Lernskript zur Vorlesung Finanzbuchhaltung / Buchführung

Orientiert an dem Stoff von Prof. Heißenhuber

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Inhalt
Vorwort .............................................................................................................................. 3 Aufgaben und Organisation des Rechnungswesens........................................................... 4 Die Inventur........................................................................................................................ 4 Die Bilanz........................................................................................................................... 7 Geschäftsfälle ..................................................................................................................... 8 5.1 Beispiele ..................................................................................................................... 9 5.1.1 Aktivtausch: ....................................................................................................... 9 5.1.2 Passivtausch: ...................................................................................................... 9 5.1.3 Aktiv-Passivmehrung ....................................................................................... 10 5.1.4 Aktiv-Passivminderung .................................................................................... 10 6 Buchen auf Konten ........................................................................................................... 11 6.1 Allgemeines .............................................................................................................. 11 6.2 Zusammenfassung: ................................................................................................... 14 7 Der Buchungssatz ............................................................................................................. 14 7.1 Der Zusammengesetzte Buchungssatz ..................................................................... 17 8 Eröffnungsbilanzkonto / Schlussbilanzkonto ................................................................... 17 9 Buchung der Aufwendungen und der Erträge auf Erfolgskonten (Ergebniskonten) ....... 19 10 Das Gewinn und Verlustkonto ..................................................................................... 21 Vorgehensweise beim Buchen ..................................................................................... 23 11 12 Besondere Buchungsfälle ............................................................................................. 24 12.1 Vorsteuer / Umsatzsteuer ......................................................................................... 24 12.2 Privatentnahmen und Privateinlagen ........................................................................ 28 12.2.1 Das Privatkonto ................................................................................................ 29 12.2.2 Umsatzsteuerpflichtiger Eigenverbrauch ......................................................... 30 12.3 Warenverkehr ........................................................................................................... 31 12.4 Skonto....................................................................................................................... 33 12.5 Verbuchung von Löhnen und Gehältern .................................................................. 37 12.6 Abschreibungen ........................................................................................................ 39 12.6.1 Die lineare Abschreibung (auch gleich bleibende Abschreibung) .................. 42 12.6.2 Die degressive Abschreibung (auch Buchwertabschreibung genannt) ........... 43 12.6.3 Abschreibung nach der Leistung ...................................................................... 46 12.6.4 Abschreibungen auf Forderungen .................................................................... 47 12.7 Jahresabschluss......................................................................................................... 48 12.7.1 Sonstige Forderungen ....................................................................................... 48 12.7.2 Sonstige Verbindlichkeiten .............................................................................. 49 12.7.3 Aktive Rechnungsabgrenzung.......................................................................... 51 12.7.4 Passive Rechnungsabgrenzung ........................................................................ 53 12.7.5 Zusammenfassung ARA und PRA ................................................................... 55 12.8 Rückstellungen ......................................................................................................... 56 1 2 3 4 5

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1 Vorwort

Dieses Lernskript basiert auf den allgemeinen Grundlagen der Finanzbuchhaltung. Es eignet sich zum selbstständigen Erlernen der Grundlagen des Rechnungswesens. Es erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit und ersetzt nicht den Besuch der Vorlesung. Um ein besseres Einfühlungsvermögen in das Rechnungswesen zu bekommen, verwende ich andere Bezeichnungen für einige Konten. Dadurch wird der Stoff wesentlich übersichtlicher und leichter nachvollziehbar. Es wird in der Vorlesung kein genauer Kontenrahmenplan vorgegeben. Ihr könnt euch nahezu eigene Namen für gewisse Konten aussuchen, was aber nicht besonders sinnvoll ist. Daher orientiert sich dieses Skript am Industriekontenrahmen (IKR) für Aus- und Fortbildung. Dieser ist selbstverständlich prüfungsgeeignet. Es wird versucht die Grundlagen des betrieblichen Rechnungswesens möglichst ausführlich und leicht verständlich zu erklären. Finanzbuchhaltung ist kein Geheimnis und wenn man das System einmal verstanden hat, spielend leicht, da die gesamte Systematik aufeinander aufbaut. Am Ende des Skriptes findet ihr einige Übungen zu den einzelnen Themengebieten, die dazu dienen sollen, den gelernten Stoff zu wiederholen. Ebenso findet ihr die dazugehörigen Lösungen. Also dann wünsche ich euch viel Spaß beim Lernen und viel Erfolg in der Prüfung. In diesem Sinne grüßt euch

GUNNAR HANS

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2 Aufgaben und Organisation des Rechnungswesens
Das industrielle Rechnungswesen hat die Aufgabe, alle Geschehen in einem Unternehmen zahlenmäßig zu erfassen, zu kontrollieren und auszuwerten. Besonders in Hinsicht auf: - Fertigung der Erzeugnisse - Beschaffung der Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, Handelswaren usw. - Absatz Hauptaufgaben sind also: Planung, Kontrolle, Information und Dokumentation. Es ist unterteilt in Kosten-Leistungsrechnung, Statistik, Planrechnung und die eigentliche Buchführung, die in diesem Skript behandelt wird.

3 Die Inventur
§ 240 HGB: Jeder Kaufmann muss zu Beginn seines Handelsgewerbes sowie jeweils für den Schluss des Geschäftsjahres seine Grundstücke, seine Forderungen und Schulden, den Betrag seines baren Geldes sowie seine sonstigen Vermögensgegenstände genau verzeichnen und dabei den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden angeben. Das Vermögen besteht aus Anlagevermögen, Umlaufvermögen und Schulden. Anlagevermögen: Es steht dem Unternehmen dauernd oder für längere Zeit zur Verfügung, z.B.: Grundstücke und Bauten, Technische Anlagen und Maschinen, Betriebs und Geschäftsausstattung (Fuhrpark, Büroausstattung, EDV etc.). Umlaufvermögen: Alle Vermögensteile des Unternehmens, die sich in ihrer Höhe kurzfristig verändern, z.B.: Roh-, Hilfs-, Betriebstoffe, Kasse, Bank, Forderungen etc..

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Die Schulden (Verbindlichkeiten) unterteilen sich in Langfristigeund Kurzfristige Verbindlichkeiten. Hierbei haben die Kurzfristigen Verbindlichkeiten eine Dauer von bis zu einem Jahr. Nach Durchführung der Inventur (die körperliche Inventur erfasst den Bestand der körperlichen Vermögensgegenstände nach Menge, Art und Wert, die Buchinventur alle nichtkörperlichen Vermögensgegenstände und Schulden nach Wert und Art) erstellt das Unternehmen ein Inventar, das folgendermaßen aussehen kann:

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A Vermögen 1 Anlagevermögen Grundstücke und Gebäude..............................................2.400.000 € Technische Anlagen und Maschinen................................ 500.000 € Betriebs und Geschäftsausstattung.......................................95.000 € 2 Umlaufvermögen Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe.......................................................643.000 € Unfertige Erzeugnisse.............................................................200.000 € Fertige Erzeugnisse.................................................................140.000 € Forderungen aus Lieferung und Leistung............................900.000 € Kasse...............................................................................................500 € Bank....................................................................................12.000.000 € Summe..............................................................................16.878.500 € B Schulden 1 Langfristige Verbindlichkeiten............................................900.000 € 2 Verbindlichkeiten a.L.L........................................................450.000 € Summe ................................................................................1.350.000 € C Ermittlung des Eigenkapitals Summe des Vermögens.....................................................16.878.500 € Minus Summe der Schulden................................................1.350.000 € Eigenkapital........................................................................15.528.500 € Erkennbar hierbei ist die Staffelform des Inventars. Das Anlagevermögen (A) ist nach dem Grad der Liquidität geordnet. Das bedeutet: Posten, die schlechter in Zahlungsmittel umgewandelt werden können, stehen oben, die flüssigsten Mittel unten. (Eigentlich wäre das die Kasse, aber üblicherweise werden Zahlungen über die Bank getätigt, dadurch gilt Bank als liquidestes aller Vermögensgegenstände).

Inventar

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Die Schulden (B) gliedern sich nach ihrer Fristigkeit, d.h. langfristige Verbindlichkeiten vor den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Genaugenommen müsste das Eigenkapital noch vor den langfristigen Verbindlichkeiten stehen. Es steht dem Unternehmen eigentlich am längsten zu Verfügung. Dieses aber wird, wie wir später sehen werden, in der Bilanz berücksichtigt. Das Inventar ist eigentlich noch wesentlich ausführlicher als oben dargestellt. Es werden zum Beispiel alle Gebäude, alle Debitoren und Kreditoren usw. einzeln aufgezählt. Dadurch kann so ein Inventar mehrere hundert Seiten stark sein.

4 Die Bilanz
Die Bilanz dient als Kurzfassung des Inventars. Sie dient dazu, einen raschen Überblick über Vermögen und Schulden zu bekommen. Im Gegensatz zum Inventar (Staffelform) stehen sich in der Bilanz Vermögen und Schulden in einem sogenannten „T-Konto“ gegenüber. Hierbei nennt man die linke Seite des Kontos, auf der Anlagevermögen und Umlaufvermögen stehen, „Aktiva“. Die rechte Seite, hier stehen Eigenkapital und Schulden, „Passiva“. Das Wort Bilanz leitet sich aus dem Italienischen Bilancia = Waage ab. Das bedeutet, dass die Summe der Aktivseite, also das Vermögen, gleich der Summe der Passivseite, also von Eigenkapital und Schulden, ist. Die Passivseite beschreibt die Mittelherkunft oder Finanzierung, die Aktivseite zeigt die Mittelverwendung oder Investition. Beide Seiten weisen also immer die gleiche Summe aus (Waage).

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Aktiva Anlagevermögen Grundstücke und Bauten Tech. Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsaustattung Umlaufvermögen Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe Unfertige Erzeugnisse Fertige Erzeugnisse Forderungen Kasse Bank Summe

Eigenkapital 100.000 Fremdkapital 50.000 Langfristige Verbindlichkeiten 25.000 Kurzfristige Verbindlichkeiten 50.000 10.000 5.000 20.000 200 190.000 450.200 Summe

Passiva 330.200 100.000 20.000

450.200

Am Ende einer Klausur kann man dadurch relativ leicht feststellen, ob man etwas falsch gemacht hat.

5 Geschäftsfälle
In einer Unternehmung fallen täglich sehr viele Geschäftsfälle an. Z.B. Einkauf von Rohstoffen auf Ziel, Bezahlung von Eingangsrechnungen, Kunden bezahlen ihre Schulden bei uns, die Kasse wird durch Bargeld aufgefüllt, welches von dem Bankkonto abgehoben wurde, Zahlung von Löhnen und Gehältern, Tilgung von Krediten, Private Einlagen, usw. Diese Fälle müssen nun aufgezeichnet werden. alle erfasst und nachvollziehbar

Geschäftsfälle verändern Werte in der Bilanz. Jeder Geschäftsfall berührt mindestens zwei Bilanzposten. Das führt zu Wertänderungen in der Bilanz. Hierbei gibt es nur vier Fälle, alle anderen Zahlen sind Blödsinn und widersprechen jeglichen Grundsätzen der Buchführung. Es gibt:

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1. 2. 3. 4.

Aktivtausch Passivtausch Aktiv- Passivmehrung Aktiv-Passivminderung

Keinesfalls aber gibt es einen AKTIV-PASSIVTAUSCH !!!!!!!!!!!!!!!!!!!

5.1 Beispiele 5.1.1 Aktivtausch: Kauf einer Maschine per Banküberweisung für 10.000 €. Das bedeutet: Unser Bankkonto nimmt um 10.000 € ab und der Wert der Technischen Anlagen und Maschinen steigt um 10.000 € Beide Posten befinden sich auf der linken Seite, der Aktivseite der Bilanz. Der eine Posten nimmt an Wert ab, der andere Posten legt an Wert zu. Es können auch mehrere Posten gleichzeitig berührt werden. 5.1.2 Passivtausch: Beide Posten befinden sich auf der rechten Seite, der Passivseite der Bilanz. Ein Lieferant wandelt seine Forderungen an uns (für uns sind das kurzfristige Verbindlichkeiten) in ein langfristiges Darlehen um. Unsere kurzfristigen Verbindlichkeiten betrugen 5000 €. Das bedeutet, der Posten Verbindlichkeiten a.LL, („a.LL“ bedeutet: aus Lieferungen und Leistungen) nimmt um 5000 € ab. Der Posten Langfristige Verbindlichkeiten steigt um 5000 €.

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5.1.3 Aktiv-Passivmehrung Zum Kauf eines neuen Produktionsgebäudes nehmen wir bei unserer Bank ein Hypothekendarlehen über 1.000.000 € auf. Die Bank überweist das Geld auf unser Bankkonto. Der Aktivposten Bank steigt somit um 1.000.000 €. Der Passivposten Langfristige Verbindlichkeiten steigt ebenfalls um 1.000.000 €. Weitere Geschäftsfälle sind z.B.: Kauf von Rohstoffen auf Ziel, d.h. der Passivposten Kurzfristige Verbindlichkeiten und der Aktivposten Rohstoffe werden berührt. Hierbei wird die Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite um den gleichen Betrag größer!!

5.1.4 Aktiv-Passivminderung Ausgleich einer Lieferantenrechnung über 500 € bar. Der Aktivposten Kasse nimmt um 500 € ab, ebenfalls nehmen unsere kurzfristigen Verbindlichkeiten um 500 € ab. Die Bilanzsumme verringert sich also auf beiden Seiten der Bilanz um den gleichen Betrag. Also Aktivtausch: Passivtausch: Aktiv-Passivmehrung: Aktiv-Passivminderung: Aktivposten +, Aktivposten Passivposten +, Passivposten Aktivposten +, Passivposten Aktivposten –, Passivposten – – + –

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Wir stellen uns vor jedem Geschäftsfall folgende Fragen: 1. Welche Posten werden berührt? 2. Sind es jeweils Aktiv oder Passivposten? 3. Wie verhalten sich die einzelnen Posten (Erhöhung oder Verminderung)? 4. Welche Art der Bilanzänderung liegt vor?

6 Buchen auf Konten
6.1 Allgemeines Da in einem Geschäftsjahr Unmengen solcher Geschäftsfälle anfallen, ist es sehr umständlich und zeitaufwendig, für jeden dieser Fälle eine neue Bilanz zu erstellen. Auch die beabsichtigte Nachvollziehbarkeit und Übersichtlichkeit ließe zu wünschen übrig. Praktischer ist es, für jeden Posten der Bilanz ein eigenes T-Konto einzurichten und auf diesen zunächst die Geschäftsfälle zu erfassen. Die allgemeine Form dieser T-Konten kennen wir bereits seit der Bilanz. Die linke und rechte Seite der Konten nennt man nun nicht mehr „AKTIVA“ und „PASSIVA“, sondern „SOLL“ und „HABEN“!!!! „SOLL“ und „HABEN“ haben keine wörtliche Bedeutung. SOLL bedeutet links, HABEN bedeutet rechts. Allgemeines T-Konto:
Soll Haben

Alles was auf einem solchen Konto auf der linken Seite steht, steht immer im SOLL, das was auf der rechten Seite eines T-Kontos steht, steht immer im HABEN. AKTIVA und PASSIVA gibt es nur bei der Bilanz.

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Bei diesen nun eingeführten Konten unterscheidet man zwei Arten: 1. AKTIV-Konten: hier finden sich alle Posten wieder, die auf der AKTIV-Seite der Bilanz zu finden sind. 2. PASSIV-Konten: alle Posten der PASSIV-Seite der Bilanz. Wichtiger Satz: Alle Aktivkonten mehren sich im SOLL, alle Passivkonten mehren sich im HABEN!!!
Soll Aktivkonto Haben Anfangsbestand Minderungen Mehrungen Soll Passivkonto Haben Minderungen Anfangsbestand Mehrungen

Der Anfangsbestand der Konten wird einfach der Bilanz entnommen. Mehrungen werden einfach immer dort gebucht, wo auch der Anfangsbestand des Kontos steht. Am Jahresende werden alle Konten abgeschlossen. Hierbei geht man wie folgt vor: 1. Addition der wertmäßig größeren Seite. 2. Übertragung der Summe auf die andere Seite des Kontos. 3. Nun bildet man die Differenz zwischen der wertmäßig größeren und kleineren Seite. Diese Differenz stellt dann den Schlussbestand (SALDO) dar. 4. Eintrag des Saldos in das Konto zwischen wertmäßig kleinerer Seite und der übertragenen Summe. Das gilt für alle vorgegeben wird!! Konten, bei denen kein Schlussbestand Buchung der

Also: Eröffnung der Aktiv und Mehrungen und Minderungen
Soll Aktivkonto Haben Anfangsbestand Minderungen Mehrungen

Passivkonten,

Soll Passivkonto Haben Minderungen Anfangsbestand Mehrungen

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Ermittlung der wertmäßig größeren Seite, Bildung und Übertragung der Summe. Achtung: die Seite des Anfangsbestandes muss nicht immer die größere sein!!!! Doppelstrich unter die Summe ziehen, einen Einfachstrich über die Summe, dabei schauen, ob auf der kleineren Seite noch Platz bleibt für den Saldo. Sollte kein Platz vorhanden sein, so lassen wir eine Zeile frei.
Soll Aktivkonto Haben Anfangsbestand Minderungen Mehrungen Summe Soll Passivkonto Haben Minderungen Anfangsbestand Mehrungen Summe

Übertrag der Summe auf die andere Seite
Soll Aktivkonto Haben Anfangsbestand Minderungen Mehrungen Summe Summe Soll Passivkonto Haben Minderungen Anfangsbestand Mehrungen Summe Summe

Auf beiden Seiten steht nun die gleiche Summe. Da beide Seiten allerdings nicht gleich groß sind, machen wir sie gleich groß, indem wir die Differenz (Saldo) zwischen Summe und kleinerer Seite bilden und diese zwischen Summe und kleinerer Seite eintragen.
Soll Aktivkonto Haben Anfangsbestand Minderungen Mehrungen SALDO Summe Summe Soll Passivkonto Haben Minderungen Anfangsbestand SALDO Mehrungen Summe Summe

Freie Zeilen (wären in diesem Beispiel eigentlich nicht nötig gewesen) werden durch eine sogenannte Buchhalternase gesperrt. Hier einfach durch eine gestrichelte Linie dargestellt. Normalerweise müsste man die Buchhalternase nur auf einer Seite machen.
Soll Aktivkonto Haben Anfangsbestand Minderungen Mehrungen SALDO ---------------------Summe Summe Soll Passivkonto Haben Minderungen Anfangsbestand SALDO Mehrungen ---------------------Summe Summe

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Den Saldo von Aktiv und Passivkonten finden wir später in der Bilanz wieder. 6.2 Zusammenfassung: Am Anfang des Geschäftsjahres löst man die Bilanz (wenn eine vorgegeben ist) in Aktiv und Passivkonten auf. Diese Konten enthalten Bestände, daher nennt man sie auch BESTANDSKONTEN. Anfangsbestände befinden sich bei Aktivkonten im Soll, bei Passivkonten im Haben. Mehrungen werden dort verbucht, wo auch der AB steht. Minderungen auf der anderen Seite des Kontos. Der Schlussbestand (Saldo) ist die Differenz von Soll und Haben. Nach Abschluss des Kontos müssen Soll und Haben die gleiche Summe aufweisen (inkl. Saldo). Es wird dann in der Schlussbilanz der Saldo aufgeführt, keinesfalls die unter dem Konto stehende Summe. Diese beschreibt nur die Summe der größeren Seite, nicht aber den Schlussbestand!!

7 Der Buchungssatz
Alle Buchungen werden sachlich und zeitlich geordnet. Sachlich bedeutet, dass jedem Geschäftsfall bestimmte Konten zugewiesen werden. Diese Sachkonten bilden das wichtigste Buch, das Hauptbuch. Hier stehen alle T-Konten. Bevor nun auf diesen T-Konten gebucht wird, werden die Buchungen chronologisch geordnet (in zeitlicher Reihenfolge). Dies geschieht im Grundbuch (auch Tagebuch oder Journal genannt). In dieses Grundbuch schreibt man nun seine Buchungssätze. Alle Buchungen beziehen sich auf Belege, die laufend durchnummeriert werden. Jeder Beleg (z. B. eine Eingangsrechnung, Quittung, Lagerentnahmeschein usw.) bekommt seine eigene Nummer.
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Anhand dieser nur ein einziges Mal vergebenen Nummer kann man später die entsprechende Buchung nachvollziehen. Keine Buchung erfolgt ohne Beleg!! (außer in Klausuren) Der Buchungssatz gibt alle Konten an, auf welchen zu buchen ist. Er nennt zuerst immer die Konten, die im Soll berührt werden, dann die Konten die im Haben berührt werden. Beispiel: Wir kaufen für 3.456 € Rohstoffe auf Ziel (d.h. wir bezahlen nicht sofort) Der Buchungssatz wird dann wie folgt im Grundbuch eingetragen:

Grundbuch Datum 12.07.2009 Belegnummer 20056 Buchungssatz Rohstoffe an Verbindlichkeiten a.L.L. Soll 3.456 € 3.456 € Haben

Das oder die Konten (es können auch mehrere sein), die im Haben berührt werden, werden immer mit dem Wort an angesprochen. Mann kann auch einfach einen senkrechten Strich ziehen, auf dessen linker Seite dann die Konten stehen, die im Soll berührt werden, auf der rechten die, die im Haben berührt werden. In der Klausur wird auf Datum und Belegnummer verzichtet. Wichtig: die Summe der im Soll berührten Konten ist immer gleich mit der Summe der Konten, die im Haben berührt werden. Wir buchen immer SOLL an HABEN! Niemals andersherum.

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Nachdem für alle Geschäftsfälle die Buchungssätze aufgestellt wurden, erfolgt nun die Eintragung der Buchungssätze auf den Sachkonten im Hauptbuch. Hierbei geht man Buchungssatz für Buchungssatz durch und bucht zunächst auch innerhalb eines Buchungssatzes auf den Konten, die im Soll berührt wurden, dann die Haben- Konten. Wenn die Buchungssätze stimmen, ist dass ein einfaches Abschreiben der Beträge, wobei man eigentlich nichts falsch machen kann! Hier einige Beispiele: 1. Überweisung von unserem Commerzbankkonto auf unser Postbankkonto 5.000 €.

Buchungssatz: Postbank an Commerzbankkonto

Soll 5000 €

Haben 5000 €

2. Kauf eines Baugrundstücks gegen Bankscheck Grundstücke an Bank

3. Wir nehmen eine Hypothek bei der Bank auf. Das Geld wird auf unser Bankkonto überwiesen. Bank an Langfristige Verbindlichkeiten

4. Wir bezahlen eine Rechnung, die wir vor zwei Wochen bekommen haben Verb. a.LL an Bank

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5. Wir erhalten eine Rechnung für den Kauf eines Autos Fuhrpark an Verbindlichkeiten a. LL

7.1 Der Zusammengesetzte Buchungssatz Werden mehr als zwei Konten angesprochen, entstehen zusammengesetzte Buchungssätze. Hierbei ist, wie oben erwähnt, darauf zu achten, dass die Summe der Sollseiten gleich der Summe der Habenseiten ist!! Beispiele Begleichung einer Rechnung über 2000 € durch Banküberweisung von 1500 €, den Rest zahlen wir bar aus der Kasse Verb.a.LL an Bank an Kasse Soll 2000 € Haben 1500 € 500 €

Übung 1

8 Eröffnungsbilanzkonto / Schlussbilanzkonto
In der Doppelten Buchführung steht einer Soll-Buchung eine gleich große Haben-Buchung gegenüber. Dieses Prinzip berücksichtigen wir nun auch bei den Eröffnungsbuchungen. Um von der AKTIV-Seite der Bilanz (die linke Seite) die Anfangsbestände in die Aktivkonten zu bekommen (Aktivkonten mehren sich im Soll, dort wo ihr Anfangsbestand steht), führen wir ein Hilfskonto ein. So gelangen wir von der linken Seite der Bilanz auf die linke Seite der Bestandskonten. Das gleiche gilt in umgekehrter Weise auch für die Passivkonten. Dieses Konto nennt sich „Eröffnungsbilanzkonto“ kurz EBK.
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Das EBK ist das Spiegelbild der Schlussbilanz. Es befinden sich auf der Sollseite alle Anafangsbestände der PASSIV-Seite der Schlussbilanz. Auf der Habenseite finden sich alle Anfangsbestände der AKTIV-Seite der Schlussbilanz. Die Eröffnungsbuchungssätze lauten jeweils: Aktivkonto EBK an EBK an Passivkonto

Aktiva Eröffnungsbilanz Passiva AB der Aktivposten AB der Passivposten

(AB=Anfangsbestand)

Das Spiegelbild:

Soll Eröffnungsbilanzkonto (EBK) Haben AB der Passivposten AB der Aktivposten

Nach Eröffnung der Bestandskonten:
Aktivkonten Soll Anfangsbestand Haben Soll Passivkonten Haben Anfangsbestand

Am Ende des Geschäftsjahres werden die Salden der abgeschlossenen Aktiv und Passivkonten in das Schlussbilanzkonto (SBK)gebucht.
Schlussbilanzkonto (SBK) Soll SB der Aktivkonten Haben SB der Passivkonten

Die Abschlussbuchungssätze lauten dann: SBK an Aktivkonto Passivkonto an SBK
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Die Schlussbilanz ist dann das genaue Abbild des SBK´s. Soll wird zu Aktiva Haben wird zu Passiva. Die Schlussbilanz muss mit dem Inventar übereinstimmen. Dass dabei Unstimmigkeiten auftreten, werden wir später noch sehen. Diese Unstimmigkeiten werden dann noch gesondert gebucht. Dazu aber später. Übung 2

9 Buchung der Aufwendungen und der Erträge auf Erfolgskonten (Ergebniskonten)
Zur Einführung: Alle bisherigen Geschäftsfälle haben Vermögensund Schuldenposten der Bilanz berührt. Dabei haben wir das Eigenkapital nicht beachtet. Nun ist es aber Aufgabe einer Unternehmung, durch Einsatz von Personal, Kapital, Maschinen usw. etwas herzustellen und zu verkaufen. Diese Geschäftsfälle mindern dann als Aufwand das Eigenkapital oder mehren es als Ertrag. Aufwendungen: Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Löhne und Gehälter, Zinsaufwendungen, Büromaterial, Abnutzung der Maschinen, Reparaturen usw. Erträge: Umsatzerlöse für verkaufte Waren und Dienstleistungen, Zinserträge, Mieteinnahmen, Erhaltene Provisionen usw. Da man diese Aufwendungen und Erträge aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht direkt im Eigenkapital bucht, bucht man diese Geschäftsfälle auf Unterkonten des Eigenkapitalkontos. Man spricht hierbei von Aufwandskonten und Ertragskonten. Aktiv und Passivkonten sind Bestandskonten. Aufwands- und Ertragskonten sind Erfolgskonten.
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Man bucht auf diesen Konten so als würde man im Eigenkapital buchen. Minderungen des EK sind Aufwendungen, Mehrungen sind Erträge. Wichtiger Satz: Alle Aufwandskonten mehren sich im Soll und mindern sich im Haben. Alle Ertragskonten mehren sich im Haben und mindern sich im Soll!!!

Soll Minderungen durch Aufwand

Eigenkapital

Haben Mehrung durch Ertrag

Aufwandskonten Soll Aufwand Haben Soll

Ertragskonten Haben Ertrag

Als Beispiel: 1. Entnahme von 20 Tonnen Malz aus dem Rohstofflager. Die Tonne zu 10 € = 20.000 €
Buchungssatz Aufwendungen für Rohstoffe an Rohstoffe Soll 20.000 € 20.000 € Haben

Das bedeutet: Das Aufwandskonto „Aufwendungen für Rohstoffe“ wird im Soll berührt. Aufwandskonten mehren sich im Soll, es wird also größer. Das Bestandskonto „Rohstoffe“ wird im Haben berührt. „Rohstoffe“ ist ein Aktivkonto. Aktivkonten mehren sich im Soll und mindern sich im Haben. Es mindert sich also. Das ist klar, denn wenn wir etwas aus dem Lager in die Produktion geben, mindert sich natürlich der Lagerbestand.
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2. Verkauf von 2000 Kisten Bier. Kiste á 3 €. Macht 6000 €. Der Kunde Zahlt nicht direkt nach Erhalt der Rechnung. Somit haben wir bis zur entgültigen Bezahlung des Kunden eine Forderung an ihn.

Buchungssatz Soll Haben Forderungen 6.000 € an Umsatzerlöse für eigene Erzeugnisse 6.000 €

3. Am Ende des Jahres erhalten wir von der Postbank unsere Zinsen über 1€.
Buchungssatz Postbank an Zinserträge Soll 1€ 1€ Haben

4. Wir vermieten eine Lagerhalle für 500 € im Monat. Der Mieter zahlt per Bankscheck.
Buchungssatz Bank an Mieterträge Soll 500 € 500 € Haben

5. Wir bezahlen die Miete für ein Büro bar. 1000 €
Buchungssatz Mietaufwand an Kasse Soll 1.000 € 1.000 € Haben

10 Das Gewinn und Verlustkonto
Am Ende der Geschäftsperiode werden die Konten natürlich ebenfalls abgeschlossen. Da sie Unterkonten des Eigenkapitalkontos sind, müssen die Salden der Konten irgendwie mit dem Eigenkapitalkonto verrechnet werden. Wir machen dies mit Hilfe eines weiteren Kontos. Dieses Konto nennt sich „Gewinn und Verlustkonto“, kurz GuV.

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Dort ergibt sich dann aus der Gegenüberstellung der Aufwendungen und Erträge ein Saldo, der entweder ein Gewinn oder ein Verlust sein kann. Haben wir mehr Aufwendungen als Erträge in einem Geschäftsjahr, so haben wir einen Verlust. Bei größeren Erträgen als Aufwendungen einen Gewinn. Gewinn führt zu einer Eigenkapitalerhöhung, Verlust zu einer Eigenkapitalminderung.

Gewinn und Verlustkonto Soll Aufwendungen Haben Erträge

Die Buchungssätze lauten: GuV an Aufwandskonto Ertragskonto an GuV. Nach Abschluss des GuV-Kontos buchen wir wie folgt: Steht der Saldo des GuV im Soll, so haben wir ein Gewinn erzielt, denn die Ertragsseite (Haben) ist die größere.
Buchungssatz GuV an Eigenkapital

Ist die Aufwandsseite der GuV die größere, so steht der Saldo auf der Habenseite der GuV .
Buchungssatz Eigenkapital an GuV

Hierbei sehen wir, dass das Eigenkapital im Soll berührt wird. Das Eigenkapitalkonto ist ein Passivkonto. Es mindert sich also im Soll. Ein Verlust mindert das Eigenkapital!
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Wie wir gesehen haben, gibt es nun zwei Kontenkreise. Den Bestandskontenkreis hier befinden sich die Konten, die in der Bilanz auftauchen und den Erfolgskontenkreis mit seinen Aufwands- und Ertragskonten sowie dem GuV-Konto. Bindeglied der zwei Kontenkreise ist das Eigenkapital. Bestandskontenkreis Aktivkonten Passivkonten Ertragskontenkreis Aufwandskonten Ertragskonten

Schlussbilanzkonto
Soll Haben Eigenkapital Soll Saldo: Gewinn

GuV
Haben Saldo: Verlust

Aufwandsseite

Ertragsseite

Übung 3

11 Vorgehensweise beim Buchen
Am besten hält man sich immer an folgendes Schema: 1. Einrichten der Bestands und Erfolgskonten (welche Konten werden benötigt?) 2. Eröffnung der Bestandskonten über das EBK. (wenn am Anfang des Geschäftsjahres eine Bilanz besteht). Erfolgskonten haben keinen Anfangsbestand, da wir sie über das GuV-Konto und schließlich mit dem Eigenkapital verrechnet haben (im Vorjahr). 3. Nun bilden wir zu allen Geschäftsfällen die Buchungssätze (Grundbuch) 4. Übertragung der Buchungen auf Bestandsund Erfolgskonten im Hauptbuch (T-Konten)
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5. Abschließen der Erfolgskonten über das GuV. Verbuchung des Saldos des GuV mit dem Eigenkapital. 6. Erst jetzt werden alle Bestandskonten zum Schlussbilanzkonto hin abgeschlossen. Vorraussetzung hierfür ist, dass die Inventurwerte mit den Buchbeständen übereinstimmen. Anderenfalls müssen wir noch weitere Buchungen vornehmen. Diese Buchungen behandeln wir an späterer stelle.

12 Besondere Buchungsfälle
Diese bis hierher erläuterten elementaren Grundlagen des Rechnungswesens sollten auf alle Fälle verstanden sein und sind Voraussetzung des folgenden Kapitels. 12.1 Vorsteuer / Umsatzsteuer Der Umsatzsteuer unterliegen nach § 1 UstG 1. Alle Lieferungen und Leistungen, die im Rahmen eines Unternehmens im Inland gegen Entgelt ausgeführt wurden. 2. Der Eigenverbrauch des Unternehmers.(Entnahme von Handelswaren, eigenen Erzeugnissen für private Zwecke). 3. Die Einfuhr von Gegenständen aus nicht EU-Staaten gegen Entgelt („innergemeinschaftlicher Erwerb“) Steuerfrei sind Exporte (hier gelten best. Regeln), Beiträge, Versicherungen, Kredit und Zahlungsverkehr der Banken. Steuersätze: z. Zt.: 16% , für bestimmte Güter 7% (ermäßigter Steuersatz) wie etwa Lebensmittel, Bücher.... Zu beachten sind die Sonderregelungen bei Nahrungsmitteln und Getränken: - 7% bei Nahrungsmitteln zum Mitnehmen - 16% bei Nahrungsmitteln zum Verzehr an Ort und Stelle (Gasthof) - 16% bei Getränken aber - 7% bei Tee, Kaffee, Leitungswasser - aber dennoch 16% bei Verzehr an Ort und Stelle
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Die Umsatzsteuer ist für ein Unternehmen ein sogenannter durchlaufender Posten. Das bedeutet die Umsatzsteuer stellt keinen Aufwand dar. Sie wird letztlich nur von Endverbraucher getragen. Wie wird die Umsatzsteuer im Unternehmen buchhalterisch behandelt? Nehmen wir an, wir seien das Unternehmen Anlagen August( siehe beiliegende Rechnung). Somit stellt die obige Rechnung eine Eingangsrechnung für uns dar. Dies bedeutet, das Ingenieurbüro Fuhrmann hat eine Forderung an uns, und zwar zunächst über 174.134,56 €. Für uns stellt das eine Verbindlichkeit dar. Der Bruttobetrag der Verbindlichkeit setzt sich zusammen aus Nettobetrag und dem Steuersatz. Der Bruttobetrag entspricht also 116%, der Nettobetrag 100%. Beispiel: Bruttowert Rechnung: 3521.76 € = 116% Y€ = 16% =485,76 € = Y

3521.76 € x 16% 116%

Um von einem Bruttobetrag auf den Nettobetrag zu kommen, teilen wir den Bruttobetrag einfach durch 1,16. (Bei einem Steuerbetrag von 7%, teilen wir durch 1,07). Bei einer Eingansrechnung (wir erhalten die Rechnung von einem Lieferanten) wie oben, spricht man bei dem Steuerbetrag immer von Vorsteuer! Bei einer Ausgangsrechnung (wir schreiben einem Kunden eine Rechnung) spricht man bei dem Steuerbetrag immer von Umsatzsteuer. Vorsteuer und Umsatzsteuer dürfen auf keinen fall verwechselt werden!!!!!
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Die auf der Rechnung angegebenen Lieferungen und Leistungen unterliegen der Umsatzsteuer (s. beiliegende Rechnung). Das Ingenieurbüro schuldet dem Finanzamt für diese Lieferung und Leistung den Steuerbetrag, der auf der Rechnung gesondert ausgewiesen ist, in Höhe von 24.018,56 €. Diesen Betrag verbucht das Ingenieurbüro auf dem Passivkonto „UMSATZSTEUER“. Da das Ingenieurbüro das Geld von uns zurückhaben möchte, stellt das Ingenieurbüro uns diesen Betrag in Rechnung. Der Buchungssatz lautet in der Buchhaltung des Ingenieurbüros:
Buchungssatz Forderungen an Umsatzerlöse an Umsatzsteuer Soll Haben 174.134,56 150.116,00 24.018,56

Wir buchen die Eingangsrechnung wie folgt:
Buchungssatz Techn. Anlagen und Maschinen Vorsteuer an Verbindlichkeiten Soll Haben 150.116,00 24.018,56 174.134,56

Die Arbeitszeiten des Meisters und des Azubis (siehe Rechnung) werden direkt zu den Anschaffungskosten gezählt. Das Konto Vorsteuer ist ein Aktivkonto. Es nennt sich Vorsteuer, weil wir die Steuer vorab, also vor dem Verkauf eigener Erzeugnisse, Dienstleistungen, Handelswaren usw. bezahlen. Die Vorsteuer stellt somit eine Forderung gegenüber dem Finanzamt dar! Da wir in diesem Fall kein Endverbraucher sind, sondern Unternehmer, können wir sie vom Finanzamt zurückfordern. Unsere Steuerschuld besteht erst dann, wenn wir etwas verkaufen (liefern und/oder leisten).

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Schreiben wir nun eine Ausgangsrechnung, z.B. über 1000 € netto und einem Steuersatz von 7%, so buchen wir diese wie das Ingenieurbüro vorhin, nur mit anderen Beträgen: Buchungssatz Forderungen an Umsatzerlöse an Umsatzsteuer Soll Haben 1.070,00 1.000,00 70,00 eine

Am Ende eines jeden Monats oder virteljährlich ist Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einzureichen.

Hierbei wird die Vorsteuer mit der Umsatzsteuer verrechnet. Haben wir mehr Vorsteuer gezahlt, als Umsatzsteuer kassiert, so spricht man von einem Vorsteuerüberhang. Dieser Vorsteuerüberhang stellt eine Forderung an das Finanzamt dar. Überwiegt die verbuchte Umsatzsteuer, so spricht man von einer Umsatzsteuerzahllast,dies bedeutet aber nicht, dass die Zahlung bereits erfolgt sein muss. Diese Zahllast stellt eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt dar. Am Jahresende ist ein Vorsteuerüberhang zu aktivieren. Das bedeutet: In der Bilanz erscheint der Posten Vorsteuer auf der Aktivseite. Er stellt ja eine Forderung dar. Sollte eine Umsatzsteuerzahllast vorliegen, so ist diese am Jahresende zu passivieren. Zuviel eingenommene Umsatzsteuer ist für unser Unternehmen Fremdkapital. Sie stellt für uns eine Verbindlichkeit an das Finanzamt dar. Wie ermittelt man nun buchhalterisch einen Vorsteuerüberhang oder eine Umsatzsteuerzahllast?

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Wir ermitteln das Konto, das die kleinere Summe aufweist. Nehmen wir an, das kleinere Konto sei das Konto Umsatzsteuer. Dann übertragen wir den Saldo des Kontos Umsatzsteuer auf das Konto Vorsteuer. Wir gehen von einer gewöhnlichen Geschäftstätigkeit aus. D.h. ohne viel Gutschriften und Rücksendungen. Dann steht der Saldo der Umsatzsteuerkontos im Soll. Buchungssatz Umsatzsteuer an Vorsteuer Jetzt schließen wir auch dieses Konto Vorsteuer ab (inklusive des Umsatzsteuersaldos). Der sich nun neu ergebende Saldo auf dem Vorsteuerkonto ist dann der Vorsteuerüberhang. Die Buchung lautet dann zum 31.12.: Buchungssatz SBK an Vorsteuer Wichtig zu beachten ist, das sich das Vorsteuerkonto im Soll mehrt. Das Umsatzsteuerkonto mehrt sich im Haben. Ihr solltet zu diesem Thema wie auch zu allen weiteren Themen unbedingt die Übungen am Ende des Skriptes nachvollziehen. Übung 4 12.2 Privatentnahmen und Privateinlagen Ein Unternehmer setzt seine Arbeitskraft und sein Kapital ein, um einen Gewinn zu erzielen. Der Gewinn stellt so gesehen sein Einkommen dar. Um nun seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, Spendengelder zu zahlen, Einkommen- und Kirchensteuer zu entrichten, abends in der Kneipe einen trinken zu gehen usw., entnimmt er Geld von dem Bankkonto oder aber aus der Kasse. Diese Entnahmen sind Privatentnahmen. Privatentnahmen sind keine Aufwendungen seines Unternehmens. Sie mindern aber dennoch sein Eigenkapital.
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Privateinlagen erhöhen das Eigenkapital. Privateinlagen und Privatentnahmen könnten somit direkt über das Eigenkapitalkonto gebucht werden. Das kann man machen, aber aus Gründen der Übersichtlichkeit verwendet man wiederum ein eigenes Unterkonto des Eigenkapitalkontos. 12.2.1 Das Privatkonto

Hierbei bucht man einfach genauso wie auf dem Passivkonto Eigenkapital. Mehrungen auf der Habenseite, Minderungen auf der Sollseite. Am Ende des Geschäftsjahres schließt man das Privatkonto ab und überträgt dann einfach den Saldo auf die entsprechende Seite des Eigenkapitalkontos. Bei einem Einlagenüberschuss steht der Saldo im Soll des Privatkontos. Der Buchungssatz lautet somit:

Buchungssatz Privatkonto an Eigenkapital Liegt ein Entnahmeüberschuss vor, lautet die Buchung am Jahresende: Buchungssatz Eigenkapital an Privatkonto Zu beachten ist, dass es das Privatkonto nur für den unbeschränkt haftenden Gesellschafter einer Personengesellschaft (OHG), einer Kommanditgesellschaft (KG) oder für den Einzelunternehmer gibt. Übung 5

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12.2.2

Umsatzsteuerpflichtiger Eigenverbrauch

Entnimmt ein solcher Unternehmer Gegenstände aus seinem Unternehmen, wie etwa Waren, Erzeugnisse, Anlagegüter usw., nutzt er etwa Betriebsgegenstände wie Geschäftsfahrzeuge zu privaten Zwecken usw., oder nimmt er Dienstleistungen seines Unternehmens in Anspruch, z. B., wenn der Betriebsmaler sein Privathaus anstreicht, so spricht man von einem umsatzsteuerpflichtigen Eigenverbrauch. Dieser umsatzsteuerpflichtige Eigenverbrauch muss nach dem Umsatzsteuergesetz gesondert ausgewiesen werden! Buchung dieses Verbrauches auf „Umsatzsteuerpflichtiger Eigenverbrauch“ Dieses Konto ist ein Ertragskonto!!!!! Es wird wie alle anderen Aufwands- und Ertragskonten über das GuV-Konto abgeschlossen. Die Buchungssätze hierbei lauten: Buchungssatz Privatkonto an Umsatzsteuerpflichtiger Eigenverbrauch an Umsatzsteuer Nach Abschluss Eigenverbrauch: des Kontos Umsatzsteuerpflichtiger dem Konto

Buchungssatz Umsatzsteuerpflichtiger Eigenverbrauch an GuV Der umsatzsteuerpflichtige Eigenverbrauch stellt ebenfalls eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt dar. Somit besteht der Gesamtbetrag der Privatentnahme aus dem eigentlichen Eigenverbrauch zuzüglich der auf ihn entfallenden Umsatzsteuer. Übung 6
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12.3 Warenverkehr Hierbei kann man zwei Fälle unterscheiden. Zum einen kann man den Wareneinkauf bestandsorientiert buchen. Dies bedeutet, man bucht den Wert der gekauften Ware auf den entsprechenden Bestandskonten. Z.B. Einkauf von Rohstoffen auf Ziel.

Buchungssatz Rohstoffe Vorsteuer an Verbindlichkeiten a.L.L. Die andere Möglichkeit besteht darin, den Kauf der Rohstoffe direkt als Aufwand zu buchen. Das macht man, wenn die eingekauften Rohstoffe direkt und ohne Lagerung in den Produktionsprozess einfließen (sog. Just in time Fertigung). Buchungssatz Aufwendungen für Rohstoffe Vorsteuer an Verbindlichkeiten a.L.L.

Hat man nach der ersten Methode gebucht, dann bucht man Entnahmen aus dem Lager nochmals gesondert als Aufwand. Z. B. Entnahme von Rohstoffen zu Produktionszwecken

Buchungssatz Aufwendungen für Rohstoffe an Rohstoffe

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Zusammengefasst bedeutet das, dass bei Just – in – time Fertigung die Materialien direkt in den Produktionsprozess fließen. Daher kann man die Käufe direkt als Aufwand auf den entsprechenden Aufwandskonten buchen. Bei der aufwandsorientierten Buchung der Materialeinkäufe weisen die Bestandskonten für die entsprechenden Materialien nur drei Posten aus. 1. den Anfangsbestand 2. den Schlussbestand, der sich aus der Inventur ergibt 3. die Bestandsveränderung Ergibt sich eine Bestandsveränderung, so muss diese auf dem entsprechenden Aufwandskonto umgebucht werden, um den tatsächlichen Aufwand zu ermitteln. Im Falle einer Bestandsmehrung wurde mehr Material eingekauft als verbraucht. Bei einer Bestandsminderung musste mehr Material aus dem Lagerbestand des Vorjahres in die Fertigung gegeben werden. Merke: Eine Bestandsmehrung mindert den Aufwand. Eine Bestandserniedrigung erhöht den Aufwand. Die Buchungssätze z.B. für Rohstoffe lauten: Bei Bestandsmehrung Buchungssatz Rohstoffe an Aufwendungen für Rohstoffe Bei Bestandsminderung Buchungssatz Aufwendungen für Rohstoffe an Rohstoffe Übung 7
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12.4 Skonto In der Buchhaltung einer Unternehmung geht folgende Rechnung ein: 20 Kilo Bananen, Kg a´ 3 € 60 € 1x Schallplatte (LP) von Modern Talking, St. a´45 € 45 € 3 Kisten Malzbier, Kiste a´8 € 24 € 5 Paar rosa Strumpfhosen, Paar a´25 € 125 € 5 Dosen Maggi Fix für dicke Eier, Dose a´2 € 10 € Netto 264 € + 16% MwSt. 42,24 € Brutto 306,24 € Zahlungsbedingungen: Zahlbar innerhalb von 10 Tagen unter Abzug von 2% Skonto, innerhalb von 30 Tagen Netto. Der Lieferant gewährt sozusagen dem Unternehmen einen Kredit. Das Unternehmen erhält einen Warenwert, ohne dass es dafür einen Cent zahlt, denn nach Erhalt der Rechnung bleiben 30 Tage Zeit, um die Rechnung zu begleichen. Der Lieferant belastet also den Kunden mit einem Zinszuschlag. Würde das Geld sofort auf seinem Bankkonto eingehen, bekäme er bei seiner Bank Zinsen dafür. Im obigen Fall sind die ersten 10 Tage nach Rechnungseingang der sogenannte Barzahlungszeitraum, in dem der Kunde den in den Rohstoffwert eingerechneten Zinszuschlag = Skonto nicht zahlen muss. Wenn nun die Rechnung erst nach 10 Tagen bezahlt, muss die Rechnung mit dem vollen Betrag (306,24 €) bezahlt werden. Das Zahlungsziel der obigen Rechnung ist also 20 Tage. 30 Tage – 10 Tage = 20 Tage. Diese 20 Tage werden mit dem Skontozuschlag beaufschlagt.

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Derjenige, der die Rechnung zahlen muss, stellt sich nun die Frage, ob sich für ihn ein vorzeitiger Rechnungsausgleich lohnt. Zur Beantwortung der Frage ist eine Umrechnung von Skontosatz in den effektiven Zinssatz, den der Kunde bei einer Hausbank bekommen müsste, nötig. Das geschieht mit einem Dreisatz und der Zinsformel. (Keine Angst, diese Nebenrechnung dient nur zum Verständnis und wird später nicht mehr benötigt!!!) Also: 20 Tage Kreditzeit ~ 2% Skonto 360 Tage ~ X % Skonto

Nun berechnet man den Zinssatz: X= 2% x 360 Tage = 36%. 20 Tage Rechnet man also den Skontosatz auf 1 Jahr um, so müsste man bei seiner Hausbank im Jahr 36% Zinsen bekommen!!!!!!!!!!!! Diese Lösung ist nur eine Überschlagslösung, aber zur Darstellung des Sachverhalts vollkommen ausreichend. Jeder Unternehmer wird die Rechnung unter Skontoabzug zahlen. Die Inanspruchnahme von Skonto lohnt sich in vielen Fällen auch dann, wenn man kurzfristig sein Konto überziehen muss, solange der effektive Skontosatz höher als der Kreditzinssatz ist. Wie ist nun eine solche Eingangsrechnung zu buchen? Zunächst bucht man ganz normal den Rechnungseingang. Die oben angegebenen Artikel seien Handelswaren.

Buchungssatz Aufwendungen für Waren Vorsteuer an Verbindlichkeiten

Soll Haben 264,00 42,24 306,24

Nun erfolgt die Bezahlung der Rechnung unter Abzug des Skontos. Er stellt nun einen Nachlass dar, den der Verkäufer gewährt.

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Der Nettobetrag der Rechnung ist 264 €. Hiervon berechnet man nun die 2% Skonto: 264 € x 0,02 = 5,28 € Zu beachten ist, dass das Konto Vorsteuer auch direkt korrigiert wird. Wenn man weniger für die Ware zahlt, zahlt man auch weniger Vorsteuer. 5,28€ x 0,16 = 0,84€ Buchungssatz Verbindlichkeiten an Nachlässe an Bank an Vorsteuer Soll Haben 306,24 5,28 300,12 0,84

Die Summe der Konten Skonto (Nachlässe), Bank und Vorsteuer muss dann wieder gleich der Summe der Verbindlichkeiten sein. Hier kann man immer schön kontrollieren, ob man sich nicht verrechnet hat!!!!!!!!!!! Nun bucht man das Skonto noch um, denn es mindert sich auch der Aufwand.

Buchungssatz Nachlässe an Aufwendungen für Waren

Soll 5,28

Haben 5,28

In der Klausur kann es vorkommen, dass man den Rechnungseingang nicht buchen muss, dann vereinfacht sich das Verfahren insofern, dass man Skonto, korrigierte Vorsteuer usw. bereits vor dem Aufstellen des Buchungssatzes ausrechnet. Dann fallen die Korrekturbuchungen auf den Konto Vorsteuer und Skonto weg. Das spart eine menge Zeit, wenn man anschließend die Buchungssätze auf die Konten überträgt. Die obige Rechnung stellt eine Eingangsrechnung dar. Mit Ausgangsrechnungen verhält es sich ähnlich. Bei Rechnungen, die ein Unternehmen Kunden ausstellt, muss nun nicht die Vorsteuer berichtigt werden, sondern die Umsatzsteuer. Dieses Verfahren ist fast das gleiche wie beim Preisnachlass, den ein Unternehmen einem Kunden gewährt.
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Ein Skonto, das einem Kunden gewährt wird, führt nachträglich zu einer Verringerung der Umsatzerlöse, daher auch zu einer Umsatzsteuerkorrektur. Das hierfür benötigte Konto ist nicht wie oben „Nachlässe“, sondern das Konto „Erlösberichtigungen“. Die ausführliche Buchung lautet: Buchung der Ausgangsrechnung Buchungssatz Forderungen an Umsatzerlöse an Umsatzsteuer Buchen des Zahlungseingangs Buchungssatz Bank Erlösberichtigungen Umsatzsteuer an Forderungen Soll Haben (x+y)*0,98 x * 0,02 y * 0,02 x+y Soll x+y Haben x y

Nun die Umbuchung des Kundenskontos Buchungssatz Umsatzerlöse an Erlösberichtigungen Soll x * 0,02 Haben x *0,02

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Die Berichtigungen Umsatzsteuer so aus:

sehen

auf

den

Konten

Vorsteuer

und

Vorsteuer Soll Vorsteuerbeträge aufgrund von Eingangsrechnungen Haben Berichtigungen: Lieferer Boni Lieferer Skonti Preisnachlässe von Lieferern Rücksendungen an Lieferern

Umsatzsteuer Soll Berichtigungen: Preisnachlässe an Kunden Kundenboni Kundenskonti Rücksendungen von Kunden Haben Umsatzsteuerbeträge aufgrund von Ausgangsrechnungen

Übung 8 12.5 Verbuchung von Löhnen und Gehältern Arbeitnehmer sind mit ihrem Lohn und Gehalt lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Die Höhe der Lohnsteuer ist abhängig von der Höhe des Bruttoverdienstes und der Lohnsteuerklasse. Zur Sozialversicherung zählen Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Der Teil, den der Arbeitnehmer zur Sozialversicherung beiträgt, wird direkt vom Gehalt oder Lohn einbehalten. Der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung ist für den Arbeitgeber zusätzlicher Aufwand. Der Bruttobetrag der Löhne und Gehälter wird regelmäßig jeden Monat als Aufwand gebucht.

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Die Konten hierfür sind das Konto Löhne und das Konto Gehälter. Einbehaltene Abzüge wie Lohnsteuer (werden vom Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt). Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung muss der Arbeitgeber an die jeweiligen Krankenkassen überweisen. Bis zum Zeitpunkt der Überweisung, das geschieht i.d.R. immer bis zum 10. des Folgemonats, stellen sie für den Arbeitgeber Verbindlichkeiten dar. Diese werden zunächst als durchlaufende Posten auf den Konten FB-Verbindlichkeiten (sonstige Verbindlichkeiten gegenüber den FinanzBehörden) und SV-Verbindlichkeiten (Verbindlichkeiten gegenüber SozialVersicherungsträgern) gebucht. Der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung ist zusätzlicher Personalaufwand, der auf dem Konto „Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung“ gebucht wird. Später wird er dann auf das Konto SV- Verbindlichkeiten umgebucht. Er hat den gleichen Betrag wie der SV-Anteil, den der Arbeitnehmer trägt. Die Personalkosten setzen sich zusammen aus dem Bruttogehalt + dem Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Die Buchungen lauten Bei Gehaltszahlung Buchungssatz Soll Haben Gehälter * an FB-Verbindlichkeiten * an SV-Verbindlichkeiten * an Bank * (* die mit * gekennzeichneten Beträge müssen gesondert ermittelt werden. Siehe dazu Vorlesung)

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Buchung des Arbeitgeberanteils Buchungssatz Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung an SV-Verbindlichkeiten Überweisung Beträge der einbehaltenen Soll Xy und noch Haben Xy abzuführenden

Buchungssatz FB-Verbindlichkeiten SV-Verbindlichkeiten an Bank Übung 12.6 Abschreibungen

Soll ab 2*Xy

Haben

ab+2*Xy

Angenommen: Tante Emma kauft für ihren kleinen Laden eine neue Kühltheke für netto 40000 €. Da sie nur einen Smart fährt, beauftragt sie eine Spedition, die Theke zu Liefern. Der Spediteur berechnet für die Lieferung netto 500 €. Als sie die großen Einzelteile zusammenbauen will, fällt ihr auf, dass sie technisch total unbegabt ist. Nun muss ein Schreiner her, damit die Theke am nächsten Werktag betriebsbereit ist. Der Schreiner berechnet nochmals 116 € inklusive der anfallenden gesetzlichen Steuer. Nach dem HGB §255 sind alle Anlagegüter (Gebäude, Maschinen, Betriebs und Geschäftsausstattung, KFZ, usw.) mit den auf sie anfallenden Anschaffungskosten zum Zeitpunkt des Erwerbs zu buchen. Anschaffungskosten sind zum einen der eigentliche Kaufpreis sowie alle anfallenden Kosten, die nötig sind, um das Anlagegut zu erwerben und in Betrieb zu nehmen (Zulassungskosten für KFZ, Montagekosten, Grunderwerbssteuer usw.) Wird ein Preisnachlass gewährt, so mindern sich die Anschaffungskosten um diesen Betrag. Die von den Lieferanten usw. berechnete Steuer zählt nicht dazu.

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Was kostet die ganze Aktion Tante Emma? Nettokaufpreis + Anschaffungsnebenkosten + Anschaffungsnebenkosten Anschaffungskosten (netto) Der Steuersatz sei 16%. Buchungssatz Betriebs und Geschäftsausstattung Vorsteuer an Bank Soll Haben 40.600,00 6.496,00 47.096,00 40000 € 500 € 100 € 40600 €

Man erkennt, dass die Anschaffungsnebenkosten nicht gesondert gebucht werden, sondern nur der Gesamtbetrag auf dem entsprechenden Konto. Da die Theke nicht immer auf dem neusten Stand der Technik sein wird (Korrosion, Verschleiß usw.), mindert sich ständig ihr Wert. Das ist bei allen abnutzbaren Anlagegütern der Fall. Es gibt also auch nicht abnutzbare Anlagegüter (Grundstücke etc.). Wertminderung von Anlagegütern kann technisch oder wirtschaftlich bedingt sein. Ihre Nutzungsdauer ist zeitlich begrenzt. Man bestimmt daher für jedes Anlagegut die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer. Das ist die Zeitspanne, in der es wirtschaftlich ist, das Gut zu nutzen, nicht aber die Lebenszeit des Gutes!!!!!!! Da das Anlagegut nun jährlich an Wert verliert, erfasst man diese Wertminderung als Abschreibung. Diese stellt für den Betrieb einen Aufwand dar. Man spricht dann auch von Absetzung für Abnutzung. Hierdurch werden nun die Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer verteilt. Jedes Jahr wird nun ein bestimmter Betrag gebucht, der die Wertminderung darstellt. Da die Abschreibungen einen Aufwand darstellen, mindern sie am Geschäftsjahresende den Gewinn. Das ist ganz nett, denn dann muss der Unternehmer nämlich am Jahresende weniger Steuern zahlen (z. B. Einkommenssteuer des Unternehmens).
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Wie verbucht man nun solche Abschreibungen? Dies ist ganz einfach. Man bucht den Abschreibungsbetrag auf die Haben-Seite des entsprechenden Bestandskontos. Angenommen in obigen Fall sei der Abschreibungsbetrag 1.600 € (dieser Wert wurde rein willkürlich angenommen), dann sieht die Buchung wie folgt aus: Buchungssatz Abschreibungen (AfA) an Betriebs und Geschäftsaustattung Soll Haben 1.600,00 1.600,00

Die Buchung am Jahresende lautet dann: Buchungssatz GuV an Abschreibung (AfA) und Buchungssatz SBK (Schlussbilanzkonto) an Betriebs und Geschäftsaustattung (40600€ - 1600€ =39000€) Soll Haben 39.000,00 39.000,00 Soll Haben 1.600,00 1.600,00

Zur Verdeutlichung des Sachverhalts seien hier nochmals die Konten aufgezeichnet. Die Zusammenhänge sind mit Pfeilen gekennzeichnet. Achtung: Auf den einzelnen Konten können durchaus noch weitere Positionen stehen. Umbuchungen also erst vornehmen, wenn vorherige Buchungen abgeschlossen sind. Es ergeben sich dann durchaus andere Salden auf den einzelnen Konten.

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Betriebs und Geschäftsaustattung (BGA) Soll Haben Bank 40600 AfA 1600 SBK 39000 40600 40600 AfA Soll BGA 1600 GuV Haben 1600

GuV Soll AfA Haben 1600

SBK Soll BGA Haben 39000

Soweit zu der buchhalterischen Erfassung von Abschreibungen. Nun gibt es aber mehrere Methoden der planmäßigen Abschreibung auf abnutzbare Anlagegüter. 1. Die lineare Abschreibung 2. Die degressive Abschreibung 3. Die Abschreibung nach Leistung 12.6.1 Die lineare Abschreibung (auch gleich bleibende Abschreibung) Hier wird jedes Jahr der gleiche Betrag (Prozentsatz) von den Anschaffungskosten gebucht. Kostet eine Maschine 100.000 € und die Nutzungsdauer beträgt 10 Jahre so ist der Abschreibungsbetrag 100.000 €/10Jahre = 10.000 €/Jahr. Der Abschreibungsprozentsatz ist 100%/10Jahre = 10%.

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Über die Ermittlung des Buchwertes gibt folgende Tabelle Auskunft
Ermittlung des Buchwerts bei linearer Abschreibung Anschaffungskosten -Abschreibung für das 1. Jahr Buchwert am Ende des 1. Jahres -Abschreibung für das 2. Jahr Buchwert am Ende des 2. Jahres -Abschreibung für das 3.Jahr Buchwert am Ende des 3. Jahres -Abschreibung für das 4.Jahr Buchwert am Ende des 4. Jahres -Abschreibung für das 5.Jahr Buchwert am Ende des 5. Jahres -Abschreibung für das 6.Jahr Buchwert am Ende des 6. Jahres -Abschreibung für das 7.Jahr Buchwert am Ende des 7. Jahres -Abschreibung für das 8.Jahr Buchwert am Ende des 8. Jahres -Abschreibung für das 9.Jahr Buchwert am Ende des 9. Jahres -Abschreibung für das 10.Jahr Buchwert am Ende des 10. Jahres 10% linear 100.000 € 10.000 € 90.000 € 10.000 € 80.000 € 10.000 € 70.000 € 10.000 € 60.000 € 10.000 € 50.000.€ 10.000 € 40.000 € 10.000 € 30.000 € 10.000 € 20.000 € 10.000 € 10.000.€ 10.000 € 0€

Man erkennt, dass bei linearer Abschreibung am Ende der Nutzungsdauer der Nullwert erreicht ist. Wenn das Anlagegut aber weiterhin betrieblich genutzt wird, so bleibt es am Ende mit 1 € Erinnerungswert auf dem Konto stehen. In diesem Beispiel würde dann die Abschreibung für das 10. Jahr nur 9.999 € anstatt 10.000 € betragen.

12.6.2 Die degressive Abschreibung (auch Buchwertabschreibung genannt) Hierbei wird nur die Abschreibung für das erste Nutzungsjahr von den Anschaffungskosten berechnet. Die Abschreibungen für die folgenden Jahre berechnen sich dann vom jeweiligen Buch- oder Restwert. Durch diese Methode ergeben sich dann von Jahr zu Jahr degressive (fallende) Abschreibungsbeträge. Rechnerisch kann am Ende der Nutzungsdauer der Nullwert niemals erreicht werden. Um aber einen möglichst geringen Restbuchwert zu
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erhalten, muss der Abschreibungssatz bei degressiver Abschreibung höher sein als bei der linearen Methode. Der verbleibende Restwert am Ende ist dann auf den Nullwert bzw. 1 € Erinnerungswert abzuschreiben. Nach dem Steuerrecht darf der degressive Abschreibungssatz das Dreifache des linearen Abschreibungssatzes betragen, nicht aber höher als 30% der Anschaffungskosten sein. Angenommen; die Anschaffungskosten für ein Gut betragen 200.000 €, dann ergibt sich folgende Tabelle
Ermittlung des Buchwerts bei degressiver Abschreibung Anschaffungskosten -Abschreibung für das 1. Jahr Buchwert am Ende des 1. Jahres -Abschreibung für das 2. Jahr Buchwert am Ende des 2. Jahres -Abschreibung für das 3.Jahr Buchwert am Ende des 3. Jahres -Abschreibung für das 4.Jahr Buchwert am Ende des 4. Jahres -Abschreibung für das 5.Jahr Buchwert am Ende des 5. Jahres -Abschreibung für das 6.Jahr Buchwert am Ende des 6. Jahres -Abschreibung für das 7.Jahr Buchwert am Ende des 7. Jahres -Abschreibung für das 8.Jahr Buchwert am Ende des 8. Jahres -Abschreibung für das 9.Jahr Buchwert am Ende des 9. Jahres -Abschreibung für das 10.Jahr Buchwert am Ende des 10. Jahres 30% degressiv 200.000,00 € 60.000,00 € 140.000,00 € 42.000,00 € 98.000,00 € 29.400,00 € 68.600,00 € 20.580,00 € 48.020,00 € 14.406,00 € 33.614,00 € 10.084,20 € 23.529,80 € 7.058,94 € 16.470,86 € 4.941,26 € 11.529,60 € 3.458,88 € 8.070,72 € 2.421,22 € 5.649,50 €

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Große Wertminderungen ergeben sich meist in den ersten Jahren, z. B. durch technischen Fortschritt (bei Computern usw.). Dieser Tatsache trägt die degressive Abschreibung Rechnung, denn bei dieser Methode sind die Abschreibungsbeträge in den ersten Jahren deutlich höher als bei der linearen Abschreibung. Hierdurch kann der Gewinn des Unternehmens stärker gesenkt werden, was sich wiederum auf die Steuerbelastung des Unternehmens auswirkt. Der Restwert ist bei der degressiven AfA allerdings sehr hoch. Um dennoch den Nullwert zu erreichen, ist es steuerrechtlich erlaubt, von der degressiven zur linearen Abschreibungsmethode zu wechseln, nicht aber von der linearen zur degressiven. Bei einer Nutzungsdauer von 10 Jahren ist ein Wechsel im achten Jahr sinnvoll. Hier ist dann der lineare AfA-Betrag höher als der degressive. Rechnung: Restbuchwert zum Zeitpunkt des Wechsels = 16.470,86 =5490,29 € Restnutzungsdauer 3 Linearer AfA –Satz: 100 = 100 =33,33% Restnutzungsdauer 3

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In Tabellenform wird es etwas übersichtlicher:
Ermittlung des Buchwerts bei degressiver Abschreibung Anschaffungskosten -Abschreibung für das 1. Jahr Buchwert am Ende des 1. Jahres -Abschreibung für das 2. Jahr Buchwert am Ende des 2. Jahres -Abschreibung für das 3.Jahr Buchwert am Ende des 3. Jahres -Abschreibung für das 4.Jahr Buchwert am Ende des 4. Jahres -Abschreibung für das 5.Jahr Buchwert am Ende des 5. Jahres -Abschreibung für das 6.Jahr Buchwert am Ende des 6. Jahres -Abschreibung für das 7.Jahr Buchwert am Ende des 7. Jahres -Abschreibung für das 8.Jahr Buchwert am Ende des 8. Jahres -Abschreibung für das 9.Jahr Buchwert am Ende des 9. Jahres -Abschreibung für das 10.Jahr Buchwert am Ende des 10. Jahres 30% degressiv 200.000,00 € 60.000,00 € 140.000,00 € 42.000,00 € 98.000,00 € 29.400,00 € 68.600,00 € 20.580,00 € 48.020,00 € 14.406,00 € 33.614,00 € 10.084,20 € 23.529,80 € 7.058,94 € 16.470,86 € 4.941,26 € 11.529,60 € 3.458,88 € 8.070,72 € 2.421,22 € 5.649,50 € Übergang auf lineare Abschreibung

16.470,86 € 5.490,29 € 10.980,57 € 5.490,29 € 5.490,29 € 5.490,29 € 0€

12.6.3

Abschreibung nach der Leistung

Man kann Anlagegüter auch nach ihrer erbrachten Leistung abschreiben. Als einfachstes Beispiel dient ein LKW, bei dem man pro gefahrenen Kilometer einen bestimmten Betrag ansetzt. Am Jahresende ermittelt man dann die Summe der gefahrenen Kilometer, multipliziert diese mit dem Betrag pro Kilometer und erhält so den Abschreibungsbetrag. Welche Bedeutung haben die Abschreibungen? Die Abschreibungen werden in der Kalkulation der Verkaufspreise voll als Kosten eingesetzt. Durch den Verkauf der Erzeugnisse oder Waren erhält das Unternehmen die einkalkulierten Abschreibungsbeträge in Form liquider Mittel wieder zurück. (Kasse, Bank). Dieser Rückfluss steht nun wieder für Neu- oder

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Ersatzanschaffungen bereit. Die Abschreibungen bilden somit einen Kreislauf. Übung 12.6.4 Abschreibungen auf Forderungen

Zum Jahresabschluss sind im Rahmen der Inventur alle Forderungen einzeln auf ihre Einbringlichkeit (Bonität) zu überprüfen und mit ihrem wahrscheinlichen Wert anzusetzen. Diese Bewertung soll das Ausfallrisiko erfassen (Kunden gehen Pleite und können nicht mehr bezahlen usw.). Dieses Risiko muss am Jahresabschluss stets berücksichtigt werden. Forderungen, die also mit einem Ausfallrisiko behaftet sind, sind aus Gründen der Klarheit von den einwandfreien Forderungen zu trennen. Man benutzt dafür das Konto „zweifelhafte Forderungen“ (Dubiose). Der Buchungssatz lautet dann ganz einfach:  Zweifelhafte Forderungen an Forderungen jeweils mit dem gleichen Betrag versteht sich. Der geschätzte Nettoausfall der „Zweifelhaften Forderung“ wird dann auf dem Konto „Abschreibungen auf Forderungen“ gebucht. Also: Abschreibungen auf Forderungen an Zweifelhafte Forderungen Da der Ausfall der Forderung in seiner Höhe aber noch nicht effektiv feststeht, darf die darauf entfallende Umsatzsteuer noch nicht berichtigt werden. Die Schlussbilanz weist also zusätzlich zu dem Konto „Forderungen“ dann auch noch das Konto „Zweifelhafte Forderungen“ auf.

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Erst nach Feststehen des tatsächlichen Zahlungsausfalls darf das Umsatzsteuerkonto berichtigt werden. Der Buchungssatz lautet dann:  Umsatzsteuer an Zweifelhafte Forderungen. Übung 8 12.7 Jahresabschluss Zeitliche Abgrenzung der Aufwendungen und Erträge 12.7.1 Sonstige Forderungen

Angenommen: ein Unternehmen vermietet einen Lageraum an einen Kunden für einen bestimmten Betrag pro Monat. Der Kunde zahlt z. B. die Dezembermiete aber erst am 15. des Folgemonats per Überweisung. Wie behandelt man diesen Fall am Ende des Geschäftsjahres (31.12.)? Die Miete für Dezember stellt einen Ertrag des abzuschließenden Geschäftsjahres dar. Dieser führt aber erst im folgenden Geschäftsjahr zu einer Einnahme. Der Ertrag muss aber unabhängig von dem Zahlungstermin in der Gewinn- und Verlustrechnung des alten Geschäftsjahres berücksichtigt werden (periodengerechte Ermittlung des Jahreserfolgs). Man bucht solch Forderungen“. einen Fall auf dem Konto „Sonstige

Die Miete betrage nun 5.000 €. Wie ist am 31.12. zu buchen? 1. Buchungssatz Sonstige Forderungen an Mieterträge Soll Haben 5.000,00 5.000,00

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2. Buchungssatz Mieterträge an GuV 3. Buchungssatz SBK an Sonstige Forderungen Soll Haben 5.000,00 5.000,00 Soll Haben 5.000,00 5.000,00

12.7.2

Sonstige Verbindlichkeiten

Angenommen; wir haben Miete für Gebäude zu zahlen. Die Miete beträgt für ein Jahr 1.200 €. Das Mietverhältnis beginnt am 1. November. Wir bezahlen die Miete immer erst nach einem Jahr, d.h. am 31. Oktober des nächsten Jahres. Von dieser Jahresmiete in Höhe von 1.200 € entfallen zwei Monate (=200 € Aufwand) auf das abzuschließende Geschäftsjahr und 1.000 € auf das neue Geschäftsjahr. Um das Unternehmensergebnis periodengerecht zu ermitteln, müssen die zwei Monate (November und Dezember) noch als Mietaufwand des aktuellen Geschäftsjahres gebucht werden. Die noch ausstehende Zahlung für die zwei Monate ist dann auf dem Konto „Sonstige Verbindlichkeiten“ zu buchen. Die entsprechenden Buchungssätze lauten dann: 1. Buchungssatz Mietaufwand an Sonstige Verbindlichkeiten 2. Buchungssatz GuV an Mietaufwand

Soll Haben 200,00 200,00

Soll Haben 200,00 200,00
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3. Buchungssatz Sonstige Verbindlichkeiten an SBK

Soll Haben 200,00 200,00

Es wird also zunächst nur der Betrag gebucht, der in das abzuschließende Geschäftsjahr fällt. Die Zahlung wird dann im nächsten Jahr folgendermaßen gebucht: Zahlung am 31. Oktober

Buchungssatz Sonstige Verbindlichkeiten Mietaufwand an Bank

Soll Haben 200,00 1.000,00 1.200,00

Der Gewinn oder Verlust eines Geschäftsjahres wird nur durch Gegenüberstellung der Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres ermittelt, unabhängig davon, wann eine Zahlung (Ausgabe~Einnahme) getätigt wird. Die Aufwendungen und Erträge müssen dem Geschäftsjahr zugeordnet werden, zu dem Sie auch wirtschaftlich gehören (periodengerechte Erfolgsermittlung). Also bucht man am Jahresende Jew. Aufwandskonto an Sonstige Verbindlichkeiten, z.B. für noch zu zahlende Miete, Steuern, Provisionen usw. Sonstige Forderungen an jew. Ertragskonto, z. B. für noch zu erhaltende Miete, Zinsen, Provisionen usw.

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12.7.3

Aktive Rechnungsabgrenzung

Wenn ein Unternehmen z.B. Miete (200 €/Monat) für ein Jahr (vom 1. Oktober bis 30. September) im voraus zahlt, dann wird dieser Geschäftsfall zunächst so verbucht: 200 € x 12 = 2.400 € Buchungssatz Aufwand für Miete an Bank Soll Haben 2.400,00 2.400,00

Die vorausbezahlte Miete berührt also zwei Geschäftsjahre. Ähnlich wie in den vorherigen Fällen, muss das Geschäftsergebnis nun wieder periodengerecht ermittelt werden. Da bereits Geld geflossen ist, sind die Konten „Sonstige Forderungen“ und „Sonstige Verbindlichkeiten“ hierfür nicht geeignet. Drei Monate (Oktober, November, Dezember) betreffen das aktuelle Geschäftsjahr mit 600 € (3 x 200 €). Die restlichen neun Monate entfallen auf das folgende Jahr mit 1.800 € (9 x 200 €). Auf dem entsprechenden Aufwandskonto (hier Aufwand für Miete) wurde bereits der Betrag für ein ganzes Jahr gebucht. Der Betrag für die neun Monate, die das neue Jahr betreffen, muss also von dem Aufwandskonto wieder herunter und in die Ergebnisrechnung des neuen Jahres gebucht werden. Hiefür nutzt man das Konto „Aktive Rechnungsabgrenzung“ (ARA). Die Buchung der Zeitlichen Abgrenzung sieht dann so aus: Buchungssatz ARA an Aufwand für Miete Soll Haben 1.800,00 1.800,00

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Was hat das Konto ARA denn nun für eine Bedeutung, außer dass es den Betrag der Miete, die auf das folgende Jahr entfällt, beinhaltet? Es beinhaltet zusätzlich noch einen Anspruch auf Miete. Das bedeutet eine Leistungsforderung an den Vermieter. Die Tatsache, dass es eine Forderung darstellt, macht es dadurch zu einem aktiven Bestandskonto in der Schlussbilanz. Das Konto „Aufwendungen für Miete“ weist nun nur den Aufwand des abzuschließenden Jahres aus und wird wie gewohnt über das GuV Konto abgeschlossen. Buchungssatz SBK an Aktive Rechnungsabgrenzung (ARA) und Buchungssatz GuV an Aufwand für Miete Soll Haben 600,00 600,00 Soll Haben 1.800,00 1.800,00

Zu Beginn des neuen Jahres wird das Konto ARA, wie alle anderen Konten der Bilanz auch, ganz normal eröffnet. Dach wird dann der Betrag auf dem Konto ARA auf das Konto Aufwand für Miete umgebucht. Nun ist die eigentliche Aufgabe des Kontos ARA erfüllt. Es diente lediglich dazu, die Ausgaben im alten Jahr als Aufwand in die Ergebnisrechnung des neuen Jahres zu führen. Man nennt diese Posten auch „transitorische“ Posten.

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Buchungssatz ARA an Eröffnungsbilanzkonto und Buchungssatz Aufwand für Miete an ARA

Soll Haben 1.800,00 1.800,00

Soll Haben 1.800,00 1.800,00

Um das ganze Verfahren etwas abzukürzen, kann die Rechnungsabgrenzung auch sofort bei Buchung der Ausgabe vorgenommen werden. In obigem Beispiel wäre dann wie folgt zu buchen: Buchungssatz Aufwand für Miete ARA an Bank Soll Haben 600,00 1.800,00 2.400,00

Im neuen Jahr wird wie oben beschrieben gebucht. 12.7.4 Passive Rechnungsabgrenzung

Vermieten wir z. B. ein Bürogebäue, dass unser Betrieb nicht benötigt, erhalten wir unter Umständen Miete im voraus. Der Mieter überweist uns Miete für sieben Monate im Voraus, und zwar vom 1. November bis 31. Mai jeweils 1.000 €/Monat. Die Buchung der Einnahme lautet dann am 1. November des aktuellen Jahres: Buchungssatz Bank Mieterträge Soll Haben 7.000,00 7.000,00

Diese Miete berührt nun auch wieder zwei Geschäftsjahre. Am Ende des aktuellen Jahres muss nun auch wieder eine zeitliche Abgrenzung vorgenommen werden. November und Dezember
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fallen in das alte Jahr mit 2.000 €, die restlichen fünf Monate betreffen das neue Jahr mit 5.000 €. Der Betrag des neuen Jahres muss also nun auf die Sollseite des Mietertragskontos korrigiert und der Ergebnisrechnung des neuen Jahres zugeführt werden. Hierfür verwendet man das Konto „Passive Rechnungsabgrenzung“ (PRA). Buchungssatz Mieterträge an PRA Soll Haben 5.000,00 5.000,00

Ähnlich wie bei der ARA beinhaltet das Konto PRA nun eine Verpflichtung zur Überlassung des Bürogebäudes an den Mieter. Sie stellt für uns eine Leistungsverbindlichkeit dar. Das Wort Verbindlichkeit in Leistungsverbindlichkeit sagt uns, dass das Konto PRA als passives Bestandskonto zu führen ist. Es taucht also auf der Passiv-Seite des SBK auf. Das Konto Mietertrage wird wie gehabt einfach über das Konto GuV abgeschlossen. Buchungssatz PRA an SBK und Buchungssatz Mieterträge an G u V Soll Haben 5.000,00 5.000,00

Soll Haben 2.000,00 2.000,00

Im neuen Jahr eröffnet man das Konto PRA und bucht dann einfach auf Mieterträge um. Buchungssatz EBK an PRA und Soll Haben 5.000,00 5.000,00

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Buchungssatz PRA an Mieterträge

Soll Haben 5.000,00 5.000,00

Auch bei der Passiven Rechnungsabgrenzung ist es möglich, diese direkt bei Zahlung vorzunehmen. Buchungssatz Bank an Mieterträge an PRA Soll Haben 7.000,00 2.000,00 5.000,00

12.7.5

Zusammenfassung ARA und PRA

Das Konto ARA erfasst alle Ausgaben vor dem Abschuss-Stichtag, soweit sie Aufwand des Folgejahres darstellen. Der Buchungssatz lautet: am 31.12.: ARA an Aufwandskonto bei direkter Abgrenzung: ARA an Zahlungsmittelkonto Das Konto PRA erfasst alle Einnahmen vor dem Abschluss-Stichtag, soweit sie Ertrag des Folgejahres darstellen. Der Buchungssatz lautet: am 31.12.: Ertragskonto an PRA bei direkter Abgrenzung: Zahlungsmittelkonto an PRA Man unterscheidet bei der Abgrenzungsrechnung also vier Fälle, die aus Gründen der Übersichtlichkeit hier in Tabellenform dargestellt werden. Diese Tabelle solltet ihr im Schlaf beherrschen.

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Geschäftsfall im alten Jahr Von uns noch zu zahlender Aufwand Noch zu vereinnahmender Ertrag Von uns im Voraus bezahlter Aufwand Im Voraus vereinnahmter Ertrag Einnahme Ausgabe Ertrag Aufwand

Vorgang im neuen Jahr Ausgabe

Buchung zum 31.12.

Aufwandskonto an Sonstige Verbindlichkeiten

Einnahme

Sonstige Forderungen an Ertragskonto

Aufwand

Aktive Rechnungsabgrenzung an Aufwandskonto

Ertrag

Ertragskonto an Passive Rechnungsabgrenzung

Übung 9 12.7.6 Rückstellungen

Bei uns im Betrieb ist das Dach der Lagerhalle undicht. Der Hausmeister beauftragte eine Dachdeckerfirma. Diese schätzte den Schaden laut Kostenvoranschlag auf 100.000 €. Da es kurz vor Weihnachten ist und über die Feiertage niemand im Lager arbeitet, weil die ganze Ware verkauft worden ist, entschließt sich die Geschäftsleitung, das Dach erst im Januar reparieren zu lassen. Die Reparatur ist nun wirtschaftlich dem Abschlussjahr zuzurechnen, da der Schaden in diesem Jahr entstanden ist. Für eine periodengerechte Ermittlung des Geschäftsergebnisses muss daher der geschätzte Betrag noch als Aufwand und zugleich als Verbindlichkeit des Abschlussjahres erfasst werden. Der Unterschied zu den bisher bekannten Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ist der, dass diese Verbindlichkeiten in ihrem Fälligkeitstermin (wann wird repariert?) und ihrer Höhe (wie hoch ist der tatsächliche Schaden?) noch nicht genau feststehen. Solche Verbindlichkeiten bezeichnet man als Rückstellungen. Also: Rückstellungen sind Verbindlichkeiten für Aufwendungen, die zum Bilanzstichtag dem Grunde nach feststehen, deren Höhe und/oder Fälligkeit jedoch noch ungewiss sind (=ungewisse Verbindlichkeiten).
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Im wesentlichen benutzt man für die Bildung von Rückstellungen die folgenden Konten: „Pensionsrückstellungen“, „Steuerrückstellungen“ und „Sonstige Rückstellungen“ Wie ist nun zum Jahresende zu buchen? Für Reparaturen durch andere Unternehmen nutzen wir das Konto „Fremdinstandhaltung“, dies ist ein Aufwandskonto. Buchungssatz Fremdinstandhaltung an Sonstige Rückstellungen und Buchungssatz GuV an Fremdinstandhaltung Soll Haben 100.000,00 100.000,00 Soll Haben 100.000,00 100.000,00

Der Schaden muss ja noch in unserer Gewinn- und Verlustrechnung auftreten. Die Verbindlichkeiten, die sich aus dem Schaden ergeben, müssen nun noch in der Schlussbilanz auftauchen: Buchungssatz Sonstige Rückstellungen an SBK Soll Haben 100.000,00 100.000,00

Das tolle an Rückstellungen ist, dass man sie für Aufwendungen bildet, die erst im nächsten Jahr zu einer Ausgabe führen. Dadurch mindern sie aber im abzuschließenden Jahr den Gewinn und damit die zu zahlenden Steuern. Im Folgejahr erfolgt dann die Auflösung der Rückstellung. Man eröffnet zunächst das Konto „Sonstige Rückstellungen“. Buchungssatz EBK an Sonstige Rückstellungen Soll Haben 100.000,00 100.000,00
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Jetzt aufgepasst:

Wenn nun der Dachdecker das Dach repariert hat, ist es oft so, dass der Kostenvoranschlag nicht mit dem tatsächlichen Rechnungsbetrag übereinstimmt. Man kann also drei Fälle unterscheiden: 1. Fall: Die Rückstellung ist gleich dem Kostenvoranschlag 100.000 € + 16000 € UST = 116.000 € Dann ist alles recht einfach zu buchen. Man muss nur noch die Vorsteuer berücksichtigen. Buchungssatz Sonstige Rückstellungen Vorsteuer an Bank Soll Haben 100.000,00 16.000,00 116.000,00

2. Fall: Der Dachdecker hat sich verkalkuliert, und dadurch haben wir die Rückstellung zu hoch gebildet. Hierbei entsteht nun ein periodenfremder Ertrag. Die Nettozahlung betrage nur 90.000 € 90.000 € + 14.400 €UST = 104.400 € Buchungssatz Sonstige Rückstellungen Vorsteuer an Bank Soll Haben 90.000,00 14.400,00 104.400,00

Auf dem Konto Sonstige Rückstellungen befinden sich nun noch 10.000 €, die den periodenfremden Ertrag darstellen. Diesen holen wir nun von dem Rückstellungskonto herunter und buchen ihn auf das Konto „Periodenfremde Erträge“. Buchungssatz Sonstige Rückstellungen an Periodenfremde Erträge Soll Haben 10.000,00 10.000,00

Somit ist der Saldo auf dem Rückstellungskonto wieder = 0!
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3. Fall: Der Schaden war noch höher als erwartet. Er beträgt nun nicht mehr 100.000 € netto, sondern 110.000 €. Es entsteht nunmehr ein periodenfremder Aufwand von 10.000 €. 100.000 € + 17.600 € UST = 127.600 €. Buchungssatz Sonstige Rückstellungen Periodenfremde Aufwendungen Vorsteuer an Bank Soll Haben 100.000,00 10.000,00 17.600,00 127.600,00

Der Saldo des Rückstellungskontos ist nun wiederum = 0!! Rückstellungen müssen gebildet werden für: ungewisse Verbindlichkeiten (Steuernachzahlungen, Pensionsverpflichtungen, Prozesskosten….) Unterlassene Instandhaltungen, welche innerhalb der ersten drei Monate im Folgejahr nachgeholt werden. Gewährleistungen aus Kulanz, die Verpflichtungen erbracht werden. also ohne rechtliche

Drohende Verluste aus Schwebenden Geschäften. Für Rückstellungen besteht Passivierungspflicht. Sie dienen der periodengerechten Jahresergebnisses. Buchung der Rückstellungen erfolgt immer so: Aufwandskonto an Rückstellungskonto Ermittlung des

Bei ihrer Auflösung entstehen oft periodenfremde Aufwendungen und Erträge. Übung 10

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