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22 | D i v e r s i t y | 9 | 1. März

| Diversity |

9 | 1. März 2012

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März 2012 9 | 1. März 2012 | Diversity | 23 Diversity Management: Das Geschäft mit

Diversity Management:

Das Geschäft mit der Vielfalt

| Indem man die Vielfalt der Gesellschaft für Unternehmen nutzbar macht, kann man | dem Fachkräftemangel effektiv entgegensteuern und neue Zielgruppen gewinnen.

| Von Jürgen Winkelbauer |

M änner und Frauen, Alt und Jung, Men- schen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlicher Religion und sexu-

eller Orientierung, mit oder ohne Behinderung:

Die Blüten, die unsere Gesellschaft treibt, sind bunt. Diese soziale Vielfalt konkret – und letzt- lich gewinnbringend – für ein Unternehmen nutzbar zu machen, damit beschäftigt sich Diver- sity Management. „Hierzulande ist es erst im Kommen“, sagt Hei- ke Mensi-Klarbach von der Abteilung Gender und Diversitätsmanagement der Wirtschafts- universität Wien. Seinen Ausgang hat das Viel- falts-Konzept in den Vereinigten Staaten genom- men und ist von dort nach Österreich gekommen. „Strukturiertes Diversity Management kommt eigentlich nur in US-amerikanischen Unterneh- men, wie etwa bei HP oder IBM zur Anwen- dung“, weiß Mensi-Klar- bach. Aber vereinzelt finden sich auch österrei- chische Beispiele aus der Praxis: Die Bank Austria oder der Personalbereit- steller Simacek etwa be- treiben nennenswertes Diversity Management. Naturgemäß ist es für Großunternehmen leich-

ter, Maßnahmen zur Vielfalt zu implementie- ren, als etwa für Klein- und Mittelbetrieben, so Mensi-Klarbach. Den Nutzen von Diver- sity Management bringt Unternehmensberater Manfred Wondrak auf den Punkt: „Durch Viel- falt sind ein größeres In- novationspotenzial und höhere Produktivität ge-

geben. Und Mitarbeiter, die sich in einem Unter- nehmen besser verwirklicht sehen, sind auch stärker daran gebunden.“ Wondraks Consulting- Agentur ist auf Vielfalt spezialisiert, Beratungs- bedarf gibt es genug: So groß wie die soziale Viel- falt, so vielfältig sind nämlich die Bedürfnisse und Ziele einzelner Firmen: „Bei Technolgie- unternehmen wie Xerox oder Microsoft ist die Erhöhung des Frauenanteils ein wichtiges The- ma“, erläutert Mensi-Klarbach, die Frauenförde- rung generell als zentrales Thema in Österreichs Diversity Management sieht.

AusgewogenheitzwischendenGeschlechtern

Diversity Management beschränkt sich aber längst nicht nur auf den Bereich Personalent- wicklung, erklärt Manfred Wondrak: „Einerseits stellt sich natürlich oft die Frage, wie man dem Fachkräftemangel entgegensteuern kann. An- dererseits geht es auch darum, neue Zielgrup- pen zu gewinnen, zum Beispiel durch maßge- schneiderte Werbung für bestimmte Produkte.“ Vorreiter dabei sind die Finanzinstitute. Sie ha- ben in letzter Zeit die Gruppe der Migranten für sich entdeckt. Im sogenannten „Ethnobanking“ nennt Mensi-Klarbach die Raiffeisenbank als ös- terreichisches Musterbeispiel.

NachlässigkeitbeimEvaluierenderErgebnisse

Rund um das Thema Diversity Management hat Unternehmensbera- ter Wondrak im Vorjahr ein etwa 500 Seiten um- fassendes Praxisbuch herausgegeben, das schnell zum Standard- werk wurde. Die Arbeit mit Diversity Manage- ment gliedert sich für ihn in drei Teile: „Erstens, die theoretischen Grundla- gen: Was sind die Bedürf- nisse des Unternehmens und gibt es bereits ver- wandte Konzepte? Zwei- tens, die praktischen Handlungsfelder, also:

Wie lässt sich die Strate- gie ins Unternehmen im- plementieren und um-

setzen? Und drittens, aus der Sicht des Betriebes:

Welche Erfolge hat man damit erzielt und wo gab es Schwierigkeiten?“ Mit seiner Unterneh-

mensberatung sieht sich Manfred Wondrak inmit- ten eines immer breiter werdenden Marktes, „denn immer mehr große Konzerne haben daran Interesse“. Was aber beim ehrgeizigen Einfüh- ren von Maßnahmen gerne vergessen wird: Auch das Kontrollieren und Evaluieren der Ziele ist ein wesentlicher Bestandteil des Diversity Ma- nagements. Dabei wird in den verschiedenen Be- reichen, wie etwa Mitarbeiter oder Kunden, kon- trolliert und gemessen, ob die Vorgaben mit dem tatsächlichen Ergebnis übereinstimmen. Auch wenn die Tendenz zu Diversity Management stei- gend ist und immer mehr Unternehmen Vielfalt im- plementieren: Gemessen und überprüft wird zu sel- ten, hält Wirtschaftsexpertin Mensi-Klarbach fest. Eine Stu- die der Europäischen Kommis- sion ergab, dass nicht einmal ein Drittel aller Unternehmen Ergebnisse messen. Um zu überprüfen, wie sich ver- schiedene Parameter ver- ändert haben, wäre genau das aber unerlässlich: „Im Sinne der Nachhaltigkeit und der Legitimierung der Maßnahmen.“

der Nachhaltigkeit und der Legitimierung der Maßnahmen.“ „ Ob Gender-Programme oder Ethno-Banking: Immer mehr

Ob Gender-Programme oder Ethno-Banking: Immer mehr Unternehmen setzen auf Diversity Maßnahmen. Evaluiert wird aber selten.

Darauf legt auch die OMV ihren Diversity- Schwerpunkt. Beim heimischen Mineralöl- konzern soll künftig noch mehr Ausgewogen- heit zwischen Frauen und Männern herrschen. Durch die historisch technische Ausrichtung hat das Unternehmen eine eher männerdomi- nierte Mitarbeiterstruktur: In Österreich be- schäftigt man 3600 Mitarbeiter, der Frauenan- teil beträgt rund 22 Prozent. In der gesamten OMV-Gruppe, also die Tochterunternehmen in Rumänien und der Türkei miteingerechnet, hält man bei 30.000 Mitarbeitern, davon sind 23 Prozent Frauen. Den ersten weiblichen Lehr- ling bei der OMV gab es erst im Jahr 2005, sechs Jahre später konnte man den Anteil immerhin auf 20 Prozent steigern.

Vertreter Migrantenkom- men in der poli- tischenLandschaft fast nicht vor, ob- wohl 18,5Prozent der Österreicher
Vertreter
Migrantenkom-
men in der poli-
tischenLandschaft
fast nicht vor, ob-
wohl 18,5Prozent
der Österreicher
Migrationshinter-
grund haben. Um
echteVielfalt her-
zustellen, müssten
sichdieParteien
öffnenunddie
Strukturenändern.

ethnische Gruppe machen, sondern sich in den Dienst der ganzen Bevöl- kerung stellen.“ Der 25-Jährige ist seit Jänner Landesobmann der Jungen ÖVP Salzburg. Sein exotischer Nachname, den er von seinem marokka- nischen Vater hat, hat ihn seither öfter in die Schlagzeilen gebracht, als ihm lieb ist. „Mir geht das ziemlich auf die Nerven“, sagt der Student, der in Salzburg geboren wurde „Ich bin genauso wenig Migrant wie jeder andere durchschnittliche Salzburger.“ Seinen politischen Fokus legt er nicht auf Integrations- und Migationspolitik, sondern engagiert sich im Bildungs- und Jugendbereich. Auch Munar Duzdar versucht sich in ih- rer politischen Arbeit bewusst diesen Themen zu entziehen: „Auch Men- schen mit Migrationshintergrund haben andere Qualifikationen, sie sollten nicht darauf reduziert werden.“

DerschwierigeWegausderMigranten-Schublade

Im politischen Alltag gehört das aber zur Tagesordnung, der Migra- tionshintergrund tritt oft in den Vordergrund. „Es ist schwer auszubre-

chen. Bei vielen beschränkt sich die politische Arbeit auf Integrations- themen“, kritisiert Efgani Dönmez, der selbst seinen Fokus auf diese Agenden legt. „Weil ich mich als Sozialarbeiter schon im Studium da- rauf spezialisiert habe, nicht weil ich Migrationshintergrund habe. Das ist ja lächerlich. Ich war drei Monate alt, als

ich nach Österreich kam, und werde trotz- dem als ‚mit Migrationshintergrund‘ wahr- genommen.“ Auch Dönmez’ Parteikollegin Alev Korun ist Integrations- und Menschen- rechtssprecherin der Grünen, auch sie we-

gen ihrer beruflichen Expertise. „Migrant- Sein allein ist kein Programm, und nicht alle Zuwanderer sind Migrationsexperten“, meint sie:„Es fehlt an Vorbil- dern, die zeigen, dass Migrant-Sein nicht das einzige Merkmal ist.“ „Es ist unglaublich wichtig, dass man in der Politik Türen für Zuwan- derer aufmacht“, sagt Bernhard Perchinig. Die Parteien müssen offener werden, Leute ansprechen und ihnen interne Aufstiegskanäle eröffnen. Und auch die Strukturen, meint Perchinig, müssen sich ändern: „Es wä-

re klug, eine Politik zu entwickeln, die die Staatsbürgerschaft als Inte- grationsschritt sieht, und nicht als ihren Endpunkt.“ Schnelle Einbür- gerungsmechanismen oder die Entkoppelung des Wahlrechts von der Staatsbürgerschaft fördern die politische Partizipation von Zuwander- ern. Und die macht die Gesellschaft nicht nur demokratischer, sondern kann – wie bei Muna Duzdar – auch der Weg aus dem Ausländer-Eck sein:„Mich hat mein Engagement der Gesellschaft sehr nahe gebracht.“ Irgendwann, da sind sich alle Betroffenen einig, werden die Dön-

mez’ und Duzdars, die Koruns und El Habbassis für genauso wenig Ir- ritation sorgen wie die Caps, die Buseks oder Klestils. Wann es so- weit ist, liegt auch an den Faymans, Spindeleggers und Mikl-Leitners.

A. Korun

Mit 19 Jahren kam AlevKorunausder Türkei nachÖster- reich. Heuteist sie

dieeinzigeMigran-

tin imNationalrat.

reich. Heuteist sie dieeinzigeMigran- tin imNationalrat. „ Im politischen Alltag und in den Medien liegt der

Im politischen Alltag und in den Medien liegt der Fokus oft auf der Herkunft von Politikern. Der Migrations- hintergrund wird zum Vordergrund.

Der Migrations- hintergrund wird zum Vordergrund. “ A. El Habbassi Der Salzburger ist Landesobmannder JVP.

A. El Habbassi

Der Salzburger ist Landesobmannder JVP. DassseinVater ausMarokkokommt, ist nur für dieMedien einThema.

„Unsere Gesellschaft muss noch lernen, Menschen aufgrund ihres Charakters und ihrer Handlungen und nicht aufgrund
„Unsere Gesellschaft muss
noch lernen, Menschen
aufgrund ihres
Charakters und ihrer
Handlungen und nicht
aufgrund ihres
Aussehens zu be- oder
sogar verurteilen. “

„Österreich muss sein Selbstbild ändern“

| Ab Donnerstag treffen sich in Wien Diversity-Experten beim europaweit einzigartigen | Kongress für Vielfalt. Die Organisatorin Beatrice Achaleke erklärt ihre Ziele.

| Das Gespräch führte Veronika Dolna • Fotos: Stanislav Jenis |

Kongress

Bereitszumdrit-

tenMal organisiert BeatriceAchaleke von 1. bis 2. März

den„European

Diversity&Inclu-

sionCongress“.

Teilnehmer aus 14

europäischenLän-

dern, Kanadaund den USA geben in Wienihr Wissen

weiter. Info: www.

diversityleader-

ship.eu

K ongressmanagerin, Frauen- rechtlerin, Autorin: Wer Beatrice Achaleke mit einem Schlagwort

tituliert, greift in jedem Fall zu kurz. Der FURCHE erklärt sie, warum alle von einem zweiten Blick profitieren.

DIE FURCHE: Vielfalt ist kein neues Phä- nomen, sondern eine Gegebenheit. Wa- rum muss sie speziell gefördert werden? Beatrice Achaleke: Das frage ich mich auch immer wieder. Leider wird Hetero- genität in Teams, in Gruppen oder der Gesellschaft nicht immer positiv gese- hen. Mir geht es darum, den Blickwin- kel auf Vielfalt zu ändern: Man muss erkennen, dass Andersartigkeit nichts Negatives ist, dass wir alle davon profi- tieren, nicht nur die, die „anders“ sind. DIE FURCHE: Wenn man Minderheiten einbezieht, wird das gerne als altruis- tischer Akt gesehen. Achaleke: Und das ist falsch, denn bei Diversity geht es nicht darum, jeman- dem zu helfen, sondern um den Gewinn

Wir alle haben eine multidimensionale Persönlichkeit. Wenn man nur auf ein einziges, offensichtliches Merkmal reduziert wird, beginnen die Exklusionsmechanismen.

reduziert wird, beginnen die Exklusionsmechanismen. “ für alle. Wir haben eine multi- dimensionale Persönlich-

für alle. Wir haben eine multi- dimensionale Persönlich- keit. Ich bin eine Frau, Mutter, Kongressmanagerin, Öster- reicherin, Kamerunerin. Die- se Liste lässt sich lange erwei- tern. Man kann weder mich noch irgendjemand anderen auf nur einen Faktor herun-

terbrechen. Leider werden Menschen mit offensichtlichen Merk- malen wie einer anderen Hautfarbe oder einer anderen Muttersprache oft nur darauf reduziert. Und damit begin- nen die Exklusionsmechanismen. Das müssen nicht immer offensichtliche Diskriminierungen sein. Schon durch die eindimensionale Betrachtung von Menschen entgeht der Gesellschaft de- ren großes Potenzial. DIE FURCHE: Ich bin weiß, blond, mei- ne Muttersprache ist Deutsch. Nicht besonders exotisch in Österreich. Wie kann ich Vielfalt leben? Achaleke: Es geht darum, wie man Menschen begegnet. Um Neugierde und den Mut, sich mit Menschen zu beschäf- tigen, die anders sind, als man selbst. Um die Erkenntnis, dass man selbst da- ran wächst. Unsere Gesellschaft muss noch lernen, Menschen aufgrund ihres Charakters und ihrer Handlungen und nicht aufgrund ihres Aussehens zu be- oder sogar verurteilen. DIE FURCHE: Schauen wir zu sehr auf das Trennende, den Unterschied? Achaleke: Ja. Dabei findet man auch mit

Menschen, die auf den ersten Blick an- ders sind, als man selbst, Gemeinsam- keiten, wenn man sich mit ihnen aus- einander setzt. Nur wenn man hinter das Augenscheinliche schaut, entdeckt man Potenziale. Und das brauchen nicht nur Großkonzerne, die international tä- tig sind, sondern auch kleine Unterneh- men. Wenn man Menschen wirklich kennenlernt, ihnen Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringt, dann sind sie auch am effektivsten. Wann im- mer Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Talenten, Eigenschaften und Sichtweisen zusammenarbeiten, wachsen Produktivität und Kreativität. DIE FURCHE: In der Wirtschaft ist das Diversity-Konzept teilweise schon im- plementiert. In der Politik auch? Achaleke: Nein. Es gibt weder eine kon- zeptionelle Auseinandersetzung mit Vielfalt noch ein klares Bekenntnis da- zu. Alles in diesem Bereich läuft unter dem Stichwort Integration, wo Anpas- sung erwartet wird. In Unternehmen reicht es auch nicht, wenn man ein paar Frauen oder Migranten oder einen Di- versitätsbeauftragten einstellt und sagt: „Wir betreiben Diversität.“ Man braucht ein klares Konzept, Ansprech- partner, ein Budget, eine Potenzial- analyse und Maßnahmen um die Vo- raussetzungen zu schaffen, dass jeder bestmöglich mitgestalten kann. Und das muss dann kommuniziert werden. In der Politik fehlt das komplett. DIE FURCHE: Wer soll dafür zuständig sein? Ein Diversity-Staatssekretär? Achaleke: Mir ist gleich, unter welchem Titel man das Thema behandelt. Wir brauchen einen ganzheitlichen Zugang. Und Österreich muss sein Selbstbild än- dern: Wir müssen uns dazu bekennen, dass es ein Einwanderungsland ist, und dass Migranten einen enormen Vorteil für den Wirtschaftsstandort bringen. DIE FURCHE: Halten Sie Quoten für eine gute Möglichkeit um Vielfalt zu fördern? Achaleke: Davon bin ich überzeugt. Bei gleicher Qualifikation sollten be- stimmte Gruppen bevorzugt werden. Man sollte sie gezielt dabei unterstüt- zen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Das bleibt ihnen nämlich wahrschein- lich verwehrt, wenn immer nach dem selben Schema nachbesetzt wird. Ver- stehen Sie mich nicht falsch, niemand soll durchgeschleppt werden. Es geht nicht um Hilfe, sondern um das Erken- nen und Nutzen von Talenten. DIE FURCHE: Ist das auch das Ziel Ihres Diversity Leadership Kongresses? Achaleke: Ich möchte das Thema in den Fokus rücken, das Bewusstsein stärken und Menschen, die in dem Bereich ar- beiten, ermöglichen, ihren eigenen Ho- rizont zu erweitern, indem sie neue Inhalte, Impulse und Trends kennenler- nen. Ich wünsche mir, dass mein Land Österreich Vorreiter für Vielfalt wird.

Etikettiert und unterrepräsentiert:

Migranten werden als Wähler um- worben, beim Mitgestalten stoßen sie oft an gläserne Decken.

| 1,5 Millionen Österreicher haben Migrationshintergrund, im Nationalrat | sitzt nur eine. In der Politik ist Vielfalt mehr Rhetorik als Programm.

| Von Veronika Dolna |

M. Duzdar

Muna Duzdar ist in Wiengeboren, ihre Elternkommenaus Palästina. Siesitzt für die SPÖ im Bundesrat.

Palästina. Siesitzt für die SPÖ im Bundesrat. „ Demokratien, die einen Teil ihrer Bevölke- rung nicht

Demokratien, die einen Teil ihrer Bevölke- rung nicht repräsentieren, verlieren an politischer Legitimität und an Sensibili- sierung für soziale Entwicklungen.

und an Sensibili- sierung für soziale Entwicklungen. “ E. Dönmez Der grüneBundes- rat kamalsBaby nachÖsterreich:

E. Dönmez

Der grüneBundes-

rat kamalsBaby

nachÖsterreich:

„Trotzdemwerde

ichalsMigrant

wahrgenommen.“

I n der Bezirkspolitik, erzählt Alev Korun, war ihre Herkunft fast nie ein Thema. Seit sie aber für die Grünen im Parlament sitzt, als er- ste Frau mit türkischen Wurzeln, als einzige Abgeordnete mit Mi- grationhintergrund überhaupt, ist das anders. „Und wie schaut’s in der Türkei aus?“, wird ihr bei Plenardebatten ins Wort gefallen.

Mit „Ich würde mir wünschen, dass Sie Ihren Landsleuten die Leviten lesen“-Rufen wird sie unterbrochen, sie, die schon fast ein Vierteljahr- hundert in Österreich lebt. „Das Etikett ‚Migrant‘ pickt fest“, sagt Korun. Auch Muna Duzdar kennt dieses Etikett. „Man wird als Sonderling ge- sehen, gilt als anders“, erzählt die 33-jährige Wienerin, deren Eltern aus Palästina kommen. Heute sitzt Duzdar für die SPÖ im Bundesrat. Für sie war es gerade die Politik, die ihr aus der Schublade heraushalf: „Mit 16 bin ich der sozialistischen Jugend beigetreten, dort gab es das Etikett

nicht. Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ich Österreicherin bin.“ Korun und Duzdar sind in der politischen Landschaft Österreichs Aus- nahmeerscheinungen. Obwohl 18,6 Prozent der Österreicher Migra- tionshintergrund haben, gibt es auf Bundesebene nur vier Volksvertreter, die selbst oder deren Eltern nicht in Österreich geboren wurden. In den Landtagen haben nur 13 von 448 Abgeordneten Migrationshintergrund. „Wenn ein erheblicher Teil der Bevölkerung in einem demokratischen System nicht repräsentiert ist, verliert die Demokratie an politischer Le- gitimation“, sagt der Wiener Migrations-

und Integrationsforscher Bernhard Perchi- ning dazu. Unter den Migranten führt das zu einem Verlust von Identifikation mit dem Staat und zu einer politischen Orientierung hin zum Herkunftsland. Und die ganze Be- völkerung verliert so die Sensibilisierung für die Anliegen von bestimmten Gruppen.

Wähler?Ja, bitte! Abgeordneter?Nein, danke!

„Zu den Parteien ist es noch nicht durchgedrungen, dass sie die ge-

sellschaftliche Vielfalt widerspiegeln sollten“, sagt der grüne Bundes- rat Efgani Dönmez. Als wichtige Wählergruppe sieht man Zuwanderer und ihre Kinder mittlerweile zwar, mitmachen lässt man sie aber nicht so gerne. „Oft werden sie nur als Aufputz in den Wahlkampf geschickt“, bemerkt Korun. Bei der letzten Wien-Wahl 2010 etwa setzte die SPÖ al- lein 66 türkischstämmige Kandidaten auf die Liste für den Landtag. Ei- nen Neu-Einzug schaffte keiner von ihnen. Die ÖVP verräumte im sel- ben Wahlkampf die etablierte türkischstämmige Gemeinderätin Sirvan Ekici auf einen hinteren Listenplatz, und gab einem Promi-Migranten, dem Schwimmer Dinko Jukic, den Vorrang. Auch er ergatterte kein

Mandat. „Es ist falsch, Leute auf die Liste zu setzten, wenn man nicht gewillt ist, ihnen Beteiligung zuzu- gestehen“, meint Asdin El Habbas- si, „und wer sich engagieren will, soll das nicht nur gezielt für eine

Die ewigen

AUSLÄNDER?

Foto: Istockphoto (4)
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