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Ohm Krüger Die Lebenserinnerungen des Buren-Präsidenten

Ohm Krüger Die Lebenserinnerungen des Buren-Präsidenten

Neue berechtigte deutsche Ausgabe Mit 16 Aufnahmen und einer Karte

Im Deutschen Verlag - Berlin

Die deutsche Original – Ausgabe des Werkes, nach Aufzeichnungen von H. C. Bredell, Privatsekretär des Präsidenten Krüger, und Piet Grobler, ge- wesenem Unterstaatssekretär der Südafrikanischen Republik, herausgegeben von A. Schowalter, ist 1902 erschienen. Die Aufnahmen in dieser neuen Ausgabe stammen aus dem Tobis-Film „Ohm Krüger“

Umschlag und Einband: Wuttke Printed in Germany

Inhalt

Paul Krüger von Emil Jannings

7

Von der Kindheit bis in junge Mannesjahre

13

Jagdabenteuer

24

Feldkornett Krüger

37

General-Assistent

48

Der Bürgerkrieg (1861 bis 1864)

56

Neue Kämpfe mit den Eingeborenen

74

Annexion

80

Unter englischer Herrschaft

91

Der Freiheitskrieg

108

Paul Krüger Staatspräsident

120

Zweite Präsidentschaft

134

Zum dritten Male Staatspräsident

151

Der Jameson-Einbruch

160

Vierte Präsidentschaft

184

Der große Krieg

208

Letzte Wanderung und Tod

222

Anhang

Rede Krügers bei der letzten Übernahme der Präsidentschaft am

12. Mai 1898 Reden in der Schlußsitzung des Volksrates am

227

2.

Oktober 1899

234

Eröffnungsrede bei der jährlichen Versammlung des Volksrates am

7.

Mai 1900

237

Krügers letzter Brief

242

Heimkehr und Bestattung

244

Karl Peters über Paul Krüger

245

Zeittafel

247

Fussnoten

254

Paul Krüger Von Emil Jannings

Menschendarstellung heißt Sinngebung des Einmaligen und des Geschichtlichen im Schicksalhaften und Ewigen. Der Schauspieler, der sich die Aufgabe stellt, eine geschichtliche Persönlichkeit zu neuem Leben zu bringen, muss dahin streben, im Schicksal dieses Einzelnen das Unabwendbare und Gesetzmäßige so zu erfassen, dass die eigene Zeit den Sinn des Vergangenen begreift. Ich habe "Ohm Krüger'', den legendären Führer der Buren, verfilmt, nicht etwa deshalb, weil er für die Alten unter uns eine bekannte Persönlichkeit war, deren Leben bunt, abwechslungsreich und spannend dargestellt werden kann, sondern weil er dazu ausersehen war, einen Kampf zu beginnen, der in unseren Tagen vollendet wird. Durch 'Paul Krüger. den einfachen bäuerischen Menschen aus der Einsamkeit Südafrikas, entstand in der Welt das Bewusstsein dafür, dass nationale Freiheit, Wohlstand und Glück bedroht werden von einem tückischen Leiden im Kulturorganismus: von der Methodik englischer Machtentfaltung. Dieses Bewusstsein konnte nur entstehen und wachsen durch Leben und Taten einer Persönlichkeit, für

welche die Politik nicht ein Beruf, sondern eine Berufung war. Für Paul Krüger war der Entschluss, sein kleines Volk gegen das mächtige England in den Kampf zu führen, nicht das errechnete Ergebnis aller Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten, sondern die Erkenntnis eines

unabwend-

baren Schicksals. In einer großen Auseinandersetzung mit Cecil Rhodes, dem ebenso fanatischen wie gescheiten. englischen Imperialisten, sagt Krüger in meinem Film-. "Für jedes Volk hat die Weltgeschichte eine Aufgabe - vielleicht ist uns Buren die Aufgabe zugedacht, nur ein Beispiel zu geben." In der schwersten Stunde seines Lebens hat sich Paul Krüger empor gerissen zu der Idee, dass sich kein einzelner und kein Volk der Bestimmung, sich für die Zukunft opfern zu müssen, entziehen kann. Die Tragödie als eine Kunstgattung, deren Gesetze für den modernen Spielfilm ebenso zu gelten haben wie für die alte Sprechbühne, erzielt ihre Wirkungen dadurch, dass sie den Helden vorn Erleben zum Erkennen führt. Je problemloser seine Lebensumstände sind, je weiter er entfernt ist von der Notwendigkeit der begrifflichen Schulung und Arbeit, desto elementarer wird für ihn der Durchbruch zur tragischen Erkenntnis sein. Deshalb ist Paul Krüger für den Schauspieler eine der dankbarsten Rollen, welche die neuere Geschichte ihm geschrieben hat. Denn Krüger war von Haus aus ein einfacher Mensch, fast ein Analphabet bis in sein Mannesalter hinein. Auf dem großen Trek der dreißiger Jahre hatte der Knabe wohl gelernt, Löwen zu erlegen und mit Wilden zu kämpfen, aber er hatte nur selten Gelegenheit gehabt, sich im Schreiben, Lesen und Rechnen unterrichten zu lassen. Mehr als neunzig Schultage hat es während dieser ganzen Jugendzeit nicht gegeben. Erst der reife Mann, der mit mannigfachen politischen und militärischen Führungsaufgaben betraut wird, holt mühsam nach, was ihm in der Jugend versagt blieb. Aber es erwies sich, dass die natur-

gewachsene Bildung dieses kraftstrotzenden, schwer in seiner germanischen Art wurzelnden Menschen ein größerer Gewinn war als das fehlende Schulwissen. Ein gutes Maß echter Bauernschlauheit, vermischt mit saftigem Mutterwitz, sowie Einfühlungsvermögen in die Psyche des anderen' charakterisierten Krügers Art, zu denken und zu sprechen. Es ist für den Darsteller eine - ebenso schöne wie schwere Aufgabe, diesen Menschen, von dem einmal ganz Europa fasziniert war, in Gebärde, Bewegung, Ton, in Freude und Schmerz und schließlich im leidvollen Erkennen seiner tragischen Bestimmung aus dem Reich der Schatten zurückzuholen, damit er wieder dasteht in seiner ganzen Lebendigkeit und uns mit einem Schicksal bekannt macht, das erst heute ganz verständlich wird. Friedfertig regierte Paul Krüger sein kleines, aus nicht mehr als hundertsiebzigtausend Menschen bestehendes Volk. Er war in jeder Hinsicht ein bäuerlicher Patriarch, der von vierzehn Kindern und etwa siebzig Enkeln umgeben - nicht anders lebte als der Vorsteher einer größeren Dorfgemeinde. Im Wandel arbeitsfroher Jahre, im Wechsel der ja Jahreszeiten und Lebensstufen, im Auf und Ab der menschlichen Schicksale seiner kleinen Welt fühlte er sich wohl und galt bei seinem Volk nicht als der hochgestellte Staat Staatschef, sondern als der gute Ohm Krüger, auf dessen Veranda bei Kaffee und Tabak die Staatsgeschäfte besprochen wurden, bis dann der schon bald Sechzigjährige hineingerissen wurde in die große Politik, weil im Lande der Buren Gold gefunden war. Sofort machte England Herrschaftsansprüche geltend und zwang das kleine Land in sein politisches Ränkespiel.

Auf dem spiegelblanken Parkett der europäischen Ministerien und Paläste hat der schwerblütige Bauer in Gehrock und Zylinder eine gute Figur gemacht. Denn dieser Viehzüchter aus Südafrika war auch den Winkel-zügen eines Chamberlain gewachsen. Nur in einer Beziehung irrte er sich: er überschätzte die Einsicht der europäischen Regierungen. Zu spät sah er ein, dass sie nicht gewillt waren, ihn zu unterstützen. Zwar die Völker jubelten ihm zu, wenn er europäischen Boden betrat, aber in den Kabinetten speiste man ihn mit unverbindlichen Redensarten ab, wenn er in seherischer Weise davon sprach, dass Dynastien und Staaten an England einstmals sterben würden. In Deutschland, Frankreich, Holland, Belgien und selbst in Russland ahnte der kleine Mann auf der Straße, dass mit diesem alten, würdigen Bauern-präsidenten zum ersten Mal ein starker Gegner Englands aufgetreten war. Zwar besaß er keine militärische oder wirtschaftliche Macht, aber er war der erste, der unbestechlich und unbeirrt das Lebensrecht seiner kleinen Nation vertrat. Eine Welle der Empörung überflutete ganz Europa, als man hörte, welche Mittel England anzu-wenden wagte, um den Widerstand dieses kleinen Heldenvolkes zu brechen. Es waren dieselben Mittel, die heute gegen das deutsche Volk angewandt werden sollen. In unseren eigenen erlebnisreichen Tagen, in denen die europäische Welt eine neue Ordnung bekommt, ist jede Lebensäußerung der deutschen Nation auf das eine große Ziel der Abrechnung mit England gerichtet. Auch der Schauspieler steht hier nicht beiseite, denn in solchen Zeiten gibt es keine Kunst im luftleeren Raum. Zudem ist jede echte, auf seelische Erhöhung gerichtete Kunst seit jeher zweckbedingt gewesen.

Gerade der Film, als letzte und stärkste Ausdrucksform dramatischer Gestaltung, hat die Aufgabe, eine nationale Gemeinsamkeit des Erlebens und Urteilens durch seine Stoffwahl zu fördern. Historische Begebenheiten, die geeignet sind, beispielhaft, bildend, aufklärend und aufrüttelnd zu wirken, müssen deshalb mit Begeisterung in Angriff genommen sowie mit größter Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein bearbeitet werden. Es gibt geschichtliche Geschehnisse und Schicksale, die zu bestimmten Zeiten jedermann in die Erinnerung zurückgerufen werden müssen, aber nicht nur durch Aufsätze, Berichte und Erzählungen, sondern durch das Sinngebende Spiel. Dieses ist eine der vornehmsten Aufgaben, die Schauspieler erfüllen können. Als sich die deutsche Sprechbühne in jenem frühen Entwicklungsstadium befand, in welchem der Tonfilm heute ist, stellte ihr der junge Schiller folgende (nun wieder so zeitnahe) Aufgabe: "Nationalgeist eines Volkes nenne ich die Ähnlichkeit und Übereinstimmung seiner Meinungen und Neigungen bei Gegenständen, worüber eine andere Nation anders meint und empfindet. Nur der Schaubühne ist es möglich, diese Übereinstimmung in einem hohen Grad zu bewirken, weil sie das ganze Gebiet des menschlichen Wissens durchwandert, alle Situationen des Lebens erschöpft und in alle Winkel des Herzens hinunterleuchtet, weil sie alle Stände und Klassen in sich vereinigt und den gebahntesten Weg zum Verstand und zum Herzen hat." Seit langem glaube ich, dass eine klassische Zeit des deutschen Nationalfilms beginnen wird. Dann wird die Größe des dramatischen Vorwurfs entscheidend sein.

Dann werden Filmwerke entstehen, die für alle Zeiten als Eigentum der Nation gelten. Das aber wird nur dadurch möglich werden, dass die dichterisch gedankliche Grundsubstanz für das eigene Volk von zeitloser Gültigkeit ist. Von dieser Forderung aus bin ich an die Arbeit gegangen. Paul Krügers Vorfahren sind deutscher Abstammung - sein Denken, sein Handeln und auch seine Irrtümer sind uns wesensverwandt; sein Schicksal wird uns erst heute ganz verständlich, obgleich vierzig Jahre seit dem Burenkrieg verflossen sind. Aber für das Walten der historischen Gerechtigkeit ist das eine kleine Zeitspanne. Schon ist die Stunde des Gerichts angekündigt worden. Vor diesem Gericht erscheint als Ankläger auch Ohm Krüger, um Sühne zu fordern für die heuchlerische Vernichtung der Freiheit seines Volkes und für die sechsundzwanzigtausend Frauen und Kinder, die England in den Konzentrationslagern durch Seuchen und Hunger umkommen ließ.

Von der Kindheit bis in junge Mannesjahre

Meine Erinnerungen reichen zurück in die Zeit, wo ich als neunjähriger junge mit meinen Eltern und meinen Oheimen Gert und Theunis Krüger das Land meiner Geburt verließ. Wir hatten bisher auf der Farm Vaalbank im Distrikte Colesberg in der Kapkolonie gewohnt, wo ich als drittes Kind von Caspar Jan Hendrik Krüger') und dessen Ehefrau Elisa, geborener Steijn, Tochter von Douw Steijn von der Farm Bulhoek (hinter dem Zuurberg in der Kapkolonie), am 10. Oktober 1825 zur Welt kam. Meine Eltern waren einfache Bauern, und auf der elterlichen Farm bin ich herangewachsen gleich anderen Bauernjungen, damit beschäftigt, die Herden zu hüten und bei den landwirtschaftlichen Arbeiten an die Hand zu gehen. Abgesehen davon, dass eine alte Frau meiner Mutter gegenüber ihrem Sohne Stefanus Johannes Paulus eine höhere Lebensbahn geweissagt haben soll, weiß ich nicht, was irgendwie hätte ahnen lassen können, dass mir Gott ein besonderes Werk übertragen werde. Das erste entscheidende Ereignis in meinem Leben war der Auszug aus der Heimat, unser "Trek". Um mich eingehender mit den Gründen der großen Auswanderungen zu beschäftigen, dazu war ich damals noch zu jung. Ich weiß aber, dass meine Eltern erzählten, sie zögen aus und andere folgten ihnen nach, weil ihnen die Engländer zuerst Sklaven verkauft und dann, nachdem die Kaufsummen in englischen Händen waren, diese Sklaven wieder frei gemacht und dafür Entschädigungs-summen. angewiesen hätten, die in England ausbezahlt werden sollten und dort entweder persönlich oder durch einen Agenten in Empfang

genommen werden könnten. Die Kosten, die mit dieser Art der Auszahlung verbunden waren, waren in vielen Fällen höher als das Kapital, und so verzichteten viele lieber auf den ihnen zukommenden Betrag überhaupt, als dass sie sich die Mühe und den Ärger machten. Sie wollten aber dann auch nicht mehr unter einer solchen ungerechten Herrschaft wohnen. Dazu kam, dass die Kaffern wiederholt in die Kolonie einfielen und den Buren ihr Vieh wegnahmen, und dass nach der Zurückholung dieses Viehes durch die Buren der englische General sämtliche Herden als Kriegsbeute erklärte, von der die englische Regierung erst ihre Kriegskosten abziehen müsse, worauf dann der Rest den ehemaligen Besitzern - die selbst mitgekämpft hatten, um das Geraubte zurückzubringen - zur Verteilung überlassen werden solle. Die Unzufriedenheit über dieses ungerechte Verhalten griff um so tiefer in das ganze Leben der Buren ein, als jedes Kind von früh an von seinen Eltern ein paar Schafe, Rinder oder Pferde zum persönlichen Besitz bekommt, die es mit besonderer Sorgfalt hütet, und woran sein Herz hängt. Unter den geraubten Tieren befand sich natürlich auch das Eigentum der Kinder, und dass dieses durch die Gewohnheit geheiligte Geschenk in so widerrechtlicher Weise weggenommen und zur Deckung von "Kriegskosten" verwendet wurde, brachte viel Erbitterung. So verließen denn auch meine Eltern und ihre Verwandten Haus und Heimat, um hinauszugehen in unbekanntes, wildes Land, und zogen, im ganzen etwa zwanzig Köpfe stark, mit ungefähr 3oooo afrikanischen Schafen und einigen hundert Pferden und Rindern, die sie größtenteils in Tausch für ihre aufgegebenen Güter bekommen hatten, im Mai 1835 über den Oranjefluß. Hier verkaufte mein Vater etwa 3000 Hammel gegen einen "dikketon" (eine alte Münze, etwa gleich Mark 2.30) für das Stück an einen Metzger, worauf sich der Zug bis in die Nähe

des Caledonflusses fortsetzte und da lagerte.

Meine Tätigkeit hier wie auf den weiteren Zügen bestand zumeist darin, das Vieh anzutreiben und beisammenzuhalten. Das war die Arbeit, die die Kinder fast aller Auswanderer zu verrichten hatten, denn die schwarzen Dienstleute waren fast alle in der Kolonie zurückgeblieben, und gerade jetzt, wo der ganze Besitz der Familien in Viehherden bestand, wären ihre Dienste besonders nötig gewesen ²). Zugleich mit meinen Eltern zogen auch andere Burgers aus ihrer Heimat aus, und ein Teil von ihnen lagerte ebenfalls am Caledonfluß. Das war aber noch nicht der Große Trek. Dieser kam erst im folgenden Jahre, 1836, unter Hendrik Potgieter zustande, und mit ihm vereinigten sich die zuerst vereinzelt Ausgewanderten. Gleich nach der Vereinigung wurde eine Versammlung abgehalten, und hier wurden Bestimmungen getroffen, denen sich alle Auswanderer zu unterwerfen hatten, und eine Art von Regierung eingesetzt. Gottes Wort aber sollte höchste Regel und Richtschnur bleiben. Zum Kommandanten - das war die höchste Würde, die es gab - wurde Potgieter gewählt. Die allgemein gültigen Beschlüsse enthielten die Bestimmung, dass man weder Land noch sonst etwas von den Eingeborenen mit Gewalt nehmen dürfe und keine Sklaverei geduldet werden solle. Nun zog man vereinigt weiter nach dem Vetflusse, den ganzen Freistaat durch, ohne die vielen schwachen Stämme, die da ansässig waren, irgendwie zu berauben.

Die Gründe zwischen dem Vet- und Vaalfluß wurden von dem dort herrschenden Kaffernhäuptling gegen Ochsen, Kühe, Rinder usw. eingetauscht. Als aber die ersten Auswanderer an den Vaal kamen und hier wie am Rhenosterflusse in kleinen Trupps zerstreut lagerten, wurden sie unerwartet und ohne irgendwelche Veranlassung dazu gegeben zu haben von dem Zuluoberhäuptling Selikats überfallen. Dieser Selikats war damals Herr und Gebieter in dem ganzen Lande westlich der Lebombo- und Drakenberge. Alle Makatesenstämme, die dieses Gebiet bewohnten, hatten sich ihm unterworfen. Selikats behandelte seine Makatesen- Untertanen als Hunde und nannte sie auch so; und wenn Aasvögel über seine "Stadt" hinflogen, gab er Befehl, ein paar alte Frauen und Männer abzuschlachten und sie den Aasvögeln, die er seine Kinder nannte, als Nahrung vorzuwerfen. In den Höhlen und Felsenschluchten verbargen sich vor ihm die unterworfenen Stämme. Als dieser Selikats hörte, dass Menschen von weißer Gesichtsfarbe aus dem Süden gekommen seien, sandte er ein paar Tausend seiner Krieger ab mit dem Befehl, die Eindringlinge niederzumetzeln. Die "Trekker", die längs des Rhenoster- und des Vaalflusses lagerten, waren in kleine Trupps verteilt, was um ihrer großen Herden willen nötig war, damit man sich nicht gegenseitig die Futterplätze streitig machte. So wurden sie denn von den Räuberscharen Selikats überrascht und zum großen Teil niedergemetzelt. Nach dieser Mordtat kehrten die Matabele unter Mitnahme alles Viehes in ihre Stadt zurück, kamen aber fünfzehn Tage später in großen Massen aufs neue und fielen nun die Auswanderer am Vechtkop, im späteren Oranjefreistaat, an.

Hier hatte aber Sarel Celliers ein festes Lager bauen lassen und schlug mit den dreiunddreißig Mann, die ihm zur Verfügung standen, die ungestümen Angriffe der Zulus auf seine Wagenburg zurück, wobei er den Angreifern schwere Verluste beibrachte. Frauen und Kinder hatten den Verteidigern des Lagers wacker zur Seite gestanden, indem sie Kugeln gossen, die Gewehre luden und in einzelnen Fällen auch selbst das Gewehr in die Hand nahmen, um den Feind niederzuschießen. Bei ihrem Rückzug nach dein Selikatspasse (in der Nähe von Pretoria) und nach Marico, zwei ihrer Hauptplätze, schleppten die Kaffern alles Vieh der Auswanderer, das in das befestigte Lager nicht hatte aufgenommen werden können, weg, dazu nahmen sie zwei weiße Kinder und drei Bastards mit, von denen man nie mehr etwas gehört hat. Eine kleine Schar von Burgers unter Potgitter verfolgte den Feind bis an den Maricofluß. Gott war mit ihnen und gab ihnen den Sieg bei Zeerust. Sie verfolgten den Feind von hier aus noch weiter und nahmen sein Gebiet in rechtmäßiger Weise in Besitz. Auch ein Teil des Geraubten wurde zurückgewonnen, und dann kehrte das Kommando zurück, nachdem Selikats geflohen war. Hierauf zog ein Teil der Auswanderer nach Natal weiter; denn um das erworbene Land selbständig zu entwickeln, brauchte man Verbindung mit der Außenwelt, und man hoffte, in Natal, wo sich schon andere Auswanderer niedergelassen hatten und wegen des nötigen Stück Landes unterhandelten, den Hafen von Durban zu bekommen. Aber nach der verräterischen Ermordung Piet Retifes und dem Überfall der dortigen Ansiedler durch die Horden Dingaans kehrten die meisten Auswanderer, darunter mein Vater, in das Gebiet zurück, das von dem heutigen Freistaat und Transvaal umschlossen wird. Die Meinigen ließen sich am

Liebenbergvlei im späteren Oranjefreistaat nieder in einer Gegend, die im letzten Kriege durch die Operationen Kitcheners gegen de Wet so bekannt geworden ist. Im Jahre 1839 zog aufs neue ein Kommando über den Vaal, um Selikats, der zu rauben und zu plündern fortfuhr, ,aufzusuchen, ihn zu züchtigen und das gestohlene Vieh zurückzuschaffen. An dieser Expedition nahm auch ich teil. In, Wonderfontein (im heutigen Distrikt Potchefstroom) ließ Potgieter das Wagenlager zurück und setzte mit einem Reiterkommando Selikats nach, der sich immer weiter zurückzog. Das ganze Land war ausgeraubt und ausgemordet. Bei Klein Büffelshoek in den Magaliesbergen nahe dem Olifantflusse fand Potgieter in den dortigen Höhlen den Häuptling Magato, der später in der Nähe von Rustenburg wohnte und noch mehrmals genannt werden wird. Er hatte nur ein kleines Gefolge bei sich, und auf die Frage Potgieters, wo sich Selikats befinde, antwortete er, dieser sei bereits über den Krokodilfluß gezogen. Auf die weitere Frage, warum er denn

zurückgeblieben sei und sich hier versteckt hielte, sagte er, er sei nächtlicherweile bei dem Zug nach dem Norden von Selikats weggelaufen und halte sich nun versteckt aus Furcht vor den zurückgebliebenen Banden Selikats', die noch am Selikatspasse lagerten. Da nun Selikats selbst nicht mehr einzuholen war und ein Angriff auf die feste Stellung am Selikatspasse nicht möglich war, so kehrte das Kommando um und zog nach den Frauenlagern am Rhenoster- und Vaalflusse zurück. Aber bereits im folgenden Jahr, 1840, zog Potgieter aufs neue mit einem Kommando aus, und zwar diesmal direkt nach dem Selikatspasse. Auch an dieser Expedition nahm ich teil. Am Selikatspasse fand Potgieter eine große Kaffernstadt vor, die er erstürmte. Hierbei kam eine Menge von den Sachen wieder zum Vorschein, die den von Selikats ermordeten "Trekkern"

gehört hatten. Bei der Verfolgung Selikats' teilte der Häuptling Mamagali Potgieter mit, dass noch ein Kommando von Selikats zu Strijtpoort im Distrikt Waterberg stehe. Potgieter zog sofort dahin und griff auch dieses Kaffernlager an. Aber nach kurzem Gefecht stellte sich heraus, dass hier eine Verwechslung vorlag. Es waren keine Zulus, die wir vor uns hatten, sondern Rooi(rote)-Kaffern, die sich nur gezwungen den Horden von Selikats angeschlossen hatten. Potgieter brach sofort das Gefecht ab, als er den Irrtum bemerkte. Mamagali, der die Ursache des Angriffes war, wurde festgenommen und nach gehöriger Untersuchung vor dem Kriegsrat zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er wäre nicht so leicht davongekommen, wenn er zu seiner Entschuldigung nicht hätte anführen können, dass die Rooi-Kaffern immer mit Selikats zusammen auf dem Kriegspfade gewesen seien, und dass er nicht anders gewusst habe, als dass sie auch Zulus seien. Nun endlich hatten die Wanderer wieder eine einigermaßen sichere Heimat. Dass das bisherige unruhige Leben viele Schäden im Gefolge hatte, versteht sich von selbst. An Errichtung von Schulen und Kirchen und eine stetige, feste Regelung der äußeren Verhältnisse war nicht zu denken. Dennoch sorgten die Burenväter und -mütter für eine Erziehung ihrer Kinder, so gut sie sie ihnen gehen konnten. Sie wussten, dass sie in einem Lande waren, wo ein Nachholen des Versäumten nicht leicht war und ein Zurückbleiben des Nachwuchses den Untergang des Volkstums bedeutete. Darum lehrte jeder Bur seine Kinder Lesen und Schreiben und unterrichtete sie in Gottes Wort. Wenn gegessen und gefüttert war, mussten die Kinder, die am Tische saßen, ein Stück aus der Heiligen Schrift lesen, es dann wieder aus dem Gedächtnis hersagen und diesen oder jenen Vers aufschreiben, und das geschah Tag für Tag, wenn es nicht außergewöhnliche Verhältnisse unmöglich machten.

So lehrte auch mich mein Vater die biblische Geschichte kennen und unterrichtete mich abends darin. Auch hatte ich, aber doch alles in allem nur ungefähr drei Monate, Unterricht von einem Lehrer namens Tielman Roos, der nur mit größeren Unterbrechungen sein Amt ausüben konnte. Wenn der Trek an einem Ausspannplatz eine Zeitlang rastete, dann wurde aus Schilf und Gras eine kleine Hütte gebaut, das war die Schulstube für die Kinder der Trekker. So war es auf dem ganzen Wege bis zu den Magaliesbergen, wo mein Vater sich endlich dauernd niederließ. Als ich sechzehn Jahre alt war, hatte ich das Recht, mir gleich den anderen selbständigen Gliedern unserer Gesellschaft zwei Farmen auszusuchen, eine als Weideplatz und eine zur Bestellung mit Frucht. Ich wohnte auf Waterkloof und holte mir hierhin noch im Jahre 1842 aus dem Lande südlich des Vaal Jungfrau Maria du Plessis als Ehefrau. Bei einer Reise zum Besuche meiner Braut fand ich die reißenden Wasser des Vaal so hoch angeschwollen, dass der Fluss unpassierbar war, aber meine Sehnsucht war größer als die Gefahr und meine Kraft stärker als die Gewalt des Stromes. So trieb ich denn meine Pferde mit meinen Kleidern auf dem Rücken in das Wasser und durchschwamm mit ihnen den Vaal unter Umständen, die eine fast sichere

Todesgefahr bedeuteten. Der alte Wärter, der an diesem Tage mit seiner Fähre sich nicht über den Fluss zu setzen getraute, las mir denn auch gehörig den Text. Geholfen hat es jedoch nichts. Glücklicherweise dauerte die Verlobung nicht so lange, dass ich in Gefahr gekommen wäre, mein Wagestück noch einmal zu wiederholen. Die Hochzeit fand im Dorf Potchefstroom statt, das damals im Aufblühen war³). Nach einer Zeit der Ruhe wurde im Jahre 1845 ein neuer Zug nach dem Norden ausgerüstet, um das erworbene Land zu besiedeln. jedem Teilnehmer. wurde eine weitere Farm in jenem Teil des Landes versprochen. Schon im Jahre zuvor war

eine Kommission, zu der auch mein Vater gehörte, nach der Delagoabai gegangen, um sich mit Portugal über die Abgrenzung der beiderseitigen Gebiete zu verständigen, und hatte ein Abkommen getroffen, wonach der Grat der Lebomboberge die Grenze zwischen Portugal und dem Lande der urenauswanderer bilden sollte. Zusammen mit meinem Vater und den anderen Gliedern unserer Familie begleitete ich als Vizefeldkornett diesen Zug. Wir kamen bis in den Norden des heutigen Lydenburg und gründeten da das Dorf Ohrigstad. Aber unseres Bleibens war hier nicht. Fieber, Krankheiten unter dem Vieh und andere Übelstände bewogen uns zur Rückkehr nach den Magaliesbergen, wo ich dauernd wohnen blieb und noch mehrere Farmen durch Tausch erwarb. Hier traf mich aber im Januar des Jahres 1846 das Unglück, dass ich meine Frau und das Kindchen, dem sie das Leben gegeben hatte, verlor. Gott schenkte mir eine neue Lebensgefährtin in Jungfrau Gesina Susanna Friederike Wilhelmina du Plessis. Aus dieser Ehe erwuchsen mir neun Söhne und sieben Töchter, von denen noch drei Söhne und fünf Töchter am Leben sind. Die erste Sorge für die neuen Ansiedler war, zuverlässige Arbeitskräfte zu gewinnen und dazu die schwarzen Bewohner des Landes heranzuziehen. Das war nicht leicht, denn wenn der Kaffer selbst arbeitswillig war, so suchte er doch seinen Herrn wenigstens auf die eine oder andere Weise zu betrügen. Und wenn er etwas verstand, so wurde er durch seinen Hochmut oft unerträglich. Mit großen und kleinen Mitteln hatten wir dagegen stetig zu kämpfen. Dieser Kampf hatte

jedoch auch seine heitere Seite. So schickte ich einmal - es war um Neujahr - von meiner Farm Waterkloof einen Kaffer nach der Farm meiner Mutter - meinen Vater hatte ich im Jahre 1852 verloren -, ,um Rosinen zu holen. Meine Mutter sandte mir etwa fünf bis sechs Pfund davon und meldete das in einem Briefchen, das der Kaffer mir auch pflichtgetreu

überlieferte. Aus dem Brief sah ich sofort, dass mich der Kaffer betrogen hatte, denn die Rosinen, die er brachte, waren viel weniger, als in dem Brief standen. Ich frug ihn, wie er dazu komme, mich betrügen zu wollen, und warum er fast all die Rosinen aufgegessen habe. "Der Brief, den du mir gebracht hast, sagt es ja, dass du davon genommen hast." "Bas",

erwiderte der Kaffer, "der Brief lügt; ich habe ihn doch hinter den großen Felsen unter einen Stein gelegt und mich dann mit den Rosinen auf die andere Seite des Felsens gesetzt; wie kann er da gesehen haben, ob ich Rosinen gegessen habe?" Als ich ihn überzeugte, dass der Brief das trotzdem wisse, bekannte er demütig seine Schuld, aber klar war ihm die Sache nicht. Einen sehr treuen Kaffer namens April hatte ich auf einer anderen meiner Farmen, in Boekenhoutfontein im Distrikt Rustenburg. Im Winter zog ich mit meinem Vieh nach Saulspoort in der Gegend von Pilaansberg. Vor meinem Weggehen rief ich diesen Kaffer abseits und sagte ihm: "Ich will dich einen Brief lesen lernen", nahm dann ein Stück Papier und zog Striche darauf. "Die längsten Striche", sagte

ich ihm,

Apfelsinen, die kürzesten Mandarinen. Von jeder Sorte dieser Früchte sendest du mir von Zeit zu Zeit so viel, als der Brief, den dir ein Bote überbringt, längere oder kürzere Striche enthält; auch gibst du dann dem Boten wieder einen Brief mit, worin du mir die Striche mitteilst, wie viel von jeder Sorte du gesandt hast, und klebst den Brief gut zu." Der Kaffer war nun fürchterlich stolz auf seine Schreib- und Lesekunst und dünkte sich mehr als jeder andere Kaffer. Ich hätte ihm nicht erst zu befehlen brauchen, dass er das Geheimnis niemand mitteile, er hätte es ohnehin nicht getan. Später sandte ich nun Boten an ihn, denen ich einfach sagte: "Bringt diesen Brief an April, er wird euch dann mitgeben, was ich darin fordere." Das geschah denn auch, und als sie mit einem Brief von

bedeuten

Pampelmusen, die zweitlängsten

April zurückkamen, sagte ich ihnen: "Gebt mir den Brief her, den April geschrieben hat, damit ich sehen kann, ob ihr mich nicht betrogen habt." Das war den beiden denn doch allzu wunderbar, und die Gelehrtheit Aprils erweckte ihren Neid und ihre Bewunderung. Überall erzählte man von dem weisen

April, der plötzlich habe lesen und schreiben lernen. In jener Zeit gab es in unserem Lande noch keine Missionare, aber ein gottesfürchtiger Kaffer mit Namen David suchte seine Landsleute auf, um sie in Gottes Wort zu unterrichten. Als nun dieser David die Kaffern in meiner Gegend die Bibel lesen lernen wollte, weigerten sie sich, schreiben und lesen zu

lernen. "Warum", fragten sie,

Schreibenlernen abquälen, um das Buch zu lesen und dann das Gelernte später wieder schreiben zu können, wo doch der Kaffer von Paul Krüger lesen und schreiben kann, ohne dass er das Buch kennt und schreiben zu lernen gebraucht hat?" Nun kam David zu mir und klagte mir seine Not, und um den Widerstand der Kaffern zu beseitigen, war ich nun gezwungen, David mein Geheimnis zu verraten. April war mir sehr gram darum, denn mit der Bewunderung durch seine Kameraden war's nun vorbei. In den ersten Jahren unserer Ansiedlung wie schon auf den Wanderzügen erwuchs uns auch die Aufgabe, das rechtlich erworbene Land zu säubern von den Raubtieren, die hier bisher neben wilden Stämmen uneingeschränkt geherrscht hatten, und so unsere Weideplätze zu sichern. jeder Bur hatte an dieser Arbeit seinen persönlichen Anteil, und auch die heranwachsende Jugend, die schon aus Lust an Abenteuern die Jagd leidenschaftlich trieb, trug zu dem Erfolge, das Land bewohnbar zu machen, ihr gut Teil bei.

müssen

wir uns mit dem

Jagdabenteuer

Ich kann natürlich heute nicht mehr sagen, wie viele Raubtiere ich erlegt habe. Es ist zu viel, um das alles zu behalten, zumal was Löwen, Büffel, Rhinozerosse, Giraffen und anderes großes Wild angeht, und außerdem sind es fast fünfzig Jahre her, dass ich auf keinem größeren Jagdzuge mehr war. Auch an alle Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern. Soviel ich noch weiß, habe ich zwischen dreißig und vierzig Elefanten und fünf Flusspferde selbst geschossen. Von Löwen, die ich allein geschossen habe, weiß ich fünf. Wenn ich eigens auf Jagd ging, nahm ich mir außer guten Pferden allzeit einen Begleiter mit. Auf ausgedehnten Jagdzügen ließ ich gewöhnlich zwei oder drei Wagen von armen Leuten mitfahren, um ihnen das geschossene Wild zu überlassen. Meinen ersten Löwen schoss ich im Jahre 1839. Ich war damals vierzehn Jahre alt. Unsere Herden weideten am Rhenosterflusse im heutigen Oranjefreistaat, als ein Löwe uns nacheinander mehrere Rinder raubte. Zu sechsen - ich war zwar der siebente, zählte aber nicht mit - machten wir uns auf, den Löwen zu suchen. Wir waren alle zu Pferd und ritten zu drei und drei in größerer Entfernung voneinander. Als wir den Löwen endlich zu Gesicht bekamen, hatte er auch uns schon erblickt und stürmte sofort auf uns los. Die drei Erwachsenen, die ich begleitete, mein Vater, mein Oheim und mein Bruder, banden rasch die Pferde aneinander und drehten sie herum, dass ihre Köpfe von dem Löwen abgewendet waren - etwas, was wir bei der Löwenjagd regelmäßig tun. Denn wenn die Pferde den Löwen sehen, so ist immer Gefahr, dass sie erschrecken und die Flucht ergreifen. Meine Angehörigen verteilten die Plätze. Ich blieb hinter - oder vom Löwen aus gerechnet: vor - den Pferden sitzen, das Gewehr auf den Löwen gerichtet, der auf uns zukam.

Dicht an mich herangekommen, duckte sich das Tier zum Sprung, um, wie mir schien, an mir vorbei auf die Pferde zu springen. Im Sprung schoß ich ihn und traf ihn tödlich, so dass er beinahe auf mich fiel. Meine Begleiter liefen sofort herbei, um mir zu helfen. Aber es war unnötig, der Löwe war bereits tot. Es war ein starkes Tier. Auf den Schuss hin jagten dann auch die drei übrigen Jagdgefährten herzu, und nun stand alles um den Löwen herum, um das Geschehene zu besprechen. Ein gewisser Hugo kniete vor dem Löwen nieder, um seine Zähne zu messen" die auffallend groß waren. Ich trat bei der, Betrachtung des Tieres, ohne etwas Böses zu denken, dem Löwen auf den Bauch, und da gab dieser mit einem Male ein mächtiges Brüllen' von sich, so daß Hugo das Zähnemessen vergaß und vor Schreck auf seinen Rücken fiel. Die anderen schüttelten sich vor Lachen, denn es ist eine jedem Jäger bekannte Tatsache, dass ein geschossener Löwe einige Zeit nach seinem Tode bei einem Tritt auf den Leib noch einmal ein kurzes Gebrüll ausstößt, gleich als ob er noch lebte. Der Atem, der noch in deinem Löwen ist und bei dem Stoß auf den Bauch sich gewaltsam einen Weg durch die Kehle erzwingt, bringt diesen Ton hervor. Hugo wusste das natürlich auch, aber er hatte nicht daran gedacht und schämte sich nun über sein Erschrecken. Zornig stürzte er .auf mich los, um mich durchzuprügeln. Aber lachend wehrten es ihm die anderen, indem sie ihm klarmachten, dass ich ihm nur in meiner Unwissenheit diesen Schreck eingejagt habe. Meinen zweiten Löwen schoss ich hinter den Magaliesbergen am Hexflusse. Mein Oheim Theunis Krüger und ich waren hinter einem Trupp Antilopen her, als mein Pferd die Kräfte verließen und ich allein zurückblieb. Im Schritt reitend traf ich auf einen Trupp Löwen. Flucht war mir mit meinem ermatteten Pferde unmöglich. Plötzlich verließ einer der Löwen die Gruppe und stürmte auf mich zu. Ich ließ ihn bis

auf zwanzig Schritte heran und schoss ihn dann durch den Kopf. Die Kugel drang durch den Kopf in den Körper. Der Löwe fiel nieder und zwar so, dass sein Kopf von mir abgewendet lag, sprang aber gleich wieder ,auf und zu seiner Gesellschaft zurück, während ich aufs neue lud. Bei der Gruppe angekommen, fiel der Löwe tot nieder. Ermutigt durch den Erfolg, griff ich auch die anderen an. Aber vergeblich. Sie flüchteten in den nächsten Berg, und einzuholen vermochte ich sie nicht. Einige Jahre später hatte ich an demselben Orte wieder eine Begegnung mit Löwen, die uns Rinder geraubt hatten. Auch diese flüchteten, und zwar in denselben Berg, jedoch glückte es mir "'diesmal, zwei von ihnen zu erschießen, während meine Gefährten, die nicht so rasch laufen konnten, um die Beute kamen. Meinen fünften Löwen schoss ich im Lydenburgdistrikt auf einem Trek nach dem Olifantfluß. Der Löwe hatte uns einige unserer Rinder geraubt, und wir verfolgten ihn. Ich hatte diesmal einen sehr guten, treuen Hund bei mir, der mich überallhin begleitete und auch die Löwen in dem Gestrüpp aufspürte. Als er den Löwen gefunden hatte, stellte er ihn unter lautem Gebell, während der Löwe zornig brüllte. Sobald der Hund mich sah, ging er etwas zur Seite. Der Löwe wollte nun auf mich los, aber im Moment, wo er losbrach, fiel ihn der Hund von hinten an, so daß es mir keine allzu große Schwierigkeit machte, einen tödlichen Schuss anzubringen. Das war der fünfte Löwe, den ich allein

tötete. In Gesellschaft von anderen habe ich natürlich noch viel mehr geschossen. Auf dem Zuge gegen Selikats bei der Rückkehr von einem Patrouillenritt war es, wo ich mein ' erstes Nashorn schoss. Mein Oheim Theunis Krüger erlaubte mir, als Erster zu schießen, und es glückte mir, das Tier mit dem ersten Schuss zu töten. Viel schlimmer ging es mir auf einer späteren Nashornjagd, die ich in Begleitung meines treuen Jagdgenossen, meines Schwagers N.

Theunissen, unternahm. Ich muss vorausschicken, dass wir eine Absprache getroffen hatten, wonach jeder von uns berechtigt war, den anderen tüchtig durchzuprügeln, falls dieser entweder zu unvorsichtig handelte oder aus Feigheit ein angeschossenes Stück Wild entkommen ließ. An dem Morgen, an dem wir auf die Jagd gingen, war mein Gewehr in Unordnung. Ich musste darum ein anderes, zweiläufiges Gewehr mitnehmen, dessen Lauf in der Mitte durchsägt war, so dass seine Treibkraft sehr vermindert war. Ich wusste also im voraus, dass ein Schuss etwa auf ein Nashorn ziemlich wirkungslos bleiben musste, wenn er nicht gerade die Stelle traf, wo das Fell am dünnsten war. Wir bekamen drei Nashörner, einen Bullen und zwei Kühe von den so genannten "Zwarthamoster"4), also von der gefährlichsten Sorte, zu Gesicht. Die Verfolgung der zwei Kühe übertrug ich Theunissen und befahl ihm, sie ja nicht aus dem Auge zu verlieren. Ich selbst übernahm es, zuerst den Bullen zu töten und dann bei der Verfolgung der Kühe zu helfen. Wegen des dichten Buschwaldes musste mein Kamerad von Zeit zu Zeit Schüsse abgeben, damit ich wusste, wo er sich befand. Ich jagte nun an meinem Nashorn vorbei und sprang dann ab, um zu schießen. Ich stellte mich so, dass es ungefähr auf zehn Schritte an mir vorbei musste, um dadurch eine gute Gelegenheit zu bekommen, es an einer gefährlichen Stelle zu treffen. Mein Schuss war denn auch direkt tödlich. Sofort sprang ich dann wieder aufs Pferd und eilte in der Richtung, aus der ich Theunissen schießen hörte. Unter dem Jagen lud ich mein Gewehr aufs neue. Gerade wie ich ihn erreichte, brachte er einen zweiten Schuss auf das eine "seiner" beiden Nashörner an, das bereits einen Schuss hatte. Das Tier blieb stehen, dagegen sah ich, da das Gestrüpp hier nicht so besonders dicht war, das zweite Nashorn weglaufen und begab mich sofort auf die Verfolgung. Wie ich

an meinem Gefährten vorbeiritt, rief er mir zu: "Steige ja nicht vor dem Tier ab, denn es ist sehr wild und läuft sehr rasch 1 " Ich legte jedoch kein Gewicht auf diese Warnung, da Theunissen immer etwas sehr vorsichtig war, sprang von meinem Pferd ab und lief an dem Rhinozeros schief vorbei. Kaum hatte mich dieses gesehen, so nahm es die Richtung nach mir und stürmte wütend an. Ich ließ es auf drei oder vier Meter herankommen und drückte dann los, aber das Zündhütchen versagte, und zu einem zweiten Schuss war keine Zeit. Das Tier war dicht an mir, und mir blieb nichts übrig, als umzudrehen und zu flüchten, aber dabei verfing sich mein Fuß in dem Dornengestrüpp auf der Erde, ich schlug hin und lag auf dem Gesicht. Im Falle hatte mich das wilde Tier schon erreicht. Der erste Stoß mit seinem gefährlichen Horn strich mir gerade über den Rücken hin. Mit der Nase drückte es mich auf den Boden fest und wollte mich zerstampfen. In demselben Moment aber drehte ich mich unter dem Tiere um und schoss ihm den zweiten Lauf unter das Blatt gerade ins Herz. Es war meine Rettung, dass ich in dem Augenblick der größten Gefahr mein Gewehr nicht aus der Hand gelassen hatte. Das Nashorn sprang nun von mir weg, fiel aber einige Meter weiter tot nieder. Mein Schwager Theunissen tauchte nun auch auf dem Schauplatz auf, sprang in einer Entfernung von ungefähr fünfzig Metern vom Pferde und lief, was er konnte, auf mich zu, indem er nicht anders dachte, als dass sich bei dem Kampfe auf Leben und Tod mein Gewehr entladen und mich selbst tödlich verletzt habe. Wie er aber näher kam und sah, dass ich aufstand und noch lebte, fasste er nach seinem Sjambok, seiner Ochsenpeitsche, und begann - wie er sagte, unserer Verabredung gemäß - mich damit zu bearbeiten, weil ich zu unvorsichtig gehandelt und seine Warnung missachtet habe. Was ich ihm auch für gute Worte gab und zu meiner Rechtfertigung vorbrachte, es half nichts; auch nicht, als ich

Paulus Krüger, Präsident des Burenstaates Transvaal, und seine Frau Sanna

Paulus Krüger, Präsident des Burenstaates Transvaal, und seine Frau Sanna

Ohm Krüger und Cecil Rhodes, der Besitzer der südafrikanischen Minen - Compagnie

Ohm Krüger und Cecil Rhodes, der Besitzer der südafrikanischen Minen - Compagnie

ihn darauf hinwies, dass mich das Tier bereits so getreten und gequetscht habe, dass er mir die verdiente Strafe wohl schenken könne. Ich musste mich schließlich hinter den Dornbüschen verschanzen. Das war aber auch das erste- und letzte Mal, dass er Gelegenheit fand, mich zu hauen. In der Nähe der Stelle, wo ich die ersten Elefanten gesehen hatte, in einem großen Schilfsumpf, schoss ich ersten Bügel. Eine Büffelherde kam aus dem Tal und flüchtete den Bach aufwärts. Wie jagten den ich an der Spitze. Als ich absprang, um zu schießen verließ eine Büffelkuh die flüchtende Herde und mich an. Ich stand bereit, und wie sie dicht vor mir war, schoss ich ihr das Schulterblatt entzwei. Sie war aber ,so im Schusse, dass sie mich noch umrannte und über mich ohne mich jedoch zu treten. Am jenseitigen Ufer des Baches, in den sie sich geflüchtet hatte, holten wir sie cm und gaben ihr den Gnadenstoß. Mein nächstes Abenteuer mit Büffeln hatte ich bei der Farm am Bierkraalspruit. In dem vier bis fünf Meter hohen Gestrüpp steckte eine Anzahl Büffel, als wir unser sechs auf der Jagd dorthin kamen. Ich drang zunächst allein in den Buschwald ein, um zu sehen, ob zum Schuss zu kommen sei. In den dichten Büschen ging ich an einem Trupp Büffel vorbei, ohne etwas von ihnen zu merken, stieß aber gleich darauf auf einen anderen Trupp dieser "Biester". Sofort nahm mich ein großer Büffel an, aber zu meinem Glück standen seine Hörner so weit auseinander, dass sich zwischen ihnen bei jedem Stoß nach mir die Büsche und Bäume fingen, so dass nicht nur jedem Stoß die Kraft genommen wurde, sondern mich der Bügel auch immer einen Augenblick aus den Augen verlor. Bei der Flucht aus diesem Busche geriet ich mitten unter den Trupp von Büffeln, an dem ich zuerst, ohne es zu merken, vorbPaulus Krüger, Präsident des Burenstaates Transvaal, und seine Frau Sannaeigelaufen war. Bei dem nächsten Gesträuch sah ich auch jetzt nichts

von .der Gefahr, bis ich mit einem Büffel zusammenstieß, der gerade im Begriff war, aufzustehen. Unwillig über die Störung trat das Tier nach mir und riss mir meine Kleider am Leibe entzwei. Meine Gefährten, die außen stehen geblieben waren, konnten einen Moment den Fuß des Bügels sehen, als er nach mir trat, und dachten, es seien seine Hörner - so hoch hatte das Tier getreten. Ich kam aber mit dem Schrecken davon. Eine sehr ungemütliche Begegnung mit einem Büffel hatte ich bei Vleeschkraal im Waterbergdistrikt, als ich dort mit meinem Schwager N. Theunissen auf der Jagd war. Ich hatte eine Büffelkuh angeschossen, die sich in dichtes Dombuschwerk flüchtete. Da ich dorthin zu Pferd nicht folgen konnte, übergab ich mein Pferd meinem Bruder Nicolaas und folgte dem Büffel auf dem Fuße nach, um ihn ja nicht aus dem Auge zu verlieren, denn das dichte Gestrüpp machte jeden Ausblick unmöglich. Während ich noch glaubte, der Verfolger

zu sein, tauchte der Bügel plötzlich dicht vor mir auf und griff mich an. Ich wollte schießen, aber mein Feuersteingewehr versagte. So blieb mir nichts übrig, als mein Heil in der Flucht zu suchen. Nun hatte es aber viel geregnet, und gerade hinter mit hatte sich ein großer Sumpf gebildet, aber hier hinein fiel ich, als ich zurückzuspringen suchte. Der Büffel fiel gleichzeitig mit mir in diesen Sumpf und stand drohend über mir, ehe ich mich wieder aufrichten konnte. Mein Gewehr lag im Wasser und konnte mir nichts helfen. Der Bügel stieß nach mir, rannte sich aber gleich beim ersten Stoß sein eines Horn in der Erde fest. Sofort griff ich nach dem anderen Horn und versuchte den Kopf des Tieres unter Wasser zu bringen, um es zu ersticken. Das ging aber sehr schwer, denn das Horn war vom Schlammwasser sehr glatt, und ich musste beide Hände gebrauchen und alle Kraft anspannen, um den Büffelkopf unter Wasser zu halten. Als ich fühlte, dass meine Kraft zu Ende ging, ließ ich die eine Hand los, um mein großes Jagdmesser

zu fassen, das ich auf der Hüfte trug, und damit mich meines

Gegners zu entledigen. Meine eine Hand war aber zu schwach, um das Tier festzuhalten. Es riss sich los und richtete sich auf. Es befand sich in einem traurigen Zustand: beinahe erstickt und die Augen voll Schlamm, so dass es nicht sehen konnte. Ich sprang auch auf und versteckte mich hinter dem nächsten Busch, während der Bügel in entgegengesetzter Richtung davon lief. Als er verschwunden war, holte ich mein Gewehr aus dem Pfuhl. Ich sah nicht weniger schrecklich aus als der Bügel, bedeckt mit Moder und Schlamm. Theunissen hatte wohl gehört, dass etwas los war, aber er konnte mir nicht zu Hilfe kommen, denn zu Pferde war durch die Domen nicht durchzukommen. Nachdem ich mich einigermaßen gesäubert hatte, verfolgte ich die anderen Büffel, und es glückte mir nun wenigstens, noch einen zu schießen. Auf dem Zug gegen Selikats, der kurz zuvor unsere Leute überfallen und niedergemetzelt hatte, wurde ich von Wonderfontein aus, wo unsere Wagen zurückblieben, mit einer starken Patrouille ausgesandt, um den Standpunkt des Feindes festzustellen. Beim Olifantpasse in der Nähe von Rustenburg, der von dieser Begegnung seinen Namen bekommen hat, stießen wir auf einen großen Trupp Elefanten, die gerade über den Pass zogen. Mein Vater jagte ihnen nach, aber Kommandant Potgieter hinderte ihn am Schießen, da man nicht wusste, ob der Feind nicht in der Nähe war. Das waren die ersten Elefanten, die ich sah. Die größte Lebensgefahr bestand ich in einem Wettlauf mit einem Elefanten. Adrian van Rensburg und ich waren eines Tages im "Veld", um Elefanten zu schießen. Als wir den ersten Trupp zu Gesicht bekamen, war van Rensburg ein Stück hinter mir. Ich galoppierte voraus, um eine gute Gelegenheit zum Schuss zu bekommen. Auf Rensburg warten konnte ich nicht, denn das Pferd, das ich damals ritt, war besonders feurig und hatte die Gewohnheit, wenn ich zum Schießen absprang,

immer erst noch einmal im Kreis um mich herum zu laufen. Ich musste also immer erst mein Pferd beruhigen oder festhalten, ehe ich zum Schusse kam. Schief vor den Elefanten sprang ich ab. Einer von ihnen hatte mich bereits bemerkt und lief, was er konnte, durchs Gebüsch hinter mir her. Ich wusste in diesem Augenblick noch nichts von der Gefahr und ahnte nicht, dass der Elefant hinter mir her war. Van Rensburg aber hatte alles gesehen und schrie, so laut er konnte, um mich zu warnen. Erst jetzt sah ich, was im Werke war, und dass der

Elefant bereits die nächsten Büsche hinter mir "platt" trat. Ich wollte wieder aufs Pferd springen, aber der Elefant lag schon auf mir; die Büsche, die er zusammentrat, drückten mich auf die Erde und machten es mir unmöglich aufzuspringen. Ich ließ also mein Pferd los und sprang quer an dem Elefanten vorbei. Er verfolgte mich unter lautem Trompeten und Schreien und schlug beständig mit seinem Rüssel nach mir. Nun hieß es laufen auf Leben und Tod. Allmählich gewann ich jedoch Vorsprung, so dass mich wenigstens Schläge mit dem Rüssel bald nicht mehr erreichten. Die Kaffern, die auch mit uns waren, standen etwa hundert Meter von mir entfernt. Als sie sahen, was mit mir geschah, fingen sie auch an zu laufen:

sie voraus, ich hinten nach und hinter mir in wütender Verfolgung der Elefant. Ich kam nun auf den Gedanken, einen von den Kaffern, nämlich den, der am schwächsten lief, zu fangen, und falls dann der Elefant auf den Kaffer losstürme, eben zur Seite zu treten und das Tier aus nächster Nähe niederzuschießen. Mein großes Gewehr, einen Vierpfünder, hatte ich immer noch in der Hand. Aber der Elefant war inzwischen so ermüdet, dass er die Jagd von selbst aufgab und stehen blieb. Van Rensburg kam nun angejagt, um mir zu helfen, aber das Pferd trat in ein mit Gras überwachsenes Loch, taumelte und stürzte mit dem Reiter, der seinen Fuß nicht aus, dem Steigbügel bringen konnte, zu Boden.

Unterdessen hatte der Elefant sich auf die Flucht begeben. Als van Rensburg wieder auf die Beine kam, sagte ich zu ihm:

"jage doch in dieser Richtung" - ich zeigte ihm die Richtung mit dem Finger - "und suche mein Pferd zu fangen" Der Elefant hatte sich erst nordwärts gewendet, war aber dann in westlicher Richtung abgebogen, um seine Gesellschaft einzuholen, die in derselben Richtung gezogen war. Ich sagte

noch zu van Rensburg:

Wenn

u mein Pferd hast, so bringe es

mir nach. Ich werde inzwischen den Trupp Elefanten verfolgen und ihn nicht aus dem Auge lassen, bis du wieder bei mir bist." Das Elefantenweibchen, das mich verfolgt hatte, bekam ich bald wieder zu Gesicht; es hatte ein junges, das ein Stück hinter seiner Mutter nachlief. Ich eilte hart an dem Kalbe vorbei, um an den alten Elefanten zu kommen. Aber der junge Elefant fing sofort an zu schreien, als er mich sah, und lief mir nach, und die Mutter, die sich bei dem Schrei sofort umdrehte, konnte mich gerade noch sehen, wie ich in das nächste Gestrüpp sprang. Ohne mich umzuschauen, lief ich das Gestrüpp durch, und zwar in anderer Richtung, als ich hineingelaufen war. Hier stieß ich auf van Rensburg, der mit meinem Pferd ankam und mir zurief: "Hier sind Tsetsefliegen, wir müssen umkehren." Ich antwortete: "Nun gut, dann gehe einstweilen voraus, ich muss unbedingt erst noch einen von den Elefanten schießen, die mir so zugesetzt haben." Das Elefantenweibchen mit dem Jungen war unterdes verschwunden, aber es glückte mir doch, von dem Trupp zwei zu schießen, worauf ich den Rückweg antrat. Mein Pferd, ein sehr wertvolles Tier, das den Namen Tempus trug, war aber derweilen von den giftigen Fliegen gestochen worden, und kurz nach der Heimkehr, als die Regenzeit begann, wurde es krank und starb, nachdem es von dem Fliegengift fast völlig ausgezehrt war. Auf einer größeren Löwenjagd, die wir gemeinschaftlich unternahmen, hatte ich

Gelegenheit, die Treue eines Hundes kennen zu lernen. Wir hatten eine ganze Meute 'bei uns, die bellend die Löwengruppe umringte, die wir nach langem Suchen gefunden hatten. Einer der Hunde ging aber nicht weiter von uns weg als ungefähr zwanzig Schritte. Da blieb er stehen und bellte und war durch

kein Mittel weiter zubringen. Es war zu ängstlich, um sich den anderen Hunden beizugesellen, und zu treu, um uns zu verlassen. Plötzlich aber fielen die Löwen die Hunde an, und diese stoben nach allen Richtungen auseinander. Einer der Löwen stürmte auf uns ein, und nun war der ängstliche Hund der einzige, der nicht flüchtete, sondern auf seinem Posten aushielt. Er zitterte und heulte vor Furcht - ganz abgesehen von anderen Spuren seiner Angst, die er hinterließ - und sah sich alle Augenblicke nach seinem Herrn um, ob denn dieser noch nicht die Flucht ergreife. Aber der Herr blieb, und so blieb der Hund auch. Schon war der Löwe bis auf zehn Schritt an den Hund herangekommen, als wir ihn niederschossen; und auch jetzt war der ängstliche Hund der einzige, der den Löwen anfiel, als dieser im Feuer zusammenbrach. Er war fast gestorben vor Angst, aber um seines Herren willen geblieben. Es war im Jahre 1845, dass ich nahe bei Sekukunis "Stadt" und nicht weit von der Stelle, wo der Spekboomfluß in den Steelpoortfluß mündet (in Nordosttransvaal), mit meiner Frau und meinen Brüdern Douw und Theunis und des ersteren Frau rastete. Wir hatten unsere Wagen ausgespannt, und ich ging im Laufe des Tages ins "Veld", um Wild zu schießen. Ich hatte meinen alten großen Vierpfünder mit und war zu Pferd. Nach ungefähr einstündigem Ritte stieß ich auf ein Rhinozeros und schoss. Das Tier aber war nur verwundet und floh in den dichten Buschwald. Ich sprang sofort von meinem Pferd, um für einen zweien Schuss bereit zu stehen, ging aber nur vier oder fünf Schritte weit, um sofort, wenn das Rhinozeros umkehren und mich angreifen sollte, ohne dass ich zum

Schuss käme, wieder aufspringen zu können. Es glückte mir allerdings, nochmals zum Schuss zu kommen, aber bei diesem Schusse sprang mein Gewehr gerade da, wo ich es mit der linken Hand festhielt. Mein linker Daumen lag mit dein Schloss und dem Ladestock des Gewehres vor mir auf dem Boden' während der Lauf des Gewehres hinter mir zu Boden fiel. Ich konnte mich keinen Augenblick besinnen, denn das Tier stürmte gegen mich an. Ich sprang also rasch auf mein Pferd und jagte zurück, verfolgt von dem Rhinozeros bis zum Übergang eines kleinen Baches, wo mein Verfolger fiel, während ich in der Richtung nach unseren Wagen weiterritt. Am folgenden Tag gingen Leute unseres Lagers auf der Spur meines Pferdes zurück an den Ort des Unheils, und da fanden sie zuerst das Rhinozeros, verwundet, aber noch lebend, und als sie auf der Blutspur weitergingen, die Überreste meines Gewehres und den Daumen. Meine Hand war schrecklich zugerichtet. Alles Fleisch hing herunter, und was von der Vorderhand noch übrig war, hing lose herab. Die großen Adern waren aufgerissen, und die Muskeln lagen bloß. Ich blutete aus der Wunde wie ein Schaf, wenn es geschlachtet wird. Beim Reiten hatte ich noch Gelegenheit gefunden, ein großes weißes Tuch um die Wunde zu binden, damit das Pferd nicht so arg von dem Blut bespritzt würde. Bei meiner Ankunft bei den Wagen saßen meine Frau und meine Schwägerin am Feuer, und damit sie nicht sehr erschraken, ging ich lachend auf sie zu. Meine Schwägerin sagte noch, indem sie auf meine Hand deutete: "Schau, was Bruder Paul für ein fettes Stück Wild geschossen hat", denn das blutige Tuch sah gerade aus wie ein Stück rohes Fleisch. Meiner Frau rief ich zu, sie solle nicht herankommen, sondern mir, das Terpentin aus dem Wagen holen, denn ich habe mir die Hand verletzt. Unterdessen bat ich meine Schwägerin, mir das Bandelier abzunehmen, und dabei bemerkte sie, dass

meine Hand zerrissen war und ich so bleich aussah, denn ich hatte fast kein Blut mehr in mir. Wiederholt erneuerte ich darin die Terpentinumschläge, weil das ein gutes Mittel ist, die Adern, wie die Buren sagen, tot zu brennen und so das Blut zu stillen, und sandte meinen jüngsten Bruder - damals war er wirklich noch jung -, nach dem eine halbe Stunde entfernten Lager von anderen Buren, um dort noch mehr Terpentin zu holen. Von da kam nun Hermanus Potgieter, der später von den Kaffern auf so grässliche Weise ermordet wurde, mit seinem Bruder an. Hermanus kam auf den Wagen, und als er die Wunde sah, rief er aus: "Nein, die Hand ist zu schrecklich, die kann nie heilen" und stieg darin rasch wieder herunter, da er ohnmächtig zu werden drohte. Sein Bruder aber sagte wahrscheinlich um mich zu trösten: "Ach was, ich habe schon grässlichere Wunden gesehen, bring nur mehr Terpentin herbei." Nun wurde unser Wagen eingespannt und nach dem Lager gezogen. Dort riet man mit, einen Doktor holen zu lassen, um mir die Hand abzunehmen. Aber ich weigerte mich entschieden, mich freiwillig noch weiter verstümmeln zu lassen. Von meinem Daumen waren beide Glieder ab. Inzwischen aber zeigte sich, dass noch ein Stück des Knochens weg musste. Ich nahm mein

Taschenmesser zur Hand, um diese Operation zu vollziehen, aber man riss es mir weg. Später glückte es mir, ein anderes Messer zu erwischen, und nun schnitt ich den Daumen über den Ballen herüber ab, so weit es nötig war. Die ärgste Blutung war jetzt schon gestillt, aber trotzdem war die Operation sehr schmerzhaft. Arzneimittel zum Stillen des Schmerzes hatte ich nicht, und so bemühte ich mich, mir bei der

Operation einzureden, dass es ja gar nicht meine Hand, sondern die eines anderen sei, in die ich schneide. Langsam begann die Wunde zu heilen. Die Frauen streuten fein gemahlenen Zucker auf die Wunde, und ab und zu musste ich selbst das kranke Fleisch und das Blut auf der Wunde mit meinem Taschenmesser entfernen. Später bekam ich den Brand in die Hand. Verschiedene Mittel wurden angewendet, aber keines wollte helfen. Bereits zeigten sich schwarze Streifen, die sich bis zur Schulter hinaufzogen. Nun schlachtete man einen Bock, nahm den Bauch heraus, schnitt ihn, während er noch warm war, auf, und da hinein steckte ich meine Hand. Dieses Burenmittel half, und als der zweite Bock an die Reihe kam, war die Gefahr schon vermindert. Immerhin dauerte es noch sechs Monate, die Wunde einigermaßen geheilt war, und ehe sie ganz eilt war, war ich bereits wieder auf der Jagd. Die Kraft des gebrauchten Heilmittels schreibe ich dem Umstande zu, daß so viel Kräutergesträuch an dem Spekboomfluß wächst, wo die Böcke gewöhnlich grasen.

Feldkornett Krüger

Bereits im Jahre 1842 war Paul Krüger zum Vizefeldkornett ernannt worden, aber von Bedeutung wurde seine Stellung erst, als er im Jahre 1852 zum wirklichen Feldkomett gewählt wurde. Als solcher begleitete er in diesem Jahre den alten Generalkommandanten A. W. J. Pretorius nach dem Zandflusse 5). Noch in demselben Jahre fand der Feldzug gegen den Bakwena- Häuptling Sechiel (auch "Setyili" oder "Setscheli") statt, woran Krüger als Kommandant teilnahm. Dieser Sechiel gewährte einem anderen Kaffernhäuptling mit Namen Moseliel, der in der Südafrikanischen Republik Mordtaten verübt hatte, Unterschlupf und weigerte sich, ihn auszuliefern. Das Ersuchen um Auslieferung beantwortete er mit der brutalen Erklärung: Wer Moseliel haben wolle, müsse ihn aus seinem Magen holen. Er wollte damit sagen, bei ihm

sei Moseliel so sicher geborgen wie die Speise, die er gegessen habe. Ein Kommando unter Befehl des Hauptkommandanten Scholtz und des neu gewählten stellvertretenden Kommandanten Paul Krüger wurde abgesandt, um ihn zu züchtigen. Als das Kommando vor Sechiels Stadt ankam, sandte der Kaffernhäuptling an den Kommandanten Scholtz einen Boten und ließ ihm sagen, er wolle ihm morgen nichts tun, denn da sei Sonntag, aber am Montag wolle er ordentlich mit ihm abrechnen. Zugleich ließ er ganz naiv - wahrscheinlich für die Gefälligkeit, dass er uns den Sonntag über "verschonte" um etwas Kaffee und Zucker ersuchen. Kommandant Scholtz ließ Sechiel zurücksagen er habe wohl Kaffee und Zucker, aber nicht zum Versenden. Er werde ihm aber Montag dafür Paprika senden. Am Montagmorgen begann der Sturm. Krüger war wie gewöhnlich einer der ersten und schoß mit seinem Vierpfündergewehr, das er mit grobem Schrot geladen hatte,

viele Kaffern nieder. Als der Berg, auf dem Sechiels Stadt lag, bereits zu einem Teil erobert war, schoss Louw du Plessis, der die Kanone bediente, gegen einen großen Stein, und die zurückprallende Kugel streifte das Haupt Krügers so stark, dass er bewusstlos niederfiel und ihm ein gewisser van Rooyen, der ihm zugleich ein Tuch um den schmerzenden Kopf legte, wieder auf die Beine helfen musste. Während Krüger bewusstlos lag und van Rooyen um ihn

beschäftigt war, hielt ein Hottentottenjunge seines Bruders, der herangelaufen kam, durch sein sicheres Schießen die Kaffern in respektvoller Entfernung. Als Krüger wieder zu sich kam, sah er gerade, wie die Kaffern hinter Felsen und Geröll sich anschlichen, und erkannte die Gefahr, der seine Burgers preisgegeben waren, wenn sie nicht rechtzeitig gewarnt wurden. Sofort erhob er sich, um den Angriff auf die gefährdeten Punkte zu leiten, obwohl er wegen seiner Verwundung selbst noch kein Gewehr führen konnte. Die Kaffern schossen noch immer gewaltig aus allen Schluchten und Löchern, aber nach einem harten Gefecht glückte es den Burgers, sie vom Berge zu verjagen. Noch einmal war Krüger während dieses Gefechtes, in Todesgefahr. Eine feindliche Kugel aus einem enorm Englisches Arsenal für die Kaffern großen Gewehr streifte ihn auf der Brust und riss ihm seine Jacke entzwei. Der schlaue Sechiel erzählte später, er habe es bis zuletzt in seiner Hand gehabt, Krüger zurückzuwerfen, aber von dem Augenblicke an, wo dieser Gelegenheit gefunden habe, zu seiner Schnapsflasche zu gelangen, sei er unwiderstehlich gewesen. Dabei hat Krüger niemals einen Tropfen Branntwein getrunken. Nach Beendigung des Gefechtes sandte Kommandant Scholtz nach dem Hause des englischen Missionars Livingstone, das nicht weit von der Kaffernstadt entfernt war. Hier fand Theunis Pretorius eine völlige Werkstatt zur Reparatur von Gewehren

und eine Menge von Kriegsmaterialien, die Livingstone für Sechiels Bedarf aufbewahrte. Das war eine Verletzung des Zandriviertraktates von 1852, worin bestimmt war, dass weder Waffen noch Munition den Kaffern verschafft werden dürften, noch auch zugelassen werden dürfe, dass sie sich selbst das eine oder andere verschafften. Scholtz konfiszierte demgemäß das Kriegsarsenal des Missionars, wofür dann die Buren durch Livingstone in ganz England beschimpft und auf alle mögliche Weise als Missionsfeinde und grausame Verfolger der Schwarzen verlästert wurden. In Wirklichkeit waren die Buren weder Gegner der Mission noch Feinde der Eingeborenen. Ihr Grundsatz war, jedem Stamm, der Ruhe und Friede hielt und Kultur anzunehmen bereit war, ein bestimmtes Gebiet zuzuweisen, dessen Größe sich nach der Größe des Stammes berechnete. Den Missionaren" die unter den Eingeborenen arbeiten wollten, gaben sie ebenfalls Grund und Boden für Kirche und Privatzwecke umsonst. Und schon vor Ankunft der Missionare jenseits des Vaal hatten einzelne Buren für Verkündigung des Evangeliums unter ihren schwarzen Arbeitsleuten gesorgt. Aber die Verpflichtung, den Eingeborenen die vielfach eingeschmuggelten Waffen wieder abzunehmen - um nicht

England Gelegenheit zu geben, die Buren des Vertragsbruches zu beschuldigen und infolgedessen den Zandriviertraktat, der den Auswanderern nördlich des Vaal ihre Freiheit verbürgte, als aufgehoben zu erklären -, brachte sie vielfach in unangenehme Berührung mit eingeborenen Stämmen 6). Der folgende Krieg, an dem Krüger unter Generalkommandant Pretorius teilnahm, war der vom Jahre 1853 gegen die Kaffernhäuptlinge Mapela und Makapaan im Distrikte Waterberg bei Makapaanspoort. Es war ein Rachezug wegen des grässlichen Mordes, der an Hermanus Potgieter, dem Bruder des früheren Generalkommandanten 7),

begangen worden war. Dieser Potgieter war ein ausgezeichneter Schütze und hervorragender Elefantenjäger. Mapela hatte ihm Nachricht gesandt, er möge zu ihm kommen, es seien in seinem Gebiete gerade außergewöhnlich viele Elefanten. Außerdem musste Potgieter dahin, um nach seinem Vieh zu sehen, das unter Mapelas Obhut stand, wofür dieser die Milch der Kühe bekam - ein Abkommen, das auf Mapelas Ersuchen geschlossen worden war. Nach Empfang der Botschaft Mapelas reiste Potgieter mit seinem Sohn Andries, noch ein paar Bürgern und seinem Reitknecht, einem Farbigen, ab. Bei Mapela wurden die Wagen, wie das

Gewohnheit war, in die Kaffernstadt geschoben. Die Kaffern unterhielten sich erst freundschaftlich mit Potgieter und seinen Begleitern und beschrieben ihm den Ort, wo die Elefanten waren. Plötzlich aber überfielen sie die ganze Gesellschaft, töteten Potgieters Sohn und seine Begleiter und schleppten Potgieter selbst auf einen Felsenhügel, wo sie ihm in Gegenwart seines Reitknechtes unter jubel und Freudentänzen bei lebendigem Leibe die Haut abzogen. Der Ärmste wurde erst von der Marter erlöst, als ihm seine Mörder die Eingeweide aus dem Leibe rissen. Der Reitknecht, der freigelassen wurde, führte Krüger später auf den Platz, wo diese Schatchterei statt-gefunden hatte. Während Mapela diese Untat vollführte, hatte, Makapaan mitten im Frieden, wo niemand an etwas Böses dachte, eine Anzahl von Frauen und Kindern, die auf dem Wege von Zoutpansberg nach Pretoria friedlich ihre Straße zogen, überfallen; die beiden Häuptlinge hatten sich verabredet, gemeinsam die Weißen in ihren Gebieten zu ermorden. Als diese Mordtaten bekannt wurden, wurde beschlossen, die Kaffernhäuptlinge zu züchtigen. General Piet Potgieter, der Neffe von Hermanus Potgieter, zog mit hundert Mann von Zoutpansberg aus, um die Mordtat zu rächen. Zugleich mit ihm brach Generalkommandant Pretorius

mit zweihundert Mann zu demselben Zwecke von Pretoria auf. Im Kommando von Pretorius befand sich Krüger als Unterführer. Ehe diese beiden Kommandos sich vereinigt hatten, griffen die Kaffern nächtlicherweise das Lager von Potgieter an, wurden aber zurückgeschlagen. Nach Vereinigung der beiden Kommandos wurden die Kaffern in ihre Berge getrieben, wo sie sich in Höhlen und Schluchten zurückzogen. In diesen Höhlen wurden sie von dem vereinigten Kommando festgehalten, um durch Hunger zur Übergabe gezwungen zu werden. Nachdem die Kaffern lange Zeit hier festgelegen und schon viele Verluste durch die Hungersnot erlitten hatten, versuchte Krüger, ein Ende herbeizuführen und durch List eine Übergabe zu erreichen. Er kroch zu diesem Zwecke in der Dunkelheit in die Höhle, worin sich die Kaffern befanden, ohne daß ihn jemand gewahr wurde. Mitten unter ihnen sitzend, redete er sie dann in ihrer

eigenen Sprache an, als sei er einer der Ihrigen, und meinte, es sei doch besser, sich zu ergeben, als vor Hunger zu sterben. Er sagte, die Weißen würden sie sicher nicht töten, und bot sich selbst an, hinauszugehen zu den Weißen und darüber mit ihnen zu unterhandeln. Da mit einem Male rief ein bewaffneter Kaffer: "Magoa" (das heißt weißer Mann). Aber auch dieser gefährliche Augenblick ging vorüber, denn sowie der Kager "Magoa" rief und die anderen tiefer in die Höhle flüchteten, sprang auch Krüger auf und flüchtete mitten unter ihnen in den Hintergrund der Höhle. Die Kaffern suchten nun überall nach dem weißen Mann, nur da nicht, wo er war, nämlich in ihrer eigenen Mitte. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatten, redete Krüger ihnen wiederum in ihrer eigenen Sprache zu, sich doch zu ergeben. Schließlich glückte es ihm, einhundertsiebzig bis einhundertachtzig Frauen und Kinder mit sich heraus- zunehmen; und erst als er draußen war, merkten sie, dass Krüger es war und kein Kaffer, der zu ihnen gesprochen hatte.

Sein Plan war eigentlich gewesen, durch freiwillige Übergabe der Kaffern ihre schuldigen Kapitäne in die Hände zu bekommen. Aber das war nicht zu erreichen gewesen, und die Belagerung musste fortgesetzt werden. Generalkommandant Pretorius war sehr aufgeregt über Krügers Unvorsichtigkeit. Er bestrafte ihn streng, weil er es gewagt hatte, allein unter die Kaffern in eine Höhle zu gehen, und schickte ihn auch von den Höhlen weg. Während der weiteren Dauer der Belagerung entkam Krüger noch einmal mit genauer Not dem Tode. In einem der Gefechte wurde Generalkommandant Potgieter durch einen Schuss aus einer Felsspalte erschossen. Er stand gerade am Rande einer Felsenwand und gab seinem Kaffer Anweisungen, da traf ihn der tödliche Schuss. Potgieter stürzte hinunter, mitten in eine Kaffernschanze hinein. Krüger sah es und eilte ohne Zögern hinab, um wenigstens die Leiche zu retten. Die Kaffern eröffneten aus den Schießlöchern ihrer Schanze ein gewaltiges Feuer auf ihn, aber die Burgers erwiderten das Feuer ebenso lebhaft, so dass Krüger über den Wall der Kaffernschanze springen, die Leiche auf den Wall hinaufheben, unter dem Schutze des Pulverdampfes selbst wieder über den Wall springen und den Leichnam mit sich zurückbringen konnte. Potgieter war ein großer, schwerer Mann, und Krüger musste alle Kraft anstrengen, um den toten Freund zu den Seinen zurückzuschaffen. Einer der Kaffern, den man gefangen hatte, behauptete, verborgene Höhlen zeigen zu können, in denen Elefantenzähne aufgehäuft seien. Pretorius sandte Krüger mit diesem Kaffer ab, uni die Zähne zu holen. Auf diesem Gange fand Krüger noch viele blutbefleckte Kleidungsstücke, die den von den Kaffern ermordeten Frauen und Kindern gehört hatten, ebenso Überbleibsel von Körperteilen, die die Kaffern am Spieße gebraten hatten, gar geröstete Schultern, Arme usw.

Der Kaffer, der das Versteck der Elefantenzähne nachweisen wollte, trug auch Kleidungsstücke, die von ermordeten Weißen herrührten. Endlich bei der Höhle angekommen, wo die Zähne liegen sollten, suchte der Kaffer zu entfliehen, und es glückte Krüger erst nach anstrengen der Verfolgung, ihn wieder zu fangen. Die Elefantenzähne erwiesen sich als Schwindel. Kurz danach war der Widerstand der Leute Makapaans gebrochen. Aus den Höhlen waren sie nicht herauszubringen gewesen, und auf jeden, der sich näherte, hatten sie geschossen. So blieb nichts übrig, als sie auszuhungern. Viele Hunderte kamen denn auch durch Hunger um. Ein kleiner Teil rettete sich auf unterirdischen Wegen durch die Berge. Eine Anzahl wurde gefangen und vor ein Kriegsgericht gestellt; ehe Krüger, der gerade auf Jagd gewesen war, zurückkam, waren sie standrechtlich erschossen. Die Erschießung dieser Menschenfresser war unumgänglich, notwendig gewesen, zumal keine Schuldigen ausgeliefert wurden und der Häuptling selbst verschwunden blieb. Der junge Nachwuchs des Stammes, soweit er in die Hände der Buren gefallen war, wurde "ingeboekt", das heißt Burenfamilien unter gesetzlicher Aufsicht bis zur Volljährigkeit zur Erziehung übergeben. Das Kommando wandte sich nun gegen Mapela; Krüger machte diesen Zug zunächst nicht mit. Generalkommandant Pretorius hatte ihn mit einem kleinen Kommando gegen Marabas Stadt gesandt, weil man gehört hatte, dass sich da viel von Makapaans Vieh befinden solle. Krüger solle die Sache untersuchen und, wenn Maraba sich widersetzte, ihn anfallen. Es wurde aber kein Widerstand geleistet. Ein Teil der Kaffern floh, und ein anderer Teil ergab sich.

Diese wieder erklärten, dass - sie wohl Vieh von Makapaan hätten, aber nie an seinen Missetaten beteiligt gewesen seien und gern das geraubte Vieh, soweit es sich bei ihnen befände, zurückgäben. Das geschah auch, aber man fand hier nur tausend Stück. Nachdem er das Vieh im Empfangf genommen hatte, kehrte Krüger zurück, ohne den Kaffern von Maraba das geringste Leid zugefügt zu haben. Er erreichte noch rechtzeitig die anderen Kommandos, die auf dem Weg gegen Mapela waren. Aber auch Mapelas Kaffern waren größtenteils geflüchtet. Einige Wagen, Kisten und andere Gegenstände der ermordeten Weißen wurden auf einem Kop nahe Mapelas Stadt gefunden. Das nahmen dann die Kommandos bei ihrer Heimkehr mit. Das Strafgericht an Mapela konnte erst mehrere Jahre später, 1858, vollzogen werden. Er hatte sich unterdessen noch anderer Freveltaten schuldig gemacht; auch musste man ihm die Feuerwaffen abnehmen, die er sich zu verschaffen gewusst hatte. Ein Kommando unter General Schoeman, dessen Assistent Paul Krüger war, zog gegen ihn; aber Mapela hatte sich auf einen hohen, nach allen Seiten in steilen Felsenwänden schroff abfallenden Kop zurückgezogen und sich da verschanzt. Krüger rief Freiwillige auf, um diese Feste zu stürmen, und es meldeten sich etwa hundert Mann. Mit diesen rückte er in der Nacht unbemerkt an den Fuß des Berges vor. Hier zog das Kommando seine ungegerbten, roh zurechtgeschnittenen, mit Riemen an die Füße gebundenen Feldschuhe aus, um leise die Schlucht emporzuklimmen, die als einziger Weg zu der Höhe hinaufführte, und die Kaffern zu überfallen. Krüger ging mit einer Patrouille voraus und kam halbwegs des Berges, wurde aber hier entdeckt. Ein Wachtposten ließ ihn bis dicht an sich herankommen und drückte dann los.

Ohm Krüger im Kreise seiner Familie

Ohm Krüger im Kreise seiner Familie

Ohm Krüger und sein Sohn Jan

Ohm Krüger und sein Sohn Jan

Das Gewehr versagte; Krüger merkte den Mann erst, als er den Hahn knacken hörte, und schoss ihn dicht vor seinen Füßen nieder. Von allen Seiten schossen die Kaffern nun, die die Schlucht besetzt hielten. Krügers Gewehrträger fiel. Er selbst stürmte in aller Eile zurück zu den Kameraden: "Vorwärts, Feldschuhe angezogen und drauf ohne Rücksicht." So wurde der Pass genommen und droben Stellung gefasst, bis der Tag anbrach. Die Kaffern hatten sich weiter zurückgezogen, stürmten aber heran, als sie der ersten zum Angriff vorgehenden Gruppe von Burgers, etwa fünfzehn Mann, ansichtig wurden. Bis sie jedoch auf fünfzig Schritte heran waren, hatte das Häuflein der Burgers auch Zuwachs erhalten und zählte etwa hundert Mann. Ihr Feuer warf die Schwarzen reihenweise nieder, und in wilder Flucht stoben sie davon. Von der Felsenplatte herab führte auf der anderen Seite noch ein Weg, eine Baumleiter. Hier überstürzten sich die Flüchtigen, und mehr kamen dadurch um, als im Gefecht gefallen waren. Die Bäume waren behangen mit Toten, denn unten war alles Wald. Mapela selbst entkam. Kaum war Krüger von der ersten vergeblichen Expedition gegen Mapela zurückgekehrt, so musste er schon wieder auf Kommando, nämlich im Dezember 1853, und zwar gegen den Häuptling Montsioa, der auf dem "Hoogeveld" zwischen dem Schoonbache und Marico am Hartsflusse wohnte. Dieser Häuptling hatte während einer großen Kälte, die von Schneefällen begleitet war, den Buren viel Vieh gestohlen und zugleich einen der Besitzer dieses Viehs ermordet und war dann nach Setlagoli im Britisch-Betschuanaland geflohen. Als das Burenkommando, das gegen ihn aufgeboten wurde, in die Nähe von

Setlagoli kam, stieß es auf einen großen Heuschreckenschwarm. Diesen hatten auch die Kaffern gesehen, und wie sie nun die Staubwolken der anrückenden Burenkommandos von ihrer Stadt aus sahen, glaubten sie, das sei der Heuschreckenschwarm und ließen so den Feind an ihre Stadt herankommen, ohne sich zur Wehr zu setzen. Als das Kommando fast an der Stadt war, sandte Generalkommandant Pretorius Krüger zu dem Kapitän, um ihm mitzuteilen, zu welchem Zwecke das Kommando gekommen sei, und Montsioa aufzufordern, zu kommen und sich zu rechtfertigen. Ehe aber Krüger den Kapitän erreichte - er fand ihn in der nächsten Stadt nicht und musste dann weiter zur Hauptstadt -, griffen, die Kaffern ihn plötzlich mit seiner Begleitung an.

Krüger, der den anderen Burgers allein weit voraus ritt, befand sich in einer sehr heiklen Lage. Sein Pferd war völlig erschöpft. An eine Flucht war nicht zu denken. Er ritt im Schritt weiter, um nicht die Aufmerksamkeit der Kaffern auf sich zu ziehen. Als die vordersten Kaffern ihm schon fast gegenüber waren, jagten vier Burgers auf ihn zu, wodurch die Kaffern erst auf ihn aufmerksam wurden und sich gegen ihn wandten. Krüger zwang sein Pferd zu einem letzten Galopp und stürmte gegen die Kaffern an, um sie so glauben zu machen, dass sein Pferd noch in guter Verfassung sei, und die List glückte auch. Die Kaffern wandten sich zur Flucht, und so bekamen Krüger und seine vier Gefährten Gelegenheit zu entkommen. Krüger brachte sein erschöpftes Pferd zu dem Vieh zurück, das dem Kommando gehörte, und wollte dann zu Fuß gegen die Kaffern mitgehen. Kommandant Schutte ersuchte ihn jedoch, zurückzukehren, da er zu Fuß sei und von den Kaffern leicht gefangen genommen werden könne. Er antwortete aber, die meisten

Kaffern seien ja auch zu Fuß, und wenn es aufs Laufen ankäme, dann würden die Kaffern ihn gewiss nicht fangen. Als Schutte sah, dass Krüger von seinem Entschluss nicht abzubringen war, befahl er seinem Reitknecht, sein Pferd abzugeben und selbst nach dem Lager zurückzukehren. So kam denn Krüger doch zum Kampf, Das Kafferrikommando zählte ungefähr fünfhundert Mann, während die vorausgesandten Burgers, die ihnen gegenüberstanden, im ganzen vierzig Mann zählten, und von diesen waren noch einige bei den Wagen und bei dem Vieh zurückgeblieben. Es glückte aber dem kleinen Häuflein, den Kaffern beträchtliche Verluste beizubringen und sie in die Flucht zu schlagen. Unsere Verluste betrugen nur ein paar Verwundete. Ebenso glückte es dem Burenkommando, den Kaffem das gestohlene Vieh wieder abzunehmen. Bei diesem Vieh befand sich eine Anzahl von Kagernjungen, die noch am selben Abend von General Pretorius unter Krügers Schutz nach ihrer Stadt zurückgesandt wurden. Auch war Krüger beauftragt, dem Kaffernhäuptling die Botschaft zu überbringen, dass die Buren nicht gekommen seien, um sie zu bekriegen, sondern um das gestohlene Vieh zurückzuholen, und dass sie am folgenden Tag kommen würden, um mit ihm darüber zu verhandeln. Krüger ging bis dicht an die Kaffernstadt heran, ließ dann die Kaffernjungen frei und kehrte selbst nach dem Lager zurück. Die Botschaft wurde dem Kapitän durch die losgelassenen Gefangenen richtig übermittelt, aber zu einer Besprechung mit ihm kam es nicht, denn er flüchtete noch in derselben Nacht. Die Buren verfolgten ihn nicht, sondern kehrten mit dem Vieh, das sie genommen hatten, nach ihren Farmen zurück.

General-Assistent Nach der Rückkehr von der Expedition gegen Mmontsioa wurde der Generalkommandant A. W. J. Pretorius ernstlich krank. Als er fühlte, dass sein Ende nahe war, ließ er Krüger rufen. Aber dieser war gerade auf einem Jagdzug im Distrikte Rustenburg, und die Boten konnten ihn nicht rechtzeitig finden, so dass, als er zurückkam, der Generalkommandant bereits gestorben war. Das war sehr bedauerlich, denn wer weiß, was dieser große Mann in seinen letzten Augenblicken noch gern besprochen hätte. Schon auf dem Rückwege aus Montsioas Stadt hatte er sich viel mit Krüger

über religiöse Dinge unterhalten und hätte sicher auch in dieser Beziehung ihm noch mehr zu sagen gehabt. Einige Tage nach seinem Tode kam ein Brief der englischen Kommissare Owen und Hogge an. Das waren die Spezialommissare der Königin von England, die als te Zur Regelung der Verhältnisse an den östlichen und nordöstlichen Grenzen des Kaps der Guten Hoffnung" mit den Burenemigranten die Verträge schlossen, wodurch der Freistaat und die Südafrikanische Republik ihre Freiheit erhielten. Der Brief war an den Verstorbenen adressiert und enthielt das Ersuchen, im Namen der Emigranten den Oranjefreistaat von der englischen Regierung zu übernehmen. Aber das war nun nicht mehr möglich, und die Übernahme der Landesregierung des Oranjefreistaates aus den Händen Englands fand nun durch die Herren Venter Boshoff und einige andere Freistaatbürger statt. Hierdurch sind später große Differenzen zwischen dem jungen Pretörius und dem Oranjefreistaat ausgebrochen, denn es hieß in der Mitteilung, dem Generalkommandanten Pretorius und den Auswanderern solle der Freistaat abgetreten werden. Pretorius war nun gleich vielen Bürgern der Anschauung, dass das Land seinem Vater und damit auch

ihm als dessen Nachfolger übertragen sei. ja, es wäre darum zwischen dem Freistaate und der Südafrikanischen Republik fast zum Bruderkriege gekommen. An Stelle des verstorbenen Pretorius wurde sein ältester Sohn Martinus Wessel Pretorius Generalkommandant der Südafrikanischen Republik und nach Annahme einer Verfassung, die einen Präsidenten vorsah, ein paar Jahre später auch Präsident. Allerdings war er damals noch nicht gleich Präsident der Republik, denn das neue "Grundgesetz" ,wurde nicht überall anerkannt, sondern nur Präsident der Regierung, die er vertrat. Er machte nun seine vermeintlichen Ansprüche auf den Freistaat geltend und rief im Jahre 1857 zu den Waffen, als er sich durch die Zurückweisung seiner Ansprüche gekränkt glaubte. Krüger war damals gerade auf einem Haridelszuge, als man ihn zurückrief. Er war aufs entschiedenste gegen das Vorgeben von Pretorius, den er mit seinem Aufgebot am Vaalfluß lagern fand, und sagte ihm klar und deutlich seine Meinung. Aber nachdem sich einmal der Präsident des Freistaates mit dem Generalkommandanten Schoeman im nördlichen Transvaal - dem Teil des Landes, wo die neue Verfassung nicht anerkannt wurde - dahin verabredet hatte, daß dieser dem Freistaat zu Hilfe kommen sollte, meinte er, man müsse rasch handeln und Boshoff angreifen. So zog man über den Fluß Boshoff entgegen, der mit einem großen Kommando anrückte. Als die Gegner aufeinanderstießen, sandte Boshoff einen seiner Offiziere, um den Vorschlag zu friedlicher Beilegung zu machen. Pretorius war sehr damit einverstanden. Seine Leute waren auch gar nicht kriegerisch aufgelegt; als der Bote der Gegenpartei kam, übten sie gerade den Bocksprung, so dass der Bote erstaunt ausrief: "Also so gering schätzt ihr uns l" Pretorius sandte Krüger als Unterhändler ab, und dieser sagte Boshoff ebenso offen seine Meinung wie Pretorius:

"Ihr seid ebenso schuldig wie euer Gegner. Warum greift ihr zu den Waffen, statt Pretorius beim Volksrate anzuklagen? Da wäre er sicher bestraft worden." Koos Venter, ein großer starker Mann, der dabei stand, raste gegen Pretorius und rief ein über das andere Mal: "Wenn ich ihn hätte, den Hals wollte ich ihm umdrehen wie einem kleinen Vögelchen". Schließlich wurde auch Krüger das Blut warm, und er sagte: "Herr Boshoff, die Sache ist leicht zu erledigen. Koos soll seinen Rock ausziehen, ich mache es ebenso, und dann ringen wir miteinander um den Sieg. Unterliegt er, so fügt ihr euch unseren Bedingungen, unterliege ich, so ist es umgekehrt."

Aber Venter wollte davon nichts wissen; gegen Krüger habe er ja nichts, meinte er. Krüger erwiderte zwar: "Das macht nichts, du trittst eben für deinen Präsidenten ein, und ich für den meinigen", aber zu dem Zweikampf kam es doch nicht. Dagegen verhielt sich Venter jetzt ruhig, und es wurde eine Kommission ernannt, die am Vaalflusse zusammenkommen und dort den Streit erledigen sollte. Hier musste Krüger die Sache seines Präsidenten, der auch persönlich schwer Beweis aus der Heiligen Schrift gegriffen wurde, verteidigen, so wenig er sie billigen konnte. Endlich kam es doch zum Vergleiche, und Preorius gab seine ungerechtfertigten Ansprüche auf. In der Übereinkunft wurde bestimmt, dass jeder Teil das Recht habe, die Schuldigen in seinem Lande zu strafen. Nun wurden aber im Freistaate zwei Burgers, die auf Pretorius' Seite gestanden waren, wegen Hochverrats zum 'rode durch den Strick verurteilt. Wiederum machte sich Krüger auf den Weg, um zu intervenieren. "Warum brecht ihr nun wieder den Vertrag?" redete er Boshoff an. "Wir ,den Vertrag brechen? Wieso?" entgegnete dieser. "Nun, wollt ihr nicht zwei eurer Leute aufhängen?" Ja, das ist unser Recht, wie es in der Übereinkunft festgestellt ist." "Nein, davon steht nichts im Vertrag.

Ihr habt das Recht, zu strafen; strafen aber heißt züchtigen, vermahnen, verwarnen und durch die Züchtigung bessern." Und als Boshoff das nicht zugeben wollte, holte Krüger die Bibel und zeigte ihm, dass die Heilige Schrift einen Unterschied mache zwischen "Strafen" und "Bestrafen", man könne jemand wohl mit dem Tode "bestrafen", aber nicht ihn töten, um ihn zu strafen. Nun gaben auch die Freistaater nach, und damit war diese Sache für immer erledigt. Bald darauf erhielt Krüger Gelegenheit, dem Freistaate einen Dienst zu erweisen. Schon seit der Unabhängigkeitserklärung hatte man da Schwierigkeiten mit dem Basutohäuptling Masus, und es herrschte schließlich offener Kriegszustand zwischen Masus und dem Freistaate. Masus war ein nicht zu verachtender Gegner und verfügte über eine starke Kriegsmacht. Seine Banden durchstreiften raubend und plündernd den ganzen südlichen Teil des Oranjefreistaates. Sobald Krüger davon hörte, entschloss er sich, nach dem Freistaate zu gehen und der Regierung seine Hilfe anzubieten. Präsident Pretorius begleitete ihn mit etwa dreißig Mann unter Feldkornett Bodenstein. Zu Osspruit am oberen Zandflusse traf man auf das erste Lager der Freistaater. In derselben Nacht raubten die Kaffern die Herden dieses Lagers. Krüger sandte Feldkornett Bodenstein mit seinen Leuten hinter ihnen her, und es glückte diesem, den Kaffern das Vieh wieder abzunehmen. Von hier zog Krüger mit seinen Leuten über Winburg nach Bloemfontein. Hier erbot er sich, persönlich zu Masus zu gehen und einen Frieden mit ihm zu vermitteln. Die Regierung des Oranjefreistaates nahm dieses Angebot an und gab ihm General Fick und Martinus Schoeman zur Begleitung mit. Masus wohnte auf dem Berg Thaba Bosigo. Am Fuße dieses Berges angekommen, sandte Krüger Botschaft hinauf zu Masus, dass er nicht erschienen

sei, um gegen ihn zu kämpfen, sondern daß er mit ihm wegen des Friedens zu sprechen wünsche. Masus ließ zurücksagen:

"Ich werde sofort kommen, um mit dem Herrn Krüger zu sprechen." Krüger aber dauerte das zu lange, und er erstieg sofort den Berg, um direkt nach Masus ' Stadt zu gehen. Als er mit seinen Begleitern die Höhe erreicht hatte, kam ihm Masus entgegen. Magato, der Kaffernkapitän aus der Nähe von Rustenburg, der sich bei Masus befand, stellte Krüger vor, indem er sagte: "Das ist Paul Krüger", worauf Masus ihm die Hand reichte und sprach: "Ist das Paul Krüger? Wie ist denn das möglich? Ich habe Joch bereits so viele Jahre von ihm reden hören und bin nun schon so alt. Wie kann er da noch so jung sein?" Dann faßte er Krüger beim Arm und führte ihn nach seinem Hause in ein Zimmer, das kein Schwarzer betreten durfte, sondern das stets für den Empfang von Weißen bereit stand. Nachdem einige Erfrischungen genommen waren, trat man sofort in die Verhandlungen ein. Krüger begann: "Warum schießt ihr euch doch wegen einer solchen Kleinigkeit einander tot? Warum setzt ihr euch nicht friedlich auseinander? Ihr müsst doch einsehen, dass der Krieg euch selber Schaden bringt. Ihr versperrt dadurch die großen Fahrstraßen auch für die anderen Nationen, mit denen ihr in Frieden lebt." Nach vielem Hin- und Herreden sagte Masus endlich: "Es ist wahr, was du sagst, denn alles, was hier in meinem Hause brauche, muss ich von anderen Nationen beziehen. Und wenn die Wege durch den Krieg versperrt sind, kann ich auch nichts bekommen." Hierauf fing er von etwas Neuem an. "Bist du der Mann", fragte er Krüger, "der Mapela von seinem Berge geholt hat?" Krüger antwortete: "ja." Nun fragte Masus weiter:

"Weißt du denn auch, dass zwei meiner Töchter mit Mapela verheiratet waren?" Und nach einer, kleinen Pause:

"Du musst nicht denken, dass es deine Tapferkeit war, die den

Mapela von seinem Berge geholt hat, sondern es war Gottes Fügung, die Mapela bestraft hat, weil er einen so grässlichen Mord begangen hat." Da nun Masus bei jeder Gelegenheit von Gottes Fügung redete und fromme Worte gebrauchte, so sagte Krüger: "Aber wenn du so gläubig bist, wie kommt es dann, dass du mehr als eine Frau hast?" Masus antwortete: "ja, ich habe so ungefähr zweihundert, aber das ist noch nicht halb so viel, als Salomo hatte." Darauf Krüger: "ja, aber weißt ,du denn nicht, dass seit Christus und nach dem Neuen Testament ein Mann nur eine Frau haben darf?" Masus überlegte und erwiderte dann: "ja,

was soll ich dir sagen

Am Abend ließ Krüger noch einmal Masus zu sich rufen. Masus kam, aber nun wie ein gewöhnlicher Kaffer gekleidet. Als er hereintrat, rief ihm Krüger entgegen: "Wo bleibt Masus so lange, kann er nicht kommen, wenn ich ihn rufen lasse?" Masus antwortete: "Ich bin Masus." "So", sagte Krüger, "Du bist Masus? Wie kommt es dann, dass du wie ein Weib gekleidet bist?" worauf Masus herzlich lachte. Am Abend noch wurde zwischen Krüger und Masus eine Übereinkunft getroffen, wonach der Krieg sofort aufhören sollte. Masus verpflichtete sich, seine Kaffern zurückzurufen, sobald er Mitteilung bekommen habe, dass der Oranjefreistaat das Übereinkommen annehme. Ein Friedensdokument wurde aufgesetzt und am folgenden Morgen unterzeichnet. Masus lud Krüger hierauf ein, noch etwas bei ihm zu verweilen, da er ihm ein schönes Reitpferd aussuchen wolle. Krüger nahm die Einladung an, obwohl seine Begleiter Fick und Schoeman nicht länger warten wollten und allein abreisten. Masus brachte dann ein ausgezeichnetes Reitpferd als Geschenk.

es ist eben die Natur."

Die Regierung des Oranjefreistaates genehmigte später den Vertrag, den Krüger mit Masus entworfen hatte. Damit war der erste Basutokrieg beendigt. Noch vor seinem Weggang aus Masus' Stadt erhielt Krüger von Präsident Pretorius die Nachricht, dass er direkt zurückkommen müsse, um als General-Assistent mit einem Kommando gegen Gasibone, einen Kaffernhäuptling am Hartsflusse, zu ziehen. Dieser Häuptling hatte den Weißen ihr Vieh gestohlen, einige ermordet, eine alte Frau und ein Mädchen von achtzehn Jahren weggeführt. Sofort nach Empfang der Botschaft machte sich Krüger zu Pferde nach seinem Heim in den Magaliesbergen im Distrikte Rustenburg auf und legte in drei Tagen einen Weg von mehr als fünfzig Stunden zu Pferd zurück. Inzwischen hatte sich das Kommando bereits gesammelt und erwartete ihn in der Nähe von Klerksdorp, wohin er sich auch nach eintägigem Aufenthalt auf seiner Farm begab. Am Sammelpunkte fand er, dass die Burgers fast keine Munition und auch kein Schlachtvieh hatten. Trotzdem brach er sofort auf in der Hoffnung, unterwegs von Privaten beides bekommen zu können. Auch sandte er nach dem Oranjefreistaat mit der Bitte, ihn von da aus mit dem Nötigen zu versehen. Aber hier bekam er nicht viel, zumal er kein Geld hatte und gegen das Versprechen späterer Bezahlung kaufen musste. Er fand aber ein Mittel, sein Kommando mit Fleisch zu versorgen, obwohl er bei dem Mangel an Munition auch kein Wild schießen

lassen konnte. Er ließ durch die Burgers Wild einkreisen, in die Buchten des Vaalrivier treiben und dort mit Stöcken totschlagen. Das ganze Kommando war ungefähr zweihundert Mann stark. Aber in der Nähe von Gasibones Stadt stieß Kommandant Piet Venter aus dem Oranjefreistaat mit ungefähr hundert Mann,

Weißen und Farbigen, zu ihm. Bald zeigte sich, dass Gasibone zu einem seiner Unterhäuptlinge mit Namen Mahura geflüchtet war, der weiter aufwärts in der Hartsflußschlucht, einer Gebirgsgegend voller Schluchten, wohnte. Krüger ließ Mahura sagen, dass er im Anmarsch sei, um Gasibone zu verfogen, und auf der Südseite des Hartsflusses entlang ziehe. Mahura dürfe Gasibone nicht aufnehmen oder müsse ihn gefangennehmen und ausliefern. Nach Empfang dieser Mitteilung lieferte Mahura die alte Frau und das junge Mädchen, die von Gasibone weggeschleppt waren, durch Vermittlung seines Dolmetschers aus. Aber als das Burenkommando bis auf cm paar tausend Schritte an den Platz herangekommen war, wo man Gasibories Lager wusste, griffen beide Häuptlinge mit vereinigten Truppen die Buren an. Sie wurden geschlagen und flüchteten in die Felsen und Höhlen, die sich im Überfluss da fanden. Am folgenden Tag griff sie das Kommando hier an und jagte sie aus ihren Verstecken. In der Nacht darauf flüchtete Gasibone in der Richtung nach Britisch- Betschuanaland, wurde jedoch am Tag darauf von einer Patrouille im Buschwald eingeholt und fiel nach einem heftigen Gefechte. Ein Teil derer, die mit ihm waren, wurde gefangengenommen, aber später wieder freigegeben. Inzwischen ließ Mahura durch den Missionar, der bei ihm war, Krüger schreiben, er habe Unrecht getan, indem er Gasibone geholfen habe, habe also Strafe verdient, bitte aber hiermit um Vergebung und wolle sich unterwerfen. Krüger ließ zurückwissen, dass er ihm alles gern vergeben werde, daß er aber kommen müsse, um Instruktionen über sein ferneres Verhalten zu empfangen. Mahura kam Jedoch nicht selber, indem er vorgab, er sei zu krank, um reisen zu können, sondern sandte seine Unterkapitäne. Krüger ernannte ihn dennoch an Gasibones Statt zum Haupt dieses

Kaffernstammes. Das Vieh, das Gasibone geraubt hatte, musste sofort ausgeliefert werden, was auch geschah. Nun zog das Kommando wieder heimwärts. Ein Jahr voll schwerster Arbeit lag damit wieder hinter dem jungen General.

Der Bürgerkrieg (1861 bis 1864)

Im Jahre 18 6o war M. W. Pretorius, der 18 5 8 nach Anerkennung der Verfassung in der ganzen Republik Staatspräsident geworden war, nach dem Oranjefreistaat gegangen, um dort öffentliche Angelegenheiten zu regeln. Nach dem Rücktritt des Präsidenten Boshoff war er auch zum Präsidenten dieses Staates gewählt worden. Diese Wahl hatte er der Vereinigungspartei des Oranjefreistaates zu danken, denn sein Ziel war es vor allem, die zwei Republiken zu verschmelzen. Nach dieser Wahl zum Präsidenten des

Oranjefreistaates erhielt -er vom Volksrat der Südafrikanischen Republik, deren Präsident er geblieben war, Urlaub für sechs Monate zu seiner Reise in den Oranjefreistaat. Innerhalb dieser sechs Monate dachte er wahrscheinlich die erwünschte Vereinigung zustande bringen zu können. Während der Abwesenheit des Präsidenten galt in der Südafrikanischen Republik gemäß eines früheren Volksratesbeschlusses das älteste nichtoffizielle Mitglied des Ausführenden Rates 8) als stellvertretender Präsident, in diesem Falle Johannes Grobler. Mit ihm zusammen bildete dem Gesetze zufolge ein weiteres der Regierung nicht angehöriges Glied nebst dem Generalkommandanten den Ausführenden Rat. Gegen Ende des Jahres 1860 fasste der Volksrat den Beschluss,

dass der Staatspräsident kein weiteres Amt übernehmen dürfe, und so legte Pretorius, der auf die Präsidentschaft im Freistaate nicht verzichten wollte, sein Amt in der Südafrikanischen Republik nieder. Wie nun aber Grobler als stellvertretender Präsident auftrat, wehrte sich dagegen der General- kommandant Schoeman, indem er behauptete, dieses Amt komme ihm zu. Er hielt auch Volksversammlungen ab, um sich dieses Recht übertragen -zulassen und dem Volksrat ein Mißtrauensvotum zu erteilen. Schließlich berief er alle Kriegsoffiziere nach Pretoria und schlug in dieser Versammlung vor, den Volksrat abzuschaffen, und den Ausführenden Rat zur gesetzgebenden Gewalt zu machen. Krüger protestierte gemeinschaftlich mit einigen Offizieren gegen diesen Antrag, weil er der Verfassung zuwider laufe. Er gewann auch schließlich für seine Anschauung die Mehrheit der Offiziere. Aber General Schoeman störte sich wenig daran. Er ging in das Regierungsbureau und forderte Grobler die Papiere und Dokumente der Regierung ab. Grobler wehrte sich wohl dagegen, musste sich aber zurückziehen. Krüger schlug daraufhin vor, eine allgemeine Volksversammlung nach Pretoria zu berufen, um über die Sache zu entscheiden - ein Vorschlag, der auch von Schoemans Partei angenommen wurde. Zu dieser Volksversammlung kamen aber Schoemans Anhänger bewaffnet, und Schoeman hatte unterdessen bereits einen gewissen Johannes Steijn aus eigener Vollmacht zum Generalkommandanten ernannt. Krüger und seine Parteigänger gingen unbewaffnet in die Versammlung. Krüger hatte von dem Plan der Gegenpartei, bewaffnet zu kommen, nichts gewusst, aber auch wenn er es gewusst hätte, würde er mit den Seinen unbewaffnet gekommen sein, weil bei der Erregung der Parteien es sonst leicht zu einem Zusammenstoß hätte kommen können, der zu einem Bürgerkrieg geführt hätte. Als Krüger auf dem Wege nach Pretoria bis nach Daspoort

gekommen war, erhielt er von General Schoeman einen Bericht, er dürfe nicht weiterziehen, sondern müsse bleiben, wo er sich befände. Krüger antwortete, er werde sicherlich nicht umkehren, ohne das Dorf betreten zu haben, nachdem er einmal zu der Versammlung eingeladen worden sei. Er ritt dann auch tatsächlich in das Dorf hinein und direkt vor Schoemans Haus. Da fragte er Schoeman, wie er denn darauf verfallen sei, ihn am Besuche Pretorias hindern zu wollen, nachdem er selbst dem Plan, hier eine Zusammenkunft zu veranstalten, zugestimmt und alle Burgers dazu eingeladen habe, und nachdem er, Krüger, nun eigens zum Zwecke dieser Versammlung hierher gekommen sei. Im Hause Schoemans fand gerade ein Kriegsrat unter Vorsitz des von Schoernan ernannten Generalkommandanten Steijn statt, als Krüger ankam. Als Steijn Krüger sah, sagte er zu ihm: "Ihr müsst euch nun gutwillig fügen, das ist das beste, was ihr tun könnt." Krüger antwortete ihm aber nicht, sondern wandte sich an Schoemarl und machte ihm Vorhalte darüber, dass er mit seinen Burgers bewaffnet gekommen sei, während doch die

andere Partei das nicht getan habe. Nachdem er sich ordentlich ausgesprochen hatte, erklärte er, er werde nun einspannen lassen und mit seinen Burgers nach Hause gehen. Wie er sich aber umdrehte, um das Gemach zu verlassen, versuchten einige von Steijns Offizieren ihn zu fassen, während andere ihre Missbilligung einer solchen Handlungsweise bezeugten und seine Festnahme verhinderten. Nachdem Krüger das Haus verlassen hatte, ließ Steijn eine mit Schrapnells geladene Kanone auf das Lager der Gegenpartei richten und drohte zu schießen, wenn man ihm nicht einen gewissen Jeppe auslieferte. Dieser Jeppe war der einzige Drucker, den die Republik in dieser Zeit besaß. Er hatte seine Druckerei zu Potchefstroom, und Schoernans Partei wollte Proklamationen drucken lassen, um sie rasch zu verteilen und die Bürger

dadurch zu beeinflussen. Krüger weigerte sich, dem Ersuchen nachzukommen, aber die Drohung der Leute von Steijn, dass sie das Feuer eröffnen würden, machte auf Jeppe einen solchen Eindruck, daß er an Krüger vorbeisprang (er stand vorher hinter ihm) und sich der Gegenpartei ergab. Krüger ließ nun einspannen, um nach Rustenburg zurückzukehren. Zum Abschied rief er Schoemans Leuten zu: "Wenn ich über die Magaliesberge bin, müsst ihr mich als Feind betrachten." Gerade als seine Wagen sich in Bewegung setzten, kam Präsident Pretorius auf der Rückreise aus dem Oranjefreistaat in Pretoria an und ritt sofort mit einer Anzahl von Schoemans Leuten vor die Wagen Krügers, um ihn zu sprechen und ihn zu bewegen, nicht weiterzuziehen. Schoemans Leute erklärten nun, sie würden lieber ihre Gewehre wegwerfen, als dass dadurch ein Streit entstehe, und waren auch damit einverstanden, dass Krüger einen Antrag entwerfe, über den der Volksrat abstimmen sollte. Nun ließ Krüger wieder ausspannen und schlug vor, daß Pretorius und der Staatsanwalt Proes mit ihm zusammen einen Antrag ausarbeiten sollten, womit er allgemeine Zustimmung fand. In einer ' Zusammenkunft dieser drei Männer einigte man sich auf den Antrag, es solle eine Kommission gewählt werden, um den Volksrat zusammenzurufen, der dann entscheiden werde, wer recht und wer unrecht gehandelt habe. Dieser Antrag wurde in der Volksversammlung angenommen und sofort eine Kornmission mit Stefanus Lombard als Vorsitzendern erwählt, die zunächst drei Mitglieder des Volksrates, darunter den Vorsitzenden Christian Klopper, mit der Aufgabe betraute, den Volksrat zu berufen. So kam endlich ein ordnungsmäßig geladener Volksrat zusammen und erklärte nach gründlicher Untersuchung Schoeman der Gesetzesübertretung für schuldig und setzte ihn als Generalkommandanten ab. Außerdem beschloss der Volksrat, dass ein Spezialgerichtshof, der

Hooggerechtshof, die entstandenen Streitigkeiten entscheiden solle, und ernannte W. van Rensburg zum stellvertretenden Staatspräsidenten und Theunis Snijman zum General- kommandanten. Als aber der Gerichtshof Sitzung hielt, um die Sache zu behandeln, kam Schoeman und schloss den Gerichtshof mit Gewalt. Krüger war sofort nach der Sitzung des Volksrats nach Hause gegangen und befand sich jetzt, wo neue Verwicklungen begannen, auf einem Jagdzug am Krokodilflusse. Man schickte nach ihm, um ihn zu rufen. Nun hatten aber während der vorhergehenden Streitigkeiten manche Glieder der "Hervormden" - Kirche Krüger vorgeworfen, dass er überhaupt kein Recht habe, sich mit öffentlichen Dingen zu beschäftigen, denn nach der Verfassung der Republik sei die "Hervormden -Kirche die Staatskirche, deren Glieder allein der Einfluss auf das öffentliche Leben zustehe. Er sei nicht Glied der "Hervormden"- Kirche, also auch nicht stimmberechtigter Bürger. Krüger gehörte nämlich zu der kurz vorher, im Jahre 1859, von Pfarrer Postma zu Rustenburg gegründeten "Christelijk - Gereformeerden" -Kirche, die in Südafrika allgemein bekannt ist als die "Dopper" Kirche, die Muckerkirche. Woher das Wort "Dopper“ eigentlich kommt, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Zur damaligen Zeit leitete man es ab von dem Worte "dop" = "demper", dem Lichthütchen, mit dem man eine Kerze auslöscht. Die Bedeutung wäre dann, daß ebenso wie ein "dop'" eine Kerze erstickt, die "Dopper" alle neuen Gedanken erstickten und dem Fortschritt entgegenarbeiteten. Was die Eigenart der "Dopper" -Kirche anlangt, so beruht sie darin, daß sie sich streng an die Beschlüsse der Synode von Dordrecht von 1618 und 1619 hält und deren altreformierten Standpunkt teilt. Der Gottesdienst unterscheidet sich dadurch von dem der anderen Evangelischen, dass keine anderen Lieder als Psalmen gesungen werden. Die Glieder dieser Kirche waren

in der Verfassung nicht berücksichtigt, da sie, als die Verfassung entstand, noch keine selbständige Gemeinschaft bildeten. Wie man nun Krüger in den neuen Streitigkeiten zu Hilfe rief, antwortete er zurück, man müsse sich eben bei Schoemans Tat beruhigen. jedenfalls werde er nichts dagegen tun oder beantragen, denn er habe ja kein Stimmrecht. Infolgedessen ließ der von Krügers Partei gewählte stellvertretende Präsident van Rensburg den Kirchenrat der "Hervormden" -Kirche zusammenkommen und einen Beschluss fassen, wonach die Bürger aller evangelischen Kirchen gleichberechtigt sein sollten. Sobald Krüger von diesem Beschlusse, der später auch von dem Volksrat bestätigt wurde, in Kenntnis gesetzt war, ritt er nach Pretoria, wo er Präsident van Rensburg mit einem Teil seiner Leute sowohl wie Schoeman mit einer Anzahl seiner Anhänger vorfand. Beide Parteien standen sich hier feindlich gegenüber. Krüger ging sofort zu Schoemans Leuten, um sie zu einer friedlichen Verständigung zu bewegen. Er schlug vor, eine Versammlung von Bürgern der ganzen Republik auszuschreiben und sich dann dem Beschlusse zu fügen, den die Mehrheit einer solchen Versammlung annähme. Beide Parteien stimmten diesem Vorschlag zu, und die Versammlung wurde nach Petroria einberufen. Hier kamen denn auch eine Menge von Bürgern aus allen Teilen der Republik zusammen, und mit großer Mehrheit wurde beschlossen, den vom Volksrat angenommenen Antrag, daß ein Spezialgerichtshof über die einzelnen Fragen entscheiden solle, durchzuführen. Schoeman aber widersetzte sich diesem Beschluß und rief alle seine Leute, die noch außerhalb Pretorias waren, auf, sich zu ihm zu scharen, worauf van Rensburg dem General- kommandanten Snijman Befehl gab, einen Kriegsrat zu berufen, und zugleich Schildwachen ausstellen ließ, damit Schoeman keine weitere Boten hinaussenden könne. An

verschiedenen Punkten in der Umgebung des Dorfes Pretoria

wurden nun Wachen ausgestellt, darunter eine sehr starke am Aapjesflusse, wo jetzt der Vorort Arkadia liegt. Der alte Jakob Malan war Kommandant dieser Wache. Er ließ am folgenden Tag dem Generalkommandanten sagen, dass er unnötig hier stehe, denn die Rapportreiter Schoemans jagten mitten zwischen ihnen durch und ritten die Leute zusammen, wenn sie nicht aus dem Weg gingen. Nun gab Snijman Befehl, wenn wieder ein Rapportreiter Schoemans komme und auf wiederholten Anruf nicht stehen bleibe, solle ihm die Wache das Pferd erschießen. Kurz nachdem dieser Befehl ergangen war, kam ein Rapportreiter angesprengt, der sich an die Haltrufe nicht störte. Der Wachtposten schoss darauf mit grobem Schrot auf das Pferd. Der Rapportreiter machte kehrt, aber unterwegs brach sein Pferd zusammen. Er selbst war durch ein Schrot am Arme verwundet. So war der erste Schuß gefallen, der den Bürgerkrieg eröffnete. Am selben Abend wurde von dem Generalkommandanten in Gemeinschaft mit den Kriegsoffizieren Befehl erlassen, dass alle Burgers in dem Dorfe zusammenkommen müssten, um Schoeman zu umzingeln und am folgenden Morgen gefangen zu nehmen. Aber in der Nacht wusste Schoeman sich mit den Seinigen nach Potchefstroom durchzuschlagen. Diejenigen, die zurückgeblieben waren, wurden von dem Kriegsrat mit Strafen belegt. Schoeman sammelte nun ein Kommando zu Potchefstroom, wohin auch das Kommando von General Snijman vorrückte. Der stellvertretende Präsident und Krüger befanden sich bei Snijman. Schoemans Partei verbreitete jetzt das Gerücht, Paul Krüger sei mit einem Kommando im Anmarsch, um seiner, der "Christelijk- Gereformeerden" -Kirche die Anerkennung als Staatskirche an Stelle der "Hervormden" -Kirche zu erzwingen. Diese Ausstreuungen waren für viele die Veranlassung, sich Schoeman

anzuschließen. Selbst im Distrikte Marico bekam Schoeman Anhänger, darunter Jan Viljoen, den Kommandanten dieses Distriktes. Sobald das Regierungskommando, das fünfhundert bis sechshundert Mann stark war, vor Potchefstroom anlangte, schickte Präsident van Rensburg an Schoeman Botschaft mit dem Vorschlage, aus beiden Parteien eine gemeinschaftliche Kommission zu wählen, die einen Ausweg aus den Schwierigkeiten suchen solle. Schoeman stimmte diesem Vorschlage zu und ordnete von seiner Seite Jan Kock, den Vater des im letzten Kriege gefallenen Generals Kock, nebst einigen anderen Bürgern zu diesem Zwecke ab, während von der Regierungspartei Krüger nebst einigen anderen mit den Friedensverhandlungen betraut wurde. Die Abgeordneten trafen sich halbwegs zwischen den beiden Lagern. Kaum begegneten sie sich, so redete Jan Kock Krüger an: "Ihr wollt also Eure Kirche zur Hauptkirche machen?" Ruhig antwortete ihm Krüger: "Ohm Jan, ich brauche mich nicht zu ereifern, um Euch zu widersprechen. Wenn Ihr ein bisschen nachdenkt,

müsst Ihr selbst einsehen, dass das eine Unwahrheit sein muss. Hier steht das Regierungslager. Der Präsident sowie alle Offiziere gehören der Hervorrnden -Kirche an, und ich weiß nicht, ob unter den fünfhundert bis sechshundert Mann auch nur zwanzig sind, die zu meiner Kirche gehören. Was Ihr also da von den Kirchen redet, kann nicht wahr sein." Später fügte Krüger noch hinzu: "Ich habe nie daran gedacht, die Kirche, zu der ich gehöre, zur Staatskirche zu machen. Aber selbst wenn Ihr mir das anbieten würdet, so würde ich es ganz entschieden ablehnen, weil unser Prinzip ist, dass Christus und niemand anders das Haupt der Kirche sein soll." Die Kommission konnte im übrigen keinen Beschluss fassen, und man ging unverrichteter Sache auseinander. General Snijman sandte Krüger am folgenden Tag mit einer Anzahl Burgers und eine Kanone nach der Südseite des Dorfes. Krüger eröffnete sofort,

wie er ankam, mit der Kanone das Feuer, und beim dritten Schuss gelang es ihm, eine Kanone der Gegenpartei zu vernichten. General Schoeman antwortete vom Dorf aus mit Geschütz und Gewehrfeuer. Dieses Gefecht zog sich fast den ganzen Tag hin. In der folgenden Nacht zog Schoeman mit seinem Kommando aus dem Dorf nach einem Plateau auf der Nordseite, um von da aus die Regierungspartei zu beschießen. Krüger hatte vermutet, dass Schoeman das tun werde, und sich allein gegen die Höhe auf die Lauer gelegt, um die Bewegungen des Feindes zu beobachten. Wie er bei Tagesanbruch Schoemans Kommando anrücken sah, eilte er zu den Seinen zurück, gab Befehl aufzusatteln und ihm nach der Höhe zu folgen. Um keine Zeit zu verlieren, ging er mit fünfzehn bis zwanzig Mann voraus, während die anderen sich fertig machten, und jagte im Sturm mit seinen Begleitern bis auf fünfzig oder sechzig Schritte Schoeman entgegen, der ihn mit Kugeln und Kartätschen beschießen ließ. Das Feuer von beiden Seiten wurde so heftig, dass sich die Parteien des Pulverdampfes wegen nicht mehr sehen konnten und blindlings ihrem Gefühl nach schießen mussten. Krüger hatte drei Verwundete, während auf der Gegenseite ein Verlust von einem Toten und ungefähr fünfzehn Verwundeten zu beklagen war. General Schoeman, selbst leicht verwundet, floh noch am selben Tag nach dem Oranjefreistaat, wurde aber von Krüger und den Seinigen verfolgt und verlor noch einige Mann durch Gefangennahme. Auf Schoemans Farm im Orangefreistaat sammelten sich seine Leute wieder, und

General Snijman traf sofort die nötigen Anstalten, die Gegner dort zu fangen. Bei der Regierung des Orangefreistaates wurde angefragt, ob sie diese Operation auf ihrem Grund und Boden erlaube. Sie hatte keine Bedenken dagegen und sandte sogar den Landdrost Truter von Kronstadt, um dabei behilflich zu sein. Schoeman aber war zu rasch. Er zog in der Nacht in der

Richtung von Wakkerstroom ab und sammelte sein Kommando aufs neue auf einer Farm an dem Zusammenflusse des Klipbaches und des Vaalstromes. Das Regierungskommando, das erst etwas nordwärts gezogen war, weil es glaubte, Schoeman werde nach Pretoria ziehen, verfolgte ihn zunächst nach der genannten Farm, von da nach Potchefstroom und traf auf sein Lager am Mooiflusse, zwischen dem Loopbache und Potchefstroom. Gerade als man zum Angriff übergehen wollte, kam eine kleine Schar von Schoemans Leuten an, unter denen sich auch Präsident Pretorius befand. Dieser schlug vor, noch einmal eine Kommission zur Erledigung der Streitfrage zu wählen. Die Regierungspartei war damit einverstanden und lagerte sich ein paar tausend Schritt oberhalb Schoemans, gegenüber von Potchefstroom am Mooiflusse. Von der Regierungspartei wurde wiederum Krüger mit ein paar Burgers in diese Kommission entsandt, während Schoemans Partei den Präsidenten Pretorius und einige andere ernannte. Die Zusammenkunft fand halbwegs zwischen beiden Lagern statt. Krüger schlug hier vor, den Beschluss des Volksrates, durch den van Rensburg als stellvertretender Präsident ernannt und die Bestrafung der Schuldigen einem Spezialgerichtshof übertragen war, definitiv anzuerkennen. Einer der umstrittensten Punkte in der Beratung war die Frage,' wer als Richter in diesem Hof sitzen sollte. Aber auch diese Frage wurde nach mehrstündiger Debatte im Sinne Krügers erledigt, der beantragt hatte, den Gerichtshof entsprechend den Vorschriften der Verfassung zu besetzen. Außerdem wurde beschlossen, dass Präsident van Rensburg den Hooggerechtshof ohne Verzug berufen sollte. Die Beschlüsse der Kommission wurden von beiden Kommandos angenommen, man ging auseinander, und der Krieg schien beendet.

Präsident van Rensburg berief den Gerichtshof zusammen. Aber obwohl der Hof zu gleichen Teilen mit den Mitgliedern beider Parteien besetzt war, wurde die erste Sache, der Fall

Andries Dutoits, von der Schoeman- Partei gegen diesen entschieden. Das war für die übrigen Leute dieser Partei Grund genug, sofort wegzureiten. Die Kosten des Gerichtshofs sowie des Kommandos wurden nun Schoemans Partei auferlegt, und ein Kriegsrat sollte gehalten werden, zu dem auch Schoemans Offiziere eingeladen werden sollten. Krüger, der unterdessen zum Generalkommandanten erwählt worden war, wurde von der Regierung beauftragt, die Kommandokosten von der Gegenpartei zu erheben und zugleich die Offiziere zum Kriegsrat mitzubringen. Er berief zu diesem Zwecke eine Versammlung im Distrikte Heidelberg, wo er von dem Feldkornett dieses Distriktes namens Roets, der zur Gegenpartei gehörte, freundlich empfangen wurde. Es glückte ihm auch, einen Teil der auferlegten Strafen in friedlicher Wiese einzubekommen und eine Anzahl von Offizieren der Gegenpartei, darunter den Kommandanten Jan Marais, zu bewegen, dass sie mit nach Pretoria gingen. Auf dem Wege nach der Versammlung in Heidelberg ritt ein junger Bur überall vor ihm her und erzählte, dass Paul Krüger im Anrücken sei, wobei er jedes Mal hinzufügte, er werde ihm aber nicht taten zu kommen sonst werde es ihm schlecht Nacht reiste, überholte gehen. Da nun Krüger auch bei er den jungen Mann und kehrte am folgenden Morgen bereits von einer Farm zurück, die dieser erst aufsuchen wollte. Der junge Mann kam ihm gerade entgegen und begann auch hier sofort sein Sprüchlein aufzusagen. Krüger ließ ihn ordentlich ausreden, und dann sagte er zu ihm: Junger Mann, lass dir den guten Rat geben und erzähle nicht länger so dummes Zeug. Eure ganze Partei hat sich ohnehin schon genug des Ungehorsams gegen die gesetzgebende Gewalt schuldig

gemacht." Ja, aber wer ist der Ohm denn?" fragte der junge Mann. Paul Krüger", war die Antwort. Das hören und nach seinem Pferde greifen, war für den jungen Mann eins. Der Schreck saß ihm so in den Gliedern, dass er kaum aufs Pferd kam. Aber wie er einmal droben war, gab's auch kein Halten mehr. Krüger versuchte von ihm wenigstens seinen Namen zu erfahren, aber er bekam keine Antwort außer Schreckensrufe, und dann - weg war er. Auf dem Rückweg von Heidelberg nach Pretoria ging es Krüger fast noch spaßiger. Er kam in Gesellschaft des Jan Marais auf die Farm eines gewissen Strijdom im Distrikte Pretoria. Frau Strijdom kannte wohl Marais und wusste, dass er zu Schoetnans Partei gehörte. Krüger aber kannte sie nicht und dachte, er sei einer von Marais' Offizieren. Ihr Mann war als Richter in den Schiedsgerichtshof berufen worden, aber nicht erschienen und demgemäß zu einer Geldstrafe von 100 Pfund Sterling verurteilt worden, worauf er die Flucht ergriffen hatte. Frau Strijdom erzählte nun ihren Besuchern ganz unbefangen, ihr Ehemann habe von Hause flüchten müssen, weil ihn "dieser Paul Krüger" wegen seiner Weigerung, im Gerichtshof zu sitzen, zu 100 Pfund Sterling Geldstrafe verurteilt habe. Natürlich war diese Strafe nicht von Krüger, sondern vom Gerichtshof selbst auferlegt worden, aber ihr ganzer Hass richtete sich gegen Krüger, und sie redete auch ohne Scheu in sehr unliebsamer Weise über die Regierungspartei und insonderheit über Krüger, der "doch sozusagen das Haupt dieser Partei" sei. Nachdem sie ungefähr eine halbe Stunde lang sich in diesen Tiraden ergangen hatte, kam ein gewisser Jan Bantjes von Pretoria an, der zur Regierungspartei gehörte. Er ging grüßend auf Krüger zu und sagte: "Ah, auch hier, General, habt Ihr Marais als Gefangenen mitgebracht?" "Nein", antwortete Krüger, "er geht freiwillig mit mir zum Kriegsrat." Nun ging auch Frau Strijdom ein Licht auf, und

ihre Zunge verstummte vor Schreck. Bittend kam sie dann auf Krüger zu: "Ach, Herr General, ich kannte Sie ja nicht, seien Sie nicht böse über mein Gerede. Ich bin so ängstlich von Art, und darum rede ich den Leuten immer nach dem Mund, um keine Unannehmlichkeiten zu haben. Ich rede nur so, wenn ich denke, die Leute seien von der Gegenpartei; wenn aber Leute von Ihrer Partei kommen, spreche ich ganz anders. Die Summe, zu der mein Mann verurteilt worden ist, habe ich auch hier, ich kann sie gleich holen, wenn sie der General nur haben will." Krüger antwortete darauf, dass er nichts mit dem Geld zu tun habe, es auch nicht in Empfang nehmen könne, denn das sei Sache des Gerichtshofes. Frau Strijdom war aber von dem Augenblick an bis zu Krügers Weggang mehr als Liebenswürdig. Der Kriegsrat in Pretoria fand statt ohne nennenswertes Ergebnis. Kurz danach wurde Krüger von Präsident van Rensburg beauftragt, nach dem Oranjefreistaat zu gehen, um da die Frage der Grenzregulierung zwischen den beiden Staaten zu erledigen. In Potchefstroom hörte er aber, dass der Kommandant von Marico, Jan Viljoen von der Schoeman-Partei, mit einem Kommando im Anzuge sei, um ihn zu fangen. Krüger ritt ihm mit seinem kleinen Gefolge entgegen, um ihn zu fragen, was er wolle. Einige von Krügers

Leuten, darunter der Feldkornett Sarel Eloff, sprengten voraus nach einem Kopje, das Viljoens Ziel zu sein schien, und es glückte ihnen auch, dieses Kopje vor Viljoen zu erreichen. Nachdem sie diesen Vorteil sich gesichert hatten, riefen Viljoens Leute ihnen zu, sie hätten keine bösen Absichten, sondern suchten nur eine freundschaftliche Besprechung, und so kamen sie im Gespräche immer näher, bis sie Eloff mit seinen paar Leuten völlig umzingelt hatten, worauf sie die ganze Gesellschaft gefangen nahmen und mit ihnen ihrem Lager zuritten. Als sie ungefähr gerade gegenüber von der Stelle waren, wo Krüger mit dem Rest seiner Leute

zurückgeblieben war, gab Feldkomett Eloff plötzlich seinem Pferd die Sporen und jagte auf Krüger zu. Seine Wächter setzten ihm, nachdem sie sich von der Überraschung erholt hatten, nach, konnten ihn aber auf seinem guten Pferde nicht einholen. Die übrigen Gefangenen wurden nach dem feindlichen Lager gebracht und erklärten später, dass man ihnen da allerlei Strafen angedroht habe, wenn Krüger den Forderungen der Schoeman- Partei nicht nachkomme. Krüger selbst anzugreifen, wagte man nicht, obwohl er nur noch wenig Leute bei sich hatte. Aber sein ganzes Lager wurde

umstellt. Ihn zu überraschen, war auch nicht möglich, da er auf alles gefasst war. Dennoch beschloss Krüger, in Anbetracht der überwältigenden Übermacht und um es nicht die Gefangenen büßen zu lassen, wenn es zu einem Gefecht käme, einem Zusammenstoß auszuweichen, und so wurde beschlossen, dass Krüger und Eloff nach dem Oraniefreistaat weiterziehen und die übrigen Burgers sich nach Hause durchschlagen sollten. Die beiden kamen auch ungehindert nach der Farm von Bührmann in der Nähe des Rhenosterflusses im Oranjefreistaat, während von den übrigen Burgers auf ihrem Heimweg noch mehrere durch Viljoens Leute gefangen wurden. Krüger wurde durch treue Meldereiter über die Pläne und Absichten des Viljoenschen Kommandos immer auf dem laufenden erhalten, und er benutzte gerade diese richten zukommen Meldereiter, um der Gegenpartei Nach zu lassen, denen sie entnehmen musste, dass er nicht mehr nach der Südafrikanischen Republik zurückkehren wolle, sondern im Oranjefreistaat sich dauernd niederlassen werde, weil in Transvaal so viele Streitigkeiten seien. Er kaufte sogar eine Farm im Oranjefreistaat - aber unter der Bedingung, sie zurückgeben zu dürfen - und ließ eines seiner Gespanne kommen, ja selbst seine Familie sich zum Aufbruche rüsten, um so die Nachricht wahrscheinlich zu machen. Er gebrauchte

diese List vor allem, um seine gefangenen Burgers freizubekommen. Kurz darauf empfing er eine Meldung, dass ein großes Kommando der Gegenpartei auf dem Weg nach Pretoria sei, um dort ein Kommando der Regierungspartei, das am Krokodilflusse zusammengezogen wurde, zu zerstreuen. Ein kleiner Teil des feindlichen Kommandos war zu Potchefstroorn zurückgeblieben, um die Gefangenen zu bewachen. Als Krüger bald danach hörte, dass die Gefangenen freigegeben und bereits abgezogen seien, und als gleichzeitig von der Regierungspartei ein Abgeordneter, Frank, zu ihm kam, um ihn über seine Pläne zu befragen, beschloss er,

unverzüglich zurückzukehren und sich zu dem Kommando der Regierungspartei am Krokodilflusse zu begeben. Pretorius, der inzwischen als Präsident des Oranjefreistaates zurückgetreten war, befand sich in diesem Augenblick in Potchefstroorn. Krüger ließ ihn wissen, dass er ihn, wenn irgend möglich, aufsuchen werde, fand aber keine Zeit dazu, sondern zog noch in der Nacht nach der Farm Stompoorfontein im Distrikte Potchefstroom, die Wolmarans, einem Mitgliede der Partei, gehörte. Aber auch hier blieb er nur ungefähr eine halbe Stunde und setzte seine Reise gleich fort nach seiner Farm Waterkloof im Distrikte Rustenburg, wo er am Nachmittag dieses Tages anlangte. Feldkornett Sarel Eloff, der die ganze Zeit bei ihm gewesen war, trennte sich von ihm auf dem "Hoogeveld" und ging direkt nach dem Bezirke Zwartruggens, um da die Burgers "aufzukommandieren". In ein paar Tagen versprach er mit seinen Leuten wieder bei Krüger zu sein. Am Tage nach der Ankunft auf seiner Farm ruhte Krüger, da es ein Sonntag war, aber noch in der Nacht brach er nach den Zwartkopjes am Krokodilflusse auf, wo Präsident van Rensburg mit einem Teil seiner Burgers lagerte. Hier traf ihn Krüger, der auf die Nachricht von dem Anrücken eines starken Kommandos herbeigeeilt war. Am folgenden Tag, einem

Dienstag, kam das Kommando der Gegenpartei in Sicht. Krüger hatte gute Wachen ausgestellt und wurde rechtzeitig von dem Anmarsch in Kenntnis gesetzt. Der Feind schien zu beabsichtigen, die Zwartkopjes zu besetzen, darum beeilten sich Krügers Leute, ihnen zuvorzukommen und zuerst auf den Kopjes Position zu fassen. Von beiden Seiten begann nun ein Wettlauf nach dem nächsten Kopje, und auf seiner Höhe stießen beide Parteien zusammen. Krüger mit einem gewissen Enslin war voran. Als er vom Pferde stieg, war Enslin bereits schussfertig, aber von der Gegenpartei rief man herüber:

"Müsst nicht schießen, lasst uns miteinander reden; wozu brauchen wir einander totzuschießen?" Enslin ließ sein Gewehr sinken, bekam aber unmittelbar darauf eine Kugel und fiel tot in die Arme Krügers. Daraufhin entwickelte sich ein allgemeines Gefecht, aber es hatte noch keine halbe Stunde gedauert, als die Gegenpartei ihre Pferde aufsuchte und in der Richtung nach Pretoria flüchtete. Krügers Burgers bestiegen nun auch ihre Pferde, um die Gegenpartei zu verfolgen, aber Krüger hinderte sie daran, indem er darauf hinwies, dass es sich doch nicht um Feinde, sondern um Brüder handle. Gerade jetzt kam auch Feldkornett Eloff mit fünfzig Leuten an und wollte das Gefecht fortsetzen. Aber auch ihm wehrte Krüger, und wenn auch sehr unzufrieden darüber, hörte man doch auf seine Gründe. Über dieses Verhalten Krügers war Präsident van Rensburg sehr aufgebracht. Als die Burgers auf der Gegenpartei sahen, daß sie nicht verfolgt wurden, kehrten sie zurück, um auch ihre Wagen in Sicherheit zu bringen. Sie schlugen ein Lager bei einer Gruppe von Kopjes auf, einige tausend Schritt von Krügers Leuten entfernt. Am Abend sandte Krüger Eloff mit einigen Mann als Wache in die Nähe des Lagers der Gegenpartei. Sie kamen so dicht an das Lager, dass sie die Leute dort sprechen hörten und sehen konnten, wie man bei dem Licht einer Laterne damit beschäftigt war, die

Kanonen in Ordnung zu machen. Niemand merkte, dass der Feind in nächster Nähe war. In dieser Nacht kam Expräsident Pretorius im Lager der Gegenpartei an und sandte sofort eine Botschaft an Krüger, worin er ihn um eine Zusammenkunft zu friedlicher Besprechung ersuchte. Da Krüger denselben Plan gehabt hatte, stimmte er bereitwillig zu. Nun wurden von beiden Seiten Abgeordnete für diese Besprechung gewählt, und zwar von Seiten der Regierung Krüger, Grobler und Prinsloo, von der Seite der Gegenpartei Expräsident Pretorius, Menitjes und Fourie. Sobald man zusammenkam, schlug Krüger wiederum, wie schon bei früheren Besprechungen, vor, dass die einmal gewählte Regierung als gesetzmäßig erst anerkannt werden müsse Als einen Beweis seiner friedliebenden Absichten erzählte er den Gegnern, den Gegnern, in der Nacht sei eine seiner Wachen so dicht bei ihrem Lager gewesen, dass er es völlig unerwartet hätte überfallen können, wenn er das gewollt hätte. Diese Tatsache verfehlte, ihren Eindruck nicht, und nach mehrtägigen Verhandlungen einigte man sich auf folgende Punkte:

1. Die bestehende Regierung wird von dem Volksrate anerkannt. 2. Jedoch soll eine neue Präsidentenwahl stattfinden. 3. Die noch strittigen Punkte sollen einem Schiedsgericht unterworfen werden, das sich aus Richtern des Freistaates zusammensetzt. Es soll zu diesem Zweck an den Freistaat ein Ersuchen um die nötigen Richter gerichtet werden. Die Gegenpartei beantragte noch, dass von ihrer Seite eine Kommission ernannt werden dürfe, die darüber zu wachen habe, dass die Übereinkunft von der Regierung streng eingehalten werde, und freien Zutritt zum Büro des Präsidenten van Rensburg haben müsse. Dagegen wurden

keine Bedenken erhoben, und so wurde Expräsident Pretorius mit noch einem anderen Burger zum Mitglied einer solchen Kommission gewählt. Gleichzeitig wurden Krüger und Fourie mit Jan Kraep als ihrem Sekretär nach dein Oranjefreistaat abgeordnet, um von der Regierung dieses Staates die Richter zu erbitten, die gemäß der Übereinkunft den Gerichtshof bilden sollten. Die Burgers zerstreuten sich und gingen nach Hause. Als die Deputation nach dem Oranjefreistaat kam, wo gerade Präsident Brand seinen Amtseid geschworen hatte, riet dieser den beiden Männern, doch lieber die Sache friedlich zu erledigen, als sie vor Gericht zu bringen. Er wies darauf hin, daß ein unparteiischer Gerichtshof über zu viele Burgers Strafen verhängen müsse und daß darum eine gegenseitige Verständigung viel besser sei. Schließlich weigerte er sich sogar, Richtern seines Landes diese Sache zu übertragen. Krüger suchte nun nach, ob nicht ein Präzedenzfall vorhanden sei für eine solche Erledigung der Sache, und fand heraus, daß ein alter Rechtsgelehrter den Grundsatz festgelegt habe, dass mit gegenseitiger Einwilligung die Anklage auf Rebellion in einem durch einen Bürgerkrieg aufgewühlten Lande durch allgemeine Amnestie erledigt werden könne und nur die Hauptpersonen aus ihren Ämtern entlassen werden müssten. Der Volksrat fasste denn auch einen Beschluss in diesem Sinn, und so wurde die Ruhe vollkommen wiederhergestellt. Ebenso stimmte der Vorksrat dem Antrage zu, eine neue Präsidentenwahl abzuhalten. Aus dieser Wahl ging Pretorius als Präsident hervor. Zugleich fand auf Ersuchen von Krüger, der dieses Amt bekleidete, die Neuwahl eines General- kommandanten statt, weil er den Burgers eine Gelegenheit geben wollte, sich einen anderen Generalkommandanten zu wählen, wenn sie mit ihm unzufrieden seien. Er bekam aber bei dieser Wahl mehr als zwei Drittel aller Stimmen.

Neue Kämpfe mit den Eingeborenen

Im Jahre 1865 war im Freistaat der große Basutokrieg ausgebrochen. Die Basutos drangen raubend und

plündernd bis tief in den Freistaat. Auch ermordeten sie einige Transvaaler, unter anderen einen Pretorius mit seiner Familie, der von einer Reise aus Natal mit seinen Wagen über die Drakenberge zurückkehrte. Da man im Oranjefreistaat Hilfe nötig hatte, wurde Krüger mit ungefähr dreihundert Mann von Präsident Pretorius zur Unterstützung abgesandt. Von Malap, der Ansiedelung des Häuptlings Malap und seines Stammes, aus, nahe bei Masus' Stadt, sandte Krüger eine Botschaft an den Oberhäuptling, dass er die Mörder ausliefern solle. Masus antwortete, er sei bereit, es zu tun bitte aber um ein paar Tage Aufschub. Innerhalb der Frist aber, die ihm nun gestellt wurde, fiel er mit ungefähr dreitausend Kaffern und tausend Zulus, die ihm zu Hilfe gekommen waren, verräterischerweise über das Burenlager her. Unter dem Schutze der Dunkelheit, die durch andauernden leichten Regen und aufsteigenden Nebel noch vermehrt war, drangen die Kaffern bis in das Lager, was große Verwirrung verursachte. Erst gegen Tagesanbruch glückte es Krüger, die Kaffern zu verjagen. Krüger hatte damals als Sekretär einen gewissen Nijhoff, der sich am Abend vor dem Gefechte betrunken hatte und zur Strafe dafür an ein Wagenrad festgebunden war. Er schlief da so fest, dass er von dem Gefecht gar nichts merkte und am folgenden Morgen, als er endlich wach wurde, erstaunt um sich sah und fragte: "War vielleicht heute Nacht ein Gefecht hier?" Nach diesem Gefecht verfolgte das Kommando den Feind ins Gebirge, und zwar in der Richtung auf Malaps Stadt. Zugleich sandte Krüger einen Boten voraus an Fick, den Hauptkommandanten vom Oranjefreistaat, der ungefähr sechshundert Mann bei sich hatte, dass auch er in der

Richtung von Malaps Stadt mit seinem Kommando ziehen solle, um sich da mit ihm zu vereinigen. Die Vereinigung glückte, und in einem gemeinschaftlichen Kriegsrat wurde beschlossen, dass die Burgers der Südafrikanischen Republik in dem Gebiete, das sie sich jetzt vom Feinde zu säubern anschickten, Farmen unter den Gesetzen des Oraniefreistaates bekommen sollten. Von diesem Beschluss wurde die Regierung des Freistaates in Kenntnis gesetzt und zugleich ein Angriff auf die Malapberge unternommen, der vollkommen glückte. Der Feind wurde vertrieben, eine große Anzahl seiner Leute außer Gefecht gesetzt und eine Menge Vieh erbeutet. Von hier rückte das Kommando weiter in der Richtung auf Masus' Stadt. Unterwegs stießen sie nahe beim Katskatsberg mit einer starken Kaffernmacht von etwa zwanzigtausend Mann zusammen. Die Stärke des Feindes kann man mehr oder minder nach folgender Beobachtung schätzen: Als die Buren die Kaffernscharen, die alle zu Pferd waren, zuerst zu Gesicht bekamen, sahen sie in ihrer Mitte Vieh mitlaufen, und das kam ihnen im Verhältnis zur Zahl der

Kaffern so wenig vor, dass sie es für das Schlachtvieh hielten, das die Kaffern zu ihrer Verproviantierung mitgenommen hatten. Als es ihnen aber geglückt war, dieses Vieh zu erbeuten, stellte sich heraus, dass es nicht weniger als achttausend Rinder waren. Die Kaffernscharen flüchteten nach ihrer Hauptstadt zurück, und die Buren folgten ihnen dahin, wo es ihnen nach einem weiteren Gefechte glückte, Masus noch dreißigtausend Schafe, achttausend Rinder und ein paar hundert Pferde abzunehmen. Hier nun empfing Kommandant Fick eine Nachricht von Brand, dem Präsidenten des Freistaates, dass er dem Beschluss des gemeinschaftlichen Kriegsrats, wonach Transvaalbürger unter dem Gesetze des Freistaates Grund in den eroberten Gebieten bekommen sollten, nicht zustimmen könne. Infolgedessen weigerten sich

die Bürger der Südafrikanischen Republik weiterzufechten und gingen nach Hause. Krüger war kaum daheim' als er nach Potchefsttoom musste, um da der Volksratssitzung des Jahres 1866 beizuwohnen. Auf dem Heimweg nach Ablauf der Sitzung stieß ihm ein schwerer Unfall zu. Auf der Farm Schoonklof im Distrikt Rustenburg, gerade jenseits des Olifantspasses, musste er über einen "Schloot", einen Bachgraben. Der Graben war wohl vertrocknet, aber der Weg, der hindurch führte, war völlig unterspült und zerrissen, so dass er für Wagen wie für Pferde unpassierbar war. Statt nun einen Umweg zu machen, fuhr Krüger mit seinem zweiräderigen Karren ein Stück zurück und trieb dann die Maultiere in vollem Galopp gegen den Graben, in der Absicht, sie über den Graben springen und den Karren nachziehen zu lassen. Der Wagen schlug um, und Krüger brach das linke Bein am Knie. Mit dem gebrochenen Beine mußte er, nur unterstützt von einem kleinen Kaffernjungen, den Karren wieder aufrichten, auf die Räder setzen und darin, ohne sein Bein verbinden zu können, noch anderthalb Stunden weit nach Hause fahren. Das Schütteln des Wagens machte ihm fürchterliche Schmerzen, und das gebrochene Bein zwang ihn zu neunmonatiger Untätigkeit, während deren er sich höchstens auf Krücken fortbewegen konnte. Das linke Bein ist infolge dieses Unfalls immer ein wenig kürzer geblieben als das rechte, aber beim Gehen war das kaum merkbar. Noch nicht völlig hergestellt, musste Krüger im Jahr 1867 ein Kommando gegen die aufständigen Kaffern

im Zoutpansbergdistrikt führen. Diese Expedition konnte aber wegen Mangels an Munition wenig ausrichten. Präsident Pretorius hatte Krüger versprochen, Munition zu senden, konnte dieses Versprechen aber nicht halten, da sie an der Grenze nicht durchgelassen wurde. Im Distrikte Zoutpansberg war es vor allem das Dorf Schoemansdal, das unter den

Der Präsident des Burenstaates antwortet lächelnd auf die englische Begrüssungsrede

Der Präsident des Burenstaates antwortet lächelnd auf die englische Begrüssungsrede

Königin Victoria empfängt im Beisein des Prinzen von Wales den Burenpräsidenten

Königin Victoria empfängt im Beisein des Prinzen von Wales den Burenpräsidenten

Überfällen der auf ständigen Kaffern zu leiden hatte. Hierhin zog also auch Krüger und griff die Kaffem da zweimal an, um sie aus der Umgegend zu vertreiben. Aber nach diesen beiden Angriffen war auch seine Munition schon völlig erschöpft, und er sah sich wider seinen Willen gezwungen, das Dorf aufzugeben. Er bot sich zunächst an, zum Schutz hier zu bleiben, bis aus Pretoria, wohin er zwei Rapportreiter an den Präsidenten gesandt hatte, Hilfe und Munition käme. Aber nur ein Feldkornett mit seinen Leuten war bereit, bei ihm zu bleiben, die anderen wollten von einem längeren Aufenthalt nichts hören. Nun ließ Krüger die Dorfbewohner zusammenkommen und teilte ihnen mit, dass er bei ihnen bleiben werde, aber die Bewohner selber erklärten, mit dem Kommando zurückgehen zu wollen, da sie auf diese Weise, wenigstens ihre wertvollsten Güter auf dem Wagen ihrer Verwandten im Kommando zurückbringen, könnten, während sie, wenn die Kaflern nicht vertrieben seien, später doch flüchten und dann aus Mangel an Transportmitteln ihr ganzes Hab und Gut zurücklassen müßten. So blieb Krüger nichts anderes übrig, als die Bewohner von Schoemansdal nach Marabastadt zu bringen, welcher Ort dadurch vorläufig 'zur - Hauptniederlassung im Zoutpansbergdistrikt wurde. Auf der Rückkehr über Makapaanspoort klagten die Bewohner dieser Gegend, dass ihnen der Kaflernkapitän Machem Vieh gestohlen habe und sich überhaupt so heraustordernd benehme, dass sie jeden Augenblick von ihm überfallen zu werden fürchteten. Daraufhin ließ Krüger Machem auffordern, zu ihm zu kommen, da er mit ihm wegen Verlegung seiner Niederlassung in eine andere Gegend zu sprechen habe, Denn der jetzige Wohnort Machems war nichts als ein Nest von Höhlen, Schluchten und Erdlöchern, deren Bewohner auf Viehraub fast angewiesen waren und sich zudem jeder Verfolgung leicht entziehen konnten. Machem selbst kam

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dem Befehle nach, aber ein Teil seines Volkes wollte die Höhlen nicht verlassen. Krüger ging darum in Begleitung des Kapitäns hin, um die widerspenstigen Kaffern zu holen. Bei der Kraalstadt angekommen, sandte er Boten voraus. Aber die Kaffern weigerten sich, die Boten anzuhören, und griffen sie an. Als Krüger schießen hörte, jagte er hinzu. Die Kaffern begannen auch auf ihn zu feuern, aber nach einem kurzen Gefechte glückte es ihm, die Höhlenbewohner, soweit sie nicht geflüchtet waren, herauszuholen. Auch dieser Trupp wurde dann zu den anderen, die dem Befehle gleich nachgekommen waren, nach dem neuen Wohnplatz fünf oder sechs Meilen weiter aufwärts am Nijlflusse geführt. Bei Makapaanspoort wurde außerdem eine kleine Wache zum Schutze der Bewohner zurückgelassen. Die Sache mit Machem hat viel Staub aufgewirbelt. Während der Belagerung des widerspenstigen Teiles der Kaffern brachten ihnen die Mädchen in die Höhlen Wasser und Nahrung. Um den Frauen nun kein Leid zu tun und doch sie den Widerstand nicht verstärken zu lassen, ließ Krüger sie gefangen nehmen, wenn sie nach den Höhlen gingen, und stellte sie unter seinen Schutz. Dann führte er sie mit nach Pretoria, um dort dem Ausführenden Rate die Bestimmung zu überlassen und zugleich die Wahl des Ortes, den er Machem als neuen Wohnplatz angewiesen hatte - um ihn von dem alten Wohnplatz wegzuschaffen, hatte er Vollmacht und Befehl von Anfang an - billigen zu lassen. Hätte Machems Stamm sich nun nicht gebessert, so hätten die Mädchen nach englischer (und danach auch burischer) Sitte "ingeboekt" werden, das heißt bis zu ihrer Volljährigkeit durch gesetzliche Einschreibung Burenfamilien zur Erziehung überwiesen werden können. Machem betrug sich aber in der Folge so ordentlich, dass der Ausführende Rat ihm bald alle die Mädchen zurückbringen ließ.

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Im folgenden Jahre, 1868, ging Krüger wiederum, und zwar nur in Begleitung eines einzigen Burgers, nach den Distrikten Waterberg und Zoutpansberg, um zu sehen, wie die Verhältnisse da stünden. Bei Makapaanspoort fand er alle Kaffernkapitäne der Umgegend versammelt. Sie sahen ihn sehr erstaunt an, wie er so unerwartet ankam. Sie wussten wohl, dass er käme, dachten aber, er werde sie durch einen Boten auffordern lassen, zu ihm zu kommen, und berieten nun, wie sie sich in diesem Falle verhalten müssten. Sie hatten aber nicht geglaubt, dass er sich allein unter sie wagen werde. Da er jedoch, ohne Argwohn zu zeigen, in der Kaffernstadt ausspannte, so verhielten sie sich ruhig. Sie begrüßten ihn mit den Worten: "Wenn Friede ist, so ist Friede, und wenn Krieg ist, dann ist Krieg", womit sie sagen wollten, dass sie an Krügers Kommen ohne Begleitung sähen, dass er friedlich gesinnt sei und von ihnen das gleiche erwarte, und dass sie darum auch den Friedenszustand beachten würden. Von Makapaanspoort zog Krüger weiter nach Zoutpansberg, wo einer der Kapitäne, die noch im vorigen Jahre gegen ihn gefochten hatten, ihm seine Unterwerfung anbot. Diese Reise hatte nicht nur den Zweck, die Kapitäne persönlich aufzusuchen und zur Ruhe zu ermahnen, sondern auch, wie das die Pflicht des Generalkommandanten war, einen Zensus der Kaffern, eine Schätzung zum Zwecke der Besteuerung, aufzustellen.

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Annexion Im Jahre 1870 wurde der ganze Reichtum der Diamantfelder in Westgriqualand, Kimberley und im Westen der Südafrikanischen Republik, in der Nähe von Barkley West, entdeckt. Präsident Pretorius ging nach den im Transvaalgebiet liegenden Feldern, um dort die Verhältnisse zu regeln, wurde aber von den englischen Gräbern, die sich da zusammen- geschart hatten, sehr unfreundlich empfangen. Diese Leute hatten bereits eigenmächtig eine Art von Republik gebildet mit einem gewissen Parker als Präsidenten an der Spitze und drohten Pretorius mit Krieg, falls er sie nicht in Ruhe lasse. Pretorius beschwerte sich nun bei der britischen Regierung über das Verhalten ihrer Untertanen, erhielt aber die Antwort, die Gründe, wo die Diamanten gefunden würden, gehörten nicht der Südafrikanischen Republik, sondern den Kaffernhäuptlingen Montsioa und Gasibone. Das war eine der falschen Behauptungen, wie sie die britische Regierung zur Hand hat, wenn sie ihr in den Kram passen, denn Gasibone war von der Regierung der Südafrikanischen Republik längst abgesetzt worden und Kapitän Mahura an seine Stelle getreten. Sein Gebiet lag innerhalb der Grenzen der Südafrikanischen Republik, worüber niemals auch nur der geringste Zweifel bestanden hatte oder gar Streit gewesen war. Auch Waterbur eignete sich von den begehrten Gründen nur auf englische Aufreizungen hin an; ein Recht dazu hatte er in keiner Weise. Um aus den Schwierigkeiten herauszukommen, ließ sich Präsident Pretorius auf ein Schiedsgericht mit Mahura, Montsioa und Waterbur ein. Das war ein Fehler und sehr gegen Krügers Sinn, der von der Anschauung ausging, dass die Republik über ihren eigenen Besitz und mit ihren .eigenen Untertanen ein Schiedsgericht nicht nötig habe und auch nicht annehmen dürfe. Präsident Pretorius aber ersuchte Keate, den Gouvemeur von Natal, den Schiedsrichter zu machen, und

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dieser erkannte sämtliche strittigen Gründe den Kaffernoberhäuptlingen als unabhängigen Besitzern zu. Einer der Zeugen in dieser Sache war der Kaffernhäuptling Mohilo. Er wurde gefragt, ob er nicht auch geholfen habe, diese Gründe zu säubern und bewohnbar zu machen, und deshalb einen Rechtsanspruch darauf erhebe. Er antwortete:

"Geholfen habe ich wohl, aber ich zog immer nur hinter den Weißen her wie ein Schakal, der der Herde folgt, um zu sehen, ob, er nicht hier und da ein Lamm erwischen kann." Man sagte ihm darauf, dass er auch einen Teil der Gründe bekommen könne. Der Kaffer versank einen Augenblick in Nachdenken, dann erwiderte er: "Nein, Herr, ich fürchte, Malimo (Gott) wird mir zürnen. Als die Kaffern von Selikats uns mordeten, kamen die Weißen, von Malimo gesandt, zu unserer Rettung. Wie sollte ich nun den Fuß auf den Nacken meines Erlösers setzen?" Er sprach noch mehr und erinnerte daran, wie Selikats alte Leute abschlachten ließ, wenn er Aasvögel über seinem Kral schweben sah, und sie den Aasvögeln vorwarf. Die Weißen, die die Kaffern von diesem Scheusal erlöst hätten, wolle er nicht in ihren Rechten kränken. Die Regierung der Südafrikanischen Republik hatte eine Kommission ernannt, die den Verhandlungen des Schiedsgerichtes beiwohnte. Krüger war Mitglied dieser Kommission. Sie protestierte gegen das Urteil des Gouverneurs Keate und reichte bei dem Volksrate einen Protest gegen das Vorgehen des Präsidenten Pretorius ein. Der Volksrat schloss sich diesem Proteste an, und Pretorius legte sein Amt nieder. Der Protest hatte wenigstens die Folge, dass die Republik ein Stückchen ihres Gebietes behielt, den Teil nämlich, in dem das Dorf Christiania liegt. Infolge des Rücktrittes des Präsidenten Pretorius musste eine neue Präsidentenwahl stattfinden. Eine große Anzahl von Burgers ersuchte Krüger, sich als Kandidaten aufstellen zu lassen. Er lehnte das ab und unterstützte mit seiner Partei den

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Präsidentschaftskandidaten Robinson. Der Gegenkandidat war Thomas Francois Bürgers. Dieser hatte kurz zuvor eine Rundreise durch das Land gemacht und wurde auch mit großer Mehrheit als Staatspräsident gewählt, obgleich Krüger alle Kraft einsetzte, um Robinson zum Siege zu verhelfen. Die Vereidigung des neuen Präsidenten fand im alten Regierungsgebäude zu Pretoria statt. Krüger war dabei gegenwärtig. Nachdem der Präsident den Amtseid abgelegt hatte, nahm Krüger das Wort und redete ihn also an:

"Hochedler Herr, ich habe mein Äußerstes getan, um Ihrer Wahl entgegenzuarbeiten. Hauptsächlich um Ihrer meines Erachtens verkehrten religiösen Auffassung willen. Aber nachdem Sie nun durch die Mehrheit gewählt' worden sind, unterwerfe ich mich als guter Republikaner diesem Votum des Volkes in dem Vertrauen, dass Sie gläubiger sind, als ich dachte, in welchem Falle ich Ihnen von Herzen Glück wünschen werde." Der Präsident antwortete darauf: "Burgers, die ihr gegen mich gestimmt habt eures Gewissens willen, ihr seid mir ebenso lieb wie diejenigen, die für mich gestimmt haben." Viele Burgers kamen nun auf Krüger zu und sprachen ihm ihre Freude aus, dass er so offenherzig gesprochen hatte; man hatte gedacht, er werde seine Meinung verstecken. Präsident Bürgers war unzweifelhaft ein Mann von scharfem Verstande und sehr großen Gaben. Er versuchte, so rasch wie möglich die Regierung des Landes zu verbessern und Handelsbeziehungen mit dem Ausland anzuknüpfen. Außerdem lag ihm die Erbauung einer Eisenbahn von Laurenzo Marques nach Pretoria sehr am Herzen, und er unternahm eigens zu diesem Zweck eine Reise nach Europa, um Geld zu leihen. Mit dieser Anleihe hatte er zwar nur einen mäßigen Erfolg, aber es glückte ihm, in Europa ein paar hervorragende Männer zu finden, die er in die Heimat mitnahm; darunter Dr. Jorissen, der später dem Lande viele

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nützliche Dienste erwiesen hat. Das einzige, was man gegen die Regierung Bürgers' anführen könnte, war das, dass er in seinen Ansichten zu sehr von seinen Burgers verschieden war. Und das war nicht allein der Fall in religiösen Fragen, sondern auch bei anderen Dingen, die er für die Entwicklung der Republik für unentbehrlich erachtete, während seine Burgers anderer Meinung waren. Es muss zugegeben werden, dass die Republik in damaliger Zeit für die vielen großartigen Ideen von Th. F. Bürgers noch nicht reif war. Selbst wenn es ihm darum zum Beispiel geglückt wäre, das Geld für die Erbauung der Eisenbahn von der Delagoabai nach der Republik zusammenzubringen, so hätte man das doch nicht einen Erfolg nennen können, weil die Republik damals noch nicht genug entwickelt war, um eine solche Bahn gewinnbringend zu machen. Seine der Zeit vorauseilenden Pläne und seine freie Auffassung auf religiösem Gebiet erweckten ihm sehr bald eine Menge Gegner. Die Ursache aber, dass er so gut wie allen Einfluss verlor und bei der Mehrheit der Burgers geradezu unmöglich wurde, war der unglückliche Sekukuni -Krieg vom Jahre 1876. Dieser Krieg wurde dadurch herbeigeführt, daß einer der Unterkapitäne Sekukunis das Vieh eines Burgers, dem die Regierung in der Nähe von Sekukunis Stadt eine Farm in Pacht gegeben hatte, mit Beschlag belegte, und dass Sekukuni, als die Regierung ihm dieserhalb eine Botschaft sandte, eine brutale Antwort gab, seine Truppen zusammenrief und den Distrikt Lydenburg bedrohte. Die Republik war also gezwungen, Sekukuni zu seiner Pflicht zurückzuführen. Präsident Bürgers wünschte persönlich das Burgeraufgebot zu begleiten. Das ging Krüger sehr gegen den Sinn, weil er als Generalkommandant die Leitung dieser Expedition als seine Pflicht ansah. Er weigerte sich schließlich, mitzugehen, wenn

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Bürgers auf die Begleitung des Kommandos bestehe. Als ihn Bürgers über die Gründe seiner Weigerung fragte, antwortete er: "Wenn Sie mitgehen, kann ich das Kommando nicht führen, denn wenn Sie abends im Lager fröhliche Gesellschaften halten und Sonntags Tanzunterhaltungen geben, so wird der Feind mich selbst hinter der Mauer totschießen, denn Gottes Segen kann da nicht auf unserem Zuge ruhen." Bürgers meinte, Krüger könne als Generalkommandant das ja verbieten, wenn es ihm zuviel erscheine. Aber Krüger antwortete: "Glauben Sie, dass die Burgers meinem Verbot gehorchen werden, wenn Sie als Präsident ihnen einmal das Beispiel gegeben haben?" Nun fragte Bürgers, wen er ihm denn als Fechtgeneral mitzunehmen rate. Krüger empfahl ihm zu diesem Amt Nikolaas Smit, den späteren Vizepräsidenten der Südafrikanischen Republik, und den früheren Präsidenten Pretorius. Bürgers gab dieser Empfehlung statt und rückte dann mit zwei ziemlich starken Kommandos gegen Sekukuni. Ehe man aber diesen selbst zu fassen bekam, wurde einer seiner Unterkapitäne namens Magali angegriffen, der in einer abscheulichen Felsengegend wohnte. Es glückte dem Kommando, die Kaffern aus ihren Höhlen und Schluchten zu vertreiben, worüber Bürgers so in Ekstase geriet, dass er ausrief: "Nun habe ich Gibraltar in Händen." Von hier ging es weiter gegen Sekukuni. Aber infolge von Zwiespalt und Mangel an Zusammenarbeiten missglückte der Anfall auf dessen feste Stellung. Ein Teil der Burgers unter Kommandant Joubert von Pretoria war bereits in der Stellung drin, musste sich aber wieder zurückziehen, weil er keine Unterstützung erhielt und, auf allen Seiten von vier- bis fünftausend Kaffern angefallen, in Kreuzfeuer geraten war. Die Unzufriedenheit nahm immer mehr zu, und die Burgers weigerten sich endlich rundweg, weiterzufechten oder länger zu bleiben. Und obwohl der Präsident seine ganze

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Beredsamkeit aufbot, um sie zurückzuhalten, glückte ihm das nicht, und er musste das Kommando nach Hause gehen lassen. Er ließ jedoch drei starke Wachtposten von Freiwilligen unter einem Burenkommandanten und einem deutschen Offizier zurück, um Sekukuni im Schach zu halten, und dieser bat später um Frieden und bezahlte tausend Ochsen als Kriegskosten. Der Präsident und die Burgers waren unterdessen nach Hause gegangen, ohne dass der Krieg beendigt gewesen wäre. Die zurückgelassenen Wachen verursachten Unkosten, und der Präsident legte zu diesem Zwecke auf jeden Burger eine besondere Steuer von 5 Pfund Sterling (100 Mark). Diese Maßregel brachte ihn in heftigen Gegensatz zu Krüger, der diese Steuer als ungesetzlich betrachtete, weil sie ohne Zustimmung des Volksrates auferlegt war. Eine beträchtliche Anzahl der Burgers verweigerte denn auch die Bezahlung. In der Sitzung des Volksrates im Jahre nach dem Kriege, 1877, griff der Präsident die Burgers, die die Extrasteuer nicht bezahlen wollten, heftig an, und zwar in Gegenwart von Sir Theophilus Shepstone, dem englischen Spezialkommissar, der sich bereits damals in Pretoria befand, um zu sehen, wie er die englischen Annexionspläne ausführen könne. Krüger verteidigte die Burgers, die die auf ungesetzliche Weise eingeführte Steuer verweigerten. In der Pause, während Krüger mit anderen Mitgliedern des Volksrates auf der Veranda stand, um zu plaudern, kam Präsident Bürgers auf ihn zu, schlug ihn auf die Schulter und sprach: "Herr Krüger, Ihr werdet doch nicht bestreiten wollen, dass die Burgers, die die Steuern verweigern, sich in Rebellion gegen ihre Regierung befinden?" Krüger antwortete: "Ich bestreite das allerdings, und zwar aus Gründen, die ich bereits dargelegt habe. Sie verweigern nicht ihre Steuern, sondern nur die besondere Steuer, die Sie ohne Vollmacht der

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gewöhnlichen Steuer hinzugeschlagen haben. Aber wäre es selbst so, wie Sie sagen, so möchte ich Sie doch fragen' Wäre es etwa ein Beweis von Liebe, wenn Sie Ihre Frau, mögen Sie auch noch so viel Fehler von ihr wissen, in der Öffentlichkeit vor ihren schlimmsten Feinden schlecht machen würden? Gerade das haben Sie aber gegenüber der Republik in Gegenwart ihres Feindes (nämlich Shepstones) getan was für mich ein Beweis ist, dass Sie die Republik nicht lieb haben, sondern sie hassen." Der Präsident schwieg und verließ die Gruppe. Alle diese Schwierigkeiten, die der Präsident Bürgers durch seine eigene Schuld fand, wurden von den Engländern als Vorwand benutzt, um eine Annexion einzuleiten und zu rechtfertigen. Die große Mehrheit der Burgers auf dem platten Lande war, wie bereits gesagt, mit der Regierung des Präsidenten unzufrieden, während die Dorfbewohner, die fast ausschließlich aus Fremden bestanden und von denen ein großer Teil nicht einmal Burgers waren, zufrieden waren mit Bürgers' Regiment, vor allem auch weil sie hofften, dass die von ihnen geplante Bahnverbindung ihnen großen Nutzen bringen werde. Als sie nun bemerkten, wie groß die Opposition gegen ihn wurde, begannen sie allmählich sich mit dein Gedanken vertraut zu machen, dass eine Annexion durch die britische Krone nicht so übel sei. Sie waren es denn auch, von deren Seite Shepstone Denkschriften erhielt mit dem Ersuchen, das Lan zu annektieren. Diese Denkschriften waren fast ausschließlich von. Dorfbewohnern unterzeichnet. Shepstone, Vertreter der englischen Regierung in Natal, der von seiner Regierung den Auftrag erhalten hatte, zu sehen, wie er das Land annektieren könne, begab sich von Natal mit einem Gefolge von fünfundzwanzig Mann auf den Weg nach Pretoria, um, wie er vor gab, mit der Regierung über Kaffernschwierigkeiten und andere Fragen zu verhandeln.

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Dabei sprach er offen aus, die Tatsache, dass die Republik Sekukuni nicht besiegt habe, sei für andere Kaffernstämme, auch für solche im britischen Gebiet, eine Anreizung, ebenfalls Aufruhr zu machen. Krüger, der die Absicht von Shepstone sehr wohl einsah, forderte von Präsident Bürgers, Shepstone mit seiner bewaffneten Leibwacht nicht in die Stadt kommen zu lassen, außer unter dem Geleite einer bewaffneten Burgereskorte. Dieser Vorstellung aber gab Präsident Bürgers kein Gehör. Das war in derselben Zeit, als die Amtsdauer des Präsidenten abgelaufen war und eine neue Präsidentenwahl stattfinden musste. Eine Menge Burgers ersuchte Krüger, sich als Kandidat aufstellen zu lassen, und obwohl er sich erst geweigert hatte, gab er schließlich doch nach, um der Unzufriedenheit ein Ende zu machen, die die Burgers über diese Weigerung bezeugt hatten. Er stellte aber die Bedingung an die Wahlkomitees, dass seine Wähler, wenn Bürgers die Mehrheit bekäme, sich damit zufrieden geben und dem gewählten Präsidenten den schuldigen Gehorsam erzeigen müssten, um nicht offene Zwietracht entstehen zu lassen und den Engländern einen neuen. Vorwand für ihren Annexionsplan zu liefern. Bereits in der ersten Woche, in der die Stimmlisten der Parteien im Umlauf waren, erwies sich, dass Krüger eine starke Mehrheit hatte. Daraufhin ging er zu Präsident Bürgers und sagte zu ihm: "Präsident, ich verspreche Ihnen, die Mehrheit der Burgers auf Ihre Seite zu bringen, wenn Sie mir versprechen, kräftige Maßregeln gegen die Annexion zu ergreifen und die Unabhängigkeit zu verteidigen. Ist das Ihre Absicht, so müssen

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Sie das aber auch deutlich zeigen, damit ich mit Nachdruck die Burgers auf die Tatsache verweisen kann, dass die Unabhängigkeit unseres Landes kräftig gewahrt wird. Anderenfalls werden natürlich meine Argumente keinen Eindruck machen. Ich gebe meine Hand darauf, daß ich dann tun werde, was ich angeboten habe." Bürgers versprach, zu tun, was in seinen Kräften stände, aber ehe es zu Neuwahlen kam, wehte die Flagge Englands über der einstmals freien Republik. Shepstone kam nämlich kurz darauf, am 21. Januar 1877, mit seiner bewaffneten Leibwache und einigen Wagen in Pretoria an. Eine Anzahl leicht erregbarer "loyaler" Bewohner war töricht genug, ihm die Pferde auszuspannen und seinen Wagen selbst nach dem Haus zu ziehen, wo er Wohnung nehmen sollte. Die Bevölkerung im ganzen zeigte dagegen keine außerordentliche Erregung. Leute, die dabei waren, behaupten, dass bei seinem Empfang keine zehn Bürger zugegen waren. Am 26. Januar 1877 fand die erste Konferenz zwischen dem Präsidenten mit seinem Ausführenden Rat und Shepstone statt. Dieser begann sofort , über die "inhärente" Schwachheit der Republik und über die Tatsache, dass man Sekukuni nicht zu unterwerfen vermocht habe, zu sprechen. Er musste, wie er sagte, infolge der von Weißen gegenüber den Kaffernhäuptlingen bewiesenen Schwäche fürchten, nun auch auf Ihrer Majestät Gebiet neue Schwierigkeiten von den Kaffem zu bekommen. Um diese Dinge näher zu besprechen, wurde von dem Ausführenden Rat eine Kornmission gewählt, die aus Krüger und dem Staatsanwalt Jorissen bestand. Krüger weigerte sich aber entschieden, auf dieser Konferenz Dinge zu besprechen, die die Unabhängigkeit der Republik berührten, und so verlief sie im Sande. Shepstone hatte außerdem Besprechungen mit

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Präsident Bürgers, und dieser beschloss nun, den Volksrat zu einer außergewöhnlichen Sitzung zusammen zuberufen, die dann im Februar stattfand. Die erste Sache, die hier behandelt wurde, war das unterdessen eingelaufene Ersuchen des Kaffernoberhäuptlings Sekukuni um Frieden. Präsident Bürgers hatte nach der Zurückziehung der Burgerdkommandos verschiedene starke Regel nie zustimmen werde, da er durch seinen Eid verpflichtet sei, die Unabhängigkeit der Republik Aufrechterhalten. Er müsse sich unterwerfen, wenn der Volksrat der Annexion zustimme und ihn so von seinem Eide entbinde, aber anderenfalls nicht. Shepstone fragte ihn darin, wie lange es dauern werde, um den Volksrat zu berufen, worauf Krüger erklärte, er glaube, dass das innerhalb einer kurzen Zeit geschehen könne, wenn der Präsident sofort die Einladungen ergehen lasse. Hier trat aber Präsident Bürgers zwischen beide, indem er sagte, man dürfe nicht zuviel auf die Geduld Shepstones sündigen, wodurch dieser Plan ins Wasser fiel. Dagegen schlug der Präsident Bürgers vor, sofort einen Protest gegen die Annexion aufzusetzen, solange die Regierung der Republik noch bestehe, und eine Kommission zu wählen, um diesen Protest nach England zu überbringen. Dieser Plan wurde auch ausgeführt; dass er Erfolg haben werde, hatte Bürgers von vornherein nicht angenommen, er war auch nicht in der Kommission. Unterdessen führte Shepstone am 12. April 1877 seinen Plan aus und annektierte die Republik. Diese Annexion kann nicht scharf genug als widerrechtliche Tat Englands gebrandmarkt werden. Sie war in flagrantem Widerspruch zu dem Zandriviertraktat von 185z, durch den England feierlich erklärte, die Unabhängigkeit der Südafrikanischen Republik unbeschränkt anzuerkennen und nie in das Gebiet nördlich des Vaalflusses übergreifen zu wollen. Aber sobald es die Gelegenheit dazu ergab, brach das

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perfide Albion sein feierliches Gelöbnis, wie es das immer getan und auch noch immer weiter tut, wenn seinen Interessen damit gedient werden kann. Welches Unheil hat dieser Traktatbruch über Südafrika gebracht! Der große Krieg, der das ganze Land zu einem Trümmerhaufen gemacht hat, ganz abgesehen von den Hunderten von Männern und den Tausenden unschuldiger Frauen und Kinder, denen er das Leben gekostet hat, mit einem Wort, dieser Krieg, in dem sich England auf so unzivilisierte und gemeine Weise betragen hat, dass es von allen zivilisierten Völkern verachtet wird, hat zum Teil seinen Ursprung in der Annexion von Shepstone. Ich sage zum Teil, denn der Krieg hat zwei Ursachen. Die erste und vornehmste ist der Reichtum der Republik an Goldfeldern und die zweite die "Rache für Majuba". Wäre aber Shepstones Annexion nicht gewesen, so wäre auch kein Majuba gekommen und keine "Rache für Majuba" nötig geworden. Den erbitternden Einfluss, den die Annexion auf das Verhältnis der beiden Nationen haben musste, hat auch der Ausführende Rat der Südafrikanischen Republik vorausgesehen und darum folgenden Protest gegen die Annexion eingereicht:

"Nachdem Ihrer Britischen Majestät Regierung im Zandriviervertrag des Jahres 1852 die Unabhängigkeit des Vaalrivierlandes feierlich garantiert hat, und nachdem die Regierung der Südafrikanischen Republik sich nicht bewusst ist, Ihrer Majestät Regierung irgendeinen Grund zu einer feindseligen Handlung gegeben zu haben oder dass irgendeine Veranlassung zu einer solchen Gewalttat vorRege; nachdem diese Regierung sich stets bereit gezeigt hat und noch bereit ist, alles zu tun, was von ihr mit Recht und Billigkeit verlangt werden kann, und damit alle Ursachen zur Unzufriedenheit, die vorhanden sein mögen, aus dem Wege zu räumen; im Hinblick darauf, dass sie sich wiederholt vollkommen bereit erklärt hat, mit Ihrer Majestät Regierung Verträge zu schließen

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oder Verbindlichkeiten zu übernehmen, wie sie etwa für die allgemeine Sicherheit der weißen Bevölkerung Südafrikas erforderlich erachtet werden, und gewillt ist, derartigen Verbindlichkeiten genau nachzukommen; in Hinsicht darauf, dass nach der öffentlichen Erklärung von Ihrer Majestät Kolonialminister Lord Carnarvon bei der britischen Regierung nicht die Absicht besteht, das Volk der Südafrikanischen Republik gegen seinen Willen unter ihre Obrigkeit zu zwingen; nachdem das Volk in seiner großen Mehrheit durch Denkschriften und auf andere Weise seinen Willen deutlich dahin ausgesprochen hat, daß es dazu nicht geneigt ist; und nachdem sich die Regierung überzeugt hält, dass sie nicht imstande ist, der Übermacht Großbritanniens gegenüber die Rechte und die Unabhängigkeit des Volkes mit dem Schwerte zu verteidigen, und außerdem, bevor .nicht das letzte Mittel versucht worden ist, auf friedlichem Wege und durch freundschaftliche Vermittlung die Rechte des Volkes sicherzustellen, keinesfalls einen Schritt zu tun beabsichtigt, durch den die weißen Einwohner Südafrikas, zum großen Unheile der ganzen christlichen Bevölkerung Südafrikas, angesichts des gemeinsamen Feindes miteinander in Uneinigkeit oder in feindliche Berührung kommen würden, so protestiert die Regierung gegen diese Handlungsweise des Spezialkommissars Ihrer Majestät aufs entschiedenste und beschließt gleichzeitig, eine Kommission von Abgeordneten unverweilt nach Europa und Amerika :ZU senden mit Vollmacht und Weisung, sich nötigenfalls durch eine dritte Person zu ergänzen, um in erster Linie den Versuch zu machen, die Interessen und Wünsche des Volkes Ihrer Majestät bekannt zu machen und, wenn dies keinen Erfolg haben sollte - was die Regierung sehr bedauern würde und vorderhand noch nicht glauben möchte -, sodann die freundschaftliche Hilfe und die Vermittlung anderer Mächte

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anzurufen, und zwar zunächst derjenigen, die die Unabhängigkeit unseres Staates anerkannt haben. Zu Mitgliedern der Kommission werden ernannt die Herren S. J. P. Krüger, Vizepräsident und Mitglied des Ausführenden Rates, und Dr. E. J. P. Jorissen, Staatsprokureur der Südafrikanischen Republik." Dr. Jorissen wurde auf. Krügers Wunsch gewählt, da er ein Rechtsgelehrter war und Krüger gern jemanden bei sich haben wollte, der fremde Sprachen sprechen konnte. Mit der Einsetzung dieser Deputation hörte der Aus führende Rat auf zu bestehen. Präsident Bürgers zog sich in seine Heimat, die Kapkolonie, zurück; die Republik hatte keinen Präsidenten mehr. An seiner Stelle musste Krüger handeln, dem als Vizepräsidenten auch unter anderen Umständen gesetzlich die Führung der Staatsgeschäfte an Stelle des außer Landes gegangenen Präsidenten zugefallen wäre.

Unter englischer Herrschaft

Die Kommission, die diesen Protest nach England überbringen sollte, nämlich Krüger und Dr. Jorissen, nahm sich W. E. Bok als Sekretär mit und reiste im Mai 1877 nach Port Elisabeth ab, um von dort nach England überzusetzen. Kurz nach ihrer Abreise schrieb Shepstone an Lord Carnarvon, den damaligen Kolonialminister von England, wenn die Deputation keinen Erfolg habe, so werde Krüger, wie er ihm gesagt habe, der neuen Regierung ein ebenso treuer Untertan sein, wie er es der alten gewesen sei. Auch wisse er von Dr. Jorissen, dass dieser die Annexion für unvermeidlich erklärt habe und ihren Widerruf als ein Unglück ansehen würde. Was Krüger angeht, so erklärt der diese Behauptung für eine absolute Unwahrheit. Er hat nie so etwas oder etwas Ähnliches gegenüber Shepstone Verhalten eine solche geäußert, auch straft sein ferneres

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Behauptung von selbst Lügen. In England angekommen, fand die Deputation, dass durch Zeitungen und Briefe - darunter einen Brief von Pfarrer Jooste aus Potchefstroom, zuerst veröffentlicht im "Zuid Afrikaan" - das Gerücht verbreitet war, nur ein Häuflein Unversöhnlicher mit Krüger an der Spitze wehre sich gegen die Annexion. Krüger bestritt diese Auffassung mit dem größten Nachdruck und meinte, man könne die Wahrheit leicht herausfinden durch die Abhaltung einer Volksabstimmung über die ganze Republik hin, woraus sich am sichersten ergeben werde, ob die Mehrheit für oder gegen die Annexion sei. Er schrieb persönlich einen Brief an den Kolonialminister, worin er der Behauptung von dem "Häuflein Unversöhnlicher" widersprach und eine Volksabstimmung vorschlug. Dr. Jorissen hatte Bedenken gegen die Unterzeichnung dieses Briefes, darum sandte ihn Krüger auf seine Verantwortung allein ab. Die englische Regierung wies diesen Vorschlag aber mit der einfältigen Behauptung von sich, dass eine solche Abstimmung zuviel Mühe und Kosten verursachen würde. Man kann auch hieraus sehen, dass England sich immer treu bleibt. Es stellt Behauptungen auf, und sobald ihm Gelegenheit geboten wird, sich vom Gegenteil zu überzeugen, gebraucht es Ausreden, wiederholt aber dabei seine Behauptungen, bis es selbst und vielleicht die Welt mit ihm zu glauben beginnt, dass es so sein müsse, wie es gesagt habe. Im November des Jahres 1877 verließ die Deputation England wieder und besuchte auf dem Heimwege Holland, Frankreich und Deutschland, um dort die Mächte zu einer Intervention zu bewegen - ohne Resultat trotz aller freundlichen Empfänge. Gegen Ende Dezember erreichte Krüger seine Wohnung im Rustenburg- Distrikt wieder, und im Januar des darauf folgenden Jahres ging er nach Pretoria, wo ungefähr tausend Burgers auf seinen Bericht warteten. In dieser Versammlung

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ging es etwas stürmisch zu, als man vernahm, dass die Deputation von der englischen Regierung keine befriedigende Antwort erhalten habe. Einer der Burgers, M.W. Vorster, stellte den Antrag, der auch einstimmig angenommen wurde, dass eine Volksabstimmung veranstaltet werden solle, um eine allgemeine Aussprache der Burgers über ihre Stellung zur Annexion herbeizuführen. Bei einer weiteren Versammlung - in Nauwpoort im Potchefstroom- Distrikt - wurde dieser Antrag nochmals eingebracht und angenommen und nun eine Kommission gewählt, um die Volksabstimmung abzuhaltenden und eine Eingabe in diesem Sinne unterzeichnen zu lassen. Vorsitzender dieser Kommission war der frühere Präsident Pretorius. Shepstone war über diese Beschlüsse sehr ungehalten und erklärte, er werde eine solche Abstimmung nicht zulassen können; auch verlangte er von Krüger, dass er den Plan hintertreibe. Krüger ritt darauf in Begleitung von Pretorius und Viljoen nach Pretoria zu einer Unterredung mit Shepstone und sagte ihm da, dass er die Volksabstimmung nicht hindern könne und wolle, denn er habe in England versichert, gerade aus einer solchen Abstimmung werde sich ergeben, dass die Mehrheit gegen die Annexion sei, und er wünsche nun nicht als Lügner dazustehen. Er fügte hinzu: "Wenn Sie zugeben, dass ich recht hatte und dass Ihr Bericht über die Gesinnung des Volkes, den Sie nach England sandten, die Unwahrheit enthielt, dann würde die Abstimmung allerdings unnötig sein." Daraufhin gab Shepstone seine Zustimmung zur Abhaltung der nötigen Versammlungen unter der Bedingung, dass die Burgers unbewaffnet kommen müssten. Die Kommissionsmitglieder wurden ersucht, streng darauf zu achten, dass nur wirklich, stimmberechtigte Burgers abstimmten. Im April 1878 kam die Kommission bei Doornpoort zusammen, und nun ergab sich, dass 125

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Denkschriften mit 6591 Unterschriften gegen die Annexion und 31 Denkschriften mit 587 Unterschriften für die Annexion eingelaufen waren. Daraus ergab sich deutlich, was die Gesinnung des Volkes war, zumal wenn man beachtet, dass die gesamte männliche Bevölkerung der Republik nach Shepstones Angaben gegenüber dem englischen Kolonialminister nur 8000 Köpfe zählte und unter denen, die nicht zur Versammlung hatten kommen können, sich noch viele entschiedene Gegner der Annexion befanden. Die vom Volke erwählte Kommission beschloss nun, eine neue Deputation nach England abzusenden, damit diese dort die Beweisstücke von dem Widerwillen der Mehrheit des Volkes gegen die Einverleibung der Republik vorlege. Zu Mitgliedern dieser neuen, zweiten Deputation wurden Krüger und Piet joubert, der spätere General, gewählt. Als Sekretär ging wiederum der Holländer W. E. Bok mit. Die Reisekosten wurden durch eine Kollekte unter den Bürgern aufgebracht, und noch während der Versammlung wurden zu diesem Zwecke 1900 Pfund Sterling gezeichnet. Die Deputation nahm eine Petition mit sich, die an Lord Carnarvon gerichtet war und darlegte, das Volk der Republik sei überzeugt, dass die englische Regierung über die wirkliche Gesinnung der Burenbevölkerung schlecht unterrichtet gewesen sei. Man könne nicht glauben, dass England ein Volk gegen seinen Willen zu beherrschen suchen wolle. Man habe darum beschlossen' den Beweis zu liefern, dass die große Mehrheit mit Herz und Seele gegen die Annexion sei, und man hoffe, dass die Regierung nach Kenntnisnahme der übermittelten Denkschriften die auf Grund unrichtiger Information vorgenommene Annexion widerrufen werde. Wie schlecht kannten damals unsere Leute noch England. Heute würde niemand mehr die Vermessenheit haben, auf das Verständnis einer solchen Anschauungsweise bei England zu

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rechnen. Auf ihrer Reise nach England hatte die Deputation auf ihr Ersuchen noch eine Unterredung mit dem Hohen Kommissar und Gouverneur der Kapkolonie Sir Bartle Frere in Kapstadt. Er war sehr freundlich, weigerte sich aber entschieden, sie irgendwie in ihren Bemühungen zu unterstützen, und erklärte, es sei dazu auch gar kein Grund, denn unter der britischen Flagge könnten die Buren sehr glücklich werden. Im Juli 1878 landete die Deputation in England und fand hier, dass inzwischen Lord Carnarvon als Kolonialminister durch Sir Michael Hicks Beach ersetzt war - eine für das Volk der Republik alles eher als günstige Veränderung. Auch empfingen die beiden Deputierten bei ihrer Ankunft in London einen Brief von Sir Shepstone als Antwort auf im Abschied persönlich überreichtes Gesuch. Stepstone griff hier Krüger und Joubert heftig an und warf ihnen vor wenn Unzufriedenheit im Lande sei, so seien sie Am Ursache davon. In der ersten Unterredung, die die Deputation mit Sir Hicks Beach hatte, erklärte dieser, nur schriftlich verhandeln zu wollen, und so legte man denn in einer langen Eingabe in kräftiger Sprache das gute Recht der Republik auf eine selbständige Existenz und die Nichtberechtigung der Gründe dar, mit denen die Annexion gerechtfertigt worden war. Außerdem wurde gegen die Annexion als einen Bruch des Zandriviertraktates, den die britische Regierung mit den Burenemigranten im Jahre 1852 geschlossen hatte, protestiert, und schließlich wurde die Erwartung ausgesprochen, dass das Billigkeitsgefühl, des englischen Volkes sich nicht länger gegen die Rückgabe einer Unabhängigkeit sträube, die von den Großmächten anerkannt sei. Die Antwort von Sir Hicks Beach war, wie zu erwarten stand, eine völlige Enttäuschung für die Deputation. Der Kolonialminister versprach nur, sobald der 5 Zustand des Landes es erlaube, eine Art Selbstregierung

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einzuführen, und fügte hinzu, dass die Fortführung dieser Versöhnungspolitik nur von den Buren selber, insonderheit von dem Verhalten der Wortführer abhänge. Die Deputation antwortete darauf zunächst kurz, sie könne nicht glauben, dass eine Politik, wie sie England gegenwärtig treibe, dazu dienen könne, die herrschende Unzufriedenheit zu beseitigen und freundschaftliche Gefühle aufkommen zu lassen. Später verteidigte sie in einem längeren Memorandum nochmals das gute Recht der Republik auf ihre Selbständigkeit, aber es half alles nichts; man musste unverrichteter Sache die Rückreise nach Südafrika antreten. Bei diesem zweiten Besuche in England wurde Krüger durch einen englischen Burenfreund ein goldener Ring übergeben mit den Worten - "Haltet Mut, eure Sache ist gerecht, und ihr müsst schließlich triumphieren." Auf der Innenseite des Ringes sind die Zahlen eingeschrieben, die das Resultat der Volksabstimmung über Annahme oder Verwerfung der Annexion waren. Diesen Ring trug Krüger bis zuletzt als einzigen Schmuck an seiner Hand. Auf der Rückreise, im Herbst 1878, machte die Deputation wiederum dem europäischen Festlande einen Besuch. In Paris fand damals gerade die große Weltausstellung statt. Bei dieser Gelegenheit sah Krüger zum ersten Mal einen Luftballon und nahm an einem Aufstiege teil. Als er sich hoch in der Luft befand, ersuchte er den Luftschiffer scherzend, ihn nun direkt nach seiner Heimat zu bringen. Da erst erfuhr der Mann, wer sein Reisebegleiter war, und als man wieder zur Erde herabkam, überreichte er Krüger eine Medaille zum Andenken an die Luftreise. Im Dezember 1878 landete die Deputation in Durban. Inzwischen hatte die Lage in Südafrika ein sehr ernstes Gesicht bekommen. Sekukuni, der früher, als das den Engländern in ihren Kram passte, dazu gebracht worden war, zu erklären, dass er keinen Frieden machen wolle, hatte

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sich an der Veränderung in der Regierung nicht gestört und befolgte die Lektion, die ihm von der alten Regierung gegeben war, nun auch unter der neuen. Aber während man ihn früher immer in seinem Widerstande gegen die Anerkennung der Oberherrschaft der Südafrikanischen Republik über sein Gebiet unterstützt hatte, verlangte man jetzt, dass er Frieden halte, da sein Gebiet zu Transvaal gehöre. Schließlich musste eine Expedition von Freiwilligen und Farbigen unter Colonel Rowlands gegen ihn gesandt werden, ohne dass diese viel ausrichten konnte. Das Allerschlimmste aber war, dass sich auch der Zulukönig Cetewayo im Aufstand gegen die englische Regierung befand. Die Ansprüche der Republik auf das mit ihm strittige Gebiet hatte England früher ebenso wenig anerkennen wollen, nahm es aber jetzt nach der Annexion von Transvaal als zweifellosen Besitz der ehemaligen Republik in Anspruch. Als Krüger über Durban nach Hause reiste, ersuchte ihn in Pietermaritzburg Sir Bartle Frere, dem englischen Oberbefehlshaber Lord Chelmsford Informationen zu geben über die Art und Weise, wie man am besten den Krieg gegen die Zulus führe. Das tat Krüger auch offenherzig. Er riet dem englischen Oberbefehlshaber, an jedem Halteplatz durch Zusammenziehen der Wagen ein Lager zu schlagen, wie das die Buren gewohnt seien, und immer für gute Wachen und Kundschafter zu sorgen, um über die Bewegungen des Feindes auf dem laufenden zu sein. Auch fragte ihn Sir Frere, ob er glaube, dass Truppen von 17000 Mann mit den schwarzen Hilfstruppen genügten. Krüger antwortete: "Wenn Sie vorsichtig sind und sorgfältig Wachtposten ausstellen, wird es genügen." Zuerst hatte Sir Bartle Frere Krüger ersucht, als Ratgeber und Führer des ganzen Kommandos den Oberbefehlshaber selbst zu begleiten. Das schlug Krüger ab. Als jedoch nun Sir Bartle Frere noch weiter in ihn drang und

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erklärte, er könne sich dafür jede Belohnung, die er wünsche, ausbitten, sagte er - "Gut, ich nehme an und werde Ihnen mit fünfhundert Burgers das Zululand in die Hände liefern, wenn Sie mir die Belohnung geben, die ich verlange." Sir Bartle Frere war etwas pikiert über das Anerbieten Krügers, mit fünfhundert Mann das Werk auszuführen, wofür die Engländer so viele Tausende von Soldaten ins Feld gestellt

hatten, und fragte:

als unsere Soldaten?", worauf Krüger antwortete: "Das nicht, aber unsere Art zu kämpfen ist besser, und wir kennen das Land." Nun fragte Sir Frere was Krüger als Belohnung verlange. Aber als dieser antwortete - "Die Unabhängigkeit meines Landes und Volkes", wollte der Hohe Kommissar nichts mehr davon hören. Später ersuchte auch Shepstone Krüger schriftlich, mit einem Burenkommando den Engländern zu Hilfe zu kommen. Krüger antwortete, die Annexion und der Bruch, der dadurch zwischen dem Volke der Südafrikanischen Republik und der englischen Regierung entstanden sei, mache ein freundschaftliches Zusammenwirken der beiden Rassen unmöglich. Denen, die auf das dringendste Ersuchen des Volkes um die Rückgabe seiner Freiheit keinen Wert legten, müsse er auch jede Hilfe verweigern. Mit ihrem gewöhnlichen Hochmut verachteten die Engländer die Zulu-Impis, was ihnen die blutige Niederlage von Isandhlawana am 22. Januar 1879 verschaffte, wo etwa 1200 englische Soldaten niedergemetzelt wurden. Hierdurch belehrt, trat man dann vorsichtiger auf, und es glückte Lord Chelmsford, in der Schlacht von Ulundi im Juli 1879 die Zulus völlig zu schlagen und später den König Cetewayo gefangen zu nehmen, wodurch der Krieg beendigt wurde. Es wurde damals in Südafrika allgemein behauptet, die Engländer hätten den General Cetewayos bestochen, um von ihm die Auslieferung seines Königs zu erlangen. Dieser General habe

Meint

ihr denn, dass ihr so viel besser seid

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dann Cetewayo überredet, nach einem bestimmten Platze zu gehen, der, wie er behauptete, sicherer sei als Cetewayos gegenwärtiger Aufenthalt. Cetewayo habe diesem Vorschlag Folge geleistet und sei so von den Engländern mit leichter Mühe umzingelt und gefangen genommen worden. Inzwischen war im März 1879 Sir Theophilus Shepstone durch Sir Owen Lanyon, einen Mann, der für dieses schwere Amt absolut unbrauchbar war, ersetzt worden. Als Militär hatte Sir Lanyon von Zivilverwaltung keine Ahnung, und außerdem war er mit Sitten, Sprache und Volkstum der Buren völlig unbekannt. Nach ihrer Rückkehr nach Transvaal hatte die Deputation eine Volksversammlung einberufen, um dort über ihre Sendung Bericht zu erstatten. Diese Versammlung fand am 10. Januar 1879 zu Wonderfontein statt. Es kamen ungefähr dreitausend Bürger zusammen, und es wären ohne Zweifel noch mehr gekommen, wenn nicht volle Flüsse und die Pferdekrankheit, die gerade in dieser Zeit des Jahres am heftigsten wütet, viele Burgers am Kommen verhindert hätten. Unterdessen hatte Sir Bartle Frere einen an Krüger und Joubert gerichteten offenen Brief unter die Bürger verteilen lassen, worin er sagte, er hoffe, die beiden Herren würden dem Volke klarmachen, dass die Annexion unwiderruflich sei. In der Versammlung dankte Krüger zunächst für den zahlreichen Besuch und für den Willkomm, den man der Deputation dargeboten habe, und ermahnte dann die Burgers, einig zu bleiben und keine Zwietracht oder irgendwelche Unregelmäßigkeiten aufkommen zu lassen, da allein Eintracht, Gehorsam und Zusammenarbeit das Volk wieder frei machen könne. Die Versammlung fasste eine Resolution, worin sie der Deputation Dank aussprach für die Mühe und für die Opfer, die sie auf sich genommen hatte, und zugleich erklärte, dass das Volk sich

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bei dem Beschluss der englischen Regierung nicht beruhigen könne. Einige Burgers glaubten nun bereits die Zeit gekommen, um von der englischen Regierung mit Gewalt zu erreichen zu suchen, was sie freiwillig zu geben nicht geneigt war. Aber Krüger wusste ihnen klarzumachen, dass die Zeit noch nicht gekommen sei, und wurde in seinen Bemühungen, den Frieden zu erhalten, von Joubert und Pretorius unterstützt. Einer der Burgers trat auf und sagte: "Herr Krüger, wir haben nun lange genug schöne Reden gehört, lasst uns nun endlich einmal den Engelschman schießen." Krüger erwiderte darauf: "Wenn ich nun wirklich sage - Sah' (fass an' - das Wort, mit dem man in Südafrika Hunde anhetzt), wirst du dann beißen? Und wenn ich sage: Beiß', wirst du dann festhalten?" Der Mann verstummte. Auf derselben Versammlung wurde beschlossen, Piet Joubert nach Natal zu senden, wo sich Sir Bartle Frere befand, um diesen von dem Beschluss des Volkes, sich England nicht zu unterwerfen, in Kenntnis zu setzen. Diese Sendung hatte nicht den geringsten Erfolg, abgesehen etwa davon, dass Sir Bartle Frere ihm versprach, selbst nach Transvaal zu kommen, um sich von dem Stand der Dinge zu überzeugen. Zu diesem Zwecke wurde eine neue Versammlung einberufen, und zwar nach der Farm Kleinfontein, und Sir Bartle Frere dazu eingeladen. An dein festgesetzten Tag, dem 18. März 1879, strömten vier- bis fünftausend Bürger bei Kleinfontein zusammen. Joubert erstattete Bericht von seiner Mission und seinen Misserfolgen und schloss mit den Worten: "Die Frage, die sich nun das Volk vorzulegen hat, ist die, ob es sich unterwerfen will oder nicht." Auch Krüger hielt eine Ansprache, worin er den Leuten vor allem ans Herz legte, nicht durch irgendwelche unvorsichtige Schritte den Frieden zu stören, sondern die Sache dem

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Komitee zu überlassen, das es ihnen wohl zu wissen tun werde, wenn es glaube, dass alle friedlichen Mittel erschöpft seien. Diese Mahnung war sehr notwendig, denn die Bürger waren zum Teil äußerst erregt und sprachen offen von der Notwendigkeit, die Engländer zu "schießen". ja es wurden sogar bei der Zusammenkunft Stimmen laut, die Burgers sollten dem Zulukönig Cetewayo, mit dem England gerade im Kampf lag, zu Hilfe ziehen' um gemeinschaftlich mit ihm die Engländer zu überwältigen. Krüger bekämpfte diesen Vorschlag mit aller Energie und sagte, so etwas sei unchristlich, und nie und nimmer dürfe man sich mit Barbaren gegen eine zivilisierte Nation verbinden. So wurde dieser Plan in seiner Geburt erstickt. Sir Bartle Frere, der sein Kommen zu dieser Versammlung zugesagt hatte, war unterdessen immer noch nicht eingetroffen. Er war von Natal aus nach Kleinfontein aufgebrochen, reiste aber sehr langsam. Er hoffte vielleicht, durch die Verzögerung die Buren mutlos zu machen oder zum Nachhausegehen zu bewegen, ohne dass er unter ihnen zu erscheinen brauche. Von Heidelberg aus ließ er die Versammlung wissen, dass er keine Zeit habe, sich im Burenlager aufzuhalten, er müsse nach Pretoria. Er erhielt aber die Antwort, dass man so lange bereits auf ihn gewartet habe und nun fest darauf rechne, dass er komme. Er beschloss also, zukommen. Als er nicht mehr weit vorn "Kamp" entfernt war, ritten ihm die Führer des Komitees entgegen geleiteten ihn in das Lager. Die Burgers standen dicht gt beisammen und bewahrten bei seiner Ankunft tödliches Stillschweigen. Niemand grüßte ihn, obwohl er selbst im Anfang nach links und rechts die Burgers grüßte. -ja einer Besprechung, die darauf stattfand, wurde verabredet, dass man ein paar Tage später aufs neue zusammenkommen und dann erst in nähere Beratungen eintreten wolle.

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Sir Frere zog von hier nach Pretoria weiter; darum rückte auch das ganze Burenlager nach Boksburg im Distrikt Heidelberg, und hier fand die neue Zusammenkunft bei Fergussonslaagte statt. Hierher kam Sir Frere in Begleitung des Gouverneurs Sir Owen Lanyon, einer Anzahl Beamter und einer bewaffneten Leibwache. Er hielt dem Komitee vor, dass es die Ursache der Unzufriedenheit sei. Das Komitee kehrte sich aber wenig daran, und die einzige Antwort, die es gab, war die, dass man sich mit der Annexion nicht zufrieden geben werde. Endlich schlug der Hohe Kommissar einen anderen Ton an und sagte, er müsse zugeben, dass er falsch unterrichtet gewesen sei, denn er bemerke nun selber, dass ein starker Widerspruch gegen die Annexion vorhanden sei und dass dieser von den besten Männern des transvaalischen Volkes ausgehe. Das Komitee schlug ihm daraufhin vor, es wolle noch einmal in einer Denkschrift der Regierung von England die Beschwerde seines Volkes begründen, und bat ihn, diese Denkschrift zu befördern unter Beifügung eines Berichtes über das, was er gesehen und bemerkt habe. Er erklärte sich bereit, die Petition der ernstlichen Aufmerksamkeit der englischen Regierung zu empfehlen, obwohl er persönlich ein Gegner der Zurücknahme der Annexion sei. Kurz darauf ging die Versamnmlung auseinander. Es ergab sich aber später, dass Sir Bartle Frere an die englische Regierung geschrieben hatte, es habe ihm leid getan, dass er nicht genug Kanonen gehabt habe, um die Rebellen auseinander zutreiben. Nach dem Besuch von Sir Bartle Frere wurden von dem Komitee Briefe nach dem Oranjefreistaat und der Kap-, kolonie gesandt, worin um die Unterstützung bei dem Versuche, die Annexion rückgängig zu machen, gebeten wurde. Der Volksrat des Oranjefreistaates nahm denn auch mit großer Mehrheit einen Beschluß an, der die Hoffnung ausdrückte, daß die Bestrebungen der Burgers um

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Wiederherstellung der Unabhängigkeit von Erfolg begleitet sein möchten. In der Kapkolonie machte sich im November 1879 eine Deputation zu Sir Bartle Frere auf den Weg, um in derselben Sache vorstellig zu werden. Natürlich bekam sie nebst vielen schönen Reden wiederum die stereotype Antwort der englischen Staatsmänner, die Sache sei vorbei und erledigt. Inzwischen war General Sir Garnet Wolseley mit besonderen Vollmachten nach Südafrika gesandt worden. Er war neben Sir Frere zum Hohen Kommissar ernannt, und ihm war speziell die Regelung der Zulu- und Transvaal- Angelegenheit anvertraut worden. Es war derselbe Mann, von dem das Wort stammt: "Solange die Sonne scheint, wird Transvaal britisches Gebiet bleiben, der Vaalfluß wird eher zurückströmen nach seinen Quellen, als dass Transvaal wieder unabhängig wird." Sir Garnet Wolseley war in ungefähr derselben Zeit daran, Sekukuni zu unterwerfen, was ihm auch endlich mit Hilfe seiner gewaltigen Übermacht glückte. Nach der Versammlung von Kleinfontein hatte das Volkskomitee angekündigt, dass eine neue Versammlung zu Wonderfontein stattfinden werde. Das veranlasste Sir Garnet Wolseley, eine Proklamation zu erlassen, worin er auf die Gefahr hinwies, in die diejenigen, die an dieser Versammlung teilnähmen, sich, ihre Familie und ihr Eigentum bringen würden. Er drohte zugleich, die Teilnehmer wegen Hochverrats zu bestrafen. Diese Proklamation hatte aber nicht die geringste Wirkung, denn bei der Versammlung, die am 10. Dezember zu Wonderfontein abgehalten wurde, waren zwischen fünf- und sechstausend Burgers anwesend , und alle diese Leute waren aufs höchste erregt. Sie nun sei sicher die Zeit da, um den Streit zu beginnen. Krüger, wenn auch erfreut über die Einmütigkeit, bei den Burgers herrschte, meinte, doch noch einmal ein Wort der Warnung an sie richten zu müssen. Er wies bin auf die Macht Englands und sprach die

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Befürchtung aus dass im Kriege mit dieser gewaltigen Macht mancher bald mutlos werden und nach seiner Farm zurückkehren werde. In dieser Erregung dürfe man keinen Krieg beschließen. Am Abend spät durchwanderte Krüger das Lager, um die Gespräche zu belauschen, die die Burgers an den Lagerfeuern führten. Er wollte wissen, wie man seine Warnung aufgenommen habe. Die Beobachtungen, die er dabei machte, waren sehr charakteristisch. So hörte er einen sagen: "Ich bin der Meinung, daß Krüger uns verrät." "Nein", widersprach ihm ein anderer, "das werde ich nie von, ihm glauben, denn er hat zu viel für uns getan und arbeitet noch immer weiter für uns, so dass ich eine solche Beschuldigung nicht auf mich nehmen möchte." "Aber", fing der erste wieder an, "wenn es nicht seine Absicht ist, uns zu verraten, warum will er uns die Engländer nicht schießen lassen?" "ja", erwiderte nun wieder der andere, "ich glaube ja auch, dass seine Pläne verkehrt sind; aber dass er uns verrät, das glaube ich nicht." Sehr zufrieden mit seinen Beobachtungen, kehrte Krüger nach seinem Zelt zurück und dankte Gott, dass sein Volk so fest entschlossen war, seine Unabhängigkeit zurückzuerlangen. In derselben Versammlung wurde ein Volksbeschluss gefasst, worin unter anderem gesagt war, dass das Volk frei und unabhängig zu bleiben verlange; dass die Bürger nie Untertanen Ihrer Majestät gewesen seien und auch nie tu werden wünschten; dass sie Wiederherstellung ihrer Unabhängigkeit und Wiedereinsetzung ihres Volksrates, verlangten und dass dieser die nötigen Schritte tun müsse, "um die Unabhängigkeit zu sichern. Von dem Volksbeschlusse wurde Sir Garnet Wolseley durch die Abgeordneten Pretorius und Bok in Kenntnis gesetzt. Diese beiden aber wurden unter der Beschuldigung des Hochverrats gefangengenommen, Pretorius zu Potchefstroorn und Bok zu Pretoria.

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Eine Anzahl von Burgers war sofort entschlossen, Pretorius mit Gewalt zu befreien. Aber dieser schrieb einen Brief, worin er sie bat, von diesem Vorhaben abzusehen. Infolge dieser Ereignisse begab sich Krüger nach Potchefstroom. Unterwegs vernahm er, dass trotz Pretorius' Bitte eine Anzahl bewaffneter Burgers schon vor ihm auf dem Weg nach Potchefstroom sei und Pretorius befreien wollte. Er jagte ihnen nach, so rasch sein Pferd laufen konnte, und erreichte sie dicht bei dem Dorfe. Nach vielem Zureden glückte es ihm endlich, sie zu bewegen, dass sie ihren Plan aufgaben. An demselben Abend wurden Pretorius und Bok gegen Bürgschaft aus der Gefangenschaft entlassen. Aber die englische Behörde setzte nun Pretorius so lange zu, bis er sich bereit erklärte, das Land zu durchreisen und eine Kundgebung der englischen Regierung vorzulesen, die die Burgers überzeugen sollte, dass ihre Handlungsweise verkehrt sei. Man versah ihn auch gleich mit Pferden für eine solche Reise. Die Burgers, die Krüger zur Umkehr bewogen hatte, waren nicht weit von Potchefstroom bei Nauwpoort noch zusammen, und Krüger war bei ihnen. Da kam Pretorius an und verlas den

Brief der englischen Regierung. Die Burgers sollten sich ruhig unterwerfen, hieß es darin, denn ihre Freiheit sei ihnen ja nicht genommen, und der gegenwärtige Zustand sei nur die Brücke, um zu einer Selbstregierung zu gelangen. Als er zu Ende war, wandte sich Krüger an die Burgers:

Buren,

versteht ihr, was die englische Regierung

euch bietet? Ich will euch deutlich machen, was meines Erachtens diese Selbstregierung ist; man sagt euch: Steckt ruhig den Kopf in die Schlinge, dass ich euch aufhängen kann, dann dürft ihr mit den Beinen strampeln, soviel ihr wollt; das

nennt man frei sein und sich selbst regieren." Die Burgers stimmten dieser Ansicht vollkommen zu, und am folgenden

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Tage teilte Pretorius Sir Garnet Wolseley mit, dass er von der Fortsetzung seiner Reise absehen müsse, da die Burgers fest entschlossen seien, ihre Unabhängigkeit zurückzugewinnen, und dass es deshalb nutzlos sei, sie auf andere Gedanken zu bringen zu suchen. Kurz nach diesen Ereignissen sollte ein Konföderationsentwurf für Südafrika im Kap-Parlamente beraten werden. Dieses Projekt eines Vereinigten Südafrika unter englischer Flagge zum Scheitern zu bringen, schien den Transvaalem im Interesse der Freiheit ihres Landes von höchster Wichtigkeit, denn im Falle seiner Annahme wäre natürlich an einen Widerruf der Annexion nicht mehr zu denken gewesen. Darum wurden Krüger und Joubert nach Kapstadt gesandt, um bei ihren Freunden im Kap-Parlamente darauf zu dringen, dass sie den Entwurf ablehnten. Auf dem Wege nach Kapstadt wurden sie überall mit der größten Herzlichkeit empfangen. In Kapstadt selbst hatten sie eine Unterredung mit einer Anzahl von Abgeordneten, wobei Krüger in den stärksten Worten die Notwendigkeit darlegte, den Plan zum Scheitern zu bringen, und erklärte, daß sich die Republik mit einer auf diesem Wege zustande kommenden Föderation nie zufrieden geben werde, vor allem deshalb nicht, weil sie selbst dabei gar keine Stimme habe, sondern Fremde über ihre Zukunft beschlössen. "Wascht eure Hände nicht im Blute eurer Brüder!": das waren die Worte, mit denen er von den Abgeordneten schied. Der Föderationsplan wurde denn auch glücklich vereitelt. Während ihres Aufenthaltes in Kapstadt sprach in der Wohnung Krügers und Jouberts ein Mitglied des Hohen Hauses vor, das sie zu einem Besuch bei Sir Bartle Frere einlud. Sie lehnten es ab, dieser Aufforderung Folge zu geben. Als aber die Einladung wiederholt wurde mit dem

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Zusatz, Sir Frere wünsche die Herren privatim zu sprechen, da erklärte Krüger: "Ich werde kommen, wenn Sie sagen können, welcher Sir Bartle Frere es ist, der nach uns verlangt, denn ich kenne deren bis jetzt vier. Der erste kam zu uns nach Kleinfontein und versicherte uns, er sei nicht gekommen mit dein Schwert, sondern als Bote des Friedens. Später ersah ich aus einem englischen Blaubuch, dass an demselben Tage ebenfalls ein Sir Bartle Fere, also ein zweiter, an die englische Regierung geschrieben hat: "Hätte ich nur genug Kanonen und Soldaten gehabt, so hätte ich die Rebellen rasch auseinander geiagt." Den dritten Sir Bartle Frere lernte ich bei der Beantwortung unserer Bittschrift um Zurücknahme der Annexion kennen; er sagte damals, er habe der britischen Regierung mitgeteilt, dass er in Kleinfontein etwa fünftausend der beste Buren getroffen habe und deren Petition zur ernsteste Erwägung empfehle; später habe ich aus den englische Blaubüchern ersehen, dass an demselben Tage ein Sir Bart Frere, also offenbar ein vierter, der britischen Regierung mitgeteilt hat, es sei nur ein Haufen von Rebellen gewesen, den er getroffen habe. Das alles kann doch unmöglich ein und derselbe Mann sein; wenn Sie mir also sagen können, welcher dieser vier Sir Bartle Frere uns sprechen will, so können wir uns die Sache ja einmal überlegen." Unnötig, beizufügen, dass der Abgesandte Sir Bartle Frees das nicht sagen konnte und also unverrichteter Dinge zurückkehren musste. In derselben Zeit erfolgte in England der Rücktritt d Tory- Ministeriums, und Gladstone, der sich wiederholt gegen die Annexion ausgesprochen hatte, wurde erst Minister der neuen Regierung. Krüger und Joubert fasst nun neue Hoffnung und schrieben sofort noch von Kap- stadt aus im Mai i88o einen Brief an Gladstone, wo .sie ihm die Lage darlegten, ihn dringend ersuchten, de Lande sein Recht widerfahren zu

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lassen, die Annexion zurückzunehmen und den Zandriviervertrag von 1852 wiederherzustellen. Sie waren schwer enttäuscht, als sie nun auch von diesem liberalen Staatsmanne die Antwort empfingen, dass die Annexion nicht rückgängig gemacht werden und das Ministerium Ihrer Majestät nicht anraten könne, ihre Souveränität über Transvaal aufzugeben. Transvaal zurückgekehrt, erstatteten die beiden Abgesandten dem Komitee Bericht über ihre Sendung, und nun kann man zu der Überzeugung, daß weitere Versammlung und friedliche Proteste wertlos seien. Das beste schien, still fortzuarbeiten und sich durch die Anschaffung, von Wagen und Munition auf das Äußerste vorzubereiten. Es galt dabei, die größte Vorsicht und peinliches Stillschweigen zu bewahren, um keinen Verdacht zu erregen, denn nur so waren die Vorbereitungen auf den Entscheikampf möglich. Eine letzte Volksversammlung in Paardekraal sollte die Entscheidung bringen.

Präsident Krüger unterschreibt in Gegenwart des Ministers Joseph Chamberlain den Freundschaftsvertrag.

Präsident Krüger unterschreibt in Gegenwart des Ministers Joseph Chamberlain den Freundschaftsvertrag.

Der verräterische Abgeordnete Kock beschuldigt Krüger der Korruption. Der Freiheitskrieg

Das erste Zeichen des nahenden Sturmes waren die Vorfälle bei der Zwangsversteigerung des Wagens, den dem Feldkornett Bezuidenhout gepfändet hatte. Die englische Regierung hatte begonnen, Steuern zu erheben und gegen diejenigen gerichtlich vorzugehen, die ihr diese Steuern verweigerten. Unter denen, die sich weigerten, war Piet Bezuidenhout aus dem Potchefstroomdiskret. Die Steuerverweigerung war eines der Mittel des passiven Widerstandes, den man nun gegenüber der englischen Regierung durchführte. Vorher hatten viele Bürger ihre Steuern bezahlt mit der Erklärung, dass sie nur der Gewalt wichen. Als das aber von den englischen Staatsmännern so ausgelegt wurde, als ob die Bevölkerung zufrieden sei und ruhig ihre Abgaben bezahle, da verlangten die einen eine Bescheinigung, dass sie nur unter Protest bezahlt hätten, und die anderen weigerten sich überhaupt zu zahlen. Die Regierung ließ den Wagen Bezuidenhouts', pfänden und nach Potchefstroom zur öffentlichen Versteigerung bringen. Bei dieser Versteigerung erschien Piet Cronje mit einer Anzahl bewaffneter Buren, die den Gerichtsvollzieher mit Gewalt vom Wagen herunterholten und den Wagen selbst im Triumph nach Bezuidenbouts Farm zurückbrachten. Bezuidenhout und noch ein anderer Burger wurden zu Krüger auf seine Farm Boekenhoutfontein im Distrikt Rustenburg gesandt, um ihn zu ersuchen, sofort nach Potchefstroom zu kommen, wo die Burgers bereitständen, den Kampf um die Freiheit zu beginnen. Krüger kam diesem Ersuchen nach und fand die Burgers nicht weit von Potchefstroom versammelt.

Hierhin sandte der Befehlshaber der englischen Truppen von

Potchef- stroom eine Anfrage, ob er Krüger sprechen könne, und als Krüger diese Anfrage bejahte, kam er heraus, erzählte

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was bei dem Verkauf des Wagens geschehen war, und schloss mit den Worten: "Sie werden zugeben müssen, dass das offenbare Rebellion ist." Krüger antwortete: "Ich würde Ihnen zustimmen, wenn wir die Annexion anerkannt hätten, aber das ist nicht der Fall. Wir betrachten uns nicht ab Untertanen von England, und die Steuersache ist nicht eine Privatsache Bezuidenhouts, sondern eine prinzipielle Frage, die das ganze Land angeht." Infolge dieses Vorganges wurde nun von Krüger und den anderen Führern auf einer Zusammenkunft des Komitees in Kaalfontein im Einverständnis mit dem Sekretär der derzeitigen Regierung über Transvaal bestimmt, dass die Volksversammlung, die nach Paardekraal auf den 8. Januar 1881 ausgeschrieben war, bereits am 8. Dezember 1880 stattfinden und dort das Volk entscheiden solle, ob eine friedliche Beseitigung der Schwierigkeiten möglich sei. Zwei Tage vor dem Termin wurde die Versammlung verboten, und so wurden die Teilnehmer zu Rebellen gemacht. Eine Masse Burgers kam trotzdem an dem bestimmten Tag zusammen, und nun wurde einmütig beschlossen, dass die Regierung der Republik ihr Amt wieder antreten und den Volksrat einberufen solle. Einem Triumvirat, einer Dreimannschaft, bestehend aus Krüger als Vizepräsidenten, Piet Joubert als Generalkommandant und Expräsident M. W. Pretorius, wurden die Geschäfte der Regierung übertragen. Diese Dreimannschaft erließ eine Proklamation, worin sie das gute Recht der Republik an Hand der Geschichte nachwies und die Wiederherstellung der Regierung der Südafrikanischen Republik allgemein bekannt machte.

Diese Proklamation musste nun gedruckt werden, und zu dem Zwecke sandte man Kommandant Piet Joubert mit etwa vierhundert Mann nach Potchefstroom, während die Regierung nach Heidelberg zog, das vorläufig zum Sitz der Regierung

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ausersehen war. Heidelberg konnte mit leichter Mühe in Besitz genommen werden, da dort keine englische Besatzung lag und darum der Landdrost sein Büro, wenn auch unter Protest, sofort übergeben musste. Inzwischen war auch Cronje in Potchefstroom angekommen und hatte Vorkehrungen getroffen, dass die Proklamation gedruckt werden konnte. Hierbei fiel dann der erste Schuss, der den Krieg eröffnete. Die englische Besatzung feuerte auf eine Burgerwache, die in den Straßen postiert war. Eine Kugel traf den Burger Frans Robertse von der Farm Wijsfontein im Distrikt Rustenburg und durchbohrte ihm den Arm. Noch einmal sandten die Mitglieder der neu gewählten Regentschaft ein Ersuchen an den Vertreter der englischen. Regierung, den Gouverneur von Transvaal, und appellierten an den "Edelmut der edlen britischen Nation", um in friedlicher Weise das Land zurückzubekommen. Die Antwort war die Kommandierung der vorhandenen Truppen zur Dämpfung des "Aufstandes". - Bei der geringen Anzahl von Leuten, die die Buren aufbieten konnten - im ganzen etwa siebentausend Mann musste mit der größten Vorsicht zu Werke gegangen werden. Der Plan ging dahin, alle Dörfer, in denen die Engbadet eine Besatzung hatten, einzuschließen, um ihnen alle Verbindungen abzuschneiden, und die übrigen Burgers an die Grenze von Natal zu schicken, um dort die heranrückenden Verstärkungen des Feindes aufzuhalten. Eine andere Schwierigkeit war der Mangel an Munition; es kamen bei Beginn des Krieges auf den Mann etwa fünfzehn Patronen, so dass man auch damals vom Feind erst Munition erbeuten musste, um ihn mit seiner eigenen Munition zu beschießen.

Unter diesen Umständen wäre unser Unternehmen eine Torheit

gewesen, zumal auch Kaffem gegen uns aufgeboten wurden, wenn nicht Gott unsere Herzen bearbeitet hätte, dass wir mutig der großen Übermacht entgegengingen.

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Nur bei einem Gefecht dieses Krieges soll verweilt werden, und zwar dem Gefecht von Bronkhorstspruit. Es kam hier zum Zusammenstoß mit dem 94. Regiment, das von Lydenburg auf dem Wege nach Pretoria war. Die Burenführer, die von seinem Herannahen Meldung bekommen hatten, sandten ihm den Kommandanten Franz Joubert mit ungefähr 150 Mann entgegen. Als die beiderseitigen Streitkräfte aufeinander stießen, sandte Joubert eine Meldung an den englischen Befehlshaber Colonel Anstruther und ersuchte ihn, nach Lydenburg zurückzukehren, in welchem Falle kein Angriff stattfinden werde. Der Mann, der die Botschaft überbrachte, war der Burger Paul de Beer, der gut Englisch sprach. Anstruthers Antwort lautete kurz: "Ich bin auf dem Wege nach Pretoria, und ich gehe nach Pretoria." Natürlich blieb nun Joubert und den Seinen nichts anderes übrig, als die Engländer anzugreifen. Der Schauplatz des Gefechtes war ein kahler Hügel, auf dem einzelne Dornenbäume standen. Die Engländer nahmen Stellung in einem Hohlweg, während die Burgers über offenes Terrain anstürmen mussten. Das Gefecht dauerte nur ein paar Minuten. Ungefähr 23o Engländer waren tot oder verwundet, die übrigen ergaben sich Colonel Anstruther, der selbst tödlich verwundet war, ließ Kommandant Joubert zu sich rufen, sagte ihm, dass er sich ehrlich besiegt erkläre, und ersuchte ihn, seinen Degen von Majuba-Hill als Geschenk anzunehmen. Einige Minuten danach War er tot. Wir würden diese Einzelheiten nicht erwähnt haben, wenn nicht Feldmarschall Roberts, Earl of Waterford, Kandahar und Pretoria, als er im

Laufe des letzten Krieges bei Bronkhorstspruit ankam, nach England telegrafiert hätte, er befinde sich jetzt auf dem Schauplatz, wo eine britische Streitmacht im Jahre 1881 in

verräterischer Weise dezimiert worden sei. Doch das beweist nur, welch ein richtiger, echter Engländer

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Lord Roberts ist. Der Streit wurde überall in der Republik fortgesetzt unter der tüchtigen Leitung des verstorbenen Generals Joubert, der damals in der Kraft seiner Jahre stand und sein Feldherrntalent in glänzender Weise bewies, mit einem Erfolg für die Buren, der allgemeines Erstaunen erregte. Neben Joubert standen andere tüchtige Männer als Leiter des Krieges, so General Smit und Kommandant Piet Cronje, der auch im großen Kriege durch seinen heldenmütigen Widerstand bei Paardekraal berühmt geworden ist. Der Feldzug erreichte seinen Höhepunkt in der Schlacht am Majuba-Hügel am 27. Februar 1881. Während des Krieges blieb Krüger meistens bei der Regierung in Heidelberg, machte aber auch Reisen zu den Kommandos, so nach Potchefstroom, in die Drakenberge und nach Standerton, um die Burgers zur Ausdauer zu ermahnen. Ebenso begab er sich nach Rustenburg, um dort .den Burgers, die die englische Besatzung belagerten, zusprechen. Hier vernahm er, dass die Kaffern des Häuptlings Magato, der dicht bei Rustenburg wohnte, eine drohende Haltung angenommen hätten, und begab sich sofort mit sieben Mann, darunter seinem Sohn Piet Krüger, dahin. In Magatos Stadt fand Krüger die Bewaffneten zu Tausenden zusammengeschart in ihren Strohhäusern, sicherlich in keiner guten Absicht. Er ging nun direkt auf das Haus von Magato zu und redete ihn also an: "Warum habt ihr den Engländern nach ihrem Lager in Rustenburg ,Proviant geliefert, obwohl ich euch bereits früher geboten habe, euch in diesem Krieg völlig

neutral zu halten, da ein Krieg zwischen Weißen ist?" Magato antwortete- J habe von den Engländern einen Bericht empfangen, sie bereits Heidelberg eingenommen hätten und im marsch hierher wären, und wenn ich ihren Befehlen nicht Folge leiste, würden sie kommen und mich strafen. Krüger

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erwiderte ihm darauf. "Wenn du denn nicht mich hören willst, dann muss ich dich vor den Kriegsrat bringen", und fasste ihn dabei an der Hand. Währen Krüger noch so drohend mit dem Häuptling sprach stürmten die Kaffern von allen Seiten mit Beilen, Assagai und Gewehren in die Wohnung des Häuptlings. Aber eine' von Krügers Leuten, Piet van der Walt, stellte sich seinem Gewehr neben Magato und drohte, ihn nieder- zuschießen, wenn Krüger das geringste Leid geschehe Magato, der nun sah, dass sein Leben auf dem Spiele stand,' gab seinen Kapitänen Befehl, die Kaffern auseinander- zutreiben. Die Kapitäne mussten Stöcke und Knüppel' nehmen und zwischen die Leute schlagen, ehe es gelang, sie" zu zerstreuen. Als sich der Lärm einigermaßen gelegt hatte, sagte Krüger zu Magato: "Ruft eure Kaffern wieder zusammen, ich will ihnen meine Anweisungen geben." Magato weigerte sich erst, da Krüger ihm ja sagen könne, was er wolle. Aber:, Krüger sagte:

"Nein, ich will zu deinem Volk sprechen." Nun wurden die Kaffern gerufen und kamen unbewaffnet und angstvoll näher. Krüger sprach sie an, tadelte ihr schlechtes Verhalten und ermahnte sie, sich in der Folge ruhig zu verhalten, denn "Kaffern haben mit diesem Krieg nichts zu tun". Danach sprach er noch längere Zeit mit Magato, wies ihn auf das Tadelnswerte seiner Handlungsweise hin und brachte ihn so weit, dass er versprach, neutral zu bleiben und weder den Buren noch den Engländern helfen oder entgegenzuarbeiten. Da Krüger nach Heidelberg zurückck musste, bat er Magato, ihm ein paar Pferde zur zu stellen. Magato gab ihm darauf

einen Wink, ins Zimmer zu kommen, und sagte ihm dort allein: dir keine Pferde geben, sonst wissen es morgen die Engländer und bedrohen mich dafür. Wiederhole aber

Gegenwart meiner Kaffern dein Ersuchen, dann werde es dir abschlagen, und du musst dann sagen: Gut, dann werde ich sie

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mir mit Gewalt nehmen, wenn du sie mit gutwillig gibst. Darauf werde ich in meinem Herzen sprechen: Es ist gut 1, aber mit meinem Munde werde ich es dir abschlagen." So wurde es denn auch gemacht, und Krüger bekam zwei tüchtige Pferde für seine Rückreise nach Heidelberg. Ungefähr in dieser Zeit war es auch, dass ein Bote kam, der Krüger aufforderte, nach der Natalgrenze zu kommen, da die Engländer um Waffenstillstand nachgesucht hätten, um Über den Frieden zu unterhandeln. Sofort beeilte sich Krüger, nach dem angegebenen Punkte abzureisen, aber es war eine sehr mühsame Reise. Wegen der starken Regengüsse waren die Wege kaum zu begehen, und große Umwege mussten gemacht werden, um den Plätzen auszuweichen, die in englischem Besitz waren. Der Waffenstillstand sollte am 14. März ablaufen. Aber bis dahin war es für Krüger unmöglich, nach dem Platze seiner Bestimmung, Laingsnek in Natal, zu kommen. General Joubert hatte inzwischen im Hinblick auf die Verzögerung der Reise eine viertägige Verlängerung des Waffenstillstandes erbeten. Krüger wurde mit seinen Begleitern Pretorius, Dr. Jorissen und Marè von den Bürgern begeistert empfangen. Eine Zusammenkunft zwischen den Abgeordneten der Buren und dem Hohen Kommissar Sir Evelyn Wood, dem Vertreter des Britischen Reiches, fand bald darauf halbwegs zwischen beiden Lagern statt. Sir Evelyn Wood hatte während des Waffenstillstandes von dem britischen Kolonialminister Instruktionen

empfangen, die die Grundlage für die Unterhandlungen bilden sollten. Das war:

1. Amnestie für alle Burenführer.

2. Berechtigung der Buren, von ihrer Seite Unterhändler zu den Friedensverhandlungen zu bevollmächtigen.

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3. Ernennung einer königlichen Kommission zur Untersuchung aller Streitfragen und zur Landesübergabe.

4. Selbstregierung unter britischer Suzeränität.

5. Aufnahme eines britischen Residenten in Pretoria.

6. Stellung der auswärtigen Politik der Südafrikanischen

Republik unter englische Aufsicht. Präsident Brand vom Freistaate sollte auch bei den Verhandlungen gegenwärtig sein, um eine Verständigung herbeizuführen. Die Zusammensetzung der so genannten königlichen Kommission gab zu vielen Debatten Anlass. Die englische Regierung wollte nur ausschließlich englische Untertanen hineinberufen mit Ausnahme von Brand, der für beide Parteien Sitz darin haben sollte. Die Burenführer dagegen verlangten eine gemischte Kommission, die sich aus beiden Parteien zusammensetze. Ferner wollte die englische Regierung gleich von vornherein einen Teil der Republik, nämlich die Distrikte Wakkersstroorn und Utrecht, für sich behalten. Gerade das aber wollten Krüger und die anderen Führer auf keinen Fall zulassen. Nach langen Verhandlungen fragte Sir Evelyn Wood. "Wenn wir nun in diesem Punkt nicht nachgeben, werdet ihr dann weiterkämpfen?" Darauf antwortete Krüger: "Das ist eine unbillige Frage. Wenn wir nicht nachgeben wollen, werdet ihr dann weiterkämpfen?" Wood antwortete: Ja", worauf Krüger seinen Hut nahm, aufstand und sagte: "Dann brauchen wir ja nicht weiter zu

unterhandeln." Nun fasste Wood Krüger am Arm und sprach:

"Nein, kommen Sie wieder, Sie müssen nicht so eilig sein." General Smit war schon so weit gekommen, dass er sagte: "Es wird wohl das beste sein, wenn das Schwert entscheidet." Eine andere Schwierigkeit war die Frage der Zurückziehung. Ihrer Majestät Truppen aus der Republik und die Verproviantierung der englischen Besatzung in den Dörfern,

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während der Verhandlungen. Es schien einen Augenblick, als ob daran die Unterhandlungen scheitern würden, und das war der Augenblick, wo Dr. Jorissen im Auftrage Krügers seine so genannte dritte Proklamation verfasste. Diese dritte Proklamation ließ Krüger auch Präsident Brand, der gerade jetzt angekommen war, vorlesen, und dieser gab sich alle Mühe, ihn zu bewegen, von der Veröffentlichung des Stückes Abstand zu nehmen und die Verhandlungen fortzusetzen. Das geschah denn auch, und zwar m Haus O'Neills. Es kostete viel Mühe, in den verschiedenen Punkten Einigkeit zu erzielen. Wood versuchte alle Mittel, sich den mündlich gegebenen Zusicherungen zu entziehen, und als der Waffenstillstand zur Fortsetzung der Verhandlungen aufs neue verlängert werden musste, benutzte er die Gelegenheit, wo Krüger mit General Joubert und Dr. Jorissen im Gespräche war, um einfach einer Ordonnanz aus eigener Vollmacht den Auftrag zu geben, geben dem Lager mitzuteilen, dass der Waffenstillstand weitergehe. Aber Krüger hatte das gemerkt und fragte: "Wo geht der Mann hin?", und sobald er dessen Absicht erfahren hatte, sagte er zu einem Adjutanten von Wood auf englisch:

"Stop that man", ging in das Zimmer und erklärte General Wood, er verlange von ihm als ehrlichem Manne, dass er das Übereinkommen mit den Punkten, über die man sich verständigt habe, unterzeichne. Das Dokument lag auf dem Tisch, aber Wood wollte nicht unterzeichnen.

Erst als Krüger rief : "Burgers, aufsatteln !" und Wood sah, dass weitere Ausflüchte unmöglich seien, gab er nach und unterzeichnete. Darauf konnte die Ordonnanz mit der Meldung von der Verlängerung des Waffenstillstandes abgehen. Als das vorläufige Friedensprotokoll unterzeichnet war, wollten die englischen Offiziere den Erfolg der Buren herabsetzen und ihnen ein Geständnis erpressen, dass

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sie furchtbare Verluste gehabt und deshalb den Widerstand gar nicht hätten fortsetzen können. "Wie viel Tote habt ihr denn auf dem Nek gehabt?" fragte einer von ihnen zuversichtlich Joubert "Ich persönlich hatte einen," erwiderte dieser, "dazu einen Verwundeten." Der Offizier lachte und wollte mit eigenen Augen mehrere Tote gesehen haben. "Gut", rief Joubert in höchster Entrüstung, "graben Sie einen davon aus und bringen Sie ihn her, ich will ihn mit Haut und Haaren auffressen." Ein Pfarrer aus Newcastle dagegen sprach Krüger Hochachtung vor den Buren aus und bewunderte ihre Tapferkeit. Die Offiziere, die dabei standen, erzählten unterdessen, dass die englischen Truppen sehr tapfer gekämpft und viele Buren niedergeschossen hätten, bis ihnen die Munition ausgegangen sei; da hätten sie natürlich den Kampf aufgeben müssen. "Unsere Leute lassen sich eher totschießen, als dass sie eine Patrone ausliefern." Krüger sagte nichts darauf, wandte sich aber wieder zu dem Pfarrer und sagte:

"Wenn Sie zu Ihrer Majestät kommen, sagen Sie auch, dass sie ihren Soldaten eine besondere Belohnung geben muss für die Sorgfalt, mit der sie ihre Munitionsvorräte bewacht haben; wir fanden sie auf dem Berge noch säuberlich verpackt auf den Lasteseln." Wood selbst stellte ähnliche Fragen. Unter anderem fragte er: "Was sollten die zweihundert Mann, die ihr nach den Biggarsbergen sandtet?" "Wir hatten gehört, dass ihr mit zwölftausend Mann dorthin im Anmarsch wäret." "Und da

sandtet ihr zweihundert?" Ja, wir hatten nicht mehr, aber ich habe gesehen, dass es genug waren." In dem Übereinkommen, das Krüger und Joubert namens des

Volkes der Südafrikanischen Republik unterzeichneten, wurde zugesichert: vollkommen freie Selbstregierung unter britischer Suzeränität gegen Aufnahme eines britischen Residenten in Pretoria und Rückgabe des während des Krieges in Beschlag genommenen britischen Eigentums. Der Punkt, der beinahe

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zum Abbruch der Verhandlungen geführt hätte, die Frage der Gebietsabgabe, wurde der königlichen Kommission zur Erledigung überlassen. Wood verpflichtete sich namens der britischen Regierung, die Positionen bei Laingsnek nicht zu besetzen, wenn sie die Buren aufgäben, und auch keine Truppen oder Munition nach Transvaal zu schaffen. Die königliche Kommission sollte außerdem innerhalb sechs Monaten alle schwebenden Angelegenheiten erledigen, den Friedensvertrag feststellen und dann das Land an die Buren zurückgeben. Diese Kommission, die bald darauf zusammentrat, bestand aus Sir Hercules Robinson, dem neuernannten Hohen Kommissar, Sir Henry de Villiers, dem Obersten Richter der Kapkolonie, und Sir Evelyn Wood. Sie brachten einen Friedensentwurf zustande, der unter dem Namen der Pretoriakonvention von 1881 bekannt ist. Im Volksrat, der berufen wurde, um diese Konvention zu genehmigen, erlebte man lange und heftige Diskussionen. Krüger hatte in einer fünf Monate vorher abgehaltenen außerordentlichen Sitzung Englands Großmut gerühmt, sein volles Vertrauen zu der Kommission ausgesprochen und die Versöhnung mit England als die Grundlage eines glücklichen Staatswesens bezeichnet, um so die Burgers zu

beschwichtigen. Aber auch er sah sich jetzt zu einem Proteste gegen einige Artikel der Kommission genötigt und beschwerte sich telegrafisch, aber vergeblich, bei Gladstone darüber, dass mehrere Bestimmungen des Vertrages das Gegenteil von dem festlegten, was mündlich feierlich gesagt worden war. Der Vertrag wurde schließlich nur angenommen mit der Erklärung, dass man sich der Gewalt füge, dass man bei dieser gezwungenen Annahme darauf vertraue, die englische

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Regierung werde sich bereit finden lassen, die Punkte, die ihn für den Volksrat unannehmbar machten, vor allem die Auslegung der Suzeränität und die ungerechten Gebietsverkürzungen, zu beseitigen. Einer dieser Punkte, der die Burgers kränkte, war, dass die Republik an Stelle des Namens "Südafrikanische Republik" den eines "Transvaalstaates" erhielt. Den Namen "Südafrikanische Republik hat unser Staat erst durch die Londoner Konvention von 1884 zurückbekommen. Aber auch in der Zwischenzeit hatte Krüger die Gewohnheit, in seinem amtlichen Verkehr mit dem Britischen Residenten von der "Südafrikanischen Republik" zu sprechen. Eines Tages kam dieser zu Krüger, um sich darüber zu beschweren, indem er sagte, der Name sei "Transvaalstaat" und nicht "Südafrikanische Republik". "Und womit wollen Sie das beweisen?" fragte Krüger. "Womit?" antwortete Hudson, "nun mit der Konvention, darin steht deutlich: Transvaalstaat." Darauf Krüger: "Nun gut, wenn ich Ihnen eine Farm verkaufe, und ich schreibe in den Kaufbrief: Ich, Paul Krüger, hiernach genannt der Verkäufer, verkaufe an usw., würde ich dann in der Folge nicht mehr Paul Krüger, sondern Verkäufer heißen? So auch hier. In der Konvention, also bei Abschließung eines bestimmten Aktes, wird die Republik Transvaalstaat genannt, aber darum ist das doch nicht ihr wirklicher Name, sondern nur ihre Bezeichnung. Ihr wirklicher Name ist und bleibt Südafrikanische Republik." Nun lachte Sir Hudson und sagte:

"Gut, dann sagen Sie so, wenn Sie so wollen, aber nehmen Sie es mir auch nicht übel, wenn ich mich an den Namen Transvaalstaat halte." Bereits am 8. August, noch ehe der Volksrat zusammengetreten war, war das Land in aller Form zurückgegeben und feierlich die teure "Vierkleur", das vierfarbige Banner von Transvaal, wieder gehisst worden.

Paul Krüger Staatspräsident

Der Volksrat des Jahres 1882 fasste einstimmig den Beschluss, einen Staatspräsidenten zu wählen, nachdem Joubert den Antrag gestellt hatte. Krüger und Joubert wurden beide gebeten, sich zur Wahl zu stellen, und nahmen auch beide an, wobei jedoch einer den anderen beim Volke als Kandidaten empfahl. Krüger legte in zwei Antworten auf die an ihn ergangenen Wahlaufforderungen die Grundsätze dar, nach denen er im Falle seiner Wahl die Regierung leiten werde. Gottes Wort, die Richtschnur auch der Politik und das Fundament, darauf der Staat gegründet sein muss, Förderung des Landbaues, Erschließung der Hilfsquellen des Landes, ihre Verwendung durch Schaffung einer Industrie, Eisenbahnverbindung mit dem Meere, Eindämmung der Einwanderung (am wenigsten Gefahr schien ihm die Einwanderung aus Holland zu bieten), damit nicht die Burennationalität erdrückt werde, freundliches Verhältnis zu England und engere Verbindung der Südafrikanischen Staaten, Aufrechterhaltung der Regierungsautorität gegenüber den Eingeborenen und freundliche Behandlung gehorsamer Eingeborenenstämme auf dem ihnen zugewiesenen Gebiete, Förderung aller Bestrebungen, die das Volksleben unter den Einfluss des Evangeliums stellen, vor allem aber Förderung des Jugendunterrichtes: das war, was er als Lebensfragen der Republik bezeichnete. Bei den Wahlen erhielt Krüger drei Viertel der Stimmen und war also zum Staatspräsidenten für die nächsten fünf Jahre gewählt. In der Zeit, da die Wahl eines Präsidenten beschlossen wurde, war die Republik in einen Krieg verwickelt

mit Mapoch im Sekukuniland (im Osten der Republik). Mapoch hatte Mampoer, dem Mörder Sekukunis - Sekukuni war seit der Wiederaufrichtung der Republik ihr ein treuer Freund geworden -, Zuflucht gewährt und weigerte sich, ihn auszuliefern. Der Krieg war also unvermeidlich, aber er dauerte nicht weniger als neun Monate, und zuletzt mussten viertausend Burgers ins Feld gestellt werden. Krüger begab sich im Verlauf der Belagerung selbst zu den Kommandos, wo

er darauf hinwies, dass alle Kraft eingesetzt werden müsse, uni den Krieg rasch zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Die Kommandos hatten einen Ausländer namens Nelmapius bei sich, der die Höhlen, in denen sich die Kaffern verschanzt hatten, mit Dynamit sprengte. Erst im Juli des Jahres 1883 wurde der Krieg beendigt. Mapoch lieferte Mampoer aus. Mampoer wurde gehängt, Mapoch zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt, aber kurz vor Ausbruch des letzten Krieges auf freien Fuß gesetzt wo nach er sich mit einigen seiner Anhänger dicht bei Pretoria niederließ. Das Ansehen der Republik stieg durch diesen Krieg sehr, dem auch ihre Feinde mussten zugeben, dass sie stark genug war, um Ordnung und Gesetz zu handhaben, und nicht etwa wegen "inhärenter" Schwachheit des Schutzes einer fremden Macht bedurfte. Ungefähr in derselben Zeit entstanden Verwicklungen an der Südwestgrenze der Republik. Zwei Häuptlinge, Moshette und Montsioa, führten Krieg miteinander. Später bekam Montsioa Hilfe von Mankoroane, Moshei von Massouw. Mankoroane, der immer dicke Freundschaft den Engländern hielt, suchte Freiwillige unter ihnen zuwerben. Massouw und Moshette folgten diesem Beispiel und warben auch Freiwillige, deren jedem sie 3000 Morgen Land versprachen. Natürlich hatte dieses Angebot für viele etwas Bestechendes. Nicht nur aus Transvaal, auch dem Oranjefreistaat und selbst aus der

Kapkolonie kamen Anmeldungen. Die Regierung von Transvaal erließ nun Proklamation, die den Burgers der Republik verbot, den Kaffern anzuschließen. Aber ein Teil von ihnen weigerte sich, diese Proklamation zu beachten, verzichtete Bürgerrecht und meldete sich dann bei den Kaffern. Später sandte die Regierung General Joubert nach der Westgrenze, um die Burgers, die die Proklamation missachtet hatten, zur Rückkehr nochmals aufzufordern - direkt eingreifen in den Streit der Kaffernhäuptlinge konnte die Republik nicht, da ihr die königliche Kommission von, 1881 das Recht über dieses Gebiet genommen hatte sie weigerten sich aber entschieden. Inzwischen war auch der Häuptling Calveyn im Distrikt Marico aufrührerisch fügte sich aber sofort als ihm General Joubert mit einem Kommando drohte. Massouw und Moshette schlugen unterdessen mit Hilfe ihrer Freiwilligen ihre verbündeten Gegner Mankoroane und Montsioa völlig. Freiwilligen bestanden nicht ausschließlich aus Buren, waren auch Engländer dabei. Diese Freiwilligen suchten sich nun das versprochene Land aus und bildeten mit anderen Auswanderern, die zuzogen, zwei kleine Republiken: Stellaland und Land Gosen, die erste mit G. I. van Nickerk als Administrator und Vrijburg als Hauptstadt, die zweite mit Gey van Pittius als Administrator und Rooigrond als Hauptstadt. Beide Republiken aber befanden sich fortwährend in Gärung und Streit und hatten selbst gegen einige der vorher genannten Kaffernhäuptlinge zu kämpfen. Eine Partei in den Republiken verlangte, der Kapkolonie einverleibt zu während sich ein anderer Teil an die Südafrikanische Republik wandte. Darum sandte die Kapkolonie Cecil Rhodes nach dem Norden, um die Dinge zu regeln. Von der Südafrikanischen Republik wurde General Joubert, der zugleich "Kommissar für die Westgrenze" war, zu dem

Gleichen Zwecke hingesandt. Dieser erklärte den Rooigrondern, dass die Transvaalregierung nichts für sie tun könne, auch die Londoner Konvention - es war unterdes das Jahr 1884 geworden - sie aus der Einflusssphäre der Republik ausgeschlossen habe. Joubert war zu einer solchen Erklärung gezwungen, da der britische Geschäftsträger

in Pretoria die Transvaalregierung beschuldigte, sie treibe mit den Rooigrondern geheimes Spiel, und die Republik also in Schwierigkeiten mit England hätte geraten können. Kurz danach wurde General Joubert als Kommissar für die Westgrenzen durch Pfarrer Dutoit, den Unterrichtsdirektor, ersetzt. Zu gleicher Zeit wurde ein Brief von Montsioa an General Joubert veröffentlicht, worin dieser ersuchte Untertan der Südafrikanischen Republik werden zu dürfen, um Schutz zu finden, da er "fast ausgerottet" sei. Es wurde nun eine Proklamation erlassen unter den Bestimmungen der Konvention von 1884, die der Republik das Recht ' gab, mit den Eingeborenenstämmen im Osten und Westen der Republik unter nachträglicher Zustimmung Englands Verträge zu schließen. Durch diese Proklamation wurden die Kapitäne Moshette und Montsioa mit ihren Untertanen und Rechten unter den Schutz der Südafrikanischen Republik gestellt, um so weiteres Blutvergießen zu verhindern. Der Erlass endigte mit den Worten: "Diese Proklamation geschieht vorläufig gemäß den Bestimmungen und unter Beachtung von Artikel 4 der Londoner Konvention." Diese Worte ließen die Tür offen für einen eventuellen Widerruf der Proklamation und zeigten zugleich, dass die Regierung für diese Annexion von der britischen Regierung die Zustimmung einholen wollte. Die britische Regierung war aber nicht im mindesten geneigt, so etwas zuzulassen, sondern sandte Sir Charles Warren mit einer starken Truppenmacht, fünftausend Mann, nach

Südafrika, um den Unruhen an der Westgrenze ein Ende zu

machen, und Sir Hercules Robinson telegrafierte nach Pretoria, die Republik müsse ihre Proklamation zurückziehen, denn England habe bereits erklärt, dass das fragliche Gebiet in seine Einflußsphäte falle, Daraufhin zog die Regierung, die bisher von den Ansprüchen Englands auf die Schutzherrschaft über Montsioa nichts gewusst hatte, ihre Proklamation zurück. Präsident Krüger begab sich mit dem Staatsprokureur Dr. Leyds an die Westgrenze und ermahnte die Bewohner von Gosen zur Ruhe. Kurz darauf fand zu Fourteen Streams eine Zusammenkunft zwischen Krüger, Warten und Rhodes statt. Diese Konferenz hatte jedoch kein weiteres Resultat, als dass man sich dahin einigte, es sollten Kommissare von beiden Seiten ernannt werden, um die Grenzlinie, wie sie durch die Konvention festgesetzt sei, abzustecken, und im Falle von Uneinigkeit solle Präsident Brand vom Oranjefreistaat entscheiden. Rhodes stellte sich in jener Zeit, als ob er auf Krügers Seite stände. Dagegen versuchte er auf Joubert zu schimpfen, bis ihn Krüger darauf aufmerksam machte, dass es sich um einen Abwesenden handle. Die Kommissare setzten dann die Westgrenzen endgültig fest. Krüger hatte vorgeschlagen, die Sache sofort zu erledigen, und zwar dadurch, dass das Reiterkommando von Warren zusammen mit der Polizei und einigen Burgers, die in seinem, Krügers, Gefolge waren, die Grenze abritten und so die Pferde durch das Zerstampfen des Bodens von selbst eine Grenzlinie zögen. Warrerl verweigerte aber seine Zustimmung, indem er vorgab, er fürchte, dass es dabei zum Handgemenge zwischen seinen Truppen und den Burgers käme. Damit aber sind wir der Zeit fast um zwei Jahre vorausgeeilt, denn die letzten Ereignisse vollzogen sich nach Krügers Rückkehr von seiner dritten Reise nach England. Diese Reise,

mit der die Regelung der Westgrenze in enger Verbindung stand, hatte ihre Veranlassung in einem Beschluss des Volksrates von 1883, eine Deputation nach England abzuordnen, um den Versuch zu machen, die Konvention von 1881 durch eine andere zu ersetzen, die mehr in Übereinstimmung mit den Wünschen des Volkes war. Der Deputation gehörten an: Präsident Krüger, General Smit und Pfarrer Dutoit, der Unterrichtsdirektor. Der Kommission vorausgereist war Dr. Jorissen und hatte von England aus Bericht gesandt, dass die englische Regierung bereit sei, eine Deputation zu empfangen und über die erwähnte Sache zu

verhandeln. Pfarrer Dutoit war früher Herausgeber des "Patriot" in Paarl in der Kapkolonie gewesen und hatte während des Krieges warm die Afrikanersache verteidigt. Kurz nach Friedensschluss kam er in die Südafrikanische Republik und Übernahm da das Amt eines Unterrichtsdirektors. Auf Veranlassung des Obersten Richters Kotzè und mit Hilfe Dutoits wurde in derselben Sitzung, in der die Kommission nach England abgeordnet wurde, Dr. Jorissen in sehr unhöflicher Art seines Amtes als Staatsprokurtur entsetzt, wodurch dann Dutoit Gelegenheit bekam, Mitglied der Deputation zu werden. Diese Handlungsweise gegenüber Dr. Jorissen war auch im höchsten Maße ungerecht, wenn man bedenkt, welche wichtigen Dienste er seinem Lande bereits erwiesen hatte. Vergebens hatte Krüger dagegen protestiert. Man behauptete aber, der Sekretär einer solchen Gesandtschaft müsse Gesetzlicherweise bestimmten Anforderungen an eine Vorbildung genügen, die Dr. Jorissen nicht habe. Im August 1883 reiste die Kommission über Kimberley, Paarl und Kapstadt, wo sie überall herzlich empfangen wurde, nach England ab und landete am Orte ihrer Bestimmung am 28. September, wo sofort die langwierigen, Verhandlungen mit Lord Derby, dem

damaligen Kolonistminister, begannen. Es dauerte nicht lange, so bekam die; Deputation von ihm die Erklärung, dass die Britische Regierung bereit sein werde, der Republik, was die inneren Verhältnisse anlange, dieselbe Unabhängigkeit zuzugestehen, wie sie der Oranjefreistaat besaß. Nicht gegen irgendwelche Entschädigung oder durch Feilschen wurde dieses Zugeständnis erreicht, sondern es handelte sich für die Deputation um eine Rechtsfrage. Sie wies nach, dass auf Grund des Vertrages von 1852. die Republik ein Recht habe auf ihre Unabhängigkeit, die ihr widerrechtlich genommen und auch im Vertrage von 1881 nicht in der Weise zurückgegeben worden sei, wie man es mündlich zugesichert habe. Außer über diesen Punkt wurde noch über Abänderungen der Westgrenze der Republik verhandelt, und es glückte der Deputation, eine Grenzregulierung so zu erreichen, dass wenigstens ein beträchtliches Stück des Landes, um das sich die Republik stritt und das 1881 widerrechtlich abgeschnitten worden war, in das Gebiet. der Republik fiel. Während dieser Verhandlungen kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Präsident Krüger und Sir Hercules Robinson. Krüger hatte gerade das Wort und führte aus, dass gewisse Farmen, unter anderen Polfontein und RietIhntein, unbedingt innerhalb der Republik zu liegen kommen müssten, zumal sie früher auch zu ihr gehört hätten. Wie er die letzten Worte sprach, flüsterte Sir Hercules

Robinson, der den Verhandlungen beiwohnte, Lord Derby zu:

"It is a lie." ("Das ist eine Lüge.") Sofort sprang der Präsident auf und wollte Sir Hercules anpacken. Lord Derby und die anderen Herren, die zugegen waren, warfen sich dazwischen, und Lord Derby redete beiden sehr freundlich zu und sagte schließlich: "Die Herren dürfen doch nicht tätlich werden." Der Präsident aber erwiderte, Sir Hercules -habe ihn beleidigt, und das könne er sich nicht gefallen lassen. Er gab sich jedoch

zufrieden, als dieser sich entschuldigte und erklärte, er habe es "nicht so gemeint". Trotz dieses Zwischenfalls wurden Krüger und Sir Hercules später gute Freunde und blieben es auch bis zu des letzteren Tod. Er war der einzige Hohe Kommissar, dem Präsident Krüger vertrauliche private Briefe schrieb und von dem er solche empfing. Es muss gesagt werden, dass er ein durch und durch ehrlicher Mann und ein Gentleman im vollsten Sinne des Wortes war. Kurz darauf wurde die Konvention von 1884 unterzeichnet, wodurch die Republik ihre völlige Unabhängigkeit zurückerlangte. Es blieb nur ein Artikel in der neuen Konvention, der die Rechte der Republik beschränkte, nämlich der wohlbekannte Artikel IV. Die verhasste Suzeränität aber wurde aufgehoben. Die spätere Behauptung von Joseph Chamberlain, dass die Republik noch unter der Suzeränität von England stehe, ist durch und durch falsch, wie noch gezeigt werden wird. Nachdem die Konvention am 2.7. Februar 1884 unterzeichnet war, begab sich die Deputation wieder nach dem Festland, um, vor allem in Holland-, zu versuchen, eine Anleihe zur Erbauung einer Eisenbahn nach der Delagoabai zustande zu bringen. Überall wurde sie mit großer Begeisterung empfangen, Festessen wurden zu ihrer Ehre gegeben, und jedermann freute sich, die Stammesverwandten aus Südafrika kennen zu lernen, aber die Hauptsache, das Geld zum Bahnbau, war nicht zu bekommen. Von Holland ging die Deputation über Brüssel, Paris, wo sie ebenfalls aufs herzlichste aufgenommen und auch von dem Präsidenten von Frankreich empfangen wurde, und Madrid, nach Lissabon. Hier erreichte sie von den Portugiesen, dass diese sich bereit erklärten, die Delagoabahn zu bauen, wenigstens soweit sie auf portugiesisches Gebiet fiel, und sofort in Angriff zu nehmen. Die Übernahme der ganzen Bahn durch Portugal und

damit die einheitliche Verwaltung der Linie war nicht zu erreichen. Nach Holland zurückgekehrt, verlieh man nun die Konzession zum Bau der Fortsetzung dieser Bahn auf transvaalischem Gebiete an einige Private, die die Grundlage bildeten für die spätere' Niederländisch- Südafrikanische Eisenbahngesellschaft (N. Z. A. S. M.). Von hier kehrte die Deputation über Deutschland, wo sie sehr herzlich von Bismarck und Kaiser Wilhelm empfangen wurde, nach Afrika zurück. Bei dieser Gelegenheit war es, wo Fürst Bismarck auf der Treppe des königlichen Schlosses in Berlin stolperte und Kaiser Wilhelm scherzend sagte: "Fürst, Sie werden alt." Bismarck antwortete darauf: "jawohl, Majestät, das ist gewöhnlich so, dass das Ross vor dem Reiter

alt wird." In der Volksratssitzung, die nun folgte, erklärte der Präsident, dass die Unabhängigkeit errungen, die Republik in die Reihe der selbständigen Mächte aufgenommen sei und die Suzeränität nicht mehr bestehe. In England dachte niemand daran, zu widersprechen. Aus Holland hatte Krüger Dr. W. J. Leyds als Staatsprokureur mitgebracht. Die wichtige Rolle, die Dr. Leyds später in der Republik spielte, ist allbekannt. Sein Name bleibt untrennbar mit der Geschichte der Republik verbunden. In der Volksratssitzung des Jahres 1884 kam auch die Delagoabahn- Konzession zur Sprache. Eine beträchtliche Anzahl von Petitionen war eingelaufen, die gegen die Erbauung einer Bahn protestierten. Der Präsident verteidigte den Plan mit aller Kraft. Er wies darauf hin, dass eine eigene Bahn unentbehrlich sei, da die Kapkolonie auf die Produkte Transvaals so hohe Zölle lege, dass die Burgers dort für ihre Erzeugnisse gar keinen Markt mehr fänden. Außerdem versicherte er, dass die ganze Anlage keine neuen Steuern erfordern werde und dass sie dem Lande die beste Garantie für die Erschließung seiner eigenen Hilfsquellen biete. Daraufhin

wurde die Konzession vom Volksrat genehmigt. In der gleichen Zeit fand die Neuwahl eines Generalkommandanten statt; General Joubert wurde fast einstimmig wieder gewählt. Das Jahr 1885 sah noch einen Krieg an den Westgrenzen. Massouw, den die Grenzkommission völlig selbständig erklärt hatte, hatte sich freiwillig in den Untertanenverband Transvaals aufnehmen lassen, weigerte sich aber nun, seine Steuern zu bezahlen, und nahm eine sehr drohende Haltung an. General Joubert musste mit einem Kommando und Artillerie gegen ihn ziehen. General Piet Cronje stürmte mit seiner

gewohnten Unverzagtheit die Festung Massouws und nahm in einem kurzen Gefecht, in dem der Häuptling selbst fiel, dessen Stadt ein. Der Verlust der Buren betrug vierzehn Tote und ungefähr dreißig Verwundete; unter den Toten war auch Schweizer, der Kommandant der Artillerie. Die Korannas hatten sehr große Verluste erlitten, und der ganze Stamm löste sich auf. In dieser Zeit stand es um die Finanzen der Republik sehr traurig. Der Kredit auf der Standard Bank war überschritten, und weitere Vorschüsse wollte sie nicht geben. Bei seiner jährlichen Rundreise hatte der Präsident genug zu tun, um die Burgers zu ermahnen, nicht mutlos zu werden. Er hoffte, dass bald Rettung kommen werde. Aber sie kam anders, als er gedacht hatte. Es wurden nämlich kurz darauf die reichen Goldfelder des Witwatersrand entdeckt, die eine völlige Umkehr in den finanziellen. Verhältnissen der Republik zuwege brachten. Mit dieser Entdeckung, brach ein neuer Zeitabschnitt in der Geschichte der Republik an. Und doch, ob das ein Glück war? Es wurde schon gesagt, dass das Gold und die aus der' ersten Annexion zurückgebliebene Erbitterung die Ursachen des gegenwärtigen Elends in Südafrika sind. Es wird sich weiter

zeigen, dass von diesen zwei Ursachen die Goldfelder die ausschlaggebende waren. Ohne Zweifel wäre kein Gold in Transvaal gewesen, so wäre auch kein Krieg gekommen. Denn wenn auch noch so viel Engländer ins Land gekommen wären und ihre Regierung noch so sehr mit Beschwerden überhäuft hätten, die englische Regierung würde keinen Finger für sie gerührt haben, wenn' der Reichtum des Landes nicht gelockt hätte. So aber konnte die Stimmrechtsfrage, die in Wirklichkeit den Ausländern gar keinen Anlass zu Klagen bot, von Intriganten benutzt werden, um ihre eigenen Pläne durchzuführen. Die Worte des verstorbenen Generals Joubert, die er zu einem Bürger sprach, als dieser voll freudiger Aufregung zu ihm kam

und ihm mitteilte, dass ein neues Goldriff, entdeckt sei, sind wunderbar wörtlich in Erfüllung gegangen. Er hat damals gesagt: "Statt so erregt zu sein vor Freude, müsstest du eher weinen, denn dieses Gold wird die Ursache sein, dass unser Land mit Blut getränkt wird." Als sich der große Goldreichtum der im Jahre 1886 entdeckten Quarzriffe am Witwatersrand herausstellte, musste die Regierung diese Gebiete als öffentliche Goldfelder proklamieren, in denen die Goldgräbergesetze Anwendung zu finden haben. Das geschah denn auch in d r des Jahres 1886 mit einigen Farmen, Turffontein, Doornfontein usw., und sofort strömten von allen Teilen der Welt Goldgräber, Spekulanten und andere Glücksritter nach diesen Goldfeldern. Es spricht von selbst, dass unter, den Tausenden, die da hereinströmten, viele verdächtige Gesellen waren, aber es muss doch anerkannt werden, dass die große Menge der Witwatersrand- Bevölkerung aus bestand, die sich ruhig verhielten und, ohne politische Händel zu suchen, nur gekommen waren, um ihr Glück zu machen Es wurden bald noch mehr Goldfelder entdeckt: nach Westen hin Krügersdorp,

nach Osten Heidelberg und Nigel und später auch Malmanie und Klerksdorp. Es braucht nicht gesagt zu werden, dass die Vermehrung der Bevölkerung und die Bearbeitung der Goldfelder größere Wohlfahrt im Gefolge hatten. Der fand einen Markt für seine Produkte, und der Staats- wurde aufgeholfen durch Lizenzgelder und andere en. In demselben Jahre wurden auch die ersten "Standplätze" auf dem Witwatersrand verkauft, oder besser verpachtet, das heißt, das Goldgebiet wurde vermessen in Felder ("claims" oder "standplaatsen") zu 100- 50 oder 50- 50 Fuß eingeteilt und auf die Zeit von Jahren gegen monatliche Abgaben in Eigentum

gegeben. 99 Jahren sollten sie an den Staat zurückfallen. Diese Goldfelderparzellen waren der Anfang der später so großen Stadt Johannesburg. Da der Handel von Johannesburg der bedeutendste von ganz Südafrika wurde, versuchten sowohl Natal wie die "Kapkolonie, eine Eisenbahnverbindung mit diesem Orte , zu bekommen, aber Krüger war dazu nicht zu bewegen, solange die Delagoabaibahn nicht fertig war. Dass seine Befürchtung, andere Bahnverbindungen würden die Republik In ihrem selbständigen Handeln beschränken, begründet war, beweist der spätere Streit um die Furten, der die .,Republik beinahe in Schwierigkeiten mit England gebracht hätte. Um der neuen Bevölkerung entgegenzukommen, wurde ein so genanntes "delver"- (Goldgräber-) Komitee eingesetzt, das die Angelegenheiten der Goldgräber zu regeln. und die Verhandlungen zwischen diesen und der Regierung zu führen hatte. Eine Zeitlang war auch Cecil Rhodes Mitglied dieses "delver" -Komitees. Im Jahre 1887 besuchte der Präsident Johannesburg, um sich von den dortigen Zuständen zu überzeugen. Wenn man ihn auch freundlich empfing, so überreichte man ihm doch eine Adresse, die nichts anderes enthielt als Beschwerden, die man gegen die Regierung hatte.

Der Präsident antwortete darauf, wenn Schwierigkeiten bestünden, so sei es an erster Stelle Sache des "delver"- Komitees, sie zu beseitigen. Er hoffe, dass auf diesem Wege eine friedliche Erledigung der Beschwerden möglich und er nicht gezwungen sei, Gewalt zu gebrauchen. Man hat Krüger diese Antwort sehr übel genommen, und es wäre vielleicht auch ein sanfteres Auftreten wünschenswert gewesen, um die Gefühle der Ausländer zu schonen. Aber man muss auch bedenken, was für Elemente unter der neuen Bevölkerung waren; man muss weiter bedenken, dass früher in Kimberley unter einer Bevölkerung, die sich aus genau denselben Elementen zusammensetzte, ein Aufruhr entstanden war, der die englische Regierung zwang, eine Truppenmacht hinzusenden; und an letzter Stelle ist zu bedenken, dass die Beschuldigung "inhärenter' Schwachheit der Republik schon einmal teuer zu stehen gekommen war und der Präsident deshalb entschlossen war, jeder Veranlassung, eine solche Beschuldigung noch einmal zu erheben, vorzubeugen. Im übrigen wurden die Klagen der Ausländer stets mit größtem Wohlwollen in Erwägung genommen und in den meisten Fällen ihnen auch abgeholfen. So wurden in dem vorliegenden Falle, wo man über zu hohe Abgaben von den "Standplätzen" geklagt hatte, diese kurz darauf beträchtlich herabgesetzt. Im Jahre 1887 fand die erste Konferenz zwischen dem Oranjefreistaat und der Südafrikanischen Republik zur Herbeiführung eines engeren Zusammenschlusses statt. Diese Konferenz hatte aber nicht den geringsten Erfolg. An erster Stelle darum, weil Krüger forderte, dass der Oranjefreistaat, ehe die Delagoabaibahn fertig sei, über sein Gebiet keine Eisenbahn bauen lassen solle, wodurch die Südafrikanische Republik mit einer der britischen Kolonien in Südafrika verbunden werde. Krüger war gegen eine engere Verbindung mit den britischen südafrikanischen Staaten,

solange nicht die Selbständigkeit Transvaals auch durch den

Besitz einer eigenen Eisenbahn garantiert war, und fürchtete, dass der Bau der einzig möglichen selbständigen Eisenbahn, für die die Regierung die Garantie übernommen hatte, aufgehalten oder unrentabel gemacht werde, wenn noch andere Linien in Angriff genommen würden. An zweiter Stelle scheiterte die Konferenz daran, dass Krüger ein Schutz- und Trutzbündnis beider Staaten für den Fall forderte, dass die Unabhängigkeit des einen oder anderen bedroht werde. Mit diesem Vorschlag konnte sich Präsident Brand nicht befreunden. Es ist selbstverständlich, dass die Zeitungen der Kapkolonie auf Präsident Krüger wegen seiner Haltung in der Eisenbahnfrage sehr böse waren, aber er ging ruhig seines Weges in dem Bewusstsein, dass es seine Pflicht sei, zunächst für seinen eigenen Staat zu sorgen. In demselben Jahre vollzog sich auch die Einverleibung der "Neuen Republik" in die Südafrikanische Republik, in der sie später den Distrikt "Vryheid" bildete. Diese "Neue Republik" verdankte ihre Entstehung einem Streite zwischen den beiden Zuluoberhäuptlingen Dinizulu, einem Sohn Cetewayos, und Usibepu, die im Jahre 1884 miteinander im Kriege lagen. Dinizulu bekam gegen den Willen der Regierung Unterstützung von einer Anzahl Buren aus der Südafrikanischen Republik und aus Natal. Als Usibepu be siegt war, gab Dinizulu aus Dankbarkeit den Buren, die ihm geholfen hatten, ein Stück Land, auf dem sich eine neue Republik aufbaute. Lukas Meijer, der noch im großen Kriege als Mitglied des Ausführenden Rates im Felde stand, wurde zum Präsidenten dieser Republik gewählt. Aber im Jahre 1887 wurde dieses Land auf Ersuchen seiner Bewohner der Südafrikanischen Republik einverleibt mit dem .Rechte, ebenso wie die vier anderen großen Distrikte vier Mitglieder in den Volksrat der Südafrikanischen Republik

abzuordnen. Die Zeit von fünf Jahren, für die Krüger zum Präsidenten gewählt war, war nun fast abgelaufen, und es musste noch durch den Volksrat von 1887 die Wahl des neuen Präsidenten anberaumt werden, der von 1888 an die Geschäfte des Landes führen sollte.

Zweite Präsidentschaft

Zu der Neuwahl ergingen Wahlaufforderungen an Krüger und Joubert Beide nahmen die Kandidatur Krüger wurde mit großer Mehrheit wieder gewählt und im Mai 1888 zum zweiten Male als Staatspräsident vereidigt. In der Sitzung des Volksrates von diesem Jahre wurde an Stelle des bisherigen Sekretärs der Regierung, Ed. Bok, nunmehr Dr. Leyds zum Staatssekretär gewählt und Bok danach auf Krügers Antrag zum Sekretär des Ausführenden Rates ernannt - ein Amt, das eigens für diesen Zweck geschaffen wurde. Im ersten Jahre der neuen Präsidentschaft trat ein Ereignis ein, das leicht zu den ernstesten Verwicklungen hätte führen können. Cecil Rhodes hatte damals gerade mit der Verwirklichung seiner imperialistischen Träume, d. h. mit seinen Bestrebungen, die britische Autorität nach dem Norden von Afrika auszudehnen, den Anfang gemacht. Nördlich von Transvaal regierte über Matabele- und Mashonaland der Zulufürst Lobengula, der Sohn des von den ersten Trekkern vertriebenen Selikatse. Schon Selikatse, der einst so gehasste grausame Feind der Buren, war in den späteren Jahren mit der Republik in freundschaftliche Beziehungen getreten, und diese Freundschaft dauerte unter seinem Schrie fort. Lobengula stand mit den Buren sogar auf sehr gutem Fuße und kam mit den Bürgen der Republik die in seinem Gebiete jagten, sehr viel in Berührung. "Er sandte im Jahre 1887 einen seiner

ersten Indunas (Vornehmen, Großen) nach Pretoria mit dem Ersuchen, für sein Gebiet einen Konsul der Südafrikanischen Republik in ernennen. Diesem Wunsche wurde Folge gegeben und Piet Grobler, der mit den Kaffern im Matabeleland gut bekannt war, hingesandt. Ehe er abreiste, entwarf Krüger einen Traktat, demgemäß Lobengula sein Land unter das Protektorat der Republik stellte. Grobler nahm diese Urkunde mit sich und las sie bei seiner Ankunft in Buluwayo Lobengula vor, der dem Vertrag völlig zustimmte, aber um einige Tage Aufschub ersuchte, um alle seine Indunas zusammenzurufen und vor der Unterzeichnung noch deren Meinung zu hören. Diese Frist gedachte Grobler zu benutzen, um seine abzuholen, die sich auf dem Wege zu ihm befand und damals gerade am Krokodilflusse angelangt war. Auf seinem Wege dahin stieß er auf eine bewaffnete Abteilung der Kaffern des Häuptlings Khama, der mit Lobengula im Streit lag. Zuerst kam eine

Patrouille dieser Leute auf ihn zu, der er entgegentritt, um sie zu fragen, was sie wolle; aber alle ergriffen die Flucht. Grobler fing einen von den Schwarzen und ließ ihn wieder laufen mit dem Auftrage, den Kapitän oder Kommandanten der Abteilung zu rufen, damit er von ihm hören könne, was ihre Absicht sei. Er selbst ging einige hundert Meter weit von seinem Wagen weg, dem Trupp entgegen, der nun sofort das Feuer auf in eröffnete. Während Grobler nach seinem Wagen zurücklaufen wollte, traf ihn ein Schuß in das Bein und warf ihn nieder. Ein junges Mädchen namens Lottering, das zu der Reisegesellschaft gehörte, lief herbei und stellte sich zwischen die Kaiffern und den Verwundeten, um ihn so mit ihrem eigenen Leibe zu decken. Die Begleiter Groblers, fünf oder sechs Mann, begannen nun auch zu feuern und schlugen den Feind in die Flucht. Grobler konnte jetzt nach seinem Wagen getragen werden und die Reise nach dem Krokodilflusse fortsetzen, aber hier starb der Verwundete nach ein paar Tagen.

Dass dieser Mord auf Hetze von Rhodes und sein Clique zurückzuführen ist, unterliegt keinem Zweifel. Die Binnenländer Südafrikas zu gewinnen, war ja Rhodes' Ziel, und erfürchtete, dass seine Pläne durch Groblers Anstellung vereitelt würden. Es entstand nun eine lange Korrespondenz zwischen der Regierung der Südafrikanischen Republik und dem Hohen Kommissar der britischen Krone, über diese Geschichte, denn Khatna stand unter britischem Protektorat. Um einen offenen Streit zu vermeiden, war die Regierung der Republik gezwungen, sich damit zufrieden zu geben, dass Khama der Witwe Groblers eine jährliche Pension von 200 Pfund Sterling bezahlte. Um den Eingriff von Cecil Rhodes in diese Sache und in die ganze weitere Geschichte der Kämpfe Krügers und der Republik verständlich zu machen, müssen wir hier der Entstehung der Chartered Company und der Rhodesschen Bestrebungen überhaupt Erwähnung tun. Rhodes ist der Mann, der am meisten zu dem Unheil beigetragen hat, das Südafrika getroffen hat. Er gehört, was seine Bewunderer auch sagen mögen, zu den gewissenlosesten

Personen, die jemals gelebt haben; er war ein Mann, der in der Politik stets nur den Grundsatz befolg , dass der Zweck die Mittel heilige. Dieser Mann war der Fluch von Südafrika. Seinen Reichtum hatte er durch Diamantspekulationen in Kimberley gewonnen, und durch die Vereinigung der Kirnberleyer Diamantminen hatte er sich sehr großen Einfluss in der Geldwelt erworben. Später wurde er zum Mitglied des Kap-Parlamentes gewählt, und endlich im Jahre 1890 wurde er erster Minister der Kapkolonie. Schon früher hatte dieser Mann sein Auge auf die Binnenländer Südafrikas gerichtet. Durch sein Zutun war die Einverleibung von Land Gosen und Stellaland in die Kapkolonie zustande gekommen. Er betrachtete dieses Gebiet als den gegebenen Weg, als eine

Art Suezkanal nach den Binnenländern von Südafrika. In der ersten Zeit, da Krüger Präsident war, strebte Rhodes, auch ihn als Bundesgenossen zu gewinnen. Auf Wege von Beira nach Kapstadt suchte er Krüger in Pretoria auf und sagte ihm: "Wir müssen zusammenarbeiten. Ich weiß, die Republik will einen Hafen; sie muss die Delagoabai haben." Krüger erwiderte: "Wie können wir da zusammenarbeiten? Der Hafen gehört ja den Portugiesen, und diese werden ihn nicht hergeben." Rhodes: "Wir müssen ihn einfach nehmen." Krüger: "Ich mag nicht anderer Leute Gut wegnehmen. Wenn die Portugiesen den Hafen nicht verkaufen wollen, so werde ich ihn auch nicht nehmen, wenn Sie ihn mit ausliefern, denn auf ungerechtem Gut liegt ein Fluch." Nun gab Rhodes seine Bemühungen, Krüger zu gewinnen, auf. Dafür kam bereits im Jahre 1888 auf seine Veranlassung ein Traktat zustande zwischen Sir Hercules Robinson, dem damaligen Hohen Kommissar, und dem Matabelchäuptling Lobengula. Kurz danach wusste er gegen Zahlung einer Geldsumme und Lieferung von Feuerwaffen für sich selbst eine Konzession von Lobengula zu erlangen. Obwohl ihm diese Konzession nur das Recht gab, Gold und andere Metalle im Lande zu suchen, benutzte er sie ausschließlich dazu, festen Fuß im Matabeleland zu fassen und die Ausbreitung der Südafrikanischen Republik nach dieser

Richtung hin zu verhindern. Sehr bald sah er ein, daß er dieses Ziel nur unter dem Schutz Englands erreichen könne, darum begab er sich nach England, um eine so genannte Charter (einen Brief oder eine Urkunde, die bestimmte Rechte, hier das Recht auf selbständige Verwaltung, und bestimmte Monopole sichert) zu erhalten. Das glückte ihm auch ohne große Mühe, denn Rhodes ging von dein Gedanken aus, dass man durch Bestechung erreichen könne, was schöne Reden nicht vermochten. Und er war der Mann nicht, der Geld sparte,

wenn er ein Ziel erreichen wollte. Es ist auch unzweifelhaft, dass viele der höchsten Personen in England Anteil an seiner Chartered Company bekamen Selbst Parteien, mit deren Anschauung Rhodes in keiner Weise übereinstimmte, gab er nachweisbar Tausende von Pfund Sterling in der Hoffnung, ihre Unterstützung gewinnen zu können. Wer weiß, wie viele größere Summen er noch zu demselben Zweck ausgegeben hat, die immer verborgen bleiben werden! Rhodes war die Verkörperung des Kapitalismus. Nichts verschmähte er, was ihm zu dem erwünschten Ziel verhelfen konnte, sei es Bestechung, sei es Lug oder Betrug. Nichts war ihm zu niedrig oder zu gemein, dass er sich geschämt hätte, es für seinen Zweck zu gebrauchen. Rhodes erhielt seine Cbarter, obwohl man fragen könnte, welches Recht denn eigentlich die englische Regierung auf dieses Gebiet hatte, für das sie Rhodes eine Charter verlieh, und eine Gesellschaft mit einem Kapital von einer Million Pfund Sterling wurde gebildet. Kurz darauf, im Jahre 1890, rüstete Rhodes eine Expedition aus, um "sein" neues Gebiet in Besitz zu nehmen. Der Protest des Matabelekönigs, der sich dem Eindringen der Rhodes- Expedition widersetzte, kümmerte ihn nicht. Er nahm Mashonaland in Besitz und baute da einige Forts, Fort Charter, Fort Salisbury und Fort

Victoria. Es zeigte sich aber bald, dass Mashonaland weder für Landbau oder Viehzucht rentierte noch als Goldland Bedeutung hatte. Er musste also auf Mittel sinnen, um sich des Matabelelandes zu bemächtigen, das, wie er dachte, reiche Goldfelder barg. Zu diesem Zwecke musste er Lobengula in einen Krieg zu verwickeln suchen, und das glückte ihm nur zu gut. In Afrika wird behauptet, dass er es war, der - und zwar durch seinen Gouverneur - Lobengula mitteilen ließ, die Mashonas

hätten Vieh gestohlen, und Lobengula müsse sie züchtigen. Daraufhin sandte Lobengula sofort ein Impi (Regiment, Kommando) ab, wie das in solchen Wen immer geschah, um für den Raub Sühne zu heischen. Rhodes aber benutzte diese Sendung eines Impi als Vorwand, um nun die Bestrafung Lobengulas zu fordern, weil er die Mashonas ermorden ließe. Wie dein auch sei, Rhodes bekam seinen Krieg. Dr. Jameson rüstete ein Kommando, du die Matabele rasch auseinander trieb und mit Mazirns zu Hunderten niederkartätschte. Lobengula soll auf seiner Flucht nahe am Sambesi gestorben sein. Was müssen die Gedanken dieses schwarzen Potentaten in seinen letzten Lebensstunden über eine so genannte Christennation gewesen sein? Doch das konnte einen Rhodes nicht stören. ließ sofort das Matabeleland nach allen Richtungen nach Gold durchsuchen, und als diese Untersuchungen nur ärmliche Resultate lieferten, stieg in ihm der Gedanke auf, sich der reichen Goldfelder der Südafrikanischen Republik und damit zugleich der Republik selbst zu bemächtigen. Im Jahre 1888 starb Präsident Brand vom Oranjefreistaat, nachdem er fast fünfundzwanzig Jahre lang Präsident gewesen war. An seine Stelle trat Francis William. Reitz, der spätere

Staatssekretär der Südafrikanischen Republik ein Mann, vor dem jeder, der ihn kannte, die größte Hochachtung hatte; einer der Männer, von denen man oft in Büchern liest, denen man aber selten im Leben begegnet; da man von vornehmem und edlem Charakter, dessen einziges Ziel es war, ohne irgendwelche Selbstsucht seinem Lande nützlich zu sein. Kurz nach seiner Vereidigung als Staatspräsident, noch im Jahre 1889, fand eine zweite Zusammenkunft der Regierungen der beiden Republiken statt mit dem Ziel, eine engere Verbindung zwischen beiden Staaten herzustellen, und zwar zu Potchefstroorn. Diese Konferenz hatte ein ganz anderes

Resultat als die erste. Beide Republiken verpflichteten sich, einander zu Hilfe zu kommen, falls die Unabhängigkeit einer von ihnen ohne Veranlassung von außen her bedroht werde. Außerdem wurde ein Handelsvertrag geschlossen und freie Einfuhr gegenseitig verbürgt, mit Ausnahme der Produkte und Güter, worauf die Südafrikanische Republik zum Schutze der von ihr verliehenen Monopole Zölle zu erheben vertragsmäßig verpflichtet war. Auch ein Abkommen über Eisenbahnen, wie es Krüger bei der ersten Konferenz vorgeschlagen hatte, wurde jetzt angenommen. Im Jahre 1888 besuchte der Präsident wieder Johannesburg, wo er freundlichst empfangen wurde. In den Adressen, die man ihm überreichte, wurde um die Einsetzung Stadtrates und die Vermehrung der richterlichen Beamte. gebeten. Das zweite Ersuchen wurde sofort erfüllt durch die Ernennung von Dr. Jorissen, der Spezialrichter von Johannesburg wurde. Von diesem Besuche an dachte Krüger über Mittel nach, wie man dem Verlangen der neuen Bevölkerung nach einer Vertretung entgegenkomme könne, ohne die Republik und die Interessen der alten Burgers zu beeinträchtigen. Denn wenn auch die Klagen der Ausländer immer mit größtem Wohlwollen von dem Ausführenden. Rat (dem in bezug auf die Goldgräberbevölkerung besondere gesetzgeberische Vollmachte vom Volksrat eingeräumt waren) in Erwägung gezoge und so viel wie möglich abgestellt wurden, so war de Präsidenten doch klar, dass ein Mittel gefunden wer e müsse, um den Ausländern eine Stimme in der Vertretung., des Landes zu geben. Er glaubte, dieses Mittel in der Einrichtung eines zweiten Volksrates gefunden zu haben, un es war sein eigenster Gedanke, den er auch für sich allein in Anspruch nahm, dass einer solchen Körperschaft die Erledigung aller Fragen, der

Goldgräbergesetzgebung, der Telegrafenverbindung usw., die vor allem für die neuen Ankömmlinge von Wert waren, überlassen werden sollte. Er wollte auf diese Weise der neuen Bevölkerung den', Weg zu gesetzlicher Geltendmachung und Abstellung ihre Beschwerden eröffnen. Bisher war sie daran durch die Bestimmungen der Verfassung über die Erlangung des Stimmrechtes gehindert. Die Verfassung bestimmte nämlich, dass ein Fremder fünf Jahre lang auf der Liste des Feldkornetts stehen müsse, ehe er sich naturalisieren lassen könne. Nach

Krügers Vorschlag sollte dieses Gesetz mit der Einrichtung des zweiten Volksrates in der Weise abgeändert werden, dass die Naturalisation nach zweijähriger Eintragung in die Liste des Feldkornetts erfolgen könne, und wer so naturalisiert sei, das Recht haben solle, an den Wahlen zum zweiten Volksrat und zu allen Beamtenstellen, die durch allgemeine Wahl besetzt wurden, mit Ausnahme der des Staatspräsidenten, des Generalkommandanten und der Mitglieder des ersten Volksrates, teilzunehmen. Wer zwei Jahre dieses Recht gehabt, hatte, sollte dann - also im ganzen vier Jahre nach seiner Eintragung auf den Feldkornettlisten als Bewohner der Republik - das passive Wahlrecht zum Mitglied des zweiten Volksrates haben. Zehn Jahre danach sollte er dann das volle Bürgerrecht, ein Wahlrecht gleich den alten Burgers haben. Gegen diesen Antrag erhob sich eine lebhafte Opposition, da ihn einzelne Mitglieder des Volksrates als Akt einer Klassengesetzgebung betrachteten, was er ja unzweifelhaft in gewissem Maße auch war, während andere der Meinung waren, dass die Fremden dadurch zu viel Rechte bekämen. Die Beschlussfassung wurde angesetzt, um die Meinung des Volkes zu hören. Die Burgers aber hießen den Vorschlag gut- ein Beweis Ihres Vertrauens zu ihrem Präsidenten.

Christian de Wet hat die englische Fahne herabgerissen und hört lächelnd dem Protest des englischen

Christian de Wet hat die englische Fahne herabgerissen und hört lächelnd dem Protest des englischen Missionars zu

Nieder mit England! Die Buren huldigen Ohm Krüger am Tage der Kriegserklärung

Nieder mit England! Die Buren huldigen Ohm Krüger am Tage der Kriegserklärung

Es ist sicher, dass ein solcher Antrag nie durchgegangen wäre, wenn ihn jemand anders als der Präsident eingebracht hätte. Entsprechend der Volksstimmung wurde nun in der Sitzung des nächstjährigen Rates das Gesetz mit großer Mehrheit angenommen. In der englischen Presse haben Ausländer behauptet, und Minister Chamberlain hat diese Behauptung zu der seinigen gemacht, der Zweite Volksrat habe praktisch nichts zu

bedeuten gehabt. Es sei deshalb hier konstatiert, dass, obwohl die Gesetze und Beschlüsse des Zweiten Volksrats der Genehmigung des Ersten Volksrats unterworfen waren, diese Körperschaft nur ein einziges Mal einen Beschluss des Zweiten Volksrats verworfen hat, und das war im Streit um die "bewaarplaatsen", als der Zweite Volksrat das Recht der Erzausbeutung (Minenrecht) eines Grundstückes ohne weiteres dem Pächter zugestehen wollte, der nur die Oberfläche gepachtet hatte. Nicht vergessen darf man auch, dass die Verfassungsänderung zugunsten der Ausländer vom Präsidenten verteidigt und im Volksrat angenommen wurde, trotzdem kurz zuvor in Johannesburg sich eine den Präsidenten und die Burgers sehr beleidigende Tat abgespielt hatte. Krüger war nach Norvalspont am Oranjefluß gegangen, um da den Hohen Kommissar in Sachen der Swasieland- Frage zu treffen. Auf der Reise dahin verweilte er in Johannesburg, wo wie gewöhnlich eine Deputation kam, ihre Beschwerden vorzulegen. Krüger, der nicht allen Wünschen dieser Leute sofort Folge leisten konnte, wurde durch einen der Abgeordneten der Vorwurf ins Gesicht geschleudert, er- behandle die neue Bevölkerung mit Verachtung. Zornig erwiderte Krüger darauf: "Nicht die neue Bevölkerung, aber Personen wie Sie verachte ich." Darauf fand abends vor dem Hause des Herrn van Brandis, bei dem der Präsident wohnte,

ein Auflauf statt, die Fahne der Republik wurde herabgeholt

und in Stücke gerissen. Dass diese Tat die alte Bevölkerung in den Harnisch jagte, ist zu begreifen, aber Krüger beruhigte sie, indem er erklärte, dass die Bewohner von Johannesburg im allgemeinen als treue Staatsbürger zu betrachten seien, und dass der Skandal auf einen Haufen Aufrührer zurückzuführen sei. Als der Präsident den Höhen Kommissar in Norvalspont traf, sprach dieser auch über den Auflauf in Johannesburg, und da sagte Krüger zu ihm: "ja, sehen Sie, Sir Henry, es geht mir mit diesen Leuten wie mit einem Pavian, den ich früher hatte, und der mich so lieb hatte, dass er nicht ertragen konnte, wenn mich jemand anrührte. Aber eines Tages saßen wir um das Feuer, und dabei geriet der Schwanz des Tieres in das Feuer. Wütend warf es sich nun auf mich, da es dachte dass ich die Ursache seiner Schmerzen sei. Genau so machen es die Johannesburger. Sie haben sich an der Überspekulation die Finger verbrannt, und nun wollen sie sich an Paul Krüger rächen. Eine neue Gelegenheit, dem Präsidenten Ausländerhass vorzuwerfen, ergab sich bei dem Dingaanstag und der zehnjährigen Gedenkfeier der Unabhängigkeitserklärung von Paardekraal (1891), wo Krüger vor Tausenden von Menschen eine, große Ansprache hielt, in der er darlegte, wie er im Lichte des Wortes Gottes die Geschichte seines Volkes betrachte. Dabei gebrauchte er die Anrede. "Volk des "Herrn, du altes Volk des Landes, ihr Fremdlinge, ihr Neuangekommenen, ja selbst ihr Mörder und Diebe." Die Ausländer, die in dieser Zeit fortwährend darauf aus waren, Beschwerden gegen den Präsidenten und die Regierung zu ersinnen, waren wütend über diese Anrede und behaupteten, Krüger habe sie Diebe und Mörder genannt, was eine grobe Unwahrheit war. Er hatte nur zu erkennen geben wollen, daß

er jeden, selbst Mörder und Diebe, wenn solche in der Versammlung seien, anrufe, sich vor Gott zu demütig= und das Wunderbare in der Führung Gottes mit dem Volke der Republik anzuerkennen. Die Swasielmd- Frage, um derentwillen Krüger mit Sir Henry Robinson zusammenkam, hat der Republik viel Sorge gemacht. Swasieland, das von allen Seiten mit Ausnahme des Ostens von dein Gebiete der Südafrikanischen Republik begrenzt ist, gehörte früher zu der Republik, wurde aber durch die königliche Kommission im Jahre 1888, davon losgerissen. Nun hatten einige Bürger von dem Swasiekönige Umbandine gewisse Konzessionen erlangt Andere Personen, darunter viele Abenteurer, verlangten ähnliche Begünstigungen und verursachten Umbandine so Viel Arger, dass er die Britische Regierung um einen Berater ersuchte. Wie zu verstehen ist, beeilte sich die Britische Regierung, diesem Ersuchen nachzukommen, um auf diese Weise Swasieland in die britische Einflusssphäre zu bringen. Offy Shepstone, der Sohn des Theophilus Shepstone, der im Jahre 1877 die Republik annektiert hatte, wurde von dem Hohen Kommissar zum Ratgeber Umbandines ernannt. Aber die Verwirrung in diesem Lande wurde immer größer, bis eine Art Komitee aus Buren und Engländern gebildet und diesem die eigentliche Regierung des Landes übertragen wurde. Dass ein solcher Zustand nicht von Dauer sein konnte, ist klar, und Sir Hercules Robinson scheint nicht im geringsten abgeneigt gewesen zu sein, der Republik das Recht zuzugestehen, Swasieland zu annektieren. Das passte natürlich den iingoes und "Humanitätsfreunden" in England schlecht in den Kram, und so beschloss die englische Regierung, Sir Francis de Winton als besonderen Gesandten nach Swasieland abzuordnen, um die Sache zu untersuchen. Namens der Südafrikanischen Republik hatte General Joubert eine Besprechung mit Sir Francis de Winton, worin er ihm

darlegte, dass und warum die Transvaalsche Regierung Swasieland gern einverleiben würde. Nach Empfang des Berichtes von de Winton beschloss die englische Regierung, Sir Henty Loch, Gouverneut der Kapkolonie seit 1889 und Hohen Kommissar, zu beauftragen, sich mit Präsident Krüger ins Benehmen zu setzen. Beide hatten dann eine Unterredung zu Blignautspont, wobei auch Rhodes zugegen war. In dieser Zusammenkunft setzte Präsident Krüger alles daran, die Zustimmung der Britischen Regierung zur Einverleibung sowohl des Swasielandes als auch des Sambaan- und Umbigesa- Landes zu erreichen, mit denen die Republik bereits Übereinkommen abgeschlossen hatte, Sir Henry Loch seinerseits setzte alles daran, von der Südafrikanischen Republik die Zustimmung zu einer Eisenbahn, die Natal nach Johannesburg bauen wollte, und zu einem allgemeinen südafrikanischen Zollverband zu erhalten. Von dem allgemeinen Zollverband wollte Krüger nichts wissen, nicht als ob er Gegner einer Verständigung auf diesem Gebiete gewesen wäre, sondern weil seine Vorbedingung immer war:

zuerst einen eigenen Hafen und dann einen Zollverband. Was die Eisenbahn von Natal aus betraf, so erklärte sich der Präsident nicht aus diesem oder jenem damit einverstanden. Prinzipiellen Grunde, sondern weil er Natal gern entgegenkommen wollte. Aber über tagen zu verhandeln, lehnte er ab, weil er Natal gern entgegenkommen wollte. Aber über diesen Bahnbau als Bedingung einer Verständigung in ganz anderen Fragen zu verhandeln, lehnte er ab, weil er nach einem in der Tariffrage früher mit Portugal abgeschlossenen Übereinkommen erst mit der Portugiesischen Regierung in Unterhandlungen treten müsse. Die Portugiesische Regierung hatte sich nämlich zum Bau der Delagoabahn nur unter der Bedingung entschlossen, dass keine neue Linie nach

Johannesburg gebaut werde, die kürzer sei als die Delagoabahn. Der Schluss der Unterhandlungen war, dass der Hohe Kommissar mit dem Präsidenten verabredete, er werde ein Abkommen entwerfen und ihm das zusenden. Auch sprach er den Wunsch aus, dass Dr. Leyds, der bei den Verhandlungen zugegen war, noch zurückbleibe und bei der Anfertigung dieses Entwurfes zugegen sein möge, um später imstande zu sein, dem Präsidenten alle Erläuterungen zu geben, die nötig sein würden. Dr. Leyds solle dann unterschreiben, dass er bei der Verfassung des Entwurfes zugegen gewesen sei. Damit ging die Konferenz auseinander. Kurz darauf sandte Sir Loch dem Präsidenten den erwähnten Entwurf zu, der folgende Hauptpunkte enthielt: Swasieland solle gemeinschaftlich regiert werden. Die Republik solle eitle Eisenbahn nach der Kosibai bauen dürfen, zu welchem Zwecke ein drei Meilen breiter, Streifen Landes bis zur Kosibai an die Republik abgetreten 'werden solle. Jedoch solle die Britische Regierung das Protektorat über diesen Landstrich und über die Kosibai ausüben - ein Zusatz, der die Annahme des Angebotes für die Republik von vornherein unmöglich machte. Außerdem sollte Transvaal ein kleines Stück Land, den so genannten Kleinen Freistaat, zwischen der Republik und Swasieland gelegen, annektieren dürfen. Sir Loch behauptete, dass dies das Abkommen sei, das er mit Präsident Krüger zu Blignautspont getroffen habe, und dass

Dr. Leyds nach dem erwähnten Abbruch der Konferenz sich mit seinen Bedingungen einverstanden erklärt und sie als Beweis seiner Zustimmung unterzeichnet habe. Das bestritt der Präsident ebenso wie Dr. Leyds auf das allerentschiedenste und weigerte sich, diesem Entwurf seine Zustimmung zu geben. Loch drohte aber, wenn die vorgeschlagene Regelung

nicht angenommen werde, so werde die englische Regierung von dem Rechte Gebrauch machen, das ihr nach der Londoner Konvention zustehe, und eine bewaffnete Macht nach Swasieland senden. Kurz darauf kam Jan Hofmeyer im Auftrage seiner Regierung nach Pretoria, um zu vermitteln, und unter seiner Mitwirkung wurde die erste Swasieland- Konvention geschlossen. Es braucht nicht gesagt zu werden, dass die Republik durch diese Konvention so gut wie nichts erhielt, aber viel von ihren Rechten verlor, so das Recht, mit den Eingeborenenstämmen im Norden und Nordwesten Verträge zu schließen. Außerdem musste sie sich verpflichten, der Eisenbahnverbindung mit Natal nicht länger Schwierigkeiten zu bereiten und - hier sehen wir wieder die Hand von Cecil Rhodes - der Chartered Company im Norden soviel wie möglich behilflich zu sein. Der Volksrat nahm den Vertrag zwar an, sprach aber offen sein Bedauern über den Mangel an Entgegenkommen aus, den die Republik bei England gefunden habe. Die durch diesen Vertrag geschaffene unglückliche Lage blieb bis zum Jahre 1893, wo

die zweite Swasieland- Konvention geschlossen wurde. In die zweite Präsidentschaft fielen zwei Ereignisse, die viel Verstimmung gegen Krüger hervorriefen. Das erste war der Adendorfftrek, das zweite eine Konferenz in kirchlichen Dingen. Der Adendorfftrek hatte seinen Ursprung in einer Konzession, die ein gewisser Adendorff gemeinschaftlich mit B. Forster jr. im Banjailand erworben hatte und Cecil Rhodes vergeblich zum Kaufe anbot. Rhodes erklärte die Konzession für ungültig, worauf ihre Besitzer beschlossen, nach dem Gebiet zu ziehen, das ihnen verlieben war. Sowohl der Hohe Kommissar als Cecil Rhodes widersetzten sich diesem Zuge aufs äußerste, weil sie daraus Gefahr für die Chartered Company fürchteten, und Präsident

Krüger wurde mit Berufung auf die Swasieland- Konvention ersucht, den Trekkern ihr Vorhaben zu verbieten. Sofort gab auch Krüger eine Erklärung ab, in der er sich gegen diesen Zug aussprach, und erließ eine Proklamation, worin er den Bürgern strengstens verbot, sich irgendwie mit dem Zuge einzulassen, und jedem, der die Proklamation nicht befolge, die Strafe des Gesetzes wegen Ungehorsams androhte. Dagegen protestierte ein Teil der Burgers öffentlich. Krüger wusste sehr wohl, dass ihn die Proklamation einen Teil seiner Popularität kosten werde, aber als ehrlicher Mann war er verpflichtet, den Bestimmungen der Swasieland- Konvention, so wenig ihm diese auch zusagten, nachzukommen. Wie teuer ihm dieses Verhalten zu stehen kam, ergab sich aus der folgenden Präsidentenwahl. Denn wenn auch seine Gegner noch viele andere Beschwerden gegen ihn anführten, so war doch die Verhinderung des Adendorfftreks sicher einer der Hauptgründe, dass viele Bürger ihm untreu wurden. Die Frage kam später auch im Volksrat zur Sprache, und in der Debatte, die sich darüber entwickelte, erklärten sich verschiedene einflussreiche Mitglieder, unter anderen Schalk Burger, der im letzten Kriege bei der Abreise des Präsidenten Krüger zum Stellvertretenden Präsidenten der Republik ernannt wurde, und der verstorbene General Joubert gegen diese Proklamation. Schließlich aber wurde sie vom Volksrat angenommen. Aus dem ganzen Zug wurde nichts, vor allem deshalb nichts, weil Krüger persönlich, wo er nur konnte, mit den Burgers darüber sprach und ihnen riet, sich der Bewegung fernzuhalten. In derselben Zeit, wo die Republik auf dem Gebiete der äußeren Politik diese Schwierigkeiten hatte, machten ihr auch Streitigkeiten auf kirchlichem Gebiete zu schaffen. Nach dem Kriege von 1881 hatten die Bürger das Bedürfnis gefühlt, sich auf kirchlichem Gebiete enger aneinander anzuschließen, und so war eine Vereinigung zwischen der

"Hervormden" und der "Nederduitsch- Gereformeerden" Kirche zustande gekommen. Die dritte evangelische Kirchengemeinschaft, die "Christelyk- Gereformeerde" oder so genannte "Dopperkirche", zu der Präsident Krüger gehörte, hatte Bedenken gehabt, der Vereinigung beizutreten, und war darum von den nun folgenden Streitigkeiten nicht direkt berührt. Sie hatte ihre Grundsätze und Einrichtungen nach der Heiligen Schrift aufgestellt und verlangte erst Widerlegung, dann wolle sie sich gern anschließen; aber um "praktischer" Erwägungen willen allein könne sie nicht einer Vereinigung das Wort reden, außer man müsse ihre Grundsätze annehmen. Kurz nach der Vereinigung ergaben sich wieder Meinungsverschiedenheiten, und eine Anzahl Bürger, deren Führer Christian Joubert war, wollte nun nichts mehr von der Vereinigung wissen; sie beschlossen, die "Hervormde" Kirche beizubehalten. Später folgten ihnen noch einige nach; deren Führer war A. D. W. Wolmarans. Wie leicht zu begreifen ist, entstanden dadurch große Schwierigkeiten in der Frage des

Besitzrechtes der kirchlichen Güter, denn die Glieder, die sich trennten, machten Anspruch auf das Eigentum der "Hervormden" Kirche, während die Glieder, die der Vereinigung treu blieben, ebenfalls Anspruch darauf erhoben. Um diesen Streitigkeiten ein Ende zu machen, richtete Präsident Krüger ein Rundschreiben an die Prediger und Ältesten der verschiedenen Parteien, worin er sie zu einer Konferenz einlud, die versuchen sollte, die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Im August des Jahres 189, fand diese Konferenz im Saale des Zweiten Volksrates unter Präsident Krügers Vorsitz statt. Alle Parteien waren hier vertreten. In seiner Eröffnungsrede bat Krüger, dass man ihn in dieser Konferenz nicht als Staatspräsidenten, sondern als Bruder und Mitchristen betrachten möge. Zunächst versuchte er, den Zwiespalt, der entstanden war, dadurch zu

heilen, dass er die Vereinigung wiederherzustellen sich Mühe gab. Aber es ergab sich bald, dass diese Versuche keinen Erfolg versprachen, und nun schlug er vor, wenigstens zu einer Verständigung über die Eigentumsrechte an den Kirchengütern zu kommen. Aber auch in dieser Hinsicht waren seine Bemühungen vergebens, und die Konferenz ging auseinander, ohne etwas erreicht zu haben. Obwohl kein Zweifel bestehen kann, dass der Präsident diese Zusammenkunft in der besten Absicht veranstaltet hatte, wurde sie von seinen Feinden als Wage gegen ihn gebraucht. Bei der nächsten Präsidentenwahl wurde ihm vorgeworfen, dass er als Autokrat sich um alles bekümmere selbst um kirchliche Fragen. Im darauf folgenden Jahre musste die Neuwahl zum Staatspräsidenten stattfinden. Man hatte diesmal drei Kandidaten: Krüger, Joubert und den Hauptrichter Kotzè, und es war der heftigste Wahlstreit, der jemals in der Republik geführt wurde. Krüger wurde von der Gegenpartei vorgeworfen, dass er autokratisch sei, die Gelder des Landes verschleudere, alle Rechte und Vorteile durch Konzessionen weggebe und den Holländern alle Staatsämter ausliefere. Auch gegen die Gegenseite wurden Beschuldigungen über Beschuldigungen erhoben. Es ist keine angenehme Empfindung, an jene Zeit zurückzudenken, denn die beiden ersten Männer der Republik wurden so schwer geschmäht, dass. wenn auch nur ein Zehntel der gegen sie erhobenen Beschuldigungen auf Wahrheit beruht hätte, keiner von beiden mehr würdig gewesen wäre, auch nur eine Stunde länger das Vertrauen des Volkes zu genießen.

Zum dritten Male Staatspräsident

Das Ergebnis der Neuwahlen war: Präsident Krüger 7854, General Joubert 7009, Richter Katzè 81 Stimmen. Die Partei Jouberts war mit dem Ergebnis der Wahl unzufrieden und legte gegen Krügers Wahl Protest ein. Als der Volksrat am 1. Mai wieder zusammentrat, mußte infolgedessen eine Wahlprüfungskommission eingesetzt werden, die aus drei Krüger- und drei Joubert- Männern bestand. Inzwischen sollte Krüger, dessen Amtszeit eigentlich am 5. Mai ablief, bis zu einer Beschlussfassung über den Wahlprotest im Amte bleiben. Die Mehrheit der Kommission war der Ansicht, dass die Wahl Krügers in unanfechtbarer Weise erfolgt sei, jedoch reichte auch die Minderheit der Kommission einen Bericht ein, in dem sie eine Neuwahl empfahl. Der Volksrat dagegen stimmte mit 18 gegen 3 Stimmen dem Antrag der Mehrheit zu, und so wurde Krüger am 12. Mai 1893 zum dritten Male als Staatspräsident vereidigt. Bei der Amtsübernahme hielt Krüger wiederum, und zwar diesmal vom Balkon des neuen Regierungsgebäudes aus, eine Ansprache an das Volk, das auf dem Kirchplatz vor dem Gebäude in großer Menge versammelt war. Er mahnte die Bürger zur Einmütigkeit, hieß auch die Frauen im Lande willkommen und ermahnte dann noch besonders die Kinder, bei denen die Zukunft liege, ihrer Muttersprache treu zu bleiben. Die Einigkeit der Bürger war in diesem Jahre besonders nötig, denn das Land wurde durch gewaltige Überschwemmungen schwer heimgesucht. Die Flüsse stiegen so hoch, wie es seit Menschengedenken nicht vorgekommen war, und richteten einen ungeheuren Schaden an. Ein Jahr vor den Neuwahlen, die Krüger zum dritten Male an

die Spitze des Staatswesens stellten, hatte sich in Johannesburg

eine Vereinigung gebildet, die in beklagenswerter Weise in die ferneren Geschicke Transvaals eingriff. Es war die "Transvaal National- Union", die sich zur Aufgabe machte, die Bevölkerung von Johannesburg stetig in Gärung zu erhalten, Beschwerden gegen die Regierung zusammenzuklauben und für die Erreichung ihrer Ziele auf jede denkbare Weise zu agitieren. Scheinbar ereiferten sich die Herren für das Stimmrecht; dass ihre wirklichen Pläne auf anderem Gebiete lagen, wird sich später zeigen. Dass auch hier Rhodes seine Hand im Spiele hatte, haben die Ereignisse bewiesen. Die erste Gelegenheit, die sich bot, enthüllte den auf rührerischen Geist dieser National-Union deutlich und klar. Und das war bei dem Krieg gegen die Kaffern in den Blauwbergen. Die Republik hatte in jenen Tagen beständig Schwierigkeiten mit den Kaffernstämmen im Norden. Heute war es dieser, morgen jener, der sich herausfordernd gegen die Regierung benahm. Endlich trieb es einer ihrer Häuptlinge, Malapoch, der in den Blauwbergen wohnte, so arg, dass die Regierung sich gezwungen sah, ein Kommando gegen ihn aufzubieten. Er war so weit gegangen, dass er seine Untergebenen, die auf dem platten Lande rings um die Blauwberge wohnten, ermorden ließ, wenn sie die ihnen nach dem Gesetze obliegenden Steuern an die Regierung der Republik abführten. General Joubert ließ nun zu einer Expedition gegen Malapoch aufrufen, unter anderen auch die jungen Männer der Stadt Pretoria. Unter diesen jungen Leuten befanden sich Untertanen fremder Mächte, aber alle kamen mit der größten Bereitwilligkeit dem Rufe des Feldkornetts nach, mit Ausnahme der Engländer. Diese hielten sich als "Btitish Subjects" (britische Untertanen) für viel zu vor nehm, um für die verachteten Buren zu kämpfen. Englische Geistliche mischten sich auch in die Sache, hielten Ansprachen und

reizten die Gemüter auf, Der Feldkornett war endlich gezwungen, nach dem Kriegsgesetz fünf der Widerspenstigen zu arretieren. Diese reichten eine Beschwerde beim Höchsten Gerichtshof ein und verlangten, dass der Feldkornett angewiesen werde, sie in Ruhe zu lassen. Der Gerichtshof entschied aber, dass sie gezwungen seien, Kriegsdienst zu tun, worauf die Herrchen unter einer Bürgereskorte nach dem Kommando gesandt wurden. Inzwischen war die National-Union nicht untätig geblieben und hatte allerlei herausfordernde Beschlüsse gegen die

Regierung gefasst. Man würde die Brutalität dieser Leute nicht begreifen, wenn sich nicht später gezeigt hätte, wer ihre Hintermänner waren. Die englische Regierung nahm sich auch offiziell der Sache an und beauftragte Sir Henry Loch, sich nach Pretoria zu begeben, um diese Frage mit der Regierung der Republik zu besprechen. Unterdessen aber hatte der Volksrat einen Beschluss gefasst, wonach Personen, die noch nicht Bürger sein konnten, gegen Bezahlung einer gewissen gesetzlichen Geldsumme vom Kriegsdienst befreit bleiben sollten. Kurz danach kam Sir Henry Loch nach Pretoria. Bei seiner Ankunft veranstalteten die Engländer einen Auflauf, und sobald der Präsident mit dem Gouverneur im Wagen Platz genommen hatte, spannten die Jingoes die Pferde aus und zogen den Wagen unter dem Absingen von ordinären englischen Spottliedern nach dem Transvaal- Hotel. Einer der Leithammel sprang mit einer großen englischen Flagge auf den Bock. Vor dem Transvaal- Hotel ließen sie den Wagen stehen und verlasen eine Adresse an Sir Henry Loch. Eine Anzahl transvaalischer Burgers, die inzwischen bemerkt hatten, was im Werke war, fassten den Wagen, in den der Präsident, der während der Verlesung ausgestiegen war, sich wieder setzte, und zogen ihn nach dem Regierungspalast.

Der Volksrat, der damals gerade Sitzung hatte, nahm eine Interpellation an, worin die Regierung um Aufschluss ersucht wurde, warum keine Maßregeln getroffen seien, um einen für

das Volk der Republik so beleidigenden Auftritt zu verhindern. Bald danach war eine Masse von Burgers in der Stadt, die gekommen waren, um einer Wiederholung der Beschimpfung Vorzubeugen. Inzwischen arbeitete die National-Union weiter. Sie lud Sir Henry Loch zu einem Besuch nach Johannesburg ein, da sie wohl wusste, dass in Johannesburg mehr Aussicht als in Pretoria bestand, einen Aufruhr ins Werk zu setzen, bei dem man auf eine Intervention Englands rechnen konnte. Präsident Krüger, der einsah, dass ein Besuch des Hohen Kommissars in Johannesburg nur zu Verwicklungen führen könne, riet ihm aufs dringendste von diesem Besuch ab und ging so weit, Sir Henry Loch privaten zu erklären, dass auf ihm die Verantwortlichkeit ruhen werde, wenn durch seinen Besuch in Johannesburg irgendwelche Verwicklungen entstünden. Dieser sah infolgedessen von dem Besuch in Johannesburg ab, und auch im übrigen war sein Verhalten in der Öffentlichkeit durchaus korrekt. Aber was tat er im geheimen? Als die National-Union sah, dass der Besuch in Johannesburg nicht zur Ausführung kam, sandte sie einige ihrer Mitglieder, darunter Tudhope und Leonard, mit einer Adresse an Sir Henry Loch nach Pretoria. Das der Inhalt dieser Adresse beleidigend war, sowohl für die Regierung als für den Volksrat, darüber wird sich niemand verwundern, wenn er die Quelle kennt, aus der sie stammte. Öffentlich riet Sir Henry Loch der Deputation an, ihre Beschwerden in Ruhe vor den Volksrat zu bringen, im geheimen aber fragte er sie, wie viel Gewehre und Patronen man in Johannesburg habe, und wie lange man der Regierung Widerstand leisten könne, bis er imstande sei, mit englischen

Truppen von außen her zu Hilfe zu kommen. Wie echt englisch ist diese Handlungsweise eines hohen englischen Beamten! Man kann sagen, dass Sir Henrys

Verhalten charakteristisch ist für die ganze englische Politik in Südafrika. Lügen, Betrug, Intrigen und geheime Aufreizungen gegen die Regierung der Republik: das waren allzeit die Kenn eichen der englischen Politik, die schließlich in dem grausamen Kriege geendigt hat. Dass die Johannesburger damals die Ermunterung zu einem Aufstand, die in der Frage Sir Henry Lochs lag, nicht benutzten, ist bloß der Tatsache zu danken, dass es an Gewehren und Munition fehlte. Um das Wesen und die Wirksamkeit der National Union zusammenhängend darstellen zu können, mussten wir der Zeit vorauseilen. Unterdessen hatten sich in der äußeren Politik Ereignisse abgespielt, die von größter Wichtigkeit waren. Im Jahre 1893 war die zweite Swasieland- Konvention geschlossen worden. Es hatte in dieser Angelegenheit zunächst eine Konferenz in Colesberg zwischen dem Hohen Kommissar und dem Präsidenten stattgefunden, die ohne Resultat war, an die sich aber eine zweite Konferenz in Pretoria anschloss. Hierhin kam Sir Henry Loch mit seiner Gemahlin, zwei Töchtern und einem zahlreichen Stab und wurde in glänzender Weise empfangen. Bei den Festen, die zur Ehre von Sir Henry gegeben wurden, hätte ein Uneingeweihter denken können, es finde der feierliche Empfang eines treuen Freundes und Bundesgenossen der Republik statt. Die Übereinkunft, die schließlich zustande kam, war nicht von der Art, dass man sie mit Freude hätte begrüßen können, aber es war nicht mehr zu erreichen. Die Hauptpunkte waren: Die Republik erhält das Recht, mit der Swasiekönigin einen Vertrag zu schließen, durch den die Schutzherrschaft und das Verwaltungsrecht auf die Republik übergeht, während die inneren Angelegenheiten der Swasiekönigin und ihrem Rat

überlassen bleiben, so dass Swasichnd nicht als Teil der Republik betrachtet werden kann. Alle männlichen -weißen Bewohner des Landes sollen volle Bürgerrechte der transvaalischen Republik bekommen, wenn sie innerhalb von sechs Monaten darum nachsuchen. Der holländischen und englischen Sprache sollen gleiche Rechte vor den Gerichtshöfen eingeräumt werden. Die Südafrikanische Republik bestätigt die in der ersten Swasieland- Konvention bereits abgegebene Verzichtleistung auf ihre Ansprüche auf einige Landstrecken im Norden und Nordwesten des Landes. Diese Übereinkunft konnte aber Gültigkeit bloß erlangen, wenn die Swasiekönigin mit ihrem Rat ihre Zustimmung gab. Es erhob sich nun unter den Swasies starker Widerspruch, hervorgerufen und gestärkt durch allerlei englische Jingoes und Abenteurer, darunter einen gewissen Hulett aus Natal. Dieser brachte es bald so weit, dass die Swasies eine Deputationnach England sandten, um gegen die Übernahme ihres Landes durch die Republik zu protestieren. Die Deputation erreichte nichts. Da aber im Swasielande nun Fehden entstanden, in die energisch einzugreifen die Südafrikanische Republik keine Möglichkeit hatte, und so ein unhaltbarer Zustand hervorgerufen wurde, kam es bald darauf, 1894, zu einer neuen Zusammenkunft zwischen Sir Henry Loch und dem Präsidenten in Volksrat, wo eine neue (dritte) Konvention abgeschlossen wurde. Die Republik erhielt das Recht, Swasieland in Besitz zu nehmen, ohne es jedoch zu einem integrierenden Teile ihres Landes machen zu dürfen. Abgesehen von dieser Beschränkung war nun Swasieland so gut wie ein Teil der Republik. Im Jahre 1895 wurde diese Konvention vom Volksrat in einer außergewöhnlichen Sitzung genehmigt.

Kaum glaubte man von den Streitigkeiten um die Gebiete der Eingeborenen ausruhen zu können, da annektierte plötzlich England Samboan- und Umbigesa- Land. Mit beiden Ländern hatte die Republik schon lange Freundschaftsverträge, und auch bei den Unterhandlungen über Swasieland war man sich stets darüber einig, daß die Republik später, sobald die, Swasielandfrage geregelt sei, ihre Ansprüche auf beide Länder geltend machen und über ihre Annexion mit England verhandeln werde. Als jedoch die Swasielandkonvention im Jahre 1895 vom Volksrat genehmigt war, annektierte England jenes Gebiet, obwohl es darauf so wenig Anspruch hatte als auf den Mond. Der Grund für dieses Vorgehen kann nur der gewesen sein, die Republik zu reizen und zu kränken, denn man schnitt hiermit Transvaal den letzten Weg zur See ab - einen Weg, dessen England nicht bedurfte. Die Regierung der Republik protestierte gegen die Annexion, aber England kehrte sich nicht daran. Im Jahre 1895 ging endlich ein Lieblingswunsch des Präsidenten in Erfüllung. Die Eisenbahn nach der Delagoabai wurde in Pretoria festlich eröffnet. Nach vielen Schwierigkeiten war der Bau, dank dem Eifer der Niederländisch- Südafrikanischen Eisenbahngesellschaft, vollendet. Zu ihrer Einweihung hatten alle in Südafrika vertretenen Regierungen ihre Beauftragten geschickt, und der

Volksrat stellte 20 000 Pfund Sterling zur Verfügung, damit die Bürger, die von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollten, umsonst nach der Delagoabai reisen und das Werk in Augenschein nehmen konnten. Tausende lernten dadurch das Unternehmen kennen und würdigen. Diese Eisenbahn brachte eine Veränderung in die ganzen inneren Verhältnisse Transvaals. Bis dahin hatte die Kapbahn sozusagen ein Monopol für den Verkehr nach Johannesburg besessen. Das konnte nun nicht mehr so bleiben. Um eine friedliche

Konkurrenz zu ermöglichen und sich einen entsprechenden Anteil an den Erträgnissen des Verkehrs nach ihrer größten Stadt zu sichern, schlug die Regierung der Republik vor, dass die Erträgnisse des gesamten Fracht- und Personenverkehrs nach Johannesburg zu gleichen Teilen zwischen den Staaten verteilt würden, deren Bahnlinien nach Johannesburg führten. Das waren denn die Kapkolonie, Natal und Transvaal. Cecil Rhodes (damals zum zweiten Male Premierminister der Kapkolonie) mit seinen Beratern aber dachte sich die Sache anders. Es wurden für die Kapkolonie fünfzig Prozent verlangt, während sich in die anderen fünfzig Prozent Natal und Transvaal teilen sollten. Davon wollte wieder die Regierung der Republik nichts wissen, und so entstand ein Tarifkrieg. Die Kapregierung setzte den Tarif bis nach Vereeniging, der Grenzstation zwischen Freistaat und Transvaal (die Eisenbahnen des Freistaates unterstanden damals noch der Kapregierung), herab. Die Südafrikanische Eisenbahngesellschaft dagegen erhöhte ihren Tarif auf der ihr gehörigen Strecke der Kapbahn von Vereeniging bis Johannesburg, um so die Preisherabsetzung auf dem anderen Teile dieser Strecke wieder auszugleichen. Die Kapregierung ersann nun einen neuen Plan. Um ihre Güter nicht über die verteuerte Strecke führen zu müssen, ließ sie an der Viljoensfurt abladen und von da auf Ochsenwagen nach dem nahen Johannesburg verbringen. Nun befand sich aber in dem Zollgesetz der Republik ein Passus, wonach der Präsident bestimmte Stellen an den Grenzen zu "Einfuhrhäfen" erklären konnte; an anderen als den von ihm bezeichneten Orten war die Einfuhr verboten. Als nun die Kapregierung die Güter auf Ochsenwagen transportieren ließ, beschloss die Regierung der Republik, die bestehenden "Einfuhrhäfen" (eigentlich "Furten''

oder "Driften") für überseeische Güter zu schließen. Nur gegen

überseeische Güter wandte sich die Regierungsproklamation, umso den Binnenhandel des Oranjefreistaates und der Kapkolonie nicht zu benachteiligen. Wie halfen sich Rhodes und seine Regierung nun? Sie behaupteten, die Londoner Konvention sei verletzt. In dieser Konvention befand sich eine Bestimmung, wonach die Einfuhr eines Artikels, der aus irgendeinem Teil des Britischen Reiches stammte, nicht verboten werden könne, wenn nicht zugleich die Einfuhr desselben Artikels aus allen anderen Ländern verboten werde. Die Republik hatte also die

Konvention verletzt, weil sie der Kapkolonie, einer britischen Besitzung, und dem Oranjefreistaat, dem Bruderstaate, eine Vergünstigung vor den überseeischen Ländern gewährt hatte. Sie musste nun entweder die ganze Bestimmung aufheben oder zu der gehässigen Maßregel übergehen, die ganze Einfuhr zu verbieten. Rhodes reichte seine Klage bei der Britischen Regierung ein. Kurz zuvor hatten in England allgemeine Wahlen stattgefunden, und es war dadurch die Regierung ans Ruder gekommen, die zur Zeit des Großen Krieges noch da war. Joseph Chamberlain war darin, und er war sofort bereit, der Republik ein Ultimatum zu senden, stellte jedoch die Bedingung, dass die Kapkolonie, wenn aus dem Ultimatum ein Krieg erwachse, die Hälfte der Kosten tragen, eine Hilfstruppe bewilligen und ihre Eisenbahn zur freien Verfügung stellen müsse. Zur Schande der Afrikander, die im Ministerium Sitz hatten, muss gesagt sein, dass sie diesem Vorschlag zustimmten. Die Republik bekam ihr Ultimatum,

und nun musste sie nachgeben und sich verpflichten Furten nicht mehr zu schließen.

die

Der Jameson- Einbruch

Das einschneidendste Ereignis unter der dritten Präsidentschaft war der Jameson- Raubzug - ein Unternehmen, dessen Verantwortung nicht auf Jameson ruht. Chamberlain hat wohl zur Zeit des Einfalles behauptet, daß er von dem ganzen Komplott nichts gewusst habe. Später aber ergab sich, dass die Britische Regierung, oder zum mindesten der Kolonialrainister Chamberlain, vollständig unterrichtet war von den Plänen und Intrigen Cecil Rhodes, die in dem schändlichen Jameson- Einfall sich auswirkten. Rhodes hatte schon lange den Plan, sich in einer oder der anderen Weise der Republik zu bemächtigen; sein Geld, seinen Einfluss und seine Stellung als erster Minister der Kapkolonie machte er diesem Ziele dienstbar. Die National Union wurde von ihm gebraucht, um die Gemüter in Johannesburg in Gärung zu halten, und schließlich wurde sie sein Werkzeug bei dem Komplott gegen die Existenz des Staates. Durch seine Vermittlung wurden insgeheim Wagen und Munition nach Johannesburg eingeschmuggelt und in den Simmer- und Jack-Minen, deren größter Teilhaber er war, geborgen. Rhodes wusste wohl, dass Johannesburg allein nicht imstande war, eine Umwälzung mit Aussicht auf Erfolg zu beginnen. Er musste darum einen geeigneten Platz an den Grenzen, der Republik zu bekommen suchen, wo er eine Truppenmacht zur Unterstützung einer Empörung versammeln konnte. Zu dem Zwecke knüpfte er mit der Britischen Regierung durch Vermittlung seines Faktotums Dr. Rutherford Hatris und der Journalistin Miss Flora Shaw Unterhandlungen an, um das Gebiet der Chartered Company so auszubreiten, dass die gewünschten strategischen Punkte noch da hinein fielen, und aus den Telegrammen, die während der Unterhandlungen mit der Britischen Regierung zwischen diesen Personen

gewechselt wurden, ergibt sich, daß Minister Chamberlain mit der ganzen Sache bekannt war. Eines der Telegramme von Flora Shaw an Rhodes endete mit den Worten: "Chamberlain rein im Falle der Intervention europäischer Mächte, aber ich habe besondere Gründe zu glauben, dass er wünscht, dass Sie es sofort tun sollen." (Chamberlain sound in case of interference European powers, but have special reasoris to believe wishes you must do it immediately.) Dazu nehme man noch folgende Telegramme von Rhodes an Miss Shaw: "Teilen Sie Chamberlain mit, dass ich gut durchkommen werde, wenn er mich unterstützt, aber er muss keine Kabel senden, wie er sie an den Hohen Kommissar in Südafrika gesandt hat. Heute ist die Krisis, ich werde gewinnen, und Südafrika wird England gehören." (Inform

Chamberlain that I shall get through allright, if he supports me, but he must not send cables like he sent to the High Commissioner in S. Africa. Today the crux is I shall win and South- Afrika will belong to England.) Und ferner: "Wenn Sie nicht sorgen können, dass Chamberlain den Hohen Kommissar beauftragt, sofort nach Johannesburg zu gehen, so ist die ganze Sache verloren. Der Hohe Kommissar würde eine ausgezeichnete Aufnahme finden und den Dingen noch eine Wendung zugunsten Englands geben können, aber er muss sofort per Kabel beauftragt werden, und die Instruktionen müssen sehr deutlich sein, da er schwach ist und keine Verantwortung auf sich nehmen will." (Unless you can make Chamberlain instruct the High Commissioner to proceed at once to Johannesburg, the whole position is lost. High Commissioner would receive splendid reception and still turn position to Englands advantage, but must be instructed by cable immediately. The instructions must be specific, as he is weak and will take no responsibility.) Außerdem muss man wohl beachten, dass der vom englischen Parlament

ernannten "Untersuchungskommission für Britisch- Südafrika" nur ein Teil der Telegramme von der englischen Regierung vorgelegt und wahrscheinlich die kompromittierendsten zurückgehalten wurden. Warum tut man so etwas, wenn man eine Untersuchung anstellt, um die Wahrheit herauszufinden? Soll man nicht daraus entnehmen dürfen, dass Chamberlain ebenso schuldig war wie Rhodes? Dass aber auch aus den erwähnten publizierten Telegrammen deutlich genug die Beteiligung Chamberlains an dem Kornplott zu ersehen ist, wird niemand im Ernste leugnen können. Kaum war Rhodes sicher, dass er den gewünschten Landstrich von der Britischen Regierung erhalte, so begann er auch sofort Maßregeln zu ergreifen, um hier die "Südafrikanischen Polizeitruppen" zu sammeln und mit Pferden und Kriegsmaterial auszurüsten, um zu einem Einfall in die Republik fertig zu sein, sobald die Dinge in Johannesburg zum Eingreifen reif seien. Unterdessen hatte er sich auch mit den Führern der National-Union in Verbindung gesetzt und seinen Bruder Colonel Frank Rhodes nach Johannesburg gesandt, um dort mit ihm vereint zu arbeiten und ihn zu vertreten. Colonel Rhodes hatte von ihm unbeschränkte Vollmacht, so viel Geld auszugeben, als er für nötig erachte. Lionel Philips, einer der Verschwörer, war nach Kapstadt gereist, wahrscheinlich um dort das Nähere mit Rhodes selbst zu besprechen. Von da kam er plötzlich zurück unter dem Vorwande, das neue Gebäude der "Kammer für Minenwesen" als ihr Vorsitzender eröffnen zu müssen. Das Gebäude war noch nicht einmal fertig, aber die Eröffnung war bloß ein Vorwand, um Philips im geeigneten Moment Gelegenheit zu geben, eine politische Ansprache zu halten. Gegen Ende November 1895 war es, wo diese Eröffnung stattfand und Philips eine Rede

voll heftiger Angriffe gegen die Republik hielt. Bereits früher

waren ein paar Mitglieder der National-Union in Kapstadt gewesen, um dort die Ausführung des Planes mit Cecil Rhodes zu beraten. Der Absprache gemäß kam daraufhin Ende November Dr. Jameson nach Johannesburg, um die nötigen Maßregeln gemeinschaftlich mit den Leitern der Union zu treffen. Bei dieser Gelegenheit ließ er sich von ihnen einen Brief geben, in dem seine Hilfe erbeten wurde und den er jederzeit als Vorwand zu einem Einfall gebrauchen konnte. Der Brief enthielt die Mitteilung, dass über kurz ein Zusammenstoß zwischen den Ausländern und der Regierung bevorstehe und dabei den Frauen und Kindern und dem Privateigentum in Johannesburg das Schlimmste drohe. Dieser Brief, unterzeichnet von Charles Leonhard, Colonel F. Rhodes, Lionel Philips, J. Hays, Hammond und Farrar, trug kein Datum, so dass Jameson in der Lage war, sich auf ihn zu berufen. Inzwischen wurden die Bewohner von Johannesburg auf jede nur mögliche Weise von der Rhodes-Presse und der Union aufgestachelt, die einen Ausbruch der Leidenschaften künstlich vorbereiteten. Ende Dezember 1895 erließ Leonard als Vorsitzender der National-Union ein langes Manifest, worin eine Reihe von Beschuldigungen gegen die Regierung erhoben wurde. Alles was dazu dienen konnte, die Gemüter aufzuregen, wurde herbeigezogen. Natürlich war die Stimmrechtsfrage einer der hauptsächlichsten Beschwerdepunkte, und doch hatte Lionel Philips, ebenfalls ein Vorstandsmitglied der Union, nicht lange vorher an seinen Teilhaber in London, einen deutschen Kapitalisten namens Beit, der auch mit Rhodes in enger Beziehung stand, geschrieben: "Wir geben keinen blauen Deut um das Stimmrecht." (That we do not care a fig for the franchise.)

Gerade als die Gärung in Johannesburg ihren Höhepunkt erreicht hatte, kam Präsident Krüger von seiner gewöhnlichen jährlichen Rundreise durch die Distrikte nach Pretoria zurück, und hier war es, wo er bei der Überreichung einer Adresse durch die Burgers gegenüber ihrem Drängen auf Bestrafung der aufrührerischen Elemente die Worte gebrauchte: "Man muss der Schildkröte erst Zeit geben, ihren Kopf herauszustrecken, ehe man sie fassen kann." Aus diesen Worten wollte man den Beweis herleiten, dass Krüger von der Vorbereitung des Jameson- Einfalles gewusst und mit der Schildkröte Jameson bezeichnet habe. Diese Behauptung ist völlig unbegründet. Weder Krüger noch sonst jemand von den transvaalischen Behörden hätte damals eine solche Tat für möglich gehalten, noch viel weniger wurde sie erwartet. Wohl wurden Pferde, Lebensmittel und Futter von englischer Seite selbst in der Republik aufgekauft, aber die Engländer behaupteten, dass die Ansammlung der Polizeitruppen an der Westgrenze der Südafrikanischen Republik für eine Expedition gegen die Kaffern, insonderheit gegen den Häuptling Linchwe, bestimmt sei. Und die Burgers hatten infolgedessen so wenig Argwohn, dass sie selbst beim Einkauf des Kriegsbedarfs und bei der Verbringung der Güter nach all den

Punkten, die später Wegstationen für Jamesons Zug von Kimberley bis fast nach Krügersdorp bildeten, mit tätig waren. ja, der Präsident hatte sogar vorher dem britischen Hohen Kommissar Sir Hercules Robinson die Unterstützung der Republik zum Schutze der Frauen und Kinder gegen die Matabeles, mit denen die Engländer Schwierigkeiten hatten, angeboten, aber unter Bezeigung des Dankes für sein Anerbieten die Antwort erhalten, dass die Hilfe einstweilen noch nicht nötig sei. Hätte der Präsident etwas von Jamesons Plan gewusst so hätte er ihn wahrhaftig nicht so tief in die Republik eindringen lassen. Aber so war in den Tagen, da die

Truppen für den Jarneson- Einfall zusammengezogen wurden, der Oberbefehlshaber der burischen Streitkräfte, General Joubert, nicht einmal in Pretoria, sondern im Distrikte Wakkerstroom auf seiner Farm und kam erst ein paar Tage vor dem Einfall nach Pretoria zurück. Was der Präsident mit der Schildkröte meinte, bezog sich auf die National-Union. Er wollte damit sagen, man solle die Bewegung ruhig weitergehen lassen, bis sie ihren wahren Charakter unverhüllt zeige und sich so unzweifelhaft schuldig gemacht habe, dass die Regierung die vornehmsten Mitglieder, also die eigentlichen Aufrührer, wegen Hochverrats strafen könne. Bei einem früheren Eingreifen könnten diese Leute immerhin noch den Versuch machen, ihre Schuld zu

leugnen, und sie wären dann vielleicht nicht vor aller Augen zu überführen. Der Zustand in Johannesburg war gegen Ende Dezember 1895 so, dass Tausende die Stadt verließen und sich nach den Küstenstädten flüchteten, während die National Union, die sich von nun an "Reform- Komitee" nannte, "Schutzkorps" errichtete und sie mit Waffen und Munition versah. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden und Blutvergießen zuverhindern, fasste die Regierung den Entschluss, ihre Polizei einzuziehen. Sie betrachtete diesen Aufstand nicht als ernst. Man erzählt, der Präsident habe während der Zeit des Jameson- Einfalles sein Pferd gesattelt im Stall und sein Gewehr geladen neben seinem Bett stehen gehabt. Daran ist nichts Wahres, ausgenommen dass einige Freunde ihm rieten, wegen der Gefahr eines Angriffes Pretoria zu verlassen, und er darauf

antwortete:

Pferd und Gewehr und gehe zu meinem Kommando." Der einzige unter den "Reformern", der wusste, was er zu tun hatte, war Colonel Rhodes. Alle anderen waren Theater-

Revolutionäre. Verschiedene Deputationen aus Johannesburg,

Wenn

es so weit sein sollte, nehme ich mein

die der Präsident empfing, zeigten deutlich, dass ein großer Teil der Bewohner nichts mit dem Aufruhr zu tun haben wollte. Einer dieser Deputationen versprach er, den Ausländern in bezug auf bestimmte Beschwerden entgegenzukommen und die Verleihung des Stimmrechtes an

alle zu beantragen, die sich in der gegenwärtigen Zeit offen als Freunde der Republik erwiesen. Auch erließ er eine Proklamation, in der er erklärte, er wisse wohl, dass die Aufrührer nur einen kleinen Teil der Bevölkerung von Johannesburg ausmachten, und er habe zu den ordnungsliebenden Bewohnern das Vertrauen, dass sie die Bemühungen der Regierung um Aufrechterhaltung von Ordnung und Gesetz unterstützen würden. Diese Ermahnung zur Ruhe wurde am 30. Dezember erlassen. An demselben Tage aber erhielt bereits, General Joubert von dem Minenkommissar Marais in Ottoshoop ein Telegramm, dass an diesem Morgen um 5 Uhr 30 ein Kommando von 800 Mann Chattered- Company- Truppen mit Maxims und Kanonen in der Richtung auf Johannesburg vorbeigezogen und der Telegraf zwischen Malmanie, Zeerust und Johannesburg zerschnitten sei. General Joubert sandte Telegramme an die Kommandanten der verschiedenen Distrikte, an erster Stelle an die von Rustenburg, Krügersdorp und Potchefstroom, worin er ihnen von dem Vorfall Kenntnis gab und sie beauftragte, sofort ihre Burgers zusammenzurufen und sich den Eindringlingen entgegeazuwerfen. Inzwischen hatte die Regierung in Johannesburg eine Kommission ernannt, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Ihr ist es zu danken, dass es nicht zum Blutvergießen kam. Die "Reformer" beschlossen nun, eine Deputation nach Pretoria zu senden, um dort mit der Regierung zu verhandeln. Sie wurde im Namen der Regierung von General Kock und den Richtern Ameshoff und Katzè empfangen und stellte die

Forderung, es solle Jameson erlaubt werden, in Johannesburg einzuziehen, in welchem Falle sie die Verantwortung dafür übernehmen wolle, dass er friedlich Johannesburg wieder verlassen und über die Grenze zurückgehen werde. Unterdessen aber hatte die Regierung das Angebot des Hohen Kommissars Sir Henry Robinson (dieser war seit Ende 1895 wieder an Stelle Sir Lochs getreten), nach Pretoria zu kommen, um eine friedliche Lösung des Konfliktes zu ermöglichen, angenommen. Die Deputation erhielt darum die Antwort, dass vor der Ankunft des Hohen Kommissars die Regierung keine Schritte tun werde, wenn sich die Stadt ruhig verhalte. Jameson war inzwischen in größter Eile in der Richtung auf Johannesburg vorgerückt. Der Hohe Kommissar hatte hauptsächlich auf Drängen von Jan Hofmeyer, dem Führer des Aftikanerbundes, eine Proklamation erlassen, worin Jameson und allen seinen Begleitern befohlen wurde, sich über die Grenze zurückzuziehen. Kurz danach erfolgte der Rücktritt von Cecil Rhodes als Minister der Kapkolonie. Diese Proklamation nebst einem Briefe des britischen Geschäftsträgers in Pretoria, Jacobus de Wet, wurde Jameson durch einen Burger von Transvaal, namens Ben Bouwer überbracht. Jameson störte sich daran aber absolut nicht, er nahm sogar Leutnant Eloff von der Krügersdorper Polizei, der ihm entgegeriritt, um ihm den Rückzug zu

befehlen, gefangen. Erst auf den Bergen bei Krügersdorp stieß Jameson auf transvaalische Truppen unter den Kommandanten Malan, Potgieter und Cronjè und beschoss sie mit Geschütz; als er aber einen Angriff auf die Höhe machte, wurde er mit Verlust zurückgeschlagen. Daran sah Jameson, dass er hier nicht durchkommen werde. Er schwenkte deshalb rechts ab, um die Stellung der Buren zu umgehen. Während der Nacht aber wurde er durch Feldkornett De Fouchè zurückgeworfen,

und am folgenden Morgen, als er noch weiter nach rechts zog, stieß er bei Doornkop auf die Burgers Cronjes, dem er sich nach einem heftigen Gefechte ergeben musste. Es ist behauptet worden, dass Jameson sich ergeben habe unter der Bedingung, dass sein und der Seinen Leben geschont werde. Tatsächlich hatte Kommandant Cronje in einem Brief an Colonel Willoughby, den Kommandanten des Jameson- Korps, erklärt, dass er ihr Leben schonen werde, wenn sie sich mit allem, was sie hätten, ergäben und der Südafrikanischen Republik Schadenersatz leisteten. Aber noch während Kommandant Cronje daraufhin mit Dr. Jameson sprach, kam Kommandant Malan von Rustenburg dazu und fragte, was verhandelt werde; und als er von Bedingungen hörte, sagte er zu Cronje: "Wir können keinerlei Bedingungen verabreden, das ist Sache der Regierung in Pretoria." Dem stimmte auch Cronje zu, und Kommandant Malan ließ nun Dr. Jameson auf englisch mitteilen: Was ihm Cronje gesagt habe, sei dahin zu verstehen, dass das Leben der Gefangenen bloß verbürgt werde bis nach Pretoria, wo sie dem Generalkommandanten überliefert würden. "Wir", fuhr er fort, "können in diesem Augenblick keine definitiven Bedingungen angeben, das muss der Regierung überlassen bleiben." Daraufhin machte Jameson eine Verbeugung und sagte: "Ich nehme Ihre Bedingungen an." jetzt erst vollzog sich die Übergabe, Jameson und seine Leute wurden entwaffnet und nach Pretoria gebracht. Inzwischen war da auch der Hohe Kommissar angekommen und hatte gleich danach eine Unterredung mit dem Präsidenten und seinen Staatsmännern. Nachdem er seinem Bedauern über den Vorfall Ausdruck gegeben hatte, begann er über die Beschwerden der Ausländer und über nötige Reformen zu sprechen. Da fiel ihm Krüger ins Wort und wies ihn darauf hin, dass jetzt nicht die Zeit sei, über solche Dinge zu reden.

Das einzige, worüber man jetzt zu verhandeln habe, sei die Frage, welche Maßregeln ergriffen werden müssten, um weiteres Blutvergießen zu verhindern, und auf welche Weise sich die Auslieferung der Waffen in Johannesburg vollziehen solle. "Unter welchen Bedingungen muss Johannesburg die Waffen abliefern?" fragte nun der Hohe Kommissar, worauf Krüger antwortete: "Bedingungslos." Und als der Hohe Kommissar noch zögerte und gegen die Forderung des Präsidenten Einwände machte, fügte dieser hinzu: "Ich gebe Johannesburg vierundzwanzig Stunden Zeit, um sich bedingungslos zu unterwerfen. Anderenfalls werde ich die Stadt mit Gewalt dazu zwingen." Sir Hercules konnte nichts erreichen, der Präsident blieb unerbittlich, und so endigte diese Zusammenkunft ohne Resultat. Die Burgers mit ihren Kommandanten waren in großer Aufregung. Man kann begreifen, dass sie jetzt, nachdem sie jahrelang von der National-Union gequält und gereizt worden waren, nicht in der Stimmung waren, um Jameson und die Johannesburger Aufrührer ungestraft entkommen zu lassen.

Als Beweis für den Geist, der unter der Bürgerschaft herrschte, mag folgender Vorfall dienen. Ein Kommandant mit etwa vierhundert Burgers, die auf dem Wege waren, um sich Jameson entgegenzuwerfen, kam durch Pretoria. Er benutzte diese Gelegenheit, dem Präsidenten einen Besuch zu machen. Als Krüger herauskam, um den Burgers zu danken, redete. der Kommandant ihn an: "Präsident, wir sind hierher gekommen, um Ihnen unseren Gruß darzubringen und Ihnen mitzuteilen, dass wir entschlossen sind, wenn wir Jameson gefangen haben, direkt nach Johannesburg zu ziehen und dieses Nest samt den Aufrührern zusammenzuschließen. Sie haben uns nun lange genug gequält." Krüger antwortete:

"Nein, Burgers, so müsst ihr nicht sprechen, bedenkt, dass

Tausende Unschuldiger und Getreuer in Johannesburg sind und dass die übrigen sich zum größten Teile nur haben verführen lassen. Wir wollen nicht rachsüchtig sein, was würden denn die Folgen eines solchen Schrittes sein 1 " Der Kommandant erwiderte: "Nein, Präsident, Ihr sprecht vergebens. Was hilft Langmut? Gerade weil wir die Aufrührer viel zu lange mit Langmut behandelt haben, sind sie so weit gegangen. Meine Burgers und ich, wir sind fest entschlossen, nun einmal für immer der Aufrührerei ein Ende zu machen." Darauf wurde Krüger zornig oder stellte sich wenigstens so,

als wäre er es, und sagte: "Nun gut, wenn ihr dann nicht mehr auf mich hören wollt, so setzt mich als Staatspräsidenten ab und regiert dann das Land nach eurer Weise." jetzt erst wurde der Kommandant ruhiger und sprach: "Nein, Präsident, so meinte ich es nicht, wir wollen ja gerade auf Sie hören, aber wir werden doch zu sehr gequält." Darauf antwortete ihm der Präsident auch ruhiger: "Nun gut, dann tut, was ich sage, und überlasst das Weitere mir." In der Versammlung der Kommandanten, die gemeinsam mit dem Ausführenden Rate über das Geschick von Jameson entscheiden sollte, hatte Krüger einen sehr harten Stand. Er hatte nämlich den Plan, und dieser Plan hatte bereits die Zustimmung des Ausführenden Rates gefunden, Jameson und die Seinen der englischen Regierung auszuliefern, damit diese Übeltäter durch ihre eigene Regierung nach ihren eigenen Gesetzen gestraft würden. Davon aber wollten die Kommandanten nichts wissen, und erst nachdem auch die Herren Fischer und Kleynveld vom Oranjefreistaat ihnen zugeredet hatten, dem Wunsche des Präsidenten Gehör zu geben, glückte es ihm, seinen Willen durchzusetzen und die Zustimmung der Kommandanten dazu zu erhalten, dass diese Sache der Regierung überlassen bleiben solle. Als der Hohe Kommissar sah, dass Krüger auf der Forderung

der bedingungslosen Übergabe von Johannesburg bestehen blieb, ließ er durch den britischen Geschäftsträger dem "Reformkomitee" telegrafisch davon Mitteilung machen. Dass die Johannesburger Revolutionäre nun dieser Forderung, ehe die vierundzwanzig Stunden verstrichen waren, nachkamen, braucht eigentlich nicht gesagt zu werden, denn mit Ausnahme von Colonel Rhodes und vielleicht noch einem oder zwei anderen war keiner unter den Verschwörern, der nicht beim ersten Gewehrschuss die Flucht ergriffen hätte. Sie hatten den Aufstand hervorgerufen und daran mitgearbeitet nur in der Hoffnung, dass England für sie die Kastanien aus dem Feuer

holen werde. Selbst ihr Leben in Gefahr zu bringen für eine Sache, für die sie, wie eines ihrer vornehmsten Mitglieder kurz zuvor gesagt hatte, keinen blauen Deut gaben, daran dachten sie nicht. Die Regierung hatte inzwischen dem Hohen Kommissar mitgeteilt, dass sie die Absicht habe, Jameson und die Seinen der englischen Regierung auszuliefern, damit sie vor dem obersten Gerichte in England abgeurteilt würden. Daraufhin sandte Chamberlain dem Präsidenten ein Telegramm, worin er im Namen Ihrer Majestät für die "großmütige Tat" dankte. Wie tief die Dankbarkeit saß und wie England diese Großmut belohnte, haben die späteren Ereignisse bewiesen. Bei dieser Gelegenheit sei konstatiert, dass der deutsche Kaiser sein Glückwunschtelegramm aus völlig freier Initiative sandte. Krüger hatte nicht, wie es dargestellt wurde, bei Bekannt werden des Jameson- Einfalles um den Schutz befreundeter Mächte nachgesucht. Unterdessen lieferte Johannesburg seine Waffen ab, aber viel weniger, als man gedacht hatte, 1800 Gewehre und drei beschädigte Maxims war alles, was abgegeben wurde. Jameson und die Seinen wurden kurz darauf dem Gouverneur von Natal ausgeliefert, der sie nach England sandte. Die

englische Regierung setzte die Soldaten sofort in Freiheit. Jameson und noch ein paar der Anführer wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, aber ehe sie ihre Zeit abgesessen hatten, wieder in Freiheit gesetzt. Am 9. Januar wurden die "Reformer'' teils in ihren Häusern, teils in ihrem Klub gefangengenommen und nach Pretoria gebracht. Am 10. Januar erließ dann der Präsident eine Proklamation an die Bewohner von Johannesburg, worin er zunächst wiederholte, dass er nur eine kleine Anzahl verschlagener Männer innerhalb und außerhalb Johannesburg als die Verschwörer betrachte, und darauf aufmerksam machte, welch schreckliches Unglück durch diese Tat hätte entstehen können. Außerdem versprach er Johannesburg die Einsetzung ein Stadtrats und schloss mit einem Appell an die Einwohner, es ihm möglich zu machen, vor den Volksrat hinzutreten mit der Losung: "Vergessen und vergeben." Die Burgerkommandos gingen friedlich nach Hause, zogen aber vorher in geschlossenem Zuge durch Johannesburg - eine Art Demonstration. Die Einzelheiten des Prozesses gegen die Verschwörer brauchen hier nicht angeführt zu werden. Um nicht den Vorwurf der Parteilichkeit auf sich zu laden, suchte die Regierung der Republik für diesen Prozess einen Richter, der außerhalb der Sache stand. Sie erbat und erhielt zu diesem Zwecke den Freistaatrichter Gregorowsky. Die meisten der Angeklagten kamen mit Gefängnis oder Geldstrafe davon. Nur vier der Hauptleiter, nämlich Philips, Rhodes, Farrar und Hammond, wurden zum Tode verurteilt. Aber auch dieses Urteil wurde auf Krügers Antrag vom Ausführenden Rat in eine Geldstrafe von 25000 Pfund Sterling für jeden von ihnen umgewandelt, und so endete der erste Akt des Dramas, dessen letzter sich auf den blutgetränkten Feldern Südafrikas abspielte.

Im Anschluss an diese Johannesburger Vorgänge sei hier noch des furchtbaren Unglückes gedacht, das am 19. Februar 1896 durch die Explosion einiger Wagenladungen Dynamit diese Stadt traf. Ein großer Teil der Vorstädte Fordsburg und Braamfontein wurde vernichtet, eine Menge Menschen wurden getötet und verwundet und Hunderte des Obdaches beraubt. Die Ausländer bewiesen ihre Sympathie mit den Opfern des Unglücks dadurch, dass sie in wenig Tagen zu ihren Gunsten die Summe von 70000 Pfund Sterling (700000 €) zusammenbrachten, zu der die Regierung noch 25000 Pfund Sterling zulegte. Der Präsident begab sich ohne Verzug nach Johannesburg, besuchte die Verwundeten im Hospital und rühmte hier die

Hilfsbereitschaft, die die Ausländer in dieser Sache gezeigt hatten und die seinem Herzen sehr wohl getan habe. Er fügte hinzu, sie möchten sich dabei des Wortes des Heilandes erinnern: "Selig sind die Barmherzigen, denn auch ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren." Der Anschlag auf die Unabhängigkeit der Republik war missglückt. Aber nun ging Minister Chamberlain ans Werk, um zu sehen, ob er selbst nicht mehr Erfolg habe. Durch sein Zutun geschah es, dass der "Jamesonraid" durch einen riesenhaften "Britishraid" ersetzt wurde. Sein erstes war, den Präsidenten einzuladen, nach England zu kommen, um dort mit ihm transvaalische Angelegenheiten zu besprechen, und das, obwohl er, wie er auch bald deutlich erklärte, über Artikel 4 der Londoner Konvention, den einzigen Artikel, durch den die ausländische Politik der Südafrikanischen Republik noch einigermaßen gefesselt war, zu verhandeln nicht bereit war. Angesichts einer solchen Einladung sollte man wirklich denken, es sei nicht England, sondern die Republik, die etwas gutzumachen gehabt hätte. Gleichzeitig sandte Chamberlain eine andere Depesche, worin

er unter anderem vorschlug, an Johannesburg eine Art von Home Rule, Selbstverwaltung, zu geben, und publizierte diese Depesche im Londoner Staatsanzeiger, noch ehe sie der Präsident empfangen hatte. Wenn man bedenkt, dass es gerade die Frage der Home Rule für Irland war, um derentwillen sich Chamberlain von der Partei Gladstones trennte und seinen Radikalismus mit seinem derzeitigen Jingoismus vertauschte, so muss man erstaunt sein über die Unverschämtheit des Vorschlages, den er dem Präsidenten machte - zumal unter den damaligen Verhältnissen. Die Regierung der Südafrikanischen Republik empfing zunächst nur einen kurzen Auszug aus dieser Depesche mit Anführung der hauptsächlichsten Punkte - während sie im Londoner Staatsanzeiger bereits ihrem ganzen Wortlaute nach veröffentlicht war - und antwortete darauf kurz, dass sie es für unerwünscht und unratsam erachte, im voraus die Ratschläge zu veröffentlichen, die die Britische Regierung der Republik zu geben für nötig befinde, und dass außerdem die Republik eine Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten nicht zulassen könne. Die Antwort wurde nun auch sofort im Staatsanzeiger der Südafrikanischen Republik veröffentlicht. Kurz nach Empfang dieser Antwort sandte Chamberlain eine Depesche, worin er erklärte, wenn sein Vorschlag nicht gut aufgenommen worden sei, so ziehe er ihn zurück. Daraufhin gab der Präsident telegrafisch die Bedingungen an, unter denen er bereit sei, nach England zu kommen. Der Hauptpunkt war für ihn: Ersatz der Londoner Konvention durch einen Friedens- , Handels- und Freundschaftsvertrag. Davon aber wollte Chamberlain nichts wissen. Er sprach von nichts als von anerkannten Beschwerden, die abgestellt werden müssten, da dieses für England als die Vormacht von Südafrika von größter Bedeutung sei. Was Artikel 4 der genannten

Konvention anlangte, so erklärte er, dass dieser auf jeden Fall in eine neue Übereinkunft wieder aufgenommen werden müsse. Was sollte also die beschwerliche Reise für einen Sinn haben? Und wozu sollte ein Ersatz der früheren Konvention dienen, wenn der einzige Artikel, durch den die Unabhängigkeit der Republik noch einigermaßen beschränkt war, wieder aufgenommen werden sollte? Als Chamberlain sah, dass er den Präsidenten nicht nach England bekommen könne, ohne ihm eine Bürgschaft dafür zu geben, dass die Reise nicht nutzlos sein werde, zog er seine Einladung zurück. Inzwischen war der Regierung klar geworden, dass sie sich auf mögliche Ereignisse vorbereiten müsse, und man machte nun den Anfang mit dem Ankauf von Munition, Gewehren und Kanonen. Das war umso nötiger, als der Jamesoneinfall die Republik so gut wie wehrlos gefunden hatte. Die Burgers hatten damals keine anderen Gewehre als die alten Martini- Henry, und eine große Anzahl hatte überhaupt keine Gewehre. Die Munition aber hätte nicht genügt, um zwei Wochen Krieg zu führen. Es mussten also Maßregeln getroffen werden, um die Burgers gegen jeden räuberischen Einfall zu bewaffnen. Doch geschah nicht mehr, als nach dem Gesetze nötig war - und dieses verlangte, dass jeder Bürger bewaffnet sein müsse. Noch größere Mengen Munition, Gewehre und Kanonen dagegen wurden bestellt nach der Untersuchung der vom Parlament bestellten so genannten "Untersuchungskommission für Britisch- Südafrika" in London, denn dabei kamen Dinge an den Tag, die bewiesen, dass Chamberlain an dem Raubzug nicht so unschuldig war, als er sich stellte. Das ergibt sich aus den bereits angeführten Telegrammen, die dieser Untersuchungskommission vorlagen, und noch mehr aus denen, die absichtlich zurückgehalten wurden.

Prüfend hört Ohm Krüger den Kaffernkönig Lobenguela an, dessen goldstrotzende Uniform die Absichten der Briten

Prüfend hört Ohm Krüger den Kaffernkönig Lobenguela an, dessen goldstrotzende Uniform die Absichten der Briten verrät

Präsident Krüger mit General Joubert und General Cronje

Präsident Krüger mit General Joubert und General Cronje

Dazu kam, dass Chamberlain kurz nach der Untersuchung im Unterhause erklärte, Rhodes sei ein ehrlicher und anständiger Mann, und es sei nichts geschehen, was den persönlichen Charakter dieses Mannes beflecken könne. Man konnte hieraus keine andere Folgerung ziehen als die, dass Chamberlain der Mitschuldige von Rhodes war und

Rhodes öffentlich verteidigte, weil er fürchtete, dieser könnte Dinge offenbaren, die für den Minister alles, nur nicht angenehm wären. Zum mindesten war das die Auffassung der Republik, und sie wurde in dieser Auffassung noch dadurch bestärkt, dass Dr. Jameson wegen Krankheit aus der Haft entlassen, unmittelbar darauf gesund wurde und selbst eine Stellung als Offizier erhielt. Kurz nachdem die Südafrikanische Untersuchungskommission ihr Werk beendet hatte, begann Chamberlain jene ununterbrochene Reihe von Depeschen, mit denen er nichts anderes beabsichtige, als das Volk Englands gegen die Republik zu verbittern und ihm vorzureden, dass die Republik sich fortwährend gegen England versündige und systematisch die Londoner Konvention breche. So sandte er im Anfang des Jahres 1897 eine Depesche, nach der die Republik die Londoner Konvention durch folgende Akte verletzt habe durch den Beitritt zur Genfer Konvention, durch ihr Pressgesetz, durch ihr Einwanderungsgesetz, durch Abschluss eines Auslieferungsvertrages mit Portugal usw. Seine Behauptung stützte er auf den Artikel 4 der Konvention, der bestimmte, dass kein Vertrag in Gültigkeit treten solle, wenn die Britische Regierung ihn nicht gut fände, und dass die Britische Regierung sechs Monate Zeit haben müsse, um ihre Zustimmung oder Ablehnung bekannt zu geben. Chamberlain behauptete nun, der Sinn dieses Artikels sei der, daß jeder Vertrag, sobald er entworfen - also noch ehe er geschlossen sei -, Ihrer Majestät Regierung zugesandt werden

müsse, während die Regierung der Südafrikanischen Republik dabei blieb, das habe erst zu geschehen, wenn der Vertrag fertig vorliege. Die Regierung der Südafrikanischen Republik stützte sich für ihre Auffassung auf den Geist und die Geschichte der Londoner Konvention ebenso sehr wie auf die Worte "upon its completion", d. h. "nachdem der Abschluss erfolgt ist", und antwortete, darum der Britischen Regierung, dass sie die Anschauung Chamberlain nicht teile, aber bereit sei, die Frage einem unparteiischen Schiedsgericht zu unterwerfen. Chamberlains Erwiderung war: England sei der Suzerän der Südafrikanischen Republik und könne darum mit ihr nicht vor ein Schiedsgericht gehen. Dass sich über diese Antwort Chamberlains die Regierung sehr aufregte, braucht nicht versichert zu werden, denn warum anders als um Aufhebung der Suzeränität zu erreichen, hatte man 1883 den Gang nach London gemacht und eine neue Konvention zu erlangen gesucht? Und seit der Konvention von 1884 hatte bei niemand mehr auch nur der geringste Zweifel darüber bestanden, dass die Konvention aufgehoben sei. Sogar

in einer Unterredung mit einem Journalisten hatte Sir Hercules Robinson, selbst einer der Verfasser der Konvention von 1884, zugegeben, dass die Suzeränität ohne alle Frage seit 1884 abgeschafft sei. In einer mit Recht gepriesenen Antwort (16. April 1889) hat denn auch Dr. Leyds diese Tatsache unwiderleglich nachgewiesen. Er konnte sich dabei auch auf einen Brief Lord Derbys vom 15. Februar 18 84 stützen, worin dieser der Deputation den Entwurf einer neuen Konvention sandte, die die Konvention von Pretoria ersetzen sollte. In diesem Entwurfe ist auf der ersten Seite die Einleitung der Konvention von 1881 und darunter die der Konvention von 1884 abgedruckt, und darüber steht: "Die Worte und Paragraphen, die eingeklammert oder kursiv gedruckt sind, werden zur Aufnahme, die innerhalb

einer schwarzen Linie stehenden zur Weglassung vorgeschlagen." Und nun ist die ganze Einleitung von 1881 von einem schwarzen Striche umrahmt; zudem sind die Worte "unterworfen der Suzeränität Ihrer Majestät, ihren Erben und Nachfolgern" von Lord Derby durchstrichen. Es war vor allem von Wichtigkeit, zu beweisen, dass die Vorrede der Konvention von 1881, wo allein von Suzeränität gesprochen wird, verfallen sei, denn Chamberlain behauptete gerade, dass diese noch bestehe und in Kraft sei. Allein der wohlbekannten, wenn es sich uni ein kleines Volk handelt, so oft zutage tretenden englischen Brutalität ist zuzuschreiben, dass Chamberlain seine unsinnige Behauptung aufrechterhielt. Die Korrespondenz zwischen der Regierung und Chamberlain wurde unterbrochen und begleitet von zwei wichtigen Ereignissen im inneren Leben der Republik: den Verhandlungen über die Tätigkeit der Industriellen Kommission und dem Konflikte zwischen richterlicher und Staatsgewalt. Die Industriekommission wurde zur Untersuchung der Klagen der Minenkommission ernannt. Dass es Lasten gab, die zu schwer auf die Industrie drückten und vermindert werden mussten, ist außer Zweifel, aber die Hauptursache, dass einige Minen keinen, andere wenigstens keinen Gewinn, wie ihn die Anteilhaber wünschten, abwarfen, liegt in der Überkapitalisation, in der Gründung von Gesellschaften auf wertlosem Boden, in der Umwandlung von Gesellschaften, bei der der Gewinn an den Finanzhäusern hängen blieb, und in dem Spekulationsfieber, das die Aktien so in die Höhe trieb, dass der Käufer unmöglich mehr auf gute Dividenden rechnen konnte. Die großen Finanzhäuser hatten alles in der Hand und ließen nach ihrem Wunsch und Bedürfnis die Preise steigen oder fallen; das Publikum war das Opfer ihrer Manöver. Die Kommission, die ihre Sitzungen zu

Johannesburg hielt und eine Menge Zeugen verhörte, machte in ihrem Berichte, eine Reihe von Vorschlägen, wie man der Industrie entgegenkommen könne. Vor allem beantragte sie:

Verminderung der Eingangszölle auf Lebensmittel.

Verständigung mit anderen Staaten Südafrikas zu erleichterter Anwerbung und billigerem Transport der farbigen Minenarbeiter. Ernennung einer Kommission, um zu untersuchen, ob sich das Dynamitmonopol aufheben lasse; inzwischen sollte die Regierung selbst Dynamit einführen und an die Minen zum Selbstkostenpreis unter Zuschlag von 20 Schilling Einfuhrzoll abgeben. Herabsetzung der Eisenbahntarife bis zu einer Verminderung der jährlichen Bruttoeinnahme der Gesellschaft um 5ooooo Pfund Sterling. Die Regierung legte diesen Bericht dem Volksrate zur Beratung vor, und dieser ernannte eine neue Kommission, um den Bericht zu prüfen und Anträge zu stellen. Nach langen Debatten über das Gutachten der Volksratskommission wurde beschlossen, die Eisenbahngesellschaft müsse ihren Tarif herabsetzen bis zu einer Verminderung ihrer Einnahmen um 200 000 Pfund Sterling, und die Regierung solle Mittel suchen, um den Minen das Dynamit billiger liefern zu können. Der Regierung glückte es dann auch, die Frachtpreise vor allem auf Kohlen und Lebensmittel herabzusetzen und das Dynamit um 5 Schilling je Kiste den Minen billiger zu verschaffen. Außerdem wurde ein Übereinkommen mit Portugal geschlossen, wodurch aus portugiesischem Gebiete ein starker Zuzug von Kaffernarbeitern erreicht wurde.

Chamberlain beschuldigte später die Regierung, sie habe die Winke ihrer eigenen Industriekommission unbeachtet gelassen. Bei dem Konflikt zwischen richterlicher und Staatsgewalt standen Regierung und Volksrat auf der einen, eine Sektion des Höchsten Gerichtshofes auf der anderen Seite. Es war ein allgemein angenommenes Prinzip, dass Volkratsbeschlüsse Gesetzeskraft hatten, auch wenn sie Bestimmungen der Verfassung änderten. Der Höchste Gerichtshof, speziell Richter Katzè, mit dem sich nun der Konflikt entspann, hatte in früheren Prozessen diesen Grundsatz auch anerkannt. Bei einem späteren Falle wollte er das plötzlich nicht mehr tun. Im Distrikt Krügersdorp waren gewisse Landstrecken zu Goldfeldern "proklamiert" worden, und an dem Tage, wo diese Proklamation in Kraft treten sollte, kamen Tausende zusammen, von denen jeder sich, wie es das Gesetz ursprünglich vorgesehen hatte, seine "claims" (bewaarplaatsen, Parzellen) abstecken wollte. Wer sich die "bewaarplaatsen", soviel ein einzelner gesetzlich haben durfte, als erster absteckte, dem gehörten sie, natürlich gegen Entrichtung der gesetzlichen Abgaben. Da nun bei dem Andrang zu den neuen Goldfeldern bei dieser Art der Verteilung große Unordnungen zu befürchten waren und die Regierung davor auch gewarnt wurde, so beschloss sie, um nicht wieder England einen Anlass zu einem unberechtigten Eingriff zu geben, den Volksrat zu ersuchen, er möge einen Beschluss fassen, dass die "proklamierten" Plätze nicht, wie es das Goldgesetz wollte, durch Absteckung, sondern durch Verlosung verteilt werden sollten. So bekam jeder die gleiche Möglichkeit des Erfolges, und alle Unregelmäßigkeiten konnten vermieden werden. F-in gewisser Brown störte sich aber an diesem Volksratsbeschluss nicht, sondern steckte sich an dem Tage, wo die Proklamierung in Kraft treten sollte, eine große Anzahl von "claims" ab und bot dafür die gesetzlichen Abgaben an, die aber nicht

angenommen wurden. Als diese Sache nun vor den Höchsten Gerichtshof kam, der hier zuständig war, erklärte Hauptrichter Katzè entgegen seinen früheren Entscheidungen, dass der Volksrat kein Recht habe, einen Beschluss zu fassen, durch den Grundsätze der Verfassung verletzt würden. Diese Entscheidung würde das ganze Staatsgebäude der Republik über den Haufen geworfen haben, denn viele Gesetzesbestimmungen über die Goldfelder, das Stimmrecht usw., beruhten auf Volksratsbeschlüssen. Die Regierung konnte sich darum unmöglich mit dieser Entscheidung zufrieden geben. Es würde eine unbeschreibliche Verwirrung entstanden sein, wenn in einem Lande, dessen Verhältnisse sich so rasch ändern, wie das in einem Goldlande naturgemäß der Fall ist, und das zudem so viel Spekulanten und Intriganten birgt, wie -sie in die Südafrikanische Republik sich eindrängten: wenn hier nicht durch Volksratsbeschlüsse, wie es der Augenblick erfordert, bestimmte Interessen geschützt und Gefahren für den Staat abgewehrt werden könnten. Um ein Beispiel anzuführen: Im November 1896 sollte das in der vorigen Sitzung veränderte Goldgesetz in Kraft treten; darin kam aber ein Passus vor, der nicht ganz deutlich war und der, wenn keine Erläuterung mit Gesetzeskraft stattfand, die bestehende Minenindustrie stark schädigen und ihre Rechte in die Hände von Spekulanten spielen konnte. Was geschah nun? Die Minenindustrie wandte sich an die Regierung und wies sie auf die Gefahr hin; Dr. Leyds kam dann in eine Sitzung des Volksrates, legte dort die Verhältnisse dar und erreichte so

einen Beschluss, der die Gefahr abwandte. Das sah jedermann als den natürlichen Verlauf an. jetzt sollte es auf einmal anders sein; das war der Konflikt. Sir Henry de Villiers, der Oberste Richter der Kapkolonie, der die Auffassung der Regierung teilte, brachte eine Vermittlung zustande: der Richter versprach, die Beschlüsse des Volksrates

zu respektieren, und der Präsident seinerseits versprach, eine Revision der Verfassung beim Volksrate zu beantragen. Kurz zuvor war außerdem ein Gesetz angenommen worden, wonach in Zukunft jeder richterliche Beamte bei seiner Eidesablegung versprechen musste, sich kein "Prüfungsrecht" (Recht, die Gesetze auf ihre Berechtigung zu prüfen) anmaßen zu wollen. Im Februar 1898 aber schrieb der Hauptrichter Katzè dem Präsidenten einen Brief, die ihm versprochene Verfassungsänderung sei nicht erfolgt, deshalb erachte er sich auch -von seinem Versprechen entbunden und werde in Zukunft a].le Beschlüsse des Volkstates an der Verfassung auf ihre Gesetzmäßigkeit hin prüfen. Das war dem Präsidenten denn doch zu viel; einen Entwurf für die Verfassungsänderung hatte er noch gar nicht vorlegen können, da der Volksrat erst im Mai zusammentrat. Er gab dem Hauptrichter seine Entlassung. Die englische Presse schimpfte und raste, und Minister Chamberlain machte aus dieser Angelegenheit später eine "Ausländerbeschwerde". Unterdessen hatte Chamberlain den Mann gefunden, den er für seine Unterhandlungen mit der Südafrikanischen Republik brauchte. Im Jahre 1897 wurde Sir Alfred Milner zum Gouverneur der Kapkolonie und Hohen Kommissar für Südafrika ernannt. Sir Milner war früher im Dienste seines Landes in Ägypten gewesen, und wenn er etwas da gelernt hatte, so war es das, die Fellahs als Wesen niederer Art zu betrachten. Die Ideen, die er in Ägypten eingesogen hatte, brachte er nach Südafrika mit, wobei er sogar vergaß, dass der Afrikaner kein ägyptischer Fellah ist. Dass Chamberlain diesen Sir Alfred Milner nur in der Absicht ernannte, die Dinge in Südafrika auf die Spitze zu treiben, ist ohne allen Zweifel. Seine Ernennung wurde von den Jingoes mit lautem Jubel empfangen. Grundzug und Ziel seiner Politik ergeben sich aus den Worten, die er einem vornehmen

Afrikaner gegenüber gesprochen hatte: "Die Macht des Afrikandertums muss gebrochen werden." Dieses Werkzeug Chamberlains hat denn auch seinen Auftrag treu ausgeführt und hat heute die Genugtuung, Südafrika zu einer Wildnis gemacht und tausende Unschuldiger ihres Lebens beraubt zu haben. Sir Alfred Milner ist der Typus eines Jingos und autokratisch bis zur Unerträglichkeit und voll Verachtung für alles, was nicht englisch ist. Als dieser Mann seine Tätigkeit begann, war die Amtszeit des Präsidenten wieder abgelaufen, und es mussten Neuwahlen stattfinden, wozu diesmal drei Kandidaten vorhanden waren:

Krüger, Joubert und Schalk Burger, Mitglied des Ausführenden Rates und Vorsitzender der Industriekommission von 1897. Es war dies die erste Wahl, die gemäß dem neuen Gesetze mit geheimer Abstimmung stattfand. Im Freistaate hatten unterdessen Neuwahlen stattgefunden, da Präsident Reitz wegen langwieriger Krankheit sich gezwungen gesehen hatte, sein Amt niederzulegen. Richter M. T. Steijn war an seiner Statt Präsident geworden. Sein Heldenmut, seine Entschlossenheit und seine Vaterlandsliebe sind der ganzen Welt bekannt, und was man darüber auch schreiben möge, es ist unmöglich zu sagen, was das Herz jedes echten Afrikaners für Präsident Steijn empfindet. Es ist sicher, dass er seinem

Volke allezeit im Gedächtnis bleiben wird als einer der größten und edelsten Männer, die Südafrika hervorgebracht hat. Einige Zeit nach seiner Wahl fand eine neue Konferenz zum Zwecke des engeren Zusammenschlusses beider Republiken in Bloemfontein statt. Die Notwendigkeit einer näheren Verbindung wurde auf beiden Seiten empfunden; das war vor allem die Folge des Jameson- Zuges. Während des Aufenthaltes in Bloemfontein bei Gelegenheit eines Festessens machte Krüger den Scherz, zu sagen, die

Republik müsse im Bündnisschließen vorsichtig sein, denn die Königin von England sei eine "kwaaie" (holländisch:

"kwade") Frau. Und obwohl jeder, der afrikanisch versteht und die Umstände beachtet, unter denen das Wort ,gesprochen ist, sofort weiß, dass damit nichts anderes gemeint sein konnte, als dass Königin Viktoria eine Dame sei, mit der man vorsichtig umgehen müsse und die nicht mit sich spaßen lasse, suchten die Jingo- Blätter es doch so hinzustellen, als sei die Königin schwer beleidigt worden. Natürlich war das Gegenteil davon die Wahrheit. Die Konferenz zwischen beiden Regierungen führte zu sehr günstigen Resultaten. Man sicherte sich Gegenseitigkeit zu in der Behandlung der Bürger des Bruderstaates, so dass die Rechte, die ein Transvaaler im Freistaate genoss, auch dem Freistaater in Transvaal zufielen, jedoch sollte davon das Stimmrechtsgesetz nicht berührt werden. Außerdem aber wurde ein politisches Bündnis geschlossen und ein Föderationsrat eingesetzt, der jährlich einmal, abwechselnd in Pretoria und Bloemfontein, zusammenkommen sollte, um Vorschläge zu machen, die zu näherer Vereinigung führen und die Gesetze beider Republiken so viel wie möglich in Übereinstimmung miteinander bringen könnten. Die Volksräte der beiden Staaten stimmten diesem Vertrage zu, aber verständigten sich jetzt dahin, dass jeder Bürger beider Republiken im Bruderstaat Bürgerrecht haben solle, sobald er dort den vorgeschriebenen Eid ablege.

Vierte Präsidentschaft

Das Ergebnis der Neuwahl war für Freund und Feind eine Überraschung, denn obwohl Krügers Wahl sicher war, hatte doch niemand ahnen können, dass er mit so erdrückender Übermacht gewählt würde. Die amtlichen Ziffern waren

Krüger 12 858 Stimmen

Schalk Burger 3750 "

Joubert 2001 "

Am 12. Mai 1898 leistete Krüger zum vierten Male den Eid als Staatspräsident. Bei dieser Gelegenheit hielt er eine fast dreistündige Rede, in der er seine religiösen und politischen Gedanken über die gegenwärtige Lage und die Aufgaben des Staates darlegte. In der Sitzung des Volksrates von 18 98 wurde Dr. Leyds fast einstimmig als Staatssekretär wiedergewählt, aber kurz danach zum außergewöhnlichen Gesandten der Republik in Europa ernannt. Als sein Nachfolger wurde zunächst Abraham Fischer gewählt, einer der tüchtigsten und scharfsinnigsten Staatsmänner von Südafrika, damals Mitglied im Ausführenden Rate des Oranjefreistaates. Da er aber das Anerbieten ablehnte, so wurde der frühere Präsident des Oranjefreistaates, W. Reitz, der kurz zuvor zum Richter in der Südafrikanischen Republik ernannt worden war, zu diesem Amte berufen - eine glückliche Wahl, denn in Reitz sah Freund

und Feind einen der rechtschaffensten Männer, die jemals mit Politik zu tun hatten. Gleichzeitig mit ihm wurde J. C. Smuts, ein Vertreter des jüngeren Afrikanergeschlechtes, zum Staatsprokureur ernannt. Kaum dreißig Jahre alt und ohne jede militärische Schulung, ist er in der letzten Periode des Krieges als General hervorgetreten, so daß er zu seinem Staatsprokureursamte noch das eines Generalkommandants-

Assistenten der Südafrikanischen Republik hinzubekam. (Er sollte indes in der zukünftigen Geschichte von Südafrika noch eine unheilvolle Rolle spielen.) Kurz nach der Vereidigung der Herren Reitz und Smuts wurde die Bunufrage brennend, und nun bekam Sir Alfred Milner die erste Gelegenheit, die Republik zu kränken und ihr den Fuß auf den Nacken zu setzen. Nach alter Gewohnheit hatte der Swasiekönig das Recht, jeden beliebigen seiner Untertanen zu töten, wenn es ihm einfiel Dieser Zustand wurde anders von dem Augenblick an, als die Republik die Regierung von Swasieland übernahm. Im Beginn des Jahres 1898 ermordete aber Bunu einen seiner Indunas (Großen, Häuptlinge) mit Namen Umbaba nebst einigen anderen seiner Leute. Augenzeugen behaupteten, daß Bunu diesen Mord persönlich verübt habe. Als er aber von dem Staatsprokureur aufgefordert wurde, vor dem Landesgerichtshof in Bremersdorp zu erscheinen, weigerte er sich erst, überhaupt zu kommen, und als er schließlich doch kam, brachte er ein starkes bewaffnetes Gefolge mit und nahm gegenüber Krogh, dem Spezial ,kommissar von Swasieland, eine drohende Haltung an Krogh musste infolgedessen die Sache ruhen lassen, und Bunu kehrte in seine Stadt zurück. Die Regierung sah sich nun veranlasst, eine bewaffnete Macht nach Swasieland zu senden, um Leben und Eigentum zu

schützen und, wenn nötig, Bunu mit Gewalt zu zwingen, sich vor dem Gerichtshof zu verantworten. Inzwischen aber hatte es auch der Hohe Kommissar für richtig befunden, sich mit der Sache zu befassen. Vielleicht dachte er, dass die Bunufrage ihm Gelegenheit geben könne, die Republik in einen Krieg mit England zu verwickeln. Er behauptete, die Regierung habe nicht das Recht, Bunu vor den Gerichtshof von Swasieland zu rufen. Das tat er, obwohl sich in der Swasieland- Konvention

die Bestimmung fand, dass Kriminalfälle, die sich in Swasieland ergeben, von dem Gerichtshof in Bremersdorp abgeurteilt werden sollten. Als Bunu sah, dass die Regierung der Republik Ernst machte, floh er nach Zululand und stellte sich unter den Schutz der englischen Regierung. Um nicht Bunus wegen in Schwierigkeiten zu kommen, musste die Regierung der Südafrikanischen Republik mit dem Hohen Kommissar ein Abkommen treffen, worin bestimmt wurde, daß Bunu zurückkehren dürfe und ihm nur eine Geldstrafe auferlegt werden solle. Zugleich wurde der Swasieland- Konvention ein Anhang beigefügt, worin die Fälle genau umschrieben wurden, in denen der Landesgerichtshof zuständig war. Schon während dieser Zeit und kurz nach der Beendigung der Bunu- Angelegenheit nahmen die Engländer innerhalb und außerhalb Südafrikas eine herausfordernde Haltung gegen die Regierung der Republik an. In Johannesburg war, zweifellos auf Anstiften von Rhodes, ein Zweigverein der "South African League" gegründet worden. Diese Liga tat ihr möglichstes, um die Republik in Schwierigkeiten mit England

zu verwickeln. Kein Mittel war ihr zu niedrig oder zu gemein, um diesen Zweck zu erreichen. Als die Regierung einige Bastards, britische Untertanen, verhaften ließ, weil sie ohne Paß waren (den sie nach dem Paßgesetze bei sich führen mußten), entstand ein großer Krawall, und die Führer der Liga beriefen eine Versammlung nach dem Amphitheater in Johannesburg, um gegen die Handlungsweise der Republik Protest zu erheben. Den Burgers kochte nun auch das Blut, und sie kamen ebenfalls in großer Zahl zur Versammlung, wo alsbald ein Streit entstand und die Demonstranten von den Burgers mit Stöcken auseinander getrieben wurden. Kurz darauf ereignete sich ein Fall, der noch mehr Aufregung verursachte und auf schändlich verkehrte Weise von der

englischen Presse dargestellt wurde. Sogar Chamberlain schämte sich nicht, von dieser unrichtigen Darstellung Gebrauch zu machen, obgleich es ihm ein leichtes gewesen wäre, die volle Wahrheit zu erfahren. In der Nacht des 18. Dezember 1898 wurde ein gewisser Foster, ein britischer Untertan, von einem anderen britischen Untertan namens Edgar angegriffen und derart bearbeitet, daß er wie tot liegenblieb. Er wurde nach dem Krankenhaus transportiert und starb einige Tage später an den Folgen der Schläge, die ihm durch Edgar beigebracht waren. Edgar flüchtete hierauf nach seinem Zimmer, und auf das Rufen einiger Umstehenden eilten bald ein paar Polizeiagenten hinzu. Unter den Polizisten war einer mit Namen Jones, der Sohn eines vormaligen Kutschers der Königin von England, der jedoch als Polizeiagent Bürger der Republik geworden war. Dieser Jones, im Glauben, daß Foster tot sei, verfolgte Edgar, um ihn auf seinem Zimmer wegen Mordes festzunehmen. Da der Verbrecher auf frischer Tat ertappt war, hatte die Polizei nicht nur nach den Gesetzen der Republik, sondern auch nach denen ganz Südafrikas und selbst Englands das Recht, in sein Haus einzudringen, wenn nötig mit Gewalt, und den Schuldigen zu verhaften. Da Edgar die Tür verschlossen hatte und nicht öffnen wollte, brach Jones sie auf, erhielt jedoch im selben Augenblick von Edgar einen gewaltigen Schlag mit einem Stück Eisen. Darauf erschoss Jones den Edgar. Obgleich ein jeder zugeben wird, daß der Diener des Gesetzes nicht mehr als seine Pflicht tat, wurde er vom Staatsanwalt wegen Mordes verfolgt, um England jeden Grund zur Klage zu nehmen. Er wurde aber, wie zu erwarten war, vom Gerichtshofe freigesprochen. Wie wurde jedoch diese Sache von Chamberlain dargestellt? Polizisten seien des nachts ohne Haftbefehl in das Haus eines Mannes gedrungen - und zwar auf die später als unwahr erwiesene Erklärung einer Person

hin, daß jener Mann ein Verbrechen begangen habe und hätten den Mann totgeschossen, weil er nach der Angabe der Polizeiagenten einen der Ihrigen mit einem Stock geschlagen habe. Kann Böswilligkeit noch ärger getrieben werden? Und sollte ein Minister sich nicht schämen, in einer offiziellen Depesche die Wahrheit so zu schänden? Es wurde inzwischen sowohl in Südafrika wie in England von den Engländern und der englischen Presse gegen die Republik gehetzt und geschrieen. Im Jahre zuvor war in der Kapkolonie eine Parlamentswahl, bei der die Afrikanderpartei den Sieg davongetragen hatte, und dies versetzte Rhodes und seine ganze Jingoclique in Wut. Statt sich auf seine Rolle als Gouverneur zu beschränken, zeigte sich Sir Alfred Milner in seinem wahren Licht und stellte sich offen an die Seite der Jingoes in der Kapkolonie. Es war für jeden ersichtlich, dass eine Krise bevorstand, die, wenn sie nicht mit Vorsicht

behandelt wurde, nur auf eine Katastrophe hinauslaufen konnte. Wo jedoch zwei Parteien sind, hilft es nichts, dass die eine entgegenkommend und nachgiebig ist, wenn die andere mit aller Gewalt die Dinge zum Äußersten, hier also zum Krieg treibt. Dass die Regierung der Südafrikanischen Republik in den dem Kriege vorhergehenden Unterhandlungen entgegenkommend und nachgiebig war, ergibt sich wohl aus der Art, wie sie in dieser Zeit die Korrespondenz mit England führte. Es war die Stimmrechtsfrage, die für Milner und Chamberlain den Vorwand bildete, die Republik in den Krieg zu stürzen. Präsident Krüger hielt bereits im Anfang des Jahres 1899 in Heidelberg und Rustenburg Zusammenkünfte mit den Burgers, um sie für seine Absicht, die für das Erlangen des vollen Stimmrechts nötige Wartezeit zunächst von 15 auf 9 Jahre herabzusetzen, zu gewinnen. Er war von da auch nach Johannesburg gegangen und hatte dort in öffentlicher

Versammlung gesagt, er hoffe, den Termin von 9 Jahren später noch herabsetzen zu können. Diese Tatsache verdient besondere Erwähnung, weil sie vermutlich Chamberlain und Milner aufgeschreckt und so die Krisis beschleunigt hat. Fest entschlossen, die Republik zum Krieg zu zwingen, sahen diese beiden Männer nun, dass sie keine Zeit mehr verlieren durften, nachdem Krüger selbst mit Reformen begonnen hatte, die ihnen ihren Kriegsvorwand nehmen könnten. Sir Alfred Milner war in dieser Zeit in England und hatte seinen Aufenthalt dort sicherlich zu einer Verabredung mit Chamberlain ausgenützt, wie man es auslegen müsse, um das imperialistische Programm durchzuführen. Als er zurückkam, war die ganze Sache geregelt und abgesprochen. Die Liga in Johannesburg eröffnete den Streit, indem sie an die Königin von Britannien eine Petition einreichte, worin eine Menge von Beschwerden aufgezählt war, die man als britische Untertanen gegen die Republik zu haben meinte, und eine Intervention der Britischen Regierung erbeten worden war. Der stellvertretende britische "Agent" (Geschäftsträger) in

Pretoria, Herr Fraser, weigerte sich, diese Petition in Empfang zu nehmen. Dafür klopfte ihm Minister Chamberlain, der gerade eine Gelegenheit suchte, sich mit den inneren Fragen der Republik zu beschäftigen, auf die Finger, so dass der eigentliche Geschäftsträger der britischen Krone in Pretoria, Conyngham Greene, der mit Milner zusammen in England gewesen war, bei einer späteren Gelegenheit wohl wusste, was er zu tun hatte. Inzwischen hatte auch Milner berichtet, dass eine antibritische Bewegung unter der Afrikanderbevölkerung von ganz Südafrika vorhanden sei - und das tat er, nachdem er selbst zwei Jahre zuvor bei Gelegenheit des Jubiläums der Königin von England telegrafiert hatte, dass die Afrikaner in der Kapkolonie sehr loyal gegen England gesinnt seien. Eine zweite Petition wurde nun von der Liga ins Werk gesetzt

und von 21 684 britischen Untertanen unterzeichnet. Die Unterschriften waren durch Lug und Trug zusammengebracht. Die Regierung der Republik bekam viele vereidigte Erklärungen, die aussagten, dass eine Person so viele Namen unterschrieb, als sie gerade im Kopfe hatte. Ebenso wurden die Namen von Verstorbenen und Abwesenden auf die Listen gesetzt. Das ist umso begreiflicher, als die Leute, die mit den Listen herumgingen, nach der Zahl der Namen, die sie mitbrachten, bezahlt wunden. Ein paar Tage darauf liefen bei der Regierung in Pretoria Petitionen mit 23000 Unterschriften ein, worin die Unterzeichner, Ausländer aller Nationalitäten, erklärten, dass sie mit der Verwaltung des Landes zufrieden seien. Aber es kam Chamberlain nicht darauf

an, eine echte Petition zu haben, wenn er nur eine Waffe in die Hand bekam, um damit die Republik anzugreifen, und diese Waffe verschaffte ihm die zweite Petition, die ihm von dem britischen Geschäftsträger Greene sofort zugesandt wurde. Inzwischen hatte Lord Milner Anfang Mai 1899 eine Depesche nach England gesandt, die einem sensationslüsternen Journalisten alle Ehre machen würde. Er erklärte darin, England müsse einen kräftigen Beweis seiner Absicht geben, sich nicht aus Südafrika verjagen zu lassen, so dass das Recht Englands, hier einzugreifen, mehr als gerechtfertigt sei, denn jetzt würden fortwährend Tausende von britischen Untertanen in der Republik zur Stellung von Heloten herabgedrückt. Chamberlain sandte darauf eine Depesche, datiert vom 10. Mai 1899, worin er den Empfang der Petition an die Königin bestätigte, alle Beschwerden der Ausländer aufs neue aufzählte und Sir Alfred Milner vorschlug, eine Konferenz mit Krüger abzuhalten, um diese Dinge zu besprechen. Inzwischen aber hatte, ehe diese Depesche ankam, Präsident Steijn sowohl Krüger als Sir Alfred Milner denselben Vorschlag gemacht,

geleitet von dem aufrichtigen Wunsche, den herrschenden Unruhen ein Ende zu machen. Präsident Krüger und Sir Alfred Milner nahmen die Einladung an, und so kam am 31. Mai 1899 die mehrtägige Konferenz von Bloemfäntein zustande. Krüger war begleitet von den Mitgliedern des Ausführenden Rates Schalk Burger und A. D. Wolmarans und dem Staatsprokureur J. C. Smuts. Abraham Fischer, Mitglied des Ausführenden Rates des Oranjefreistaates, bot sich in dankenswerter Weise als Dolmetscher an. Diese Konferenz verlief im Sande.

Sir Alfred Milner zeigte, daß er nicht das geringste Verlangen hatte, zu einer Verstänchgung zu kommen. Er stellte die Forderung:

1. Verleihung des Stimmrechtes nach fünf Jahren.

2. Abänderung des Naturalisationseides.

3. Stärkere Vertretung der neuen Bürger im Volksrat.

Präsident Krüger bot nach mehrtägiger Beratung an:

1. Naturalisation nach zwei Jahren. Volles Stimmrecht nach weiteren fünf Jahren. (Also im ganzen sieben Jahre, an Stelle der vierzehn, die das Gesetz bisher vorsah.)

2. Stärkere Vertretung der Ausländer im Volksrat.

3. Naturalisationseid entsprechend dem des

Oranjefreistaates. Jedoch stellte er die Forderung, dass das Stimmrecht abhängig gemacht werde vom Besitz eines gewissen Vermögens und die Naturalisation von dem Nachweis, dass der Betreffende in seinem eigenen Lande Bürgerrechte besaß. Außerdem verlangte der Präsident, dass als Gegenleistung für die Konzessionen, die er mache, von der englischen Regierung das Prinzip der Erledigung von Streitigkeiten zwischen beiden Staaten durch ein Schiedsgericht angenommen werde. Milner erklärte diese Konzessionen für völlig ungenügend.

Während dieser Konferenz wies Krüger Sir Alfred Milner auf die Masse von unechten Unterschriften, die sich auf der Petition an die Königin befänden, hin, worauf Milner antwortete: "Gut, wir können die Sache ja untersuchen." Zugleich fragte er Krüger, ob nicht auch die bei der Regierung der Republik eingelaufene Petition falsche Unterschriften

trüge. Krüger bestritt das entschieden und erklärte sich bereit, eine Kommission zur Untersuchung der Echtheit beider Petitionen einzusetzen. Er erklärte sich er bereit, der englischen Regierung das Recht zuzustehen, in diese Kommission Engländer als Mitglieder ernennen. Nur dürfe nicht die Kommission von England eingesetzt und ihr ein offizieller Charakter verliehen werden, da dies den Anschein erwecken könnte, als ob die Republik unter der Suzeränität von England stände. Nun wollte Sir Alfred nichts mehr davon wissen und sagte: "Lassen wir die Sache ruhn." Im übrigen blieb er auf seinen Forderungen, seinem, wie er es nannte, "irreduziblen Minimum bestehen. Andere Beschwerden, die er noch habe und die auch blieben, selbst wenn die Stimmrechtsfrage erledigt sei, erklärte er gar nicht erst vorzubringen, so lange nicht die Stimmrechtsfrage in seinem Sinn erledigt sei. An demselben Abend ließ Präsident Krüger Sir Alfred ersuchen, am folgenden Morgen nochmals zusammenzukommen, um weiterzuberaten. Milner ließ jedoch wissen, dass er dies "für unnötig erachte, und dass die Konferenz zu Ende sei". Sobald Krüger nach Pretoria zurückgekehrt war, schrieb der Staatssekretär der Südafrikanischen Republik einen Brief an den britischen Geschäftsträger über das vorgeschlagene Schiedsgericht, demgegenüber auch Milner eine anscheinend freundliche Haltung eingenommen hatte, Dieser Brief ist datiert vom 9. Juni 1899, und darin machte der Staatssekretär der

Britischen Regierung folgenden Vorschlag:

I. Alle künftigen Uneinigkeiten zwischen den beiden Regierungen, die aus abweichenden Auslegungen der Londoner Konvention herrühren, sollen, unter Beobachtung von Absatz 3, zur Entscheidung an ein Schiedsgericht verwiesen werden. Uneinigkeiten von geringerer Bedeutung bleiben hiervon ausgeschlossen.

IL. Das Schiedsgericht soll bestehen aus: einem durch die

Regierung der Südafrikanischen Republik zu ernennenden Schiedsrichter und einem, den Ihrer Majestät Regierung ernennt aus den Hauptrichtem der Südafrikanischen Republik, der Kapkolonie oder Natals. Diese beiden Schiedsrichter müssen sich einigen über eine dritte Person als Vorsitzendem des Arbitragehofes. Diese Person darf weder Bürger noch Untertan einer der beiden Regierungen sein. Wenn die beiden Schiedsrichter sich nicht über die dritte Person einigen können, sollen die beiden Regierungen eine solche ernennen.

III. Die Erklärung, dass die betreffende Frage einem

Schiedsgericht unterworfen werden soll, soll in jedem einzelnen Falle durch beide Regierungen gemeinschaftlich abgegeben werden, damit jede von ihnen das Recht hat, Punkte, die zu wichtig erscheinen, um der Arbitrage

unterworfen zu werden, davon auszuschließen, vorausgesetzt, dass hierdurch das Prinzip der Arbitrage selbst nicht vereitelt

wird.

IV. Der Arbitragehof soll selbst den Ort seiner Sitzungen

bestimmen und handeln, wie es ihm gutdünkt bei der Verurteilung der Parteien in die Kosten, es sei denn, dass

speziell andere Bestimmungen über diesen Punkt in der

"Unterwerfungserklärung" (das heißt Erklärung, dass man sich in dem betreffenden Falle einem Schiedsgericht unterwerfen will) getroffen sind.

V. Die Geschäftsordnung des Arbitragehofes kann dieselbe

sein wie diejenige des Instituts für internationales Recht, wie sie im Jahre 1895 im Haag festgesetzt ist, sofern sie nicht in Streit ist mit den voraufgehenden Artikeln oder durch beide Parteien in der "Unterwerfungserklärung" ausdrücklich anders geregelt ist.

VI. Um die Wirkung eines solchen Hofes zu erproben, wird das Übereinkommen zunächst für fünf Jahre getroffen.

Der Brief endete mit dem Ausdruck der ernsten Hoffnung, Ihrer Majestät Regierung möge den Vorschlag annehmen, wodurch den fortwährenden Unruhen ein Ende gemacht werden würde, unter denen Südafrika zu leiden, habe. Diese Vorschläge waren gerade so gemacht, um den Bedenken der Britischen Regierung entgegenzukommen, die keinen ausländischen Arbitragehof und auf keinen Fall alle Fragen einem Schiedsgericht unterwerfen wollte. Inzwischen hatte der Präsident aus eigener Initiative im Volkstateinen Gesetzentwurf eingebracht, worin bestimmt wurde:

I. Ein siebenjähriger Aufenthalt im Lande zur Verleihung des

Stimmrechts.

II. Die sofortige Verleihung des Stimmrechts an alle, die neun

Jahre im Lande gewohnt haben; Festsetzung, dass nur noch fünf Jahre erforderlich sein sollen für diejenigen, die bereits mindestens zwei Jahre im Lande sind.

III. Alle erwachsenen Söhne von Ausländern, die in der Republik geboren sind, sollen bei ihrer Mündigkeit stimmberechtigt sein.

IV. Vermehrung der Vertreter der Goldfelder in jedem Rat um vier Mitglieder.

Das Gesetz wurde am 19. Juli angenommen. Inzwischen hatte das "Intelligence- Departement" des Kriegsministeriums in England schon seine "militärischen Instruktionen" ausgefertigt mit der Anweisung, in welcher Weise der Krieg gegen die Republik zu führen sei. Zu gleicher Zeit (obgleich dies damals noch unbekannt war) hatte Lord Wolseley seine Pläne der englischen Regierung vorgelegt, wie beide Republiken eingenommen und erobert werden sollten. Am 26. Juli antwortete der britische Geschäftsträger auf diese Vorschläge. In dieser Antwort ließ er wissen, dass Sir Alfred Milner den Vorschlag einstweilen der englischen Regierung nicht empfehlen könne, da er finde, dass erst die Beschwerden der Ausländer beseitigt werden müssten. Ferner gab er zu verstehen, dass selbst dann das von Staatssekretär Reitz entworfene Schema für Ihrer Majestät Regierung nicht annehmbar wäre, da, um nur einen Punkt zu nennen, der Vorsitzende des Hofs nach diesem Schema kein Untertan einer der arbitrierenden Parteien sein dürfte. Inzwischen waren anfangs Juli die Afrikanerführer Hofmeyer und Heroldt von Kapstadt nach Bloemfontein und von da nach Pretoria gekommen, um die Regierung zu bewegen, das Stimmrechtgesetz, wie es vor kurzem angenommen war, noch mehr zu vereinfachen, nämlich derart, dass die sieben Jahre rückwirkend sein sollten, so dass jeder, der sieben Jahre oder

länger in der Republik sei, unmittelbar das Stimmrecht erhalte; wer sechs Jahre im Lande wäre, müsste dann nur noch ein Jahr

warten, um das Stimmrecht zu bekommen; wer drei Jahre im Lande wäre, noch vier Jahre usw. Ihre Vorschläge fanden williges Gehör bei der Regierung und dem Volksrat, die um des lieben Friedens willen sich zu noch mehr Zugeständnissen verstanden. Am 18. Juli erließ das Kap-Ministerium, nachdem es wahrscheinlich von den Herren Hofmeyer und Heroldt über das Resultat ihrer Sendung unterrichtet worden war, eine Note, in der es seine Überzeugung aussprach, dass nach seiner Ansicht nicht der mindeste Grund für eine Einmischung Englands in die inneren Angelegenheiten der Republik

bestehe. Am 20. Juli telegrafierte der so genannte Ausländerrat nach England, dass er mit dem neuen Stimmrechtsgesetz nicht zufrieden sei. Am 2.7. Juli sandte Chamberlain eine Depesche, in der er die Geschehnisse seit der Konferenz aufzählte, ferner seine Behauptungen aufrechterhielt, dass nicht nur der Buchstabe, sondern auch der Geist der Londoner Konvention von 1884 durch die Regierung der Republik fortwährend verletzt sei, und zugleich die Behauptung erneuerte, dass die Vorrede der Konvention von 1881 (Suzeränität) noch zu Recht bestände. Den vorgeschlagenen Arbitragehof lehnte er ab, legte jedoch nahe, dass bestimmte Punkte einer gewissen richterlichen Autorität unterworfen werden könnten. Am 1. August telegrafierte Chamberlain an den Hohen Kommissar, England und die Republik sollten eine gemeinschaftliche Kommission ernennen, um das angenommene Stimmrechtgesetz zu revidieren und zu prüfen, ob dieses Gesetz den Ausländern eine genügende Vertretung gebe, und wenn dies nicht der Fall sei, welche Zusätze oder Änderungen zur Erreichung dieses Zieles nötig sein würden. Dieser Vorschlag Chamberlains war eine direkte Verletzung der Londoner Konvention von 1884, denn eine deutlichere Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Republik kann man sich fast nicht

denken. Der Staatssekretär wies denn auch am x 12. August Chamberlain darauf hin, dass nach der Konvention von 1884 die englische Regierung sich um die inneren Angelegenheiten der Republik nicht zu bekümmern habe, und drückte die Hoffnung aus, dass Chamberlain mit diesem Vorschlag keinen Einbruch in dies Recht beabsichtige. Der Staatssekretär gab der Meinung Ausdruck, dass das Ziel, das Chamberlain sich mit der Einsetzung einer gemeinschaftlichen Kommission gesteckt habe, ebenso gut erreicht werden könne durch Fragen und Einziehung von Erkundigungen über das Gesetz. Ferner wies er Chamberlain. darauf hin, dass man die Wirkung des Gesetzes nicht beobachten - es also auch nicht verurteilen und gleich wieder abändern - könne, solange es überhaupt noch nicht in Kraft getreten sei. Am 15. August hatte der Staatsgouverneur J. C. Smuts eine Unterredung mit dem britischen Geschäftsträger, worin er ihn fragte, ob Ihrer Majestät Regierung das Stimmrechtgesetz, wenn es eine siebenjährige Wartezeit mit rückwirkender Kraft festsetze und die Sitze für die Ausländer im Volksrat vermehre, genügend finden und dann von der gemeinschaftlichen Kommission absehen würde. Herr Greene erwiderte, dass er nicht wüsste, ob Ihrer Majestät Regierung bereit sei, die Forderung fallen zu lassen, dass aber der Zustand sehr bedenklich sei; dass Ihrer Majestät Regierung den Ausländern Versprechungen gemacht und darum sich verpflichtet fühlen werde, ihre Forderungen aufrechtzuerhalten und, falls nötig, Gewalt zu gebrauchen. Er fügte hinzu, der einzige Ausweg für die Südafrikanische Republik sei, Milners in Bloernfontein gestellte Forderungen sofort anzunehmen. Am ig. August schrieb der Staatssekretär dem britischen Geschäftsträger einen Brief, worin er Ihrer Majestät Regierung die folgende Alternative stellte:

I. Die Regierung der Südafrikanischen Republik ist bereit, dem Volksrat und dem Volke Stimmrechtgesetz mit fünfjähriger Wartezeit und rückwirkender Kraft zu empfehlen, wie es von dem Hohen Kommissar in Bloemfontein vorgeschlagen wurde.

II. Acht neue Sitze im ersten Volksrat und, falls nötig, auch im zweiten Volksrat sollen der Bevölkerung der Witwatersrand- Goldfelder zugestanden werden, so daß diese zusammen mit den bereits Sitz habenden Mitgliedern insgesamt über zehn von sechsunddreißig Sitzen verfügen wurden.

III. Die neuen Bürger sollen ebenso wie die alten berechtigt

sein, an der Wahl für den Staatspräsidenten und den

Generalkommandanten teilzunehmen.

IV. Die Regierung der Republik ist bereit, freundliche

Ratschläge betreffs des Stimmrechtgesetzes von Seiten Ihrer Majestät Regierung in Erwägung zu ziehen.

V. Die Regierung der Südafrikanischen Republik nimmt dann an

a) dass Ihrer Majestät Regierung zustimmen wird, dass die

gegenwärtige Einmischung keinen Präzedenzfall für dergleichen zukünftige Handlungen bilden und in Zukunft

keine Einmischung in innere Angelegenheiten der Republik stattfinden soll,

b) dass Ihrer Majestät Regierung nicht weiter auf die

Behauptung der Suzeränität dringen und diesen Streitpunkt stillschweigend fallen lassen wird,

c) dass ein Schiedsgericht, von dem fremde Elemente,

abgesehen vom Oranjefreistaate, ausgeschlossen werden sollen, zugestanden wird, sobald das neue Stimmrechtschema

zum Gesetz erhoben worden ist.

VI. Sobald Ihrer Majestät Regierung diesen Vorschlag annimmt, wird die Regierung der Südafrikanischen Republik sofort den Volksrat ersuchen, sich zu vertagen zur Befragung des Volkes, so dass das ganze Schema innerhalb ein paar Wochen Gesetzeskraft erlangt haben wird.

VII. Inzwischen kann die Form und Arbeit des vorgeschlagenen Arbitragehofes besprochen und vorläufig festgestellt werden, so dass keine Zeit verloren zu gehen braucht und so schnell wie möglich dem gegenwärtigen unruhigen Zustand ein Ende gemacht wird. Der Staatssekretär sagte zum Schluss, seine Regierung vertraue darauf, dass Ihrer Majestät Regierung die Sachlage

auffasse, wie sie wirklich sei, nämlich so, dass die Regierung der Republik das bestehende Stimmtechtgesetz für redlich und billig für die neuen Anköminlinge halte, und dass die Beweggründe, die sie dazu geführt hätten, weiter zu gehen, nur dem starken Verlangen zuzuschreiben seien, die Uneinigkeiten der beiden Regierungen zu beendigen, sowie ferner der gespannten Lage und dem unberechenbaren Schaden, der hierdurch Südafrika bereits erwachsen sei, ein Ende zu machen, und um einen Rassenkrieg zu vermeiden, von dessen Folgen sich Südafrika erst in vielen Jahren, vielleicht niemals erholen könnte. In Bezug auf genannte Punkte würde sie es in höchstem Grade zu schätzen wissen, falls Ihrer Majestät Regierung so schnell wie möglich diesen Vorschlag annehme oder verwerfe. Am 21. August schrieb der Staatssekretär dem britischen Geschäftsträger wieder einen Brief zur Verdeutlichung und Ergänzung des Briefes vom ig. August, in dem er zu verstehen gibt, dass die Vorschläge über Stimmrecht und Vertretung (Vorschläge, auseinandergesetzt im Briefe vom 19. August) auf der Bedingung beruhen, dass Ihrer Majestät Regierung die

Punkte, die in Paragraph V des Schreibens vom 19. August dargelegt sind, annimmt, das heißt:

a) künftig in inneren Angelegenheiten der Republik nicht

interveniert,

b) nicht weiter dringt auf die Behauptung des Bestehens der

Suzeränität,

c) der Erledigung der Streitfragen durch ein Schiedsgericht

zustimmt. Diese Vorschläge wurden gemacht, nachdem der Staatsprokureur eine neue Unterredung mit Herrn Greene gehabt und dabei die Überzeugung gewonnen hatte, dass die Britische Regierung bereit sein würde, diese Vorschläge anzunehmen; dadurch würde dann der Vorschlag der gemeinschaftlichen Untersuchungskommission hinfällig werden. Am 25. August erklärten der so genannte "Ausländerrat" und die Südafrikanische Liga, dass die Reformen des Stimmrechtgesetzes noch ungenügend seien, und forderten außerdem andere "Reformen", wie Entwaffnung der Bürger und Schleifung der Festungswerke. Am 26. August hielt Chamberlain eine Rede bei Gelegenheit eines Gartenfestes, das er in seinem Heim Highbury gab, und sagte dabei u. a.: "Bei Herrn Krüger kommen die Reformen heraus wie Wasser aus einem Schwamm, und er begleitet seine Anerbieten entweder mit Bedingungen, die unannehmbar sind,

oder er lehnt es ab, uns zu gestatten, eine Untersuchung nach der Art dieser Reformen anzustellen. Der Sand in der Sanduhr läuft ab; der Knoten muss gelöst werden, sonst werden wir genötigt sein, andere Wege einzuschlagen." Darauf sandte er eine Depesche vom 30. August, in der er zu verstehen gab, dass das vorgeschlagene Stimmrechtgesetz nicht beschwert werden dürfe durch lästige Bedingungen, und dass Ihrer Majestät Regierung nicht verstehen könne, warum die Regierung der Republik eine gemeinschaftliche

Untersuchungskommission ablehne. Seine Regierung werde nun ihrerseits eine Kommission ernennen, um das Gesetz zu prüfen und dann die nötigen Vorschläge der Regierung der Republik zu unterbreiten. Sie vertraue darauf, dass mehrere Bedingungen, wie die Abhängigmachung des Bürgerrechtes von der rechtzeitigen Registrierung, dem Verhalten im Staate usw., bei dem neuen Gesetze noch in Wegfall kommen würden. In Bezug auf die Bedingungen, die von der Regierung der Südafrikanischen Republik gestellt wurden, gab er zu verstehen, dass, was Intervention betreffe, Ihrer Majestät Regierung hoffe, dass es durch die Erfüllung der gemachten Versprechungen und die künftige gerechte Behandlung der Ausländer unnötig sein werde, sich mit den inneren Angelegenheiten der Republik zu befassen; dass sie jedoch nicht die Rechte, die ihr aus den Konventionen zustehen, abtreten könne (die Konvention von

1881 war bekanntlich verfallen). In der Frage der Suzeränität verwies Chamberlain auf eine frühere Depesche, in der er dabei geblieben war, dass die Suzeränität noch bestehe. In Bezug auf das vorgeschlagene Schiedsgericht erklärte er seine Bereitwilligkeit, an Besprechungen über Form und Wirkungskreis eines solchen Gerichtes, von dem jedoch Fremdlinge und fremde Einflüsse ausgeschlossen sein sollten, sich zu beteiligen. Er schlug ferner vor, dass eine neue Konferenz zwischen dem Präsidenten und dem Hohen Kommissar zu Kapstadt stattfinden solle, und schloss seinen Brief, indem er die Regierung der Südafrikanischen Republik daran erinnerte, dass es andere Beschwerden gebe, die nicht mit dem Verleihen politischer Rechte an die Ausländer geregelt werden könnten und noch nicht aus der Welt geschafft seien, die auch nicht geeignet seien, einem Schiedsgericht unterworfen zu werden. Chamberlain behauptete später, dass er durch diese Depesche

die Vorschläge der Regierung der Südafrikanischen Republik, wie sie oben auseinandergesetzt wurden, angenommen habe, Er ist aber wahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt, der seine Depesche auf diese Weise aufgefasst hat; jeder unparteiische Beurteiler wird anderer Ansicht sein. Am 31. August telegrafierte Milner an Chamberlain: "Die mir gemachten Vorstellungen laufen sämtlich auf das Wünschenswerte eines raschen und energischen Handelns hinaus. Britisch- Südafrika ist zu den äußersten Maßregeln bereit. Es wird sich hier eine starke Reaktion erheben gegen die Politik Ihrer Majestät Regierung, wenn die Sache in die

Länge gezogen wird." Als Antwort auf die Depesche Chamberlains vom 3o. August schrieb der Staatssekretär am 2. September dem britischen Geschäftsträger zu Pretoria, die Regierung der Südafrikanischen Republik, habe mit tiefstem Bedauern vernommen, dass Ihrer Majestät Regierung die gemachten Vorschläge, wie sie in den Noten vom 18. und i 19. August dargelegt seien, mit den daran geknüpften Bedingungen nicht annehmen könne, nachdem man infolge der offiziösen Besprechungen zu dem Glauben bitte gelangen müssen, dass die Vorschläge für Ihrer Majestät Regierung annehmbar sein würden. Demzufolge betrachte die Regierung der Südafrikanischen Republik ihren Vorschlag nun als aufgehoben. Was die einseitige Kommission betreffe, so sei die Regierung bereit, dem Volksrat Vorschläge vorzulegen, wenn sich herausstellen sollte, dass das Gesetz hierdurch deutlicher gemacht und verbessert würde. Es scheine ihr jedoch, als ob die Ergebnisse einer einseitigen Kommission nicht von großem Wert sein könnten, besonders wenn eine Untersuchung angestellt werde, noch bevor das Gesetz in. Wirkung sei. Zu den Bemerkungen übergehend, die Herr Chamberlain zu den Bedingungen gemacht hätte, die an die Vorschläge und die

Note vom ig. August geknüpft waren, stellte der Staatssekretär fest:

a) dass seine Regierung in Bezug auf Intervention nie verlangt

oder gemeint habe, dass Ihrer Majestät Regierung irgendwelches Recht preisgeben solle, das ihr gemäß der Londoner Konvention von 1884 oder nach allgemeinem

internationalem Recht zum Schutze britischer Untertanenen zustehe;

b) dass das behauptete Bestehen der Suzeränität schon so

deutlich in der Depesche vom 16. April 1898 widerlegt worden sei dass es unnötig sei, hier die Tatsachen und Gründe zu wiederholen, und dass die Regierung an ihrer in der Depesche dargelegten Auffassung festhalte. Bezüglich des vorgeschlagenen Schiedsgerichts sei die Regierung erfreut, zu

sehen, dass Ihrer Majestät Regierung bereit sei, über die Form und den Wirkungskreis eines solchen Hofes in Unterhandlung zu treten. Es gehe jedoch nicht deutlich hervor, ob:

1. Ihrer Majestät Regierung damit einverstanden sei, dass auch

die Bürger des Oranjefreistaates zu Mitgliedern eines solchen Hofes ernannt werden könnten;

2. welche Punkte der Entscheidung eines solchen Hofes

unterbreitet werden sollten;

3. welche Punkte Ihrer Majestät Regierung nicht geeignet

erachte zur Entscheidung durch den Hof. Ihrer Majestät Regierung sage allerdings, dass solche Punkte vorhanden seien, sie führe diese aber nicht auf. Der Zweck, den die Regierung der Südafrikanischen Republik im Auge habe, zu einer endgültigen Regelung aller strittigen Punkte zu gelangen, würde durch eine so allgemeine Einschränkung vereitelt werden. Was die vorgeschlagene neue Konferenz anbetreffe, so wolle man weitere Mitteilungen Ihrer Majestät Regierung abwarten. Der Staatssekretär wies ferner darauf hin, dass die von seiner Regierung gemachten

Vorschläge sehr liberal seien und noch weiter gingen als diejenigen, die von Sir Alfred Milner zu Bloemfontein beantragt worden seien; dass die hieran geknüpften Bedingungen nicht erforderten, dass Ihrer Majestät Regierung auch nur eines ihrer aus der Londoner Konvention von 1884 herrührenden Rechte preisgeben solle, und dass die Regierung der Republik darum nicht erwartet habe, ihre Vorschläge abgelehnt zu sehen, und die Hoffnung hege, dass doch noch eine Lösung der bestehenden Uneinigkeiten sich werde finden lassen. Um zu solch einer friedlichen Lösung zu gelangen,

schloss der Staatssekretär, wolle seine Regierung die früher von Chamberlain vorgeschlagene gemeinschaftliche Kommission annehmen. Am 12. September 1899 beantwortete Herr Green im Namen der Britischen Regierung die Depesche von Reitz VOM 2. September und erklärte, Ihrer Majestät Regierung könne jetzt nicht mehr auf ihren früheren Vorschlag einer gemeinschaftlichen Kommission zurückkommen. Dagegen sei die Britische Regierung noch bereit, die Vorschläge ohne die Bedingungen anzunehmen, wenn sich bei der Prüfung durch eine gemeinschaftliche oder einseitige Kommission dartun ließe, dass das neue Schema nicht durch lästige Ausführungsbestimmungen beschwert sei, die dessen Wirkung wieder aufheben müssten. Auch nehme seine Regierung an, dass die neuen Mitglieder im Volksrat ihre eigene Sprache sprechen dürften. Er schloss seinen Brief, indem er auf eine baldige Antwort drang und zu verstehen gab, dass, falls die Antwort ungünstig oder unentschieden lauten sollte, Ihrer Majestät Regierung sich selber das Recht vorbehielte, den Zustand "de novo" in Erwägung zu ziehen und zu einer endgültigen Regelung ihre eigenen Vorschläge zu machen. Hierauf antwortete der Staatssekretär am 15. September, dass es seiner Regierung leid tue, erkennen zu müssen, dass

Ihrer Majestät Regierung von all ihren früher gemachten Vorschlägen zurücktrete und ganz neue an deren Stelle setze. Die in den Noten vom 19. und 21. August dargelegten Vorschläge der Südafrikanischen Republik seien in dem guten Glauben gemacht worden, dass sie Ihrer Majestät Regierung annehmbar erscheinen würden, und in ,diesen Glauben sei sie versetzt worden durch die auf ausdrückliches Ersuchen dem Staatsprokureur gegenüber abgegebenen Erklärungen, die einer Versicherung gleichgestanden hätten. Die Regierung der Südafrikanischen Republik habe diese Vorschläge nur gemacht, um den fortwährenden Drohungen und der zweifellosen Gefahr für, ihre Unabhängigkeit ein Ende zu setzen, die aus dem von Ihrer Majestät Regierung erhobenen Anspruch auf Suzeltänität erwachse. Die Regierung der Südafrikanischen Republik wisse sehr gut, dass die Unabhängigkeit der Republik durch die von ihr selbst vorgeschlagenen einschneidenden Änderungen gefährdet sei, diese Gefahr sei jedoch kleiner als die, die aus den fortwährenden Einmischungen der Britischen Regierung in die inneren Angelegenheiten der Republik und aus der Behauptung des Bestehens der Suzeranität erwachse. Die Regierung könne deshalb nicht einsehen, aus weichen Gründen Ihrer Majestät Regierung jetzt verlangen wolle, dass die Vorschläge bestehen bleiben sollten ohne die daran geknüpften Bedingungen, während diese Vorschläge, gefährlich wie sie seien, nur gemacht worden seien im Zusammenhang mit den daran geknüpften Bedingungen, um

eine größere Gefahr zu vermeiden. Was die Angelegenheit des Gebrauches ihrer eigenen Sprache durch die neu zu wählenden Mitglieder des Volksrates anbelange, so könne die Regierung hierauf nicht eingehen und bestreite, jemals so etwas versprochen zu haben. Der Staatssekretär drückte zum Schluss die Hoffnung aus, dass die Britische Regierung ihren eigenen

Vorschlag einer gemeinschaftlichen Kommission nun annehmen und so dem gespannten Verhältnis ein Ende machen werde. Auf diesen Brief des Staatssekretärs erwiderte der britische Geschäftsträger am 25. September, die Britische Regierung habe oft zu verstehen gegeben, sie wolle nicht die Unabhängigkeit der Südafrikanischen Republik stören und habe sich keine Rechte der Einmischung angemaßt, mit Ausnahme derjenigen, die ihr durch die Konventionen zugestanden seien. Zum Schluss erklärte sie, dass es unnötig sei, auf der bisher geführten Grundlage weitere Verhandlungen

zu führen, und dass Ihrer Majestät Regierung jetzt genötigt sei, den Zustand von neuem zu erwägen und ihre eigenen Vorschläge zur Regelung der Fragen, die durch die Handlungsweise der Republik entstanden se ' seien, zu machen. Ihrer Majestät Regierung werde in einer späteren Depesche diese Vorschläge mitteilen. Inzwischen wurde gegen die Regierung der Südafrikanischen Republik folgende Drohung durch Herrn Hays Fisher, Mitglied der englischen Regierung, in einer öffentlichen Rede am 20. September 1899 ausgestoßen: "Die Sanduhr ist abgelaufen, die Regierung muss jetzt eine Macht senden, stark genug, um uns die Sicherheit zu geben, dass, wenn das endgültige Ultimatum erfolgt, die Buren zur Vernunft gebracht werden, so dass wir nicht gezwungen sind, ihnen eine vernichtende Niederlage beizubringen und ihnen das Land zu nehmen, das ihnen so teuer ist." Unterdessen hatte auch am 17. September sich der Staatssekretär bei dem Hohen Kommissar Auskunft über die Ansammlung von Truppen an den Grenzen der Südafrikanischen Republik erbeten, und der Hohe Kommissar erwiderte, dass die Truppen dort seien zum Schutze britischer Interessen, und um vorbereitet zu sein "auf mögliche Ereignisse.

Der große Krieg

Am 22. September wurde in England die Mobilmachung eines Armeekorps für Südafrika anbefohlen, und am 28.September wurde bekannt gemacht, dass der größte Teil dieses Armeekorps sofort nach Südafrika abreise. Die Regierung der Republik ließ daraufhin den größten Teil der Burgers einberufen, um an den Grenzen der Republik Stellung zu nehmen und auf einen plötzlichen Angriff von Seiten der Engländer vorbereitet zu sein. Am 20. September ersuchte der Staatssekretär den britischen Agenten um Mitteilung des Entschlusses der Britischen Regierung über die in der Depesche vom 12. September angekündigten "eigenen Vorschläge". Hierauf antwortete Chamberlain am 2. Oktober, dass die Depesche Ihrer Majestät Regierung vorbereitet werde, dass es aber noch einige Zeit dauern werde, bevor diese fertig gestellt sei. Hieraus ist ersichtlich, dass Chamberlain nur Zeit gewinnen wollte, um genügend Truppen in Südafrika zu haben, bevor er seine versprochene Depesche absende, die nichts anderes als ein Ultimatum sein sollte. Ehe es zu den letzten Schritten kam, hatte Präsident Steijn vom Oranjefreistaat eingegriffen, um auch seinerseits alles zu versuchen, den Krieg zu vermeiden. Am 19. September hatte der Hohe Kommissar dem Präsidenten Steijn telegrafiert, "dass eine Anzahl sonst in Kapstadt stationierter Truppen weiter nach oben gesandt werden solle, um die Verbindungslinie zwischen der Kolonie und dem britischen Gebiet im Norden zu schützen", und dass, da ein Teil, der Truppen an den Grenzen des Oranjefreistaates aufgestellt werden solle, er, der Hohe Kommissar, dies vorher mitteile, um Missverständnissen vorzubeugen. Er fügte hinzu, dass

Ihrer Majestät Regierung noch hoffe, eine friedliche Lösung der Streitigkeiten zwischen ihr und der Südafrikanischen Republik zu finden, doch verlange die Regierung Ihrer

Majestät, dass der Oranjefreistaat sich strikt neutral verhalte, falls diese Hoffnung vereitelt werden sollte. Präsident Steijn antwortete am selben Tage, dass er nicht einsehen könne, inwiefern die entstandenen Streitpunkte die Anwendung von Gewalt rechtfertigten. Mit Bezug auf die Spannung, die in Südafrika herrsche, bedauere er das Aufstellen von Truppen an der Grenze des Oranjefreistaates, da die Burgers dies als eine Bedrohung ihres Staates A ansehen würden. Wenn daraus ungewünschte Folgen hervorgehen sollten, würde die Verantwortlichkeit hierfür nicht die Regierung des Oranjefreistaates treffen. Der Präsident schloss sein Telegramm damit, dass er erklärte, es werde ihm sehr leid tun, falls die freundlichen Beziehungen, die immer zwischen England und dem Oranjefreistaat bestanden hätten, gestört werden sollten. Am 27. September fasste der Volksrat des Oranjefreistaates einen Beschluss, der ausdrückte, dass kein Grund zum Krieg bestehe, und dass ein solcher Krieg ein Krieg gegen die gesamte Bevölkerung Südafrikas sein würde; dass jedoch, was auch geschehen möge, der Oranjefreistaat seinen Verpflichtungen treu bleiben werde, die aus dem politischen Bündnis mit der Südafrikanischen Republik hervorgingen. Zugleich wurde die Regierung beauftragt, ihr möglichstes aufzubieten, eine friedliche Lösung der Uneinigkeiten herbeizuführen. Noch am selben Tage, dem 27. September, sandte Präsident Steijn eine Depesche an den Hohen Kommissar, in der er an die Blut- und Freundschaftsbande, die den Oranjefreistaat sowohl mit der Kapkolonie als auch der Südafrikanischen Republik verknüpften, aber auch an das weitere Band erinnerte, das die beiden Republiken politisch

Der "Schwarze Christian", General de Wet

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Eine kühne Attacke der Buren gegen die Engländer

Eine kühne Attacke der Buren gegen die Engländer

eine; dass es das stärkste Freundschaftsgefühl sowohl gegenüber Großbritannien als gegenüber der Republik gewesen sei, was ihn veranlasst habe, die Konferenz zu Bloemfontein zwischen dem -Hohen Kommissar und Präsident Krüger vorzuschlagen; dass es hauptsächlich dem Oranjefreistaat und anderen Freunden des Friedens zuzuschreiben sei, wenn die Südafrikanische Republik in so kurzer Zeit schon so bedeutende Reformen eingeführt habe, und dass der Oranjefreistaat dabei stets im Vertrauen auf die Erklärung Gehandelt habe, dass das Verhalten Englands auf den rückzuführen sei, freundschaftliche Ratschläge nicht aber Vorschriften in inneren Angelegenheiten der Republik zu machen. Nun aber, nachdem die Regierung der Republik, angespornt durch ein Gutachten des Oranjefreistaates, den Wünschen der Ausländer entgegenzukommen sich bemühe, sei die Haltung der Britischen Regierung aus der eines Ratgebers umgeschlagen in Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Republik. Die vorgeschlagene gemeinschaftliche Untersuchungskommission beweise dies unumstößlich. Trotz dieser Änderung im Verhalten der Britischen Regierung habe die Regierung des Oranjefreistaates der Südafrikanischen Republik geraten, dem Wunsch der Britischen Regierung nachzukommen, in der Hoffnung, dass dadurch eine Erneuerung der Unterhandlungen in freundschaftlicher Weise stattfinden werde. Groß sei deshalb die Verwunderung der Regierung des Oranjefreistaates gewesen, als sie vernommen habe, dass die Britische Regierung jetzt ihren eigenen Vorschlag verwerfe, wodurch die unglückliche Spannung sich nur zu erhöhen scheine. Die Regierung des Oranjefreistaates sei noch immer bereit, ihre Dienste anzubieten, um zu einer friedlichen Lösung der Streitigkeiten zu gelangen, sie fühle sich aber ebenso wie früher gelähmt durch:

a) Mangel der Kenntnis des Endziels und der Ausdehnung der

Forderungen der Britischen Regierung, auf die zu dringen sie sich für berechtigt erachte;

b) die Tatsache, dass die Britische Regierung trotz ihrer

wiederholten Versicherungen, dass sie sich nicht mit den inneren Angelegenheiten der Republik zu befassen, noch diese zu stören wünsche, eine Politik verfolgt habe, die eine Entgegengesetzte Schlussfolgerung gerechtfertigt erscheinen lasse. Als Beweis für seine Behauptung führte Präsident Steijn die Tatsache an, dass trotz der behaupteten freundschaftlichen Art der Unterhandlungen Ihrer Majestät Regierung fortwährend ihre Truppenmacht verstärke und große militärische Vorbereitungen treffe, die nichts anderes bezwecken könnten als eine Politik der Gewalt. Der Präsident würde es daher, wie er fortfährt, sehr hoch zu schätzen wissen, wenn bis zum Empfang der angekündigten Depesche die weiteren Bewegungen und Vermehrungen der Truppen an den Grenzen der beiden Staaten eingestellt würden, und ferner eine Erklärung in diesem Sinne abgegeben werde; ferner möchte er die wahre Art und Ausdehnung der Zugeständnisse kennen lernen, die Ihrer Majestät Regierung fordere, oder zu der sie sich berechtigt glaube, und wodurch eine friedliche Lösung der entstandenen Uneinigkeiten herbeigeführt werden könne. Am 2. Oktober benachrichtigte Präsident Steijn den Hohen Kommissar, dass er, in Anbetracht des völligen Mangels seiner Grenzen an Schutz und in Anbetracht der herrschenden Unruhen sowie der fortdauernden Bewegung und Vermehrung der Truppen an den Grenzen des Oranjefreistaates, seine Burgers habe einberufen müssen, um ihr Verlangen, dass gehörige Vorsichtsmaßregeln zur Verteidigung der Grenzen getroffen würden, zufrieden zu stellen.

Er fügte hinzu, dass er immer noch eine Antwort auf seine Depesche vom 27. September erwarte. Der Hohe Kommissar erwiderte darauf am folgenden Tage, er bedauere, dass der Präsident die Burgers einberufen habe, und es müsse ihm bekannt sein, dass die Südafrikanische Republik eine große Waffenmacht an den Grenzen Natals zusammengezogen habe. Der Präsident antwortete am 3. Oktober, dass das Zusammenziehen der Burgers an der Grenze Natals durch die Südafrikanische Republik die natürliche Folge der fortwährenden Vermehrung und Vorschiebung britischer Truppen nach der Grenze Transvaals hin sei. Er erwarte jedoch keinen Angriff der Südafrikanischen Republik, es müssten denn weitere Vorwärtsbewegungen britischer Truppen zu der Annahme führen, dass ein Angriff auf die Südafrikanische Republik bevorstehe. Er ersuchte ferner nochmals dringend um Beantwortung seiner Depesche vom 27. September. Der Hohe Kommissar antwortete am gleichen Tage, dass die Bewegung und Zusammenziehung der britischen Truppen der Furcht der Einwohner in den offenen Distrikten- zuzuschreiben sei, und dass diese in keinem Verhältnis ständen zu der Macht, die die Regierung der Südafrikanischen Republik an den Grenzen Natals angesammelt habe. Der Präsident erwiderte, gleichfalls am 3. Oktober, dass die Furcht, die die Einwohner der offenen Distrikte hegten, kein Grund sei zum Zusammenziehen britischer Truppen, und außerdem beständen keine Gründe zu solchen Bewegungen. Im Gegenteil, die militärischen Vorbereitungen in England sowie in Südafrika hätten nur dazu geführt, die Bestrebungen zur Erhaltung einer friedlichen Lösung zu erschweren. Dein bitteren, feindseligen Ton und den Auslassungen sowohl verantwortlicher englischer Staatsmänner wie der englischen Presse in Südafrika und England, den fortdauernden gegen Transvaal gerichteten Drohungen, begleitet von stets

vermehrten militärischen Vorbereitungen sowohl in England als im Britischen Reich, die offen als gegen Transvaal gerichtet erklärt würden, schreibe er das Misslingen aller Anstrengungen, eine Lösung der bestehenden Schwierigkeiten herbeizuführen, zu. Er wünsche außerdem seiner Überzeugung Ausdruck zu geben, dass die jenigen, die das militärische Element und somit die Politik der Drohung und der Intervention mit der Tat ins Leben gerufen hätten, die Verantwortung trügen, falls die Bemühungen, zu einer friedlichen Lösung zu gelangen, definitiv misslängen. Er könne nicht anders als gestehen, dass in Anbetracht der britischen Handlungsweise die Regierung Transvaals ihres Verhaltens wegen nicht getadelt werden könne, besonders da er immer noch keine Antwort erhalten habe auf seine Depesche vom 27, September, worin er u. a. die Bitte ausgesprochen habe, dass die Vermehrung und Bewegung der britischen Truppen eingestellt werden möchte, wodurch die Einberufung der Bürger der beiden Regierungen unnötig geworden wäre. Stattdessen sei der Truppentransport und die militärische Tätigkeit im Vergleich zu früher noch bedeutend vermehrt worden. Der Präsident könne nicht urteilen, ob die britischen Truppen an der Grenze der Südafrikanischen Republik im Verhältnis ständen zu der von der Republik aufgebotenen Macht, man müsse aber nicht vergessen, dass in der englischen Presse und anderwärts fortwährend die Behauptung aufgestellt werde, dass die Truppen, die jetzt in Afrika seien, mehr als genügend seien für die undisziplinierten Streitkräfte der Republik. Überdies würden fortwährend mehr Truppen gesandt, was die

Ansicht der Burgers der Republik rechtfertigt, dass England mit Gewalt eine Lösung der entstandenen Schwierigkeiten herbeiführen wolle. Der Präsident bot nochmals seine Dienste an, um eine friedliche Lösung zu finden. Hierauf antwortete der Hohe Kommissar am 4. Oktober, dass die Behauptungen des Präsidenten leicht widerlegt werden könnten, dass er dies jedoch für unnötig erachte, da die britischen Truppen Verteidigungsstellungen weit innerhalb der Grenzen Natals einnähmen, während die Burgers dicht bei der Grenze ständen. Er verzweifle jedoch nicht am Frieden und sei der Überzeugung, dass jeder ehrliche; Vorschlag, von wo er auch kommen möchte, von Ihrer, Majestät Regierung in freundliche Erwägung gezogen werden würde. Am 5. Oktober antwortete der Präsident, dass er bereit sei, einen Vorschlag zu machen, dass dies jedoch der Südafrikanischen Republik gegenüber nicht recht wäre, wenn nicht Ihrer Majestät Regierung dem Transport und der Vermehrung der Truppen Einhalt tue und den auf See befindlichen die Landung untersage oder diese jedenfalls so weit wie möglich entfernt halte. Der Präsident möchte ferner bald erfahren, ob es Seiner Exzellenz möglich scheine, seinen Anschauungen gerecht zu werden; er, der Präsident, werde dann von der Regierung der Südafrikanischen Republik eine Garantie erhalten, dass keine feindlichen Schritte gegen irgendwelchen Teil des Gebiets Ihrer, Majestät unternommen würden. Er werde ferner jeden redlichen Vorschlag unterstützen, wenn dieser endgültigen Charakter trage und die Gewissheit eines dauernden Friedens

in sich schließe. Der Hohe Kommissar erwiderte am 6. Oktober 1899, er bedauere, dass der Präsident als eine der gestellten Bedingungen für weitere Unterhandlungen eine Zusicherung der Britischen Regierung verlange, die diese in der Freiheit des "Handelns in Bezug auf die Aufstellung britischer Truppen in

britischem Gebiete hindere. Eine solche Zusicherung könne Ihrer Majestät Regierung unmöglich geben. Wenn jedoch der Präsident die Versicherung geben könne, dass während der Unterhandlungen keine Feindseligkeiten unternommen würden, so würde er, der Hohe Kommissar, bereit sein, Ihrer Majestät Regierung zu empfehlen, ein gleiches --zu tun. Steijn antwortete hierauf am selben Tage, dass es ihm unmöglich sei, die Südafrikanische Republik zu ersuchen, die Unterhandlungen, weiterzuführen angesichts der Tatsache dass von allen Teilen Ihrer Majestät Gebiet Truppen nach Südafrika strömten mit dem offenbaren Zweck, die Südafrikanische Republik zu zwingen, einige Bedingungen, die es Ihrer Majestät Regierung zu stellen gefallen habe, anzunehmen. Der Präsident fügte dem hinzu, dass der Schutz britischen Gebietes gegen einen möglichen Einfall auf andere Art bewerkstelligt werden könne und er hierbei gern helfen würde, jedoch der Hauptpunkt, den die Südafrikanische Republik nur als feindliche Tat ansehen könne, sei die fortdauernde Vermehrung britischer Trupp n während der Unterhandlungen. Am 7. Oktober erhielt Präsident Steijn eine Antwort auf seine Depesche vom 27. September, in der die Britische Regierung zu verstehen gab, dass sie wiederholt ihre Anschauung betreffs der Angelegenheiten mit der Südafrikanischen Republik dargelegt habe und nicht glaube, dass ihre Haltung verkehrt verstanden werden könne. Wenn der Präsident des Oranjefreistaates jedoch Aufklärung verlange, wolle man sie ihm über die militärischen Vorbereitungen geben; sie seien nötig geworden, weil die Südafrikanische Republik in ein bewaffnetes Lager umgewandelt sei. Mit Bezug auf die Verwerfung der letzten Vorschläge durch die Regierung der Südafrikanischen Republik sei Ihrer Majestät Regierung jetzt damit beschäftigt, den Zustand von neuem in Erwägung zu

ziehen, behalte hierbei jedoch die ernste Tatsache im Auge, dass beide Republiken jetzt im Kriegszustande seien. Am 7, Oktober erschien in England eine Königliche Proklamation, die das Parlament einberief und die Reservetruppen einzog; zugleich wurde die Mobilmachung eines weiteren Armeekorpses für Südafrika befohlen. Am 9. Oktober sandte Präsident Steijn noch ein Telegramm an den Hohen Kommissar, in dem er die Behauptung der englischen Regierung widerlegt, dass die Vermehrung der Truppen der Haltung der Südafrikanischen Republik zuzuschreiben sei, und nochmals auf die Zurückziehung der beiderseitigen Truppenmächte und auf eine damit verbundene Erklärung drängt, dass Ihrer Majestät Regierung die Vermehrung der Truppen aufhalten werde.

Wer vorurteilslos die Verhältnisse prüft, dem wird durch, diese Urkunden klar sein, dass die Britische Regierung und namentlich der Hohe Kommissar und Chamberlain ihr Bestes taten, die Unterhandlungen zum Scheitern zu bringen und den Krieg hervorzurufen. Die Regierung der Südafrikanischen Republik erkannte deutlich, was die Britische Regierung bezweckte, und dass ein Zusammenstoß nicht zu vermeiden war, sondern die Britische Regierung mit der Übersendung ihres Ultimatums nur warte, bis genügend britische Truppen in Südafrika angekommen sein würden, um die Republik von allen Seiten zu überfluten. Als sie einsah, dass ein Krieg unvermeidlich war, dass alle Konzessionen nichts nützten und ihre einzige Chance die war, die Britische Regierung zu zwingen, ihre wahren Absichten zu zeigen, bevor alle britischen Truppen gelandet sein würden, nahm die Regierung der Südafrikanischen Republik ihre Zuflucht zur äußersten Maßregel und sandte am 9. Oktober dem britischen Agenten eine letzte Note, das so genannte "Ultimatum". Sie legte hier nochmals dar, dass England nicht

das mindeste Recht habe, sich mit den inneren Angelegenheiten der Republik abzugeben; dass sie selbst trotzdem, um Schwierigkeiten zu verhüten, zu gestimmt habe, in Unterhandlungen mit der Britischen Regierung über das Stimmrecht zu treten - eine Frage, die ganz und gar in die Kompetenz der Regierung und des Volksrates der Republik falle. Wie statt friedlicher Besprechung die Britische Regierung nach und nach zu Drohungen übergegangen sei; wie seit dem Abbruch der Unterhandlungen durch die Britische Regierung die Republik stets auf den Empfang der Vorschläge

gewartet habe, die die Britische Regierung machen wollte, und in Hinsicht auf die britische Kriegsmacht an den Grenzen die Republik die Bürger zur Verteidigung aufrufen musste. Wie Ihrer Majestät Regierung ungesetzliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Republik ein Verstoß gegen die Konvention von 1884 sei und die außerordentliche Verstärkung der Truppen an den Grenzen der Republik einen unerträglichen Zustand hervorgerufen habe, dem die Regierung sowohl im Interesse der Republik als Südafrikas so bald wie möglich ein Ende zu machen verpflichtet sei. Sie müsse daher mit dem größten Nachdruck Ihrer Majestät Regierung ersuchen, zu folgenden Punkten ihre Zustimmung zu geben:

a) dass alle streitigen Punkte durch die freundschaftliche

Vermittlung eines Schiedsgerichtes oder durch

andere freundschaftliche Mittel, über die beide Regierungen sich verständigen können, geregelt werden sollen;

b) dass die Truppen an den Grenzen der Republik

zurückgezogen werden;

c) dass alle Verstärkungen, die in Südafrika seit 1. Juni 18 99

angekommen sind, innerhalb einer ehrlichen, zwischen beiden Regierungen festzusetzenden Frist

entfernt werden sollen, unter Bürgschaft der Regierung der Südafrikanischen Republik, dass während der weiteren, innerhalb eines von beiden Regierungen festzusetzenden Zeitraumes stattfindender Unterhandlungen kein Angriff und keine Feindseligkeiten gegen irgendwelchen Teil Ihrer Majestät Besitzungen von den Republiken unternommen werden. Wenn England dieser Bedingung zustimme, so werde die Regierung der Republik bereit sein, ihre bewaffneten Burgers von den Grenzen zurückzuziehen; d) dass Ihrer Majestät Truppen, die jetzt auf der See sind, nicht in irgendeinem Hafen Südafrikas gelandet werden sollen. Die Depesche schloss mit dem Ersuchen an die Britische Regierung, vor 5 Uhr nachmittags, am 11. Oktober, eine Antwort zu geben - und mit dem Zusatz, dass, wenn keine genügende Antwort vor jenem Zeitpunkt eingetroffen sei, die Republik zu ihrem Bedauern gezwungen sein würde, die Handlungsweise Ihrer Majestät Regierung als eine formelle Kriegserklärung anzusehen und keine Verantwortung für die Folgen auf sich nehmen könne; ferner dass ebenso weitere Truppenbewegungen nach den Grenzen der Republik zu innerhalb des oben genannten Zeitraumes ebenfalls als Kriegserklärung angesehen werden würden. Am 11. Oktober brachte Herr Greene die Antwort der Britischen Regierung, die lautete, die von der Regierung der Südafrikanischen Republik gestellten Bedingungen seien derart , dass es der Britischen Regierung unmöglich sei, sie zu besprechen. Er erbat sich zugleich seinen Pass, um das Land zu

verlassen. Und so ist, trotz aller Zugeständnisse, aller Verträglichkeit und Nachgiebigkeit der Republik der Krieg ausgebrochen. Der Volksrat, der noch Sitzung hatte, wurde schon vertagt, als klar wurde, dass die Feindseligkeiten in Bälde ihren Anfang nehmen würden. Einstimmig hatte er

ebenso wie der Volksrat des Oranjefreistaates erklärt, für Recht und Freiheit Gut und Blut wagen zu wollen, und beide haben dieses Gelöbnis inmitten der Kriegsunruhen wiederholt. Der Gang und die Wechselfälle des Krieges gehören nicht in diese "Erinnerungen", denn der Präsident nahm an den Kämpfen nicht persönlich teil. Auf ihm lag eine andere Arbeit, die ihn Tag und Nacht tätig zu sein zwang. Alles erwartete von ihm Rat, Anweisungen und Trost. Eine Masse von Telegrammen, in denen er Burgers und Offizieren Mut zusprach, Rat und Ermahnung erteilte, ging täglich an alle Kommandos hinaus. Die Morgenstunden von 8 bis 12 und die Nachmittagsstunden von 2 bis 4 oder 5 Uhr wurden durch diese Arbeit völlig in Beschlag genommen. Dann erst verließ der Präsident das Regierungsgebäude und legte sich gegen 8 Uhr schlafen, aber nur, um gegen 11. Uhr wieder aufzustehen und die eingelaufenen Telegramme zu erledigen. Um z Uhr in der Nacht stand er von neuem auf, um die inzwischen eingekommenen Berichte durchzusehen, und dann wurde es Oft 4 Uhr, bis er wieder zur Ruhe kam. In der späteren Zeit, als die verbündeten Truppen überall zurückgedrängt wurden, unterbrach er in der Regel dreimal, häufig auch viermal seinen Schlaf, um ohne Verzug die Telegramme zu erledigen. Dankbar für jeden Erfolg ließ er nie den Mut sinken, wenn ihm Niederlagen gemeldet wurden. Unzählige Telegramme könnten es beweisen, wenn sie nicht in alle Winde zerstreut wären. Nach dem Entsatze von Ladysmith ging Krüger persönlich nach Natal, um den Burgers Mut zuzusprechen. In Glencoe in

Natal, wo die Burgers aufs neue Stellung genommen hatten, wies er sie in einer längeren Ansprache auf die Notwendigkeit hin, im Streit nicht nachzulassen. Im gleichen Sinne sprach General Joubert nach ihm. Kaum nach Pretoria zurückgekehrt, ging Krüger nach Bloemfontein und von da zu Wagen nach Poplar Grove am Modderflusse, um dort den Burgers Mut zuzusprechen. Aber so weit kam er nicht. Denn kaum bei General de Wet angekommen, musste er sich wieder zurückziehen, da French mit seinen berittenen Truppen eine Umgehung ausgeführt hatte und dem Präsidenten leicht den Weg hätte abschneiden können. Bei seiner Ankunft wurde heftig gekämpft, denn der englische Oberbefehlshaber wusste von der Gegenwart des Präsidenten, und Krüger konnte sich gerade noch rechtzeitig zurückziehen. Kaum war er an Modderriverpoort vorbei, so kam auch schon French mit seinen Reitern a . Hier warf sich ihm jedoch de la Rey entgegen, der gerade mit seinem Stabe angekommen war, und hielt ihn auf, bis das Lager und die Kanonen in Sicherheit waren. Als der Präsident den Rückweg antrat, fielen die Bomben rings um ihn nieder, eine gerade hinter den Wagen, in dem saß. Er musste also nach Pretoria zurück, ging aber gleich darauf nach Kroonstad, um dort die Burgers zu ermutigen und einem allgemeinen Kriegsrat beizuwohnen. Bei dieser Gelegenheit erhielt der Tiefbetrauerte Oberst Villebois Mareuil seine Ernennung zum General der Fremdenlegion. Kurz darauf traf den Präsidenten ein schwerer Schlag durch den Tod des Generals Joubert, der so viele Jahre am Aufbau der Republik mit ihm zusammengearbeitet hatte. Sein Tod wurde von dem ganzen Volke tief betrauert, und es ist kein Zweifel, dass der Hingang dieses aufrichtigen Patrioten auf seine Mitbürger eine entmutigende Wirkung hatte.

Glücklicherweise hatte er noch vor seinem Tode einen Nachfolger bezeichnen können, den Generalkommandanten Louis Botha der bewiesen hat, dass das Vertrauen, das der sterbende General in ihn gesetzt hatte, nicht unverdient war. Kurz vor der Einnahme von Bloemfontein beschlossen beide Regierungen, eine Deputation nach Europa abzuordnen, um den Versuch zu machen, dort eine Intervention zu erlangen. Diese Deputation bestand aus dem Mitgliede des Ausführenden Rates des Oranjefreistaates, A. Fischer, der während des Krieges hervorragenden Anteil an den Verhandlungen hatte, als Abgeordneter für beide Republiken, dazu C. H. Wessels, dem Vorsitzenden des Volksrates des Oranjefreistaates, als Abgeordneten dieses Staates, und A. D. Wolmarans, Mitglied des Ausführenden Rates der Südafrikanischen Republik, als Abgeordneten dieses Staates, lauter Männer, in die Regierung und Volk der beiden Republiken das größte Vertrauen setzten. Kurz zuvor, nach der Übergabe von Cronje, hatten beide Regierungen eine Depesche an Lord Salisbury gesandt, worin sie erklärten, dass die Republiken bereit seien, Frieden zu machen, wenn ihnen die Unabhängigkeit, das einzige, wofür sie kämpften, zugestanden werde. Lord Salisbury hatte geantwortet, er könne diesem Vorschlage keine Folge geben, denn die Republiken dürften auch nicht eine Spur von Unabhängigkeit behalten - und das, nachdem er drei Monate zuvor in einer öffentlichen Rede versichert hatte, dass England weder Goldfelder noch Gebietsvermehrungen durch diesen Krieg suche. Waren schon die bisherigen Tage mit allen ihren Anforderungen für den Präsidenten schwer gewesen, so wurden die folgenden noch viel schwerer. Als nach dem Entsatze von Mafeking die britischen Truppen von allen Seiten in die Republik hereinströmten, wurde es mit jedem Tage

gewisser, dass er auf seine alten Tage Frau und Haus und alles,

was ihm teuer war, verlassen und im Osten der Republik eine Zuflucht werde suchen müssen, um von da den Kampf von neuem zu beginnen. Dass ihm der Gedanke an diesen Abschied schwer auf dem Herzen lag, wird jedermann begreifen, zumal seine Gattin schon so alt und schwach war, dass er nicht daran denken konnte, sie mitzunehmen. Der Arzt hatte erklärt, eine solche Reise bedeute ihren Tod, und doch musste der Präsident als sicher annehmen, dass er sie in seinem Leben nicht wieder sehen werde. Und doch, dieser Tag des Auseinandergehens nach einer so langen und glücklichen Ehe kam immer näher, und eine ungewisse Zukunft voll Gefahren und Entbehrungen stand vor der Tür. In dieser Gewissheit eröffnete der Präsident Anfang Mai die alljährliche Volksratssitzung. Die Ansprachen, die er dabei hielt, geben wider, was in seinem Herzen lebte: festes Vertrauen und Zuversicht auf eine glückliche Zukunft trotz aller gegenwärtigen Not. Viele der bekanntesten Gestalten aus dem öffentlichen Leben ruhten nun schon im Grabe, und ihre Sitze im Volksrat waren leer. Lord Roberts war endlich bis Johannesburg vorgedrungen, und da man vernahm, dass sein Plan war, durch eine fliegende Kolonne die Delagoabahn östlich von Pretoria zu zerstören, so wurde beschlossen, dass der Präsident mit der Regierung Pretoria verlassen und den Sitz der Regierung nach dem Osten der Republik verlegen solle. Am letzten Tage seines Aufenthaltes in Pretoria, am 29. Mai 1900, empfing Krüger noch nachmittags, während man bereits mit dem Aufladen seiner Sachen beschäftigt war, den amerikanischen jungen Jimmy Smith, der ihm eine Adresse überbrachte, worin Tausende von Schuljungen aus Philadelphia als Kinder einer Stadt, die sich zuerst gegenüber Großbritannien für unabhängig erklärt habe, einen Gruß der Sympathie dem Führer des Volkes sandten, das nun an der Reihe

sei, seine Unabhängigkeit gegenüber derselben Nation zu verteidigen. Auch eine Transvaalflagge überreichte der junge, die in Amerika angefertigt war. Der Präsident dankte ihm und

den amerikanischen Herren, die ihn begleitet hatten, und eine Stunde darauf, als es bereits finster war, fuhr er in Begleitung einiger Vertrauten nach Eerste Fabrieken, der ersten Station hinter Pretoria auf der Ostbahn. Von hier ging es mit dem Eisenbahnzuge über Middelburg nach Machadodorp, wo vorläufig der Sitz der Regierung blieb. Der Präsident wohnte hier in seinem Eisenbahnsalonwagen, in dem ein Telegrafenapparat untergebracht war; die Arbeit war nicht weniger geworden als in Pretoria, und fortwährend versandte er Telegramme, um die Bürger im Streite zu ermutigen. Die ersten Tage des Juni gehören zu den dunkelsten. Am 5, Juni nahm Lord Roberts Pretoria ein, und viele Burgers, entmutigt durch die letzten Ereignisse, schenkten den verführerischen Proklamationen, wodurch dieser Feldherr die Burgers von ihrer Treue und Pflicht gegen Land und Volk abwendig zu machen suchte, Gehör, legten die Waffen nieder und leisteten den Neutralitätseid. Der Präsident mahnte und warnte, denn sein Glaube an die Zukunft war immer noch unerschüttert. So erließ er am 7, Juni 1900 an alle Offiziere folgendes Telegramm:

"Sagt den Burgers, dass es ihnen nichts helfen wird, wenn sie die Waffen niederlegen, da Lord Roberts eine Proklamation erlassen hat, er werde in Zukunft keine Burgers mehr gegen Eid freigeben, weil er erfahren habe, dass die Burgers trotz eines solchen Eides wieder auf ihn schießen; er hat außerdem beschlossen, alle männlichen über zwölf Jahre alten Personen gefangen zu nehmen, seien sie bewaffnet oder nicht. Wenn sie gefangen genommen sind, werden sie nach Sankt Helena geschickt. Kinder sind also auch nicht mehr sicher. Wir haben darum beschlossen, zu kämpfen bis ans Ende. Seid getreu und

streitet im Namen des Herrn, denn diejenigen, die flüchten und ihre Stellungen verlassen oder vom Kommando weglaufen, flüchten direkt nach Sankt Helena." Und in längeren Telegrammen und Erlassen legte er auch die religiösen Gründe für sein hoffnungsvolles Ausharren dar. Da Machadodorp einer der kältesten Plätze in Transvaal ist und der Präsident in dieser Zeit viel mit seinen kranken Augen zu tun hatte, so wurde auf Drängen der Burgers beschlossen, nach Waterval Onder, das, am Elandsflusse inmitten hoher Berge tief gelegen, im Winter ein sehr mildes Klima hat, umzuziehen. Hier bekam der Präsident eine kleine Wohnung, die notdürftig für ihn eingerichtet war, und wo er noch die zwei schönsten Monate seit seiner Abreise aus Pretoria zubrachte. Der Sitz der Regierung aber blieb in Machadodorp; dort blieben auch der Staatssekretär und die Mitglieder des Ausführenden Rates, die jeden Morgen zu den Sitzungen mit der Eisenbahn nach Waterval Onder kamen, um hier die laufenden Geschäfte zu erledigen. Von hier aus mussten die Bestimmungen und die Requisitionen, die Urlaubsbedingungen, die Verfügungen gegen säumige Burgers und Beamte, die Neuorganisation des Heeres geregelt und die nötigen Maßregeln gegenüber den Proklamationen des Feindes und ihren Folgen ergriffen werden. Gegen Ende August kam auch Präsident Stejin mit Gefolge hier an, um die Lage des Landes mit Präsident Krüger zu besprechen. Es war ungefähr zu derselben Zeit, wo Lord Roberts gemeinschaftlich mit General Sir Redvers Buller den energischen Angriff auf die Stellungen Bothas bei Dalmanutha machte. Der Erfolg ist bekannt. Nachdem die Burgers acht Tage lang mit Löwenmut gekämpft und alle Versuche des Feindes, durchzubrechen, vereitelt hatten, glückte es endlich doch Buller, einen schwachen, von 79 Mann der Johannesburger Polizeitruppe besetzten Punkt zu nehmen und

so zwischen die Stellungen unserer Leute einzudringen. Botha hatte ungefähr 4000 Mann und musste eine Linie, die sich über mehr als 5 o Kilometer ausstreckte, verteidigen. Roberts griff ihn an mit mehr als 50000 Mann und einer Menge schwerer Geschütze. Durch diese Schlacht war dem Generalkommandanten und den anderen Offizieren klar geworden, dass es der kleinen Anzahl von Burgers nicht möglich war, den Feind zurückzuwerfen oder noch länger so zu bekämpfen, wie das bisher geschehen war, und dass es besser sei, den Präsidenten wegzuschicken, damit die Bewegungen der Kommandos freier würden. Zunächst ging man nach Nelspruit, einer Station der Delagoabahn, ungefähr halbwegs von Waterval Onder und der portugiesischen Grenze. Das Wegbringen all der Güter, Wagen, Karren, Pferde, Maulesel usw. machte große Schwierigkeiten, aber die ausgezeichnete Weise, in der die Niederländische Südafrikanische Eisenbahn-Gesellschaft bisher allen Anforderungen Genüge geleistet hatte, bewährte sich auch hier. An dem Ort, der nun zum Regierungssitze gewählt war, angekommen, erhielt die Regierung die Proklamation von Lord Roberts, die die Südafrikanische Republik annektierte. Sofort erließ der Präsident folgende Gegenproklamation:

"Nachdem dem Volke der Südafrikanischen Republik und des Freistaates von Großbritannien im Monat Oktober 1899 ein ungerechter Krieg aufgedrungen worden ist und diese zwei kleinen Republiken den ungleichen Kampf gegen das mächtige

Britische Reich fast zehn Monate lang ausgehalten haben und noch aushalten; nachdem mir Mitteilung geworden ist, dass eine gewisse Proklamation, datiert vom 1. September 1900, von Lord Roberts, dem Feldmarschall und Oberbefehlshaber der britischen Kriegsmacht in Südafrika, erlassen worden ist, worin unter der Behauptung, die Südafrikanische Republik sei

durch Ihrer Majestät Truppen erobert, die Südafrikanische Republik dein Britischen Reiche annektiert wird, während die Kriegsmacht der Südafrikanischen Republik noch im Felde steht und die erwähnte Proklamation also im Widerspruch mit dem Völkerrecht ist; und nachdem die Unabhängigkeit der Südafrikanischen Republik von fast allen zivilisierten Mächten anerkannt ist; und da ich es für wünschenswert erachte, allen die es angeht, unverzüglich zur Erkenntnis zu bringen, dass die er wähnte Proklamation von Regierung und Volk der Südafrikanischen Republik nicht anerkannt wird: So erkläre ich, S. J. P. Krüger, Staatspräsident der Südafrikanischen Republik, nach Beratung und mit Zustimmung des Ausführenden Rates, gemäß Artikel 147 seiner Protokolle vorn 3. September 1900 namens des unabhängigen Volkes dieser Republik hierdurch, dass die erwähnte Annexion nicht anerkannt, sondern für null und nichtig erklärt wird.

Das Volk der Südafrikanischen Republik ist und bleibt ein freies, unabhängiges Volk und weigert sich, sich der britischen Obrigkeit zu unterwerfen. Also geschehen und gegeben von meiner Hand zu Nelspruit, Südafrikanische Republik, am 3. Tage des Monats September 1900. S. J. P. Krüger." Unterdessen zeigte sich, dass die Hoffnung, das Vorrücken des Feindes in den Bergen zum Stehen zu bringen, bei seiner gewaltigen Übermacht vergebens war, und als der Feind nun von allen Seiten auf Nelspruit vorrückte, musste ein entscheidender Schritt getan werden. Ein Rat, der sich aus den Mitgliedern der Regierungen von Transvaal und dem Oranjefreistaat und aus einer Anzahl von Offizieren, worunter auch der Generalkommandant war, zusammensetzte, beschloss, den Präsidenten nach Europa abzuordnen, um da zu sehen, was er noch für die Sache der Republiken tun könne. In seiner Abwesenheit sollte der General und Vizepräsident S. W.

Burger als stellvertretender Staatspräsident funktionieren. Eine Proklamation gab diesen Beschluss öffentlich bekannt:

"Da das hohe Lebensalter Seiner Hochehrwürden des Staatspräsidenten es für Seine Hochehrwürden unmöglich macht, ferner den Kommandos zu folgen; und da der Ausführende Rat überzeugt ist, dass die hochgeschätzten

Dienste Seiner Hochehrwürden noch vorteilhaft verwendet werden können im Interesse für Land und Volk: so beschließt der Ausführende Rat hiermit, Seiner Hochehrwürden einen Urlaub nach Europa zu geben auf die Zeit von sechs Monaten, um da unsere Sache zu fördern. An seine Stelle tritt, gemäß den Gesetzen, Herr S. W. Burger, Vizepräsident.

S.

W. Burger, Vizepräsident.

F.

W. Reitz, Staatssekretär.

Regierungsbureau Nelspruit, 10. September 1900." War das Verlassen von Pretoria schon schwer für Krüger, so war das Verlassen seines Landes, dem er sein Leben geweiht hat, unter solchen traurigen Umständen doppelt schwer. Er sah es überschwemmt und erfüllt von dem Feinde, der in seinem

Übermute bereits erklärte, dass der Krieg aus sei und nur noch Guerillabanden das Land durchstreiften. Er musste Abschied nehmen von den Männern, die ihm so viele Jahre zur Seite gestanden hatten, und musste sein Land und Volk, seine greise Gattin, Kinder und Freunde und die kleine Schar todesmutiger Kämpfer verlassen, die, von allen Seiten eingeschlossen, sich einen Weg bahnen mussten durch einen wüsten, unbewohnten Strich nach dem Norden der Republik, um dort eine Reorganisation zustande zu bringen und den Streit aufs neue zu beginnen. Aber es blieb ihm nichts anderes übrig. Er musste sich entweder dem Beschlusse fügen oder sich gefangen nehmen lassen. Bei seinem hohen Alter, bei dem er nicht mehr zu Pferde sitzen konnte, war es ihm unmöglich, sich den Kommandos weiter zu fügen. Es war ihm aber ein Trost, die

Regierung in den Händen so treuer Männer wie Schalk Burger, Reitz, Louis Botha, de la Rey zu lassen, und er wusste, welch treue Stütze sie hatten in dem edlen Präsidenten Steijn. Am Abend des 10. September wurde Abschied genommen in Nelspruit, und bei Krüger blieb nur das Gefolge, das ihm der Ausführende Rat zur Begleitung angewiesen hatte. Am folgenden Tage - der Präsident hatte in Krokodilpoort übernachtet - begann die lange Pilgrimsreise nach Europa, eine Reise, deren Ablauf man damals weder vorhersehen noch vorhersagen konnte. Von Krokodilport an wurde die Reise im Eisenbahnwagen des Chefs der Niederländischen Südafrikanischen Eisenbahn-Gesellschaft fortgesetzt. In Hektorspruit wurde einige Stunden auf Präsident Steijn und einige andere Freunde, die dorthin gekommen waren, um Abschied zu nehmen, gewartet, und dann ging die Reise nach Laurenzo Marquez weiter an Krokodilport, der letzten Station in der Republik, vorbei nach der Grenzstation Resano- Garcia, wo der Direktor der portugiesischen Eisenbahn den Zug übernahm. In Laurenzo Marquez ließ man den Zug nicht in der Station halten, sondern auf ein Nebengleis bringen, so dass (es war schon dunkel) der Präsident unbemerkt nach der Wohnung des Generalkonsuls Pott kommen konnte. Es war seine Absicht, hier zu bleiben, bis er sich auf dem ersten Dampfer - das wäre der Dampfer "Herzog" von der Deutsch- Ostafrika- Linie gewesen - nach Europa einschiffen könne. Aber bereits am folgenden Tage kam der portugiesische Gouverneur und meldete, dass er Auftrag habe, den Präsidenten als Gast der portugiesischen Regierung mit sich nach seiner Wohnung zu nehmen. Als der Präsident Bedenken dagegen äußerte, erklärte der Gouverneur, er habe überhaupt keine Wahl, sondern müsse sofort mitgehen, und wenn er nicht wolle, müsse er Gewalt gebrauchen. Diese Handlungsweise der portugiesischen

Regierung ist unzweifelhaft dem Drucke zuzuschreiben, den die englische Regierung auf sie ausübte, denn der portugiesische Gouverneur regierte nur dem Namen nach, der wirkliche Gouverneur war der englische Konsul in der Delagoabai. Der Gouverneur Machado, der vielleicht seine unangenehme Aufgabe sehr ungern ausführte, behandelte den Präsidenten sehr freundlich, aber ließ ihn doch nirgends hingehen, ohne ihn zu begleiten, und auch von dem Gefolge des Präsidenten, das ebenfalls im Hause des Gouverneurs einquartiert war, konnte niemand den Fuß in die Stadt setzen, ohne von einem Adjutanten begleitet zu werden; aber auch dann noch durften sie mit niemandem ein Gespräch führen. In den ersten Tagen hatte man den zwei Herren im Gefolge des Präsidenten ebenso wie einigen anderen Freunden wenigstens noch zugestanden, ihn zu besuchen, aber auch das wurde bald verboten, und zwar, weil, wie erklärt wurde, der englische Konsul sich darüber beklagt habe. Dieser Zustand dauerte einige Wochen lang, während deren der Präsident tatsächlich ein Gefangener im Hause des Gouverneurs war. In die Zeit des Aufenthaltes im Hause des portugiesischen Gouverneurs fiel auch der 75. Geburtstag des Präsidenten. Wie ganz anders war es früher bei solchen Festtagen, wenn ganz Pretoria und viele Burgers von auswärts sich aufmachten, um ihre Glückwünsche darzubringen und ein Strom von Besuchern von morgens früh bis abends spät sich in der Richtung der Präsidentenwohnung dahinzog jetzt, von Land und Volk und von seiner Familie getrennt, durfte der Gefangene des portugiesischen Gouverneurs nicht einmal die Glückwünsche der Burgers, die sich in der Delagoabai befanden, entgegennehmen, nur von der Straße aus durften sie ihre Glückwünsche ihrem Präsidenten zurufen, was denn auch jeder Burger, der sich dort befand, tat.

Der erste Lichtstrahl, der in diese Nacht der Trübsal fiel, war

das Anerbieten Hollands, auf einem Kriegsschiffe den Präsidenten nach Europa zu holen - eine Tat, die von dem gesamten Burenvolke hoch anerkannt wurde. jetzt war wenigstens die Unsicherheit gehoben, ob die Reise überhaupt glücken werde. Da das Schiff aber von der Delagoabai weit entfernt war, konnte die Einschiffung erst am 21. Oktober erfolgen, und dann musste die "Gelderland", wo der Präsident äußerst freundlich von dem Kommandanten und den Offizieren empfangen wurde, erst noch Kohlen einnehmen. Die Reise von der Delagoabai nach Daressalam, wo die "Gelderland" am Morgen des fünften Tages ankam, verlief sehr gut. Der Präsident hatte zwar anfangs zum ersten Male in seinem Leben etwas Seekrankheit, aber bald steckte er sein Pfeifchen wieder an, ein Beweis, dass die Seekrankheit vorüber war. In Daressalam kamen einige deutsche Beamte an Bord der "Gelderland" und luden den Präsidenten zu einem Diner ein, das sie zu seinen Ehren geben wollten. Er aber ersuchte sie, um der traurigen Umstände seines Landes willen von dieser Ehrung Abstand zu nehmen. Ähnlich war es

in Djibuti am 7. November. Von hier aus ging die Reise nach Suez. Alle Schiffe, die an der "Gelderland" vorbeikamen, grüßten, und von einigen, die näher heranfuhren, jauchzten die Passagiere dem Präsidenten zu. Ein französisches Schiff verließ sogar seinen Kurs, um die "Gelderland" zu grüßen, allein die meisten englischen Schiffe - dicht bei Sardinien tauchten sogar ihrer fünf auf einmal auf - grüßten nicht. Von Suez wurde die Reise nach Port Said fortgesetzt, wo Kohlen eingenommen werden sollten. Von hier bis Marseille war, abgesehen von den Zeitungskorrespondenten, die den Präsidenten - wenn auch vergeblich - zu interviewen suchten, die Reise besonders unangenehm. Es wütete ein Sturm, der die Wogen über dem

Schiff zusammenschlagen ließ, und das Schiff stampfte und rollte, dass der Präsident wiederum die Seekrankheit bekam. Am Ende der Reise lud der Kommandant der "Gelderland" den Präsidenten mit seinem Gefolge zu einem offiziellen Diner ein. Der Saal wurde mit holländischen und einer Transvaalflagge - derselben, die amerikanische Schuljungen mit einer Adresse aus Philadelphia gesandt hatten verziert. Infolge dieses,

schlechten Wetters langte das Schiff auch erst am 23. (statt am 22.) November 1900 im Hafen von Marseille an. Einige Tage vor der Ankunft des Präsidenten in Marseille hatten die Mitglieder der Südafrikanischen Deputation (Wolmarans fehlte, weil er krank war) mit Dr. Leyds und einer Anzahl anderer Herren sich nach Marseille begeben, um dort den Präsidenten zu empfangen. Professor Hamel von der Universität Groningen machte den Dolmetscher. Vom Deck des Schiffes aus, wohin auch die Mitglieder der Südafrikanischen Deputation in einer Schaluppe kamen, sah man nichts als ein Gewoge von Menschen, die alle jubelten und mit ihren Taschentüchern Grüße zuwinkten. Selbst die Dampfer, die im Hafen vor Anker lagen, wimmelten von Menschen. Mit herzlichem Danke für ihre Freundlichkeit schied der Präsident von dem Kommandanten des Schiffes und seinen Offizieren. Als er an Land kam, jauchzten ihm Tausende in heller Begeisterung zu. Der Vorsitzende des "Komitees für die Unabhängigkeit der Buren", das sich da gebildet hatte, begrüßte ihn und rief ihm als "Dolmetscher der Gefühle von ganz Marseille", wie er sagte, ein herzliches Willkommen zu, wobei er meinte, die Begeisterung, die der Präsident sehe, werde ihm mehr als alle Worte sagen. Der Präsident erklärte, dass er den Willkommengruß dankbar annehme, obwohl er bei der Trauer, in der sein Land sitze,

nicht gekommen sei, um gefeiert zu werden. "Der Krieg in Südafrika", fuhr er fort, "hat die Grenze der Barbarei erreicht. Ich habe gewiss in meinem Leben viel gegen barbarische Kaffernstämme gefochten, aber so barbarisch wie die Engländer, die die Farmen verbrannten und die Frauen und Kinder ohne Nahrung oder Schutz ins Elend trieben, sind sie nicht. Ich hoffe, Gott wird das Burenvolk nicht verlassen. Wenn aber Transvaal und der Freistaat ihre Unabhängigkeit verlieren müssen, dann wird das erst geschehen, wenn beide Völker mit Frauen und Kindern vernichtet sind." Auf dem Wege nach dem Hotel standen Tausende von Menschen, die dem Präsidenten zujauchzten, und im Laufe des Nachmittags brachten verschiedene Deputationen ihren Willkommengruß. Der prächtige Empfang war den in Marseille sich aufhaltenden Engländern ein Dorn in den Augen, und sie suchten den Zug zu stören, indem sie aus den Fenstern eines Hotels Kupfergeld unter die Leute warfen, um so Tumult hervorzurufen. Aber dieses Vorgehen hätte für sie beinahe ernste Folgen gehabt, da das Volk, über dieses Benehmen empört, das Hotel stürmte, so dass man polizeilichen Schutz erbitten musste. Unmittelbar nach seiner Ankunft hatte der Präsident ein Telegramm an den Präsidenten Loubet gesandt, um ihn zu begrüßen und ihm seinen Dank auszusprechen für die Teilnahme seiner Regierung und seines Landes. Der Präfekt von Marseille machte namens des Präsidenten seine Aufwartung. Am 24. November reiste Präsident Krüger im Extrazug nach Paris, überall unterwegs jubelnd begrüßt. Der Zug hielt an ein paar Stationen, wo überall große Menschenmengen versammelt waren und dem Präsidenten Blumen zur Begrüßung brachten. In Lyon musste er aussteigen, um den Gruß der Menge entgegenzunehmen, und der Bürgermeister überreichte ihm als Andenken eine

Medaille. In Dijon, wo man übernachtete, wurde der Weg nach dem Hotel unter dem Donner der Kanonen zurückgelegt. Am folgenden Morgen ging die Reise nach Paris, wo am Bahnhof feierlicher Empfang stattfand und verschiedene Reden gehalten wurden. Auf die Ansprache des Vizepräsidenten des Pariser Stadtrates meinte Krüger, sobald er den Fuß auf Pariser Boden gesetzt habe, habe er neues Vertrauen geschöpft, denn das Wahrzeichen dieser Stadt ein Schiff, das nie sinkt - rufe ihm zu, dass auch die Republiken nicht untergehen würden. Auf dem Weg zum Hotel standen unübersehbare Menschenmassen, die riefen: "Hoch Krüger, hoch das Schiedsgericht" und ohne Unterlass Blumensträuße an seinen Wagen warfen. Vor dem Hotel rief ihn das Volk auf den Balkon, und drei- bis viermal täglich musste der Präsident da erscheinen, ehe sich die Menschenscharen zerstreuten. Um vier Uhr nachmittags empfing ihn Präsident Loubet offiziell im Elysee und ließ ihn durch eine Abteilung Kürassiere dahin geleiten, machte ihm auch gleich nach der Rückkehr ins Hotel einen Gegenbesuch. Während des Aufenthaltes in Paris vom z6. November bis x. Dezember wurden auch die Sehenswürdigkeiten besucht, der Eiffelturm, das Stadthaus, die Weltausstellung, wo der Präsident mit Rührung von den Inschriften Kenntnis nahm, die auf den Mauern des Transvaalpavillons angebracht waren und alle gute Wünsche für die Buren enthielten. Im Sitzungssaal des Rathauses, wo der ganze Stadtratversammelt war, sprach der Vorsitzende die Bewunderung seines Volkes für den Heldenmut der Republiken aus und meinte, wenn die Regierungen schwiegen, müssten die Völker reden, und so werde doch ein Schiedsgericht zustande kommen. Auch der Präsident des Conseil gènèral hielt eine Ansprache.

In seiner Erwiderung sagte der Präsident, wenn die Buren, die

noch nicht geschlagen seien, sondern noch lange fechten würden, von dem Empfange hören könnten, der ihm in Frankreich zuteil geworden sei, so würden sie in der Entschlossenheit, im Streite auszuhalten, noch gestärkt werden. Im übrigen dankte er auch der Presse für ihre Aufklärung über die Art der englischen Kriegsführung und setzte hinzu: "Wenn man Berichterstatter direkt nach dem Kriegsschauplatze senden könnte, so würden sie erstaunt sein über die Grausamkeiten, die von England dort verübt wurden." Nach dem Empfange einer Reihe von Deputationen verließ er unter sich stets gleich bleibender Volksbegeisterung und von den Behörden und privaten Vereinigungen ausgeleitet, am 1. Dezember Paris, um nach Köln zu fahren. Auf dem Wege bis zur französischen Grenze wiederholte sich das Schauspiel, das die Reise auf dem Wege von Marseille nach Paris gezeigt hatte. An jeder Station, die der Präsident berührte, wurde er

von einer großen Volksmenge begrüßt, und ebenso war es in Belgien. Diese Begeisterung, die er in Frankreich sah, war ihm nicht nur eine Freude, sondern sie bestärkte ihn auch in der Hoffnung, dass seine Reise nicht vergeblich sein werde. Am Abend desselben Tages erreichte man Köln, wo eine Begeisterung herrschte, wie sie Köln vielleicht noch nie gesehen hatte. Leider ereignete sich am Bahnhof ein Unglück, durch das einer der Zuschauer sein Leben verlor. Bei dem Menschengedränge fielen ein paar Leute durch eine Öffnung auf dem Perron, wobei einer von ihnen sein Bein brach und an den Folgen starb. Wegen der großen Menschenmassen musste der Präsident auf einem Umwege sein Hotel zu erreichen suchen. Hier empfing er kurz nach der Ankunft ein Telegramm des Deutschen Kaisers, das ihm meldete, dass ihn Seine Majestät jetzt nicht empfangen könne, da er auf die Jagd müsse. Es wurde dann beschlossen, nach dem Haag weiterzureisen, jedoch empfing der Präsident, bevor er Köln

verließ, noch eine Reihe von Deputationen, die ihm ihre Sympathie bezeugten. Auch die Frau des Mannes, der infolge des Unglückes am Bahnhofe gestorben war, empfing der Präsident und bezeugte ihr sein inniges Mitleid. Die Gelegenheit, den berühmten Kölner Dom zu sehen, ließ sich der Präsident nicht entgehen. Dass sich bei der Reise durch Deutschland und in Holland überall dieselbe leidenschaftliche Teilnahme an der Sache der Buren zeigte wie in Köln, war für den Präsidenten ein -Trost. Von Station zu Station erschienen die Vertreter der Städte nebst Korporationen und Vereinigungen mit ihren Fahnen und Abzeichen. Am Abend, als es bereits zu dämmern begann, langte der Zug im Haag an. Die Umgebung des Bahnhofes und alle Straßen bis zum Hotel, wo der Präsident absteigen wollte, waren von einer unendlichen, jubelnden Menschenmenge dicht besetzt. Von der holländischen Grenze aus hatte der Präsident ein Telegramm an die Königin gesandt, um ihr seine Huldigung zu bezeugen. Ihre Minister machten sofort nach seiner Ankunft im Hotel ihren Besuch, und am folgenden Tage ging er an den Hof, um der Königin seine Aufwartung zu machen und sich

bei ihr für das Schiff, das sie ihm gesandt hatte, zu bedanken. Er empfing später auch eine Einladung zur Tafel. Nach kurzer Pause besuchte der Präsident Amsterdam, wo ein großer Empfang im "Palast für Volksfleiß" und ein feierlicher Gottesdienst in der großen Kirche stattfanden. Zurückgekehrt nach dem Haag, wo er ursprünglich nicht zu verweilen gedachte, da er wegen seiner Augenkrankheit möglichst bald einen Spezialarzt zu Rate ziehen musste, wurde er ernstlich krank. Wahrscheinlich hatte er sich eine Erkältung zugezogen, die bald in einen schweren Lungenkatarrh ausartete; sein Zustand flößte seiner Umgebung große Sorge ein. Nach seiner Wiederherstellung begab er sich nach Utrecht und blieb hier

zweieinhalb Monate, während welcher Zeit er sich mit günstigem Erfolge einer Operation an beiden Augen unterzog, die von Professor Snellen und seinem Leibarzte Dr. Heymans vorgenommen wurde. Von da zog er nach Hilversum, wo er mit seinem Gefolge in der Villa Casa Cara acht Monate lang wohnte. Der Aufenthalt wurde hier nur unterbrochen durch einen mehrwöchigen Besuch bei A. D. W. Wolmarans in Scheveningen und durch den längst versprochenen Besuch einiger weiterer holländischer Städte. So kam der Präsident nach Rotterdam, wo er im Tiergarten zugleich ein Bäumchen besichtigte, das er im Jahre 1884 da gepflanzt hatte, und einen Ausflug auf der Maas unternahm, wozu ihm die Reederei Fop Smit einen ihrer schönsten Dampfer, den "Lehmann", zur Verfügung gestellt hatte. Bei dieser Gelegenheit sah er mit Ehrfurcht auch die alte Kirche von Dordrecht, wo die Synode von 1818/19 versammelt war, deren Beschlüsse von so großem Einfluss waren auf die Kirche, der der Präsident angehörte. So kam er auch aufs neue nach Kampen, dem Mekka der reformierten Kirche, das er bereits früher besucht hatte. Kurz nach der Rückkehr nach Hilversum traf ihn der schwerste Schlag seines Lebens. Ein Kabelbericht meldete, dass seine Gattin gestorben sei. Tief betrübt, richtete er sich auf an dem Gedanken, dass die Trennung nur vorübergehend sei und nicht lange dauern werde. Und sein Glaube gab ihm auch die Kraft, einen Brief der Ermutigung und des Trostes an seine Tochter, Frau Malan, zu schreiben. Schließlich lud ihn Wolmarans nochmals ein paar Wochen zu sich nach Scheveningen ein, um ihn etwas von seinen Gedanken abzuleiten. Nach Hilversum zurückgekehrt, wohnte er zurückgezogen für sich und, soweit ihn die nötigen Beratungen nicht hinderten, ausschließlich mit dem Lesen seiner Bibel beschäftigt. Im Beginn des Winters, am 10. Dezember 1901, siedelte er

nach Utrecht in die Villa Oranjelust an der Maliebaan über. Hier war es, wo er die Nachricht von dem glänzenden Siege de la Reys über Lord Methuen erhielt. Er war über diesen Sieg sehr erfreut, sagte aber, als jemand beim Vorlesen die Bemerkung machte, hoffentlich werde de la Rey Methuen gefangen halten: "Ich würde das nicht billigen, sondern hoffe, dass de la Rey ihn ohne Zögern in Freiheit setzt, denn wir Buren müssen bis ans Ende uns als Christen betragen, so unkultiviert die Engländer uns auch behandeln mögen." Bei der Kunde, dass Methuen freigegeben sei, drückte er seine Freude aus. Auch eine Reihe anderer günstiger Nachrichten war damals aus der Heimat eingelaufen, so dass der Zustand der Dinge zu den besten Hoffnungen berechtigte. Im übrigen hatte er während des Krieges auf Anfragen vom Kriegsschauplatze geantwortet, dass sein Vertrauen noch ungebrochen sei, dass es aber völlig in der Hand der Führer im Felde liegen müsse, ob und wie sie unter dem Drange der Verhältnisse frühere Beschlüsse ändern wollten. Während der Friedensunterhandlungen hatte er auf alle Fragen, was er vom Frieden denke, nur eine Antwort, nämlich die, es werde alles so kommen, wie Gott es haben wolle. Und als der Friedensschluss bekannt wurde, hat er den Führern das Bibelwort: 2. Kor. 8, 3 gewidmet: "Und über Vermögen - das bezeuge ich - waren sie willig." Er selbst, so erklärte er, werde auch angesichts der Tatsache, dass der Friede nicht so sei, wie ihn die Burgers gewünscht hätten, den Mut nicht sinken lassen. "Denn", so fuhr er fort,

"ganz abgesehen davon, dass nun dem Blutvergießen und den fürchterlichen Leiden des Volkes der beiden Republiken ein Ende gemacht ist, bin ich überzeugt, dass Gott die Seinen nicht verlässt, selbst wenn es oft so scheint. Darum ergebe ich mich in den Willen des Herrn. Ich weiß, er wird das bedrängte Volk nicht untergehen lassen.

Er ist der Herr und hat alle Herzen in seiner Hand und lenkt sie, wie er will." Der zeitweilige Verlust der Freiheit seines Volkes war für ihn ein noch schwererer Schlag als für andere unglückliche Freiheitskämpfer, denn bei ihm kam auch der Glaube in Gefahr, der ihn zeitlebens aufrechterhalten hatte. Grübelnd und sinnend saß er viele Stunden lang einsam über seine Staaten- Bibel gebeugt, aber am Schluss überwand er alles in der Gewissheit, dass Gottes Wege anders, aber auch höher sind als die Wege der Menschen. So konnte er in seiner letzten Botschaft an sein Volk als Antwort auf den Gruß des Nationalkongresses von Pretoria im Mai 1904 die feste Hoffnung aussprechen, dass das einmal angefangene Werk vollendet und das Ende gut sein werde. Seine Erwartung und sein Gebet wurden nicht enttäuscht. Als Paul Krüger am 14. Juli 1904 in Clarens am Genfer See einer Lungenentzündung erlegen war, wurde seine Leiche einbalsamiert, um nach Südafrika überführt zu werden. In Pretoria wurde er am 16. Dezember 1904 bestattet. Aber nicht sein Körper ist der kostbarste Besitz Südafrikas, sondern sein Geist und sein Ideal, und das Leben Südafrikas hängt davon ab, dass diese nicht aussterben. Auch das ist eins seiner letzten Worte und ein Vermächtnis an sein Volk: "Wer sich eine Zukunft schaffen will, darf die Vergangenheit nicht aus dem Auge verlieren."

ANHANG Rede Krügers bei der letzten Übernahme der Präsidentschaft am 12. Mai 1898 Ich stehe heute hier vor Ihnen, der Stimme des Volkes, in der ich auch Gottes Stimme zu erkennen glaube, gehorchend, um wiederum als Staatspräsident die Leitung des Landes zu übernehmen. Wenn ich auf die Laufbahn blicke, die ich zurückgelegt habe, so kann ich, der ich aus Erfahrung alle Beschwerden und großen Mühseligkeiten, die mit diesem schweren Amte verbunden sind, kenne, nicht anders als offen zu bekennen, dass ich mich

selbst für untüchtig und blind halte; ich wiederhole: untüchtig und blind. Wenn ich zurückschaue, wie der Herr dies Volk geleitet hat, und wie Gott dies Volk frei gemacht hat, dann weiß ich, da ich nun das Volk leiten soll, was daraus folgen würde, wenn ich abtrünnig würde, denn ich habe nicht nur den Herren vom Volksrate einen Rechenschaftsbericht abzulegen, sondern auch Gott Rechenschaft zu geben, und mein Leben ist nur noch kurz. Ich werde vor ihm erscheinen müssen, und wenn ich daran denke, dann erbebt mein Herz, und ich kann nur bitten:

Herr, ach mach mir Deine Wege Durch Dein Wort und Geist bekannt; Lehre mich, wohin sie führen, Und wohin Dein Schritt sich richt`t. Leit' in Deine Wahrheit mich, Dein Gebot lehr' mich betrachten! Denn Du bist mein Heil, o Herr, Und ich warte Deiner stets. Er hat verheißen: Wer alle seine Hilfe und Kraft vom Herrn erwartet, wählt die Wohlgebahnten Wege, und wer an der Furcht Gottes seine Lust hat, wird an Ihm einen Führer haben. Wer dies von Herzen erkennt, schaut hin auf den Herrn, unsern treuen Bundesgott, und bittet um Licht, Weisheit und göttliche

Kraft. Er will uns alles schenken aus Seinem unendlichen Gnadenreichtum; ja auf diesen treuen Bundesgott vertraue ich, da er uns auf verschiedenen Wegen so sichtbar geleitet hat. Also trete ich dieses Amt an in der Furcht Gottes, in Aufrichtigkeit, ja, es ist das innigste Wünschen und Begehren meines Herzens, vor ihm zu leben und das Volk nach seinem Willen zu regieren. Nichts anderes wird mir am Herzen liegen, als die Wohlfahrt des Volkes ins Auge zu fassen und den Fortschritt, die Wohlfahrt und die Unabhängigkeit des Volkes zu behüten. Ich werde genau achten auf die Entwicklung des Landes, in der schon oft so bald und rasch Fortschritte zu bemerken waren, insbesondere werde ich aber bei allem notwendigen Fortschritte mein Augenmerk fest darauf richten, dass die Unabhängigkeit des Landes nicht im geringsten in Gefahr gerät, und dass auch nicht das mindeste Recht aufgegeben wird, wenn dadurch die Unabhängigkeit des Landes unterminiert würde. Denn ich würde ein hartes Gericht auf mich herabziehen, wenn ich es wäre, durch den die Unabhängigkeit zu Schaden käme; hat uns doch Gott so sichtbar geleitet, dass die blindesten Heiden und die ungläubigsten Geschöpfe einsehen müssen, dass es Gottes Hand gewesen ist, die uns die Unabhängigkeit geschenkt hat. Geehrte Herren, ich vertraue auf Sie als auf die Körperschaft der gesetzgebenden Macht, dass Sie mich in diesen meinen Anschauungen unterstützen und in Ihrer Weisheit mir solche Maßregeln vorschlagen werden, durch die das Land in seiner Unabhängigkeit und Wohlfahrt nach allen Richtungen hin unterstützt werden kann; und im besonderen hoffe ich, dass Sie alle Bedürfnisse aller Einwohner des Landes ohne Unterschied der Person oder Nationalität in ernste Erwägung ziehen werden

Es gibt zwei Punkte, die im Auge behalten werden müssen:

Der erste Punkt ist der, dass Sie keine Rechte vergeben dürfen, die die Unabhängigkeit in Gefahr bringen könnten, und der zweite ist, dass Sie ihre Ohren nicht verschließen dürfen vor den Klagen der Armen, Fremden oder Freunde, vielmehr suchen müssen, solche Armen aus ihrer bedrängten Lage zu retten und ihnen aus dem Netze des Vogelstellers zu helfen, und Gott wird dann in unserer Mitte sein und uns in unserem Tun segnen. ja, geehrte Herren, wenn wir darin fest zusammenstehen, und Sie mich in diesen Punkten unterstützen werden, dann ist es wahr, dass Eintracht stark macht, und Gott wird in unserer Mitte sein. Hochgeehrte Mitglieder des Ausführenden Rates 1 An erster Stelle sage ich Ihnen herzlichen Dank für Ihre mir bisher verliehene Unterstützung, sowohl für die Hilfe, die Sie mir gewährten, wo es galt, einen Gegenstand durchzuberaten, als auch da, wo es galt, etwas zur Ausführung zu bringen. In zweiter Reihe danke ich Ihnen für alles, was Sie dem Lande erwiesen haben, und für Ihre Treue und die warme Empfindung, in der Sie mit Gut und Blut für die Unabhängigkeit des Landes eintreten. Ich sage Ihnen dafür nochmals Dank und werde mich freuen, wenn Sie auf demselben Wege bleiben und mich, wo es nötig ist, unterstützen und Ihrem Lande treu bleiben, damit wir wie ein Mann für die Unabhängigkeit einstehen, die uns Gott geschenkt hat, und unsere Habe mit denjenigen Bürgern zum Opfer geben, die gezeigt haben, dass sie dafür alles aufzuopfern bereit sind. Lasst uns solche Treue weiter halten, und bitten Sie für mich, wie ich es für Sie tue, dass wir als ausführende Macht so in dieser Weise zusammenwirken. Der Präsident wandte sich jetzt zum Diplomatischen Korps und sprach wie folgt: Ihnen ist aus meiner bisherigen Laufbahn sicher bekannt, dass mir nichts lieber ist, als in Frieden und Freundschaft mit den ausländischen Mächten zu leben, die

gegenseitigen Interessen im Auge zu behalten und einander so viel wie möglich zu unterstützen. Dass die gegenwärtige Regierung unsern Staat so leiten möge, dass die ausländischen Mächte nie Grund erhalten, gesetzlich begründete Beschwerden gegen uns zu führen, das ist mein Wunsch. Auf diesem Wege hoffe ich Weiterzuschreiten, und es wird dies stets mein ernstes Bestreben sein. Darum vertraue ich, dass ich Ihre wohlwollende Unterstützung erlangen werde, denn dann wird das Band der Freundschaft stets enger und enger zwischen uns und den ausländischen Mächten geschlungen werden, und wo eine solche Zusammenwirkung stattfindet, und Frieden und Freundschaft herrschen, da verleiht Gott Seinen Segen, da wohnt Er in der Mitte. Ich wünsche Ihnen allen Segen dazu, einem jeden für sein Land. Mögen Friede und Freundschaft herrschen! An mir soll es nicht fehlen, wenn es gilt, Interessen des Staates, dessen diplomatische oder

Konsularvertreter Sie sind, zu unterstützen, wenn Sie dieselben vor mich bringen, so dass keine Beschwerden Ihrerseits gegen uns entstehen werden. Der Präsident wandte sich nun an die Burgers und sprach:

Burgers des Landes, ich habe eurer Stimme, die mich rief, Gehör gegeben, indem ich das Amt, welches durch eure Wahl mir zugefallen ist, übernahm, um die Leitung des Landes als Staatspräsident wiederum mir zur Aufgabe zu machen. Zunächst danke ich

Ein burischer Parlamentär bittet Lord Kitchener um freien Abzug für die eingeschlossenen Frauen und Kinder

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In solchen Konzentrationslagern wurden die wehrlosen Burenfrauen untergebracht

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euch für das Vertrauen, das ihr in mich gesetzt habt. Wenn ich

so vor euch stehe und euch überschaue, dann sehe ich hier so viele, die mit mir gekämpft, gelitten und gestritten haben für das Land, das wir bewohnen, und für unsere Unabhängigkeit. Oh, dann steigt eine Reihe von Gedanken in mir auf, die mich alle leiten auf einen Punkt, nämlich den, dass wir stets der Wege gedenken müssen, die Gott uns geführt hat. Ich vertraue, dass ihr euch das alles in euer Gedächtnis zurückrufet, um diesen Wegen wiederum nachzugehen, welche Zeugnis ablegen von der Treue Gottes, die Er an uns bewiesen hat: wie Er uns aus der bedrängten Lage gerettet und zudem uns noch gesegnet hat; wie Er uns gezüchtigt und uns von unseren Gegnern hat unterdrücken lassen. Damals waren wir ohnmächtig, aber einmütig, und suchten Hilfe von Gott zu erhalten. Da erhoben wir uns zu kraftvollen Taten. Lasst mich mit euch in Gedanken nach Paardekraal zurückkehren, wo wir ohnmächtig und hilflos waren. Aber das Volk, der Volksrat und der Ausführende Rat waren einmütig, einträchtig, ein Herz und eine Seele, um gemeinschaftlich Gott anzurufen um Hilfe, und dann hat uns Gott durch Wunder und Zeichen geführt. Burgers. möge uns das zur Lehre dienen, was die Einigkeit, in der uns Gott stets gesegnet hat, zuwege bringt: lasst uns suchen, die Zwietracht, die etwa unter uns herrscht, auszurotten, und lasst uns gemeinsam danach streben, den bösen Geist, der uns in Streitigkeiten verwickelt, niederzuhalten. Ich sage den bösen Geist, und beachtet es wohl, ich schließe keinen aus, auch mich selbst nicht - und meine den bösen Geist, der uns verführt, Gottes Wort und Gebote zu übertreten. Gottes Gebot sagt: "Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten"; und es ist wirklich unter uns zur Gewohnheit geworden, dass ein Bruder gegen den anderen falsches Zeugnis redet. Zeige niemand mit seinem Finger auf einen anderen, sondern seid ehrlich; möge jeder seine Hand in seinen

eigenen Busen stecken, und er wird finden, dass sie aussätzig von da herauskommt. Wir wollen uns heute mit ehrlichem Herzen vor Gottes Angesicht stellen. Wir sehen, Gottes Arm ist ausgestreckt. Er züchtigt uns, und wir werden merken, dass wir überall Gottes Gebot übertreten. Ich will ein Beispiel dafür anführen. Angenommen, ein Vater wäre reich und hätte viele Güter, und sein Kind hätte nichts und müsste von ihm leben, und sein Vater gäbe ihm die Güter und sagte: "Kind, nimm diese Güter und benutze sie, aber missbrauche sie nicht, und ich werde dir sagen, wenn ich etwas davon wünsche", wird ,dass der Vater nicht unwillig sein, wenn er, nachdem der Sohn mit dem Vermögen hingegangen ist, nach einigen von seinen eigenen Gütern schickt und der Sohn sie ihm nicht geben oder nur die schlechtesten hergeben will? Wir fragen vielmals:

Warum straft der Herr uns so? Geschieht dies nicht, damit wir wiederkehren zu ihm? ja, wir verfahren mit Gott wahrlich wie einer, der Heiratsbedingungen macht. Das irdische Gut hält uns zurück und bindet uns an den Dienst, während wir wollen, dass der Herr für unsere Seele sorge. Lasst nun, ihr Brüder, einen jeden das eigene Herz befragen, damit ihr von Gottes Wohlgefallen überzeugt werdet. Seht, Gott schenkt uns irdisches Gut, doch wozu erhalten wir das? Um damit zu leben zur Ehre Gottes. Nackt sind wir in die Welt gekommen, nackt werden wir sie wieder verlassen, nichts werden wir mitnehmen. Gott schenkt uns also diese Güter, Nahrung und Kleidung, damit wir leben können aber auch

damit wir etwas haben für die Kirche, die Schule, die Armen. Was tun wir, Brüder und Landsleute, was tun wir? Von unseren schlechtesten und gewöhnlichsten Gütern geben wir ab, wenn es nötig ist, aber seht, wenn ein Zirkus, ein Schauspiel, eine Lotterie oder ein Wettrennen stattfindet, dann treibt einer den anderen dazu an, und man borgt einander sogar Geld, um

weltlichen Vergnügungen nachzujagen, aber wenn uns Gottes Hirte zuruft: "Tut doch etwas in die Armenbüchse zur Hilfe für die Armen!" dann gehen viele zur Kirche, die nichts in die Büchse werfen oder dazu die kleinste Münze aussuchen. Wozu benützen diese ihr Gut, Gottes Gut? Ist es da nicht wahr, was Gott sagt: "Ihr raubt Mir, ihr entreißt Mir meine Güter und gebt sie der Welt und wollt Mir nicht damit dienen!" Seht, Brüder und Landsleute, ein jeder, der eine unsterbliche Seele hat, achte darauf. Sehet Gottes Hand. Die Pest herrscht unter Menschen und Tieren. Die Heuschrecken verzehren das Gewächs des Feldes, und es herrscht schwere Dürre, und von Jahr zu Jahr wird es schwerer, und es wird noch von Jahr zu Jahr schwerer werden, bis wir uns bekehren müssen. Gott will sein Volk nicht verlassen. Ihr lest es im Psalm 89. Diese Verheißungen nimmt der Herr nicht zurück, aber Er züchtigt uns, um uns Ihm näher zu bringen. Ihr werdet sagen: Wie konnte David sprechen: "Ich küsse die Rute", und zwar von Herzen sagen. ja, wenn ihr euren Vater liebt, und ihr habt nichts und müsst von ihm leben, dann werdet ihr, wenn ihr einen Fehler begangen habt, und euer Vater sagt: "Geht weg aus meinen Augen!'' auf euern Knien bittend sagen: "Schlage mich lieber, aber jage mich nicht fort l" Darum konnte auch David von Herzen sagen: "Als ich in Wollust lebte, verschmachtete ich, doch da mich Gott züchtigt, kehre ich wieder zurück." Das fühlte er tief. Lasst uns das auch empfinden, dass der Herr uns lieber züchtigt, als verstößt. Hört auf Seine Stimme, und wenn ihr Seine Stimme hört, dann verhärtet eure Herzen nicht, sondern lasst euch lenken, denn warum wollt ihr sterben? Wollt ihr so fortfahren? Seht, wie barmherzig der große Gott ist. Er sagt:

"Kehrt euch wieder zu Mir, ihr abtrünnigen Kinder, und Ich will eure Übertretungen heilen, ja prüfet Mich hierin, wenn ihr Mir nicht glauben wollt, und sehet, ob sich die

Fenster des Himmels nicht auftun und Segen auf euch herabgießen. Ich will für euch den Fresser schelten, dass er euch die Frucht auf dem Felde nicht verderben soll, und eure Scheuern sollen voll werden, und eure Felder voll Herden, aber kehrt euch wieder zu Mir, ihr abtrünnigen Kinder, und Ich will eure Übertretungen heilen." Brüder und Landsleute! Denkt nicht, dass ich mich selbst ausschließe. Ich habe mit mir selbst auch viel zu tun, und auch ich bin schuldig in dieser Hinsicht, doch lasst uns gemeinsam unsere Schuld bekennen, bevor es zu spät ist, und Gott wird uns helfen. Der Präsident sprach auch zur Kriegsmacht: Auch zu Ihnen, Herr Generalkommandant, und den anderen Offizieren ein kurzes Wort. Ihnen bis zum Staatspräsidenten und bis zu dem letzten Offizier, dem der Schutz unseres Landes gegen den

Feind übertragen ist, gilt es: Wenn der Staatspräsident Bericht empfängt über einen feindlichen Einfall und er diesen nicht an Sie weitergibt, dann wird das auf das Haupt des Staatspräsidenten kommen, und das Blut, das vergossen wird, wird er zu verantworten haben, und es wird an ihm gestraft werden; und wenn Sie, Herr Generalkommandant, diesen Bericht erhalten, und Sie wachen nicht oder stellen keine Wachen aus, dann kommt das auf Ihr Haupt, und das dadurch vergossene Blut werden Sie verantworten müssen, und die Strafe wird Sie treffen. Haben Sie jedoch ihre Weisungen an Ihre Untergebenen erteilt und wachen diese nicht, dann kommt das vergossene Blut auf ihr Haupt, und sie werden zur Verantwortung gezogen werden und Strafe dafür erleiden; das lehrt uns Gottes Wort. Möge ein jeder wachsam auf seinem Posten stehen. Vom Volksrate an bis zu dem untersten Beamten bilden alle eine Staatsmaschinerie mit vielen Rädern, und wenn jedes Rad an seiner Stelle mit den anderen zusammen wirkt, dann herrscht Eintracht, und "Eintracht

macht Macht", und Gott legt seinen Segen darauf. Wo jedoch ein Rad nicht in die Staatsmaschinerie passt, da muss es ausgeschaltet und zur Seite gestellt oder an einen anderen Ort gesetzt werden, da sonst die ganze Maschinerie zerbrechen könnte. Passt ein solches Rad an keinem andern Platze, so setzt es zur Seite. Passt es jedoch an einer anderen Stelle, dann kann, wenn das kleinste Rad mit dem größten zusammenwirkt, erwartet werden, dass die Staatsmaschinerie gut laufen wird, und dann wird alles Licht verbreiten, und auf einem solchen Zusammenwirken ruht Gottes Segen.

Reden in der Schlusssitzung des Volksrates am 2. Oktober

1899

Edle, achtbare Herren! Um Ihnen zu sagen, was in meinem Gemüte umgeht: es ist Ihnen bekannt, wie der Herr dieses Volk in dieses Land verpflanzt und unter Wundertaten bis hierher geleitet hat, so dass wir sagen, müssten: "Herr, ich glaube nicht mehr an Dich", wenn es mit uns so weit käme, dass wir nun, wo Tausende von Feinden gegen uns anstürmen, freiwillig das Land hergäben, das er uns gegeben hat und nicht wir selbst. Lasst uns auf Gott vertrauen und zusammen unsere Gebete vor den Herrn bringen. Er wartet auf unsere Bitte, und er wird mit uns sein. Bei ihm ruht die Entscheidung, und er wird nicht entscheiden auf Lügen hin, sondern auf Grund der Wahrheit. Ihr seid mit dem Gang der Dinge vertraur und wisst, wie der Volksrat und das Volk nachgegeben haben in allem, was gefordert wurde. Zuerst ging es ums Stimmrecht. Dreimal. haben wir in dieser Frage nachgegeben, und ich wiederhole, damit es in das Protokoll kommt, dass es eine Lüge ist, wenn man sagt, wir wollten diejenigen, die von auswärts kamen, nicht als unseresgleichen behandeln.

Als die Konvention von 1881 geschlossen wurde, waren nur wenige Engländer hier, und was wollten diese? Sie wünschten wohl gleich behandelt zu werden mit unseren Bürgern, ließen

sich aber eintragen als britische Untertanen; sie wollten lieber Fremde bleiben als Untertanen dieses Staates werden. Weiter ist Ihnen bekannt, dass sie unter der Konvention von 1884, während des Blaauwberg- Kommandos, sich weigerten, zusammen mit unseren Burgers ins Feld zu rücken, obwohl sie dadurch sofort das Stimmrecht hätten erhalten können. Ich habe die Sache dreimal dem Rat vorgelegt und ihn ersucht, einen Beschluss zu fassen, dass sie das Land verteidigen müssten; und der Volksrat hat es genehmigt, dass alle, die am Kriege teilnähmen, Stimmrecht bekommen sollten. Danach kam Loch hierher und beschwerte sich, dass die Engländer nicht als die meistbegünstigte Nation behandelt würden. Ich habe nun wiederum eine Proklamation erlassen, weil ich dachte, es könnten wirklich Leute vorhanden sein, die mit unseren Burgers gleichstehen wollten; ich tat das, obwohl die Konvention (von 1884) ausdrücklich bestimmt, dass sie nicht gleich politische, sondern nur gleiche Handelsrechte besitzen sollten. Denkt nun nach - wir stehen vor dem Herrn, und jeder sende sein Gebet empor zu dem Herrn -, wo können sie sagen, dass sie in Bezug auf den Handel weniger begünstigt wären als unsere Burgers? Nirgends. Sie waren in dieser Beziehung sogar günstiger daran als unsere Burgers. Sie konnten Gold und alles, was sie wollten, aus dem Lande holen, und sogar politische Rechte konnten sie bekommen, aber sie wollten sie nicht einmal haben. Der Hohe Kommissar hat von uns gefordert, dass wir das Stimmrecht ausdehnen, und wir hatten bereits mehr getan, wir haben sogar danach getrachtet, sie (die Ausländer) gleich zu behandeln mit unseren Burgers, aber sie haben es abgelehnt.

In dieser Hinsicht ist also keine Ungerechtigkeit auf unserer Seite. Wir können darum freimütig vor unseren Herrn treten. Er wird entscheiden, und er entscheidet nicht auf Grund von Lügen, sondern nach Recht und Wahrheit, Lasst uns darum unsere Gebete zu ihm emporsenden, dass er uns führe. Und kommen dann auch Tausende, so wird der Herr in Recht und Gerechtigkeit uns führen, bis wir vielleicht einmal von all dieser Sorge befreit sein werden. Ich gebe mich ganz in seine Hände. Ich will niemanden (von den Gegnern) anklagen, dass er ein falscher Prophet sei, aber lest Psalm 108 Vers 7, der mir vor meinen Geist gekommen ist während meines Ringens im Gebet. Ihr müsst es nicht lesen, weil ich es sage, sondern weil es Gottes Wort ist. Es ist kein Traum, was mit da vor dem Geiste stand, denn falsche Träume verführen uns, und ich kümmere mich nicht darum; ich halte mich allein an Gottes Wort. Lest nur diesen Psalm andächtig nach und vereinigt damit eure Gebete, dann wird der Herr uns führen, und wenn er mit uns ist, wer wird dann gegen uns sein? Darum sage ich

euch, geht unter euren Burgers umher, ermuntert sie, in diesem Streite fortdauernd zu beten. Wir vergessen so oft, was der Herr getan hat. Ich will noch nicht einmal reden von dem Freiheitskrieg, wo der Herr uns so sichtlich in wunderbarer Weise geholfen hat. Aber ist es bei dem Jameson- Einfall anders gewesen? Tausende von Bomben und Kugeln haben sie auf uns gerichtet, während unsere Leute nur mit Gewehren schossen, und wie wunderbar wurde da der Lauf der Kugeln bestimmt! Drei von uns fielen, während der Feind Hunderte Tote und Verwundete hatte. Und wer bestimmte den Flug der Kugeln? Der Herr. Er hat uns damals verschont, um uns zu zeigen, dass er alles regiert. Der Herr wird euch auch jetzt bewahren, auch wenn Tausende von Kugeln um euch fliegen. Das ist mein Vertrauen und auch

mein stetes Gebet für mich selbst, für die Burgers und für alle, die mit uns streiten. Ich weise nochmals darauf hin, dass der Herr uns führen wird, er wird entscheiden und wird uns zeigen, dass er regiert und niemand anders. Zum zweiten Mal ergreift der Staatspräsident das Wort, nachdem ihm in teilweise sehr begeisterten Reden die Vorsitzenden des ersten und zweiten Volksrates zugestimmt haben: Es gibt mit viel Zuversicht, wenn ich sehe, wie der Rat mit mir ist. Ich weiß, er glaubt ebenso wie ich an Gottes Wort. Wenn ihr darin forschet, so sehet ihr, dass Gott, wo er sein Volk straft und züchtigt, es nicht dadurch tut, dass er dieses Volk völlig in die Hand seines Feindes gibt. Auch wir, wenn wir unsere Kinder züchtigen, lassen doch nicht zu, dass ein anderer sie schlägt. Wenn das Volk Gott verließ und Abgötterei trieb, wurde es gestraft und kam beinahe in Sklaverei. Aber ihr seht im Alten Testament, dass, wenn dann Tausende von Feinden kommen, um Gottes Volk zu vernichten, das Volk sich verlässt auf Gott, seinen Schöpfer und Erlöser. Meine Herren! Sie haben gehört, wie man über uns spottet, dass wir uns auf den Herrn berufen. Das ist Lästerung gegen Gott, und wir vertrauen darauf, dass der Herr das nicht ungestraft lassen wird.' Der Herr züchtigt uns wohl, aber er wird nicht zulassen, dass er gelästert wird. Noch ein kurzes Wort. Moses war ein Mann Gottes, und der Herr hat mit ihm gesprochen; aber unter schwerem Druck und Kampf mussten seine Freunde ihm als einem schwachen Menschenkinde die Arme in die Höhe halten. Aaron musste ihn stützen im Glauben. So lasst auch uns in unseren Gebeten unseres Generals und unserer Fechtgenerale gedenken und ohne Unterlass unsere Gebete vor den Herrn bringen. Lasst uns sie stützen in ihrem Glauben und lasst uns nie, vergessen, die Männer, die die Regierung führen müssen, durch unsere Gebete zu starken!

Eröffnungsrede bei der jährlichen Versammlung des Volksrates am 7. Mai 1900

Es ist mir wiederum höchst angenehm, Sie in diesem" Ihrem Versammlungssaale herzlich Willkommen heißen und meinen Dank aussprechen zu dürfen gegen den Gott, der das Weltall regiert und der Sie behütet und bewahrt hat, damit Sie nochmals mit seiner Hilfe all Ihre Kräfte den Interessen unseres teuren Landes und Volkes widmen können. 1. Einige Mitglieder Ihres Rates haben mir Mitteilung gemacht, daß sie infolge des Krieges, der ihre Anwesenheit bei den Kommandos nötig macht, dem Aufruf, dieser Versammlung beizuwohnen, keine Folge geben konnten. 2. Der Krieg, in den unser Land mit England verwickelt ist, hat außer den vielen kostbaren Opfern, die er den Burgers beider Staaten bereits auferlegt hat, auch seine Opfer gefordert aus den gesetzgebenden und ausführenden Körperschaften, innerhalb derer wir den Tod der verdienstvollen Mitglieder J. H. Barnard, C. J. Tosen, J. H. Cock und unseres geliebten Vizepräsidenten und Generalkommandanten P. J. Joube