Sie sind auf Seite 1von 51

Elias Erdmann

BLICKE IN EINE ANDERE WIRKLICHKEIT

FRAGEN & ANTWORTEN

BLICKE IN EINE ANDERE WIRKLICHKEIT FRAGEN & ANTWORTEN Anmerkungen, häufige Fragen (FAQ) und zusätzliche

Anmerkungen, häufige Fragen (FAQ) und zusätzliche Informationen

Stand: 13.06.2010

- 1

-

Diese Datei ist geplant als eine Ergänzung zu meinem Buch:

„Blicke in eine andere Wirklichkeit“ ISBN 978-3-937568-82-9 erschienen im Spirit-Rainbow-Verlag www.spirit-rainbow-verlag.de

Die jeweils aktuelle Version dieser FAQ-Datei kann von folgenden URLs geladen werden:

Der Autor ist über folgende eMail-Adresse zu erreichen:

Für Buchbestellungen wenden Sie sich bitte direkt an den Spirit-Rainbow-Verlag oder an den Buchhandel. Ich selbst kann keine Bestellungen annehmen und keine Bücher ausliefern.

Titelbild: „Fernziel“ von Silvian Sternhagel http://www.licht-welten.de/

- 2 -

Vorwort und Zielsetzung

Wenn man ein Buch schreibt, dann steht man immer wieder vor der Frage,

- ob die Aussagen für den Leser nachvollziehbar sind,

- ob möglicherweise Fragen und Missverständnisse auftreten können,

- ob man ein bestimmtes Thema noch etwas genauer beschreiben oder erklären sollte,

- ob es Gegenargumente und Alternativen gibt, auf die man auch eingehen sollte,

- usw.

Aber mit jeder zusätzlichen Erklärung werden wiederum neue Themen aufgeworfen, bei denen man wieder vor den gleichen Fragen steht. Und je mehr man sich bemüht, auf all diese Themen einzugehen, umso mehr besteht natürlich die Gefahr, dass man sich auf diese Weise immer mehr vom eigentlichen Thema entfernt und in Nebensächlichkeiten verzettelt.

Ich habe versucht, das Thema des Buches sinnvoll abzugrenzen und einen Kompromiss zu finden, damit das Buch so kompakt wie möglich und nur so umfangreich wie nötig ist. Um die größten „Stolpersteine“ aus dem Weg zu räumen, gab es insgesamt 6 Korrekturleser (und den Lektor vom Verlag). Weil aber jeder Leser andere Erfahrungen mitbringt, denke ich, dass im Laufe der Zeit auch noch weitere Fragen, Verständnisproblem, Seitenaspekte, Randthemen, Gegenargumente usw. aufgeworfen werden. Diese Themen möchte ich in dieser Datei nach dem Vorbild der FAQ-Listen zusammenfassen (FAQ = frequently asked questions = häufig gestellte Fragen).

Diese Liste wird zunächst noch relativ kurz sein, weil es natürlich kurz nach der Veröffentlichung noch keine häufigen Fragen gibt.

Weiterhin

aufzunehmen:

habe

ich

langfristig

vor,

auch

ergänzendes

Material

in

diese

Datei

mit

-

Literatur-Empfehlungen,

-

Internet-Links,

-

neue Ideen,

-

Korrekturen

-

eventuell auch anonymisierte Zitate aus Leserbriefen

-

Diese Datei ist geplant als eine Ergänzung zu den Themen aus „Blicke in eine andere Wirklichkeit“. Sie soll aber kein Ersatz für das Buch sein, auch keine Zusammenfassung, keine Buch-Beschreibung, keine Übersicht, keine Werbung, keine Fortsetzung,

Die Realisierung in Form einer FAQ-Liste bringt es auch mit sich, dass zum Teil ganz unterschiedliche Themen aufeinander folgen, die inhaltlich und didaktisch nicht aufeinander angestimmt sind.

- 3 -

Inhaltsverzeichnis

Vorwort und Zielsetzung

3

Inhaltsverzeichnis

4

Häufige Fragen

5

Wie lange hat es gedauert, um das Buch zu schreiben?

5

Ist „Elias Erdmann“ ein Pseudonym?

6

Ist Esoterik nur eine Glaubenssache?

7

1. Die Esoterik als Erkenntnissystem

7

2. Die Erlebbarkeit der erweiterten Wahrnehmungsebene

8

3. Sprachliche Konventionen und Strukturen

9

Was hat die Vier-Elemente-Lehre mit der Bibel zu tun?

10

Die gemeinsamen Wurzeln in Babylon

10

Der Kontakt der beiden Traditionen in Alexandria

12

Der Übergang vom Judentum zum Christentum

13

Von der Antike bis zum Mittelalter

16

Vom Mittelalter in die Neuzeit

18

Die Relevanz für unsere heutige Zeit

18

Ein paar Beispiele in der Bibel

19

Noch eine Anmerkung zum Buddhismus

20

Anmerkungen zur „früheren Amtszeit“ von Quirinius

21

Anmerkungen zu „Methoden der Manipulation“

25

Anmerkungen und Ergänzungen

27

Meine Zugehörigkeit zum Freimaurerorden (seit 2008)

27

Das biblische „Hassgebot“

30

Die Illusion des „absoluten Bewusstseins“ im Zustand der inneren Ruhe

35

Überlegungen und Ergänzungen zu den „Feldern“ in den Bäumen

39

Tippfehler

43

Termine / Entwicklung

45

46

46

Internet-Links

47

- 4 -

Häufige Fragen

Wie lange hat es gedauert, um das Buch zu schreiben?

Die Antwort hängt davon ab, wo man den genauen Startpunkt ansetzt, welche Vorarbeiten man dazu zählt und welche nicht. Das Thema hat sich bei mir im Laufe der Jahre entwickelt und daher ist es nicht möglich, einen eindeutigen Starttermin festzulegen.

Eine erste schriftliche Auseinandersetzung mit der Symbolik der Mythen und biblischen Texte gab es schon 1995 in meinem Manuskript „Methoden der Manipulation“ im Kapitel „Was muss man über Mythen wissen?“ (siehe Seite 61). Das Buch „Blicke in eine andere Wirklichkeit“ ist gewissermaßen aus diesem Kapitel heraus entstanden.

Aber vermutlich ist es am sinnvollsten, wenn ich den 6.4.2001 als den eigentlichen Starttermin betrachte, denn an diesem Tag habe ich die erste (noch etwas fehlerhafte) Version vom Dreifachkreuz ins Religionsforum gestellt.

Das Dreifachkreuz der Elemente ist das zentrale Grundmotiv des Buches, und daher würde ich die Entdeckung der Dreifachkreuzstruktur als den eigentlichen Starttermin interpretieren.

In den nachfolgenden Monaten entstanden weitere Texte und am 30.12.2001 eröffnete ich meine erste Homepage mit dem Titel „Durch die Materie zum Geist“, um diese Texte zusammenzufassen. Anfang 2002 entstand ein erstes Gesamtdokument im PDF-Format. Am 27.12.2003 verwarf ich diesen ersten Versuch und ordnete die inzwischen vorhandenen Texte noch einmal völlig neu. (Es waren inzwischen etliche Texte hinzugekommen.) Diese Neuordnung war der eigentliche Startschuss für das Manuskript „Blicke in eine andere Wirklichkeit“, aus dem schließlich das Buch entstanden ist.

Mit der Arbeit am Manuskript kam ich anfangs nur sehr langsam voran. Pro Abend hatte ich etwa ein bis zwei Stunden Zeit und am Wochenende etwas mehr. Wenn man in dieser Zeit ein Forum betreut, dann kommt man natürlich nicht zum Buchschreiben. Aus diesem Grund habe ich am 8.2.2005 meine Homepage (inkl. Forum) wieder geschlossen und auch meine sonstigen Internetaktivitäten deutlich eingeschränkt, um mehr Zeit für das Buchprojekt zu haben.

Bis zum Sommer 2005 war das Ganze nur ein reines Ein-Mann-Projekt. Aber weil man als Autor nicht wirklich die Perspektive eines Lesers einnehmen kann, ist es ganz wichtig, dass auch mal jemand anderes über diesen Text drüberschaut. Zu diesem Zweck habe ich das Manuskript im Sommer 2005 an insgesamt 5 Korrekturleser aus meinem Bekannten- und Freundeskreis weitergegeben (später noch an einen sechsten). Anschließend, am 22.11.2005, begann meine Suche nach einem passenden Verlag, was eine ziemlich langwierige Angelegenheit war. Ich nutzte die Wartezeiten, um hier und da noch ein paar kleinere Korrekturen vorzunehmen.

Am 7.10.2006 habe ich einen Autorenvertrag beim Spirit-Rainbow-Verlag unterschrieben. Nun gab es noch eine weitere Korrektur durch den Lektor und einige Arbeiten am Layout. Das Buch ist schließlich am 24.5.2007 erschienen.

- 5 -

Ist „Elias Erdmann“ ein Pseudonym?

Ja.

Eigentlich wollte ich im Sommer 1999 nur mal kurz in einem Internetforum einen Beitrag schreiben über das Thema „Christentum und Reinkarnation“. Man musste damals auf dieser Forenseite irgendeinen Namen oder ein Pseudonym eintragen. Ganz spontan fiel mir der Name „Elias“ ein, weil der Name zu diesem Thema passte – immerhin gibt es in der Bibel einen Zusammenhang zwischen Elias und Johannes dem Täufer (Mt. 11,14 + 17,13), was ich damals aus der Perspektive der Wiedergeburtslehre interpretierte. Darüber hinaus hatte ich zum Namen „Elias“ keine besondere Beziehung und hatte auch gar nicht vor, diesen Namen auf Dauer zu tragen. Aber ich blieb an diesem Forum hängen und der Name an mir. Mit der Zeit gewöhnte ich mich an den Namen, aber ich empfand ihn als etwas unpassend. Es gibt zwar Menschen, die diesen Namen ganz normal als Vornahmen tragen, aber so alleine (ohne Nachname) erschien mir der Name als zu vergeistigt, zu biblisch, zu aufgeblasen, zu

So entstand der Wunsch, das Vergeistigte und Anmaßende durch einen

passenden Nachnamen zu entschärfen – durch einen ganz „erdigen“ Nachnamen, der ein

anmaßend,

Gegengewicht zum vergeistigten „Elias“ darstellt. So kam der „Erdmann“ hinzu, was übrigens der tatsächliche Nachname meines Großvaters mütterlicherseits ist.

Durch meine Aktivitäten im Internet kennen mich inzwischen sehr viel mehr Menschen unter meinem Pseudonym „Elias Erdmann“ als unter meinem normalen Namen. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, das alte Pseudonym für das Buchprojekt beizubehalten auch deshalb, damit der Leser einen Zusammenhang herstellen kann zwischen meinem Buch und meinen Texten im Internet.

Der Name „Elias Erdmann“ steht auch für das, was ich mit meinen Texten ausdrücken und erreichen will: Es geht mir darum, eine Brücke zu bauen zwischen unseren irdischen Denkstrukturen und der geistigen Wirklichkeit.

Im Nachhinein kann ich übrigens erkennen, dass der Name „Elias“ eine ganz bestimmte Wirkung auf mich und meine Texte hatte. Es gab nämlich eine ganz bestimmte Art von Information, die immer wieder bröckchenweise in meine Texte mit eingeflossen ist, wenn ich als „Elias“ schrieb. Das wurde mir klar, als ich kurzfristig mal ein anderes Pseudonym nutze und als ich plötzlich merkte, dass nun eine ganz andere Art von Information mit einfloss. Das war beinahe so, als ob ich durch die Wahl des Pseudonyms einen bestimmten Kanal bzw. Sender eingestellt hätte. Und mit der Zeit lernte ich diesen Elias-Kanal immer besser kennen.

Es ist eine ganz typische Eigenschaft von diesem „Elias-Kanal“, dass er die Grundlage für weitergehende Entwicklungen und Erfahrungen aufbaut. In diesem Sinne muss Elias kommen, bevor die nächste Entwicklung beginnen kann. Die Wiederkunft des Elias interpretiere ich nach diesen Erfahrungen nicht mehr als ein äußeres Ereignis (im Sinne der Wiedergeburtslehre) sondern als einen inneren Prozess, der immer wieder in Menschen stattfindet, die diese Kraft spüren und die diese Entwicklung durchlaufen. Es ist eine Entwicklung, die über die Grenzen des materiegebundenen Denkens hinausführt.

- 6 -

Ist Esoterik nur eine Glaubenssache?

1. Die Esoterik als Erkenntnissystem

Wenn man von einem traditionellen Glaubenssystem vorgeprägt ist, dann kann der Eindruck entstehen, dass die Esoterik nur ein anderes Glaubenssystem sei. Aber Esoterik ist eigentlich etwas vollkommen anderes.

Echte Esoterik basiert im Gegensatz zur üblichen Religion nicht auf Glauben, sondern auf eigener Erfahrung und Erkenntnis. Echte Esoterik ist also kein Glaubenssystem, sondern ein Erfahrungs- und Erkenntnissystem.

Natürlich wird heutzutage sehr vieles unter dem Schlagwort „Esoterik“ vermarktet, was nicht diesem Kriterium entspricht was also streng genommen gar keine Esoterik ist. Vieles davon stammt zwar aus dem Umfeld der esoterischen Lehren, aber es wird inzwischen nicht mehr auf eine esoterische Weise vermittelt. Und genau darauf kommt es an. Die Art und Weise der Vermittlung entscheidet nämlich darüber, ob man etwas nur glaubt und auswendig lernt oder ob man etwas wirklich erkannt und verstanden hat.

Damit die Esoterik ein Erkenntnissystem sein kann, sind zwei Punkte absolut notwendig:

1.) die Initiation (= der Hinweis auf die Verhüllung) 2.) die Verhüllung des esoterischen Wissen

Das Prinzip der Verhüllung kennen wir (in etwas abgeschwächter Form) auch aus dem normalen Schulunterricht. Dort gibt es beispielsweise bei der Mathematik:

1.) den Unterricht, wo die Lösung an einigen Beispielen dargestellt wird 2.) die Hausaufgaben, bei denen das Ergebnis zunächst nicht verraten wird

Wenn ein Kind bei den Hausaufgaben den vollständigen Lösungsweg vorgegeben bekäme, dann könnte es an diesen Aufgaben nicht üben. Und solange man einen vorgegeben Lösungsweg nur nachvollzieht, weiß man nie, ob man es wirklich verstanden hat. Die zeitweise „Geheimhaltung“ der Lösung ist also von ganz entscheidender Bedeutung für den eigenen Erkenntnisprozess. Und das gilt noch sehr viel stärker für esoterische Themen wenn es darum geht, einen Zugang zur eigenen Inspiration zu finden.

Das Verraten eines esoterischen Geheimnisses bringt etwa soviel, als ob man einem Vorschulkind verrät, dass 357+434=791 ist. Das Vorschulkind kann dieses Ergebnis glauben oder auch nicht. Würde man die Mathematik in der Schule auf eine solche Weise vermitteln, indem man nur solche Lösungen vorgibt, dann wäre auch die Mathematik nur noch eine „Sache des Glaubens“.

Mit dem Buch „Blicke in eine andere Wirklichkeit“ gebe ich dem Leser einige Hinweise auf die Art und Weise der Verhüllung und zeige an einigen Beispielen, wie das Enthüllen funktioniert. (Das entspricht Punkt 1.) Der nächste Schritt ist, dass der Leser seine „Hausaufgaben“ macht und die Methode selbst ausprobiert, um eigene Erfahrungen zu machen und um selbst ein Gefühl für die Symbolsprache zu entwickeln. (Das entspricht Punkt 2.) Für diesen Schritt benötigt der Leser Texte und Motive, die noch immer verhüllt sind.

- 7 -

2. Die Erlebbarkeit der erweiterten Wahrnehmungsebene

Die esoterische Symbolsprache ist ein Erfahrungs- und Erkenntnissystem, über das man eine erweiterte Wahrnehmungsebene erreichen kann.

Einen vergleichbaren Effekt kennen wir auch beim normalen Lesen. Wenn wir lesen können, dann haben wir beim Anblick einer Buchseite auch eine erweiterte Wahrnehmung im Vergleich zu einem Analphabeten. Wir können durch das Lesen etwas auf der Seite wahrnehmen, was der Analphabet nicht wahrnehmen kann. Wir können z.B. wahrnehmen, dass eine gelesenen Geschichte spannend oder lustig ist.

Bei diesem Beispiel gibt es zwei unterschiedliche Wahrnehmungsebenen: Die erste Ebene ist die optische Wahrnehmung der Seite. Wenn man lesen kann, dann sieht man auf dieser Ebene genau die gleichen schwarzen Zeichen auf dem gleichen weißen Papier, die auch der Analphabet sieht. Die zweite Ebene ist die inhaltliche Bedeutung dieser Zeichen und diese Bedeutungsebene kann man erst dann erkennen, wenn man lesen kann. Das, was man auf der Bedeutungsebene wahrnehmen kann, das kann man nicht fotografieren und man kann es auch nicht irgendwie auf dem Blatt kennzeichnen. Es gibt kein Zeichen auf dem Blatt, auf das man mit dem Finger zeigen könnte, das man selbst sehen könnte und das der Analphabet nicht sehen kann. Es ist tatsächlich so, dass die Bedeutungsebene auf der ersten Ebene weder wahrnehmbar noch beweisbar ist. Und dennoch ist es wenn man lesen kann ganz sicher keine Frage des Glaubens, ob die Zeichen auf dem Papier eine Bedeutung haben oder nicht.

Die erweiterte Wahrnehmung, die sich aus der esoterisch-symbolischen Sichtweise ergibt, baut nun in einer ähnlichen Weise auf dem wörtlichen Textverständnis auf so wie das Textverständnis wiederum auf der optischen Wahrnehmung der Seite aufbaut. Durch die esoterische Symbolsprache kommt also gewissermaßen eine weitere, zusätzliche Ebene hinzu. (Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass diese Ebene nicht nur auf Texten aufbaut, sondern auch auf vielen anderen Motiven.)

esoterisch-symbolisches Verständnis

wörtliches Textverständnis

optische Wahrnehmung der Seite

Die Schrift begegnet uns im täglichen Leben in ganz unterschiedlichen Situationen und dadurch hat es sehr weitreichende Konsequenzen, wenn man lesen kann bzw. wenn man es nicht kann. Durch das Lesen ergeben sich ganz vielfältige Möglichkeiten es wird Information zugänglich, die vorher verborgen war. Man kann z.B. über die Schrift in die Gedankenwelten von anderen Menschen vordringen zum Teil auch von Menschen, die schon lange tot sind.

Ganz ähnliche Effekte gibt es auch bei der esoterischen Symbolsprache. Die Kenntnis der Symbolsprache hat ebenfalls sehr weitreichende Konsequenzen, denn diese Sprache begegnet uns auch in sehr vielen Situationen nicht nur in esoterischen Texten, sondern auch in vielen Mythen, Märchen, biblischen Texten, Fantasy-Filmen und auch in den inneren Bilder, die aus der Tiefe unserer Seele kommen in unseren Träumen und Phantasien. Wenn man etwas Erfahrung mit dieser Sprache hat, dann kann man die Symbolik auch im eigenen Lebensweg und in der Schöpfung wiedererkennen. Diese symbolische Wahrnehmungsebene ist natürlich subjektiv. Jeder erlebt sie etwas anders. Das ist ebenfalls mit dem Lesen vergleichbar. Auch dort gibt es ganz unterschiedliche Geschmäcker, was z.B. Spannung und Humor betrifft. Trotzdem würde wohl kaum einer behaupten, dass die Existenz von Spannung und Humor nur

- 8 -

eine Frage des Glaubens wäre oder gar, dass die Bedeutung der Schrift nur eine Glaubenssache sei.

3. Sprachliche Konventionen und Strukturen

In jeder Sprache gibt es Konventionen und Strukturen, die weder wahr noch falsch sind. Man kann sich an diese Konventionen halten und diese Strukturen verwenden, aber man kann diese Konventionen und Strukturen nicht beweisen. In der deutschen Sprache gibt es z.B. die Einteilung in drei Geschlechter: in männlich, weiblich und sächlich. Auch diese Einteilung ist nur eine Konvention. Man könnte darüber diskutieren, wie sinnvoll oder sinnlos eine solche Einteilung ist. Ebenso gut könnte man die Welt auch in vier Geschlechter einteilen, indem man nur „anfassbare“ Sachen als sächlich bezeichnet und indem man sich für abstrakte, „nicht anfassbare“ Prinzipien ein viertes Geschlecht ausdenkt.

Nun kann man zwar beweisen, dass in unserer Sprache drei Geschlechter vorkommen. Aber man kann natürlich nicht beweisen, dass es in der tatsächlichen Welt auch genau diese drei Geschlechter gibt. Rein biologisch betrachtet gibt es geschlechtslose Wesen (z.B. Einzeller), Männchen, Weibchen und Zwitter. Und für alles, was nicht lebt und was sich nicht vermehrt, gilt diese Einteilung sowieso nicht. Die Einteilung in drei Geschlechter ist also weder wahr noch falsch.

In der esoterischen Symbolsprache gibt es einen vergleichbaren Effekt bei der Aufteilung in die vier Prinzipien bzw. Elemente (Feuer, Luft, Wasser und Erde). Auch hier kann man nicht beweisen, dass es in der Welt genau diese vier Elemente gibt. Man kann bestenfalls beweisen, dass diese Elemente in der esoterischen Symbolsprache immer wieder vorkommen.

Es wäre absurd, eine Aussage in deutscher Sprache als Glaubenssache zu bezeichnen, nur weil die Existenz von drei Geschlechtern nicht beweisbar ist. Und ebenso absurd wäre es, wenn man eine esoterische Aussage wegen der Nichtbeweisbarkeit der Vier-Elemente-Lehre als Glaubenssache bezeichnen würde. Bei diesen Dingen geht es nicht um Glauben. Wir müssen nicht glauben, dass es drei Geschlechter gibt und ebenso wenig müssen wir glauben, dass es vier Elemente gibt. Man sollte jedoch diese Strukturen kennen, wenn man die jeweilige Sprache verwenden und verstehen will, denn sie sind gewissermaßen die Grundlagen der Grammatik.

- 9 -

Was hat die Vier-Elemente-Lehre mit der Bibel zu tun?

Weil ich bei meinen esoterischen bzw. allegorischen Bibel-Interpretationen die antike Vier- Elemente-Lehre auf die Bibel anwende, wurde ich schon mehrfach mit der Frage konfrontiert:

„Was hat denn die Vier-Elemente-Lehre mit der Bibel zu tun? Das sind doch eigentlich zwei ganz unterschiedliche Traditionen bzw. Kulturen.“

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Die Bibel stammt immerhin aus der jüdischen Kultur und basiert auf einem monotheistischen Gottesbild. Nach der traditionellen Auffassung erhielt das Volk Israel die Tora von Moses im 2. Jahrtausend v. Chr. (Nach manchen Aussagen soll der Exodus angeblich in der Regierungszeit von Ramses II stattgefunden haben, also in der Zeit von 1279 bis 1213 v. Chr.).

Die Vier-Elemente-Lehre geht hingegen auf die griechischen Naturphilosophen im 6.-4. Jahrhundert v. Chr. zurück hauptsächlich auf Thales (624 v. Chr. 546 v. Chr.) Anaximenes (585 v. Chr. - 525 v. Chr), Empedokles (ca. 494 v. Chr. ca. 434 v. Chr.), Platon (427 v. Chr. - 347 v. Chr.) und Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) und die Griechen glaubten damals üblicherweise an viele Götter.

Wenn ich also die Vier-Elemente-Lehre in einer allegorischen Weise auf die biblische Schöpfungsgeschichte anwende, dann nutze ich Konzepte aus der griechischen Philosophie, um einen Text zu interpretieren, der aus der jüdischen Tradition stammt.

Auf den ersten Blick sind wir also

- in einer anderen Region (Israel/Griechenland)

- in einer anderen Zeit (13. Jhd v. Chr./ 6-4. Jhd. v. Chr)

- in einem anderen religiösen Umfeld (Monotheismus/Polytheismus).

Darüber hinaus werden die biblischen Erzählungen nach traditioneller Auffassung als geschichtliche Ereignisse interpretiert, während man die griechischen Gottersagen nur als „Mythen“ einstuft.

Die gemeinsamen Wurzeln in Babylon

Nach dem heutigen Stand der Forschung stammt jedoch die Tora nicht aus dem 2. Jahrtausend v. Chr., sondern sie wurde erst in der Zeit des babylonischen Exils verfasst, also zwischen 598 v. Chr. und 539 v. Chr. Es werden nämlich einige Ortsnamen und Zusammenhänge erwähnt, die es erst zu diesem Zeitpunkt gab. Weiterhin gibt es überhaupt keine greifbaren Hinweise auf einen historischen Moses, der möglicherweise irgendwann im zweiten Jahrtausend v. Chr. gelebt haben soll. Auch die ägyptischen Plagen und die gewaltsame Landnahme in Israel lassen sich historisch bzw. archäologisch nicht belegen.

Wikipedia schreibt zur Datierung der Tora:

Jedoch gilt eine Entstehungszeit vor dem "Babylonischen Exil" unter den Historikern als unwahrscheinlich. Zum einen werden sehr viele Fakten erwähnt, die um 1500 v. Chr. nicht

- 10 -

existent waren - z.B die Könige Israels, Karavanen, zum anderen trifft man in den Richtlinien des täglichen Lebens sehr viele Bräuche, die nachweislich späterer Herkunft sind.

Wenn man von dieser wissenschaftlichen Datierung der Tora ausgeht, dann fällt ein interessanter zeitlicher Zusammenhang zu den Lebensdaten von Pythagoras auf, der etwa 570 v. Chr. geboren wurde und nach 510 v. Chr. starb. Pythagoras lebte also genau in dieser Zeit, als die Tora verfasst wurde. Und es ist auch überliefert, dass sich Pythagoras in seiner Jugend zu Studienzwecken in Ägypten und Babylon aufgehalten hat (also auch genau in der Gegend, wo die Tora entstanden ist). Etwa zu dieser Zeit lebte auch Thales von Milet (624 v. Chr. - 546 v. Chr.), von dem die Aussage stammt, dass alles aus „Wasser“ entstanden sei. Und auch bei Thales lässt sich eine Verbindung zu Babylon belegen. (Für die Voraussage der Sonnenfinsternis im Jahr 585 v. Chr. hat er nämlich babylonische Aufzeichnungen verwendet.)

Im Wikipedia-Artikel über Thales wird die Bedeutung von Babylon so beschrieben, „dass der Weg des Wissens über Ägypten und Babylon ins griechische Kleinasien und von dort nach Griechenland gelangte.― (http://de.wikipedia.org/wiki/Thales)

Die griechische Philosophie und die jüdische Theologie haben sich also nicht vollkommen unabhängig voneinander zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Regionen entwickelt, sondern sie haben gemeinsame Wurzeln in Babylon. Wenn man beide Traditionen vergleicht, dann kann man folgende Analogien erkennen:

- das allegorische Schriftverständnis

- die Vier-Elemente-Lehre

- ein Drei-Ebenen-Schema, das auf der Vier-Elemente-Lehre basiert

- ein Sieben-Schichten-Modell, das auf den Planetensphären basiert

- die Verwendung des Alphabets als Zahlensystem

- die Zahlensymbolik bzw. die wichtigen Symbolzahlen

- die platonische Ideenlehre bzw. die Schöpfung durch das Wort

- u.v.m.

In meinem Buch weise ich z.B. nach, dass es strukturelle Analogien gibt zwischen dem Dreifachkreuz, das ich aus der biblischen Schöpfungsgeschichte rekonstruiere und dem Höhlengleichnis von Platon.

Diese beiden Traditionen sind also sehr viel ähnlicher, als es zunächst erscheint:

- Sie sind tatsächlich in der gleichen Zeit entstanden (6.-4. Jhd. v. Chr.).

- Sie haben eine Beziehung zur gleichen Region (Babylon).

- Sie basieren zum Teil auf den gleichen Grundkonzepten.

Und viele biblische Geschichten haben tatsächlich sehr viel mehr mit der antiken Mythologie zu tun als mit der historischen Realität. Auch in dieser Hinsicht ist der Unterschied zwischen beiden Traditionen sehr viel kleiner, als er zunächst erscheint.

Der größte Unterschied liegt eigentlich darin, dass es in der griechischen Mythologie viele Götter und Halbgötter gab und dass der jüdische Glauben auf einen einzigen Gott ausgerichtet ist (der jedoch mit sehr vielen unterschiedlichen Namen bezeichnet wird: Elohim,

- 11 -

JHVH/Jahwe, El Shaddai, Zebaoth,

es dazu ein Äquivalent in der Tora. Dort werden nämlich bei 1. Mose 6,4 Gottessöhne erwähnt, die mit den Menschentöchtern Riesen zeugten.

Was die Halbgötter und Gottessöhne betrifft, so gibt

).

Innerhalb der babylonischen Kultur lässt sich der gemeinsame Ursprung sogar noch weiter präzisieren:

Als „Chaldäer― werden im Sprachgebrauch der ersten vor- und nachchristlichen Jahrhunderte auch die sternkundigen Berater und Wissenschafter in Mesopotamien

bezeichnet, über die man in Israel seit dem babylonischen Exil genaueres wusste (siehe

Die Chaldäer verstanden sich u.a. auf Kalenderrechnung und

pflegten eine astronomische Symbolsprache zur Darstellung komplexer Zusammenhänge. Im Einflussbereich Babylons hatten sie auch eine religiöse Funktion vor allem weil man die Planetenbahnen mit ihren unerklärlichen Schleifenbewegungen als Willensäußerung von Gottheiten deutete, die es zu ergründen galt. Die biblischen Heiligen Drei Könige werden als

die „Weisen aus dem Morgenland― und als Sterndeuter beschrieben, die evtl. aus Babylon kamen, welches ein Zentrum der Sternenkunde war.

auch Buch Daniel). [

]

Nachdem die jüdische Tradition und die griechische Naturphilosophie vom gleichen Umfeld beeinflusst wurden, gab es auch im weiteren Verlauf der Geschichte immer wieder wechselseitige Einflüsse und Kontakte zwischen beiden Traditionen.

Der Kontakt der beiden Traditionen in Alexandria

Etwa um 530 v. Chr. gründete Pythagoras die Schule der Pythagoräer. Von Platon (427. v. Chr 347 v. Chr.) ist überliefert, dass er die Phythagoräer besuchte. Aristoteles besuchte wiederum ab 367 die platonische Akademie in Athen und war später der Lehrer von Alexander dem Großen (356 v. Chr. 323 v. Chr.), der 331 v. Chr. Ägypten eroberte und die Stadt Alexandria gründete. Nach der Eroberung gab es in Ägypten einen starken Einfluss der griechischen Kultur. Auch die dort lebenden Exil-Juden sprachen irgendwann nur noch griechisch, weshalb auch in der Regierungszeit von Ptolemaios II. (285-246 v.Chr.) begonnen wurde, die jüdische Tora ins Griechische zu übersetzen. (In diesem Zusammenhang ist noch anzumerken, dass es später sogar vereinzelt Rückübersetzungen von der griechischen Septuaginta ins Hebräische gab). Hier in Ägypten trafen also die beiden Traditionen wieder aufeinander - etwa zwei Jahrhunderte nach dem Babylonischen Exil bzw. nach dem Wirken von Pythagoras.

Den ältesten Hinweis, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Traditionen gibt, fand ich bei dem jüdischen Theologen Aristobulos, der vermutlich aus Alexandria stammte und etwa um 160 v. Chr. lebte. In einer ganz ähnlichen Weise, wie die Stoiker die griechischen Mythen allegorisch auslegten, interpretierte Aristobulos die jüdische Tora und verband dabei jüdische Theologie und griechische Philosophie. Die Frage, wie beide Traditionen zusammenhängen, erklärt Aristobulos so, dass die griechischen Philosophen Pythagoras, Sokrates und Plato ihre Weisheiten aus der Tora hätten. (Vermutlich ging er dabei von der Annahme aus, dass die jüdische Tora deutlich älter sei als die griechische Philosophie.)

- 12 -

Im zweiten Jahrhundert v. Chr. entstanden auch die Essener eine esoterisch-jüdische Gruppierung, die später von Flavius Josephus mit den Pythagoräern verglichen wurde. Eine weitere ähnliche Gruppierung waren die sogenannten Therapeutae, die von Philon von Alexandria beschrieben wurden. Über die genauen Ursprünge der Therapeutae ist nichts bekannt. Aber es ist bekannt, dass sie die Tora allegorisch interpretierten, und es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es auch hier einen deutlichen Einfluss von den griechischen Pythagoräern oder Stoikern gab.

For they read the holy scriptures and draw out in thought and allegory their ancestral philosophy, since they regard the literal meanings as symbols of an inner and hidden nature revealing itself in covert ideas."

Philo, para. 28

Der Übergang vom Judentum zum Christentum

Die Synthese von jüdischer Theologie und griechischer Theologie erlebte ihren Höhepunkt bei Philon von Alexandria. Zum Teil wird er auch ohne „n“ geschrieben, als nur „Philo“. In manchen Quellen wird er auch als „Philo Judaeus“ bezeichnet. Die Lebensdaten von Philon sind nicht so ganz genau bekannt und man findet in der Literatur ganz unterschiedliche Schätzwerte. Er ist wohl irgendwann zwischen 25-10 vor Christus geboren und ist irgendwann zwischen 40-60 nach Christus gestorben. Man weiß nur so viel, dass er im Jahr 39/40 gelebt hat und dass er zu diesem Zeitpunkt schon ein älterer Mann war. Er hat also ganz genau in der Zeit gelebt, in das Christentum entstanden ist. Und er hat darüber hinaus auch in einer Region gelebt, die im frühen Christentum eine ganz zentrale Rolle spielte. (Angeblich soll der Evangelist Markus der erste Bischof von Alexandria gewesen sein.)

Die Schriften von Philon sind sehr langatmig und seine allegorischen Deutungen sind zum Teil auch etwas „eigentümlich“, aber sie sind trotzdem sehr wichtig, um das geistige Umfeld zu verstehen, aus dem sich das Christentum entwickelt hat. Seine Schriften sind nämlich der eindeutige Beweis,

- dass es unmittelbar vor dem Entstehen der Evangelien Juden gab, die die Tora allegorisch interpretierten (nicht nur Philon selbst, sondern auch die von ihm beschriebenen Therapeutae)

und

- dass für diese Interpretationen auf Konzepte zurückgriffen wurde, die aus der

griechischen Philosophie stammten (z.B. von Empedokles, Pythagoras. Platon,

)

Das ist eben deshalb so bedeutungsvoll, weil kurz darauf die Evangelien entstanden sind

- die selbst einen allegorischen Schriftsinn enthalten

- 13 -

- die permanent auf das Alte Testament Bezug nehmen („damit die Schrift erfüllt werde“)

- die in griechischer Sprache verfasst sind

- die von den frühen Theologen und Kirchenvätern mit den Ideen von Philon in Verbindung gebracht wurden.

Es liegt also der Verdacht nahe, dass jemand die Ideen von Philon aufgegriffen hat (bzw. dass er die gleichen Ideen wie Philon aufgegriffen hat) und dass er die Motive des Alten Testaments auf eine allegorische Weise zu einer neuen Geschichte verwoben hat.

Ohne Philon könnte man rein theoretisch annehmen, dass die allegorische Sichtweise erst später in die Evangelien hineingedeutet wurde (und dass die Evangelien später entsprechend angepasst wurden, damit sie zu der allegorischen Sichtweise passen). Aus dieser Perspektive wäre die allegorische Sichtweise eine Verfälschung der historischen Ereignisse.

Mit Philon haben wir aber den Beweis, dass es diese allegorische Denkweise schon gab, bevor die Evangelien verfasst wurden. Wenn wir das akzeptieren, was eigentlich offensichtlich ist - nämlich, dass die Evangelien einen allegorischen Schriftsinn transportieren -, dann kehrt sich diese Perspektive um. Dann steht nämlich die allegorische Sichtweise am Anfang der Evangelien.

Wenn man die starke Wirkung von Philon auf das frühe Christentum betrachtet, dann ist es umso erstaunlicher, dass Philon im heutigen Christentum kaum noch erwähnt wird. Bei theologischen Laien ist er so gut wie unbekannt. Und auch in der esoterischen Literatur wird er so gut wie nicht erwähnt, obwohl er uns eigentlich sehr viel über den verborgenen bzw. esoterischen Schriftsinn der Bibel erzählen könnte. Nach meiner Ansicht würden es seine Schriften sogar verdienen, in die Bibel aufgenommen zu werden (auch wenn ich nicht in jedem Punkt seiner Meinung bin), weil diese Schriften unverzichtbar sind, um die Denkweise der damaligen Zeit zu verstehen, in der das Christentum entstanden ist.

Wenn man allgemeine Information über Philon sucht, dann findet man tatsächlich ohne größeren Aufwand relativ viel, z.B.:

Wann man jedoch direkt nach seinen Schriften sucht, dann findet man im Internet und in der Literatur kaum etwas - zumindest nicht in deutscher Sprache (in englischer Sprache habe ich etwas gefunden: http://www.earlychristianwritings.com/yonge/ ). Es gibt zwar eine deutsche Übersetzung seiner Werke von Leopold Cohn, aber das mehrbändige Werk wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr verlegt. Über das „Zentrale Verzeichnis antiquarischer Bücher“ (www.zvab.com) ist es mir aber gelungen, die ersten beiden Bände bei einem Jerusalemer Antiquariat zu erwerben und von anderen Antiquariaten auch noch drei weitere Bücher über Philon, die ebenfalls nicht mehr über den normalen Buchhandel erhältlich sind.

Es gibt übrigens auch einige bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Schriften von Philon und den Evangelien und gerade durch diese Unterschiede können wir erahnen, wie sich der Übergang von Philon zu den Evangelien möglicherweise vollzogen haben kann.

- 14 -

- Philon argumentiert in einer rein philosophischen Weise und bezieht sich dabei auf Schriften und Überlieferungen also auf äußere Quellen. Die Evangelien künden hingegen von einem inneren Licht bzw. von einem Reich Gottes, das in uns ist. Hier ist ein Wandel erkennbar vom philosophischen Denken zum spirituellen Erkennen. Wir können also annehmen, dass es jemanden gab, bei dem die philosophischen Gedanken zu einem spirituellen Erkenntnisprozess geführt haben.

- Die Evangelien wenden sich zum Teil in sehr deutlichen Worten gegen die Schriftgelehrten und die Jerusalemer Priesterschaft (was ich bei Philon nicht erkennen konnte). Das deutet auf einen entsprechenden Konflikt hin.

- Die Evangelien sind sehr viel kompakter als das alte Testament und sie sind auch sehr viel einfacher zu enthüllen.

Wenn man annimmt, dass diese drei Punkte in einem kausalen Zusammenhang stehen, dann könnten sich die Ereignisse etwa so abgespielt haben: Die Beschäftigung mit der allegorischen Bedeutung der Tora führe bei jemandem zu einem spirituelle Erkenntnisprozess; und dieser Erkenntnisprozess führte wiederum zu einer Neuinterpretation der heiligen Schriften. (Was man in sich erkannt hat, das kann man auch in den heiligen Schriften wiedererkennen.) Diese Neuinterpretation kollidierte vermutlich mit der traditionellen Sichtweise der Schriftgelehrten und Priester. Nachdem sich diese theologischen Kreise nicht für die neue Sichtweise interpretierten, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich an das normale Volk zu wenden. Aber die Texte des alten Testaments waren für diesen Zweck viel zu umfangreich und viel zu kompliziert. Sie waren deshalb nicht geeignet, um dem einfachen Volk bei einem öffentlichen Vortrag die allegorische Sichtweise zu vermitteln. Also wurde eine neue Geschichte geschaffen, die zwar einerseits sehr viele Motive aus dem alten Testament enthielt, die aber andererseits sehr viel kompakter und einfacher war. Diese Geschichte wurde dann später von anderen Autoren um weitere Motive und Sprüche angereichert, woraus dann die heute bekannten Evangelien entstanden sind.

Bei dieser neuen Geschichte wurden zum Teil auch damals aktuelle Themen, Begriffe und Motive verwendet, um die alten Prinzipien in einer neuen Form zu versinnbildlichen. So wurde z. B. aus dem Kindermord des Pharao (aus der Moses-Geschichte) der Kindermord des Herodes. Die Autoren hatten dabei nicht die Absicht, die historischen Ereignisse exakt zu beschreiben, sondern es ging in erster Linie darum, geeignete Bilder zu finden, um das Prinzip der allegorischen Deutung in einer zeitgemäßen Form darstellen zu können.

Diese Verwendung historischer Motive zur allegorischen Darstellung geistiger Prinzipien wurde auch von Origenes beschrieben (185 n. Chr. in Alexandria 254 n. Chr.). Dabei wurde auch ganz offen zugegeben, dass viele biblische Geschichten nicht den historischen Tatsachen entsprechen und dass es gar nicht das primäre Ziel war, die historischen Ereignisse zu beschreiben. (Vier Bücher von den Prinzipen, IV, 2,9) Diese Aussage, dass viele biblische Geschichten (auch des neuen Testaments) unhistorisch sind, passt wiederum sehr gut zu den Ergebnissen der modernen historisch-kritischen Bibelforschung.

- 15 -

Von der Antike bis zum Mittelalter

Bis ins vierte Jahrhundert gab es einen starken Einfluss (neu-)platonischer Ideen auf das Christentum. Später wurde der (Neu-)Platonismus jedoch als heidnisch empfunden und abgelehnt.

Dazu schreibt Wikipedia:

„Die neuplatonischen Schulen von Athen und Alexandria galten bis ins 6. Jahrhundert als Reservate des Heidentums, was einen Hauptgrund für die Schließung der athenischen Schule

durch den oströmischen Kaiser Justinian (traditionell datiert auf das Jahr 529, vermutlich

aber erst später) darstellte. [

Die Schule von Alexandria passte sich dem christlichen

].

Umfeld besser an als die athenische und blieb bestehen.―

„Im Mittelalter gab es natürlich keine Platoniker im obigen engeren Sinne mehr. Wenn

mittelalterliche Philosophen [

dass sie in bestimmten Aspekten ihres Denkens von Platon beeinflusst waren. Im Mittelalter geschah solche Beeinflussung meist auf indirektem Weg, besonders über Augustinus, denn damals war im lateinischsprachigen Abendland nur ein sehr kleiner Teil der Werke Platons

bekannt [

Viele platonisch beeinflusste mittelalterliche Denker fassten sich nicht als

Platoniker auf; sie wussten oft nicht einmal, dass oder inwieweit ihr Gedankengut letztlich auf Platon zurückging.―

]

als „Platoniker― bezeichnet werden, ist damit nur gemeint,

]

Der obige Wikipedia-Artikel sagt zwar, dass es im Mittelalter keine Platoniker im engeren Sinne gab. Andererseits kann man aber bei Wikipedia auch einen anderen Artikel über den jüdischen Philosophen Solomon Ibn Gabirol finden, der ca. 1021 1058 in Spanien lebte.

„Gabirol war einer der ersten Lehrer des Neoplatonismus in Europa. Seine Rolle ist mit der des Philo von Alexandria verglichen worden. Philo hatte als Vermittler zwischen der hellenistischen Philosophie und der orientalischen Welt gedient; ein Jahrtausend später okzidentalisierte Gabirol die graeco-arabische Philosophie und erneuerte sie in Europa.

Weiterhin heißt es: „Gelegentliche Spuren von Gabirols Denken können in Werken der kabbalistischen Literatur des 13. Jahrhunderts gefunden werden.―

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts taucht in Spanien der Sohar auf - eines der wichtigsten Werke der Kabbala. In diesem Buch wird die Hymne "Keter Malchut" (= Königskrone) von Gabriol zitiert.

In diesem Artikel finden wir übrigens auch einen Hinweis auf die babylonischen Wurzeln der Kabbala:

- 16 -

„Es gibt Teile der Lehren des Sohar, die den Einfluss des chaldäischen Denkens und der chaldäischen Zivilisation zeigen, dem das jüdische Volk in der babylonischen Gefangenschaft ausgesetzt war.―

Und in der Kabbala begegnen uns tatsächlich auch viele der Konzepte wieder, die ich im bisherigen Verlauf schon angesprochen hatte, z.B. der allegorische Schriftsinn. Im Unterschied zu Origenes, der einen dreifachen Schriftsinn lehrte, gibt es in der Kabbala ein vierstufiges Konzept.

1. der wortwörtliche Text (Literalsinn, hebr. pschat)

2. die übertragene Bedeutung (Allegorie, hebr. remes)

3. die Bedeutung im Leben (Auslegung, Auskunft, hebr. drasch)

4. die mystische Bedeutung (Geheimnis, hebr. sod)

Beim kabbalistischen Lebensbaum wurden zwei Konzepte zu einer Gesamtstruktur vereinigt:

- die Baumstruktur bzw. Dreifachkreuz-Struktur aus der Genesis (die auf der Vier- Elemente-Lehre basiert und die ich in meinem Buch hergeleitet habe)

- das antike Planetensphärenmodell nach Ptolemäus mit sieben Planetensphären (inkl. Sonne und Mond), einer Fixsternsphäre ( = 8. Sphäre) und einer göttlichen Sphäre (= 9. Sphäre). Wort „Saphira“ ist mit dem deutschen Wort „Sphäre“ verwandt (griechisch sphaira - die Hülle, der Ball).

Diese Vereinigung der beiden Konzepte halte ich aber für etwas problematisch, weil beide Konzepte nicht exakt zusammenpassen (und weil dadurch Inkonsistenzen entstehen):

- Beim ptolemäischen Planetensphärenmodell gab es sieben Planetensphären (Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn) unterhalb des Fixsternhimmels, der den höheren göttlichen Bereich abtrennt. Die Erde wurde bei diesem Schema nicht mitgezählt.

- Bei der Baumstruktur in der Genesis werden Sonne und Mond nicht unterhalb des Himmels angebracht, sondern direkt an der „Feste“ bzw. am Himmel. (Und Gott nannte die Feste Himmel.) Eine klare Unterscheidung zwischen den Planetensphären und dem Fixsternhimmel gibt es an dieser Stelle nicht.

- Beim kabbalistischen Lebensbaum gibt es nun sieben Sphären (=Sephiroth) unterhalb des Vorhangs, der ebenfalls den höheren göttlichen Bereich abtrennt (= die drei höheren Sphären). Die Erde wird aber in diesem Fall bei den sieben Sphären mitgezählt. Und das hat zur Folge, dass der Saturn nun oberhalb des Vorhangs platziert werden muss, was natürlich überhaupt nicht mehr dem ptolemäischen Planetensphärenmodell entspricht.

Die Beziehung zur Vier-Elemente-Lehre ist beim kabbalistischen Lebensbaum direkt erkennbar. Die Querbalken werden dort mit Aziluth, Beriah und Jezinah bezeichnet und entsprechen den Elementen Feuer, Luft und Wasser.

- 17 -

Vom Mittelalter in die Neuzeit

Außerhalb der jüdischen bzw. kabbalistischen Tradition entfalten die platonischen Ideen erst im 15. Jhd. ihre volle Wirkung, nachdem die Studenten von Manuel Chrysoloras (1353 1415) Platons Werk ins Lateinische übersetzt hatten. Dadurch erlebte das antike Denken eine regelrechte Widergeburt (= Renaissance).

Aus christlichen, kabbalistischen, alchemistischen, hermetischen, platonischen und gnostischen Ideen entwickelte sich später (im 17. Jhd.) das Rosenkreuzertum. Hier flossen die wichtigsten europäischen Traditionen wieder zusammen, die sich ursprünglichen aus den gleichen Wurzeln (in Ägypten und Babylon) entwickelt hatten.

Natürlich gab es auf diesem langen Weg von Babylon (im 6. Jhd. v. Chr.) zu den

Rosenkreuzern (im 17. Jhd. n. Chr.) noch sehr viele andere Einflüsse, Entwicklungen und

). Ich habe

hier nur versucht, die wichtigsten Positionen auf diesem Weg zu skizzieren, um die enge Verbindung der jüdisch-christlichen Tradition mit der griechischen Naturphilosophie von ihren Ursprüngen bis in die Neuzeit aufzuzeigen. Beide Traditionen sind über die Jahrtausende in Kontakt geblieben und haben sich in dieser langen Zeit immer wieder gegenseitig befruchtet.

Seitenzweige (z.B. den Einfluss von Ägypten: Monotheismus, Osiris-Mythos,

Die Relevanz für unsere heutige Zeit

Die Verbindung dieser beiden Traditionen hat nach meiner Ansicht auch heute noch ihre Berechtigung, denn nur in diesem Kontext lassen sich die esoterischen und philosophischen Grundlagen des Christentums verstehen. Die griechischen Naturphilosophen liefern uns nämlich genau die theoretischen Grundlagen, auf denen die Bibel aufgebaut ist (die aber in der Bibel nicht explizit erklärt werden):

- die allegorische Sichtweise der Stoiker

- die Vier-Elemente-Lehre von Empedokles

- das Planetensphärenmodell nach Ptolemäus

- das Alphabet als Zahlensystem

- die Zahlensymbolik von Pythagoras

- die Ideen-Lehre von Platon

- u.v.m.

Wenn man diese Grundlagen kennt, dann kann man sie in der Bibel wiedererkennen, und auf diese Weise ist ein Einstieg in die Symbolsprache der Bibel möglich.

(Ich selbst hatte übrigens die meisten dieser Grundlagen zunächst in anderen Quellen kennen gelernt: Die Hinweise zu allegorischen Deutung fand ich z.B. bei Thorwald Dethlefsen und die Zahlensymbolik begegnete mit im Zusammenhang mit dem Tarot.)

- 18 -

Ein paar Beispiele in der Bibel

Die allegorische Sichtweise:

Gal. 4,21: Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht? Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, den einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden, der von der Freien aber kraft der Verheißung. Diese Worte haben tiefere Bedeutung. (wörtlich übersetzt „Das alles ist allegorisch geredet.“)

Die Vier-Elemente-Lehre:

1. Mose 1,2: Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist

Gottes (= der Atem Gottes) schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht!

Mt. 3,11: Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.

(Die Begriffe ruach (hebr.), pneuma (griech.) und spiritus (lat.) bedeuten sowohl Geist als auch Atem.)

Das siebenstufige Planetensphärenmodell:

1. Mose 2,1: So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. 2,2: Und so

vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.

(Die sieben Tage der Schöpfung bzw. des Wochenschemas basieren auf den sieben Planetensphären inkl. Mond und Sonne.)

Die Zahlensymbolik:

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Numerologie unter „Griechische Zahlensymbolik“ und „Biblische Zahlensymbolik“.

Das Alphabet als Zahlensystem:

Offb. 13,18: Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen,

Die Ideen-Lehre:

Joh. 1,1: Im Anfang war das Wort (= der Logos), und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

(So, wie alle Dinge durch den Logos gemacht sind, so liegt allen irdischen Dingen eine geistige Idee zugrunde.)

- 19 -

Noch eine Anmerkung zum Buddhismus

Ich habe auch einige Hinweise gefunden, dass es auch eine (nicht ganz so enge) Verbindung zum Buddhismus gibt, der übrigens auch etwa zur gleichen Zeit entstanden ist wie die griechische Naturphilosophie und die jüdische Tora. Traditionell werden die Lebensdaten von Buddha mit 563 v. Chr. 483 v. Chr. angegeben (nach neueren Forschungen ca. 450 v. Chr. 370 v. Chr.)

Möglicherweise hat also die babylonische Kultur damals nicht nur nach Westen ausgestrahlt, sondern auch nach Osten. Darin sehe ich zumindest die wahrscheinlichste Erklärung, warum in der sogenannten „Achsenzeit“ in unterschiedlichen Kulturen vergleichbare Entwicklungen stattgefunden haben.

- 20 -

Anmerkungen zur „früheren Amtszeit“ von Quirinius

Im Kapitel „Das innere Wissen – ein alter Bekannter von uns“ schreibe ich:

Im Lukas-Evangelium können wir nachlesen, dass die Steuerschätzung stattfand, als „Quirinius Statthalter in Syrien war― (Lk. 2,2). Doch als Quirinius im Jahr 6 n. Chr. Statthalter wurde, war Herodes schon seit etwa zehn Jahren tot, denn Herodes ist bereits im Jahr 4 v. Chr. gestorben. Wenn Jesus tatsächlich zur Zeit der Steuerschätzung geboren wäre, dann hätte es gar keinen Grund gegeben, vor dem toten Herodes zu flüchten.

Im Zusammenhang mit dieser Aussage wurde ich von bibeltreuen Christen schon mehrfach darauf hingewiesen, dass Quirinius auch schon mal zu einem früheren Zeitpunkt Statthalter von Syrien gewesen sein könnte, als Herodes noch lebte.

Aber selbst dann, wenn es diese „frühere Amtszeit“ von Quirinius tatsächlich gegeben hätte, so wäre sie dennoch im konkreten Fall völlig irrelevant. Die Angliederung von Judäa an Syrien fand nämlich erst im Jahr 6 nach Christus statt.

Im südlich davon gelegenen Gebiet Judäa herrschte Aufruhr, zurückzuführen auf die Unfähigkeit des dortigen Herrschers Herodes Archelaus; im Jahre 6 n. Chr. enthob Augustus den judäischen Fürsten seines Amtes und gliederte Judäa als autonomes Gebiet, das fortan einem römischen Präfekten unterstellt war, der Provinz Syrien an. Nachdem Judäa damit Teil seines Amtsbereichs geworden war, musste Quirinius das Steuerwesen der neuen Präfektur organisieren. Dazu war es notwendig, die steuerpflichtige Bevölkerung in Listen zu erfassen. Diese nachweisbare Volkszählung im Jahre 7 n. Chr traf auf Widerstand,

Wenn Quirinus schon einmal zu einem früheren Zeitpunkt Stadthalter von Syrien gewesen wäre, dann hatte diese frühere Amtszeit noch gar keine Auswirklungen auf Judäa gehabt. Zu einem früheren Zeitpunkt hätte es noch gar keinen Zusammenhang gegeben zwischen dem Stadthalter in Syrien und der Steuerschätzung in Judäa.

Die Geschichte der Evangelien spielt bekanntermaßen nicht in Syrien und deshalb ist wohl kaum anzunehmen, dass ein internes, geschichtliches Ereignis in Syrien zur Datierung verwendet wurde, wenn dieses Ereignis für Judäa völlig irrelevant gewesen wäre. Weiterhin müssen wir berücksichtigen, dass es ab dem Jahr 6 n. Chr. eben tatsächlich eine Amtszeit von Quirinius gegeben hat, die für Judäa sehr relevant gewesen ist. Und wer würde ein früheres und völlig irrelevantes Ereignis zur Datierung verwenden, wenn es bei dieser Beschreibung eine direkte Verwechselungsgefahr mit einem späteren und sehr viel relevanteren Ereignis gegeben hätte?

Das wäre doch etwa so, als wenn eine Geschichte in den neuen Bundesländern spielen würde und wenn in diesem Zusammenhang von der Regierungszeit von Helmut Kohl die Rede wäre. Dann wäre es doch sehr unwahrscheinlich, dass damit die Zeit als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz von 1969 bis 1976 gemeint ist. Einerseits hatte diese frühere Regierungszeit keine Relevanz für die DDR. Andererseits gab es eine spätere Regierungszeit, die sehr viel mehr Relevanz für die DDR bzw. für die neuen Bundesländer hatte. Rückwirkend ist es doch wohl so, dass man sich eher an die relevanteren Ereignisse erinnert.

- 21 -

Der Widerspruch zwischen der Amtszeit von Quirinius und dem Tod von Herodes lässt sich tatsächlich ganz anders erklären: Matthäus und Lukas hatten gar nicht die Absicht, historisch exakte Beschreibungen zu liefern, sondern sie hatten das Ziel, bestimmte Prinzipien zu versinnbildlichen. Und beide haben zu diesem Zweck unterschiedliche Sinnbilder gewählt und auf diese Weise haben sie auch unterschiedliche Weihnachtsgeschichten geschaffen:

- Bei Matthäus gibt es eine Geburt in Bethlehem (aber keine Begründung durch die Volkszählung), den Stern, die drei Weisen aus dem Morgenland, die Flucht nach Ägypten, den Kindermord des Herodes, die Rückkehr nach dem Tod von Herodes.

- Bei Lukas gibt es hingegen die Erwähnung des Quirinius als Staathalter in Syrien, die Volkszählung bzw. Steuerschätzung als Begründung für den Weg nach Bethlehem, die Krippe (weil keine Herberge gefunden wurde), die Hirten auf dem Feld, aber keine Flucht nach Ägypten und keinen Kindermord.

Indem sie die Weihnachtsgeschichte in eine historische Rahmenhandlung einbetteten und indem sie die Handlungen durch äußere Ereignisse begründeten (also durch die Steuerschätzung bzw. durch den Kindermord), wählten sie natürlich indirekt auch ganz unterschiedliche Zeitpunkte für die Weihnachtsgeschichte:

- Matthäus zur Lebenszeit von König Herodes (also bis spätestens 4 v. Chr.),

- Lukas auf frühestens 6. bzw. 7. n. Chr., also mindestens 10 Jahre nach dem Tod von Herodes.

Weil sich beide Evangelisten nicht miteinander abgesprochen haben, sind beide Geschichten nicht aufeinander abgestimmt. Beide Weihnachtsgeschichten stimmen eigentlich nur darin überein, dass die Geburt von Jesus in Bethlehem stattfand. Aber das bedeutet keinesfalls, dass man diese Aussage als gesicherte Tatsache betrachten kann, denn gerade diese Übereinstimmung lässt sich sehr gut über das Alte Testament erklären. Dort steht nämlich:

Micha 5,1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei,

Es liegt also der Verdacht nahe, dass sich beide Evangelisten in diesem Fall am Alten Testament orientierten und dass sie die Geschichten so gestaltet haben, dass sie zu den alttestamentarischen Messias-Erwartungen passten.

Aber warum ausgerechnet Bethlehem?

Die esoterisch-symbolische Bedeutung dürfte in diesem Fall sehr viel wichtiger gewesen sein als die historische bzw. biographische Exaktheit.

Bethlehem bedeutet „Haus des Brotes“ (bet haus, lechem Brot), und wenn wir die Evangelien lesen, dann fällt auf, dass die Brotsymbolik mehrfach eine ganz wichtige Rolle spielt – bis hin zum Abendmahl, wo das Brot gebrochen wird. Der „Laib“ Brot ist ganz allgemein ein Sinnbild für das „Leibliche“. (Laib und Leib gehen letztendlich auf das gleiche Wort zurück. Erst ab dem 17. Jhd. wurde der Laib mit „ai“ geschrieben, um sich vom Leib zu unterscheiden.) Ein Haus ist für uns eine schützende Hülle. Es kann uns z.B. vor Wind, Regen, Hitze und Kälte schützten. Aber es beschützt auch unserer Privatsphäre. Es schafft

- 22 -

einen Innenraum, der von der Außenwelt getrennt ist. Es geht also bei dieser Symbolik um „Verleiblichung“ und „Verhüllung“. Das esoterische Wissen (eso = innen) wird nach außen hin nur in einer verleiblichten bzw. verhüllten Form offenbart oder bildlicht gesprochen: Es wird in einem „Haus des Brotes“ geboren.

Später in der Symbolik des Abendmahls wird das Leibliche wieder aufgebrochen und das Geistige kann wieder aus der Leiblichkeit auferstehen.

Mit heutigen Worten könnte man das so ausdrücken: Die geistigen Prinzipien werden in den Evangelien versinnbildlicht bzw. vermenschlicht. Aber diese Sinnbilder müssen wieder vergeistigt werden bzw. sie müssen allegorisch interpretiert werden, um die geistigen Prinzipien wieder zu erkennen.

Wenn wir einen Blick auf das Johannes-Evangelium werfen, dann können wir übrigens feststellen, dass dort am Anfang auch auf die Verleiblichung hingewiesen wird.

Joh 1,14 Und das Wort ward Fleisch

Es ist eine andere Ausdrucksform aber auf der esoterischen Ebene geht es um genau das Gleiche.

Einen ganz ähnlichen Effekt haben wir auch, wenn wir folgende Details vergleichen:

Im Matthäus-Evangelium muss Jesus vor dem Kindermord des Herodes gerettet werden. Im Lukas-Evangelium finden Maria und Josef keine Herberge. Im Johannes-Evangelium heißt es:

Joh 1,5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.

Auf der wörtlichen Ebene ist es natürlich etwas ganz anderes, ob man keine Herberge findet oder ob man vor einem Kindermord flüchtet. Auf der esoterisch-symbolischen Ebene geht es aber in beiden Fällen um die gleiche Grundthematik:

Wenn das Göttliche in uns geboren wird, dann gibt es üblicherweise zunächst einen Verdrängungsprozess. Die spirituellen Ideen tauchen in uns auf, aber im ersten Moment können wir diese Ideen noch nicht erfassen und auch nicht in unser bestehendes Gedankengebäude integrieren. Und deshalb verdrängen wir sie. Wir können diesen Ideen bildlich gesprochen – in uns keine „Herberge“ geben. Unsere Herberge ist nämlich schon überfüllt mit vielen andern Vorstellungen und Ansichten, die uns natürlich sehr viel vertrauter sind und die wir sehr viel höher bewerten. Dieser innere Bewertungsprozess wird in der Weihnachtsgeschichte von Lukas durch die Steuerschätzung versinnbildlicht, wo es ja auch um einen Bewertungsprozess geht.

Es kann sogar so weit gehen, dass diese spirituellen Ideen unser bestehendes Weltbild gefährden. Aber es gibt in uns einen „Herrscher“, der an seinem Weltbild festhalten möchte – denn es ist ein Weltbild, das er sehr gut kennt und das er auch beherrscht. Und so kann es passieren, dass dieser „innere Herrscher“ alle Ideen umbringt, die seine Macht gefährden. Im Matthäus-Evangelium wird dieser innere Herrscher durch Herodes versinnbildlicht.

Wir haben also bei diese Fall ein ganz typisches Beispiel für einen scheinbaren Widerspruch, der dadurch entsteht, weil zwei unterschiedliche Umschreibungen für das Gleiche verwendet werden.

- 23 -

Siehe Kapitel „Wie solche Widersprüche entstehen“ Punkt 7. Unterschiedliche Umschreibungen für das Gleiche

Je wörtlicher wir diese beiden Umschreibungen interpretieren, umso deutlicher wird der

scheinbare Widerspruch [

umso mehr kann man auch erkennen, dass es in beiden Umschreibungen letztendlich um das Gleiche geht.

]

Je mehr wir hingegen den gleichnishaften Charakter erkennen,

Wenn wir die Weihnachtsgeschichte wörtlich bzw. historisch betrachten, dann sehen wir einen Widerspruch zwischen der Amtszeit des Quirinius und der Lebenszeit von Herodes. Wenn wir die beiden Weihnachtsgeschichten allegorisch betrachten, dann sehen wir zwei unterschiedliche Sinnbilder für einen inneren Verdrängungsprozess.

- 24 -

Anmerkungen zu „Methoden der Manipulation“

Von Lesern werde ich recht häufig auf mein altes Manuskript „Methoden der Manipulation“ angesprochen, das in unterschiedlichen Versionen im Internet kursiert. Dabei wird auch immer wieder die Frage gestellt, wann dieses Buch fertiggestellt wird bzw. ob man dieses Buch auch über den Buchhandel beziehen kann.

Zu diesem alten Manuskript habe ich jedoch inzwischen ein etwas gespaltenes Verhältnis:

- Einerseits hat die Arbeit am Manuskript eine sehr wichtige Entwicklung in meinem Leben angestoßen. Die Befreiung von der geistigen Fremdbeeinflussung hatte zur Folge, dass ich auch viele traditionelle Sichtweisen in Frage stellte ganz speziell auch im religiösen Bereich. Die damit verbundene Neuorientierung war wiederum die Voraussetzung für eine sehr viel weiter gehende Befreiung des Geistes (im spirituellen Sinne), die ich in den nachfolgenden Jahren seit etwa 2001 erlebt habe. Die entsprechenden Grundlagen, Erfahrungen und Erkenntnisse habe ich in meinem Buch „Blicke in eine andere Wirklichkeit“ zusammengefasst.

- Andererseits hat das Manuskript „Methoden der Manipulation“ aber auch schon ein gewisses Alter. Es entspricht daher nicht mehr in allen Punkten meiner heutigen Denkweise und meinem heutigen Erkenntnisstand.

Das Manuskript entstand hauptsächlich in den Jahren 1993 bis 1995 in einer Zeit, als mein berufliches Leben begann, als ich eine eigene Familie gründete und als ich anfing, die Vorstellungen zu hinterfragen, die mir in meiner Jugendzeit vermittelt worden waren. Ich vermute mal, dass viele Menschen in dieser Phase eine solche Entwicklung durchmachen. In diesem Zusammenhang untersuchte ich auch die Methoden etwas genauer, die bislang dazu geführt hatten, dass ich mich fremdbestimmen ließ und irgendwann fing ich an, diese Ideen aufzuschreiben.

So ist das Manuskript entstanden. Aber der Text ist nie wirklich fertig geworden, weil er immer wieder von meiner eigenen Entwicklung überholt wurde und weil ich deshalb permanent nachbessern musste. Einige Zeit habe ich noch versucht, den Text an meinen jeweils aktuellen Stand anzupassen, aber 1995 habe ich es aufgegeben, denn ich hätte zu viel ändern müssen. Aber andererseits dachte ich auch, dass es doch schade wäre, wenn diese Ideen einfach so verloren gingen. Und so stellte ich den Text in ein Mailbox (so eine Art „Forum“ - das war aber noch vor dem Internetboom) in der Hoffnung, dass der Text vielleicht jemandem helfen könnte, der selbst in dieser Phase steckt.

Ein paar Jahre später fand ich den Text per Zufall im Internet wieder. Ein Lehrer hatte ihn im Sozialkundeunterricht verwendet und ein ehemaliger Schüler von ihm hatte den Text daraufhin ins Internet gestellt. Auf dieser Internetseite fielen mir jedoch einige Fehler in der Formatierung auf. Ursprünglich hatte ich den Text mit dem Textverarbeitungsprogramm Lotus AMI Pro geschrieben und ihn dann im RTF-Format gespeichert. Die RTF-Datei wurde jedoch unter Microsoft Word ganz anders formatiert, weil beide Programme ganz unterschiedlich mit Absatzformaten und Überschriften umgehen. Ich überarbeitete das Format und stellte die korrigierte Version diesem ehemaligen Schüler zur Verfügung. Aber auch inhaltlich war ich mit vielem nicht mehr einverstanden, was ich damals geschrieben hatte. In den folgenden Jahren habe ich deshalb einige Kapitel ersatzlos gestrichen (Gesundheit,

- 25 -

Ernährung, Prophezeiungen,

)

und ich habe auch versucht, einige ungeschickte und

missverständliche Formulierungen etwas zu entschärfen.

Als ich das Manuskript in den Jahren 1993 bis 1995 schrieb, da hatte ich eine enorme Wut auf all die Konzerne und Institutionen, auf deren Manipulationen ich selbst reingefallen war. An manchen Stellen kann man diese Wut noch immer im Text erkennen. Aber auch wenn ich heute im Nachhinein manche Dinge etwas gelassener sehe und ganz anders formulieren würde, so denke ich trotzdem, dass diese Wut für den geistigen Befreiungsprozess absolut notwendig war. Und deshalb habe ich den Text auch ganz bewusst so weit wie möglich im ursprünglichen Tonfall belassen und nur dort Korrekturen vorgenommen, wo ich im Manuskript inhaltliche Fehler entdeckt habe.

In den letzten Jahren erreichten mich per e-Mail sehr viele (überwiegend positive) Reaktionen von Lesern, die mir immer wieder erzählten, dass ihnen im Laufe der Zeit auch schon etliche Methoden der Manipulation aufgefallen waren. Die typische Kernaussage der meisten Leser war, dass ihnen die meisten Effekte zwar schon vorher irgendwie klar waren, aber durch das Manuskript würden sie diese Dinge nun sehr viel deutlicher und bewusster erkennen. Es freut mich, dass ich durch mein Manuskript bei anderen Menschen diesen Bewusstwerdungs- und Befreiungsprozess unterstützen konnte.

Wegen dieser vielen Reaktionen habe ich schon mehrfach über die Frage nachgedacht, ob ich alte das Manuskript „Methoden der Manipulation“ nach all den Jahren nun doch wieder aufgreifen sollte, um es in eine endgültige und aktuelle Form zu bringen. Dabei gerate ich jedoch regelmäßig in einen Zielkonflikt:

- Einerseits würde ich es heute ganz anders schreiben: sehr viel sachlicher,

ausgewogener, seriöser,

und warum?“ und mich stattdessen eher der Frage zuwenden „Warum lasse ich mich

Ich würde weggehen von der Frage „Wer manipuliert mich

eigentlich manipulieren?“

- Andererseits denke ich aber auch, dass so ein umfangreiches, ausgewogenes und sachliches Buch sehr viel von seiner Kraft und Deutlichkeit einbüßen würde. Und es würde ganz sicher auch nicht mehr die Zielgruppe ansprechen, die es heute anspricht.

Aus diesem Grund sehe ich im Moment keine sinnvolle Möglichkeit, wie ich das alte Manuskript in eine endgültige Form bringen könnte, so dass es für eine offizielle Buch- Veröffentlichung geeignet wäre.

- Es wäre einerseits nicht ehrlich und auch nicht authentisch, wenn ich das Manuskript heute so ergänzen und erweitern würde, wie ich 1993 gedacht und geschrieben habe.

- Und es wäre es ein komplett anderes Buch, wenn ich das Manuskript so umschreiben würde, wie ich heute denke und schreibe.

So vermute ich, dass es nie eine offizielle und endgültige Fassung von „Methoden der Manipulation“ in Buchform geben wird.

- 26 -

Anmerkungen und Ergänzungen

Meine Zugehörigkeit zum Freimaurerorden (seit 2008)

Im Kapitel „Über den Autor und die Entstehung des Buches“ schrieb ich: „Ich gehöre keiner Kirche, Sekte, Loge oder sonstigen religiösen Gruppierung an. Es ist dabei nicht so, dass ich etwas gegen religiöse Gruppierungen hätte nur kenne ich bislang noch keine, bei der ich wirklich auf Dauer eine Heimat finden konnte.―

Als ich das Manuskript schrieb von Oktober 2004 bis zur Veröffentlichung im Mai 2007 habe ich noch keiner Gruppierung angehört. Wenige Monate später (im Januar 2008) bin ich jedoch einer Freimaurerloge beigetreten bzw. ich wurde von einer Freimaurerloge aufgenommen. Diese Loge gehört der „Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ an (= Freimaurerorden), also einer eher christlich orientierten Richtung innerhalb der Freimaurerei.

Mein Text über „Philon von Alexandria“ basiert übrigens weitestgehend auf meinem Lehrlingsvortrag. Siehe http://www.scribd.com/doc/9386054/Elias-Erdmann-Der-judische- Theologe-Philon-von-Alexandria Im Gegensatz zum Lehrlingsvortrag habe ich jedoch beim öffentlichen Text alle freimaurerischen Bezüge und Zitate entfernt.

Schon einige Jahre vor meiner Aufnahme war ich auf das Buch „Die Symbole des Freimaurers“ von Franz Carl Endres gestoßen, in dem ich sehr vieles von dem wiederfand, was ich mir vorher völlig unabhängig von der Freimaurerei selbst erarbeitet hatte. Ohne es bewusst darauf anzulegen, hatte ich nämlich bei meinen Recherchen großenteils an den gleichen Ideen, Traditionen und Lehren angeknüpft, die über das Rosenkreuzertum auch in die Freimaurerei eingeflossen waren. Das Buch von Endres weckte mein Interesse an der Freimaurerei, aber meine ersten Kontaktversuche über das Internet waren so ernüchternd, dass ich zunächst einmal keine weiteren Versuche mehr in diese Richtung unternahm.

Mein Hauptproblem war: Einerseits sah ich eine freimaurerische Symbolik, die ganz eindeutig einen religiösen Ursprung und Charakter hatte und die ebenso offensichtlich an esoterisch-mystische Traditionen anknüpfte. Aber andererseits wurde mir immer wieder ganz deutlich gesagt, dass die Freimaurerei keinen religiösen Charakter hätte und dass diese Symbolik auch nicht in einem religiösen Sinne gemeint sei. Was ich von der Freimaurerei wahrnahm, das passte einfach nicht zusammen. So fand ich z.B. eine Aussage auf der Homepage der Vereinigten Großloge, dass die Freimauerei ein „absolut diesseitig orientierter Männerbund“ sei. Mir war aber völlig unklar, wie man als Freimaurer sagen kann „Schau über dich.“ und wie man gleichzeitig „absolut diesseitig orientiert“ sein kann. Die Forderung „Schaue über dich“ ergibt für mich nur dann einen Sinn, wenn dieser Blick über das rein Diesseitige und Irdische hinaus geht. Wenn man „absolut diesseitig orientiert“ ist und über sich blickt, dann kann man bestenfalls die Zimmerdecke erkennen und das kann in diesem Zusammenhang wohl kaum gemeint sein. Weiterhin fand ich in dem bereits erwähnten Buch von Endres die Aussage „Unsere freimaurerischen Symbole lassen uns das Göttliche erleben“ Das klang für mich überhaupt nicht nach einer ausschließlichen Fixierung auf das Diesseitige.

Weil ich diesen Widerspruch nicht lösen konnte, ließ ich das Thema „Freimaurerei“ erst einmal ruhen und beschäftigte mich weiter mit der Symbolsprache der Märchen, Mythen und biblischen Texte. Während der Arbeit an diesem Manuskript hatte ich meine Internet-

- 27 -

Aktivitäten deutlich eingeschränkt. Aber nachdem das Buch weitgehend fertig war und ich nur noch einen Verlag suchte, hatte ich wieder etwas mehr Zeit, um mich an Diskussionen in Internet-Foren zu beteiligen. So stieß ich auf das Forum der „königlichen Kunst“. Dort sprach ich noch einmal das oben beschriebene Problem an und erfuhr im Laufe dieser Diskussion, dass es auch Logen gibt, die eine sehr starke spirituelle Seite haben (z.B.:

http://www.zumgrossenchristoph.de/vio_start.html ) In diesem Zusammenhang bekam ich einen Hinweis auf eine Logen in der Nähe meines Wohnortes, die der gleichen Lehrart bzw. Großloge angehört.

Mit der Zeit verstand ich, wie dieser Widerspruch zustande kam. Die Freimaurerei ist tatsächlich keine religiöse Glaubenslehre im traditionellen Sinne: Es gibt in der Freimaurerei keine religiösen Dogmen, keine Sakramente, keine spekulativen Aussagen über das Jenseits, keine Missionierung, … und wenn man den Religions-Begriff über genau diese Eigenschaften definiert, dann kann man natürlich sagen, dass die Freimaurerei nach dieser Definition keine Religion ist. Das stimmt schon aber das ist natürlich eine sehr eingeschränkte und willkürliche Definition des Begriffs Religion. Wenn man den Religions-Begriff allgemeiner oder über andere Kriterien definieren würde, dann könnte man dieser Aussage auch ebenso gut widersprechen.

Wikipedia definiert z.B. den Religionsbegriff in folgender Weise:

Religion (lat: religio, zurückgeführt auf religere = immer wieder lesen; oder religare = zurückbinden) bezeichnet eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene des Glaubens an eine „andere Welt― der Gottheiten oder der Spiritualität, die menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägen und Wertvorstellungen normativ beeinflussen. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Religion)

Nach dieser sehr allgemeinen Definition müsste man die Freimaurerei genau genommen auch als eine Religion bezeichnen.

In der Freimaurerei gibt es sehr viele Bezüge

- zur biblischen Geschichte ganz speziell zu Johannes dem Täufer und zum Tempelbau Salomons

- zu Gott, der als „Allmächtiger Baumeister aller Welten“ bzw. als Dreifach großer Baumeister der ganzen Welt“ bezeichnet wird

- zur spirituellen Licht-Symbolik und zur geistigen Wirklichkeit

- zu Jesus Christus, der im Freimaurerorden als „Obermeister“ bezeichnet wird

- zu den Mysterienkulten und Einweihungslehren der Antike und zu deren Symbolik

- zu hermetischen, kabbalistischen, mystischen und rosenkreuzerischen Traditionen

- zu den Dombauhütten des Mittelalters, wo immerhin Gebäude errichtet wurden, die einem religiösen Zweck dienten

- zu den Tempelrittern (auch wenn der historische Bezug nicht belegbar ist)

Weiterhing gibt es einen Tempel mit Altar, eine Sittenlehre und das Ziel der Unio Mystica. Die Freimaurerei enthält also sehr viele Aspekte, die man umgangssprachlich dem religiösen Bereich zuordnen würde.

Wie stark diese religiösen Aspekte thematisiert werden, das hängt einerseits von der entsprechenden Großloge bzw. Lehrart ab und andererseits natürlich auch von der persönlichen Einstellung des einzelnen Freimaurers. Auch dadurch kann es passieren, dass

- 28 -

man in der Freimaurerei sehr unterschiedliche und widersprüchliche Aussagen über die religiösen Aspekte und Bezüge der Freimaurerei findet. Und leider passiert es auch viel zu häufig, dass einzelne Freimaurer ihre persönlichen Einstellungen zu diesen religiösen Aspekten (oder auch die Position ihrer speziellen Lehrart) so darstellen, als ob es sich bei diesen Ansichten um allgemein-gültige Positionen der gesamten Freimaurerei handeln würde.

Manchmal findet man sogar die Aussage, dass man laut den alten Pflichten von 1723 in der Freimaurerei überhaupt nicht über Religion diskutieren darf, was zu einer weiteren Verwirrung beiträgt. Wie soll man über all diese religiösen Bezüge und Aspekte der Freimaurerei diskutieren können, wenn man nicht über Religion diskutieren darf? Tatsächlich heißt es jedoch in den Alten Pflichten Auch sollt ihr nichts tun oder sagen, das verletzen oder eine ungezwungene und freie Unterhaltung unmöglich machen könnte. […] Deswegen dürfen keine persönlichen Sticheleien und Auseinandersetzungen und erst recht keine Streitgespräche über Religion, Nation oder Politik in die Loge getragen werden.

Man darf also in der Freimaurerei sehr wohl über Religion diskutieren man sollte dabei aber persönliche Sticheleien und Auseinandersetzungen vermeiden.

Aus meiner Sichtweise ist die Freimaurerei

- keine spekulative Glaubenslehre,

- sondern ein Weg zur sittlichen UND zur spirituell-mystischen Weiterentwicklung, die an religiösen Ideen, Traditionen, Mythen, Legenden, Konzepten und Symbolen anknüpft.

Wenn es in der Freimaurerei tatsächlich nur um die sittliche Weiterentwicklung ginge (was manche rein diesseitig orientierte Freimaurer behaupten), dann wäre die gesamte spirituelle/mystische/religiöse Symbolik für diesen Zweck eigentlich vollkommen unnötig und überflüssig.

- 29 -

Das biblische „Hassgebot“

Im Kapitel „Das Problem mit den Widersprüchen“ erwähne ich das biblische „Hassgebot“:

Lk. 14,26: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.

Im Buch habe ich es jedoch versäumt, die esoterische Bedeutung offenzulegen und diesen Widerspruch zum christlichen Liebesgebot aufzulösen.

Ich vermute mal, dass es wahrscheinlich keinen Christen gibt, der dieses Hassgebot absolut wörtlich nimmt (zumal es in der streng wörtlichen Auslegung auch ganz eindeutig dem Gebot widerspricht, dass man Vater und Mutter ehren soll). Wenn man der traditionellen Sichtweise folgt, dann wird man vermutlich geneigt sein, den „Hass“ in einer abgeschwächten Form zu interpretieren – etwa so: „Wer nicht bereit ist, alle irdischen und familiären Bindungen aufzugeben, der kann nicht mein Jünger sein.“ Aber auch diese abgeschwächte Deutung ist in moralischer Hinsicht äußerst problematisch. Soll man wirklich die Verantwortung ignorieren, die man mit der Eheschließung bzw. Familiengründung übernommen hat? Ein guter Hirte kümmert sich um jedes seiner Tiere wie kann da ein guter Christ aufgefordert werden, seine eigene Familie zu verlassen?

Aus der esoterischen Perspektive kann man jedoch bei dieser Bibelstelle auch noch eine ganz andere Bedeutungsebene erkennen:

Es fällt spontan auf, dass hier sechs Familien-Beziehungen bzw. Verwandtschaftsgrade erwähnt werden, die man in drei Zweiergruppen aufteilen kann. Diese drei Zweiergruppen unterscheiden sich jeweils im rechtlichen Status innerhalb der Familienhierarchie:

- Die eigenen Eltern hatten damals üblicherweise das Sagen. Sie waren einem dadurch „übergeordnet“.

- Die eigenen Geschwister sind in dieser Hinsicht gleichrangig zu einem selbst.

- Die Ehefrau und die eigenen Kinder waren üblicherweise „untergeordnet“.

Dabei fällt jedoch auf, dass die Verwandtschaftsgrade nicht in dieser Reihenfolge aufgeführt werden. Die gleichrangige und die untergeordnete Ebene sind beim obigen Bibelzitat miteinander vertauscht.

Um das scheinbare Hassgebot deuten zu können, brauchen wir nun drei Grundlagen:

1.) das Prinzip der allegorischen Schriftauslegung: Vieles, was in den heiligen Schriften erwähnt wird, steht in einem übertragenen Sinne für etwas anderes. 2.) das Drei-Ebenen-Schema mit Geist, Seele und Materie 3.) das Vertauschungsschema, das sich aus dem Abstieg der Seele ins Materielle ergibt

Wenn man das Drei-Ebenen-Schema und das Vertauschungsschema kennt, dann ist es ganz offensichtlich, was mit dieser Familienstruktur im übertragenen Sinne gemeint ist.

Das Drei-Ebene-Schema ist das absolut zentrale Grundthema im Buch „Blicke in eine andere Wirklichkeit“. Deshalb verzichte ich an dieser Stelle auf eine detaillierte Beschreibung und Herleitung. Das Vertauschungsschema habe ich im Kapitel „Die Symbolik der Genesis“ bei

- 30 -

der Interpretation des sechsten Tages ausführlich beschrieben. Ein vergleichbares Vertauschungsschema begegnet uns auch im Kapitel „Der Mondzyklus Ein Gleichnis für den Zyklus der Seele“.

In diesem Fall gibt es eine strukturelle Analogie zwischen den drei Ebenen in der Familienhierarchie und dem Drei-Ebenen-Schema: Geist, Seele, Materie. Bei diesem Drei- Ebenen-Schema gibt es nämlich eine analoge Rangordnung:

- Das Geistige ist aus der Perspektive unseres Bewusstseins übergeordnet.

- Das Seelische ist die Ebene unseres Bewusstsein.

- Das Materielle bzw. Irdische sollte uns untergeordnet sein.

(Es heißt in der Schöpfungsgeschichte: Macht euch die „Erde“ untertan.)

Mit dem Abstieg der Seele in die Materie vertauschen sich jedoch die beiden unteren Ebenen, so dass wir folgende Reihenfolge haben:

- Das Geistige

- Das Materielle

- Das Seelische

Und genau in dieser Weise ist auch die Reihenfolge in der Familienstruktur vertauscht.

Mit diesen esoterischen Grundlagen lässt sich die verborgene Bedeutung des scheinbaren Hassgebotes offen legen:

- Bei der wörtlichen (=exoterischen) Bedeutung sieht es zunächst so aus, als solle man seine Familienangehörigen hassen was jedoch ein Widerspruch zum Liebesgebot ist. Eine solche Interpretation wäre widersinnig.

- Bei der esoterischen Bedeutung geht es jedoch um etwas ganz anderes: Man soll diesen Zustand hassen, der durch diese vertauschte Familienstruktur angedeutet wird bzw. man soll sich von diesem Zustand lösen. Es ist der Zustand der geistigen Todes, wenn die Seele im Materiellen begraben ist. Wer diesen Zustand nicht hasst bzw. wer sich von diesem Zustand der Seele nicht lösen will, der kann Jesus nicht folgen.

Es geht bei der esoterischen Bedeutung um diese verborgene Struktur und nicht um unsere tatsächlichen Familienangehörigen.

Wir sollten immer berücksichtigen: Das Geistige wird in der Bibel vermenschlicht. Die geistige Strukturen werden so dargestellt, als ob es sich um menschliche Strukturen handeln würde. Um die esoterische Bedeutung erfassen zu können, müssen wir diese Vermenschlichung wieder rückgängig machen. Wir müssen also das Vermenschlichte wieder vergeistigen. In konkreten Fall müssen wir uns völlig lösen von den menschlichen Begriffen „Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern“, um die geistige Struktur zu erkennen, die auf diese Weise versinnbildlicht wird.

Nach diesem Einstig können wir uns nun auch den anderen Aussagen zuwenden, die im Zusammenhang mit diesem Hassgebot erwähnt werden:

- 31 -

Lk 14,25 Es ging aber viel Volks mit ihm; und er wandte sich und sprach zu ihnen: So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er's habe, hinauszuführen? auf dass nicht, wo er Grund gelegt hat und kann's nicht hinausführen, alle, die es sehen, fangen an, sein zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hob an zu bauen, und kann's nicht hinausführen. Oder welcher König will sich begeben in einen Streit wider einen andern König und sitzt nicht zuvor und ratschlagt, ob er könne mit zehntausend begegnen dem, der über ihn kommt mit zwanzigtausend? Wo nicht, so schickt er Botschaft, wenn jener noch ferne ist, und bittet um Frieden. Also muss auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein. Das Salz ist ein gutes Ding; wo aber das Salz dumm wird, womit wird man's würzen? Es ist weder auf das Land noch in den Mist nütze, sondern man wird's wegwerfen. Wer Ohren hat, zu hören, der höre!

Die bisherige Interpretation ist nämlich nur die Hälfte der Wahrheit: Die andere Hälfte steckt in dieser Aussage:

auch

dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz

trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

Hier steht sinngemäß: Wer nicht bereit ist die materielle Welt auf sich zu nehmen, der kann nicht mein Jünger sein. Das Kreuz ist ein Symbol für die Materie und der Weg in die materielle Welt wird in der biblischen Symbolik üblicherweise mit einem Tod vergleichen.

Das klingt im ersten Moment wie Widerspruch zur ersten Aussage. Dort hieß es (wenn man die esoterische Bedeutung offenlegt): Wer nicht bereit ist, die Gefangenschaft in der Materie und den Zustand des geistigen Todes zu überwinden, der kann Jesus nicht folgen.

Dieser scheinbare Widerspruch ist jedoch beabsichtigt!

Tatsächlich handelt es sich um einen Kreislauf, der ZWEI Phasen beinhaltet: Abstieg und Ausstieg, Gefangennahme und Befreiung, Tod und Auferstehung, Verfleischlichung und

Vergeistigung,

Nur dann, wenn man zu BEIDEN Phasen bereit ist, kann man Jesus folgen.

Damit lassen sich nun auch die folgenden Sätze interpretieren:

Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er's habe, hinauszuführen? auf dass nicht, wo er Grund gelegt hat und kann's nicht hinausführen, alle, die es sehen, fangen an, sein zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hob an zu bauen, und kann's nicht hinausführen.

Ein Turm führt in eine höheren Bereich. Wenn man in den höheren (Bewusstseins-)Bereich vordringen will, dann sollte man eine Vorstellung davon haben, wie man dieses Ziel erreichen kann. So lange man an Vorstellungen festhält, die im Materiellen gefangen sind und die uns im materiellen Denken gefangen halten, ist dieses Ziel nicht erreichbar.

Oder welcher König will sich begeben in einen Streit wider einen andern König und sitzt nicht zuvor und ratschlagt, ob er könne mit zehntausend begegnen dem, der über ihn kommt mit zwanzigtausend?

- 32 -

Hier kann man ganz deutlich das Zahlenverhältnis 2:1 erkennen. Die seelische Ebene ist abgestiegen. Wenn sie aufsteigen will, liegen nun zwei Ebenen vor ihr: die materielle und die geistige.

Wo nicht, so schickt er Botschaft, wenn jener noch ferne ist, und bittet um Frieden.

Nicht jedem gelingt es, in den höheren (Bewusstseins-)Bereich vorzudringen. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, um mit diesem Bereich in Verbindung zu treten. Man kann „Botschaften“ schicken (und natürlich auch empfangen). Diese anderen Möglichkeiten aber an dieser Stelle nicht näher beschrieben. Grundsätzlich ist es so, dass einen „harten“ Weg über den Verstand gibt, bei dem man sich die Erkenntnisse regelrecht erkämpfen muss. Und es gibt einen „weichen“ Weg über das emotionale Empfinden. Vermutlich soll die friedliche Einigung ein Hinweis auf diesen „weichen“ Weg sein.

Der „harte“ Weg ist zwar sehr langwierig, aber man kann ihn schaffen, wenn man zwei Grundvoraussetzungen mitbringt:

1.) Man muss bereit sein, einige traditionelle Vorstellungen aufzugeben (z.B. die traditionelle/wörtliche/historische Sichtweise auf die Bibel. 2.) Man braucht ein paar Grundstrukturen, an denen man sich orientieren kann (z.B. im konkreten Fall das Drei-Ebenen-Schema und das Vertauschungsschema)

Diese beiden Grundvoraussetzungen werden in den nächsten beiden Bibelstellen genannt:

Also muss auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.

Es geht hier nicht um den materiellen Besitz, den man aufgeben muss, sondern es geht um die traditionellen Vorstellungen, die man überwinden muss. Viele biblische Aussagen, die im traditionellen Christentum sehr „irdisch“ verstanden werden, beziehen sich im übertragenen Sinne auf etwas Geistiges.

Das Salz ist ein gutes Ding; wo aber das Salz dumm wird, womit wird man's würzen? Es ist weder auf das Land noch in den Mist nütze, sondern man wird's wegwerfen.

Salz hat sehr viele unterschiedliche Aspekte: Es ist hell, lichtdurchlässig und es reflektiert das Licht. Weiterhin hat es auch eine konservierende Wirkung es verwandelt etwas Vergängliches in etwas Dauerhaftes. Im konkreten Fall ist es jedoch die kristalline Struktur des Salzes, die von besonderer Bedeutung ist. Man muss einige Grundstrukturen kennen, wenn man die verborgene Bedeutung erfassen will. Wenn man z. B. die Drei-Ebenen-Struktur nicht kennt, dann ist man auch nicht in der Lage, sie in der obigen Familien-Struktur wiederzuerkennen.

Aber dafür muss man natürlich die RICHTIGEN Strukturen kennen. Wenn man nur die falschen Strukturen kennt, dann müsste man zunächst einmal diese falschen Strukturen richtig strukturieren – oder bildlich gesprochen: zunächst müsste man das „dumme Salz“ salzen.

Aber womit?

Mir selbst ist es übrigens so ergangen, dass ich den Einstieg in die esoterische Bibelinterpretation erst finden könnte, nachdem ich auf die Dreifachkreuz-Struktur entdeckt

- 33 -

hatte. Mit dem kabbalistischen Lebensbaum, der immerhin sehr ähnlich ist und den ich vorher schon kannte, wäre es mir definitiv nicht gelungen.

Wer Ohren hat, zu hören, der höre!

Das ist ein ganz allgemeiner Hinweis, dass in dieser Bibelstelle etwas verborgen ist, was man erst dann wahrnehmen kann, wenn man dafür sensibilisiert ist.

- 34 -

Die Illusion des „absoluten Bewusstseins“ im Zustand der inneren Ruhe

Im Kapitel „Erste spirituelle Erfahrungen in der Kindheit“ beschreibe ich folgendes Erlebnis:

Als ich einmal gedankenlos auf dem Teppichboden vor unserer alten Musiktruhe lag und einfach nur die Musik genoss, erlebte ich einen euphorischen Zustand, wobei ich mich selbst regelrecht vergaß. Es war ein vollkommen anderer Bewusstseinszustand, den ich bis heute nicht wirklich in Worte fassen kann. So etwas wie ein „Ich― gab es in diesem Moment nicht mehr. Trotzdem nahm ich die Musik weiterhin wahr, aber mehr so, als ob ich in der Musik wäre oder mit der Musik verschmolzen wäre. Die Trennung von Beobachter, Beobachtung und Beobachtetem war gewissermaßen aufgehoben.

Später als Jugendlicher fing ich an, mich mit religiösen und esoterischen Themen zu beschäftigen und stieß dabei immer wieder auf Beschreibungen von Meditations-Erfahrungen, die als absolutes Bewusstsein, kosmisches Bewusstsein, Einheitsbewusstsein, oder Christus- bewusstsein bezeichnet wurden und bei denen das gleiche Grundmuster erkennbar war:

- der Zustand der gedankenlosen Wachheit

- die Auflösung der Ich-Grenzen

- die euphorischen Gefühle

- das Gefühl, dass der Wahrnehmende, die Wahrnehmung und das Wahrgenommene zu einer Einheit verschmelzen

- die besondere Intensität des Erlebens

- die Unfähigkeit, diese Erlebnisse in Worte zu fassen

Im Laufe der Jahre hatte ich noch einige andere Erlebnisse, die ebenfalls mit diesem Zustand der gedankenlosen Wachheit zusammenhingen, aber das Gefühl der Einheit habe ich nie wieder in dieser Klarheit und Intensität erlebt.

Anfang Juli 2009 war ich beim Dösen im Zug wieder in diesen Zustand der gedankenlosen Wachheit geraten. Dieses Erlebnis war wesentlich kürzer und auch nicht annähernd so intensiv wie das in meiner Kindheit. Aber es gab mir den entscheidenden Hinweis, um das Phänomen der „Einswerdung“ zu verstehen – bzw. um die „Illusion der Einswerdung“ zu erkennen.

Eigentlich bin ich gar nicht der Typ, der sich hinsetzt und meditiert, aber ich beschäftige mich trotzdem schon seit meiner frühsten Kindheit mit diesem Zustand der gedankenlosen Wachheit. Als ich damit anfing, wusste ich noch nicht einmal, dass es den Begriff „Meditation“ überhaupt gibt, sondern es ging es mir ursprünglich um etwas ganz anderes. Ich wollte wissen, wie es ist, wenn man einschläft. Wenn ich einschlief, dann bekam ich das nie so richtig mit. Und wenn ich ganz genau aufpasste, damit ich nichts verpasste, dann schlief ich nicht ein.

- 35 -

Die Grunderfahrung unseres Bewusstseins

Um das Phänomen beschreiben zu können, das dem Gefühl des „absoluten Bewusstseins“ zugrunde liegt, müssen wir zunächst einmal die grundlegende Funktionsweise unseres Bewusstseins betrachten.

Wir nehmen durch unsere Sinnenorgane etwas wahr und verknüpfen diese Wahrnehmung mit

Wenn ich z.B. einen

bestimmten Ideen, Erfahrungen, Begriffen, Kategorien, Vorstellungen,

Ball wahrnehme, dann verknüpfe ich diese Wahrnehmung mit dem Wissen, dass ein Ball rund

ist, dass man mit ihm spielen kann, dass er zumeist elastisch ist u.v.m.

Es gibt aber in diesem Zusammenhang nicht nur eine unmittelbare Wahrnehmung der Dinge, sondern auch eine indirekte Wahrnehmung der Wahrnehmung. Wir nehmen wahr, dass wir die Dinge wahrnehmen. Diese Wahrnehmung der Wahrnehmung ist die eigentliche Pointe!

Dadurch gibt es im Normalfall immer eine Polarität von Subjekt und Objekt:

- Wir nehmen einerseits das Objekt wahr, das wir wahrnehmen. (Das ist die direkte Wahrnehmung.)

- Und wir nehmen uns andererseits als ein Subjekt wahr, dass das Objekt wahrnimmt. (Das ist die Wahrnehmung der Wahrnehmung.)

Dabei empfinden wir das Objekt als etwas, das von uns getrennt ist bzw. wir empfinden uns selbst als etwas, das vom Objekt getrennt ist. Diese Trennung von Subjekt und Objekt ist die typische Grunderfahrung unserer Wahrnehmung.

Die veränderte Wahrnehmung im Zustand der gedankenlosen Wachheit

In der Meditation kann nun Folgendes passieren:

- Wir sind einerseits so wach, dass wir alles um uns herum wahrnehmen.

- Wir sind aber andererseits innerlich so ruhig, dass wir uns selbst nicht mehr wahrnehmen.

In diesem Moment gibt es nur noch die Wahrnehmung der Dinge, aber nicht mehr die Wahrnehmung der Wahrnehmung. Dadurch bricht die Grunderfahrung unserer Wahrnehmung zusammen die Trennung von Subjekt und Objekt. Wir nehmen nämlich kein Subjekt mehr wahr, das irgendetwas wahrnimmt. Und so entsteht die Illusion, dass man mit dem Wahrgenommenen verschmelzen würde, weil man sich selbst nicht mehr als etwas Getrenntes wahrnimmt.

Die Polarität von Subjekt und Objekt ist in diesem Moment tatsächlich nicht überwunden man nimmt nur die eine Seite der Polarität nicht mehr wahr. Das ist nicht das Gleiche! Selbstverständlich ist man in dieser Situation noch immer von dem Wahrgenommenen getrennt, aber man nimmt diese Trennung nicht mehr wahr einzig und allein deshalb, weil man sich in diesem Moment selbst nicht mehr wahrnimmt.

- 36 -

Der Zustand ist deshalb so schwer beschreibbar, weil er der typischen Grunderfahrung unserer Wahrnehmung komplett wiederspricht der Trennung von Subjekt und Objekt.

Die Erlebnisse des „Einheitsbewusstsein“, die ich selbst hatte, kann ich mit diesem Funktionsprinzip vollständig erklären. Da diese inneren Erlebnisse eine sehr subjektive Angelegenheit sind, kann ich natürlich nicht wissen, wie andere Menschen diesen Zustand erleben und ob mein Erklärungsmodell auch in diesen anderen Fällen anwendbar ist. Das wird auch dadurch erschwert, weil die Beschreibungen von Meditationserfahrungen sehr oft mit Schwärmereien, Spekulationen, subjektiven Interpretationen und Standard-Worthülsen aus der Esoterik-Literatur angereichert werden. Nach den Beschreibungen, die ich bislang gefunden habe, gehe ich jedoch davon aus, dass das hier dargestellte Funktionsprinzip auch in diesen Fällen vollkommen ausreicht, um die tatsächlich gemachten Erfahrungen zu erklären.

Wenn man durch Meditation tatsächlich in einen Zustand des „absoluten Bewusstseins“ kommen könnte, so dass tatsächlich eine Verschmelzung von Subjekt und Objekt eintritt (nicht nur die Illusion der Verschmelzung), dann würde ich erwarten, dass man auf diese Weise sehr viele und sehr konkrete Information über das Objekt gewinnen würde. Bislang habe jedoch noch keinen Erfahrungsbericht gefunden, der in dieser Hinsicht genügend verwertbare Information enthalten hätte. Auch das spricht meiner Ansicht nach eher gegen die Annahme, dass tatsächlich eine Verschmelzung von Subjekt und Objekt stattfindet.

Eine wissenschaftliche Untersuchung von meditierenden Mönchen

Dass es in der Meditation zu einem Verlust der Selbstwahrnehmung kommt, wurde inzwischen auch von der Wissenschaft bestätigt:

Andrew Newberg, Radiologe der University of Pennsylvania, untersuchte mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie die Hirnaktivität bei buddhistischen Mönchen, die sich im Zustand der Meditation befanden. Dabei wurde einerseits ein Aktivitätsanstieg in den Teilen des Vorderhirns festgestellt, in denen sich die Zentren für die Aufmerksamkeit auf spezielle Aufgaben befinden. Andererseits waren die Parietallappen weniger aktiv, die unter anderem für den Orientierungssinn und für die räumliche Selbstwahrnehmung verantwortlich sind. Nach der Aussage von Andrew Newberg decken sich die Untersuchungsergebnisse mit den Erfahrungen der Meditierenden, die den Sinn für das Selbst verlieren und die sehr oft ein Gefühl von Raum- und Zeitlosigkeit erfahren.

Die Konsequenz

Die Erkenntnis, dass der Zustand des „absoluten Bewusstseins“ eine Illusion ist, hat natürlich ganz erhebliche Konsequenzen, wenn man spirituelle Lehren betrachtet, die schwerpunktmäßig auf diesem Funktionsprinzip aufbauen die uns also angeblich über den Zustand der gedankenlosen Wachheit zur Einswerdung mit dem Kosmos hinführen. Diese Lehren trainieren uns tatsächlich nur dafür, dass wir lernen, die hier beschriebene „Illusion der Einheit“ gezielt herbeizuführen.

Das bedeutet nicht, dass der Zustand der „gedankenlosen Wachheit“ in spiritueller Hinsicht vollkommen nutzlos sei. Er ist nur nicht für dieses Ziel geeignet.

- 37 -

Im Zustand der „gedankenlosen Wachheit“ passiert es manchmal, dass „innere Bilder“ in uns auftauchen, die uns spirituelle Impulse geben oder spirituelle Botschaften transportieren zumeist jedoch in einer symbolisch verhüllten Form. Die Kunst liegt darin, diese Botschaften zu erkennen, von psychologischen Motiven zu unterscheiden und die verhüllten Botschaften zu enthüllen.

Und es soll auch nicht bedeuten, dass die Idee der Einswerdung grundsätzlich eine Illusion wäre. Die Einswerdung ist nur nicht über diesen Weg erreichbar.

Man erreicht sie durch gemeinsames Handeln, gemeinsame Erfahrungen, gemeinsame Werte und Ziele, gemeinsame Planung, Mitgefühl, Verständnis, Dialogbereitschaft, Liebe, Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeit, gegenseitige Achtung,

Wenn Menschen auf diese Weise miteinander umgehen, dann bilden sie zwangsläufig eine Einheit.

- 38 -

Überlegungen und Ergänzungen zu den „Feldern“ in den Bäumen

Im Kapitel „Die Kraft der Bäume“ schreibe ich:

Als Erwachsener spürte ich manchmal eine Art „Feld― über den Baumwipfeln – hauptsächlich, wenn ich kurz vor der Dämmerung aus einer gewissen Entfernung zu einem Wäldchen hinblickte. Mit der Zeit lernte ich, dass ich dieses Feld „einatmen― konnte, wenn ich mich gerade hinstellte, das Feld mit den Augen fixierte und dann kräftig einatmete, wobei ich den Sog zunächst beschleunigte, dann aber abstoppte und mir nur vorstellte, wie diese Welle meinen Körper weiter durchlief.

Inzwischen habe ich dieses Phänomen noch etwas genauer untersucht und dabei sind mir noch einige Effekte aufgefallen, die das Phänomen verstärken und intensivieren.

Ein neurologischer Leuchteffekt (durch „laterale Hemmung“ oder durch Nachbilder)

Wenn man ein dunkles Objekt vor einem hellen Hintergrund sieht (z.B. einen Kopf mit dunklen Haaren vor einer weißen Tapete), dann passiert es manchmal, dass man ein leichtes Leuchten um das dunkle Objekt herum sieht. Ich habe zwei unterschiedliche Ansätze gefunden, wie man dieses Leuchten erklären könnte:

1.)

Es gibt ein neurologisches Phänomen, das als „laterale Hemmung“ bezeichnet wird und das z.B. beim sogenannten Hermann-Gitter auftritt. Dieses scheinbare Leuchten entsteht durch eine spezielle Verschaltung unserer Nervenzellen, was zu einer Überbetonung von Kontrasten führt.

2.) Wenn man zuerst auf ein dunkles Objekt schaut und dann auf eine helle Fläche, dann sieht man anschließend ein leuchtendes Nachbild von diesem dunklen Objekt. Aber ebenso kann es natürlich auch passieren, dass man ein leicht versetztes Nachbild sehen kann, wenn man nur leicht daneben schaut.

Wenn ich die dunkle Silhouette der Baumwipfel vor dem hellen Himmel betrachte, dann tritt zunächst einmal ein ganz ähnliches Phänomen auf. In diesem Fall sieht es so aus, als würden die Baumwipfel leuchten. Ob es sich im konkreten Fall um den ersten oder um den zweiten Effekt handelt, kann ich aber nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise ist es auch eine Kombination von beiden Effekten.

Im Zusammenhang mit diesem neurologischen Effekt ist mir aber folgendes aufgefallen:

Wenn ich dieses Leuchten bei Baumwipfeln beobachte, dann habe ich das Empfinden, dass dort ein „Feld“ ist, das ich „einatmen“ kann. (so, wie ich es oben beschrieben habe). Wenn ich jedoch das Leuchten bei anderen dunklen Objekten beobachte, die ebenfalls vor einem hellen Hintergrund stehen, dann habe ich dieses Empfinden nicht. Dieser neurologische Leuchteffekt ist also nicht die eigentliche Ursache für die Wahrnehmung der „Felder“. Weiterhin nehme ich das Leuchten in den Baumwipfeln sehr viel intensiver wahr. Und manchmal blendet das Leuchten in den Baumwipfeln sogar regelrecht auf fast so, als würde es explodieren.

Ein physikalischer Leuchteffekt (vermutlich durch elektrische Felder)

Aber auch unabhängig von diesem Aufblendeffekt habe ich den Eindruck, dass dieses Leuchten bei den Baumwipfeln etwas anders aussieht. Es ist so, als würde die Luft um die

- 39 -

Baumwipfel herum ganz schwach bläulich leuchten oder als wäre die Luft in diesem Bereich etwas klarer. Ich vermute, dass diese Wirkung durch elektrische Felder verursacht wird, die in der Nähe von leitenden Spitzen deutlich stärker sind (also auch bei Baumwipfeln).

Es ist ein schwaches, großflächiges und kontinuierliches Leuchten. Daher schließe ich eigentlich aus, dass es sich um Elmsfeuerhandeln könnte, sondern ich vermute im konkreten Fall eher einen ganz langsamen und kontinuierlichen Landungsaustausch zwischen den Baumwipfeln und der Luft. Grundsätzlich ist es so, dass es bei den Baumwipfeln tatsächlich einen kontinuierlichen Ladungsaustausch gibt, aber ich habe in diesem Zusammenhang noch keine Beschreibungen von schwachen, großflächigen und kontinuierlichen Leuchterscheinungen gefunden. (Die bläuliche Färbung wird jedoch in Zusammengang mit Elmsfeuern und Polarlichtern beschrieben, wenn der Stickstoff der Luft zum Leuchten angeregt wird.)

Der optische Eindruck bei den Baumwipfeln könnte also eine Überlagerung sein, wobei zwei Effekte zusammenkommen: einerseits der neurologische Leucht-Effekt (was zu einer Kontrastverstärkung führt) und andererseits ein schwaches Leuchten, das durch den Ladungsaustausch zwischen Baumwipfel und Atmosphäre entsteht. Dabei könnte es sogar sein, dass diese Leuchtwahrnehmung durch die laterale Hemmung unterstützt bzw. verstärkt wird.

Üblicherweise ist so, dass Wärmegewitter sehr häufig Nachmittags und in den Abendstunden auftreten, weil die Atmosphäre zu diesen Zeiten am stärksten aufgeladen ist. Das lässt mich vermuten, dass ganz besonders an einem Sommerabend zwei Effekte zusammenkommen:

- einerseits sind die Kontrastverhältnisse in dieser Zeit optimal für den neurologischen Leucht-Effekt

- andererseits ist die Atmosphäre in dieser Zeit stärker aufgeladen

Weiterhin ist mir aufgefallen, dass ich bei Gewitterlagen ganz ähnliche Empfindungen auf der Haut habe wie bei dem oben beschriebenen „Einatmen“ der Felder aus den Baumwipfeln. Diesen Effekt spüre ich besonders dann, wenn ein „weicher“ Wind kurz vor dem Gewitter über meine Haut streicht. Diese Empfindungen bei Gewitterlagen sind jedoch nicht so klar umgrenzt und sie sind vor allem auch nicht so gut steuerbar.

Emotionale Fokussierung

Neben den bisher beschriebenen Effekten (laterale Hemmung, Nachbild-Effekt, elektrische Ladung der Luft, Luftstrom) spielt aber auch die „emotionale Fokussierung“ auf die Baumwipfel eine ganz wichtige Rolle. Sicher kennt jeder den Effekt, dass ein Schauer über den Rücken läuft oder dass sich bei machen emotionalen Themen die Haare aufstellen. Das kann z.B. passieren, wenn man an ein bestimmtes Thema denkt, wenn man darüber diskutiert oder wenn man ein entsprechendes Thema im Fernsehen sieht. Und es passiert bei mir eben auch, wenn ich mich auf das Leuchten in den Baumwipfeln konzentriere.

Die Vorstellung der inneren Welle

Der letzte, aber entscheidende Punkt ist der Moment, wenn ich einatme, wenn ich den Luftstrom abstoppe und wenn ich mir nur noch vorstelle, wie die Welle meinen Körper weiter durchläuft. Es ist ein Gefühl, als ob diese „Energie“ durch das Einatmen der Luft mitgerissen und beschleunigt wird und als ob die „Energie“ nach dem Abstoppen des Luftstroms weiter

- 40 -

strömt. Ich kann aber nicht mit Sicherheit entscheiden, ob die „Energie“ wirklich mit der Luft hineingesaugt wird, oder ob das körperliche Einsaugen in diesem Fall nur die geistige Vorstellung unterstützt.

Grundsätzlich habe ich den Effekt auch dann, wenn ich ein Thema oder ein Bild emotional fixiere, wenn ich einatme, den Luftstrom abstoppe und mir nur noch vorstelle, wie das Welle meinen Körper durchläuft. Aber ohne die anderen Rahmenbedingungen ist der Effekt nicht annähernd so intensiv.

Armbewegungen und Körperhaltung

Es gibt noch einen weiteren Verstärkungs-Effekt, den ich im Buch schon beschrieben habe:

Durch bestimmte Armbewegungen und Armhaltungen konnte ich diesen Effekt verstärken. Eine dieser Bewegungen sah etwa so aus, als ob man am Tisch mit zwei Händen von jemandem eine große Salatschüssel übernimmt und vor sich hinstellt und dann die offenen Hände zum Bauch führt, ohne sie jedoch wirklich auf den Bauch zu legen. Es ist fast so, als ob man die „Energie― durch die Bewegung zu sich hinführt, und erinnert durchaus an die Bewegungsabläufe, wie man sie auch beim Tai-Chi (chinesisches Schattenboxen) beobachten kann.

Die Maximierung des Effekts durch Kombination der verschiedenen Effekte

Unter optimalen Rahmenbedingungen vermute ich folgende Funktionskette:

1.) Der Leuchteffekt durch die laterale Hemmung oder durch das Nachleuchten ist zunächst einmal der erste Blickfang.

2.) Indem ich diesen Leuchteffekt zu halten versuche, nehme ich auch den blauen Schimmer war, der vermutlich durch den elektrischen Ladungsaustausch zwischen Baumwipfel und Luft entsteht (die laterale Hemmung unterstützt möglicherweise diese Wahrnehmung durch Kontrastverstärkung).

3.) Durch

die

(Über-)Stimulation

der

gelegentlichen Aufblendeffekten.

Sehnerven

kommt

es

vermutlich

zu

den

4.) Durch die Konzentration auf den blauen Schimmer schaffe ich wiederum einen optimalen neurologischen und psychologischen Ausgangszustand für den nachfolgenden Prozess

5.) Die

elektrische

Ladung

der

Luft

und

psychologische

Wirkung

des

stimulieren darüber hinaus mein Nervensystem.

Leuchtens

Die Schritte 1-5 dienen der Verstärkung durch Stimulation, Sensibilisierung, Fokussierung und innere Ruhe. Diese optimalen Rahmenbedingungen sind natürlich nicht immer gegeben. In vielen Fällen kann ich nur die Effekte 6 - 8 nutzen.

6.) Beim Einsaugen der Luft habe ich das Empfinden, dass ich auch etwas „Geistiges“ in mich einsauge.

- 41 -

7.) Indem ich das Einsaugen abstoppe und mir die Welle nur noch vorstelle, trenne ich das „Geistige“ vom materiellen Luftstrom. Zumindest empfinde ich es so: Der materielle Luftstrom stoppt, aber das Geistige strömt weiter.

8.) Die langsamen Arm- und Handbewegengen unterstützen diesen Prozess. Es fühlt sich so an, als ob ich durch das Einatmen eine innere Strömung erzeuge (die sich bis in die Finger hinein ausbreitet) und als ob ich durch die Arm- und Handbewegengen eine zusätzliche äußere Strömung erzeuge und als ob beide Strömungen zusammen wirken.

Ich habe den Eindruck, dass auch die Baumsorte eine wichtige Rolle spielt. Manche Bäume haben nämlich eine besonders positive Wirkung auf mich (z.B. Kastanien, Buchen, Haselnuss), aber ich habe noch keine systematische Überprüfung von Baumsorten durchgeführt. In Zukunft werde ich mal etwas genauer darauf achten, welche Bäume mit

welchen Stimmungen, Ausrichtungen, Ideen,

verbunden sind und ob es eventuell ähnliche

Grundthemen gibt, wie z.B. bei der Bach-Blüten-Therapie. (Durch meine Empfindungen bei Kastanienbäumen wurde ich auf diese Idee gebracht. http://www.heilkraeuter.de/bach/white-chestnut.htm )

- 42 -

Seite 19:

Tippfehler

Wenn nun die anerzogenen kirchlichen Vorstellungen in Frage gestellt werden, dann kann es in Einzelfällen passieren, dass zwar die Hoffnungen bröckeln, dass die tiefsitzenden Ängste aber trotzdem erhalten bleiben.

Seite 34, Tabelle, Feld rechts oben:

Ereignisse und Situationen in unserer materiellen Wirklichkeit

Seite 59:

In der Symbolik werden Dinge und Zusammenhänge aus unserer irdischen Erfahrungswelt verwendet, um damit geistige Zusammengänge gleichnishaft zu umschreiben.

Seite 81:

dass die Daten in Pakete aufgeteilt werden

Seite 121:

Der Diamant reflektiert das Licht und ist damit auf der materiellen Ebene die Entsprechung von Licht.

Seite 122:

In einer ähnlichen Weise, wie wir die Vier-Elemente-Lehre bereits anwenden konnten, …

Seite 202:

Man kann nur die Großstädte nennen, an denen man vorbeikommt.

Seite 240:

Diese Freiheit, nach der unsere Seele strebt, steht in besonderem Kontrast zu der Gefangenschaft im Turm, die sie später erlebt.

- 43 -

Seite 327:

 

7.

Stufe auf der geistigen Ebene

70

6.

Stufe auf der geistigen Ebene

60

Aufstieg

5.

Stufe auf der geistigen Ebene

50

zur höchsten

4.

Stufe auf der geistigen Ebene

40

geistigen Stufe

3.

Stufe auf der geistigen Ebene

20

2.

Stufe auf der geistigen Ebene

20

1.

Stufe auf der geistigen Ebene

10

 

7.

Stufe auf der seelischen Ebene

7

6.

Stufe auf der seelischen Ebene

6

Aufstieg

5.

Stufe auf der seelischen Ebene

5

zur höchsten

4.

Stufe auf der seelischen Ebene

4

seelischen Stufe

3.

Stufe auf der seelischen Ebene

3

2.

Stufe auf der seelischen Ebene

2

1.

Stufe auf der seelischen Ebene

1

Seite 350:

… hätte man doch eigentlich die Gebote 9, 11 und 12 zusammenfassen können. Wenn nun diese drei Gebote nicht zusammengefasst

Seite 354: ableiten statt abgeleiten

Die geistige Grundlage einer Kultur besteht aus allgemeinen Prinzipien, die man als richtig erkannt hat, die offenbart wurden oder die man aus Naturbeobachtungen ableiten konnte.

Seite 359: „als“ statt „also“

Ohne eine entsprechende Sittenlehre und Symbolik ist es, als sei das geistiges Prinzip ohne Leben (=ohne Blut).

Seite 403: Komma statt Punkt

Tepperwein, Kurt

Faivre, Antoine

- 44 -

Termine / Entwicklung

12.10.1993

Anfang von „Methoden der Manipulation“

10.03.1995

Manuskript „Methoden der Manipulation“ – Vorläufiges Ende

06.06.1999

Forenzeit beginnt Einstieg ins Prophezeiungsforum

15.02.2001

Ich fange an, die Elemente in Polaritätenpaaren und Kreuzstrukturen anzuordnen.

06.04.2001

erste Version des Dreifachkreuzes

30.12.2001

eigene Homepage mit Forum gestartet Titel „Durch die Materie zum Geist

31.05.2002

Genesis-Entschlüsselung erste Fassung

13.06.2002

Forum umbenannt in „Bewusstsein im Wandel“

05.07.2002

Manuskript „Durch die Materie zum Geist“ – erster Entwurf Zusammenfassung diverser älterer Beiträge

16.11.2002

Homepage umbenannt in „Mythen und Visionen – Blicke in eine andere Wirklichkeit“

27.12.2003

neuer Manuskript-Entwurf mit dem Titel „Blicke in eine andere Wirklichkeit“

Okt. 2004

Buchprojekt „Blicke in eine andere Wirklichkeit“ beginnt

08.02.2005

Homepage „Mythen und Visionen“ wird geschlossen (um mehr Zeit für das Buchprojekt zu haben)

19.02.2005

Start vom Mythosophie-Forum

22.11.2005

Suche nach Verlag beginnt

22.07.2006

Manuskript an Spirit Rainbow Verlag geschickt

07.10.2006

Vertrag bei Spirit Rainbow Verlag unterschrieben

24.05.2007

Das Buch Blicke in eine andere Wirklichkeitist lieferbar.

16.01.2008 kostenlose PDF-Version von „Blicke in eine andere Wirklichkeit“

26.11.2008

Registrierung bei www.scribd.com

13.12.2008

Registrierung bei www.doktus.de

- 45 -

Methoden der Manipulation
Methoden der
Manipulation
Diskussionsforen
Diskussionsforen
Manuskripte, Ebooks und PDF-Dateien
Manuskripte, Ebooks und
PDF-Dateien
1995 1999 – 2006 Uralt-Version von „Methoden der Manipulation“ Aktivitäten im Forum
1995
1999
– 2006
Uralt-Version von
„Methoden der Manipulation“
Aktivitäten im Forum
www.der-dritte-weltkrieg.de
und im nachfolgenden Prophezeiungsforum
Thema: „Prophezeiungen“
2000
- 2008
Thema: „Was muss man
über Mythen wissen?“
Aktivitäten im zugehörigen Religionsforum
Eine Kopie des alten Forum liegt hier.
Thema „Wirtschaft“
2001
Beiträge über die
Dreifachkreuz-Symbolik
2001
„Methoden der Manipulation“
Format überarbeitet
Eine Kopie des alten Textes liegt
2001
– 2005
2002
- 2004
Eigene Homepage mit Forum
Manuskript
hier.
2002
„Durch die Materie zum Geist“
„Methoden der Manipulation“
2001
Durch die Materie zum Geist
2004
– 2007
2002
Mythen und Visionen –
Blicke in eine andere Wirklichkeit
Buchprojekt
2005
Ende der Homepage wegen
Zeitmangel und Impressumspflicht
Kopien einiger Texte liegen hier.
Version von
Kunst, Lyrik & Anarchie
Eine Kopie dieser Version liegt
hier.
seit 2005
Mythosophie-Forum bei www.klarblicker.de
95 Thesen über die Notwendigkeit
einer zweiten Reformation
(alte Version)
„Blicke in eine andere Wirklichkeit“
Verlag Amazon
Ideen für eine bessere
Wirtschaftsordnung
(alte Version)
Anmerkungen zu „Methoden der
Manipulation“ & PDF
seit 2007
Ergänzende Themen und
weitergehende Recherchen
bei Scribd
FAQ zum Manuskript
Die Vier-Elemente-Lehre
Philon von Alexandria
Die esoterischen Grundlagen
des Christentums
Einige Kopien liegen hier
Methoden der
Manipulation
(nur teilweise aktualisiert)
Ideen für eine
bessere
Wirtschaftsordnung
95 Thesen über die
Notwendigkeit einer
zweiten Reformation
Blicke in eine
andere
Wirklichkeit
2009
Aktuelle Versionen
bei Scribd

- 46 -