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Buchhandlung Missing Link Zweigniederlassung Bonn


Thomas Przybilka Buschstr. 14 D-53113 Bonn
Tel: 0228 – 24 21 383 Fax: 0228 – 24 21 385

KRIMI-TIPP
# 51
(Mai - Dezember 2008)

Ein Service des BoKAS


Bonner Krimi Archiv [Sekundärliteratur]
Buschstr. 14, D – 53113 Bonn

zu deutscher und internationaler Sekundärliteratur der


Kriminalliteratur

Liebe Bezieher des KRIMI-TIPP,

der KRIMI-TIPP erscheint wie immer in zwei Teilen. KT 51


berichtet über die Sekundärliteratur des Genres, Teil 2 (PKT =
Primärliteratur Krimi-Tipp) weist auf die im Archiv
eingetroffenen Kriminalromane und Thriller hin (hierzu bitte
den ständigen Hinweis Click-Tipp beachten).

Seit Anfang November 2008 ist der neue Bond-Film „Ein Quantum
Trost“ in deutschen Kinos angelaufen. Die Verlage haben schon
im Vorfeld reagiert: Physik mit Bond, Kunst bei Bond, Bond im
Comic, eine Bond-Enzyklopädie und ein James Bond-Atlas sind
als kleine Auswahl in diesem KRIMI-TIPP zu finden. Daneben
auch einiges zu Religion & Kirche im Krimi und warum etliche
Ermittler auch richtige Profiköche sind.

Wie in der Vergangenheit, finden sich auch in diesem KRIMI-


TIPP wieder einige Hinweise auf ältere Titel, auf die ich erst
im Laufe der letzten Monate gestoßen bin. Diese Bücher sind
nach heutigem Recherchestand lieferbar.

Unter anderem wird im vorliegenden KRIMI-TIPP auf fünf Titel


des GRIN Verlages hingewiesen. Dieser Verlag bietet Seminar-
und Magisterarbeiten, sowie Dissertationen in Printversion
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und/oder als E-Books an. In einer der nächsten Ausgaben des


KRIMI-TIPP werde ich versuchen, das „Krimi“- Programm dieses
Verlages teilweise oder vollständig vorzustellen.

Ebenso finden sich im aktuellen KRIMI-TIPP einige Hinweise zum


sogenannten „Frauenkrimi“. Zu diesem Thema steuerte Frau Dr.
Brigitte Frizzoni (Uni Zürich) ihren Aufsatz „MordsFrauen –
Detektivinnen und Täterinnen im ’Frauenkrimi’ der 80er und
90er Jahre“ für das Kapitel „Unter der Lupe“ bei – an dieser
Stelle meinen herzlichen Dank an die Autorin (eine
Kurzbiographie zu Brigitte Frizzoni finden Sie im o.g.
Kapitel).

Wie immer hoffe ich, daß ich Sie wieder auf interessante
Sekundärliteratur, spannende Hörbücher und unterhaltsame
Krimis (PKT) aufmerksam machen konnte. Die Bezugsanschrift für
alle hier vorgestellten Titel finden Sie am Schluß der KRIMI-
TIPP (bitte geben Sie bei Bestellung stets die KT-Nummer an,
die sich am Schluß jedes Hinweises befindet – danke). Ich
würde mich freuen von Ihnen zu hören, bis dahin

mit besten Grüßen


Ihr Thomas Przybilka

Den Beziehern des KRIMI-TIPP wünsche ich

Frohe Weihnachten und alles Gute für das Neue Jahr

Merry Christmas and a Happy New Year

Joyeux Noël et meilleurs vieux pour la Nouvelle Année

Los mejores deseos de una Feliz Navidad y un próspero


Año Nuevo afectuosamente

- Tippfehler gehen zu Lasten des Herausgebers und mögen


entschuldigt werden -

HINWEISE
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Ständiger HINWEIS – MAIL-TIPP: Der „KrimiKurier“ mit


Rezensionen zu aktuellen Kriminalromanen kann kostenlos unter
g.lehmer@t-online.de angefordert werden oder ist in
wohlgeordneter Form und mit Cover-Abbildungen unter
www.alligatorpapiere.de/krimikurier.html zu finden.

Ständiger HINWEIS – CLICK-TIPP SEKUNDÄRLITERATUR: Die KRIMI-


TIPPS 1 – 50 sind, wie immer, in wohlgeordneter Form und mit
Cover-Abbildungen unter www.alligatorpapiere.de/krimitip1.html
(Gesamtverzeichnis) bzw. www.alligatorpapiere.de/aktuell.html
(Link in der sitemap: „Przybilkas Sekundärliteratur“) zu
finden.

Ständiger HINWEIS – CLICK-TIPP PRIMÄLITERATUR: Auch die


Hinweise zu neuen Kriminalromanen und Thrillern werden vom
webmaster der Alligatorpapiere archiviert. Zu finden sind
diese Hinweise unter www.alligatorpapiere.de/aktuell.html
(Link in der sitemap: „Przybilkas Primärlit-Tipps), natürlich
auch wieder mit Cover-Abbildungen.

Ständiger HINWEIS – CLICK-TIPP: Die Kolumne „Die Befragungen“


bei den Alligatorpapieren wächst kontinuierlich. Hier wird mit
der Zeit eine Sammlung von Interviews mit deutschen und
ausländischen Krimiautorinnen und Krimiautoren nachzulesen
sein: www.alligatorpapiere.de/befragung.index.html.

Ständiger HINWEIS – MAIL-TIPP: Der KRIMI-TIPP wird seit vielen


Ausgaben in Kanada von Prof. Norbert Spehner für sein
französischsprachiges Bulletin MARGINALIA übernommen. Wer
„Marginalia – Bulletin bibliographique des études
internationales sur les littératures populaires“ kennenlernen
oder abonnieren möchte wende sich an nspehner@sympatico.ca.

Ständiger HINWEIS – CLICK-TIPP: Seit April 2005 gibt es die


„KrimiWelt-Bestenliste“, initiiert von Tobias Gohlis,
Krimirezensent der Wochenzeitung „Die Zeit“. Eine unabhängige
Jury von 18 Krimikritikerinnen und –kritikern aus Deutschland,
Österreich und der Schweiz wählt Monat für Monat die zehn, in
ihren Augen, besten Kriminalromane (deutschsprachige wie
Übersetzungen) des laufenden Monats aus. „KrimiWelt“ ist ein
Gemeinschaftsunternehmen von „Die Welt“, „Arte“ und
„Nordwestradio“. Also jeden Monat www.arte-tv.com/krimiwelt
anklicken.

Ständiger HINWEIS – CLICK-TIPP: Wer ausführliche


Autorenporträts sucht, ist bei Lars Schafft, webmaster der
„Krimi-Couch“, richtig. Er aktualisiert und ergänzt nach und
nach die dort bereits erschienenen Autorenporträts: www.krimi-
couch.de
DIE SEKUNDÄRLITERATUR
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I – Hinweis zur Kriminalliteratur


II – Hinweis zu Film / TV / Video / Hörspiel
III – Hinweis zu Kriminalistik / True Crime / Spionage
IV – Hinweis zu Varia
V – Hinweis zu Krimi-Preisen

(at) = Autorentext
(vt) = Verlagstext

III. Allertz, Robert (in Zusammenarbeit mit Gerhard Neiber †):


Die RAF und das MfS. Fakten und Fitionen. 2008, 223 S., s/w
Fotos und Abb., Verlag Das Neue Berlin (edition ost), 3-360-
01090-6 / 978-3-360-01090-2 / K 20 22 65 64, EURO 14,90
Die Medien erinnerten sich des „Deutschen Herbstes“ vor 30
Jahren und nutzten das Jubiläum, um die Verbindung von MfS und
RAF zu untersuchen. Aus dem Umstand, dass die DDR sich seit
1980 um die Aussteiger kümmerte, wurde geschlossen, die
Verbindung sei älteren Datums und unrühmlichen Charakters.
Bekannt ist, dass die DDR ein knappes Dutzend ehemaliger
Terroristen beherbergte. Damit wurde zugleich verhindert, dass
sie wieder aktiv werden konnten. Insofern war dieser Akt eine
gesamtdeutsche Befriedungs-Maßnahme, von der die
Bundesrepublik mehr profitierte als die DDR. Wie so manches
andere auch wird nun dieser Teil der Geschichte neu
„interpretiert“. Inzwischen heißt es, dass für die Betreuung
der Aussteiger zuständige MfS habe seit Beginn der 70er Jahre
von terroristischen Aktivitäten nicht nur Kenntnis gehabt,
sondern diese direkt unterstützt. Robert Allertz hat mit
ehemaligen Offizieren des MfS, die mit der Terrorismusabwehr
und mit der Betreuung der Aussteiger befasst waren,
gesprochen. Aus ihren Auskünften und den vorliegenden
Dokumenten geht anderes hervor als derzeit behauptet. Inhalt
u.a.: Gespräch mit Major a.D. D.Y. von der HA XXII „Wir
wollten den Terror von der DDR fernhalten“ / Gespräch mit
Generalleutnant a.D. Gerhard Neiber „Es war richtig, dass wir
die Aussteiger aufnahmen“ / Gespräch mit Oberstleutnant a.D.
Gerhard Plomann „Terror diskreditiert jede politische
Bewegung“ / Gespräch mit Rechtsanwalt Frank Osterloh „Es gab
Absprachen zwischen Berlin und Bonn“. (vt) KT 51

V. Anonymus: Florenz-Stadtplan. Ein Rundgang durch Florenz mit


Magdalen Nabb. 2008, Diogenes Verlag
Im August 2007 verstarb in Florenz die 1947 in Church
(Lancashire) geborenen Kriminalschriftstellerin Magdalen Nabb.
Berühmt wurde die Engländerin durch die insgesamt dreizehn
Maresciallo Guarnaccia-Krimis, einem ruhig und bedächtig
ermittelnden Kriminalisten. Fans des Florentiner Carabiniere
haben jetzt die Gelegenheit, auf Guarnaccias Spuren dessen
Recherchearbeit und -wege ab seiner Amtswohnung, die über dem
Carabinieri-Posten im Palazzi Pitti liegt, in Florenz
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nachzuvollziehen. Ein virtueller Rundgang mit vielen Fotos ist


im World Wide Web jetzt unter www.diogenes.ch/florenzplan zu
finden. KT 51

I. Anonymus: Vom Morden im Norden. Henning Mankell und die


nordische Kriminalliteratur. Zum 60. Geburtstag des
schwedischen Autors und Theaterregisseurs am 3. Februar 2008.
2008, 26 S., Hochschul- und Landesbibliothek Fulda, kostenfrei
Zum 60. Geburtstag des schwedischen Kriminalschriftstellers
Henning Mankell veranstaltete die Hochschul- und
Landesbibliothek Fulda im Februar 2008 ein kleine Austellung.
Zu dieser Ausstellung erschien ein kleines Begleitheft in dem
neben der Biographie des Autors und einer Aufstellung der
Mankell verliehenen Auszeichnungen auch zwei Artikel
abgedruckt wurden: „Die Figur des Kurt Wallander“ und „Der
Mord, der aus der Kälte kam – Thesen zum Boom der
skandinavischen Kriminalliteratur in Deutschland“. Der letzt
genannte (und gekürzte) Aufsatz stammt von Alexandra
Hagenhuth. [Der komplette Aufsatz unter dem Titel „Der Mord,
der aus der Kälte kam. Was macht skandinavische Krimis so
erfolgreich“ ist nachzulesen in „Hindersmann (Hg): Fjorde,
Elche, Mörder. Der skandinavische Kriminalroman“, 2006 in der
Reihe KrimiKritik im NordPark Verlag erschienen]. Daneben
listet das Begleitheft den Bestand der Henning Mankell-Titel
in der HLB auf, sowie weitere Krimis anderer Autoren der
nordischen Kriminalliteratur, die in der HLB vorhanden sind.
Das Begleitheft kann man downloaden: www.hs-fulda.de. KT 51

IV. Auler, Jost: Schurken, Schmuggler & Gerichte. Auf den


Spuren historischer Kriminalfälle im alten Zons. 2007, 44 S.,
1 farb. Übersichtskarte, 50 s/w Abb, Kartenausschnitte und
Pläne, AT - Archaeotopos Verlag, 978-3-938473-08-5, EURO 6,50
Der Historiker und Archäologe Jost Auler bietet mit seiner
kleinen Broschüre einen Rundgang durch das
spätmittelalterliche-frühneuzeitliche Zons am Niederrhein
(Stadtteil von Dormagen, Rhein-Kreis Neuss). Zehn Stationen
hat Auler zusammengestellt, die dem interessierten Besucher in
ca. 1 bis 2 Stunden die alltägliche gewalttätige und
kriminelle Geschichte dieses Stadtteils in der Zeit von 1464
bis 1803 näher bringt. Über Schlägereien, Kirchenraub,
Diebstahl, Brandstiftung, Raub und Mord und natürlich über die
gerichtlichen Würdigungen dieser Straftaten (Pranger, Verlies,
Folter oder Galgen) berichtet Auler in seiner Broschüre, die
reich mit Abbildungen ausgestattet ist. Auler, der auch im
Geschichtesverein für Dormagen, Nievenheim und Zons aktiv ist,
schließt den Rundgang mit einer weiterführenden und recht
ausführlichen Literaturauswahl. KT 51

I. Bacher, Christina (Hg): Tatort Türkei. Kalender für


Kriminalliteratur 2009. 2008, 141 S., s/w Fotos, Grafiken von
Birgit Jansen, Daedalus Verlag, 3-89126-209-4 / 978-3-89126-
209-2 / K 20 56 09 16, EURO 7,95
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Die Türkei war Gastland auf der Frankfurter Buchmesse 2008,


was lag also für Herausgeberin Christina Bacher näher, als die
Türkei bzw. den türkischen Kriminalroman zum Thema für den
„Kalender für Kriminalliteratur 2009“ zu machen. Inzwischen
übrigens der 5. Themen-Krimi-Kalender der Herausgeberin. Neben
dem Kalendarium und einem Serviceteil bietet der neue Kalender
Auszüge aus den Krimis von Celil Oker („Letzter Akt am
Bosporus“ und „Foul am Bosporus“, Periahn Magden („Zwei
Mädchen. Istanbul Story“) und Ahmet Ümit („Nacht und Nebel“).
In weiteren Beiträgen geht Rainer Scheer auf „Ermittlungen
zwischen Europa und Asien. Ein Streifzug durch die Türkei im
Kriminalroman“, Gisela Lehmer-Kerkloh wirft einen Blick auf
„Esmahan Aykols Istanbul“, Esmahan Aykol stellt sich der
Befragung von Gisela Lehmer-Kerkloh und dem Herausgeber des
KRIMI-TIPP – abgerundet wird der „Fragebogen“ durch die
„Bibliografie Esmahan Aykol“, Celil Oker erklärt „Warum
schreibe ich Kriminalliteratur?“, Rainer Scharlipp weiß
Bescheid über „Ahmet Ümit und andere gefährliche türkische
Autoren“, Thomas Wörtche klärt über „Scheintürken“ auf und der
Herausgeber des KRIMI-TIPP weist Krimis mit setting Türkei und
entsprechende Sekundärliteratur zur türkischen
Kriminalliteratur in der „Auswahlbibliogrphie, Teil I und II“
nach. Wermutstropfen in dieser aktuellen Ausgabe der „Kalender
für Kriminalliteratur“ sind Fehler, die der Schlußredaktion
unterlaufen sind, wie z.B. fehlenden Autorenzeilen, oder
(schlecht zu verzeihen) grobe Fehler bei Autorennamen („Cecil“
statt „Celil“ Oker). KT 51

I. Bailey, Frankie Y.: African American Mystery Writers. A


Historical and Thematic Study. 2008, McFarland, 978-0-7864-
3339-1, ca. $ 35,00 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
This ambitious study examines the works of modern African
American mystery writers within the social and historical
contexts of African American literature on crime and justice.
It begins with a historical overview that describes the
movement by African American authors from slave narratives and
antebellum newspapers into fiction writing, the work of early
genre writers, such als Pauline Hopkins and Rudolph Fisher,
the protest writers of the 1940s and 1950s, and the authors
who followed in the 1960s. The historical section concludes
with a discussion of works by late twentieth-century writers
such as Toni Morrison and Ernest Gaines and the expansion of
the audience for works by African American writers. The heart
fo the book is an analysis of works by modern African American
mystery writers, focusing on sleuths, the social locations of
crime, victims and offenders, the notion of „doing justice“,
and the role of African American cultural vernacular in
mystery fiction. A final section focuses on readers and
reading, examining African American mystery writers access to
the marketplace and the issue of the „double audience“ raised
by earlier writers. It includes the results of an online
survey of mystery readers and presents interviews with a
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cross-section of African American mystery writers and academic


scholars. (vt) KT 51

I. Bayard, Pierre: Freispruch für den Hund der Baskervilles.


Hier irrte Sherlock Holmes. 2008, 205 S., leicht gekürzte
Fassung, (L’affaire du chien des Baskerville, Ü.v. Lis
Künzli), Verlag Antje Kunstmann, 3-88897-529-8 / 978-3-88897-
529-5 / K 21 02 74 44, EURO 16,90
„Der Hund von Baskerville“ (richtig wäre „Der Hund der
Baskervilles“ s. auch die ehemalige Holmes-Werkausgabe bei
Haffmans) wird garantiert genannt, wenn man nach dem
bekanntesten Roman von Arthur Conan Doyle fragt. Dieser Hund
trieb sich im Dartmoor herum und tötet hin und wieder einen
der Baskervilles. Es scheint ein Fluch auf dem Clan der
Baskervilles zu liegen. Holmes und sein sidekick Dr. Watson
sollen endgültig klären, ob es diesen Hund wirklich gibt oder
ob ein Mörder das Dartmoor unsicher macht. Klar ist, daß
Holmes den Fall löst. Dennoch bleiben Unklarheiten in Doyles
Roman. Pierre Bayars, Literaturwissenschaftler und
Psychoanalytiker aus Paris, versucht in seinem Buch
„Freispruch für den Hund der Baskervilles“ zu beweisen, daß
der Monsterhund unschuldig ist. Bayard weist nach, daß sich
bei Doyle die literarischen Figuren selbständig machen, ohne
daß es der Autor selbst bemerkt hätte. Bayrad nennt dies den
„Holmes-Komplex“. [„Who dunnit? Die meisten Krimileser
verlassen sich ganz auf den Autor, wenn es um die Aufklärung
literarischer Morde geht. Falsch, sagt Pierre Bayard: Selbst
Meisterdetektive wie Sherlock Holmes können irren, ohne dass
der Autor es bemerkt. Wie man als Leser den wahren Mördern in
literarischen Texten auf die Schliche kommt, zeigt uns dieses
ebenso witzige wie kluge Buch.“ (vt)]. KT 51

I. Behrens, Kerstin: Verbrechensaufklärung im 87th Precinct –


Ed McBains Serie von Polizeiromanen. 2003, 89 S. (numeriert) +
4 S. (nicht paginiert), (Magisterarbeit), GRIN Verlag (BoD),
978-3-638-95459-4, EURO 54,90
Salvatore Albert Lombino wurde am 15.10.1926 in New York
geboren und starb am 6.7.2005 in Weston, CO. Der Name Lombino
wird den meisten Lesern so nichts sagen, eher schon Evan
Hunter oder – noch bekannter – Ed McBain. Als Evan Hunter
schrieb Lombino „ordentliche“ Unterhaltungsliteratur,
Kurzgeschichten, Theaterstücke, Hörspiele ein paar
Kinderbücher. Unter dem Pseudonym Ed McBain schrieb er die
Matthew-Hope-Serie und die legendären Kriminalromane um das
87. Polizeirevier. Daneben stammen noch Bücher unter den pen-
names Curt Cannon, Richard Marsten, Hunt Collins, Ezra Hannon
und John Abbott aus seiner Feder. Berühmt gemacht hat Ed
McBain die Serie um das 87th Precinct – und damit schlug er
gleichzeitig ein wichtiges Kapitel in der Geschichte in der
amerikanischen Kriminalliteratur auf. Ed McBain gilt
schlechthin als der Erfinder des „Police Procedural“, des
Polizeiromans. Kerstin Behrens hat in ihrer Magisterarbeit das
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Phänomen Ed McBain und das 87. Polizeirevier untersucht.


Allerdings benötigt sie ganze 33 Seiten in denen sie
„ausführlich die Geschichte und die Merkmale des Detektiv-
Genres“ erläutert (S. 31), um dann endlich auf Ed McBain
sprechen zu kommen. Nach einer kurzen Analyse des Romans
„Romance“ wendet sie sich dann den Hauptprotagonisten zu
(Carella, Meyer, Hawes, Kling und Weeks) und wirft dann einen
Blick auf die imaginäre Stadt „Isola“, in der das 87th
Precinct angesiedelt ist, zu werfen. Wohlgemerkt, es handelt
sich hierbei um eine Magisterarbeit, deren Umfang von
vornherein begrenzt ist. Wünschenswert wäre gewesen, wenn
Kerstin Behrens der Geschichte der Detektiv-/Kriminalliteratur
weniger Platz eingeräumt hätte, um sich dafür ausführlicher
mit dem Sujet ihrer Untersuchung beschäftigen zu können. Zudem
irritiert ihre Bemerkung, daß „zum Thema Ed McBain kaum
ernstzunehmende Sekundärliteratur zu finden ist“ (S. 31). In
ihrer kleinen Auswahlbibliographie der (allgemeinen)
Sekundärliteratur zum Krimi führt sie u.a. auch das „Lexikon
der Kriminalliteratur“ auf, dort erschien bereits im Jahr
2000, also drei Jahre vor Entstehen dieser Magisterarbeit,
eine umfangreiche Bibliographie deutscher wie internationaler
Sekundärliteratur zu Ed McBain! (Vorgelegt übrigens vom
Herausgeber des KRIMI-TIPP). KT 51

I + IV. Berndorf, Jacques [d.i. Michael Preute]:


Gebrauchsanweisung für die Eifel. 2008, 236 S., 1
Übersichtskarte, Serie Piper 7543, 3-492-27543-5 / 978-3-492-
27543-9 / K 18 96 43 58, EURO 14,90
Journalist und Kriminalschriftsteller Michael Preute, der
unter dem Pseudonym Jacques Berndorf die Eifel-Bindestrich-
Krimis schreibt, hat die einstmals „Rheinisches Sibirien“
genannte Landschaft nicht nur auf der Krimilandkarte
Deutschland fest verankert, sondern dürfte mit seinen Eifel-
Krimis den Touristik-Büros der Eifel-Städte und –Gemeinden
einen unschätzbaren und unbezahlbaren Dienst erwiesen haben.
Gegenden in denen Siggi Baumeister und Kriminalrat a.D.
Rodenstock erfolgreich ermitteln, haben schon viele Berndorf-
Fans unter die Lupe genommen. Und manchmal nur, um dem Autor
später mitzuteilen, daß der Briefkasten im Fall XY nicht an
jener Straßenkreuzung steht, sondern 100 Meter weiter vor eben
jener Straßenkreuzung. In der erfolgreichen Reihe
„Gebrauchsanweisung für …“ des Piper Verlages hat jetzt
Berndorf seine ganz persönliche Gebrauchsanweisung für die
Eifel, die stille Schönheit im Westen, vorgelegt.
--- „Eifel-Kreuz“, „Eifel-Blues“, „Eifel-Schnee“, „Mond über
der Eifel“: In seinen Büchern mit Millionenauflage macht er
die Eifel zum Tatort für Verbrecher. Jetzt stellt Jacques
Berndorf uns seine Heimat mit seinen ganz persönlichen
Lieblingsplätzen vor. Er nimmt uns mit in das uralte
Bauernland mit Mittelgebirge und Torflandschaften, in
Nationalparks, auf mittelalterliche Festungen und auf die
Deutsche Vulkanstraße. In die älteste Stadt Deutschlands, nach
9

Trier, nach Koblenz, Bad Münstereifel, Prüm und Monschau, zu


den Ordensbrüdern von Maria Laach und zum Eifel-
Literaturfestival. In die Heimat von Bitburger, Apollinaris
und Rucola, von Mario Adorf, Balthasar König – und vielleicht
auch Karl dem Großen? Er führt uns zu den Maaren, diesen
„Augen der Eifel“: Der Überlieferung nach sind sie Tränen, die
Gott angesichts der Schönheit der Schöpfung der Eifel weinte.
Er zeigt uns eine Idylle mit Abgründen, eine Region mit
Kultstatus, eine mystische Welt für sich. (vt) ---
Jedem Berndorf-Fan sei diese Gebrauchsanweisung herzlich
empfohlen. Hier findet er, in 42 Kapiteln, alle Informationen
zu den Orten der Eifel-Krimis, an denen Siggi Baumeister und
Rodenstock ermittelten. Jedes Kapitel beginnt mit einer
ausführlichen historischen Darstellung der Gegend und
prägender Ereignisse der Siedlungsgeschichte, dann gleiten
Berndorfs Beschreibungen in die Gegenwart über und er verweist
auf markante Punkte, lohnenswerte touristische Ziele die man
in der Eifel zu Hauf findet: Burgen, Vulkane, Maare oder
Restaurationen, in denen sich Baumeister und Rodenstock für
weitere Ermittlungen gestärkt hatten. KT 51

Weiterführende Literatur: Thomas Przybilka mit Gisela Lehmer-


Kerkloh und Alwin Ixfeld: Siggi Baumeister oder Eine
Verfolgung quer durch die Eifel. NordPark Verlag (KrimiKritik
1), 3-935421-11-7 / 978-3-935421-11-9 / K 16 11 02 46, EURO
10,50

III. Biermann, Pieke: Der Asphalt unter Berlin.


Kriminalreportagen aus der Metropole. 2008, 255 S., Pendragon
Verlag, 3-86532-104-6 / 978-3-86532-104-6 / 20 88 55 57, EURO
14,90
„Der Asphalt unter Berlin“ beinhaltet 28 Kriminalreportagen
zwischen Juni 2003 und März 2008, die im Tagesspiegel gedruckt
und im RBB-InfoRadio ausgestrahlt wurden. Dabei geht es der
Kriminalautorin Pieke Biermann nicht um spektakuläre
Enthüllungen von Tat und Tätern. Vielmehr beschäftigt sie sich
mit der alltäglichen Kriminalität, der die Medien meist nur
einen Zweizeiler widmet. Thematisch gegliedert verdeutlicht
Pieke Biermann an Einzelschicksalen was Kriminalität mit den
Opfern, ihren Angehörigen, Zeugen, Polizisten und Helfern
macht, gibt ihnen ein Gesicht und eine Geschichte. Sie
berichtet von der täglichen Angst der Beteiligten, wenn Gewalt
plötzlich in die normale Welt einbricht, so wenn
Verkäuferinnen von Billig-Drogeriemärkten Opfer von
Raubüberfällen werden, und Busfahrer plötzlicher
Gewaltausbrüche von Fahrgästen ausgesetzt sind, von Menschen,
die Zeugen in zu Mord führenden Familienstreitigkeiten wurden,
von Polizisten, die sich mit dem Tod des Kollegen während
eines Einsatzes abfinden müssen, wie die Grauzone zwischen
Legalität und Kriminalität zu fingierten Firmenbankrotten
genützt werden und die High-Tech-Kriminalität neben die
traditionellen Gewalt- und Einschüchterungsverbrechen tritt.
10

Biermann thematisiert die explodierende Jugendgewalt mit


Angriffen auf alle, die anders sind, und die Gewalt unter
Jugendlichen, die verstärkt auch von Mädchen ausgeübt wird.
Sie schreibt engagiert und sachlich, beschönigt nichts,
dramatisiert aber auch nicht und betreibt keine Schwarz-Weiß-
Malerei. (Gisela Lehmer-Kerkloh, erstmals erschienen in
„Krimikurier“, No. 26, Sommer 2008) KT 51

III. Black, Jack: Der große Ausbruch aus Folsom Prison. 10 + 1


Stories. 2008, 96 S., im Anhang: Fremont Older „Jack Black ist
tot“ [San Francisco Call-Bulletin, 22. Juni 1933], (The Big
Break at Folsom, as told to Rose Wilder Lane, Ü.v. Axel Monte
& Jerk Götterwind), Verlag Killroy Media, 3-931140-19-9 / 978-
3-931140-19-9 / K 21 29 34 31, EURO 13,30
Schon früh wurde aus dem Kleinkriminellen Jack Black ein
Gewohnheits- und Berufsverbrecher. Gefängnisstrafen blieben
nicht aus – unter dem Strich waren es für Jack Black insgesamt
25 Jahre Haft, davon 8 Jahre im berüchtigten Folsom Prison.
Seine Gefängnisjahre im Folsom Prison und die Erlebnisse dort
beschreibt er distanziert. „Folsom Prison Blues“ vom
legendären Countrybarden Johnny Cash dürften vielen noch im
Ohr sein – die Trostlosigkeit eines Aufenthalts an diesem Ort
hat er in seinem Song treffend beschrieben.
Mehr zum Buch von Gitta List in „Lost Men“
Mehr zum Folsom State prison unter
www.cdcr.ca.gov/visitors/facilities/fsp.html

Lost Men
»Jeder Mensch lebt davon, einem anderen etwas wegzunehmen.
Unsere Gesellschaft hat Regeln aufgestellt, nach denen einige
Methoden des Wegnehmens erlaubt sind, andere nicht.
Eigentumsrechte sind eine abstrakte Sache. Ich glaube nicht,
dass irgendein Jugendlicher unter zwanzig denkt, sie würden
auch für ihn gelten. «
Jack Black (1868-1933) war, was man einen »schweren Jungen«
nennt. Anfangs noch ein kleiner Tramp, ein Junge mit Rosinen
im Kopf und einem Job als Küchenhilfe, gerät er nach der
ersten Verhaftung - wegen nichts und wieder nichts - in jene
verhängnisvolle Schleife von Armut und Diebstahl, die aus
kleinen Tramps kleine Gauner, aus kleinen Gaunern Ganoven -
und aus Jack einen Berufseinbrecher macht.
Landete er beim ersten Mal noch unschuldig im Kittchen – beim
zweiten Mal war er es nicht mehr. Fortan verlief sein Leben im
Rhythmus von Urteilssprüchen und Knastjahren. Black hatte
immer mal von einem Ruhestand als Saloonbesitzer geträumt,
aber so lief es eben nicht, es lief schief und schiefer. Bis
er schließlich in Folsom Prison landete, einem der ersten
Hochsicherheitsgefängnisse der USA. Wo der Terror der
Gefängnisdirektoren und Wärter alles, was ihm an Rechtswesen
und Strafvollzug ohnehin nicht geheuer schien, noch weit
übertraf.
11

›Verheerend‹ ist ein freundliches Wort für die Zustände in


Folsom Prison um 1900. Schlechtes Essen, katastrophale
Hygiene, Willkür, Korruption und Folter; wer hier einsaß, war
verloren. Kein Gesetz schützte ihn mehr; keiner der
Grundsätze, nach denen Richter urteilen, galt mehr für ihn.
Folsom Prison, das zweitälteste Gefängnis von Kalifornien, war
ein rechtsfreier Ort: »Es bestand keine Hoffnung auf
Begnadigung, kaum Hoffnung auf vorzeitige Haftentlassung,
nichts, auf das sich zu hoffen lohnte. Eher würde ein Sünder
aus der Hölle entlassen als ein Sträfling aus dem Knast.«
Zahlreiche Häftlingsrevolten und Ausbrüche, in
selbstmörderischer Weise durchgeführt, zeigen die Verzweiflung
der Männer, die lieber ihr Leben verloren als die Folter
dieser Haftbedingungen noch länger zu ertragen. Den »Großen
Ausbruch von 1903« erlebte Black als Zeuge mit. Nach seiner
Entlassung 1913 bekam er – unterstützt durch den Verleger
Fremont Older, einen Freund und Förderer – die Gelegenheit,
darüber zu schreiben, was ihm widerfahren war. Black erwies
sich als höchst talentierter Autor und auch Redner; seine
Schriften und Vorträge, in denen er auch für Reformen im
Strafvollzug warb, wurden nicht nur viel beachtet, sie
beeinflussten auch Autoren des True-Crime- und Hardboiled-
Genres.
Was man »glücklich« nennt, wurde er nicht mehr. Zuletzt krank,
verarmt und entmutigt, verboten ihm sein Stolz und sein
Ehrgefühl, die Hilfe seiner Freunde anzunehmen. Am 22. Juni
1933 veröffentlichte Fremont Older im San Francisco Bulletin
einen bewegenden Nachruf, dessen erster Satz lautete: »Ich bin
mir sicher, dass Jack Black tot ist.«
(Gitta List, erstmals erschienen in „Schnüss – Das Bonner
Stadtmagazin“, No. 10, Oktober 2008) KT 51

IV. Bleich, Gerhard (Ansprechpartner) in Verbindung VVV


Burgdorf und Stadtsparkasse Burgdorf: Top Secret. Die Welt der
Spionage. Sammlung Dr. Heinrich Peyers (Peine). 2008, 12 S.,
s/w Abb. und Fotos, geheftet, Schutzgebühr EURO 2,00 zzgl.
Porto. Nicht über Buchhandel!
In der Zeit vom 27.9.2008 bis 18.1.2009 (jeweils Samstag und
Sonntag, 14.00 bis 17.00 Uhr) wird in der KulturWerkStadt
Burgdorf, Poststr. 2, 31303 Burgdorf die Ausstellung „Top
Secret. Die Welt der Spionage“ präsentiert. Es handelt sich
hierbei um die Sammlung von Dr. Heinrich Peyers, die dieser
seit Jahren zusammengetragen hat. Gezeigt werden u.a.
Ausrüstung und Werkzeuge aus Ost und West, wie
Spionagekameras, Fälschungskoffer, verdeckte Waffen etc.,
deren Handhabung auch demonstriert wird. Zur Ausstellung wurde
eine kleine Broschüre erarbeitet, in der von Gerhard Bleich
„Die Geschichte der Spionage“ in Stichworten kurz erläutert
wird (festgemacht an hsitorischen Daten bzw. berühmten und
bekannten Spionen). Ergänzend dazu ein kurzer Beitrag des
Sammlers und Leihgebers Heinrich Peyers zur Entstehung und zum
Hintergrund seiner Sammlung. Diese Broschüre ist nicht über
12

den Buchhandel zu beziehen! Informationen zu


Zahlungsmodalitäten und Bezugsanschrift: vvvburgdorf@aol.com
oder KulturWerkStadt Burgdorf (Anschrift s.o.). KT 51

I. Bodi, Verena: Textimmanente Untersuchung des Romans „Der


Hahn ist tot“ von Ingrid Noll und Versuch einer Zuordnung in
das Subgenre „psychologischer Frauenkrimi“. 2000, 16 S.,
(Hausarbeit), GRIN Verlag (BoD), E-Book, 978-3-638-29136-1,
EURO 6,99
[kein Text vorhanden]. KT 51

III. Brandt, Horst: Blind Date mit dem Tod. Authentische


Kriminalfälle. 2008, 191 S., Militzke Verlag, 3-86189-811-X /
978-3-86189-811-5 / K 21 02 70 41, EURO 16,90
Horst Brandt, Kriminaldirektor a.D., ehemaliger Leiter des
Referats M „Delikte am Menschen“ und Chef aller neun Berliner
Mordkommissionen und der Brandkommissariate, berichtet wieder
fundiert und anschaulich vom Alltag in der Berliner
Polzeibehörde. Bereits in früheren KRIMI-TIPPS wurden auf die
beiden True-Crime-Bände von Brandt hingewiesen („Jenseits vom
Tatort. Authentische Kriminalfälle“ und „Verbrechen und
Katastrophen im 20. Jahrhundert“, beide Titel aus dem Militzke
Verlag sind lieferbar). 13 Fälle aus der Nachkriegszeit und
aus der Zeit des Kalten Krieges werden von Brandt detailreich
geschildert, selbstverständlich auch, wie diese
Kapitalverbrechen aufgeklärt werden konnten: durch engagierte
Ermittlungsarbeit, manchmal auch durch Hilfe von „Kommissar
Zufall“ oder auch bodenlose Dummheit der Täter. Selbst zur
Zeit den Kalten Krieges konnte durch Amtshilfe und Kooperation
zwischen Ost und West Verbrechen aufgeklärt und die Täter
dingfest gemacht werden. Inhalt: Der Fall Rössler / Wolf im
Schafspelz / Das schreckliche Ende einer Schülerreise /
Zwanzig Jahre Ungewissheit / Der Rentnerinnenmörder / Der Arzt
und die Prostituierten / Ein Auge fürs Detail / Die Blutspur
endet in Dresden / Ein Frauenkopf auf dem Grazer Platz /
Grausiger Fund im Altenheim / Die Tote im Tümpel / Das Drama
von Kreuzberg / Explosion im Morgengrauen. KT 51

I. Cann, Jos van & Jespers, Henri-Floris (Hg): Thriller versus


roman. 2008, 142 S., Garant Uitgevers, 978-90-441-2363-1, ca.
EURO 15,90
Die „Diamanten Kogel“ ist der Preis, der im flämischsprachigen
Belgien für den besten Kriminalroman des Jahres vergeben wird.
Von Konzeptkünstler Wim Delvoye entworfen, macht die
„Diamanten Kogel“ im Bücherregal der Preisträger wirklich
etwas her: Die Kugel besteht aus 500 Gramm Sterling Silber und
ist mit vier Diamanten (0,35 Karat pro Stück) besetzt. Im
September 2008 ging die Auszeichnung an Patrick Conrad für
seinen Kriminalroman „Starr“. „De Diamanten Kogel“ wurde
während der Veranstaltung des „Diamond Ball“ verliehen. Zuvor
hatten die belgischen und niederländischen Krimischriftsteller
ein Kolloquium organisiert, auf dem u.a. der Stellenwert des
13

misdaadroman (Krimi) im Kontext der Literatur niederländischer


(resp. flämischer) Sprache diskutiert wurde. Weiterhin
beschäftigten sich Vorträge mit der Geschichte und der
Entwicklung der Kriminalliteratur in den Niederlanden. Jim
Madison Davis, Professor an der University of Oklahoma,
referierte über Kriminalliteratur in den USA und Jooris van
Hulle liferte eine „case-study“ zum südafrikanischen
Kriminalliteratur. Jos van Cann (Journalist und Autor des
Nachschlagewerks „Moordgids“) und Henri-Floris Jespers
(Literaturwissenschaftler) haben die Vorträge gesammelt und
den Reader „Thriller versus roman“ herausgegeben. Beide
Herausgeber dürften den Lesern des KRIMI-TIPP nicht unbekannt
sein, ebenso wie andere Autoren dieses Reader, da im KRIMI-
TIPP bereits verschiedendlich auf ihre Publikationen
hingewiesen wurde. Der Reader versammelt folgende Beiträge:
Jos van Cann & Henri Floris Jespers: Echte literatuur? / Elvin
Post: Literaire thriller. Ja of neen? / René Appel & Charles
den Tex: Familievete? De misdaadroman versus de literaire
roman / Jos van Cann: Nederlandstalige misdaadliteratuur? Voor
de Tweede Wereldoorlog? / Jan Lampo: De Kachel van Maigret of
Zielsverhuizing van de Lezer. Aantekeningen en bekentenissen /
Matthijs de Ridder: Het complot der estheten. Het spannende
verhaal van de Vlaamse letteren / Henri-Floris Jespers:
Waardering en misverstand. Georges Simenon en André Gide /
Jooris van Hulle: De maatschappelijke relevantie van
thrillers. Case-study - de Zuid-Afrikaanse misdaadliteratuur /
J. Madison Davis: The Pecking Order. The Hierarchy of Genre in
the United States / Mieke de Loof: De avonturen van Alice in
Literatuurland / Felix Thijssen: Als onze taal muziek wordt en
ons verhaal een symfonie. KT 51

I. Chauchard, Catherine / Pujol, Nathalie / Regnault, Alain,


Sablayrolles, Vincent / Witta, Michèle (Red): Les Crimes de
l’année, No. 17. Sélection critique des ouvrages polciers
parus entre août 2006 et août 2007. 2008, 221 S., zahlr. s/w
Buchcover-Abbildungen, Paris bibliothèques, 9782843311642,
EURO 15,00
Die o.g. Redakteure und weitere Mitarbeiter verschiedener
Pariser Bibliotheken haben insgesamt 284 Kriminalromane,
Krimianthologien, Jugendkrimis, Comics und die
Sekundärliteratur zum Genre begutachtet – ausnahmslos
französischsprachige Titel (Originaltitel oder Übersetzungen),
erschienen zwischen August 2006 und August 2007. Das neue und
damit 17. Rezensionsjahrbuch „Les Crimes de l’année“ ist stets
eine Fundgrube für denjenigen, der sich über die aktuelle
französischsprachige Krimiproduktion informieren möchte. Neben
den 284 Rezensionen hat die Redaktion von BILIPO (Bibliothèque
des Littératures Policières) unter der Leitung von Chaterine
Chauchard wie immer ein Übriges getan und umfangreiche
Aufstellungen zu diversen (internationalen) Krimimagazinen
bzw. Fanzines, eine Liste der (französischen) Krimifestivals
und Krimibuchhandlungen und eine Übersicht der 2007 vergebenen
14

französischen Krimipreise zusammengestellt. Erschlossen wird


das Jahrbuch wieder durch Register zu Titeln, Genres, Themen,
Ländern und Krimipersonal. KT 51

I. Connelly, Mark: The Hardy Boys Mysteries, 1927 – 1979. A


Cultural and Literary History. 2008, 262 S., zahlr. Fotos,
McFarland, 978-0-7864-3386-5, ca. $ 49,95 (Tageskurs, zzgl.
MWSt)
Was in Europa als „Einstiegsdroge“ im Kindes- und Jugendalter
für spätere Krimiliebhaber galt und gilt, nämlich Erich
Kästners „Emil und die Detektive“, die „Fünf Freunde“-Serie
oder die „Geheimnis um“-Serie der Enid Blyton oder Lindgrens
Meisterdetektiv Kalle Blomquist, sind in den USA die Serie um
die „Hardy Boys“ für Jungen und die Abenteuer der „Nancy Drew“
für Mädchen (s. dazu unten Cornelius & Gregg: Nancy Drew and
Her Sister Sleuths). Seit gut achtzig Jahren gibt es sie nun
schon, die Abenteuer der Hardy Boys. Gut 50 Millionen Bücher
in mehr als 25 Sprachen übersetzt wurden weltweit verkauft.
Marc Connelly hat den jugendlichen Spürnasen in seiner
„Cultural and Literary History“ selbst nachgespürt. Inhalt:
The Hardy Boys at Eighty / Off the Assembly Line – The Fiction
Factory of Edward Stratemeyer / The McFarlane Formula: „I
Opted for Quality“ / The Weird Period / The Hardy Boys in
Peace and Cold War / Policing the Hardy Boys: The „Great
Purge“ / Into the Disco Age / Race / Class / Hardy Girls:
Gender in the Hardy Boys / Hardy Family Values / Law and Order
/ Action, Not Violence / Bayport, USA / The Hardy Boys on
Stage, on Screen, and in Parody / Book Wars: The Series Book
Under Fire / Chronology / The Hardy Boys Canon / Twenty
Opening Lines / Hardyisms / Chapter Notes / Bibliography /
Index. KT 51

I. Cornelius, Michael G. / Gregg, Melanie E. (Hg): Nancy Drew


and Her Sister Sleuths. Essays on the Fiction of Girl
Detectives. 2008, 216 S., McFarland, 978-0-7864-3995-9, ca. $
35,00 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Das Stratemeyer Syndikat hat es schon geschickt angestellt, um
Geld zu scheffeln: Für junge Mädchen mit Hang zur
Abenteurliteratur wurde in Stratemeyers „Schreibfabrik“ von
zahllosen Ghostwritern Nancy Drew erfunden: Für die Jungen
übernahmen diese Rolle die Hardy Boys (s.o. Connelly: The
Hardy Boy Mysteries). Der Erfolg der Detektivgeschichten um
Nacy Drew rief selbstverständlich weitere Mädchen-Detektive
auf den Plan. Michael G. Cornelius und Melanie E. Gregg und
weitere Beiträger/innen untersuchen in ihren Essays das
Erfolgsgeheimnis von Nancy Drew, Cherry Ames, Trixie Belden
oder Linda Carlton. Inhalt: Michael G. Cornelius: The Mystery
of the Moll Dick / James D. Keeline: The Nancy Drew „Mythtery“
Stories / Linda K. Karell: Originator, Writer, Editor, Hack –
Carolyn Keene and Changing Definitins of Authorship / Melanie
E. Gregg: Alice Roy, Détective – Nancy Drew in French
Translation / Leona W. Fisher: Race and Xenophobia in the
15

Nancy Drew Novels - „What kind of society …?“ / Michael G.


Cornelius: „They blinded her with science“ – Science Fiction
and Technology in Nancy Drew / Fred Erisman: Linda Carlton –
Flying Sleuth – Sleuthing Flier / H. Alan Pickrell: The Girl
Sleuths of Melody Lane / Anita G. Gorman & Leslie Robertson
Mateer: Measuring Up to the Task – Cherry Ames as Nurse and
Sleuth / Steven J. Zani: Puzzles, Paternity, and Privilege –
The Mysterious Function(s) of the Family in Trixie Belden /
Marla Harris: Not Nancy Drew but Not Clueless – Embodying the
Teen Girl Sleuth in the Twenty-first Century / Glenna Andrade:
Hermione Granger as Girl Sleuth / Melissa Favara & Allison
Schuette-Hoffman: Teen Sleuth Manifesto. KT 51

I. Daeninckx, Didier: Didier Daeninckx präsentiert Amila ABC.


2008, 16 S., (Amila-abc, Ü.v. Bernd G. Bauske), Conte Verlag,
978-3-936950-91-5, EURO 1,00 (zzgl. Porto)
Jean Amila, am 24.11.1910 als Jean Meckert in Paris geboren,
wird Dank des Conte Verlages jetzt wieder in Deutschland
entdeckt. Sein amerikanisiertes Pseudonym wählte er auf
Vorschlag von Marcel Duhamel, Herausgeber beim Verlag
Gallimard, wo Amila in der serié noire seine Kriminalromane
veröffentlichte. Bernd G. Bauske, Romanist an der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz und einige seiner Studenten,
übersetzen unter einem (leicht verschlüsselten) Pseudonym die
Kriminalromane des 1990 verstorbenen französischen
Kriminalschriftstellers (bisher sind im Conte Verlag
erschienen „Mond über Omaha“, „Mitleid mit den Ratten“, „Bis
nichts mehr geht“ und „Motus!“). Im Zuge seiner „Reihe Amila“
hat der Verlag jetzt ein kleine Broschüre mit
Hintergrundinformationen, kleinen Textauszügen aus den Krimis
und Annekdoten herausgebracht, die Didier Daeninckx am
20.10.1989 in „Révolution“ präsentierte. Das „Amila ABC“ ist,
gegen eine geringe Schutzgebühr, nur direkt vom Verlag zu
beziehen: (info@conte-verlag.de) oder als kostenloser und
ausdruckbarer download zum privaten Gebrauch unter www.conte-
verlag.de. KT 51

III. Dugain, Marc: Der Fluch des Edgar Hoover. 2007/2008, 399
S., (La malédiction d’Edgar, Ü.v. Michael Kleeberg),
Frankfurter Verlagsanstalt, 3-627-00154-0 / 978-3-627-00154-4
/ K 20 88 09 31, EURO 18,80
Ob Ganove, Gewaltverbrecher oder Politiker – alle fürchteten
Edgar Hoover, Direktor des FBI, ebenso wie sie ihn haßten.
Über Hoover, seine Arbeit, seine Intrigen und seine
Doppelmoral sind schon etliche Bücher geschrieben worden. Der
Franzose Marc Dugain hat sein Portrait dieses umstrittendsten
Chefs einer der größten Polizeibehörden der Welt als
dokumentarischen Roman angelegt, und zwar aus der Sicht seines
Stellvertreters und Lebensgefährten Clyde Tolson („Jonny und
Clyde“ nannte Truman Capote die beiden). Hoover sah 8
amerikansiche Präsidenten kommen und gehen und hatte selber
maßgeblichen Einfluß auf die amerikanische Geschichte in der
16

Zeit von 1924 bis 1972. Dugains fiktive Lebenserinnerungen


geben einen spannenden wie faktenreichen Einblick in die
Geschichte des FBI und der amerikinschen Innenpolitik, sowie
einen Blick hinter die potemkische Fassade des John Edgar
Hoover. KT 51

I + IV. Eburne, Jonathan P. [d.i. Josephine Berry Weiss]:


Surrealism and the Art of Crime. 2008, 344 S., 30 s/w Abb.,
Cornell University Press, 0-8014-4674-0 / 978-0-8014-4674-0, $
35,00 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Bekannte und weniger bekannte Surrealisten des 20.
Jahrhunderts kannten oder erlebten Krieg, revolutionäre Gewalt
oder Massaker. Kein Wunder, daß in ihren Darstellungen Tod und
Verderben oder Leichen als Beweis für die Gewalt des modernen
Lebens stehen. Schriftsteller und Künstler wie André Breton,
Louis Aragon, Georges Bataille, Max Ernst und viele andere
läßt Jonathan P. Eburne in seiner Analyse des Surrealismus von
den Anfängen bis zu den 50er Jahren als Zeugen auftreten. Auch
in der Kriminal- und Detektivliteratur dieser Zeit weist
Eburne Zusammenhänge zwischen Kunst und Kriminalität nach
(z.B. Chester Himes oder „roman noir“). Mary Ann Caws,
Professorin für vergleichende Literaturwissenschaft, City
University of New York, meint: „’Surrealism and the Art of
Crime’ is a terrific book. The quality is unbeatable, the
writing brillant and concise.“ Hinter Jonathan P. Eburne
verbirgt sich übrigens Josephine Berry Weiss, ebenfalls
Professorin für vergleichende Literaturwissenschaft an der
Pennsylvania State University. KT 51

III. Flowers, R. Barri: Female Crime, Criminals and Cellmates.


An Exploration of Female Criminality and Delinquency. 2008, 2.
Auflage, 300 S., Tables, Diagrams, Notes, Bibliography, Index,
McFarland, 978-0-7864-4053-5, ca. $ 39,95 (Tagskurs zzgl.
MWSt)
In the United States female crime has grown at a faster rate
than male crime over the past couple of decades. Despite this,
only limited research has been done by criminologists,
psychologists and sociologists on this growing problem. This
study examines female criminals; who they are, where they come
from, what crimes they commit, why they commit criminal nd
delinquent acts, and how they are incarcerated. Part One
discusses the extent and nature of female crime in the United
States, and compares it to male crime. Part Two looks at early
theories on the topic. Part Three explores the criminality and
deviance of women offenders, while Part Four concentrates on
the crimes and delinquency of juveniles. The work concludes
with a discussion of female offenders in the custody of
correctional authrities. (vt) KT 51

I. Forshaw, Barry: British Crime Writing. An Encyclopedia.


2009, 2 Bände, ca. 768 S., 100 Illustrationen, Greenwood
Press, 1-84645-022-5 / 978-1-84645-022-8, ca. £ 90,00
17

(Tageskurs, zzgl. MWSt)


Schon jetzt sei auf ein (2-bändiges) Nachschlagewerk
hingewiesen, das wohl im Laufe Februar 2009 erhältlich sein
wird. Barry Forshaw, Herausgeber des Crime Time Magazine und
(Krimi-)Rezensent für die englischen Zeitungen wie „The
Independent“, „The Times“ oder „The Express“, hat sich der
Mitwirkung bekannter englischer Autoren (darunter auch
Kriminalschriftsteller/innen) versichert, um die Enzyklopädie
zur britischen Kriminalliteratur auf den Weg zu bringen. Die
Liste der Beiträger liest sich wie das britische Who’s Who der
Kriminalliteratur: unter den Autren findet man zum Beispiel
Maxim Jakubowski, Geoff Breadley, Mark Campbell, Michael
Stotter, Mark Timlin, Andrew Taylor, Laura Wilson, Jessica
Mann, Natasha Cooper, Philip Scowcorft oder Bob Cornwell –
also alles Namen, die für Seriösität und bestes wie
umfangreiches Hintergrundwissen garantieren. In „British Crime
Writing“ werden zahlreiche Aspekte der britischen
Kriminalliteratur beleuchtet, untersucht und analysiert: die
Ursprünge der Kriminalliteratur, die Klassiker à la Sherlock
Holmes, das „Golden Age“ der Agatha Christie und Dorothy L.
Sayers oder die Kriminalliteratur zeitgenössischer Autorinnen
und Autoren (z.B. P.D. James, Ruth Rendell, Ian Rankin, um nur
diese drei zu nennen). Weiterhin werden hier Artikel zu
Drehbüchern, Krimi-TV-Serien und zu den diversen Spielarten
des Genres zu finden sein (z.B. Spionage, Locked-Room,
historischer Krimi, Religion im Krimi, literarischer
Kriminalroman, noir, „Frauenkrimi“, oder True Crime).
Ausführlich diskutiert und analysiert werden Themen wie
„Social Comment in Crime Fiction“ oder „Crime Fiction and
Sexuality“. Wer bereits die Nachschlageklassiker „Twentieth
Century Crime & Mystery Writers“, „Mystery & Suspense Writers“
und/oder „The Oxford Companion to Crime & Mystery Writing“ in
seiner Handbibliothek stehen hat, wird als sinnvolle Ergänzung
um „British Crime Writing. An Encyclopedia“ nicht herumkommen.
Vorbestellungen sind herzlich willkommen. Leider liegt ein
aktuelles Inhaltsverzeichnis nicht vor. Barry Forshaw schreibt
mir aber zum Inhalt: „… it’s every major – and most minor –
British crime writer from the beginning of the genre (and
earlier), with many writers who have never been discussed
before in any crime guide …“. KT 51

III. Friedrichsen, Gisela: Im Zweifel gegen die Angeklagten.


Der Fall Pascal – die Geschichte eines Skandals. 2008, 237 S.,
DVA (Ein Spiegel-Buch), 3-421-04334-5 / 978-3-421-04224-4 / K
20 97 44 31, EURO 19,95
Der fünfjährige Pascal verschwindet und neun verdächtige
Personen gestehen, etwas mit seinem Tod zu tun zu haben. Am
Ende stellt sich allerdings heraus, dass die Geständnisse
falsch sind und dass Vorverurteilungen und Diskriminierung auf
skandalöse Weise die Ermittlungen beeinflusst haben. Gisela
Friedrichsen, die Gerichtsreporterin des SPIEGEL, beschreibt
in ihrem aufrüttelnden Buch, wie es zu diesem Strafverfahren
18

kam, das den Fall nicht lösen konnte, aber die Lebensläufe der
Betroffenen zerstörte. „… ein beispielhaftes Versagen der
Justiz“ (G. Friedrichsen). (vt) KT 51
-- zum Fall Pascal s. a. „Dieter Gräber: Pascal“ --

III. Galassi, Silviana: Kriminologie im Deutschen Kaiserreich.


Geschichte einer gebrochenen Verwissenschaftlichung. 2004, 452
S., F. Steiner Verlag (Pallas Athene, Bd. 9), 3-515-08352-9 /
978-3-515-08353-3 / K 12 80 38 98, EURO 80,00
Warum werden Verbrechen begangen? Steckt das Böse in den
biologischen Anlagen oder ist das soziale Umfeld für die
Kriminalität verantwortlich? Gibt es geborene Verbrecher?
Endes des 19. Jahrhunderts werden diese Fragen zum
Ausgangspunkt einer neuen Wissenschaft, der Kriminologie.
Warum beginnen Mediziner und Soziologen gerade zu dieser Zeit,
Kriminalität wissenschaftlich zu erforschen? Welche Theorien
werden entwickelt und diskutiert? Und welche Rolle spielt die
Kriminalpolitik bei der Entwicklung der neuen Wissenschaft?
Ist die Kriminologie an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
überhaupt eine Wissenschaft? Diese Fragen werden hier für das
Deutsche Kaiserreich erstmals eingehend und auf einer sehr
breiten Quellengrundlage untersucht. (vt) KT 51

I. Geherin, David: Scene of the Crime. The Importance of Place


in Crime and Mystery Fiction. 2008, 223 S., McFarland, 978-0-
7864-3298-1, ca. $ 35,00 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Wie wichtig ist das „setting“, der Ort der Handlung, im
Kriminalroman und wie wirkt sich das „setting“ auf Erzählstil
und Handlung aus? David Geherin hat sich die Kriminalromane
von 15 internationalen Kriminalschriftstellern/innen für die
Beantwortung dieser Fragen genauer angeschaut. Inhalt: The
Importance of Place in Fiction / Georges Simenon „Paris“ /
Donna Leon „Venice“ / Tony Hillerman „The American Southwest“
/ Walter Mosley „South Central Los Angeles“ / George P.
Pelecanos „Washington D.C.“ / Sara Paretsky „Chicago“ / James
Lee Burke „Southern Louisiana“ / Carl Hiaasen „South Florida“
/ Ian Rankin „Edinburgh“ / Alexander McCall Smith „Botswana“ /
James McClure „South Africa“ / Maj Sjöwall and Per Wahlöö
„Stockholm“ / Paco Ignacio Taibo II „Mexico City“ / Leonardo
Sciascia „Sicily“ / Lindsey Davis „Ancient Rome“. KT 51

I. Gelfert, Hans-Dieter: Edgar Allan Poe. Am Rande des


Malstroms. Biographie. 2008, 249 S., 28 Abb., C.H. Beck
Verlag, 3-406-57709-1 / 978-3-406-57709-3 / K 20 65 57 23,
EURO 19,90
Am 19. Januar 2009 jährt sich der 200. Geburtstag von Edgar
Allan Poe (gestorben am 7.10.1849). Frühzeitig legt Hans-
Dieter Gelfert, Professor für englische Literatur an der FU
Berlin, sowohl eine Analyse (die Kapitel „Annäherung an Poe“
und „Dichten gegen den Strom“) des Poe’schen Werkes wie auch
eine Biographie vor (Kapitel „Leben am Rande des Malstroms“).
Poe, der gerne als Autor des Morbiden, genialer Autor von
19

Horrorszenarien und Erfinder des Detektivromans


(Meisterdetektiv Dupin) bezeichnet wird, hatte trotz seines
Erfolges selbst mit Horror und Morbidität in seinen Leben zu
kämpfen: Alkoholexzesse, Depressionen und ein
Selbstmordversuch kennzeichnen das kurze Leben des
„unamerikanischsten und dennoch wirkungsmächtigsten
Klassikers“ der US-Literatur. Neben seinen Horror- und
Detektiverzählungen, gab es auch einen Autor Poe, der viele
und reichlich merkwürdige Rezensionen und eigenartige
philosophische Traktate verfasste (übrigens der größte Teil
seines Gesamtwerkes). Gelferts Biographie und Analyse seziert
das Werk Poes und hebt sich aus der Menge bereits erschienener
Arbeiten zu Edag Allan Poe heraus. Der umfangreiche Anhang
gliedert sich in „Zeittafel“, „Poes Werke“, „Zeitschriften“ in
denen Poe, aber auch seine Gegner publizierten, „Schreibende
Zeitgenossen“ werden aufgelistet und in „Ausgewählte Literatur
(chronologisch)“ wird Primärliteratur, Biographien und
Sekundärliteratur unterteilt in deutsch- und englischsprachige
Ausgaben. Ein „Personenregister“ rundet den Teil Anhang ab. KT
51

I. Giraud, Robert / Ditalia, Pierre: L’argot de la Série


Noire. Bd. 1: L’argot des traducteurs. 1996, 384 S.,
Illstrationen, Éditions Joseph K., 2-910686-06-X / 978-2-
910686-06-2, EURO 24,00
Es ist bis jetzt nur bei diesem ersten Band zum Jargon oder
Übersetzungsstil der Kriminalromane der berühmten
französischen „Série Noire“ geblieben. Dieses umfangreiche
Wörterbuch der in der „Série Noire“ verwendeten Begriffe wird
durch biographische Informationen zu den Übersetzern ergänzt.
Abgeschlossen wird dieser erste Band mit einer vollständigen
Liste der bis 1996 erschienenen Titel und einer kleinen
illustrierten Geschichte der „Série Noire“. Über das
Erscheinen eines Folgebandes konnte nichts in Erfahrung
gebracht werden! KT 51

I. Glauser, Friedrich: Man kann sehr schön mit Dir schweigen.


Briefe an Elisabeth von Ruckteschell und die Asconeser Freunde
1919 – 1932. 2008, 201 S., 12 s/w Fotos und Abb., Verlag
Nimbus – Kunst und Bücher, 3-907142-32-2 / 978-3-907142-32-5 /
K 21 15 20 26, EURO 24,80
Juli 1919: Es ist der erste Sommer nach dem großen Krieg, und
der 23jährige Friedrich Glauser beschließt, nicht länger
hinter Anstaltsmauern zu versauern. Ihm gelingt die Flucht aus
der Psychiatrischen Klinik Münsingen; Freunde in Ascona nehmen
ihn in ihre Künstler-Wohngemeinschaft auf. Man schreibt und
diskutiert unter der Sonne des Südens, es gibt Beziehungen zu
Verlagen und Zeitschriften. Der Traum vom Leben als
Schriftsteller scheint realisierbar. Und Glauser begegnet
seiner ersten großen Liebe: Liso. Mit vollem Namen heißt sie
Elisabeth von Ruckteschell, sie malt, entwirft Stoffe und ist
befreundet mit Sophie Taeuber und den Tänzerinnen der Laban-
20

Schule. Eigentlich lebt sie in Zürich, doch auf Glausers


werbende und drängende Briefe hin, zieht auch sie ins Tessin.
Einige Monate leben sie zusammen in der alte Mühle zwischen
Ronco und Arcegno. Doch Glauser gerät wieder in die Sucht,
wird verhaftet und in Bern psychiatrisiert. Liso verhilft ihm
unter dramatischen Umständen zur Flucht und bringt ihn in
Baden unter. Zuletzt aber zerbricht die Beziehung, und Liso
heiratet kurz entschlossen Bruno Goetz, einen von Glausers
nahen Asconeser Freunden. All diese Ereignisse spiegeln sich
unmittelbar in der reichhaltigen Korrespondenz, die lange
verschollen war und hier erstmals publiziert wird. Hinzu
kommen einige Briefe nach Glausers Rückkehr aus der
Fremdenlegion, geschrieben als Grubenarbeiter im belgischen
Charleroi, später als Gärtner und Autor in der Schweiz – bis
hin zur Entstehung des „Gourrama“-Romans. Ein besonderer Fund
für alle passionierten Glauser-Leserinnen und –Leser. KT 51

IV. Gödden, Walter zus. mit Heuer, Caren & Krippner,


Friederike (Hg): Flammende Herzen. Unterhaltungsliteratur aus
Westfalen. 2007, 414 S., 180 s/w Abb., Aisthesis Verlag
(Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Bd.
26), 978-3-89528-638-4, EURO 24,80
Trivialliteratur wurde schon Ende des 18. Jahrhunderts gern
gelesen (Schwager „Die Leiden des jungen Franken, eines
Genies“, 1777). Mit Trivialliteratur wird im Allgemeinen
Zeitschriftengeschichte und/oder –romane, Fortsetzungsromane
oder sogenannte Groschenhefte (Arzt-, Heimat-, Western- oder
Science-Fiction-Romane oder Krimis) bezeichnet. Herausgeber
Walter Gödden und seine beiden Mitarbeiterinnen Caren Heuer
und Friederike Küpper haben nach solcher
Unterhaltungsliteratur in Westfalen gesucht und sind fündig
geworden, und zwar reichlich. In „Flammende Herzen“ werden die
verschiedenen Spielarten dieser leichten
Unterhaltungsliteratur vorgestellt, und zwar exemplarisch
festgemacht an ausgesuchten Texten von Autoren und Autorinnen
aus den Jahren 1777 bis 2005. Darunter natürlich auch einige
(wenn auch wenige) Krimi-Texte: Temme „Mord beim Sandkrug. Ein
verwickelter Kriminalfall aus der Zeit der Postkutsche“ (1876)
/ Briester „… hinter gleißenden Fassaden. Detektiv-Roman“
(1957) / Bröll „Melodie des Todes“ (1958) / Mora „Das Mädchen
mit den Opalaugen“ (1954) / Cotton „Kein Pardon für einen
Killer“ (1966) / Meeker „Miss Brasilia. Ein heißer Thriller“
(1969) / Höber „Jerry Cotton – Totenschiff der Millionäre“
(o.J.) / Dark „Wo Deborah den Teufel trifft“ (o.J.) und „Der
Junge von Stonehenge“ (o.J.). Jedem dieser Textauszüge (und
der vielen weiteren aus anderen Bereichen der Heftromanreihen)
wird eine ausführliche Rezension vorangestellt. Wer noch nie
am Kiosk oder im Bahnhof einen der vielen Heftromane gekauft
hat, dem wird mit „Flammende Herzen“ das ganze Spektrum dieser
„Schema-Literatur“ vorgestellt. In ihrem Vorwort haben die
drei HerausgeberInnen eine Typologie des Heftromans oder der
Heftromankultur und deren Leserschaft eingearbeitet – mit
21

recht interessanten Zahlenbeispielen: 5000 Romanhefte


erscheinen pro Jahr in Deutschland; die 55 Heftromane des
Kelter-Verlages haben eine Gesamtauflage von 3,3 Mio.
Exemplaren. Zu dem geben die Herausgeber zahlengestützte
Auskunft über Leserschaft, Autoren, Umfang oder welche
Coverfarben wichtig für den Abverkauf welcher Heftromanformen
sind. Eine kleine Auswahlliste weiterführender Literatur zur
Trivialliteratur ist dem Vorwort beigefügt. Man kann sich
übrigens köstlich beim Lesen der Auswahl der Textbeispiele
amüsieren. KT 51

III. Gordon, R. Michael: The Poison Murders of Jack the


Ripper. His Final Crimes, Trial and Execution. 2008, 223 S.,
zahlr. Fotos und Illustrationen, McFarland, 978-0-7864-3327-8,
ca. $ 39,95 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Considered a primary suspect in the unsolved Jack the Ripper
murders, Polish-born Severin Antoniovich Klosowski also gained
considerable notoriety as „The Borough Poisoner of Southwark“
in the late 1800s. Within a span of five years, Klosowski took
on three women as his wives und lethally poisoned each with
deadly doses of antimony. This study of Klosowski’s murders of
Mary Sprink, Elizabeth „Bessie“ Taylor, and Maud Marsh
includes extensive accounts of the individual crimes, the
accompanying investigations, and Klosowski’s conviction and
execution. The final chapter examines intense police and media
speculation that Klosowski may also have been the unidentified
serial killer Jack the Ripper, citing period news articles and
more recent developments in the notorious case. Inhalt:
Prologue – A Young Man from Poland
Section I – A Background of Serial Murder: 1. The Ripper and
Torso Murders, 2. The American Murders of Jack the Ripper
Section II – The Poison Work of Jack the Rippe: 3. A Serial
Killer Returns to London, 4. Mrs. Spink and a Man Called
Chapman, 5. The Slow Death of Bessie Taylor, 6. A Barmaid
Named Maud, 7. A Death at George’s American Bar, 8. The Arrest
of a Serial Killer
Section III – The Investigation of a Serial Killer: 9. The
Investigation Begins – Other Crimes and a Final Torso, 10.
Coroner Waldo’s Inquest – The Maud Marsh Matter, 11. The
Police Court Does Ist Work – The Case of the Borough Poisoner,
12. The Police Court Continues – Focus on Mrs. Spink and
Bessie Taylor
Section IV – The King’s Justice: 13. The First Day of Trial –
The Case of the Borough Poisoner, 14. The Second Day of
Testimony, 15. Requiem for a Serial Killer, 16. „You’ve Got
Jack the Ripper at Last“
Section V – The Future of Jack the Ripper: 17. A Century of
Speculation and a Pub called the Crown
Im Anhang: A Chronology of the Borough Poisoner / Bibliografie
/ Register. (vt) KT 51

III. Gräbner, Dieter: Pascal +++ Anatomie eines ungeklärten


22

Falles. 2008, 274 S., zahlr. s/w Fotos, im Anhang: Die


Chronologie des ungeklärten Falles / Thomas Gerber:
Freisprüche mit Ansage / Wolfgang Ihl: Der stille Schmerz
bleibt / Michael Jungmann: Pascals und Kevins Schicksal
schockt die Ermittler. Gollenstein Verlag, 3-938823-32-1 /
978-3-938823-32-3 / K 20 33 32 34, EURO 14,90
Am Montag, dem 20. September 2004, begann die Verhandlung zu
einem Verbrechen, das bundesweit Schlagzeilen machte und das
die Öffentlichkeit bewegte wie kein Fall in den letzten Jahren
zuvor. 13 Angeklagte hatten sich im Schwurgericht Saarbrücken
zum Fall Pascal zu verantworten. Pascal, ein fünfjähriger
Junge aus Saarbrücken-Burbach, wird seit dem 30. September
2001 vermisst. Die Ermittler finden zunächst keine Spuren und
Hinweise sind mehr als dürftig. Erst nach über einem Jahr
intensiver Ermittlungen gibt es eine heiße Spur. Diese führt
in die Tosa-Klause. Die Tosa-Klause ist ein heruntergekommener
Kiosk in dem sich die Hardcore-Trinker des Viertels, allesamt
mehr oder weniger auf der Verliererstraße, versammeln. Hier
trifft sich auch eine Bande von mutmaßlichen Kinderschändern.
Die Polizei geht von einem erschreckenden Szenario aus: Pascal
soll von dieser Bande missbraucht und dann ermordet worden
sein. Die Leiche wurde an einen unbekannten Ort weggeschafft.
Die Ermittler stützen sich dabei unter anderem auf die
Zeugenaussage eines Spielkameraden von Pascal, Kevin und
dessen Mutter, einer Prostituierten mit Stammpublikum aus der
und um die Tosa-Klause. Weitere Aussagen und Geständnisse
erweisen sich als wertlos, da sie von den alkoholabhängigen
und teilweise geistig minderbegabten Angeklagten kommen. Der
Prozess endet mit einem Eklat: alle 13 Angeklagten werden
freigesprochen! Die Leiche des kleinen Pascal ist bis heute
nicht gefunden worden. Im Anhang dieser Fall- und
Prozessgeschichte kommen die Gerichtsreporter Gerber
(Saarländischer Rundfunk), Ihl (Saarbrücker Zeitung) und
Jungmann (ebenfalls Saarbrücker Zeitung) ausführlich zu Wort.
Neben einer Chronologie des Falles wird Gräbners Bericht zum
ungeklärten Fall Pascal mit Pressestimmen aus großen
überregionalen Tageszeitungen und Nachrichten-Magazinen
abgeschlossen. KT 51
-- zum Fall Pascal s. a. „Gisela Friedrichsen: Im Zweifel
gegen die Angeklagten“ --

II. Grob, Norbert (Hg): Filmgenres – Film noir. 2008, 408 S.,
25 s/w Fotos, Reclams Universal-Bibliothek 18552, 3-15-018552-
1 / 978-3-15-018552-0 / K 20 20 72 64, EURO 9,00
In der Reihe „Filmgenres“ (zur Zeit 13 Titel) liegt jetzt auch
ein Buch zum „Film noir“ vor. Herausgeber Norbert Grob
(Professor für Filmwissenschaft an der Uni Mainz) konnte 49
bekannte und fachkundige Autoren gewinnen, die in ihren
Beiträgen insgesamt 71 Filmen des Genres „Film noir“
analysieren. Diese Besprechungen und Analysen orientieren sich
an der (zeitlichen) Historie des „Film noir“, beginnend mit
„Die Hündin“ (1931) bis „Tödliche Entscheidung“ (2007). „Film
23

noir“, ein bis heute nicht abgeschlossener, sich


weiterentwickelnder Epochenstil, kann in fünf Phasen
untergliedert werden: Phase 1 „eher naive Zeit, die bis zum
Beginn des Tonfilms geht“ (bis 1931) / Phase 2 wird
„charakterisiert durch lässige Spielereien und romantische
Irritationen“ (bis 1944) / Phase 3 bildet die „zentrale Epoche
des klassischen Film noir“ (bis 1955) / Phase 4 ist „die Zeit
der großen Homages an den Classical Noir“ (bis 1976) und Phase
5 „beginnt 1978 mit ’Driver’ und [ist] bis heute nicht
abgeschlossen“. Norbert Grobs umfangreiche Einleitung „Kino
der Verdammnis“ erklärt „Epochalstil / Geistesströmung /
Genre“, bietet ausführliche „Definitionen“ an, leitet von der
„Geschichte des Film noir“ über zu den „Vier zentralen
Charakteristika“ (Stadt; Nacht; Off-Erzählungen & Rückblenden;
Licht & Schatten), widmet sich den „Meistern des Noir-Lichts“,
beschreibt in „Noir-Typologie: Die sieben zentralen
Erzählungen des Genres“ und schließt mit „Nichts wirklich,
alles wahr“ und „Düsternis, Ambivalenz, Rätsel“. Wie bei Grobs
Einleitung, so wird auch bei den folgenden 71 Beiträgen
jeweils eine ausführliche Auflistung weiterführender Literatur
angeboten. Jeder Beitrag nennt den deutschsprachigen
Filmtitel, den Originalfilmtitel, das Entstehungsland,
Entstehungsjahr und die Länge des Films. Selbstverständlich
werden Regisseur(e), Drehbuchautor(en), Kameramann/frau,
Komponisten der Filmmusik sowie die Darsteller und die
Figuren, die sie verkörpern aufgeführt. Ein Register aller
genannten Filme (also auch die in den Texten aufgeführten
Hinweise auf andere Filme) erschließt „Film noir“. KT 51

III. Habermas, Rebekka: Diebe vor Gericht. Die Entstehung der


mordernen Rechtsordnung im 19. Jahrhundert. 2008, 380 S.,
Campus Verlag 3-593-38774-3 / 978-3-593-38774-1 / K 21 06 40
80, EURO 34,90
Im 19. Jahrhundert wurden in Deutschland öffentliche
Gerichtsverhandlungen und moderne Strafgesetzbücher
eingeführt, beides sollte für mehr Gleichheit vor dem Gesetz
sorgen. Wie kam es zu diesem großen Umbruch und wie verlief er
im Einzelnen? Diesen Fragen geht Rebekka Habermas am Beispiel
des Diebstahls nach, der die Justiz im 19. Jahrhundert mehr
beschäftigte als jedes andere Delikt. Sie rekonstruiert nicht
nur die Logiken der Rechtsreformer, sondern auch die Motive
der Diebinnen und Diebe, die Arbeit der Gendarmen, die
Beweissuche der Juristen sowie den Anteil der Kriminologen und
Journalisten am Prozess der Rechtsfindung. So zeigt sie, dass
das moderne Recht von vielen Akteuren gestaltet wurde bis hin
zur Öffentlichkeit, die sich das Recht nahm, das Geschehen vor
Gericht nach eigenen Maßstäben zu beurteilen. (vt) KT 51

I. Hadley, Mary / Fogle, Sarah D. (Hg): Minette Walters and


the Meaning of Justice. Essays on the Crime Novels. 2008, 224
S., McFarland, 978-0-7864-3842-6, ca. $ 35,00 (Tageskurs,
zzgl. MWSt)
24

Verschiedene Beiträger analysieren das Werk der britischen


Krimiautorin Minette Walters. Kritisch untersucht werden z.B.
Schreib- und Erzähltechnik, Walters Einstellung zu Wahrheit
und Gerechtigkeit, das Personal ihrer Kriminalromane und viele
weitere Schwerpunkte, die Minette Walters in ihren
Kriminalromanen thematisiert. Der Essayband wird mit einem
ausführlichen (e-mail-)Interview von Minette Walters
abgeschlossen. Inhalt: Mary Hadley: Truth and Justice / Sarah
D. Fogle: Soul Murder – Children in Minette Walters’ Novels /
Caren J. Town: Body of Evidence – Body as Evidence in „The
Sculptress“ / Rhonda Knight: Shakespeare, Scolds, and Self-
Fashioning – The Making of Mathilda Gillespie in „The Scold’s
Bridle“ / Lois A. Marchino & Deane Mansfield-Kelley: A Wounded
World – Victim/Victimizers in „The Scold’s Bridle“, „The Dark
Room“, and „The Breaker“ / Donna Waller Harper: British Social
Issues / Tilda Maria Forselius: The Impenetrable M and the
Mysteries of Narration – Narrative in „The Shape of Snakes“ /
Nancy Eliot Parker: Society, Evil, and Other / Gerri Reaves:
The Tangled Web of Justice and Revenge – Narrative Devices and
Subtexts in „The Devil’s Feather“ / Rachel Schaffer: Everyday
Heroes – Women of Valor / Minette Walters & Contributors:
Online Interview with Minette Walters. KT 51

III. Hammer, Ulrich Magnus: Die Akte Serkassow. Thriller.


2007, 444 S., Lesebändchen, Verlag Fredebold und Fischer, 3-
939674-09-5 / 978-3-939674-09-2 / K 19 40 65 07, EURO 15,95
Das radioaktive Polonium 210, ebenso tödlich wie selten,
vergiftete den ehemaligen russischen Geheimdienstler Alexander
Litwinenko. Am 23. November 2006 verstarb er an dieser
Vergiftung. Der Fall erregte weltweit Aufsehen. In fast allen
internationalen Medien waren die Aufnahmen des Patienten im
Krankenhaus zu sehen. Gemunkelt wurde und wird, daß der
russische Geheimdienst mit dem Tod von Litwinenko zu tun habe.
Litwinenko wurde offensichtlich bei einem London-Besuch
gezielt mit dem tödlichen Gift in Berührung gebracht.
Großbritanniens Regierung war über diesen Fall not amused und
schickte Ermittler nach Moskau. Bisher ohne konkrete
Ergebnisse. Ex-Geheimdienstler Andrej Lugowoi wurde zwar des
Mordes an Litwinenko angeklagt. Ob er nun der wirkliche Täter
ist oder nur als Bauernopfer vorgeschoben wurde ist immer noch
unklar. Der Künstler und Schriftsteller Ulrich Magnus Hammer,
Jahrgang 1945, thematisiert diesen Mord und seine
Vorgeschichte in seinem dokumentarischen Roman „Die Akte
Serkassow“.
„Keine Literatur kann in puncto Zynismus das wirkliche Leben
übertreffen“. Dieses Zitat von Anton Pawlowitsch Tschechow
könnte man der „Akte Serkassow“, die sich eng an einen wahren
Fall anlehnt, der Ende 2006 durch die internationale Presse
ging, als Leitspruch voranstellen. Doch Fiktion kann manchmal
dort Licht ins Dunkel bringen, wo in der Realität noch lange
keine Fakten vorliegen! Der in Deutschland lebende russische
Künstler Wiktor Golzin wird nach einem Aufenthalt in London in
25

die Berliner Charité eingeliefert, wo die Ärzte eine ihnen


unbekannte Vergiftung diagnostizieren, gegen die sie machtlos
sind. Kurz bevor er stirbt, deckt Golzin noch seinen wahren
Namen: Alexander Serkassow und seine wahre Identität als Ex-
Agent des russischen Geheimdienstes FSB auf. Doch damit nicht
genug, beschuldigt er den russischen Präsidenten, den Mord an
ihm höchstpersönlich angeordnet zu haben. Jetzt nimmt die
Presse den Fall auf, Geheimdienste schalten sich ein und eine
anonyme Gruppe, vermutlich aus dem inneren Zirkel des Kreml,
gibt eine Untersuchung in Auftrag. Sie wünscht, dass niemand
anderer als Michail Dostojweski, ein Mann dessen Identität
niemand kennt, mit dieser Aufgabe betraut wird. Er soll
herausfinden, wer in Wahrheit hinter dem Giftmord an Serkassow
steckt. Doch Dostojewski muss im Laufe seiner Ermittlungen
feststellen, dass die Wahrheit nicht nur ein äußerst
vielschichtiges Gebilde ist, sondern dass sein Leben wie das
manch anderen vor ihm, keinen Pfifferling mehr wert ist. Der
Autor verfügte für sein Buch über Insider-Informationen
prominenter Russlandkenner und wurde von ehemaligen Agenten
des BND beraten. (tp + vt) KT 51

I. Hanson, Dian (Hg) & Godtland, Eric: True Crime Detective


Magazines 1924 – 1969. 2008, 333 S., über 450 s/w und farb.
Abbildungen u. Fotos, Engl./Dt./Franz., Taschen Verlag, 3-
8228-2559-X / 978-3-8228-2559-4 / K 17 66 75 16, EURO 29,99
Bereits für 2004 war das Erscheinen dieses schwergewichtigen
Bandes (2,1 kg) geplant. Ende 2008 ist jetzt die illustrierte
Geschichte der amerikanischen „True Crime Detective Magazines“
erschienen. Die Geburtsstunde dieser Magazine, oftmals mit dem
Zusatz „From Authentic Police Records“ versehen, fiel in die
Zeit der Prohibition und der Bandenkriege in den Metropolen
der USA. Herausgeberin Dian Hanson läßt die Geschichte dieser
Magazine aus der Zeit von 1924 – 1969 anhand von Titelcover
und Abbildungen von Innenteilseiten Revue passieren. „Sex
sells“ war schon damals der Verkaufsschlager und so warben für
die True Crime Magazines knapp bekleidete, aufreizende
Stöckelschuhdamen. In elf dreisprachigen Kapiteln (Englisch,
Deutsch, Französisch) wird von Eric Godtland (manischer
Sammler von Magazinen), unterstützt durch Marc Gerald
(Herausgeber von „True Detective“) und George Hagenauer
(Sachbuchautor und Rechercheur für Max Allan Collins), über
die Historie der „True Crime Detective Magazines“ berichtet.
Inhalt: Godtland „Detective Magazines – The Perfect Orchid“ /
Godtland „Smoking!“ / Hanson „Sorry, I’m Tied Up Right Now“ /
Godtland „1924-1929 – The Grand Immorality Play“ / Goldtland
„1930-1939 – The Golden Age of Crime“ / Godtland „1940-1949 –
Sex Rears Its Head“ / Godtland „1950-1959 – She Played Me For
A Sucker!“ / Godtland „1960-1969 – The Skid Into Sleaze“ /
Gerald „I Was a True Detective Editor“ / Hagenauer „The
Artists Who Made Crime Pay“ / Hagenauer „The Writers Who
Brought Death to Life“ / im Anhang „American True Crime
Publishing Companies“ (Auflistung der Magazine mit
26

Erscheinungsjahr der jeweils ersten Ausgabe). Dieser opulente


Bildband ist eine Augenweide und gerade rechtzeitig zur
weihnachtlichen Geschenkezeit erschienen. KT 51

III. Harbort, Stephan: Begegnung mit dem Serienmörder. Jetzt


sprechen die Opfer. 2008, 336 S., im Anhang: Synopse der
Studie „Der primäre Viktimisierungsprozess bei Serientötungen
(Bundesrepublik Deutschland 1945 – 2007). Droste Verlag, 3-
7700-1263-1 / 978-3-7700-1263-3 / K 21 06 64 05, EURO 19,95
Über Serienmörder weiß man einiges, über die Opfer hingegen so
gut wie nichts. Stephan Harbort, der führende deutsche
Serienmord-Experte, im Vorwort zu seinem neuen Buch „Begegnung
mit dem Serienmörder“: „Verbrechen können nur dann zutreffend
interpretiert und vollständig verstanden werden, wenn man
beide Seiten kennt. Man muss sehen, wer es getan hat und wem
es angetan wurde“. In den vergangenen zwei Jahren führte
Harbort die erste Studie zu deutschen Serienmördern-Opfern
durch, die auch weltweit die umfangreichste Untersuchung
darstellt. Untersucht wurden 674 Einzeltaten zwischen den
Jahren 1945 und 2007. Herausgekommen sind neue und zum Teil
überraschende Erkenntnisse, die auch für ein breiteres
Publikum interessant sein dürften. Es ist dem Serienmord-
Experten gelungen, das Verhältnis von Opfer und Täter zu
entschlüsseln. Er sprach mit den Opfern über die Täter und mit
den Tätern über die Opfer. In seinem Buch beantwortet er
Fragen, die uns alle angehen: Wer wird Opfer eines
Serienmörders, wo und wie passiert die Tat, gibt es ein
typisches Opferprofil, wie kann ich mich generell vor diesen
Tätern schützen? Ergänzt wird das Buch durch umfangreiches
statistisches Tabellenmaterial, das in dieser Zusammenstellung
bisher einzigartig ist. [Der irritierende Titel wurde auf der
Buchmesse 2008 zum „kuriosten Buchtitel des Jahres“ gewählt
(tp)].(vt) KT 51

III. Harbort, Stephan: Wenn Frauen morden. Spektakuläre Fälle


– vom Gattenmord bis zur Serientötung. 2008, 207 S., Eichborn
Verlag, 3-8218-5703-X / 978-3-8218-5703-9 / K 20 91 60 10,
EURO 16,95
Die Abgründe der weiblichen Seele. Sie agieren still,
unauffällig und kaltblütig: Das „Blaubeer-Mariechen“, das sich
mit Pflanzengift ihrer drei Ehemänner und anderer
Familienangehöriger entledigte, die Dorfschönheit, die
tödlichen Enzian verabreichen lässt, die Krankenpflegerin, die
ihre Patienten umbringt, die „Schwarze Witwe“, die vier
vermögende Männer getötet hat, um an ihr Geld zu kommen. In
den vergangenen Jahrzehnten gingen immer wieder schockierende
Meldungen von weiblichen Mörderinnen durch die Presse und
mittlerweile vergeht kaum eine Woche, in der nicht über den
Fund einer Babyleiche berichtet oder eine ganze Serie von
Kindstötungen aufgedeckt wird. Die Öffentlichkeit reagiert mit
Entsetzen und purer Ratlosigkeit – es fehlen Erklärungen, um
solches Verhalten begreifbar zu machen. Weil wir noch so wenig
27

über die Täterinnen wissen und sie auf uns abstoßend wirken,
sind diese Frauen aber auch besonders interessant. Warum töten
Frauen? Sagt die Art, in der Frauen töten auch etwas über ihre
Empfindungen und Motivationen aus? Wie können Frauen ihre
Kinder erst zur Welt bringen, um sie dann zu töten? Wie können
Frauen so oft morden ohne von der Polizei – und was noch
schlimmer ist – von ihrem persönlichen Umfeld entdeckt zu
werden? Stephan Harbort geht in seinem ebenso spannenden wie
beklemmenden Sachbuch „Wenn Frauen morden“ – das auf einer
dreiteiligen ARD-Dokumentation basiert, die im Herbst 2008
ausgestrahlt wurde – diesen Fragen nach, dokumentiert die
Geschichte der prominenten Taten und stellt sie in ihren
gesellschaftlichen Kontext. Er analysiert Motivation,
Persönlichkeit und Hintergrund der Täterinnen und grenzt ihre
Morde von denen männlicher Täter ab. „Wenn Frauen morden“ ist
das Ergebnis einer faszinierenden Spurensuche und der
einmalige Versuch einer Genese des weiblichen Tötens – in all
ihrer Faszination und Grausamkeit und mit überraschenden und
aufwühlenden Erkenntnissen. Inhalt: Die Mörderin und das Böse
/ Zwischen den Mahlsteinen – Tötung des Intimpartners / Erst
totschweigen, dann totmachen – Mütter töten ihre Babys /
Blaubeer-Mariechen – Serienmord in der eigenen Familie /
Zwiegespalten und zweigesichtig – Morde aus Habgier /
Privatethik – Krankenschwestern töten ihre Patienten / Folie à
deux – Fremdbestimmte Mörderinnen / Vom Wesen der weiblichen
Tötungskriminalität / Benutzte und empfohlene Literatur.
Basierend auf dieser Untersuchung wird am 12., 19. und 26.
Januar 2006 die Fernsehdokumentation „Wenn Frauen morden“ im
Ersten Deutschen Fernsehen (ARD) ausgestrahlt. Stephan
Harbort, der sich bereits durch eine Vielzahl gründlichst
recherchierter und in die Tiefe gehender Analysen zum Thema
Serienmord einen weit über Deutschland hinaus bekannten Namen
gemacht hat, gilt als einer der wenigen international
renommierten Spezialisten zum Thema. Die erwähnte
Fernsehdokumentation dürfte daher für die Leser der Sachbücher
von Harbort (und natürlich für die Bezieher des KRIMI-TIPP)
von großem Interesse sein. Wer zudem aufmerksam die Krimis
z.B. von Horst Eckert oder Silvia Kaffke gelesen hat, wird
bemerkt haben, daß diese beiden bekannten deutschen
Krimiautoren Harbots Sachbücher gründlich studiert haben. (vt
+ tp) KT 51

IV. Hoffmann, Elisabeth / Heinrich, Karl-L.: Brunettis


Venezia. Vaporetto-Tour durch Venedigs Kanäle. Auf den Spuren
des beliebten Commissario. 2008, 16 S., 1 Übersichtkarte, 1
Tafel mit 16 Farbfotos, Version 1.0, geheftet, Verlag Hoffmann
& Heinrich, EURO 4,00
Begonnen hat alles mit einem Übersichtsfaltplan zu Brunettis
Venedig. Es folgten bisher 3 Führer, sogenannte
„Spaziergänge“. Alles sehr handlich, kleinformatig und bestens
in der Jacken- oder Hemdtasche zu verstauen. Auf die liebevoll
gemachten kleinen Taschenführer durch das Venedig von Donna
28

Leons Commissario Brunetti habe ich im KRIMI-TIPP stets gerne


hingewiesen. Jetzt liegt der erste Touren-Plan vor, bei dem
man sich bequem zurücklehnen kann. An Bord der berühmten
Linienschiffe der Lagunenstadt geht es auf den Spuren
Brunettis durch die Kanäle, vom Bahnhof S. Lucia bis nach La
Calcina, insgesamt 16 Stationen. Die von Hoffmann und Heinrich
vorgeschlagene Tour dauert ca. zweieinhalb Stunden (!ohne
Unterbrechungen durch Landgänge!). Für die Landgänge, vier
werden von den beiden Venedig-Kennern vorgeschlagen, sollte
man sich jeweils für mindestens eine halbe Stunde Zeit nehmen.
Wie auch bei den bereits vorliegenden Tour-Führern, wird jede
Station ausführlich kommentiert und Hinweise auf Begebenheiten
in den verschiedenen Kriminalromanen gegeben. Den Mittelteil
des Führers bildet wieder eine Tafel mit Farbfotos der
angesteuerten Stationen der Vaporetto-Tour. Obwohl Donna Leon
das Venedig des Commissario nicht immer originalgetreu
beschreibt, halten sich Hoffmann und Heinrich bei ihren Touren
präzise an die Vorgaben aus den Kriminalromanen. Sollte es
dennoch Unklarheiten gegeben haben, so haben die beiden die
wahrscheinlichste Möglichkeit recherchiert (in Vorbereitung
ist übrigens bereits der nächste „Spaziergang“ – er wird die
Brunetti-Fans zu den Fundorten diverser Leichen aus den Leon-
Krimis führen). Bezugsanschrift: E. Hoffmann / K.-L. Heinrich,
Dollmannstr. 15, D-81541 München oder via Internet unter
www.brunettistadtplan.de. Auf dieser website kann man sich
auch über die bisher vorliegenden Tour-Führer informieren, um
gegebenenfalls fehlende Führer oder das Gesamtpaket zu
bestellen. KT 51

IV. Holmes, Richard: Geschichte der Waffen vom Alterum bis


heute. 2007, 360 S., über 1500 Farbfotografien und
Abbildungen, (Weapon. A Visulal History of Arms and Armour,
Ü.v. Hainer Kober), Dorling Kindersley Verlag, 3-8310-1086-2 /
978-3-8310-1086-8 / K 19 16 20 87, EURO 39,95
Waffen jeglicher Art werden in Kriminalromanen zu Hauf
benutzt. Der Krimileser sollte daher nicht nur wissen, wie
eine Makarow aussieht, sondern auch wie diese russische
Pistole funktioniert (die Marakow wurde zunächst als
Ordonanzwaffe der Sowjetarmee konstruiert, später dann in
vielen Polizeibehörden als Dienstwaffe eingesetzt, allerdings
auch bei Killern im Kriminalroman äußerst beliebt) – nur um
ein Beispiel zu nennen. Basierend auf der Sammlung des „Royal
Armouries Museum“, einer der umfangreichsten Kollektionen von
Waffen und anderem Kriegsgerät weltweit, vermittelt der
vorliegende Bildband in insgesamt fünf Kapiteln einen
umfassenden Eindruck von der Geschichte der Waffen und deren
Verwendung in den letzten 4000 Jahren. Jedes Kapitel beginnt
mit einem Überblick über die wichtigsten militärischen und
technologischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit. Es folgt
ein Katalog sämtlicher Waffen nach Typen geordnet, wobei die
wichtigsten Arten und Entwicklungen innerhalb einer Epoche und
weltweit, durch alle Kulturkreise hindurch, dargestellt und in
29

ihrer Funktion erläutert werden. Herkunft, Material, Größe,


Besonderheiten werden beschrieben. Das Buch schließt mit einem
ausführlichen Register ab. (tp & vt) KT 51

I. Howe, Alexander N.: It Didn’t Mean Anything. A


Psychoanalytic Reading of American Detective Fiction. 2008,
296 S., McFarland, 978-0-7864-3454-1, c. $ 39,95 (Tageskurs,
zzgl. MWSt)
In dieser Untersuchung wird von Alexander N. Howe die
Geschichte und Entwicklung des amerikanischen Kriminalromans
aus der Sicht der Psychoanalyse beleuchtet. Grundlage ist für
ihn die Vorgehensweise des französischen Psychoanalysten
Jacques Lacan. In vier Kapiteln betrachtet Howe kritisch
verschiedene Gesichtspunkte in den Werken von Poe, Doye,
Hammett, Chandler, Spillane, Philip K. Dick und Marcia Muller.
1. The Classical Detective: Truth, Knowledge, and the
Imbecility of the Master [Edgar Allan Poe, Arthur Conan Doyle]
/ 2. „Protective Thinking“: Obessional Neurosis, Analysis, and
the Hard-Boiled Detective [Dashiell Hammett, Raymond Chandler,
Mickey Spillane] / 3. Hysteria, Paranoia, and Love in Philip
K. Dick’s Anti-Detective Fiction / 4. Remembering, Repeating,
and Working Through: Traumatic Narrative in the Hard-Boiled
Fiction of Marcia Muller. KT 51

I. Howe, Alexander N. / Jackson, Christine A. (Hg): Marcia


Muller and the Female Private Eye. Essays on the Novels That
Defined a Subgenre. 2008, 203 S., McFarland, 978-0-7864-3825-
9, ca. $ 35,00 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Von der Amerikanerin Marcia Muller wird behauptet, daß sie den
(sogenannten) „Frauenkrimi“ kreiert hat, sie wird gerne als
„the mother of the female hardboiled private eye“ bezeichnet.
Nicht von ungefähr, denn als 1977 ihre Ermittlerin Sharon
McCone die Krimiszene betrat, glich dies in den USA fast einem
Paukenschlag. Die beiden Herausgeber Howe und Jackson haben in
drei Abteilungen (Gender / Genre / Trauma) die Aufsätze und
Untersuchungen verschiedener Beiträger/innen für „Marcia
Muller and the Female Private Eye“ versammelt: Alexander N.
Howe „Re-Reading Marcia Muller – Gender, Genre, and the Trauma
of Interpretation) / Winter S. Elliott „Changing the World,
One Detective at a Time: The Feminist Ethos of Marcia Muller
and Sharon McCone“ / Chin-Jau Chyan „Crime, Punishment, and
Some Change in the McCone Series“ / Maureen T. Reddy „
Imagining the Margins: Muller’s Explorations of Race“ / Pamela
E. Bedore „Gender and Genre Stretching in the Non-McCone
Novels“ / Patricia P. Buckler „Taking Edwin to Lunch:
Developing the Female Hard-Boiled Detective in the Early
McCone Novels“ / Priscilla L. Walton „Sharon McCone: From PI
to Anti-Terrorist“ / Kelly C. Connelly „ Searching for the
Past: Nostalgia in the McCone Novels“ / Patrica L. Maida „The
Journey of Sharon McCone, Private Investigator“ / Jessica V.
Datema „Anxious Authorship: The Detective Fiction of Marcia
Muller and Gertrude Stein“ / Harriette C. Buchanan „The Lost
30

Child: Haunting Motif in the McCone Novels“ / Christine A.


Jackson „Muller Earth: Mythic Topography in the Soledad County
Trilogy“ / Alexander N. Howe „The Deafening Silence of the
McCone Series“ / Christine A. Jackson „Conclusion: Marcia
Muller in the American Traditon – Still Breaching Our
Insecurities“. KT 51

I + II. Huby, Felix [d.i. Eberhard Hungerbühler]: Fast wie von


selbst. Ein Gespräch mit Dieter de Lazzar. 2008, 172 S.,
Verlag der Autoren, 3-88661-313-5 / 978-3-88661-313-7 / K 20
92 25 91, EURO 16,00
Dieter de Lazzer, ist nicht nur ein lanjähriger Freund sondern
auch Co-Autor bei einigen Theaterstücken aus der Feder des
Kriminalschriftstellers und Drehbuchautors Felix Huby. 1977
erschien Hubys erster Krimi „Der Atomkrieg von Weiherbronns“
in der Rowohlt Thriller Reihe. Es sollten noch viele weitere
Kriminalromane mit dem sympatischen wie bodenständigen
Ermittler Bienzle folgen, die u.a. anderem auch für den
„Tatort“ von Huby adaptiert wurden. Mit „Der Atomkrieg von
Weiherbronns“ katapultierte sich Huby zugleich in die erste
Reihe der deutschsprachigen Kriminalschriftsteller. Neben
Kriminlromanen schrieb Huby Theaterstücke, Hörspiele und über
700 Fernsehfilme. Als freier Schriftsteller begann Huby mit
Kurzgeschichten (eine der ersten erschien Anfang der 60er
Jahre in der „Bäckerblume“) und Satiren (unter dem
Autorennamen Erhard Hunger in „Pardon“). Eine Zeit lang war er
Journalist beim „Spiegel“ und berichtete u.a. über die
Stammheim-Prozesse. Die Gespräche, die Huby (1938 als Eberhard
Hungerbühler geboren) mit Lazzer führt, sind Interview,
Biographie und Werkstattgespräch in einem. Huby erzählt aus
seinem Leben, berichtet über seine Anfänge als Schriftsteller,
skizziert Erfolge und Fehlgriffe – vor allem aber spricht er
in diesen 32 Interviews über seine Lieblingsbeschäftigung:
Menschen und Geschichten erfinden. „Fast wie von selbst“ wird
abgeschlossen mit jeweils umfangreichen Auflistungen (stets
Auswahlen) der Theaterstücke, der Bücher und der Filmographie.
KT 51

I. Jehle, Peter / Barfuss, Thomas / Haug, Frigga / Laudan,


Else / Lehmann, Christine / Weber, Thomas / Werkmeister, Sven
(Red.): Kapitalismus in der Krise / Krimis als Medium der
Politik des Kulturellen. 2008, 176 S., Argument Verlag (Das
Argument No. 278 [50 (2008) 5]), ISSN 0004-1157, EURO 11,00
Zur Zeit arbeitet die Argument Redaktion noch fieberhaft
daran, die 278. Ausgabe dieser Zeitschrift rechtzeitig zum
Jahresende fertigzustellen. Es gibt zwei Themenschwerpunkte in
dieser Ausgabe. Für die Leser des KRIMI-TIPP dürfte wohl der
Schwerpunkt „Krimis als Medium der Politik des Kulturellen“
von Interesse sein. Darin folgende Aufsätze: Peter Jehle
„Kriminelle Verhältnisse – Editorial II“ / Christine Lehmann
„Doch die Idylle trügt. Über Regionalkrimis“ / Peter Uwe
Hohendahl „Gesetz und Gerechtigkeit: Sara Paretsky“ / Else
31

Laudan & Frigga Haug „Wohin geht die Politik des Kulturellen?
Aufstieg der Ariadne Krimis und die Mühen der Ebene“ / Stefan
Howald „Einfühlen und Aufschneiden. Beobachtungen an Profilern
und Gerichtsmedizinerinnen in TV-Serien“ / Wolfgang Fritz Haug
„Wie wir uns erhoffen, dass im Krimi erzählt werde“ / Thomas
Weber „Samuel Kascher und Richter Lexer. Miniatur zu Bertolt
Brechts Detektiven“ / Anne Showstack Sassoon „Gramsci und das
Geheimnis von Father Brown“. KT 51

I. Jespers, Henri-Floris & Cann, Jos van (Hg): De Diamanten


Kogel 2002 – 2006. 2006, 91 S., Privatdruck De Diamanten
Kogel, nicht im Handel erhältlich
Weiter oben habe ich auf den Reader „Thriller versus roman“
herausgegeben von Cann & Jespers hingewiesen. Henri-Floris
Jespers war so freundlich, und hat mir diesen Reader, der fast
noch die Restwärme der Druckerei aufwies, zugeschickt. Seiner
Sendung beigefügt hat er „De Diamanten Kogel 2002 – 2006“,
eine Broschüre mit verschiedenen Aufsätzen zur
Kriminalliteratur beziehungsweise zu verschiedenen
Kriminalschriftsteller/innen. Diese Broschüre erschien 2006 in
einer Auflage von 500 Exemplaren, war nie im Handel erhältlich
und ist daher in den Niederlanden und Belgien ein gesuchtes
Objekt der Begierde von (Spezial-)Bibliotheken und Sammlern.
Da der KRIMI-TIPP sich nicht ausschließlich nur als review-
newsletter versteht sondern auch zeitweise auch als
Informationsbulletin zur Kriminalliteratur, erlaube ich mir
daher den Hinweis auf diese Broschüre. Inhalt: Jespers & Cann:
Echte literatuur? / Baets & Tratsaerts: Is Georges Simenon een
crimineel omdat hij zijn hele leven met crime stories bezig
was? Over kunst als sociale strijd bij Wim Delvoye / Kenis:
Benny Baudewyns’ locomotief / Jespers: Patrick de Bruyn –
Verminkt & Verdoemd / Jespers: Patrick Conrad – De aap van God
/ Swaenepool: Bavo Dhooge of Marlowe in Gent / Jespers: Louis
von Dievel – Ik ben de vuilnisman / Laet: Pierre Dysernick –
De fluwelen giftand / Vervoort: Jef Geeraerts – De peetvader
van de Vlaamse misdaadroman / Cann: Aad van den Heuvel – Het
Sahararaadsel / Jespers: Margreet Hirs – Haventijd /
Swaenepol: Corinne Kisling – Afgrond / Kenis: Van Loock &
Sluszny – De Witte Salamander / Laet: Bob Mendes –
Medeschuldig / D’Hulster: Elvin Post – De kerktoren voorbij /
Jespers: Jonathan Sonnst – Razborka / Braeckman: Johanna Spaey
en de Vlaamse misdaadroman / Can: Felix Thijssen – Literaire
duizendpoot / Cann: Esther Verhoef – Onder druk / Laet: John
Vermeulen – Soms is het inderdaad beschamend Belg te zijn /
Auwelant: Simon de Waal – Cops vs. killer. KT 51

III. Kaminski, Likasz / Persak, Krysztof / Gieseke, Jens (Hg):


Handbuch der kommunistischen Geheimdienste in Osteuropa 1944 –
1991. 2008, 420 S., Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (Analysen
und Dokumente - Wissenschaftliche Reihe der Bundesbeauftragten
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der
ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik – BStU, Bd. 33),
32

3-525-35100-3 / 978-3-525-35100-0 / K 20 97 73 76, EURO 29,90


Die Geschichte des Kommunismus ist ohne die Geschichte seiner
Staatssicherheitsdienste nicht zu verstehen. Dieses Handbuch
liefert die erste umfassende Darstellung der Geheimdienste im
kommunistischen Europa. In acht Kapiteln werden die
Organisation, die Struktur, die personelle Ausstattung und
Besetzung, die Arbeitsweisen, die bevorzugten Handlungsfelder
und die Rekrutierungsmethoden der Staatssicherheitsdienste der
Sowjetunion (in den Phasen 1917-1945 und 1945-1991),
Bulgariens, der Tschechoslowakei, der DDR, Polens, Rumäniens
und Ungarns dargestellt und analysiert. Ergänzt werden
Schätzungen über die Opferzahlen, sowie biographische Notizen
der wichtigsten Funktionäre. Weiterführende Literatur,
Tabellen und Schaubilder sowie ein umfangreiches Register
vervollständigen den Band. (vt) KT 51

I. Kinzig, Wolfram / Volp, Ulrich (Hg): God and Murder.


Literary Representations of Religion in English Crime Fiction
/ Darstellungen von Religion in englischsprachiger
Kriminalliteratur. 2008, 191 S., 1 s/w Ill., 3 Tabellen, Ergon
Verlag (Studien des Bonner Zentrums für Religion und
Gesellschaft, Bd. 3), 3-89913-641-1 / 978-3-89913-641-8 / K 21
28 52 36, EURO 34,00
Das erste Kapitalverbrechen, über das berichtet wird, ist der
Mord von Kain an seinem Bruder Abel (Gen. 4). In ihrer
Einleitung zu „God and Murder“ merken die beiden Herausgeber
an, dass „… Gott … als der erste Detektiv gelten kann, wenn er
… den Mord Abels durch Kain in kurzer Zeit aufklärt und löst“.
Nun kein Wunder (sic!), denn der Kreis der Verdächtigen war
mehr als überschaubar und wer im Religionsunterricht
aufgepasst hat, weiß „der liebe Gott sieht alles“. Religion
und Kriminalität ist seit Beginn der Kriminalliteratur ein
weites Feld, das sich gut beackern ließ und läßt. Jede
Religion hat ihre wohlbekannten Ermittler. Gilbert Keith
Chesterston ließ seinen katholischen Pater Brown ermitteln;
Harry Kemelman’s Rabbi Small vertritt den jüdischen Glauben;
die Portestanten haben ihre Ermittlerin in der ehemaligen
Kampfhubschrauberpilotin und späteren Pastorin Clare
Fergusson, geschaffen von der Amerikanerin Julia Spencer-
Fleming; der chinesische Polizist Sham von Eliot Pattison
ermittelt im Umfeld buddhistischer und tibetischer Mönche;
Sergeant Jim Chee und Lieutenant Joe Leaphorn, das
Ermittlerpersonal von Tony Hillerman, übernehmen diesen Part
im Bereich der Naturreligion. Agatha Christie, Dorothy L.
Sayers, Umberto Eco, P.D. James, Arthur Conan Doyle, Ellis
Peters – um nur ein paar wenige weitere Kriminalautoren zu
nennen – haben ebenfalls Religion und Kriminalität
thematisiert (Es sind zu 99 % Männer und Frauen der Kirche,
die kriminalistische Ermittlungsarbeit leisten. Aber es gibt
auch die Ausnahmen, die die Regel bestätigen: Zum Beispiel der
Klosterbruder als Mörder in „Der Namen der Rose“ von Umberto
Eco). Kinzig und Volp konnten Fachleute verschiedener
33

Disziplinen für eine umfangreiche und gründliche Bearbeitung


des Themas Religion in (englischsprachiger) Kriminalliteratur
gewinnen: Kulturwissenschaftler, Literaturwissenschaftler,
Theologen, Kriminologen und Philosophen bringen ihre Gedanken
in Form von ausführlichen Essays ein. Jeder Beitrag ist mit
zum Teil umfangreichen Anmerkungen versehen, die gleichzeitig
Hinweise auf weiterführende Literatur anbieten. Neben der
Einleitung legen die Beiträger in insgesamt 9 Aufsätzen ihre
Sicht zum Thema dar. Gislind Rohwer: Murder in Cathedrals –
The Chruch as a Gothic Crime Scene in Peter Ackroyd’s
„Hawksmoor“ / Uwe Baumann: Pilgerreisen nach Canterbury in der
modernen englischen Literatur / Uwe Baumann: Nuns, Friars,
Priests and Monks als Detectives in Modern English Historical
Mysteries / Torsten Verrel: Kriminologische Betrachtungen zu
Mord und Religion / Volker Ladenthin: Am Anfang war der Mord –
Detektivgeschichten und Religion / Wolfram Kinzig: Paradoxial
Perpetrations – Whodunit and Theology / Ulrich Volp: „Suicide
is a fine thing, quite often“ – Überlegungen zu
gesellschaftlicher Moral und christlicher Ethik im englischen
Kriminalroman / Michael Roth: Ein Mord, den jeder begeht –
Überlegungen zur Moral in der Detektivgeschichte / Kristin
Fechtner: Spuren lesen – Eine praktisch-theologische Lektüre
von P.D. James’ „Was gut und böse ist“. Abgeschlossen wird
„God and Murder“ mit einer Vorlesung von P.D. James vom
14.11.2006 an der Universität Bonn („I wanted to know: Did
Humpty Dumpty fall or was he pushed?“ – Reflections on
Religion and Crime Fiction) und dem Protokoll der sich an die
Vorlesung anschließenden Fragen des Publikums an P.D. James
(und natürlich ihre Antworten). Gerade auf Grund der
interdisziplinären Betrachtung zum Themas ist „God and Murder“
überaus empfehlenswert. Im Verlagstext heißt es dazu: „Dem
Buch gelingt … ein seltener Brückenschlag zwischen
akademischer Theorie und den Beweg- und Hintergründen
literarischer Praxis“. [Wolfram Kinzig ist Professor für
Kirchengeschichte, Schwerpunkt Alte Kirchengeschichte an der
Universität Bonn / Ulrich Volp ist Professor für Kirchen- und
Dogmengeschichte an der Universität Mainz]. KT 51

IV. Kneifl, Edith. Geheimes Salzburg. Ein genussvoller Roman.


2008, 190 S., 1 Übersichtskarte, im Anhang: Backshots &
Locations, über 350 farbige Fotos von Wolfgang Steinmetz, 60
Rezepte, Lichtblick Verlag, 978-3-9502307-3-4, EURO 24,95
Die Journalistin und Gourmet-Kritikerin Lisa Maurer ist wieder
auf der Pirsch. Diesmal schaut sie sich in Salzburg während
der Salzburger Festspiele um und klärt dabei zwei Morde auf.
Wie bereits 2007 mit „Geheimes Venedig. Ein genussvoller
Roman“ (s. KRIMI-TIPP 50) hat die Wiener
Kriminalschriftstellerin und Psychologin Edith Kneifl, einen
etwas anderen Kriminalroman, der zugleich Krimireise- &
Restaurantführer ist, vorgelegt (mehr zum Krimi selbst s. PKT
19). Der Untertitel „Ein genussvoller Roman“ verspricht was er
hält. Der Krimi ist gleichzeitig ein kulinarischer wie
34

historischer Stadtführer durch die Festspielstadt Salzburg.


Auch Wolfgang Steinmetz hat an diesem Krimi und
Restaurantführer wieder mitgearbeitet – von ihm stammen die
mehr als 350 Farbfotos, die die Ermittlungen und Streifzüge
der Journalistin durch Bars, Restaurants und Hotels gekonnt
ins Bild setzen. Neben den im Buch eingestreuten Fotos werden
auch die (ausführlichen) Rezepte der verschiedenen Menus
vorgestellt. Fotoband, Kochbuch, Stadtführer und Krimi in
einem – wie in „Geheimes Venedig“ eine überzeugend umgesetzte
Idee der Krimiautorin und des Fotografen. Und alle
Lokalitäten, zu denen und in die es die Journalistin
verschlägt, existieren. Die Köche der Spitzenrestaurants,
Hotels, Bistros und Cafés haben sich über die Schultern und in
die Töpfe gucken lassen. Ihre Rezepte, insgesamt 60 Original-
und originelle Rezepte, sind jedem Kapitel beigefügt,
illustriert mit Foodfotos und Aufnahmen aus den jeweiligen
Restaurants. Das Kapitel „Locations“ im Anhang von „Geheimes
Salzburg“ führt alle Bars, Restaurants und Cafés mit
Anschrift, e-mail und homepages auf. Die Auflistung ist
numeriert, somit sind diese „Locations“ leicht auf der
Übersichtskarte zu finden. Ein Rezeptregister, übersichtlich
nach Gerichten unterteilt, beschließt dieses außergewöhnliches
Krimi- Foto- Koch- und Reisebuch. Die Serie dieser
genussvollen Kriminalromane wird fortgesetzt: „Geheimes
Florenz“ soll gegen Ende 2008 erscheinen. Man darf gespannt
sein, warum es Lisa Maurer, Ermittlerin wider Willen, nach
Florenz verschlägt. Eines ist aber jetzt schon sicher: die
bestechende Ausstattungsqualität dieser Serie wird durch
keinen Mord getrübt werden. KT 51

I. Korte, Barbara & Paletschek, Sylvia (Hg): Geschichte im


Krimi. Beiträge aus den Kulturwissenschaften. 2008, 248 S., 10
s/w Abb., Böhlau Verlag, 3-412-20253-3 / 978-3-412-20253-8 / K
20 97 35 05, EURO 29,90
Kriminalromane erleben seit dem späten 20. Jahrhundert eine
Konjunktur, deren Abklingen bislang nicht abzusehen ist. Zwar
dienen sie nicht ausdrücklich der Vermittlung historischen
Wissens, transportieren jedoch als Nebeneffekt mehr oder
weniger gesicherte Kenntnisse über die Vergangenheit oder aber
die Gegenwart. Erfolgreiche Krimis werden zudem in fremde
Sprachen übersetzt, sodass der Leser nicht nur mit der jeweils
„eigenen“ nationalen oder regionalen Geschichte, sondern auch
mit anderer Nationen, Regionen und Ethnien bekannt gemacht
wird. Mit seinen vielen Variationen bietet der Kriminalroman
zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine breite Palette kultur-
und literaturwissenschaftlicher sowie historischer
Fragestellungen. Bisher gibt es jedoch nur wenige Vorarbeiten
zum Themenfeld „Krimi und Geschichte“ und kaum einschlägige,
wissenschaftliche Publikationen. Im vorliegenden Band begeben
sich Autorinnen und Autoren verschiedener
kulturwissenschaftlicher Disziplinen auf die Spur der im
Krimigenre konstruierten Geschichtsbilder und der
35

erkenntnistheoretischen Aspekte von Kriminalromanen.


Beleuchtet wird dabei auch die Funktion historischer Krimis
für nationale Identitätsstiftung und
Vergangenheitsbewältigung. Sylvia Paletschek ist Professorin
für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg.
Barbara Korte ist Professorin für Anglistik an der Universität
Freiburg. (vt) KT 51

IV. Larvor, Gilles: Extérieur nuit. 2001. 142 S., s/w Fotos,
Vorwort von Jean-Barnard Pouy, Éditions Joseph K., 2-910686-
35-9 / 978-2-910686-35-2, EURO 28,00
Ein Bild-/Textband mit 50 Porträts und s/w Fotografien zu
Kriminalschriftstellern/innen. Die Fotos stammen von Gilles
Larvor, das Vorwort zu „Extérieur nuit“ hat Krimiautor Jean-
Bernard Pouy beigesteuert und Claude Mesplède liefert, neben
den Biographien, die entsprechenden Bibliographien. KT 51

IV. Lauterbach, Arlette / Raynal, Patrick: Le livre des


alcools de la Série Noire. 2001, 279 S., Vorwort von Jean-
Marie Laclavetine, s/w Illustrationen vom Joëlle Jolivet,
Gallimard, 2-07-076342-0 / 978-2-07-076342-9, EURO 15,00
Hat man beim Lesen von Kriminalromanen Getränke im Focus, ist
man schnell geneigt die agierenden Ermittler in zwei Klassen
einzuteilen: zum einen diejenigen, die dem Alkohol nicht
abgeneigt sind, zum anderen solche, die inzwischen regelmäßig
bei Versammlungen der örtlichen AA anzutreffen sind. Der
Privatermittler im klassischen hard-boiled Krimi hatte meist
eine Flasche im Schreibtisch, um den ungenießbaren Kaffee
herunterzuspülen. Säfte kamen in der Regel nie vor und Wasser
war zum Waschen da. Arlette Lauterbach und Patrick Raynal
haben 124 Krimis der Reihe „Série Noire“ nach diversen
Alkoholika durchforstet – mit Erfolg. Will der Leser sich ein
feucht-fröhliches Jahr gönnen, so kann er unter 302 Rezepten
zu Longdrinks, Cocktails, mit Alkohol verfeinerten Saucen oder
in Sprit eingelegten Früchten wählen. Zur Ausnüchterung
sollten die verbleibenden 63 Tagen des Jahres dann sinnvoll
eingeteilt werden. KT 51

IV. Lauterbach, Arlette / Raybaud, Alain: Le livre de cuisine


de la Série Noire. 1999, 319 S., Vorwort von Patrick Raynal,
s/w Illustrationen von Jochen Gerner, Gallimard, 2-07-049876-X
/ 978-2-07-049876-5, EURO 15,00
Waren es ehemals Pastrami-Sandwiches oder vor Fett triefende
Doughnuts, welche die Grundlage für den täglichen Drink
abgaben (s.o. „Le livre des alcools de la Série Noire“.), so
kann man heute feststellen, daß Kriminalschriftsteller bzw.
ihr ermittelndes Personal nicht Hobbybrutzler sondern
inzwischen verkappte (Spitzen-)Köche und/oder Gourmets sein
müssen. Auf 298 Rezepte aus mehr als 150 Textpassagen der
Série Noire sind Lauterbach und Raybaud gestoßen. Parker’s
Spenser bekocht liebevoll seine Freundin, Jean-Claude Izzo
schwärmt für beignets de langue de morue (Kabeljauzunge in
36

Bierteig) und Chester Himes steht auf Alligator Sauce


Piquante; zu Camilleris Ermittler gibt es ja bekanntlich ein
wunderbares Kochbuch („Sizilianische Küche“) und die Wiener
Kriminalschriftstellerin Edith Kneifl hat bereits zwei Bände
mit kulinarischen Streifzügen ihrer Ermittlerin wider Willen
Lisa Maurer vorgelegt („Geheimes Venedig“ und „Geheimes
Salzburg“) oder man denke an „Mira kocht“ von Eva Rossmann
[auf die genannten Titel werden in diesem KRIMI-TIPP
hingewiesen bzw. wurde bereits in früheren KRIMI-TIPPS
aufmerksam gemacht – wie auch auf eine Vielzahl weiterer
Bücher, die sich mit Essen und Trinken im Krimi beschäftigen].
KT 51

I. Lhomeau, Marc / Lhomeau, Franck (Hg & Red): Temps Noir No.
11. La Revue des Littératures Policières. 2008, 221 S., zahlr.
s/w Abb. und Fotos, Éditions Joseph K., 978-2-910686-49-9,
EURO 15,00
Etwas verspätet ist die elfte Ausgabe von „Temps Noir“ hier im
Archiv eingetroffen. Der hohe Anspruch, mit dem 1998/1999
dieses französische Magazin (in Buchformat) zur
Kriminalliteratur begann, konnten Herausgeber und Redaktion
halten. Die jetzt vorliegende Ausgabe ist komplett dem
französischen Kriminalschriftsteller Jean-Patrick Manchette
gewidmet. Artikel von und über Manchette, Interviews, Texte
und Fotografien von Manchette, und –selbstverständlich- eine
Bibliographie und eine Filmographie runden diese umfangreiche
Würdigung des Krimiautors ab. Inhalt: Doug Headling: Jean-
Patrick Manchette / Jean-Patrick Manchette: Photographies de
jeunesse / Jean-Patrick Manchette: Mésaventures et
décomposition de la compagnie de la danse de mort / Luc Geslin
& Georges Rieben: En direct avec … Jean-Patrick Manchette /
Jean-Patrick Manchette: La Longue ville / François Salvaing:
Noir c’est noir – interviews de J.-P. Manchette / François
Cuel & Renaud Bezombes: Réponses par Jean-Patrick Manchette /
Jean-Patrick Manchette: Photofraphies de Jules-César
Muracciole / François Guérif & Pascal Mérigeau: Entretien avec
Jean-Patrick Manchette / Jean-Patrick Manchette: Trois schémas
de thrillers / Pierre Charrel & Doug Headline: Manchette et le
cinéma / Bibliographie de Jean-Patrick Manchette /
Filmographie de Jean-Patrick Manchette. Den Abschluß der
vorliegenden Sonderausgabe zu J.-P. Manchette bilden
umfangreiche Artikel, zusammengestellt von Cécile De Bary, zur
Frage „Jean-Patrick Manchette un auteur hors série?“. Die
Antworten geben: Natacha Levet „Jean-Patrick Manchette entre
paralittérature et littérature les paradoxes d’un auteur“ /
Doug Headline & Franck Frommer „Le silence ou la panne …“ /
Anissa Belhadjin „Les romans de Manchette: du travail sur la
narration au jeu avec le lecteur“ / Doug Headline „Manchette
aujourd’hui“ / Cécile De Bary „Manchette et le décalage“ /
Matthieu Remy „Jean-Patrick Manchette et le polar de la
société consumériste“ / Raphaël Sorin & Alian Dugrand „À
propos de Manchette“ / Bertrand Tassou „Manchette et A.D.G.“ /
37

Isabelle Dangy „Manchette et Échenoz une affaire de lignage“,


Meryem Blekaid „Du ‚néo-polar’ au ‚rom-pol’“ / Serge
Quadruppani „Questions sur une influence (Portrait de Jean-
Patrick Manchette dans le roman noir contemporain en France et
en Italie sous la forme d’un puzzle aux pièces incompatibles).
KT 51

I. Macdonald, Kate: John Buchan. A Companion to the Mystery


Fiction. 2008, Fotos, Bibliografie, Index, McFarland, 978-0-
7864-3489-3, ca. $ 39,95 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Der Schotte John Buchan (1st Baron Tweedsmuir of Elsfield),
26.8.1875 – 11.2.1940, war Politiker, Staatsmann und bekannter
wie populärer Kriminalschriftsteller, der in seinen mehr als
40 Kriminalromanen und Kriminalerzählungen stets versuchte,
die Natur des Guten und des Bösen auszuloten und die manchmal
verschwommenen Grenzen zwischen Zivilisation und Anarchie
aufzuzeigen. Sein bekanntester Kriminalroman dürfte „The
Thirty-Nine Steps“ (1915) sein und sein bekanntester
Protagonist (neben anderen Seriencharakteren) war wohl Secret
Agent Richard Hannay. Kate Macdonald, von 1997 bis 2007
Herausgeberin des „John Buchan Journal“, legt mit „John
Buchan“ ein umfangreiches Nachschlagewerk zum schottischen
Krimiautor vor. Hier stellt sie alle Protagonisten vor, nennt
und erläutert alle Romane, Kurzgeschichten, Verfilmungen und
Themen aus dem Gesamtwerk des Autors. Neben diversen Fotos ist
das Buch auch mit den Buch-Cover verschiedener Ausgaben
illustriert. KT 51

I. Markaris, Petros: Wiederholungstäter. Ein Leben zwischen


Istanbul, Wien und Athen. 2008, 190 S., Lesebändchen, (Ü.v.
Michaela Prinzinger), Diogenes Verlag, 3-257-06639-2 / 978-3-
257-06639-5 / K 20 04 97 57, EURO 16,90
Petros Markaris, Erfinder des Kommissar Kostas Charitos, gilt
in Deutschland als DER griechische Kriminalschriftsteller. Daß
Petros Markaris, 1937 in Istanbul geboren, auch Verfasser von
Theaterstücken, Drehbuchautor und Übersetzer deutscher
Klassiker (Goethe „Faust I + II) ist, ist wohlmöglich
hierzulande nicht so bekannt. Wer mehr über den Schriftsteller
Markaris wissen möchte, hat dazu mit „Wiederholungstäter“ die
beste Gelegenheit. Und kann so auch direkt herausfinden, was
in Markaris’ Kriminalromanen autobiographisch und was
Erfindung ist. Was er wirklich während seines Studiums der
Volkswirtschaft in Wien machte; wie sein Kommissr Kostas
Charitos entstanden ist; wie er politisch aufgestellt ist –
all dies (und vieles mehr) schildert der Kosmopolit Markaris
hier auf brillante und liebenswürdige Weise. KT 51

II. Meehan, Paul: Tech-Noir. The Fusion of Science Fiction and


Film Noir. 2008, 272 S., 64 Fotos, Filmografie, Anmerkungen,
Bibliografie, Register, McFarland, 978-0-7864-3325-4, ca. $
55,00 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
This critical study traces the common origins of film noir and
38

science fiction films, identifying the many instances in which


the two merged to form a distinctive subgenre known as „Tech-
Noir“. From the German Expressionist cinema of the late 1920s
to the present-day cyberpunk movement, the book examines more
than 100 films in which the common noir elements of crime,
mystery, surrealism, and human perversity intersect with the
high technology of science fiction. The author also details
the hybrid subgenre’s considerable influences on contemporary
music, fashion, and culture. (vt) KT 51

I. Meintel, Katja: Im Auge des Gesetzes. Kriminalromane aus


dem frankophonen Afrika südlich der Sahara –
Gattungskonventionen und Gewaltlegitimation. 2008, 264 S., im
Anhang: Zeittafel zum frankophonen subsaharischen
Kriminalroman, Shaker Verlag, 978-3-8322-5730-6, EURO 45,80
Zur Kriminalliteratur aus Afrika wurde verschiedendlich,
allerdings nicht häufig, im KRIMI-TIPP hingewiesen (z.B.
Schleh: Mysteries of Africa [anglophones Afrika] / Crime
Global / Burtscher-Bechter: Algerien – ein Land sucht seine
Mörder [beide Titel zum frankophonen Afrika]). Fragt man
Krimiliebhaber nach Kriminalautoren vom schwarzen Kontinent,
werden meist James McClure und Deon Meyer –beide Südafrika- ,
für das französischsprechende Afrika wird häufig Yasmin Khadra
oder der weniger bekannte Mongo Beti (30.6.1932 – 8.10.2001)
genannt. (Autoren wie McCall Smith, Caputo, Hilliges,
Robertson bleiben hier unbeachtet, da Briten oder Amerikaner).
Mit ihrer Untersuchung „Im Auge des Gesetzes“ bringt Katja
Meintel etwas Farbe auf die reichlich weiße Krimilandkarte
Afrikas. In ihrem Buch beschäftigt sich Meintel mit
Kriminalromanen im frankophonen Afrika südlich der Sahara –
mit Autoren aus Senegal, Mali, Kamerun, Kongo/Zaire oder von
der Elfenbeinküste. In sechs umfangreichen Teilen wird der
Leser mit dem afrikanischen Kriminalroman bekannt gemacht
(„Krimis in Afrika? Gibt’s nicht! Diese lapidare Einschätzung
… ist heute gründlich widerlegt“ K. Meintel in „Oui, mon
commissare! Afrikanische Krimis auf Französisch“, Crime
Global): 1. Einleitung / 2. Theoretischer Teil (z.B.
Forschungsliteratur zum afrikanischen Kriminalroman, Der roman
noir und seine Spielarten, Formen der Kriminalität im
afrikanischen Kriminalroman) / 3. Kontexte (z.B. In Afrika
verlegte Kriminalromane, In Europa veröffentliche afrikanische
Kriminalromane) / 4. Analytischer Teil (Begutachtung von
Kriminalromanen von Mobido S. Keita, Moussa Konaté, Achille
Ngoye, Mongo Beti) / 5. Schlußbetrachtungen / 6. Bibliografie
(Primär- und Sekundärliteratur, beide Teile erfreulich
umfangreich). Abgeschlossen wird die Untersuchung mit einer
„Zeittafel zum frankophonen subsaharischen Kriminalroman“
(1984 – 2006). Im Klappentext wird u.a. ausgeführt: „Die
vorliegende Studie deckt auf, dass eine <Afrikanisierung> der
Gattung nicht nur hinsichtlich literarischer
Gattungserwartungen geschieht, sondern auch thematisch bei der
Darstellung polizeilicher und privater Verbrechensbekämpfung.
39

Dabei wird deutlich, dass sich der Kriminalroman in einem


Spannungsfeld zwischen staatlichem Gewaltmonopol und
gewaltsamer Selbsthilfe situiert. Dieses komplexe
Zusammenspiel von Recht und Gewalt innerhalb der
subsaharischen Nationalstaaten wird von den afrikanischen
Autoren auf unterhaltsame <kriminalistische> Weise in Szene
gesetzt.“ KT 51

II. Moldenhauer, Benjamin / Spehr, Christoph / Windszus, Jörg


(Hg): On Rules and Monsters. Essays zu Horror, Film und
Gesellschaft. 2008, 189 S., 5 s/w Fotos, Argument Verlag, 3-
886619-472-8 / 978-3-886619-472-8 / K 19 12 05 58, EURO 9,90
Die Drastik der verdrängten Wirklichkeit. Die Klassiker der
Literatur sind voll davon. Von der „Ilias“ über „Macbeth“ bis
zum „Faust“, von Byron über Brecht bis Böll: Wer den Horror
rausnimmt, dem bleibt wenig übrig. Im Horror sind immer
zeitgeschichtliche Erfahrungen aufgehoben. Hier überwintert,
was kolletiv erlebt wird und verarbeitet werden muss. Die
Wirkung auf die Zuschauer: Verrohung und Anleitung zur
Nachahmung? Horror inszeniert für jugendliche Zuschauer eine
symbolische Welt, die auf Gewalt gebaut ist. Erwachsene wollen
diese Gewalt vergessen, ohne dass sie sie im Griff haben. Das
Horrorgenre ist ein Trainingslager für die Psyche. Was in der
Sozialisation an den Rand gedrängt wird, rückt es ins Zentrum.
Im modernen Horrorfilm wohnt das Böse nebenan. Und es zieht
nicht wieder weg. Auch die Familie ist kein Ort des Trostes,
sondern Hort des Terrors. Gewalt erscheint nicht als
zurückdrängbare Störung, sondern als konstitutives Element des
ganz alltäglichen Lebens. Inhalt: Einleitung: Der Kongress der
lebenden Toten / Benjamin Moldenhauer/Christoph Spehr/Jörg
Windszus: Law of the Dead. 10 Thesen zum modernen Horrorfilm /
Udo Franke-Penski: Kettensägen, Lust und Toleranz. Zur
Konsumierbarkeit von Horrorfiktionen / Dieter Wiene: Pleasure,
Pain and Puberty. Die Schmerzen und Freuden des Aufwachsens im
Buffyverse / Jakob Schmidt: Vom Entsetzen, einen Körper zu
haben. Das bedrohte Ich in George A. Romeros Zombiefilmen /
Verena Kuni: Un-Ordnung schaffen. Das Labor als Ort der
Transgression / Tim Schomaker: Im Innern ein lebhaftes Bild.
Über Inszenierungen von Angst – Ein Brief / Dietrich
Kuhlbrodt: Idealerweise Nazihorror. Blutige Exzesse im
Führerbunker / Linnie Blake: „Everyone will suffer“. National
identity and the spirit of subaltern vengeance in Nakata
Hideo’s „Ringu“ und Gore Verbinski’s „The Ring“ / Uche Nduka:
Horror and the African Tradition. Two Frames / Christoph
Spehr: Honeycomb World. Gesellschaft und Utopie im
zeitgenössischen Horrorfilm. (vt) KT 51

I. Morél, Gérard: Les Repères d’Arsène Lupin. 2008, 152 S.,


s/w Fotos, Verlag C. Pirot (Maison d’ércivains), 978-2-86808-
262-6, EURO 16,80
Maurice Leblanc (11.12.1864 – 6.11.1941) war Schriftsteller
(Debut „Le Sauvetage“ 1890) und Kriminalschriftsteller. Als
40

Kriminalschriftsteller erfand er den Gentleman-Verbrecher


Arsène Lupin. Leblanc legte Arsène Lupin ähnlich an wie Ernest
Wolliam Hornung (1866 – 1921) seinen Schwindler A.J. Raffles.
Seinen ersten Auftritt hatte Lupin im Juli 1905 mit
„L’Arrestation d’Arsène Lupin“. Es sollten noch fast 30 Romane
um den Dieb und Schwindler folgen. Übrigens hat den beiden
französischen Krimiautoren Boileau & Narcejac die Figur des
Arsène Lupin so gut gefallen, daß sie ihn in den 70er Jahren
in einigen ihrer Erzählungen auferstehen ließen. KT 51

I. Müller-Dietz, Heinz: Recht und Kriminalität in


literarischen Spiegelungen. 2007, 283 S., BWV – Berliner
Wissenschafts-Verlag, 978-3-8305-1340-7, EURO 48,00
Mit dem Band „Recht und Kriminalität im literarischen
Widerschein“, mit dem die Abteilung „Recht in der Kunst –
Kunst im Recht“ im Jahre 1999 eröffnet worden ist, liegt
nunmehr unter ähnlichem Titel ein zweiter Band des Autors mit
gesammelten Beiträgen zum Thema Recht und Literatur vor. Heinz
Müller-Dietz, einer der Altmeister dieses Themenbereiches,
spannt mit seinen 14 Beiträgen den Bogen von allgemeinen
Problemstellungen wie „Die Gerechtigkeit in der Literatur“ und
„Literarische Strafprozeßmodelle“ bis zu einzelnen
literarischen Werken von Goethe, Heine, Dürrenmatt und
Elfriede Curda. (vt) KT 51

I. Niebuhr, Gary Warren: Read ’Em Their Writes. A Handbook for


Mystery and Crime Fiction Book Discussions. 2006, 264 S.,
Greenwood Press, 1-59158-303-9 / 978-1-59158-303-5, ca. £
19,95 (Tageskurs zzgl. MWSt)
Auf Hinweis-Bücher resp. Listen-Bücher von Gary Warren Niebuhr
wurde in vorangegangenen KRIMI-TIPPS bereits öfter
hingewiesen. Ähnlich wie Trott (s.d.) listet Niebuhr die
(seiner Meinung nach) 150 besten Kriminalromane auf, Klassiker
ebenso wie Titel aus den letzten Jahren, die es Wert sind, in
sogenannten Krimi-Clubs oder –Lesezirkeln ausführlich
besprochen und analysiert zu werden (z.B. Atwood „Blind
Assassin“, Brown „Da Vinci Code“, Burke „Cimarron Rose“,
Hammett „Maltese Falcon“ oder Hillerman „Dance Hall of the
Dead“, um nur einige wenige zu nennen). Zudem gibt Niebuhr
nützliche Hinweise für die Moderatoren wie auch für die
Teilnehmer solcher Diskussions- und/oder Leserunden. Inhalt:
Mystery Book Discussion / An Overview of This Book / Why Talk
About Books / General Book Discussion Leader Procedures /
General Book Discussion Participant Procedures / 100 Mystery
and Crime Fiction Books to Discuss / 50 Additional Mystery and
Crime Fiction Books to Consider for Discussions / Appendix /
Indexes. KT 51

I. Nünning, Vera (Hg): Der amerikanische und britische


Kriminalroman. Genres – Entwicklungen –
Modellinterpretationen. 2008, 248 S., WVT Wissenschaftlicher
Verlag Trier (WVT-Handbücher zum literaturwissenschaftlichen
41

Studium, Bd. 11), 3-86821-071-7 / 978-3-86821-071-2, EURO


24,50
Vera Nünning, Professorin für Englische Philologie an der
Universität Heidelberg, gibt dem Studienhandbuch „Der
amerikanische und britische Kriminalroman“ einen Überblick zu
den wichtigsten Richtungen der zeitgenössischen
englischsprachigen (UK und US) Kriminalliteratur. Gleichzeitig
möchte sie durch die Beiträge bekannter Wissenschaftler
demonstrieren, daß der Kriminalroman inzwischen auch in
Deutschland als „gehobene“ Literatur betrachtet wird – und
akademische Ehren durch literaturwissenschaftliche Analysen
und Untersuchungen erfahren hat und erfährt (die
entsprechenden Hinweise in inzwischen 51 Ausgaben des KRIMI-
TIPP haben dies nun schon seit geraumer Zeit dokumentiert).
Das vorliegende Werk ist in drei Teile gegliedert. In Teil 1
erläutert Vera Nünning für „Britische und amerikanische
Kriminalromane. Genrekonventionen und neuere
Entwicklungsstendenzen“. Teil 2 beschäftigt sich mit den
„Klassische(n) Ausprägungen in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts“. Es sind drei Beiträge die sich mit den
wichtigsten, da prägenden und stilbildenden (modernen)
Klassikern des Genre beschäftigen. Agatha Christe (Evelyne
Keitel: Klassische Detektivgeschichten im „Golden Age“ –
Agatha Christie) / Raymond Chandler (Wolfgang G. Müller:
„Hard-Boiled“-Erzählungen – Raymond Chandler) und Patricia
Highsmith (Bernd Hirsch: Thriller – Patricia Highsmith). Der
3. Teil ist überschrieben mit „Zeitgenössiche Ausprägungen des
Kriminalromans: Diversifizierung und Hybridisierung“. Für
diesen dritten Teil wurden hochkarätige (zeitgenössische)
Kriminalautorinnen und -autoren ausgewählt, deren
Kriminalromane sich nicht nur stets auf den (internationalen)
Bestsellerlisten wiederfanden, sondern die auch mit ihren
Krimis und Thrillern die verschiedenen Subgattungen des Genres
bedienten. Die im Untertitel genannten drei Punkte (Genres,
Entwicklungen, Modellinterpretationen) werden (hier) in diesem
dritten Teil bestens entwickelt: es werden die wichtigsten
Genres und Strömungen charakterisiert; die Werke bedeutender
Autoren werden kurz vorgestellt; Modellinterpretationen zu
repräsentativen Werken werden angeboten. Beiträger und
Beiträge des 3. Teiles: Raimond Borgmeier „Historische
Kriminalromane aus der Sicht der Gegenwart: Josephine Tey“ /
Antje Dallmann „Hard-Boiled Ethnic Sleuths: Chester Himes“ /
Dorothea Fischer-Hornung „Doppelt marginalisiert: Barbara
Neely“ / Thomas Michael Stein „Thriller und Psychopathen:
Thomas Harris“ / Dorothee Birke, Stella Butter & Marion
Gymnich „Sprechende Körper: Kathy Reichs“ / Claudia Falk
„Starke Frauen: Val McDermid“ / Sascha Feuchert „Police
Procedural als hybrides Genre: Ian Rankin“ / Ulrich Suerbaum
„Der gehobene Kriminalroman: P.D. James“ / Peter Hühn „Hybride
Formen: Ruth Rendell“ / Bernd-Peter Lange „Anti-
Kriminalromane: Paul Auster“ und Jochen Vogt „Erweiterte
Erzählform und zeitgeschichtliche Perspektive: Robert Wilson“.
42

Jeder Beitrag schließt mit einer Auswahlbibliographie der


entsprechenden Primärliteratur und einer oftmals kommentierten
(!) Auswahlbibliographie der Sekundärliteratur. Das Werk
selbst wird mit einer kleinen, ebenfalls kommentierten,
Auswahlbibliographie zu Standardwerken abgerundet. „Der
amerikanische und britische Kriminalroman“ ist ein lohnendes
(Lese-)Buch wie auch ein empfehlenswertes Nachschlagewerk,
zumal die Leser hier garantiert auf eine/n ihrer
Lieblingsautoren/in treffen werden. KT 51

I. Pütz, Melina: Inwiefern bilden Frauenkrimis ein Subgenre


innerhalb des Kriminalromans? 2003, 16 S., geheftet,
(Studienarbeit), GRIN Verlag (BoD), 978-3-638-91135-1, EURO
11,99
Bei dieser Broschüre handelt es sich um eine (einseitig
gedruckte) Studienarbeit, die im Sommersemester 2003 an der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz geschrieben wurde. Melina
Pütz versucht hier den sogenannten „Frauenkrimi“ zu
definieren. Erfreulicherweise hält sie ihre Einleitung
(„Definition Kriminalroman“ / „Entstehungs- und
Entwicklungsgeschichte des Kriminalromans“) knapp. In ihrer
Begriffsbestimmung zum „Frauenkrimi“ übernimmt sie die Formel
„Neues Goldene Zeitalter“ von Evelyne Keitel (im Gegensatz zu
den britischen Kriminalromanen des „Golden Age“, die immer
häufiger von Frauen geschrieben wurden und somit natürlich
„weibliche Elemente“ annahmen). Etwas irritierend ist
allerdings Melina Pütz Autorinnenauswahl zum „Frauenkrimi“.
Zur Beweisführung stützt sie sich nur auf drei (deutsche)
Autorinnen: In kurzen Inhaltsangaben wird auf Ingrid Noll
(Kalt ist der Abendhauch), Sabine Deitmer (Neon Nächte) und
Birgit C. Wolgarten (Land der Mädchen) eingegangen. In zwei
Tabellen werden dann die von Evelyne Keitel erarbeiteten
Merkmale für einen Frauenkrimi aufgeschlüsselt (s. KRIMI-TIPP
1 / Februar 1998: Keitel „Kriminalromane von Frauen für
Frauen“, 1998). Wohlgemerkt, es handelt sich bei dieser Arbeit
von Melina Pütz um eine Studienarbeit, deren Umfang mehr oder
weniger vorgegeben sein dürfte. Für diejenigen, die Literatur
zum sogenannten „Frauenkrimi“ sammeln, sollte diese Arbeit der
Vollständigkeit halber in die Handbibliothek gehören. KT 51

I + IV. Puschmann, Dorothea (Hg) mit Brinkmann, Christina &


Weiden, Niklas (Red): criminalis – Magazin für Krimifreunde
Nr. 6 (September 2007 – August 2008). 2007, 166 S., zahlr. s/w
Abb. und Fotos, Capricorn Literaturverlag, 978-3-9807961-6-3
(ISSN 1619-604X), EURO 11,50 zzgl. Porto
I + IV. Puschmann, Dorothea (Hg) mit Brinkmann, Christian &
Weiden, Niklas (Red): criminalis – Magazin für Krimifreunde
Nr. 7 (September 2008 – August 2009). 2008, 168 S., zahlr. s/w
Abb. und Fotos, Capricorn Literaturverlag, 978-3-9807961-7-0
(ISSN 1619-604X), EURO 12,00 zzgl. Porto
Die sechste Ausgabe des erfolgreichen „Magazin für
Krimifreunde“ ist wohl unbemerkt an mir vorbeigegangen. Die
43

Herausgeberin Dorothea Puschmann war so freundlich, mich auf


die fehlende Berichterstattung zu „Criminalis“ im KRIMI-TIPP
49 aufmerksam zu machen. Ende Oktober 2008 ist nun auch die
siebte Ausgabe erschienen. An dieser Stelle nun ein Blick auf
beide Ausgaben. Wie immer wird in „Criminalis“ auf
Veranstaltungen und Auszeichnungen hingewiesen, wie stets gibt
es eine Fülle von Rezensionen. Und auch die Kurzkrimis haben
sich einen festen Platz im Magazin erobert. In „Criminalis 6“
kann man 12 Stories nachlesen, dazu ein Interview mit Mark
Brayne „Journalismus und Trauma“, geführt hat dieses Interview
Claudia Uferts. Christina Brinkmann stellte 10 Fragen an
Krimiautor und Marlowe-Preisträger Frank Goyke „Facettenreich
und spannend“. „Criminalis 7“ wartet mit neun Kurzstories und
vier satirischen Geschichten auf, dazu erstmalig ein
abgeschlossener Jugendkrimi von Amelie West „Spatz & Partner“.
Neben den Rezensionen gibt es in der 7. Ausgabe zwei
Buchauszüge: Lienhard Wawrzyn „Rotbergs Lächeln“ und Manfred
Wieninger „Rostige Flügel“. Das Interview mit Philip Kerr
führte Christina Brinkmann und die Berlinerin Gisela Lehmer-
Kerkloh reflektiert in ihrem Beitrag „Wider den Zeitgeist“
über Manfred Wieningers Marek-Miert Krimis. Bei zwölf
Zeitgenossen fragte Herausgeberin Puschmann nach den „3
Geboten für einen guten Krimi“ – noch nicht in Stein gemeißelt
sind die drei Gebote der Autoren/innen Angela Eßer, Heidi
Rehn, Gisa Klönne, Anne Chaplet, Rebecca Gablé, Petra
Hammesfahr, Horst Eckert, Manfred Wieninger und Jürgen Kehrer,
des Kritikers und ehemaligen UT metro Herausgebers Thomas
Wörtche, der Rezensentin Gisela Lehmer-Kerkloh und des KT-
Herausgebers Thomas Przybilka. KT 51

III. Ramsland, Katherine: Beating the Devil’s Game. A History


of Forensic Science and Criminal Investigation. 2008, 320 S.,
Penguin Group USA, 9780425221464, ca. $ 15,00 (Tageskurs,
zzgl. MWSt)
Katherine Ramsland, a renowned expert in criminology, traces
the story of the evolution of forensic scienes – from
thirteenth-century Chinese studies of decomposition through
the flowering of science during the Renaissance and its
vertible explosion during the era of Newtonian physics, to the
marvels of the present day and beyond. Along the way, she
introduces readers to such forensic pioneers as the father of
toxicology; the criminalturned-detective who founded the
Parisian Sureté, and trailblazers like William Bass whose
integrated program in entomology, anthropology at the Forensic
Anthropology Center has galvanized the field. – Hardcore-Fans
von „CSI“ oder „Cold Case Files“ sei „Beating the Devil’s
Game“ empfohlen. (vt) KT 51

III. Ramsland, Katherine: The Human Predator. A Historical


Chronicle of Serial Murder and Forensic Investigation. 2007,
320 S., Penguin Group USA, 9780425213780, ca. $ 14,00
(Tageskurs, zzgl. MWSt)
44

From ancient Rome through the Dark Age to the burgeoning West
to the open highways of urban America, from the unconscionable
exploits of French religious zealot Gilles de Rais to such
all-American monsters as Jeffrey Dahmer and Aileen Wournos,
Katherine Ramsland makes an eye-opening case for the existence
of serial killers throughout time, and offers a complete
chronological record of the serial-killer phenomenon – as well
the parallel development of psychology, forensic science, and
FBI profiling in the serial killer’s evolving manifestation
throughout human history. (vt) KT 51

III. Reski, Petra: Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen


Priestern. 2008, 336 S., 1 Übersichtskarte „Die Mafia-
Organisationen in Italien“, Droemer, 3-426-27466-3 / 978-3-
426-27466-8 / K 20 95 79 62, EURO 19,95
Die Morde von Duisburg in der Nacht zum 15. August 2007 haben
eine unbequeme Wahrheit ans Licht gebracht: Die Mafia hat ihre
Tentakeln längst nach Deutschland ausgestreckt. Weltweit
perfekt organisiert, ist sie eine Gefahr für Staat und
Gesellschaft, die von deutschen Politikern und
Sicherheitskräften allzu lange unterschätzt wurde. Petra Reski
hat für ihre langjährige Recherche zahlreiche italienische
Regierungsangestellte, Staatsanwälte und andere Experten zum
Thema Mafia interviewt. Auch ehemalige Mitglieder der Mafia
konnte sie im Zuge ihrer Arbeit treffen und befragen.
Besondere Brisanz bekommt Reskis neue Erkentnisse zur Mafia
dadurch, dass sie deren Konsequenzen für Deutschland sichtbar
macht. So zitiert sie den ermittelnden Staatsanwalt für das
Duisburger Massaker, Nicola Gratteri, mit der Äußerung, dass
es ein fahrlässiger Irrtum der Deutschen sei, die Situation zu
unterschätzen: Anders als in Italien reiche in Deutschland der
alleinige Verdacht auf Mafiazugehörigkeit nicht aus, um
jemanden festzunehmen, in öffentlichen Lokalen dürfe nicht
abgehört werden – in ein paar Jahren könne es für Deutschland
zu spät sein. Der deutschen Polizei fehlen etliche Werkzeuge,
die notwendig sind, um mafiosen Machenschaften auf die Spur zu
kommen. [Achtung: dieser Titel darf nur noch mit geschwärzten
Stellen angeboten werden] (vt) KT 51

III. Reusch, Heiko: Zur Vorstellung des Terroristen. Die


Darstellung der RAF-Terroristen im Film. 2008, 124 S., Tectum
Verlag, 978-3-8288-9549-2, EURO 19,90
Der Deutsche Herbst 1977 hat sich als Synonym für den
Terrorismus der Roten Armee Fraktion ins bundesdeutsche
Kollektiv-Gedächtnis eingebrannt. 30 Jahre nach der Ermordung
des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer und den
Selbstmorden der Stammheimer RAF-Häftlinge Gudrun Ensslin,
Andreas Baader und Jan-Carl Raspe werden die Ereignisse
wortgewaltig diskutiert. Wiederholt wurde die RAF auch zum
Thema fiktiver Spielfilme. „Deutschland im Herbst“ (1978,
Regie: u.a. Volker Schlöndorff und Alexander Kluge) oder
Rainer Werner Fassbinders „Die Dritte Generation“ (1979)
45

arbeiteten schon kurze Zeit später die dramatischen Wochen


auf. Heiko Reusch untersucht in seinem Buch diese frühen
filmischen Inszenierungen zur RAF, vergleicht sie mit neueren
Filmen wie „Die Stille nach dem Schuss“ (2000, Regie: Volker
Schlöndorff) und „Baader“ (2002, Regie: Christoph Roth).
Inwieweit, so fragt er, wurde das heute gängige Bild von der
RAF durch diese filmischen Aufarbeitungen geprägt? Inhalt: Die
(historische) Ordnung der RAF / Das Gedächtnis: Eine
theoretische Rahmensetzung / Die Darstellung der RAF im Film.
(vt) KT 51

II. Rhodes, Karen: Booking Hawaii Five-0. An Episode Guide and


Critical History of the 1968 – 1980 Television Detective
Series. 2007, 2. Auflage, 341 S., zahlr. Fotos, Vorwort von
Rose Freeman, McFarland, 978-0-7864-3108-3, ca. $ 35,00
(Tageskurs, zzgl. MWSt)
Auch im bundesdeutschen Fernsehen war die US-Serie „Hawaii 5-
0“ in den 70er Jahren ein Garant für hohe Einschaltquoten. In
den USA hatte „Hawaii Five-0“ am 26.9.1968 bei CBS Premiere.
Wer sich noch einmal über alle Folgen (Kurz-Infos), inklusive
Regisseure, Produzenten, Darsteller, Guest-Stars schlau machen
möchte hat mit Karen Rhodes Buch das geeignete
Nachschlagewerk. Im Anhang: Collectibles and a Cultural Icon /
Glossary of Hawaiian Words and Phrases Used in „Hawaii Five-0
/ Episodes in Order of Filming. KT 51

IV. Rossmann, Eva: Mira kocht. Ein Mira-Valensky-Kochbuch.


2007, 189 S., zahlr. s/w Fotos (von Edith Walzl u.a.) und
Bleistiftzeichnungen (von Paul Thulle), Folio Verlag, 3-85256-
358-5 / 978-3-85256-358-9 / K 18 54 18 54, EURO 22,50
Auf die Mira Valensky-Krimis der österreichischen
Krimischriftstellerin, Verfassungsjuristin, Gastrokritikerin
und Journalistin Eva Rossmann wurde in der Vergangenheit im
PKT hingewiesen. Inzwischen hat die Wiener Journalistin Mira
Valensky, zusammen mit ihrer Freundin und Putzfrau Vesna
Krajner, in insgesamt 10 Krimis ermittelt – daneben gut
gespeist und ebenso gut gekocht. Es war also an der Zeit, die
gesammelten Rezepte der Hobbyermittlerin wie auch ihrer
Schöpferin zwischen zwei Buchdeckeln vorzulegen. „Mit einer
Hummerterrine fühle ich mich nie so allein wie mit einem alten
Wurstbrot“, ein Ausspruch der Romanheldin, den auch die
Autorin gerne teilt. Neben den bereits o.g. weitgefächerten
Betätigungsfeldern der Eva Rossmann kommt noch das einer
staatlich geprüften Köchin hinzu. Ich habe mir nicht die Mühe
gemacht, die Rezepte durchzuzählen; sie düften aber bestimmt
für länger als ein Jahr Nachkochen und Schlemmen genügen. Mira
Valensky kocht im „Veneto“ (Teil 1, Nächtliche Menüs bis zu
leichten Sommeressen), im „Weinviertel“ (Teil 2,
Geburtstagsbuffets und Bürgermeistermenüs), natürlich in
„Wien“ (Teil 3, Geflügelmenüs oder ein Schwiegermutter-Menü),
in „New York“ (Teil 4) und in der „Karibik“ (Teil 5) und als
6. Teil gibt es die „Abenteuer einer Profiköchin“. Die Rezepte
46

werden begleitet von Hinweisen, wie Eva Rossmann oder ihre


Progatonistin zu den Schlemmereien gefunden haben und
selbstverständlich wird auch etwas zu den jeweiligen Regionen
und/oder Städten berichtet. Wer die (Ermittlungs-)Abenteuer
der Mira Valensky mit Vergnügen verfolgt hat, wird mit „Mira
kocht“ nun auch das Vergnügen haben, die Gaumenfreuden der
detektivischen Journalistin zu erfahren. KT 51

I. Rullier-Theuret, Françoise: Faut pas pisser sur les vielles


recettes. San-Antonio ou la fascination pour le genre
romanesque. 2008, 228 S., Academia-Bruylant (Au Coeur des
Textes, No. 12), 978-2-87209-903-0, EURO 27,00
Frédéric (Charles Antoine) Dard war ein Vielschreiber, der
seine Kriminalromane – stets in Ich-Form geschrieben – unter
den Namen San-Antonio, Fréddéric Dard, Frédéric Charles, F.D.
Ricard, Sydeney oder L’Ange Noir auf den Markt warf.
Allerdings hört man seit ungefähr acht Jahren nichts Neues
mehr von Frédéric Dard, geboren am 21.6.1921. Erstaunlich ist
dagegen, dass in Frankreich die Erlebnisse des Kommissars San-
Antonio immer noch in hohen Auflagen lieferbar sind, vom
Lesepublikum regelrecht verschlungen werden und stets mit
regelmäßigen Neuauflagen die Neugier auf die Abenteuer von
San-Antonio und dem anderen Ermittlerpersonal Dards befriedigt
wird. Françoise Rullier-Theuret, Associate Professor beim
Stanford Program / Paris und Dozent für französische Sprache
an der Sorbonne, hat sich in der vorliegenden Untersuchung mit
den vielfältigen literarischen Facetten des Frédéric Dard
beschäftigt. KT 51

I. Salzmann, Bertram (Hg): Kriminalgeschichten der Bibel.


2008, 189 S., Deutsche Bibelgesellschaft (Biblische
Taschenbücher), 3-438-04800-0 / 978-3-438-04800-4 / K 11 27 00
46, EURO 8,50
Das das erste verzeichnete Kapitalverbrechen der Mord von Kain
an Abel war, wurde auf diesen Seiten bereits erwähnt. Bertram
Salzmann hat die Bibel nach allerlei „Kriminalgeschichten“
durchforstet. Seine Funde hat er mit Einleitungen versehen,
welche die Geschichten biblisch und historisch ordnen und
seine Hintergrundinformationen erschließen die theologischen
Aussagen. KT 51

I. Sammel, Eva Katrin: Queen(s) of Crime. Agatha Christie vs.


Ingrid Noll – Analyse und Vergleich des Kriminalromans „Die
Apothekerin“ und des Detektivromans „Die Tote in der
Bibliothek“. 2006, 17 S., (Seminararbeit), GRIN Verlag (BoD),
978-3-638-75549-8, EURO 11,99
Dame Agatha Mary Clarissa Christie (1890 – 1976). Wer kennt
diesen Namen nicht? Sie ist die „Queen of crime“, die in ihrem
Leben über 70 Kriminalromane, Kurzgeschichten und Bühnenstücke
geschrieben hat. Vor allem hat sie es aber geschafft, sich
über so viele Jahre und sogar noch bis über ihren Tod hinaus
ganz oben an der Spitze der Kriminalliteratur zu halten. Doch
47

wie kommt es, dass auch heute noch im neuen Jahrtausend so


viele Bücher von Christie gerne gelesen und als Meisterwerke
betrachtet werden? Ist es der Unterhaltungseffekt? Oder
einfach nur weil man sagt, „das ist Kult“? Oder vielleicht
weil es auch heute noch niemandem gelingt vor Miss Marple den
Mörder zu identifizieren? Einige dieser Fragen und auch die
Frage, was den Kriminalroman so spannend und beliebt macht,
sollen in dieser Arbeit beantwortet werden. Und dennoch
bleiben einige Fragen offen, wie z.B. die Frage, ob es sich
bei Ingrid Nolls Bestseller „Die Apothekerin“ tatsächlich um
einen Kriminalroman handelt. (at) KT 51

IV. Schätzing, Frank: Tod und Teufel. Die illustrierte Ausgabe


des Weltbestsellers. 2008, 426 S., im Anhang: Übersichtskarte
Köln im 13. Jahrhundert, Erläuterungen, Arnold Wolff „Daten
zur Baugeschichte des Kölner Domes“, über 80 teilweise
ganzseitige farbige und s/w Illustrationen, Goldmann
Taschenbuch 46646, 3-442-46646-6 / 978-3-442-46646-7 / K 20 10
32 36, EURO 15,00
Das Subgenre „Historischer Kriminalroman“ bekam im Jahr 1995
einen kräftigen Schub, als „Tod und Teufel“ von Frank
Schätzing im Kölner Emons Verlag erschien (inzwischen liegen
verschiedene Neuauflagen vor). Schätzing verstand es bravourös
eine Kriminalgeschichte, angesiedelt in Köln und Bonn um das
Jahr 1260, zu erzählen. „Tod und Teufel“ wurde schnell ein
Bestseller und der Autorinnen und Autoren, die sich auf den
historischen Kriminalroman kapriziert hatten, mußten sich an
diesem Bestseller messen lassen. Jetzt hat der Goldmann Verlag
eine opulente Schmuckausgabe von „Tod und Teufel“ vorgelegt,
versehen mit mehr als 80 farbigen, zum Teil ganzseitigen
Illustrationen, Übersichtskarten und Planskizzen sowie vielen
s/w Abbildungen. An den Seitenrändern links und rechts des
Textes befinden sich Begriffserklärungen, die noch einmal
zusammengefaßt im Anhang „Erläuterungen“ wiederholt werden.
Arnold Wolff, der seine Dissertation über die erste Bauphase
des Kölner Domes schrieb, steuert „Daten zur Baugeschichte des
Kölner Domes“ bei. Diese illustrierte Ausgabe wird für jeden
ein Vergnügen sein, der „Tod und Teufel“ noch einmal lesen
möchte. KT 51

I. Schuyler, Michael R.: The Marcus Didius Falco Companion.


Characters, Plots, Places, Events and Historical Elements in
the Novels by Lindsey Davis. 2008, 208 S., McFarland, 978-0-
7864-3926-3, ca. $ 39,95 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Lindsey Davis’s popular Marcus Didius Falco mystery series has
been in print for nearly two decades, amounting the 18 full-
length novels with the promise of many more to come. This
literary companion organizes and explains the intricate web of
people, places, events, and titles that Davis has created
within the Falco series. Whether providing a definition of an
ancient „hodometer“ or differentiating and identifying several
dozen men all sharing the name „Marcus“, each entry aims to
48

help readers successfully weave their way through Davis’


ancient Roman Empire with relative ease. References for each
entry include the book’s abbreviated title, plus the chapter
number where the entry is first introduced. Geographical
entries include the modern equivalent of cities and locations
(e.g. London, England for the Roman Londinium) along with
latitude and longitude whenever possible. Character entries
include the character’s full name, age (when known), and a
brief description of their significance to the overall series.
Because the proper Roman names in the Falco novels often
include two or more surnames, the index and companion are
cross-indexed for easy reference. In addition, the work
includes several „Roman Life“ entries which serve to explain
such intricacies as the Roman monetary system or the structure
of the Roman army. (vt) KT 51

III. Sheldon, R.M.: Espionage in the Ancient World. An


Annotated Bibliography of Books and Articles in Western
Languages. 2008, 2. Auflage, 244 S., (Vorwort von Thomas-
Durrell Young), McFarland, 978-0-7864-3766-9, ca. $ 39,95
(Tageskurs, zzgl. MWSt)
Here, for the first time, is a comprehensive guide to the
literature of ancient intelligence. The entries present books
and periodical articles in English, French, German, Italian,
Spanish, Polish, and Dutch – with annotations in English.
These works address such subjects as intelligence collection
and analysis (political and military), counterintelligence,
espionage, cryptology (Greek and Latin), tradecraft, covert
action, and similar topics (it does not incluce general battle
studies and general discussions of foreign policy). Inhalt:
Espionage (General / Road Building, Communications,
Tradecraft); The Ancient Near East (Mesopotamia and Palestine
/ Egypt / Assyria and Babylonia / Persia); Greece (General /
The Skytale / Tachygraphy / The Spartan Krypteia / Alexander
the Great and the Hellenistic Age); The Roman Republic
(General / Tironian Notes); The Roman Empire (General /
Signalling); The Byzantine Empire (General / Greek Fire);
Medieval World (General / Dubthach Cipher & the Bamberg
Cryptogram / Oghams / Bacon Cipher / Runes / The Voynich
Manuscript); The Islamic World (General / Yezdis); Russia,
China, India, Africa (Russia / China and Southeast Asia /
India / Africa / An Unsolved Cryptogram: The Sator Rebus);
Index. (vt) KT 51

I. Spiess, Heiner / Erismann, Peter: Friedrich Glauser.


Erinnerungen von Emmy Ball-Hennings, J.R. von Salis, Berthe
Bendel, Hulda Messmer, Ernst Messmer, Martha Meyer-Messmer,
Emil Gerber, Max Müller, Martha Ringier, Josef Halperin,
Friedrich Witz und Wolfgang Hartmann. 2008 (Neuauflage), 159
S., zahlr. s/w Fotos, im Anhang: Zeittafel. Limmat Verlag, 3-
85791-545-5 / 978-3-85791-545-1 / K 20 94 42 42, EURO 19,90
Zum hundertsten Geburtstag Friedrich Glausers 1996 erschien
49

dieser Erinnerungsband erstmals. Gleichzeitig war das Bändchen


als Begleitpublikation der (Wander-)Ausstellung „Friedrich
Glauser“ im Schweizer Literaturarchiv gedacht. Diese
Publikation war schnellstens vergriffen – um so erfreulicher,
dass sich der Verlag anläßlich des 70. Todestages des
Schriftstellers zu einer (unveränderten) Neuausgabe
entschließen konnte. In vierzehn Beiträgen erinnern sich
Freunde des Schriftstellers, zu denen Glauser trotz seines zum
Teil chaotischen Lebens Kontakt hielt und, dies wird für
Friedrich Glauser sehr wichtig gewesen sein, die Glauser nie
die Freundschaft aufkündigten. Am 4.2.1896 wird Friedrich
Glauser in Wien geboren, am 8.12.1938 stirbt er in Nervi bei
Genua. 1918 wird Glauser volljährig, gleichzeitig wird er für
den Rest seines nur noch kurzen Lebens entmündigt.
Klinikaufenthalte (acht Jahre), die Fremdenlegion (zwei Jahre)
und Auslandsaufenthalte (fünf Jahre) sind seine
Lebensstationen und dieses Hin und Her machte das
Aufrechthalten eines intensiven Kontaktes zu ihm nicht gerade
einfach. „In Angles, La Bernerie und Nervi“ ist der Mittelteil
des Bändchens betitelt – hier haben die Herausgeber Fotos
zusammengestellt, von Berthe Bendel, Hulda Messmer und von
Glauser selber. „Friedrich Glauser. Erinnerungen von …“ bieten
sehr persönliche Informationen zum Kriminalschriftsteller und
Autor Glauser, welche die bisher vorliegenden Biografien auf
das Beste ergänzen. KT 51

I + II. Tesche, Siegfried: Der große James Bond Atlas. Alle


Filme, Schauplätze & Hintergründe. 2008, 248 S., zahl. farb.
Abb. und Fotos, Landkarten & Stadtpläne, Bertelsmann Lexikon
Verlag / Wissen Media Verlag, 3-577-07305-5 / 978-3-577-07305-
9 / K 20 93 82 02, EURO 29,95
Rechtzeitig zu Weihnachten legt Siegfried Tesche, der deutsche
James Bond-Spezialist, den James Bond Atlas vor. Bücher über
Bond-Filme und Flemings Bond-Thriller gibt es inzwischen wie
Sand am Meer (wie vorangegangene und auch dieser KRIMI-TIPP
bewiesen haben), einen wohlfeilen Atlas zum Trouble-Shooter
und Weltreisenden 007 James Bond hat es dagegen noch nicht
gegeben. Hier werden alle Filme und deren Schau- und
Drehplätze in Text, Bildern und umfangreichem Kartenmaterial
vorgestellt. Tesche untergliedert seinen Bond-Atlas in zwei
große Teile: In Teil I werden alle Filme und Romane anhand
ihrer Schauplätze und Charakteristika vorgestellt. Teil II
geht dann detailliert auf Dreh-, Handlungs- und Schauplätze
ein, und zwar von Kontinent zu Kontinent, dort dann wieder von
Land zu Land. Tesche unterscheidet dazu noch zwischen „echten“
Schauplätzen, also dort, wo in der Tat gedreht wurde und
fingierten Schauplätzen oder reinen Drehorten (z.B. Studios).
Das Kartenmaterial wird stets auf einer Doppelseite angeboten,
gefolgt von zahlreichen Informationen (was geschieht in
welchem Film / an welchem Ort / warum gerade dieser Ort, etc).
Des weiteren finden sich im Bond-Atlas Anekdoten, Zitate und
Geschichten rund um den Set. Und selbstverständlich wurde auch
50

der neueste Bond-Film, „Ein Quantum Trost“, berücksichtigt.


Der nette Nebeneffekt dieses Atlanten: er gibt Bond-Fans
wichtige Tipps für ihre Reiseplanungen zu Schauplätzen und
Drehorten. KT 51

I. Thieler, Claudia: Der Feministische Kriminalroman. 2006, 23


S., (Hauptseminararbeit), GRIN Verlag (BoD), E-Book, 978-3-
638-54182-4
Wer kennt sie nicht, die alte strickende Jungfer Miss Marple,
die mit aufdringlicher Tratschsucht das Lösen von
Kriminalfällen zu ihrem Hobby gemacht hat. Aber seit Jane
Marples aktiver Phase hat sich viel getan auf dem
„Arbeitsmarkt“ für Ermittlerinnen. Die Zeiten, in denen Frauen
nur kriminologisch tätig sein durften, wenn ihre Ehemänner
schon verschieden waren oder sie nie welche hatten, sind seit
längerem vorbei. Die Frauen haben sich aus ihrer bloßen
Nebenrolle in Kriminalromanen als naives Blondchen, das
gerettet werden muss, und vernichtender femme fatale, die nur
den Untergang des einsamen, harten Detektivs im Sinn hat, ins
Spotlight gebracht. Im Zuge der Frauenbewegung haben auch
Autorinnen von Krimis sich von patriarchalen Strukturen gelöst
und schicken ihre Heldinnen mit Revolvern bewaffnet, rauchend,
trinkend und sich selbst verteidigend in die Welt des
Verbrechens. Sie lösen zum einen natürlich hervorragend
Kriminalfälle. Aber was sie vor allem tun, ist der Leserin
eine Welt und Gesellschaft vorzuführen, in der es oft noch
selbstverständlich ist, ein ganzes Geschlecht zu knechten, zu
entmündigen und bei Verstoß zu bestrafen, nicht selten mit dem
Tod. Der feministische Kriminalroman ist eine Gattung, die in
vielerlei Hinsicht mit Klischees und Restriktionen zu kämpfen
hat. Eine Vielzahl von Autorinnen hat diesen Kampf
aufgenommen. Aus dem Inhalt: Feministische Kriminalliteratur –
Ideen und Genealogie / Typen der Ermittlerinnen im
feministischen Kriminalroman (Die freischaffende Amateurin;
Die Ermittlerin in akademischen Kreisen; Die Polizistin;
Einzelgängerinnen und harte Frauen; Lesbische Detektivinnen) /
Fallbeispiel: Maria Gronaus Lena Wertebach in „Weiberlust“.
(at) KT 51
[Anmerkung des Hg: Maria Gronau ist das Pseudonym eines
deutschen Kriminalschriftstellers!]

I. Toffalori, Carlo: Il matematico in giallo. Una lettura


scientifica del romanzi polizieschi. 2008, 268 S., Guanda
(Piccola biblioteca Guanda), 9788882469498, ca. EURO 13,00
Carlo Toffalori ist Professor am Institut für Mathematik und
Computerwissenschaften der Universität von Camerino. In der
Publikationsliste des ausgewiesenen Krimifans finden sich u.a.
Aufsätze wie „The Case and the Canon. The Scientist as
Detective / The Detective as Scientist“ oder „True or probably
true? Gödeli in detective stories“. Jetzt hat der Mathematiker
eine Reihe von Kriminalromanen kritisch unter seiner Lupe
betrachtet und analysiert, in wie weit die logische
51

Ermittlungsarbeit und die Argumentation z.B. bei Hercule


Poirot (Agatha Christie), Archie Goodwin & Nero Wolfe (Rex
Stout), Maigret (Georges Simenon), Auguste Dupin (Edgar Allan
Poe) oder Holmes & Watson (Conan Doyle) stimmig ist und sich
mit den Grundsätzen der Mathematik vereinbaren läßt, bzw. wie
viel mathematisches Denken in die Überlegungen dieser
berühmten Detektive einfließt. Ermittlungsarbeit also bei den
fiktiven Verbrechensaufklärern wie auch beim Wissenschaftler
Toffalori auf höchsten Niveau. KT 51

I + IV. Tolan, Metin / Stolze, Joachim: Geschüttelt, nicht


gerührt. James Bond und die Physik. 2008, 301 S., 77 Abb.,
Piper Verlag, 3-492-05082-4 / 978-3-492-05082-1 / K 20 83 13
50, EURO 16,90
Nie war die Vermittlung physikalischen Wissens aufregender.
Seit 13 Jahren geht Professor Tolan den technischen
Spielereien aus den Bond-Klassikern auf den Grund und fühlt
den Kompetenzen des Supertüftlers Q auf den Zahn: Kann man
wirklich mit einem Raketenrucksack durch die Luft fliegen?
Dass sich 007 bei seinen atemberaubenden Stunts nie den Hals
bricht, ist nämlich nicht Glück sondern angewandte Physik.
Zusammen mit ihren Studenten berechnen Metin Tolan und Joachim
Stolze Geschwindigkeiten von Verfolgungsjagden und Flugkurven
rasender Autos und beantworten schließlich auch die Frage
aller Fragen: Warum muss der Wodka-Martini geschüttelt sein
und nicht gerührt? (vt) KT 51

III. Trofimov, Yaroslav: Anschlag auf Mekka. 20. November 1979


– Die Geburtsstunde des islamistischen Terrors. 2008, 384 S.,
30 s/w Abb., Übersichtsplan der Grossen Moschee, (The Siege of
Mecca – The Forgotton Uprising in Islam’s Holiest Shrine and
the Birth of Al Qaeda, Ü.v. Helmut Dierlamm), Blessing Verlag,
3-89667-335-1 / 978-3-89667-335-0 / K 21 05 13 96, EURO 19,95
Am Morgen des 20. November 1979 besetzen bewaffnete Rebellen
die Große Moschee in Mekka. Sie forden die sofortige Abkehr
vom Westen und einen radikalen Umbruch in der gesamten
muslimischen Welt. In Panik ließ das saudische Regime
sämtliche Fernverbindungen kappen, im Ausland verbreiteten
sich lediglich Gerüchte. Eine zionistisch-amerikanische
Verschwörung, hieß es – wenig später standen zahlreiche
Botschaften der USA in Flammen. Erst eine Fatwa von
islamischen Rechtsgelehrten erlaubte es dem Königshaus, mit
Waffengewalt gegen die Rebellen vorzugehen, zwei Wochen später
hatten Soldaten das Heiligtum zurückerobert – mithilfe einer
heimlich eingeflogenen französischen Spezialeinheit. Die
heftigen Feuergefechte kosteten mehrere hundert Opfer auf
beiden Seiten, ganze Bauabschnitte waren zerstört. Anführer
Dschuhaiman und seine Gefolgsleute wurden kurz darauf
öffentlich enthauptet. Um ihr Gesicht zu wahren, setzte die
saudische Regierung nun die strenge, wahhabitische Auslegung
der heiligen Schrift durch – just jene, die Dschuhaiman
gefordert hatte – und förderte den grenzüberschreitenden Kampf
52

gegen Ungläubige, so auch gegen die sowjetischen Truppen in


Afghanistan. Einer der ersten, die Dschuhaiman bewunderten und
in Richtung Hindukusch aufbrachen, war ein 22-jähriger Eiferer
namens Osama bin Laden. Bis heute sind die Ereignisse von 1979
Tabu im Königreich. Die von Trofimov erstmals ausgewerteten
Akten dieverser Geheimdienstabteilungen zeugen davon, wie und
warum westliche Staaten diese nie da gewesene Krise völlig
fehlinterpretierten. Auch in Saudi-Arabien sind wenige
Entscheidungsträger bereit zuzugeben, dass man die
Breitenwirkung von Dschuhaimans Bewegung unterschätzt hatte.
Noch heute ist die Führung des Staates personell kaum anders
besetzt als vor 29 Jahren. Nicht zuletzt deshalb war bislang
so gut wie nichts über diesen spektakulären Moment der
Zeitgeschichte bekannt, der doch so vieles ändern sollte.
„Trofimovs Buch ist fesselnd wie ein Thriller, anschaulich und
voller bislang unbekannter Fakten. Einmal angefangen, kann man
es nicht mehr weglegen“ (The Washington Post). (vt) KT 51

I. Trott, Barry: Read On … Crime Fiction. Reading Lists for


Every Taste. 2007, 164 S., Greenwood Press, 1-59158-373-X /
978-1-59158-373-8, ca. £ 16,99 (Tageskurs zzgl. MWSt)
Barry Trott legt mit „Read On … Crime Fiction“ eines der in
den USA besonders bei Bibliothekaren und Krimi-Buchclubs
beliebten Hinweisbüchern vor. Anders als die sonst üblichen
Auflistungen nach Genre und Subgenre, hat Trott seine „Reading
List“ auf fünf Kategorien in ebensovielen Kapiteln beschränkt.
Geordnet nach „Story“, „Character“, „Setting“, „Mood“ und
„Language“ werden auf hunderte bekannter und noch zu
entdeckender Krimis hingewiesen. Die genannten Kapitel werden
mit thematischen Unterteilungen aufgeschlüsselt („Reading the
Bones“, „Dynamic Duos“, „Love you to Death“ und „Bright
Lights, Dead Bodies“). Zu jedem der dort aufgeführten
Kriminalromane bietet Barry Trott eine Bibliographie und eine
Kurzbeschreibung an. KT 51

III. + IV. Werner, Alex (Hg): Jack the Ripper and the East
End. 2008, 287 S., zahlreiche s/w Abb. und Fotos,
Übersichtskarten, mit einer Einführung von Peter Ackroyd,
Chatto & Windus in Verbindung mit The Museum in Docklands &
Museum of London, 978-0-701-18247-2, £ 25,00 (Tageskurs, zzgl.
MWSt)
Dem seit 120 Jahren nie gefassten Londoner Serienkiller
widmete das Museum in Docklands (West India Quay, London E14
4AL) bis November 2008 die Ausstellung „Jack the Ripper and
the East End“. Zu dieser Ausstellung erschien im Verlag Chatto
& Windus ein exzellent gemachter, reich illustrierter
Begleitband. Und dabei handelt es sich nicht das x-te Buch zu
Jack the Ripper, das mit neuen Beweisen und Theorien zur
Täterschaft der recht umfangreichen Gilde der verschiedenen
Verdächtigen aufwartet, sondern es handelt sich hierbei um
eine Sozial- und Architekturgeschichte des berühmt-
berüchtigten Londoner Stadtteils. Herausgeber Alex Werner
53

konnte bekannte Wissenschaftler verpflichten, in ihren


Beiträgen auf verschiedene Aspekte des Viertels einzugehen und
die Serienmorde vor den Hintergründen der Verhältnisse gegen
Ende des 19. Jahrhunderts zu analysieren. So entsteht ein
genaues Bild über die zum Teil mehr als verzweifelten sozialen
Lebensumstände der Bewohner des East End: Armut, Krankheit,
Kinderprostitution, Alkoholismus, Verbrechen und Mord – das
gesamte Elend also, das die Lebensgrundlage von fast einer
Million Menschen in diesem riesigen Slum Londons bildete. Der
Schriftsteller Peter Ackroyd liefert die Einführung „Jack the
Ripper and the East End“. In den folgenden sieben Kapiteln
werden Einzelaspekte untersucht: John Marriot „The imaginative
geography of the Whitechapel murders“ / Anne J. Kershen „The
immigrant community of Whitechapel at the time of the Ripper
murders“ / Louise A. Jackson „Law, order and violence“ /
Richard Dennis „Common lodgings and ’furnished rooms’: housing
in 1880s Whitechapel“ / Ellen Ross „’Deeds of heroism’:
Whitechapel’s ladies“ / Laura Vaughan „Mapping the East End
labyrinth“ / Clive Bloom „Jack the Ripper – a legacy in
pictures“. Abgeschlossen wird das Werk mit „Further Readings“,
hier findet man umfangreiche Hinweise zu Literatur und
websites, die sich mit den verschiedenen Einzelaspekten
beschäftigen, gegliedert jeweils zu den oben erwähnten
Kapiteln. „Jack the Ripper and the East End“ ist eine
hervorragende Ergänzung zu jeder Ripper-Literatur-Sammlung. KT
51

I. Wörtche, Thomas: Das Mörderische neben dem Leben. Ein


Wegbegleiter durch die Welt der Kriminalliteratur. 2008, 203
S., Libelle Verlag, 3-905707-21-7 / 978-3-905707-21-2 / K 21
02 27 46, EURO 19,90
Wer Krimis liest oder sammelt oder sich irgendwie mit
Kriminalliteratur beschäftigt, wird seit den 80er Jahren
irgendwann immer wieder auf den Namen Thomas Wörtche gestoßen
sein. Wer den Namen Wörtche nicht kennt und dennoch steif,
fest und starr behauptet, ein Krimileser, vielleicht sogar ein
begeisterter Krimileser zu sein – der hat in Wirklichkeit noch
nie einen Krimi gelesen. Literaturwissenschaftler Dr. Thomas
Wörtche im KRIMI-TIPP vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu
tragen. Nun endlich liegt vom Großkritiker und intimen Kenner
des Genres, vom Herausgeber der UT metro-Reihe und vom
profunden Berichterstatter zur Kriminalliteratur ein eigenes
Buch vor. Seine Kritiken, Rezensionen, Erklärungen, Artikel,
Aufsätze und Verrisse waren und sind verstreut und verzeichnet
z.B. im „Jahrbuch der Kriminalliteratur“, im „Krimijahrbuch“,
im „Kalender für Kriminalliteratur“, bei Kaliber .38 in
„Wörtches Leichenberg“, in seinen Kolumnen „Crime Watch“ in
der Zeitung Freitag (wie auch bei Kaliber .39) oder
verschiedenen Stadtmagazinen („Plärrer“, „Meier“ u.a.), im
„Titel-Magazin“ und und und. „Kriminalliteratur tanzt,
schwimmt und rudert auf vielerlei Grenzlinien“ betitelt Thomas
Wörtche sein Vorwort, welches wie „The making of metro …“
54

Originalbeiträge für das vorliegende Buch im kleinen wie


feinen Schweizer Libelle Verlag ist. Andere Beiträge der
Sammlung „Das Mörderische neben dem Leben“ stammen aus aus den
o.g. Publikationen oder waren Referate und Vorträge bei
verschiedenen Veranstaltungen. In diesem Sampler erklärt,
erläutert, hinterfragt Wörtche Kriminalliteratur – und wie
stets und immer unnachahmlich (es gibt ein paar Zeitgenossen,
die versuchen, in den Fußstapfen des Thomas Wörtche zu wandeln
– vergeblich, Wörtches Landmarken sind zu ausgeprägt und zu
groß). Wörtches Blick auf die Kriminalliteratur ist
unverkrampft, da er sich nicht ausschließlich mit diesem
Literaturgenre beschäftigt – seine Interessen gelten auch der
Musik, dem Comic, der Geschichte und Kunstgeschichte und –
natürlich – der Literatur als solcher. „Wer nur von
Kriminalliteratur etwas versteht, versteht auch von
Kriminalliteratur nichts“ ist sein Credo. „Die Vermessung der
internationalen Kriminalliteratur“ (so seine Verleger Ekkehard
Faude und Elisabeth Tschiemer) verzeichnet: “Kriminalliteratur
tanzt, schwimmt und rudert auf vielerlei Grenzlinien / TWs
seltsame Rankings / Sprengfallen. Eric Ambler und die Poetik
des Pragmatischen / Das Versagen der Kategorien. Über Georges
Simenon / It Does Make Sense! Chester Himes und sein 20.
Jahrhundert in den USA und Europa / Rätsel Ripley oder Ripley,
revisited / Das Mörderische und das Komische /
Kriminalliteratur, weltweit / The making of metro … / Krimis
und Kriminalliteratur / Desaster as usual. Science-Fiction,
Kriminalliteratur und eine ungeklärte Nachbarschaft / Die
Verweigerung von Eindeutigkeit. Der argentinische Zeichner
Alberto Breccia und sein Beitrag zur Ästhetik des 20.
Jahrhunderts / Gewalt im Reich der Töne. Ein unbequemes
Radiofeuilleton mit Musik“. Diese 203 Seiten bergen
Pointiertes, Bissiges und Erhellendes – auf jeden Fall aber
„The Best of Thomas Wörtche“ (Ulrich Noller im „Titel-Magazin“
vom 13.10.2008). KT 51

IV. Vázquez Montalbán, Manuel: Die Küche der läßlichen Sünden.


Kochen mit Pepe Carvalho. 2006 (5. Auflage), 301 S., (Las
recetas de Carvalho, Ü.v. Bernhard Staub, durchgesehen von
Anne Halfmann), im Anhang: Rezeptverzeichnis, Glossar und
Hinweise), Serie Piper 3147, 3-492-23147-0 / 978-3-492-23147-3
/ K 8 86 61 41, EURO 9,95
Manuel Vázquez Montalbán war nicht nur ein glühender
Fußballfan des FC Barcelona, sondern auch ein Gourmet und
Künstler am Herd. Der katalanische Schriftsteller (neben
Krimis, Lyrik, Essays, Theaterstücken auch Kochbücher) und
Kolumnist für die spanische Zeitung „El Pais“ hat seine
Kochkünste auch auf seine Romanfigur, den Privatdetektiv Pepe
Carvalho, übertragen. Anlaß für Carvalhos Kochorgien sind
zumeist Fälle, bei denen er mit seinen Ermittlungen nicht so
recht weiterkommt oder wenn er wieder einmal deprimiert und
angespannt ist. Aus diesen Krisen retten ihn nur volle
Einkaufstüten mit all den notwendigen Zutaten für die
55

verschiedendsten Gerichte der spanischen Provinzen. „Für mich


ist die Kochkunst eine Metapher für die Kultur überhaupt“
erklärt Vázquez Montalbán im Vorwort zu „Die Küche der
läßlichen Sünden“, und Feinschecker Pepe Carvalho lässt den
Leser wissen: „Man muß trinken, um sich zu erinnern, und
essen, um zu vergessen“. Im vorliegenden Buch sind es
insgesamt 129 gut erklärte und nachkochbare Rezepte, die in
den Krimis um Pepe Carvalho erwähnt wurden. Und zu jedem
Rezept gibt es den entsprechenden Auszug aus den jeweiligen
Krimis. Man kann also von Glück reden, dass der notorische
Bücherverbrenner Pepe Carvalho nicht auch seine Rezeptsammlung
in den Kamin geworfen hat. Manuel Vázquez Montalbán, geboren
am 27. Juli in Barcelona, starb am 18. Oktober 2003 auf dem
Flughafen Bangkok. Er befand sich auf der Rückkehr von einer
Lesereise durch Australien. KT 51

I. Zemboy, James: The Detective Novels of Agatha Christie. A


Reader’s Guide. 2008, 448 S., McFarland, 978-0-7864-3914-0,
ca. $ 75,00 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Eine der erfolgreichsten Kriminalschriftstellerinnen, national
wie international, dürfte Agatha Christie gewesen sein. 1920
legte sie ihren ersten Kriminalroman, „The Mysterious Affair
at Styles“, vor und 1976 erschien mit „Sleeping Murder“ ihr
letzter von insgesamt 66 Kriminalromanen. James Zemboy hat
einen intensiven Blick auf alle 66 Krimis geworfen. Jedem
Roman ist ein mehr oder weniger umfangreiches Kapitel
gewidmet. Jedes Kapitel beginnt mit allgemeinen Feststellungen
zum geographischen und historischen setting des jeweiligen
Romans, und listet z.B. Ereignisse oder Moden auf, die für die
Krimihandlung von Bedeutung sind. Abgeschlossen wird jedes
Kapitel mit einer kurzen Zusammenfassung und der Erwähnung der
wichtigsten Charaktere. Zudem stellt Zemboy jeden Roman in
Zusammenhang zum Gesamtwerk der Autorin. Im Anhang erläutert
Zemboy nicht nur Poirots Französisch, sondern erläutert für
die amerikanische Leserschaft auch das britische Englisch
(Idiomatik und Sprichwörter) der Autorin. Die einzelnen Werke
der Autorin werden in zeitlicher Reihenfolge untersucht,
jeweils in einem Zehn-Jahres-Abschnitt gegliedert. Eine
Zusammenfassung jeder Dekade beschließt diese -insgesamt 6-
Abschnitte („Summary for the 1920s, 1930s, 1940s, 1950s, 1960s
und 1979s“. Anhang: British Expressions / Titel and Character
Index / Subject Index. KT 51

NACHWEISE
interessante Sekundärliteratur, die trotz Anforderung das
Archiv nie erreichten
– Schade –
(vt = Verlagstext)
56

I + II. Bouzereau, Laurent: The Art of Bond. From Storyboard


to Screen. The Creative Process Behind the James Bond
Phenomenon. 2006, 240 S., 200 Farbfotos, Macmillan (Boxtree),
0-7522-1551-5 / 978-0-7522-1551-8, £ 30,00 (Tageskurs zzgl.
MWSt)
A stunninbg look behind the scenes of the James Bond movies,
from „Dr No“ to „Casino Roayale“. The James Bond phenomenon is
unique. Never before has a single brand crossed so many
generations, defining the place for big-budget film-making in
the late twentieth century and beyond. For the first time the
people who create the Bond films – producers, directors,
writers, designers – share their experience and memories of
what it has meant to collaborate on and produce the ultimate
film legacy. Drawing on the spectrum of all twenty-one Bond
films, „The Art of Bond“ features a series of interviews with
the people who have made cinematic history, including Michael
G. Wilson, Barbara Broccoli, Ken Adam, John Barry and Martin
Campbell. Reflecting on the Bond genre’s wider impact, and how
it has influenced their own ground-breaking work, are other
film-makers including Steven Spielberg, Peter Jackson and
Ridley Scott. Lavishly illustrated with an array of images
from the exclusive Eon Archive including on-set photographs,
concept artwork and exclusive images of Daniel Craig’s debut
in „Casion Royale“, this is a visually stunning tribute to the
ground-breaking artistic, technical and creative talents of
the Bond world. (vt) KT 51

I + II. Cork, John / Stutz, Collin: James Bond Enzyklopädie.


2008, 319 S., über 1000 farb. u. s/w. Fotos, (James Bond
Encyclopedia, Ü.v. Edigna Hackelsberger, Petra Kirchmann,
Lizzie Gilbert, Burkhard Schäfer & Wiebke Krabbe), Dorling
Kindersley Verlag, 3-8310-1227-X / 978-3-8310-1227-5 / K 20 95
94 77, EURO 24,95
Dieses opulente Werk bietet James-Bond-Fans alles was sie über
ihren coolen Helden und seine Abenteuer wissen möchten. Das
ultimative Nachschlagewerk enthält Bildmaterial und
Informationen aus erster Hand, da es in Zusammenarbeit mit
„EON Productions“ entstanden ist – der Filmproduktionsfirma,
die beinahe alle Bond-Filme ins Kino brachte. Nach einem
biografischen Steckbrief von Ian Fleming, dem Erfinder der
Bond-Figur, gehen die Autoren der Frage nach, warum James Bond
zum Mythos wurde. Darauf folgen detaillierte Porträts der
Bond-Darsteller: Von Sean Connery bis Daniel Craig werden ihre
Filmkarriere und ihre Verkörperung der Bond-Rolle beleuchtet.
Da es ohne Bösewichte keine Helden geben kann beschäftigt sich
das Buch auch ausführlich mit Bonds Gegenspielern und stellt
Schurken und Killer von Blofeld über Goldfinger bis Le Chiffre
vor. Kein Bond ohne Bond-Girls – so spielen die Schönheiten
von Honey Ryder (Ursula Andress) über Jinx (Halle Berry) bis
zu Vesper Lynd (Eva Green) natürlich auch im Buch eine
wichtige Rolle. Zudem werden die wichtigsten Nebendarsteller
sowie Fahr- und Flugzeuge, Waffen und Gadgets vorgestellt.
57

Besonders übersichtlich: Ein Kapitel präsentiert alle Bond-


Filme von „James Bond jagt Dr. No“ bis „Casino Royale“, mit
einem Ausblick auf „Quantum of Solace“, in chronologischer
Reihenfolge. Dabei wird die Entstehungsgeschichte jedes Filmes
erzählt und der Leser erhält zahlreiche exklusive Einblicke,
auch hinter die Kulissen. Darsteller, Regisseure, Produzenten,
Kameraleute und weitere Beteiligte sind komplett aufgelistet.
Besonders herausgestellt sind Porträts der wichtigsten
Filmmusik-Komponisten, Regisseure und Designer. Die „James
Bond Enzyklopädie“ ist üppig mit Filmbildern, Kinoplakaten und
seltenen Archivfotos illustriert. (vt) KT 51

III. Cwitkovits, Andreas: Kunstkriminalfälle. 2008, 160 S.,


Metroverlag, 3-902517-76-X / 978-3-902517-76-0 / K 21 08 82
16, EURO 16,90
Spektakulär Kunstdiebstähle, illegaler Handel mit Kunst und
gewagte Fälschungen machen vermehrt Schlagzeilen. Ein
unvergesslicher Klassiker bleibt der Diebstahl der Mona Lisa
im Jahr 1991. Der Raub der Saliera aus dem Kunsthistorischen
Museum Wien hielt die ganze Nation in Atem. Einen
aufsehenerregenden Kunstbetrug beging ein New Yorker Händler,
der „echte“ Renoirs, Chagalls und andere Meister – nach
gekonnter Arbeit – in jeweils mehrfacher Stückzahl verkaufte.
Und der Krimi geht weiter: Amateur-Diebe gingen
professionellen Munch-Duplikaten auf den Leim. Diesen und
vielen anderen Fällen spürte der Kunstrechtsexperte Andreas
Cwitkovits nach und verarbeitete sie zu spannenden
Geschichten. (vt) KT 51

III. Douglas, John & Dodd, John: Das Profil eines Mörders. Die
lange Jagd nch BTK-Serienkiller. 2008, 428 S., Wiley-VCH, 3-
527-40358-7 / 978-3-527-50358-2 / K 20 04 80 36, EURO 24,90
Der gewählte Name ist Programm: Er nannte sich BTK für Bind
(fesseln), Torture (foltern), Kill (töten). Über 30 Jahre lang
hielt der Serienkiller Polizei und Bürger von Wichita, Kansas
in Atem – allen voran aber John Douglas, der einen Teil seines
Lebens mit der Jagd nach dem Mann verbrachte, der sich am Ende
als braver Familienvater und Kirchgänger entpuppte. Eine
Geschichte von Normalität und Wahnsinn, von der Kindheit BTKs
und seinem Alltag bis hin zum schockierend gut getarnten Leben
als Mörder. Serienmörder sind schwer zu fassen, weil sie nur
selten jemanden töten, den sie persönlich kennen; wo aber das
Motiv zu fehlen scheint, ist die Spurensuche schwierig. Daher
sind Profiler, die die Psychostruktur des Täters entschlüsseln
und so seinen Motiven auf die Spur kommen, unverzichtbar, wenn
es darum geht, einen Serienmörder dingfest zu machen. Der
ehemalige FBI-Agent John Doublas schildert zusammen mit dem
Journalisten Johnny Dodd nicht nur die Jagd auf BTK, sondern
gibt dabei auch Einblicke in die Arbeit als Profiler. Douglas
ist der Pionier des Profiling, sein Expertenwissen stellte er
u.a. als technischer Berater für den Film „Das Schweigen der
Lämmer“ zur Verfügung. (vt) KT 51
58

III. Eichner, Klaus / Schramm, Gotthold (Hg): Top-Spione im


Westen. Spitzenquellen der DDR-Aufklärung erinnern sich. 2008,
320 S., Eulenspiegel Verlagsgruppe (edition ost), 3-360-01094-
5 / 978-3-360-01096-4 / K 21 04 88 04, EURO 14,90
Es hieß „das Operationsgebiet“. Gemeint waren die
Bundesrepublik und Westberlin. Die Hauptverwaltung Aufklärung
des MfS war dort aktiv und erfolgreich. „80 Prozent der
nachrichtendienstlichen Informationen des Warschauer Paktes
über die BRD beschaffte die HVA allein“, räumte 2007 die CIA
ein. Die Top-Spione, die dafür verantwortlich waren, erinnern
sich dieser Jahre. Sie waren im bürgerlichen Leben
Wissenschaftler, Journalisten, Militärs, Politiker, Diplomaten
oder Verfassungsschützer, integre Leute mit bundesdeutschem
Paß zumeist. Irgendwann entschieden sie sich, für die
Gegenseite zu arbeiten: freiwillig, wohlüberlegt und ohne
materielle Vorteile in Aussicht zu haben. Mehr als zwei
Dutzend Top-Spione der DDR-Aufklärung berichten über ihre
Motive, ihre Arbeit und deren Folgen. Das Einmalige an diesem
Buch sind nicht nur die Lebensgeschichten. Nie zuvor in der
Geschichte hat sich eine derart große Gruppe von Spionen
kollektiv zu Wort gemeldet. Diese erinnern sich selbstbewußt,
aber keineswegs selbstkritisch. Denn sie sind unverändert
davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. Auch wenn sie
dafür ins Gefängnis mußten. (vt) KT 51

III. Eik, Jan [d.i. Helmut Eikermann] / Behling, Klaus:


Verschluss-Sache. Die größten Geheimnisse der DDR. 2008, 288
S., Verlag Das Neue Berlin, 3-360-01944-X / 978-3-360-01944-8
/ K 20 94 92 16, EURO 14,90
Grubenunglücke und gesunkene Schiffe. Theaterskandale und
verschwundene Fernsehlieblinge. Leipziger Beat-Revolte und
Sophia Loren im Berliner Ensemble. Aber auch Politisches: Ein
Außenminister wird als Spion enttarnt, und ein Überläufer aus
dem Westen plaudert bei der Stasi. Dazu die private Reise
eines Bundeskanzlers mit seiner Gattin nach Dresden.
Schlagzeilen, die man zur Zeit des Geschehens in der DDR-
Presse und zum Teil auch in den Journalen des Westens
vergeblich gesucht hätte. Eik und Behling lüften erneut den
Vorhang einer geschlossenen Gesellschaft, berichten von
deutsch-deutscher Geheimdiplomatie, erfundenen Attentaten,
Machtkämpfen im Politbüro und diskretem Damenbesuch aus Bonn.
Das Buch bietet spannende und auch skurrile Geschichten aus
einem abgeschlossenen Kapitel deutscher Geschichte. (vt) KT 51

I. Engel, Patrick: Spannung in verschiedenen Grundtypen der


Detektivliteratur. 2008, 111 S., WVT Wissenschaftlicher Verlag
Trier, 978-3-86821-007-1, EURO 15,00
Warum lesen wir Detektivliteratur? Weil wir unterhalten werden
wollen, uns durch das Erzählte Spannung erhoffen. Die
vorliegende Untersuchung möchte das Phänomen „Spannung“
greifbar machen. Zu diesem Zweck entwirft der Autor auf der
59

Grundlage zentraler Forschungsansätze zum Thema „Spannung“ ein


Untersuchungsinstrumentarium, das ein systematisches Vorgehen
bei der Spannungsanalyse ermöglichen soll. In der Anwendung
des Instrumentariums auf drei repräsentative Werke des Genres
(Arthur Conan Doyle: „The Hound of the Baskervilles“, Agatha
Christie: „Murder on the Orient Express“, Raymond Chandler:
„The Big Sleep“) wird die Spannungsanalyse vorgeführt und so
das entscheidende, rezeptionsleitende Element der
Detektivliteratur demonstriert. (vt) KT 51

I. Famà, Iris: Der analytische Detektivroman und die


Schriftsteller Siziliens. 2008, 80 S., VDM Verlag Dr. Müller,
3-639-04646-3 / 978-3-639-04646-5 / K 21 34 72 40, EURO 49,00
Der analytische Detektivroman erlebt in Italien eine
Renaissance. Auch und gerade bei den Intellektuellen. Seine
Popularität liegt in dem Bedürfnis begründet, sowohl beim
Leser als auch beim Autor, neues Vertrauen in den menschlichen
Verstand zu gewinnen und nach einer vertrauten Ordnung zu
streben. Der Detektivroman erscheint vielen italienischen
Autoren als das adäquate Medium, sich mit diesem Anspruch
auseinanderzusetzen und möglichst Antworten zu bieten auf
zahlreiche ungeklärte gesellschaftlichen Fragen. In der
vorliegenden Arbeit werden ausgewählte Werke von Leonardo
Sciascia, Andrea Camilleri und Santo Piazzese
gegenübergestellt und der Frage nachgegangen, inwieweit der
analytische Detektivroman der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts bei den „scittori di Sicilia“ bestimmte
Traditionen der Gattung aufgreift, fortschreibt oder verändert
oder ob ihre Texte eine Form von Gattungslosigkeit
widerspiegeln, ohne dabei auf typische Genreelemente zu
verzichten. (vt) KT 51

III. Girod, Hans: Der Polizistenmord von Gera und andere


spektakuläre Gewaltverbrechen aus der DDR. 2008, 256 S.,
Verlag Das Neue Berlin, 3-360-01945-8 / 978-3-360-01945-5 / K
20 94 93 08, EURO 12,90
Hans Girod rekonstruiert zehn authentische Mordfälle aus den
60er und 70er Jahren, die sich in der DDR zugetragen haben und
kaum publik wurden. Im Mittelpunkt steht deren polizeiliche
Aufklärung im Spannungsfeld zwischen Routine, Intuition,
Rückschlag und Erfolg. Dabei werden die spurenkundlichen und
forensischen Seiten der Ermittlungsarbeit ebenso
nachgezeichnet wie die sozialen und psychologischen Faktoren,
die das Zustandekommen der Verbrechen möglich machten. (vt) KT
51

I + IV. Gresh, Lois H. / Weinberg, Robert: Die Wissenschaft


bei James Bond. 2008, 210 S., (The Science of James Bond. From
Bulletts to Bowler Hats to Boat Jumps, the Real Technology
Behind 007’s Fabulous Films, Ü.v. Joachim Körber), Wiley-VCH,
3-527-50403-6 / 978-3-537-50403-9 / K 21 00 35 16, EURO 16,95
60

Tödliche Armbanduhren, unsichtbare Autos, Atombomben vor


Miami: In James Bond Filmen ist schon was geboten. Oft
phantastisch, gelegentlich seiner Zeit voraus und manchmal
erschreckend realistisch bringen Schurken und Helden die Welt
seit 1962 zum Schmunzeln und Grübeln. Was ist dran an den
Erfindungen von Q und Konsorten? Welche technischen
Spielereien gibt es wirklich, was würde passieren, wenn der
eine oder andere Schurke seine Pläne verwirklichen könnte?
Diese Fragen und vielem mehr gehen Lois H. Gresh und Robert
Weinberg nach und geben Ihnen so nicht nur einen Überblick
über die Bond-Reihe, sondern auch über den Stand der
Wissenschaft in einigen Gebieten. (vt) KT 51

I + IV. Gresh, Lois H. / Weinberg, Robert: Die Wissenschaft


bei Stephen King. Von „Carrie“ bis „Puls“. Die schreckliche
Wahrheit hinter den Büchern des Horror-Meisters. 2008, 300 S.,
(The Science of Stephen King. From „Carrie“ to „Cell“, the
Terrifying Truth Behind the Horror Masters Fiction, Ü.v.
Joachim Körber), Wiley-VCH, 3-527-50377-3 / 978-3-527-50377-3
/ K 20 05 32 14, EURO 14,95
Bekannt ist Stephen King für Horrorromane, aber er schreibt
auch über Genforschung, Paralleluniversen, Zeitreisen und
vieles mehr. Lois H. Gresh und Robert Weinberg erklären Ihnen
die wissenschaftlichen Hintergründe und helfen Kings
Geschichten besser zu verstehen und genießen. (vt) KT 51

I. Kawana, Sari: Murder Most Modern. Detective Fiction and


Japanese Culture. 2008, 288 S., 5 s/w Fotos, 14 Tabellen,
University of Minnesota Press, Paperback 0-8166-5026-8 / 978-
0-8166-5026-2, ca. $ 22,50 (Tageskurs, zzgl. MWSt) / Hardcover
0-8166-5025-X / 978-0-8166-5025-5, ca. $ 67,50 (Tageskurs,
zzgl. MWSt)
Surveillance, sexuality, war, and censorship in Japanese
detective fiction. The quintessential international genre,
detective fiction often works under the guise of popular
entertainment to expose its extensive readership to complex
moral questions and timely ethical dilemmas. The first book-
length study of Japan’s detective fiction, „Murder Most
Modern“ considers the important role of detective fiction in
defining the country’s emergence as a modern nation-state.
Kawana explores the interactions between the popular genre and
broader discourses of modernity, nation, and ethics that
circulated at this pivotal moment in Japanese history. The
author contrasts Japanese works by Edogawa Rampo, Unno Juza,
Oguri Mushitaro, and others with English-language works by
Edgar Allan Poe, Dashiell Hammett, and Agatha Christie to show
how Japanese writers of detective fiction used the genre to
disseminate their ideas on some of the most startling aspects
of modern life: the growth of urbanization, the protection and
violation of privacy, the criminalization of abnormal
sexuality, the dehumanization of scientific research, and the
horrors of total war. Kawana’s comparative approach reveals
61

how Japanese authors of the genre emphasized the vital social


issues that captured the attention of thrill-seeking readers –
while eluding the eyes of government censors. (vt) KT 51

I. Leuendorf, Silke: Der Regionalkrimi im Westen von


Deutschland. Poetik und Entwicklung eines Genres. 2008, 144
S., VDM Verlag Dr. Müller, 3-639-05483-0 / 978-3-639-05483-5 /
K 21 33 63 95, EURO 59,00
Die Menschen lesen und sehen gern etwas über ihre Heimat. Sie
freuen sich, Orte oder typische Merkmale ihrer Region in einem
Buch oder einem Film wiederzuentdecken. Dieses Phänomen – in
Verbindung mit einer Kriminalgeschichte – scheint sich in den
vergangenen Jahren noch verstärkt zu haben. So gibt es
mittlerweile zahlreiche Autoren, die ihre Kriminalgeschichten
ganz bewusst mit regionalen Elementen ausschmücken und auch in
der Fernsehreihe „Tatort“ gibt es nahezu für jede größere
Region ermittelnde Kommissare. Die Entwicklung der regionalen
Kriminalliteratur als neue Untergattung der Kriminalliteratur
ist bisher jedoch in der Wissenschaft nicht hinreichend
erfasst worden. So gibt es beispielsweise keine
Sekundärliteratur, die dieses Phänomen definiert und
analysiert. Die Medien beschäftigen sich zwar mit den
Regionalkrimis, jedoch haben diese lediglich – ähnlich wie die
Romane – einen beschreibenden Charakter. Das Ziel dieses
Buches besteht darin, die regionalen Elemente in der
Kriminalliteratur auf ihren definitorischen Charakter zu
überprüfen und ihr Zusammenwirken zu analysieren. (vt) KT 51

I + II. Macintyre, Ben: For Your Eyes Only. Ian Fleming and
James Bond. 2008, 224 S., zahl. Fotos, Bloomsbury,
9780747595274, £ 20,00 (Tageskurs, zzgl. MWSt)
Published to coincide with the 2008 Imperial War Museum
exhibition of the same name, this is a thrilling stand-alone
book that looks into the entwined worlds of James Bond and Ian
Fleming. The book and exhibition will explore how Fleming’s
007 emerged against the background of the Second World War and
the Cold War and how Bond’s world was based on the realities
(and fantasies) of Fleming’s life as a wartime spy-master and
peacetime „bon viveur“. They will show how the film version of
Bond evolved for a later age, and answer a question that has
obsessed generations of Bond fans over the years: where does
the world of Ian Fleming end, and that of James Bond begin?
Stylishly illustrated, „For Your Eyes Only“ will incorporate a
treasure-trove of gadgets, costumes, props, and storyboards
from the films – Daniel Craig’s blood-stained shirt from
„Casino Royale“, the Aston Martin DB5, complete with weapony –
as well as memorabilia from Fleming’s personal archive: his
smoking jacket, the manuscript for „Casino Royale“, his golden
typewriter, his guns, and much more. Alongside this array of
extraordinary visuals, Ben Macintyre tells the story of how
Fleming created the most popular legend of all time. On the
centenary of Fleming’s birth, he looks at the real people on
62

whom the writer based his fictional creations – friends,


colleagues, lovers, and of course, the notorious villains.
Exploring the tradition of spy fiction past and present – with
specific attention to the Cold War – Macintyre explains the
astonishing legacy of the Bond books and the enduring appeal
of a fictional secret agent who not only lived twice, but
proved to be immortal. (vt) KT 51

II. Mously, Sara: Heimat im Fernsehen. Eine


medienpsychologische Untersuchung am Beispiel des „Tatort“.
2007, 215 S., 11. Abb., 76 Tab., VDM Verlag Dr. Müller, 3-
8364-1534-8 / 978-3-8364-1534-7 / K 19 23 27 23, EURO 59,00
Internationale Studien zeigen: Menschen sehen sich lieber
heimische Fernsehserien an als solche, die in der Fremde
produziert wurden. Sara Mously zeigt, wie dieses als „Cultural
Proximity“ bezeichnete Phänomen anhand der Theorie der
Ortsidentität und der Theorie der sozialen Identität erklärt
werden kann. Darüber hinaus stellt sie die Frage: Lässt sich
„Cultural Proximity“ auch auf kleinem Raum wiederfinden?
Ziehen wir etwa Fernsehinhalte, die in der eigenen Stadt
spielen, Unterhaltungsprogrammen aus anderen Städten vor? Für
die vorliegende Studie wurden 154 Probanden je ein Ausschnitt
aus einem von zwei Tatort-Filmen vorgeführt. Der eine spielte
in ihrem Wohnort Hamburg, der andere hatte die Stadt Leipzig
zum Schauplatz. Anhand von Fragebögen sollten die Probanden
anschließend ihre Stimmung mitteilen, die Filme bewerten und
angeben, ob sie die Filmrezeption fortsetzen wollten.
Zusätzlich wurden Wohndauer in und die Identifikation mit
Hamburg erfragt. Das Ergebnis macht deutlich, dass künftige
Studien weitere Identitätsdimensionen zu zusätzliche Daten
berücksichtigen sollten, um eine eventuelle Bevorzugung
stadtbezogener Fernsehfilmen aufzuzeigen und zu erklären. (vt)
KT 51

I + II. Porter, Alan J.: James Bond. The History of the


Illustrated 007. 2008, 240 S., farb. Abb., Hermes Press, 1-
932563-18-0 / 978-1-932563-18-4, $ 29,99 (Tageskurs, zzgl.
MWSt)
Now for the first time, the complete history of the
illustrated James Bond is chronicled by pop culture historian
Alan J. Porter in „James Bond. The History of the Illustrated
007“. Porter’s new book examines James Bond’s adventures in
newspaper strips and comic books. Before Bond became world
famous with his movie series, the character was the subject of
successful English newspaper strips and later in comic books.
With the explosion of Bond on the screen the character and his
exploits become even more popular in comic strip and comic
book versions all over the world. „James Bond. The History of
the Illustrated 007“ examines it all, and covers Bond’s
newspaper strip and comic book appearances from the 1950s to
the present. The release of this all-new history is timed to
coincide with James Bond’s newest movie appearance and is sure
63

to be a must for all Bond fans. The cover of the book presents
a never-before-seen painting by noted artist Bob Peak who made
a significant contributioon to the Bond canon’s movie poster
art. (vt) KT 51

I + IV. Sepeda, Toni: Mit Brunetti durch Venedig. 2008, 368


S., Vorwort von Donna Leon, (Brunetti walks, Ü.v. Christa E.
Seibicke), Diogenes Verlag, 3-257-06670-8 / 978-3-257-06670-8
/ K 21 02 76 17, EURO 19,90
Wo geschah eas – und warum. Die Calli, Campi und Caffés, die
Brunetti frequentiert, zu Touren verbunden. Dreizehn von Toni
Sepeda entwickelte und erprobte Spaziergänge durch die
Serenissima erschließen die Welt des Commissario. Und der
kennt Venedig wie kein anderer. Ein literarischer Reiseführer
mit einem Vorwort von Donna Leon. Begleitend zum Buch kann man
auch den interaktiven Stadtplan „Venedig mit Commissario
Brunetti“ anklicken:
www.diogenes.ch/media/public/venedig/index.html. (tp + vt) KT
51

I + IV. Töniges-Harms, Anette: Kriminalfälle in der Bibel.


Material- und Aufgabensammlung für die Sekundarstufe I. 2006,
106 S., Auer Verlag, 3-403-04562-5 / 978-3-403-04562-5 / K 15
68 73 40, EURO 17,80
Die Bibel als Kriminalarchiv. Die Bibel ist voll von
spannenden Kriminalfällen, die Kinder und Jugendliche fesseln
und den Detektiv in ihnen wecken. Ob Menschenhandel, Landraub,
Mord – alle Arten von Verbrechen, die auch heute noch in
unseren Zeitungen Schlagzeilen machen, sind zu finden. Aus dem
Inhalt: 1. Der erste Totschlag in der Bibel – Kain erschlägt
Abel / 2. Der schwere Betrug – Jakob hintergeht Vater und
Bruder / 3. Der kaltblütige Menschenhandel – Josef wird von
seinen Brüdern verkauft / 4. Unschuldig im Gefängnis – Josef
wird das Opfer einer Intrige / 5. Landraub und Mord – Streit
um einen Weinberg / 6. Die grausame Schlacht – David gegen
Goliat / 7. Ehebruch, Macht und Mord – David und Batseba / 8.
Sonderausgabe der Jerusalemer Nachrichten – Der Fall Jesus /
Lösungen. Jedem Kapitel ist ein sogenanntes „Kriminalarchiv“
beigefügt und als erläuternde Beispiele entsprechende
Kriminalfälle aus der heutigen Zeit, jeweils in
„Kriminalgeschichten aus aller Welt“. (vt) KT 51

I + III. Wagner, E.J.: Wissenschaft bei Sherlock Holmes und


die Anfänge der Gerichtsmedizin. 2008, 234 S., Wiley-VCH, 3-
527-50378-1 / 978-3-527-50378-0 / K 20 05 30 58, EURO 14,95
Sherlock Holmes, wer kennt ihn nicht, den rationalen
wissenschaftlich arbeitenden Privatdetektiv? E.J. Wagner
stellt Ihnen nicht nur die Hintergründe von Holmes Fällen vor,
er führt Sie auch ein in die Anfänge der Gerichtsmedizin. (vt)
KT 51
64

AUSGELESEN
von Gisela Lehmer-Kerkloh
(Berlin)

Urban, Milǒs: Im Dunkel der Kathedrale. 2008, 251 S., (Stín


Katedrály, Ü.v. Sophia Marzolff), dtv 21052, 3-423-21052-4 /
978-3-423-21052-2 / K 19 15 01 82, EURO 9,95

Eine Reihe mysteriöser Vorkommisse um den Veitsdom erschüttern


die Gläubigen: Pater Kalandra wurde ermordet und seine Hand
abgehackt, ein Gehilfe des Baumeistern ans Kreuz genagelt,
überall tauchen Teufelssymbole auf.

Der Kunsthistoriker Roman Rops, der ein bauarchitekturliches


Werk über den Veitsdom schreibt, erhält einen anonymen Brief,
der ihn zu Kalandras Hand führt. Er in der Kathedrale kein
Unbekannter, wurde sozusagen von Pater Kalandra und vom
Erzbischhof Urban selbst für die priesterliche Laufbahn
erzogen, gab sie jedoch wegen einer Frau auf. Rops ist dieser
Frau, Sidonie Bornova, verfallen und als sie ihn verläßt, weil
sie seine ausschließliche Liebe nicht mehr ertragen kann,
nimmt seine Besessenheit sogar noch zu. Die Polizistin Klara
Brochova glaubt, dass Rops in die Morde verstrickt ist.
Gleichzeitig verfällt sie seiner Schönheit und verliebt sich
in ihn.

Die Geschichte eines fiktiven Romans von Wilhelm Meinhold


„Sidonia von Bork, die Klosterhexe“ scheint sich zu
wiederholen. Sidonia, der schönen Hexe waren alle Männer
verfallen und Sidonia vernichtete sie. Sidonia hatte eine
Cousine Clara. Sie war nicht besonders schön, aber eine gute
und unschuldige Magierin. Sie suchte die Männer auf, die
Sehnsucht nach Sidonia hatten und lenkte ihre Seele in eine
andere Richtung.

„Im Dunkeln der Kathedrale“ ist ein hervorragender Roman um


Besessenheit und das 1. Gebot „Du sollst keine anderen Götter
neben mir haben, gegen das alle Beteiligten verstoßen. Sehr
mystisch angelegt, verstrickt er sich aber nicht in dunklen
Bruderschaften und Übernatürlichem, sondern findet seine
Erklärung in der Verwechslung von Besessenheit mit Liebe, was
dann fälschlicherweise als Verbrechen aus Liebe ausgegeben
wird.

Hart, John: Der König der Lügen. 2007, 442 S., (The King of
Lies, Ü.v. Rainer Schmidt), C. Bertelsmann Verlag, 3-570-
00943-2 / 867-3-570-00943-7 / K 19 11 32 57, EURO 19,95
Strafverteidiger Jackson Workman Pickens, genannt Work, hat
sich Zeit seines Lebens seinem Vater, dem erfolgreichen Anwalt
65

Ezra Pickens, untergeordnet. Ezra hat sich aus ärmlichen


Verhältnissen rücksichtslos nach oben gekämpft und ein
Millionenvermögen angehäuft. In der Nacht, in der Works Mutter
stirbt, verschwindet sein Vater, dessen Leiche erst 18 Monate
später gefunden wird. Ezra Pickens wurde mit zwei Schüssen
getötet. Work glaubt, seine Schwester Jean, die vom Vater
fortwährend gnadenlos drangsaliert wurde und nach einer
gescheiterten Ehe mit der dominanten Alex zusammenlebt, habe
den verhassten Vater getötet. Work versucht, den Verdacht von
seiner Schwester abzulenken und rückt dabei zunehmend mehr und
mehr selbst in den Mittelpunkt der Ermittlungen.
John Hart ist ein atmosphärisch dichter Erstling gelungen.
Seine Spannung bezieht das Buch nicht aus einer actionreichen
Handlung, sondern aus der hautnahen Schilderung der
zwiespältigen Gefühle des Protagonisten. Hervorzuheben ist
hierbei die Darstellung der schwierigen Lösung Works von
seinem Vater. Einerseits versucht er weiterhin diesem
gegenüber einen gewissen Respekt aufzubringen, andererseits
erkennt er aber zunehmend, dass er ihm ein Leben aufgezwungen
hat, dass weder seinen Wünschen noch seinem Charakter
entspricht, und wie er die gesamte Familie ins Verderben
getrieben hat.

ABGEHÖRT
von Gitta List
(Bonn)

Vor dem Fenster fließt der Fluss


Ein Krimi diesmal. Ein fieser Mord in einem Kaff im
nördlichsten, ›rückständigen‹ Hinterland Schwedens. Der alte
Udde, Honoratior (und ein ziemlicher Dreckskerl), ist brutal
erstochen worden. Die Ermittlungen leitet Terese aus
Stockholm, toughe »Weltbürgerin«, deren einzige Schwäche ihre
Mutter ist. Bis sie Esaias kennenlernt, den Eigenbrötler und
Hauptverdächtigen, der indes anderes im Sinn zu haben scheint
als sich zu entlasten: zum Beispiel finnische Dialekte.
Niemi widmet sich der Landschaft, den Leuten, den Sitten, den
Sprachen, den Formen, den Farben, den Gerüchen, Geräuschen,
Bewegungen, Beschaffenheiten – mit einer besessenen
Genauigkeit, die in jede Ritze der Wahrnehmung dringt. Wie
Holz knirscht, Wolle stinkt; wie Stimmen, Haken, Türen
klingen, wie Angst riecht oder Begierde, wie sich Gedanken
anfühlen. Das Wesen von Familie. Das Wesen der Kartoffel. Das
Wesen von Schmerz.
Wer Udde umgebracht hat, ist nur eine der Spuren, auf die
Terese und Esaias sich begeben; folglich finden sie mehr als
bloß einen Mörder. Mehr von der Welt - und mehr von sich...
Es hat dieser Krimi hinsichtlich seiner psychologischen,
philosophischen, literarischen Qualität großes Format.
66

Wiederum liest Gerd Köster perfekt. Er pflückt die Sätze vom


Papier, bringt sie zum Klingen, und seine Stimme passt zu
diesem Text wie Seemanns Bart um Seemanns Kinn.
Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs. ÜS Christel
Hildebrandt. Gekürzte Hörbuchfassung Joachim Hoell. Gelesen
von Gerd Köster. Random House Audio 2008, 6 CD, ca 430 min, 3-
86604-803-3 / 978-3-86604-803-4 / K 20 12 76 04, EURO 24,95

Menschenschach
Heinrich Steinfest hat eine Schwäche fürs Maliziöse; seine
Krimis nehmen dazu gern die Verirrungen der feinen
Gesellschaft aufs Korn. Die feine Nase der Lily Steinbeck ist
auch wieder so ein süffiges Stück: Steinbeck, Champion in der
Vermisstenaufspürliga, wird mit einem Fall betraut, der sich
erstens peu à peu als multipel herausstellt und sich zwotens
nicht direkt in eines der gängigen Verbrechensmuster einordnen
lässt. Vielmehr findet zwischen (un-)heimlichen, global
organisierten Strippenziehern eine kleine Menschenschach-
Variante statt, mit zehn lebenden Figuren. Sieger ist, wer
alle matt setzt, man darf auch sagen: killt. Typisch
Steinfest, sich so was auszudenken; typisch Lily Steinbeck,
wider alle tückischen Tricks zu brillieren – und dabei auch
noch (in fast jeder Situation) ihren Spaß zu haben. Realismus
geht anders, aber Schnöselkomödie mit philosophierenden
Spitzen ist doch auch mal ganz schön im Krimi; man darf das
nicht so eng sehen.
Wer sollte so etwas sprechen? Na wer schon, Dietmar Mues.
Nicht nur taugt sein Timbre bestens, sein Können nimmt es auch
mit allen zu verhandelnden Gemeinheiten auf – und die Eleganz
der trinkfesten, flirtechten und stets souverän agierenden
Heldin vermittelt er mit links.
Heinrich Steinfest: Die feine Nase der Lilli Steinbeck.
Gekürzte Lesung von Dietmar Mues. Hörbuch Hamburg 2008, 4 CD,
ca 318 min, 3.89903-605-0 / 978-3-89903-605-3 / K 20 25 87 08,
EURO 22,95

Falsche Route
Ja, Geraldine wagt die Reise! Ihr Mann Clark bleibt daheim –
tot. Falls, hoffentlich, das Chloroform gewirkt hat... Ja,
manchmal mündet Verzweiflung in Verbrechen. Geraldine möchte
leben, endlich wieder oder wenigstens noch einmal. Sie kehrt
zurück zum Ursprung ihres Traums von Liebe und Glück, der
damals, im Hotel beim Hafen, Risse bekam. Aus denen wahre
Erdspalten wurden, nachdem Clark sich der Verlassenen annahm.
Gelesen hat Highsmiths Protokoll eines unbarmherzig der
Katastrophe zusteuernden Fluchtversuchs die (2007 leider
verstorbene) Evelyn Hamann. Mit jener charakteristischen,
leise pedantischen, etwas zickigen Artikuliertheit, die sie
nicht nur in arglistigen Loriot-Sketchen pflegte. Und in der
67

schließlich alle Traurigkeit, alle Beklemmung, aller Irrsinn


dieser Story klingen.
Patricia Highsmith: Als die Flotte im Hafen lag. ÜS Anne Uhde.
Ungekürzte Lesung von Evelyn Hamann. Diogenes 2008, 1 CD, ca
56 min, 3-257-80084-3 / 978-3-257-80084-5 / K 20 06 24 08,
EURO 6,90

UNTER DER LUPE

Brigitte Frizzoni, Lehrbeauftragte und Oberassistentin an der


Universität Zürich, Inst. für Populäre Kulturen, verteidigte
im Oktober 2008 erfolgreich ihre Dissertation „Verhandlungen
mit Mordsfrauen“. Diese Arbeit wird im Laufe des Frühjahr 2009
bei Chronos in Buchform erscheinen – im nächsten KRIMI-TIPP
(Nr. 52) wird selbstverständlich auf diese Arbeit hingewiesen
-. Die Forschungsschwerpunkte von Brigitte Frizzoni sind neben
Unterhaltungsforschung, Literatur/Medien und deren Rezeption
(Bollywood-Film, Soap-Opera, Liebesgeschichten), Science
Fiction und Krimi (hier besonders der sogenannte
„Frauenkrimi“). Die Publikationsliste von Brigitte Frizzoni
weist zahlreiche Arbeiten zur Kriminalliteratur, speziell
Frauenkrimi, nach. Der nachfolgende Beitrag, „MordsFrauen“,
erschien 1999 in der Zeitschrift „Schweizerisches Archiv für
Volkskunde“ [95 (1999), S. 87-122]. (tp)

Brigitte Frizzoni

MordsFrauen
Detektivinnen und Täterinnen im „Frauenkrimi“ der 80er und
90er Jahrei

Als ich aufwachte, fühlte ich mich wie tot (...). Eine Flut
weissen Lichts drang auf mich ein, noch bevor ich die Augen
offen hatte, und Geräusche, alle erheblich zu laut. Jemand
hämmerte gegen meinen Kopf wie ein zweijähriges Kind, das
gerade den Hammer entdeckt hat. Zwischen den Schlägen gelang
es mir, die Lider zu öffnen. Neben dem Bett stand eine Flasche
Jack Daniels: leer. Und ein Aschenbecher: voll. Überall lagen
Kleider herum, und durch die Verandatür brandeten das
gleissende Licht und der tosende Lärm Sydneys herein. Als ich
aufstand, merkte ich, dass ich nicht allein im Bett war. Da
lag noch ein hübsches Blondchen. (Leben und Verbrechen des
Harry Lavender, S. 5)
68

Eine wohlbekannte Szene aus einem hard-boiled Thriller in der


Tradition von Dashiell Hammett und Raymond Chandler, wie es
scheint – mit einem kleinen Unterschied allerdings und
unübersehbaren Folgen: hier spricht kein hartgesottener Mann,
sondern eine Frau, denn so geht es weiter:

Ich erinnerte mich nicht, ihn eingeladen zu haben, aber das


musste ich ja wohl. Ohne Einladung kommt niemand in mein
Zimmer, geschweige denn in mein Bett. (Leben und Verbrechen
des Harry Lavender, S. 5)

Claudia Valentine, ihres Zeichens Privatdetektivin,


geschiedene Mutter zweier Kinder, ist die Serienfigur der
australischen Krimiautorin Marele Day. Ihre Kinder wachsen
beim Vater auf, für den Unterhalt der drei sorgt sie.

Marele Day ist nur eine von zahlreichen Krimiautorinnen, die


seit rund zwei Jahrzehnten für Veränderung im Krimigenre
sorgen und ein neues Subgenre etabliert haben, für dessen
Vermarktung sich der Terminus „Frauenkrimi“ durchgesetzt hat.
Im Zentrum dieser Texte stehen starke Frauengestalten ganz
unterschiedlicher Provenienz und Wesensart, die als
professionelle oder nebenberufliche Ermittlerinnen mit
sensibilisiertem Blick für „Frauenfragen“ für mehr
Gerechtigkeit eintreten.ii Schreibt Raymond Chandler zum hard-
boiled Thriller noch: „Der Detektiv dieser Art Story muss
(...) ein Mann sein. Er muss ein ganzer Mann sein (...), ein
Mann von Ehre (...)“iii, so beweisen Autorinnen wie Marcia
Muller, P.D. James, Sue Grafton und Sara Paretsky mit ihren
Heldinnen, dass der Beruf der Privatdetektivin keineswegs „an
unsuitable job for a woman“ ist.iv

Die neuen Kriminalromane von Frauen erfreuen sich grosser


Beliebtheit, sie sind eine „Goldgrube des internationalen
Verlagsgeschäfts“v.Tatsächlich wird bereits von einem neuen
„Golden Age“ der Kriminalliteratur gesprochen – in Anlehnung
an die erste Blütezeit der Kriminalliteratur zwischen den
beiden Weltkriegenvi mit den „Queens of Crime“ Agatha Christie,
Dorothy L. Sayers, Margery Allingham und Ngaio Marsh, in der
sich der Kriminalroman zum pointierten Rätselromanvii
entwickelte. Auch ein Blick ins Fernseh-Programm bestätigt:
die weibliche Detektivfigur hat Hochkonjunktur.viii Nicht nur
Privatdetektiv Philip Marlowe, auch Amateurdetektiv Sherlock
Holmes und Oberinspektor Stefan Derrick erhalten weibliche
Konkurrenz, d.h. nicht nur der hard-boiled Thriller, sondern
alle gegenwärtigen Subgenres der Kriminalliteratur erfahren
eine Veränderung.

Mit ein Grund für die Popularität dieser Texte mag das
entschlossene Auftreten ihrer Autorinnen sein, die sich – auf
Initiative von Sara Paretsky – 1986 als „Sisters in Crime“ in
einem Netzwerk organisiert haben. ix Ihre erklärte Absicht ist
69

es „to combat discrimination against women in the mystery


field, educate publishers and the general public as to
inequalities in the treatment of female authors, and raise the
level of awareness of their contribution to the field.”x Die
„Sisters in Crime“ haben ihr Ziel erreicht, wie nicht nur die
Beliebtheit ihrer Texte beweist, sondern auch die (überwiegend
angloamerikanische) Sekundärliteratur, die mittlerweile zum
Frauenkrimi vorliegt.

Zwar hat der Frauenkrimi seine Erfolgsreise in den Vereinigten


Staaten angetreten, er ist aber keineswegs ein ausschliesslich
angloamerikanisches Phänomen: die neuen Kriminalromane
scheinen überall geschrieben zu werden, etwa in Israel
(Shulamit Lapid), Russland (Alexandra Marinina), Frankreich
(Brigitte Aubert), Spanien (Maria Antònia Oliver), Dänemark
(Ditte Birkemose). Im deutschsprachigen Raum sind ebenfalls
zahlreiche Autorinnen produktiv, in Österreich beispielsweise
Angelika Aliti, in der Schweiz Milena Moser und in Deutschland
Doris Gercke, Christine Grän, Sabine Deitmer und Pieke
Biermann, um nur einige wenige zu nennen.

Mit werbewirksamen Schlagzeilen wird seit Ende der 80er Jahre


auch im deutschen Sprachraum auf Frauenkrimis aufmerksam
gemacht, die zum Teil in eigenen Frauenkrimi-Reihen vermarktet
werdenxi: „Mörderische Talente: Krimis von Frauen – gross im
Trend“xii kündigt eine Frauenzeitschrift an, eine andere: „Der
Tod steht ihr gut: Krimis von Frauen boomen“xiii. Am Anfang der
Frauenkrimiwelle in den deutschsprachigen Ländern stehen die
Ariadne-Krimis des Hamburger Argument-Verlagsxiv, die 1988 von
der Verlegerin und Soziologin Frigga Haug und einem Frauenteam
aus der Taufe gehoben wurden und für die mit dem witzigen
Slogan „Lesen statt Putzen!“ geworben wird. Da den folgenden
Ausführungen zu Detektivinnen und Täterfiguren diese Reihe
zugrunde liegt, soll sie näher vorgestellt werden.

Ariadne-Krimis

In der Ariadne-Krimireihe werden ausschliesslich Titel mit


feministischer Grundhaltung verlegt, denn die Ariadne-
Herausgeberinnen wollen „Bausteine für eine feministische
Kultur“ liefern, sie sind der Überzeugung, dass sich gerade
die populäre, massenhaft gelesene Literatur besonders
anbietet, um sensibilisierend und gesellschaftlich verändernd
zu wirken, und beabsichtigen, im „Niedergang auch der
Frauenbewegung (...) Bücher für Frauen zu verlegen, die ihren
Hoffnungen und Sehnsüchten folgen, die vergnüglich sind und
die zur Handlungsfähigkeit beitragen.“xv Und die Texte kommen
tatsächlich an beim Publikum: dritte, vierte, fünfte Auflagen
sind keine Seltenheit, die Reihe umfasst heute bereits 113
Bände. Erfolg ist auch ihrem ansprechenden Layout beschieden:
die attraktiv aufgemachte, schwarz-gelbe Krimireihe mit dem
70

Ariadnefaden als Signet hat bereits einmal einen Preis für die
beste Krimireihen-Gestaltung gewonnen, und zwar den „Blutigen
Pinsel“xvi.

Die Krimireihe ist international; die meisten Ariadne-Krimis


sind Übersetzungen, hauptsächlich aus dem Amerikanischen und
Englischen, aber auch aus dem Norwegischen, Französischen oder
Japanischen. 50 % dieser Krimis, ein weiteres Markenzeichen
des Programms, sind „Lesbenkrimis“, womit Krimis mit einer
frauenliebenden Detektivin bezeichnet werden; äusserlich sind
sie an den ungeraden Nummern erkennbar. Paarweise kommen alle
zwei Monate ein „Lesben-“ und ein „Heterakrimi“ auf den Markt.

Grossen Wert legen die Herausgeberinnen auch auf die


Diskussion mit ihren Leserinnen und Lesern, die sie nicht nur
in Nachworten immer wieder zur Meinungsäusserung auffordern,
sondern deren Briefe und Diskussionsbeiträge sie auch in der
eigens dafür eingerichteten Zeitschrift „Ariadne Forum“
abdrucken.

Aus Frauenkrimis dieser Reihe wird hier zitiert.xvii Wenn fortan


dennoch allgemeiner von „Frauenkrimi“, nicht von „Ariadne-
Krimi“ die Rede ist, dann deshalb, weil ein Vergleich mit
Untersuchungen anderer Korpora zeigt, dass ein Grossteil
meiner Ergebnisse auf den Frauenkrimi generell zutrifft. So
werden in der Ariadne-Krimireihe zwar ausschliesslich Titel
mit feministischer Grundhaltung verlegt, doch auch insgesamt
transportieren Frauenkrimis feministischen Impetus.xviii Einzig
der Anteil an lesbischen Detektivinnen verzerrt das Bild. Der
Lesbenkrimi ist zwar ein durchaus gewichtiges Subgenre
innerhalb des Frauenkrimis, macht aber bei weitem nicht die
Hälfte sämtlicher Texte aus.

Der nun folgenden Analyse der Detektiv-, Täter- und


Opferfiguren liegen zwei Fragestellungen zugrunde, eine genre-
und eine genderspezifische: 1. Wie werden diese Figuren im
Frauenkrimi umgeschrieben, was unterscheidet sie von Figuren
der Krimitradition, sind neue Prototypen erkennbar? 2. Lassen
sich diese Veränderungen als feministisch motiviert
interpretieren oder mit andern Worten: Was an feministischer
Diskussion findet hier seinen Niederschlag in Krimiform bzw.
inwiefern lassen sich diese Umschreibungen als Reflex auf die
Frauenbewegung deuten? xix

xx
Detektivinnen – „Not Just Sam Spade in a Skirt“ ?

Wie sieht die prototypische Frauenkrimi-Detektivin aus, wie


positioniert sie sich in der Krimitradition? Unterscheidet sie
71

mehr als nur ihr Geschlecht von Sam Spade und ihren
männlichen Vorgängern?

Drei traditionelle Detektivprototypen und Subgenres, die auch


Krimiresistenten vertraut sein dürften, dienen im Folgenden
als Vergleichsfolie für die Charakterisierung der Frauenkrimi-
Detektivinnenxxi:

• die analytisch versierten Amateurdetektive der klassischen


(englischen) Rätselkrimis, seien es extravagante
Meisterdetektive, „armchair detectives“xxii wie C. Auguste
Dupin (Autor: Edgar Allan Poe, „in Aktion“ seit 1841)
Sherlock Holmes (Arthur Conan Doyle, seit 1887), seien es
eher unscheinbare Detektivfiguren wie Miss Marple (Agatha
Christie, seit 1930) und Father Brown (G. K. Chesterton,
seit 1911);
• die Privatdetektive der (amerikanischen) hard-boiled
Thrillers, die trinkfesten, scharfzüngigen, hartgesottenen
Ritter gegen Korruption und Filz, die einsam durch die
Strassenschluchten der Grossstädte ziehen, wie Sam Spade
(Dashiell Hammett, 1930) und Philip Marlowe (Raymond
Chandler, seit 1939), die exemplarischen „tough guys“ des
Film Noir, die von Humphrey Bogart prototypenbildend
dargestellt wurden; und
• die ermittelnden Gesetzeshüter der Polizeikrimi-Tradition,
engagierte Kommissare wie Jules Maigret (Georges Simenon,
seit 1931), vor allem aber beliebte TV-Polizisten wie der
kauzig-verschlafene Columbo im zerknitterten Regenmantel
oder Derrick aus den gleichnamigen Serien.

Amateurdetektivinnen

Frauen waren unter den Amateurdetektiven schon immer gut


vertreten; auch die Frauenkrimi-Autorinnen haben eine Vorliebe
für private Ermittlerinnen: zwei Drittel sämtlicher
Detektivinnen sind Amateurinnen.xxiii Doch keine löst ihren Fall
mehr wie ein Puzzle vom Lehnstuhl aus und führt verblüfften
„Watson-Figuren“ (benannt nach Sherlock Holmes‘ Begleiter Dr.
Watson) ihr unschlagbares logisch-analytisches
Kombinationsvermögen vor.

Exzentrik liegt ihnen fern, auch wenn sie, wie ihre Vorgänger,
einen gewissen Aussenseiterstatus haben, sei das aufgrund
ihrer Lebensweise, etwa ihrer sexuellen Präferenz, oder ihrer
Tätigkeit in einem männerdominierten Berufsfeld, wie die
Heldin der norwegischen Krimiautorin Kim Småge, Hilke Thorhus,
die sich als Berufstaucherin mit Vorurteilen konfrontiert
sieht:

Lille-Kjell nannte Taucherinnen Bassinplanscher und


Schmalspurtaucher. Ausschliesslich einsetzbar als
72

Bikinischönheit und Verführerin im lauwarmen Pool. (...) Und


sie Idiotin wollte partout erreichen, dass sich alle Lille-
Kjells an diesen Vorurteilen die Zähne ausbissen.
(Nachttauchen, S. 7)

Auch das bei den Gentleman-Detektiven beliebte Dienstpersonal


können sich die Detektivinnen nicht mehr leisten – ihren
Lebensunterhalt müssen sie sich allesamt selbst verdienen,
kein Familienerbe enthebt sie der profanen Berufsarbeit. Dabei
bevorzugen sie kreative Berufe: Sie schreiben und übersetzen,
unterrichten und forschen, singen und malen, beraten und
verkaufen und sind kompetente Fachfrauen in ihrem Gebiet. Dr.
Maggie Ryan beispielsweise, P.M. Carlsons Serienfigur, ist
gefragte Linguistin, Mathematikerin und Statistikerin mit
eigener Beraterfirma in New York. Sie wird (in Studie mit
Mord) für die statistische Auswertung einer Studie über
Lesestrategien nicht nur gut bezahlt; ganz selbstverständlich
sorgen ihre Auftraggeber auch – Wunschtraum jeder
berufstätigen Mutter – für die Betreuung ihrer beiden Kinder.

Wie Miss Marple – die sie selbstverständlich mit „Ms. Marple“


ansprechen würden – können auch die Frauenkrimi-Heldinnen auf
ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen, haben darüber
hinaus aber auch ein aktives Liebesleben (im Gegensatz zur
sexuellen Abstinenz ihrer traditionellen Kollegen und
Kolleginnenxxiv) und leben bisweilen mit ihren Kindern zusammen,
für deren Unterhalt sie aufkommen – Doppelbelastung ist für
sie also kein Fremdwort.

Die „spinster“, die von Jane Marple prototypisch verkörperte


pfiffige, ältere Amateurdetektivin ohne Mann, ist eine immer
noch beliebte Figur. Zwar sind die Amateurinnen der
Frauenkrimis durchschnittlich wesentlich jünger (um die 40),
zeichnen sich aber durch einen unverkrampften Umgang mit dem
eigenen Alterungsprozess aus.

Sie sind insgesamt körperbewusster und trainierter als ihre


traditionellen Kollegen, die (mit Ausnahme von Sherlock
Holmes, der begnadeter Boxer und Fechter ist) eher Golf
spielen, als dass sie sich im Kampfsport oder Jogging üben,
den bevorzugten Sportarten der Detektivinnen. Nur dank
körperlicher Fitness überlebt die bereits erwähnte Taucherin
Hilke Thorhus die Flucht im kalten Meerwasser:

Wie lang kann es ein Mensch in 6 bis 8 Grad kaltem Wasser


aushalten? Eine Viertelstunde, behaupten Pessimisten, eine
halbe die Realisten, eine volle Stunde die Optimisten. (...)
Doch was passiert mit einem Menschen, der von Kopf bis Fuss
in schwarzes Gummi mit Faserpelz eingehüllt ist? In dessen
Anzug kein Wasser dringt – zumindest nicht von aussen? (...)
dann zeigt es sich, ob er ein guter Jogger ist. Dreimal die
73

Woche: Du hast eine Chance. Einmal im Monat: Gott sei mit


dir. (Nachttauchen, S. 28)

Was den einen Training, Sportlichkeit und Kraft bringt –


nämlich lebensrettenden Schutz –, ist bei der untrainierten
Glory Day, der Protagonistin der neuseeländischen Autorin
Rosie Scott, das Fett: Dank voluminöser Körperform, die „an
einen gestrandeten Seelöwen“ (Tage des Ruhms, S. 301)
erinnert, dringt der für andere tödliche Messerstich bei ihr
nicht bis zu den empfindlichen Organen vor. Zudem verleiht ihr
Gewicht ihr auch Macht; Angst vor männlichen Angreifern
braucht sie nicht zu haben:

(...) mit meinem jetzigen Gewicht konnte ich ihn vermutlich


plattmachen, indem ich mich kurz an ihn lehnte. (Tage des
Ruhms, S. 95)

Weibliche Wunschphantasien, hier Machtphantasien, die in den


Texten Gestalt annehmen, sind ein auffallendes Phänomen im
Frauenkrimi. Sie dürften mit ein Grund für die Beliebtheit
dieser Texte bei den Leserinnen sein.xxv

Einfühlsam wie Jane Marple können auch die Frauenkrimi-


Ermittlerinnen andern aufmerksam und interessiert zuhören,
nehmen aber im Unterschied zu ihrer Vorgängerin kein Blatt vor
den Mund. So dient das Wort etwa als Waffe im
Geschlechterkampf. Erfolgreich wehrt sich Hilke Thorhus
verbal, als sie unter der Dusche von einem Casanova
unzweideutige Angebote erhält:

Was nun? Denk schnell nach! Kühl ihn ab, bring seine glühende
Pracht zum Welken wie Laub im Oktober. Aber wie? Mit kaltem
Wasser? (...) Sie entschied sich, ihr Mundwerk als Waffe
einzusetzen. Rief sich die schlimmsten, gröbsten und
perversesten Ausdrücke ins Gedächtnis und schleuderte sie ihm
durch die Tür entgegen. Es war verbale Kastration, gründlich
und gnadenlos. Tiefes Schweigen. Dann folgte ein kaum
hörbares, kleinlautes „Scheisse“. Die alte Holztreppe knarrte
unter der Last, als er nach oben zu den andern ging, um sich
wieder zum Mann zu trinken. (Nachttauchen, S. 50)

Zeichnen sich ihre Amateurkollegen durch eher feminine


(manchmal homosexuell konnotierte) Züge ausxxvi, so fallen an
den Detektivinnen androgyne Zügexxvii auf. Sie ziehen Krawatte
und Anzug dem kleinen Schwarzen vor. Emma Victor etwa, die
lesbische Serienfigur der amerikanischen Krimiautorin Mary
Wings, die ihren ersten Auftritt in Sie kam zu spätxxviii hat,
putzt sich für eine Party mit marineblauen Bügelfaltenhosen,
cremefarbenem Baumwollhemd und einem passenden weissen, locker
gebundenen Schlips heraus. Die burschikos auftretende
Amateurdetektivin Cassandra Reilly, Barbara Wilsons
Protagonistin, irritiert einen Taxichauffeur derart, dass er
74

fragt: „Und was sind Sie, bitteschön? Frau oder Mann?“ „Weder
noch (...): Ich bin Übersetzerin.“ xxix Mitunter schlüpfen die
Detektivinnen für ihre Ermittlungen aber ganz bewusst in die
Rolle der Klischee-Frau und „verkleiden“ sich förmlich. Sie
inszenieren Weiblichkeit als Rollenspiel und setzen praktisch
um, was feministische Theoretikerinnen wie Luce Irigaray
„playing with mimesis“xxx nennen:

Ich zog die schwarze Strumpfhose an, ein Paar Stöckelschuhe


vervollständigten die Verkleidung. (...) Ich stellte mich auf
die Zehenspitzen. Hintern rein, Brust raus. Ich tänzelte ins
Zimmer. (Sie kam zu spät, S. 144, 150)

Das Bild der Amateurinnen des Frauenkrimis präsentiert sich


variantenreicher, lebendiger und alltäglicher als jenes ihrer
traditionellen Kollegen. Sorgen gehören ebenso zu ihrem Alltag
wie die Tatsache, dass sie das Leben in Grossstädten
demjenigen in ländlichen Dorfgemeinschaften vorziehen.
Unterschiedlich ist auch ihre politische Einstellung, ihr Herz
schlägt stärker links als jenes ihrer Kollegen und
Kolleginnen, ihr Blick auf die Gesellschaft ist entschieden
feministisch-kritischer.

Die deutliche Vorliebe der zeitgenössischen Autorinnen für die


Amateurin lässt sich nicht nur damit erklären, dass diese am
meisten Gestaltungsmöglichkeiten offenlässt und die
Darstellung von Frauenalltag erlaubtxxxi, sondern auch damit,
dass dem Amateurstatus bereits eine gewisse kritische Distanz
zum Establishment innewohnt; die Amateurinnen ermitteln
ausserhalb von Polizei und Justiz – ein Aspekt, den bereits
Agatha Christie ausnutzte, indem sie den Polizeiapparat als
ziemlich schwerfällig porträtierte.

Schon seit längerem zeichnet sich eine Entmythisierung und


Humanisierung der Amateurdetektive ab – weg vom adligen
Übermenschen und Meisterdetektiv hin zum Normalsterblichen.
Sie wurde bereits von den Krimiautorinnen der Tradition
initiiert, die den Frauenkrimi-Autorinnen von heute in vielem
den Weg gebahnt haben.xxxii Die Frauenkrimi-Detektivinnen
scheinen diesen Trend weiterzutreiben. Mehr als von radikaler
Änderung und Umschreibung der Amateurfigur im Subgenre
Detektivroman kann also von einer Differenzierung und
Weiterschreibung des Subgenres und des Amateurprototyps
gesprochen werden, und zwar in Richtung einer feministisch-
kritischen Zeitgenossin, die auch gewisse Züge des „tough guy“
der hard-boiled Schule adaptiert, insbesondere den
sozialkritischen Blick, das geschliffene Mundwerk und den
trainierten Körper.

Privatdetektivinnen
75

Waren im traditionellen hard-boiled Thriller Frauen bisher nur


in der Rolle des Kumpels oder der „femme fatale“xxxiii
vertreten, so brechen die Frauenkrimi-Autorinnen diese
Konvention radikal. Immerhin rund ein Viertel sämtlicher
Ermittlerinnen ist heute als Privatdetektivin tätig.xxxiv Hut
und Regenmantel – bevorzugtes Outfit ihrer hartgesottenen
Berufskollegen – tauschen die prototypischen Frauenkrimi-
Privatdetektivinnen zwar gegen Bequemeres, Turnschuhe, Jeans
und Lederjacke, aus; wie Spade und Marlowe jedoch kämpfen auch
sie mit eigenen moralischen Grundsätzen und gut trainiertem
Körper für mehr soziale Gerechtigkeit und haben ein Herz für
Wehrlose und Unterdrückte, die denn auch ihre Stammklientel
bilden.

Ihr sozialkritischer Blick ist auch ein feministischer und


somit, verglichen mit dem ihrer Kollegen, noch um diese Spur
schärfer; die unterschiedlichen Machtverhältnisse zwischen den
Geschlechtern etwa – ihren Kollegen kaum der Erwähnung wert –
sind für sie zentrales Thema.xxxv Zu den Kämpferinnen für eine
(frauen-)gerechtere Justiz gehört Caitlin Reece, die
Serienfigur der Kanadierin Lauren Wright Douglas:

(...) die meisten Vergewaltiger wurden nie verurteilt, wegen


einer anderen Art von Sabotage: unser wunderbares
Geschworenensystem. (...) Geschworene sind Verbündete (...)
für männliche Angeklagte und Gegner für weibliche
Klägerinnen. (...) Und als ich dran war und einen Fall vor
Gericht brachte, den ich besser nicht hätte vorbereiten
können, und der Angeklagte kam ungeschoren davon, glaubte
ich, dass nicht nur das Gesetz, sondern ich persönlich die
Klägerin im Stich gelassen hatte. (...) Als ich endlich
meinen Job bei der Staatsanwaltschaft an den Nagel hängte,
bedauerte ich nur, dass ich nicht schon früher gegangen war.
(...) Jetzt kommen die Leute mit Problemen zu mir, die sich
innerhalb des Systems nicht lösen lassen (...). (Artemis‘
Töchter, S. 43f.)

Kritischer ist auch ihr Umgang mit Gewalt, reflektierter als


ihre männlichen Vorläufer setzen sie sich mit ihrer eigenen
latenten Gewaltbereitschaft auseinander:

Meine Hand schien irgendwem anders zu gehören. Wie in Trance


sah ich den Daumen dieser Hand am Hahn, wie sich der
Zeigfinger bewegte, um den Abzug zu ziehen. Und während ich
zusah, spürte ich ein finsteres, schadenfrohes Glucksen, ein
stummes, schwarzes Lachen in mir aufsteigen und hörte eine
Stimme zetern: Bring ihn um drück ab blas dem kleinen
Dreckskerl das Gehirn zum andern Ohr raus er verdient es tu
der Welt einen Gefallen leg den Schweinehund um niemand wird
es erfahren leg ihn um leg ihn um leg ihn ummmmmmmm.
(Artemis‘ Töchter, S. 79)
76

Die Szene in Wendys Garten musste ich wirklich nicht noch


einmal haben. Nein danke. Weil ich nicht sicher war, ob ich
die Kraft hätte, mich zu beherrschen und ihn nicht zu
erschiessen. Das war der Grund für meine Unruhe und
Mutlosigkeit. In einem Ernstfall wie diesem hatte ich versagt
und meinen eigenen Ansprüchen an mich selbst nicht
standgehalten. Als ich die Szene vor meinem geistigen Auge
nochmal ablaufen liess, wo ich den Hahn der 357er gespannt
hatte, wurde mir richtig übel. Und mir wurde noch
schummriger, als ich dieses Gefühl wieder hochkommen liess –
eine finstere, verzehrende Schadenfreude. Ich würde ihn
töten, und ich würde es geniessen, ihn zu töten. Ich lechzte
förmlich nach Macklins Tod. (Artemis‘ Töchter, S. 83f.)

Wie ihre Vorgänger werden zwar auch die Privatdetektivinnen


der Frauenkrimis immer wieder zusammengeschlagen, erweisen
sich dabei aber als verletzlicher als ihre Kollegen, die
generell unverletzlich zu sein scheinen, obwohl die „meisten
hardboiled-Helden (...) längst hirntot im Koma liegen
(müssten), so wie sie ständig zusammengedroschen werden.“xxxvi

Nicht selten nehmen sie ironisch Bezug auf ihre männlichen


Vorgängerxxxvii, persiflieren deren Superman-Allüren und stellen
sich selbst als ganz normale Frauen mit menschlichen
Bedürfnissen dar, so etwa Claudia Valentine, die bereits
eingangs erwähnte Serienfigur der australischen Autorin Marele
Day:

Ich sah das Telefon an, und ich sah das Bett an. Das Bett
gewann. Ich habe nie verstanden, wie Philip Marlowe und
Konsorten ein ganzes Buch hindurch auf Achse sein können,
sich anschiessen, zusammenschlagen und gelegentlich
vernaschen lassen, ohne dabei je ins Bett zu gehen. (Leben
und Verbrechen des Harry Lavender, S. 156)

Das Bild des unerschrockenen und unverwundbaren einsamen


Kämpfers wird als Mythos entlarvt, etwa von V.I. Warshawski,
der Privatdetektivin der Krimiautorin Sara Paretsky:

„Of course, a hard-boiled detective is never scared. So what


I was feeling couldn‘t be fear.“xxxviii

Die Privatdetektivinnen geben ihre Angst zu – gerade darin


spiegelt sich ihr Heldentum, denn sie schauen ihr ins Gesicht
und überwinden sie. xxxix Sie werden nicht als omnipotente
Superfrauen, die ohne jegliche fremde Hilfe auskommen,
inszeniert – im Gegenteil: sie sind nicht zuletzt deshalb als
Ermittlerinnen so erfolgreich, weil sie bei Bedarf auf ein
Netz von spezialisierten Helfern aus dem Freundeskreis
zurückgreifen können, darunter auch Polizisten,
Kriminalbeamtinnen, Anwälte und beherzte Nachbarinnen und
Freunde. Zwar sind auch die Frauenkrimi-Detektivinnen in der
77

Regel als kinderlose Singles ohne Familie unterwegs, weisen


aber den Einzelgängerkult, den ihre hard-boiled Kollegen
betreiben, klar zurück und schätzen die Gemeinschaft. Sie sind
– als oft früh Verwaiste – dankbar für Ersatzfamilien.
Generell gehören Beziehungen zu den zentralen Themen, die in
Frauenkrimis verhandelt werden: Beziehungen zwischen Müttern
und Töchtern, Vätern und Töchtern, Paarbeziehungen und
Beziehungen zu Freundinnen und Ersatzfamilien.

Im Liebesleben haben die Detektivinnen ihren hartgesottenen


Vorgänger einiges voraus; nach der Sexuellen Revolution
offensichtlich von unnötigen Skrupeln befreit, verstehen sie
es, ihre Liebeslust auszuleben:

Ich habe zwar ein Bett, aber es ist nicht mehr im allerbesten
Zustand, seit vor einigen Monaten ein Rugby-Team in der Stadt
war und bei Gertie‘s Zwischenstation machte. Ich brachte eine
zwei Meter grosse Spielerin nach Hause, und gemeinsam ist es
uns gelungen, dem Bett ein Bein abzubrechen und weiteren
Schaden anzurichten, der hier unerwähnt bleibt. (Mississippi,
S. 22)

Die sexuelle Aktivität von Micky Knight, der Serienfigur von


Jean M. Redmann, hat einen Rezensenten sichtlich irritiert:

Privatdetektivin Micky Knight (Mississippi von J.R. Redmann)


ist lesbisch, daran wird von Beginn an keinerlei Zweifel
gelassen. Auf Seite acht landet sie mit ihrer ersten Klientin
auf dem Rücksitz des Autos, ein paar Seiten weiter lutscht
sie an der Brustwarze einer Frau, deren Namen sie nicht
kennt, ihr Bett ist beschädigt, weil ein weibliches Rugbyteam
darin genächtigt hat, und wenig später bahnt sich eine
Beziehung zu einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kinder
an. (...) Bei einem Helden würde ich das als Sex-Prahlerei
bezeichnen. Soll ich es bei einer weiblichen Heldin als
nachholende Sex-Prahlerei bezeichnen?xl

Aber auch Leserinnen stossen sich an den Bettszenen:

Was würden wir davon halten, wenn Hercule Poirot stets mit
der Verdächtigen oder der Zeugin ins Bett ginge? (Ariadne
Forum 2 (1993/94), S. 7)

Manchmal entwickelt sich aus solchen Liebschaften eine


dauerhafte Beziehung, während Philip Marlowe und seine
Kollegen – offensichtlich mit einem Fluchtreflex ausgestattet,
wenn zu viel Nähe droht – sofort wieder einsam in den
Strassenschluchten verschwinden.

Punkto verbaler Agressivität und Humor stehen sie ihren


Vorgängern allerdings in nichts nach; auch sie beherrschen den
mündlichen Schlagabtausch und das Witzeln aus dem Effeff.
78

Damit wird im Frauenkrimi auch eine politische Forderung der


Neuen Frauenbewegung direkt umgesetzt: die Detektivinnen
erkämpfen sich das öffentliche Wort.xli

Und zu guter Letzt gereicht Sexismus den Detektivinnen auch


einmal zum Vorteil: weil sie Frauen sind, werden sie von ihren
Gegnern nämlich oft sträflich unterschätzt, so dass sie diese
leichter überwältigen können.xlii

Es erstaunt nicht, dass die Mehrheit der Autorinnen von


Lesbenkrimis die Strukturen des amerikanischen hard-boiled
Krimis präferiertxliii, eignen sich doch insbesondere zwei
seiner archetypischen Züge für die Gestaltung von lesbischen
Detektivinnenxliv:
Zum einen ist der hartgesottene Detektiv ein Kreuzritter, der
gegen den Status quo antritt, ein absoluter Einzelkämpfer und
Individualist. Der Individualitätskult ist auch für gewisse
Tendenzen des Feminismus in den 80er Jahren charakteristisch.
Zum andern ist er ein Aussenseiter und Beobachter, kein
Teilnehmer. Hier ist die Parallele zur lesbischen Identität
besonders offensichtlich.

Stärker noch als bei den Amateuren und Amateurinnen verändert


sich das Bild der Hartgesottenen durch den Auftritt der
weiblichen Spürnasen. Doch ebenso wie der exzentrische
Intelligenzler erfährt auch der „tough guy“ durch sein
weibliches Pendant in erster Linie Vermenschlichung, was hier,
in diesem stark männlich geprägten Subgenre, auch
gleichermassen „Feminisierung“ bedeutet. Und falls die
Ermittlerin (hier Rechtsanwältin Rebecca Schwartz von Julie
Smith) vorübergehend ins Verhaltensmuster ihrer hartgesottenen
Kollegen zurückfällt, ruft sie sich ihre neuen weiblichen
Vorbilder in Erinnerung:

Why hadn‘t I asked about it that morning? It was Rob‘s


interview, not mine – that was why. But now Today‘s Action
Woman was going to get some answers. Maybe I could even say,
„Look, Clayton, baby, I want some answers and I want ‘em
now.“ I could Bogart the whole phrase, maybe, twisting up the
old lip, and I could stand all casual with one hand in my
pocket.
But then I saw what was wrong with that picture; I‘d
turned Today‘s Action Woman into a man. I looked lousy in a
suit and tie. I pulled into the hotel‘s porte cochere,
reminding myself to read more Sharon McCone mysteries so I
could get my fantasies right.xlv

Auch hier lassen sich die sich abzeichnenden Veränderungen der


Figur des Privatdetektivs als feministische Fortschreibung
bezeichnen, der „tough guy“ bekommt deutlich weichere Züge,
der traditionelle hard-boiled Thriller wird durch die
79

Frauenkrimi-Autorinnen somit um eine soft-boiled Variante


erweitert, wie Kathleen G. Klein treffend bemerktxlvi.

Polizistinnen

Die TV-Präsenz der fiktionalen Polizistinnen macht deutlich,


dass gerade auch in diesem Subgenre Frauen immer mehr
Schlüsselrollen übernehmen. Die erste literarische Polizistin
in tragender Rolle tritt erstmals 1968 in The Bait auf, es ist
Christie Opara von der New Yorker Polizei, die Serienfigur
Dorothy Uhnaks.xlvii Entgegen aller Medienpräsenz stellen aber
die Polizistinnen im Frauenkrimi die kleinste Gruppe unter den
Ermittlerinnen.xlviii Der streng hierarchisch strukturierte
Betrieb ist keine Traumdomäne der Frauenkrimi-Ermittlerinnen.
Der Polizeiroman scheint sich als besonders resistent gegen
eine feministische Revision zu erweisen.xlix Allerdings führt
der Auftritt von Frauen auch im Polizeikrimi, einem wie der
hard-boiled Thriller deutlich männlich geprägtem Subgenre, zu
bemerkenswerten Änderungen.

Im Subgenre der Rätselkrimis und des hard-boiled Thrillers


haben die ermittelnden Polizisten traditionellerweise einen
schweren Stand: sind sie in den Augen mancher Meisterdetektive
dümmliche, ungehobelte und in Vorurteilen befangene Beamte, so
werden sie von den „hard-boiled dicks“ als gerissene,
bestechliche und brutale Gegner taxiert.l Das gilt auch für die
Frauenkrimis der entsprechenden Subgenres. Kritik an
korrupten, gewalttätigen und vorurteilsbeladenen
Polizeibeamten nimmt breiten Raum ein, wie sich noch zeigen
wird.

Durch Figuren wie Jules Maigret (Georges Simenon, seit 1931),


Martin Beck (Maj Sjöwall und Per Wahlöö, seit 1965) oder
Inspektor Stefan Derrick (seit 1973) wird das Bild des
Polizisten um eine dritte, positive Variante ergänzt: der
Polizist als väterlicher, engagierter, kritischer und
unbestechlicher Kommissar, der mittels einfühlsamer
Ermittlungen und Milieustudien zur Lösung findet. Diese
positiv charakterisierte Figur wird im Frauenkrimi nun
aufgenommen und modifiziert. Da im Polizeikrimi jedoch nicht
nur die Hauptfigur, sondern der ganze Polizeiapparat mittels
polizeilicher Prozeduren ermittelt – wofür sich im Englischen
die treffende Bezeichnung „police procedural“ eingebürgert
hatli –, erfährt auch dieser im Frauenkrimi kritische
Aufmerksamkeit.

Unbestechlich, engagiert und kritisch sind auch die


Polizistinnen. Mehr als dem Prinzip von Recht und Ordnung sind
sie aber dem eigenen, für Unrecht gegenüber Frauen
sensibilisierten Gerechtigkeitsempfinden verpflichtet. Das
führt dazu, dass sie Täterinnen manchmal nicht der Justiz
80

übergeben, da das erlittene Unrecht ihre Tat nur zu


verständlich macht. So toleriert Kripo-Kommissarin Bella
Block, Doris Gerckes Serienfigur, den Racheakt einer auf
demütigendste Weise vergewaltigten Frau und überlegt sich –
auch der Machenschaften in den eigenen Reihen müde –, den Job
als Polizistin zu quittieren:

Zu Hause würde sie ihr Entlassungsgesuch schreiben und ihren


letzten Bericht. Ihr neues Leben würde nicht einfach sein,
aber einfacher als die Zusammenarbeit mit Kollegen, die sie
verachtete. (Weinschröter, du musst sterben, 1988, S. 150,
kein Ariadne-Krimi)

Allerdings geben auch Berufskollegen aus der Tradition ihren


Beruf auf, aus denselben Gründen, die auch Polizistinnen zum
Rücktritt bewegen: Korruption und Gewalt in der eigenen
Institution.

Ich bin der Mann, der sich nach 27 Dienstjahren in solchem


Masse seines Berufes schämt, dass mein Gewissen es mir
verbietet, ihn noch länger auszuüben.“ (Der Polizistenmörder
1976, S. 216, von Maj Sjöwall und Per Wahlöö)lii

Die Frauenkrimi-Polizistinnen bewegen sich ganz


selbstverständlich in unterschiedlichen Milieus, was auch für
ihre Ermittlungen hilfreich ist. Detective Kate Delafield
beispielsweise, Protagonistin der mehrbändigen
Polizeikrimiserie von Katherine V. Forrest, ist leitende
Kommissarin des Los Angeles Police Department und arbeitet
beim Morddezernat. Die Lesbenszene kennt sie aus eigener
Erfahrung. Als es in der Nightwood Bar, einem
Lesbentreffpunkt, zu Mord kommt, ist sie leitende
Ermittlerin.liii Doch hält sie ihre sexuelle Vorliebe für Frauen
unter Verschluss, um massiven Schikanen zu entgehen. Ihr
Kollege Ed Taylor ist mit Vorurteilen schnell zur Hand, wie
sie bei Bestandesaufnahmen am Tatort immer wieder erfährt:

„Was ist mit dem Inhalt des Schreibtisches?“ „Wir haben eine
detaillierte Aufstellung gemacht. Nichts ungewöhnliches
dabei, ausser dem Bargeld. Genauso im Schrank. Der
Innendienstleiter sagt, es fehlt nichts. Allerdings ist er
schwarz –“ „Noch was?“ fragte sie kurz. Taylors Rassismus,
der bei jeder Gelegenheit zum Vorschein kam, war eine Quelle
ständigen Ärgernisses für sie. (Amateure, S. 25)

Häufig sehen sich die Polizistinnen in der Ausübung ihres


Berufes Skepsis und Anfeindungen gegenüber, nicht nur aus den
eigenen Reihen. Polizeiinspektorin Arly Hanks, die
Protagonistin aus Joan Hess‘ Maggody-Serie, einer herrlich
ironischen Persiflage eines Hinterwäldlerkaffs in Arkansas,
ist allein für die 755 Bewohner des Ortes zuständig. Von den
(männlichen) Bewohnern wird sie mit Argwohn bedacht:
81

Mir hat sie noch nie gefallen als Polizistin, und es ist ja
eigentlich auch gar kein Beruf für eine Frau. (...) Es wäre
doch viel besser, sie würde heiraten und eine Familie
gründen. Dann würde sie endlich den Sinn des Lebens
begreifen. (Aufruhr in Maggody, S. 102)

Frauen in Machtpositionen sind den Männern von Maggody ein


Alptraum:

„Glaub mir, Earl – eines Tages will ‘ne Frau Präsident


werden. Kannst du dir vorstellen, wie irgendein blödes Weib
den gottverdammten Kommunisten was vorsäuselt, statt sie in
Grund und Boden zu bomben?“ (Aufruhr in Maggody, S. 98)

Die Polizistinnen resignieren ob solcher Ignoranz aber nicht,


sondern verstehen es, sich Respekt zu verschaffen und ihren
Kollegen gelegentlich den Wind aus den Segeln zu nehmen:

„Ein klassischer Fall von verschmähter Frau”, argumentierte


er. „Na los, sag schon, dass ich ein chauvinistischer Macho
bin – aber diese Art des Tötens ist typisch für eine Frau.
(...) So eine Vergiftungsorgie – das kann sich nur eine Frau
ausdenken.” „Du hast recht”, entgegnete Kate und blätterte in
ihren Notizen zurück. „Du bist ein Chauvinist.” (Beverly
Malibu, S. 111, von Katherine V. Forrest)

Insgesamt erfährt der Polizeikrimi mit dem Auftritt


frauenbewusster Polizistinnen ebenfalls eine deutlich
feministisch-kritische Note. Allerdings ist Gesellschafts- und
Systemkritik im Polizeikrimi kein Novum, sondern hat
Traditionliv, so dass sich auch hier die Veränderungen als
Modifikation einer Traditionslinie bestimmen lassen. Der
Polizeiroman ist somit weniger resistent gegen eine Revision,
als das etwa Maureen T. Reddy in ihrer Untersuchung
befürchtetlv. Der väterliche und kleinbürgerlich verankerte
Polizist bekommt durch die unkonventionelleren, weniger
„moralinsauren“ Detektivinnen mit feministischem Horizont
genrebelebende Konkurrenz.

Der Vergleich der Detektivinnen mit den drei traditionellen


Detektiv-Prototypen zeigt, dass alle drei Prototypen der
Tradition im Frauenkrimi „weiblich“ fortgeschrieben und
modifiziert werden: der Frauenkrimi tritt sowohl mit einer
neuen Variante des Amateurs wie des Privatdetektivs als auch
des Polizisten auf den Markt, und alle weisen sie sowohl
Bezüge wie markante Unterschiede zu ihren männlichen Kollegen
auf. Da diese Fortschreibungen und Erweiterungen in allen drei
Fällen aber ausgeprägte Gemeinsamkeiten aufweisen, die sich
nicht bloss aufs Geschlecht der Detektivin reduzieren lassen,
zeichnet sich ein subgenreübergreifender neuer Detektivinnen-
Prototyp ab, der es rechtfertigt, den Frauenkrimi als
82

eigenständiges Subgenre zu betrachten. Dieser Prototyp lässt


sich mittels Analysen zu Beruf, Herkunft und Ausbildung,
Alter, Lebens- und Wohnform, Liebesleben, Habitus,
Charakterzüge und Motivation folgendermassen umreissen:

• Die prototypische Frauenkrimi-Detektivin des vorliegenden


Korpus ermittelt vorwiegend als Amateurin, ist
Uniabsolventin und Angehörige der weissen Mittelschicht.
• Als unabhängiger, alleinlebender, (meist) kinderloser Single
um die vierzig ist sie in ein gutes Beziehungsnetz von
Freundinnen, Nachbarn, Ersatzeltern und
Solidargemeinschaften integriert und erfreut sich eines
aktiven Liebeslebens.
• Sie ist Einzelkind, früh verwaist und lebt als
Katzenhalterin bevorzugt in bescheidenen, gemütlich-
chaotischen Wohnungen.
• Überdurchschnittlich gross, schlank, kräftig und
durchtrainiert, wirkt sie eher androgyn als betont weiblich.
Ihr ist ein unverkrampfter Umgang mit ihrem Äusseren eigen.
• Vitalität charakterisiert sie ebenso wie die Tatsache, dass
sie ihr eigenes Älterwerden nicht verdrängt – eine
Einstellung, die sich wohltuend vom um sich greifenden
Jugendkult in der Realität abhebt.
• Sie beweist Mut, gerade auch im Akzeptieren eigener Ängste,
und zeichnet sich durch feministisch-kritisches Bewusstsein,
soziales Engagement, (selbst)kritischen Umgang mit Gewalt,
Gerechtigkeitsempfinden, Kampf für eine (frauen)gerechtere
Justiz und Empathie aus.
• Sie kennt die Schattenseiten des Lebens aus eigener
Erfahrung, hat aber dennoch einen ausgeprägten Sinn für Witz
und Humor. Mit augenzwinkernder Ironie kommentiert und
persifliert sie besonders gern die Omnipotenz-Allüren ihrer
männlichen Berufskollegen und erweist sich nicht nur
körperlich, sondern auch verbal als durchsetzungsfähig.

Dieser weibliche Prototyp der Frauenkrimi-Detektivin


unterscheidet sich sowohl von traditionellen weiblichen
Detektivfiguren wie vom Prototyp des hartgesottenen
Privatdetektivs:
• Die Frauenkrimi-Detektivin tritt nicht mehr als „sidekick“,
als guter Kumpel eines männlichen Detektivs auf, sondern als
federführende Hauptakteurin.
• Sie ist keine asexuelle „spinster“ mehr, und obwohl sie wie
ihre Kollegen aus der Krimitradition gewisse Züge des
einsamen Wolfes hat, liegt ihre Tugend nicht in ihrer
Einsamkeit, sondern in ihrer Beziehungsfähigkeit, in ihrer
tiefen Verbundenheit mit andernlvi.
• Sie ist sozialkritisch wie die Hartgesottenen der
Krimitradition, überdies aber „frauenbewusst“. Dieses
Frauenbewusstsein ist es, was die Frauenkrimidetektivinnen
83

sowohl von männlichen Detektiven wie von weiblichen


Detektivinnen in älteren Texten unterscheidetlvii.
• Sie erscheint menschlicher und alltagsnäher als ihre
Kollegen aus der Tradition und tritt nicht mehr als
unhinterfragbare Autorität auf, ein Charaktermerkmal, das
auch erzählperspektivisch realisiert wird (etwa durch
mehrperspektivische Darstellung). Sie ist verletzlicher und
geht kritischer mit Gewalt um, als es bei den Kollegen aus
der Tradition üblich ist.lviii

Es ist also durchaus gerechtfertigt, von einem feministisch


inspirierten neuen Prototyp der Ermittlerin im Frauenkrimi zu
sprechen.

Veränderungen lassen sich aber nicht nur bei den Detektivinnen


feststellen: auch bei den Täterinnen und den Opfern – und
damit verbunden beim Verbrechen und den Tatmotiven – zeichnen
sich gegenüber der Tradition deutliche Veränderungen ab.

Täterinnen und Opfer – morden Frauen besser?

„Frauen morden besser!“ – „Frauen morden leichter!“ – „Morden


Frauen anders?“ versprechen Berichte und Rezensionen zum Thema
„Frauenkrimi“.lix Die variierende Kombination von „Frau“ und
„Mord“ ist sehr beliebt. Tatsächlich „morden“ Frauenkrimi-
Autorinnen anders, was nichts anderes heisst, als dass sie
auch im Kernbereich des Kriminalromans, im Bereich des
Verbrechens, Konventionen umschreiben. Ein Blick auf die
Tradition macht das deutlich:

Täterinnen und Täter

Im Jahre 1953 charakterisiert der Anglist Fritz Wölcken den


Täter-Prototypen – in negationem – noch folgendermassen:

Auch für die Person, die den Mord begeht, die also die
negative Hauptperson einer Detektiverzählung ist, haben sich
bereits bestimmte aufschlussreiche Formen herausgebildet. Als
Mörder dürfen sich nicht herausstellen: echte grosse
Geistliche der grossen christlichen Konfessionen, Mütter,
Väter, Kinder des Ermordeten, Mitglieder des königlichen
Hauses oder der Präsident der Vereinigten Staaten. (...) Als
Mörder selten sind Ärzte, Richter, Krankenschwestern,
Polizisten und Detektive (...).lx

Und als Begründung für diese Tabuierung führt er an:


84

(...) selbstverständlich haben diese Tabus die Aufgabe, das


Vertrauen des Lesers in solche Menschengruppen nicht zu
untergraben, wo diese Erschütterung soziale oder staatliche
Konsequenzen haben würde. Ein Roman, der ein solches Tabu
verletzt, müsste auf den Leser peinlich wirken.lxi

Auch wer sich nur rudimentär im Krimigenre auskennt, wird


sofort sehen: hier hat sich – nicht erst mit den Frauenkrimis
– vieles, um nicht zu sagen alles, verändert. Am
augenfälligsten darunter aber: gerade auch Detektivinnen
werden im Frauenkrimi zu Täterinnen. Gewalttätig sind nicht
mehr ausschliesslich Bösewichte, die Täterinnen nicht mehr
zwingend nur negative Hauptfiguren; die Rolle kann durchaus
vom Opfer übernommen werden. Mit dieser Abkehr von starren
Gut-Böse-Zuweisungen geht eine Verwischung der Grenzen
zwischen Opfern, TäterInnen und Detektivinnen einher.

Oft sind die TäterInnen die eigentlichen Opfer, etwa Dorothy


Brennan (aus Katherine V. Forrests Beverly Malibu), die sich
lange auf ihren Racheakt vorbereitet: der Mann soll eines
jämmerlichen Todes sterben, der ihren Ehemann Alistair, einen
talentierten Schauspieler, unter McCarthy denunziert und mit
seiner ganzen Familie ins Verderben gestürzt hat, denn was
nachher folgte, war ein Schrecken ohne Ende: Alistair geht am
Alkohol, Sohn Brennan an Heroin zugrunde, und Tochter Dorothy
erschiesst sich, knapp elfjährig erst, am Thanksgiving-Tag
(mit exakt jener Pistole, die der Vater kaufte, weil er sich
von Kommunistenhetzern bedroht fühlte). Seither sind ihr
Festtage unerträglich; sie reist auf „Eliminierungsmission”
durch die Lande – unter einem Pseudonym, das dem Andenken
ihrer Kinder verpflichtet ist (Dorothy Brennan).

Mitunter geraten auch Detektivinnen in die Opferrolle, aus der


sie sich aber tatkräftig wieder befreien. Taucherin Hilke
Thorhus, seit ihrem mehrstündigen Marathon im eiskalten
Meerwasser als schwer Versehrte (mit offener Haut am ganzen
Körper) auf der Flucht vor Mördern, wird schliesslich
eingeholt:

(...) hier kommen die Lustmörder, jetzt haben sie sie. (...)
Ein leises Pfeifen und Nummer zwei erscheint in der Tür.
Tötungsmaschinen. Das Lachen, als sie sie entdecken, ein
helles, verzerrtes Gelächter. Galgen. (...) Breitbeinig
stehen sie über ihr, sie wartet auf den nächsten Tritt,
bleibt zusammengekrümmt sitzen und wartet ab. Nichts
passiert, sie stehen nur da und geniessen die Situation.
(...) „Einsamer Ort“, sagt eine Stimme. Pause. „Deine Freunde
haben Angst um dich“, fährt die Stimme fort. (...) Die Stimme
ist leise und sanft. Sie kennt solche Stimmen. Samtpfoten,
die ihr Spiel mit der Beute treiben, bis plötzlich die
Krallen hervorschiessen, scharfe, nadelspitze Krallen.
(Nachttauchen, S. 60)
85

Vor ihren Ohren beraten die beiden Täter genüsslich, wie sie
sie am besten loswerden könnten, sicher und ohne Spuren zu
hinterlassen. Man wird sie im Meer versenken – doch wieso
nicht das Nützliche mit dem Angenehmen verbringen?

Bevor ihr Blick bis zu seinem Gesicht vordringt, versteht sie


(...), was passieren wird. Die Haltung ist die des Siegers,
des Herrn über Leben und Tod. (...) Nun wird die heilige
Männerwaffe in Gebrauch genommen, nun wird die Frau richtig
durch den Dreck gezogen, ihrer Würde beraubt und als
Abfalleimer benutzt. Mann wird ihr den letzten Rest an
Selbstwertgefühl nehmen. (...) Sie wird vergewaltigt werden.
Hilke hat aufgehört zu wimmern. Sie kennt seine Gedanken,
sein Motiv. Sie weiss, dass er es Lust nennt, Sexualtrieb.
Von seinem pockennarbigen Gesicht geht nur ein Signal aus –
Geilheit. Sie ist nicht mehr ohnmächtig vor Angst. Sie ist
kalt. Sie verlässt ihren Körper, schwebt zur Decke und wird
zur Beobachterin.Völlig unbeteiligt betrachtet sie die drei
Menschen da unten. Eine Henne und zwei Hähne, Akteure in
einem abgekarteten Spiel mit vorab entschiedenem Ausgang.
Wetten überflüssig. (Nachttauchen, S. 63)

Beinahe erlösend wirkt darauf Hilkes Gewaltsakt:

Auf Knien versucht Hilke, ihre Hose am Bund hochzuziehen.


Ihre Bewegungen sind hektisch (...). In diesem Moment fällt
ihr Blick auf die Waffe, über die sie beim Hereinkommen
gestolpert war. Blitzschnell greift sie danach. In ihrem Kopf
explodiert etwas, ein galvanisierter Stahldraggen wird durch
die Luft geschleudert. Der Anker trifft sein Ziel mit einem
knirschenden Geräusch. (Nachttauchen, S. 65)

Überhaupt kennzeichnen die Frauen im Frauenkrimi Tatkraft und


Handlungsfähigkeit: „Der Schlüsselbegriff
‚Handlungsfähigkeit‘, in dem ein gewisses Täterinnentum ja
drinsteckt, wird (...) so richtig gefeiert“, meint Else Laudan
vom Argument-Verlag und interpretiert: „Solche Täterinnen
haben etwas kulturell Subversives: Sie setzen einen
Kontrapunkt gegen das gängige Bild der weiblichen Nicht-
Aggressivität.“lxii So liesse sich die Tatsache erklären, dass
Frauen nun vermehrt den Part der Täterin übernehmen, also
lieber agieren, statt wie in der Krimitradition zu reagieren,
oder – noch schlimmer – in der Rolle der Leiche aufzutreten,
in jener Rolle also, die ihnen traditionellerweise am
häufigsten zugewiesen wird.lxiii Treten sie auch noch als
Rächerinnen auf, die Vergeltung für weibliche Opfer üben, sind
sie gemäss Laudan „echte Lieblinge der Leserinnenschaft“lxiv.

Die Abkehr von klaren Opfer-Täter-Zuweisungen kann aber nicht


darüber hinwegtäuschen, dass bezüglich der Geschlechter eine
Tendenz zur Schwarzweissmalerei besteht. Männer werden im
86

Frauenkrimi negativer als Frauen gezeichnet und manchmal als


Inbegriff des gewalttätigen Sexualverbrechers porträtiert.
Auch in der unterschiedlich harten Bestrafung der Täterinnen
und Täter schlägt sich das nieder: bei Frauen fällt sie
eindeutig milder aus. Sogar Ariadne-Herausgeberin Frigga Haug
stellt fest: „Je weiter die Autorinnen in der Entwicklung
einer Frauengegenkultur gehen, desto einseitiger werden die
dunklen Männergestalten, die im Zentrum des Verbrechens
stehen.“lxv Sie bezeichnet das als „transitorische Schwäche“lxvi
des Frauenkrimis.

Entsprechend deutlich unterscheidet sich auch das Profil der


prototypischen Täterin von jenem des Täters: Die prototypische
Täterin ist eine Getriebene, eine Affekttäterin, keine
emotionslos planende Berufsverbrecherin, auch wenn sie sich
auf ihre Taten manchmal minutiös vorbereitet. Nicht im Affekt,
sondern kühl bis ans Herz hingegen handelt der prototypische
Täter, der professionelle Verbrecher. Oft greift er dabei auf
Helfershelfer zurück. Und auch der Triebtäter, der sich an
Frauen und Kindern gewaltsam vergreift, ist letztlich kalten
Herzens: für ihn ist Vergewaltigung ein Kavaliersdelikt.

Dass dennoch keine einfache Geschlechter-Formel „Mann = böse,


Frau = gut“ angewandt wird, zeigt sich nicht zuletzt an der
Tatsache, dass manche Frauenkrimis auch von Männern gern
gelesen werden; es lässt sich aber auch an Sarah Schulmans
Krimi Ohne Delores illustrieren, der eine weibliche
Vergewaltigerin vorführt:

„Ich werd‘ es dir besorgen”, sagte sie. (...) „Nein”, zischte


ich. Meine Zähne waren so fest zusammengebissen, dass mein
Gesicht das einer anderen war. Sie gab mir eine Ohrfeige. Ich
weinte. Ich wollte sie umbringen. Wo war mein Revolver?
Charlotte küsste mich nicht. Sie zog mir die Hose runter. Sie
presste ihren ganzen Körper gegen mich, so dass ich mich
nicht bewegen konnte, und zwängte ihre Hand in mich hinein.
(...) Mein Körper war das einzige, was mir geblieben war, und
jetzt zerstörte sie ihn auch noch. (Ohne Delores, S. 112)

Diese negative Darstellung führte übrigens zu einer heftigen


Diskussion unter den Leserinnen. Begrüssten die einen den
kritischen Blick auf die spezifische Gewalt innerhalb der
Lesbenszene, so fragten sich andere, ob solche Krimis nicht
kontraproduktiv seien, weil sie zu den bereits kursierenden
Negativ-Klischees über Lesben ein weiteres hinzufügten.lxvii
Auch Autorin Sarah Schulman äussert sich dazu:

Mit meinem Roman beabsichtige ich eine Emanzipation von der


Tyrannei des positiven Images, die uns innerhalb unserer
eigenen Reihen (Lesbenszene, B.F.) (...) aufgedrängt wurde.
Ich wollte lesbische Literatur schaffen, die uns in der Gänze
unserer Menschlichkeit zeigte – einschliesslich so irdisch-
87

konkreter Dimensionen wie Ärger, Eifersucht und Wut. (Ariadne


Forum 2 (1993/94), S. 20)

Im Frauenkrimi gibt es also kaum mehr Menschen, Gruppen,


Positionen und Berufsfelder, die einer Tabuierung unterliegen
– Täterschaft ist allerorten denkbar, gerade auch bei der
Polizei. Die einst sorgsam vermiedene Erschütterung des
Vertrauens in staatliche Institutionen ist im Frauenkrimi (wie
auch im sozialkritischen hard-boiled Thriller) geradezu
Programm, werden die TäterInnen doch nicht zuletzt aktiv, weil
Polizei und Justiz versagen.

Als dringend revisionsbedürftig erweisen sich auch Viktor


Zmegac‘ Beobachtungen zur „Ständeklausel“ bei der Wahl der
Täterfigur, zur notwendigen „Satisfaktionsfähigkeit“ eines
Mörders.lxviii Spricht er noch von sozialen Schranken, die
beibehalten werden müssten, davon, dass Angehörige unterer
Gesellschaftsschichten aus dem Kreis der Täterfiguren (ja der
Handlungsfiguren überhaupt) auszuschliessen seien, um das
Klassenvorurteil (der Mörder ist immer der Gärtner ...) nicht
offen zur Schau zu stellen, morden im Frauenkrimi nicht mehr
nur Wohlsituierte. Unterschichtsangehörige sind – auch in der
Opfer- oder Detektivinnenfraktion – „salonfähig“ geworden wie.
Es gilt nicht mehr: „Nur wer im Wohlstand lebt, lebt
gefährlich!“lxix Der Frauenkrimi riskiert insgesamt einen
deutlich unverstellteren Blick auf die Gesellschaft als die
klassischen Rätselromane – auch dies eine Gemeinsamkeit zum
sozialkritischen hard-boiled Thriller.

Opfer

Auch die Rolle des Opfers erfährt im Frauenkrimi Veränderung:


das Opfer bekommt eine Stimmelxx, ein Gesicht, und kann dadurch
betrauert werden. Ganz anders in der Krimitradition: hier ist
gerade das gefühlsneutrale, indifferente Verhältnis zum Opfer
konstitutiv, weshalb das Opfer nachträglich gern moralisch
belastet wird, um „unangemessene“ Leserreaktionen wie Mitleid
abzuwehren. Entsprechend unbrauchbar als Opfer sind in der
Krimitradition somit unbescholtene Personen wie beispielsweise
Kinder.lxxi Im Frauenkrimi hingegen sind Kinder als
(Missbrauchs-)Opfer traurige Realität.lxxii Viktor Zmegac‘
Opfercharakterisierung aus dem Jahre 1971 trifft kaum mehr zu:

Der Ermordete ist nicht nur infolge des Blutverlusts blass,


er ist es auch als literarisch blasse Figur. Sobald der
Mechanismus der Untersuchung in Bewegung gesetzt ist, hat er
seine Schuldigkeit getan und kann verschwinden. Was er
hinterlässt, ist kein Eindruck, keine Erinnerung, sondern ein
Problem. Der Detektivroman präsentiert den Mord „an sich“,
nicht etwa ein menschliches Schicksal, dem die Anteilnahme
88

des Lesers gelten könnte. Einfühlung würde das intellektuelle


Spiel plump gefährden.lxxiii

Im Frauenkrimi wird bewusst auf Einfühlung, auf Mitgefühl mit


dem schuldlosen Opfer gesetzt und unermüdlich gegen den Mythos
der eigenen Unverwundbarkeit angeschrieben, einen Irrtum, dem
allzu gern aufgesessen wird: „Opfer, das sind die andern!“ –
oder wie Hilke Thorhus beim Lesen eines Plakates, das auf ein
Frauenhaus aufmerksam macht, so treffend sagt: “Gut-dass-es-
das-gibt-aber-mir-passiert-so-was-nicht.” (Nachttauchen, S.
104)

Rosie Scotts Protagonistin Glory Day begegnet spät nachts


einem jungen drogensüchtigen Mädchen, das sie auf die
Notfallstation bringt. Dort wird ihr klar, dass es an der
Überdosis sterben wird:

Ich hatte ein furchtbares Gefühl, als ich sie ansah – es war
wie ein körperlicher Schmerz in meiner Brust. Ihr Vertrauen,
ihre Kindlichkeit, ihre Schönheit waren sehr unzulängliche
Schutzwälle gegen die Mächte, die sie in ihr Leben gelassen
hatte. (...) Ich war überrascht, wie verstört ich war. Es kam
mir vor, als ob ich sie seit Jahren kennen würde, ich hatte
das Bedürfnis, mich um sie zu kümmern und ihr etwas Wärme zu
geben. Sie war wie ich früher, sie war meine Tochter, sie war
Fleisch von meinem Fleisch. (Tage des Ruhms, S. 23)

Glory ist überhaupt die Detektivin, die zeigt, dass


„Verbrechen” nichts anderes bedeutet als „Opfer”, Gewalt immer
ein Gesicht hat, nämlich das schmerzverzerrte eines Opfers,
was sie auch in ihrer Malerei ausdrückt:

Gewalt so zu malen, mit all ihren sumpfigen Abgründen, meinen


Finger auf diese Eiterbeule zu stechen, das war für mich ein
Weg, ihren falschen Glanz endgültig zu besiegen. (...) Ich
wollte die Gewalttat auf ewig an den Schmerz des Opfers
binden. (Tage des Ruhms, S. 47f.)

Verbrechen

Das Verbrechen ist im Frauenkrimi nicht mehr bloss


intellektuelles Spiel wie im klassischen englischen
Rätselkrimi. Keine raffiniert-exotischen Mordmethoden sorgen
hier für unverfängliche Unterhaltung. Hier gibt es keine
vergifteten Zahnfüllungen oder Rasierpinsel mit tödlichen
Bakterien, die für die Beseitigung unliebsamer Zeitgenossen
sorgen. Kein Giftgas wird durchs Schlüsselloch geblasen, kein
Dolch aus Eis stösst zu und schmilzt.lxxiv Der Mord wird im
Frauenkrimi entmystifiziert – hier zeigt sich wiederum die
Verwandtschaft zum sozialkritischen hard-boiled Thriller.
89

Genretypisch steht auch im Frauenkrimi an erster Stelle Mord,


dicht gefolgt von Eigentums- und Vermögensdelikten sowie
Sexualverbrechen. Vergewaltigung und Kindsmissbrauch sind zwei
der Delikte, die im Frauenkrimi übervertreten sindlxxv und
belegen, dass die Frauenbewegung im Krimigenre eindeutige
Spuren hinterlassen hat: denn sie ist es vor allem, die auf
unterschiedliche Formen von Gewalt gegen Frauen und Kinder
aufmerksam gemacht und autonome Frauenprojekte, wie Häuser für
geschlagene Frauen und Nottelefone für vergewaltigte Frauen,
initiiert und realisiert hat.lxxvi

Tatmotive

Wenn allerdings auch diese Erste-Hilfe-Institutionen nichts


bringen, schreiten Frauen selber zur Tat – womit ein weiterer
Aspekt angesprochen ist, der sich als frauenkrimitypisch
erweist: Eifersucht als traditionelles Tatmotiv, das eine Frau
in der Krimitradition zur Schuldigen macht, wird im
Frauenkrimi von Rache und Selbstjustiz verdrängt. Gegengewalt
und Selbstjustiz werden als mögliche, manchmal notwendige,
aber problematische Reaktion auf gesellschaftlich toleriertes
Unrecht diskutiert, was sich etwa im Motiv der „Rettung in
letzter Not“ zeigt:

In Lauren Wright Douglas‘ Kriminalroman Artemis‘ Töchter


beschliesst eine Gruppe junger Studentinnen, zur Selbstjustiz
zu schreiten und ein Exempel statuieren, das auf sämtliche
Vergewaltiger abschreckend wirken und die Polizei auf Trab
bringen soll. Denn diese macht keinerlei Anstalten, ihren
Einsatz zu verstärken, obwohl kurz hintereinander drei junge
Frauen auf dem Uni-Campus vergewaltigt wurden. Es trifft den
frühzeitig aus der Haft entlassenen Sexualdelinquenten Sean
Macklin, der als nicht sozialisierbar gilt:

„(...) wir sorgen dafür, dass er bekommt, was er verdient.“


(Artemis, S. 181) (...) „Es ist zu spät für (...) die
juristische Art von Gerechtigkeit. Der eine Vergewaltiger ist
für unsere Zwecke genauso gut wie der andere. Und wenn wir
mit ihm fertig sind, wird er nie wieder eine Frau
vergewaltigen.“ (Artemis, S. 184)

Sean Macklin kommt zwar (wortwörtlich) nicht ganz ungeschoren


davon – die Vorbereitungen zur Orchitomie sind immerhin soweit
fortgeschritten, dass er betäubt und an strategischer Stelle
rasiert auf dem Operationstisch liegt (Artemis‘ Töchter,
S. 182) –, doch Detektivin Caitlin Reece schreitet im letzten
Moment ein.

Aber auch wenn Rache zum Ziel führt, wird Selbstjustiz – als
verständliche Verzweiflungstat – letztlich doch nicht
goutiert. Das zeigt sich auch in jenem Krimi, in dem die
90

Rächerin (Privatdetektivin Micky Knight in Mississippi) drei


Mehrfachmörder ins Jenseits befördert, indem sie einen Sack
mit Schlangen im Helikopter verstaut, mit dem die Täter sich
abzusetzen gedenken. Der Helikopter stürzt in der Tat auf
unerklärliche Weise ab, die Opfer sind gesühnt, doch statt
Frohlocken stellt sich ein Gefühl von Leere ein:

Es war vorbei. Frankies Tod war gerächt. Und ich fand heraus,
wie leer und hohl Rache ist. Was ich gewollt hatte, war, die
Dinge wieder zusammenzufügen, die Welt wieder ins Lot zu
bringen. Aber nichts brachte Frankie zurück. (Mississippi, S.
403)

Mit der Thematisierung von Selbstjustiz findet eine Debatte


ihren Niederschlag im Frauenkrimi, die im Rahmen der
Frauenbewegung geführt wurde: Ist Gegengewalt zunächst tabu,
ändert sich das Mitte der achtziger Jahre grundlegend.
Zurückschlagen und Rache sind nun nicht mehr verpönt, im
Gegenteil: ein grosses Angebot an Selbstverteidigungskursen
legt den Frauen nahe, sich tatkräftig zu wehren. Ein
Titelblatt der „Frauenzeitung“ verkündet 1990: „Vergewaltiger,
wir kriegen Euch!“lxxvii Ein Schlachtruf, der ähnlich auch im
Frauenkrimi anzutreffen ist. Diese Position führt im
Frauenkrimi auch zu Konsequenzen in der Bestrafung von
Rächerinnen, die utopische Milderung erfährt, was sich als
fiktionale Kompensation realer Benachteiligung interpretieren
lässt.

Sind es bei Frauen Rache, Selbstjustiz und Notwehr, die sie zu


Täterinnen werden lässt, so sind es bei Männern Machtlust,
Geldgier, sexuelle Aggression und Sadismus, die sie zu
Wiederholungstätern macht. Gewaltfreiheit ist kein
Markenzeichen der Ariadne-Krimis. Gleichwohl wird Gewalt nicht
zelebriert, wird Selbstjustiz nicht fraglos akzeptiert, wie
eine dezidierte Äusserung der Verlegerinnen belegt:

Wir mögen keine Krimis, in denen Selbstjustiz als


erstrebenswerte Lösung gesellschaftlicher Probleme
angepriesen wird oder in denen blutige Racheakte ästhetisiert
werden. Wir veröffentlichen nur Krimis zu diesen Themen, die
mit Selbstjustiz und Gegengewalt differenziert und
widersprüchlich umgehen (...). (Ariadne Forum 4 (1996),
S. 108, Anm. 1)

So kommt es vor, dass Folgekrimis beliebter, zugkräftiger


Autorinnen nicht in die Ariadne-Krimireihe aufgenommen werden,
wenn darin Gewalt verherrlicht wird – Ethik geht hier übers
Geschäft oder (frei nach Brecht): das Fressen kommt nach der
Moral, ein eher seltener Zug im harten Büchergeschäft.

Gewalt wird somit weder verniedlicht, wie das im


traditionellen englischen Rätselkrimi oft geschieht, noch zu
91

Unterhaltungszwecken in exzessiven Bluträuschen ausgemalt, wie


das in brutalen Thrillern betrieben wird.

Scharf wird im Frauenkrimi aber nicht nur die individuelle,


sondern stärker noch die institutionell verankerte Gewalt
kritisiert. Die Polizei – dein Freund und Helfer? Für
Frauenkrimi-Heldinnen ist dieser Slogan reiner Zynismus und
wird entsprechend korrigiert: die Polizei – dein Feind und
Peiniger. Insbesondere Homosexuelle, Transvestiten und
Prostituierte wissen, wieso sie die Polizei besser meiden.
„Schwulenticker“, nennt Rosie Scotts Protagonistin Glory Day
gewalttätige Bullen treffend. Transvestit Grace riecht die
Gewalt der beiden Polizisten förmlich, die sie zum Verhör
abführen:

„Die riechen beide ganz scheusslich nach Schlägen“, zischte


Grace mir zu, als wir ausstiegen. Sie hatte sich schon auf
eine Tracht Prügel eingestellt, und ich war um ihretwillen
beunruhigt. Queens standen auf der Skala noch eine Stufe
unter Stadtstreichern und gingen fast nie ohne zumindest ein
paar derbe Ohrfeigen aus. (...) In dem kleinen
Vernehmungsraum blieben beide Bullen bei uns. Ich verstand
nicht, was los war. Es kam mir alles übertrieben vor. Dann
fingen sie an, sich in meiner Gegenwart Grace vorzunehmen.
(...)
„Läuft das Geschäft, Grace? Lässt du sie noch Scheisse
schieben, oder hast du das aufgegeben? Kannst ja heutzutage
nicht vorsichtig genug sein, von wegen Aids und so. Hast du
dich testen lassen? Du bist eine Gefahr für die Leute, die es
lieber auf die nette Art tun, was?“ Der Bulle war sehr
aufgeregt. Er umkreiste sie wie ein Freier, wählte seinen
Moment und rammte ihr die Faust in die Nieren. Ich konnte
seinen säuerlichen Schweiss riechen.
„Entschuldige uns, Glory.“ Grace verdrehte und krümmte
sich. Ihr langer, schlanker Leib bog sich nach vorn, und sie
schwankte vor Schmerz auf ihren hohen Plastikschuhen. Als sie
ihr Gesicht wieder hob, hatte es einen komisch-resignierten
Ausdruck: „Normalerweise zahlen sie dafür, dass ich sie
schlage“, sagte sie und ging unter dem nächsten Schlag
graziös zu Boden. (Tage des Ruhms, S. 64f.)

Ebenso diskriminierend wird mit Frauen als Sexualopfern


umgegangen. Im Krimi Aufruhr in Maggody berichtet eine Frau:

Ich war das Opfer einer Gruppenvergewaltigung im


Verbindungshaus. (...) Bernswallows Vater hatte genug Geld
und Macht, meine Anzeige als Phantasien einer promiskuitiven,
besoffenen Schlampe hinzustellen, die bereitwillig mitgemacht
und es sich erst am nächsten Morgen anders überlegt hätte.
(Aufruhr in Maggody, S. 233)
92

Solche Textstellen zeigen, dass der Frauenkrimi gerade auch im


Kernbereich des Kriminalromans, im Bereich des Verbrechens,
für grundlegende Veränderungen im Genre sorgt. Mord ist in
diesen Kriminalromanen „nur ein Symptom für andere Verbrechen
und andere Rätsel, die gelöst werden müssen, Rätsel, die mit
dem Frausein in der spätkapitalistischen Gesellschaft
zusammenhängen.“lxxviii Ein letzter Blick auf die Tradition, und
zwar auf einen der Regelkataloge, der während des „Golden Age“
verfasst wurde und damit Konventionen für den klassischen
englischen Rätselkrimi festschrieb, macht deutlich, wie sehr
sich der Frauenkrimi von diesen traditionellen Texten entfernt
hat. Zwölf der „Zwanzig Regeln für das Schreiben von
Detektivgeschichten“ von S. S. Van Dine betreffen die
Detektiv-, Täter- und Opferfiguren sowie das Verbrechen; zehn
dieser zwölf Regeln werden im Frauenkrimi gebrochen. lxxix Im
Frauenkrimi kann es durchaus vorkommen, dass
• die Detektivin selbst Täterin wird (Mississippi; Verstoss
gegen Regel 4),
• der Täter durch puren Zufall ermittelt wird (Ohne Delores;
Verstoss gegen Regel 5),
• keine eigentliche Detektivfigur vorkommt (Ohne Delores,
Nachttauchen, Tage des Ruhms; Verstoss gegen Regel 6),
• keine Leiche vorkommt, nur ein kleines Verbrechen (Ein
Nachmittag mit Gaudí; Verstoss gegen Regel 7),
• die Täterfigur eine unbedeutende Rolle im Krimigeschehen
spielt (Ohne Delores; Verstoss gegen Regel 10),
• die Täterfigur eine zwielichtige, nicht ehrenhafte Figur ist
(Tage des Ruhms; Verstoss gegen Regel 11),
• mehrere Täterfiguren auftreten (Kandierte Küste von Barbara
Crossley; Verstoss gegen Regel 12),
• die Täterfigur Mitglied der Mafia ist und „organisiert
verbricht“ (Mississippi; Verstoss gegen Regel 13),
• ein Berufsverbrecher die Verantwortung für das Verbrechen
trägt (Nachttauchen; Verstoss gegen Regel 17),
• sich das Verbrechen als Unfall oder Suizid herausstellt
(Aufruhr in Maggody, Studie mit Mord; Verstoss gegen Regel
18).

Detektiv-, Täter- und Opferrollen haben seit dem „Golden Age“


unübersehbare Veränderungen erfahren, viele der damaligen
Konventionen sind bis heute umgeschrieben worden, und zwar
nicht erst durch den Beitrag der Frauenkrimi-Autorinnen – der
Frauenkrimi steht hier ganz in der Tradition der Durchbrechung
der Tradition. Schon immer waren es letztlich die
Experimentierlust der Krimiautorinnen und –autoren und ihr
Sensorium für gesellschaftliche und soziale Veränderungen, die
die Entwicklung des Krimigenres bis heute vorangetrieben und
die unterschiedlichsten Subgenres hervorgebracht haben. Es ist
also nicht verwunderlich, wenn eines der gewichtigen und die
Geschlechterbeziehungen prägenden Ereignisse der 60er und 70er
Jahre, das Aufkommen der Neuen Frauenbewegung, im Krimigenre
93

ebenfalls fiktionale Spuren hinterlassen und zur Ausprägung


eines eigenen Subgenres geführt hat: des „Frauenkrimis“, der
sich seinerseits wieder in unterschiedlichen Subgenres bewegt.
Frauenkrimi-Autorinnen „morden“ also nicht besser, wie das
werbewirksame Schlagzeilen versprechen, sie setzen vielmehr
andere Akzente, und sie tun dies oft aus einer feministisch
inspirierten Absicht heraus.

Dem Frauenkrimi ist es zu verdanken, wenn sich heute


durchsetzungsfähige, witzige und emanzipierte Frauenfiguren
als neuer, feministisch inspirierter weiblicher
Detektivprototyp etabliert haben. Krimileserinnen assoziieren
heute mit dem Begriff „Detektiv“ nebst „Holmes, Marlowe, Bond
& Co.“lxxx ganz selbstverständlich auch das Bild dieser neuen
Detektivinnen. Wir dürfen gespannt sein, in welche Richtung
sich das Krimigenre im nächsten Millennium bewegen wird.

Literatur

Primärtexte sind nicht hier, sondern im Text und in den


Anmerkungen erfasst.

Ariadne Forum. Bausteine für eine feministische Kultur 1


(1992/93); 2 (1993/94); 3 (1994/95); ab 1996 umbenannt in:
Ariadne Forum. Der Frauenkrimi-Almanach 4 (1996); 5 (1997/98)
Coward, Rosalind/Semple, Linda: Tracking down the Past: Women
and Detective Fiction. In: Carr, Helen (Hg.): From my Guy to
Sci-Fi: Genre and Women‘s Writing in the Postmodern World.
London u.a.: Pandora, 1989. S. 39-57.
DellaCava, Frances A./Engel, Madeline H.: Female Detectives in
American Novels. A Bibliography and Analysis of Serialized
Female Sleuths. New York, London: Garland Publishing Inc.,
1993.
Chandler, Raymond: Die simple Kunst des Mordes. Zürich:
Diogenes, 1975. (orig. engl. 1962)
Dietze, Gabriele: Hardboiled Woman. Geschlechterkrieg im
amerikanischen Kriminalroman. Hamburg: Europäische
Verlagsanstalt, 1997a.
-: Hardboiled Dick. Der einsame Held. In: Schindler, Nina
(Hg.): Das Mordsbuch. Alles über Krimis. Hildesheim:
Claassen, 1997b. S. 254-263.
Dilley, Kimberly J.: Not Just Sam Spade in a Skirt. Women
Redefine the Heroic and Ordinary: Women‘s Detective Novels in
Late 20th Century America. Diss. University of California,
San Diego, 1995. Ann Arbor, MI: UMI, 1996.
Fischer, Susanne: Der deutsche „Frauenkrimi”. Diss.
Universität-Gesamthochschule Paderborn, 1997. (Mikrofichen)
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Häberlin, Susanna: Feministische Aspekte im Kriminalroman.


Exemplarische Untersuchung dreier Autorinnen (Pieke Biermann,
Doris Gercke, Christine Grän). Lizentiatsarbeit. Zürich 1992.
Hennegan, Alison: Introduction. In: Green, Jen (Hg.): Reader,
I Murdered Him. An Anthology of Original Crime Stories.
London: The Women‘s Press Ltd, 1989.
Irons, Glenwood (Hg.): Feminism in Woman‘s Detective Fiction.
Toronto, Buffalo, London: University of Toronto Press, 1995.
Keitel, Evelyne: Kriminalromane von Frauen für Frauen.
Unterhaltungsliteratur aus Amerika. Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1998.
Klein, Kathleen Gregory: The Woman Detective. Gender & Genre.
Urbana, Second Edition. Chicago: University of Illinois
Press, 1995 (1988).
–: (Hg.): Great Women Mystery Writers: Classic to
Contemporary. Westport, Conn.: Greenwood, 1994.
Laudan, Else: Sie war einsam, aber schneller. Ein Streifzug
durch Frauenkrimis auf der Suche nach Täterinnen. In: Ariadne
Forum 4 (1996). S. 108-113.
Leonhardt, Ulrike: Mord ist ihr Beruf. Eine Geschichte des
Kriminalromans. München: Beck, 1990.
Munt, Sally Rowena: Murder by the Book? Feminism and the Crime
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Messent, Peter (Hg.): Criminal Proceedings. The Contemporary
American Crime Novel. London, Chicago: Pluto Press, 1997.
Nusser, Peter: Der Kriminalroman. 2., überarbeitete und
erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler, 1992. (Sammlung
Metzler; 191)
Palmer, Paulina: The Lesbian Thriller: Transgressive
Investigations. In: Messent, Peter (Hg.) 1997. S. 87-110.
Reddy, Maureen T.: Detektivinnen. Wien: Guthmann & Peterson,
1990. (orig. engl. 1988)
Shaw, Marion/Vanacker, Sabine: Miss Marple auf der Spur.
Hamburg: Argument, 1994. (orig. engl. 1991)
Shojaei Kawan, Christine: Holmes, Marlowe, Bond & Co. Kleine
Typologie der Krimihelden. In: Brunold-Bigler,
Ursula/Bausinger, Hermann (Hg.): Hören Sagen Lesen Lernen:
Bausteine zu einer Geschichte der kommunikativen Kultur.
Festschrift für Rudolf Schenda zum 65. Geburtstag. Bern u.a.:
Lang, 1995. S. 661-678.
Suerbaum, Ulrich: Krimi. Eine Analyse der Gattung. Stuttgart:
Reclam, 1984.
Van Dine, S. S.: Zwanzig Regeln für das Schreiben von
Detektivgeschichten. In: Vogt, Jochen (Hg.). Bd. I. S. 143-
147.
Vanacker, Sabine: V.I.Warshawski, Kinsey Millhone and Kay
Scarpetta: Creating a Feminist Detective Hero. In: Messent,
Peter (Hg.) 1997. S. 62-86.
Vogt, Jochen (Hg.): Der Kriminalroman I/II. Zur Theorie und
Geschichte einer Gattung. Unveränderter Nachdruck. München:
Fink, 1992 (1971).
95

Wölcken, Fritz: Der literarische Mord. Eine Untersuchung über


die englische und amerikanische Detektivliteratur. Nürnberg:
Nest Verlag, 1953.
Zmegac, Viktor: Aspekte des Detektivromans. In: ders. (Hg.):
Der wohltemperierte Mord. Zur Theorie und Geschichte des
Detektivromans. Frankfurt a.M.: Athenäum, 1971. S. 9-34.

Anmerkungen
i
Der Artikel stellt ausgewählte Ergebnisse aus meiner
Lizentiatsarbeit im Fach „Europäische Volksliteratur“ bei
Rudolf Schenda, Universität Zürich, vor: MordsFrauen. Analysen
zum Frauenkrimi der 80er und 90er Jahre. April 1998. Neben den
Figuren werden auch handlungsstrukturelle Aspekte analysiert.
Zu meinen gegenwärtigen Forschungsinteressen zum Frauenkrimi
vgl. Fussnote 25.
ii
Manchmal wird beim Terminus „Frauenkrimi“ allerdings von
einer weiteren Definition ausgegangen (von Frauen geschriebene
Kriminalromane), während ich eine enge Definition verwende
(Frauenkrimis als von Frauen geschriebene Kriminalromane mit
weiblichen Detektivfiguren, die frauenrelevante Aspekte
thematisieren).
iii
Raymond Chandler 1975, S. 341.
iv
P.D. James (GB) und Marcia Muller (USA) sind die beiden
ersten Autorinnen, die eine weibliche Privatdetektivfigur
einführten: James stellt 1972 Cordelia Gray in An Unsuitable
Job for a Woman vor, und 1977 führt Marcia Muller Sharon
McCone in Edwin with the Iron Shoes ein. Sie wird als
„founding mother of the female hard-boiled PI novel“ (private
investigator novel) bezeichnet (Evelyne Keitel 1998, S. 2).
1982 folgen dann die heute wohl bekanntesten Frauenkrimi-
Autorinnen Sue Grafton und Sara Paretsky mit ihren
Serienfiguren Kinsey Millhone (in: A is for Alibi) und V.I.
Warshawski (in: Indemnity Only). An Unsuitable Job for a Woman
ist ein in der Frauenkrimiforschung viel zitierter Titel, der
zugleich auch auf eine dort geführte Kontroverse anspielt:
Uneinigkeit herrscht in der Frage, ob Feminismus und
Populärliteratur sich überhaupt vertragen, ob ein
feministischer Kriminalroman also überhaupt möglich sei. Vgl.
Kathleen G. Klein 1995 (1988), S. 200f. sowie Glenwood Irons
(Hg.) 1995, S. xvii.
v
Vgl. Evelyne Keitel 1998, S. 7.
vi
Das „Golden Age“ beginnt mit dem ersten Krimi von Agatha
Christie (1920) und endet mit dem letzten von Dorothy L.
Sayers (1937), vgl. ebd., S. 118, Anm. 39.
vii
Vgl. Peter Nusser 1992, S. 101.
viii
Ermittlerinnen treten etwa in Tatort-Serien auf (Lena
Odenthal, gespielt von Ulrike Folkerts), aber auch in eigenen
Sendegefässen, als Kommissarinnen (Bella Block, gespielt von
Hannelore Hoger; Die Kommissarin, gespielt von Hannelore
96

Elsner), als Amateurdetektvinnen (Adelheid und ihre Mörder,


gespielt von Evelyn Hamman; Mord ist ihr Hobby, orig.
amerikan. Murder, She Wrote mit Jessica Fletcher, gespielt von
Angela Lansbury) oder als Polizistinnen (Lady Cops).
ix
Vgl. die Homepage der Sisters in Crime:
http://www.books.com/sinc/.
x
Zit. in: Kimberly Dilley 1995, S. 290.
xi
Nebst kleinen, auf feministische Literatur spezialisierten
Verlagen wie Orlanda und Frauenoffensive bringen auch grosse
Verlagshäuser Frauenkrimi-Reihen heraus, z.B. Fischer und
Knaur.
xii
Brigitte. Das Magazin für Frauen Nr. 8, 2. 4. 1996,
Titelblatt.
xiii
Cosmopolitan, Nr. 11, Nov. 1997, S. 50.
xiv
Der Argument-Verlag wurde im Winter 1959 vom Philosophen
Fritz Haug und von der Soziologin Frigga Haug in Berlin
gegründet. Verlagsschwerpunkt bildet bis heute die Diskussion
linker Theorie. Seit 1980 werden Beiträge zu feministischer
Theorie und Literaturwissenschaft publiziert, die inzwischen
ein wichtiges Segment des Verlages bilden. Vgl.
Informationsmappe des Argument-Verlags.
xv
Vgl. Gesamtverzeichnis Feminismus 1994/95 des Argument-
Verlags.
xvi
Vgl. Informationsmappe des Argument-Verlags.
xvii
Werden Textauszüge anderer Kriminalromane beigezogen, wird
im Original (meist englisch) zitiert, zitiere ich aus
deutschen Krimis, kennzeichne ich sie mit „kein Ariadne-
Krimi“. 16 der bis 1997 erschienenen Ariadne-Bände (damals 86)
unterzog ich in meiner Lizentiatsarbeit einer genauen Analyse,
ein angesichts der Fülle von Frauenkrimis verschwindend
kleiner Anteil. Da ich aber ein Mehrfaches der Krimireihe und
auch Werke genreprägender Autorinnen, die nicht in dieser
Reihe erscheinen, gelesen habe, dürften sich manche der
Ergebnisse verallgemeinern lassen.
xviii
Vgl. Evelyne Keitel 1998, S. 80.
xix
Mit „Frauenbewegung“ ist exakter die Neue Frauenbewegung
gemeint, die ihren Ausgang Ende 60er nahm (in Deutschland z.B.
mit den sogenannen „Weiberräten“ an den Universitäten).
xx
Kimberly Dilley 1995, Titel ihrer Dissertation.
xxi
Die Typologie stützt sich auf Christine Shojaei Kawan
1995, Peter Nusser 1992 und Ulrich Suerbaum 1984.
xxii
Diese vom Lehnstuhl aus Agierenden haben übrigens auch der
vierteljährlich erscheinenden amerikanischen Krimizeitschrift
The Armchair Detective (TAD, seit 1967), den Namen geliefert.
xxiii
Das trifft nicht nur auf mein Korpus zu. Auch in der
Bibliographie von Frances A. DellaCava/Madeline H. Engel
(1993) sind von insgesamt 161 Detektivinnen 123 Amateurinnen,
also auch rund zwei von drei Detektivinnen. Vgl. auch Rosalind
Coward/Linda Semple 1989, S. 52.
xxiv
Vgl. Peter Nusser 1992, S. 44 sowie Marion Shaw/Sabine
Vanacker 1994, S. 97.
97

xxv
Diese Wunschphantasien versuche ich in meinem
Dissertationsprojekt genauer zu erfassen, mich interessieren
also gegenwärtig Fragen der Frauenkrimi-Rezeption
(Arbeitstitel des Dissertationsprojekts: MordsFrauen:
Wunscherfüllung in Frauenkriminalromanen).
xxvi
Vgl. Gabriele Dietze 1997b, S. 255 sowie Sally R. Munt
1994, S. 19, die von „feminizing the man in the mac“ spricht.
xxvii
Zur Androgynie im Frauenkrimi vgl. Gabriele Dietze 1997a,
S. 226 sowie Sally R. Munt 1994, S. 215, Anm. 28.
xxviii
Ein Krimi, der zum Hit in der Lesbenszene der 80er
Jahre wurde und als Meilenstein des Genres bezeichnet werden
kann . Vgl. Sally R. Munt 1994, S. 141f.
xxix
Ein Nachmittag mit Gaudí, S. 98. Barbara Wilson spielt mit
ihrem Titel (orig. amerikan. Gaudí Afternoon) auf witzige Art
und Weise auf Dorothy L. Sayers‘ Gaudy Night (1935) an, einen
Krimi, der von manchen Forscherinnen als erster feministischer
Kriminalroman bezeichnet wird (vgl. Maureen T. Reddy 1990, S.
19 sowie Evelyne Keitel 1998, S. 29).
xxx
Vgl. Paulina Palmer 1997, S. 97f.
xxxi
Vgl. Kimberly Dilley 1995, S. 268.
xxxii
Ich folge hier Sally R. Munt 1994, S. 1-29: Feminisierte
Detektive, Antihelden und Parodien des männlichen Mythos
tauchen schon in den Krimis der traditionellen Autorinnen auf.
Auch eine Reihe fähiger, initiativer Frauen ist vertreten,
beispielsweise Dorothy Sayers‘ Harriet Vane in Gaudy Night
(1935), eine starke, sexuell aktive junge Heldin. Hier zeigt
sich auch, dass die Verbindung von Liebesgeschichte und
Kriminalroman bereits bei den Autorinnen der Krimitradition
beliebt ist, eine Verbindung, die heute noch stärker betont
wird. Zudem erfährt das Genre durch Krimiautorinnen eine
Psychologisierung. Früh treten auch schon Frauenfreundschaften
an die Stelle intensiver Männerfreundschaften. Schliesslich
ist auch das feministische Bewusstsein ein Merkmal, das
bereits einige Autorinnen der Krimitradition auszeichnet, was
sich im Aufgreifen von frauenrelevanten Themen wie
Heiratszwang, unerwünschter Schwangerschaft, Abtreibung und
rigiden Geschlechterkonventionen zeigt.
xxxiii
Die „femme fatale“ ist eine weibliche Standardfigur
des Chandlerschen Personals – eine schöne, geheimnisvolle und
lebensgefährliche Lady, die sich dem Detektiv gegenüber
erotisch gefällig erweist, um ihn für ihre eigenen Zwecke
manipulieren zu können. Vgl. Gabriele Dietze 1997a, S. 61.
xxxiv
Vgl. Frances A. DellaCava/Madeline H. Engel 1993. In
meinem Korpus ist der Anteil allerdings etwas kleiner (ein
Fünftel).
xxxv
Vgl. Glenwood Irons (Hg.) 1995, S. xiii.
xxxvi
Autorin Marele Day in einem Interview mit Ariadne-Lektorin
Else Laudan, vgl. Ariadne Forum 3 (1994/95), S. 49.
xxxvii
Diese ironische Bezugnahme auf männliche Vorbilder ist
allerdings nicht nur ein typisches Merkmal vieler hier
untersuchter Frauenkrimis, sie ist auch bei Autoren beliebt.
98

xxxviii
Sara Paretsky, Killing orders (1986), S. 215, zit. nach
Susanna Häberlin 1992, S. 49.
xxxix
Vgl. dazu Sabine Vanacker 1997, S. 65.
xl
Stefan Howald, Tages-Anzeiger, 25.6.1994, S. 11. Ihm gerät
diese eine Spielerin, gewissermassen pars pro toto, zum
Rugby-Team.
xli
Vgl. ebd.
xlii
Vgl. Glenwood Irons (Hg.) 1995, S. xiv.
xliii
Vgl. Paulina Palmer 1997, S. 90.
xliv
Vgl. Sally R. Munt 1994, S. 120.
xlv
Julie Smith, The Sourdough Wars (1992), S. 125, zit. nach
Kimberly Dilley 1995, S. 305. Sharon McCone ist Marcia Mullers
Privatdetektivin.
xlvi
Vgl. Kathleen G. Klein 1994, S. 402; sie teilt die
Frauenkriminalromane in insgesamt 14 Subgenres ein.
xlvii
Vgl. Susanne Fischer 1997, S. 22.
xlviii
Auch das scheint wieder über das vorliegende Korpus
hinaus typisch zu sein (vgl. Frances A. DellaCava/Madeline H.
Engel 1993, S. 9: 9 von 168 Detektivinnen sind Polizistinnen).
Allison Hennegan (1995, S. 7) stellt allerdings einen steten
Zuwachs von Polizistinnen fest.
xlix
Vgl. Maureen T. Reddy 1990, S. 89.
l
Vgl. Ulrike Leonhardt 1990, S. 237.
li
Vgl. Ulrich Suerbaum 1984, S. 162.
lii
Zit. nach Ulrich Suerbaum 1984, S. 183.
liii
Die Tote hinter der Nightwood Bar 1992 (1987).
liv
Vgl. etwa die zehnteilige schwedische Krimiserie von Maj
Sjöwall/Per Wahlöö um Kommissar Martin Beck und sein Team von
der Mordkommission Stockholm.
lv
Maureen T. Reddy 1990, S. 89.
lvi
Vgl. Kimberly Dilley 1995, S. 271.
lvii
Vgl. Susanna Häberlin 1992, S. 99. Sie spricht zu Recht
von „Frauenbewusstsein“ als einem eigentlich neuen Stereotyp.
lviii
Gemäss Kimberly Dilley (1995, S. 270-271) tritt an Stelle
unhinterfragter Gewalt Verantwortungsbewusstsein und
Intelligenz: Selbstverteidigung durch Intelligenz und die
Fähigkeit, für sich zu sorgen und der Gefahr fernzubleiben,
sind erfolgreichere Waffen als der direkte Kampf. Im Gegensatz
zu ihren Kollegen machen die Ermittlerinnen weniger von der
Waffe Gebrauch, zeigen eine grössere Verantwortung dem Leben
gegenüber; entsprechend bleiben weniger Opfer im „Kielwasser“
der Detektivinnen zurück.
lix
Vgl. die vom ZDF (2. 4. 1997, 20.15-21.00) ausgestrahlten
Episodenfilme „Frauen morden leichter“ mit Ruth Maria
Kubitschek. Vgl. auch Brigitte. Das Magazin für Frauen Nr. 8,
2. 4. 1996, S. 120f.
lx
Fritz Wölcken 1953, S. 187f.
lxi
Ebd., S. 188.
lxii
Else Laudan 1996, S. 113.
lxiii
Vgl. Paulina Palmer 1997, S. 94 sowie Glenwood Irons (Hg.)
1995, S. ix.
99

lxiv
Else Laudan 1996, S. 111.
lxv
Frigga Haug im Vorwort zu Marion Foster, Wenn die grauen
Falter fliegen, 61993 (1988), S. 7.
lxvi
Ebd.
lxvii
Vgl. Ariadne Forum 2 (1994/95), S. 17-19.
lxviii
Viktor Zmegac 1971, S. 27f. sowie S. S. Van Dine 1992, S.
144.
lxix
Viktor Zmegac 1971, S. 26, frei nach Villon und Brecht.
lxx
Vgl. Kimberly Dilley 1995, S. 274.
lxxi
Vgl. Viktor Zmegac 1971, S. 20.
lxxii
Vgl. Sally R. Munt 1994, S. 220, Anm. 27.
lxxiii
Viktor Zmegac 1971, S. 19f.
lxxiv
Vgl. Fritz Wölcken 1953, S. 183. Allerdings soll in einem
Frauenkrimi ein vergifteter Tampon als Mordwaffe eingesetzt
worden sein, wie mir anlässlich eines Vortrags zum Thema
mitgeteilt wurde.
lxxv
Else Laudan (1996, S. 110, Anm. 3) schreibt dazu: „Von den
in der Ariadne-Redaktion eingehenden Manuskripten hat leider
beinahe jedes dritte einen Plot, in dem sexueller Missbrauch
eine zentrale Rolle spielt. (Es) scheint (...), als löse die
feministische Besetzung des Genres die Hoffnung aus, solche
Erfahrungen schreibend verarbeiten zu können (...).“
lxxvi
Das sind zwei Institutionen, die auch im Frauenkrimi in
Anspruch genommen werden , z.B. in Mary Wings‘ Sie kam zu spät
und in Kim Småges Nachttauchen.
lxxvii
FRAZ – „Frauenzeitung“ 33 (1990). Zit. nach Isabel Morf,
Es war Mord am Mann, „WochenZeitung“ Nr. 14, 5. 4. 1991, S.
17.
lxxviii
Marion Shaw/Sabine Vanacker, Miss Marple, 1994, S. 117.
Vgl. dazu auch die Stimmen verschiedener deutscher
Krimiautorinnen im Ariadne Forum 5 (1997/98), S. 7-14.
lxxix
Vgl. S. S. Van Dine 1992, S. 143-147.
lxxx
Dies ist der Titel einer Studie zu Krimihelden von
Christine Shojaei Kawan 1995.

Copyright: Brigitte Frizzoni (Zürich)

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siehe dazu den monatlich erscheinenden PKT


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