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Spitzenteam: Grüne jetzt basisdemokratisch

Größtmögliche Offenheit bei der Urwahl der Spitzenkandidaten Seite 6

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IM KINO Michelle Williams spielt Marilyn Monroe, ganz ohne Ironie SEITE 16

AM PRANGER Spaniens

Regierung kriminalisiert Aufrufe zu Protesten und Sitzblockaden SEITE 10

IN BERLIN Radler ohne Stimme: Posten des Fahrradbeauftragten seit einem halben Jahr

vakant SEITE 21

Foto oben: dpa

VERBOTEN

Guten Tag, meine Damen und Herren!

Der Massenmörder Anders Beh- ring Breivik hat bei seiner Ein- lassung vor Gericht Einblick in die Vorgänge in seinem Hirn ge- währt. Zwar bewundere er al- Qaida („die erfolgreichste mili- tante Organisation der Welt“) und den „NSU“, seine wichtigs- te ideologische Quelle seien aber weder der Koran noch „Mein Kampf “. Au ch der Blog- ger „Fjordman“ und der Morris- Traveller-Fahrer Henryk M. Bro- der stehen nicht länger im Ver- dacht, Ideengeber des Massen- mörders gewesen zu sein. Sie ließ er unerwähnt. Nein, seine wirrenIdeen bezogBreivignach eigenem Bekunden aus – Wiki- pedia. Plemplem? Aber hallo.

Aber es ist wahr.

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Ölé, Ö, Ö, Öleeee

ARGENTINIEN Staatspräsidentin Cristina Kirchner enteignet spanischen Ölkonzern Repsol. Die Menschen auf der Straße jubeln. Spanien protestiert scharf. Konzern will klagen

Sp anien protestier t s charf. Ko nzern will klagen „Jetzt geht es ums Ganze“: Demonstranten

„Jetzt geht es ums Ganze“: Demonstranten feiern die YPF-Verstaatlichung vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires Foto: reuters

BUENOS AIRES afp/rtr/taz | Ar- gentinien will den größten Öl- konzern des Landes teilweise ver- staatlichen. Laut einem Gesetz- entwurf, den die Regierung in Buenos Aires vorlegte, sollen 51 Prozent der Anteile der Ölfirma YPF, die vom spanischen Repsol- Konzern kontrolliert wird, ent- eignet werden. Das hat Staats- präsidentin Cristina Kirchner in einer Sondersendung aller Ra- dio- und Fernsehanstalten ver-

kündet. Energie sei lebenswich- tig, begründete sie den Schritt. Die verstaatlichten Anteile sol- len zwischen dem argentini- schen Staat und den Erdöl för- dernden Provinzen aufgeteilt werden. Für Repsol-YPF bedeutet dies faktisch das Aus. Lediglich 6,5 Prozent darf der spanische Multi behalten. Repsol kündigte an, „alle juristischen Maßnahmen“ ergreifen zu wollen, um seinen

Börsenwert stabil zu halten und die Interessen seiner Aktionäre zu verteidigen. Der spanische Ministerpräsi- dent Mariano Rajoy berief in Madrid umgehend eine Dring- lichkeitssitzung seines Kabinetts ein. Außenminister José Manuel García-Margallo sagte danach, die argentinische Entscheidung schade dem „Klima der Freund- schaft“ zwischen beiden Län- dern. Industrieminister José Ma-

nuel Soria sprach von einer „feindlichen Entscheidung“. Kirchner hatte von den argen- tinischen Ölfirmen verlangt, ih- re Produktion hochzufahren, nachdem Argentinien im ver- gangenen Jahr 110 Prozent mehr für Ölimporte zahlen musste als im Vorjahr. In den vergangenen Wochen hatte YPF bereits in 16 argentinischen Provinzen seine Zulassungen verloren. Schwerpunkt SEITE 4

KOMMENTAR VON JÜRGEN VOGT

Terminator Kirchner

D ie vonPräsidentinCristinaKirchner als Paukenschlag inszenierte Aneignung der Aktienmehrheit beim privaten Öl-

unternehmen Repsol-YPF reiht sich ein in die ckgewinnung ehemals staatlicher Unternehmungen: die Post im Jahr 2003, Wasserversorgung 2006, Rentensystem und Fluggesellschaft 2008 und jetzt YPF. Der Terminator der freien Marktwirtschaft lebt schon lange am Río de la Plata. Hatte sich der argentinische Staat wäh- rend der neoliberalen Privatisierungswelle der 1990er Jahre unter dem Präsidenten Carlos Menem fast komplett als Akteur ver- abschiedet,holt er sich seit demHöhepunkt der schweren Wirtschaftskrise 2001/2002 seineHandlungsfähigkeitstetig zurück.Der Big Bang war die Abkopplung vom fixen Währungskurs Peso/Dollar und die Einstel- lung des Schuldendienstes. 2004 folgte der

große Schuldenschnitt, als der damalige

Präsident Néstor Kirchner den Gläubigern für über 80 Milliarden Dollar die Auszah- lung von 25 Prozent der Summe anbot und durchsetzte. Im Januar2006 zahlteArgenti- nien seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds in Höhe von 9,8 Milliarden Dollar vorzeitig zurück. Seither haben diese Wächter der freien Finanzwirtschaft in Ar- gentinien nichtsmehr zu sagen. Mit der neuerlichen Enteignung ist aber noch kein einziger Centavo in das neue, alte Staatsunternehmen YPF investiert. Und dass es eine Erfolgsgeschichte wird, ist kei- neswegs ausgemacht. Mit Planungsminis- ter Julio De Vido hat jetzt der Mann bei YPF

ter Julio De V ido hat jetzt der Mann bei YPF Di e g roße Mehrhei

Die große Mehrheit in Argentinien will auf keinen Fall die griechische Variante

das Sagen, der für die Talfahrt der argentini- schen Öl- und Gasförderung der letzten zehn Jahre politisch verantwortlich ist. Mehr noch, de Vido ist ein Kirchner-Mann der allerersten Stunde. Dass der argentinische Staat und seine Wirtschaft auf dem Kapitalmarkt seit Jah- ren isoliert sind, erleichtert den jetzigen Schritt. Ob der argentinische Weg der richti- ge ist, wird vor allem von denen angezwei- felt, die Platz für andere machen sollen. Die große Mehrheit in Argentinien will auf kei- nen Fall die griechische Variante. Die Auseinandersetzung zwischen Rep- sol und der Kirchner-Regierung könnte da- bei zu einer Schlammschlacht werden:

Noch immer liegt im Dunkeln, wie die Pro- vinz Santa Cruz mit ihrem damaligen Gou- verneur Néstor Kirchner und seinem Pro- vinzministerdeVido vonder Privatisierung in den 1990er Jahren profitiert haben.

Disharmonie vorEurovision Song Contest

BAKU Menschenrechtler kritisieren Regierung von Aserbaidschan

BERLIN dpa | Verletzungen der Pressefreiheit, Zwangsräumun- gen zur Stadtverschönerung, Korruption ohne Ende: Bundes- regierung und Menschenrechts- organisationen haben Aserbaid- schan gut fünf Wochen vor dem Eurovision Song Contest in Baku viele Menschenrechtsverletzun- gen vorgeworfen. Der Beauftrag- te der Regierung für Menschen- rechte, Markus Löning (FDP), for- derte den Kaukasus-Staat am Dienstag in Berlin auf, sechs we- gen Ausübung ihres Berufs in- haftierte Journalisten spätestens bis zum ESC-Finale am 26. Mai freizulassen. Der Direktor von Human Rights Watch, Hugh Wil- liamson, betonte, die Menschen- rechtssituation in dem Kauka- sus-Staat habe sich in den ver- gangenen Monaten verschlech- tert. So seien Demonstranten zu- letzt von der Polizei massiv ein- geschüchtert worden. Schwerpunkt SEITE 3

Breivik sieht sich als Präventivtäter

OSLO afp/taz | Der norwegische Attentäter Anders Behring Brei- vik hat am Dienstag versucht, seine Taten zu rechtfertigen. Sei- ne Opfer seien keine „unschuldi- gen Kinder“, sondern „politische Kämpfer“ gewesen, sagte der Rechtsextremist vor Gericht. Der Anschlag sei „präventiv“ gewe- sen, weil er einen Kampf der Kul- turen in Europa habe verhindern wollen. Breivik hatte im Juli ins- gesamt 77 Menschen getötet. Die Zuschauer im Gericht regierten mit Kopfschütteln. Der Tag SEITE 2 Meinung + Diskussion SEITE 12 Gesellschaft+Kultur SEITE 14

Bundesliga bleibt in der „Sportschau“

FRANKFURT/M. dapd | Die vor dem Fernseher sitzenden Fuß- ballfans können ihre Sehge- wohnheiten weitgehend beibe- halten. Der Pay-TV-Sender Sky fegte den Konkurrenten Deut- sche Telekom beim Poker um die Liveübertragungen vom Spiel- feld, im Bereich des frei emp- fangbaren Fernsehens bleibt die „Sportschau“ der ARD ebenso wie das „Sportstudio“ des ZDF. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erzielte beim Verkauf der TV- Rechte einen Rekorderlös von 2,5 Milliarden Euro für vier Jahre. Flimmern + Rauschen SEITE 17