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Neuer Monat, neues Glück!

Ein neuer Bericht sollte geschrieben werden, nun ist er da.


Diesmal ist mein Monatsbericht aber etwas anders aufgebaut, als der letzte. Der zweite,
sechste und zwölfte Bericht wird von meiner Organisation, dem SFD, vorgegeben. Dazu hab
ich einen Fragebogen erhalten und möchte den jetzt so gut es geht, ausfüllen. Den dritten
Bericht, der um den 20.10 folgen wird, werde ich wieder als flüssigen Text schreiben.

Ich habe zu jedem Kästchen auch die Fragen geschrieben, die mir gestellt wurden. Der
Übersichtlichkeit wegen ;-)

Genug der Einleitung, kommen wir zum Bericht.


Viel Spaß beim Lesen!

Name des Teilnehmers


Mirko Pototzki
Land
Chile
Dienststelle Congregación La Reconcilación,
Escuela Belen O'Higgins
Jahr
2008 - 2009

1.) Die Organisation/Dienststelle, das Projekt


Welche Aufgaben hat die Organisation, welche Stellung hat sie in der Region, im Land?
Gibt es ein konkretes Projekt in dem Ihr mitarbeitet, was sind die Inhalte dieses Projektes?

Ich arbeite bei der christlichen Gemeinde „Congregación La Reconcilación“.


Die Gemeinde besteht zu einem Großteil aus Deutschen, die mal nach Chile
ausgewandert sind und dort jetzt Leben.
Der Zweck der Gemeinde ist es zum Großteil, einen Raum für die Deutschen zu
bieten, damit diese sich austauschen können und einen Hauch von Deutschland
verspüren. Und ebenso ist es eine Aufgabe der Gemeinde, sich zu helfen. Wir
Praktikanten haben da auch schon mitgeholfen, als es darum ging, eine Wohnung
eines Gemeindemitglieds zu renovieren. Das Geld dazu kam aus der Gemeinde und
wurde über die Kollekte eingesammelt.

Natürlich gibt es aber auch Chilenen in der Gemeinde. Die Hälfte der Gottesdienste
werden auf Deutsch gehalten, die andere Hälfte auf Spanisch. Damit möchte die
Gemeinde offen für das Land bleiben und keinen abgeschnittenen Raum bilden.
Meiner Meinung nach funktioniert das System ziemlich gut. Wir Praktikanten wurden
vor ein paar Tagen von einem deutschen Ehepaar zum Grillen und Übernachten in
deren Haus eingeladen und genauso haben wir schon regen Kontakt mit chilenischen
Mitgliedern der Gemeinde hergestellt.

Hauptsächlich arbeite ich aber nicht in der Gemeinde, sondern in der Schule, die von
der Gemeinde unterstützt wird. Die Schule wird als Hoffnungsschimmer gesehen.
Aus der Unterschicht auszubrechen ist hier sehr schwer und ohne eine gute
Schulbildung unmöglich. Die Schule setzt genau hier an und Unterrichtet vom
Kindergarten an die Kinder und versucht, neben den normalen Fächern auch Werte
und Moralvorstellungen zu vermitteln.
2.) Die Aufgaben
Wie sieht Eure tägliche Arbeit aus, wie ist sie strukturiert?

Die Schule fängt um halb 9 an. Antritt ist um viertel nach 8, damit man sich noch ein
bisschen Unterhalten kann, wichtige Informationen für den Tag austauscht oder
einfach nochmal herzhaft gähnt und sich auf den Tag freut. ;-)

Meine Kinder im Kindergarten sind zwischen 4 und 5 Jahre alt und trudeln zwischen
viertel nach 8 und 9 Uhr ein.
Anfangs werden die Kinder mit dem Abzeichnen ihres Namens beschäftigt. Dazu
kriegt jedes Kind seinen Namen, der auf einem Stück Pappe in Schreibschrift
vorgeschrieben ist und das Kind soll dann das auf ein leeres Papier nach malen.
Gegen 9 Uhr kommt das Frühstück für die Kinder. Warme Milch und Brötchen. So
ganz von alleine wollen die meisten ihre Milch nicht trinken. Ich selbst trinke die Milch
hin und wieder auch mal und kann deshalb aus eigener Erfahrung berichten:
Die Milch ist süß ohne Ende. Fast, als würde man in ein Zuckerstück beißen.
Deswegen war ich auch zuerst sehr verwirrt, als ständig gesagt wurde, die Milch sei
gesund. Allerdings wurde mir dann erklärt, dass die Milch tatsächlich gesund sei, da
sie nicht nur Zucker, sondern auch Vitamine enthält.

Nach dem Frühstück setzen sich die Kinder in einen Kreis und die Educadorin, die
Chefin der Gruppe quasi, erzählt etwas über das Wochenthema. Jede Woche
bekommt die Gruppe ein neues Thema, das vorher mit dem Kollegium abgesprochen
wurden. „Gesunde Ernährung“, „Prähistorische Tiere“, „Haustiere“ und „Eingeborene
Völker“ sind nur eine kleine Auswahl, an die ich mich spontan erinnere.

Danach kommt Montags und Dienstags eine Unterrichtsstunde (1 ½ Stunden) in


Musik oder Religion.
Mittwochs, Donnerstags und Freitags macht die Educadorin stattdessen mit den
Kindern kleine Übungen in Zahlen oder Schrift.
Mittwochs und Donnerstags ist der Unterricht in Sport und Englisch nachmittags.
Freitags gibt es Nachmittags keinen Unterricht, da dann die Schule generell um halb
2 beendet wird.

Nach dem Morgenunterricht können die Kinder auf den Spielplatz, von dem man sie
dann um circa 1 zum Essen wieder runterpflücken muss. Nach dem warmen Essen
dürfen die Kinder dann nochmal zum Spielplatz und danach kommt dann wieder
Unterricht, bis die Schule dann um viertel vor 4 zu Ende ist.
Ich bleibe dann noch in der Schule, da meistens noch etwas vorzubereiten ist, man
nochmal mit den Leuten schnackt oder eine AG leitet oder an einer teilnimmt.
3.) Die Rahmenbedingungen
Wie ist Eure Wohnsituation bzw. Unterkunft, wird sie gestellt bzw. wer kommt für die Kosten auf?
Wie verpflegt ihr euch? Wird die Verpflegung gestellt?
Bekommt ihr Taschengeld von der Dienststelle?
Wie sind eure Arbeitszeiten?
Wie ist die Freizeit bzw. der Urlaub geregelt?
Welches Visum habt ihr und wie lange ist dieses gültig?
Wie sieht die ärztliche Versorgung aus?
Habt ihr einen gesonderten Vertrag mit eurer Dienststelle?

Wir wohnen jeweils immer zu dritt in einer Wohnung. Die Wohnung hat
Flur/Wohnzimmer/Eingangsbereich/Arbeitszimmer (kommt auf die jeweilige Definition
an), ein Bad, in dem man sich kaum umdrehen kann, eine schmale Küche und zwei
Zimmer, die auch nicht viel größer sind. Meine Wohnung besitzt außerdem eine
„Terrasse“. Nicht schön, aber zum Wäscheaufhängen gut geeignet.
Die Mietkosten tragen wir. 60.000 Pesos pro Person. Strom und Wasser sind dabei
inclusive. Gas müssen wir uns selber kaufen.

Frühstück und Abendbrot müssen wir selber zahlen, Mittag wird uns in der Schule
gestellt. Am Wochenende müssen wir selber kochen.

Taschengeld kriegen wir nicht. Nur vom SFD maximal 280 €. Je nachdem, wie die
Spenden ausfallen.

8:15 Uhr – 16:00 Uhr. Dazu dann noch Vorbereitung von Circa 1 Stunde pro Tag.

In der Woche verbringe ich die Freizeit nach der Schule meist in der Schule.
Dazu kopier ich das, was ich schonmal in meinem Blog geschrieben hab:
Montags Traditionelle Tänze mit ein paar Frauen, die in der Schule arbeiten.
Dienstags Sprachkurs von 6 bis halb 8 (+ 1 1/2 Stunden Metro).
Mittwochs nach der Schule zum Volleyball an der Deutschen Schule.
Donnerstags leite ich eine Deutsch AG mit Malte Piontek zusammen, danach
wieder Traditionelle Tänze.
Freitags Schulschluss um halb 2.
Samstags nehme ich an einer „Body-Combat“ AG teil.

Urlaub habe ich meistens dann, wenn die Schule Ferien hat und nichts großes
Ansteht. Es kann aber passieren, das in der Schule trotz Ferien noch was gemacht
werden muss.

Ich hab ein Visum für genau ein Jahr.

Hoffentlich gut. :-)


Ich selbst musste noch nicht ins Krankenhaus, aber die Clinica Alemana ist das beste
Krankenhaus Chiles. Manche behaupten sogar, es sei besser als die meisten
Krankenhäuser in Deutschland ;-)
Allerdings ist die Clinica Privat und somit auch ziemlich teuer. Für den normalen
Chilenen nicht zu bezahlen.

Nein.
4.) Verhältnis zur Dienststelle/ Vorgesetzten/
Mitarbeitern/ Mitfreiwilligen
Gibt es feste Ansprechpartner, wie klappt die Zusammenarbeit, gibt es Schwierigkeiten in der
Zusammenarbeit?

Ja, es gibt feste Ansprechpartner. Für kleine Fragen des täglichen Lebens kann man
immer Miguel fragen, der sich sehr um uns bemüht, uns schon oft eingeladen hat und
scheinbar auch gerne mit uns zusammen ist. Für mich kann sich da durchaus eine
gute Freundschaft entwickeln.
Für tiefer greifende Fragen zur Schule kann man sich an Christian, den Direktor,
wenden, und für Fragen über die Gemeinde steht der Pastor und Leiter der
Gemeinde Enno Rede und Antwort.

Ansonsten klappt die Zusammenarbeit bis jetzt ganz gut. Wenn man in der Schule
was braucht oder im Departemento etwas kaputt ist, kann man jederzeit Miguel
fragen, der gerne hilft. Ansonsten ist die Stimmung in der Schule super und jeder hilft
jedem. Zu merken ist das auch bei den AGs oder anderen Schulaktivitäten. Man
kommt sich hin und wieder fast wie in einer großen Familie vor.

5.) Integration
a) Arbeit
b) Leben außerhalb
Wie ist Eure Stellung/Rolle auf der Arbeit, wie gehen die Mitarbeiter mit Euch um?
Wie kommt Ihr sonst in Kontakt mit Leuten außerhalb der Arbeit?
Fühlt Ihr Euch angenommen?
Habt ihr einen Kulturschock erlebt ? (vorwiegend bei Evaluation 1)

Die Mitarbeiter sind offen und freundlich. Wie oben beschrieben: Ich fühle mich, wie
in einer großen Familie.
Als Mitarbeiter werde ich voll akzeptiert. Jenifer, die Educadora und Chefin meiner
Gruppe und somit auch mir vorgesetzt, lässt mir viele Freiheiten und Möglichkeiten,
mich zu entfalten und mit den Kindern zu arbeiten. Wenn ich etwas falsch gemacht
habe, oder eine Situation nicht ganz klar war, kommt sie zu mir und wir können
zusammen über alles sprechen. Kleine Missverständnisse kommen auch daher, das
ich keine Ausbildung genossen habe und dazu noch aus einem anderen Land
komme. Aber das sorgte bis jetzt noch nie für Streit, sondern ließ sich immer mit ein
paar Sätzen unter vier Augen klären. Bis jetzt war aber auch noch nichts großes und
ich hoffe, dass das auch so bleibt. :-)

Außerhalb der Arbeit haben wir Kontakt mit 2 anderen Freiwilligen, die wir in Kassel
über den SFD kennen gelernt haben und hier in einem anderen Projekt arbeiten.
Ansonsten habe ich auch in meiner Freizeit Kontakt mit Miguel und seiner Frau.
Miguel hat uns auch schon eine Disco gezeigt, die er für „sicher“ hält. Heißt, es gibt
hier auch Discos, die nur auf Touris abzielen oder in denen Ausländer gezielt
ausgeraubt werden.

Ja, ich fühle mich hier voll angenommen.

Nein. Da ich nicht genau wusste, was mich erwartet und ich mir auch selbst keine
Erwartungen gemacht habe, habe ich alles offen aufgenommen. An einige Sachen
muss man sich gewöhnen, aber verloren fühle ich mich hier auf keinen Fall!
Zum Beispiel kommt Klopapier in Deutschland ins Klo. Hier kommt es eben in einen
kleinen Mülleimer neben dem Klo, damit das Klo nicht verstopft. Mittlerweile hab ich
mich dadran gewöhnt, aber da 20 Jahre lang das Papier ins Klo kam, hat das echt
gedauert, damit ich mir diese „Gewohnheit abgewöhnt“ habe.

6.) Probleme
a) Arbeit
b) Rahmenbedingungen
Gibt es Probleme bzw. Schwierigkeiten im Hinblick auf eure Arbeit, eure Aufgaben, mit Vorgesetzten,
Mitarbeiten etc. ?
Gibt es Probleme im Hinblick auf die Rahmenbedingungen eures Freiwilligendienstes (Wohnsituation,
Verpflegung, Taschengeld, Arbeitszeiten, Urlaub, Visum, Gesundheit etc.)?

Bei der Arbeit: Nein.

Bei den Rahmenbedingungen schon eher.


Mit Miete und Essen habe ich diesen Monat knapp über 300 € ausgegeben. Von dem
SFD bekomme ich derzeit nur 280 € im Monat.
Diesen Monat habe ich privat nichts ausgegeben. Soll heißen, ich habe mir
höchstens mal ein Eis gekauft, aber keine Kleidung oder Luxusartikel. Das Geld ist
also sehr knapp bemessen.

Ansonsten ist die Wohnung an sich nicht sehr schön. Das Bad sieht aus, als hätte
gerad eine Bombe eingeschlagen. Der Putz brökelt von der Wand und der Boden
sieht aus, wie fest getretener Lehm. Unschön sieht es aus, stören tut es mich nicht
unbedingt.

Das Essen in der Schule ist nicht sehr gut, aber durchaus essbar. Ich hab bei den
Pfadfindern früher schon wesentlich schlimmeres gegessen. Ausserdem ist es
umsonst und da möchte man dann natürlich auch nicht meckern.

7.)Verbesserungsvorschläge /wichtige Hinweise


Welche Anregungen könnt ihr für die nächsten Freiwilligen geben, was unbedingt beachtet werden
muss?
Was ist noch für Euren Aufenthalt zu verbessern?
Weitere Anregungen für den sfd

Für die nächsten Praktikanten: Seid spontan, denn sich hier einen Plan zu machen,
ist so gut wie unmöglich. Immer kommt was dazwischen. Macht euch auch am
besten keine festgefahrenen Vorstellungen. Es kommt immer anders, als man denkt.
Man lebt hier zwar nur ein Jahr, aber für dieses Jahr ist die kleine Wohnung hier euer
zu Hause. Lasst euch drauf ein.

Zu Verbessern hätte ich für den Aufenthalt hier bis jetzt nichts richtiges. Wenn man
Fragen hat, hat man immer jemanden zum Ansprechen. Die Leute sind freundlich, ich
wurde bis jetzt tatkräftig von allen Seiten unterstützt. Ganz wichtig war hier auch die
Hilfe von Miguel und Hanna (eine andere Praktikantin, die diese Woche wieder nach
Deutschland fährt), ohne die ich mich hier nicht so schnell zurechtgefunden hätte.
Ohne diese Hilfe wäre mir ein Einleben in dieser kurzen Zeit wesentlich schwerer
gefallen.
8.) Fazit
Kurze Reflexion über Euren Gesamteindruck
Wie fühlt ihr Euch?
Was wollt ihr uns sonst noch mitteilen?

Ich finde es hier super und fühle mich pudelwohl! Ich hoffe, das klang auch in dem
vorliegendem Bericht und natürlich auch in meinem Blog durch. Ich freue mich auf die
nächsten 10 Monate und hoffe, dass diese genau so gut werden, wie die letzten
zwei. Vielleicht werden die nächsten aber auch noch besser. Denn wenn ich eines
hier gelernt habe, dann das:

Es kommt immer anders, als man denkt. Immer. :-)

So, die Kästchen sind ausgefüllt. Falls bei dem einen oder anderen noch Fragen
sind, dann möchte ich Bitten, das ihr die natürlich auch stellt. Wem der Bericht zu
förmlich war: Der nächste kommt bestimmt ☺

Und nun kann ich auch beruhigt den Bericht an die Öffentlichkeit geben.
Ich wünsche allen einen angenehmen Monat!
Bis zum Bericht Nummer 3!

Liebe Grüße

Mirko

PS: Natürlich darf auch hier der Wink mit dem Zaunpfahl nicht fehlen :-)
www.MirkoInChile.blogspot.com
Über Besuch und Nachrichten im Gästebuch freue ich mich!