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Ich finde, dass Aurelie wie eine Mariengestalt auf mich wirkt.

Ich denke eher, dass der Taugenichts sie ein bisschen verklärt sieht und nur ihre positiven
Eigenschaften wahrnimmt.

Er ist total in seine Fantasien versunken und denkt überhaupt nicht darüber nach, dass sie für
ihn wohl unerreichbar sein wird.

Aber das ist doch gerade das Besondere einer Mariengestalt – dass sie unerreichbar ist, aber
das man sich ihrer „Himmlischkeit“ nicht bewusst wird …

Aber der Taugenichts merkt auch gar nicht, dass sie kein Interesse an ihm zeigt, jedenfalls
nicht so offensichtlich, sie geht ja nicht mehr ans Fenster, als sie weiß, dass der Taugenichts
ihr beim Singen zuhört.

Dies könnte man jedoch auch als positives Zeichen deuten, da sie kaum öffentlich zu ihren
Gefühlen stehen kann, entzieht sie sich dem Taugenichts.

JA das glaube ich auch! Außerdem ist es denke ich ein Zeichen von Interesse, wenn sie mit so
viel Scham auf seine Zuneigung reagiert… wenn er ihr unwichtig wäre, würde sie sich ja
nicht vor ihm schämen und einfach weitersingen…

Na ja, das stimmt schon, da habt ihr Recht, aber die andere Frau zeigt ja deutlich Interesse an
dem Taugenichts, auch wenn er es nicht erwidert…aber die Art der „schönen gnädigen Frau“
wirkt schon irgendwie vornehmer und nicht so plump.

Also wie eine Mariengestalt!

Ja das sehe ich genauso, es scheint so als ob sie sich auf eine höhere Stufe stellt als den
Taugenichts und ihm somit in gewisser Weise auch überlegen ist.

Hm… ich bin mir aber nicht sicher, ob sie sich selbst auf eine höhere Stufe stellt, ich glaube,
dass das mehr durch den Taugenichts geschieht. Denn dann wäre sie meiner Meinung nach
nicht mehr himmlisch, wenn sie sich eine solche Höherstellung anmaßen würde.

Ja, aber so durch die Erzählungen wirkt sie irgendwie schon arrogant, auch wenn man weiß,
dass sie das eigentlich nicht ist, aber mir kommt sie eigentlich nicht sonderlich sympathisch
vor…

Dem stimme ich zu. Aber vielleicht liegt das wirklich daran, dass sie so durch die
gesellschaftlichen Normen eingeschränkt ist. Das würde ja auch zu den Absichten der
Romantik passen – durch die gesellschaftlichen Beschränkungen wird ja auch die
Bewusstseinsfreiheit und Fantasie und damit auch das Gefühl eingeschränkt, das heißt,
Aurelies Verhalten entspricht dem Verhalten, das ein Romantiker kritisiert.

Der Taugenichts jedoch ist ein Romantiker, warum fühlt er sich dann trotzdem zu Aurelie
hingezogen?

Genau das denke ich auch. Das widerspricht sich ja eigentlich, da die Romantiker ja die
Lebensweise der Philister ablehnen…na ja, vielleicht reizt ja gerade das den Taugenichts, weil
er spürt, dass sie eigentlich nicht so ist, aber einfach nicht aus sich heraus kommen kann,
aufgrund der gesellschaftlichen Normen.

Ja, ich glaube, dass der Taugenichts in der schönen, jungen Frau die Einheit sieht, nach der er
strebt. Vielleicht liegt das sogar daran, dass sie es schafft, die Gesellschaft anzunehmen,
dennoch ihren Geniestatus beibehält. Möglicherweise empfindet der Taugenichts unbewusst,
dass sie den Bruch in ihrer Person ausgleicht – und er seine Heimat bei ihr finden könnte.

Also ich stimme auf jeden Fall in dem Punkt ist, dass sie das Ziel seiner Sehnsucht ist...und
normalerweise strebt der Romantiker ja nach der Einheit, also es klingt schon logisch was du
schreibst.
Allerdings muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich die Einheit in ihr nicht sehen kann, denn am
Ende heiraten ja die beide, dass heißt der Taugenichts hätte sein Ziel, nach dem er das ganze
Leben strebt erreicht…und das ist ja eigentlich nicht der Sinn der Romantik…

Man sieht also, dass die kritische Frage der Lebensauffassung der Romantik aufgeworfen
wird.

Von Maria, Sophie und Sybille

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