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Johann Frohner Bericht

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Johann Frohner

Portrait aus dem „Historischen Gang“ des Hotel Imperial, Wien

Hotelier, Gutsbesitzer, Sportsmann und Kunstmäzen 1829-1894
Verfasst im August 2011 durch: Dkfm. Dr. Karl Frohner und Ing. Josef Frohner

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Johann Frohner

Unter den vielen Mitgliedern der Sippschaft der Frohner gibt es wohl manche tüchtige Leute, ein bestimmt ganz tüchtiger darunter, der eine gleichsam amerikanische Karriere durchlaufen hat, ist der Hotelier Johann Frohner, welcher das Wiener Hotel Imperial auf seine traditionelle Höhe gebracht hat und es 2 Jahrzehnte lang betrieben hatte. Er war der Bruder unseres Urgroßvaters Anton Frohner und war für uns seit früher Jugend ein irgendwie präsenter Verwandter aus folgenden Gründen:  Unser Großvater Rupert Frohner war einer seiner Neffen und die Großmutter erzählte gelegentlich vom „Hotel-Onkel“ und das mit Respekt und einer Art Ehrfurcht. Sie wusste, dass er ein bedeutender Mann war; sie wusste auch, dass seine zweite Ehe unglücklich war, seine zweite Frau böse und verschwenderisch gewesen sein soll, wie sie sagte. Das Gemeindehaus in Groß Inzersdorf ist das „FrohnerStiftungshaus“. Diese Gemeinschaftsanlage für die Gemeinde, wo sich die Gemeindekanzlei und das Sitzungszimmer des Gemeinderats befanden, wo das Feuerwehrdepot untergebracht war und ist, wo sich die Stallungen für den Gemeindestier und die Gemeindeeber befanden und auch die Dienstwohnung des „Halters“ war, des Betreuers dieser Tiere, nebst anderen Einrichtungen (Hebammen-Wohnung, später: Gendarmerie-Posten), ist ein Geschenk des „Hotel-Onkels“ für seine Heimatgemeinde gewesen und sollte das allgemeine Wohl in dieser Gemeinde fördern. Die Gemeinde ihrerseits erwies ihre Dankbarkeit durch die Verleihung der Würde eines Ehrenbürgers und die Anbringung einer Marmortafel im Stiegenhaus des Stiftungshauses, wo dieser Dank den „hochherzigen Spendern und Erbauern dieser Wohltätigkeits-Anstalt“, nämlich Johann und Caroline Frohner, dem „Hotel-Onkel“ und seiner ersten, guten Frau, ausgedrückt wurde. Schon als kleine Buben konnten wir das dort lesen!

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Gedenktafel im Stiegenhaus des Frohner-Stiftungshauses

Schließlich gab es in der gesamten Verwandtschaft diverse Schriftstücke, wo Bezug genommen wird auf einen aus dem 30jährigen Krieg stammenden vermeintlichen Adel und einer Herkunft der Frohner aus Württemberg, die auf Nachforschungen zurückgehen, welche der „Hotel-Onkel“ veranlasst hatte. In der Anlage I ist der Text eines gedruckten Berichts enthalten, welchen die Großeltern besessen hatten. Unsere über 400 Jahre zurückreichende, lückenlose Ahnenforschung erbrachte keinerlei Hinweis auf eine solche Herkunft, geschweige denn auf irgend eine Art von Adel oder Auszeichnung. Nach dem Tod des Hoteliers Johann Frohner 1894 zog sich die Abhandlung der Verlassenschaft wegen der Minderjährigkeit des Universalerben und der in Ungarn errichteten Vormundschaft bzw. einer Nacherben-Regelung, welche die Neffen und Nichten des „HotelOnkels“ , darunter unseren Großvater, betraf, bis 1913 durch insgesamt 18 Jahre hin, womit auch Reste des damaligen behördlichen Schriftverkehrs in der Verwandtschaft vorhanden waren und teils auch als Kuriosität aufbewahrt wurden. Auch darin war der „Hotel-Onkel“ gleichsam präsent.

Wir möchten also mit dieser schriftlichen Zusammenfassung des Lebens und Wirkens des Hoteliers Johann Frohner, soweit uns dafür Unterlagen zugänglich waren, für ihn ein Andenken auf seriöser Basis sicherstellen und

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diesem bedeutenden Verwandten Respekt erweisen und damit auch der Familiengeschichte dienen.

Der Lebenslauf des jungen Johann Frohner
Der spätere Hotelier Johann Frohner wurde am 24. Juni 1829 im Hause Groß Inzersdorf Nr. 140 geboren und am 26. Juni 1829 in der Pfarrkirche Groß Inzersdorf getauft auf den Namen Johann Baptist. Seine Eltern waren der Bauer (Halblehner) Georg Frohner (getauft am 6. 5. 1795 in Groß Inzersdorf) und dessen Frau Theresia, eine geborene Frohner (getauft am 26. 9. 1796 in Groß Inzersdorf) aus einer anderen Linie der damals schon weitverzweigten Sippschaft der Frohner. Die Mutter Theresia ist vergleichsweise sehr alt geworden und am 21. 9. 1869 in Groß Inzersdorf gestorben. Sie muss jedenfalls die damals bereits vorhandenen Erfolge ihres in der Gastronomie in Ungarn tätigen Sohnes verfolgt haben. Der Vater hingegen ist in Ungarn einem Raubmord zum Opfer gefallen. Im Totenbuch der Pfarre Groß Inzersdorf ist er anfangs als „in Ungarn verschollen“ eingetragen, danach wurde die Ergänzung hinsichtlich des RaubmordOpfers angebracht. Jedenfalls wurde er nicht in Groß Inzersdorf bestattet, höchstwahrscheinlich wurde sein Leichnam gar nicht aufgefunden. In Anlage II ist die genealogische Einordnung der hier genannten Personen dargestellt. Über diese Raubmord-Angelegenheit kann man heute nur spekulieren. Es ist jedoch evident, dass die wirtschaftlichen Verbindungen des östlichen Weinviertels damals über die March hinüber in die heutige Slowakei sehr viel intensiver waren, als wir uns das heute vorstellen. Die Slowakei gab es damals nicht, das war Oberungarn! Die Grenze an der March war eine primär administrative, weniger eine ökonomische, da seit der Schlacht bei Mohacs 1526, wo der König Ludwig II. aus dem Geschlecht der Jagiellonen ohne leibliche Nachkommen gegen die Türken gefallen war und die Habsburger als Könige von Ungarn nachfolgten, in Österreich und Ungarn dieselben Herrscher regierten. Die Binnenzollgrenze zu Ungarn bestand zwar bis 1860, als sie von Kaiser Franz Josef beseitigt wurde, doch war sie kein real ins Gewicht fallendes Handelshindernis. Es wurde so in erster Linie Wein über die March geliefert, jedenfalls bis Preßburg. Umgekehrt bezogen die Weinviertler Holz aus den Kleinen Karpaten, besonders für die Herstellung von Fassdauben und Weinstecken, aber auch als Bau- und Brennholz. Überdies waren viele Arbeitskräfte aus der heutigen Slowakei „herüben“ tätig, sei es als fix angestellte Knechte und Mägde oder vor allem als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft. Dies war sogar der Fall bis 1938, erst das „Großdeutsche Reich“ unterband diese alte Arbeitsteilung. Man kann damit annehmen, dass damals der Ururgroßvater Georg Frohner mit einer Weinlieferung unterwegs war und man ihm am Rückweg Geld und Fuhrwerk geraubt hat und er dabei erschlagen worden ist. Oder er wollte Holz kaufen und man raubte ihn vorher aus und er kam dabei um. Jedenfalls war dies ein enormer Schicksalsschlag für seine Frau Theresia Frohner und die fünf ihrer Kinder, die dann das Erwachsenenalter erreichen sollten. Sie muss an dieser Last schwer getragen haben, denn sie übergab

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die Bauernwirtschaft mit dem Haus Groß Inzersdorf Nr. 140 an ihren Sohn Anton, unseren Urgroßvater, im Jahr 1849, als dieser eben 18 Jahre alt geworden war, anscheinend zum frühest möglichen Zeitpunkt. Die Eintragung in die Liste der Besitzer des Hauses und der zugehörigen Bauernwirtschaft Groß Inzersdorf Nr. 140 für die fragliche Zeit zeigt dies deutlich: 1814 1819 1849 1852 1891 1930 Georg Frohner, ledig, Georg Frohner und Theresia, geborene Frohner, Anton Frohner, ledig, Anton Frohner und Elisabeth, geborene Ertl aus Eichhorn, Rupert Frohner und Maria, geb. Hinnerth, aus Dobermannsdorf, Alois Frohner und Anna, geborene Veit.

Das Haus und die zugehörige Wirtschaft gingen in der Folge (1964) über an unsere Cousine Anna, die Johann Braun aus Zistersdorf ehelichte und heute ist diese Bauernwirtschaft in den Händen von deren Sohn Erwin Braun. Für Georg Frohner wurde diese Bauernwirtschaft 1814 offenbar erworben durch dessen Vater Matthias Frohner, der aber seinerseits mit seiner Ehefrau Theresia, geborene Weindl, ansässig war in Groß Inzersdorf Nr. 124. Die Eltern der Theresia Frohner, Johann Michael Frohner und dessen Frau Anna Maria, geborene Lackner wohnten in Groß Inzersdorf Nr. 58. Diese ungewöhnlichen familiären Umstände in seiner frühen Jugend waren sicher auch eine große Belastung für den jungen Johann Frohner, den späteren Hotelier. Er hatte 2 ältere Schwestern und zwei nur 2 Jahre jüngere Brüder, die Zwillinge waren (Anton und Ferdinand). Er besuchte die Volksschule in Groß Inzersdorf, denn seit dem Reichsvolksschulgesetz aus der Zeit Maria Theresias bestand die Schulpflicht vom 6. bis zum 12. Lebensjahr. In Groß Inzersdorf gab es damals noch kein Schulhaus, der Unterricht wurde im Wirtshaus erteilt. Die Lehrer waren in der Regel sehr bemühte Respektspersonen von großem Ansehen. Soweit wir von unserem Großonkel Alois Altmann, geboren 1872 in Groß Inzersdorf, direkt wissen, war der Unterricht qualitativ recht gut, was jedenfalls die Ausstattung mit dem entsprechenden Grundwissen der gängigen Kulturtechniken anbelangt (Lesen, Schreiben, Rechnen; weiters Geographie, Heimatkunde, Musik, Religion). Es ist wohl einleuchtend, dass die erfolgreiche Laufbahn des Hoteliers Johann Frohner es nahelegt, dass schon seine VolksschulAusbildung in Groß Inzersdorf entsprechend gut war. Nach Beendigung der Volksschule 1841 kam der junge Johann Frohner nach Preßburg (seit 1924 Bratislava, ein später erfundener Kunstname ohne jede Tradition) zu einem Gastwirt in die Lehre. Ob das gleich mit 12 Jahren war oder etwas später, wissen wir nicht. Jedenfalls war er als ganz junger Mensch gleich weit weg von zu Hause. Der betreffende Gastwirt kann durchaus ein langjähriger Weinkunde der Weinviertler Eltern des Johann Frohner gewesen sein. Eine Verbindung muss es gegeben haben, denn sonst geht man in die unmittelbare Nachbarschaft in die Lehre. Ein so junger Lehrling wurde damals in die Familie des Lehrherrn aufgenommen, wie wir das vom bereits zitierten Großonkel Alois Altmann wissen, der selbst eine

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gastronomische Lehre etwa 1885 begonnen hatte. Es muss aber der junge Johann Frohner ein strebsamer Lehrling gewesen sein und Preßburg war für seine Ausbildung auch kein schlechter Boden. Die Stadt war deutschsprachig hinsichtlich der bürgerlichen Einwohner, die Dienstboten waren teilweise slowakisch, doch war Deutsch die dominante Sprache für Geschäft, Unterhaltung und Bildung. Zu dieser Zeit um 1845 begann der ungarische Staat bereits die magyarische Sprache als Amtssprache zu forcieren. In Preßburg hatte 1825 Graf Stefan Széchenyi seine berühmte Rede im ungarischen Landtag nicht lateinisch, wie damals üblich (Amtssprache in Ungarn bis 1848), sondern auf ungarisch gehalten, um zu demonstrieren, dass die magyarische Sprache die für Ungarn angemessene offizielle Sprache wäre (worüber er in der Folge ein Streitgespräch mit seinem Freund Franz Grillparzer abgeführt hatte). Es hat also wohl der junge Johann Frohner bald auch die schwierige magyarische Sprache gelernt. Diese hat er sicher bereits benötigt, als er in einem Preßburger Hotel 1848 als Kellner angestellt war. Darauf war er im Hotel Munsch in Wien tätig. Eine weitere Stufe seines beruflichen Aufstiegs war dann die Position eines Oberkellners im Hotel „Zum schwarzen Adler“ in Budapest.

Johann Frohner als gastronomischer Unternehmer
In Budapest wurde Johann Frohner zum Unternehmer, als er die BahnhofsRestauration am Staatsbahnhof, dem heutigen Ostbahnhof, der funktional der Budapester Hauptbahnhof ist, als Pächter übernommen hat. Wir wissen nicht exakt, wann das war. Aber die Eisenbahn war noch ganz neu. In Ungarn wurde 1846 die erste Bahnstrecke zwischen Pest und Waitzen/Vác am Donauknie eröffnet. 1847 konnte man per Bahn nach Osten bis Cegléd in die Tiefebene fahren. Praktisch zur selben Zeit war 1848 Wien über Gänserndorf via Marchegg mit Preßburg verbunden. Bereits 1851 war nördlich der Donau über Preßburg und Vác die Verbindung von Wien nach Budapest hergestellt und damit der Eisenbahn–Fernverkehr nach Budapest möglich und zwar exakt zu diesem Bahnhof, dem Staatsbahnhof. Budapest als einheitliche Großstadt gab es damals noch nicht. Pest, die Stadt links der Donau war das wirtschaftliche Zentrum und der Bereich, wo die Expansion stattfand, wo die Fabriken sich ansiedeln konnten. Rechts der Donau war Buda (Ofen), die politische Hauptstadt auf den Hügeln mit der Königsburg und den Ämtern der Beamten, sowie Obuda (Altofen) mit der Schiffswerft der DDSG. Erst 1872 wurden die drei Städte Buda, Obuda und Pest zu Budapest zusammengelegt. Wo die Entwicklung und der Fortschritt stattfanden, das war in Pest und zwar beim Bahnhof! Ob der Johann Frohner das so sah, wie hier dargestellt, wissen wir zwar nicht, aber es ist sehr wahrscheinlich anzunehmen. Er muss eben ein Gefühl für diese Entwicklung und ein entsprechendes Kalkül gehabt haben und das hat offensichtlich eingeschlagen! Bahnhöfe dieser Art wurden nicht nur vom reisenden Publikum frequentiert, sondern waren auch das Ziel von Leuten,

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die einfachen Zeitvertreib suchten und nur Schauen wollten. Die Konsumenten als Kunden einer Bahnhofs-Restauration waren also zahlreich vorhanden. Die Grundlage für das Vermögen des Johann Frohner wird dort gelegt worden sein. Auch wird er dort, wo der moderne Verkehr sich entwickelt hat, im täglichen Geschäft fast automatisch seine Verbindungen und Kontakte aufgebaut haben, die er für seinen weiteren Aufstieg benötigte und dann nutzen konnte.

Der Staatsbahnhof in Budapest 1847

Während er noch das Restaurant am Staatsbahnhof betrieb, übernahm er 1859 auch das Hotel „Stadt Paris“, ebenfalls in Pest. Die heutige Adresse wäre: Budapest, Bajcsi Zsilinszky út 25, eine zentrale Lage nächst der Sankt Stefans Kirche. Das Hotel hatte 48 Zimmer, es war von mittlerem Standard und ebensolcher Preislage. Zu erwähnen ist auch, dass Ungarn unmittelbar vor der fraglichen Zeit eine politisch turbulente Periode durchgemacht hat. Nachdem im Revolutionsjahr 1848 zuerst in Mailand (die Lombardei war damals Teil des österreichischen Kaiserstaates), dann in Wien und Prag Aufstände mit dem Ziel der Erlangung größerer politischer Freiheiten ausbrachen, entstand in Ungarn eine nationale Erhebung, die sich gegen die staatliche Einheit mit Österreich richtete und welche in der Absetzung der Habsburger als Herrscherhaus in Ungarn kulminierte. Nachdem Feldmarschall Radetzky in Norditalien den Aufstand niedergeworfen und die eingedrungenen Piemontesen vertrieben hatte, wurde durch Fürst Windischgrätz zuerst der Aufstand in Prag und im Oktober 1848 der Aufstand in Wien, bereits mit Hilfe kroatischer Verbände unter Banus Jellasich, niedergeworfen. Darauf begannen Windischgrätz und Jellasich in Ungarn die aufständischen Kräfte niederzuringen, was im Laufe

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des Jahres 1849 unter Mithilfe russischer Truppen endgültig erledigt wurde. Ungarn wurde darauf unter eine strenge militärische Verwaltung gestellt, der zuerst Fürst Windischgrätz vorstand, später dann der nicht minder rigorose General Haynau. Es regierte als Herrscher bereits der junge Kaiser Franz Josef, bis 1860 als absoluter Herrscher ohne die alten föderalen Parlamente (Landtage). 1860 wurden auf Grund einer neuen Verfassung („Oktoberdiplom“, ergänzt um das „Februarpatent“ von 1861) die Landtage wieder einberufen, auch in Ungarn und es gab dort wieder eine zivile Verwaltung. Die wirtschaftliche Entwicklung setzte sich trotz der Militärverwaltung fort. Das Eisenbahnnetz wurde weiter entwickelt und da in Ungarn alle Fernstrecken auf Budapest zuliefen, entstand sehr rasch in der ungarischen Hauptstadt eine hohe ökonomische Konzentration, wie es vergleichsweise nur in Frankreich mit Paris als Zentrum der Fall war. In Österreich dagegen gab es keine derartig eindeutige Konzentration auf Wien als Hauptstadt, sondern die bedeutende dezentrale industrielle Entwicklung in Nordböhmen, in Mähren, in der Steiermark und in Norditalien. Ob der junge Johann Frohner, frisch zugewandert aus Österreich, durch die Ablehnung der österreichischen Militärverwaltung in Ungarn und eine sogar von den ungarischen Behörden betriebene antiösterreichische Stimmung in seinem Aufstieg behindert wurde, wissen wir nicht, jedoch spricht der Augenschein dagegen. Es nützte ihm ganz offensichtlich dieser auf Budapest konzentrierte Wirtschaftsaufschwung! Auch anderen mit Frohner befreundeten Zuwanderern gelang zur gleichen Zeit in Budapest eine gastronomische Karriere: Johann Gundel mit einer Abstammung aus Ansbach in Bayern kam 1857 mit 13 Jahren nach Budapest, wurde Konditor und gründete die noch heute bestehende berühmte Konditorei Gundel in Buda nächst der Königsburg. Die auf ihn zurückgehenden „Gundel-Palatschinken“ stehen immer noch im besten Ruf! Gundel wurde alt und starb 1915 in Budapest. Weitere Freunde waren Ernst Kammer und Franz Kommer, die beide bekannte Hotelbesitzer in Budapest wurden. Johann Frohner soll dann in den 1860er Jahren als Pächter von der Bahnhofs-Restauration am Staatsbahnhof in Budapest zur Redoute übergewechselt sein. Das Redoute-Gebäude befand sich am Pester DonauUfer in repräsentativer Lage und war ein Veranstaltungsort für Konzerte, Ballveranstaltungen und diverse Festivitäten. Nähere Daten dafür kennen wir nicht.

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Das Redoutengebäude in Pest 1845

Johann Frohner trat darauf endgültig ins Hotelgeschäft ein. Er erwarb das Eckhaus Alte Nádor Straße/Johann Arany Straße (Arany János ut) in bester Lage im Pester Stadtteil nächst dem Donauufer und der Kettenbrücke und setzte diesem Haus 1864 ein drittes Stockwerk auf. Im gleichen Jahr wurde hier das „Hotel Frohner“ eröffnet. Es hatte 100 Fremdenzimmer, die äußerst modern und komfortabel ausgestattet waren, denn sie besaßen einen Wasserleitungsanschluss für Kalt- und Warmwasser, Bad bzw. Dusche und, wie ausdrücklich angemerkt wurde, einen „Zimmer-Telegraph“, was auch auf ungarisch so genannt worden ist. Das geräumige Kaffeehaus des Hotels verfügte über mehrere gemütliche Salons und es gab dort auch einen Salonteil für Stammgäste, der „Frohner Longe“ hieß. Ob damit die englische Sitte der Clubs kopiert wurde, ist nicht ganz klar, doch wird das wohl etwas Ähnliches gewesen sein. Die Küche muss ausgezeichnet gewesen sein, weil bekannte Feinschmecker regelmäßig zum Speisen kamen, wie eine uns zugängliche ungarische Quelle ausdrücklich anmerkt. Jedenfalls war das „Hotel Frohner“ ein Etablissement, welches für Budapest der „letzte Schrei“ auf diesem Sektor war und die ungarische vornehme Gesellschaft wertete die Tatsache, dass es so etwas in Budapest gab, als Anschluss an die große Welt, wie man sie in Paris und London sah und wie

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dies weitgereiste, reiche ungarische Aristokraten ja auch persönlich kannten und bewunderten. Für „Leute von Stand“, die etwas auf sich hielten, war es einfach ein „Muss“ in so einem vornehmen Hotel, wie dem „Hotel Frohner“ in Budapest, abzusteigen oder wenigstens dort zu speisen. So konnte man sich vom übrigen Publikum wirkungsvoll abgrenzen und, so man aus der Provinz angereist kam, dort zu Hause auch von den wunderbaren Dingen in der Hauptstadt erzählen und entsprechend „angeben“. Es mag auch sein, dass man meinte, in dieser Beziehung auch einen Vorsprung vor Wien zu besitzen, denn es begann Budapest gegenüber Wien aufzuholen und den gewaltigen Entwicklungsrückstand, der auch für den größten Teil Ungarns galt und der durch die praktisch 200 Jahre dauernde Türkenherrschaft verursacht war, in zunehmendem Tempo zu verringern. Es war der alte Nationalstolz der Magyaren, der in dieser Entwicklung seine Nahrung und Bestätigung fand. Nicht minder dürfen wir aber annehmen, dass die Umstürze der Vergangenheit im Zuge der Revolution von 1848/49 und der nachfolgenden Militärherrschaft, wo alte Vermögensstrukturen, besonders innerhalb des Adels, durch Enteignung, Verurteilung und Entmachtung zerstört wurden und neue Besitzer sich etablieren konnten, eine Schicht Neureicher hervorbrachte, die ihren Status in jeder Beziehung demonstrieren wollte. Ein Vergleich mit den Verhältnissen in Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion seit dem Untergang des Kommunismus, wo auch rasch eine Schicht Neureicher entstand, denen das reine „Geldausgeben“ Selbstzweck zu sein scheint, wird da nicht unangebracht sein. Jedenfalls ging aus all diesen Gründen das „Hotel Frohner“ in Budapest sehr gut und man kann nur das marktforscherische Gespür seines Gründers bewundern, der diesen Bedürfnissen entsprechend ein Angebot zu erstellen in der Lage war. Noch mehr aber muss man es dem nun wohletablierten Hotelier Johann Frohner zur Ehre anrechnen, dass er sein Hotel Frohner mit seinen Salons auch zum Treffpunkt von Künstlern gemacht hat. Dabei handelte es sich um Literaten, die im „Hotel Frohner“ ihren literarischen Klub „Petöfi“ domiziliert hatten, aber auch um darstellende Künstler, von denen Johann Frohner ganz offensichtlich die Maler am meisten schätzte. Jedenfalls wurde aus dem einstigen Volksschüler aus Groß Inzersdorf nach und nach ein Kunstkenner und schließlich ein Gemäldesammler. Im zur Österreichischen Akademie der Wissenschaften gehörigen Institut „Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation“, wo seit 1815 wichtige Persönlichkeiten mit ihrer Lebensgeschichte aus allen Kronländern des ehemaligen Kaiserstaates erfasst sind, ist auch Johann Frohner mit einer Eintragung vertreten. Es heißt dort in einer Passage seines Lebenslaufes: „In Budapest führte er in der Folge die Restauration am Budapester Staatsbahnhof sowie das Hotel „Zur Stadt Paris“. 1864 übernahm er das spätere Hotel Frohner, das er zu einem der renommiertesten Hotels in Budapest ausgestaltete“. Das bestätigt auch, dass er das „Hotel zur Stadt Paris“ vor der Einrichtung des „Hotel Frohner“ führte oder besaß, über längere Zeit sogar parallel zum gepachteten Restaurant am Staatsbahnhof. Es hätte auch eine gewisse Logik, dass er im Hotel „Zur Stadt Paris“ die Leitung eines Hotels näher kennen gelernt hat. Er war aber andererseits bereits in Preßburg und danach in Budapest („Hotel zum Schwarzen Adler“) als Angestellter in Hotels

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beschäftigt und wusste damit von damals in der Hotelsparte Bescheid. Schließlich pachtete er zusammen mit seinem Branchenkollegen Ernst Krammer 1867 das „Hotel Jägerhorn“ in Budapest, also 3 Jahre nach der Eröffnung des „Hotel Frohner“, auch dieses Hotel war eines der gehobenen Klasse. Mit dem „Hotel Frohner“ gestaltete er jedenfalls das Muster eines innovativen, vornehmen Hotelbetriebs. Johann Frohner kümmerte sich auch um ergänzende unternehmerische Aktivitäten, die offensichtlich für das Gedeihen seiner Hotels in Budapest und deren Gastbetriebe wichtig waren. So war die Versorgung mit Bier damals ein Problem, weil Bier nur sehr eingeschränkt lagerfähig war und nicht weit transportiert werden konnte. Erst die spätere Erfindung des untergärigen Lagerbiers durch Anton Dreher, womit er seine Schwechater Brauerei groß gemacht hat, hat dieses Problem behoben. So gründete Johann Frohner die Brauerei Promontor in Budafok, einem südlichen, rechts der Donau befindlichen Vorort von Budapest (heute der XXII. Bezirk von Budapest), wohl um die Versorgung mit Bier in Budapest zu verbessern. Im Jahr 1867 wurde die Brauerei durch Frohner an Karl Hagenmacher verkauft. Später gelangte der Betrieb an Anton Dreher. Jedenfalls besaß Anton Dreher um 1900 drei große Brauerei-Standorte: Schwechat, Budapest und Triest („Birra Dreher“). In Budapest wurde die Brauerei „Dreher“ in der weiteren Folge an einen neuen Standort in Köbánya verlegt, wo sie sich noch heute befindet und das Bier der Brauerei „Dreher“ gilt weiterhin als qualitativ besonders gut. Obwohl zur Verbindung der Stadtteile zu beiden Seiten der Donau in Budapest die Kettenbrücke (Lánchíd) bereits seit 1849 diente, eine Brücke, welche auf Initiative des Grafen Stefan Széchenyi, des großen Erneuerers von Ungarn, errichtet wurde, war die Verbindung über die Donau um 1860 noch immer ein praktisches Problem. Um hier eine bessere Versorgung zu gewährleisten, wurde von Johann Frohner zusammen mit dem General Türr eine Fährgesellschaft gegründet. Dieses Unternehmen, die sogenannte „Propeller-Gesellschaft“, betrieb einen fahrplanmäßigen Dienst mit kleinen, motorisierten Booten zur Verbindung bestimmter Anlegestellen an beiden Donauufern der Stadt Budapest. Auch an der Gründung der ersten innerstädtischen Omnibusverbindungen in Budapest war Johann Frohner beteiligt, wie er überhaupt bemüht war „um in der ungarischen Hauptstadt großstädtische Einrichtungen ins Leben zu rufen.“ (Nachruf im Wiener „Fremdenblatt“ vom 7. Juni 1894 nach Frohners Ableben). Aus der bisherigen Darstellung ergibt sich das Bild einer imponierenden unternehmerischen Leistung des Johann Frohner. Es scheint aber ziemlich sicher zu sein, dass an dieser Leistung seine erste Ehefrau Karoline, geborene Wimmer, einen entscheidenden Anteil gehabt hat. Karoline Wimmer war eine Ungarndeutsche, vermutlich aus Westungarn. Den genauen Herkunftsort kennen wir nicht, doch hatten die Einwohner der „Länder der Stefanskrone“ (neben dem heutigen Ungarn, die Slowakei, Siebenbürgen, Kroatien und Slawonien, die Voijvodina und die KarpatoUkraine) bei der Volkszählung um 1870, also vor dem späteren Druck der Magyarisierung, zu 9 % Deutsch als Muttersprache angegeben. Es gab verschiedene geschlossene deutsche Sprachgebiete: neben dem heutigen

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Burgenland das Gebiet fast bis Raab (Györ), am Donauknie, in Südungarn in der Batschka und im Banat, die Siebenbürger Sachsen und die Deutschen in der Zips im Norden der heutigen Slowakei. Kleinere Sprachinseln gab es westlich des Bakony-Waldes. Viele dieser Sprachinseln mitten in Ungarn gehen auf die Rekultivierung und Wiederbesiedlung des Landes nach der Befreiung von den Türken zurück, wo Adelige aus allen Ländern der Habsburger große Ländereien in Ungarn geschenkt erhielten mit der Verpflichtung, dort Leute anzusiedeln und das entvölkerte Land wieder zu kultivieren. Diese Adeligen brachten vielfach Siedler aus ihren Stammgebieten in Deutschland nach Ungarn. Da viele Siedler aus den vorderösterreichischen Gebieten in Süddeutschland, das damals vergleichsweise sehr dicht besiedelt war, also aus Schwaben, kamen, bezeichnen die Ungarn alle Deutsch-Sprechenden bis heute als Schwaben („Schwob“). Wir kennen nicht das Datum der Eheschließung von Johann und Karoline Frohner. Die Jahre der Geburt ihrer Kinder, ebenfalls mit den Namen Johann und Karoline, sind 1856 und 1857. Es wird die Ehe also 1855 oder etwas vorher geschlossen worden sein. Es war dies die Zeit der unternehmerischen Aufbauarbeit im Restaurant des Budapester Staatsbahnhofs. Dass hier eine fleißige und umsichtige Ehefrau eine wichtige Rolle innehatte, weiß jeder, der solche Betriebe kennt und das Einsatzerfordernis ihrer Inhaber. Von den Kindern wurde Karoline nur 14 Jahre alt, sie verstarb am 27. 1. 1871. Der Sohn Johann wurde großjährig und übernahm noch recht jung die Leitung der Hotelbetriebe in Budapest, als sein Vater 1874 nach Wien ging, um hier das Hotel Imperial zu pachten. Der Sohn Johann war sicherlich für die Führung der Budapester Hotelbetriebe durch den Vater gut vorbereitet worden. Es wird von ihm berichtet, dass er besonders im Kreise der Stammkunden beliebt und angesehen war. Er hatte offensichtlich auch ein sehr positives Verhältnis zu den Künstlern, die im „Hotel Frohner“ verkehrten. In einer Nummer der „Café- und Gasthaus-Zeitung“, Jahrgang 1877, steht dazu zu lesen: „Ist nun Frohner Vater Gründer des Budapester Hotels, so hat sein würdiger Sohn nichts verabsäumt, ein ebenso achtungsgebietender Nachfolger zu werden. Des Vaters Segen hat das Haus gegründet, die Tüchtigkeit und Thätigkeit, die Liebenswürdigkeit und der hohe Bildungsgrad des ebenbürthigen Sohnes befestigen dasselbe bis in die Grundsäulen. Herr Frohner jun. erfreut sich nicht nur als Hotelier der größten Hochachtung der Budapester vornehmen Gesellschaft, auch der Privatmann gilt als hochintelligenter, gebildeter Mann, weshalb es leicht erklärlich ist, daß er in dem Dichter- und Künstlerconventikel, welches in seinem Hôtel abgehalten wird, nicht nur der freundliche Hotelwirth ist, sondern daß er ein angesehenes Mitglied desselben, ja sogar als „Großmeister“ verehrt wird. Erwähnen wir noch, daß Herr Frohner jun. viel gereist ist und mit Verständniß gereist hat, die Eindrücke und Erfahrungen, die er gesammelt, in seiner jetzigen Stellung verwerthet, so glauben wir, unseren Lesern das Musterbild eines Hôteliers, wie er sein soll, vorgeführt zu haben.“ Umso schlimmer muss auf seine Eltern sein Tod am 3. 8. 1878 gewirkt haben. Im Buch über das Hotel Imperial in Wien schreibt dessen Autor

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Andreas Augustin dazu: „Nachdem er (Johann Frohner, der Vater) 1874 nach Wien übersiedelt war, hatte sein hochtalentierter Sohn das Hotel in Pest übernommen. Tragischerweise starb der junge Mann am 3. August 1878 im Alter von 22 Jahren“. Die vorher bereits zitierte „Café- und Gasthaus-Zeitung“ schreibt dazu: „Am 1. August (unrichtiges Datum!) ist der Sohn des in den weitesten Kreisen Wiens und Budapests hochgeachteten und verehrten Hôteliers Frohner gestorben. Ein hoffnungsvoller, intelligenter junger Mann, in dem jugendlichen Alter von 22 Jahren, mußte er in der Vollkraft seiner Jugend dem Leben Valet sagen und tiefbetrübte, schwerbekümmerte Eltern, trauernde Freunde und Bekannte zurücklassen. Wenn man im allgemeinen von dem Todten nur Gutes sagen muß, so könnte man in diesem Falle nichts Anderes berichten. Frohner jun. war ein Mann von seltener Begabung und außerordentlichen Talenten, Beweis hiefür liefert seine Thätigkeit in Budapest, wo er in einem so jugendlichen Alter einem so bedeutenden Hôtelwesen, wie das Hôtel Frohner in Budapest eines ist, mit vollen und ganzen Erfolgen vorstand. Frohner jun. war auch in den besten Theilen der Gesellschaft, in der Schriftstellerwelt eine geachtete Persönlichkeit, überhaupt ein Mann von achtenswerthen und schätzenswerthen Eigenschaften, welche ihm überall Achtung und Ansehen verschafften. Wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel traf die Nachricht vom plötzlichen Hinscheiden des allerorts geachteten und beliebten Mannes, groß und tiefempfunden war die Trauer der zahlreichen Freunde und Bekannten. Die Leichenfeier zeigte dies am deutlichsten, wie viele wahre Freunde und wahre Verehrer der Hingeschiedene hatte. Wenn die arg betroffenen Eltern Eines bei dem schweren Verluste trösten könnte, so ist es eben die allgemeine Theilnahme an ihrem speziellen Schmerze, und diese ist ihnen in unbeschränktester Weise geworden. Mögen die trauernden Hinterbliebenen in dem schönen Andenken des Hingeschiedenen einige Linderung ihres Schmerzes finden und möge dem Verblichenen die Erde leicht sein!“

Johann Frohner als Sportsmann
Der Hotelier Johann Frohner besaß, wenn man den Nachrufen nach seinem Tode folgt, eine Leidenschaft, nämlich den Pferde-Rennsport. So schreibt die prominente „Neue Freie Presse“ in der Nummer vom Donnerstag den 7. Juni 1894 in einem ausführlichen Nachruf auch: „Im sogenannten Carolinenhofe in Budapest befindet sich ein werthvoller Rennstall Frohner´s. Er hat sich seit Jahren in verschiedenen Rennen unter dem Pseudonym Captain Violet betheiligt und betrieb die Pferdezucht für den Rennsport mit einer wahren Leidenschaft, ohne jedoch die gewünschten Erfolge zu erzielen.“ Im Nachruf der „Österreichischen Volkszeitung“ wird unter anderem vermerkt: „Herr Frohner, der vor Jahren aus Budapest nach Wien übersiedelt ist, erfreute sich hier eines großen Ansehens und gehörte zu unseren passioniertesten Sportsmen. Schon zu Ende der Fünfziger-Jahre legte er auf seiner Besitzung Karolinenhof bei Neupest ein Gestüt an. Seit dem Jahr 1875 ließ er seine Pferde unter dem Turfnamen „Captain Violet“ laufen“. Das „Wiener Tagblatt“ vom 10. Juni 1894 berichtet von der Einsegnung des „Pächters des Hotel Imperial und Rennstallbesitzers Johann Frohner in der Hof- und

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Stadtpfarrkirche St. Augustin“, die unter „außerordentlicher Beteiligung“ am 9. Juni 1894 nachmittags stattfand und es wird der Ablauf genau geschildert. Als Trauergäste in der Kirche wurden u. a. auch angeführt Oberst Graf Auersperg, Moriz Graf Esterházy, Regierungsrat Dr. v. Thalloczy und der Sekretär des Ungarischen Jockeyclubs Sarkany. Alles das hat einen deutlichen Bezug zum Pferdesport! Man muss überlegen, wie der Bauernbub Johann Frohner aus Groß Inzersdorf, der von frühester Kindheit einen Kontakt zu Pferden hatte, allerdings nur zu schweren Ackergäulen, zu dieser Rennsport-Affinität gekommen ist. Der Schlüssel dazu liegt sicher in Ungarn, in der auch historisch begründeten hohen Wertung der Reitkunst dort. Als die Ungarn im 10. Jahrhundert als wildes Nomadenvolk aus dem Osten in Europa einbrachen, da hatten sie nur einen Vorzug: die überlegene Reitkunst auf ihren kleinen, schnellen Pferden! Damit verbreiteten sie allenthalben Schrecken auf ihren ausgedehnten Raubzügen, die sie bis zur Nordsee, quer durch Westeuropa bis Nordspanien, in Italien bis Apulien und am Balkan bis vor Konstantinopel gebracht hatten. Noch heute sind die Ungarn stolz auf diese Zeiten, wo sie von allen gefürchtet wurden. Selbst Attila, den wüsten Hunnenkönig, betrachten sie als verehrungswürdigen Ahnherrn, was ganz ins Bild passt. Als nach der Türkenzeit Ungarn wieder Bedeutung erlangte, lebte das naturgemäß alles wieder auf: die wild reitenden Rebellen der Haijduken wurden verehrt, die stolzen Husarenregimenter paradierten in ihrer fast asiatischen Montur, aber auch die Pferdezucht wurde gekonnt betrieben. Die Grafen Festetics in Keszthely am Südende des Plattensees betrieben in ihrer privat gegründeten Agrarhochschule Georgikon die Pferdezucht wissenschaftlich und die Aristokraten, die auf sich hielten, eiferten ihnen nach. Das berühmteste ungarische Gestüt Babolna bei Komorn/Komarom am Weg von Raab/Gyoer nach Tata lag in der Monarchie rufmäßig gleichauf mit Lipizza in Krain und Kladrupy in Böhmen, alles unter Pferdekennern weltberühmte Zuchtanstalten. Der Hotelier Johann Frohner hatte wahrscheinlich schon in seiner Zeit als Restaurant-Inhaber am Staatsbahnhof in Budapest Kontakte zu diesen aristokratischen Reiterkreisen, ganz sicher aber war dies der Fall, als er das Hotel Frohner führte, wo gerade diese Kreise nachweislich intensiv verkehrt haben. Als arrivierter Mann, der auch gesellschaftlich etwas darstellte, kann leicht der Wunsch entstanden sein, auch auf diesem für Ungarn so typischen und wichtigen Sachgebiet zu reüssieren. Als er reich wurde und es sich leisten konnte, wird er eingestiegen sein. Er gründete das nach seiner ersten Frau so benannte Gestüt „Karolinenhof“. Wir wissen allerdings nicht, wo dieser Karolinenhof lag. Aus familiären Erzählungen der Großeltern war zu entnehmen, dass der eigentliche Pferde-Fachmann und Teilhaber des Gestüts ein Rittmeister war (mit Namen Söllinger, wie wir eruieren konnten). Darin liegt eine fast zwingende Logik, denn der Hotelier Frohner konnte sicher auf diesem Gebiet der Pferdezucht und der Abrichtung von Rennpferden nicht mit dem in Ungarn damals herrschenden Standard irgendwie mithalten. Er brauchte also einen erstrangigen Fachmann, das wird der besagte Rittmeister gewesen sein. Ihn am Gestüt zu beteiligen, war motivatorisch sicher vernünftig. Im Nachruf des Wiener „Fremden-Blattes“ vom 7. Juni 1894 wird Johann Frohner in dieser Beziehung folgendermaßen

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charakterisiert: Er „gehörte zu unseren ältesten und größten Rennstallbesitzern. Er war kein spekulativer Rennmann, der immer und immer nur hohe Preise gewinnen wollte, sondern er hatte eine große Passion für das edle Pferd und sein größter Stolz war, mit den Pferden eigener Zucht Erfolge auf dem Turf (= Rennbahn) zu erringen.“ In der Verlassenschaftsabhandlung wird bei der Vermögensschätzung der in Ungarn liegenden Werte vom Notar Dr. Daniel Jeszensky in Budapest eine nachträgliche Korrektur angebracht dergestalt, dass von 4 Grundstücken in der Stadtgemeinde Totis (= Tata in Westungarn) dem verstorbenen Johann Frohner jeweils nur die Hälfte gehört habe. Es wäre nun möglich, dass die zweite Hälfte dem Rittmeister, dem Gestütsteilhaber gehört hat. Damit wäre der Karolinenhof in Tata gelegen, in der Nähe von Babolna und auch von Kisber, wo laut testamentarischer Verfügung die Rennpferde des verstorbenen Rennstallbesitzers Johann Frohner in der „Pferdelicitation“ versteigert werden sollten und auch wurden. Möglicherweise liegt dort in der Nähe auch der Heimatort der Karoline Frohner, den wir auch nicht kennen. Soweit unser ungenügender Wissenstand dazu! Der Hotelier Johann Frohner war aber insoferne ein echter Sportsmann, weil er unter dem Pseudonym „Captain Violet“ tatsächlich persönlich an Rennen teilnahm und nicht nur als Zuschauer bzw. Besitzer von Rennpferden auftrat. Der bereits zitierte Nachruf im Wiener „Fremden-Blatt“ beschäftigt sich ausführlicher mit dem verstorbenen Johann Frohner als Pferdezüchter. Es werden Namen seiner Pferde genannt, die damals unter Kennern berühmt waren, wie „Cambrian“ und „Abonnent“. Von letzterem glaubte man „beinahe ein unbesiegbares Pferd vor sich zu haben“ (Zitat). Das Frohner´sche Pferd „Biro“ gewann den Budapester Staatspreis in Höhe von 10.000 Francs. Aber es muss nach Schilderungen auch große Enttäuschungen und zeitweise Versager gegeben haben. Jedenfalls entsteht doch der bestimmende Eindruck, dass der Rennstallbetrieb „per saldo“ kein finanzieller Erfolg gewesen ist. Zu seinen letzten Erfolgen auf diesem Gebiet kennen wir aus einer ungarischen Quelle einen Fall: Das im Jahr 1892 im Gestüt Frohners geborene Vollblut-Rennpferd „Tokio“! Es war sehr erfolgreich und nahm auch am Derby in Wien teil, was ausdrücklich erwähnt wird. Es wurden offensichtlich auch gelegentlich stolze Preise gewonnen, doch, wie bereits zitiert (Nachruf in der „Neuen Freien Presse“), „betrieb er die Pferdezucht für den Rennsport mit einer wahren Leidenschaft, ohne jedoch die erwünschten Erfolge zu erzielen“. Noch vor seinem Tod verkaufte Frohner die beiden Rennpferde „Tokio“ und „Paratlan“ (Zitat Fremden-Blatt) „um die hohe Summe von 70.000 Gulden an Herrn von Pechy“. Als Geschäftsmann wird er Rendite–Erwartungen gehabt haben, aber so exklusive Hobbies kosten Geld und bringen selten etwas „netto“ ein! Der Rennsport dürfte noch eine andere Auswirkung gehabt haben. Unter den aristokratischen Rennkollegen mit ihren stolzen, alten Titeln als Grafen und Barone wirkte der einfache Johann Frohner wahrscheinlich etwas dürftig. Man wird ihm da wohl nahe gelegt haben etwas zu unternehmen, um eine Nobilitierung zu erreichen. So ließ er nachforschen und dabei wurde vorgeblich entdeckt, dass die Frohner aus Württemberg abstammen, ein Frohner sich im 30-jährigen Krieg nach der Schlacht am Weissen Berg in

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Prag (1620) dadurch verdient gemacht habe, dass er den geschlagenen Kurfürsten Friedrich von der Pfalz („Winterkönig“ in Böhmen) auf dessen Flucht bis Holland verfolgt habe und dafür von Kaiser Ferdinand II. geadelt worden sei (Siehe Anlage I !). Wir kennen unsere Vorfahren durch unsere Ahnenforschung in geschlossener Reihe bis etwa 1600 zurück, jedenfalls bis vor den Beginn des 30-jährigen Krieges (1618). Es ist kein Adeliger darunter, alle waren sie Bauern oder sogar Knechte (famulus rusticus) und sie waren alle aus Groß Inzersdorf im Weinviertel, niemand aus Württemberg! Die von Johann Frohner offensichtlich angestrebte Bestätigung eines angeblich vorhandenen Adels ging jedenfalls nicht durch. Im Österreichischen Staatsarchiv, wo wir unter den Akten des damals für Adelssachen zuständigen Innenministeriums nachgeforscht haben, liegt nichts vor. Die dortigen kundigen Archivare sind aber sicher, dass dafür die ungarischen Behörden zuständig waren (Ungarischer Staatsbürger, Lebensmittelpunkt damals in Ungarn). Bisher ist auch dort (Ungarisches Staatsarchiv/Magyár Országos Leveltár) nichts aufgetaucht, so dass wir nicht wissen, wie Johann Frohner in dieser Sache argumentiert hat.

Johann Frohner als Kunstsammler und Mäzen
Im Hotel Frohner in Budapest verkehrten regelmäßig Künstler. Der Hotelier Johann Frohner baute zu diesen Personen offenbar ein ganz persönliches Verhältnis auf und es muss dadurch auch sein Kunstverständnis besonders gefördert worden sein. Jedenfalls wurde er ein Verehrer der Malerei und er begann nach und nach Bilder zu erwerben und eine Sammlung anzulegen. In seiner Zeit danach in Wien wurde das fortgesetzt. Gegen Ende seines Lebens besaß er sowohl in Wien, wie in Budapest, wie aus seinem Testament hervorgeht, je eine Bildersammlung. Auch waren seine Wohnungen, selbst im Stiftungshaus in Groß Inzersdorf oder im Herrenhaus des Gutes Neuhaus in der Untersteiermark, mit wertvollen Bildern ausgestattet. Der ungarische Teil der alten Donaumonarchie hatte durch die Türkenzeit in vielerlei Hinsicht einen großen Rückstand. Während der fast 200 Jahre Türkenherrschaft machte Ungarn die übrige europäische Entwicklung fast überhaupt nicht mit, entsprechend groß war danach der Nachholbedarf. Dies betraf auch die Kunst. Hatte man in den übrigen europäischen Ländern längst Museen und Bildergalerien, angelegt von kunstsinnigen Fürsten oder bloß repräsentationssüchtigen Regenten, wie der Zarin Katharina II. in Russland, so fehlte dies in Ungarn fast vollständig. Um hier aufzuholen, wurde ein staatliches Kunstmuseum gegründet, das „Museum der bildenden Kunst“, das seit 1906 sein klassizistisches Gebäude am Heldenplatz beim Milleniumsdenkmal in Budapest hat. Für dieses Museum sollten Bilder gespendet werden. Eine ungarische Quelle nennt unter diesen Spendern (innerhalb eines ungarischen Textes) „Erny Mihály, Eltz Mária grófnö, Tárkány Béla, Bikkessy László, Frohner János“. Es wird hier als Mäzen des Museums neben der in Slawonien rund um Vukovar sehr begüterten rheinländischen Gäfin Maria Eltz und anderen Adeligen auch unser Johann

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Frohner genannt! Ein Teil seiner Donation ist auch bekannt. Es handelt sich um Porträts des Kaisers Franz I. (Franciscus I. Rex Hungariae et Bohemiae, Archidux Austriae) und des Feldherrn der letzten Türkenkriege, des Herzogs Josias von Sachsen-Koburg. Außerdem wurde ein Antipendium, also eine Altardecke, von Frohner gestiftet, welche für Maria Zell bestimmt war und die in Brokatstickerei die gesamte Familie von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz Stefan samt allen Kindern zeigt, eine Weiheinschrift trägt und von Balthasar Moll entworfen worden ist.

Auch in seinem Testament hat Johann Frohner dem Ungarischen Nationalmuseum 20 Gemälde vermacht, welche das Museum nach eigener Wahl aus der Frohnerschen Bildersammlung auswählen durfte.

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Das Hotel Imperial in Wien
Das Hotel Imperial in Wien wurde als Palais eines Hochadeligen erbaut. Der Münchner Architekt Arnold Zanetti entwarf den Plan für das Ringstraßenpalais des Prinzen Philipp von Württemberg, der österreichischer Feldmarschall war und mit der ältesten Tochter des Erzherzogs Albrecht verheiratet war, der Erzherzogin Maria Theresia. Erzherzog Albrecht ist bekannt durch sein Denkmal als Reiterstandbild auf hoher Rampe vor seinem Palais, der Albertina. Er war Feldherr, der Sieger von Custozza 1866 und der älteste Sohn des Siegers von Aspern über Napoleon (1809), Erzherzog Karl. Dieser wieder war Erbe des kinderlosen Ehepaars Herzog Albert von Sachsen-Teschen und der Erzherzogin Maria Christina, der Lieblingstochter der Kaiserin Maria Theresia. Dieses reiche, kinderlose Ehepaar, unermüdliche Kunstsammler, machte mit seinem Erbe den Erzherzog Karl und seinen Stamm zu den reichsten Habsburgern über Generationen. Für den Prinzen Philipp von Württemberg war die Erzherzogin Maria Theresia sicher das, was man eine „gute Partie“ nennt. Ganz standesgemäß sollte auch das große Palais an der Ringstraße (Kärntner Ring Nr. 16) sein. 1865 war der Rohbau fertig, es begann die Ausgestaltung, außen und innen. Doch der Prinz von Württemberg verlor die Freude an dem Prachtbau, denn er wollte damit einen Garten bis zum Wienfluss verbinden, den ihm die Stadtplanung aber verwehrte. Dort sollte der Karlsplatz entstehen und das Musikvereinsgebäude hinkommen, was schließlich auch so geschah! Der Prinz von Württemberg bezog sein Palais nicht, er wollte es verkaufen. Das war aber nicht so einfach. Erst 1871 gelingt der Verkauf an die beiden Brüder Horatius und Franz, Ritter von Landau. Die beiden sind Financiers oder „Developer“ (Projekt–Entwickler), wie man heute sagen würde. Sie wissen, dass in Wien 1873 die große Weltausstellung stattfinden wird und dass es in der Stadt zu wenige Hotelunterkünfte, vor allem der gehobenen Art, gibt. Sie bauen das Palais in ein vornehmes Hotel um. Die hohen, vornehmen Räumlichkeiten wären als Hotel nicht so aufwendig gebaut worden. Schließlich gibt es 100 Fremdenzimmer der verschiedenen Art. Das Hotel kann am 28. April 1873 eröffnet werden, die Weltausstellung wird am 1. Mai 1873 feierlich vom Kaiser eröffnet. Gleich vom Anfang an kommt bei den hohen Besuchern der Weltausstellung, Herrschern und Potentaten, das Hotel sehr gut an. Doch ein Hotel zu managen, das haben die Brüder Landau nicht gelernt, was sich nach der Weltausstellung bald herausstellt. Folgerichtig suchen sie einen geeigneten, versierten Pächter. Als solcher wird Johann Frohner gefunden, der in Budapest gezeigt hat, was er auf diesem Gebiet zu leisten vermag. Er kann sich dieser Herausforderung auch stellen, weil er das Budapester „Hotel Frohner“ seinem Sohn zur Leitung übergeben kann. 1874 übernimmt Johann Frohner als Pächter das Hotel Imperial in Wien. Die Jahrespacht beträgt die stolze Summe von 90.000 Kronen. Frohner engagiert auch gleich einen Hoteldirektor, Gustav von Rühling, der bis ins nächste Jahrhundert für Kontinuität im Haus sorgt.

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Frohner geht nach seinen Budapester Erfahrungen vor und sorgt in exquisiter Weise für das Wohl seiner Gäste, er verschafft dadurch dem Hotel Imperial seinen internationalen Ruf. Die Küche des Hotels ist europäische Spitze und hat einen hervorragenden Ruf. Das Haus geht ausgesprochen gut, vor allem ist es die ausländische Kundschaft und darunter wiederum Herrscher und Hochadel, aber auch Spitzenkünstler, welche bevorzugt dieses Hotel frequentieren. So residiert der Komponist Richard Wagner 1875 mit seiner Familie durch Wochen in sieben Zimmern des Imperial, um Aufführungen seiner Werke in der Hofoper zu überwachen. Bismarck war wiederholt im Hotel Imperial. Es gefällt ihm sehr gut und er signiert den Fächer der Frau Karoline Frohner mit Dankesworten. Beim Aufenthalt 1879 im Imperial wird Bismarck ausgezeichnet durch den Besuch des Kaisers Franz Josef im Hotel. Im Bemühen Frohners um ein möglichst umfassendes Angebot für seine Gäste im Hotel Imperial baut er ein umfassendes Lager an Weinen aus allen bekannten Weinländern, von Likören und Cognacs auf, welche dann auch an andere Kunden geliefert werden. Daraus entsteht ein spezieller Weinhandelsbetrieb mit entsprechend vorzüglichem Ruf. Für diese Tätigkeit strebt Johann Frohner den Titel eines Hoflieferanten an. Nach dem Tod seines Sohnes Johann in Budapest sieht er sich veranlasst, das Hotel Frohner in Budapest zu verkaufen, weil er nicht beide Hotels persönlich führen konnte. Der Verkauf des Budapester Hotels wird so abgeschlossen, dass der Käufer die Kaufsumme zur Hälfte sofort zu bezahlen hatte, die zweite Hälfte aber nach einer bestimmten Zeit später fällig sein sollte. Der Käufer machte aber in der Zeit zwischen den beiden Zahlungsterminen Konkurs und Frohner fiel um die zweite Hälfte dieser Summe komplett um. Das brachte ihn in beträchtliche finanzielle Bedrängnis, weil er mit dem ganzen Verkaufserlös gerechnet hatte und entsprechende Dispositionen getroffen waren. Es hat sich sicher dabei um eine hohe Summe Geldes gehandelt. Gerade in dieser Zeit überprüfte wegen der Zulassung als

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Hoflieferant die Polizei im Auftrag des k. u. k. Obersthofmeisteramtes den Ruf und finanziellen Status des Johann Frohner. Es wurde festgestellt, dass er in finanzieller Bedrängnis wäre. Auch wird das Engagement im PferdeRennsport nicht sehr günstig bewertet. Jedenfalls kommt es nicht zur Verleihung des begehrten Titels. Das Budapester Hotel Frohner kommt 1883 an einen weiteren Besitzer, Georg Holzwart, der es dann umbenennt in „Hotel Continental“. Vom Bestreben, dem Gast im Hotel Imperial jede Bequemlichkeit zu geben und Service von hohem Niveau zu bieten, zeugt auch die Tatsache, dass Johann Frohner eine eigene Stellwagen- und Fiakerfirma in Wien gründete, damit seine Gäste mit den entsprechenden Beförderungsleistungen stets gut versorgt werden konnten. Das Kaffeehaus, welches im Hotel Imperial betrieben wurde, war und ist ein beliebter Treffpunkt der Wiener Gesellschaft. Das Buch „Hotel Imperial in Wien“ von Andreas Augustin, Teil der Reihe „Die berühmtesten Hotels der Welt“, ist voll von den vielen prominenten Gästen, die im Hotel Imperial abgestiegen sind, und von den Geschichten, die sich auch um diese Gäste hier abgespielt haben. Während seiner ganzen Wiener Zeit, von 1874 bis zum Tod 1894, hat Johann Frohner seinen Wiener Wohnsitz im Hotel Imperial gehabt. Bis zu ihrem Tod 1885 hat auch Karoline Frohner dort gewohnt.

Dass das Hotel Imperial das absolute Spitzenhotel der ganzen Monarchie war, das darf man Johann Frohner und dem von ihm bestellten Direktor Rühling, die ein kongeniales Leitungsteam darstellten, als persönliches Verdienst zuschreiben. In der Folge konnte dieser Rang gehalten werden, auch in republikanischen Zeiten. Dass während der Besatzungszeit 1945 bis 1955 das Hotel Imperial Sitz des sowjetischen Hochkommissars war, hat zwar den Schauder aller hervorgerufen, die dorthin zitiert wurden und wovon gar nicht wenige (nach Sibirien) verschwunden sind, aber danach konnte das Hotel wieder den alten Ruf herstellen und bis heute residieren dort die hohen Staatsbesucher der Republik Österreich.

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Im Jahr 1913 ging das Hotel Imperial an eine Aktiengesellschaft über, die dann in den 1930er Jahren in den Bereich der Beteiligungen der Creditanstalt-Bankverein kam. Nach der Besatzungszeit wurde daraus eine Hotelgesellschaft für Nobelhotels gebildet, die „Imperial Hotels Austria AG“, welcher die beiden Wiener Hotels Imperial und Bristol und das Salzburger Hotel „Goldener Hirsch“ angehören. 1987 überträgt die Creditanstalt 47,4 % der Anteile der „Imperial Hotels Austria AG“ an die amerikanische CIGAGruppe, welche auch das Management der Hotels übernimmt. Diese Anteile gelangen 1995 an die Hotelgruppe Sheraton und schließlich übernimmt diese Anteile und den Betrieb der Hotels 1998 die amerikanische Hotelkette „Starwood Hotels & Resorts“. Nach bereits geschlossenen Verträgen kommt das Hotel Imperial in Wien und das Hotel „Goldener Hirsch“ in Salzburg am 30. September 2011 auch in den kompletten Besitz von Starwood, während das Hotel Bristol an die Hotel Sacher-Gesellschaft der Familie Gürtler geht.

Johann Frohner als Gutsbesitzer
Mit dem Verkauf des Hotel Frohner in Budapest hat sich der Lebensmittelpunkt des Johann Frohner endgültig nach Wien verlagert, wenngleich das Gestüt in Ungarn weiterhin in seinem Besitz verblieb und er in Budapest eine Wohnung samt der dortigen Bildersammlung und einen bedeutenden Immobilienbesitz unterhielt. Seine emotionale Bindung an Ungarn blieb jedenfalls vollgültig aufrecht, was auch maßgebliche ungarische Politiker so sahen. So wohnten die politischen Delegationen der ungarischen Regierung, welche die gemeinsamen Staatsangelegenheiten in Wien auszuhandeln hatten, besonders die schwierigen Finanzverhandlungen, im Hotel Imperial „unseres Frohner“, wie man sich ausdrückte, und sie lobten die vorzügliche Küche und deren ungarischen Einschlag. Nach dem Tod seiner ersten Frau Karoline am 4. 2. 1885 ging Johann Frohner eine zweite Ehe ein. Wir kennen nicht das Heiratsdatum. Aus dieser Ehe stammt der Sohn Roman Franz Frohner, der am 29. 2. 1888 geboren wurde. Die zweite Ehefrau Josefine Cäcilie, geborene Tichtl von Tutzingen, wurde geboren am 19. 3. 1862 in Szatmárnémeti (heute: Satu Mare in Nordwest-Rumänien) als Tochter des am 21. 1. 1880 in Budapest gestorbenen Friedrich Tichtl von Tutzingen und dessen Ehefrau Ludovika, geborene Dolinovszka, die in Budapest am 2. 1. 1908 verstorben ist. Die zweite Ehefrau war also adelig, das Prädikat weist aber auf einen eher jungen Beamten- oder Militäradel hin. Der Name ist deutsch, aber die vorhandenen Lebensdaten beziehen sich allesamt auf Ungarn. Diese Ehe muss sehr unglücklich verlaufen sein und sie wurde noch im Jahr der Geburt des Sohnes Roman Franz geschieden! Warum ein erfolgreicher Mann, dessen Erfolge auch ein entsprechendes Maß an Menschenkenntnis und Urteilsvermögen zur Voraussetzung haben, eine Frau heiratet, die 33 Jahre jünger ist und welche laut den spärlichen mündlichen Berichten unserer Großeltern „keine gute“ war, wissen wir nicht. Ob der Adel da geblendet hat, der ja schließlich ein niederer war, ist

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schwer vorstellbar, aber keinesfalls auszuschließen. Der Wortlaut des Testaments, über das noch zu berichten sein wird, ist diesbezüglich ein erschütterndes Zeugnis! Zum Gutsbesitzer und ausgedehnten Immobilien-Inhaber wurde Johann Frohner erst im fortgeschrittenen Alter und zwar in erster Linie in Österreich.  Am 30. 8. 1889 kaufte er das Gut Neuhaus im Bezirk Cilli in der Untersteiermark, Katastralgemeinden Dobrna und Zavreh, mit einem repräsentativen Herrenhaus. Die Baulichkeit geht zurück auf den Freiherrn Franz Xaver Augustin von Dienersberg aus 1772. Zum Besitz gehörte eine Thermalquelle, die 1847 veräußert wurde. 1851 wurde der ganze Besitz verkauft an Franz Anton Graf KolovratLiebsteinsky, 1864 erwarb es Johann Ritter von Ressingen, dem Adolf Ritter von Layritz folgte. Die weiteren Besitzer waren ab 1882 Adolf Kogan und ab 1887 Adolf Dub, der an Johann Frohner verkaufte. Das von einem Park umgebene Herrenhaus, das in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts modernisiert und mit Ecktürmen versehen wurde, ist noch heute ein beachtliches Gebäude, in welchem öffentliche Einrichtungen (Kindergarten und Ähnliches) untergebracht sind. Die zugehörigen Flächen des Gutes kennen wir nicht im Einzelnen, wohl aber den Wert, der in der Vermögensaufstellung enthalten ist. Johann Frohner dürfte Neuhaus besonders geschätzt haben wegen des Herrenhauses und hatte dort auch von ihm persönlich geschätzte Bilder. Das Gut ist in der Landtafel des Herzogtums Steiermark eingetragen. Die Landtafel war das Verzeichnis der adeligen Besitzungen, mit denen gewisse Rechte verbunden waren, etwa seinerzeit ein Sitz in der Adelsfraktion des Landtages.

Herrenhaus von Gut Neuhaus

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Villen in Dornbach: Im 17. Wiener Gemeindebezirk/Hernals erwarb Johann Frohner drei Villen mit ausgedehnten Gärten, wo auch exotische Bäume angepflanzt waren (z. B. 2 Mammutbäume) an den Adressen Andergasse 12, Andergasse 14 und Pointengasse 11. Zumindest eine der Villen (die in der Pointengasse) wurde am 14. 4. 1891 gekauft. Diese Villen wurden entsprechend ausgestattet vermietet und bildeten eine private Erwerbsquelle.

Dominikanerhof in Markgrafneusiedl mit Fresken am Erker über dem Einfahrtstor

Das Gut Markgrafneusiedl im Marchfeld wurde am 22. 6. 1892 gekauft. Dieses Gut ist in der Landtafel des Erzherzogtums Österreich unter der Enns eingetragen. Das Gut bestand aus einem großen Wirtschaftshof mit beträchtlichem Viehstand (70 Rinder, 24 Pferde, 10 Zugochsen etc.) und einer modernen maschinellen Ausstattung (z.B. ein Lokomobil, Dreschmaschine, Milchseparator und Milchkühlanlagen usw.). Wegen der Nähe zur Großstadt Wien dürfte hier eine recht ertragreiche Milchwirtschaft unterhalten worden sein. Dafür gab es damals berühmte Vorbilder, beispielsweise die Mustergüter des Erzherzogs Friedrich, Herzogs von Teschen (Erbe des vorher unter dem Hotel Imperial erwähnten Erzherzogs Albrecht) in Ungarisch Altenburg (heute Mosonmagyarovár), wo ein ganzer Komplex von Gutshöfen beiderseits der heutigen österreichisch/ungarischen Grenze unter Einschluss des Seewinkels am Neusiedler See bestand. Die Produkte dieser Milchwirtschaft waren so bekannt und qualitativ hochstehend, dass noch heute der Begriff „Teebutter“ existiert, welcher mit dem Tee als Getränk nichts zu tun hat, sondern TEE war ein Markenzeichen und stand als Abkürzung

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für: „ Teschen, Erzherzogliches Erzeugnis“. Daneben gab es in Markgrafneusiedl den traditionellen Ackerbau, aber auch diesen mit modernen Methoden, wobei mit einem Lokomobil geackert wurde oder die Dreschmaschine angetrieben worden ist. Das Gut dürfte etwa 40 Leuten einen Dauerarbeitsplatz geboten haben, neben den Saisonarbeitern zur Erntezeit. In Anlage III ist der Hauptteil des „Fundus instructus“, also des lebenden und toten Inventars des Gutes Markgrafneusiedl enthalten, so dass der landwirtschaftlich etwas bewanderte Leser sich ein Bild von der Ausstattung dieses Gutes machen kann. Der Erwerb dieser Liegenschaften ist in relativ kurzer zeitlicher Abfolge durchgeführt worden und die Finanzierung erfolgte teilweise durch Hypothekarkredite der Boden-Creditanstalt bzw. der Niederösterreichischen Hypothekenanstalt. Zum Todeszeitpunkt des Besitzers waren diese Realitäten mit etwa 40 % ihres Wertes hypothekarisch belastet. Es hat dies den Anschein, dass Johann Frohner mit dieser Gestaltung seiner Vermögenszusammensetzung eine Art Altersversorgung aufbauen wollte oder für seinen sehr jungen Sohn eine solide Einkunftsquelle unabhängig vom Hotelgeschäft schaffen wollte. Jedenfalls wurde diese VermögensUmschichtung in auffälliger Weise ausschließlich in Österreich vollzogen, obwohl auch nach dem Verkauf des Hotel Frohner in Budapest dort noch ein beträchtlicher innerstädtischer Realitätenbesitz vorhanden war.

Johann Frohner als ungarischer Staatsbürger
Durch den „Ausgleich“ mit Ungarn im Jahr 1867 wurde der österreichische Kaiserstaat zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Diese Staatsbezeichnung wurde erst später von Kaiser Franz Josef verfügt, weil sie einfacher war als die im „Ausgleich“ fixierte Bezeichnung, nämlich für Österreich: „Die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder“ und für Ungarn: „Die Länder der heiligen Stephanskrone“. Da Johann Frohner 1867 seinen Lebensmittelpunkt in praktisch jeder Beziehung in den Ländern der Stephanskrone hatte, wurde er automatisch ungarischer Staatsbürger und er blieb dies auch bis an sein Lebensende, obwohl sein Lebensmittelpunkt nach 1874 (Übernahme des Hotel Imperial als Pächter) immer mehr in Österreich gelegen war. Die Gründe für diese Beibehaltung der ungarischen Staatbürgerschaft werden vielfältig gewesen sein:    Sein beruflicher und gesellschaftlicher Aufstieg erfolgte in Ungarn. Dort kam er zu Vermögen und Ansehen. Dadurch entstand wahrscheinlich ein Gefühl der Dankbarkeit Ungarn gegenüber. Sein familiäres Umfeld in Ungarn zusammen mit seiner ersten Frau und deren Kindern war glücklich. Seine Passion für die Reiterei, die Pferdezucht und den Rennsport muss eine kräftige Klammer zu Ungarn gewesen sein, zu der Nation, in welcher diese Sparten besonders hoch geschätzt wurden, wo von alters

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 

her diese Disziplinen durch ausgesprochene Spitzenleistungen hervorgestochen haben. Wahrscheinlich haben ihn seine vielen hochgestellten Freunde aus der Zeit des „Hotel Frohner“ in Budapest und aus der Pferdesport-Szene auch gefühlsmäßig sehr an Ungarn gebunden. Schließlich wurde in Ungarn in dieser Zeit eine Aufbruchsstimmung erzeugt, die auch auf den Hang der Ungarn als Adelsnation und Herrenvolk zurückzuführen ist, die eigene Bedeutung zu überschätzen, was aber im Aufwärtstrend immer imponierend wirkt.

Eigentlich war Johann Frohner der Prototyp eines Angehörigen des Kaiserstaates, der gleichermaßen in beiden „Reichshälften“ verankert und buchstäblich zu Hause war. Der „Ausgleich“ war auf einer Art Parität aufgebaut und es sollten auch in beiden Reichshälften die jeweiligen Minderheiten zu ihren vollen Rechten kommen. Ferenc Deák, der für Ungarn den Ausgleich mit dem Kaiser ausgehandelt hatte (die Kaiserin Elisabeth hat, entgegen einer weitverbreiteten Ansicht, dabei real keine Rolle gespielt), hatte die Ungarn nach der erfolgten Lösung ausdrücklich gewarnt, die „gemeinsamen Angelegenheiten des Gesamtstaates“, nämlich Militär, Finanzen und die Außenpolitik, ja nicht irgendwie schmälern zu wollen. Er hatte seine Landsleute auch davor gewarnt, den gemeinsamen Staat zu schwächen oder gar verlassen zu wollen, denn dann müsste sich Ungarn dazu bequemen, zwischen dem Deutschen Reich, Russland und der Türkei ein unbedeutender Kleinstaat zu werden. Leider haben die Ungarn später dieses Vermächtnis von Deák nicht beachtet. Sie verweigerten nach und nach immer mehr die Minderheitenrechte und betrieben eine aggressive Magyarisierungspolitik, was besonders die Slowaken, Rumänen und Kroaten aufbrachte (und stimmungsmäßig bis heute nachwirkt!). Das Militär wurde geschwächt indem die Reservearmee auf massive ungarische Forderung hin geteilt wurde in die ungarischen Honved und die österreichische Landwehr. Schließlich wurde über die Finanz- und Steuerpolitik dauernd hingebungsvoll gestritten. Der Nationalismus trieb auch sonst seine Blüten, etwa der bittere Schulstreit um die jeweilige Unterrichtssprache in Böhmen (was in Mähren 1905 ganz einfach und logisch geregelt wurde). Schließlich proklamierte in den 1890er Jahren Graf Julius Andrássy der Jüngere ganz offen den Anspruch der Ungarn auf Suprematie in der gesamten Monarchie. Auf die Spitze getrieben wurde diese Großmannssucht durch ein Memorandum an die ungarische Regierung 1915, also bereits im Ersten Weltkrieg, in welchem die Ansprüche Ungarns nach einem Sieg in diesem Krieg deklariert wurden. Der ungarische Historiker Krisztián Ungváry referierte am 22. März 2011 im „Institut für die Wissenschaft vom Menschen“ in Wien zum Thema „Der Rechtsradikalismus in Ungarn und seine geistigen Wurzeln“ und erzählte vom Inhalt dieses Memorandums. Danach sollte Ungarn die Herrschaft über den gesamten Balkan zustehen und über alle Länder des Ottomanischen Reiches bis Südarabien inklusive Ägypten (damals britisch) und Libyen (italienische Kolonie), ferner über Persien und alle „turanischen Länder“ (heute Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan und von China Sinkiang mit seiner turanischen Bevölkerung der Uiguren). Dem Deutschen Reich wäre die Dominanz in Nord- und Westeuropa sowie in Übersee zugekommen und für

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Österreich war vorgesehen, dass es Galizien an Polen abtreten dürfe und dafür einen Erzherzog als dortigen König nominieren hätte können. Man mag das als Skurilität werten, was es ja auch ist, aber, wie Professor Ungváry darlegte, haben maßgebende Kreise in Wirtschaft und Politik in Ungarn so gedacht. Umso drastischer war der Absturz 1919 durch den Frieden von Trianon! Johann Frohner hat sicherlich als wacher Geist bis zum Ende seines Lebens diese Entwicklung verfolgt. Er wird darüber nicht glücklich gewesen sein. Die Übertreibungen gegen Ende der Monarchie hat er nicht erlebt. Als realistisch denkender Zeitgenosse hätte er dies sicherlich abgelehnt. Er blieb aber staatsrechtlich Ungar und er bestimmte testamentarisch, in Budapest begraben zu werden. Auch seine Verlassenschaft wurde maßgeblich in Ungarn abgehandelt, die von ihm bestellten Vormünder seines minderjährigen Sohnes Roman Franz waren Ungarn und dieser wuchs auch in Budapest auf.

Johann Frohner und seine Heimatgemeinde Groß Inzersdorf
Seinem Heimatort Groß Inzersdorf blieb Johann Frohner zeitlebens gewogen. Er ging als Jugendlicher bereits früh weg nach Preßburg. Wahrscheinlich war in dieser Zeit prägend, dass nach dem Verschwinden des Vaters in der heutigen Slowakei und dem dann bestätigten Tod durch den Raubüberfall die Ortsbewohner der dadurch schwer getroffenen Familie in solidarischer Weise Beistand geleistet hatten. So etwas vergisst man nicht! Sein Kontakt nach Hause wird von Preßburg und Budapest aus in erster Linie ein postalischer gewesen sein. Als er ab 1874 in Wien war, gab es sicherlich häufigere Besuche in Groß Inzersdorf. Jedenfalls hatte er dort nicht nur Kontakt zu den Verwandten, er hatte auch Freunde in Groß Inzersdorf, nämlich den Weinhändler Georg Bürbaum und den Bürgermeister Franz Lieberth. Der Weinhändler Georg Bürbaum hatte ebenfalls eine bemerkenswerte Karriere zu verzeichnen. Die Inzersdorfer Weinbauern lieferten Wein hauptsächlich an Gastwirte in Wien, zu denen relativ fixe Geschäftsverbindungen bestanden. Die Lieferung erfolgte durch die Bauern per eigenem Pferdefuhrwerk mit „Fuhrfässern“ zu 750 l. Zwei dieser Fässer passten auf einen „Weinwagen“, mit dem auf einer Tour von 2 Tagen nach Wien „frei Haus“ geliefert wurde. Mit einer derartigen Lieferung war Bürbaum unterwegs, als im Oktober 1848 Fürst Windischgrätz die Revolution in Wien niederschlug und seine Soldaten die Stadt plündern durften. Bürbaum kam nicht durch zu seinem Wirt, seinem Kunden. Er schenkte nun stattdessen den Wein direkt vom Fuhrfaß an die Soldaten aus, die mit Plünderungsgut zahlten. So wurde er den Wein los und im Futtersack, mit welchem der Hafer für die Pferde mitgeführt wurde, befand sich dann bei der Rückkehr nach Gr. Inzersdorf manche Kostbarkeit, welche die Soldaten „in Zahlung“ gegeben hatten. Dieser abenteuerliche

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Weinverkauf lieferte das Startkapital für einen umfangreichen Weinhandel und die Errichtung der Kellerei, welche heute die Winzergenossenschaft besitzt. Unsere Großeltern berichteten, dass der „Hotel-Onkel“, so wie das unter Verwandten üblich war, jedenfalls zum „Kiritag“, dem Kirchweihfest, zu Besuch kam. Dieses Fest, das 2 Tage dauerte, fand Sonntag und Montag nach dem Tag der Hl. Rosalia, dem 4. September, statt. Die heilige Rosalia ist die Kirchenpatronin von Groß Inzersdorf. Als Johann Frohner ein reicher Mann war, kam es schon auch vor, dass er beim Tanz im Wirtshausgarten eine Handvoll Münzen unter eine Schar Buben warf und zusah, wie die sich um die Geldstücke balgten. Seine positive Beziehung zu seinem Heimatort Groß Inzersdorf bekräftigte Johann Frohner durch die Errichtung des „Frohner-Stiftungshauses“ im Jahr 1883, das er seiner Heimatgemeinde schenkte. Dieses Haus sollte verschiedenen Zwecken dienen: 1. Es sollte Sitz der Gemeindeverwaltung sein (Gemeinde-Kanzlei). Vorher waren die administrativen Angelegenheiten der Gemeinde im Haus des jeweiligen Bürgermeisters abgewickelt worden, wo auch die entsprechenden Belege, Schriftstücke und die Gemeindekassa aufbewahrt wurden. 2. Gemeinschaftsdienste der Gemeinde sollten dort ihre Unterkunft haben. So gab es den Stall für den Gemeindestier und die Zuchteber der Gemeinde und die Wohnung für den „Halter“, welcher zur Betreuung dieser Tiere angestellt war, im Stiftungshaus. 3. Es diente der Hebung der Gesundheit durch die Einrichtung von 2 Badezimmern. So heißt es im Stiftungsbrief: „Die im Stiftungshause eingerichteten zwei Badezimmer sind von der Gemeinde Groß Inzersdorf in Stand zu halten und die Benützung derselben gegen Entrichtung eines von der jeweiligen Gemeinde-Vertretung in Groß Inzersdorf nach ihrem Ermessen zu bestimmenden, geringen Entgeltes den nach Groß Inzersdorf zuständigen Bürgern und deren Familien zu bewilligen“. 4. Es war eine Wohnung für einen Arzt vorgesehen und dazu sagt der Stiftungsbrief: „Die im Stiftungshause für einen Arzt eingerichtete Wohnung, rücksichtlich die Räumlichkeiten derselben sollen einem Arzte unter der Bedingung unentgeltlich zur Benützung überlassen werden, daß derselbe seinen Aufenthalt in dieser Wohnung thatsächlich nehme und sich verpflichte, die im Stiftungshause wohnenden Armen in Erkrankungsfällen unentgeltlich zu behandeln und ihnen auch unentgeltlich die nothwendigen Arzneimittel zu liefern.“ Falls kein Arzt aufgetrieben werden könne, durfte die Gemeinde diese Wohnung anderweitig verwerten, muss aber in diesem

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Fall die Kosten für die Behandlung der erkrankten Armen übernehmen. Tatsächlich wohnte im Stiftungshaus bis 1946 kein Arzt, sondern Lehrer und auch eine Hebamme. Im Zuge der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem 2. Weltkrieg kam ein Verwandter des damaligen Bürgermeisters Karl Frohner, unseres Vaters, als Arzt nach Groß Inzersdorf und machte im Stiftungshaus seine Ordination auf. Es war dies Dr. Heinrich Mocker mit seiner Familie aus Kaaden in Nordböhmen. Seine Frau Therese war die Enkelin der Theresia Frohner, Schwester unseres Großvaters Rupert Frohner und Nichte des Hoteliers Johann Frohner, die am 7. 8. 1888 den Bäcker Felix Engel aus Dürnkrut geheiratet hatte. 5. Es diente als sogenanntes „Armenhaus“. Der Stiftungsbrief sagt dazu aus: „Dieses Stiftungshaus hat in erster Linie die Bestimmung, armen, nach Groß Inzersdorf zuständigen vorübergehend oder bleibend erwerbsunfähigen Personen ohne Unterschied des Geschlechtes, Alters, Standes und der Religion ein unentgeltliches Asyl für die Dauer ihrer Erwerbsunfähigkeit zu beschaffen, das heißt ihnen in diesem Hause Wohnung für die Dauer ihrer Erwerbsunfähigkeit zu gewähren, ferner den in dem Armenhause domizilierenden Armen im Erkrankungsfalle unentgeltlich ärztliche Behandlung, Pflege und Arznei im Armenhause selbst zu Theil werden zu lassen.“ Weiters bezieht der Stiftungsbrief in den Kreis der Begünstigten noch ein das Gesinde bzw. die Dienstboten, die in Groß Inzersdorf beschäftigt sind, auch wenn diese selbst persönlich nicht nach Groß Inzersdorf zuständig sein sollten. Über diese Fälle sollte die Gemeinde-Vertretung entscheiden, ebenso über die Entfernung von Begünstigten, welche sich der Ordnung nicht fügen. 6. Das Ehepaar Johann und Karoline Frohner besaß auch eine Wohnmöglichkeit im Stiftungshaus für seinen eigenen Bedarf. Es heißt dazu im Stiftungsbrief: „Die Eheleute Herr Johann und Frau Karoline Frohner behalten sich für ihre Lebenszeit das Recht der unentgeltlichen Benützung der zwei im Stiftungshause eingerichteten Fremdenzimmer vor, und erlangt die Gemeinde Groß Inzersdorf erst nach dem Ableben des Herrn Johann und der Frau Karoline Frohner das Recht, über diese beiden Fremdenzimmer zum Nutzen der Stiftung oder der Gemeinde zu verfügen.“ Die beiden Zimmer waren eingerichtet als Wohnsalon und als Schlafzimmer mit vornehmen Möbeln und kostbaren Bildern. Interessanterweise blieben die Zimmer in ihrer ursprünglichen Form samt Einrichtung, offenbar aus Respekt, erhalten bis 1938. Erst die Übernahme der Gemeindeverwaltung durch die Nationalsozialisten bewirkte, dass der Wohnsalon zum Sitzungszimmer des Gemeinderats umgewandelt wurde. Die Möbel und Bilder wurden auf den Dachboden geschafft. Als die Stadtgemeinde Zistersdorf nach der Eingemeindung von Groß

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Inzersdorf das dortige Gemeindeeigentum übernahm, wurde auch der Dachboden des Stiftungshauses aufgeräumt. Die Zistersdorfer Gemeindearbeiter schafften die unansehnlich gewordenen Möbel zur Entsorgung weg. Das gleiche sollte mit den 6 vorhandenen Bildern geschehen. Doch schritt hier Herr Johann Schwarzmann ein. Er wollte mit Walter Blisa zusammen ein Dorfmuseum in Gr. Inzersdorf einrichten und besaß für diesen Zweck bereits etliches Material. Er brachte die Bilder für diesen Zweck an sich und rettete sie so vor dem Müllhaufen! Später setzte er sich mit dem Amtsdirektor der Stadt Zistersdorf, Mikowitsch, ins Einvernehmen und die Bilder wurden dem Amtsdirektor übergeben. Als ein Beamter des Bundesdenkmalamtes in Zistersdorf zu tun hatte, sah er zufällig die Bilder und erkannte zwei davon als recht wertvoll. Der Bürgermeister Dr. Rudolf Streihammer, von Beruf Gymnasialprofessor und ausgebildeter Historiker, wurde verständigt und im Stadtrat die Sache besprochen. Der Stadtamtsdirektor Mikowitsch ersuchte nun den Lehrer und als Maler örtlich anerkannten Franz Rauscher sich dieser Bilder anzunehmen, der in der Folge mit den beiden als wertvoll bezeichneten Bildern nach Wien ins Dorotheum fuhr, um diese dort beurteilen zu lassen. Ein Fachmann im Dorotheum erkannte nach kurzer Untersuchung, dass die beiden auf Holz gemalten Landschaftsbilder das Werk eines flämischen Meisters des 17. Jahrhunderts wären, aber dringend restauriert werden sollten, bevor man sie verwerten könne. Als Restaurierungskosten wurden 150.000 Schilling pro Bild angegeben. Die beiden Bilder aus Groß Inzersdorf blieben vorläufig im Dorotheum und der Zistersdorfer Gemeinderat quälte sich lange mit der Entscheidung hinsichtlich der Restaurierung. Niemand hatte ein einschlägiges Fachwissen und 300.000 S Kosten waren kein Kleingeld. Schließlich gab man den Auftrag zur Restaurierung. Es wurde später im März 1988 ein Gutachten erstellt durch Fr. Dr. Margaretha Krämer als vom Dorotheum nominierte Expertin und die beiden Bilder konnten eindeutig dem Maler Anton Mirou zugeordnet werden, der 1586 in Frankenthal in der Pfalz geboren wurde und ein Schüler des niederländischen Malers Gillis van Coninxloo war, der 1544 in Antwerpen geboren wurde und als Reformierter 1585 aus dem katholischen Antwerpen nach Frankenthal in die damals kalvinistische Pfalz emigriert war und dort eine Schule der reinen Landschaftsmalerei nach dem flämischen Stil begründete. Beide Bilder sind signiert mit dem Monogramm AM und datiert mit 1618 und 1619. Mirou lebte bis 1661 und seine Bilder sind heute zu sehen in den Museen von Würzburg, Münster, Braunschweig, Hamburg, Magdeburg, Berlin und Riga. Matthäus Merian, der berühmte Kupferstecher, hat 26 seiner Landschaftsbilder gestochen und so zur Verbreitung dieser Bilder beigetragen. Die beiden Bilder aus Groß

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Inzersdorf wurden am 6. Dezember 1989 im Dorotheum versteigert um 1,4 Mill. und 1,5 Mill. S an je einen Käufer in der Schweiz und in Deutschland. Nun wollte aber das Bundesdenkmalamt die Bilder nicht ausführen lassen, doch erwirkte das Dorotheum schließlich die nötige Genehmigung. Die Beschreibung aus dem Versteigerungskatalog des Dorotheums samt den Bildern ist in Anlage IV enthalten. Mit dem Erlös waren die Kosten der Restaurierung hereingebracht und es war noch möglich, dass um den restlichen Erlös das Stiftungshaus in Gr. Inzersdorf für den heutigen Zweck umgebaut und baulich modernisiert wurde. Ein Restbetrag dürfte noch dem Vermögen der „FrohnerStiftung“ einverleibt worden sein. Die übrigen 4 Bilder aus dem Stiftungshaus in Groß Inzersdorf hängen im Veranstaltungssaal des alten Rathauses in Zistersdorf und müssten eigentlich ebenso Teil des Vermögens der Frohner Stiftung in Groß Inzersdorf sein. Der Wortlaut des Stiftungsbriefes von 1890, betreffend das „Frohner Stiftungshaus“ in Groß Inzersdorf, ist in Anlage V enthalten. Das „Frohner Stiftungshaus“ in Groß Inzersdorf war für damalige Zeiten (1883) ein moderner Bau. Schon die Bauweise in 2 Etagen war imponierend unter den niedrigen Bauernhäusern rundum. Die Lage im Mittelpunkt des Ortes entsprach der Funktion. Einige Details waren geradezu exquisit! So waren die Fensterscheiben des Hauses geätzt, die Fenstergitter mit Mustern versehen, die an die Gitter der früheren Wiener Stadtbahn erinnerten.

Die Musikkapelle des kath. Burschenvereins Groß-Inzersdorf vor dem Stiftungshaus um 1930

Der Eingang von der Breitseite des Gebäudes an der Straße war vergleichsweise imposant. Beim Eintritt merkte man, dass dies ein besonderes Bauwerk war. Die Fassade war gegliedert in fast palastartiger

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Manier. Der Umbau in jüngerer Zeit mag zweckmäßig gewesen sein, aber dieser Charakter des Besonderen ist weg! Der heutige Eingang erfolgt nicht von der Straßenseite her, sondern um die Ecke von nebenan. Obwohl die Baumasse gleich wie früher ist und dadurch wirkt, ist letztlich ein unbeachtlicher Allerweltsbau daraus geworden.

Frohner´s Stiftungshaus im Jahr 1904

Bedenkt man, dass die Villa des Weinhändlers Georg Bürbaum eigentlich mutwillig durch Abbruch vernichtet wurde, dass dort, wo das Gemeindegasthaus als örtliches Veranstaltungszentrum stand, ein bauliches Loch klafft mit einer Ruine daneben und dass manch früher baulich achtbares Bauernhaus umgebaut wurde zu einer stilistisch modernen Baracke, so sieht man, wie kulturlos heute streckenweise dieses Dorf wirkt. Es ist wahrlich schade! Die beiden bereits genannten und um die Dorfgeschichte bemühten Herren Johann Schwarzmann und Walter Blisa hatten 1996 zur 100 Jahr Feier des Stiftungshauses in diesem eine Ausstellung zur Dorfgeschichte ausgerichtet. Die Feier wurde vor dem Stiftungshaus mit einer Feldmesse begangen. Der begeisterte Philatelist Walter Blisa setzte auch durch, dass die Österreichische Post zum Anlass dieser Feier im Stiftungshaus ein Sonderpostamt einrichtete, wo der Sonder–Poststempel „100 Jahre FrohnerStiftung Gr. Inzersdorf“ vertrieben wurde. Die Berechnung der 100 Jahre für diese Feier geht vom 2. Stiftungsbrief aus, der das testamentarische Legat von 10.000 Kronen betrifft, nämlich dem Jahr 1896.

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Sonderpoststempel "100 Jahre Frohner-Stiftung" (die Briefmarke mit dem Wert 6 S zeigt ein Werk von Adolf Frohner)

Unser Vater hat öfters erzählt, dass Johann Frohner ein baugleiches Stiftungshaus auch im ungarischen Geburtsort seiner Frau Karoline, geborene Wimmer, errichten hat lassen und dass dort dieselben Einrichtungen, wie in Gr. Inzersdorf, geschaffen wurden und der Stiftungsbrief gleichartig gewesen sein soll. Es ist uns nicht gelungen, diesen Geburtsort der Karoline Wimmer ausfindig zu machen, so dass wir das nicht überprüfen können. In seinem Testament vom 28. März 1891 hat Johann Frohner für die Gemeinde Gr. Inzersdorf ein Legat in Höhe von 10.000 Gulden ausgesetzt.

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Nach dem Umrechnungskurs, den die Österreichische Nationalbank verwendet, wäre diese Summe heute etwa 125.000 € wert. Die Gemeinde sollte diese Summe in Wertpapieren anlegen und die Zinsen sollten der Erhaltung des Stiftungshauses und der Unterstützung der Armen dienen. Der „Testaments-Executor“, der Advocat Gustav Lovrich in Budapest, zahlte nach Abzug von Spesen und Gebühren den Betrag von 9,451 Gulden, 26 Kreuzer aus, welchen die Gemeinde Gr. Inzersdorf im Juli 1896 in dem Stiftungszwecke vinkulierte Obligationen fruchtbringend angelegt hat. Darüber wurde ein eigener weiterer Stiftungsbrief am 13. Jänner 1897 errichtet, dessen Wortlaut in Anlage VI enthalten ist. Nach der Eingemeindung von Gr. Inzersdorf in die Stadtgemeinde Zistersdorf wurde für die „Frohner-Stiftung“ ein neuer Stiftungsbrief vom 11. November 1986 ausgefertigt und mit Genehmigung der n.ö. Landesregierung der Stiftungszweck geändert. Es heißt dazu nun: „Der geänderte Zweck der Stiftung besteht darin, sozial bedürftige NÖ Landesbürger, die in der Stadtgemeinde Zistersdorf ihren ordentlichen Wohnsitz haben, finanziell zu unterstützen.“ (§ 3 der neuen Stiftungssatzung). Das aktuelle Kapital der „Frohner-Stiftung in Groß Inzersdorf“ beträgt rd. 200.000 €, wovon 195.000 € in Wertpapieren angelegt sind, wie aus verschiedenen Gemeinderatsprotokollen der Stadt Zistersdorf ersichtlich ist, wenn dort im Gemeinderat die Jahresabschlüsse der Stiftung behandelt werden. Das Stiftungshaus selbst ist weiter Teil der Stiftung und die Stiftungsbehörde beim Amt der n.ö. Landesregierung übt die Aufsicht über die Stiftung aus. Der Inhalt des aktuellen Stiftungsbriefes aus 1986 ist in Anlage VII ersichtlich!

Das Testament des Johann Frohner und die Abwicklung der Verlassenschaft
Johann Frohner verstarb am 7. Juni 1894 um 9 Uhr in seiner Wohnung im Hotel Imperial in Wien. Die im „Wiener Tagblatt“ publizierte Todesnachricht merkt dazu noch an, dass er „nach längerem, schmerzvollem Leiden und Empfang der heiligen Sterbesakramente im 65. Lebensjahre selig in dem Herrn entschlafen ist.“ Die „Neue Freie Presse“ bringt im Abendblatt des 7. Juni 1894 die Nachricht: „Heute früh ist nach längerem Leiden der bekannte Pächter des „Hotel Imperial“ in Wien, Herr Johann Frohner, im Alter von 64 Jahren gestorben. Frohner kränkelte schon seit mehreren Jahren und konnte sich an der Leitung des Hotels nicht mehr direct betheiligen. Man hoffte immer auf eine günstige Wendung im Krankheitszustande des Mannes. In den letzten Monaten konnte er seine Hotelwohnung fast niemals mehr verlassen und die Ärzte sahen einen tödlichen Ausgang voraus. Zuletzt setzte ein schweres Lungenübel seinem Leben ein Ziel.“ Wir kennen aus diesen Formulierungen nicht die Art des Leidens, das zum Tode führte. Eine Lungenentzündung, ganz offensichtlich durch die lange Bettlägerigkeit hervorgerufen, dürfte dann die unmittelbare Todesursache gewesen sein. Sein drittes Kind, der erst 6-jährige Sohn Roman wurde auch an sein Sterbelager gebracht. Dazu schreibt die vorher zitierte Ausgabe der „Neuen Freien Presse“: „Man brachte sein einziges Söhnchen Roman öfter zu ihm, er

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erkannte aber in der letzten Zeit sein Kind nicht mehr“. Dieses sein einziges überlebendes Kind wird bei seiner Mutter, der von Johann Frohner seit 1888 geschiedenen zweiten Frau Josefine Cäcilie in Budapest aufgewachsen sein, die damals wieder verheiratet war mit dem Baron Josef Ignaz Ludwig von Villany, Rittmeister des k. u. k. Husarenregiments „Wladimir, Großfürst von Russland“. Der kleine Roman Frohner wird daher eigens nach Wien an das Sterbebett seines Vaters, sicher auf dessen Verlangen, gebracht worden sein. Die Aufbahrung fand offenbar zuerst im Hotel Imperial statt. Das „Wiener Tagblatt“ vom 10. Juni 1894 meldet sodann: „Unter außerordentlicher Betheiligung wurde gestern Nachmittags der Pächter des „Hotel Imperial“ und Rennstallbesitzer, Herr Johann Frohner, zu Grabe getragen. Um 3 Uhr wurde der Sarg auf den sechsspännigen Galaleichenwagen der Enterprise des pompes funebres gehoben und nach der Hof- und Stadtpfarrkirche zu St. Augustin gebracht. Vor, neben und hinter dem Sarge schritten Bedienstete des „Hotel Imperial“ und Deputationen der Bediensteten anderer Hotels, an deren Spitze der Direktor des Hotels, v. Rühling, und die Beamten gingen.“ Der Bericht zählt zahlreiche und prominente Trauergäste in der Kirche auf und weist hin auf die Anwesenheit der Standesvertreter des Wiener Gastwirteverbands, „fast sämtlicher Wiener Hoteliers und Restaurantbesitzer, sowie einer Deputation des Konvents der Barmherzigen Brüder“. Die Parte, auch enthalten im „Wiener Tagblatt“ vom 8. Juni 1894, gibt ferner bekannt, dass die irdische Hülle des Johann Frohner nach der feierlichen Einsegnung in der Augustinerkirche in Wien, „sodann nach Budapest überführt und auf dem Kerepeser Friedhofe in der Familiengruft zur Ruhe beigesetzt“ wird.

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Die Beisetzung in Budapest findet Erwähnung im „Wiener Tagblatt“ vom 11. Juni 1894: „Aus Budapest wird uns unter dem Gestrigen (10. 6. 1894) telegraphiert: Heute Nachmittags fand unter allgemeiner Theilnahme die Bestattung des Wiener Hoteliers Frohner in der Familiengruft statt, in welcher schon seine erste Gattin bestattet ist. Sämtliche Hoteliers, zahlreiche Sportsleute und der Vorstand der Fiaker-Genossenschaft waren zum Leichenbegängnisse erschienen.“ Die ungarischen Frohner unter Führung von Ing. Frohner György kümmern sich nun um das Grab am Kerepeser Friedhof, nachdem sie durch unsere Ahnenforschung ihre Abstammung aus Groß Inzersdorf dokumentiert erhalten hatten und auch Kenntnis von diesem tüchtigen und Ungarn sehr verbundenen Frohner erhielten.

Grabmal des Johann (Janos) Frohner am Kerepeser Friedhof in Budapest

Das am 28. 3. 1891 errichtete letztgültige Testament ist ein erschütterndes Dokument. Wir besitzen es im vollen Wortlaut in der Abschrift, die das Wiener Handelsgericht zur Abwicklung des Nachlasses in der österreichischen Reichshälfte und zwar als unterstützende Behörde für das Budapester Gericht benützt hat, welches die eigentliche Abwicklung des Nachlasses zu besorgen hatte. Dieses Testament ist samt den Erledigungsvermerken des k. k. Handelsgerichtes im vollen Wortlaut in der Anlage VIII enthalten. Das Testament setzt den kleinen sechsjährigen Sohn Roman Franz Frohner zum Universalerben ein. Etwa ein Drittel des Textes beschäftigt sich jedoch

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mit der Mutter dieses Kindes, der zweiten Frau des Johann Frohner, Josefine Cäcilie, geborene Tichtl von Tutzingen und damals wiederverheiratete Baronin Villany. Diese Frau sollte in keiner Weise Zugriff auf das in der Verlassenschaft befindliche Vermögen erlangen, auch nicht in kleinen Dingen! Es wird ihr jede Einmengung bei der Abwicklung der Verlassenschaft ausdrücklich untersagt, ebenso irgendeine Einflussnahme auf die Verwaltung des hinterlassenen Vermögens. Ausdrücklich wird verfügt, dass der erbende Sohn ab seinem 7. Lebensjahr seiner Mutter vollkommen entzogen werden solle, was vom Vater noch beim Waisenamte in Budapest beantragt worden ist. Dem Sohn und Erben wird sogar (ab dem 7. Lebensjahr) jeder Kontakt mit seiner Mutter untersagt. Die diesbezügliche testamentarische Verfügung heißt: „Es ist mein ernster letzter Wille, dass mein Sohn Roman Franz Frohner nie mit dieser Frau verkehren darf, sonst wird sein Leben verdorben oder verwirkt, da sie ihn aus eigennützigen Motiven zu allem Schlechten zu bewegen im Stande wäre.“ Weiters formuliert der Erblasser: „Nicht Haß wegen erlittener Unbilden leitet mich zu dieser Verfügung, sondern der tief verachtungswürdige Charakter der von mir geschiedenen Frau, deren Denkweise ich kennen zu lernen das Unglück hatte. Nicht aus wahrer Zuneigung und mütterlicher Liebe nimmt sie Antheil an dem Schicksale meines Sohnes, sondern einfach darum, weil er der Besitzer meines nicht unbedeutenden Vermögens wird, dessen Nutznießung sie sich zu sichern wünscht.“ In der Folge wird noch von „dieser unmoralischen Frau“ gesprochen und dem strikten Auftrag „alle Mittel anzuwenden, daß diese meine Verordnung auf das Pünktlichste respectiert und mein Sohn dem schädlichen Einflusse dieser Frau entzogen werde.“ Also eine fürchterliche Situation, eine testamentarische Verdammung! Was muss das für eine Frau gewesen sein und was war da alles vorgefallen? Dort liegt auch ein Grund für die sehr komplizierte und bis Februar 1913 dauernde Abwicklung des Nachlasses. Da der Erbe minderjährig war, setzt der Vater zwei Vormünder ein, die auch die Verwalter der Verlassenschaft bis zum 24. Lebensjahr des Erben sein sollen. Es sind dies die Herren:  Ladislaus Sipötz, Präsident des Waisenamtes in Budapest, also als Vormund sicher ein Fachmann, aber offenbar auch ein Verwandter der ersten Frau des Erblassers, Karoline Wimmer, wie man aus dem Punkt V des Testaments (Ersatzerben) schließen kann; Gustav Lovrich, Advocat in Budapest, ein juristischer Experte.

Mit der Einsetzung von 2 Vormündern und Vermögensverwaltern sollte das „4 Augen-Prinzip“ etabliert werden, also eine gegenseitige Kontrolle, da nur beide zusammen handlungsfähig waren. Das Testament enthält sogar die Bitte an die Vormünder „an meinem Kinde Vaterstelle zu vertreten“. Weiters besteht die Anordnung „über sein (des Sohnes) geistiges und körperliches Fortkommen zu wachen und ihm eine seinem Stande und Vermögen angemessene Erziehung angedeihen zu lassen.“ Sogar die musikalische Ausbildung wird verfügt. Die beiden Vormünder sind dem Waisenamte in Budapest gegenüber Rechenschaft schuldig. Die Konstruktion ist eine sehr vorsichtige, aber auch

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relativ komplizierte und es wird ausdrücklich bestimmt, dass die Vormundschaft und Vermögensverwaltung „erst nach erreichten 24.ten Lebensjahr meines Sohnes erlösche, bis zu welchen Zeitpunkt die Verwaltung meines Nachlasses denselben auch nicht entzogen werden kann, wenn mittlerweile mein Sohn großjährig gesprochen wurde, da es mein unumstößlicher Wille ist, daß mein Sohn das Verfügungsrecht über meinen Nachlaß erst nach Erreichung seines 24.ten Lebensjahres, das heißt, zu einer Zeit erlange, wo er die Consequenzen seines Thuns und Lassens schon zu beurtheilen im Stande sein wird.“ Man kann diese strenge Vorgehensweise nur verstehen, wenn man die Sorge in Rechnung stellt, dass die leibliche Mutter bei zu frühem Antritt der Erbschaft doch noch zu einem Einfluss bzw. Zugriff auf die Erbschaft hätte kommen können. Allerdings gab es auch Pannen auf Grund dieser komplizierten Konstruktion. So wäre es 1 Jahr nach dem Tode Johann Frohners fast zum Ablauf der Konzession für das Hotel Imperial in Wien gekommen, weil die durch den bewährten Hoteldirektor Rühling, welcher das Hotel sehr erfolgreich weiter führte, bei der Stadt Wien beantragte Konzessionsverlängerung, für die auch der Konsens des Hausbesitzers Baron Landau erforderlich war, vorerst vom Budapester Waisenamt aus spitzfindigen juristischen Gründen abgelehnt wurde. Es ging darum, ob die Konzession dem minderjährigen Roman Frohner oder, wie die Budapester Waisenbeamten es wollten, der Vormundschaft erteilt werden sollte. Auch bei der Verlängerung des Pachtvertrages für das Hotel Imperial mit dem Hauseigentümer Landau gab es ein langwieriges Entscheidungsverfahren des „Budapester Waisenstuhls“, das der ungeduldige Landau durch Setzung eines Ultimatums, nach dessen Ablauf er das Hotel anderweitig verpachten wollte, wirkungsvoll abgekürzt hat, wie das „Neue Wiener Tagblatt“ vom 9. 11. 1895 berichtet. Das Testament trifft auch eine Regelung für den Fall, dass der Sohn Roman Franz Frohner das Erbe nicht antreten kann (z. B. weil er vor dem 24.ten Lebensjahr stirbt). In diesem Fall sollte das Erbe übergehen an:   Die Nachkommen der 3 Geschwister der ersten Gemahlin Karoline in Höhe einer Gesamtsumme von 100.000 Gulden (Substitutionslegat); Für das restliche Vermögen sind die Geschwister des Erblassers als Universalerben (Substitutionserben) vorgesehen. Auch hier handelt es sich um 3 Stämme, nämlich: o Die Kinder der älteren Schwester Maria Frohner, verwitwete Burger: Karl Burger, Hoteldirektor in Budapest, Irma Burger, verehelicht mit Stefan Helein in Budapest, Lina Sarolta Burger, verehelicht mit Carl Weisel in Budapest. o Die Kinder des Bruders Anton Frohner, unseres Urgroßvaters: Anton Frohner jun. („Deutschmeister“), Bauer in Gr. Inzersdorf, Georg Frohner, Bauer in Hobersdorf, Rupert Frohner, unser Großvater, Bauer in Gr. Inzersdorf, Theresia Frohner, verehelicht mit Felix Engel, Bäcker in Dürnkrut,

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Rosalia Frohner, verehelicht mit Carl Falmbigl, Bauer in Gr. Inzersdorf. o Die Kinder des Bruders Ferdinand Frohner, nämlich Fr. Elisabeth Frohner, verehelichte Wolfert, Restaurateurin in Wien XX. Nordwestbahnhof. Hinsichtlich dieser Regelung mit den „Ersatzerben“ (Substitutionserben) gab es einen umfangreichen Rechtsstreit, welchen der Vormund Gustav Lovrich in Budapest anstrengte und zwar nicht hinsichtlich der Begünstigung der Verwandtschaft der Karoline Wimmer (100.000 Gulden), sondern nur hinsichtlich der Weinviertler Ersatzerben. Vielleicht wollte man die Verwandten der Karoline Wimmer nicht attackieren, weil sie auch enge Verwandte des Vormunds Sipötz waren. Jedenfalls kam es in Budapest zur Klage des Vormunds Gustav Lovrich auf teilweise Aufhebung dieser „Substitutionsanordnung“ und es hat der königliche Gerichtshof in Budapest mit Urteil vom 31. Jänner 1899 folgendes zu Recht erkannt: „Die im Punkt V b des durch Johann Frohner in Budapest am 28.ten März 1891 errichteten Privattestaments enthaltene Verfügung wird theilweise für ungültig erklärt, das Erbrecht der dort ernannten Nacherben auf die Hälfte der Verlassenschaft beschränkt und auf die andere Hälfte das gesetzliche Erbrecht des descendenten Erben festgestellt.“ Jedenfalls hat dieser Prozess, der sich auch über längere Zeit hingezogen hat, etlichen amtlichen Schriftverkehr (auf ungarisch und deutsch) nach sich gezogen, der sich in den betroffenen Familien teilweise bis zur Gegenwart erhalten hat, gleichsam als Erinnerung an den „Hotel-Onkel“ der Großeltern. Das größte Stück davon hat der Bindermeister Josef Presl aus Hobersdorf vor der bereits disponierten Vernichtung bewahrt. Er war auf Besuch bei seinem Schwiegervater, der seinerseits der Schwiegersohn des Nacherben Georg Frohner war, und suchte dort das Klosett auf. Als Klopapier verwendete man damals alte Zeitungen und ähnliches Papier. So fand auch Presl in einem Kisterl bereits als Klopapier bestimmte Dokumente zu dieser ProzessAngelegenheit und nahm sie an sich. In diesen Dokumenten werden die Weinviertler „Nacherben“ aufgefordert, ihren Standpunkt in dieser Sache bekannt zu geben oder sich in Budapest vertreten zu lassen. Doch diese reagierten offensichtlich überhaupt nicht, auch nicht auf eine Frist, die mit 31. August 1896 gesetzt wurde. Schließlich kam Lovrich durch mit dem Argument, dass der Erbe Roman Frohner vor seinem 24. Lebensjahr Kinder bekommen könnte und noch vor seinem 24. Lebensjahr sterben könnte, wobei in diesem Falle die Enkel des vermögenden Erblassers Johann Frohner ganz ohne Vermögen dagestanden wären, während die Weinviertler Nacherben doch einiges erhalten hätten! Auch sonst war der Advocat Lovrich prozessfreudig. So weigerte er sich von dem in Österreich bzw. in Wien befindlichen Realvermögen eine Abgabe zu leisten für den k. k. Krankenanstaltenfonds, Mittel, die für den Ausbau der Krankenhäuser verwendet wurden, mit dem Argument, der Erblasser wäre ungarischer Staatsbürger und hätte nichts zu tun mit den österreichischen Krankenhäusern. Dieser Prozess wurde durch 2 Instanzen geführt und am

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6. Juni 1899 durch eine Entscheidung des Oberlandesgerichts in Wien beendet. Es musste die Abgabe von 1.268 Gulden bezahlt werden und dem Einspruch des Gustav Lovrich wurde „keine Folge gegeben“. In der Begründung heißt es, „daß der Erblasser Johann Frohner seinen ordentlichen Wohnsitz in Wien hatte, somit in der Lage war, an den bezüglichen Einrichtungen, zu deren Erhaltung der in Frage stehende Fonds dient, Gebrauch zu nehmen.“ Der Erblasser Johann Frohner setzte in seinem Testament auch einige, letztlich großzügige Legate aus: 1. Der Gemeinde Groß Inzersdorf die bereits besprochenen 10.000 Gulden für die Erhaltung des Stiftungshauses; 2. Der Fiaker-Genossenschaft in Wien, wie in Budapest, sowie der Kellner Genossenschaft in Wien, wie der in Budapest je 5.000 Gulden = 20.000 Gulden. Damit sollten jährlich die besten Mitglieder prämiiert werden. Er wollte damit die Qualität dieser Dienstleister heben, eine völlig moderne Methode; 3. Für die bei ihm Bediensteten, das werden in erster Linie die Hotelangestellten gewesen sein, setzte er in Abhängigkeit von der Dauer dieser Dienste Beträge zwischen einem Monatsgehalt (unter 5 Jahre Dienstzeit) und einem halben Jahresgehalt (über 10 Jahre Dienstzeit) aus. 4. Eine Meßstiftung bei der Leopoldstädter Pfarrkirche in Budapest sollte sicherstellen, dass zu den jeweiligen Todestagen für ihn, seine Eltern, seine Frau Karoline und deren beide Kinder Messen gelesen werden. 5. Dem Ungarischen Nationalmuseum werden 20 Gemälde vermacht, welche das Museum nach freier Wahl aus dem Bilderbestande in Wien und Budapest auswählen kann. Die übrige Bildersammlung soll verkauft werden, ebenso die Rennpferde. Mit dem Verkauf der Rennpferde wurde offensichtlich auch das Gestüt liquidiert. Dieses weiterzuführen, war sicher nicht sinnvoll, weil es wahrscheinlich defizitär war und bei den Vermögensverwaltern auch nicht der nötige Sachverstand dafür vorhanden war. Der in Geldeswert bezifferte Nachlass ist in der Anlage IX aufgelistet und beträgt auf Grund der Inventuren zu unterschiedlichen Zeiten (1895, 1896, 1900) insgesamt 1,033.311 Kronen österreichischer Währung. Die Nationalbank ermittelt Umrechnungskurse auf Basis von Kaufkraftparitäten allgemeiner Natur, auch für länger zurückliegende Zeiten. Danach würde der Nachlass etwa 6,5 Mill. € in heutigem Geld ausmachen. Dieser Wert stimmt aber sicher nicht, weil er die Immobilien zu gering bei der Umrechnung einstuft. So müssten die drei Villen samt Gärten in Dornbach (Wien XVII.) mit einem Wert von rund 250.000 Kronen heute mehr wert sein als 1,5 Mill. €, vielleicht richtigerweise das Doppelte. Es wird daher der Nachlass mit einer Größenordnung von 10-12 Mill. € in heutigem Geldeswert zu bewerten sein.

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Roman Franz Frohner, Gutsbesitzer, Budapest V. Deák Ferenc utca 12, ersuchte nach der Vollendung seines 24. Lebensjahres mit einem Schreiben an das „Hochlöbliche Handelsgericht in Wien“, das dort am 24. April 1912 einlangte, um die Löschung der Nacherben- und Nachlegatsrechte in den diversen Grundbüchern (Wortlaut des Gesuchs in Anlage X). Dem wurde stattgegeben und mit Beschluss dieses Gerichtes vom 28. Juni 1912 war Roman Franz Frohner tatsächlicher Universalerbe nach seinem Vater Johann Frohner. Die letzte diesbezügliche Grundbuchseintragung erfolgte im Februar 1913 betreffend das Gut Neuhaus durch das Bezirksgericht in Cilli, Untersteiermark, heute Slowenien. Roman Frohner studierte Chemie und erwarb auch das Doktorat. Einen Beruf als Chemiker dürfte er aber nicht ausgeübt haben. Er hatte den Sportsgeist seines Vaters geerbt, der sich jedoch nicht auf Pferde, sondern auf noble Autos bezog. Das Hotel Imperial wurde 1913 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und soll auch noch während des 1. Weltkriegs sehr gut gegangen sein. Ob der Dr. Roman Frohner an dieser Aktiengesellschaft beteiligt war, wissen wir nicht. Beruflich betätigte sich Dr. Roman Frohner im Autogeschäft. Er besaß die Vertretung der Autofirma Laurin & Klement, die in Jungbunzlau in Böhmen elegante Autos verfertigte (Vorgänger-Unternehmen von Skoda-Auto, heute zum VW-Konzern gehörig). Er war verheiratet mit Klara Swadlo und hatte keine Kinder. Er war in der ungarischen Gesellschaft „vernetzt“, wie man heute sagen würde. So existiert ein Photo, das ihn zeigt im Gespräch mit dem ungarischen Reichsverweser, Admiral Nikolaus von Horthy, während der Automobil-Ausstellung, die vom 23. 5. bis 3. 6. 1925 in Budapest veranstaltet wurde anlässlich des 25jährigen Jubiläums des Königlich Ungarischen Automobilclubs unter dessen Präsidenten Graf Sándor Andrássy. Es waren dort nicht nur Fahrzeuge von Laurin & Klement ausgestellt, von denen Admiral Horthy erwähnte, dass sein verstorbener Bruder einen 1907 gebauten Wagen dieser Firma besessen hätte, sondern es wird berichtet, dass die von Dr. Roman Frohner und András Pásztélyi betriebene Gesellschaft auch Reparaturen an Autos und Karosserien durchführte. Des weiteren heißt es, dass diese Firma auch Motorräder und Motorboote herstelle. Dr. Roman Frohner hatte ebenso noch in Wien einen Wohnsitz und sich dort zeitweise aufgehalten. Es dürfte auch sporadische Kontakte zur hiesigen Verwandtschaft gegeben haben, denn man erinnert sich entfernt an Besuche mit eleganten Autos. Nach Groß Inzersdorf kam er aber offensichtlich nicht, denn dort war niemals davon die Rede! Vom Schicksal des ererbten Vermögens wissen wir, dass Roman Frohner die beiden Häuser in Wien XVII/Dornbach, Andergasse 12 und Pointengasse 11, die hintereinander angrenzend gelegen waren, im Jahr 1916, also während des 1. Weltkriegs, an das Ehepaar Ernst und Martha Hirsch verkauft hat. Das restliche Dornbacher Haus Andergasse Nr. 14 wurde von ihm 1925 verkauft an Paula, Stefan, Hans und Liselotte Kaufmann. Am 5. 12. 1929 wurde auch für dieses Haus das Ehepaar Hirsch im Grundbuch der Katastralgemeinde Dornbach als Eigentümer eingetragen. Insgesamt besaß das Ehepaar Hirsch schließlich einen zusammenhängenden Haus- und Grundbesitz in Dornbach an den Adressen Andergasse 10 bis 22 und

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Pointengasse 7 bis 13, alles als zusammenhängende Fläche. Anscheinend hatte das Ehepaar Hirsch die entsprechende Finanzkraft in dieser Zeit der Weltwirtschaftskrise nach 1929 diesen arrondierten Grundbesitz in relativ kurzer Zeit zu erwerben. Aus Anlass des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich dürfte das Ehepaar Hirsch in die USA geflüchtet sein. Im Grundbuch Dornbach wird 1940 für diesen gesamten Grundkomplex das Großdeutsche Reich als Besitzer intabuliert und am 7. 8. 1948 erfolgt die Eintragung des Eigentumsrechtes für „die Hinterlassenschaft nach Martha Hirsch-Lang, Staatsbürgerin der USA“. Die Erben der Martha Hirsch (Emma Zucker-Hale, New York; Elisabeth Scadron, New York; Gertrude Jarno-Niese, Hollywood, Kalifornien und die minderjährige Evelyne Monika Hirsch, vertreten durch Julie Bettelheim, Paris, als Vormund) verkauften Ende 1954 den gesamten Komplex (Die Häuser Andergasse 12, 12a, 14, 16, 18, 20, 20a, 22 und Pointengasse 7, 7a, 9, 11, 12) an die Stadt Wien, welche 1956 bis 1958 dort einen Gemeindebau errichtete, den Ernest Bevin-Hof (benannt nach dem britischen Außenminister der Regierung Attlee 1945-1951). Der Baumbestand der früheren Gärten samt den exotischen Bäumen zeichnet auch heute noch diesen Gemeindebau aus. Vom Gut Markgrafneusiedl wissen wir lt. der Eintragung in der niederösterreichischen Landtafel, dass Roman Franz Frohner seine sämtlichen Besitzungen in Markgrafneusiedl und Parbasdorf, sowohl die landtäfeligen als auch die übrigen (z. B. die weithin bekannte Windmühle, welche auch in seinem Besitz war), mit dem von ihm am 14. Oktober 1918 in Budapest unterfertigten Vertrag verkauft hat an Herrn Samuel Löw, Gutspächter und Realitätenbesitzer in Markgrafneusiedl, und dessen Frau Valerie Löw. Man darf wohl annehmen, dass Löw das Gut bereits vorher gepachtet gehabt hat. Es ist dies höchstwahrscheinlich kein glücklicher Verkauf gewesen, denn es wurde dabei knapp vor Ende des I. Weltkriegs ein wertbeständiger Realitätenbesitz in Geldvermögen umgewandelt, das dann wohl der extremen Inflation nach Ende des I. Weltkriegs unterlag. Das Ehepaar Löw war auch 1927 noch im Besitz des Gutes Markgrafneusiedl, als beim Brand des Justizpalastes in Wien die niederösterreichische Landtafel verbrannt ist. Die Besitzstände wurden danach rekonstruiert und es befinden sich die diesbezüglichen Unterlagen im NÖ Landesarchiv in St. Pölten. Heute ist das Gutshaus, der ehemals Dominikanerhof genannte Gebäudekomplex in Markgrafneusiedl, Sitz des Kieswerkes Köhler. Das historische Herrenhaus mit einem Renaissance-Torbogen trägt dort die Jahreszahl 1663. Die Fassade ist kundig restauriert und auf den Fresken am Erker über dem Torbogen sind ein Geistlicher und eine Nonne zu sehen, beide im weißen Habit von Dominikanern. Das Schicksal des Gutes Neuhaus in der Untersteiermark während und nach dem es im Eigentum von Roman Franz Frohner stand, ist uns nicht bekannt. Die Landtafel des Herzogtums Steiermark befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv in Graz. Doch wurde das Gut Neuhaus aus der Landtafel unter Einlagezahl 944 am 4. 6. 1899 ausgetragen und ins Grundbuch der Katastralgemeinde Dobrna unter Einlagezahl 221 seitens des Bezirksgerichts Cilli wieder eingetragen. Wir haben dort nicht nachgeforscht, weil dies nur in slowenischer Sprache möglich wäre. Das Herrenhaus steht heute kommunalen Einrichtungen zur Verfügung.

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Dr. Roman Franz Frohner starb am 6. Mai 1940, seine Frau Klara lebte bis 1944. Beide sind in Budapest am Kerepeser Friedhof begraben.

Im Zuge unserer Ahnenforschung ergab sich einiges an Einzelheiten und Hinweisen auf den Hotelier Johann Frohner, so dass sein Bild genauere Konturen gewann, als dies aus der familiären Überlieferung bzw. den Erzählungen der Großmutter bekannt war. Durch gezielte Nachforschungen in Archiven in Wien und St. Pölten und in Institutionen, welche sich mit der Geschichte der fraglichen Zeit auseinandersetzen, konnten wir dieses Bild ganz entscheidend schärfen, so dass wir nun Genaueres wissen um die Person des Hoteliers Johann Frohner. Dass dieses Wissen in der weiteren Frohner-Familie erhalten bleiben möge, dass unsere Enkelkinder mehr darum wissen als ursprünglich wir von unseren Großeltern erfahren haben, die den „Hotel-Onkel“ ja persönlich kannten, dazu dient diese Schrift!

Wien, im August 2011

Ing. Josef Frohner Bahnstraße 10, Seyring 2201 Gerasdorf Tel.: 02246/80386 E mail: josef.frohner@gmail.com

Dkfm. Dr. Karl Frohner Dr. Eduard Heinlgasse 12/1 1190 Wien Tel.: 01/320 72 70 E mail: karl.frohner@gmx.at

Das vom Hotelier Johann Frohner verwendete Wappen

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Anlage I

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Anlage III Das lebende und tote Inventar des Gutes Markgrafneusiedl

Fundus instructus
des landtäfeligen Gutes Markgrafneusiedl
Aufgenommen unter Leitung des Advocaten Dr. Gustav Lovrich, Budapest, im Jahr 1895 Wert in Gulden ( fl. ) einzeln 1.Vieh 24 2 10 58 19 1 1 6 6 10 10 1 27 100 50 Wirtschaftspferde und 1 Fohlen á 100 fl. Pony á 50 fl. Zugochsen á 100 fl. Kühe und 3 Saugkälber á 120 fl. Jungvieh á 50 fl. Stier Eberschwein Läufer á 20 fl. Sauen á 20 fl. Sauen á 10 fl. Schnittlinge á 10 fl. Eber (Läufer) Ferkel á 4 fl. Gänse, Enten und Hühner Tauben á 10 kr. 2. Maschinen 1 1 1 2 2 1 1 1 1 1 3 1 1 Bergedorfer Milch-Separator 25, -Milch-Zentrifuge mit 2 Gefäßen 40, -Milchkühlaggregat mit Gefäß 15, -Rübenschneidemaschinen, alt 15,50 Sämaschinen, außer Gebrauch 0,80 Schranz Dreschmaschine, komplett samt 2 Werkzeugkästen 2.000, -Locomobil von Shuttleworth 1.500, -Häcksel-Maschine 35, -Schrottmühle 10, -Sämaschine 100, -Putzmühlen, 1 alt, 2 neu 13, -Lehfeld´sches Butterfaß 5, -Trieur 2, -2.400, 100, 1.000, 6.960, 950, 160, 60, 120, 120, 100, 100, 30, 108, 50, 5, ---------------zusammen

12.263,--

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2 1 1 1

Dezimalwaagen á 10 fl. Pferdegöppel (3 Pferdekraft) Viehwaagen samt Gewichten Reserve-Kühlaggregat 3. Transportmittel

20, 80, 60, 5,

-----

3.926,30

1 1 2 3 2 2 5 2 13 2

zweirädriger Milchwagen mit Kannen zweirädriger Karren Milchwägen á 15 fl. neue eichene Schiebekarren á 1 fl. Sackkarren á 50 kr. Jauchewagen mit Faß á 5 fl. Milchwagen a´18 fl. Heuwägen mit Leitern á 40 fl. andere Wirtschaftswägen á 40 fl. hölzerne Schubkarren 4. Ackergerätschaften

5, 2, 30, 3, 1, 10, 90, 80, 520, 2,

-----------

743,--

10 4 5 1 10 3 1 3 8 3 2 1 5 2 3 1 1 1 2 1 2 1 1

Ruhadlo-Pflüge á 6 fl. Doppelpflüge á 10 fl. alte Pflüge á 2 fl. Breitengrundpflug Sax´sche Pflüge á 8 fl. Kartoffelpflüge á 3 fl. Kartoffelausheb-Pflug Rübenkulturpflüge á 6 fl. hölzerne Eggen á 3 fl. eiserne Eggen á 6 fl. eiserne Doppeleggen á 8 fl.( eine davon mit Holzrahmen) dreiteilige eiserne Egge Exstierzalonen ( ? ) á 7 fl. Saathacken á 4 fl. Holzwalzen á 1 fl. Walze mit Sitz Wiesenhobel Striegelwalze Ährenrechen á 30 kr. eiserner Pferde-Rechen Sensen Heckenschere Reithaue

60, -40, -10, -5, -80, -9, -6, -18, -24, -18, -16, -10, -35, -8, -3, -0,40 0,50 1,50 0,60 1,50 0,10 0,50 0,20

347,30

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5. Molkereigeräthe und Einrichtung 77 1 1 6 7 2 1 3 1 1 6 1 1 1 blecherne Milchkannen á 2 fl. Plombierzange Milchmesser hölzerne Büttel á 50 kr. Melksechter á 1 fl. große Holzschaffel á 1,50 fl. Topf Milchseiher á 20 kr. Kupferkessel, eingemauert Holztrog Melkschämel á 5 kr. Probemelkkanne mit Schwimmer Stockerl Milchfaßel 6. Feuerlöschrequisiten 1 10 10 Handspritze mit Schlauch Feuereimer á 20 kr. Meter Leinenschläuche 7. Schüttkastengeräthe 1 2 200 1 1 Halb-Hectoliter-Maß Schaufeln alte Weizensäcke á 5 kr. Mehltruhe Metzenmaß 1, -0,20 10, -1, -0,20 3, -2, -3, -154, -0,50 2, -3, -7, -3, -1, -0,60 10, -0,30 0,30 0,50 0,10 0,20

182,50

8,40

12,40

8. Kuhstallgeräthe 5 5 76 6 4 1 3 1 1 Putzzeuge á 5 kr. Mistgabeln á 20 kr. Ketten á 30 kr. Repuraketten ( ? ) á 30 kr. Holzbutten á 20 kr. Holzbottich Hängelampen á 20 kr. eiserne Schaufel Hackel 0,25 1, -22,80 1,80 0,80 0,60 0,60 0,40 0,15

28,40

9. Düngergeräthe 1 Jauchepumpe samt 2 Schläuchen 12,40 12,40

50

10. Ochsenstallgeräthe 4 5 Ketten á 30 kr. Ochsenjoche á 15 kr. 1,20 0,75 1,95

11. Pferdestall – Geräthe und Rüstzeug 11 11 22 22 22 22 1 Putzzeuge Mistgabeln 11 Paar Kummetgeschirre 11 Paar Decken 11 Paar Gurten 11 Paar Halfter, sämtliche 11 Gespanne zusammen á 16 fl. Futterkiste

176, -0,50

176,50

12. Scheuergeräthe ( exclusive Maschinen ) 1 5 1 1 Geißfuß mit Eisen Ohrenkörbe á 10 kr. Leiter gußeiserne Reserve – Welle 0,30 0,50 0,20 0,50

1,50

13. Schweinestall – Utensilien 1 1 1 3 Trankkübel Schweinetrog Tränktrog Tranktonnen á 80 kr. 14. Gartengeräthe und sonstiges Zugehör 12 1 3 1000 3 2 16 1 1 4 2 1 1 Gießkannen á 50 kr. Glashausgießkanne Scheibtruhen á 50 kr. diverse Blumentöpfe á 1 kr. Spaten á 30 kr. Schaufeln á 30 kr. Mistbeetholzrahmen á 40 kr. Rauzenschere Baumschere Haindeln á 10 kr. Mistgabeln á 10 kr. Topfmaschine Thermometer 6, -0,20 1,50 10, -0,90 0,60 6,40 0,20 0,50 0,40 0,20 0,50 0,20 0,30 0,10 0,20 2,40

3,--

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1 1 80 57 2 1 1 2 1 1 1 4 8

Kreinzen Gießschüssel Mistbeetmatten á 10 kr. Mistbeetfenster á 50 kr. Wegschrenen ( ? ) Blumenspritze Reithaue Holzrechen Sieb Wurfgatter Leiter Wasserbottiche á 50 kr. Bienenstöcke á 1 fl.

0,40 0,40 8, -28,50 0,20 0,40 0,10 0,20 0,10 0,50 0,10 2, -8, --

76,50

15. Verschiedenes zum Wirtschaftsgebrauch 1 1 1 Zugsäge Wurfgitter Wagenwinde 0,50 0,75 2, --

3,25

Summe bis hieher in Gulden ( fl. ):

17.786,40

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Anlage IV a

Auszug aus dem Katalog zur Kunstauktion im Dorotheum Wien, Kunstpalais, 5.-14. 12. 1989
Auktion am 6. 12. 1989 Katalog-Nr.: 465 / Bildtafel 43 Anton Mirou (Frankenthal vor 1586 – nach 1666 Wetzlar)

Bewaldete Flußlandschaft mit einem Dorf und einer Burg, im Vordergrund ein Reiter, signiert in der Mitte unten mit dem Monogramm AM (ligiert) und datiert 1619, Öl auf Holz, 58 x 78,5 cm, gerahmt, (Wo). Rufpreis: S 300.000.Gutachten Dr. Margaretha Krämer vom 25. März 1988. Darin zitiert Frau Dr. Krämer einen Stich (Wüthrich Nr. 583) und eine voll signierte und datierten Zeichnung (1617), „wo Landschaftstyp, Darstellung und auch Tierstaffage unmittelbar ähnlich sind …. Die beiden Bilder sind sehr interessant, weil bisher keine dem Stil dieser sicheren Zeichnung entsprechenden Gemälde bekannt waren …“ Provenienz: Aus dem Bestand einer niederösterreichischen Stadtgemeinde. Die Reinigung und Restaurierung dieses und des folgenden Gemäldes wurde mit dem Einverstädnis des Eigentümers durch das Dorotheum veranlaßt. Gegenstück zu folgendem.

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Anlage IV b

Auszug aus dem Katalog zur Kunstauktion im Dorotheum Wien, Kunstpalais, 5.-14. 12. 1989
Auktion am 6. 12. 1989 Katalog-Nr.: 466 / Bildtafel 34 Anton Mirou (Frankenthal vor 1586 – nach 1666 Wetzlar)

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Anlage V
( Abschrift des im nö. Landesarchiv in St. Pölten befindlichen Originals in Kurrentschrift )

Stiftsbrief – Sammlung der k.k. nö. Statthalterei
Statth. Zl. 72567 ex 1890

Stiftbrief
Wir gefertigte, Bürgermeister, Gemeinderath und zwei Gemeinde – Ausschüsse von Groß – Inzersdorf, Gerichtsbezirk Zistersdorf, Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, bekennen und beurkunden hiemit: Es haben die Eheleute Herr Johann und Frau Caroline Frohner, Hotelbesitzer in Wien I. Hotel Imperial, Ringstraße, auf dem der Gemeinde Groß Inzersdorf, Bezirk Zistersdorf, eigenthümlich gehörenden Grund und Boden das Gemeinde – Armenhaus in Groß Inzersdorf Nr. 167 und 168 auf ihre eigenen Kosten neu erbaut und neu eingerichtet und das solchermaßen neu gebaute und neu eingerichtete Armenhaus beziehungsweise die diesfalls gemachten Auslagen mit Widmungsbrief vom 9. August 1883 der Gemeinde Groß Inzersdorf mit nachfolgenden Bestimmungen zum Geschenk gemacht: Das neu erbaute und neu eingerichtete Gemeinde – Armenhaus Nr. 167 und 168 in Groß Inzersdorf, Gerichtsbezirk Zistersdorf, wird ewige Zeiten als Armenhaus der Gemeinde Groß Inzersdorf gestiftet. Diese Stiftung soll auf ewige Zeiten den Namen „Frohner Stiftung“ tragen. Dieser kann an passender Stelle am Hause sichtbar angebracht und auf Kosten der Gemeinde stets leserlich erhalten werden. Dieses Stiftungshaus hat in erster Linie die Bestimmung, armen, nach Groß Inzersdorf zuständigen vorübergehend oder bleibend erwerbsunfähigen Personen ohne Unterschied des Geschlechts, Alters, Standes und der Religion ein unentgeltliches Asyl für die Dauer ihrer Erwerbsunfähigkeit zu beschaffen, das heißt ihnen in diesem Hause Wohnung für die Dauer der Erwerbsunfähigkeit zu gewähren, ferner den in dem Armenhause domizilierenden Armen in Erkrankungsfällen unentgeltlich ärztliche Behandlung, Pflege und Arznei im Armenhause selbst zu Theil werden zu lassen. Außerdem kann und soll aber auch in besonders berücksichtigungswerthen Fällen das mittellose, vorübergehend oder bleibend erwerbsunfähige Gesinde oder Dienstpersonal der in Groß Inzersdorf ansässigen Bürger, auch wenn diese Dienstpersonen nach Groß Inzersdorf nicht zuständig sind, im Armenhause aufgenommen und der Vortheile der Unterkunft im Armenhause theilhaftig werden. Die Gemeindevertretung von Groß Inzersdorf beschließt über die Aufnahme in das Stiftungshaus; ihr steht auch das Recht zu, die Entfernung eines Aufgenommenen zu verfügen, wenn sich derselbe den im Interesse der Erhaltung der Ordnung von der Gemeinde – Vertretung getroffenen Anordnungen nicht fügt.

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Die im Stiftungshause eingerichteten zwei Badezimmer sind von der Gemeinde Groß Inzersdorf in Stand zu erhalten und die Benützung derselben gegen Entrichtung eines von der jeweiligen Gemeinde – Vertretung in Groß Inzersdorf nach ihrem Ermessen zu bestimmenden, geringen Entgeltes den nach Groß Inzersdorf zuständigen Bürgern und deren Familien zu bewilligen. Die Gemeinde – Vertretung von Groß Inzersdorf ist jedoch auch berechtigt die Benützung der im Stiftungshause eingerichteten zwei Badezimmer ärmeren, in Groß Inzersdorf ansässigen und dort zuständigen Personen beiderlei Geschlechts unentgeltlich zu gestatten. Die im Stiftungshause für einen Arzt eingerichtete Wohnung, rücksichtlich die Räumlichkeiten derselben sollen einem Arzt unter der Bedingung unentgeltlich zur Benützung überlassen werden, daß derselbe seinen Aufenthalt in dieser Wohnung thatsächlich nehme und sich verpflichte, die im Stiftungshause wohnenden Armen in Erkrankungsfällen unentgeltlich zu behandeln und ihnen auch unentgeltlich die nothwendigen Arzneimittel zu liefern. Wenn kein Arzt seine Wohnung im Stiftungshause nehmen wolle, so ist die Gemeinde Groß Inzersdorf verpflichtet, auf ihre Kosten für ärztliche Behandlung und Beistellung der Arzneien für die im Stiftungshause wohnenden Armen in Erkrankungsfällen Sorge zu tragen, hat jedoch in diesem Falle auch das Recht, die für den Arzt im Stiftungshause bestimmte Wohnung für Gemeindezwecke zu verwerthen, beziehungsweise auch an dritte Personen zu vermiethen. Die Eheleute Herr Johann und Frau Karoline Frohner behalten sich für ihre Lebenszeit das Recht der unentgeltlichen Benützung der zwei im Stiftungshause eingerichteten Fremdenzimmer vor, und erlangt die Gemeinde Groß Inzersdorf erst nach dem Ableben des Herrn Johann und der Frau Karoline Frohner das Recht, über diese beiden Fremdenzimmer zum Nutzen der Stiftung oder der Gemeinde zu verfügen. Über die in diesem Stiftbriefe nicht speciell angeführten Räumlichkeiten des Stiftungshauses ist die Gemeinde Groß Inzersdorf berechtigt, in Übereinstimmung mit den Intentionen dieses Stiftbriefes die entsprechenden Verfügungen für die Zwecke der Stiftung zu treffen. Die Gemeinde in Groß Inzersdorf hat die Verpflichtung, auf ewige Zeiten das Stiftungshaus sammt seiner Einrichtung sowie die Bade- und Krankenzimmer in gutem Zustand zu erhalten und dasselbe für ewige Zeiten dem in diesem Stiftbriefe gewidmeten Zwecke zu widmen. Nachdem der Gemeinde – Ausschuß von Groß Inzersdorf mit Beschluß vom 11. August 1883 und 16. Feber 1890 diese Widmung mit allen oben angeführten Bedingungen und Verpflichtungen angenommen hat und das Eigenthumsrecht über dieses Stiftungshaus auf den Namen der Frohner´schen Stiftung im Grundbuche des k.k. Bezirksgerichtes Zistersdorf, Grdb. Groß Inzersdorf, Einlage 166 laut Bescheid des k.k. Bezirksgerichtes Zistersdorf 31.5.1890 Z. 8587 ausgezeichnet worden ist, versprechen und geloben wir, im Namen der Gemeinde Groß Inzersdorf für uns und unsere Amtsnachfolger, sämtliche Bestimmungen dieses Stiftbriefes den Intentionen des Stifters gemäß getreulich zu erfüllen, insbesondere

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das Stiftungshaus für immerwährende Zeiten in gutem Stande zu erhalten und dafür Sorge zu tragen, daß es für ewige Zeiten den Zwecken der Stiftung gewidmet bleibe. Urkund dessen ist dieser Stiftbrief in drei Originalexemplaren ausgefertigt worden, von denen nach erhaltener stiftungsbehördlicher Genehmigung ein Exemplar den Eheleuten Johann und Karoline Frohner als Stifter übergeben, das zweite bei der k.k. niederösterreichischen Statthalterei als Stiftungsbehörde, das dritte in der Casse der Gemeinde Groß Inzersdorf in Aufbewahrung genommen worden ist.

Bürgermeisteramt Groß Inzersdorf, am 15. November 1890

Unterschriften:

Bürbaum / Bürgermeister Franz Butz / Gemeinderath Loibl Karl / Ausschuß Vinzenz Frohner / Ausschuß

Erledigungsvermerk der Statthalterei: Z. 72 567 Vorstehender Stiftbrief wird stiftungsbehördlich genehmigt. Wien 2. Dezember 1890 Von der k.k. nö. Statthalterei zur Verwertung ( Unterschrift) Kutaberg

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Anlage VI
( Abschrift des Originals im nö. Landesarchiv in St. Pölten in Kurrentschrift ) Archiv der k.k. nö. Statthalterei in Wien Zl. 27.933

Stiftbrief
Die Unterfertigten, Gemeinde Vorsteher, Gemeinderath und Mitglieder des Gemeinde Ausschusses von Goß Inzersdorf, bekennen und beurkunden kraft dieses Stiftsbriefes: Es habe der am 7. Juni 1894 in Wien verstorbene Herr Johann Frohner, Inhaber des Hotels Imperial in Wien und Ehrenbürger von Groß Inzersdorf, in seinem Testamente, dato Budapest, 28. März 1891 unter Anderem unter Punkt VI und nach Punkt XI nachstehende Verfügung getroffen: „VI. Der Gemeinde Groß Inzersdorf in Nieder Österreich zur Stiftung eines Armenhauses den Betrag von 10.000 Gulden, das sind zehntausend Gulden österr. Währung mit der ausdrücklichen Bedingung, dass dieser Betrag nur zu diesem Zwecke verwendbar ist. Vor Unterschrift des Testamentes bemerke ich bezüglich des Legats von 10.000 fl. an die Gemeinde Groß Inzersdorf, dass nur die Zinsen des Legats zur Erhaltung des von mir dort schon errichteten Armenhauses und zur Unterstützung der Armen verwendet werden sollen.“ Der Gemeinde - Ausschuss von Groß Inzersdorf hat in seiner Sitzung vom 6. April 1896 die diesbezügliche Zuschrift mit dem Ausdrucke des tiefsten Dankes zur Kenntnis genommen und einhellig den Beschluss gefasst, die Zinsen dieser hochherzigen Spende den Intentionen des edlen Stifters und Wohltäters gemäß zu verwenden. Das Legat nebst den bereits fälligen Zinsen gelangte durch den Testaments – Executor, Herrn Lovrich Gustav, Advocaten in Budapest, nach Abzug der 10 % Erbsteuer per 1.000 fl. und der übrigen Gebühren und Spesen an die Gemeinde Groß Inzersdorf zur Auszahlung und wurde derselben ein Gesamtbetrag von 9.451 fl. 26 kr., sage: neuntausend vierhundert fünfzig ein Gulden 26 Kreuzer österr. Währung erfolgt. Der Gemeinde Groß Inzersdorf wurde von der k.k. n.ö. Statthalterei in Wien laut Erlasses der k.k. Bezirkshauptmannschaft in Mistelbach dato. 27. Mai 1896 Z. 15.179 die fruchtbringende Anlage und Sicherstellung dieses Legats aufgetragen. In Befolgung dieses Auftrages wurde vom Gemeinde – Vorsteher im Juli 1896 der Ankauf der für die „Gemeinde Groß Inzersdorf in Nieder Österreich ( noe ) der Johann Frohner´schen Stiftung zur Erhaltung des von demselben errichteten Armenhauses und zur Unterstützung

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der Armen“ vinkulierten Obligation vom 1. Mai 1896 Nro. 94.744, lautend auf 9.000 fl. sage neuntausend Gulden gegen Erlag von 9.203 fl. 85 Kr. Valuta veranlasst und diese Obligation von der Gemeinde in Verwahrung genommen, wobei bemerkt wird, dass die noch erübrigten Legats – Zinsen im Sinne des stifterischen Willens Verwendung finden werden. Nachdem somit das Stiftungs – Capital sichergestellt erscheint, geloben und verpflichten sich die Unterfertigten im Namen der Gemeinde Groß Inzersdorf für sich und ihre Nachfolger im Amte, die Zinsen dieses Stiftungs – Capitals nur den Bestimmungen und Intentionen des edlen und hochherzigen Testators gemäß zu verwenden und insbesonders das Stiftungshaus stets in gutem Zustande zu erhalten, sowie für die Erhaltung des gestifteten Capitals Sorge zu tragen. Urkund dessen wurde dieser Stiftbrief in 3 gleichlautenden Exemplaren ausgefertigt, von welchen nach erfolgter stiftungsbehördlicher Genehmigung das eine der k.k. n.ö. Statthalterei als Stiftungsbehörde, das zweite dem Herrn Lovrich Gustav, Advocaten in Budapest, als Testaments – Executor für das Budapester Waisenamt übergeben und das dritte im Archive der Gemeinde Groß Inzersdorf in Aufbewahrung genommen worden ist. Gemeinde Groß Inzersdorf, den 13. Jänner 1897 Unterschriften: Josef Parrer August Neuhuber Johann Falmbigl / Ausschuß Franz Lieberth / Ausschuß Erledigungsvermerk der k.k. n. oe. Statthalterei: Z. 7462 Vorstehender Stiftbrief wird stiftungsbehördlich genehmigt. Wien, am 3. Februar 1897 Von der k.k. n.ö. Statthalterei zur Verwertung. ( unleserliche Unterschrift )

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Anlage VII
( Abschrift des im n.ö. Landesarchiv in St. Pölten befindlichen Originals in Maschinschrift )

Stiftungssatzung

§1 Name, Sitz, Rechtspersönlichkeit und Wirkungsbereich der Stiftung Die Stiftung führt den Namen „Frohner´s – Stiftung in Groß – Inzersdorf“, hat ihren Sitz in Zistersdorf, Ortsteil Groß – Inzersdorf, besitzt eigene Rechtspersönlichkeit und ihr Wirkungsbereich erstreckt sich auf das Gemeindegebiet der Stadtgemeinde Zistersdorf.

§2 Vermögen der Stiftung (1) Die Stiftung besitzt folgendes Stammvermögen: 1. Liegenschaften: EZ 166, Parzelle Nr. 68, Katastralgemeinde Groß – Inzersdorf. (2) Rechtsgeschäfte, die eine Belastung oder die Veräußerung von unbeweglichem Stiftungsvermögen betreffen, bedürfen zu ihrer Rechtswirksamkeit der Genehmigung der Stiftungsbehörde.

§3 Zweck der Stiftung (1) Der geänderte Zweck der Stiftung besteht darin, sozial bedürftige NÖ Landesbürger, die in der Stadtgemeinde Zistersdorf ihren ordentlichen Wohnsitz haben, finanziell zu unterstützen. Diese Förderung aus den Erträgnissen der Stiftung kann insbesondere erfolgen: a) in der Form von nichtrückzahlbaren Beihilfen an solche Personen ( Abs. 1 ), die von keiner anderen Seite ausreichend Hilfe erhalten. b) In der Form der Gewährung von Beihilfen, etwa bei Unglücksfällen von kinderreichen Familienerhaltern u. dgl. c) In der Form einer Hilfestellung anderer Art z. B. alleinstehende, kranke Menschen nach Maßgabe der vorhandenen Möglichkeiten zu pflegen.

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Die Unterstützung in Form der Beihilfen können vom Verwaltungsorgan über Ansuchen solcher Personen ( Abs. 1 ) oder aus eigener Initiative gewährt werden, wobei über die Bedürftigkeit im Zweifelsfalle der Gemeinderat zu entscheiden hat. (2) Um Streitigkeiten über den Stiftungsgenuß bzw. über die Vergabe von Beihilfen zu vermeiden, wird hiemit auch festgelegt, daß niemand einen Rechtsanspruch auf die Zuerkennung eines Stiftungsgenusses hat. Die Stiftung darf keinen Gewinn anstreben ( § 39 Z. 2 der Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194 / 1961 in der jeweils gültigen Fassung ).

(3)

§4 Verwaltung und Vertretung der Stiftung Die Stiftung wird von der Stadtgemeinde Zistersdorf verwaltet und nach außen vertreten.

§5 Aufgaben des Verwaltungs- und Vertretungsorganes der Stiftung Dem Verwaltungs- und Vertretungsorgan obliegt die Aufgabe, alle erforderlichen Maßnahmen zur Erreichung des Stiftungszweckes zu treffen, etwa durch Kundmachung auf eine Bewerbungsmöglichkeit oder eine finanzielle Unterstützung hinzuweisen. Für die Stiftungsleistungen dürfen nur die Reinerträgnisse des Stiftungsvermögens verwendet werden.

§6 Bestimmung über die Befugnis und über die Verwaltungskosten Das Verwaltungs- und Vertretungsorgan der Stiftung übt seine Tätigkeit grundsätzlich ehrenamtlich aus. Es werden nur die Barauslagen vergütet. Vom Gemeinderat kann eine Entschädigung bzw. ein Verwaltungskostenbeitrag beantragt werden, wenn dies mit den Erträgnissen der Stiftung in Einklang steht und dadurch die Zuerkennung von Stiftungsgenüssen nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Über die Entschädigung entscheidet die Stiftungsbehörde. Außer den in § 2 Abs. 2 angeführten Rechtsgeschäften bedürfen der Genehmigung der Stiftungsbehörde alle jene Verfügungen, die über den Rahmen des ordentlichen Wirtschaftsbetriebes hinausgehen, und insbesondere der Abschluß von Mietund Pachtverträgen.

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§7 Rechnungslegung (1) Das Rechnungsjahr ist das Kalenderjahr. Für jedes Rechnungsjahr ist bis Ende Juni des folgenden Jahres der Stiftungsbehörde ( Nö. Landesregierung ) ein Rechnungsabschluß vorzulegen. Dieser hat mindestens die Einnahmen und Ausgaben der Stiftung während des abgelaufenen Kalenderjahres sowie den Vermögensstand der Stiftung, aufgelistet in Stammvermögen und sonstiges Vermögen, zum 31. Dezember des abgelaufenen Jahres zu enthalten.

(2)

§8 Vermögensbindung bei Auflösung der Stiftung Die Stiftung wurde auf immerwährende Zeit errichtet, sollten doch Auflösungsgründe nach § 19 des NÖ Landes – Stiftungs- und Fondsgesetzes, LGBl. 4700-0, auftreten, so bedarf die Auflösung der Genehmigung der Stiftungsbehörde, welche im Sinne des § 20 Abs. 2 des zitierten Gesetzes das noch vorhandene Vermögen einer Stiftung mit einem ähnlichen Stiftungszweck oder einem dem Stifterwillen möglichst nahekommenden, von der Abgabenbehörde anerkannten gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlich anerkannten Zweck zuzuführen hätte.

§9 Satzungsausfertigung Diese Stiftungssatzung wird in drei Ausfertigungen errichtet, von denen je eine die Stiftung, die NÖ Landesregierung als Stiftungsbehörde und das NÖ Landesarchiv erhalten.

Zistersdorf, am 11. November 1986 Unterschriften: Johann Braun / Stadtrat Dr. Streihammer / Bürgermeister

Genehmigt in der Gemeinderatssitzung am 23. September 1985 ( ? ) Rath / Gemeinderat Gerda Ellend / Gemeinderat

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Amt der NÖ Landersregierung II / 4-St-200/6-86 Die vorstehende, geänderte Stiftungssatzung wird stiftungsbehördlich genehmigt. NÖ Landesregierung, Unterschrift: 20. Jänner 1987 Dr. Pröll / Landeshauptmann – Stellvertreter

Anmerkung:

Möglicherweise ist das festgehaltene Jahr der Genehmigung durch den Gemeinderat in Zistersdorf falsch, weil der Gemeinderat erst nach Errichtung der Urkunde ( 11. 11. 1986 ), diese genehmigt haben wird. Da das Datum der Errichtung der Urkunde am ehesten stimmen wird und die Landesregierung diese am 20. 1. 1987 genehmigt hat, wird wohl der Gemeinderat seine Genehmigung im Herbst 1987 ausgesprochen haben, also 2 Jahre nach dem irrtümlich ( ? ) urkundlich fixierten Datum !

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Anlage VIII

Testament
des Herren Johann Frohner, verstorben am7. Juni 1894 in Wien I. Kärnthnerring 16, ungarischer Staatsbürger, Hotelier und Großgrundbesitzer, Inhaber der protokollierten Firma „Frohners Hotel Imperial Johann Frohner“.
Lt. Abschrift für das k. k. Handelsgericht in Wien, samt den von diesem Gericht angebrachten Erledigungsvermerken. Wortlaut: I. Punkt Zu meinem alleinigen Erben ernenne ich hiemit meinen am 29. 2. 1888 geborenen Sohn Roman Franz Frohner, dem ich mein gesamtes wie immer Namen habendes bewegliches und unbewegliches Vermögen vermache, jedoch unter den in folgenden Punkten dieses Testaments enthaltenen Bedingungen und Beschränkungen: II. Punkt Zu Vormündern und Vermögensverwaltern meines minderjährigen Sohnes Roman Franz Frohner ernenne ich hiemit den Herrn Ladislaus Sipötz, Präsident des hauptstädtischen Waisenamtes in Budapest und Herrn Gustav Lovrich, Advocaten in Budapest, welchen ich gemeinsam und ausschließlich die Obsorge über die Person und das Vermögen meines minderjährigen Kindes Roman Franz Frohner übertrage, und welche ich bitte, diese Vertrauensstelle zu übernehmen, und an meinem Kinde Vaterstelle zu vertreten. Gleichzeitig bestimme ich, dass jeden der Herren Vormünder und Vermögensverwalter für ihre Mühewaltung außer den ihnen gesetzmäßig zukommenden Gebühren aus meinem Nachlaß der Betrag von 3.000 Gulden österr. Währung, zusammen 6.000 Gulden ausbezahlt werde und zwar ein für allemal. Ich habe vor dem Budapester Waisenamte den Antrag gestellt, dass mein Sohn Roman Franz Frohner der Obhut seiner von mir geschiedenen Mutter entzogen und mir übergeben werde. Sollte diesem Ansuchen wider Erwarten nicht Folge geleistet werden, so ist es mein unumstößlicher Wille, dass mein Sohn nach Erreichung seines siebenten Lebensjahres der Obhut seiner von mir gerichtlich geschiedenen Mutter Frau Josefa Tichtl von Tutzingen vollkommen entzogen und seinen durch mich bestellten Vormündern und Vermögensverwaltern übergeben werde, welche ich ersuche, ihn liebevollen Händen anzuvertrauen, über sein geistiges und körperliches Fortkommen zu wachen, und ihm eine seinem Stande und Vermögen angemessene Erziehung angedeihen zu lassen. Ich wünsche, dass bei der Erziehung meines Sohnes keine Kosten gespart werden sollen, dass derselbe in die besten Institute gebracht werde und dass er auch musikalischen Unterricht von den ersten Meistern erhalte. Die Mutter meines Sohnes, die seit April des Jahres 1890 mit Baron Villany verheiratet ist, darf unter keinen Umständen aus meinem Vermögen eine Zuwendung, somit weder Erbquote noch ein Vermächtnis erhalten und darf sich auch in die nach mir zu pflegende

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Verlassenschafts – Abhandlung nicht einmengen, insbesondere aber soll ihr jede wie immer geartete Einflussnahme auf die Verwaltung meines Nachlasses benommen werden und es soll ihr unter keiner Bedingung gestattet sein, an dem Nutzniße des nach mir gebliebenen Vermögens zu participieren. Es ist mein ernster letzter Wille, dass mein Sohn Roman Franz Frohner nie mit dieser Frau verkehren darf, sonst wird sein Leben verdorben oder verwirkt, da sie ihn aus eigennützigen Motiven zu allem Schlechten zu bewegen im Stande wäre. Nicht Haß wegen erlittener Unbilden leitet mich zu dieser Verfügung, sondern der tief verachtungswürdige Charakter der von mir geschiedenen Frau, deren Denkungsweise ich kennen zu lernen das Unglück hatte. Nicht aus wahrer Zuneigung und mütterlicher Liebe nimmt sie Antheil an dem Schicksale meines Sohnes, sondern einfach darum, weil er einstiger Besitzer meines nicht unbedeutenden Vermögens wird, dessen Nutznießung sie sich zu sichern wünscht. Ich will mein Kind vor dem traurigen Lose schützen, mit dem außerehelichen Kinde und den aus der zweiten Ehe dieser unmoralischen Frau entsprossenen Kindern erzogen zu werden. Darum ersuche ich die für ihn bestellten Vormünder und Vermögensverwalter, alle Mittel anzuwenden, dass diese meine Verordnung auf das Pünktlichste respectiert und mein Sohn dem schädlichen Einflusse dieser Frau entzogen werde. III. Punkt Mein Barvermögen soll nach meinem Tode in Budapest waisenamtlich verwaltet werden, das Erträgnis desselben jedoch dem Vermögensverwalter zur Bestreitung der Erziehungskosten meines Sohnes ausgefolgt werden. Die Verwaltung meines sonstigen in Budapest, Wien oder wo immer befindlichen Vermögens obliegt ausschließlich den im II. Punkt dieses Testaments ernannten Vermögensverwaltern, welche die Erträgnisse meines Nachlasses zur Erhaltung und Erziehung meines Kindes zu verwenden und über ihr Vorgehen nur dem Waisenamte Rechnung zu legen haben werden. IV. Punkt Ich bestimme hiemit, daß die Funktion der durch mich ernannten Herren Vermögensverwalter erst nach erreichten 24.ten Lebensjahr meines Sohnes erlösche, bis zu welchen Zeitpunkt die Verwaltung meines Nachlasses denselben auch dann nicht entzogen werden kann, wenn mittlerweile mein Sohn großjährig gesprochen wurde, da es mein unumstößlicher Wille ist, dass mein Sohn das Verfügungsrecht über meinen Nachlaß erst nach Erreichung seines 24.ten Lebensjahres, das heißt, zu einer Zeit erlange, wo er die Consequenzen seines Thuns und Lassens schon zu beurteilen im Stande sein wird. Im Nothfalle ersuche ich die Herren Vermögensverwalter die Minderjährigkeit meines Sohnes gerichtlich verlängern zu lassen. Sollte einer der Herren Vermögensverwalter während der Minderjährigkeit meines Sohnes sterben, so hat an dessen Stelle das Budapester Waisenamt einen anderen Vermögensverwalter zu ernennen

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Anmerkung des Wiener Handelsgerichts: Aus dieser Bestimmung geht hervor, dass über die Verwaltung des ganzen Vermögens des minderjährigen Roman Franz Frohner, insbesondere auch der in Cisleithanien befindlichen Realitäten, ausschließlich dem königlich ungarischen Waisenamte Rechnung zu legen ist, dass also diesem löblichen Gerichte keinerlei Ingerenz zusteht. V. Punkt Sollte mein Sohn die Erbschaft nicht erlangen oder vor Erreichung seines 24.ten Lebensjahres sterben, so verfüge ich über meinen Nachlaß folgendermaßen und berufe als Erben respective Nacherben: a) Den nächsten Seitenverwandten meiner verstorbenen ersten Gemahlin, namens Caroline Wimmer, und zwar:  den Kindern des Herrn Ludwig Pinfschich,  den Kindern des Herrn Johann Tarcsay,  den Kindern des Herrn Ladislaus Sipötz testiere ich zusammen den Betrag von 100.000 Gulden österr. Währung, so dass auf jeden Stamm ein Drittel der Summe entfalle. An Stelle der Verstorbenen treten deren Kinder oder Enkel. b) Zum Universalerben meines übrigen beweglichen und unbeweglichen Vermögens ernenne ich meine eigenen Seitenverwandten, nämlich die Kinder meiner Geschwister, das sind meine Neffen und Nichten oder deren Kinder stammweise zu gleichen Theilen. Anmerkung des Handelsgerichtes Wien: Ad a) 1.) Ludwig Pogany 2.) Kinder des weiland Johann Tarczay:  Marie Tarczay, verehelichte Frau Ladislaus Rudnyansszky  Paul Tarczay  Johann Tarczay 3.) Kinder des Ladislaus Sipöcz:  Geza Sipöcz  Eugen Sipöcz  Ladislaus Sipöcz  Carola Sipöcz Ad b) Da diese Substitutionsanordnung das ganze Nachlaßvermögen betrifft und somit den Pflichtheil des mj. Roman Franz Frohner verletzt, so hat Hr. Gustav Lovrich als Vormund auf Grund der Legitimation des Abhandlungsgerichts die Klage auf theilweise Ungiltigkeitserklärung dieser Anordnung eingebracht, worauf der Budapester königliche Gerichtshof mittels des Urtheils No. 2 vom 31 Jänner 1899 Z 36623 / 1898 Nachstehendes zu Recht erkannt hat: Die im Punkt V b des durch Johann Frohner in Budapest am 28.ten März 1891 errichteten Privattestaments enthaltene Verfügung wird theilweise für ungültig erklärt, das Erbrecht der dort ernannten Nacherben auf die Hälfte der Verlassenschaft beschränkt und auf die andere Hälfte der Verlassenschaft das gesetzliche Erbrecht des descendenten Erben festgestellt. Es wird demnach auch die in Absatz V /b enthaltene Substitutionsanordnung nur auf die Hälfte der in Cisleithanien gelegenen Realitäten grundbücherlich einzuverleiben sein, jedoch

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mit der Beschränkung, dass der Pflichttheil des mj. Roman Franz Frohner ungeschmälert bleiben muß. VI. Punkt Für alle Fälle hat, respective haben meine Universal – Erben aus meinem Nachlaß, von meinem Tode an gerechnet, binnen Jahresfrist folgende Legate zu bezahlen: 1) Der Gemeinde Gr. Inzersdorf in Nieder Österreich zur Stiftung eines Armenhauses den Betrag von 10.000 Gulden österr. Währung mit der ausdrücklichen Bedingung, dass dieser Betrag nur zu diesem Zwecke verwendbar ist. 2) Der Budapester Kellner – Genossenschaft, der Budapester Fiaker – Genossenschaft, der Wiener Kellner – Genossenschaft und der Wiener Fiaker – Genossenschaft je 5.000 Gulden österr. Währung, zusammen 20.000 Gulden mit der Bestimmung, dass jede Genossenschaft das Legat als „Frohner – Stiftung“ zu verwalten hat und dessen Zinsen jährlich jenem Kellner respective Fiaker auszufolgen hat, der durch die betreffende Genossenschaft als nüchtern. ehrlich und arbeitsam, und hiemit zur Belohnung am würdigsten empfohlen wurde. 3) Allen jenen, die bei meinem Ableben in meinen Diensten stehen, vermache ich: wenn sie über 10 Jahre bei mir bedienstet waren, eine Summe, welche ihrer halbjährigen Bezahlung entspricht; wenn sie über 5 Jahre bei mir bedienstet waren, eine Summe, welche ihrem dreimonatigen Gehalt entspricht und wenn sie unter fünf Jahren bei mir bedienstet waren, eine Summe. welche ihrem einmonatlichen Gehalt entspricht. Diese Legate sind den Betreffenden bei Entlassung aus ihrem Dienst auszuzahlen, längstens jedoch innerhalb eines Jahres, von meinem Ableben an gerechnet, jedoch nur dann, wenn sich der Betreffende dieser Gunst als würdig erweist, was zu entscheiden den Herrn Vermögensverwaltern obliegt. 4) Dem Budapester Leopoldstädter Kirchenfonds den Betrag von 1.000 Gulden österr. Währung mit der Bestimmung, dass die Zinsen dieses Betrages dem jeweiligen Pfarrer dieser Kirche unter der Bedingung ausgefolgt werden: für meine Eltern, für mich, meine erste Frau Caroline Wimmer und für meine beiden Kinder Johann und Caroline an jedem Jahrestag unserer Sterbetage heilige Messen zu lesen. Nachtrag: Vor der Unterschrift des Testaments bemerke ich bezüglich des Legats von 10.000 Gulden an die Gemeinde Gr. Inzersdorf, dass nur die Zinsen des Legats zur Erhaltung des von mir doch schon errichteten Armenhauses und zur Unterstützung der Armen verwendet werden sollen. Anmerkung des Handelsgerichtes: Alle Legate wurden ausbezahlt. VII. Punkt Dem Ungarischen Nationalmuseum in Budapest vermache ich aus meiner Budapester und Wiener Bilder–Galerie 20 Stück Gemälde nach freier Wahl und sind jene Bilder, welche sich auf Schloß Neuhaus befinden werden, ausgenommen, da es mein Wille ist, dass dieses Schloß mit Allem, wie es liegt und steht, meinem Sohne verbleibe.

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Der Rest meiner Bilder mit Ausnahme jener auf Schloß Neuhaus, ist im Auctionswege unter Mitwirkung des Herrn Miethke aus Wien oder – wenn derselbe nicht mehr am Leben wäre, unter Intervention eines bewährten Sachverständigen zu veräußern. VIII. Punkt Meine Pferde sollen im Auctionswege verkauft werden und zwar gelegentlich der Kis Berer Pferdelicitation, wohin dieselben zu stellen sind. IX. Punkt Es ist mein Wunsch, dass meine Leiche in meiner Budapester Familiengruft bestattet werde. X. Punkt Zum Executor dieses meines Testaments ernenne ich den Budapester Advocaten, Herrn Gustav Lovrich. XI. Punkt Alle meine Testamente früheren Datums setze ich durch diese meine letztwillige Verfügung außer kraft. Anmerkung des Wiener Handelsgericht: Die Überwachung aller dieser Anordnungen ist ausschließlich Sache des königlich ungarischen Abhandlungsgerichtes. Endvermerk unter der Abschrift für das Wiener Handelsgericht: „Somit sind alle Anordnungen, soweit deren Überwachung diesem löblichen Gerichte obliegt, als erfüllt ausgewiesen.“ Wien, am 9. December 1900 Unterschrift: Gustav Lovrich Substituierte Erben lt. Pkt. V b dieses Testaments ( angeführt im Beschluß des k. k. Handelsgerichtes in Wien vom 22. 1. 1901 zur Einverleibung der Eigentumsrechte ) : a) die Kinder der Maria Frohner, verwitwete Burger:  Hr. Karl Burger, Hoteldirektor in Budapest, Hotel Hungaria,  Fr. Irma Burger, verehelichte Stefan Helein, Privatbeamter in Budapest,  Fr. Lina Sarolta Burger, verehelichte Carl Weisel in Budapest; b) die Kinder des Anton Frohner senior:  Anton Frohner jun., Grundbesitzer in Gr. Inzersdorf,  Georg Frohner, Grundbesitzer in Hobersdorf,  Rupert Frohner, Grundbesitzer in Gr. Inzersdorf,  Theresia Frohner, verehelichte Felix Engel in Dürnkrut,  Rosalia Frohner, verehelichte Karl Falmbigl in Gr. Inzersdorf; c) die Kinder des Ferdinand Frohner:  Fr. Elisabeth Frohner, verehelichte Wolfert, Restaurateurin in Wien XX. Nordwestbahnhof.

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Anlage IX

Vermögensaufstellung des Nachlasses Substitutions- und Endausweis
in der Verlassenschaftssache nach dem am 7. Juni 1894 in Wien I. Kärnthnerring No.16 verstorbenen ungarischen Staatsbürger Herrn Johann Frohner, gewesener Hotelier und Inhaber der protokollierten Firma „Frohners Hotel Imperial Johann Frohner“. Inventuraufnahme durch Hermann Eckardt, Substitut des weiland Dr. Julius Cölestin Seidl, Notar in Wien, Datum: 15. Dezember 1900 . (Vermögensaufstellung auf 26 Seiten samt Kommentar, Abschrift aus dem Originalakt im Wiener Stadt- und Landesarchiv, zusammengefaßt) Activstand ( in Kronen ): Laut der Inventur gehören in den Nachlaß nach Herrn Johann Frohner folgende, im Gebiete der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder gelegenen unbeweglichen Güter: ( also keine Realitäten in Ungarn, die separat erfasst sind ! ) 1) Das landtäflige Gut Markgrafneusiedl, Einlage Zl. 294, Grundbuch Wien über landtäflige Liegenschaften: Herrenhaus und kleinere Realitäten 12.900 Landwirtschaftliche Grundstücke 120.570 Waldungen 524 Nicht landtäflich: Realitäten: Haus No. 9 etc. 14.831 Grundstücke 6 Einlagezahlen KG Markgrafneusiedl 6.211 Grundstück 1 Einlagezahl KG Parbasdorf 13.227 Fundus instructus 36.613 2) Realitäten in Dornbach: Haus No. 76 Pichlergasse Nr. 12 ( neu Andergasse ) Villa mit Garten, Einl. Zl. 163, 802 Haus No. 101, Pichlergasse Nr. 14 ( neu Andergasse ) Villa samt Garten, Einl. Zl. 691, 688, 689 Haus No. 222 Pointengasse Nr. 11 Villa samt Garten, Einl. Zl. 371, 690 3) Das landtäflige Gut Neuhaus: Steiermärkische Landtafel Graz Einl. Zl. 944 Grundstücke KG Dobrna Einl. Zl. 62, 63 169 Grundstücke KG Zavreh, Einl. Zl. 67, 68 Fundus instructus Realitäten Activa:

204.876

61.600 93.000 94.320 72.449 7.282 1.777 4.425 248.920

85.933 539.729

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Passivstand: Hypotheken per Todestag 1894 Gut Markgrafneusiedl, gekauft am 22. 6. 1892 Hypothek zugunsten der n. ö. Hypothekenanstalt 125.683 Häuser in Dornbach, Haus No. 222, gekauft am 14. 4.1891 Hypothek zugunsten der Boden-Creditanstalt 12.758 Gut Neuhaus, gekauft am 30. 8. 1889 Hypothek zugunsten der Boden – Creditanstalt 86.171 Activsaldo der Realitäten in Cisleithanien in Kronen

224.612 315.117

Nachlaß – Inventar
nach dem am 7. Juni 1894 verstorbenen Hotelier Johann Frohner
aufgenommen durch den königl. ungarischen öffentl. Notar Dr. Daniel Jeszensky Activa ( in Gulden ). I. In beweglichen Sachen: 1.) Mobilien, Bargeld lt. Teilinventur in Wien / 17. 6. 1895 Außerdem lt. Ansage der Vormünder ( Bargeld ) 2.) Wertpapiere lt. Budapester Inventur vom 30.11.1896 Posten 1-18 Teilinventur 3.) Gold- und Silbersachen 4.) Forderungen ( davon dubiose 22.428 ) 5.) Münzen 6.) Kunstgegenstände 7.) Bilder 8.) Bücher 9.) Kleider 10) Bett- und Weißwäsche 11) Privatwohnungs - Einrichtung 12) Hoteleinrichtung 13) Weine, Liqueure, Cognac Handkeller Teilinventur Weine Teilinventur Kellerei-Einrichtung 14) Pferde 15) Stall-Einrichtung, Pferdegeschirr, Wagen 16) Verschiedene Sachen Summe bewegliche Sachen: 28.423 50.000 235.791 8.280

78.423 244.071 7.681 30.640 148 16.139 9.399 473 302 6.878 19.940 45.406

72.040 1.624 19.047 565

93.276 435 88.350 3.939 2.454 647.954

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II Realitäten in Ungarn: Realitäten, eingetragen im Grundbuch der Hauptstadt Budapest, im Pester Theile unter 58 einzelnen Einlagezahlen 172.222 Realitäten, eingetragen im Grundbuch der Stadtgemeinde Totis, 4 Einlagezahlen 23.100 Gesamtaktiva: Passiva (in Gulden): 1.) Budapester Bestattungskosten 2.) Hypothek der Ungarischen Landes Central Sparcassa, lastend auf den Realitäten lt. 58 Einlagezahlen im Hauptinventar 3.) Nachgewiesene „Holschulden“ 4.) Forderungen des Wiener Bankvereins Summe Passiva Abzug der dubiosen Forderungen in Höhe von 22.428 fl Forderung von Karl Burger Restliche Zuwendungen Hotelpersonal Honorar der Vormünder ( 2 x 3.000 ) Legate in summa Bilder, an das ungarische Nationalmuseum ausgefolgt Summe der Passiva: Vermögenssaldo Summe Aktiva Summe Passiva Saldo in Gulden: 843.276 472.629 370.647 781 49.768 155.512 188.791 394.852 22.428 8.000 2.000 6.000 37.988 1.361 472.629 195.322 843.276

Nachtrag: Richtigstellung des Nachlaß – Inventars, daß die Realitäten lt. Grundbuch der Stadt Totis nur zur Hälfte dem weiland Johann Frohner gehören, daher Abzug von 11.550 Ergibt als richtiggestellten Saldo in Gulden 359.097 Anmerkung am Ende der Vermögensaufstellung lt. Erhebung durch Notar Jeszensky: „Dieses richtiggestellte Nachlaß – Hauptinventar wird am Sitz des Waisenstuhls im Namen des minderjährigen Roman Franz Frohner vormundschaftsbehördlich genehmigt.“ Umrechnung Gulden auf Kronen: 1 Gulden = 2 Kronen 359.097 x 2 = Saldo der Realitäten in Cisleithanien, Erhebung Notar Eckardt, in Kronen Endsaldo in Kronen, Wert etwa im Jahr 1900: 718.194 315.117 1,033.311

Erläuterung zu den beiden Währungen: Die Gulden - Währung mit dem Währungsstandard in Silber wurde im Jahr 1892 auf die neue Kronen – Währung umgestellt, die eine Goldwährung war. Beide Währungen wurden parallel benützt bis 1900. Ab dem Jahr 1900 ist die Währung in Kronen das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel in der Österreichisch – Ungarischen Monarchie.

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Umrechnung auf heutige Geldwerte: Die Österreichische Nationalbank verfolgt die Geldwerte der verschiedenen, unser Land betreffenden Währungen seit 1820 auf Basis von Kaufkraftparitäten. Es ist klar, dass solche Kaufkraft – Vergleiche über längere Zeiten etwas problematisch sind, weil viele Begleitumstände einem großen Wandel unterlegen sind. Doch es gibt keine besseren Möglichkeiten. Die Nationalbank gibt folgende Umrechnungswerte an: Ein Gulden von 1894 entspricht einem Wert von 12,22 € von 2010; Eine Krone von 1894 entspricht einem Wert von 6,11 € von 2010. Damit wäre das oben errechnete Netto – Vermögen in Höhe von 1,033.311 Kronen, in heutigen Geld 6,313.530 € wert !

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Anlage X

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Anlage XI

Die Frohner – Torte

Für die Zubereitung der Frohner – Torte nehme man: 150 g Butter, 150 g Schokolade, 120 g Zucker, 3 Eier, 10 Kaffeebohnen, 150 g Mandeln, 50 g Mehl, etwas Backpulver und etwas Milch. Die Butter, den Zucker, die erweichte Schokolade und die Dotter flaumig rühren, den geriebenen Kaffee , die geriebenen Mandeln, das Mehl samt 2 Messerspitzen Backpulver und den festgeschlagenen Schnee leicht damit vermischen, ca. 2 Esslöffel Milch zusetzen, in die Form füllen und langsam ( bei 200 ° C ) backen. Die Torte etwa in der Hälfte der Backzeit mit Mandelblättchen belegen. Rezept für die große Masse: 40 dag Butter, 40 dag Schokolade, 30 dag Zucker, 8 Eier, 40 dag Mandeln, 15 dag Mehl, 1 / 4 Packung Backpulver, 2 Eßlöffel Kaffee, etwas Milch. Die Zubereitung ist gleich der oben beschriebenen Vorgangsweise !

Bei Einhaltung der Rezeptur bürgt aus eigener Praxis heraus für ausgezeichnete, bekömmliche Qualität: Gerti Frohner, Dr. Ed. Heinlgasse 12 / 1, 1190 Wien Die Torte wurde dem Hotelier Johann Frohner, Betreiber des Hotels Imperial in Wien, etwa um 1880 von seinen Patisseuren gewidmet. Es wird wohl anzunehmen sein, dass diese Torte der damals schon berühmten und dem konkurrierenden Hotel Sacher zugehörenden Torte (etwas ) Paroli bieten sollte.

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