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[D]

…gebt ihr
eine glückliche
oder eine unglückliche Liebe,
das Wichtigste ist,
dass es Liebe ist
Die Sprache ist nicht nur eine Darstellung der Welt oder ein Mittel das dem Sujet einwilligt im
Zusammenhang mit einer äußeren Welt einzutreten. Sie ist das Organ welches uns erlaubt mit der
Außenwelt zu verschmelzen, eine Privatfluss zu öffnen, sie ist verschnürt und verläuft im Zentrum.
Während die Sprache zu einem Motor der Welt wird, mehr als dass sie sich darauf begrenzt ihr einen
Spiegel zu verleihen, tauchen traditionelle Gegenüberstellungen wie die mit dem „Ich“ und dem
„Anderen“, der „Öffentlichkeit“ und dem „Privaten“ auf: Es werden somit neue Formen der Kenntnis
möglich, die im Licht eines ständigen Tonwechsels zwischen Bezugnahme und Abstand die
Gesamtheit der Existenz weiter denken.
Beugend über die Welt und sie durch eigene Praktik zum Sprechen zu bringen: der Künstler, der
Mittelpunkt (handelt es sich von Orten, von unbekannten „writers“, von geliebten Menschen) und die
Sprache ganz für sich selbst werben jeweils um ein dauerhaftes nochmaliges Lesen in mehreren
Stufen, das nicht nur dazu gelangt, den Bezug neu zu formulieren, sondern sogar auch das Konzept der
Identität, des Selbst und des Anderen. Ein solches nochmaliges Lesen findet mittels der Manipulierung
von anonymen Nachrichten statt, auf Wänden geschrieben und an gewohnte Personen gerichtet, die
sie geschenkartig erhalten, ein Geschenk so die Spitze auf dem eigenen vorherig entzogenen
Kleidungsstück. Die ursprüngliche Nachricht in Umlauf geführt, die uns erlaubt weder auf die
Handlungstragenden noch auf ihren eigentlichen wahrheitsgetreuen Inhalt zurückzukommen, verläuft
von Hand zu Hand, wird nach und nach übersetzt und wieder vorgeschlagen.
Das Werk besteht nicht als solches in einer bestimmten Lesart des Sujets, in seinen Porträt, als in der
Vermutung eines Verhaltens, mit dem Vorschlag eines Streitthemas. Der Künstler macht sich
„nennend“ durch eine andauernde Befragung der Existenz, die keine Kenntnis oder eine spezifische
Technik verlangt. Die Welt wird zu einem Gesprächspartner, und der Künstler liest, stimuliert wie eine
mögliche Antwort, er verwandelt alles in Signal, in Metapher von etwas anderen.
Der Unterschied zwischen mir und dem äußeren Geschehen vermindert sich bis auf das er sich durch
die Sprache vertauscht, die wie zur selben Zeit eine letzte durchgehbare Grenze bildet. Während diese
Öffnung eine Erweiterung der privaten Sphäre bildet und nicht einen Übergang oder eine Auflösung
ihrer selbst. Das Suchen macht das Benutzen der Sprache mehr zu einer Handlung als zu einer
Darstellung, sie gründet sich demnach auf persönliche Gefühle und bemüht sich sie neu zu
formulieren. Der offensichtlich banale Abstand ist bedeutsam: nicht einen Sachverhalt zu
kommunizieren, doch eher ihn in einen neuen Sinn zu investieren, nicht eine anerkannte und definitive
Bedeutung zu suchen sondern eine persönliche Bedeutung. Die intime Nachricht (und gleichzeitig
paradoxerweise öffentlich), zu der man keinen Zugang hat, wird durch einen Vorgang „verdaut“ der
selbst den Körper, die Erfahrung selbst passiert, ihn verändert, ihn übersetzt. Jeder Stimulus ist im
Gegenspiel zu einer „subjektiven“ Wahrnehmung verwandelt, in dem Moment sogar, wo sie
wahrgenommen wird.
Im Licht von allen dessen bleibt die Hoffnung und das Vertrauen in dem Wert des Austausches: Das
eigentlich hinterfragte Werk wird von allen möglichen Reden geschaffen, die aus dem
Erscheinungsbild einer solchen Praktik hervorspringen. Diese vervielfältigt die Widersprüche,
problematisiert mehr, dass sie keine Lösungen bietet. Die Herausforderung ist es einen Dialog dort
anzufangen wo die Gewohnheit diesen stoppt, weit über der Schwelle des Persönlichen und des
Unsagbaren.

übersetzt aus dem Französischen von Katja Rössel