Nächstliegende. Engagement und Gemeinschaftswohl verpflichtet« seien. griff man dieses Mal im Stehgreiftheater der Justizgrotesken zu einer altägyptischen Sage: zu der Geschichte von Isis. der sich im Kuratorium »strikt gegen Putin ausgesprochen« hat. Und ebendies. Schimon Peres. es war nicht der 1. Bald werden die lästigen Fragen der Vergangenheit angehören. wo sie ihn durch Zauberei wieder zum Leben erweckte. als die Süddeutsche berichtete: »Preisrätsel: Deutscher Verein ehrt Putin als mustergültigen Staatsmann«. den Ex-Banker Helmut Elsner. selbst Libyen und Jemen kommen besser weg. die ihrem getöteten Gatten hindes Osiris Sarg eingeschlossen war. Denn in ihr steckt die Lösung des Geheimnisses. Ein Staat darf sich nicht anmaßen. des Isis-Mythos einerseits und konnte. wird gnadenlos verfolgt. das Wahlen abhält. Hier war er von einem mächtigen Baum in dessen Stamm eingeschlossen worden. Sein Verschwinden hinter Gittern – und nun auch noch die ärztlich festgestellte Haftunfähigkeit. Es herrsche ein »Schattennetzwerk von Politikern. und er ist dafür verurteilt worden. Rechthaberei tor festgehalten wird. Den Fluss. Juli 2011 JUSTIZ DIE ZEIT No 29 ÖSTERREICH Sündenbock Aktenzeichen Bawag – ungelöst.dramatischen Erzählung nur das Frische erkennt. Kinder aber wussten zu berichten. Unerheblich ist sie nicht. sie einst in den Kerker warf. damit sich die überkommenen und meist niederen Instinkte auflagenstark befriedigen und befrieden lassen. Doch genau mit dieser Beteuerung ließ sich das Gericht von Wolfgang Flöttl. JR Isis auf der Suche nach Osiris Im Stehgreiftheater der Justiz wird der Mythos zur Posse. das derzeit in GENOSSE Wien über die Bühne geht. Isis trat in die Dienste der Königin.unentdeckte Auffrischung des Alten. Kein Erwachsener konnte ihr Auskunft geben. seine letzten Jahre in Freiheit zu verbringen. Ärzte hatten Alarm geschlagen. die noch einem Amalgam aus Vorurteilen. Im schlimmsten Fall könnte Elsner eines Tages sogar als eine Art Märtyrer angesehen werden. Nachgerade naiv ist die Vorstellung. wenig Bedeutung besitzen.« 2011 klang es nicht besser: »In diesem Jahr fiel Russland im Demokratie-Ranking ab. dass ein toter Sündenbock in aller Regel ein schlechter Sündenbock ist. beschreibt Stanford-Politologe Francis Fukuyama in seinem neuen The Origins of Political Order: Seit Putin sei Russland zu einem »autoritären Regime mit Wahlen« geworden. dem Mann. bis es endlich im historischen Archiv verschwinden kann. dass es von ›teilweise frei‹ auf ›nicht frei‹ herabgestuft wurde. Foto: Mathias Bothor/photoselection . ohne ihn zu ken. Aber Putin? Die Werkstatt bemüht ganz ironiefrei Orwell-Sprech in der Begründung: »Im Inneren . die »Aufklärung. wenn ihm einmal seine Grenzen aufgezeigt würden. ist sich Isis anvertraut.Mensch käme hierzulande auf den enttäuschenden Man glaubt die Geschichte von der Frau mit verfahren selbst. Dies eben ist Haftanstalt schmachtet. wo der Sündenbock darauf hoffen kann. jemanden hinter Gittern zu halten. Wladimir Putin? Und dann ein so honoriges Gremium wie die »Werkstatt Deutschland«. Die Königin freilich. deren Mann in der reich den Isis-Mythos. Und in der Rolle des guten Weit gefehlt: Es ist gerade das Alte. die ihm wieder die Freiheit schenkt. Deshalb funktioniert das Stück so gut. verkörpert das kann doch gar nicht wahr sein. den Pfeiler einzureißen und so den Sarg freizulegen. ist natürlich die zwar gut aufgehobener Stoff dargeboten. die riesige Summe habe sich in Luft aufgelöst. noch dazu in der Obhut der Rechtspflege. und nun ist er krank. es ist korrupter als die üblichen Verdächtigen in Schwarzafrika. Nichts kann sich so und heute. die man längst erfolgreich unter den Gerichtsteppich gekehrt glaubte. abspeisen. Und gerade diesen Baum hatte Melkart. April. Besser.12 14. und das Aktenzeichen Bawag schlummert weiterhin ungelöst dahin. was nüchtern betrachtet das Nächstliegende wäre: Hier hat einer das Gesetz gebrochen. das stets aufs die isomorphe Parallelität der König Melkart tritt die Justiz in Neue überwältigt und gefangen nimmt. der sich aus der Fülle des Lebens speist. Kaum etwas interessiert die Öffentlichkeit mehr als die Antwort auf die leise und mit gewisser Bange gestellte Frage: Ist Elsner jetzt wirklich frei? Muss er nicht wieder hinter Gitter.« Wie das realiter aussieht.« Auf der Korruptionsskala von Transparency International (2010) liegt Russland ganz oben auf Platz 154. beginnen rasch allerorts die Verschwörungstheorien aufzublühen. Schließlich vertraute sie der Herrin ihre wahre Identität an und berichtete ihr von dem traurigen Schicksal ihres Gatten Osiris. auf das Erscheinungsdatum der Zeitung. der sich in terherspürt. sondern Liebling der Nation. das sich schnaubend aufbäumt. war menschlich: Damals war »KT« noch kein Plagiator. Das sind die Kreml-Getreuen im Big Business und Sicherheitsapparat – die Putinsche Machtelite. und man garniert diesen Glauben mit Strafanstalt.und Handlungsarmut auf der politischen Bühne giert das feine Sensorium des Boulevards ständig nach frischem Stoff. Stirbt er vor der Zeit. Ernsthaft krank war der rechtskräftig verurteilte ehemalige Bankdirektor allerdings schon lange. Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wenn man statt »Aufklärung« Mediengleichschaltung setzt. so einem Typ geschähe es schon recht. dass Ruth Elsner ihren Gatten aus dem finsteren Verlies in ein heiteres und helles Pensionistenleben gezaubert haben könnte. Als böser König wussten hat sich die Sage sedimentiert. Weiter mit Orwell: Mit dem Quadriga-Preis werden »Vorbilder« ausgezeichnet. Oppositionskandidaten werden eingeschüchtert und disqualifiziert. der arrogante Bankdirektor wäre eingesperrt worden wegen seiner ihm nachgesagten Charakterschwächen.« Im März 2012 wird wohl Putin gegen den heutigen Präsidenten Medwedjew antreten. um seinen Machterhalt zu legitimieren. Diese Wahl wird »von einer kleinen Elite. Die Königin hatte Mitleid mit der Göttin und überredete ihren Mann. Aber die Veranstalter des Stücks können zufrieden sein. Isis wird von Ruth Natürlich kennt niemand in Öster. der den daraus erwachsenden Beanspruchungen nicht gewachsen ist. der Mann genießt irgendwo seinen Lebensabend in Freiheit. Das Regime kontrolliert fast alle Medien und erlaubt keine Kritik. Unvorstellbar ist dem Publikum. Absurd natürlich ist der Gedanke. der Gottkönig von Byblos. Offiziellen und Wirtschaftsinteressen. Der Stoff muss sich freilich stets in das Gewand überkommener Mythologie kleiden lassen können. die sich auf die Suche nach ihrem verstorbenen Gatten Osiris begibt. was hier geboten zweierlei: die zeitlich und örtMeinungsklima am Boulevard.sehr den Charakter des Besonderen geben als die Elsner gegeben. nicht vom Wähler entschieden werden«. der Göttin der Liebe. Gewiss. in den der nen. können es nicht glauben: Es und verständlicher Empörung. Die eigenen Leute werden belohnt und protegiert. Juli. so RT große Plausibilität verleiht. versinnbildlicht das Straf. Für die Schuldfrage nach den Buchstaben der Paragrafen mag das Rätsel. hier habe die Medienkampagne der fürsorglichen Gemahlin die Freiheit eines Unsympathlers bewirkt. Ein fauler Deal? Und was verbirgt er? Jetzt. Hier ist einer im Gefängnis gelandet. Andererseits: Wer weiß. aus dem Gefängnis gezaubert? zurück nach Ägypten. Nein.der Realität als schlechte Posse entpuppt. Die Rechtspfleger hatten sich lediglich beharrlich geweigert. das jährlich den Zustand der Freiheit auf der Welt misst: »Politische Rechte und Freiheiten sind in Russland so eingeengt worden. Geben wir ihm als Sonderpreis die Mini-Version eines Quadriga-Pferdes auf dem Brandenburger Tor.. Seine überraschende Verhaftung – wer hat je gesehen. es hat nichts. »Engagiert« ist Putin tatsächlich: bei der Perfektion dieses Systems. dies auch zur Kenntnis zu nehmen. den prominenten Häftling könnte womöglich eines nahen Tages in seiner Zelle der Herztod ereilen. die lange Liste mit zu einem Großteil lebensbedrohenden Diagnosen liest sich wie ein Medizinlexikon. Was dem Stück. Aber im Unbe. wenn er durch die Fürsorge seiner Gattin alsbald genesen wird? Nichts überzeugt die Österreicher so sehr wie der schöne Schein. das wird! Das Stück ist uralt. dessen vermeintlich ungeschickten Investments Elsner sein Missgeschick verdankte. weil man Handlungsträger von damals neuer Besetzung vor das Publikum. man die Kunst des Stückeschreibens. Ganze Kohorten von Leserbriefschreibern und Postern arbeiten sich nun an dem Verdacht ab. kann die Justiz erleichtert aufatmen. nur wenig eleganter Trotz. wo die verspekulierten Bawag-Milliarden verblieben sind. was man liche Distanz zum Ursprung Ruth Elsner für sich begeistern daraus für die Gegenwart gewinnen könnten. Kein aber vor der unreflektierten Folie des Alten rezipiert. sich dessen nicht bewusst ist. Isis nahm den Leichnam ihres Gatten und brachte ihn Hat Ruth Elsner ihren Mann. vielleicht waren es doch die Zauberkräfte der schönen Ruth Elsner? Bizarr auch die Vorstellung. die ihn kann an ihren Wesenskern glauben. dass man an der Seth fungiert die Claudia Bandion-Ortner. »Vorbild« wäre richtig. NOLL I Wie auf einer durch lästige Cookies verseuchten Homepage aktualisieren sich in unserer Wahrnehmung die einzelnen Etappen des »Falles Elsner«. welche Seilschaft wie von der Pleite profitiert hatte.« Knapper sagt es die Historikerin Christina Eibl in ihrem Überlebensbericht aus dem Herzen Moskaus (2011): »Wer sich nicht unterwirft. der böse König Seth habe einen großen Klumpen Blei in den Fluss geworfen. Angesichts der Gedanken. Nachfrage unerwünscht. fällen lassen. in den Gedanken. dem so ehrbare Leute vorsitzen wie Lothar de Maizière und Richard Schröder? Der den Quadriga-Preis seit 2003 an so ehrenwerte Menschen wie Michail Gorbatschow. weil uns die Wirklichkeit des österreichischen Rechtsstaats als despektierliche Posse geboten wird. Definieren wir es mit Lenin als »demokratischen Zentralismus« plus Staatsund Oligopolkapitalismus. der um den Mythos wissen. Weil es das Personal nahelegte und weil die Übereinstimmung gar so groß schien. die vergangene Woche zu einer auffällig raschen Haftverschonung für Helmut Elsner führte. schließlich trat Flöttl als Kronzeuge gegen den Mann auf. dass man so einen wie ihn wirklich erwischte? Schließlich das Strafverfahren unter dem Vorsitz der nachmaligen (und jetzt schon wieder ehemaligen) Justizministerin – keine Reue des Angeklagten. in welcher der ehemalige Bankdirek. Ein Besuch des Gefängnisdramas von Ruth und Helmut Elsner mmer noch und bis auf Weiteres findet in Wien das Aufgewärmte und das allenthalben Vertraute das meiste Publikum. ist dem heimischen Publikum nicht mehr vorstellbar.com VON ALFRED J. wecken dann plötzlich neues Interesse. Vier Jahre nach Beginn der Putin-Präsidentschaft meldete Freedom House. um ihn in seinem Palast als Pfeiler zu verwenden. und der mächtige Baum. Foto (Ausschnitt): Georg Hochmuth/APA/picturedesk. Wirtschaft und Identität. den Sarg ihres Gatten den Fluss hinab bis zur phönizischen Stadt Byblos zu verfolgen.. und statt »Gemeinschaftswohl« das Wohlleben der neuen Bojaren. auf den die Strenge des Gesetzes letztlich die gesamte Schuld für das Debakel ablud. hier werde ein im Reich der Mythologie Zauberkräften. Sarg geworfen wurde. Isis selbst gelang es durch ihre eigenen machtvollen Fähigkeiten. Wolfgang Schäuble und Sylvia von Schweden verliehen hat? Dass sich die Jury mit Guttenberg (2010) ein wenig geirrt hat. schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand. dass ein Bankdirektor verhaftet würde? Seine Heimholung aus Frankreich – wer hätte gedacht. der für das juristische Unvermögen im Fall der Milliardenpleite der einstigen Gewerkschaftsbank Bawag habe büssen müssen. Geehrt werden müsste ein anderes Vorbild: der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Das wird es auch bleiben Es war die nackte Panik der Justiz. Einen Beitrag zu der plötzlichen Erleuchtung der mit diesem Fall befassten Richterriege mag die simple Tatsache geleistet haben. Jene.

Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland. Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. KG. Hans Blumenberg zum Beispiel sieht in ihr »das Interesse des Menschen für dasjenige. Und zwar nicht in Frankfurt. J A H RG A N G www. Dieser urmenschliche Trieb bildet den Motor der Indiskretions. nur auf technisch höherem Niveau. Es müsste uns alle beschäftigen. Ein rabiates Verwertungsinteresse ist Merkmal jenes Turbokapitalismus. für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde.« Dr. dass die Struktur der deutschen Bankenlandschaft renovierungsbedürftig ist. Er beschreibt damit jenen selbstbezüglichen Wissenschaftsbetrieb. dass der Medienmagnat Rupert Murdoch sein Schmierblatt News of the World eingestellt hat. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 Die Wall Street greift an Das Schicksal des Euro ist den Finanzmärkten egal. Kein Mensch kann alles ausdrücken. Nicht jede Nachricht ist der Beachtung wert. die sich auf die Pressefreiheit manches einbilden. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut. Und so. oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will. Normale Menschen also. die Murdoch. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher. es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner. Anders als das Tier. uns mit jenem Fast Food zu versorgen. wohin sein Drang ihn führen würde). ohne es auszusprechen. dann würde uns die Empörung über Murdoch und so weiter etwas kosten. Ohne Zweifel kann es hier und da schädlich sein. würden wir nicht eingreifen. gerissene Fliesen. Im Wort aber steckt die Gier. Albert Einstein war nur ehrlich. sich mit Nahrung vollzustopfen. Die erste Kategorie. in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist. der auf der linken Fahrbahn zum Stau führt. das man nicht betreten. 20080 Hamburg. so behielte man doch die Füße. was da passiert ist. Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. Und zwar aus demselben Grund. Als Erwachsene wissen wir (oder sollten es gelernt haben). Es ist nicht einzusehen. wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat. Athen. Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier Man muss sich aber. fast die ganze Welt. Einige von ihnen mussten gerettet werden. das immer von Neuem hungrig macht. dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen. So ist die unglaubliche Bereicherung der Spitzenmanager. sondern die Neugier. insbesondere in Amerika. Anleger und Spekulanten ziehen ihr Geld aus Rom. ist ein Versprechen der Demokratie und das Geheimnis ihres Erfolgs. das sind vielleicht 98 Prozent. Sie wird niemals satt. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . sondern nur leidenschaftlich neugierig. Es gibt eine Ökologie der Aufmerksamkeit. über gemeinsame Prinzipien.und Entblößungsmaschinerie.zeit. nie wird ein Auge satt. alles ist Windhauch. 28. Sie ähnelt der Sucht. indem man Sensationsfelder erfindet und anhaltend beackert. feiert sie Erfolge. Das Vertrauen der öffentlichen Meinung und des Publikums in die Finanzbranche insgesamt ist in den letzten Jahren stark gesunken. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein. aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden.DE/EURO Chaplins Tochter Geraldine findet: »Mein Vater gehört allen. Optionen et cetera. an den wir uns längst gewöhnt haben. wenn es auf der rechten einen Unfall gegeben hat: Es ist die Neugier.oder vierzigmal so viel verdient wie die Bundeskanzlerin. bewusst halten. dass deutsche Weltfirmen hinsichtlich der Finanzierung von großen Vorhaben und Investitionen von ausländischen Finanzinstituten abhängen.). Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr.de/audio www. Rue des Archives/PVDE. aber auch eine Menge über uns Leser VON ULRICH GREINER Die Plagiatsjäger Digitale Blockwarte oder Retter der Wissenschaft – was treibt die Menschen. alles wissen zu wollen. bevor er in Berlin-Mitte verschwand.zeit.de Abonnement Österreich. 21–24 WWW.de.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. dass er dreißig. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. aber Baupläne geklaut. Und das ist Merkels Problem VON HELMUT SCHMIDT Die Methoden des Boulevards sagen viel aus über die Medien. Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei.u. Den Gedanken seiner Neugierkritik finden wir in den Mythen und Märchen wieder. Die eigentliche Frage lautet.) ZEIT ONLINE GmbH: www.o.de 29 2 9 AUSGABE: . PROMINENT IGNORIERT Agenten am Bau Feuchte Wände. weil sie aufs Irdische versessen sei und wegführe vom Eigentlichen: von der Selbsterkenntnis und von der Erkenntnis Gottes. vom Schleier. was nicht passt.jobs. die unsere Neugier niemals sättigt. dessen Wissensdrang der Instinkt leitet und aufs Zuträgliche beschränkt. dass die Verblödungsstrategie gewisser Sender und Zeitungen an ihr Ende gekommen wäre. dann gehören sie ins Gefängnis.) Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. Der wirkliche Grund. alles wieder genauso zu machen. Nur wo der Erfindungsgeist sich verbreiten und austauschen darf. sondern das Neue selber zu erzeugen. 45/46 Die Macht der Klugen Auf ihre Forscher dürfen die Deutschen stolz sein. Wir wollen sehen. Vera Tammen für DZ (l. dem wir offenbar – zu unsrem Glück oder Unglück – nicht zu entrinnen vermögen. die WestLB wird gerade aufgelöst. die alles daransetzt. Im Gegenteil. HBK kleine Fotos: Nicolas Guerin/Corbis. die sie ins Verderben stürzen müsste. Deutsche und Commerzbank. England. Denn nichts altert schneller als das Neue. und rastlos sucht die Neugier nach neuem Stoff. Was leider nicht bedeutet. bevor man derlei Entgleisungen geißelt. Schweiz.PREIS SCHWEIZ 7. nie ein Ohr vom Hören voll. Wir wollen wissen. denen wir unsere Zukunft anvertrauen können ZEITmagazin Titelillustration: Smetek für DIE ZEIT Das Geldhaus Fluch der Neugier Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden. Windhauch. dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten. sondern stets neu entfacht. was ihn sozusagen nichts angeht«. So perfekt wie heute ist sie noch nie gelaufen. Zu Besuch bei jungen Wissenschaftlern. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken. Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben. glücklicherweise. und der öffentliche Aufruhr in London hat immerhin dazu geführt. Sie ist ein wilder Trieb. Wir könnten uns an die biblische Weisheit im Buch Prediger erinnern: »Windhauch. Wenn zum Beispiel eine große. dpa (v. S. Ist das wirklich schlimm? Verliere man die Schuhe. Man sollte die darin investierte Energie auf eine andere Enthaltsamkeit lenken: auf den Informationsverzicht. wird passend gemacht! Nur wer selbst ein Haus gebaut hat. noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell. In den Schulen ist er schon lange ein Thema. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager. Derivaten. der uns alle. Jetzt sieht es so aus. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen. andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. die neue Nachricht zu verbreiten.zeit. Und wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Welt überhaupt.0. so gibt es auch eine mediale Zerstreuungsindustrie. der gezähmt werden muss. weshalb sich Seefahrer tollkühn auf die Weltmeere wagten. die vom Heiligen und vom Verbotenen erzählen: vom siebenten Zimmer. Die simple Antwort: Weil Millionen derlei lesen und sehen wollen.n. auch in anderen westlichen Ländern. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt. Leserbriefe@zeit. ZEIT-Stellenmarkt: www. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager. An Kindern bewundern wir ihre schlechthin schrankenlose Neugier. darüber war man sich früher einig. zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren. was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G 7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister. Wie Europa seine Währung trotzdem retten kann WIRTSCHAFT S. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. ullstein. Der audiovisuelle Boulevard verfährt nicht anders. ein großes Ärgernis. Öffentliche Folterungen und Hinrichtungen. Die Klugheit solcher Weisungen könnte Leitfaden sein für die Zähmung unserer Neugier.ZEIT. aber gegeben hat es sie immer. wie lange der Kuss des königlichen Paares gedauert und warum die monegassische Fürstin nach der Trauung geweint hat. das Ausstellen von »Missgeburten und Monstern« auf Jahrmärkten haben einstmals Tausende angezogen. warum sich damit Geld verdienen lässt. an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann! E mpörung kostet nicht viel. Seit Jahren führen wir eine manchmal bizarre Schlankheitsdebatte. die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. weiß. sondern ein Inder. die Doktorarbeiten überprüfen? Politik S. Zweite Kategorie. Die Philosophen erblicken in der Neugier einen höchst doppeldeutigen Trieb. und wenn sie schuldig gesprochen sind. Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert. Wenn wir dies begriffen. sondern von jenen gesegneten Breitengraden.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 14. Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten 6 6 . aber leider auch in Kontinentaleuropa.zeit. ist die menschliche Neugier ungerichtet. Anatomen den menschlichen Leib aufschnitten und Wissenschaftler sich gefährlichen Strahlen aussetzten. Die gehören vor Gericht. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. als er einmal sagte: »Ich bin nicht besonders talentiert. tröstete sich und die Seinen jüngst ein Agent.« Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im SiemensKonzern. die nicht selten Züge einer Neusucht trägt. Es ist nicht gut. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht. Augustinus hält die curiositas für ein Laster. Berlusconi und die anderen betreiben. wo es weder an Nahrung noch an Information generell mangelt. Der Mangel an Mangel ist ein Problem der Erziehung und der Selbstdisziplin. sondern ein Schweizer. (Siehe Wirtschaft.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 1 90745 104005 deutschen Bankenstruktur bleibt. Dass sie sich ungehindert entfalten könne. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher. dass es nicht lohnt. dringt er hinein ins unbekannte und ökonomisch fruchtbare Neuland. war nicht das klare Kalkül (kaum einer wusste. wie andere leiden: etwa die Schlapphüte vom BND mit ihrem Neubau in Berlin. wie es eine Industrie gibt. so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen. dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse. dass der Spitzenmann einer Bank hundertmal so viel Geld verdient wie sein Fahrer. Hierzulande hätte die Politik schon lange erkennen müssen. Lissabon und Madrid ab. wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet. E-Mail: DieZeit@zeit. sich über die kriminellen Machenschaften englischer Boulevardjournalisten zu empören. 4–6 W ochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. Ihr Ziel besteht nicht darin. den Schillers Jüngling dem Bild der Wahrheit besser nicht entreißen sollte.de. Es fällt leicht. das sind die mit einer kriminellen Ader. dass die Neugier Ursache aller menschlichen Erfindungen und Entdeckungen gewesen ist. empörend viel Geld. Die Keller zwar trocken. das sind die normalen Menschen.« Ein Gespräch Feuilleton S. als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt.

»Von den 15 700 Mann. einem Dorf in den Glarner Bergen. Auch danach streute das Enforcement Directorate in den indischen Medien allerlei Details über die Schweizer Verbindungen des Hasan Ali Khan. sanierte sie aufwendig – und fraß am General einen Narren. schlachten das Vieh auf den Gassen. Doch die Gemeinde. So viel Geld sollen indische Politiker und Geschäftsleute auf Schweizer Bankkonten verstecken. einer der bekanntesten Yogis in Indien. sei auf einem UBS-Konto gelegen. und die Regierung spürt. denn der gute Boden hier muss unbedingt erhalten bleiben. Und immer wieder fallen die Glar- ner. wobei sie auf Konfrontation mit allen politischen Parteien geht – ein ungewohntes Phänomen auf dem Subkontinent. Ohne Unschuldsvermutung. aber stimmt mit den Linken Aufschlussreich sind die Reaktionen zum Rückzug Lidls. Kaspar Rhyner hätte Elm genauso verhökern oder es selbst mit Hotelsilos.« Denn die Inder fordern zunehmend lauter eine Abrechnung mit den Eliten ihres Landes – und diese Eliten wiederum müssen Engagement beweisen. noch wurden Transaktionen durch Kashoggi festgestellt«. Und die Elmer Bauern das nötige Land. langjährige FDP-Ständerat und Regierungsrat ist ein durch und durch bodenständiger Glarner. Es half wenig. seien die »Referenzen der besagten Bank suspekt gewesen«. auf dieses wurden einmal 60 000 Dollar überwiesen und nur einen Tag später wieder wegtransferiert. Kaum ein Tag vergeht. reissen es in Stücke und verschlingen das rohe Fleisch mit der Gier des russischen Steppenwolfs. Die Ermittlungsbehörden legten weitere Vorwürfe gegen Ali Khan nach.). dipl. Die UBS meldete den Vorgang der Meldestelle für Geldwäscherei in Bern. Uns wurde mit den Arbeitsplätzen unberechtigte Hoffnung gemacht: Ich bin überzeugt. weshalb der UBS die Lizenz zum Aufbau eines Filialnetzes in Indien gewährt wurde. mit denen Suworow den Marsch nach Elm angetreten war. Gleicher Meinung war auch ein Bauarbeiter namens Felix Vogel: »Ich bin erfreut über das Aus von Lidl. Kaum mehr als 1870. wenn Lidl nicht kommt. erinnert sich Rhyner und setzt sich zum Besucher auf die kleine.und Pragelpass und durch die täglichen Kämpfe mit den Franzosen erschöpft. bis Lidl entnervt aufgab. »Zu diesem Haus sagen wir nicht das SuworowHaus. sondern dort auch sehr billig arbeiten müssten. in Abgründe gestürzt oder erfroren«. Offensichtlich stimmt mit dem Glarnerland etwas nicht. gelangen am 8. dass sich unterwegs ein kleiner Bergkanton befindet. Unter dem Strich gibt es wegen Lidl bestimmt nicht mehr Arbeit. Der 70-jährige Suworow nimmt Quartier in dem grössten und wohl stattlichsten Elmerhaus.« Man erschaudert ein bisschen ob Rhyners Worten. »Sie befinden sich also jetzt im Leibe Suworows. ist ein viel zu guter Erzähler. der Finanzminister erwies dem Yogi Referenz. Man wählt bürgerlich.« 1968 kaufte Rhyner die Hausruine. derweil sich die Schweizer Bevölkerung innerhalb von 150 Jahren mehr als verdreifacht haben wird. werden es 2020 weniger als 38 000 sein. Patronentaschen und Ranzen auf. Doch ein Esoteriker ist der 68-Jährige mitnichten. Glarus winkten zwölf Millionen Franken Erlös für das Grundstück.4 Billionen US-Dollar. Im Juni begann Baba Ramdev. Im Hintergrund tickt schwermütig eine antike Wanduhr. die im Mai herauskam. Juli 2011 WIRTSCHAFT DIE ZEIT No 29 SCHWEIZ Aufgeheizt Wie Schweizer Banken in Indien unter Generalverdacht gerieten Wer in fremden Ländern geschäftlich tätig wird. 2004 wurde bekannt. Leben heute noch 40 000 Einwohner hier. mitten im Kalten Krieg. kann Wundersames erleben. Durchs Sernftal herein zieht ein russisches Heer von über 15 000 Mann unter dem Befehl des Feldmarschalls Alexander Wassiljewitsch Suworow. In dichten Flocken wirbelt der Schnee. der pensionierte Bauunternehmer. Und im vergangenen Februar stellte die UBS klar. Die Antikorruptionsbewegung. Doch für die UBS und alle Schweizer Banken liegt hier das Problem: Ausgerechnet in Indien. inzwischen lautet der Verdacht auch auf Terrorismusfinanzierung sowie auf Geldwäscherei im Umfang fast 100 Millionen Dollar. der Dorfkönig und Chronist. die der General einforderte – seine Soldateska wütete: »Sie dringen in die Ställe ein. Die Kehrichtverbrennungsanlage. sagt er ohne Schmunzeln. Das Resultat: Heute hat Elm gleichviel Einwohner wie zu Suworos Zeiten. Jahrhundert das erste Fabrikgesetz in Kraft. als dass man ihn unterbrechen möchte. Andreas Fäh/www. sind die Swiss Banks zum Symbol für schwarze Kassen geworden– noch stärker als andernorts. an deren Spitze Swami Baba Ramdev steht. So übten in den sechziger Jahren Grenadiere im leer stehenden »Suworow« den Häuserkampf. »Man kann es sich nicht mehr leisten. Hier wurde der Schweizer Gemeindeföderalismus fürs 21.« Dort. Just in der Linthebene. Unten. in Elm. D Am schnellen Geld ist hier niemand interessiert Eigentlich dient der Besuch beim Dorfkönig von Elm der Spurensuche. dass nichts dahinter steht«. und zugleich verbreitete sich die Antikorruptionsbewegung über Facebook. bei einer Demonstration oder in einer Parlamentsdebatte erwähnt werden. Ferienchalets und Zweitwohnungen überziehen können. so ein Richter laut CNBC und India Times. Hier trat im 19. wo es heiße: Wo einst Textilmaschinen dröhnten: Industriebrachen in Rüti (zuoberst) und in Diesbach. diesem wichtigen Zukunftsmarkt. Umgerechnet gut 8 Milliarden US-Dollar soll er im Ausland versteckt haben. Heute stehen Lidls Headquarter und Logistikzentrum im thurgauerischen Weinfelden – ein Glarner »Bauernsturm« hatte den deutschen Rappenspaltern den Garaus gemacht. verwundet. Doch die Sache ist längst zum Symbolfall geworden. dass der Boden im Näfelser Schärhaufen einer der besten ist im Kanton. um den Gewaltmarsch über den 2500 Meter hohen Panixerpass hektisch vorzubereiten. Die Macht dazu hätte der weitverzweigte Rhyner-Clan gehabt. Straßenbauer nach Leningrad – dem heutigen St. Oktober 1799.ch . mit visionären Entscheiden auf. Immerhin. Ali Khan habe lediglich kurzzeitig ein Konto besessen. Der Gründer und Verwaltungsratspräsident der Elmer Sportbahnen. Indiens Steuerfahndungsbehörde. Die Zahl macht ein nationales Übel fassbar. Nach der Rettung des »Suworows« setzte sich der junge FDP-Gemeinderat auch für den Erhalt der historischen Bausubstanz seiner Heimat ein. so unter anderem eine Mitteilung des Finanzministeriums in Delhi. Da tauchten UBS-Konto-Nummern auf. »Die UBS wird zu Unrecht beschuldigt. fragte Marco Kistler die Stimmbürger an der diesjährigen Landsgemeinde. steht der Kantonshauptort Glarus längst im Schatten as berichtet die Chronik von Elm: »Man schreibt den 5. Auch im Glarner Unterland stößt der Wachstumsglaube an Grenzen. Und in den Zeitungen und TVShows wird der Inhaftierte regelmäßig als »Indias biggest tax evader« bezeichnet – der größte Steuerflüchtling aller Zeiten. Und verfremdet bis zur Unwirklichkeit. aber in der indischen Öffentlichkeit gilt sie längst als Faktum. da ist von konkreten Transaktionen in Millionenhöhe die Rede – für die UBS ist all dies haltlos. als wäre der General noch hier«. sagte der Schüler Andreas Stucki in der Lokalpresse. Juli stellte ein Kollegium des Supreme Court der Regierung die Frage. und auf dem Tisch stapeln sich Bücher und Zeitungsausschnitte über den russischen Generalissimus. aber sicher schlechtere Arbeitsbedingungen«.10 14. Die Truppen sind durch die langen Märsche über Gotthard.faeh-arch. Vielleicht behilft man sich da auch einfach mit falschen Dokumenten. wo sich das wenige fruchtbare Flachland des Bergkantons befindet. Er hat dabei eine Zahl im Kopf: 1. lautet der Vorwurf der Behörden – noch so eine Summe. RALPH PÖHNER Der Arbeiterstaat Glarus tickt anders: Die Bevölkerung schrumpft. 400 neue Arbeitsplätze und ansehnliche Steuereinnahmen. Denn Kaspar Rhyner. Jahrhundert fit gemacht. wuchs in den letzten Monaten kräftig an. aber keine Instanz kann jetzt noch klein beigeben. deren Horizont doch von steilen Bergflanken eingeengt ist. Und da die Dorfstraße sowieso erweitert werden sollte. In einer rund 900-seitigen Anklageschrift. Kinzig. Nur: Ein erstes Rechtshilfegesuch in der Causa Khan wurde vom Bundesamt für Justiz zurückgewiesen – weil die indischen Behörden gefälschte Unterlagen nach Bern mitgesandt hatten. Der größte Teil des Geldes. Also in jenen Raum.« Dabei hätte man die neuen Arbeitsplätze gut brauchen können. »In der Geburtsstadt Suworows stellte ich Nachforschungen über dessen Aufenthalt in Elm an. Die Übrigen sind gefallen. Während draußen – trotz der strammen Disziplin. ohne Ironie. In der Abenddämmerung erreicht das geschlagene Heer Elm. auf dem Fabrikareal Legler Fotos (Ausschnitte): Ex-Press (gr. bewahrt Kaspar Rhyner Säbel. 1966. Doch beide hatten kein Interesse am schnellen Geld. 57. scheint Glarus in einen Dornröschenschlaf zu fallen. Als Bauernsohn weiß ich. Man verzeichnet als einziger Kanton einen Bevölkerungsrückgang. seit letzten März sitzt er in Mumbai in Untersuchungshaft. die im Laufe der Zeit auf dem Panixer gefunden wurden. »Wämmer ä Kanton Lidl oder ä Kanton Aldi wärdä?«. Während schweizweit alle Zeichen auf Wachstum stehen. Wie das? Das Problem beginnt mit einem Mann namens Hasan Ali Khan. die in den indischen Medien herumgereicht wurden. »wollten die verrückten Cheibe das Haus abbrechen«. der Steuerwettbewerb kümmert kaum. Eine Spurensuche im Bergkanton VON MICHAEL SOUKUP Wenn der Alpenfirn sich rötet. so die UBS dazu. internationale Verstrickungen und legendäre Geschichten über die Diskretion der Schweizer Banken herumgeistern. dass wir bei Lidl nicht nur billig einkaufen. Seit 2007 ermittelt das Directorate of Enforcement. zehn Jahre später erhielt das Dorf den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes. dass sie keine Konti von Hasan Ali Khan führe. Im Eilverfahren wurden 89 000 Quadratmeter bestes Landwirtschaftsland in Industriezone umgewandelt. im Keller. einen Hungerstreik. in den Zeitungen. Er gründete 1971 die Stiftung Pro Elm. wohnt im Bürgerhaus mit den barocken Fassadenmalereien heute Kaspar Rhyner. begab sich der eidg. dabei stellte sie die Geldverschiebungen in Abrede. dass Hasan Ali Khan 2001 via einen Strohmann das Chateau Gütsch in Luzern zu erwerben plante und dabei auf Gelder des saudischen Waffenhändlers Adnan Kashoggi zurückgreifen wollte. und gestandene Bürgerliche stimmen für linke Anliegen. das Kantonsparlament und die Regierung witterten die »Riesenchance für den Kanton Glarus«. ohne Wenn und Aber. UBS-Leute wurden namentlich als Khans Ansprechpartner genannt. Petersburg. wo Suworow ein paar schlaflose Stunden verbrachte. Soeben mischte sich auch das höchste Gericht in die Debatte ein: Am 4. an dem diese 1400 oder 1500 Milliarden US-Dollar nicht im Fernsehen. Oktober noch deren 13 000 nach Ilanz in Graubünden. Der 26-jährige Shootingstar der Glarner Linken gab die Antwort in den »Ring« gleich selbst: »Ich säg näi! Mir mönd abfahrä mit denärä Idee vo ›Geiz ist geil!‹. An den holzgetäfelten Wänden hängen Suworow-Porträts. obwohl sie zum entscheidenden Zeitpunkt weder in der genannten Position noch am genannten Ort waren. »Ich finde es gut. Die Unterländer Landwirte verzögerten mit Einsprachen das Bauvorhaben so lange. Die Summe ist ebenso atemberaubend wie unrealistisch. mag dazu passen. Ohne die Raststätte würde wohl den wenigsten in die mondänen Bündner Skiorte rasenden Autofahrern bewusst. Der Swami mit einer Millionenanhängerschaft fordert einen entschlossenen Kampf gegen die Korruption und Steuerflucht der heimischen Elite. der indische Kunden in Steuerfragen vertritt und die Schweizer Perspektive mehrfach im indischen Fernsehen vertrat.« Er wolle einen Kanton. Demonstrationen begleiteten Ramdevs Hungern gegen die Misswirtschaft. gegen ihn. berichtet die Chronik. Ihre Uniformen hängen nur noch in Fetzen an ihren ausgemergelten Leibern. Doch dazu später. Der Unternehmer und Pferdezüchter aus der zentralindischen Millionenstadt Pune gilt als Steuerbetrüger par excellence.« Denn im Sernftal hatte sich längst ein Schleier des Vergessens über die Ereignisse von 1799 gelegt. schmale Holzbank in seiner Stube. 2005 zählte der kleine Kanton einige Hundert Arbeitslose. dass sie bei den »Swiss accounts« – noch eine gängige Chiffre – Entschlossenheit zeigen muss. Denn Bestechlichkeit und Kapitalflucht zählen spätestens seit dem Wahlkampf 2009 zu den großen Politikthemen in Indien. sagt dazu der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer. Als kantonaler Baudirektor hinterließ er von 1971 bis 1998 seine Spuren im Kanton. Dass in der zunehmend aufgeheizten Debatte märchenhafte Summen. »Weder haben die besagten Summen je auf einem UBSKonto gelegen. die Kantonsschule oder die Raststätte »Glarnerland« an der A 3 – Rhyner hat es geplant. die ebenso atemberaubend wie unrealistisch erscheint. sondern schlicht der Suworow. behauptet das Enforcement Directorate. dass der in die Schweiz expandierende deutsche Billig-Discounter Lidl sein erstes Verteilerzentrum und seinen Hauptsitz in Näfels nahe der Autobahn errichten wollte.

die schieden.schlicht »le plus heureux peuple du monde«. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 11 Kanton Glarus Zug Luzern Schwyz Ob. schrieb denn auch Mitte ist heute Verwaltungsratspräsident der AlpTransit des 19. Im reformierten Glarus wurde der Militärdienst in fremden Heeren bald verboten. Und gericht in die Strommarktpolitik ein.Weinfelden Aargau Jura Zürich Thurgau AppenzellSt. Gegen den Willen des Kantonsparlament und der bürger. Also fordern dieser Tage nicht nur WalliGeld. Nacht. Das Ganze nennt glücklichen Stern standen. Nun ist man in der »Üsserschwyz« von den Wal. dass die Glarner bisher weitgehend immun gegenüber der landläufigen Steuersenkungswut waren. Sonst schraube er das Schild frühmorgens wieder ab. ihre Anliegen durchzubrinbürgerliche Kraft – ist gleich groß wie das links. über welche die Glarner wie bei der Landsgemeinde-Kantone waren für ihn allen eidgenössischen Vorlagen an der Urne ent. 2007 Arbeiter«. im Kanton Zürich rufen die Sozialdeden Walliser Strom für zwölf Rappen die Kilo. HochDonnerstag der Walliser Volkswirtschaftsdirek. Und heute ist die Landsgemeinde. »Das ist Quatsch. Man sucht vergeblich die üblichen Symptome eines milden Steuerklimas: protzige Offroader.dem Arbeiter einen Bürger mit Einfluss. die man in der pier mit einem harmlosen Titel – Strategie eigenen Kasse haben möchte statt in jenen der Wasserkraft Kanton Wallis.seiner Freiheit sich freuen darf. um Erfolg an niger gedrückt. Elmer Dorfkönig und Chronist. Kanton dem Stimmrechtsalter 16 zu. stellten Staat gehen. das gebietet der Berglerstolz. Dass Glarus anders tickt. in der Stube seines Suworow-Hauses beschworene Volkswille am ehesten manifestieren – unfiltriert und nicht manipuliert. so wie sich das marktlibesich »Heimfall«. BDP und »Aus diesen Gründen haben in Glarus auch politiCVP fast drei Viertel aller Landräte stellen? Allein sche Minderheiten ohne große materielle Ressourdie SVP – mit 25 Prozent Stimmanteil die stärkste cen gute Chancen. Erst sie machte aus Doch heuer waren die Glarner nicht in Um. der arme Mann fühlt sich we»Marco Kistler hielt eine gute Rede. Sie lehnten die Abschaffung der demokratischen Einrichtungen bilden wider manPauschalbesteuerung von reichen Ausländern ab. Jahrhunderts der Landammann und späteGotthard AG. Zwar ist man auch heute noch der am stärksten industrialisierte Kanton. bis nen in die Infrastruktur stockten. Der als geschickter Landsgemeinde. Kanton. besitzen eine Klausel: Nach 80 Wem gehört der Strom. Die Arbeiterschutzgesetze ner Regierung wie das bürgerliche Lager fürchte. so Rhyner. Tessin. Die Politik die Konzessionen auslaufen.sind das 700 Millionen Franken. MATTHIAS DAUM Foto: A1 Pix Foto (Ausschnitt): Fabian Biasio für DIE ZEIT/www. Der CVP-Politiker jährlich mit Walliser Wasser produziert werden. Zwar werden in Glarus wie überall in der der Schweiz zum Durchbruch verhalfen. der wissenschaft der Universität Bern. FDP. geht es allen gut« zieht hier hinten nicht. Noch ist der Heimfall aber nur eine Mög. Selbst der Glarner Nachbar Hans-Peter Schaub ist Glarner und Doktorand Uri. Zwar hat die steuerliche Privilegierung von Holding. anstatt zu sinken. gerlichen Bergkanton. italienische Herzöge oder den Papst. sind die Städte Genf und Lausanne werke verstaatlichen. Bern Ilanz der Glarner ist bis heute Freiburg Graubünden Waadt ein Fabrikler geblieben«. Die Losung »Geht es den Reichen gut. Kaspar Rhyner hat dazu auch eine interessante Theorie. Daraus entstanden später die berühmten Textilfabriken – und mit ihnen das Wirtschaftswunder im »Zigerschlitz«. Macht sieben Rappen Differenz. Obwalden und Nidwalden gen an die Gemeinden und den produziert wird? schimpft.« Er werde niemals eine Umbenennung erlauben.von 1848 stellten einen entscheidenden Durchten. für die anderen zu die Chancen gut. Und die anwesende Glar. aber eine Steueroase für Reiche ist der Kanton nicht geworden. Der Ausverkauf der Heimat fand in Glarus im Gegensatz zur Innerschweiz bisher nicht statt.bruch und eine europaweite Pionierleistung dar.gen. schreibt die Juristin Jacqueline Janser in stimmte Glarus auf Antrag der Jusos als erster ihrer Dissertation Im Takt der Maschinen. ches ein Korrektiv. Denn das Wallis ist eifersüchtig: auf das große sich Firmenchefs gegen ihr eigenes Aktionariat. Und damit ein weiterer väter waren kluge Leute. Denn schon einmal gelang dem Jungsozialisten Glarus die tägliche Arbeitszeit auch für erwachsene Kistler ein Coup an einer Landsgemeinde. Zurück in Elm. dass an diesem Tag einmal mehr alles Mögli. Werbeschlachten über Sachgeschäfte. Obwal.Walliser Wasserstrom kostet aber lediglich fünf dest zwei Drittel davon. Oder wie das sche Neuverteilung von StromLokalblatt Walliser Bote schrieb: geldern zugunsten der Bergge»Unsere Grossväter und Urgrossbiete.com . dass Wasserfassungen.und Domizilgesellschaften in Glarus eine jahrhundertalte Tradition.mokraten zur »Demokratisierung der Stromwattstunde.« Denn Sieg für die »Alpen-Opec«. rechnete Politiker Cina vor. Trotzdem stehen nahm für die einen zu viel. An Botschaft: Das Wallis will seine Wasserkraft. zeigte fer Aufklärer Jean-Jacques Rousseau in der Landsauch die Abstimmung über die Steuergerechtig. Landrat. »Als erster Staat Europas begrenzte der Kanton che passieren könnte. sondern die Dass Glarus bei wirtschafts. Ziele.Experten ein Demokratiedefizit unterstellen. Die jektes »Demokratiequalität in den Schweizer KanGlarner hingegen stimmten wie das urbane Zürich tonen« forscht. präsentierte im Kantonshauptort Sitten ein Pa. dem größten Kraftwerkbetreiber im Wallis. muss man aber im. Und er zählt in einem Atemzug die sozialen Errungenschaften auf: Erstes Fabrikgesetz.der Volkswille ungefiltert gierung. Und als im Nachgang der Wert von 15 bis 20 Milliarden Franken an den Reaktorkatastrophe von Fukushima die Atomausstiegsdebatte in der Schweiz anrollte. Über sämtliche Sachgeschäfte wie die des Kantons zu bloß dreien fusioniert: Glarus Süd. warfen die SP-Initiative vergangenen November. Schweizer Bauernsöhne zogen für den Meistbietenden in den Krieg. sagt Kaspar Rhyner. Allerdings sind auch diese und Massnahmen –. hier mit seiner Hand so viel zu bedeuten wie Der frühere SP-Nationalrat und Preisüberwacher der reichste Fabrikherr«. »In Glarus entscheiden nicht teure mit über 40 Prozent für mehr Steuergerechtigkeit. In einer boomenden Region wären daraus längst Lofts oder Büros entstanden. Schicksal spielte der Reformator Ulrich Zwingli. wenn er an der Landsgemeinde der Landsgemeinde zu haben.Schweiz Parlament und Regierung an der Urne fang 2011 sind die ursprünglich 25 Gemeinden gewählt. im Leib des Generals. nur für die elektrischen Zugute kommt ihnen.wesentlich größere und differenziertere Einflussstimmen ließ. ein Ort von Weltbedeutung wird doch mit der Bezeichnung Dorfstraße 25 ruiniert.« Deshalb konnte sich Glarus im Unterschied zur katholischen Innerschweiz zu einem Industriestandort entwickeln. Verstaatlichung? Der Heimfall wäre also in Doch diesmal geht alles mit erster Linie eine innerschweizerirechten Dingen zu. Freiburg. der als abgelegener Bergkanton mit 35 000 am Institut für Politikwissenschaft der Universität Einwohnern ein Zwilling von Glarus sein könnte. Wiederholt griff das Bundesverwaltungsseine Wasserwirtschaft organisieren will. ist für ihn der Steuerwettbewerb eigentlich bloß die Fortsetzung des Söldnertums mit anderen Mitteln: »Wir Glarner sind Fabrikler.alle«. Glarus hat für seine Standhaftigkeit einen hohen Preis bezahlt. Wobei die Glarner Landsgemeinde so knapp aus. wenig Einfluss auf die Unternehmen – diese blieStaudämme.der mit Walliser Wasser rus. Sämtliche Innerschweizer Kantone ver. von fast 80 Prozent. Davon zeugen die zahlreichen Industriebrachen im ganzen Kanton. GlaJahren fallen die Kraftwerksanla. Die Produktion der Kilowattstunde konzerne«.und die Kantone Waadt. ließen protestantische Geistliche Baumwollhandspinnereien ansiedeln«. »Wir sind kein bürgerlicher Kanton. Kannte die Redner bekannte 54-Jährige stapelt tief: bewusst Schweiz vor 1848 acht Kantone mit Landsgemeinund mit Lust. Die Bürger keitsinitiative. sagt Werner Marti. Und im Jahr zuvor sorgten die jungen Linken landesweit für Aufsehen. jedoch die Landsgemeinde. also der 11-Stunden-Arbeitstag. ob die Polizei oder die Armee kommt. jährliche Festlegung des Steuerfußes entscheidet Glarus Mitte und Glarus Nord. bis er endlich die Mehrheit richtig möglichkeiten bietet. wie die meisten Konzessionsverträge man in Bundesbern die Wasserfür die Nutzung der Wasserkraft lobbyisten aus dem Wallis. »Egal.der Firma Alpiq. »Damit die Bauern anderweitig beschäftigt werden konnten. stellt Schaub fest. geschmacklose Villen.« Sein Sohn sieht das mittlerweile etwas pragmatischer: Als Wirtschaftsanwalt bietet er im Kantonshauptort Briefkastenfirmen Domizil. Er geißelte das in den Alpentälern der Urschweiz weitverbreitete Söldnertum. Stossrichtungen Stromkonzerne.biasio.«So kann sich im Glarnerland der von vielen Bern Elm Glarus Kaspar Rhyner.gerechnet auf die 10 000 Gigawattstunden. »Unsere bruchstimmung. Nidwalden und Zug mit einem Nein-Anteil gemäßer denn je. lässt sich nicht gern etwas vorschreiben. sind es heute nur noch Appenzell Innerrhoden war die Abstimmung eine kleine Sensation. auf Bundesebene erst aber 1859.der Landsgemeinde eine relativ schwache Stellung. Auch wenn es Kaspar Rhyner nur andeutet. ungehemmter Landfraß oder ein verdrängter Mittelstand. das die Stromkonzerne mit »ihrem« Wasser an der europäischen Strombörse EEX machen. die tor Jean-Michel Cina. Kavernen und Druckstollen im ben Zwitterwesen. ein Arbeiter Wallis Genf und Heizer.eidgenössischer Ebene.cherung – alles Jahrzehnte vor der Einführung auf meinde in ihren Bann. Seit An. Strom. Doch wir sind eine protestantische Oase. Es ist deshalb kein Zufall. in einem stockbür. Das forderte am letzten Rappen. dass der Landammann dreimal ab. Bern. Neuenburg liser Miteidgenossen einiges an Durchtriebenheit sowie weitere Deutschschweizer Kantone und der französische Staatskonzern Élecgewohnt.An der Landsgemeinde entfaltet sich lichen Parteien – aber mit dem Segen der Re. Sie fiel und Glarus. Ob für französische Könige. aber einer revolutionären mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand.rale Vordenker in den neunziger Jahren vorgestell lichkeit von sieben. Sohn des FriTessin dolin Rhyner. stätigt eine Untersuchung des Instituts für PolitikAußerdem hat das Kantonsparlament.re Glarner Bundesrat Joachim Heer. wo die SVP. der seine erste Pfarrstelle von 1506 bis 1516 in Glarus hatte. Eigentlich könnte Kaspar Rhyner entspannt seinen Lebensabend genießen. zeitden. Aber der jahrzehntelange Niedergang der Textilfabriken konnte nur teilweise mit der Ansiedlung neuer Betriebe kompensiert werden. Graubünden.« Ein Glarner. Die Strompreise stiegen. Nachzulesen ist die Privatisierungen der einst kantonalen und dies im Bundesgesetz über die Nutzbarmachung städtischen Elektrizitätswerke nie unter einem der Wasserkräfte von 1916.Nidwalden walden Uri grüne Lager. Denn für Schweizer Verhältnisse de. Wären da nicht die verflixten Folgen der Gemeindefusion: Unzählige Flurnamen. der viele Am deutlichsten die Steueroasen Schwyz. der Kanton müsste also eigentlich katholisch sein. Gallen Innerrhoden Näfels 14.gemeinde die ideale Staatsform sah. dass der Genschätzen konnte. als sie an der Das gesellschaftliche Sein prägt also das BewusstLandsgemeinde der radikalsten Gemeindefusion sein. CH SCHWEIZERSPIEGEL Alpensozialismus Der Kanton Wallis will Wasserkraftwerke verstaatlichen Die Walliser Wasserkraft den Wallisern! Zumin. dass Installationen erhalten die Stromkonzerne eine Entschädigung. Aber Enteignung und tricité de France beteiligt. fühl.und InvalidenversiDie pointierte Rede für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung zog die Landsge. »Glarus liegt inmitten der Alpen. wegen der umfassenden Kompetenzen Wie ist das alles möglich. Investitionoch dauert es zwanzig bis dreißig Jahre.glücklichsten Menschen der Welt. ser Christdemokraten mehr Staat beim Dort verkaufen sie.und Kinderarbeitsverbot und die Einführung der Alters. be. keine Materialisten. auch seine Anschrift Suworow-Haus wurden durch neue Straßenbezeichnungen und Hausnummern ersetzt. Uri.und sozialpolitischen Landsgemeinde mit dem gleichen Rederecht für Themen traditionell fortschrittlich stimmt. wie das Wallis in Zukunft hatten. und das Hochgemer integrieren statt spalten«. Kein Wunder. wo er im Rahmen des Nationalfonds-Prowies einen Ja-Anteil von bloß 29 Prozent auf. Ganze Fabrikareale stehen leer – insgesamt 160 000 Quadratmeter.

denn sie benach- Die Experten teiligt gleichzeitig andere Mietergruppen. Wir sind nicht der Hauseigentümerverband. den Vermietern einen völlig übersetzten Ertrag zu garantieren und welche die Mietenden zu Bittstellern macht. Wohnungsmangel beklagen. Wirtschaft und Identität. Jedenfalls brauchen wir bei existenziellen Gütern wie dem Wohnen einen Preisschutz. beziehungsweise Frau Thanei. nicht vom Wähler entschieden werden«. Aber wir wehren uns gegen flankierende Maßnahmen. es ist korrupter als die üblichen Verdächtigen in Schwarzafrika. Etwa den mobilen Mittelstand. dass Sie. Das ist Planwirtschaft! Das Gespräch führte MATTHIAS DAUM CH ZEITGEIST »Vorbild« Putin Wieso ehrt ein honoriges deutsches Gremium den neuen Zaren? JOSEF JOFFE: Unwillkürlich schnellt der Blick nach oben. Am augenfälligsten ist dies bei den Genossenschaften: Die eine Familie kriegt eine Wohnung und spart dadurch ein bis zwei Jahreslöhne. Geben wir ihm als Sonderpreis die Mini-Version eines Quadriga-Pferdes auf dem Brandenburger Tor. Nein. dass nicht sie. das Mietrecht müsste zu einer gerechten unteren und mittleren Einkommen überhaupt erst Verteilung der Bodenrente führen. sondern Liebling der Nation. Thanei: An wen aber würde dieses in der Genossenschaft dank Kostenmiete eingesparte Geld gehen? An die Vermieter. Ein Marktpreis zeigt einfach das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. dass das Wohnen im eigenen Land wegen Verteuerung der Mieten ist. so loben sie die Stadt Zürich mit ihren 25 Prozent Genossenschaftswohnungen als großes Vorbild. Aber die Bodenrente wird von den Mietern bestimmt. wir wollen auch nicht sofort die Mieten freigeben. um seinen Machterhalt zu legitimieren. wo er will. was Sie sagen. kommunalen Wohnungsbau ist es für Leute mit Thanei: Ja. Das aber schafft Diskriminierung. Es gibt zwar einen großen Widerstand dagegen. Wichtig ist. im Brennpunkt der Zuwandedass meine Wohnung verZEIT: Unter flankierenden Maßrungsdebatte« des wirtschaftshältnismäßig günstiger wird. Thanei: Ihre Verdichtung möchte auch ich nicht: aufstocken. Schellenbauer: Dann müssten Sie aber fast überall die Preise administrieren. sagt Anita Thanei vom Mieterverband. Definieren wir es mit Lenin als »demokratischen Zentralismus« plus Staatsund Oligopolkapitalismus. schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand. Man müsste vielmehr bei verdichtetem Bauen – was einer höheren Ausnutzung entspricht – den geschaffenen Mehrwert abschöpfen. aber an sich keine Diskriminierung.einer Null-Zuwanderung. Juli.« Auf der Korruptionsskala von Transparency International (2010) liegt Russland ganz oben auf Platz 154. »Vorbild« wäre richtig. also muss er ursache für die steigenden Mieten auf dem Schwei. Weiter mit Orwell: Mit dem Quadriga-Preis werden »Vorbilder« ausgezeichnet. nicht von den Mietern. Ist dem so? Thanei: Auch mir ist klar.in den Schweizer Zentren ist chronisch. Und man würde private Vermieter mit der Zeit aus dem Markt drücken. um damit die Mieten zu senken. aber nicht auf und die umfassenden Sanierungen sowie die Nichtdie ganze Schweiz bezogen.andere Ursachen haben. Engagement und Gemeinschaftswohl ver- Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT pflichtet« seien. Wladimir Putin? Und dann ein so honoriges Gremium wie die »Werkstatt Deutschland«. Man nimmt anscheinend diese »Diskriminierungen« in Kauf. Der Schönheitswettbewerb entsteht. Die können in der Stadt nämlich nicht abstimmen. in den Zentren eine Wohnung zu finden. dass die Investitionsanreize erhalten bleiben. wenn man statt »Aufklärung« Mediengleichschaltung setzt.gigkeit nicht der alleinige Grund für die extreme druck. April. Und der Markt diskriminiert immer. Zudem wird die Wohnbauförderungs- politik vom Volk getragen. möchte. Hohe Mieten sind zwar unangenehm. da es zu viele Marktelemente enthält. Schellenbauer: Das ist so. wird gnadenlos verfolgt. die gerne zuziehen würden. dem so ehrbare Leute vorsitzen wie Lothar de Maizière und Richard Schröder? Der den QuadrigaPreis seit 2003 an so ehrenwerte Menschen wie Michail Gorbatschow. Der Wohnraummangel dien sehen in der starken Zuwanderung die Haupt.. Ich finde es unserer Gesellschaft unwürdig. Schimon Peres. mit Ihren Klagen nur im freien Segment des über zu hohe Mieten maßlos Wohnungsmarkts. Schellenbauer: Über eine teilweise Mehrwertabschöpfung bei höherer Ausnutzung ließe sich diskutieren. unserer Studie klarstellen. auf das Erscheinungsdatum der Zeitung. Schon damals war dies Schellenbauer: Aber die Umsetzung dieses uralten ein fast unmögliches Unterfangen – notabene bei Konzepts erweist sich als Illusion. Der Ökonom lebt in einem nützigen Wohnungsbau. die SP. gerade weil die Mieten zu tief sind. wenn Neunzigjährige oder Familien aus ihren Wohnungen vertrieben werden. Wenn schon. Geehrt werden müsste ein anderes Vorbild: der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Wo sollten denn diese Neuzuzüger wohnen. Die Rechtsund die Altmieter. in der Stadt Zürich gesucht. auch für den Wohnungsmarkt Patrik Schellenbauer ist Autor flankierende Maßnahmen. Denn auch unter den Mietern stieg der Wohlstand – und sie wollen deshalb größere Wohnungen. sollte man prüfen. dass der ge. deshalb braucht es staatliche Eingriffe. Die Genossenschaften begegnen dieser Entwicklung mit Belegungsvorschriften. Prozent der Haushalte sind Anita Thanei: Nein. als die Süddeutsche berichtete: »Preisrätsel: Deutscher Verein ehrt Putin als mustergültigen Staatsmann«.. ZEIT: Wie sähe ein idealer Wohnungsmarkt aus? Schellenbauer: Wir fordern nicht die Privatisierung der Genossenschaften. wollen eine Stadt. Die Personenfreizügiganwältin ist Präsidentin des zusätzlichen Jahr. diese würden die angesprochenen Probleme verstärken.). Die eigenen Leute werden belohnt und protegiert.« 2011 klang es nicht besser: »In diesem Jahr fiel Russland im Demokratie-Ranking ab. es war nicht der 1. nur um die Rendite zu maximieren. die »Aufklärung. Wenn man die Mieten künstlich tief hält. Foto: Mathias Bothor/photoselection Fotos (Ausschnitte): Hügin/ATP/RDB (gr. dass man die meinnützige Wohnungsbau günstigen Wohnraum Bodenrente von den Grundeigentümern zu den vernichtet. Schellenbauer: Wir plädieren für gleichlange Spieße. Das wollen wir mit weitergabe von Hypozinssenkungen. das würde nicht tiefe Mieten wollen MAD die Lage auf dem Wohnungsund sich gleichzeitig über markt zusätzlich verschärfen.) Keine Bleibe. der für Dynamik und Prosperität in den Städten sorgt. in der jeder möglichst dort wohnen kann. vor alSchellenbauer: Ich habe 1992 auch eine Wohnung lem bei der Neuvermietung. Mayer/ATP/RDB (2) . Diese Wahl wird »von einer kleinen Elite. Während Herr Schellenbauer sagt: Der Markt soll die Stadt aufteilen.« Im März 2012 wird wohl Putin gegen den heutigen Präsidenten Medwedjew antreten. des und betreibt eine eigene Anwird ihre Wohnung im VerDeshalb forderte der Mieterwaltskanzlei. Schellenbauer: Doch wie erklären Sie der Familie Müller. war menschlich: Damals war »KT« noch kein Plagiator.und Sechzigerjahre (v.12 14.l. Mit jedem chenden. Thanei: Wenn Sie tatsächlich vom mobilen Mittelstand träumen. der Studie »Wohnungsmarkt ZEIT: Was stört Sie daran. Wer heute in von dieser Entwicklung abder Stadt Zürich eine Wohnung Anita Thanei sitzt seit 1995 für geschirmt: die Hauseigensucht. Sie wohnt in der hältnis zum durchschnittliverband schon vor drei Jahren Stadt Zürich chen Mietniveau günstiger. zer Wohnungsmarkt. Es herrsche ein »Schattennetzwerk von Politikern. Aber 75 übertreiben.Die Grundidee des Mietrechts ist. gestiegen. der sich im Kuratorium »strikt gegen Putin ausgesprochen« hat. nicht die Mieter. Wolfgang Schäuble und Sylvia von Schweden verliehen hat? Dass sich die Jury mit Guttenberg (2010) ein wenig geirrt hat. Statt des Preises bestimmt eine Bürokratie. Egal ob für Mieter oder Eigentümer. nahmen verstehen Sie mehr staatnahen Thinktanks Avenir Suisje länger ich in ihr wohne? liches Engagement beim gemeinse. ZEIT: Was schlagen Sie als Lösung vor? Schellenbauer: Verdichtung. Das sind die Kreml-Getreuen im Big Business und Sicherheitsapparat – die Putinsche Machtelite. dann kann man einen Teil der Nachfrage nicht bedienen. wie sie auch Ihre Partei. und statt »Gemeinschaftswohl« das Wohlleben der neuen Bojaren. Ein hoher Preis zeigt also eine Knappheit an. Thanei: Aber wieso sollen die Mieter den Vermietern eine immer größere Bodenrente zukommen lassen? Das ist eine große Verteilungsungerechtigkeit. Thanei: Die Bodenrente wird vom Markt bestimmt. nirgends Gemeinnütziger Wohnungsbau hilft gegen steigende Mieten. Vier Jahre nach Beginn der Putin-Präsidentschaft meldete Freedom House. welche nur dazu dienen. Schellenbauer: Ein absolutes Vorrecht für Eingesessene widerspricht einer offenen Schweiz. das sich schnaubend aufbäumt. ZEIT: Ist eine Wohnungssuche nicht immer ein Schönheitswettbewerb? Paare haben bessere Chancen als eine Studenten-WG. selbst Libyen und Jemen kommen besser weg. Politiker und Me. Schellenbauer: Ein Preis ist weder gut noch schlecht. Schellenbauer: Ich habe zwar ein gewisses Verständnis für diese Sicht.« Wie das realiter aussieht. sondern die Familie Meier die Wohnung kriegte? Das ist reine Lotterie. müssten Sie konsequenterweise gegen die Förderung von Wohneigentum sein. die fragt niemand. Aber jene. das Wahlen abhält. Thanei: Ich bin gegen Subjekthilfen. Genossenschaften verzerren den Markt. das jährlich den Zustand der Freiheit auf der Welt misst: »Politische Rechte und Freiheiten sind in Russland so eingeengt worden. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 SCHWEIZ Genossenschaftswohnungen im Zürich der Fünfziger. Thanei: Schweizer Immobilien gehören weiterhin zu den sichersten und lukrativsten Anlagemöglichkeiten. Ein Streitgespräch DIE ZEIT: Herr Schellenbauer. Thanei: Ich verstehe ja vieles. wer wie wo wohnen darf. Thanei: Nicht alle müssen in Zürich wohnen können. »Engagiert« ist Putin tatsächlich: bei der Perfektion dieses Systems. Aber Putin? Die Werkstatt bemüht ganz ironiefrei Orwell-Sprech in der Begründung: »Im Inneren .« Knapper sagt es die Historikerin Christina Eibl in ihrem Überlebensbericht aus dem Herzen Moskaus (2011): »Wer sich nicht unterwirft. die Genossenschafter hundert anderen Wohnungssuim Nationalrat. das sie in keit führt zu einer Verknappung Schweizerischen Mieterverbaneiner Wohnung bleiben. Thanei: Ich teile die Meinung nicht. Die andere Familie muss auf dem freien Markt eine Bleibe suchen und entsprechend mehr zahlen. Die Schicht der Nutznießer ist innerhalb der Stadtgrenzen in der Mehrheit. Durch die Genossenschaften und den Mietern umverteilt. Offiziellen und Wirtschaftsinteressen. Sie sind die Nutznießer. um in den Zentren die Nachfrage nach Wohnraum zu befriedigen. teure Wohnungen bauen. wenn der Wohnungsmarkt derart abgeschottet würde? ZEIT: Spricht man mit Genfer oder Zuger Politikern. dass es von ›teilweise frei‹ auf ›nicht frei‹ herabgestuft wurde. ZEIT: Geht es in dieser Diskussion im Kern nicht um ein unterschiedliches Bild der Stadt? Sie. Leute ohne Haustiere bessere Chancen als Hundebesitzer. entgegnet Ökonom Patrik Schellenbauer. Das tut es jedoch möglich. Nun Schellenbauer: Man kann Dorf bei Winterthur sagt aber Avenir Suisse. nicht. Das die happigen Erhöhungen bei Neuvermietungen stimmt teilweise in Zürich und Genf. doch es ist die einzige Möglichkeit. Frau Thanei. Schellenbauer: Unter Marktbedingungen würden Diskriminierungen weniger oft vorkommen. der steht Schlange mit die Zürcher Sozialdemokraten tümer. Schellenbauer: Generell sind die Mieten in Zürich gar nicht furchtbar stark ZEIT: Das heißt also. Oppositionskandidaten werden eingeschüchtert und disqualifiziert. dass die PersonenfreizüPatrik Schellenbauer: Zurzeit entsteht der Ein. und Verteuerung von Wohnraum. die betroffenen Menschen zu unterstützen. Aber die Alteingesessenen dürfen nicht verdrängt werden. vor allem die Löhne. dies jedoch infolge des verkrusteten Markts nicht können. Den Mietpreis treiben der Zuwanderung unerschwinglich wird. aber wieso soll die Kostenmiete diskriminierend sein? Schellenbauer: Ich glaube an die lenkende Wirkung des Preises. Das Regime kontrolliert fast alle Medien und erlaubt keine Kritik. sondern der 9. beschreibt Stanford-Politologe Francis Fukuyama in seinem neuen The Origins of Political Order: Seit Putin sei Russland zu einem »autoritären Regime mit Wahlen« geworden.

dass die Neugier Ursache aller menschlichen Erfindungen und Entdeckungen gewesen ist. Es ist nicht gut.de *) 0. aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. bevor man derlei Entgleisungen geißelt.20/NL 4. Optionen et cetera. und der öffentliche Aufruhr in London hat immerhin dazu geführt. Ihr Ziel besteht nicht darin. Anatomen den menschlichen Leib aufschnitten und Wissenschaftler sich gefährlichen Strahlen aussetzten. Der Mangel an Mangel ist ein Problem der Erziehung und der Selbstdisziplin. Und so.52 52 909*. Es gibt eine Ökologie der Aufmerksamkeit. Jetzt sieht es so aus. für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde.DE/EURO Chaplins Tochter Geraldine findet: »Mein Vater gehört allen. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt. Die gehören vor Gericht. die Doktorarbeiten überprüfen? Politik S.40/F 5. so behielte man doch die Füße. Denn nichts altert schneller als das Neue.zeit. S.) Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. Die Klugheit solcher Weisungen könnte Leitfaden sein für die Zähmung unserer Neugier. weshalb sich Seefahrer tollkühn auf die Weltmeere wagten. PROMINENT IGNORIERT Agenten am Bau Feuchte Wände. Hans Blumenberg zum Beispiel sieht in ihr »das Interesse des Menschen für dasjenige.50/HUF 1605. indem man Sensationsfelder erfindet und anhaltend beackert. sondern nur leidenschaftlich neugierig. sondern ein Inder. Es fällt leicht. Es ist nicht einzusehen. Nur wo der Erfindungsgeist sich verbreiten und austauschen darf. die Murdoch.14 € /Min. dpa (v. Öffentliche Folterungen und Hinrichtungen. Athen.50/A 4. das Ausstellen von »Missgeburten und Monstern« auf Jahrmärkten haben einstmals Tausende angezogen. sondern ein Schweizer. der gezähmt werden muss. als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen.« Dr. wo es weder an Nahrung noch an Information generell mangelt. Dieser urmenschliche Trieb bildet den Motor der Indiskretions. Im Wort aber steckt die Gier. Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. HBK kleine Fotos: Nicolas Guerin/Corbis.zeit. ZEIT-Stellenmarkt: www. Zu Besuch bei jungen Wissenschaftlern.zeit.de/audio 4 1 90745 1 04005 deutschen Bankenstruktur bleibt. An Kindern bewundern wir ihre schlechthin schrankenlose Neugier. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. Wir wollen sehen. nur auf technisch höherem Niveau. Dass sie sich ungehindert entfalten könne. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43. der auf der linken Fahrbahn zum Stau führt. Wie Europa seine Währung trotzdem retten kann WIRTSCHAFT S. gerissene Fliesen. Die erste Kategorie. die neue Nachricht zu verbreiten. Zweite Kategorie. 4–6 W ochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. dass der Medienmagnat Rupert Murdoch sein Schmierblatt News of the World eingestellt hat. wie andere leiden: etwa die Schlapphüte vom BND mit ihrem Neubau in Berlin. empörend viel Geld. über gemeinsame Prinzipien. sich über die kriminellen Machenschaften englischer Boulevardjournalisten zu empören. Kein Mensch kann alles ausdrücken. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken. tröstete sich und die Seinen jüngst ein Agent.de/audio www. wird passend gemacht! Nur wer selbst ein Haus gebaut hat. Anders als das Tier. wenn es auf der rechten einen Unfall gegeben hat: Es ist die Neugier.de Abonnentenservice: Tel. an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann! E mpörung kostet nicht viel. Die Philosophen erblicken in der Neugier einen höchst doppeldeutigen Trieb. In den Schulen ist er schon lange ein Thema.de. weiß. Leserbriefe@zeit. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht. das sind vielleicht 98 Prozent. Wir wollen wissen. England. Die eigentliche Frage lautet. Normale Menschen also. nie ein Ohr vom Hören voll. Ohne Zweifel kann es hier und da schädlich sein. Und zwar aus demselben Grund. so gibt es auch eine mediale Zerstreuungsindustrie. die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten.n. E-Mail: DieZeit@zeit. wohin sein Drang ihn führen würde).20/GR 5. Wir könnten uns an die biblische Weisheit im Buch Prediger erinnern: »Windhauch. es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner. zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren. dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten.jobs. bewusst halten. Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr.de. max. was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G 7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister. Einige von ihnen mussten gerettet werden. auch in anderen westlichen Ländern. als er einmal sagte: »Ich bin nicht besonders talentiert. Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. Er beschreibt damit jenen selbstbezüglichen Wissenschaftsbetrieb. und rastlos sucht die Neugier nach neuem Stoff. die nicht selten Züge einer Neusucht trägt. insbesondere in Amerika.10/ CHF 7. Nicht jede Nachricht ist der Beachtung wert. sondern stets neu entfacht.00/NOR 60. Vera Tammen für DZ (l. den Schillers Jüngling dem Bild der Wahrheit besser nicht entreißen sollte. wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet. Fax 0180 .« Ein Gespräch Feuilleton S. Es müsste uns alle beschäftigen. Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert.00 29 01 429 AUSGABE: . Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier Man muss sich aber. Wenn zum Beispiel eine große.o.PREIS DEUTSCHLAND 4. dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen. Der wirkliche Grund. Sie wird niemals satt. darüber war man sich früher einig. Albert Einstein war nur ehrlich. Ist das wirklich schlimm? Verliere man die Schuhe.20/ L 4. oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will. Windhauch. Und zwar nicht in Frankfurt. aber gegeben hat es sie immer. Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben. dass er dreißig. sich mit Nahrung vollzustopfen. (Siehe Wirtschaft. was ihn sozusagen nichts angeht«. Berlusconi und die anderen betreiben.00/FIN 6. Als Erwachsene wissen wir (oder sollten es gelernt haben). Anleger und Spekulanten ziehen ihr Geld aus Rom. die unsere Neugier niemals sättigt. und wenn sie schuldig gesprochen sind. das sind die normalen Menschen. Die Keller zwar trocken. dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse. sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher. Derivaten. was nicht passt. alles wissen zu wollen. bevor er in Berlin-Mitte verschwand. 0. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. Sie ähnelt der Sucht. der uns alle. Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei. Lissabon und Madrid ab.50/P 5. So perfekt wie heute ist sie noch nie gelaufen. nie wird ein Auge satt. alles ist Windhauch. 28.70/E 5. warum sich damit Geld verdienen lässt. sondern von jenen gesegneten Breitengraden. uns mit jenem Fast Food zu versorgen. KG. war nicht das klare Kalkül (kaum einer wusste. weil sie aufs Irdische versessen sei und wegführe vom Eigentlichen: von der Selbsterkenntnis und von der Erkenntnis Gottes. Hierzulande hätte die Politik schon lange erkennen müssen. Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten 6 6 . 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat. ein großes Ärgernis. So ist die unglaubliche Bereicherung der Spitzenmanager. was da passiert ist. Das Vertrauen der öffentlichen Meinung und des Publikums in die Finanzbranche insgesamt ist in den letzten Jahren stark gesunken. aber Baupläne geklaut. ullstein. das immer von Neuem hungrig macht. dass der Spitzenmann einer Bank hundertmal so viel Geld verdient wie sein Fahrer. aus dem deutschen Festnetz.) ZEIT ONLINE GmbH: www. vom Schleier. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden. das sind die mit einer kriminellen Ader. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut. dessen Wissensdrang der Instinkt leitet und aufs Zuträgliche beschränkt. sondern die Neugier. ohne es auszusprechen. Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im SiemensKonzern. dem wir offenbar – zu unsrem Glück oder Unglück – nicht zu entrinnen vermögen. andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. würden wir nicht eingreifen. Seit Jahren führen wir eine manchmal bizarre Schlankheitsdebatte. Was leider nicht bedeutet. dass deutsche Weltfirmen hinsichtlich der Finanzierung von großen Vorhaben und Investitionen von ausländischen Finanzinstituten abhängen. dass die Verblödungsstrategie gewisser Sender und Zeitungen an ihr Ende gekommen wäre. dann würde uns die Empörung über Murdoch und so weiter etwas kosten. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher. 21–24 WWW. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen. denen wir unsere Zukunft anvertrauen können ZEITmagazin Titelillustration: Smetek für DIE ZEIT Das Geldhaus Fluch der Neugier Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr. die alles daransetzt. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen.42 € /Min.oder vierzigmal so viel verdient wie die Bundeskanzlerin.30/I 5. sondern das Neue selber zu erzeugen. die WestLB wird gerade aufgelöst. Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist.0. das man nicht betreten.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 14. Deutsche und Commerzbank. Augustinus hält die curiositas für ein Laster. feiert sie Erfolge.70/B 4. alles wieder genauso zu machen. Und das ist Merkels Problem VON HELMUT SCHMIDT Die Methoden des Boulevards sagen viel aus über die Medien. glücklicherweise. Und wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Welt überhaupt. aber auch eine Menge über uns Leser VON ULRICH GREINER Die Plagiatsjäger Digitale Blockwarte oder Retter der Wissenschaft – was treibt die Menschen. Sie ist ein wilder Trieb. Man sollte die darin investierte Energie auf eine andere Enthaltsamkeit lenken: auf den Informationsverzicht.zeit. Rue des Archives/PVDE. wie es eine Industrie gibt.« Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager. dass die Struktur der deutschen Bankenlandschaft renovierungsbedürftig ist.und Entblößungsmaschinerie. 45/46 Die Macht der Klugen Auf ihre Forscher dürfen die Deutschen stolz sein. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 Die Wall Street greift an Das Schicksal des Euro ist den Finanzmärkten egal. Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager. die vom Heiligen und vom Verbotenen erzählen: vom siebenten Zimmer. Wenn wir dies begriffen. Im Gegenteil. dringt er hinein ins unbekannte und ökonomisch fruchtbare Neuland. ist ein Versprechen der Demokratie und das Geheimnis ihres Erfolgs.20/ Kanaren 5. die sich auf die Pressefreiheit manches einbilden. fast die ganze Welt. J A H RG A N G C 7451 C www.ZEIT. Die simple Antwort: Weil Millionen derlei lesen und sehen wollen. aber leider auch in Kontinentaleuropa. die sie ins Verderben stürzen müsste. Ein rabiates Verwertungsinteresse ist Merkmal jenes Turbokapitalismus. E-Mail: abo@zeit.). wie lange der Kuss des königlichen Paares gedauert und warum die monegassische Fürstin nach der Trauung geweint hat. Der audiovisuelle Boulevard verfährt nicht anders. an den wir uns längst gewöhnt haben. Den Gedanken seiner Neugierkritik finden wir in den Mythen und Märchen wieder.u. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt. dann gehören sie ins Gefängnis.52 52 908*. ist die menschliche Neugier ungerichtet. dass es nicht lohnt. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein. 0180 . noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell.

das Jahr der »Dürre mit dem langen Schwanz«. das sich schnaubend aufbäumt. HEUTE: 11. es ist korrupter als die üblichen Verdächtigen in Schwarzafrika.« Wie das realiter aussieht. die sich zu dieser Zeit zutrugen: 1914. Kein Wunder. »Vorbild« wäre richtig. kann selbst das für Zufall halten. »Engagiert« ist Putin tatsächlich: bei der Perfektion dieses Systems. Offiziellen und Wirtschaftsinteressen. eröffnet uns gerade einen Ausblick in die Zukunft Afrikas in Zeiten des Klimawandels. um sein politisches Ableben hinauszuzögern. die übrigen Horkruxe zu zerstören. Nicht Dürre. Plausibler aber ist es wohl. um seinen Machterhalt zu legitimieren. in dem die Regierung nicht einmal die eigene Hauptstadt Mogadischu kontrolliert. das Jahr »Als man unreines Fleisch aß«. die Platitüden entwicklungspolitischer Zyniker zu hinterfragen. Dies ist eine gute Gelegenheit. Und wer sich die quälenden Bilder aus den Flüchtlingslagern vom Leibe halten will.« Traurig. Geehrt werden müsste ein anderes Vorbild: der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Andere treiben Ackerbau auf ungeeignetem Land und ruinieren es damit für die Viehhaltung. sind halt kein Orden des Phönix. das jährlich den Zustand der Freiheit auf der Welt misst: »Politische Rechte und Freiheiten sind in Russland so eingeengt worden. Im ersten Teil hatte Ihr-wisst-schon-wer seine Macht verloren. Es sei unrealistisch oder zu teuer. die nicht durch Warenströme oder Nachrichten vermittelt wird – sondern durch Kohlendioxid in der Erdatmosphäre.zeit. Der Film ist eine ganz wunderbare Momentaufnahme über den Zustand der ältesten deutschen Partei. Teil 2. einen verfluchten Vorsitz niedergelegt und – anstatt umgehend durch das Verschwindekabinett zu disapparieren – seine Seele in insgesamt sieben Horkruxe ausgelagert. einem gutmütigen. und statt »Gemeinschaftswohl« das Wohlleben der neuen Bojaren. dass die Menschen sich an die neuen Verhältnisse in einer zunehmend wärmeren Welt anpassten. Foto: Mathias Bothor/photoselection IN DER ZEIT POLITIK 2 3 Großbritannien SACHSEN 11 DDR-Erbe Was Lutz Rathenow als neuer Stasi-Beauftragter vorhat VON ALEXANDER CAMMANN GESCHICHTE 19 Kapuzinergruft Das gloriose Endlager der Habsburger 20 Krieg für Menschenrechte? Eine Debatte mit Tradition 33 Forum Helft nicht einfach so! Stuttgart 21 Unglaubwürdige Bahn Riestern Bürokratisch. Verarmte Viehzüchter haben sich eine zweite Einkommensquelle gesucht. dass die Böden überweidet werden. der die Lebensgrundlage der Menschen in trockenen Erdregionen zerstört. darunter das Auswärtige Amt. Aber Putin? Die Werkstatt bemüht ganz ironiefrei Orwell-Sprech in der Begründung: »Im Inneren . wenn Menschen gezwungen sind. fällt Philipp Rösler in Teil 2 in ein Fass Vielsaft-Trank und hört sich nun an wie Ihr-wisst-schon-wer in der Kammer des Schreckens. der schwarz-gelben Koalition: »Ich will ein niedrigeres. Wieder andere sichern sich eigene Areale. sondern durch Beschreibungen der Hungerkatastrophen. Kann man gar nicht wissen!. Man kann die Angst der Beamten verstehen: die wachen Augen. Die FDP ist ihr eigener Todesser. so geht das Argument. Sogar der Bau von Wasserspeichern. Vier Jahre nach Beginn der Putin-Präsidentschaft meldete Freedom House. So abstrakt hört sich das gut oder wenigstens nicht komplett abwegig an. die afrikanischen Hungerleidenden selbst für ihr Unglück verantwortlich zu machen: Somalia. theoretisch ein Mittel der Wahl zur Anpassung an zunehmende Trockenheit. in dem islamistische Milizen den Ton angeben. Die eigenen Leute werden belohnt und protegiert. M. Das Regime kontrolliert fast alle Medien und erlaubt keine Kritik. anläuft. Thackeray »Das Buch der Snobs« 52 Goethe-Institut 60 Jahre! 54 China Der Dissident Liao Yiwu erzählt von seinen Jahren im Gefängnis 55 ZEIT-Museumsführer 58 Gesellschaft Die Affäre DSK 66 Leipziger Zoo Neue Tropenhalle CHANCEN 67 Rechenschwäche Zu wenig Unterstützung für vier Millionen 68 Ehrenamt Soziales Engagement von Schülern kann prägend sein 69 Leistungssport und Studium 71 Kita Kinderbetreuung auf dem Bauernhof Museumsführerin VON J. WIRTSCHAFT 21 Euro Angriff auf die Gemeinschaftswährung 22 Konjunktur Gefahren drohen aus aller Welt 23 Italien Die neue Angst 24 Finanzmärkte Bundesbank-Chef Jens Weidmann im Interview 28 Deutsche Bank Ein Inder rückt WISSEN 35 Energie Viele Biogasanlagen belasten die Umwelt 49 Roman Martin Walser »Muttersohn« 50 Politisches Buch »Bloodlands« 51 Klassiker W. ist so ein Satz. Er hat genauso wenig zu erzählen wie diese momentan selbst. Todesmärsche durch die Wüste. Die Bilder aus den Flüchtlingslagern in Kenia und Äthiopien zeigen. das Wahlen abhält. dass sich die Somalier daran noch Generationen später erinnern. diesen Rat zu befolgen. Gu und Deyr genannt. einfacheres und gerechteres Steuersystem. liberal Parteien auf der Leinwand: Was wir im Kino über SPD und FDP lernen Am Freitagabend saßen wir. Schimon Peres.. beschreibt Stanford-Politologe Francis Fukuyama in seinem neuen Buch The Origins of Political Order: Seit Putin sei Russland zu einem »autoritären Regime mit Wahlen« geworden. in der Katastrophe am Horn von Afrika das wiederzuerkennen. verendetes Vieh – die Rede ist von der schlimmsten Hungerkatastrophe seit Jahrzehnten. taucht im Umkreis solcher Speicher bisweilen so viel Vieh auf. Geben wir ihm als Sonderpreis die Mini-Version eines Quadriga-Pferdes auf dem Brandenburger Tor. die sie einzäunen und notdürftig bewässern. dem Film wie den Sozen.. eine Dokumentation aus dem Innenleben der SPD. als hätten wir nichts Schöneres zu tun. SCHIEMENZ DOSSIER 13 Atomenergie Eine Japanreise mit Jürgen Großmann. die »Aufklärung. wenn sie auf die Wirklichkeit des Klimawandels stoßen. April. war menschlich: Damals war »KT« noch kein Plagiator. die Somalier helfen sich. die Dürre und Hunger am Horn von Afrika verursachen oder zumindest dazu beitragen. Gerade hat Aung San Suu Kyi die alte Königsstadt Bagan besucht. mit zum Gruß gefalteten Händen. in diesem Elend nichts anderes als eine Fortsetzung der somalischen Leidensgeschichte zu sehen. sondern Liebling der Nation. Diese Wahl wird »von einer kleinen Elite.« 37 Plagiate Ein Jura-Professor kritisiert das Promotionsrecht/Ein Plädoyer für die Reform akademischer Qualitätsprüfungen 38 Grafik Wie hat sich die Nutzung der Medien seit 1970 verändert? 39 Pharmazie Besser verträgliche Medikamente gegen Schlaganfall 42 Archäologie Eine Schnecke 7 Christian Pfeiffer wird den Missbrauch in der katholischen Kirche untersuchen 8 Libyen Beginnt die Schlacht um an die Spitze 29 EU Haushaltskommissar Janusz Lewandowski will eine Billion Euro für Brüssel – ein Gespräch 30 Murdoch Wer erbt das Tripolis? Aus der Welt 59 Baden-Baden Eine Ausstellung über den guten Geschmack Nachruf Zum Tode des Malers 88 ZEIT DER LESER 48 Impressum 87 verbreitete sich rund um das Mittelmeer – per Schiff 43 KINDERZEIT Energiewende Woher kommt Cy Twombly 60 GLAUBEN & ZWEIFELN Fantasy Der letzte Harry-PotterFilm kommt in die Kinos. in einem Berliner Kino und schauten uns 18 Monate unter Genossen an. »Als Wasser in Lastwagen kam«. Das verschärft die Not der Ausgesperrten. ÖT Selbst schuld? Von wegen! Die Hungerleidenden in Somalia sind die ersten Opfer des Klimawandels Somalia hat seine eigene Zeitrechnung. der wird Gründe finden. als die Süddeutsche berichtete: »Preisrätsel: Deutscher Verein ehrt Putin als mustergültigen Staatsmann«. Unter Politiker hinterherlatschenden Cineastendarstellern sagt man auch: Es fehlt das Narrativ. der sich im Kuratorium »strikt gegen Putin ausgesprochen« hat. Diese Hungersnot ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Fortschreibung von etwas Altem. aus. oft zu teuer FEUILLETON 45 Kino Vaters Tochter – ein Gespräch mit Geraldine Chaplin 47 Zeitgeist Das schnelle Vergessen 48 Bühne Reise zu zentralen Orten des postmigrantischen Theaters REISEN 61 Montreux Ein Song machte einst den Badeort weltbekannt 62 Hotel Das neues Sofitel in Wien 63 Windrad Bayerischer Gipfelsturm 65 Athen Auf dem Párnitha Der Pakt mit dem Presseteufel Kanzlerin Schweigsam Warum er- klärt Angela Merkel ihre Politik nicht? 4 5 6 Die digitalen Häscher Wer sind Ostkurve VON CHRISTOPH DIECKMANN 34 Was bewegt . Ein Land.de/audio Berlins Verbündete sind entgeistert 10 Zeitgeist Hungersnot in Somalia künftig unser Strom? 44 Kinder. den Meisterkoch Harald Wohlfahrt? Sachsen-Lexikon Goldfieber die Plagiatsjäger? Gehetzt und beobachtet. wenn auch erschöpften Lächeln. Juli. sie produzieren und verkaufen Holzkohle – und dünnen so den Baumbestand VON FRANK DRIESCHNER BERLINER BÜHNE Potter. Das ist nicht einmal völlig falsch. Kadaver nämlich.« 2011 klang es nicht besser: »In diesem Jahr fiel Russland im Demokratie-Ranking ab. deutsche Autos und chinesische Kraftwerke. der die Erosion der dünnen Schicht fruchtbaren Bodens verhindert. Jahre werden bisweilen nicht durch Jahreszahlen bezeichnet. 1974. Not. nicht vom Wähler entschieden werden«. in die sich seine Heimat gerade verwandelt. dem so ehrbare Leute vorsitzen wie Lothar de Maizière und Richard Schröder? Das den Quadriga-Preis seit 2003 an so ehrenwerte Menschen wie Michail Gorbatschow. 17. PETER DAUSEND Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT dass es von ›teilweise frei‹ auf ›nicht frei‹ herabgestuft wurde. wie sich ein somalischer Viehzüchter an das Leben in der Wüste anpassen soll. Wladimir Putin? Und dann ein so honoriges Gremium wie die »Werkstatt Deutschland«. Definieren wir es mit Lenin als »demokratischen Zentralismus« plus Staats..und Jugendbuch Luchs des Monats: Kate de Goldis »Abends um zehn« Selbst schuld? Von wegen Foto: Soe Zeya Tun/Reuters . Umso größer ist unsere Freude darüber. die kleinen. die Schlange Kubicki und Philipp Rösler selbst. dem Chef von RWE 17 Frauenfußball-WM 2011 Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft – ein Stimmungs. Dies aber ist die sechste schwere Dürre seit der Jahrtausendwende. das sie sich trotz jahrzehntelanger Schikanen und Hausarresten bewahrt hat. so gut sie können.. Viel sinnvoller sei es. Nun. betrifft den Klimawandel selbst. Es wäre leicht. die gerade getestet wird. Der andere Vorschlag legt nahe. sondern der 9.und Oligopolkapitalismus. Juli 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 29 MEINUNG POLITIK Werkstatt Orwell JOSEF JOFFE: Wieso ehrt ein honoriges deutsches Gremium Wladimir Putin? Unwillkürlich schnellt der Blick nach oben. Die mäßig erwärmte 0. Dies ist auch unsere Katastrophe. Wolfgang Schäuble und Sylvia von Schweden verliehen hat? Dass sich die Jury mit Guttenberg (2010) ein wenig geirrt hat. Der eine Rat lautet. Wirtschaft und Identität.10 14. Es sollte eine unauffällige Erholungsreise werden. Unter den vergangenen fünf Jahren war nur eines mit normalen Regenfällen. während die Menschen sie mit Blumenketten begrüßten. der Anfang einer Globalisierung.« Im März 2012 wird wohl Putin gegen den heutigen Präsidenten Medwedjew antreten. Nein. Aber Sicherheitsbeamte ließen sie nicht in Ruhe. Auf solche Fragen gibt es zwei Standardantworten – aber beide klingen hohl. Von wegen Klimawandel – Dürren gab es in Somalia schon immer! Wissen kann man allerdings.2011 Kämpferin Es ist nicht ihre natürliche Haltung. Überfüllte Flüchtlingslager.07. dünnen Fäuste mit den heraustretenden Adern – so sehen Friedenskämpferinnen aus. was Klimaforscher seit vielen Jahren vorhergesagt und immer häufiger auch beobachtet haben: die Folgen eines zunehmend unregelmäßigen Monsuns. V. traurig. dass sie Haltung hat. dass Somalia einmal zwei halbwegs regelmäßige Regenzeiten hatte. möglichst schnell reich zu werden. Ein Interview mit Ralph Fiennes über seine Rolle als Voldemort und über das absolute Böse 9 Deutsche Außenpolitik umstrittene Medien-Imperium? 31 Frauenquote Wirbel bei SAP und Telekom 32 Chinesen Wie solide sind Aktien aus der Volksrepublik? LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. 1964.7-Grad-Welt. es war nicht der 1. sondern Regen gemäß dem seit Jahrhunderten bekannten Muster der Jahreszeiten ist inzwischen die Ausnahme. das ist doch der Piratenstaat. ihn aufhalten zu wollen. kann Schaden anrichten. Politik zwischen Twitter und YouTube Versagt das Recht im Netz? Ein Interview mit dem Medienanwalt Christian Schertz Aufklärung Der Kriminologe 12 Dynamo Dresden Zwist und Sorgen – auch nach dem Aufstieg in die Zweite Liga VON THILO ALEXE Am Start Mirjam Howitz. Da macht sich der Halbblutprinz Philipp Rösler auf die Suche nach dem Stein der Weisen – und hat noch nicht einmal ein eigenes Narrativ dabei! Die Liberalen. rufen die Besserwisser.« Knapper sagt es die Historikerin Christina Eibl in ihrem Überlebensbericht aus dem Herzen Moskaus (2011): »Wer sich nicht unterwirft. Es sind amerikanische Flugzeuge. Aber man wüsste doch gern. Aber es ist zu einfach. Es herrsche ein »Schattennetzwerk von Politikern. Wir kennen die birmanische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi meist nur in friedvollen Posen. dass sie dort hungern. Oppositionskandidaten werden eingeschüchtert und disqualifiziert. Beim Versuch. Eine andere Platitüde. Vor acht Monaten endete erst der letzte Hausarrest. helfen könnten sich die Betroffenen nur selbst. auf das Erscheinungsdatum der Zeitung. Das sind die Kreml-Getreuen im Big Business und Sicherheitsapparat – die Putinsche Machtelite. wie es zugeht. und dass der Ausfall dieser Regenzeiten eine seltene Katastrophe war – so selten. Aber es scheint natürlich zu sein. in der wir leben. Weiter mit Orwell: Mit dem Quadriga-Preis werden »Vorbilder« ausgezeichnet. zur Not in fruchtbarere Regionen auszuwandern. Wird anderswo das Wasser knapp. wird gnadenlos verfolgt. 2011 wird wieder so ein Jahr. wo sie sie sahen. den ihr die Militärjunta auferlegt hatte.und ein Taktik-Fazit 18 WOCHENSCHAU Berlin-Wahl Die Kreuzberger Kandidaten der großen Parteien haben alle türkische Wurzeln Vereinsmeierei Neudeutsche gründen »Typisch Deutsch e. sondern der Beginn von etwas Neuem.« Auf der Korruptionsskala von Transparency International (2010) liegt Russland ganz unten auf Platz 154. dass diese Woche endlich die Harry Potter-Adaption Philipp Rösler und die Heiligtümer des Todes. Wer unbedingt will. verfolgten sie. selbst Libyen und Jemen kommen besser weg.und Entwicklungshilfe helfe nicht. Engagement und Gemeinschaftswohl verpflichtet« seien. um eine wassersparende Hightechlandwirtschaft und andere Anpassungstechniken finanzieren zu können. wenn man statt »Aufklärung« Mediengleichschaltung setzt. schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand. so lernen wir daraus.

während er dem Gast seine Mission erläutert. der die Geduld schon so manches Zuhörers strapaziert hat. Nach dem Wehrdienst als Grenzsoldat studierte Nein. Ob die Suche lohne. Sein bekanntestes Buch erschien 1987: Ost. Einige Gemein1981 unter mysteriösen Umständen im Knast samkeiten zum bisherigen Leben des Lutz Ratheumgekommenen Aktivisten der Oppositions. Und empfing die erregte SMS einer Dresdnerin: Erstmals weile sie im Dynamo-Stadion. Germaniens Brünhilden würden Japans Wuslerinnen umme machen. nach Art der kickenden Landsmänner. Nach 1989 wurde Rathenow zum omnipräsenten publizistischen Beobachter. relegiert: wegen Werk. »Stalinorgel« nannte ihn vor Jahren der Satiriker Wiglaf Droste. ein Thüringer also. heißt es. Ob »Zweifeln an Grundpositionen. der Freistaat lasse das Vorkommen von Gold in Kiesgruben prüfen. seit Nordkoreas großer Führer Kim Il Sung im Alter von vier Jahren die Juche-Ideologie erfand. als Autor und Kameras meistern wird? Vielleicht gelingt es veröffentlichte er notgedrungen meist im Wes. wo er mit seiner Frau lebt. Seit Anfang Mai ist Rathenow. In dieser Woche wird er dafür noch ins postrevolutionäre Ägypten reisen. Aber es ist ihm ernst: Opfer sind für ihn nicht nach Nationalität zu trennen. Rathenow wurde schließlich von der FDP durchgesetzt.« Da müsse stets Überzeugungsarbeit geleistet und eine oft desinteressierte Öffentlichkeit sensibilisiert werden für die nicht immer sichtbaren Folgeschäden einer Diktatur. braucht klärung über die DDR-Vergangenheit sowie in der man sie weiterhin. Man verspreche sich davon ordentlich Schotter. nun auch zu all den Exbürgerrechtlern zu gehören. obwohl er der einzige Kandidat war. denn Ausstellungen. Dabei hat er. sondern in die Mitte der Gesellschaft wirken. Gelingt Amtschef lachend. Läuft er dabei nicht Gefahr. Zum Wochenende wird eintrug bei seiner Kandidatur. Sein Amt stehe nun mal im Unterschied zu Finanzämtern unter permanentem Rechtfertigungsdruck. Im Grunde sind wir Landesbeauftragten auch eine Kontrollinstanz gegenüber der Gauck-Birthler-Jahn-Behörde. das. Der 58-Jährige sieht sich selbst realistisch als »historische Übergangserscheinung«. »Goldfieber in Sachsen«. möchte. kommentiert Rathenow rückblickend das Gezerre rund um seine Kür. um gegen die DDR und den Sozialismus zu hetzen«. sondern dass die Aufarbeitungsmission viel umfassender verstanden wird. weit ausholender Plauderer. der Forschung Unterlagen zur Verfügung zu stellen. der keine Ruhe geben. richtig deutlich vor Augen treAber das hier ist besser. die Stasi-Fixierung nach 1989 hätte die eigentliche SED-Parteiherrschaft eher verschleiert. Jüngst vollzog sie den Schulterschluss zwischen Afghanistan und Fußball-Weltmeisterschaft. was falsch gelaufen? Und was ist wie in der Stasi-Akten-Behörde in Berlin passiert? »Die Aktenbehörde müsste verpflichtet werden. der sich als Mittler nach vorne versteht. vermeldet der MDR. sondern jeden Anlass nutzen wird. Christoph Dieckmann. schreibt hier im Wechsel mit der Journalistin Jana Hensel B Den Ritterschlag erwies ihm das für Kultur verantwortliche Politbüromitglied Kurt Hager in einem Schreiben an Stasi-Chef Erich Mielke: Rathenow sei »ein Provokateur. zu überzeugen. Foto (um 2005): Anita Schiffer-Fuchs/ullstein »Meine mehrfach gespaltene Persönlichkeit findet das spannend« Lutz Rathenow. sei »völlig unklar«. Was ist seit 1989 richtig. dass hier nicht nur ein landeseigener Stasi-Akten-Onkel am Werk sei. Später meldete Dresden: »Sie haben nicht soldatisch gegrüßt. »Mir macht es immer Spaß. sagt Rathenow. die von der Mit mehr Abstand zur SED-Zeit wird Mehrheitsgesellschaft in das Reservat »DDRmanches Trauma eher noch größer Geschichte« abgeschoben und dort mit Amt Ein Herrscher über die Akten ist der Landesbeauf. auch kein charismatischer Menschenfischer Literatur und Lyrik Jena. darüber ein graues Sakko: Als der Chef selbst die Tür zu seinem neuen Reich öffnet. Brasilien gegen USA. thenow stets gereizt. »weil die Betroffenen äleiner Behörde.« lich anspruchsvolles Amt? Seine Auf Rathenows Schreibtisch Über 30 Jahre hinweg Augen blitzen über die Brille stapeln sich die Briefe derjenihinweg: »Meine mehrfach gehat Lutz Rathenow gen. ergänzt er schmunzelnd. Dort wurde Lutz Rathenow 1952 zahllose Auftritte. Ich erbat Meldung. als die US-Amerikanerinnen gegen Kolumbien salutierten. auch: Goldrausch. was dem zudem unterschiedlichsten Menschen über ihr Schicksal noch in Berlin wohnenden Autor womöglich und die DDR-Vergangenheit gehörten für ihn auch nicht gerade Sympathiepunkte in Dresden auch schon immer dazu. die ihm ihre Bedrängnisse spaltene Persönlichkeit findet als freischaffender zu DDR-Zeiten schildern und das sehr spannend. das wäre doch wunderbar«. wurde Lande ziehender Eiferer ist Lutz Rathenow gewiss dort schnell Mitglied im oppositionellen Zirkel nicht.now gibt es durchaus: statt Lesungen nun eben szene in Jena. Fortan ge. herrliche Manneszucht der Damen! Ebenso bewundert habe ich die Nordkoreanerinnen. Und Diskussionen mit den geboren. im Blick stets die Gemengelage des wiedervereinigten Landes sowie das Nachleben der DDR-Vergangenheit. ein mit dem Flammenwerfer durch die er in seiner Heimatstadt Germanistik. auf die Vehemenz anspielend. votierten nur 67 von 125 Abgeordneten im Landtag für ihn. im Amt.« VON ALEXANDER CAMMANN OSTKURVE Löwinnen oder Blues In Neujahrsansprachen lässt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrer visionären Rhetorik freien Lauf. um Steuersenkungen zur Rettung der FDP zu finanzieren? Oder hat der Finanzminister noch nicht jeden Abgrund der Sachsenbank-Affäre offenbart und benötigt Geld? Jedenfalls. 58.« Im Buchregal von Rathenows Büro fällt der jemand offenkundig Lust daran. Der Exjournalist hat zufälli. 1956 in Rathenow geboren. Und dann diese respektable Leistung! Trainer Kim Kwang Min: Normale Menschen hätten das nicht gekonnt. »Ich hätte es ter geworden sind und ihnen auch als Verteidigungsminister ihm dieser Wechsel? daher erst jetzt böse Erinnerunoder als Leiter des luxemburgigen als permanente Belastung so schen Literaturarchivs versucht. wenn ich es schwer habe«. Jedoch war die Mannschaft. Unweit des Justizministeriums herrscht hier auf einer Etage in einer klassizistischen Dresdner Villa jetzt Lutz Rathenow. MAC S . geboren in Jena. Und die Deutschinnen? Man hörte ja überall die rassische Gewissheit. der seine Akteneinsicht bedauert hätte. Aufklärung über Unterdrückungsmechaals Bundesbeauftragter in der Nachfolge von Joachim nismen sei Diktaturprävention. will im neuen Amt ein »Überzeugungssachse« sein Foto: Nicole Sturz Am Sonntag war ich in Bonn. freundete sich mit dem mit Bundespräsidentenqualitäten. Texte und Ansichten unters mal mehr oder minder interessierte Volk brachte – den Gemeinten amüsiert das immer noch. Aber ist der auf fünf Jahre gewählte Schriftsteller und freie Publizist überhaupt der richtige Mann für die Leitung einer Behörde. Hörbar viele Sachsen pilgerten an den Rhein. um dort auf Einladung des Goethe-Instituts über Risiken und Notwendigkeiten im Umgang mit Diktaturgeschichte zu erzählen. dem seiner neuen Rolle zu beobachten. Sie brüllten ihre Wunschtitel gen Bühne. Zwar unterlagen sie den USA mit 0:2. Ein neues Zeichen war es auch. die vergessliche Gesellten. wie in Rumänien hätte gesellschaftlicher Unfrieden bis heute angedauert. jetzt ausdrücklich »Überzeugungssachse« sein Die beiden Söhne gehen längst ihre eigenen Wege. Die Wahl des Autors und DDR-Oppositionellen war umstritten. auch um zu zeigen. als Rathenow am 8.« Löwinnen! simste ich zurück. sie unterstehen seinem Freund Roland Jahn in Berlin. »ungewollt den größten«. Das gelte auch für die IM-Überprüfungen: seinen Weggefährten in Dresden die Festrede.« Raus aus der Nische – das ist ihm wichtig: »Ich will meine Arbeit nicht nur aus der Opferperspektive machen. der er nach Berlin pendeln. lassen sich ja oft gar nicht mit Schriftsteller sein spätes. eine lupenreine Dissidentenvita vorzu. die allzu leicht als Versorgungsposten für Exoppositionelle angesehen wird? Und welche Akzente will er künftig setzen? Der neue Amtschef ist zunächst ein unermüdlicher.so kümmert sich der jüngere um Installationskunst weisen. mit 15 000 Seiten Stasi-Akten über ihn. mit der Rathenow seine Bücher. kurz zuvor vom Blitz erschlagen worden. Bei Ra.« allzu strafrechtlich klingt: »Die Und wie sieht der nie um ein Schäden. Gerade wird sein Kaffee kalt.sollte sie daher als ständige Notwendigkeit bethenows Amtseinführung vorige Woche hielt er auf greifen. Personell indes ist sein Amt im Unterschied zu anderen Bundesländern mit drei Mitarbeiterinnen unterbesetzt angesichts der Aufgabenvielfalt. Daran musste ich denken. scheint er zumindest allen äußerlichen Klischees eines Bürgerrechtlers entsprechen zu wollen. sagt Rathenow. Aufregung über angebliche Goldreserven. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 11 Dichter an den Akten Der neue Stasi-Beauftragte Lutz Rathenow will auch die Zeit nach 1989 aufarbeiten art und Bäuchlein. Lehrerfortbildung und Schülerprogramme gehören neben der Opferbetreuung dazu. weil er am Ende eine Behandlung weh. Um diese zu verstehen.und Würden stillgestellt werden? Dem widerspricht Rathenow dann doch enttragte mitnichten.« Hier hat ten. Auch den häufig zu hörenden Einwand. die Dossiers wären weitgehend verschlossen geblieben: Die Herrschaft des Verdachts wäre ausgebrochen. Allman verstand die Forderungen aus dem Sprachkulturraum Plauen-Auerbach und röhrte Whipping Post.schaft von der fortdauernden Notwendigkeit einer Berlin – die andere Seite einer Stadt mit den Foto. Ich war auch amerikanisch unterwegs.« Andere ErSchriftsteller gelebt – Hilfe erwarten. die aus der DDR herrühBonmot verlegene Rathenow als ren. wolle man das Gold aus der Kiesgrube gleich weiterverkaufen. Die Um Vertrauen zu schaffen und antidemokratische Arbeit des Landesbeauftragten besteht in der Auf.rer dabei die Mühsal der Ebene jenseits von Podien hörte er zur DDR-Dissidentenszene. aber gekämpft wie die Löwen. meint der nun ist er der Leiter sagt er. Doch sein Auftritt zeigt: Eine anonyme Großbehörde zur posthumen Ausweidung der Krake Stasi sitzt hier keineswegs. Wofür der Aufwand? Scheut Sachsens Regierungschef denn gar kein Mittel. den Staffelstab der Vergangenheitsaufarbeitung an die jüngere Generation der Nichtmehrbetroffenen weiterzugeben.ZEIT FÜR SACHSEN 14. ziemBürokratie wagen! juristischen Kategorien messen. Es kam anders und sei gegönnt. und DJs im Berliner Technoclub Berghain. wie die Mansfelderin sagt. den der Je öfter man zur Vorsorge geht. SACHSEN-LEXIKON Goldfieber.schieden: Seinen Job mache er ja nicht rückwärtsgerweise nur wenige Monate vor Rathenow sein Amt gewandt. Von der Notwendigkeit der Stasiakten-Öffnung nach 1989 ist er dabei nach wie vor überzeugt: »Ich habe seither keinen Menschen getroffen. Fürwahr! Größeres ward nicht vollbracht. Dafür möchte er auch neue Formen zulassen: »Selbstverständlich muss die DDR-Geschichte irgendwann auch als Comic erzählt werden. eine Gesellschaft Gauck und Marianne Birthler angetreten. wie ihr Trainer offenbarte. Heute wolle er unter anderem eine Aufarbeitung der Aufarbeitung anstoßen. Die Opferverbände hatten sich zuvor massiv für die Exdissidentin Freya Klier ausgesprochen. Konsenssucher mit antiautoritären Impulsen am nur Monate vor seinem Examen. versehen mit einem umständlichen Titel: Sächsischer Landesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. da macht sich Rathenow keine Illusionen. Der Name »Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur« ist im Gespräch. wo gleich ein Fußballspiel beginne. sich selbst in Blick auf ein Foto von Matthias Domaschk. ob die US-Megären wieder salutierten. den Statesboro Blues und One Way Out. Eine Umbenennung seiner Behörde sei sinnvoll. »Die Traumatifahrungen hätten den Autor Rasierungsintensität nimmt zu«. Jeans und Karohemd. ZEIT-Autor. lässt Rathenow nicht gelten: »Die Stasiakten waren die Notizbücher der Macht.Verschwörungstheorien einzudämmen. nicht zuletzt als Profilierungsgeste gegenüber dem Koalitionspartner CDU.« Man male sich aus. Mai bei der sächsischen Gedenkveranstaltung zur Befreiung 1945 einen Kranz für die russischen Soldaten niederlegte.kritischen Erinnerung an die DDR-Vergangenheit grafien Harald Hauswalds. auf der allerdings die schwierige Mission lastet. die ihre Auftritte als »Krieg« annoncieren. desto weniger tut Amtsinhaber nur notgedrungen verwendet. zu einem Konzert des Bluesvaters Gregg Allman. »Es ist wie mit dem Zahnarzt: Beratung für Opfer – ein Begriff übrigens.aber ausgerechnet so einem. Objektivismus dieser seine Eitelkeiten nicht verbergende Plaudeund Intellektualisieren der Probleme«. Ah. Eher ist hier ein Schriftsteller Jürgen Fuchs an – und wurde 1977. musste man sich am Anfang nun mal auf sie konzentrieren.

ausgeholfen. trotz ben noch öfter bei der Stadt um Zuschüsse bitten. überdenkt sie diese Haltung. Ihre Aufgabe ist es. sich mehrfach sträubte – Geld fließt weiter. Der Klub kassiert in der Zweiten Liga zwar Aufstieg perfekt machte. Unter anderem flogen Sitzschalen – für den DynamoGeschäftsführer und langjährigen Abwehrchef der Mannschaft Volker Oppitz schlicht »unerträglich«. maligen DDR-Meister in fast vergessene Höhen. geht das gut? Im Rathaus hat man ihm schon oft mit Geld Wer darauf Antworten sucht. der Spielklasse rund fünf Millionen Euro. damit hätte man früher Menschen geköpft. Die Dynamo-Anhänger etwas hoch. Doch im genanzhilfen ebenso wie die komplexe Gemengelage schaft überraschend den in Dresden unbekannten schickt agierenden Finanzbürgermeister Hartmut innerhalb des Vereins. Ein regional verankerter Investorenpool um Aufsichtsratschef und Druckunternehmer Thomas Bohn hat in der vorigen Saison die Verpflichtung des Europapokal-erfahrenen Cristian Fiel ermöglicht. Manchmal so sehr. aber die finden nicht so oft ins Museum. lautet eine simple Forgärten« werfen. wie »Calli« wechselnder Aufsichtsratschefs und Zoff auch un. »passt überhaupt nicht zu dem angestrebten vertrauensvollen Miteinander. sagt Dynamo-Geschäftsführer Volker Oppitz. Die Zweite Liga als Chance für eine beachtete. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) erwägt die Einführung eines »Sicherheits-Euro«: Zuschauer zahlen demnach bei Brisanzspielen mehr Eintritt. St. auf den der Begriff »Scherereien« zurückgeht. Die diesjährige Landesausstellung thematisiert das 800-jährige Jubiläum der Via Regia. Statt Sandhausen und Heidenheim gastieren künftig Eintracht Frankfurt. Meist kam eine knappe Mehrheit im kennt die vertrackten Details der städtischen Fi. sollte mit Tho. Verliert die SGD die ersten beiden Räte eine umstrittene Bürgschaft von 300 000 hatten zuvor via Live-Übertragung im Dresdner Zweitligaspiele – es sind die Ost-Derbys gegen Euro als Voraussetzung für die Lizenz des AufsteiStadion verfolgt. Seitdem hat ihr Job eine neue Dimension für Mirjam.« Foto: privat Foto (Ausschnitt): Droemer/dpa/picture-alliance . Dynamo dürfte an Sodort wieder mit. Die andere: Trotz regelmäßiger Randale ist Verein Trainer Matthias Maucksch. Nachdem in Osnabrück Feuerwerkskörper krachten. gegenseitig »Bömbchen in die Vor. Fünf Jahre nach dem Abstieg aus der Zweiten richtig zusammengestellt? Stimmen die Struktu. Da sind Finanzprobleme. An der Wand über ihr hängt ein zangenartiges Gerät. die bereits zwölf Mil. Das ginge der Mehrzahl der Fans dann doch zu weit. aber auch Entflammt für Dynamo: Fans des Dresdner Klubs fiebern beim Aufstiegsspiel in Osnabrück mit die Grundsatzfrage nach der künftigen Struktur der Sportgemeinschaft Dynamo (SGD) treiben die Macher len in den unübersichtlichen Vereinsorganen. steht die 17-jährige Mirjam Howitz und wartet. der kannte das Gerät. in den kaum Sonnenlicht dringt. »Geschichte ist mein Hobby«. Also noch mal: Dynamo und die Beispiele: Vier Spieltage vor Schluss entließ der mel. Um eine existenzbedrohende Etatlücke zu schließen. toben. Geschichte und Verwendungszweck musste sie selbst recherchieren. »Wir sind nicht konkurrenzfähig«. blieb ich davor stehen«. die auch durch Görlitz führte (siehe auch ZEIT Nr. aber befriedete Dresdner Fankultur? Fanprojekt-Geschäftsführer Torsten Rudolph sagt: »Gut wird es in Sachen Fanarbeit.Vorjohann hat der Klub einen mächtigen Gegenspieler. Dann kommt ihr Moment – als »Explainerin« in der dritten Sächsischen Landesausstellung in Görlitz. sich in der Bundesliga lionen Euro fürs Stadion zuschoss und für den Bau »schwachsinnig«. Sie rätselte.se – und stieg doch noch auf.im Vergleich zur Vorsaison ein Vielfaches an Fernklassigen Fußballteams ein leeres Spielfeld über. beschränkte aber auch die Mitwirkung der Fans.ein außerplanmäßiger Zuschuss für die dritte Liga stürmen Hunderte halb nackte junge zen immer die Ruhe zu behalten. erfuhr A Bömbchen im Vorgarten Geschichte ist nur ihr Hobby – Mirjam Howitz will nach dem Abitur Medizin studieren sie. »Was da passiert ist«. Wenn Besucher kommen und davor stehen bleiben. Das Gerät wurde einst bei der Stoffherstellung eingesetzt. Mitglieder arbeiten Geschäftspraktiken früherer Vorstände auf.« Am liebsten spricht sie mit Gleichaltrigen. Zudem Liga mischt der gelb-schwarze Traditionsverein ren? Braucht der verschuldete Verein weiteres Geld steigen die Spielergehälter.So beschloss der Stadtrat nach dem Aufstieg. passiert wohl nur in Dresden. dass stundenlange Straßenschlachten wie 2002 beim Lokalderby gegen den Dresdner SC ausblieben. bei Freunden und ihren sechs Geschwistern. Intrigen. wie rund 20 andere Schüler aus Deutschland und Polen hat Mirjam sich freiwillig dafür gemeldet. Zweite Liga. »Der Kultklub des Ostens kehrt zurück auf die große Bühne des BundesligaFußballs«. in einem Raum. Der Verein selbst kündigt einen Kurswechsel im Umgang mit einem Teil der Anhänger an. Querelen. tanzen wie Scha. dass es trotz permanenter Quere. um Millionen für Spieler in den Klub zu pumpen – offenbar ohne im Gegenzug Transferrechte an ihnen zu erhalten. Nach den Ausschreitungen in Osnabrück war das PresseEcho verheerend.hindern Wohlstand. Sie stehen weiter bereit. Große Unternehmen wie etwa die in Dresden ansässigen Chipfirmen halten sich mit ihrem Engagement zurück.muss er auch mehr Sicherheiten bringen. JULIANE SCHIEMENZ S schichtigen Strukturen straffen müssen. was das wohl sei: etwa einen Meter lang und einen halben Meter breit und so schwer. Schneller als anderswo kocht bei der Stadionmiete entlastet. Den besten Ruf haben sie nicht.Hat Trainer Ralf Loose das Team um Ex-Bundes. sagte unlängst Sportdirektor Steffen Menze. Mehr als Doch mit dem Aufstieg kehren auch gewaltige Querelen zurück VON THILO ALEXE 7500 Mitglieder zählt der einstige Polizeisportverein heute – das sind mehr als die SPD in ihrem Gründungsland Sachsen hat. einem Verteidigungsbau aus dem Mittelalter. Mit acht Millionen Euro ist der Verein verschuldet. Aufdruck: »Brustsponsor«. »Das ist alles so aus dem Leben gegriffen«. Und die sind rege. Auch in Dritt. Und da sind die »Bömbchen«. Und dennoch: Öffentlich geförderte Fanarbeit hat in den vergangenen Jahren dazu beigetragen. wie sie über die Funktion des Eisens rätseln. In der Vitrine unter ihrer Schere liegt ein Buch. sagt Mirjam. Allein 20 000 Euro muss der Verein wegen Ausschreitungen beim Aufstiegsspiel im Mai in Osnabrück bezahlen. dass sie sich. Juli 2011 AM START DIE ZEIT No 29 ZEIT FÜR SACHSEN lles muss raus: Nach dem Abpfiff scheidend wird sein. Dinge eine Spur kleiner zu lösen.der CDU-Politiker vor etwa einem Jahr als wuchs eingesetzt. meint sie. der einst als der Verein ein Imagefaktor für Dresden. Pauli und die Münchner Löwen im Stadionneubau am Großen Garten. der alten Handelsstraße. die einen harten Kern in der ansonsten vielfältigen Anhängerschaft ausmachen. Und: Obwohl die Stadt.« Denn Dynamo gleicht einem höheren Spielklasse fließen soll. Dass Fans eines unter. Nebenbei.und Viertligazeiten pflegten sie eine quasireligiöse Verbundenheit zu dem Klub. sagte der frühere Trainer Ruud Kaiser und punktete damit bei den Anhängern.ligaprofi Cristian Fiel und Torwart Benjamin Kirs.« Dann ergänzt von 1. das sie sich selbst ausgesucht hat. Sie besucht die elfte Klasse am Joliot-Curie-Gymnasium in Görlitz. In den Dynamo-Gremien früheren Liechtensteiner Nationalcoach Ralf Loo. Ent. doch alte Verbindlichkeiten verJahr 1995. sagt sie. Die Miete für das 2009 eingeweihte.2 Millionen Euro pro Saison auch in der Männer den Rasen. gers. dass nur zwei Menschen gemeinsam es tragen können – eine Tuchschere. andere denken ans Schafscheren. um überstehende Fussel abzuschaben. Neulich stand ein Mann mit ihr vor der Tuchschere. 28/11).Eine Hassliebe verbindet Politik und Dynamo. Deshalb rührt sie die Werbetrommel in der Schule. Große Bühne und Dresden – kann das gutgehen? Denn da sind: gewaltbereite Fans.ter den Fans immer irgendwie weitergeht. verkauften sie vor Jahren Trikots. stamp. Mit den Zusatzeinnahmen sollen Vereine ihre Sicherheitsmaßnahmen verbessern. Zwei Ohne Stadt kein Stadion. Nach dem Bundesliga-Aus im für nachträgliche Spielerverpflichtungen? Typisch lidität gewinnen. Der 46-jährige SPD-Stadtrat gamannschaft nach der Wende zählte. »Niemand ist größer als der Verein«. wenn alle weiter viel Verständnis und Vertrauen für die Position des jeweils anderen aufbringen. Angesichts maroder Schulen bezeichnete es hat er sich über viele Jahre hinweg für den Nach. organisieren Lobbyarbeit wie etwa beim Stadionbau und helfen mit witzigen Aktionen. »In den historischen Objekten sind Menschenschicksale versteckt«. Offenbar kommt der Verein für sie angesichts der Wiederkehr von Gewalt als Werbeträger nicht infrage. Was die Menschen heute bewegt. sagte er und erzählte dann von seinem Handwerk heute.er: »Leicht gesagt. gibt es heiße Debatten. um.12 14. Der Schritt brächte der Vereinsspitze mehr Handlungsfreiheit. vor allem wälzte sie Bücher.Durchlauferhitzer. »Als ich das erste Mal hier durchging. sie ist allein für ihr Exponat da. teilte Dynamo Dresden gewohnt unbescheiden über sich selbst mit. Verein ein neues Stadion zu bauen – und erntete sagt: »Die Chance ist so gut wie lange nicht. sie schreien. So dürften die Schwarz-Gelsigkeit und mehrfach gebannter Insolvenz ist das in Dresden gefühlte Champions League.Spieler zu den »Golden Boys« der Dynamo-Erstlimas Blümel reden. Dynamo wird so manen im Kreis. »Manche glauben. kreativ-leidenschaftliche.ternen Widerstand verpflichtete die Sportgemein. Dynamo wird wohl seine viel- Mirjams Schererei Warum eine Schülerin in Görlitz ein Stück Geschichte erklärt Hinter dicken Festungsmauern. Doch in Dresden ist man es neben dem Jammern auch gewohnt. trotz garantierter Turbulen. Gegen in. den Besuchern je ein Exponat genauer zu erklären.Stadtrat pro Dynamo zusammen.seheinnahmen – im Schnitt erhält ein Verein aus ten. sagt sie. Cottbus und Rostock – heftiger hätte es aus Polizeisicht zum Saisonbeginn nicht kommen können. Er arbeite in einer Damastfabrik.für Dynamo ist. Bislang unterstütze die Klubführung die vor allem von Ultra-Fans betriebene Kampagne zur Legalisierung von Pyrotechnik im Stadion. das wie eine überdimensionale Wäscheklammer anmutet. Echter Fußball eben. sagt sie. »Das ist ein Geben und Nehmen«. Eine westdeutsche Regionalzeitung verglich die Wirkung der Dresdner Fans gar mit der von »Hunnen und Vandalen«.Berauscht startet Dynamo Dresden in dieser Woche in die Zweite Fußball-Liga. die sich als eigentlichen Träger der SGD sehen. den Sohn der Vereinslegende Ulf Kirsten. was die Ausstellungsbesucher in der Schere sehen. Anders als Museumsführer sonst läuft Mirjam nicht durch die ganze Schau. dem damals »fast viertklassigen« zu etablieren und Stabilität zu gewinnen? Blümel bürgt. Nutzt die streitlustige Sportgemeinschaft die Möglichkeit. wenn sie hört. in das die Tuchmacher einst Beschwerden über ihre schlechten Arbeitsbedingungen schrieben. und für sie steckt hinter den Exponaten mehr als die blanke Information. rund 10 000 mehr als beispielsweise beim Zweitligisten Greuther Fürth. etwa 40 Millionen Euro teure »Glücksgas«-Stadion kann er sich nur dank städtischer Millionenhilfe leisten. Doch rennen. Für Mirjam ist die Ausstellung ein »ziemlich cooles Projekt«. lauscht Mirjam. Ferner billigten die fen. wie ihr Klub in Osnabrück den Cottbus und Rostock –. Die von Calmund befürwortete Ausgliederung des Profibereichs aus dem Gesamtklub ist aber vorerst aufgeschoben. Die Euphorie führt den acht. Reichlich 17 000 Zuschauer strömten in der abgelaufenen Saison pro Heimspiel ins Stadion. habe sie eine Menge über das Tuchschererhandwerk gelernt. nach zwischenzeitlicher Viertklas.« Anders ausgedrückt: Das Projekt ist nach anfänglichen Akzeptanzschwierigkeiten auf gutem Weg – der allerdings ist noch lang. beobachtet hat. Am meisten Spaß hat Mirjam. Der gelegentliche Dynamo-Berater Reiner Calmund hat das Binnenklima in der Vereinsspitze als explosiv beschrieben. dass dafür auch Applaus. einen Knochenjob. Im Internet fand sie nicht viel. Und so verbringt sie noch bis Oktober samstags und sonntags je zwei Stunden im Kaisertrutz. sagt die Schülerin. sei immer noch ähnlich.

2011 Dinner for one: Wiener Schnitzel. 29 14. 7.Forsch Nr. Seite 30 .

Forscher Sie schreiben nicht ab wie Chatzimarkakis und Co. sie schreiben Wissenschaftsgeschichte: Die originellsten Gelehrten der Republik ..

und Nordsee reift ein Käse. stilvoll einen Rucksack zu tragen? Unser Autotester fragt sich. das ihm das Leben rettete Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos [M] Kirsten Borchard / public address. in dieser Woche aus Kartoffeln einen Salat zu machen Die großen Fragen der Liebe: Darf sie über ihn verfügen? Der Politologe Alfred Grosser über ein verpasstes Treffen. was die Generation Golf von der Generation Smart unterscheidet Der Sternekoch Vincent Klink rät. der heiter bis glücklich macht Die Deutschlandkarte der Hochhäuser: Warum hat Berlin so wenige davon? Unser Gesellschaftskritiker über die Kunst des würdevollen Verlierens Nora von Waldstätten bereitet sich ein Wiener Schnitzel zu – ganz für sich allein Die Sängerin Heather Nova träumt von ihrer Insel Ist es möglich. Paolo Pellegrin / Magnum Photos / Agentur Focus. Michael Wesely 5 .I N H A LT N R . 2 9 Alles. Andri Pol Fotos Inhalt [M] Andrea Pol. was in diesem Heft passiert 12 28 32 Deutschlands originellste Forscher Paolo Pellegrin porträtiert Amerika 6 8 10 11 30 40 44 45 46 49 54 Von der Schönheit des Welkens Harald Martenstein auf der Suche nach dem aktuellen Zinssatz Zwischen Ost.

grenzdebile Western-Romane. Wenn ein Chef mich mies behandelt. bei dem ich vier Prozent Zinsen kriege. Mir kam das wie ein Verrat an den Idealen meiner Kindheit vor. sechs Prozent Zinsen kosten. ohne ein Wort zu sagen. Von Zeit zu Zeit schickten sie Kontoauszüge. wie die Griechen. Nachdem ich unterschrieben hatte. während die Kreditzinsen interessanterweise stiegen. Die Großbank hat an meinen Ersparnissen einen sogenannten Haircut vorgenommen. einiges für die europäische Kultur geleistet und trotzdem Schulden gemacht. innerhalb von Stunden. Man spart.« Ich flüsterte meinen Ahnen zu: »Ich will eine Wohnung kaufen. dass immer noch meine Ahnen im Raum waren. saßen. Ich will. Ich wechselte mein Geldinstitut. Es war ein Prozent.HARALD MARTENSTEIN Über seine persönliche Schuldenkrise: »Meine Ahnen tippten sich mit ihren Fingern an ihre Stirnen« Diese Kolumne heißt My big fat Greek column. sagte der Bankberater. Der neue Zinssatz stand weder auf den Auszügen noch auf der Homepage. was Banken mir jemals angetan haben. dass er noch eine Supergelegenheit anzubieten hätte. einen Mann. bei ihm anlege.zeit. dass sie mich dazu gebracht haben. und unmittelbar danach will er mich dazu bringen. all meine Ahnen am Tisch und schüttelten tadelnd ihre Köpfe. Irgendwann mache ich das. einen Sparvertrag. Die Bank hatte den guten Zins einige Monate lang bezahlt und dann. wie viel gibt es eigentlich für das vorhandene Guthaben? Die Frau antwortete. da habe ich aufgepasst. Dieser Typ verkauft mir also einen Kredit für sechs Prozent. Mein Geld wurde erstaunlicherweise immer weniger. das gute Zinsen versprach. die damit wirbt. Auch ich habe. ihm fröhlich »Viel Spaß mit dem Nachfolger« zu wünschen. Harald. um ihn herauszufinden. wie ehrlich sie ist. Ich muss das noch mal langsam wiederholen. Ich musste anrufen und fünf Sachbearbeiter abklappern. und wenn man genug Geld beisammenhat. mich. Sie würde mit ihren Zinsen immer im soliden Mittelfeld liegen. den Zins auf nahezu null zurückgefahren. Der Kredit sollte. dann möchte ich die Freiheit besitzen. dass ich mein überschüssiges Geld nicht etwa zur Tilgung meines Kredites verwende. für niedrigere Zinsen. Nach ein paar Monaten passierte das Gleiche. der nicht jeden Medienscheiß gedankenlos nachplappern möchte. aha. einen. ob sie mir das verraten dürfe. Es gab für den Zinssatz keine Befristung. Nun ging ich zu einer Bank. Ich habe gesagt. Ob ich nicht wieder ein paar Euro auf mein Konto überweisen wolle. einen immerhin leidlich originellen Autor. das Geld nehmen und in die Karibik abhauen können. Ich spare gern. unter Anrechnung der Inflation. glaube ich. Folglich brauche ich ein Tagesgeldkonto. Diesen Text hier verzeihe ich ihnen nie. versteht ihr?« Meine Ahnen tippten sich mit ihren Fingern an ihre Stirnen. Großes Ehrenwort. der geistig eigene Wege zu gehen versucht. 6 Zu hören unter www. Während ich mit dem Bankberater sprach. Das Schlimmste aber. unter Pseudonym. toll. ich ging zu einer Großbank mit weniger hohen Zinsen. für ihn unsichtbar. Vor zwei Wochen rief eine Dame von dieser Bank an. Altlinkes und Unoriginelles wie eine AntiBanken-Kolumne zu verfassen. wenn es mir stinkt. so etwas Klischeehaftes. Meine Ahnen sagten: »Niemand in unserer Familie hat jemals einen Kredit aufgenommen. ist. sie wisse nicht. Der Zinssatz sank klammheimlich auf fast null. Sparen ist für mich Lebensqualität. für jeden neuen Euro zahle die Bank drei Prozent. kauft man sich davon etwas. Niemals vorher. Gut. Dort tauche ich unter und schreibe.de / audio Illustration Fengel . Vor ein paar Jahren habe ich meine Ersparnisse auf einem Konto geparkt. sondern es. mich also haben die Banken dazu gebracht.

Heiterer Titel: »Ich kann diese Stelle nicht wiederfinden« H Für kleine und große Astronauten eignet sich dieses RAKETENKISSEN von A Star Is Born. Damit man vom Fliegen träumen kann (a-star-is-born. Kühn Keramik.eu. Serviettenringe und Becher »When your heart’s on fire / you must realize / smoke gets in your eyes« Aus dem Jazz-Klassiker »Smoke Gets In Your Eyes« von 1933. Außerdem im Sortiment: Kerzenständer.Andreas Hofweber / a-star-is-born. denn sie enthält den KURZFILM »Scenes from the suburbs« des Regisseurs Spike Jonze Die Farben! Der Schal! Die Stiefel! Dieses OUTFIT des Mannheimer Labels Schumacher steht exemplarisch für eine großartige Herbst/ Winter-Kollektion Fotos Backenscholz. liegt die Rohmilchkäserei Backensholz. Caroline Robert / City Slang. der in dem Film »Blue Valentine« jetzt zu neuen Ehren kommt Im vergangenen Jahr erschien bereits das Album »The Suburbs« von Arcade Fire – trotzdem braucht man die Special Edition. Courtesy of Joel Sternfeld and Luhring Augustine. Die Sensation ist der DEICHKÄSE. DAN & CORINA LECCA H H H . Juli bis zum 31. 2011. Der wurde 2009 bei den World Cheese Awards Zweiter Der Verlag Kook Books überzeugt diesmal mit einem GEDICHTBAND von Daniela Seel.eu) Das Essener Museum Folkwang zeigt vom 16. New York. Oktober eine AUSSTELLUNG des Fotografen Joel Sternfeld – die Farbfotografien sind eine Zeitreise in die USA der siebziger Jahre Dieses SEIFENSCHÄLCHEN heißt Alice und wird von der Firma Kühn Keramik hergestellt. Dorothea Fiedler.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Zwischen Husum und Schleswig.

Die DDR schenkte Berlin dann immerhin ein paar hohe Türme. wenn überhaupt. Die Nazis wollten nicht steil in die Höhe bauen (sie waren wohl größen-. aber keine gebaut. das zumeist von Westlern besucht wurde. In den zwanziger Jahren wurden hier. so rasch kam die Wirtschaftskrise. mit Amerika als Vorbild. nicht aber höhenwahnsinnig). wie wild Türme gezeichnet. nicht Westhauptstadt geworden zu sein. zweitens frei von Bauten. Nach der Wende gab es wieder große Pläne: den Alexanderplatz mit Hochhäusern umstellen! Wurde auch nichts. So wie in Frankfurt. die nur hoch und nicht besonders schön sein mussten. nur.Deutschlandkarte 250 m HOCHHÄUSER Kölnturm Colonia-Haus 3-Towers-Cologne Uni-Center Köln 148 m 148 m 138 m 133 m Bonn Post Tower 163 m 200 m Leipzig City-Hochhaus 143 m Jena Jentower 133 m 150 m Nürnberg Business Tower 135 m Berlin Park Inn Berlin 128 m Treptower 125 m 100 m 50 m Frankfurt Commerzbank Tower 259 m MesseTurm 257 m Westend Tower 208 m Tower 185 (noch im Bau) 202 m Main Tower 200 m Trianon 186 m OpernTurm 170 m Silver Tower 167 m WestendGate 159 m Deutsche Bank I + II 158 m Skyper 154 m Eurotower 149 m City-Hochhaus 143 m Frankfurter Büro Center 142 m Gallileo 137 m Nextower 135 m Pollux 127 m Garden Towers 127 m München Uptown München 146 m HighLight Towers 126 m Die 30 höchsten Hochhäuser Deutschlands (Höhenangaben ohne Antenne) Berlin und die Hochhäuser fanden nie richtig zusammen. das mit den Hochhäusern nach dem Krieg auch die Schmach vergessen machen wollte. Hochhäuser sind teuer und lohnen sich. wenn Bauland extrem teuer ist. Heute kann Berlin glücklich sein: erstens Hauptstadt. darunter ein Hotel am Alexanderplatz. weil sie Wolkenkratzer wahlweise für amerikanisch oder für bolschewistisch hielten. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Recherche Martin Fischer .

Der Umgang mit dem Scheitern ist eine Kunst. Klitschko-Gegner David Haye in Hamburg Über stilvolles Verlieren Der verehrungswürdige Tennisspieler Roger Federer ist dieses Jahr früh in Wimbledon ausgeschieden. die fast befreundet waren.« Der andere. Nicht ganz so würdig. die Tapferkeit des niederländischen Widerstands. zumindest nichts gegeneinander hatten. jedoch immer noch ehrenhaft. Einer wird schwer verletzt. großmütig zu bleiben und nicht allzu sehr aufzutrumpfen. Um jeden Anschein eines Vorwurfs zu vermeiden. um dessen (im Übrigen berechtigtes) Misstrauen zu besiegen. so die zeitgenössischen Quellen. der Gegner des Boxriesen Wladimir Klitschko. Die europäische Geschichte indes kennt viele Beispiele von Haltung in der Niederlage. In Balzacs Roman Glanz und Elend der Kurtisanen verliert Lucien de Rubempré im Kartenspiel absichtlich gegen seinen Schwiegervater in spe. nämlich über den Umweg einer kleinen. auf die frühere Jahrhunderte viel gaben. Jens Jessen Foto Alastair Grant / dapd. mit viel Haltung und Würde hingenommen. aber er hat es klaglos. die Damen der Gesellschaft urteilen. Martin Meissner / dapd 11 . murmelt er nur: »War nicht mein Tag. um nicht als Versager dazustehen! Der Trainer der nordkoreanischen Frauenfußballmannschaft schob das ganze Elend sogar auf einen ominösen Blitzschlag. früher jedenfalls.« So fein und zart können sich Gewinner und Verlierer wieder auf eine Stufe stellen. in die Niederlage gefügt: Er habe sich den kleinen Zeh gebrochen. Die Bescheidenheit im Sieg. ist freilich ziemlich außer Kurs geraten und noch mehr die Demut im Untergang. aber er hat immerhin geglänzt. So gehört es sich. das eigentlich nur verlangt. als es von einem Sportler seines Formats zu erwarten ist. wider Willen Siegreiche: »Meiner auch nicht. niemals ist der Schlüssel einer eroberten Stadt ehrerbietiger an den Sieger übergeben worden als von dem niederländischen Kommandanten Justinus von Nassau – und der siegreiche spanische General Ambrosio Spinola erweist ihm seinerseits die Ehre: Er richtet ihn auf und preist. Manchmal liegt die höchste Form des Taktes sogar in der kalkulierten Niederlage. und sie ist auch regelmäßig erkannt und anerkannt worden. Es nützt ihm dann doch nichts. Familiär überliefert ist die Geschichte von den beiden Duellanten. Lucien habe mit dem Manöver »Geist« gezeigt. Velázquez hat in seinem fabelhaften Gemälde Die Übergabe von Breda den kapitulierenden Gegner sogar in den Mittelpunkt gestellt.Gesellschaftskritik Ehrenvoll gescheitert: Roger Federer (links) in Wimbledon. vielleicht sogar halb humoristischen Ausrede hat sich David Haye. eine viel größere als das Verhalten im Sieg. aber auch Politiker nicht alles aus. Was denken sich die Sportler. aber für das Auge der Gesellschaft ein Duell vorzuführen hatten.

Affenforscherin Seite 15 Nikolaus Rajewski. Bioinformatiker Seite 18 12 .Die Gelehrten-Republik Roman Inderst. Wirtschaftswissenschaftler Seite 24 Julia Fischer.

Krebsforscher Seite 18 Christoph Möllers. Zu Besuch bei den spannendsten Forschern Deutschlands 13 . Rechtswissenschaftler Seite 16 Rahel Jaeggi. sondern um Erkenntnis.Klaus Rajewski. Philosophin Seite 26 Ihnen geht es nicht um Titel.

haben seither noch weitere Politiker (Koch-Mehrin. Po l i t i ke r n . wie zukunftsweisend Wissenschaft ist. einen Ökonomen. befand die Zeitschrift Science einmal und beschrieb damit die Stimmung vieler Forscher. Dass das Ethos der Forschung hierzulande mehr zählt. sondern um die zentrale Frage. die einer echten Forscherdynastie entstammen. Denn bei vielen Zukunftsthemen – von der Vorhersage des Klimawandels über die Entwicklung »sanfter« Energien bis zum Aufspüren eines Ehec-Keimes – verlangt die Gesellschaft nach wissenschaftlichen Antworten. Nur in der Öffentlichkeit scheint noch nicht so richtig angekommen zu sein. wenn sie den Nobelpreis bekommen. die man mit angezogenen Hosen tun« könne. Schließlich hat wissenschaftliches Denken viel mit Lust zu tun (was der Schulunterricht leider erfolgreich verdrängt). gebe uns die »Hirnlust«. die hierzulande an neuen Ideen arbeiten. Und auch finanziell wurde die Wissenschaft in Deutschland in den vergangenen Jahren kräftig gefördert. immer Neues zu entdecken und sich einen Reim auf die Welt zu machen. Spätestens mit der Erklärung von Angela Merkel. M a n a g e r n . Unsere klügsten Köpfe gelten – anders als Schauspieler. Im britischen Fachblatt Nature erschien eine Lobeshymne auf das »Land der Dichter und Denker«. Forschungs.« Darum empfinde Homo sapiens eine unstillbare Lust daran. Schade eigentlich. welchen Stellenwert hierzulande das wissenschaftliche Streben nach Wahrheit und Redlichkeit genießt. »Die Vermutung liegt nahe«. Denn nichts charakterisiert unsere Spezies so sehr wie der Drang. das Lust vermittelt.und Entwicklungsabteilungen. halb scherzhaft gemeinte – Theorie. das Puzzle der Einzelheiten zu einem Ganzen zu fügen und neue Verknüpfungen zu erkennen – sei es beim Lösen eines Sudoku-Rätsels oder beim Aufdecken eines mathematischen Theorems. ist den meisten herzlich unbekannt. doch im Lande Berlusconis verhallten sie ungehört. Doch was Forscher tatsächlich tun und was sie umtreibt. einen Rechtswissenschaftler sowie zwei Biologen. in Hochschulen. was man zu hören bekommt. Stellvertretend für sie alle porträtieren wir auf den folgenden Seiten sechs von ihnen – eine Philosophin und eine Verhaltensforscherin. ist meist das Netteste. der dem Sexualtrieb ganz ähnlich sei. erhellte blitzlichtartig die Guttenberg-Affäre: Schockiert nahmen viele Forscher zur Kenntnis. Wa r u m e i g e n t l i c h ? Von ULRICH SCHNABEL Fotos ANDRI POL W I S S E N S C H A F T S E I »die aufregendste Sache. über die Deutschland unbegrenzt verfügt. alle Parteien sind sich einig. es gab ebenfalls massive Proteste der Wissenschaft. Stattdessen leben sie in einer Art Parallelwelt. 14 Irgendwann in grauer Vorzeit müsse dazu in den Köpfen unserer Ahnen eine Verbindung entstanden sein zwischen den Arealen des logischen Denkens und einem Hirnzentrum. dass weite Teile von Politik und Öffentlichkeit die Tragweite des Guttenbergschen Betrugs gar nicht zu erfassen schienen. Wir haben mit ihnen darüber gesprochen. Trotz aller – berechtigten – Klagen über die Zustände an den Universitäten finden Forscher hierzulande inzwischen teils günstigere Arbeitsbedingungen als in den USA. »Das hab ich schon in der Schule nie kapiert«. werden vielfach geehrt. meint Braitenberg. sondern letztlich ein Großteil unserer Kultur. dass ausgerechnet die Bildungsministerin sich einen akademischen Titel erschlichen hatte. sagt Braitenberg.  . Doch im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Bedeutung der Wissenschaft steht die Achtung. Und den entscheidenden Kick dazu. Kurze Zeit stand das alles auf der Kippe – bevor sich dann doch die wissenschaft- lichen Standards durchsetzten. Menschen verfügten über einen »Kapiertrieb«. Dort wurde vor drei Jahren bekannt. in dem offenbar »die Verbreitung ehrenhafter akademischer Werte« noch immer hochgehalten werde – anders etwa als in Italien. Und daran ändert sich in Deutschland meist nicht einmal etwas. dem Gelobten Land der Wissenschaft. Wie groß diese Kluft ist. stand die Geschäftsgrundlage der Wissenschaft zur Disposition: Es ging eben nicht um fehlerhafte Fußnoten. Auf ihrer klugen Verwendung basiert nicht nur unsere Ökonomie. Von dem Hirnforscher Valentin Braitenberg stammt die – halb ernst. sie habe den Verteidigungsminister nicht »als wissenschaftlichen Assistenten« angestellt. Unabhängig davon wird der moderne Wissenschaftsbetrieb natürlich auch von wirtschaftlichen und politischen Interessen angetrieben. Außerhalb des Labors hat man als Wissenschaftler jedoch einen schweren Stand. was sie umtreibt. U n s e r e W i s s e n s c h a f t l e r k e n n t k a u m e i n e r. Sie sind unter Fachkollegen berühmt. eilen von Kongress zu Kongress – doch in der Öffentlichkeit findet ihre Arbeit kaum Widerhall. die sie hierzulande genießt. Rund dreihunderttausend sind es. »dass es sich dabei um das Sexualzentrum handelt. Anders gesagt: Kreativität und kritisches Denken sind die einzigen Rohstoffe. die wir mit einem Aha-Erlebnis verknüpfen. Vater und Sohn. Allerdings ist damit nur der romantische Impuls des Forschens beschrieben. Musiker oder Sportler – hierzulande nicht als Stars. Mit Atomphysik oder Gentechnik kann man auf einer Party jedes Gespräch abwürgen. Und es gibt wenig Aufregenderes – da hat Science recht – als das Glücksgefühl. das sich beim gemeinsamen Lösen eines lange bearbeiteten Rätsels einstellt. Das wurde im Ausland genau registriert. Chatzimarkakis) zu spüren bekommen. Schon merkwürdig: In jeder Sonntagsrede wird die »Bildungsrepublik« beschworen. Willkommen in der zeitmagazin Gelehrten-Republik! nr . wie sie ihre Arbeit sehen und an welchen Fragen sich ihre »Hirnlust« entzündet.J e d e r ke n n t d i e N a m e n vo n S p o r t l e r n . über welches Potenzial die »Gelehrten-Republik Deutschland« verfügt und welcher Schatz in den Köpfen hiesiger Forscher(innen) schlummert.

einer der weltweit größten und bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art.« 18 Monate lang war Fischer im Dschungel.« Sie kombiniert beide Methoden: Sie beobachtet Affen in ihrem natürlichen Lebensraum und macht mit ihnen Intelligenztests in ihrem Labor am Deutschen Primatenzentrum Göttingen. Der moderne Wissenschaftsbetrieb aber ist ungeduldig. Da gibt es das ganze Verhaltensspektrum. Und selbst dieses »Gesamtbild« bleibt nur ein Teil des großen Ganzen.« Und wenn man alle paar Jahre evaluiert werde.« Ist das nun enttäuschend oder beruhigend? Julia Fischer jedenfalls sieht es vor allem positiv: Ihr werden die Forschungsfragen so schnell nicht ausgehen. die für Motorik zuständig sind. »Dieser naive Glaube. Gefragt.« So gehen viele Jahre ins Land. andere studieren Affen im Labor und machen Lernexperimente. Was macht den Menschen aus? Was unterscheidet uns vom Tier? Wie sehen Affen die Welt? Das sind die Kernfragen. Von ULRICH SCHNABEL und HILAL SEZGIN Ein Gespräch mit Julia Fischer hat einigen Unterhaltungswert. liefert die Verhaltensbiologie eben nur selten. Seit 2004 leitet sie die Forschungsgruppe Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. und dann finden die. allerdings verändere sich ihre Gehirnarchitektur.W i e s e h e n A f f e n d i e We l t . was in den Tieren vorgeht. fragt sich Julia Fischer schen verschiedenen Welten hin und her. Manchmal stößt sie leise Kecker. Pflanzt man etwa Mäuse-Embryonen eine humane Variante dieses Gens ein. wie das neue biologische Selbstbild des Menschen denn aussehe. war Fischer nicht vorgezeichnet. lernte Fischer. dass die Kommunikation der Affen wesentlich komplexer war als angenommen. An gentechnisch veränderten Mäusen untersuchte sie die Wirkung des FOXP2-Gens. einmal Professorin für kognitive Ethologie werden würde. Ihre Erfahrungen in der Wissenschaft hat sie als Mitherausgeberin des »Campus-Knigge« verarbeitet 15 . wurden ausgerechnet Cheney und Seyfarth auf die junge. dann begeisterte eine Unterredung mit Biologen sie für die Naturbeobachtung. andere lassen ihr Neugeborenes irgendwo schreiend sitzen. Aber mit wem sie dann wirklich ins Bett gehen und Kinder haben – dahinter stehen noch ganz andere Faktoren wie gesellschaftliche Konventionen und ökonomische Aspekte. um die sich Fischers Arbeit als Biologin dreht. »Verhaltensforschung ist vor allem ein Geduldsspiel«. nach Stationen an der Harvard University und dem Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Doch anders als diese drei ist Julia Fischer keine im Busch lebende Einzelkämpferin. dass sie – trotz aller Vertrautheit – keine Ahnung hatte. die ihr Leben den Menschenaffen widmeten. sagt Fischer. dann verstehen wir alles –. Die Biologie sei zwar »ganz wichtig. u n d w a s h e i ß t das für uns. Mittlerweile fährt die Primatologin regelmäßig für einige Wochen in den Senegal. man hat kaum mehr Zeit. selbstsichere Frau aufmerksam und boten ihr die Leitung ihres weltberühmten Baboon-Camps in Botswana an. sondern springt als Wissenschaftlerin zwi- Julia Fischer. Schon in der Schule interessierte sich Fischer für Biologie. Aber noch sei vieles ungeklärt. spricht sie wie über die Schmidts von nebenan: »Das sind alles sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Während ihres Studiums wurde ein Buch des amerikanischen Forscherpaares Dorothy Cheney und Robert Seyfarth – Wie Affen die Welt sehen – zu ihrer »Bibel«. Dian Fossey. Denn die Wirkung von Genen müsse man stets im Netzwerk des Gesamtsystems betrachten. Dass sie dort. desto fremder erschienen sie mir. wo sie inzwischen eine eigene Feldstation betreibt. Klar. zu sagen. Eine Zeit lang arbeitete sie für Greenpeace. sagt Fischer. »Das Tempo ist extrem hochgefahren. ein Thema richtig zu durchdringen. In Botswana untersuchte sie. spielte Bärenpavianen ihre eigenen Rufe oder die von anderen Tieren vor und studierte die Reaktionen der Tiere. Manche Mütter sind überprotektiv und halten ihr Kind krampfhaft fest. Fast könnte man sie für eine Nachfolgerin jener berühmten Affenforscherinnen halten – Jane Goodall. aber sie liefert nur einen Teil der Erklärung«. die Affen zu unterscheiden und immer öfter ihr Verhalten vorherzusagen. den gibt es nicht mehr. Menschliches Verhalten ist äußerst komplex. die sie in Botswana studierte. sagt Fischer. Videokamera und Aufnahmegerät streifte sie durch die Savanne Botswanas. wird Fischer vorsichtig. verändern sich deren Laute. das beim Menschen auch Sprachgen genannt wird. sei es schwer. der vielleicht vor zehn Jahren noch geherrscht hat – wenn wir erst mal alle Gene entschlüsselt haben. und Fischer ist sich der Grenzen ihrer Disziplin stets bewusst. 44. dass man immer noch an derselben Fragestellung wie vor fünf Jahren arbeite. erklärt die 44-jährige Primatologin. dass Kate Moss hübscher ist als Angela Merkel. Und doch hatte sie das Gefühl: »Je länger ich sie beobachtete. und über die Affen. »Doch viele Forschungsprojekte dauern eben. »Nehmen wir das beliebte Beispiel Partnerwahl.« Das zeige den Vorteil der menschlichen Genvariante – »Sprache ist schließlich auch Motorik«. »Die einen betreiben reine Freilandforschung. bis ein weiteres Puzzlestück gefunden ist.« Doch ihre Eltern diskutierten gesellschaftspolitische Fragen mit ihr und begeisterten sie für die Wissenschaft. Einfache Antworten. die wir nicht in den Blick bekommen. bis man etwas Substanzielles zum Gesamtbild beitragen kann«.und Grunzlaute von Pavianen aus. Mit Fernglas. Biruté Galdikas –. wie sich Paviane verständigen.« Denn ihr wurde bewusst. »Es gibt in der Affenforschung verschiedene Traditionen«. Und als sie später selbst als Gastwissenschaftlerin in den USA einen Vortrag hielt. erforscht die Kommunikation von Affen und anderen Tieren. man kann Leute Zeitschriften durchblättern lassen. Ansonsten arbeitet sie am Deutschen Primatenzentrum mit den modernsten Methoden ihrer Zunft. »Sie fangen zwar nicht an zu reden«. um den Menschen zu verstehen. Dabei zeigte sich. »Es entstehen mehr Verbindungen zwischen den Nervenzellen und bestimmten Gehirnarealen. Sie hat gelernt. »Naturwissenschaftler gab es bei uns in der Familie bisher nicht.

auf eine Weise. das Angebot war breiter.« Punkt. sagt Möllers. Möllers lehrt seit Herbst 2009 in Berlin. »einer typischen Cappuccino-Gemeinde«. ich komme nicht durch«. Bei aller Betriebsamkeit aber beharrt er darauf. »aber für mich ist es dennoch die Wahrheit.« Klar. Philosophie und Komparatistik in Tübingen. Das werde im deutschen wissenschaftspolitischen Diskurs langsam wieder begriffen. In Wahrheit heißt das. sagt er. die die Gesellschaft an die eigene Kritik formuliert«. Jahrgang 1969. Und doch packe ihn ab und zu Sehnsucht nach der Idylle süddeutscher Universitätsstädte. studierte Rechtswissenschaften. Sein populäres Büchlein über »Zumutungen und Versprechen« der Demokratie ist ein Glücksfall durchsichtiger Vermittlung komplexer Materie. ein Junge. das Recht als Text zu lesen und mit anderen Texten zu vergleichen. Möllers ist SPD-Mitglied.« Heute schreibt er verfassungsrechtliche Gutachten. als ein Buch zu schreiben. von den Grünen trieb ihn der dort verbreitete Antiamerikanismus fort. Dabei hat Möllers ein irres Tempo. Eine entschiedene Haltung. das Recht ganz auf Menschenrechte. und wenn die SPD mal wieder einen Richter für Karlsruhe vorschlagen darf. die Profs waren besser vorbereitet«. ich weiß. sagt er lachend. »klingt schrecklich. sagt Möllers. Gerade ringt er mit einem Buch. in der er abgelegene. Aber in Wahrheit kann man sich Möllers nirgendwo anders als in Berlin vorstellen. Sein recht karges Büro hat er im historischen Zentrum. ihrer Anwendbarkeit im praktischen Geschäft. nie um ein Urteil verlegen.« Eine Fakultät mit zwei Lehrstühlen für Verfassungsrecht kann sich die besten Bewerber aussuchen. sagt er. vertritt die Bundesregierung vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe. Er wünsche sich »eine Wissenschaft. ein Spaß. der ihm ernst ist. Schon mit zwanzig habe er Professor für Öffentliches Recht werden wollen. weil sie Diskurse verschiebt. sitzt als Sachverständiger in Anhörungen des Bundestages. weil Menschen andere Fragen stellen. »da muss ich zwölf Sachen machen und habe das Gefühl. Und ich wollte etwas machen. Dieter Grimm etwa. die gar nicht erst so tut. bei der Möllers nicht vorbeischaut. deuten kann«. Er spricht schnell. er wird radikal: »Die Theorie. Möllers lächelt: »Das ist jetzt furchtbar abstrakt formuliert. Aber hochschulpolitisch kennt er keine Sozialromantik: »Die Massenuniversität hat nicht nur das Niveau der Studierenden im Schnitt gesenkt. München und Berlin. und ihn reizt ganz offenkundig die Nähe zum politischen Betrieb. ist nicht anwendbar. solche Vergleiche seien immer problematisch. sondern auch das Niveau der Professoren. Er schreibt unfassbar viel. In Berlin gibt es kaum eine verfassungspolitisch bedeutende Veranstaltung. aber heute sieht der Verfassungsjurist ein wenig blass aus. Er hat etwas Nervöses. das Gespräch über das Recht aus dem engen Kreis der Juristen herauszuholen. wie zu seinen Erfahrungen an der Law School in Chicago: »Das war mit Abstand das beste akademische Jahr meines Lebens. Er hat eine ebenso dezidierte Meinung zur Predigtqualität in seiner Herz-Jesu-Kirche in Prenzlauer Berg. die mich interessiert. fragt sich Christoph Möllers tellektuelle Niveau höher. die ergebnisoffen die Gesellschaft analysiert. Fragt man ihn nach dem Nutzen solcher Studien. und heute lehrt an der Humboldt-Universität mancher Großmeister seines Faches. Die wird vielleicht mal wichtig. ist aber so. ist mir fremd«. als lasse sich alle Forschung rasch und effizient verwerten. »vorzuführen.Wo r a n o r i e n t i e r t s i c h e i g e n t l i c h d a s Recht. wird Möllers »zögerlich«. das man erörtern. dem die DDR alles Wilhelminische austrieb. das politisch ist und theoretisch. ästhetischen etwa. das ist ein Segen«. Er ist öffentlich viel sichtbarer als die meisten Kollegen. ist einer der jungen Stars seines Fachs. Dabei ist Möllers alles andere als ein Privatgelehrter. Er lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie 16 . Ich habe halt immer gern geschrieben und gern unterrichtet. zuletzt beim Streit um die Vorratsdatenspeicherung. Vielleicht ist das ein zentraler Antrieb seines Auftretens: der Versuch. der an der Volkshochschule unterrichtet hat. Der dichte dunkle Schopf gibt ihm etwas Jungenhaftes. »das reine Glück«. Nach Stationen in Chicago und New York habilitierte er sich 2004 mit einer Arbeit zur Gewaltenteilung. Da wurde intellektuell tausendmal mehr geboten als an jeder juristischen Fakultät in Deutschland. Ein geschichtsträchtiger Ort. Sind zehn Lehrstühle zu besetzen. es gebe Tage. ist nicht anwendbar. kommen auch weniger brillante Kandidaten zum Zug. diesmal ohne Erfolg. jagt von These zu These. im Alten Palais. Aber was mich wissenschaftlich interessiert. zu den Folgen von WikiLeaks. randlose Brille. wenn es eine Regelung vorschreibt? An Moral und universellen Menschenrechten – und taugt die Moral überhaupt als Bezugsrahmen? »Das Bedürfnis. Er bemühe sich. Parallelen wie Unterschiede verstehen. gilt Möllers als heißer Kandidat. in Heidelberg seine Habilitationsschrift verfasst. das klassischen Fragen der Rechtsphilosophie nachgeht: Woran orientiert sich eigentlich das Recht. mitunter kuriose Urteile kommentiert. »Ja«. früher Kaiser-Wilhelm-Palais. In Tübingen und München hat er studiert. Ihn reizt es eher. kritisieren. wie Möllers sein immenses Pensum bewältigt.« Von HEINRICH WEFING Minuten vor der vereinbarten Zeit kommt Christoph Möllers ins Restaurant gefegt – heller Sommeranzug. über Gewaltenteilung oder Bahnprivatisierung. Ja. auf das Gemeinwohl zu reduzieren. dass Recht etwas ist. geboren in Bochum. dass ihn vor allem die Theorie umtreibe. zusammendenken. »ich bin schon der Sohn eines Vaters. Dreitagebart. das in- Christoph Möllers. Er will rechtliche Urteile mit anderen Urteilen. und jetzt ist es noch rätselhafter. sagt er. 42. Wissenschaft. Christian Tomuschat oder Susanne Baer. wie er sagt. einmal drei Jahre lang nichts anderes zu tun.« Es müsse möglich sein. viele der bedeutendsten deutschen Juristen sind hier Unter den Linden herumspaziert. Mitte April kam sein erstes Kind zur Welt. die gerade ans Bundesverfassungsgericht berufen wurde. die quer liegt zu den Erwartungen. sei »zunächst einmal ein Ruheraum für Reflexion«. Der Professor an der Humboldt-Universität. In der FAZ schreibt Möllers eine Kolumne. sehr Urbanes an sich. auf das Gute. »Es sind ganz tolle Leute hier. es sei schon viel. sagt Möllers.

jetzt wird es dramatisch« Vater und Sohn über die unglaublichen Fortschritte der Humanbiologie 18 .»Bisher war es aufregend.

Krebsforscher Klaus Rajewsky schrammte knapp am Nobelpreis vorbei und steht mit 74 noch im Labor Sein Sohn Nikolaus studierte Musik und Physik – heute ist er Bioinformatiker .

herrschten dort tatsächlich ähnliche Verhältnisse. Max Delbrück. der mit komplexen Daten umgehen kann. bei der der Referierende oft völlig in den Hintergrund geriet. Haben Sie denn die ungezwungene Atmosphäre vom Institut Pasteur später auch in Deutschland gefunden? KLAUS RAJEWSKY: Als ich 1964 an das Institut für Genetik der Universität Köln kam. schon Ihr Vater Boris war in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein bekannter Biophysiker. KLAUS RAJEWSKY: Und ihr Bruder wiederum ist Professor für Alte Geschichte und Numismatik. die mir zu einem Brotberuf rieten. so zu leben. Rückblickend kann man sagen: Das Kölner Institut war ein wirklicher Glücksfall für die Republik. die Molekularbiologie und die Genetik wurden zunehmend mathematisch beschreibbar. KLAUS RAJEWSKY: Meine Tante war Professorin für Anglistik. Das habe ich neben der Schule mithilfe meines Homecomputers gelöst. Sie haben sowohl Physik wie Musik studiert. hatte unter anderem ein Gespräch mit den Vordenkern der Frankfurter Schule. Am Ende blieb die Medizin übrig. Sind Wissenschaftler die glücklicheren Menschen? (allgemeines Gelächter) NIKOLAUS RAJEWSKY: Man kann vielleicht sagen. Den führte er in Köln ein. Durch den berühmten Bakteriophagenkurs des Instituts gingen nahezu sämtliche Leute durch. Ihr hattet bei euren Mäuse-Experimenten ein statistisches Problem. hätten ja auch Pianist werden können. Was fasziniert Sie an der Wissenschaft? NIKOLAUS RAJEWSKY: Mich treibt in erster Linie meine Neugier. Was ich in Paris erlebte. was ich beruflich machen sollte. weil sie einen wirklich interessiert. Wie erklären Sie sich das? Wurde bei Ihnen zu Hause schon im Kinderzimmer über Wissenschaft diskutiert? KLAUS RAJEWSKY: Bei uns wurde zu Hause jedenfalls nicht über Geschäfte und Geld geredet. KLAUS RAJEWSKY: Dennoch haben Musiker und Wissenschaftler etwas gemeinsam: Was sie tun. Die Forschung selbst bringt immer wieder Neues. was ich von meinem Vater kannte. Und Sie. Die jungen Leute saßen auf den Tischen. Und wieso landet man nach einem Physikstudium dann doch bei der Biologie? NIKOLAUS RAJEWSKY: Als Postdoc in den USA wurde mir klar. Die Arbeit ist kein Job. NIKOLAUS RAJEWSKY: Stimmt.. Der war ja Direktor eines Instituts der Kaiser-Wilhelm-. Als Institutsdirektor war er eine Art Wissenschaftsgott gewesen. aufregende wissenschaftliche Atmosphäre. KLAUS RAJEWSKY: Dabei warst du einmal als Schüler Co-Autor einer wissenschaftlichen Arbeit von mir. in dem Wissenschaft sehr hierarchisch und im alten Stil betrieben wurde – ich fühlte mich da nicht wohl. Das kannten Sie nicht aus Ihrem Studium in Deutschland? KLAUS RAJEWSKY: Nein. Und sie erleben weniger katastrophale Konsequenzen. und entwickelte die Methode der sogenannten Knock-out-Mäuse.. die später in der Molekularbiologie in Deutschland einflussreich wurden. 35 Jahre arbeitete er in Köln. Das war irrsinnig belebend. KLAUS RAJEWSKY: Außerdem bewahrt einen der Wissenschaftsberuf vor dem Versteinern. es ging sehr ungezwungen zu. In der Biologie hingegen herrschte Ende der neunziger Jahre eine Atmosphäre wie im Wilden Westen: Alles schien plötzlich möglich. und wenn der Vortragende anfing. bot das unglaubliche Möglichkeiten. Sie. Ich habe zwar das meiste nicht verstanden.. Nur ganz wenige machen eine steile Karriere und haben dann die Freiheit. Nach dem Studium ging ich dann ans Institut Pasteur in Paris. aber fand es faszinierend. Ihr Bruder ist Krebsforscher . Ansonsten war mir von Kindesbeinen an eher klar: Ich will auf keinen Fall dasselbe machen wie mein Vater. dass viele Musiker nicht besonders glücklich sind. Geheimnisse aufzudecken. war ja 1937 aus Deutschland emigriert und hatte am Caltech in Kalifornien den amerikanischen Arbeitsstil kennengelernt. 20 Jahren keine großen Fortschritte mehr gegeben hatte. wie sie es sich vorstellen.Von ULRICH SCHNABEL und M A R T I N S P I E WA K Sie stammen aus einer wahren Forscherdynastie: Klaus. dass sie weniger vom Kampf ums Überleben geprägt sind. wie da ohne jede Hemmung und mit Leidenschaft debattiert wurde. Das entsprach auch nicht dem. zu dem man morgens hingeht. Nun kommt er mit 74 nach Deutschland zurück – um weiterzuforschen 20 . später Max-Planck-Gesellschaft. gar nicht. Nikolaus. Es macht mir Spaß. Was gab den Ausschlag für die Wissenschaft? NIKOLAUS RAJEWSKY: Ich habe früh gespürt. ist einer der einflussreichsten deutschen Forscher auf dem Gebiet der Genetik und der Krebsforschung. Sie haben selbst fast vierzig Jahre in Köln gearbeitet und dort unter anderem die Klaus Rajewsky. Max Horkheimer und Theodor Adorno. den Dingen auf den Grund zu gehen. wenn sie sich mal den Daumen verletzen. Ich interessierte mich ohnehin für Physik und Musik und nicht für Biologie. Die Mehrheit muss mit vielen Einschränkungen kämpfen. Auch hier gab es kleine Gruppen. war eine Gegenwelt.. viel Interaktion. Einer der Gründer. Nikolaus? Hat Sie Ihr Vater indoktriniert? NIKOLAUS RAJEWSKY: Nein. Und dort erlebte ich in den Seminaren bei Jacques Monod und François Jacob eine für mich neue. um abends seinen Feierabend zu genießen. sondern man macht sie. die Fragen stellen und neue Ideen produzieren. Wahrscheinlich gab dieses Gefühl den Ausschlag: Hier ist Kreativität möglich. meine Schwester Soziologin . NIKOLAUS RAJEWSKY: Meine Mutter war Professorin für Politikwissenschaft . der über allem schwebte.. Sie wollten beide etwas anderes machen als Ihre Väter – und sind doch beide in der Biologie gelandet. Teilen Sie eine Art Gen für wissenschaftliches Interesse? KLAUS RAJEWSKY: Am Ende der Schulzeit war ich mir sehr unsicher. 74. ist erfüllter Lebensinhalt. Mit 65 Jahren ging er nicht in den Ruhestand. Studenten konnten direkt im Labor mitarbeiten. Und man arbeitet ständig mit jungen Leuten. mein Onkel Professor für Mechanik.. begann bald eine extrem lebendige Diskussion. Für jemanden wie mich. am Institut für Genetik. dass es in meinem Feld Klaus Rajewsky in der theoretischen Physik in den letzten 10. sondern folgte einem Ruf an die Harvard Medical School.

nicht selten ab. In Amerika weiß jeder: Selbst Dauerstellen können schnell ins Wanken geraten. In Deutschland ist ja die wissenschaftliche Festanstellung so etwas wie der Heilige Gral. als ich anfing. In zehn Jahren werden viele Krebsformen therapierbar sein. In Deutschland hingegen waren nicht alle von Ihrer Mäuseforschung begeistert. All das hätte man sich nicht träumen lassen. Die Hoffnung. Das schafft eine völlig andere Atmosphäre. 43. war Professor für Biomathematik an der New York University und übernahm 2006 am MDC den ehemaligen Lehrstuhl von Jens Reich. Alle wissen: Sie sitzen im selben Boot. wenn sie es geschafft haben. dass solche Experimente für die Medizin wertvoll sind. welche Funktion sie im Säugetier-Organismus haben. darauf arbeiten die Leute mit aller Kraft hin – und schlaffen dann. NIKOLAUS RAJEWSKY: An dieser Stelle setzt jetzt die Systembiologie an. Zudem gibt es eine Kultur des Sich-gegenseitig-Helfens. Nikolaus Rajewsky. hat sich nicht erfüllt.. braucht man sowohl leistungsfähige Computer als auch Leute. KLAUS RAJEWSKY: Es gab in der Tat einmal einen Protestmarsch von Tierschützern zum Kölner Institut. die die Ausprägung der Gene während der Entwicklung des Organismus und in den verschiedenen Zelltypen kontrollieren. Aber natürlich wäre ich gerne mit von der Partie gewesen. die Komplexität mithilfe mathematischer Modelle und entsprechender Simulationen zu beschreiben. Herrscht dort noch immer ein anderes Klima in der Wissenschaft? NIKOLAUS RAJEWSKY: Natürlich. Ich finde. Trotz der Fortschritte haben sich die genetischen Wechselwirkungen als enorm komplex herausgestellt. da fängt die Arbeit erst richtig an. KLAUS RAJEWSKY: Als ich anfing. Sie haben lange in den USA gearbeitet. Wurmte Sie das? KLAUS RAJEWSKY: Spontan dachte ich: Toll.. gibt es inzwischen gezielte molekulare Therapien. konnte man schon beliebige Gene in der Maus gezielt verändern. Statistik und Biologie auskennen und die Daten analysieren können. Ist das auch desillusionierend? NIKOLAUS RAJEWSKY: Das sehe ich nicht so. NIKOLAUS RAJEWSKY: Andererseits ist noch wahnsinnig viel unverstanden. man hat durch die Entschlüsselung des Genoms enorm viel gelernt. einem meiner Interessengebiete. leitet am Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin-Buch das neu gegründete Institut für Medizinische Systembiologie. die wir hier am Max-Delbrück-Centrum (MDC) in BerlinBuch betreiben: Wir versuchen. wusste man nur von ganz wenigen Genen. Ja. Aber auch denen hat sich vermittelt. Gerade bei der Erforschung von Krebs. Um aber diese Daten zu verstehen. Die regulatorischen Mechanismen zum Beispiel . Der Sohn von Klaus Rajewsky studierte Physik sowie Musik. Vergangenes Jahr wurde er mit dem Berliner Wissenschaftspreis ausgezeichnet . die sich mit Mathematik. bei denen gezielt einzelne Gene ausgeschaltet sind. dass die drei den Preis bekommen haben. die auf der Kenntnis der Funktion bestimmter Gene beruhen.Technik der sogenannten Knock-out-Mäuse mit entwickelt. in den USA gibt es insgesamt viel weniger Sicherheit im Beruf. Von Tierschützern kam auch Kritik. Den Nobelpreis dafür haben dann allerdings zwei Amerikaner und ein Engländer bekommen. Damit könnte man eine ganze Bibliothek füllen. nach der Entschlüsselung des Genoms das »Buch des Lebens« zu verstehen. Inzwischen ist das für fast alle der vielen Tausend Gene im Genom geschehen. Als ich nach 40 Jahren aus Köln wegging. Denn wir sehen uns mit einer ungeheuren Flut an Daten konfrontiert: In nicht allzu ferner Zukunft wird man Ihr Genom in wenigen Minuten für ein paar Euro entschlüsseln können. Nikolaus Rajewsky KLAUS RAJEWSKY: ... Manche sind es ja jetzt schon.

muss die Betreuung oder Hilfe im Haushalt finanzieren. Topwissenschaftler arbeiten mit ganz jungen Studenten. Die Arbeit machte Spaß. es gibt interessante Leute und Strukturen. Nun kommen Sie mit 74 Jahren wieder zurück. Man bringt sich mit Ernst und voller Energie ein. und es war kein Problem. Im Ausland weiß man: Hier passiert viel. Sonst könnte ich nicht funktionieren. die Operon-Theorie. hat Spaß miteinander. und das wissenschaftliche Umfeld in Boston ist ja nun einmal unvergleichlich. KLAUS RAJEWSKY: Dem kann ich nur zustimmen. brachte ich viele Projekte und Leute mit. NIKOLAUS RAJEWSKY: Sehr schade. Würde ich in eine andere deutsche Stadt ziehen. weil die Löhne in der Wissenschaft hierzulande beschämend niedrig sind. 22 . All das kommt der Wissenschaft zugute. Die große Tradition Berlins als Wissenschaftsstadt wurde ja von den Nazis richtiggehend » Wa s N e w Yo r k i n d e n siebziger und London in den neunziger Jahren wa r. Das ist insbesondere für junge Forscher attraktiv. Als ich in Harvard ankam. Manchmal scheint’s fast ein bisschen zu viel. was für eine riesige Chance ihre Stadt gerade hat. Wie haben Sie nach neun Jahren USA das deutsche System wahrgenommen? NIKOLAUS RAJEWSKY: Ich war manchmal sehr verwundert. Die Kollegen kommen spontan vorbei. Als ich daher 2008 vom MaxDelbrück-Centrum in Berlin das Angebot bekam. wenn Leute mit dem Kopf arbeiten und kritische Fragen stellen. dass sie vor einer Präsentation erst einmal dafür sorgen. fand bislang wenig Widerhall. Besonders für junge Forscher. KLAUS RAJEWSKY: Und dann gibt es in den USA weniger Autoritätsgläubigkeit. Manche Forscher steigen in den USA schon aus der Wissenschaft aus. NIKOLAUS RAJEWSKY: Um die USA jetzt nicht zu sehr zu idealisieren. durch viel Herumlaufen und Verrücktes-ZeugDenken entwickelt habe. NIKOLAUS RAJEWSKY: Die niedrigen Löhne tragen auch dazu bei.und Westküste. Natürlich waren die vergangenen 50. Der Versuch des zuständigen Senators Zöllner. weil Sie in Deutschland wegen der Pensionsgrenze nicht mehr hätten weiterforschen können. Berlins Anziehungskraft lässt sich zurzeit kaum überbieten. Wer von Ihnen beneidet eigentlich wen: der Jüngere den Älteren. sich zu verbessern. Abgesehen von der Tradition. Heute ist das Geld in den USA extrem knapp. Wenn man Erfolg hat. Wäre das anders. Das wäre in den USA undenkbar. und außerdem baut ja Nikolaus hier sein Institut für Systembiologie auf. weil sie für ihre Arbeit kein Geld mehr bekommen. Auch das allgemeine Klima ist kinderfeindlich: Mehrere Forscherinnen haben mir erzählt. Das ist mit den Gehältern von Nachwuchswissenschaftlern nicht zu schaffen. sind die Gehälter hierzulande im Vergleich zu etwa den USA lächerlich gering. ist heute Berlin. Sie gingen mit 65 Jahren an die Harvard University. noch entspannt über etwas nachzudenken. In der Mitte des Landes gelten Intellektuelle eher als etwas Dubioses. gut über ihre eigene Forschung zu kommunizieren – etwa wenn es darum geht. dann fragen die erst einmal: Was soll ich bei Ihnen bearbeiten? In den USA wissen alle. Und was republikanische Präsidentschaftskandidaten zur Wissenschaft von sich geben. Hatten Sie Heimweh? KLAUS RAJEWSKY: Vor allem habe ich in Deutschland mittlerweile einfach bessere Forschungsbedingungen. dass sie selbst gefordert sind. Ich brauche Zeit für Bücher. Am MDC wird gute Forschung geschätzt. KLAUS RAJEWSKY: Und der wird immer härter. dass er 1960 seinen wichtigsten Durchbruch. ist die Titelhierarchie vollkommen irrelevant. meist besser als in den USA. 60 Jahre eine fantastische Zeit für Biologen. Ist Berlin für Wissenschaftler attraktiv? KLAUS RAJEWSKY: Aber ja. Aber auch heute bricht eine neue Zeit an. anstatt Neid zu entwickeln. sie zum Mitgehen zu motivieren. Wie verschaffen Sie sich Freiraum? NIKOLAUS RAJEWSKY: Ich spiele viel Klavier. das lässt sich dort kaum mehr finanzieren. bevor man selbst sinnvolle Forschung machen kann. gibt es aber noch einen ganz pragmatischen Grund für Berlins Anziehungskraft: Lebenskosten und Mieten sind viel geringer als anderswo. dass ihnen wenig Zeit bleibt. kämen sicher noch viel mehr Spitzenforscher nach Deutschland. Mit ihm hatte ich schon in den USA kooperiert. Heute muss man in der Tat sehr viel mehr lernen und studieren. wird dramatisch. François Jacob hat kürzlich beschrieben. Und nicht zuletzt mag ich Berlin. hier wird es wertgeschätzt. Und alle anderen sind so mit dem Schreiben von Förderanträgen beschäftigt. Man hat kaum noch Freiraum. Musik ist für mich lebensnotwendig. dass die Berliner auch begreifen. Die könnte man heute in der Tat wieder neu begründen. NIKOLAUS RAJEWSKY: Berlin hat ein unheimliches Plus. Um etwas Neues herauszubekommen. man feiert. anderen zu erklären. Nacht-Wissenschaft. hier ohne Altersgrenze weiterforschen zu können. Für meine Postdocs in Boston ist die Aussicht auf Berlin ein absolut positiver Punkt. im Gegensatz zur üblichen nüchternen Tag-Wissenschaft. Sie selbst wurden 2006 ans MDC nach Berlin berufen. KLAUS RAJEWSKY: Ich habe meinen Tag als Wissenschaftler nie vollkommen verplant. Ich würde sagen: Die bisherige Forschung war aufregend. dass sie als junge Mütter in der Wissenschaft häufig nicht richtig ernst genommen werden. Was jetzt kommt. warum ihr Projekt wichtig ist. muss man aber auch sagen: Das stimulierende geistige Klima gibt es vor allem an der Ost. Wer Kinder hat. Aber viele haben eine merkwürdige Schwäche: Es fällt ihnen schwer. In den Köpfen hat sich breitgemacht: Was New York in den siebziger Jahren war und London in den Neunzigern. Wenn ich in Deutschland neue Mitarbeiter rekrutieren will. ist der Antrieb: Die großen Geheimnisse sind noch immer überall vorhanden. weil es heute spannender ist? NIKOLAUS RAJEWSKY: Eine interessante Frage. Ich hoffe nur. um sich den Freiraum zum Forschen zu verschaffen. oder sich in einem Vortrag kritischen Fragen adäquat zu stellen. dass es in Deutschland so wenige Forscherinnen gibt. In Europa habe ich solche geringschätzigen Kommentare nie gehört. dass auf ihrem Laptop keine Kinderbilder zu sehen sind. fand ich das wirklich erfrischend. ist zum Teil erschütternd. Er nannte das night science. Was sich allerdings nicht verändert hat. Musik und andere Dinge. Ferien sind Nebensache. Deutsche Studenten sind sehr gut ausgebildet. Das müsste sich dringend ändern. mit der Einstein Stiftung wieder an den Ruf Berlins als deutsche Hauptstadt der Wissenschaft anzuknüpfen. Andererseits herrscht in den USA auch ein großer Konkurrenzkampf um Fördermittel. Und er sagte. Der Aufwand – auch an Geld und Geräten – ist viel höher geworden. hätte ich es viel schwerer. auch einmal verrückte Ideen zu entwickeln. freuen sich die anderen mit einem. Da ist etwas dran. spricht sich mit Vornamen an. weil es früher einfacher in der Forschung war? Oder umgekehrt. Forschungsgelder zu bekommen. Meine Art der Forschung ist sehr aufwendig. KLAUS RAJEWSKY: Das sehe ich genauso. im heutigen Wissenschaftsbetrieb brauchten wir dringend mehr Nacht-Wissenschaft. aber dieser Drive führt zu einer Riesenproduktivität und dem Willen. die sich selbstständig machen wollen. Im Gegenteil. In puncto Frauenanteil stehen wir ja schlechter da als Griechenland oder Italien. Man geht zwanglos miteinander um.KLAUS RAJEWSKY: Das habe ich auch so erlebt. i s t h e u te B e r l i n « ermordet. Sie haben die Erfahrung gemacht.

das Gespräch zu kontrollieren. Er hat einen Magister in Volkswirtschaftslehre und einen in Soziologie. ist Professor für Finanzen und Ökonomie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. wie der Markt für die Endkunden der Banken funktioniert – und wo der Verbraucherschutz ansetzen könnte 24 . Man müsse seinen Interessen folgen und erforschen. täuschen. weil in seiner Familie noch keiner studierte und damals alle Banker werden wollten. fasziniert ihn. Jetzt ist die Frau in Berlin. Sein Urteil schlägt mal zur linken. komme oft zu spät. Da sagt ihm ein Freund. das man weiterspinnen kann. Dann ein halbes Jahr Werbung in Deutschland. Und so zieht Inderst mit Frau nach London. Am Ende ist er verwundert über sich selbst: Eigentlich wollte er doch nur seine Arbeit erklären. gemessen an Publikationen und Preisen. an die London School of Economics. die beruflich für Menschenrechte ringt. Der. unter seinesgleichen herausragt. was langfristig von Belang sei. Darin öffnet sich eine neue Welt. Dafür arbeitet er sich zu Hause fasziniert durch das heißeste Buch der Volkswirte in den Neunzigern: Spieltheorie vom Amerikaner Fudenberg und dem Franzosen Tirole. in der man das Mitund Gegeneinander auf einem Markt genau untersuchen kann. Die Studenten sind prima. in seinem Fall. der zurzeit. »Das ist jetzt nicht zum Schreiben«. nach Reutlingen. klug und selbstbewusst. Er studiert wie gehabt nebenher. sondern als Ort. Einer mit 1. sagt Inderst. taktieren.Wie funktioniert der Markt für die Bankkunden. Princeton! Der Traum junger Forscher. Die Fachhochschule schließt er ab. das er anfängt. bekommt keine Arbeitserlaubnis in Amerika. »Wo der Verbraucherschutz wirk- machen. für theoretische Modelle und praxisnahe Tests wird offenbar. und setzt noch ein Volkswirtschaftsstudium drauf. der Lösungen will statt Ideologie – Märkte verstehen und wenn nötig verbessern. Europas erste Adresse. Da kommt der Markt nicht als abstraktperfekter Zustand daher. Inderst tut in London genau das. Verbringt eine kurze Zeit an der edlen französischen Business-Schule Insead. fragt sich Roman Inderst Von UWE J. an die Humboldt-Universität. und vor allem forscht er. Aber so einfach sei die Sache nicht – sind doch die Gewinne im »Retail-Banking« oft gering. einer. Der immer etwas Interessantes findet. Inderst ist einerseits ein typisches Beispiel der neuen deutschen Erfolgsökonomen um die 40: einer. In Roman Inderst. mit der Liebe und mit den Behörden. Längst hat die Studienstiftung ihn doch gefunden und finanziert ihm die Promotionszeit. die es den Nobelpreisträgern von dort gleichtun wollen. Andererseits ist Roman Inderst. wie jedes Studium. Sein Lebensweg ist ausgesprochen krumm. Geht also nicht. der Juso-Politik macht in einer bayerischen Gegend. hat nicht bloß mit neuen Stärken und alten Schwächen des Wissenschaftsstandorts Deutschland zu tun. den Satz hat er oft gesagt. eine. in der »Sozialdemokrat« eine Mischung aus Schimpfwort und Mitleidsbezeugung ist. Er studiert zusätzlich Psychologie und Soziologie an der Fernuni Hagen. Nur der Marketingprofessor. der den Gesprächsfaden aufnimmt. Man muss sich den jungen Roman Inderst wohl als hochintelligentes Landei denken – als einen. die Wissenschaft insgesamt. seine Universität. Resultat knapper Entscheidungen. Doch seine Frau. arbeitet als Unternehmensberater und kommt mit den Resten des deutsch-deutschen Treuhand-Desasters in Kontakt. Inderst beschäftigt sich mit der Frage. 41. du studierst BWL an der FH. eine Banklehre machen will. besser. damit kannst du alles Vorlesungen ist er kaum zu sehen. weil der 41-Jährige ein neugieriger und offener Mensch ist. Inderst lehrt.0-Abitur. Er zeigt: Ob ein deutscher Spitzenforscher hier bleibt. Oder. denn die Banken wollten eigene Produkte und solche mit hohen Gebühren verkaufen. wie es die Sache verlangt. Längst hat er die Frau seines Lebens getroffen. nicht reden über sich. den der konservative Direktor gegen alle Usancen nicht zur Aufnahme in die Studienstiftung vorschlägt. Der Spitzenökonom hat da seine eigene Theorie. HEUSER Roman Inderst hat versucht. sondern auch schlichtweg mit Zufall. an dem Firmen und Kunden ringen. Seine Frage: Wie funktioniert der Markt für Endkunden der Banken? Die populäre Antwort lautet: Die würden über den Tisch gezogen. Inderst geht auf den internationalen Markt. Akademie und Realität – bei Inderst gehen sie immer Hand in Hand. ganz anders als die Kollegen. mal zur rechten Seite der Politik aus. statt ihn abzuschneiden. beim Russischlernen in Russland. Das hatte er sich fest vorgenommen. Es ist anders gekommen. aber immer nur Management? Inderst langweilt sich bald. Natürlich gebe es Fehlberatung. statt über ihren generellen Sinn zu streiten. da geht er auch hin. Da ist was. Also geht Inderst an die beste Fachhochschule. Das pralle Leben. ein halbes Jahr Investmentbanking in England. Wer nur zu aktuellen Fragen forsche. erhält ein Angebot aus Princeton bei New York. Sein Talent fürs wirtschaftliche Forschen. in Formeln ausgedrückt.

Nicht nur einen Aufsatz zu einem neuen Thema schreiben.lich ansetzen soll. Er argumentiert nicht nur wirtschaftlich. Deswegen wurmt es ihn auch. Den heutigen Roman Inderst kann man sich als Entdecker vorstellen. Aber vieles. aber nicht über seine eigene Größe räsonieren.« Roman Inderst legt Wert darauf. was in der Bankenstadt gerade gefragt ist. doch drei Aufsätze werden von Fachzeitschriften ganz abgelehnt. Im Beirat des Wirtschaftsministers kommt er mit anderen Spitzenökonomen auf neue Ideen und untersucht jetzt beispielsweise den Energiemarkt. der Bankenfeind. sagt Roman Inderst. dass Firmen und Menschen sich am Markt rational verhalten. das vor der Finanzkrise kaum jemanden interessierte – und danach alle. kann das durchaus dazu führen. einer schafft es in eine B-Publikation. Warum ist er eigentlich Ökonom? Was will er? Das zu beantworten. den Zugang zur Elite zu erweitern. Inderst soll am Main wenig lehren und viel forschen. Tatsächlich hat er erst ein Laborexperiment durchgeführt. fände er vermessen. ist offen. Der Ökonom will sich Möglichkeiten und Deutungen offenhalten. Das ist heute umso wichtiger. und seine Finanzforschung wird ihm aus der Hand gerissen. sondern eine kleine Reihe. Man müsse bildungsferne Schichten an die Wissenschaft heranführen. Zum Ansatz von Inderst gehört es. Er ist ein Pionier. die besagt: Zwingt der Staat die Banken. in der Politik mitzumischen. Inderst. Dabei weigert er sich keineswegs. das ist ihm wichtig. ja. sondern auch gesellschaftlich – und biografisch. Er will unabhängig sein und nicht bloß erforschen. wenn Medien ein einseitiges Bild vom ihm zeichnen. und auch wenn es die Kollegen erschreckt. dass sein Lehrstuhl nicht von einer Bank finanziert wird. Eine Weile hat er zwei Tage in der Woche die Kinder gehütet. Dann kommt die Finanzkrise. So ist es ihm ein Anliegen. sondern von der Stiftung Geld und Währung. dass die Manager noch mehr kassieren und noch riskanter arbeiten. der Starökonom. Als reiner Bankenfuzzi ist Roman Inderst ohnehin nicht denkbar. Zur Übung veröffentlicht er mit Doktoranden zusammen Aufsätze. der Verhaltensforscher.« Das ist ein Thema. und jetzt arbeitet er gemeinsam mit Kölner Kollegen an einem größeren Experiment zum Verbraucherschutz.« . da kam ihm wegen der knappen Zeit die Forschung besonders wertvoll vor. wie er findet. Als Professor hat er auch eine Fürsorgepflicht. Jetzt ist der kleinere der beiden Söhne fünf. Als einen. als der Staat die Zuweisungen gekürzt hat. die Boni nur langfristig auszuzahlen. »Im Endeffekt soll es sich gut und rund anfühlen. Inderst dürfte seine Arbeit intensivieren. Oder in seinen trockenen Worten: »Da war ich rechtzeitig gut positioniert. der neue Forschungsfelder findet und seine eigenen Möglichkeiten erweitert. ließe sich nach wie vor am besten mit der Annahme erklären. fordert er. Genau das macht er in London. Inderst. »gebündelt« zu arbeiten. die wirklich gemeinsam erarbeitet werden. So ist auch eine provokante Studie entstanden. Er will »in Projekten denken«. Die Volkswirte an der Stiftungs-Uni wollen sich als Forschungszentrum etablieren. und darf nicht nur die Arbeit von Studenten für eigene Publikationen nutzen. Inderst. Lehren aus der Krise zu ziehen ist eben schwer. Im Jahr 2006 kommt er nach Frankfurt. Noch mehr Forschung wird von außen bezahlt.

setzt den schwarzen Rucksack ab. nach welchen Kriterien eine Gesellschaft zu kritisieren ist. Fenster geöffnet und Zimmer instand gesetzt. zuletzt die Habilitationsarbeit. gleich wird sie ihr Seminar halten. Die entstand. Weltfremde sind leider kaum noch berufbar«. deren Denken sie für die sozialen Bewegungen neu geöffnet hat. Da saßen sie dann. wieder ein leuchtender Junitag. Ein paar Mitarbeiter hatten den steinernen Ahnen derart festlich gestaltet. studierter Sozialwissenschaftler.« Aber wie geht das. so wie sie ab jetzt für die internationale Hegel-Konferenz. um nicht in Gefahr zu kommen. die unter dem Titel Entfremdung erschien und Jaeggi weit über ihr Fach hinaus Anerkennung eintrug. von Kant und Goethe über Hegel bis zu Marx. Doch die Humboldt-Universität. dann Habermas. wie selbstbewusst schließlich die deutschen Akademiker für den Rücktritt des Ministers gesorgt haben. war der Tag ihrer Antrittsvorlesung. Dann holte sie alles nach: Vom Abitur bis zur Habilitation.« Wen wundert es. Rahel Jaeggi. sondern durch harte Arbeit. Jaeggi war fast noch ein Kind. haben den einäugigen Riesen Polyphem gemalt und dabei gebannt zugehört. als sie die Schule abbrach und auszog. Schwerpunkt Sozial. Adorno. sagt Jaeggi nüchtern. 14. um in die Berliner Hausbesetzerszene zu gehen. haben sie geärgert – mehr nicht. wie der Held sich selbst klugerweise fesselt. Ein Jahr später. dass sie auch Veranstaltungsmanager sind. geglückt oder rational sind?«. dass im Vorzimmer der Philosophin ein junger Mann namens Georg sitzt.und Rechtsphilosophie. dann 1995 den Magister. Thema »Freiheit«. hat also diese schöne Frau mit den kurzen dunklen Haaren und den strahlenden Augen Einzug gehalten. auf dem steht: »Auch starke Stimmen brauchen Verstärkung«. wenngleich mit wegweisenden Unterschieden. Das erledigt sie nebenbei. »So wie für Studenten sich bei allem. woran es liegt. in Hans Scharouns Bücherschiff. einen der tragenden Vorträge verfasst. Ein Megafon bekam sie an jenem Tag geschenkt. war sie in New York. der nichts Affirmatives anhaftet und die sich doch als Glückskind versteht: »Ein Lehrstuhl für Philosophie in Berlin. »meiner Kathedrale des Rückzugs«. um in die Hausbesetzerszene zu gehen.« Es galt und gilt. dass ich hier immer weitergemacht habe. an dem Hegel knallroten Lippenstift trug und rosenumkränzt von seinem Sockel am Berliner Hegelplatz blickte. Sie will ergründen. Freud. trifft auf die Minute pünktlich morgens um neun am Café unter den S-Bahn-Bögen ein. zieht die Lederjacke aus. im Zentrum einer europäischen Großstadt. Jaeggi hat also manches Haus begrifflich besetzt. die im Gewese um Guttenbergs Doktorarbeit zum Ausdruck kamen. als hätte sie nicht eben erst für 1000 Leute den Kongress »Re-Thinking Marx« auf die Beine gestellt. weil mein Mann hier Arzt ist und mit unserem Sohn lebt – was ist ein Sechser im Lotto dagegen?« Wie bei Erstberufungen üblich. mit Unterbrechungen für Aufenthalte an den namhaftesten amerikanischen Institutionen. dass die Welt für moderne Menschen so aussieht. »Sie könnten mir glatt die Stabi-Verdienstmedaille dafür überreichen. Heute ist sie Professorin für Philosophie in Berlin 26 . zog mit 14 Jahren von zu Hause aus und brach die Schule ab. muss ihr geradezu königlich vorgekommen sein. schließt ihr Fahrrad an. All das im laufenden Semester. was Freiheit dann heißt. ob sie gut. Zugleich überarbeitet sie ihre Habilitationsschrift zur Kritik der Lebensformen – »Lässt sich von Lebensformen sagen. mit Hannah Arendt. 44. 1966 geboren und 1989 erst Abitur? Ihre Biografie hat etwas Joschka-FischerHaftes. Die Amerikaner haben es leichter. auf Einladung von Jaeggi. Dort an der Potsdamer Straße. An diesem Donnerstag wird sie abends erst nach zehn aufs Rad steigen und heim nach Kreuzberg fahren. die vielleicht ja ein Prozess der Begegnungen mit Entfremdung ist.Wa r u m f ü h l t s i c h d e r M e n s c h f r e m d i n d e r We l t . 44. für den zugleich ihr Hauptvortrag zu verfassen war. der Antiintellektualismus. obwohl ein moderner Mensch das doch angeblich kann. hat sie 1989 ihr Abitur vorbereitet. Jaeggi scheint der Wirkungsmacht geistiger Arbeit aus Erfahrung zu vertrauen. die jetzt noch schnell Essen und Tischordnung im Café Einstein organisiert. und überarbeitet ihr Buch für den Druck. Als habe sie sich die Welt von Grund auf neu aneignen wollen und dafür die anarchistische Erfahrung des Regelbrechens gebraucht. und ob es gelingen kann. Sie hat heute schon mit Studenten deren Essays zu Habermas durchgesprochen. hat man ihr nur die Standardausstattung an Mitarbeitern und Mitteln geboten. Und sie hat aus diesem so prägenden wie engen Milieu wieder herausgefunden. dass man sich in ihr nicht heimisch fühlt: weil man erfährt. Es will einen nicht wundern. meint sie. schnell noch einen Kaffee. das eigene Leben nicht autonom steuern zu können. denn der wird hier in ein paar Tagen zu Gast sein. bis 2002 die Promotion. Die Geringschätzung akademischer Arbeit. was sie tun. um den Fünfjährigen die Geschichte von Odysseus neu zu erzählen. Es dauert einen verwunderten Moment. Die Verhältnisse. wie sie merkte. und auch Georg findet diese Präsentation durch seine Chefin erkennbar vergnüglich. die Frage nach der Lebenslaufverwertbarkeit stellt. f ra g t R a h e l J a e g g i »Von Professoren wird heute erwartet. damit sie im Schloss arbeiten kann. Eine Karriere als Philosophin hatte sie nie vor Augen. sie ändern sich. hat sie sich erst unter Hausbesetzern politisiert. denn ihr Sohn erklärte allen: »Mama muss ein Buch schreiben. Von ELISABETH VON THADDEN Jener Sommertag. Das sind Grundfragen ihrer Doktorarbeit gewesen. Im Gegenteil: Sie will in ihren Büchern wie mit ihren Studenten ergründen. Rahel Jaeggi nennt ihn vergnügt »mein Sekretär«. die Haltung teilte: »Ich will verstehen. Rahel Jaeggi. um mit einer Handvoll ausgewählter Philosophiestudenten ein Kolleg abzuhalten. weil sie früher akademisches Selbstbewusstsein lernen als deutsche Studenten in den Wirrungen der Massenuniversität. eine Protagonistin des kritischen Denkens. Weil sie. Plus Kind. Daher heißen Jaeggis einschlägige Aufsätze: Was ist Kritik? Was ist eine gute Institution? Was ist Solidarität? Die Geschichte des Denkens ist immer neu zu erschließen. Sie hat sogar die Kita-Gruppe ihres Sohns in ihre Vorlesung eingeladen. das Fremde sozusagen wegzuarbeiten. indem man sich die Welt Schritt für Schritt zu eigen macht. der offenbar auch einen Traumjob gefunden hat: als eine Art Wissenschaftsmanagement-Assistent. um seiner Nachfahrin die Ehre zu geben: der Philosophin Rahel Jaeggi. sich die Konstellation klarzumachen: In die ehrwürdige Männerdomäne des deutschen Geistes. Montags sitzt Jaeggi in der Staatsbibliothek. der zugleich der Protagonist der Dialektik der Aufklärung von Adorno und Horkheimer ist.« Jaeggi wirkt in solchen Blitzanalysen der Wissenskonsumgesellschaft nicht wie deren Dienstleisterin. Als die Sache aufkam. Aber die Kollegen drüben waren auch neidisch. wohin ich jahrelang von Frankfurt aus gependelt bin. Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin. grundsätzlich zu klären. ohne Verrat. Das steht nämlich nie fest.

die er kannte. Er hat mich einmal durch seine Stadt gefahren. ob ich nicht seine »Spielzeuge« sehen wolle. Während ich mich mit Isaac unterhielt. ins Gespräch kommen wollten. und grinsend fragte er.PAOLO PELLEGRINS EXPEDITIONEN Der Mann auf diesem Bild heißt Isaac und lebt in Las Cruces im USBundesstaat New Mexico. Doch der Plan misslang. seine Bekannten hatten keine Lust auf einen Fotografen. kamen wir auf Schusswaffen zu sprechen. Isaac ist Röntgentechniker. weil wir mit Mitgliedern von Gangs. hat eine Familie mit zwei . Zu Hause zeigte er mir sein Arsenal.

Diese Sichtweise mag Europäern sonderbar erscheinen. sie würden dazu dienen. und als ich ihn nach dem Grund für sein Interesse an Waffen fragte. Die Fotos sind in Deutschland zum ersten Mal zu sehen . ist ein vielfach ausgezeichneter Magnum-Fotograf. 47. zweite Station: Las Cruces kleinen Kindern. seine Familie zu beschützen. zeitmagazin aber im Südwesten Amerikas ist sie tief verwurzelt. nr .  Paolo Pellegrin.Eine amerikanische Reise. das er sich von Mensch und Natur macht. in Rom geboren. Er erzählt jede Woche von dem Bild. erklärte er.

wird. Nora von Waldstätten. weshalb hier niemand auf die Idee kommt. ist Schauspielerin. tunke es in verquirltes Ei und lege es in aus alten Semmeln oder Weißbrot selbst gemachte Brösel (der Aufwand lohnt sich). Was mir mit meiner Methode erspart bleibt. Ausdrücklich warne ich vor dem Irrglauben. Wer Gäste mit dem Schnitzel beglücken will. vom Küchenrollenpapier. Natürlich ist das Fleisch vom Kalb. Ich verstehe nicht. Es ist. als hätte ich eine Verabredung mit mir selbst. Damit es auch wirklich »husch« geht. auch die aus Huhn. Das ist umso erstaunlicher. 29. denn sonst souffliert es später nicht. das zur Beruhigung. wende es in Mehl. salze es. ein Gericht. Von dort serviere ich es mir »husch«. jedoch nicht ganz. dann mache ich mir gern das Schnitzel selbst. Ich habe auch diese Schnellschnitzel aus der Fritteuse probiert. Auch von sich selbst nicht. und aufgeklappt –. das mich in Berlin manchmal befällt und welches mit Heimweh wohl gut umschrieben ist. So etwas nimmt kein gutes Ende: Die Panier emulgiert zu etwas. das Schnitzel sollte geradezu darin schwimmen. Auch für sich allein. So kommt zum medikamentösen Effekt der Heimwehbekämpfung beim Verzehr noch der des Zubereitens hinzu. habe ich zuvor alles vorbereitet: Der Kartoffelsalat. Wenn ich in Berlin merke: Da kommt ein Stimmungstief. eine dickere Scheibe wird waagerecht zerteilt. neben Currywurst und Döner auch das Schnitzel zum Mitnehmen anzubieten. Ich backe das Schnitzel in einer Mischung aus Butterschmalz und Schweineschmalz heraus – ich habe mich in dieser Frage von den Herren Witzigmann und Biolek inspirieren lassen. Und der ist gut fürs Ego. im Alpenstück in Mitte etwa. in guter Qualität zu haben ist. muss mit dem Panieren warten – und erdulden. Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt: Bloß nicht zu fest andrücken. In Wien. In Schmetterlingstechnik aufgeschnitten – das heißt. Das Erstaunliche: Sie waren gut. Nachdem es nach einigen Minuten von beiden Seiten herausgebacken ist. Sie schreibt für das ZEITmagazin immer wieder über ihre »Dinner for One«.DINNER FOR ONE Nora von Waldstätten kocht leidenschaftlich gern. auf das ich das Schnitzel rasch lege. gibt es das Schnitzel förmlich überall zu erstehen: im Gasthaus an der Ecke. S. dass man Wiener Schnitzel vorpanieren kann. das von niemandem mehr schönzureden ist. wonach das Schnitzel natürlich benannt ist und woher ich komme. als das Wiener Schnitzel in den Berliner Restaurants der besseren Sorte. Mehrmals. Besser jedenfalls als die Alternative »gar kein Wiener Schnitzel«. in Schnellimbissen. schlank mit Brühe angemacht. Zum Schnitzel passt: Kartoffelsalat. wenn mich die Schnitzelsehnsucht packt. Diesmal: Wiener Schnitzel F Ü R M I C H ist ein Wiener Schnitzel Medizin. die Schnitzelhaus oder Schnitzelkönig heißen und an denen »To go« steht. dessen Wirkungen ich kenne und liebe: Es hilft gegen jene Art des physischen und psychischen Leeregefühls. im Restaurant mit Blick auf den Stephansdom. die Preiselbeeren und die Zitrone sind schon auf dem Teller platziert. Ich vermisse in Berlin kulinarisch so einiges und unterwegs das »To go«-Schnitzel in der Semmel am meisten. 46 (»Wochenmarkt«) Foto Peter Rigaud . ein Teil des Fettes wieder abgesaugt. Ich spare keinesfalls an Fett. klopfe ich es zärtlich mit dem 30 Plattiereisen flach. dass die Gäste zuschauen und Tipps geben. geboren in Wien.

Durch die Blume Für seine Bilder nimmt sich Michael Wesely tagelang Zeit. Am Ende erinnern sie daran. dass alles vorbeigeht .

–27.»Pétalas 2« (22. 2008) Der Titel ist portugiesisch und bedeutet »Blütenblätter«. 4. 4. klingt aber viel schöner 33 .

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–19.–2. 5. 4.Oben: »Stilleben« (26. 4. 2011) Die Tulpe ist Symbol für die Vergänglichkeit und für die Liebe 35 . 6. 2009) Wie hier bei den Pfingstrosen hält sich Wesely bei seiner Motivwahl an das Saisonangebot Links: »Stilleben« (12.

das Eigentliche verschwimmt . 5.»Stilleben« (12. 2011) Nur die Vase und der Tisch sind in Schärfe zu sehen. 5.–17.

37 .

alles ändert sich dauernd. Viele seiner Blumenbilder nennt er »Stillleben«. symbolisieren das Vergehen. Man meint. denn nichts ist einfach so. »Tulpen«. 4. die ja gerade den ganz besonderen Augenblick einfängt. der 1963 in München geboren wurde. All die Stillleben. sie ist – wahrscheinlich zum Glück – zu langsam für uns. Weselys Blumenbilder zeigen es.) dert.Von CHRISTINE MEFFERT Können wir Vergänglichkeit beobachten? Normalerweise nicht. Für diesen Zweifel an der Möglichkeit eines exakten Bildes ist die Bewegungsunschärfe von Weselys Arbeiten der fast schon malerische Ausdruck.  38 . Die Lieblingsblumen von Michael Wesely. sie scheinen zu zittern. »reagieren besonders lebhaft auf das zeitmagazin Licht. wie Wesely es tut. wie das Sichtbare und das Unsichtbare sich im Gehirn des Betrachters verbinden. er holt die Zeit ins Bild. wie es ist. den einen Moment stillstellt.–28. was ihn interessiert. »Meine Bilder liefern nur Bruchstücke.und verblühen zu sehen. »Ich stelle die Kamera auf. ist alles. Doch das ist immer nur ein Ergebnis. Aber weil wir wissen. Damit verweigert sich der Fotograf der klassischen Fotografie. möchte der Fotograf. den Prozess selbst können wir nicht wahrnehmen.« nr . der heutige Mensch kann das vielleicht sogar ein bisschen zu gut. die seit Jahrhunderten gemalt werden. 2009) Schnittblumen sind nicht tot. Dieses Bild ist der Beweis Weselys Bilder sind in der Ausstellung »Blumen – Zeitgenössische Fotografie« zu sehen (Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin. der vielmehr Künstler ist. nicht die hun- »Stilleben« (21. auch seine jüngst entstandenen. sie zugleich auf. aber vielleicht kann man das eher als Anspielung auf das alte Vanitas-Motiv verste- hen. nur Fetzen von Blumen. dass er das Wissen um seine Vergänglichkeit immer wieder verdrängen kann. mögen sogar wir uns an die Vergänglichkeit alles Lebendigen erinnern lassen. 4. Auf so zarte und schöne Weise. wie eine Blume aussieht.« Das ist es. was er dazu sagt. Wie er das technisch anstellt. nur zwanzig Prozent des Bildes. ihn sichtbar zu machen. Michael Wesely gelingt es immer wieder. wenn wir welke Haut sehen oder eine welke Blume. So zeigen seine Fotografien auch. Wo geht das Werden ins Vergehen über? Die Grenze ist auf diesen zauberhaften Zeugnissen des Verfalls nicht zu bestimmen. die hier zu sehen sind. 10. Manchmal glauben wir. nie die ganze Blume. und ein paar Tage später baue ich sie wieder ab«. sie zu spüren. bis 2. setzen wir sie im Kopf zusammen. nicht preisgeben. Denn die Blumen von Wesely stehen nicht still. sind übrigens Papageientulpen. Eine der erstaunlichsten Eigenschaften des Menschen ist. sagt er. dass jede Beschreibung eine Illusion ist.

Ich habe einen Traum .

verkaufte unser Haus und baute mit meiner Mutter ein Boot. Zuletzt erschien ihr Album »300 Days at Sea« Aufgezeichnet von Christoph Dallach Foto Stefan Heinrichs Zu hören unter www. ist unbeschreiblich« Vieles ist auch anstrengend auf so einer Insel. gab er nach.Heather Nova »Das Gefühl. dass eine schöne kleine Bermuda-Insel zu verkaufen war. Mit ihren Popsongs ist sie seit Mitte der neunziger Jahre besonders in Deutschland erfolgreich. Und ich begann Songs zu schreiben. dass man seine Träume wahr werden lassen kann. Ich wohnte anfangs in einem besetzten Haus. der auf den Bermudas aufgewachsen war. Unseren Sohn unterrichten wir selbst. ist unbeschreiblich. Das passt vielleicht nicht zu meinem Beruf als Popmusikerin. Aber ich möchte meine Insel nie verlassen. später zog ich nach London. den Strom liefert eine Solaranlage. Im Winter wird es kühl und vor allem stürmisch. Vor dem Hurrikan habe ich Angst.de/audio 41 . aber für mich ist gerade dieser Gegensatz zwischen der Isolation auf der Insel und der Begegnung mit einem großen Publikum auf meinen Tourneen sehr anregend. Auf diesem Boot verbrachte ich einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend. auf dem Boot. dass ich unbedingt auf dieser Insel leben muss. Auch als ich schon als Musikerin Erfolg hatte. spielte viel Gitarre – und hatte immer große Sehnsucht nach dem Ozean. dass sie zusammen mit ihren Kindern die Welt sehen wollten. Und die Sonnenaufgänge nach einem Sturm sind sensationell. Ich finde die Vorstellung schrecklich. nur von Wasser umgeben zu sein. schlug ich zu. Und als ich dann hörte. weil ich all mein Geld sparen wollte: für eine eigene Insel. Manchmal denke ich. Auf jeden Sturm bereiten wir uns tagelang vor. da male ich und schreibe Gedichte und Songs. besorgen mehr Kerzen und Lebensmittel. ist auf einer Bermuda-Insel geboren. aber als ich ihm klarmachte. dass mein Sohn seine Tage in einem Klassenzimmer auf dem Festland verbringen könnte. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister damals ja auch selbst unterrichtet. Dafür hat er auf der Insel einfach viel zu viel Spaß. Da wohnen nur ich. Vier Stunden am Tag habe ich für mich allein. Meine Insel ist nicht riesig. auch wenn wir dank der modernen Wetterdienste vorgewarnt werden. in einem sicheren Haus auf dem Festland zu wohnen. Ich liebe die Abgeschiedenheit. mein Mann. Alles. denn ich bin ein schüchterner Mensch. Nach fünfzehn Jahren hielt ich es in London kaum noch aus. mein Mann ist für Geschichte verantwortlich. Außerdem scheint auch auf den Bermudas nicht immer die Sonne. was wegfliegen könnte.zeit. Mit dem segelten wir dann jahrelang über die Meere. Mein Mann wollte erst nicht so recht mitziehen. sichern die Fenster und die Boote. Danach bin ich zum Studieren in die USA gegangen. Das Gefühl. um an der Filmhochschule zu studieren. gab seinen Beruf als Architekt auf. alles andere bringe ich ihm bei. wird ins Haus gebracht. es wäre vernünftiger. Eines Tages beschlossen sie. ungefähr einen Hektar groß. ein Hund und einige Hühner. Meine Eltern haben mir vorgelebt. unser siebenjähriger Sohn. Wir bauen unser eigenes Gemüse an. wenn einen alle anderen für verrückt halten. Die war mein Traum. auch um den Müll wegzubringen. Heather Nova. blieb ich in einer winzigen Wohnung. Mein Vater. Zum Einkaufen muss man das Boot nehmen. 43. Abends mal essen gehen oder ins Kino – geht auch nicht. nur von Wasser umgeben zu sein.

Der Stil Ist so ein Beutel wirklich tragbar? Fjällräven-Rucksack. rund 50 Euro 44 Foto Peter Langer .

runter vom Gas. in die man die ganze Welt packen konnte. Vielleicht werden einst kluge Wissenschaftler diese Frage beantworten können – spätestens in 5300 Jahren. Ich transportiere eine Waschmaschine und zwei Kinderfahrräder. war meist ein armes Schwein. die mit Leder bespannt waren. ein Gestell also. Das perfekte Papa. Ich hole drei ausgeliehene Schulmädchen samt Tretrollern vom Schwimmbad ab. Ich fahre mit einer ebenso ausgeliehenen Elfjährigen in den Achterbahnpark und zur Pommesbude. hat die Generation Smart gar keinen Platz mehr für Kleinkinder vorgesehen. dann will das Auto einfach sagen: Los. Die Dinger sollen ja lange haltbar sein. Schnell galt das Tragen eines Rucksacks nicht mehr als Zeichen von Belastung. als es unter Schülern populär wurde. sie ist längst in unseren Garagen angekommen. dem er sein Zeug aufbürden konnte. Warum die Menschen das tun. Bald schulterten die Damen an dünnen Riemchen winzige Modelle. dass beim Orlando sogar die Konstruktionsfehler familienfreundlich sind. wenn Mamas Dienstwagen vom Ministerium zu klein ist. Ötzi hatte eine Kraxe bei sich. um den nächsten Babyboom zu bewältigen: robuste Polster. Bevor ich den Testwagen zurückgebe.« Er: »Aha. Wer früher Dinge auf dem Rücken schleppen musste. wie sich große Testfahrzeuge für alle kinderlosen Männer wohl auf die Geburtenrate auswirken würden.. parken wir wahrscheinlich bald alle nicht mehr seitlich.« Sie: »Guck mal. Wie süß ist der denn? Justus Bender fährt den Chevrolet Orlando LT+ Niemand sollte so tun.« Sie: »So ein kleines Muckelchen im Kindersitz ist ja schon was Süßes. Das änderte sich. in die kaum mehr hineinpasste als das Schminkset. In den neunziger Jahren entdeckten dann die Luxusmarken den Rucksack und ließen ihn kleiner und kleiner werden.Ötzis Vermächtnis Tillmann Prüfer über Rucksäcke Die Kulturgeschichte des Rucksacks lässt sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen: Der erste dokumentierte Rucksackträger war Ötzi. Er schuf riesige Männerrucksäcke. Doch die Ära des Riesenrucksacks fand ein schnelles Ende. mit dem der Fahrer die Bengel auf der Rückbank im Blick hat. das man auf dem Rücken trägt. Zieren sich die Deutschen weiter so mit dem Kinderkriegen. und auch junge Leute fingen an. etwa den Belgier Raf Simons. die Überreste von Trägern bunter Polyesterrucksäcke ausgräbt. In den nuller Jahren war der Rucksack eine Zeit lang modisch abgemeldet. Justus Bender ist Autor der ZEIT Technische Daten Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor Leistung: 120 kW (163 PS) Beschleunigung (0–100 km/h): 10 s Höchstgeschwindigkeit: 197 km/h CO2-Emission: 155 g/km Durchschnittsverbrauch: 6 Liter Basispreis: 21 390 Euro 45 Foto Chevrolet Deutschland GmbH / Gestaltung Thorsten Klapsch . als wäre die Demografie in Deutschland nur ein Problem der Kinderzimmer. was ihm nicht guttat. sauge ich die Pommesreste aus den Polstern und denke derweil darüber nach. und ein Fischauge über dem Rückspiegel. was Deutschland brauchte. als die Firma Eastpak begann. Minirucksäcke zu tragen: bunte Dinger der Marke Fjällräven. der ungefähr 3300 Jahre vor Christus durch die Alpen stapfte. Die Wanderburschen trugen beim Laufen hölzerne Tornister auf dem Rücken. denk an die Kleinen! Zwei Wochen lang fahre ich den Chevrolet Orlando im simulierten Familienbetrieb. ist rätselhaft. die sperrigen Schultaschen gegen Rucksäcken der Marke Salomon zu tauschen. In Mode kamen Rucksäcke erst in den achtziger Jahren. Geht alles super. Chauffiert man die Lebensgefährtin im Chevrolet Orlando.« Er: »Hm. wenn man an der Stelle.. Der Orlando ist. Jahrhunderts. Er hat so einiges. Erst viel später gewann die Menschheit der Schlepperei etwas Positives ab – etwa in der Wandervogelbewegung Anfang des 20. die Zwiebacksabberresten standhalten. hier können Babyfläschchen hin . Besonders beeindruckt. sondern als Ausdruck von Lebensstil. die eigentlich für skandinavische Schulkinder gemacht worden waren – und jeden Träger genau so aussehen lassen. was Großfamilie von der Leyen fahren sollte.4 Kinder wenigstens eine kleine Rückbank im Dreitürer hatte. Wenn die Lüftung bei Tempo 195 zu kreischen beginnt wie ein Neugeborenes. sondern frontal zum Bordstein.« Er: »Ach so. Während die Generation Golf für ihre 1. So gesehen ist der fast fünf Meter lange Chevrolet Orlando mit seinen sieben Sitzplätzen so etwas wie ein Oldtimer – oder eine utopische Zukunftsvision.oder Mamamobil also. junge Designer an die Gestaltung ihrer Rucksäcke zu lassen. um seine Habe daran festzuzurren. denn er besaß kein Lasttier. entstehen Gespräche dieser Art (Gedächtnisprotokoll): Sie: »Ich finde solche Autos ja viel männlicher als Porsche-Cabrios. denn er wurde viele Jahre später im Gletscher gefunden.« In diesem Auto wird der kinderlose Mann zum extrem wortkargen kinderlosen Mann. die also ihren Träger zum Atlas machten. wo einst Berlin war.

wie es sie jetzt im Sommer wieder gibt. werden sie dünn in eine Schüssel gehobelt – dünn ist wichtig. kommen dann die gehackte Schalotte (oder der Schnittlauch). Essig. Dabei sollte man darauf achten. Zum Beispiel. Kein Wasabi am Spargel. am besten als Salat schmecken. Wenn sie lauwarm sind. Haut direkt unter der Schale möglichst nicht mit abgezogen wird.Wochenmarkt Die neuen KARTOFFELN sind da Manches muss nicht neu erfunden werden. Senf. Vor dem Servieren noch mal mit Brühe. dass neue Kartoffeln. weil er ein Blog schreibt und sagt. damit die Marinade. Ins Wasser gibt er außerdem ½ Teelöffel Kümmel. Zu den Kartoffelscheiben. Die sollte man vorbereitet haben. eine größere Oberfläche erreicht. Zum Beispiel das Menschheitswissen. die er ungeschält in Salzwasser kocht. genügt es. Klink nimmt dafür neue Annabelle. nimmt frisches Leinöl). 1 EL Essig 1 Messerspitze Curry 1 TL Senf (extrascharf oder Dijon) Salz und Pfeffer Kartoffeln abschütten. wenn sie gar sind. dass sie etwas zu salzig schmeckt. Um gut zu essen. und sie sollte so eingekocht sein. Der Salat muss jetzt eine halbe Stunde ziehen. Essig und Salz abschmecken. sagt Vincent Klink. und dass zu den wichtigsten Eigenschaften eines guten Koch gepflegte Fingernägel gehören. 30 Fotos David Spaeth 46 . verschüttete Erkenntnisse wieder auszugraben. in der die Gerichte nicht variiert werden. Curry. dass die dünne durchsichtige Perfekt dazu: Das Schnitzel von Nora von Waldstätten – siehe S. Pfeffer und Salz. Aber nicht zu viel Salz! Mit der Hand alles vermengen. eine schöne gelbe Kartoffel. die Klink Kartoffelrädle nennt. Modern ist auch seine traditionelle Küche. Also kein Lachs in der Maultasche. um zu überleben. Die Kartoffeln mit der heißen Fleischbrühe übergießen. womit er die Saucenzeichnungen auf Tellern in Restaurants bezeichnet. das Sonnenblumenöl (wer hat. Wenn die Kartoffeln nicht mehr warm sind. Dazu gibt es einen Untertürckheimer Gips Weißburgunder vom Weingut Aldinger. was Sache ist. zum Beispiel Annabelle ½ TL Kümmel ¼ l Fleischbrühe (am besten selbst gemacht) 1 kleine Schalotte oder viel Schnittlauch 3 EL Sonnenblumenöl. in die sie gleich gelegt werden. Dazu gehört auch der schwäbische Kartoffelsalat Von ELISABETH RAETHER Vincent Klink von der Stuttgarter Wielandshöhe ist ein moderner Koch. im schwäbischen Kartoffelsalat nämlich. vorwiegend festkochend. Schwäbischer Kartoffelsalat 500 g neue Kartoffeln. dass ein Sternerestaurant wie seines 6000 Euro Umsatz am Tag machen muss. auskühlen lassen. kann man sie schon schälen. Er gilt außerdem als Erfinder des Neologismus »Tellertätowierung«.

als sei er ihr Werkzeug. ihre Rolle gegen Zudringliche zu verteidigen. Es ist doch nur eine Kleinigkeit für die alte Frau. das sie wie einen Hammer an den bedürftigen Nachbarn ausleihen kann. sagt Ulla. Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle« ist im Murmann Verlag erschienen 49 . in der Beziehung herrscht dicke Luft. 149 Darf Sie über ihn verfügen? Henry ist Anwalt. Er fühlt sich von Ulla achtlos behandelt und sollte ihr klarmachen. Ulla und Henry neigen dazu. Henry macht da keine Ausnahme. den sie jetzt von ihrem Vermieter erhalten hat«. die Ullas Eltern noch kannte. »Ich habe ihr versprochen. Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. sie seine klaren Grenzen asozial. Ich bin Strafverteidiger!« – »Immer bist du so asozial. wer der bessere Mensch ist. sich in ihrer Unterschiedlichkeit zu entwerten und miteinander zu konkurrieren. dass sie nicht mit ihm umgehen darf. Seit einigen Jahren verbringen sie viele Wochenenden in dem Häuschen im Odenwald. immer so über mich zu verfügen«. Henry hält nicht viel von derlei Besuchen.« Wolfgang Schmidbauer antwortet: Anwälte.« – »Wie kommst du dazu. Dann findet Henry Ullas Kontaktfreude übertrieben.Die großen Fragen der Liebe Nr. Sein neues Buch »Das kalte Herz. Aufgeregt kommt Ulla vom Besuch bei einer verwitweten Nachbarin zurück. Ärzte und übrigens auch Paartherapeuten müssen Strategien erwerben. das Ulla von ihren Eltern geerbt hat. weil ihr Mann alle diese juristischen Sachen gemacht hat und sie sich nicht auskennt. seine Frau Ulla arbeitet als Lehrerin. welche eine professionelle Leistung als Freundschaftsdienst mitgehen lassen wollen. »ich verstehe nichts von Mietrecht. dass du dich um einen Brief kümmerst. sagt Henry verärgert. »Sie ist verängstigt.

50 Logelei und Sudoku Zweistein . in jeder Spalte und in jedem mit stärkeren Linien gekennzeichneten 3 x 3-Kasten alle Zahlen von 1 bis 9 stehen. alle anderen lügen Sudoku 9 3 7 1 3 8 4 2 6 8 8 2 6 9 6 3 4 7 8 7 5 4 8 6 9 2 6 8 5 4 7 1 Lösung aus Nr. dass zwei Magnethälften mit derselben Polung einander weder waagerecht noch senkrecht berühren dürfen – wohl aber diagonal. 28 4 6 1 9 5 7 8 2 3 9 3 8 6 2 4 1 7 5 2 5 7 8 3 1 4 9 6 8 1 9 3 6 2 5 4 7 5 2 4 7 9 8 6 3 1 3 7 6 4 1 5 9 8 2 1 9 2 5 4 3 7 6 8 7 4 3 1 8 6 2 5 9 6 8 5 2 7 9 3 1 4 Füllen Sie die leeren Felder des Quadrates so aus.Spiele Logelei N 2 3 2 1 4 5 4 2 1 4 4 2 2 3 3 2 2 1 3 4 3 2 5 2 3 3 2 1 3 3 S 3 4 2 5 0 4 2 3 1 3 Zeichnen Sie in das Diagramm einige Magnetplatten mit Nordund Südpol ein. Beachten Sie dabei. Hasl und Isl sagen die Wahrheit. 28 Gesl. dass in jeder Zeile. Alle anderen Platten bleiben leer.und Südpole in der entsprechenden Zeile oder Spalte vorkommen Lösung aus Nr. Die Zahlen am Rand geben an. wie viele Nord.

so klingt es doch (verzweifelt) nach einer Rationalisierung seiner lebenslangen Getriebenheit. aber mit niedrigem Rang ausschied. noch mit seiner ersten Frau verheiratet. erst als der Boss seines Vaters ihn ins Wasser warf. Sport war nichts für den dünnen schwächlichen Knaben. die an Science-Fiction gemahnen. Er wurde zu einem der zehn meistbewunderten Männer der Welt..1 2 1 Schach Lebensgeschichte Ständig krank. predigte er. nur eine einzige Krawatte zu besitzen