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Seite 38 Die 38 Kabeljaus, Seite des Kabeljaus, Ehrenrettung des Die Ehrenrettung Nr. 5 26.

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Kabeljaus, Seite

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Ehrenrettung des

Die Ehrenrettung

Seite des Kabeljaus, Ehrenrettung des Die Ehrenrettung Nr. 5 26. 1. 2012 Nr. 5 26. 1.

Nr. 5 26. 1. 2012

Nr. 5 26. 1. 2012

Ein Freund, ein guter Freund

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D Das as ist ist das das S Schönste, chönste, w was as e es
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I N H A L T

N R .

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Ein Heft über Freundschaft

Im Vergleich zur Liebe mit ihren Dramen und Abgründen erscheint die Freundschaft zunächst stiller, weniger spektakulär. Dafür ist sie oft stabiler und bei näherem Hinsehen endlos vielfältig. Also haben wir dem Thema Freundschaft ein ganzes Heft gewidmet. Unsere Freunde sind lebenswichtig: Sie sorgen dafür, dass es uns gut geht – wenn wir Glück haben. Sie können aber auch der Grund dafür sein, dass wir zunehmen oder dass uns Rückenschmerzen plagen. Das sagt zumindest der Harvard-Professor Nicholas Christakis in unserem Interview. Illustriert wird unser Heft mit berühmten Freundespaaren wie unseren Titelhelden Chewbacca und Han Solo aus »Star Wars«, gezeichnet vom britischen Illustrator und Künstler Rob Bailey. Und unter alle Freundschaftsgeschichten haben Heike Faller und Matthias Stolz Fragen geschrieben, die Sie einem besonders guten Freund dringend mal stellen sollten

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Wie ist es, wenn Männer miteinander richtig dicke sind?

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Der Bestsellerautor David Nicholls über das Maß an Freundschaft, das die Liebe braucht

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Können Männer und Frauen einfach nur Freunde sein?

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Wie feuert man eine gute Freundin? Ein Drama aus der Welt der Start-ups

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Der Bundespräsident und sein seltsamer Begriff von Freundschaft

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Ein Harvard-Professor erklärt, warum Freunde noch viel wichtiger sind, als wir glauben

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Miss Piggy und Kermit träumen – auch voneinander

Außerdem in diesem Heft

6

Harald Martenstein über die Wulff-Festspiele

7

Unsere Fotokolumnistin erzählt von einem romantischen Ausflug

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Deutschlandkarte: Wo man beim »Alten Fritz« einkehren kann

11

Gesellschaftskritik: Justin Biebers Jesus-Tattoo

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Wie der Kabarettist Dieter Hildebrandt vom Alkohol befreit wurde

der Kabarettist Dieter Hildebrandt vom Alkohol befreit wurde Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die

Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt

HARALD

MARTENSTEIN

HARALD MARTENSTEIN Über Christian Wulffs Allgegenwart: »Ich habe mit wildfremden Leuten über Politik geredet, wie

Über Christian Wulffs Allgegenwart:

»Ich habe mit wildfremden Leuten über Politik geredet, wie 1989«

Die ganze Woche lang kam jeden Abend eine Wulff-Talkshow im Fernsehen. Jauch, Plasberg, Beckmann, Lanz, Illner, alle. Das gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. Zuletzt nach dem Mauerfall. Da kam im Fernsehen jeden Tag Mauerfall. Wulff hatte auch an jedem Tag die Spitzenmeldung in den Nachrichten. Jeden Tag fanden sie was Neues über ihn heraus, wie damals über die Stasi. Ich vergleiche nicht inhalt- lich, nur phänomenologisch. Oder er machte einen neuen Fehler. Wie viele Fehler ein einziger Mensch machen kann – Wahnsinn! Irgend- wann wusste ich auch nicht mehr, wegen welcher Affäre er eigentlich zurücktritt, wenn er zurücktritt, Kredit, Pressefreiheit, Gratisurlaub, Flugmeilen, gebrochene Versprechen, der Mann hat ja, wie Jesus, alle Sünden der Welt auf sich genommen. Der könnte ganz alleine einen Massenrücktritt erklären. Jeder redete darüber. Ich habe mit wildfremden Leuten über Politik geredet, auch wie 1989. Es waren regelrechte Wulff-Fest- spiele. Ich habe alles angeschaut, erstaunlicherweise wurde es nie lang- weilig. Man dachte immer, hey, vielleicht tritt er heute wirklich mal zurück, er zieht auf einer Pressekonferenz einen Zettel aus der Tasche, wie damals Günter Schabowski, und sagt, in der gleichen verwirrten Weise: Soweit ich weiß, gilt meine neue Reiseregelung ab sofort. Ab sofort zahle ich wieder selber. Oder ich dachte: Mal schauen, was unser Schlingel jetzt wieder ausgefressen hat. Nach einer Weile wusste ich von erstaunlich vielen deutschen Prominenten, was sie über so Sachen wie Politik, Spesenabrechnungen oder die Würde des Präsidentenam- tes denken, zum Beispiel Heiner Lauterbach, Heinz Rudolf Kunze, Wolfgang Stumph und Désirée Nick. Es war eine Fernsehwoche ohne Arnulf Baring und ohne Hans-Olaf Henkel, die hatten Pause, wie die

Bundesliga. Stattdessen ging der Stern von Michael Spreng auf. Guter Typ. Im Geist habe ich mir meine eigene Wulff-Talkshow zusammen- gestellt: Matthias Matussek, Gregor Gysi, Dolly Buster, Thilo Sarra- zin, Claus Peymann und Graciano Rocchigiani, Titel: Politik ohne Maß und Moral?. Da würde ich die ganze Nacht dranbleiben. Im Netz war es interessant, weil viele Leute Bild ablehnen und nun vor dem inneren Konflikt standen, ob sie Wulff gegen Bild beistehen oder nicht, also, wen sie mehr ablehnen, ob der Feind ihres Feindes automatisch ihr Freund ist. Wenn diesmal die Journalisten- preise vergeben werden, müsste es eine Extrakategorie »Wulff« geben, beste Wulff-Talkshow, bester Wulff-Kommentar, beste Wulff-Satire. Wann kommt der große deutsche Wulff-Roman? Ich habe Fengel ge- beten, eine Wulff-Zeichnung zu zeichnen. Ich meine das nicht ironisch. Es war ein Ausnahmezustand, eine Art Anarchie, so eine wilde, verrückte Zeit, an die man sich im- mer erinnern wird, sein Leben lang. Geschrieben wurde dies am 35. Tag der Wulff-Festspiele. Vielleicht ist er inzwischen zurückgetreten. Keine Ahnung. Ist inzwischen auch egal. Wissen Sie, wie man die Sa- che garantiert beenden könnte? Man müsste bei jedem Wulff-Bericht das Wort »korrupt« hinzufügen. »Der korrupte Präsident Wulff emp- fing heute in Schloss Bellevue die Sportler des Jahres.« – »Der korrup- te Präsident Wulff und seine Gattin zeichneten verdiente Mitbürger mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Das korrupte Staatsoberhaupt rief dabei die Deutschen zu mehr Engagement und Bürgersinn auf.« Das müsste man so lange machen, bis er gezwungen ist, zu klagen. Dann müsste ein Gericht prüfen, ob er wirklich korrupt ist. Und dann wäre Ruhe, so oder so. Ist doch genial.

TAGEBUCH

EINER

JUNGEN

FRAU

TAGEBUCH EINER JUNGEN FRAU WIEDER ZU HAUSE Emeric entdeckte meine Website als Erster. Er sagt, er

WIEDER

ZU

HAUSE

Emeric entdeckte meine Website als Erster. Er sagt, er könne sich nicht mehr erinnern, wie er sie gefunden hat, aber ich bin sicher, es war über irgendeine Suche nach Nacktfotos. Er schickte mir eine Mail und fragte, ob er meine Arbeiten auf seinem Blog veröffentlichen dürfe. Ich fand sein Blog toll und bedankte mich bei ihm. Später trafen wir uns in Paris. Zu unserer ersten Verabredung kam er zu spät, er telefo- nierte dauernd und rauchte wie ein Schlot. Beim zweiten Treffen sah ich, dass er schöne Augen und Arme hatte. Ich merkte, dass ich ihm Fragen stellte, die mir Erkenntnisse darüber bringen sollten, ob er

Single war oder nicht. Dann hat er mich irgendwann gefragt, ob ich mit ihm nach Brüssel fahren wolle. Ich war noch nie in Brüssel gewe- sen und danach auch nie wieder. Aber es ist für mich die romantischs- te Stadt auf der Welt. Dieses Foto entstand in seinem Bett, nachdem wir wieder nach Hause gekommen waren.

Die schwedische Fotografin Lina Scheynius, 29, lebt in London und Paris, arbeitet für internationale Magazine – und führt in diesem Jahr für uns Tagebuch

Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche

Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche R B E I S T I G E L LL H
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Eine verdutzte Birne auf einem PULLOVER aus Kaschmir – Gipfel des heiteren Blödsinns und auf Partys garantiert ein Icebreaker (von Mulberry)

100 %

auf Partys garantiert ein Icebreaker (von Mulberry) 100 % Wer einen Brillenwechsel braucht, kann sich an

Wer einen Brillenwechsel braucht, kann sich an Owl Optics wenden, das Label zweier Berliner, die wissen, was eine schöne BRILLE ist

zweier Berliner, die wissen, was eine schöne BRILLE ist Auch wir haben etwas gegen Schoko- Snobismus

Auch wir haben etwas gegen Schoko- Snobismus (und essen sehr gern Snickers). Aber dieses KONFEKT des österreichischen Herstellers Zotter ist eine Offenbarung

österreichischen Herstellers Zotter ist eine Offenbarung Ein BUCH über Menschen, die Bücher angucken, ist ein

Ein BUCH über Menschen, die Bücher angucken, ist ein »Book Look Book« – von Jörg Koopmann, erschienen im reizenden Münchner Kleinstverlag Book with a beard

im reizenden Münchner Kleinstverlag Book with a beard »Mach doch erst mal deine Schule zu Ende,

»Mach doch erst mal deine Schule zu Ende, und koch was Gutes«

Ein Rat des Rappers Marsimoto (alias Marteria) an weniger begnadete Hip-Hop-Produzenten – auf seinem wunderbar durchgeknallten neuen Album »Grüner Samt« (gerade bei Fourmusic erschienen)

Ein erstaunlich beweglicher GRIZZLYBÄR aus Öko- Buchenholz erfreut Kinder und Erwachsene gleicher- maßen (tweekstudio.com)

Kinder und Erwachsene gleicher- maßen (tweekstudio.com) Echte Kunst und allerschönsten Kruscht wie dieses

Echte Kunst und allerschönsten Kruscht wie dieses Porzellan- fräulein mit Fass gibt es im AUKTIONSHAUS Neumeister in München (www.neumeister.com)

2012 feiern wir nicht nur 300 Jahre Preußenkönig, sondern auch 100 Jahre BIENE MAJA. Eine Ausgabe mit den Originalzeichnungen von Waltraut und Ottmar Frick erscheint bei DVA

Fotos Lehmann; Mulberry; Arne Thaysen; bookwithabeard.com; Neumeister; David Weeks; Verlagsgruppe Random House GmbH

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Deutschlandkarte

»ALTER FRITZ«-KNEIPEN

Binz Stralsund Groß Buchwald Greifswald Rostock Pinneberg Rheinsberg Neuruppin Wallstawe Neutrebbin Letschin
Binz
Stralsund
Groß Buchwald
Greifswald
Rostock
Pinneberg
Rheinsberg
Neuruppin
Wallstawe
Neutrebbin
Letschin
Berlin
Hörstel
Wunstorf
Lebus
Wolfenbüttel
Körbelitz
Heidesee
Gronau
Hildesheim
Oschersleben
Detmold
Polle
Seesen
Quedlinburg
Herne
Süptitz
Menden
Duisburg
Witten
Hochkirch
Willingen
Jüchen
Wetter
Düren
Asbach
Nideggen
Mayen
Sonneberg
Ayl
Lampertheim
Weigendorf
Heusweiler
Schwetzingen
Nürnberg
Stuttgart
Herrenberg
Tübingen
Schiltach
Sigmaringen
Breisach

Orte mit Kneipen, Gaststätten, Restaurants und Hotels, die »Alter Fritz« oder »Zum Alten Fritz« heißen

Zu Zeiten, als es dem Preußenkönig Friedrich II. angeblich gefiel, ab und an in Gasthäuser einzukehren, hatten diese noch einfache Na- men. Sie hießen »Zum Krug« oder »Dorf- schenke«, das genügte. Die Vorliebe für den Namen »Zum Alten Fritz« darf als älteste Kneipennamenmode in Deutschland gelten, die bis heute trotz Eck- und Dorfkneipen-

sterben nachwirkt. Eine Mode, die nicht nur Preußen befiel, sondern auch das unpreußi- sche Württemberg und das noch unpreußi- schere Bayern. Potsdam hat heute, da man Friedrichs des Großen zu seinem 300. Ge- burtstag gedenkt, gar keine solchen Kneipen (dort versorgt das Schloss die Fritz-Sehn- sucht), drum herum in Brandenburg gibt es

umso mehr. In der DDR durften diese weiter

so heißen, war der Monarch doch ein auf- geklärter. Die meisten der »Alten Fritzen« er- hielten ihren Namen erst im Kaiserreich, also lange nach des Königs Tod. Das sollte Angela Merkel Hoffnung geben, falls sie sich grämt, dass es noch immer kein einziges »Zum Mer-

kelchen« gibt.

Matthias Stolz

Justin Bieber hat Jesus immer bei sich:

Seine neue Tätowierung auf der Wade ist diesem Rubens-Gemälde nachempfunden

Gesellschaftskritik

diesem Rubens-Gemälde nachempfunden Gesellschaftskritik Über Tattoos Justin Bieber ist 17 Jahre alt. Schon zu

Über Tattoos

Justin Bieber ist 17 Jahre alt. Schon zu seinem 16. Geburtstag hatte sich der ka- nadische Popstar auf seine schmalen Rip- pen »Jesus« in hebräischen Schriftzeichen tätowieren lassen. Vielleicht war das für die meisten Leute zu unverständlich. Jetzt prangt ein Porträt von Jesus auf seiner linken Wade. Es gibt keinen Namen für diese Art von Tattoo, deshalb taufen wir es jetzt das Ge- sichts-Tattoo (obwohl unter diesem Stich- wort bei Google beängstigende Bilder er- scheinen). Die Gesichter, die da gestochen werden, gehören meist zu religiös verehr- ten Personen – und sind erstaunlich popu- lär: Megan Fox trägt Marilyn Monroes Porträt auf dem Unterarm. Maradona ließ sich Che Guevara auf die Schulter und Fi- del Castro auf die Wade tätowieren (sollte er seinen Wunsch wahrmachen, bald auch Hugo Chávez’ Gesicht auf seinem Körper zu verewigen, wird er wie ein Panini-Al- bum lateinamerikanischer Politiker ausse- hen). Der Bremer Verteidiger Naldo trägt den gekreuzigten Jesus auf dem Rücken. Ein Borussia-Dortmund-Fan ließ sich neulich das Gesicht von Trainer Jürgen Klopp stechen. Was wie ein mutiges Be- kenntnis aussieht, ist ja in Wahrheit auch eigennützig. Man verbindet sich für immer mit seinem Idol und lässt so einen Teil von

Foto Fine Art Images; hgm-press

dessen Ruhm auf sich abstrahlen: Bin ich nicht so sexy wie Marilyn, ein Krieger für die Gerechtigkeit wie Che, mitreißend wie Klopp oder werde verehrt wie Jesus? Problematisch ist das natürlich dann, wenn der Mythos noch lebt und man ihn nicht unter Kontrolle hat. Wie wird der BVB-Fan dastehen, sollte Jürgen Klopp eines fernen Tages Trainer von Schalke 04 werden? Da macht man es besser wie der ehemalige Handball-Nationalspieler Ste- fan Kretzschmar: Er ließ sich das Gesicht seiner damaligen Freundin Franziska van Almsick auf die Wade tätowieren, aber nicht mit Badekappe, sondern als Gottes- mutter stilisiert. Sehr klug – denn als er zu seiner Exfrau namens Maria zurückkehr- te, passte das Tattoo immer noch, zumin- dest so ungefähr. Am besten ist es, wenn der Porträtierte schon tot und sein My- thos einigermaßen dauerhaft ist. Da ist Justin Bieber wohl auf der sicheren Seite. Allerdings könnte ihn und seinen Jesus ein anderes Problem ereilen: dass die Grund- lage, also der Körper, sich verändert. Che Guevara und Fidel Castro haben auf Ma- radonas Körper schon Backen bekommen. Wie wird es wohl aussehen, wenn Justin Bieber irgendwann ein Mann wird und seine Wade haarig? Sein Jesus wird das er- tragen müssen. Anna Kemper

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das er- tragen müssen. A n n a K e m p e r 11 ’

Der Schonste Film

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Stan Laurel und Oliver Hardy haben von 1926 bis 1951 mehr als 100 Filme zusammen gedreht. So wurden sie nicht nur berühmte Komiker, sondern auch beste Freunde

1926 bis 1951 mehr als 100 Filme zusammen gedreht. So wurden sie nicht nur berühmte Komiker,
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Von

Alle Illustrationen

JÖRG

BURGER

ROB

BAILEY

SIE HÄNGEN ANEINANDER

Gibt es sie überhaupt, die tiefe Freundschaft zwischen Männern? Die Geschichte zweier Bergsteiger

An einem stürmischen Wintertag holt Bernd Illguth den Diaprojektor vom Dachboden, anders ist die Sehnsucht nicht zu stillen. Sein Freund Martin Bauregger und er hocken ne- beneinander auf dem Fußboden und schauen auf die Bilder. Darauf sie selbst, aneinander- geseilt und in Bergspalten gedrückt. Sogar ei- nen Siebentausender in Pakistan haben sie zu besteigen versucht, als Allererste. Jeden Siche- rungshaken selbst in den Fels gesetzt. Vier Wochen lang hielten sie durch, zum Gipfel schafften sie es nicht ganz. »Du warst am Ende schlecht drauf«, sagt Illguth, »du wolltest nur noch nach Hause.« Bauregger nickt. »Einmal haben wir uns sogar angeschrien«, sagt er, es klingt, als sei das für ihn schlimm gewesen. »Ehrlich? Daran erin- nere ich mich gar nicht.« Illguth ist von bei- den der Ausgeglichenere, Bauregger der Kom- pliziertere, und er kokettiert sogar ein bisschen damit. Illguth quittiert die Eigenwilligkeiten des Freunds meistens mit einem Lächeln, Bauregger ist ihm dankbar dafür. Sie sind Freunde seit mehr als 20 Jahren. Illguth legt eine neue Diakassette ein. »Ah, die Wildspitze!«, ruft Bauregger. Er ist der bessere Kletterer, auch der größere Draufgänger, er hat den anderen immer wie- der ins Risiko gelockt. »Ich hab dir nie erzählt, dass am nächsten Tag die ganze Schneedecke weggerutscht ist. Drei Leute kamen ums Le- ben.« – »Sag das bloß nicht meiner Frau!« Illguths Frau Andrea hat kurz zuvor das Mittagessen bereitet, Schweinswürste und Sauerkraut. Gemeinsam mit den zwei klei- nen Kindern und der Großmutter haben die Freunde an einem alten Holztisch gesessen, vor den Terrassenfenstern leuchteten der Gipfel des Hochfellners und die Kampen- wand schneeweiß über matschgrauen Fel- dern. Dann hat Andrea Illguth die Männer mit ihren Fotos allein gelassen. Sie hat sich mit dieser Zweisamkeit abgefunden, in die sie nicht eindringen kann. Die Illguths leben auf einem Einsiedler- hof in Oberbayern, in der Nähe des Chiem- sees. Illguth ist von Beruf Bautechniker, er hat die alte Scheune in eine lichte Wohnung ver-

wandelt. Wenn Bauregger zu Besuch kommt, blickt der sich um und seufzt, als wäre er hier auch gern zu Hause. Illguth ist 41, an ihm fällt als Erstes sein offenes Lachen auf. Bauregger, ein Jahr älter, wirkt eher in sich gekehrt. Als Familienthera- peut behandelt er missbrauchte Kinder. Beide Männer sind drahtig, selbst in der Wohnung haben sie den federnden Gang von Basketbal- lern. Sie sind gemeinsam in der Nähe des Ein- siedlerhofs aufgewachsen, in Traunstein. Eine kleinstädtisch-dörfliche Welt, aus der sie im- mer wieder ausgebrochen sind. Sport ist ihr Mittel der Grenzüberschreitung – am Berg, beim Skifahren in der Eisrinne, beim Gleit- schirmfliegen. Höher, weiter, mehr, sie teilen diese Gier. Extreme Erfahrungen haben ihre Freundschaft wachsen lassen. »Am Berg haben wir mehr erlebt als mit unseren Frauen«, sagt Illguth. Ein Blick auf eine Männerfreundschaft. Gibt es sie überhaupt: Männer, die sich wirklich nahe sind? Die sich in den anderen einfühlen? Hat dieses Geschlecht etwa nicht Schwierigkeiten dabei, aus sich herauszu- kommen, weil es stets so sehr mit Konkur- renzdenken beschäftigt ist? An diesem Bild hat lange auch die Wis- senschaft gezeichnet: In den siebziger und achtziger Jahren betrachteten die wenigen Forscher, die sich für Freundschaften interes- sierten, gern die Unterschiede zwischen Män- ner- und Frauenfreundschaften. Systemati- sche Forschung gibt es bis heute nicht. Neuere Untersuchungen, wie eine Studie des Berliner Psychologen Arnold Krosta und seines Gü- tersloher Kollegen Hans-Joachim Eberhard von 2004, ergaben dagegen, dass sich Freund- schaften zwischen den Geschlechtern kaum unterscheiden – eher zwischen den Milieus. Den angeblichen »Mangel an tief empfunde- nen Männerfreundschaften konnten wir nicht bestätigen«, schreiben die Psychologen. Unbestritten ist, dass Männer Freund- schaften anders gestalten. Sie unternehmen am liebsten etwas gemeinsam. Frauen treffen sich lieber, um zu reden. Dass Frauen sich des- halb näher seien, könne man daraus aber nicht

unbedingt folgern, sagt der Berliner Psycholo- ge Jaap Denissen, der ebenfalls auf dem Ge- biet forscht. »Es gibt kein allgemeingültiges Maß für die Qualität einer Freundschaft.« Etwas verändert sich offenbar gerade. Es gibt viele Männer wie Illguth und Bauregger, die sich, anders als ihre Väter, nicht mehr in ihrer Ehe eingraben, sondern enge Freund- schaften pflegen. Die sich Bedürfnisse zuge- stehen, die mal als weiblich galten. Etwa, über Schwächen und Nöte zu reden. Am Nachmittag fahren Illguth und Bauregger in ein Café am Ufer des Chiemsees. Als sie ankommen, ist es dunkel. Der Sturm hat den See aufgepeitscht, Wellen rollen auf das verglaste Gebäude zu, es ist wie am Meer. Hier versuchen Illguth und Bauregger das Ge- heimnis ihrer Freundschaft zu ergründen. »Für Busenfreunde sehen wir uns ja gar nicht so oft«, beginnt Illguth. »Eigentlich nur alle zwei Wochen zum Sport.« »Aber wir schreiben uns täglich Mails oder telefonieren«, sagt Bauregger. Meistens ist er es, der sich meldet. Oft geht es nur um Alltägliches oder Männerkram wie den Kauf eines Motorrads. Aber Baur- egger hat Illguth auch offenbart, wie sehr es ihn bedrückte, dass er und seine Frau ein zweites Kind bekommen wollten und das nicht klappte. Wenn er etwas nicht mit seiner Frau besprechen mag, weil er glaubt, dass sie sich damit nicht auskennt, oder weil das Pro- blem mit ihr zu tun hat, wendet er sich an Illguth. Der sei ein guter Gesprächspartner. Dann stutzt Bauregger, als sei ihm etwas Be- deutsames aufgefallen. »Das Schlimmste, mit dem du jemals zu mir gekommen bist, war eine Tiefgarage, die du zu niedrig geplant hattest.« »Bei mir muss es schon sehr zwicken, dass ich mal was anspreche.« Illguth scheint den vorwurfsvollen Ton in Baureggers Stimme nicht gehört zu haben. Der guckt, als habe man ihm gerade etwas weggenommen. »Ich bin wohl gefühlslastiger«, fährt er nach einer Weile fort. »Vielleicht liegt das auch an meinem Job, ich will von meinen

FRAGEN AN EINEN FREUND: An welchem Tag meines Lebens wärst du gerne dabei gewesen? Was war dein erster Eindruck von mir? Welche Mutprobe …

13

Klienten in der Therapie ja auch, dass die über ihre Gefühle reden. Und außerdem arbeite ich nur mit Frauen zusammen, das färbt ab.« Illguth grinst. »Wusste ich ja gar nicht! Nur Frauen? Das wär für mich die Hölle, Folter wär das. In meinem Ingenieurbüro sitzen nur Männer.« »Dein Job wär für mich auch Folter«, sagt Bauregger. Illguth plant als Bautechniker Indus- triehallen. Seit 15 Jahren hat er diesen Job, er hatte nie das Bedürfnis zu wechseln, wie der unruhige Bauregger das öfter getan hat. Ill- guth sagt, er sei ein Spießer, er meint das nicht ernst. Gern macht er sich über den Freund lustig, er findet dessen Leben chaotisch. Baur- egger scheint es eher zu entspannen, dass sei- ne schwierigen Seiten ans Licht kommen dürfen. Oft taucht er bei Verabredungen ein- fach nicht auf, zu denen Illguth andere Leute mitbringt. Er ist eifersüchtig. Nach einigen Tagen meldet er sich wieder, zerknirscht und will sich entschuldigen. »Passt schon«, sagt Illguth dann nur. Bauregger war erst Krankenpfleger und hat dann Sozialpädadogik studiert. Danach ließ er sich zum Therapeuten ausbilden. Auch er ist verheiratet, er hat eine kleine Tochter; er lebt in Bad Reichenhall, eine halbe Autostun- de vom Haus des Freunds entfernt. Als sie sich kennenlernten, waren sie ge- rade noch Teenager. »Wir waren hart unter- wegs damals. Klettern, Saufen, die ganze Pa- lette.« Bauregger war damals derjenige, der »mehr Stoff« gab, gar keine Grenzen akzeptie- ren wollte. Illguth sagte öfter: »Jetzt reicht’s!«

Einmal haute Bauregger kurz vor Weihnach- ten von zu Hause ab, weil er sich mit seinen Eltern nicht verstand, er verbrachte das Fest bei den Illguths. »Wie harmonisch das bei euch war!«, sagt er. »Echt?« Manchmal sieht es so aus, als nähmen sie die Welt unterschiedlich wahr. Nur wenn sie vom Klettern reden, stimmen sie völlig überein. »Irgendwann ist man hilflos und kommt ohne den anderen nicht weiter«, sagt Bauregger. »Da fällt die Maske, die man im Alltag hat.« Illguth nickt. Er erzählt von Wetterum- schwüngen und Steinschlag, Hunderte von Metern Steilwand unter sich. Als sie jünger waren, hätten sie noch viel mehr riskiert und sich oft in Lebensgefahr gebracht. Auf den Freund habe er sich immer verlassen können. »Am Anfang haben wir uns Wettkämpfe geliefert«, sagt Bauregger. »Wir haben uns richtig bekriegt. Es ging nur darum, wer ist als Erster oben.« »Heute sind wir nicht mehr so irre.« »Meistens.« Nach dem Besuch im Café fährt Baur- egger allein durch den Sturm nach Hause, es hat begonnen zu schneien. Die Fahrt dauert länger als sonst, er hat viel Zeit nachzuden- ken. Dann sitzt er in seiner Wohnung am Küchentisch. »Mir ist gerade etwas klar ge- worden«, sagt er. »Bernd sieht viele Dinge doch ganz anders als ich. Vielleicht ist ihm unsere Freundschaft gar nicht so wichtig wie mir.« Zum ersten Mal nach mehr als 20 Jah-

ren kommt ihm dieser Gedanke. So lange ist ihre Freundschaft ein Blindflug gewesen. Sie war einfach da, gegründet auf die Magie der Zuneigung, nie hat er sie hinterfragt. »Ach, macht nichts!«, sagt er, mehr zu sich selbst. »Ich habe eben viel mehr Kurven in meinem Leben gedreht als der Bernd, also habe ich ihn auch als Halt gebraucht.« Er erzählt von seinen Eltern, gegen die er sich früh auflehnte. Von der Idee, Kran- kenpfleger zu werden, nur weil ihm nichts Besseres einfiel. Dann das Sozialpädagogik- studium, auch eher planlos. »Meine Frau kannte ich da noch nicht mal. Der Bernd war die einzige Konstante.« Es ist ein Moment, in dem es in der kleinen Küche ein paar Grad kälter zu werden scheint, da Bauregger so schonungslos auf sein Leben blickt. Am nächsten Tag treffen sich Illguth und Bauregger in einer Kletterhalle in Rosen- heim. 15 Meter hohe Wände mit bunten Handgriffen, sie markieren den Weg nach oben in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Bauregger steigt als Erster auf, er braucht ge- rade mal eine Minute. Illguth sichert ihn mit schlafwandlerischer Routine ab. Bauregger muss immer wieder an das Gespräch vom Vortag denken. »Ich spüre so etwas wie eine Bringschuld«, sagt er, als er wieder unten ist. »Aber eine Freundschaft funktioniert doch auch wegen der Gegensät- ze.« Illguth nickt. Er misst die Kletterwand mit einem Blick. Von Irritation ist nichts mehr zu spüren. Gut, dass sie mal über ihre Freundschaft geredet haben.

zeitmagazin

nr. 

Ganz eng: Martin Bauregger (links) und Bernd Illguth
Ganz eng: Martin Bauregger (links) und Bernd Illguth

… täte mir gut? Sind wir in 20 Jahren noch Freunde? Was könnte dazu führen, dass wir es nicht mehr sind? Welche Sorge mache ich mir umsonst? Soll ich dir …

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»NIE WIEDER EIN DATE!«

Von

TANJA

STELZER

Der Bestsellerautor David Nicholls über Freundschaft als Religion, Ehefrauen als Komplizen und das Elend des Flirtens

Herr Nicholls, Sie sind bekannt geworden durch Ihren Bestseller »Zwei an einem Tag«, der um die Frage kreist, was der Unterschied zwischen Liebe und Freund- schaft ist. Ihre beiden Hauptfiguren Emma und Dexter, die sich zwanzig Jahre lang abwechselnd annähern und wieder voneinander entfernen und die sich vor allem ständig verpassen, scheinen mit der Beantwortung dieser Frage überfordert zu sein. Was denken Sie? Für mich sind Liebe und Freundschaft nicht voneinander zu trennen. Freundschaft, das bedeutet gegenseitiges Verständnis, Unter- stützung, den gleichen Humor haben, Gefal- len daran finden, mit der anderen Person Zeit zu verbringen. Wobei das nicht unbedingt etwas mit Harmonie zu tun hat – meine Figu- ren Emma und Dexter sind ja auch zwei Figu- ren in der Tradition der romantischen Komö- die, die miteinander kämpfen. Wie Beatrice und Benedikt in Shakespeares Viel Lärm um nichts. Der Konflikt ist Teil ihres Verstehens, ihrer Anziehungskraft, die Basis ihrer Freund- schaft und ihrer Liebe. Es gibt die Vorstellung, dass zwei Liebende zwei Stücke sind, die in- einanderpassen, dass es darum geht, das pas- sende Gegenstück zu finden. Das ist Platons Idee von Liebe die ich für Unsinn halte. Und natürlich lassen sich die Kategorien der Fiktion eh nicht aufs wahre Leben anwenden. Haben Sie trotzdem durch die Beschäfti- gung mit Emma und Dexter etwas gelernt über Freundschaft und Liebe? Ich bin mir vor allem über die Idiotie der Be- ziehungen klar geworden, die ich in meinen Zwanzigern hatte. Meine Freundinnen und ich hatten gar keine gemeinsamen Interessen. Zwischen meiner jetzigen Partnerin, der Mut- ter meiner Kinder, und mir geht es ganz an- ders zu. Hannah und ich streiten nicht wie Emma und Dexter, wir haben keine Differen- zen über Politik, wir lieben dieselben Filme, dieselbe Musik. Könnten Sie mit einer Frau zusammen sein, die diesen Geschmack nicht teilt, die sich gar nicht für Literatur interessiert?

Oder die politisch rechts steht? Ich fände das schwierig. Diese Dinge spielen so eine große Rolle in meinem Leben. Ich kenne gar nie- manden, der sich dafür nicht interessiert. Ich wüsste aber auch nicht, worüber ich mit so einer Person sprechen sollte. Anders verhält es sich mit Unterschieden im sozialen Back- ground. Hannah stammt aus der Mittel- schicht, ich habe einen Arbeiterhintergrund. In unseren Zwanzigern wären wir uns dessen vielleicht stärker bewusst gewesen, jetzt haben wir unser eigenes Leben. Wir können das gut überbrücken. Sie waren mit Ihrem Buch extrem erfolg- reich – es wurde millionenfach verkauft,

extrem erfolg- reich – es wurde millionenfach verkauft, David Nicholls, 45, ist im südenglischen Eastleigh geboren.

David Nicholls,

45, ist im südenglischen Eastleigh geboren. Er studierte Literatur in Bristol und arbeitete als Schauspieler, bevor er Schriftsteller und Drehbuchautor wurde. Sein Roman »Zwei an einem Tag« wurde mit Anne Hathaway ver- filmt und kam voriges Jahr ins Kino. Nicholls lebt mit seiner Familie in London

in zwanzig Sprachen übersetzt und ver- filmt. Aber es kann nicht jeder ein großer Künstler, Manager, Schriftsteller sein. Ist das eine schwierige Vorstellung: mit je- mandem zusammen zu sein, der nicht gut ist in dem, was er tut, auf den man nicht stolz sein kann? Ich war mal Schauspieler, ein unglaublich schlechter Schauspieler. Und ich würde nie- manden verurteilen, der in dieser Zeit nicht mit mir zusammen sein wollte. Diese Arbeit, für die ich definitiv kein Talent hatte, brachte mir dermaßen viel Unglück, Unsicherheit und Selbstzweifel und Stoff für Ihr Buch »Ewig Zweiter«, in dem Sie über einen Schauspieler schrei- ben, der die Zweitbesetzung ist und da- rauf hoffen muss, dass der erstbesetzte Kollege vom Bus überfahren oder Opfer irgendeiner anderen Katastrophe wird, damit er selbst endlich seinen großen Auf- tritt hat. Eine Situation mit viel Raum für Komik. Leider nur im Buch, nicht im wahren Leben. Ich war fürchterlich selbstmitleidig, und Selbstmitleid hat einfach nichts Anziehendes, und so war ich auch in all den Jahren, in de- nen ich als Schauspieler gearbeitet habe, zwi- schen 22 und 31, größtenteils Single. Ich war unfähig, eine Leidenschaft für was auch im- mer zu entwickeln. Damals haben mir viele Freunde auf unterschiedliche Weise geraten, mit der Schauspielerei aufzuhören. Konnten Sie das als einen Freundschafts- dienst anerkennen? Heute kann ich das, absolut. Damals – nun ja. Aber meine Freunde waren diplomatisch und ehrlich zugleich. Man braucht diese Art von Loyalität, wenn man solche Schläge ab- bekommt. Meine Freunde haben mich wirk- lich gerettet, ich hoffe, ich habe meine Schul- den abgezahlt. Die Familie war für Sie weniger wichtig? Ich hatte kaum Kontakt zu meiner Familie. Meine Eltern fanden diesen Mangel an Inte- resse sehr seltsam, ihr Leben war komplett von der Familie bestimmt, sie hatten gar keine Freundschaften. Ich gehöre da wirklich zu

sagen, wenn dein Partner dich betrügt? Welche Eigenschaft hatte ich vor zehn Jahren noch nicht? Welches meiner Talente unterschätze ich? Was soll ich

einer anderen Generation, ich war von mei- nen Freunden wie besessen, in meiner Stu- dentenzeit war Freundschaft meine Religion. Ich schätze, es lag an der Universität selbst – ein Ort, an dem man mit gleichgesinnten Leuten zusammen ist. Die Universität hat mein Leben verändert. Glauben Sie, dass Ihre Kinder wiederum eine andere Art haben werden, ihre Freundschaften zu pflegen? Ich bin mir sicher. Ich denke zwar, dass der Kult der Freundschaft fortbestehen wird, aber durch die Sozialen Netzwerke ist auch etwas Neues entstanden, eine oberflächlichere und eher technische Art von Freundschaft. Man bräuchte einen neuen Namen für diese Art der Freundschaft. Sind Sie bei Facebook? Ich nutze Facebook nur noch, um für meine Bücher zu werben und Lesungen anzukündi- gen. Ansonsten habe ich mich im letzten Sommer komplett aus den Sozialen Netzwer- ken zurückgezogen, für mich war das eine Befreiung. Leute, die ich nie getroffen hatte, schickten mir Nachrichten; ich war ständig damit beschäftigt, Urlaubsfotos von Men- schen anzuschauen, die ich nicht mal kannte. Als das vorbei war, fand ich es unglaublich er- frischend, mich wieder auf die Leute zu kon- zentrieren, die ich persönlich kenne. Würden Sie sich wünschen, dass Facebook und Twitter irgendwann einmal wieder aus der Mode kommen? Ich bin nicht naiv, aber man kann ja hoffen. Es ist wie mit Briefen und E-Mails, ich hoffe immer noch auf die Rückkehr des Briefs. Ein Brief enthält so viel mehr Sorgfalt, Zeit und Zuwendung desjenigen, der ihn geschrieben hat, so viel mehr Gedanken. Ich finde auch, dass es sich falsch anfühlen würde, per Mail zu kondolieren – aber ich bin Realist genug, um zu wissen, dass eine Beileids-E-Mail in zehn Jahren wahrscheinlich gar nicht mehr seltsam wirken wird. Soziale Netzwerke erlauben es allerdings auch, alte Freunde wiederzuentdecken. Stimmt. Es ist heute ganz leicht, eine Freund- schaft wiederzubeleben – und es ist fast im- mer ein großer Fehler. Früher musste man dafür enorme Anstrengungen unternehmen, das machte man nur für Menschen, für die es sich auch wirklich lohnte. Ich habe einige alte Freunde von vor zehn, fünfzehn Jahren wie- dergesehen, nachdem sie mir auf Facebook wiederbegegnet waren – und war kolossal ent- täuscht, dass das, was einen mal miteinander verbunden hatte, nicht zurückgekehrt ist, in keinem einzigen Fall. Diese ganzen Status- meldungen von Schulfreunden erinnern ei- nen in Wirklichkeit daran, wie man voran- gekommen ist. Es tut Ihnen nicht leid, manche Freunde aus dem Blick verloren zu haben? Doch, ich bin nostalgisch, was manche Leute betrifft, die in meinem Leben nicht mehr vor-

kommen, aber bei anderen ist es auch wieder in Ordnung. Allerdings gibt es, wenn man eine Familie gründet, wie ich es getan habe, zwangsläufig gute Freundschaften, die leiden. Meine frühere Mitbewohnerin zum Beispiel, die sich auch ins Familienleben gestürzt hat, vermisse ich sehr – wir treffen uns viel zu sel- ten. Und dann gibt es einen Freund, bei dem ich es sehr bereue, dass wir uns nicht mehr sahen. Er ist gestorben, während ich an Zwei an einem Tag schrieb. Er und ein anderer Freund auch, beide waren in ihren Dreißi- gern, ich hatte überhaupt nicht damit gerech- net, dass ich diese Erfahrung in diesem Le- bensalter machen würde. Was für ein Freund war das, dessen Schick- sal Ihnen heute Schuldgefühle bereitet? Ich hatte ihn immer sehr bewundert, er war wirklich der schlaueste Kerl, den ich kannte. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht mitbekommen hatte, dass es ihm schlecht ging. Hat sich in Ihrem Freundeskreis etwas ver- ändert nach diesem Tod – haben Sie das Freundschaftsnetz neu arrangiert, neu sor- tiert, wer wichtig ist, wer unwichtig? Eigentlich nicht, da ich diesen Freund eben lange nicht gesehen hatte. Aber das Ereignis brachte einige aus meinem Freundeskreis wie- der näher zueinander. Freunde entwickeln sich im Lauf des Lebens voneinander weg, aufeinander zu – wie ist es mit der Liebe? Es kann schön sein, wenn Liebende Freunde werden, aber der Verlust der Leidenschaft kann schmerzhaft sein. Ich glaube andersherum, dass man nicht in einer Liebesbeziehung sein kann, wenn es da- rin keinen Raum für Komplizenschaft gibt. So wie es in einer guten Freundschaft Liebe geben sollte, ich meine jetzt nicht die sexuelle Liebe. In meinen letzten Beziehungen jeden- falls ist das Bild zwischen Liebe und Freund- schaft verschwommen. Hannah ist meine Partnerin und meine beste Freundin zugleich. Freundschaft hat einen großen Anteil an un- serer Liebe. Und ich bin wirklich froh, dass dieses Verrückte der Anfangszeit vorbei ist, all das, worum es in meinen ersten Büchern geht:

um Leidenschaft, Menschen, die sich auf ein- mal in einer Liebe wiederfinden. Sie sind ernsthaft froh, dass Sie den Psy- chostress der Verliebtheit nicht mehr er- tragen müssen? Man macht sich da zum Idioten, weil man versucht, die beste Version seiner selbst zu sein. Es ist fünfzehn Jahre her, dass ich das zum letzten Mal tun musste. Das war, als ich Hannah kennenlernte – ich bin so froh, dass ich nie wieder ein Date haben muss. Flirten – wie schrecklich! Wie beruhigend für Ihre Freundin, dass Sie nicht gern flirten! Keiner von uns war darin wirklich gut, glau- be ich. Natürlich ist es schön, wenn ich ei-

nen Singlefreund sehe und dieses Umschmei- cheln beobachte. Ich bin etwas traurig darüber, dass ich das nicht mehr selbst erlebe, ja, aber nicht sehr. Herr Nicholls, was würden Sie sagen: Was ist der größte Mythos über Liebe und Freundschaft? Dass Männer und Frauen nicht miteinander befreundet sein können. Die engsten meiner Freunde waren Frauen, warum auch immer; viele von ihnen finden sich übrigens in mei- ner Figur Emma wieder. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Sie ein Frauenfreund sind? Vielleicht steckt eine hierin: Meine Vorstel- lung von wirklichem Unglück wäre es, in ei- nem Pub mit fünf Männern Fußball zu gu- cken. Ich finde Unterhaltungen mit Männern häufig unangenehm. Und ich schwöre: Die meisten Freundschaften mit Frauen, die ich hatte, hatten nichts mit unausgesprochener Anziehung zu tun. Dieses Harry-und-Sally- Ding, daran glaube ich nicht, auch wenn Harry und Sally ein lustiger, guter Film ist. Der Graben zwischen den Geschlechtern, den gibt es nicht für mich, das ist eine Dreißiger- Jahre-Idee. Was ist Ihrer Meinung nach wichtiger: die Langlebigkeit einer Freundschaft oder ihre Intensität? Inzwischen denke ich: eher die Langlebigkeit. Früher war man fasziniert von einer Person, wenn man auf eine Party ging und merkte:

Die mag dieselben Bücher, dieselben Filme. Einen neuen Freund kennenzulernen, das war damals, als hätte man ein Date, es war roman- tisch, sogar bei platonischen Freundschaften. Man sprach bis tief in die Nacht und wollte dem anderen alles über einen selbst erzählen. So eine Freundschaft wäre heute, in meinem Lebensalter, einigermaßen unangebracht, es würde nicht passen. Gibt es Liebe auf den ersten Blick bei Freundschaften? Sicher. Ich habe einen besten Freund, seitdem ich 19 bin. Wir lernten uns auf dem Weg nach Stratford kennen, wo wir beide ein Shakespeare-Stück sehen wollten. Wir haben sehr viel gelacht auf dieser Reise. Ich weiß noch, welcher Tag es war, es ist wie ein Ken- nenlerntag bei einer Beziehung. Wenn er noch heute Ihr bester Freund ist, hat er den Sprung auf eine andere Stufe der Freundschaft geschafft. Was macht die Freunde aus, die Sie heute haben? Unter langjährigen Freunden gibt es so viele Dinge, die nicht gesagt werden müssen – in den besten Langzeitfreundschaften gibt es eine Art Geheimsprache. Eine lange Freund- schaft durchmisst so viel, Karrierekatastro- phen, Höhen, Tiefen, das macht sie uner- schütterlich. Das ist das Schöne: Ich habe die Gewissheit, dass die Freunde, die heute an meiner Seite sind, mich begleiten werden bis zum Tod.

zeitmagazin

nr. 

mir für 100 Euro einmal leisten? Habe ich Mundgeruch? Was besitze ich, was du gerne hättest? Welches Problem zwischen uns hast du dich nie getraut

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Edie Sedgwick war Mitte der Sechziger Andy Warhols Muse. Sie war Model und Schauspielerin, nach ihrem frühen Tod sagte er: »Sie war jemand, den man auf Anhieb lieb hatte«

Sie war Model und Schauspielerin, nach ihrem frühen Tod sagte er: »Sie war jemand, den man
Sie war Model und Schauspielerin, nach ihrem frühen Tod sagte er: »Sie war jemand, den man
Sie war Model und Schauspielerin, nach ihrem frühen Tod sagte er: »Sie war jemand, den man

TRAUT EUCH!

Von

MARIAM

LAU

Warum wagen es so wenige Männer und Frauen, einfach nur befreundet zu sein? Plädoyer für ein Abenteuer

Ein amerikanischer Student hat ein Video auf YouTube gestellt, in dem er ein Dutzend sei- ner Kommilitonen von der Utah State Uni- versity auf dem Weg zur Bibliothek mit der heiklen Frage konfrontiert: Können Frauen und Männer Freunde sein? Zuerst die Frauen. Sie sagen alle: »Ja, natürlich, klar!« Dann die Männer, verdruckst: »Ähm, also. Ich glaube nicht.« Man sei nun einmal Mann, man habe seine Gefühle, da sei nichts zu machen. Auf dem Rückweg fragt der Filmemacher dann noch einmal bei den Frauen nach, wie viele ihrer männlichen Freunde wohl insgeheim gern mit ihnen etwas anfangen würden. »Na ja, so gesehen: Alle.« Dem Studenten bleibt nur eine Schlussfolgerung: »Ihr sagt also:

Männer und Frauen können nicht befreundet sein.« Aber stimmt das wirklich? Noch vor fünfzig Jahren hätte eine Freundschaft zwischen Mann und Frau beide ins Gerede gebracht, als Ehebrecher, als loses Miststück. Wo der Fundamentalismus re- giert, wie in Saudi-Arabien, ist Freundschaft zwischen Männern und Frauen noch heute undenkbar. In armen Ländern, wo man kämpfen muss, um die Familie am Leben zu halten, ist sie ein Luxus, den sich keiner leis- ten kann. Sie ist biologisch nicht »nötig«; die Evolution braucht sie nicht. Sie ist ein Tri- umph der Zivilisation. Man lacht sich mitei- nander kaputt, singt alberne Lieder (horsing around sagen die Amerikaner), tröstet sich gegenseitig, man brät sich Bratkartoffeln, kauft sich aus dem Gefängnis frei oder be- sucht sich im Krankenhaus. Klar, all das gibt es auch mit Freundin- nen. Aber der Kick entsteht durch das Anders- sein, den Rest Fremdheit zwischen den Ge- schlechtern; meinetwegen: den Sex, der aber eben »zielgehemmt« bleibt, wie Freud gesagt hätte. Man riecht genüsslich das Rasierwasser, ohne zu nah ranzugehen – und genau das macht den Reiz solcher Freundschaften aus. Das ist manchmal eine Herausforderung. Aber es lohnt sich, ihr die Stirn zu bieten. Wenn Frauen sich nur mit Frauen tref- fen, kommen sie aus dem Herz-Ausschütten oft gar nicht mehr raus und machen es sich in

Bitterkeit bequem. Männer, die nur Männer- freundschaften haben, kommen vielleicht nie aus dem Schulterklopfen raus. Es ist verrückt: Nie war es soziologisch und moralisch so leicht wie heute, mit »den anderen« befreundet zu sein, und trotzdem lassen sich so viele die Gelegenheit entgehen! Die Berliner Psychologin und Paartherapeu- tin Julia Bellabarba ist nicht überrascht, dass solche Freundschaften bei vielen Leuten nicht hoch im Kurs stehen: »Wer sich hauptsächlich über erotische Attraktivität definiert, für den kann ein Freundschaftsangebot eine regel- rechte Beleidigung sein.« Das gelte für viele Frauen. »Wir könnten Freunde sein« heißt für sie: »Du siehst scheiße aus, Baby.« Ist das nicht arm – auf Freundschaft zu verzichten, bloß weil man nicht von morgens bis abends angeschwärmt wird? Dabei hat gerade Deutschland spätes- tens seit der Frühromantik eine reiche Traditi- on in sorgsam kultivierten Männer-Frauen- Freundschaften. Die Damen übersetzten Shakespeare, die Herren schrieben Gedichte; wer eine Geldquelle hatte, hielt einen anderen aus oder lud in den Salon, in dem sie sich dann trafen, um zu dichten und zu schwär- men und so weiter. Die andere Ära, die mir vorbildlich erscheint, ist die der amerikani- schen Screwball-Comedys der dreißiger und der vierziger Jahre mit Cary Grant und Ingrid Bergman mit blitzschnellen, eleganten Dialo- gen, Smokings und Hüten. Frauen bekom- men in diesen Filmen auch schon mal einen Kinnhaken verpasst und fallen dekorativ und betrunken in den Pool, schreiben aber auch Enthüllungsartikel und sind insgesamt low- maintenance: Sie müssen vom Mann weder ökonomisch ausgehalten noch amüsiert, noch beschützt werden, können aber auf ihn zäh- len, wenn die Polizei kommt. Man muss ja mit solchen Thesen sehr vorsichtig sein, und ich kann es auch nicht beweisen – aber ich behaupte mal, dass Män- ner-Frauen-Freundschaften mit dem Bil- dungsgrad zu- und mit dem Alter abnehmen. Allzu viel soziales Gefälle oder andere Un- gleichgewichte vertragen solche Freundschaf-

ten nicht. Deshalb gibt es sie eigentlich erst seit den siebziger Jahren, seit mehr Frauen ökonomisch unabhängig sind. In der TV-Se- rie Mad Men, die Anfang der Sechziger in einer Werbeagentur in New York spielt, liegt dieser Moment noch in ganz ferner Zukunft. Allerdings ahnt man in der Serie schon, was heute längst Wirklichkeit ist: Immer häufiger sind Frauen eine ernst zu nehmende Konkur- renz für ihre männlichen Kollegen. Nicht je- der ist in der Lage, da noch freundschaftliche Gefühle zu entwickeln. Jung, studentisch, unverheiratet – in dieser »Kohorte« gibt es heute nach meiner Beobachtung die meisten solcher Beziehun- gen, oft auch als friends with benefits – also Freundschaften, in denen man durchaus gele- gentlich miteinander schläft, manchmal auch einfach zum Trost, ohne dass daraus die ge- fürchteten Verpflichtungen entstünden. Ich habe überhaupt so meine Zweifel, dass man das Geschlecht wirklich ganz ver- gisst. Männer-Frauen-Freundschaften jedoch, die zu eng um Sex kreisen, produzieren früher oder später eben doch Enttäuschungen, ge- nau wie das die männlichen Studenten in Utah vermutet haben. Sex ist der Goldfaden, der immer mit durch das Gewebe läuft, wenn Männer und Frauen befreundet sind. Manchmal sieht man ihn gar nicht. Aus dem Goldfaden im Gewe- be darf halt kein Teppich werden. Also, meine Herren: Die Frau, die da neben Ihnen in der De-Kooning-Ausstellung steht oder vorhin in der Konferenz diesen guten Einfall hatte, ist vielleicht nicht Ihr Typ. Umso besser. Bringen Sie in Erfahrung, was sie sonst noch alles draufhat. Vielleicht kennt sie sich blendend in Budapest aus oder hat eine fabelhaft tröstende Telefonstimme. Den Damen, gerade den eingefleisch- ten Singles an der Schwelle zur Bitterkeit, möchte ich energisch zur guten alten Män- nerfreundschaft raten. Winter ist die per- fekte Zeit für ein ausgiebiges horsing around:

wieherndes Gelächter, alberne Scherze, gro- teske Posen. Spätere Freundschaft nicht aus- geschlossen.

zeitmagazin

nr. 

anzusprechen? Bis wann in der Nacht würdest du mich anrufen? Spontan: Ein Tisch, an dem wir zusammensaßen, und worüber wir sprachen? Was ist/wäre

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Unzertrennlich bis in den Tod: Thelma und Louise aus dem gleichnamigen Film von 1991

Unzertrennlich bis in den Tod: Thelma und Louise aus dem gleichnamigen Film von 1991
Unzertrennlich bis in den Tod: Thelma und Louise aus dem gleichnamigen Film von 1991
Unzertrennlich bis in den Tod: Thelma und Louise aus dem gleichnamigen Film von 1991
Unzertrennlich bis in den Tod: Thelma und Louise aus dem gleichnamigen Film von 1991
Unzertrennlich bis in den Tod: Thelma und Louise aus dem gleichnamigen Film von 1991

WIE FEUERT MAN EINE GUTE FREUNDIN?

Von M AT T H I AS

STO L Z

Zwei junge Frauen, ein Startup – und der Spagat zwischen Gefühl und Geschäft

Als Inga M. im vorigen Juni ihre Freundin Nadine B. fragte, ob sie nicht einen Job für sie habe, dachte diese an ihre alte Freundin Steffi, die sie vor sechs Jahren verloren hatte. Sie waren auf die Idee gekommen, gemein- sam einen Film zu drehen. Es gab Streit, am Ende wickelten sie das Projekt in zwei ge- trennten Büros ab. Als Inga sie also fragt, denkt Nadine:

»Ich will eigentlich nie wieder was mit Freun- dinnen machen.« Sie sagt Inga nicht sofort zu. Sie denkt nach. Früher, als die meisten Menschen fest angestellt waren, kamen Freunde kaum auf die Idee, auch gemeinsam zu arbeiten. Heute

haben viele zwei oder drei Projekte gleichzei- tig, um davon leben zu können, wenn schon nicht heute, dann vielleicht morgen. Eine ei- gene kleine Firma, ein Start-up, ein Auftrag, ein Blog. Es liegt so nahe, Freunde zu fragen. Wen denn auch sonst, wenn man frisch von der Uni kommt? Man vertraut den Freunden, man weiß, was sie können. Ingas und Nadines Freundschaft begann vor 13 Jahren auf einem roten Sofa, hinter der Bühne einer Modenschau. Es gibt ein Foto, das diese Geburtsstunde ihrer Freundschaft festhält. Es zeigt sie mit hochgesteckten Haa- ren und viel zu pompösen Kleidern. Sie sitzen nebeneinander und reden und lachen. Inga ist

„EIN VORZÜGLICHER FILM!“

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SKY

damals 17, Nadine 21. Das Foto, ein Pola- roid, hing lange in Ingas Wohnung. Als Inga sich ein Studienfach aussucht, wählt sie ein ähnliches Fach wie Nadine, Ge- sellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Nadine ist ihr eine Art Mentorin, wenn es um Hausarbeiten und Prüfungen geht. Im Priva- ten gibt es nie ein Gefälle: Sie trösten sich ge- genseitig, wenn sie Kummer haben. Kummer bedeutet zumeist: Liebeskummer. Als Inga, die Jüngere, Anfang 2010 ebenfalls fertig ist mit dem Studium, geht sie für ein halbes Jahr als Praktikantin nach San Francisco, dann nach Kopenhagen, Ingas Le- ben gleicht einer Reise. Sie plant dort ein ge-

„EINE VERNEIGUNG VOR DEM BUCH“

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„MEISTERHAFT UND BRILLANT - EIN OSCAR®-FAVORIT!“

INTRO

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meinsames Leben mit dem Mann, den sie liebt, dazu will sie den ersten richtigen Job finden. Die Sache mit dem Job scheitert:

wohl weil ihr Dänisch zu schlecht ist. Nadine besucht sie in Kopenhagen und sagt: Wenn du dir ein paar Euro verdienen willst, kannst du für mich arbeiten. Sie hat inzwischen in Berlin ein Start-up gegründet mit zwei Män- nern (die miteinander befreundet sind und sich schon bald zerstreiten). Sie planen eine Internetplattform für Filmemacher, auf der diese Festivalbesuche planen sollen, Filmfes- tivalLife wird die Seite heißen. Inga hat bald einen Nebenjob bei Nadine, der nichts ändert an ihrer Freundschaft. Im Januar 2011 findet Inga einen besse- ren Job in Berlin, Modebranche, PR. Im Mai wird sie krank, aber über diese Krankheit möchte sie heute nicht mehr sprechen, heute, da sie wieder gesund ist. Unter der Krankheit leiden der Job und die Beziehung, die schließ- lich zerbricht. Inga ist jetzt 28. Sie empfindet diese Krise als existenziell. Sie fragt sich: Was will ich aus meinem Leben machen? Wovon leben? Was ist wirklich wichtig? Nadine fühlt sich überfordert von Ingas Krankheit, nicht wegen der Firma, sondern weil sie spürt, dass sie ihr diesmal nicht helfen kann. Sie geht ihr aus dem Weg, zum ersten Mal. Sie hoffen beide, dass die Freundschaft irgendwie weitergeht. Aber zum ersten Mal sind sie sich nicht mehr sicher. Und gleich- zeitig steht die Frage zwischen den beiden:

Soll Inga nicht wieder für sie arbeiten? Na- dine denkt an die andere Freundin, mit der es damals schiefging. Und sie denkt daran, dass sie womöglich irgendwann ihre Freundin ent- lassen muss, wenn sie sie jetzt engagiert. Drei Wochen später hat Nadine ihre beiden Partner überzeugt, dass Inga die Rich- tige ist für den Assistant-Job, den es zu beset- zen gilt. Es geht Nadine nicht um Mitleid,

sagt sie. Auch Inga glaubt, dass sie den Job bekam, weil sie gut ist, und nicht, weil sie Ingas Freundin ist. Über das Gehalt wird nicht verhandelt. Inga weiß ja, dass es nicht übermäßig viel Geld gibt in der Firma, Na- dine verdient selbst keinen Euro, solange das Start-up von Fördergeld finanziert wird. Mitte Juli 2011 ist Nadine Ingas Chefin. Sie sagt jetzt Inga, was sie bis wann zu erledi- gen hat. Inga sagt, das sei ihr nicht komisch vorgekommen, weil Nadine ja immer ein biss- chen voraus war, an der Uni, später im Beruf. Sie arbeiten meist von zu Hause, das meiste geht über E-Mails. Früher schrieben sie sich »Hallo Bella«, »Sonnenschein«, »Kuss« und »Drück Dich«. Nun schreiben sie sich »Hallo« und am Ende der Mail »liebe Grüße«. Als Inga nach ein paar Wochen eine Mail von Nadine nicht beantwortet, weil sie sie ja am nächsten Tag eh beim Volleyball sieht, kommt es im Auto auf dem Weg zum Training zur Aussprache: »Ich schreib dir ja nicht zum Spaß«, sagt Nadine. »Ich finde diese Trennung von privat und beruflich so künstlich«, sagt Inga. Es tut ihr weh, dass sie mit ihrer Freundin, die ihr privat aus dem Weg geht, beruflich fast täglich zu tun hat. Im August schreibt Nadine Inga eine E-Mail: »Nein, ich kann gerade nicht für Dich da sein.« Am Ende der Mail schreibt sie:

»Aber ich weiß, dass das nicht das Ende ist. Und dass wir eine Lösung finden.« Im Oktober geht es Inga besser – und von da an auch wieder ihrer Freundschaft. Inga und Nadine treffen sich privat erst nur im größeren Kreis, dann auch wieder zu zweit. Wieder Anrufe, spontane Besuche, Umarmung, »Ingamaus«. Im Dezember fährt Inga nach Südafrika in Urlaub. In Berlin rechnet Nadine: Wo kön- nen wir sparen, damit das Fördergeld reicht? Antwort: bei den Gehältern. Drei von vier

Mitarbeitern können sie von Januar an nicht mehr voll beschäftigen, sondern nur noch ab und zu. Wer ist die eine, die bleiben darf? Na- dine ringt mit sich: Inga, die gut arbeitet und ihre Freundin ist, oder eine andere Kollegin, die auch gut arbeitet und Englisch als Mutter- sprache hat? Nach einer Woche entscheidet sie sich für die Kollegin, gegen Inga. Nadine ist sich unsicher: Soll sie Inga gleich eine Mail schreiben, oder soll sie noch warten, um ihr den Urlaub nicht zu verder- ben? Sie schreibt ihr schließlich. In den Be- treff tippt sie: »Next year«. Als Ingas Handy den Eingang der Mail verkündet, ist sie gerade in Johannesburg. Sie liest »Liebe Inga«, und da ahnt sie, dass es keine gute Neuigkeit sein wird. Es ist eine lange Mail. Inga antwortet erst einmal nicht. Sie denkt: Das hätte sie mir auch persönlich sagen können. Sie grübelt und erklärt es sich so: Wahrscheinlich hat Nadine ihr gemailt, weil es ihr so leichter fiel. Sie möchte es ihr nicht übel nehmen. Am Tag ihrer Rückkehr in Berlin trifft sie Nadine zufällig im Café. Nadine fragt sie, ob sie die Mail schon gelesen habe. »Ja«, sagt Inga. »Alles ganz entspannt: Schaut ihr mal, dass ihr es hinkriegt mit der Firma.« Bevor der Job zu Ende geht, gibt es noch eine Weihnachtsfeier. Sie essen Fondue, Ker- zen stehen auf dem Tisch, später wird die Wii- Station aufgebaut. Es war ein schöner Abend, sagt Inga. Es ist ihr anzumerken, dass sie es versöhnlich sehen will. Dieses schwierige Jahr mit Nadine. Die ersehnte Versöhnung. Nun bloß keinen neuen Konflikt durch den Job. Anfang Januar heult Nadine in Ingas Armen. Nadine hat Angst, dass es schiefgehen könnte mit der Firma. Inga tröstet ihre Freun- din, von der sie vor Kurzem entlassen wurde. Keine der beiden findet das seltsam. Sie sind jetzt wieder nur Freundinnen. zeitmagazin

nr. 

Nadine und Inga, bis vor Kurzem Chefin und Mitarbeiterin
Nadine und Inga, bis vor Kurzem Chefin und Mitarbeiterin

schwierig daran, mein Kind zu sein? Was ist/wäre schwierig daran, mein Partner zu sein? Welcher Satz von mir klingt dir noch in den Ohren? Welchen Satz

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größte Metropole Europas und nach wie vor Russlands Zentrum von Macht und Kapital. Die Stadtrund-
fahrt durch Moskau ist ebenso inklusive, wie der Besuch des erleuchteten Roten Platzes bei Nacht und eine
Fahrt mit der legendären Metro. Auf Ihrem Weg nach St. Petersburg lernen Sie auch die traditionsreiche Stadt
Nowgorod während einer Stadtrundfahrt kennen. Auch in St. Petersburg stehen zahlreiche Besichtigungen auf dem
Programm und die Eintritte in die Eremitage, Auferstehungskirche, Peter & Paul Festung sind ebenfalls inklusive.
• Deutschsprachige Reiseleitung
während der gesamten Reise ab Moskau
bis St. Petersburg
• Alle Ausflugsfahrten sowie die Fahrten
zwischen Moskau, Nowgorod und
St. Petersburg in modernen Reisebussen
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• Stadtrundfahrt Moskau
• Besuch des roten Platzes bei Nacht
inkl. Fahrt mit der Moskauer Metro
• Stadtrundfahrt Nowgorod
• Stadtrundfahrt in St. Petersburg
Flughafen
Aufpreis
Mai 2012
Juni 2012
Juli 2012
August 2012
September 2012
Oktober 2012
• Besuch der Eremitage, der Auferstehungs-
kirche und der Peter & Paul Festung
München
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jeweils inklusive Eintritt
Frankfurt
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Düsseldorf
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Visum- und Konsulargebühren + 59
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Berlin
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Leipzig
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Wunschleistung:
Halbpension
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Hamburg
€ 35
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bestehend aus 6 x Abendessen
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Hannover
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in Buffetform oder 3-Gänge-Menü
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(Abendessen am Anreisetag nicht inklusive)
Stuttgart
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Saisonzuschläge:
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€ 150
€ 200
€ 175
€ 150
€ 125
€ 100
€75
€50
€25
€ 0
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Mit Erhalt der Reisebestätigung und des Sicherungsscheines wird eine Anzahlung in Höhe von 20 % des Reisepreises fällig. Die Restzahlung ist 30 Tage vor Abreise zu leisten.

Spock und Captain Kirk stammen von verschiedenen Planeten. Auf der Brücke des Raumschiffs Enterprise sind
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FREUNDE FÜRS GEBEN

Von

WOLFGANG

BÜSCHER

Der Bundespräsident missbraucht den Begriff Freundschaft für seine Machtbeziehungen

Christian Wulff hat seine sich nun schon bald zwei Monate hinziehende Verteidigung unter das Motto der Freundschaft gestellt. Wenn man als Ministerpräsident keine Freunde mehr haben dürfe, sagte er im berühmten Straßenfeger-Interview bei ARD und ZDF, wenn Politiker nicht mehr bei Freunden über- nachten dürften, es sei denn gegen bar, dann verändere sich Deutschland zum Negativen. Und stellte klar: »Ich möchte nicht Präsident in einem Land sein, wo sich jemand von Freunden kein Geld mehr leihen kann.« Das klang nicht verkehrt, das klang le- bensklug und gradlinig. Mancher daheim am Bildschirm hat wohl genickt. Wulff traf, wie schon mit seinem Bekenntnis zur »bunten Republik Deutschland«, auch mit seiner Ode an die Freundschaft ein linksliberales Lebens- gefühl. Der entschieden moderne Mensch zieht die Freundschaft als selbst gewählte Bin- dung den klassischen, als zwanghaft empfun- denen Bindungen vor – der ans Land, an die Re li gion, an die Familie. Auch von ihr will er sich emanzipieren, indem er sich eine Wahlfamilie aus Freunden zusammenstellt, die dann, ganz so, wie Wulff es im Fernsehen ausmalte, einander besuchen und zusammen kochen und einem klammen Freund auch mal was leihen. Seine Freunde – er stellt sie dem Land nun seit Wochen vor, unfreiwillig. Es ist eine lange Liste, und sie wird fast täglich länger. Da war zuerst der »väterliche Freund«, ein Unternehmer, der oder dessen Frau ihm nach der Scheidung das Geld für einen Hauskauf lieh. Dann stellte ein anderer vermögender Freund den Wulffs seine Ferienvilla zur Ver- fügung. Ein wieder anderer Freund gab Geld für die Werbung für ein Wulff-Buch. Dann tauchte der Freund aus der Baubranche auf, der ab und zu bei Wirtschaftsdelegationen mitreisen durfte und gegen den jetzt die Staatsanwaltschaft wegen Betrug und Insol- venzverschleppung ermittelt. Zuletzt trat der Freund aus der Filmbranche aus der Kulisse, der einen Wulff-Biografen finanziert und Christian Wulff selbst und seine Gattin im besten Hotel am Platz upgegradet haben soll,

als das Paar das Münchner Oktoberfest be- suchte. Ein Upgrade – ja mei! Es ist, als betrachte man den Fall Wulff durch ein verkehrt herum gehaltenes Fern- rohr: Die Dinge werden ganz klein. Und der Wulff wird auch immer kleiner dabei. Er wird wie wir. Viele von uns nähmen Vorteile, wie sie ihm angeboten wurden, nur zu gern mit, und viele tun es auch. Geld leihen zum Spezi- Zins, einen Luxusurlaub gratis, einen garan- tiert guten Tisch im Restaurant. Ein Upgrade hier, ein Upgrade da. Aber im Schloss Bellevue, da wollen wir so etwas nicht sehen. Bellevue ist kein Einfa- milienhaus, und der Präsident ist nicht der Nachbar hinter der Buchsbaumhecke. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, diesem Amt haftet immer noch etwas Königliches an, eine Restroyalität, wie der Demokratie auch sonst Gerbstoffe innewohnen, die sie selbst nicht erzeugt, sondern aus älteren Schichten geso- gen hat, seien es die britischen Windsors oder das napoleoneske Präsidialpathos der Franzo- sen. Oder der Gottesbezug im deutschen Grundgesetz und die über jeder Akklamation stehenden Souveränitäten von Bundesverfas- sungsgericht und Zentralbank. Christian Wulff, wenn er das Präsidiale denn so gar nicht versteht, ist ein Opfer seines eigenen Volkstümlichkeitsstils. Wusste er nicht, dass ein mächtiger Mann von einem Tag auf den anderen eine Million Freunde hat? Wusste er das nicht einzuschätzen? Die Freunde – von ihnen hört man nicht viel. Sie haben außer der Tatsache, von Wulff so genannt zu werden, zweierlei gemeinsam:

Irgendwie hatte ihre Freundschaft stets einen geldwerten Saum. Und nun schweigen sie, murmeln höchstens mal was beiseite. Vielleicht ist es aber auch so, dass sie gar keine Freunde sind, sondern einfach Leute mit ausgeprägten Interessen, die auf diesen vielversprechenden jungen Politiker aufmerk- sam wurden, der auf einmal Regierungschef in Hannover war. Die sich sagten: Warum ihn nicht mal ein bisschen einführen in die Welt der wirklichen Entscheider mit ihren Villen und Rotweinen und Zigarren? Was wirkliche

Freunde sind, ahnte man, als die Frau, deren Familie Wulff seit Langem auf Norderney be- sucht, ihn bei Günther Jauch leidenschaftlich gegen alle Anwürfe verteidigte. Darin gleicht die Freundschaft der Liebe – sie duldet (fast) alles, sie glaubt (fast) alles, jedenfalls glaubt sie an den anderen und steht zu ihm, wenn die Einschläge näher kommen. Indem Wulff all das in einen Topf rührt – alte, echte Freunde und solche, deren kalku- lierte Zuwendungen nun an ihm kleben wie Taubendreck, tut er der schönen Idee der Freundschaft einen Tort an. Christian Wulff ist der Held eines deut- schen Entwicklungsromans: Begabter junger Mann arbeitet sich aus ungünstigen Verhält- nissen heraus. Sein Weg führt ihn weit – viel weiter, als er es sich erträumen durfte. Mit 43 Ministerpräsident. Mit 51 der erste Mann im Staate. Die Macht verändert ihn, ganz leicht, unmerklich. Er spürt, wie sich die Eisenspäne jetzt auf ihn ausrichten, den neuen Magne- ten. Wie Türen aufgehen, Dinge möglich werden. Er verkehrt nun in Kreisen, in denen ein Luxus Standard ist, der ihm neu ist. Die neue Ehe fügt sich in die leise Wandlung. Plötzlich hat er eine Frau an seiner Seite, die schöne Kleider und glamouröse Auftritte zu schätzen weiß. Plötzlich geht so vieles. Plötzlich geht gar nichts mehr. Es ist alles so überflüssig. Wulff hat, wie es derzeit aussieht, nichts richtig Übles an- gestellt. Hätte er die nötige Armlänge Abstand gehalten zu jenen, die ihm mit Geld und Vil- len kamen, wäre alles gut. Leider verstärkt er den Fehler, dies unterlassen zu haben, indem er diese Machtbeziehungen mit einem Wort adelt, das ihnen nicht zusteht – Freundschaft. Es waren aber keine Freunde, und was sie ge- währten, waren keine Freundschaftsdienste. Sie suchten die Nähe der Macht und dabei ihren Vorteil. Wulff hat da etwas verwechselt. Bei »bunte Republik Deutschland« fie- len einem bauchtanzende Finanzbeamtinnen mit asymmetrischen Kurzhaarfrisuren und frechen Strähnchen drin ein – bei »Freund- schaft« nun Christian Wulff und sein up- gegradetes Leben.

zeitmagazin

nr. 

möchtest du von mir nicht mehr hören? Wann war ich dir unsympathisch? Über wen rede ich viel zu schlecht? Welche Facette fehlt meinem Stil? Was findest

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Ständig zusammen sind Pippi Langstrumpf und Herr Nilsson, das Äffchen, aus Astrid Lindgrens Kinderbüchern

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STEFAN

KLEINS

WISSENSCHAFTSGESPRÄCHE Folge 18

»UNSER GLÜCK HÄNGT VON DEN FREUNDEN AB«

Der Soziologe Nicholas Christakis über ansteckende Vorlieben und die unterschätzte Bedeutung des Miteinanders

Nicholas Christakis ist Experte für mensch- liche Beziehungen. Aber denen geht er nicht mit einfühlsamen Gesprächen, sondern mit Mathematik auf den Grund. Sein Hand- werkszeug sind Computer, in denen er die Vorlieben, den Gesundheitszustand und die Beziehungsgeflechte Zehntausender gespei- chert hat. Die Daten, viele davon aus Online- netzen wie Facebook, böten den Zündstoff für eine kopernikanische Revolution, behaup- tet Christakis: Wie einst das Teleskop den As- tronomen ungeahnte Welten im Universum auftat, so werde sich schon bald unser Ver- ständnis vom Zusammenleben der Menschen völlig verändern. Als gelernter Palliativmediziner hat Christakis zwei Jahrzehnte lang Sterbende umsorgt. Heu- te ist der griechischstämmige Amerikaner Harvard-Professor für Medizin und Soziologie – und, glaubt man Time, einer der 100 ein- flussreichsten Köpfe der Welt. Wir trafen uns auf Kreta, wo Christakis gerade zu Besuch bei seinem Vater war. Für unser Gespräch lud uns ein Freund Christakis’ auf seine Terrasse mit Blick über die Ägäis ein.

Professor Christakis, kennen Sie unseren Gastgeber schon lange? Seit ein paar Jahren. Damals hatte mein Vater einen Elektriker im Haus und erzählte ihm von seinem Sohn in Harvard. »Merkwürdig«, sagte der Mann. »Gerade hatte ich im Nach- bardorf im Ferienhaus eines anderen Harvard- Professors zu tun.« Weder ich noch der Kolle- ge hatten voneinander gewusst. Dabei war er in der Gegend groß geworden! Aber so funk- tionieren soziale Netze eben, über Mittels- männer. Also nahm ich mit dem Professor in Boston Kontakt auf. Inzwischen sind wir gute Freunde – und unsere Kinder sind es auch. Was ist das für Sie, ein Freund? Jemand, mit dem ich entweder meine Freizeit verbringe oder mit dem ich wichtige Dinge bespreche. So lautet die Definition. Für mich persönlich ist die emotionale Verbindung wichtiger als gemeinsame Aktivitäten. Ich mag eine gewisse Zurückhaltung an meinen Freun- den und wenn sie meine Lebenslust teilen.

Dass Beziehungen für mich auf Gesprächen beruhen, ist vielleicht ein etwas weiblicher Zug – und ein griechischer. Bringen Sie ein paar griechische Männer zusammen und sie reden sich die Köpfe heiß. Ja. Mein bester Freund ist übrigens meine Frau. Als ich Ihre Arbeiten las, musste ich an Cicero denken: »Ein Freund ist wie ein anderes Ich.« Aber eigentlich gehen Sie noch über diesen römischen Philosophen hinaus. Sie behaupten, unsere Freunde seien das, was uns eigentlich ausmacht. Wenn Sie so wollen, ja. Wie glücklich wir sind, welche Filme wir mögen, Müdigkeit, Rückenschmerzen, Depressionen, Drogen- konsum, sogar wann wir sterben – all das hat mit unseren Freunden zu tun. Üblicherweise macht man die Gene, die Gesellschaft oder auch Gott für diese Din- ge verantwortlich. Ich sage ja nicht, dass nur das soziale Umfeld unser Leben bestimmt. Aber sein Einfluss ist viel größer, als wir denken. Mit der Feststellung, dass dicke Bäuche ansteckend seien, haben Sie 2007 zum ersten Mal Wirbel erzeugt. Die Resonanz war unglaublich. Interessant war, wie unterschiedlich sie ausfiel. Die New York Times titelte so etwas wie: »Ihre Freunde sind schuld, wenn Sie zulegen«. Eine britische Zeitung sah es umgekehrt: »Wenn Ihre Freunde eine Wampe bekommen, liegt es an Ihnen!« Meine Kollegen und ich bekamen sogar Morddrohungen. Warum wollte man Sie umbringen? Weil wir angeblich Stimmung gegen die Übergewichtigen machten. Aber das hatten wir wirklich nicht vor. Ihre Ergebnisse waren auch eine Provoka- tion. Es liege nicht nur an Junkfood und Bewegungsmangel, dass immer mehr Menschen zunehmen, behaupten Sie: Man infiziere sich mit Fettsucht, ungefähr so wie man sich eine Grippe einfängt. Wie kamen Sie darauf? Wir benutzten Daten aus der berühmten Fra- mingham-Studie. In diesem Städtchen bei

Boston hatten Epidemiologen seit 1948 regel- mäßig Gesundheitszustand und Lebensum- stände der Bürger erfasst. Sie wussten also, wer mit wem arbeitet, wer mit wem befreundet ist, wer unter welchen Krankheiten leidet die Leute von Framingham leben wie in einem »Big Brother«-Container. Inzwischen haben wir auch die Daten der Kinder und Enkel der Menschen von damals. Die leben über die ganzen Vereinigten Staaten verteilt. Aber wir wissen, wo sie sind. 100 000 handgeschriebene Adressen mussten wir dazu in unserem Computer erfassen. Jedenfalls fanden wir, dass ganze Freundeskreise überge- wichtig sind. Einen dicken Freund zu haben steigert Ihr Risiko, selbst Speck anzusetzen, um 57 Prozent! Und zwar selbst dann, wenn er anderswo und in einem ganz anderen Mi- lieu lebt. An Einflüssen der Umgebung allein konnte es also nicht liegen. Und wenn die dicken Bäuche vor der Freundschaft da waren? Vielleicht halten beleibte Menschen einfach zusammen. Wir wissen, dass die meisten schon befreun- det waren, bevor erst der eine, dann der ande- re zulegte. Entdecken Menschen nun gemein- sam die Lust an der Völlerei? Sicher. Doch Sie können sich auch von Leuten anstecken, die schlank sind und selbst nicht viel essen, aber Umgang mit Übergewichtigen haben. Wie das? Indem sich die Einstellung zu dicken Bäu- chen verändert. Warum sollten Sie sich zu- rückhalten, wenn Ihr Freund Ihnen unbe- wusst signalisiert, dass ein paar Pfunde mehr gar nicht so schlimm sind? Wie viel er selbst auf die Waage bringt, ist dann zweitrangig. Später entdeckten wir Ähnliches mit dem Zi- garettenkonsum oder auch der Zufriedenheit. Glück ist ansteckend. Genau. Wie die Übergewichtigen, so hängen auch die Glücklichen und die Lamentierer in Bekanntenkreisen zusammen. Aber auch hier hängt ihre Laune nicht nur von der ihrer Freunde ab, sondern auch davon, wie wohl diese Freunde sich fühlen. Das mag auch erklären, wo die Deutschen ihre ewige Unzufriedenheit oder auch die

du nur bei mir? Wie heißt der Ort, aus dem ich komme? Ein Moment, in dem du etwas von mir gelernt hast? In welches Abenteuer sollte ich mich an einem

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Amerikaner ihren chronischen Optimis- mus hernehmen. Beide sind ja der Glücks- forschung ein Rätsel. Wenn wir miesepet- riger sind, liegt es vielleicht daran, dass wir uns gegenseitig immer wieder mit un- serer schlechten Laune infizieren. Ja, warum nur sind die Deutschen so deutsch? Es reicht ja nicht, dass wir als Kinder deutsch oder amerikanisch erzogen wurden. Vielmehr speist sich jede Kultur aus einem sozialen Netz, in dem sich Menschen gegenseitig in ihren Haltungen bestärken. Als Städter können wir wählen, mit wem wir uns umgeben. Wenn Glück und Ge- wohnheiten ansteckend sind, scheint es verführerisch, einfach den Bekanntenkreis zu wechseln, um besser zu leben. Wie vie- len Freunden haben Sie schon aus diesem Grund Adieu gesagt? Gar keinem. Ich bin ein freundlicher Mensch. So eine Radikalkur funktioniert meistens nicht. Wenn Sie beschließen, einen beleibten Freund zu schneiden, nehmen Sie dadurch kein Gramm ab. Denn der Verlust einer Be- ziehung fördert ebenfalls das Übergewicht. Das konnten wir nachweisen. Wie kamen Sie darauf, nach dem Einfluss der Bekannten auf unser Leben zu suchen? Meine Mutter erkrankte unheilbar, als ich sechs Jahre alt war. Darum studierte ich Me- dizin, wie so viele, die mit einem chronisch kranken Elternteil aufwachsen. Weil ich etwas für die Sterbenden tun wollte, wurde ich Pal- liativmediziner. So stieß ich auf den Witwen- effekt: Der Tod eines Partners verkürzt statis- tisch das Leben des anderen. Ich wollte herausfinden, warum das so ist. Sie waren damals in den Armenvierteln von Chicago unterwegs. Hat der Umgang mit den Sterbenden Sie nicht deprimiert? Nein. Aber ich spürte, wie ich emotional aus- brannte. Zum einen lag es an meinem eigenen Älterwerden: Immer öfter bekam ich Patien- ten, die jünger waren als ich. Was Sie an Ihre eigene Sterblichkeit er- innerte. Natürlich. Zum anderen wurden die Fälle immer schwerer. Anfangs behandelte ich viele Alte. Aber die Hausärzte lernten über Pallia- tivmedizin dazu. So kamen zu uns nur noch Patienten, an denen die Allgemeinärzte ver- zweifelten – die 30-jährige, an Eierstockkrebs erkrankte Mutter zweier Kinder, deren Schmerzen auf kein Mittel ansprechen. Wie kann ein Arzt da helfen? Indem er ihre Bedürfnisse ernst nimmt. Wir haben untersucht, was Patienten unter einem guten Tod verstehen. Viele Antworten waren kaum überraschend: schmerzfrei, zu Hause, im Frieden mit Gott und der Welt. Aber der dringendste Wunsch ist immer, mit nahen Menschen zusammen zu sein. Als meine eige- ne Mutter mit 47 Jahren starb, war ich 25. Ich pflegte sie. Als ich sie fragte, ob sie uns auf- geben kann, antwortete sie: »Mein Junge, du

kannst dir nicht vorstellen, wie schwer mir das fällt.« Heute verstehe ich die Phasen ihres Ster- bens viel besser. Sterben hat viel mit Loslassen zu tun. Sterbende verlieren ihr Interesse an der Zukunft, später sogar am Essen. Aber stets das Letzte, was sie loslassen, ist die Beziehung zu ihren Angehörigen – ihr soziales Netz. Für jedes andere Tier steht eindeutig Nah- rung an erster Stelle. Wir denken an andere, weil für uns der Vor- teil, in sozialen Netzen zu leben, die Nachteile weit übersteigt. Denken Sie nur daran, wie viel produktiver schon Jäger und Sammler sein können, wenn sie sich zusammentun. In entwickelten Gesellschaften gedeihen ganze Regionen umso besser, je weiter die Kontakte der Menschen reichen. Und was wäre meine eigene Arbeit ohne den ständigen Austausch mit dem Politologen James Fowler? Wir ar- beiten schon seit zehn Jahren zusammen und sind darüber enge Freunde geworden. Aber kann man die Beziehungen unter Jägern und Sammlern wirklich mit unse- ren vergleichen? Die Unterschiede sind nur oberflächlich. Bei uns haben etwa 10 Prozent der Menschen ei- nen Freund, weitere 10 Prozent haben zwei, 20 Prozent drei. Nur ein Prozent hat 50 Freunde. Nun haben wir die Hadza unter- sucht, ein Stammesvolk in Tansania. Natür- lich haben sie einen anderen Begriff von Freundschaft als wir. Um herauszubekom- men, wer wem nahesteht, fragten wir, wem sie etwas von ihrem gesammelten Honig abgeben würden. Aber ihre sozialen Netze und unsere haben eine sehr ähnliche Struktur. Wenn es auf die Kultur so wenig an- kommt, liegt ein Schluss auf der Hand: Es ist uns angeboren, wie wir unsere Freund- schaften knüpfen. So scheint es zu sein. Ob Sie Außenseiter sind oder jedermanns Liebling, wie viele Kontakte Sie pflegen, darauf haben die Gene großen Einfluss. Sie bestimmen auch mit, ob jemand lieber viele Bekannte um sich versammelt oder die Zweisamkeit liebt. Wir fanden auch, dass Ihre Freunde Ihnen genetisch ähnlicher sind als andere Menschen. Dann wäre das schöne Wort »Seelenver- wandtschaft« buchstäblich zu nehmen. Ja, nur sind die Ähnlichkeiten natürlich nicht so groß wie zwischen echten Geschwistern. Offenbar hingen die Überlebenschancen un- serer Vorfahren in der Evolution davon ab, mit wem sie eine Beziehung eingingen. Als wäre so ein verborgener Magnetismus entstanden, der uns bis heute zusammen- bringt. Und ich dachte, dass ich mir meine Freunde ausgesucht habe! Zehn Jahre Forschung haben mein Bild von mir selbst völlig verändert. Ich sehe mich heu- te eher als Teil eines größeren Ganzen – eines menschlichen Superorganismus. Dessen Le- ben ist viel komplexer als das jeder Einzelper- son. Wir haben Computeranimationen davon

jeder Einzelper- son. Wir haben Computeranimationen davon Nicholas A. Christakis, geboren 19 62, ist Soziologe und

Nicholas A. Christakis,

geboren 19 62, ist Soziologe und Mediziner, er lehrt in Harvard. Gemeinsam mit dem Soziologen James Fowler schrieb er das Buch »Connected! Die Macht sozialer Netzwerke und warum Glück ansteckend ist«

gemacht, wie sich soziale Netze entwickeln. Sie sind sehr anrührend. Man sieht da ein Ge- flecht, das sich ständig verändert – als würde es leben, atmen und sich erinnern. Ideen und Krankheitserreger verbreiten sich darin. Und wenn eine Wunde entsteht, weil ein Mensch starb, wird sie geheilt. Jetzt klingen Sie fast religiös. Hier geht es um uralte philosophische und sogar theologische Fragen: Was ist der Ur- sprung der Liebe? Warum haben wir Freunde? Weshalb gibt es Selbstlosigkeit? Seit Zehntau- senden Jahren hat der Mensch nur noch einen nennenswerten natürlichen Feind: andere Menschen. So entwickelte sich unsere Art in einer Welt, in der wir nur zusammenarbeiten oder einander bekämpfen können. Indem Je- sus Christus die Nächstenliebe predigte, trug er dem Rechnung. Wie immer man zur Reli- gion steht: Er war ein sehr kluger Mann. Die meisten von uns legen aber großen Wert auf ihre Unabhängigkeit. Darauf, sich als Herr ihrer Entscheidungen zu fühlen. »Wenn die Menschen tun können, was sie wollen, ahmen sie meistens einander nach.« So formulierte es der Philosoph Eric Hoffer. Denken Sie an einen Büffel in einer Stampe- de. Würde er behaupten, er renne nach links,

… Freitagabend mal stürzen? Wofür schäme ich mich zu Unrecht? Was sollte ich jeden Tag fünf Minuten lang tun? Worauf eine Woche verzichten? Würdest …

Stefan Klein, geboren 19 65, ist Biophysiker. Der Wissen- schaftsautor hat die Bestseller »Die Glücks-

Stefan Klein,

geboren 19 65, ist Biophysiker. Der Wissen- schaftsautor hat die Bestseller »Die Glücks- formel« und »Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist« geschrieben. Zuletzt erschien von ihm »Der Sinn des Gebens« im Fischer Verlag

weil er es so entschieden habe? Er tut es, weil die Herde es tut. Eben. Niemand sieht sich gern als Herden- tier. Ich vermute, Sie bekamen Morddro- hungen aus einem tieferen Grund als der Angst vor Diskriminierung: Einige fühlten sich in ihrem Selbstwertgefühl angegriffen. Mag sein. Doch wie wackelig unsere Indivi- dualität ist, hat der französische Soziologe Émile Durkheim schon im vorletzten Jahr- hundert gezeigt. Können Sie sich eine per- sönlichere Entscheidung vorstellen als die, freiwillig aus dem Leben zu gehen? Tatsäch- lich aber hängt die Häufigkeit der Selbstmor- de in Frankreich seit Jahrhunderten davon ab, welcher Konfession einer angehört: Protes- tanten bringen sich öfter um. Niemand ist eine Insel. Finden wir uns damit ab. Dass wir uns daran klammern, Individua- listen zu sein, ist doch eine recht neue Ent- wicklung. Im Mittelalter hätte es kaum je- mandem eingeleuchtet, was an persönlicher Unabhängigkeit so erstrebenswert sei. Wir sind in den letzten Jahrhunderten eben sehr erfolgreich darin gewesen, die Welt in immer kleinere Teile zu zergliedern. Der Mensch besteht aus Organen, die Organe aus Zellen, die Zellen aus Molekülen und die

wiederum aus Atomen. Genauso sehen wir die Gesellschaft aus kleinsten Einheiten, den Individuen, zusammengesetzt. Und wir dach- ten, wenn man durchschaute, was die Atome umtreibt, könnte man auch das große Ganze verstehen. Nun aber stellt sich zunehmend heraus, wie sehr das Ganze auf die Einzelteile zurückwirkt – in der Biologie ebenso wie im Zusammenleben der Menschen. Schön, aber wozu brauchen wir die Illu- sion der unbegrenzten Freiheit? Wenn ich das wüsste. Vielleicht, damit wir uns verantwortlich fühlen für das, was wir tun. Wenn ich glau- be, dass ich frei entscheide, weiß ich auch, dass ich für alle meine Taten geradestehen muss. Und dann habe ich einen starken An- reiz, mich moralisch zu verhalten. Aber dabei konstruieren wir leicht einen fal- schen Gegensatz. Wenn jemand etwas ausge- fressen hat, liegt es ja nicht entweder an ihm oder an seiner Umgebung: Natürlich spielt beides zusammen. Und oft führt es weiter, am sozialen Netz anzusetzen, damit die Men- schen moralischer werden. In Chicago etwa läuft ein Programm, um die Gewaltspirale zu stoppen. Wenn jemand erschossen wurde, fahren sofort Sozialarbeiter zu den Angehöri- gen des Opfers und versuchen der ganzen Gruppe auszureden, Vergeltung zu üben. Das wirkt viel besser als die Drohung, für einen Rachemord im Gefängnis zu landen oder gar auf dem elektrischen Stuhl. Die meisten Menschen sehen moralische Entscheidungen als solche, die jeder allein mit seinem Gewissen ausmacht. Ich glaube, dass Moral erst im Miteinander entsteht. Nicht nur Gewalt, auch Fairness und Großzügigkeit stecken an. Merkwürdig ist, dass wir heute individua- listischer denken und fühlen als jemals zuvor – während wir uns zugleich mit im- mer mehr Menschen vernetzen. Verändern Facebook und Co. das Zusammenleben? Wenn Sie Ihre Urgroßmutter gefragt hätten, wie viele Freunde sie hat, wäre die Antwort vermutlich gewesen: zwei oder drei enge, eine Handvoll weniger enge, viele lose Bekannte. Dieselbe Auskunft bekommen Sie von Ihrer Tochter. Wie das Netz unserer Beziehungen aussieht, daran kann die Technik nichts än- dern. Sie erleichtert es aber, es zu knüpfen. Mir scheint, dass die Onlinenetze auf die wirkliche Welt sehr wohl Auswirkungen haben. Denken Sie nur an die ägyptische Revolution: Wäre sie ohne Internet und Twitter denkbar gewesen? Kaum. Aber die Netze transportierten Infor- mationen, keinen revolutionären Elan. Kann man das eine vom anderen trennen? Je besser ich weiß, wo und wie ich mit Gleichgesinnten auf die Straße gehen kann, umso eher werde ich es tun. Wir werden die Antwort bald kennen. Kolle- gen erforschen gerade die Twitter-Daten aus

dem vergangenen Frühling. Doch trotz aller Technik beeinflussen uns Freunde, die wir re- gelmäßig sehen, am stärksten. Wir haben das auf den Facebook-Seiten von Studenten un- tersucht. Wir dachten, ihr Musik- und Film- geschmack würde sich im Netz genauso ver- breiten wie sonst auch. Aber keineswegs. Ein Facebook-Freund bringt einen anderen in aller Regel nur dann dazu, The Killers oder Pulp Fiction zu mögen, wenn irgendwo im Netz ein Foto steht, auf dem sie gemeinsam zu sehen sind – sie sich also auch persönlich kennen. Allerdings genießen wir Kino und Musik meist auch mit Freunden. Andere Vorlie- ben verbreiten sich möglicherweise eher über das Netz. Und manche Gemeinschaf- ten gibt es nur in der virtuellen Welt. Denken Sie nur an die Fangruppen von Internetspielen. Gewiss hängt es stets davon ab, womit wir uns anstecken. Viele Kollegen versuchen derzeit, Facebook und Twitter mit allerlei Ideen zu füttern, um so herauszufinden, welche davon sich am besten verbreiten. Das Problem ist, dass auch wir nur die öffentlich zugänglichen Daten von Facebook bekommen. Ich finde es schwer erträglich, dass sich umfassendes Wissen über das Leben von Milliarden völlig unkontrolliert in der Hand weniger Unternehmen befindet. Das wird sich ändern. Als die Energie- und Wasserversorger vor gut hundert Jahren unse- re Länder mit ihren Netzen überzogen, konn- ten die Unternehmen auch tun, was sie wol- len. Heute sind sie stark reguliert. Den Internetkonzernen wird es genauso ergehen. Gesetze werden ihnen vorschreiben, welche Daten sie erheben und speichern dürfen, wie sie ihre Nutzer aufklären und welche Infor- mationen sie herausrücken müssen. Genügt das? Möglicherweise stecken wir noch so sehr in den Anfängen der Vernet- zung, dass wir die Folgen nicht einmal ahnen. Vermutlich haben Sie recht. Etwas sorge ich mich, dass immer gezieltere Werbebotschaften aus dem Netz die Gier der Menschen noch weiter verstärken. Aber es bieten sich auch un- geahnte Möglichkeiten. Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor 20 Jahren einen Sozialwissen- schaftler nach dem idealen Forschungsinstru- ment gefragt. »Eine Armada unsichtbarer kleiner Hubschrauber«, hätte er geantwortet. Über jedem Menschen sollte so ein Helikopter schweben, jedes Wort aufnehmen, jede Bewe- gung, jeden Wunsch verzeichnen. Heute, mit dem Netz, sind wir so weit.

Stefan Klein führt für das ZEITmagazin regelmäßig Gespräche mit Wissenschaftlern über die großen Fragen, auf die wir keine letzten Antworten haben. Zuletzt erschien »Der Neandertaler« (Nr. 48/11)

… du mit mir auf eine Berghütte fahren? Wenn ja: wann? Welche meiner Eigenschaften würdest du in meiner Grabrede erwähnen? Welche lieber nicht?

Alle Fragen als Dokument zum Verschicken unter http://blog.zeit.de/zeitmagazin

Ich habe einen Traum

Ich habe einen Traum

diesen durchgeknallten Muppets verbringt und zu wenig Zeit mit moi. Außerdem wäre es schön, wenn er mal andere Farben tragen würde als immer dieses Grün. Und ich hasse es, wenn er Sumpf- wasser mit ins Haus schleppt. Überhaupt – dieser Sumpf! Wer will schon ständig da Urlaub machen? Es ist feucht, es gibt zu viele Mü- cken und zu wenige Paparazzi. Es gäbe noch einiges zu sagen, aber dazu bin ich zu zurückhaltend. In Beziehungsfragen glaube ich an Kompromisse – ich glaube, und Kermit macht die Kompromisse. Ich träume davon, dass es Fröschen und Schweinen endlich erlaubt wird, legal zu heiraten. Moi sollte eine Petition starten oder gleich in die Politik gehen, um diesen skandalösen Missstand zu ändern.

Zu hören unter www.zeit.de/audio

begann ihre Karriere 1976 als Chor-Schwein in der »Muppet Show«, spielte und boxte sich innerhalb des ersten Jahres stetig in den Vordergrund und avancierte zum glamourösen Star der Serie. Sie ist Autorin des Bestsellers »Miss Piggy’s Guide to Life«. Zurzeit ist sie im Kinofilm »Die Muppets« zu sehen

Miss Piggy »Als Diva verlange ich, dass jeder Tag traumhaft ist – sonst rollen Köpfe!«

Foto Anatol Kotte

Miss Piggy

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

drängt. Heute träume ich in 3-D und HD, meine Träume haben Millionenetats, und ich habe das letzte Wort. Ich würde gern über mein eigenes Land herrschen, so Meryl Streep in Iron Lady oder Madonna in Evita. Sucht viel-wie leicht noch irgendein Land eine Monarchin? Dann rufen Sie bitte meinen Agenten Bernie an. Und ich warte immer noch auf die Rolle der Mrs. Pink in Reservoir Frogs, die Quentin Tarantino mir versprochen hat. Schon lange träume ich davon, einen Oscar zu gewinnen, oder zwei oder drei. Im Ernst, wie viele Oscars brauchen Meryl Streep, Jack Nicholson und Tom Hanks denn noch? Es wird Zeit, dass die artenspezifische Diskriminierung in Hollywood ein Ende hat und ich als erstes Schwein den goldenen Mann überreicht bekomme. Der passt wunderbar zu meinem grünen Mann. Kermit ist mein Traumfrosch. Ohne ihn ist ein Tag nicht vollkommen. Sicher, auf dem roten Teppich Küsse verteilen, einkaufen, teure Restaurants und Schokolade machen einen Tag spektakulär, aber nur mit Kermit ist er traumhaft. Und als Diva verlange ich, dass jeder Tag traumhaft ist – sonst rollen Köpfe! Ich liebe Kermit, wie er ist. Abgesehen davon, dass er zu viel Zeit mit

Ich habe schon einige Male geträumt, ich würde einen Frosch küs- sen, der sich dann in einen Prinzen verwandelt. Keine Ahnung, was dieser Traum bedeutet, aber er gefällt mir sehr! Ein anderer wieder- kehrender Traum gefällt mir gar nicht: Darin ist der Umkleide- raum meiner Co-Stars größer als mein eigener. Es versteht sich von selbst, dass so etwas im realen Leben nie passieren würde. Ansonsten sind meine Träume spektakulär. Immer. In den Träumen hat moi die wunderbarsten Ideen. In ihnen ist alles möglich, sie sind wie Hollywood, aber ohne all den Blödsinn wie Budgets, Zeitpläne und Besetzungslisten. Im Traum ist moi immer der Superstar – wie im Showbiz natürlich auch! Meine Träume waren schon immer Großproduktionen, mit vielen Kostümwech- seln, großem Orchester und gewaltigen Kamerakränen. Schon als junges Ferkel wusste ich, dass ich ins Zentrum dieser Träume ge- höre. Je älter ich wurde, desto größer und lauter wurden die Träu- me. Ich habe hart für diesen Traum gearbeitet. Seit ich mich aus dem Hintergrundchor in der Muppet Show durch die anderen Chor-Schweine nach vorne auf die Bühne geboxt habe, habe ich dafür gesorgt, dass sich niemand zwischen moi und die Kamera

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nach vorne auf die Bühne geboxt habe, habe ich dafür gesorgt, dass sich niemand zwischen moi

Ich habe einen Traum

Ich habe einen Traum

Dieses Mal würden wir auch unseren Müll wegräumen. Quentin hat mir vor einiger Zeit die Rolle des Mr. Green in Re-Tarantino servoir Frogs versprochen, aber irgendwie geht das Projekt nicht voran. Wenn man grün ist, gibt es leider nicht viele Rollenange- bote in Hollywood. Deshalb hatte ich davon geträumt, eines Ta- ges den Hulk spielen zu können. Aber die haben dann leider doch jemand anders genommen. Einen Oscar zu gewinnen bedeutet mir nicht allzu viel. Miss Piggy ist da ganz anders. Tatsächlich wünscht sie ihn sich manchmal so verzweifelt, dass sie mich mit goldener Farbe be- sprüht und mich zwingt, auf ihrem Kaminsims zu stehen.

Zu hören unter www.zeit.de/audio

der Frosch, geht seit dem Ende seiner Kaulquappenzeit mit geöff- neten Augen durchs Leben – und so träumt er auch. Er begann seine Karriere in den Siebzigern in der »Sesamstraße«. Von 1976 an wurde er als Conferencier der »Muppet Show« weltberühmt und wurde sogar mit einem Stern auf dem »Walk of Fame« geehrt

Foto Anatol Kotte

Kermit »Wer schafft schon den Sprung aus dem Sumpf ins Showgeschäft?«

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

Kermit,

sächlich mit Miss Piggy verheiratet. Ich weiß, dass sie diesen Traum auch hat, aber für sie ist es kein Albtraum. Das macht es noch schlimmer. Damit wir uns nicht missverstehen – natürlich ist Miss Piggy meine Traumfrau. Schließlich besteht ja die Ge- fahr, dass sie das hier liest. Sie hat eine sehr laute Stimme und kann Karate. Ich habe mein Leben lang davon geträumt, zu singen, zu tanzen und die Menschen glücklich zu machen. Aber nie da- von, berühmt zu sein. Der Celebrity-Lifestyle bedeutet mir nichts, Paparazzi gehen mir auf die Nerven. Ich habe einen sehr einfachen Geschmack – im Sumpf unter einem Stein hocken, Fliegen, Mücken, hin und wieder eine Heuschrecke, damit bin ich zufrieden. Überhaupt bin ich mit meinem Leben sehr zufrie- den. Na gut, ich bin klein, grün, habe spindeldürre Arme und Beine und Stielaugen, aber das ist in Ordnung. Große Karriereträume habe ich nicht. Ich träume noch immer davon, Filme und TV-Sendungen zu machen und die Menschen zum Lachen zu bringen. Wieder jede Woche mit der Muppet-Show im Fernsehen zu sein, das wäre wunderbar!

Früher, als ich noch eine Kaulquappe war und in den Sümpfen gelebt habe, träumte ich davon, mein Schwanz würde abfallen und mir würden Beine wachsen. Der Traum wurde wahr. Dann, als junger Frosch, habe ich von einem Banjo geträumt. Und ir- gendwann trieb eines auf dem Wasser vorüber. So ging es weiter. Das ist das Großartige an Träumen – sie können wahr werden. Einmal hatte ich einen sehr lebendigen, etwas verstörenden Traum: Darin stand ich völlig nackt auf einer Bühne, umlagert von einem durchgedrehten, lauten und chaotischen Haufen – Schweine, Bären, Pinguine, Hühner und anderes Getier. Als ich dann die Augen öffnete, war wirklich alles genau so. Zum Glück ist Nacktheit auch in der Öffentlichkeit für einen Frosch kein großes Problem. Manchmal erscheint mir mein gesamtes Leben wie ein Traum. Welcher Frosch schafft schon den Sprung aus dem Sumpf ins Showgeschäft? Unsere Träume sind sehr wichtig, in ihnen sagt unser Herz unserem Verstand, was wir tief in unserem Inneren wünschen, hoffen und fürchten. Seit vielen Jahren plagt mich ein Albtraum immer wieder: In diesem Traum bin ich tat-

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wünschen, hoffen und fürchten. Seit vielen Jahren plagt mich ein Albtraum immer wieder: In diesem Traum
Der Stil
Der
Stil

Sieht aus wie in den Siebzigern, ist aber aus zeitgenössischem »Organic Cashmere«: Blau und gelb besprühtes Kleid von Stefanel, 459 Euro

Die Mode sprüht vor Ideen

Tillmann Prüfer über Graffiti-Motive

Die Spraydose war einmal die Waffe des jungen Wutbürgers. Also des Teenagers, der sich mithil- fe von Sprühdosen gegen seine Bedeutungslosig- keit stemmte. Indem er an den Wänden der Großstadt Spuren hinterließ, hoffte der Sprayer, von denen wahrgenommen zu werden, die in der Gesellschaft ganz oben standen. Inzwischen hat sich das Subversive der Sprayerkultur ein biss- chen verloren – spätestens seit sich Luxusmarken des Themas annehmen. Gerade hat das Pariser Luxushaus Hermès ein »Carré Graff«-Halstuch mit einem Motiv des Graffiti-Künstlers Kongo herausgegeben. Wer es kauft, unterstützt junge Sprayer. Nun also investiert die Oberschicht selbst in die Färbung ihrer Fassaden. Auch anderswo wird in der Mode neuerdings ge- sprüht. In der Sommerkollektion von Bottega Veneta beispielsweise sind Jeans zu sehen, die dick mit psychedelischen Farben durchsetzt sind. Stefanel hat eine neue Kollektion von Öko- Kaschmir im Airbrush-Look vorgestellt. Stoff mit Farbe zu besprühen oder zu färben war in der damaligen Jugendkultur eine Me- thode, sich ein Kleidungsstück anzueignen. Durch die Färbung wurde es seinem Kontext entrissen und wurde Ausdruck der Individuali- tät seines Trägers. Einer, der dieses Prinzip wie- derum in die Mode einführte, war Stephen Sprouse. Er war es auch, der als Erster Luxuswa- ren mit Farbe besprühte. In Zusammenarbeit mit dem Louis-Vuitton-Designer Marc Jacobs schuf er eine Taschenkollektion, die mit pink- farbenen Graffiti geschmückt war. Damit wurden Graffiti-Elemente in umgekehr- ter Richtung genutzt: Nicht die Jugend lehnte sich gegen das Establishment auf, sondern das Establishment wollte sich verjüngen. Wenn heute wieder mehr Graffiti-Motive auf Klei- dungsstücken zu sehen sind, ist das ein Zeichen dafür, dass das Sprühen jeden rebellischen Charme eingebüßt hat. Es ist ein Ausdrucks- mittel wie jedes andere auch geworden. Kongo ist ein bürgerlicher Künstler – und wer heute in der Großstadt ein Zeichen gegen das Bonzen- tum setzen will, greift nicht mehr zur Sprüh- dose, sondern zum Grillanzünder und setzt Ka- rossen in Brand. Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis daraus eine anerkannte Kunstform geworden ist – oder gar ein Halstuch.

Kunstform geworden ist – oder gar ein Halstuch. Völkerfreundschaft Christine Meffert fährt den Peugeot

Völkerfreundschaft

Christine Meffert fährt den Peugeot Partner Tepee

Als ich klein war, fuhren wir oft nach Frank- reich. Von Berlin aus eine lange Fahrt. Manchmal waren wir drei Tage lang unter- wegs. Meine Mutter baute aus Kissen ein Lager auf dem Boden vor der Rückbank für meinen kleinen Bruder, ich durfte oben schlafen. Uns wurde schon bei Potsdam übel, und um uns abzulenken, versprach mein Vater dem, der zuerst das Mittelmeer erspähte, eine Mark. Nicht nur deshalb mochte ich Frankreich. Es gab dort das Meer und den Strand, es gab dort Orangina, bunten Sirup und Mousse au Chocolat. Das Wetter war schöner als in Berlin, die Städte waren schöner als Berlin, und die Leute dort waren schöner als die Berliner. Alles war viel schöner. Auch meine Eltern bewunderten Frank- reich, sie stammen aus einer Grenzregion in Süddeutschland, und mein Vater hatte sich als junger Mann nach dem Krieg mit einem französischen Soldaten angefreundet. Die beiden sahen sich als Vorkämpfer gegen die Erbfeindschaft zwischen den beiden Län- dern. Die erste Auslandsreise seines Lebens machte mein Vater nach Paris. Als wir ein- mal aus einem Lokal hinauskomplimentiert wurden mit dem Hinweis, für Deutsche sei hier kein Platz, sagte mein Vater: »Das kann man ihnen nicht verdenken.« Mein Vater liebte die Landschaft, das Essen, das seiner Meinung nach freiere Leben in

Frankreich. Nur eines liebte er nicht: die französischen Autos, oder sagen wir mal – französische Technik schlechthin. Mein Va- ter war Ingenieur. Auch wenn er es nie aus- sprach, dachte er, die können fast alles, aber das können sie nicht. Natürlich hatte er einen anerkennenden Blick für den alten Citroën DS, wenn wir mal an einem vor- beikamen, aber das war es auch. Die einzige technische Erfindung aus Frank- reich, die seine begeisterte Zustimmung fand, war das Mahlwerk der Pfeffermühle von Peugeot. Auf die Autos von Peugeot konnte er verzichten. Auch das hätte er nie gesagt, aber das war auch so klar, mein Vater fuhr immer nur deutsche Autos. Ich bin nun zum ersten Mal einen Peugeot gefahren, zwei Wochen lang. Fuhr einwand- frei, aber ich bin auch kein Ingenieur. Und in dem Kombi Peugeot Tepee können auf weiten Reisen problemlos zwei Kinder schlafen, ohne dass man ihnen Lager auf dem Boden baut. So spart man jedes Mal eine Mark, äh, ich meine natürlich einen Euro.

Christine Meffert ist Redakteurin beim ZEITmagazin

Technische Daten Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor Leistung: 72 kW (98 PS) Beschleunigung (0–100 km/h): 15,5 s Höchstgeschwindigkeit: 162 km/h CO 2 -Emission: 164 g/km Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter Basispreis: 17 100 Euro

Wochenmarkt

Die Ehrenrettung des Winterfischs KABELJAU

Wochenmarkt Die Ehrenrettung des Winterfischs KABELJAU Der Kabeljau ist wieder ein gern gesehener Gast in

Der Kabeljau ist wieder ein gern gesehener Gast in Sternerestaurants

Von

ELISABETH

RAETHER

Der Kabeljau galt mal als billiger Fisch, der vor allem als Fischstäbchen schmeckte. Aber heute wird er gezüchtet, was jahrelang als un- möglich galt, und so kann die Qualität besser kontrolliert werden. Er hat es geschafft, zum Lieblingsfisch des Zweisternekochs Christian Lohse vom Fischers Fritz in Berlin zu werden. Lohse brät den Kabeljau auf der Haut. Das ist ungewöhnlich, denn Sterneköche neigen wie Regisseure des Autorenkinos und des Tanz- theaters dazu, ihrem Publikum die sehnlichs- ten Wünsche abzuschlagen. Auf der Haut ge- bratenen Fisch finden viele Gastrokritiker plump, aber die Leute lieben es nun mal. Zum Fisch serviert Lohse Spitzkohl, Rote Bete und eine kalte Soße aus Smetana, russi- schem Sauerrahm. Ist der Fisch so frisch wie der, den es bei Lohse gibt, kann man aus dem Fischkopf eine Brühe zubereiten. Dafür Kopf und Schwanzflosse in einem Topf mit Wasser bedecken. Dazu kommen ein Bund Korian-

der, eine Zitronenscheibe, zwei kleine Chili- schoten, etwas Sojasoße, ein Stück Ingwer, eine halbe Knolle frischer Knoblauch, etwas Salz und Zucker. Einmal aufkochen, dann 20 Minuten ziehen lassen.

und Zucker. Einmal aufkochen, dann 20 Minuten ziehen lassen. Kabeljaufilet mit Borschtschgemüse und

Kabeljaufilet mit Borschtschgemüse und Dill-Koriander-Smetana (für 4 Personen)

4 × 150 g Kabeljaufilet, Salz, Olivenöl Für die Smetana: ¼ l Smetana oder Sauerrahm (25 %), je ½ Bd. Dill und

Koriander, ½ Knoblauchzehe, etwas Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Tabasco Für das Gemüse:

1 Zwiebel (in feine Streifen geschnitten),

1 Knoblauchzehe (gehackt ohne Trieb), ¼ Kopf Spitzkohl (in feine Streifen geschnitten), 1 EL Dill und Koriander

(fein geschnitten), Butter, 8 Minikarotten, 8 Mini-Teltower-Rübchen, 8 Mini-Rote-Bete, Salz, brauner Rohzucker zum Abschmecken

Erst zum Schluss wird der Fisch gebraten. Zu- nächst werden für die Smetana alle Zutaten mit dem Stabmixer verrührt. Das Ganze soll zwei Stunden lang durchziehen. Das Borschtschgemüse zubereiten: Zwiebeln und Knoblauch in Butter anschwitzen, Kohl hinzugeben, bissfest garen, abschmecken mit Salz und Zucker, Kräuter hinzugeben. Karot- ten, Rübchen und Rote Bete schälen und je- weils in separaten Töpfen in Olivenöl lang- sam garen, mit Salz und Zucker würzen. (Ehrgeizige machen jetzt noch eine Rote- Bete-Coulis, die auf das Gemüse gegeben wird: ¼ l Rote-Bete-Saft aufkochen, mit Salz, Zucker und Zitrone abschmecken, mit Mais- stärke binden.) Die Kabeljaufilets werden in heißem Oliven- öl auf der Haut kross gebraten. Dann auf den Tellern mit dem Gemüse und der Sme- tana anrichten.

iPod touch Tischlampe Tolomeo Dank der zusätzlichen Frontkamera und Wi-Fi sind nun auch Videotele- fonate
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Wunschgedanken sind metaphysische Föderalis- men. 60+, würde gerne nach geleist. Trauerarbeit einen liebenswerten, humorvollen Mann kennen- lernen wollen. Sinnesfreuden erschließen sich für mich u. a. in der Kunst, Natur, mag Skulptur sowie Fach- und Sachliteratur. Würde mich über eine Zu- schrift freuen. ZA 59048 DIE ZEIT, 20079 Hamburg

Liebensw. Frau, 1.78, 35 J., hübsch, feinfühlig, humorvoll u. unternehmungsl., su. netten Mann m. ähnl. Attributen für gemeinsames. Glück, R. Berlin od. HH., B. m. B. ZA 59045 DIE ZEIT, 20079 Hamburg

Bezaubernde Damen aus Osteuropa suchen Partner zw. 30 und 70. Info & Fotos anfordern. Tel. 04403/3313, Institut seit 1975

Warmherzige Akademikerin, Single, 57 J., wünscht in Berlin/Umgebg. (ca. 200 km) neugierigen, fein- sinnigen Singlemann mit Humor für fröhliche u. kulturelle Unternehmungen sowie für ernsthafte Gespräche über Alltagsfragen, Gott u. die Welt ken- nen zu lernen. ZA 59046 DIE ZEIT, 20079 Hamburg

Die großen Fragen der Liebe Nr.

177

Rettet Sex die Liebe?

Nora und Sven, Max und Patricia, zwei Paare, diskutieren am

Silvesterabend zu vorgerückter Stunde über den Verschleiß der Verliebtheit und wie sie zu verhindern sei. »Mehr Sex«, sagt Nora, »wann immer einer will, niemals Einwände, das Leben ist zu kurz!« Ihr Freund Sven schweigt dazu und lächelt über Noras Eifer. »Ich finde eher, man sollte sich auch mal rar machen«, wendet Max ein. »Es müssen doch immer beide wirk- lich wollen.« – »Es wollen doch nie beide gleich!«, kontert Nora. »Was du da vorschlägst, ist der sicherste Weg zu Brüder- lein und Schwesterlein!« – »Vielleicht tust du dich da leichter«, sagt Max. »Aber ich könnte es nicht ertragen, wenn Patricia später sagt, sie hätte nur mir zuliebe mitgemacht.«

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Nora scheint auf das neue

Liebesjahr etwas besser vorbereitet als Max. Sich rar zu machen, um attraktiv zu werden, ist immer riskant und kaum eine brauchbare Strategie in langjährigen Beziehungen. Und mit der Angst, dass seine Partnerin mitmacht und ihm später sagt, sie habe es nur ihm zuliebe getan, ist Max in der Tat auf dem Weg zu Brüderlein und Schwesterlein. Wer schenkt, verzichtet auf Gegenleistungen – sonst müsste er einen Handel aufmachen. Nachher dem Nehmer vorzuwerfen, es sei alles Nachgiebigkeit gewesen, wäre ein kläglicher Ver- such, doppelt zu kassieren: die Dankbarkeit für ein Geschenk und den Lohn für Leistung.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein aktuelles Buch »Das kalte Herz. Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle« ist im Murmann Verlag erschienen

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Jetzt am Kiosk! Wie leben wir in der Zukunft? Das Jahr 2050 ist noch weit weg.

Wie leben wir in der Zukunft?

Das Jahr 2050 ist noch weit weg. ZEIT LEO hat sich auf eine Zeitreise begeben und beantwortet 5 Fragen dazu, wie die Welt dann aussehen könnte.

Weitere Themen versetzt wird?

dann aussehen könnte. Weitere Themen versetzt wird? Leseprobe unter: www.zeitleo.de Logelei Spiele 1. Neele:
Leseprobe unter:
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www.zeitleo.de

Logelei

Spiele

1. Neele: »Ich habe mir eine vierstellige Zahl ausgedacht.« Ma-

xim: »Da gibt es viele

rückwärts aufschreibe, dann ist sie genau 2/3 so groß.«

2. Maxim: »Ich habe mir eine andere vierstellige Zahl ausge-

dacht.« Neele: »Soso

Ziffern wie deine. Und wenn ich 2/3 dieser Zahl ausrechne,

dann besteht die so entstandene Zahl ebenfalls aus denselben Ziffern wie deine.«

3. Britta, die zugehört hat: »Ich hab mir eine dreistellige Zahl

« Maxim: »Sie besteht aus denselben

« Neele: »Aber wenn ich meine Zahl

ausgedacht, und wenn ich die letzten beiden Ziffern vertausche,

erhalte ich 3/5 von der ursprünglichen Zahl.« Wie lauten die drei Zahlen?

Lösung aus Nr. 4

 
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Sudoku

 

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Lösung aus Nr. 4

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Felder des Quadrates so

 

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aus, dass in jeder Zeile,

                 

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in jeder Spalte und in

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jedem mit stärkeren Li-

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len von 1 bis 9 stehen.

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Logelei und Sudoku Zweistein

Um die Ecke gedacht Nr. 2104

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WAAGERECHT: 7 Fällt Schaufensterbummlern schwer – Schnupfen soll’s gern 12 Trockene Bemerkung beim Vino-Bestellen 14 Wellener-

füllter Raum, zwischen Muschel und Schnecke 17 Den Keilereibereiten ein starkes inneres Bedürfnis 19 Bei einem Wirte wundermild fühlte

vornämlich er sich wohl 20 Menschen, die ihre

sind die ersten, die sich über deren Kürze beklagen (J. de La Bruyère)

21 Schmecken Torten? Uns was rät man, wenn’s nur noch ein Stück

gibt? 22 hat eine vordere und eine hintere 23 Herrn Ribbecks Gedanke zum Revidieren ausgeführter Bauvorhaben? 26 Wörterbuch-Nachbarn der Wegbereiter: sind was Extraleichtes für Quarkexperten 27 Beliebter Farbtouch auf der Ranch an dem Weg zum Schuh des Manitu 29 Zog

man andererseits als Basis ran für Landtauschgeschäft vor reichlich lan- ger Zeit 30 Sehr folgenreich einst der von Colorados Hauptstadt

32 Infospeicher im Allgemeinen, der Kalender im Besonderen 34 Dank

doppelter L-Integration werden Verkehrslärmerzeuger völlig trommel- fellschonend 35 Punkt zwei auf der Hallenbadetagesordnung 36

Sprichwörtlich: Freunde sind wie

sind immer da 37 Schnackschnick stets über, oft -flüssig 38 Fremde sind immer so groß wie Schwäne (Sprichwort) 40 Reis für 11 senkrecht, Nester für 36 waagerecht, das wären welche 41 Bieten Gelegenheit, Wörter wie 29 waagerecht und 15 senkrecht zu Melodie zu verarbeiten

, du siehst sie nicht immer, aber sie

schlecht verwenden,

SENKRECHT: 1 Wer ohne Sinn für Freundschaft,

für sich selber lebt, der bleibt verlassen, wenn er sich nach fremdem Beistand sehnt (A. v. Knigge) 2 Einer in der Ahnentafelrunde 3 Einem Schürpfel mag namentlich sie inneren Sinn verleihen 4 Vorläufer vom B-Web? Arianes Biograf 5 Hass und Zank hegen oder erwidern ist

und mit Liebe zurückzahlen ist Stärke (A. Stifter)

6 Erinnerungsfundus: Gutes möge man nicht nur predigen, sondern?

Schwäche – sie

und Liebe nur

7 Ein Sieg des Nichtwillens übers Können 8 Von seiner Kathedrale

machte sich Monet ein morgennebliges Bild 9 Man glaubt um sie zu wissen, nach Anleitung – und wer fragt uns, ob wir schon gewählt ha- ben? 10 Bringt kicherlich etwas Abwechslung in die Story 11 Es war was

faul an ihrem Obstwurf 12 Demonstrative Sitzfleischbelastung 13 Be- wies sich für sich allein im Zweifeln 15 Halbinselchen, verhält sich zu Halbinsel wie Penny zu Euro 16 Passt reimlich zum 2 senkrecht und

ansonsten in die Diplomatie 18 Sich zu

ben nicht ein 24 Egal, in welcher Richtung: hat seinen Dreh-Sinn

25 Wie die Antwort auf Schon-was-gefangen-Frage vielleicht lautet,

Streithanseln im Le-

fällt

vielleicht ausfällt 28 Zum Ölgewinnen wie auch Brötchenbesäen

29 Hervorgebracht, doch unbedacht 31 Schweizer Vokalensemble, von

der Stadt-Mitte mal abgesehen 33 Hier ein Stein, anderswo ein Kauf

39 Art Sorte, versteht sich auch als ganzer Kerl

Lösung von Nr. 2103

WAAGERECHT: 6 MENHIRE = Hinkelsteine (»Asterix und Obelix«) 8 »Preis-Lage« im Gewinnspiel und PREISLAGE 13 WISSENSCHAFT 17 C-h-assis und CASSIS = Johannisbeer(likör) im Kir 19 STORNO 20 HYPOTHESEN 21 SENKE 22 GESPRAECHIG 25 RUN = laufen, Baseball-Zählpunkt (engl.)

26 UNFRIEDE 28 Rotten = dt. Name des RHONE-Oberlaufs 29 WARENHAUS 32 TATZE 34 TABU 36 TONFALL 37 REDEN 39 LET = lassen (engl.), in

let-ter 40 REPUTATION 41 ARON in M-aron-e 42 LAND-ratten, -zunge 43 NAHE 44 recht mäßig und RECHTMAESSIG SENKRECHT: 1 Weste + Uropa = WESTEUROPA 2 SINNEN 3 BECHER (Goethe, »Faust«) 4 mit Täter und MITTAETER 5 FASS 6 »Miss-Raten« und

MISSRATEN 7 HERKUNFT (Serrano von Sierra = Gebirge) 8 PHYSIS 9 RAP 10 SCHERZ 11 LAECHELN 12 Eingabe und EINGEBUNG 14 SONNENUHR 15 SOG

16 Harrison FORD 18 SEIN 23 PETENT, Petitionsausschuss 24 HOTELS im Monopoly 27 Bügel-FALTEN 30 HAAR 31 ULI in J-uli-a 33 in Narnia:

»ADAMssohn« 35 Stern ATAIR 37 ROHR 38 NOEL und häufiger Neugeborenenname Leon

Spiele

Schach

Spiele Schach a b c d e f g h 8 7 6 5 4 3

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»Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort, nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie beim richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie. Das ist das Wesen der Zauberei, die nicht schafft, sondern ruft.« So unwahrscheinlich es klingen mag, diese Notiz stammt aus einem Tagebucheintrag Franz Kafkas vom Oktober 1921. Und sehr wohl kann sich die Herrlich- keit des Lebens in gewogenen Stunden auch dem Schachspieler offenbaren, wenn er mit der Schönheit einer Idee, einer Kombina- tion eins wird. Einer, der gerne auf die Vielzahl seiner »herrlichen Kombinationen« hinweist, ist der ehemalige Weltmeister Anatoli Karpow. Und doch jubelte die Schachwelt mehr seinem wagemutigeren Rivalen Kasparow zu. Doch eines hat Karpow diesem voraus: Bereits zu Leb- zeiten wird ihm zu Ehren im sibirischen Poikowski ein Karpow- (nein, nicht Gedenk-) Turnier ausgetragen – bereits zum zwölften Mal. Im letzten Oktober entstand dabei ein Juwel der Schachkunst, welches an Zauberei denken lässt – weil sich der Weiße hat »rufen lassen«. Natürlich steht der schwarze König des Tschechen V. Laznicka recht nackt da, natürlich könnte der Russe A. Motylew als Weißer mit 1.Tg8+ Dxg8 2.Sxg8 Kxg8 die schwarze Dame erobern, aber alles wäre noch sehr unklar. Doch mit einem unglaublichen Opfer- und Ablenkungszug gewann Weiß ganz schnell. Wie?

Lösung aus Nr. 4

gewann Weiß ganz schnell. Wie? Lösung aus Nr. 4 Wie gewann Schwarz am Zug? Vorsicht: Ziemlich

Wie gewann Schwarz am Zug? Vorsicht: Ziemlich schwer!

Nach 1

3

weil er gegen die Drohung 4 Txa2 matt machtlos war

Tb3+!

2.Ka2 (2.Ka4 Tb6! mit der tödlichen Drohung

Ta6+

Ta6+)

Tb6 3.Ka1 Tg6 (aber nicht 3

Tg1+

4.Ta2) gab Weiß auf,

5.Ka2 Lc4+ 6.Ka3 Ta1+ 7.Ta2

Lebensgeschichte

Die besondere Macht und Würde ihres Vaters ließ sich bereits an der

riesigen Zahl ihrer Halbgeschwister ablesen. Unter ihnen nahm sie eine Sonderstellung ein, sie wird beschrieben als besonders fröhli-

ches, spielfreudiges Kind, aber auch als aufmüpfige, selbstbewusste

und durchsetzungsstarke kleine Persönlichkeit, die zum Lieblings-

kind des Vaters wurde. Dabei war sie keine verwöhnte Prinzessin auf

der Erbse, Abhärtung gehörte zum Erziehungsprogramm, selbst in der liebevollen Atmosphäre ohne Zwang, in der sie aufwuchs.

Sie war etwa zwölf Jahre alt, als eine Bedrohung in ihre Welt ein- drang. Der Vater versuchte zunächst, die Gefahr mit Friedensbe-

teuerungen zu bannen und ansonsten nach Möglichkeit zu ignorie- ren. Sie aber schlich sich wissbegierig in die Nähe der Eindringlinge

und beobachtete fasziniert, was so seltsam fremd war. Als sie ihrem Vater von den vielen Merkwürdigkeiten berichtete, bestärkte sie

dieser, Augen und Ohren offen zu halten. Zutraulich näherte sie sich den Fremden, denen das neugierige Mädchen unverdächtig erschien. Besonders der Anführer nahm sich ihrer an, brachte ihr Wörter in seiner Sprache bei und horchte sie ganz nebenbei aus. Bald wurde aus der kleinen Doppelspionin eine Mittlerin, denn die Eindringlin- ge hatten anderes im Sinn, als ihren Lebensunterhalt mit redlicher Arbeit zu verdienen, und versuchten sich mit Gewalt zu nehmen, was sie brauchten. Ihr Vater schickte sie in offizieller Mission zu Gesprächen, dennoch kam es zu blutigen Feindseligkeiten, bei de- nen der Anführer in die Hände ihres Vaters fiel. Sie rettete ihn vor der Hinrichtung, wie er später schrieb, unter Einsatz ihres Lebens, indem sie sich schützend vor ihn warf. Dass der Vater ein Einsehen hatte, mag die Fremden auf die Idee gebracht haben, sie als Druck- mittel zu benutzen. Mit List und Bestechung wurde sie gekidnappt, aber der Vater ließ sich nicht erpressen. Fortan lebte sie unter den Fremden, ließ sich – wenigstens äußerlich – in eine der Ihren ver- wandeln und heiratete schließlich einen jungen Witwer. Ob aus Liebe, sei dahingestellt, er hatte dabei sicherlich auch strategische Hintergedanken, jedenfalls schrieb er in dem Gesuch um die Hei- ratserlaubnis, diese Ehe diene dem Wohl und der Ehre des Landes. Dennoch löste die Heirat einen Skandal aus, der geschickt in einen Werbefeldzug umgewandelt wurde. Ihr Mann reiste mit ihr, dem neugeborenen Sohn und einem Gefolge aus ihrem Volk in sein Hei- matland, wo sie als Sensation gefeiert und sogar bei Hofe empfangen wurde. Aber das Klima bekam ihr schlecht, nach sieben Monaten starb sie auf dem Weg zu dem Schiff, das sie in ihre Heimat zurück- bringen sollte. Ihre letzten Worte waren: »Wir alle müssen sterben. Es genügt, wenn das Kind weiterlebt.« Sie wurde nur 21 Jahre alt, die Nachkommen ihres Sohnes gehören bis heute zu den reichsten und angesehensten Familien ihres Landes. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 4

Aki Kaurismäki (* 4. April 1957 in Orimattila in Finnland) arbeitete nach dem Studium der Literatur u. a. als Filmkritiker und begann dann als Autodidakt, Drehbücher zu schreiben und Filme zu drehen. Zu seinen Kinoerfolgen zählen »Ariel« (1988), »Leningrad Cowboys Go America« und »Das Mädchen aus der Streichholzfabrik« (beide 89), »I Hired A Contract Killer« (90), zuletzt »Lichter der Vorstadt« (2006) und »Le Havre« (11). Wortkarge Helden aus einfachem Milieu, an den poetischen Realismus angelehnte Geschichten, eine klare Bildabfolge und starke Farbgebung, Melancholie und lakonischer Humor prägen seine Filme ebenso wie die Besetzung mit Stamm- schauspielern wie Kati Outinen. Mit seiner Frau Paula Oinonen, einer Malerin, lebt Aki Kaurismäki in Finnland und in Nordportugal

Scrabble

Scrabble Die fortlaufende Partie, die wir im Oktober begannen, nähert sich allmählich dem Ende. In dieser

Die fortlaufende Partie, die wir im Oktober begannen, nähert sich allmählich dem Ende.

In dieser Phase noch einen »Bingo« legen zu können ist eher selten. Mit der FRAGERIN hatten wir das Glück auf unserer Seite. Die aktuelle Buchstabenkombination erlaubt

– zumindest nach meiner Auffassung – kein

Ablegen aller sieben Steine auf einmal. Von nur theoretischem Reiz sind die Vervierfa- chungskoordinaten E5, K5 und M3. So gilt die Konzentration nun den dunkelroten Prä- mienfeldern, von denen immerhin vier noch vakant sind. Allerdings fällt das Feld O15 heraus, da uns zur Erschließung ein I für (MI) fehlt. Diverse Züge mit Werten in den 30ern kreuzten mei-

nen Gedankenweg, bis sich ein mit mehr als 40 Punkten dotiertes Wort fand. Als ich das Buch schon zuschlagen wollte, kam mir eine Form in den Sinn, die mir mal ein Turnier- gegenspieler präsentierte. Wer immer es war

– ich danke für die Befruchtung, die hier zu über 50 Punkten verhilft.

Dreifacher Wortwertfür die Befruchtung, die hier zu über 50 Punkten verhilft. Doppelter Wortwert Dreifacher Buchstabenwert Doppelter

Doppelter Wortwertdie hier zu über 50 Punkten verhilft. Dreifacher Wortwert Dreifacher Buchstabenwert Doppelter Buchstabenwert Lösung

Dreifacher Buchstabenwert50 Punkten verhilft. Dreifacher Wortwert Doppelter Wortwert Doppelter Buchstabenwert Lösung aus Nr. 4 Die FRAGERIN auf

Doppelter BuchstabenwertWortwert Doppelter Wortwert Dreifacher Buchstabenwert Lösung aus Nr. 4 Die FRAGERIN auf 4A–4H brachte insge-

Wortwert Dreifacher Buchstabenwert Doppelter Buchstabenwert Lösung aus Nr. 4 Die FRAGERIN auf 4A–4H brachte insge-

Lösung aus Nr. 4

Die FRAGERIN auf 4A–4H brachte insge- samt 67 Punkte

Es gelten nur Wörter, die im Duden, »Die deutsche Rechtschreibung«, 25. Auflage, verzeichnet sind, sowie deren Beugungs- formen. Die Scrabble-Regeln finden Sie im Internet unter www.scrabble.de

Scrabble Sebastian Herzog

Foto Stanislav Krupar

Impressum

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Chefredakteur Christoph Amend Stellvertr. Chefredakteur Matthias Kalle Art Director Katja Kollmann Creative Director Mirko Borsche Berater Andreas Wellnitz (Bild) Textchefin Christine Meffert Redaktion Jörg Burger, Wolfgang Büscher, Heike Faller, Ilka Piepgras, Tillmann Prüfer (Style Director), Jürgen von Rutenberg, Matthias Stolz Mitarbeit: Markus Ebner (Paris), Elisabeth Raether, Elisabeth von Thurn und Taxis (New York), Annabel Wahba Fotoredaktion Michael Biedowicz (verantwortlich) Gestaltung Nina Bengtson, Jasmin Müller-Stoy, Mitarbeit: Mirko Merkel, Gianna Pfeifer Autoren Marian Blasberg, Carolin Emcke, Herlinde Koelbl, Louis Lewitan, Harald Martenstein, Paolo Pellegrin, Lina Scheynius, Wolfram Siebeck, Jana Simon, Juergen Teller, Moritz von Uslar, Günter Wallraff, Roger Willemsen Produktionsassistenz Margit Stoffels Korrektorat Mechthild Warmbier (verantwortlich) Dokumentation Mirjam Zimmer (verantwortlich) Herstellung Wolfgang Wagener (verantwortlich), Oliver Nagel, Frank Siemienski Druck Prinovis Ahrensburg GmbH Repro Twentyfour Seven Creative Media Services GmbH Anzeigen DIE ZEIT, Matthias Weidling (Gesamtanzeigenleitung), Nathalie Senden Empfehlungsanzeigen iq media marketing, Axel Kuhlmann, Michael Zehentmeier Anzeigenpreise ZEITmagazin, Preisliste Nr. 6 vom 1. 1. 2012 Anschrift Verlag Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Buceriusstraße, Eingang Speersort 1, 20095 Hamburg; Tel.: 040/32 80-0, Fax: 040/32 71 11; E-Mail: DieZeit@zeit.de Anschrift Redaktion ZEITmagazin, Dorotheenstraße 33, 10117 Berlin; Tel.: 030/59 00 48-7, Fax: 030/59 00 00 39; www.zeitmagazin.de, www.facebook.com/ZEITmagazin, E-Mail: zeitmagazin@zeit.de

Im nächsten Heft

E-Mail: zeitmagazin@zeit.de Im nächsten Heft Elf pakistanische Fischer wurden voriges Jahr von

Elf pakistanische Fischer wurden voriges Jahr von somalischen Piraten verschleppt. Die abenteuerliche Geschichte ihrer Rückkehr

Der Schweizer Urs Fischer macht bedrohliche Kunst – aber mit einem Augenzwinkern. Wir haben ihn in seinem Atelier in Brooklyn besucht

Auf www.zeitmagazin.de Die schönsten und wichtigsten Fragen, die sich gute Freunde gegenseitig stellen sollten: Zum Verschicken per E-Mail oder Brief, aufgelistet in unserem »Heiter bis glücklich«-Blog

45

Herr Hildebrandt, wie konnte es gesche- hen, dass der Alkohol für einige Jahre Macht über Sie bekommen hat? Es hat mir einfach geschmeckt. Ich bin dem Genuss verfallen. Alkohol hat seine eigene Überzeugungskraft. Jetzt bin ich der Spiel- verderber, damals war ich ein Epikureer, ich dachte, das steht mir zu. Ich habe die ganze Nacht gearbeitet, ich belohnte mich, und eine Flasche Wein genügte nicht. Meine Frau Renate hat das gemerkt, und sie hat Angst bekommen um mich, und das habe ich gespürt. Ihre Frau hat Sie also gerettet? Das kann man so sagen. Ihre Fröhlichkeit war weg, wir waren nicht mehr albern mit- einander. Wir hatten das Lachen verloren, das hatte ich nur noch auf der Bühne. Ihret- wegen habe ich aufgehört. Ich hätte auch weitertrinken können. Wie ist Ihr Umfeld damit umgegangen? Es gab viel Toleranz und später Erleichterung. Daran merkt man, dass man nicht ganz unge- liebt ist. Ich glaube, das ist die hauptsächliche Ingredienz meines Lebens: geliebt zu werden, auch auf der Bühne. Nach dem Entzug gab es viel Erstaunen und auch Heuchelei: Das wäre doch nicht nötig gewesen! Na ja, natürlich, aber das ist die Ironie an der Geschichte! Ist das Ironie oder Scheinheiligkeit? Bei denen, die ich sehr mag, ist es gesetzte Ironie. Und bei den anderen ist das einfach nicht ganz die Wahrheit. Lüge führt die Regie der Wahrheit. Das habe ich als Student bei dem Religionsphilosophen Romano Guardini gelernt. In der Ehe kann die Wahrheit zum falschen Zeitpunkt eine Grausamkeit sein. Haben Sie das auch in Ihrer Ehe erlebt? Ja, natürlich. Hier und da hat man sich falsch verliebt. Also, was heißt falsch? Man hat sich richtig verliebt, hatte aber ein schlechtes Gewissen, und dann spielt auch die Entfernung von zu Hause eine Rolle, daher kommt der Entschluss, die Wahrheit zu verschweigen. Verlieben ist ein Fehler, wenn ich es nicht mit Konsequenz mache. Alle fragen, wie viele Ehen durch Betrug scheitern, aber niemand, wie viele Liebschaf- ten durch die Ehe zerstört werden, sagt der Kabarettist Werner Schneyder. Es ist wie Al- kohol. Liebe ist Genuss. Wie hat der Alkohol Ihre Arbeit verändert? Der Alkohol hat Bedenklichkeiten wegge- wischt. Es könnte durchaus sein, dass man ein wenig versoffen gewirkt hat. Das sieht man an

Das war meine Rettung

»Ihretwegen habe ich aufgehört«

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt über seine Alkoholkrankheit und seine Frau Renate, für die er einen Entzug machte

und seine Frau Renate, für die er einen Entzug machte Dieter Hildebrandt, 84, ist einer der

Dieter Hildebrandt,

84, ist einer der einflussreichsten Kabarettisten Deutschlands. Bekannt wurde er als Mitbegründer der Münchner Lach- und Schieß- gesellschaft sowie durch die Fernsehformate »Notizen aus der Provinz« und »Scheibenwischer«. Auch als Autor ist er sehr er- folgreich. Ab dem 2. Februar ist er in Helmut Dietls Kinokomödie »Zettl« zu sehen

Herlinde Koelbl

gehört neben dem Coach und Buchautor Louis Lewitan und dem ZEIT-Redakteur Ijoma Mangold zu den Interviewern unserer Gesprächsreihe »Das war meine Rettung«. Die renommierte Fotografin wurde in Deutschland auch durch ihre Interviews bekannt

den Augen. Politiker sind da vielleicht noch mehr gefährdet. Bei mir ist das so: Ich werde entweder verrissen oder nicht. Das bedeutet, dass ich vielleicht keine Anhänger mehr habe, die Bühnen noch da sind, aber die Menschen nicht. Das ist auch eine existenzielle Frage, ganz klar. Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen niemand mehr zuhören will? Immer. Gewissheit, dass der Saal voll ist, hat man doch nie! Kennen Sie diesen berühmten Kollegenwitz? Jemand geht zur Sphinx nach Ägypten, und die fragt: Sagen Sie, spielt der Hildebrandt immer noch? Das haben Kolle- gen mal in einer Talkshow erzählt. Nun geht er, hieß es. Das war 1985, da war ich 58. Da hatte ich die größte Krise meines Lebens, als meine erste Frau Irene starb. Fünf Jahre habe ich mit ihr im Krankenhaus zugebracht, und dann starb sie an Brustkrebs. Heute wäre das heilbar. Und dann starb auch noch mein bester Freund Sammy Drechsel an Krebs. In diesem Moment hat mich der Verleger Karl Blessing gerettet. Er hat gefragt, warum ich nicht ein Buch schreibe. Und ich dachte, egal ob es verkauft wird, ich schreibe das Buch für mich. Und dann wollten es 210 000 Menschen lesen. Das war sensationell. Von da an hatte ich einen neuen Beruf: Ich habe aus Was bleibt mir übrig in Buchhandlungen vorgelesen und das mit Gedanken vom Tage vermischt. Daraus wurde eine Spiellesung, ein Lesespiel. So habe ich ganze Säle gefüllt. Das war Ihre zweite Chance? Ja. Es war das Ende eines Lebensabschnitts, in dem ich nicht wusste, ob ich den zweiten beginnen sollte. Ich dachte nicht direkt an Suizid, aber ich wollte mich loslassen, ein- fach so leben. Andererseits wollte ich mit- teilen, dass ich immer noch vorhanden bin. Ich war ganz alleine, meine Kinder waren lange aus dem Haus. Der Scheibenwischer geht noch drei, vier Jahre weiter, dachte ich, dann würde man mich aussortieren. Und dann habe ich mich in Renate Küster ver- liebt. Die Lebenssäfte stiegen. Sie hat die Ar- beit von Sammy übernommen. Mit dem Bucherfolg hatte ich plötzlich Geld. Ich habe einen Kredit aufgenommen und Renate eine Wohnung in München gekauft. Seitdem sagt sie: Ich wohne in Dieters Buch. Jetzt, wo Geld an Wert verliert, ist das natürlich eine Sicherheit.

Interview und Foto von Herlinde Koelbl

"FJORD NORWEGEN. DAS SCHÖNSTE REISEZIEL DER WELT." National Geographic Traveler, 2009 SIE GLAUBEN ES ERST,
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Foto: ©C.H./visitnorway.de
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Fjord Norwegens Schauspiel der Natur ist einfach unbeschreiblich. Man muss die magisch blauen Fjorde und türkisen Gletscher selbst sehen. Das Donnern der gewaltigen Wasserfälle und das Rauschen der Flüsse selbst hören. Und sich selbst spüren mitten in der Natur. Nur hier vor Ort wird jeder Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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